t ! K v n r a d i ». Ein Trauerspiel in fünf Aufzügen. Von 1784- Personen. Attl »sn Ans«», König N°N Sicilie». Graf von Flandern, de« König« Schwege». Ronradin, Herzog von Schwabe» NN» Erbe »VN Dieilie». Friedrich, Herzog von Oestreich. Heinrich, Prinz von Kastilien. Graf Galvano. Graf G-hrhar» von pifa. Hurnei», ein schwäbischer Ritte». Heinrich, Truchseß von Waldburg. Robert Gar!, ProtonorariuS von Sieikien. Staat« r Eecretair. Guido Suzzarr«, «in Rechtigelehrter au« Mv»ena. r-g»t. Llisabeth, Wittwe König Konrad«. Kitter. Darone, Räche. Snndik. Soldaten. Wichte» de« Kastell«, Dothen. Zwei, Weiber. Volk. in den Ebenen be» TaMcvrzs, und dann zu §smmkung Die Scene ist ykeopel, Erster Aufzug. .Erster Auftritt. t!ag«k Kcnradins in d«n Ebenen tey Tazltacozzo. Elisabeth. Ritter Hurneis. Ritter -Hurneis. zwey Heere liegen einander so nahe, daß sie sich ohne Gefecht nicht mehr trennen können. Jeder Augenblick kann entscheidend; seyn. Gnädige Frau, ich soll Euch auf die Trennung vorbereiten, und mit hundert Rittern zurückgeleir len. König Konradin wünscht, daß es heute ger schätze; die Gefahr seiner Mutter würde ihn im Schlachtfeld ängstigen, und dort muß Kopf und Herz frey seyn. Elisabeth. Ich soll ihn »erlassen; soll ihn vor solch einem Augenblick nicht mehr sehen! R>t» -4 K o n r a d l ri. Ritter Hurneis. Ihr werdet ihn sehen, Königin, er wird hier den lczten Segen und Kuß von Euch holen. Elisabeth. Den lezkcn, sagt Zhr? Riner -Hurneis. Zch sage, er wird Euren Kuß und Segen holen. Elisabeth. Vielleicht den lezten. — Wohin seht Zhr so scharf, Ritter HurneiS? Rinet -Hurneis. Nach dem Lager Karl- von Anjou. Mich deucht, ich sehe Bewegungen dort. Elisabeth. Und mein Schn? mein Kurd? Riner -Hurneis. Unter seinen Völkern. Seht über die Ebene weg! Seht Ihr? Mitten unter der deutschen Schaar; sie drängen sich in dickem Schwarm um ihn. Elisabeth. Zch seh! ich seh! Ritter -Hurneis. Friedrich von Oestreich sprengt ihm »ach. Elisabeth. Der Freund seiner Herzens! Arme, beraubte Waisen! — horch, ich höre Was- sengrräusch! — horch! Ritter -Hurneis. Die spanische Reuterey empfängt ihn. Heinrich von Kastilien, wilder ale sein arabische« Roß, an ihrer Spitze. Mich deucht, man rüstet sich zur Schlacht; dir Völker betör* ze» sich. Eli-- Ein Trauerspiel. »5 Elisabeth. ZuriSchlacht? Soll eine Schlacht über Krön' und Leben entscheiden? O Äurd, mein Sohn! Ritter -Hurneis. Zur Schlacht, sag' ich! Er wollt' es so, Ihr wolltet's so! Elisabeth. Zch wollte nicht, denn ich fürchte» re diesen Tag. Ritter -Hurneis. (mürrisch.) Das deutsche schwä- Lische Erb zu verpfänden und zu verkaufen, um einem König, den der Papst und seine Stärke schüzt, das Reich abzudringeu! Elisabeth. Ts ist sein, väterliches, sein angeerbtes Reich! Ritter -Hurneis. Zu kühn, als daß es der Jugend nicht gefallen sollte. — der lezre Zweig von Hohenstaufen! Elisabeth. Mein Sohn! Mein Kurd! Ritter -Hurneis. Ihr hättet ihn abhalten soll len, bis die deutschen Fürsten mehr vereint, und mehr bey Kräften, dem Dann des Papst'« hätten trotzen mögen. Nun liegt alles auf dem Spiel. Elisabeth. Schont meiner, Ritter! War ich nicht immer darwider? Wie lang Hab' ich dagegen gekämpft, wie sehr ihn gebeten, er mögt« sich mit seinem deutschen Erbe begnügen, bis die Umstände mehr für uns wären! Ich fühlte die Ger. fahr, einen Jüngling von achtzehrn Jahren, den , «inzü 16 K o n r a d i n. einzigen Sohn, kn ein so kühnes Unternehmen zu verwickeln. Die lezte Gesandtschaft aus Sicilien, der Zuruf Roms und aller Gibellinen,,und mehr als alles dies, der Muth, der von seinen Vorele tern auf ihn erbte, siegte über all meine ängstliche Vorstellungen. Wer mag der edlen Ruhmbegierde der glühenden Zugend Einhalt thun? Da Einhalt thun, wo schreckliche Beleidigung, gerechte, auf uns geerbte Ansprüche ihr das Wort reden? Wie sollte nun die Mutter dem geliebten Sohn wider» stehen, der sich dem vollendeten Mann gleich rü» stet, di« sichersten Maaßregeln nimmt, seinen vätere liehen Thron zu erobern? Dieses drang mir eine Einwilligung ab, welcher mein mütterliches Herz widersprach, in welcher sich mein Geist gefallen wägte, und die meine Nächte schlaflos macht. Ich bitt' Euch, fügt Eure Vorwürfe nicht zu meinem Kummer. Ritter -Hurneis. Vergebt mir, ich spreche als Schwabe für das verlohrne Vaterland. Eure Sohn fühlt als königlicher Erbe, und ich als ein grauer, deutscher Ritter, der den stillen Lauf des Neckers dem brausenden Meer vorzieht, das Si» cilien umfließt. — Sie ziehen sich hierher; der König kommt, und Sieg ist seine Miene. Elisabeth. Ihr nehmt mirs wiederum vom Herzen. -wei« Ein Trauerspiel. «7 Zweiter Auftritt. Konradin. Friedrich von Oestreich. Deutsche, spanische und römische Ritter. Ikonradin. Meine Mutter, wir müssen uns trennen, ich hoffe, nur auf kurze Zeit. Elisabeth. Ist es so weit? Ronradin. So weit, als ich es langst wünsch/ te: denn um diesen Tag zogen wir hierher. Wie »räg schlich mir die Zeit von dem Augenblick dieses rühmlichen Entwurfs bis zur Stunde des Aust schlags! Die Unruhe, der Tumult meines Geistes, dem Zeit, Entfernung und Aufenthalt zur peinlü chen Qual ward, alles verschwand, da ich Karl'» von Anjou gegen mich gelagert sah. Zch bin nun ruhig. Elisabeth. Gieb auch mir von dieser Ruhe; denn so lange die Wage innen steht, bin ich dein» ängstliche, besorgte Mutter. Friedrich von Ocstreich. Flästen Euch dies« edle Männer kein Zutrauen ein? Giebt Euch der Muth unsers zahlreichen Heers keine Sicherheit? Zst die Gerechtigkeit unsrer Sache nicht ein G« fühl, das unserm Feind das Her; bricbt? Hat Karl'n von Anjou, der Sieg über seinen Fcldherrn und über seine Flotte nicht kleinmürhig gemacht, .Kling. Theater i. Th. D UNd Konradin. iS und gezwungen seine lezte Kraft aufznbicten? Hat nicht Sicilien, bis aus wenige Städte, Euren Sohn als König erkannt? Glaubt mir, Karl von Anjou ist in diesem Augenblick nicht so ruhige als wir. Elisabeth. Er hat nichts als ein Reich zu verkehren, das ihm ungerechte Hände gaben, und wir alles. Dritter Auftritt. Heinrich von Kastilien. Vorige. -Heinrich von Kastilien. Hier ist ein Legat des Papsts, der Euch fragen will, König, ob Ihr, den Bannstrahlen seines Oberhaupts zu Trotz, Euer väterliches Erbe zu erobern wagt! Ronradin. Laßt ihn eintreten, Prinz Heinrich. Elisabeth. Mögte er ein Dole des Friedens seyn. Friedrich von Gestrcich. Sie bringen den Deutschen nichts als Unglück. Vierter Auftritt.- legat. Vorige. Legat. Meine Botschaft ist an Euch, He» zog von Schwaben l Hein« Ein Trauerspiel. ,9 «Heinrich vc>n Rastilicn. (heftig) Köniz von Neapel und Sicilien, und zu Jerusalem, Legat, samt Apulien. Wollt Ihr hören? Ronradin. Laßt ihn, Prinz HeinrichWir nehmen, was er uns nicht geben will. Was bringt Euch hierher, Legat? Nach dem Dann des Papst-, dacht ich Euch nicht mehr zu sehen. Legar. Dankt es der Milde des heiligen Vaters, der auch den Verirrten seine Arme öffnet, nm sie von gänzlichem Verderben zu retten. Von Viterbo aus fiel nochmals sein Dann auf Euer rebellisches Haupt. Eure Hartnäckigkeit, Eure übermüthige Aufführung in Rom, drang ihn den frommen Lippen des Vaters der Kirche ab! Er fiel auf Euch, Herzog von Oestreich, der Ihr, einem verlohnten Abemheurer gleich, an dm Fersen eines Rebellen hängt, und tollkühn mit in das Verderben rennt! Er fiel auf Euch, Prinz Heinrich von Kastilien, und Senator von Rom, Feind der Kirche «nd des Glaubens! Auf Euch, Ihr Ritter, Euer Heer, Euren Anhang, alle Städte, die sich für Euch erklärt haben, von den Alpen bis an die äußerste Spitz» Siciliens! Die Kirche stößt Euch aus ihrem heiligen Schooß, ihr Dann überliefert Euch Euren Feinden, der Rache des Himmels nach diesem Le, D - den. 20 Konradin. den, und Eure Spur werde vertilgt auf dem Erd, boden I Elisabeth, czum-Himm-l.) Allgüt wer, den die Vermessenheit der Menschen zum Werkzeug ihrer Rache macht, wende dein Ohr von ihnen ab! hör auf den Segen einer angstvollen Mutter, entfer, ne das gedrohte Unglück von dem Haupt dieser unglücklichen Waisen, und ihren edlen Berthcidigernl — Ach, mein Kurd! Ronradin. Faßt Euch, meine Mutter! wir Deutschen sind mit dem Bann von lange her be- kandt, und wir gewöhnen uns an sein Gebrüll, wie an die wiederholten Schläge des rollenden Donners. — Still, Heinrich von Kastilien! Zhr Toben lehre uns Sanstmuth. Was habt Zhr weiter zu sagen, Legat? Legat. Segen für Fluch, wenn Zhr durch Niederlegung der Waffen, durch Dcmüthigung und gänzliches Ergeben in den Sckooß der Kirche zu, rückkehren wollt. Widrigenfalls werden die ge, segnete Waffen des Königs von Sicilien, gleich rächenden Dienem des Himmels, Eure Vermetz senheit strafen. Zhr habt — . -Heinrich von Rastilicn. Zch bitt/,' laßt mich reden — laßt mich reden! Ronradin. Still, Prinz! Seine Sache ist zu reden, und unsre zu handeln. Fahrt fort, Legat! L«- Ein Trauerspiel. 21c Legat Ihr habt ganz Italien in Aufruhr gebracht. Habt die Völker gegen ihr Oberhaupt den Papst, ihre Fürsten empört, und in den Dann der Kirche verflochten. Habt als ein Verbannter, Rom durch einen trotzenden Einzug entehrt, und den Vatcr der Kirche von seinem heiligen Sitz vertrieben. Euer Anhang kam aus Tunis mit einer Schaar Ungläubigen, und rief Euch in Sir ciiien als König aus. Ihr zogt König Karl'n,- durch Euer gewaltsames Eindringen, von dem Krieg gegen die Saracenen ab, den ihm der Papst auftrug, das Land von ihnen zu reinigen. Was habt Ilr auf alles dies zu sagen, Herzog Konrar bin? Laßt Euch jugendliche Hitze, die Frechheit Sur res Heers und Anhangs keine rasch« Antwort abr dringen. Bedenkt die Gefahr, worin Ihr scyd; rin. Augenblick zerstiebt dieses trotzende Heer, da- sich mit Kirchenraub befleckt hat! Ronradin. Auf alles dies Hab' ich Karl'n von Anjou mit dem Schwerdt zu antworten; denn schon längst haben Euch meine gerechte Vorstellungen und Ansprüche schamroth gemacht. Ich bin Konrads, Königs von Sicilien einziger Sohn und Erbe. Der Papst hat dieses mein Erbreich Karl'n von Anjou zur Lehn gegeben, und «inen Theil davon als'.Lohn für sich/genommen. So ward mein sreyes, von meinen Vorfahren tar D z pfer Konradin. rs pfer erworbenes Reich abhängig vom Papst; Karl von Anjou schwur als Vasall den Eid der Treue, und verpflichtete sich zum jährlichen Tribut. Meine Unterthanen haben mich gerufen, der Härte ihres unrechtmäßigen Besitzers, und den Eingriffen Noms ein Ende zu machen. Ich bin mit meinem Heer nach Italien gezogen, mein Reich den Räubern zu entreißen, und in seine vorige, alte Frey« heit zu setzen. Dies sind meine Verbrechen: des Papsts Schuldigkeit war's, mich als einen unmündigen Waisen in Meinen Rechten zu schützen, und dazu forderte ihn mein sterbender Vater in seinem lezten Willen auf. Der mich beschützen sollte, ward mein Räuber; und so hat mich seine Ungerechtigkeit früher zum Mann gemacht. Sagt dem Papst, Zhr habt den lezten Hohenstaufen gesehen, in dem seine Väter wieder erwachen sollen, um die deutsche Nation von seinen entehrenden Fesseln zu be< frcyen. -Heinrich von Kastilien. Laßt mich reden l Friedrich von Gestrcich. Laßt mich reden! Die Rirrcr. Laßt uns reden! Konradin. Genug! von meinem Schwcrdt will ich Sicilien, und nicht vom Papst, nicht als Lehn des Papsts. Woher schreiben sich des Papsts Rechte auf die Reiche und ihre Beherrscher? Soll ein Dannstrahl auf uns geerbte Ansprüche zerschnitt- Ein Trauerspiel. 2z schmettern? unser frenrS, deuksches Blut stocken machen? Freyheit und Recht ist der Ruf meines Herzens, der Ruf meines Heers, und der soll den Dann von Viterbo niederbrüllen! Friedrich von (vcftrcich. Es werden Zeiten kommen, wo dieser donnernde Jupiter im Purpur und der drenfacheu Krone zu den Deutschen wandern wird, um seiner sinkenden Macht einen Schatten von Ansehen zu erflehen; und dann wird der Nebel von den Augen der Menschen fallen, und Euch ins Dunkle scheuchen, woraus Euch Schwachheit des Geists und Aberglaube gezogen haben. Das sag ich Friedrich von Ocstreich, auch der lezte Zweig dieses Hauses, auch meiner Erblande schändlich beraubt, die ich in den Siegen meines Freund's wiederstnde. Legat. Ist dies alles, was Ihr dem heiligen Water antwortet? Nonradin. Alles! Legar. Wollt mit dem Bann der Kirche beladen , mit Karl'n von Anjou schlagen? Nonradin. Will! Legat. Ich kenne dies und kenne den deutschen Starrsinn. Ich spreche diesen Augenblick nicht als Legat, ich spreche zu Euch als ein Mann von Erfahrung. Dies alles sind Träume einer glühenden Jugend, «o das hochschwellende Herz zu ge- B 4 wag- -4 A o n r a d i n. wagten Unternehmungen laut schlägt, 'und den Ausgang davon so leicht fülsst, als es die Entstehung annimmt. Wahrlich das Merkzeichen aller großen Männer; aber nur der glückliche Ausgang stempelt sie dazu, die Verunglückten stehen in der Liste der Waghälse, oder fallen in Vergessenheit. Lonradm. Das kann ich; aber nie mein« Rechte und die Ungerechtigkeit meiner Feinde. Legat. Ihr habt Euch von Eurem Anhang, dem Schein eines glücklichen Fortgangs blenden lassen. (auf Prinz Heinrich deutend.) Dieser Ungläubige, dieser Pseudochrist, dieser Saracene, hat Euch durch den erzwungenen Zuruf in Rom betäubt. Die Besteigung des Kapitols unter Frcudcngeschcep und Trvmpetenklang hat Euer junges Blut in Wallung gebracht, und in diesem Taumel scheint Euch der Tag einer Schlacht einem feierlichen Einzug zu gleichen. Ronradin. Legat, Ihr zwingt mirs ab ! Ich Hab auf dem Kapitol gefühlt, was ein junger, deutscher Fürst, in dessen große Ansprüche sein Her; schlägt, da fühlen mußte, wo Männer wie Eure Vorfahren gewandelt haben. Ich Hab dorten gedacht, daß ein Reich mit dem Schwerin zu erobern noch mehr werth iey, -als ein Reich, das uns un- bestritlne Erbfolge im Schlafe giebt. Ich empfand die Wärme, die wir beym Erinnern an gro- S» Ein Trauerspiel. -5 ßr Minner fühlen, wenn sich unser eigner Werth, »der das volle Streben unsrer Seele in die Bilder mischt, die unser Geist aus ihren Gräbern ruft. Scipio und Cäsar riefen mir zu: Du bist der Erbschaft deines Vaters werth, wenn du siegst, und bist ihrer werth, wenn du nicht siegst. Mit all Euren Erfahrungen werdet Ihr mich nicht um das Gefühl bringen, das ich dann haben werde, wenn ich Schild an Schild, Schwerdt an Schwerdt mit Karl'n von Anjou liege. Elisabeth. Edler Kurd! ich höre deinen Vater. Die Ritter, (unter sich.) Er ist ein Mann! -Heinrich von Rastilicn. Redet ihm nichts von alten Römern und ihrer Denkart vor. Ken ner ist ihm weder wachend noch träumend erschienen, und er liest ihre Geschichte bloß des Lateins wegen; ich versichre Euch, seines gleichen sehen die Ueberreste ihrer Vorfahren mit Schauder an, und der Geist, der aus ihren colossalischen Ruinen blickt, jagt ihrem christlichen Herzen den Gedanken ab: Ihr send gleichwohl verdammt? und mehr und weniger denkt er Euch nicht bey Reguls Opfer und Brutus Dolchstichen. Legat. Prinz von Kastilien, ich weiß so vi«< von großen Männern, daß ich weiß, Ihr scyd keiner. v r Hein- 26 K o n r a d i n. H:inrich von Rastilicn. Ahr gefallt mir, in der That, und scheint den Maaßstab der wahren Größe in Euch selbst zu tragen. Möcht't Ihr aus dem was ich gethan habe, schließen, was ich allenfalls noch werden könnte. Legar. Was ich werden kann, bin ich nicht. Was Ahr send, Hab' ich noch zu sagen. Elisabeth. Prinz! Legat. Laßt ihn, königliche Frau! er schlägt mit der Hand an. den Felsen, seine Zunge ermüdet eher als meine Geduld. Heinrich von Rastilien. Ja, ich will reden! Unter dem Schutt der großen Römer krochen mit Eurem Glauben Pfaffcrev, Kabale und scheußliche Jntrigue hervor, die zusammen fraßen Euch alles edle.Gefühl vom Herzen, ließen Euch nichts übrig als die Herrschsucht ohne Kraft, die Zhr nun durch lFesseln unterstützt, die aus Aberglauben, Unsinn und mißverstandner Furcht vor'm Himmel geschmiedet sind. Elisabeth. Ach bitt' Euch, laßt unangetastet, was das Werk eines Höhern ist. Legat. Eure Lästerungen zerschlagen sich am Gewölbe des Himmels, und Eure Thorheiten reifen auf Eurem Haupt. Heinrich von Rastilicn. Dey meinem Roß, ich will davon reden. Bin ich nicht Senator von Rom, Ein Trauerspiel. r? Rom, und muß wissen was daran ist? Sr ist ein lustiges Ding um den Stuhl Pcrri, eine wahn hafte Abschattung des Kapitals, der Neste der Weltbchrrrscher. Legar. Ihr ras't, was Herzog Konradin mit einer Würde fühlt, die das Herz seiner Feinde selbst um sein Schicksal bekümmern würde, wenn sie ihn hörten. Ihr sryd durch den Papst Senator von Rom geworden, so unwürdig Ihr dieser Würde auch sepd. Nun bellt Ihr gegen den Papst, weil er Euch nicht schnell genug die Hände zu Euren Absichten auf Sardinien bot. -Heinrich von Rastiltcn. Hier steht ein Mann, der nrich zum König von Sardinim machr, Trotz Euch. Legat. Ihr habt Euren Bruder, den friedfertigen König Alfons» verlassen, weit Euer tolles Her; nirgends Ruhe hat. Ihr floht nach Tunis unter die Saracenen, und sogt die Meinungen und Neigungen der Ungläubigen ein, ward't zum Abtrünnigen des Glaubens, in Kleidung, Worten und Thun. Eine entdeckteVerschwörung, die Zhr gegen das Haupt dieser Ungläubigen unternahmt , warf den Jnfant von Kastilien abermals als Abentheurer in die Welt. Ihr kamt nach Sir cilien, Euer Vetter, König Karl, nahm Euch auf, und verschaffte Euch durch sein Austhn bevm Papst sz Konradin. Papst die erste Würde Roms, das Ihr bald mit Kirchenraub, Schandthaten und Gewalttätigkeiten erfülltet. Kaum erschien Konradin von Schwaben, so fallt Ihr ab vom Papst und Eurem Vetter, und um die Kirche gänzlich zu zerstören, laßt Ihr Euch unter dem Vorwand mit den Sara- cenen ein, sie als HülfsvSlker für Konradin zu werben, um sie nach gutem Erfolg gegen ihn selbst zu brauchen. Seht, edler Herzog, dies ist der Mann, der Euer Unternehmen in Italien leitet. - -Heinrich von Rastilicn. Ihr sprecht im Geist Eurer Schule. Dies zum Beweis, daß ich Euch kenne. Ich habe gerechte Klagen, habe gerechte Forderungen an meinen Vetter, Karl'n von Anjou. Ich borgte ihm vierzigtausend Goldgulden, um's gegen seine Feinde aushalten zu können; als ich sie »inforderte, um'« auf Sardinien auszuführen, hielt er mir das Geld ein, und unternahms mit eben dieser Summe auf Sardinien. Ist der Raub Siciliens nicht hinreichend für seine Gierde? Sagt dem Papst, ich will ihn und Karl'n von Anjou an der Spitze meiner Saracenen aus Tunis und Lucera heimsuchen, und mit dem Schwerdt der Ungläubigen falsche Christen Gerechtigkeit lehren > und zum Beweis, Legat, daß ich keiner nach Eurer Weise bin, mögt ihr den Pseudochrist an den Znfav Ein Trauerspiel. 29 Infamen von Kastilien hängen, so lang Ihr wollt. Zhr thätet besser, Zhr giengt! Mein Blut hak unter den tapfer» und gerechten Saracenen, den natürlichen Lauf wicdergefunden, den Ihr zu Eurem Besten von Jugend auf in uns zu hemmen sucht. Ich habe an der Afrikanischen Küste den Schlamm abgewaschen, wodurch Ihr die beste» Kräfte der Menschen erstickt. Sagt Karl'» von Anjou, daß, wo ich mit ihm zusammenstoße, sein Leben mein Raub sey! Er oder ich muß sterben; Hört Ihr? Antwortet Zhr nicht? Er muß sterr den oder ich! Wollt Ihr dies hören? Elisabeth. Prinz! Ronradin. Ich bitt' Euch, endet! -Heinrich von Raftilien. Warum spricht de» Mann nicht? will er mich mit seiner gelogenen Geduld zum Zorn reizen? Kann er nur zittern? O ich möchte diesen römischen Köpfen, gleich euren» zweiten Prometheus, den alten Genius wiederum einblasen. Die Außenseite ist ganz dieselbe, ganz das alte Gepräge, nur die Päpste haben ihre» wahren, innern Gehalt durch Ablässe und ihre Kniffe umgesetzt. O ich Hab Männer unter diesen Saracenen gesehen! Ich Hab mit Männern unter diesen tapfem Ungläubigen gelebt, die ganz der Handschrift entsprachen, welche die Natur mit kühnen Zügen in ihr äußres riß. — Pfuy, sag ich! ich Konradin. Ss ich bin ein Türke sag' ich, wenn ich einen Eures gleichen reden höre. Konradin. Werdet Ihr nie aufhören zu tolr len! -Heinrich von Kastilien. Ich will ein Mur selmann werden, sag ich, bevor ich mit solchen Leuten wiederum leben will, das will ich, so wahr ich einen Araber reite. Konradin. Ich habe keine Zeit Eure Tollheit ten anzukören. Heinrich von Kastilien. Vergebt! Ich denr ke an mein wildes Pferd. Prinz Heinrich ist ein toller Kopf, daß er sieb mit Pfaffen necken mag. Lcgar. Ich bin zu keinem Wahnsinnigen ger samt. — Hört mich zum letztenmal. Ihr feyd ein edler, treflicher Prinz, und Euer Schicksal ängstigt mich. Ihr kennt Karl'n von Anjou als einen Helden, dem Euer Onkel Manfred unterger legen, dem alles gewichen. Ich rache Euch zum Vergleich! -Heinrich von Kastilien. Za, ja, man verr gleicht sich über Königreiche, wie über eine Thesin der Scholastik. Fangt Unterhandlungen an. Kör nig, bis Euer Heer durch die Hitze, böse Dünste und pestilenzialische Krankheiten aufgerieben wird. Hat diese List der Papste Italien nicht immer zum Grabe fremder Heere gemacht? Kon- Ein Trauerspiel. zr Ronravin. Ich dachte, Ihr wolltet ruhig sey»! Legal. Wenn nun der heilige Vater den Kö- uig von Sicilien dahin brachte, daß er durch seine Tochter Beatrix diesem Vergleich Gewicht und Kraft gäbe, und sich diese verheerende Zwietracht durch eine glückliche Vermählung endete? Königin Elisabeth, meint Ihr nicht, daß daraufzu hören'' sey? Elisabeth. Ich bitt? dich, Kurd, hör auf den Legaten! -Heinrich von Rastilien. Merkt Ihr den Geist des Konclave nicht? Hört doch darauf, König, entlaßt Euer muthiger Heer, sie körnen Euch mit einem Weibe, bis Ihr ohne Hände dasteht. Ronravin. Meine Rechte sind gut unterstützt, Legat, und so beschaffen, daß ich mein Reich weder der Tochter meines Feinds, noch den krüglichen Vermittlungen des Papsts verdanken will. ,DieS find meine letzten Worte. Legal. Und dies die meinen. Als Euer Heer -ey Viterbo vorbtMg, sah der heilige Vater Euch und Friedrich von Oestreich an der Spitze desselben in wilder, tobender, unüberlegter Jugend, auf Euren Rossen dahinsprengen. Mitleiden und Nachdenken deckten seine väterliche Stirne. In prophetischem, von Gott verliehenem Geiste, sah Klemens 32 Konradin. mens der Vierte die Zukunft in langem, traurigem Gewände, ihren zitternden Lippen entfiel die schreckliche Weissagung: Was fürchtest du heilige Kirche, was fürchtest du Karl von Anjou, diese kühnen Waghälse? Sie ziffien den Schafen gleich zur würgenden Schlachtbank, und dieses Heer wird wie der Rauch vorm Wind zerstieben. (ab.) -Heinrich von Rastilien. Ich will Euch begleiten, denn im Lager brauchen wir keine Prs- phetcn. ca»-) Ronradin. Laßt mich einen Augenblick 'mit nieiner Mutter; es ist der Abschied. Der erste Trompetenstoß versammelt Euch hier zum Kriegsrath. (Alle gehen.) Friedrich, bleibe; es ist auch deine Mutter. Sieh wiegebeugt sie ist! wie die kübnen, dem Rath des Himmels schnöd vergreifenden Worte des frechen , ihr mütterliches Herz mit düsterer Ahndung füllen. Friedrich von Mestreich. Laß sie einen Augenblick, ihr guter Sinn wird bald diese eitle Drohungen für tückische Kunstgriffe unsrer Feinde anse- hen. Elisabeth. Und wenn es eintrafe, Kurd! Ronradin. So gäbe nur der Zufall ihrer Kühnheit «inen Anstrich von Wahrheit, und dieser Zufall weicht der Entschlossenheit. Eli- Ein Trauerspiel. ZZ Elisabeth. Kurd, ich soll dich verlassen! Friedrich von Gestreich. Um uns siegreich Iviederzusehen. Ronradin. Um mich als Eroberer meines vi, trrlichen Reich) zu umarmen. Laßt den Much wiederum in Euch aufleben, mit welchem Ihr weine Jugend unterstützt, und die edlen Gesinr nungen meiner Väter in mir erweckt habt. Elisabeth. Eben darum, weil du so geworden bist, so ihnen gleich. Ronradin. Dies muß Euch Zutrauen geben, und so denkt mich besser als ich bin. Euer treuer Hurneis soll Euch mit hundert Rittern folgen, um Euch gegen Unfug der Guelphen zu schützen. Elisabeth. Behalte sie, du hast ihrer Hände yithig; wie gern wollt' ich dir die meinen geben; aber sie sind schwach, ich kann sie nur für dich und Leine Streiter zum Himmel heben. Ronradin. Zieht mit ihnen, Mutter. Hum Lert Schwerdter mehr oder weniger entscheiden nicht; ich bin ruhig wegen Euch, und das ersetzt tausende. Elisabeth. O mein Kurd! Ronradin. Ihr seyd König KonradS Witwe, und Deutschland nannte Elisabeth von Dayem, wenn es von einem entschloßnen Weibe sprach, dies haben mir graue Ritter gesagt. Elisabeth. Damals hakt' ich noch nichts verlohren. Klmz. Theater l. Th. C Frie» 34 Konradin. Friedrich von Gestreich. Es ist natürlich, königliche Elisabeth, Ihr fühlt als Mutter, wo wir nur Männer sind. Elisabeth. Schlägt dich meine Weichheit nie« der, Kurd? Sich, ich bin schon gefaßt. Wenn meine Desorgniß Wolken auf deine Stirne zieht, so verjagt dein Kummer den meinigen. Zch bitte dich, Kurd, wage dich nicht vermessen in der Schlacht, an deinem Leben liegt alles; sie schlagen sich für dich, und wenn du durch Kühnheit ihren Tod fruchtlos machst, so schreit ihr Blut gegen dich. Folge deinem Onkel Manfred nicht nach, der sich bey heftigem Widerstand wüthend in die ' Feinde warf. Du bist die Seele deines Heers, nach deinen Handlungen messen sich die ihrigen ab. Sey kalt, klug und tapfer am rechten Ort! Ronradin. Beruhigt Euch; ich werde thun, was Pflicht, Stand und Ehre fordern. Elisabeth. Friedrich, seyd unaufhörlich auf seiner Seite, und wenn er sich vergessen will, so ruft ihm zu: Denk an deine verlaß»« Mutter. Weicht nicht von ihm! Friedrich von Mesircich. Können wir uns verlassen? Ist mein Schicksal nicht in seinem Herr zen, und seins in dem meinigen? Er und ich! tihn umarmend.) Ronradin. Mein Bruder! Eli- Ein Trauerspiel. 35 Elisabeth. Und Eure Mutter! Lcive. Unsre Mutter! Ronradin. Ein Schiksal! Friedrich von Gestreich. Ein Leben! Ronradin. Ein Herz! Ein Schwerdl! Elisabeth. Eine Mutter! Eure Mutter! Auf iur Schlacht! Dringt mir die Zukunft näher. Schlagt nun Karl'n von Anjou, zieht dann nach Deutschland, das Erbe Friedrichs dem räuberischen Ottocar von Böhmen zu entreißen. Ronradin. Gute, liebe Mutter! Elisabeth. Nur bitt' ich dich, hüte dich für Prinz Heinrich. Sein Herz ist wild, und sein Mund fließt ungestüm über. Laß dich nicht «von dem Schimmer seiner Gedanken, und der Kühne heil seines Muths blenden. Bleib immer gelassen und männlich, Kurd, wir werden Meister des Schicksals, so lange wir's von uns sind. Vermeir de die Verbindung mit den Saracenen, dein Heer ist zweymal stärker als der Feind, dank deinem Volk allein den Sieg! Ronradin. Fürchtet nichts! — Ritter, Ihr fühlt was ich Euch vertraue, ohne sie haben Kror nen keinen Reiz. Ritter -Hurneis. Eure Worte und Denkart flhnen mich aus; denn vorhin dacht' ich an die. Schlacht, so aber nehm' ich's gem auf mich. ^ E 2 Ron« z§ Konradin. 2 onradin. Stoßt in die Trompete? Elisabeth. Schon jezt? Ronradin. Es muß seyn! Meine liebe, edle Mutter, lebt wohl. Elisabeth. «m s«in«m Hals.) Lebewohl, Kurd! Friedrich, lebe wohl! — Noch ein Lebewohl! — Kurd, noch halt' ich dich in meinen Armen — Einziger Trost meines Alters! Einzige Stütze der wenigen Tage, die ich noch zu leben habe! — Lebt wohl! Lebt wohl und siegt! (mit Ritter Hurneis ab.) Ronradin. (gedankenvoll.) Werd' ich sie Wiedersehen? Friedrich von.Gestreich. Kurd! Bonradin. Nur dein Ton ist männlich, nur dein Gesicht gefaßt; dein Herz gleicht meinem. Friedrich von Oeftreich. Die Ritter kommen. Bonradin. Zch bin da! Fünfter Auftritt. Heinrich von Kastilien. Graf Galvano. Graf Gehrhard von Pisa. Ritter. Vorige. Bonradin. Was für Nachrichten vom Feind? Heinrich von Bafkilien. Karl von Anjou rüstet sich. Eh' 2hrs Euch verseht, wird er Euch ««greifen. Ich kenne seine, kühne Weise. Bon« Ein Trauerspiel. 37 Ronradm. Was rächet Ihr? -Heinrich von Rasiilien. Die Schkach zu vermeiden, bis wir uns mit den Saracenen in Lucera vereinigt haben. Ronradin. Die Vereinigung' ist sehr gefährlich , und kann unsre Sache in die Länge ziehen. -Heinrich von Rastilicn. Ich bitte, Hirt mich aus! Ihr, König, macht eine Bewegung mir Euren Deutschen gegen die Anhöhen, während die Grafen hier einen verstellten Angriff auf die Brücke machen, die König Karl selbst beschützt. Ich lehne meine spanische Reuterey an den Fluß, meinen Rücken von den Höhen gesichert, und decke der Grafen Rückzug, indessen habt Zhr die Anhöhen bestiegen. Denkt, daß der Fluß zwischen uns und dem Feinde liegt, daß zu einem Uebergang Zeit gehört. Seht Ihr jene Höhen, sie ziehen sich an einer Wand immer fort, und wir finden überall sichre Lagerplätze. Ich setze meinen Kopf darauf, Laß Karl glaubt, wir wollten seine Rechte gen-in- nen, und sich in eine andre Stellung wirft. Sind wir mit den Saracenen verbunden, so haben wir einen festen Platz im Rücken, lagern uns zwischen Neapel und sein Heer, und zieht er uns nach, so will ich keinen Harnisch mehr anlegen, wenn wir ihn nicht lebendig fangen; oder für immer von sei' nein Reich abfchneiden. Bedenkt, daß rS sein C z Vor- Ko nradin. SS Dortheil ist zu schlagen! Bedenkt, daß man den Fuchs mit List jagt, und daß er's ist! Ronradin. Friedrich, Herzog von Oestreich, Eure Meinung! Friedrich von Oestreich. Wir sind dreyßig- tausend Mann stark, uud der Feind zählt kaum zwanzigtausend. Ich räche zum schnellen, entscheidenden, unterstützten Angriff. Wenn Ahr Such mit den Saracenen verbindet, so zieht Ihr Euch Haß zu, und außerdem müßt Ahr sie hernach be< kriegen, wenn Ahr König seyd, und das wäre schlecht gelohnt. -Heinrich von Rastilien, Bekriegen! Ha, das soll der König nimmer! Er mag den Papst, die Guelphen bekriegen; aber nicht die tapfern Samtenen. Er soll sie nicht bekriegen! Ronradin. Seyd Ahr schon wieder Feuer? Was sagt Ahr, Graf Galvano? Galvano. Ach halt' es mit der Meinung Prinz Heinrichs von Kastilien, Ronradin. Und Ahr, Graf Gehrhard von Pisa? Gehrhard. Ach bin für den Angriff. Ronradin. Und Ahr, edle Ritter? Die Rirrer. Gott und Konradin, wirschlagen heute, und ohne die Ungläubigen. Ronradin. Wirschlagen! Die Ein Trauerspiel. Z9 Die Rirrer. Und siegen! -Heinrich von Rasiilien. Mein Rath war Vorsicht, und nun weil Ihr wollt, bin ich für die Schlacht. Greift zuerst an, es ist in der Natur des Menschen, daß der Angriff unser Herz erhebt, wahrend cs dem Feind das Gefühl unsrer Ueberle- genheit ausdrängt. Ronradin. Wir wollen! -Heinrich von Rastilien. Schildknapp! Meinen TiegcrMeinen tollen, tapfcrn Araber! Meine Waffen aus Tunis! Ich will ein Türke scnn!— Fliege! Ich will Karl'n von Anjou mit dem Schwerdt der Ungläubigen morden! Ronravin. Scpd Ihr fertig? -Heinrich von Kastilien. Ich höre! Ronravin. Ihr, Prinz Heinrich, nehmt mit Euren stolzen Spaniern den linken Flügel, und greift Karl n bry der Brücke an, die er, wie wir wissen, beschützt. Euer kühnes Feuer geh' in That über, erwerbe mir mein väterliches Reich und Euch Sardinien. Ihr, Grafen, nehmt unsre Rechte mit Eure» Landslepken und der römischen Neuterey. . Der Tag, der mir die Krone gicbt, zerbricht das Joch Noms. Eure Belohnung,- edle Grafen und then- re Ritter, haben die Franzosen und der Papst in- nert; Eure Tapferkeit gleiche meinem Dank. C 4 Frie- 40 Konradin. Friedrich von Oestreich und ich nehmen die Mit» te mit den Deutschen, und durchbrechen den Strom, sobald Heinrich von Kastilien die Drücke hält. Wir leben heute einen großen Tag, und nun das Wort: Gott und Konradin! Die Rirrer. Gott und Konradin! Ronradin. Stoßt in die Trompete? wenn wir uns Wiedersehen, sei- Sieg unser Wort! Lebt wohl, Prinz Heinrich, Ihr liebt solche Stunden. Heinrich von Raftillen. Und suche sie. Ronradin. Tapfre Grafen! Eure Miene ist Freude! Lebt wohl, nach der Schlacht wollen wir rede»! cau« ab.) Friedrich von Oestreich. Daß wir über die» sen Augenblick wegfiiegen könnten! Ronradin. Mit Nichten, wir wollen ihn ganz genießen, nur solche Tage sind des Lebens werth. — Arme, bangvolle Mutter! das Loos ist geworfen und die Entscheidung hängt mir gleich einem düstren Gewölke vor den Augen. — Ein Schicksal! Friedrich von Oestreich. «ich umarmend.) Ein Schwerdt! Ronradin. Ein Leben! Friedrich von Oestreich. Ein Grab! (°b.) (Sine Pause, «ährend welcher man wilde Schlachtmusil hört.) Sech« Ein Trauerspiel. 4r Sechster Auftritt. Sin« buschigle Anhöhe mit vielen Sold»t«n besetzt. König Karl auf- einem Felsen. Graf von Flandern. Legat. Ritter. Boten. Legat. ES ist mir gelungen, KSnig, denn als es mit meinen Vorschlägen nicht .fort wollte, macht' ich Euren Vetter Heinrich so verdächtig, daß sie gewiß an keine Vereinigung mit den Sara« eenen mehr denken. Röntg Rarl. Weisheit ist eine Gabe des Hin» mels, die habtZhr; ich danke Euch. Legat. Werdet Ihr mit dieser Reutrrcy fem vom Treffen bleiben, und nicht in die Ebene zu Euren Vslkern stoßen? Röntg Rarl. Dieser gedankenvolle Mann, Graf von Flandern, mein Schwager, will .es so. Wir Hallen uns hier mit achthundert auserlesenen Reutern im Hinterhalt, um ihnen den Sieg aus den Händen zu reißen, wenn es noch Zeit ist. Er hält das Feuer meines Herzens; doch bin ich nicht gewiß, ob ich ausdauren werde; denn ich weiß nicht, was Stillstehen an einem solchen Tage ist. Legat. Mit List besiegt man den Uebermuth. (Man hört Trompeten und Kriegtgekchrey von der Sben« her.) L r Röntg 4L K o n r a d i n. Rönig Rarl. Ha! sie greifen uns an! —. hört Ihr-! Mein Heer erwiederrs! — Graf von Flandern! Schwager! — Geht, geht, ehrwür- diger Legat! hier wirds nicht lange mehr ruhig senn. Bittet Gott für mich, und bestellt Messen von hier bis Viterbo. Empfehlt meine Sache dem heiligen Vater, das ist, dem Himmel! Legat. Eure Waffen sind von ihm gesegnet. Glück dem König von Sicilien! (ab.) Lönig Rarl. Schwager Flandern, kann ich's hier aushalten? Mögt Zhr den tobenden Ungestüm meines sieggewohnten Herzens fesseln? Es gilt um eine Krone, Flandern, die zum Spiel die« ser Schlacht steht! Ha, ich seh' Euch an, daß Zhr keine zu wagen Habt, daß Ihr die Vorzüge nicht fühltet, die sie »ns über die Herzen der Mein schon giebt! Werdet Ihr nicht rede»? Graf von Flandern. Eben diese Krone will ich Euch erhalten. Mein Ungestüm gleicht sonst dem Euren, nur heute half der Eurige meiner Klugheit auf. — Befehlt den Reutern, daß sie sich stille halten, und daß sich bey Lcbensstrafe keiner sehen lasse. Rönig Rarl. Sie verstehen mich, - Graf von Flandern. Sehl Zhr etwas von dieser Seite, König? Rönig Ein Trauerspiel. 4Z Röm'gKarl, Wildes Gewühl! wildes Gewühl! sie stürmen auf mein Herz, sie greifen nach meiner Krone. Was sehr Ihr? Graf von Flandern. -Gewühl und Streit! Rönig Rarl. Schickt der Marschall Csusanr ce keine Boten? Geht alles nur vorwärts? Graf von Flandern. Desto besser, so gewinnen die unfern Feld. (Ein Bote.) Rönig Rarl. Was bringst du? Lore. Das Treffen ist blutig, und noch unentschieden. Prinz Heinrich griff zuerst die Brücke an, die der Marschall Cousance deckte. Heinrich bestürmte sie tollkühn; nachdem ihn der Marschall dreymal abgeschlagen hatte, warf sich der Kastilier an der Spitze der h-anischen Reuterey in den Fluß. — Rönig 2barl. Ha, der tollkühne Ungläubige? und er entkam, die Fluchen verschlangen ihn nicht? Bore. Er erstieg unsre Ufer; seine Abgesandten Haufen fanden Führten gegen den Ursprung des Flusses, und stürzten von allen Seilen auf uns. Rönig B-arl. Und meine Provencalen sprengten sie nicht in Fluß zurück? Heiliger Gstt! wo ist deine Rache? Widerstunden nicht? Sclavcn entscheiden über meine Krone! Wid^stunden nicht? Erschlugen meinen tollen Vetter nicht? Bore. 44 A » n k a d i n. Bore. Die Berge ertönten von dem Schlag ihrer Waffen; sie lagen Lanze an Lanze, Schwcrdt an Schwerin, und wichen nur dem Tod, dann nur, da sie die Spanier ganz umringt hatten, begaben sie sich auf die Flucht. Rönig Rarl. Schande und Verderben vernichte die Feigen! Flieg' und bring beßre Nachrichten! — Schwager! laß mich losbrechen, und diese treulosen Provencalcn in die Schlacht treiben. — Ha, Ihr sprecht nicht? Graf von Flandern. Später Sieg ist auch Sieg. Geduldet Euch! was seht Ihr? Röntg Rarl. Sie weichen! weichen! weichen ! — Mein Pferd! es gilt um ein Königreich, das ich dem tapfren Manfred in der blutigen Schlacht bey Denevento mit seinem Leben entriß, das mir nun ein unbärriger Jüngling nehmen soll. Laßt mick, meine Soldaten vermissen mich. Graf von Flandern. Was seht Ihr nun? Rönig Rarl. Nerdammniß! Reitet nach der Kapelle, und laßt die Mönche zu Gott rufen, daß sie stehen! 0 daß ich Stirn an Stirn gegen diesen tollen Vetter stünde! er entreißt mir meine Krone. Meine Anverwandten bringen mich um mein Königreich, dieser mit seiner Kälte, und der Sara- «ene mit seiner wilden Tapferkeit. Graf von Flandern. Was seht Ihr nun? Rönig 45 Ein Trauerspiel. Löliig Rarl. Flucht! Flucht! Nur der Don« ner des Himmels kann sie mit Schrecken an Do« den wurzeln. Mein Pferd! (Ein Bote.) Hast du Zeit zu keuchen, da ein Königreich an deinen Lippen hängt? Lore. Der Hohenstaufen hat mit den deute schcn Schaaren den Fluß durchbrochen. Röntg Rarl. Und meine Franzosen? Lore. Hohenstaufen ist Herr von unsrem Ufer, und drängt gewaltig vor. Rönig Rarl. O mein Königreich! (man hbrt Siegsgeschrey.) Ich höre Triumph! Heule! Heule! Lore. Siegsgeschrey der Deutschen! Hein« rich von Kastilien hat den Marschall Cousance erschlagen, den sie, weil er in Euren Waffen stritt, für den König hielten. Rönig Rarl. Er ist meiner Rache zuvorgekommen. Lore. Er starb «ie ein Mann! Prinz Heinrich gab ihm die erste Wunde, und da man ihn für den König hielt, wollte jeder Verwegne seine Rar che an dem Schatten der Majestät ausüben. Er starb von tausend Wunden bedeckt. Rönig Rarl. Daß ich so viel Zungen hätte, «m den Fliehenden Much zuzuschrepen!—Laß mich los, Schwager! Graf 4 § K o n r a d i n. Graf vsn Flandern. Euer Leben, Eure Krone und ganzes Glück besteht in diesem Hinterhalt. Zch kenne die Deutschen, und weiß, daß sie unüberlegt vom Sieg auf die Beute fallen; so wollen wir sie in Zerstreuung und Unordnung angreir fcn, und ihnen de» Sieg aus den Händen reißen. Rönig Rarl. Schwager! Schwager! Geduld ist der Balsam der Narren und Schwachen! Graf von Flandern. Was seht Ihr, König? Rönig Rarl. Schändliche Flucht! Graf von Flandern. Das sich' auch ich! Rönig Rarl. Heiliger Vater! Verbannte sie« gen über deinen Sohn! über die Stütze deiner Kirche! (Ein Dote.) Lore. General Clerac läßt Euch sagen, auf Eure Rettung zn denken. Alles flieht. Rönig Rarl. Einen Strick für seinen Rath! — Weg! Weg.' Graf von Flandern. Stehen die Deutschen noch in Ordnung? Lote. Sie fallen auf die Deute, plündern die Leichname, und kehren mit Raub beladen in ihr Lager zurück! Prinz Heinrich verfolgt die Flüchtigen, Graf von Flandern. Laßt mich sehen! cEr steigt auf die Stelle des Königs, geht etwas derwärts, s» ' daß man ihn einen Augenblick aus dem Gesicht« berliehrk.) Rönig Ein Trauerspiel. 47 RLnig Rarl. Nun rekle! Läßt er mich allein? ohne Krone? ohne Völker? —- bete, heiliger Var ter! bete ! (zum -Himmel) wenn ich zu Grund gehen soll, laß cs langsam geschehen! — Achthundert Reuter gegen ein siegendes Heer! — Flandern, es kostet dein Leben! Graf von Flandern. Nun laßt sehen, was unser Arm vermag! Nun laßt uns auf da« Lager der Feinde stürmen ! Jezt zwingt uns die Noch zu schlagen, auf der Flucht ist keine Rettung mehr! dies wollt' ich! König, Ihr seyd von den auscrle- sensien Reutern umgeben, laßt uns wagen, was das kühne Herz wünscht, und wir werden das Schlachtfeld als Sieger behaupten. Eben sah ich Euren Vetter zurückziehe»; ich werde mich mit einem Thcil unsrer Remeren von Euch abziehen, ihn angreifen und eben so plötzlich weichen, er wird mir nachsetzcn, Ihr greift ihn an, ich wende mich, fall' ihm in die Seilt, wir schlagen ihn, und stürmen das Lager, bevor sie Zeit haben sich wieder zu stellen. Rönig Rarl. Gott! unter dessen Schutz die Franzosen immer' fochten, laß heule dein geliebtes Volk nicht ganz vertilgt werden! Gieb uns über unsre Feinde einen Sieg, den die Nachwelt für ein Wunder halten wird! Rette uns aus ihren Händen zur Verherrlichung deines Namens! Und 48 Konradin. Und Ihr, tapfre Picarder, Thellnehmer meines Schicksals, ohne welche ich nie Ruhm suchte, noch wünschte, helft mir diese übermüthiZe Feinde überwinden, gebt mir meine Krone wieder. Euch erwartet Ruhm, Ehre und alles Glück, was die- se Krone sterblichen mittheilen kann. Die Soldaten. (einer nach dem andern.) Für Eu- re gerechte Sache fallen, sey unser Preis! Wir haben unter Euch gelernet, das Leben zu veracht ten! Wir folgen Euch in' Tod! (Mehrere.) Fallen wir, so müsse Karl von Sick lien allein übrig bleiben! Bönig Barl. Zu Pferd! Zu Pferd! Siebenter Auftritt. Lager Krnradins. Kriegsmufik und Siegsgeschrey. Konradin. Friedrich von Oestreich. (halten sich umschlungen.) Graf Galvano. Ritter. Bonradin. Sieg! Sieg! o meine Mutter! (Schrey im Lager.) Es lebe »er siegreiche Konradin! König von Li« cilien! Bonradin. Welch ein Tag! — lauter! lauter ! — hat man Karl» unter den Todlen gefunr den? Galva» Ein Trauerspiel. 49 Ealvüno. Eure Soldaten plünderten dieWaft fen. Seine Wunden haben ihn unkenntlich gemacht. (Men hbrt Kriegsgeschrei) und Trompeten.) Ronradin. Ha, erwachen die Erschlagenen? Haben sich die Flüchtigen gesammelt? Wo ist Prinz Heinrich? Friedrich von Gestreich. Auf dem Rückzug! Achter Auftritt. Prinz Heinrich. Vorige. Bote. -Heinrich von Rastilien. Zu den Waffen! zu den Waffen! In Ordnung! Man greift da« Lar ger an! List! List! Karl lebt, wir haben seinch Scharten erschlagen. Er fiel auf mich mit frischer Realeren, die ich in der Ferne für Eure Nilker hielt. O ich! Hab' mich gehalten! Sie umschlungen meine Reuter, und rissen sie vom Pferd, da sie nicht weichen wollten. E« sind Tieger! O daß ich zweyhundert Saracenen hier hätte! daß ich ein hundert hier hätte! — Sammelt Euch! Sam' melt Euch! (Bote.) , Feindliche Reuterey zieht über die Brücke. -Heinrich von Lastilicn. Fort! Fort! (tin Kling. Theater l. Th. D K o n r a d i n. («in andrer Bo»«.) Sie brechen von allen Seilen ins Lager, und kein Mann steht. Rsnradm. Es gilt um I alles, um erhaltnen Sieg, um Frevheit und Leben! Zu den Waffen! sammlet die Schaaren! (alle ah.) Neunter Auftritt. Kriegsgeschrey und Trompeten. (Man hört nach einer Weile König Karl in Entfernung x von innen.) Kein Quartier! kein Quartier! nach dem Ho/ henstaufen! nach dem Hohenstaufen! nach mei, nein tollen Vetter! Eine Truppe ziehe nach der Straße, daß sie sich nicht zu den Saracenen rttr ten! Schwager Flandern, hau't links ein, dort sammelt sichs wieder. (bald hierauf hört man Traf von Flandern auch von innen.) Sieg! Sieg! König setzt nicht nach! setzt nicht nach! Laßt sie fliehen, und uns für viele taufende halten; werden sie unsre kleine Anzahl gewahr, j» setzen sie sich wieder l Kehcn* Ein Trauerspiel. z. Zehenter Auftritt. König Karl und Ritter. Rönig Rarl. (auf dir Knie fallend.) Laßt mich dem Himmel für diesen wunderbaren Sieg danken! — (steht auf.) Was für Gefangene sind umgebracht? Ein Riner. Graf Galvano und sein Sohn. Diele deutsche und römische Ritter. Rönig Rarl. Und der Hohenstaufen? Ritter. Er hielt sich lang und föchte, dann floh er, und die zusammengerafften Deutschen deck» ten feine Flucht. Rönig Racl. Halben Sieg! ein Fürstenthum für seinen Kopf! und mein toller Detter? Ritter. Alles flüchtig. Rönig B>arl. Ihnen nachdem Hohenstaur fen nach! Elfter Auftritt. Graf von Flandern. Vorige. Gras von Flandern. Ich bitt' Euch, König, halt't vow Verfolgen ab! laßt sie fliehen, bis sich die unfern wieder sammle»! Es ist alles unser, und wir können auf dem Schlachtfeld lagern, misr» Flüchtigen an uns ziehen, und sie dann verfolgen! D -» Rönig ,Z2 Konradin« Lönig Karl. Zch bin Euch meine Krone schuldig! Graf von Flandern. Ich hielt was ich versprach. König Karl. Zn den Ebenen von Tagliacozzo will ich der heiligen Zungfrau der Siegerin eine Abtey stiften, und mit Schätzen bereichern. — 'Ha! die rebellischen Sicilianer sollen unter meiner Strenge erliegen. Uebergebt die Gefangenen den .Knechten, die Rache erwartet sie in Neapel.. Graf von Flandern. Es sind Ritter, und tapfre Ritter, und Kriegsgefangne; ich bin' Euch, geht so mit ihnen um. König Karl. Zch weiß was ich thun muß. In des Hohenstaufen Zelt will ich dem heiligen Vater die Siegespost, schreiben, und dann wollen wir zu Tagliacozzo das Te Deum singen, (zu d-n «vid«t°n.) Piccarder, alle Deute ist Euer! Euer König ist Euer! , Zwei- Ein Trauerspiel. Zweiter Aufzug. Erster Auftritt. Königlicher Pallast in Neapel. König Karl. Graf von Flandern. Staatssecretair. König Karl. fertigt dem Frangipani die Schenkung der Herrschaft Pilosa de» Benevento, für di« Ueberr lieferung des Hohenstaufens und seines Gefolgr aus. Sraarssecrerair. Sie ist ausgefertigt. König Karl. Schickt ihm Gold obendrein: er sey reichlich belohnt und trage ihr Blut; denn «r hatS verkauft. Graf von Flandern, (für sich und gedankenvoll.) Zhr Blut I sollt' er's so meinen? Sraarssecrerair. Es sind Abgeordnete der vor« nehmsten Städte Eures Königreichs hier. König Karl. Was wollen die Rebellen? Sraarssecrerair. Sie klagen, und bitten der müthigst, vorgelassen zu werden. König Karl. Worüber klagen sie? D ; Sraars- 54 K o n r a d i ri. Graaisfecrerair. Ueber die Vermehrung der Auflagen, die Gewaltthätigkeiten und Erpressun, gen Eurer Soldaten, die keiner Eurer Generals bestraft. Bönig Barl. HSn sie nicht an! Ohnmacht und Unvermögen werden ihr Theil, nur dadurch, Staatssecretair, rottet man den Samen des Auf« ruhrs, aus diesen feurigen SchwindelkSpfcn. Sraarssecrcrair. Besonders sind die Klagen aus Kapua über Eure Picardische Reuterey er« schrecklich. Sie erfüllen die Stadt und das Land umher mit Greuel; Eure Unterthanen verlassen ihre Hauser, und wir wissen nicht mehr, wie wir sie abweisen sollen. Bönig Barl. Mit Strenge! es ist erlogen l der Sicilianer haßt den Franzosen, das ist der Grund, und Eure sanften Worte machen sie über- müthig! Was? meine rechtschaffne Picarder, die meine Krone mit'ihrem Leben erkauften, während diese mein Ansehen mit Füßen traten? Meine Picarder sind eine Schaar Männer, die ihres gleichen in Europa nicht hat, und ich bin ihr Haupt. Graarssecrerair. Doch blieben Palermo und Syracus treu, und sie stehen das nemliche aus. Bönig Barl. Rechnen sie an, was ihre Schuldigkeit ist? Ihr Trotz mißfällt mir. Fertigt sie ab, und sagt ihnen, daß nichts als Unterwerfung und Ein Trauerspiel. Zf und Geduld ihr verdientes Schicksal ändern kann. (Slaaksseirrtair geht niedergeschlagen ad.) Was seht Ihr mich an, Schwager? Graf von Flandern. Ihr wißt Länder zu »n »bern, aber nicht zu regieren. B>önig Larl. Das ich doch von Euch nicht lernen werde! Graf von Flandern. Ich Hab das Herz zu sagen, was dieser Mann dachie, und KönigKarl mag seinen Schwager mit Geduld anhören. Während Ihr die gelindesten Verbrechen Eurer Unterthanen mit unerhörter Strenge straft, und ihnen täglich neue Lasten auflegt, trotzt der übecmü- thige Soldat auf Eure Nachsicht, und macht Euren und aller Franzosen Namen in diesem Lande zum Abscheu. Ihr werdet, durch Erpressungen die Sicilianer arm und ohnmächtig machen, aber nie das Gefühl der Menschheit, ihrer Rechte und natürlichen Kräfte in ihnen so weit ersticken, daß sich nicht das Gift der stillen und tückischen Rache in ihre Herzen nisten sollte , um einst desto gefährlicher loszubrechen, da sie die Maske der Erschlaffung an sich trägt. Dcrzweiflende Unterthanen sind dem mächtigsten König furchtbar. Eure S« cilianer gleichen ihrem Aetna, der Jahrhundert« Verheerung in seinen Eingeweide» sammelt, und wenn er losbricht, weicht Erd' und Meer seinem verzehrenden Grimm. D 4 »ö- Konradin. . Z6 Lönig Larl. braucht starke Bilder, Schwager; aber sie schrecken keinen König. Graf von Flandern. So sollte es das letzte Beyspiel. Würden sich die Sicilianer auf daS Zureden einiger Waghalse, für den unglücklichen Hohenstaufen erklärt haben, wenn Eure Unter« drückungen sie nicht längst begierig gemacht hätten, das Joch abzuschütteln? Sieht nicht jeder eingeerb« te König die Liebe seiner Unterthanen als die Veste seines Throns an? Wie vielmehr der Er« oberer aus einem andern Volk, dessen Thron sich bloß auf augenblickliche Gewalt gründet, den jede Bewegung deS aufrührischen Haufens erschüttern kann. Rönig Larl. Ich Hab' noch nicht vergessen, was Ihr zu dem Sieg über den gefangenen Ho« henstaufen bevgetragen. Graf von Flandern. Ich half ihn meinem tapfren Schwager erfechten, den. ich seiner großen Eigenschaften wegen bewundere; und nicht dem Bölkerdrückenden, dem nach Schätzen geizenden König. B.önig Larl. Dieses Urtheil fället der beschränk« te Haufen über jeden König, der stark und männlich auf seine Rechte hält. Eure Mäßigung ge« rvaun mir einen Sieg über meine Feinde, nun sieg't die meinige über meinen Unwillen, und wahrlich, Flandern, dieser Sieg ist für einen König schwerer. Ein Trquerspi.el. 57 rer. Eure Grafschaft erwartet Sure mäßige Re- gierurig, und meine Schwester ihren Gemahl. Graf von Flandern. Ich versteh' Euren kal< ten stolzen Blick; aber noch entfernt er mich nicht von Neapel. Ich Hab' Euch etwas zu sagen, das Euren Ruhm betrifft, und das will ich, wenn Ihr beßren Muths seyd, Ich sehe den Legat, (ab.) Zweiter Auftritt. Legat. König Karl. Rönig Karl. Willkommen, ehrwürdiger Legat'. willkommen in Neapel'. Seitdem wir unnichtgesehen, haben sich unsre Sachen sehr verändert. Legat. Wozu Euch der heilige Vater Glück wünscht, wie zu Eurem wunderbaren, von ihm erbemen Sieg. König Karl. Ich banke ihm, Legal ich weiß, -aß ich den Sieg seinem Gebet schuldig bin, auch Müsse die Kirche die Früchte davon cinerndtcn. Legat. An dem Tag, an welchem Zhr den Hohenstaufen schlugt, predigte der Papst in Viterr bo, fünfzig Meilen wie Ihr wißt von Tagliacozzo. Mitten in der Rede überfiel ihn eine prophetische Entzückung, und er rief: In diesem Augenblick D ; wer» rs Konradkn, werden die Feinde der Kirche geschlagen. Diese göttliche Weissagung ging von Mund zu Mund, und erfüllte alle Herzen mit Ehrfurcht. Habt ihr davon gehört? Rönig Rarl. Zch hab's gehört; es ist außer* ordentlich, und beweist die innige Verbindung des Statthalter Gottes mit den Geheimnissen des Himmels. Legat. Beweist, daß Euch der Himmel als die Stütze seiner Kirche schützt. Er erklärte sich abermals für Euch, da er das Herz der Frangipa- ui lenkte, Euch Eure Feinde zu überliefern, hierzu wünscht Euch Klemens vorzüglich Glück, denn nur dies befestigt Euren Thron. Rönig Rarl. O ich habe sie! ich habe den Hohenstaufen, den Oestreich, die vornehmsten seines Anhangs, und den Vetter Heinrich! Legat. Ich traf Heinrich von Kastilien unweit des Thors. Hat ihn der Abt von Caffino überlassen? Rcnig Rarl. Er nahm mir Verpflichtung für sein Leben ab, die ich halten will. Legat. Es wäre nicht gut den König Alfonso, seinen Bruder zu reizen. Enge qualvolle Gefangenschaft nage seinen stolzen, ungläubigen Geist auf. — Was habt Ihr über die Gefangenen beschlossen? RS- 7 Ein Trauerspiel. 59 Röntg Rarl. Ich Hab ein Gericht von Baronen und Rechtsgelehrten berufen, die mögen sprechen. Leger. Eure Meinung, König? Röntg Rerl. Es sind meine Feinde. Leger. Und Feinde der Kirche. Röntg Rar!. Und meines Throns, die alle kühne Entwürfe in meiner Brust fesseln. Leger. Was habt Ihr beschlossen? Röntg Rarl. (auf und ad) Beschlossen? Das Gericht wird sprechen, nicht ich l — Was denkt der heilige Vater von diesem Fall! O daß mich seine göttliche Weisheit leiten mögte. Leger. Was habt Ihr beschlossen? Rönig Rerl. Habt ihr keinen Auftrag an mich? Ich möcht' in Eurem Herzen lesen'. Leger. So lest dann und laßt Euch den Fingerzeig des Himmels leiten. Rönig Rarl. Er ist der letzte Zweig von Hohenstaufen. Leger. Mit ihm sterben alle Ansprüche auf Eure Krone. Es giebt Augenblicke, worin der König zum Besten seines Reichs vergessen muß, daß er Mensch ist. Röntg Rarl. Leiht mir Euren Rach! Leger. So lcsst die Worte, die warnenden, vielfassenben Worte, die Klemens auf diese Medaille .prägen ließ. Rö« 6c> Konradin. Rönig Alarl. ^1or5 eüonrsälni, Vlt» Osroll! Vit» Lvrirsstini, kckor» Lsroli! — Legat, spricht Klemens, mein Vater so? Legat. Mein Auftrag ist zu Ende; ich bin nach Deutschland bestimmt, Zwistigkeiten bcnzule- grn. Ivlorr Oonrsäini, Vit» Laroli! VitsLon- rsäiai, klors Lsroli! (ab) Rönig Txarl. Zch kann übersetzen! KonradinS Tod, Karls Leben! KonradinS Leben, Karls Tod! Tod soll diesen Knoten lösen? Einer von uns? Blut soll die verwüstenden Zwistigkeiten, unter denen Reich und Lander leiden, aussöhnen. Ich versteh dich, heiliger Vater, deine Worte geben meinem Geist den^Entschluß, welchem sich der schwache Mensch nicht so leicht zu überlassen wagte, (zum Himmel) Rechne mir ihr Blut nicht zur Sünde, zum Besten deiner Kirche, nicht für mich, Hab' ich Sü cilien erobert, zu ihrem Besten will ich's erhalten. Mir gab's dein Statthalter, ihm verliehst du, zu binden und zu lösen, und wolltest, daß wir uns seinem heiligen Ausspruch blindlings überließen. Dein Knecht ist zu schwach, den geheimen Schlüssen, woran das Schicksal der Menschen hängt, nach- zuforschcn! Meine Sache ist für dich mit dem Schwerin drein zu schlagen, und dich in Ehrfurcht «mzubeten! Drit- Ein Trauerspiel. 6i Dritter Auftritt. Protonotarius Robert Bari. König Karl. Robett Bari. Der Abt vom klonte Lakiiro überschickt Prinz Heinrich, Euren Vetter. Was befiehlt Ew. Majestät? König Karl. Man füht'tz ihn zu dem Hohenstaufen, bis ich einen festem Ort für ihn ausfinde. 'Indessen mag er den Gefangenen mit seinem Wahnsinn die Zeit vertreiben. — Alles läuft zum Ende ; mein Herz soll leichter werden. Sind die Barone und Rechtsgelehrten zum'Gericht über den Hohenstaufen angelangt? Robert Dari. Alle. Auch der berühmte Rechts- gelehrte Guido Suzzarra aus Modena, dessen großer Ruf und bekandle Rechtschaffenheil dem Gerichte viel Ansehen geben wird. Das Gericht kan» sitzen, wenn Eure Majestät bestehlt. König Karl. Gleich! gleich l Protonotarius j es gilt ums Leben deines zroßmüthigen Königs, wie du selbst sagst. Hier liegen all meine Aussichten , all meine Eroberungen beschränkt. Wie denken die Richter? Robert Bari. Noch nicht ganz, wie ich willf aber meine Beredsamkeit mag hier ihr Spiel treiben. Es ist natürlich, daß das Schicksal eines sch«- 62 K o n r a d i n. schönen, jungen Prinzen das Herz der Menschen rührt: sie sehen den unglücklichen Selm ihres vorigen Königs in ihm; aber diese schwächliche Eindrücke verschwinden vor der Klugheit, dem Glück des Reichs, und den eignen Vortheilen, -die jeder dabey finden muß. Dies ist die Saite, an welche ich so lange schlagen werde, bis Gold und Ehrgier, de eingreifen. König Karl. Dari, was kann anders diesem unglücklichen Königreiche und der Kirche Ruhe geben ? Robert Bari. Das Schicksal heischt ein Opfers Wer soll es seyn? Der siegreiche Karl; oder sein verwegner Gefangne? Hier beugt sich Recht und Gesetz. König Karl. Und unter diesem Ausspruch um ser Gewissen, (giebt ihm die Medaille.) Robert Bari, (liest.) — Die Stimme des Himmels richtet. — Darf ich dies brauchen? — Diese Worte retten Sicilien rizid vernichten den Hohenstaufen! (ah.) Vier- 6z Ein Trauerspiel. Vierter Auftritt. Gefängniß in einem Kastell, Konradin, eine Lame in der -Hand, steht durch ein kleines rundes Fenster mit eisernen Stäben. Seist Blick schweift hinaus, und er greift zu Zeiten Akkorde in däe Lauts, das er durch diese Scene hin uni» wieder wiederholt. Friedrich von Oestreich sitzt ist tiefem Nachdenken. Ronradin. Ich bitte dich, mein Theurer', komm hierher! Sieh, wir haben hier einen weiten Himmel, und einen freyen Blick über die See, und eine reiche Aussicht über die beiden Küsten. Mag dir eine Zunge beschreiben, was du da siehst! Man hat mir immer vieles von der Lage Neapels gesagt; aber was ich von hier aus sehe, ist mir ein Beweis, daß man sich in dem Mittelpunkt dies ses Schauplatzes der Natur befinden muß, um davon zu urtheilen. Friedrich von Gestrcich. Kurd! Kurd! Ein Loch, wo der Körper eines Erwachsenen nicht durchkann, und wo neidische, tyrannische Stäbe den spürenden Strahl deiner Augen brechen. Lonradin. Friedrich, um so mehr Reih hat, was du erhaschest; und dann muß man dem Geist mehr Ausdehnung erlauben, als du dein deinen , »erstattest. Fri« 64 Konradin. Friedrich von Bestreich. Und träumen, was du nicht siehst. R,onradin. Ebendas! Komm, ich will dir die Läge von Neapel beschreiben. Der junge Graf Galvano umerhielt mich davon, während du schliefst, er kennt sie, wie wir unser Loch. Das Kastell, worin wir sind, liegt in dem Mittelpunkt dieses Amphitheaters. Die See spielt an seinem Fel- senfuß, und es erhebt sich furchtbar dem Aug' in die Höhe. Friedrich von Bestreich. Und keiner geht vorüber, der nicht seufzend spricht, oder still in sich fühlt: Ach wehe deii, Unglücklichen, dessen Tage in diesen Mauren in Kummer, schrecklichen jAhnr düngen, und Seufzern nach Freyheit dahinschleichen. Mit Schauder läuft's ihm dwch's Herz, und nur «in Blick nach dem freyen Himmel sagt ihm, daß «r die edelste Gabe des Lebens genießt: Freyheit! Ronraviii. Du bringst mich von meiner Beschreibung ab. Stell' dich hierher! grab! — siehst du? Friedrich von Bestreich. Ewig rollend, «im förmig Wasser. Rotiradin. Und wenn du diesen Stab zerbre- chen könntest, würdest du die Znsel Capra aus den Fluchen steigen sehen. Es soll ein reizender Anblick styl,, sagt Galvano, wenn die rollende Welten Ein Trauerspiel. 6t len in dem Glanz der Abendsonne wiegen, und du wahrnimmst, wie sie einen Theil der schroffen Fell sen dieser Insel in Schallen wirft, während die andre Wand im Abglanz der Sonne schimmert, und sich weit in der See wiederspicgelt. Gestern sah ich ihre goldne Spitzen, und wenn du dich ei«, wenig anstrengtest, du würdest die Insel gewiß sehen. Friedrich von Oestreich. Kurd, ich sehe nur -ich und mich! Ronradin. Du hast Unrecht! Aus dir mußt du blicken! Und wenn mir Karl von Anjou nicht mehr Raum gegeben hätte, als mein Körper fassen mag, so solle' es ihm nicht gelingen, diesen uiy sterblichen, nach Lebe» und Freiheit dürstenden Geist, in diesen Bezirk zu fesseln. Friedrich von Oeftreich. O so trage mich Mit dir hinaus! Ronradin. Das will ich, über diese Welt weg. — Von der Linken hier magst du in der That «ine graue, mit Spitzen besäete Wand des Vesuv- gewahr werden. Liehst du? Friedrich von Oeftreich. Ich sehe sehr w-r vig, und ganz nackend. Ronradin. Die feurige Lava hat diesen Schrrr cken Neapels seit Jahrhunderten bedeckt, gießt sich immer wieder nach, und so wächst er gen Hin» Klin«. rh«at» l. Th. E wel. 66 Konradin- mel, öd' und wüst«, ein Bild der Zerstörung Tritt hierher! wenn du an dem See recht» forte gehst, so kommst du ar?den Poshlip, einen Gang, den die Römer durch Felsen gehauen haben, ein kühnes Werk ihres unternehmenden Geists. Durch Len Posylip gehst du nach Baja, dem Acheron und Len «Wischen Feldem. Auf drm Dorgebürg Mir sima hast du die prachtvolle Natur unter deinen -Süßen, die wette See liegt vor dir, das Land ist von Citronenr, Olivenwäldern und Weinbergen bcr Leckt — Friedrich von «Vestreich. Siehst du dies all? Ronradin. Dem Mahler gleich, der aus seit «er Einbildungskraft längst gesehene Bilder zusamr menmmmt. Wir» ein Mahler oder Dichter es hier weniger seyn? Zch denke, seine Einbildungskraft würde sich mehr entflammen, und erwürbe den erträumten Gegenständen einen Zug seiner Lage nnttheilen, und sie dadurch noch fühlbarer und an» ziehender machen. Eben so dring' ich nun in mein Königreich, eben so seh' ich das schöne Real pel, und über all diese Träume vergeß ich was wir sind. Dann freilich wieder, wenn ich dort hin- trete, durch dieses Loch sehe, und die stolze Burg sehe, aut welcher meine Vorfahren dieses alles als Könige beherrscht haben, und worin nun der harte Karl auf unfern Untergang sinnt, so zieht »nichS Ein Trauerspiel. 67 deinen Busen, und dann beklag ich nur dich', und verliehre mein Schicksal aus denAugen um des bei- pigen willen. Friedrich von Gestreich. Wir sind Gefangene! Du, dieses Landes König, so gut, so weich «nd stark! gefangen! Ronradin. Und habe einen Freund, der mich tröstet, ein Herz das kein Kerker cinschließt. — Ich will dir Vorspielen. Was die träge Zeit nicht aus uns macht. Nie Hab' ich dieses Instrument berührt, hier fand ich es, undj ward bekandt mit ihm. Gewiß war es die Linderung eines armen Gefangenen, der die Ewigkeit von Kummer und Qualen zu Zeiten damit still stehen machte. Sieh wie »ergriffen es ist, wie ringewachsen die Finger -in die Beugung! Ich Hab' ihm eine Melodie ab r gestohlen, nach und nach, viel ist nicht daran; aber sie stimmt in unsre Lage, (er spielt einig« Passagen) Warum fällt mir immer meine Mutter bey diesen Tinen ein? Friedrich, ich sah sie diese Nacht, und so traurig, so angstvoll — ich träumte zu schlafen. Diese kleine Pforte öffnete sich; sie trat herein und rief: Kurd! meine Söhne! du kennst den Klang, Len sie diesen Worten giebt. Dann winkte sie uns zu folgen. Wir sprangen auf, und dar rauhe Ge» plauder unsrer Gäste hier (auf die Wach« deutend) E , stahl S8 Konradin. stahl mir eine Täuschung, welcher meine Thräoev riachstürzten! Fünfter Auftritt. Heinrich von Kastilien. Vorige. -Heinrich von Kastilien. O mein König! mein Freund! Ronradin. Auch Ihr? -Heinrich von Kastilien. Auch ich! Ronravin. Ein unglücklicher mehr, dessen Hierseyn meinem Herzen zum Vorwurf wird. Wae rum habt Ihr Euch nicht gerettet? -Heinrich von Kastilien. O daß Ihr es wärt, «dler Prinz, daß ich Euch hier nicht wiedergefune den hätte! Ronradin. Ihr strittet für meine Sache, nur mich mußte die Härte des Schicksals treffen. Friedrich von Oestrcich. Wie hat man Euch ergriffen? -Heinrich von Kastilien. Heinrich von Kastb Nen ist durch einen Pfaffen gefangen. Als ich sah, daß Ihr Eure Deutschen nicht mehr zusammenrast fen konntet, und endlich selbst dem Sturm weichen mußtet, warf ich meine Waffen weg, und floh nach Monte Lassino. Um Mittel zu ersinnen, nach Lucer Ein Trauerspiel. 6- Lucera zu den Saracenen zu kommen, sagt' ich dem Abt, daß Ihr gesiegt hättet. Der Abt zwei« feite an meiner Erzehlung, .und weil Leute seiner Art einen Mann meiner Art zu hassen verbunden sich glauben, so überlieferte er mich meinem stolzen Vetter, nachdem er ihm den Eid abnahm, mein Leben zu scheuen. Lonradin. Ich danke dem Himmel für die Gewißheit Eures Lebens. -Heinrich von Rastilien. Ich danke für »ichtS, fühle nur Grimm und Haß, und wenn ich Euch ansehe, so möcht' ich laut gegen den hadern, der unser Schicksal leiten soll. Friedrich von Oesircich. Laßt ihm die Nu« he seines Herzens! -Heinrich von Aastilicn. Ein blindes, dum« mes Ohngesäh'-beherrscht diesen Ballen Erde! Wie, das edelste, schönste Werk der Natur in Euch so zu zerschlagen, und einem stolzen, hartherzigen, blutgierigen Sklaven des Papst«, Sieg! zu verlei« hen, der die Menschheit mit Füßen tritt s Zch sa« ge, eS liegt Unsinn darinnen, weiter zu denken, als an sein Roß und sein Schtverdt. Wir sind die Deute des Zufalls, der noch verwirrter und toller ist , als Heinrichs wahnsinniger Kopf. Ronradin. Faßt Euch! ^Euer Detter wird Euch Freyheit geben. L z -Hei'tt > -o Konradin. Heinrich von Rastilien. Zch denke nicht an mich; an Euch denk' ich. Um Eurentwillen möcht' ich dem kochenden Vesuv seine Flammen stehlen, und von hier bis Rom alles in Feuer setzen. — Aber sagt mir, wie scyd Zhr hierher gekommen? Zch dachte, Ihr wart gerettet. Ronradin. Eure Gegenwart hat meine Wun- den aufgeriffen. Zch bitte dich, Friedrich, er- zähl's ihm. (Während Friedrich von Oestreich erzählt, spielt er zu Zeiten.) Friedrich von Gcstrcich. Unglücklicher Tag! Lange irrten wir stumm und angstvoll in schlechten Kletbern herum; durchkrochen Berg und Wald, um sem Feinden zu entgehen. Endlich gelangten wir an die See, und hofften nun das Ende unsrer Gefahr. Unweit des Schlosses Asturo trafen wir einen Fischer, wir versprachen ihm Glück und Reichthum, wenn er uns in seiner Barke nach Pit sa oder Siena führen würde. Er nahm« an, und forderte Geld, Lebensmittel zu kaufen. Keiner von uns hatte etwas übrig behalten, und der König zog einen kostbaren Ring vom Finger, mit dem der Fischer nach dem Schloß ging, Lebensmittel zu kaufe». Kaum hatten wir die Höhe gewonnen, kaum die ersten Küsse der Freude auf ünsre Lippen gedrückt, als uns eine Brigantine mit vollen Segeln verfolgte. zZrangipani von Asturo hatte Ei« Trauerspiel. 7r Hatte aus dem Ring geschlossen, der Fischer müsse Flüchtige aus der Schlacht von hohem Range führ ren, und folgte uns. Er nahm uns weg', und führte uns auf sein Schloß zurück. Alle Vorstellung gen, Versprechungen und Birten des Königs, seiner Tochter, seines Wcib's Thränen rührten' ihn nicht; er überlieferte uns unserm Feinde. De» Lippen des Königs entfiel keine Klage mehr, nur zu Zeiten seufzte er nach seiner Mutter. Wir hielten uns umschlungen, bis seine hohen Gesinnungen Meister über seinen Schmerz wurden, und nun ist «r, wie Ihr seht! -Heinrich von Kastilien. Verdammt sey Frank gipani und seine Nachkommenschaft! Es ist lei» Gefühl unter Christen. Wie, diesem Jüngling, diesem königlichen Jüngling konnte er widerstehen? Ihn seinem ungerechten Räuber überliefern! S sanfter, melancholischer Musikus — Ihr bringt de» tollen Heinrich um den Verstand. Ha, seit wenn zieht männliche Stärke ein so weiches, jugendliches Gewand an ? Worüber lächelt Ihr, mein König? Warum seht Ihr mich so an? Ronradin. Eure Spanier fochten wie Löwen Hey Tagliacozzo, und ich sah den tapfcrn Heinrich von Kastilien gleich dem Kriegsgott an ihrer Spitze in die Schaaren der Provencalen stürmen. E 4 -Heins 72 K o n r a d i n. -Heinrich von Kastilien. Das thaten sie- bey meinem Leben! daß ich an der Spitze hundert seit eher Männer stünde, ich wollte Neapel stürmen und Euch in Freyheit setzen. Edler Hohenstaufen, daß Ihr meinem Rath beygetreten wär'tHakte Euch der Legat gegen mich vergiftet? Ihr haltet Verdacht, ich bitte Euch, sagt mirs. Ich fühlte ihn grimmig; aber Mißtrauen giebt mir immer meinen Werth zu fühlen, und legt den wilden Zorn. Konradin. Hier nehmt meine Hand! ich schwöre Euch, ich hatte keinen, (setzt sich und spien z» Leiten.) Friedrich von Oestrcich. (leise) Habt Ihr gehört, was man über uns beschlossen hat? -Heinrich von Kastilien. Gutes ist von Karl Nicht zu hoffen. Friedrich von Gcstreich. Leiser! Was? -Heinrich von Kachlien. In diesem Kastell wurde Manfreds, seines Onkels, Wittwe mit ih, ren Kindern crdroßelt. Friedrich von Gestreich. (mit Zittern.) Stift 1e! (Sin Ritter König Karls.) Das Gericht des Königs ladet Euch vor, Herzog von Schwaben und Oestreich, heute vor ihm zu erscheinen. Kon- Ein Trauerspiel. 7z Aonradin. (wirft die Laute weg. rasch.) Ha! du , verstimmst die Saiten meines Instruments. — Wer fordert mich? Wer kann einen König fordern? Friedrich von Gestreich. Ach Kurd! mein Kurd! Ronradin. (zu einem der Wache.) Seyd Ihr «icht Wächter dieses Kastells? wachrcr. Ich bins. Ronradin. Starb meine Tante in diesem Zimmer mit ihren Kindern? -Heinrich von Rastilicn. Erdrvßclt wurde sie mit ihren Kindern, auf Karl's Befehl. Friedrich von Vcstreich. Haltet ein! L^nradin. Erdroßelt! Schicksal! eine Königin ! eine Mutter mit ihren Kleinen! Wächter. O sie war eine Mutter! wie oft Hirt ich sie ihre Kinder mit Liebem und diesem In- ftrument in Schlaf singen. Noch vor ihrer letzten Stunde sang sie in diese Laute, und ihre Throne» mischten sich in ihren Gesang. Ronradin. Ist diese Laute von ihr? Wächter. Ihr einzig Glück. Ihr zum Andenken ließ ich's an diesen Nagel hängen. Ronradin. c-s käss-nd.) O meine Tante! ich bin dein Erbe! kostbare Reliquie! Meine Thronen sollen die deinigen von diesem leblosen Holz wieder aufleben! meine gedrängte Seele deine Kla- E r gen 74 Konrad in. gen herausziehen, deinen unsterblichen Geist her- beyrufen, daß er mich lehre zu dulden und zu tragen, was du littest, was die Begriffe der Menr schen übersteigt! Ein armes, schwaches Weist, zwey Kinder! und du verlassen mit ihnen! — Wie sagtet Ihr, crdroßelt? Ein Weib! eine Königin! meine Tante! des tapfer» Manfreds Weib! — Gieb 'mir Thronen, Friedrich! Friedrich von Gestreich. König! meinKurd! Lonradin. Was bin ich? Nanntest du mich König, Friedrich? — Weine nicht! — Kommt, Prinz Heinrich, hier haben sie uns einen Speisesaal angewiesen, er ist nicht viel größer als ein. ge, räumiges Mäuseloch; aber es läßt' sich darinnen »ortrcflich speculiren, und wen dieses Leben nicht zum träumenden Philosophen macht, der hat nie die Sonne gesehen, (ab.) -Heinrich von Rüftilien. (f-bligt a, die Unk Kükie) O ich habe kein Schwerdt mehr! («».) Drik- Ein Trauerspiel. 75 Dritter Aufzug. Erster Auftritt. Das versammelte Bericht. Ktnig Karl auf einer Erhellung. Protonvtarius Rar bert Bari und der St»rüsecrctair auf den Seiten des Königs. Barone und Ritter, rechts ; Graf von Flandern an ihrer Spitze. R-chtsgelehrten, links; an deren Spitze, Guido SHzarra. Syndik. Eine, Pause. König Karl. ^rotonotarius, da die Richter belehrt sind, eröffnet das (Gericht über den Hohenstaufen. Robcrr Bari. (stein-üf) Karl König zu Neapel eröffnet sein Gericht, über Konradin, den Hohenstaufen und seinen aufrührischen Anhang, Urtheilt nach Gesetz und Gerechtigkeit, Ihr Nicht ter; die Majestät entlaßt sich freywillig der unbeschränkten Gewalt, über seinen Feind zu richten. Richtet über den Hohenstaufen, Ihr berufne, freye, unbestochne Richter! Graf vor» Flandern. Das hoff' ich', nach Recht, und als freyer Richter. Robert Bari. Edler Graf, Ihr handelt ge« gen die Form; oder vielmehr, Ihr habt noch nicht »u 76 Konradin. zu sprechen. Wir halten uns hier an Weise und de» dürren Buchstaben des Gesetzes. Wer ist draußen? G/ndik. Konradin, Herzog von Schwaben; Friedrich, Herzog von Oestreich. Graf Galvano und sein Sohn. Graf Gehrhard von Pisa. Heinrich, Truchseß von Waldburg. Rebellen gegen die geheiligte Majestät König Karls, und den Papst. Verbannte der Kirche! Robert Bari. Spndik.' laßt den Herzog von Schwaben eincreten, ihr Haupt. Das Unheil schließt seinen Anhang ein. Heinrich von Kastilien hat der König gerichtet. Zweiter Auftritt. Konradin. Vorige. Robert Bari. Herzog von Schwaben, w» sieht Ihr? lkoitraöii». Nicht an meiner Stellt. Recht und Geburt haben mir nur diesen Ort angewiesen, lauf den Sitz K. Karls zeigen!».) Roberr Bari. Ihr .steht vor Karls, König- von Sicilicn Gericht. Ronradm. Ihr sepd meine Unterthanen, und könnt mich Euren König nicht richten. R»- Ein Trauerspiel. 77 Robert Bari. Wir kennen Karl von Anjou als einzigen König von Smlien. Ronradin. Md wär er König der Welt, ss kann er mich seines Gleichen nicht richten. Md wie nun, da er meinen Titel wider Recht führt? Robert Bari. Ihr habt auf Anklagen de« Gerichts, auf Anklagen der heiligen Kirche zu ant- Worten. Ronradin. So redet, denn ich bin in Eurer Gewalt. Robert Bari. Das Gericht klagt Konradin »on Hohenstaufen an — Graf von Flandern. Haltetein, Protonvtas rius, nicht das Gericht klagt an. Ihr klagt an im Namen des Königs, und das Gericht urtheilt nach diesen Klagen. ' RönigRarl. Fahrt fort! — Schwager, hier ist kein Schlachtfeld. Ich selbst unterwerfe mein kö- nigliches Ansehen dieser ehrwürdigen Versammlung; Euer Auffahren beleidigt meine Würde. Robert Bari. Klagt Konradin von Hohenstaufen an, als Störer der öffentlichen Ruhe, da rr mit einem Heer in das friedliche Italien gezo« gen, Städte und Provinzen in Aufruhr gesetzt, Kirchen und Klöster beraubt und verbrannt hat. Klagt ihn an alsstlebertreter der heiligen Befehle des Statthalters Gottes, der ihn aus väterlichem 78 Konradin. chem Wohlwollen, 'bey seinem kriegrischen Eintritt in Italien vermahnte, in Frieden zurückzuziehen,und seine Ansprüche vor seinen heiligen Stuhl zu bringen. Auf seine frevelhafte Hartnäckigkeit erfolgte der Dann, in welchem er gebohren ist, dem er und alle seine Borfahren getrotzt haben, in welchem sein Water sein Leben beschlossen! Klagt ihn an des Hochverrats gegen unfern König, dessen Reich er angegriffen, dessen Titel «r sich frevlend zugeschrieben l Klagt ihn an, daß sein Anhang, auf seinen Befehl, mit einer Schaar Ungläubigen au« Tunis, auf unsrer friedlichen Küste gelandet, die Unter- thanen von ihrem rechtmäßigen König abgerissen, und sie für den Herzog von Schwaben, mit Gewalt und List, in Eid genommen! Klagt ihn an, daß vorgeladener und gegenwärtiger Konradin von Hohenstaufen, Mörder abgesandt hat, unfern tapfer» und gerechten König zu ermorden. Klagt ihn an des Hochverrats! Klagt an de« Hochverrat« Friedrich von Oestreich! die Grafen, Darone und Ritter au« Deutschland, Spanien und Ztalien, und alle, die für ihn die Waffen ergriffen haben! Herzog von Schwaben, das Gericht erlaubt Euch zu reden. Ron- Ein Trauerspiel. 79 Rsnradin. Halte in meiner Brust, mein edles Herz— c«>ne Pause.) Liebe Herren, und tapfre Ritter, und wie ich hoffe, gerechte Richter! Ich weiß wohl, daß einem Gefangenen, der in der Gewalt seines Feindes ist , das Reden nicht viel nützt; weiß wohl, daß aus meinem Grabe die Sicherheit eines unrechtmäßig erworbenen Throns steigt. Auch fühl' ich lief, was ich mir vergebe, wenn ich mich vor diesem, meinem Feinde, und seinem Gericht verthei« ' dige. Doch ich bin so voll von dieser schrecklichen Lage, so beschwert! von diesen schändlichen Anklar gen, daß ich dem Ausbruch meines. Herzens nicht widerstehen kann. Wär ich ein vollendeter Mann, wie Ihr seyd, so hält' ich vielleicht Stärke genug zu schweigen, und mein Schicksal dem in stiller Größe zu überlassen, der Karl'n von Anjou und Euch einst für diese Stunde, in welcher Ihr mir das höchste Maaß des Elends zu fühlen gebt, richten wird; aber ich bin ein Jüngling, und so schreibt die Thränen, welche mir diese Erniedrigung und Anklage abnöthigten, n,einem zarten Alter zu. Noch vor kurzem halt' ich vielen Muth, diese Stunde hat ihn gebrochen; aber ich fühl' in mir das Herz meiner Väter, denen immer das äußerste Unglück und die gefahrvollste Lage die höchste Kraft der Geistes verliehen. Ro- 8o K o n r a d i n< Robert Bari. Eure Dertheidi'gung! Lonradin. Harter Mann, laßt meine Augen Lickt durch meine Tkränen finden! Laßt meine Zunge Worte in diesem Schmerz finden! Meine Vertheidigung liegt in meiner Geschieh« te. Ich zog aus Deutschland auf den Ruf meiner sehr gedrückten Unterchanen. Kam nach Italien, nicht de» Papst, sondern Karl von Anjou, meinen Feind, und Besitzer meines Erdreichs zu bekriegen. Er sagt, der Papst habe es ihm geschenkt, und so hat ihm der Papst gegeben, was nicht sein gehörte. Meine Ahnherren, Kaiser und Könige, ha« be» dieses Land von den Saracenen und Griechen erobert, und mit Ruhm und Gerechtigkeit regiert. Wiele unter Euch, dies sagen mir Eure graue Haare, haben meinen Vater Konrad als König gekannt. Er starb — ich war ein Zahr alt, und bc» meiner geliebten Mutter, der Königin Elisa« beth, in Bauern. Mein Vater machte ein Testa« ment, in welchem er mir Vormünder bestellte, und' mich dem Schutz des Vaters der Kirche, der vermeinten Stütze der Waisen empfahl. 'Hierauf nahm mein Onkel Manfred die Vormundschaft über sich, warf sich endlich zum König auf, doch mit der Bedingung, mir bey mannbaren Zähren das Reich abzutreren. Die schwäbischen Kaiser, Könige dieses Landes, haben immer mit dem Papst in »r Ein Trauerspiel. in Zwietracht gelebt, denn konnten wohl Männer wie Friedrich Barbarossa, und seine Nachkommen- alle edle Helden, die für ihre und ihrer Unterthar nen Frevheit wachten, unter das Joch des Papst't sich schmiegen? Mochten sie ertragen, daß er sein» Bestimmung, für dieKirche zu wachen, ausunbir schösschcm Ehrgeize, bis auf die geheiligten Rech« le weltlicher Regenten ausdehnte? Verfolgung und Bann traf diese edle Männer; der Papst wollte von seinem Stuhl abhängige Sklaven, und die- ertrug kein Hohenstaufen. Um uns für immer au- Italien zu entfernen, und mich meines Erbreichganz zu berauben, rief er Karl'n von Anjou nach Italien, übergab ihm Sicilien, nachdem ihm die« ser eidlich angelobte, ihn für sein Oberhaupt zu er« kennen, Benevento und viele Städte meines Neich- abzuireten, ihm zu huldigen und Tribut zu zahlen. So bereicherte sich der Papst auf Kosten des ihm anempfohlnen Waisen. Mein Onkel Manfred vertheidigte das Reich, unterlag bey Benevento, und dieser Euer vom Papst gesegnete König ließ seine Wittwe und unmündige Kinder im Gefäng^ niß erdroßeln. Robert Bari. Zhr lügt, und sprecht Dinge- die nicht zu Eurer Sache gehören. Graf von Flandern. Protonotarius, Zhr sprecht zu einem Fürsten, zu einem sehr edle« Fürsten. Kling. Thearcr i. Th. § Bor» Kcmradia. 8 - Ronradin. Habt Dank, daß Ihr erkenn», tvas ich fühle. — Es gehört mehr zu meiner Sache, als Ihr glaubt. Auf Eure übrigen Anklagen mögen Mordbrenner, Wahnsinnige antworten, und kein Hohenstaufen. Der Papst ist nicht mein Richter, und dieses Gericht ist nicht des Papsts! Und über mich ist kein Gericht, als Gottes Gericht. Vergebt mir, edle Voreltern, baß sich der letzt« Zweig von Euch so tief erniedrigt, sein Recht vor seinem ungerechten Femd zu erweisen! Flößt mir Much ein, Eurer würdig zu bleiben, und den zerr fiöhrenden, kalten Blick eines Mannes zu ertragen, an dessen Händen das Blut Eurer Kinder klebt! Helft der schwachen Natur eines Jünglings auf, den das schreckliche Schicksal traf, an eben der Stelle ungerecht gerichtet zu werden, wo Gnade, Güte und Wohlwollen von Euch auf all Eure Unterihanen ausgegangen! Muß ich das Opfer Eurer Gewalt werden, Karl von Anjou, so schont diejenigen, die keine gerechte Ansprüche auf diesen von Euch usurpirte» Thron jhaben! Rettet, Ihr Ritter, den Herzog von Oestreich, meinen Freund, und meine übrigen Waffenbrüder! Bedenkt, in ihren Adern fließt kein Höhenstaufisches Blut, ich bin der letzte unglückliche Zweig eines edlen Stamms! Laßt sie »ach ih< Ein Trauerspiel. 8z rem Vaterland ziehen, dieses wird', mir ein Trost in meiner letzten Stunde seyn. ' (tiefes, düstres Schweigen.) Alle stumm und todt! Aller'Äugen finster und trüb gegen den Boden! Nur Karl sieht ernst und kalt auf mich l — Mögen seine Nachkommen auf dies scr Stelle zittern, wenn das Erinnern des heutis gen Tags die Rache der Nachkommenschaft noch furchtbarer macht! — Ist es mein Schicksal, das Euch so niederbeugt? Wohl, es erhöht mich! Ich bin König Konradin, fühlt es und richtet, (ab.) (das Schweigen dauert fort.) Rönig Rarl. e°ufsteh«nd.) Graf von Flans der», folgt mir! — Erwacht Zhr nicht? Haben Thränen und schwache Worte den Lauf der Gerechtigkeit gehemmt? — Ich will ein Urtheil, und ein Endurcheil! — Flandern, Zhr seyd hier nicht an Eurem Platz! — Graf von Flandern. Und doch, 'wenn ich bitten darf; ich bin eingeladen, diesem Gericht beys zuwohnen. Robert Lkri. Geruhet, mein König, z« bleiben! Diese Stille wägt die Gründe der wichtigen Sache ab, die wir zu behandeln haben. (drr König sttzt sich ivieder.) Wer wird dieses tiefe Schweigen brechen 7 Der König verlangt ein Urtheil. F, Guiv» «4 K o n r a d i n. Guido Suzzarra. Hört, Protonotarius! der König berief mich, und diese edle Ritter, samt diesen Rechtsgelehrten, zu! urtheilen; und der Fall ist so, daß ich mich lieber in Modena wünschte, als hier über einen so edlen Prinzen zu richten. Sein Schicksal ist so unerhört und so hart, daß es dem König, Euch und allen diesen Herren Ehre macht, einen Augenblick in schauerliches Schwer.' gen eingewiegt -zu seyn! Robert Bari. Hört, Guido Suzzarra, der König berief Euch wegen Eurer Kenntniß in den Rechten, und nicht wegen Eurer Anmerkungen über die Herzen, denn die haben bey Rechtfällen nichts zu thun. Guido suzzarra. So ist mirs Leid, daß ich «ins mitbracbte. Robert Bari. Ich begreife, daß das Schicksal eines jungen, unglücklichen Fürsten uns rühren muß, und unser Schicksal ist traurig genug, daß wir uns diesen Empfindungen verschließen müssen, um unsre Augen auf unfern siegreichen König und dieses verheerte Land zu wenden, das durch die Forderungen Konradins immerfort ein Schauplatz trauriger Austritte bleiben muß. Guido Suzzarra. Unsre Sache ist, nach dem Gesetz zu richten, ohne Rücksicht auf politische Lae ge der Ding« zu nehmen. Robert Ein Trauerspiel. rr Robert Bari. Um Vergebung, die« muß für», nehmlich seunz denn hier ist kein Gericht um den Zwist einiger Privatleute, hier wird das Schicksal eines Reichs entschieden; oder denkt Ihr, Konrae dins Rechte als König, mit den Rechten unser- großen Königs abzuwägen? dazu seyd Ihr nicht berufen. Guido Suzzarra. Wohl aber den Hohenstaufen zu retten, wenn die Gesetze für ihn sind. Robert Bari. Sprecht'. Guido Suzzarra. Graf von Flandern und die Barone gehen mir vor. Graf von Flandern. Sprecht'. Unsre Sache Ist das Schwerdl, die Gese?e der Ritterschaft! Wir hören Eure Meinungen, und wählen nach gradcm Menschensinn. Guido Suzzarra. So spricht Guido Suzzarra: Ich untersuche nicht die Anklagen des Papsts, die nicht hierher gehören, nicht die Uebergabe Siziliens an Karl von Anjou; sondern frage, ob Natur - und Völkerrecht Konradin von Schwaben Macht geben, ein Reich mit dem Schwerdt zu erobern, das seine Voreltern erworben und besessen haben. Und dazu sag' ich Ja! Und behaupte, daß König Karl seinen Gefangnen nicht verurthei- len kann, weil es nicht Sitte ist, Kriegsgefangne z« verdammen, sondern Lösung zu verstauen. Was F z die 86 Konradkn. die Plünderung der Kirchen anbetrift, so steht'e« ooch zu erweisen, und »vär' es erwiesen, so richtet man den Feldherrn nicht über Verbrechen seiner Soldaten, König Karl mag seine Schätz« leeren,- wenn er ersetzen will, was seine zügellose Soldaten in Italien geraubt haben. So mag nun König Karl Lösegeld von seinen Gefangnen nehmen, sie so lange in Verhaft halten, als es die Sicherheit seines Reichs erfordert; anders werd' ich nie sprechen. Robert Bari. Der berühmte Guido Suzzarr ra spricht über diesen zarten und außerordentlich wichtigen Fall als Fremdling, der die Schrecken eines verwüstenden Kriegs nicht empfunden hat. Guido Suzzarra spricht als ein sehr edler Mann, doch wie ich gesagt, in dem Sinn, wie ein Richter über eine Privatperson sprechen mag, deren Da- seyn dem Allgemeinen keinen Schaden zufügen kann, und denn mag ja wohl zu Zeiten das Gesetz drr Menschheit weichen. Zch schwöre beym Leb»» meiner Kinder, daß ich von ganzer Seele wünschte, diesen Prinzen zu retten; aber wir, Zhr Herren, haben Pflichten geger^den Staat, Pflichten gegen unfern siegreichen, großmüthigen König, und diesen Pflichten opfert der wahre Staatsmann alle« auf. — Habt Zhr, Barone, und Ritter, Karl'n Ein Trauerspiel. 67 Kark'n von »Anjou als rechtmäßigen König anerkannt, und ihm gehuldigt b;y Ehr' und Leben? Barone und Ritter. Das haben wir ! Robert Bari. Habt Ihr durch diesen Schwur bey Ehr' und Leben, nicht alle Ansprüche des Hohenstaufen auf dieses Land vernichtet? Barone und Ritter. Das haben wirk Robert Bari. Habt Ihr nicht, da der Hohenstaufen den König als rin Rebell angriff, die Waffen nach Eurer Pflicht, für Karl'n von Anjou ergriffen? Barone und Rirrcr. Das thaten wir! Robert Bari. Wer ist Euer König? Barone und Ritter. Karl von Anjoui Robert Bari. Und wer diesen Euren König mit den Waffen angreift, wertst er? Barone und Ritter. Ein Rebell! Gras von Flandern und Guido Suzzarr». Zhr unterscheidet nicht, Bari! Ihr unterscheidet nicht! Robert Bari. Zhr «erdet sehen, daß ich'- thu', ich bin in der Form. — Zhr, edle Herren, wenn Euch rin Frecher auf Eurem Schloß gewaff- net angriffe. Euch daraus zu verjagen; was würdet Zhr thun? Barone und Ritter. Uns vertheidigen! Ä 4 Robert rs Koneadi n. Robert Bari. Gesetzt nun, dieser Mann wäre so mächtig, hätte so viele Freunde und Anhang, daß, wär' er einmal abgetrieben, er doch wiederkehren könnte. Euer Feld zu verheeren. Eure Knechte zu erschlagen, bis es ihm endlich gelänge, Euer eigen Haus gegen Euch aufzuwiegeln; dann wär'S ihm ein leichtes, Euch aus Eurem Schloß zu jagen und zu tödten. Wenn Zhr nun diesen gefährlichen Mann zum Gefangnen machtet, würdet Zhr ihn in Frevheit setzen, um nochmals «inen Verfolger und Rächer vor Euren Mauren zu haben? Barone und Ritter. Nein! Robert Bari. Wenn Zhr nun wüßtet, daß .die Freunde Eures Gefangnen so mächtig wären, ihn Euch gewaltsam abzudringen; wenn Zhr wüßtet, daß nichts Euer Leben und Gut retten könnte, als sein Tod, würdet Zhr nicht Euer Leben und Gut durch seinen Tod sichern? Barone und Ritter. Allerdings! Robert Bari. Zu Eurem Besten erlaubte nun Natur - Völker - und Kriegsgesetz, so zu handeln, und ein König, ein siegreicher König, sollte Euch, seine Unterrhanen, sein ganzes Reich, und sich selbst in diese Gefahr setzen? Der König schützt Euch in den Gütern, dir er Euch gegeben hat, und die der übermüthige Hoheitstaufen schon im Vor- Ein Trauerspiel. 89 Vorm:- unter seine hungrige Soldaten ausgecheilt hatte; und Ihr wolltet sein Leben nicht schützen? Ihn nicht schützen, der nur zu siegen scheint, um Euch zu bereichern? Ihr sprecht dem das Leben ab, der Euch ein kleines Schloß zu nehmen droht, und ein mächtiger, geliebter König, sollte sein von ewigen Kriegen und Empörungen bedrohtes Reich, sein Leben nicht zu retten suchen? Ich fühl's, des frommen Königs Herz muß bcy der schrecklichen Nothwendigkeit leiden, ich weiß, daß es nur allzu» sehr mit Guido's Meinung einstimmt; aber wir müssen hier für seine und des Reichs Erhaltung sorgen. Wenn er nun den Hohenstaufen entließe, wie wir alle wünschen, würde dieser nicht nach seinem Vaterlande znrückkehren, bey den deutschen Fürsten, seinen Verwandten, Feinden König Karl» und des Papsts, um Hülfe flehen? Würde er nicht die Saracenen in Africa und Sicilien von neuem aufwiegeln, und dieses arme Königreich noch heftiger anfallen, da ihn nun die Rache ent» flammt? Vielleicht denkt Ihr, man könne ihn durch einen Eid zur Ruhe verpflichten; er wird ihn ablegen, und als erzwungen brechen, bevor er noch die Al, pen überstiegen hat. Unsre Feinde im Toscanischen werden ihn so weit nicht zehen lassen, er wird un- mit einem neuen Heer angreifen, bevor sich das F r Reich .s. ! 9 » Konradin. Reich von diesem Feldzug erholt hat. Dieser Hör henstaufen, so jung er scheint, ist ein stolzer, küh, ner Mann, der steife, eiserne, beharrliche, une biegsame Sinn der Friedriche lebt ganz in ihm. Er Wird suchen stin Haus wiederum herzustellen, und wenn Italien, wenn die Kirche darüber zu Grüne de giengen. Zhr mögtet vielleicht glauben, baß man durch ewige Gefangenschaft all diesen gedrohten Nebeln Vorkommen könnte, und wie sehr wäre dies zuwüm fthen; aber eben dies würde den Zunder des Auf, ruhrs unaufhörlich unterhalten. Ungläubige und Christen, der schwankende Pöbel dieses Landes, all seine Freunde würden sich aufmachen ihn zu be< freuen, und dann könnte sein Tod ein nothwendi« ges Opfer der Politik werden, da er gegenwärtig mir Opfer der Ruhe und des Gesetzes ist! oder meint Zhr, wenn ein-Körper krank ist, der Arzt warte, bis das verzehrende Fieber die edlen, innren Theile des Lebens in Brand gesetzt hat? Nicht» kann diesem Lande Ruhe geben, als KonradinS Tod. Das Schicksal heischt ein Opfer, wer soll es seyn? Graf von Flandern. Haltet ein, Zhr Nicht fer, haltet ein! Verfahrt nicht rasch! hörf einen Augenblick auf mich! Wen wollt Zhr verdammen? Einen edlen, tapfren, jungen Fürsten, der den Muth Ein Trauersptes. -r Nlnth fühlte auszuziehen, alles zu wagen, seinvä« terliches Reich zu erobern? Zst dies ein Verbre» chen? Ist er nicht unglücklich genug, daß ihm sein Unternehmen fehl schlug, und er nun im Kerker schmachtet, der Sohn eines Königs? Dem« Hin« mel, wenn ich ein Recht auf den Sitz des Papsts, »in Recht auf den Thron meines tapfern, stolzen Schwagers hätte, ich würde meine letzte Kraft aufbieten, den Papst von seinem Sitz, und ihn von seinem Thron zu verdrängen; oder glaubtIhr, daß ich Unsinn rede? Bönig Barl. Schwager, Ihr tastet nach meiner Krone! Graf von Flandern. Nein, König! Ich will (Kure Ehre retten! Der grausame Spruch, der auf den Lippen dieser Männer weilet, reißt den Kranz von Eurem Haupt, den'Euch Eure Siege rrwott ben haben! Diese grausame Thal würde Euch der Nachwelt verhaßt machen, und Euren Namen unr ter die Zahl der feigen Tyrannen setzen, g»gcn de» alle edle Gemüther in Rache und Verwünschung entbrennen! .Eure Anverwandten, Eure Kinder, müssen mit gebücktem Haupt cinhcrgehen, und bcy jedem Unfall, der sie trifft, werden die Menschen ru< fen: der Himmel rächt des letzten Hohenstaufen Blut an Karls Nachkommenschaft. Diese Thak bringt Euch um das Herz Eurer Unterthanen, Cu, nr 9 K o n r a d i n. rer Verbündeten und.aller Edlen! Und wenn Ihr einst unglücklich im Krieg, in die Gewält Eurer Feinde fallt, so erwartet Euch das nemliche Schick- sal, wenn Ihr jetzt ein so grausames Beyspiel gebt. Entlaßt den Unglücklichen l Eure Stärke bestehe in Euch, in Eurer Gerechtigkeit, und wer es gegen Euch wagt, der wird einen Zweig in Eure Sieges« kröne sehen, und mit Schande zurückkehren. Durch des Hohenstaufen Loslassung gebt Zhr allen Für« sten Eure Stärke zu fühlen, Zhr beweist, daß Euer Thron so fest gegründet ist, daß Zhr, weder sie, noch denjenigen fürchtet, der so mächtige Ansprüche auf denselben hat. Diese That wird Euch e ne Achtung und Ueberlegenheit verschaffen, die Ihr in vielen Siegen nicht erwerben könnt! Ant« wertet mir, löst die Zweifel, die das Herz dieser Männer nagen, und von falsch gesehener Politik unterhalten werden. B.önig Larl. Schwager Flandern, ich sitze nicht als Richter! Diese Männer schalten mit meiner Krone und mit meinem Leben. Dch dem Ewigen , den ich anbete, und der mich schützt! entscheiden sie, daß ich von diesem Thron steige, so ihn ich's, und mein Gefangener, der mir nach dem Le, Len stand, der Gott und seinen Statthalter verfolgt, sey dieses Landes König! Zöarone Ein Trauerspiel. 9z Barone und Riner. Großmüthiger, edler König! Rönig Rarl. Ich habe mich erklärt, und will daß sichs ende. Wie lang soll ich die Entwürfe, die all zum Ruhm und der Größe dieses Lands ab, zielen, in meiner kühnen, nach Thätigkeit und Err oberung strebenden Brust, einengen? Glaubt Zhr, diese Krone gnüge mir, wenn ich sie in feiger Ruhe und Gemächlichkeit trage ? Mein Herz will mehr als den eitlen Wahn, in welchem sich nur schlaffe Geister gefallen. Ich sehe Siciliens Krone als die Leiter meiner Größe an, und will ihren mächtigen Einfluß über ihre beschränkten Gränzen aus, dehnen. - So lange die Saracenen feste Plätze in meinem Reiche haben, ist meine Macht in sich selbst gefesselt; diese muß ich bekriegen. Der König von Tunis, mein Vasall, hört auf, den schuldigen Tribut zu zahlen, ihn muß ich bekriegen. Mein« Aussichten auf Griechenland hängen von meiner gegründeten Macht ab: und wie soll ich sie einem Königreich geben, das immer durch innre Zerrüttungen ohnmächtig ist? Ein verwegner Jüngling erstickt die Entschlüsse eines mächtigen Königs, und dieses furchtbare Reich liegt in tödklicher Erschlaffung, bis es der Raub seiner Feinde wird. Heul« hängt sein Schicksal von Eurem Unheil ab, richtet! 94 Konradin. Graf von Flandern. Ich versteh' und lese'in Eurem Herzen! Verflucht sey der Sieg, der diesen Tag gebahr! Ich bin Euer Schwager, Hab als Äitter und Verwandter gesprochen, und verlasse «inen Dlutrath, den die Rache finden wird. c°b) Robert Bari. Das Schicksal Heischtein Opfer, wer soll es seyn? Euer großmülhigex, siegreicher König; oder ein Verwegner, der ihn angegriffen, und den er nun in seiner Gewalt hat? Wollt Ihr, daß der König vom Tfiron heruntcrsieige, sein und Euer Leben die Rache eines feurigen, stolzen Jünglings stickige? Und mag Konradin anders diesen Thron behaupten, als mit König Karls Untergang? — Lestt, was Klemens, der Statthalter Gottes über diesen Fall urtheilt, und dann richtet! (er gicdt die Medaille.) Ein Baron, (laut) lvlors Lonrsäini, Vit» Osroli! Vits Lonrsäini, dlors Osroli l (»e giebt sie herum, und die Worte werden wiederholt.) Robert Bari. Konradins Tod, Karls Leben! Konradins Leben, Karls Tod! — Wer soll leben? Alle. Es lebe Karl von Anjou, unser Köyig! Robert Bari. Und sein Feind sterbe! Viele. Ersterbe! Robert Bari. .) Graf von Flandern, (tri« vor.) Wer sagt, Karl sey ein tapfrer König? Wer sagt, er sey stolz und ehrsüchtig, und seine königliche Außenseite gleiche seinem Innrer,! Feige, nervenlose Tyranr nen mögen in stumpfer Bosheit Qualen ersinnen, und kein Mann wie er! Gnügt der Tod dieses edr len Prinzen Eurer Rache nicht, und wollk ihr ihm durch zerknirschende Vorspieglungen, die Kraft ihr» zu leiden, brechen, um sagen zu können, Ihr habt über seine Standhaftigkeit gesiegt, wie über seirr Leben! Rönig Rarl. Ich habe keinem Rasenden za antworten, weil ich ihm nicht antworten will, wie es seine Kühnheit verdient. Graf von Flandern. Ich bitt'Euch, gebie, 1«t dem Grimm, der sich auf Eurer Stirne irr furchtbaren Zügen faltet! Hört mich an! Vergebt G L der» Ivo Kvnradin, den raschen 'Worten, die das Schicksal dieses Un, glücklichen mir entreißt! Rönig Larl. Was wellt Zhr? Wer seydZhr, der sich zwischen meinen Feind und meine Krvne- stellt? Graf von Flandern. Euer Schwager, der für Euren Ruhm stritt, und nun für Euren Ruhm wacht; der Euch mit Gefahr Eure« Zorns zuruft: Ihr ermordet Eure Ehre in dem Leben Konradins. Rönig Rarl. Wollt Ihr, daß ich von dem Thron steige, den ich erworben habe? Graf von Flandern. Ich weiß, daß ich lieber nach dem Orient gegen die Ungläubigen ziehen würde, mir dort einen Thron durchs Schwerdt mit Gefahr meines Lebens zu erwerben, als diesen auf das Grab eines so edlen Prinzen zu bauen! Llnd wer verlangt, daß Ihr ihn verlassen sollt? Ist denn keine Rettung? Kein Vergleich zur Sicherheit für Euch und ihn zu finden? Lönig Rarl. Weg! der Himmel will ein Opfer! Graf von Flandern. Schreibt nicht auf die Rechnung des Himmels, was der geheime Ruf -Eures Herzens ist, das die Stürme der Zukunft fürchtet. Lönig Larl. Wer nicht weiß einen Thron zu erhalten, muß keinen zu erobern wagen. Geht — Zhr werdet mir verhaßt. Graf Ein Trauerspiel. ror Graf von Flandern. Laßt Euren Haß auf mich fallen, nur hört mich an! Rönig Larl. Geht zum Papst, und laßt Euch belehren, was «in KSnig in meiner Lage rhun muß. Graf von Flandern. Ich sehe im Papst einen Strafbaren mehr ; und der Priester Thun map immer feige Rache. Sie besteigen kein Roß, führen kein Sch werbt, und fühlen nicht wie Män- ner. Würdet Ihr seinem schrecklichen Wink felgen, wenn Ihr Konradins Tod nicht längst beschlossen hättet? Eine grausame, die Christenheit entehrende Politik, überzeugt den Papst, Konradins Tod würde das Ende aller Uneinigkeiten seyn, die einen Theil Italiens gegen dm andern entflammen. Ihr werdet nur das Werkzeug seiner Nach« gegen ezn Haus, das immer seine Rechte gegen ihn verr theidigt hat, und die Zukunft, die bey dieser That erbtassen wird, wagt es nicht, dieses Verbrechen dem Statthalter Gottes zuzuschreiben, sondern Euch! Euch! Rönig Rarl. Trotzt meinem Stolz, nur laßt das Haupt der Kirche unangetastet! Graf von Flandern. Nehmt einen Ausweg an, «inen für Euch rühmlichen und sichern Ausr weg! Gebt Konradin Eure Tochter Beatrix. Dadurch vergleicht Ihr alles, und bringt Ksnradins Gz g« rv2 Konradin gerechte Ansprüche zu denen, die Zhr vom Papst habt. Verbindet Euch ehrlich mit ihm, und hört nicht auf die tückische Politik des römischen Stuhls, die am Ende ihren Urheber selbst stürzt Durch dieses Dündniß könnt Ihr dem Papst die Wage ^ halten. Euch von seiner Sclaverey befreyen, und die Länder wiederum mit Eurem Reich verbinden, wofür Zhr's gekauft habt! Rönig Rarl. Was hat Euch mein Sohn ge« than, daß Ihr ihm die Krone seines Vaters rauben wollt! — Weg! — Ihr lästert den Himmel in seinem Statthalter, und Eure Sünde fällt auf mich zurück. — Es ist beschlossen! er sterr de! — Jsts nicht genug, daß ich seine Verbrechen nicht mit dem entehrenden Strick bestrafe? Laßt mich den Haß mit ihm ins Grab legen, daß er nicht von ihm ans Euch springe! Graf von Flandern. Werft ihn auf euch! — Sprecht Zhr von Strick? Bey Gort, ich dächte, «in Mann der ein Schwerdt trägt, und es bey solchen Gelegenheiten nicht braucht, ist seiner nicht Werth, (schlägt auf sein Schwerdl.) Rönig Rarl. Flandern, willst du mich er« morden? Dey meiner Krone, sieh kühler drein, und reize mich nicht weiter! Alle Welt kennt König Karl als einen tapfren, ehrenvollen Ritter! — Weiche meinem Zorn. Graf Ein Tr'auerspiek. roz Gras von Flandern. Ich fürchte Tuch nicht- und keinen König. Ich bin Graf Flandern, Sou» verain wie Ihr! Meine Grafschaft erbte von mek mm Vater auf mich, und zahlt keinen Tribut. Rönig Rarl. O Wahnsinniger! Wahnsinns -er! du hast den Bund mit meinen Feinden gegen mich gemacht! Fort, verlaß mich, ich siege über mich! Geh! ich entsage dir! Graf von Flandern. Und ich Eurer Verwandtschaft, wenn ihr den Thränen dieser »»glück» liehen Königin widersteht. Dritter Auftritt. Eilfiöeth tri« ein. Im Gewand der Trauer. Zhr Gang langsam und edel. Zwei) Frauen tragen in Körben Gold und Kleinodien jur Lösung. Mittel HurNkts. Elisabeth lädt sich vor Karl nieder. Ihr« Frauen gleiche falls, die Lösung darreichend. Nl)Ngx. — Seht auf mich gnädig und gütig herab! Ich bin die unglückliche Mutter eines Sohns, den Ihr zum Tode vcrurtheilt habt. Komme sein Leben mit Thränen zu erstehen, und seine Ketten mit Lösegeld zu brechen! Großer König, seht nicht zornig auf mich! Ich bin nicht die Witwe König Konrads, der ehedem dieses Land beherrschte, bin nicht die Mutter eines kühnen Prinzen, ich bin ein G 4 armes, iv4 K o n r a d i n. armes, niedergeschlagenes Weib; Unglück und Schmerz haben die ehmalige Größe ganz aus meinem Gcdächtniß getilgt. Mein Sohn ist ein armer Waise, den Euer Sieg für immer schwach und ohnmächtig gemacht hat! Gebt ihn mir zurück und nehmt das Lösegeld! — Als ich die schrecklir che Post seines Unglücks vernahm, nahm ich das letzte was mir von meiner ehmaligen Größe übrig war, und leg es zu Euren Füßen. Meine Klei- nvdien, all meine Schätze und zwanzigtausend Goldgulden. Gnügt Euck dieses nicht, so will ich Euch meinen Wttwensitz verschreiben, und dann Mit meinem Sohn von der Gnade meiner Vere wandten leben. Löset meinen Sohn, gebt ihn mir zurück! Zhr habt ihn nicht mehr zu fürchten! dieser Zug nach Italien kostet ihn seine Länder in Deutschland, die theils verpfändet, theils verkauft sind; er hat nichts mehr als mich, und ich nichts mehr als ihn. O daß meine Zunge von Schmerz überströmte, wie ihn mein wundes Herz empfindet! daß diese welke Hände, diese von Weinen schwache Augen, diese grauen Haare Euer Herz rühren könnten! daß nur das kleinste Gefühl dieses namenlosen Schmerzen- Eure Seele träfe! Gebt mir meinen Sohn, den einzigen Trost einer unglücklichen Königin! Ich schwöre Euch, bey dem Allmächtigen, der mitleidig auf Ein Trauerspiel. 105 auf mein Leiden blickt, ich will ihn auf ein einsar mes Schloß in Dauern führen, ihn in meine mütterlichen Arme schließen, und in ihm alle Unternehmung mit meiner Angst und Furcht ersticken. (laut weinend.) Ach, Euer strenger Blick tödtet die Worte auf meiner Zunge, und preßt mein Leij den in meiner Brust ein. Seht gütig auf mich! Die Beredsamkeit der Unglücklichen wird nur durch Trost und Mitleid lebend. Auch Ihr habt Kinder, auch Ihr habt ein Weib! Auch sie und Euch erwarten Alter, Unglück und Schmerz, das LooS der Menschen! Gebt mir meinen Sohn, und versöhnt Euer künftiges Unglück durch Güte und Mitleid für eine elende Mutter! Er hört mich nicht! er sieht nicht auf mich! Auf mich Arme, Verstoßne! Ich kann seinem starre» Auge keine Thräne abgewinnen! Seinem kalten Herzen kein Erbarmen! Gieb meinen Worten Kraft! (zum Himmel.) — Fleht! fleht! helft mix ' den Unerbittlichen versöhnen! Die Weiber, t) König! laßt Euch erbitten! Nehmt das Lösegeld! Ritter -Hurneis. Gebt uns unser» unglücklichen Prinzen! Graf von Flandern. Erhört ihr Flehen! Erhört ihre Thränen! » § Eli- K o n r a d i n. io6 Elisabeth, (umfaßt des Atnigi An,'«.') O wenn Ihr ihn kenntet, und wüßtet wie gut er ist und wie fromm! Wie seine Mutter ihn liebt, und er seine Mutter! Kein edlers, dankbarers Herj schlägt auf dieser Welt! Und Ihr wolltet ihn verdammen ! ihn hinrichten, um eines Fehlers gegen Euch l Alle Welt sagt, Ihr seyd ein Held, und Jbr wolltet einen tapfren Prinzen verurtheilen? Um eines Fehlers, den er abgebüßt hat, durch schmähliche Gefangenschaft? Einen neunzehnjährigen Jüngling! König Karl, einen so sanften schönen Jüngling! den Sohn eines Königs! die einzi» ge Stütze einer unMcklichcn Mutter! — Höre! höre! hör'auf mich! Auf den Schrey meines Schmerzens! auf den Schrey einer angstvollen, verzweiflenden Mutter! Auf mein Klagen! Dlick' auf mich! wie meine Thränm in meinen Augen erstarren! Dlick' aufeine Mutter im Staub! im endlosen Elend! — Er hört mich nicht! (»um Himmel.) er hört wem Flehen nicht! O du, der du die Herzen der Menschen lenkst, Güte und Gnade für alle hast, rühre sein hartes Herz! laß ihn fühlen meinen Jammer! laß ihn fühlen, daß er Vater ist, daß du Gewalt über seine Kinder hast, rächest und lohnest hier und dort.Xü« linkt Iliren Wildern in die Arme.» Rönig Ein Trauerspiel. 107 A.ömg Larl. Flandern, warum bringt Ihr sie vor mich, da ich nicht retten kann? Entfernt sie von diesen Schreckens-Scenen. Der Himmel will ein Opfer, der Staat will ein Opfer, nicht ich! nicht ich, unglückliche Mutter! (ab.) Graf von Flandern, (ihm nachrufend.) Mein Zorn weicht nur dem Schmerz dieser Unglücklichen! Elisabeth. Der Himmel will ein Opfer! — AUgütiger, du wolltest den Tod meines Kurds, den du mir zu meinem Glück gabst? — Laßt mich! es ist kein Erbarmen hier! Laßt mich zu meinem Kurd, daß ich mit ihm sterbe! Ich hatte nur noch wenig Leben, und sein kalter, harter Blick hat ihm die Kraft genommen! Laßt mich zu meinem Kurd, ich will mit ihm enden! Graf von Flandern. Verschont Euren Sohn!' Er ist gefaßt den Muth zu zeigen, der seines hohen Ursprungs würdig ist. Ihr werdet ihn an die Erde ziehen, und Euer Schmerz, Eure Gegenwart wird ihm alle Schrecken des Tods zu fühlen geben, die er nun besiegt hat. Verbergt ihm Euer Dascpn, wenn Zhr wollt, daß er edel und groß ende. Elisabeth. Ihn nicht sehen! Ihn nicht trSi sien! Graf von Flandern. Ihr macht ihn unglücklicher als der Tod. Dieser. Uebergang erfordert di« io8 Konradin. die ganze Kraft der Seele, er hat sie, und Ihr nehmt sie ihm. Elisabeth. MeinKurd hat Muth zu sterben! Graf von Flandern. Friedrich von Oeftreich ist mit ihm, und Euer Soh» bedarf so wenig Muth, daß er jenen tröstet, nur ihn beklagt. Wie nun alles sich ändern würde, wenn er Euch sähe! Sein Freund folgt ihm, bleibt sein Gefährte, und Euch niuß er zurücklassen, sehen zurückgelassen in endlosem Schmerz. Von Euch scheiden in solch einem Augenblick, da er nun von nichts zu scheiden glaubt, als von einer Hanen, undankbaren Welt, einem unversöhnlichen Feind! Aber scheiden von seiner Mutter, einer so lieben, zärtlichen Mutter — Reißt ihn nicht von der Höhe, die er nun erkämpft hat! Elisabeth. O! O! O! alle beide l — O! Ol O! arme Waisen! Graf von Flandern. Unterstützt die Königin! geleitet Sie nach meiner Wohnung, Ritter, ich will Euch Vorgehen! dort bewacht sie sorgfältig, und haltet sie ab, daß sie ihren Sohn nicht sehe. Bald wird sic sich finden, und ihr mütterliches Herz wird ihr sagen, daß sie Konradin noch elender machen kann, als das Schicksal. — Wie ist's Euch, edle Frau? Gott stärke Euch! Wie ist's Euch? Eli« Ein Trauerspiel. 109 Elisabeth. Ich fühle nichts. Sein kalter Blick hat die Geister des Lebens in mir erdrückt!. — 0 ich hoffe! hoffe! — Rirrcr. Hurncis. Kommt, unglückliche KSt niginl In diesem Schloß ist keine ThränL, kein Mitleiden für uns. Elisabeth. O! O! — Sieh, die Klagen ersticken in mir — ich bitt' Euch, macht mir Luft — (aus dia Brust d«ul«nd. Oie Weiber führen ste still ab.) Vierter Auftritt. Das Eifängniß. K 0 n r a d i n. (gange im Innern Schauder. Die Nacht weicht Nach un» nach der Morgendämmerung.) — Erschrickt die schwache Natur vor diesem schnellen Uebergang aus Licht in Nacht, und mag die Feigheit dieses Körpers sich so leicht unsterblir chen Geist mittheilen? Ist dieser göttliche Funken diesem unstätkcn Blut so sehr unterworfen? Mein gespanntes Aug sieht durch die finstre Nacht das furchtbare Blutgerüst, und Key diesem Anblick zieht sich das bange Leben in mich zurück, drängt mit Gluth und Stechen durch die Adern nach dem Herzen, und reißt diesen kühnen. unsterblichen Geist, mit sich in dem Strudel der Fieber »Hitze fcrt. HO Konradin. fort. — Din ich nicht was ich war? Nur um »kr ne, die letzte Nacht, dem Ziel näher gerückt! Nur reifer, näher! Oder ist's der Schauder der stillen Nacht, nicht der letzten Nacht, der stch so kalt über mein ganzes Wesen ergießt! O tritt hervor, mein Geist! tritt hervor, edler, gesunder Theil meines Selbsts! — Warum beugst du dich so willig unter schmähliches Leiden, und schauderst denn noch vor der Stunde zurück, die dich befreyen soll! Schmiegest dich willig in die Ketten einer ewigen Gefangenschaft, seufzest nach Freiheit, und zählest in trüglichen Hoffnungen, Stunde, Tage und Zahre an dem langen Maaß der gleichlaufenden, kalten Ewigkeit ab! Und nun wo du diese Ketten brechen sollst, und dein schmerzliches Streben, deine edle, quälende Ruhmsucht, ach! all dein Sehnen, Wünschen, all die Klagen, und schimpfliche Gewaltthätigkeiten in einem Nu mit deines» Dar scyn verschwinden sollen, fährst du bebend in dich selbst zurück, schwellst dies kühne Herz, und' ein einziger furchtvoller Augenblick drückt die Wage eines Lebens voll Elend hinunter! Ach diese in Kraft und Leben blühende Zugend erblaßt vor der kalten Vernichtung, sträubt sich so gewaltthätlg abgemäht zu werden! Hier! hier liegtS! Zn den frühen Stunden des Lebens, kaum dein Dasepn gefühlt, kaum das Leben geahndet! Eben der Ein Trauerspiel. m »er Entwicklung deiner ehrenvollen Träume nah! Kaum die Eigenschaften begriffen, die dich deinen Vätern gleich setzen sollten, an Ruhm und Ehre! Und zerbrochen — so zu enden — so gewaltthätig zu e .Len in deiner Blüthe— hier auf dem Schauplatz des Ruhms deiner Väter — (glühmd.) Warum erlag' ich nicht in der Schlacht, das Schwerin in der kraftvollen Hand, dem Tod widerstrebend, und ihm abdringend mein Leben! Dies ist's! sich hinzugeben gleich dem Opferthier ohne Widerstand, den Streich zu erwarten, und ihn in angstvollem Schlagen des Herzens jede Ser «unde zu fühlen! Es liegt in der Natur des Mann's jeden Streich von Gewalt abzuschlagen; und hier zu liegen, bis ein blutgieriger Tyrann winke, deir nem innren Zittern ein Ende zu machen, deine »ebenden Nerven zu zerschneiden, und dich in schaudervolle Nacht zu senken I — Ha, die Sonne steigt aus dem Meer hervor! Ahr Licht giebt Leben und Freude der Welt, mir zum letztenmal. Du kommst morgen wieder, und ich werde mich nicht mehr an deinem Licht erwärmen. Deine Strahlen werden sich auf der leckren Erd« brechen, die mich deckt, und nicht zu mir gelangen. Dein Heller Glanz ist traurig meinem Aug, und meine erhitzte Einbildungskraft sieht Mitgefühl für mich in deinem Morgenroth. Sonst sang' nr Konradtn. sang' ich dir ein Lied entgegen; aber dein letzter Heraufkommen hat meinem Herzen alle Töne genommen! — Din ich allein? Immer allein! Friedrich, mein Bruder, warum läßt du mich allein? Fünftee Auftritt. Friedrich von Oestreich. Konradin. (hernach) Heinrich von Kastilien. Lonradin. Du läßt Mich allein! es ist nicht gut, daß jetzt einer allein sey; wir müssen uns erheben , wenn wir sinken mögten. Wo warst du? Friedrich von Mefrrcich. Du schicktest mich mit Prinz Heinrich weg, indem du sagtest» sein Wildes Auffahren mache dich ungeduldig. Ronradin. Thal ich das? O wo hakt' ich meinen Kopf? Wo ist Prinz Heinrich? Friedrich von Gcstreich. Nun still und ruhig. Als die Sonne kam, heulte er laut, und schwur, dieser Tag bräche edle Männer, und er war einer davon. Ronradin. Sagt er das? Ja, er ist ein ed* ler Mann; aber du und ich, wir sind noch keine Männer, wir stehen auf der Schwelle des Grabs, bevor man dies von uns sagen kann! Fried- Ein Trauerspiel. uz Friedrich von Gestreich. O Kurv! mein Kurd! nim mich auf in deine Arme, ich erschrecke vor dem Augenblick. Ronradin. (ihn umfassend.) Gieb!der Menschheit ihr Recht, Friedrich, ich hab's ihr gezollt. Laß uns hier weinen und dort Männer seyn! Ach, keiner tritt aus diesem Licht, ohne mit Verlangen zurückzusehen! Ich hab's gefühlt, ich habe gekämpft , und nun hilf mir siegen! Aber daß ich dich mit mir ziehe in mein Schicksal, dich mit mir führe auf das Blutgerüst, dir so lohne für all deine Dienste, für all deine Freundschaft! dir den Tod gebe für deine Erblande, o Friedrich, dein Freund mag sein Schicksal besiegen, nur dieser nicht! Friedrich von Gestreich. Dein Schicksal ward das meine von unserm Stammeln, sollte eS Ley der Entscheidung getrennt werden? Ronradin. O wenn ich es trennen könnte, wenn ich Hineinreißen, allein sterben könnte! Friedrich von (vesrreich. Würd' ich diese» gefürchteten Tod nicht für dich sterben wollen? — Nim mich auf in deine Arme, und laß die Freundschaft Trost auf uns gießen! Unser Herz wird uns auch in dieser Stunde nicht verlassen, und wir werden uns über dem Blutgerüst erheben, «linz. rhe-tt» i. LH. H UNschUl- H4 Konradin. ««schuldig, rein und verbunden, wie wir's hier waren. -Heinrich von Lastilien. (erscheint, un» HS» sich im Crund.) Lonravin. Und dann in Kreis der Helden, unsrer Väter dringen, und sie werden uns aufnch- men ihrer würdig; dieser Augenblick, der uns zu jhnen führt, wenn wir ihn als Männer ertragen, wird uns für eine Reihe ruhmvcller Thaten ange« rechnet werden. Meinst du nicht, daß wir eben in diesem Augenblick zeigen können, was unser Geist in der Zukunft vermögt hätte? Weg, wie verlassen Tyrannen, verlassen ein fühlloses Volk, und dringen durch die Wolken zu den Edlen der Vorwelt! Und nun sieh die Stufe, auf welcher wir zu ihnen steigen! (er fahrt Friedrich an das Loch, durch welche» man das Blutgerüst sehen kann. Man hört »locken läuten.) Friedrich von Vestreich. Ha! ihr Trauerklang kündigt den heutigen Tag an! Das Volk ver« sammelt sich auf dem Platz, und alle Augen sehen starr gegen diese Mauren. — Kurd! es ist geschehen ! Lonradin. Umfasse mich! umfasse mich I -Heinrich von Raskilicn. Schließt auch mich in Eure Arme, edler Prinz! laßt mich diese groß-, Mükhige Verachtung des Lebens ganz in mein Herz ziee Ein Trauerspiel. ns ziehen! Ganz Euch absehen >. Eurem Herzen nah liegen, wo die Keime großer Thaten so edel auft schossen! — So jung und so stark! so lebend im reinen Geist der Ehre! Sie ermorden Helden in Euch! — Die Wache Eures Feind's erwattet Euch draußen, um Euch zur Kirche zu begleiten, und dann liegt ewige Nacht zwischen uns. Ihr lächelt? Ihr hinterlaßt einen Erben Eurer Rar che! Laßt mich wieder ein Schwerin um diese Lenr den gürten, und ich will alle edle Männer in Eu« ropa und Africa aufbieten! Ronradin. Lebt wohl! Euer Schicksal kümr mrrt mich. Euer thätiger Geist trägt diese Ger sangenschast mit bittrem Unwillen! Lernt Geduld von mir, ich lernte Much von Euch! -Heinrich von Lastilien. Ein Abschiedskuß auf der Schwelle des Lebens! — Friedrich, dir weiche Seele! — Ihr verlaßt mich, und der tolle Heinrich heult Euch noch in seinem Unvermögen! Sein kühnes Herz bricht mit Eurem Leben! Ronradin. (er nimmt die Laute und giebt sie ihm.) Ihr seyo mein Erbe, Heinrich; dies ist alles, worr über der Sohn eines Königs zu ordnen hat. Ich bitt'Euch, bewahrt's um meintwillen, und um meiner unglücklichen Tante willen! -Heinrich von Rastilicn. Ich will von nun an Klagelieder singen, will die Sanftmuth Eures H - Geists Konradin. n6 Geists herausziehen, bi« der Löwe seine Ketten zerbricht, Euren Tod und seinen Schimpf zu rächen! Ronradin. Friedrich, bist du ein Mann? Friedrich von Oestreich. Ich bin dein Freund! Ronradin. Ein Leben und ein Grab! Friedrich von Ocstreich. Ein Grab! Ronradin. Folge mir! Zn wenigen Augenblicken sind wir über diese Welt erhaben, und dann scheidet uns nichts mehr, und dann fährt kein dür strer Gedanke mehr durch dieses Herz, das Grab erdrückt sein Gefühl, und unser Geist ist frey! —- Heinrich, begleitet mich, so weit Ihr könnt, und Ikvenn Ihr einst frey seyd, so sucht meine Mutter auf, und sagt ihr, Ihre Söhne seyen wie Män« ner gestorben! — Hand in Hand zum Spfrr, mein Bruder! Ein Trauerspiel. H7 Fünfter Aufzug. Erster Auftritt. Oeffentlicher Platz. (Auf der rechten Seite das Blutgerüst, von welchem nichts zu sehen ist als die Stufen, woran die Wache steht. Auf der Linken eine erhabene Loge für den Kdnig. Man hdrt Glockenläuten und Trauerchöre don der nahen Kirche. Vieles Volk. Ritter. Ties- Stille und ängstliches Erwarten. Graf von Flandern geht wild und trüb umher. Kdnig Karl in seinem gewöhnlichen Stolz und Ernst, tritt auf die Loge. Die Ritter und das anwesende Volk, sehen forschend und bekümmert nach ihm, di« Leibwache umringt die Loge. Der Trausrzug aus der nahen Kirche unter sttrkrem Läuten, Dem Volk entfahren stille, unwiderstehliche Klagen. Konradin, heiter und fest, seine Augen auf Friedrich von Oestreich, den er an der Hand führt. Er steht über die Menge, dann kühn auf Kdnig Karl, und wider Willen haftet sein Aug auf dem Blutgerüst, er findet stch aber schnell in Friedrich von Oestreich wieder. Es folgen Gras Galvano und sein Sohn. Graf Gehrhar» von Pisa. Heinrich, Truchseß von Waldburg. H z Pro- Konradin. n8 Protonotoeius Robert Bari, StaatSsecrekair. Ba» rone, Ritter und Räthe des Gerichts. Große Stille. Hierauf steigt Robert Bari auf eine Erhöhung nahe de» Loge des Königs, und liest das Urtheil ab, «obey des Grafen von Flandern Trübsinn nach und nach zur äußersten Wuth übergeht.) Varone, Ritter und Volk! Gegenwärtiger Konradin von Hohenstaufen, Sohn König Kon- rads, und Abkömmling Kaiser Friedricht, zog aus Deutschland mit gewaffncter Hand, unfern gnädigsten König anzugreifen. Verführte hierauf das schwankende Volk dieses Königreichs, nahm kühncr- weise den Titel eines Königs von Sicilien an, und strebte unserm rechtmäßigen König Meuchelmörder risch nach dem Leben. Er trotzte dem heiligen Vater, dem furchtbaren Bann der Kirche, und lagerte sich mit seinen verbannten, rebellischen Schaaken, gegen unfern siegreichen König, welcher ans- zezogen war, sein Reich zu vertheidigen. Er brach in unsre Schaaren ein, und das Glück, um den Rebellen empfindlicher zu stürzen, verlieh' ihm einen falschen Sieg; denn bald war Gott auf unsrer Seite, und unser großer König entriß dem übermüthigen Rebellen, durch seine Klugheit und Much, den schon erhaltnen Sieg, daß der Sisger bald durch, das Schwerdt der UeVerwundnen fiel. Der Ein Trauerspiel. H9 Der überwundne und ergriffne von Hohenstaufen wurde hierauf vor ein frcves, unbcstochencs Gericht gebracht, und der König begab sich seiner Gewalt über Leben und Tod, daß man richte nach Recht und Gewissen. So wurden mit Einftirmnen des Papsts, der Baronen, Ritter und Rechtsgelehrten, Konradin und sein Anhang, für Räuber, Nebel- len, Stöbrer der öffentlichen Ruhe, und Feinde der heiligeuKirche erkannt; und geurthcilt, daß gegenwärtiger Konradin von Schwaben und seine Verbün< deten, die die Waffen für ihn ergriffen, die Strafe des Todes tragen, und ihre Köpfe mit dem Schwcrdt vom Leibe getrennt werden, und leide Friedrich von Ocstreich die Strafe des Hochverraths zuerst, und ihm felge Konradin, der Hohenstaufen, Haupt der Rebellen — Graf von Flandern, (in Äußerster Much sei» Schwer« ziehend, und Rodert Bari durchbohrend.) Verwegner ! dir kommt es ja zu ein Todesurtheil über «inen so edlen und großen Prinzen auszusprechen l (Stimmen au« dem Volk.) Wilde, große Thal! (alles sieht voll Erstaunen und Erwarten nach Flandern und »em Köniz, welcher letztere aber in gleicher Fassung bleibt.) H 4 Rons 120 Konradiri. Ronradin. Laßt mich den einzigen Mann in Euch umarmen, den mein Schicksal so tief rührt! Ihr habt ihm viel von seiner Bitterkeit genommen, und ich mag meinen Vätern sagen, daß ein Herz in diesem verworfnen Land in kühnem Grimm entr -rannte. Graf von Flandern. (Äonradin umfassend.) Thun möcht'ich! Netten! Rönig, Rarl. Staatssecretair, nehmt das Urtheil auf und leset! (dumpfes ««murr im Volk.) Staarssecrerair. — Ihm folge Graf Galt «ano, und sein Sohn. Graf Gehrhard von Pit Ha. Heinrich, Truchseß von Waldburg. Heinrich, Prinz von Kastilien büßet aus Gnade unsers Kör «igS, den Hochverrath durch ewige Gefangen» schaft. Dieses Urtheil werde vollzogen in die, ser Stunde, vor den Augen des Volks, auf öffentlichem Platz. Wir Barone und Rechtsgelehrt le haben geurtheilt und gezeichnet nach Recht und Gewissen, Gott richte uns nach unserm Urtheil! Dlutrichter! das Gericht übergiebt Euch die Schuldigen, vollziehet Euer Amt!' Lonradin. (auf den Stufen des Blutgerüsts) Zum letztenmal erheb' ich meine Stimme, die nur der Himmel hört, und die Karl'n von Anjou, und meinen ungerechten Richter«, in der Stunde des Todes Ein Trauerspiel. irr "Todes furchtbar tönen wird. Alle diese falschen, ehr- losen Anklagen fallen auf meinen Feind zurück. Grausame, harte Richter! undankbares Volk, da§ unter dem Zepter meiner Väter glücklich war, und nun ihren letzten, einzigen Sohn, mit solcher Ger fühllosigkeit belohnt! Ich bin Euer rechtmäßiger, unschuldig verurcheilter König! Auf Euren Ruf zog ich aus, dieses mein Erbreich aus den Hän- den eines grausamen, drückenden Königs, aus den Händen eines Sklaven des Papsts zu reißen, der ihm gab, worauf er kein Recht hatte. Ich wollte Euch Eure vorige Frevheit wiedergeben. Euch beherrschen gerecht und gütig, wie meine Väter thaten! Ihr steht kalt und empfindungslos bey meinem Tod — ach! die Stunden werden kommen, wo Euch dieser Karl von Anjou, und seine Franr zosen noch ^schwerer drücken werden, dann werdet Ihr wallfahrten nach meinem Grabe, heulen an meiner Gruft, und Eure heutige Schuld mit reuigen Thränen abwaschen. Euer Leben und Gut, Eure Weiber und Kinder werden der Raub der gierigen Sklaven dieses Manues seyn, sie werden so lange gegen Euch wüthen, bis die Verzweiflung Eure Herzen ergreift, und Ihr mein unschuldig- Blut durch das ihre versöhnt! Ich verlasse heute diese Welt, verlasse heute einen grausamen Ver- H ; soll 122 Konradin. folger, den Mörder meiner Tante und ihrer unmündigen Kinder. Verlasse heute ein hartes, undankbares Volk, und lasse mein Andenken zu seiner und Eurer Qual zurück! Karl von Anjou, siege noch nicht! Noch lebt das Blut der Hohenstaufen! Bin ich gleich der letzte, männliche Zweig, so lebt es in den Adern einer Königin! Hört es Ritter und Volk! Zum Beweis meines Erbrechts auf dieses Königreich, erklär' ich hier, im letzten Augenblick meines Lebens, Peter, König von Arragonien, Gemahl meiner Tante Constantia aus Schwaben, einzigen Tochter König Manfreds, zum Erben Neapels, Sicilien und Jerusalem. Zum Zeichen der Investitur kund Pfand des Kampfes um mein Erbreich, werf' ich meinen ritterlichen Handschuh vor Euch, Ihr Ritter, und fordere einen Edlen auf, ihn dem KHiig von Arragonien mit meinem letzten Willen zu überbringen. Ein Ritter, (dräng» sich durchs «ol« un» h«l>e r«, Handschuh auf.) Ronradin. Wer seyd Ihr, tapfrer Ritter? Rirrcr. Heinrich von Pitero! und gelobe bei) meiner Ritterpflicht, dies theure Pfand, Eurem Onkel Peter von Arragonien, mit Eurem letzten Wllrn zu üverbringen. Ko— Ein Trauerspiel. 12z Bonradin. Heinrich von Pitero, lebt wohl, und bringt meinem Onkel und meiner Tante mei' nen Gruß. (er umarmt ihn.) Friedrich, mein Brut der, meine Geschäfte aus dieser Well sind» bestellt. Komm, das Opfer ist bereitet. Du gehst mir vor; und aus deinen »erlöschenden Augen werd' ich deine Seele kästen. Sieh auf mich! beflecke deinen reinen Blick nicht an diesem Haufen! Komm ins Grab, wo Ruhe wohnt! Komm zu den Unsterblie chen, die unser harren. Friedrich von Gestreich. Ich gehe voran, und sehe dich nicht leiden! Bonradin. Die wir hinterlassen, leiden. Wik gehen zur Ruhe. — Harre meiner dann noch eit nen Augenblick, bis mein Geist dich ereilt. Zum letztenmal an mein Herz! zum letztenmal in der Fülle des Lebens! —> Harre meiner! Friedrich von Gcstreich. Ich harre deiner, und bin fren! deine Hand! — Dies ist ja die err ste Stufe zu unfern tapfern Ahnherrn! Bonradin. Zur Ruhe! Friedrich von Gcstrcich. Zum Grab! Graf von Flandern, (verhüllt sich in seinen Mantel und tritt zurück.) (Sie gehen Hand in Hand das Blutgerüst hinauf. Di« übrige Verurlheilte felgen. Man sichr sie nicht mehr. Lchluch» 124 K o n r a d i n. / Schluchzen und Still« im Volk. Nach und nach ktrt uian die Stimmen KonradinS und Friedrichs von Oestreich. Aus den Bewegungen des Volks, auS sei» nen Tinen merkt man, waS borge ht.) Ronradin. Ach daß ich dir so lohne, für all Leine Dienste! daß ich Euch so lohne, unglückliche Waffenbrüder! Friedrich von Gestreich. Kurd, mein Kurd! — ich harre deiner — o deine Hand! reine Hand — und nun deine freundliche Hand! Im Volk. Ha! Sehl! Seht! Er küßt das Haupt seines Freunds! O Schmerz! Er hält es fest! Nun kniet er und betet! (Pause.) Ronradin. O meine Mutter! meine Mutt 1er! wie groß wird dein Schmerz seyn, wenn du das Ende deines unglücklichen Sohns hörst! (Pause.) Im Volk. O edle Standhaftigkeit! Großmüthige Verachtung des Lebens! O Schmerz! Schmerz! Noch hält er das Haupt seines Freunds und küßt es! Lon- Ein Trauerspiel. I2Z « » Ronradin. Harre meiner, Bruder! Ich komme! Meine Väter nehmt mich auf, ich bin Eurer werth! (Oer Meng« entfährt ein Schcey des Entsetzens.) (tiefe Stille.) (Nach einer langen, schmerzvollen Pause, trägt man zwey Särge das Gerüst herunter.) Letzter Auftritt. Elisabeth drängt sich durch das Volk, und sinkt bey den Särgen nieder. Graf von Flandern naht sich ihr. Ritter HurneiS an ihrer Seite. O haltet! haltet! Meine Söhne! Meine unschuldige Waisen! Wohin wollt' Zhr mit ihren Leichnamen? Träger. Zum Grabe! Elisabeth, (bittend zum KLnig, bey den Särgen.) O gieb mir sie! gieb mir sie! Gieb Erde von seinem Königreich zu einer Kapelle, diese Leiber einzuschlier Hen! Ein klein Stückchen Erde, diese Unschuldigen zu begraben! Höre! höre auf das Flehen des elendsten Weibs! Ein Stückchen Erde! ein Stückchen heiliger Erde dem Erben dieses Königreichs! Rö« 126 Konradin. Röm'gLarl. Zm Bann der heiligen Kirche »erstorbene, mögen nicht in geweihter Erde ruhen! Elisabeth. O' so gieb mir ein Stückchen Land am schäumenden MeerVerfolge die Todten nicht! Gieb mir ein Stückchen unfruchtbarer, gemeiner Erde! Ach am Meer.' an der Straße! auf Felsen ! am Fuß -es furchtbaren Vesuvs! — Gieb .«in Stückchen Erde, daß ihre Leiber ruhen, und die Mutter ihre Söhne begrabe! Rönig Rarl. Begrabt sie am Strande des Meers! Die