Extra-Blatt! Wie in Wien gestern Nacht der demokratische Klubb gesprengt worden ist. dieser demokratische Verein war eS, welcher eS zuerst in Anregung brachte, daß daS Ministerium PillerSdorf unmöglich sei und dessen Abdankung durchsetzte. Seine Tendenz ist dir Bildung deS Volles zu einer konstitutionellen demokratischen Monarchie» GS ist dieser Verein beschuldigt worden, daß er Hitz- und Svruvelköpfe in seiner Mitte zähl«. Mag seine Tendenz auch einem Theile der Bevölkerung mißfallen, so befindet er sich dennoch auf dem Rechtsbooen, und es kann für keinen Pitrioten erfreulich sein, welcher eine absolute Mo,ar- chie verabscheut, wenn er sieht, daß daS Assoziativnsrecht und die persönliche Sicherheit verletzt wird. Ich bin kein Mitglied des demokratischen Vereins und fühle keine Lust als sei, Panegiriker auizutreten, aber daS Prinzip will ich gerettet wissen; die Regierung möge sein Wirken und Handeln einer strengen Prüfung unterziehen und findet sie seine Ri btung mit dem Frieden und dem Wohle der Stadt nicht vereinbar so soll uno muß er augenblicklich aufgelöst werden. D-r Klubb hielt seine Sitzungen beim römischen Kaiser an der Freiung und faßte über Sllst Mitglieder in sich, worunter wirklich sehr viele Juden. Gestern schon hörte man auf einigen Orten daß dem Klubb eine Katzenmusik heute Nacht werde dargebracht werden. Jedoch die Demonstration fiel großartiger auS. Da der Saal nicht gesperrt ist, so fanden sich eine große Zahl der Gegendemokraten ein. die eS sich zum Zweck machten einen Kravall hervorzu- rufen um den Klubb zu sprengen. Als Itr. Jellineck eine Adresse an die Nationalversirmmstung vortrug worin der Dere n gegen die Nnverantwortlichkeit protestirte, sing eine Person zu Miaunen und eine andere zum Züchen an. Der Präsident verwies sie zur Ordnung, daS Miaunen und Zischen wiederholte sih heftiger, der Präsident erklärte die Sitzung unter solchen Umständen für eine hilbe Stunde aufgehoben. Einige Mitglieder protestiren dagegen und verlangen, daß die Debaten fortgesetzt werden sollen, und die Unrukstister den Saal verlassen mögen. Jetzt kams zum Losbruch. Die Geqendemokraten singen zum Schreien an: Hinaus mit Euch,-ihr seid'S Republikaner! und begleiteten ihre Worte mit Püffen und Hieben. Auf der Gaffe hörte man fortwährend schreien: Lauter Juden! Lauter Republikaner und eine gehörige Zahl Drohworte. Die Klubbisten räumten augenblicklich den Saal. Aber unten ging eS erst los. Der volle Ausstand war fertig. 3N0 Munizialgardisten kamen herbei, und Nationalgarde zu Fuß und zu Pr'erde. Mit größtem Bedauern mußte man sehen, wie sich der Wahn verbreitete, daß da Juden oben seien, die Republikaner wären. Die Zaströmendcn meinten, daß man Republik auSgerufen hätte, worauf die Erbitterung des Volkes gegen die Klu.bisten auf bas äußerste gebracht wurden. Diele sclmen: Nur zusammengcfangt diese ^udenl DaS bekannte bemoste Haupt der Universität, der abencheuerlich Gekleidete und gern gesehene Legionär, wurde da er beschwichtigte und aufklären wollte mit seinem Schwerte daS man ihm her- rausriß, verwundet. Endlich klärten sich die Sachen so ziemlich auf und das Publikum ging um 1 Uhr auseinander. Die Klubbisten nennen einen, gewissen Katzmaier den Anstifter deS Kravalls. Im Verlagsgewölbe, Kölnerhosgaffe Nr. 73V? Scheibe. , Gedruckt bei Leop. Sommer. - s.