Ludwig von Kossulli, Ministerpräsident von Ungarn. Dieser genialste Sohn, des schönen Ungarlandcs hat seit den Märztagen die Aufmerksamkeit von ganz Europa auf sich gelenkt, und namenltich durch seine großartige Rede im Pesther Landtage im Monate Juni dieses Jahres enthusiastische Begeisterung und die aufopferndste Hingebung seiner edlen Nation erwirkt. Bei den Worten: »Will der Himmel uns das Geld verweigern, so werd' ich's aus der Hölle schaffen!« erglühte die ganze Versammlung im edelsten Patriotismus, und sie schwuren: Alles aufzubieten, Mannschaft und Geld, um entweder zu siegen oder als Helden ein tragisches Ende zu nehmen! Bei den traurigen politischen und nationellen Bewegungen dieses Landes, und dem blutigen, van- dalisch gräßlichen Kampfe der Magyaren mit den Raizen, Serben rc., die uns mit Trauer und Furcht erfüllen, ruht des Vaterlandes größte Hoffnung auf seinem edlen Sohne, dessen geistvolles Antlitz uns dieses Bild repräsentirt. Die Stellung des ungarischen Ministeriums und hauptsächlich Kossuth's ist eine eigene und äußerst schwierige. Die finanziellen Mittel Ungarns sind zerrüttet, jeden Monat ein ungeheures Deficit! Oesterreich, anscheinend in Freundschaft mit Ungarn, unterstützt beinahe offen dessen Todfeind, den Banus von Croatien. Der Ban wurde vom König von Ungarn als Hochverräter erklärt und vom Kaiser von Oesterreich gut ausgenommen. Der unglückselige Krieg, in welchem alle Greuel- scenen, welche die finsterste Fantasie auszumalen im Stande ist, ausgeübt werden, hat begonnen, und wird mit immer größer werdender vandalischerWuth fortgeführt. O schmähliche Politik einer Regierung, die öffentlich schweigt und heimlich unterstützt! Großer Sieg des souveränen Volkes durch die demokratische Partei der cou- stituirenden Versammlung in Berlin und Frankfurt. Beinahe ganz dasselbe Verhältniß des Ministeriums und der Reichskammer zum Volke bestand in Berlin, wie bei uns in Wien; hier wie dort machte das Ministerium die Nichtannahme eines die Interessen des Volkes wahrenden Antrages zur Ca- hinetssrage, nur mit dcm verschiedenen Erfolge, daß hier das Ministerium, dort die demokratische Partei siegte. Wunderbar bleibt es übrigens, daß fast zur gleichen Zeit nicht nur in Wien und Berlin, sondern auch in Frankfurt die Ministerien kühner auftraten und die Nichtanerkennung der Volkssouveränität zur Basis ihres ferneren. Fortbestehens machten. Wenn wir hier der mehrmaligen Ansicht unserer reactio- nären Blätter erinnern, welche in dem zufälligen Zusammentreffen von Revolutionsversuchen in verschiedenen Ländern einen Zusammenhang und eine weitverzweigte Verschwörung sehen wollteu, so mögen dieselben uns auch jetzt verzechen, wenn wir eine reac- tionäre Ministerverschwörung nicht für unmöglich halten. Den freisinnigen echten Volksvertretern unseren und des größten Theiles der Bevölkerung von Deutschland wärmsten Dank, daß sie zum Mißlingen dieser volksfeindlichen Bestrebungen so kräftig beitrugen. lieber die letzten Ereignisse in der hiesigen Reichskgmmer sind die Leser wol größtentheils schon unterrichtet, und es dürfte hier genügend sein, wenn ich blotzandeute, daß Minister Bach über die Rechte der Kammer und somit Volksrechte als Antwort auf die Fragen Borrosch's sich in einem diplomatischen Aktenstücke ziemlich ungenügend aussprach, und daß im Ganzen genommen das Ministerium, und mit ihm die.'Rechte der Versammlung, soll heißen: die Anhänger des Ministeriums, Sieger blieben. Anders war es in Berlin. Abgeordneter Stein stellte den Antrag: der Herr Kriegsminister möge in einem Erlaß an die Armee sich dahin aussprechen, daß die Officiere allen reactionären Bestrebungen fern bleiben, nicht nur Conflicte jeglicher Art mit dem Civil vermeiden, sondern durch Annäherung an die Bürger und Bereinigung mit denselben zeigen, daß sie mit Aufrichtigkeit und Hingebung an der Verwirklichung eines konstitutionellen Rechtszustandes Mitarbeiten wollen, widrigenfalls sie aus der Armee austreten sollen. Dieser Antrag wurde von wenigstens 300 Stimmen zum Beschluß der Versammlung erhoben. Das Ministerium aber erklärte, daß es diesen in der Nationalversammlung am 9. August gefaßten Beschluß nicht ausführen könne und wolle. Sonach ist die ganze Thätigkeit der Nationalversammlung eine kindische Spielerei, getrieben, um Land und Volk zu täuschen. Abgeordneter Waldeck rief in der Versammlung am 6. September: »Wenn dieser Beschluß nicht gefaßt wird, so können wir hier nicht mit Ehren auch nur eine Minute länger sitzen bleiben, und entweder muß sich der Reichstag auflösen oder das Ministerium muß gestürzt werden.« — Nach langen Debatten am 7. Sept. Abends ging der Antrag Stein's mit einer Majorität von 67 Stimmen durch. Das Ministerium Auerswald, Hansemann, Schreckenstein, Milde, Märker, Gierke und Kühlwetter ist sonach gestürzt!! — Endlosen Jubel erregte diese Nachricht unter dem Volke, welches den Mitgliedern der Linken donnernde Hochs brachte, welche nimmer enden zu wollen schienen, worauf der Abgeordnete Stein von der Volksmenge im Triumphe nach dem Opernplatze getragen wurde, woselbst das Volk von einem zufällig dort stehenden Wagen die Pferde ausspannte, den Gefeierten in den Wagen hob und ihn jauchzend und jubelnd durch die Straßen zog. Auch das Ministerium m Frankfurt, welches die Bekräftigung des Waffenstillstandes mit Dänemark von der Nationalversammlung zur Cabinets- frage machte, ist mit einer Majorität von 14 Stimmen, womit dieser Antrag verworfen wurde, gestürzt. Erst unlängst sagten wir, es ist eine bedeutende Crisis, auch in Wien, auch in Berlin dürfte sich Großes ereignen, unser Ausspruch hat sich bereits bewährt. Die Schlacht ist bereits geschlagen, der Sieg der demokratischen Partei gewiß. Es lebe das souveräne Volk! M. Klaus. Zuverläßlichen Nachrichten zufolge sollen die kroatischen Truppen bereits den 7. September bei Warasdin, Kreuz und Kopreinitz die Drau passirt haben, und befinden sich somit auf ungarischem Gebiete. Der Banus Jelachich steht an der Spitze seiner Truppen. Fürst Paul Eszterhazy hat bereits seine Demission als ungarischer Minister des Aeußern eingereicht, und wie es verlautet, werden die ungarischen Minister Fürst Batthyany und Deack seinem Beispiele folgen. Erzherzog Stephan, Palatin, soll nicht gesonnen sein, d»e Residenz eher zu verlassen, bis die ungarisch-kroatischen Wirren gelöst sind. Wien. 8. Septemb. Abends 8 Uhr. Die De« putirten und ihre Sendung an den König, nehmen die Aufmerksamkeit der Bevölkerung in Anspruch, man combinirt allenthalben, daß cs nun endlich zu einer gewaltigen Krisis kommen muß. Noch immer konnten die Vertreter des souverainen ungarischen Volkes keine Audienz bei ihrem König erbetteln, und nur die dringende Zurrede des Ministerpräsidenten Batthyany, die bestimmte Aeußerung desselben, er würde das Portefeuille abgeben, wenn sie sich nicht noch bis Abend gedulden, konnte sie be,ummen noch länger hier zu verbleiben. Auf 9 Uhr Abends hat er ihnen das Versprechen gegeben, die definitive Antwort geben zu können, ob sie znr Audienz zugelassen werden oder nicht. Berlin. Hier ist die Cholera bereits epidemisch geworden, es sterben täglich SO Personen. Man spricht, daß der König von Preußen, das von der Nationalversammlung angenommene Gesetz, die Aufhebung der Todesstrafe betreffend, nicht genehmigen wolle. München. Das Gießhaus allhier ist ein Raub der Flammen geworden. Constantinopel. Am 19. August wurde diese Hauptstadt von einer furchtbaren Feuersbrunst heimgesucht, welche die meisten Holz-, Oel-, Reiß- und Buttervorräthe, die in mehr als 3000 Magazinen und Boutiquen aufgehäuft lagen, so wie den Obstmarkt der Hauptstadt zerstörte und hierdurch einen Schaden verursachte, der auf 1000 Millionen (türkischer) Piaster geschätzt wird. Das Hotel des Cultus - Ministeriums, die Pforte des Scheich-el- Jslam und die herrliche Moschee Suleimanich konnte nur mit größter Anstrengung gerettet werden. Unter Verantwortlichkeit des Herausgebers, Zosephstadt Nr. SS. — Gedruckt bei Joseph Ludwig.