508:14 (Nr. 99.) Zwei allgemein beliebte Lieder: Der Dumme hat's Glück. Nach den bekannten Melodien und Hrn. Alois Berla's Texten bearbeitet vom verantwortlichen Verfasser August Betz. Im Verlag bei Franz Barth in Wien, Mariahilf, kleine Kirchengasse Nr, 28 . Der Gedankenstrich Es bethet so andächtig täglich a Frau, Verdreht ihre Augen durch reuiges G'schau rc. rc. Das Zweite: Die verbotenen Früchte Die Mutter zur Tochter vertrauensvoll spricht: „Mein Kind, geh in's Kloster, für d'Welt taug'st du nicht" rc. rc. W ..-:i'.- sÄ -F "»».- L7'»L^^ r u k» ., »' 5 ',sr L» r h 157/^'^ tz) ?'! 72,^1 ^ r r L. ' . -...' -Mirrft Z^-skrM 7^ħ'4 r>?1 . 7 -. .;: crr'/Wr: '-' S'l!! ü;tz MM Der Gedankenstrich. Es bethet so andächtig täglich a Frau, Verdreht ihre Augen durch reuiges G'schau Und rutsch't sich die Knie vor Demuth faßt wund, Denk't aber dabei: „Ach! Wer füttert mir d'Hund?!" Bitt't s' Jemand um Hilf' aus der härtesten Roth, Sagt s': „Mein ! Meine Kinder hab'n selber ka Brod Mich aber empört so a scheinheilig's Treib'n, Drum möchl' ich ihr gleich einen off'nen Brief schreib'» : „Es wird wohl der Himmel gar weislich sich hüthen, Zu hören auf Ihre vergifteten Bitten! Sie denken, im Auge der Welt sich zu schmeicheln. Wenn (lieblos mit Menschen) Sie Frömmigkeit heucheln? Wär' Jeder ein Pater, dann freilich wär'n S'froh, Sie sind schon die Wahre! Ru, das weiß man so, Denn Sie sind ja von der Gesellschaft der — Nein, da mach' ich jetzt lieb'r ein'n Gedankenstrich her! Ein Herr, der dem Fortschritt' von je her nicht hold. Weil er sonst nichts kennt, als wie Silber und Gold Hat g'glaubt, man wird greifen nach ihm voller Hast, Weil Alles, was frei heißt, von Herzen er haßt; Doch, weil er jetzt durchg'fall'n ist, greift ihm das an Und sucht nur ein'n Weg, wie er rächen sich kann; Mich aber empört so ein selbstsüchtig's Treib'n, Drum möcht'ich ihm gleich einen off'nen Brief schreib'«: Du bist zu bedauern — Du armer Verkannter! Du warst doch so gutg'stnnt, wie's ging durcheinander? Du hast ja nicht g'schofsen, du schon'test dein Leben, Jetzt will man dir noch keinen Lohn dafür geben? O pfui! Das ist grauslich! Das leidet ich nicht! D'rum rath' ich dir: Sag' das den'n Herr'« in's Gesicht, Und halt' jetzt von nun an zu unserer — Rein, da mach' ich jetzt lieb'r ein'n Gedankenstrich her! Es ist einer preußischen Zeitung nicht wohl, Weil sie jetzt von nun an gar nichts sagen soll; Obwohl das, (was s'g'sagt hat) ist niemahls was g'west. So hat s'doch ihr Kreuz, weil man das nicht mehr les't, D'rum schimpft sie: Was mach'ich? Ich bin Preßgesetzt, Bin nur ein gekreuzigtes Zeitnngsblatt jetzt! Mich aber empört ihr empörendes Treib'», Drum möcht'ich ihr gleich einen off'nen Brief schreib'«: Sie schimpfen gefälligst d'Regierungsmaßnahmen, Mit denen Sie in allen Stürmen durchkamen, Und sind nicht zerschellt't an den Klippen der Ehre Im schwarz-weißen Theile der nordischen Meere! Mit neidischen Blick seh'n Sie jetzt auf uns her Und freu'ten sich, wenn's nur in Preußen so war'! Daß man könnt', (wie hier) reden — frei von der — Nein, da mach' ich jetzt lieb'r ein'n Gedankenstrich her! A Witwe mit Kindern (bei sechs an der Zahl) Die hat mit die Kleinen viel Sorgen und Qual'; Weil flalle z'samm' hungern, d'rum klagt sie: „O web!"— „Noch immerfort steig'n s'mit'n Rindfleisch in d'Höh'! Und Ochsen, — ach! Ochsen, die gibt's ja genug, Drum ist diese Theu'rung nichts Ander's, als Trug; Mich aber empöri's, was das Weib All's thut treib'n, D'rum möcht' ich ihr gleich einen off'nen Brief schreib'«: „Weiß sie meine Liebe: Es ist nicht gar schön, Den'n Herren, die's angeht, auf die Kappen zu geh'n! Weil sie mit den Kindern nur Rindfleisch will essen. Wird man nicht gleich billiger'« Fleischpreis bemessen, Denn über die Zeiten klag'n eh stark die Herrn Und was sie Verlust hab'n, das soll sie erst hör'n: Der Schaden beim Pfund, der mag sein ungefähr: — lunterdrükt das Lachen.) Nein, da mach' ich jetzt lieb'r ein'n Gedankenstrich her. Im Römischen, in der Stadt Rimini hat Ein Bild der Madonna gespendet die Gnad' Daß's blickt jeden Gläubigen liebevoll an, Doch 's woll'n ^Demokraten nicht glauben daran Ein Strich mit dem Pinsel — so sagen sie laut Der macht, daß das Auge ein'm üb'rall nachschaut, Mich aber empört so ein ungläubig's Treib'n, Drum möcht' ich jetzt gleich einen off'nen Brief schreib'«: Ihr Schafe, ihr Lieben! Denk't, ich bin der Hirte, Der euch auf dem Wege des Heiles stets führte! O! Glaubet das Wunder, 's ist wirklich geschehen. Was Bischöfe und Cardinäle gesehen! Auch Männer, die sonst Demagogen gewest, Hat's reuige Thränen in's Auge gepreßt, Und glaub't, es geschehen vielleicht noch mehr — Nein, da mach' ich jetzt lieb'r ein'n Gedankenstrich her! Die verbotenen Früchte. Die Mutter zur Tochter vertrauensvoll spricht: „Mein Kind, geh' in's Kloster, für d'Welt taug'st du nicht! Bis dahin hüth' sorgfältig vor Männern dich, Denn Jeder trägt leibhaft den Teufel in sich; D'rum flehe zum Schutzengel, er sei dir hold, Damit dich der männliche Teufel nicht holt!" „Oho?" denkt die Tochter: „Nur hübsch fein bedächtig! Mein Eduard wäre als Belzebub prächtig! Sie dacht' es und sah ihn auf sich herzu schreiten, Und richtig begrüßt sie den Teufel von Weiten! Beim Küssen erschrickt sie und wird leichenblaß, Denn d'Muttcr die rufet von fern': „Was ist das?" „Ach Mutter! — „So fleh't sie:" Sind S'nur nicht so schroff! Der bärtige Teufel, der mach't mir den Hof! Ach! Wüßten Sie, wie's in der Hölle wohl thut! Denn Früchte, die verboten sind, die schmecken halt so gut, so gut! — Denn Früchte, die verboten sind, die schmecken halt so gut! Ein Mann, der der Wahrheit beständig getreu. Der rüg't jedes Unrecht, mag sein, was es sei; Betrifft es den Staat oder's eigene Haus, So dräng't 's ihm die nakende Wahrheit heraus. Er nennt ohne Furcht stets das Unrechte schlecht Und redet und handelt für Freiheit und Recht. Doch plötzlich verbiethet man ihm seine Reden, Das kränk't ihm zum Tod fast, doch, um sich zu retten Und nicht den politischen Muth ganz zu brechen. Hört man ihn beständig mit'n Stiefelknecht sprechen. Bald ist der Herr Stiefelknecht Rathsherr sogar, Philifl'rischer Langohr, bald wieder Primär, Bald Kornwuch'rer, bald, der durch List und durch Schein Viel' Schätze sich sammelt mit Ablaß verleih'n. Er sagt denen d'Wahrheit, wie wohl es ihm thut! (Denn Früchte, die verboten sind, die schmecken halt so gut! so gut!) rep. Daß Adam und Eva ein frohes Volk war. Beweisen die Nachkommen deutlich und klar; Sie lebten so sorglos, so leichtsinnig hin, Bis ungeahnt Sabaoth's Weisung erschien: „Herr Adam, Frau Eva, das leide ich nicht, Daß Ein's oder 's And're die Frucht etwa bricht!" — Der Apfel schien Evchen in's Auge zu stechen, Und schlau sagt die Schlange: „Was sollst ihm nicht brechen? Schön Evchen! Ach! Glaub'nicht, was Sabaoth belfte! Geh, iß nur — und gib auch dem Adam die Hälfte!" Sie ließen sich's schmecken, doch plötzlich — o weh! Ertönt eine zornige Stimm' in der Näh': „Was habt ihr gethan?" — Doch, sie werden blutroth Und stammeln: „Verzeihe uns, Herr Sabaoth!" „Du weißt ja, wie wohl dieses Frühstück uns thut, (Denn, Früchte, die verboten sind, die schmecken halt so gut! so gut!") rep. Ein Jüngling der leidet im Kopfe gar sehr, D'rum geht er zum Doctor und sagt! Bester Herr! Wenn Sie mich nicht bald von dem Schmerze befrei'n, So kann ich nicht helfen, ich muß wieder schrei'n!" Der Doctor spricht: „Schmerz lindern war stets mein Wunsch, Doch warn' ich Sie nachdrücklich nur vor dem Punsch!" Am Heimweg' geht er beim Kaffehaus vorüber, Da wird ihm so kühl, als bekam' er ein Fieber; Er denk't: „Ohne Punsch kann ich nicht existieren, Der muß mich in all' meinen Leiden kurieren! Der Jüngling sitzt da mit dem Punsch in der Hand, Da kommt der Herr Doctor und sagt: Ach! Charmant! „Verzeih'n S'! „sagt der Jüngling:" Mir war nicht recht gut, Doch Jetzt fühl' ich wieder den vorigen Muth; Sie glaub'n nicht, wie wohl in den Adern er thut! Denn, wenn der Punsch verboten ist, so schmeckt er gar so gut! so gut! Ach! Pünsche, die verboten sind, die schmecken gar so gut! Es kehret ein Herr vom Theater retour Und sagt: (voll Verdruß) So was z'hör'n ist a Tour! 's ist merkwürdig, daß man darf Stücke aufführ'n, Die d'Freiheit und 'sVolk fast in's Himmelreich führ'n! Drauf ruft er d'Familie und sagt: Hört mich recht: Daß Keines das Stück anzuseh'n sich erfrecht! Tag's d'rauf, wie er z'Haus kommt, o Himmel! da sieht er Nicht d'mindeste Spur der Familienglieder Die Mutter, die Schwester, der Bruder, die Kinder, Auch d'Großmutter, plagte die Neugier nicht minder; Wiewohl s'weg'n ihr'» Alter gar selten geht aus. So ist s'doch so wenig, wie d'Andern zu Hans. „Was?" — Schreit er die Magd an: Wo soll'n sie denn sein?" „Still!" Antwortet die: „In's Theater sind s'nein! Weil man heut' das wühl'rische Stück aufführ'n thut, Denn, Früchte, die verboten sind, die schmecken halt so gut! so gut! — Denn Stücke, die verboten sind, die schmecken halt so gut! Ls.nllrr>.1ulii§ 1^. Krankl Kalos» 57