Wivdifchgrätz beim Gabelsrnhstick Iv ^ H^r^« „««s «r^i L«IaK«r,„»8S»>i8t»»«I. Reich-tag-Titzung vom 21. Oktober AbenbS S Uhr; gegenwärtig über 193 Deputate. Schuselka trägt eine Zuschrift des GemcinderathS der Stadt Wien vor, worin derselbe die Anzeige macht, daß sie vom F. M. L. Fürst Windischgrätz aus de.m Hauptguarticr Stammersdorf aufgcfordert wird, daß sich ihm alle Sivil- und Militärbehörden unterordnen, da er die Stadt Wien in Belagerungszustand erkläre und das Standrecht auSüben werde. Die Zuschrift und das Placat de« Windischgrätz wird vorgelesen unter allgemeinem Zischen. Der Präsident Smolka mackt die Deputation auf die Wichtigkeit diese- Gegenstandes aufmerksam und empfiehlt Besonnenheit. Schuselka als Berichter- statt» de» permanten Ausschußes der hohen Kammer erklärt nach Auseinandersetzung der vielen Gründe ganz ruhig, daß keine Ursache, weder r on^ Sei te de« Kaiser» ^noch vou einer Miliiärherrschast vorhanden wäre, das äußerste ^.Mittel, da» Standrecht auizuüben, da Sicherheit und Ordnung in Wien nie unterbrochen worden ist. Der hohe Reichstag'Erklärt daher einstimmig und unter ungeheuerem, Beifall ein solche» Verfahren ungefesetzlich, demnach das tevsiische Vorhaben der Ea» marilla entkräftet ist. Die Bekanntgtbung durch Plakate wird beschlossen. ReueOe -rachrichten. Nachdem gestern bereits um S Uhr Früh bei der Ma- riahülfer Linie 800 Mann mit Sack und Pack zu uns über» gegangen — verursachte der Uebergana einer Truppen-Abthri- lung von Erzh. Ludwig Infanterie bei der Rüßdorf» Linie die Allarmirung und das Sturmläuten., um halb l l Uhr, «drm dieser Mannschaft von Seite des Militärs nachgeseu- rrt wurde. * Stach unverbürgte» Nachrichten ist der Kaiser mit seinem Hostager von Ollmütz nach Prag?! — in Berlin und Leipzig ist Revolution. * Bon der croatischen Armee gingen den 20. Oktober 3 Compagnien zu unS über. * 3n Italien stehet eine allgemeine Erhebung bevor. * 'Am 20. Okt. ging die Depesche des hohen Reichstages an Se. Majestät mittelst Courier nach Ollmütz ab. * Die ehrenwcrthen Bewohner von M. Trübau zeigen unter dem 15. Oktober an, daß ihr gewählter Deputirter Weigl seit rielen Tagen zu Hause sei, und nicht in Wien seine Pflichte» erfülle, daher M. Trübau einen neuen Deputaten wäblen wird. Ehre und Ruhm der biedern Stadl M. Trübau. * Windischgrätz ist Commandircnder der demoralisirte», kranke», uneinigen Armee, welche Wien ccrnin hat. Auersperg steht unter ihm. Auersperg bat cS selbst schriftlich dem Reichs- tag erklärt. * Frankfurt. Alle Blicke sind auf Wien gerichtet; ei ne große Aufregung berrscht über die neuesten Begebenheiten dor runter der hiesigen Bevölkerung upd mau sieht mit gespannter Erwartung dem Ende der Revolution entgegen. Die hiesigen Demokraten, ennuthigt durch die hcldenmütbigen Wiener, erheben ihr Haupt wieder zuversichtlicher und halten die gute Sache noch nicht für verloren j eine andere Klasse hinge, gen. österreichische Aklien.-Besiz.er u. s. w., gehen verzweiflungsvoll umher und fürchten einen Staatsbankerott mehr als die Chorela. * Gleichzeitig mit der Deputation deS GemeinderaiheS zur Neberrcichung einer Adresse an Seine Majestät, hat auch die Nationalgarde der Stadt Wien sammt den zur Hülfe der Hauptstadt herbeigeeilten Wehrmannschaften der Städte Brünn, Linz und Gratz eine Deputation zu demselben Zwecke abge» chickt. Bon Seite deS Ober-Commando'S wurde aus seinem Stabe der Major Haugh dieser Deputation beigcgeben. Der Inhalt der Adresse ist folgender: Eure Majestät! Die ehrfurchtsvoll Gefertigten, von Wer Majestät im März ?: aus eigenem Willen in- Leben gerufenen Bürger- und National-Körperschaften im Gebiete der Stadt Wien erfüllt es in diesem wichtigen Momente mit tiefem Schmerze, daß Eure Majestät Sich bewogen gefunden haben, wegen der Sr- «igntffe des L. Oktober» d. 3. Wien zu verlasse». , ES handelt sich dermalen nicht um^zu rechten, sondern darum, solche Vorschläge und Maßregeln Eurer Majestät zu unterbreiten, welche da» künftige Wohl der Bevölkerung Wien», daS Wohl der Gcsammt-Monarchie, ja den Frieden von ganz Europa dauernd sicher stellen können.—Diese Entzwecke, abgesehen von allem Andern, können aber nur erreicht werden, wenn Eure Majestät Sich bewogen finden, die nachstehenden ehrfurchtsvoll gestellten Bitten in Erwägung zu ziehen: ErstenS: Der Herr General der Eavallerie Graf Auersperg beziehe mit seinem Militär die Garnison Wiens, deren Anzahl aber 10,000 Mann in Allem nie übersteigen möge. Zweiten»: DaS Militär sei auf daS Allerhöchste Patent vom 15. März und 15. Mai l. 3. zu beeiden, mit Vorbehalt der allgemeinen Beeidigung auf die vom Reichstage zu berathcnde Constitution. Drittens: Daß Eure Majestät Sich sechs Männer auS dem gcsammten Nationalgardc-Institute zum Adjutantendienste in die Hofburg bestimmen möge. Viertens: Daß die Herren Generäle Iellachich und Fürst Windischgrätz nicht nach Wien kommen, sich vielmehr arider Umgebung von Wien alsobald entfernen, und die Linien- Regimenter Nassau, Latour, so wir auch Wrbna Chevaur-leger» nicht die Garnison von Wien beziehen. Fünftens: Daß die VolkSwehr auf Grundl ge eines tadellosen Rufes, Intelligenz oder Besitz auf ein vom Reichstag- sogleich, wenigstens provisorisch zu erlassendes-Gesetz organisirt werde, wo jedoch die Befitzhabenben in keiner Weise dem Na- rionalgarde-Dienstc sich entziehen dürfen. SechStenS: Die alsobaldige Bildung eines freisinnigerr volksthümlichen Ministeriums, und endlick Siebentes: Daß Eure Majestät geruhen, Sich in 3hr allzeit getreues Wien zurück zu begeben, wodurch Ruhe und Ordnung schnellstens hergestellt sein wird. Diese» letztere ist um so nöthiger, als Eurer Majestät angeborene HerzcnSgüte gewiß nicht will, daß die schöne Stadt Wien und ihre Bevölkerung unter der Last der jetzigen Verhältnisse einem unabsehbaren Unglücke noch länger Preis gegeben sei. Unberechenbare Folgen hängen von den zu treffenden Maßregeln ab. Millionen treuer Einwohner sehen mit Sehnsucht de- Entscheidung entgegen. 3m Uekrigen erklären die Gefertkzien in der Wesenheit mit der Tendenz der Adresse de» GemeinderaiheS einverstanden zu sein, und haben sich im weiteren auf dessen Inhalt berufend in tiefer Ehrfurcht zu nennen Wien, am 20. Oktober 1848. Eurer Majestät, ,c. re. (Folgen die Unterschriften.) Au haben bei»; Herausgeber, Brritenfeld Rr. 6. Druck der o. v. Kunstanstalt. 1 ^. 4