Antwort eines gutgesinnten Bürgers in Gumpoldskirchen auf die Protestation, welche sich Herr Purschke» Justiziar und Kommissar, gegen das Schreiben vom 22. März d. I., vom Herrn Römersdorfer von Klosterneuburg erlaubt hat. Mein lieber Herr Castelli! Ällle Landleute, welche ihr erstes Blatt gelesen haben, danken Ihnen für Ihr Begreifllchniachen, was das hochgeschätzte Wort „Preßfreiheit" heißt, indem Sie uns ausdrücklich gesagt haben, daß wir uns auch beklagen können, wenn uns der Schuh drückt, damit Die lesen, welche den Schuh weiter machen können. Allem sie thun uns nicht nur drucken, sie sind im Ganzen so eng, daß wir bald in gar keinen hinein können. Auch wir auf dem Lande wissen es sehr gut, daß unser lieber guter Kaiser nicht gewünscht hat, daß es mit uns so weit kommen soll, als es gekommen ist. Wir hoffen auch Alle in der Zukunft, daß bei der neuen Verfassung unser guter Landesvater, für den wir Alle bereit sind, für seine Aufrechthaltung unfern letzten Tropfen Blut zu geben, daß er auch auf uns bedacht seyn wird. Wir wissen auch recht gut, daß auch die traurige Lage des' armen Landmannes unserm guten Vater immer von der verkehrten Seite vorgestellt worden ist Das ist ihm gewiß nicht gesagt worden, daß wir mit der größten Bruderliebe Einer dem Andern nicht mehr helfen können, weil wir Keiner nichts mehr haben. Wir haben schon lange genug die Zähne übereinander gebiessen, wenns uns von hinten mit der glühenden Zange hinein gezwickt haben. Hätte man „auweh" geschrieen, so hättens einem gar den Hals abgeschnitten. Meine lieben Brüder habt Geduld, wir wollen nicht mit Prügeln drein schlagen, wir wollen unserm guten Kaiser mit unserm ruhigen Benehmen Freude machen. Wir wollen zeigen, wenn wir auch nur Landleute sind, daß wir dennoch verstehen, daß eine so ganz neue, wichtige und großartige Verfassung gut bedacht werden muß, und nicht übers Knie abgebrochen werden kann, sonst ists gleich wieder nichts. Wir wollen Gott bitten, und von unserm guten Kaiser das Beste hoffen. Aber das Reden lassen wir uns auch nicht wehren; aber nur Wahrheit, und mit Grund, denn wenn wir gar nichts sageten, so glaubeten die, die uns gezwickt haben, die Pämpeln kennens nicht, daß für sie auch ein Licht! aufgangen ist. Kurz wir reden die Wahrheit mit unserm ländlichen Dialect, kerzengrad heraus, und dem's a so nicht recht ist, der soll nur denken, daß wir nur 6 Jahr in'd Schul gegangen sind, und das bei einem Schulmeister, der öfter anstatt dem Schulhalten spazieren gegangen ist. Freilich wär's Manchem lieber, wenn man das Maul haltet, das hat man schon gsehn bei dem guten Römersdorfer Bürger von Klosterneuburg, der hat nur an Mucks gmacht, so wars schon nit recht, und der gute Römersdorfer hat ohne dieß nicht gwußt, oder vielleicht nicht mehr sagn wolln; denn der gute Mann hat nur wissen wolln, wo der Ursprung und die große Ungleichheit von dem abscheulichen Bergrecht herkommt; diese Aufgab könnens freilich nicht auflösen, weil sie es selbst nicht wissen. Wo es eigentlich herstammt, weiß ich selbst nicht; aber wo die Ungleichheit herkommt, hätt er sollen mich fragen, das kann ich ihm schon sagen, weil ich selbst einen so herzliebsten Grund zu meinem Heirathsgut kriegt Hab; aber weil er nicht gwußt hat, wo ich bin, so hat er mich nicht fragen können, so find ich's für nothwendig, daß ich ihm schreibe. Bei uns in Gumpoldskirchen war vor 20 Jahren ein g'strenger Herr Verwalter, dem ist's auf einmal eing'fall'n, und hat die zu seinem Grundbuch gehörigen Gewähren von dem Eigenthümern abfordern lassen; er hat ihnen einen blauen Dunst vorgemacht, mit dem Bedeuten, er brauchts zu seinem Grundbuch als Beilagen in's Landhaus, und zu dieser Zeit ist ein solcher g'strenger Herr beinahe angebethet worden, so hats ihm ein jeder Halbweg ordentlicher Mensch ohne Bedenken gegeben; aber dennoch gab es Leute, welche es verweigerten, und diese waren die glücklichen. In einer langen Zeit darauf fragten die Leute um ihre Gewähren, die Antwort war, sie sind noch nicht zurück vom Landhaus, und wie er durch die Zudringlichkeit gar nicht mehr auskönnen hat, so hat er gsagt, sie sind vermißt, aber das macht nichts meine lieben Leut, ich schreib euch unentgeldlich neue, und da war es der Fall, meines und meines Nachbars Weingarten waren zuvor einer, wo auf dem ganzen Weingarten dreißig Maß Bergrecht hafteten, und wurde zu zwei mit gleichem Flächenmaße getheilt; da ist der Fall, der Nachbar von mir hat seine alte Gewähr mit 15 Maß erhalten, und mein guter Voreigenthümer hat in seine unentgeltliche neue Gewähr 26 Maß 2 Seitl hinein bekommen. Die Leute protestirten wohl, aber es half nichts, die alte Gewähr war aus der Hand und vermißt, und sie konnten sich mit nichts Schriftlichen aus- weisen. Und dann sind auch noch uralte Maßausdrücke gemißbraucht worden; z. B. eine Achtering ist ein Wiener Maß; das ist ihnen bei den verflossenen dunklen Jahren als ein Achtel, das ist 5 Maß, ausgedeutscht worden; dann eine Urn oder Bergnimmer, von diesen zwei uralten Ausdrücken wollen sie sogar bei dieser neuen Zeit noch Mißbrauch machen; eine Urn oder Bergnimer wollen sie noch immer für 50 Maß annehmen. Aber weil jetzt doch die Leute schon so aufgeklärt sind, und wissen, daß es in Oesterreich keinen andern Eimer als mit 40 Maß gibt, so werden sie mit ihren Unrechten Begehren kurz abgespeist. Ja mein lieber Römersdorfer, so können Sie Ihren gnädigen Herrn Abten verständigen; und wenn er es Ihnen nicht glauben will, so ersuchen Sie Ihrem Hochwürdigen Herrn Abt, er möcht einspannen lassen, und fahren Sie mit ihm nach Gumpoldskirchen, ich will Sie Beide schriftlich überzeugen; denn der Hochwürdige Herr Abt darf sich bei dieser neuen Zeit nicht schämen, Einen seiner Bürger zu sich in Wagen setzen zu lassen, und von dem guten Herrn v. Purschte Justiziar und Commissär läßt sich gar nichts anders schließen, als daß, indem er in seiner Bekrüttlung sonst nichts gethan, als Sie recht äusgeschimpft, und dem gnädigen Herrn Abt in den zweiten Himmel hinaufgesetzt hat, Herr v. Purschke Justiziar und Commissär noch ein Mann vom alten Style ist, der sich schwer in die neue Zeit hinein schicken wird. Den Herrn möcht ich zu keinem Vertreter in einer traurigen Angelegenheit. Er hat entweder nicht einen Funken Menschen-Gefühl, oder er ist von denen Einer, welche der Hochwürdige Herr Abt bei der theuren Zeit mit 20 Prozenr Zulage begünstiget hat; da kann man leicht Complimenten machen. Das könnten wir arme Landleute auch, wenn wir bei der schlechten Zeit 20o/g Zulagen hätten', wenns auch nicht gar so zart wären, wenigstens wärens aufrichtiger, als die Ihrigen. Wissens wir Landleut sagens halt grad außer, aber wahr muß seyn, was wir sagen, weil wir keine Politik studiert haben. Gumpoldskirchen den 30. März 1848. Friedr. /aseth Bürger. 4 I.Lx. 5o- 35