Patrioten Älle Zeitungen erheben ein Geschrei und sagen, Oesterreich ist in großer Gefahr! Oesterreich kann sich allein nicht helfen! Wir aber erwiedern, diese Behauptungen sind grundlos, sind nicht wahr, wenn man nur versteht den Wünschen des edlen braven österreichischen Volkes entgegen zu kommen, und sein Herz für die Sache zu gewinnen, so wird es sich erweisen, daß alle Einwohner Oesterreichs wie Ein Mann aufstehen, Kraft und Patriotismus in Menge besitzen, um ihr Hab und Gut für die Ehre des Vaterlandes, für Gott und für den angestammten Kaiser „Ferdinand" mit Freude zu opfern, und sich für Freiheit und Recht, für Ruhe und Ordnung, für Sicherheit und Gleichheit, bis zum letzten Blutstropfen zu schlagen, somit das Besitzthum der Gesammt-Monarchie mit Muth zu vertheidigen. — Venn jeder Oester- reicher weiß jetzt, für was und für wen er kämpfet, sohin wird es geschehen, was unter dem früheren Regierungssysteme nicht möglich war, zu erreichen.!! Staatsbürger, Geld, Geld, Geld, das ist jetzt die Losung. — Mit barem Gelde unsere Staatsregierung unterstützen, das ist in diesem kritischen Momente die heiligste Pflicht eines wahren österreichischen Staatsbürgers, das zeigt wirklichen Patriotismus, daß durch unser Zusammenwirken in Zukunft die Steuern vermindert — und gleichmäßiger vertheilt werden können, damit wir im gesegneten Oesterreich wieder billig leben. — Wie aber das Geld herbeizuschaffen, um unsere Rechte in Italien „ohne Anlehen" ehrenhaft und kräftig durchzusetzen, um die Unbemittelten, um die Arbeiter zu beschäftigen, wie es der österreichischen Gesammt-Monarchie geziemt, das ist in diesem Momente allerdings eine schwierige Aufgabe! — Wir wollen versuchen, im allgemeinen Interesse einen Vorschlag zu machen, um diesen Endzweck auf eine möglichst schonende, und wenigst drückende Art nach dem Grundsvstem des freien Willens und der Gleichheit zu erreichen. — Also Oesterreicher, hört, unsere Staatsregierung braucht jetzt zur Kriegführung und Zahlung der Zinsen nebst anderen Staatsbedürfnissen alsogleich wenigstens 20 Millionen Gulden C. M. Die Staatskassen sind laut der bekannt gemachten Uebersicht ziemlich leer! Wie aber können wir obige Summe herbeischaffen! — Das ist sehr leicht, wenn Oesterreich will! Nehmen wir an, daß ohne Polen, ohne die Lombardei, jedoch mit Inbegriff von Ungarn, Böhmen, Mähren und Schlesien, in der ganzen österreichischen Monarchie 2L Millionen Einwohner sich befinden! — Nehmen wir an, daß nur 20 Millionen Einwohner Einen Gulden C. M. auf den Altar des Vaterlandes „freiwillig" legen können, so haben wir obgenannte 20 Millionen Gulden C. M. beisammen, ohne daß Oesterreich nöthig hat, neues Papiergeld oder eine neue Staatsanleihe zu machen, welche Hilfsmaßregeln nur zu unserem Nachtheile aussallen dürsten! Diese Summe bieten wir unserer Staatsregierung, unserem guten Kaiser zu vorgedachtem Zwecke an, um selbe als eine freiwillig auferlegte Steuer nie wieder zu verlangen, denn wir geben diese Beisteuer, ein und für allemal, für uns selbst, für unser Vaterland, für unseren Ruhm, für unsere Ehre, für unseren Kredit lediglich als Dankopfer für die ertheilte wahre Freiheit! — Und dieses Kleinod ist schon Einen Gulden für den Kopf werth, kein Mensch darf sich ausschließen. — Wer mehr geben kann, und mehr zu geben hat, der thue es, zum besten Jener, die in diesem Augenblicke Einen Gulden nicht haben! Die reichen Einwohner der Städte, der Marktflecken und der Dörfer, ohne Unterschied des Standes, sollen und werden sohin wetteifern den höchstmöglichen Beitrag zu Gunsten der armen Staatsbürger und für sich selbst freiwillig zu leisten. — Wenn solche Gesinnungen uns beseelen, wie es in der That der Fall ist, dann können wir ausrufen: — Oesterreich ist in keiner Gefahr! Es kann jeder Gefahr mit Ruhe entgegensetzen. — Oesterreicher! zeigt nun in der That, daß ihr die errungene Freiheit liebt und zu schätzen wisset, ihr alle werdet in Zukunft von dieser kleinen Gabe die Zinsen ernten!! — Zur Einhebung dieser freiwilligen Gabe wird folgender Vorschlag gemacht: 1. Jede Stadt, jeder Marktflecken, jedes Dorf wählt sich selbst nach der Einwohnerzahl einen Ausschuß. — 2. Dieser Ausschuß hat diese freiwillige Steuer unentgeltlich pr. Kopf durch Vermittlung der Hauseigenthümer Einen Gulden einzukaffiren, ohne jedoch dem Patriotismus, einen Mehrbetrag zu geben, Gränzen setzen zu wollen. — 3. In Wien, Prag, Linz, Gratz, Innsbruck, Olmüz, Triest, Pesth, Preßburg, Arad, Debrezin rc. rc. wird von den gewählten Ausschußmitgliedern eine Äusschußdirektion durch Stimmenmehrheit gewählt. — 4. An die Ausschußdirektion haben die zunächst gelegenen Ausschüsse die erhaltenen Gelder abzuführen. — 5. In zwei Wochen, nach Bekanntmachung der Ausschußmitglieder in jeder Provinz, muß die Einkassirung der Beisteuer beendigt seyn. — 6. Jede 599 Einwohnerzahl wählt sich einen Staatsbürger als Ausschußmitglied, und dieser Ausschuß hat im Orte seines Wohnsitzes die Einkassirung zu besorgen. — 7. Auf dem Lande, wo nicht so viel (599) in einem Orte wohnen, treten die Nächstliegenden Gemeinden als ein Bezirk zusammen. — Die löblichen k. k. Kreisämter, Dominien und Ortsgerichte werden insbesondere von Wien aus zur geneigten Teilnahme an Ordnung der Wahlen gebeten werden. — 8. Jeder Besitzer eines Hauses hat die freiwillige Beisteuer von seinen Hausbewohnern, nebst seinem eigenen Beitrage für sich und für seine Frau sammt Familienglieder ein- zukasflren, auf einen Bogen zu verzeichnen, und das Geld an seinen zunächst befindlichen Ausschuß abzuliefern. — 9. Jeder Hausbesitzer wird ersucht, die Parteien mit Namen zu benennen und auSzuschei- den, jene welche bezahlt haben, sammt gegebenem Beitrage, nebst Unterschrift der Parteien, dann jene, welche nicht bezahlen können. — 19. Der Empfang der Gelder wird öffentlich unter Benennung der Stadt, des Marktfleckens, des Dorfes, nach Provinzen täglich in der Zeitung bekannt gemacht. — 11. Jene Patrioten, die mehr als einen Gulden gegeben, werden in einem Verzeichnisse insbesondere benannt. 12. Die Ablieferung der Gelder geschieht alsogleich in die Kasse des k.k. Finanzministeriums in Wien, über die Verwendung wird in den Zeitungen öffentlich und genaue Rechnung gelegt werden. — 13. An die Herren Hausbesitzer werden diese Aufrufe und die Sammlungsbogen zugeschickt werden, und es werden diese Herren gebeten, sich im eigenen Hause dem Sammlungsgeschäfte von den Parteien gefälligst selbst zu unterziehen. — 14. Die Mitglieder der gewählten Ausschüsse, und die sodann gewählten Ausschußdirektionen, von je 190 Ausschußmitgliedern wird bekannt gemacht. — 15. Von Seite des hohen Ministeriums des Innern und der Finanzen ist zu erwarten, daß diesem patriotischen Ansinnen gewiß die bereitwilligste Unterstützung gewährt wird, und es dürfte zu erwarten seyn, daß den Direktionen ein Mitglied der Staatsverwaltung beigegeben werde. Also auf, Patrioten, auf ihr sämmtlichen Einwohner der ganzen Monarchie, was man unter dem Namen „Oesterreich" begreift; weg mit selbstsüchtigen, kleinlichen Endzwecken, faßt das Ganze ins Auge, und bezeuget der Welt, was „Oesterreich" allein ohne fremde Hilfe vermag, und wir werden in Kurzem wahre Ruhe und Ordnung, wahre Freiheit erlangt haben. Um vorstehenden patriotischen Endzweck für unser Vaterland alsogleich zu erreichen, im Sinne der allgemeinen Oeffentlichkeit erlauben sich Gefertigte, alle Herren Geschäftsmänner und Hauseigenthümer der Stadt Wien hiemit höflichst einzuladen, sich Samstag den 13. Mai 1848, um 19 Uhr Vormittags im k. k. Kärnthnerthor-Theater, in der Stadt, gefälligst einzufinden. — Der Eintritt ist für Jedermann frei. — Diese Versammlung wird zu dem Ende Statt finden, um durch Stimmenmehrheit vorläufig einen provisorischen Ausschuß aus der Mitte der Staatsbürger zu wählen, welcher die weiteren Verfügungen zuzeiten haben soll. Wien den 4. Mai 1848. Vom österreichischen Patrioten-Verein. Eduard Kurth, Johann Nieolitz, Wiener Bürger und Hauseigenthümer, Nr. 680, 1. Stock. Hauseigenthümer, Stadt Nr. S80. Alle österreichischen Zeitungs-Redactionen werden höflichst ersucht, diesen Aufruf in ihre Blätter gefälligst aufzunehmen. Au- der k. k. Hof- und Staatsdruckerei.