Mischer Betrug. Aer Leser, der diese Zeilen gekauft, in der süßen Hoffnung, eine Schmähschrift mehr gegen die Juden in Händen zu haben, hat sein Geld umsonst ausgeben, und wird gleich in seiner Entrüstung ausrufen: Seht ihr, der Titel selbst ist jüdischer Betrug! Der unbefangene Leser aber soll, wenn er diese Zeilen zu Ende gelesen, einsehen, daß Alle, die bis jetzt gegen die Juden-Emancipation geschrieben haben, ihr Augenmerk gar nicht auf die Emancipation, sondern nur auf die Juden gerichtet hatten. In den wenigen Tagen, seitdem die Presse ihre Fesseln abgeworfen, haben namenlose Individuen als Erstlinge der Freiheitsfrüchte, Judenhaß und Judenverfolgung gepredigt, ihre Devise ist: „Der Wurm muß getreten und der Gefallene mit Koth besudelt werden." Daher graben sie mit schmutzigen Händen im Kebricht des Judenthums herum, scharren sich Häuflein zusammen, um auch den Reiuen unter den Juden damit zu bewerfen. — Wir wollen nicht in Abrede stellen, daß Einzelne unter den Juden gerechten Tadel verdienen; — ist dieses aber nicht auch bei jeder andern Nation der Fall? und warum werden immer bei Lästerungen nud Schmähschriften Alle nach Einzelnen beurtheilt, in gerechten und edlen Handlungen aber Einzelne für Alle? Oder wollen jene Tugendrichter, daß die jüdische Nation auch Einen Verworfenen unter sich zähle? Wahrlich, ein solches Judenthum würde das Christenthum beschämen! Will ein solcher Judenfeind ein grelles Bild dieser gesammten Nation entwerfen, nimmt er die grobe Leinwand eines polnischen Juden, bestreicht sie mit dem glatten Firniß eines Geldmaklers, taucht seinen Pinsel in die wechselnden Gesichtsfarben eines Börsespekulanten, und malt das verzerrte Bild eines Getreidewucherers, stellt dieses sodann mit der Schattenseite in ein falsches Licht, und proklauurt es für alle jüdischen Glaubensgenossen. — Mögen aber diese Tugendrichter warten, bis die Chronik seandaleuse der Männer in Amt und Ehren erscheint, in welche Sphäre bis jetzt noch kein Jude gekommen, und wie werden sie staunen, auch bei ihren christlichen Brüdern Kriecherei, Bestechlichkeit, und wie alle jene Fetzen heißen, mit denen sie die Juden bewerfen , zu finden. — Wir brauchen, um dieß zu beweisen, nicht erst das alte Testament der Geschichte auj- zuschlagen, nur einige Codicils aus dem neuen Testamente des verewigten Staatskanzlers geben genügende Einsicht. Fernern Aufschluß hierüber gibt uus die Chronik seandaleuse des b e- urlaubten Bürgermeisters, und nur aus reiner christlicher Pietät geschieht es, daß unsere Po- kizeibcamten, Magistrats- und Regierungsräthe von Parteien Geld annehmen, und gar oft auf freche Weise Bestechungen erpreßten. Bis jetzt waren noch keine Juden im k. k. Versatzamte angestellt, und doch wurde das Institut hintergangen und die Parteien betrogen, weil Schätzmeister und Trödler durch falsche Schätzungen unter einer Decke spielten, und Beamte, die den Eid der Treue leisteten, solche, die Lieferungen für Hof, Aerar und Militär anzuschaffen haben, genehmigen bedingungsweise nur jeue Offerte, in welchen Geschenke für sie beiliegen. Seht ihr, das sind keine Juden. — Daher werden wir warten, bis die Bekenner des christlichen Glaubens dazu reif geworden sind, eine Nation wie die unserige brüderlich und mit offenen Armen zu empfangen. Bemüht euch daher nicht ferner mit blind geladenen Schmähwaffen die Helfershelfer des rohen Pöbels zu sein; das gemeine Volk hat es ohnehin deutlich bewiesen, daß es eure Gesinnungen theilt, denn die ersten Opfer, die sie der Freiheit brachten, waren Zerstörungen und Plünderungen des jüdischen Eigenthumes. Der hellsehende Gutgesinnte kann euch nur verachten! — Und unser erhabener allgütiger Monarch wird gnädig die Zeit und Umstände zu erwägen geruhen, unS die Thore der Menschenrechte zu öffnen; wir werden, wie wir es bis jetzt gethan, den Segen Gottes auf sein glorreiches Haupt erflehen; und uns durch ausdauerndes, ehrenvolles Benehmen Seiner Huld und der Freundschaft unserer Mitbürger würdig zeigen. — F. Albert. Gedruckt bei Hirschfeld in Wien. L<-r -iV-' - ^ k^r "!.kx. ^0lS"o I^LMrn-LL Mi, .Hmin^- MLir','i»i -'.. ^ 'nch ^ " -ü-> ütt, - .achxHuL fsKamtt: ^ ,ch niSr^ uf !5^nü<>. rü .:-t^-ri ->- 1?^! > ^-s. 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