Aufruf Wann wird Deutschland als ein Reich aus den Trümmern kleiner Staaten erstehen? Wann wird die Kraft der deutschen Brüder zusammengeschmolzen nach einem Ziele streben, wann wird die Liebe der Söhne Deutschlands zu einem schönen Standbilde deutscher Treue ein glänzendes Meteor am europäischen Himmel bilden? Die Liebe, welche schon jetzt die enggezogenen Schranken übersprang, um Brust an Brust in deutschen Armen zu liegen? Wann wird das materielle Wohl die wunderschönen, idealen Träume verwirklichen? Ist es etwa noch nicht Zeit? Was ist geschehen zum allgemeinen Besten? Nichts! Wohl ist das Gefühl der Kraft, das Selbstbewußtseyn, der Sinn für Freiheit, ja sogar für Einigkeit geweckt worden. Aber sind diese Gefühle schon thatkrästig für ein Vaterland aufgetreten? Jeder einzelne Staat, jede einzelne Provinz, jede einzelne Stadt fing an, ihren Augiasstall zu reinigen, und sie haben zum Theil, oder auch alle, schon viel, sehr viel gethan für — ihren Staat, für ihre Provinz, für ihre Stadt. Wird dadurch Deutfchand einig, wird dadurch ein großes Reich gegründet, das allen Feinden Trotz bieten kann? Nein! Wollt Ihr erst warten, bis die Roth, bis der Feind von Außen an den Pforten des Reichs steht und Euch zusammen — schreckt? Wollt ihr das Unglück erst hereinlocken in das Mark und Blut von Deutschland? Tapfere und bedachte Männer thun das nicht! Warum wollt Ihr den Bau auf solchem Grunde nicht fortbauen und ausführen, daß alle Pfeile fremder Politik daran abprallen müssen? Ihr wollt ein Reich! Soll es Republik seyn? Soll vielleicht jeder Staat in seinen eigenen Interessen eine Republik bilden? Und dahin würde es zuerst kommen, wenn Jeder die Gesetze machte, die für ihn am besten passen. Ein Reich braucht Einen Kopf? Vorzüglich Deutschland. Der Kopf muß aber wissen, was seinen Gliedern frommt. So handelt, wirkt, schafft! Es ist nur halb gethan beim Schreiben und beim Reden. So geht hin, versammelt Euch im Herzen des schönen Deutschland! Zieht aus von allen Gauen, schickt Eure besten Denker, Eure ersten Sprecher, Eure trefflichsten Volksräthe, Eure Tapfersten dorthin, wo man einen Deutschen Kaiser wählen soll, und mit ihm die Räthe, die Minister, die das Volk kennen, lieben und das Herz und den Kopf an der rechten Stelle haben. Freie Volkswahl täuscht sich selten! Der Mai wird Blüthen treiben, es möge die Zeit seyn, an welcher die Hundert Jahre in der Knospe ruhende Aloe den Duft ihres Blüthenkelches ansströmt! Frankfurt war seit undenklichen Zettender Ort, wo deutsche Kaiser gesalbt wurden, an ihr haftet ein altes — Recht. Schaart Euch dort zusammen um die schwarzrothgoldene Fahne! Jeder Staat wird seine Meinungen in die Hände seiner Abgesandten legen. Dort soll dann der erste wahrhaftige deutsche Landtag gehalten werden. Ein Kaiser muß gewählt werden, die anderen bisherigen Machthaber werden dann aus Bescheidenheit, oder wenn sie das nicht wollen, gezwungen zurücktreten. Die Volksbewaffnung gibt Euch die Kraft, sie soll zum allgemeinen Besten verwendet werden, nicht wie bis jetzt zur eigensinnigen Laune eigensinniger Herrscher. Ich rathe nicht zum Königsmord, nicht zur beschimpfenden Vertreibung Euerer Herren, das bewiese Selavensinn. Nein, unsere Könige können unsere ersten freien Mitbürger werden. Noch klingt das Alles wie Hochverrath, so lange die That nicht ausgeführt wird. Ist sie geschehen, dann war es eine große, eine edle That. Und sie wird gelingen! Das Wort Hochverrath passt jetzt nicht mehr in die deutsche Sprache und Schrift, diese ist frei und wird es bleiben in Ewigkeit r Bin ich aber schuldig, seht Ihr mich als Verbrecher an, gut-hier stehe ich des Henkerbeils gewärtig. Ein Freier zittert nicht nach freier Rede! Wien und Oesterrich überhaupt steht hoch angeschrieben bei seinen deutschen Brüderu. Oesterreich soll auch den Anfang machen, seine Boten mit der heiligen Sendung zu rüsten. Qesterreich's Kaiser wird geachtet, wird geliebt von seinem Volke, von seinen Nachbarn, es wird ihm nicht an Stimmen, an lauten und dankbaren Stimmen in deutschen Landen fehlen. Das letzte Wort! Studenten, Bürger versammelt Euch heute noch, wählt Eure Gesandten, und es wird mit Begeisterung dem Streben nach Einheit folgen. So stehen wir fest, der Welt ein Riese gegenüber! Heil meinem Deutschland! Laßt den Aufruf an ganz Deutschland ergehen, Zu haben bei Schmidt » Leo, Buchhandlung am Graben. «6. Das Manuskript wurde vor Kundmachung der Frankfurter Volksversammlung dem Drucke übergeben. -' . '-' >>7?7-7,7 , "'M7 '',,'7'' ^-. , ^ '' >..7.-^7 " - , -' . . ,*-'' , '^" . ?L-,- -7 >,',. . 77. . '.,.. 'V. 7,. ! . 7 , -'.., - ' ,,-. 77 . ... ."V . ^ .^^,"»-,., 77 :-. . 7- 7" . .' . 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