Adresse des Gemeinde Ausschusses der Stadt Wien an Seine Majestät den Kaiser. Euere Majestät! L^er neugewählte Gemeinde-Ausschuß der Haupt- und Residenzstadt Wien, dem die Aufgabe zu Theil geworden, die gesammten Verhältnisse der größten Muni- cipalität des Staates im Einklänge mit der neuen Ordnung der Dinge zu regeln, hält es beim Antritte seiner, unter den außerordentlichsten Umständen begonnenen Mission für seine erste und dringendste Pflicht, sich an Euere Majestät in tiefster Ehrfurcht, mit vollem Vertrauen zu wenden. Die gewaltigen Ereignisse der letzten Monate, welche die ganze europäische Gesellschaft in ihren Grundfesten erschüttert, so manche Throne wanken gemacht oder umgcsturzt, haben die Liebe der Völker Oesterreichs zu ihrem erhabenen Herrscherhause, zu dem gütigsten der Monarchen, dessen kaiserliches Wort am 15. März, ein schaffendes „Es werde", ein neues Leben für Millionen hervorgerufen, für alle Folgezeit dauernd befestigt, und gewiß geht keine der vielen Provinzen, die den milden Scepter Euerer Majestät gehorchen, der Bevölkerung der Stadt Wien an dankbarer Anhänglichkeit für Höchstdero Person, an bewährter Treue für die herrschende Dynastie voran. Desto schmerzlicher muß es diese Bevölkerung berühren, den geliebten Monarchen in Folge von Befürchtungen, welche nur durch parteiische Darstellung seiner Umgebung hervorgerufen seyn können, so lange von der Burg seiner Väter, von seiner treuergebenen Residenz abwesend zu sehen. Euere Majestät! Der treugehorsamste Gemeinde-Ausschuß der Stadt Wien sagt es in ehrfurchtsvollen offenen Worten. Die Ereignisse des 15. und 26. Mai, zumal die des letzteren Tages, ungewöhnlich in der Erscheinung wie die ganze Zeit, in der wir leben, abgesehen von einigen unlauteren Beimischungen, wie sie in großen Volksbewegungen auch bei der edelsten, reinsten Sache vorzukommm pflegen, diese Ereignisse treten der geheiligten Person Euerer Majestät der Dankespflicht von Millionen für Höchstdieselbe so durchaus nicht nahe, daß vielmehr die Liebe der Bevölkerung Wiens zu dem konstitutionellen Monarchen, gerade an diesen Tagen ihren lautesten, einhelligsten Ausdruck fand. Die Bewegung jener Tage, sie ward durch die weit verbreitete Befürchtung vor dem unseligen und unzweideutigen Treiben einer Partei hervorgernfen, welche dem Monarchen seine dankbaren Unterthanen als Rebellen schildern, sein väterliches Herz ihnen entfremden, uns alle Früchte der Märztage rauben oder doch verkümmern möchte, einer Partei, welche den großen Umschwung der Dinge gar nicht oder nur widerstrebend anerkennen will, welche das volkstümliche, freiheitliche Leben als der Monarchie gefährlich darstellt, welche sich an separatistische Tendenz n, an alles klammert, was dem Bestände des wiedergeborenen Oesterreichs seiner vollen lebenskräftigen Entwickelung feindlich im Wege steht. Kaiserliche Majestät! diese Partei gab Höchstdieselben als dcn Gefallenen in Wien aus, gefangen in Mitten des treuesten, gutmüthigsten Volkes der Erde. Dieses Volk, es wird so lange seinem Herrscher sehnsuchtsvoll entgegenblicken, ihn so lange als gefangen in den Armen einer volksfeindlichen, kleinen Partei erblicken, bis Euere Majestät in Höchstdero Residenz wieder znrückkehren. Wohl weiß es Wien, und seit der Abwesenheit Euerer Majestät empfindet es doppelt tief, wie sehr das Wohl und Wehe, die Blüthe und das Ansehen dieser Stadt an die erlauchte Dynastie unzertrennlich geknüpft ist. Aber der historische und natürliche Schwerpunkt des Gesammtstaatcs liegt nirgends außerhalb Wiens, er kann zum Heile für alle Provinzen nirgends anders liegen. Wien ist und bleibt das Herz des mächtigen Staates. Euere Majestät, das Vertrauen in die öffentlichen Zustände, wer könnte es sich verhehlen, ist tief erschüttert, Gewerbe und Handel, seit lange siechend, fast in gänzliche Stockung verfallen, die allgemeine Noth und mit ihr die allgemeine Gefahr in fortwährender, erschreckender Zunahme. Die gelähmte Centralgewalt kann nicht mit jener Energie und Schnelligkeit bis zu den äußersten Gränzen des Reiches ihre Wirksamkeit geltend machen, ohne welche kein harmonisches Zusammenwirken der Theile zum Ganzen, kein geordnetes Staatsleben möglich ist. Der Reichstag, der im Laufe dieses Monats in Wien zusammentreten soll, zusammentreten mutz, um die große Verfaffungsfrage zu lösen, findet nach dreimonatlichem Versäumnisse organischer Thätigkeit alles unvorbereitet, alles erst zu schaffen. Die Sehnsucht der Residenzstadt nach der geliebten Person des Monarchen steigert sich zur lebhaftesten Ungeduld, denn dem allgemeinen Volksbewußtseyn ist es klar, daß die Geschicke des Staates nur von seinem Mittelpunkte, von der Hauptstadt aus geordnet werden können, daß die drückende Ungewißheit der Zustände Wiens die nachtheiligsten Folgen für die Gesammtheit nach sich ziehen muß, daß allen Hoffnungen der freiheitsfeindlichen Reaction, wie der unter der Maske der Freiheit sie vernichtenden Anarchie, allen den Staat läugnenden separatistischen Tendenzen nur durch die unmittelbare Rückkehr des Monarchen ein Ende gemacht werden kann. Der treugehorsamste Gemeinde-Ausschuß der Stadt Wien würde seiner Pflicht gegen Euere Majestät wie gegen seine Committenten nicht entsprechen, wenn er Euerer Majestät die großen Gefahren nicht unverholen andeutete, welche die verlängerte Abwesenheit Euerer Majestät von Höchstdero Residenzstadt nicht nur für diese, sondern für die gesammte Monarchie, ja selbst für die Dynastie mit sich brächte. Die Gemüther der Bevölkerung würden in solcher Abwesenheit nicht sowohl eine unverdiente, dem väterlichen Herzen Euerer Majestät abgedrungene Strafe, als vielmehr eine durch die Dauer hart treffende Kränkung erblicken, und die leicht erregbare Menge unschwer eine Beute der Beängstigung oder der verderblichsten Einflüsterungen werden. Die baldigste Rückkehr Euerer Majestät in Höchstibre Haupt- und Residenzstadt, die ungesäumte Bildung eines Ministeriums von Männern des allgemeinen Vertrauens, welche die constitutionelle Monarchie mit allen ihren Folgen aufrichtig wollen, und ihr einsichtsvoll, thatkräftig, entschieden dienen, um im Einklänge mit dem sofort in Wien zusammentretenden constituirenden Reichstage die Grundlagen des neuen Staatslebens festzustellen; dieß allein kann den Staat, die Monarchie im kritischesten Augenblicke retten, und aus namenloser Verwirrung Mutlosigkeit und Unbestimmtheit, uns einer großen, herrlichen Zukunft entgegen führen. Euere Majestät werden in den konstitutionellen Institutionen, in der dankbaren Liebe eines freien, edlen Volkes die festeste, unerschütterlichste Stütze des Thrones, der Dynastie finden. Die Wirren des Tages werden sich allmälig in allgemeiner Harmonie auf- lösen, die Klagen in Jubel verwandeln, und Euere Majestät erkennen, auf welcher Seite mehr treue Anhänglichkeit und Begeisterung für die wahren Interessen des Thrones vorhanden ist, auf der des Volkes oder jener Wenigen, die das Volk ver- läumden und anfeinden. Dieses Volk, es ist fest entschlossen, die Gefahren der Anarchie, aber ebenso entschieden, auch die Gefahren fern zu halten, welche ihm von einer rückschreitenden Partei drohen. Niemand liebt in Oesterreich den Monarchen mehr, als die Wiener Bevöl- kerung. Auf keine Bürgschaft darf unser gütigster Kaiser fester bauen, als auf diese Liebe. Der Gemeinde-Ausschuß der Stadt Wien wird seine hochwichtige Aufgabe um so sicherer und segenbringender erfüllen, und durch die Beruhigung Wiens zur Beruhigung des Zustandes des ganzen Staates beitragen können, je früher der ge- liebteste Fürst in unsere Mitte wiederkehrt. Mit dem heißesten Wunsche, daß diese ehrfurchtsvolle Bitte baldigst erhört werde, naht sich Euerer Majestät der treugehorsamste, unterthänigst gefertigte Gemeinde-Ausschuß der Haupt- und Residenzstadt Wien, am 3 . Juni 1848 . Folgen die Unterschriften der Gemeinde-Ausschüße. Hnv rtnom-wH nnnmzhllv ui hitvmUv chft mSr^u tzihvT cnS m-niM )iT nchl^ut tuvF-nnNn M)jE ^nuN Sn» nl)Susumd(l ui rnvviA )iS .uÄvl tzrS mD'ntttL nnSvul ÄS iin huu-nlsNh^E Suu lntchiisruvSM un-ri ui)m ML rnu NE tzvS ÄS ,tt)tzjmW 7)snj NSv EE tz)S DS 1UV Lsi tt^SNvS-l^'1 nS nnSk^ß) ÄS .m'sssiMn) ssÄ fsj ö) ,Nv^ ä-ni^T unSunluv Suu mSmuvi mHi rchlrm ,nÄlvS uz nnt n)7^v^D riS ckuv ,u^S)iMm ÄmS) nSv .Äckivulk j)tlv ' MSlNlN-lMuN 7)l!N uus rLäyz^k nmiW -iS dlv ,-r^Nl mchivusZE u-S chninks)2 ui iS-i! 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