liiilistiir kt Sltkl» PN8! ^^urch zahllose Plakate, Zeitungs-Artikel, kurz auf alle erdenkliche Weise ist eine gewisse Parthei seit geraumer Zeit bemüht, den allgemeinen Haß gegen die Aristokratie aufzustacheln. Man stellt dieselbe 'als jene schmachvolle Kaste dar, welche sich feindlich zwischen den Thron!und das Volk gedrängt, welche in Metternich und Ln seinen Sonnenstrahlen, Glanz, Licht, Wärme und Leben erhalten Hai. Man geht weiter und streitet der Aristokratie rund ab jeden Funkm von Gemeinsinn, von Vaterlandsliebe. Man wirft ihr vor, daß sie das Vaterland sistematisch an den Rand des Verderbens gebracht hat, und nun wo es dem Volke gelungen ist die Ketten zu zerreissen, die dasselbe gefesselt hielten, nun behauptet man, daß die Aristokratie schmollt, daß sie sich an den Fortschritten des Vaterlandes nicht betheiligen will, daß sie in eigennützigen Absichten bloß auf Wahrung ihrer Vorrechte, auf Reaction sinnt. So lange die Gemüther in so hohem Grade gereitzt waren, daß man der Aristokratie alles nur erdenkliche Schlechte und Niederträchtige mit allgemeinem Applaus vorwerfen konnte, war es einer ruhigen gemäßigten Stimme nicht möglich sich Gehör zu verschaffen, nun aber wo die erste Aufwallung vorüber sein dürfte, nun könnte es doch an der Zeit fein, von dem gefunden Sinne der Wimer Bürger zu fordern, daß sie auch die Vertheidigung der Aristokratie nicht von sich flössen und mit ruhigem Gemüthe folgende der Wahrheit getreum Worte beherzigen. Die Stellung der Aristokratie im österreichischen Staate, vor den Märztagen, wird als eine ungernein bevorzugte geschildert, welche mit den allgemeinen Wünschen und Bedürfnissen im grellsten Gegensätze, nur den eigenen Vortheil mit eifersüchtiger Sorgfalt verfolgte. Wie ungegründet dieser Vorwurf sei, beweist ein kurzer Rückblick auf die Geschichte der letzten Jahre. Seitdem die ständischen Vorrechte immer mehr und mehr durch die schreiendsten Gewaltmaßregeln eingeschränkt wurden, seitdem die Bureaukratie in Oesterreich allmächtig geworden war, waren alle Vorrechte der Aristokratie, welche auf Leitung der Staatsangelegenheiten Bezug hatten, gänzlich verschwunden, oder zu leeren Formen geworden. Alle Vorrechte, welche der Aristokratie übrig blieben, waren die Kämmerers-Würde, die Hoffähigkeit, kurz Bevorzugungen, die ruhig betrachtet unmöglich den Neid der übrigen Volks-Claffen erregen konnten. Die Bureaukratie, welche wohl zu unterscheiden ist von der wesentlich von ihr verschiedenen Aristokratie, hatte der letzteren alle ihre alten reelen Vorrechte entzogen und dieselbm in leere Formen umgestaltet. Dem ungeachtet hat die Aristokratie besonders seit dem Jahre 1843 cs gewagt, ihren früheren Einfluß auf die Staatsgeschäfte durch die Provinzial-Landtage faktisch wieder ins Leben zu rufen und wenn man berücksichtigt, daß die Anträge, welche bei diesen Landtagen von Seite der Aristokratie und des übrigen Adels gestellt und vertreten waren, auf Ablösung der Zehente und Robothe, auf Verbesserung des Volksschulwefens, auf zeitgemäßere Vertretung des Bürger-Standes, auf Veröffentlichung des Staats -Haushaltes, auf Aufhebung der Censur, auf eine, besonders die arbeitenden Elasten berücksichtigende Veränderung des Stempel-Patentes und der Verzehrungs-Steuer, auf Hintanhaltung der Uebergriffe der Bureaukratie u. s. w. gerichtet waren, so wird gewiß jeder ruhige Mann weit entfernt davon sein der Aristokratie deu Vorwurf zu machen, daß sie ihre eigennützigen Tendenzen verfolgt und den allgemeinen Wünschen und Bedürfnissen sich feindlich gegenüber gestellt hat. Daß alle diese wohlgemeinten gemeinnützigen Anträge unberücksichtigt gebliebm sind, ist wahrlich nicht die Schuld der Aristokratie. Die Bureaukratie (wohl zu unterscheiden von dem größtentheils höchst ehrenhaften Beamtenstande) hat alle volksthümlichen Bestrebungen, die von einer andern Seite her kommen, niedergehaltm, sie war es die sich feindlich zwischen Thron und Volk, dessen Wünsche und Bedürfnisse die Aristokratie in den Provinzial-Landtagen zur Kenntniß des Thrones bringen wollte, gestellt hat und jeder Fortschritt, jedes volksthümliche Lebenszeichen ward als Beeinträchtigung des bureaukratischen Wirkungs-Kreises ru> Iota gelegt. So wie es nun gewiß nicht die Schuld der Aristokratie ist, daß unsere frühere Regierungs-Form so traurige Resultate gelrefert hat, so wie eS gewiß ein ungegründeter Borwurf ist, wenn man der Aristokratie, als Corporation, vorwirft, sie hätte oas frühere Regierungs-System gebilligt und hätte früher kein Lebenszeichen von sich gegeben, eben so ungegründet ist es, wenn man ihr jetzt Schmollen, Zurückziehen und Reaction vorwirft. ..... Die Aristokratie schmollt nicht darüber, daß das frühere Regrerunas-System gestürzt wurde, sie begrüßt mit taufend Freudm die neue junge Freiheit, nur muß diese das Vaterland glücklicher und den Staat kräftiger machen als es ftüher der Fall war. Daß sie aber darüber empört ist, wenn ihr der Bürger Wiens alles nur erdenkliche Schlechte und Niedrige andichtet, das wird Jeder begreifen der Ehre sin Leibe bat. So lange die Aristokratie in Wien für das Allgeumne nützen konnte ist sie sehr zahlreich in den Reihen der National-Garde in Wien geblieben, nachdem sich aber die Stimmung in Wien so ausgesprochen hatte, daß es genug war einen alt adelichen Namen zu haben um mit Verachtung behandelt zu werden, nachdem die rohesten Pöbelhaufen nur zu oft den Ruf: Nieder mit den Aristokraten ausgestossen, die Sicherheit der Person bedroht war, blieb auch mit dem besten ehrlichsten Willen nichts zu thun übrig als Wien zu verlassen und sich vom politischen Schauplätze zurück zu ziehen. So lange nun in unserem geliebten, aber jetzt gewiß sehr gefährlich erkrankten Oefterrerch, nicht das wahre konstitutionelle Leben fest begründet ist, so lange Anarchie heute zerstört was gestern mühevoll aufgebaut wurde, so lange der Aristokratie alles mögliche Niederträchtige in die Schuhe geschoben, ihr Wirken für Ordnung und Mäßigung als Reaktion, ihr Weggehen von Wien als schmachvolles Zurückziehen gedeutet wird, so lange ist es unmöglich mit Liebe und mit Erfolg für die gute Sache zu arbeiten. Die Aristokratie erkennt vollkommen, daß alte Adels-Privileaien jetzt nicht mehr an der Zeit sind, sie selbst will aufhören auch nur dem Scheine nach bevorzugte Classe zu fein und wäre cs ihr unter dem früheren Regierungs-Systeme möglich gewesen, so hätte sie schon längst, so unglaublich es auch klingen mag, hiezu tue Initiative ergriffen. Sie ist fern von jeder Reaktion, aber auch eben so fern von jenem alles überstürzenden Ultcaliberalismus. Wie jeder, auch der niedrigste Bettler, auf seinen ehrlichen Nahmm hält, ebenso will aber auch jedes ihrer Mitglieder frei sein von schändlichen Verläumdungen, ehrliche biedere Gesinnungen sollen in jeder Brust geehrt werden und dann liebe Mitbürger! wenn ihr dem alten Aristokraten auch seinen Antheil an bürgerlicher Achtung und Ehre zu Thcil werden lasset, wenn unsere Handlungen nicht mehr falsch gedeutet werden, wettn unsere persönliche Sicherheit und unsere bürgerliche Achtung durch eine feste konstitutionelle Regierung gewährleistet ist, wenn ihr werdet Mäßigung von Reaktion unterscheiden gelernt haben, dann liebe Mitbürger werden wir alle wieder mit Freuden Ln eure Mitte zurückkehren, dann werden wir Euch mit Freuden die Hand zum brüderlichen Bunde reichen und werden kein Opfer, keine Mühe und keine Anstrengung scheuen um das Wohl unseres geliebten Vaterlandes dauernd zu begründen. Am 15. Juni 1848. Gin Aristokrat für Hunderte. Gedruckt bei ven Edlen von Ahelen'schen Erben.