Vorgetragen von Professor Dr. Anton Füfter beim feierlichen Feldgottesdienste der sämmtlichen Erdarbeiter Wiens am 30. Juli 1848. „Ein guter Daum bringt gute /rüchte." Evang. Matth. Kap. 7 . ^iebe Brüder und Schwestern in Christo! Ihr habet schon längst gewünscht, Alle vereinigt Gott ein Dankopfer darzubringen. Eine große Schar der Kinder Gottes ist hier versammelt um ihren Water im Himmel zu preisen, um in sich die Gefühle der Andacht zu entflammen, um die Gefühle der Nächstenliebe am Altäre Gottes zu beleben, um fromme Vorsätze, heilige Entschlüsse im Angesichte des Allliebenden zu fassen und sie mit seiner Gnade auszuführen, hiedurch die wahre, einzig wahre Religion, die Religion der Gottesund Nächstenliebe zu bethätigen. Meine Brüder, es ist ein Hochgefühl der Freude Euch alle an dieser Stätte zu sehen, auch sie ist eine heilige Stätte, denn überall ist Gottes Haus, überall die Arche des Bundes, wo Gottesverehrer wohnen. — Euch zu sehen in Gottesund Nächstenliebe vereinigt, eine fromme christgläubige Gemeinde! O gewiß, Gottes Vaterauge weilt auf Euch mit Liebe — Ihr seid seine armen, aber biedern, guten Kinder. — Der himmlische Hausvater hat Euch gepflanzt in seinem Weinberg, in seinem Paradiesesgarten hat er Euch gepflanzt, damit Ihr gute Früchte bringet: „Ein guter Baum briugt gute Früchte!^ Diese Worte des heutigen heiligen Evangeliums werde ich mit Gottes Gnade auf Euch, auf Euren Stand, geliebte Brüder Arbeiter, anwenden, ich werde darzustellen trachten welche gute Früchte im Arbeiterstande reifen sollen. In dem Pflanzgarten Gottes auf Erden, gibt es verschiedene Bäume; ein jeder Baum trägt eigenthümliche, ein jeder nützliche Früchte. Wenn auch der Werth der Früchte verschieden ist, so sind sie doch alle nützlich. Nicht auf die Schönheit des^ Baumes kommt es hauptsächlich an. Die Fichte, die Eiche sind schöne Bäume, und doch übertrifft sie der unansehnliche Fruchtbaum so sehr an Werth. Man erkennt den Baum aus seinen Früchten. Brüder in Christo! Verschieden sind die Stände, verschieden die Gabe, wie der Apostel sagt; aber es ist ein Geist, der Alles in Allem wirkt, der Geist Gottes erleuchtet und kräftigt jeden Menschen, wofern der Mensch diese Erleuchtung und Kräftigung annehmen will; und der Mensch kann, wenn er sich auch in dem niedrigsten Stande befindet, Früchte der guten Werke Hervorbringen. Za, es geschieht häufig, daß, so wie die unansehnlichsten Bäume die schmackhaftesten Früchte tragen, Menschen in den untersten Ständen, Werkender Göttlichkeit verrichten, welche vor Gott und den Menschen den größten Werth besitzen, weil sie aus einem gottliebenden Gemüthe, aus reiner Liebe zu dem Nächsten ohne alle Selbstsucht, ohne alle Nebenabsichten sind, gleichwie unser Herr und Heiland Jesus Christus einst im Tempel, vor Allen, welche Gaben auf den Altar legten, nur einzig und allein die arme Witwe, die nur einen Heller zum Opfer 'gebracht hatte, belobte, so haben oft die Werke der ärmsten Menschen vor Gott den größten Werth. Bringet gute Früchte, lieben Brüder! »Liebet Gott über Alles und den Nächsten wie Euch selbst.« Arbeitet in dem Stande, den Euch Gott zugewiesen, mit Fleiß und Eifer, redlich und treu. Am Tage der Rechenschaft wird nicht gefragt werden, in welchem Stande der Mensch gewesen sei, sondern wie er die Pflichten seines Standes erfüllet habe. »Der Baum, der schlechte Früchte bringt, wird ausgehauen und in das Feuer geworfen werden.« Traget Früchte des Guten, traget sie zur Verherrlichung Gottes, der Euch die Gnade gegeben, zum Heile Eurer Seelen, welches von den Früchten des Guten abhängt. Ihr Väter, Mütter erziehet Eure Kinder in der Gottesfurcht, in der Ehrlichkeit, zur Thätigkeit, zur Nüchternheit. Gold und Silber könnet Ihr ihnen nicht geben; es ist aber auch nicht der kostbarste Schatz den Eltern ihren Kindern geben können — eine gute Erziehung ist der größte Schatz, den die Eltern ihren Kindern zu schenken vermögen. Erziehet Eure Kinder zu arbeitsamen, ehrlichen Menschen, und Ihr habet sie am meisten glücklich gemacht. Seid ihnen ein Vorbild des Guten, ein Vorbild der Sanftmuth, der Ehrbarkeit, der Mäßigkeit, des Fleißes. Beispiele, gute Beispiele sind die besten Erzieher. Ihr Kinder, Ihr wisset, daß Ihr nächst Gott Euren Eltern die größte Liebe beweisen sollet. Sohn, Tochter, Deine Mutter hat Dich mit Schmerzen erkauft, mit Mühen, mit Beschwerden Deiner gepflegt; sie war zu jedem Opfer für Dich bereit, und denkt eher an Deine Wohlfahrt als an ihre eigene. Dein Vater arbeitet im Schweiße seines Angesichtes um Dich zu ernähren, er bricht sich den Bissen vom Munde ab, damit Du nicht hungerst! Sollest Du Deinen Eltern ihre große Liebe zu Dir nicht lohnen durch Liebe, Dankbarkeit, Gehorsam? Jünglinge und Jungfrauen, erhaltet Euch rein von den Verführungen dieser Welt. Zarter als der Staub auf den Flügeln des Schmetterlings ist die Unschuld! sie gehet so leicht, so schnell verloren, wenn man nicht wachsam, wenn man nicht stets thätig, nicht gottesfürchttg ist! Fliehet den Müßiggang; er ist aller Laster Anfang! Denket in den Tagen der Jugend, der Kraft, an die Tage des Alters, der Schwäche! Wer im Frühlinge nicht aussäet, kann im Herbste nicht ernten. " Ihr Alle bringet gute Früchte, Früchte der Gottes- und der Nächstenliebe! Es genügt nicht, um in das Himmelreich ein- gehen zu können, daß man rufe: »Herr, Herr! sondern man muß den Willen des Vaters im Himmel erfüllen,-- man muß Früchte des Guten Hervorbringen. Liebe Brüder! wir leben in ernsten Zeiten, und stürmischen Zeiten! Der Herr kann noch schwere Prüfungen über uns verhängen! Aus seiner Hand wollen wir sie dankbar annehmen und dazu benützen, daß wir Früchte des wahren Muthes, der edlen Aufopferung, der reinen Nächstenliebe Hervorbringen werden. Brüder, Ihr habt vor zwei Monaten eine schwere Probe bestanden, in den ewig denkwürdigen Maitagen, Ihr seid in der Prüfungszeit lauter, rein wie Gold befunden worden. Ihr habt für eine gute Sache gekämpft; Ihr habet die akademische Legion kräftig unterstützt, wofür sie Euch immer dankbar sein wird. Gott lohne es Euch! Stehet immer für Wahrheit, Recht und Freiheit! Hieraus erwächst Euch die Frucht der Ehre vor Gott und den Menschen! Ich schließe meine Worte mit der inständigen Bitte, daß Ihr allezeit gute Früchte nach dem Stande in den Euch Gott berufen hat, bringen wollet, mit der Bitte, daß Ihr mir Eure Liebe immer schenken möget. Der Vater im Himmel, dessen Kinder alle Menschen sind, ergieße seinen Segen in Fülle, über dich ehrliche, christgläubige Ärbeiter Gemeinde. Sein Friede lichte Eure Stirnen, Brüder, Schwestern bei des Tages Last und Hitze! Der Herr träufle himmlischen Balsam in Eure wunden Herzen; er schenke dem Werke Eurer Hände das Gedeihen; er lasse Euch Friede und Freude finden in Eurem Hause und außer demselben; und einst komme Euch, uns allen, nach dem großen Tagwerke unseres irdischen Lebens ein ewig seliger Feierabend! Amen. Johann Lackner, Josephstadt Nr. 45. ) ? ' ,l... i-. Gedruckt bei Leop. Sommer (vorm. Strauß).