als r o v h e t! Unglaublich, aber doch wahr! (Nach seiner eigene» Aussage in der Aula am 16 August 1848.) Echütre, dieser Name genügt schon sür die liberale Welt, und der ihn nicht als Redner kannte, wird gewiß seine Vorträge über Politik in einer erschienenen Brochure gelesen haben. Wer erinnert sich nicht an den gebildeten Redner, welcher im Monate April d.I. im Odeon die große Versammlung hielt, der so Viele durch sein seltenes Nednertalent, durch seine männliche Ruhe und sein angenehmes Organ Hinzureißen wußte. Schütte war es, welcher die Zugeständnisse, die wir erhielten, für gehaltlos und unnütz erklärte. Er hatte eine Petition in Anregung gebracht, bei welcher jedoch die Petitionirenden unbewaffnet erscheinen sollten, und darum wurde von dem Minister Pittersdorf, unseligen Andenkens, der Polizei der Befehl ertheilt, den Dr. Schütte, der ein Republikaner, also ein staats gefährlich er Mensch ist, von hier zu entfernen.— Und siehe, am 15. Mai haben wir eine Sturmpetition mit Waffen gehabt, nach welchem Falle nach Pittersdorfs oder Sedlnitzkyscher Manier Alle, welche bei derStnrmpetition hetheiligt waren, über die Grenze geschafft werden mußten. Schütte war ein Prophet, er hat uns prophezeiht, was da kommen wird und muß. Ich will nun die Art und Weise, wie er im April von hier fortgeschafft wurde, treu nach seiner eigelien Aussage ansühren. Am andern Morgen, als Schütte die bewußte Vorlesung im Odeonsaale hielt, nach welcher so viele Zöpfe das Zwicken bekommen haben, kam ein Männchen, bleichen und verschmitzten Angesichts in die Wohnung desselben, im goldenen Lamm, Leopoldstadt. Schütte lag noch im Bette halbschlummernd. Das Männchen trat hin zum Bette und ermahnte den Schlummernden, er möge mit ihm ans die Polizei kommen, man habe Wichtiges mit ihm zu sprechen. Schütte aber, ein fein politischer Kopf, erkannte gleich in jenem Manne den Sedlnitzkyschen Typus, und ersuchte den Spittel sich zu entfernen, mit dem Bemerken, er würde nur dann Folge leisten, wenn man ihm einen Verhaftsbefehl vorwiese. 'Der Spitzel wurde zudringlich, und Dr. Schütte war gedrungen, ihn etwas unsanft zur Thüre hinauszustoßen. Kaum war dieser Spitzel fort, so kam schon ein Zweiter, wie überhaupt das Hunderegiment im Monate April noch nicht abgeschafft war, und wies einen Verbaftsbefebl vor, unterzeichnet von dem Hofrathe H. und dem Polizeicommifsär. Nun konnte Schütte nichts Eiligeres thun, als sich ankleiden, und an den Ort des Rendezvous zu gehen. Mittlerweile erschien der junge Inhaber des Gasthauses zum goldenen Lamm und ersuchte Schütte, entweder aus die Polizei zu fahren, oder einen andern Ausweg zu finden, welch' Letzteres aber nicht möglich war, da das ganze Hotel von Polizeispitzeln umlagert war. Schütte ging hinüber zu Stierböck, winkte einem Fiaker, und fuhr über die Fer- dinandsbrücke, wo abermals zwei Spitzeln von beiden Seiten in den Wagen stiegen. Schütte meinte, der Wagen gehöre ihm allein, indem er ihn sür sich gemiethet habe, worauf der eine Spitzel eine Pistole mit aufgezogenem Hahne vorwies, mit dem Bemerken: daß er dieselbe bei der ersten Widersetzlichkeit abseuern würde, was aber Herrn Schütte nicht abschreckte, und er stieß abermals einen Spitzel, zur Thüre hinaus. Der Spitzel aber, ansetzig wie eine Wanze, stieg auf den Bock. Der andere Kamerad bemerkte, daß der Wagen voll der Polizei gedungen sei, und so fuhr Schütte über die Ferdinandsbrücke, welche gepfropft mit Polizei-Insekten war, zur ehemaliger (nun in den Mantel Stadthauptmannschaft gehüllten) Polizei-Oberdirektion. Dort wurden ihm seine Papiere abgenommen, nnd ein Hofrath meinte, er sei ein französischer Emissär, ein Republikaner, ein Revolutionär, der hieher käme zu revoltiren. Hierauf erwiderte Schütte auf eine sarkastische Weife dem Polizisten: daß er es nie geglaubt hätte, daß die Polizeimänner so dumm fein könnten, ihn für einen Revolutionär zu halten. Er stehe allenfalls mit französischen Häusern in Verbindung, aber nicht um in Wien zn revoltiren, sondern etwas anderes zu Prokuren. Schütte wurde endlich in Begleitung eines Commissärs, eines Nationalgarde-Lieutenants (?) und eines Studenten (?), welches Kleeblatt ihm den Ausdruck des gesammten Volkes andeuten sollte, zur Linie hinaus geführt. Der Hofrath, dessen Namen ich verzeche, sagte zu Schütte, indem er den Nationalgarden und Studenten ihm als Succurs beiaab: „Nun sehen Sie, Sie haben sich's mit Allem verdorben." Auf dem Verhastsbefehle stand Pittersdorfs Name, nebst der Bemerkung, Herrn Schütte allen möglichen Vorschub zu leisten und ihn freundschaftlichst zu behandeln, von welcher Güte Herr Schütte in Stockerau Gebrauch machte, indem er mehrere Bouteillen Champagner serviren ließ. Nun aufgepaßt: Es wurde sehr viel getrunken, aber Schütte nicht außer Acht gelassen, trotz dem er sein Ehrenwort verpfändete, daß er nicht entrinnen werde. — Schon früher bemerkte Schütte in dem jungen Studenten und dem Nationalgarden eine frappante Ähnlichkeit, und wie geahnt, der Junge schlief ein und Schütte bemerkte einen Tabaksbeutel in des Garden Tasche, und weckte den Jungen mit den Worten: „Gib dem Vater den Tabaksbeutel!" Worauf der Geweckte sich die Augen rieb, und stotternd die Worte ausstieß: „Den Tabaksbeutel muß der Vater haben!" So wurde die Schurkerei entdeckt, daß sich der Sohn des Garden (?) in den Rock eines Studenten (Hört! Hört!) steckte. Nun kommt's über'n Vater. In Meißau, einem Gute des Grafen Hoyos üblen Andenkens, kam Schütte in eine Billardstube, wo mehrere Bauern anwesend waren, die über Hoyos und Politik debattirten, und Schütte wollte mit ihnen Billard spielen (iä vst po- litisiren), was die Bauern sehr freundschaftlich aufnahmen, und ihren neuen Gesellschafter sehr liebevoll behandelten. Die Bauern forderten ihn auf, zu sprechen, er aber deutete ihnen, daß sein Rücken von Spionen besetzt sei. Die Landleute besannen sich nicht lange und packten die drei Jünger der Polizei und sperrten sie in die Spritzkammer. Der Eine sckme: „Wißt Ihr, was Ihr thut? Ich bin Nationalgarde-Lieutenant!" und zog ein Papier aus der Tasche. Die Bauern aber nicht so dumm, wie sie aussehen, griffen etwas tiefer in die Tasche und erwischten ein Papier, auf welchem zu lesen war, daß der angebliche Gardelieuteuant der Polizei-Commiffär H o st sei. (Allgemeines Gelächter.) Nur auf Schütte's Dringen wurden die Gefangenen aus der Spritzkammer befreit. In Prag wurde Schütte ebenfalls infam behandelt, und ihm von den Czechen gerathen, sich nicht an die Spitze der Deutschen alldort zu stellen, widrigenfalls er erschossen würde. Nicht unerwähnt darf bleiben, daß eine telegraphische Depesche nachkam, in welcher Pittersdorf die schnellste Beförderung empfahl. Endlich kam Schütte über die sächsische Gränze, und reiste später nach Berlin, Paris rc. Zurückkehrend, wurde er als Deputaten-Stellvertreter von Sachsen in's Parlament nach Frankfurt gewählt. Nun haben sich die Zeiten geändert. Schütte ist als Märtyrer Furückgekehrt, so wie wir es viele voraussagten, und wird nun vergöttert. Er wird Vorlesungen über Politik halten, und kann gewiß des erfreulichsten Succeffes gesichert sein. Daß er ein zweites Mal nicht wieder fortgeschafft werde, dafür wird die Universität sorgen. Vivat Schütte! Alterego. Gedruckt bet U. Klops seu. und Alexander Eurich.