von Wltll. Gefallen ist das Joch der Tirannei, zersprengt sind die schändlichen Slavenfesseln, unsere Gedanken und Gesinnungen werden nicht mehr durch ge- waltsame Mittel beengt Und niedergedrückt, wir sind frei durch den Willen des Volkes, durch die Gnade unseres Kaisers. Frei ist das Wort, frei der Gedanke, und kein schuftiger Naderer steht hinter uns, um uns für ein wahrgesprochenes Wort eine jahrelange Gefangenschaft zu verschaffen. Wir haben sie weggejagt jene Lumpenkerle, welche ungestraft die schändlichsten Verbrechen begangen, und die gräßlichsten Schandthaten vollführt haben, worüber selbst die Hölle sich schämen mußte, wahrend sie das Gesetz und das Volk mit Füßen traten, und wehe demjenigen, der es wagte, gegen diese Behandlung zu murren, oder ein Wörtchen der Mißbilligung fallen zu lassen- Das Volk kannte seine Peiniger und Henkersknechte schon lange, langst waren Metternich, Sedlnitzky und die Liguorianer verhaßt, da kam der 13. März und man machte diesem glühenden Hasse Lust. Sie sind nicht mehr bei uns, jene Teufel in Menschengestalt, die stets unter einer Decke spielten, Kaiser, Volk und Land betrogen, und deren Güte zu ihren frevelhaften willkürlichen Verfahren Mißbrauchten. Sedlnitzky war der Aergste von allen. Er war der roheste, gemeinste Bösewicht. Ich könnte Geschichten von diesem Elenden erzählen, worüber man staunen müßte, doch hier nur so viel. Sedlnitzky hatte außer den vielen Lastern, dje dieser liebenswürdige Mann besaß, auch das der Geilheit. Wehe dem Mädchen, welches das Unglück hatte ihm zu gefallen, mit Hülfe seiner dienstfertigen Spitzeln gelang es ihm immer selbe in seine Krallen zu bekommen; und was konnte dann eine solche Unglückliche gegen einen so hochgestellten Schurken, der noch dazu Polizei-Minister wat, beginnen? Bei welcher Behörde sollte sie Klage führen? Wagte es jemals ein Frauenzimmer bei ihm Gnade oder Schonung zu erbitten für Jemanden, der in den Händen der Polizei war, so konnte sie diesen nur durch Befriedigung der Lüste Sr. Ercellenz erkaufen, und schlecht erging es derjenigen, die wiederstehen wollte, oder den Muth besaß, ihm seine Schändlichkeit vorzuwerfen — sie ward von ihm genothzüchtiget. Nicht einmahl that er das, dieser niederträchtige gottlose Sünder, ich kenne mehrere Opfer seiner unersättlichen Wollust, und die in der Nähe seines Kabinetts zu thun hatten, werden oft das Bitten und Geschrei der Mißhandelten gehört haben. I Meine Leser werden sich noch erinnern an jenes Frauenzimmer, welches vor mehreren Jahren gräßlich verstümmelt und zerstückt aufgefunden wurde, ohne das man bis heutigen Tag den Mörder ausfindig machen konnte. Das Gerücht sagt, Sedlnitzky habe die Veranlassung dazu gegeben. Er soll das Mädchen verführt, und dann den Liguorianern zur Versorgung gegeben haben, und diese das Verbrechen begangen, weil es zu wiederholten Mahlen den Klauen der nicht weniger wollüstigen Pfaffen entfliehen wollte. Sei die Sache wie sie wolle, merkwürdig aber bleibt es immer, daß die überall berühmte Polizei bei ihrem Gekannten Aufwande von Macht, einem Verbrecher auch nicht auf die geringste Spur kommen konnte. Solches geschah in Wien, man sagt, man habe nicht besonders nachforschen wollen. Daß die Liguorianer zu einen solchen Verbrechen nicht zu gut waren, wissen wir aus ihrem bei dem Volke bekannten Werthe. Wir können uns glücklich schätzen, daß wir sie vom Halse haben, alle die säubern Herren. C. S. *) Was ich von Sedlnitzky hier sage, verbürge ich mit meinem Kopfe, Wien. Gedruckt im August i848 bei Z. N. Fridrich. MliM Mol« i.kx