in Wien! und t ' entdeckte Verruchtheit Metternichs. 2?Ullf unsere Staatsrevolteu folgen auch kirchliche Reformen. Die römisch-katholische Religion, so wie die lutherische gehen nnläugbar großen formellen Änderungen entgegen, und es ist nicht zu zweifeln, daß die deutsch-katholische Religion, welche der Mittelweg zwischen Beide» ist, sehr viele Anhänger finden werde. Bereits hat sich schon in Wien nach dem Beispiele anderer deutschen Städte eine deutsch-katholische Gesellschaft gebildet, welche das Ministerium um Einräumung eines Bethhauses angegangen hat. Da es gewiß im Interesse der Bevölkerung Wiens sein wird, das Wesen der deutsch-katholischen Religion kennen zu lernen, so sollen hier ihre Grundzüge angegeben werden. Die deutsch-katholische Religion lehrt alles dasjenige ihren Anhängern, welches die römisch-katholische lehrt, nur mit dem Unterschiede: 1) Daß sie die kirchliche Gewalt und Oberherrschaft des römischen Pabstes nicht anerkennt. 2) Wird die heilige Messe nicht in lateinischer Sprache gehalten, welche Niemand von den Zuhörern versteht, sondern in deutscher Sprache. 3) Dürfen die deutsch-katholischen Geistlichen sich verheirathen, weil kein eheloser Priester seinen Berns als liebevoller Volkserzieher und selbstbeglückter Trostbringer erfüllen soll. 4) Verwerfen sie die Ohrenbeichte, und haben dafür eine allgemeine Beichte nach Art der Protestanten, und nehmen hier- auf das heilige Abendmal zu sich. 5) Verwerfen sie die Ablässe. 6) Erkennen sie es nicht für verdienstlich in Klöstprn zu leben und ein beschauliches Mönchleben zu führen. Der Gründer der deutsch-katholischen Religion ist der katholische Pfarrer Ronge aus Preußisch-Schlesien, welcher von der Kanzel herab gegen die Mißbräuche der römisch-katholischen Religion eiferte. Gleich bei seinem Auftreten fand er viele Anhänger, obwohl der Bannstrahl ans sein Haupt geschleudert wurde. Endlich mußte er ans Preußen fliehen, da ihm keine weltlichen Gesetze vor dem Verfolgen der Geistlichkeit schützen konnten. Ronge besuchte Sachsen, Baiern, Baden, Würtemberg, wo er allenthalben deutsch-katholische Gemeinden errichtete. Aber auch dorten konnte er sich nicht behaupten. Die Polizei war ihm immer auf der Ferse. Aber die größte Verfolgung hatte Rouge von Metternich zu dulden. Er verbot ihm nicht allein bei Todesstrafe, die Gränzen Österreichs zu betreten, sondern er setzte auch einen Preis von 1V« Dukaten auf seinen Kops, um diesen Reformator der christlichen Kirche, dessen glückliche Rednergabe und strengste Moralität von seinen Anhängern überaus gelobt wild, für ewig den Mund zu verschließen. Metternich, dieser alte Sünder, hat dadurch zum schändlichsten Meuchelmord aufgefordert. Aber es war in ganz Deutschland kein Einziger so verworfen, welcher seinen Meuchlerdolch gegen Ronge gezückt hätte. Um Metternichs Spürhunden zu entgehen, suchte Ronge in Frankreich ein Asil, aber nachdem die Stunde der Freiheit in Deutschland und Österreich geschlagen hatte, eilte Ronge auch wieder in sein Vaterland. Ronge soll bereits auf der Reise nach Wien sein, wo er seine Predigten abhaltcn wird. Da die Zahl der Deutsch-Katholiken in Deutschland in kurzer Zeit einige Hunderttausend Menschen beträgt, unter welchen sich ausgezeichnete intelligente Männer befinden, so lohnt es sich wenigstens der Mühe, Ronges Predigten anzuhören, um zu unterscheiden, ob seine Reformen wirklich zeit- und vernunftgemäß sind, ob sie dem Unterrichte des göttlichen Welterlösers nicht zuwider, und ob sie Kraft und Weihe besitzen, ihren Anhängern wahren Trost und Beruhigung zu verschaffen, und ihr Gemüth zu veredeln. Durch unsere freien Institutionen haben wir volle Glaubensfreiheit und Ronge wird in Wiens Mauern, welche Metternich erilirten, nicht Kerker und Tod, wie früher zu erwarten haben. Dienstag dem 15. August versammeln sich die Deutsch-Katholiken von Wien im großen Odeon-Saale, weil die Zahl derselben bereits über 800 beträgt. Es läuft das Gerücht umher, das Rouge schon heute in Wien angekommen sei. Scheibe. Im Verlagsgewölbe Parisergasse.