Professor Nüster hat gehcirathct und ein Findelkind angenommen Stolzer als der Dom zu Köln, der sich in den Fluchen des deutschen Rheins spiegelt, steht die Aula, fest wie der Fels im Meere, den nicht zertrümmert der Welle» Ungestüm. Freier als der Aar in den Lüsten, blickt der Bursche empor zur Sonne der Freiheit, und hat auch viele Zöpfe ihr Lichtstrahl geblendet, daß sie nun im Finstern herumtappen gleich den Blindschleichen, die das Licht nicht zu ertragen vermögen, er schreitet stolz einher, ein Held des Tages, der Gegenstand der Bewunderung vieler verliebter Herzen. Lange Jahre war Oesterreich in ein mysteriöses Dunkel gehüllt und wehe dem, der den Schleier lüsten wollte. Ihn packte der Häscher verwegene Schaar und verloren war er auf immer. Denn wer den finstern Mächten war verfallen, der durfte früher keine Erlösung erwarten, als bis ihn am jüngsten Tage auferstehen heißt der Herr, bis ihn hervvrruft die Posaune aus seinem Grabe. Das Licht, das längst den freien Völkern im Westen geleuchtet, sollte auch den Völkern Oesterreichs aufgehen, sollte neue Wärme den im politischen Eise erstarrten Boden verleihen. Wie mit einem Zauberschlage war alles verändert. Und wenn ihr fragt, wer hat das alles bewirkt, so antworte ich euch, die Studenten, denen früher das traurige Loos beschieden war, jedem Kaufmannsdiener nachstehen zu müssen, da er (der Kaufmannsdiener) im Stande war, sein Liebchen ans eine noble Weise, wie der Wiener sagt, ansznführen, und durch seine Streichmacherei sich den Namen eines Gentlemens zu verdienen. Einst hat man die Studenten nur als Schuljungen betrachtet, die ihre Aufgabe lernen mußten, um nicht bestraft zu werben. Gottlob, die Zeiten haben sich geändert, geändert nicht bloß zum Vortheil der Studenten, sondern zum Vortheile aller Staatsbürger. Unsere Revolution kann man mit Recht eine unblutige nennen, groß und mächtig und stark wie das Märzenbier, ohne so tbener zu sein wie das Ministerbier im Bazar. Ich will mich bemühen, euch die Helden unserer Revolution kennen zu lernen, damit ihr sehet, wem ihr eure Freiheit zu verdanken Habet. An der Spitze steht der Mann des Volkes, der Freund der Arbeiter, der Vater der Studenten, der vielgeliebte Priester in Christo, Herr Professor Füster, dessen Namen mit Achtung ausspricht das gesammte Deutschland. Professor Füster ist der Apostel der Freiheit, der neue Messias der Deutschen, der gleich Christus sprechen durfte: Aula, du bist ein Fels, und auf diesen Felsen will ich meinen Tempel Der Freiheit bauen und die Macht der Reaktion soll ihn nicht überwältigen. Für Füster gibt es keine Beschränkung der Freiheit, als das natürliche Gesetz. Und dann wollen sich viele noch darüber wundern, daß Füster das Cölibat, das der größte Unsinn ist, den es geben kann, aufgehoben wissen will. Ihr würdet sehr irren, wenn ihr glaubet, daß Füster aus Eigennutz das Cölibat eingesührt wissen wolle. Höret denn und staunet, „Füster ist bereits verst eirath et." Ich kann mir das Erstaunen vorstellen, das euch ergreift, wennn ihr dieses leset. Ja Füster ist verheirathet. Es mögen ungefähr zwei Jahre verflossen sein, als Füster an einem heitern Sonnabend einsam nnd allein lustwandelte, um voll den Mühen des Tages sich einiger Maßen zu erholen. Er mochte ungefähr eine halbe Stunde gegangen sein, so hörte er von ferne ein Geflüster. Er schlich leise herbei und bemerkte einen Russen im Gespräche init einem Preußen. Du, sagte der Erstere, wenn sie kommen sollte, so müssen wir gleich über sie herfallen, um ihr den Garaus zu machen, denn es ist eine mir verhaßte Person. Füster eilte voll Todesangst, um das Mädchen noch früher zu begegnen, traf sie wirklich noch auf dem Wege und konnte sie so verständigen. Doch sie zu sehen und zu lieben war das Werk eines Augenblicks. Wer hätte nicht das reitzende Mädchen lieben sollen, wer wäre bei ihrem Anblicke nicht begeistert gewesen. Ihr blaues Auge blickte frei hinaus in das Weltall, bas Roth der Wangen schien mit dem der Rosen wetteifern zu wollen, ihr Körperbau glich dem einer Deutschen Eiche, stolz hebt sie ihr Haupt empor, wie Die Eiche emporragt mit ihren Wipfeln in Den Lüften. Es war ein echtes deutsches Mädchen. Noch war aber die Stunde nicht gekommen, wo ein einziger Mann es wagen Durfte, frei und osten »in die Hand des Mädchens zu werben. Als aber die Zeit gekommen war, wo es dem Burger erlaubt war, feine Stirn, wie es dem Manne geziemt, frei empor zu heben, da durfte auch Füster auftreten und um seine Braut werben. Diese Braut ist die Freiheit. Wer so um die Freiheit wirbt, wie Füster, der ist würdig, sie zu besitzen. Freiheit mit ihren lieblichen Schwestern Gleickheit nnd Brüderlichkeit sin» die drei göttlichen Tugenden eines Volkes, das stark durch seine Einheit in seinem Streben muthig vorwärts schreitet, das lieber seiner Fürsten Gunst verliert, als seine errungene Freiheit. Hoch lebe Professor Füster, hoch seine Brant, die deutsche Freiheit! Einsam und allein, durch Jahrhunderte verwaist, stand die Aula, die in der neuen Zeit auf eine so auffallende Weise eine solche Geltung behauptete. Wer hätte sich auch viel um die Aula bekümmern sollen; vielleicht um Vas Gebäude, bei dem man erst fragen mußte, was es bedeutet, Aula, du warst ein armes, verwaistes Kind, kaum eine Fahne schmückte dich, auch wenn dich eine schmückte, so war sie eine schwarzgelbe. Deine Jungen wanderten gleich Gespenstern umher, und wehe, wenn sich ein Geist sehen ließ, denn ihn erschlug Oesterreichs frühere Politik. Aber armes verwaistes Kind, auch du hast einen Vater gefunden, der sich deiner annahm, der dich innig liebt und der dich nie verlassen wird. Er wird sein Kind gegen seine Feinde schützen und eher sterben, als daß ihm ein Haar gekrümmt werde. Und dieser dein Pflegevater Aula ist der edle Volksfreund, Herr Professor Füster. Wien im September 1848. I. E- 3- Gedruckt bei Stöckhalzer v. Hirschfeld. — Zu haben Liliengaße Nr. 898. '^,M / 7 <7 .. -.- - -->.M'> .-' "" ---^>Ä^8>»-' - 7.7 !"-'> -1i-': -L^WK,^' d .. 7-- -^7-1 ^«-. »" ,'»' »>»»^-^ « ' ' -°> » - - v;i)H)h IvA , >»' »-^ /, ai, 2 nu LL !^'Ä> ^1 ^L- ' M tz!-^ - >»« yrr vlikL' 5,b r<)5, ,ü»M5's rnjvM nrchflm- L»4 «SrnH M.tz.m-chst 7>s n^ M-L ««. ylü «zI.'.'^ -n - - ^ - n,-, is. rM«LttUtftt«l »irfsmK mi mm üv-S >t,sn»!S,tz lMMLi'.' 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