OaS Wort, >aö mm »icht sage« dors! oder: Nitdcr mit -er R.! Auf Wien, den Eentralpunkt der europäischen Intelligenz und dert Schwerpunkt der in- und außereuropäischen Politik— sind die Augen des gesammten deutschen Vaterlandes und der ganzen gebildeten Welt mit Sehnsucht gerichtet. Nicht eine republikanische Schilderhebung wird in Wien erwartet, denn alle in der Politik erfahrenen Männer nnd die wahren Verfechter des echten demokratischen Prinzips müssen nach Wissen und Gewissen von der Ueberzeugung durchdrungen sein, daß, obwohl die Republik in der Theorie als die beste Staatsform angesehen werden muß, es dennoch unter den gegenwärtigen gegebenen Umständen heilloser, nicht zu rechtfertigender Wahnsinn wäre, an eine im deutschen Vaterlande einznführende Republik nur zu denken. Was ist Republik? - Und was stellt sich das Volk gewöhnlich unter dem Worte Republik vor? Republik ist eine Staatsform, in welcher sich ein freies Volk selbst Gesetze gibt und die gegebene» Gesetze auch durch sich selbst erekutirt, d. i. vollzieht. Gewöhnlich aber wird irrthümlicher Weise daS Wort Republik mit Kommunismus (Gütergemeinschaft) und Anarchie (Gesetzlosigkeit) verwechselt. Welches Unheil würde daher entstehen, wenn jetzt in Deutschland die Republik proklamirt würde, der schrecklichste Terrorismus (gesetzlose Gewaltherrschaft, daS Faustrecht) wäre die unmittelbare Folge. Der Kredit, der Handel und alle privatrechtlichen Verhältnisse würden zu Grunde gehen, und inmitten de- erbitterten Kampfes der Völker, der streitenden Parteien und der jewelligen Machthaber, würde daS scheußliche Newa- Ungeheuer (der racheschnaubende Bär aus Tobolsk) über die schönen Fluren Deutschlands unter dem wilden KosakeN- gejauchze heranstürmen, während daS Krähen des gallischen Hahnes, daS leider zu frühzeitige Aufgehen des russischen Knutengestirns über Deutschland unheilbringend verkünden würde, und im Hintergründe der feilschende Engländer wie ein Schacherjude lauert, um die kostbaren Bruchstücke des zertrümmerten Dölkerjuwels der deutschen Einheit mit keiner Münze käuflich an sich zu bringen. In kurzer Zeit aber würden wir statt der Dolksvertreterschast unweit der Reitschule den verruchten Aller- weltSminister Metternich sehen, wie er am Ballplatz (ein Baalpriester) wohlgemutst seine Residenz aufschlägt und wie die Metternich'sche Leibgarde, aus Ligourianern, Polizei, Schergen und Henkersknechten bestehend, im Triumph nach dem schönen gemächlichen Wien einztehen würde. Darum, theure Mitbürger! Einen durch volksthümliche Institutionen , durch Volkswillen gestützten Thron, aber — Rieder mit der Republik! Wien, im Septembers Hary Mose«. Gedruckt hei Franz Edlen v. Schmitz. Nieder mit -er Reaktion! (obgleich mans sagen darf.) Meder mit der Republik! — Meder mit der Demokratie! — Nieder mit der Volkssouverainität! — Rieder mit ^ der Presse! — Meder mit der Legion! — Kein Reichstag! — Kein volksthümliches Ministerium! — Keine Association! — Nur Metternich und Backhändeln! Konnten wir so gemüthlich beim Heurigen fitzen, und beim Bierglase — und sprechen von der Frau Ahndl! Da ertönt mit einem Male der Ruf zur Revolution und die Nmernngssucht streckte die Tollhäusler an. Wir brauchen kein Schwarzrvthgold, denn o fürchterlich!: Pulver ist schwarz, Blut ist roth Md Golden flackert die Flamme! Anders ist schwarzgelb. Eristirt noch eine gemüthlichere Farbe? Denn Kaffeesud ist schwarz, und kommt die Milch dazu, so ist er schwarzgelb. Und wie kann ein Schiff weiter steuern, wmn nicht der Zopf das Steuerruder ist? Wie kann eine Stadt — was Staat! gedeihen, wo nicht Metternich, Sedlnitzkv, Colloredo und all die theuren Häupter residiren s Lieber die Kosaken im Sande, als die Barrikaden in der Gaffe. Und die armen Liguorianer? verruchte Hände haben sie verjagt! — Wir wollen blos essen, trinken und schlafen. Nur Ruhe, Ruhe um jeden Preis! — — Was nützt uns die Volkswehr, wenn der Magen leer. Wir brauchen keine Freiheit! Lieber im Kerker fich satt mästen, als vor Hunger crepiren. Wollen fie Gleichheit, so mögen fich die großen Demagogen selbst köpfen." DaS ist ungefähr das glorreiche Glaubensbekeuntniß der reaktioüären Partei, wenn man die so Denkenden mit dem Worte „Partei" bezeichnen könnte. ES ist ein lichtscheues Gewürme, welches volksfeindliche Absichten im Schilde führt. Wir wollen Freiheit im vollsten Sinne, keine Republik, daher auch Rieder mit der Reaktion! Die goldene Mittelstraße schlägt jeder weise Maun ei«. Unsere Freiheit sei ein auf dieser Straße vorwärts rollender Wagen. DaS Rädergetriebe werde leicht durch das ungehemmte Gehen der Industrie. Mit den Mügeln der Begeisterung mögen die Rosse muthig über alle Hindernisse jagen, und der fich dem kühnen Zuge, entgegenstemmt, möge niedergetrete» werden in den Staub. Den Zügel haben wir den Männern unseres konstituirenden Reichstages in die Hände gegeben. In sie setzen wir unser ganzes Vertrauen. Mögen sie den Staat nie an den Abgrund, sondern auf der goldenen Mittelstraße einem goldenen Ziele zuführen, und im festen Brüderverbande mit Deutschland unser Heil aufbauen, wie es noch nie so groß dagestanden. Wien, im September 1848. Gedruckt bet Frau- Edlen von Schwitz. A. Pichler.