An die Bewohner von Wien. Es ist mir der Antrag gestellt worden, eine friedliche Vermittlung mit der Stadt einzugeben und mit meinen Truppen nach Wien einzurücken, um die von mir vorgeschriebenen Bedingungen selbst in Ausführung zu bringen. Ich appellire an den Rechtlichkeitssinn eines gewiß großen Theiles der Bewohner Wiens und frage sie, ob es möglich ist, daß ich nach allem Vorgefallenen, nachdem auf meine Truppen obne allen Anlaß gleich bei ihrem Erscheinen gefeuert wurde, mit denselben nach Wien cinziehen könne, in eine Stadt, die nach Aussage Aller von bewaffneten Uibel- gesinnten wimmelt, ehe diese Menge entwaffnet ist, ohne ei,.en mörderischen Straßenkampf herbeizuführen. Ich frage, ob diejenigen, welche mir Frieden anbieten, welche mich auffordern, nngescheut nach Wien einzuziehen, auch wenn sie es gut mit mir meinten, im Stande wären, denen Ruhe und Mäßigung zu gebieten, die nun schon seit Wochen mit Waffen in der Hand die ganze Stadt terrorisiren. Es ist meine Pflicht, den guten Theil der Bewohner Wiens von dem in Kennt- niß zu setzen, was seit der kurzen Zeit meines Erscheinens und vor demselben! geschehen ist, da diese Vorfälle gewiß auf das höchste entstellt werden. Seit mehreren Tagen finden stete Angriffe auf meine Truppen statt, die den Befehl haben, nur im dringendsten Falle dieselben zu erwiedern, was denn auch bereits an mehreren Orten geschehen ist. Die Parthei, welche für die Urheber jener unerhörten Schandthat, die an dem Kriegsminister Grafen Latour und selbst noch an seiner Leiche begangen wurde, von Seiner Majestät Amnestie begehrte, die die Entfernung der Truppen, welche so schändlich angegriffen wurden, verlangte, einen Antrag auf Verbannung mehrerer Glieder des kaiserlichen Hauses stellte, noch vor kurzem gegen die mir von Seiner Majestät dem Kaiser verliehenen Vollmachten protestirte und meine ganze Sendung als ungesetzlich erklärte, — diese Parthei schickt Friedensboten zu mir, um mich mit meinen Truppen ohne alle Garantie in die Stadt zu ziehen. Fern ist von mir der Gedanke unnöthiger Gewaltmaßregeln; es erfüllt mich mit Schmerz, gegen die Hauptstadt der Monarchie feindlich auftreten zu müssen; doch ich frage nochmals die rechtlich gesinnten Bewohner derselben: ist Vermittlung in der mir angetragenen Form unter solchen Voraussetzungen möglich? Hauptquartier Hetzendorf am 25. Oktober 1848. Fürst zu indisch - Grüß, Feldmarschall.