Oesterreichs Ktern Der Erzherzog Johann ist angekommen. Welch' Glück uns wartet, und was wir hoffen, Liegt in diesen Worten frei uns offen! Ä8elchen Vaterlandsfreund erfreuet nicht dieser Name, welchem wackern Desterreicher muß nicht das Herz im Leibe tanzen, bei dem Ge. danken, daß die schönen Marken unsers geliebten freien Landes fortan von dem biedersten, freisinnigsten und treuesten Volksfreünde überwacht und beschützt werden sollen! Welcher gute und wahre Wiener wird nicht freudig in den allgemeinen Jubel miteinstimmcn, der bei der Ankunft unsers treuherzigen Tyroler-Hans aus allen Kehlen erschallen wird! Ja, freue dich, du schönes freies Oesterreich, frohlocke und juble, wackere wett, berühmte Kaiserstadt, die sich neuestens durch die herzige Gemächlichkeit durch den tapfern Freiheitsmuth, vereint mit biederer Menschenfreundlichkeit ihrer Bewohner in den Augen Aller Welt geschichtliche Merkwür, digkeit erworben hat, jauchze du herrliches großartiges Wien, denn es zier bet ein Mann in deinen Mauern ein, der ein treues ungeschmünktes Ly- roler-Herz auf dem rechten Flecke trägt, dem es Ernst seyn wird, sein treues ihm von unserm geliebten Kaiser anvertrautes Volk wahrhaft glücklich zu machen. Er, der schlichte ungekünstelte Naturmensch, wird die reinen ungefälschten Gesinnungen der Menschenfreundlichkeit nnd der wahren Freiheit, die er in den reizenden Tiroler Bergen und Thaler eingeathmet, in unserer schönen Stadt verbreiten, er wird sich nicht lenken und beherrschen lassen von den Ränken und Eabalen aristokratischer und selbstsüchtiger Hofschranzen, Er, selbst ein vielfach erprobter wahrer Freund der geradstnnjgen aufrichtigen Bürger, wird die Volks» und Bürgexssache thatkräftigst vertreten, und unsre ganze Dankbarkeit und Verehrung in noch gesteigertem Maße als er diese schon besitzt, erwerben. Darum auf meine thevern Freunde, freuen wir uns dieses glücklichen Umstandes, der heilbrinbend auf unser gesammteß Vaterland einwirken wird. Wir wollen zugleich unfern geliebten Brüdern aus dem Volke einen kurzen Abriß seiner Lebcnsgeschichte mittheilen, damit jedes österreichische Kind aus unserer Mitte den edlen, ver» ehrungswürdigen Mann genau kennen lerne, und einsehe, wie vollkommen er durch sein? stets bewiesene Liebe und Anhänglichkeit zum braven, wackern, und rechtlichen Manne, ohne erst nach seinem Range oder Titel zu fragen, unser unumschränktes Vertrauen verdient. — Johann Bapt. Jos. kaiserlicher Prinz und Erzherzog von Oesterreich ist der achte Sohn des Kaisers Leopold II. Bruder des verstorbenen Kaisers Franz I. wurde zu Florenz im Großherzogthum Toscana, den 20. Jänner 1792 geboren. Schon in seiner frühesten Jugend zeugte er bei vielfachen Gelegenheiten, Anhänglichkeit und Vorliebe fürs Volk, so wie anderseits seinen Widerwillen gegen alles Geschraubte, Affektirte und Unnatürliche in der großen Welt. Darin lag auch der Grund, daß er mit so außerordentlichem Eifer, mir seltener Lust und Geduld, Geschichte, Länder- und Völkerkunde.theoretisch und praktisch studirte. Mit feiner ungewöhnlichen Herzensgüte und Menschenfreundlichkeit vereinte der junge Prinz auch schoy nizaxtester Jugend einen bewunderungswürdigen Geist und Heldenmuch» In seinem 17. und 19- Lebensjahr hatte er schon manches gefährliche Treffen m-itgemacht und noch war er nicht vollends 19 Jahre alt, als er schon den wichtigen Posten eines Oberbefehlshabers des ganzen Heeres im Jahre 1900 erhielt mit demselben in Bayern pordrang, und daselbst die seltenste und größte persönliche Tapferkeit bewies, und alles aufboth um denMuth seiner Krieger zu beleben. In dieser Zeit hatte er oft und vielfach das entzückende Tprslerlandl, für welches er mit aufopfernder Liebe und Hingebung eingenommen war, nach allen Richtungen bereiset, wobei er jederzeit^mit väterlicher Fürsoetz« sich der gemüthlichen Tproler gnnahm, und treffliche u, tz gemeinnützige Plane für Volksbewaffnung «nd Dertheidigung der festen Plätze entwarf. Hier zeichnete sich er vorzüglich so durch hekdenmülhige Tapferkeit wie durch die edelsten liebevollsten und wichtigsten Maßregeln aus! Auch dieser Umstand liefert den besten schlagendsten Beweis seines allem Guten zugäng» lichen und zartfühlenden Herzens, indem er bei seiner allgemein ruhmgekrönten Tapferkeit mit un- ermüdetem Eifer, mit grenzenloser unbeschreiblicher Lust und Liebe den schönen Wissenschaften aller Art widmete. Er bereiste und durchforschte fortwährend, wenn es Berufsgeschäfte ihm nur gestatteten, Tirol, Steyermark, Kärnthen, und Salzburg in naturwissenschaftlicher, geschichtlicher und künstlerischer Hinsicht, welches für die betreffenden Wissenschaften auch mit den schönsten und wichtigsten Resultaten gekrönt wurde! Im Jahre 1911 gründete er das nunmehr zu so hoher Vollkommenheit gediehene seinen Ramen führende steyermärkische Nationalmuseum »das Joanneum« zu Gratz, welchen er milde Kostbarkeiten aus seine» Sammlungen zum Geschenke machte.— Später hatte er in Gesellschaft des Erzherzog Ludwig seine wissenschaftlichen Koschungsreisen bis nach Frankreich und England ausgedehnt, wo er in London selbst in der Taucherglocke den Mee- resgrund besuchte, und darauf 19 l6 über Holland nach Wien zurückkehrte. Wir können kein trefflicheres Beispiel seines ausgezeichnet liberalen, edlen und vorur-- theilsfreien Denkens und Handelns bringen, als den bewunderungswürdigen Schritt feiner Vermählung mit seiner durch Herzens» und Gesinnungsadel hochgestellten Frau Gemahlin der zur Gräfin von.Brandhof erhobenen bürgerlichen Postmeisterstochter, die er trotz aller Jntriguen der Con- venienz, ungeachtet der schrecklichsten und unangenehmsten Hofkabalen mit solcher Innigkeit liebte, daß er seinem theuersten Lieblingsaufenthalt in Steiermark den Namen Brandhof beilegte, und ihn zum wahren Kunst- und Feentempel, zum Pantheon des guten Geschmackes wachte! Dort lebte er seit Vieser Zeit im traulichen, gemächlichen Kreise seiner Familie, seinen hohen Berufßge- schäften und wissenschaftlichen Bestrebungen, wobei er seine geliebten Tiroler niemals vergaß. Dieser treufühlende, wahrhafte und aufrichtige Natur - und Volksfreund wird nun in unserer Mitte weilen, um uns zu schützen, unsere Rechte und Interessen zu wahren, und dev Himmel unserer Freiheit rein und ungetrübt zu erhalten von den verderblichen pestartigen Geburten und Grundsätzen der Reactionü Lächerliche Blamage ist eS also, wie sich eine klatschende Sudelfeder unserer Gassen- Literatur nicht entblödete , die Würde dieses Ehrenmannes zu sich herab in den Staub zu ziehen, indem sie ihm Worte in den Mund legte, die er gewiß nie gedacht. Wem sielen hierbei nicht die unsterblichen Worte unsevs Meisterfängers ein: »Wenn dich deS Lästerers Zunge sticht,« und so weiter. Vivat! lange lebe unser geliebter konstitutioneller Kaiser! Tausendmal hoch der gute biederherzige Tiroler-Hans, der wa- ckere Erzherzog Johann!!! i Gedruckt bei M. Lell, Leopoldstadt, Nr. SOS.