as mag sich ErzbcrM Mm beim sämmtlichm Anblick der Wiener -Rattonalgar-cn wohl gedacht haben? Aehnliche Fragen mag siö, wohl mancher von unS gemacht haben, wie er die herrliche bereits gut exercirte und uniformirte Garde sah, vertreten von allen Ständen und beinahe jeden männlichen Alters, vom freisinnigen Aristokraten bis zum unbemittelten Bürger vom reichen Groß« Händler bis zum unbedeutenden Fragner, vom Hofrath bis zum Praktikanten- vom akkreditirten Arzt, biß zum Hörer des ersten Jahres der Thierarznei, vom jugendlichen, kaum 14jährigeu Tambour, bis zum ergrauten Greise. Alle bereit - mit Freuden ihr Leben zu opfern, für Freiheit, Recht, Gott, Kaiser und Vaterland. Gewiß war es ein herrlicher Anblick, diese martialischen Gestalten in Reih uUb Glied in ganzer Fronte zu sehen, vermißte man auch hin und wieder das eingewerkelte am Schnürchen gehende soldatsiche Exerzicium, so entschuldigte uns reichlich das Bewußtsein seines eigenen Werths, das jeden Einzelnen ergreifen mußte, das Gefühl der Freiheit, das auf jeden Antlitz sich abgespiegelt zeigte. Herrlicher Moment, der uns die Bolkeswehr in ganzer Kraft zeigte. Was für ein erhabener Gedanke mag es für unfern durchlauchtigsten Erzherzog Johann wohl gewesen sein, zu wissen, von solchen Männern geehrt, geliebt zu sein. Gewiß freute er sich mit vollem Herzen seiner hohen heiligen Sendung, der Stellvertreter des LandesvaterS unser» gütigen Kaisers zu sein. Gewiß durchdrang ihn die feste Ueberzeugung, es könne keine bessere Bürgschaft für Ruhe und Sicherheit geben, als der gute Wille einer solchen Macht, die es öfter als einmal bewiesen, daß sie für Recht und Ordnung selbst ihr Leben gerne wagten. Vielleicht wünschte er auch, daß alle diese schmachvollen Berräther, diese im Finster» Pläne brütenden Aristokraten, und Jesuiten den Anblick unserer Wolkeskraft haben sollten. Dann würden sie zitternd ihre eigene Ohnmacht fühlen, und einsehen lernen, warum alle ihre fein ausgesponnenen Pläne scheitern mußten, und immer umsonst sein werden. Die Garden, welche sich in großer Anzahl einfanden, maschkrten um 7 Uhr Früh auf den Militär-Exerzierplatz zwischen dem Burg- und Schottenthor, und formirten sich in ihre verschiedene Corps, wo sich auch eine bedeutende Anzahl Garde - Compagnien von der Umgebung Wiens einfanden. Um 9 Uhr erschien Se. k. Hoheit der Erzherzog Johann, umgeben von einer reichen Suite von Generälen und Stabsoffizieren, und wurde mit einem einstimmigen stürmischen Vivatruf empfangen. Se. Hoheit hielt sodann Revüe über sämmtliche Corps, und soll sich, nachdem eine bedeutende Zeit verflossen, bis er zu uniformirten Bürgern kam, verwundert geäußert haben: Er hätte nichr vermuthet, die Wievsrgarde so ungemein zahlreich vertreten zu sehen. (Man schätzte ihre Anzahl, ungeachtet viele, besonders von der akademischen Legion auf Urlaub sind, und die verschiedenen Wachen bezogen werden mußten, auch viele Nichtuniformirte nicht ausrückten, dennoch auf 60,000 Mann). Von Augenzeugen wird behauptet, ein Nationalgarde und Päch, ter des ehemaligen Tivoli, ein gebürtiger Tiroler und Verwandter Hofers, soll dem Erzherzog die Hand gereicht und die Worte gesprochen haben: „Grüß Gott Hansl, nimm dich a wengl an jetzt lum d'Wiarner," welche gemüthliche Worte auf das freundlichste ausgenommen wurden. Schlüßlrch defilirten noch sämmtliche Garden vor Seiner Hoheit. Gedruckt bei M. Lell, L opoldstadt- Weinrraubengaffe Nr. 505. ^7545 t-lc?s52