Wisnsr 8laöt kiblioltikk. 28333 ^ 7. -x ^ > x. '>7- 'V» - ^ ' M M §. Verlag ; », > > 7 ^ M L- ^ Kr:-- Lamenüuch Stadt Mim. 't a m c n b u cl. der Stadt Wien. Die Namen der Straßen und Gassen, Mähe und Höfe, Vorstädte und Vororte im Alten und neuen AlDten erklärt von Professor vi. Iriedrich Amtaust. Wien. West. Leipzig. Ä.. HarLleben's Bertag. 1895. K. u. k. Hofbuchdrucker Fr. Wiuiker L Schickardt, Brünn. Vorwort Älit dem vorliegenden Buche, dem Ergebnis einer nicht geringen Mühe, bietet der Verfasser seiner geliebten Vaterstadt eine Gabe, von der er hofft, dass sie in allen Schichten und Kreisen der Wiener Bevölkerung Boden finden werde. Die Neubenennung von mehreren hundert Straßen und Gassen in fast allen Bezirken unserer Stadt lenkt eben jetzt das allgemeine Interesse auf die Straßennamen; daher erscheint das „Namenbuch der Stadt Wien" wohl zu richtigem Zeitpunkte. Damit die Namen nicht ein leerer Schall seien, sondern bedeutungsvoll ans Ohr klingen, ist es nothwendig, sich ihren Ursprung und Sinn zu erklären. Diese Namenerklärung nicht allein von Straßen, Gassen und Plätzen, sondern auch von den ehemaligen Vorstädten und Vororten wird hier geboten. Setzte es sich auch der Verfasser zur Aufgabe, alle diese Namen zu erklären, so war ihm dies in vollem Maße nicht möglich, da er für etliche Straßen den Grund der Benennung, die Bedeutung ihres Namens nicht ausfindig machen konnte. Doch ist die Zahl der unerklärt gebliebenen Namen sehr gering; im ersten Bezirke sind alle Namen erklärt, von den Straßen der übrigen achtzehn Bezirke die weitaus überwiegende Mehrzahl. Da der Verfasser sein Buch volksthümlich gestalten und demselben auch keinen zu großen Umfang geben wollte, führte er bei der Namenserklärung die Belegstellen aus Urkunden, Chroniken u. s. w. nicht an. Dagegen schien es bei dem Vorherrschen von Straßennamen nach Personen angezeigt, über die letzteren einige kennzeichnende Angaben zu machen, sowie Geburts- und Sterbetag mitzutheilen, und zwar umsomehr, als über viele dieser Personen Daten schwer zugänglich sind. VI Vorwort. Dient eine solche Arbeit unzweifelhaft den Zwecken der Heimatskunde, und ist sie geeignet, die Liebe zur Vaterstadt zu erhöhen, weil sie den Klang der Straßennamen durch die Heranziehung der heimischen Geschichte belebt, so erfüllt das „Namenbuch der Stadt Wien" auch eine praktische Aufgabe, indem es die alten wie die ihnen entsprechenden abgeänderten Namen in der alphabetischen Reihe leicht auffinden lässt. Den Namen Vindobona und Wien ist ein längerer Abschnitt gewidmet, welcher der Einleitung eingefügt wurde. Diese selbst gibt eine geschichtliche Übersicht über die Namen der Wiener Vorstädte, Vororte und Straßen, welche sie auch ihrem Inhalte und ihrer Bedeutung nach gruppiert. Zu großem Danke fühlt sich der Verfasser sämmtlichen Beamten der Wiener Stadtbibliothek verpflichtet, welche ihn bei seiner Arbeit in zuvorkommendster Weise unterstützten. Ferner muss derselbe auch seinem ehemaligen Schüler, dem Ounä. xliil. Karl Huffnagl, innig danken, der bei der Beschaffung des reichen Materials sich als ein eifriger und sachkundiger Mitarbeiter erwies. Wien im November 1894. Kr. Umlauft. Namenbuch der Stadt Wien. Einleitung. — x — Zwischen dem Namen und dem Träger desselben besteht nnbezweiselt eine ursprünglich nahe Beziehung; dies zeigen uns die alten Namen der Personen und Familien, wie auch die Ortsnamen. In vielen Fällen gibt das Verständnis der Namen Aufschluss über die Vergangenheit, sie erscheinen als wichtige Quellen der Geschichte. Wie es nun für jeden denkenden Menschen von Interesse ist, die Bedeutung und den Ursprung seines Familiennamens zu kennen, so wird er wohl auch gerne über den Namen seines Geburts- oder Wohnortes sich unterrichten. Ja er wird, ist einmal seine Wissbegierde angeregt, noch weiter gehen; denn ob er in einer größeren oder kleineren Stadt zuhause ist, so treten bald auch die Namen der Gassen, Straßen und Plätze wie fragend an ihn heran, und er bemüht sich, auch ihre Namen sich zurecht zu legen, zu deuten. Häufig wird er leicht eine befriedigende Antwort selbst finden; denn eine Menge solcher Namen erklärt sich sehr leicht. Lange oder breite Gasse, Hauptplatz, Kirchenplatz, Schulgasse, Badgasse, Mehlmarkt, Fleischmarkt, bedürfen keiner weitläufigen Erklärung. Dagegen gibt es zahlreiche Namen, welche die Gegenwart nicht mehr erklärt oder die uns sprachlich ganz dunkel erscheinen, um derenwillen man sich in alten Urkunden, Chroniken, Stadtplänen u. dgl. Raths erholen muss. So sind ohne derartige geschichtliche Quellen in unserem Wien heute unverständlich die Namen Bognergasse, Bräunerstraße, Freiung, Heidenschuss, Himmelpfortgasse, Lugeck, Weihburg« gaste, Wipplingerstraße u. v. a. Außer den alten Namen gibt es aber in den Großstädten mit ihrem raschen Wachsthum zahlreiche neue Straßennamen ganz anderen Ursprungs als jene ersteren, die alten nämlich. Während vormals die Straßennamen mit der Straße oder Gasse selbst erwuchsen, indem eine besondere, auffällige Eigm- thümlichkeit einer Gasse Anlass zu deren Benennung bot, also aus dem Volke Hervorgiengen und von allem Anfänge an volkstümlich waren, vollzieht sich die Namentaufe der neuen Straßen in Archiven, Bibliotheken, in Rathsstuben am grünen Tische, so dass ihr die Volkstümlichkeit fehlt. Es ist dies sehr bedauerlich, aber nicht zu ändern. Denn das moderne Leben kann nicht eine neue Gasse so lange unbenannt lassen, bis der Volksmund ihr einen Namen gibt. Bei diesen neuen Gassen und Straßen entfällt zumeist aller Zusammenhang mit ihrem Namen. Wenn nun gar eine große Zahl von Namen geschafft werden soll, liegt es nahe, dass man auf ganz nichtssagende oder obscure Namen verfällt. Diese beiden Kategorien von Namen haben wir auch in unserem Wien zn unterscheiden: die althistorischen, volkstümlichen und die neuen, der Mehr- Nm lauft, Namenbuch der Stadt Wien. I 2 Einleitung. zahl nach willkürlichen Namen. Letztere sind mehrmals, gewöhnlich bei Erweiterungen der Stadt oder des Stadtgebietes aufgetaucht. Ehe wir aber daran gehen, in die große Zahl von Straßennamen Wiens durch Anlehnung an die Geschichte unserer Stadt eine gewisse Ordnung zu bringen, wollen wir vorerst vernehmen, wie der Namen Wiens selbst, der uns ganz unverständlich klingt, von der gelehrten Forschung gedeutet wird. Bekanntlich reicht die Geschichte unserer Stadt bis in die Römerzeit zurück. Unzweifelhaft haben die Römer eine Vorgefundene einheimische Namens- sorm sich mundgerecht gemacht, indem sie die von ihnen besetzte und befestigte keltische Niederlassung an der Mündung des Wienflüsschens in die Donau Vindobona nannten. Da dieser Name mit dem späteren Namen Wienne, Wien nicht leicht eine Verwandtschaft erkennen lässt, knüpfte man bei der ältesten Namenserklärung nach dem Vorgänge des Bischofs Otto von Fr ei sing (si 1158) an die vermeintliche Identität des in der Vita 8a.noti Lsvorini von Eugippius erwähnten Ortes Favianis (Faviana, Fabiana) mit unserem Wien an und erklärte letzteren Namen als aus (Fa)biana entstanden. Diese irrige Ansicht galt als feststehend bis zum Ende des 16. Jahrhunderts und noch Wolf gang Lazius (-s 1568) suchte sie durch eine gelehrte Beweisführung zu stützen. Erst als Abraham Ortelius (Geographisches Lexikon, Amsterdam 1587) daraus aufmerksam machte, dass Wien in der altchristlichen Epoche — mithin auch in der Zeit des Eugippius — nur den Namen Vindobona führte und die Bezeichnung Fabiana nur mittelalterliche Schriftsteller gebrauchten, tauchten Zweifel an der Richtigkeit der vorerwähnten Annahme auf und die Streitfrage, ob Fabiana gleichbedeutend mit Vindobona sei oder nicht, wurde bis in unsere Tage mit großer Lebhaftigkeit geführt. Das Licht, welches neuestens vr. Friedrich Kenner über diese Streitfrage verbreitete, gestattet aber kaum mehr einen Zweifel, dass die Identität von Fabiana mit Vindobona auf einer ganz irrigen Auffassung beruhe, dass vielmehr das in Noricum gelegene Fabiana wahrscheinlich an der Stelle von Mautern bei Krems zu suchen sei. Damit gilt aber die Ableitung des Namens Wien von Fabiana als abgethan. Es handelt sich daher um die Erklärung des Namens Vindobona und um die Frage, ob der spätere Name Wienne, Wien vielleicht von diesen: herzuleiten sei. Was zunächst die Bedeutung von Vindobona betrifft, welches auch in der Form Vindomina, Vindomana, Vindomona und ganz verderbt bei Plinius als Vianiomina erscheint, ans Inschriften aber uns nur in den Abkürzungen Vind. und Vindob. überliefert ist, so hielt man diesen Namen bald für eine Zusammensetzung, bald für eine Ableitung, allgemein jedoch galt die Ansicht, dass er entweder direct keltisch oder keltischer Ableitung sei. C. Zeuß (Giammntiea Osltioa, II. Ausgabe, S. 64) fasste Vindobona gleich den keltischen Ortsnamen Vindomagus, Vindonissa u. a. als Zusammensetzung von vindos, altirisch find, sinn (weiß) und bonn für älteres bond (Inuäus, Grund, Feld) aus, so dass es „Weißengrund", „Weißenseld" bedeutete. Ihm folgend traten auch Brandes (Gelten und Germanen. Leipzig 1857, S. 62) und I. V. G ö h- lert („Uber keltische Ortsnamen in Niederösterreich" in den „Blättern des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich", 1869, S. 93) für den keltischen Einleitung. 3 Ursprung des Namens Vindobona ein. I. I. Egli (Nomina, AOOKrapkioa, I. Ausgabe, Leipzig 1872, S. 623) hielt ihn für eine aus dem Keltischen latinisierte Form, welche „Wendenwohnung" bedeuten soll.*) Nach der Ansicht Heinrich Kieperts („Lehrbuch der alten Geographie", Berlin 1878, S. 364) ist der keltische Name Vindobona, den er aus vind — weiß und bona — Grenze erklärt, wahrscheinlich in der Zeit der boischen Herrschaft über unser Land nur umgeformt aus einem älteren einheimischen Namen, der auch Vianomina und Vianomana geschrieben wird, und die Gleichnamigkeit des Donauzuflusses Wien (— Vienna im ligurischen Südgallien) macht einen analogen alten Stadtnamen wahrscheinlich. Später erklärte man den zweiten Bestandtheil des Namens, das Grundwort — dorm als Stadt, wie in Augustobona und Iuliobona, also Vindobona — die „schöne Stadt", dann das Bestimmungswort als einen Personennamen Vindos, wornach Vindobona „die Stadt des Windos" bedeuten würde. Nach M. Bü ding er (Österreichische Geschichte. Wien 1858, I. Band, S. 486—488) ist die keltische Benennung Vindomina die älteste Form, davon Vindobona nur römische Umwandlung, „die Gutes verheißende", mit unterlegtem lat. Konus, -n, -um (gut), während die älteste Namensform zur Zeit des Kaisers Diocletian etwas verändert, nämlich als Vindomona, Vindomana, neuerdings auftaucht. In jüngster Zeit aber hat die Forschung einen neuen Weg betreten, welcher eine ganz andere Hoffnung bot, das erwünschte Ziel zu erreichen, indem man sich bemühte, die Entwickelung der Kette von Namensormen zu ergründen. Hiebei wurde man durch die schon 1855 von Ehr. W. Glück (Sitzungsberichte der kaiserl. Akademie der Wissenschaften, XVII., S. 60 ff.) angewandte Schreibung Vindomina, Vindomana mit kurzem vorletztem Vocal, deren Richtigkeit in der bei Ptolomäus vorkommenden Namenssorm ihre Bestätigung findet, wesentlich unterstützt. Indem sich K. Müllenhoss (Index zur Jordanesausgabe von Th. Mommsen, Berlin 1882) dieser Anschauung anschloss, fasste er den römischen Namen unserer Stadt nicht als eine Zusammensetzung auf, sondern als entstanden aus Vindobna, dann Vin- domna, das auch, durch Einschiebung eines Hilssvocals, zu Vindomona, Vindomana, Vindomina wurde. Aus dem alten keltisch-römischen Stations- namen Vindobona leitete er dann den Namen der Stadt Wien zugleich mit dem Namen des IV. Wiener Bezirkes Wieden sowie mit den nordslavischen Bezeichnungen Wiens (czechisch Vläon, polnisch ^Vioäon) ab. Die letzteren sklavischen Formen aber führte Fr. Miklosich (Etymologisches Wörterbuch der slavischen Sprachen, Wien 1886) auf ein altslavisches Voäüni zurück, von dem er glaubte, dass es ans dem Deutschen entlehnt sei. Den kurzen Andeutungen Müllenhoffs folgend hat nun Rich. Müller („Vorarbeiten zur altösterreichischen Namenkunde" in den Blättern des Vereines für Landeskunde Diese Erklärung scheint der gräcisierte Namen Windopolis, welcher in Urkunden aus den Jahren 1161 und 1162, und zwar nur in diesen, vorkommt, zu stützen. Letzterer ist aber nach Fr. Kenners Ansicht (Fabianis, Separ. Abdr. aus dem XIX. Band der Berichte des Wiener Alterthumsvereines, S. 14) einer vorübergehenden Mode entsprungen. Heinrich Jasomirgotts Gemahlin Theodora war eine griechische Prinzessin, eine Nichte des byzantinischen Kaisers Emanuel. 1 * 4 Einleitung. von Niederösterreich, 1889) den Nachweis zu führen gesucht, dass aus dem keltisch-römischen Vindobona auf dem Wege sprachlicher Umbildung das deutsche Wienne und das czechische Wyednye des Mittelalters entstanden sei, indem er von einem altkeltischen Vindobna ausgeht und um zu den noth- weudigen Gliedern seiner Reihe dazu gelangen, einige angenommene Formen einschiebt. Den Ansichten K. Müllenhoffs und Rich. Müllers ist eben jetzt Th. v. Grienberger („Vindobona, Wienne. Eine etymologische Untersuchung" in den Sitzungsberichten der kaiserl. Akademie der Wissenschaften, Band 131, Wien 1894) mit Erfolg entgegcngetreten. Zunächst fasst er, zu der älteren Anschauung zurückkehrend, den keltischen Namen Vindobona nicht als Ableitung, sondern als Zusammensetzung aus und erklärt ihn als „Lichtenschlag", „Lichtenseld", „Lichtenau", mit Rücksicht aus die örtliche Lage des keltischen Vindobona nicht in der Ebene, sondern aus der Anhöhe, die zwischen dem alten Ottakringer Bache (jetzt Tiefer Graben) und dem Wienflusse an die Donau sich vorschiebt, vielleicht besser als „Lichtenwang" (ahd. Wang — abhängige Seitenfläche eines Berges oder Hügels). Indem er nun die von Müllenhoff, R. Müller und Miklosich ausgestellten Namenreihen untersucht, namentlich den Weg, der von Vindobona durch Veäüni aus Wien führen soll, scheidet er vor allem den Namen der Vorstadt Wieden, welche urkundlich zuerst 1211 als Widern genannt wird, ganz aus und leitet diesen letzteren mit Recht ab von mhd. wideme, Widern, widen — die zu einer Dotation gestifteten liegenden Gründe, insbesondere Dotierung einer Kirche. Den Zusammenhang zwischen Vindobona und Wienne lässt Grienberger überhaupt ganz fallen. Von dem richtigen Gedanken ausgehend, dass der Name des Flusses Wien aus die Ansiedlung an demselben übertragen wurde und nicht umgekehrt, knüpft er an die älteste überlieferte deutsche Form Wienne, Wienni (1030 in den Alt- aicher Annalen) und die älteste bezeugte czechische Form IV^eän^e (14. Jahrhundert) neben dem etwas späteren Vieäeü (etwa 1400) und findet, dass aller Wahrscheinlichkeit nach die czechische Form, welche die vollständigere ist, aus einem alten dem Czechischen nahestehenden Dialecte hervorgegangen und der deutsche Name aus dem slavischen entlehnt sei. Mit Anwendung dieses slavischen Namens auf den Fluss, kommt er dazu, das nieäne als Abstractum zu einem dem czechischen vocln/, wässerig, wasserhaltend, gemäßen Adjectiv aufzufasscn. Neben den in den mittelalterlichen Urkunden und Annalen begegnenden Schreibungen Wienna, Wienne, gen Mienen, Wienn, Wiena, Winna, Winne, im Nibelungenlied ze Wiene, erscheint 1177 zum erstenmal die Form Wien. Doch hat sich amtlich die Schreibung Wienn bis zum 19. Jahrhundert herab erhalten. Die heutige Aussprache der Gebildeten ist Win, die der Mundart Wenn (die Weanerstadt). Grienberger stellt auch die modernen Namen der Stadt Wien bei den verschiedenen europäischen Nationen zusammen, welche sich in drei Gruppen scheiden. Aus der älteren deutschen Form Wienne ist das mittellateinische, italienische, portugiesische, englische Vienna, neugriechisch ll'.-vv«, spanisch und rumänisch Viena, französisch Vienne entlehnt. Der arabische Einleitung. 5 Gelehrte Jdrisi (um 1153) nennt unsere Stadt Lieua. Vom Romanischen kommt russisch Vjsua., aus dem deutschen aber dänisch Visu, niederländisch W66N6N. Dem alten czechischen >V^sän^6 entspricht die heutige Form Viäsü, wie das slovakische Vlsäsü und das polnische ^ieäon. Die zweite Gruppe von Namen umfasst das serbokroatische Loö, magyarisch Leos, ein Ausdruck, der mit dem Vorhergehenden nichts gemein hat und nach einer Vermuthung Wilh. Tomascheks urmagyarisch sein dürfte. In der dritten Gruppe stehen die Slovenen allein, welche die Stadt Wien nach dem Strome un vurmji d. i. an der Donau, benennen. Nach dieser eingehenden Erörterung über den Namen der Stadt Wien selbst kehren wir nun zu den Namen ihrer Straßen zurück. Die ältesten urkundlich belegten Straßennamen Wiens sind alle urdeutsch, wodurch die frühe Germanisierung der anfangs slavischen Ansiedlung, die Entwickelung derselben durch deutsches Volksthum über jeden Zweifel erhoben wird. Führte aber die Stadt Wien ihren neuen Namen Wienni, wie oben bemerkt wurde, höchst wahrscheinlich schon zu Anfang des 11. Jahrhunderts, so sind die ältesten überlieferten Localbenennungen doch um ein volles Jahrhundert und mehr jünger. Diese ältesten Localnamen (von Straßen, Gassen, Plätzen und Höfen) seien hier in chronologischer Reihe (soweit dies möglich ist) zusammengestellt : PerkHof, d. i. Berghos (Anfang des 12. Jhd.). Hofthaiding (12. Jhd.), Herzogen- hos am Graben (1274) —j. Am Hof. Wollzeile (1158 ?). Freiung (1161). Am Graben (2. Hälfte des 12. Jhd.) — j. Graben. Neuer Markt (1220). Witmarkt, d. i. Holzmarkt (1233) — j. Kohlmarkt. Chu mp fluche, d. i. Lucke (1255) ^ j. Kumpfgasse. Hoher Markt (1257). Kärntnerstraße (1257). In der Weihenburg (1267) —j. Weihburggasse. Traibotengasse (1272) — j. Himmelpfortgasse. Lichtensteg (1273). Lug eck (1275). Alter Fleisch markt (1285)— j. Fleischmarkt- Köllnerhos (1289). Schenkenftraße (1290) — j. Bankgasse. Auf dem Steig (13. Jhd.) — j. Rothenthurmstraße. Unter den Lauben (1293) — j. Tuchlauben. Krugerstraße (1298). Radstraße (1299) — j. Bräuner- straße. Aus der seil (1301) — Seilerstätte. Walichstraße, d. i. Fremdenstraße (1306) — j. Wallnerstraße. Mentlerstraße, d. i. Mantelmacher- straße (1310) — j. Schenkenstraße. Sunigerstraße (1314) — j.Singer- straße. 11 nter denGo lds ch mieden (1316) — j. Goldschmiedgasse. Churbanner st raße (1342) — j. Seitzergasse. Am grünen Anger (1342) — j. Grünangergasse. Beim rothen Thurm (1360) — j. Rothenthurmstraße. Fischerstiege (1367). Tiefer Graben (1367). Am Kiel (1384) — j. Heidenschuss. Judengasse (1391). 6 Einleitung. Zu Anfang der Habsburger-Herrschaft (seit 1282) hatte Wien so ziemlich den gleichen Umfang wie zur Zeit der 1858 angeordneten Stadterweiterung der erste Bezirk (die innere Stadt). Es sind uns auch aus dem Anfänge des 14. Jahrhunderts und der nächstfolgenden Zeit die meisten damaligen Straßennamen überliefert. Sie zeigen uns tatsächlich den Zusammenhang, die nahe Beziehung zwischen dem Localnamen und dem Träger desselben. Dies lässt eine Zusammenstellung der Straßennamen nach dein Motiv ihrer Benennung deutlich erkennen.'*) Von Feilsch asten führten ihren Namen folgende Gassen und Plätze: Am Eisgrübel — j. Eisgrübel. Essiggasse. Filzgasse — verschwunden. Fisch Hof. Fleisch markt, Alter —j. Fleischmarkt. Glocke ngässchen — besieht nicht mehr. H a arhof. Haar mar kt, d. i. Flachsmarkt. Hühnergässchen — 1844 verschwunden. Kienmarkt — besteht nicht mehr. Kohlmarkt, d. i. Kohlenmarkt. Krautgassc — verschwunden. Nach Handwerken und Gew Backe r st r aß e, Obere und Untere — letztere heute Sonnenfelsgasse. Bogner gasse, vormals unter den Bognern, d. i. Bogenmachern. Färber gasse. Fütterergass e. Golds chmiedgass e, vormals unter den Goldschmieden. Hafner steig, vormals unter den Hafnern. K o h lm es s erg as s e. Kramergässchen — nach den Krämern benannt. Krugerstraße — von den Krugmachern. K u p f e r s ch m i e d g a s s e. Leder erhos — von den Ledergerbern. Münzerstraße — von den Münzmachern, besteht nicht mehr. Krebsgasse. Mehlmarkt, auch Neuer Markt. Milch gasse. Paternostergässchen, von den Läden mit Rosenkränzen — besteht nicht mehr. Rosengässchen, vormals Rosenlucke. Rosmaringasse. Salzgasse und Salzgries. Spiegelgasse. Tnchlauben. Wildpretmarkt, früher neuer Kienmarkt. Wollzeile. erb en: Nadler gasse, später Naglergasse. Riemerstraße. Sailer gasse — j. Seilerstätte. Sattlergasse — besteht nicht mehr. Schlosser gasse — besteht nicht mehr. Schmiedgasse — besteht nicht mehr. Schulterg as s e, früher Schildgasse, von den Schildmachern, Waffenschmieden. Sch wert gasse, von den Schwertsegern. Spänglergasse, früher „untern Spanglern". Taschnergässchen — besieht nicht mehr. Wagnergässchen — besteht nicht mehr. ') Vergl. Realis, Cnriositätcn- und Memorabilien-Lexikon von Wien. I. Band, S. 479 ff' Einleitung. 7 Nach ihrer Lage und örtliche Am Bergl, früher „auf der Schütt" Fischerstiege. Gestättengasse, vormals „an der Gestatten" — j. Am Gestade. Am Graben — j. Graben. Grünangergass e, früher „ am grünen Anger". Hohe Brücke — in der Wipplinger- straße. Hoher Markt. Kärntnerstraße — von dem nach Kärnten führenden Thore. Von Bürger- und Adelsge Lazenhos — von dem Geschichtsschreiber Wolsgang Lazius. Löwelstraße — von der Familie Löbel. Pippingerstraße — von dem Bürgergeschlechte der Pippinger. Rauhen st eingasse — von dem Rittergeschlechted. Rauhensteiner (?). Schenkenstraße, Vordere und Hintere — von den Erbschenken von Österreich. Nach Gebäuden (Klöstern, K Am Hof — von dem Herzogshofe daselbst. Annag asse, früher Pippingerstraße — von der Kirche zu St. Anna. Augustinergasse — nach dem Kloster und der Kirche der Augustiner — j. Augustinerstraße. Ballgässchen, nach dem im 17. Jahrh. errichteten Ballhause — j. Ballgasse. Ballhausplatz — nach dem Hofballspielhause. Bib erbast ei, früher „am Biberthurm" — j. Bibergasse. Bischofgasse, nach dem Gebäude der Wiener Bischöfe — jetzt der obere Theil der Rothenthnrmstraße. n Beschaffenheit: Kleingasse — besteht nicht mehr. Kump sg asse — von Chumpf, Gumpen, einer sumpfigen Stelle oder Lache. Lichtensteg. Im Lug eck — j. Lugeck. Sackgässchen, vormals „im Winkel" — Sackgasse. Sauwinkel — j. Auwinkel. Teinfaltstraße, vormals Stein- seldstraße. Tiefer Graben, chlechtern: Sing erstraße — nach dem Bürgergeschlechte der Suniger. Steinlgasse — jetzt Steindlgasse, nach einem Bürger Steinl. Stoß im Himmel — nach einem Hausbesitzer Hanns Stoß im Himmel. Wipplingerstraße, vormals Bül- bingerstraße — nach dem Patricier- geschlechte der Bülbinger. :chen. Thürmen u. s. w.): Bräunerstraße, Obere und U ntere — von der Kapelle der hl. Brigitta. Burgplatz — von der kaiserlichen Hofburg. Comödiengässchen, hinter dem Opernhaus — besteht nicht mehr. Dominikanerplatz — von dem Dominikanerkloster. Dorotheergasse — von dem Chorherrenstift zu St. Dorothea. Dreisaltigkeitshof — nach einer Dreisaltigkeitskapelle. Franziskanerplatz — nach dem Franziskanerkloster. Herrengasse, vormals Hochstraße, von den Herrenhäusern. Himmelpsortgasse — nach dem Kloster zur Himmelspforte. 8 Einleitung. Jakobergässchen, von dem Nonnenkloster zu St. Jakob. Johannesgasse — von dem Johanneshos. Kirchengasse — besteht nicht mehr. Klostergasse — von dem Kapuzinerkloster — j. Gluckgasse. Kölln er Hofgasse — von dem Köllnerhof. Landhausgasse — von dem niederösterreichischen Landhause. Lorenz erg asse, nach dem Kloster und der Kirche zu St. Lorenz — j. Laurenzerberg. Liliengässchen, vom Lilienfelderhof — j. Liliengasse: Maria-Stiegen, nach der Kirche zu Maria am Gestade — j. Marienstiege. Michaelerplatz, nach der Kirche zu St. Michael. Minoritenplatz, von dem Kloster der Minoriten. Neubad, nach dem herzoglichen Badhause — j. Neubadgasse. Nikolaigässchen, nach dem Nonnenkloster zu St. Nikolai — j. Nikolaigasse. Passauergasse, von dem Passauer- hofe. Nach Monumenten, Steinb Adlergasse — von einem Wirtshausschilde. Blutgässckien — von einer gefabelten Ermordung der Tempelherren — j. Blutgasse. Bockgasse — von dem Wirtshause zum blauen Bock. Drache ngässchen — vom nahen Basiliskenhaus — j. Drachengasse. Haidenschuss, von dem Hause „da der Haydt scheust". Jordangasse — v. Hause z. Jordan. Josefsplatz — von dem Denkmale Kaiser Josefs II. Petersplatz, vormals „auf'm Petersfreithos," von der Kirche zu St. Peter. Rothenthurmstraße, vom Rothen Thurm. Ruprechts stiege, von der Kirche des hl. Ruprecht. Salvatorgass e, von der St. Salvatorkirche. Schottengass e, von dem Schottenstifte. Schulgasse, vom Schulhof; sie besteht nicht mehr. Schulerstraße, Große und Kleine, von der Schule zu St. Stephan. Seiten st ettergasse, nach dem Seitenstettenhof — j. Seitenstettengasse. Spitalplatz, vom Bürgerspital. Stallburggasse, von der Stallburg. Stephans-Freithos — j. Stephansplatz. Universitätsplatz, von dem Universitätsgebäude. W eih b urg g asse, von der Weihenburg. Zeughausgasse, von dem Zeughause. ildern und Hausschildern: Krongasse — von einem Hause zur Krone — besteht nicht mehr. Kühfußgasse — vom Hause zum Kuhfuß. Lands krongasse — von den alten Hausschildern zur großen und kleinen Landeskrone. Osenlochgasse. Parisergasse — von dem Hause „Zum Paris". Pressgasse — vom alten Hause zur Weinpresse. Rabengasse — vom Bierhause zu den drei Raben. Einleitung. 9 S ch ö nlaterng as s e - vom Hause zur schönen Laterne. Sterngasse — nach dem Hause „zum weißen Stern". Stock im Eisenplatz — von dem Wiener Wahrzeichen „Stock im Eisen". Wallsischgasse — vom Hause zum Jonas. Wolsengässchen — vom Wirtshause zum weißen Wolsen. Nach besonderen Ereigniss Bauernmarkt — weil hier die Bauern Markt hielten. Brand statt — eine von 1276 bis 1560 unverbaute Brandstätte. Elend, vormals die lange Wand. Fähndrichhof, angeblich weilsich hier eine der Bürgercompagnien unter ihrer Fahne zu versammeln pflegte. Freiung — von dem Asylrecht, en und Eigenheiten: welches der Freithof des Schottenstiftes vormals besaß. Iudengasse — als Sitz der Juden. Judenplatz — „ „ „ Renngasse, vormals Rennweg, weil hier im Mittelalter die Preis- und Scharlachrennen abgehalten wurden. Wallnerstraße, vormals Walcher- straße, von den einkehrenden Fremden. In den alten Straßennamen fällt uns auch die wohlthuende Abwechslung in denselben gegenüber der heute beliebten Eintönigkeit auf, die fast nur mit Gasse, Straße und Platz zusammengesetzte Benennungen kennt. So waren vormals namentlich Präpositionalausdrücke vielfach gang und gäbe, wie: Zu den Schotten (1563), jetzt Schottengasse. Hinter St. Dorothea, jetzt Spiegelgasse. Im Fluder (1455), jetzt Strauchgasse. In der Weihenburg (1267), jetzt Weihburggasse. Auf dem Steig, dann Bei dem rothen Thurm (1360), jetzt Rothenthurmstraße. Auf der Dagken, jetzt Ballgasse. Unter den Pheylschnizern (1314), jetzt Bognergasse. Unter den Goldschmieden (1316), jetzt Goldschmiedgasse. Unter den Juden (bis 1529), jetzt Judenplatz. Unter den Nadlern (14. Jahrhundert), jetzt Naglergasse. Bei den Predigern (1302), jetzt Predigergasse. Aus der Hülben, jetzt Jakobergasse. Am Heidenschuss. Am grünen Anger (1342), jetzt Grünangergasse. Eine weitere Abwechslung ergab sich durch den Gebrauch verschiedener Grundwörter in den Localnamen, wie: Freiung (1161), Katzensteig, Wollzeile (12. Jahrhundert), Chumpfluche, d. i. Lucke (1255), Lichtensteg (1273), jetzt Kumpfgasse, Lugeck (1275), Tuchlauben, von denen sich erfreulicher Weise einige im I. Bezirke erhalten haben, während viele leider verschwunden sind. Dem alles nivellierenden und uniformierenden Zuge unserer Zeit sollte man auch durch die Erhaltung dieser alten, historisch bedeutsamen und abwechslungsreichen Straßennamen entgegentreten. Ein nachahmenswertes Beispiel in dieser Hinsicht bietet uns die in jüngster Zeit auch 10 Einleitung. riesig gewachsene Stadt Hamburg, deren Straßennamen die größte Mannigfaltigkeit und zahlreiche uralte Benennungen noch heute anfweisen. Wir greisen hier nur folgende heraus: Große Allee. Hammbrook. An der Alster. Bei den Hütten. Alsterdamm. Neuer Kamp. Alsterweg. Kattrepel. Jungfernstieg. Kehrwieder. Beim Hühnerposten. Kohlhöfen. Bei dem Besenbinderhos. Lange Reihe. Hohe Bleiche. Binnenkajen. Aus dem Sande. Pinn asb erg. Baaken-Kai. Schopenstehl. Großer Bäckergang. Schwanenwiek. Am Borgesch. Schulterblatt. Brands Ende. Speersort. Brand-Twieten. Steinhöft. Cricus-Grabeu. Stubbenhuk. Große und kleine Freiheit. Alter Wandrahm. Grünen Sood. Doch steht in solcher Hinsicht in Deutschland Hamburg nicht ganz vereinzelt da; so begegnen uns in Köln desgleichen viele altertümliche Benennungen: Am alten Ufer. Hunnenrücken. Berlich. Kattenbug. Am Bollwerk. Klingelpütz. An der Eiche. Krummer Büchel. Friesenwall. Im Laach. Gereons-Driesch. Perlengraben. Gürzenich. Perlenpfuhl. Himmelreich. Im Sionsthal. Hochpforte. Und ebenso in Straßburg:.- Am hohen Steg. -r,» L"*». Dietrich-Staden. Am Roseneck. Kleber-Staden. Am Schießrain. Finkmatt. Am Waseneck. Gaul-Staden. An den Gewerbslauben. Fischer-Staden. Auf dem verbrannten Hof. Goldgießen. Auf den Eisgruben. Canalring. Bei der Heuwage. Mtthlenplan. Neben den Namen der Straßen, Gassen und Plätze begegnen uns in jeder größeren Stadt auch Namen von Stadtbezirken oder Vierteln, von Vorstädten und Vororten. Alle alten Städte zeigen ein Wachsthum von einem Centrum nach außen, indem zunächst um den ältesten Kern neue Einleitung. 11 Ansiedelungen erfolgen, welche später durch eine Erweiterung der Stadtmauern mit der Altstadt (Oivitas, Oitta, Oite, vereint werden. Dazu kommen noch spätere Ansiedelungen im Umkreise der Stadt, sowie ursprünglich ganz gesondert gelegene selbständige Ortschaften, welche durch die allmählich fortschreitende Ausdehnung der großen Stadt endlich in ihr Weichbild fallen, in ihr ausgehen, mit ihr zu einem Ganzen verschmelzen. Die Namen dieser Vorstädte und ehemaligen äußeren Vororte bleiben dann oft erhalten, indem sie an einzelnen Stadtbezirken, Straßen und Plätzen sesthaften. Diese Art der Entwickelung können wir auch in unserem Wien beobachten. Auch die Kaiserstadt an der Donau in ihrem heutigen Umfange ist im Laufe der Jahrhunderte aus einer großen Anzahl von vorstädtischen Ansiedelungen, Außengemeinden und selbständigen Ortschaften erwachsen. Gewiss besaß Wien schon in den ältesten Zeiten sogenannte Vorstädte (suburdia). Das Leopoldinische Stadtrecht vom 18. October 1221 unterscheidet zwischen dem Stadtgebiete innerhalb der Stadtmauer und des Grabens, d. i. wohl der Einfriedung der Vorstädte.*) Während aber Stadt und Vorstädte nur das engere, unter der Verwaltung der Bürger stehende Stadtgebiet bildeten, gab es noch ein weiteres, den Burgfrieden für die bürgerliche Gerichtspflege, von welchem das sogenannte Rudolfinische Stadtrecht vom 24. Juni 1278 bemerkt, dass cs sich auf die Entfernung einer Rast erstrecke. Die erste namentliche Erwähnung einer vorstädtischen Ansiedelung fiele um die Mitte des 12. Jahrhunderts, wenn man dem Schottenstistsbriefe von: Jahre 1158, der aber nur in zwei Transscripten aus den Jahren 1302 und 1461 vorliegt, zu folgen ausreichenden Grund hätte. In demselben wird nämlich die Wollzeile unter dem Namen liuoa lanarum genannt, eine Vorstadt, die erst mit der Stephanskirche zur Stadt gezogen wurde. Sehen wir aber hievon ab, so ist die 1211 genannte Alserstraße die zuerst erwähnte Vorstadt Wiens. In der Folgezeit gebrauchen die Urkunden wiederholt die allgemeine Bezeichnung' „intra et extra ninros" (innerhalb und außerhalb der Stadtmauern), was aus den Bestand von Vorstädten hinweist, sie nennen aber keine Namen. Erst 1314 erfahren wir von Häusern und somit vorstädtischen Niederlassungen: vor dem Widmerthor, vor dem Kärntnerthor, vor dem Stubenthor, vor dem Werderthor und vor dem Schottenthor. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts muss aber die Ausdehnung der Vorstädte schon eine ansehnliche gewesen sein. Denn am 13. Mai 1444 wurde die wahrscheinlich nach Abschluss der Stadterweiterung zu Ende des 13. Jahrhunderts vorgenommene Einteilung der Stadt in das Widmerlspäter auch Wimmer-), Kärntner-, Stuben- und Schotten-Viertel, welche nach den vier Hauptthoren benannt waren, auch auf die Vorstädte ausgedehnt, worauf die vier Viertel in Alt- und Jung-Viertel zerfielen. Nebenbei sei hier bemerkt, dass die innere Stadt noch bis zum Jahre 1851 polizeilich in das Stuben-, Kärntner-, Widmer- und Schotten-Viertel ein- getheilt wurde. ) Vgl. Topographie von Nieder-Österreich, II. Bd., S. 24. 12 Einleitung. In alter Zeit bezcichnete man die kleinen Ansiedelungen unmittelbar vor den Mauern der Stadt (aus dem Boden der späteren Glacis) als Lucken und es werden deren folgende erwähnt: vor dem Stuben- gegen das Schotten- Rosenlucken thor. An diese Lucken schloss sich derOchsen- gries, d. i. Ochsenmarkt, welcher zwischen dem nachmaligen Karolinenthor und dem heutigen Jnva- lidenhause lag. Kleberlucken thor. Neulucken — an der Wien. Rcfel-, Schebenzer- und Koth- lncken - - vor dem Kärntnerthore. Kater-, Schaufel-, Brunn- und Kumpflncken — von da bis zum Burgthore. Diese Lucken wurden vor der zweiten Türkenbelagerung 1683 auf Befehl des Grasen Rüdiger von Starhemberg zerstört, dann aber nicht erneuert, da nach Abzug der Türken die Anordnung getroffen wurde, dass zwischen Stadt und Vorstädten ein vollständig unverbauter Nauru von mindestens 600 Schritt Breite (vcrgl. unter dem Artikel „Glacis", S. 79) sreibleiben müsse. Entfernter von der Stadt als die Lucken waren die Vorstädte (wiewohl zwischen beiden nicht streng unterschieden wurde), ursprünglich zumeist von der Stadt räumlich ganz getrennte Niederlassungen, zahlreiche Dörfer, Besitzungen des Hofes, verschiedener Adelsgeschlechter, sowie von Klöstern in der Stadt oder auch außerhalb Wiens, aus denen allmählich die Vorstädte sich entwickelten. Da die Grenzen des ältesten Burgfriedens nicht genau bekannt sind, lassen sich heute weder die Grenzen der alten Vorstädte bestimmen, noch auch zwischen den im Burgfrieden und außerhalb desselben gelegenen Ansiedelungen genau unterscheiden. Es seien daher hier diejenigen Niederlassungen und Ortschaften genannt, welche später als Vorstädte Wiens galten oder auf dem Grund und Boden der nachmaligen Vorstädte gelegen waren. In diesem Sinne reicht der urkundliche Nachweis noch über die früher erwähnte Alser- straße zurück. Denn es erscheint als älteste urkundlich erwähnte Vorstadt Wiens Meginhardsdorf (1l30) in der Nähe von Hundsthurm cS folgen dann: Gumpendors (1155), Siechenals (1161), nachmals Thury, Michaelbeuern'scher Grund (um 1170), Außer diesen Vorstädten bestanden noch vor der zweiten Türken belagerung folgende Vorstädte:*) Bernhardsthal (1171), außerhalb der Matzleinsdorfer Linie, Erd bürg (1192) — Erdberg. An der Landstraße (1302). Weirochberg — Weißgärber. Nötte ndorf — nicht weit Erdberg. Am Rennweg (1340). St. Paulus-Grund (1333). von Vorstadt vor dem Kärntnerthor. Widem (1211). An der Widen (1314). Konradswerd — Starhemberg'sches Freihaus. ') Die Jahreszahl der ersten urkundlichen Erwähnung ist in Klammern beigefügt. Einleitung. 13 Kroatendörfel — Spittelberg. Altd onau (zwischen der Schöffstraße und am rechten User des Wienflusses bis zum alten Donauarme). Zaismannsbrunn (1211) — St. Ulrich. OberesNeustist (1291)—Neustift. Lerchenfeld (1342) —Altlerchenfeld. Buchseld (1342) — Josefstadt. Sporkenbühel (1254) — Himmel- pfortgrund. Währinggasse —Währingerstraße. Altlichtenwerd — später Liechten- thal. Oberer Werd mit der Ross- trenk (1368) — Rossau. Unterer Werd — Leopoldstadt. Venedigerau — Jägerzeile. Beim Hungerbrunn (1342) — Hnngelbrunn. Besitz des Hans von Sch an m- burg (1450) — Schaumburgergrund. Reinprechtsdors (um 1342). Margarethengrund (1380). Matz lein sdors (1294). Wernhersthal (1343) — zwischen Matzleinsdorf und Meidling. Hu ncz mühle (1484) — Hundsthurm. Vorstadt vor dem Widmerthor (größter Theil der nachmaligen Laimgrube und Spittelbergs). Schöffstraße (1314) oder im Schöfs — Mariahils. Besitzungen des Magdalenen- stiftes (am linken Wienuser). Wie die früher erwähnten Lucken, so wurden auch die hier genannten Vorstädte aus Befehl Rüdigers von Starhcmberg beim Heranrücken der Türken von den Wienern selbst im Juli 1683 durch Brand zerstört, damit die Feinde daselbst nicht Schutz, Hinterhalt und bequemes Ouartier fänden. Nach dem Entsätze Wiens von den Türken wurden die Vorstädte alsbald neu aufgebaut, wobei freilich manche derselben nicht wieder erstand und ihr Name für immer verloren gieng. Sie nahmen rasch an Größe zu, so dass zu Anfang befolgenden Jahrhunderts es geboten erschien, dieselben gegen die plündernden Scharen Rakoczys zu schützen. Deshalb wurden 1704 aus Vorschlag des Prinzen Eugen von Savoyen die Linienwälle als Besestigungswerke errichtet. Inzwischen hatte die Gemeinde Wien einen wichtigen Schritt zur Sicherung ihrer grundherrlichen Rechte gethan. Es hatten sich nämlich infolge der großen Veränderungen, deren Schauplatz die Vorstädte waren, im Lause der Jahrhunderte die Burgsriedensgrenzen verwischt, was zahlreiche Streitigkeiten mit den verschiedenen Grundherrschaften hervorrief. Diese Umstände gaben Veranlassung, den Kaiser um die Feststellung, zugleich aber auch um die Erweiterung des Burgfriedens zu bitten. Nach vieljährigen Verhandlungen erhielt denn auch die Stadtgcmeinde am 15. Juli 1698 ein neues Burgfrieden-Privilegium. Seither war die Stadtgemeinde bestrebt, im Wege des Kaufes alle grundherrlichen und obrigkeitlichen Rechte über die Vorstädte zu erwerben, was ihr mit Erfolg gelang, so dass zu Anfang des Jahres 1848 alle Vorstädte bis auf Schanmburgergrund, Mariahils, St. Ulrich, Neubau und Neustift, Schottenseld und Liechtenthal der Stadt Wien als Grundobrigkeit untergeordnet waren. Der grundherrlichen Jurisdiction machte überhaupt das Jahr 1848 ein Ende, und am 23. März 1849 wurden die oben genannten Vorstädte auch in allen Gemeindeangelegenheiten dem Gemeiuderathe und Magistrate von Wien unterstellt. Damals zählte Wien folgende 34 Vorstädte: 14 Einleitung. 1. Alservorstadt. 18. Margarethen. 2. Althan. 19. Mariahilf. 3. Altlerchenfeld. 20. Matzleinsdorf. 4. Breitenfeld. 21. Michelbeuerngrund. 5. Erdberg. 22. Neubau und Neustist. 6. Gumpendorf. 23. Nikolsdors. 7. Himmelpfortgrund. 24. Neinprechtsdorf. 8. Hundsthurm. 25. Rossau. 9. Hungelbrunn. 26. Schaumburgergrund. 10. Iägerzeile. 27. Schottenseld. 11. Josesstadt. 28. Spittelberg. 12. Laimgrube. 29. St. Ulrich. 13. Landstraße. 30. Strozzengrund. 14. Laurenzergrund. 31. Thury. 15. Leopoldstadt. 32. Weißgärber. 16. Liechtenthal. 33. Alte und neue Wieden. 17. Magdalenagrund. 34. Windmühle. Untersucht man die Namen dieser Vorstädte hinsichtlich ihrer ursprünglichen Bedeutung, so findet man, dass unter den Motiven zu ihrer Benennung der Besitz überwiegt; denn 14 Vorstädte sind nach ihrem anfänglichen oder späteren Besitzer benannt. So Althan, als Besitz des Grasen Gun- dackrr von Althan; Matz lei nsdors, als Besitz eines Mezzilin; Neinprechtsdorf, früher Ram- persdors, als Besitz der Familie Rampersdorf; Schaumburgergrund, als Besitz des Grasen von Schaumburg; Strozz engrund, ein 1702 vom Grasen Strozzi gekaufter Grund; Thury, nach Johann Thury, der sich hier 1546 zuerst ein Haus baute; Spittelberg, weil früher dem Bürgerspitale unterthänig. Nach den geistlichen Besitzern hießen: Himmelpfortgrund, als Eigenthum des Klosters zurHimmelspsorte; Laurenzergrund, als Eigenthum des Klosters der Laurenzerinnen; Magdalenagrund, ein Besitz der Magdalena-Kapelle aus dem St. Stephansfreithos; Michelbeuerngrund, Besitz des Benedictinerstiftes Michaelbeuern Nikolsdorf, als Besitz des 1529 von den Türken zerstörten Frauenklosters St. Nikola vor dem Stuben- thore; Schotten seid, weil es der Grundherrlichkeit des Schottenstistes unterstand ; Wieden, als Witthum, Grundeigenthum der Pfarre zu St. Stephan. bei Salzburg; Nach den Kirchen heiligen waren benannt: Leopold st adt, nach der 1070 errichteten Pfarre zum hl. Leopold; Margarethen, nach der vormaligen Schlosskirche zur hl. Margaretha; St. Ulrich von der Kirche des heil. Ulrich; während Maria hilf ihren Namen von dem Gnadenbilde „Mariahils" in der 1660 erbauten Kapelle der Barnabiten erhielt. Einleitung. 15 Nach Gebäuden waren benannt: Hundsthurm, nach dem alten sogenannten Hundsthurme; Landstraße, nach dem Nonnenkloster St. Nikola an der Landstraße; Windmühle, nach den daselbst stehenden Windmühlen. Nach den Bewohnern hießen die Vorstädte Jägerzeile nach den kais. Hofjägern, Weißgärber nach den Gärbern. Zu Ehren des römischen Königs, nachmaligen Kaisers Joses I. war benannt die Josesstadt. Als neue Anlagen führten ihren Namen Neubau und Neustist. Nach der geographischen Lage oder örtlichen Beschaffenheit waren folgende 9 Vorstädte benannt: Alservorstadt, von der Lage an der Als oder dem Alserbache; Alt ler che n selb, entstanden auf einem Felde in dem gelichteten Lärchenwalde ; Breitenfeld, vormals ein Feld aus der Alserbreite; Erdberg, d. i. Erdbruch; Gumpendorf, nach der Lage an einer Gumpen, d. i. Pfuhl oder Teich; Hungelbrunn, d. i. Hungerbrunn, eine nur zeitweilig fließende Quelle; Laimgrube, d. i. Lehmgrube; Liechtenthal, ein lichtes Thal; Ros sau, d. i. Au, wo die Rosse der Schiffsknechte weideten. Durch das provisorische Gemeindegesetz vom 6. März 1850 wurden Stadt und Vorstädte zu einer Ortsgemeinde vereinigt und mit Einbeziehung der Ortschaften Brigittenau und Zwischenbrücken in acht Verwaltungsgebiete eingetheilt: 1. Innere Stadt. 2. Leopoldstadt. 3. Landstraße 4. Wieden. 5. Mariahilf. 6. Neubau. 7. Josefstadt. 8. Alsergrund. Da aber die Bevölkerung der Wieden bedeutend anwuchs und dieser Bezirk durch eine neue Anlage vor der Favoritenlinie eine sehr ansehnliche Erweiterung erfuhr, wurde im Jahre 1861 ein Theil derselben als Bezirk Margarethen und 1874 das vor der Favoritenlinie gelegene Gebiet als Bezirk Favoriten von der Wieden losgetrennt, so dass es seither zehn Bezirke (Verwaltungsgebiete) Wiens gab. Ihre Zusammensetzung aus den ehemaligen 34 Vorstädten zeigt die folgende Aufzählung: I. Stadt. II. Leopoldstadt (Leopoldstadt, Jägerzeile, Brigittenau, Zwischenbrücken); III. Landstraße (Landstraße, Erdberg und Weißgärber); IV. Wieden (alte und neue Wieden, Schaumburgergrund, Hungelbrunn); V. Margarethen (Margarethen, Matzleinsdorf, Reinprechtsdorf, Hunds- thurm, Nikolsdorf, Laurenzergrund); VI. Mariahilf (Mariahilf, Gumpendorf, Magdalenagrund, Windmühle und Laimgrube); 16 Einleitung. VII. Neubau (Neubau mit Neustift, Spittelberg, S. Ulrich, Schottenseld und Altlerchenfeld); VIII. Josefstadt (Josefstadt, Strozzengrund, Breitenfeld); IX. Alsergrund (Alservorstadt, Rossau, Thury, Althan, Michelbeuern, Liechtcnthal und Himmelpfortgrund); X. Favoriten. Bei dieser Zusammenziehung der alten Vorstädte in acht Bezirke verschwanden die ineisten Vorstadtnamen. Um aber die Erinnerung an dieselben für die Nachwelt zu bewahren, übertrug man die Namen der einbezogenen Vorstädte aus Straßen und Plätze der betreffenden Bezirke. So entstanden die Namen: Brigittenanerlände (II. Bez.), Erdbergerstraße (III. Bez.), Obere und Untere Weißgärberstraße (III- Bez.), Schaumburgergasse (IV. Bez.), Hungelbrunngasse (IV. Bez ), Margarethenplatz (V. Bez.), Matzleinsdorserstraße (V. Bez.), Reinprechtsdorserstraße (V. Bez.), Hundsthurmplatz (V. Bez.), Nikolsdorferstraße (V. Bez.), Gumpendorferstraße (VI. Bez.), Magdaleneustraße (VI. Bez.), Windmühlgasse (VI. Bez.), Laimgrubengasse (VI. Bez.), Neustiftgasse (VII. Bez.), Spittelberggasse (VII. Bez), Ulrichsplatz (VII. Bez.), Schottenseldgasse (VII. Bez.), Strozzigasse (VIII. Bez.), Breitenseldergasse (VIII. Bez.), Rossauerlände (IX. Bez.), Thurygasse (IX. Bez.), Althanplatz (IX. Bez.), Michelbeuerngasse (IX. Bez.), Liechtenthalergasse (IX. Bez.). Die Neueintheilung Wiens in zehn Bezirke fällt in die Zeit eines großartigen Aufschwunges, den unsere Stadt genommen, als Kaiser Franz Josef I. durch kaiserliches Handschreiben vom 20. December 1857 die Demolierung der alten Befestigungswerke und die damit in Zusammenhang stehende Stadterweiterung verordnete. Aus dem Grunde der alten Basteien und Glacis entstanden nun im Laufe von wenigen Jahren neue Stadttheile, Plätze und Straßenzüge, welche Hunderte von neuen Localnamen nothwendig machten. Zugleich stellte die Wiener Gemeindevertretung den Grundsatz aus, dass, um unliebsame und störende Verwechslungen zu vermeiden, innerhalb des Gemeindegebietes von Wien jeder Straßenname nur einmal Vorkommen solle, infolge dessen zahlreiche sich wiederholende Namen in den verschiedenen Bezirken durch neue ersetzt werden mussten. Doch soll von diesen Straßennamen erst weiter unten eingehender die Rede sein und hier zunächst der jüngsten Erweiterung des Wiener Gemeindegebietes gedacht werden. Trotz der großartigen Bautätigkeit, welche die 1857 angeordnete Stadt- erweiteruug hervorgerusen hatte, machte sich schon nach wenigen Jahrzehnten abermals das Bedürfnis nach Erweiterung des Stadtgebietes dringendst geltend. Nicht bloß sollten die immer lästigeren Linienwälle, welche das Wachsthum Wiens nach außen hemmten, beseitigt werden, sondern die die zehn städtischen Bezirke einschließenden sogenannten Vororte, deren Anfänge zum Theil auch tief ins Mittelalter weisen, waren immer größer und städtischer geworden Einleitung. 17 und hart an die Linienschranken gerückt. Da wurde durch Gesetz vom 19. December 1890 die Vereinigung dieser Vororte Wiens mit der k. k. Neichshaupt- und Residenzstadt zu einer Gemeinde bestimmt und mit dem Schlüsse des Jahres 1891 thatsächlich vollzogen. Infolge dessen wurde Wiens Gemeindegebiet durch 33 Vororte und durch Theile von 18 anderen Ortschaften erweitert und diese in neun neue Bezirke eingetheilt. Diese neuen Bezirke und ihre Bestandtheile sind folgende: XI. Simmering: Simmering, Herrschaft Kaiser-Ebersdorf, Theile von Kaiser-Ebersdors, Schwechat und Kledering. XII. Meidling: Gaudenzdors, Ober- und Unter-Meidling, Hetzendorf und ein Theil von Altmannsdorf. XIII. Hietzing: Lainz, Hietzing, Penzing, Breitensee, Ober- und Unter- St. Veit, Hacking, Baumgarten, Schönbrunn, Speising, dann Theile von Mauer, Hütteldorf und Hadersdorf mit Auhof. XIV. Rudolfs heim: Rudolfsheim und Sechshaus. XV. Fünfhaus: Fünfhaus. XVI. Ottakring: Ottakring und Neulerchenfeld. XVII. Hernals: Hernals, Theile von Dornbach und Neuwaldegg. XVIII. Währing: Neustist am Walde, Pötzlcinsdorf, Gersthof, Weinhaus, Währing und ein Theil von Salmannsdorf. XIX. Döbling: Ober- und Unter-Döbling, Ober- und Unter-Sievering, Nussdorf, Heiligenstadt, Josefsdors und Theile von Grinzing, Kahlen- bergerdors und Weidling. Außerdem wurden gleichzeitig in den X. Bezirk Favoriten Theile der Ortschaften Jnzersdorf am Wienerberge, Ober- und Unter-Laa einbezogen. Die Namen einiger der zujüngst mit Wien vereinigten Ortschaften sind ihrem Ursprünge und ihrer Bedeutung nach dunkel, wie: Lainz, Speising, Kledering. Unter den erklärten sind am zahlreichsten die mit Personennamen (des Gründers oder ursprünglichen Besitzers) zusammengesetzten Ortsnamen, wie aus den Urkunden ersichtlich wird. Hieher gehören: Simmering — Dorf eines Sigiman. Kaiser-Ebersdorf, wahrscheinlich mit dem Personennamen Eber zusammengesetzt. Gaudenzdorf — benannt nach dem Begründer, dem Prälaten von Klosterneuburg Gaudenz Dunkler. Wilhelmsdorf — benannt nach einem mir unbekannten Wilhelm. Hetzendorf — Dorf eines Hito. Altmannsdorf — Dorf eines Altmann. Hütteldorf — Dorf eines Uto oder einer Uta. Hader sdors — Dorf eines Hadirih. Umlauft, Namenbuch der Stadt Wien- Pötzleinsdors — Dorf eines Pecilin. Jnzersdorf — Dorf eines Jmizo. Salmannsdorf — Dorf eines Salmanns. Gersthof — Hof eines gewissen Gerstler (?). Grinzing — zu den Nachkommen des Grimizo. Hacking — zu den Nachkommen des Hacko. Hietzing — zu den Nachkommen des Hetzi. Penzing — höchst wahrscheinlich in gleicher Weise von einem Personennamen abgeleitet. 2 18 Einleitung. Ottakring gehört zu dem Personennamen Otaker. Dornbach weist mit seiner alten Form Doringinbach auch aus einen Personennamen. Rudolfsheim dagegen führt seinen Namen erst seit 1863 zu Ehren des verstorbenen Kronprinzen Erzherzog Rudolf. Nach dem Kirchenheiligen wurden benannt: Ober- und Unter-St. Veit — nach dem hl. VituS; Josessdors — nach dem hl. Josef; Nach der geographischen L sind benannt: Hernals — nach der Lage an der Als. Schwechat von dem gleichnamigen Flusse. Breite nsee — nach der Lage an einem ehemaligen kleinen See. Schönbrunn —von dem „schönen Brunnen" im Schlossparke. Auhof — Hof in der Au an der Wien. Neulerchenseld — wie Altlerchen- seld entstanden aus dem Felde in einer Lichtung des ehemaligen Lärchenwaldes. Döbling — von der Lage in oder an einem Tobel (Waldschlucht, Graben). Von Bauwerken, Gebäude Neu waldegg — nach dem Schlosse Waldegg. Mauer — von der Mauer, welche das landesfürstliche Jagdschloss „Im Gereut" umgab. Meidling gehört auch zu Mauer (welche Mauer, ist mir unbekannt). Ober- und Unter-Sievering — nach dem hl. Severin; Heiligen st adt angeblich auch zu Ehren des hl. Severin, age oder der örtlichen Beschaffenheit Kahlenbergerdors — von der Lage am Fuße des Kahlenberges (jetzt Leopoldsberg). Weidling — vielleicht von den Weidenbäumen, ein Ort zwischen Weiden. Ober- und Unter-Laa — wahrscheinlich von der Lage an einer Lache benannt. Baum garten — ein mit Obst- büumen bepflanzter Raum. Nussdorf — von den vielen Nussbäumen. n führen ihren Namen: Wein Haus — von einem Weinhause, um welches der Ort entstand. Fünshaus und Sechshaus — nach fünf und sechs zuerst erbauten Häusern, welche lange isoliert standen Endlich kommt der Name Währing von mhd. Waerich, d. i. Tagewerk, ein altes Flächenmaß. Haben wir im Vorangehenden die Namen all der Vorstädte und Vororte, welche nunmehr in den Bezirken II bis XIX aufgegangen sind, näher ins Auge gefasst, so kehren wir jetzt wieder zu den Straßennamen zurück. Da unsere Stadt auch eine ansehnliche Zahl alter, zum Theil uralter Vorstädte besaß, so ist von diesen ebenfalls eine große Menge alter Straßennamen zu verzeichnen. Doch gehen ihrer nur wenige in die Zeit vor den Türkenbelagerungen zurück. So werden in dem Steueranschlage vom Jahre 1448 in den Vorstädten vor dem Kärntner- und Widmerthore die Weidenstraße, Huterstraße, Einleitung. 19 das Schwabgässlein und die Kremser st raße genannt, die heute ins- gesammt nicht mehr bestehen. Älter ist die Erwähnung der schon besprochenen Alserstraße (1211) und der Plenkt erg asse (1397, jetzt Paniglgasse im IV. Bez.), ferner der Hung arg asse (1444, jetzt Ungargasse im III. Bez.). Auch bei der Benennung der Vorstadtstraßen galten in alter Zeit begreiflicherweise dieselben leitenden Motive, wie in der inneren Stadt. Wir finden dort Straßennamen, welche von Handwerken und Gewerben hergeleitet sind, wie: Fassziehergasse (VII. Bez.), Fuhrmannsgasse — j. Hahngasse (IX. Bez.), Gärtner gasse — j. ein Theil der Hundsthurmerstraße (V. Bez.), oder von der Lage und örtlichen Beschaffenheit: Halte rg asse — j. (III. Bez.), Bettler stiege — j. gasse (VII. Bez.); Rudolfsgasse Königskloster- Am Wagrein — j. Waaggasse (IV. Bez.), AmBadergries f — j. Rossauer- Aus d er Scheiben/ lände(IX.B.), Hoher Steig — j. VI. Bez., Feldgasse— j. Theresianumgasse (IV. Bez.), Hungelbrunngasse - j. Posthorngasse andere von Feldgasse ^ j. (IV. Bez.), Grasgässchen : (III. Bez.), Zwerch gasse, d. i. Quergasse — j. Siegelgasse (III. Bez.), Zwerchgasse — j. Liniengasse (VI. Bez.); ebäuden hergeleitet: Magazingasse — j. Körnergasse (II. Bez.), Bräuhausgasse — j. Malzgasse (II- Bez.),' Favoriten-Allee— j. Mayerhofgasse (IV. Bez.), oder von Hausschildern: Hechtengasse — j. IV. Bez., Schildkröten gasse — j. Seidengasse (VII. Bez.) u. s. w., u. s. w. Arme Schulgasse — j. Mittersteig (IV. und V. Bez.), Bei dem Tändelmarkt — j. Technikerstraße (IV. Bez.); Es würde zu weit führen, wollten wir hier auf die alten Straßennamen der Vorstädte des Näheren eingehen, und es wäre dies auch überflüssig, da das erklärende Namenverzeichnis ohnehin die alten Namen auch angibt. Dagegen erscheint es angezeigt, einen Blick aus die neuen Straßennamen Wiens (in sämmtlichen Bezirken) zu werfen, welche, wie schon eingangs erwähnt, auf ganz andere Weise als die alten zustande gekommen sind. Als von der 1858 in Angriff genommenen Stadterweiterung die Rede war, wurde bereits bemerkt, dass gleichzeitig mit der Entstehung neuer Straßen, welche getauft werden mussten, alle diejenigen Straßennamen, welche in den verschiedenen Bezirken sich wiederholten, durch andere ersetzt werden sollten, so dass jeder Straßenname in ganz Wien nur einmal vorkomme. Diese gewiss nicht leichte 2 * 20 Einleitung. Ausgabe wurde von der Wiener Gemeindevertretung im Jahre 1862 gelöst und die ganze Arbeit am 19. Februar 1863 zugleich mit der neuen Häuser- numerierung durch Anbringung der neuen Straßentaseln zum Abschlüsse gebracht. Dass damals die Namen der alten, als solche nicht mehr bestehenden Vorstädte zur fortdauernden Erinnerung auf Straßen und Plätze übertragen wurden, ist schon bemerkt. Es handelt sich hier aber um die neugeschafsenen Namen, und diese wollen wir Revue passieren lassen. Unter diesen neuen Namen gehen die aus unserem Kaiserhause genommenen voran: Franz Josefs-Quai, Elisabethstraße, Kronprinz Rudols- straße, Giselastraße, Maximilianstraße, denen sich die Maria Theresiastraße und Kaiser Josefstraße, die Christinengasse, sowie Habsburgergasse und Lothringerstraße anschließen. Aus frühere Zeiten österreichis cher Geschichte beziehen sich die Babenbergerstraße, die Türkenstraße, die Schweden- und Sachsengasse. Auch Herzog Heinrich Jasomirgotts, der Wien zu seiner Residenz erhob, hat man gedacht, und da Kaiser Friedrich I. Rothbart Österreich zum Herzogthum erhob, Kaiser Friedrich II. Wien zur Reichsstadt machte, schuf man eine Hohenstansengasse. An den goldenen König, der Wien vielfach begünstigte, erinnert die Ottokargasse, an die Gefangennahme des Königs Richard von England in Erdberg die Löwenherzgasse. Ja bis auf den römischen Kaiser Marc Aurel, der 180 n. Ehr. in Vindobona starb, griff man zurück, indem man eine neue Straße nach ihm benannte. Dann begegnen uns Österreichs siegreiche Heerführer und Helden: Erzherzog Karl und Erzherzog Albrecht, Prinz Eugen von Savoyen, Fürst Schwarzenberg, Gras Radetzky, Heß, Weiden, Tegetthosf, Daun, Wallenstein, Pappenheim, Zrinyi, Andreas Hofer, und neben ihnen glänzen die Siegesstütten von Aspern, Essling, Leipzig, Novara, Custozza, Lissa, Zcnta. Eine Reihe von Staatsmännern und Politikern hat ihre Namen anderen Straßen geliehen, so Metternich, Thugut, Stadion, Lichtensels, Kolowrat, Cobden, Doblhofs, Pillersdors, Mühlfeld. Unter den Wiener Bürgermeistern wurden Liebenberg, Focky, Zelinka gewählt. An das Jahr 1848 erinnern die Namen der Messenhauser- und Kudlichgasse. Groß ist die Zahl der Männer der Wissenschaft. Die Philosophie vertreten Leibnitz, Kant, Fichte, Schelling und Hegel, die Astronomie Kopernikus und Kepler, die Physik Galilei, die Chemie Liebig. Es folgen die Naturforscher Humboldt, Darwin, Linne, Jacqnin, Mohs, Heidinger, Ncilreich, Hörnes, die Ärzte van Swieten, Oppolzer, Hebra. Hier seien die kühnen Nordpolfahrer Payer und Weyprecht angereiht, um deren willen auch eine Nordpolstraße geschaffen wurde. Neben den heimischen Geschichtsforschern Camesina und Hanslab finden wir den Schweizer Pädagogen Pestalozzi, den Erfinder der deutschen Stenographie Gabelsberger. Doch auch der Kunst hat man nicht vergessen, nicht der deutschen Dichter Schiller, Goethe, Wieland, Lessing, Uhland, Kleist, Bürger, Gellert, auch der deutsch-österreichischen Grillparzer, Laube, Hebbel, Zedlitz, Seidl, Raimund, Anzengruber, Castelli, Denis, Blumauer, die insgesammt in Wien gelebt haben. Auch der große italienische Dichter Petrarca fand sich ein. Aus der großen Zahl der Musiker wählte man Haydn, Lanner, Strauß, Weber, Einleitung. 21 Mendelssohn und Richard Wagner. Die Bühne erscheint durch die Komiker Scholz und Nestroy, sowie durch den Opernsänger Staudigl vertreten. Wenden wir uns der bildenden Kunst zu, so begegnen uns die Maler Raphael, Rem- brandt, Führich, Schwind, Rahl, Waldmüller, Gauermann, Amerling, Selleny; die Bildhauer Cauova, Donner, Fernkorn, Gasser; die Architekten und Baumeister Pnchsbaum, Fischer von Erlach, der Erbauer der Semmeringerstraße Ghega. Einige Straßen und zumeist solche, welche erst später zugewachsen sind, tragen die Namen von Industriellen, wie die Spörlin-, Blümel-, Chwalla-, Damböckgasse. Neben diesen nach berühmten oder verdienten Männern benannten Straßen treten die übrigen der Zahl nach weit zurück. Dadurch bekam die neue Wiener Straßenbenennnng einen vorwiegend amerikanischen Charakter; denn in den meisten Städten der Union heißen die Hauptstraßen nach historischen Persönlichkeiten. So schön es nun ist, diese letzteren durch Übertragung ihrer Namen aus Straßen und Plätze zu ehren und die Erinnerung an sie dadurch gleichsam stets erneuert wachzurufen, so hängen doch Namen und Straßen nur rein zufällig und willkürlich miteinander zusammen, und es ist ganz gleichgiltig, ob diese oder jene Straße einen bestimmten Namen zugewiesen erhält. Es widerspricht dies nicht nur den ursprünglichen Principien der Namengebung überhaupt, sondern insbesondere der Benennung der Straßen, welche anfänglich gleich den Personen als Individuen betrachtet und auch als solche benannt wurden. Eine ansehnliche Zahl von Gassen empfieng aber 1862 ganz obscure Namen oder bloße Personen-Vornamen und die Beziehung dieser zu den betreffenden Gassen herauszusinden, ist heute umso schwieriger, als der auf die damalige Straßentaufe bezügliche Gemeinderathsact merkwürdigerweise in Verstoß gerathen und vollkommen unauffindbar ist. Doch haben wir noch diejenigen Namen nachzutragen, welche nicht von Personen entlehnt sind. Hieher gehören solche, die sich auf die örtliche Beschaffenheit und die L a g e beziehen, wie: Alpengasse, Kuhberg-, Wald-, Quellen-, Lehm-, Laimäcker-, Rain-, Muhren-, Neusatzgasse, Jungmaisstraße; andere, die von Gebäuden hergeleitet sind, wie: Akademiestraße, Börsenplatz, Burgring, Operngasse, Werderthorgasse, Gusshausgasse, Schiffmühlengasse; oder von Verkehrslinien, wie: Südbahnstraße, Raaberbahngasse, Nordwestbahnstraße; wieder andere von Flüssen: Inn-, Salzach-, Enns-, Traisengasse oder -Straße. Endlich finden sich einige auf die Industrie bezügliche, wie Arbeitergasse, Dampsgasse, Eisengasse, Nickelgasse, Anilingasse. Die Vereinigung der sogenannten Vororte mit Wien, welche sich mit dem Schluffe des Jahres 1891 vollzog, machte eine neuerliche Änderung von Straßennamen in großem Umfange nothwendig. Da sich diese Ortschaften fast alle ganz selbständig entwickelt hatten und eigene Gemeinden bildeten, so waren auch die Namen der Gassen und Plätze daselbst entweder im Lause der Zeiten volksthümlich entstanden oder bei der raschen Entwickelung dieser Orte in den letzten Jahrzehnten ohne Rücksicht auf die Nachbargemeinden nach dem Vorangange Wiens von den Gemeindevertretungen ausgesonnen worden. Dies macht es erklärlich, dass viele Namen sich mehrfach wiederholten. So gab 28 Einleitung. es in den erwähnten Vororten nicht weniger als 27 Hauptstraßen, 16 Feldgassen, 13 Schulgassen, 12 Kirchengassen und 11 Kirchenplätze u. s. w. Dieser den Verkehr in der Großstadt hemmende Übelstand siel noch umsomehr in die Wagschale, als die gleichen Namen in denselben Bezirken mehrmals vorkamen. Der XIII. Bezirk z. B. zählte 9 Hauptstraßen, 6 Feldgassen, 4 Wiengassen, 4 Parkgassen, 3 Kirchengassen, 3 Schulgassen, 3 Alleegassen, 3 Bahngassen, 3 Bergstraßen und l Berggasse u. s. w. Deshalb fasste die Wiener Gemeindevertretung den Beschluss, gleichwie es im Jahre 1862 geschehen war, so auch jetzt alle gleichlautenden Straßennamen derart abzuänderu, dass jeder Name im ganzen großen Gebiete von Wien nur einmal vorkomme. Im Sommer 1894 befasste sich der Stadtrath mit dieser schwierigen und umfangreichen Angelegenheit und gab 560 Straßen, Gassen und Plätzen neue Namen. Diese neue Straßentaufe des Jahres 1894 unterscheidet sich hinsichtlich des leitenden Gedankens wesentlich von der im Jahre 1862 dnrchgeführten 'Namensänderung. Hatte letztere einen vorwiegend universellen Charakter, so war man diesmal mit Recht bemüht, den neuen Namen ein wienerischörtliches Gepräge zu geben. In höchst anerkennenswerter Weise versuchte man es, bei der Neubenennung der Straßen so viel als möglich volksthümlich vorzugehen. Dies zeigt sich in der Anwendung einer großen Zahl von alten Riednamen*) und anderen im Volksmunde lebenden Localnamen, in der Benennung nach ehemaligen oder noch bestehenden Gebäuden oder nach den betreffenden Kirchenpatronen, in der Anwendung der alten Ortschaftsnamen und in der Erneuerung alter außer Gebrauch gekommener Localnamen. Auch hat man sich nicht gescheut, in einigen Fällen von der eintönigen Zusammensetzung der Namen mit Straße, Gasse oder Platz abzuweichen, wie die Benennungen: Maria vom Siege (XV. Bez.), Im Werd (II. Bez.), Hoher Steig (VI. Bez.), Stock im Weg (XIII. Bez.), Am Dreimarkstein (XVIII. Bez.), Neustist am Walde (XVIII. Bez.), Auf der Simmeringer Haide (XI. Bez.), Halterlacken (XI. Bez.) darthun. Freilich reichte man hiemit bei weitem nicht aus, und so griff man denn abermals zu Namen von Personen, war jedoch in dieser Hinsicht bestrebt, vor allem im Banne Wiens zu bleiben. Es wurden daher die Namen solcher Persönlichkeiten gewählt, die als städtische Obrigkeiten, geistliche Functionäre, Richter oder Wohlthäter sich um das Gedeihen Wiens oder einzelner ehemaliger vorstädtischer oder Vororte-Gemeinden verdient gemacht haben. Dazu kommt eine Reihe von Männern der Kunst und Wissenschaft, welche in Wien gelebt und gewirkt haben, endlich eine Zahl von Grund- oder Herrschaftsbesitzern aus alter und neuer Zeit. Mit anderen Straßennamen verknüpfte man die *) Nied, das, Mehrzahl Rieder, in bairisch-österreichischer Mundart die Nied (Nebenform Neut) gehört zu roden, reuten und bezeichnet ursprünglich einen von Holz, Buschwerk u. s. w. gereinigten Platz, der auf solche Weise zum Anbau vorbereitet wird; dann einen solchen Platz, der in der Folge angebaut wird, namentlich wenn er wegen Stöcke oder Steine oder Steile ohne Pflug, bloß mit der Haue bearbeitet wird; endlich auch die Ansiedlung auf solch einem ausgereuteten Plai-e. Einleitung. 23 Erinnerung an hervorragende Staatsmänner und treffliche Heerführer des Vaterlandes, welchen die Reichshauptstadt nicht minder wie das Reich hohen Dank schuldet. So ist die Zahl derjenigen Personennamen, welche zu den Geschicken unserer Vaterstadt in keiner näheren Beziehung stehen, nur sehr- gering; auch beschränkte man sich in dieser Hinsicht säst ausschließlich auf Angehörige der deutschen Nation. Wir müssen bei der Fülle von neuen Namen in der hier folgenden zusammenfassenden Übersicht uns auf eine Auswahl beschränken, welche die oben nachgewiesenen Grundsätze bei der Neubenennung mit Beispielen belegen soll, und verweisen im übrigen auf den lexikalischen Theil dieses Buches. Alte Riednameu und andere Local namen, welche sich auf die Lage beziehen, weisen folgende Straßen und Gassen aus: Girzenberggasse (XIII. Bez.), Hungerberggasse (XIX. Bez.), Hüttelbergstraße (XIII. Bez.), Rotherberggasse (Xlll. Bez.), Satzberggasse (XIII. Bez.), Schasberggasse (XVIII. Bez), Scheibenbergstraße (XVIII Bez.), Strohberggasse (XVIII. Bez.), Trazerberggasse (XIII. Bez.), Wienerbergstraße (X. Bez.), Wolfersberggasse (XIII. Bez.), Hasenleitengasse*) (XI. Bez.), Öberleitengasse (XI. Bez.), Osterleitcngasse (XI. Bez.), Sandleitengasse (XVI. Bez.), Zierleitengasse (XVIII. Bez.), Spittelbreitengasse (XII. Bez.), Rosenthalgasse (XIII. Bez.), Kaasgrabengasse (XIX. Bez.), Krottenbachstraße (XIX. Bez.), Nach Gebäuden führen folgende Gassen ihren Namen: Nestelbachgasse (XIX. Bez.), Eglseegasse (XII. Bez.), Jglaseegasse (XIX. Bez.), Halterlacken (XI. Bez.), Gatterholzgasse (XII. Bez.), Krapfenwaldgasse (XIX. Bez.), Kreuzwiesengasse (XVII. Bez.), Psarrwiesengasse (XIX. Bez.), Grenzackergasse (X. Bez.), Laugackergasse (XIX. Bez.), Steinackergasse (XII. Bez.), Teichackergasse (XII. Bez.), Hartäckerstraße (XIX. Bez.), Fuchsbodengasse (XI. Bez.), Gröretgasse (XI. Bez.), Güpserlingstraße (XVII. Bez.), Hörtengasse (XI. Bez.), Veitlissengasse (XIII. Bez.), Zwerngasse (XVII. Bez.). Böhmmühlgasse (XIX. Bez.), Dampsmühlgasse (XI. Bez.), Edelhosgasse (XVIII. Bez.), Freihosgasse (XIX. Bez.), Grieshosgasse (XII. Bez.), Niederhosstraße (XII. Bez.), Steinhosstraße (XVI. Bez.), Waldegghofgasse (XVII. Bez.), Dampsbadgasse (XVI. Bez.), Vollbadgasse (XVII. Bez.), Tivoligasse (XII. Bez.), Rudolfinergasse (XIX. Bez.), Frauenheimgasse (XII. Bez.), Reichsapselgasse (XIX. Bez ). Den betreffenden Kirchenheiligen zu Ehren sind folgende Plätze und Gassen benannt: St. Bartholomäusplatz (XVII. Bez.), Gertrudplatz (XVIII. Bez.), Laurenzplatz (XIII. Bez.), Maria vom Siege (XV. Bez.), Rupertusplatz (XVI. Bez ), Vitusgasse (XIII. Bez ). Leite oder Leiten, die, bezeichnet einen Berg- oder Hügelabhang, eine Halde. 24 Einleitung. An die nunmehr einbezogenen Vororte erinnern die Namen: Baumgartenstraße (XIII. Bez.), Gersthoferstraße (XVIII. Bez.), Breitenseerstraße (XIll. Be;.), Grinzingerstraße (XIX. Bez.), Dornbacherstraße (XVII. Bez.), Hackingerstraße (XIII. Bez.) u. s. w. Auch gibt es nunmehr wieder eine Linzerstraße, wie seit alters die nach der Hauptstadt Oberösterreichs führende Post- und Reichsstraße hieß. Alte, jetzt erneuerte Localnamen tragen die Gassen: Dörfelstraße (XII. Bez.), Hoher Steig (VI. Bez.), Im Werd (II. Bez.), Meinhartsdorfergasse (XIV. Bez.), Murlingengasse (XII. Be;.), Utendorfgasse (XIII. Be;.). Wenden wir uns nun den Personennamen zu, so müssen den bei der jüngsten Straßentaufe vorwaltenden Intentionen gemäß die für Wien bedeutsamen Persönlichkeiten zuerst Erwähnung finden. Unter den Gemeinde- sunctionären begegnen uns Bürgermeister Uhl, Vicebürgermeister Borschke und Stadtrath Tauber ('s 1524) von Wien, eine Anzahl von Bürgermeistern der ehemaligen Vororte, so Schellinger von Braunhirschen, Greiner von Nussdorf, Herklotz und Leydolt von Fünfhaus, Hohenauer von Unter-Döbling, Huster von Rustendorf, Kremser von Unter-St. Veit, Töpsel von Penzing, Zelebor von Unter-Meidling, dann etliche Gemeinderäthe und Gemeindeausschüsse. Ihnen schließen sich die Ortsrichter Eckmüller von Ottakring, Korber von Gaudenzdorf, Reithle von Döbling, Kimmerl und Mühlsanger von Kaiser-Ebersdorf an. Groß ist die Zahl der durch Straßennamen der Erinnerung bewahrten Pfarrer, so Adtl von Ottakring, Angermayer von Ober-St. Veit, Dempscher von Währing, Einwang von Penzing, Kefer von Baumgarten, Knoll von Dornbach, Kobel und Molitor von Simmering, Medler von Sievering, Samptwandner von Hütteldorf. Hier mögen auch die Wiener Bischöfe und Erzb isch ö fe Khlesl, Faber, Firmian, Migazzi und Kutschker genannt sein. Als Herrschasts- und Grundbesitzer in vergangener Zeit wurden mit Straßennamen Aichbühel, Eyzing, Geymüller, Gottschalk, Greif, Hervicus, Khevenhüller, Kuefstein, Ladenburg, Mannagetta, Missindorf, Pronay u. a. in Verbindung gebracht. Auch einige alterbgesessene Familien liehen ihren Namen neubenannten Straßen, wie die Familie Gulden in Baumgarten, Piller in Sechshaus und Rath in Neustift am Walde. Dem Gefühle der Dankbarkeit entsprang die Benennung von Straßen nach öffentlichen Wohlthätern, Gründern von Stiftungen, Kranken- und Armenhäusern u. s. w. Unter ihnen finden wir neben den Männern Graf Windhaag, Freiherr von Kienmayer, Freiherr von Eskeles, Biraghy, Drischütz, Ertl, Fashold, Galt, Mailer, Schellhammer, Schillinge auch Frauen: Gräfin Trauttmannsdorff, Frau Haas von Längenfeld, Frau Klähr, Frau Anna Frauer. Auch auf dem Gebiete der Wissenschaft und Kunst wurden vor allem solche Namen gewählt, die mit unserer Stadt in naher Beziehung stehen. Also unter den Geschichtsschreibern diejenigen, welche sich mit Einleitung. 25 der Erforschung der Vergangenheit Wiens beschäftigten: Arneth, Bergenstamm, Hocke, Hormayr, Pezzl, Spießhammer, Testarello. In Wien waren geboren oder lebten und wirkten: der Kunstgelehrte Eitelberger, der Astronom Hell, der Geologe Redtenbacher, der Naturforscher Stampfer, die Rechtsgelehrten Jhering und Phillips; unserer Vaterstadt gehörten die Reisenden Hügel und Marno an. Nur dem Archäologen Winckelmann, den Gebrüdern Grimm und dem Philosophen Schopenhauer fehlen die nahen Beziehungen zu Wien. Es sei ferner der Schulmänner und Pädagogen Abermann, Felbiger, Kindermann, Lehner, Rasch und Vierthaler gedacht. Aus der großen Zahl der verdienten Wiener Ärzte griff man die Namen Avedik, Billroth, Boör, Brambilla, Ferro, Gölis, Haeber, Ed. Jaeger, Leidesdorf, Malfatti, Meynert, Rosas, Vivenot, Wattmann heraus. Viel größer noch ist die Reihe der Dichter und Schriftsteller, welche uns in den neuen Straßennamen begegnet. Unter den Österreichern seien Aftinger, Karl Beck, Deinhardstein, Dingelstedt, Elmar, Enk, Hammer- Purgstall, Gilm, Friedrich Kaiser, Kürnberger, Anton Langer, Nissel, Pyrker, Schlögl, Johann N. Vogl genannt; ja auch auf alte Zeiten griff man mit den Namen Behaim, Celtes, Enenkel, Horneck zurück. Von außerösterreichischen Dichtern finden wir solche, die bei früheren Straßentausen noch nicht berücksichtigt worden: Arndt, Geibel, Haller, Hauff, Klopstock, Rückert, Hans Sachs, Seume. Die Musik erscheint durch die Namen Albrechtsberger, Aßmayer, Gänsbacher, Gluck, Gyrowetz, Hellmcsberger, Herbeck, Kauer, Preindl, Salieri, Schumann, Sechter, Weigl vertreten. Auch nach Schauspielern und Sängern, ehemaligen Zierden unserer Hostheater, wurden Gassen benannt, so nach der Künstlerfamilie Adamberger, den Hosschauspielern Anschütz, Beckmann, Fichtner, La Roche, der Hofschauspielerin Haizinger, den Opernsängern Ander und Draxler, ja auch nach der Tänzerin Fanny Elßler. Ferner sehen wir alle Zweige der bildenden Kunst Namen für die neubenannten Straßen leihen. Den Malern Canaletto, Gran, Kupelwieser, Kurzbauer, Makart, Leopold Müller, Ranftl, Rottmayr, Jakob Emil Schindler schließen sich die Kupferstecher Kininger und Moll, die Bildhauer Grassi, Messerschmidt und Natter, die Architekten Ernst, Hasenauer, Hildebrand, Hohenberg, Löhr, Nobile und Roesner an. Gehen wir aus das technische Gebiet über, so begegnen uns vorerst die Technologen und Techniker Karmarsch, Gerstner und Hellwag. Es folgt eine Reihe von Industriellen und Fabrikanten, wie Bendl, Bergmüller, Dreher, Hackhoser, Jsbary, Rohrbacher, Seutter, Sickenberg, Toß, Zappert. Dann kommen die Wiener Kunst- und Musik alien- verleger Artaria, Diabelli und Haslinger, die Wiener Buchdrucker Ghelen und Singriener. Überblicken wir die reiche Menge dieser Namen, so müssen wir gestehen, dass nur eine eingehende Durchmusterung der äußeren und inneren Geschichte Wiens diese gewiss sorgfältige und wohlerwogene Wahl treffen ließ. Auch war man, so weit es angieng, bemüht, die Namen dort anzubringen, wo die betreffende Persönlichkeit ihre Thätigkeit entfaltet hat, wohin ihre Beziehungen 26 Einleitung. weisen; dadurch aber erhielt die Namengebung ein locales Gepräge. Nur solche Namen, welche für ganz Wien von Bedeutung sind, wurden über alle Bezirke ohne weitere Rücksicht vertheilt. Sollte man einen oder den anderen hervorragenden Namen vermissen, so sei bemerkt, dass die Wiener Gemeindevertretung schon vor geraumer Zeit den Grundsatz ausgestellt hat, dass — abgesehen von den höchstgestellten Persönlichkeiten — nur Namen von Verstorbenen bei der Straßenbenennung zu verwenden seien. Es wurde schon oben bemerkt, dass außer den für Wien speciell bedeutsamen Personen auch solche herangezogen wurden, die um das ganze große Vaterland sich verdient gemacht und dadurch auch den Dank Wiens erworben haben. Hieher gehören die Staatsmänner und Staatsbeamten Graf Jörger, Graf Colloredo, Freiherr von Sommaruga, Birkenstock, Joh. Nep. Berger, Dolliner, Gebler, die Feldherren und hohen Ofsiciere Graf Hadik, Gras Hamilton, Rothkirch, Moering, der Tiroler Held Speckbacher. Aus ältester Zeit begegnen uns der römische Kaiser Probus, dann die heilige Agnes, die Gemahlin des niederösterreichischen Landespatrons Leopold III. Wir sind mit unserer Übersicht zu Ende. Die Stadt Wien wird sich aber weiter entwickeln, neue Straßen, neue Stadttheile werden Zuwachsen und in Zukunst wieder neue Straßennamen nothwendig machen. Es ist zu hoffen, dass die Wiener Gemeindevertretung den bei der jüngsten Straßentaufe befolgten Grundsätzen auch fernerhin getreu bleiben werde. Vor allem mögen die noch vorhandenen alten Namen erhalten bleiben, und wo es geht, verschollene, in Vergessenheit gerathene Namen wieder in Gebrauch kommen. Der poetische Hauch, der über alten Städten schwebt, haftet nicht allein an ihrem alten Gemäuer, sondern auch an den alten Straßennamen. Da aber das Wachsthum Wiens nach außen strebt und vor allem die äußersten Bezirke erfasst, so lässt sich nicht leicht an eine Erneuerung vieler alter Namen denken. Wohl aber kann man besonders die historische Vergangenheit unserer Stadt und unseres Landes im Auge behalten und nach geschichtlichen Namen greisen. So muss es befremden, dass wir noch keine Ostmark-, Markgrafen-, Herzogsstraße besitzen. Der , Geburtstag der habsburgischen Monarchie", Rudolfs I. Sieg bei Dürnkrut oder Stillfried auf dem Marchselde, wird durch zwei Straßennamen gefeiert, indem es im II. Bezirke eine Marchfeldgasse, im XVI. Bezirke einen Stillfriedplatz gibt. Zu wenig aber wird man an die glorreichen Kümpfe unserer Stadt gegen die Türken durch die Straßennamen gemahnt: außer König Sobieski und Karl von Lothringen würden auch die anderen Führer des Entsatzheeres, die Kurfürsten Max Emanuel von Baiern und Johann Georg von Sachsen, unseren Dank verdienen, und wie eine Polengasse, so wäre auch eine Studentenstraße berechtigt, da ja die Wiener Studenten bei der Verteidigung der Stadt 1683 sich so„tapfer gehalten haben. Desgleichen würden die Siege des Prinzen Eugen, Österreichs Siege im siebenjährigen Kriege, die Helden vom Predil und von Malborghet 1809 noch manchen Namen für unsere Straßen bieten. Im II. Bezirke sollte eine neue Straße (im Prater) durch den Namen der Insel Lobau an den Rückzug Napoleons nach der Schlacht bei Aspern erinnern. Einleitung. 27 Etliche Namen von Sängern und Dichtern, die in altvergangener Zeit unsere Vorfahren mit ihren Gesängen erquickt und erfreut haben, verdienen ebenfalls im Munde der Wiener sortzuleben. Der größte Minnesänger, Walther von der Vogelweide, lernte zu Wien singen und sagen; wie schön nähme sich auf aussichtsreicher Anhöhe in einem westlichen Bezirke Wiens ein „Vogelweidplatz" aus. Der Dichter Neidhart von Reuenthal, der in Wien begraben liegt, der Ritter Tanhäuser, Minnesänger am Hose Friedrichs des Streitbaren, der Wiener Spruchdichter Peter Suchenwirt, der wackere Wolfgang Schmelzt, welcher 1549 seinen „Lobspruch der Stadt Wien" erklingen ließ — sie alle und mancher andere sollten bei künftigen Straßentausen nicht vergessen werden. Auch die geographischen Namen sind noch nicht erschöpft. Neben der Wienerbergstraße und Wienerseldgasse im X. Bezirke sollte eine Wienerwald- straße nicht fehlen, und warum haben wir noch keine Semmeringstraße? Man hat mit der Benennung nach Flüssen begonnen, aber gerade die unserer Stadt zunächst befindlichen Donauzuflüsse March und Leitha blieben noch unbeachtet. Abermanngasse — Agnesgasse. A Abermaniigafse (XII. Bez., Hetzendorf), benannt nach dem Rector der Bürgerschule zu St. Stephan im 16. Jahrhundert, Heinrich Abermann. Bis 1894 hieß die Gasse Gloriettegasse mach der Gloriette im Parke von Schönbrunn, einem großen Lustbau, welchen Maria Theresia und Josef II. errichten ließen. Abfahrtsflraße (II. Bz., Prater) hat ihren Namen davon, dass die von dem Weltausstellungsgebäude 1873 zurücksahrenden Wagen sie benützen mussten. (Vgl. Auffahrtsstraße). Abt Karlgasse (XVIII. Bez., Währing) ist nach dem Abte Karl von Melk benannt. AckergafseIX Bez.) führt ihren Namen zur Erinnerung an die vorzeiten in dieser Gegend befindlichen Äcker. Adambergergasse (II Bez), benannt nach der berühmten Wiener Künstlerfamilie Adamberger. Antonie Adamberger, die Tochter des gleichnamigen berühmten Tenoristen und der dramatischen Künstlerin Jaquet, die Schülerin Collins, war eine der Zierden des Wiener Burgtheaters. Sie wurde die Braut des Dichters Theodor Körner, heiratete aber nach dessen Heldentod den Custos Joses von Arneth und wurde die Mutter des ausgezeichneten österreichischen Geschichtsforschers Alfred Ritter v. Arneth. Bis 1894 hieß die Gasse Theresiengasse. Adamgasse (XII. Bez., Gaudenzdorf), seit 1894 Kvllmayergasse (s. d.). Adlergafse (I. Bez.), benannt nach einemWirtshause„zumgoldenenAdler", welches sich zu Zeiten Kaiser Karls VI. im Eckhause gegen den Hafnersteig (neu Nr. 6) befand. Vordem hieß die Gasse Hinter St. Lorenz, von dem ans dem Fleischmarkt befindlichen Kloster zu St. Lorenz (s. Laurenzergebäude). Adlergafse (XIX. Bez., Heiligenstadt), seit 1894 Geweygasse nach dem Wiener Volksdichter Franz X. K. Gewey (1774 bis 1819). Adolfstborgaffe (XIII. Bez, Ober-Set. Veit), so benannt, weil sie gegen das Adolssthor (im Volksmunde „Ädolssthürl") des k. k. Thiergartens führt: bis 1894 hieß sie Bergstraße. Adtlgafse (XVI. Bez., Ottakring), bis 1894 Kirchengasse, heißt nunmehr nach dem verdienstvollen Pfarrer von Ottakring, Wolsgang Adtl (gest. 1761), welcher durch 40 Jahre sein Amt versah. Afrikanergafse (II. Bez.) hieß bis 1862 Marokkanergasse und verdankt ihren Namen der unter Kaiser Josef H. in Wien erschienenen marokkanischen Gesandtschaft, welche in dieser Gasse wohpte. (Vgl. Marokkanergasse.) Agidigafse (VI. Bez.), benannt nach der Pfarrkirche des hl. Ägidius in der Gumpendorserstraße. Agnesgafse (XIX. Bez., Ober- Sievering), benannt nach der Markgräfin Agnes, Gemahlin Leopolds HI. des Heiligen (1096 bis 1136), von der die Sage berichtet, dass ihr vom 30 Aichbühelgasse — Alleegasse. Winde entführter und später unversehrt wiedergefundener Schleier Veranlassung zur Gründung des Chor- herrcnstistes Klosterneuburg gewesen sei. Aichbühelgasse (XIII. Bez., Hacking), bis 1894 Heßgasse, jetzt nach Joh. C. Aichbühel, Besitzer der Herrschaft Hacking um 1654, benannt. Aicbholzgafse (XII. Bez., Unter- Meidling), nach Joses Miller von Aichholz, der sich in den Befreiungskriegen auszeichnete und sich um Meidling sehr verdient machte. Bis 1894 hieß sie nach demselben Millergasse. Aichhorngajse (XII. Bez., Gaudenzdorf), benannt nach dem Gemeinde- rathe und Gastwirte Aichhorn in Gaudenzdorf. Akademiestraße (I. Bez.), eine neue Straße, benannt nach der in derselben befindlichen Handelsakademie (Nr. 12). Albertgasse und Albertplatz (VIII. Bez.), benannt zu Ehren des Herzogs Albert von Sachsen-Teschen (geb. am 11. Juli 1738 zu Moritz- bnrg in Sachsen, gest. in Wien am 11. Februar 1822), Gemahls der Erzherzogin Marie Christine, einer Tochter Maria Theresias; derselbe führte die nach ihm benannte Alberti- nische Wasserleitung in die Vorstädte Wiens ein. Albertplatz (VIII. Bez.), siehe Albertgasse. Albertsgaffe (XII. Bez.), Unter- Meidling), seit 1894 Gatterholzgasse (s. d.). Albrechtgaste (I. Bez.), eine neue Gasse, benannt zu Ehren des Erzherzogs Albrecht, k. u. k. Feldmarschalls rc. (geb. zu Wien am 3. August 1817), dessen neues Palais mit der einen Front dieser Gasse zu- gekchrt ist. Albrechtplatz (I. Bez.), benannt nach dem Erzherzoge Albrecht (vgl. Albrechtgasse), dessen Stallungen sich hier befanden. An einem Reste der alten Bastei, welcher die Auffahrtsrampe zu dem alten Palais des Erzherzogs Albrecht bildet, befindet sich der „Albrechtsbrnnnen". Albrechtsbergergasse (XII. Bez., Unter-Meidling), benannt nach Joh. Georg Albrechtsberger, dem Lehrer Beethovens (geb. 3. Feb. 1736, gest. 7. März 1809). Bis 1894 hieß die Gasse Psarrgasse, weil sie an der Meidlinger Pfarrkirche vorüberführt. Albrechtsbrnnnen (I Bez.) heißt der große Monumentalbrunnen auf dem Albrechtsplatze, welcher den stehengebliebenen Rest der Augustinerbastei verkleidet. Derselbe ist ein Geschenk des Kaisers Franz Joses I. an die Commune Wien, wurde von dem Bildhauer Meixner ausgesührt und 1869 vollendet. Die eigentliche Brunnengruppe stellt Danubius und Vindobona dar; in 10 Nischen sind Personifikationen der Flüsse Theiß, Raab, Enns, Traun, Inn, Save, March, Salzach, Mur und Drau aufgestellt. Alleegasse (IV. Bez.) hat ihren Namen von der schönen Pappelallee, welche sich von der Karlskirche durch die untere Alleegasse bis zur rückwärtigen Mauex des Favoritagartens (Theresianum) zog und dort endete, wo die untere Alleegasse in die obere (heutige Plösselgasse) einbog. Diese Allee („kaiserliche Allee") bestand noch im Jahre 1770. Früher führte die Alleegasse den Namen „Grasgarten", auch „Haberpoint" (ein mit Haferfeldern bedeckter Grund; Point oder Pennt, in der Volkssprache ein Grundstück, das, ohne Garten zu sein, dem Gemeindeviehtrieb verschlossen werden kann, oder woraus das Recht liegt, Alleegasse — Alserstraße. 31 es zu jeder beliebigen Art Ackerfrüchte oder bloß zu Gras zu benützen) oder „lange Jeuß", während die „kurze Jeuß" die rechte Seite der Heugasse mit dem Gasthause „zum Mondschein" bis zur oberen Alleegasse umfasste. Alleegasse (XIII. Bez., Hacking), seit 1894 mit deren Fortsetzung, der Hackingerstraße in Baumgarten, unter dem letzteren Namen zusammengezogen. Alleegasse (XIII. Bez., Hietzing), seit 1894 Trauttmannsdorffgasse nach der Gräfin Theresia Trauttmannsdorff, welche 1847 das Armenhaus in Hietzing errichtete. Alleegasse (XIII. Bez., Hüttel- dorf), seit 1894 Keißlergasse, benannt nach dem verstorbenen Karl Ritter von Keißler, Bau- und Betriebs-Director der Kaiserin Elisabeth-Westbahn, welcher lange Zeit in dieser Gasse wohnte. Alleegasse (XIX. Bez., Ober- Döbling), seit 1894 Pyrkergasse, nach dem Dichter Ladislaus Pyrker, Erzbischöfe von Erlau (geb. 1772, gest. 1847 in Wien), benannt. Alpengasse (X. Bez.) ist nach den Alpen genannt, an deren Nordostende (dem Wiener Walde) Wien gelegen ist. Als (die) oder Alserbach, ein Bach, der innerhalb Wiens am rechten Ufer in den Donaucanal mündet; sein Bett ist seit 1846 überwölbt; nach ihm heißen Alsergrund, Alserstraße, Hernals (s. d.), sowie das alte Siechenals. Urkundlich 1133: Alsa. Der Name ist vielleicht keltisch, da im Iberischen alt, welches in deutschen Namen mit s am Ende Vorkommen soll, „Bach" bedeutet. Alsbachstraße (XVII. Bez., Hernals, und XVIII. Bez., Währing), benannt nach der Als oder dem Alserbache (vgl. dort), seit 1894 Jörger- straße (s. d.), benannt nach dem Statthalter von Nieder-Österreich Johann Quintin Grasen Jörger (1624 bis 1705), welcher sich um das Aufblühen Wiens sehr verdient gemacht hat. Alsbachstraße (XVIII. Bez., Währing), seit 1894 Jörgerstraße (s. d. vorangehenden Artikel). Alseckergasse (XVIII. Bezirk, Gersthof) ist nach dem Riede Alseck benannt. Alserbachstraße (IX. Bez), benannt nach dem hier fließenden, seit 1846 überwölbten Alserbache (vgl. Als). Sie hieß früher „im Siechenals" (vgl. Thury); der Theil gegen das ehemalige Thurybrückel, an der Stelle der heutigen Brigittabrücke, führte den Namen „Hosgreislerzeil". Alsergrund, der IX. Wiener Gemeindebezirk, aus den ehemaligen Vorstädten: Alservorstadt, Rossau, Thury, Althan, Michelbeuern, Liech- tenthal und Himmelpfortgrund gebildet. Die Namen Alsergrund und Alservorstadt hängen mit dein Namen der Als (s. d.) oder des Alserbaches zusammen, welcher am rechten Ufer des Donaucanales mündet und in den Jahren 1810 bis 1846 innerhalb des Wiener Gebietes vollständig überwölbt wurde. Die mundartliche Form „Alster-" für „Alfer-" veranlasste die fälschliche Ableitung des Namens von „Elster", wie auch das alte Siegel der Alservorstadt eine Elster ausweist. Alserstraße (Grenzstraße zwischen dem VIII. Bez. links und dem IX. Bez. rechts), benannt nach der Als (s. d.) oder dem Alserbache. Der Name „Alsaerstrazze" kommt urkundlich schon 1211 vor; denn vormals hies die Als: Alsa. Ein Theil der Alserstraße hieß 1368 auch „vnter Fleischbänken", weil die Fleischhauer 32 Althan — Am Dreimarkstein. daselbst ihre Waren feilboten. Doch bestand bis 1683 der größte Theil der heutigen Alserstraße aus den sogenannten „sieben Hofstätten", theils mit Buschwerk, theils mit Steinschutt bedeckten Gründen. Nach der zweiten Türkenbelagerung befand sich hier di.e städtische Bürgerschießstätte; damals hieß die Straße „Alstergasse" und noch heute wird sie im Volksmunde Alstcrstraße genannt. Althan, vormals eine kleine Vorstadt Wiens, seit 1850 ein Theil des IX. Bez. Alsergrund. Den Grund zu derselben legte Graf Gundacker von Althan, indem er hier 1700 ein prächtiges Palais mit großem Garten errichtete. Schon 1713 verkaufte er aber seinen Besitz an die Stadtgemeinde, von welcher er später an den Freiherrn von Puthon übergieng. Letzterer parcellierte einen Theil des Gartens, wodurch der Althan'sche Grund entstand. Althaugasse und Altbarrplatz (IX. Bez.) führen ihren Namen nach der ehemaligen Vorstadt Althan (s. d.). AltlerÄ>enfeld, bis 1850 eigene Vorstadt, jetzt ein Theil des VII. Bez. Neubau (s. Lerchenfeld). Altmannsdorf, Dorf, von dem seit Ende 1891 ein Theil zürn XII. Bez. Wiens gehört; um 1100 ist die Form Altmannisdors belegt; mundartlich heißt der Ort Almersdorf. Der Name deutet auf die Gründung durch einen uns unbekannten Altmann und auf ein hohes Alter. Altmannsdorferstraße (XII. Bez., Altmannsdorf, Hetzendorf und Unter-Meidling) ist seit 1894 als ein Straßenzug Laxenburgerstraße benannt, da sie in der Richtung zu dem k. k. Lustschlosse Laxenburg führt. Altmüttergasse (IX. Bez), benannt nach dem Technologen Georg Altmütter (Altmuetter), geb. zu Wien am 6. October 1787, gest. daselbst am 2. Januar 1858. -I- Attmüttergasse (X. Bez., ehem. Jnzersdors), benannt nach dem Maler Franz Altmütter, geb. zu Wien 1746, gest. in Innsbruck am 21. Januar 1817; die Gasse wurde 1894 zur Karmarschgasse gezogen (s. d.). Alxingergafse (X. Bez.), eine neue Gasse, welche nach dem Dichter Johann Baptist von Alxinger (geb. am 24. Januar 1755 zu Wien, gest. daselbst am 1. Mai 1797) benannt ist. Amalienhof (kaiserl. Hofburg, I. Bez.). Ursprünglich lag dem Schweizerhof (s. d.) gegenüber die Cillyerburg, welche den Grafen von Cilly gehörte, später durch längere Zeit als kaiserliches Zeughaus diente und 1525 abbrannte. Auf ihrer Stelle ließ Kaiser Rudolf II. die Rndolfs- burg (neue Burg) aufsühren, welche nach 1668 renoviert wurde und ihren gegenwärtigen Namen von der Prinzessin Amalie Wilhelmine von Brannschweig-Lüneburg erhielt, welche als Gemahlin Josefs I. nach dessen Tode hier ihren Witwensitz hatte. Amalienstra^e (I. Bez.), eine neue Straße, welche seit 1894 Hansenstraße (s. d.) nach dem berühmten Architekten Thcophil Hansen heißt. Am Berget (I. Bez.), alte kurze Gasse, so benannt wegen ihrer starken Böschung. Im 15. Jahrhundert hieß sie „bei dem Rothenthurm", weil sie gegen den Rothen Thurm in der Wiener Besestigungsmauer führte. (Vgl. Rothenthurmstraße.) Am Canal (III. Bez.), jetzt Aspangstraße (s. d.). Am Dreimarkftein (XVIII. Bez., Salmannsdorf),nach einer Localbezeichnung benannt; bis 1894 hieß die Gasse Herrengasse. Amerlingstraße — Ankerhof. 33 Amerlingstraße (VI. Bez.), eine neue Straße, deren Anlage 1886 begann, benannt zu Ehren des bedeutenden Porträtmalers Friedrich R. v. Amerling, welcher, am 14. April 1803 in Wien geboren, am 15. Jänner 1887 daselbst starb, nachdem er lange Jahre im VI. Bez. gewohnt hatte. Am Gestade (I. Bez.) oder An der Gstätten (1392 an der Frauenstiege) hieß vormals der untere Theil des Tiefen Grabens (s. d.) von der Hohen Brücke bis zur Zeughausgasse, weil er zu dem einst südlicher fließenden Donauarme (jetzt Donaucanal) hinabsührte. Heute heißt zur Erinnerung an diese Örtlichkeit eine Seitengasse des Tiefen Grabens „Am Gestade." Am Hof (I. Bez.) heißt der Platz, wo vormals an Stelle des heutigen Reichs-Kriegs-Ministeriums (Hos-Kriegsrathsgebäudes) die älteste Babenbergerburg in Wien stand. In dieselbe verlegte Heinrich Jasomirgott um 1142 seine Residenz. Bis 'auf Leopold den Glorreichen hieß der Platz urkundlich Hofthaiding, d. i. Hos- Gerichtsplatz. Um 1212 verlegte der letztgenannte Herzog seine Residenz in die von ihm neugebaute Burg (den heutigen Schweizerhof, s. d.), aber noch 1274 wird der Platz „Herzogen- hos am Graben" genannt. Da der Platz „am Hos" schon früher als Marktplatz verwendet wurde, hieß er im 14. Jahrhundert auch Fischmarkt, im 16. und 17. Jahrhundert Krebsmarkt. Erst 1768 wurde der Krebsenmarkt vom Hof zum Fischerthor an den Stadtwall verlegt. Am Nofenhügel (XVI. Bez., Hernals), s. Rosenhügel, Am. Am Schafberg (XVIII. Bez., Pötzleinsdors) bezeichnet die Lage am Schafberge. Anastast«sGrüngaffe(XVIII. Umlauft, Namenbuch der Stadt Wie». Bez., Währing), benannt zu Ehren des hervorragenden österreichischen Dichters Anastasius Grün (Pseudonym für Anton Alexander Gras von Auersperg), welcher am 11. April 1806 zu Laibach geboren wurde und am 12. September 1876 zu Graz starb. Er lebte lange Zeit in Wien. Andergaffe (XVIII.Bez., Dörnbach), bis 1894 Pichlergasse, nunmehr benannt nach dem seinerzeit hoch- geschätzten Sänger an der Wiener Hosoper, Alois Ander (1824bis 1864). Andlergaffe (VIII. Bez.) befindet sich aus dem Grunde eines ehemaligen Gartens, welcher dem Grasen Andler gehörte. Andreasgaffe (VII. Bez.), benannt nach dem Seidenzeugfabrikanten Andreas Dietscheiner. Andreasgaffe (XVII. Bez., Dornbach), seit 1894 Pretschgogasse (s. d.). Andreasgaffe (XVIII. Bez., Währing), seit 1894 Dempschergasse nach dem verstorbenen Pfarrer von Währing, Johann Dempscher. Angeligaffe (X. Bez., ehemals Jnzersdorf), benannt nach dem am 8. Juli 1840 zu Ödenburg geborenen hochgeschätzten Porträtmaler Heinrich von Angeli, welcher seit 1876 Professor an der Akademie der bildenden Künste zu Wien ist. Mit dieser Gasse wurde 1894 die frühere Stephaniegasse (X. Bez.) unter ersterem Namen zusammengezogen. Ängermayergaffe (XIII. Bez., Ober-St. Veit), bis 1894 Mayergasse, jetzt nach dem langjährigen, nunmehr verstorbenen Pfarrer in Ober-St. Veit, namens Angermayer, benannt. Ankerhof (I. Bez.), benannt nach der Besitzerin, der Assecuranz- Gesellschast „Anker" und besteht in seiner heutigen Gestalt erst seit 1854. 3 34 Anna Franergasse — Antoniengasse. Nach dem vorangehenden Besitzer, dem Bauunternehmer Pietro Galvagni, hieß er früher Galvagnihos. Anna Franergasse (XVIII Bez., Währing), bis 1894 Quergasse, nunmehr benannt nach der verstorbenen Frau Anna Frauer, welche die Frauer'sche Stiftung (im Betrage von 14.500 fl.) zu wohlthätigem Zwecke gemacht hat. Annagasse (I.Bez.) hieß zuerstnach dem uralten Wiener Bürgergeschlechte der Pippinger, das schon unter den Babenberger Herzogen hier sesshaft war, die Pippingerstraße. Unter Friedrich dem Schönen räumte eine fromme Wienerin ihr schönes Haus als Hospital frommen Pilgerinnen ein und baute 1320 dazu ein Kirchlein der hl. Anna. Seit dem baldigen Erlöschen der Pippinger wurde die Gasse nun Annagasse genannt; doch kommt noch bis 1750 die Gasse in den Grundbüchern als „Anna- oder Pippingerstraße" vor. 1531 wurde das Pilgrimhaus sammt Annakirche den Nonnen von Kloster und Kirche zu Sct. Clara aus dem Schweinmarkte (s. Lobkowitzplatz) angewiesen. Als zur Zeit der Pest (1541) die Insassen des Klosters ganz ausstarben, übergab Rudolf II. dasselbe den Jesuiten, welche dasselbe bis zur Auflösung ihres Ordens 1773 innehatten. Darauf überließ Kaiser Josef II. das weitläufige Gebäude der k. k. Akademie der bildenden Künste. Daneben fand auch die k. k. Normal- Hauptschule zu Sct. Anna in dem ehemaligen Kloster Raum. Annagasse (XII. Bez., Unter- Meidling), seit 1894 Teichackergasse (s. d.). ^ , Annagasse (XIII. Bez., Breitensee), seit 1894 Poschgasse (s. d.). Annagasse (XVI. Bez., Ottakring), seit 1894 Hellgasse nach dem ehemaligen Hofastronomen Maximilian Hell (1720 bis 1792) benannt. Annagasse (XVII. Bez., Hernals), seit 1894 Lacknergasse (s. d.). Annagasse (XVIII. Bez., Währing), seit 1894 unter dem Namen Schumanngasse (s. d.) mit der Mitter- berggasse (XVII. Bez., Hernals) zusammengezogen. Annagasse (XIX. Bez., Ober- Döbling), seit 1894 Würthgasse (s. d.). Anschützgasse (XIII. Bezirk, Penzing), bis 1894 Kaisergasse, jetzt benannt nach dem berühmten Wiener Hofschauspieler Heinrich Anschtttz (geb. am 8. Februar 1785, gest. am 29. De- cember 1865). Antenseegasse (XI. Bez., Simmering) ist nach einem kleinen Teiche, dem Antensee, d. i. Entensee, benannt. 4 Antonbnrggasse (IV. Bez ), benannt zur Erinnerung an den k. k. Hofmaschinisten Anton Burg (gest. zu Wien 1849), welcher in der Nähe ausgedehnten Besitz hatte. Er war der Vater des vorzüglichen Professors der Mechanik uud Maschinenkunde am Polytechnicum in Wien, Adam Ritter von Burg. Anton Frankgasse (XVIII. Bez., Währing) heißt seit 1894 die ehemalige Frankgasse. Antongasse(XIII. Bez.,Penzing), seit 1894 Töpselgasse nach Johann Töpfel, dem ersten Bürgermeister von Penzing. Antongasse (XVII. B., Hernals), seit 1894 Äntonigasse als Fortsetzung der Gasse letzteren Namens im XVIII. Bez., Währing. Antoniengasse (XIX. Bez., Ober-Döbling), seit 1894 Gunesch- gasse nach Andreas Gunesch (1799 bis 1875), Superintendenten der Wiener evangelischen Gemeinde A. C., benannt. Antonigasse — Arnethgasse. 35 Antonigasse (XI. Bez., Simmering), seit 1894 Rappachgasse benannt nach Christoph von Rappach, welcher 1495 Besitzer der Herrschaft Simmering war. Antonigasse (XVIII. Bezirk, Währing), vgl. Antongasse, XVII. Bez., Hernals. Anton Langergasse (XI ll. Bez., Speising), bis 1894 Parkgasse, jetzt nach dem Wiener Localschriststeller Anton Langer (1824 bis 1879) benannt, welcher in Speising eine Villa hatte. Antonsgasse(II. Bez.), seit 1894 Hammer-Purgstallgasse nach dem berühmten Dichter und Orientalisten Josef Freiherrn von Hammer-Purgstall (geb. am 9. Juni 1774 zu Graz, gest. am 23. November 1856 in Wien) benannt. Antonsgasse (XIII. B., Breitensee), seit 1894 Kuefsteingasse (s. d.). Anzengrnbergasse (V Bez ), eine neue Gasse, benannt zu Ehren des trefflichen Bühnendichters Ludwig Anzengruber, der am 29. November 1839 zu Wien geboren war und am 10. December 1889 daselbst starb. Apfelgasse (IV. Bez.), eine neue Gasse, benannt nach dem nicht mehr bestehenden Hause „zum rothen Apfel" in der Paniglgasse, in welchem sich eine Trivialschule, seit 1783 eine Psarrschule und ein Gasthaus befanden. Die Apfelgasse entstand neben dem demolierten Apfelhause. Apollogasse (VII. Bez.) führt ihren Namen von dem Apollosaale, einem 1807 durch Wolssohn errichteten, glänzenden Vergnügungs-Etablissement an der Ecke der heutigen Apollogasse gegen die Zieglergasse. 1839 kam das Gebäude an eine Gesellschaft von Seifensiedern, welche daselbst eine große Kerzenfabrik errichtete. Diese brannte 1875 ab. Apostelgasse (III. Bez.) hieß früher wegen der daselbst befindlichen Kirche der Gemeinde Erdberg Kirchengasse; weil diese Kirche dem Andenken der Apostelsürsten Petrus und Paulus gewidmet ist, erhielt die Gasse zu Anfang der Vierziger - Jahre den Namen Apostelgasse. Arbeitergasse (V. Bez.), benannt, weil die Gegend dieser Gasse ein Sitz industrieller Arbeit ist. Arenberggasse (III. Bez ), eine neuere Gasse, nach der Fürstin Aren- berg benannt, die hier ein Haus mit ausgedehntem Parke besitzt. Einer ihrer Vorfahren war der treffliche österreichische Feldmarschall Leopold Philipp Herzog von Arenberg (geb. zu Mons 1690, gest. auf seinem Schlosse Heverle bei Löwen 1754), welcher sich in den Kriegen mit den Türken und Franzosen auszeichnete. Arltgasse (XVI. Bez., Ottakring), benannt nach dem berühmten Augenärzte Ferdinand Ritter v. Arlt (geb. am 18. April 1812 zu Ober- Graupen bei Teplitz in Böhmen, gest. am 7. März 1887 zu Wien), welcher seit 1856 Professor an der Universität in Wien war. Armbrnstergasse (XIX Bez., Heiligenstadt) heißt seit 1894 der Theil der ehemaligen Wienerstraße von der Grinzingerstraße bis zur Kahlenbergstraße nach dem Wiener Schriftsteller Johann Michael Arm- bruster (1761 bis 1814). ArndtstraHe (V. Bez. und XII. Bez., Gaudenzdorf und Unter-Meidling), bis 1894 Lainzerstraße, nunmehr nach dem deutschen Vaterlandssänger Ernst Moriz Arndt (geb. am 26. December 1769 zu Schoritz aus Rügen, gest. am 29. Jänner 1860 zu Bonn) benannt. Arnethgasse (XVI. Bez., Ottakring), bis 1894 Wagnergasse, nun- 36 Arnsteingasse — Auerspergstraße. mehr benannt nach Josef von Arneth (1791 bis 1863), Mitglied der k. Akademie der Wissenschaften in Wien, Historiker und hervorragendem Numismatiker. Arusteingaffe (XIV. Bezirk, Rudolfsheim), benannt nach dem Wiener Banquier Baron Arnstein, welcher hier ausgedehnten Besitz (einen Sommerpalast mit großem Parke) hatte. Er war Theilhaber des 1773 in Wien begründeten Handlungshauses Arnstein und Eskeles. Arsenalstraße (X. Bez.) und Arsenal weg (III. Bez.), benannt nach dem k. k. Artillerie-Arsenal, dem großen militär-technischen Etablissement, welches in den Jahren 1849 bis 1855 nach den Plänen der Architekten van der Nüll, Siccardsburg, Roesner, Hansen und Förster aus- gesührt wurde. ArseNalweg (III. Bez.), s. Arsenalstraße. Artariagaffe (XIX. Bez., Ober- Döbling), bis 1894 Rosinagasse, nunmehr nach Dominik Artaria (1775 bis 1842), dem Begründer der renommierten Kunst- und Landkartenhandlung in Wien, benannt. Aspaugstraße (III. Bez.), so benannt, weil sie zum Bahnhose der Wien-Aspangbahn führt. Bis 1894 hieß sie „Am Canal" (vgl. Hasengasse). Aspernbrücke, neue Brücke über den Donau-Canal, welche den I. und II. Bezirk miteinander verbindet und durch ihren Namen an den Sieg des Erzherzogs Karl über Napoleon in der Schlacht bei Aspern und Essling am 21. und 22. Mai 1809 erinnert. Asperngasse (II. Bez.), eine neue Gasse, welche von der Praterstraße zur Aspernbrücke (s. d.) führt und wie diese zur Erinnerung an den glorreichen Sieg des Erzherzogs Karl über Napoleon bei Aspern und Essling am 21. und 22. Mai 1809 ihren Namen führt. Vor Erbauung der Aspernbrücke hieß die Gasse Schmid- gasse. Aßmayergaffe (XII. Bez., Unter-Meidling), benannt nach Ignaz Aßmayer, einem berühmten Tonsetzer (geb. 1790), der 1815 nach Wien kam. Bis 1894 hieß sie Rudolssgasse zu Ehren des verstorbenen Kronprinzen Erzherzog Rudolf. An oder Aue, entstanden aus awa, owa, verwandt mit aa (oder nach — fließendes Wasser), eine grasreiche mit Bäumen oder Strauchwerk besetzte Fläche an einem fließenden Wasser (im engeren Sinne), z. B. Hütteldorser und Penzinger Au an der Wien; ferner Insel, Halbinsel, die ein Fluss durch seine Arme bildet; endlich in der älteren Sprache Insel überhaupt. So verstand man unter Donau-Auen ursprünglich Donau-Inseln, und die größte niederösterreichische Donau- Insel heißt noch heute die Lob au; hierher gehören auch die Namen Rossau, Brigittenau, Freudenau, Krieau. In zusammengesetzten Ortsnamen ist Au ungemein häufig; diese Namen deuten in der Regel aus die mit Bäumen oder Strauchwerk besetzten Ränder eines fließenden Wassers; so z. B. Weidlingau. Auenbruggergaffe (III Bez ), benannt zur Erinnerung an den vorzüglichen Arzt Leopold vonAuenbrugger (geb. 22. November 1722 zu Graz, gest. in Wien am 18. Mai 1809), welcher der eigentliche Begründer der Percussionsmethode in der Medicin ist. Auerspergstraße (I. und VHI. Bez.), eine neue Straße, zu Ehren des ehemaligen Minister-Präsidenten Fürsten Auersperg benannt, dessen Palais sich hier befindet. Auf der Haide — Augustinerstraße. 37 Auf der Haide (II. Bez.), s. Haide, Aus der, und „Im Werd". Auf der Haide (XI. Bez.), seit 1894 „Aus der Simmeringer Haide" (s. „Simmeringer Haide"). Auffahrtsftraße (II. Bezirk, Prater), so benannt, weil sie von den zum Weltausstellungsgebäude 1873 fahrenden Wagen benützt werden musste. Augarten (II. Bez.). Schon Kaiser Mathias erbaute 1614 in dem ausgedehnten Auengebiete jenseits des Fugbaches ein Lustschloss. Dieses verschönerte Kaiser Leopold I., indem er mehrere Besitzungen in der Au, welche der „Tabor Schlittel" hieß, an sich brachte und kurz vor 1683 daselbst einen großen Lustgarten im französischen Geschmacke, den Augarten, anlegte. Während der Belagerung Wiens durch die Türken wurde diese neue Anlage sammt dem alten Schlosse ganz verwüstet und blieb nun durch längere Zeit verödet, bis Kaiser Josef I. die Gärten wieder Herrichten und daselbst ein kleines Gebäude als Witwensitz für seine Mutter Eleonore aufsühren ließ. Dieses Gebäude sammt Garten führte den Namen „Kaiserliche Favorita". Als durch Kaiser Karl VI. an der Stelle des heutigen Theresianums ebenfalls eine Favorita sich erhob, wurde die Anlage in der Leopoldstadt die „alte Favorita" genannt. Arigartenbrücke, s. Maria Theresienbrücke. Augartenflraße, Obere und Untere (II. Bez.), die erstere führt längs der Südwestseite des k. k. Augartens (s. d.), die letztere, früher Neugasse genannt, bildet die Zufahrtsstraße zum Augarten von der Augartenbrücke, beziehungsweise von der Ringstraße aus. Die Obere Augartenstraße hieß noch zu Anfang unseres Jahrhunderts Dammstraße wegen der hier wiederholt aufgeschütteten Dämme, welche gegen den Austritt der Donau schützen sollten. Die Untere Augartenstraße hieß als eine um 1777 neu angelegte Gasse vormals Neuegasse. Augaffe (IX. Bez.) erinnert durch ihren Namen an eine einst hier bestandene Au. (Vgl. „Au".) Augafse (XIII. Bez., Hacking), benannt nach der Au (s. d.) an der Wien, heißt seit 1894 Pröllgasse. Arrgaffe (XVII. Bez., Dornbach), seit 1894 Zwerngasse (s. d.). Auguftinerbaftei (I. Bez ), s. Augustinerkirche. Attgusti»»ergasfe (XII. B., Altmannsdorf) heißt seit 1894 Oswaldgasse nach dem Kirchenpatrone von Altmannsdors. Augustinerkirche (I Bezirk). Friedrich der Schöne gelobte, als er auf der Feste Trausnitz in der Haft war, ein Kloster zu bauen, wenn er seine Freiheit wieder erlange. Infolge dieses Gelübdes führte er die Augustiner, welche schon zuvor ein kleines Kloster vor dem Werderthore in der Fischervorstadt (urkundlich 1255 genannt) innehatten, in ein Haus nächst der Burg in der damaligen Hochstraße und begründete das Kloster, welches sammt der noch heute stehenden Kirche in den Jahren 1327 bis 1339 vollendet wurde. Nach Kloster und Kirche heißt die vorübersührende Straße Augustinerstraße und der die Auffahrtsrampe zu dem alten Palais des Erzherzogs Albrecht bildende Rest der alten Bastei Augustinerbastei. AugustinerstraHe (I. Bezirk), s. Augustinerkirche. Die Gasse wurde lange vor Friedrich dem Schönen in den Grundbüchern als Hochstraße (8tra,ta situ) genannt. 38 Auhof — Badgasse. Auhof (XIII. Bez.), k. k. Forsthaus und Amtssitz eines Forstmeisters, am Eingang in den k. k. Thiergarten an der rechtseitigen Thallehne des Wienflusses, benannt nach seiner Lage in der Au (s...d.). Er wurde von den Herzogen von Österreich zu dem Nonnenkloster Maria Magdalena vor dem Schottenthore gestiftet, welches 1529 beim Einsalle der Türken sowie der Auhof zugrunde gieng. Die Nonnen wurden daraus in das Kloster Set. Laurenz am alten Fleischmarkt ausgenommen, wodurch auch der Auhos an dieses Kloster kam. Von letzterem kaufte ihn Kaiser Ferdinand I. „zu unseres Forstmeisters stäter Behausung und Residenz". Auhofstraße (XIII. Bezirk, Hietzing, Unter- und Öber-Sct. Veit, Hacking), ein Straßenzug, benannt nach dem Auhos (s. d.), zu dem er führt. Ausstellungsstraste (II. Bez., Prater) führt vom Praterstern durch den Prater zu der ehemaligen Maschinenhalle der Wiener Weltausstellung vom Jahre 1873, welche jetzt als städtisches Lagerhaus dient. Auwinkel (I. Bez.). Die Nähe des Donaucanals machte diesen tief gelegenen Stadtwinkel mit krummen und unregelmäßigen Gassen zu einer Pfütze, in welcher häufig Schweine wühlten, weshalb er Sauwinkel genannt wurde. Erst vor etwa 160 Jahren wurde das anlautende S gestrichen. Um 1450 wird die Gasse urkundlich „Hinter Sct. Lorenzen" genannt (vgl. Laurenzerberg). Avedikstraste (XIV. Bez., Ru- dolssheim), bis 1894 Eisenbahnstraße, weil sie längs der Elisabeth-Westbahn führt, nunmehr nach dem verstorbenen Arzte Avedik benannt, der sich durch seine Wohlthätigkeitsacte im Jahre 1848 bekannt gemacht Hai. B Babeubergerstraste (I. Bez ), eine neue Straße, benannt nach dem glorreichen Geschlechte der Babenberger, welche als Markgrafen und später als Herzoge von 976 bis 1246 in Österreich regierten und unter denen Wien (namentlich durch Heinrich Ja- somirgott und Leopold den Glorreichen) emporblühte. Bachergaffe und Bacherplatz (V. Bez.), nach einem Privaten namens Bacher benannt. Bachergasse (XI. Bez., Simmering), seit 1894 Brambillagasse nach dem Leibarzte des Kaisers Josef II., Alexander Ritter von Brambilla (l 728 bis 1800), benannt. Bachergasse (XII. Bez., Gau- denzdors), seit 1894 Korbergasse, zur Erinnerung an den Ortsrichter Johann Korber. Bäckergasse (XIII. Bezirk, Hacking), seit 1894 Pseiffenberger- gasse (s. d.). Bäckergasse (XIII. Bez., Penzing), seit 1894 Phillipsgasse (s. d.). Bäckerstraste (I. Bezirk) hieß vormals die Obere Bäckerstraße (1310: strata pistorum), während die heutige Sonnenfelsgasse die Untere Bäckerstraße genannt wurde. Beide kommen schon in den ältesten Urkunden als Öbere und Untere Bäckerstraße vor, da hier vorzugsweise das Bäckergewerbe betrieben wurde. Badgasse (IX. Bez.), nach dem Badgasse — Ballhausplatz. 39 benachbarten Volksbad (in der Wiesengasse) benannt. Badgaffe (XII. Bez., Gaudenzdorf), seit 1894 Mineralbadgasse wegen des nahen Theresienbades. Badgaffe (XIII. Bez., Hietzing), seit 1894 Stephaniebadg'asse nach dem daselbst befindlichen „Stephaniebad" genannt. Badgaffe (XIII. Bez., Penzing), seit 1894 Hietzinger-Quai (s. d.). Badgaffe (XVII. Bez., Dörnbach), seit 1894 Vollbadgasse benannt nach dem Voll- und Wannenbad sammt Schwimmschule (Nr. 3) des Lorenz Prünner. Badgaffe (XVIII. Bez., Pötz- leinsdors), seit l894 Schafberggasse, weil sie zum Schafberge (388 nr) hinanführt. Badhausgaffe (VII. Bez.) führt ihren Namen nach dem 1841 daselbst errichteten Marienbade. Badhansgaffe (XIII. Bezirk, Hietzing), seit 1894 Dommayergasse zur Erinnerung an das Vergnügungs- Etablissement „Dommayers Casino" in Hietzing. Bahngaffe (XIII. Bez., Baumgarten), seit 1894 Baumgartnerstraße zur Wahrung des Ortsnamens Baumgarten. Bahngaffe (XIII. Bez., Penzing), seit 1894 mit der Feldgasse in Penzing unter dem Namen Cumberlandstraße (s. d.) zu einer Straße vereinigt. Bahngaffe (XIII. Bez., Speising), seit 1894 Eduard Jaegergasse (s. d.). Bahngaffe (XVII. Bez., Hernals), seit 1894 einbezogen in die Wattgasse (s. d.) in Ottakring (XVI. Bez.) und so benannt. Bahnhosffrasie (XV. Bezirk), so benannt, weil sie von der Schönbrunnerstraße zum Westbahnhof führt; seit 1894 Gerstnergasse nach Professor Franz Anton von Gerstner (1756 bis 1832), dem Erbauer der Pferdeeisenbahn von Linz nach Bndweis, welche 1825 bis 1832 ausgesührt wurde. Bahuffraffe (XII. Bez., Unter- Meidling), seit 1894 Dörselstraße; „Dörsel" war nämlich die frühere volksthümliche Bezeichnung von Wil- helmsdorf. Bahnffraffe (XIII. Bez., Hacking), seit 1894 Deutschordensgasse. Bahuplatz (X. Bez.), der Platz vor den Bahnhöfen der Südbahn und der k. k. priv. österr. Staatsbahn. Balderichgaffe (XVII. Bezirk, Dornbach), bis 1894 Stiftgasse, nunmehr benannt nach dem Abte Baldc- rich zu Set. Peter, welcher sich um den Kirchenbau in Dornbach große Verdienste erwarb. Ballgaffe (I. Bez.) hieß vormals „aus der Dagken", „auf der Tagkhen" und wurde erst im 17. Jahrhundert, als daselbst ein Ballhaus errichtet wurde, Ballgasse genannt. Dieses Gebäude war gleich dem Hofballhaus für das seinerzeit so beliebte Ballspiel bestimmt; seit dem Anfänge des vorigen Jahrhunderts wurde es zu Theatervorstellungen benützt, die aber schon 1720 anfhörten. Die alte Straßenbenennung „auf der Dagken" mag sich wohl aus das nahegelegene Strashaus („Malefizspitzbubenhans") in der Rauhensteingasse bezogen haben, wo die Häftlinge Rohrdecken zum Lager bekamen. Ballhausplatz (I. Bez.), benannt nach dem daselbst stehenden „Ballhause". Kaiser Ferdinand I. verpflanzte das Ballspiel aus Spanien, wo er erzogen worden, an seinen Wiener Hof und ließ l 525 hinter dem Cillyer- hos nächst der Burg ein Hofballspielhaus erbauen. Als dieses schon im nächsten Jahre abbrannte, wurde ein 40 Bandgasse — Basteien. zweites Ballhaus aus dem Michaeler- platze errichtet, und als 1754 das Burgtheater neu gebaut wurde, errichtete mau ein neues Ballhaus auf der ersten Stelle, wo es noch heute steht. Bandgaffe (VH. Bez.), früher Herrengasse, erinnert an die Haupt- fabricate des industriellen Schottenfelds (s. d.), die Seidenbänder. Bankgaffe (I. Bez.), benannt nach dem daselbst in den Jahren 1820 bis 1822 errichteten Gebäude der k. k. priv. Nationalbank (j. österr. Ungar. Bank). Bis in die Sechziger-Jahre hieß sie „vordere Schenkenstraße" und wird urkundlich 1290 als strata pin- esrnLiuni, 1342 als Schenchenstraße genannt und scheint ihren Namen von den hier befindlichen Schenken (pin- esrrms) abzuleiten. Doch wohnte hier im 13. Jahrhundert Heinrich von Liechtenstein, der damals Erbschenk von Österreich war; in der Folge saßen hier die Althane, welche das Reichs- schenkenamt, und die Sinzendorser, welche das Erbmundschenkamt von Österreich ob der Enns bekleideten. Barbaragaffe (I. Bez.), benannt nach der Barbarakapelle, welche die Jesuiten in ihrem Collegium 1652 erbauten. Bärengaffe (V. Bez.) ist nach dem alten Hause „zum braunen Bären" (Nr. 9) benannt. Barichgaffe (III. Bez.), eine neuere Gasse auf dem Grunde ehemaliger Hutweiden, nach einem Privaten, der hier zuerst Häuser baute, benannt. Barmherzigengaffe (III Bez ), benannt nach dem Reconvalescenten- hause der Barmherzigen Brüder, welches daselbst 1756 von der Kaiserin Maria Theresia und der Fürstin Theresia von Liechtenstein, geb. Herzogin v. Savoyen, gegründet wurde. Im Jahre 1877 wurde das Recon- valescentenhaus ausgelassen und der Platz des Gebäudes sammt Garten zu Neubauten verwendet, das Wohnhaus daneben blieb aber als Zinshaus erhalten. Barnabitengaffe (VI. Bezirk), benannt nach der daselbst befindlichen Congregation der regulierten Priester des heil. Paulus (der Barnabiten), welche den Gottesdienst in der Pfarrkirche zu Mariahilf (s. d.) versehen- Bartensteingaffe (I. Bez.), eine neue Gasse, benannt zur Erinnerung an Johann Christoph Freiherrn von Bartenstein (geb. 1689 oder 1690 zu Straßburg, gest. zu Wien am 5. oder 6. August 1767), vorzüglichen österreichischen Staatsmann, welcher Mitarbeiter an der pragmatischen Sanction, Verfasser der Kriegserklärung 1741 an Frankreich und später Erzieher des nachmaligen Kaisers Josef II. war. Bartholomäusplatz,St.(XVII. Bez., Hernals), bis 1894 Kirchenplatz, nunmehr benannt nach der daselbst befindlichen Pfarrkirche zum hl. Bartholomäus. Bafiliskenhans in der Schön- laterngasse (I. Bez.), benannt nach dem Basilisken, einem greulichen Ungeheuer, welches der Sage nach 1212 beim Graben eines Brunnens in diesem Hause gefunden wurde und welches das Wasser und die Luft umher derart verpestete, dass viele Menschen davon ihren Tod fanden. Der Basilisk selbst, ein Sandsteingebilde mit künstlich angefügtem Schnabel und Schweis aus Eisen, ein Wahrzeichen Wiens, ist an der Außenseite des Hauses Nr. 678 (neu 7) noch heute zu sehen. Basteien hießen die aus 13 Bastionen bestehenden Festungsmauern, welche Bäuerlegasse Beatrixgasse. 41 an Stelle der alten, unzulänglich gewordenen Befestigungen Wiens ans Befehl Kaiser Ferdinands I. entworfen wurden und mit deren Ausführung man 1540 begann. Der Bau währte fast anderthalb Jahrhunderte, und zwar wurden die Bastionen in folgender Reihe erbaut: Biberbastei 1545—1560, Prediger- oder Bürgerbastei 1545 bis 1560, Braunbastei 1545, Wasserkunst- bastei 1545, Löwelbastei 1546—1547, Neuthor- oder Münchbastei 1560, Elendbastei 1561, Mölkerbastei 1546 und 1656, Gonzagabastei 1646, Schottenbastei 1656, Rothenthurmbastei 1658, Burgbastei 1659, Kärntnerthorbastei 1672. Diese Basteien waren eine halbe geogr. Meile lang, 13 bis 19 m hoch und umschlossen die ganze eigentliche Stadt (den inneren Theil des heutigen I. Bezirkes). Zwölf Thore vermittelten in den letzten Jahrzehnten den Verkehr zwischen der Stadt und den Vorstädten: Burgthor, neues und altes Kärntnerthor, Karolinenthor, Stubenthor, Franz Josefsthor, Rothenthurmthor, Schanzelthor, Neuthor, Fischerthor, Schottenthor und Fran- zenSthor. Das Burgthor und das Franz Josefsthor stehen noch heute. Die Demolierung der alten Basteien wurde mittels kaiserlichen Handschreibens vom 20. December 1857 angeordnet und in den Jahren 1858 bis 1875 durchgesührt. Als letzte Reste der Basteien stehen noch Theile der Mölker- und Dominikaner- (Pre- diger-)Bastei, sowie der Augustinerbastei; die Namen Coburgbastei, Schottenbastei erinnern noch an die ehemaligen Bastionen. Bäuerlegasse (II. Bez.), benannt zur Erinnerung an Adolf Bäuerle (geb. zu Wien am 9. April 1786, gest. in der Nacht vom 19. auf den 20. September 1859 daselbst), Schriftsteller und Dichter beliebter Volksstücke, Redacteur der Wiener Theaterzeitung, welche von 1820 bis 1847 das verbreitetste Blatt der Monarchie war. Bauernfeldplatz (IX. Bezirk) führt seinen Namen zur Erinnerung an den berühmten Lustspieldichter Eduard von Bauernfeld (geb. in Wien am 13. Jänner 1802, gest. daselbst am 9. August 1890). Bauernmarkt (I. Bez.) wurde die Straße von dem Markte genannt, den die Bauern seit alter Zeit hier abhielten, urkundl. 1440 Pawrnmarkt. Früher (urkundlich zuerst 1302) hieß die Straße von den herzoglichen Münzern, welche unter Albrecht III. 1386 vom Hof hieher in den heutigen Bellegardehof verlegt wurden, die Münzerstraße. Der obere, auf den Lichtensteg mündende Theil des Bauernmarktes hieß das Hühnergassel. Obwohl die Bauern mit ihrem Markte zu Anfang des 18. Jahrhunderts auf die Seilerstätte, zum Theil auch auf den Neuen Markt und Hof verwiesen wurden, ist der Straße ihr alter Name geblieben. Baumgarten, bis Ende 1891 eine selbständige Ortsgemeinde, seit 1892 in den XIII. Bezirk einbezogen. Der Ort wird urkundlich 1191 Pomgarten genannt; der Name,,, welcher als Ortsname in Nieder-Österreich ungemein häufig begegnet, bezeichnet«: ursprünglich einen Raum, der mit Obstbäumen bepflanzt war. Baumgartenflraste (XIII. Bezirk, Baumgarten) heißt seit 1894 die ehemalige Bahngasse zur Wahrung des Ortsnamens Baumgarten. Beatrixqafse (III. Bez.), benannt nach dem daselbst befindlichen Palast, welchen die Erzherzogin Maria Beatrix 1812 erbaute. Die Beatrixgasse um- 42 Bechardgasse — Bellaria. fasst zwei ehemalige Gassen, die Bockgasse und die Rabengasse, welche 1862 den neuen gemeinsamen Namen erhielten. Die Gegend der Nabengasse (vor dem Karolinenthore) hieß ursprünglich der Hirschpoint oder Hirschpeunt. Point, Pennt, ahd. xiunt, bedeutet in der Volkssprache ein Grundstück, das, ohne Garten zu sein, dem Gemeinde-Viehtrieb verschlossen werden kann, und kommt in Ortsnamen, wie Steinpoint, Mösenpoint, Winklpoint u. s. w , oft vor. Aus dieser Stätte wurde 1627 für den Freimann (Scharfrichter) und die Abdeckersknechte ein abgesondertes Wohnhaus erbaut. Nach dem Stadtprotokolle vom Jahre 1627 wurde diese Gegend schon damals die „Raben- gestätte" genannt. Die Abdeckersstätte hieß die Freimannsschmölz, wahrscheinlich weil die Cadaver der gefallenen Thiere durch Auskochen (Schmelzen) des Fettes verwertet wurden. Auf der Rabengestätten entstand später die Rabengasse. Nach der Türkenbelagerung 1683 wurden die Nachrichterswohnung und die Freimannsschmölz in die Gegend der St. Marxerlinie verlegt. Bechardgasse (III. Bez.) führt ihren Namen nach der Baronin Bechard, welche daselbst ein Palais mit Garten besaß und eine große Wohlthäterin der Kirche und der Armen war. Becherlhof in der Kumpsgasse (I. Bez.), benannt nach einem ehemaligen Besitzer Becherl; früher hieß er auch der „alte kleine Rauch of" zum Unterschiede vom „großen Ranchos" (s. d.) in der Riemerstraße. Beckmanngajse (XIII. Bezirk, Penzing), bis 1894 Schmiedgasse, nunmehr nach dem Wiener Hofschauspieler Friedrich Beckmann (1803 bis 1866) benannt. Seine Gattin errichtete die Beckmann - Stiftung zu wohlthätigen Zwecken. Beethovengang (XIX. Bezirk, Heiligenstadt); hier war ein Lieblingsspaziergang des großen Tondichters Ludwig van Beethoven (geb. am 16. December l770 zu Bonn, gest. am 26. März 1827 zu Wien), welcher im Sommer oft in Heiligensiadt wohnte und dem hier (im Beethovengange) ein Denkmal gesetzt ist. Beelhovengasse (IX. Bezirk), eine neuere Gasse, welche entstand, als der Garten des sogen. Schwarzspanierhauses (s. d.) 1840 aufgelassen und verbaut wurde. Sie ist zu Ehren des großen Tondichters Ludwig van Beethoven benannt, welcher am 26. März 1827 im Schwarzspanierhause starb. Beethovengasse (XIX. Bezirk, Heiligenstadt und Nussdors), seit 1894 Eroicagasse benannt nach der Beethovensichen Symphonie „Lroiea", welche 1804 zur Feier Napoleon Bonapartes enstand. Beethovenplatz (I. Bezirk), ein neuer Platz, benannt zu Ehren des großen Tondichters Ludwig van Beethoven, dessen von Zumbusch ausgesührtes, 1880 enthülltes Standbild sich hier befindet. Beethovenplatz (XIX. Bezirk, Heiligenstadt), seit 1894 Beethovenruhe. Beethovenruhe (XIX. Bezirk, Heiligenstadt), bis 1894 Beethovenplatz genannt. Beheimgajse (XVII. Bezirk, Hernals), bis 1894 Josefigasse, nunmehr benannt nach dem Meistersänger Michael Beheim (1421 bis 1474), welcher das „Buch von den Wienern" verfasst hat. Bcllaria heißt die an das nordwestliche Ende des Leopoldinischen Tractes der kaiserlichen Hofburg angebaute, gedeckte ZusahrtShalle. Der Bellariastraße — Bergenstammgasse. 43 ital. Name, d. i. angenehme Luft, erklärt sich aus der freien Lage dieses Baues, von wo sich eine schöne Aussicht über die nordwestlichen Vorstädte und das nahe Kahlengebirge darbietet. Bellariastraße (I. Bezirk), im Volksmund abgekürzt „die Bcllaria", heißt die neue, in der Richtung gegen die Bellaria (s. d.) geführte Straße. Bellegardegafse (II. Bezirk), benannt zur Erinnerung an den vorzüglichen Militär und Staatsmann Friedrich Heinrich Grasen v. Bellegarde (geb. zu Chambery am 18. De- cember 1760, gestorben in Wien am 22. Juli 1845), österreichischen Feldmarschall, welcher sich namentlich in den Kriegen gegen Napoleon sehr verdient machte. Bellegardehof (I. Bezirk), benannt nach Julie Gräfin Bellegarde, welche dieses umfangreiche Gebäude an Stelle von vier niedergerissenen Häusern (darunter die beiden Häuser „zur kleinen Landeskrone" und „zur großen Landeskrone") errichten ließ; der Bau wurde 1835 vollendet. Bellcvuestraße (XIX. Bezirk, Unter-Sievering), bis 1894 nach dem benachbarten Berge „Himmel" als Himmelstraße benannt, jetzt Bellcvue- straße, weil sie zu der Besitzung „Bellevue" (d. h. schöne Aussicht, wie Belvedere) führt. Belvedere (III. Bez.) heißt das von dem Prinzen Eugen von Savoyen 1693 bis 1724 erbaute Lustschloss, weil man von demselben eine herrliche Aussicht über Wien genießt. Das ital. Wort Belvedere (d. i. schöne Aussicht) ist gleich dem sranz. Bellevue ein beliebter Name für Lustschlösser. Die Höhe des oberen Belvederes, wo das eigentliche Schloss steht, hieß in alter Zeit „aus dem Gaisrnck". Hier befand sich wahrscheinlich das zur Römerstadt Vindobona gehörige Standlager (Eastrum). Belvcderegaffe (IV. Bez.), so genannt, weil sie (von der Favoritenstraße) direct zum oberen Belvedere (s. d.) führt. Belvederegalfe (XIII. Bezirk, Ober-Sct. Veit), seit 1894 Girzen- berggasse, nach dem nahegelegenen Ried Girzenberg. Belvederehof (IV. Bez.), ein großer Neubau in der Belvederegasse, wie diese nach dem nahen Belvcdcre (s. d.) benannt. Bendlgaffe (XII. Bez., Unter- Meidling), benannt nach dem Fabrikanten Bendl, der in Wien (1834) zuerst die Dampfkrast in seiner Fabrik einführte. Bis 1894 hieß die Gasse Schulgasse. Benedikt Schellingergafse (XIV. Bez., Rudolssheim),'bis'1894 Schellingergasse, benannt zur Erinnerung an den Bürgermeister von Braunhirschen, Benedikt Scheüinger (gest. am 20. März 1875), welcher 1863 die Anregung zur Vereinigung der Gemeinden Braunhirschen, Rustendors und Reindorf gab, worauf die große Gemeinde Rudolfsheim (s. d.) ins Leben trat. Bennogaffe (VIII. Bez.) und Bennoplatz, benannt zu Ehren des Schottenabtes Benno Pointner, welcher als der Gründer der ehemaligen Vorstadt Breitenfeld (s. d.) gilt. Bennoplatz (VIII. Bez.), siehe Bennogasse. Bergel, Am (I. Bez.), s. „Am Bergel". Bcrgenftamnrgaffe (XIII B, Ober-St. Veit), bis 1894 Sackgasse, nunmehr benannt nach Alois Groppenberger Edlen v. Bergenstamm (geb. am 1. August 1754 zu Wien, gest. daselbst am 15. Februar 1821), Alter- 44 Bergerplatz Bergstraße. thumsforscher, der namentlich über die Localgeschichte von Wien und Umgebung zahlreiche Untersuchungen anstellte. Bergerplatz (XVI. Bez., Ottakring), bis 1894 Marktplatz, s. Johann Nepomuk Bergerplatz. Berggasse (IX. Bez.) heißt so, weil ihr oberer Theil über eine ansehnliche Böschung zum Donaucanal hinabführt. Im 17. und 18. Jahrhundert hatte sie die Namen „Schottenpoint" (Point oder Pennt, ahd. pinnt, ein Grundstück, das dem Gemeinde- Viehtrieb verschlossen werden kann) oder „Schottenpühel" (Bühel, Bühl, ahd. puM — Anhöhe, Hügel), weil sie im Besitze des Schottenstiftes sich befand, auch „Ochsenberg". Berggasse (XIII. Bez., Baumgarten), seit 1894 Hochsatzengasse, nach dem nahegelegenen Riede Hochsatzen benannt. Berggasse (XVIII. Bez., Sal- mannsdors), seit 1894 Celtesgasse benannt nach dem Dichter und Humanisten Konrad Celtes oder Celtis (geb. am 1. Februar 1450 zu Wipfeld bei Würzburg, gest. am 4. Februar 1508 zu Wien). Berggasse (XIX. Bez., Grinzing), seit 1894 mit der Bräuhausgasse in eine Gasse zusammengezogen und Cobenzlgasse benannt, weil sie zu dem Schlosse auf dem Cobenzlberge (s. d.) führt. Berggaffe (XIX. Bez., Unter- Döbling), seit 1894 Scheibengasse, nach dem Scheibenried daselbst. Berghof (I. Bez., zwischen dem Hohen Markt und der Krebsgasse), das älteste urk. überlieferte Gebäude Wiens, dessen Entstehung bis in die Zeit Leopolds des Heiligen zurückreicht. Derselbe baute sich hier einen Gejaidhos, d. i. Jagdhos, welcher wegen seiner hohen Lage (am späteren Hohen Markt) Perkhos, Birkhof genannt wurde. Später diente er als Gerichtsund Renthof der Markgrafen, weshalb er auch in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts auf dem sogenannten Zappert'schen Plane von Wien als 6uria NarollioniZ verzeichnet ist. Bergmüllergasse (XIII. Bez., Hütteldorf), benannt nach dem verstorbenen ehemaligen Besitzer des großen Bräuhauses daselbst, Bergmüller; bis 1894 hieß sie Bräuhausgasse. Bsrgsteiggafse (VI. Bez.), eine schmale Gasse mit starkem Gefälle zur Wien, früher Berggasse, ursprünglich aber Haltergasse genannt, weil daselbst im sogenannten Halterhause der Viehhirt (Halter) wohnte, welcher Kühe und Schafe auf den noch unbebauten Gründen Gumpendorss weidete. Auch „Hoher Steig" wurde die Gasse vormals genannt, welchen Namen man 1894 wieder herstellte. Bergsteiggasse (XVIII. Bezirk, Gersthof), seit 1894 Schindlergasse genannt nach dem Wiener Landschaftsmaler Jakob Emil Schindler (geb. 1842, gest. 1892). Bergsteigstraste (XVIII. Bez., Pötzleinsdorf), seit 1894 Khevenhüller- straße (s. d.).^ Bergstraße (X. Bez.), so genannt, weil sie von der Spinnerin am Kreuz (s. d.) zur Laxenburgerstraße (die vormals zu Jnzersdorf gehörte) über den Wiener Berg (s. d.) führt. Seit 1894 heißt sie Windtenstraße (s. d.). Bergstraße (XIII. Bez., Hacking) heißt seit 1894 Raschgasse (s. d.). Bergstraße (XIII. Bez., Hüttel- dors), seit 1894 Wolsersberggasse, da sie an dem Abhange des Wolfersberges liegt. Bergstraße (XIII. Bez., Ober- Sct. Veit), seit 1894 Adolfsthorgasse, Bernardgasse — Birkenstockgasse. 45 da sie gegen das Adolfsthor (im Volksmunde „Adolssthürl") des k. k. Thiergartens führt. Bernardgasse (VII. Bezirk), benannt zur Erinnerung an den Baumeister Alois Bernard (geb. 1791 zu Schottenfeld, gest. 1851), welcher die alte „Zollerschule" (s. Zollergasse) größtenteils aus eigene Kosten ausbaute und erweiterte. Bernbrunngasse (XIII. Bezirk, Cottage-Anlagen), eine neue Gasse, benannt nach Karl von Bernbrunn, genannt Karl Carl (geb. am 7. November 1789 zu Krakau, gestorben am 14. August 1854 zu Ischl), Director des Leopoldstädter Theaters und Erbauer des Carltheaters, welcher seinerzeit mehrere Villen in Hietzing besaß. Bettlerstiege (VI. Bez.) heißt noch heute im Volksmunde die Stiegengasse (jetzt Königsklostergasse), welche von derMariahilferstraße zurGumpen- dorferstraße hinunterführt. Hier wurde 1582 ein Meierhos sammt Garten des Königsklostcrs in der Breunerstraße angelegt (jetzt Königsklostergasse Nr. 2). Da aus Veranlassung der Stifterin Elisabeth, der Tochter Kaisers Max II., daselbst den Armen täglich die Mittagskost gespendet wurde, welche dieselbe aus der Stiege sitzend verzehrten, so erhielt davon diese Stiege angeblich den Namen Bettlerstiege. Da dieselbe aber schon in Urkunden unter Herzog Albrecht dem Lahmen als Sammelplatz und Standort der Wiener Bettler erwähnt wird, ist ihr Name viel älter. Bibergaffe (I Bez.). In dem Theil der alten Bastei vor dem Au- winkel zwischen der heutigen Bibergasse und der Dominikanerbastei befand sich der Pyberthurm oder Biberthurm, welcher seinen Namen von dem ritterlichen Geschlechte der Pyber führte und zu Anfang des 18. Jahrhunderts abgebrochen wurde. Die Bibergasse ist nach diesem Thurme benannt. Biedermanngaffe (XII. Bez., Altmannsdors), benannt nach Michael Lazar Biedermann, einem kaiserlichen Siegelstecher, dann Juwelenhändler, später Gründer einer Woll-Assor- tiernngSanstalt (der ersten in Österreich). Er war als Sohn armer jüdischer Eltern am 13. August 1769 geboren und starb als wohlhabender Mann am 21. August 1843. Bis 1894 hieß die Gasse Gärtnergasse. Bienengasse (VI. Bez.), benannt nach dem Hause Nr. 3 „zum Bienenkorb"; sehr wahrscheinlich wurde hier in früherer Zeit Bienenzucht betrieben. Billrothstraste (XIX. B, Ober- Döbling), bis 1894 Hirschengasse, nun sammt deren Fortsetzung bis zur Sie- veringerstraße benannt nach vr. Christ. Theodor Billroth (geb. am 26. April 1829 aus der Insel Rügen, gest. am 6. Februar 1894 in Abbazia), Hosrath und Herrenhausmitglied, Professor der praktischen Chirurgie an der Wiener Universität und Director der Krankenanstalt „Rudolfiner Haus" in Unter- Döbling. Bindergasse (XI. Bez., Unter- Meidling), seit 1894 Tanbruckgasse, nach einem großen Gehöfte, das 1340 hier bestanden hat. Biraghy gaffe (XIII. Bezirk, Lainz), bis 1894 Eisenbahngasse, jetzt nach der Familie Biraghy benannt, welche der Gemeinde Lainz viele Wohl- thaten erwies. Birkenstock gaffe (XI. Bezirk, Simmering), benannt nach Johann Melch. Edl. v. Birkenstock, dem Rathgeber Kaiser Josefs II., Referenten in Studiensachen und Rath der Akademie der bildenden Künste (geb. am 11. Mai 1735 zu Heiligenstadt im Eichsfelde, gest. am 30. October 1809). Bis 46 Bischof Fabcrplatz — Boörgassc. 1894 hieß die Gasse „Untere Wintergasse". BischosFaberplatz (XVIII. B., Gersthof) heißt der neue Kirchenplatz seit 1894 nach Johann Faber, der von 1530 bis 1541 Bischof von Wien war. Bischofgaffe (XIII. Bez, Ober- Set. Veit), seit 1894 Erzbischosgasse, nach dem daselbst befindlichen, dem Erzbischöfe von Wien gehörigen Lustschlosse. Bischofhof (I. Bezirk), das Gebäude, welches seit 1471 den Wiener Bischöfen (seit 1716 Erzbischöfen) zur Residenz diente und in den- ersten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts seine jetzige Gestalt erhielt. Nach ihm hieß der Theil der Rothenthurmstraße zwischen Stephansplatz und Lichtensteg, welcher seit den ältesten Zeiten „gegenüber dem Probsthof von Set. Stephan" genannt wurde, seit dem 16. Jahrhundert Bischofgasse. Blechthurmgasse, Grenzgasse zwischen dem IV. und V. Bezirk, benannt nach den blechernen Thürm- chen, welche das Eckhaus, das älteste Haus der Gasse, trägt. Bleichergasse (IX. Bez.) heißt so von den Bleichern, welche vormals hier ansässig waren. Blindengasse (VIII. Bez.), so genannt, weil sich in ihr das k. k. Blindeninstitut befindet. Diese Gasse führte bis 1862 den Namen Kaiserstraße zur Erinnerung an Kaiser Josef 11., welcher das Blindeninstitut gegründet hat. Blumauergasse (II. Bez.), eine neue Gasse, welche ihren Namen nach dein Dichter Alois Blumauer (geb. am 21. December 1755 zu Steyr, gest. am 16. März 1798 zu Wien) führt. Blümelgasse (VI. Bez.), eine neu erösfnete Gasse, benannt nach dein verstorbenen Industriellen Blümel, der im Bezirke eine Fabrik besaß. Blumengasse (XI. Bezirk, Simmering), seit 1894 Molitorgasse (s. d.). Blumeustockgasse (I Bez), benannt nach dem einst sehr beliebten Gasthause „zum alten Blumenstock", welches daselbst noch besteht. Blütengasse (XV. Bez.), seit 1894 Dingelstedtgasse benannt nach dem Dichter und Dramaturgen Franz Freiherrn von Dingelstedt (geb. am 30. Juni 1814 zu Halsdorf in Oberhessen, gest. am 15. Mai 1881 zu Wien), welcher von 1867 bis 1872 Director des Hofoperntheaters, von 1872 bis 1881 Director des Hos- burgtheaters in Wien war. Blutgaffe (I. Bez.), ein enges düsteres Gässchen, welches seinen Namen davon führt, weil hier der Sage nach zur Zeit der Aufhebung des Templerordens alle in Wien weilenden Mitglieder desselben 1312 erschlagen wurden, wobei das Blut stromweise in die Singerstraße hinabfloss. Es ist aber historisch gar nicht nachweisbar, dass die Templer in Wien einen Sitz gehabt hätten. 1367 heißt die Gasse urkundlich „Cher- gässlein". Blutgasse (XIX. Bez., Heiligenstadt), seit 1894 Nestelbachgasse nach dem Nestelbache, der dort überwölbt wurde. Bockgasse (III. Bez.), benannt nach einem Gasthausschilde. Bockgasse (XVIII. B., Währing) heißt seit 1894 Lazaristengasse. Bovrgasse (XII. Bez., Hetzendorf), benannt nach Luc. Joh. Boör (geb. am 20. April 1751, gest. am 19. Jänner 1835), berühmtem Arzt, 1780 Chirurgen in der Findelanstalt, dann Leibchirurgen des Kaisers Joses II. Boerhavegasse — Bräuhausgasse. 47 Bis 1894 hieß die Gasse Rudolssgasse zu Ehren des nunmehr verstorbenen Kronprinzen Erzherzog Rudols. Boerhavegasse (III. Bez.), eine neue Gasse, in der sich die eine Front des Rudolss-Spitals befindet, benannt zur Erinnerung an den berühmten Arzt und medicinischen Schriftsteller Boerhave (geb. zu Wien 1668, gest. daselbst 1738). Bognergasse (I. Bez.), sie hieß in den ältesten Zeiten „unter den Pheylschnizern", „8trntn. nreuum^, 1314 „xlntea nrontorum *, weil hier die Pfeil- und Bogenschnitzer, sowie die Armbrustmacher ihre Werkstätten und Niederlagen hatten. Der untere Theil der Bognergasse gegen die Tuchlauben hieß bis 1732 „am Peilerthor", weil bis zu dieser Zeit das Peiler-, Peyerer- oder Baierthor stand, welches erst Kaiser Karl VI. abtragen ließ. Bognergasse (XIII. Bez., Ober- St. Veit), seit 1894 Vitusgasse genannt nach dem heil. Vitus oder Veit, dem Schutzpatron der Pfarrkirche zu Ober- St. Veit. Bognergasse (XIII. Bez., Unter- St. Veit), seit 1894 Kremsergasse (s. d.). Böhmrnühlgasse (XIX. Bez, Ober-Döbling und Heiligenstadt), nach der dort bestandenen Böhmmühle benannt; bis 1894 hieß sie einfach Mühlgasse. Borschkegasse (IX. Bez.), Fortsetzung der Czermakgasse, zum Andenken an Or. Franz Borschke, gest. am 25. Sept. 1892 als erster Vice- Bürgermeister Wiens, dessen Familie in der Rossau seit lange ansässig ist. Börsegasse und Börseplatz (I. Bez.), beide neu entstanden und nach dem in den Jahren 1872 bis 1877 nach den Plänen der Architekten Theophil Hansen und Karl Tietz ausgeführten Börsengebäude daselbst benannt. Bowitfchgasse (XIII. Bez., Ober- St. Veit), benannt nach dem Dichter und Novellisten Ludwig Bowitsch (gest. 22. Sept. 1881 zu Ober-St- Veit). Brambillagasse (XI. Bezirk, Simmering), benannt zur Erinnerung an Alexander Ritter von Brambilla (geb. 1728 zu Pavia, gest. am 29. Juli 1800 zu Padua), welcher der Leibarzt des Kaisers Joses II. und der Gründer des Josephinums in Wien war. Bis 1894 hieß die Gasse Bachergasse. Brandmayergasse (V Bez) ist nach dem durch seinen Wohl- thätigkeitssinn bekannten Gemeinderathe Brandmayer benannt. Brandstätte (I. Bez.), einer der ältesten Plätze Wiens; der Name ist auf die großen Feuersbrünste des Jahres 1276 zurückzuführen, welche eine Brandstätte zurückließen, die bis zum Jahre 1560 unverbaut blieb. Branergasse (VI. Bez.), benannt nach dem verstorbenen Gemeinderathe und Hausbesitzer Brauer. Braugasse (XV. Bez.) heißt seit 1894 Staglgasse. Bränhausgasse, Obere und Untere (V. Bez.), nach dem daselbst vormals bestandenen Brauhause benannt. Brauhansgasse (XI. Bezirk, Kaiser-Ebersdors), seit 1894 Mailer- gasse zur Erinnerung an Josef Mailer, den Stifter des Armenhauses in Kaiser-Ebersdorf. Bränhausgasse (XI. Bezirk, Simmering), seit 1894 Dittmanngasse. Bränhausgasse (XIII. Bezirk, Hacking), s eit 1894 Stampsergass e (s. d.). Bränhausgasse (XIII. Bezirk, Hütteldorf), nach dem großen Bräuhause daselbst benannt, nach dessen 48 Bräuhausgasse — Breitenseerstraße. ehemaligem verstorbenen Besitzer Bergmüller sie seit 1894 Bergmüllergasse heißt. Bräuhausgafse (XIX. Bezirk, Grinzing), seit 1894 mit der Berggasse in Grinzing zu einer Gasse zusammengezogen und Cobenzlgasse (s. d.) benannt. Bräuhausgasse (XIX. Bezirk, Nussdorf), seit 1894 nach dem daselbst bestandenen Freihose Freihosgasse genannt. Brännerstraße (I. Bez.), bis in die Sechzigerjahre „Untere Bräuner- straße" genannt, wird in dem Schotten- stist - Grundbuche vom Jahre 1398 zuerst als Brigidenstraße angeführt, welcher Name mit einer wahrscheinlich aus der Babenbergerzeit herrührenden Kapelle der heil. Brigitta zusammenhängt. Die aus dem latein. Brigida im Volksmunde verdeutschte Form Breida würde den Namen Preyden- oder Preidenstraße aus dem lat. strata Lnnetae UriZläas erklären. Daraus entstand die Abkürzung Preinstraße und schließlich die Form Preinerstraße; in dem Grundbuche vom Jahre 1586 wird sie „Hintere Preunerstraße" genannt. Daneben hieß die Straße im Lause der Zeiten auch Rad- (so 1299), Rott- und Rothstraße und noch 1701 kommen die Benennungen Roth- oder Untere Bräunerstraße nebeneinander vor. Der Name steht also mit dem bekannten Grasengeschlechte v. Brenner in keinem Zusammenhänge. — Die ehemalige „Obere Bräunerstraße" heißt seit 1862 Habsburgergasse (s. d.). Braunhirschen, vormals ein selbständiges Dorf, welches am 1. De- cember 1863 mit den Ortschaften Reindorf und Rustendorf zu dem Vororte Rudolfsheim (s. d.) vereinigt wurde. Seinen Namen hatte es von einem im vorigen Jahrhunderte dort bestehenden Wirtshause „zum braunen Hirschen". Breitegasse (VII. Bezirk), bis 1862 nach der an der Ecke gegen die Mariahilserstraße befindlichen Gardekaserne „Gardegasse" genannt. Nach 1859 wurde eine Verbreiterung der Gardegasse vorgenommen, daher der jetzige Name, der freilich noch immer wenig passend ist, da diese Gasse im Gegentheil recht enge. Breitenfeld, bis 1850 eine Vorstadt Wiens, seitdem ein Theil des VIII. Bez. Josesstadt. Bis zum Beginne unseres Jahrhunderts lag zwischen der Hernalser und Lerchenfelder Linie ein dem Schottensliste gehöriges Getreidefeld, welches die „Alserbreite" genannt wurde. Dieses wurde 1801 von dem Schottenabte Benno Pointner zum Verbauen abgegeben. Dadurch entstand eine neue Vorstadt, welche von dem ehemaligen Felde aus der Alserbreite den Namen „Breitenseld" erhielt. Breitenfeldergasse (VIII. B.) heißt so zur Erinnerung an die ehemalige Vorstadt Breitenseld (s. d.). Bis 1862 hieß sie Karlsgasse nach dem ersten Grundrichter der Vorstadt Breitenseld, Karl Gaber, Inhaber eines Erziehungs-Institutes. Breitenfnrterstraße (V. B.), seit 1894 Rothkirchstraße (s. d.). Breitenfee, bis Ende 1891 eine selbständige Ortsgemeinde, seit 1892 in den XIII. Bez. Wiens einbezogen. Der Name kommt schon im 13. Jahrhundert urkundlich vor und dürfte von einem kleinen See stammen, der hier einst mitten im Walde lag. Noch 1828 gab es mitten im Orte einen tiefen Wassertümpel, der erst 1853 vollends verschwand. Breitenseerstraße (XIII. Bez., Breitensee), zur Wahrung des alten Breitenseerstraßc — Brigittenau. 49 Ortsnamens so benannt; bis 1894 hieß sie schlechtweg Hauptstraße. Breitenseersirasie (XIII. Bez., Penzing), seit 1894 Missindorfstraße (s. d.). Breitenseerstraße (XVI. Bez., Ottakring) heißt seit 1894 Enenkel- straße nach dem Wiener Dichter und Chronisten Johann Enenkel (um 1250), welcher das Fürstenbuch von Österreich und Steiermark verfasst hat. Brestelgaffe (XII. Bez., Unter- Meidling), benannt nach Rudolf Brestel (vgl. die folgende Gasse), seit 1894 Spittelbreitengasse nach einem benachbarten Riede. Brestelgaffe (XVI. Bez., Ottakring), benannt zu Ehren des österr. Staatsmannes vr. Rudolf Brestel (geb. am 16. Mai 1816 zu Wien, gest. daselbst am 3. März 1881), welcher im Bürger - Ministerium und im Ministerium Hasner 1868 bis 1871 Finanz-Minister war. Brigittabrücke, Brücke über den Donaucanal, 1871 an Stelle des alten Thurybrückels erbaut, verbindet den IX. Bezirk mit der ehemaligen, nach der Brigittakapelle benannten Brigittenau. Brigittagasse (II. Bez.). die vom Brigittaplatze (s. d.) auslaufende Gasse. Brigittaplatz (II. Bez.), der Platz, auf welchem die neue, der hl. Brigitta geweihte Kirche steht (vrgl. Brigittenau). Brigittenau, heute ein Theil des II. Bezirkes, welcher in einer Gegend sich befindet, die einst mit Auen (s. d.) bestanden war und ursprünglich als Besitzthum der Schottenmönche die „Schottenau" hieß. In der Folge wurde dieser Name wegen der vielen daselbst befindlichen Wölfe in „Wolfsau" verwandelt. Als 1615 die Umlauft. Namenbuch der Stadt Wie». Schweden unter Torstenson Wien bedrohten, rückte ihnen Kaiser Ferdinands III. Bruder Erzherzog Leopold Wilhelm in die Wolssau entgegen. Diese jedoch hatten sein Erscheinen gar nicht abgewartet, sondern waren auf der Straße nach Brünn fortgezogen, und nur etwa 200 Mann waren zurückgeblieben, welche die Wolfs- schanze besetzt hielten. Diese Schanze wurde von den kaiserlichen Truppen im Vereine mit Bürgern und Studenten erstürmt und die feindliche Besatzung gefangen genommen. Kaiser Ferdinand III. ließ sodann 1657 gegenüber der Wolssschanze eine Kapelle zu Ehren der hl. Brigitta erbauen, au deren Tage (8. October) die Schanze erstürmt worden war. — Eine andere Überlieferung berichtet, dass beim Angriffe der Schweden unter Torstenson 1645 gegen die große Donaubrücke Erzherzog Leopold Wilhelm die Verteidigung Wiens führte. Er lagerte in der Wolfsau und befand sich am Tage der hl. Brigitta eben in seinem Zelte, als eine schwedische Kanonenkugel hereinflog, aber ohne einechSchaden anzurichten vor ihm niederfiel. Zum ewigen Andenken daran ließ nun 1657 der Erzherzog hier eine Kapelle der hl. Brigitta in Form eines Zeltes bauen. Seit Errichtung der Brigittakapelle wurde die Wolfsau die Brigittenau genannt. Der später in der Brigittenau alljährlich am ersten Sonntage im Juli abgehaltenen Brigitta-Kirchtag, welcher aber mit der Gründung der Kapelle nicht im Zusammenhänge stand, war durch lange Zeit ein ungemein beliebtes Volksfest. Als in der Folge die Ansiedlungen rings um die Kapelle Zunahmen, verschwand auch dieses Volksfest um das I. 1840 und die Brigittenau bildete sodann eine eigene Gemeinde, welche 1850 mit 4 50 Brigittenauerlände — Burg. Wien vereinigt und zum II. Bezirke geschlagen wurde. An Stelle der alten Brigittakapelle wurde 1867 bis 1874 die große prächtige Brigittakirche erbaut. Brigittenauerlände (II. Bez.), ein Stück des linken Donaucanalufers vor der ehemaligen Brigittenau (s. d.). Brücke, Hohe (I. Bez.), s. Hohe Brücke. Brückengasse (VI. Bez.) führt zur Neville-Brücke und ist darnach benannt. Brückengasse (XIII. Bezirk, Hacking), seit 1894 Rußpekgasse (s. d.). Brudermanngasse (XIII. Bez., Hütteldors) heißt seit 1894 die ehemalige Halmgasse. Brnnnengasse (XIII. Bezirk, Ober-St. Veit), seit 1894 Sommerer- gasse (s. d.). Brnnnengalse (XVI. Bezirk, Ottakring), hieß bis 1894 zu Ehren unserer Kaiserin Elisabethgasse, gilt jetzt als Fortsetzung der Brunnengasse im XVI. Bez., Neulerchenseld. Brünnergasse (II. Bez.), eine im Entstehen begriffene Gasse der Donaustadt, benannt nach der Landeshauptstadt Mährens. Brunngasse (I.Bez.), gewöhnlich das Brunncngässchen genannt, gegenwärtig die engste Gasse Wiens; sie führt ihren Namen von dem dortigen alten Brunnen, der einer Überlieferung nach eines Tages sein Wasser verlor und aus dessen ausgetrockneter Tiefe sich zu gewissen Zeiten ein Plätschern und Prasseln hören ließ, welches angeblich nur von Tauben vernommen werden konnte. Seit 1894 heißt sie Fahnengasse zur Erinnerung an den Aufruhr, welcher am 13. April 1798 entstand, als der französische Gesandte General Bernadotte die dreifärbige französische Fahne vor seinem Palais hisste. Brnnngasse (XIII. Bez., Lainz), seit 1894 heißt sie Chrudnergasse nach Peter und Alexander Chrudner, welche Lainz 1411 als Lehen erhielten. Brnnngasse (XVIII. Bez., Pötz- leinsdorf), seit 1894 Geymüllergasse genannt nach dem Bankier Johann Jakob Freiherrn von Geymüller (1760 bis 1834), welcher in Pötzleinsdorf Herrschaftsbesitzer war. Brünnlbadgasse (IX Bez), benannt nach dem daselbst befindlichen „Brünnlbad" (vrgl. Brünnlgasse). Brünnlfeld (IX. Bez.), eine uralte, noch heute im Volksmunde sortlebende Localbezeichnung (vrgl. Brünnlgasse). Brünnlgasse (IX. Bez.); sie befindet sich in der Gegend des ehemaligen „Brünnlfeldes", welches wegen der seit uralter Zeit bekannten, hier zu Tage tretenden heilkräftigen Quellen oder Brunnen so benannt wurde. Diese Quellen wurden in einem großen Wasserbecken vereinigt und so entstand das Brünnlbad. Schon 1391 befand sich hier ein Bad, welches den Namen „Goldbrünnl" führte. Brünnlmühlgasse (IX Bez.), benannt nach der ehemaligen, vom Abflüsse des Brünnls gespeisten Brünnlmühle (vgl. Brünnlgasse). Buchfeldgasse (VIII. Bezirk), der Name erinnert an das „Buchfeld", wie die Gegend der nachmaligen Vorstadt Josefstadt (s. d.) in ältester Zeit hieß. Bnchgasse (XIV. Bez., Rudolfsheim), seit 1894 Nobilegasse nach dem Architekten Pietro de Nobile, von welchem der Entwurf zum Burgthor herrührt. Burg (I. Bez.) heißt im Wiener Volksmunde schlechthin die kaiserliche Hofburg; jene Bezeichnung ist auch aus den inneren und äußeren Burg- Bürgergasse — Birrgthor. 51 platz, den Burgring, das Burgtheater und das Burgthor übergegangen. Bürgergasse und Bürgerplatz (X. Bez.), neu angelegt, benannt zu Ehren des volksthümlichen Dichters Gottfried August Bürger (geb. am 31. December 1747 zu Molmerswende bei Halberstadt, gest. am 8. Juni 1794 zu Göttingen). Bürgerspitalgasse (VI. Bez ), so benannt, weil sie aus einem Terrain erbaut wurde, welches früher Grundeigenthum des Wiener Bürgerspitals war. Burggasse (VII. Bez.) führt ihren Namen deshalb, weil sie vor Erbauung der neuen Bellariastraße unmittelbar gegenüber der k. k. Hofburg auf das Glacis ausmündete. Sie führt diese Benennung aber erst seit den Dreißiger-Jahren in allen ibren Theilen. Burggasse (XVI. Bez., Neu- lerchenseld und Ottakring), seit 1894 Gablenzgasse zu Ehren des k. k. Feldzeugmeisters Ludwig Karl Wilhelm Freiherrn von Gablenz, geb. am 19. Juli 1814 zu Jena, gest. am 28. Jänner 1874 zu Zürich. Burghausengasse (XVII. Bez., Dornbach) hieß bis 1894 Feldgasse. Burgplatz (I. Bezirk); diesen Namen führen zwei Plätze im Bereiche der k. k. Hofburg, welche im Wiener Volksmunde immer nur schlechthin die Burg genannt wird. Der ältere innere Burgplatz wird von dem nordwestlichen Tracte des Schweizerhoses, dem Leopoldinischer: Tracte der Hofburg, der Reichskanzlei und dem Amalienhofe eingeschlossen. Er erhielt den Namen „innerer Burgplatz" 1817, zum Unterschiede von dem damals entstandenen äußeren Burgplatze oder Promenade- ^ platze; seit dem Jahre 1846, da aus ihm das von Pompeo Marchesi aus- gesührte Monument des Kaisers Franz I. aufgestellt wurde, heißt er officiell Franzensplatz. Der äußere Burgplatz liegt vor dem Leopoldinischer: Tracte und wird außer von diesem durch den k. k. Hosgarten (den sogenannten Kaisergarten), das l Burgthor und den Volksgarten begrenzt. Er heißt auch Heldenplatz, weil auf demselben die Standbilder der heldenhaften Heeresführer Österreichs, des Erzherzogs Karl und des Prinzen Eugen, aufgestellt sind. Burgring (I. Bez.), ein Stück der sogenannten Ringstraße, welches vor der kaiserlichen Hofburg sich befindet (s. Burg und Burgplatz). Burgtheater (I. Bezirk) ist die volkstümliche Abkürzung für „k. k. Hofburgtheater"; dasselbe wurde 1742 > in dem alten Ballharrse auf dem Michaelerplatze eröffnet, erhielt 1756 die Gestalt, welche noch in der Wiener Angedenken steht, und wurde 1888 geschlossen und darauf abgetragen, da in dem genannten Jahre die Hofbühne in den neuen Prachtbau aus dem Franzensringe übersiedelte. Dieses k. k. Hofschauspielhaus führt in Erinnerung an das alte Theater ebenfalls den Namen k. k. Hosburgtheater, obwohl es mit dem Burggebäude in gar keinem Zusammenhänge steht. Burgthor (I. Bez.). Von den ehemaligen Stadtthoren Wiens (vgl. „Basteien") sind bei der Stadterweiterung der Sechziger-Jahre nur zwei architektonisch bedeutendere erhalten geblieben: das Burgthor und das Franz Josefsthor. Ersteres wurde nach dem Entwürfe des Hofbaurathes Pietro de Nobile in den Jahren 1821 bis 1824 erbaut. 4 * 52 Calvarienberggasse — Ccltesgasse. C Calvarienberggasse (XVIII ! Bez., Hernals), so genannt, weil sie zu dem Hernalser Calvarienberge führt, welcher 1714 ausgebaut wurde; bis 1894 hieß sie Kirchengasse. Carnesinagasse (I. Bez.), eine neue Gasse, benannt zu Ehren des Alterthumssorschers Albert Camesina Ritter v. San Vittore (geb. 1806 zu Wien, gest. 16. Juni 1881), welcher durch seine Studien und Untersuchungen die alte Geschichte Wiens aufhellte. Canal, Am (III. Bez.), neue Gasse, die am Donaucanal (s. d.) entlang zieht und darnach benannt ist. Canal, Am (III. Bez.), jetzt Aspangstraße (s. d.). Canalettogasse (XII Bezirk, Unter-Meidling), benannt nach dem Maler Canaletto (1724 bis 1780). Bis 1894 hieß sie Walthergasse. Canalgasse (VI. Bez.) ist nach dem Ableitungscanale benannt, welcher von dem höheren Theile des Bezirkes Mariahils durch die Gasse zur Wien hinabsührt. Canalgasse (XI. Bez., Simmering) heißt seit 1894 Lorystraße; sie führt am Wiener-Neustädter Canal, der aber in diesem Theile nun ausgelassen ist. Canongasse (X. Bez., vormals Jnzersdorf) gilt seit 1894 als Fortsetzung der Columbusgasse (s. d.) und führt nun den gleichen Namen. Canongasse (XVIII. Bezirk, Währing), bis 1894 Goldschmiedgasse, benannt zu Ehren des Historien-, Genre- und Porträtmalers Hans von Canon, eigentlich Straschiripka (geb. am 13. März 1829 zu Wien, gest. daselbst am 12. September 1885). Canovagasse (I. Bez.), eine neue Gasse, benannt zur Erinnerung an den berühmten Bildhauer Antonio Canova (geb. am 1. November 1757 zu Possaguo bei Treviso, gest. am 13. October 1822 zu Venedig), von dem auch Wien Meisterwerke (das Christinendenkmal in der Augustinerkirche und die Gruppe des Theseus als Besiegers der Centauren im k. k. kunsthistorischen Hosmuseum) besitzt. Capistrankanzel, die steinerne Kanzel an der Außenseite des Stephansdomes, gegenüber dem Zwettelhose, wahrscheinlich 1430 erbaut, wo der berühmte Minorit Johann Capistran während seines Aufenthaltes in Wien 1151 fast täglich predigte, um einen Kreuzzug gegen die Türken anzuregen. Carl Lrrdwigftraße (XVIII. Bez., Währing und XIX. Bez., Döbling), s. Karl Ludwigstraße. Castellezgasse (II. Bez.) führt entlang der Ostseite des k. k. Augartens; dieser Name bezieht sich ver- muthlich aus das Schlösschen, welches Kaiser Ferdinand III. 1649 bis 1650 in der damals noch dicht bewaldeten Wolssau (vgl. Brigittenau) erbaute. Der französische Name dieses Schlösschens, Chastelet, Chätelet (vom mittellateinischen Castelletnm) dürfte im Volksmunde in Castellez umgesormt worden sein. Castelligasse (V. Bez.), eine neue Gasse, benannt zu Ehren des volkstümlichen Dichters Ignaz Friedrich Castelli (geb. 6. März 1781 zu Wien, gest. daselbst 5. Februar 1862). Celtesgaffe (XVIII. Bezirk, Salmannsdors), bis 1894 Berggasse, nunmehr benannt nach dem Dichter und Humanisten Konrad Celtes oder Celtis (eigentlch Pickel, geb. am 1. Februar 1459 zu Wipfeld bei Würzburg, gest. am 4. Februar 1508 Centralfriedhof — Cobenzlgasfe. 53 in Wien). Er ließ sich 1497 in Wien nieder, wo er die ersten theatralischen Vorstellungen bei Hofe veranstaltete und als Professor der Geschichte und Poetik an der Universität und kaiserlicher Bibliothekar wirkte. Centralfriedhof (XI. Bezirk, zwischen Simmering und Kaiser-Ebers- dorf), als Gesammtfriedhof für ganz Wien von der Stadtgemeinde angelegt, als die allgemeinen Friedhöfe vor der Set. Marxer-, Hundsthurmer-, Matzleinsdorser-, Währinger- und Lerchenfelder-Linie (auf der Schmelz) keinen Belegraum mehr hatten, und am 1. November 1874 eröffnet. ChimanistraHe (XIX. Bezirk, Ober-Döbling), bis 1894 Marienstraße, jetzt nach dem Jugendschriftsteller Leopold Chimani (1774 bis 1844) in Wien benannt, welcher in dieser Gasse ein Haus besaß. Christinengaffe (I. Bez.), eine neue Gasse, benannt zur Erinnerung an Erzherzogin Maria Christine, Tochter der Kaiserin Maria Theresia und Gemahlin des Prinzen Albert von Sachsen-Teschen, welcher derselben nach ihrem Tode das herrliche Grabdenkmal in der Wiener Augustinerkirche durch Canova errichten ließ. Christofgasse (V. Bezirk) hat ihren Namen nach einem Hausschilde zum hl. Christof. Chrudnergasse (XIII. Bezirk, Lainz), nach Peter und Alexander Chrudner benannt, welche Lainz 1411 als Lehen erhielten; bis 1894 hieß sie Brunngasse. Chnrhausgasfe (I. Bez.) hat ihren Namen von dem daselbst befindlichen, mit der Hauptfronte aber dem Stephansplatze zugekehrten, 1740 erbauten Churpriester-, Curaten- oder Curhaus, einem geistlichen Alumnate. 1563 wird sie urkundlich ohne besondere Benennung als „auf dem Stesfans- freithof" bezeichnet. Chwallagasse (VI. Bez.), eine neue Gasse, benannt nach dein verstorbenen Fabrikanten Chwalla. Cirensgasse (II. Bez.), sie bildete früher einen Theil der großen Fuhrmannsgasse und führt heute ihren Namen von dem daselbst befindlichen Circus, einem Kunstreitergebäude, welches Ernst Renz 1854 erbauen ließ. Clemens Hoffbauerplatz (XVII. Bez-, Hernals), bis 1894 Parhamerplatz, nunmehr benannt nach Clemens Maria Hoffbauer (geb. am 26. December 1751 zu Taßwitz in Mähren, gest. am 15. März 1820 zu Wien), dem Stifter der Redemptoristen in Österreich. Clrrfiusgasfe (IX. Bezirk), benannt zur Erinnerung an Charles de l'Ecluse aus Arras, gen. Clusius, den berühmtesten Botaniker seiner Zeit, welcher von 1573 bis 1588 das Haus Nr. 780 (neu Nr. 21) in der Wollzeile bewohnte. Er starb 1609. Cobdengasse (I. Bez.), eine neue Gasse, benannt zu Ehren des „Apostels des Freihandels" Richard Cobden (geb. am 3. Juni 1804 zu Dunford in England, gest. am 2. April 1865 in London). Cobenzlberg oder Kobenzlberg, ehemals Reisenberg genannt, erhielt seinen Namen von Philipp Grasen von Cobenzl (geb. zu Laibach am 28. Mai 1741, gest. in Wien am 30. August 1810), der ihn als Eigenthum an sich brachte und ihm seine gegenwärtige Gestalt gab. Cobenzlgasfe (XIX. Bez., Grinzing), 1894 mit der Berggasse und der Bräuhausgasse zusammengezogen und so benannt, weil sie zum Schlosse aus dem Cobenzlberge (s. d.) führt. 54 Coburgbastei — Custozzagasse. Coburgbastei (I. Bez.) heißt die Gasse an derjenigen Stelle der alten Stadtmauern, welche nach dem 184l bis 1842 vollendeten Coburg-Palais benannt wurde. Letzteres befindet sich aus dem Grunde mehrerer kleiner Soldatenhäuschen, welche im Volksmunde vormals das Kroatendörsel hießen, weil hier zur Marktzeit kroatische (wohl slovakische) Bauern ihre Hühner und Eier verkauften. Colloredogasse (XIX. Bezirk, Ober-Döbling), bis 1894 zu Ehren der Kronprinzessin-Witwe Stephanie Stephaniegasse, nunmehr nach dem Staatsmanne Ferdinand Grasen Col- loredo von Mannsfeld (1777 bis 1848) benannt. Colurnbusgasse und Colrrm- busplatz (X. Bez.), beide benannt zu Ehren des Entdeckers von Amerika, Christoph Columbus. Conieniusgasse (XVII. Bezirk, Hernals), benannt nach dein berühmten Pädagogen Johann Amos Comenius (geb. am 28. oder 29. März 1592 zu Niwnitz bei Komne in Mähren, gest. am 15. November 1671), dem Verfasser des „Orbis pietus". Coueordiaplatz (I. Bez.), ein neuer Platz, benannt nach dem Wiener Schriftstcllervereine .,Concordia", welcher in der nahen Werderthorgasse seinen Sitz hat. Constantiuhügel im Prater, ein 1873 künstlich aufgeschütteter Hügel, welcher zu Ehren des Obersthofmeisters des Kaisers, Constantin Fürsten zu Hohenlohe-Schillingsfürst, benannt ist. Controlorganginder k. k. Hofburg heißt der im Halbgeschosse des Leopoldinischer: Tractes befindliche lange Gang, in dem sich das schon zu Leopold I. Zeiten bestandene Hos- controloramt für die Privatverpflegung des kaiserlichen Hofes befand und welcher dadurch besonders berühmt wurde, dass hier Kaiser Josef II. öffentliche Audienz zu ertheilcn Pflegte. Corneliusgasse (VI. Bez.), eine neuere Gasse, benannt zu Ehren des berühmten Historienmalers Peter Ritter von Cornelius (geb. am 23. September 1783 in Düsseldorf, gest. am 6- März 1867 zu Berlin). Cottagegasse (XVIII. und XIX. Bz.), eine der Hauptstraßen des Cottage- Viertels (s. dO und darnack benannt. Cottage-Viertel (XVIII. und XIX. Bez.); das englische Wort Cottage heißt eigentlich Hütte oderLandhäut chen, unter Cvttagesystem versteht inan aber die in England angeregte und auch auf dem Continente nachgeahmte Einrichtung zur Erwerbung von eigenen Wohngebäuden durch den Mittelstand. Diesem angehörige Leute vereinigen sich zum Ankauf von Bauplätzen und zur Errichtung kleinerHäuser (Familienwohnungen mit anstoßendem Garten) dergestalt, dass nach Ablauf gewisser Fristen jeder Teilnehmer einfach durch Zahlung des allerdings erhöhten Mietzinses Eigenthümer eines solchen Familienhauses wird. Aus diese Weise ist auch das Wiener Cottage-Viertel entstanden, zu dem vr. Eduard Kral die Anregung gab; am 26. März 1873 geschah der erste Spatenstich. Cumberlandstraße (XIII. B, Penzing), seit 1894 aus der Bahngasse und Feldgasse zusammcngezogen und benannt nach dem königlich Hannoverschen Regentenhause, das seit 1866 seine Residenz in Penzing ausgeschlagen hat und dessen Haupt jetzt der Herzog von Cnmberland ist. Currentgasse s. Kurrentgasse. Custozzagasse (III. Bez.), eine neue Gasse, benannt nach dem Dorfe Custozza in der italienischen Provinz Verona, wo die Österreicher unter C;apkagassc — Dämpfingerhof. 55 Feldmarschall Radetzky am 25. Juli 1848 über die Piemontesen unter König Karl Albert, und ein zweites- mal am 24. Juni 1866 unter Erzherzog Albrecht über die Italiener unter La Marmora siegten. Czapkagasse (III. Bez.), eine neue Gasse, benannt zur Erinnerung an Ignaz Czapka Ritter von Winstetten (geb. 1792, gest. 5. Juni 1881), welcher von 1838 bis 1848 Bürgermeister von Wien war. Czartoryskigasse (XVIII. Bez., Gersthof), bis 1894 Mandlgasse, jetzt benannt nach dem daselbst befindlichen Besitze des Fürsten Czartoryski. Czermakgasse (IX. Bez.), jetzt Borschkegasse (s. d.). Czermakgasse (XVIII. Bez., Dadlergasse (XIV. Bez., Ru- dolssheim) ist benannt nach dem Tuch- sabrikanten und Pottasche-Erzeuger Franz Wenzel Tadler oder Dadler, welcher 1799 bis 1801 ausgedehnte Gründe in Braunhirschen erwarb und sie zu dem Gute Braunhirschengrund vereinigte. Daffingergasse (II. Bez.), benannt zur Erinnerung an den Maler Moriz Michael Daffinger (geb. zu Wien am 25. Jänner 1790, gest. daselbst am 22. August 1849), welcher seinerzeit der beliebteste Porträtmaler in Wien war. Damböckgasse (VI. Bezirk), eine neueröffnete Gasse, benannt zur Erinnerung an Ludwig Damböck (gest. am 19. Jänner 1886), welcher die Erzeugung von Spitzen „mit regelmäßigem Fabriksbetrieb in Österreich einsührte. Dammhaufen (II. Bez., Prater), ursprünglich eine von der Donau ausWähring), benannt nach vr. Julius Czermak (geb. 2. Juni 1798 in Prag, gest. um 1850), Professor der Physiologie und Anatomie an der Wiener Universität. Czerniugasse und Czernin platz (II. Bez.) befinden sich aus dem Grunde des ehemaligen Gartens des Grafen Czernin, von dem 1783 ein Theil zur damaligen Allee gegen die Franzensbrücke zu verwendet, das Übrige aber 1813 parcelliert wurde, wobei Czerniugasse und Czerninplatz entstanden. Doch hieß die Czerningasse nach dem daselbst 1805 errichteten Fruchtmagazin anfangs „Fruchtgasse". Die Grafen Czernin hatten schon 1683 ausgebreitete Besitzungen in der Leopoldstadt. geschüttete, hohe Sandbank, wofür der Volksmund den Ausdruck „Hausen" gebraucht. Dammstrafie (II. Bez.) ist benannt nach einem Damme, der hier früher zum Schutze gegen das Hochwasser der Donau aufgeführt war. Dammstrafie (XII. Bez., Unter- Meidling), seit 1894 Eichenstraße; hier standen nämlich einst zwei Eichen mit sogenannten „Marterln", Gedächtnisbildern an Unglückssälle. Dampfbadgasse (XVI. Bezirk, Ottakring), seit 1894 so benannt nach dem in der Gasse befindlichen „Katharinenbad" ; früher wurde sie nach dessen verstorbenem Eigenthümer Schuberth- gasse geheißen. Dampfgasse (X. Bezirk) führt ihren Namen nach den daselbst befindlichen, mit Dampfmaschinen arbeitenden Fabriken. Dämpfingerhof (I. Bezirk) oder 56 Dampfmühlgasse — Denglergasse. Dempfinger-, auch Pempfingerhof; an seiner Stelle steht jetzt die in den Jahren 1825 und 1826 erbaute Synagoge in der Seitenstettengasse. Dampfmnhlgasse (XI. Bezirk, Simmering), bis 1894 Mühlgasse, benannt nach der daselbst befindlichen großen Dampsmühle. Dampfschiffstrasre (III. Bez.), die Strecke der rechten Userlände am Donaucanal vom Gebäude der Donau- Dampss chiffahrts-Ges ells ch ast (w ornach sie benannt ist) bis zur Franzenöbrücke. In alter Zeit hieß diese Gegend das Armensündergässchen, weil die Ver- urtheilten durch dasselbe zur Richtstätte auf der „Günseweide" (1421: ganswaitt) in Erdberg geführt wurden. Dannhausergasse (IV. Bezirk), früher Mariengasse, seit 1842 nach dem damals daselbst wohnhaften Fabrikanten Dannhauser benannt. Der Name hängt also nicht mit dem des Wiener Malers Josef Danhauser (geb. 1805 zu Wien, gest. daselbst 1845) zusammen. Daringergasse (XIX. Bezirk, Unter-Sievering), bis 1894 Grin- zingerstraße, nunmehr nach dein Er- richter der Pestsäule in Sievering, Daringer, benannt. Darwarhof (I. Bez.), eines der ältesten Häuser der Stadt, das ursprünglich Zapfenhaus hieß, um 1547 „zum gülden Lampl", seit 1633 der Zwölferhos als Eigenthum undWohnsitz des geschätzten Arztes vr. Johann Zwölfer. Im Jahre 1795 gieng das Haus in den Besitz des griechischen Handelsmannes Johann Darvar über und nach dessen Tode 1817 an Marcus Darvar, der dasselbe 1818 renovieren ließ. Der Name „Darwarhof" ist geblieben, obwohl der gegenwärtige Eigen- thümer der Graf von Spangen ist. Darwingasse (II. Bezirk), eine neue Gasse, benannt zu Ehren des berühmten englischen Naturforschers Charles Robert Darwin (geb. am 12. Februar 1809 zu Shrewsbury, gest. am 19. April 1882 zu Down in Kent). Danngafse (VIII. Bez.), benannt zu Ehren des berühmten österreichischen Feldherrn Leopold Joses Maria Reichsgrasen von Daun, welcher am 25. September 1705 zu Wien geboren war und am 5. Februar 1766 starb. Er besiegte Friedrich den Großen in den Schlachten bei Kolin und Hoch- kirch, nahm Dresden ein und zwang den preußischen General Fink, bei Maxen sich mit 11.000 Mann zu ergeben. Seit 1762 war er Präsident des Hofkriegsrathes und machte sich um die Reorganisation des österreichischen Heerwesens verdient. Davidgasse (X. Bez., Jnzers- dorf), früher Rittingergasse, seit 1894 mit der Davidgasse im X. Bezirk als ein Straßenzug vereint. Dednegajse (XIII. Bez., Hüttel- dorf) führt' ihren Namen, weil sich in ihr die Villa Dehne's mit großem Parke befindet. Deinhardsteingasse (XVI Bez, Ottakring), bis 1894 Rittergasse, nunmehr benannt nach dem deutsch-österreichischen Bühnendichter Ludwig Franz Deinhardstein (geb. am 21. Juni 1794 zu Wien, gest. daselb st am 12. Juli 1859). Er war seit 1827 Lehrer der Ästhetik am Wiener Theresianum, seit 1832 Vice-Director des Hofburgtheaters. Dempschergasse (XVIII. Bez., Währing), bis 1894 Andreasgasse, nunmehr benannt nach dem verstorbenen Pfarrer Johann Dempscher in Währing. Denglergasse (XIV. Bez., Ru- dolssheim), bis 1894 Sigmundsgasse, jetzt nach dem Braumeister Johann Dengler, Eigentümer eines Brau- Denisgasse Dittesgasse. 57 Hauses und einer Bierhalle in Rudolfs- Heim, benannt. Denisgasse (II. Bez.), eine neue Gasse, benannt nach dem österreichischen Dichter Johann Michael Cosinus Denis (geb. am 27. September 1729 zu Schärding, gest. am 29. September 1800 zu Wien.) Er war von 1759 bis 1784 Professor der schönen Wissenschaften am Theresianum, dann Custos an der Hosbibliothek in Wien. Deutsches Haus (I. Bez., Singerstraße), so genannt als Besitz des Deutschen Ritterordens, welcher schon um das Jahr 1200 nach Österreich kam und dem Herzog Leopold der Glorreiche 1210 für seine österreichische Commende ein gastliches Haus und eine der hl. Maria geweihte Kapelle widmete. Seine heutige Gestalt erhielt der Bau erst in den Jahren 1730 und 1785. Deutschmeisterplatz (I Bez ), ein neuer Platz vor der Rudolsskaserne, benannt nach dem Hoch- und Deutschmeister, dem Großmeister des Deutschen Ritterordens (gegenwärtig Erzherzog Eugen), welcher auch Eigenthümer des Infanterie-Regiments Nr.4 „Hoch- und Deutschmeister" ist. Ergänzungsbezirk dieses Regiments ist Wien; die Soldaten desselben heißen im Wiener Volksmunde die „Edelknaben". Dentscbordensgafse (XIII. Bez., Hacking) heißt seit 1894 die ehemalige Bahngasse. Diabelligasse (XIII. Bez., Ober- St. Veit), bis 1894 Plankengasse, jetzt nach dem Musikverleger und Componisten in Wien Antonio Diabelli (1781 bis 1858) benannt. Diefeubachgasse (XII. Bez), benannt nach dem Sechshauser Ge- meinderathe und Director der dortigen Sparcassa, Diefenbach. Bis 1894 waren es die beiden Plankengassen in Gaudenzdors und Sechshaus. Diefenbachgasse (XIV. Bez., Sechshaus), bis 1894 Plankengasse, nunmehr mit der Plankengasse (XII. Bez., Gaudenzdors) unter dem Namen Diefenbachgasse (s. die vorige Gasse) zu einer Gasse vereinigt. Diesterweggasse (XIII. Bez., Penzing), bis 1894 Schulgasse, nunmehr nach dem berühmten Pädagogen Friedrich Adolf Wilhelm Diesterweg (geb. am 29. October 1790 zu Siegen, gest. am 7. Juli 1866 zu Berlin) benannt. Dietrichgasse (III. Bez.), eine alte Gasse, die früher Gärtnergasse hieß. Dietrichsteingasse (IX. Bez ), zur Erinnerung an den Fürsten Dietrichstein benannt, dessen ehemaliges Palais und Garten sich in der Nähe befinden. Dingelstedtgasse (XV. Bez.), bis 1894 Blütengasse, nunmehr benannt nach dem Dichter Franz Freiherrn von Dingelstedt (geb. am 30. Juni 1814 zu Halsdorf in Oberhessen, gest. am 15. Mai 1881 zu Wien), Dramaturgen und von 1867 bis 1872 Director des Hofoperntheaters, 1872 bis 1881 Director des Hosburgtheaters. Dißlergasse (III. Bez.) führt ihren Namen nach dem Gärtner Johann Dißler und seiner Gattin Magdalena, welche den Grund zu der 1673 erbauten und im Jahre 1690 erweiterten Kirche der hl. Margaretha unter den Weißgärbern schenkten. Dittesgasse (XVIll.Bez., Währing), mit der Dittesgasse (XIX. Bez., Ober-Döbling, s. d.) ein Straßenzug. Dittesgasse (XIX. Bez., Ober- Döbling), benannt nach dem namhaften Schulmanne Dr. Friedrich Dittes (geb. am 23. September 1829 zu Jrfersgrün im sächsischen Voigtland), welcher von 1868 bis 1881 Director 58 Dittmanngasse — Dommayergassc. des städtischen Lehrerpädagogiums in Wien war. Dittmanngasse (XI. Bezirk, Simmering) heißt seit 1894 die vormalige Bräuhausgasse. Doblhoffgasse (I. Bez.), eine neue Gasse, benannt zur Erinnerung an Anton Freiherrn von Doblhofs- Dier (geb. zu Wien am 10. November 1800, gest. daselbst am 16. April 1872), welcher sich als Abgeordneter Wiens sowie als Handelsminister und später als Minister des Innern 1848 in patriotischer Weise verdient machte. Seit 1849 leistete er Österreich diplomatische Dienste. Döblergasse (VII. Bez.), benannt nach dem Escamoteur Ludwig Döbler, welcher in dieser Gasse (1801) geboren worden und sich in den Dreißiger- nnd Vierzigerjahren eines großen Rufes erfreute. Er starb am 17. oder 18. April 1864 zu Gstettenhof bei Türnitz in Nieder-Österreich. Döbling, Ober- und Unter-, bis Ende 1891 zwei selbständige Orts- gemeinden, seit 1892 in den XIX. Bez. Wiens einbezogen. Sie gehören zu den ältesten Orten des Landes Nieder- Österreich; der Name, in der ältesten Urkunde um 1130 Topilic (verschrieben Teopilic), dann Topiliche, Topoliche, später Toblich, Tödlich, kann deutsch roder slavisch erklärt werden. Entweder von Dobel, Tobel (ahd. tubil, mhd. tobel — Waldschlucht, tiesgefurchte, enge Bachrinne, Graben), da der Ört an dem tiefeingerissenen Krottenbache liegt, oder von slav. topl — warm, nach einer daselbst gefundenen warmen Quelle. Döblingergasse (XIX. Bez., Heiligenstadt), seit 1894 Elmargasse nach dem Wiener dramatischen Schriftsteller Karl Elmar (1815 bis 1888) benannt. Döblinger Hauptstraße (XIX. Bez., Ober-Döbling), hieß bis 1894 einfach Hauptstraße und ist jetzt zur Wahrung des Ortsnamens Döbling benannt. Döblingerstraße (XVIII. Bez., Währing), seit 1894 Semperstraße (s. d.) Dollinergasse (XIX. Bezirk, Unter-Döbling), bis 1894 Ferdinandsgasse, nunmehr nach dem Wiener Thomas Dolliner (1760 bis 1839), Rechtsgelchrten und Hosrath, genannt. Domgasse (I. Bez.), sie hieß bis in die Sechzigerjahre „Kleine Schuler- straße" (s. Schulerstraße) und erhielt dann wegen des nahen Stephansdomes und des in ihr befindlichen Dom- herrenhoses (s. d.) den Namen Domgasse. Im Jahre 1563 wird sie „Am Anger" genannt (vgl. „Grünanger- gasse"). Domherren y os oder Chorherren- Hof (I. Bez., Stephansplatz) ist Besitz des Domcapitels zu Set. Stephan; er bestand bis zum Jahre 1845 aus zwei gesonderten Häusern, dem „alten Domherrenhofe" und dem „Fipelhof", welchen der Wiener Bürger Niklas Füchsel oder Fichsel dem Capitel von Set. Stephan 1450 testamentarisch vermacht hatte. Dominikanerbastei (I. Bez ), eine Gasse auf dem letzten Reste veralten Dominikaner- oder Predigerbastei (vgl. Basteien und Predigergasse). Dominikanergasse (VI Bez ), benannt nach einer der vier Mühlen, welche ein durch Gumpendors abgeleiteter Arm der Wien trieb und die den Dominikanern gehörte; dieselbe brannte in der Nacht vom 29. auf den 30. November 1777 ab. Dommayergasse (XIII. Bez., Hietzing), bis 1894 Badhausgasse, jetzt benannt zur Erinnerung an das Dompropsthof — Donau. 59 Vergnügungs - Etablissement „Dommayers Casino" in Hietzing, begründet von Ferdinand Dommayer (1800 bis 1858). Dompropsthof (I. Bez., Singerstraße 22), das Haus wurde bei Errichtung der Dompropstei zu Set. Stephan für den Propst angetanst und neu erbaut. Donau, der Strom, an dessen rechtem User die Stadt Wien gelegen, hieß bei den alten Griechen Jstros, in der lat. Form Jster. Die Griechen haben diesen Namen auf den ganzen Strom übertragen und brauchen ihn fast ausschließlich, obwohl ihre späteren Schriftsteller den den Römern vom Oberlauf bekannter gewordenen kelt. Namen Danuvius, auch kennen; sie hatten den Namen Jstros vom Pontus her durch thrakische Völker kennen gelernt und bezeichnen ihn ausdrücklich als den ortsüblichen vom Austritte aus dem Gebirge an, d. h. soweit thrakische Völker an seinen Usern wohnten. Daher folgt daraus noch nicht thrakischer Ursprung des Namens, der schon den älteren illyrischen Anwohnern (nach dem illyr. Volksstamme der Jstrier zu schließen) angehört haben kann. Er wird nicht ohne Wahrscheinlichkeit auf die allgemein arische Wurzel sru „strömen" zurückgeführt. (H. Kiepert, Lehrbuch der alten Geographie, S. 332.) Danubius oder Danuvius ist die latinisierte Form des wahrscheinlich slavischen Namens, der von „don" abgeleitet ist und in Zusammensetzungen zu dan wird. Die slav. Wurzel don, Wasser, Fluss kommt in vielen anderen Flussnamen vor, so: Don, Donez, Dunajec, Duna, Dwina, Dnjepr, Dnjestr. Im Nibelungenliede heißt die Donau Tuonowe, d. i. Fluss Tuon; zu dem Stamme don ist deutsches awa, owa, owe, Fluss, getreten. Sonderbarer Weis e verneuhochdeutschte Seb. Münster diese Form mit „Tannenfluss". Im 16. und 17. Jahrhundert kommen die Formen Dunaw, Tanaw, Donaw vor. — A. Bacmeister (Alemannische Wanderungen, I., S. 113 f.) erklärt Danubius, Danuvius aus dem keltischirischen däna, gälisch dan (— dan), kühn, tapfer, und uvius, häufige keltische Ableitungssilbe, so dass der Name ursprünglich wohl der Schnelle, Starke bedeutet. Den Germanen wurde aus dem fremden Klang eine deutsch tönende Tuonawa, Tuonawe, Tonaw, weiblich, weil die awa, aue, Wasser, Fluss, weiblich ist. Die Verdunkelung von a in o ist wie in Argwohn aus arcwan eingetreten. Zugleich war ton, dön Anklang an das Wort „ton", tuon aber an „thun", ahd. tuon. - A. Ficker (Das Keltenthum und die Localnamen keltischen Ursprungs im Lande o. d. Enns, Seite 122) erklärt Donau als homonym mit Jster und leitet ersteren Namen vom keltischen dan — Fluss. Nach anderen gäbe sich die Donau schon durch den Namen als ein aus zwei Gewässern (Donau und Inn) zusammengewachsener Strom kund, von dau, kymrisch dair — zwei, und kymrisch nov — Fluss, welche Erklärung aber wenig Beifall gesunden hat. — Jedessalls ist bis heute noch nicht entschieden, ob der Name Donau rein keltischen oder rein slavischen Ursprungs ist. Zu Gunsten des ersteren spricht die Thatsache, dass es auch einen französischen Fluss gleichen Namens, le Danube, Zufluss der Vezouse im Departement Meurthe, gibt. (I. I. Egli, I^omina AOOAraxlliea., II. Ausl. S. 257.) — Bei den Czechen heißt unser Strom Dunaj und Dunawa, bei den Polen Dunaj, bei den Magyaren Duna. 60 Donaucanal Drachengasse. Donaueanal, ein natürlicher Arm des Donaustromes, welcher den H. Bezirk von den übrigen Stadt- theilen trennt; derselbe wurde 1598 künstlich erweitert, seither heißt er Donaucanal. Do nau eanallande (XI. Bez., Kaiser-Ebersdorf) heißt seit 1894 Simmeringerlände. Donaugasse (XIX. Bez., Ober- Döbling), seit 1894Pokornygasse (s.d.). Donaustadt (II. Bez.), der im Entstehen begriffene Stadttheil unmittelbar am rechten User des Donauhauptstromes und darnach benannt. Donauftrahe, Obere und Untere (II. Bez.), die Straßen am linken Donauuser entlang, erstere von der Augartenbrücke bis zur Ferdinandsbrücke, letztere von da bis zur Franzensbrücke, beide mit einfachen Häuserzeilen. Die Obere Donaustraße hieß noch zu Ende des 16. Jahrhunderts der „Obere Fall", die Untere der „Untere Fall". Donauftraße (XIX. Bez., Nussdorf), seit 1894 Sickenberggasse (s. d.). Donnergasse (I. Bez.), benannt zu Ehren des berühmten Bildhauers Georg Rafael Donner (geb. am 26. September 1693 zu Essling in Nieder- Österreich, gest. am 15. Februar 1741 zu Wien); sein Hauptwerk, der schöne Brunnen mit den Figuren der.Vorsicht und der vier Hauptflüsse Österreichs, steht aus dem Neuen Markte, zu welchem die Donnergasse von der Kärntnerstraße aus führt. DörfelskraHe (XII. Bez., Unter- Meidling); „Dörsel" war die frühere volksthümliche Bezeichnung von Wilhelmsdorf, welches jetzt einen Theil des XII. Bezirkes bildet. Bis 1894 hieß die Gasse „Bahnstraße", weil sie direct zum Meidlinger Bahnhose der Südbahn führt. Dorfgasse (XI. Bezirk, Kaiser- Ebersdors), seit 1894 Schn-idgunst- gasse (s. d.). Dornbach, selbständige Ortsgemeinde, von der seit Ende 1891 ein Theil zum XVII. Bez. Wiens gehört; der Ort hieß im Mittelalter Doringin- bach, was auf einen Personennamen Döring hinweist. Dornbacher^raße (XIII. Bez., Hütteldors), seit 1894Hüttelbergstraße, weil sie am Abhange des Hüttelberges gelegen ist. Dorrrbachersiiraße (XVI Bez., Ottakring), seit 1894 nach der benachbarten „Sandleiten", einer sandigen Lehne, Sandleitengasse benannt. Dorrrbacherftraße (XVII. Bez., Dornbach) heißt seit 1894 die ehemalige Hauptstraße (von der Spitalswäscherei bis zur Villa Demel) zur Wahrung des Ortsnamens Dornbach. Dorotheergasse (I. Bez.); sie hieß seit den ältesten Zeiten Verber- straße (d. i. Färberstraße), weil hier die Färber ihren Sitz hatten; urkundlich belegt ist dieser Name für 1314 und noch 1547, um welche Zeit daneben auch der Name Laderstraße vorkommt. Letzterer erscheint zuerst 1342 und bezieht sich aus den Theil der Gasse gegen die Augustiner. Der heutige Name Dorotheergasse erklärt sich aus der hier schon 1353 entstandenen Kapelle Perlst. Dorothea und hl. Katharina; 1414 wurde das regulierte Chorherrenstist zu St. Dorothea hier eingesetzt, wor- nach dann die Gasse Dorotheerstraße benannt wurde. Die Benennung blieb, obwohl das Stift 1786 aufgehoben wurde. Dorotheergasse (XVII. Bez., Hernals), seit 1894 Taubergasse (s. d.). D'Orsaygasse (IX. Bez.), s. unter O. Drachengafse (I. Bez.) heißt Drahtgasse Drorygasse. 61 eine Sackgasse, deren Ende von der Hinterseite des Basiliskenhauses (s. d.) gebildet wird. Das Volk nennt den Basilisken Drachen. Drahtgasse (I. Bez.), eine alte Gasse, wahrscheinlich als Sitz der Drahtzieher oder Drahtverkäuser so genannt. Draschegasse (XII. Bez., Unter- Meidling), nach dem verstorbenen Großindustriellen Heinrich Dräsche Ritter von Warttimberg benannt. Draskovickgaffe (XIII. Bez., Breitensee) heißt seit 1894 die ehemalige Rudolfstraße (s. d.).' Draxlergasse (XIII. Bez., Banm- garten, Cottage-Anlagen), eine neue Gasse, benannt nach dem k. k. Hof- opernsänger in Wien Joses Draxler (gest. am 5. September 1891 in Prein bei Reichenau). Dreherstraße (XI. Bez., Kaiser- Ebersdorf), benannt nach Anton Dreher, dem Gründer des Brauhauses in Klein- Schwechat. Bis 1894 hieß die Straße „ Schw echaterstraße". Dreifaltigkeitshof (I. Bez., zwischen Judengasse und Rothgasse) hieß früher Kämmererhaus, weil dieses die Wohnung des Stadtkämmerers war. Später wurde es Beneficiatenhaus zur hl. Dreifaltigkeit, benannt nach einer Dreifaltigkeitskapelle, welche der Wiener Bürger Zwick l 326 erbauen ließ. Dreihackengasse (IX. Bez.) ist nach dem Gasthause „zu den drei Hacken" benannt. Dreihausgasse (XIV. Bez., Rudolfsheim), so benannt, weil hier angeblich zuerst drei Häuser standen, woraus die Gasse sich entwickelte; die kleine Häusergruppe führte im Volksmunde den Namen Dreihaus. (Vgl. Fünfhaus und Sechshaus.) Dreihufeifengasse (VI. Bez ), benannt nach dem daselbst in der Vorstadt Laimgrube bestandenen Gasthause „zu den drei Hufeisen", einem der ältesten Häuser der Vorstädte. Dreilaufergasse (VII. Bez.), benannt nach dem Eckhause dieser (Passe in der Neubaugasse Nr. 5, welches „zum drey Lauffern" heißt. Die Läufer (mundartlich Lauser) waren vormals in Wien eine stereotype Erscheinung. Es waren dies Diener des Adels, welche gewöhnlich zu Botengängen benützt wurden, bei Ausfahrten ihrer Herrschaft aber vor dem Wagen einherliefen, bei Tag mit einem Stocke versehen, bei Nacht mit einer Fackel, um dem Wagen Raum zu schaffen. Zur Zeit Kaiser Karls VI. wurde von den damals in Wien eingewanderten Spaniern der Brauch eingeführt, diese herrschaftlichen „Lauser" am 1. Mai in der Hauptallee des Praters einen Wettlauf um Geldpreise zur Belustigung des Volkes abhalten zu lassen. Der letzte Wettlauf fand am 1. Mai 1848 statt. Dresdeirerßraße (II. Bez.), eine neue Straße, benannt nach der Hauptstadt des Königreiches Sachsen. Dreyhaufen gaffe (XIII. Bez., Breitensee), seit 1894 Grassigasse benannt nach dem Bildhauer Anton Grassi (1755 bis 1807), Director an der Wiener Akademie der bildenden Künste, der sich namentlich um die Wiener Porzellanmanufactur verdient gemacht hat. Drifchützgaffe (XI. Bez.), benannt nach dem Errichter der nach ihm benannten Simmeringer Schulstistung, Drischütz. Bis 1894 hieß die Gasse Schulgasse. Drorygasse (III.Bez.)hieß früher „Haltergasse", weil der Viehhirte oder Halter durch dieselbe täglich seine Kuhherde zur nahen Weide trieb. Der heutige Name rührt von Henry Drory, dem 62 Dunklergasse — Einwanggasse. Director der Jmperial-Continental- Gasassociation, welche in dieser Gasse eine großartige Gasfabrik errichtete. Dunklergasse (XII. Bez., Gau- denzdorf), benannt zur Erinnerung an den Abt Gaudenz Dunkler, der den Grund zu Gaudenzdorf (s. d.) legte. Bis 1894 hieß die Gasse Jakobstraße. Durchhaus nennt der Wiener ein zwischen zwei Gassen stehendes Gebäude mit zwei Eingängen, welches zur Abkürzung des Weges zum Durchgänge benützt wird. Dürergasse (VI. Bez.), zu Ehren des berühmten Malers, Kupferstechers und Holzschneiders Albrecht Dürer (geb. am 21. Mai 1471 zu Nürnberg, gest. daselbst am 6. April 1528) benannt. E Ebeudorferstraße (I. Bezirk), benannt zur Erinnerung an Thomas Ebendorser, welcher zur Zeit Kaiser Friedrichs III. (1440 bis 1493) der berühmteste Mann der Wiener Hochschule war. Eberlgafse (II. Bez.), benannt zur Erinnerung an den Musiker Anton Eberl (geb. zu Wien am 13. Juni 1766, gest. daselbst am 1l. März 1807), welcher mit Gluck und Mozart befreundet als Componist und Clavier- virtuos sich Ruf erwarb. Ebersdorferstrasie (XI. Bez, Simmering) heißt seit 1894 Kaiser- Ebersdorferstraße. Eckmüllnergasse (XVI Bezirk, Ottakring), bis 1894 Krongasse, heißt nunmehr nach dem ehemaligen Dorfrichter von Ottakring, Eckmüllner, 1683; der Name Eckmüllner ist ein alter Familienname in der Gemeinde Ottakring. Edelhofgasse (XVIII. Bezirk, Währing), bis 1894 Neugasse, nunmehr benannt zur Erinnerung an den in der Hauptstraße (Nr. 24) bestandenen „Edelhof". Eduard Jaegergaffe (XIII. Bez., Speising), bis 1894 Bahngasse, jetzt benannt nach vr. Eduard Jaeger, verstorbenem vorzüglichem Augenarzt und Universitätsprofessor in Wien. Eglseegafse (XII. Bez., Hetzendorf), benannt nach dem Ried „Eglsee", nach dein sie läuft. Hier bestand ein Tümpel, in dem sich Blutegel befanden. Bis 1894 hieß die Gasse „Neugasse". Eichenstraße (XII. Bez., Unter- Meidling); hier standen einst zwei Eichen mit sogenannten „Marterln", Gedächtnisbildern an Unglückssälle. Bis 1894 hieß die Straße Dammstraße. Einsiedelei (XIII. Bez.), eine beliebte Restauration an einer Stelle, wo sich vormals die Klause eines Einsiedlers befand. Einsiedeleigasse (XIII. Bezirk, Lainz), so genannt nach der nahe- gelegenen Einsiedelei (s. d), seit 1894 Jagdschlossgasse, weil ihre Verlängerung auf das k. Schloss im k. k. Thiergarten zu führt. Einsledlergajse u Einsiedler- platz (V. Bez.), beide wahrscheinlich nach einem Hmrsschilde (Gasthans- schilde) benannt. Einwanggasse (XIII. Bezirk, Penzing), 1894 ans der Zusammenziehung von Friedhosgasse und Pfarr- Eisenbahngasse — Enenkelstraße. 63 gasse in Penzing entstanden und nach dem Pfarrer Georg Einwang benannt, welcher 1660 die Kapelle erbaute. Eisen b ah ngasse (XIII. Bezirk, Lainz), seit 1894 Biraghygasse nach der Familie Biraghy, welche der Gemeinde Lainz viele Wohlthaten erwies. Eisenbahnstraße (XIV. Bez., Rudolfsheim), seit 1894 Avedikstraße nach dem verstorbenen Arzte Avedik benannt, der sich durch seine Wohl- thätigkeitsacte im Jahre 1848 bekannt gemacht hat. Eisengasse (IX. Bezirk), so benannt, weil sie an der großen Sigl'- schen Maschinenfabrik vorüberführt. Eisgrübl (I. Bez.) war vormals der Standort der Eisverkäuser und wird schon 1503 Eisgrübl, 1559 „unter den Eisnern" genannt. Später aber (bis 1701) diente das Eisgrübl als Verkaufsplatz für Töpferwaren und wurde daher auch Hafnerplatz geheißen. Eisnergasse (XVI. Bez., Ottakring) hieß bis 1894 Leopoldigasse. ELsnerstraße (XVI. Bez., Ottakring) heißt mit der Hauptstraße in Neulerchenseld seit 1894 Neulerchen- selderstraße. Eisvogelgasse (VI. Bez.), hieß früher Gärtnergasse; wegen der gleichnamigen Gasse im III. Bezirk wurde sie nach einem Hausschilde umgetauft. ELtelbergergasse (XHI. Bez, Unter-Set. Veit), bis 1894 Malsatti- gasse, jetzt benannt nach Rudolf von Eitelberger (geb. am 14. April 1817 zu Olmtttz, gest. am 18. April 1885 zu Wien), Professor der Kunstgeschichte, Director des k. k. österreichischen Museums für Kunst und Industrie, Ehrenbürger von Wien. Elisabethbrücke , steinerne Wienbrücke, welche die Wieden unl der inneren Stadt verbindet. Hier bestand schon seit den ältesten Zeiten eine steinerne „Brücke bei der Wieden", welche bereits unter Premysl Ottakar II. erwähnt wird. Die gegenwärtige Brücke wurde in den Jahren 1850 bis 1854 erbaut und zu Ehren der Kaiserin Elisabeth benannt, welche bei ihrem Einzuge in Wien am 23. April 1854 die Brücke eröfsnete. Elisabethgasse (XVI. Bezirk, Ottakring), seit 1894 Brunnengasse, als Fortsetzung der Brunnengasse im XVI. Bez., Neulerchenseld. Elisabethstraße (I. Bez.), eine neue Straße, benannt zu Ehren der Kaiserin Elisabeth. Elmargasse (XIX. Bez., Heiligenstadt), bis 1894 Döblingergasse, nunmehr nach dem Wiener dramatischen Schriftsteller Karl Elmar (1815 bis 1888) benannt. Elßlergasse (XIII. Bez., Unter- Set. Veit), bis 1894 Endlergasse, jetzt nach der ihrerzeit gefeierten Solotänzerin im k. k. Hchoperntheater, Fanny Elßler (geb. zu Wien 1810, gest. daselbst am 27. November 1884), benannt. Elterleinplatz (XVII. Bezirk, Hernals) ist benannt nach dem verstorbenen Bürgermeister von Hernals, Elterlein. Embelgasse (V. Bez.) ist nach einem Privaten Embel benannt. Endlergasse (XIII. Bez., Unter- Set. Veit), seit 1894 Elßlergasse (s. d.). Enenkelstraße (XVI. Bezirk, Ottakring), bis 1894 Breitenseerstraße, nunmehr benannt nach dem Wiener Dichter und Chronisten Jan (Johann) Enenkel, welcher in Wien geboren war, um 1190 bis 1250 lebte und in dem Hause Nr. 7 (alt 827) der Kumpfgasse gestorben „sein soll. In den: Fürstenbuch von Österreich und Steier- 64 Engelgasse — Erlachgasse. mark hat er auch die Schicksale seiner Vaterstadt Wien nach alten Überlieferungen und Klosterausschreibungen besungen. Engelgasse (VI. Bez.), benannt nach dem Privaten Engel, welcher die ganze Gasse in den Sechziger-Jahren erbauen ließ. Engerthgasse (XVI. Bezirk, Ottakring), seit 1894 Haymerlegasse benannt nach dem Staatsmanne Heinrich Freiherrn von Haymerle (1828 bis 1881), welcher von 1878 bis 1881 Minister des kaiserlichen Hauses und der auswärtigen Angelegenheiten war. Engerthstraße (II. Bez.), benannt nach dein Hosrathe Wilhelm Freiherrn von Engerth (geb. 1814, gest. am 4.Sept. 1883); derselbe construierte das Sperrschiff, welches zur Zeit des Eisganges das obere Ende des Donaucanals bei Nussdorf absperrt und so Wien vor Überschwemmung schützt. Engerth war auch zum großen Theile der Schöpfer der Wiener Weltausstellung 1873 und erbaute für dieselbe die große Maschinenhalle (jetzt städt. Lagerhaus) im Prater. Enkplatz (XI. Bez., Simmering), benannt nach dem Benedictiner Mich. Enk von der Burg, einem trefflichen Schriftsteller und Kritiker (geb. am 29. Jänner 1788 in Wien, gest. am 22. Juli 1843 bei Melk). Bis 1894 hieß der Platz „Marktplatz". Ennsgasse (II. Bez., Donaustadt), benannt nach der Enns, dem Grenzstusse zwischen Nieder- und Ober-Österreich. Erbsenbachgasse (XIX. Bez, Unter-Sievering) ist nach dem Erbsenoder Arbesbache benannt, welcher links zum Krottenbach stießt. Erdberg, bis 1850 eine eigene Vorstadt, jetzt dem III. Bez. einverleibt, wird urkundlich schon 1192 als ein dem Landesfürsten dienstbares Dorf Erdburg genannt, später Erd- pruch (d. i. Erdbruch), schließlich Erdberg. Das im 17. Jahrhundert ein- gesührte Siegel der Gemeinde stellt eine Erdbeere dar und dazu bemerkt M. Fuhrmann (Alt- und Neu-Wien, 2 Bde., Wien 1738—39): „Gemeiner Tradition nach scheint der sichere Name Erdbeer zu sein, so benannt von den Fragis oder Erdbeeren, die vor Erbauung der dortigen Häuser aus dem Grunde zu finden gewesen." Nach der alten in Erdberg bestandenen Kirche aä 8. Uaulum wurde der Ort auch Paulushöhe und Paulusgrund (so urk. 1330) genannt. Erdberger Lande (III. Bez.), der rechte Üserstrich zwischen Sofien- und Kaiser Josefbrücke, entlang der ehemaligen Vorstadt Erdberg (s. d.). Erdberger Linie (III. Bezirk), ehemaliges Ausgangsthor durch den Linienwall (s. d.) am Ende der Erdbergerstraße. Erdbergermais (III. Bezirk) wird als Ried der Gemeinde Erdberg urk. schon im 15. Jahrhundert (Erdberger Maiß) genannt. Erdbergerstraße (III. Bezirk), die Hauptstraße der ehemaligen Vorstadt Erdberg (s. d.) und darnach benannt. Sie hieß früher Rittergasse, der obere Theil bis zur Erdberger Linie Antoniegasse. Erdbrustgasse (XVI. Bezirk, Ottakring) hat ihren Namen von dem Ried Erdbrust, an dessen Südseite sie führt; die Erdbrust ist eine rundliche Bodenerhebung. Erlachgasse und Erlachplatz X. Bez.) führen ihren Namen zu Ehren des berühmten Baumeisters Johann Bernhard Fischer von Erlach (geb. am 10. Juli 1656 zu Graz, Erlachplatz — Eszterhäzystraße. 65 gest. am 5. April 1723 zu Wien), > welcher die Kaiserstadt mit zahlreichen Palastbauten und der Karlskirche schmückte. Erlachplatz (X. Bez.), s. Erlachgasse. Eroieagasse (XIX. Bez., Heiligenstadt und Nussdors), bis 1894 Beethovengasse, nunmehr benannt nach der Beethoven'schen Symphonie „Eroi- ca", welche 1804 entstand und ihrer Conception nach zur Feier Napoleon Bonaparte's bestimmt war. Ertlgafse (I. Bez.), benannt zur Erinnerung an den Errichter der Ertl- schcn Stiftung für junge, angehende Advocaten, deren Haus in dieser Gasse steht. Bis 1894 hieß die Gasse Mariengasse. Erzbischofgasse (XIII. Bez.), Ober-St. Veit), nach dem dem Erzbischöfe von Wien gehörigen Schlosse benannt; bis 1894 hieß sie Bischos- gasse. Erzherzog Karl-Platz (II. Bez.), ein neuer Platz vor der Kronprinz Rudolf-Brücke in der Donausladt, zu Ehren des Erzherzogs Karl (geb. am 5. September 1771, gest. am 30. April 1847), des Siegers von Aspern, benannt. Eschenbachgasse (I. Bez.), eine neue Gasse, benannt zur Erinnerung an den wackeren Wiener Bürger Jakob Eschenbach, Sattlermeister und Hausinhaber aus der Wieden Nr. 99. Dieser hatte, als die Franzosen 1809 in Wien waren, zwei österreichische Kanonen in seinem Hause vergraben und den ergangenen Verordnungen des französischen Generalgouverneurs vom 14. und 16. Mai, dann vom 3. Juni 1809 zuwider weder angezeigt noch abgegeben. Eschenbach wurde verhaftet und am Abend des 26. Juni 1809 an der Mauer des Jesuitenhoses am Getreidemarkt Umlauft, Namenbuch der Stadt Wien. > erschossen. Ganz in der Nähe dieser Stelle befindet sich die nach ihm benannte Gasse. Eskelesgaffe (XIII. Bezirk, Hietzing), bis 1894 Zieglergasse, nunmehr nach dem k. k. priv. Großhändler Bernhard Freiherrn von Eskeles (geb. am 24. Mai 1755 zu Wien, gest. am 7. August 1839 zu Hietzing) benannt, Mitbegründer und Gouverneur-Stellvertreter der österreichischen Nationalbank und einem der Begründer der Wiener Sparcassa, welcher sich durch zahlreiche große Stiftungen ein ehrenvolles Andenken sicherte. Eslarngasse (III. Bez.), benannt nach Konrad v. Eslarn, der (1287) der erste urkundlich genannte Wiener Bürgermeister war. Bis 1894 hieß die Gasse Schulgasse. Essiggasse (I. Bez.), ein alter Name, der daraus hinweist, dass hier Essig feilgeboten wurde. EHIinggasse (I. Bez.), eine neue Gasse, benannt zur Erinnerung an den glorreichen Sieg des Erzherzogs Karl über Napoleon I. bei Aspern und Eßling (fälschlich Eßlingen) am 21. und 22. Mai 1809. Eszterhazygasse (VI. Bezirk), benannt zur Erinnerung an den vormals fürstlich Eszterhäzy'schen Besitz, welcher an diese Gasse grenzte. Das noch heute sogenannte Eszterhazy-Palais (in der neuen Amerlingstraße) war seit 1760 Besitz des Staatskanzlers Wenzel Anton Fürsten von Kaunitz (geb. 1711 in Wien, gest. 1794) und wurde später vom Fürsten Nikolaus Eszterhäzy angekauft; schließlich gieng es in den Besitz der Commune Wien über. Esrterhazyl^raße (II. Bezirk, Prater), benannt zur Ehrung des um die Monarchie vielverdienten Fürstenhauses Eszterhäzy. 5 66 Ettenreichgasse — Fasholdgasse. Cttenreich gaffe (X. Bez.), eine neue Gasse, benannt zu Ehren des Wiedener Bürgers Franz Cttenreich, welcher, als aus Kaiser Franz Josef I. am 18. Februar 1853 ein Attentat von Mörderhand verübt wurde, den flüchtigen Verbrecher sestnahm, wofür er in den Adelsstand erhoben wurde (gest. am 4. Febr. 1875). Engengaffe und Eugenplatz (X. Bez.) führen ihren Namen nach dem berühmten siegreichen Heerführer Österreichs, dem Prinzen Eugen von Savoyen (geb. am 18. October 1663 zu Paris, gest. am 21. April 1736 zu Wien). Exnergaffe (XVIII. Bez., Währing) ist benannt nach dem Ministe- rialrathe I)r. Franz Seraphin Exner (geb. am 28. August 1802 zu Wien, gest. am 21. Juni 1853 zu Padua), welcher unter dem Ministerium Thun im Vereine mit Professor „Hermann Bonitz das Unterrichtswesen Österreichs reformierte. Eyblergaffe (XVIII. Bez., Neu- stist am Walde), bis 1894 Kirchengasse. Eyzinggaffe (XI. Bez., Simmering), bis 1894 Wintergasse genannt, führt jetzt ihren Namen nach Eyzing, der 1573 Besitzer eines Edelsitzes in Simmering war. F Fabriksgaffe (XI. Bez., Kaiser- Ebersdors) heißt seit 1894 Zinner- gasse (s. d.). Fayuengaffe (I. Bez.), benannt zur Erinnerung an den Aufruhr, der am 13. April 1798 entstand, als der französische Gesandte General Berna- dotte die dreifarbige französische Fahne vor seinem Palais hisste. Bis 1894 hieß die Gasse Brunngasse (s. d.). Fähnrichhof (I. Bez., Singerstraße) soll seinen Namen dem Umstande zu verdanken haben, dass sich daselbst vormals eine der vier Bürgercompagnien der Stadt unter ihrer Fahne zu versammeln pflegte. Fallgaffe (VI. Bez.), wahrscheinlich wegen ihres Gefälles gegen die Wien zu so genannt. Färbergaffe (I. Bez.); hier saßen durch mehr als drei Jahrhunderte die Flamänder Färber, die reichste Gilde der Stadt. Noch bis in das 15. Jahrhundert hatten sie nachweislich hier Besitzungen. Färbergaffe (XIX. Bez., Nuss- dors), seit 1894 Hackhofergasse benannt nach dem im Jahre 1854 verstorbenen Ignaz Hackhofer, welcher 1814 in der Gasse eine Färberei errichtete. Fafangartengaffe (XIII. Bez., Lainz und Speising) heißen seit 1894 die Hetzendorsergasse in Lainz und die Hetzendorferstraße in Speising, welche in eine Gasse zusammengezogen wurden. Fafangaffe (III. Bez.) führt ihren Namen von dem rechten Eckhause gegen den Rennweg, in welchem sich das einmal sehr renommierte Bierhaus „zum Fasandl" befand. Im Jahre 1851 wurde dieses Haus umgebaut. Fasholdgaffe (XIII. Bez., Hietzing), bis 1894 Mayerhofgasse, jetzt benannt nach Jofef FaShold (1820 bis 1893), Gemeindeausschuss und Gemeinderath von Hietzing in den Jahren 1863 bis 1891, welcher sich namentlich als Armenrath (1868 bis 1891) durch seine menschenfreundliche u. aufopfernde Thätigkeit verdient gemacht hat. Fassziehergasse — Feldgasse. 67 Fassziehergaffe (VII. Bez.), ein alter Name, welcher an die Zeiten erinnert, da die Fasszieher hier ihre Wohnungen und ihre Genossenschafts- Herberge hatten. Favorite», der X. Bez. Wiens und der jüngste unter den älteren Bezirken, der erst 1874 von der Wieden losgetrennt und als eigener Bezirk constitutiert wurde. Wegen seiner vielen slavischen (zumeist czechischen und slo- vakischen) Bewohner hieß dieses Gebiet vormals im Volksmunde das „Kroaten- dörfel", wie denn der Wiener die Slo- vaken fälschlich Kroaten (Krawaten) nennt. Der größte Theil des X. Bezirkes ist ganz neuen Ursprungs. Sein offizieller Name rührt von der Lage vor der Favoritenlinie her. Favoritenffraffe (IV. Bez ), früher „Kaiserweg", die Straße, in welcher sich das Gebäude der ehemaligen neuen Favorita (s. Augarten), das jetzige Theresianum (s. There- sianumgasse) befindet. Federlhos (I. Bez.) heißen zwei Gebäude, der große Federlhos, welcher die Ecke zwischen der Rothenthurmstraße, dem Lugeck und der Bäckerstraße einnimmt, und der kleine Federlhos in der Bäckerstraße. An Stelle des ältesten urkundlich genannten Gebäudes, welches im 15. Jahrhundert das Tirna-Haus hieß, soll nach Angabe des gelehrten Lazius ein gewisser Peter Edlasperger von Ofen, der 1494 als Besitzer genannt wird, einen Neubau ausgeführt haben. Seit 1590 besaß dieses Haus Georg Federl von Tribuswinkel, ein Wiener Handelsmann, von welchem es den Namen „Federlhos" erhielt. Nach dem Aussterben der Familie kam es in den Besitz mehrerer Privaten, bis es in neuester Zeit von Simon Baron Sina angekaust, niedergerissen und 1846 in großem Maßstabe neu aufgebaut wurde. Das anstoßende Gebäude heißt der „kleine Federlhos". Fehlingergaffe (XIII. Bez, Speising» hieß bis 1894 Gemeindegasse. Felbergaffe (XI. Bez.), von Felder, Felberbaum, mhd. velwer, die Weide (salix alba), also Weidengasse; seit 1894 heißt sie Krausegasse nach Or. Friedrich Wilhelm Krause (geb. 1767, gest. 1827), dem Stifter der ersten evangelischen Schule in Wien. Felberffraffe (XIV. Bez., Ru- dolssheim und XV. Bez.) bildet einen Straßenzug und ist nach den Weidenbäumen (vgl. Felbergasse) benannt, die einst hier standen. Felbigergaffe (XIII. Bezirk, Baumgarten), bis 1894 Schulgasse, nunmehr benannt nach dem Prälaten Johann Ignaz von Felbiger (geb. am 6. Jänner 1724 zu Großglogau, gest. am 17. Mai 1788 zu Pressburg), dem General-Director des österreichischen Schulwesens und Gründer der Normalschulen unter Maria Theresia. Feldgaffe (VI. Bez.), so genannt, weil sie zur Zeit ihrer Berbanung noch ein freies Feld war. Feldgaffe (XI. Bez., Kaiser- Ebersdors), seit 1894 Kimmerlgasse genannt nach dein Richter Mathias Kimmerl, der sich in Kaiser-Ebersdors sehr verdient machte. Feldgaffe (XI. Bez., Simmering) heißt seit 1894 Grillgasse (s. d.). Feldgaffe (XII. Bez., Gaudenzdorf), seit 1894 Aichhorngasse, nach dem Gemeinderath und Gastwirt Aichhorn in Gaudenzdors. Feldgaffe (Xll. Bez.,Hetzendors), seit 1894 Werthenburggasse nach einem nahen Ried. Fetdgaffe (XIII. Bez., Hietzing), seit 1894 Weidlichgasse (s. d.). 5 * Feldgasse — Ferdinaudsstraße. Feldgaffe (XIII. Bez., Hüttel- dors), seit 1894 Hamiltongasse (s. d.). Feldgaffe (XIII. Bez., Ober- Set. Veit), seit 1894 Trazerberggasse, weil sie^an den Abhängen des Trazer- berges gelegen ist. Feldgaffe (XHI. Bez., Penzing), seit 1894 mit der Bahngasse in Penzing unter dem Namen Cumberlandstraße (s. d.) zu einer Gasse vereinigt. Feldgaffe (XIII. Bez., Speising), seit 1894 Schillingergasse (s. d.). Feldgaffe (XIII. Bez., Unter- Set. Veit), seit 1894 Feldmühlgasse genannt wegen der angrenzenden Feldmühle. Feldgaffe (XIV. Bez., Nudolfs- heim), seit 1894 Kauergasse benannt nach dem Wiener Singspiel-Compo- nisten Ferdinand Kauer (1751 bis 1831). Feldgaffe (XVII. Bez., Dörnbach), seit 1894 Burghausengasse. Feldgaffe (XVIII. Bez., Gersthof), seit 1894 Ladenburggasse benannt nach dem Grafen Ladenburg, Besitzer des Schlosses in Gersthof. Feldgaffe (XVIII. Bez., Währing), seit 1894 Gymnasiumstraße nach dem daselbst befindlichen Com- munal-Gymnasium. Feldgaffe (XIX. Bez., Unter- Döbling) heißt seit 1894 Ruthgasse. Feldgaffe (XIX. Bez.. Unter- Sievering), seit 1894 Medlergasse benannt nach dem ersten urkundlich 1344 erwähnten Pfarrer von Sievering. Feldmüklgaffe (XIII. Bezirk, Unter-Set. Veit), nach der angrenzenden Feldmühle benannt; bis 1894 hieß sie Feldgasse. Felsgaffe (XI. Bez.), benannt nach Maria Elisabeth von Fels, die 1677 die Herrschaft Simmering besaß. Bis 1894 hieß die Gasse Roseggergasse (s. d). Fendigaffe (V. Bez.), eine neue Gasse, benannt nach dem Kupferstecher Peter Fendi (geb. 1796 zu Wien, gest. daselbst 1842). Fenzlgaffe (XIII. Bez., Penzing, und XIV. Bez., Rudolssheim), bis 1894 Lerchenstraße, jetzt benannt nach Eduard Fenzl (geb. am 15. Februar 1,808 zu Krummnussbaum in Nieder- Österreich, gest. am 29. Sept. 1879), Naturforscher, Professor der Botanik und Director des botanischen Universitätsgartens in Wien. Ferdinandsbrücke, sie verbindet den Franz Josefs-Quai (I. Bez.) mit der Taborstraße (II. Bez.). Unter Herzog Albrecht dem Weisen (nach 1439) wurde die erste bleibende Brücke über den Donaucanal in der Nähe des damaligen Rothen Thurmes aus Holz errichtet, welche nach ihrer Bauart den Namen „Schlagbrücke" führte. Dieselbe wurde mehrmals, zuletzt 1775 erneuert. Da auch diese Schlagbrücke schadhaft wurde, trug man sie 1819 ab und baute fast an derselben Stelle eine neue Brücke mit Pfeilern aus Quadersteinen; diese wurde zu Ehren des damaligen Kronprinzen, nachmaligen Kaisers Ferdinand I., welcher den Grundstein zu derselben legte, Ferdinandsbrücke genannt. Ferdinandsgaffe (XII. Bezirk, Ober-Meidling und Unter-Meidling), seit 1894 Rothe Mühlgasse benannt nach der „Rothen Mühle", welche einst hier an Stelle der heutigen Kaserne stand. Ferdinandsgaffe (XIX. Bez , Unter-Döbling), seit 1894 Dolliner- gasse nach dein Wiener Thomas Dolliner (1760 bis 1839), RechtS- gelehrten und Hofrath, benannt. Ferdinandsffrasie (II. Bezirk) führt ihren Namen zu Ehren Kaiser Ferdinands I. (1835 bis 1848). Fernkorngasse — Firmiangasse. 69 Fernkorngaffe (X. Bez.), eine neue Gasse, benannt zur Erinnerung an den Bildhauer und Erzgießer Anton Dominik Ritter von Fernkorn (geb. am 17. März 1813 zu Erfurt, gest. am 16. November 1878 in Wien), welcher unsere Stadt mit bedeutenden Bildwerken (dem hl. Georg mit dem Drachen, den Standbildern des Erzherzogs Karl und des Prinzen Eugen von Savoyen) schmückte. Ferrogaffe (XVIII. Bez., Gersthof), "bis 1894 Johannesgasse, jetzt benannt nach dem Arzte Pasqual Josef Ferro (geb. 1749 zu Bonn, gest. am 21. August 1809 zu Wien); er wurde 1793 Referent in Sanitätssachen in Nieder - Österreich, 1800 Stadtphysicus und 1809Vice-Director der medicinischen Facultät. Er zeichnete sich auch als Fachschriftsteller und Herausgeber der „Sammlung aller Sanitäts-Verordnungen im Erzherzogthum Nieder-Österreich" aus, welche die Gesetze aus der Periode 1798 bis 1807 enthält und noch heute praktischen Wert besitzt. Ferstelgaffe (IX. Bez.), eine neue Gasse, benannt zu Ehren des berühmten Architekten Heinrich Freiherrn von Ferstel (geb. am 7. Juli 1828 in Wien, gest. in Grinzing am 14. Juli 1883), welcher das neue Wien mit einer großen Zahl von Prachtbauten zierte; dazu gehören die Nationalbank, das österreichische Museum für Kunst und Industrie, das Palais des Erzherzogs Ludwig Victor, das Universitätsgebäude und die Votivoder Heilandskirche, hinter welcher sich die Ferstelgasse befindet. Ferstelgaffe (XIX. Bez., Grinzing), seit 1894 Straßergasse (s. d.). Ferstelgaffe (XVIII. Bezirk, Währing), seit 1894 Haizingergasse benannt zur Erinnerung an die ausgezeichnete Hosschauspielerin Amalie Haizinger (1800 bis 1884). Feuchterslebengaffe (X Bez), eine neue Gasse, benannt zur Erinnerung an den Dichter, medicinischen und philosophischen Schriftsteller Ernst Freiherrn von Feuchtersleben (geb. am 29. April 1806 zu Wien, gest. daselbst am 3. September 1849), dem Verfasser der „Diätetik der Seele". Feuerwerkswiese (II. Bezirk, Prater). Schon in früheren Zeiten wurden im Prater vor dem Hose durch die k. k. Edelknaben Kunstfeuerwerke abgebrannt; ein besonderer Platz aber war hierzu nicht bestimmt. Als der Prater 1767 dem Publicum eröffnet wurde, fanden wiederholt Feuerwerke entweder auf der Donauwiese zwischen den Brücken oder in der Nähe des ehemaligen Stadtgutes statt. Erst unter Kaiser Josef II. (1780 bis 1790) wurde die Wiese, welche noch heute Feuerwerkswiese heißt, zur Abhaltung von Feuerwerken bestimmt. Fichtegaffe (I. Bez.), eine neue Gasse, benannt zu Ehren des großen deutschen Philosophen Johann Gottlieb Fichte (geb. am 19. Mai 1762 zu Rammenau in der Ober-Lausitz, gest. am 27. Jänner 1814 zu Berlin). Fichtnergaffe (XIII. Bezirk, Hietzing, Cottage-Anlagen), eine neue Gasse, benannt nach dem k. k- Hofschauspieler in Wien, Karl Albrecht Fichtner (geb. 7. Juni 1805 zu Koburg, gest. 19. August 1873 zu Gastetn). Fillgradergaffe (VI. Bez.), benannt nach einem Bürger Fillgrader, von dem eine wohlthätige Stiftung herrührt. Firmiangaffe (XIII. Bezirk, Ober-Sct. Veit), bis 1894 Langegasse, jetzt nach Leopold Maximilian Grasen von Firmian, Erzbischof von 70 Fischergasse — Fluchtgasse. Wien in den Jahren 1822 bis 1831, benannt. Fischergasse (II. Bez.) erinnert mit ihrem Namen an das Gewerbe der Fischer, welche wegen der nahen Donan hauptsächlich ihren Sitz in der Leopoldstadt (im unteren Word) hatten. Fischergasse (XI. Bez., Kaiser- Ebersdors), auch Gemeindegasse, seit 1894 Mühlsangergasse (s. d ). Fischergasse (XIV. Bez., Rudolfsheim), benannt nach Baron Fischer, welcher Besitzer des hier bestandenen Herrschafts Hauses war, heißt seit 1894 Grimmgasse nach den berühmten deutschen Sprach- und Alterthumsforschern, den Gebrüdern Jakob Ludwig Grimm (geb. am 4. Jänner 1785 zu Hanau, gest. am 20. September 1863 zu Berlin) und Wilhelm Karl Grimm (geb. am 24. Februar 1786 zu Hanau, aest. am 16. December 1859 zu Berlin). Fischerhausen (II. Bez., Prater), ursprünglich eine von der Donau ausgeschüttete Sandbank, wofür der Volksmund den Ausdruck „Hausen" gebraucht. Fisch erfliege (I. Bez.), deren Name an die ältesten Zeiten Wiens erinnert und schon in den frühesten Urkunden als »aä Araäus peseato- ruuV (1367: Fischerstiege) vorkommt. Die über die Böschung zu dem früher näher dem Steilrande fließenden Donauarme (dem jetzigen Donaucanal) führende Stiege verband das Gestade (im Volksmunde die „G'stätten") mit der uralten Fischerkapelle „zu unserer lieben Frau vom Gestade" und wurde wohl viel benützt, weil die hier landenden Fischer und Schiffslente die Stadt mit Lebensmitteln, namentlich mit Fischen, versorgten. Fischhof (I. Bez.), derselbe hat seinen Namen von der hofartigen Gestalt des Platzes, aus welchem die Fischer seit alter Zeit ihren Markt hielten. Schon 1257 wird er eura piseium, d. i. Fischhos, genannt. Fleischmannsgasse (IV. Bez), im Jahre 1825 eröffnet und nach dein Grundbesitzer Fleischmann benannt. Fleischmarkt (I. Bez.), früher alter Fleischmarkt, verdankt feinen Namen den Fleischern, die nach der Metzgerordnung vom 24. August 1333 Herzog Albrechts des Lahmen hier ihre Innung hatten. Er gehört urkundlich zu den ältesten Straßen Wiens und ward frühe als via earnoruni (schon 1285: alter Fleischmarkt, in antiguo t'oro earniuna) genannt. Floragasse (IV. Bez.), früher Gemeindegasse, weil sich daselbst im 18. Jahrhundert das Gemeindehaus der Wieden befand. Floragasse (XIV. Bez., Rudolfsheim), benannt nach der Gräfin Flora Fries, Tochter des Barons Arnstein, von welcher die Gemeinde Rudolfs- Heim 1868 Gründe erwarb, auf denen die Gasse eröffnet wurde; seit 1894 heißt sie Meinhartsdorfergasse (s. d.). Floriarrigafse (VIII. Bez.) dürfte ihren Namen von einem Hausschilde „zum heiligen Florian", dem sogenannten Feuerpatron, erhalten haben. Floßgasse (II. Bez.) bildete früher einen Theil der kleinen Schiffgasse; sie hat ihren Namen von den vielen Flößen, welche in ihrer Nähe am linken und rechten User des Donaucanals landeten. Fluchtgafse (IX. Bez.) führt ihren Namen nach dem Hausschilde „zur Flucht nach Ägypten". Fluchtgafse (XVIII. Bez, Währing), seit 1894 mit der Fnchsthaller- gasse im IX. Bez. unter diesem Namen zusammeugezogcn. Flnssgasse — Franz Joscfsbrücke. 71 FlussHafse (V. Bez.), so benannt, weil sie am rechten Ufer des Wien- flnsses entlang führt. Focky Hasse (V. Bez,), eine neue Gasse, benannt zur Erinnerung an Daniel Focky (gest. am 21. März 1695), welcher von 1688 bis 1691 Bürgermeister von Wien war. Das Geschlecht der Focky stammte aus Veszprim in Ungarn, wurde schon von den Kaisern Karl V. und Rudolf II. geadelt, von Ferdinand II. 1623 in den ungarischen Ritterstand erhoben und wänderte später nach Wien, wo es reich begütert wurde. Ihm gehörte eine Zeitlang auch das Haus Nr. 2 aus der Brandstätte. Außer dem Bürgermeister Daniel Focky entstammte diesem Geschlechte auch der kaiserliche Leib- medicus Jakob Ignaz Focky, welcher sich besonders 1679 während der Pest auszeichnete und 1714 den alten Ritterstand des heiligen römischen Reiches erlangte. FörsterHasse (II. Bez.), benannt nach dem Architekten Christoph Friedrich Ludwig Förster (geb. 1797 zu Bayreuth, gest. zu Gleichenberg am 15. Juni 1863), welcher 1818 nach Wien kam und daselbst eine artistischlithographische Anstalt begründete. In Wien hat CH. Förster auch eine große Zahl hervorragenderBauten ausgeführt. FrankenberHHasse (IV. Bez), eine neue Gasse, benannt nach Heinrich Frankenberg, Hausbesitzer und Vorstandsstellvertreter im IV. Bez. (gest. am 31. Dec. 1869). FrankHasse (IX. Bez.), benannt zur Erinnerung an den berühmten Arzt Johann Peter Frank (geb. am 19. März 1745 zu Rothalben im Baden'schen, gest. zu Wien am 24. April 1821), welcher 1795 nach Wien berufen wurde, um daselbst die Leitung des allgemeinen Krankenhauses zu übernehmen. FrankHasse (XVIII. Bez., Währing) heißt seit 1894 Anton Frankgasse. Franzensbrücke, Kettenbrücke über den Donaucanal, benannt zu Ehren des Kaisers Franz I. (1792 bis 1835), unter dessen Regierung sie gebaut wurde. Am 16. September 1801 legte der Kaiser den Grund zu ihr. Franzensbrückenftraüe (II Bez.), so genannt, weil sie zur Franzensbrücke (s. d.) führt. FranzensHasse (V. Bez.), im Jahre 1826 nach Parcellierung der gräflich Andrassy'schen Realität eröffnet und zu Ehren des Kaisers Franz I. benannt. FranzensHasse (XII. Bez., Unter- Meidling), seit 1894 Murlingengasse nach der urkundlich für das 12. Jahrhundert belegten alten Namenssorm von Meidling „Murlingen". FranzensHasse (XIII. Bez., U. St. Veit), seit 1894Wernergasse (s. d.). Franzensplatz, s. Burgplatz. FranzensrinH (I. Bez.) heißt das Stück der Ringstraße (s. d.) vom Reichsrathsplatz bis zur verlängerten Schottenstraße nach dem Franzensthor, welches sich in dem einst hier verlausenden Theile der alten Basteien befand. Das Franzensthor, welches an der Stelle durch die Stadtmauer führte, wo die Teinfaltstraße mit der Löwel- gasse zusammenstieß, war erst 1817 eröffnet und wurde 1862 demoliert. Franz GlaserHasse (XVII. B, Dornbach) heißt seit 1894 die ehemalige Glasergasse. Franziskanerplatz (I Bezirk), heißt der Platz vor der Franziskanerkirche und dem anstoßenden Franziskanerkloster; seine gegenwärtige Gestalt erhielt er im Jahre 1624. Franz Josefsbrücke, eigentlich Kaiser Franz Josefsbrücke (II. Bez.), Brücke über den Hauptstrom der Donau, 72 Franz Josefsgasse — Freiung. zu Ehren des regierenden Kaisers benannt. Franz Josefsgasse (X. Bez.) wurde 1894 mit der Rudolfsgasse im X. Bez. zusammengezogen unter dem Namen Hardtmuthgasse. Josef Hardt- muth (geb. am 20. Februar 1752 in Asparn a. d. Zaya, gest. am 23. Mai 1816 zu Wien) begründete eine große, nachmals sehr renommierte Bleistist- fabrik und wurde Erfinder des „Wiener Steinguts." Franz Josessland (II. Bezirk), eine kleine, erst nach der Donauregulierung entstandene Ansiedlung nahe dem alten, verlassenen Donauarme, welche wegen ihrer Entlegenheit scherzweise den Namen des von Payer und Wey- precht entdeckten Franz Josefslandes erhielt. Franz Josefsplatz (II. Bez.), so benannt, weil er bei der Franz Josefsbrücke gelegen ist (s. d.). Franz Josess-.Qnai (I. Bez.), die neue einzeilige Uferstraße am Donaucanal, zu Ehren unseres Kaisers Franz Josef benannt. Franzosengraben (III. Bez) erinnert mit seinem Namen an die Anwesenheit der Franzosen in Wien 1809. Frauenheimgasse (XII. Bez., Ober-Meidling), benannt nach dem in der Nähe befindlichen Frauenheim. Bis 1894 hieß sie Schulgasse. Freihaus, Starhemberg'- sches (IV. Bez.); den aus der zwischen zwei Armen des Wienflusses gelegenen Insel (Werd) befindlichen fürstlichen Garten schenkte Kaiser Ferdinand ÜI. im Jahre 1643 dem Reichsgrasen Konrad v. Starhemberg, woher der Besitz die Benennung Konradswerd erhielt; das darauf erbaute Haus war ein Freihaus, nämlich von Abgaben und Lasten befreit; nach dem großen Brande 1759 wurde es neu aufgebaut. Es ist dies aber nicht dasselbe Freihaus, welches der Stadtrath am 28. September 1683 zum Danke für die heldenmüthige Verteidigung Wiens gegen die Türken dem Grasen Rüdiger v. Starhemberg von allen Abgaben und Lasten frei erklärte, denn dieses lag in der Krugerstraße (Nr. 10) und führt das Schild „Zur weißen Lilie". — Eine andere Überlieferung will den Namen des Starhemberg'schen Freihauses von seiner freien Lage gegen den Obst- oder Naschmarkt hin erklären. Als nämlich nach Abzug der Türken 1683 die eingeäscherten Vorstädte neu aufgebaut wurden, ergieng die Verordnung, dass kein Vorstadthaus der Stadt näher als bis auf 600 Schritte von den Befestigungsmauern stehen dürfe. Damals fielen etwa 50 Häuser zwischen der Stadt und dem Starhemberg'schen Hause, welches seither freistand und daher Freihaus genannt wurde. Freihosgafse (XIX. Bez., Nussdorf), bis 1894 Bräuhausgasse, nunmehr nach dem daselbst bestandenen Freihofe benannt. Freisingergafse (I. Bez.) führt ihren Namen nach dem alten Freisingerhofe, dem jetzigen Trattnerhose (s. d.). Freiung (I. Bez.) heißt der Platz vor dem Schottenkloster, dem ältesten Kloster aus dem Boden Wiens, weil Heinrich Jasomirgott, welcher 1155 die Schottenmönche ins Land berief, ihnen das Recht der Freiung, d.i. derBefreiung von gerichtlicher Verfolgung, oder das Asylrecht verlieh. Dasselbe war seit Kaiser Karl VI. auf die Schottenkirche allein beschränkt und wurde von Maria Theresia 1776 vollständig ausgehoben. Die Benennung Freiung (urkundlich zuerst 1161), welche auf den Platz übergegangen, ist demselben geblieben. Freudenau — Fröschelgasse. 73 Ehedem hatten die einzelnen Theile der Freimrg verschiedene Namen; auf Hirschvogels Plan von 1547 wird der obere Theil derselben aus'm Steinseld, die Seite gegen die Renngasse aus'm Bühel und der entgegengesetzte Theil aus'm Mist genannt. Freudenau (II. Bez., Prater), eine weite Wiesenfläche, wo wiederholt verschiedene Lustbarkeiten stattfanden und jetzt die Pferderennen abgehalten werden. Freundgasse (IV. Bez.), 1782 eröffnet und früher Salvatorgasse genannt, verdankt ihren jetzigen Namen dem bürgerl. Anstreicher und Mitglied des äußeren Stadtrathes, Martin Freund (gest. l9. Nov. 1825), welcher testamentarisch eine große Stiftung für Arme der Vorstadt Wieden votierte. Friedensgasse (II. Bez., Prater), eine neue Gasse, benannt nach irgendeinem Friedensschlüsse, nach welchem, ist mir unbekannt. Friedhofgasse (XIII. Bezirk, Penzing), seit 1894 mit der Psarr- gasse (XIII. Bez., Penzing) unter dem Namen Einwanggasse (s. d.) zusammengezogen. Friedhosgasse (XVIl. Bezirk, Hernals), seit 1894 Hernalser Fried- hosstraße. Friedhofgasse (XVIII. Bezirk, Währing), seit 1894 Mollgasse, benannt nach dem Kupferstecher und Bildhauer Balthasar Ferdinand Moll (1717 bis 1771). Friedhofstraße (XIII. Bezirk, Hütteldorf), seit 1894 Samptwandner- gasse, nach dem Hütteldorser Pfarrer Samptwandner, der während der ersten Türkeninvasion gefangen und wahrscheinlich ermordet wurde. Friedhofstraße (XIII. Bezirk, Ober-St. Veit), seit 1894 Gemeindebergstraße nach einer örtlichen Bezeichnung. Friedhofstraße (XV. Bez.), seit 1894 Schmelzer Friedhosstraße, nach dem nunmehr aufgelassenen Schmelzer Friedhofe (vgl. Schmelz). Friedhosstraße (XVIII. Bez., Gersthof), seit 1894 mit der Schönbrunnerstraße in Gersthof und Pötz- leinsdorf unter dem Namen Scheibenbergstraße (s. d.) zusammengezogen. Friedhofstraße (XIX. Bezirk, Grinzing) heißt seit 1894 Grinzinger Friedhofstraße. Friedrichgasse (XV. Bez.), seit 1894 Leydoltgasse nach dem ehemaligen Bürgermeister von Fünfhaus (1867 bis 1875) benannt. Friedrich Kaisergasse (XVI Bezirk, Ottakring), bis 1894 Langegasse, nunmehr benannt nach dem Wiener Theaterdichter Friedrich Kaiser (1814 bis 1874). Friedrichsstraße (I. Bez.), eine neue Straße, benannt zu Ehren eines Mitgliedes unseres Kaiserhauses; doch ist mir nicht bekannt, ob Erzherzog Friedrich (geb. zu Groß-Seelowitz am 4. Juni 1856), Sohn des fl Erzherzogs Karl Ferdinand, oder Erzherzog Friedrich, der Sieger über Ibrahim in Syrien, oder Kaiser Friedrich III. (1440 bis 1493), der im Stephansdome begraben liegt, gemeint ist. Fröhlichplatz (V. Bez.), wahrscheinlich benannt nach dem Feldmarschall - Lieutenant Michael von Fröhlich (geb. am 9. Jänner 1740 zu Marburg, gest. 1814), welcher sich in den Kriegen der Napoleonischen Zeit auszeichnete. Fröschelgasse (XIX. Bez., Unter- Sievering) hieß bis 1894 SeverinuS- gasse zur Erinnerung an den angeblichen Gründer von Sievering, den heiligen Severinus. 74 Fuchsboden — Fütterergasse. Fnchsbodeir (XI. Be;., Kaiser- Ebersdorf), seit 1894 Fuchsbodengasse, von einem Ried so genannt. Fttgbachgasse (II. Bez.). Fugbach hieß ein kleiner Arm der Donau in der Leopoldstadt, welcher schon in der Geschichte der Ferdinande häufig genannt wird und den Kaiser Josef II. austrocknen und über dessen ehemaligem Bett er eine Straße führen ließ, aus welcher die heutige Kaiser Josesstraße und die Fugbachgasse entstanden. Fügergasse (VI. Bez.). benannt zur Erinnerung an den berühmten Historienmaler Friedrich Heinrich Füger (geb. am 8. December 1751 zu Heilbronn, gest. zu Wien am 5. November 1808), welcher seit 1795 Director der Wiener Akademie der bildenden Künste, seit 1801 Director der kaiserl. Galerie im Belvedere war. Führichgasse (I. Bez.), eine neue Gasse auf dem Grunde des ehemaligen Bürgerspitals, benannt zu Ehren des bedeutenden Historienmalers Josef Ritter von Führich (geb. am 9. Febr. 1800 zu Kratzau in Böhmen, gest. in Wien am 13. März 1876). Fubrmarrirsgasse (VIH. Bez.) hat ihren Namen wahrscheinlich von den Fuhrleuten, welche vormals in dieser Gasse einkehrten oder ihren Sitz hatten. Fuhrmannsgasse (XVII. Bez., Hernals), seit 1894 Schellhammer- gasse (s. d.). Fünshaus, bis Ende 1891 eine eigene Ortsgemeinde, seit 1892 der XV. Bezirk Wiens; benannt nach fünf Häusern, welche um 1780 auf dem zum Grundbuche desBarnabiten-Collegiums St. Michael in Wien gehörigen Ried „in den Hangenden Lüssen," „Hangendelies", „Hangenlus" (an der Stelle der jetzigen Häuser 9, 11, 13, 15 und 17 in der Clementinengasse) gebaut wurden und durch längere Zeit isoliert standen. Der mundartliche, heute veraltete Ausdruck Luss oder Lüssen bezeichnet eine kleine Parcelle oder ein Los von einem verpachteten oder veräußerten großen Grundcomplexe; die „Hangenden Lüssen" sind solche Parcellen auf einem Abhange. Fürstengasse (IX. Bez.) führt ihren Namen zu Ehren des Fürsten Liechtenstein, dessen Garten sie an der Südostseite begrenzt. Früher hieß sie „Färbergasse", weil hier mehrere Färber ihr Gewerbe betrieben. Fürstengasse (XVIII. Bezirk, Währing), seit 1894 Lacknergasse (s. d.). Fütterergasse (I. Bez.) hatte bis 1421 keine eigene Benennung, sondern wurde in der alten Zeit zum Judenplatz mitgerechnet. Erst später kommt ihr noch heute üblicher Name vor, welchen sie von den Fütterern oder Fntterern erhielt. So hießen ebensowohl die Futterstoffverkäuser, als auch diejenigen Gewerbsleute, welche sich mit der Approvisionierung der Stadt im kleinen, d. h. mit Ankauf und Vertrieb von Victualien, besonders Grün- und Trockenfutter, befassten. Ihnen entsprechen heute die Fragner und Greisler. Nach welchen Fütterern die Gasse benannt wurde, ist ungewiss; mir ist die erstere Erklärung die wahrscheinlichere. Hier befand sich auch schon 1563 die Schneiderherberge. Gabelsbergergasse — Garbergasse. 75 Gabelsbergergaffe (II. Bez.), eine neue Gasse, benannt nach Franz Xaver Gabelsberger (geb. am 9. Februar 1783 zu München, gest. daselbst am 4. Jänner 1849), welcher eine nach ihm benannte deutsche Schnellschrist oder Stenographie erfunden hat. Gablenzgaffe (XV. u. XVI. Bez., Neulerchenseld und Ottakring), bis 1894 Burggasse, nunmehr benannt nach dem österreichischen Feldzeugmeister und Geheimen Rathe Ludwig Karl Wilhelm Freiherrn von Gablenz (geb. am 19. Juli 1814 zu Jena, gest. am 28. Jänner 1874 zu Zürich), welcher sich im Kriege Deutschlands mit Däne> mark 1864 auszeichnete und am 27. Juni 1866 bei Trautenau den preußischen General Bonin besiegte. Gablenzgaffe (XVI. Bezirk, Ottakring) ist seit 1894 in die Hasner- straße (s. d.) einbezogen. Galileigaffe (IX. Bez.), eine neue Gasse, benannt zu Ehren des berühmten italienischen Physikers und Astronomen Galileo Galilei, geb. am 18. Februar 1564 zu Pisa, gest. am 8. Jänner 1642 in Arcetri. Gallgaffe (XIII. Bez., Speising), bis 1894 Mayerhosgasse, jetzt benannt nach dein verstorbenen Sebastian Gall, verdientem Gemeinderath und Wohl- thäter in Speising. Galliziuberg, Berg an der Westseite Wiens, dem Kahlengebirge angehörig, im XVI. Bezirke gelegen; er hieß vormals Predigtstuhl, wegen seiner einer Kirchenkanzel ähnlichen Gestalt, bis ihn der russische Botschafter Fürst Demeter von Galyczin 1780 kaufte und 1785 daselbst ein Schloss baute und einen herrlichen Park anlegte. Als er 1795 starb, erbte Peter Fürst Romanzow den Besitz, welchen 1824 Fürst Montleart erwarb. Die Absicht des neuen Besitzers, den Namen des Besitzes nach seiner Gemahlin Wilhelmine von Montleart in Wilhel- minenhöhe und den des Berges in Wilhelminenberg zu ändern, fand bisher im Volksmunde wenig Entgegenkommen- Galvagnihos s. Ankerhof. Ganglbauergaffe (XVI. Bez., Ottakring), benannt nach Cölestin Ganglbauer (geb. am 20. August 1817 zu Thanstetten bei Steyr in Oberösterreich, gest. zu Wien am 14. De- cember 1889), der von 1881 bis 1889 Fürsterzbischof von Wien war. Gänsbachergaffe (XI Bezirk, Simmering), benannt nach Joh. B. Gänsbacher (geb. am 8. Mai 1778 zu Sterzing in Tirol, gest. zu Wien am 13. Juli 1844), der sich in den Napoleonischen Kriegen auszeichnete und dann Dom-Capellmeister zu Set. Stephan wurde. Er war auch Com- ponist. Bis 1894 hieß die Gasse Herbstgasse nach dem Rechtsgelehrten und Staatsmanne Eduard Herbst (geb. zu Wien am 9. December 1820, gest. am 25. Juni 1892), welcher als Vertreter Wiens im Abgeordnetenhause und als Justizminister im Ministerium Auersperg (seit 1867) sehr verdienstvoll wirkte. Ganserlberg, eine Anhöhe in Neulerchenseld, zu der jetzt die Kreuzgasse hinansührt; 1843 kaufte hier der wohlhabende Einwohner von Hernals Edelmayer den Grund zu einem Neubau, wo er Wein schänkte und Gänse großzog. Der Volksmund benannte diese Anhöhe bald den Ganserlberg. Garbergaffe (VI. Bez.) führt ihren Namen nach dem Fabrikanten Johann Garber, durch dessen Ver- 76 Garelligasse — Gatterburggaffe. mittlung die Bebauung dieser Gasse 1844 begann. Garelligasse (IX. Bez.), benannt zur Erinnerung an Pius Nicolaus Garelli (geb. 1690, gest. am 21. Juli 1739 zu Wien), welcher sich als Arzt und als Präfect der kaiserlichen Hos- bibliothek auszcichnete. Seit 1732 war er Leibarzt des Kaisers Karl VI. Garnisongaffe (IX. Bezirk), benannt nach dem an ihrem Ende befindlichen Militär - Garnisonsspital Nr. 1. Bis zum Jahre 1861 hieß sie Kaserngasse. Gartengasse (V. Bez.), so benannt, weil sie sich auf dem Grunde des ehemaligen Gartens des alten Margarethener Schlosses (vgl. Margarethen) befindet; bald nachdem der Wiener Stadtmagistrat 1727 Schloss und Garten käuflich an sich gebracht hatte, wurde der Schlossgarten parcel- liert und verbaut. Gartengaffe (XIII. Bez., Ober- Sct. Veit), seit 1894 Veitlissengasse benannt nach der Flur, zu welcher die Straße führt. Gärtnergasse (III. Bez.) erhielt ihren Namen, weil hier durch lange Zeit nur Gärtner wohnten, welche ausgedehnte Gärten bestellten. Gärtnergaffe (XI. Bez., Simmering), seit 1894 Hallergasse nach dem deutschen Dichter Albrecht von Haller (1708 bis 1777). Gärtnergaffe (XII. Bez., Altmannsdorf), seit 1894 Biedermanngasse nach Michael Lazar Biedermann (geb. am 13. August 1769, gest. am 21. August 1843), kaiserlichem Siegelstecher, dann Juwelenhändler, später Gründer einer Woll-Assortierungs- anstalt, die ihn zum wohlhabenden Manne machte. Gärtnergaffe (XII. Bezirk, Gaudenzdorf), seit 1894 Steinhagegasse nach dem Bürgermeister des Ortes von 1861 bis 1880. Gärtnergasse (XII. Bez., Hetzen- dors), seit 1894 Hervicusgasse benannt nach Hervicus von Hetzendorf, der 1190 das Gut als fürstliches Lehen besaß. Gärtnergaffe (XIII. Bezirk, Lainz), seit 1894 Rotherberggasse nach dem daselbst gelegenen Hügel „Rotherberg"; richtiger würde sie Rothenberggasse heißen, wie man ja auch nicht Rotherthurmstraße sagt. Gärtnergasse (XIII. Bezirk, Penzing), seit 1894 Weiglgasse nach Josef Weigl (1766 bis 1820), Musikdirigenten und Operncomponisten, benannt. Gärtnergaffe (XIX. Bezirk, Heiligenstadt und Nussdors) heißt seit 1894 Muthgasse (s. d.). Gärtnergaffe (XIX. Bez., Unt. Döbling), seit 1894 Hohenauergasse benannt nach dem 1866 verstorbenen ehemaligen Bürgermeister von Döbling, Hohenauer. Gaffergaffe (V. Bez.), eine neue Gasse, benannt nach dem Bildhauer Hans Gasser (geb. am 2. October 1817 zu Eisentratten in Kärnten, gest. am 24. April 1868 in Budapest), welcher sich durch lange Jahre in Wien aufhielt und hier bedeutende Bildwerke schuf; von ihm stammen unter anderem die Statue der Kaiserin Elisabeth in der Vorhalle des Westbahnhofes, die Statuen an den Fayaden des k. k. Arsenals, der Creditanstalt, der evangelischen Schule im IV. Bez., des Herzogs Rudolf IV. und Josefs von Sonnensels aus der Elisabethbrücke, ferner die Donaunixe (das Donauweibchen) im Wiener Stadtpark. Gatterburggaffe (XIX. Bez., Ober-Döbling), bis 1894 Theresien- gasse, jetzt benannt nach Josef Grasen Gatterhölzel — Gemeindegasse. 77 Gattermayer von Gatterburg (geb. zu Retz in Niederösterreich 1775, gest. daselbst am 14. September 1827), Major und Kämmerer, welcher sich in den Napoleonischen Kriegen 1800 bis 1814 durch besondere Tapferkeit auszeichnete. Der Ahnherr der Grasen von Gatterburg war der Kriegszahlmeister Egydius Gattermayer, dem Kaiser Rudolf II. um 1590 das Jagdrevier im Gatterhölzel schenkte. (Vgl. Schönbrunn.) Gatterhölzel s. Schönbrunn. Gatterholzgasse (XII. Bezirk, Unter-Meidling), so genannt, weil sie zu dem Wäldchen „Gatterhölzel" führt (vgl. Schönbrunn). Bis 1894 hieß sie Albertsgasse. Gaudenzdorf, bis Ende 1891 eine eigene Ortsgemeinde, seit 1892 einverleibt in den XII. Bez. Wiens, erst 1812 entstanden, seit 1819 Gemeinde, benannt nach seinem Begründer, dem Prälaten von Klosterneuburg Gaudenz Dunkler. Gaudenzdorfer Gürtel (XII. Bez., Gaudenzdorf) hieß bis 1894 Gürtelstraße. Gauermanngafse (I. Bezirk), eine neue Gasse, benannt zur Erinnerung an den bedeutenden Landschaftsund Thiermaler Friedrich Gauermann (geb. am 20. September 1807 zu Miesenbach in Nieder-Österreich, gest. am 7. Juli 1862 in Wien). Geblergasse (XVII. Bez., Hernals), bis 1894 Stiftgasse, nunmehr benannt nach Tobias Freiherrn von Gebler (geb. am 2. November 1726 zu Zeulenroda in Reuß-Greiz, gest. am 9. October 1786 zu Wien), Vice- kanzler, Dichter, Reformator des Schulwesens in Österreich unter Maria Geibelgasse (XIV. Bez., Rudolfsheim und XV. Bez.) entstand 1894 durch Zusammenziehung der beiden Karolinengassen im XIV. und XV. Bez. und wurde nach dem deutschen Dichter Emanuel Geibel (geb. am 17. October 1815 zu Lübeck, gest. daselbst am 6. April 1884) benannt. Geiereckstra^e (XI. Bez., Simmering), benannt nach dem alten, nahe gelegenen Ried Geiereck. Bis 1894 hieß die Straße Hasnerstraße. Gellertgasse und Gellertplatz (X. Bez.), beide in neuer Zeit entstanden und zu Ehren des deutschen Fabel- und Liederdichters Christian Fürchtegott Gellert (geb. am 4. Juli 1715 zu Hainichen im Königreiche Sachsen, gest. am 13. December 1769 zu Leipzig) benannt. Gellertplatz (X. Bez.), s. Gellert- gasse. Gemeindebergftraste (XIII. Bez., Ober-St. Veit), nach einer örtlichen Bezeichnung benannt; bis 1894 hieß sie Friedhofstraße. Gemeindegasse (IX. Bez.) führt ihren Namen nach dem ehemaligen Gemeindehause der Vorstadt Himmel- psortgrund. Gemeindegafse (XI. Bez.,Kaiser- Ebersdorf), auch Fischergasse, seit 1894 Müblsangergasse (s. d.). Gemeindegasse (XII. Bezirk, Gaudenzdorf), seit 1894 Seumegasse nach dem deutschen Schriftsteller Johann Gottfried Seume (geb. am 29. Jänner 1763 zu Poserna bei Weißenfels in der Provinz Sachsen, gest. am 13. Juni 1810 zu Teplitz in Böhmen) benannt. Gemeindegasse (XII. Bezirk, Hetzendorf), seit 1894 Jägerhausgasse, weil sie in der Richtung gegen das Jägerhaus in Schönbrunn führt. Gemeindegasse (XIII Bezirk, Speising), seit 1894 Fehlingergasse. Gemeindegasse (XIV. Bezirk, Sechshaus), seit 1894 Kürnberger- 78 Gemeindegasse Gertrudplatz. gasse benannt nach dem Dichter und Kritiker Ferdinand Kürnberger (geb. zu Wien am 8. Juli 1823, gest. am 14. October 1879). Gemeindegaffe (XVII. Bezirk, Dornbach), seit 1894 Knollgasse benannt nach dein verdienstvollen Pfarrer P. Knoll, unter dem 1756 die Kirche zu Dornbach erneuert wurde. Gemeindegasse (XIX. Bezirk, Unter-Döbling), seit 1894 Nusswaldgasse nach einem Riednamen. Gemeindeplatz (III. Bez.I, benannt nach dem daselbst befindlichen Gemeindehause des Bez. Landstraße; an Stelle des 1812 errichteten älteren Gebäudes wurde 1881 bis 1882 der heutige Neubau aufgeführt. Gentzgaffe(XVIII.Bz.,Währing), früher Herrengasse, seit 1894 sammt der Verlängerung in Weinhaus benannt nach dem hervorragenden Publicisten Hofrath Friedrich von Gentz (geb. am 1. Mai 1764 zu Breslau, gest. am 9. Juni 1832 in Weinhaus). Geologengasse (III. Bez.), eine neue Gasse, benannt nach der benachbarten k. k. geologischen Reichsanstalt. Georg Sieglgaffe (IX. Bez ), benannt nach dem Großindustriellen Georg Siegl, eigentlich Sigl (geb. 1811 zu Breitenfurth bei Wien, gest. am 9. Mai 1887 zu Wien), dessen Maschinensabrik sich im Bezirke befindet. Gerbergaffe (XVIII.Bez., Währing), bis 1894 Lederergasse, benannt nach der daselbst befindlichen großen Lederfabrik. Gerhardusgaffe (II. Bez»), benannt nach einem verdienstvollen Ge- meinderathe namens Gerhardus. Gerlgaffe (III. Bez.), führt wohl ihren Namen nach einem der drei Baumeister Michael, Mathias und Joses Gerl oder nach allen dreien, welche nacheinander von 1743 bis 1771 den umfangreichen Bau des von Michael Kienmayer gestifteten Waisenhauses ausführten. (Vgl. auch Marxer- gasse.) Gerlgaffe (XVIII. Bez., Hernals) heißt seit 1894 Weißgasse. Germaniahof (I. Bez.), das Eckhaus Nr. 1 am Lugeck, an Stelle des alten Bärenhauses, an dem ein Bär in Relief angebracht war, 1875 vom Wiener Bauverein erbaut und Eigenthum der Herzogin Iphigenie von Castries, geb. von Sina. Geroldgaffe (XVII. Bez., Neuwaldegg), benannt nach der daselbst befindlichen Villa (Nr. 7) der Buchhändlerswitwe Frau Rosa v. Gerold. Gerffhof, bis Ende 1891 eine eigene Ortsgemeinde, seit 1892 ein Theil des XVIII. Bezirkes von Wien. Die älteste überlieferte Namenssorm ist „Gunsthos"; 1455 kaufte das Chorherrenstift St. Dorothea in Wien den Gunsthof in der Hagenau sammt Ackergründen von seinem damaligen Besitzer Wolfgang Hergesperger. Der Überlieferung zufolge soll ein späterer Besitzer Gerstler geheißen haben, wornach der Namen Gunsthof in Gersthof umgestaltet wurde. Gersthoferffraste (XVIII. Bez., Gersthof) heißt seit 1894 die ehemalige Hauptstraße von Gersthof zur Wahrung dieses Ortsnamens. werstnergaffe (XV. Bez.), bis 1894 Bahnhofstraße, nunmehr benannt nach Franz Anton von Gerstner (1756 bis 1832), Professor der praktischen Geometrie an der Technik in Wien, Erbauer der ersten Eisenbahn in Österreich, der Pferdebahn von Linz nach Budweis. Gertrndplatz (XVIII. Bez.,Währing) heißt seit 1894 der Kirchenplatz nach der Kirchenpatronin von Währing, der hl. Gertrud. Gestade, Am — Glacis. 79 Geffade, Am (I. Bez.), s. Am Gestade. Gestettengasse (III. Bez.); Gest ätten, G'stätten heißt im Volksmunde eine unverbaute Stelle, dann Gestade an einem Gewässer. Getreidemarkt, Grenzstraße zwischen dem 1. und VI. Bez.; der alte Name ist auf eine neue Gasse übertragen, der vormalige Getreidemarkt und das städtische Getreidemagazin befanden sich zwischen der heute Getreidemarkt benannten Straße und der heutigen Rahlgasse. Geusaugasse (III. Bez ), eine neue Gasse, benannt nach dem Historiker und Kenner Wiens, Anton Ferdinand Ritter v. Geusau, welcher am 19. December 1746 zu Hochstädt an der Donau in der Neupsalz geboren war und am 25. August 1809 in Wien starb. Geweygasse (XIX. Bez., Heiligenstadt), bis 1894 Adlergasse, nunmehr benannt nach dem Wiener Volksdichter Franz L. Karl Gewey, geb. in Wien 1774, gest. daselbst am 18. Octo- ber 1819. Geymüllergasse (XVIII Bez, Pötzleinsdors), bis 1894 Brunngasse, nunmehr benannt nach dem Bankier Johann Jakob Freiherrn von Geymüller (1760 bis 1834), welcher in Pötzleinsdors Herrschaftsbesitzcr war. Geyschlägergaffe (XV. Bez) hieß bis 1894 verlängerte Pelzgasse. Gsrornergasse (VI. Bez.) besteht auf einem Grunde, aus welchem 1686 der Herzog von Ahrenberg ein prächtiges Gebäude mit einer Kapelle nebst Garten errichten ließ; der spätere Besitzer hieß Gfrorner. Ghegagaffe (X. Bez, ehem. Jnzersdorf), benannt zu Ehren des Ingenieurs Karl Ritter von Ghega (geb. am 13. Juni 1800 zu Venedig, gest. am 14. März 1860), des Erbauers der berühmten Semmeringbahn. Ghelengaffe (XIII. Bez., Ober- St. Veit), bis 1894 Parkgasse, jetzt nach der Wiener Buchdruckersamilic Ghelen (1672 bis 1858) benannt. Gierstergasse (X. Bez-, Jnzersdorf) heißt als Fortsetzung der Hcrz- gasse feit 1894 Herzgasse. Gierffergaffe (XII. Bez., Gaudenzdorf) hieß bis 1894 Krongasse. Gilmgasse (XVII. Bez., Hernals), bis 1894 Halmgasse, nunmehr benannt nach dem lyrischen Dichter Hermann von Gilm zu Rosenegg (geb. zu Rankweil in Vorarlberg am 1. November 1813, gest. am 31. März 1864 zu Linz). Girzenberggasse (XIII. Bezirk, Ober-Sct. Veit), nach dem nahegelegenen Ried Girzenberg benannt; bis 1894 hieß sie Belvederegasse. Giselagaffe (XII. Bez., Hetzen- dors), seit 1894 Kiningergasse genannt nach Vincenz Georg Kininger (geb. 1767, gest. 1851), Professor der Schabekunst an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Giselastraffe (I. Bezirk), eine neue Straße, benannt zu Ehren der Erzherzogin Gisela (geb. am 12. Juli 1856 zu Laxenburg), der Tochter unseres Kaiserpaares, seit 20. April 1873 vermählt mit Leopold Prinzen von Baiern. Glacis heißt bei Festungen die - flache Abdachung der äußersten Brustwehr an dem bedeckten Wege, welche sich in das Feld verliert und den Graben von außen her deckt. So lange Wien (die innere Stadt) von den 1545 bis 1672 erbauten Basteien (s. d.) umgeben war, hatte es auch ein Glacis, welches die ganze innere Stadt mit Ausnahme der unmittelbar an den Donaucanal herantretenden Seite umschloss. Nach der zweiten Türkenbelagerung 1683 wurde be- 80 Glasauergasse — Goldschmiedgasse. stimmt, dass zwischen den Festungsmauern und den Vorstädten ein Raum von durchschnittlich 600 Schritten Breite (die Glacis) unverbaut bleiben müsse. Seit 1781 wurden die Glacis zu Spazierwegen umgewandelt. Mit der 1857 angeordneten Stadterweiterung verschwanden die Glacis und wurden verbaut. Merkwürdigerweise wurde in keinem Localnamen die Erinnerung an die alten Glacis bewahrt. Glasauergasse (XIII. Bezirk, Ober-Sct. Veit) hieß bis 1894 Rudolssgasse. Glasergasse (IX. Bez.), wahrscheinlich benannt nach vr. Julius Glaser (geb. zu Postelberg in Böhmen am 19. März 1831, gest. am 26. Dec. 1885), gewesenem Justizminister, Ge- neralprocurator am obersten Gerichtsund Cassationshose. Glasergasse (XVII. Bez., Dörnbach), seit 1894 Franz Glasergasse genannt. Glockengaffe (II. Bez.) ist benannt nach einer großen Glockengießerei, die noch zu Anfang des Jahrhundertes an der Ecke der Rothensterngasse bestand. Gloriettegasse (XII. Bezirk, Hetzendorf), seit 1894 Abermanngasse benannt nach Heinrich Abermann, Rector der Bürgerschule zu St.Stephan im 16. Jahrhundert. Gloriettegasse (XII. Bezirk, Unter-Meidling), seit 1894 Hohenbergstraße genannt nach Johann Hetzendorf von Hohenberg, Hosarchitekten und Professor der Baukunst an der Akademie der bildenden Künste in Wien, dem Erbauer von Schönbrunn. Gloriettegasse (XIII. Bezirk, Hietzing) hat ihren Namen von der Gloriette im Schönbrunner Parke, einem großen Lustbau, von Maria Theresia und Josef II. in den Jahren 1775 bis 1780 errichtet; die Gasse führt wohl nicht direct zur Gloriette, aber doch so ziemlich in dieser Richtung. Gluckgasse (I. Bezirk), früher Klostergasse genannt, weil sie hinter dem Kapuzinerkloster, in dem sich auch die kaiserliche Gruft befindet, vorbeiführt. Seit 1894 heißt sie Gluckgasse zur Erinnerung an den berühmten Componisten Johann Christoph von Gluck (geb. am 25. März 1700 zu Neustadt an der Waldnaab), welcher lange Zeit in Wien lebte und daselbst auch am 17. November 1787 starb. Gluckgasse (X. Bez.), seit 1894 Gölisgasse (s. d.). Glückgaffe (XV. Bezirk), seit 1894 Grangasse (s. d.). Goethegaffe (X. Bezirk), eine neue Gasse, benannt zu Ehren des großen Dichters Johann Wolfgang von Goethe. Goetheplatz (XVI. Bez., Ottakring), seit 1894 Richard Wagnerplatz genannt nach dem großen deutschen Componisten Richard Wagner (geb. am 22. Mai 1813 zu Leipzig, gest. am 13. Februar 1883 zu Venedig), welcher wiederholt auch Wien besuchte. Goldegggaffe (IV. Bez.), 1705 „Am Goldegg" genannt. Goldschtaggaffe (XIV. Bezirk, Rudolfsheim) ist nach dem Ried „Goldschlagen" benannt. Goldschmiedgaffe (I. Bezirk); sie war schon frühe Sitz der Goldschmiede, 1316 heißt sie urkundlich „unter den Goldschmieden". Daneben kommt auch der Name „unter den Drotläden" (Drahtläden) vor. Goldschmiedgaffe (XVIII. Bz., Währing), seit 1894 Canongasse, nach dem bedeutenden Maler Hans von Canon, eigentlich Straschiripka (geb. am 13. März 1829 zu Wien, gest. daselbst am 12. September 1885) benannt. Gölisgasse — Greisgasse. 81 Gölisgasse (X. Bez.), benannt nach dem berühmten Kinderärzte und Director des Instituts für kranke Kinder Leopold Ant. Gölis (geb. in Weißenberg in Steiermark am 19. Oct. 1764, gest. in Wien am 20. Februar 1827). 1821 wurde er zum Leibarzt Napoleons und des Herzogs von Reichsstadt ernannt. Er war durch 32 Jahre Director der von ihm gegründeten Anstalt. — Bis 1894 hieß die Gasse Glückgasse. Gonzagagasse (I. Bez.), eine neue Straße, welche zur Erinnerung an die alte, im Jahre 1859 demolierte Gonzagabastei ihren Namen erhielt. Die Gonzagabastei in der Nähe des Fischerthores lief parallel mit dem Donaucanal; sie wurde 1662 bis 1664 unter Kaiser Leopold I. wegen befürchteten Türkeneinsalles erbaut und nach dem Feldmarschall, Vicepräsidenten des Hofkriegsrathes und Stadtkommandanten von Wien, Hannibal Franz Maria Fürsten von Gonzaga (gest. 1668), auf dessen Antrieb sie entstanden war, benannt. Äottschalkgasse (XI. Bez., Simmering), benannt nach Gottschalk, einem schon 1028 urkundlich bekannten Grundbesitzer in Simmering. Bis 1894 hieß sie Mautnergasse, nach den: Besitzer des Brauhauses zu Set. Marx, Mautner von Markhos. Göttweihergasse (I. Bez), benannt nach dem Göttweiherhos (s. d.), welcher eine Ecke derselben bildet. Vormals hieß sie Kockgasse. Göttweiherhos (I. Bez.) wurde 1237 von Kaiser Friedrich II. dem Benediktinerstifte Göttweih in Nieder- Österreich geschenkt; seine heutige Gestalt erhielt das Gebäude im Jahre 1829. Graben (I. Bez.) heißt dieser Platz im Herzen der Stadt, weil hier Umlauft, Namenbuch der Stadt Wien. bis in die erste Hälfte des 12. Jhd. der Festungsgraben des alten Wiens verlies, welcher bei der Erweiterung der Stadt unter Leopold dem Glorreichen verschüttet und mit Häusern verbaut wurde. Grabenhos (I. Bez.), ein glänzender, neuer Prachtbau auf dem Graben (s. d.) und darnach benannt; 1875 an Stelle zweier alten Häuser, des sogenannten Freiherr von Selb- schen Hauses und des sogenannten Haffner'schen Hauses „zum goldenen Kopf", ausgesührt. Graben, Tiefer (I. Bez.), s. Tiefer Graben. Grangasse (XV. Bez.), bis 1894 Glückgasse, nunmehr benannt nach Daniel Gran (geb. 1694, gest. 1757 in St. Pölten), hervorragendem Maler, zu dessen bedeutendsten Werken die Fresko-Deckengemälde der Hosbiblio- thek, der Schlosskapelle in Schönbrunn und des k. k. Lustschlosses zu Hetzendors gehören. Grashofgasse (I. Bez.) hieß vormals das „Gässel vom heiligen Creutzerhof", nach dem Heiligenkreuzerhof (s. d.), den sie an der Nordostseite begrenzt. Ihr gegenwärtiger Name rührt von dem Hause Nr. 699 (neu Nr. 4), welches schon im I. 1683 das Hausschild „znm Grashof" führte. Grafsiqasse (XIII. Bez., Breitensee), bis 1894 Dreyhausengasse, jetzt benannt nach dem Bildhauer Anton Grassi (geb. in Wien 1755, gest. daselbst am 31. December 1807), Director der höheren Kunstclassen an der Wiener Akademie der bildenden Künste, der sich namentlich um die Wiener Por- cellanmanusactur verdient gemacht hat. Grauinaunqasse (XIV. Bez, Sechshans) hieß bis 1894 Wienflussgasse. Greifgasse (XI. Bez., Simme- 6 82 Gremergasse — Grinzinger Friedhofstraße. ring), benannt nach dem Lehensbesitzer Greis aus Simmering im Jahre 1301. Bis 1894 hieß die Gasse Plener- gasse. (Vgl. Plenergasse im XVIII. Bezirk.) Greinergasse (XIX. Bez., Nussdorf), benannt nach dem verstorbenen Bürgermeister Greiner von Nussdorf; sie entstand 1894 durch die Zusammenziehung der Herrengasse und der Kirchengasse in Nussdorf in eine Gasse. Greiseneckergasse (II Bez), eine neue Gasse, welche ihren Namen dem Hauptmanne der Bürger Hans von Greißneck oder auch Greisenecker verdankt, der bei der ersten Türkenbelagerung Wiens 1529 sich durch große Tapferkeit auszeichnete. Grenzackergasse (X. Bez.), benannt nach dem Ried „Grenzacker", das hier lief. Bis 1894 hieß die Gasse Grenzgasse. Grenzgasse (X. Bez.), seit 1894 Grenzackergasse (s. d.). Grenzgasse (XIV. B., Rudolfsheim, und XV. Bez.) führt ihren Namen, weil sie die Grenze zwischen Rndolssheim und Fünfhaus bildet. Griechengasse (I. Bez.), so genannt, weil hier seit alters die griechischen Kaufleute wohnten; hier (am Hasnersteig) befindet sich auch seit 1783 eine Kapelle (zum hl. Georg), der griechischen Handelsleute, welche türkische Unterthanen sind. 1342 wird die Gasse urkundlich luter tiZuIos, unter den Hafnern, genannt. Griesgasse (V. Bezirk) dürste ihren Namen von dem sandigen Boden, auf dem sie sich befindet, erhalten haben; Gries ist der alte, im Volksmunde noch erhaltene Ausdruck für Sand (vgl. Salzgries). Grieshofgasse (XII. B., Unter- Meidling), benannt nach dem Gehöfte Gries, das 1380 in der Nähe sich befand. (Über das Wort Gries vergl. Griesgasse.) Bis 1894 hieß die Gasse Leopoldigasse. Grillgasse (XI. Be;., Simmering) hieß bis 1894 Feldgasse und ist jetzt vielleicht benannt nach Georg Grill (geb. am 9. April 1704 zu Krems, gest. am 19. März 1757 zu Wien), Priester der Gesellschaft Jesu, Prediger von glänzender Beredsamkeit. Grillparzergasse (XVII. Bez., Hernals), seit 1894 Horneckgasse, benannt nach dem Dichter und Chronisten Ottokar von Steiermark oder von Horneck (in der zweiten Hälfte des 13. und zu Anfang des 14. Jahrhunderts). Grillparzerstraße (I. Bez.), eine neue Straße, benannt zu Ehren des großen österreichischen Dichters Franz Grillparzer (geb. am 15. Jänner 1791 zu Wien, gest. daselbst am 21. Jänner 1872). Grimmgasse (XIV. Bezirk, Rudolfsheim), bis 1894 Fischergasse, nunmehr nach den Gebrüdern Jakob Ludwig Grimm (geb. am 4. Jänner 1785 zu Hanau, gest. am 20. September 1863 in Berlin) und Wilhelm Karl Grimm (geb. am 24. Februar 1786 zu Hanau, gest. am 16. De- cember 1859 zu Berlin), berühmten deutschen Sprach- und Alterthumsforschern, benannt. Grinzing, bis Ende 1891 eine eigene Ortsgemeinde, seit 1892 zum XIX. Bezirke Döbling einbezogen; 1187 Grinzingen aus älterem Grimi- zingun, 1271 Grincinge, 1360 Grin- czing, weist auf den Gründer Namens Grimizo und heißt soviel als „zu den Nachkommen des Grimizo." Grinzinger Allee (XIX. Bez, Grinzing) heißt seit 1894 die Wienerstraße bis zur Grinzingerstraße. Grinzinger Hriedhofstraße Grinzingerstraße — Gundelhof. 83 (XIX. Bez., Grinzing) hieß bis 1894 einfach Friedhofstraße. Grinzingerstraße (XIX. Bez., Nufsdorf, Heiligenstadt und Grinzing) heißt seit 1894 die ehemalige Hauptstraße von Nussdorf sammt ihrem weiteren Verlause durch Heiligenstadt bis Grinzing. Grinzingerstraße (XIX. Bez., Unter-Sievering), seit 1894 Daringerstraße, benannt nach dem Errichter der Pestsäule in Sievering, Daringer. Grohgafse (V. Bez.) verdankt ihren Namen dem Besitzer eines Häuser- complexes, der die Stelle des früheren großen Kirchengartens einnahm. Gröretgasse (XI. Bez., Kaiser- Ebersdorf) ist nach dem Ried Gröret benannt; letzterer Name, für Geröhret, bedeutet soviel als Röhricht. Grünangergasse (I. Bezirk) leitet ihren Namen von der Bezeichnung am grünen Anger oder auf dem Anger (so 1342), welche diese Stadtgegend seit den ältesten Zeiten führte und die aus die hier einst befindlichen grünenden Rasen- und Ackerplätze deutete. Grüne Thorgajse (IX. Bez.) leitet ihren Namen von dem Gasthause „zum grünen Thor" ab, welches zu Anfang unseres Jahrhunderts abgebrochen wurde. Grüngafse (V. Bez.) erinnert wohl mit ihrem Namen an die ausgedehnten Gemüsegärten, welche vormals hier bestanden. Grünhaufen (II. Bez., Prater), ursprünglich eine von der Donau ausgeschüttete Sandbank, die sich allmählich mit Grün überkleidete; Haufen ist der volksthümliche Ausdruck für Sandbank. Gspöttgraben (XIX. Bezirk, Ober-Sievering), nach dem Ried Gspött benannt, an dessen Westseite er läuft. Guldengasse (XIII. B., Baumgarten), hieß bis 1894 Wiengasse nach dem nahen Wienflusse, jetzt nach der in Baumgarten altsesshaften Familie Gulden. Gumpendors, bis 1850 eine eigene Vorstadt, jetzt ein Theil des VI. Bezirkes Mariahils. Der Name ist wahrscheinlich zusammengesetzt mit Gumpen (die), kleiner, aber tiefer Pfuhl, Teich, See, besonders tiefe Stelle in Flüssen und Seen (Schmeller, Bayerisches Wörterbuch, I. Bd., S. 915). Im Jahre 1207 erscheint Gumpendors zuerst als Ortsname. 1216 wird urkundlich Gumpendors ein Meierhof (Villa) genannt. Seit 1155 treffen wir ein eigenes Geschlecht, die Herren von Gumpendors. Aus dem 12. und 13. Jahrhundert sind die Namen ansehnlicher Personen von Gumpendors aufbewahrt, so 1155 ein Ministeriale Albero de Gumpendors, 1171 eine adelige Familie, die sich nach ihrem Besitze von Gumpendors schrieb, 1270 ein Otto von Gumpendors; später wird ein Heinrich Graf von Gumpendors erwähnt, weshalb die Entstehung von Gumpendors dieser Adelsfamilie zugeschrieben wird. Gumpendorserstraße (VI B ) erinnert mit ihrem Namen an die ehemalige Vorstadt Guinpendors (s. d,), deren Hauptstraße der obere Theil dieser Straße war; der untere Theil hieß früher Kothgaffe, welcher Name von der ehemaligen „Kothlucke", einer uralten vorstädtischen Ansiedlung in dieser Gegend, herstammte. Gundelhof (I. Bez.), vormals Gundlachhof, verdankt seinen Namen dem aus Tirol eingewanderten reichen Wiener Bürger Georg Gundlach, welcher das Gebäude 1490 ankauste und längere Zeit besaß. Im Jahre 1877 wurde der Gundelhof abgerissen 6 * 84 Guneschgasse — Hackcnberggasse und an seiner Stelle zwei neue Zinshäuser (Bauernmarkt Nr. 2 und 4) erbaut. Guneschgasse (XIX. B., Ober- Döbling), bis 1894 Antonieugasse, nunmehr benannt nach Andreas Gu- nesch (geb. 1799 zu Mediasch in Siebenbürgen, gest. in Wien 1875), Superintendenten der Wiener evangelischen Gemeinde A. C. Güpferlingstraße (XVII. B., Dornbach), bis 1894 Ottakringer- straße, nunmehr benannt nach dem nahen Ried Güpferling, ein Name, der jedessalls zu Gupf, rundliche Erhebung, gehört. Gürtelftraße (II. Bez., Prater), die von der Hauptallee rechts abzweigende Straße, welche beim zweiten Rondeau wieder in die Hauptallee einmündet und so gleichsam einen Gürtel bildet. Gürtelffraße (XII. B., Gaudenz- dors), seit 1894 Gaudenzdorfer Gürtel. Gürtelftraße (XVII. Bezirk, Hernals), seit 1894 Hernalser Gürtel. Gürtelstraße (XVIII. Bezirk, Währing), seit 1894 Währinger Gürtel. Gusshausstraße (IV. Bezirk), benannt nach dem daselbst befindlichen k. k. Gusshause, der späteren k. k. Knnsterzgießerei, welche sich gegenwärtig im Besitze des Professors Franz Pön- ninger befindet. Gutenberggasse (VII Bez), früher Johannesgasse, benannt zu Ehren des Erfinders der Buchdruckerkunst Johannes Gutenberg (geboren zwischen 1397 und 1400 zu Mainz, gest. am 27. September 1467 daselbst). Gymnasium gaffe (XII Bez., Unter-Meidling), nach dem daselbst befindlichen k. k. Staatsgymnasium benannt, seit 1894 Haschkagasse nach dem Dichter Lorenz Leopold Haschka (geb. 1749, gest. 1827), dem Verfasser der ersten österreichischen Volkshymne. Gymnaßumffraße (XVIII. B , Währing), bis 1894 Feldgasse, jetzt mit der Gymnasiumstraße im XIX. Bez. (s. d.) zusammengezogen. Gymnaßumstraße (XIX. B, Ober-Döbling), so benannt, weil sich in dieser Straße (Nr. 37) das Com- munal-Gymnasium im XIX. Bezirke befindet. Gyrowetzgaffe (XIII. Bezirk, Penzing), bis 1894 Mayrgasse, jetzt benannt nach dem Componisten und Hofkapellmeister Adalbert Gyrowetz (geb. am 19. Februar 1763 zu Bud- weis, gest. am 19. März 1850 in Wien), welcher lange Jahre in Wien lebte. H Haarhof (I. Bez.), Seitengasse der Naglergasse zu deren Verbindung mit der Wallnerstraße; diese unregelmäßige Gasse, welche vor Zeiten der „Kraffthoff" genannt wurde, hat ihren Namen daher, weil hier einst ein ausgebreiteter Handel mit Flachs (Haar) getrieben wurde. Habsburgergaffe (I. Bezirk), vormals „obere Bräunerstraße" (s. d.), seit 1862 zu Ehren des seit 1282 in Österreich regierenden Hauses der Habsburger genannt. Habsburgplatz (XVI. Bezirk, Ottakring), wie die Habsburgergasse im I. Bez. zu Ehren des Hauses Habsburg benannt. Hackenberggaffe (XIX. Bezirk, Hackhofergasse — Haide, Auf der. 85 Unter-Sievering) ist nach dem Ried Hackenberg benannt. Hackhofergasse (XIX. Bezirk, Nussdors), bis 1894 Färbergasse, nunmehr benannt nach dem im Jahre 1854 verstorbenen Ignaz Hackhoser, welcher 1814 in der Gasse eine Färberei errichtete. Hacking, bis Ende 1891 eine selbständige Ortsgemeinde, seit 1892 einbezogen in den XIII. Bez. Wiens; 1216 urkundlich Hakkinge, vom Personennamen Hago, Hacko abgeleitet, d. h. „zu den Nachkommen des Hacko". Hackingerstrasie (XIII. Bezirk, Baumgartcn und Hacking); seit 1694 ist die ehemalige Alleegasse in Hacking mit der Hackingerstraße zu einer Straße vereinigt. Hadersdorf, Dorf, von dem seit Anfang 1892 ein Theil zum XIII. Bezirk Wiens gehört; urkundl. 1196 Hadrichestorf, 1466 Haderstorf; d. i. Dorf eines Hadirih, Hederich. Hadikgasse (XIII. Bez., Penzing), bis 1894 Parkgasse, jetzt benannt nach Andreas Grafen Hadik von Futak (geb. am 16. October 1710 auf der Insel Schütt, gest. am 12. März 1790 zu Wien), Feldmarschall-Lieutenant, Präsidenten des Hofkriegsrathes, hervorragendem Feldherrn im siebenjährigen Kriege, der sich namentlich durch die Besetzung der Stadt Berlin 1756 und die von ihm gewonnene Schlacht bei Freiberg 1762 große Verdienste erwarb. Haebergasse (XII. Bez-, Gaudenzdorf), benannt nach dem verstorbenen Armenärzte vr. Haeber. Bis 1894 hieß sie Sackgasse. Hafengasse (III. Bez.), benannt nach dem in der Nähe befindlichen, 1880 aufgelassenen Hasen des Wiener- Neustädter Schiffahrtscanals, welcher in den Jahren 1797 bis 1803 gebaut wurde. Das Hafenbassin desselben befand sich anfangs zwischen dem Jnvalidenhause und dem Gebäude der Finanz-Landes-Direction (auf dem heutigen Platze des Eislaufvereines); als die Wiener Verbindungsbahn (1847 bis 1849) gebaut wurde, verlegte man den Hasen an den oberen Rennweg; beim Baue der Aspangbahn wurde auch dieser ausgelassen, nachdem schon 1879 die Schiffahrt auf dein Canal eingestellt worden war. Hafnergasse (II. Bez.), als ehemaliger Sitz von Hafnern oder Töpfern so benannt. Hafnerskeig (I. Bez.); diese ansteigende, unregelmäßige Gasse hieß als Sitz der Hafner oder Töpfer schon in den ältesten Zeiten „unter den Hafnern" (lati 8 iAul 08 ); später kam die Bezeichnung „Hafnersteig" auf, 1701 wird die Benennung „gegen dem Haffnerbaad" erwähnt. Die Abzweigung des Hafnersteiges zum Laurenzer- berg hieß vormals „Sauerkrautgasse". Hägelingasse (XIII. Bez., Breitensee), bis 1894 Schulgasse, nunmehr wohl benannt nach Franz Karl Hägelin (gest. am 18. Juni 1809), nieder- österreichischem Regierungsrath, Beisitzer der Bücher-Hoscommission in Wien. Hagenmüllergasse (III. Bez ), benannt zur Erinnerung an Franz Josef Freiherrn von Hagenmüller, welcher in dieser Gegend ausgedehnten Grundbesitz hatte. Einen Theil davon verkaufte er 1812 an den Fürsten Andreas Rasu- moffsky, als dieser seinen großen Park anlegte (vgl. Rasumoffskygasse). Hahngasse (IX. Bez.) heißt so nach dem Gasthause „zum weißen Hahn"; bis 1770 hieß sie Fuhrmannsgasse, weil daselbst meist Fuhrleute und Pferdehändler wohnten. Haide, Auf der (II. Bez.), hat 86 Haide, Auf der — Hammerschmidtgasse. den alten Namen „Auf der Haide", welchen diese Gegend seit ältester Zeit führt, bewahrt. Wegen Namensgleichheit mit anderen Örtlichkeiten erhielt sie aber 1894 die Bezeichnung „Im Werd", den alten, verschollenen Namen der Leopoldstadt «vgl. d.). Haide, Auf der (XI. Bezirk), seit 1894 „Auf der Simmeringer Haide" (s. d.). Haidgasse (II. Bez.) befindet sich zum Theil an einer Stelle, welche vormals die Haide oder auf der Haide hieß und hat davon ihren Namen. Bis in die Vierziger-Jahre führte der ältere Theil dieser Gasse den Namen „Badgasse", nach dem Judenbade, welches seit dem 17. Jahrhunderte sich daselbst befand. Haidingergasse (III. Bezirk), benannt zu Ehren des berühmten Mineralogen Wilhelm Ritter von Haidinger (geb. am 5. Februar 1795 zu Wien, gest. zu Dornbach bei Wien am 19. März 1871), welcher von 1849 bis 1866 Director der von ihm eingerichteten k. k. geologischen Reichsanstalt (in der Rasumofsskygasse) war. Haizingergasse (XVIII. Bez., Währing), bis 1894 Ferstelgasse (s. d. IX. Bez.) nach dem berühmten Architekten Heinrich Freiherrn von Ferstel, nunmehr benannt zur Erinnerung an die treffliche Hosschauspielerin Amalie Haizinger (geb. zu Karlsruhe am 6. Mai 1800, gest. am 11. August 1884). Halbgasse (XII. Bezirk, Oberund Unter-Meidling), seit 1894 Nosas- gasse benannt nach dem vorzüglichen Augenärzte Anton Oskar von Rosas (geb. am 30. December 1791, gest. am 31. Mai 1855 in Wien). Hallergasse (XI. Bez., Simmering), nach dem deutschen Dichter Albrecht von Haller (geb. am 16. Oktober 1708 zu Bern, gest. daselbst am 12. December 1777) benannt. Bis 1894 hieß die Gasse Gärtncrgasse. Halmgasse (II. Bez., Prater), eine neue Gasse, zu Ehren des Eligius Freiherrn von Münch-Bellinghausen (geb. am 2. April 1806 zu Krakau) benannt, der unter dem Pseudonym Friedrich Halm als dramatischer Dichter sich einen vorzüglichen Namen erworben und als Generalintendant der k. k. Hostheater am 22. Mai 1871 in Wien starb. Halmgasse (XIII. Bez., Hüttel- dorf), seit 1894 Brudermanngasse. Halmgasse (XVII. B., Hernals), seit 1894 Gilmgasse benannt nach dem lyrischen Dichter Hermann v. Gilm zu Rosenegg (geb. zu Rankweil in Vorarlberg am 1. November 1813, gest. am 31. März 1864 zu Linz). Hameausiraße (XVIII. Bez., Salmannsdors), bis 1894 Mariengasse, erhielt ihren jetzigen Namen, weil sie in der Richtung gegen das Hameau oder Holländerdörsel, eine aus der Höhe im Walde gelegene Restauration, führt. Das französische Wort Uainoau heißt Weiler, Dörfchen. Hamiltongafse (XIII Bezirk, Hütteldors), bis 1894 Feldgasse, nunmehr benannt nach Johann Andreas Grasen Hamilton, General der Caval- lerie und seit 1735 Präsident des Hofkriegsrathes, der sich im spanischen Erbfolgekriege, 1717 im Türkenkriege und später in Italien auszeichnete. Hammer Purgftallgasse (II. Bez.), benannt zu Ehreu des berühmten Orientalisten und Dichters Josef Freiherrn von Hammer-Pnrgstall (geb. zu Graz am 9. Juni 1774, gest. zu Wien am 23. November 1856). Die im Jahre 1841 entstandene Gasse hieß bis 1894 zu Ehren des Erzherzogs Anton Antonsgasse. Hammerschmidtgasse (XIX. Handels-Quai — Harthausergasse. 87 Be;., Nussdorf und Grinzing) heißt seit 1894 die ehemalige Heiligenstädterstraße. Handels Ouai (II. Bez.), eine im Entstehen begriffene Straße der Donaustadt (s. d.), so benannt, weil zu erwarten steht, dass diese Gegend ein Hauptsitz der Handelsthätigkeit werde. Hanglüßgasse (XV. Bez.), nach dein alten Riednamen „in den Hangenden Lüsten" benannt. Bei Verpachtungen oder Veräußerungen von großen Grund- complexen wurden diese, um vortheil- hafter an Mann gebracht zu werden, in kleine Parcellen oder Loose (veraltet Luss oder Lüsten) getheilt. Die Hangenden Lüsten sind also solche Parcellen aus einem Abhange. Hannovergasse (II. Bez.), eine neue Gasse, benannt zur Erinnerung an die Hannoveraner, welche 1866 Verbündete Österreichs waren und von deren Armee ein Theil mit der flüchtigen Königsfamilie bis nach Wien kam. Hannovergafse (XIII. Bezirk) heißt seit 1894 Serravagasse. Hansalgasse (III. Bez.), benannt zu Ehren des auch um die Afrikaforschung verdienten österr.-ungar. Viceconsuls Martin Ludwig Hansal in Chartum, welcher am 26. Jänner 1885 von den Truppen des Mahdi ermordet wurde. Hansengasse (X. Bez.), eine Fortsetzung den Senefeldergasse, (s. d.) erhielt 1894 diesen Namen. Hansenstraße (I. Bez.), bis 1894 Amalienstraße genannt, führt ihren neuen Namen zu Ehren des berühmten Architekten Theophil Edvard Freiherrn von Hansen (geb. am 13. Juli 1813 zu Kopenhagen, gest. in Wien am 17. Februar 1891), welcher in dem neuen Wien eine Anzahl der hervorragendsten Bauten aufführte, und zwar das Wasfenmuseum des Arsenals, den Heinrichshof, den Palast des -s Erzherzogs Wilhelm, das Mnsik- vereinsgebäude, die Börse, die Akademie der bildenden Künste und das Parlamentsgebäude. Hans Sachsgasse (XVIil. Bez., Währing), bis 1894 Wildemanngasse, nunmehr benannt nach dem Nürnberger Dichter und Meistersänger Hans Sachs (geb. am 5. November 1494 zu Nürnberg, gest. daselbst am 25. Jänner 1576), welcher auch einen Lobspruch auf Wien gedichtet hat. Hardtgasse (XIX. Be;., Ober- Döbling), nach dem nahegelegenen Ried „Hardt" benannt; bis 1894 hieß sie Neugasfe. Hardt heißt soviel als Wald, Waldberg. Hardtnruthgafse (X. Bezirk), benannt nach dem Bleististfabrikanten und Fabriksbesitzcr Josef Hardtmuth (geb. in Asparn a. d. Zaya 20. Februar 1752, gest. in Wien 23. Mai 1816), dem Erfinder des „Wiener Steinguts". 1894 wurden di- bisherige Franz Josefsgasse und Rudolfsgasse zusammengezogen und erhielten den neuen Namen. Harnroniegasse (IX. Bezirk), eine neue Gasse, in welcher 1866 das von der Baronin PaSqualati errichtete Harmonietheater eröffnet wurde; es ist das heutige „Orpheum". Harrachgasse (II- Bez., Prater), eine neue Gasse, benannt zu Ehren des um Österreich hochverdienten Grafengeschlechtes Harrach. Hartackerftraße (XIV. Bezirk, Ober-Döbling), bis 1894 Pötzleins- dorserstraße, nunmehr nach dein Nied „Hartäcker" benannt. Harthausergasse (XII. Bez., Gaudenzdorf), benannt nach dem verdienten Gemeinderathe von Gaudenz- 88 Hartmanngassc — Hauptstraße. dorf, Harthauser. Bis 1894 hieß sie Wiengasse, weil sie von der Jakobstraße zum Wienflusse führt. Hartmanngasse (V.Bez.), 1826 eröffnet aus einem Grunde, der früher „Im Neusätzen" hieß, und nach dem Realitätenbesitzer Hartmann benannt. Hascbkagasse (XII. Bez.), Unter- Meidling), benannt nach dem Dichter- Lorenz Leopold Haschka (geb. 1749, gest. 1827), dem Verfasser der ersten österreichischen Volkshymne. Bis 1894 hieß die Gasse Ghmnasiumgasse nach dem daselbst befindlichen k. k. Staatsgymnasium. Hasenauerstraße (XIX. Bez., Ober-Döbling), bis 1894 Parkgasse, nunmehr nach dem Architekten Karl Freiherrn von Hasenauer (geb. am 20. Juli 1833 zu Wien, gest. daselbst am 4. Jänner 1894) benannt, von welchem die Pläne zu den k. k. Hos- museen und im Vereine mit Semper zu dem neuen Ausbaue der k. k. Hofburg in Wien entworfen wurden. Hasenleitengafse (XI. Bezirk, Simmering), benaünt nach dem Ried Hasenleiten in der Nähe. Bis 1894 hieß die Gasse Laaerweg, weil sie zur Ortschaft Unter-Laa führt, auch Lampel- weg. Haslingergasse (XVI. Bezirk, Ottakring, und XVII. Bez., Hernals), bis 1894 Sterngasse, nunmehr benannt nach dem Musikalienverleger Tobias Haslinger (1787 bis 1842). Hasnerstraße (XI. Bez., Simmering), seit 1894 Geiereckstraße, nach dem alten nahegelegenen Ried „Geiereck". Hasnerstraße (XVI. Bezirk, Neulerchenfeld), benannt nach dem Staatsmanne, philosophischen und nationalökonomischen Schriftsteller- Leopold Hasner Ritter von Artha (geb. am 15. März 1818 zu Prag, gest. in Ischl am 5. Juni 1891), welcher 1868 Unterrichtsminister im Ministerium Auersperg wurde, in welcher Stellung er das neue österreichische Volksschulgesetz schuf. Vom 1. Februar bis 5. April 1870 war er Ministerpräsident. Haspingergaste (VIII. Bezirk, eine neue Gasse, benannt zu Ehren des Kapuzinermönches Joachim Ha- spinger (geb. am 27. October 1776 im Pusterthale, gest. am 12. Jänner 1858 in Hietzing bei Wien), welcher sich im Freiheitskampfe Tirols unter Andreas Hofer 1809 hervorthat. Hauffgasse (XI. Bezirk, Simmering), bis 1894 Hirschengasse, jetzt nach dem deutschen Schriftsteller Wilhelm Hauff (geb. am 29. November 1802 zu Stuttgart, gest. daselbst am 18. September 1827) benannt. Hauptallee (II. Bez., Prater) führt ihren Namen, weil sie den Prater in schnurgerader Linie in der Mitte durchschneidet und auch die breiteste Allee mit vier Baumreihen und drei Wegen: Fahrbahn, Reitallee und Fußgeherallee, ist. Hauptplatz (XIX. Bez., Nussdorf) heißt seit 1894 Nussdorferplatz zur Wahrung des Ortsnamens Nussdorf. Hauptstraße (XI. Bez., Simmering) heißt seit 1894 Schwechaterstraße, weil sie nach Schwechat führt. Hauptstraße (XII. Bez., Hetzen- dors und Altmannsdorf) heißen zusammen seit 1894 Hetzendorserstraße. Hauptstraße (XIII. Bezirk, Baumgarten), seit 1894 mit der Poststraße in Penzing und der Hauptstraße in Hütteldorf als „Linzerstraße" (s. d.) vereinigt. Hauptstraße (XIII. Bezirk, Breitensee) heißt seit 1894 zur Wahrung Hauptstraße — Hausergasse. 89 der alten Ortsbezeichnung Breitenseer- straße. Hauptstraße (XIII. Bezirk, Hietzing) heißt seit 1894 Hietzinger Hauptstraße zur Wahrung des Ortsnamens Hietzing. Hauptstraße (XIII. Bezirk, Hütteldors), seit 1894 Linzerstraße (s.d.). Hauptstraße (XIII. Bez., Lainz), seit 1894 Lainzerstraße zur Wahrung des Ortsnamens Lainz. Hauptstraße (XIII. Bezirk, Penzing), seit 1894 Penzingerstraße zur Wahrung des alten Ortsnamens Penzing. Hauptstraße (XIII. Bezirk, Speising), seit 1894 mit der Wienerstraße in Mauer Speisingerstraße zur Wahrung des alten Ortsnamens Speising. Hauptstraße (XIII. Bez., Unter- Set. Veit), seit 1894 mit der Hauptstraße von Hietzing unter dem Namen Hietzinger Hauptstraße verbunden. Hauptstraße (XIV. B., Rudolfsheim und Sechshaus), seit 1894 als Sechshauserstraße zusammengezogen und zur Wahrung des alten Ortsnamens Sechshaus benannt. Hauptstraße (XV. Bez.), seit 1894 Sechshauserstraße, da sie nach Sechshaus (s. d.) führt. Hauptstraße (XVI. Bez., Nen- lerchenfeld) heißt seit 1894 Neulerchenfelderstraße zur Wahrung des Ortsnamens Neulerchenfeld. Hauptstraße (XVII. B., Dörnbach), seit 1894 Dornbacherstraße (von der Spitalswäscherei bis zur Demel- schen Villa), zur Wahrung des Ortsnamens Dornbach. Hauptstraße (XVII. Bezirk, Hernals), seit 1894 (bis zur Spitalswäscherei) Hernalser Hauptstraße, zur Wahrung des Ortsnamens Hernals. Hauptstraße (XVII. B., Neuwaldegg), seit 1894 Neuwaldeggerstraße (von der Villa Demel an), zur Wahrung des Ortsnamens Neuwaldegg benannt. Hauptstraße (XVIII. B., Gersthof), seit 1894 Gersthoserstraße, zur Wahrung des Ortsnamens Gersthof. Hauptstraße (XVIII. B., Pötz- leinsdors), seit 1894 Pötzleinsdorfer- straße, zur Wahrung des Ortsnamens Pötzleinsdorf. Hauptstraße (XVIII. B., Sal- mannsdors), seit 1894 Salmanns- dorferstraße, zur Wahrung des Ortsnamens Salmannsdorf. Hauptstraße (XVIII. Bezirk, Währing), seit 1894 mit der Hauptstraße von Weinhaus zusammengezogen und Währing-Weinhauserstraße benannt. Hauptstraße (XVIII. B., Weinhaus), seit 1894 mit der Hauptstraße von Währing zusammengezogen und Währing-Weinhauserstraße benannt. Hauptstraße (XIX. B., Nuss- dors) ist sammt ihrer Fortsetzung, der Nussdorferstraße in Ober-Döbling und Heiligenstadt seit 1894 Heiligenstädterstraße benannt. Hauptstraße (XIX. B., Ober- Döbling), seit 1894 Döblinger Hauptstraße, zur Wahrung des Ortsnamens Döbling benannt. Hauptstraße (XIX. B., Oberund Unter-Sievering) heißt seit 1894 Sieveringerstraße, zur Wahrung des Ortsnamens Sievering. Hauptzollamtsbrücke, Wien brückensteg, welcher vom I. Bez. zum Hauptzollamt im III. Bez. führt. Hausergafse (X. Bez.), benannt zur Erinnerung an den Baumeister Georg Hauser, welcher um 1516 bis 1520 an dem Halbthurme des Wiener Stephansdomes arbeitete. 90 Hauslabgasse Heiligenstadt. Hauslabgasse (V. Bez.), eine neue Gasse, benannt zu Ehren des k. k. Feldzeugmeisters Franz Ritter v. Hauslab (geb. zu Wien am 1. Februar 1798, gest. daselbst am 11. Februar 1883), welcher sich besonders durch seine Forschungen über die älteste Geschichte Wiens verdient gemacht hat. Hauslabgasse (XVI. Bez., Ottakring) ist seit 1894 zur Koppstraße (s. d.) in demselben Bezirke einbezogen und führt somit diesen Namen. Haydngasse (VI. Bez.), benannt nach dem Hause Nr. 19, welches vormals dem großen Tondichter Josef Haydn (geb. am 31. März 1732 zu Nohrau in Nieder-Österreich, gest. am 31. Mai 1809 in Wien) gehörte und das „zum Haydn" heißt. Am 20. Juli 1840 wurde in diesem Hause eine Gedenktafel enthüllt und gleichzeitig die Gasse Haydngasse genannt. Früher hieß sie „kleine Steingasse", angeblich von mehreren Steinhaufen, die vormals in dieser Gegend lagen. Haymerlegasse (XVI. Bez., Ottakring), bis 1894 Engerthgasse, (s. d. II. Bez.), nunmehr benannt nach dem Staatsmanne Heinrich Freiherrn von Haymerle (geb. am 7. December 1828 zu Wien, gest. daselbst am 10. October 1881), welcher von 1878 bis 1881 Minister des kaiserlichen Hauses und der auswärtigen Angelegenheiten war. Hebbelgasse (X. Bez.), eine neue Gasse, benannt zu Ehren des berühmten deutschen Dichters Friedrich Hebbel, welcher, am 18. März 1813 zu Wessel- buren in Ditmarschen geboren, 1842 seinen bleibenden Wohnsitz in Wien nahm, wo er auch am 13. December 1863 starb. Hebragasse (IX. Bez.), benannt zur Erinnerung an den ausgezeichneten Mediciner Professor Ferdinand Ritter von Hebra, geb. am 7. October 1816 zu Brünn, gest. in Wien am 5. August 1880, welcher lange Jahre in der Mariannengasse im IX. Bez. wohnte. Hechtengasse (IV. Bz.), benannt nach dem Gasthause „zum blauen Hechten" in dem Eckhause der Hechtengasse und Waaggasse. Hegelgasse (I. Bez.), eine neue Gasse, benannt zu Ehren des berühmten deutschen Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel (geb. am 27. August 1770 zu Stuttgart, gest. am 14. November 1831 zu Berlin). Heidenschuss (I. Bez.), eine kurze Gasse, benannt nach einem Hause, welches urkundlich Eigenthum der Familie Haid oder Haiden war und daher das Haidenhaus genannt wurde. Später bekam dasselbe ein Hausschild mit einem schießenden Türken (Bogenschützen). Darnach hieß es schon vor der ersten Türkenbelagerung „zum Haidenschuss"; in einer Urkunde vom 10. October 1528 heißt es: „gegen den Haws über, da der Haydt scheust". Die bekannte Sage von der tapferen Vertheidigung eines Bäckers mit seinen Leuten gegen die 1529 durch eine Mine eingedrungenen Türken ist erst viel später entstanden und eben durch den Localnamen veranlasst worden. — Der älteste Namen der Gasse, welcher 1384 urkundlich erwähnt wird, war „Am Kiel". Heiligenkreuzerhos (I. Bez, zwischen Schönlaterngasse und Gras- hosgasse) wurde von Herzog Albrechtl. 1286 dem Cistercienserstiste Heiligenkreuz in Niederösterreich gewidmet. Nach diesem Stistshofe hieß in den ältesten Grundbüchern die Schönlaterngasse auch „beim heiligen Creutzerhoff." Heiligenstadt, bis Ende 1891 eine selbständige Ortsgemeinde, seit 1892 in den XIX. Bez. einbezogen. Heiligenstädtergasse — Hellwagstraße. 91 -— früher die heilige Stätte — ist angeblich zu Ehren des hl. Severin so benannt. Im 12. Jhd. hieß dieser Ort von der dortigen Kirche nä 8. Nietmolew; im 13. 8anetu8 I-oeus, dann, im Anfang des 15. Jhd. Zanota eivitnS) UrlAiopoIis. Nach einer anderen Annahme soll die Lage auf einer Lehmstätte und einem Ried, „Im Heiligen" genannt, diesem Dorfe seinen Namen verschafft haben. Heiligenstädtergasse (XIX. Bez., Heiligenstadt), seit 1894 mit der Heiligenstädterstraße in Nussdorf Hammerschmidtgasse. Heiligenftädterfiraße (XIX. Bez., Nussdors, Heiligenstadt und Grinzing) heißt seit 1894 Grinzingerstraße. Heiligenstädterftraße (XIX Bez., Ober-Döbling und Heiligenstadt), bis 1894 Nussdorserstraße, jetzt mit der Hauptstraße von Nussdorf unter obigem Namen zusammengezogen. Heinegasse (V. Bez.), eine neue Gasse zu Ehren des Dichters Heinrich Heine (geb. am 13. December 1799 zu Düsseldorf, gest. am 17. Februar 1856 zu Paris) benannt. Heinickegajse (XIV. Bezirk, Rudolssheim) heißt seit 1894 die Verlängerung der Braunhirschengasse (s. Braunhirschen) nach Samuel Hei- nicke (geb. am 10. April 1729 zu Nautschütz bei Weißenfels in der Provinz Sachsen, gest. am 30. April 1790 in Leipzig), dem Begründer eines aus wissenschaftlichen Grundsätzen abgeleiteten Taubstummen-Unterrichtes in Deutschland und der ersten Lehranstalt für gemeinsamen Unterricht Taubstummer. Heinrichgasse (I. Bez.), eine neue Gasse, benannt zu Ehren des Erzherzogs Heinrich (geb. am 9. Mai 1828 zu Mailand, gest. am 30. November 1891 zu Wien). Heinrichgasse (X. Bez.), eine Fortsetzung der Siccardsburggasse (s. d.), deren Namen sie seit 1894 auch führt. Heinrichsgasse (XII. Bez., Unt. Meidling), seit 1894 Zeleborgasse, nach dem verstorbenen Bürgermeister von Meidling. Heinrichshof (I. Bez., Opernring), 1863 erbaut und nach seinem Besitzendem Großindustriellen Heinrich Dräsche von Wartinberg benannt. Heinzelmanngasse (II Bez.), benannt nach dem ehemaligen Bezirksvorsteher der Leopoldstadt, Johann Heinzelmann (gest. am 6. Jän. 1885). Heldenplatz (I. Bez.) heißt auch der äußere Burgplatz (s. d.), weil auf ihm die Standbilder der siegreichen Heerführer Österreichs, des Erzherzogs Karl und des Prinzen Eugen, aufgestellt sind. Helferstorferftrasie (I Bez ), früher Schottensteig, nunmehr benannt zu Ehren des am 25. October 1880 verstorbenen Schottenabtes Othmar Helferstorser,,, der auch Landmarschall von Nieder-Österreich war. Hellgasse (XVI. Bez., Ottakring), bis 1894 Annagasse, nunmehr benannt nach dem Hos-Astronomen Maximilian Hell (geb. am 13. oder 15. Mai 1720 zu Schemnitz in Ungarn, gest. zu Wien am 14. April 1792), Mitglied der Gesellschaft Jesu, in Wien. Hellmesbergergasse (XIII B, Baumgarten, Cottage-Anlagen), eine neue Gasse, benannt nach Joses Hellmesberger (geb. am 3. November 1829 zu Wien, gest. daselbst am 24. October 1893), Director des Wiener Conservatoriums, Vice-Hos- kapellmeister, hervorragendem Violinspieler und Musikpädagogen. Hellwagfiras«e (II- Bez.), bis 1894 Kremserstraße genannt, heißt jetzt 92 Henriettenplatz — Hernals. nach Konrad Wilhelm Hellwag (geb. 1827 zu Eutin in Schleswig, gest. am 6. Jänner 1882 zu Wien), eitlem der hervorragendsten Ingenieure im Bahnbau, welcher seit 1875 hervorragend in Österreich wirkte. Er vollendete die Brennerbahn, entwarf die Pläne zur Nordwestbahnbrücke, über die Donau bei Wien, zum Viaducte über die Thaya bei Znaim u. s. w.; 1875 wurde er Leiter des Baues der Gotthardbahn, die kurz vor seinem Tode eröffnet wurde. Henriettenplatz (XV. Bez.), benannt zur Erinnerung an Frau Henriette Gräfin von Pereira-Arnstein (vergl. Pereiragasse). Herbeckstraße (XVIII. Bez., Gersthof), bis 1894 Neuwaldeggerstraße, nunmehr benannt nach dem Componisten Johann Herbeck (geb. zu Wien am 25.Dec.1831, gest.am 28.Oct. 1877), Hoskapellmeister und Director der k. k. Hosoper in Wien. Herbertgafse (XIII. Bez., Hüttel- dorf) hieß bis 1894 Feldgasse. Herbßigasse (XI. Bez., Simmering), seit 1894 Gänsbachergasse, benannt nach dem Componisten und Domkapellmeister zu St. Stephan Johann Gänsbacher (geb. am 8. Mai 1778 zu Sterling in Tirol, gest. am 13. Juli 1844 in Wien). Herbststraße (XVI. Bez., Ottakring und Neulerchenfeld), benannt zu Ehren des Rechtsgelehrten und Staatsmannes Eduard Herbst (geb. zu Wien am 9. Dec. 1820, gest. am 25. Juni 1892), welcher als Vertreter Wiens im Abgeordnetenhause und als Justiz- Minister im Ministerium Auersperg (seit 1867) sehr verdienstvoll wirkte. Diese Straße hieß bis 1894 Marc Aurelstraße. Herklotzgaffe (XV. Bez.), benannt nach Heinrich Herklotz, welcher in den Fünfziger-Jahren Bürgermeister von Fünshaus war und sich besonders um das Schulwesen verdient machte. Hermanngasse (VII. Bez.), benannt nach dem ehemaligen Kanzlei- director des Schottenstiftes, Hermann Gaunersdorser. Ein Theil dieser Gasse hieß früher nach dem Hausschilde „zum goldenen Rauchfangkehrer" die Rauchfangkehrergasse. Hermannskogel (XIX. Bez ), der höchste Berg im Gebiete Wiens (542 m), dem Wienerwalde angehörig; der Tradition zufolge nach einem Ritter Hermann benannt, der auf dem Gipfel ein Nonnenkloster erbaute. Hermannstraße (XIX. Bez, Ober-Döbling), seit 1894 Reithlegasse genannt nach dem gewesenen Örtsrichter in Döbling, namens Reithle. Hermesßiraße (XIII. Bez., Speising), so benannt, weil sie die Zufahrt zu dem kaiserlichen Lustschlosse „Hermesvilla" bildet; bis 1894 hieß sie Thiergartenstraße, weil sie auch zum k. k. Thiergarten führt. Hernals, seit Anfang 1892Haupt- bestandtheil des X VII. Bez. von Wien, früher selbständiges Dorf; noch 1795: Herrnals. Der Name des Ortes deutet aus den Bach Als, an welchem er liegt (s. d.); ob der erste Theil des Namens auf „Herren von Als" bezogen werden könne, ist ungewiss. Der Überlieferung nach war im Gefolge der griechischen Kaiserstochter Theodora, der Gemahlin Heinrichs Jasomirgott, 1149 ein griechisches Geschlecht in Wien eingewandert, welche sich am Bache Als angesiedelt haben soll; darnach hießen sie die „Herren von Als". Urkundlich kommt dieses Geschlecht bis zum Jahre 1358 vor. An diese griechische Niederlassung mag auch der Name „Griechen- Hernalser Friedhofstraße — Heßgasse. 93 hölzel" oder „Griechenbergel" erinnern, den das bei der späteren Hernalser- Linie befindliche Wäldchen noch zu Ende des 18. Jahrhunderts führte. Hernalser Friedhosstrasse (XVII. Bez.. Hernals), bis 1894 einfach Friedhosgasse benannt. Hernalser Gürtel (XVII. Bez., Hernals), bis 1894 Gürtelstraße. Hernalser Hauptstrasse(XVII. Bez., Hernals) heißt seit 1894 die ehemalige Hauptstraße (bis zur Spitalswäscherei) zur Wahrung des Ortsnamens Hernals. Hcrrengasse (I. Bez.) kommt urkundlich seit 1175 (alta platoa) bis beiläufig 1500 als Hochstraße (strata altu) vor, wegen ihrer Lage so genannt. Später, als die Landesherren hier ihr Landständehaus l513 erbauten und sich auch in dieser Straße dauernd niederließen, wurde dieselbe Herrengasse benannt. Zumeist zur Zeit Kaiser Karls VI. wurden hier neue Paläste (so von Liechtenstein, Traun, Trauttmannsdorff) gebaut. Herrengasse (XVII. Bez., Hernals), seit 1894 Ortliebgasse. Herrengasse (XVIII. Bez., Sal- mannsdorf), seit 1894 nach einer örtlichen Beziehung „Am Dreimarkstein" genannt. Herrengasse (XVIIl. Bez., Währing, sammt der gleichnamigen Verlängerung in Weinhaus), seit 1894 Gentzgasse genannt nach dem hervorragenden Publicisten, Hofrath Friedrich von Gentz (geb. am 1. Mai 1764 zu Breslau, gest. am 9. Juni 1832 zu Weinhaus bei Wien). Herrengasse (XIX. Bez.. Heiligenstadt), seit 1894 Probuögasse benannt nach dem römischen Kaiser Marcus Anrclius Probus (reg. 276 bis 282), welcher in der Umgebung von Vindobona (Wien) die ersten Reben pflanzte. Herrengasse (XIX. Bez., Nussdorf), seit 1894 mit der Kirchengasse in Nussdorf zusammengezogen und nach dem verstorbenen Bürgermeister Greiner von Nussdorf Greinergasse benannt. Herrengasse (XIX. Bez., Ober- Döbling). seit 1894 Hoszeile, welches die alte Benennung der Gasse war. Herrngasse (XIII. Bez., Breitensee), seit 1894 Spallartgasse genannt nach dem Statistiker Hofrath Professor vr. Franz Xaver von Neumann- Spallart (gest. am 19. April 1888 zu Wien). Herthergasse (V. Bez.) ist nach einem Privaten Namens Herther benannt. Hervicusgasse (XII. Bez.,Hetzen- dors), benannt nach Hervicus von Hetzendorf, der 1190 das Gut als fürstliches Lehen besaß. Bis 1894 hieß die Gasse Gärtnergasse. Herzgasse (X. Bez.) ist mit der früheren Gierstergasse im X. Bezirk, Jnzersdorf, seit 1894 als ein Straßenzug unter dem Namen Herzgasse zusammengezogen. Herzgasse (XII. Bez., Hetzendorf), seit 1894 Strohberggasse, nach einem nahen Ried. Herznranskyhof (VII. Bez, Stiftgasse 1), benannt nach dem Eigen- thümer August Herzmansky. Herzogenburgerhof (I. Bez., Krugerstraße und Annagasse), im Jahre 1600 von Simon Freiherrn von Lam- berg für das Stift Herzogenburg in Nieder-Österreich angekauft. Der urkundlich 1233 erwähnte Herzogenburgerhof ist wohl ein anderes Gebäude. Hessgasse (I. Bez.), eine neue Gasse, benannt zu Ehren des öfter- 94 Heßgasse — Heumühlgasse. reichischen Feldmarschalls Heinrich Freiherrn von Heß (geb. zu Wien am 17. März 1788, gest. daselbst am 13. April 1870), welcher sich namentlich in den denkwürdigen Feldzügen in Italien 1848 und 1849 auszeichnete. Heßgasse (XIII. Bez., Hacking), seit 1894 Aichbühelgasse genannt nach Johann C. Aichbühel, Besitzer der Herrschaft Hacking um 1654. Hetzendorf, bis Ende 1891 selbständige Ortsgemeinde, seit 1892 einbezogen in den XII. Bezirk Wiens; 1187 Hitindorf, Hezendors; Dorf eines Hiddo, Hito. Ein Hervicus von Hezen- dorf wird 1190 erwähnt. Hetzendorferstraße (XII. Bez., Hetzendors und Altmannsdorf) heißen seit 1894 die beiden Hauptstraßen dieser ehemaligen Ortschaften, in eine Straße zusammengezogen. Hetzendorferftraße(X1II.Bez, Hietzing), seit 1894 Maxingstraße, weil sie nach Maxing führt. Dieses ist eine Gartenanlage mit einer kleinen Villa im Schweizerstile, welche Erzherzog Ferdinand Max (nachmals Kaiser von Mexico) 1850 erbauen ließ und die später durch Schenkung in den Besitz der Gemeinde Hietzing übergieng. Hetzendorferstraße (XIII. Bezirk, Lainz), seit 1894 mit der Hetzendorferstraße (XIII. Bezirk, Speising) zusammengezogen und Fasangartengasse genannt. ^etzgasse (III. Bez.), benannt nach dem in der Nähe am Glacis für Abhaltung von Thierhetzen bestandenen Hetztheater (k. k. priv. Hetz-Amphi- theater), welches 1755 von dem Franzosen Defraine erbaut wurde und 1796 abbrannte. Heute steht an dieser Stelle das Haus Nr. 11 der Hinteren Zollamtsstraße. Heuberggaffe (XVII. Bezirk, Dornbach) führt gegen den Henberg hinan. Heugasfe, Grenzgasse zwischen dem III. und IV. Bezirke; ihre rechte Seite hieß früher vom Gasthause „zum Mondschein" bis zur oberen Alleegasse die „kurze Jcuß", die linke Seite „die Ried von Neusätzen oder Gräften"; der Name Heugasse rührt daher, weil die von auswärts kommenden Heuwagen durch dieselbe ihren Weg zum Heumarkt (auf dem Platze der heutigen Heumarktkaserne) nahmen. Am oberen Ende der Heugasse, nahe der Belvederelinie, befand sich das „Heubrückel". Heumarkt, Am (III. Bezirk), eine uralte Bezeichnung, welche davon stammt, dass hier allwöchentlich große Heumengen, die zumeist aus Ungarn zugeführt wurden, zum Verkaufe kamen. Doch hieß vormals nur die Gegend vom Rennweg bis zur Salesianergasse „Am Heumarkt", während heute die Benennung auch für die Strecke bis zur Landstraße Hauptstraße gilt. Zur Zeit Maria Theresias hieß die Strecke von der Salesianer- bis zur Ungargasse „Ans der Hahd", die Strecke von da bis zur Landstraße Hauptstraße und dem Jnvalidenhause „Am Viehmarkt", da seit den ältesten Zeiten hier der Ochsenmarkt stattfand und diese Gegend schon im Mittelalter als „Ochsengries" bezeichnet wurde. Heumühlgaße (IV. Bez.) wird nach der daselbst befindlich gewesenen Heumühle (jetzt Nr. 5) genannt; ein Gasthaus „Zur Heumühle" besteht hier noch. Die Heumühle war eine erz- bischöfliche Mahlmühle, auch Steinmühle genannt, schon 1539 urkundlich erwähnt, welche aufgelassen wurde, als man den dieselbe speisenden Mühlbach 1856 verschüttete. Der Mühlbach war ein künstlicher Arm der Wien am rechten User, welcher bei der Gumpendorfer Hießgasse — Himmelpfortgasse. 95 Wehre begann, die heutige Grüngasse, die Heumühle und Mühlgasse bis zur Pressgasse, dann die Mühlbachgasse durchzog und sich nächst der Schikanederbrücke wieder in die Wien ergoss. Außer der Heumühle speiste er noch die Schleifmühle und die Heiligengeist- oder Bärenmühle. Hießgasse (HI. Bez.), eine neue Gasse, benannt zur Erinnerung an den Wiener Bürger und Hausbesitzer Laurenz Hieß (-j- 1819), welcher sein Haus auf dem Grunde des ehemal. Augustinergartens (jetzt Rochusgasse 8) der Versorgung armer weiblicher Dienstboten widmete. Hietzing, bis Ende 1891 eine selbständige Ortsgemeinde, seit 1892 ein Theil des XIII. Bezirkes von Wien; urkundlich 1187 Hezingen, abgeleitet vom Personennamen Hetzi und heißt soviel als: „Bei den Nachkommen des Hetzi." Der Volksmund erklärt den Namen durch folgende sagenhafte Überlieferung: Vier Bewohner des Ortes, 1529 von den Türken gefangen, riefen die Hilfe der Mutter Gottes an und wurden auf wunderbare Weise befreit; es fielen ihnen die Ketten ab und sie hörten eine Stimme, welche ihnen znrief: „Hüet's eng" (Hütet euch!). Schnell benutzten die Geretteten die Warnung, verbargen sich eine Zeit lang im nahen Walde und gelangten hierauf sicher zu den Ihrigen. Hietzirrgergasse (Xlll. Bezirk, Penzing), seit 1894 Nissclgasse genannt nach dem Dichter Franz Nissel (geb. am 15. März 1831 in Wien, gest. am 20. Juli 1893 in Gleichenberg). HietzingerHauptstraße(XIII. Bez., Hietzing), bis 1894 schlechtweg Hauptstraße genannt; seit 1894 ist mit ihr die ehemalige Hauptstraße von Unter-St. Veit unter dem gleichen Namen verbunden. Hietzinger-Quai (XIll. Bezirk, Hietzing, Unter-St. Veit und Penzing), heißt seit 1894 die ehemal. Wiengasse, wozu auch die Badgasse (XIII. Bez., Penzing) gezogen wurde. Hietzingerftraße (XII. Bezirk, Hetzendorf), seit 1894 Schlöglgasse genannt nach dem Wiener Volksschrist- steller Friedrich Schlögl (geb. am 7. December 1821 zu Wien, gest. daselbst am 7. October 1892). Hildebrandgaffe (XVII. Bez, Hernals), bis 1894 Weinberggasse, nunmehr benannt nach Johann Lukas Hildebrand (1660 —1750), Hofarchitekten unter Kaiser Karl VI., Erbauer des Belvederes in Wien. Himbergerstrasie (X. B ), eine der ältesten Straßen des Bezirkes, welche sich längs der nach Himberg führenden Landstraße, namentlich seit Erbauung des Arsenals (s. Arsenalstraße), entwickelte. Der Name des Ortes Himberg lautet urkundlich 1187 Hintperch, 1234 Hindberg, später Himperch und gehört zu ahd. hinta, nhd. Hinde — Hirschkuh. Himmel (XIX. Bez.), Vorberg des Hermannskogels im Wienerwalde, wahrscheinlich wegen seiner weiten Aussicht so benannt; vormals hieß er Psaffenberg. Himmelpfortgasse (I Bezirk) leitet ihren Namen von dem Chorfrauenkloster zur Himmelspforte, dem Himmelportenkloster ab, welches schon 1230 von Constantia, der Tochter Belas III. von Ungarn und Gemahlin Ottokars I., gestiftet wurde. Das Kloster der Himmelspförtnerinnen (äorninae äo porta eooli) wurde 1782 aufgehoben. Im Volksmunde wurde der Name des Klosters von folgender Legende hergeleitet: Eine junge, schöne Nonne, die von der Welt noch nichts erfahren, versah daselbst den Dienst 96 Himmelpfortgrnnd — Hochstettergasse. der Pförtnerin. Von der Sehnsucht nach Lebensgenuss erfasst, verließ sie eines Abends heimlich das Kloster, nachdem sie die Schlüssel vor dem Marienbilde in einer Mauerblende niedergelegt und der Mutter Gottes anvertraut hatte. Als sie nach Jahren enttäuscht und reuig vor die Kloster- psorte zurückkehrte, öffnete ihr Maria selbst und gab ihr die Schlüssel zurück. Sie erzählte der Oberin und den Schwestern von ihrer Entweichung; denn sie war nie vermisst worden, da die Mutter Gottes während der ganzen Zeit ihrer Abwesenheit den Dienst der Pförtnerin versehen hatte. Die Nonne gieng noch am selben Tage zum ewigen Frieden ein. Das wunderbare Ereignis wurde von der Oberin nach Rom berichtet und der Papst befahl, das Kloster von da an „zur Himmelspförtneein" zu nennen. — 1272 wird die Gasse Traiboten- gasse, später Treubothengasse genannt. Himmelpfortgrund, vormals eine Vorstadt Wiens, seit 1850 ein Theil des IX. Bez. Alsergrund. Hier befand sich das Dorf Sporkenbühl, welcher Name urkundlich 1254 erwähnt wird und sich amtlich bis in die Vierzigerjahre unseres Jahrhunderts erhalten hat. In diesem Dorfe hatten die Chorfrauen zur Himmelspforte (vgl. Himmelpfortgasse) Grundbesitz, woher der zweite Name der Örtlichkeit rührt. Hirnmelpfortstiege (IX Bez.) erinnert mit ihrem Namen an die ehemalige Vorstadt Himmelpfortgrnnd (s.d.). Himmelstrafre (XIX. Bezirk, Grinzing), so benannt, weil sie zum Berge „Himmel" (s. d.) und dem daselbst befindlichen Schlosse führt; t894 wurde die Kirchengasse in Grinzing mit dieser Straße vereinigt und erhielt ihren Namen. Himrnelstra^e (XIX. B., Unter- Sievering), seit 1894 Bellevuestraße genannt, weil sie zu der Besitzung „Bellevue" (d. h. schöne Aussicht) führt. Hirschengasse (VI. Bez.), nach dem Schilde eines Gasthauses daselbst so genannt. Hirschengasse (XI. B., Simmering) heißt seit 1894 Hauffgasse nach dem Schriftsteller Wilhelm Hauff (geb. am 29. November 1802 zu Stuttgart, gest. daselbst am 18. September 1827). Hirsch engasse (XII. B., Unter- Meidling), seit 1894 Steinackergasse, nach einem nahegelegenen Ried. Hirschengasse (XIX. B., Ober- Döbling) heißt seit 1894 sammt ihrer Fortsetzung bis zur Sieveringer- straße Billrothstraße nach vr. Christ. Theodor Billroth (geb. am 26. April 1829 auf der Insel Rügen, gest. am 6. Februar 1894 in Abbazia), Hos- rath und Professor der praktischen Chirurgie an der Wiener Universität, berühmtem Operateur. Hochquellen Wasserleitung heißt die in den Jahren 1869 bis 1873 ausgeführte Wasserleitung, welche Wien mit vortrefflichem Trinkwasser (das leider auch als Nutzwasser verwendet wird) versorgt. Sie ist eine Hochquellenleitung, da sie hauptsächlich durch den Kaiserbrunnen am Schneeberge, welcher 362'8 nr, und die Stixensteiner Quelle, welche 304'9 nr über der Donau liegt, gespeist wird. Hochsatzengasse (XIII. Bezirk, Baumgarten), bis 1894 Berggasse, jetzt nach dem nahegelegenen Riede Hochsatzen benannt. Hochstettergasse (II. B.), eine neue Gasse, benannt nach dein namhaften Geologen und Forschungsreisenden Ferdinand v. Hochstetter Hockegasse — Hohenauergasse. 97 (geb. am 30. April 1829 zu Esslingen in Württemberg, gest. am l8. Juni 1884 in Ober-Döbling bei Wien), welcher die berühmte Weltreise der „Novara" 1857 bis 1859 mitmachte. Hockegaffe (XVIII. Bez., Gersthof), bis 1894 Parkgasse, nunmehr benannt nach dem Wiener Stadtschreiber Nikolaus Hocke oder Hoche (1682 bis 1691), welcher eine Geschichte der Türkenbelagerung 1683 herausgab. Hof (I. Bez.), s. „Am Hof". Höfe nennt der Wiener große, umfangreiche Wohngebäude, welche häufig zwei Eingänge besitzen und zur Abkürzung des Weges zum Durchgang benützt werden. In solchem Falle heißt ein Hof auch „Durchhaus". Hofenedergaffe (II. Bez.), so benannt, weil der k. k. Hoffischer Karl Hofeneder durch den Bau seines Hauses den Grnnd zu derselben legte. Hofergaffe (II. Bez.), eine neue Gasse, benannt zu Ehren des berühmten Tiroler Volkshelden Andreas Hofer, welcher am 22. November 1767 im Wirtshaus am Sand im Passeierthal geboren war und am 20. Februar 1810 zu Mantua erschossen wurde. Hofergasfe (XVI. Bez., Ottakring), seit 1894 Speckbachergasse, benannt nach dem Tiroler Landesver- theidiger Joses Speckbacher (1767 bis 1820), dem Kampfgenossen Andreas Hofers im Jahre 1809. Höfergafse (IX. Bezirk) verdankt ihren Namen dem Privaten Höfer, welcher dieselbe im Jahre 1794 er- öffnete. Hoferplatz (XVI. Bez., Ottakring), benannt zu Ehren des Tiroler Helden und Führers im Volkskampfe 1809, Andreas Hofer (geboren am 22. November 1767 im Gasthause „Am Sand" bei Set. Leonhard in Passeier, U m lauft, Namenbuch der Stadt Wien. erschossen zu Mantua am 20. Februar 1810). Hofferplatz (XVI. Bez., Neulerchenfeld), wohl benannt nach I)r. Karl Hosfer (gest. am 10. April 1885 zu Wien), Hof- und Gerichtsadvocaten, Reichsraths-Abgeordneten und sehr verdienstvollem Gemeinderathe von Wien. Hoffmanngaffe (XII. Bezirk, Altmannsdorf), seit 1894 Zöppelgasse benannt nach Johann Zöppel, dem Lehnsherrn von Altmannsdorf um 1570. Hoffmeiftergasse (XII. Bez., Unter-Meidling), nach dem verstorbenen Gemeinde-Ausschuss Karl Hoffmeister benannt; bis 1894 hieß sie Karlsgasse. Hofgartengafse (I. Bez ) führt zum k. k. Hosgarten, welcher im Volksmunde der Kaisergarten heißt. Derselbe entstand erst zugleich mit dem k. k. Volksgarten (s. d.), als die alte Bastei vor der Hofburg abgetragen und 1821 das Burgthor errichtet wurde. Hofmühlgaffe (VI. Bezirk), benannt nach der ehemaligen Hofmühle, welche ein durch Gumpendors abgeleiteter Arm der Wien trieb. HoWaWraße (VII. Bezirk) führt ihren Namen nach dem daselbst befindlichen k. k. Hofstallgebäude (Nr. 1). Hofzeile (XIX. Bezirk, Ober- Döbling), früher Herrengasse; 1894 wurde die alte Benennung dieser Gasse als „Hoszeile" wieder hergestellt. Högelmüllergaffe (V. Bezirk) führt ihren Namen nach einem Privaten Högelmüller. Hohe Brücke (I. Bez.) führt in bedeutender Höhe quer über den Tiefen Graben (s. d.), das ehemalige Bett des Ottakringer-, später des Alserbaches, und hat von dieser ihrer Lage ihren Namen. Hohenauergaffe (XIX. Bezirk, 7 98 Hohenbergstraße — Horneckgosse. Unter-Döbling), bis 1894 Gärtnergasse, nunmehr nach dem 1866 verstorbenen ehemaligen Bürgermeister von Döbling, Hohenauer, benannt. Hohenbergstraße (Xll. Bez., Unter-Meidling), benannt nach dem Hosarchitekten und Professor der Architektur an der Akademie der bild. Künste, Johann Hetzendorf v. Hohenberg, (geb. am 7. Februar 1732 zu Wien, Todesjahr unbekannt), dem Erbauer von Schönbrunn, 1763. Bis 1894 hieß die Gasse Gloriettegasse. Hohenstaufengafse (I. Bez ), eine neue Gasse, benannt zur Erinnerung an das deutsche Kaiserhaus der Hohenstaufen (1138 bis 1254), welches wiederholt in die Geschichte Österreichs eingegriffen hat; durch Friedrich I. Barbarossa, wurde 1156 die Mark- grasschast Österreich zum Herzogthume erhoben. Hoher Markt (I. Bez.), einer der allerältesten Plätze Wiens, wegen seiner hohen Lage über der zum Donauarme (Donaucanale) steil abwärts führenden Böschung so benannt (1257: korum altuni), und weil er als Marktplatz (seit der ältesten Zeit als Fischmarkt) diente. Hoher Steig (VI. Bez.) heißt seit 1894 die vormalige Bergsteiggasse (s. d.), eine schmale Gasse mit starkem Gefälle zur Wien. Hohe Warte (XIX. Bezirk, Heiligenstadt) heißt seit 1894 der Theil der Wienerstraße in Heiligenstadt von der.Hohen Warte in Unter- Döbling bis zur Grinzingerstraße. Hohe Warte (XIX. Bezirk, Unter-Döbling); aus dieser aussichtsreichen Anhöhe wurde 1840 von Mathias Grandjean (geb. 1787, gest. 1852) ein noch heute bestehendes Kaffeehaus „zur hohen Warte" errichtet, wovon der Name der Örtlichkeit stammt. Hohewartegasse (XIX. Bez., Grinzing), seit 1894 Hungerberggasse genannt nach dein Hungerberge, an dessen südlicher Lehne sie führt. Holochergasse (XIV. Bezirk, Rudolssheim), benannt nach dem ehemaligen Bürgermeister von Rudolfsheim, Friedrich Holocher (gewählt 1886). Holzgasse (XIX. Bez., Nuss- dors), bis 1894 Quergasse, nunmehr benannt, weil sie zu den großen Holzplätzen in Nussdorf führt. Holzhausergasse (II. Bezirk). Der untere Werd (Leopoldstadt), wie der obere Werd (Rossau) hatten durch Jahrhunderte ihre eigenen Richter. In der Leopoldstadt war von 1786 bis 1810 Ignaz Holzhäuser Richter, der seines Amtes trefflich waltete, weshalb die Gasse seinen Namen trägt. Hörlgasse (IX. Bez.) ist nach Joses Georg Hörl, eigentlich Hoerl, (geb. 1722, gest. 1806) benannt, welcher von 1773 bis 1804 Bürgermeister von Wien war. Hormayrgasse (XVII. Bezirk, Hernals), bis 1894 Weinhauserstraße, nunmehr benannt nach dein Historiker Joses Freiherrn von Hormayr zu Hortenburg (geb. am 20. Jänner 1781 zu Innsbruck, gest, am 5. November 1848 in München), welcher auch eine Geschichte Wiens geschrieben hat. Hornbostelgafse (VI. Bezirk), 1855 eröffnet und benannt nach dein Besitzer des gegenüberliegenden HanseS Nr. 190 in der Gumpendorferstraße. Horneckgasse (XVII. Bezirk, Hernals), bis 1894 Grillparzergasse, nunmehr benannt nach dem deutschen Dichter und Chronisten Ottokar von Steiermark, gewöhnlich Ottokar von Horneck genannt (in der 2. Hälfte des 13. und zu Anfang des 14. Jahr- Hörnesgasse — Hundsthurmplatz. 99 Hunderts), welcher die steirische Reimchronik verfasst hat. Grillparzer lässt ihn in dem Drama „König Ottokars Glück und Ende" auftreten und den Lobspruch auf Österreich sprechen. hörnesgasse (III. Bezirk), benannt nach dem Paläontologen und Geologen Moriz Hörnes (eigentlich Hoernes), geb. zu Wien an: 14 Juli 1815, gest. daselbst am 4. Nov. 1869. hörtengasse (XI. Bez., Kaiser- Ebersdorf) ist nach dem Riede Hörten benannt. hoyoShof (I. Bez., Rothgasse Nr. 11) heißt nach dem gegenwärtigen Besitzer, dem Grafen Hoyos, auch der Lazenhof (s. d.). Hufelandgasse (XII.Bez., Unter- Meidling), benannt nach dem berühmten Arzte Christoph Wilhelm von Hufeland (geb. am 12. August 1762 zu Langensalza in Thüringen, gest. am 25. August 1836 zu Berlin), dein Verfasser der „Makrobiotik oder der Kunst, das menschliche Leben zu verlängern." Hügel gasse (XIII. Bez., Hietzing), bis 1894 Wienflussgasse, nunmehr benannt nach Karl Alexander Anselm Freiherrn von Hügel (geb. am 25. April 1796 zu Regensburg, gest. am 2. Juni 1870 zu Brüssel), k. k. Major, Naturforscher und Reisenden. In den Jahren 1831 bis 1837 unternahm er eine große Reise, auf welcher er Griechenland, Ägypten, Vorderasien, Tripolis, Ostindien, Ceylon, Neuseeland, die Philippinen und das Capland besuchte. Die reichen Sammlungen für Naturwissenschaften, Ethnographie, Münzkunde u. s. w., welche er mitbrachte, sind für die kaiserlichen Kabinete und die Hufbibliothek in Wien angekaust worden. Von 1837 bis 1849 lebte er in Hietzing. huglgasse (XIV. Bez., Rudolfs- Heim), benannt nach dem ehemaligen Bürgermeister von Rudolfsheim, Julius Hugl (1879 bis 1886, gest. an: 16. Jänner 1888), wegen seines verdienstvollen Wirkens in der Gemeinde. Hühnergasse (III. Bez.), 1775 Händelgasse, später Hahnel- und Hahngasse. Humboldtgasse und hum boldtplatz (X. Bez.), beide neu entstanden und zu Ehren des großen Naturforschers Alexander von Humboldt (geb. am 14. September 1769 zu Berlin, gest. daselbst am 6. Mai 1859) benannt hnmboldtplatz (X. Bez), s. Humboldtgasse. HundSthurm, bis 1850 eine eigene Vorstadt, jetzt ein Theil des V. Bez. Margarethen. Der Name wird entweder von der schon 1484 bestandenen Hunczmühle (Hundsmühle) in der „Scheibenried" abgeleitet, oder von einem thurmähnlichen Gebäude, welches Kaiser Mathias 1602 für die Jagdhunde aufführen ließ. Der Hundsthurm bildete den Grund zu dem schlossähulichen Gebäude, welches Kais er Karl VI. als Jagdschloss benützte und das 1885 abgebrochen wurde. Der älteste Name der nachmaligen Vorstadt Hundsthurm war „zwischen denen Gärten", denn noch 1684 war diese Gegend dicht mir Weingärten bedeckt; 1778 hieß sie „Gärtnergasse". hundstburm, Am (V Bez.), eine kurze Gasse, in der Nähe des 1885 abgebrochenen angeblichen Hundsthurms (s. u. Hundsthnrm). Hundsthurmerftrasie (IV und V. Bez.), eine der Hauptstraßen des V. Bez., welche nach der ehemaligen Vorstadt Hundsthnrm (s. d.) den Namen führt. Hundsthurmplatz (V. Bez), ein durch Demolierung neu entstan- 7 * IM Hungelbrunn — Hyrtlgasse. dener Platz in der Nähe des ehemaligen Hundsthurms (s. u. Hundsthurm). Hungelbrunn, bis 1850 eine eigene, kleine Vorstadt, jetzt einverleibt dem IV. Bez. Wieden. Der Name „beim Hungerprunn", erscheint zuerst unter Kaiser Friedrich III. 1443 und 1451 und soll der Sage nach daher rühren, dass der dortige Brunnen nur in Miss- oder Hungerjahren Wasser gab. Wahrscheinlich handelt es sich um eine sogenannte Hungerquelle oder einen Hungerbrunncn, eine periodische Quelle, welche nur zeitweise, namentlich im Frühjahre fließt. Es ist aber noch eine andere Erklärung zulässig. Hungerplatz heißt nämlich die Viehstelle, d. h. der eingehegte Platz, auf den man nachtüber das Vieh zusammentreibt, weil das Vieh nichts zu fressen bekommt (vgl. M- Buck in Pfeiffers „Germania" XVII., S. 451). Solche Hungerplätze werden nach der Örtlichkeit benannt, auf oder an der sie liegen, z. B. an einem Brunnen, weshalb der Name „Hnnger- brunn" (woraus „Hungelbrunn" entstand) als Ortsname häufig ist. Der Hungerbrunn war ein zum Gundelhof in der Stadt gehöriger Grundbesitz zu der Zeit, als die Stadtgemeinde denselben 1705 ankaufte. Bis 1700 lag hier nur ein Freihof (Rainergasse Nr. 22); darauf folgte vom Jahre 1801 an der Bau von Privathänsern. Hungelbrunngasse (IV Bez.), benannt nach der ehemaligen Vorstadt Hungelbrunn (s. d.). Hier sollen 1609 zuerst sieben armselige Hütten gebaut worden sein. Die rechte Seite der Gasse hieß damals „Matzelspergen", später die ganze Gasse „Feldgasse". Hurrgerberggasse (XIX Bez, Grinzing), bis 1894 Hohewartegasse, nunmehr nach dem Hungerberge benannt, an dessen südlicher Lehne sie führt. Huftergasse (XIV. Bez., Rudolfsheim), benannt nach Wilhelm Huster, der 1850 bei Constituierung der Gemeindevertretung auf Grund des neuen Gemeindegesetzes zuerst zum Bürgermeister von Rustendors (s. d.) gewählt wurde. Hüttelbergstraße (XIII Bez, Hütteldorf), bis 1894 Dornbacherstraße, jetzt nach dem Hüttelberge benannt, an dessen Abhange sie gelegen ist. Hütteldorf, Dorf und Ortsgemeinde, von der seit 1892 ein Theil zum XIII. Bezirk Wiens gehört; 1194 Iltendorf d. i. Dorf eines Udo, Uto oder einer Uda, Uta. Die Ableitung des Namens von wenigen zerstreuten Hütten, die ursprünglich hier standen, ist ungerechtfertigt. Hütteldorferstraüe (XIII. Bz., Penzing, Breitensee und Baumgarten, XIV. Bz., Rudolfsheim u. XV. Bz.) bildet seit 1894 einen Straßenzug vom Gürtel bis zur Linzerstraße. Hütteldorferstraße (XVI Bez., Ottakring), seit 1894 in den Flötzersteig von Ottakring und Breitensee unter letzterem Namen einbezogen. Hnttengasse (XVI. Bez., Ottakring), benannt nach dein Dichter und Humanisten Ulrich von Hutten (geb. auf Steckelberg bei Fulda 1488, gest. 1523 aus der Insel Ufnau im Zür- chersee. Derselbe weilte im Jahre 1511 durch mehrere Monate in Wien, an welches er einen poetischen Gruß richtete, und soll in dein sogenannten „Brathaus" oder „Brothaus", später „Zum deutschen Reiter" benannt (Eckhaus des Grabens dir. 7 zur Habsburgergasse Nr. 2), gewohnt haben. Hyrtlgasse (XVI. Bez , Ottakring, benannt nach dem berühmten Anatomen Josef Hyrtl (geb. am 7. De- Jgelgasse — Jacquingasse. 10! cember 18! 1 zu Eisenstadt in Ungarn, Professor der Anatomie an der Wiener gest. am 17. Juli 1894 zu Perchtolds- Universität war. dors bei Wien), der von 1845 bis 1874 Jgelgasse (IV. Bez.), eine neue Gasse, benannt nach einem Hausschilde „Zum Igel". Jglaseegajse (XIX. Bezirk, Unter-Döbling), nach dem nahegelegenen Ried „Jglasee" benannt; hier bestand unzweifelhaft einmal ein Tümpel oder kleiner See (vgl. Breitensee). Bis 1894 hieß die Gasse Pere- grinigasse (vgl. die Gasse dieses Namens im IX. Bez.). Jllekgaffe (XIV. Bez., Rudolfsheim), benannt nach dem verdienstvollen Bürgermeister vonBrannhirschen der Freudenau und Zwischenbrückcn umfasst und auf einer großen Donauinsel zwischen dem Hauptstrome und dem Donaucanal liegt. Die Leopoldstadt hieß zuerst (in den Urkunden Rudolfs des Stifters) „enthalb Tunau vor Werderthor" (jenseits der Donau vor dem Werderthor), dann „enthalb Tunau vor roten Turn" (vor dem Rothen Thurm), später der untere Wörth, Word oder Werd, 1670 Unterwörth (im Gegensätze zum oberen Werd, der nachmaligen Rossau); Wörth (vgl. d.) heißt „Insel". Ein Theil des unteren Werds (zwischen den Karmelitern und dem Augarten) bildete von 1625 bis 1670 die Wiener Jndenstadt, das Ghetto. Als die letztere aufgehoben wurde, baute man 1670 an Stelle der niedergerissenen Synagoge die Pfarrkirche zu Set. Leopold, welcher aus Verwendung Kaiser Leopolds am 19. October„1663 zum Landespatron von Nieder-Öster- reich erhoben worden war; von dieser Kirche, welche nach der zweiten Tttrken- belagerung bedeutend größer aufgeführt wurde, erhielt die Vorstadt ihren Rainen. Lerchenfeld, ursprünglich ein weitgedehnter Grund, der erst mit Lärchenbäumen bestanden gewesen (daher eigentlich Lärchenfeld) und dann als Neubruch oder Rodacker mit Feldern bedeckt war. Die traditionelle Ableitung des Namens vom Lerchenfang, mit dem sich hier der Hof belustigt haben soll, ist trotz des eine Lerche weisenden Grundsiegels unberechtigt. Noch im 16. Jahrhundert bedeckte der Lärchbanm die meisten Waldhügel um Wien und fast alle Weinstecken waren von diesem Holze. Das Lerchenfeld (I-nrielivuslä) wird zuerst 1337 urkundlich genannt. Doch erst seit dem Ende des 17. Jahrhunderts begann die Besiedlung dieses Gebietes und es entwickelten sich die beiden Gemeinden Alt- und Neulerchenfeld. Schon 1706 wies das vor der Linie gelegene Neulerchenseld eine größere Häuserzahl als Altlerchenfeld aus. Lerckenfelderstrafre (VII. und VIII. Bez.), benannt nach der ehemaligen Vorstadt Altlerchenfeld (Lerchenfeld). Der untere, auf das ehemalige Josef- städter Glacis ausmündende Theil hieß bis 1862 „Rofranogasse" nach dem Neapolitaner Giacomo Marchese di Rofrano, welcher sich 1712 durch Fischer von Erlach einen schönen Palast in der Nähe des Buchenwaldes aufführen ließ. Dieser Palast kam später in den Besitz des Fürsten Auersperg. Lercherifelderstraße (XVI. B, Ottakring) ist seit 1894 in die Thaliastraße (XVI. Bez., Neulerchenfeld) einbezogeu und so benannt. Lerchengafse (VIII. Bezirk) erinnert mit ihrem Namen an die ehemalige Vorstadt Lerchenseld (s. d.) und sollte der Ableitung gemäß eigentlich „Lärchengasse" geschrieben werden. Lerchengasse (XIX. Bezirk, Ober-Döbling), seit 1894 Leidesdors- gasse (s. d). Lerchenskrasste (XIII. Bez, Penzing), seit 1894 mit der Lerchengasse (XIV. Bezirk, Rudolfsheim) zusammengezogen und Fenzlgasse genannt nach dem Botaniker Eduard Fenzl (gcb. am 15. Februar 1808 zu Krumm- nussbaum in Nieder-Osterreich. gest. am 29. September 1879), Professor an der Wiener Universität. Lerchenstra^e (XIV. Be;., Rn- dolfsheim), seit 1894 Fenzlgasse (s. die vorige Straße) genannt. Lefslnggasse (U. Bez.), eine neue 124 Lessinggasse — Liechtenthal. Gasse, benannt zu Ehren des großen Dichters und Kritikers Gotthold Ephraim Lessing (geb. am 22. Jänner l729 zu Kamenz in der Oberlausitz, gest. am 15. Februar 1781 zu Braunschweig), der 1775 auch Wien besuchte. Lefgnggasse (XVII. Bezirk, Hernals), seit 1894 Klopstockgasse nach dem großen deutschen Dichter Friedrich Gottlieb Klopslock (1724 bis 1803). Leydoltgasse (XV. Bezirk), bis 1894 Friedrichgasse, nunmehr benannt nach dem verstorbenen Leydolt, welcher 1867 bis 1875 Bürgermeister von Fünfhaus war. Leyfliraße (II. Bez., in der ehem. Brigittenau), wie die Konradgasse (s. d.) benannt nach dem vor mehreren Jahren verstorbenen verdienten Vorstande des II. Bezirkes, Konrad Ley. Lichtenauergaffe (II. Bezirk) führt ihren Namen nach dem Privaten Lichtenauer, der hier Hausbesitzer war. Lichterrfelsgasse (I. Bez.), eine neue Gasse, benannt zu Ehren des österreichischen Juristen und Politikers Thaddäus Peithner Freiherrn von Lichtenfels (geb. am 6. Mai 1798 zu Wien, gest. daselbst am 2. October 1877). Lichtenfteg (I. Bez.) hieß als schmale und kurze Gasse Steg und wahrscheinlich, weil er zum Hohen Markt führt und daher lichter war als die übrigen Stege oder Steige der Stadt, der „Lichte Steg", welche Benennung (elara 86mita) schon 1273 vorkommt. Daneben begegnet auch die Bezeichnung „Am Brezzeneck" nach dem damals sehr beliebten Gebäck, das hier seilgeboten wurde. Der Eingang in die jetzige Rothgasse hieß die „Revel" oder „Revellucken"; Res oder Ressel hieß im Mittelalter eine Art Traggestell, in welchem die Kleiderhändler oder Hausierer ihre Waren zum Kaufe anzubieten pflegten. Als im 15. Jahrhundert die Fleischhauer zu beiden Seiten der Gasse ihre hölzernen Verkaufsbuden aufschlugen, wurde der Lichtensteg auch „Unter den Fleischbänken" genannt. Liebenberggasse (I Bezirk), eine neue Gasse, benannt zu Ehren des Johann Andreas von Liebenberg, welcher von 1680 bis 1683 Bürgermeister von Wien war. Zur Zeit der Türkenbclagerung leuchtete er als Vorbild seltener Thatkraft und Hingebung allen voran, erlag aber auch den übermäßigen Anstrengungen am 10. September 1683. Liebiggasse (I. Bez.), eine neue Gasse, benannt zu Ehren des großen Chemikers Justus Freiherrn von Liebig (geb. am 8. Mai 1805 in Darmsladt, gest. am 18. April 1873 in München). Liechtensteinstraste (IX. Bez.) führt ihren Namen nach dem regierenden Fürsten von Liechtenstein, dessen Palais und Park sich in derselben befinden. Die Straße besteht aus drei Theilen: einem neuen, der bei der Maria Theresienstraße beginnt, der ehemaligen Dreimohrengasse, welche früher Neuburgerstraße (d. i. Klosterneuburgerstraße) hieß, und der ehemaligen Langengasse. Liechtenthal, bis 1850 eine Vorstadt Wiens, seither ein Theil des IX. Bezirkes Alsergrund. Hier befand sich vorzeiten eine Wiese zwischen ehemaligen Donauarmen, Altliechten- werd genannt (vgl. Werd), welche im Jahre 1254 Heinrich von Liechtenstein erworben haben soll. Diese Wiese bestand noch zu Ende des 17. Jahrhunderts, weshalb die Gegend „Wiesen" hieß, ein Name, der im Volksmunde noch heute fortlebt. Liechtcnthalergasse — Linien. 125 Liechterrthalergaffe (IX Bez.) erinnert mit ihrem Namen an die ehemalige Vorstadt Liechtenthal (s. d.). Lilienbergqaffe (XIII Bez, Hacking) hieß bis 1894 von dem nahen Wienflusse Wiengasse, nunmehr ist sie nach dem Besitzer der Herrschaft Hacking im 17. Jahrhundert, Christoph Aberle von Lilienberg, benannt. Lilierrbrünnqaffe (II Bez) ist 1841 entstanden und nach der Besitzerin des Hauses 7 (neu 85) in der Oberen Donaustraße, Frau Therese Adler von Lilienbrunn, genannt. Lilienfelderhof (I. Bez, Weihburggasse und Liliengasse), benannt nach dem Cistercienserstifte Lilienfeld in Nieder-Österreich, welchem derselbe gehörte; nach dem großen Brande vom 13. September 1810 verkaufte ihn das Stift an Karl Grafen von Strach- witz, erwarb jedoch ein neues Haus in der Krugerstraße. LilienHnffe (I. Bez ), im Volksmunde das Liliengassel, hieß früher Diebs- oder Raubergässel, seit dem 17. Jahrhundert Armensündergässchen, weil durch dasselbe die Verbrecher vom Amtshause in der Rauhensteingasse zur Schranne oder zum Richtplatze geführt wurden. Seit Erbauung des Lilienfelderhofeö (s. d ) wurde es Liliengässchen genannt. Lindauergaffe (XVI. Bezirk, Ottakring), bis 1894 Saillergasse, heißt nunmehr nach Andreas Lindauer, welcher um 1530 einen Theil des „Freihoses" in Ottakring von Kaiser Ferdinand I. als Geschenk erhielt. Lindengaffe (VII. Bez.), benannt nach dem Gasthause „Zur goldenen Linde"; vormals hieß der untere Theil dieser Gasse Josefsgasse, der obere Leopoldgasse. Linien und Linienwall. Als während des spanischen Erbsolgekrieges die Franzosen und Baiern sich mit den aufständischen Ungarn, die von Rakoczy geführt wurden, verbanden, um auf Wien vorzurücken, drang Prinz Eugen, welcher die Größe der die innere Stadt und die seit Abzug der Türken 1683 neuentstandenen Vorstädte bedrohenden Gefahr erkannte, darauf, Wien in Vertheidigungszustand zu setzen. Am 19. Februar 1704 schlug er vor, nicht nur die Festungswerke in die Vertheidigung einzubeziehen, sondern auch die Vorstädte zu ihrer Sicherung mit einer Defensions- linie aus Gräben und Palissaden zu umgeben und die Leopoldstadt zu befestigen. Kaiser Leopold I. genehmigte den Plan Eugens, und in der Zeit vom 26. April bis zum 11. Juni 1704 wurden die Linienwälle aufgeführt, welche alle Vorstädte vom Donaucanal bei Erdberg bis wieder zu demselben unweit Nussdors einschlossen. Der Name „Linie" ist ein Terminus der Besestigungskunst und bezeichnet zunächst die einzelnen Theile eines Festungswerkes; zu einer solchen Festungslinie rechnet man nicht bloß den Wallgang und die Brustwehr, sondern auch den vorliegenden Graben. Im Jahre 1718 wurde bestimmt, dass vom Liniengraben aus ein Flächenraum von 100 Klaftern und gegen die Vorstädte ein Flächenraum von 12 Klaftern frei zu bleiben habe; 1738 ließ die Regierung die Linienwälle zur besseren Erhaltung ausmauern In der Folgezeit hatten die Linienwälle keine fortificatorische Bedeutung mehr; aber im Interesse der städtischen Maut und der Erhebung der Verzehrungssteuer blieben sie erhalten, bis mit der Vereinigung der sogenannten Vororte 1891 mit Wien, welche jetzt den XI. bis XIX. Bezirk bilden, auch diese Bedeutung entfiel und die Auflassung der Linienwälle 126 Liuiengasse Mvelstraße. beschlossen wurde. Durch die Linienwälle führten bei den Hauptverkehrsstraßen Thore hinaus, welche schlechtweg Linien genannt wurden. Zuletzt bestanden folgende Linien: die Set. Marter-, Belvedere-, Südbahn-, Favoriten-, Matzleinsdorfer-, Schön- brunner-.Gumpendorser-, Mariahilfer-, Westbahn-, Lerchenfelder-, Hernalser-, Währinger-, Nussdorfer- und Taborlinie. Liiriengasse (VI. Bez.) führt (nicht direct) zur Gumpendorfer Linie (vgl. Linien), wornach sie benannt ist; früher hieß sie Zwerchgasse (d. i. Quergasse). Linnegasse (II. Bez., Kaiser- umhlen), benannt zu Ehren des berühmten schwedischen Naturforschers Karl von Linne (geb. am 13. Mai 1707 zu Rashult in Smaland, gest. am 10. Jänner 1778 zu Upsala), dessen Name sich hier in diesem entlegenen Stadttheile etwas sonderbar ausnimmt. LinzerstraHe (XUI. Bez., Penzing, Baumgarten und Hütteldorf) heißt seit 1894 der ganze Straßenzug vom Markte in Rudolfsheim durch die Gebiete von Penzing (Poststraße), Baumgarten (Hauptstraße) und Hütteldorf (Hauptstraße) als ein Theil der alten Reichsstraße nach Linz. Lissagasse (III. Bez.), benannt zur Erinnerung an den glänzenden Seesieg bei der dalmatinischen Insel Lissa, welchen Admiral Wilhelm von Tegetthoff am 20. Juli 1866 über die italienische Flotte erfocht. Littrowgasse (XVIII. Bezirk, Währing) führt zur neuen k. k. Sternwarte und ist benannt nach dem berühmten Astronomen Joses Johann von Littrow (geb. am 13. März 1781 zu Bischosteinitz in Böhmen, gest. am 30. November 1840 zu Wien), welcher seit 1819 Professor der Astronomie und Director der Sternwarte in Wien war. Lobkowitzplatz (I. Bez.) war bis zum Ende des 17. Jahrhunderts Schweinemarkt und wurde auch so genannt (1371 urkundlich: iu toro poreornni); 1675 wurde derselbe aus Betreiben des berühmten Augustinermönches Pater Abraham a Sancta Clara abgeschafft und von da bis 1750 vor dem Kärntnerthor abgehalten. Der Name blieb aber dem Platze, bis Fürst Wenzel Eusebius Lobkowitz den Palast des Grasen Dietrichstcin kaufte. Ihn: zu Ehren erhielt der Platz den Namen Lobkowitzplatz. Löhrgasse (XV. Bez), bis 1894 Michaelergasse, nunmehr benannt nach Moriz Löhr (geb. am 7. October 1810 zu Leoben, gest. am 28. October 1874 zu Wien), k. k. Sectionschef, Architekt, dessen Stadterweiterungs- project von den Preisrichtern als eine hervorragende Leistung bezeichnet wurde; von ihm rührt auch der Entwurf für das Gebäude des Westbahnhofes her. Lorystraße (XI. Bez., Simmering) ; ein Theil von ihr hieß bis 1894 Canalgasse nach dem nahen Wiener-Neustädter Canal (s. d.). Lothringerstraße (I Bezirk), eine neue Straße, benannt zu Ehren des Hauses Lothringen, dem der Gemahl Maria Theresias, Kaiser Franz I. angehörte und welches sich mit,, dem Hause Habsburg zu der heute in Österreich - Ungarn herrschenden Dynastie Habsburg-Lothringen verbunden hat. Löwelftrasße (1. Bez.) erhielt wie die nun abgetragene, 1546 bis 1547 erbaute Löwelbastei ihren Namen nach Hans Löbel, Kaiser Ferdinands I. Rath und Pfennigmeister (gest. 1536), dessen Hinterbliebene Familie in der Nähe ein Sommerhaus besaß. Ein Nachkomme, Hans Christoph Löbel, kaiser- Löwcnburggasse Magdalenengrund. 127 licher General-Feldwachtmeister, Hos- kriegsrath und Oberst der Stadt- quardia in Wien (geb. 1587, gest. 1638), machte sich auch um die Verbesserung der Festungswerke der Stadt verdient und bewohnte noch das vorerwähnte Haus. Löwenburggasse (VIII. Bez.) verdankt ihren Namen dem Löwen- burg'schen Convicte, zu dessen Hinterfront sie führt. Das Convict ist eine von Jakob Grafen Löwenburg 1731 gegründete Erziehungsanstalt für Knaben, welche von den Piaristen geleitet wird. Löwenherzgasse (III. Bezirk), eine Seitengasse der Erdbergerstraße, welche durch ihren Namen an die Gefangennahme des Königs Richard Löwenherz von England 1192 in Erdberg erinnert. Der Überlieferung nach soll dieselbe in dem herzoglichen Rüdenhofe (nachmals Rüdenhaus, heute Dietrichgasse Nr. 16) erfolgt sein. Luftbadgasse (VI. Bez.), benannt nach der daselbst befindlichen Badeanstalt, dem sogenannten Eszterhazy- bade. Lttgeck (I. Bez.) bezeichnet eine Ecke, welche sich zum „lugen", d. i. Ausschau halten, eignet. Hier befand sich wahrscheinlich ein zu solchem Zwecke dienlicher Bau zu einer Zeit, wo die Stadt an der Ostseite nur bis zur Brandstatt und dem Lichtensteg reichte. Das Lugeck wird urkundlich 1275 zuerst genannt. Da aber auch die alten Namensformen Lübeck, Labeck überliefert sind, will man diesen Namen von einem schon frühzeitig verschwundenen steinernen Laubengang (daher Laubeneck, sud lubiis, unter den Lauben) ableiten. Luisengasse (XII. Bez.) Unter- Meidling) heißt seit 1894 Sechtergasse nach dem geschätzten Tonsetzer Simon Sechter (geb. zu Friedberg bei Budweis am 11. October 1788, gest. zu Wien am 10. September 1867). Luftkandlgasse (IX. und XVIII. Bez., Währing) ist benannt nach I)r. Wenzel Lustkandl, Universitäts- Professor in Wien, Landtags-Abgeordneten und Landesausschuss, welcher sich namentlich um das Schulwesen im Lande Nieder-Österreich große Verdienste erworben hat. Lützowgasse (XIII. B., Penzing), bis 1894 Jakobsgasse, jetzt benannt nach Ludwig Adolf Wilhelm Freiherrn von Lützow (geb. am 18. Mai 1782 in der Mittelmark, gest- am 6. De- cember 1834 in Paris), dem Führer der nach ihm benannten Freischaren im Freiheitskampse gegen Napoleon. M Magdalenagasse (XU. Bez , Unter-Meidling), seit 1894 Spießhammergasse, nach Johann Cuspinian Spießhammer, den: Leibarzt, Bibliothekar und Geschichtsforscher Kaiser Max I. (1473—1529). Magdalenenbrücke , Wienbrücke zwischen dem V. und VI. Bez., benannt nach dem alten Magdalenengrund (s. d.) und der Magdalenen- straße; früher hieß sie Stärkmachersteg, weil sich in ihrer Nähe die Werkstätten der Stürkeerzeuger befanden. Magdulenengrund, bis 1850 eine eigene Vorstadt, jetzt ein Theil des VI. Bezirkes Mariahils. Diese 128 Magdalencnstraße — Marc Aurelstraßc. Gegend hieß anfangs „im Saugraben an der Wien" und umfasste bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts nur Weingärten und zerstreut liegende Hütten. Die hier entstehende Ansiedlung hieß auch „Ratzenstadel", entweder ein Spottname wegen der vielen Ratten, welche sich in den hier zur Wien mündenden Canälen aufhielten, oder eine Ansiedlung der Raizen (im Volksmunde Razen), südungarischer Serben. Der Name Magdalenengrund, welcher 1756 urkundlich vorkommt, erklärt sich daraus, dass die um 1340 erbaute kleine Magdalenenkirche am Set. Stephans-Freithos in der Stadt (dort, wo heute der Stephansplatz durch das Alumnengebäude begrenzt wird), welche 1781 durch einen Brand zerstört und dann abgetragen wurde, diesen Grund besaß, daselbst die grundherrlichen Rechte ausübte, Steuern bezog und den von der Gemeinde gewählten Grundrichter bestätigte. Magdalerrenftra^e (VI. Bez.) erinnert durch ihren Namen an die ehemalige Vorstadt Magdalenengrund (s. d.). Magistratsstraße (I. Bezirk), eine neue Straße, welche an der rechten Seitenfront des neuen Rathhauses vorübersührt, in dem auch der Magistrat von Wien seinen Sitz hat. Mailergasse (XI. Bez., Kaiser- Ebcrsdorf), benannt zur Erinnerung an den Stifter des dortigen Armenhauses, Joses Mailer. Bis 1894 hieß die Gasse Brauhausgasse. Makartgasse (i.Bez.), bis 1894 Schillergasse, nunmehr benannt nach dem berühmten Maler Hans Makart (geb. am 29. Mai 1840 in Salzburg, gest. am 3. October 1885 in Wien), welcher den großartigen Festzug 1879 aus Anlass der silbernen Hochzeit unseres Kaiserpaares arrangierte. Malfattigafse (V. Bezirk), benannt nach dem vorzüglichen Arzte Johann Malsatti Edlen von Monte- regio (geb. zu Lucca 1775 oder 1776, gest. zu Hietzing bei Wien am 12. oder 15. September 1859), welcher lange Zeit als praktischer Arzt in Wien wirkte, daselbst 1837 die k. k. Gesellschaft der Ärzte ins Leben rief, zu deren erstem Präsidenten er gewählt wurde. Malfattigasse (XIII. Bezirk, Unter-Set. Veit), seit 1894 Eitelbergergasse benannt nach Rudolf von Eitelberger (geb. am 14. April 1817 zu Olmütz, gest. am 18. April 1885 zu Wien), Professor der Kunstgeschichte, Director des k. k. Museums für Kunst und Industrie, Ehrenbürger von Wien. Malzgasse (II. Bez.); hier befand sich einst das dem Armenfonde gehörige Bräuhaus, weshalb dieselbe früher „Bräuhausgasse" hieß. Mannagettagasse (XIX. Bez., Grinzing), bis 1894 Schulgasse, jetzt benannt nach vr. Johann Wilhelm Freiherrn von Mannagetta (geb. am 1. Mai 1588 zu Wilhelmsburg, gest. am 31. Mai 1666 zu Wien), Leibarzte des Kaisers Leopold I. und berühmtem Gelehrten, dem Besitzer des Trummel- hofes in Grinzing. Mandlgasse (XVIII. B., Gersthof), seit 1894 Czartoryskigasse benannt nach dem daselbst befindlichen Besitze des Fürsten Czartoryski. Mare Aurelstraße (I Bez ), benannt zur Erinnerung an den römischen Kaiser Marcus Aurelius, welcher in den drei Markomannen- kriegen, die er..führte, dreimal nach dem heutigen Österreich (Noricum) kam, und auf dem dritten Zuge am 17. März 1^0 n. Ehr. in Vindobona (Wien) starb. Zur Zeit seiner Regierung wurde Wien- ansehnlich vergrößert. Marc Aurelstraße — Mariahilferstraße. 129 Marc Aurelstraße (XVI. B., Ottakring) ist seit 1894 in die Herbst- slraße (XVI. Bez., dteulerchenfeld, s. d.) einbezogen und führt daher diesen Namen. Marcbettigaffe (VI. B.), 1801 eröffnet, ist nach einem Privaten Marchetti benannt. Marchfeldftraße (II. B.), eine neue Straße, benannt nach dem im Osten gelegenen, von der unteren March durchflossenen Marchselde, welches in früheren Zeiten die „Kornkammer Wiens" war und eines der Hauptschlachtfelder aus dem Boden unserer Monarchie ist, wo wiederholt auch das Schicksal Wiens entschieden wurde. Margarethen, der V. Bezirk Wiens, bestehend aus den alten Borstädten Margarethen, Matzleinsdorf, Reinprechtsdorf, Hundsthurm, Nikolsdorf, Laurenzergrund und einem Theile der ehemaligen Wieden, welche seit 1850 einen Theil des Bezirkes Wieden bildeten, bis sie 186l als Bezirk Margarethen konstituiert wurden. Die ehemalige Vorstadt Margarethen entstand um das im 14. Jahrhundert erbaute Schloss (an der Stelle, wo heute die Häuser Nr. 2 und 3 am Margarethenplatz und Nr. 1 in der Griesgasse stehen), mit dem eine Kirche der heil. Margaretha verbunden war. Von dieser Kirche stammt auch der Name Margarethen, und kaum von der Gräfin von Tirol, Margaretha Maultasch, obwohl diese von 1363 bis zu ihrem 1366 erfolgten Tode in dem genannten Schlosse wohnte. Im Jahre 1727 brachte der Wiener Stadtmagistrat Schloss und Garten käuflich an sich, woraus bald die Parcellierung und Verbauung der ausgedehnten Gartengründe erfolgte. Margarethenhof (V. Bezirk), ein großer Neubau an Stelle des U m laust, Namenbuch der Stadt Wien. einstigen Margarethener Bräuhauses auf dem Margarcthenplatz und nach dieser seiner Lage benannt. (Vgl. Margarethen.) Margarethenplatz (V. Bez ), der Platz vor dem ehemaligen Margarethener Schlosse (vgl. Margarethen) und darnach benannt. Margarethenstraße, die Hauptstraße des V. Bezirkes Margarethen und nach diesem benannt; der untere Theil der Straße gehört aber zum IV. Bezirke Wieden. (Vgl. Margarethen.) Mariahilf, der VI. Bez. Wiens, seit 1850 aus den ehemaligen Vorstädten Mariahilf, Gumpendors, Mag- dalenengrund, Windmühle und Laimgrube bestehend. Die Gegend der Mariahilferstraße hieß vormals „im Schöff" (Schiff) nach dem Schilde eines Gasthauses, wo die Schiffleute aus Schwaben und Baiern gewöhnlich Herberge nahmen, wenn sie zu Lande nach der Heimat zurückkehrten. Zu Anfang des 17. Jahrhunderts kauften die Barnabiten zu Sct. Michael in der Stadt hier einen Grund und verlegten den bis dahin auf dem Michaeler- platze befindlichen Friedhof hieher. Im Jahre 1660 bauten sie daselbst eine hölzerne Kapelle, in welcher ein Marienbild, eine Copie der Muttergottes Mariahilf in Passau, zur Verehrung ausgesetzt wurde. Da sich rasch der Ruf von vielen Wundern, die hier geschahen, verbreitete, wurde auch ein kleines Haus für Geistliche an dem Kirchhofe erbaut, und bald erhielt nun der ganze Grund den Namen Mariahilf. Die heutige Mariahilferkirche wurde in den Jahren 1686 bis 1713 hergestellt. Mariahilferstraße, die Hauptstraße des VI. und VII. Bez., welche sie voneinander scheidet, benannt nach 9 130 Maria Theresiastraße — Marktgasse. dem VI. Bez. Mariahilf (s. d.). Im vorigen Jahrhundert hieß der obere Theil Penzinger Straße, da sie nach dem vormaligen Vororte Penzing (s. d.) führt. Maria Theresiastraße (XII. Bezirk, Unter-Meidling und Ober- Meidling), seit 1894 Zenogasse, nach dem Dichter Apostolo Zeno (geb. 1668, gest. 1750) benannt, der seit 1715 Hospoet in Wien war. Maria Theresienbrücke, führt über den Donaucanal und hieß früher Augartenbrücke, da sie die Zufahrt zürn Augarten (durch die Untere Augartenstraße) vermittelt. Die erste Brücke an dieser Stelle wurde 1782 errichtet. Maria Theresiastrasie (IX. Bez) eine neue Straße, welche zu Ehren der großen Kaiserin Maria Theresia ihren Namen führt. Maria Theresienstraße(XIII. Bez., Ober-St. Veit), seit 1894 mit der Hauptstraße und St. Veiterstraße in Hietzing und der Hauptstraße in Unter-St. Veit vereinigt und Hietzinger- Hauptstraße benannt. Maria Treugasse (VIII. Bez.) führt zur Pfarrkirche zu Maria Treu in der Piaristengasse, welche in den Jahren 1698 bis 1718 erbaut wurde. Maria vom Siege (XV. Bez.) heißt seit 1894 nach der daselbst befindlichen Kirche der ehemalige Kirchenplatz. Mariazellerhof, Kleiner (I. Bez., Johannesgasse und Annagasse), wurde im Jahre 1482 dem Kloster Klein-Mariazell von Stephan von Hohenberg zum Geschenk gegeben, 1834 neu umgebaut, dann aber für die oberste Rechnungsbehörde bestimmt, welcher es noch heute dient. Das Benedictinerkloster Klein - Mariazell wurde 1136 durch Leopold den Heiligen gestiftet und Mariazell genannt; der Zusatz „Klein" kam erst mehrere Jahrhunderte später, zum Unterschied von Groß-Mariazell in Steiermark, aus. Mariengasse (1. Bez.), seit 1894 Ertlgasse benannt zur Erinnerung an den Errichter der Ertl'schen Stiftung für junge, angehende Advocaten, deren Haus in dieser Gasse steht. Mariensiiege (I. Bez.), die Stiegengasse, welche über die steile Böschung vom Salzgries zur Marienkirche hinauf führt. Die Kirche zu Maria am Gestade wird urkundlich 1161 als Kapelle, 1262 als Kirche genannt, die Marienstiege urkundlich 1392 als „Frauenstiege" (da die Mutter Gottes auch „unsere liebe Frau" genannt wird) erwähnt. Marienstraße (XVIII. Bez., Salmannsdors), seit 1894 Hameau- straße (s. d.), weil sie in der Richtung gegen das Hameau oder Hollünder- dörfel führt. Marienstraße (XIX. Bez., Ober- Döbling), seit 1894 Chimanistraße benannt nach dem Jugendschriftsteller Leopold Chimani (1774 bis 1844), welcher in dieser Gasse ein Haus besaß. Marinonigasse (XII. Bez., Ober-Meidling) heißt seit 1894 die ehemalige Sackgasse. Markhosgasse (III. Bezirk), benannt nach dem ehemaligen Besitzer des nahen Brauhauses zu St. Marx, Adolf Ignaz Mautner Ritter von Markhof (gest. am 24. December 1889). Marktgasse (XIH. Bez., Penzing), mit der Marktgasse (XIV. Bez., Rudolfsheim) ein Straßenzug und seit 1894 Schwendergasse benannt nach dem großen Vergnügungsetablissement „Schwenders Colosseum", welches sich in dieser Gasse befindet. Marktgasse lXIV. B., Rudolfsheim), seit 1894 Schwendergasse (s. die vorige Gasse). Marktgasse — Matzleinsdorf. 131 Marktqaffe (XVIII. Bez., Währing), seit 1894 Karl Beckgasse genannt nach dein Dichter Karl Beck (geb. am 1. Mai 1817 zu Baja in Ungarn, gest. am 10. April 1879 zu Währing). Markt, Hoher (I. Bez.)> siehe Hoher Markt. Markt, Neuer (I. Bez ), siehe Neuer Markt. Marktplatz (XI. Bez., Simmering) heißt seit 1894 Enkplatz nach dem Benediktiner Michael Enk (geb. am 29. Jänner 1788 in Wien, gest. am 22. Juli 1843 bei Melk), vortrefflichem Schriftsteller und Kritiker. Marktplatz (XVI. Bez., Ottakring) heißt seit 1894 Johann Nepomuk Bergerplatz nach dem Juristen Ur. Johann Nepomuk Berger (1816 bis 1870), welcher von 1867 bis 1870 Minister war. Marktplatz (XVIII. Bez., Währing), seit 1894 Johann Nepomuk Vogl-Platz genannt nach dem österreichischen volksthümlichen Dichter Johann Nepomuk Vogl (geb. 1802 in Wien, gest. daselbst 1866). Marrrogafse (XIII. Bezirk, Breitensee), bis 1894 Parkgasse, jetzt benannt nach dem ausgezeichneten Asrikareisenden Ernst Marno (geb. am 13. Jänner 1844 zu Wien, gest. am 17. August 1883 in Chartum). Marokkanergasfe (III. Bez.), benannt zur Erinnerung an die im Februar 1783 zum Abschlüsse eines Handels-, Friedens- und Freundschafts- Vertrages nach Wien gekommene marokkanische Gesandtschaft, deren Führer- Abdul Malek hieß; die Gasse entstand bald darnach, und zwar noch in demselben Jahre. Marxergafse (III. Bez.) führt nicht ihren Namen nach der St. Marxerlinie oder dem daselbst von 1370—1860 bestandenen Spital zu St. Marx, sondern nach dem Wiener- Domherrn Anton Marxer, welcher den reichen Fabriksherrn Michael Kienmayer, nachmaligen Hofrath und Freiherr-», bewog, 1743—1745 ein Waisenhaus auf dem Rennwege zu bauen, das bis 1771 noch durch mehrere Tracte erweitert wurde. Als man das Waisenhaus 1785 in die Karlsgasse verlegte, wurde der Kienmayer'sche Bau in eine Artilleriekaserne verwandelt. Früher hieß die Marxergasse Spitalsgasse, von dem daselbst befindlichen Nepo- muceni-Spitale. Marxergaffe (X. Bezirk) heißt zusammen mit der Schaumburger- straße seit 1894 Trostgasse nach dem ehemaligen Vorsteher des X. Bezirkes, Michael Trost (gest. am 1. Jänner 1893). Märzflraße (XIII. Bez., Penzing) erhielt 1894 in dem Theile bis zum Karl Rauscherplatz den Namen Rudolssheimerstraße, während dem Theile vom Karl Rauscherplatz bis zur Breitenseerstraße der Name Märzstraße verblieb. Matrosengafse (VI. Bez.) hieß früher Halbgasse. Ihr neuer Name rührt von dem seit Jahrzehnten hier bestehenden Kaufladen „Zum Matrosen" (Haus dir. 5). Matschakerhof(I Bez, Seilergasse und Spiegelgasse), benannt nach seinem ehemaligen Besitzer Johann Matschak. In den Grundbüchern von 1700 wird der Hos als Wirtshaus aufgesührt, wo die „Edenburger Landgutscher" einkehren. Mattonikof (I. Bezirk, Tuch- lauben und Wildpretmarkt), benannt nach dem Eigentümer Heinr. Mattoni, dem Besitzer des EurorteS Gießhübl- Puchstein an der Eger in Böhmen. Matzleinsdorf, bis 1850 selbst 132 Matzlemsdorferstraße — Mayerhofgasse. ständige Vorstadt, jetzt ein Theil des V. Bezirkes Margarethen; schon 1294 bestanden Ansiedlungen in Matzleinsdorf, 1305 wird die kleine Gemeinde Mätzelsdorf genannt, deren Namen man auf den ehemaligen Besitzer, den Herrn von Mezzelinsdorf, zurückführt; wahrscheinlicher ist aber die Erklärung: Dorf eines Mezzelin. Matzleinsdorferstraße (XII. Bez., Unter-Meidling), von der Steinbauergasse bis zur Meidlinger Hauptstraße seit 1894 Niederhofstraße (s. d.), nach dem Jagdschlösse, das einst an der Stelle sich erhob, wo jetzt das Theresien- bad steht. Matzleinsdorferftraße (XII Bez., Unter-Meidling), zwischen der Rückergasse und der verlängerten Millergasse mit Halbgasse in Oberund Unter-Meidling seit 1894 Rosasgasse genannt nach dem hochgeschützten Augenärzte Ur. Anton Oskar von Rosas (geb. am 30. December 1791, gest. am 31. Mai 1855 in Wien). Mauer, eine selbständige Ortsgemeinde, von der seit Ende 1891 ein kleiner Theil zum XIII. Bezirke Wiens einbezogen ist. Den Grund zu dieser Ortschaft legte ein von den Babenberger Landessürsten erbautes Jagdschloss „Im Gereut", d. i. in einer Rodung, welches von der dasselbe umgebenden Mauer auch „Mauer" (1229: Mower) genannt wurde. Mautnergasse (XI. Bez., Simmering), seit 1894 Gottschalkgasse, nach Gottschalk, einem schon 1028 urkundlich bekannten Grundbesitzer in Simmering. Maximilianplatz (IX Bezirk), benannt zu Ehren des Kaisers Maximilian von Mexico, Erzherzogs von Österreich, des hochherzigen Stifters der Votivkirche (s. d.), hinter welcher der Platz sich befindet. Maximiliansirasie (I. Bezirk), eine neue Straße, benannt zu Ehren des Bruders unseres Kaisers, des Erzherzogs Ferdinand Maximilian, welcher von 1864 an als Maximilian I. Kaiser von Mexico war und am 19. Juni 1867 zu Queretaro widerrechtlich erschossen wurde. Maxing oder Maxingparr, Parkanlage bei Hietzing (XIII. B.), mit einer kleinen Villa im Schweizerstile, benannt nach Erzherzog Maximilian, nachmals Kaiser von Mexico, welcher dieselbe 1850 anlegen ließ und die später durch Schenkung in den Besitz der Gemeinde Hietzing übergieng. Maxingstraße (XIII. Bezirk, Hietzing) heißt seit 1894 die ehemalige Hetzendorserstraße, weil sie nach Maxing (s. d.) führt. Mayergaffe (XIII. Bez., Ober- St. Veit) heißt seit 1894 Angermayergasse, nach dem langjährigen, nunmehr verstorbenen Pfarrer in Ober-Sct. Veit, Angermayer. Mayergafse (XVIII. Bez.,Wein- haus), seit 1894 mit der Paulinengasse (XVII. Bez., Hernals) in eine Gasse zusammengezogen. Mayerhofgasse (IV. Bez.), bis 1770 Favoriten-Allee benannt, verdankt ihren heutigen Namen einer Meierei, dem „Maierhöfel", die hier vormals bestand. Mayerhofgasse (XIII. Bez., Hietzing), seit 1894 Fasholdgasse benannt nach Josef Fashold (1820 bis 1893), Gemeinde-Ausschuss und Gemeinderath von Hietzing, der sich namentlich als Armenrath verdient gemacht hat. Mayerhofgaffe (XIII. Bez., Speising), seit 1894 Gallgasse nach dem verstorbenen Sebastian Galt, verdientem Gemeinderath und Wohl- I thäter in Speising. Mayrgasse — Messenhausergasse. 133 ZNayrgasse (XIII. Bezirk, Penzing), seit 1864 Gyrowetzgasse nach dem Componisten und Hofkapellmeister Adalbert Gyrowetz (1763 bis 1850), welcher lange Jahre in Wien lebte. Maysedergasse (I. Bez.) verdankt ihre Benennung dem verdienstvollen Violinvirtuosen Josef May- seder (geb. am 26. October 1789 zu Wien, gest. daselbst am 21. November 1863), dem die Großcommune Wien für seine Wohlthätigkeits-Concerte („Bürgerspitals-Concerte") die große goldene Salvatormedaille und nach seinem Tode der durch den Neubau des Bürgerspitals entstandenen Gasse den Namen „Maysedergasse" zur bleibenden Erinnerung an ihn verlieh. Mechitbaristengasse (VII.Bez.), benannt nach dem daselbst befindlichen Kloster der Mechitharisten. Die Mechi- tharisten sind eine Congregation armenischer Christen, ursprünglich in Konstantinopel von Mechithar da Petro 1701 zu dem Zwecke gestiftet, die armenische Nationalliteratur zu heben und die Kenntnis der altarmenischen Sprache zu verbreiten. Unter Kaiser Franz I. kamen sie von Triest nach Wien und brachten 1813 das alte Kapuzinerkloster, welches 1600 gegründet und 1784 aufgehoben worden, käuflich an sich. Mtedlergasse (XIX. Bez., Unter- Sievering), bis 1894 Feldgasse, nunmehr nach dem ersten urkundlich 1344 erwähnten Pfarrer von Sievering benannt. Mehlmcrrkt (I. Bez.), s. Neuer Markt. Meidling, Ober- u. Unter-, früher zwei selbständige Ortsgemeinden, seit Ende 1891 zum XII. Bezirke Wiens einbezogen, von denen derselbe seinen Namen führt; urkundlich 1138 Mewrling, 1146 Mewrlingen, 1178 Murlingin, 1488 Meurling, gehört zu ahd. muri, Mauer; von dessen Verkleinerung müroiiu ist der Name Murlingin abgeleitet, welcher soviel als „der hinter Mauern wohnende, der hinter Mauern kämpfende" bedeutet. 1806 wurde der Ort in Oberund Unter-Meidling getheilt. Meidlingergafse (XIV. Bez, Sechshaus), seit 1894 Kellinggasse genannt nach dem Industriellen Daniel Kelling, welcher 1773 in Sechshaus die große Lederfabrik gründete. Meidlingerstra^e (X. Bez, Jnzersdorf), seit 1894 Wienerbergstraße, nach dem Wienerberg (s. d.) benannt. Meidling Schönbrunner- straße (XÜ. Bez., Gaudenzdors, Ober- und Unter-Meidling) hieß bis 1894 Schönbrunnerstraße. Meinhartsdorfergasse (XIV. Bez., Rudolfsheim), bis 1894 Floragasse, nunmehr benannt nach der Ortschaft Meinhartsdorf, welche im 11. Jahrhundert im Territorium von Meidling bestand. Mendelssohngnsse (II Bez., Kaisermühlen), benannt zu Ehren des berühmten Tondichters Felix Mendelssohn-Barth oldy (geb. am 3. Februar 1809 zu Hamburg, gest. am 4. November 1847 zu Leipzig). Meirtergasse (VII. Bez.), benannt nach dein verstorbenen Seiden- Fabrikanten, Hausbesitzer und Ge- meinderathe Menter. Meravigliagafse (VI. Bez.), benannt nach dem Grafen Meraviglia; früher hieß sie Schlossgasse. Mefsenhausergafse (IU. Bez.), benannt nach Wenzel Messenhauser, dem Commandanten der Wiener Nationalgarde, welcher wegen seiner Betheiligung am Octoberaufstande auf Grund kriegsgerichtlichen Urtheils am 134 Messerschmidtgasse — Michelbeuern. 16. November 1848 in der Bastion des Stadtgrabens nächst dem Fischer- thore, in der Nähe des 1881 abgebrannten Ringtheaters, erschossen wurde. Messerschmidtgasse (XVIII Bez., Gersthof), bis 1894 Schmid- gasse, jetzt benannt nach dem Wiener Bildhauer Franz Xaver Messerschmidt (1732 bis 1783). Metasiasiogasse (I. Bez.), früher Kreuzgasse, benannt zur Erinnerung an den Dichter Pietro Bonaventura Metastasio (geb. zu Rom am 3. Jänner 1698, gest. zu Wien am 2. April 1782), welcher seit 1730 Hospoet des Kaisers Karl VI. war. Metternichgasse (III. Bez.), eine neue Gasse auf dem Grund des verbauten ehemaligen fürstlich Met- ternich'schen Parkes; an ihrer Ecke gegen den Rennweg steht das Palais Metternich. Dasselbe ließ der Staatskanzler Clemens Wenzel Fürst von Metternich-Winneburg (geb. am 15. Mai 1773 zu Coblenz, gest. am 11. Juli 1859 zu Wien) im Jahre 1840 nach Plänen des Architekten Johann Romano als Billa Metternich auf- sühren. Meyerbeergasse (II. Bez.), benannt zu Ehren des berühmten Eom- ponisten Jakob Mcyerbeer (geb. am 5. September 1794 zu Berlin, gest. am 2. Mai 1864 zu Paris). Meynertgasse (IX. Bez.), eine neue, im Entstehen begriffene Gasse, benannt zur Erinnerung an den ausgezeichneten Psychiater Professor vr. Theodor Meynert (geb. zu Wien 1833, gest. daselbst am 31. Mai 1892), welcher lange Jahre im allgemeinen Krankenhause als Kliniker wirkte und im Bezirke wohnte. Michaelergasse (XV. Bez), seit 1894 Löhrgasse nach dem Architekten Moriz Löhr (geb. am 7. October 1810 zu Leoben, gest. am 28. October 1874 zu Wien), dessen Stadterweiterungs- project von den Preisrichtern als eine hervorragende Leistung bezeichnet wurde. Die neue Verlängerung derselben heißt nunmehr Wurzbachgasse (s. d.). Michaelerdaus (I. Kohlmarkt), vgl. Michaelerplatz. Michaelerplatz (I Bez.) führt seinen Namen von der Hofpfarrkirche zu St. Michael, welche von Herzog Leopold VI. 1219 als Pfarre für seine Dienstleute und sein Gesinde zu Ehren des hl. Michael erbaut wurde. Der als Begräbnisstätte verwendete Platz wird 1330 urkundlich als Freithof zu St. Michael genannt. Im Jahre 1626 wurde die Kirche dem Orden der regulierten Priester des hl. Paulus (Barnabiten) übergeben, die nun auch Michaeler genannt wurden und nach ihnen das denselben gehörige, an die Kirche anstoßende Wohngebäude das Michaelerhaus. Michaelgasse (III. Bez.), seit 1894 Zaunergasse, genannt nach dem Bildhauer Michael Zauner Edlen von Falpatann (geb. 1716 zu Falpatann, gest. am 3. März 1822 zu Wien), dem Schöpfer des Kaiser Josef-Denkmals in Wien. Michetbeuern oder Michel beuerngrund, vormals eine Vorstadt Wiens, und zwar eine der kleinsten, seit 1850 ein Theil des IX. Bez. Alsergrund. Schon um 1170 besaß am linken User des Alserbaches, nahe dem Dorfe Siechenals (später Thury) das Benedictinerstift St. Michael zu Beuern oder Michaelbeuern (im Volksmunde Michelbeuern) in Salzburg Weingärten, auf deren Boden später die Vorstadt Michelbeuern entstand; 1786 verkaufte das Stift seinen Besitz an die Gemeinde Wien. Michelbcmerngasse — Mohrcngüsse. 135 Michelbeuerngasse (IX. Bez.) erinnert durch ihren Namen an die ehemalige Vorstadt Michelbeuern (s. d.). Miesbach gasse (H Bez.) ist benannt nach dem vormals hier fließenden, später verschütteten Miesbache, welcher gleich dem Fugbache (vgl. Fugbachgasse) ein kleiner Donauarm war. Miesbachgasse (XII. Bez., Unt.- Meidling), seit 1894 Vivenotgasse, benannt nach dem Arzte vr. Rudolf von Vivenot (geb. 1807, gest. 1884), dem Gründer des Sophienspitals. Migazziplatz (XII. Bez., Unter- Meidling), benannt nach Christoph Grafen Migazzi zu Wall und Sonnenthurm (geb. 3. November 1714, gest. l5. Mai 1803), welcher von 1757 bis 1803 Erzbischof von Wien war. Bis l894 hieß dieser Platz Kirchenplatz. Milch gasse (1. Bez.), schon in sehr alter Zeit so genannt, weil hier Milch feilgeboten wurde. Mildeplatz (XVIII. Bez., Ottakring) führt seinen Namen nach Vin- cenz Milde, welcher von 1832 bis l853 Erzbischof von Wien war. Millergasse (VI. Bez.), nach dem ehemalig. Grundrichter Martin Miller, Feinzeugschmied und Kunstschlosser, benannt. Millergasse (XII. Bez., Unter- Meidling), seit 1894 Aichholzgasse benannt nach Joses Miller von Aich- Holz, der sich in den Befreiungskriegen auszeichnete und sich um Meidling sehr verdient machte. Mineralbadgasse (XII. Bez., Gaudenzdorf), benannt nach dem nahen Theresienbade in Unter-Meidling, welches eine erdigsalinische Schwefelquelle hat. Bis 1894 hieß die Gasse „Bad- gassc." Minoritenplatz (I Bez.) ist nach dem Kloster der Minoriten (I4-ntr68 minoros, Franziskaner) benannt, das hier stand. Schon Herzog Leopold VI. hat die Minoriten nach Wien berufen und 1217 werden sie zuerst urkundlich genannt. Zuerst erbauten sie eine kleine Kirche, welche 1251 vollendet war. Nach deren Zerstörung bei dem Brande des Jahres 1276 soll König Ottokar II. den Grund zum Neubau der Kirche und des Klosters gelegt haben. Dieses Kloster der Minoriten wurde 1782 von Kaiser Josef II. ausgehoben. Missindorsstraße (XIII. Bez., Penzing), bis 1894 Breitenseerstraße, jetzt nach Hans Missindorf, Besitzer der Herrschaft Penzing im 15. Jahrhundert, benannt. Mitterberggasse (XVII Bez, Hernals), seit 1894 Schumanngasse benannt nach dem deutschen Tondichter Robert Schumann (geb. am 8. Juli 1810 zu Zwickau, gest. am 27. Juli 1856 zu Endenich bei Bonn). Mittermayergasse (XIII. Bez., Hietzing) hieß bis 1894 Mühlgasse. Mittersteig, Grenzgasse zwischen dem IV. und V. Bez., hieß von der dort befindlichen Armenschule bis 1765 „arme Schulgasse", 1778 „mitteres Steiggassel", woraus der heutige Name entstand. Moeringgasse (XV. Bez.), eine neue Gasse, Verlängerung der Zinkgasse in Fünfhaus, benannt nach dem verstorbenen Karl Moering (geb. am 19. Mai 1810 zu Wien), k. k. Feldmarschall-Lieutenant, bekannt durch seinen entscheidenden Antheil an der Erstürmung Custozzas; er zeichnete sich auch bei den im Februar 1866 stattgesun- denen Berathungen über die neue Organisation der Armee aus Mohrengasse, Große und Kleine, (II. Bez.), wahrscheinlich benannt nach der unter Kaiser Josef II. 136 MohSgasse — Mooslackengasse. in Wien erschienenen marokkanischen Gesandtschaft, die zwar in der heutigen Afrikanergasse ihre Wohnung hatte, deren Dienerschaft aber wohl auch zum Theil in den beiden benachbarten Gassen einquartiert wurde. Vormals hieß sie „Große Hafnergasse", weil hier auf Grund eines Marktprivilegiums des Kaisers Leopold I. vom 15. October 1671 alljährlich am Fest St. Martini ein „Hafnermarkt" oder Töpfermarkt stattfand. Mohsgasse (IH. Bez.), eine neue Gasse, zu Ehren des berühmten Mineralogen Friedrich Mohs, Professors an der Wiener Universität (geb. am 29. Jänner 1773 zu Gernrode am Harz, gest. am 29. Sept. 1839 zu Agordo bei Belluno), benannt. Molitorgasse (XI. Bez., Simmering), benannt zur Erinnerung an den Pfarrer Molitor von Simmering, der während der zweiten Türkenbelage- rung Wiens 1683 sich überaus helden- müthig benahm. Bis 1894 hieß die Gasse Blumengasse. Mölkerbastei (I. Bez.), eine Gasse, deren Namen an die ehemals hier bestandene, 1861 bis 1862 abgetragene Mölkerbastei erinnert; ein Rest steht heute (1894) noch. Die Mölkerbastei (seit 1532 Schottenbastei) wurde 1656 von Kaiser Ferdinand III. umgebaut und erhielt ihren Namen nach dem daselbst befindlichen großen Hausbesitze des Stiftes Mölk oder Melk. Vgl. unter „Basteien". Mölkergasse (VIII. Bez ), benannt nach dem benachbarten Mölker- hof (s. d.). Mölkerhof (I. Bez., Schottengasse); er bestand aus drei verschiedenen kleinen Häusern, welche von Zeit zu Zeit für das Stift Mölk, u. zw. 1439 von Adam Dietram, 1631 vonHans Rösche und 1770 von Michael Aspal ange- kaust und im Jahre 1773 in den ansehnlichen Mölkerhof umgebaut wurden. Derselbe musste 1893 einem modernen Neubau Platz machen. Mölkerhof (VIII. Bez.), ein großes Zinshaus mit vier Histen, Eigenthum des BenedictinerstiftesMölk oder Melk in Nieder-Österreich und darnach benannt. Mölkersteig (I. Bez.), benannt nach dem begrenzenden Mölkerhofe (s d.). Mollardgasse (VI. Bez.), seit den Vierzigerjahren benannt nach den Grafen von Mollard oder Molardl einen Theil dieser langgedehnten Gasse bilden die ehemalige untere und obere Annagasse. In der Mollardgasse befand sich die von dem am linken Wienufer beim Meidlinger Wehr abzweigenden Mühlbache gespeiste Mollardmühle. Mollgasse (XVIII. Bez., Währing), bis 1894 Friedhofgasse, jetzt benannt nach dem Kupferstecher und Bildhauer Balthasar Ferdinand Moll (1717 bis 1771), einem Schüler Rafael Donners. Mondscheingasse (VII. Bez.) führt ihren Namen nach dem Hausschilde „Zum goldenen Mondschein"; die untere Hälfte dieser Gasse hieß vormals Spitalgasse, weil sich daselbst das Grundspital befand, der obere Theil hieß nach dem Hausschilde „Zur ungarischen Krone" die Krongasse. Montleartstrasie (XVI Bez, Ottakring) führt zum Wilhelminen- spital, welches von Wilhelmine Prinzessin vonMontlsart-Sachsen-Curland, Besitzerin des Schlosses auf dem Wil- helminenberge (vgl. d.), gegründet worden ist. Mooslackengasse (XIX Bez, Heiligenstadt) ist nach einem Riednamen benannt. Morizgasse — Mühlsaiigergasse. 137 Morizgaffe (XIV. Bez-, Rudolfsheim), benannt nach dem Freiherrn Moriz Arnstein, welcher hier großen Grundbesitz hatte; seit 1894 heißt sie Toßgasse nach dem Industriellen Toß, welcher 1784 eine große Weinessig- und Weinsteinfabrik begründete. Morzinplatz (I. Bez.), ein neuer Platz, benannt zur Erinnerung an den k. k. Feldzeugmeister Peter Prokop Grafen Morzin (geb. 1768, gest. zu Wien am 13. November 1855), welcher sich namentlich in den Napoleonischen Kriegen hervorthat. Mosenthalweg (XVIII. Bez., Pötzleinsdorf) ist nach dem dramatischen Dichter Salomon Hermann Mosenthal (geb. am 14. Jänner 1821 zu Kassel, gest. am 17. Februar 1877 zu Wien) benannt; derselbe lebte lange Jahre in Wien und wählte oft Pötzleinsdorf zu seinem Sommeraufenthalte. Mosergaffe (IX. Bez.) ist nach dem einst hier begüterten Daniel Moser benannt, welcher von 1626 bis 1637 Bürgermeister von Wien war. Mozartgaffe (IV. Bez.), 1798 eröffnet, früher Platzgasse, weil sie einen Platz (den jetzigen Mozart-Platz) -urchschneidet. Ihren heutigen Namen führt sie zu Ehren des berühmten Tondichters Wolfgang Amadeus Mozart, welcher (am 27. Jänner 1756 in Salzburg geboren) auf der Wieden wohnte und am 5. December 1791 starb. Mozarthof (I. Bez., Rauhensteingasse Nr. 8). Indem vor Erbauung des jetzigen Gebäudes hier bestandenen Hause „Zum goldenen ABC" starb am 5. December 1791 der große Tondichter Wolfgang Amadeus Mozart. Eine eherne Büste desselben ist im Stiegenhause des im Jahre 1848 aufqeführten Neubaues ausgestellt. Mozartplatz (IV. Bez.), benannt zu Ehren des Tondichters Mozart (vgl. Mozartgasse). Müglendergaffe (XVII Bez, Hernals) hieß bis 1894 Pichlergasse. Mühlbachgaffe (lV. Bezirk), so genannt, weil sie der im Jahre 1856 verschüttete Mühlbach, ein künstlicher Arm der Wien, durchzog (vgl. Heumüh lgasse). Mühlbachgasse (XIII. Bezirk, Ober-Sct. Veit), seit 1894 Preindl- gasse, genannt nach dem Componisten und Hoskapellmeister Josef Preindl (geb. 1756, gest. 1823). Mühlfeldgasse (II. Bez.), eine neue Gasse, benannt zu Ehren des berühmten Rechtsgelehrten und Reichs- raths-Abgeordneten Eugen Megerle Edlen von Mühlseld (geb. zu Wien 1810, gest. zu Hietzing am 24. Mai 1868), welcher im ReichSrathe namentlich für die neuen confessionellen Gesetze erfolgreich eintrat. Mühlgaffe (IV. Bez.), benannt nach der Heumühle, zu der sie führt (vgl. Heumühlgasse); sie hieß früher Schmidtgasse nach dein Zeichenlehrer Karl Schmidt, welcher hier mehrere Häuser besaß. Mühlgasse (XI. Bez., Simmering) heißt seit 1894 Dampfmühlgasse wegen der daselbst befindlichen großen Dampfmühle. Mühlgasse (XIII. Bez., Hietzing), seit 1894 Mittermayergasse. Mühlgasse (XIII. Bez-, Hüttel- dors), seit 1894 Utendorsgasse, zur Erinnerung an die alte Benennung Hütteldorfs im 12. Jahrhundert: Utendorf. Mühlgaffe (XIX. Bez., Ober- Döbling und Heiligenstadt), seit 1894 nach der dort bestandenen Böhmmühle die Böhmmühlgasse genannt. Mühlfangergaffe (XI Bez, Kaiser-Ebersdors), benannt nach dem 138 Muhrengasse Neilreichgasse. UM Kaiser-Ebersdorf verdienten Richter Martin Mühlsanger. Bis 1894 hieß die Gasse Gemeinde- oder Fischergasse. Muhrengasse (X. Bez.) ist seit 1894 mit der Sellenygasse (X. Bez., Jnzersdors) unter ersterem Namen vereinigt. Münnictplatz (XI. Bez, Kaiser- Ebcrsdors), benannt zu Ehren des verstorbenen Dechants Mttnnich. Bis 1894 hieß der Platz Kirchenplatz. Münzgasse (III Bez.) verdankt ihren Namen dem daselbst bestandenen k k Münzscheide-Gebäude. Heute befindet sich die Münze in dem k. k. Münzamt am Heumarkte. Münzwardeingasse (VI Bez.), benannt nach dem ehemaligen Münz- gcbüude daselbst, welches im Jahre 1785 aufgelassen wurde. Murlingengasse (XII Bez, Unter-Meidling), nach der Benennung „Murlingen" des Ortes Meidling (s. d.) im 12. Jahrhundert; bis 1894 hieß die Gasse Franzensgasse. Museurnstrasie (I. Bez.), eine neue Straße, welche an den südwestlichen Seitenfronten der beiden neuen k. k. Hofmuseen, des naturhistorischen und des kunsthistorischen, vorbeiführt. Muthgasse (XIX. Bez., Hciligen- stadt und Nussdorf) hieß bis 1894 Gärtnergasse. Ihren jetzigen Namen führt sie nach dem Polizeihosrathe Peter Edlen von Muth (geb. 1783, gest. 1855), Dichter und Schriftsteller, welcher schon vor den Märztagen 1848 die ganze Tragweite der im Volke herrschenden Erregung erkannt hatte. Myrtengasse (VII. Bez.); zu Anfang unseres Jahrhunderts hieß dieselbe „Große und Kleine Sandgassc", später „Rosmaringasse" ; da sich eine Gasse dieses Namens auch im I. Bezirke befindet, wurde die gleichnamige Gasse des VII. Bezirkes 1862 in „Myrtengasse" umgetanst. Nadlergasse (IX. Bez.) verdankt ihren Namen einer daselbst befindlichen Nadelfabrik. Naglergasse (I. Bez.), eine der ältesten Straßen Wiens, hieß einst „Unter den Nadlern", weil die Gilden der Nadler und Nagler nach der Zunftordnung vom Jahre 1378 ihr Gewerbe hier ausübten. Der Name „Unter den Nadlern" wird zuerst l432 erwähnt; der Name „Naglergasse" kommt zum erstenmal 1548 war. Naglergasse hieß jedoch nur der untere Theil gegen den Heidenschuss, der obere sammt dem Glockengässchen (heute Jrisgasse) wurde zuerst urkundlich 1326 und bis 1520 „Hinter Set. Pankraz" genannt, weil N ehemals an der Stelle der heutigen Nuntiatur bis beiläufig 1550 die heilige Pancratiuskapelle sich befand. Naschmarkt, der volkstümliche Name für den Obstmarkt vor dem Starhemberg'schen Freihause (IV. B.). Nattergasse (XVII. Bez., Hernals), bis 1894 Krongasse, nunmehr benannt nach dein Bildhauer Heinrich Natter (geb. 1844, gest. zu Wien am 13. April 1892). Negerlegasse (II. Bez.), in den Vierzigerjahren entstanden, verdankt ihren Namen dem Handelsmanne Michael Negerle, der sich daselbst die ersten Häuser baute. Neilreichgasse (X. Bez.), eine Nepomnkgasse Neuer Markt. 139 neue Gasse, benannt nach dem geschätzten Botaniker August Neilreich, dem Verfasser der „Flora von Niederösterreich". Nepomukgasse (II. Bez.) hieß bis 1862 Johannesgasse nach der 1734 daselbst erbauten Johanncs- kapelle. Nestelbachgasse (XIX. Bezirk, Heiligenstadt), bis 1894 Blutgasse, nunmehr nach dem Nestelbache genannt, der hier überwölbt ist. Nestroygasse (II. Bez.); sie verewigt durch ihren Namen den berühmten Komiker und Possendichter Johann Nestroy, welcher am 7. De- cember 1802 zu Wien geboren, von 1854 bis 1862 Leiter des Karltheaters war und am 31. Mai 1862 starb. Neubadgasse (I. Bez.), benannt nach einem herzoglichen Badhause, das hier bestand; 1432 wird urkundlich „Der herczogen Badstube" genannt. Neubau, der heutige VII. Bezirk, welcher seit 1850 aus den ehemaligen Vorstädten Neubau, Neustift, Spittelberg, Set. Ulrich, Schottenfeld und Altlercheufeld besteht. Die nachmalige Vorstadt Neubau (mit Neustist) entwickelte sich als ein Theil der dem Schottenstifte gehörigen Vorstadt Set. Ulrich, deren oberer Theil (oberes Gut) schon im 14. Jahrhundert unter der Benennung Neustist vorkommt; dieser Theil wurde 1693 von dem Gute Set. Ulrich abgetrennt und bildete nun eine besondere Ortsgemeinde mit dem Namen Neubau. Seine jetzige Gestalt verdankt letzterer vorwiegend Kaiser Joses II. Neubaugasse (VII. Bez.), nach dem Namen des Bezirkes Neubau, dessen Hauptstraße sie war, weshalb sie auch Neubauer Hauptstraße genannt wurde; 1733 hieß sie schlechtweg Neubau. NeubergenstraHe (XIV. Bez, Rudolfsheim), nach dem Ried „Neubergen", einer kleinen Anhöhe gegen die Schmelz hin, benannt. Neubergerhof (l. Bez., Schuler- straße), von den Herzogen Albrecht und Otto dem Fröhlichen 1331 angekauft und der Karthause zu Neuenberg in Steiermark zum Geschenke gegeben; 1846 um ein Stockwerk erhöht und in seiner gegenwärtigen Gestalt restauriert. Neuberggasse (XVIII. Bezirk, Salmannsdors), seit 1894 Zierleitengasse, weil sie nach dem Ried „Zierleiten" führt. Neuburgerbof (I. B., Spiegelgasse und Dorotheergasse), s. Klosterneuburgerhof. Neudeggergasse (VIII. Bez.) führt ihren Namen zur Erinnerung an den Neudeggerhos, wie auch das untere Gut der Vorstadt Set. Ulrich (s. d.) hieß. Die Gasse befindet sich aber nicht auf dem Boden des alten Neudeggerhofes; letztere entstand aus einem Schlosse der Herren von Neudegg, welches schon im 15. Jahrhundert bestand. Neudörflgasse (XIII. Bezirk, Ober-Set. Veit), bis 1894 Neugasse, nunmehr zur Erinnerung an den 1803 mit Set. Veit vereinigten Ort Neu- dörfl benannt. Neuegasse (XVIll. Bez., Währing), seit 1894 Edelhofgasse benannt zur Erinnerung an den in der Wäh- ringer Hauptstraße (Nr. 24) bestandenen Edelhof. Neuer Markt (I. Bez.) hieß ursprünglich „Mehlmarkt", da seit den ältesten Zeiten hier Mehlhandel betrieben wurde; im Volksmunde wird er auch heute noch so genannt. Daneben wurde er aber schon 1220 Neuer Markt (torum uovum) genannt; auf einem Stadtplane vom Jahre 1600 kommt die Benennung Xoolorum vor. 140 Nmgasse — Neustift. Neugasse, Große und Kleine, (IV. und V. Bez.), neu angelegte Gassen aus dem Grunde des ehemaligen Wiesenthal'schen Gartens. Neugasse (XII. Bez., Hetzendorf), seit 1894 Eglseegasse benannt nach dem Ried, nach dem sie läuft. Neugasse (XIII. Bez., Hietzing) heißt seit 1894 Wattmanngasse nach Karl Wattmann Freiherrn von Mael- camp-Beaulieu (geb. am 6. März 1789, gest. am 17. September 1866), Leibarzt Kaiser Ferdinands I. und Professor an der Wiener Universität. Neugasse (XIII. Bez., Lainz), seit 1894 nach dem dortigen Besitzer Steinlechnergasse genannt. Neugasse (X4II. Bez., Ober-St. Veit), seit 1894 Neudörflgasse zur Erinnerung an den 1803 mit St. Veit vereinigten Ort Neudörfl. Neugasse (XIV. Bez., Rudolfsheim) war die erste neue Gasse in Rustendorf (s. d.); seit 1894 ist sie nach dem Hause „zum goldenen Reichsapfel", welches 1730 das erste Haus in Rustendorf war, Reichsapselgasse genannt. Neugasse (XIX. Bez., Ober- Döbling), seit 1894 Hardtgasse nach dem nahegelegenen Ried „Hardt". Hardt bedeutet Wald, Waldberg. Neugebau oder Neugebäude (XI. Bez.) heißt noch heute das von Kaiser Maximilian II. zwischen 1564 und 1576 angelegte ehemalige kaiserliche Lustschloss gegenüber dem Central- sriedhofe. Dasselbe war mit einem großen Thiergarten (Wildgehege), Fasanengarten und einer Menagerie verbunden. Letztere erhielt durch Kaiser Leopold I. einen eigenen Zubau, das eigentliche Neugebäude, welcher Namen später auf das ganze Lustschloss übertragen wurde. Seit 1760 wurde ein Theil des Schlosses, seit der Auflösung der Menagerie 1781 das ganze Neugebäude als Magazin zur Aufbewahrung von Pulver und Artilleriegeschossen verwendet und dient diesem Zweck noch heute. Neulerchenfeld, bis Ende 1891 als selbständige Gemeinde ein Vorort Wiens, seither ein Bestandtheil des XVI. Bez. Ottakring. (Vgl. Lerchen- seld.) Neulerchenfelderstraße (XVI. Bez., Neulerchenfeld) erinnert durch ihren Namen an den ehemaligen Vorort Neulerchenfeld (s. d.); bis 1894 hieß sie einfach Hauptstraße. Mit ihr ist nunmehr auch die Eisnerstraße (XVI. Bez., Ottakring) vereinigt. Neulinggasse (III. Bez.), benannt nach dem Besitzer Neuling des Brauhauses und des damit verbundenen einst sehr beliebten Gasthauses an der Ecke zur Ungargasse. Vordem hieß sie Grasweg oder Grasgasse. Neumanngasse (IV. Bez.), 1775 Tischlergassl, gegenwärtig benannt nach Joses Neumann, Landkutscher und Mitglied des äußeren Stadtrath es. Neurissenweg (XI. Bez., Simmering) ist nach dem Ried „Neurissen" benannt. Neustädterhof (I. Bez., Sterngasse), von der Cistercienserabtei Neukloster in Wiener-Neustadt gekauft und noch heute in deren Besitz. NeustädterSchissahrtseanal, auch Wiener-Neustädter Canal genannt; derselbe wurde in den Jahren 1797 bis 1803 zum Zwecke der schiffbaren Verbindung Wiens mit Wiener-Neustadt ausgeführt, 1879 aber die Schiffahrt auf demselben eingestellt. (Vgl. unter Hafengasse.) Neustift bildete mit Neubau bis 1850 eine eigene Vorstadt, jetzt einen Theil des VII. Bezirkes. Der obere Theil (das obere Gut) der Neustift am Walde — Niederhofstraße. 141 alten, dem Schottenstiste gehörigen Vorstadt St. Ulrich (s. d.), welcher schon im 14. Jahrhundert unter der Benennung Neustift vorkommt, wurde 1693 von dem Gute St. Ulrich abgetrennt und bildete nun eine besondere Ortsgemeinde unter dem Namen Neubau (mit Neustift). Neustift am Walde, früher eine selbständige Ortsgemeinde, seit Ende 1891 in den XVIII. Bezirk Währing einbezogen; der im 15. Jahrhundert zuerst erwähnte Name bezeichnet eine Neugründung oder neue Stiftung. Neustist am Walde (XVIII. Bez., Neustift am Walde), bis 1894 Wienerstraße, nunmehr zur Wahrung des Ortsnamens mit dem neuen Namen benannt. Neustistgasse (VII. Bez.) erinnert an die ehemalige Vorstadt Neustift (s. d.); 1733 hieß die Gasse schlechtweg „Neustift". Neustistgasse (XIII. Bez., Ober- St. Veit), seit 1894 in die Schweizerthalstraße (s. d.) einbezogen und so benannt. Neustistgasse (XIX. Bez., Ober- Döbling), seit 1894 nach dem Krottenbache (d. h. Krötenbache) Krottenbachstraße benannt. Neustistgasse^XIX. Bez., Ober- Sievering), seit 1894 Agnesgasse benannt nach der Markgräfin Agnes, Gemahlin Leopolds III. des Heiligen (1096 bis 1136),'deren Schleier Anlass zur Gründung von Klosterneuburg gegeben haben soll. Neuthorgasse (I. Bez.), eine neue Gasse, welche durch ihren Namen an das 1558 erbaute Neuthor in der Bastei erinnert, das in dieser Gegend stand, 1859 aber bei der Stadterweiterung abgebrochen wurde. Neuwaldegg, eine selbständige Ortsgemeinde, von der seit Ende 1891 ein Theil zum XVII. Bezirke Wiens einbezogen ist. Der Ort ist als eine Ansiedlung bei dem schon 1307 genannten Schlosse Waldeckh oder Wal- dekerhof, das vormals mitten im Walde angelegt wurde, entstanden und erhielt daher den Zusatz „Neu". Letzterer Ort wird 1537 zum erstenmal erwähnt. Neuwaldeggerstraße (XVII. Bez., Neuwaldegg) heißt seit 1894 die ehemalige Hauptstraße (von der Demel'schen Villa an) zur Wahrung des Ortsnamens Neuwaldegg. Neuwaldeggerstrasße (XVIII. Bez., Gersthof), seit 1894 Herbeckstraße genannt nach Johann Herbeck (1831 bis 1887), Componisten, Hos- kapellmeister und Director der k. k. Hosoper in Wien. Nevillebrücke, Brücke über den Wienfluss zwischen dem V. u. VI. Bez., 1854 vollendet, erbaut nach den Plänen des Civil-Jngenieurs Adam Clark nach dem Neville'schen Systeme und darnach benannt. Nevillegasse (V. Bez.) führt zur Nevillebrücke (s. d.) und ist nach derselben benannt. Nibelungengasse (I. Bez ), eine neue Gasse, benannt zur Erinnerung an die Burgunden oder Nibelungen, welche aus ihrem Zuge von Worms an den Hof Etzels in Etzelnburc (Gran) über Wien kamen, wenn dies auch im Nibelungenliede nicht ausdrücklich erwähnt wird. In Wien (Wiene) feierte auch König Etzel das Beilager mit seiner Gemahlin Kriemhilde; erst am achtzehnten Morgen verließen die Neuvermählten die Stadt Wien. Nibelungenhof (I. Bez., Nibelungengasse), ein großer Neubau, benannt nach seiner Lage in der Nibelungengasse (s. d.). Niederhofllraße (XII. Bezirk, Unter-Meidling), benannt nach dem 142 Nikolaigassc — Nussdorferstraße. Jagdschlösse Niederhof, das an der Stelle sich erhob, wo jetzt das The- resienbad steht. Bis 1894 hieß die Straße „Matzleinsdorserstraße". Nikolaigasse (I- Bez.) erinnert mit ihrem Namen an das hier (in der Singerstraße) bestandene alte St. Nikolai- oder Niklaskloster, eine Tochterstiftung des Cistercienser-Nonnenklosters vor dem Stubenthore, welche schon 1228 urkundlich erwähnt wird. Der Bau eines größeren Klosters mit der Kirche zum hl. Nikolaus begann um 1253. Nikolsdorf, früher eine kleine Vorstadt Wiens, jetzt ein Theil des V. Bezirkes Margarethen. Zum Theil liegt Nikolsdors aus dem Grunde des ehemaligen Dorfes Bernhardsthal, welches während der zweiten Türkenbelagerung gänzlich zerstört wurde. Da dieser Grund einst dem 1529 von den Türken zerstörten Frauenkloster zu St. Niklas oder St. Nikola vor dein Stubenthore gehörte, wurde der Namen des Besitzers aus den Besitz übertragen. Nikolsdorferstraße (V. Bez.) führt ihren Namen zur Erinnerung an die ehemalige Vorstadt Nikolsdors (s. d.), auf deren Grund sie sich befindet. Nisselgafse (XIII. Bez., Penzing), bis 1894 Hietzingergasse, jetzt nach dem Dichter Franz Nissel (geb. am 15. März 1831 in Wien, gest. am 20. Juli 1893 in Gleichenberg) benannt. Nobileqafse (XIV. Bez., Ru- dolssheim), bis 1894 Buchgasse, nunmehr benannt nach Peter Nobile (geb. 1774, gest. 1854 zu Wien), k. k. Hos- baumeister, Erbauer des äußeren Burg- thores und des Theseustempels im k. k. Volksgarten. Nordbahnstraße (II. Bez.), so benannt, weil sie an dem Bahnhose der k. k. priv. Kaiser Ferdinands- Nordbahn entlang führt, hieß noch zu Beginn dieses Jahrhunderts „Forstmeisterallee." Als Kaiser Josef II. 1775 den Prater einer gründlichen Regulierung unterzog, ließ er gleichzeitig eine Allee zur Verbindung des Praters mit dem Tabor anlegen und daselbst ein k. k. Forsthaus erbauen. Da letzteres lange Zeit das einzige Gebäude in der neuen Straße war, wurde sie Forstmeisterallee genannt. Nordpolstraße (II. Bez.) benannt zur Erinnerung an die österrei- chis ch-ungarische Nordpol-Expedition 1872 bis 1874 unter Payer und Weyprecht, welche zur Entdeckung des Franz-Josefslandes führte. Novaragasse (II. Bez.) führt ihren Namen zur Erinnerung an die Schlacht bei Novara, am 24. März 1849, in welcher die Österreicher unter Feldmarschall Radetzky die sardinische Armee entscheidend schlugen. Ursprünglich hieß diese Gasse nach ihren Bewohnern „Gärtnergasse". Nussbergqasse (XIV. Bezirk, Nussdorf), nach dem nahegelegenen Nussberge benannt; bis 1894 hieß sie Weinberggasse. Nrrssdorf, bis Ende 1891 eine eigene Ortsgemeinde, seit 1892 einbezogen in den XIX. Bez. Wiens; 1187 Nuzdorf, vom mhd. nuz, Nuss. Nussdorferplatz (XIV Bez., Nussdorf) heißt seit 1894 der ehemalige Hlmptplatz zur Wahrung des Ortsnamens Nussdors. Nussdorferstraße (XIX Bez., Grinzing), seit 1894 nach der localen Bezeichnung „Langacker" die Langackergasse genannt. Nussdorferßraße (XIV. Bez., Ober-Döbling und Heiligenstadt), seit 1894 mit der Hauptstraße von Nuss- Nusswaldgasse — Osterleitcngasse. 143 dorf zusammengezogen und Heiligenstädterstraße benannt. Nusswaldgasse (XIX. Bezirk, Unter-Döbling), bis 1894 Gemeindegasse, jetzt nach einem Riednamen benannt. Obergeiereck (XI. Bez., Simmering) ist ein Riedname. Oberleitengasse (XI. Bez., Simmering), benannt nach dem nahen Ried Oberleiten. Bis 1894 hieß die Gasse „kleine Theresiengasse". Ober St. Veitergasse (XIII. Bez., Lainz), seit 1894 nach dem daselbst befindlichen Veitinger Felde die Vei- tingergasse genannt. .Obstmarkt (I V. Bez.), nach seiner Bestimmung benannt; im Volksmunde heißt er „Naschmarkt". .Odeongasse (II. Bez.) führt ihren Namen nach dem großen Odeonsaal (jetzt an dessen Stelle die Häuser Nr. 35 und 37 der Circusgasse), der 1845 zu musikalischen Ausführungen und für Tanzunterhaltungen errichtet worden und indem 1848 zahlreiche Versammlungen stattfanden; am 28. Oc- tober desselben Jahres brannte er nieder. Vorher hieß die Gasse „große Fnhrmannsgasse". Odoakergasse(XVI. Bez., Ottakring) ist nach dem nicht näher bekannten Begründer oder ehemaligen Besitzer von Ottakring (s. d.), einem Odoaker oder Ottokar benannt. Ofenlockgasse (I. Bez.), s. Klee- blattgassc. .Operngasse (I. Bez.), benannt nach dein hier befindlichen Gebäude des k. k. Hofoperntheaters, welches nach den Plänen der Architekten Van der Nüll und Siccardsburg in den Jahren 1861 bis 1869 erbaut wurde. Opernring (I. Bez.), der Theil der Ringstraße (s. d.), welcher zwischen Kärntner- und Burgring gelegen ist, benannt nach den: k. k. Hosoperntheater (s. Operngasse), welches seine Haupt- sront dem Opernring zukehrt. .Oppolzergasse (I. Bez.), eine neue Gasse, benannt zu Ehren des berühmten Mediciners Johann Oppolzer (geb. am 3. August 1808 zu Gratzau in Böhmen, gest. zu Wien am 16. April 1871), welcher seit 1850 als Professor an der Wiener Universität wirkte. D'Orsay gaffe (IX. Bez.) wurde im Jahre 1846 eröffnet und nach der daselbst begüterten Gräfin Dominica d'Orsay (geb. als Gräfin Lodron 1789, gest. 1847) benannt. .Ortliebgasse (X VII. Bez., Hernals) hieß bis 1894 Herrengasse. Ospelgasse (II. Bez.), eine neue Gasse, die von der Jnnstraße zwischen der Ley- und Pasettigasse abzweigt, benannt nach dein Erbauer des alten bürgerlichen Zeughauses, Ospel. Österteingasse (XV. Bez.) ist benannt nach der lange Zeit in dieser Gasse bestandenen Gewehrfabrik Öster- leins; das Gebäude derselben war das älteste von Fünfhaus, zuerst der Nent- wichhos, der später in ein Karmeliterkloster umgewandelt wurde und nach Auslassung desselben wurde die genannte Gewehrfabrik eingerichtet. Osterleiterrgasse (XIX. Bez., Ober-Döbling), bis 1894 Schlossgasse, jetzt nach dein Ried Osterleiten benannt. 144 Oswaldgasse Paniglgasse. .Oswaldgaffe (XII. Be;.), Altmannsdorf), benannt nach dem Kirchenpatron von Altmannsdors; bis 1894 hieß sie Augustinergasse. Othmargaffe (II. Bez.), eine neue Gasse, benannt zur Erinnerung an Cardinal Othmar Ritter von Rauscher (geb. am 6. October 1797 zu Wien, gest. daselbst am 24. November 1875), welcher von 1853 bis 1875 Fürsterzbischos von Wien war. Ottakring, seit Ende 1891 ein Theil des XVI. Bez. von Wien, nach dein letzterer den Namen führt, früher selbständige Ortsgemeinde, urkundlich 1315 Otakering; abgeleitet vom Personennamen Odoaker, Otaker. Es kommen auch die alten Namenformen Ottakeringh, Otacherin, Ottakeringe, Ottakhrin, zu Anfang unseres Jahrhunderts Ottakrin und Ottagrün vor; ferner die mundartliche Form Atterkling. Ottakringer Hauptstraße (XVI. Bez., Ottakring) heißt seit 1894 Ottakringerstraße. Ottakringerstraße (XVI. Bez., Ottakring) hieß bis 1894 Ottakringer Hauptstraße. Mit ihr ist seither auch die Ottakringerstraße (XVII. Bezirk, Hernals) zu einem Straßenzuge zusammengezogen. Ottakringerstraße (XVH. Bez., Dornbach), seit 1894 Güpferlingstraße nach dem nahen Riede Güpserling, welches einen kleinen Gupf (rundliche Erhöhung) bedeutet. Otzeltgaffe (HI. Bez.) führt ihren Namen nach dem verstorbenen Erbauer und Besitzer mehrerer Häuser in dieser Gasse, Ötzelt. P Pachmüllergaffe (XII. Bezirk, Unter-Meidling), benannt nach dem ehemaligen Stistsverweser des Gutes Meidling und Lehrer des Kirchenrechtes 1447, Pachmüller. Bis 1894 hieß die Gasse Josefigasse. Paffrath gaffe (II. Bez., Prater), eine neue Gasse, benannt zur Erinnerung an den am 10. Jänner 1875 verstorbenen Gemeinderath Leopold Paffrath. Palmgaffe (XV. Bez.), wahrscheinlich benannt zur Erinnerung an den Buchhändler Johann Philipp Palm, welcher wegen einer Flugschrift gegen Napoleon I. „Deutschland in seiner tiefen Erniedrigung", die er 1806 versandte, auf Befehl des Franzosenkaisers am 26. August 1806 zu Braunau in Ober-Österreich erschossen wurde. Paniglgasse (IV. Bez.) wird schon 1397 urkundlich als Plenklergasse erwähnt, die parallel mit der nun spurlos verschwundenen Rosengasse (Rosenlucken) lief. Der neuere Name Paniglgasse soll nach einer älteren Erklärung von dem alten Bürger- geschlechte der Panigl herstammen, das hier schon im 17. Jahrhundert sesshaft war. Eine jüngere Erklärung meint, dass man sich bei der auf kaiserlichen Befehl durchgeführten Aufhebung des Friedhofes (zu St. Karl) nicht die Zeit nahm, die ausgegrabenen Gebeine sofort neuerdings an anderem Orte zu bestatten, sondern sie längs der Häuserreihe in Hügeln aufschichtete, weshalb man diese Gasse „Beinhügelgasse" benannte, woraus später im Volksmunde der Name „Paniglgasse" entstand. Panikengasse Parkgasse. 145 Panikengaffe (XVI. Bz., Ottakring) ist nach einem alten Riednamen benannt. Pantzergaffe (XIX. Bez., Ober- Döbling), benannt nach dem Gastwirte und Grundbesitzer Pantzer, dem das nach ihm benannte Pantzerseld zu eigen war; auf diesem befindet sich jetzt die Pantzergaffe. Papagenogaffe (VI. Bez.), benannt nach den steinernen Figuren ober dem Hauptportale des Theaters an der Wien, welche dessen Erbauer, den Theaterdirector Emanuel Schikaneder (P 1812), als Papageno mit seinen Kindern (aus Mozarts „Zauberstöte") darstellen. Es ist die einzige Porträtstatue des älteren Schikaneder. Die Gasse führt vom Getreidemarkt auf das bezeichnet^ Portal zu. Pappenheimgaffe (II Bez.), eine neue Gasse, benannt zur Erinnerung an den kaiserlichen Feldherrn im dreißigjährigen Kriege Gottfried Heinrich Grasen zu Pappenheim, welcher in der Schlacht bei Lützen 1632 die Todeswunde empfieng. Paradisgaffe (XIX. Bz., Unter- Döbling), bis 1894 Kreuzgasse, nunmehr nach Maria Theresia Paradis (1759 bis 1824) in Wien, blinder Virtuosin und Componistin, benannt. Parhamerplatz (XVII. Bez., Hernals), bis 1894 Petersplatz, jetzt benannt nach Ignaz Parhamer (geb. am 15. Juni 1715 zu Schwanenstadt in Oberösterreich, gest. am 1. April 1786 in Wien), Jesuiten und Humanisten, Verfasser des epochemachenden „Katechismus für drei Schulen" (Tyrnau 1750—1752), ausgezeichnetem Kanzelredner, seit 1759 Leiter des von Kienmayer gestifteten Wiener Waisenhauses aus dem Rennwege. Parhamerplatz (XVII. Bezirk, Hernals), seit 1894 Clemens Hoff- Umlauf l, Namenbuch der Stadt Wien. bauerplatz benannt nach Clemens Maria Hoffbauer (1751 bis 1820), dem Stifter der Redemptoristen in Österreich. Parisergaffe (I. Bez.) ist nach einem Hause daselbst benannt, welches vormals „Zum Paryß" hieß, weil es das Urtheil des Paris zum Schilde hatte. Parkgaffe (III. Bez.), eine neue Gasse, so benannt, weil sie sich zum Theil aus dem Boden des ehemaligen fürstlich Liechtenstein'schen Parkes im III. Bez. befindet. (Vgl. Rasumoffsky- gasse.) Parkgaffe (XIII. Bez., Breitensee), seit 1894 Marnogasse genannt nach dem ausgezeichneten Asrikareisenden Ernst Marno (geb. am 13. Jänner 1844 zu Wien, gest. am 17. August 1883 in Chartnm). Parkgaffe (XIII. Bez., Ober- Set. Veit), seit 1894 Ghelengasse nach der Wiener Buchdruckerfamilie Ghelen (1672 bis 1858) benannt. Parkgaffe (XIII. Bez., Penzing) seit 1894 Hadikgasse benannt nach dem Feldmarschall-Lieutenant Andreas Grasen Hadik von Futak (geb. 1700, gest. 1790), welcher sich als Feldherr im siebenjährigen Kriege auszeichnete. Parkgaffe (XIII. Bez., Speising), seit 1894 Anton Langergasse nach dem Wiener Localschriftsteller Anton Langer (1824 bis 1879) benannt, der in Speising eine Villa besaß. Parkgaffe (XVII. Bez., Dörnbach und Neuwaldegg), seit 1894 Waldegghofgasse nach dem alten Namen des Schlosses in Neuwaldegg, Waldegghof, benannt. 'Parkgaffe (XVIII. Bez., Gersthof), seit 1894 Hockegasse nach dem Wiener Stadtschreiber Nikolaus Hocke (1682 bis 1691), welcher eine Geschichte der Türkenbelagerung von 1683 herausgab. 10 Parkring — Penzing. 146 Parkring (i. Bez.), der Theil der Ringstraße (s. d.) zwischen Kolo- wratring und Stubenring, benannt nach dem ihn an der einen Seite begrenzenden Stadtparke, welcher in den Jahren 1868 und 1863 angelegt wurde. Parkstraße (XIX. Bez., Ober- Döbling), seit 1891 Hasenauerstraße nach dem hervorragenden Architekten Karl Freiherrn von Hasenauer (geb. 1833, gest. 1894). Passauerhof (1 Salvatorgasse), vom Bischof Fürst Georg von Passau 1415 dem Wiener Bürger Georg Grüneberg für das Passauerstist ab- gekaust, 1806 an Private verkauft und 1881 ganz neu aufgebaut. Paulanergasse (IV. Bez.), schon 1775 so genannt, die Gasse hinter der sogenannten Paulanerkirche. Im Jahre 1686 berief Kaiser Ferdinand II. Mönche aus dem Orden des hl. Franciscns de Paula nach Wien. Der Resident der Niederlande kaufte ihnen Grund und Boden aus der Wieden, bestehend aus Weingärten (genannt „Gugl bey der Erdsäll"), zur Erbauung des Klosters und der Kirche (zu den hl. Schutzengeln), welcher 1637 begann; die Kirche wurde aber erst 1651 vollendet. Paulinengasse (XVII. Bezirk, Hernals); mit ihr wurde 1894 die Mayergasse (XVIII. Bez., Weinhaus) zu einer Gasse zusammengezogen und auch so benannt. Paul Konrathgasse (XVII B., Dornbach), bis 1894 Konrathgasse. Panlusgasse (III. Bez.) hieß nach der alten, in Erdberg bestandenen Kirche aä 8. kaulum schon am Ende des 17. Jahrhunderts so. Paulusplatz (III. Bez.), aus dem gleichen Grunde so benannt wie die Paulusgasse (s. d.). Payergasse (XVI. Bez., Ottakring), benannt zu Ehren des berühmten österreichischen Nordpolsahrers Julius Ritter von Payer (geb. am 1. September 1848 zu Teplitz in Böhmen), welcher auf der österreichisch-ungarischen Nordpolexpedition 1873 bis 1874 im Verein mit Weyprecht das Franz Josefsland entdeckte. Pazmanitengasse (II. Bez.), benannt nach dem Pazmann'schen Collegium oder Pazmaneum, welches 1618 in Wien von Peter Pazmany de Panasz, Cardinal-Erzbischof von Gran (geb. 1574, gest. 1637) als Bildungsanstalt für den ungarischen Clerus gestiftet wurde. Dasselbe befand sich anfangs in der Johannesgasse, später in der Schönlaterngasse. Die Zöglinge hießen Pazmaniten. Der dem Pazmaneum gehörige Pazmanitenhof befindet sich in der Pazmanitengasse. Pelikangasse (IV. Bez.) führt ihren Namen nach dem Hause „Zum Pelikan". Pelzgasse, verlängerte (XV. Bez.), seit 1894 Geyschlägergasse. Penzing, bis Ende 1891 eine selbständige Ortsgemeinde, seitdem in den XIII. Bezirk Wiens einbezogen; der Name welcher zu Anfang des 18. Jahrhunderts Penzingen lautete, dürste, wie derjenige der Nachbarorte Hietzing, Hacking u. s. w. von einem Personennamen abgeleitet sein. Die Sage erklärt den Ursprung des Namens folgendermaßen: Als Herzog Friedrich der Streitbare 1833 zugleich mit noch 300 jungen Edelleuten in der Schottenkirche zu Wien vom Bischöfe von Passau den Ritterschlag empfangen hatte, erlustigte er sich mit seinen Genossen hier in der Au durch ritterliche Spiele. Da erscholl wiederholt der Ruf „Pent's enk" (d. i. „Tummelt euch herum") als Anreizung Penzingerstraße — Pfarrgasse. 147 zum Kampfe; das Wort „penzen" für antreiben ist noch heute in der österreichischen Mundart vorhanden. Aus dem Rufe „Pent's enk" entstand dann der Name Penzing. Dem gegenüber ist zu bemerken, dass damals der Ort schon seinen Namen Penzingen führte; auch kommen Orte des Namens Penzing wiederholt vor. Penzingerstraße (XIII. Bez., Penzing) heißt seit 1894 die ehemalige Hauptstraße zur Wahrung des alten Ortsnamens Penzing. Peregrinigasse (IX. Bez.), eine neue Gasse, zu Ehren des hl. Serviten- mönches Pater Peregrinus (geb. 1265, gest. 1345) genannt, dessen Bildsäule sich in der Servitenkirche (IX. Bez., Servitengasse) befindet. Peregrinigasse (XIX. Bezirk, Unter-Döbling), seit 1894 Jglaseegasse nach dem nahegelegenen Ried Jglasee. Pereiragasse (XIV. B., Rudolfs- Heim), benannt nach Frau Henriette Gräfin von Pereira, geb. Freiin Arnstein, welche in dem ehemaligen Orte Braunhirschen (s. d.) eine große Besitzung hatte, in deren Park 1849 ein Sommertheater errichtet wurde. Durch den Verkauf ihrer hier gelegenen Grundstücke zu günstigen Bedingungen förderte sie die Baulust. Pestalozzigasse (I. Bez.), eine neue Gasse, benannt zu Ehren Johann Heinrich Pestalozzi's (geb. am 12. Jänner 1746 zu Zürich, gest. am 17. Februar 1827 zu Brugg im Aargau), des einflussreichsten Pädagogen der neueren Zeit. Petersplatz (I. Bez.), benannt nach der daselbst stehenden Kirche zu Set. Peter. Ihre Gründung wird gar Karl dem Großen zugeschrieben, doch erscheint sie urkundlich erst 1137. Den heutigen Bau ließ Kaiser Leopold I. 1702 durch Fischer von Erlach aus- sühren. Der Platz um die Kirche diente bis 1784 als Friedhof und hieß daher „Petersfreithof". Petersplatz (XVII. Bez., Hernals), seit 1894 Parhamerplatz (s. d.). Petrareagasse (I. Bez.), eine neue Gasse, benannt zu Ehren des Franzesco Petrarca (geb. am 20. Juli 1304 in Arezzo, gest. am 18. Juni 1374 zu Arqua), des größten lyrischen Dichters Italiens und zugleich eines der größten Gelehrten seiner Zeit. Auf seinen„zahlreichen Reisen kam er auch nach Österreich. Petrusgasse (III. Bez.), benannt nach dem Apostelfürsten Petrus; da die Kirche der ehemaligen Gemeinde Erdberg den HH. Petrus und Paulus geweiht ist, sind wie die Petrusgasse, so auch die Paulusgasse und der Paulusplatz, ferner die Apostelgasse nach ihr genannt. Pettenkofengasse (III. Bez.), benannt nach dem trefflichen Maler August Pettenkofen. Peperlgasse (XVI. Bez., Neu- lerchenseld) heißt seit 1894 Weiskerngasse nach dem Wiener Topographen Friedrich Wilhelm Weiskern (1710 bis 1768). Pezzlgasse (XVII. Bez., Hernals), bis 1894 Karlsgasse, nunmehr benannt nach dem Wiener Topographen, philosophischen und historischen Schriftsteller Johann Pezzl (geb. 1756, gest. zu Wien 1823). Pfarrgasse, Große u Kleine, (II. Bez.) sind beide benannt nach der Pfarrkirche zum heiligen Leopold, zu welcher Kaiser Leopold I. 1690 den Grundstein legte und die am 6. September 1671 eingeweiht wurde. Pfarrgasse (XII. Bez., Unter- Meidling), seit 1894 Albrechtsbergergasse benannt nach Johann Georg 148 Pfarrgasse Pillersdorfgasse. Albrechtsberger (1736 bis 1809), dem Lehrer Beethovens. Pfarrgasse (XIII. Bez. Penzing), seit 1894 mit der Friedhofgasse (XIII. Bez., Penzing) unter dem Namen Einwanggasse (s. d.) zusammengezogen. Pfarrhofgasse (III. Bez.), früher Pfarrgasse, so genannt, weil sie hinter dem Psarrhofe der Kirche zu Set. Rochus und Sebastian führt. Pfarrhofgasse (XIII. Bezirk, Baumgarten), seit 1894 Kefergasse genannt nach dem verstorbenen Josef Kefer, Domherrn und Pfarrer in Baumgarten 1810. Pfarrwiefengaffe (XIX. Bez., Unter-Döbling), benannt nach der localen Bezeichnung „Pfarrwiese"; bis 1894 hieß sie Karlsgasse. Pfauengasse (VI. Bez.), nach einem Hausschilde benannt. Pfesferhofgaffe (III. Bezirk), verdankt ihren Namen demFeldmarschall Psefserhosen, welcher sich um die Errichtung der Kirche zur hl. Margarethe unter den Weißgärbern sehr verdient gemacht hatte; ans diesem Grunde hatte auch diese Familie ihr Palais. Pfeisfenbergergaffe (XIII.Bez., Hacking), bis 1894 Bäckergasse, jetzt nach Michael Pfeiffenberger (gest.1892), dem letzten Bürgermeister von Hacking, benannt. Pfeisfergasse (XIV. Bez., Sechshaus); 1894 wurde beantragt, dieselbe Rebhanngasse (s. d.). zu nennen, doch ist die Entscheidung hierüber noch nicht getroffen. PHLllipsgaffe (XIII. Bez., Penzing), bis 1894 Bäckergasse, jetzt benannt nach vr. Georg Phillips (1804 bis 1872), Rechtsgelehrten und Professor an der Wiener Universität, hervorragendem Fachschriftsteller. Phorusgasse und Phorus- platz (IV. Bez.), benannt nach der 1824 entstandenen ersten k. k. priv. Holzverkleinerungsanstalt „Phorus", einer Actiengesellschast, deren Name aus den Anfangsbuchstaben der Namew ihrer Begründer: Ferdinand Gras Palffy, Leopold Freiherr v. Hackelberg, Ofsenheimer, Reinscher, Unger und Ritter von Schönseld entstanden ist. Diese Unternehmung hatte den Zweck, das Verkleinern des Brennholzes in den engen Gassen zu beseitigen; ihre Werkstätte, wo die Sägemaschinen mit Dampfkraft in Bewegung gesetzt wurden, hatte sie am Mittersteig. Piariftengaffe (VIII. Bez.), benannt nach der daselbst befindlichen, 1701 eröffneten Piaristenschule. Der geistliche Orden der Piaristen (Väter der frommen Schulen) wurde 1607 von dem spanischen Edelmanne Josef Casalanza gestiftet und kam 1697 nach Wien. Pichlergasse (XVII. Bez., Dörnbach), seit 1894 Andergasse benannt nach dem seinerzeit hochgeschützten Hofopernsänger Alois Ander (1824 bis 1864). Pichlergaffe (XVII. Bez., Hernals), seit 1894 Müglendergasse. Pilgrambrücke, Wienbrücke zwischen dem V. und VI. Bez., benannt nach dem Astronomen und Meteorologen vr. Anton Pilgram. Pilgramgasse (V. Bez.), wie die Pilgrambrücke (s. d.) nach vr. Anton Pilgram benannt. Pillergasse (XIV. Bez., Sechshaus), bis 1894 Wehrgasse, jetzt nach der alten Sechshauser Bürgersamilie Piller benannt. Pillersdorfgasse (II. Bez.), benannt zur Erinnerung an Franz Lav. Freiherrn von Pittersdorf (geb. 1786 zu Brünn, gest. zu Wien am 22. Februar 1862), welcher im Jahre 1848 Plankengasse — Postgasse. 149 eine Zeitlang Haupt eines Ministeriums war. Plankengasse (I. Bez.) führt ihren Namen nicht nach dem Freiherrn Karl Wetzlar von Blankenstern, welcher daselbst 1796 ein Haus ausbauen ließ, sondern als Kaiser Joses II. 1782 bis 1784 zahlreiche Klöster in Wien aufhob, wurden auch den Kapuzinern die weitläufigen Gärten, welche fast die halbe Länge der Spiegelgasse ein- nahmen, entzogen und zu Bauplätzen verwendet. So entstand eine neue Gasse, indem der Kaiser befahl, „längs der Planke Häuser zu bauen", wodurch sich der Name der Plankengasse erklärt. Plankengasse (XII. Bez., Gaudenzdorf), mit der Plankengasse in Sechshaus seit 1894 Diefenbachgasse zu Ehren des Sechshauser Gemeinde- rathes und Directors der dortigen Sparcassa, Diesenbach. Plankengasse (XIII. Bez., Ober- St. Veit), seit l894 Diabelligasse genannt nach dem Musikverleger und Componisten in Wien Antonio Diabelli (1781 bis 1858). Plankengasse (XIV. Bez., Sechshaus), seit 1894 Diesenbachgasse (s. Plankengasse, XII. B., Gaudenzdors). Plenergasse (XI. Bez., Simmering), seit 1894 Greisgasse, nach einem Lehensbesitzer aus Simmering im Jahre 1301. Plenergasse (XVIII. Bez., Währing), benannt nach dem österreichischen Staatsmanne Ignaz Edlen von Plener (geb. am 21. Mai 1810 zu Wien), 1867 bis 1870 Handelsminister im Ministerium Giskra-Herbst. Plösselgaffe (IV. Bez.), benannt nach dem geschätzten Optiker und Haus- eiaenthümer Simon Plössel (gest. am 31. Jänner 1868). Pöchlarnstraste (II. Bez.), benannt zur Erinnerung an Rüdiger von Pöchlarn, den Dienstmann König Etzels, welcher im Nibelungenliede eine so schöne Rolle spielt. Pohlgasse (XU. Bez., Unter- Meidling), benannt nach dem Abbs Pohl, der 1755 die warme Schwefelquelle in Unter-Meidling entdeckte. Bis 1894 hieß die Gasse Radetzkygasse. Pointengasse (XVII. Bz., Dörnbach) heißt nach dem Riede „Lange Pointen", an dessen Süd- und Südostseite entlang sie führt. Über den Ausdruck „Point" vgl. unter Beatrixgasse. Pokornygasse (XIX. Bezirk, Ober-Döbling), bis 1894 Donaugasse, nunmehr benannt nach vr. Alois Pokorny (geb. am 23. Mai 1826 zu Jglau, gest. am 29. De- cember 1886 in Innsbruck), Naturhistoriker und Pädagogen, welcher bei der Begründung der Wiener Commu- nal-Realgymnasien sich sehr verdienstlich betheiligte. Porzellangasse (IX. Bez.) ist nach der k. k. Porzellanfabrik benannt, welche 1718 begründet und 1721 in das Gebäude dieser Gasse verlegt wurde, wo sie bis zu ihrer Auflassung im Jahre 1862 bestand. Seit dem Jahre 1846 befindet sich in einem Tracte des Gebäudes die „Rossauer" Cigarrenfabrik. Poschgasse (XIII. Bez., Breitensee), bis 1894 Annagasse, jetzt nach Johann Adam Freiherrn von Posch (gest. 1863), k. Rath und Besitzer der Herrschaft Breitensee, benannt. Possingergasse (XVI. Bezirk, Ottakring) ist nach dem ehemaligen Statthalter von Nieder-Osterreich, Ludwig Freiherrn von Possinger, benannt. Postgasse (I. Bez.), früher Bockgasse genannt, nach dem alten Eckhause 150 Posthorngasse Praterstern. mit dem Schilde: „Zum blauen Bock" (jetzt Postgasse 1), führt ihren heutigen Namen, weil sich hier das Hauptpostamt Wiens befindet. Posthorngafse (III.B.), anfangs Adlergasse, 1775 Grasgässchen, dann Grasgasse, weil sie in einer Gegend entstand, welche früher der Grasweg hieß, später Posthorngasse, benannt nach dem schon 1776 hier befindlichen Gasthanse „Zum Posthörndl". Poststraße (XII l. Bez., Penzing), so benannt, weil vormals auf dieser Straße die Post nach Linz verkehrte, seit 1894 als ein Theil der Reichsstraße nach Linz Linzerstraße benannt. Pötzleinsdorf, bis Ende 1891 eine eigene Ortsgemeinde, seitdem einbezogen in den XVIII. Bezirk Wiens; 1112 Pecilinisdorf, zusammengesetzt mit dem Personennamen Bezilin, Pe- cilin, also Dorf eines Pecilin. Pölzleinsdorferstraße (XVII. Bez., Dornbach), seit 1894 nach der nahe gelegenen „Kreuzwiese" Kreuzwiesengasse genannt. Pötzleiirsdorferstrasie (XVIII. Bez., Pötzleinsdorf) heißt seit 1894 die ehemalige Hauptstraße von Pötzleinsdorf, zur Wahrung dieses Ortsnamens. Pötzleinsdorferstra^e (XIX. Bez., Ober-Döbling), seit 1894 Hartäckerstraße nach dem Ried „Hartäcker" genannt. Ponthongafse (XIV. Bez., Ru- dolssheim), nach dem Grasen Pouthon benannt, der hier großen Grundbesitz hatte. Praqerstraße (III. Bez.), benannt nach der Landeshauptstadt des Königreiches Böhmen, weil sie die Zufahrt zum Bahnhofe der k. k. priv. Kaiser Ferdinands-Nordbahn von der Landstraße aus bildet, welche zuerst mit dem Anschlüsse der k. k. vriv. österr. Staatsbahn die Verbindung Wiens mit Prag herstellte. Prarrrergafse (IX. Bez.) hieß früher wegen der vielen hier gelegenen Gärten die „Gärtnergasse"; ihren heutigen Namen führt sie zum Gedächtnis an Konrad Pramber oder Pramer, der in den Jahren 1640 bis 1645 Bürgermeister von Wien war. Prater, Lustwald im II. Bezirk aus der großen Donauinsel. Der Name wird verschieden erklärt. Angeblich war es Kaiser Maximilian II., welcher nach seiner Rückkehr aus Spanien diese Auengegend zur Erinnerung an den Prato oder Prado, die wundervolle Promenade in Madrid, mit diesem Namen belegte. Dieser Ansicht schließt sich auch Schmeller (Bayerisches Wörterbuch I, 368) an, welcher darauf hinweist, dass wieder nach dem Wiener Prater ähnliche Luststätten anderwärts benannt wurden, so der Prater bei München, bei Eupen u. a. Doch stimmt dieses zeitlich durchaus nicht mit der schon für 1466 belegten Form Prater. Nach einer anderen Version soll der Prater nach einer Familie de Prato heißen, die hier vormals Besitz hatte. Eine dritte Erklärung lässt den Namen dem lateinischen Worte pratuni, d. i. Wiese, entstammen. Rich. Müller hält das Wort für identisch mit Brater, mhd. brütaere — Bratenwender, und meint, dass die Praterinsel ihren Namen von einem empfieng, der Brater war oder so hieß. Zur Zeit des Mathias Corvinus, welcher zwischen 1471 und 1485 zweimal den unteren Werd einuahm, hieß der Prater Bardea; in der Kundmachung vom 18. April 1767, durch welche er dem Publicum eröffnet wurde, ist er „Brater" genannt. Praterfiern (II. Bez.), der Platz am Ende der Praterstraße vor dem Prater, so genannt, weil von hier aus Prctterstraße — Pyrkergasse. sieben Straßen sternförmig aus- laufen. Praterstrasste (II. Be;.) heißt seit den Sechziger-Jahren die zum Prater führende ehemalige Jägcrzeile (s. d.). Predigergasse (I. Bez.) führt neben der Dominikanerkirche vorbei und wird so genannt, weil der Dominikanerorden auch Predigerorden heißt, der unter diesem Namen urkundlich schon 1225 erwähnt wird. 1302 kommt die Bezeichnung „bei den Predigern" vor. Die Gasse führte vormals zur sogenannten „Bürgerbastei bei den Predigern" oder „Predigerbastei". Preindlgasse (XIII. Bez., Ober- St. Veit), bis 1894 Mühlbachgasse, jetzt nach dem Componisten und Hos- kapellmeister Josef Preindl (1756 bis 1823) benannt. Pretschgogasse (XVII. Bez., Dornbach), bis 1894 Andreasgasse, nunmehr benannt nach dem verstorbenen Pfarrer Andreas Pretschgo. Preyslnggasse (XIII. Bezirk, Penzing), benannt nach Preysing (vgl. die folgende Gasse), heißt seit 1894 Trogergasse nach dem Historienmaler Paul Troger (1698 bis 1777). Preyslnggasse (XIV. Bezirk, Rudolfsheim), benannt nach dem Ehrenbürger und großen Wohlthäter in Rudolfsheim, Preysing. Prinz Engengasse (XIX. Bez., Ober-Döbling) ist nach dem siegreichen Feldherrn Österreichs, dem Prinzen Eugen von Savoyen, benannt. Prinz Karlgasse (XIV. Bez., Rudolfsheim), benannt nach dem Erzherzog Karl, dem Sieger bei Aspern, welcher in dieser Gasse einen armen Weber hilfebringend in seiner Behausung ausgesucht haben soll. Probusgasse (XIX. Bez., Heiligenstadt), bis 1894 Herrettgasse, 151 nunmehr benannt nach dein römischen Kaiser Marcus Aurelius Probus (reg. von 276 bis 282), welcher in der Umgebung von Vindobona die ersten Reben pflanzte. Pröllgasse (XIII. Bez., Hacking) hieß bis 1894 Augasse nach der Au an der Wien. Promenade (XIX. Bez., Ober- Döbling), seit 1894 Weilgasse nach dem verstorbenen Weingroßhändler Karl Weil, Gemeinderath, Ehrenbürger und Wohlthäter in Ober-Döbling. Promenadegasse (XIII. Bez., Hütteldorf), seit 1894 Jsbarygaste (s. d.) nach dem hervorragenden Industriellen Rudolf Jsbary (1827 bis 1892). Pronaygasse (XII. Bez., Hetzen- dors), so benannt, da Freiherr von Pronay in seinem daselbst befindlichen Parke einen großen botanischen Garten anlegte. Bis 1894 hieß sie Schulgasse. Puchsbaumgasse (X. Bezirk), eine neue Gasse, benannt zur Erinnerung an den Baumeister Hans Puchsbaum, welcher 1445 bis 1454 an dem Wiener Stephansdome arbeitete, den Bau des zweiten unvollendeten Hochthurmes begann und den Bau des Langhauses zum Abschlüsse brachte. Puchsbaumplatz (X. Bezirk), vgl. Puchsbaumgasse. Pulverthurmgasse (IX. Bez.) ist nach dem ehemaligen Pulverthurine genannt, welcher an Stelle der heutigen Häuser Nr. 1 und 4 dieser Gasse stand und am 26. Juni 1779 in die Luft flog. Pulverthurmgasse (XVIH. Bez., Währing) ist eine Verlängerung der gleichnamigen Gasse im IX. Bezirke und darnach benannt. Pyrkergasse (XIX. Bez., Ober- Döbling), bis 1894 Alleegasse, nun- 152 Quellengasse — Rahlgasse. mehr benannt nach dem deutsch-österreichischen Dichter Johann Ladislav Pyrker von Felsö-Eör (geboren am 2. November 1772 zu Langh bei Stuhlweißenburg, gest. am 2. De- cember 1847 zu Wien), welcher seit 1827 Erzbischof von Erlau war. Quellengasse (XII. Bez., Unter- Meidling) heißt seit 1894 Rottmayrgasse (s. d.) nach dem vorzüglichen Maler Joh. Mich. Rottmayr von Rosenbrunn. Quergasse (XVIII. Bez., Währing), seit 1894 Anna Frauergasse nach der verstorbenen Fran Anna Frauer, welche die nach ihr benannte Frauer'sche Stiftung zu wohlthätigem Zwecke gemacht hat. Quergasse (XIX. Bez., Nussdorf) heißt seit 1894 Holzgasse, weil sie zu den großen Holzplätzen führt. Quergasse, Quere, auch Kreutzgasse (XI. Bez., Kaiser-Ebersdorf), seit 1894 Sellingergasse. Naaberbahngasse (X. Bez.) führt zum Frachtenbahnhos der k. k. priv. österr. Staatsbahn, von welcher zuerst die Strecke Wien—Raab gebaut worden, weshalb sie lange Zeit die Raaberbahn genannt wurde. Nabengasse (III. Bez.), nach einem Hausschilde benannt. Nabenplatz (I. Bez.) von dem in denselben mündenden Rabensteig (s. d.) benannt. Nabensteig (I. Bez.) hieß in alter Zeit wegen seiner starken Neigung „Am Steig", den Zusatz erhielt sein Name von dem Hause „Zu den drei Raben" (einem altrenommierten Bierhause). Später wurde die Gasse Rabengasse genannt, in jüngster Zeit aber der alte Name wieder hergestellt, da es auch im III. Bezirke eine Rabengasse gibt. Nadetzkybrücke, die zurRadetzky- gasse (III. Bezirk) führende Brücke und wie diese zu Ehren des schlachtenberühmten Feldmarschalls Josef Wenzel R Grafen Radetzky von Radetz (geb. am 2. November 1766 zu Trebnitz in Böhmen, gest. am 2. Jänner 1858 in Mailand) benannt. Nadetzkygasse (XII. Bez., Unter- Meidling), seit 1894 Pohlgasse, nach dem Abbe Pohl, der 1755 die warme Schwefelquelle in Meidling entdeckte. Nadetzkyplatz (III. Bez.), vgl. Radetzkystraße. Nadetzkystraße (III. Bez.), vgl. Radetzkybrücke; sie hieß früher Kirchengasse, weil hier die im Jahre 1746 vollendete Kirche zur hl. Margaretha stand, an deren Stelle in den Sechzigerjahren die heutige große Kirche gebaut wurde. Nadlnrayergajse (XIX. Bez., Ober-Döbling) hieß bis 1894 Leiben- frostgasse (s. d.). Nahlgaffe (VI. Bez.), früher der „Getreidemarkt" (s. d.), seit Erbauung einer neuen Häuserzeile Rahlgasse zur Erinnerung an den Maler Rahlstiege — Rauhensteingasse. 153 Karl Rahl (geb. 1812 zu Wien, gest. daselbst am 9. Juli 1865). Rahlstiege (VI. Bez.), die neue Steintreppe, welche von der Maria- hilserstraße über eine steile Böschung zur Rahlgasse (s. d.) hinabführt. Raimundgaste (II. Bez.), benannt zu Ehren des trefflichen Volksdramendichters Ferdinand Raimund, welcher, am 1. Juni 1791 in Wien (VI. Mariahilferstraße Nr. 41) geb., seit 1821 Director des Leopoldstädter Theaters war (gest. zu Pottenstein in Nieder-Osterreich am 6. September 1836). Rainergaste (IV. Bez.) verdankt ihren Namen dem Erzherzoge Rainer (geb. zu Mailand am 11. Jänner 1827), der daselbst ein Palais besitzt. Rampersdorfergaste (V. Bz), benannt zur Erinnerung an den wackeren Wiener Rathsherrn, Baumeister Konrad Rampersdorfer, welchen der Herzog Leopold IV. zugleich mit dem Bürgermeister Konrad Vorlaus und dem Rathe Hans Rockh am 11. Juli 1408 aus Rache hinrichten ließ. (Vgl. Vorlaufstraße). Der Boden, auf welchem Schloss und Vorstadt Hundsthurm (s. d.) entstanden, gehörte um 1400 der angesehenen Bürgersamilie der Rampersdorfer, welcher auch der genannte Rathsherr entstammte. Ranftlgaste (XVII. Bez., Hernals), bis 1894 Währingergasse, nunmehr benannt nach dem Wiener Genremaler Mathias Johann Ranstl (1805 bis 1854). Raphaelgaste (II. Bz.), benannt zu Ehren des großen italienischen Malers Raphael Sanzio oder Santi (geb. am 6. April 1483 zu Urbino, gest. am 6. April 1520 zu Rom), von dem auch das k. k. kunsthistorische Hosmuseum in Wien einige Meisterwerke besitzt. Rappachgaste (XI. Bez., Simmering), benannt nach Christoph von Rappach, welcher 1495 Besitzer der Herrschaft Simmering war. Bis 1894 die Gasse Antonigasse. aschgaste (XIII. Bz., Hacking), bis 1894 Bergstraße, jetzt benannt nach Johann Rasch, Schulmeister bei den Schotten im 16. Jahrhundert, welcher unter anderem auch ein „Weinbuch" verfasste, das über die damaligen landwirtschaftlichen Verhältnisse Aufschluss gibt. Rasumostskygaste (III. Bez.), 1775 Rauchfangkehrergasse, benannt nach dem Hause „zum goldenen Rauchfang", welches auch Sitz der Rauchfangkehrer-Innung gewesen sein soll. Ihren gegenwärtigen Namen führt sie von dem russischen Grafen Rasu- moffsky, welcher hier 1805 bis 1812 einen Palast mit Garten anlegte. Derselbe gieng durch Kauf an den Fürsten Liechtenstein über. Derzeit ist die k. k. geologische Reichsanstalt daselbst untergebracht, der ehemalige Park parcelliert und verbaut. Rathhausstraste (I. Bez.), eine neue Straße, welche an der Hinterfront des neuen Rathhauses vorüberführt. Rathstraste (XVIII. Bez., Neu- stist am Walde), bis 1894 Sieveringer- straße, nunmehr benannt nach der alten Familie Rath in Neustift am Walde. Ratschky gaste (XI l. Bz., Unter- Meidling), benannt nach dem Dichter- Franz von Ratschky (geb. am 21. August 1757, gest. am 31. Mai 1810), der Staats- und Conserenzrath war. Bis 1894 hieß die Gasse Laudongasse. Rauhensteingaste (I. Bezirk); die Ableitung dieses Namens steht nicht fest. Nach älteren Urkunden hieß das Haus Nr. 933 (neu Nr. 10), an 154 Rauscherstraße — Reichsstraße. dessen Stelle 1608 das alte Amts- und Gerichtsgebäude aufgeführt wurde, das Haus „zum rauhen Stein", angeblich weil dasselbe manchen Übel- thätern ein Stein des Anstoßes, ein rauher Stein, geworden. Eine andere Erklärung leitet den Namen von dem alten Rittergeschlechte der Rauhensteiner her; ein Otto Turso von Rauhenstein besaß schon 1208 ein Haus an der Stelle, wo jetzt das Haus „zur ungarischen Krone" steht. Übrigens hatte die Ranhensteingasse mehrere Benennungen; der Theil von der Weihburggasse bis zur Ballgasse hieß „auf den Daghken" oder „auf der Tacken", der weitere bis zur Hünmelpfortgasse „Treibotten-" (d. i. Dreiboten), auch „Trabantenstraße". Rauscherstraße (II. Bez.), eine neue Straße, benannt zu Ehren des Cardinals Othmar Ritter von Rauscher (geb. in Wien am 6. October 1797, gest. daselbst am 24. November 1875), welcher von 1853 bis 1875 Fürsterzbischof von Wien war. Rautenstrauchgafse (XI Bez., Simmering), benannt nach Franz Stephan Rautenstrauch, dem gelehrten Benedictiner, Präsidenten der theolog. Facultät in Wien (unter Maria Theresia und Josef II.), dann Hosrath und Vorsitzenden der Hofcommission in Cultus-Angelegenheiten, auf welchem Posten er im Sinne Josefs wirkte. Bis 1894 hieß die Gasse Weintraubengasse. Ravelinstraße (XI. Bezirk, Simmering), erinnert durch ihren Namen an ein Besestigungswerk (gegen die Türken oder Kuruzzen?), das hier vormals bestand. Ravelin (auch Demi- Lune) heißt ein Befestigungswerk vorder Courtine zum Schutze derselben; es besteht aus zwei, einen ausspringenden Winkel bildenden Facen. Rebhanngasse (XIV. Bezirk, Sechshaus), bis 1894 Pseiffergasse, nunmehr benannt nach dem Ingenieur Dr. Georg Rebhann, Ritter von Aspernbruck (gest. am 30. August 1892 in Alt-Aussee), Professor an der technischen Hochschule, Erbauer der Aspernbrücke in Wien. (Die Umtaufe dieser Gasse ist noch nicht endgiltig beschlossen.) Redtenbachergasse (XVI. Bez., Ottakring), bis 1894 Schottengasse, heißt nunmehr nach Ludwig Redten- bacher (geb. am 10. Juli 1814 zu Kirchdorf in Ober-Österreich, gest. am 8. Februar 1876 zu Wien), hervorragendem Naturforscher, Director des k. k. geologischen Cabinets in Wien. Redtenbacherstraße (X. Bez., Jnzersdorf), benannt nach Ludwig Redtenbacher (vgl. Redtenbachergasse), wurde 1894 als Fortsetzung der Rothenhosgasse (s. d.) zu dieser gezogen. Regensburgerhof (I Bezirk, Lugeck), hier hatten Kaufleute aus Regensburg ihre Niederlagen, daher der Name. Regierungsgasse (I. Bez.), so benannt, weil sie an dem Gebäude der k. k. Statthalterei, dem „Sitze der Landesregierung von Nieder-Österreich, vorbeisührt. Reichsapselgasse (XIV. Bezirk, Rndolfsheim), bis 1894 Neugasse, nunmehr nach dem Hause „zum goldenen Reichsapfel" benannt, welches 1730 das erste Haus in Rustendorf war. Reichsrathsplatz (I. Bezirk), s. Reichsrathsstraße. Reichsrathsstraße u. Reichs- rathsplatz (I. Bez.), beide benannt wegen ihrer Lage an dem neuen Reichsrathsgebäude. Reichsstraße (XI. Bez., Kaiser- Ebersdors), seit 1894 mit der Hauptstraße in Simmering unter dem Namen Reindorf — Resselgasse. 155 Schwechaterstraße (da sie nach Schwechat führt) zusammengezogen. Reindorf, vormals eine selbständige Ortschaft, seit 1863 ein Theil von Rudolssheim (s. d.), seit 1894 mit diesem dem XIV. Bez. einverleibt. Der Name Rein kommt urkundlich schon 1344 und Reinthal 1360 vor; Rein oder Rain, ein schmaler mit Gras bewachsener Streifen Landes zwischen zwei Feldern; davon dürste auch der Name Reindorf abgeleitet sein. Reindorfgasse (XIV. Bez., Rudolfsheim) führt ihren Namen zur Erinnerung an die ehemalige Ortschaft Reindors (s. d.), aus deren Grund sie sich befindet. Reinhartgaffe (XII.Bez.,Hetzendorf) erhielt mit der zugezogenen Hietzingergasse 1894 den neuen Namen Schlöglgasse von dem Wiener Volks- schriststeller Friedrich Schlögl (1821 bis 1892). Reinprechtsdorf, bis 1850 eine kleine Vorstadt Wiens, jetzt ein Theil des V. Bez. Margarethen; urkundlich schon 1263 als Eigenthum der Bürger- samilie Rampersdorser (vgl. Ram- persdorsergasse) genannt, von welcher auch der Name dieser alten Gemeinde abgeleitet wird. Reinprechlsdorferstraße (V. Bez) erinnert mit ihrem Namen an die ehemalige Vorstadt Reinprechts- dors (s. d.). Reisnerhof (III. Bez., Reisner- straße Nr. 3), nach seinen ehemaligen Besitzern, Heinrich und Theresia Reis- ner, benannt. Reisnerftr aste (III. Bez.), nach Heinrich und Theresia Reisner benannt, welche in den Zwanzigerjahren zwei Häuser besaßen, die dem oberen Ende dieser Gasse (in der Rabengasse, jetzt Beatrixgasse) gegenüberstanden. Reithlegaffe (XIX. Bez., Ober- Döbling), bis 1894 Hermannstraße, nunmehr nach Reithle, gewesenem Ortsrichter in Döbling, benannt. Reitfckul gaffe (I. Bez.), so benannt, weil sie an der Winterreitschule in der k. k. Hofburg vorbeisührt. Renrbrarrdtftraste (H Bez ), eine neue Straße, benannt zu Ehren des berühmten niederländischen Malers Paul Rembrandt van Ryn (geb. am 15. Juni 1606 zu Leyden, gest. in Amsterdam am 8. October 1669), von dem sich einige Meisterwerke im k. k. kunsthistorischen Hofmuseum in Wien befinden. Renngasfe (I. Bez.), vormals auch Rennweg, so (urkundlich schon 1341) benannt, weil hier im Mittel- alter die Preis- und Scharlachrennen abgehalten wurden. (Vgl. Rennweg.) Rennweg (III. Bez.) war lange Zeit nur eine zwischen Weingärten sich hinziehende Straße und wird zuerst 1340 urkundlich genannt; da hier im Mittelalter die Rennen, namentlich seit 1382 durch anderthalb Jahrhunderte das so beliebte Scharlachlausen oder Scharlachrennen abgehalten wurde, hieß er der „Laufsteig", später der „Rennweg" ((1698: Via eursoria). Die daselbst allmählich entstandenen Baulichkeiten wurden zur Zeit der zweiten Türkenbelagerung zerstört, nach 1683 erhoben sich aber neue Ansiedlungen, für welche man unter Maria Theresia den Namen der „Römerstadt" in Vorschlag brachte, weil hier eine große Zahl von Römerdenkmälern ausgegraben wurde. Diese Benennung kam aber nicht in Gebrauch. Der obere Rennweg (von dem Ende der Ungargasse bis zur St. Marxerlinie) hieß vormals „beiden Bründeln" und „am Hungersberg". Reffelgaffe (IV. Bez.), benannt nach dem Erfinder der Schiffsschraube, 156 Rettichgasse — Nockhgasse. dem Marine-Forstintendanten Josef Ressel (geb. 1793 zu Chrudim, gest. 1857 in Triest), dessen 1863 errichtetes Denkmal sich im nahen Resselparke befindet. Rettichgaffe (XIII. Bez., Hüttel- dorf) ist nach der am 11. April 1866 verstorbenen Hosschauspielerin am Wiener Burgtheater, Julie Rettich, benannt. Richardgaffe (III. Bez.), eine neue Gasse auf dem Grunde des verbauten ehemaligen Metternich'schen Parkes, nach dem Fürsten Richard von Metternich (geb. am 7. Januar 1829 zu Wien), dem Sohne des berühmten Staatskanzlers Clemens Fürsten von Metternich, benannt. Richardgasse (X. Bez., Jnzers- dors), seit 1894 als Fortsetzung der Leebgasse (s. d.) im X. Bezirk mit dieser zusammengezogen. Richard Wagnerplatz (XV. Bez., Ottakring), bis 1894 Goetheplatz, nunmehr benannt nach dem großen deutschen Componisten Richard Wagner (geb. am 22. Mai 1813 zu Leipzig, gest. in Venedig am 13. Februar 1883). In dem Thaliatheater, welches in der Nähe dieses Platzes stand, kam Wagners Oper „Tan- häuser" am 28. Juli 1857 zur ersten Aufführung. Riemergasse (I. Bez.) hieß anfangs (so urkundlich 1272) „Vilczer- straße" nach den Filzmachern und „auf der Hülben", später Riemer- und Römerstraße. Ersterer Name scheint der ursprüngliche und bezeichnet die Straße als Sitz der Riemer; daraus ist wohl die verderbte Form Römerstraße entstanden. Ringstraße (I. Bez.) heißt der neue großartige Straßenzug, welcher auf den Gründen des ehemaligen Glacis (s. d.) durch die 1858 begonnene Stadterweiterung entstand und den Kern des I. Bezirkes rings umschließt. Seine einzelnen Theile heißen: Schottenring, Franzensring, Burgring, Opernring, Kärntnerring, Kolowratring, Parkring und Stubenring (nirgends aber Ringstraße); an der Nordostseite, gegen den Donaucanal, schließt der Franz Josefs-Quai mit einer Häuserzeile den Ring. Rittergasse (IV. Bez.), benannt nach dem Hause „zum Ritter". Rittergaffe (XVI. Bez., Ottakring), seit 1894 Deinhardsteingasse genannt nach dem Bühnendichter Ludwig Franz Deinhardstein (geb. 1794 in Wien, gest. daselbst 1859). Rittingergaffe (X. Bez., Jnzers- dors), seit 1894 als Fortsetzung der Davidgasse im X. Bez. mit dieser zusammengezogen. Robert Harnerlinggaffe (XV Bez.) ist nach dem ausgezeichneten deutsch-österreichischen Dichter Robert Hamerling (geb. am 24. März 1830 zu Kirchberg am Walde in Nieder- Österreich, gest. in Stiftingthal bei Graz am 13. Juli 1889), der auch längere Zeit in Wien lebte, benannt. Rochusgaffe (III. Bez.), in der Nähe der Pfarrkirche zu Sct. Rochus und Sebastian und nach dem ersteren Kirchenheiligen benannt; früher hieß sie Sterngasse. Rochusgaffe (XIII. Bez., Penzing), seit 1894 Jheringgasse (s. d.) nach dem berühmten Rechtsgelehrten Rudolf von Jhering- Rockhgaffe (I. Bez.), eine neue Gasse, benannt zu Ehren des Wiener Rathsherrn Hans Rockh, welcher am 11. Juli 1408 auf Befehl Herzog Leopolds IV. zugleich mit dem Bürgermeister Konrad Vorlaufund demRaths- herrn Konrad Rampersdorfer hingerichtet wurde. (Vgl. Vorlaufstraße.) Rodaunerstraße — Rossau. 157 Rodaunerstraße (XIII. Bez., Mauer) ist so genannt, weil sie nach dem benachbarten Orte Rodaun führt. Roesnergasse(XII. Bez., Unter- Meidling), benannt nach dem Erbauer der 1842 bis 1844 ausgesührten Meidlinger Pfarrkirche, Karl Roesner. Bis 1894 hieß die Gasse Kirchengasse. Rohrbacherstraße (XIII. Bez., Ober-Sct. Veit), bis 1894 Kreuzstraße, jetzt nach dem Besitzer der dortigen großen Wagenfabrik benannt. Rokitanskystraße (IX. Bez ), eine projectierte Straße, benannt zur Erinnerung an Or. Karl Freiherrn v. Rokitansky (geb. am 19. Februar 1804 in Königgrätz, gest. am 23. Juli 1878 in Wien), seit 1834 Professor der pathologischen Anatomie in Wien, den berühmten Begründer der neueren pathologisch-anatomischen Schule in der Medi ein. Rosasgasse (XII. Bez., Oberund Unter-Meidling), benannt nach dem hochgeschätzten Augenärzte Anton Oskar von Rosas (geb. am 30. De- eember 1791, gest. am 31. Mai 1855 in Wien). Bis 1894 hieß die Gasse Matzleinsdorserstraße. Roseggergasse (XI. Bez.) seit 1894 Felsgasse benannt nach Maria Elisabeth von Fels, die 1577 die Herrschaft Simmering besaß. Roseggergaste (XVI. Bezirk, Ottakring), benannt nach dem geschätzten deutsch-österreichischen Dichter und Schriftsteller Peter Rosegger (geb. am 31. Juli 1843 zu Älpl bei Krieglach in Steiermark). Rosengaste (I. Bez.), schon 1371 urkundlich Rosengesslein genannt. Rosengasse (XIII. Bez., Hüttel- dorf), seit 1894 Rosenthalgasse, weil sie in das Roscnthal führt. Rosenhügel, Am, (XVI Bez, Hernals), eine am Rosenhügel gelegene Gasse, wonach sie benannt ist. Rosenhügelgasse (XVI. Bez , Ottakring), wegen ihrer Lage an dem hier befindlichen Rosenhügel, heißt seit 1894 Zeillergasse nach dem Rechtsgelehrten Franz Edlen von Zeiller (1751 bis 1828), Redacteur des bürgerlichen Gesetzbuches. Rosenhügelstraße (XII. Bez., Hetzendors) heißt so, weil ihre Verlängerung zu dem Rosenhügel (257 m) südwestlich von Hetzendorf führt; letzterer, schon außerhalb des Gemeindegebietes von Wien gelegen, hat seinen Namen von der ausgedehnten Rosen- cultur, die namentlich in früherer Zeit ihn zierte. Rosenthalgasse (XIII. Bez , Hütteldors), weil sie in das Rosenthal führt, so genannt; bis 1894 hieß sie Nosengasse. Rostnagasse (XIX Bez., Ober- Döbling), seit 1894 Artariagasse nach Dominik Artaria (1775 bis 1842), dem Begründer der renommiertenKunst- und Landkartenhandlung, benannt. Rosmaringasse (I. Bezirk) ist seit alter Zeit nach den Rosmarinweiden benannt, die vormals hier gepflanzt wurden. Rossau, bis 1850 eine Vorstadt Wiens, seitdem ein Theil des IX. Bez. Alsergrund. Die nächste Strecke längs der Donau vom Werderthor aufwärts hieß zuerst der „obere Gries" (vgl. Salzgries) oder der „obere Werd" (vgl. Wörth und Leopoldstadt). Aus diesem oberen Werd lag das hinsichtlich seiner Entstehung hoch in das Mittelalter hinausreichende Fischerdörschen oder die alte Fischervorstadt. Ein Theil des oberen Werds bekam den Namen Rossau, weil hier die Schiffer ihre Zugrosse weiden ließen und tränkten (daher 1368 die „Rosstrenk"). Die Ableitung 158 Rossauerlände Nothkirchstraße. des letzteren Namens von Rosen, welche in der Au gesunden wurden (daher eigentlich „Rosenau") oder gar von den Fröschen (also „Fröschau") ist zu verwerfen. Roffauerlände (IX. Bezirk), soviel als Landungsplatz längs der Rossau, wo schon in frühester Zeit die Brennholzzillen landeten; der obere Theil zwischen dem Stroheck (bei der heutigen Brigittabrücke) und der Pramergasse hieß früher „Am Badergries" nach den daselbst 1646 errichteten Badstuben (Gries soviel als Sand, Strand), die Fortsetzung bis zur sogenannten Lampelmaut hieß „Aus der Scheiben". Rothehausgasse (IX. Bez.), benannt nach dem umfangreichen „Rothen Hause" in dieser Gasse. Rothe Mühlgasse (XII. Bez, Ober-Meidling), benannt nach der „Rothen Mühle", welche hier einst an Stelle der Kaserne stand. Bis 1894 hieß die Gasse Ferdinandsgasse. Rothenhofgasse (X. Bezirk), benannt nach dem daselbst früher befindlichen „Rothen Hof", welcher schon zu Kaiser Karls VI. Zeiten als Jagdschloss gedient haben soll. Mit ihr ist seit 1894 die Redtenbacherstraße im X. Bezirk, Jnzersdors, als ein Straßenzug zusammengezogen. Rothenlöwengasse (IX Bez.), benannt nach dem Hausschilde „Zum rothen Löwen". Rothensterngasse (II. Bez), benannt nach dem Hausschilde „Zum rothen Stern". Rothenthurmstraße (I. Bez ), wegen ihrer starken Steigung vormals „Aus dem Steig" genannt; der spätere Name kommt daher, dass sie aus den „Rothen Thurm" zusührte, ein wichtiges Besestigungswerk auf der Nordostseite der Stadt. 1360 wird sie urkundlich ruklum turrini", „Beim rothen Thurm", genannt. Durch letzteren führte das Rothenthnrmthor zum Donaucanal, welches von Kaiser Maximilian I. 1511 erneuert wurde. Nach dem Rothen Thurme hieß auch ein Stück der Stadtmauer die Rothenthurmbastei. Rotherberggafse (XIII. Bez , Lainz), nach dem daselbst gelegenen Hügel „Rotherberg" genannt; bis 1894 hieß sie Gärtnergasse. Rotherdstraße (XVI. Bezirk, Ottakring) hat ihren Namen von dem Ried Rotherd, zu dem sie führt. Rother Hof (VIII. Piaristen- gasse), ein umfangreiches Gebäude, welches den Namen des alten „Rothen Hofes" in der heutigen Josefstädterstraße erhalten hat. Letzterer, ein Besitzthum des Schottenklosters, führte seinen Namen wahrscheinlich deshalb, weil er in dem ausgerodeten Buchenwalde, der einst diese Gegend bedeckte, entstand, also ursprünglich „Rodehof"; eine andere Ableitung bezieht sich auf die roth angestrichenen Rauchsänge des Gebäudes. Rothgasse (I. Bez.) bildete in alter Zeit die Wallgasse an der Stadtmauer; sie wird 1378 urkundlich als Radgasse erwähnt, später hieß sie das Rochgassel. Nothkirchstraße (V. Bez.), benannt nach dem Grasen Leonhard v. Rothkirch und Panthen (geb. 1773, gest. zu Wien am 11. Juni 1842), General, Rathgeber des Erzherzogs Karl bei der Armee-Reorganisation, Verfasser der „Anleitung zur höheren Kriegskunst", Redacteur und Gründer der „Österr. militärischen Zeitung". Er war Major bei Aspern, focht bei Leipzig, starb als Feldmarschalllieutenant und Inhaber des 12. Infanterie-Regimentes. Bis 1894 hieß die Straße Breitensurterstraße. Rottmayrgasse — Rudolfsheim. 159 Rottmayrgasse (XII. Bezirk, Unter-Meidling), benannt nach dem Maler Joh. Mich. Rottmayr von Rosenbrunn. Von ihm stammen verschiedene Gemälde in der Stephanskirche, Peterskirche, Franziskanerkirche, Ruprechtskirche, Karlskirche, Paulaner- kirche, im Rathssaale in der Wipplinger- straße, in der Liechtenstein-Gallerie in der Rossau, im großen Saal in Schönbrunn, im kunsthistor. Museum. — Bis 1894 hieß die Gasse Quellengasse. Rubeusgaffe (IV. Bez.), benannt zu Ehren des großen niederländischen Malers Peter Paul Rubens (geb. am 28. Juni 1577 zu Köln, gest. am 30. Mai 1640 zu Antwerpen), von dem das k. k. kunsthistorische Hos- museum in Wien eine große Zahl von Ai erster werken besitzt. rlruckergasse (XII. Bez., Unter- Meidling) führt ihren Namen von dem Ruckerhofe in derselben. Rückertgafse (XVI. Bez., Ottakring), bis 1894 Schulgassc, nunmehr benannt nach dem berühmten deutschen Dichter Friedrich Rückert (geb. am 16. Mai 1789 zu Schweinsurt, gest. auf Neusess bei Koburg am 31. Jänner 1866). Rüdengasse (III. Bez.) führt den Namen nach dem herzoglichen Rüdenhause (auf dem Grunde des heutigen Hauses Nr. 16 in der Dietrichgasse), dessen Bestand in die Babenberger Zeit hinausreichen soll. In diesem Hause musste die Gemeinde Erdberg die herzoglichen Jagdhunde (Rüden) auf ihre Kosten unterhalten. Später wurde diese Last in eine jährlich Abgabe von 150 Gulden reluiert, welche erst Kaiserin Maria Theresia 1749 der Gemeinde gänzlich erließ. Rudigergasse (V. Bez.) führt ihren Namen zu Ehren des Grasen Rüdiger von Starhemberg, des berühmten Commandanten Wiens während der zweiten Türkenbelagerung (gest. 1701). Rudolflnergasse (XIX. Bez., Unter-Döbling), bis 1894 Langegasse, nunmehr nach der in der Gasse (Nr. 49 bis 52) befindlichen Krankenanstalt „Rudolfinerhaus" benannt. Rudolfsgasse (III. Bez.), in ältester Zeit „Im Gerstenbauch", dann bis 1862 Haltergasse genannt, ein Name, der an den vormaligen ländlichen Charakter dieser Gegend erinnert, da noch der „Halter" (Hirt) das Vieh aus die Weide trieb; ihren gegenwärtigen Namen führt die Gasse nach dem daselbst befindlichen Rudolss- spital, welches zu Ehren des im Jahre 1889 verstorbenen Kronprinzen Erzherzog Rudolf benannt ist. Rndolfsgasse (X. Bez., Jnzers- dorf), seit 1894 mit der Franz Josefsgasse in Jnzersdors unter dem Namen Hardtmuthgasse (s. d.) e i n Straßenzug. Rudolfsgasse (XII. Bez., Hetzendorf), seit 1894 Bosrgasse (s. d.), genannt nach dem berühmten Arzte Luc. Joh. Boör (1751 bis 1835). Rudolfsgasse (XII. Bez., Unter- Meidling), seit 1894 Aßmayergasse genannt nach dem berühmten Tonsetzer Ignaz Aßmayer (geb. 1790). Rudolfsheim, der XIV. Bez. Wiens, welcher aus den bis Ende 1891 selbständigen Ortsgemeinden Rudolfs- Heim und Sechshaus gebildet wurde; Rudolssheim selbst entstand aus der am 1. December 1863 vollzogenen Vereinigung der bis dahin selbständigen Dörfer Braunhirschen, Reindorf, Rustendorf und wurde zu Ehren des österreichischen Kronprinzen Erzherzog Rudolf (gest. am 30. Jänner 1889) benannt. 160 Rudolfsheimerstraße — Sackgasse. Rudolfsheimerstraste (XIII. Bez., Penzing) heißt seit 1894 ein Theil der Märzstraße (s. d.). Nudolfsplatz (I. Bez.), ein neuer Platz, zu Ehren des verstorbenen Kronprinzen Erzherzog Rudolf benannt. Rudolfstraste (XIII. Bez., Breitensee), seit 1894 Draskovichgasse genannt, wahrscheinlich nach Johann Grafen Draskovich (gest. 1613 in Pressburg), Ban von Kroatien, Kaiser Rudolfs II. Kämmerer, welcher mit Auszeichnung gegen die Türken stritt und in dem Ausstande Bocskais Kroatien in der Treue gegen den Kaiser bewahrte. Rudolfs strafe (XHI. B., Ober- St. Veit), seit 1894 Glasauergasse. Rudolfstraße (XIV. Bez., Rudolfsheim), seit 1894 Johnstraße benannt nach dem k. k. Feldzeugmeister Franz X. Freiherrn von John (1815 bis 1876). Rupertusplatz (XVII. Bez., Dornbach), bis 1894 Kirchenplatz, nunmehr benannt zur Erinnerung an den hl. Rupertus, dem hier eine Zelle erbaut wurde. Ruprechtsplatz (I. Bez.), benannt nach der Kirche des hl. Rupert oder Ruprecht, der ältesten Kirche Wiens. Sie wird urkundlich zuerst 1161 als Kapelle genannt; 1462 wurde sie von Georg von Auersperg erneuert. Der heutige Ruprechtsplatz war 1374 noch ein Friedhof. RuprechtSstiege (I. Bez.), eine Stiegengasse, welche von der Kohlmessergasse zum Ruprechtsplatz und zur Ruprechtskirche führt. Nustpekgaste (XIII. Bez., Halling), nach Thimo von Rußpek, Besitzer der Herrschaft Halling im ^.Jahrhundert, benannt; bis 1894 hieß sie Brückengasse. Rustendorf, vormals ein selbständiges Dorf, welches am 1. De- cember 1863 mit den Ortschaften Braunhirschen und Neindors zu dem Vororte Rudolfshcim (s. d.) vereinigt wurde. Seinen Namen hatte es von den einst dort befindlichen Ulmen oder Rüstern (mundartlich Rüsten) erhalten. Rustengaste (XIV. Bez., Rudolfsheim), nach dem Riede „Rüsten" (von den Ulmen oder Rüstern, mundartlich Rüsten, vgl. Rustendorf) benannt. Ruthgaste (XIX. Bez., Unter- Döbling) hieß bis 1894 Feldgasse. S Sachfengaste u. Sachfenplatz (II. Bez.), benannt zur Erinnerung an die Anwesenheit der sächsischen Armee in Wien und Umgebung, welche nach der Schlacht bei Königgrätz am 3. Juli 1866 sich auf Wien zurückgezogen hatte. Sachfengaste (XIII. Bez., Ober- St. Veit), seit 1894 Testarellogasse genannt nach dem Domherrn und Chronisten Johannes Mathias Testa- rello (gest. 1693). Sackgaste (I. Bez.), eine alte Gasse mit nur einem Eingänge. Sackgaste (XII. Bez., Gaudenzdorf), seit 1894 Haebergasse nach dem verstorbenen Armenärzte 1)r. Haeber. Sackgaste (XII. Bez., Ober- Meidling)heißtseit1894Marinonigasse. Sackgaffe (XIII. Bez., Ober-St. Veit) heißt seit 1894Bergenstammgasse nach dem Wiener Alterthumsforscher Alois Groppenberger Edlen v. Bergenstamm (1754 bis 1821). Sackgasse — Salvatorgasse. 161 Sackgasse (XIV. Bez., Sechshaus), seit 1894 Zappertgasse nach dem verstorbenen Industriellen Karl Zappert in Sechshaus. Sackgasse (XVIII. Bez., Gersthof), seit 1894 Schalkgasse nach dem verstorbenen Grundbesitzer Ignaz Schalk in Gersthof. Sackgasse (XVIII. Bez., Pötzleins- dorf), seit 1894 Schwendenweingasse genannt nach dem verstorbenen Ober- banrathe Aug. Schwendenwein, Wohl- thäter in der Gemeinde. Saillergasse (XVI. Bez., Ottakring) heißt seit 1894 Lindauergasse nach Andreas Lindauer, der um 1530 einen Theil des Freihofes in Ottakring von Kaiser Ferdinand I. als Geschenk erhielt. Salesianergasse (HI. Bez.). Infolge eines Gelübdes erbaute Kaiserin Amalia Wilhelmine, Witwe nach Joses I., aus der von ihr erkauften Besitzung des Or. Ouarient das Kloster und die Kirche „Maria Heimsuchung" auf dem Rennweg für Klosterfrauen des hl. Franciscus Salesius (Sale- sianerinnen), welche sie von Brüssel nach Wien zur Erziehung adeliger Mädchen berufen hatte. Die Grundsteinlegung fand am 13. Mai 1717, die Einweihung des Baues am 13. Mai 1719 statt. Die Salesianergasse führt vom Heumarkt unmittelbar auf das Kloster. Bis 1862 hieß sie Waaggasse, weil sich früher hier die Waage für die Heuwagen befand, welche auf dem Heumarkte zusammenkamen. Salierigasse (XVIII. Bez., Gersthof), bis 1894 Weinberggasse, nunmehr benannt nach Antonio Salieri, k. k. Hofkapellmeister und Operncom- ponisten (geb. am 19. August 1750 in Legnago, gest. am 7. Mai 1825 in Wien). Salmanrtsdorf, Ortsgemeinde, Umlauft, Namenbuch der Stadt Wien. von welcher seit Anfang 1892 ein Theil zum XVIU. Bez. Wiens gehört; Dorf eines Salmanns; ahd. snln, rechtskräftig förmliche oder obrigkeitliche Übergabe eines Gutes, davon Salnng und Salmann (Schmeller, Bayerisches Wörterbuch II. Bd., S. 250); Salmann hieß der adelige oder freie Mann, der die Salnng vollzog, er war also der Verleiher eines solchen Gutes. (H. Gotthard, Über die Ortsnamen in Oberbayern, S. 45). Der Sage nach soll der älteste Besitzer des Herrenhauses in: Orte (vormals Nr. 13) Salmann oder Salomon geheißen haben und nach ihm das Dorf benannt worden sein. Salmannsdorferstraße (XVIU. Bez., Salmannsdors) heißt seit 1894 die ehemalige Hauptstraße von Salmannsdors zur Wahrung dieses Ortsnamens. SalmHasse (IH. Bez.), im Mittelalter „Auf der Neustift", 1775 Gemeindegasse und so noch vor 4 Jahrzehnten, weil sich hier das erste Gerichtshaus der Gemeinde Landstraße befand (neu Nr. 39), welches 1806 von Josef Tschernich angekauft und zu einem Geschäftshause eingerichtet wurde. Darauf ward 1812 ein neues Gemeindehaus (vgl. Gemeindeplatz) erbaut. Das spätere Palais des Fürsten Salm (neu Nr. 8) war zu Ende des vorigen und zu Beginn des jetzigen Jahrhunderts Eigenthnm des Fuhrmannes und späteren Großhändlers Neumann. Dasselbe gelangte hierauf in den Besitz des Fürsten Eszterhäzy, welcher den englischen Park anlegte. In der Folge wurde Erzherzog Karl Eigenthümer und schließlich Fürst Salm. Salvatorgtlsse (I. Bez.) führt ihren Namen von der St. Salvatorkirche. Ursprünglich von Otto Haymo als Hauskapelle zu Ende des 13. Jahr- 11 162 Salzachstraße — St. Veltg.g'se. Hunderts erbaut, erscheint sie urkundlich zuerst 1301. Nachdem Herzog Friedrich 1316 das Familienhaus der geächteten Haymo der Gemeinde Wien geschenkt und diese dahin das Rathhaus verlegt hatte, wurde die Kapelle 1360 vergrößert, 1361 neu geweiht und für den öffentlichen Gottesdienst bestimmt. Wegen der von dem Volke fälschlich gebrauchten Benennung „Ottenheim- Kapelle" wurde sie 1545 mittelst päpstlicher Bulle zu Ehren des Salvators geweiht. Seit 15. October 1871 wurde die Kirche auf Antrag des Ge- meinderathes Johann Umlaust (gest. 1889) den Altkatholiken zur Abhaltung ihres Gottesdienstes überlassen, worauf der Cardinal-Erzbischof von Wien dieselbe mit dem Jnterdict belegte. Salzachstraße (1l. Bez.), eine im Entstehen begriffene Straße der Donaustadt (s. d.), benannt nach der Salzach, dem größten Zuflusse des Inns. Salzgasse (I. Bez.) war in alter Zeit wie der Salzgries Sitz der „Salzer" oder Salzhändler. Salzgries (I Bez.) bezeichnet seit alter Zeit die sandige Uferstelle (daher Gries) am rechten User des Donaucanals, wo die Salzschiffe landeten und von den sogenannten „Salzern" der Salzhandel betrieben wurde. 1302 wird diese Gegend urkundlich schlechthin „An dem Gries", 1342 „Am Salzpühel" genannt (ahd. pniiil, Bühl, Anhöhe, Hügel, im Volksmunde auch für Böschung gebraucht). Salzthorgasse (l. Bez.) erinnert durch ihren Namen an das alte Salzthor in der Wiener Stadtmauer, welches bis 1529 so genannt wurde; später neu ausgebaut erhielt es den Namen Fischerthor; letzteres wurde 1860 demoliert. Sampogasse (XIII. Bz., Breitensee), bis 1894 Schmelzgasse, nunmehr nach Ludwig von Sampo benannt, Schlossbesitzer und 1774 Erbauer der Kapelle in Breitensee. Samptwandnergasse (XIII. Bez., Hütteldors), bis 1894 Friedhofstraße, jetzt benannt nach dem verdienstvollen Pfarrer in Hütteldors, Sampt- wandner, der während der ersten Türkeninvasion gefangen und wahrscheinlich ermordet wurde. St. Annahof (I. Bez., Annagasse), ein neuer, 1894 vollendeter Bau, welcher sich auf dem Grunde des ehemaligen St. Annagebüudes erhebt (vgl. Annagasse) und darnach benannt ist. St. Bartholomärrsplatz (XVII. Bez., Hernals), bis 1894 Kirchenplatz, jetzt nach der daselbst befindlichen Pfarrkirche zum hl. Bartholomäus benannt. St. Pöltnerhof (I. Bez., Kruger- straße), von den Klosterfrauen zu Tulln, welchen er gehörte, an das St. Pöltner-Kloster verkauft und, als Josef II. das Bisthum 1784 nach St. Pölten übertrug, wieder als Stifts- Haus aufgehoben und Privaten käuflich überlassen. St. Ulrich, s. Ulrich, St. St. Beit, .Ober- und Unter-, bis Ende 1891 zwei selbständige Ortsgemeinden, die nunmehr in den XIII. Bezirk einbezogen sind ; benannt nach dem Schutzpatron der Pfarrkirche, dem St. Vitus oder Veit. St. Beitallee (XIII. Bezirk, Unter-L>t. Veit) hieß bis 1894 Unter- St. Veiterstraße. St. Veiterstraße (XIII. Be;., Hietzing) ist seit 1894 in die Hauptstraße im XIII. Bezirke einbezogen. St. Veitgaffe (XIII. Bezirk, Unter-L>t. Veit), bis 1894 Kirchen- Sandgasse — Schaumbnrgcrstraße. 163 gasse, nunmehr zur Wahrung des alten Ortsnamens St. Veit benannt. Sandgasse (XIX. Bez., Grinzing), bis 1894 Johannesgasse, jetzt wahrscheinlich nach einer Sandgrube benannt, zu der sie führt. Sandleitengasse (XVI. Bezirk, Ottakring), nach der in der Nähe befindlichen „Sandleiten" (Leiten mundartlich für Lehne, Abhang) benannt; bis 1894 hieß sie Dornbacherstraße. Sandwirthgasse (VI. Bezirk), eine neuere Gasse, welche ihren Namen nach einem Gasthause „Zum Sandwirt" (d. i. Andreas Hofer) führt. Sahberggafse (XIII. Bz., Hüttel- dorf), bis 1894 Schmiedgasse, nunmehr nach dem Satzberge benannt, an dessen südlicher Lehne sie ansteigt. Schafberg, Am, (XVIII. Bez., Pötzleinsdorf) bezeichnet die Lage am Schafberge. Schafberggasse (XVIII. Bez., Pötzleinsdorf), bis 1894 Badgasse, erhielt ihren jetzigen Namen, weil sie zum Schafberge bei Pötzleinsdorf hinansührt. Schäfsergajse (IX. Bez.), sie entstand 1778 aus der Vereinigung der Anker- und Kapaunergasse und ist nach dem Bürger und Schneidermeister Johann Michael Schaffer benannt, welcher 1845 testamentarisch sein ge- sammtes ansehnliches Vermögen zu einer Stiftung für verarmte Wiener Bürgertöchter bestimmte. Schalkgasse (XVIII. Bezirk, Gersthof), bis 1894 Sackgasse, nunmehr benannt nach dem verstorbenen Ignaz Schalk, Besitzer großer Grund- complexe daselbst, welcher der Gemeinde einen großen Theil dieser Gründe unentgeltlich überließ. Schänzel oder Schänzel, eigentlich „Am Schänzel", eine Userstrecke am Donaucanal, wo bei einer kleinen Schanze von Kaiser Ferdinand UI. nach dem westfälischen Frieden am 14. October 1648 das Schanzelthor eröffnet wurde. Sie dient seit langem als Obstmarkt, da hier die von Ober- Österreich aus der Donau kommenden Obstzillen landen und ist im Volke noch heute unter dem Namen Schänzel bekannt. Schanzstrafle (XIII. Bez., Breitensee), bis 1894 Wienerstraße, jetzt nach der Schmelzer Schanze benannt, an der sie vorüberführt. Schauflergasse (I. Bez.), urkundlich Saupheluchen, im 15. und 16. Jahrhundert (so 1547) Schauflerlucken; der Name ist unerklärt. Schaumburgergasse (IV. Bz.) erinnert mit ihrem Namen an den alten Schaumburgergrund (s. d.). Schaumburgergrund, von 1813 bis 1850 eine eigene Vorstadt, seither ein Theil des IV. Bez. Wieden. Hanns von Schaumburg hatte schon 1450 einen Besitz auf dem Grunde „vor dem Kernerthor" (an der Wiedener Hauptstraße), doch schon 1559 starben die Schaumburger im Mannesstamme aus. Der Gründer des Schaumburgerhofes war zur Zeit Kaiser Karls VI. der Hofkammerpräsident Gundacker Thomas Reichsgraf von Starhemberg, welcher die Besitzungen seiner Vorfahren durch Ankauf umfangreicher Grundstücke in der Gegend „am Praiten Anger" und „an: Silbereck" erweiterte. Dieser ganze Schaumburgergrund wurde 1813 als Vorstadt erklärt. Schaumburgerhof (IV Bez, Wiedener Hauptstraße Nr. 67), benannt nach den: alten Adelsgeschlechte der Schaumburger (vgl. Schanmburger- grund). Schaumburgerftrafle (X Bz., Jnzersdorf) heißt zusammen mit der ti* 164 Scheibcnbergstraße — Schikancdergasst. Marxergasse in Jnzersdorf seit 1894 Trostgasse nach dem am I. Jänner 1893 verstorbenen Michael Trost, ehemaligem Vorstande des X. Bezirkes. Scheibenbergstraße (XVIII. Bz., Gersthof und Pötzleinsdors), 1894 entstanden aus der Zusammenziehung der Friedhofgasse in Gersthof mit der Schönbrunnerstraße in Gersthof und Pötzleinsdors und nach dem nahegelegenen Ried Scheibenberg benannt. Scheibengasse (XIX. Bezirk, Unter-Döbling), bis 1894 Berggasse, nunmehr nach dem Scheibenried daselbst benannt. Schelleingasse (IV. Bez.), benannt nach dein Maler Karl Schellein, welcher lange Zeit Vorstand der Gemälde-Restaurierschule im k. k. Belvedere war. Schellhammergasse (XVI. Bz., Ottakring), bis 1894 Laudongasse, nunmehr mit der Fuhrmannsgasse (XVIII. Bez., Hernals) zusammengezogen und benannt nach dem Ober- limtenant Schellhammer, dem Mitbegründer des Filial-Jnvalidenhauses in Ottakring 1791. Schellingergasse (XIV. Bez., Rudolfsheim), seit 1894 Benedikt Schellingergasse nach dem Bürgermeister von Braunhirschen, Benedikt Schellinger (gest. am 20. März 1875), auf dessen Anregung sich die Gemeinden Braunhirschen, Rustendorf und Rein- dors 1863 zu der großen Gemeinde Rudolfsheim (s. d.). vereinigten. Schellinggasse (I. Bez.), eine neue Gasse, benannt zu Ehren des berühmten deutschen Philosophen Friedrich Wilhelm Josef von Schelling (geb. am 27. Jänner 1775 zu Leonberg in Württemberg, gest. am 20. August 1854 zu Ragaz in der Schweiz). Schenkenstraße (I. Bez.) hieß bis in die Sechzigerjahre „Hintere Schenkenstraße", während die heutige Bankgasse (s. d.) die „Vordere Schenkenstraße" war. Erstere erscheint zuerst urkundlich 1310 als Mentlerstraße, d. i. Straße der Mantelmacher. Scherzergasse (II. Bez.), benannt nach dem Reisenden vr. Karl von Scherzer (geb. am 1. Mai 1821 in Wien), welcher die Weltreise der österreichischen Fregatte Novara 1857 bis 1859 mitgemacht und einen großen Theil des Reisewerkes gearbeitet hat. Gegenwärtig ist er k. und k. österr.- ungar. Generalconsul in Genua. Schißsarntsgasse (II. Bezirk), benannt nach dein kaiserlichen obersten Schifsnmt, welches seit 1655 in dieser Gegend (an Stelle des Hauses Nr. 45 in der oberen Donaustraße) sich befand. Im Vogelperspectivplane von 1683 finden wir dieses Gebäude als Islouium XaviAis bezeichnet. — Das kaiserliche Schiffamt war schon 1508 unter dem Titel „Wasserrecht" errichtet worden. Scbiffgasse, Große u. Kleine, (II. Bez.) erinnern mit ihrem Namen an die Schiffahrt auf der Donau. SchissrnühLenstraße (II Bez., Kaifermühlen) führt ihren Namen nach den Schifsmühlen, welchen die ganze Ansiedlung „Kaisermühlen" ihre Entstehung verdankt. Schikanederbrücke, ein 1830 eröffneter Kettensteg über die Wien, welcher den IV. und VI. Bezirk miteinander verbindet und wegen des nahen Theaters an der Wien nach dessen Begründer E. Schikaneder benannt ist (vgl. Schikanedergasse). Schikanedergasse (IV. Bez.) verdankt ihren Namen dem Wiener Theaterdirector Emanuel Schikaneder (gest. 1812), welcher zuerst Besitzer des im Jahre 1786 eröffneten Theaters im sogenannten Freihause auf der Wieden war, welches aufgelassen wurde. Schillcrgasse Schlossgasse. 165 als Schikaneder das von ihm erbaute Theater an der Wien 1801 eröffnete. Schillergasse (I. Bez.), eine neue Gasse, die zum Schillerplatze (s. d.) führt und darnach benannt wurde. Seit 1894 heißt sie Makartgasse nach dem berühmten Maler Hans Makart (geb. am 29. Mai 1840 zu Salzburg, gest. am 3. October 1885 in Wien). Schillergllsse (XU. Bez., Unter- Meidling), seit 1894 Vierthalergasse genannt nach dem Pädagogen Michael Vierthaler (1758 bis 1827), Director des Waisenhauses in Wien. Schillerhof (I. Bez.), ein großer Neubau, dessen Hauptfront dem Schillerplatze (s. d.) zugekehrt ist. Schillerplatz (I. Bez.), ein neuer Platz, benannt zu Ehren des großen Dichters Friedrich Schiller, dessen von Professor Johannes Schilling in Dresden modelliertes Standbild hierum 10. November 1876 enthüllt wurde. Schillingergasse (XIII. Bez., Speising), bis 1894 Feldgasse, jetzt nach dem verstorbenen verdienstvollen Gemeinderathe von Speising, Schillinger, benannt, der auch als Wohlthäter bekannt war. Schindlergasse (XVIII. Bez., Gersthof), bis 1894 Bergsteiggasse, nunmehr benannt zur Erinnerung an den Wiener Landschaftsmaler Jakob Emil Schindler (geb. zu Wien am 15. Juli 1842, gest. auf Sylt am 9. August 1892). Schlachthausgasse (III Bez ), benannt nach dem in ihr gelegenen, 1880 erbauten Schlachthause. Schlagergasse (IX. Bez.), zur Erinnerung an vr. Ludwig Schlager (gest. am 24. Juli 1885), ehemaligen Director der im IX. Bezirke (Lazareth- gasse) befindlichen Landes-Jrrenanstalt, benannt. Schleifmühlgasse (IV. Bez); die Schleismühle, im Volksmunde Froschlackenmühle genannt und vom Mühlbache, einem künstlichen Arme der Wien betrieben (vgl. Henmühlgasse), bestand schon im 16. Jahrhunderte und wird l582 urkundlich genannt. Sie war die erste Waffen-Schleif- und Poliermühle Wiens, erhielt 1582 von Kaiser Rudolf II. Befreiung von allen Stenern und Frohndiensten, und Kaiser Leopold I. erhob sie zu einem Adels sitz mit dem Prädicate „Mühl- seld". Allmählich entwickelte sie sich zu einer kleinen Gemeinde Schleifmühle oder Mühlfeld, welche 1793 1200 Einwohner zählte. Im Jahre 1786 gieng dieselbe durch Kauf in den Besitz der Gemeinde Wien über. Die Gasse, welche früher in eine obere und untere Schleifmühlgasse getheilt war, führt ihren Namen nach der alten Gemeinde Schleismühle. Schlickgasse und Schlickplatz (IX. Bez.) führen ihre Nameu nach dem 1856 hier erbauten Palais des Generals der Cavallerie Grafen Schlick, welcher der erste Ansiedler in Neu- Wien war. Schlöglgafse (XII. Bez., Hetzen- dors), benannt zur Erinnerung an den Wiener Volksschriftsteller Friedrich Schlögl (geb. am 7. December 1821 zu Wien, gest. daselbst am 7. October 1892). Bis 1894 hieß die Gasse Hietzingerstraße. Schlösselgasse (VIII. Bez.), benannt nach dem Gasthause „zum goldenen Schlösset", welches wieder nach seinem Eigentümer Schlüssel den Namen führte. Schlossgafse (V. Bez.), so benannt, weil sie auf dem Grunde des ehemaligen Gartens des Margarethe- ner Schlosses (s. Margarethen), welche beide der Wiener Stadtmagistrat 1727 Schlossgasse — Schmicdgasse. 1 66 ankaufte, bald nach dieser Besitzveränderung eröffnet wurde. Schlossgasse (XIX. Bez., Ober- Döbling), seit 1894 nach dem Nied „Osterleiten" die Osterleitengasfe benannt. Schlüsselgasse (IV. Bez.), im Jahre 1778 eröffnet und nach dem daselbst befindlichen Hause „zu den zwei weißen Schlüsseln" benannt. Schmalzhofgasse (VI. Bez.), benannt nach dein Hause eines ehemaligen reichen Schmnlzhändlers, welches noch vor kurzer Zeit daselbst stand und der Schmalzhos (Or.-Nr. 3) hieß. Jetzt befindet sich an dieser Stelle der isralitische Tempel im VI. Bez. Schmeckenderwurmhof (I. Bez., Wollzeile und Bäckerstraße); nach dem alten Hausschilde, welches ein Krokodil darstellte, benannt. Der Name kommt schon zu Anfang des 18. Jahrhunderts vor. Der Zusatz „schmeckend" (im Wiener Volksmunde soviel als „riechend") wird durch folgende sagenhafte Überlieferung erklärt: Ein Student soll in den Rachen des blechernen Krokodils einen Blumenstrauß als Gruß an seine Geliebte gesteckt haben. Die Wiener nannten das Thier, das gewissermaßen an den Blumen roch, den „schmeckenden Wurm" und das Haus „das Schmeckende- Wurmhaus". Schmelz, die od. „aufder Schmelz", die vom Neubaugürtel gegen Breitensee ansteigende unverbaute Fläche, so genannt von mehreren Schmelzarbeiten, welche vormals nur hier verrichtet werden dursten. Schmelzbrüche (XIV. Bez., Ru- dolssheim und XV. Bez.) überbrückt die Elisabeth-Westbahn und stellt die Verbindung Rndolssheims mit der Schmelz her. Schmelzer Friedhofstraße (XV. Bez.), nach dem nunmehr aufgelassenen Schmelzer Friedhose benannt (vgl. Schmelz); bis 1894 hieß sie einfach Friedhosstraße. Schmelzgasse (II. Bez.), sie hieß vormals „Ochsengasse" oder „die Gegend bei der Jnslichtschmelz", woraus der heutige Name entstand. Im ersten Straßenschema heißt sie „Brunngasse". Schmelzgasse (XIII. Bez., Breitensee), seit 1894 Sampogasse nach Ludwig von Sampo benannt, Schlossbesitzer und 1774 Erbauer der Kapelle in Breitensee. Schmelzgasse (XIV. Bez., Rudolfsheim), so benannt, weil sie vor Erbauung der Westbahn aus die Schmelz (s. d.) führte; seit 1894 heißt sic Lehner- gasse nach dem verstorbenen Michael Lehner, Schuldirector im XIV. Bez., Ehrenbürger von Rndolfsheim. Schmerlinggaste (XVII. Bez., Hernals), seit 1894 mit der Wichtelgasse (XVI. Bez., Ottakring) zu einem Straßenzuge vereinigt. Schmidgasse (VHI. Bez.) erhielt ihren Namen nach dem 1884 verstorbenen Vorstande der Gemeinde Josefstadt, Josef Schund, welcher zum Aufblühen dieses Stadttheiles sehr viel beitrug. Schmidgasse (XVIII. Bez., Gersthof), seit 1894 Messerschmidtgasse genannt nach dem Wiener Bildhauer- Franz Xaver Messerschmidt (1732 bis 1783). Schmidgnnstgaste (XI Bez , Kaiser-Ebersdors), benannt zum Andenken an den ersten Bürgermeister des Ortes, Georg Schmidgunst. Bis 1894 hieß sie Dorfgasse. Schmiedgasse (XIII. Bez.,Hüttel- dorf), seit 1894 Satzberggasse genannt nach dem Satzberge, an dessen südlicher Lehne sie ansteigt. Schmiedgasse — Schottenfeld. 167 Schmiedgasse (XIII Bez., Penzing), seit 1894 Beckmanngasse genannt nach dem Wiener Hosschauspieler Friedrich Beckmann (1803 bis 1866). Scdmöllerlgasse (IV Bez), 1836 eröffnet und nach dem Privaten Josef Schmöllerl benannt. Schnirchgasse (ll. Bez.), benannt zur Eriuneruug an den Ingenieur Friedrich Schnirch (geb. zu Patek au der Cg er 1791, gest. zu Wien am 25. November 1868), dem Erfinder des Hängebrückensystems und dem Erbauer der Kettenbrücke für die Verbindungsbahn in Wien. Schösfelgasse (XVII!. Bezirk, Gersthof) ist benannt nach Joses Schöffel (geb. am 29. Juli 1832 zu Pribram), welcher zuerst k. k. Officier war, dann aber sich der Politik widmete; er machte sich besonders verdient durch einen energischen Kampf, 1870 bis 1873, durch welchen er den durch einen Vertrag der Regierung mit dem Holzhändler Moriz Hirschl gefährdeten Wienerwald rettete, weshalb ihm aus der Purkersdorfer Höhe (jetzt Schöffelwarte) ein Denkstein errichtet wurde. Schöllerhof (II. Bez., zwischen der Oberen Donaustraße und der Negerlegasse), benannt nach dem Besitzer, dem Großindustriellen Schütter. Scholzgasse (II. Bez.), benannt zur Erinnerung an den trefflichen Wiener Komiker Wenzel Scholz (geb. zu Brixen am 28. März 1787, gest. in Wien am 5. October 1857). Schönbrunn, kaiserliches Lustschloss im XIII. Bezirke Wiens, benannt nach dem vom Kaiser Mathias (1612—1619) entdeckten „Schönen Brunnen" im Garten, dessen Wasser seit Kaiser Joses II. in der Wiener Hofburg verwendet wurde. Die Anhöhe, vor welcher heute Schönbruun liegt, hieß 1187 Chatternberch, 1216 Chaternberg, Katerburg, wovon später durch volksetymologische Umdeutung die waldbedeckte Anhöhe das Gatter- hölz(e)l genannt wurde. Gewöhnlich wird der Name „Gatterhölzel" von dem Besitzer des dortigen Schlösschens Egyd Gattermeier abgeleitet, welches nach ihm Gatterschloss oder Gatterburg hieß, eine Mühle in derNähe die Gattermühle und davon der angrenzende Waldbezirk das Gatterhölzel. Scbönbrunner.Hauptstrafte (XII. Bez., Gaudenzdors, Ober- und Unter-Meidling) heißt seit 1894 Meid- ling-Schönbrnnnerstraße. Schön bi u nnerstraft e (XVIII. Bez., Gersthof und Pötzleinsdorf), seit 1894 mit der Friedhosgasse (XVIII. Bez., Gersthof) unter dem Namen Scheibenberggasse (s. d.) zu einer Straße vereinigt. Schönerergasse (XIII. Bezirk, Breitensee) ist nach dem ehemaligen Reichsrathsabgeordueten Georg Schönerer benannt. Schönlaterngasse (I. Bezirk) führt ihren Namen von dem Hausschilde „Zur schönen Laterne" (alt Nr. 674); in den ältesten Grundbüchern hieß die Gasse „Beim heiligen Creutzerhoff" von dem anstoßenden Heiligenkreuzer Stiftshose. Schopenhauerstrafte (XVIII. Bez., Währing), bis 1894 Wienerstraße, nunmehr benannt nach dem berühmten deutschen Philosophen Arthur Schopenhauer (geb. am 22. Febr. 1788 zu Danzig, gest. am 21. Sept. 1860 in Frankfurt a. M.). Schottenbastei (I. Bez.), eine neue Gasse, welche durch ihren Namen an die einst in ihrer Nähe befindliche Schottenbastei erinnert; der letzte Rest derselben wurde 1868 abgetragen. Schottenseld, früher eine eigene Vorstadt, seit 1850 ein Theil des VII. 168 Schottmfcldgasse — Schuberthgasse. Bezirkes Neubau. Bis 1783 befanden sich hier nur ausgedehnte Felder, welche dein Schottenstiste zu eigen waren, daher der Name Schottenfeld. Bloß an den Säumen dieses Gebietes gegen die Mariahilfer- (damals Pen- zinger) Straße und gegen Lerchenseld standen schon zur Zeit Maria Theresias Häuserzeilen. Erst Kaiser Joses II. begründete auf dem Schottenselde eine ausgedehnte Ansiedlung, welche anfangs Ober-Neustift (wegen der Lage oberhalb der Vorstadt Neustift, s. d.) hieß. Schottenfeldgasse (VII. Bez.), die Hauptstraße der vormaligen Vorstadt Schottenseld und darnach benannt; der Theil am Ausgange gegen die Mariahilserstraße hieß einst „Am Münchnerboden" oder„Münchenboden" (d. i. Boden der Mönche, als Besitz des Schottenstiftes). Schottengafse (I. Bez.), benannt nach dem daselbst befindlichen Schottenkloster. Im Jahre 1155 berief Heinrich Jasomirgott schottische Benedictiner aus RegenSburg nach Wien, erbaute ihnen ein Kloster und eine Kirche zu Ehren unserer lieben Frau und des hl. Georg und übergab ilmen am 1. Mai 1158 die mit einein Spitale für Pilgrime in Verbindung gesetzte Stiftung. 1418 übergab Herzog Albrecht V. die Stiftung deutschen Benedictinern, der Name Schottenkloster, Schottenstift ist aber geblieben. 1563 wird die Gasse urkundlich „Zu den Schotten".genannt. Schottengasse (XVI. Bezirk, Ottakring), seit 1894 Redtenbacher- gasse genannt nach dem Naturforscher Ludwig Redtenbacher (1814 bis 1876). Schottenhof (I. Bez., Freiung und Schottengasse), ein umfangreicher Gebäudecomplex, welcher das Schottenkloster (s. Schottengasse) und eine Anzahl von Wohntracten, welche vermietet sind, umfasst. Schottenring (I. Bez.), der Theil der Ringstraße (s. d.) zwischen Franzensring und Franz Josefs-Quai, benannt nach dem in der Nähe befindlichen altberühmten Schottenkloster (vgl. Schottengasse) und den: am Ende der Schottengasse zur Währingerstraße führenden Schottenthor, welches 1314 zuerst urkundlich genannt wird und 1862 bei der Stadterweiterung abgetragen wurde. Schrankgasse (VII. Bez.), benannt zur Erinnerung an den ehemaligen Bürgermeister-Stellvertreter und Reichsrathsabgeordneten vr. Ferdinand von Schrank (gest. in Wien am 28. De- cember 1881). Schreygasse (II. Bez.), im Jahre 1802 eröffnet. Die Gasse verdankt ihren Namen dem Michael Schrey, der zu seinem Hause Nr. 103 noch ein zweites (gegenüber Nr. 107) zu dem Zwecke erbaute, dass zwischen beiden Häusern eine Gasse angelegt werde, welche den Namen Schreygasse erhielt. Schreyvogelstraße (I Bez.), zur Erinnerung an den Schriftsteller Josef Schreyvogel (geb. zu Wien am 27. März 1768, gest. daselbst am 28. Juli 1832), welcher durch achtzehn Jahre (bis Ende Mai 1832) als Dramaturg das Wiener Hosburgtheater leitete. Früher hieß die Gasse durch Jahrhunderte der „Kleppersteig". Schubertgasse (IX. B.), zu Ehren des berühmten Lieder- und Jnstrumental-- Componisten Franz Schubert (geb. am 31. Jänner 1797 in Wien, gest. daselbst am 19. November 1828) benannt, dessen Geburtshaus in der Nähe, Nussdorfer- straße Nr. 54, sich befindet. Schuberthgasse (XVI. Bezirk, Ottakring) heißt seit 1894 nach dem in der Gasse befindlichen „Katharinenbad" der Frau Mathilde Schubert!) (Nr. 9—I I) Dampsbadgasse. Schulerstraße — Schultergasse. 169 Schulerstraße (I. Bez.), nach der Schule zu Set. Stephan schon 1328 struta. sellolus (Schulstraße) benannt; sonst hieß sie auch „Hinter Set. Stephan". Albrecht HI. gründete 1389 im Hause Nr. 850 (neu Nr. 14) die Juristenschule. An diesem Hause befindet sich seit 1868 eine Gedenktafel folgenden Inhalts: „An der Stelle dieses Hanfes stand vom Jahre 1389 bis zum Jahre 1765 die Juristenschule der Universität sammt den zwei Kapellen zu Ehren des heiligen Ivo." Diese Gasse ist die vormalige „Große Schulerstraße"; die „Kleine Schulerstraße" heißt jetzt „Domgasse". Schulgaffe (UI. Bez.), seit 1894 Eslarngasse, genannt nach Konrad von Eslarn, welcher 1287 als der erste urkundlich genannte Wiener Bürgermeister vorkommt. Schulgaffe (XI. Bez.), seit 1894 Drischützgasse, nach dem Errichter der nach ihm benannten Simmeringer Schulstistung, Drischütz. Schulgasse (XII. Bez., Hetzendorf), seit 1894 Pronaygasse, nach dem Freiherrn von Pronay, welcher in seinem daselbst befindlichen Parke einen großen botanischen Garten anlegte. Schulgasse (XII. Bez., Ober- Meidling),'seit 1894 Frauenheimgasse, nach dem in der Nähe befindlichen Frauenheim. Schulgasse (XII. Bez., Unter- Meidling), seit 1894 Bendlgasse, benannt nach dem Fabrikanten Bendl, welcher 1834 zuerst in Wien die Dampfkrast in seiner Fabrik einführte. Schulgaffe (XIII. Bez., Baumgarten), seit 1894 Felbigergasse genannt nach dem Prälaten Johann Ignaz Felbiger (1724—1788), dem General- Director des österreichischen Schul' Wesens und Gründer der Normalschulen unter Maria Theresia. Schulgasse (XIII. Bez., Breitensee), seit 1894 Hägelingasse, wahrscheinlich benannt nach Franz Karl Hägelin (gest. 1809), niederösterreichischem Regierungsrath und Beisitzer der Bücher-Hoscommission in Wien. Schulgasse (XIII. Bez., Penzing), seit 1894 Diesterweggasse, genannt nach dem berühmten Pädagogen Friedrich Adolf Wilhelm Diesterweg (1790 bis 1866). Schulgasse (XIV. Bez., Sechshaus), seit 1894 Storchengasse (s. d.). Schulgasse (XVI. Bez., Ottakring), seit 1894 Rückertgasse, nach dem berühmten Dichter Friedrich Rückert (1789 bis 1866). Schulgasse (XVII. B., Hernals), seit 1894 Kindermanngasse, genannt nach dem Schulmanne Ferdinand Kindermann Ritter v. Schulstein (1741 bis 1801), welcher sich an der Ausarbeitung der Normal-Schulbücher unter Maria Theresia betheiligte. Schulgaffe (XIX. B., Grinzing), seit 1894 Mannagettagasse, nach vr. Joh. Wilh. Freiherrn von Mannagetta (1588—1666), Leibarzte des Kaisers Leopold I., Besitzer des Trummelhofes in Grinzing. Schulgasse (XIX. Bez., Unter- Sievering) ist seit 1894 mit der Windhabergasse in Unter-Sievering zu einer Gasse zusammengezogen und führt auch diesen Namen. Schulhof (I. Bez., Parisergasse und Kurrentgasse), hier stand die Cantorei oder das Cantorhaus (die Schule) in der alten Judenstadt. Schultergaffe (I. Bez.); da hier die Waffenschmiede und Schildner (Verfertiger von Schilden) sesshaft waren, hieß sie ursprünglich Schildoder Schildnergasse, 1319 Schilter- gasse; aus letzterer Form ist später Schultergasse entstanden. 170 Schumanngasse — Schwechat. Schumanngasse (XVII. Bez., Hernals), bis 1894 Mitterberggasse, und (XVIII. Bez., Währing), bis 1894 Annagasse, nunmehr benannt nach dem bedeutenden deutschen Tondichter Robert Schumann (geb. am 8. Juli 1810 zu Zwickau, gest. am 29. Juli 1856 zu Endenich bei Bonn). Sehüttauplatz und Schüttau- ßraße (II. Bezirk, Kaisermühlen) führen ihren Namen nach der Schüttau, einer von der Donau ausgeschütteten Au. Schüttelstraße (II. Bez.) heißt die Straße am linken Donaucanalufer von der Franzensbrücke bis zur Sofienbrücke nach einem Teiche, der sich hier einst befand und wegen der häufig wiederkehrenden Überschwemmungen die Umgegend ungesund machte, weshalb er 1780 gleichzeitig mit dem Fugbache (vgl. Fugbachgasse) verschüttet wurde. Schwangasse (I. Bez.), benannt nach dem Hause „zum weißen Schwan" (Nr. 1044, neu 7), welches 1847 ganz neu gebaut wurde und Eigenthum des Fürsten Adolf Schwarzenberg ist. Schwarzenberggasse (XVII Bez., Dornbach), wegen des dem Fürsten Schwarzenberg gehörigen Schlosses und Parkes in Dornbach so genannt, ist seit 1894 mit der Rosenhügelgasse (XVI. Bez., Ottakring) in die Zeiller- straße (s. d.) zusammengezogen. Schwarzenbergplatz (I Bez ), benannt zu Ehren des Feldmarschalls Fürsten Karl Schwarzenberg (geb. am 15. April 1771 zu Wien, gest. am 15. October 1820 in Leipzig), welcher in der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 über Napoleon I. siegte. Seit 1867 ist sein Reiterstandbild auf diesem Platze aufgestellt. Schwarzenbergstraße (I Bez ), eine neue Straße, welche aus der inneren Stadt ans den Schwarzenbergplatz führt und darnach benannt ist. Schwarzspanierhaus (IX Bez.) heißt das ehemalige Klostergebäude neben der nunmehr ausgelassenen Kirche zu S. Maria de Monte Serrato. Dieselbe wurde 1633 durch Kaiser Ferdinand II. begründet und der Dienst daselbst Benedictinermönchen vom Monserrat in Spanien anvertraut. Da diese spanischen Mönche einen schwarzen Ordenshabit trugen, wurden sie vom Volke die Schwarzspanier zum Unterschiede von den Weißspaniern, den Barfüßern der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, welche seit 1688 ein Kloster in der Josesstadt besaßen, genannt. Die 1683 abgebrannte Kirche wurde 1690 erneuert; nachdem der Orden der Brüder vom Monte Serrato 1783 ausgehoben worden, ward 1787 die Kirche zu einem Militär-Bettenmagazin umgewandelt. Schwarzspanierstraße (IX. Bez.), benannt nach dem daselbst befindlichen Schwarzspanierhaus (s. d.). Schwechat, Nebenfluss der Donau am rechten User, welcher unterhalb des XI. Bezirkes Wiens in den Canal mündet, um 1030 Suechant, 1040 Swechant, iin späteren Mittelalter Swechhent. — Nach ihm heißt der an demselben gelegene Ort Schwechat, von dem nun ein Theil zum XI. Bez. Wiens gehört, urk. 109! Suechant, 1114 Svechanta, das Xia novn der Römer. Der Name Schwechat, inder- vollen ahd. Form SuehhantZ. (aha, d. i. Wasser, Fluss) lautend, ist das Particip Praesentis von dem starken Verb snöhhan, hervorguellen, riechen, übelriechen; er bedeutet also „die Hervorströmende, Hervorstürmende", „gewiss ein treffender Name für den in der Vorzeit aus weitem Waldgebiete geborenen, damals mächtigen undwilden Bergstrom." (Vgl. N. Müller, Neue Vorarbeiten zur altösterreichischen Schwcchalerslraße — Scchshauserstraße. 171 Ortsnanrenkunde in den „Blättern des Vereines für Landeskunde von Nieder- Oslerreich" XX. Jahrg. 1886, S. 88 ff) Schwechaterftra^e (XI. Bez., Kaiser-Ebersdorf), seit 1894 Dreherstraße nach dem Gründer des Brauhauses zu Kleinschwechat Anton Dreher. Schwechaterftrafie (XI. Bez.) heißt seit 1894 die Simmeringer Hauptstraße mit der Schwechater Reichsstraße in Kaiser-Ebersdors, weil sie in der Richtung nach Schwechat führt. Schwedengasse (II. Bez.), eine neue Gasse, deren Name an das Vorrücken der Schweden unter Torstcnson gegen Wien im dreißigjährigen Kriege 1645 erinnert. Schweglersiiaße (XIV. Bez., Rudolfsheim) ist nach Johann Schwegler benannt, welcher von 1870 bis 1878 Bürgermeister von Rudolss- heim war. Schweizerhof (I. BezJ, der älteste Theil der k. k. Hofburg, um 1221 von Herzog Leopold dem Glorreichen erbaut; die Leibwache der Regenten aus dein Hause Habsburg bestand im 15. und 16. Jahrhundert aus Schweizern, weshalb man dieselbe die Schweizerwache oder Schweizergarde nannte. Deshalb hieß auch der Theil der Burg, wo die Schweizer ihre Wachtstube hatten, der Schweizerhof. Schweizerthalstra^e (XIII. Bez., Ober-St. Veit); seit 1894 ist die ehemalige Neustistgasse in diese Straße einbezogen und führt auch diesen Namen. Letzterer erklärt sich wohl aus dem Schweizerstil, in dem mehrere Villen hier erbaut sind. Schwendenweingasse (XVIII. Bez., Pötzleinsdorf), bis 1894 Sackgasse, nunmehr benannt nach dem verstorbenen Oberbaurathe Aug. Schwendenwein, welcher Hausbesitzer in der Gasse war, eine wohlthätige Stiftung von 5000 sl. machte und auch anderweitig sich als Wohlthäter erwies. Schwendergasse (XIII. Bez., Penzing und XIV. Bez., Rudolfsheim), bis 1894 Marktgasse, jetzt nach dem großen Etablissement Schwender benannt, welches sich in dieser Gasse befindet. Der Begründe'- desselben, Karl Schwender, starb am 2. De- cember 1866. Schwertgasse (I. Bez.) führt ihren Namen von dem Hausschilde „Zu den sieben Schwertern" (Nr. 357, neu 3); doch war hier vormals auch der Sitz der Schwertseger, wodurch sich der Name der Gasse und des genannten Hauses erklärt. Schwibbogengasse (I. Bez ), benannt nach den zwei Schwibbogen, welche sie übersetzen. Schwindgasse (IV. Bez.), eine neue Gasse, benannt zu Ehren des berühmten Malers Moritz von Schwind (geb. am 21. Jänner 1804 zu Wien, gest. am 9. Februar 1871 in München), von dem Wien bedeutende Kunstwerke in dem k. k. kunsthistorischen Hos- museum, sowie Wandgemälde iin Hos- opernhaus besitzt. Sechshans, bis Ende 1891 eine selbständige Ortsgemeinde, jetzt in den XIV. Bezirk Wiens einbezogen, wie Fünshaus (s. d.) nach den ersten sechs (ursprünglich fünf) Häusern, die schon 1706 vorhanden waren und den Anfang des Ortes bildeten und längere Zeit isoliert standen, benannt. Im 15. Jahrhundert kommt für die Gegend des nachmaligen Sechshaus die Bezeichnung „Öblei" vor. Sechshanserftrasie (XIV. Bez., Rudolfsheim und Sechshaus), 1894 aus der Hauptstraße in Rudolfsheim und der Hauptstraße in Sechshaus 172 Sechshauserstraße — Selleny asse. zusammengezogen und zur Wahrung des letzteren Ortsnamens so benannt. Sechshauserstraße (XV. Bez.), so benannt, weil sie nach dem ehemaligen Orte Sechshaus (s. d.) führt. Bis 1894 hieß sie einfach Hauptstraße. Sechskrügelgasse (III. Bez.), früher Krügelgasse, benannt nach dem Hause Nr. 2 „Zu den sechs Krügeln". Sechsschimmelgasse (XVIII. Bez., Währing), nach einem Hausschilde benannt. Sechtergasse (XU. Bez., Unter- Meidling), benannt nach dem geschätzten Tonsetzer und Hoforganisten Simon Sechter (geb. zu Friedberg bei Budweis am 11. October 1788, gest. zu Wien am 10. September 1867). Bis 1894 hieß sie Lnisengasse. Seegasse (IX. Bez.) führt ihren Namen von einem kleinen See(Tümpel), der sich hier vormals befand. Der längere, in die Porzellangasse mündende Theil dieser im rechten Winkel gebogenen Gasse hieß früher „Judengasse". Seidengage (VII. Bez.), früher Schildkröten-, später Fuhrmannsgasse, erinnert durch ihren jetzigen Namen an die Hauptsabrikate des industriellen Schottenselds (s. d.), die Seidenbänder. Seidlgasse (III. Bez.), eine neue Gasse, zu Ehren des Dichters Johann Gabriel Seidl, der am 21. Juni 1804 in Wien geboren war und am 18. Juli 1875 daselbst starb, benannt. Seifertgasse (XIII. Bez., Ober- Set. Veit), bis 1894 Kaiser Franz Josefgasse, nunmehr benannt nach dem ersten Besitzer der Einsiedelei (s. d.) in Ober-Set. Veit, namens Seifert, welcher viel zur Verschönerung Set. Veits beitrug. Seilergasse (I. Bez.), 1563 urkundlich „Sailergasse", führt ihren Namen, weil hier die Seiler ihre Waren seilboten. Vordem hieß der Theil von der Plankengasse bis zum Lobkowitzplatz Raisgasse; auch der ältere Name Hungargasse kommt vor. Seilersiätte (I. Bez.), 1301 urkundlich „aus der seil", auch Seilerstatt, früher Seilerspinnstätte, so genannt, weil hier während der Türkenbelagerung die Seile für die Kriegsschiffe auf der Donau gesponnen wurden. 1737 nennt sie noch Pseffel die Seilerspinnstatt. Seisgasse (IV. Bez.), benannt zur Erinnerung an Mathias Seis (geb. am 3. Februar 1783 zu Wien, gest. daselbst am 30. December 1854), k. k. Zahlmeister, Gemeinderath von Wien und Alters-Präsidenten des Gemeinderathes vom November 1850 bis Februar 1851. Seiterrstettengajse (I Bez.) erhielt erst in jüngster Zeit diesen Namen, als nämlich 1825 der Seitenstettenhof neu gebaut wurde; vordem hatte sie keinen eigenen Namen, sondern wurde zum alten Kienmarkt gerechnet, während man den unteren steilen Abhang „Katzensteig" (s. d.) nannte. Seitenstettenhof, Großer und Kleiner, (I. Bez., Katzensteig), von Albrecht H. für die Karthause zu Gaming gestiftet und daher „Gaminger- hof" genannt; 1782 von dem Benedic- tinerstift zu Seitenstetten in Nieder- Österreich angetanst. Seitzergnsse (I. Bezirk) erhielt ihren Namen von dem alten Seitzerhof (Nr. 427, neu Nr. 6), welcher auch Mauerbacherhof genannt wurde. In diesem Hause befand sich bis 1837 der berühmte Seitzerkeller. Im Jahre 1342 wird die Gasse Chnrbannerstraße genannt. Sellenygasse (II. Bez.), benannt zur Erinnerung an den vorzüglichen Landschaftsmaler Joses Selleny (geb. Sellenygasse — Siebenbrunnengassk. 173 zu Meidling bei Wien am 2. Februar 1824, gest. in Wien am 22. Mai l 875), welcher die berühmte Expedition der Fregatte „Novarra" um die Erde i857 bis 1859 mitgemacht und von derselben eine reiche Sammlung von Landschasts- bildern aus allen Zonen und Ländern mitgebracht hat, welche im k. k. kunsthistorischen Hofmuseum aufgestellt sind. Sellenygasse (X. Bez., Jnzers- dors), seit 1894 Muhrengasse. Sellingergafse (XI. B., Kaiser- Ebersdors), bis 1894 Obere Quergasse oder Kreutzgasse. Selzergasse (XIV. Bez., Rudolfsheim), benannt nach Joses Selzer, welcher 1848 bis 1863 Bürgermeister von Reindors (s. d.) war. Sempergasse (X. Bez., Jnzers- dorf), seit 1894 als Fortsetzung der Leibnitzgasse (s. d.) im X. Bez. mit dieser vereinigt. Senrperstrasre (XVIII. Bezirk, Währing), bis 1894 Döblingerstraße, nunmehr benannt nach dem Architekten Gottfried Semper (1803 bis 1879), welcher die Entwürfe zum neuen k. k. Hosburgtheater und zu den k. k. Hofmuseen in Wien machte. Senefeldergasse (X. Bez.), benannt nach dem Erfinder des Steindrucks Alois Senefelder (geb. am 6. November 1771 zu Prag, gest. am 26. Februar 1834 zu München). Sensengasse (IX. Bez.) führt nach dem Gasthausschilde „Zur goldenen Sense" den Namen. Serravagasse (XIII. Bez., Penzing) hieß bis 1894 Hannovergasse. Servitengasse (IX. Bez.) führt ihren Namen von dem daselbst befindlichen Kloster und der Kirche der Servilen, zu welch letzterer 1651 der Grundstein gelegt wurde. Senmegasse (XII. Bez., Gau- denzdors), benannt nach dem Dichter Johann Gottfried Seume (geb. am 29. Januar 1763 zu Poserna bei Weißenfels, gest. am 13. Juni 1810 zu Teplitz), welcher auf seinem „Spaziergang nach Syracus" auch Wien berührte. — Bis 1894 hieß die Gasse Gemeindegasse. Seuttergasse (XIII. Bez., Ha- cking), bis 1894 Wasagasse, nunmehr nach dem am 23. September 1892 verstorbenen Fabriks- und Realitätenbesitzer Karl Friedrich Seutter von Lötzen benannt, dessen Haus sich in der Gasse befindet. Severingasse (IX. Bez.), benannt zur Erinnerung an den hl. Severinus, den sogenannten „Apostel von Noricum" (gest. am 8. Jänner 482), welcher der Überlieferung nach die Klosterkirche zu St. Johann am Alser- bach gegründet und daselbst seine Bekehrungspredigten gehalten haben soll. Severinusgasse (XIX. Bez., Unter-Sievering), zur Erinnerung an den hl. Severinus benannt (vgl. Sievering), heißt seit 1894 Fröschelgasse (s-^> . , ^Liecardsbrirggaye (X. Bez.), benannt zur Erinnerung an den Architekten August Siccard von Siccards- burg (gest. am 11. Juni 1868), welcher im Verein mit Van der Nüll die Pläne zur neuen Hosoper entwarf. Seit 1894 ist die frühere Heinrichgasse in Jnzers- dors mit der Siccardsburggasse vereinigt. Sickenberggasse (XIX. Bez., Nussdors), bis 1894 Donaustraße, nunmehr nach dem 1885 verstorbenen Franz Sickenberg, Fabriksbesitzer in Nussdors, benannt. Siebenbrunnenfeld und Siebenbrunnengasse (V. Bez ), elfteres vormals auch Siebenbrunnerwiese genannt; beide führen ihren Namen nach sieben Ziehbrunnen, welche 174 Siebeneichcngasse — Singerstraße. zur Bewässerung des einst hier bestandenen Küchengartens dienten. Siebeneichengasse (Xill. Bez., Penzing) führt ihren Namen von sieben Eichen, welche in früherer Zeit hier standen. Siebensterngasse (VII. Bez.), vormals nach dem Eckhause „zu den sieben Schwaben" die Schwabengasse geheißen, führt ihren jetzigen Namen nach dem Hause Nr. 21 „zu den sieben goldenen Sternen." Siegelgasse (III. Bez.), 1775 Zwerchgasse d. i. Quergasse; später hieß sie Spiegelgasse nach dem sogenannten Spiegelmacherhaus, in welchem der bürgerliche Spiegelmacher Christian Wilkenhausen 1780 sein Geschäft ausübte. Sievering, Ober- und Unter-, zwei Dörfer, welche seit Ende 1891 dem XIX. Bez. Wiens einverleibt sind, um 1150 Suveringin, l187 Suiwe- ringen; der Sage nach von dem hl. Severinus, dem sog. „Apostel Noricums" gegründet. Sieveringerstraße (XVIII. Bez., Neustift am Walde), seit 1894 Rathstraße nach der alten Familie Rath in Neustift am Walde benannt. Sieveringerstraße (XIX. Bez., Ober- und Unter-Sievering) heißt seit 1894 die ehemalige Hauptstraße zur Wahrung des Ortsnamens Sievering. Sigmundsgnsse (VII. Bez.); sie entstand im Jahre I-"37 durch den Durchbruch aus der Siebenstern- in die Burggasse und ist zu Ehren des Abtes Sigmnnd Schuttes benannt, welcher sich 1834 durch die Wiederherstellung der St. Ulrichskirche um die Vorstadt verdient gemacht hat. Sigmundsgasse (XIV. Bez., Rndolfsheim), benannt nach dem Abte Sigmund Schuttes von Schotten, dem die Grundherrschaft in Rustendorf (s. d.) gehörte; seit 1894 heißt sie Dengler- gasse nach Johann Dengler, Eigentümer eines Bräuhauses und einer Bierhalle in Rudolfsheim. Simmering, bis Ende 1891 eine eigene Ortsgemeinde, seither der Hauptbestandteil des XI. Bezirkes von Wien; 1028 Simaningen, 1187 Sim- manningen, 1573 Simoning, abgeleitet von dem alten Personennamen Sigi- man, Siman. Simmeringer Haide, Aus der (Xi. Bez.), wie die Bezeichnung „Auf der Haide" 1894 geändert wurde. Die Simmeringer Haide ist ein Strich echten Haidelandes an der Ostseite von Simmering. Simmeringer Hauptstraße (XI. Bez., Simmering) heißt seit 1894 Schwechaterstraße, weil sie in der Richtung nach Schwechat führt. Simmeringer Lände (XI Bez., Kaiser-Ebersdorf), bis 1894 Donan- canallände. Sinagasse (II. Bez.), benannt nach dem Banqnier Simon Georg Freiherrn von Sina (geb. zu Wien am 15. August 1810, gest. daselbst am 15. April 1876). Singerskraße (I. Bez.), eine der ältesten Gassen Wiens, welche 1314 urkundlich Sunigerstraße genannt wird. Später kommen auch die Formen Sun- kinger-, Sychinger-, Suninger-,Siniger- und Siningerstraße vor, erst 1550 urkundlich der Name Singerstraße. Da aber die Straße 1328 auch Deutschherrengasse und plnttzn enntorum (Sänger- oder Singerstraße) genannt wird, steht die Ableitung des Namens von dem in der Straße ansässig gewesenen reichen Bürgergeschlechte der Suniger oder Einiger nicht unbezweifelt fest, sondern man stellt ihn auch mit den Sängern und Musikanten der nahen Stephanskirche zusammen. Singrienergasse — Sophieubrücke. 175 Singrienergasse (XII Bez., Unter-Meidling), benannt nach dem berühmten Wiener Bnchdrucker Johann Singriener (gest. 1545). Bis 1894 hieß die Gasse Jahngasse. Skodagasse (VIII. Bez.), da sie von der Älserstraße zu der Josefstädter k. k. Cavalleriekaserne führt, früher Reitergasse genannt, heißt nunmehr zur Erinnerung an den berühmten Mediciner vr. Joses Skoda (geboren am 10. December 1805 zu Pilsen, gestorben am 13. Juni 1881 in Wien), seit 1846 Universitätsprofessor in Wien, welcher die Diagnostik der inneren Krankheiten ganz umgestaltete. Sobieskygasseund Sobiesky- platz (IX. Bez.), zu Ehren des Polenkönigs Johann Sobiesky (richtig So- bieski, reg. 1674 bis 1696) benannt, welcher mit seinem Heere das kaiserliche und deutsche Entsatzheer verstärkte, das Wien am 12. September 1683 von der zweiten Türkenbelagerung befreite. Sommarugagasse (XVIII. Bez., Währing), bis 1894 Uniongasse (vgl. Uniongasse im XVII. Bez.), nunmehr benannt nach dem Staatsmanne Franz Freiherrn von Sommaruga (1780 bis 1860), einem Wiener, Gründer des juridisch-politischen Lesevereines in Wien. Sommerergasse (XIII. Bez., Ober-St. Veit), benannt nach dem verdienstvollen verstorbenen Gemeinde- rathe in Ober-St. Veit, namens Sommerer; bis 1894 hieß sie Brunnengasse. Sommerrotherd (XVI. Bez., Ottakring) ist ein Riedname; vgl. Winterrotherd. Sonnbergplatz (XlX.Bez.,Ober- Döbling) ist nach dem Ried Sonnberg benannt, an dessen östlicher Lehne der Platz liegt. Sonnenfelsgasse (I. Bez.) hieß ehemals untere Bäckerstraße, 1369 „in poslsriora strata pi8toruni" (s. Bäckerstraße), seit 1862 heißt sie zu Ehren des Joses von Sonnenfels, des edlen Rathgebers der Kaiserin Maria Theresia (geb. 1733 zu Nikolsburg, gest. am 26. April 1817 in Wien), auf dessen Betreiben am I. Jänner 1778 die Folter aufgehoben wurde. Sonnenhofgasse (V. Bez.), benannt nach dem ehemaligen Sonnenhose, der von dem Grafen von Sonnau erbaut und nach ihm benannt worden und 1740 durch die Gemeinde Wien in ein Armenhaus verwandelt wurde, welches bis 1784 bestand. An seiner Stelle befinden sich jetzt der Pfarrhof der Kirche zu St. Margarethen, ein Theil dieser Kirche, das neue Gemeindehaus des V. Bezirkes, ferner die Häuser Nr. 2 und 5 in der Sonnenhofgasse und dir. 97 in der Wienstraße. Sonnenilhrgafse (VI. Bez) führt ihren Namen von der Sonnenuhr, welche auf dem alten Eckhause Nr. 1 (Gumpeudorferstraße Nr. 118) angebracht ist. Sonnleithnergasse (X. Bez.). benannt zur Erinnerung an den nur Wien viel verdienten Ür. Ignaz von Sonnleithner (geb. zu Wien am 30. Juli 1770, gest. daselbst am 27. November 1831), Rechtsgelehrten und Fachschriftsteller. Sophienbrücke, welche den III. Bez. mit dem Prater verbindet, wurde 1824 bis 1825 als die erste Kettenbrücke in Wien erbaut und zu Ehren der Erzherzogin Sophie, der Mutter unseres Kaisers, benannt. Im Jahre 1871 wurde die Brücke neu aufgebaut. Vor Errichtung der Sophienbrücke bestand 1811 bis 1819 genau an derselben Stelle eine steinerne Brücke über den Donaucanal, welche Gras 176 Sophienbriickeiigasse — Spießhammergasse. Rasumoffsky aufführen ließ, um von seinem Palais (vgl. Rasumoffskygasse) unmittelbar in den Prater gelangen zu können. Sophienbrückengasse (HI Bez.), eine neue Gasse< welche zur Sophienbrücke (s. d.) führt. Sorbttitgasse (XV. Bez.), bis 1894 Kandlgasse, nun benannt nach Or. Paul von Sorbait (geb. zu Anfang des 17. Jahrhunderts, gest. am 29. April 1691), wurde 1655 als einer der berühmtesten Professoren der damaligen Zeit an die Wiener Universität berufen, deren Rector er von 1669 bis 1673 war; er machte sich während der Pest in Wien sehr verdient. Spallartgasse (XIII. Bez., Breitensee), bis 1894 Herrengasse, jetzt nach dem am 19. April 1888 zu Wien verstorbenen Professor der Statistik und Nationalökonomie Hosrath vr. Franz Xaver von Neumann-Spal- lart benannt. Spänglergirsse (I. Bez.), vormals „untern Spanglern" genannt, erinnert durch ihren Namen an die Spängler oder Klempner, welche hier ihr Handwerk betrieben. Speckbachergasse (XVI Bez., Ottakring), bis 1894 Hosergasse, führt ihren neuen Namen nach dem Tiroler Landesvertheidiger im Jahre 1809, Joses Speckbacher (1767 bis 1820). Speiskng, früher eine selbständige Ortsgemeinde, seit Ende 1891 dem XIII. Bezirke Wiens einverleibt; Ursprung und Bedeutung des Namens sind dunkel. Nach der Überlieferung reicht der Anfang des Ortes bis ins 12. Jahrhundert zurück, wo in der noch ausgedehnten Waldung sieben Holzknechthütten standen. Einstmals, so berichtet die Sage, verirrte sich ein Herzog ans der Jagd in diesem Walde, kam zu den Holzknechthütten und nahm mit seinem Gefolge bei den gastfreundlichen Leuten sein Mahl ein. Erfreut über die gastliche Ausnahme, beschenkte er die armen Hüttler reichlich, worauf diese ihre Hütten vergrößerten und der Niederlassung den Namen Speisenk (wir speisen euch) gaben; daraus entstand später die Form Speising. Speisingerstraße (XIII. Bez., Mauer und Speising), 1894 entstanden durch Znsammenziehung der Wienerstraße in Mauer und der Hauptstraße in Speising und zur Wahrung des letzteren Ortsnamens benannt. Sperlgasse, Große u Kleine (II. Bez.), führen ihren Namen nach einer Realität, die sich seit 1701 im Besitze des kaiserlichen Jägers und Bürgers Joh. Georg Sperlbauer, im Volksmunde nur verkürzt „Sperl" genannt, befand und deren Säle seit 1807 unter dem Namen „Sperlsäle" durch Jahrzehnte das beliebteste Vergnügungslocale Wiens bildeten. Ans dem Grunde dieser Realität stehen jetzt ein Communal-Realgymnasium und eine städtische Volksschule. Vordem hießen die große und kleine Sperlgasse „bei der Karmelitermauer" wegen ihrer Lage hinter dem Karmeliterkloster (s. Karmeliterplatz), später die erste „Herrngasse", weil hier im alten Ghetto die reichsten jüdischen Kaufherren ihre Häuser hatten. Spiegelgafse (I. Bez.) führt ihren Namen von einer Wiener Pa- tricierfamilie, die hier einst ansässig war. Der obere Theil der Gasse hieß „Hinter St. Dorothea", da in der benachbarten Dorotheergasse (s. d.) das regulierte Chorherrenstist zu St. Dorothea bestand. Spießhammergasie (XII. Bez., Unter-Meidling), benannt nach Johann Cuspinian Spießhammer, dem Leibärzte, Bibliothekar und Geschichts- Spinnerin am Krenz — Sladiongasse. 177 forscher des Kaisers Maximilian I. 0473 bis 1589). Bis 1894 hieß die Gasse Magdalenagasse. Spinnerin am Kreuz, eine gothische Steinsäule aus der Höhe des Wienerberges (s. d.), ein Wahrzeichen Wiens, 1451 bis 1452 neu erbaut. Das Stadtrecht macht schon 1296 von diesem Kreuze am Wienerberge, bis zu welchem sich damals der Burgfrieden ausdehnte, Erwähnung. Anfangs hieß es das „new painern Kreutz" ob Meurling (dies der alte Name für Meidling), 1488 das „groß Kreutz am Wienerperg" pey Meurling, 1598 die „Marterseulln", 1709 die „Kreuzspinnerin", 1720 das „Spinnerkreuz", 1804 die „Spinnerin am Kreuz". Die Ableitung des heutigen Namens ist dunkel. Während die einen (wie Karl Unger) auf einen Baumeister des Denkmals, namens Spinner, verweisen, erklären ihn andere aus der Form des Kreuzes. Am wahrscheinlichsten ist die Deutung als Kreuz des hl. Crispinus, wofür Gaheis auch eine Urkunde geliefert hat. Die Volkssage erzählt von einer Jungfrau, welche bei diesem Kreuze spinnend die Rückkehr ihres Bräutigams aus dem Morgenlande erwartete. Spitalgasse (IX. Bez.), so genannt, weil sie an der Westfront des k. k. allgemeinen Krankenhauses entlang führt. Spittelau, war noch im 17. Jahrhundert eine Insel im Donaucanal, etwas oberhalb der Mündung des Alserbaches zwischen dem Liechten- thal und der Brigittenau gelegen. Der Name rührt daher, dass beim Ausbruche der Pest in Wien 1679 der Stadtrath hier sieben hölzerne Hütten für arme Familien, die sich nicht selbst erhalten konnten, errichten ließ, also ein Hospital oder Spittel. Umlauft, Namenbuch der Stadt Wi n. Spittelauergasse und Spittelau erlaube (IX. Bez.) erinnern mit ihren Namen an die alte Spittelau (s.L.). Spittelberg, bis 1850 eine selbständige Vorstadt, jetzt ein Theil des VII. Bez. Neubau. Die Gegend dieser Vorstadt, welche früher eine Hutweide bildete, wurde 1696 von dem Bürger- spitale (in der Stadt) angekauft, aber einem gewissen Wolf Kirchberger in Pacht gegeben. Dieser parcellierte den Grund und verkaufte kleine Baustellen zumeist an Ungarn und Kroaten, welche sich hier ansiedelten, weshalb die Gegend im Volksmnnde das Krovattendörfl (Kroatendörfl) genannt wurde. Der Name Spitlberg oder Spittelberg erklärt sich wohl daraus, dass dieser Besitz des Bürgerspitals aus einer Böschung gelegen war. Spittelberggasse (VII Bez.) erinnert mit ihrem Namen an die ehemalige Vorstadt Spittelberg. (s. d.). Spittelbreitengasse (XII. Bez., Unter-Meidling), benannt nach einem benachbarten Ried; bis 1894 hieß die Gasse Brestelgasse nach dem Staatsmanne und ehemaligen Finanzminister Rudolf Brestcl (1816 bis 1881). Spitzaekergasse (XVII. Bezirk, Hernals) ist nach einem alten Riednamen benannt. Spörliugasse (VI. Bez.), benannt nach dem verstorbenen Tapeten-Fabri- kanten Spörlin, der in der Nähe eine Fabrik besaß. Stadiongasse (I. Bez.), eine neue Gasse, benannt zur Erinnerung an den Staatsmann Johann Philipp Karl Grafen Stadion-Warthausen (geb. am 18. Juni 1763, gest. zu Baden bei Wien am 15. Mai 1824), welcher als österreichischer Minister nach dem Frieden von Pressburg (1805) Österreich im Innern zu re- 12 178 Stadtgutgasse — Steingasse. organisieren strebte, um dessen Widerstandskraft gegen Napoleon I. zu erhöhen, und aus dessen Antrieb der Krieg von 1809 unternommen wurde. Stadtgutgasse, Große und Kleine, (II. Bez.), sie führen ihren Namen nach dem einst daselbst befindlichen „Stadtgute". Stadtpark (I. und III. Bezirk), eine der Stadtgemeinde Wien gehörige neue Parkanlage auf dem Boden des ehemaligen Wasserglacis; derselbe wurde nach einer Planskizze des Landschaftsmalers Josef Selleny (vgl. Selleny- gasse) und nach den Plänen des Stadtgärtners Or. Rudolf Siebeck 1863 angelegt. Staglgasse (XV. Bez.) hieß bis 1894 Braugasse. Stallburggasse (I. Bez.) hat von der in ihr gelegenen Stallburg ihren Namen, welche 1559 für den damaligen Kronprinzen Maximilian II. als erwählten König von Böhmen errichtet wurde. Stampfergasse (XIII. Bezirk, Hacking), bis 1894 Bränhausgasse, jetzt benannt nach dem Wiener Simon Stampfer (1792 bis 1864), Mathematiker und Naturforscher. Starhemberggasse (IV. Bez.) verdankt dem daselbst wohnhaften Geschlechte der Grafen von Starhemberg (im Hause Nr. 54) ihren Namen. Stättermayergasse (XIV Bez, Rudolfsheim), benannt nach dem Baumeister Ignaz Stättermayer, welcher nach siebenundzwanzigjähriger Wirksamkeit als Gemeindevertreter 1888 zum Ehrenbürger von Rudolfsheim ernannt wurde. Staudgasse (XVIII. Bez., Währing), bis 1894 Johannesgasse, nunmehr benannt nach dem Pfarrer Johann Stand (1772 bis 1808), welcher 1805 das Armenhaus in Währing stiftete. Staudiglgasse (X. Bez.), benannt zur Erinnerung an den seinerzeit ungemein geschätzten Opernsänger Josef Staudigl (geb. zu Wöllersdorf in Niederösterreich am 14. April 1807, gest. zu Wien am 28. März 1861). Steckhovengasse (XIII Bez , Hietzing), bis 1894 Josefigasse, jetzt benannt nach Adrian Steckhoven (gest. 1762), dem Gartendirector von Schönbrunn; 1753 nach Wien berufen, legte er in Schönbrunn den „holländischen" Garten an, der heute als botanischer Garten einen europäischen Ruf hat. Steggasse (V. Bez.), die zur Magdalenenbrücke führende Gasse, so benannt, weil diese Brücke früher der Stärkmachersteg (s. Magdalenenbrücke) hieß. Steinackergasse (X. Bez.), nach einem Riednamen benannt. Steinackergasse (XII. Bez., Unter-Meidling), benannt nach einem nahe gelegenen Ried. Bis 1894 hieß sie Hirschengasse. Steinbruchstraße (XIII. Bez, Breitensee) führt zu einem Steinbruche. Steindlgasse (I. Bez.), wahrscheinlich benannt nach dem daselbst befindlichen alten Gasthause „zum Steindl." Letzteres wieder dürste seinen Namen von einem ehemaligen Besitzer Steinl ableiten. 1378 wird die Gasse urkundlich „unter den Pfeilschnitzern" genannt. Steinergasse (XIV. Bez., Rn- dolfsheim), benannt nach dem verstorbenen Gemeinderathe Steiner, welcher ein Wohlthäter der Armen war; seit 1894 heißt sie Wurmsergasse (s. d.) nach dein österreichischen General Dagobert Sigmund Reichsgrafen von Wnrmser (1724 bis 1797). Steingasse (III. Bez.) wird 1796 zum erstenmale genannt und führt ihren Namen wahrscheinlich nach einen: Sternhagegasse — Steudelgasse. 179 Privaten; nach einer anderen Version nach dem einst dort angehäuften Schotter. Steinhagegasse (XII. Bez.,Gaudenzdorf), benannt nach dem Bürgermeister des Ortes von 1861 bis 1880, namens Steinhage. Bis 1894 hieß die Gasse Gärtnergasse. Steinhofstra^e (XVI Bez., Ottakring), bis 1894 Waldstraße, erhielt ihren neuen Namen, weil sie zur Restauration „Steinhof" führt. Steinlechnergasse (XIII. Bez, Lainz), bis 1894 Neugasse, jetzt nach dem dortigen Besitzer benannt. Stephaniebadgasse (XlII.Bez., Hietzing), nach dem daselbst befindlichen Stephaniebade benannt; bis 1894 hieß sie Badgasse. Stephaniegasse (XIX. Bez., Ober-Döbling), seit 1894 Colloredo- gasse genannt nach demStaatsmanne Ferdinand Grafen Colloredo-Manns- seld (1777 bis 1848). Stephaniehof (I. Bez.), in der Stephaniestraße gelegen und wie diese nach der Kronprinzessinwitwe Erzherzogin Stephanie benannt. Stephanieplatz u. Stephanie- skraße (II. Bez.), beide benannt zu Ehren der Gemahlin des österreichischen Kronprinzen Erzherzog Rudolf (gest. am 30. Jänner 1889), Kronprinzessin Stephanie (geb. zu Laeken am 21. Mai 1864). Stephansplatz (I. Bez.), das Centrum Wiens, nach der Metro- politan-Domkirche zu St. Stephan benannt, zu der 1144 von Heinrich II. Jasomirgott der Grund gelegt wurde; zum gothischen Neubau des Langhauses legte 1359 Herzog Rudolf IV. der Stifter den Grund. Der Platz um den Dom hieß vormals nach seiner Verwendung Stephanssreithos. Der Weg vom Stock im Eisen bis zum heutigen Hause Nr. 1 der Rothenthurmstraße wurde noch zur Kärntnerstraße gerechnet und so genannt (vgl. Kärntnerstraße). Erst nach dem Wegfalle einiger Häuser 1792 erhielt dieser Theil den Namen Stephansplatz. Sterngasse (I. Bez.) ist benannt nach dem Hause „Zum weißen Stern" (alt Nr. 452). Sterngasse (XVI. Bez., Ottakring), seit 1894 Haslingergasse benannt nach dem Wiener Musikalienverleger Tobias Haslinger (1787 bis 1842). Sterngasse (XVII. Bez., Hernals) ist seit 1894 mit der Sterngasse (XVII. Bez., Ottakring) in die Haslingergasse (s. die vorangehende Gasse) zusammengezogen. Sternwarteftra^e (XVIII Bz., Währing) führt zur neuen, 1874 bis 1879 erbauten k. k. Sternwarte aus der Türkenschanze. Sternwartgasse (I. Bez.), hinter dem alten Universitätsgebäude, welches in den Jahren 1753 bis 1755 erbaut wurde und bis 1848 diesem Zwecke diente. Seit 1857 ist es der k. k. Akademie der Wissenschaften eingeräumt. Im obersten Stockwerke befand sich durch lange Zeit die k. k. Sternwarte, nach welcher die Gasse hieß. In den Jahren 1874 bis 1879 ist aber die neue großartige Sternwarte ans der Türkenschanze erbaut worden. — Die Sternwartgasse heißt seit 1894 Windhaaggasse nach der gräflich Windhaag- schen Stiftung, deren Haus sich in der Bäckerstraße Nr. 9 befindet. Steudelgasse (X. Bez.) führt ihren Namen nach den: Wiener Ge- meinderathe Johann Stendel, seit 1882 Bürgermeister-Stellvertreter von Wien, (gest. am 13. Sept. 1891 in Baden), welcher im X. Bezirk den größten Grundbesitz hatte; durch dessen Parcel- 180 Steyrcrhof — Stock im Weg. lierung entstanden viele neue Gassen des Bezirkes. Steyrerhof (I. Bez., Rothen- thurmstraße und Griechengasse) war noch zu Beginn des vorigen Jahrhunderts ein Einkehrwirtshaus mit dem Schilde „zum Steyerhoff", worin die Einkehr „der ordinari Linzer und Nürnberger Botten" sich befand. Stiegergasse (XII. Bez., Gau- denzdors), seit 1894 von der Schönbrunnerstraße bis zur Wien Längenfeldgasse genannt nach Josefine Haas von Längenfeld, der Stisterin der Kinderbewahranstalt des Ortes. Stiftgasse (VII. Bez.) führt an der sogenannten Stiftkaserne vorüber, welche 1749 als Ingenieur-Akademie gebaut wurde. Der Name erklärt sich durch die an der Ecke stehende Kirche des hl. Kreuzes, welche ursprünglich für die Chaos'sche Stiftung erbaut wurde. Der Erbmünzmeister Johann Konrad von Richthausen Freiherr von Chaos (geb. zu Wien am 27. November 1604, gest. zu Schernnitz am 15. Juli 1663) widmete sein ganzes Vermögen zur Errichtung einer Anstalt für arme Waisen. Stiftgasse (XII. Bez., Unter- Meidling), seit 1894 Klährgasse genannt nach der Bürgersfrau Klähr, welche in den Franzosenkriegen durch Pflege der Verwundeten sich besondere Verdienste erwarb. Stiftgasse (XVII. Bez., Dörnbach), seit 1894 Balderichgasse nach dem Abte Balderich zu St. Peter benannt, welcher sich um den Kirchenbau in Dornbach verdient machte. Stiftgasse (XVH. Bez., Hernals), seit 1894 Geblergasse benannt nach Tobias Freiherrn von Gebler (1726 bis 1786), dem Reformator des Schulwesens in Österreich unter Maria Theresia. Stillfriedplatz (XVI. Bezirk, Ottakring) erinnert mit seinem Namen an den Sieg König Rudolfs I. über den Böhmenkönig Premysl Ottokar H. am 26. August 1278 zwischen den DörfernStillsried,Dürnkrut und Jedenspeigen auf dem Marchfelde, infolgedessen die österreichischen Alpenländer 1282 an das Haus Habsburg kamen. Stöbergasse (V. Bez.), eine neue Gasse nächst der Landwehrkaserne zwischen der Siebenbrunnengasse und Stolberggasse. Stockharnmergasse (XIII. Bez, Hütteldorf) hieß bis 1894 Kirchengasse. Stock im Eisen (I. Bez.), das älteste Wahrzeichen Wiens, der aus einem Marmorsockel in der Nische eines Hauses aufgestellte umgekehrte Stumpf einer Lärche (oder Birke?), in den einst der Überlieferung gemäß jeder zugewanderte Schlossergeselle einen Nagel schlug, bis das Holz vollständig gepanzert war. (Vgl. Stock im Eisen- Platz.) Dieser Stock im Eisen soll zugleich die Stelle bezeichnen, wie weit einst der Wienerwald reichte. Stock im Eisen-Platz (I Bz.); dieser Platz hieß 1327 neuer Rossmarkt; auf demselben stand der Pfahl, woran die Stänker und Störer des Stadtfriedens ausgestellt und nach dem Wortlaute des Strafcodex „in Stock und Eisen" gelegt wurden. Nachmals wurde dieser Ausdruck auf den ebenfalls aus dem Platze aufgestellten Lärchenstamm (vgl. Stock im Eisen) bezogen, so dass es den Anschein hat, als ob der Platz nach diesem alten Wahrzeichen Wiens benannt wäre. Stock im Weg (XIII. Bez., Ober-St. Veit) heißt seit 1894 mit der volksthümlichen Ortsbezeichnung die ehemalige Josefigasse. Stolzenthalergasse — Strobelgasse. 181 Stolzenthalergasse (VII. Bez.) ist nach einem Privaten benannt. Storchengasse (XIV. Bezirk, Sechshaus), bis 1894 Schulgasse, jetzt als Fortsetzung der Storchengasse im XU. Bez. Gaudenzdorf mit dieser vereinigt. Letztere führt ihren Namen nach einem Hausschilde. Storchensleg heißt eine Wienbrücke zwischen dem XII. und XIV. Bezirke, weil sie zu der Storchengasse (XII. Bez., Gaudenzdorf) führt. Storckgasse (V. Bez.), benannt nach dem Architekten und Hofrathe Josef C. Storck (geb. zu Wien am 22. April 1830), Director und Professor für Architektur an der Kunstgewerbeschule des k. k. österreichischen Museums für Kunst und Industrie, welcher nach dem Tode der Architekten Van der Nüll und Siccards- burg 1867 im Verein mit Gugitz den Bau des Hofoperntheaters vollendet hat. Stoß-im-Himrrrel (I Bezirk), benannt nach dem ehemaligen Besitzer -es Hauses Nr. 364 (neu Nr. 3), der am 10. November 1529 hier starb und sich urkundlich Hanns Stoß im Himmel schrieb. 1563 kommt urkundlich die Bezeichnung „gäßleiu beim radt- haus" vor. Straßergafse (XIX. Bezirk, Grinzing), bis 1894 Ferstelgasse, nunmehr benannt nach Josef Straßer, Wiener Bürger zur Zeit Maria Theresias, dem Erfinder des nach ihm benannten Zisrrs äs Ltrass. Strasinitzkigajse (IX. Bez.), benannt zur Erinnerung an Leopold Karl Schulz von Straßnitzki (geb. zu Krakau am 31. März 1803, gest. zu Vöslau am 9. Juni 1852), Mathematiker, welcher für die Entwickelung des Unterrichtswesens in Österreich verdienstlich wirkte. Strauchgafse (I. Bez.); bis 1455 floss ein Arm des Alsbaches durch diese Gasse, welche damals „Im Fluder" genannt wurde. Zu dieser Zeit wurde dieser Arm in den Stadtgraben geleitet. Im „Fluder" bestand noch 1566 ein schöner, schattenreicher Garten, wodurch sich der Name „Strauchgasse" erklärt. Übrigens wird urkundlich das „Strauch- gässlein" schon 1335 genannt. Auch der Name Strohgasse kommt in älterer Zeit vor. Straußerrgasse (V. Bez.) entstand im Jahre 1736 und wurde nach dem Gasthause „Zum goldenen Strauß" benannt. Strefsleurgasse (II. Bez.), benannt nach Valentin Ritter v. Streffleur (geb. zu Wien am 18. Februar 1808, gest. zu Purkersdorf in Nieder-Öster- reich am 5. Juli 1870), 1847 Lehrer des damaligen Erzherzogs Franz Josef, unseres jetzigen Kaisers, Juli bis October 1848 Obercommandanten der Wiener Nationalgarde, dann Staatsbeamten, zuletzt Sectionschef im k. k. Kriegsministerium. Streicherhof (III. Bez., Ungargasse Nr. 27), im Jahre 1838 von dem Clavier-Fabrikanten Streicher erbaut, welcher ein Sohn von Schillers Freund Andreas Streicher war. Letzterer kam 1794 nach Wien, wo er sein Glück machte und den alten Streicherhof (an Stelle des Hauses Nr. 46 in der Ungargasse) erbaute. Strobelgasse (I. Bezirk) hat ihren Namen von dem dortigen Hause „Zum Strobelkopfe" (alt Nr. 866, neu Nr. 4, 1871 umgebaut), wie das Volk einen Kopf mit verwirrten Haaren nennt (vgl. Struwwelpeter). Eine andere Erklärung des Namens erinnert an den ehemaligen großen Verbrauch von 8trobi1u8, d. i. Strobel (Zirbelnuss-, Tannen- oder Fichten- 182 Strohberggasse — Sturzgasse. zapfen) in der nahen Universität, da vormals die Schüler nur aus Stroh oder Tannenzweigen saßen. Diese Tannenzweige und das Stroh für die Schulstuben wurden in dem „Strob- hose" oder „Strohhofe" (dem nachmaligen Hause „zum Strobelkopf") verwahrt. Strohberggasse (XU. Bezirk, Hetzendors), benannt nach einem nahen Ried. Bis 1894 hieß sie Herzgasse. Strohgasse (III. Bezirk) führt ihren Namen von den in dem untersten Theile derselben befindlichen Strohmagazinen, die zur Heumarktkaserne gehören. Strohmayergasse (VI. Bez.), benannt nach einem ehemaligen Ziegelofenbesitzer Strohmayer. Stromgasse (II. Bez.), nach dem Donaustrom benannt. Strozzigasse (VIII. Bez.) erinnert mit ihrem Namen an die ehemalige Borstadt Strozzen- oder Strozzigrund strozzigrund , Strozzengrund oder Strozzischer Grund, vormals eine Vorstadt Wiens, seit 1850 ein Theil des VIII. Bezirkes Josefstadt. Ihr Gebiet bildete anfangs einen Theil vonLerchenseld (s. d.) und hieß gewöhnlich das „Dürre Lerchenseld", später aber „Oberes Buchseld". 1702 kaufte Gräfin Maria Katharina Strozzi einen Grund nächst dem Rothen Hose und legte dort ein Palais mit Garten an; 1704 erwarb sie für ihren Besitz die Eigenschaft eines Edelsitzes. Am 13. Jänner 1746 verkaufte der Nachfolger, Erzbischof von Valencia, den Edelsitz an die Stadtgemeinde, welche die Gründe aus Baustellen abtheilte. Im ehemals Strozzischen Palais befindet sich jetzt das k. k. Civil-Mädchen- pensionat. Strudelhos (IX. Bez., Waisenhausgasse), ein umfangreiches Gebäude, welches seinen Namen dem Erbauer, dem k. k. Hof- und Kammermaler Johann Peter Strudel, verdankt; derselbe wurde 1701 mit dem Prädicate „von Strudenhof" geadelt. Im Jahre 1749 gieng der Strudelhof an das 1722 errichtete sogenannte spanische Spital über, in welchem sich seit Kaiser Joses II. das k. k. Waisenhaus befindet. Stubenbastei (I. Bezirk), eine Gasse, welche sich an der Stelle befindet, wo einst die Stubenbastei (vgl. Basteien) stand. Stubenring (I. Bez.), der Theil der Ringstraße (s. d.) zwischen dem Parkring und dem Franz Josefs-Quai, benannt nach dem ehemaligen Stubenthor, welches am Ende des alten Theiles der Wollzeile zur Vorstadt Landstraße führte und 1858 abgetragen wurde. Das Stubenthor, welches zuerst 13l4 urkundlich genannt wird, führte seinen Namen entweder von den in der Nähe befindlichen Stuben (Badstuben, öffentlichen Bädern), oder von den Stuben der Studierenden, oder wahrscheinlicher (nach Schlager) von der alten städtischen Trinkstube in der Nähe des Thores. Stnckgasse (VII. Bez.) ist nach dem Hausschilde „Zum goldenen Stuck" benannt. Stumpergasse (VI. Bez.), seit 1811 eröffnet durch Demolierung eines palastartigen Hauses aus dem Platze vor der Gumpendorser Kirche zum hl. Ägidius, welches sammt Garten ein Besitzthum des Fürsten Palm war, zuletzt aber einem Privaten Stümper gehörte, nach dem die Gasse benannt ist. Sturzgasse (XIV. Bez., Rudolfs- Heim) hat ihren Namen von der ab- stürzcnden Gestaltung des Bodens erhalten. Stuwerau — Tabor. 183 Stuwerau (II. Bezirk, Prater) führt ihren Namen nach dem in der Nähe gelegenen Feuerwerksplatze, wo seit dem vorigen Jahrhunderte Feuerwerke, welche Mitglieder der Familie Stuwer veranstalteten, stattfanden. Der erste Stuwer, der nach Wien kam, war Johann Georg Stuwer (geb. zu Ingolstadt in Baiern); am 27. Mai 1774 brannte er sein erstes Feuerwerk im Prater ab. Ihm folgte sein Sohn Kaspar Stuwer (gest. am 10. Februar 1819), welcher von 1799 bis 1819 Feuerwerke im Prater veranstaltete Dessen Sohn Anton Stuwer (gest. am 5. Jänner 1858) setzte das Unternehmen weiter fort; ihm folgte sein gleichnamiger Sohn, welcher, als infolge der Vorbereitungen zur Wiener Weltausstellung 1873 der Platz aus der Feuerwerkswiese ihm entzogen wurde, Wien 1876 verließ, nachdem er am 10. September 1876 mit einem Feuerwerke von den Wienern sich verabschiedet hatte. Er nahm einen Posten bei der russischen Artillerie in St. Petersburg an. Sueßgasse (II. Bez.), projezierte Gasse, benannt nach dem trefflichen Geologen Professor Or. Eduard Sueß (geb. am 20. August 1831 zu London), welcher auch als Gemeinderath und Reichsrathsabgeordneter erfolgreich gewirkt hat. Wien verdankt ihm namentlich das Zustandekommen der Hochquellenwasserleitung (s. d.). Sueßgasse (XIV. Bez., Rudolfs- Heim) ist nach dem Ledersabrikanten Friedrich Sueß benannt, der ein Wohlthäter der Gemeinde ist. Sühnhaus (kais. Stiftungshans, I. Bez., Schottenring und Heßgasse); an Stelle des hier gestandenen, am 8. December 1881 niedergebrannten Ringtheaters aus der Privatchatulle des Kaisers Franz Joses I. erbaut und wohlthätigen Zwecken gewidmet. In demselben befindet sich die „Sühnkapelle". Sulzweg (XVIII. B., Salmanns- dorf); Sulz ist eine Salzlecke für Vieh oder Wild. Sünrrhof (III. Bez, Landstraße Hauptstraße Nr. 28 und Ungargasse Nr. 13), benannt nach den Erbauern Karl und Rudolf Sünn. Tabor, am Tabor, die Stelle bei der nun ausgelassenen Taborlinie im II. Bez. Wiens; Tabor, verdeutscht Täber, ist in österreichischen Städten der Name verschiedener Gebäude, die gemeiniglich am Ende des Hauptortes oder in kleiner Entfernung davon liegen, czechisch und magyarisch tädor, Lager, Wagenburg, also in jedem Falle eine Art von Befestigung (Schweller, Bayerisches Wörterbuch, I. Band, Seite 578 s.). Daher ist diese Benennung auch in vielen Fällen Ortsname, so T in Steiermark, Kram, Böhmen, Schlesien, Ungarn und Kroatien. Am bekanntesten ist die Stadt Tabor an der Sazawa in Böhmen, von wo dieser Name ausgegangen sein soll. An ihrer Stelle stand vormals die Burg Kotnov und die Stadt Hradiste, welche 773 gegründet und 1268 zerstört worden sein sollen. Am 22. Juli 1420 genossen, wie berichtet wird, 40.000 Hussiten an der Stelle, wo die Burgruine Kotnov stand, das heilige Abendmahl; hierauf errichteten sie an dieser 184 Taborstraße — Teichackergasse. Stelle ein verschanztes Lager, befestigten es und gründeten hiedurch eine Stadt, welche sie mit dem biblischen Namen Tabor (Feldlager, Kriegslager) benannten (Joh. Trajer, historisch-statistische Beschreibung der Diöcese Bud- weis, S. 747). Doch ist schon für 1419 urk. der Name Thabor belegt, und noch 1420 kommt der Name Hra- dist vor. — Der Wiener Tabor war von jeher ein strategisch sehr wichtiger Punkt. Schon in den Kriegen 1425 und 1441 bis 1446 galt er als eine Hauptvertheidigungsstelle gegen Böhmen und Mähren. Nach dem Tabor heißt auch die zu demselben führende Straße im II. Bez. Wiens: Taborstraße. Taborslraße (II. Bez.) s. Tabor. Tanbruckgasse (XII. Bezirk, Unter-Meidling), benannt nach einem großen Gehöfte, das 1340 hier bestanden hat. Bis 1894 hieß sie Binder- arldelrnarktgasse (II. Bez ), benannt nach dem Tandel- oder Trödelmarkt, welcher nach Aufhebung der Judenstadt im unteren Werd 1670 in die vorderste Zeile der ehemaligen Judenstadt versetzt wurde. Im Jahre 1730 wurde der Tandelmarkt an die Stelle, wo heute das Gebäude der Polytechnik steht, verlegt, als aber 1815 der Bau desselben begann, kam er in die Gegend am rechten Wienufer zwischen dem Karolinenthor und der Heumarktkaserne, wo er bis zur Stadterweiterung 1860 bestand. Tannengasse (XV. Bez.) führt ihren Namen nach den Tannenbäumen, welche einst hier standen, wie die Felber- straße, in welche sie mündet, nach den Weidenbäumen (mundartlich Felber, Felberbaum) benannt ist. Taubergasse (XVII. Bez., Hernals), bis 1894 Dorotheergasse, nunmehr benannt nach dem Wiener Stadt- rathe Kaspar Tauber, einem Anhänger der lutherischen Lehre, welcher in Wien 1524 enthauptet wurde. Tauberlhos (I. Bez., Annagasse und Krugerstraße), auch Täubelhof, hat seinen Namen von einem früheren Besitzer. Taubstunnnengasse (IV. Bez.), benannt nach dem in ihr befindlichen k. k. Taub stummen-Institut, welches 1779 errichtet wurde. Technikerstraße (IV. Bez.), benannt nach der in derselben befindlichen k. k. polytechnischen Hochschule, 1803 gegründet als polytechnisches Institut; das gegenwärtige Gebäude wurde aber erst 1815 bis 1818 auf- gesührt. Aus diesem Grunde befand sich damals der Trödler- oder Tandelmarkt, weshalb die heutige Technikerstraße den Namen „bei dem Tändelmarkt" oder „Tandelmarkt - Platz" führte. Beim Bau des Polytechnikums wurde der Tandelmarkt vor die Heumarktkaserne auf der Landstraße verlegt (wo sich jetzt der Reservegarten des Stadtparks befindet). Tegetthoffstraße (I. Bez.), eine neue Straße, benannt zu Ehren des Admirals Wilhelm von Tegetthoff (geb. am 23. December 1827 zu Marburg in Steierinark, gest. am 7. April 1871 zu Wien), welcher in der Seeschlacht bei Lissa am 20. Juli 1866 über die weit überlegene Kriegsflotte der Italiener einen glänzenden Sieg erfocht. Tegetthoffstraße (XIII. Bez., Penzing), seit 1894 Winckelmannstraße, genannt nach dem berühmten Archäologen Johann Joachim Winckelmann (1717 bis 1768). Teichackergasse (XII. Bez., Unter-Meidling), benannt nach einem Teichgasse — Thiergavtenstraße. 185 alten Ried in der Nähe; die Gasse hieß bis 1894 Annagasse. Teichgasse (XVI. Bez., Ottakring), nach einem daselbst befindlichen Teiche benannt. Teinsaltstraste (I.Bez.), eine sehr- alte Straße, in der jetzt aber alle Häuser neugebaut sind; 1302 Tuend oitsstraße, dann Tumvoit-, Tunvalt-, Teinfeld-, Steinfeld- und Tainfaltstraße; sie führt den Namen von dem Hause eines alten Domvogts, welches Wort durch den alten Localnamen der angrenzenden Freiung (s. d.) „Steinfeld" in seiner weitern Entwicklung beeinflusst oder mit demselben zusammengezogen wurde. Tempelgasse (II. Bez.), benannt nach dem 1858 erbauten israelitischen Gotteshause daselbst; früher hieß sie von dem Hause „zum wällischen Bauer" „Wällischgasse". TestareUogasse (XIII. Bez., Ober-St. Veit), bis 1894 Sachsengasse, nunmehr nach dem Domherrn und Chronisten Johannes Mathias Testarello (gest. 1693) benannt. Thaliastraße (XVI. Bez., Neulerchenfeld), benannt nach dem Thaliatheater, welches vormals in dieser Straße stand. Mit ihr ist seit 1894 die Lerchenfelderstraße in Ottakring zusammengezogen. Theatergajse (VH. Bez.), so genannt, weil sie an der Hauptfront des Theaters an der Wien vorbeiführt. Theobaldgafse (VI. Bez.) erinnert an die 1349 entstandene Kapelle zu St. Theobald in der Laimgrube (an Stelle der heutigen Pfarrkirche zu St. Josef in der Mariahilferstraße), neben welcher später auch ein Kloster zu St. Theobald sich erhob. Die Umgebung derselben hieß der Theobaldsgrund. Therestanumgasse (IV. Bez ), früher Feldgasse; die Gasse, welche das obere Ende des zur Theresianischen Akademie gehörigen großen Gartens begrenzt. Die in der neuen Favorita (s. Augarten) durch Maria Theresia begründete Akademie zur Erziehung adeliger Jünglinge wurde 1746 als OolltzAjuiu Illsrosiauum eröffnet. Therestengasse (II. Bez.), seit 1894 Adambergergasse (s. d.) nach der Wiener Künstlerfamilie der Adamberger. Therestengasse (XI. Bez., Simmering) heißt seit 1891 Kopalgassc. Therestengasse, kleine (XI Bez, Simmering), seit 1894 Oberleitengasse, nach einem nahen Ried. Therestengasse (XIX. Bezirk, Ober-Döbling) heißt seit 1894 Gatterburggasse (s. d.) nach dem Grafen Johann von Gatterburg (1552 bis 1618). ^ Theseustempel heißt ein kleiner Tempelbau im k. k. Volksgarten, der nach dem Vorbilde des gleichnamigen antiken Tempels in Athen 1819 von Peter von Nobile erbaut wurde. In demselben stand bis vor wenigen Jahren die Colossal-Marmorgruppe von Ca- nova: „Theseus besiegt einen Centauren", welche jetzt im Stiegenhause des k. k. kunsthistorischen Hofmuseums aufgestellt ist. Thiergarten k. k., außerhalb des Wiener Gemeindegebietes gelegen, in seinem heutigen Umfange von Kaiser Joses II. zur Hege des Roth- und Schwarzwildes angelegt. Die Bezeichnung Garten ist hier im weiteren Sinne gebraucht, die ebensowohl für eine künstliche Anpflanzung (vgl. z. B. Pflanzgarten, Morgarten) als auch für einen umfriedeten, mit Pflanzen bestandenen Raum gebraucht wird. Thiergartenstraste (II. Bezirk) ist benannt nach dem zoologischen Garten oder Thiergarten, welcher in der Nähe am Schüttet bestand. Derselbe war 186 Thiergartenstraße — Töpfelgasse. von einer privaten Gesellschaft gegründet und wurde 1863 eröffnet, gieng aber infolge nicht genügender Theilnahme von Seite des Publicmns schon in wenigen Jahren zugrunde. Der im Frühjahre 1894 eröffnete Thiergarten (ebenfalls am Schlittel) ist ein neues, von dem früheren verschiedenes Unternehmen. Thiergartenftraße (XIII. Bez., Speising), so benannt, weil sie zu dem k. k. Thiergarten führt; sie heißt seit 1894 Hermesstraße, weil sie die Zufahrt zum Hermesschloss im Thiergarten bildet. Thonethof (I. Bez., Kärntnerstraße), benannt nach den Besitzern, den Gebrüdern Franz, Jakob und Joses Thonet. Michael Thonet (geb. zu Boppard in Rheinpreußen am 2. Juli 1796, gest. iu Wien am 3. März 1870), der Erfinder von Möbeln aus gebogenem Holze, gründete 1850 eine Möbelfabrik in Wien (in der Mollard- gasse 173), später außerhalb Wiens noch mehrere Fabriken, welche seit seinem Tode seine Söhne fortsühren. Thongasse (III. Bez.) verdankt ihren Namen den daselbst angesiedelten Töpfern und Ziegclmachern und hieß vordem Zieglergasse. Thllgutgasse (II. Bez., Prater), eine neue Gasse, welche zu Ehrendes österreichischen Staatsmannes und Ministers Franz Maria Freiherrn von Thugut (geb. 1734 zu Linz, gest. in Wien am 29. Mai 1818) benannt ist. Thurngaffe (IX. Bez.) entstand durch die daselbst 1823 angelegten Thnrn'schen Gärten. Thury, bis 1850 eine Vorstadt Wiens, seitdem ein Theil des IX. Bez. Alsergrund. Hier befand sich schon in sehr früher Zeit das Dorf St. Johann an der Als (s. d.), welches wegen des daselbst bestehenden Siechenhauses für Pestkranke mit einer schon 1158 erwähnten Kirche zu St. Johann später Siechenals genannt wurde. 1357 und 1476 wird das Siechenhaus in der Siechen-Alß erwähnt. Zur Zeit der ersten Türkenbelagerung wurde Siechenals sainmt Kirche und Spital zerstört, woraus die Gegend unverbaut blieb. Der erste, welcher hier wieder einen Hausbau unternahm, war 1646 der kaiserliche Hosbediente und bürgerliche Ziegelschaffer (Ziegelosenbesitzer) Johann Thury, nach dein die nachmalige Vorstadt benannt wurde. Thurygaffe (IX. Bez.) heißt so nach der ehemaligen Vorstadt Thury (s. d.). Tiefer Graben (I. Bez.), welcher zur Zeit Heinrichs Jasomirgott die Begrenzung Wiens im Westen bildete, führt den Rainen von seiner natürlichen Lage, da er einst das Wasserbett des Ottakringer-, später des Alser- baches war und im Gegensätze zur „Hohen Brücke", welche über ihn führt, wirklich einen tiefen Graben (1367: I? 088 atuin proluväum) bildete. Tigergaffe (VIII. Bez.), nach einem Hausschilde benannt. Tirolergaffe (XIII. Bz., Hietzing), führt zum sogenannten Tirolergarten, einem Theile des Schönbrunnerparkes. Tivoli (XII. Bez.), Vergnügungsort bei Schönbrunn, 1828 von den Berlinern Gericke und Wagner begründet, benannt nach der Stadt Tivoli (dem alten Tibur) bei Rom, welche wegen ihrer schönen Lage unb Aussicht berühmt ist. Tivoligaffe (XII. Bez., Oberund Unter-Meidling) benannt nach dem Vergnügungsorte Tivoli (s. d.). Bis 1894 hieß die Gasse Johannesgasse. Töpfelgaffe (XIII. Bez., Penzing), bis 1894 Antongasse, jetzt be- Toßgasse — Trostgasse. 187 nannt nach Johann Töpfel, dem ersten Bürgermeister von Penzing; seine Frau begründete eine unentgeltliche Arbeitsschule für Mädchen, welche heute noch besteht. Toßgasse (XIV. Bez., Rudolfs- Heim), bis 1894 Morizgasse, jetzt nach dem Industriellen Toß benannt, welcher 1784 eine große Weinessig- und Wein- steinsabrik begründete. Traisengasse (II. Bez.), benannt nach der Traisen, einem rechten Nebenflüsse der Donau in Nieder-Österreich. Trappelgasse (IV. Bez.), 1810 eröffnet und nach dem Ziegelbrenner Joses Trappel benannt. Trappelhof (IV. Bez., Trappelgasse) führt seinen Namen nach seinem Erbauer Joses Trappel (vgl. Trappel- gasse). Trattnerhof (I. Bez., Graben) hat seinen Namen von seinem Erbauer, dem Hosbuchdrucker und Buchhändler Johann Thomas Edlen von Trattner oder Trattnern (geb. zu Jahrmanns- dors bei Güns am 11. November 1717, gest. zu Wien am 31. Juli 1798). Dieser kaufte 1773 den Freysingerhof und fünf daranstoßende Häuser und ließ an deren Stelle den Trattner- hos erbauen. Der alte Freysingerhof führte seinen Namen nach dem als Geschichtsschreiber berühmten Bischöfe Otto von Freisingen oder Freising in Bayern (Bischof 1138 bis 1158), dem Sohne Leopolds des Heiligen, welcher den Bau 1146 aufführen ließ. Traungasse (III. Bez.), benannt nach einem seinerzeit berühmten Gartengebäude, welches Graf Traun von Abensperg nach der zweiten Türkenbelagerung daselbst erbauen ließ. Trautsongasse (VIII. Bez.), zur Erinnerung an den Fürsten Traut- son genannt, welcher sich 1712 durch Johann Bernhard Fischer von Erlach einen schönen Palast am damaligen Glacis aufführen ließ; dieser Bau wurde später für die ungarische adelige Leibgarde angekaust. Derselben Familie gehörte Ernst Graf Trautson (geb. 1633, gest. 1702) an, welcher von 1685 bis 1702 Bischof von Wien war. Er ist der Verfasser des sogenannten „Trautson'schen Manuscriptes", einer Sammlung aller in Wien befindlichen Grabdenkmäler Dieser Kirchensürst legte 1686 den Grundstein zur Maria- hilferkirche und ließ am 14. September desselben Jahres den Halbmond vom Stephansthurm herabnehmen und dafür ein spanisches Kreuz anbringen. Ein anderer Sprosse dieses Hauses Johann Joses Graf von Trautson (geb. 1704, gest. 1757), war von 1751 bis 1757 Erzbischof von Wien. Trauttmarrnsdorsfgasse (XIII. Bez., Hietzing), bis 1894 Alleegasse, jetzt nach der Gräfin Therese Trautt- mannsdorff benannt, welche 1847 das Armenhaus in Hietzing errichtete. Trazerberggasse (XIII. Bez., Ober-St. Veit), heißt so, weil sie an den Abhängen des Trazerberges gelegen ist; bis 1894 hieß sie Feldgasse. Trienterhos (I. Bez., Domgasse und Blutgasse), früher dem Erzstiste Trient gehörig, 1775 als Stiftungshaus ganz neu gebaut und dem Wiener Domcapitel einverleibt. Triefierstrasie (X. Bez.) heißt so als Beginn der Reichsstraße nach Triest, welche unter Kaiser Karl VI. angelegt wurde. Trogergasse (XIII. Bz., Penzing), bis 1894 Preißinggasse, jetzt nach dem Historienmaler Paul Troger (1698 bis 1777) benannt, welcher um 1728 nach Wien kam. Troskgasse (X. Bez.) heißen seit 1894 die Marxergasse und die Schaumburgerstraße nach Michael Trost, dem 188 Tuchlauben Ungargasse. ehemaligen Bezirksvorsteher des X. Bezirkes (gest. am l. Jänner 1893). Tuchlauben (I. Bez.); der alte Name dieser Straße stammt von den Bogenhallen (Lauben) der Häuser, wo die Tuchhändler ihre Waren feilboten. 1293 wird die Gasse urkundlich schlechthin „unter den Lauben" genannt. Der untere Theil der Straße hieß vormals „untern Sattlern", weil hier die Sattler ihr Gewerbe betrieben. Tuersgasse (XIII. Bez., Ober- St. Veit), bis 1894 Wiengasse, jetzt nach dem Dompropste Wilhelm Freiherrn von Tuers benannt, welcher 1483 die alte Pfarrkirche in Ober- St. Veit erbaute. Tulpengasse (VIII. Bez.), nach einem Hausschilde benannt. Türkenschanze (XIX. Bezirk), hier befand sich zur Zeit der zweiten Türkenbelagerung Wiens eine von den Türken ausgeworfene Schanze, welche bei der Entsatzschlacht am 12. September 1683 von den Sachsen (im Reichsheere) genommen wurde. Türkenschanzstraße (XVIII. Bez., Währing und Weinhaus) führt zur Türkenschanze (s. d.). Türkenstraste (IX. Bez.), eine neue Straße, benannt zur Erinnerung an die Türken, welche zweimal, 1529 und 1683, Wien belagerten. U Uchatiusgasse (III. Bez.), eine neue Gasse, benannt zur Erinnerung an den Erfinder der Stahlbronze, den Feldmarsch all-Lieutenant und Comman- danten der Artillerie-Zeugssabrik im Arsenal Franz Freiherrn von Uchatius, gest. am 4. Juni 1881 in Wien. Ufergasse (VI. Bez.), so genannt, weil sie am linken Wienuser entlang führt; früher hieß sie Wehrstraße nach der Gumpendorfer Wehre im Wienflusse. Uhlandgasse (X. Bez.), eine neue Gasse, benannt zu Ehren des deutschen Dichters und Gelehrten Ludwig Uhland (geb. am 26. April 1787 zu Tübingen, gest. daselbst am 13. November 1862). Uhlplatz (VIII. Bez), bis 1894 neuer Kirchenplatz, nunmehr benannt zu Ehren des Eduard Ritter v. Uhl (gest. am 1. November 1892), welcher von 1882 bis 1889 Bürgermeister von Wien und in der Josefstadt geboren war. Ulrich, St., bis 1850 eine eigene Vorstadt, jetzt ein Theil des VII. Bez. Neubau. Hier befand sich vormals das Dorf Zaismannsbrunn, welches schon 1211 urkundlich genannt wird und seinen Namen nach einem Brunnen (Brunnen eines gew. Zaismann) führte. Die von dem Grundherrn dieses Dorfes, dem Wiener Bürger Dietrich, erbaute Ulrichskapelle gab später dem Orte den Namen. Das Dorf Zaismannsbrunn wurde 1529 von den Türken zerstört; die mehrfach erneuerte Kirche zu St- Ulrich erhielt 1721 ihre heutige Gestalt. St. Ulrich wurde in das obere und untere Gut getheilt; ersteres führte auch den Namen Neudeggerhof. Ulrichsplatz (VII. Bez.) erinnert mit seinem Namen an die ehemalige Vorstadt St. Ulrich (s. d.). Ungargasse (III. Bez.), 1444 Hungargasse; sie leitet ihren Namen daher, weil sich daselbst schon vor Kaiser Leopold I. zwischen Rebenhügeln eine Unioiigasse Veitlissengasse. 189 lange Reihe von Herbergen für die zahlreichen, aus Ungarn eintreffenden Händler und Kaufleute befand. Uniongasse (XVII. Bez.), Hernals), seit 1894 mit der Kulmgasse (XVII. Bez., Ottakring) zu einem Straßenzuge vereinigt und auch Kulmgasse genannt. Den Namen Uniongasse führte sie nur kurze Zeit, und zwar zur Erinnerung an die verheißungsvollen Worte, mit welchen Kaiser Franz Joses I. anlässlich der Eröffnung des Parkes auf der Türkenschanze im Jahre 1888 die Vereinigung der Vororte-Gemeinden mit Wien in nahe Aussicht gestellt hatte. Uniongasse (XVIII. Bez., Währing) heißt seit 1894 Sommarugagasse (s. d.) nach dem Staatsmanne Franz Freiherrn von Sommaruqa (1780 bis 1860). Universitätsplatz (I. Bezirk), benannt nach dem daselbst befindlichen alten Universitätsgebäude, welches 1753 bis 1755 aufgeführt wurde; 1848 wurde das Gebäude in eine Kaserne verwandelt, 1857 aber der k. Akademie der Wissenschaften eingeräumt. Universitätsstrasie (I. und IX. Bez.) führt an der rechten Seitenfront des neuen Universitätsgebüudes vorbei. Unter-St. Veitersirasie (XIII Bez., Baumgarten), seit 1894 Zehetner- gasse. Unter-St. Veitersirasie (XIII. Bez., Unter-St. Veit) heißt seit 1894 St. Veilallee. Urban Loritzplatz (XV. Bez ), ein neuer Platz, welcher zur Erinnerung an den umFünshaus verdienten Pfarrer Urban Loritz benannt wurde Utendorfgasse (XIII. Bezirk, Hütteldors), bis 1894 Mühlgasse, nunmehr benannt zur Erinnerung an die alte Benennung Hütteldorss (s. d.) im 12. Jahrhundert: Utendorf. B Valeriesirasie (II. Bez., Prater), eine neue Straße, zu Ehren der Erzherzogin Maria Valerie (geb. zu Ösen am 22. April 1868), Tochter unseres Kaiserpaares, benannt. Van der Null gaffe (X. Bez ), benannt zur Erinnerung an den Architekten Eduard van der Nüll (gest. am 3. April 1868), der im Vereine mit August Siccard von Siccardsburg die Pläne zu der neuen Wiener Hosoper entwarf. Van Swietengasse (IX. Bez.), eine neue Gasse, die ihren Namen zur Erinnerung an den berühmten Gelehrten Gerhard Freiherrn van Swieten (geb. zu Leyden am 7. Mai 1700, gest. in Schönbrunn am 18. Juni 1772), den Leibarzt der Kaiserin Maria Theresia, führt. Nach seinem Plane wurde auch die Universität reformiert. Veithgaffe (III. Bez.), eine neue, 1883 eröffnete Gasse, welche ihren Namen dem ausgezeichneten Kanzelredner vr. Johann Emanuel Veith, Lehrer an der Thierarzneischule (gest. am 6. November 1876) verdankt. Veitingergaffe (XIII. Bezirk, Lainz und Ober-St. Veit), bis 1894 Ober-St. Veitergasse und Windmühlgasse, nunmehr benannt nach dem Veitinger Felde daselbst. Veitlisiengaffe (XIII. Bezirk, Ober-St. Veit), bis 1894 Gartengasse, 190 Nersorguncjshausgasse — Vormosergasse jetzt nach der Flur benannt, zu der die Gasse führt. Bersorgungshausgasse (IX. Bez.) führt zum Wiener Bürger- Versorgungshause in der Währinger- straße, welches an Stelle des seit 1541 bestandenen Siechenhauses zu St. Johann an der Als, Lazareth genannt, in den Jahren 1850 bis 1860 erbaut wurde. Viaductgasse, Obere und Untere, (III. Bez.), führen entlang des Viaductes der in den Jahren 1847 bis 1849 erbauten Wiener Verbindungsbahn (zwischen den Bahnhöfen der Nord-, Süd- und k. k. priv. Staatsbahn), wornach sie benannt sind. Die unterscheidenden Beisätze „Obere" und „Untere" erklären sich durch den Lauf des nahen Donancanals. Viehmarktgasse (III. Bezirk); der Viehmarkt Wiens bestand ursprünglich aus dem „Ochsengries" vor der Stadt, zwischen dem Karolinen- und Kärntnerthor, also beiläufig in dem neuen, vom Kolowrat- und Kärntnerring umgrenzten Stadttheile. Später befand er sich unter dein Namen „Ochsenstand" vor dem Invalidenhause und von da wurde er an die St. Marxerlinie verlegt, woher die Gasse den Namen führt. Auf seiner Stelle wurde 1880 die neue Viehhalle (der Central-Viehmarkt) gebaut. Vierthalergasse (XII. Bezirk, Unter-Meidling), benannt nach dem berühmten Pädagogen Franz Mich. Vierthaler (geb. am 25. September 1758, gest. am 3. October 1827), seit 1807 Director des Waisenhauses. Bis 1894 hieß die Gasse Schillergasse. Bitusgasse (XIII. Bez., Ober- St. Veit), nach dem hl. Vitus oder Veit, dem Schutzpatron der Pfarrkirche zu St. Veit benannt; bis 1894 hieß sie Bognergasse. Vivenotgasse (XII. Bez., Unter- Meidling), benannt nach dem Arzte 0r. Rudolf von Vivenot (geb. 1807, gest. 1884), welcher der Leiter des „Constituierenden monarchischen Vereines" im Jahre 1848 war. Er ist der Gründer des Sophienspitales. Bis 1894 hieß die Gasse nach einem Bache „Miesbachgasse". Bolksgarten (I. Bez.), öffentlicher Garten im Rayon der k- k. Hofburg, am äußeren Burgplatz; er verdankt sein Entstehen der Sprengung der alten Festungswerke durch die Franzosen 1809, da die später neu erbauten Basteien weiter hinausgerückt wurden. Kaiser Franz I. ließ den Volksgarten für das Wiener Publicum anlegen. Volksgarteristraße (I Bez.), eine neue Straße, welche vom VII. Bezirk zum k. k. Volksgarten (s. d.) führt und darnach benannt ist. Vollbadgasse (XVII. Bezirk, Dornbach), benannt nach dem Voll- und Wannenbad sammt Schwimmschule des Lorenz Prünner (Haus Nr. 3); bis 1894 hieß die Gasse Badgasse. Vorlaufstraße (I. Bez.), eine neue Straße, welche zu Ehren des Wiener Bürgermeisters Konrad Vorlauf benannt ist. Als im Zwiste zwischen den Brüdern Leopold IV. und Ernst sich in Wien ein Ausstand zu Gunsten des letzteren und des jungen unmündigen Albrecht V. erhob, ließ Herzog Leopold den Bürgermeister Vorlauf, die Räthe Hans Rockh und Konrad Rampersdorfer nebst anderen gefangen nehmen und die drei Genannten, welche in beharrlicher Treue an ihrem Herrn Albrecht festhielten, am 11. Juli 1408 auf dem Schweinemarkt (jetzt Lobkowitzplatz) hinrichten. Vormosergasse (XIX. Bez.,Ober- Döbling) hieß bis 1894 Kirchengasse. Botivkirche — Waldstraße. 191 Votivkirche (IX. Bez.) heißt im Volksmunde gewöhnlich die in den Jahren 1856 bis 1879 erbaute gothische Heilandskirche, welche infolge eines Gelübdes entstand, indem Erzherzog Ferdinand Max als Zeichen des Dankes für die Errettung seines Bruders, des Kaisers Franz Joses I., aus Mörderhand (18. Februar 1853) den Entschluss fasste, eine Kirche zu erbauen. Waaggasse (IV. Bez.), benannt nach dem Gasthause „zur goldenen Waage," hieß früher „am Wagrain" oder „Wagrain", ein Name, welcher auf ein ursprünglich hier vorhandenes Gewässer, wohl einen Teich, hinweist. Denn mhd. heißt Wasser in einem Graben, Teich, See, Flut und ruin, der gegen ein Wasser abhängige Rand des höheren Terrains, Userhang. Wagnergasse (XVI. Bez., Ottakring), heißt seit 1894 Arnethgasse (s. d.) nach dem Historiker und Numismatiker Joses von Arneth (1791 bis 1863). Währing, bis Ende 1891 eine selbständige Ortsgemeinde, seitdem in den XVIII. Bezirk Wiens einbezogen, welcher nach demselben benannt ist. Währing wird urkundlich 1271 und 1330 Waerich, Werich, 1376 Weringk, später Gewerk, im Werk und in Ge- wehring genannt. Das mittelhochd. waerich, werich heißt Werk, Tagewerk, was vormals ein Feldmaß war. Währingergasse (XVII. Bez., Hernals) heißt seit 1894 Ranftlgasse nach dem Wiener Genremaler Mathias Johann Ranftl (1805 bis 1854). Währingergasse (XVIII. Bez., Währing), seit 1894 mit der Währingergasse (XVII. Bez., Hernals) unter dem Namen Ranftlgasse (s. d.) vereinigt. Währingergürtel (XVlII.Bez., Währing), bis 1894 Gürtelstraße. Währingerstraße (IX. Bez)., so genannt, weil sie von dem ehemaligen Schottenthore unmittelbar zu dem alten Dorse Währing, Währing (s. d.) führte. 1547 ist der Name „ 8 trn 22 4nn äi 8 iAinaIi 8 " urkundlich belegt, weil die Straße bei dem damaligen Dorfe Siechenals (vgl. Thury) vorbeilief. Die im Thale gelegene Strecke führte den Namen „Herzogspoint." (Über Point oder Pennt vgl. „Alleegasse", I V. Bez.) Währing Weinhanserstrahe (XVIII. Bez., Währing und Weinhaus) heißt seit 1894 die ehemalige Hauptstraße von Währing und Weinhaus. Waisenhausgasse (IX Bez.), benannt nach dem daselbst befindlichen k. k. Waisenhause (vormals das spanische Spital, 1722 erbaut). Waldäckergajse (XIII. Bez., Speising) ist nach einem Riednamen benannt. Waldegghofgasse (XVII. Bez, Dornbach und Neuwaldegg), bis 1894 Parkgasse, führt ihre neue Bezeichnung von dem alten Namen des Schlosses in Neuwaldegg (Waldegghos). Waldmüllergasse (II. Bez), eine neue Gasse, benannt zur Erinnerung an den Maler Ferdinand Georg Waldmüller (geb. 1793 zn Wien, gest. daselbst 1865). Waldstraste (XVI. Bez., Ottakring) führt zum Walde ans dem Wil- helminenberge (s. d.), heißt seit 1894 192 Walleusteinplatz — Wassergasse. Steinhosstraße, weil sie auch zu der Restauration „Steinhof" führt. Wallenfteinplah u Wallen- sieinskra^e (II. Bez.), benannt zur Erinnerung an den kaiserlichen Feldherrn Albrecht von Waldstein oder Wallenstein (geb. am 15. September 1583 zu Hermanitz in Böhmen, ermordet am 25. Februar 1634 in Eger) im dreißigjährigen Kriege, der sich auch vorübergehend zweimal in Wien aufhielt. Das erstemal, 1626, nahm er sein Absteigequartier im Palais des ihm verwandten Freiherrn Karl von Harrach auf der Freiung (alt Nr. 139, neu Nr. 3); das zweitemal, 1633, soll er sich in der Wohnung des Astrologen Andreas Argoli (im Federlhos, Bäckerstraße, alt Nr. 768, neu Nr. 2) aufgehalten haben. Wallflschgasse (I.Bez.), benannt nach dem Hausschilde „zum Jonas", welches denselben mit dem Walfische darstellte. Wallgasse (VI. Bez.), so genannt, weil sie den alten Linienwall (s. d.) entlang führt. Wällischgasse (III. Bez.). Aria della Scala, Gemahlin des Grafen von Pretta, welche sich um die Mitte des 15. Jahrhunderts von Venedig nach Wien flüchtete, legte in Erdberg Paläste und Gärten an und schenkte 1445 den Angustinermönchen Baum-, Wein- und Safrangärten, welche nach ihrer italienischen Besitzerin die „Wäl- lischen Gärten" hießen. Nach Verbauung dieser Gärten entstand hier die Wällischgasse. Wattishausergaffe (XVII. Bez., Dornbach) ist nach dem verstorbenen Hosbuchdrucker Johann B. Wallishauser benannt, der hier eine Besitzung hatte. Wallnerstraße (I. Bez.) hieß ursprünglich Wallichstraße (1306 Wa- lichstraße) von dem altgermanischen Walah, mhd. walhisch, welhisch, jetzt welsch d. i. fremd, weil sich hier viele fremde Kaufleute und Händler aufhielten und meistens fremde Fuhrleute einkehrten. WallrieMrahe (XVIU. Bez., Gersthof) ist nach einem Riede benannt. Waltergasse (IV. Bez.), 1848 eröffnet auf dem Grunde eines dem Grafen Kärolyi gehörigen Gartens und hieß daher bis 1862 Kärolyigasse. Dann wurde sie nach einem früheren Richter der Wieden Waltergasse genannt. Waltergasse (XII. Bez., Unter- Meidling) heißt seit 1894 Canaletto- gasse nach dem Maler Canaletto (1724 bis 1780). Walthergasse (XIV. Bezirk, Sechshaus), seit 1894 Karl Walthergasse. Wambachergasse (XIII. Bez, Lainz) ist benannt nach dem daselbst befindlichen Meierhofe des am 17. Jänner 1890 verstorbenen Ferdinand Wambacher, eines Jugendgespielen unseres Kaisers. Wasagasse (IX. Bez.), benannt nach dein in der Gasse befindlichen Palais des Prinzen von Wasa. Wasagasse (XIII. Bez., Hacking) heißt seit 1894 Seuttergasse nach dem Fabriks- und Realitütenbesitzer Karl Friedrich Seutter von Lötzen (gest. am 23. September 1892). Waschhausgasse (II. Bezirk) erinnert mit ihrem Namen an das k. k. Waschhaus, eine kleine Hütte, welche vom kaiserlichen Hose seit Kaiser Leopold I. benützt wurde und an deren Stelle 1830 ein großer Neubau (Praterstraße 8) kam. Wassergasse (III. Bez.); ihr oberer Theil hieß zur Zeit Maria Theresias „gegen die Donau zu", jetzt heißt sie Wassergasse, weil sie von der Wattgasse — Weihbuiggasse. 193 Bandstraße Hauptstraße zum Wasser (des Donaucanals) sührt. Wattgasse (XVI. Bez., Ottakring), zu der 1894 die Bahngasse im XVII. Bezirk (Hernals) einbezogen wurde, ist entweder benannt nach dem berühmten Arzte und Humanisten Joachim Watt, genannt Vadianus (geb. 1484 zu St. Gallen, gest. 1551 in Wien), welcher 1514 von Kaiser Maximilian I. zum Dichter gekrönt wurde; oder nach James Watt (geb. am 19. Jänner 1736 zu Greenock in Schottland, gest. am 25. August 1819 zu Heathfield bei Birmingham), dem Verbesserer der Dampfmaschinen und Erfinder des Condensators. Wattmanngasse (XHI. Bez., Hietzing), bis 1894 Neugasse, jetzt benannt nach Karl Wattmann Freiherrn von Maelcamp-Beaulieu (geb. am 6. März 1789, gest. am 17. September 1866), k. k. Hofrath und Leibarzt Kaiser Ferdinands I., Professor an der Wiener Universität und Director des Operations-Institutes in Wien, hervorragendem Fachschriftsteller. Webergasse (II. Bez.) ist wahrscheinlich nach dem berühmten Com- ponisten Karl Maria von Weber (geb. am 18. December 1786 zu Eutin, gest. am 7. Juni 1826 zu London) benannt. Webgasse (VI. Bez.), 1771 eröffnet, früher nach der daselbst befindlichen Schmiede Schmiedgasse geheißen, 1862 aber nach den Webereien in Webgasse umgetauft. Wehrgasse (V. Bez.), so genannt, weil sie vormals zu der Gumpen- dorfer Wehre im Wienflusse führte, wo der ehemalige Mühlbach (vgl. Heumühle) vom Wienflusse abzweigte. Wehrgasse (XIV. Bez., Sechshaus), seit 1894 Pillergasse nach deL alten Sechshauser Bürgersamilie Piller benannt. Weidlichgasse (XIII. Bez., Hietzing), bis 1894 Feldgasse, jetzt benannt nach Anton Weidlich (geb. 1813, gest. 1875), Gemeindevorstande von Hietzing (von 1864 bis 1875), der sich um die Errichtung des Maximiliandenkmals wie um die Erbauung des neuen Kir- chenthurmes in Hietzing, ferner um die Herstellung des Militär-Nothspitales für die im Jahre 1866 verwundeten Krieger verdient machte. Weidling, eine selbständige Ortsgemeinde, von der seit Anfang 1892 ein Theil in den XIX. Bezirk Wiens einbezogen ist. Der Ort wird urkundlich schon 1187 als Widnik, Widerliche genannt. Sein Name ist entweder Ableitung von Widum, Widern, Widn, die zu einer Pfarrkirche gestifteten nutzbaren Gründe, dann Dotation überhaupt, daher zunächst Flurname, dann Ortsname; oder er kommt vom mhd. wiäo, Weide, 8nlix, ein Ort zwischen oder an Weiden. Weidmanngasse (XVII. Bez, Hernals), bis 1894 Wilhelmsgasse, nunmehr benannt nach Franz Karl Weidmann (geb. am 14. Februar 1787 zu Wien, gest. daselbst am 28. Jänner 1867), dramatischem Schriftsteller und Topographen, welcher zahlreiche Beschreibungen der Umgebungen Wiens verfasste. Weiglgasse (XHI.Bez., Penzing), bis 1894 Gärtnergasse, jetzt nach Josef Weigl (1766 bis 1820), Musikdirigenten und Operncornponisten, benannt. Weihburggasse (I. Bez.) kommt schon 1267 unter dem Namen „in der Weihenburg" vor und die „Weihenburgk" wird mehrfach erwähnt; in den ersten Häuserverzeichnissen Wiens wird der Name aus Missverständnis „Wein- bnrggasse" geschrieben. — Der Namen Weihenbnrg (für Weichenburg) bezieht 13 Umlauft, Namenbuch der Stadt Wien. 194 Weitgasse — Weldengasse. sich aus ein altes Besestigungswerk. Der Ausdruck „Weichhaus" bezeichnte einen Thurm, eine Warte, ein Festungswerk an den Mauern einer Stadt. Unzweifelhaft bildete die Weihenburg seit der zweiten Stadterweiterung Wiens (1177 bis 1l94) ein Befestigungswerk, was sich auf Grund der hier befindlichen Wallstraße um so leichter annehmen lässt. Weilgaffe (XIX. Bez., Ober- Döbling), bis 1894 Promenade benannt, jetzt nach dem verstarbenenen Weingroßhändler Karl Weil, Gemeinderath, Ehrenbürger und Wohlthäter in Ober-Döbling. Weinberggasse (XVII. Bez., Hernals), seit 1894 Hildebrandgasse genannt nach dem Architekten Johann Lukas Hildebrand (1660 bis 1750). Weinberggafse (XVIII. Bez., Gersthof), seit 1894 Salierigasse (s. d.), benannt nach dem Operncomponisten Antonio Salieri (1750 bis 1825). Weinberggafse (XVIII. Bez., Währing), seit 1894 mit der Weinberggasse (XVII. Bez., Hernals) unter dem Namen Hildebrandgasse (s. d.) vereinigt. Weinberggaffe (XIX. Bez, Nussdors) heißt seit 1894 nach dem nahe gelegenen Nussberge Nussberggasse. Weinhaus, bis Ende 189 l eine selbständige Ortsgemeinde, seither in den XVlil. Bezirk Wiens einbezogen; hier stand im 17. Jahrhundert zwischen Weingärten ein Weinhaus, von dem der Ort den Namen erhalten hat. Weinhauserstraffe (XVII Bez, Hernals), seit 1894 Hormayrgasse (s. d.), nach dem Historiker Josef Freiherrn von Hormayr (1781 bis 1848) benannt. Weintraubengaffe (II Bez.) ist nach einem Gasthause „zur Weintraube" benannt. Weintraubengaffe (XI. Bez., Simmering), seit 1894 Rautenstrauch - gasse (s. d.) genannt nach dem gelehrten Benedictiner Franz Stephan Rautenstrauch. Weiskerngaffe (XVI. Bez., Neulerchenfeld), bis 1894 Peyerlgasse, nunmehr benannt nach dem Wiener Topographen Friedrich Wilhelm Weiskern (1710 bis 1768). Weiffgärber, bis 1850 eine eigene Vorstadt, seither dem III. Bez. einverleibt. Diese Vorstadt verdankte ihr Emporblühen dem Abbruche der Häuser in der vor dem Stubenthor gelegenen Schöff- oder Scheffstraße. Kaiser Ferdinand I. verlegte von hier 1561 die Lederer und Weißgärber in die „Altdonau" oder „Tunaugemaind", eine schon im Mittelalter bestandene Gemeinde, welche nun den Namen „Weißgärber" erhielt. Daneben kommt aber auch der Name Wyrocheperg (so schon im 13. Jahrhundert und noch 1678), Weirochberg vor. Weiffgärb erstraffe, Obere u. Untere, (III. Bez.) erinnern mit ihrem Namen an die ehemalige Vorstadt Weißgärber (s. d.); sie hießen vormals Hauptgasse, dann Weißgärber Hauptstraße. Weiffgaffe (XVII. Bez., Hernals) hieß bis 1894 Gerlgasse. Weitlofgaffe (X VIII.Bez., Währing) ist benannt nach dem Landtagsabgeordneten und Landes-Ausschusse vr. Moriz Weitlos. Weldengasse (X. Bez.), benannt zur Erinnerung an Franz Ludwig Freiherrn von Melden (geb. 1782 zu Laupheim in Württemberg, gest. zu Graz am 7. August 1853), k. k. Feldzeugmeister, welcher sich namentlich in den Napoleonischen Kriegen 1799 bis 1813 hervorthat und 1848 im italienischen Kriege auszeichnete. Werd — Wieden. 195 Werd s. Wörth. Werd, Im (II. Bez.), die 1894 der Gasse „Aus der Haide" gegebene Bezeichnung, welche den alten verschollenen Namen der Leopoldstadt (s. d.) wieder ins Leben rief. Werderthorgasse (I. Bez.), eine neue Gasse, benannt zur Erinnerung an das alte Werderthor in der Bastei, welches in dieser Gegend stand und zuerst 1302 urkundlich genannt wird. Über den Namen vgl. Wörth. Wernergasse (XIII. Bez., Unter- St. Veit), bis 1894 Franzensgasse, jetzt benannt nach dem Dichter und Prediger Friedrich Ludwig Zacharias Werner (geb. am 18. November 1768 zu Königsberg in Preußen, gest. zu Wien am 17. Jänner 1823), der 1814 nach Wien kam. Wertheimhof (I V. Bez., Theresianumgasse) ist nach seinem Erbauer Franz Freiherrn von Wertheim, dem Begründer der Cassenfabrication in Österreich, benannt. Werthenburggasse (XII Bez, Hetzendorf), benannt nach einem nahen Ried. Bis 1894 hieß sie Feldgasse. Westbahnstraße (VII. Bez.) führt wie die aufgelassene Westbahn- linie (s. Linien) ihren Namen nach der im Jahre 1858 eröffneten Strecke Wien-Linz der Kaiserin Elisabeth- Westbahn; der untere Theil dieser Straße hieß früher Steinmetz-, Lamm-, auch Kirchengasse. Weyprechtgasse (XVI. Bez., Ottakring) führt ihren Namen zu Ehren des berühmten Nordpolfahrers und Linienschiffs-Lieutenants der österr. Ungar. Kriegsmarine Karl Weyprecht (geb. am 8. September 1838, gest. am 29. März 1881 zu Michelstadt in Hessen), welcher aus der österr. Ungar. Nordpolarexpedition 1872 bis 1874 im Verein mit Julius Payer das Franz-Josessland entdeckte. Weyringergaffe (IV. Bez.), sie entstand aus den Gründen der ehemaligen Weyringer'schen Sandgestätte und erhielt davon ihren Namen. Weyringergasse (XI.Bez.,Simmering) erhielt 1894 als Fortsetzung der Fuchsröhrengasse letzteren Namen. Wichtelgasse (XVII. Bezirk, Hernals), bis 1894 Schmerlinggasse, nunmehr mit der Wichtelgasse (XVI. Bez., Ottakring) zu einem Straßenzuge vereinigt. Wickenburggasse (VIII. Bez.), benannt nach dem Staatsmanne Math. Constantin Capello Grafen Wickenburg (geb. am 16. Juli 1797 auf dem Rittergute Pesch bei Düsseldorf, gest. zu Gleichenberg in Steiermark am 26. October 1880), welcher 1861 bis 1863 Handelsminister im Ministerium Schmerling war. Wieden, der IV. Gemeindebezirk, umfasst die alten Vorstädte alte und neue Wieden, Schaumburgergrund nnd Hungelbrunn; von 1858 bis 1861 war auch der heutige V. Bezirk Margarethen (s. d.) mit dem IV. Bezirk vereinigt, der X. Bezirk Favoriten (s. d.) wurde erst 1874 von der Wieden getrennt. Namengebend für den IV. Bezirk war die Vorstadt Wieden. Hier entstand einer der ältesten Vororte Wiens, dessen Gegend unter Leopold dem Glorreichen die Bezeichnung „enthalt» der Wienne vor Kernertor" führte. Zum Theile auf dem Grunde der nachmaligen Wieden, zum Theile auf dem späteren Glacis entwickelten sich allmählich kleine Ansiedlungen: die Neulucken, Refel-, Schebenzer- und Kothlucken. Die Neulucken, welche sich am rechten (später auch am linken) Wienufer hinzogen und bis in die Gegend der heutigen Paulanerkirche 196 Wiedener Hauptstraße — Wiener Berg. reichten, bildeten zur Zeit der ersten Türkenbelagerung die „Kerner-Vorstadt". Zur Zeit der Türkenbelagerung umfasste die zum Kärntnerviertel gehörige Vorstadt folgende Straßen und Plätze: Vor dem Kärntnerthor, Wöschhütten, Brandstätte, Wieden, Neulucke, Plenkl, Froschlacke, bei dem Steg, enthalt» der Wien und am Gries; sie reichten aber von der Stadtmauer nicht weiter als bis zur Paulnnerkirche. Darüber hinaus gab es fast nur Weingärten. Als 1689 der sortisicatorische Rayon rings um die Stadt ans 600 Schritte erweitert wurde, verschwanden 50 aus dem heutigen Obstmarkt und vor dem Polytechnicum gelegene Häuser, woraus sich die Gegend um die Paulanerkirche stärker zu bevölkern anfieng. — Über die Ableitung des Namens Wieden (in älteren Urkunden und Schriften auch Widmen und Wyden) sind verschiedene Vermuthungen ausgestellt worden. Der Jesuit Schachner leitet ihn von den früher hier gestandenen Weidenbäumen und von den Viehweiden ab, andere Chronisten von dem nahen Widmerthore, Hormayr ist für die slavische Abstammung „Wjden" und stellt zugleich den Namen mit dem Namen der Stadt Wien zusammen. Bor wissenschaftlicher Forschung kann aber nur eine Ableitung standhalten. Jedesfalls liegt zugrunde deutsch wideme, widern, eigentlich Wittum s. v. a. Dotierung einer Kirche oder eines Klosters oder eines Psarrhoses mit Grundstücken, dann diese Grundstücke und zuletzt der Pfarrhos selbst — „und zwar ist unsere Wieden, wie die Urkunden von 1211 und 1363 zeigen, ursprünglich das von der wideme der Pfarre St. Stephan zu Gunsten des neu gegründeten Heiliggeistklosters abgetrennte, nachmals wieder St. Stephan unterstellte Grundeigenthum sammt Zinsholden". (Vgl. Egli, Nomina. A 60 §r. II. Ausl. S. 999). Das m in der ältesten urkundlich 1211 überlieferten Form Widern verdünnte sich bald zu n, erhielt sich aber in Widmer, dem Namen der Bewohner, und im Widmerthor sowie im Widmerviertel (s. S. 11) noch lange. Wiedener Hauptstraße (IX. Bez.), nach der Vorstadt Wieden benannt, führte anfangs die schwerfällige Bezeichnung „Vor dem Kärntnerthor die erste Zeit auf der rechten Hand hinaus, angesangen zunächst des ^andessürsten Garten" (vgl. Freihaus, Starhemberg'sches), auch „Weidenstraße", 1342 8truts eommunis, d. i. gemeine Straße. Wielandgasse und Wieland- ptap (X. Bez.), beide in neuer Zeit entstanden und zu Ehren des berühmten Dichters Christoph Martin Wieland (geb. am 5. September 1733 zu Oberholzheim bei Biberach, gest. am 20. Jänner 1813 in Weimar) benannt. Wien, die, oder Wienfluss. Der kleine, am Kaiserbrunnberg im Wienerwalde entspringende Fluss, welcher vom Auhof (s. d.) bis zu seiner Mündung in den Donaucanal das Gebiet der Stadt Wien durchfließt. Der Wien geschieht zuerst Erwähnung um das Jahr 11,30 mit der Benennung „Wienfurt". Über den Namen vgl. man das über die Stadt Wien (s. Einleitung, S. 4) Gesagte. Wiener Berg heißt die flache Erhebung iur Süden Wiens, mit welcher der mehrfach durchbrochene Höhenzug beginnt, der das rechte Donauuser begleitend sich bis zum Hundsheimer Berge bei Hamburg zieht. Den Culminationspunkt des Wiener Berges (236 4 m) bezeichnet Wienerbcrgstraße — Wbngasse. 197 das alte Wahrzeichen Wiens, die Spinnerin am Kreuz (s. d.). Wienerbelgstraße (X. Bez., Jnzersdors), nach dein Wiener Berge (s. d.) benannt. Bis 1894 hieß sie Meidlingerstraße. Wienerfeldgasse (X. Bez.), als Fortsetzung der Van der Nüllgasse seit 1894 ebenfalls Van der Nüllgasse (fl d.) genannt. Wiener - Neustädter - Canal heißt der in den Jahren 1797 bis 1803 gebaute, von Wien ausgehende Schiffahrtscanal, weil er unsere Stadt mit Wiener-Neustadt verbindet. Die 1804 erösfnete Schiffahrt wurde 1879 ganz eingestellt, und der Canal hat seither nur mehr den Charakter eines Werksbaches. Der Wiener Canalhasen befand sich zuerst vor dem heutigen Hauptzollamtsgebäude, seit 1849 in der Nähe der St. Marxerlinie, an welche Lage die Hafengasse (s. d.) erinnert. Heute hat der Canal in Wien gar keinen Hafen mehr; er fließt bei der Stubenthorbrücke in die Wien ab. Wienerstraße (XIII. Bezirk, Breitensee), seit 1894 Schanzstraße benannt nach der Schmelzer Schanze, an der sie vorüberführt. Wienerstraße (XIII. Bezirk, Mauer), seit 1894 mit der Hauptstraße in Speising zusammengezogen und Speisingerstraße benannt. Wienerstraße (XVIII. Bezirk, Neustift am Walde), seit 1894 zur Wahrung des Ortsnamens „Neustift am Walde" genannt. Wienerstraße (XVIII. Bezirk, Währing), seit 1894 Schopenhauerstraße genannt nach dem berühmten Philosophen Arthur Schopenhauer (1788 bis 1860). Wienerstraße (XIX. Bez., Grinzing) heißt seit 1894 bis zur Grinzinger- straße Grinzingerallee. Wienerstraße (XIX. Bezirk, Heiligenstadt) gehört seit 1894 in dem Theile von der Hohen Warte bis zur Grinzingerstraße zur „Hohen Warte" (s. d.), von der Grinzinger straße bis zur Kahlenbergstraße heißt sie nun Armbrustergasse (fl d.). Wienerwald, Alpenausläufer, welcher durch die Gölsen, einen Zufluss der Traisen, und die Triesting von den niederösterreichischen Kalkalpen geschieden wird und dessen Nordostende bis in den Bereich Wiens (XIII. und XVI. bis XIX. Bez.) sich erstreckt; bei PtolemäUs (2,14,1) der Römer Mons Cetius, in den Annal.Euch.: Onmoobore,8706nmiui luoutos, noch 823 Ooum^eui montss, um 990 00 NMA 6 NU 3 M0N8 (O. Kaemmel, Die Anfänge deutschen Lebens in Österreich. Leipzig 1879, S. 131), nach dem an seinem Westfuße gelegenen Ooma§6UL6 (Tulln) benannt. Seit wann der Name Wienerwald üblich ist, kann ich urkundlich nicht belegen. Wienstussgasse (XIII. Bezirk, Hietzing), seit 1894 Hügelgasse (s. d.), genannt nach dem Naturforscher und Reisenden Karl Freiherrn von Hügel (1796 bis 1870). WienflusSgasse (XIV. Bezirk, Sechshaus) heißt seit 1894 Granmanngasse. Wiengasse (XII. Bez., Gaudenz- dors), seit 1894 Harthausergasse gebrannt nach dem Gemeinderathe von Gaudenzdorf, Harthauser. Wiengasse (XIII. Bez., Baumgarten) heißt seit 1894 Guldengasse nach der seit langem in Baumgarten sesshaften Familie Gulden. Wiengafse (XIII. Bez., Hacking), seit 1894 Lilienberggasse benannt nach dem Besitzer der Herrschaft Hacking im 17. Jahrhundert, Christoph Aberle von Lilienberg. 198 Wiengasse — Windmühle. Wiengaffe (XIII. Bez., Hietzing, Unter-St. Veit und Penzing) nach dem Wienflusse, an dem entlang sie führt, benannt; seit 1894 Hietzinger-Quai. Wiengasse (XIII. Bez., Ober- St. Veit) heißt seit 1894 Tuersgasse nach dem Dompropste Wilhelm Freiherrn von Tuers, welcher 1483 die alte Pfarrkirche in Ober-St. Veit baute. Wienffrasße (IV. Bez.), benannt nach dem Wienflusse, an dessen rechtem User entlang sie, größtentheils nur mit einer Häuserreihe, führt. Wiesengasse (IX. Bez.) erinnert an den einstigen Namen der Vorstadt Liechtenthal (s. d.) „Wiesen". Wildemanngasse (XVIII Bez, Währing), seit 1894 Hans Sachsgasse nach dem Meistersänger dieses Namens (1494 bis 1576) benannt. Wildenmanngasse (V Bez) ist nach einem Hausschilde benannt. Wildgrubgasse (XIX Bez., Heiligenstadt) ist nach dem alten Localnamen „Wildgrub" benannt. Wildprelmarkt (I. Bez.) ward nach seiner Bestimmung benannt; in älteren Zeiten hieß er der „neue Kienmarkt" und der „alte Häringmarkt" (1547) nach den Gegenständen, die jeweilig hier feilgeboten wurden. Der ältere Theil gegen die Landskrongasse zu wurde auch das Wintergassel nach dem Hausschilde „zum Winter" genannt. Eine Zeit lang hieß der Wild- pretmarkt auch Kammerhof. Wilhelminenberg vgl. Gallizin- berg. Wilhelminenbergftrasie (XVI. Bez., Hütteldorf) führt beim Mont- leartschlosse aus dem Wilhelminen- berge (s. d.) vorbei. Wilhelminenbergstraße(XVII. Bez., Dornbach) führt aus den Wilhelminenberg (s. d.). Wilhelminenstraffe (XVI.Bez., Ottakring) führt aus den Wilhelminenberg (s. d.); Wilhelmine Prinzessin von Montleart-Sachsen-Curland ist eine große Wohlthäterin von Ottakring, welcher ehemaligen Gemeinde sie auch das Wilhelminenspital in der Montleartstraße gebaut hat. Wilhelmsdorf, bis Ende 1891 eine selbständige Gemeinde, seither in den XII. Bez. einbezogen; im Volks- mnnde hieß der Ort früher „Dörsel", darnach ist die heutige Dörfelstraße (s. d.) benannt. Wilhelmsgaffe (XVII Bez., Hernals), seit 1894 Weidmanngasse genannt nach dem Schriftsteller Franz Karl Weidmann (1787 bis 1867). Wimbergergaffe (XV Bez) ist nach dem Hotel Wimberger benannt, an welches sie stößt. Winckelmannftraße (XIII. Bez, Penzing), bis 1894 Tegetthoffstraße, nunmehr nach dem berühmten Archäologen Johann Joachim Winckelmann (geb. am O.December 1717 zu Stendal, ermordet am 8. Juni 1768 zu Triest) benannt. Windhaaggaffe (I. Bez.) heißt seit 1894 die Sternwartgasse (s. d.) nach der gräflich Windhaag'schen Stiftung, deren Haus sich in der Bäckerstraße dir. 9 befindet. Joachim Ens- müller Graf von Windhaag, hochverdienter Regierungs-Präsident unter Kaiser Leopold I., bestimmte testamentarisch einen großen Theil seines Vermögens zu einer Stipendienstistung für Studierende. Windhabergaffe (XIX Bez, Unter-Sievering), seit 1894 mit der Schnlgasse in Unter-Sievering zusammengezogen, so dass letztere auch diesen Namen führt. Windmühle, bis 1850 eine eigene Vorstadt, nunmehr ein Theil des Windmühlgasse Wolfersberggasse. 199 VI. Bezirkes Mariahils. Der Name rührt daher, dass auf der Höhe gegen Gumpendors und den Magdalenen- grund mehrere Windmühlen standen. Im Jahre 1526 kam dieser Grund ! von Seite des Vicedomamtes durch Kauf an Johann Frankhelin behufs Erbauung von Windmühlen; da dieser aber statt Windmühlen Wohnhäuser erbaute, wurde ihm das Gebiet wieder entzogen und an Private vergeben. Windmühlgasse (VI Bez.) bildet den Haupttheil der ehemaligen Vorstadt Windmühle (s. d.), von der sie den Namen führt. Windmühlftrasse (XIII. Bez., Ober-St. Veit), seit 1894 mit der Ober-St. Veiterstraße in Lainz vereinigt und nach dem Veitinger Felde daselbst Veitingerstraße benannt. Windtenssrahe (X. Bez.), benannt nach Wenzel von Windten, der im 15. Jahrhundert Besitzer der Herrschaft Jnzersdors war. Bis 1894 hieß die Straße „Bergstraße". Wintergasse (XI. Bez., Simmering) heißt seit 1894 Eyzinggasse nach Eyzing, 1573 Besitzer eines Edelsitzes zu Simmering. Wintergasse, Untere, (XI. Bez., Simmering), seit 1894 Birkenstockgasse (s. d.) genannt nach Johann Melchior Birkenstock (1735 bis 1809), Referenten in Studiensachen unter Kaiser Joses II. Winterrotherd (XVI. Bezirk, Ottakring) ist ein Riedname; vgl. Sommerrotherd. Wipplingerstraße (I Bez); sie führte vormals drei Namen, und zwar hieß sie vom Hohen Markt bis zur Jordangasse nach einem Wiener Patriciergeschlechte „Bilbinger- oder Bülbingerstraße"; von der Jordangasse bis zur Futterergasse „unter den Wildwerkern" oder „Wildwerkerstraße" von den hier sesshaften Pelzhändlern oder Wildwerkern; von der Futterergasse bis zur Renngasse „unter den Felbern", d. i. unter den Weidenbäumen (mhd. vslvvor, mundartlich noch heute Felder oder Felberbaum, die Weide, salix aldn). Aus Zusammenziehung von Wildwerker- und Bülbingerstraße entstand zuerst die Form Wülpinger-, schließlich Wipplingerstraße. Wittegasse (XIII. Bez., Unter- St. Veit), bis 1894 Zwerggasse, jetzt nach dem verstorbenen Stephan Witte benannt, welcher sich um das Armen- und Kirchenwesen von Unter-St. Veit verdient machte und daher znm Ehrenbürger ernannt wurde. Wittelsbachstrasse (II. Bez., Prater), eine neue Straße, benannt zu Ehren des Hauses Wittelsbach, der in Baiern regierenden Dynastie, welcher auch unsere Kaiserin Elisabeth entstammt. Witthauergasse (XVIII. Bez., Gersthof), bis 1894 Kleingasse, nunmehr benannt nach dem Schriftsteller und hervorragenden Kritiker Friedrich Witthauer (geb. zu Bremen 1793, gest. zu Meran am 30. September 1846), welcher Redacteur der „Wiener Zeitschrift" war. Wohllebengasse (IV. Bezirk), 1789 aus den Gründen des ehemaligen Bürgerspitalgartens eröffnet und nach Stephan Edlen von Wohlleben (geb. 1751 in Wien, gest. am 23. Juli 1823) benannt, welcher von 1805 bis zu seinem Tode Bürgermeister von Wien war. Wolfengasse (I. Bez.) hat ihren Namen vom Hause „zum weißen Wols", welches sich in ihr befindet. Wolfersberggasse (XIII. Bez., Hütteldorf), so benannt, da sie am Abhange des Wolsersberges liegt; bis 1894 hieß sie Bergstraße. 200 Wolfrathplatz Wurzbachgasse. Wolfrathplatz (XIII. Bezirk, Ober-St. Veit), bis 1894 Kirchenplatz, jetzt benannt nach Anton II. Wolsrath, dein ersten mit dem Titel eines Fürsten des heiligen römischen Reiches ausgezeichneten Bischöfe von Wien (1631 bis 1639). Wolfsaugasse (II. Bez.) erinnert an den alten Namen „Wolssau" der späteren „Brigittenau" (s. d.). Wolffchüttau (II. Bez.), ein alter Name, welcher eine Au (s. d.) auf vom Donaustrom aufgeschütteten Boden bezeichnet, in der sich vormals wegen der Abgeschiedenheit der Gegend Wölfe aufhielten. Wollergaffe (XIX. Bez., Heiligenstadt) hieß bis 1894 Hohe Warte (s- d.). Wollzeile (I. Bez.); ursprünglich Wollstraße genannt, kommt sie schon in dem (freilich zweifelhaften) Schottenstiftsbriefe von 1158 als 1in6L Iniw- rum (Wollzeile) vor, wird 1292 als vieu8 Innarum genannt und erhielt diesen Namen, weil sie der Hauptsitz der zahlreichen Wollhändler war. Anfangs war sie eine von Heinrich Jasomirgott angelegte Vorstadt, die erst später zugleich mit der Stephanskirche zur Stadt gezogen wurde. Nach dem Stadtplane Wolmuets von 1547 scheint die Wollzeile einst bis zum Ufer der Wien gegangen und damals von der Stadtmauer durchschnitten worden zu sein. Die Häuser außerhalb dieser Mauer führten im Grundbuche den Namen „vor dem Stubenthor". Wörth, Word, ahd. warid, mhd. wert, Insel; dieser Name hastet auch, wenn im Laufe der Zeit die Insel verschwunden ist; in Wien hieß die frühere Vorstadt Rossau (s. d.) vormals der obere Wörth, die Leopoldstadt (s. d.) der untere Wörth oder Werd. Würffelgafse (XV. Bez.) führt ihren Namen nach dem Besitzer einer Badeanstalt, August Würffel, welche in der anstoßenden Victoriagasse bestand. Wurmfergasfe (XIV. Bezirk, Rudolfsheim), bis 1894 Steinergasse, nunmehr benannt nach Dagobert Sigmund Reichsgrafen von Wurmser (geb. am 7. Mai 1724 zu Straßburg, gest. am 21. August 1797 zu Wien), hervorragendem österreichischem General, welcher durch seine Waffenthaten im bairischen Erbfolgekriege und in Italien gegen Bonaparte berühmt geworden ist. Würthgaffe (XIX. Bez., Ober- Döbling), bis 1894 Annagasse, nunmehr benannt nach Anton Edlem von Würth, welcher um l 824 Besitzer der Herrschaft Ober-Döbling war. Württemberggaffe (II Bez.), benannt zu Ehren des Herzogs Wilhelm von Württemberg (geb am 20. Juli 1628 zu Karlsruhe in Schlesien), k. u. k. Feldzeugmeisters, welcher lange Jahre in Wien gelebt hat. Wurzbachgaffe (XV. Bez.), eine neue Gasse, Verlängerung der ehemaligen Michaelergasse, benannt nach vr. Constant Wurzbach Ritter von Tannenberg (geb. am 11. April 1818 zu Laibach, gest. am 18. August 1893 in Berchtesgaden), dem verdienstvollen Herausgeber und Verfasser des 60bän- digen biographischen Lexikons von Österreich. Appengasse — Zelinkagasse. 201 B Appengasse und Appenplatz (XVI. Bez., Ottakring) führen beide ihren Namen zur Erinnerung an den Niederländer van Appen, später österreichischen Unterthan, welcher im vorigen Jahrhundert bedeutende Grundstücke in Ottakring für Erhaltung von Invaliden schenkte. Als in den Siebziger Jahren unseres Jahrhunderts die Filiale des Wiener Jnvalidenhauses in Neu- lerchenseld baufällig geworden war, verkaufte das Militär-Ärar die von van Appen großmüthig gespendeten Grundstücke an verschiedene Ballgesellschaften, worauf erstere parcelliert und verbaut wurden. Von dem Ertrage wurde hinter dem alten Hauptgebäude ein stattlicher Neubau für die Invaliden ausgesührt. Appenplatz (XVI. Bez., Ottakring), s. Appengasse. Zahnradbahnstraße (XIX. B, Nussdors), so benannt, weil in ihr das Stationsgebäude der Zahnradbahn auf den Kahlenberg steht. Zappertgasse (XIV. Bez., Sechshaus), bis 1894 Sackgasse, jetzt nach dem verstorbenen Karl Zappert, hervorragendem Industriellen in Sechshaus, benannt. Zaunergafse (III. Bez.), benannt nach Michael Zauner Edlem von Falpatann, k. Hofstatuarius (geb. 1746 in Falpatann, gest. 3. März 1822 in Wien), einem der bedeutendsten Bildhauer seiner Zeit, dem Schöpfer des Kaiser Josef-Denkmals, der großen Brunnengruppe in Schönbrunn, der Riesenstatuen vor dem Palais Palla- vicini, des Fries-Denkmals in Vöslau, des Laudon-Denkmals in Hadersdors, des Denkmals Leopold II. in der Augustinerkirche, des Collin-Denkmals in der Karlskirche u. v. a. — Bis 1894 hieß die Gasse „Michael- gasse". Zedlitzgape (I. Bez ), eine neue Gasse, benannt zu Ehren des trefflichen Dichters Josef Christian von Zedlitz Z (geb. am 28. Februar1790zu Johannisberg in Österr.-Schlesien, gest. am 6. März 1862 zu Wien). Zehetnergasse (XIII. Bezirk, Baumgarten) hieß bis 1894 Unter- St. Veiterstraße. Zeillergasse (XVI. Bez., Ottakring und XVII. Bez., Dornbach), bis 1894 Nosenhügelgasse und Schwarzenberggasse, nunmehr benannt nach Franz Edlem von Zeiller (1751 bis 1828), Rechtsgelehrtem und Redacteur des bürgerlichen Gesetzbuches. Zeinlhofergasse (V. Bez.), eine neue Gasse, benannt nach dem verdienstvollen Pfarrer zu St. Josef in Margarethen, Zeinlhoser (gest. am 7. April 1881). Zeleborgafse (XII. Bez., Unter- Meidling, benannt nach dem verstorbenen Bürgermeister von Meidling, Zelebor. Bis 1894 hieß die Gasse Heinrichsgasse. Zelinkagasse (I. Bez.), eine neue Gasse, benannt zur Erinnerung an I)r. Andreas Zelinka, welcher von 1861 bis 1868 Bürgermeister von Wien war (geb. am 23. Februar 1802 202 Zkllerhofgasse — Zwerngasse. zu Wischau in NNähren, gest. in Wien am 21. November 1868). Unter ihm wurde die große Stadterweitung Wiens in Angriff genommen und in der Hauptsache durchgeführt. Zellerhofgaffe (XVIII. Bezirk, Währing), bis 1894 Marktgasse, jetzt nach dem daselbst befindlichen „Zellerhos" benannt. Zenogaffe (XII. Bez., Oberund Unter-Meidling), benannt nach dem Dichter Apostolo Zeno (geb. 1668, gest. 1750), der seit 1715 Hofpoet in Wien war. Bis 1894 hieß die Gasse Maria Theresiastraße. Zentagaffe (V. Bez.), benannt zur Erinnerung an den Sieg des Prinzen Eugen von Savoyen über die Türken bei Zenta in Ungarn am 11. September 1697. Ziegelofengaffe (V. Bez.), sie befindet sich aus den ehemals dem Handelsmanne Johann Georg Hartmann gehörigen Gründen und führt ihren Namen von den daselbst vormals bestandenen zwei Ziegelöfen, welche der Stadtgemeinde Wien gehörten und schon vor der zweiten Türkenbelagerung genannt werden. Zieglergaffe (VII. Bez.) führt ihren Namen nach den Ziegeleien oder Ziegelstätten, welche hier noch im Jahre 1807 bestanden. Zieglergaffe (XIII. B-, Hietzing), seit 1894 Eskelesgasse genannt nach dem k. k. priv. Großhändler Bernhard Freiherrn von Eskeles (1755 bis 1839). Zierleitengaffe (XVIII. Bez., Salmannsdorf), so genannt, weil sie zu dem Ried „Zierleiten" (Leiten mundartlich — Lehne, Abhang) führt; bis 1894 hieß sie Neuberggasse. Zinkgaffe, verlängerte (XV. B.) heißt seit 1894 Moeringgasse (s. d.) nach dem k. k. Feldmarschall-Lieutenant Karl Moering (geb. 1810). Zinnergaffe (XI. Bez., Kaiser- Ebersdorf), benannt nach dem ehemaligen sehr verdienten Hofjäger Zinner in Kaiser-Ebersdors. Bis 1894 hieß die Gasse Fabriksgasse. Zollamtsstraffe, Hintere und Vordere (III. Bez.), haben ihren Namen von dem k. k. Hauptzollamtsgebäude, an dessen beiden Fronten entlang sie führen. Zollergaffe (VII. Bez.), benannt zur Erinnerung an den Tuchhändler und späteren Commerzienrath Michael von Zoller (geb. 1665 zu Bozen, gest. 1756 zu Wien), welcher die einst renommierte „Zollerschule" in der Neubaugasse (heute eine städtische Schule in neuem Gebäude) aus seine Kosten stiftete. Zollernfperggaffe (XIV. Bez, Rudolssheim) ist nach dein Riede Zollernsperg benannt. Zollgaffe (III. Bez.) führt zum k. k. Hauptzollamtsgebäude. Zöppelgaffe (XII. Bez., Altmannsdorf), benannt nach Johann Zöppel, dem Lehnsherrn von Altmannsdorf um 1570. Bis 1894 hieß sie Hosfmanngasse. Zrinyigaffe (H. Bez.), eine neue Gasse, welche durch ihren Namen an Niklas Gras Zrinyi (geb. 1508) erinnert, der 1566 Szigetvär gegen die Türken so kühn vertheidigte und beim Ausfall aus der Festung mit den Seinen den Heldentod fand. Zuckergaffe (III. Bez.) ist nach einer Zuckerfabrik benannt, die früher hier bestand. Zwerggaffe (XHI. Bez., Unter- St. Veit), seit 1894 Wittegasse (s. d.). Zwerngaffe (XVII. Bez., Dörnbach) hieß bis 1894 Augasse und ist Zwettelhof — Zwölfergasse. 203 nunmehr nach dem in der Nähe gelegenen Ried Zwern benannt. Zwettelhof (I. Bez., Stephansplatz); 1304 brachte das Cistercienser- stist Zwettel oder Zwettl in Nieder- Österreich das Haus am Stephansplatz von dem Rittergeschlechte der Greisen- steiner käuflich an sich. Der heutige Zwettelhof ist ein großer Neubau. Zwifcherrbrückerr, ein Theil des II. Bezirkes, welcher, einst zum unteren Werd ss. Leopoldstadt) gehörig, zwischen dem Donaustrome und dem mittleren Donauarme (bestehend aus dem sogenannten Fahnstangenwasser und dem Kaiserwasser) und somit zwischen zwei Brücken lag, woher sein Name rührt. Durch die Donauregulierung 1869 bis 1875 verschwand der mittlere Donauarm und die ganze Gegend erhielt ein anderes Ansehen. Der Name „Zwischenbrücken" lebt nur noch im Volksmunde fort. Zwölfergasse (XV. Bez.), benannt nach dem Baumeister Zwölfer, welcher in den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts lebte. Literatur Amtsblatt der k. k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien. III. Jahrgang, 1894. Ber mann Moriz, Alt- und Neu-Wien. Geschichte der Kaiserstadt und ihrer Umgebungen. Seit dem Entstehen bis aus den heutigen Tag und in allen Beziehungen zur gesammten Monarchie geschildert. Wien, 1880. Blümel Jakob, Die Geschichte der Entwicklung der Wiener Vorstädte nach authentischen Quellen zusammengestellt. X. Leopoldstadt. V. Die Landstraße. 6. Die übrigen Bezirke. Wien, 1884 bis 1886. Bro ckhaus' Conversations-Lexikon. 13. Auflage, und 14. Auflage I.—XI. Band. Leipzig, 1892 bis 1894. Communal-Kalender, Wiener, und städtisches Jahrbuch. 1. bis 32. Jahrgang. Wien, 1863 bis 1894. Echsel Franz, Rudolfsheim. Historisch-topographische Darstellung des Ortes nebst einem Rückblicke auf die geschichtliche Entwickelung der vor fünfundzwanzig Jahren zur Ortsgemeinde Rudolfsheim vereinigten Gemeinden Reindorf, Braunhirschen und Rustendorf. Rudolfsheim, 1888. Egli I. I., Xominn ZooAraxliiea. Sprach- und Sacherklärung von 42.000 geographischen Namen aller Erdräume. Zweite, vermehrte und verbesserte Auflage. Leipzig, 1893. Fuhrmann M., Alt- und Neu-Wien. 2 Bände. Wien, 1738 bis 1739. Geusau A. R., Geschichte der Stadt Wien. 2. Auflage (sammt Supplementen). 7 Bände. Wien, 1792 bis 1810. Grienberger Theodor R. v., Vindobona, Wienne. Eine etymologische Untersuchung. Wien, 1894. (Sitzungsberichte der kais. Akademie der Wissenschaften in Wien. Philosophisch-historische Classe. Band 0XXX1, VIII.) Hormayr, Jos. Freiherr von, Wien, seine Geschicke und seine Denkwürdigkeiten. Wien, 1823—1825. 1. bis 5. Band. Kisch Wilhelm, Die alten Straßen und Plätze Wiens. Wien 1883. Kisch Wilhelm, Die alten Straßen und Plätze von Wiens Vorstädten. Wien, 1888 ff. Meyers Conversations-Lexikon 4. Auflage, 16 Bände. 5. Auflage 1. bis 5. Band. Leipzig und Wien, 1893 bis 1894. Müller Richard, Neue Vorarbeiten zur altösterreichischen Ortsnamenkunde. („Blätter des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich" XX. Jahrgang, Wien 1886 und XXIII. Jahrgang, Wien 1889.) Literatur. 805 Oesterley Hermann, Historisch-geographisches Wörterbuch des deutschen Mittelalters. Gotha, 1883. Realis (Cöckelberghe), Curiositäten- und Memorabilien-Lexikon von Wien. Herausgegeben von Anton Köhler. 2 Bände. Wien, 1846. Schimmer Karl August, Wien seit sechs Jahrhunderten. Eine chronologische Reihenfolge von Thatsachen, Begebenheiten und Vorfällen in Wien, von 1200 bis aus die neuere Zeit rc. 2 Bände. Wien, 1847. Schlager R., Wiener Skizzen aus dem Mittelalter. I. bis V. Band. Schmeller I. A., Bayerisches Wörterbuch. 2. Auflage, bearbeitet von G. K. Fromann. 2 Bände. München, 1872 und 1877. (Schweickhardt) Fr. Lavier Ritter von Sickingen, Darstellung der k. k- Haupt- und Residenzstadt Wien. 3 Abtheilungen. Wien, 1832. S ch w e i ck h a r d t F r., Ritter von Sickingen, Darstellung des Erzherzogthums Österreich unter der Ens, durch umfassende Beschreibung aller Burgen, Schlösser, Herrschaften, Städte, Märkte, Dörfer, Rotten rc. rc. topographisch-statistisch-genealogisch-historisch bearbeitet und nach den bestehenden vier Kreis-Vierteln alphabetisch gereihet. 1. bis 7. Band. Viertel unterm Wienerwald. Wien, 1831 bis 1833. Topographie von Niederösterreich. Herausgegebeu vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich. Wien, 1870 ff. Besonders 2. Band, l. bis Heft: Wien, von Karl Weiß. Tschischka F>, Geschichte der Stadt Wien. Stuttgart, 1852. Umlaust Friedrich, Geographisches Namenbuch von Österreich-Ungarn. Eine Erklärung von Länder-, Völker-, Gau-, Berg-, Fluss- und Örts- namen. Wien, 1886. Verzeichnis, Alphabetisches, der infolge der Einbeziehung der Vororte in das Gemeindegebiet von Wien abgeänderten Straßen- und Gassen- Namen sowie deren frühere Bezeichnung. Wien, 1894. Vier Wochen in Wien. Ein treuer Führer zu den Merkwürdigkeiten der Kaiserstadt rc. Wien, 1841. Weiß Karl, Geschichte der Stadt Wien. 2. umgearbeitete Auflage. 2 Bände. Wien, 1882 und 1883. Wurzbach, Constant von. Biographisches Lexikon des Kaiserthum- Österreich, enthaltend die Lebensskizzen der denkwürdigen Personen, welche seit 1750 im Kaiserstaate und in seinen Kronländern gelebt haben. 60 Bände. Wien, 1856—1891. Mhalrsberzeichnis. Vorwort.. Einleitung. Über die Namen Vindobona und Wien . . . . . Straßennamen der Stadt. Die ehemaligen Vorstädte.. . . Erklärung von deren Namen. Die ehemaligen Vororte. Erklärung von deren Namen. Neue Straßennamen von 1862 . Neue Straßennamen von 1894 . .. Lexikalischer Theil . Literatur .. Alt und Neu-lVien oder Geschichte der Kaiserstadt und ihrer Umgebungen. 5eit dem Entstehen bis zum Jahre ^880 und in allen Beziehungen zur gesammten Monarchie geschildert von Moriz Berinann. Mit 3s2 Illustrationen, Bildnissen, Initialen und Plänen von hervorragenden Künstlern. 76 Bogen. Groß-Vctav. In einem Bande geheftet 7 fl. 50 kr. — 1(3 M. 50 Pf. — In einem Griginal- Prachtbande 0 fl. — (6 M. 20 ps. — In zwei 6albbänden L 3 fl. 75 kr. — 6 M. 75 Pf. — Auch in 25 Lieferungen L 30 kr. — 60 Pf. In ebenso würdigender, als lebensfrischer weise geschrieben, zugleich belehrend und als Herz und Geist anregende Unterhaltungs-Lectüre geltend, umfasst das vorliegende Werk die Geschichte der Kaiser st adt Wien von ihrer Entstehung bis zum Jahre 1(880, wo sie mit ihren Prachtbauten, den herrlichen Straßen, Plätzen und Gärten sich mit allen Hauptstädten des Festlandes zu messen begann. Um das Bild ganz zu vollenden, sind auch die wunderherrlichen Umgebungen der Metropole an der Donau, deren sich keine andere Residenz in solcher Schönheit und Fülle zu rühmen vermag, einbezogen worden. Das Werk hat eine wirklich bedeutende Reichhaltigkeit in der Schilderung interessanter und wichtiger vorfallenheiten, und verdient ganz besonders das prägnant hervortretende Erblühen des Neuen Wien unterKaiserKarlVI bis zum Neuesten Wien unter Kaiser Franz Josef I. die regste Aufmerksamkeit. Die Zeitperioden Karl's VI., Maria Theresien's, Josefs II. mit den Gebäudeverschönerungen und freisinnigen Institutionen, darunter höchst interessante Einzelnheiten; die Verschönerungen wien's unter Franz I. und Ferdinand dem Gütigen, die Kriegseinfälle, das vormärzliche Wien mit feinen lebenslustigen Bewohnern, die Geschichte der Theater, Vergnügungen, Prater, Wasserglacis, Basteien; Volksfiguren und Volkssängerthum rc.; das Jahr (8H8 in feinen markantesten Momenten, die Regierung Franz Josefs I., das neueste Wien bis 1(880 mit allen Institutionen und den Prachtbauten der Neuzeit — all dies bietet wahrhaftig ein unumgänglich nöthiges Lese- und Nachschlagebuch für Alle, die irgend über wien's Linzeinheiten unterrichtet sein wollen. Das reiche Register von Tausenden von Artikeln erleichtert in zweckmäßiger weise die Auffindung. Mit Liebe und Emsigkeit hat der Verfasser alle die schönen perlen aneinandergereiht, welche sich in Wien und seiner Geschichte seit dessen Entstehen vorfinden, und man muss sagen, dass er seine Aufgabe in gelungenster weise gelöst hat. Die Ausstattung des Werkes ist eine liebevolle und glänzende. A. Hartleben's Verlag in Wien, Pest und Leipzig. ^ "/^ ° 6 -- ^ . -Ls^/ . .< ^ 4 -»- ^ 7 /^ § ^ ^>'^" 7 . / ^ 7 ^/' ^^ v > rrr ^. , ' .>/ c ?.. 7 '^ (/ ^ c . E-^7'' '/^r^ ' ^ '- s - ? '»^ ' . «. M27^ /F^) .1 ^ ^ ^ > . ' --1 - .- 7 ,- ' 7 " 7 ?'"^ ^>/ --. i . ÄH A'* - > UKM / K MM i^jL/ch M^WER MUW BMO«MW ' :^ ^-. -./W- L«: ^-s- ^F.^ UDL^ ADBMA WAN MKMj: MZjs " . -I> MÄ OD WsÄ MMM r>?-? M'E - MKWM» dWUW»^ MFE-" WM. 5 ^- 7 « «>^- <-L ^ L , >' > 'H NL ^7 V > -ä