iikiidcmWe» L-' M * ^ Ttudenten! Beantwortet Eurem Csmmandanten frei und offrn dir Frage, die er vertrauensvoll, in der sichern Erwartung, volle Wahrheit zu vernehmen, an Much richtet. Vertraut Ihr mir? Glaubt Ihr, daß ich es redlich mit Euch sowohl als dem Vaterlande Mine? Glaubt Ihr, daß ich im Stande bin in unfern verwickelten schwierigen ZeitverlMnissen Wahres vom Falschen, Recht vom Unrechte zu unterscheiden, und daß ich Muth habe dem Unrechte fest entgegen zu treten, ohne zu wanken. M erwarte, ja-ich fordere von Euch binnen 24 Stunden ein bestimmtes Za oder Rein. Sollte ich das Letztere vernehmen, so lege ich alsogleich das Eommando der Legion nieder, das ohne Euer Vertrauen Nie mand behalten darf. Heißt Eure Antwort aber „Za", so vernehmt einen Rath, eine wohlgemeinte Vorstellung, eick Bitte von mir. Löset selbst großmüthig und edel die Legion auf, und zwar ohne Zeitverlust. Es wird dieser Schritt Euch selbst Ehre, der Stadt Wien, dem gejammten VaterlaM Heil bringen, die so wünschenswerthe, so dringend nöthige Entwickelung und Feststellung der Constitution des Vaterlandes befördern, und jede dagegen mögliche Reaction vernichten. Ihr habt diese Frage bereits wiederholt berathen und anders entschieden. Habt Ihr sic aber auch genau von allen Seiten gewürdiget? Habt Ihr Euch nicht VW einseitigen Gegenvorstel- lungen Hinreißen lassen? Habt Ihr die Ueberzeugung, daß" diesen Gegenvorstellungen keine verderblichen Absichten zum Gründe lagen. Nehmt Euch in Acht! das schöne, hohe Ziel, das wir gemeinschaftlich verfolgen, daswahre Wohl -es Gelammt - Vaterlandes, nicht einzelner Klaffe« z« befestigen, das an den Marztagen gegründet worden, kann leicht verfehlt werden. Ihr sollet es aber erreichen Helsen. Achtet daher auf die lallten Stimmen der Gesammt Bevölkerung von Wien und aller Provinzen. Haltet nicht die lauten Rufe Einzelner für die ruhige Stimme der Völker. Uebcrhürt die Stimme Eures '/ ' Vaters nicht, als den Mr Ursache genug habt, mich zu erkennen. Ueberhört sie nicht, wie schon mehrmalen, als ich wenigstens Viele von Euch aufmerksam gemacht, wie unrecht es sey, die Nachtruhe unserer Mitbürger M stören, als ich mich gegen Eure Hauptleute mit Abscheu gegen die auf keine Weise zu entschuldigenden Verletzungen der heiligsten Hausrechte aussprach. Wenn Ihr meinen Rath befolgt, so werdet Ihr mich leicht die wiederholten Vorwürfe übersehen machen, die ich von meinen besten Freunden erfahren muß, Euch nicht schon längst verlassen zu haben. Gerne werde ich mit Euch den deutschen Hut ablegen, nur mit tiefem Schmerz ohne Euch. ien, den 25. Mai 1648 . Collmedo-Maimsfetd. Gedruckt bei Carl Gerold.