Erzherzog Ich« »M Dkstcmlch, DeuMlands RciWcrweser! als Fürst, Mmsch Mi» Krieger. Da viele meiner theuren Mitbrüder, die diesen vortrefflichen Fürsten ehren, lieben und bewundern, die Geschichte seines Lebens nicht so ganz kennen dürften, so achte ich es für meine Pflicht ihnen hierüber das Wesentlichste mitzutheilen, indem ich zugleich ihm selbst meine Huldigung und Verehrung darbringe. Johann Baptist Joseph, Erzherzog von Österreich, ist der sechste Sohn Leopolds Großherzogs von Toscana und der Infantin Maria Louise, Tochter Carl III. König von Spanien,'und ward geboren, zu Florenz am 20. Jänner 1782. Als sein erlauchter Vater im Jahre 1790 nach seines Bruders Joseph II. Tode den römischen Kaiserthron bestieg, kam Erzherzog Johann mit ihm nach Wien. Er war damals 8 Jahre alt. Die Ausbildung seines Geistes und Gemütheö verdankt dieser vortreffliche Fürst mehr sich selbst, als seinen Lehrern. Früh erwachte seine Neigung für die Kriegskunst, und auf diese, wie Luf di» Geschichte verwendete er seine. Studien. Vergebens hatte er gewünscht in den Jahren 1797 und 1799 den Krieg unter seinem ffeggekrönten Bruder Carl zu erlernen, erst im Jahre 1800, als dieserffich vom Commando zurückgezogen, und General Kray mehrere Unfälle erlitten hatte, empfing Erzherzog Johann den Oberbefehl, aber leider über eine geschlagene Armee. Die erste Vorrückung war sehr glücklich, aber am I. Dezember 1800 geschah die entscheidende Schlacht bei Hohenlinden. — Unvorhergesehene, nicht zu vermeidende Unfälle, kosteten den Österreichern fast ihre ganze Artillerie und bei LO.OOO Mann und öffneten dem Sieger Moreau den Weg nach Österreich. — Erzherzog Johann, damals 18 Jahre alt, zeigte att diesem Unglückstage ungemeinen persönlichen Muth, er bot Alles auf, den Geist der Truppen zu beleben und ihm konnte gewiß auf keine Weise das herbe Unglück dieses Tages zugeschrieben werden. Der Friede von Lüneville, (y. Februar 1801) endigte diesen Krieg und Erzherzog Johann ward zum Generaldirektor des Fortifikations- und Geniekorps und zum Direktor der durch ihn zur schönsten Blüthe erhobenen Ingenieur-Akademie zu Wien, und Ca- detten-Akademie zu Wiener-Neustadt ernannt. — Schon im September 1800 hatte er Tirol bereiset, er besuchte es seitdem jährlich und entwarf vortreffliche Plane für die dortige Volksbewaffnung, für die Vertheidigung der festen Plätze und für di« Anlegung eines Hauptwaffenplatzeö bei Brixen. Als im September 1805 der Krieg seinem Ausbruch nahe war, eilte Erzherzog Johann mit dem Auftrag nach Tirol, dort und in Vorarlberg die Organisation der Miliz in schnellen Vollzug zu bringen. Darauf befehligte er das Armeekorps in Tirol, schlug die Baiern beim Passe Strub > und vertheidigte Scharnitz heldenmüthig. — Als Napoleon nach Wien zog, faßte der Erzherzog den genialen Entschluß, sich über Salzburg auf die feindlichen Communikationen zu werfen. Der Unfall der Brigade Szenasy hinderte ihn daran. Er vereinigte sich daher in Kärnten mit dem Erzherzog Carl, dessen Absicht, Wien und die Monarchie zu retten, die Schlacht von Austerlitz und der darauf folgende Friede vereitelten. Des Erzherzogs Johann Sammlungen 4jnd Studien hatten Tirol zum Lieblingögegenstande gemacht. Die Ersteren bestimmteer der Universität Jnsbruck, die ihn zu ihrem beständigen Rektor erwählte. Nach dem,, durch den Preßburger-Frieden (26. Dezember 1605) erfolgten Verluste Tirols, wendete sich seine Aufmerksamkeit auf auf die norischen Alpen, auf die Alpen von Salzburg, Steiermark und Kärnten. Schon damals faßte er den Vor. satz zu Gründung eines Nationalmuseums in Grätz. Seine Reisen galten setzt dieser Alpenkette. Fürstlich von ihm unterstützt durchzogen Naturforscher, Antiquare, Zeichner und Maler das Land, dessen Gemälde in geschichtlicher, ctnographischer, staats- und landwirthschaftlicher Hinsicht möglichst vollkommen ans Licht treten sollte. Als bald nach dem Tilsiter-Frieden, Österreichs neue Rüstung begann, arbeitete der Erzherzog besonders an einem Systeme des Angriffs und der Vertheidigung für Salzburg und Jnnerösterreich. Unter seinem Vorsitz wurden die großen Maßregeln der Reserven und Landwehr beschlossen und ausgeführt. — Er leitete durch Hormayer die Vorbereitungen zu der ruhmvollen Tiroler-Jnsurektion. Bei Ausbruch des Krieges 180Y befehligte er die nach Italien und Tirol bestimmte Armee von Jnnervsterreich. Er siegte bei Venzone, Pordenone, schlug bei Sacile den Vizekönig Eugen aufs Haupt ( 16 . April 1809 ) und war bis an die Etsch vorgedrungen, als der Unfall bei Regenöburg ihn zum Rückzüge nötbigte. Das Treffen bei TarviS entschied diesen Rückzug vollends, denn Jevachichs Fehler vereitelten den Plan deS Erzherzogs, die ihm entgegen stehenden Feinde einzeln zu schlagen, die verlorne Verbindung mit Tirol zu eröffnen, Jnnerösterreich zu befreien und durch einen Marsch gegen Wien , Napoleon zu Detaschirungen zu nöthigen. — Die Schlacht bei Naab (14- Juni 1809 ) ging durch die Schuld der ungarischen Jnsurektion verloren. Erzherzog Johann zeigte sich hier neuerdings als Held und bewahrte bei seinem Rückzüge nach Comorn und Preßburg seine treffliche Strategie, allein es war ihm in der so kurzen anberaum» ten Zeit unmöglich sich bei Wagram mit dem äußersten linken Flügel deS Erzherzogs Carl zu vereinigen. Nach dem Frieden von 1809 widmete er sich ganz seinem Beruf als General-Geniedircktor und Vorsteher der beiden Akädeniien. Im Jahre 1811 gründete er das nunmehr zu so hoher Vollkommenheit gediehene Nationalmuseum zu Grätz, welches seinen Namen „losnnvum" trägt. — Er weihte nun seine Tage den Künsten und Wissenschaften bis zum Jahre 1815. In dem Feldzuge dieses Jahres erhielt er ein Kommando. Erbesuchte zuvor Italien, wo er in Mailand als Stellvertreter des Kaisers die Huldigung annahm, und die Schweiz. Dann befehligte er die Belagerung von Hüningen, erzwang die Uebergabe in kurzer Zeit, und ordnete die Zerstörung dieser gefährlichen Festung an. Nach erfolgten Frieden ging er nach Paris und London und kehrte im Jahre 1816 über Belgien nach Wien zurück. Von nun lebte er im Schoße ländlicher Stille, sich seinen hohen Berufsgeschäften und wissenschaftlichen Bestrebungen hingebend, theilözuTherenberg bei Wiener-Neustadt, theils auf seinem anmuthigen Landsitze Brandhof in Steyermark, doch vergaß er auch nicht von Zeit zu Zeit sein geliebtes Tirol zu besuchen. — Der Ruf seiner Humanität, so wie seiner freisinnigen, edlen und treuherzigen Denk- und Handlungsweise ward mit jedem Tage lauter. Er ward allgemein geschätzt, geliebt, bewundert. Durch seine Vermählung mit einer wackern BürgerS- tochter vernichtete er die Macht des Vorurtheils, und fühlte sich an der Seite seiner durch Herzens- und Gesinnungsadel so hochgestellten Gattinn und in traulich gemüthlichem Kreise seiner Familie unendlich glücklich.— Seine Gemahlinn wurde von Kaiser Franz, zur Gräfinn Brandhof erhoben, und sein ältester Sohn ist der Graf von Meran, ein liebeswürdiger hoffnungvoller Jüngling. Von nun an lebt er, der treugesinnte vortreffliche Volsfreund Erzherzog Johann in unserer Mitte. Als unserö Kaisers Stellvertreter am Reichstage ernannt, ist er nun hier, unsere Rechte und Interessen zu schützen und zu wahren, und den Himmel unserer Freiheit rein und ungetrübt zu erhalten. Aller Herzen schlugen bei seiner Ankunft ihm entgegen, und mit voller Zuversicht rief laut das Volk: daß es von ihm Alles Gute, das Herzlichste, das Beste, erwarte. Wie er schon vor Jahren über Deutschland und jetzt über unsere Errungenschaften in Oesterreich sich aussprach ist nur zu sehr bekannt, und zeigt von seiner hochherzigen Gesinnung, und siehe da, das böse Schicksal droht uns diesen herrlichen Volköfreund wieder zu entreißen. Am 2 Y. Juni dieses Jahres, wurde er zu Frankfurt am Main mit 436 Stimmen gegen 85 zu Deutschlands Neichöverweser ernannt. Dem Verdienste seine Kronen! Was wird aber nun geschehen, wenn der Erzherzog diesem ehrenvollen Rufe folgt? Werden unsere österreichischen Interessen nicht dadurch hintangesetzt? oder dürfen wir der schönen Hoffnung Raum geben, daß beide Stellen sich in Eine vereinigen werden, da das Parlament in Frankfurt sich nicht abgeneigt zeigen soll, seinen Sitz nach Wien zu verlegen? Die Aeußerung unserS genialen Saphirs über diesen Gegenstand ist richtig und wahr: "Sollte es unmöglich sein, daß Erzherzog Johann den Wiener- Reichstag eröffne und leite, so muß das Besondere dem Allgemeinen weichen, des Kaisers Gesundheit mehrt sich stündlich; wohlan, er kehre zu uns zurück und lasse Johann dahin ziehen, wohin ihn das Heil Österreichs, daö Heil Deutschlands, das Heil Europas ruft!" Möge am Schlüße dieses Aufsatzes der unsterbliche Schiller mir verzeihen, wenn ich mir erlaube, zu seinem Distichon: "Güte und Größe,, welches also lauter: Nur zwei Tugenden gibt's, o wären sie immer vereinigt. Immer die Güte auch groß, immer die Größe auch gut! noch eine Zeile hinzu zu fügen: In Dir Erherzog Johann, findet man beide vereint!" Ein Mann aus dem Volke. Gedruckt bei Joh. Nep. Fridrich.