An Herrn Wmcur des „ReimüPgcil" ^ und Consorten. Ihr Blatt, betitelt „der Freimürhige," vom 25 August kam mir vor einigen Lagen zu Gesiebt; zwar nicht Ihr Blatt allein ist eS, daS j-den gutgesinnten Menschen in Betreff der Schilderungen vom 23- August auf das Aeußerste empört, sondern auch der „Demokrat," die , Constitution," jedes in einer andern Form, aber in einer verwerflichen Idee. Ich habe Sie besonders zur Zielscheibe gewählt, weil ich Ihr Glaubensgenosse bin, und glaube mich auch als Garde dazu berechtigt, Ihnen eine Erwiederung zu geben. Herr Redacteur! Sie schildern die. Geschichte vom 23 in gräßlichen Bildern, Sie sind ein Mahler, Sie haben aber das Bild nach Ihrer Idee gewählt, nicht nach dem Originale, Sie haben es mit unechten Farben bestrichen haben die Farben zu stark aufgetragen, und wollen es dem Volke mit Gewalt aufdringen, daß dieß das rechte Bild sei. Ich wollte Sie bei Ihrer Ehre auffordern, aber wo Nichts ist, har der Kaiser das Recht verloren, daher fordere ich sie auf im Namen Lottes, der Gerechtigkeit, im Namen aller gutgesinnten Garden, es vor dem Publikum zu bestätigen, ob Sie Augenzeuge davon, oder aus welcher zuverlässigen Quelle Sie die Berichte über alle jene gräßlichen Thaten, von denen Sie in J-irem Blatte sprechen, geschöpft haben. Ist hie und da vielleicht von einigen Garden ein Uebergriff geschehen, wer hat Ihnen das Recht einaeräumt, alle Garden auf die Wage der Ungerechtigkeit zu legen? Wollen Sie vielleicht jetzt Rache üben gegen ein ganzes Institut weil Sie von manchen Ihnen gleichgesinnten Garden insultirt worden? Sind das die Wege eines gebildeten Menschen? Sie seelenfrommer Redacteur! Ihnen ist doch gewiß der Satz in der heiligen Schrift bekannt: »Der Mann sündigt, und auf die ganze Gemeinde willst du zürnen?» Sie stellen sich mit jenen elenden Sujets auf eine Stufe, die, wenn einer auS der Nation sich so arrogannt benimmt, wie Sie, Herr Mahler, gleich die ganze Nation der Arroganz beschuldigen? Gehen Sie ad von oie,em Wege, feinden Sie nicht das Volk gegen die Garde, die Alles, ja selbst das Leben einsitzt, um die Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten. Nehmen Sie die Versicherung, daß jeder Garde eben so wie Sie das erbarmungsvolle Gefühl besitzt. Der gute Garde behandelt sogar seine Feinde mit der größten Schonung, sonst würde man mit Ihnen anders verfahren. — Als wir im Bahnhofe angekommen waren, wurden wir mit Zischen und Pfeifen von den Arbeitern empfangen, ja es ist sogar aus einem Garten, der als Schlupfwinkel diente, auf uns geschossen worden, aber unsere Führer hatten uns stets mit großer Geduld ermahnt, nur im äußerste n Falle von den Waffen Gebrauch zu machen, und auch dann würde unser menschliches Gefühl Schranke genug gewesen sein, um uns vor einem Uebergriff zu wahren. Sie, Herr Mahler, wollen uns verdammen? Sie wollen den Garden der Leopoldstadt Schulden aufbur- den, und so viel ungegründete Lhatsachen niederschreiben, vor denen nur ein so in der Lüge geboren» und erzogenes Blatt, wie das Ihrige, nicht erröthen kann. Wozu soll dieses? Sie bekommen das Geld für Ihr Blatt, wenn Sie auch nicht lügen, und das ist doch nur Ihr einziger Zweck! Darum rathe ich Ihnen, abzulassen von Ihren lügenhaften Verläumdungen. Hetzen Sie nicht das Volk gegen wahrhaft gutgesinnte Menschen, eS kann Ihnen schlecht gehen! — Die Garde ist zu ehrenhaft, um solche falsche, elende Beschuldigungen auf sich lasten zu lassen. In Ihrem Blatte heißt es ferner, daß im Leopoldstädter Gemeindehause ein Garde mit Bedauern geäußert hätte, „er habe nur zwei erschossen." Haben Sie es selbst gehört, so sind sie ein Schurke, daß Sie es nicht gleich angezeigt, denn befindet sich wirklich unter unS so ein Bluthund (woran ich zweifle), der möchte alsdann von diesem ehrenhaften Körper auS- geschieden werden. Haben Sie es nicht gehört, so sind Sie ein Schurke, weil Sie es mit Gewißheit bezeichnen; Sie hätten es als Gerücht der Oeffentlichkeit übergeben können. Jedenfalls haben Sie niederträchtig gehandelt, selbst wenn Sie einem Bilde Ihrer Fantasie folgten, und Ihren Artikel, bevor noch etwas begann, niederfchrieben, was aber jedoch Alles früher oder später geahndet werden wird. Gedruckt bei M. Lell. M. H. Garde deö5. Bezirks, 3. Comp.