Au die Mm Einwohner Meiner Residenz. Die Stadt Wien hat zuerst, und bald darauf haben die Abgesandten Meines ganzm Reiches dankbar anerkannt, daß es Mir in dm denkwürdigen Märztagen heiliger Ernst und zugleich die Meinem Herzen und Meiner unbegrenzten Liebe zu Meinen Völkern befriedigendste That Meines Lebens war, als Ich ihrm Wünschen durch eine, dm Zeitbedürfnissen angemessene, im weitesten Sinne des Wortes freisinnige Verfassung entgegen mm. yWiM Völker ist auch Mein Glück und allein von diesem Gefühle geleitet, habe Ich nach dem Anträge Meiner Räthe die am S5. April kundgemachte Verfassung verliehm. Mit derselben habe Ich den Forderungen der Zeit, den Bedürfnissen der einzelnen Provinzen, der vorwiegenden Memung Meines Volkes, welche im Wege des Gesetzes geltend gemacht, Mich jederzeit in Meinen Beschlüssen bestimmen wird, nicht vorgreifm wollen. Meine Ueberzeugung jedoch, daß die von Mir ertheilte Verfassungsurkunde den allgemeinen Erwartungen genügen werde, ist durch die in den verschiedenen Provinzen aufgetauchten Besorgnisse für die richtige Auffassung und Würdigung ihrer nicht unwesentlichen besonderm Verhältnisse, so wie durch die am 15. Mai d. I. in Wien vorgefallmen Ereignisse erschüttert worden. Ich habe daher am is. Mai keinen Anstand genommm, den nächsten Reichstag als einen constituirenden zu erklären, und die damit in Einklang stehenden Wahlen zuzusichern. Einzelnheiten ein Werk des gesetzlich ausgeprägtm Gesammtwillms seyn werde, mit welchem Hand in Hand zu gehm, Ich fest entschlossen bm. Mein sehnlichstes Verlangen — und Ich bin überzeugt, daß Ich es nicht vergebens ausspreche — ist nunmehr, daß die baldige Eröffnung dieses Reichstages in Wem, dem Sitze Meiner Regierung, möglich werde. . ^ Soll aber diese Eröffnung an keinem anderen Orte und bald zu Stande kommen, so ist es unerläßlich, daß m den Mauern Wiens ungetrübte und festbegründete Ruhe und Ordnung herrsche, und daß den Abgeordneten der Provinzen für die Freiheit ihrer Berathungen vollkommene Sicherstellung gewährt und verbürgt werde. Ich darf daher von den Einwohnern Wiens erwarten, daß sie Alles aufbieten werden, damit die gesetzliche Ordnung in jeder Beziehung Wieder eintrete; Ich erwarte, daß alle persönlichen Feindschaften aufhören und unter allen Bewohnern Wiens der Geist der Versöhnung und des Friedens allein vorherrschend werde. Mt väterlichem Wohlwollen stelle Ich diese Forderungen an die gesammte Bevölkerung Wiens, und baue auf deren Erfüllung, denn Ich werde den Tag preisen, wo Ich mit der Eröffnung des Reichstages zugleich das freudige Wiedersehen der Meinem Herzen noch immer theuren Wiener feiern kann. Innsbruck den 3. Juni 1848. Ferdinand. Weffcnberg. D»blh«ff. Au- der k. k. Hof- und Staats-Druckerei.