Der wohlwollende Pfaffe «»- schamlose Lügner Professor Rauch zu München. Hört, Ihr Bewohner Ober- und Niederbayerns, auf welche Weise ein sogenannter „Verkünder des Wortes Gottes" mit der Wahrheit umspringt, und welcher Mittel sich die Partei der Finstermänner bedient, um Mißtrauen, Haß, Zwietracht und Verfolgungen unter dem braven Landvolke hervorzurufen. Bemerket, in welchen maßlosen, wuthschnaubenden Ausdrücken dieser wegen seiner Intoleranz berüchtigte Pfaffe über die Meyrheit der bayerischen Volksvertreter herfällt, als wolle er sie sämmtlich auf Einen Schluck im Kraut ausftessen. Wenn man über solche Hanswurstereim nur lachen kann, so möchte man anderseits blutige Thränen weinen, daß es noch Menschen gibt, die nur darauf trachten, Aberglauben, Dummheit, Versolgungssucht im Volke zu verbreiten, und daß solche Menschen im Staatsdienste angestellt sind, und ihre fluchwürdigen Ansichten der Jugend einzupflanzen suchen. Wehe unserem Vaterlande, wenn solchen Händen die Erziehung der künftigm Staatsbürger anvertraut bleibt! Wir wollen aber nicht, wie dieß bei der Rückschrittspartet der Fall ist, in's Blaue hinein redm, sondern das nachstehende Dokument, dessen ganzer Umfang als ächt verbürgt wird, Punkt für Punkt widerlegen: Der 8 3 der Grundrechte sagt ausdrücklich: „die Bedingungen für den Aufenthalt und Wohnsitz werden durch em Heimathsgesetz, jene für den Gewerbsbetrieb durch eine Gewerbeordnung für ganz Deutschland von der Reichsgewalt festgesetzt." Hier heißt es also mit klaren Worten, daß erst noch ein Heimatsgesetz und eine Gewerbeordnung geschaffen werden wird, wonach nicht jeder Lump sich niedersetzen kann, wo's ihn freut; denn sonst würde ganz München Ein Kloster werden. Zudem muß Jeder, der sich wo niederlassen will, trotz der Grundrechte die gehörigen Vorbedingungen über Leumund und Geschicklichkeit in seinem Erwerbszweig erfüllen, und kann er dieß, so darf sich jede Gemeinde z« solchem Mitbürger gratuliren. Daß der 8 33 dem wohlwollenden Pater Rauch nicht behagt, glauben wir gerne; dmn in diesem Paragraph ist den Erbschleichereien, Besitzergreifungen und überhaupt der Säckelerweiterung des Pfaffenthums ein bischen das Handwerk gelegt, und da soll nun das liebe Landvolk dem Herrn Pater die Kastanien aus dem Feuer holen, d. h. anstatt der Pfaffen gegen diesen Paragraph protestiren: Schließlich bitten wir den Pater Rauch, uns nachzuweisen: 1) wo die Güterzertrümmerung dm Bauern gesetzlich auferlegt wird? 2) wo die katholische Religion ausgerottet wird? 3) Jnwieferne die Majorität unserer Volkskammer Bettler und Taugenichtse sind? Kann er diese A Punkte nicht Nachweisen, so ist der wohlwollende Pater Rauch ein schamloser, gemeiner niederträchtiger Lügner, ein ehrabsch neidend er Schurke, ein würdiger AuchthauS- Candidat. Leset mm, theure Mitbürger, nachfolgendes Aktenstück, das von dem Adressaten an den Vorstand des inonarchisch- constitutionellen Vereins in Ingolstadt, von diesem aber einem Landtagsabgeordnetm zu beliebigem Gebrauche übergeben wurde. Die Veröffentlichung und Kritik dieses Briefes besorgte ohne Wissen irgend eines Abgeordneten: Ein Bürger Münchens. München, den 11. Februar 1849. Lieber Obermaier? Schon lange lasset Ihr nichts mehr von Euch hören. Ich übersende Euch daher eine Predigt, die Euch so ziemlich Ausschluß gebm kann über das, was heut zu Tage vorgeht. Leset sie und thcilet sie auch Andern mit. Sie wird ohne Zweifel auch in Ingolstadt zu haben sein. Es wäre sehr gut, wenn Ihr und etwa noch ein Paar gute Nachbarn mit einander auch den Volksbotcn für Bürger und Landmann halten würdet, damit ihr inne Würdet, wie cs in der Welt jetzt zugeht, derselbe erscheint alle Tage und kostet das ganze Jahr nur fl. 3 36 kr. Er ist so einfach geschrieben, daß ihn selbst ein Kind versteht, und sagt die Wahrheit nach Oben und nach Unten. ES thut diese- wirklich noch, daß Ihr heut zu Tage auch etwas inne werdet, weil die Ereignisse schrecklich sind, und die Republikaner, Demokratm und Radikalen alles über den Haufen werfen wollen. In unserer Ständekammer gebehrden sich bisher die nichtswürdigen Rheinpfälzer wie wü- thende Hunde, sie wollen keinen König, keine Pfaffen, kein Besitzthum rc. mehr wissen. Sie wollen unbedingte Einführung der liederlichen Frankfurter Grundrechte, wodurch der ganze bayerische Bauern-, Gewerbe- und Handelsstand mit einem Male vernichtet würde, außerdem dürften wir sicher sein, baß in 3 — 4 Jahren unser Land noch von wenigstens einer Million liederlicher Einwanderer aus Norddeutschland überschwemmt wäre, die wir nicht zurückweisen, sondern überall aufnehmm müssen, wo es ihnen niederzusitzen belieben würde. Darum rathe ich Euch, benehmet Euch mit ein Paar andern Gemeinden, und schicket sogleich eine Adresse an die beiden Kammern und an den König, worin mit kurzen Worten blos gesagt wird, daß Ihr die unbedingte Annahme der Grundrechte, namentlich die 88- 3 und 33 durchaus verwerfet, und sie um keinen Preis der Welt Euch aufdringen lasset. Sorgt aber dafür, daß diese Adresse (die natürlich dreimal geschrieben sein muß, einmal an den König, einmal an die Reichskammer und einmal an die Kammer der Abgeordneten) mit recht vielen Unterschriften versehen sei. Zaudert nicht, man muß die Thürc zumachen, weil die Kuh noch iin Stall ist. Da seht Ihr, was die sogenannten März - Errungenschaften für saubere Früchte bringen. Im vorigen Sommer haben die liederlichen Abgeordneten bereits das Ablösungsgesetz gemacht, und dadurch den Pfarrern, Kirchen, Spitälern, Armen- und Waisenhäusern rc. bereits 80 Millionen gestohlen, den Staat aber um 4 Millionen betrogen, die durch neue Steuern bald ersetzt werden müssen, auch haben sie den Adeligen ihre Rechte geraubt. Jetzt gehen sie schon weiter, und wollen jetzt den Bauern die Zertrümmerung der Güter gesetzlich auflegen, weil, wie sie sagen, von 100 Tagwerk Feld, die jetzt Einer besitzt, 5 — 6 Familien leben können; dann wollen sie unbedingte Gewerbefreiheit, so daß alle Realrechte aufhören, was in München allein 4 Millionen Gülden macht, die den Gewerbtreibenden genommen und auf die Gasse geworfen werden sollen, im ganzen Lande aber vielleicht 60 Millionen ausmacht. Dann soll jeder Deutsche, von welchem Lande er immer sein mag, kommen und sich ohne alle Einsprache in einer Stadt, Markt oder Dorf, wo es ihm gefällt, unbedingt niederlassen und sein Gewerbe ausüben dürfen, ohne alle Rücksicht, ob er sich nähren kann oder nicht. Die Gemeinde muß ihn und seine Kinder aufnehmen, und zuletzt verpflegen, und darf ihn nicht einmal um seine Religion befragen. Auch der Hausirhandel soll jedem Fremden und Einheimischen freisiehen rc. rc. Seht, auf diese Weise wollen die Pfälzer Deputirten und einige lumpige Franken (von denen die Meisten zu Hause keinen Pfennig haben oder verdienen können) unser Altbayern an den Bettelstab bringen, und sie haben die Mehrheit der Deputirten gewonnen. In den sämmtlichen Ausschüssen ist nicht ein einziger Ober- und Niederbayer, oder Oberpfälzer. — Die Gefahr ist also unabsehbar! Dazu kommt noch, die katholische Religion auszurotten, weil sie sonst die Republik nicht einführen und den König davonjagen können. So weit ist's jetzt gekommen. Von vielen Seiten laufen bereits Adressen ein. Also macht, daß auch von der Donau herauf eine starke komme. Seid nur nicht höflich, mit Holzklötzen darf man nicht fein umgehen. Die an den König haltet ehrfurchtsvoll — diese Burschen schimpfen in der Kammer wie wahre Gassenbuben; denn alle sind nichtswürdige Bettler und Taugenichtse, die auf der Linkm sitzen und über 70 Köpfe zählen. Machet also bald und bestellet Euch auch den Volksboten, damit Ihr alle Tage über die wichtigsten und gefährlichsten Dorfallenheiten Aufschluß erhaltet rc. rc. Lebet wohl und grüßet mir Bekannte und die Eurigen Euer wohlwollender Professor Rauch.