A« Mci«t Völker! Als Mich die zu Wien am 6, Oktober verübten Frcvelthaten bewogen, eine Scadt zu verlassen, welche der Tummelplatz der wildesten und verworfensten Leidenschaften geworden war, konnte Ich Mich noch der Hoffnung hingeben, daß der verbrecherische Wahnsinn eines Theiles ihrer Bevölkerung nicht von Dauer jeyn würde. Ich konnte von dem somt so gesunden und rechtlichen Sinne der Bewohner Meiner Haupt «und Residenzstadt erwarten, sie würden selbst nach Kräft ten dazu beitragen, damit dem verkannten Gesetze Achtung, den Verbrechern die verdiente Strafe, der Stadt die bedrohte Sicherheit für Leben und Besitz in kür* zester Frist wieder werden möge. Diese Erwartung ist getauscht worden. Nicht nur, daß es den Urhebern des Aufruhrs in Wien gelang, die an sich gerissene Gewalt durch eine Schreckensherrschaft, die in der Geschichte nur Ein Beispiel kennt über die theils durch Furcht gelahmte, theils in wilden Rausch versetzte Stadt zu befestigen, und dadurch die Rückkehr zur Gesetzlichkeit innerhalb der Mauern Wiens zu vereiteln,— auch über diese Mauern hinaus erstreckte sich mit steigendem Erfolge die unheilvolle Wirksamkeit ihrer anarchischen Bestrebungen. Mit einer im offenen Aufstande begriffenen Nachbar-Provinz wurden hochverräterische Verbindungen angeknüpft, nach allen Theilen Meiner Staaten Boten entsendet, um unter dem gleisnerischen Vorwände, als gelte es, die bedrohte Freiheit zu wahren, auch dort, wo die Ordnung bisher nicht gestört worden war, das Banner der Empörung aufzupsianzen, und meine eben noch so friedlichen einer gesetzlichen Entwicklung freier Zustande entgegensehenden Lande den Gräuel der Anarchie, des Bürgerkrieges und des Unterganges preis zu geben. Seit Meiner Thronbesteigung war das Wohl Meiner Völker Meine Lebensaufgabe. Die Geschichte meiner Regierung, die Geschichte der letzten sieben Monate insbesondere, wird dieß einst bezeugen. Aber es hieße den Mir von der Vorsehung auferlegten Pflichten untreu werden, wollte ich langer einem Treiben gewähren lassen, welches den Thron und die Monarchie an,den Rand des Abgrundes führt, und an die Stelle der von Mir gewährleisteten verfassungsmäßigen Freiheit, einen Zustand schrankenloser Gewaltherrschaft zu setzen beflissen ist. Dieser Pflichten eingedenk, sehe Ich Mich daher mit blutendem Herzen genöthiget, dem sein Haupt nunmehr ohne Scheu erhebenden Aufruhr in Meiner Residenzstadt sowohl als allenthalben, wo er sich zeigen sollte, mit Anwendung der Waffengewalt entgegen zu treten, und solchen zu bekämpfen, bis er gänzlich über wenden, Ordnung, Ruhe und Gesetzlichkeit wieder hergestellt, und die Mörder Meiner treuen Diener der Grafen Lamberg und Latour dem rächenden Arme der Grechtigkeit überliefert sind. Um Niesen Zweck zu erreichen, entsende Ich aus verschiedenen Theilen der Monarchie Streitkräfte gegen Wien, den Sitz der Jnsurrection, und crtheile Meinem Feldmarschall-Lieutenant Fürsten v. Windischgrätz den. Oberbefehl über sämmt- liche Truppen im ganzen Bereiche Meiner Staaten, mit alleiniger Ausnahme der unter dem Kommando Meines Felmarschalls Grafen Radetzky stehenden italienischen Armee. Zugleich versehe ich besagten Fürsten mit den entsprechenden Vollmachten, damit er das Werk des Friedens in meinem Reiche nach eigenem Ermessen in möglichst kurzer Zeit vollbringen könne. Nach Bezwingung des bewaffneten Aufruhrs und Wiederherstellung drr Ruhe, wird es die Aufgabe Meines Ministeriums seyn, im Einklänge mit den Mitgliedern des konstituirenden Reichstages durch gesetzliche Regelung der bisher mit zügellosem Mißbrauch gehandhabten Presse, des Vereinsrechtes und der Volkswehr einen Zustand herbeizusühren, der, ohne der Freiheit nahe zu treten, dem Gesetze Kraft und Achtung sicher» soll. . Indem Ich diese, im Bewußtsein Meiner Pflichten und Meiner Rechte mit unerschütterlicher Festigkeit gefaßten Beschlüsse Meinen Völkern kund gebe, versehe Ich Mich der aufrichtigen und kräftigen Mitwirkung aller derjenigen, welchen das Wohl ihres Kaisers, ihres Vaterlandes, ihrer Familien und die wahre Freiheit am Herzen liegen, und die in Meinem gegenwärtigen Entschlüsse das einzige Rettungsmittel erkennen werden, um die Monarchie vor dem Zerfalle, sie selbst vor den Gräueln der Anarchie und der Auflösung aller geselligen Banden zu bewahren. Olmütz den 16. Oktober i»48. insnd m. p. Gedruckt bei Heinrich Liekcrgescll in Wr, Neustadt Wessenbcrg n>. p.