(Nr. 1».) »n Scilie EMmz dm Hm« WdmrM - Amtcmiil Grafen v»n Auersperg. L^er Unterzeichnete hat die Ehre, Euer Ercellenz eineAbschM Desjenigen zu übersenden, was er dem Herrn Banns von Croatien im Laufe dieses Vormittags mitzutheilen, länger keinen Augenblick mehr säumen konnte. Indem Euer Ercellenz sich von dem vollen Inhalte meiner Note an den Herrn Banns unterrichten, werden Sie die gebieterische Nothwendigkeit um so leichter erkennen, die mich bemüßigt, eine ähnliche Erklärung mir auch von Euer Ercellenz zu erbitten. Ich glaube die Gränzen meiner Befugnisse als Ober-Commandant der Nationalgarde und der Stadt Wien sammt Umgebung in keiner Weise zu überschreiten, wenn ich, um mein Ersuchsschreiben klar zu formuliren: Erstens. Eine Aufklärung mir erbitte: ob ein Stand der Dinge, der also lautet: der Herr Banus, Heerführer kroatischer Nationaltruppen, und Seine Ercellenz der Heerführer des aus Wien, in Folge der Ereignisse vom 6. Oktober ausmarschirten k. k. Armeecorps werden die Stadt nicht angreifen, solange wir nicht selbst angreifen, ich sage, der gefertigte Ober-Commandant kann in keiner Art umhin, sich, seinem Gcneralstabe, der Heeresmacht seiner - gestimmten Bolkswehr, sowie der gesammten Bevölkerung Wiens, die einfache Frage vorzn- legen: ob ein solcher Stand der Dinge noch so länger, mit allen aufreibenden, vernichtenden Wirkungen fortbcstehen könne? Ja, ob ein solcher trüber Stand der Dinge noch länger fortbestehen d n r f e. An Euer Ercellenz ist es, hierüber meiner gesammten Garde und der Bevölkerung, schon aus Menschlichkeit in der allerkürzesten Zcitfrist die bündigste Aufklärung zu geben; Zweitens. Ich glaube die schwere Verantwortlichkeit meiner, mir vom hohen Reichstage gestellten Aufgabe, nämlich: die Stadt Wien sammt Umgebung in Vertheidigungszustand zu setzen, nur ganz richtig aufzufassen, wenn ich Armeecorps, die ich durch ihre Concentrirung, die Beschaffenheit ihrer Ausrüstung, ihre Stellung in Schlachtordnung, ihre Bewegungen als nicht im Friedenszustande befindlich ansehe. Solche Armeecorps sind weit entfernt davon, daß sie, unter dem Charakter von Garnisonirung, oder als auf dem Marsche begriffen, aufgefaßt werden könnten. Das gefertigte Ober-Commando ist sowohl durch den Inhalt des, im Aufträge des hohen . Reichstages, vom Reichstags-Ausschüsse unter dem N. Oktober an den Herrn Banus erlassenen Schreibens — aber noch mehr durch die weitaus überwiegende Mehrheit der, in Befolg des hohen Reichstags-Auftrages für den schon erwähnten Vertheidigungszweck unter die Waffen berufenen Wehrmänner zu der Auffassung gekommen, daß die Absichten des Herrn Banus im direkten Widerspruche mit seinen Verflchenmgen stehen: folglich, daß das Erscheinen des Herrn Banus unter den Mauern Wiens als feindlich und den Errungenschaften gefahrdrohend angesehen werden müsse. Obschon ich nun erst durch die Antwort des Herrn Banus völlige unzweifelhafte Gewißheit über den vorherrschenden Glauben in der Bevölkerung, in der Garde und in meinem Generalstabe zu erhalten vermag, so drängen mich doch die Gewichte der Con- sequenzen eines so unnatürlichen Zustandes der Dinge zu der Nothwendigkeit: Euer Ercellenz zu den baldigsten Mittheilnngen zu ersuchen: ob die Armee des Herrn Banus und jene von Euer Ercellenz, als einen Zweck verfolgend, also mithin combinirt, und für Angriff und Verteidigung fest vereinigt, die Gränzen desjenigen Gebietes in stummer Ruhe bedrohen, welches ich, wie ich, bei jeder Gelegenheit und aus jedem Anlaß erinnere und ausdrücklich^wiederholen muß, im hohen Reichstagsauftrage berufen bin in Vertheidigungszustand zu setzen. Man verteidigt doch nur Haus und Hof, Wall und Stadt gegen drohende Gefahren oder gegen offene Feinde. Hierüber erlaube ich mir im Namen der Wehrmannschaften der Stadt Wien und Umgebung um so mehr um die beschleunigte Mittheilung zu ersuchen, da ich es weder vor meinem Gewissen, weder vor meiner Bürgerpflicht, noch weniger aber vor meinem militärischen Berufe zu verantworten glaube, die Qualen der Ungewißheit für Hunderttausende in verderblichem Zaudern zu verlängern. Die Aufklärung des Herrn Banus und jene von Euer Ercellenz werden mich in den Stand setzen, die Ausgangspunkte meiner Stellung vollkommen einzusehen, und was ich viel höher schätze, und noch viel sehnlicher wünsche, Sie werden mich in den Stand setzen, die Bevölkerung der Stadt und Umgebung über Das aufzuklären, was sie zu hoffen, was sie zu befürchten habe. Ich erlaube mir noch schließlich mein Schreiben an Euer Ercellenz durch die Mitteilung zu vervollständigen, daß ich es mir in meinem diplomatischen Verkehr zur unverbrüchlichen Richtschnur gemacht habe, was schon aus meinem Schreiben an den Herrn BanuS hervorgeht, offen vor dem ganzen Volke zu verhandeln. 7 Tausend und tausend einlaufende Gesuche von Garden aller Provinzen klären mich ja hinlänglich darüber auf, daß die seit dem 6. Oktober in Flammen ausgebrochene Bewegung der Stadt Wien keine Fractionssache sei. Sie ist sonnenklar eine Volkssache. Genehmigen Euer Ercellenz den Ausdruck meiner ausgezeichneten Hochachtung. Wien am 16 . Oktober 1848 . provisorischer Ober-Commaudaut. 2^0-1 .ttl' no »«>. - l Aus der k. k. Hof- und Staats-Druckeret.