W!6N6I- 8i3cii-8ib!ioi!i6k '- Vaterländische mmorietten aus dem Gebiete der österreichischen Geschichte, der alten, mittleren, neuern und neuesten Zeit gesammelt, und mit einer höchst interessanten Bilderschau der merkwürdigsten Handlungen ausgezeichneter Personen — historischer Ereigniße — wohlthätiger Stiftungen — ehrwürdiger Denkmale — geschichtlicher Sagen und glaubwürdiger Legenden ausgestattet. Verfaßt und herausgegeben von Anton I i e g l e r. Wien, 1839 . Auf Kosten des Verfassers. Gedruckt bei Ant. Benko (vormals von Haykul) und zu haben Sei dem Verfasser, wohnhaft in Wien, Vorstadt W Kettenbriickenaassc Nro. 828. 10. Oesterreich unter Ottokar) Küttig von Böhmen. Vom Jahre 1250 bis zum Jahre 1254. ^urch die so kurz auf einander gefolgten Todesfälle, sahen sich die Parteien in der österreichischen Provinz plötzlich ihrer Häupter und Stützen beraubt, und bald dachte jetzt jeder nur für sich. Ber solchen Verwirrungen stiegen fortwährend der gegenseitige Haß und das Mißtrauen, zudem fehlte eS auch nicht an unrubigen Köpfen, die gar nichts zu verlieren hatten, sondern bei dieser Gelegenheit im Trüben zu fischen hofften. Bejammerswerth war die Lage der österreichischen Einwohner, aber gerade diese allgemeine Noth war auch der beste Fingerzeig für beide Theile, daS gemeinsame Beste nun ernstlich in vernünftige Betrachtung zu ziehen. Wie gewöhnlich in solchen Fallen, so waren auch hier in Oesterreich die Parteien, wobei auf jeder Seite die Vornehmsten deS Landes sich befanden, welche über die zu ergreifenden Maßregeln, gleichwie in der Wahl der Person zu ihrem künftigen Herrscher lange Zeit von ungleicher Meinung waren; und erst als König Konrad während seines Zuges nach Italien seinen Schwager den Herzog Otto von Baiern als Reichsverweser in Deutschland einsetzte, trachteten nun die Oesterreicher, da sie von diesem Herzoge in seiner neuen Stellung weitere Eingriffe zu befürchten hatten, der ihnen vor Augen schwebenden Gefahr zuvor zu kommen, und sich ohne allen Aufschub einen Landesfürsten zu wählen, der sich und das Land wider alle Anfälle zu schützen nn Stande ist. . ^ Es wurde also im Jahre 1251 zu einer allgemeinen Berathung geschritten, und Gertrud war die Gcnialiii des Markgrafen Hermann von Baden, welcher am 4 . Oktober 1250 starb, und einen Sohn Namens .F r i e d ri ch der im Jahre 1249 geboren ward, und eine Tochter Agnes, die kaum ernige Monate alt war, hinterlicß. r. des Bevollmächtigten und in Gegenwart der Bischöfe von Freisingen, Negensburg und Passau nebst vielen andern geistlichen Personen, den verlangten Eid öffentlich ablegte. Noch in demselben Monate erhielt Herzog Ottokar die Nachricht, daß sein königlicher Vater den 22. September an einer plötzlichen und schweren Krankheit gestorben sey, daher er nun als einziger Sohn und Thronerbe zum feierlichen Leichenbegängnisse und zur Besitznahme des ererbten böhmischen Reiches sich sogleich nach Prag verfügte. Bald darnach starb auch Herzog Otto von Baiern, worauf sich dessen damals in Ungarn befindlich gewesener jüngerer Sohn Herzog Heinrich entschloß, mir seinen Hilfsvölkern zurück zu gehen, da er sich auch ohnehin überzeugen konnte, wie sein Schwager Bela von Ungarn, ihn mit leeren Vertröstungen wegen Steier nur hingehalten habe. Im folgenden Jahre (1254) war Ottokar eifrigst beschäftigt, daß durch die Herstellung des Friedens auch die Ruhe in seinen sammtlichen Ländern befördert werde, was aber die Krönung als König von Böhmen betraf, blieb diese Feierlichkeit einiger Hindernisse wegen bis zum Jahre 1261 verschoben, und Ottokar obschon Thronerbe, nannte sich nicht eher König von Böhmen, als bis die Krönung vollzogen war *). Ungeachtet der Schwierigkeiten, welche sich bei Abschlr'eßung des Friedensgeschäftes durch die vom Könige Bela bisher behaupteten theilweisen Besitzungen im Herzogthume Steier, und durch die Zufriedenstellung der fürstlichen Gemalin Gertrud in den Weg stellten, so wurde der Frieden dennoch schon durch die friedfertige Nachgebung Ottokars im Juli 1254 dahin abgeschlossen, daß Ottokar nebst dem bisherigen Besitze des Herzogthums Oesterreich unter und ob der Ens auch den nächst angrenzenden Theil des Herzogthums Steier bis an den Hartberg und Semmering, behalt, daß hingegen dem Könige von Ungarn das übrige ganze Herzogthum Ober- und Unter - Steier abgetreten und eingeräumt werde, wofür er sich verbindet, die vollkommene Abfertigung und Befriedigung der verwittwet gewesenen Markgräfin Gertrud **), mit einem anständigen Güterbesitze in seinem Herzogthume Steier auf sich zu nehmen rc. Die ausserordentlichen Bedrückungen, welche die Steiermärker während der Negierung Belas empfinden mußten, versetzten jetzt diese in die gröste Furcht und Angst, da sie bei der traurigen Gewißheit des abgeschlossenen Friedens nun gänzlich der freien Gewalt der Ungarn überlassen wurden. Mit jedem Jahre ward ihr Joch schwerer, bis endlich, durch die äußerste Noth und Bedrückung genöthigt, sie sich mit öffentlicher Gewalt der schweren Fesseln zu entledigen suchten und bei Ottokar um Hilfe baten. Viel besser erging es den Oesterreichern Sinter ihrem neuen Landesfürsten, nachdem er sich besonders angelegen seyn ließ, das Gute zu befördern und die innere Ruhe und Sicherheit des Landes zu befestigen. In dieser Absicht bestellte er daber diesseit und jenseic der Donau vier Landrichter, welche die Ordnung aufrecht zu erhalten und Recht zu pflegen hatten '^). Diese Verfügung wurde aber auch jetzt um so schneller nothwendig, weil er auf Anempfehlung deS Papstes den Kreuzzug gegen die ungläubigen Preußen, wider welche bereits die Ritter des deutschen Ordens den Krieg führten, übernommen hatte, und da er diesen auch bald anzutreten gedachte, so war er um so mehr zu solchen Einrichtungen bemüssigep, da er aus seinen Ländern einen großen Theil seiner Kriegsvölker heraus ziehen mußte. *) Da der Erzbischof von Mainz, welchem als Metropolitan das Recht zustand, den König zu krönen, zu dieser Zeit noch mit dem päpstlichen Banne belastet war, und Ottokar von einem Unter-Bischofe die Krone sich nicht aufsetzen lassen wollte, so blieb diese feierliche Handlung auf einige Jahre verschoben. , , ^ **) Gertrud ward während ihres Aufenthalts bei König Bela in Ungarn, dem sie ihr vermeintliches Recht an Oesterreich zu seinem Schuhe empfahl, an den eben damals auch in Ungarn sich aufhaltenden russischen Fürsten Roman zur'Ehe gegeben, der aber, wie er sah, daß alle ihre Versuche unglücklich ausfielen, sie heimlich verließ, und nie wieder zurück kehrte. ***) Das Land Oesterreich unter der Ens wurde in vier Viertel eingethcilt, welche gleichsam von der Natur der Länge, nach durch den Donaustrom und in die Quere durch das Gebirge des Wiener-Waldes, diesseit und jenseil der Donau durch den Mannhartsberg gebildet werden. Diese Einrichtung besteht auch noch heut zu Tage durch ein in jedem Viertel eingesetztes Kreisamt mit einem Kreishauptmanne. Das allgemeine Wiener - Aufgebot. Im Jahre 1797. ist der Name Vaterland nicht heilig? — Wer ist nicht gerne und willig bereit in den Tagen der Gefahr den geliebten Herrscher des heimatlichen Bodens, das Vaterland mit Gut und Leben zu vertheidigen? — Wie erhebend ist nicht der Gedanke und das süße wonnige Gefühl, sagen zu können: Ich bin ein treuer Sohn, eine treue Tochter dieses Landes, hier verlebte ich die goldene Zeit meiner Kindheit, hier, in dieser vaterländischen Erde ruhen meine mir Theuren, Lieben und Angehörigen; hier erfreue ich mich deS milden und wohltätigen Zepters eines huldvollen Herrschers; hier fühle ich mich sicher, ruhig und beglückt! — Und wer ist von dieser schönen Vaterlandsliebe feuriger durchdrungen, als Oesterreichs Bewohner, und vorzüglich Wiens schätzbare Bürger, die diese Liebe, zum Besten des hohen Kaiserhauses und des theuern Vaterlandes, in ruhigen wie in sturmbewegten Zeiten so sattsam bewiesen haben. Patriotismus, großes mächtiges Wort! du hast Rom unüberwindlich gemacht, so lange deine heilige Flamme auch Roms Bürger durchglühte! du bist und warst jederzeit der heilige Hüter des Vaterlandes! du lebtest, lebst, und wirst unversiegbar leben in Oesterreichs beglückten Bürgerherzen!! — Unter den schönen Belegen von fester Bürgertreue, von Heldenmut und Aufopferungen für Fürst und Vaterland, nimmt die Geschichte des allgemeinen Aufgebots in Oesterreich und vorzüglich in Wien im Jahre 1797 einen würdigen Platz ein. Die Revolution in Frankreich, welche seit dem'Jahre 1789 so viele Uebel über dieses Land sowohl, als auch über entfernte Gegenden verbreitete, wurde die Quelle des österreichisch-französischen Krieges, unter welchem eine lange Reihe von Jahren, eine der ältesten und kräftigsten Monarchien Europas erschütternd litt. Theils durch das wandelbare Kriegsglück, teils durch einige unglückliche Ergebnisse, die aus Verschulden mancher pflichtvergessenen Menschen sich ereignet hatten; — andrerseits durch die große Überlegenheit der feindlichen Truppen, war am 2. Februar 1797, der Hauptpunkt Oesterreichs in Italien, die wichtige vom Generale Wurmser so lange und muthig verteidigte Festung Mantua in die Hände der Franzosen gefallen, worauf der Obergenera! der französisch-italischen Armee Bonaparte über die Piave und den Tagliamento drang. Ihm gegenüber stand nur der Erzherzog Karl mit den Trümmern des bei Rivoli geschlagenen A l v i n z y'schen Heeres *) und die Gefahr zeigte sich also jetzt im höchsten Grade drohend für die Erbstaaten, und selbst für die kaiserliche Residenzstadt Wien. Bereits mit Anfang April waren die siegenden Feinde in das Herz von Steiermark eingedrungen, welche Nachricht nicht nur große Bestürzung in der Hauptstadt verursachte, sondern auch zur Folge hatte, daß viele Adelige und Reiche ab-- reisten, und die Schulen, so wie auch einige Kassen gesperrt wurden. Kaiser Franz II., welchen gleich beim Antritte seiner Regierung der Ausbruch des damaligen Krieges in große Betrübniß setzte, hatte keine Mittel gespart, um die gesegneten Früchte des Friedens seinen gesammten Erbstaaten zu verschaffen; aber alle diese Bemühungen blieben vergebens. Jetzt, als der übermüthige Feind schon so nahe stand, war er entschlossen das Äeußerste zu unter nehmen, um nicht nur seinem Vordringen Einhalt zu thun, und ihn aus den bereits besetzten Erbstaa- *) Die Schlacht bei Rivoli am 14. und 15. Jänner 179? zwischen den Oesterreichern unter dem Generale A l vinzy mit den Franzosen unter dem Generale Bonaparte hatte zum Vorrheile der Letzteren Statt gefunden, und entschied vollständig über das Schicksal Italiens. Alvinzp drang ans Tirol, wo cr bedeutende Streitkräfte an sich gezogen hatte, um die französische Stellung zu durchbrechen, und die von den . Franzosen eng eingeschlossene Festung Mantua zu befreien, da an dem Besitze dieser Festung Alles gelegen war. Bon a p arte kam jedoch diesem Plane zuvor, und eilte schnell an'der Spitze einer großen Macht nach Rivoli, während Augerau bei Ronco, Scrrurier vor Mantua, und ein anderes kleines Korps ebenfalls vor Mantua die Oesterreicher beobachteten und beschäftigten. Nach einem heftigen unb -blutigen Gefechte, ungeachtet der hcldenmüthigsten Tapferkeit der Oesterreicher, auf welche freilich auch ein höchst schwieriges Terrain ungünstig wirkte, wurden Letztere bis in die Stellung von Corona zurück gedrängt, und gänzlich auf die Defensive beschränkt. Die Resultate dieser Schlacht waren, ausser vielen Gefangenen und Geschütz, welche in die Hände der Franzosen fielen, der Fall von Mantua, und das weitere Vordringen der Franzosen bis nach Steiermark. 60 teil zu verdrängen, sondern auch einen Frieden zu erlangen, der gleich ehrenvoll sowohl für den Thron als auch ersprießlich für die Völker seyn sollte« Um dieses Ziel zu erreichen, mußten nun auch die kräftigsten Mittel hiezu in Bewegung gesetzt werden. Ein allgemeines Aufgebot an die Bewohner Wiens und des ganzen Erzherzogtums unter der Ens, ein gleicher Aufruf des gestimmten ungarischen Adels, ein Landsturm in den Vierteln ober und unter dem Wiener-Walde, und die Zusammenziehung einer furchtbaren Armee in einem gut befestigten Lager, auf der Fläche vor den.Linien Wiens, gegen Neustadt zu, und endlich die unglaublich starken Verthcidigungs - Anstalten der Residenzstadt selbst, sollten den Trotz und den Muth des zahlreichen Feindes brechen. Am 4. und 5. April 1797 wurde durch.den Negierungs-Präsidenten von Niederösterreich Franz Grafen von Saurau eine Kundmachung überall verbreitet, in welcher die Bürger Wiens aufgefor- dert wurden, falls die neuerlichen Bemühungen zum Frieden fehlschlagen sollten, jene muthvolle Treue wieder zu beweisen, welche ihre Altvordern in so mancher drohenderen Gefahr siegreich bewiesen hatten. Am 6. April versammelte Graf Saurau auf dem Rathhause alle Grundgerichte, alle Jnnungs- vorfteher, und jene Bürger, die ihrer besondern Verdienste wegen > den sogenannten äußern Rath ausmachen. Seine kraftvolle Anrede erweckte allgemeine Begeisterung, und rührte aller Anwesenden Herzen. Alle erkannten jetzt die Nähe und Größe der Gefahr, und sahen die Nothwendigkeit ein, alle nur mögliche Kräfte anzuwenden um dieselbe zu entfernen. Eintönig erscholl jetzt der allgemeine Ruf wie aus Einem Munde: »Wir wollen Vermögen, Blut und Leben für unfern besten Kaiser, ja selbst unsere Familie hingeben!-« Allein, so rein patriotisch auch dieser schöne Wille war, so konnte er doch auf diese Weise nicht in Ausübung gebracht werden. Die Stadt konnte aller haussässigen Bürger nicht beraubt werden, deren Pflichteid sie verband, im Falle eines gegenwärtigen Feindes, diese persönlich zu vertheidigen. Auch das Wohl ihrer Familien, die Beförderung des Handels und aller Gewerbe, und selbst das allgemeine Wohl machte die Gegenwart der meisten beeideten Bürger nothwendig, daher beschlossen sie nun, an ihrer Statt, ihre Söhne, Diener, Gesellen und Lehrjungen, und überhaupt geeignete Individuen, zur Vertheidigung des Vaterlandes, auch ausser ^den Linien Wiens abzuschicken, und diese gröstentheils aus ihrem eigenen Vermögen zu kleiden, zu. bewaffnen und zu unterhalten. Von allen Seiten drängten sich jetzt Scharen muthiger Jünglinge und Männer herbei, um sich zum allgemeinen Aufgebote einschreiben zu lassen, welches anfangs auf dem Rathhause, dann erst im Schottenhofe geschah. Auch die Studenten von dem damaligen Rektor Magnisikus, dem hochverdienten Quarin, angefeuert, wetteiferten in die Reihen der edlen Landesvertheidiger zu treten. Der eben in Wien angelangte Kommandirende von Innerösterreich Ferdinand, Herzog, von Würtemberg, ließ sich als Freiwilliger zum Aufgebote einschreiben, und gewann durch seinen glühenden Eifer und die zweckmäßigsten Beförderungen dieser patriotischen Maßregel allgemeine Achtung und Anhänglichkeit, so, daß der Kaiser Franz nur den Wünschen des Volkes zuvor kam, als er den Herzog, welcher sich schon in mehreren Vorfallenheiten des französischen Krieges rühmlich ausgezeichnet hatte, — zum Oberbefehlshaber des Aufgebots ernannte. Seine jetzt auf dem Nathhause an die. versammelte Menge gehaltene, eben so huldvolle als zweckmäßige Rede, erhielt von der Bürgerschaft die einmüthige Versicherung, daß es ihr Ruhm und ihr Stolz seyn wird, unter der Leitung eines so tapferen und erhabenen Führers, Beweise deS reinsten Patriotismus und Gehorsam in den Befehlen an den Tag legen zu können. Der Herzog erbat sich nun von einem hohen General-Kommando einige geschickte Offleiere, die vielen Tausenden der Vaterlands - Vertheidiger auf dein Glacis, mit Zuziehung von Unteres sicieren, die ersten und nothwendigsten militärischen Bewegungen, Stellungen und Handgriffe beibrachten. . Der huldvolle Monarch hatte zugleich eine Kundmachung erlassen, in welcher jeder Bürgers- Wittwe, deren Mann bei gegenwärtigen Umstanden vor dem Feinde bliebe, und die kein eigenes Vermögen besitzt, eine eigene lebenslängliche Pension zugesichert wurde, eben so wurde auch S^aH der, durch die Vertheidigungs-Anstalten an den Häusern verursachten Beschädigungen. versprochen. Die Ver- theidigungsmaßregeln wurden rasch betrieben, die Zugbrücken vor den Thoren in guten Stand gesetzt, der bedeckte Weg mit Pallisaden besetzt, und selbst die Linien um die Vorstädte gegen einen ersten Anlauf gesichert. Der Patriotismus und die bekannte Fürstentreue der edlen Wiener, lieferten thells Gewehre in das Zeughaus, andere gaben Reitpferde. Die Löhnung für alle diejenigen, die sicy nichc selbst verpflegen konnten, wurde von den Geldern unterhalten, welche die Stände, der Adel, die Geist- lichkeit, die Bürgerschaft Wiens, und auch einige ausser Wien sich befindliche Gemeinden, und sonstige Individuen mit der grösten Bereitwilligkeit zusammen legten. ^ ^ ^ ^ Inzwischen ging auch das Einschreiben zu dem Aufgebote bet dem bürgerlichen Handelsstande mit dem besten Erfolge vor sich. Auch ein freiwilliges Kavallerie-Korps wurde errichtet und der General- Major Fürst Johann von Liechtenstein zum Kommandanten desselben ernannt. Die Mitglieder der Akademie der bildenden Künste hatten schon im Jahre 1741 ein eigenes Korps zur Vertheidigung ihrer damals regierenden Monarchin Maria Theresia gebildet, und sich eme et- gene Fahne, unter der sie zum Streite auszogcn, angeschafft. Nach dem Beispiele ihrer edlen Vorfahren, sammelten sich nun auch diese wieder, und traten unter ihrem wackern Direktor Schmutzer ebenfalls in die Reihen der Landes-Vertheidiger. . Ein öffentlicher Aufruf an alle Landes--Mitglieder und ihre Söhne, an alle Adelige, wie auch an alle ständische Beamte, bildete das sogenannte KorpS von Niedorösterreich zur Vertheidigung des Vaterlandes. Sämmtliche Aufgebots-Mannschaft trug kaiserliche Kokarden auf ihren Hüten. Von allen Seiten der edlen Vaterlands-Bürger wurden auch Beiträge an Leinwasche, Leintüchern, Hemden, Bettdecken, Kotzen, Matratzen, Pölstern, Strohsacken, und Leinenlumpen zu Scharpie abgeliefert. Die Kaiserin Maria Theresia hatte dem Grafen von Saurau mehrere seidene Bänder übergeben, die von ihrer eigenen Hand gestickt waren, und welche nun die Fahnen der Verteidiger des Vaterlandes, als einen schönen Beleg der Güte und Zuneigung der erhabenen Landesmutter zieren sollten. Am 12. April waren bereits 37,009 Mann ausgezeichnet, viele davon konnten aber ungeachtet ihres Eifers aus Mangel an Waffen nicht eintreten. Am 14. rückte die Mannschaft 32,000 Mann stark in die am Wienerberge, im Prater und in der Brigittenau schnell angelegten Verschanzungen ein. Am 17. April war nun endlich jener denkwürdige Tag für die Bewohner Wiens erschienen, wo die sämmtliche Mannschaft des Aufgebots ihre theure Vaterstadt verlassen, und gegen Klosterneuburg und andere um Wien herum liegende Ortschaften abziehen sollte. Schon zwei Tage vorher war allen Brigaden kund gemacht worden, auf den ihnen angewiesenen Plätzen zu erscheinen. Morgens um 6 Uhr begaben sich sämmtliche KorpS auf das Glacis zwischen dem Burg- und Schottenthore, stellten sich hier in einem Halbmond um daS fast in der Mitte errichtete Feldkapellen- Gezelt, in welchem ein schöner Altar angebracht war. Gegen halb 10 Uhr erschienen der Kaiser und die Kaiserin in Begleitung der Erzherzogin Klementine, welche nun von den Tausenden der muthi- gen Vaterlands - Vertheidiger unter lautem Jubelrufe empfangen wurden. Der Wiener - Weihblscpof hielt jetzt daS Hochamt, dem aber nur die Kaiserin und die Prinzessin beiwohnen konnten, nachdem der Kaiser, dringender Geschäfte wegen in die Stadt wieder zurück gekehrt war. Nach abgehaltener Messe trat der Weihbischof, begleitet von den ihm assistirenden Klerus aus dem Gezeltetem die Stelle, svo die noch nicht geweihten Fahnen aufgerichtet waren, und weihte dieselben auf die gewöhnliche feierliche Art. Sobald diese Funktion beendet war, wurde nun dem versammelten unter Waffen gebrachten Aufgebote der Eid der Treue, gegen den Monarchen, und das Vaterland vorgelesen. Alle hoben jetzt den Daumen, Zeig- und Mittelfinger in die Höhe, und sprachen den Eid mit fester Stimme nach ). Gegen halb 12 Uhr setzte sich der Marsch vor die Nußdorfer Linie hinaus in Bewegung. Zuerst zog das berittene Korps, dann die Universitäts-Brigade, hierauf die sieben Brigaden des allgemeinen Aufgebots , ihrer Ordnung gemäß. Der Zug ging gegen Klosterneuburg zu, und aufwärts dieser Gegend in andere dort herum liegende Ortschaften. Mit dem Morgen des 18. Aprils gegen 7 Uhr zog auch das Handlungs-Korps mit seiner eigenen Feldmusik nach Klosterneuburg ab. DaS Hauptquartier kam nach Klosterneuburg, und der Marsch sollte nun weiter über Lilienfeld bis nach Steiermark fortgesetzt werden. Den folgenden Tag verließ auch der Erherzog Karl die Residenz, und ging zur Armee ab, die am Rheine stand. Bei dem Zusammenflüße so vieler Menschen, und bei den bevorstehenden Femdselrgkelten waren Spitäler unumgänglich nothwendig geworden. Die hiezu nöthigen Anstalten wgren so schnUl und eifrig getroffen, daß im Verlaufe von kaum 8 Tagen das Geschäft unter der Leitung des Dokrors und RegierungsratheS Ferro schon zu einer Art von Vollkommenheit gedieh. Drei Spitäler waren *) Besonderen Eifer hatte die Innung der bürgerlichen Tischler an den Tag gelegt, die 6 Kompagnien bei 1500 Mann stark bildeten, und sich durch einen besondern Eid vtrbunden hatten, nicht von eananoer zu n>eic.)cn, und jeden Feigen für immer aus ihrer Mitte auszuschließen. Sie erhielten eine eigene .lutgeootviahne, oie sie noch jetzt bei der Frohnleichnams - Prozession führen. k-rL^.L7L.-,7 L "k E" Nothwrudigkeiteu gustiner.-Klost-r in di- °ortr-ff,ichst-u Spitäler umgestaltet Das gr-l^ V»s°rguna«hau 7 " u" St^M^' M Wien, ward zum Hauptfpitale, und zum Depot der Arzneien ve-wcnde? Ä ^ Letztern wurde von dem Wiener--Magistrate aan> Die Einrichtung dieses auf 400 Mann reichlich versehen. ^ »'^t allem Erforderlichen innigsten Liebe für Fürst und Vaterland warf aber die -re ^'^öeungeu und Handlungen der österreichischen Horizont, und die Lage der Dinae iinke,-^ nulden Strahlen- auf den k-h°m.g°n und Sicherhätsmaßr-S°ln ?vei7.lich. Den l7 mEil777.7 .UN auch ler Zweck des allge 2°n Auf bms °7d Z" s°lg° d-sl-u war lösung desselben, damit di- Magschaft ^ Monarch befahl daher di- Auf. Am 3. Mai Nachmittaas ? iib,. gewöhnlichen Geschäften zurück kehren könne, ten Mannschaft, unter/dem Kommando des ^erroa^ Einzug der sammtlichen bewaffne- das Glaeis zwi chen dem Schotten und 9 ? Wurtemberg von der Nußdorfer Linie bis auf Greise, Freunll und V »wandt" wa en d u Komm 7°' »»d formirte Z Treffen. Gat.inen, Kmderl später besichtigt- der Kaiser und di- s „e>.,'„ Kommenden zubclnd entgegen gegangen. Eine Stunde und äußerten ihr hkchst-l Wahl,-fk77 Sodann" b77"d °°" E". Treffen zum andern Abschiedsrede, in welcher er der ganzen Mannschott .'i? ^ "on Würtemberg eine kraftvolle ff-r7af.° orinungsliL und Sit?W. 77- r Lst '7' in Zügen vor den allerhöchsten Herrschaften vorbei und noch,? b' ^te Bataillone defillrten hierauf die Waffen abgegeben, kehrte wieder jeder zu den Seinigen zurück" ^ Versammlungsplatzen ..«»^«Ä7.7P?LL^ÄL bem Herzoge ,«. Wür. an, welches Dankschreiben von ihnen auch o,'i? ^ ^ ^ effrlgen Bemühungen das Bürgerrecht Dank dadurch au^ wurde, und wofür jeder derselben seinen gearbeitete Pokale mit passenden Inschriften verehrten^ welch? schön vergoldete und zierlich dcr Stadt aufbewahrt werden. ^ ^ welche kortan bet den übrigen Denkwürdigkeiten eig-n??ü/7ie^üf^ 1^^777'" ' der Kaiser Zugeständnisse ausaetbeilt dies? N?,'in,» ^ ^ sammtlichen Mitgliedern derselben mit dem Ä-u zu duffen ÄkH°r7! ^ L77ubera"üukd7?Gr7 b°-b s--deu°n Baud-7uf Lebenszeit Regierungsräthe und die Professoren der Unm-räl'.-« ' ,^rafvon Saurau, die Kreishauptleuke, die Mannschaft klein- silberne Medaillen bs,7 "gelten goldene, die Officicre groß-, und mit der Umschrift Fran II 7 mTr Kassö 7° Vorderseite derselben war d-S Bildniß des Kaiser« Kranze »on Ei-hcnblätt-rn die Worte l' ^ 0-st-rr-ich; auf der Rückseite in einem Dieses Au aebo welckes 777' ?"i--rn Söhnen Oesterreichs des LandeSoaters Dank. MouÄn un L lan k ch ell aV m"u7bia L 7 unverbrüchlicher Treue gegen ff L-L:r --- rx.--.LL L !: .-.-x« S?L?L » SLLSLLL---"-" - '' Lm^Li^! U,7>",UsL am - 7 . Oktober -797 der Friede zu die cisalpinische Republik, und Brcisaa!? o„ an die ftanzofffche — Mailand und Mantua an mit alten Ländern, die in einer bedungenen »ou Modena abtrat. Dagegen erwarb es Venedig Markung lagen. Es nahm zugleich Mrieri und an der Mundnng des Po endenden lammt den Mündungen des Cattaro?? Besitzt ^>-ullr ei/btt,Duseln im adriatischen Meere trummerten Republik Venedig die ^nss n Eorku ^onf-- ^ ehemaligen Ergcnthume der zer- WALL«»«-» «.«-lM Mr'^L.'LiL L'-L.'LLLt«^ —.- '- .'- Agnes Gernauer. Jahr 1401 - 1438. traurigen Opfer unglücklicher Liebe, welche durch menschliche Verhältnisse, und sonstige Konve- nienzen so reichhaltig in Romanen, poetischen und dramatischen Gebilden dargestellt sind, bewähren sich auf eine rührende Weise im Leben der Agnes Bernauer,^der Tochter eines Bürgers aus Augsburg, deren natürliche Schönheit und vorzügliche Eigenschaften sie eines Thrones würdig gemacht hatten. Um nun das beklagenswerthe Schicksal dieser treuen Heldin der Liebe, als unbedeutende Jungfrau wie als Herzogin recht anschaulich zu machen, ist es vor Allem nochwendig, die Epoche ihrer Zeit in möglichster Kürze darzustellen. Das kräftige und gesegnete Baiern mit seinen damals bedeutenden Nebenlinien hatte sich nach Ludwig deS Baiern Tode, dessen Negierung so lange und mühevoll war, zersplittert. Dieser Nebenbuhler Friedrich des Schönen von Oesterreich, den er so lange in enger Gefangenschaft gehalten, verstand die Macht seines Hauses zu vermehren. Ganz verschieden war es aber nach seinem Absterben, nachdem alle seine Länder getrennt, und in mehrere Linien getheilt wurden. Kein Gesetz der Erstgeburt oder einer Untheilbarkeit, hinderte jetzt, selbst unter Brüdern und Bruderssöhnen die immer weiter um sich greifende Zerstückelung. Durch diese getheilte Macht, und durch den Umstand, daß oftmals einzelne Prinzen des kraftvollen HauseS Wittelsbach sich der Prachtliebe und häufigen Fehden ergaben, wurde nun der Same der Zwietracht in diesen getheilten Ländern genährt, und es bedurfte oft nur einer geringen Veranlassung, um den Krieg allenthalben zu verbreiten. Selbst die Lage des übrigen Europa war sehr mißlich. Durch die große Kirchenspaltung standen sich oft zwei auch drei Päpste feindlich gegenüber; — die Türken, der Christenheit gefchworne Verfolger drohten Gefahr; — der Krieg der rothen und weißen Rose; — die Todfeindschaft zwischen Burgund und Orleans, und zwischen Schweden und DänemaE'erschütterten die damalige Welt. In dieser Zeitperiode trafen gerade im Lande Baiern drei Fürsten zusammen, deren Charaktere nicht gewohnt waren, die allgemeine Unruhe zu beseitigen, sondern vielmehr trachteten, solche noch zu vergrößern. Diese waren Herzog Ludwig der Bärtige zu Ingolstadt, Heinrich zu Landshut, und Herzog Ernst zu München. Letzterer, ein in sich verschlossener harter Fürst, freudenlos aber gerecht, und schrecklich in den Aufwallungen seines Zornes, war mit Elisabeth, einer Tochter Barnabas, Visconti, des Fürsten und Zwingherrn von Mailand vermalt. Diese gebar ihm (1401) einen Sohn, welcher den Namen Albrecht erhielt. Von seiner Mutter leidenschaftlich geliebt, verwendete sie für diesen hoffnungsvollen Knaben allen Reichthum, um ihn von der launenhaften Strenge seines Vaters unabhängig zu machen, und begründete für ihn zu Vohburg einen eigenen Sitz. Aber auch an seiner Tante, der böhmischen Königin Sophie (Kaiser Wenzels unglückliche Gemalin) fand Albrecht eine zweite, und nicht weniger zärtliche Mutter, welche ihn zu seiner Ausbildung an ihren Hof nach Prag berief. Nach dem Tode seiner königlichen Tante, die ihn zum Erben eingesetzt hatte, kehrte er wieder nach Baiern zurück, da eS ihm aber am Hoflager seines Vaters nicht gefiel, so brachte er jetzt die gröstc Zeit seines Aufenthalts in seinem romantischen Donauschloße in Vohburg zu, und erschien nur am Hoflager, wenn es gerade seyn mußte. Hier in diesem einsamen Schloße weihte er sich vorzugsweise den Musen, streifte aber auch oft in den Auen und Wäldern in der Umgegend, und unterhielt sich mit Jagd und Vogelfang. Alljährlich zeigte er sich auch auf irgend einem Turniere, und erprobte durch glänzende Nitterthat, daß in seinen Adern daS Blut der alten Ottone von Scheyern-Wittels- b ach rolle, die als Helden in den Kreuzfahrten und Römerzügen hervor leuchteten. So sanft und liebenswürdig aber auch immer der Charakter AlbrechtS war, so konnte er sich dennoch nicht mit seinem finstern und verschlossenen Vater vereinen, wiewohl sich im Jahre 1422 ein romantischer Anlaß ergeben hatte, den finstern Vater und den sanften Sohn für immer in's gute Einvernehmen zu setzen. Es war nämlich im September des Jahres 1422 als Heinrich von Landshut, Wasserburg ängstigte, und Ludwig mit dem Barte, zum Entsätze heran rückend, auch das Gebiet seines Münchner-Vetters mit Feuer und Schwert verheerte. Erzürnt zog jetzt Ernst mit sei- nem milden Brüder Wilhelm — der stets ein versöhnender Friedensbote zwischen Vater und Sohn, Vetter und Unterthanen war — und mit Albrecht, der hier die ersten Sporen verdienen sollte, gegen Alling, wo sich des Feindes zahlreiche Reiterei, trotzig heraus fordernd, zeigte. Albrecht vom jugendlichen Feuer hingerissen, warf sich in den dichtesten Haufen, war aber ungeachtet seiner löwenkühnen Gegenwehre bald umringt. Schon deuteten die Feinde einander, und riefen hoch jauchzend dem jungen Herzoge zu, sich zu ergeben; aber auf einmal brach wie ein schnaubender Löwe, Herzog Ernst durch die gewaltigen Scharen, und bahnte sich mit furchtbaren Keulenschlägen rechts und links, den Weg zu seinem ^ohne, gegen welchen in dem Augenblicke ein Ingolstädter das Schwert zum Todesstreiche aufhob. Ernst streckte diesen nieder, und gab durch diese Rettung seinem Sohne Albrecht zum zweiten Male das Leben. Indessen siel aber bei dieser That daS Beste wieder hinweg, nachdem durch die rauhen Vorwürfe deS Vaters über Al b rech t s übereiltes Vordringen und die lieblosen Handlungen, die er in der Folge ausübte, zwischen Beiden wieder die alte Entfernung ihrer Herzen blieb. Ohne seinen Willen verlobte Ernst seinen Sohn Albrecht, welcher inzwischen auch gegen die Hussiten sieghaft gekämpft hatte, an Elisabeth, eine Tochter des Grafen Ludwig von Würtemberg, welche aber, während Kurfürst Ludwig von der Pfalz die diesfälligen Unterhandlungen zu Heidelberg leitete, mit ihrem Geliebten dem Grafen HannS von Werdenberg entfloh. Niemand war darüber mehr erfreut als Albrecht, der schon diesmal dem Wunsche seines VaterS sich geopfert sah, und der nun, um weiteren Heirathsanträgen zu entgehen, sich wenig mehr zu München sehen ließ, meistens in Vohburg lebte, doch aber bei Gelegenheit öffentlicher Nirterspiele, häufig das damals überaus mächtige und glänzende Augsburg besuchte, wo nun, ein dem Scheine nach geringfügiger Umstand, daS Los über sein ganzes Leben warf. Der geringsten Leute von Augsburg einer, war der Bader, Kaspar Bernauer, vorr Bi- berach, welcher sein Badehaus zwischen den sogenannten »Schlachten^ hatte. In jenen finstern Zeiten des Aberglaubens bedurften Aerzte und Wundärzte noch häufig einer Art von Ehrlichsprechung, und standen, so wichtig und nothwendig ihre Kunst war, dennoch unter den mindest geachteten Gewerben. Diesem Bernauer war sein Weib frühzeitig gestorben, und hatte ihm nur eine einzige Tochter von zarrem Alter, herrlicher Schönheit, und anmuthvollem Gliederbaue hinterlassen. Noch hatte sie nicht ganz daS 14. Jahr erreicht, als schon der Ruf ihrer überaus reizenden Gestalt in der ganzen Umgegend sich verbreitete und viele Aufmerksamkeit auf sich zog. Als nun einmal zu Augsburg ein herrliches Turnier gehalten wurde, an welchem der Herzog Albrecht Theil genommen hatte, so ereignete eS sich, daß unter der Menge des herbei gekommenen schaulustigen Volkes sich auch die schöne Agnes mit ihrem Vater befand, und Beide, nahe,an die Schranken des Kampfplatzes zu stehen kamen. Albrecht erblickte sie, und wie das Auge vom vollen Sonnenlichte geblendet wird, so ward auch sein,ganzes Wesen ergriffen, und erschüttert beim Anblicke dieser jugendlichen und mächtigen Schönheit. Als er sich wieder etwas gesammelt hatte, suchte sie sein ängstlicher Blick, aber vergebens, denn die Zauberin war verschwunden, und wurde wahrscheinlich durch die zahllosen Zuschauer verdrängt. Indessen war aber auch aus Albrechts Herzen Fried und Ruhe gewichen, und nicht- konnte den schlanken Fürstenjüngling mehr bewegen, bei dieser ritterlichen Unterhaltung länger zu verweilen. Er verließ daher Turnier und Tafel, Tanz und Spiel, legte sogar die Zeichen seiner fürstlichen Würde nebst seinem ritterlichen Schwerte ab, und suchte mit hoch klopfendem Herzen, und unter allerlei Verkleidung jene edle Gestalt auf, die das augSburger Volk gewöhnlich nur den Engel nannte, und aus deren klaren sanften Blicken, die ganze Allgewalt der Schönheit und der Liebe heilige Strahlen ihn getroffen hatten. Seinen Forschungen emsig nachgehend hatte er selbst seinen vertrautesten Freunden, so wie seinem Pfleger und Schloßhauptmanne in Vohburg kein Wort von dem Geheimnisse seines Herzens verrathen. Endlich hatte er sie ge/unden, und erhielt von ihr bald das willkommene Geständniß der Gegenliebe; doch ungeachtet dieses völligen Einklangs der Herzen, beharrte die tugendhafte Agnes darauf, nur im Wege eines ewigen, eheligen Bundes des Herzogs Neigung zu erwiedern, und seine glühenden Wünsche zu erhören. Jetzt erst dachte Albrecht zum ersten Male, daß er Herzog und B al er ns Erbe, Agnes hingegen nur eine arme Bürgerstochrer sey. Mehrmals verließ er Augsburg in wrl- der Verzweiflung, streifte umher unter den Fischern der Donau, und in den Wäldern um Vohburg, wurde aber ungeachtet dieser gesuchten Zerstreuungen wieder zurück getrieben nach der handelsreichen Stadt, wo er die Agnes, ihm noch weit schöner dünkend, aber immer noch so fand,»wie er sie verlassen hatte, nämlich voll Sehnsucht, voll Liebe, in bitterm Leide vergehend, aber männlich fest auf ihrem Entschlüsse beharrend. Solch' edle Standhaftigkeit umstrickte jetzt noch inniger, glühender und unauflöslicher sein Gemüch, und so geschah es, daß er ihr die Ehe mit den heiligste» Eiden versprach, und solche auch zu Vohburg unter der Zeugenschaft der getreuen Z enger versprach. Auf die Abschließung einer heimlichen Ehe stand damals in manchem Sprengel nicht Nullität, wohl aber der Kirchenbann, in manchen, dies aber sehr selten, nur die Pflicht nachträglicher Verkündung. Anstandeswidrige Ehe von Fürsten und vorzüglich von einzigen Söhnen, war im deutschen Lande beinahe unerhört, denn der Deutsche forderte strenger als ein anderes Volk, von beider Aeltern Seite reines, ebenbürtiges Blut; die Mutter war daher so wichtig wie der Vater. Bei solchem Umstande war es vorher zu sehen, daß Herzog Ernst, gegen eine gewöhnliche Liebe sehr gleichgiltig, gegen eine solche Ehe aber, von unerbittlichem Grimme seyn mußte. Während nun Albrecht die seligsten Stunden seines Lebens zu Vohburg in den Armen seiner holden Gemalin Agnes genoß, starb ihm an seiner Mutter (2. Februar 1432) eine milde Vermittlerin bei seinem harten Vater, und nun bekamen gleißnerische Zungen die schicklichste Gelegenheit, des Sohnes heimliche Vermälung dem Vater zu entdecken. Ernst schickte jetzt einen Machtboten an seinen Sohn, und ließ ihm eine junge und sehr schöne Gemalin antragen; aber Albrecht schlug diesen Antrag sogleich ab, und versicherte, daß er noch eine Zeit lang seine Freiheit genießen, und den Künsten und der Natur leben wolle. Indessen geschah es aber, daß, so sorgfältig er seine Gemalin und ihren Hofstaat verborgen zu halten suchte, der Gesandte dennoch erfuhr, daß eine Herzogin mit Hofdamen in dem Palaste wohne, wer diese Herzogin sey, und wie dieses Weib nur auf des alten Herzogs Tod warte, um öffentlich als herrschende Frau aufzutreten, ja, daß sie sogar durch einen Zaubertrank den Herzog Albrecht zu dieser unheilvollen Ehechingeleitet hätte. Alle diese, gröstentheils aus Neid entstandenen Nachrichten überbrachte nun der Gesandte dem Herzoge Ernst, der jetzt in seinem unbezwingbaren Zorne beschloß, einen mächtigen Schlag auf seines SohneS verweichlichtes Gemüth zu machen. In dieser Absicht schrieb er ein Turnier auf den November des Jahres 1434 zu Negensburg auS, auf welchem sich unter den stattlichen Rittern, die hier zusammen trafen, auch Albrecht, ein Spiegel des Ritterrhums und BaiernS künftiger Herzog, als einer der Ersten einfand. Kaum war dieser aber vor den Schranken erschienen, als ihn schon der Marschall mit den schmählichen Worten zurück wies, er sey unwürdig hier zu erscheinen, indem er ein unritterlicheS Leben geführt, vermummt und ohne Schwert herum geirrt, und mir einer gemeinen Dirne in frecher Unehe lebe. Da stürmte der junge Herzog wie ein Rasender in die Schranken, und gestand laut, »-Agnes sey nicht seine Metze, sondern sein ehelich angetrauteS Weib.<§ Aber die aufgehetzten Ritter und mit denen der eigene Vater fielen auf ihn, und so wurde er durch die Uebermachr von ihren Schwertern geschlagen, und zum Rückzuge gezwungen. Was er bis jetzt so emsig verschwiegen gehalten, war nun in der Überraschung des Zorns veröffentlicht, deshalb verließ er jetzt seinen Lieblingsaufenthalt Vohburg, und bezog das Schloß Straubing, welches er seiner Agnes zum Geschenke und Wittwensiße bestimmt hatte, und hielt nun hier in diesem unheilbringenden Orte öffentlichen Hof. Schon am 11. September 1435 war sein herzlicher Freund und Oheim, Herzog Wilhelm mit Tod abgegangen, mit welchem Hintritte nun über Agnes die blutigen Würfel fielen. Die Bosheit verbreitete nämlich neuerdings das Gerücht, sie sey eine Schwarzkünstlerin, die das, dem Herzoge Wilhelm schon halb todt geborne Knäblein hatte durch Gift aus der Welt schaffen wollen *). Man überredete sogar den Herzog Ernst, sein Sohn sey von ihr bezaubert, sein rechtmäßiger Stamm werde verlöschen, und niemals würden Kaiser und Reich, Alb rechts und Agnesens Kinder anerkennen. Durch diese ihm fälschlich beigebrachten Umstände bewogen, lockte er nun unter dem Vorwände eines Geschäftes seinen Sohn von Straubing hinweg, und eilte selbst dahin, um Agnes sogleich.verhaften zu lassen. Diese wurde jetzt als eine Hexe angeklagt, und zugleich beschuldigt des Herzogs Sohn verführt zu haben, um sich mit frecher Hand diesen hohen Rang anzueignen. *) Albrechts Oheim, Wilhelm, den man sogar als künftigen Kaiser nannte, war mit Margaretha, einer Tochter des Herzogs Adolph zu Kleve vermalt. Diese gebar ihm einen äußerst schwächlichen Prinzen, worauf dann die sinnlose Anschuldigung gegen Agnes sich verbreitete, als habe sie diesen als Schwarz- künsilerin aus dem Wege geräumt, um die Nachfolge ihren eigenen Kindern zuzuwcnden. Die sanfte Agnes erschien nun vor dem nieder gesetzten tumultuarischen Gerichte als deS Her« zogs Räche in Straubing angekommen waren, mit schweren Ketten belastet, und gestand mit dem Gefühle reiner Unschuld, daß sie A l brecht s kirchlich und rechtlich angetraute Gemalin sey, und erklärte, als man ihr einen andern Mann vom Bürgerstande mit ansehnlicher Aussteuer anbot, in Ewigkeit nicht von ihm zu lassen. Bis in die tiefe Nacht hinein dauerte die Sitzung, in welcher endlich durch die Mehrzahl der Stimmen Agnes als eine Hexe verdammt und zum Tode verurtheilt wurde; worauf der Richter zu Kulmberg den Befehl erhielt, Agnesen im Angesichte ihres Straubinger - Schlosses über die Brücke in die Donau stürzen zu lassen. Mit dem Morgen des 12. Oktobers 1435 wurde nun Albrechts Gemalin unter einem ungeheuren Zulaufe des Volkes auf die Straubinger-Donaubrücke geschleppt. Alles war erstaunt über die seltene Schönheit der Blume im Verborgenen, von welcher Alle gehört, und die bis jetzt Keiner noch recht gesehen. Wiewohl gebunden und geknebelt, beschwur sie doch Gott den Vater im Himmel, alle Heiligen und die Menschen um Erbarmen, und um Rettung; aber umsonst blieb ihr Flehen, denn augenblicklich ergriffen sie die Henkersknechte, und schleuderten sie in den Strom. Indessen hatte die Unglückselige noch so starke Geistesgegenwart, daß sie mit Hilfe des einen nicht gebundenen Fußes, gegen das Ufer schwamm, und aus voller Kehle die Umstehenden um Hilfe bat. DaS Volk strömte jetzt, diesen Tag blutiger Grausamkeit verwünschend, hinzu und wollte ihr hilfreiche Hand bieten, da kam aber einer der Henker in Todesangst vor Herzogs Ernst Zorn, riß schnell eine Geländerstange los, wickelte sie in die, auf dem Wasser ausgebreiteten langen Haare, und tauchte das Wunderbild in die kalten Fluten unter, bis sie todt war; dann schwamm sie an's Ufer, wurde heraus gezogen und auf dem Kirchhofe zu St. Peter in der Altstadt Straubing ordentlich begraben. Nach der allgemeinen Sage soll Albrecht in dem Augenblicke zurück gekehrt seyn, als seine Gemalin noch auf den Wogen der Donau schwamm. Er wollte sich mit seinem Roße in die Fluten stürzen, wurde aber von seinen Freunden daran verhindert. Hierauf ergriff ihn starre Verzweiflung, in welcher er 3 Tage sprachlos blieb. Nur durch Musik, seiner weichen Seele liebste Beschäftigung kam er wieder zur Besinnung, und mit dieser flößen nun wohlthätige Thronen. Er schwur jetzt Agnesens Tod furchtbar zu rächen, und eilte daher gerüstet, zu seinem ewig friedlosen Vetter Ludwig dem Bärtigen, dem dieser Umstand sehr erwünscht kam. Wie ein Todesengel wüthete Albrecht in seines Vaters Gebiete, und verheerte durch die Schrecken des Krieges die Fluren, die er bald beherrschen sollte. . Da ging endlich das Schicksal dieses armen Landes dem Rachdurchfüllren tief zu Herzen, und sein Vater, von allen Seiten verlassen, von der Geißel des Gewissens zerfleischt, sandte nun Boten an ihn und an den Kaiser, worauf die Münchner-Bürgerschaft die Vermittelung übernahm. Der Kaiser Sigmund schrieb an Albrecht einen tröstenden rührenden Brief, auch der Vater ließ ihn an die Affaire bei Alling mahnen, wo er ihm das Leben gerettet, und so folgte er nun im tiefen Schmerze um die Verlorne versunkerz, seinen treuen Bürgern, und hielt seinen Einzug in München. Rührend war das Wiedersehen vom Vater und Sohn, welch Ersterer nun mit tiefer Neue seine begangene Untbat bekannte. Agnesen ward hierauf ein prächtiger Grabstein von Marmor gefetzt, auf welchem sich ihr lebensgroßes Bild befand, mit einem langen Schleier und einer Kleidung, wie solche Fürstinen und Aebtissinen damaliger Zeit zukam. Ein Hund und eine Eidechse zu ihren Füßen dienten als Symbole der Treue und der häuslichen Geselligkeit. Nachdem nun Albrecht ein Jahr in stiller Zurückgezogenheit verlebt hatte, erfüllte er den allgemeinen Wunsch, und vermisste sich zum zweiten Male mit der schönen Anna von Braunschweig, um Baiern nicht verwaist zurück zu lassen. Als sein Vater starb (1438), sah er schon zwei Söhne dieses Ehebundes an seinem Krankenbette, und das Erbe von Ingolstadt und Landshut kam spater an die Münchner-Fürsten in die Hand des vierten Sohnes jenes kraftvollen Albrecht des Weisen, welcher der Stifter der Erstgeburt in der Untheilbarkeit des Baierlandes wurde. Agnes Bernauer aber, dieses traurige Opfer unglücklicher Liebe, lebt aber immer noch im VolkSliede, im Trauerspiele, in Sagen und Zeitbüchern, vorzüglich aber in dem Andenken der Bewohner Straubings fort. r r?' ' - 7 ' -7 - - Elisabeth) Königin von Söhmen. Vom Jahre 1306 bis zum Jahre 1330. E)iese edle Fürstin war die Tochter des Königs Wenzel des II. und Judith, einer Tochter des Kaisers Rudolph von Habsburg. Sie verlor ihre vortreffliche Mutter in ihrem vierten Lebensjahre, und wurde nach der Bestimmung ihres VatcrS, zur Erziehung der Aebtissin deS St Georgen- stiktes ru Prag anvertraut, in welchem damals viele Fräulein aus den vornehmsten böhmischen Hausern gebildet wurden. Einige Jahre nachher entriß ihr der Tod auch den Vater, welchem nun ihr Bruder Wenzel III. in einem Alter von 18 Jahren in der Negierung über das Königreich Böhmen folgte, der aber nur kurze Zeit dieses wichtige Geschäft führte, da er in einem Kriegszuge nach Polen in dem Hause des DechantS von Olmütz von einem unbekannten Ritter ermordet wurde. Mit diesem Könige war der letzte männliche Sproße des PrzemiSl'schen Stammes, der 586 Jahre über Böhmen herrschte, erloschen, und es blieben nur drei Prinzesstnen von diesem Geschlechte, nämlich seine Schwester Anna, die Gemalin Heinrichs, Herzogs von Kärnthen; Margaretha mit Boleslaw, dem Herzoge von Breslau und Liegnitz vermält, und Elisabeth übrig, -Vach Wenzels unglücklichen Tode traten die Böhmen (1306) zusammen, um auf dem Landtage zu Prag über die 'Wahl eines neuen Regenten zu berathschlagen. ES standen sich aber bei dieser Wahl zwei Parteien gegenüber, von denen eine für Oesterreich, die andere für den Herzog Heinrich von Karn- then, der des letzten Königs Schwester zur Gemalin hatte, geneigt waren. Indessen erschien die 14jährige Elisabeth persönlich auf diesem Landtage, und suchte die Erbfolge von Böhmen zu verteidigen, und für die Rechte ihres Stammes zu sprechen. Sie stellte den versammelten Staatsmänner in einer kurzen und bündigen Rede vor, daß die Nachkommen des Prze- m is l und der Ahnfrau Libussa durch beinahe 6 Jahrhunderte das Zepter über das Reich mit Ruhm führten, und dadurch die allgemeine Achtung und Liebe des Volkes sich erwarben; daß man die Regenten ununterbrochen aus ihnen allein wählte, und P r ze mislow I. ihr Recht auf den väterlichen Thron zu einer Erbfolge festgestellt habe. . » L Die Anwesenden erstaunten über den Muth der jugendlichen Prinzessin, und die Wahl wäre auch wirklich nach ihrem Wunsche auf den Gemal ihrer Schwester Anna gefallen, hätte mcht Kaiser Albrecht mit einem zahlreichen Heere die Böhmen bedroht, worauf 1 ^, dann seinen Sohn Rudolph von Oesterreich zum Herrscher annahmen, der aber im Verlaufe eines JahreS (1367) starb, wodurch eine neue Königswahl nothwendig wurde. Obschon die böhmischen Stände bei Rudolphs Wahl sich verpflichtet hatten, nn Falle seines kinderlosen Sterbens, einen seiner Brüder zu wählen, so stimmten jetzt die Meisten doch anders, und riefen: »Wir wollen keinen Oesterreicher!-« Nun erhob Tobias von Bechina, das Haupt der österreichischen Partei seine Stimme, und rief: »So holt euch wieder einen Bauer auS Staditz, den ihr dann zum Könige krönen könnt!-« — Aber der Unvorsichtige mußte sein Scherzwort bitter büßen, denn wüthend fielen Andere, die sich dadurch von ihm verspottet hielten über ihn her, ünd ermordeten ihn im Saale, worauf dann Heinrich von Kärnthen zum Könige auSgerufen wurde, der hierauf sogleich mit seiner Gemalin Anna zurück kehrte, und das Königreich in Besitz nahm. Seine Regierung mißfiel aber bald den Böhmen, denn er begünstigte die Kärnthner nut Hmtan- setzung der Böhmen, raffte Gold zusammen so viel er vermochte, und sandte es ebenfalls nach Kärnthen: schrieb auch neue und drückende Auflagen aus, und ließ endlich auf einem Landtage die vornehmsten Barone gefangen nehmen, welche er den Prager-Bürgern zur Aufsicht anvertraute.^ Elisabeth, welche die Wabl ihres Schwagers zum Könige von Böhmen aus den edelsten Beweggründen befördert hatte, erstaunte jetzt über diese Nachrichten, und machte sich Vorwürfe, durch ihre Unbesonnenheit das Wohl deS Vaterlandes auf's Spiel gesetzt zu haben. Sie bat nun die Edlen des Reiches, welche sich über Heinrich beklagten, ein Mittel zu ersinnen, durch welches Böhmens Muck wieder gesichert würde, worauf man ihr den Vorschlag machte, sich selbst mit einem mächtigen Fürsten zu vermalen, der die Erbfolge beschützen könnte. Heinrichs Kundschafter statteten ihm aber Bericht von der Versammlung der Edlen bei der Prinzessin ab, und dieser, um einer drohenden Gefahr vorzubeugen, schlug 62 nun einen seiner Anhänger/ den Dynasten Berka von Dub a zu eheligen vor, welchen Vorschlag aber die Prinzessin standhaft verwarf, nachdem sie eine solche Verbindung als eine Entehrung ihres königlichen Blutes ansah. Heinrich wollte ihr jetzt wegen ihrer Widersetzlichkeit mit seiner vormundschaftlichen Gewalt drohen, Elisabeth entgegnete ihm aber zürnend: »Willst du den Glanz des königlichen Stammes in mir verdunkeln, so werde ich nie ruhen, bis ich dich vom Throne gestossen Habe.-L — Diese Drohung brachte Heinrich in Wuth, und er befahl daher seiner Wache, die Prinzessin zu überfallen, und sie mit ihren Frauen auf dem Wissehrad in einen Kerker zu bringen, wo sie streng verwahret, und aller Gemeinschaft mit ihren Freunden beraubt werden solle. Aber den wissehrader Dompropsten und Kanzler des Königreichs Johann W olle k, einen natürlichen Sohn Königs Wenzel des II. bewog das unverdiente Schicksal seiner Halbschwester, und um ihr zu ihrer Freiheit behilflich zu seyn, rieth er ihr zu verlangen, daß sie der vormalige Hofkaplan besuchen dürfe. Elisabeths Gewifsensrath besuchte sie nun öfter, und als endlich die Wachen schon ganz zutraulich geworden waren, schritt jetzr der Propst zur Ausführung seines Nettungsplanes. Er bestellte nämlich in Geheim einige Reitpferde, nachdem er dem Hofkaplane die Weisung gegeben, wie er die Thüre des Gefängnisses öffnen, und die Wächter mit einem Schlaftrünke berauschen könne. Der Hofkaplan war mit Allem glücklich zu Stande gekommen, und Elisabeth entfloh ganz unbemerkt aus dem Kerker, warf sich auf eines der bereit stehenden Rosse, und eilte in dunkler Nacht, von ihren beiden Frauen und dem Hofkaplane begleitet, nach Nimburg, wo sie auf Sicherheit rechnen konnte. Kaum daselbst angekommen, ließ jetzt die Prinzessin den Stadtrath und die ansehnlichsten Bürger auf dem Rathhause versammeln, und sprach zu ihnen : »Meine Vorfahren, vor Allem aber mein Vater waren besorgt, euch Wohlthaten zu erweisen. Er erhob euern Marktflecken zur Stadt, umgab sie mit Mauern, gab ihr Freiheiten, und setzte sie in den blühendsten Zustand. Sehet nun hier die Tochter eures gütigen Wenzels, die verlassene und verfolgte Elisabeth, welche sich unter euren Schutz flüchtet, und euch um Beistand ersucht. Wenn ihr mich unterstützt, so habt ihr nicht nur meinem Vater eure Dankbarkeit bezeugt, sondern auch eurem Vaterlande einen guten Dienst geleistet.-s Ein Thränenstrom unterbrach jetzt die Rede der jungen Prinzessin, und tief gerührt schwuren die Nim- burger ihr mit aller Kraft beizustehen. Elisabeths Flucht aus dem Gefangniße ward bald bekannt, und nun begannen zwischen den Kärnthnern, Meißnern und Böhmen die offenbaren Feindseligkeiten. Man kämpfte in Prag und auf dem Lande mit der äußersten Erbitterung; bald siegte die eine, bald die andere Partei, aber jeder Sieg kostete nicht nur Ströme des theuren Bürgerblutes, sondern auch viele Ortschaften wurden gröstentheils verwüstet. Endlich versammelten sich einige der Großen von Nimburg und schlugen der Prinzessin den Sohn des Kaisers Heinrich des VII. zum Geniale vor, den sie dann auch auf den böhmischen Thron erheben würden. Elisabeth willigte sogleich in den Vorschlag, worauf 12 Abgeordnete von Elisabeth und ihren Anhängern, sich an das kaiserliche Hoflager nach Frankfurt begaben, und dem Kaiser die Hand der Prinzessin für seinen Sohn Johann, und die böhmische Krone anboten. Der Kaiser berathschlagte sich mit den Neichsständen, welchen Entschluß er in dieser Sache fassen sollte, worauf ihm die meisten Stände rierhen, er möge diefe Gelegenheit benützen, Böhmen von Deutschland abhängig zu machen, und den Antrag der Gesandten annehmen. Dieser Rath gefiel dem Kaiser wohl, da aber sein Sohn als ein 14jähriger Jüngling zu der Ver- malung mit einer gleich jungen Prinzessin, und der Regierung vorzustehen unfähig war, so schlug er seinen Bruder zu der königlichen Würde und der angetragenen Verbindung vor; allein die Abgeordneten beharrten fest auf ihrem Verlangen, und waren endlich damit zufrieden, als der Kaiser selbst die Regierung einstweilen zu übernehmen versprach, bis sein Sohn zu reiferem Alter gelangt seyn würde. Nach dem Begehren des Kaisers, die Prinzessin früher sehen zu wollen, eilte man nun seinem Wunsche nachzukommen, und während ein Thcil der Abgeordneten zum Empfange der Prinzessin in Nürnberg zurück blieb, eilten die Andern nach Böhmen zurück, um ihren Landsleuten die frohe Botschaft zu hinterbringen. Elisabeth reiste jetzt sogleich mit einem ansehnlichen Gefolge aus Böhmen ab, und setzte, von Nürnberg, durch die zurück gebliebene Gesandschaft empfangen, ihre Reise über Speier, nach Haimbach fort, wo sie von dem Kaiser und seinem Sohne freudig aufgenommen wurde. Nach vielen daselbst abgehaltenen Festlichkeiten begab sich der Hof nach Speier, wo sich der Kaiser im glanzvollen Zuge, im vollen Ornate, ussd von den Reichsfürsten, Baronen, Rittern und Edlen umgeben nach dem Hauptplatze der Stadt verfügte, und seinen Sohn Johann zum Könige von Böhmen auSrufen ließ, nachdem vorher der Erzbischof von Mainz die böhmischen Volksvertreter von dem Eide für Heinrich von Kärnthen losgesprochen hatte. Hierauf erfolgte die Belehnung des neuen Königs, mittelst der von seinem kaiserlichen Vater überreichten Fahne, und die Huldigung der anwesenden Böhmen^, dann ging der ganze Zug nach der Kirche, wo endlich der Erzbischof unter feierlichem Gepränge die Trauung vornahm. Der Kaiser liebte seine schöne Schwiegertochter so sehr, daß er sie nach den Vermälungsfeier- lichkeiten nach Kolmar in Elsaß mir sich nahm, wo er noch einige Reichsgeschäfte zu besorgen hatte; aber wahrend ihres dortigen Aufenthalts kamen Abgesandte aus Böhmen, und baten den Kaiser die Reise seines Sohnes nach Böhmen zu beschleunigen, damit durch seine Ankunft, dem Drangsale des Landes ein Ende gemacht werde. Der Kaiser wollte nun auf das dringende Begehren die Sendung seines Sohnes nach dem neu erworbenen Königreiche nicht länger mehr verschieben, und gab ihm wegen seiner Jugend zwei Rathgeber, nämlich den Erzbischof von Mainz und den Grafen von Henneberg zur Seite, ohne deren Beistimmung er nichts in der Verwaltung vornehmen durfte. Zugleich ersuchte auch der Kaiser die deutschen Fürsten, seinen Sohn in der Besitznahme von Böhmen mir Hilfsrruppen zu unterstüben, worauf dann Johann mit seiner Gemalin die Reise nach Böhmen antrat. Zu Anfang des Herbstes traf er in Nürnberg ein, musterte daselbst seine Truppen, und zog nun weiter unter dem Zulaufe des Volkes zu seinen Truppen auf böhmischen Boden. Hier angelangr, und von der Anhänglichkeit des grösten Tbeiles der Böhmen versichert, lagerte er sich bei Pilsen, dessen Bürger ihm die Stadt übergaben. Von hier rückte er gegen Eger, wo er einen kleinen Nachrheil von Heinrichs Truppen erlitt, daher wendete er sich nach Budin, wo ihm der Bischof von Prag von der Unterstützung der Großen des Königreichs die Versicherung mittheilte, und ihn zugleich aufmunterte, die Eroberung deS Landes entschlossen fortzusetzen. Zahlreiche Verstärkungen, welche sich hier dem Heere angeschlossen, bewiesen die Aufrichtigkeit der Gesinnungen des Bischofs, und setzten den jungen König in die Lage, mit dieser gesummten Macht vor Kuttenberg und Kostin zu ziehen, welch' beide Städte aber, als sie zur Uebergabe aufgefordert wurden, dem Könige entgegneten: »Sobald sich Prag ergäbe, sollten auch hier die Thore geöffnet werden.^ Indessen war die rauhe Jahreszeit heran gerückt wo das Heer nicht lange mehr im offenen Felde bestehen konnte, daher mußte man Alles aufbieten den Zug gegen Prag zu beschleunigen, um durch die Eroberung dieser Hauptstadt ganz Böhmen in Besitz zu bekommen. König Johann hatte dort eine zahlreiche Partei, welche sich sogleich, als seine Truppen.wor den Mauern der Stadt anrückten, mit ihm in geheimes Einverständnis setzte, und versprach, die Stadt zu überliefern. Zu diesem Ende wurde nun verabredet, wenn die Belagerungstruppen die große Glocke der Theinkirche würden ertönen hören, so sollen sie vor das Altstädter-Thor anrücken, wo sie die Pforte geöffnet finden werden. Eine heftige Kälte wüthete, daß Menschen und Vieh erstarrten, daher erwartete man schon mit Ungeduld die Losung, als endlich am 5. December um 9 Uhr Vormittags die Glocke der Theinkirche erscholl. Johanns Truppen eilten jetzt sogleich zu dem Altstädter Thore, und versuchten, da die Pforte noch nicht geöffnet war, diese zu sprengen, aber die Prager-Bürger eilten selbst herbei, und legten thätige Hand an's Werk, um den aussen stehenden Befreiern den Eintritt in die Stadt zu verschaffen. Der Bischof von Prag, der sich mittlerweile mit einer Schar Bewaffneter bei dem Heere deS jungen Königs eingefunden hatte, rückte jetzt zuerst in die Stadt, um die Uebrigen zu ermuthigen, und an ihn unmittelbar, schloß sich Elisabeth mit ihrem Gefolge, hinter welcher dann daS gesammte Heer einzog. Heinrichs Truppen konnten der eindringenden Macht nicht widerstehen, und flüchteten sich auf die Kleinseite, wo sie nebst vielen andern Häusern auch das gegenwärtige Malthesergebäude besetzten; da sie aber auch hier nicht mehr widerstehen konnten, so schickte Heinrich einige Gesandte an König Johann mit dem Ersuchen, ihm freien Abzug aus Böhmen zu gestatten. Dieses Begehren wurde aber zurück gewiesen, worauf dann seine Gemalin Anna selbst zu ihrer Schwester sich begab, um von dieser hiezu die Bewilligung zu erhalten, aber auch Elisabeth war für das Ansuchen nicht gestimmt, da sie ihren Schwager nur zu gut kannte, und schlug gleichfalls der Schwester ihre Bitte ab. Anna nahm jetzt mit Thränen Abschied, und kehrte zu ihrem Gemale zurück, welcher nun Prag in der grösten Stille verließ, und seinen Weg nach Kärnthen einschlug. Auch die Kärnthner und Meißner zogen sich zurück, und Johann konnte jetzt ungehindert die Stadt mit seinen Truppen besetzen. Bald darauf wurde auch ein allgemeiner Landtag angesagt, auf welchem der König alle Vorrechte und Freiheiten des Königreichs bestätigte und zugleich die Landstande aufforderte ihm zur gänzlichen Vertreibung der Feinde, welche noch einige Plätze besetzt hielten, werkthätig beizustehen. Mit Anfänge deS Jahres 1311 drangen die böhmischen Stände darauf, Johann möchte sich zur Befestigung seiner königlichen Gewalt als König von Böhmen krönen lassen, welches Gepränge sie jetzt um so nothwendiqer erachteten a solches seit den Zelten Wenzel des II. nicht vorgenommen worden, nach dem alten Herkommen aber als unerläßlich angeführt war. Nach der Zustimmung des ersten Ministers des Erzbsschofs von Mainz, wurde nun hlezu der 7. Februar bestimmt, an welchem Tage sich Johann mit seiner Genia- lm :m feierlichen Zuge nach der Domkirche zu St. Veit begab, wo er und seine GemL von dem Erzbischöfe von Mainz gekrönt wurden. Nachdem die Krönungsfeierlichkeiten beendet waren, zog König Johann nach Mahren, um sich auch von diesem Lande die völlige Versicherung zu verschaffen ^ da die Herzoge von Oesterrach sich kurz vorher des Markgrafthums pfandweise bemächtigt hatten, dies/aber in der Besorgnis, der Kaiser wurde sich seines SohneS als König von Böhmen kräftig annehmeu, reiaten ^ückgabe, und Johann empfing auch ohne weiters die Huldigung, worauf er sogleich die nothlgen Anstalten traf, die Landesbezirke von den damals häufigen Räubereien zu befreien und dw Grenzorter, welche durch die Streifereien der Ungarn immer beunruhig wurden, zu verteidigen ditb^M t^?^ Elisabeth ihrem Gemale 2 Töchter, nämlich Margaretha un^ ^ ^ ' 7" ^ sie aber (1316) sowohl zur großen Freude des Königs, als auch des Volkes einen Prinzen, dem man den Namen Wenzel gab. wurden aber die böhmischen Großen mit der Staatsverwaltung des Erzbischofs von da/ er den Übl7 Mn"' unzufrieden' ^ ft-nen Anstalten überall so viele Hindernisse, v?rlassm . t der Lohmen nicht verkennend, sich entschloß, das Land mit allen Deutschen zu . 7' ^ ^ b.^lb er m Abwesenheit des Königs die Verwaltung in die Hände der Königin legte. Wohl "7 PE für sich, aber ihre Gegner waren zahlreicher und mächtiger, daher sah sie sich mit ihrem schwachen Anhänge, um der drohenden Gefahr auszuweichen genöthigt, Prag zu verlassen e7u ^d den beiden Töchtern nach dem befestigten Schloßk Elboge/z/i begL, wo si- R/iernnn Angelegenheiten abzuwarten beschloß. Die Gegenpartei übertrug indessen die 9 ' i? Böhmen an vier Relchsverweser, sobald aber Johann dies erfuhr, kehrte er sogleich nac.) Böhmen zurück, um diese emgeschltchenen Unruhen beizulegen, und die Negierung deS Landes siel Mach w^der m die Hände der K^^ nachdem ^ abermals Böhmen verließ. Verdat? der Verwaltung der Königin unzufrieden, brachte jetzt dem Könige den .^erdacht bei, daß Elisabeth im Sinne habe ihn zu entthronen, und ihren Sohn Wenzel zum ^ A?" "^den. Johann brach nun auf diese Nachricht mit einigen Scharen deutscher Reiter gegen Elbogen auf, welche die Königin aber ohne Widerstand übergab. Als sie sich hierauf nach Melnik ließ der Kömg seinen Sohn, den 3jährigen Wenzel, und dessen Wärterinen m emen Keller sperren, und nach Verlauf von 2 Monaten nach dem Schloße Pürglitz bringen, wo er unter strenger Aufsicht verwahrt wurde. Indessen blieb Elisabeth in ihrer Leibgedingstadt Melnik bis ihrer altern Prinzessin Margaretha mit Herzog Heinrich von Niederbaiern, wo ste sich dann bei ihrem ^ochtermanne in Landshut einige Zeit aufhielt. Diesen langen Aufenthalt der Kö- nlgm m Barern benutzten nun einige ihrer Gegner, bei dem Könige neuen Argwohn gegen sie zu veranlassen, und brachten es so wert, daß er den Propst von Wissehrad, welcher einst die Prinzessin aus HeirichS Gewalt befreit hatte, in enge Verwahrung zu bringen befahl, der Propst flüchtete sich aber nach Baiern, und begab sich m den Schutz der Königin, welche der guten Dienste, die er ihr in so großer Noch geleistet, nicht vergaß. Als die Königin ihren Sitz von Landshut nach Chamb in Baiern verlegte, so verlangte sie von ihrem Gemale, chx die nöthlgen Summen zu schicken, um ihrem Stande gemäß leben 9^72/ "ber der Komg war hart genug ihr diese rechtmäßige Forderung abzuschlagen, und gab sogar d^ Befehl man soll der Königin durchaus nichts nachsenden. Dadurch sah sie sich nun gezwungen nach Bo. men zurua. zu kehren, wo sie jetzt von den Prager-Bürgern mit ausserordentlichen Freudenbezeugungen empfangen wurde. Bald darauf traf auch der König ein, den sie nun bat, jene Schuldsumme zu tilgen, die sie aus der Ursache aufzunehmen genöthigt war, Weiler alle ihre Einkünfte ihr entzogen / l-ch auch diesmal die Zahlung zu übernehmen, bis endlich die Stände traten, um die Ehre der Königin aufrecht zu erhalten. Von nun an lebte sie mit geringem Gelde kümmerlich und zuruck gezogen wie eine Wittwe, Andere tröstend, sich im Gebete erhebend, und mit weiblichen Arbeiten für die zahlreichen Kirchen Böhmens beschäftigt. Den grösten Theil ihrer Unter- 28 7^"-. 2 --,chote zu Prag und dem Propste von Wissehrad, bis endlich der Tod am 28. September 1330 ihren viel erduldeten Kränkungen ein Ende machte. r 2o. Oesterreich unter Ottokar- König von Böhmen. Vom Jahre 1254 bis zum Jahre 1260. (Achon m den Weihnachts-Festtagen deS Jahres 1254 langte Ottokar an der Spitze emcs vortrefflichen Knegsvolkes in Breslau an, und vereinigte sich dort mit dem zahlreichen Heere des Markgrafen von Brandenburg, und den Kriegsvölkern des Erzbischofes von Köln und des Bischofs von Wermeland. Sie drangen noch in der Winterszeit mit diesem aus 60,000 Mann bestehenden Heere bis Elbingen vor, worauf sie dann in das Feindesland einrückten. König Ottokar aber führce sein Kriegsheer nach Samland, welches daselbst große Verheerungen ausübte, und da diese Schrecken des Krieges immer mehr zunahmen, so fanden sich die Vornehmsten des Landes bald genöthigt, ihre Unterwerfung anzubietcn, welchem Beispiele auch die Einwohner der andern Gegenden folgten. Ottokar verwendete nun die gröste Sorgfalt darauf, damit dieses rauhe Volk in der christlichen Glaubenslehre unterrichtet wurde, wozu der Bischof von Olmutz mit ausgezeichnetem Eifer die wichtigsten Dünste leistete *). Nach solch' vollbrachten herrlichen Thaten, kehrte Ottokar siegreich zurück, und begab sich ruhmvoll nach Böhmen **). . ^ , _ . . ^ Im folgenden Jahre hatten sich aber dte Angelegenheiten m Preußen-merklich geändert, nachdem viele der deutschen Ordensritter durch die preußischen Ungläubigen theils ermordet, theils auch gröften- theils von den Feinden eingeschloffen und belagert waren. Jetzt wäre es demnach wohl von entschiedenem Nutzen gewesen, wenn Ottokar den Bedrängten hatte zu Hilfe eilen können, allein, da diesmal in Oesterreich ein gänzliches Mißjahr eintrat, welches große Theurung und Hungersnoth herbei führte, so war es dein Herzoge Ottokar keineswegs möglich, den Bedrängten hilfreich beizustehen. Dazu kam auch noch, daß der römische König Wilhelm zu Anfänge des nächsten Jahres von seinen eigenen Unterlhanen ermordet wurde, worauf eine neue Kaiserwahl erfolgen mußte, welche die Gegenwart Ottokars unumgänglich erforderte. Wegen dieser vorzunehmenden Kaiserwahl hatte Alexander IV., der sich eigentlich nicht so unmittelbar wie sein Vorgänger Papst Innocenz in dieselbe einzumischen schien, den Erzbischöfen von Trier, Mainz und Köln besonders geschrieben, daß sie auf ein zur Beschützung der Kirche und zur Beherrschung deS Reiches geschicktes und wohl gesinntes Oberhaupt ihr Augenmerk richten, und sich der Wahl des Konradin, welcher ohnehin erst 5 Jahre alt sey enthalten möchten. Da nun unter den Kur- und Reichsfürsten keiner war, welcher sich die Kaiserwürde wünschte, auch König Ottokar den ihm deshalb gemachten Antrag ausgeschlagen haben soll, so wurden Graf Richard von Korn wall, em Bruder des Königs Heinrich des III. von England und König Alphons von Kastilien in Vorschlag gebracht, worauf dann von den Kurfürsten von Trier, Sachsen und Brandenburg Alphons, von jenen von Mainz, Köln und der Pfalz, unter der Zustimmung Ottokars, Graf Richard von Korn wall gewählt wurde. Obschon diese Kaiserwahl streitig genug ablief, so zog sie aber dennoch keine blutige Auftritte nach sich Schon ») Um den gemachten Eroberungen die nötbige Sicherheit zu geben, ließ Ottokar rn der heutigen Provinz Ostpreußen am Pregel eine Stadt und Festung anlcgcn, welche ihm zu Ehren den Namen Königsberg bekam. Auch die unweit des frischen Haffs ebenfalls neu angelegte Stadt, erhielt zu Ehren des Llschors Br'un'o von Otmiitz, den Namen Brunosberg (Braunsberg). ^ ^ ^ ^ Aus Dankbarkeit für die der christlicken Religion erwiesenen Verdienste sendete der Papst Alexander H. ein cigenbändiecs Schreiben an Ottokar, in welchem er demselben das höchst wichtige Vorrecht crtherlte, daß weder König Ottokar selbst von einem andern als dem römischen Papste mit dem Kirchenbanne, noch das Königreich Böhmen mit dem geistlichen Interdikte könne belegt werden. ***-) Friedrichs Cstaraklcrgröße wirkte wohlthäng auf ganz Deutschland; nur war er zu sehr m Italien beschäftigt, wo der Papst ihm mächtig entgegen wirkte, und vorzüglich wurde allesGutcn von seiner Seite für das Ganze berechnet, durch die zahllosen und mächtigen Feinde gestört, welcheseuwstaniilw, stauffen hatte. Hier lag auch der Grund zu dem großen Zwischenreiche, w^hes nach dem^ode F r r e d^ rich des II. (1250) oder gewistermasten schon im Jahre 1246 durch die auf Bctneb des starstcs grschrhenc Wastl des Geocnkönigs, Heinrich Raspo, Landgrafen von Thüringen, eintrat. Friedrich des II. Sohn, Konrad IV. schon im Jahre 1237 zum Könige gewählt, hatte mtt^ Helm von Brabant, Alphons von Kastilien und Richard von Kornwatt zu la.npsen, und mrt IM Jahre 1255 geschahen auch Unterhandlungen in Wien zwischen Philipp von Kärnthen, der den Namen eines Erzbischofes von Salzburg führte, und Ottokar. Nachdem aber Philipp durch sein Betragen, welches in Verschwendung der Schätze seines Stiftes, und mehrerer leichtsinnig gemachten und beträchtlichen Schulden bestand, den grösten Haß des salzburgischen Domkapitels sich zugezogen hatte, so kam es bald zu Feindseligkeiten, welche zur Folge hatten, daß das Land von böhmischen, österreichischen, steirischen und karnthnerischen Kriegsvölkern gemeinschaftlich verheert und geplündert wurde. Diese Verheerung Salzburgs durch den unruhigen Philipp von Kärnthen würde ein noch weit größeres Unheil herbei geführt haben, wenn nicht die salzburgischen Stände den Herzog Heinrich von Baiern zu Hilfe gerufen hätten, der dann mit entgegen gestellter Macht den Verwüstungen Einhalt gethan. Die Nachricht, daß der Papst die Absetzung Philipps gut befunden, und der Bischof von Seckau an seine Stelle als Erzbischof erhoben wurde, brachte denselben auf's Höchste zur Rache, und eiligst verfügte er sich daher nach Wien zu seinem Anverwandten Ottokar, bei welchem er thätigen Beistand gegen Baiern ansuchte. Da nun Ottokar ohnehin schon lange auf eine gelegene Veranlassung wartete, um die Städte Schärding, Neuburg am Inn und Ried zurück zu fordern, welche die Herzoge von Baiern nach dem Tode Hermanns von Baden eigenmächtig in Besitz genommen, und ihrem Herzogthume einverleibt hatten, so säumte Ottokar nicht lange, auS Oesterreich, Böhmen und Mähren ein starkes Heer zu sammeln, mit welchem er über Passau, ohne Hinderniß nach Baiern und gerade nach Landshut zog, wo Herzog Heinrich residirte. Als Herzog Heinrich das Herannahen des Feindes erfuhr, bewog er seinen Bruder, Herzog Ludwig den Strengen, ihm' mit seiner Macht zu Hilfe zu eilen, welches auch so schnell geschah, daß Heinrich schon in 4 Tagen mit einer bedeutenden Macht sich dem Ottokar entgegen stellen konnte. Hiedurch in die gröste Verlegenheit gesetzt, daß jetzt beide Brüder gegen ihn ihre Macht vereinigten, der er sich nicht gewachsen fand, so schickte Ottokar einen Herold an dieselben, durch welchen er einen Waffenstillstand begehrte, der ihm auch zugestanden wurde. Diese Zeit suchte jetzt Ottokar dahin zu benützen, daß er während der Nacht und des folgenden Tages seine Völker nach Mühldorf zurück führte, welchen aber die Baiern, als sie dieses erfuhren, genau auf dem Fuße folgten. Bei der Eile dieses Rückzuges geschah es nun, daß, als die Armee Ottokars die Brücke bei Mühldorf über den Inn zu passiren hatte, welche sehr schwach war, selbe von der Last so vieler Reiter und Fußgänger einbrach, wodurch ein großer Theil derselben in den Fluß stürzte, welche von den Baiern durch Pfeile und Wurfspieße hart bedrängt wurden, und eine große Niederlage erlitten. Ottokar selbst war dabei in sehr großer Gefahr, und konnte nur mit vieler Mühe nach Vöklabruck entkommen. Durch diesen höchst unglücklich ausgefallenen Feldzug mußte Ottokar sich endlich jene Friedensbedingungen gefallen lassen, zu Folge welchen Schärding, Neuburg am Inn, Nied und Sittenhofen an Baiern siel. Ottokar ging nun von Baiern nach Böhmen und von hier nach Oesterreich zurück. Ihm lag jetzt vorzüglich die Wiedereroberung Steiermarks am Herzen, welche in seiner Hoffnung um so mehr vergewissert wurde, da er sah, wie die Unzufriedenheit der Steirer durch Bedrückungen der ungarischen Regierung immer mehr zunahm, und selbst schon hie und da Gährungen erzeugte. Ottokar unterstützte diese aufrührerischen Unternehmungen der Steirer noch dazu insgeheim, und verstärkte auch die Kriegsscharen Philipps mit Soldaten von Böhmen, die aber immer als Kärnthner erschienen. Der junge Stephan, ein Sohn des Königs Bela und Mitherrscher von Ungarn hatte indessen angefangen, in Steiermark eine milde Negierung zu führen, allein diese war aber jetzt nicht mehr geeignet, die Ruhe in diesem Herzogthume herzustellen, sondern gab vielmehr die Gelegenheit, daß die Unzufriedenen Muth bekamen, sich öffentlich gegen den König von Ungarn zu erklären. So seiner persönlichen Erhaltung so viel zu thun, daß er es geschehen lassen mußte, daß in dem ordnungslosen Zustande des Reiches alte Vertrage gebrochen, die Gesetze verhöhnt und die Gräuel des wieder einreißenden Faustrechts mit vorheriger Schamlosigkeit selbst von dem nicdcrn Adel geübt wurden. Die Ritterschaft in Schwaben, Franken und am Rheine erzwang ihre Unmittelbarkeit, denn hier waren keine mächtige Herzoge, dw ihrer unabhängigen Korporation entgegen wirken konnten. So ging Altes, was Friedrich U. für Versagung, für Künste und Wissenschaften gethan hatte, fast gänzlich wieder unter. Der letzte Sprößling der Hohenstauffen, Konradin von Schwaben, starb durch Karl von Anjou zu Neapel 1268 auf dem Blutgerüste, und die Bessern und Gedrückten blickten mit sorgenvollen Herzen umher nach einem Erretter aus der Gefahr, furchtend, in der Verwirrung die Beute eines Mächtiger» zu werden. günstig aber diese Erklärungen für Ottokar waren, so begnügte er sich immer noch damit, die Absichten der Steirer nur mit geheimen Rathschlägen zu befördern, und suchte behutsam Alles dasjenige zu'vermeiden, was von Seiten Ungarns als ein Friedensbruch hätte angesehen werden können. Indessen dauerte in dem benachbarten Salzburg der Krieg zwischen Philipp und Ulrich immer noch fort, und nahm sogar einigen Einfluß auf die steirischen Unruhen. Während diesem arbeitete aber Ottokar immer im Stillen an der Ausführung seines Planes mit einer seltenen Schlauheit, wobei die Aufreizung der unzufriedenen Steirer eine große Triebfeder derselben war. Ottokar unternahm zum Behufs seines Vorhabens sogar einige Reisen in Oberösterreich nach Ens-und Wels um dem Schauplatze der Unruhen näher zu seyn, und kam endlich durch seine angewandte Behutsamkeit schon so weit, daß die Steirer den Entschluß faßten, einen auS ihrer Mitte zu wählen, welcher dem Könige Ottokar daS Herzogthum Steier mit dem Beisätze antragen solle, daß sie es übernehmen wollen, die Ungarn aus dem Lande zu vertreiben, wenn der König ihre, auS alten Zeiten herstammenden Rechte aufrecht erhalten wolle. Noch waren aber die Plane für Ottokar nicht hinlänglich reif, daher entschuldigte er sich, daß er dieses Anerbieten nicht annehmen könne, nachdem er mit Ungarn ein FreundschaftSbündniß geschlossen habe, indessen ließ er aber dennoch den Abgesandten merken, daß er ihnen zur gelegenen Zeit und mit Vorsicht angewendet, gerne seinen vollen Beistand leisten wolle, wenn sie mit Ernst und Kraft die Ungarn angreifen und ihr Land von diesen befreien würden. Der junge König Stephan war inzwischen nach Ungarn abgereist, worauf dann als Statthalter Stephan Graf von Agram in Steiermark folgte, welcher schon früher mit großer Härte die Steirer behandelt batte. Die überaus große Strenge dieses Mannes war daher schon bekannt, wozu täglich noch neue Beschwerden Anlaß gaben, die endlich daS Signal zu einer allgemeinen Empörung wurden. Mitten im Winter des Jahres 1259 brach nun der Sturm los, nachdem sich die Steirer wohl bewaffnet in großen Massen versammelten, und in alle diejenigen Plätze drangen, worin ungarische Besatzung war. Unmöglich war es diesen, einem solchen mächtigen Anfalle Widerstand zu leisten, daher blieb ihnen in dieser schreckhaften Winterszeit nichts Anderes übrig, als durch schnelle Flucht ihr Leben zu retten. Die Steirer waren nun binnen wenigen Tagen im Besitze aller von den Ungarn besetzt gewesenen Schlösser, Klos das befestigte Pettau ausgenommen, worin sich der Ban Stephan hielt, und welches sie auch vorzüglich aus dem Grunde nicht angreifen wollten, weil es ein Eigenthum des Erzbischofs von Salzburg war. Da nun aber die Befreiten jetzt mit Grund hoffen konnten, daß Bela bald mit einer großen Macht gegen sie anrücken werde, so schickten sie schnell eine Gesandtschaft an den König Ottokar, um ihn zur Besitznahme ihres Landes einzuladen. Ottokar war darüber in Geheim wohl fehr erfreut, suchte aber vor den Abgesandten seine Schlauheit noch immer anzuwenden, nachdem er wegen ihres Antrages den mit Ungarn geschlossenen Friedensvertrag vorgab; ging aber, um ihnen dennoch einige Geneigtheit zu zeigen, ohne alle Kriegsheere nach Grätz, damit er nicht eines Friedensbruches beschuldigt werden könne. Indessen hatte König Bela eine bedeutende Heeresmacht gesammelt, mit welcher er selbst nach Steiermark zog, worauf die Steiermärker durch die heran nahende Gefahr gezwungen, wiederholt um schnelle Hilfe bei Ottokar ansuchten, aber immer noch schützte er sein Bündniß mit Ungarn vor, bis endlich der ergraute Held Graf Konrad von Harbeck vor den König trat, und ihn überzeugte, daß es sehr unbillig wäre, wenn er ihnen jetzt in dem Augenblicke ihres gänzlichen Verderbens seinen Beistand versagen würde. Zudem erklärte sich auch der Graf — um den König nicht in die Verlegenheit zu setzen, daß er sein Bündniß mit Ungarn breche — vermöge dem Vorrechte seines uralten Geschlechtes und seiner Geburt als freier Mann, den ' hochbedrängten Steirern selbst alle mögliche Hilfe zu leisten, nur würde er den österreichischen Adel ersuchen, bei diesem Feldzüge ihn begleiten zu wollen. Ottokar stellte sich wohl dem Scheine nach, als wäre ihm dieser Antrag nicht gefällig, aber dennoch zog der würdige Greis Hardeck in Begleitung seines Bruders Otto zu Anfänge des Frühjahrs an die steirische Grenze, wohin ihm auch ein großer Theil deS österreichischen Adels mit Tausend der auserlesensten Krieger folgte. Schon hatten die herum schweifenden Kumannen das Land geplündert, viele der Landleute ge- tödtet und eine große Anzahl Gefangene nach Ungarn geführt, als der junge König Stephan, welcher den Vorrrab in die steirischen Lande führte, den Anzug des österreichischen KriegsheereS vernahm, und deshalb, weil er mit seinen ungeübten Völkern diesem nicht widerstehen konnte, sich wieder nach Ungarn zurück zog. Nun war also leicht voraus zu sehen, daß der Krieg um Steiermark zwischen Ottokar und Bela zum zweiten Male beginnen werde, daher strebte auch Ottokar rastlos, auS allen seinen Landern Soldaten zu sammeln, und um mächtige Hilfe sich zu bewerben. Aber auch nicht weniger war der König von Ungarn bemüht, seine Kriegsvölker zu sammeln, und Verbündete um ihren Beistand anzugehen. Der Feldzug begann nun gegen die Mitte des Monats Juni im Jahre 1260, wobei König Bela ganz gewiß schon der Meinung war, mit seiner großen Heeresmacht vor Prag Gesetze vorzuschreiben; — aber der Ausgang lag in der Hand des Schicksals anders bezeichnet, als Bela es gedachte. Dieser zog sein Heer an die Ufer der March, die Oesterreich von Ungarn scheidet, und ließ über den Fluß beinahe 100,000 Mann setzen, die sich in der Gegend längs der March bis Amasthal bei Staatz hinauf zogen, woselbst sich mehrere Tausende im Hinterhalte lagerten, weil Ottokar auf der beim Städtchen Laa sich nördlich hinziehenden Fläche einen Theil der Armee aufgestellt hatte. Ottokar ließ nun sein Lager aufbrechen und schritt so in unabsehbaren Gewalthaufen dem Feinde entgegen, der aber in wilder Flucht sich über den länderscheidenden Fluß zurück zog. Alles ging gegen die March. Jenseits lagen Bela und sein Sohn Stephan, und blieben so durch 15 Tage in ihrer Stellung. Indessen nahm die Noth in Ottakars Heere mit jedem Tage zu, und längeres Harren schien dem Heere schon verderblich zu werden. Um sich wegen des Proviantes zu versichern, sendete nun Ottokar eiligst nach Wien zu seinem getreuen Bürgermeister Paltram, von dem er aber die Versicherung erhielt, die Stadt werde das Aeußerste thun und für daS Kriegsherr sorgen, daher dürfe sich der König um keinen Mangel an Fleisch, Wein, Brod, und was er sonst noch benöthige kümmern. Auf diese Gesinnungen des Bürgermeisters und der Wiener, worüber der König hoch erfreut war, harrte Alles wieder mit voller Geduld und neuem Muthe; dem Könige Bela wurde es aber endlich doch zu lange, daher schlug er einen Stillstand von 4 Tagen vor, damit die Ungarn nach zwei Tagen die March übersetzen, und sich zum Streite ordnen können. Dieser Vertrag war dem Könige Ottokar angenehm, deshalb wurden auch alsogleich hierüber die Urkunden ausgefertigt, und mit dem gegenseitigen Eide feierlichst bekräftigt. Ottokar zog sich nun mit seinem Heere zurück, aber sogleich als dies Bela vernahm, ließ er unbekümmert des abgelegten Eides seine ganze Kriegsmacht aufbrechen, über den Marchfluß rücken, und verräterisch in die Nachhut einfallen. Diese nicht gehoffte Ueberraschung versetzte das kleine Heer in nicht geringen Schrecken, und litc dadurch beträchtlichen Schaden. Ottokar wendete jetzt, als er diesen Treubruch erfuhr mir den Seinigen eiligst um, und mit der grösten Erbitterung begann allgemein die Schlacht. Tausende wurden nun hingewürgt, welche dem Anprellen der O t t o ka r'schen Masse nicht widerstehen konnten, und sobald die Reihen der Ungarn gebrochen waren, so gab es auch keine Schlacht medr. Bela, welcher nicht Lust hatte, das blutige Spiel selbst mitzumachen, hielt jen- seit der March auf einem Hügel mir seinem Gefolge, wo er den Gang der Sache genau sehen und den wilden Ruf: »Mein hoher Herr! Ihr habt die Schlacht verloren,-L deutlich vernehmen konnte. Bei dieser regellosen Flucht entflohen nun auch Bela und der leicht verwundete Stephan so schnell gegen den Plattensee ein jeder anders wohin, daß König Bela durch viele Tage seinen Sohn Stephan gar nicht erfragen konnte. Vierzehn Tausend Kumannen und Ungarn gingen an jenem Tage zu Grunde, und den Siegern fiel eine ungemein reiche Beute in die Hände. Nicht nur der ganze Theil des MarchfeldeS war jetzt mit Leichen übersäet, sondern sogar der Marchfluß von Blut gefärbt, und durch die vielen Menschen, die darin umkamen und todt hinein geworfen wurden, angeschwellt. Die Sieger lagerten sich nach damaliger Sitte den Tag und die Nacht hindurch auf der Wahl- ftatt, am frühesten Morgen aber ward schnell gegen Presburg vorgedrungen, wodurch Ottokar den König Bela und das ganze Königreich Ungarn in so große Furcht versetzte, daß derselbe den Palatin mit dem Aufträge, unter anständigen Bedingnissen den Frieden zu unterhandeln, an den Böhmenkönig Ottokar absendete. Durch den hierauf erfolgten Friedensabschluß entsagte nun Bela allen Ansprüchen auf Steiermark und zog die ungarische Besatzung aus Pettau. Belass jüngerer Sohn, gleichfalls Bela genannt, wurde zur Vermälung mit der Nichte Ottokars, der Tochter des Markgra- fen von Brandenburg in Vorschlag gebracht, und somit erfolgte die gegenseitige Friedensunterzeichnung, welche auch von dem Papste bestätigt wurde. ' Die Gründung Venedigs unter Attila- König der Hunnen. Jahr 433 bis 453. Umter der zahllosen Menge von barbarischen Völkern, welche - wie das ausgetretene Weltmeer aus Asiens entferntesten Gegenden unfern Erdtheil überschwemmte - die furchtbarsten und zerstorendsten Eroberungen gemacht, gehören vorzüglich die Hunnen, welche den grosten 4.hetl Pannoniens un Be- silre hatten Schon mehrere Jahre hindurch waren die morgenlandlschen Provinzen von ihnen angefallen, und verheert worden, und ihr König Roas, der seinem Vater in der Regierung folgte, zwang dem Kaiser Theodosius einen schimpflichen Frieden ab, in welchem er sich verpflichtete, die Ueberlaufer auszuliefern, einen jährlichen Tribut von 350 Pfund Goldes zu erlegen, und den Feinden der Hunnen keinen Beistand zu leisten. Einige Jahre hierauf starb König Roas kinderlos, und seine beiden Neffen ^leda und A - tila, Söhne deS Mandras (Münzuks) emeS Hunnen von königlicher Abkunft, folgten ihm m der Regierung, und erneuerten den Friedensschluß mit dem morgenlandlschen Kalser, m welchem er ein auf das Doppelte erhöhtes Jahrgeld von dem bisher entrichteten Tribute bezahlen und alle andere Be- Di-ft'bckvn Hu.m'enbrüder beschlossen nun ihren kriegerischen Geist durch di- Macht ihre» barbarischen Volkes fast allen Nationen Europas und Asiens furchtbar zu machen, und trugen ihre siegreichen Massen vom Gestade der Donau bis zur Grenze von China, wo Alles ihre Oberherrschaft anerkennen mußte. Attila (Etzel), begabt mit eben so vielem Verstände als Ehrsucht, ein schlauer Staatsmann und bei aller Hitze seines Muthes ein kluger Feldherr, wollte nun Alleinherrscher seyn, und ließ deshalb un Jahre 444'seinen altern Bruder Bleda unmenschlicher Weise ermorden, welchen Brudermord er damit rechtfertigre, daß dieS auf göttliche Eingebung geschehen sey. Als sich Attila zum Allemherrn gemacht sah, breitete er seine Herrschaft über unermeßliche Erdstriche aus, so , daß man mir ^"ind behaupten kann , daß unter allen Eroberern, welche die Menschenwelt gezeugt, keiner jo mächtig, so furchtbar und so weit auödehnend sich gezeigt hatte, als Attila. Die Hunnen selbst betrachteten ihn alS lh-- ren unerschrockensten Krieger, und als den erfahrensten Feldherrn, und zeigten eine Achtung gegen ihn, die bald in abergläubige Ehrfurcht überging. Die Gestalt dieses berühmten Eroberers zeigte die ganze Häßlichkeit des mongolischen Menschenstammes, aber es wohnte darin em starker, unternehmender Geist, dessen kühnes Auftreten Staunen und Furcht erregte, und ihm Völker unterwarf, ehe sie noch die Starke seines tapfer» Armes erfahren hatten '). Ohne selbst Religion zu besitzen verstand der barbarische Fürst den Aberglauben seines VolkeS sehr zu nützen, und verbreitete unter die,em euren Glauben an ferne Unwiderstehlichkeit, nachdem er vorgab, auf wunderbare Weise daS Schwert des Krregsgottes gefunden zu haben **). Man stand nun in dem Wahne, daß er bei seinen Unternehmungen auch nur auf besonder» Antrieb deS Kriegsgottes bandle, und dieser fanatische Wahn machte daher seine Soldaten immer noch tapferer und grausamer. Er wird ein Herr aller germanischen und scythlschen Reiche genannt, eure Bezeichnung, bei der man freilich nichts Bestimmtes denken kann, aber die Grenzen dieser Macht mußten auch in der Wirklichkeit sehr ungewiß und schwankend seyn. Daß er von der ^olga bis tief m Deutsch land hinein allen hunnischen Stämmen und vielen sarmatischen und germanischen .Völkern grbot, di -ich theilS freiwillig zu ihm gewandt hatten, und theils durch seine Waffen bezwungen waren, ,lst nicht zu bezweifeln, wie weit sich aber auch noch in Asien seine Herrschaft erstreckte, kann nicht mit Bestimmtheit angegeben werden, indessen ist gewiß, day er einen Krieg mit Persien führre. Gestchtszüge trugen nach der Bemerkung eines gothischen Geschichtsschreibers, ^ b sprungs, und er chatte in seinem Aeußeni alle Häßlichkeit eines ^heuttgei, Mrlmueren. hatte einen Seine lprungs, uns er >>a tre in feinem neuneru a u e M- drs Ba>- Kopf, gelbliche Hautfarbe, kleine tief liegende Allgemeine platte Nass, wcmgHEaii ,cr Sil.-e ecs ^a. tcs, breite Schultern, und einen kleinen untersetzten Wuchs, vollchmast und Ze ^lut. . Einer von den Hirten der Hunnen bemerkte ernst, dap em innges ^ "erpfc d auf der ^ verwundet hatte, und folgte voll Neugierde den SMren "v L .ttcv, langen d la, Spitze eines alteu Schwertes entdeckte, welches er auvgrub und dein ut.ila u ) . Em Haufe von Königen umgab den Gewaltigen, welche wie seine Diener vor ihm erschienen, bei feinen Winken zitterten, und feine befehle zu vollziehen eilten. Die Sandalen, seine Bundesgenossen, die Ostgothen, die Gepiden, und ein Theil der Franken vereinigten sich unter seinen Fahnen, und bildeten unzählbare Heeresmassen. Aber er wußte nicht blos mit dem Schwerte darein zu schlagen, sondern durchschaute auch die Verhältnisse mit Klugheit, und griff darin mit berechnender List ein. Auch war er nichr in dem Grade Barbar, daß nicht Züge einer gewissen Milde und Großmuth in seiner Geschichte zu finden wären. Ein anderes Ziel aber, als das Erobern, um der Lust deS Gebietens wegen, kannte er nicht, daher würde ein schreckliches Schicksal die europäische Bildung erfahren haben, wenn er sich der Länder, die sie aufbe- wahrten, bemächtigt hätte. Wenn er Geld oder die Bewilligung anderer Vortheile erlangen wollte, so ließ er dem Hofe zu Kon- ftantinopel seinen Willen verkünden, und drohte auf den Fall der Weigerung mit Krieg, worauf der zitternde Kaiser TheodosiuS sich nun meistens in Alles fügte um nur den furchtbaren Hunnen zu versöhnen. Wurden ihm seine Forderungen einmal abgeschlagen, so erzwang er sie durch Einfälle in das Reich, wie er wirklich einen besonders verwüstenden dieser Art im Jahre 447 unternahm. Der Kaiser TheodosiuS sammelte wohl ein Heer, um sich dem Vordringen der Barbaren zu widersetzen, aber in drei blutigen Schlachten wurden die römischen Heere geschlagen, und die Provinzen vom schwarzen Meere bis zum adriatischen, und bis nach Thermopylä hin schrecklich verwüstet; 70 Städte wurden damals von den Hunnen heimgesucht, und geplündert, und nur Konstantinopel verdankte seine Rettung seiner Befestigung und der Unwissenheit der Feinde in der Belagerungskunst. THeod osius mußte die Gnade des Siegers anflehen, und nur durch Aufopferung seiner Schätze konnte es ihm gelingen, unter den härtesten Bedingungen Frieden zu schließen. Das Jahrgeld wurde jetzt von 700 Pfund Goldes auf 2000 erhöht, und ein großes Stück Land im Süden der Donau abgetreten, und ausserdem noch mehr Anderes bewilligt. Die Erfüllung der Friedensbedingungen veranlaßte mehrere hunnische Gesandtschaften nach Konstantinopel, dann auch eine deS byzantinischen-HofeS an Attila. Nachdem die Gesandten über die Donau gekommen waren, wurden sie nach manchen Abenteuern und Streitigkeiten mit den Hunnen durch das städteleere Land zu dem Herrschersitze Attilas gebracht, welcher sich damals im heutigen Ober- Ungarn zwischen der Theiß und der Donau befand. DaS Lager, welches die Hunnen hier aufgeschlagen hatten, war allmälig zu einem großen Dorfe geworden, in welchem die Häuser so wie auch jenes des Königs , nicht aber ohne eine gewisse rohe Pracht aus Holz erbaut waren, von denen, jede der zahlreichen Frauen Attilas ein besonderes hatte. Während daS Gefolge des Königs mit Kostbarkeiten aus 'der Kriegsbeute, mit prächtigen Kleidern, Waffen, und gezierten Pferden sich zeigte, suchte Attila selbst feine Auszeichnung darin, daß er allen diesen Pomp verschmähte. Die Geräthe an seiner Tafel waren von, Holz , indessen seine Feldherrn 'auf Silber speißten, und aus goldenen Bechern tranken. Fleisch, das gemeinste Nahrungsmittel der Hunnen machte seine einzige Speise aus, und nie war er dahin zu bewegen, daß er Brod, als eine von ihm zu weichlich gehaltene Nahrung, gekostet hätte. Die Byzantiner fanden dort auch Gesandte des westlichen Reiches, und Attila benahm sich gegen Beide mit gleichem Stolze. Das westliche Reich der Römer war schon gröstentheils zerstört, und mehrere wilde Völkerschaften, als: Gothen, Vandalen und Alanen hatten sich in verschiedenen Provinzen desselben festgesetzt. Es entstanden nun Streitigkeiten zwischen ihnen, an denen die Römer und Attila Antheil nahmen, Letzterer um so begieriger, je mehr er dadurch Gelegenheit zu finden hoffte, seine Raub- und Herrschsucht zu befriedigen. Er erklärte sich jetzt für den Beschützer des Königs der Vandalen, und sagte auch zugleich dem einen Vohne des Königs der Franken, gegen seinen von den Nöstiern unterstützten Bruder, seine Hilfe zu, da ihm dadurch der lang erwünschte Uebergang über den Nbein erleichtert wurde, und er einen scheinbaren Vorwand zu einem Einfalle in die Provinzen des schönen Galliens bekam. Attila brach nun im Jahre 451 mit einem unermeßlichen auf 5 bis 700,000 Streiter angegebenen, aus vielen Völkerschaften bestehenden Heere auf, ging über den Rhein, die Mosel und die Seine, kam an die Loire und lagerte sich unter den Mauern von Orleans, ließ das Land verwüsten, und viele Städte zerstören. Aber die schlauen Unterhandlungen, die er schon früher mit den Römern und den Westgothen angeknüpft hatte um Beide zu trennen, mißlangen, nachdem diese klug genug waren, noch zu rechter Zeit einzusehen, daß ihr gemeinschaftlicher Vortheil sie gegen biese große, von den Hunnen drohende Gefahr eng verbinden müsse, und so gelang eS dem Feldherrn Äötius einen großen Gegenbund zu Stande zu bringen, an dem nicht bloß Theodorich, der König der Westgothen Theil nahm, sondern auch die Burgunder, ferner die Franken, Sachsen, Alanen, und andere Völkerschaften sich anschloffen. Orleans wurde mit neuen Festungswerken versehen, während der Bischof Agnan (Ania- n u s) den Much der Vertheidiger aufrecht zu erhalten suchte, bis die erwartete Hilfe erscheinen würde. Nach einer hartnäckigen Belagerung wurden die Wälle der Festung durch die feindlichen Mauerbrecher erschüttert, und die Hunnen bemächtigten sich schon der Vorstädte. Anianus, der ängstlich Tage.und Stunden zählte, sandte jetzt einen treuen Kundschafter ab, ob er nichts in der Ferne von Hilfsvölkern entdecken könne, aber zweimal kam der Bote ohne die geringste Nachricht zurück, bis er endlich zum dritten Male erschien, und durch die von ihm in der Ferne entdeckte Bewegung, einigen Trost brachte. »Dies ist Gottes Hilfe!-« rief der edle Bischof in dem Tone deS frommen Vertrauens aus, und eine ganze Menge Volks um ihn versammelt wiederholte: »DaS ist Gottes Hilfe!-« — Immer naher kamen jetzt die römischen und gothischen Scharen, unter dem Feldherrn Aätius und dem Könige Theodorich, und richteten sich zur Rettung der Stadt, in eiligste L-chlachrordnung. Als der Hunnenfürst den Feind gewahr wurde, veranstaltete er sogleich einen Rückzug nach Champagne, da er wohl einsah, welche nachtheiligen Folgen eine Niederlage in dem Innersten von Gallien für ihn haben mußte, und erwartete den Feind in der Ebene bei Chalons, deren große Flache überaus bequem für alle Bewegungen der scythischen Reicerei war. Bald trafen die beiden Heere in den karalaunischen Feldern zusammen, und wo jetzt Chalons an der Marne liegt, geschah die Riesenschlacht, in welcher die Völker von der Wolga bis zum atlantischen Meere, hier unter ALtius und dem westgorhischen Theodorich, dort unter Attila wider einander stritten. Attila, unruhig über den Ausgang der Schlacht, fragte die Wahrsager um Rath, und dieft verkündigten ihm eine Niederlage. Er verbarg seine Bestürzung, durchlief die Reihen seiner Krieger, erinnerte sie an ihre Tbaten, und zeigte ihnen seine Freude über einen neuen Kampfund über die Belohnung ihrer Tbaten. Durch die Reden und die Gegenwart ihres Anführers entflammt, waren die Hunnen ungeduldig, zu kämpfen. Beide Heere fochten tapfer, und mit solcher Wuth daß hier Ströme Bluts (so übertrieben gewiß auch die Angaben sind) von 162,00t) oder gar 300,000 Tobten, flössen. Die Hunnen, welche unter den Augen ihres Königs fochten, drangen durch das schwache und unentschlossene Mitteltreffen der Feinde durch, trennten beide Flügel derselben, und richteten, nachdem sie mir reissender Schnelle sich gegen den linken wandten, ihre ganze Macht gegen die Westgothen. Schon hielt Attila sich des Sieges gewiß, als aber Theodorich um den Muth seiner Krieger anzufeuern, durch ihre Glieder ritt, und von einem feindlichen Wurfspieße getroffen tödt- lich verwundet vom Pferde sank, wurden die Westgothen, über diesen Anblick zur unwiderstehlichen Wuth gereizt, und brachten nun die Hunnen, unter ihren Reihen Tod verbreitend, in. völlige Unordnung. Attila, jetzt von allen Seiten bedrängt, konnte sich nur mit Mühe in seine Wagenburg zurück ziehen, wo er die Nacht in banger Ungewißheit hinbrachte. Erst am folgenden Tage als Attila aus seinen Verschanzungen nicht hervor kam,, hielten sich dle Römer und Gothen für die Ueberwinder, verfolgten aber ihren Sieg nicht weiter, nachdem sie theils selbst geschwächt waren, und A ö tius es verhinderte um der Hunnen zu schonen, damit die Macht der Gothen nicht unwiderstehlich empor strebe. Attila zog nun ungestört wieder über den Rhein zurück, und das Bundesheer, welches wider ihn zusammen gestellt war, erhielt seine Auflösung. Dies war vielleicht die blutigste Schlacht, die je in Europa geliefert ward, denn nach einigen gleichzeitigen Geschichtsschreibern bedeckten 106,000 Todte das Schlachtfeld. Sie hat die europäische Kultur von der Zerstörungswuth der Hunnen gerettet, und ist daher insofern eine wahrhaft weltgeschichtliche zu nennen. So entging Attila seinem Untergange, nur von den Franken seitwärts verfolgt, bis er über den Rhein gekommen war. Mehr gereizt als muthlos suchte nun Attila im folgenden Jahre 452 eine neue Gelegenheit Italien anzugreifen, und begehrte die Hon oria, eine Schwester Valentinian deS 11!, zur Gemalin *), und mit ibr die Hälfte deS Reiches als Mirgabe. Diese Forderung wurde ihm aber abgeschlagen, und so drang er nun mit einer furchtbaren Macht gegen Italien vor. Der Kaiser zitterte, und vergebens waren die Bitten der Gesandten. Attila fand die Alvenpässe unbesetzt, eroberte und zerstörte nach einigem Widerstände das wichtige Aquileja, den Schlüssel Italiens von der Nordseice, daß man späterhin keine Spuren fand, wo es gestanden, und richtete gleiche Verwüstungen in den Städten Padua, Vicenza, Verona, Bergamo und in den Ebenen der Lombardei an. Ganz Ober-Jta- *) Diese Prinzessin war weqen eines vertrauten Umgangs mit Eugenias, ihrem Kammerherrn, vom Hofe entfernt, und in ein Kloster gebracht worden, wo sic dann durch einen Vertrauten dem Attila ihre Hand heimlich antragcn ließ. lien gerieth hierauf in seine Gewalt. Viele Einwohner der Landschaft Venetien flohen vor den wilden Horden auf die Alpen, Apenninen, und auf die unbeachteten kleinen Inseln in den Sümpfen (Lagunen) des adriatischen Meeres, am Ausflüße der Brenta und Etsch, besonders aber auf die Insel Rialro, die bereits von den Paduanern deS Handels wegen einiger Massen angebaut war, wo sie sich nieder ließen, und dadurch den ersten Grund zu dem nachmals so mächtigen und berühmt gewordenen Staate von Venedig legten *). Der Kaiser hatte kein Heer um ihm solches entgegen stellen zu können, daher nahmen jetzt daS römische Volk und der Senat ihre Zuflucht zu Thranen und Bitten. Als der furchtbare Feind schon vor den Thoren Roms zitternd erwartet wurde, begab sich Papst Leo!, mir zwei andern vornehmen Römern in's feindliche Lager, und brachte es durch diesen unerwarteten Entschluß und seine Beredsamkeit dahin, Attila zu einem Vergleiche zu bewegen. Dieser gefürchtete Hunneukönig kehrte hierauf nach Ungarn zurück, und die Römer sahen ihre Rettung für ein Wunder an. Indessen mögen aber andere Gründe mehr dazu beigetragen haben, daß Attila Italien so schnell verließ, nachdem bereits schon Mangel und böse Krankheiten im hunnischen Heere eingeschlichen waren. Als Attila die Honorier nicht zur Gemalin erhalten hatte, wollte er sie zum zweiten Male mit dem Schwerte in der Hand fordern, aber ein neuer Zuwachs zu seinen zahlreichen Weibern an der schönen Jldika, mit welcher er sich feierlich vermälte, hielt ihn ab, seine Drohungen zu erfüllen. Er überließ sich nun bei dieser Gelegenheit allen Ausschweifungen der Wollust, und starb in der Hochzeitsnacht an einem Blutsturze. Als am Tage nach der Hochzeit die Hosleute und Krieger ungeduldig ihren Herrn zu begrüßen in das königliche Gemach drangen, fanden sie die zitternde Braut an der Seite des erstarrten Leichnams sitzen, das Gesichr mit dem Schleier bedeckt, und in Thranen über ihre eigene Gefahr, so wie über den Tod des Königs in Schwermuch versunken. Sein Körper ward nun in drei Sarge verschlossen, von welchen der erste von Gold, der zweite von Silber, und der dritte von Eisen war. Die Gefangenen, welche in der Nacht daS Grab gemacht hatten, wurden erwürgt, und der unmäßigen Trauer überlassen, schmausten nun die Hunnen mit Zügello- sigkeic auf dem frischen Grabe ihres Königs. Seine Söhne stritten um die Nachfolge, welchen Zwist endlich die unterworfenen Völker benützten, um sich wieder unabhängig zu machen. So verging die große Herrschaft, so schnell als sie entstanden war, und ohne in der Geschichte der Menschheit andere Spuren zu hinterlassen, als die, einer großen Zerstörung. *) Diese auf die Lagunen-Inseln des adriatischen Meeres gefluchteten armen Bewohner stifteten hier ein kleines, völlig demokratisches Gemeinwesen unter sogenannten Tribunen. Der Dur oder Doge batte die vollziehende, das Volk die gesetzgebende, die Tribunen oder der Adel die richterliche Gewalt. Der'Sitz der Regierung war in Malamocco, dann in Rialto, wo in Kurzem die volkreiche Stadt, das heutige Venedig aus . dem Meere aufstieg, welche nun die Hauptstadt des Gouvernements Venedig im lombardisch - venetianischen Königreiche, wie nicht minder eine der merkwürdigsten Städte Europas rst. Sie steht ganz auf kleinen Inseln, worin man statt der Hauptstraßen Kanäle, statt der Karren, Barken und statt der Kutschen und ^taalswägen, schwarze Gondeln erblickt. Die Insel» worauf die Stadt erbaut ist, und deren Anzahl verschieden von 72 bis 13« angegeben wird, werden durch die Lagunen, einem breiten und seichten Meercsarme, von dem festen Lande getrennt, und sind mit einander durch 306 Brücken — worunter der prächtige Ponte Rialto, welcher aus einem einzigen Bogen besteht —verbunden. Die Häuser, unter denen sich viele, Mt zum Thclle verfallene Paläste und prächtige Kirchen — die mit kostbaren Denkmälern von Mosaik, und mit den herrlichsten Gemälden der venetianischen Schule prangen — befinden, sind meistens auf Pfähle gebaut und stehen fast sämmtlich mit der Hanptseite gegen die Kanäle gekehrt, die sich zu breiten und langen Gaffen öffnen, dagegen die eigentlichen Straßen kaum für drei neben einander gehende Fußgänger gangbar sind. Es gibt zwar 5t öffentliche Plätze, aber nur der mit Bogengängen umgebene, und von zwei hohen Säulen gezierte Markusplatz verdient diesen Namen. Auf diesem steht die St. Markuskirche, ein altes, im byzantinischen Geschmacke geformtes und im Innern mit orientalischen Reichthume ausgeschmücktcö Gebäude, worin die heilige Sage den Körper des Evangelisten Markus ruhen läßt. Vor derselben sind die antiken Pferde, die ernst zu Konstantinopel und unter Napoleon zu Paris standen, jetzt wieder aufgestellt. In dem vormaligen Dogenpalaste, worin jetzt das österreichische Gouvernement seinen Sitz hat, zeigt man noch die Staatsgc- fängniste oder Bleidächer und die Seufzerbrücke; aber der Löwenrachen ist verschwunden. Uebrigens ist der Markusplatz zugleich der einzige Spaziergang der Venetiancr, und der Sammelplatz der Fremden, der Abenteurer und Gaukler. Das Arsenal, eine der grösten Merkwürdigkeiten Vencdi-'s bildet eine mit hohen Mauern und Lhürmen umgebene Insel, in welcher man Altes dasjenige findet, was zur Ausrüstung einer Flotte gehört. Man zeigt noch ein kleines Bruchstück der reich vergoldeten Galeere, Bueentaur genannt, auf welcher der Doge seit dem Iahiw 1311 jährlich am Himmelfahrtstage eine Strecke weit auf das Meer hinaus fuhr, einen Ring in's Waper warf, und sie so, zum Zeichen der angcmaßtcn Oberherrschaft der Republik über das adriatische Meer, gleichsam mit demselben vermälte. Cyrillus und Methodius, Apottel der Slavcn und Erkmder der NaviLhen Buchüudeiu Jahr 860 . Kaiser Karl der Große die Hunnen und Avaren aus ihren Ringen *) von der Ens bis an die Raab hinabgeschlagen hatte, herrschte über die Marahanen — ein, mit diesen Völkern verbundener slavischer Stamm, welcher sich, zwischen dem Ursprünge der Elbe, der Oder, und der Waag ausbreitete — Moymar, ein Fürst ihres Stammes und Blutes, dessen Hof zu Wellerhad an der March war. Die große Niederlage, welche die Avareu erlitten hatten, erfüllte alle barbarische Völker mit einem bittern Haße, und ermuthigte die Marahanen, sich auch auf dem linken Donau-Ufer in den alten Sitzen der Quaden vom Mannhartsberge bis gegen den Granfluß auszudehnen; — ungehindert von Karl dem Großen und von seinen Nachfolgern, welche die Slaven häufig zur Kolonisirung der weitern Strecke von der Donau bis an den ansehnlichen Nebenfluß Save gebraucht hatten. Die Slaven an der March ^betrugen sich gegen diese bisher ganz unterwürfig, und legten den fränkischen Missionären kein Hinderniß in den Weg, ihre Götzen von den Mären zu stürzen. Doch kam aber bald daS hier verbreitete Christenthum wieder in Verfall durch die Bewegungen der Bulgaren. Dieses uralte scythische Volk hatte einen gemeinschaftlichen Ursprung mit den Slaven, und es scheint, daß sie sich anfangs in der Umgegend der Wolga nieder ließen, und daß sie da mir den Arabern durch die Türken vertrieben wurden. Sie bemächtigten sich hierauf des alten Mösiens und Daciens, der jetzigen Walachei und Moldau, und nachdem der morgenländische Kaiser Nicephorus ahnen Sieg und Leben lassen mußte, auch eines Theils von Ungarn. Jetzt kamen wenig Missionäre mehr auS Baiern und auS der Ostmark zu den Marahanen, nachdem diese der slavischen Sprache unkundig, und mit dem lateinischen Kirchendienste allein, unter dem rauhen Volke wenig Beifall fanden. Ihr Fürst war sogar von der Meinung hingerissen, das Christenthum sey nur der Vorwand, womit die Franken — welche damals fast alle heidnische Völker mit Missionären versahen — die nationalen Eigenthümlichkeiten verdrängen, und sodann die Zügel der Regierung an sich reissen würden. Was noch ferner den Eingang des Christenthums so sehr erschwerte, war auch der im fürstlichen Hause der Moy Maren beständig unterhaltene Zwiespalt. Ein Zweig desselben stand auf der Seite der Nation und des^Heidenthums, und begehrte lieber arm und frei, als reich für die Franken zu seyn. Der andere hingegen suchte durch diese Fremdlinge die Herrschaft im Vaterlande auszuüben, suchte die äußere Sicherheit in Unterwerfung und Tribut, und nahm deshalb willig das Christenthum an, von dem er die edelsten und schönsten Früchte erwartete. Den Karlowingcn war dieser Zwiespalt willkommen, denn, seit der erhabene Geist Karl des Großen von seinem Stamme gewichen war, bestand ihre einzige Staatskunst darin, durch Theilung zu herrschen, und aus der Zwietracht der Feinde Vortheile zu ziehen» Moymar hatte einen Vetter, den Fürsten Priwinna, welcher über Ostmähren herrschte, in Neutra seinen Sitz hatte, und mit seinem Volke noch ein Heide war, obschon er den Erzbischof von Salzburg in seinen Missionen nicht hinderte. Beide so nahe verwandte Fürsten lebten aber in steter Uneinigkeit, bis es endlich Moymarn, der daS südliche Mähren im Besitze hatte, und zu Theben rest- dirte, gelang, seinem benachbarten Verwandten, den er als einen Vasallen behandelte, aus seinem Lande zu vertreiben. Priwinna flüchtete sich mit seinem Sohne Hezilo in die Ostmark zu dem mächtigen und reichen Natbod, welcher sehr viele Güter in Oesterreich bei Tuln der Hauptstadt deS Landes be- *) Diese raub - und habsüchtigen Völkerschaften hatten in dem ganzen von ihnen bewohnten Gebiete, kreisförmige, mcilenlang sich dahin ziehende, von einander jedoch getrennte Erdwallc (sogenannte Ringe) angelegt, hinter denen sie sich und ihr zusammen geraubtes zahlreiches, mitunter auch sehr kostbares Hab und Gut verborgen hielten, und aus denen sie stets nur bewaffnet hervor brachen, zu Raub oder Jagd, in das ausser diesen Ringen sich ausbrcitende, einst unter den Römern mit blühenden Städten, zu des heiligen Severin Zeiten mit christlichen Tempeln prangende, nun aber durch der Völkerwanderung Sturmfluten, und diese zernichtende H um n - A v a re u - Herrschaft so verödete Land. saß, und auch hoher Markgraf war, und bat ihn sich seiner bei dem Könige Ludwig wider Moy- »nar, der ein Vasall Ludwigs war, anzunehmen, was auch geschah. Der König ließ nun den vertriebenen P r iw in n a durch den Bischof von Wien im christlichen Glauben unterrichten und hernach von dem Erzbischöfe von Salzburg zu Traismaur in der dort erbauten St. Martinskirche taufen. Bei dieser Gelegenheit trug Ludwig sogar dem Markgrafen Ratbod auf, daß er ferner für das Unterkommen seines Gastes Sorge tragen wolle. Priwinna entzweite sich aber bald mit dem Markgrafen Ratbod, und flüchtete sich deshalb zu Ratimar, welcher Herzog deö von den Bulgaren dem Kaiser Ludwig abgenommenen Slavoniens war, und auch immer die gröste Feindschaft gegen die Deutschen und Franken äußerte. Kaiser Ludwig schickte nun ein großes Kriegsherr wider den Herzog Ratimar, damit er den Priwinna ausliefere. Sobald aber daS Heer an seine Grenzen kam flüchtete sich Ratimar, da er gegen diesen Angriff noch ganz unvorbereitet war, und zugleich auch von seinen Bundesgenossen verlassen wurde. Priwinna blieb aber zurück, und ergab sich in Slavonien dem Grafen von Salacho, der ihn nicht nur gütig aufnahm, sondern auch mit dem jungen Könige Ludwig und seinem Vater Ludwig dem Kaiser wieder ganz aussöhnte, so daß er auf die Empfehlung der Minister einen Theil von Niederpannonien am Savcfluße bei Cilli, und noch eine Strecke des heutigen Slavoniens in der Warasdiner-Gespannschaft erhielt. Priwinna zog nun mit seinem Sohne viele von ihrem Volke herbei, und auch Salzburg sendete ihm Priester, Handwerker und Künstler zu. Sie lichteten jetzt den Wald, baueten das Land, trockneten die Sümpfe aus, und ließen zwischen Cilli und Pettau die heutige Stadt Mosburg —- welche von der Stadt MoSburg in Kärnthen genau zu unterscheiden ist — erbauen. Von dieser Zeit wurde Slavonien in das obere und untere eingetheilt. Das untere blieb dem Ratimar und den Bulgaren, das obere hingegen dem Priwinna. Es bestand aus einem Theile von Niederpannonien, dem heutigen Untersteiermark, und auS einem Theile von Kram. Priwinna blieb von dieser Zeit an beständig mit Ludwig vereinigt, und leistete ihm wider die mährischen Fürsten jederzeit bereitwillig seine Hilfe. Indessen hatte Moymar seine Feindseligkeiten gegen die Franken immer fortgesetzt, worauf König Ludwig der Deutsche ihn im Jahre 846 mit einem ansehnlichen Kriegsheere überzog, von der Regierung absetzte, und solche dessen Enkel Rastiz (Nadislaw) über die Marchslaven verlieh. Als Ludwigs Heer in Böhmen, welches ihm den Tribut verweigerte, einige große Niederlagen erlitt, da vergaß höchst undankbar der mährische Herzog Radislaw, gewöhnlich Rastiz genannt, wer ihm das Zepter verliehen habe, und bot den Böhmen hilfreiche Hand, wahrend er auch seine Hauptstadt Theben so wie sein ganzes Land mit eben solchen Verschanzungen umgab, wie vormals die Ringe bei den Hunnen waren. König Ludwig sammelte ohne Verzug ein ansehnliches Heer, fiel in Mähren ein, und verheerte den gröstsn Theil des Landes, so viel er nur konnte, nachdem er durch die Eroberung der aufgeführten festen Brustwehren und mächtigen Verschanzungen sein Kriegsheer nicht aufopfern wollte. Herzog Rastiz darüber erbittert, verfolgte nun den König auf seinem Rückzüge, fiel in Oesterreich ein, und plünderte sehr viele Orte jcnseic der Donau, aus welcher Gegend er aber durch die zwei berühmten Grafen Wilhelm und Engel sch a l k, welche ihm eiligst ansehnliche Heere entzögen stellten, bald wieder vertrieben wurde. Die Marahanen wurden nun frei, und Rastiz dachte jetzt an die Wiedereinführung des Christenthums. Um diese Zeir faßten auch die Chazaren den Entschluß die christliche Religion anzunehmen. Diese waren ein Zweig des türkischen Stammes, und das zahlreichste und mächtigste Volk unter den Hunnen, welche das europäische Scythicn bewohnten, und sich in einem, an Deutschland angrenzenden Landstriche längs der Donau festgesetzt hatten. Diese schickten nuw eine Gesandtschaft an den griechischen Kaiser Michael den HI. und seine fromme Mutter Theodora, und ließen um einen Priester deö wahren Glaubens bitten. Um diese Zeit befand sich nun Cyrillus (bevor er zu Rom in das Kloster kam, Konstantin genannc) so wie sein Bruder Methodius — zu Tbessalonich aus einer Senatorsfamilie geboren — in Konstantinopel, wohin Beide von ihren Aeltern geschickt wurden, um dort die nöchigen Wissenschaften sich eigen zu machen. Geist und Herz gingen gleichen Schrittes in der Veredlung, und dadurch bald zum Pricsterthume gelangt, leistete jetzt Cyrillus in der Religion die wichtigsten Dienste durch die Stärke seines Urtheils und die Talente, die er in Bekämpfung der schändlichen Irrthümer des P h o- riu s an den Tag legte, welcher wüthige Schismatiker im neidischen Gefühle über den Ruhm des zum Patriarchen erhobenen heiligen Ignatius, diesen durch die Irrlehre, daß in jedem Menschen zwei Seelen seycn, verderben wollte. Aber aus diesem Verteidiger des Glaubens ward auch bald em Apostel für die vom Lichte des Christentums noch nicht erleuchteten Völker. Um die Bitte der Chazaren zu erfüllen, war zu dieser großer Sendung ein, ganz in Christo geweihter und umsichtiger Mann erforderlich, wozu nun auf die Empfehlung des heiligen Ignatius, der durch seine Weisheit berühmt gewordene Cyrillus gewählt wurde. . . Bei dem Antritte zu diesem hohen Berufe gab sich Cyrillus demselben mit unbeschreiblicher Liebe hin, und suchte die Schwierigkeiten in Erlernung einer so barbarischen Sprache schnell zu überwinden. Die Chazaren, wo er den Chan bekehrte, und nach dessen Beispiele die ganze Nation zur heiligen Taufe bewog, öffneten jetzt ihre Augen dem Lichte, schwuren ihren Wahn ab, und zertrümmerten ihre Götzenbilder. Cyrillus gründete noch viele Kirchen, und setzte zugleich auch mehrere fromme Priester ein, welche die göttliche Lehre fortzupstanzen harten. Bei seiner Rückkehr nach Konstantinopel gab er einen herrlichen Beweis von seiner Uneigennützigkeit, nachdem er die reichen Geschenke ausschlrig, welche der dankbare Fürst und sein Volk für die ihnen geleisteten, erhabenen Dienste darboten. Durch solch wichtige Dienste, die er der Kirche erzeugte, erwarb er sich immer mehr Hochachtung, und erhielt bald nach seiner Rückkunft den Auftrag, nach dem heidnischen Bulgarien zu gehen, um dort das Evangelium zu verkünden, wobei ihn diesmal sein frommer Bruder der Mönch Methodius thatlg unterstützte. Der König dieses slavisch-tartarischen StammeS Namens Bojar iS hatte eine Schwester, welche zu Konstantinopel, wo sie gefangen war, die christliche Religion angenommen hatre. Als diese Prinzessin hierauf zu ihrem Bruder zurück kehrte, fuhr sie fort den Lehren der christlichen Religion treu zu folgen, in der man sie unterrichtet hatte, und beeiferte sich sogar, ihren Bruder dafür zu gewrniien. Umsonst blieben aber ihre Bemühungen bis endlich durch höhere Leitung ein Zufall die von der Prinzessin beabsichtigte fromme Handlung in's Werk setzte. . , . Der König von Bulgarien begehrte nämlich von dem Kaiser von Konstantinopel einen geschickten Maler, welcher ihm nun den Ordensbruder Methodius, der ein Meister in dieser Kunst war, zuschickte. Der König verlangte von ihm eine Darstellung, die eben so zur Verschönerung seines Palastes dienen, als auch die Beschauenden mit Schrecken erfüllen könnte. Der heilige Mann benutzte nun diesen Auftrag zu seinen frommen Absichten, und malte das jüngste Gericht. Jesus Christus erschien auf dem Bilde von himmlischen Geistern und mit den Attributen eines zürnenden Gottes umgeben , sitzend auf einem von Glorie umstrahlten Throne. ^ ^ . Das Menschengeschlecht erwartete bleich, voll Entsetzen und Angst den entscheidenden Spruch. Das ganze Bild athmete Leben, Kraft, und solche Begeisterung, daß der König sich entsetzte. Dies Entsetzen stieg aber noch mehr, als ihm der Künstler die mir glühenden Farben geschilderte Erklärung machte, wie hier die Sünder unter der Last der himmlischen Rache im ewigen Feuer der Hölle schmachten, dort aber die Gerechten im Jubel der Glorie, aufsteigend zu den himmlischen Wohnungen für die Ewigkeit im Schooße der Gottheit leben 'sollten. Der König konnte den salbungsreichen Worten nicht langer mehr widerstehen, und verlangte in der christlichen Religion unterrichtet, und mit der heiligen^aufe begnadigt zu werden. Die Bulgaren darüber aufgebracht, ergriffen nun am Bage nach seiner ^aufe, m welcher er den Namen Michael erhielt, die Waffen gegen ihn, und zogen auf seinen Palast los. Bojaris stellte sich aber murhig an die Spitze seiner Wache, und zerstreute die Aufruhrer, worauf auch das Volk wieder ruhig wurde. Nach und nach verlor sich sogar das Vorurtheil und man hörte nun gerne die Verkündiger der neuen Lehre, worauf Tausende nach dem Beispiele ihres Königs Nach der Bekehrung der Bulgaren und Chazaren, begaben sich nun die heiligen Männer, dem Rufe deS mährischen Herzogs Rastiz zu folgen, nach diesem Lande, wo sie, als sie sich der Grenze nahten, von der besser gesinnten Nation mit Freuden empfangen und willig aufgenommen wurden. Mit unermüdetem Eifer verkündigten sie jetzt, sowohl in der damaligen Hauptstadt Wellerhad, a.-, auch durch ganz Mähren, die Worte der göttlichen Lehre, erfanden eigene Schnfrzüge für die Bibelübersetzung, und richteten den ganzen Gottesdienst in slavischer Sprache em G- Sie stürzten die Go- G- tzenbilder von ihren Maren, errichteten dem wahren Gotte herrliche Tempel, erbauten mehrere Schiffen, und besetzten diese mit frommen Priestern und tauglichen Lehrern. Der König selbst empfing im Jahre 863 mit einem großen Theile seiner Unterthanen von Cyrr'-l- lus und Methodius die heilige Taufe, und so wurde es nun diesen beiden frommen Männern ein Leichtes das Volk von ihrem Aberglauben abzubringen und von dem heilbringenden Segen des Christen- thums zu überzeugen. Als sich im Jahre 876 dev Herzog von Böhmen Borziwoy nach Mahren begab, um mit dem nunmehrigen Herzoge Swatopluck ein enges Verbündniß zu errichten, befanden sich gerade auch die beiden frommen Apostel am Hofe des Letztern in ihrem frommen Wirken beschäftigt, bei welcher Gelegenheit der Herzog von Böhmen ihren Predigten zuhörte, und dadurch so tief gerührt wurde, daß er sich entschloß, den christlichen Glauben anzunehmen. Borziwoy ließ sich nun durch Methodius und seinen Bruder nebst 30 sehr vornehmen Böhmen aus seinem Gefolge taufen, und bat sie zugleich nach Böhmen zu kommen um auch dort die christliche Lehre zu verbreiten. Die rastlosen Apostel folgten jetzt freudig diesem neuen Rufe, und kamen nach Böhmen, wo sie öffentlich die Gemalin und Kinder des Herzogs nebst einer großen Anzahl von Böhmen azrs hohem und nieder» Stande tauften. Zu Prag stiftete Cyrillus die Kirche zu unser lieben Frau, jene der heiligen Petrus und Paulus, und noch mehrere andere, in verschiedenen Theilen des Landes. Diese beiden großen Beförderer des Christentums ließen die heilige Messe in der Sprache der Völker feiern, die sie bekehrt hatten, und übersetzten, nachdem sie die slavischen Buchstaben gebildet hatten, die vier Evangelisten, die Psalmen, und andere christliche Lehrbücher in die slavische Sprache. Sie lehrten zugleich das Volk im Lesen und Schreiben, gaben demselben Unterricht aus der Bibel, und hielten ihre Predigten an das Volk in slavischer Mundart, wodurch dieses so sehr angegriffen wurde, daß es mit ganzer Lebhaftigkeit an der neu verbreiteten Lehre hing. Die übrigen Schicksale des heiligen Cyrillus sind unbekannt, und MethodiuS, welcher sich in Mähren aufhielt, hatte viel von einigen benachbarten Bischöfen zu dulden, die ihn um seines Patriarchates von Mähren willen beneideten, und sich über die Eingriffe in ihre Rechte beklagten. Sie gaben vor als wollte er die lateinische Sprache und Schrift beim Volke in Verachtung bringen, und die Ungarn von Salzburg und Lorch abwendig machen, nachdem er diesen nach alter heidnischer Weise daS Haupt zu scheeren, erlaubt habe. Papst Johann VIH. *) sendete aber an den verfolgten Heiligen einen Brief, durch welchen er ihm zum Erfolge seiner apostolischen Arbeiten Glück wünschte, und ihm die Versicherung gab, daß er über die Erhaltung seiner Würde wachen, und ihn in allen zur Ehre Gottes gemachten Unternehmungen schützen werde. Cyrillus und Methodius **) haben sich demnach mit vollem Rechte, die Würde der Apostel von- Mähren und den größten Theil der slavischen Völker eichen gemacht, und wurden auch für Mährens Schutzheilige erklärt. ein anderes, diesem ähnliches, slavisches Alphabet, welches durch seine unbeholfenen Züge ein höheres Alterthum als dieses zu erkennen gibt, daß es aber von Hieronymus herstamme, beruht auf unerweisbarcn und sehr unwahrscheinlichen Voraussetzungen. Das Hieronymi tische nennt man auch nach dem vierten Buchstabe.» desselben, welcher Glagola heißt, das glagolitische. Das C y rill ische Alphabet ist noch jetzt in der BulMrei, in Serbien, Bosnien und in der Moldau und Walachei, das Hier o n y m it i sche in Kroatien, Dalmatien, Kram und Istrien gewöhnlich. Noch gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurde in Rom für Kram ein Missale mit Hieronymi tischen Lettern gedruckt. Doch in neuern Zeiten sind, nachdem Pri- m u s<-'-T--a u b e r schon im 16. Jahrhunderte seine Uebersctzung des neuen Testaments in kramerischer Mundart nnt lateinischen Lettern drucken ließ, diese an die Stelle jenes Alphabets getreten. *) Johannes VIII., ein Römer, wurde den 14. Deeember 872 gewählt. Er krönte Karl den Kahlen den 25 Deeember 875 und machte im Jahre 876 den Erzbischof Ansegisus zum Primas von Gallien und Germanien. Er rief Karl ben Kahlen um Hilfe wider die'Sarazenen an und kam 878 nach Frankreich. Als er nach Italien wieder zurück kam, nahm er auf Begehren des Kaisers Basilius, den Photius wieder in die Gemeinschaft der Kirche auf und setzte ihn wieder in sein Patriarchat ein- **) Die Griechen und Russen feiern das Fest des heiligen Cyrillus am n. Februar. Die Reliquien dieser Heiligen wurden unter.dem Altäre einer alten Kapelle der Kirche St- Klemens in Rom aufgcfunden, von welchen ein Theil nach Brünn soll gebracht worden seyn. WSW UKKWKW M:' -H MDML »M Die Wiener Zerstören die Wiesle Uauhenstein, bei Saden im ll. N. W. W. Jahr 1463 bis 1467. -A^er traurige Bruderzwist, der zwischen Kaiser Friedrich und Herzog Albrecht dem VI. daS sonst so blühende und friedliche Oesterreich mit so vielseitigen Nebeln überzog, schien durch den plötzlichen und grauenvollen Tod des Letzter» sein erwünschtes Ende zu haben '*). Es war am Andreas- Abende des Jahres 1463 als Herzog Albrecht zu seiner Schwester Katharina,, der emsig am Frieden arbeitenden Markgrafin von Baden, ritt, die er aber nicht daheim antraf, daher er wieder in die Burg zurück kehrte. Wahrend er nun in dieser die Treppe hinauf stieg, wurde er von einem heftigen Froste ergriffen, weshalb man ihn sogleich zu Bette brachte. In der Nacht bekam er unter den Armen ganz unvermuthet große schwarze Beulen, die er aber für die Folge eines harten Falles erklärte, den er einst im Turniere zu Freiburg erlitten, und trieb sogar noch muthwilligen Scherz, nachdem er durchaus nicht krank seyn. wollte, und auch nicht gerne sah, daß solches Jemand ahne. Indessen fühlte aber der Herzog, daß das Uebel immer mehr zunehme, weshalb er nun einen Arzt verlangte, worauf der Meister Michael Schrick, und sein Schwager der Apotheker erschienen. Seine treue Umgebung rieth ihm aber den damals berühmten Doktor in Wien, den Rathsherrn Hanns *) Herzog Albrecht VI. beigenaunt der Verschwender, war ein Sohn des Herzogs Ernst des Eisernen von der steiermärkischen Linie, und Bruder, Friedrich des V. Da er bei dem Tode seines Vaters noch minderjährig war, so führte sein Bruder Friedrich für ihn die Regierung bis zum Jahre 1438. Bei der Thcilung in das väterliche Erbe erhielt er die vordcrösterreichischen Länder. Als U l ad i s la u s der Nachgcborne, König von Ungarn und Böhmen und Herzog von Oesterreich, ein Sohn Albrecht des V. ohne Lcibcserbcn starb (1457), so siel das Herzogthum Oesterreich an die drei Prinzen von der steiermärkischen Linie: Sigmund von Tirol, Friedrich V. (Kaiser) und Albrecht VI. zu besten Besten Sigmund auf die Erbschaft Verzicht leistete, wofür er einen Theil von Kärnthcn, Friedrich V. aber auf den Antrag der Landstände im Jahre 1458 Niederösterreich und Albrecht VI. Oberösterrerch erhielt. Die Hauptstadt Wien blieb den beiden Brüdern und ihrem Sigmund gemeinschaftlich, so das' sie allen dreien schwören mußte, und jeder von ihnen seine, besondere Wohnung in der Burg bekam. Das gute Einverständnis zwischen den beiden Brüdern dauerte indesen nicht lange, da Alb rechts Ehrgeiz und Verschwendung ihn antricben, seinem Bruder, dem Kaiser, Niederösterreich zu entreißen. Er unterstützte daher dessen unzufriedene Stände unter dem Vorwände, das er bei der Landestheilung versprochen habe, 'die Landstände bei ihren Freiheiten zu schützen, wobei er sich auf seine Bundesgenossen den König Georg von Böhmen, und den Herzog Ludwig von Baiern verließ. Es wurde zwar durch den Ersten ein Stillstand vermittelt, welcher bis in das nächst folgende Jahr (1462) dauern und unterdessen ein Friede abgeschlossen werden sollte; aber Streitigkeiten zwischen den Bürgern von Wien und dem Kaiser um eine Beisteuer der Er stern zur Abzahlung der Söldner des Letztern, gaben Gelegenheit zu neuen kriegerischen Auftritten. Der Kaiser wurde von den Bürgern zu Wien,' nachdem sie ihm als Erzherzog von Oesterreich den Gehorsam aufgekündigt hatten, in seiner Burg zu Wien belagert und Albrecht zu Hilfe gerufen, welcher seinem Bruder- hart zusetzte. Als indessen Friedrich im November 1462 die zu Regensburg versammelten Rerchsstande von seiner bedrängten Lage benachrichtigte, so beschloß man ihm Hilfe zu schicken. Ehe diese aber vom Reiche geleistet wurde, rückte der König Georg von Böhmen züm Entsätze herbei und zwang Albrecht dre Belagerung aufzuheben, und zu Korneuburg einen Vertrag zu unterschreiben, in welchem er versprach alle Städte und Schtoßer, welche dem Kaiser gehörten, zurück zu geben. Da er aber denselben nicht erfüllte, und sich sogar allein zu Wien huldigen ließ, so wurde er auf Friedrichs Antrag von den Reichsständen im April 1463 in die Acht erklärt. Zwar appellirte er deswegen an den Papst Pius den II., dieser aber wies ihn ab, und legte ihn sogar in den Bann. Albrecht ließ sich dadurch nicht schrecken, und verwarf alle Vorschläge zur gütlichen Beilegung der Sache, bis endlich seine Plane der Tod vereitelte (2. Deeem- ber 1463). 56 Kirchheimer rufen zu lassen, nachdem dieser immer für ihn geneigt, Michael Schrick aber jederzeit auf der Seite des Kaisers Friedrich gewesen sey. Zudem waren Beide auch nahe Anverwandte des unglücklichen Ulrich Holzer, der einen so empörenden Tod auf des Herzogs Albrecht Befehl erlitten. Indessen blieb es aber bei der bereits bestimmten Wahl, und Meister Schrick verschrieb dem Herzoge einen guten Kapaun und Gewürzschnitte, hierauf Nosenwasser. Damit eS durch den ganzen Leib ströme, mußte der Herzog aufstehen; zuletzt gaben ste ihm noch Lheriak. Als er aber diesen genommen, hatte er keine ruhige Zeit mehr; er beklagte sich um das Herz, konnte nicht ruhig bleiben, krümmte sich und röchelte, ward bleich, und biß die Zähne über einander. Der Schlag rührte ihn zweimal. Mitten in diesem traurigen und leidensvollen Zustande schien er mehrere Male mit der grösten Anstrengung seinem Kämmerer, Jörgen von Stein etwas sehr Wichtiges sagen zu wollen, aber jede Bemühung blieb vergebens, und so mußte der im furchtbar zu schauenden Todeskampfe dahin liegende Herzog in seinem 45. Lebensjahre enden *). Durch Al brecht s Tod war nun endlich Kaiser Friedrich Alleinherr über sämmtliche österreichische Länder. Albrecht zankte mit seinem Bruder bis an sein Ende, aber auch nach seinem zeitlichen Hintritte erlosch noch nicht die Fackel der Zwietracht. Die Wiener blieben noch eine Zeitlang starrsinnig, und wollten sich ihrem rechtmäßigen Herrn nicht sogleich unterwerfen, obgleich sie durch ein wahrhaft väterliches Schreiben eingeladen wurden von ihrer Verirrung zurück zu kehren. Um Ruhe im Allgemeinen zu erhalten theilte jetzt der Bürgermeister Friedrich Ebner in einer zweckmäßigen Rede den Tod des Fürsten unter den ihn begleitenden Umständen mit, und fügte bei, daß Wien, seines Reichthums und seiner Macht wegen, ringsum von Feinden umgeben sey, und daß jetzt nur feste Eintracht und inniges Zusammenhalten, um so mehr noth- wendig wäre. Zugleich wurde auch die Anstalt getroffen, daß die Hauptleute'in den vier Stadtvierteln, nämlich dem Schotten-, Stuben-, Kärntbner- und Widmer- oder Holzviertel für die Bedürfnisse der Stadt sorgen mußten. Bürger und Jnnleute wurden ermahnt sich auf den ersten Ruf mit Wehre und Waffen in den angewiesenen Bezirken zu stellen, und deshalb sich namentlich aufzeichnen zu lassen. Der Bürgermeister schloß die Rede, daß jeder Treugesinnte, dem dieser Beschluß angenehm sey, und Folge zu leisten bereitwillig wäre, solches mit aufgehobener Hand, andeuten sollte. Zwar that dieses eine große Anzahl von den Versammelten, welche noch auf Unterstützung von dem Herzoge Sigmund aus Tirol hofften, jedoch aber bei Weitem nicht Alle. Indessen bildeten aber auch das herrenlose Raubgesindel und die Söldner unrer ihren Hauptleuten, eigene Vereine, und nannten sich unter einander »Brüder.«: Die Anhänger des Kaisers Friedrich wurden von jenen des Herzogs Albrecht, die »Heuchler«: genannt. Doch meinte es aber keine von allen diesen Zusammenrottungen für ihre Fürsten getreu, und wendeten sich bald auf diese, bald auf die andere Seite, je nachdem dem Einen oder dem Andern das wechselnde Glück sich günstiger zeigte, weshalb sie auch den Namen »Heuchler-« wahrhaft verdienten. Am andern Tage fand eine große Versammlung auf der Schule bei St. Stephan Statt, wo der zurück gesetzte Arzt und Rathsherr Kirchheimer die Gemüther neuerdings in Verwirrung brachte, nachdem er den bereits ausgestreuten Verdacht, daß Herzog Albrecht nicht eines natürlichen TodeS gestorben sey, glaubwürdig zu machen suchte. Von seinem Nachegefühle angefeuert, bemerkte er in seiner Rede noch den boshaften Zusatz, daß dieses dem Herzoge beigebrachte Gift eben auS derselben Quelle entströmt seyn möge, an welcher erst vor sechs Jahren ihr junffer königlicher Herr Uladislaus **) den so unvermutheten Tod gefunden habe. Indessen traf aber unter diesen Zwistigkeiten noch ein großes Unheil die Stadt und ihre Bürger. Durch Herzog Albrechts Tod kamen eine Menge Söldner ausser Dienst, welche nun das Land plünderten, um sich für den rückständigen Sold schadlos zu halten. Kaiser Friedrich ließ sie aufrufen die Rechtmässigkeit ihrer Ansprüche zu beweisen, er werde'sie dann befriedigen, aber die Wenigsten erschienen und die Andern zogen eS vor auch fernerhin vom Raube zu leben. Das Plündern wurde jetzt schon so allgemein, daß auf der Straße von Wien nach Neustadt selbst *) Dieser so plötzliche und grauenvolle Hintrrtt,-gab die Veranlassung zu dem bald allgemein bekannt gewordenen Gerüchte, er wäre vergiftet worden. Uladislaus Posthumns, der Sohn Albrecht des V. von Oesterreich, geboren im Jahre 1439 einige Monate nach dem Tode seines Vaters, starb plötzlich während der Zubereitungen zu seiner Vcrmälung mit Magdalena, einer Tochter Karl des VII., Körrigs von Frankreich im Jahre 1457 in der Blüte seiner ^ahre, ehe er noch etwas Gutes für sein Reich thun konnte. die Sendboten des Kaisers und der Wiener-Bürger nicht ohne starke Bedeckung und großen Zeitverlust hin und her gelangen könnten. - ^ An jedem Rain und Wasser, an jedem Hohl-- und Kreuzwege, m Graben, Verhauen und Wäldern, lauerten diese grimmigen Räuber und richteten in den Umgebungen Wiens schreckliches Unheil an. Als Sigmund von Tirol die Nachricht von dem Tode seines Bruders erhielt, so zeigte er sich sogleich willig, allen seinen vermeintlichen nach den alten Haussatzungen durchaus grundlosen Anspruch, an Albrechts Nachlaß, dem Kaiser Friedrich um Geld aufzugeben. Auch das Land ob der Ens unterwarf sich unverweilt seinem rechtmäßigen Herrn auf dem Landtage zu Linz. Schwieriger zeigten sich die Stände von dem Lande unter der Ens, am schwierigsten aber der Parleigeist der Wiener, die doch am längsten in der Treue verblieben waren. Wie einmal der Riegel gesetzlicher Ordnung gesprengt, und das tausendköpfige Ungethüm der Parteiwuth von der Kette los war, verloren auch die Edleren und Gemäßigten alles Gleichgewicht, und der brausende Wirbel trieb demnach rmmer wildere Gestalten und Thaten empor. Niemand vermochte dieses Toben zu bändigen, diejenigen, die es angefacht, und -die es mit stiller Zufriedenheit oder auch nur mit sträflicher Gleichgiltigkeit angesehen und geduldet harten, wurden ein Opfer des Sturmes und kamen in demselben um, den sie selbst erregt hatten. Als nun aber die in so vielseitige Parteien getheilcen Wiener endlich erfuhren, daß sie von Herzog Sigmund aus Tirol zu ihren Absichten keine Unterstützung erwarten dürfen, so faßten sie endlich in ihrer dringenden Noth den Entschluß, sich dem Kaiser unbedingt zu unterwerfen. Einige Räche des Kaisers, die in Noth und Gefahr weder den Augenblick handzuhaben, noch weniger zu benützen verstanden, waren aber der Meinung, daß Friedrich jetzt den günstigsten Zeitpunkt hätte, alle Schmach und Unbild den Wienern auf einmal zu vergelten; aber der Kaiser folgte jetzt seinem eigenen Gefühle, und sprach: »Liebe Freunde! Wir können Uns nicht verbergen, daß Wir selbst viel Unheil und Schmach, viel Verwirrung über Land und Leute gebracht haben, so, daß sie kaum gewußt, wie sie sich daraus erretten, und zu wen sie sich hätten halten sollen. In einer so großen und volkreichen Stadt, sind immer nur wenige Schuldige; die große Mehrzahl von ihnen aber wird gewöhnlich vom Drange der Umstände mit fortgeriffen. Sollten Alke büssen, was Einige verbrochen? Auch ich bin vor dem Ewigen ein schwerer Sünder und flehe täglich zu ihm um Gnade nicht um Recht.« Diese schöne Rede des Kaisers ward den Wienern durch viele Briefe bekannt gegeben, daher wurde von den besser Gesinnten sogleich eine Gesandtschaft erwählt, und zur Unterwerfung und Abbitte an den Kaiser nach Wiener-Neustadt geschickt. Siebzig Bürger bildeten die Deputation, den Bürgermeister Ebner an ihrer Spitze, nebst jenem verwegenen Hanns Kirchheimer, Jakob Storch und Velten Liebhardt. Ihr Betragen war jetzt so auffallend demüthig, daß sie von den treuen Neustädtern manche Schimpfworte sich mußten gefallen lassen, als aber der Kaiser Friedrichs diese Beleidigung gegen die Wiener-Abgeordneten erfuhr, untersagte er bei schwerer Strafe den Neustädtern jede Beschimpfung der Wiener, und befahl ihnen eine freundschaftliche Aufnahme. Nach einigen Tagen wurden nun die Abgeordneten vor den kaiserlichen Thron gerufen, wo sie fupfällig um Verzeihung und Vergessenheit des Geschehenen baten. Der Bischof von Gurk hü-ß sie aufsteben, und fragte sie, ob sie sonst noch Etwas vorzubringen hätten, worauf der Bürgermeister eine Schrift überreichte, worin sie um Aufhebung der Acht und des BanneS, und um Bestätigung ihrer alten Rechte und Freiheiten baten. Der Bischof bedeutete ihnen, nun wieder nach Hause zu gehen, und das Weitere in Geduld abzuwarten. In einigen Tagen wurden sie wieder in die Burg geladen, wo sie abermals ihre Bitte erneuerten, und ihr Gelöbniß betheuerten. Da erklärte ihnen der Bischof im Namen des Kaisers, daß er Gnade für Recht ergehen lassen, und alles Vergangene als nicht geschehen betrachten wolle, in so ferne die Wiener ihm als ihren rechtmäßigen und einzigen Erbherrn schwören und künftig die alte Treue bewahren wollten. Mit dieser Antwort kehrten in Begleitung von zwei päpstlichen Legaten und mehreren Edlen des Kaisers am 3. Februar 1464 die Abgeordneten wieder nach Wien zurück. Am Dorotheentage Morgens um 7 Ukr ertönte die große Glocke bei Sr. Stephan, und Alles was sich nur bewegen konnte, arm und reich strömte in den Propsthof. Im festlichen Ornate und im prächtig-weltlichen Staate begaben sich im feierlichen Zuge die Legaten deS heiligen Stuhls, und deS Kaisers Machtboten dahin. Der Eid der Treue wurde dem Abgeordneten Friedrichs, Georg von Volkenstorf geleistet, die Artikel verlesen, und die Bestätigung der Freiheiten versprochen. Hierauf verkündigten die päpstlichen Legaten feierlich die Lösung des Bannes und den großen Ablaß. Unter dem Geläute aller Glocken hielt man einen großen Umgang mit allen Heiligthümern, und darauf das Doum bei St. Stephan. Auf allen Platzen brannten Abends Freudenfeuer Gort zum Lobe und dem Kaiser zu Ehren, für das Ende der langen und schweren Trübsal, die sie durch Abweichung von Pflicht und Recht sich selbst bereitet hatten. Ungeachtet dessen war aber immer noch der Friede nicht vollkommen hergestellt, und Wien solche eS noch schwer empfinden, waS eS sey auch nur einen Stein am Baue der alten segensreichen Ordnung verrückt zu haben. Wohl war die Stadt jetzt mit dem Kaiser ausgesöhnt, aber noch immer bekriegten sich gegenseitig die Bürger, die in 3 Parteien getheilt waren, und eine an die andere Geldfor- derungen machte. Auch tobten und wütheten noch immerfort die blutbefleckten Rotten unter dem Namen »Brüder.« Am meisten zu beklagen war aber der traurige Umstand, daß noch viel höhere Herren in gleicher Weise, ihres Vaterlandes Fluch verwirkten. Jörg von Stein, deS Kaisers Kämmerer, Genosse der Gewaltthaten, und Zeuge des TodeS Herzogs Albrecht nannte sich zeither: »Herr und Regierer, der Herrlichkeit zu Steier.« Er war ein Wüstling, und ein Meister in Erfindung von Ergeh, lichkeiten und Vergnügungen. Dieser Mann war kühn genug Lehen zu vergeben, und Hoheitsrechte auszuüben *). Sein Freund Ritter Wilhelm von Puchheim, hauSte mit gleicher eigenrhümlicher Gewalt auf seiner festen Burg Rauhenstein bei Baden **). Von hier aus machte der raubsüchtige Ritter mit seinem Raubgesindel oft gewaltsame Ausfälle, und kein wohlhabender Wanderer oder mir Wa- ren beladener Güterwagen konnte ruhig seines Weges vorüber ziehen. Im Jahre 1467 hatte die Kaiserin Eleonora, Friedrichs Gemalin die Heilbäder von Baden gebraucht,-Und war nun auf ihrer Rückreise auf einem Umwege über Kloster Heiligenkreuz in die Neustadt begriffen. Als sie sich der Feste Rauhenstein nahte, sielen aber Puchheims Reisige aus ihrem Hinterhalte hervor, hielten die Kammerwagen der Kaiserin an, und plünderten solche rein aus. Doch nicht lange erfreuten sich die kühnen Räuber ihrer gewaltsam gemachten Beute, nachdem ihnen der Raub ehe sie noch in das Schloß zurück kehren konnten durch kaiserliche Reiter wieder abgesagt wurde, welche sich hierauf vor das Schloß legten, dagegen aber nichts auSrichten konnten. Als nun die Wiener erfuhren, was der Kaiserin Eleonora, die sie so innig liebten, begegnet sey, vereinigten sich diese den Frevel des raubsüchtigen Puchheim, den er gegen seine Herrscherin sich erlaubt hatte, zu bestrafen, und rückten eilends mit Reisigen und schwerem Geschütze vor Rauhenstein. Das feste Schloß wurde nun von allen Seiten heftig angegriffen, und so muthig und herzhaft sich auch Puchheim auf den Wällen seiner Burg vertheidigte, und seinen Leuten Muth zudonuerte, so wurden dennoch die Mauern erstiegen, das Schloß in Trümmer geschossen, und der gröste Tbeil der Besatzung getödtet. Wilhelm von Puchheim entfloh noch glücklich durch einen unterirdisch verborgenen Gang, und gelangte zu seinem Freunde Jörg von Stein, mit dem er sich aus Rache vereinigte, und durch verwüstende Fehden vieles Unheil anrichtete. Noch in demselben Jahre (3. September 1467) starb die von den Wienern geliebte Kaiserin Eleonora im 33. Jahre ihres Lebens und im 15. ihrer mit vielem Kummer heimgesuchten Ehe. Sie hiuterließ den achtjährigen Kronprinzen Maximilian und eine zweijährige Tochter Kunigunde, die in der Folge gegen des Vaters Willen mit dem Herzoge von Baiern vermalt wurde. Sie war ein Vorbild der Liebe und Treue, ein Muster weiblicher Schönheit, und deS edelsten männlichen Muthes. Erft nach mehr als einem viertel Jahrhunderte (1493) in deS Kaisers Todesjahre wurden die letzten Ueberreste dieses Bösewichtes und Unruhestifters ausgerottet. Die Wiener, die von ihnen am meisten gelitten, waren auch hiebei die Thatigsten. Ueber 300 aus den Räuberbanden wurden von ihnen aufgehängt, und viele, die dem Hauptmanne Eizinger in die Hände fielen wurden in die städtischen Kalk- und Ziegelöfen geworfen, und endeten ihr Leben in Rauch und Flammen. Die Ursache war folgende: Herzog Alb rech t war dein Ritter Jörg von Stein 14,000 Goldgulden schuldig, und hatte ihm dafür Stadt und Schloß Steier überlassen. Nach des Herzogs Tode wollte der Kaiser die Stadt zuruck nehmen, allein, da es ihm am Gelde fehlte den Jörg von Stein auszuzahlen, so traf er mtt chm eine Ueberemkunft, zu Folge welcher der Ritter die Stadt und das Schloß noch Ein Jahr behalten und ausserdem vom Kaiser 6000 Gulden empfangen sollte. Als die bedungene Zeit vorüber war, weigerte sich Stein die Besitzung dem Kaiser zu übergeben, sep es nun, daß dieser die versprochenen 6000 Gulden nicht bezahlt hatte, oder daß der Ritter ungeachtet des empfangenen Geldes, Steier dennoch behalten wollte. Rauhenstein, die Nachbarin von Rauhenegg liegt an dem diesseitigen Ufer des Schwechatflußes auf einem gegen die Südseite kahlen und steilen Felsen, wovon sie wahrscheinlich ihren Namen erhalten hat. 2i. Oesterreich unter Ottokar, König von Söhrnen. Vom Jahre 1260 bis zum Jahre 1270. Ä-^achdem nun Ottokar im Besitze deS HerzogthumS Steiermark war, und zugleich auch mir dem Bischöfe von Freisingen ein Schutzbündnis geschlossen hatte, beschäftigte ihn die durch mehrere Jahre verschobene Krönung in Böhmen, und die bisherige Unfruchtbarkeit seiner Gemalin der bereits schon 55 Jahre alten Margaretha "). In Betreff der Krönung ernannte der Papst in Ermanglung deS ErzbischofeS von Mainz die Bischöfe von Prag und Olmütz, um für diesmal den König zu krönen , worauf dann die angemessensten Befehle gegeben und Alles zu dieser Feierlichkeit mit großer Pracht in Bereitschaft gesetzt wurde. Um nun auch eine Ehescheidung mit Margaretha zu bewirken, ließ man ein allgemeines Gerücht in den meisten Städten verbreiten, alS hatte Margaretha nach dem Tode ihres Gemals deS römischen Königs Heinrich des VII. durch feierliche Klostergelübde, von denen sie nicht mehr konnte losgesprochen werden, in dem Dominikaner-Orden für ewig zu bleiben sich verpflichtet, aus welchem Grunde daher die mis Ottokar geschloffene Ehe keineswegs gilkig seyn könne. Ungeachtet aller dieser zur Ehescheidung vorbereiteten Maßregeln getraute sich Ottokar um die Einwilligung zur Ehescheidung von Margaretha dennoch nicht an den Papst sich zu wenden, und holte zuerst von den Bischöfen in seinen Staaten den Rath ein, welche aber einstimmig erklärten, diesen Bund nicht trennen zu können. Da nun Ottokar die Einwilligung zu einer neuen Heirath nicht bekam, so begnügte er sich einstweilen mit dem Rufe der klösterlichen unauflöslichen Gelübde seiner Gemalin, und betrachtete diese als eine ganz richtige keines Beweises mehr bedürfende Sache. Als im Jahre 1261 König Bela nach Wien kam, um den im vorigen Jahre abgeschlossenen Frieden zu bestätigen, und zugleich die bedungene Vermälung seines jüngern Sohnes Bela mir der brandenburgischen Prinzessin Kunigunde in Richtigkeit zu bringen ^), kam eine Enkelin B ela s, *) Ottokar hatte außerehelich einige Kinder erzeugt, von denen der Papst einen Sohn und zwei Töchter lc- gitirnirte. **) Um die Bedingniße des Friedens vom Jahre 1260 zwischen den Königen Ottokar und Bela vollkommen zu erfüllen, ward nun im Jahre 1264 die wirkliche Vermälung der Prinzessin Kunigunde, einer Nichte Ottokars mit dem zweitgebornen Sohne des Königs Bela beschlossen. Zu dieser Feierlichkeit ließ Ottokar ausserordentliche Anstalten treffen, damit solche mit alter Pracht begangen werden könne. Zu diesem Feste, welches ans dem Felde bciFischau eben so gefeiert werden sollte, wie jenes zur Lebenszeit Friedrich des Streitbaren seiner Schwester Konstantin, mit dem Markgrafen von Meißen auf den Flu- ' ren bei Stadlau, geschah, berief König Ottokar eine unglaubliche Menge fremder hoher Gäste , und die Angesehensten vom Adel, die in alten seinen Ländern die Erb- und Hofämtcr bekleideten, nach Wien, in der Absicht, daß ein jeder derselben bei diesem Feste sein Amt öffentlich versehen sollte. Die gemachten Vorbereitungen und die kostbare Schmückung der Braut zeigten einen Neichthum und ein Uebermaß des Aufwandes, davon nur wenige Beispiele bekannt sind. Aber noch mehr wurde diese prachtvolle Herrlichkeit von jener strahlenden Majestät weit übertroffen, mit welcher König Otto ka r, umgeben von Glanz und Schmiß mcr, seiner im reichsten Kostüme erscheinenden Großen der Reicks- und Hofchargen, sich zeigte. Die überaus große Anzahl der Gäste und die Alles überwiegende Pracht derselben verursachten aber dem ungarischen Könige einen solchen Schrecken, daß Bela von seinen noch mehr erstaunten Begleitern von einem gefährlichen auf sie gemachten Anschläge gar leicht überredet wurde, und daher ohne Urlaub zu nehmen insgeheim und ganz eilfertig nach Ungarn floh. Dem Könige Ottokar verursachte dieses sonderbare Betragen des Königs Bela ein sehr großes Mißvergnügen; indessen konnte er aber dennoch nichts Anderes thun, als daß er die Braut, welche der ungarische König durch eine Gesandtschaft abfordern ließ, derselben übergab. ebenfalls Kunigunde genannt, zur Sprache, welche nun O rtoka r zu seiner zweiten Gemalin wählte, und auch vom Könige Bela verlangte. Bela, welcher diese Heirath sehr vorteilhaft fand, nahm wegen Entfernung der Margaretha kein Bedenken, und so geschah es, daß noch in demselben Jahre die'Vermälung zu PreSburg mit großer Pracht vollzogen wurde, worauf sich dann Ottokar mit seiner neuen Gemalin zur Krönung nach Prag begab. Indessen wurden die anständigsten Vorkehrungen zur Rückreise der Margaretha von Böhmen nach Oesterreich getroffen, wo sie dann in der Stadt Krems in der grösten Stille und Eingezogenheit lebte. Am Festtage der Geburt des Heilandes empfing nun König Ottokar mit seiner Gemalin durch den Erzbischof von Mainz, welcher inzwischen von dem Papste die Bestätigung seiner Wahl erhielt, die Krönung im Beisein von sechs Bischöfen, des Markgrafen von Brandenburg, vieler Fürsten, und einer großen Anzahl vom einheimischen und fremden Adel. Dem Könige Ottokar war nun sehr daran gelegen, daß er die schon unter dem verstorbenen Könige Wilhelm in Vorschlag gewesene Lehens-Empfangung des ruhigen Besitzes wegen endlich auch in Wirklichkeit bringe, besonders da er jetzt auch das Hcrzogthum Steier wieder an Oesterreich gebracht und mir solchem vereinigt hatte. Er unterließ daher nicht sich mit dem Könige Richard von England in das beste Einvernehmen zu setzen und war auch die erste und mächtigste Person, die es verhinderte, daß die von der unter dem Erzbischöfe von Mainz neu entstandenen Partei projektirte Wahl des jungen, erst 10jährigen Konradin nicht zu Stande kam. In der Neichshauptstadt Aachen ward also auch die vom Könige Richard, dem für seine Person und für des Reiches Wohlfahrt so sorgfältigen Fürsten und getreuen Freunde Ottokars die schon vorher zugesagte Verleihung der beiden Herzogtümer Oesterreich und Steier, nebst der böhmischen und mährischen Belehnung im Monate August des Jahres 1262 wirklich vollzogen, wodurch König Ottokar, der bisher nur von den Oesterreichern angenommen worden war, auch von dem Neichsoberbaupte als Herzog und Herr dieser Länder anerkannt wurde. In diesem Jahre wurde auch zwischen den Herzogen Heinrich und Ludwig von Baiern, und dem Bischöfe Otto von Passau ein Friedens - unh Freundschaftsvertrag geschlossen, in welchem diese Herzoge alle Lehen in Oesterreich, die sie seit Friedrich des Streitbaren Tode, und den seit dieser Zeit in Oesterreich vorgefallenen Unruhen von dem Stifte Passau erhalten und besessen hatten, entsagen. Indessen glimmten immer noch die salzburgischen Unruhen fort, und gaben sogar Veranlassung zu Kriegsunruhen in den benachbarten Ländern. Bei dem gefallenen Ansehen des Königs Richard und seiner eiligen Rückreise nach England erhielt Ottokar, als der mächtigste benachbarte Fürst von dem Papste Urban dem IV. die unumschränkte Vollmacht, die Schutzvogtei deS Stiftes zu verwalten. Da nun Ottokar auch jene Güter in Schutz nahm, welche das Erzstift in Baiern besaß, so ward darüber der Herzog von Baiern heftig aufgebracht, und siel in Salzburg mit solcher Schnelligkeit ein, daß dem Erzbischöfe Ulrich keine Zeit mehr übrig blieb, seine Macht zum Widerstande sammeln zu können. Dazu kam auch noch das Unglück, daß zu eben dieser Zeit der Erzbischof Ulrich wegen Nichtzahlung der dem römischen Hofe versprochenen Summe mit dem päpstlichen Banne belegt, und seiner Würde entsetzt wurde, worauf dann Ottokar den vertriebenen Nebenbuhler Herzog Philipp von Kärnthen wiederholt als Erzbischof daselbst einsetzte. Nun mischte sich der Herzog von Baiern auf's Neue in den Streit, und überfiel nicht nur unvermuthet die befestigten Städte des Erzstifres, sondern verheerte auch das Land ohne Nachsicht mit seltener Grausamkeit. Mit großem Unwillen vernahm der Papst das Betragen des bairischen Herzogs gegen Salzburg, und forderte nun vom Neuen den König Ottokar auf, dem bedrängten Erzstifte zu Hilfe zu eilen. Dieser Mahnung entsprechend, gab jetzt Ottokar seinem Landesverweser in Steier den Auftrag ein Heer zu sammeln, und gegen den Herzog Heinrich zu ziehen, was auch in kurzer Zeit mir glücklichem Erfolge geschah, nachdem er alle salzburgische Festungen sich eigen machte, und die Ruhe wieder herstellte. Zugleich bewog auch König Ottokar den Herzog Philipp, da dieser dem Papste nicht gefällig war, zur freiwilligen Verzichtleistung auf das Stift, wofür er indessen den Genuß der Stiftsgüter von Seckau und in der Folge das Patriarchat von Aguileja erhalten sollte. Obschon Ottokar im Jahre 1255 die ungläubigen Preußen bezwang, und die eroberten Provinzen den deutschen Ordensrittern übergab, so geschah es doch, daß diese noch nicht hinlänglich gesicherten Lande von den benachbarten Neusten und Lithaucrn beunruhigt wurden. Die Ordensritter waren nicht mächtig genug, einem solch' heran drängenden Heere von Feinden zu widerstehen, und wendeten sich da- her an den Papst mir der dringenden Bitte, er möchte die geistlichen Fürsten.zu ihrer Verteidigung aufmuntern. Urban harte ein großes Vertrauen zu dem mächtigen Ottokar, an den er sich nun mit einem sehr dringenden Schreiben wendete, um einen Kreuzzug gegen die Nüssen und Lithauer vorzunehmen. Zugleich übergab er ihm auch das Recht, daß er alle diejenigen Lander, »welche er den ungläubigen Völkern entreissen würde, für sich und seine Nachkommen behalten könne. Ottokar fand sich bald bereitwillig dem Wunsche des PapsteS zu entsprechen, und bewog auch durch sein gutes Beispiel viele der Adeligen in Böhmen, Mähren, Oesterreich und Steier zur gleichen Pflicht, welche dann zusammen mit allen Hilfsvölkern ein mächtiges Heer bilderen, und den deutschen Ordensrittern zu Hilfe zogen. Um sich dem Könige Ottokar verbindlich zu machen, ernannte der Papst den Schwestersohn seines Vaters, Herzog Wladislaw von Polen zum Erzbischöfe von Salzburg und dessen Erzieher, den Domherrn Peter, zum Bischöfe von Paffau. Diese Ernennung von zwei Bischöfen, welche zur Partei Ottokars gehörten, sah aber Herzog Heinrich von Baiern als nachtheilig für seine Länder an, und fiel daher mit seinen Kriegsvölkern in die Gebiete der beiden Stifte, wo seine Soldaten alle nur erdenkliche Verwüstungen begehen durften. Beide Bischöfe, viel zu schwach, diesem Uebel steuern zu können, riefen nun den König Ottokar zu Hilfe, wodurch zwischen diesem und dem Herzoge von Baiern ein heftiger Krieg entstand, welcher über ein volles Jahr mir abwechselndem Glücke geführt wurde. Bis jetzt hatte Ottokar immer noch die Negierung in seinen weit ausgebreiteten Staaten mir Klugheit, Kraft und Ansehen geführt, leider aber traten nun, als Ottokar auf der höchsten Stufe seiner Macht, feines Ruhmes und Glanzes stand, Leidenschaften hervor, die täglich stärker wurden, und ihn zu Handlungen verleiteten, durch welche er immer mehr und mehr die Neigung und Liebe seiner Unterthanen verlor. So wurde im Jahre 1265 auf Ottokars Befehl der würdige und verdienstvolle Landmarschall in Oesterreich Otto von Maissau in den Thurm zu Aichhorn in'S Gefängnis; geworfen, mit grausamen Hunger gemartert, und darauf verurtheilt, mit dem Schwerte hingerich- ret zu werden; — da aber derselbe sich wider diese Gewalt kraftvoll vertheidigte, so wurde er durch daS in seinen Kerker geworfene Stroh grausam erstickt und verbrannt. Auf eine gleiche solche Weise verfuhr Ottokar mit den Brüdern B en essen und Milota, welche vom böhmischen Adel und verdienstvolle Männer waren. Die Oesterreicher zeigten gleichfalls für Ottokar, nach Verstoßung der Margaretha '*) ihre Abneigung, und diese stieg für die Folge um so mehr, da er auch hier anfing mit Grausamkeit zu handeln. Nach dem im Jahre 1267 erfolgten Friedensschluße mit dem Herzoge von Baiern, unternahm Ottokar einen zweiten Kreuzzug nach Preußen, der aber nicht vortheilhaft endigte, nachdem der zu gelinde Winter den König zum Rückzuge nöthigte, ohne den Feind bekriegt zu haben. Ottokar war über diesen fruchtlosen Kreuzzug sehr mürrisch und mißvergnügt als ihm Friedrich von Pettau eine Verschwörung entdeckte, an welcher mehrere des vornehmsten Adels Antheil haben sollten. Der König forderte nun sowohl den Ankläger Friedrich von Pettau, als auch die beklagten zwei Grafen Bernhard und Heinrich von Pfannberg, den Hartneid von Wil- ton, Wülfing von Stubenberg und Ulrich von Liechtenstein nach Breslau zu sich , und befahl dem Ankläger, die ihm vorgebrachten Beschuldigungen im Angesichte der Beklagten zu wiederholen. Friedrich von Pettau zögerte nicht, und erklärte in ihrer Gegenwart, sie wären nach dem ihm gemachten Anträge ihrem Bunde beizutreten und ihrer gemachten Aeußerung nach, der Regierung deS Königs Ottokar schon überdrüssig, und entschlossen, Alles zu wagen, um das Herzogthum Steier einem andern Regenten zuzuwenden. Die Angeschuldigten betheuerten jetzt zwar ihre Unschuld und ein jeder davon forderte sogar den Friedrich von Pettau zu einem Zweikampfe heraus; aber Ottokar nahm keine Entschuldigung an, und ließ sowohl den Ankläger als auch die Beklagten in verschiedene Festungen bringen, und in strengen Gefängnissen verwahren. Diese Verschwörung hatte sich auch in dem Kriegsheere schnell verbreitet, worüber die böhmischen Soldaten so erbittert wurden, daß sie schon die Dienerschaft der gefangenen Herren zu morden und das Reisegepäcks zu plündern drohten, wenn sie nicht durch einen königlichen Befehl davon wären ab- *) Den 28. Oktober 1267 starb zu Krems die von Ottokar geschiedene Gemalin Margaretha im 68. Jahre ihres Alters als der letzte Sproße des berühmten babenbergischen Hauses. gehalten worden. Indessen setzten diese traurigen Ereigniße das ganze steirische Land und vorzüglich die Anverwandten der Gefangenen in große Bestürzung, da man Ursache hatte, vor der Rache des Königs zu zittern. — Jedoch bedeutete der König den Gemalinen und nächsten Anverwandten, daß er den Gefangenen das Leben schenken und ihnen ihre Freiheit wieder geben wolle, wenn sie ihm ihre Herrschaften und Festungen abtreten würden. Diese Forderung war zwar in jeder Beziehung sehr groß und schwer, aber, um diese Unglücklichen zu befreien, wurde sie dennoch willig angenommen. AlS nun die so vielen adeligen Geschlechtern eigentbümlichen, und wohl befestigten Stammschlösser der Erde gleich gemacht waren, erhielten auch die Beschuldigten nach einer sehr harten Gefangenschaft wieder ihre Freiheit, mußten aber vor ihrer Einlassung dem Könige feierlichst versprechen, von aller Rache gegen Friedrich von Pettau, abzustehen *). Diese Demütbigung des Adels befestigte nun noch mehr die Macht des Königs, der an der Spitze eines zahlreichen und geübten Heeres mit asten europäischen Höfen in Verbindung stand, und welcher durch Unterbandlungen selbst den römischen Hof, zu überlisten wußte. Bis jetzt hatte der Papst noch immer gezögert sich für einen schon vor mehreren Jahren erwählten Kaiser, nämlich für den reichen und freigebigen Richard von Korn wall oder für den astronomischen König Alphons von Kastilien zu erklären, obschon Richard die Funktionen als römischer König durch mehrere Jahre ausübte. Es wurde daher immer noch im deutschen Reiche großer Zwiespalt unterhalten, nachdem eigentlich Niemand wußte, welcher von Beiden das bestimmte und wahre Oberhaupt Deutschlands sey. Um nun diese Verworrenheit noch mehr zu vergrößern, schrieben jetzt die Kurfürsten an den König Ottokar , daß sie entschlossen wären, zu einer neuen Kaiserwahl zusammen zu treten, und durch Stimmeneinheit einen Dritten zu ernennen, welcher vom ganzen Reiche als rechtmäßiger Kaiser sollte erkannt werden. In dieser Absicht wollten sie den König Ottokar einladen um auch am bestimmten Tage und Orte sich einzufinden; allein Ottokar gab hievon dem Papste Nachricht, und als ihm dieser von diesem Schritte abrieth, so geschah es auch, daß das beabsichtigte Unternehmen unterblieb. Gegen Ende Novembers 1268 kam Herzog Ulrich von Kärnthen nach Prag und erklärte durch eine zu Podiebrad ausgeferrigte Urkunde, daß er, um allen Streitigkeiten und Zwisten, die sich nach seinem Tode ergeben könnten, vorzubeugen, den König Ottokar'von Böhmen sowohl als nächsten Anverwandten, gleichwie auch der ununterbrochenen innigsten Freundschaft und vieler guten Dienste wegen, wenn er ohne Kinder mit Tod abgehen sollte, zum Elben seiner Länder, seines Eigenthums, seiner Lehen und aller andern Güter, unter welchem Namen er auch dieselben besessen habe, einsetze. Im folgenden Jahre 1269 wurde der Herzog Ulrich von einer schweren Krankheit befallen, welche ihm auch bald den Tod brachte, worauf nun Ottokar sogleich den Propst von Brünn, welcher bisher im Herzogthume Steicr sich befand als Landesverweser nach Kärnthen sendete, um in seinem Namen Besitz von diesen Ländern zu nehmen. Während dieses Vorganges in Kärnthen hatte der so schnell verbreitete Ruf von dem Tode des Herzogs Ulrich unter dem Domherrn von Aguileja eine grosse^ Veränderung verursacht, denn nun konnten sie sich keine Vorrheile von dem zum Patriarchen erwählten einem Bruder des verstorbenen Herzogs mehr versprechen. Sie schritten daher in dieser Rücklicht zu einer neuen Wahl und ernannten an dessen Stelle den Grafen Raimund von Thurn, damaligen Bischof von Como, welcher auch bei der Zurückkunft des Papstes aus Palästina im Jahre 1271 bestätigt wurde. Ottokar unterließ nun nicht seine ganze Aufmerksamkeit und Sorge dem neu erworbenen Herzogthume zu schenken, und erhielt sogar auch die Lehenschaften, welche in Kärnthen, Kram und in der windischen Mark gelegen waren, jedoch andern Reichsfürsten zugehörten; da aber der König mit ihnen im guten Einverständniße war, so wurden ihm auch diese bei Abtretung dieses Herzogthums verliehen. » . -* *) Für den Grafen Bernhard von Pfannberg wurden die Festungen Pfannberg, Peckau und St. Pe- ter — kur den Grafen Heinrich von Pfannberg, Kaiserberg, Strasselb und Boschentbal (Nabenstcin durfte er behalten) — für den Ulrich von Liechtenstein, Frauenberg, Murau und Liechtenstein (ein nahe bei tudcuburg gelegenes Schloß) — für den Hart ne i d von Wilton die befestigten Plätze zu Prennersburg, Gleichenberg und Eppenstein — für den Stubenberg die Schlosser Karpfenberg, Kasch, Wulsingstcin und Stubenberg — und für Friedrich von Pettau, der damals iu großem Ansehen und Onaden bei dem Könige gestanden war, die Herrschaften Wurmberg und Schwannberg abgetreten. Herzog Johann von Schwaben (karrieiäa). Vom Jahre 1289 bis zum Jahre 1313. vl/ebrandmarkt bei seinen Zeitgenossen, und verabscheut von der Nachwelt steht der Name dieses unglücklichen Prinzen in der Fürstenreihe von Oesterreich-Habsburg, zur Warnung für alle, um sich nicht durch schmeichelnde Freunde, und durch den Sturm wilder Leidenschaften zu unbesonnenen Thaten Hinreißen zu lassen. Johann, der entartete Enkel des großen Kaisers Rudolph deS I., ein Sohn Rudolph des LI. und der Agnes, einer Tochter König Ottokars von Böhmen, kam erst nach dem Tode seines Vaters auf die Welt und wurde am Hofe Wenzel deS II. seines mütterlichen Oheims zuerst erzogen. Schon von seiner Kindheit an wurde ihm der Keim zur Abneigung gegen seines Vaters Bruder, den Herzog, und nachmaligen Kaiser Albrecht den I. eingeflöfir, nachdem König Wenzel von Böhmen mit diesem immer im Mißverständliche stand. Dieser Keim wurzelte mir dem heran wachsenden Alter immer fester in seinem Innern, und konnte von Albrecht schon nicht mehr auSge- rottet werden, als er ihn an seinen Hof nahm. Der Jüngling war schon zu sehr wider ihn eingenommen, und so mißdeutete er jede Rede und Handlung desselben, so väterlich gut sie auch gemeint seyn mochte. EineS feurigen und ungestümen Temperaments, leichtfertig, unbesonnen und hastig, nach Gewohnheit der Jugend, empfänglich für jedes sinnliche Vergnügen, wollte er nur genießen, und in keiner Sache einen Zwang leiden. So gestimmt, war es nun ganz natürlich, daß er an dem ernsthaften, sparsamen, und nur für sein wahres, dauerhaftes Wohl besorgten väterlichen Oheime keine Neigung finden konnte, wozu aber noch vorzüglich die Feinde des Kaisers, um seine Rache immer mehr zu steigern, das Ihrige beitrugen. Er suchte sich Gesellschafter, die nach seinem Sinne besser mir ihm harmo- nirten, und bei denen er auS offenem Herzen über seinen Oheim klagen konnte. Zu seinem und seines OheimS Unglücke fand er auch wirklich solche an einigen Edlen, die einst Adolphs Partei hielten, und heimlichen Groll wider den Kaiser Albrecht in ihren Herzen verwahrten. Sie malten dem jungen Prinzen seinen Oheim mit noch schwärzeren Farben, und stellten ihm, der nach Unabhängigkeit strebte, an demselben das Bild eines geizigen und herrschsüchtigen Mannes dar, nannten den Jüngling mit spottendem Scherze einen Herrn ohne Land, der nur von der Gnade seines Oheims leben, ihm überall nachziehen, und alle seine Vettern weit über sich erhoben sehen müsse, nachdem sie ihr Vater reichlich versorgt. Sie beredeten ihn sogar, daß er, da er nun beinahe großjährig sey, seine Erblande und Lehen vom Oheime fordern soll, um solche selbst verwalten zu können. Dem unbesonnenen Prinzen war dieser Rath sehr willkommen, und er versäumte nicht ihn zur Ausführung zu bringen, weshalb er auch von Albrecht die Uebergabe derselben forderte. Albrecht befürchtete aber die schlimmen Wirkungen bei der brausenden Jugend seines Neffen, wenn er zu früh sich selbst überlassen werden sollte, und wies ihn mit seinem Begehren zurück. Johann beharrte aber noch immer auf der Uebergabe seines Erbgutes, und erneuerte sein Ansuchen noch dringender als Albrecht im Aargau sich befand, und gegen Böhmen Völker sammelte. Albrecht blieb auch jetzt fest bei seiner Weigerung, denn er kannte nur zu gut die Schwäche des Prinzen, der sich von falschen Freunden irre leiten ließ, und konnte auch bei seiner staatsklugen Vorsicht mit Grund besorgen, wenn er ihn nicht bei dem vorgefal- lenen Kriege gegen Böhmen beschäftigt, und ihm sein Begehren erfüllend, die Verwaltung seiner Herrschaften übergibt, daß er leicht an ihm einen Feind im Rücken haben könnte. Um aber indessen den Prinzen nicht zu beleidigen setzte er seiner Hitze Sanftmuth entgegen und versicherte ihn auf sein königliches Wort und seine Ehre, daß er ihm nach beendigten böhmischen Kriegszuge alle seine Güter übergeben , und diesen noch eine Belohnung aus seinem eigenen Vermögen beifügen wolle. Er sprach zu ihm: »Lieber Neffe, all' dein Vermögen ist wohl besorgt, und es hat unter Unserer Pflegschaft nicht abgenommen, sondern sich vermehrt, wie du es im Kurzen selbst erfahren wirst.<2 Hierauf ermahnte er chn die Gelegenheit zu ergreifen, sich jetzt im Kriege hervor zu thun, weshalb er ihm auch die Befehls- yaberstelle über hundert auserlesene Reisige anbot. So handelte Albrecht als ein weiser Pflegevater, und so Iprach er zur Vernunft des Prinzen, wenn er die Stimme dieser hätte anhören wollen. Aber von semen übertriebenen Leidenschaften betäubt, gab er nur den Einflüsterungen seiner schmeichelnden Freunde Gehör, welche die Aeußerung und den Antrag Albrechts als einen neuen Beweis seiner 58 Habsucht darstellten, und den unerfahrnen Prinzen beredeten, Albrecht möge wohl gar die Absicht haben, ihn in den Krieg zu führen, um seiner los zu werden, und sodann seiner Güter sich desto sicherer bemächtigen zu können. Von diesem Augenblicke an entwickelte sich nun immer mehr der in seinem Innern gewurzelte Keim des unversöhnlichsten Hasses. Er dachte auf Mittel, sich mit Gewalt den Besitz seiner Erbgüter zu verschaffen, zugleich aber auch auf eine Gelegenheit, sich an feinem Oheime, wegen so langer Vorenthaltung seines Erbgutes zu rächen. Ungebeten kamen ihm jetzt seine Freunde zu Hilfe, und zeigten ihm, wie er den so sehnlichen Wunsch seines Herzens erreichen könne, wenn er hinlänglichen Muth zur Ausführung habe. Sie stellten ihm als das sicherste Mittel die Ermordung Alb r echt s vor, und versicherten ihn zugleich, als Prinz hätte er dieserwegen nichts zu fürchten; Albrecht sey ohnehin verhaßt, habe sich mit Gewalt auf den deutschen Thron geschwungen, und seinen rechtmäßigen König (Adolph von Nassau) erschlagen, er würde durch eine so kühne That nur seinen Namen berühmt machen, und selbst manchem deutschen Fürsten hiedurch eine Wohlthat erweisen. Um ihn endlich nicht mehr wankend zu machen, und vielmehr zu einem schnellen Entschlüße zu bewegen, boten sie sich sogar als seine Mitgehilfen an. Wohltönend klang dem leidenschaftlichen Jünglinge diese Stimme seiner Freunde, und freudig willigte er sogleich in die Ausführung ihres verbrecherischen Antrages. Unter diesen Mitverschwornen befanden sich Walther von Eschenbach, Rudolph von Balm (eigentlich Ulrich von Balm) dessen Verwandter R u d o lp h' von Wart, und Konrad von Tegerfeld, Johanns Erzieher, welche nun diesen furchtbaren Lasterbund schlossen, und das Todesurtheil über Albrecht, ihren Herrn und Kaiser sprachen *). Von dem Tage deS geschlossenen Bundes an, suchten- nun die Verschwornen Zeit und Gelegenheit um die Ausführung ihres schauderhaften Vorhabens zu bewerkstelligen. Als sie in Erfahrung- brachten, daß Albrecht die Absicht habe, noch vor dem böhmischen Kriege mit einer Heeresmacht gegen die unruhigen Schweizer zu ziehen, und seine Landvögte zu bestrafen, so wählten sie nun diese Gelegenheit alS die günstigste. Es war am ersten Maitage deS Jahres 1308, als Albrecht zu Baden im schweizer Kantone Aargau ankam. In seinem Gefolge befand sich auch sein Neffe Johann sammt den Mitverschwornen. Johann machte jetzt noch einmal einen Versuch von seinem Oheime die Ueber- gabe seiner Güter zu erlangen, und ließ ihn durch den Erzbischof von Mainz und den Bischof von Konstanz besonders noch darum ersuchen, aber auch diesmal versicherte Albrecht, daß er Alles mit dem Rathe der Fürsten in Richtigkeit bringen und ihm solche ganz gewiß schon nach vollendetem Zuge gegen die Schweizer einhändigen werde. Er nahm sogar beide Bischöfe zu Zeugen seines gegebenen Versprechens und bot für jetzt seinem Neffen den Oberbefehl über hundert der besten Reiter an. I o- hann aber schwieg, und Albrecht ging nun ohne den mindesten Verdacht der ihm von seinem eigenen Neffen so nahe stehenden Gefahr ganz vergnügt zur Mahlzeit, bei welcher er mit eigener Hand der damaligen Sitte zu Folge, jedem der anwesenden Jünglinge einen Blumenkranz aufsetzte. Alle hielten sich hiedurch geehrt, nur Johann hielt sich dadurch für beschimpft, riß den Kranz vom Haupte, und warf ihn vor sich hin auf den Tisch mit den Worten : »Er sey zu ernsthaften Geschäften nicht unfähig und wisse nicht, warum man ihn mit kindischen Kränzen versöhnen wolle, durch diese würde ihm seine Erbschaft nicht vergütete Albrecht suchte ihn mit nachsichtsvollen Worten zu besänftigen, worauf er schwieg, und beruhigt zu seyn schien. Nach aufgehobener Tafel äußerte Albrecht den Wunsch, seiner Stiefmutter, Gemalin und Tochter bis Rheinfelden entgegen reiten zu wollen, was auch geschah. Mit ihm ritt ausser seinem Neffen Johann und den Mitverschwornen noch Landenberg und Waldsee, sein Vetter Graf von Hochberg, Hugo von Werdenberg, sechs angesehene Räthe von Oesterreich, und viele Andere. Der Weg führte durch Thalgründe an die Ueberfahrt bei Windisch (dem alten Vindonissa) nahe der Stadt Brugg, wo der Kaiser, unter dem Vorwände, das Fahrzeug so wenig als möglich zu beschweren, durch die Verschwornen von seinen übrigen Begleitern getrennt wurde, die sich nun an ihn drängten und mit Albrecht allein übersetzen ließen. Als die Ueberfahrt vollendet war, ritt Albrecht mit seinem Neffen Johann, zu dem sich die Mitverschwornen gesellten, als wollten sie die Stelle der Leibwache vertreten. Albrecht ritt langsamen Schrittes *) Es soll auch der Erzbischof Peter von Mainz sich bemüht haben, das in dem Busen Johanns glimmende Feuer von Rachsucht anzufachcn, und zum Ausbruche zu bringen, damit Alb r echt s Heereszug gegen Böhmen verhindert werde. unter den Hügeln, welche Habsburg begrenzen, durch das große Kornfeld, und sprach ermge Augenblicke mit dem Ritter Walther von Kasteln, der ihm hier auf dem Wege begegnete. Als sie schon nahe bei den Ruinen der einst sehr berühmten Stadt Windisch angekommen waren, stürzten augenblicklich die Verschwornen über ihn her mit den Worten: »Wie lange wollen wir dieses -rwdtenge- rippe noch reiten lassen?-« Dies war die Losung, worauf Johann auf ihn eindrang, und schrie. »Heut' wird mir mein väterliches Erbgut zu Theile werden, entzieh' es mir länger, wenn du es vermagst,-« und schnell stieß er ihm die Klinge in den HalS; Rudolph von Balm stach ihn durch den Leib; Walther von Eschenbach aber spaltete ihm den Kopf; Rudolph von Wart stand betäubt dabei ohne eine Hand an Albrecht zu legen, und Nüsseling, desselben Knappe hielt blos des Kaisers Pferd. (Nach Anderen sott Rudolph von Wart ihn durch den Leib gestochen, Ulrich von Balm ihm das Haupt gespalten haben und Eschenbach unthätig geblieben seyn.) Ritter von Kasteln, höchst bestürzt über diese gräßliche That suchte die entfliehenden Mörder zu verfolgen, konnte aber keinen derselben mehr erreichen *). Ohnmächtig sank der unglückliche Monarch herab in seinem Blute, und starb hierauf in dem Schooße eines armen Weibes, welches an der Straße sitzend, diese schreckliche That sah, und herbei eilte, ibn aufzunehmen. Kaum war dieser gräßliche Mord verübt, so floh der erschrockene Herzog Johann mit den Verschwornen auf verschiedenen Wegen um sich nie wieder zu sehen, in tiefe Wälder, und verbargen sich in diesen um auf einige Zeit der Hand der strafenden Gerechtigkeit zu entgehen. In kurzer Zeit trat aber bei Johann die Vernunft an die Stelle der erhitzten Leidenschaft, und nun sah er das Schreckliche seiner verbrecherischen That in seiner wahren Gestalt. Er erkannte jetzt den Umfang seiner schwarzen Handlung, daß er seinen Monarchen, Oheim und Pflegevater ermordet, sein eigenes Glück zerstört, und die Ruhe seines ganzen Lebens auf einmal vernichtet habe. Gepeinigt in seinem Innern über diese blutige That, und flüchtig, wie Kain der Brudermörder, irrte er nun einige Zeit in Wildnissen und kahlen Felsengebirgen umher, bettelte als ein verkleideter Dürftiger seine spärliche Nahrung an den Schwellen einsamer Hütten, und kam endlich nach müheseligem Herumwandern zu dem Abte Johann, in das Kloster Maria-Einsiedeln. Dieser fromme Mann beherbergte ihn einige Monate, rührte aber zugleich sein Gewissen durch geistlichen Zuspruch so sehr, daß sich Johann entschloß ein Mönch zu werden. Der Abt nahm ihn aber nicht an, und so sah sich Johann genöthigt, sein voriges Schicksal wieder anzutreten, und in tiefe Höhlen sich zu verbergen. Endlich nach fünf Jahren entdeckte er sich dem Papste Klemens dem V. und bat bei diesem um seine Lossprechung; der heilige Vater weigerte sich aber dies zu thun, und wollte, daß er nach der strengen Gerechtigkeit gerichtet werde, weshalb er ihn an den neuen König Heinrich den ^11., der nach Albrecht in Deutschland die Regierung führte, auslieferte **). Dieser schenkte ihm aber daS Leben, und gab ihn, geächtet und gebannt, zur ewigen Busse in das Augustiner-Mönchskloster zu Pisa, wo er nach einigen Jahren gestorben sepn soll '*'**). Seine Güter gab nach einiger Zeit Heinrich den Söhnen des ermordeten Kaisers, und so geschah, was Johann durch den Mord desselben zu verhindern geglaubt hatte. In der Geschichte wird auch die Sage angegeben, daß er einen Sohn, Lothar genannt, hinterlassen habe, welchen er mit einer Hirtin erzeugte, und der in den Zeiten Rudolphs des Weisen und Al b rechts mit der Locke als ein blinder Bettler, mit jungen Zügen und weißem Haare, in *) Sein Sohn Leopold, der nebst dem gesammten Hofstaate diesem Unglücke jenseit des Flußes Zusehen mußte, zog sich aus Furcht eilends nach Baden zurück, da er besorgte, es möchten noch mehrere Mltver- schworne im Hinterhalte lauern, und gab nun dadurch den Mördern Zeit, sich durch die Flucht zu retten. **) Heinrich VII. römisch-deutscher Kaiser vom Jahre 1308 bis 1313, war ein Sohn des Grafen Heinrich des 11, von Luremburg, und wurde nach dem Tode Albrecht des I. nach einer Zwischenregierung von 7 Monaten am 29. November 1308 zum Kaiser erwählt. Bcmerkenswerth ist, daß er der erste deutsche Kaiser war, welcher allein durch das Kollegium der Kurfürsten, ohne Zutritt der andern Nelchsstande gewählt wurde. ***) Nach einigen Geschichtschreibern soll Johann ein halbes Jahrhundert nach dem Morde als ein stattlicher Greis, nach Konigsfelden gekommen seyn, und dort sterbend und kniend am Hochaltäre seine Muhme, die Königin Agnes haben rufen lassen, sich ihr als denjenigen nennend, der hier seinen Kaller und Oheim umgebracht, dann scy er verschieden! — Wien durch Lieder aus der Vorzeit und durch die Kunde seiner verhängnißreichen Abkunft, die neugierige Menge um sich versammelte, und das armselige Leben durch ihr Almosen fristete. -Von den zerstreuten übrigen Mördern flüchteten sich einige in die Kantone der Waldstädte, in der Hoffnung, unter den Völkern, die Albrecht haßten, eine sichere Zuflucht zu finden; sie wurden aber von den biedern Schweizern mir Abscheu angesehen, und abgewiesen. Balm und Eschenbach entgingen zwar der Todesstrafe, aber zu ihrem geringen Vortbeile, nachdem Ritter Balm von Schmerz des Unmuthes gedrückt bald starb, Eschenbach aber als Viehhirt in dem Würrembergischen durch 35 Jahre zu leben gezwungen war, und seinen wahren Stand und Namen erst auf seinem Todtenbette entdeckte. Nie hörte man mehr von T eg erfel d etwas. Rudolph von Wart hatte sich zu dem Grafen von B l a m o n t nach Burgund geflüchtet, dieser lieferte aber den Mörder sainmr seinem Knechte aus. Letzterer ward sogleich gerädert, der Herr aber selbst zuvor gefoltert, und sodann bis an die Richtstätte geschleift, wo er auf offenem Rade, an eben dem Orte, an welchem der Kaiser ermordet ward, hingerichtet wurde. Rudolph von Wart hatte in glücklicher Ehe gelebt, daher übernahm eS jetzt seine unglückliche Gattin, ihn auf die Richtstätte zu begleiten, wo sie ohne Nahrung durch 3 Tage und 3 Nachte unter dem Rade betend blieb, bis endlich ihr Gatte unter den jammervollsten Schmerzen seinen Geist aufgab. Auch sie endete bald darauf durch einen untröstbaren Gram ihr Leben. Die Blutrache an den Mördern und ihren Anhängern vollführte Herzog Leopold, der Sohn Albrechts, nachdem er ihre Burgen und festen Schlösser zerstören und viele ihrer Diener und Kriegsleute mit dem Schwerte hinrichtcn ließ. Noch weit unerbittlicher als er, wüthete aber seine Schwester, die^verwittwete Königin Agnes von Ungarn in dieser furchtbaren Vollziehung, da mehr als tausend Männer,^ Weiber und Kinder auf ihren Betrieb durch die Hand des Henkers hingerichtet wurden. Des Kaisers ältester Sohn Herzog Friedrich der Schöne, suchte endlich dem Blutvergießen der unschuldigen Knechte, und der, wegen den Mördern so zahlreich gefallenen Opfer Einhalt zu thun, seine Mutter aber, die sonst so sanfte Kaiserin sprach zu ihm: »Man merkt es wohl, daß du den blutigen und entstellten Leichnam deines Vaters nicht gesehen habest. Armselig wollte ich mein Leben mit Spinnen und Nähen willig und mit Freuden fristen, wüßte ich nur, daß Albrecht noch lebe.^ Die Leiche deS KaijerS ward sogleich nach Brugg getragen, daselbst in einen Sarg gelegt, dann aber nach dem Kloster Wettingen gebracht, sein Nachfolger Heinrich VH. — welcher sogleich zu Speier die Neichsacht über die Verschwornen aussprach — ließ aber den Entseelten 6 Monate später nach Speier abführen, und in die kaiserliche Gruft beisetzen. Die Kaiserin - Wittwe Elisabeth und ihre Tochter Agnes stifteten in dem Felde, wo der gräßliche Mord geschah das Kloster Königsfeld, worin nun die Kaiserin selbst ihren Aufenthalt nahm, und durch strenges Fasten, Demuth und Liebe, ihr Leben beschloß. In der That ist eines so schmählichen Todes als wie Albrecht, vor ihm und nach ihm kein Kaiser gestorben. Er erreichte das 40. Lebensjahr, und der unglückliche Tag, an welchem vor einem Decennium sein Gegner Adolph durch ihn gefallen war, raffte auch ihn selbst dahin. Er war ein treuer und zärtlicher Gatte, und liebte seine Kinder. Feines Gefühl für Schicklichkeit besaß er im hohen Grade, daher äußerte er jederzeit Abscheu für Mißrede und Schmeichelei. Seine Geschicklichkeit in der Kriegskunst bewährte er bei jeder Gelegenheit, und stand gewiß keinem von Allen nach, die durch Enrschloffenheit und Thätigkeit, durch Raschheit und Muth die öffentliche Bewunderung sich erwarben. Albrecht war wachsam wie sein Vater Rudolph, und als Reichsoberhaupt führte er die Zügel der Regierung mit fester Hand, und erhielt solcher Art die allgemeine Ruhe. Er war frommen Gemüthes, dennoch aber wußte er mit Würde den Anmaßungen des päpstlichen Stuhles zu widerstehen und den Ehrgeiz der geistlichen Kurfürsten zu beschränken. Auch in Staatssachen bewies er viele Erfahrung, und vorzüglich ließ er sich die Handhabung des Landfriedens sehr angelegen seyn; dagegen verfolgte er aber mit halsstarriger Beharrlichkeit seine Vergrößerungsentwürfe, die ihm als große Fehler angerechnet werden müssen, und die auch leider seine guten Eigenschaften sehr verdunkeln. Zu viel beherrschte ihn Ländergier aus Liebe zu seinen Kindern, weshalb er auch als ein Opfer derselben, an jenem Unglückstage, als Johann mit seinen Mitverschwornen die schreckliche That verübte, sein Leben endete. i. Karl der Grosse. Jahr 742 bis 794. ^Oon allem Großen und Herrlichen, welches die Natur in Pipins und seiner beiden Ahnen Brust gelegt, zeigte sich die höchste Blüte in seinem ältesten Sohne Karl, geboren im Jahre 742 auf dem Schloße Salzburg (nach Andern zu Ingelheim bei Mainz, und wieder nach Andern zu Aachen). In ihm vereinigte sich rastlose Thätigkeit, schneller Blick, richtige Wahl der besten Gehilfen, Besonnenheit, Willigkeit, guten Rath zu hören, Kraft und Ernst in beschlossenen Dingen, mit einem festen und frommen Gemüthe. In der Jugend, wie es damals unter den Franken allgemein war, ohne wissenschaftlichen Unterricht gelassen, lernte er erst als Mann aus eigenem Antriebe schreiben. Aber die Zeit erweckte große Gedanken in ihm. Er war zehn Jahre alt, als sein Vater auf der Volksversammlung zum Kö.rige der Franken gesalbt ward. Zwölfjährig ward er selbst vom Papste Stephan dem II. nebst seinem Bruder zum künftigen Nachfolger seines Vaters, und zum römischen PatriciuS gekrönt. Er sah griechische und römische Gesandtschaften an seines Vaters Hofe, unter welchen vielleicht ein trefflicher Mann ihm mit tief eindringenden Worten Bericht machte von der Herrlichkeit der atzen Zeiten, von der Wohlfahrt und Bildung, und der nun dadurch in seiner Seele daS Verlangen entzündete, auch sein Volk zu einem besseren Zustande zu erheben. Er strebte auch eifrig, seine großen Geisteskräfte für große Zwecke anzuwenden, und das bewirkte Gute dauerhaft zu machen für die folgenden Zeiten, aber dennoch konnte er im Verlaufe von 40 Jahren das Schwert nicht aus der Hand legen. Sein erster Feind regte sich in Aquitanien. Hunold, Waisars Vater, welcher früher die Regierung nieder gelegt, und sich in ein Kloster zurück gezogen hatte, verließ es auf die Nachricht vom Tode seines Sohnes und Pipins, und die Aquitanier nahmen ihn als ihren Herzog auf. Aber ein rascher Zug Karls dorthin (769) veranlaßte, daß schon im ersten Jahre, diese so oft abgefallene Provinz wieder unterworfen war. Hunold mußte fliehen, und Karl setzte in Aquitanien keinen andern Herzog ein. Bald darauf (771) starb Karlmann, und hinterließ 2 Söhne, die Beide noch Kinder waren. Karl verstieß jetzt die hinterlassene Wittwe seines Bruders, eine Tochter des Königs der Lon- gobarden, Desiderius, nebst seinen beiden Neffen, und bemächtigte sich der Alleinherrschaft über das große Reich, das aus ganz Frankreich und einem Theile Deutschlands bestand. Nun wandte er sich zunächst gegen die Sachsen. Dieses Volk lebte im nördlichen Deutschland, von den Grenzen des Franken-Reichs bis zur Elbe und Nordsee hin, tapfer und der Sitte der Väter über Alles zugethan, dem Christenthume nicht weniger abhold, als den Staatsformen, die sich bei den Franken seit ihren großen Eroberungen gebildet hatten. Auf diese Weise waren sie von den übrigen deutschen Völkern, deren Entwicklung sich an diese beiden Fäden knüpfte, durch einen großen und scharfen Gegensatz getrennt, und es konnte zwischen ihnen und dem Franken-Reiche kein dauernder Friede bestehen. Karl hielt eS zur Sicherheit seines Reiches für unumgänglich nöthig, diese unruhigen Nachbarn zu unterwerfen, und seine Grenzen bis an die Elbe zu erweitern; auch glaubte er sich in seinem Gewissen verpflichtet, daS Evangelium, dessen friedliche Annahme sie verweigerten, mit Waffengewalt zu ihnen zu bringen. An der Spitze eines zahlreichen und wohl geordneten Heeres unternahm nun Karl im Frühjahre 722 gegen daS schon von den Römern gefürchtete, ungezähmte und kriegerische Sachsenoolk seinen Zug, und trieb unter hitzigen aber siegreichen Gefechten die Sachsen zurück. Ueber den Anblick seiner Armee waren die Sachsen so sehr überrascht, daß sie sich zu ergeben anbotcn; der mächtige Franken-König wollte sich aber nur mit gänzlicher Abstellung ihres Götzendienstes zufrieden stellen, und bahnte sich daher den Weg bis zu der Sachsen festesten, wahrscheinlich einem großen verschanzten Lager ähnlichen Punkte, die Ehresburg genannt, wo auch die berühmte Jrmensäule (ein vorzüglich heilig gehaltenes Götterbild der Sachsen) aufgestellt war. Dieser Posten wurde jetzt von den Sachsen mir der äußersten Wuth und Verzweiflung vertheidigt, wobei von dem Frankenheere ungemein viel Leute blieben. Aber alle Anstrengungen blieben dennoch umsonst und Karl ließ den Platz mit furchtbarer Gewalt nehmen, alle Einwohner nieder hauen, die Priester auf ihren Altären tödten, und sogar der wilden Sachsen heiligsten Gegenstand, die Jrmensäule zerstören. Nicht länger möglich schien eS nun den Sachsen zu widerstehen, daher erboten sie sich, dem Herrscher der Franken zu unterwerfen, und als Bürgschaft ihres künftigen Gehorsams, zwölf Geiseln auS den edelsten Geschlechtern ihrer Familien anszuliefern. Karl gab jetzt sogleich Befehl, bevor er das Land verließ, mehrere Festungen zu erbauen, um die Haltung deS angeborenen Friedens leichter im Zaume halten zu können, und war auch eifrigst bemüht, bei der so tief gedemüthigten Nation des ChristenthumS milde Lehren einzuführen, und sie von ihrem bisherigen wilden Wesen gänzlich zu entwöhnen. Jetzt bewogen die im Süden ausgebrochenen Ereigniße, und ein Hilferuf deS von den Longobar- den bedrängten Papstes den gewaltigen Eroberer sich dahin zu wenden. Karl hatte sich nämlich von seiner unfruchtbaren Gemalin scheiden lassen, und sie ihrem Vater, dem Longo'bardenkönige Desiderius, Aistul pH s Nachfolger zurück geschickt. Auch Karlmanns Wittwe, Namens Verbirg, ebenfalls eine Tochter deS Longobardenkönigs, floh mit ihren-Kindern zu dem schon durch daS Geschick ihrer Schwester hoch beleidigten Vater, bei dem eS nun keines weitern Grundes mehr bedurfte gegen Karl mir unbegrenzter Feindschaft aufzutreten. Aus Rache verlangte jetzt Desiderius, von dem Papste Hadrian dem I., Stephan des III. Nachfolger, er solle die Söhne Karlmanns, welche sich an dem longobardischen Hofe aufhielten, zu Königen der Franken krönen. Der Papst verweigerte aber dieses Begehren, um sp mehr, als Desiderius zu gleicher Zeit die Waffen ergriffen hatte, die römischen Landschaften verwüstete, und die Städte wegnahm. Karl eilte nun, um den Papst von einem so lästigen Nachbar zu befreien, und versammelte zu Gebenna (Genf) sein KriegSvolk. Indessen wollte er aber seinem ehemaligen Schivlegervater nicht sogleich feindlich entgegen treten, und versuchte zuerst den Weg friedlicher Unterhandlungen, wozu ihn der fränkische Adel besonders bewog; nachdem aber diese fruchtlos verstrichen, und jede Vermittlung von Desiderius mit Uebermuth verworfen wurde, so stimmte nun Alles mit dem Könige zum Kriege überein, um dadurch nicht nur den alten Streitigkeiten, sondern auch zugleich der Herrschaft der Lon- gobarden auf einmal ein Ende zu machen. In zwei Heereszügen drang er nun über den Mont Cenis und Bernhardsberg durch die unwegsamen, von den Langobarden zwar gut vertheidigten Felsenpäße hinab in die fruchtbaren Ebenen der Lombardei, und umschlang mit seinen zahlreichen Kriegsmassen des herrlichen Landes fest verwahrte Städte. Die Langobarden flohen beim ersten Angriffe, Verona ward erobert, Pavia belagert, und als sich die Einnahme dieser Stadt verzögerte, die Winterrastung in Italien genommen, eine bisher in der fränkischen Kriegsgeschichte ungewöhnliche Maßregel. Während dieser Rastung unternahm Karl seine erste Reise nach Rom, um dort dem Osterfeste beizuwohnen. Ueberaus feierlich war bei diesem ersten Besuche der Weltstadt sein Empfang, nachdem er als Befreier Italiens und römischer Patricius, mit den grösten Auszeichnungen geehrt ward. Schon ungefähr 6 deutsche Meilen von derselben entfernt, erwarteten ihn alle Gerichtspersonen, näher derselben empfing ihn der Klerus, unter Vortragung deS Kreuzes. Als Karl dieses heilige Zeichen erblickte, stieg er so wie sein ganzes Gefolge vom Pferde, und trat den Weg zu Fuß nach der damals noch nicht in so herrlichem Niesenbaue sich erhebenden Peterskirche an. Hier am Portale erwartete ihn der Papst, und nachdem sie sich vor allen Anwesenden umarmt hatten, um damit ihre Vereinigung auf die offenkundigste Weise darzustellen, trat Karl zur Rechten des Papstes in die Kirche ein, in welcher nach beendigtem Gottesdienste sich Beide ein unauflösliches Bündnis? gelobten. Während seiner Anwesenheit in Nom, vermehrte er auch des Papstes Ländereien, wie einst sein Vater mit neuen Schenkungen, durch welche sich die Festigkeit des weltlichen Gebietes des Papstes bedeutend verstärkte. Mir dem Geiste jener Zeit überein stimmend, kniete Karl am Grabe des heiligen Petrus betend und für seine Siege dankend nieder, und schwur dein Papste über des Apostels Sarge unzertrennliche Freundschaft. Zugleich unterfertigte er auch im Beisein einer großen Anzahl geistlicher und weltlicher Zeugen eine Urkunde über die gemachten Schenkungen, bestätigte die von Pipin dem heiligen Stuhle gemachte Schenkung deS Exarchats, und legte diese Urkunde mit eigenen Händen auf den Leichnam des heiligen Petrus, und das dabei liegende Eoangelienbuch. Wahrend der sechs monatlichen Einschließung Pavias hatten Seuchen und Hungersnoth diese Stadt auf's Aeußerste gebracht, daher von Hunger bezwungen, sich die Langobarden - Stadt, als Karl mit seiner zahlreichen Mannschaft heran rückte, bald darauf ergab. Der Sieger schickte jetzt den gefangenen König Desiderius nach Frankreich, wo er nach dem Kloster Corvay gebracht, bis an sein Ende blieb. Nach- der Uebergabe Pavias erklärten sich auch die andern Städte für den Franken-König, und so eroberte Karl im Anfänge des Jahres 774 daS ganze lombardische Reich in Italien, sammt dem Herzogrhume Trient, womit die Macht der Longobarden nach zweihundert jähriger Dauer endete. Noch in demselben Jahre ließ sich Karl von dem Erzbischöfe von Mailand mit der schon damals über zweihundert Jahre alten, sogenannten eisernen Krone, die in einem goldenen, reich mit Perlen und Edelsteinen besetzten Ringe bestehend, von einem inwendig angebrachten eisernen Reife ihren Beinamen hat, und noch jetzt das Haupt des jedesmaligen Königs der Lombardei ziert, zum Könige derselben krönen. In dem "nun neu eroberten Lande wurde den Herzogen von Benevent, Spoleto und Friaul, nachdem sie Unterwürfigkeit und Treue gelobt hatten, eben dieselbe Macht gelassen, die sie unter den longobardischen Königen besaßen. Auch die kleinern Herzoge ließ Karl in ihren Besißthümern, nur mußten sie ihm jährlich den Eid der Treue erneuern, und sollten sie ohne Erben sterben, so dürfte daS Herzogthum nie an ein anderes Haus verliehen werden. Die Grenzen des Reiches, und die Städte desselben, stellte er unter die Aufsicht eigener Grafen, welche große Gewalt besaßen, und die von diesen Grenzen oder Marken, Markgrafen genannt wurden, woher dieser Titel stammt. In Karls Abwesenheit waren aber die Sachsen von unzerstörbarem Freiheitsdrangs angefeuert, in Hessen eingebrochen, und hatten bis Fritzlar hin Alles mit Feuer und Schwert verheert. Karl ging nun (775) über den Rhein, welcher beide Gebiete damals von dieser Seite trennte, und bezwang zuerst die Ostphalen, dann die Engerer, und endlich die Westphalen, sämmtlich sächsische Völkerschaften; doch früher noch, als er gewollt, mußte er durch neue ausgebrcchene Unruhen in Italien seinen Siegeslauf hemmen, und dorthin seinen Zug nehmen. A d al g i s, des gestürzten Desiderius geflüchteter Sohn, hatte nämlich in Verbindung mit mehreren italischen Herzogen, vorzüglich mit No dg au d, Herzog von Friaul, der, gleich den andern, Karls Obergewalt abzuschütteln trachtete, neue Angriffe gegen dessen Heer unternommen. Aber die plötzliche Erscheinung des Rächers schreckte bald wieder zum alten Gehorsame zurück. Der Herzog Rodgaud wurde in einem entscheidenden Treffen gefangen, und um eine Empörung solcher Art abschreckend zu bestrafen, mußte sein Haupt auf dem Blutgerüste fallen. Karl kehrte nun nach Worms zurück, und hielt hier einen Reichstag, auf dem erneue Hilfe gegen die abermals in Aufstand begriffenen Sachsen verlangte. Er erhielt sie, und noch in demselben Sommer eilte er bis zur Lippe und Weser, überfiel die Empörer wie ein schnell aufsteigendes Gewitter, und schlug sie, diesmal nicht ohne Erbitterung, und weit härter wie jemals. Er befestigte hierauf seine Burgen stärker, vermehrte die Besatzungen, und zwang die zunächst umher wohnenden Sachsen zur Annahme deS christlichen Glaubens. Die neuen Geiseln schickte er, so wie die frühem in fränkische Klöster, und ließ sie unterrichten, um sich ihrer in dev Folge zur Heranbildung ihrer Landsleute bedienen zu können. Nun endlich glaubte er der Gewaltthätt'gkeiten gegen dieses Volk überhoben zu seyn, und seinen Zweck auf einem friedlichen Wege verfolgen zu können. Er ließ daher im folgenden Jahre (777) die Edlen der Sachsen zu einem Reichstage nach dem in ihrem eigenen Lande gelegenen Hanptorte Paderborn einladen, und hier gelobten sie, gegen Beibehaltung ihrer Verfassung, Gesetze und Landtage, Karin für ihren Oberherrn zu erkennen, und ihm Tribut zu zahlen, auch die Anstalten zur Begründung des ChristenchumS unter ihnen auf keine Weise zu hindern. Wer dem zuwider handle, sollte Güter und Freiheit verlieren. Allein Wittekind, ihr tapferster Anführer, war auf dem Reichstage nicht erschienen, und flüchtete sich zu einem dänischen Könige, was nicht auf friedfertige Gesinnungen schließen ließ. Glänzend war dieser Reichstag, der noch dadurch erhöht wurde, daß arabische Große aus Spanien, welche sich gegen ihren König Abderahman empört hatten, erschienen, und um Hilfe baten. Karls Forscherblick ersah hierin Aussichtest zu neuen Eroberungen, und versicherte ihnen auch deshalb seinen Beistand. Im folgenden Jahre (778) stand er wirklich schon am Ebro, eroberte Pampelona und Saragossa, und machte die Araber zittern; aber die Sachsen gestatteten ihm keine lange Entfernung, und nöthigten ihn zu einem beschwerlichen Rückzüge mit vielem Verluste durch die unwegsamen Pässe der Pyrenäen. Während seines Zuges nach Spanien waren sie über die Grenzen gedrungen, und hatten mit Sengen, Plündern und Morden Alles bis in die Nähe von Köln verwüstet. Im Hessenlande an der Oder wurden sie aber geschlagen und Karl drang nun vom Rheine ber tief in Sachsen bis zur Eibe vor, nahm wieder Geiseln, ließ Festungen bauen, und brachte viele zur Taufe. Er schien nun so sicher zu seyn, daß er auf die Sachsen wie auf Reichsvölker rechnete, und ruhig eine Reise nach Nom unternahm um seinen zweiten Sohn Pipin als König von Italien, so wie den dritten, Ludwig, über Aquitanien, vom Papste salben zu lassen, obschon Beide noch Kinder waren, und Ludwig erst drei Jahre zählte. Bald zeigte sich aber wieder ein neuer Aufstand der Sachsen unter der Anführung deS zurück gekehrten Wittekind. Karl schickte nämlich in Gemeinschaft mit dem fränkischen Heere die Sachsen wider die Sorben, ein zwischen der Saale, ,Elbe und Havel wohnendes slavisches Volk zu streiten. Ganz anders aber lag es in dem Sinne dieses kaum Gebändigten, die ihr Blut für der Franken Vor- theil nicht vergießen wollten, und Mächten vielmehr Anschläge gegen die beiden fränkischen Heerführer, die sie an dem Berge Suntel an der Weser überfielen, und ihnen eine Hauptniederlage beibrachten. Auf diese Nachricht eilte Karl selbst herbei, und ehe die Sachsen es sich versahen, stand er bei Verden an der Aller. Er behandelte sie. diesmal nicht wie Feinde, sondern wie Rebellen, und forderte die Edlen vor seinen LMchterstuhl. Alle klagten Witte k in d an, aber ausliefern konnten sie ihn nicht, weil er schon wieder nach Dänemark entwichen war. Das mußten nun die übrigen Teilnehmer des Aufstandes büssen, nachdem 4500 derselben Karl ergreifen, und an Einem Tage enthaupten ließ. Indessen wirkte aber dieses grausame Mittel nicht wie eS sollte, denn das ganze Sachsenvolk erhob sich jetzt aus seinen entlegensten Sitzen, und schwur dem Franken, dem Feinde seiner Freiheit und seines Glaubens, gemeinschaftliche Rache. Von dieser Verzweiflung erfuhr Karl auch bald die stärksten Wirkungen. In einer blutigen Schlacht bei Detmold widerstanden sie so hartnäckig, daß nichts entschieden ward; und er sich nach Paderborn zurück ziehen, und sein Heer verstärken mußte. Ein zweites großes Treffen an der Hase im Osnabrückischen erfolgte, und zwar zum Nachtbeile der Sachsen. Karl brachte nun die folgenden Jahre (784 — 785) in ihrem Lande zu, und durchzog es bald drohend, bald gültige Versprechungen bietend. Da endlich stellten sich die beiden furchtbarsten Anführer, Wittekind und Ab b io, nach vielen Aufforderungen, zu Artigny an der Aisne im jetzigen Frankreich bei Karl freiwillig ein, ließen sich taufen, und hielten, von dieser Zeit an'unverbrüchlich Glauben und Treue. Aber nur ganz kurze Ruhe ward dem großen Könige der Franken gegönnt. Geschreckt durch den -unglücklichen Ausgang des Herzogs von Friaul, hatte sich der von Spoleto unterworfen, Arighis von Benevent aber, Schwiegersohn des Desiderius, dessen weites Gebiet einen großen Theil des heutigen Königreichs Neapel umfaßte, wollte völlige Unabhängigkeit behaupten. Da aber jetzt Karl selbst erschien und Alles verheeren ließ, mußte er die Gkgenwehre aufgeben und Treue geloben. Nach seiner Rückkehr hielt Karl einen Reichstag in Worms, auf welchem der Baiernherzog Thassilo angeklagt ward, daß er Schwur und Gehorsam gegen den König verletzt habe; denn Thassilo strebte wie jene italischen Herzoge nach der Freiheit, wie seine Väter sie besessen, und hatte sich, aufgeregt durch den Ehrgeiz und den Haß seiner Gemalin Luitberge, einer Tochter des gestürzten Longobar- denkönigs Desiderius zu einer Reihe unkluger Handlungen verleiten lassen, welche den mächtigen Oberherrn reizen mußten. Vergebens warnte und ermahnte der Papst. Lhassülo besaß die Gaben nicht, ein solches Unternehmen durchzuführen; Trotz und Kleinmuth wechselten in seiner Seele. Jetzt aber, wo drei Heere wider ihn im Felde erschienen, demüthigte er sich, und stellte zwölf Geiseln und seinen Sohn Theodo als Pfänder seiner Treue. Im folgenden Jahre ward er aber wieder auf's Neue beschuldigt, daß er sogar mit den Avaren heimlich unterhandelt, und sie zu einem Einfalle in das fränkische Gebiet bewogen habe. Scheinbar ruhig kam er selbst zum Reichstage nach Ingelheim, doch alle anwesende Fürsten sprachen ihm das Leben ab, nicht allein wegen der letzten Ereigniße, sondern, weil er auch schon einst zu Pipins Zeiten ohne Urlaub das Heer verlassen hatte, ein Verbrechen, worauf nach fränkischen Gesetzen der Tod stand. Karl wollte aber kein fürstliches Blut vergießen, son- dern begnadigte ihn, und da der Herzog selbst in ein Kloster zu gehen begehrte, so erließ er ihm auch noch auf sein Bitten den Schimpf der Haarschur in der Pfalz vor den versammelten Edlen. Die bisherige Beherrschung der bairischen Mark durch Herzoge hörte nun auf, und weniger'Gewalt habende Grafen, nahmen nun deren Stelle ein. Im Jahre 789 unternahm der König auch einen Zug über die Elbe. In den östlichen Theilen Deutschlands, welche in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung noch von Germanen bewohnt, in Folge der großen Völkerwanderung leer geworden waren, erscheinen seit dem sechsten Jahrhunderte slavische Stämme. Es waren dies vornehmlich ausser den Mährern, Böhmen und Sorben, die Bewohner der heutigen Länder Kärnthen, Steiermark und Krain; und nördlich von den Sorben die Milzen in der Mark Brandenburg und die Obotriten-in Meklenburg. Die Letztern, Karls Verbündete, lebten mit den Milzen in Feindschaft, und wurden von ihnen beunruhigt. Karl ergriff daher gegen diese die Waffen, demüthigte sie, und zwang sie Geiseln zu stellen, zur Sicherstellung einer künftigen Ruhe. Andere unruhige Nachbarn, welche seir einer langen Reihe von Jahren räuberische Einfälle in Baiern und Italien machten, waren die Avaren, von den damaligen fränkischen Geschichtschreibern Hunnen genannt. 2. Karl der Grosse. Jahr 795 bis 814. ^->eit dem Verfalle ihrer Macht harten die Avaren ihre Wohnsitze nur noch im heutigen Ungarn und in Oesterreich bis zur Ens. Karl beschloß sie zu züchtigen und ließ im Jahre 791 drei Heere m Ungarn einrücken. Die Avaren wurden geschlagen, und bis an die Naab verfolgt. Im zweiten Jahre darauf wollte er sie abermals angreifen, allein die Sachsen ließen ihn dazu nicht-kommen, denn dieses Volk konnte seine verlorne Unabhängigkeit noch immer nicht verschmerzen, empörte sich daher abermals, und veranlaßte Karln wieder zu einer Reihe von Feldzügen, die aber durch neue Ereigniße in Italien unterbrochen wurden. Papst Hadrian Karls kluger und wirksamer Freund, war im Jahre 795 gestorben, zu des, sen Nachfolger die Römer Leo den 11!, gewählt hatten. Nach einer ungestörten vierjährigen Regierungszeit (am 26. April 799), wurde er aber, als er eben eine öffentliche Prozession hielt, durch Anreizung der zwei Neffen Hadrians plötzlich von mehreren Verschwornen überfallen, vom Pferde herab gerissen, in eine Kirche geschleppt, auf furchtbare Weise mißhandelt, und dann in ein Kloster gebracht, wo er gefangen bleiben sollte. Durch einen treuen Kämmerling, wurde er aber aus diesem gerettet, und endlich von dem Herzoge von Spoleto, der ihn in Schutz nahm, unter starker Bedeckung nach seinem Herzogthume geführt. Dieser Vorfall wurde an Karl berichtet, und dieser befahl nun, den Papst zu ihm nach Sachsen zu bringen, worauf dieser in Paderborn (in der heutigen preußischen Provinz Westfalen) ankam, und soivohl von dem Könige als auch vom Volke mit großer Ehrerbietung empfangen wurde. Karl versprach ihm jetzt alle mögliche Hilfe, mit der Versicherung, persönlich in Nom den Vorgang zu untersuchen, und sandte ihn hierauf unter einer zahlreichen Begleitung zurück. Im Herbste des folgenden Jahres ging Karl-nach Rom, wo er mit ausgezeichneter Feierlichkeit empfangen wurde. Er hielt jetzt in einer großen Versammlung von Geistlichen und Laien, in der er selbst a!s Schutzherr deS päpstlichen Stuhls den Vorsitz führte, strenges Gericht über die Rebellen. Bald darauf wurden seine Franken, und vielleicht er selbst, höchst seltsam überrascht. Am ersten Weiönachtstage nämlich, als er, nicht in seinem gewöhnlichen Waffenrocke, sondern in dem Feierkleide eines römischen Patriciers am Altäre der PeterSkirche nieder kniete, um nach seiner frommen Weise die Andacht zu verrichten, trat ganz unvermuthet während der Kirchen - Ceremonien der Papst hinzu, und setzte dem eben vom Gebete sich erhobenen Karl mit eigenen Händen eine kostbare Krone auf das Haupt, worauf das ganze Volk dreimal laut und freudig ausrief: »tlar-olo ^uZ-usta, dem von Gott gekrönten, großen und friedbringenden Kaiser der Römer, Leben und Sieg.<§ Leo fügte hierauf nach alter Weise die sogenannte Adoration hinzu, das ist: er berührte mit der einen Hand seine Lippen, mit der andern die Hand des Gekrönten, und neigte sich gegen ihn. Allenthalben wurde jetzt -der neue römische Kaiser mit dem AuSrufe »Imperator und AugustuS< begrüßt, und in ihm die seit Ro mulus August u lus im Jahre 476 erloschene Kaiserwürde des Abendlandes mit Karl als den ersten römisch-deutschen Kaiser wieder hergestettt. Karl hielt sich noch über ein Vierteljahr in Rom auf, wohin auch im Jahre 801 die Gesandten der griechischen Kaiserin Irene kamen, um mit demselben einen Frieden zu schließen, bei welcher Gelegenheic auch eine Vermälung zwischen dem Kaiser und der Irene in Vorschlag gebracht wurde, welchen Karl um so erwünschter annahm, als er durch diese Heirath daS orientalische Reich, und die neue kaiserliche Würde mit dem wirklichen Besitze des alten Kaiserthums vereinigen konnte. ES wurde ^'shalb aucy eine ansehnliche Botschaft nach Konstantinopel abgesendet, welche den Auftrag hatte für ^ fEÜ'che Anwerbung zu machen; aber, man suchte die Gesandten so lange aufzuhalten, bis die Kaperm Irene durch Nicephorus, der nachher griechischer Kaiser wurde, auf die Insel Lesbos verwiesen ward, wo sie im Jabre 803 starb. ... einem mehr als dreißigjährigen Kriege waren die Sachsen des unaufhörlichen Kampfes endlich müde, und fanden sich geneigt die Vorschläge des Kaisers anzuhören, da auch dieser nicht mehr auf unbedingter Unterwerfung bestand. Nach einem neuen Zuge gegen die noch widerstrebenden Bewohner 60 der Gegenden an der untern Weser, in Folge dessen an 10,000 sächsische Familien aus ihren alten Sitzen fort geführt wurden, hörte jeder Widerstand auf. Die jenseit der Elbe gelegenen Landstriche erhielten die Obotriten--Wenden, Karls treue Verbündete. Die Sachsen erkannten Karln als ihr rechtmäßiges Oberhaupt, und wurden als Christen den Franken ganz gleich gestellt. Sie versprachen den Bischöfen und Grafen Gehorsam zu leisten, und ihnen dasjenige zu entrichten, was auch bei den Franken gegeben würde. Dagegen sollten sie von allem Tribute befreit, und nur nach ihren eigenen Rechten gerichtet werden. Damit war also das Ende jenes blutigen 33jährigen Krieges herbei geführt und die Sachsen dem rohen Zustande ihres Lebens, durch die unüberwindliche Standhaftigkeit Karls entrissen, den sie freiwillig niemals aufgegeben hätten. Zu derselben Zeit, als sich Kaiser Karl über der Elbe befand, kam auch der König der Normannen mir seiner ganzen Flotte, und dem Heere nach Liesthorp (an der Grenze von Sachsen) mit dem Vorgeben, sich mit Karln zu unterreden; da er sich aber nicht weiter getraute, so schickte er Gesandte an den Kaiser, welcher das Gleiche that, und die Ueberläufer zugleich zurück fordern ließ. Darauf begab sich Karl um die Mitte deS Septembers nach Köln zurück, und erhielt dann später die Nachricht, daß Papst Leo III. zu ihm kommen wolle, welche Zusammenkunft, nachdem er seinen Sohn Karl demselben entgegen schickte, zu RheimS geschah, woselbst sie auch das Weihnachtsfest feierten. Hierauf verfügte sich der Kaiser nach Aachen, und empfing dort einen zum Christenthume überge- trctenen avarischen Khan NamenS Theodor, welcher ihn bat, seinem von den, Böhmen und Mähren bewohnenden Wenden von Norden, und von den Bulgaren in Westen bedrängten Volke, welches jenen sich immer weiter gegen die Donau ausbreitenden Völkern nicht mehr zu widerstehen vermochte, eine andere Gegend dieSseit der Donau zur Niederlassung anzuweisen. Karl übergab ihm nun das Land zwischen Sabaria (das jetzige Steinamanger) und dem alten Carnuntum, oder zwischen der Raab, dem Neusiedlersee und der Leitha. In die Länder der unruhigen Wenden aber brach im folgenden Jahre 806 Karl, ein Sohn des Kaisers von drei Seiten ein, wobei jene überaus viel Menschen verloren, und auch ein großer Theil ihres Landes verwüstet ward. Noch in demselben Jahre ertheilte er auf einem Reichstage die umständliche Bestimmung, wie er eS nach seinem Tode mit den unter seine Söhne Karl, Pipin und Ludwig getheilten Ländern seines Reiches gehalten wissen wolle, wobei er zugleich auf die fortbestehende Einheit der großen fränkischen Monarchie abzweckende Bestimmungen hinzu fügte, welche aber durch die Schwäche seiner Nachfolger sich bald nur zu unwirksam zeigten. Mehreren Feldzügen seiner Söhne in Italien, in Aquitanien, und gegen die den westlichen Theil deS jetzigen Deutschland bewohnenden Sorben - Wenden, so wie die durch seinen Sohn Karl ausgeführte Demüthigung der Böhmen, folgten auch bald Unternehmungen zur See gegen die Mauren oder Sarazenen, und zu Lande gegen die Normänner, und jenseit der Elbe wohnenden Obotriten--Wenden, welche Feldzüge, obgleich wegen Karls heran nahendem Alter meistentheils durch dessen Söhne oder Feldherrn ausgeführt, dennoch sein Ansehen immer mehr vergrößerten. Vorzüglich waren es jetzt aber die Normänner, eine eben so tapfere als räuberische Nation, den Norden Europas, vorzüglich die Gegenden des heutigen Dänemark bewohnend, welche die Aufmerksamkeit auf sich ziehen mußten, da sie seit einiger Zeit sich immer mehr auszubreiten, und auch Karls weitläufigem Reiche durch mehrmalige gewagte Raubzüge gegen die Küsten deS nördlichen und westlichen Frankreich gefährlich zu werden begannen, weshalb er auch schon seit längerer Zeit von mehreren Seiten kleine Flotten gegen sie streifen, und jetzt zur Sicherung der von ihnen bedrohten Küsten außer andern Vorsichtsmaßregeln, auch an mehreren Orten Leuchttbürme errichten ließ, von denen der zu Boulogne im nördlichen Frankreich noch ein Denkmal jener Zeiten ist ; jedoch durch den im Jahre 811 zwischen dem normannischen Könige und dem Kaiser zu Stande gekommenen Frieden, wurden auch die Streitigkeiten beigelegt, die aber nach Karls Tode, bald wieder sich erneuerten. Nebst dem, daß der Kaiser alle die Streitigkeiten, welche ihm von den Fürsten der Hunnen, Avaren und der mährischen Slaven persönlich in Aachen vorgetragen wurden, beilegte, und selbst ibre Grenzen bestimmte, schlichtete er auch noch gleichzeitig einen Streit des Patriarchen von Aquileja und des Erzbischofs von Salzburg, worin er folgenden Spruch machte: »Die kärnthnerische Provinz soll also getheilet werden, daß der ganze Lauf des Drau- flußes zwischen Salzburg und Aquileja die Grenze machen könne; es müßte daher Alles, was auf der Südseite dieses Flußes liegt, nach Aquileja, jenes aber, was auf der Nordseite sich befindet, künftig nach Salzburg gehören. Diese GebietStheilung in Rücksicht auf Aquileja hat sich bis auf die Zeiten des Papstes Benedikt deS XIV. und'der Kaiserin Maria Theresia bis zum Jahre 1751 er- halten Mit dem seit Karls Erhebung zum Kaiser noch mehr gegen ihn gereizten morgenländischen Kaiserbause, welches ungeachtet aller innern Uneinigkeiten und Zerrüttungen dennoch einen hohen Grad von Stolz gegen ihn blicken ließ, und seine Thaten mit ohnmächtigem Neide betrachtete, ward nach mehreren zwischen Beiden Statt gefundenen Irrungen, endlich doch im Jahre 812 Friede geschlossen, so wie auch in demselben Jahre eine Flotte der Mauren, welche Italien von Neuem bedrohend, die Inseln Korsika und Sardinien angegriffen, durch einen Sturm zu Grunde gerichtet, und in Benevenr die durch dessen neuen Herzog herbei geführten Unordnungen beendigt wurden. So behauptete der große Karl, ungeschwächt an Geist und Körper, mit gleicher Gewalt ferne Herrschaft über der Franken, Lombarden, Spanier, FrieSländer, Sachsen, Slaven, Baiern und Awaren weite Gauen. Seine Gesetze und seines Willens Erfüllung galten vom Ausflüße der Elbe blö zu deS Ebro und des Mittel-MeereS Wetten, im Süden, von den Küsten der Nordsee bis an die das Reich gegen Osten begrenzenden Fluten der Raab und der Theiß, auf den Gipfeln und in den Schluchten der beschneiten Alpen, bis tief in die herrlichen Gefilde Mittel-Italiens hinein. Aber auch ihn, den Hohen, den so lange Unerschütterlichen begannen jetzt die Schwachen deS Alters zu mahnen an daS Ende aller irdischen Hoheit und Macht. Seine bisher so feste Gesundheit erlitt schon seit zwei Jahren manche Unterbrechungen, wobet vorzüglich häufige Fieberanfälle, gegen die er, ungeachtet des Rathes der Aerzte keine Mittel anwenden wollte, ihn immer mehr schwächend, für sein Leben ernstlich fürchten ließen; wozu noch mancherlei zufällige Erdigniße von dem damals so allgemein herrschenden Aberglauben als untrügltche Vorzeichen eines hochwichtigen Ereignisses - deS nahen Endes des grossen ManneS seiner Zelt - angenommen wurden *). Karl, welcher gewohnt war, in den Bewegungen bei der Jagd, eine Entfernung vorüber gehenden Uebelbesindens zu bemerken, begab sich deshalb im Sommer des Jahres 813 noch einmal auf die Jagd in den Ardennerwald, an der Grenze Frankreichs und deS HerzogthumS Luxemburg, aber eine diesmal nicht weichende Schwäche nöthigte ihn zur Rückkehr nach Aachen, wohin er auch im Herbste desselben Jahres seinen noch einzigen jüngsten Sohn Ludwig, welcher blS dahm seinen Aufenthalt in Aquitanien gehabt hatte, kommen ließ. Karl hatte schon früher den Schmerz, von seinen drei Söhnen, unter welche er bereits das ganze Reich getheilt hatte, noch vor seinem Tode zwei, nämlich Karl und Pipin, sterben zu sehen. Der übrig gebliebene Ludwig, König von Aquitanien, war also sein einziger Erbe. Karl übernahm jetzt, alS hätte er die künftigen Ansprüche der Päpste geahnet, auf einem Reichstage zu Aachen das Geschäft der Krönung selbst vor. Er unterredete sich mit seinen Großen, ermahnte sie seinem Sohne allezeit treu zu bleiben, und fragte jeden, von den Vornehmsten anfangend, ob er sein Vorhaben ins Werk setzen solle. Sie antworteten aber alle einstimmig: »Gott wolle eS also Habens Karl ging nun am nächsten Sonntage (16. November) im kaiserlichen Ornate in die Marienkirche und nachdem er das Gebet verrichtet, ermahnte er seinen Sohn mit lauter Stimme und vor allem Volke »Gott zu fürchten und zu lieben, seine Gebote in Allem zu halten, für die Kirche Sorge zu tragen, und sie gegen böswillige Menschen zu schützen, sich gegen seine Schwester, und jüngeren außerehelichen Brüder allezeit gütig zu erweisen, sein Volk zu lieben wie seine Kinder, den Armen Trost zu verschaffen, getreue und gottesfürchtige Beamte zu bestellen, Keinen seiner Lehen und Ehren ohne Hinlängliche Ursache und Untersuchung zu entsetzen, sich selbst aber vor Gott und den Menschen jederzeit unsträflich zu verhalten Willst du AlleS das erfüllen, mein lieber Sohn?« fragte zuletzt der gerührte Greis, und Ludwig versprach es. »Nun wohl, so setze dir selbst dis Krone auf, und stets erinnere sie dich an dein Versprechen.« Nachdem dieses Ludwig nach dem Wunsche des VaterS vor allem Volke getban, beschenkte er ihn herrlich, und schickte ihn, nach einem unter vielen Thranen genommenen Abschiede, nach Aquitanien, seiner Provinz, und es war daher das letzte Mal, daß er ihn gegeben. Im Jänner 814 verfiel der 72jährige Greis in ein heftiges Fieber, das mir Seitenstechen verbunden war. Er wollte sich nach seiner Gewohnheit durch Fasten heilen, allein die erschöpfte Natur hatte keine Hilfe mehr. Er starb am 28. desselben MonatS, nachdem er sich noch den Tag vorher mit Bel- *) Als: häufige Sonnen - und Mondcsfinficrnisse, schwarze Flecken in der Sonne und ein auffallend großer Komet, so wie, daß der Aetna nach vierhundert Jahren zum ersten Male wieder Flammen und Lava auswarf, eine wahrscheinlich damit zusammen hängende Erderschüttcrung, bei welcher der Saulengang zwischen dem von Karl erbauten Palaste und der Domkirche in dem von ihm so sehr geliebten .lachen euistmzte, das Abbrennen der neuen Rheinbrücke bei Mainz, an welcher zehn Jahre lang gcbauet woreen war u. s. w. Hilfe einiger Syrier und Griechen mix der Herstellung des Textes der vier Evangelien, einer für manchen Gelehrten schwierigen Arbeit, beschäftigt hatte. Unter allgemeinem Wehklagen des Volkes ward er in der von ihm erbauten Kirche zu Aachen beigesetzt, wo sein Leichnam so lange aufbewahrt blieb, bis Kaiser Friedrich I. ihn in eine prächtige Grabstätte legen ließ *), und es zugleich bei dem Papste Paschalis dem 1!!, bewirkte, daß der durch so viele Thateu große und unvergeßliche Krieger und Gesetzgeber auch zu den Helden der Kirche gezählt, und unter die Zahl der Heiligen gesetzt ward. Karl, ein Freund geistiger Bildung, verdient ganz den Namen deS Wiederherstellers der Wissenschaften und Lehrers seiner Völker. Er zog die ausgezeichnetsten Gelehrten an seinen Hof, unter Andern Alcuin aus England, den er zu seinem eigenen Lehrer wählte, ferner Peter von Pisa, der den Titel eines Grammatikers erhielt, und Paul Warnefried, bekannter unter dem Namen Paul Dia konus, der dem Kaiser in der griechischen und lateinischen Literatur Unterricht ertheilte. Auf Al- cuins Rath legte er in seinem Palaste zu Aachen eine Art gelehrter Gesellschaft an, deren Sitzungen er mit allen Gelehrten seines Hofes beiwohnte. Aus Italien zog er Lehrer in Sprachen und der Ma- rhematik herbei, und stellte sie in den vornehmsten Städten seines Reiches an. Bei den Domsiiften und Klöstern errichtete er Schulen für Theologie und humanistische Wissenschaften. Auch die kirchliche Liturgie und den Kirchengesang zu verbessern, ließ er sich sehr angelegen seyn. Er wünschte Gleichheit des Masses und Gewichtes, konnte aber damit nicht durchdringen. Ein anderer großer Plan seiner Negierung war die Verbindung des Rheins mit der Donau, und dadurch des atlantischen Oceans mit dem schwarzen Meere mittelst eines Kanals. Das ganze Heer mußte daran arbeiten; aber er konnte nicht ausgeführt werden, weil es in jener Zeit noch an Kenntnissen im Wasserbaue fehlte. In Aachen ließ er eine prächtige Kapelle aus dem schönsten italischen Marmor erbauen, weshalb die Stadt im Französischen ^ix-la-61iapell« genannt wurde. Nicht weniger prachtvoll als diese war sein dasiger Palast. Auch ließ er Bäder erbauen, in denen mebr als 100 Personen im warmen Wasser schwimmen konnten. Ihm verdankt Frankreich die ersten Fortschritte des Seewesens. Er baute den Leuchtthurm zu Boulogne wieder, und ließ verschiedene Häfen anlegen. Er begünstigte den Ackerbau, und machte sich durch die Weisheit feiner Gesetze unsterblich, wie denn sein Gesetz über die Meiereien ein Denkmal seiner Einsicht in die Landwirthschaft ist. Achtung verdient besonders seine Einrichtung der Rechtspflege; er ließ die Miss! stominiei durch alle Provinzen seines Landes reisen, um den Bedrückungen der Grasen und Feudalherren abzuhelfen; er suchte die alten Nallus oder Grafengerichte, die oft sehr schlecht verwaltet wurden, durch Kcwbiui oder Beisitzer, die von den Msms zwar empfohlen, aber von allen Freisassen erwählt wurden, zu ersetzen, und führte Tagsatzungen ein, wo er die Beschwerden seiner Unterthanen erfuhr und ihre Rathschläge hörte. Der Druck und die Lasten des Krieges lagen in der Gefahr und Noth des Zeitalters. Sein Ruhm erfüllte selbst den Orient; er empfing Gesandte von Patriarchen zu Jerusalem, von den Kaisern NicephoruS und Michael und zweimal ließ ihn der berühmte Harun - Al - Raschid durch Gesandtschaften begrüßen, welche er mit einer Pracht empfing, die man selbst im Oriente nicht gesehen hatte. Er versammelte Koncilien, Parlamente, machte die Kapitularien und karolinischen Bücher bekannt, schrieb viele Briefe, von denen noch mehrere vorhanden sind, auch eine Grammatik, so wie verschiedene lateinische Gedichte. In seinem Privatleben war Karl sehr liebenswürdig, ein gütiger Vater, zärtlicher Gatte, und großmüthiger Freund. Sein inneres Hauswesen war ein Muster von Sparsamkeit, seine Person ein seltenes Beispiel von Einfachheit und Größe. Am meisten haßte er Kleiderpracht bei Männern, doch zeigte er sich bei feierlichen Gelegenheiten in aller Pracht der Majestät. Er besaß eine eindringende natürliche Beredsamkeit, und in dem Ausdrucke seines Aeußern lag etwas Ehrfurcht Erweckendes, verbunden mit Milde und Wohlwollen. Karls erste Ge- malin war Irmengarde, eine Tochter des Longobardenkönigs Desiderius, die zweite, Hildega- ris, eine edle Schwäbin, welche ihm den Kars, Pipin und Ludwig nebst drei Töchtern gebar, die dritte, Fastrada, eine Tochter Radolphs, Grafen von Australien, mit welcher Karl zwei Töchter erzeugte, die vierte, LuitgardiS, eine Alemanierin, welche aber gleich wie die erste, keine Kinder mit ihm erzeugte. (Schluß.) *) Man ließ ihn in ein Gewölbe hinab, wo er auf einen Thron von Gold im kaiserlichen Prachtgcwande gesetzt wurde. Auf dem Haupte trug er die Krone, in der Hand hielt er einen Kelch, an der Seite hatte er das Schwert, auf fernen Knien lag das Evangelienbuch, zu den Füßen Zepter und Schild. Man versiegelte dre Gruft und erhielt ube« derselben eine Art von Triumphbogen, worauf die Worte standen: »Hier ruht der Korper K a r l s des großen und rechtgläubigen Kaisers, der das Reich der Franken glorreich erweiterte und 47 Jahre glücklich regierte.« 22. Oesterreich unter Ottokar, Rönig von Söhmen. Vom Jahre 1270 bis zum Jahre 1273. Iah« 1270 starb auch König Bela IV. von Ungarn m -mcm Mer von Jahren, und !^ch einer ZSjährigen Regierung. Dieser große Herrscher beging wahrend f-m» thattnr-lchm und pr,S- würdigen Regierung zwei Fehler, nämlich, daß er versuchte m wwernaturl^cher V-renugung Steter- mark und Ungarn an sich zu reissen, und daß er hinlänglich durch die Geschichte anderer Staaten belehrt, dennoch einen Theil des Reiches seinem Sohne Stephan als selbstständiges Herzogthum übergab, wodurch derselbe Mittel fand, sich gegen den königlichen Vater zu empören. Als sich die Ge- sundheirSumstände des verstorbenen Königs sichtbar verschlimmerten, war die Königin Anna von Mafien, eine Tochter des Königs Bela und König OttokarS Schwiegermutter zu dem sterbenden Vater geeilt, um an seiner Seite zu seyn, bei welcher Gelegenheit sie durch Me, Worte verschledene Kostbarkeiten heraus lockte, welche sie zur Sicherheit und Verwahrung «n den König Ottokar ü^ sendete. Nach dem Tode des Königs wurde nun der Abgang aus dem königlichen Schatze sogleich bemerkt, und da König Stephan erfuhr, daß diese abhanden gekommenen Scha.tzeKön^ Ottokar erhalten, so forderte er diese von ihm zurück. Ottokar wollte aber davon nichts wissen, daher kam es zu Feindseligkeiten, welche mit einem Einfalle in Oesterreich eröffnet wurden, ^effen^ wurde aber diese Zwistigkeit dennoch von beiden Seiten wieder ausgeglichen, und Ottokar mutzte letzt ^den Merth der zurück geforderten Kostbarkeiten vierfach ersetzen, worauf dann auch em Friede auf zwei ^zahre fest- ^ Während dieser Ereignisse mit Ungarn hatte Philipp das Patriarchat von Aquileja abgelegt, und Alles aufgeboten um sich des Herzogthums Kärnthen und Kram zu bemächtigen. Schon rm Monate Juni 1270 zog er, von mehreren Seiten aufgemuntert, mit einem Krtegsheere in s Feld, bei welcher Gelegenheit arge Verwüstungen und Grausamkeiten verübt wurden. Kaum konnte König Ottokar dieses Betragen von seinem Anverwandten glauben, nachdem er diesen bisher so unterstützt und begünstigt hatte; unverweilt gab er daher dem Ulrich von Liechtenstein den Befehl, mit dem steirischen Heere in Eilmärschen geraden Weges auf Laibach los zu gehen, welchem er mit einer größerer, Armee noch Nachfolgen werde. Sehr bald bezwang jetzt die Uebermacht deS königlichen Heeres die befestigten Plätze und übrigen Landstädte, und eingeschüchtert durch die große Macht des ergab sich endlich das ganze Herzogthum ohne allen Widerstand. Als sich Ottokar mit semem Knegsh ere von Krain aus nach Kärnthen wendete, kamen ihm die Ständisch - Abgeordneten entgegen, undbmen d Provinz nicht den Plagen des Krieges auszusetzen, sondern die Erbfolgestremgkeit durch Schiedsrichter auszugk-ichen, worauf dann der Ausspruch dahin aussiel, daß Philipp alle Festungen und Städte, die noch bisher ihm anhingen, dem Könige Ottokar zu übergeben habe, und aß er si st n Hoflager erscheinen, und um Verzeihung seiner vermessenen Unternehmungen, bei O tto bar an,uchen solle. Endlich, um künftighin jeden Unruhen auszuweichen, wurde Herzog Philipp auch verhalten, sich von Kärnthen hinweg nach Krems in Oesterreich zu begeben, und in keine Staatsangelegenheiten sich mehr einzulassen. Nun blieb dem Könige Ottokar noch ein Gegenstand der Besorgniß, nämlich die Wittwe Agnes des verstorbenen Ulrich; eine Tochter von der babenbergischen Gertrud *). Um auch diesfalls sicher zu seyn suchte jetzt Ottokar sie zu einer Herrath mit dem karnthnerischen Grafen Ulrich von Henneberg zu überreden, durch die sie nun von allen Ansprüchen zur Erbfolge in den österreichischen Staaten entfernt wurde. Nachdem diesfalls AlleS in die beste Ordnung gesetzt war, ernannte Ottokar einen krainerischen Edelmann zu seinem Landeshauptmanns in diesem neu erworbenen Her- zogkhume, und verfügte sich, bevor er nach Oesterreich zurück kehrte, nach Friaul, allwo er die alten Erbgüter der Herzoge von Steter wieder zu erlangen suchte, die zu dem Herzogthume Kärnthen gehörten. Hiezu gehörte auch die friaulische Herrschaft Portenau, welche dem jeweiligen Herzoge von Steiermark zustand, wovon aber die Häuser Porzia und Castells im Besitze des Afterlehens waren; nachdem aber Ottokar diese beiden Familien verdrängt harte, so setzte er seinen übrigen Titeln, noch jenen, eines Herrn von Portenau hinzu, welchem Beispiele auch die habsburgisch-österreichischen Fürsten in der Folge nachfolgten. Mit Vollbringung aller dieser Unternehmungen kehrten nun allmälig die Armee des Königs Ottokar sowohl, als auch jene, welche geraden Weges nach Kärnthen abgeschickt war, und die dritte, welche sich nach Friaul hinzog, nach Oesterreich zurück, und waren schon in Steiermark bis in die Gegend von Judenbnrg gekommen, als er von den feindlichen Gesinnungen des Königs Stephan von Ungarn Nachricht erhielt. Die Ursache zu solchen unerwarteten Schritten von Seiten des Ungarnkö- nigS war die neuerliche und ansehnliche Verstärkung Ottokars durch den Zuwachs der Herzogthü- mer Kärnthen und Kram, welches Stephan keineswegs mit gleichgiltigen Augen ansehen zu können glaubte und daher sich auch gar kein Bedenken daraus machte den erst vor einigen Monaten abgeschlossenen Frieden zu brechen und mit 50,000 Kumannen in Oesterreich einzufallen. Zugleich beabsichtigte König Stephan, da die Armee deS Königs Ottokar in kleinen Abtheilungen ihren Rückzug aus Steiermark nahm, die Schluchten und Engpässe bei Schottwien zahlreich zu besetzen, und so mit leichter Mühe die Rückziehenden hier aufzureiben; aber Ottokar erfuhr zeitig genug durch einen Ausspäher diese aufgestellte Schlinge, und schlug daher einen andern Weg durch den tiefsten Schnee und die steilsten Hochgebirge mit einer unbeschreiblichen Schwierigkeit und vielem Menschenverluste nach Oesterreich ein. Da nun durch diese Wendung des Rückzuges der Plan für den König Stephan vereitelt war, so ließ er durch seine räuberischen Kumannen in Oesterreich mit gänzlicher Verwüstung der Ortschaften fortfahren, und schleppte über 20,000 Menschen in die drückendste Gefangenschaft. Ottokar, welcher indessen in Böhmen war, und von den ausgeübten Grausamkeiten und Verwüstungen der Ungarn in Oesterreich, sogleich Nachricht erhielt, sendete ohne Aufschub zwei Herolde an den Kön'g Stephan, und begehrte wegen des gebrochenen Friedens Schadenersatz, Stephan weigerte sich aber, die begehrten Summen zu bezahlen, und so wurde nun von Seiten Ottokars mit allem Eifer der Krieg eröffnet. Seine zusammen gezogenen Kriegsscharen betrugen über 100,000 Mann, an deren Spitze er nun in Ungarn eindrang und die Stadt Presburg belagerte, welche Stadt nebst dem wohl befestigten Felsenschloße sich bald ergeben mußte. Von hier aus ging er über die Donau '**), nahm mehrere Städte ohne Widerstand, und ließ das Schloß Wieselburg verwüsten, zog sich dann nach Oedenburg, und zwang auch diese Stadt nach einer langwierigen Belagerung zur Uebergabe. Nachdem nun Ottokar den durchstreiften Theil Ungarns gröstentheilS mit Feuer und Schwert verheert hatte, zog er sich mit seinem Heere wieder zurück nach Oesterreich, er selbst aber ging nach Prag. Sobald, als König Stephan die Entlassung des österreichischen Heeres vernahm, brach er mit 30,000 Kumannen in daS Marchfeld und nahete sich Mähren, um den in seinem Königreiche erlittenen *) Mehrere Jntriken, welche Gertrud während ihres Aufenthaltes in Steiermark entspann, die aber von den Steirern sehr übel ausgenommen wurden, hatten endlich zur Folge, daß sich diese Fürstin aus diesem Lande entfernen mußte, worauf sie dann nach Meißen ging, sich allda in ein Kloster begab, und ihre Lebenszeit bis zu ihrem im Zahre 1271 erfolgten Tode zubrachte. **) Ottokar ließ, um die Uebersetzung des Kriegsheeres überFlüße zu erleichtern, auf 100 Wägen dem Heere Schiffe nachführen, um damit eine Schiffbrücke in Anwendung zu bringen. Schaden durch zügellose Räubereien, Mordthaten und Brandanlegung in allen Orten wieder zu erstatten. Indessen würde diese Rache weit um sich gegriffen und den ganzen Landstrich ms verderben gestürzt haben, wenn nicht endlich durch Vermittlung des Erzbischofs von Salzburg und der Blschose von Passau und Bamberg ein Friede zu Stande gekommen wäre, wodurch den schon so lange verheerenden Umtrieben ein Ende gemacht wurde. Nun unternahm König Ottokar G-72) wieder eine Reise nach Kärnthen, wo er mit dem Erzbischöfe von Salzburg zu Freisach zusammen kam, und mir demselben wegen der vielen Lehen, welche die Landesfürsten von Oesterreich, Sterer und Kärnthen bisher in diesen Ländern besessen, einen Vergleich abschloß, dann auch zugleich daselbst von dem Erzbischöfe persönlich die Lehen empfing. , r- . - Am 2. April 1272 hat Kaiser Richard in England sein Leben beschlossen, nachoem er seit seiner Wahl durch 15 Jahre die Krone Deutschlands getragen hatte. Er war zwar nicht von allen Reichöständen und Fürsten, wovon mehrere den König Alphons von Kastilien wählten, anerkannt worden, eben so wenig wurde er von den auf einander gefolgten Päpsten, die zwischen Beiden keinen Ausspruch machen wollten, anerkannt *). Der von einigen Kurfürsten mit Richard zugleich erwählte Alphons, König von Kastilien, der nie nach Deutschland gekommen, war nun der Meinung, das unbestreitbare und offene Recht zur Nachfolge im römischen Reiche erlangt zu haben, und bewarb sich daher um die Kaiserkrone beim Papste Gregor den X., welcher ihn aber auf die freie Wahl der Kurfürsten verwies, auch zugleich diese durch ein Schreiben ermahnte, zur neuen Kal,erwähl zu schrecken. Diese hatten sogleich ihr Augenmerk auf den König O t t o k a r gerichtet, und zu diesem Behufs den Erzbischof von Köln mit andern Fürsten und Großen vom Adel nach Böhmen abgesendet, um nun die Kaiserkrone anzutragen, die er aber, auf Anrathen und Zureden Vieler von den böhmischen Standen aus- schlug, und darauf dann die Gesandten sammt ihrem Gefolge mit großen Ehrenbezeigungen und vielen reichen Geschenken entließ. - - ^ Indessen wurde das Geschäft der Wahl eines deutschen Kaisers für den König Ottoka^r durch den unvermutheten Todesfall des Königs Stephan von Ungarn unterbrochen, an dessen Stelle sogleich Lein ältester Sohn Ladislaus, obschon erst 10 Jahre alt, gesetzt ward. Als Vormünderin besorgte die königliche Wittwe die Geschäfte des Reiches, bald erhoben sich aber große Uneinigkeiten an ihrem Hofe, wobei Graf Aegydius, der ein Liebling des verstorbenen Königs war, nebst noch andern Großen des Reiches eine heftige Verfolgung befürchtete. Um nun dieser zu entgehen, setzte er sich von Presburg und andern Schlößern in Besitz, und begab sich hierauf mit seinem Bruder Gregor zu dem Könige Ottokar, welchem er jetzt seine Dienste antrug, und demselben zugleich zur Sicherheit seiner Treue die Stadt und Schlößer in seine Hände übergab. Dieses Ereigniß war dem Könige Ottokar sehr willkommen, und er behandelte auch deshalb den Grafen auf daS Beste, und bethellte ihn mit an- 1 ^ Jndessen^wußte aber die schlaue und zugleich staatskluge Königin-Wittwe von Ungarn ihren Has; ru zähmen, und das Mittel verstellter Herablassung und Zuneigung war hinlänglich, zum Ziele zu fuhren. Sie trat mit den Mißvergnügten in geheime Unterhandlung, und brachte es wirklich dahin, daß die Empörer den König Ottokar wieder verließen, wodurch dann Presburg und die andern Schlößer wieder an die Krone von Ungarn zurück kamen. ^ ^ ^ - c Indessen als aus beiderseitiger Rache die ungarischen Gegenden von den Oesterrerchern, und so abwechselnd die österreichischen Gegenden von den Ungarn verwüstet wurden, stieg das Mißvergnügen der Ungarn über den jungen König Ladislaus und seine Mutter immer mehr, welches auch den Achten Ottokars sehr gelegen kam, da es seine Plane nach Wunsche begünstigte. Er ließ nämlich durch den Bischof von Brünn den Papst Gregor den X. auf die Gefahren, welche der christlichen Religion in Ungarn drohten, aufmerksam machen, und vergaß nicht, ihm die Verbindung des ungarischen Königs mir den schismatischen Serviern und Byzantinern als bedenklich vorzustellen. Erschrocken bei dieser Nachricht rief Gregor den Schwiegervater des ungarischen Königs, Karl den I. von Neapel um *) Nachdem der größere Theil der Reichsfürsten von keinem der Beiden Kenntlich genonimeii latte, so war a!,o für sie das Reich seit Friedrich des H. Tode ganz ohne Oberhaupt gewesen. Man nennt m dieser Hinsicht den Zeitraum von 1250 bis 1272 auch wohl das Interregnum, oder Zwlschenreich. Hilfe an, aber dieser Fürst war zu sehr in Italien beschäftigt, und konnte dem Begehren des Papstes nicht entsprechen. . Die Wahl eines neuen deutschen Königs befestigte nun den unvorsichtigen Ladislaus .auf dem wankenden Throne, und vereitelte endlich alle die großen und wohl berechneten Entwürfe, welche Ottokar zu seinem eigenen Vortheile zu benützen trachtete. Ottokar hatte den ihm angetragenen Kaiserthron ausgeschlagen, daher war jetzt eine neue Wahl um so dringender, als eS so zu sagen schon so weit im deutschen Reiche gekommen war, daß selbst nicht einmal mehr dem Räuber sein Raub sicher blieb. Die Wahlfürsten kamen nun auf dringendes Verlangen d^ Papstes und die Einladung des Erzbischofs von Mainz Werner von Eppenstein im Monate -September 1273, gröstentheils in eigener Person in Frankfurt zusammen, nur der König Ottokar von Böhmen, und Herzog Heinrich von Baiern, sendeten eigene Gesandte dahin ab *). Unter den Kurfürsten selbst war keiner, der sich nach einer so höchst beschwerlichen, und so vielen Anfällen ausgesetzten Kaiserwürde im mindesten gesehnt hätte, daher wurde zur allgemeinen Wohlfahrt des Reiches beschlossen, einem anderen Fürsten, jedoch aber einem solchen die Krone aufzusetzen, der mir hinlänglichem Muthe ausgerüstet wäre, sich vor die Kluft der Zerrüttung zu stellen, damit das ganze Wesen des Reiches ein mächtig umschlingendes Band von großer Wirksamkeit würde. Der Erzbischof Werner nannte nun den Grafen Rudolph von Habsburg zum Nachfolger im Reiche, einen Mann, der durch seine persönlichen Eigenschaften des ThroneS würdig sey, ansehnliche Landschaften in Helvetien und am Oberrhein besitze, und durch seine Hausmacht stark genug wäre, sich gegen Niedere zu behaupten, ohne den Mächtigsten gefährlich zu seyn. Zudem mar er allgemein bekannt wegen seines ritterlichen Muthes und seiner Tapferkeit, durch welche er seine Besitzungen vergrößerte, und seinen Namen furchtbar gemacht hatte; so erzählte man sich auch viel Gutes von seiner Frömmigkeit und seinem offenen Charakter. Es war ihm einstmals bei schlechtem Wetter ein Priester begegnet, der mir dem Sakramente in daS nächste Dorf zu einem Kranken ging; als nun Rudolph den Geistlichen sah, stieg er sogleich vom Pferde, beugte sich vor dem Hochwürdigsten, hieß jenen das Roß besteigen, und nahm es nicht wieder zurück. Auch der Erzbischof von Mainz war dem Grafen verpflichtet, weil er ihn früher auf der Reise nach Nom, um dort das Pallium zu empfangen,- sicher über die Alpen geleitet hatte. Dazu kam noch der besondere Umstand, daß in seinem Hause sechs Töchter blühten, und unter den Kurfürsten drei unvermalt waren, daher jeder derselben hoffen konnte, daß durch die Verbindung mit einer Kaisertochter Macht und Ansehen vermehrt werden könne '**). R u-' dolph war eben in einer Fehde mit Basel und dem dortigen Bischöfe begriffen, und lag mit seinem Kriegsvolke vor der belagerten Stadt, wo er seinen Schwager, den Burggrafen von Nürnberg, der ibn bei der Kaiserwahl gleichfalls nach Kräften unterstützte, als Schiedsrichter seines Zwistes erwartete. Dieser erschien auch wirklich und zwar um Mitternacht in seinem Gezelte, aber mit einer ganz andern Botschaft, als den Streit zu schlichten. Der Reichserbmarschall Heinrich von Pappenheim wurde von der Wahlversammlung abgefertigt um den Grafen von Habsburg im Namen der Kurfürsten als römischen König zu begrüßen; der Burggraf Friedrich wollte aber diesem Abgesandten zuvor kommen, und seinem Freunde die erste. Freudensnachricht bringen. Er machte sich daher eilends auf den Weg, und kam wirklich um einen Tag früher bei Rudolph im Lager vor Basel an. Erst am folgenden Tage kam der abgesandte Reichsmarschatt, und eröffnete dem Grafen mit Vorweisung der besiegelten Briefschaften von der Kurfürsten Hand die ganz unerwartete Kunde der auf ihn gefallenen Kaiserwahl, nachdem ibn die mächtigen Fürsten und Stände Deutschlands vor allen Andern würdig gefunden haben, ihr König zu seyn. Rudolph, der den Anfang seiner Regierung mit Begnadigung machen wollte^ vergaß nun die ihm von den Baslern und ihrem Bischöfe zugefügten Beleidigungen, legte die Waffen nieder, schenkte den Gefangenen die Freiheit und ließ einen allgemeinen Frieden ausrufen. *) -Oie Gesandten des Böhmenkönigs Ottokar wurden von der Wahl ausgeschlossen, weil über sein Wahlrecht Zweifel bestan-den. **) Töchtern Rudolphs wurde Mathilde an Ludwig den Strengen, Pfalzgrafen am mbem A g n e s an Albrecht den II. von Sachsen— Hedwig an Otto den Kleinen von Branden- mlrg Katharina an Otto von Baiern — Judith an Wenzel den II., König von Böhmen und Klementlne an Karl Martells Prinzen von Neapel, vermalt. Die Stiftung der Abtei St. Florian- in OberösLerreich, im Traun - Kreise. Jahr 3V4. ^ines der prachtvollsten Klöster Oesterreichs ist das berühmte und uralte Augustmer-Chorherrnstift St. Florian, welches eine halbe Stunde von der Poststraße entfernt, zwischen Ens Und Linz in einem schönen und fruchtbaren, durch sanfte waldbegrenzte Anhöhen gebildeten Thale liegt. Noch ehe man zu diesem Denkmale alter Zeit und Frömmigkeit gelangt, sieht matt das demselben gehörige Schloß Hohenbrunn, von welchem das Wasser durch ein Maschinenwerk und mittelst unterirdischer Röhren bis in das Stift geleitet wird. Jeden Freund der Natur muß die reizende Lage erheitern, in welcher dieses schöne Stift seit so vielen Jahrhunderten prangt. Natur und Kunst, unterstützt noch von der Hand des fleißigen und emsigen Landmanns haben hier ihre Gaben in üppiger Fülle ausgebreitet. Jeder Fußtritt zeigt hier von Segen, keine Handbreit Erde liegt hier unbenützt, und die Wohlhabenheit der Bewohner und die reichen Wiesen, Aecker und Gärtenfelder, sind der wohl verdiente Segen dieser freundlichen Gegend. Das schöne Stiftsgebäude beherrscht den am Fuße des Hügels gelegenen Markt, in dessen Hintergründe sich ein romantisches Wäldchen den Berg hinauf zieht, und die niedliche Umgebung zu einem vaterländischen Paradiese umstaltet. Herrlich ist der weite Ueberblick von dem hohen Standpunkte der Abtei auf die nahe gelegenen fruchtbaren Thaler, auf die üppigen Raine, auf die wohl gebauten Bauernhöfe, und das Auge entdeckt in dunstblauer Ferne die Zinnen und Tbürme der Stadt EnS. Im Dunkel der Vergangenheit nimmt die uralte Geschichte dieses Stiftes ihren Ursprung. Zu jener Zeit, wo Barbarei und Unwissenheit unter den gröstentheils abergläubischen Völkern herrschten, erwarben sich mehrere Mönchorden das Verdienst, daß sie in wilden unbebauten Gegenden ihre Woh-- sitze aufschlugen, und die Gegend rund umher urbar machten. Viele einzelne fromme Männer entschlossen sich zu solchen, wahrhaft heroischen Unternehmungen, und eiferten dadurch viele ihrer Gleichgesinnten dazu auf, Gut, Blut und Leben, für solche heilsame Unternehmungen zu opfern. Es ist eine historische Wahrheit, daß in den ersten Jahrhunderten des Christenthums und vorzüglich im Mittelalter, den Klöstern die Erhaltung der Wissenschaften, der höhere Wohlstand des Landes, nützliche Ansiedelungen, und Verbreitung deS Ackerbaues, verbunden mit frommen Unterrichte, zu verdanken waren. Welche Verdienste hat sich nicht vorzüglich in letzterer Beziehung der gesegnete Orden der Benediktiner erworben? — Am wahrscheinlichsten mag auch das Stift St. Florian m dieser schönen Absicht gegründet worden seyn, welches ursprünglich von Mönchen bewohnt wurde, deren Kloster an der Grabstätte des heiligen Florian erbaut worden ist *). Die Legende berichtet über den erstem Ursprung dieses Klosters und über die Auffindung deS Leichnams des heiligen Märterers Florian, Nachfolgendest Dieser muthige Verteidiger deS Chri- ftenthums soll um die Mitte des dritten Jahrhunderts in dem Flecken Zeiselmauer in ' Niederösterreich geboren worden seyn. Frühzeitig zum Christenthume erzogen, haßte er das damalig herrschende Heidenthum mit seinen Götzenopfern, und beweinte die traurigen Opfer der Gläubigen, die der Verfolgungswuth unterlagen. Das jetzige Oesterreich führte damals den Namen Noricum **), und *) Ohne Zweifel wurde St. Florian, welches, zwar an unbekannter Stätte nach fortwährender uralten Ueberliefc- rung, des heiligen Florian Gebeine verwahrt, schon von dem norischen Apostel, dein heiligen Severin um das Jahr 454 gegründet, theilte aber Lorchs Schicksale und Verheerungen. **) Norikum wurde von den Römern der Thcil von Süddentschland zwischen der Donau, der Save, dein Pel- sosce, dann Rhäticn und Vindelicien genannt; und umfaßte Ober- und Niederösterreich, Steiermark, Kärn- then, einen Theil von Kram, Baiern, Tirol und Salzburg; iudesserf waren aber die Grenzen nicht zu allen Zeiten dieselben. Die Hauptörtcr dieses Landstriches waren Linz, Lorch und Salzburg. Die Bewohner desselben waren keltischen Ursprungs. Anfangs wurde Norikum von eigenen Königen regiert, und erst -um die Zeit des Kaisers Klaudius wurde cs römische Provinz. Durch die Anfälle der Sueven und Alemannen, Lorch *) hieß die Hauptstadt desselben. Es war unter den Befehlen der Kaiser Diokletian und Maximian, als eine neue Christenverfolgung ausbrach, und vierzig Soldaten dieses Glaubens, die zum Abfälle gezwungen werden sollten, gefänglich eingebracht, und im Weigerungsfälle zum Tode bestimmt wurden. Florian, welcher römischer Soldat und Anführer war, hörte von dem frommen Entschlüße seiner Brüder, und in seinem gläubigen Gemüthe erwachte jetzt der Wunsch, ihr Schicksal als Bekenner Christi, gemeinschaftlich zu theilen. Er selbst gab stch als solcher an, und ließ sich vor den römischen Statthalter Aquitin führen, dem er nun sein freimüthiges Bekenntniß mit dem festen Entschlüße machte, für die Wahrheit des Christenrhums zu leben und zu sterben, und deshalb keine Martern irgend einer Art zu scheuen. Nachdem nun der Statthalter wirklich alle grausame Mittel an dem frommen Manne versuchen ließ, dadurch aber seine Absicht nicht erreicht sah, so sprach er ihm nun das ^.odesurtheil, welches dahin lautete, daß er bei Lorch in dem vorbei fließenden Ensstrome ertränkt werden solle. Als dieser fromme Märterer sein Todesurtheil vernahm, dankte er Gott, daß er ihn würdig gehalten in das ewige Leben einzugehen, und folgte willig seinem Schicksale. Als das Dunkel der Nacht herein gebrochen war, führten in die Kriegsknechte auf die EnSbrücke, banden ihm einen Ungeheuern Stein um den Hals, und stürzten ihn, wahrend der Heilige seine Seele Gott empfahl, in das Wasser *'). Kaum war diese gräßliche That geschehen, als der Ermordete in der nächst folgenden Nacht einer frommen Matrone, welche stch Valeria nannte, und in dieser Gegend wohnte in einem Traumgesichte erschien; und ihr die Stelle zeigte wo sein Leichnam zu finden, und wo er auch beerdiget werden sollte. Kaum hatte der erste Purpurstreif im Osten den anbrechenden Tag verkündet, als sich schon die fromme Valeria zu der ihr angewiesenen Stätte begab, wo sie auch den Leichnam des Märterers Florian fand. Sie beerdigte ihn nun an dem Orte, den man einige Jahre nachher mit einem herrlichen Tempel zierte, mit welchem im Verlaufe der Zeit auch ein Benediktinerkloster vereinigt wurde. Bei dem Einfalle der rohen Avaren um das Jahr 737 wurde das Kloster sammt der alten Stadt Lorch zerstört, nach wieder eingetretener Ruhe kehrten aber die geflüchteten Mönche wahrscheinlich wieder in diese Gegend zurück, weil die Geschichte von einem allda bestehenden Kloster Erwähnung macht Urkundlich geschehen aber erst Meldungen von dem Kloster St. Florian im neunten und zehnten Jahrhunderte, welches durch mehrere feindliche Einfälle der Ungarn so sehr litt, daß zu Ende des eilfren Jahrhunderts, von diesem uralten Denkmale gröstentheils nur Mauern ohne Bedachung mehr vorhanden waren. so wie durch Attilas Zuge nach Gallien und Italien litt Norikum ungemein. Nach dem Falle Roms wurde es zuerst durch die Bojer, dann durch die Avaren in Besitz genommen, und zerfiel in der Folge in verschiedene Landstriche, wobei sich der Name Norikum ganz aus der Geschichte verlor, und dessen Andenken nur noch in dem durch die Bojer gegründeten Nordgau erhalten wurde. *) Lorch, war eine in der Gegend von Ens gelegene bedeutende römische Niederlassung, welche heut zu Tage zu einem armen, beinahe verschwundenen Dörflein herab gesunken ist. Hier war unstreitig die Wiege des Chri- stenthums im ganzen Umkreise der jetzigen österreichischen Staaten. Es war Norikums und Pannoniens (von Oesterreich das Viertel unter dem Wiener-Walde, ferner ganz Niederungarn, Slavonien, einen Theil von Kram und Kroatien) Mutterkirche, ja seit vielen Jahrhunderten erhielt sich die Sage, daß Markus und Lukas selbst zu Lorch das Evangelium gepredigt hätten. Schon zur Zeit der großen Völkerwanderung war Lorch ein Bisthum, dann später ein Erzbisthum, in dessen Sprengel selbst Vindobona gehörte; ein wilder Verheerungszug dcr^Avaren verödete aber im Jahre 737 nach Christi Geburt Lorch, und dessen Bischofsitz wurde nach Passau verlegt, zu welchem Sprengel Wien bis zur Erhebung des Bisthums in ein Erzbisthum gezahlt wurde. **) Dieses Ereigniß soll sich am 4. Mai des Jahres 230, nach Andern aber im Jahre 304 ergeben haben- ***) In dem aufgehochenen Minoritenkloster zu Ens befand sich der Römerkerker, mehr noch unter dem Namen Floriansbrunnen bekannt, welcher eine ganz trockene ungefähr 10 bis 12 Klafter tiefe, einen Durchmesser von etwa 4 Klaftern beschreibende Cistcrne, und massiv mit Quadersteinen ausgesctzt war. Sie hatte eine 3 Schuh hohe Schutzmauer, und war mit einem eisernen Gitter horizontal geschlossen. Unten befand sich das Bildniß des heiligen Florian auf Holz gemalt. Dieses ließen die Minoritcn von den cingegangenen Opfern pon Zeit.zu Zeit erneuern. An der Mauer auf der Klosterseite waren Fresko-Gemälde aus dem Leben dieses Heiligen angebracht.' Am Florianstage wurde dieses Denkmal häufig von Andächtigen besucht. In diesem Kerker oder Brunnen ward nach der frommen Legende der heilige Florian gefangen gehalten. Um ein unbedeutendes Fleckchen von einigen Quadratklaftern zu erhalten, hat man dieses merkwürdige, sonst wohl erhaltene Denkmal des Alterthums in neuester Zeit vernichtet. X Der um Lorch und seine Umgebungen sich unsterblich gemachte und viel geprüfte Passauer-Oberhirt Altmann, der Gründer von Gotwich, Wiederbersteller der tief gesunkenen Zucht in den Klöstern seines Sprengels, nahm sich nun väterlich um dieses verfallene Stift an, und stellte das Klostergebäude im Jahre 1071 der Art wieder her, daß er es, nachdem er im gerechten Eifer die ungeistlichen Floria- ner-Klerikcr entfernte, den frommen Chorherren deS heiligen Augustinus einräumen konnte, welche nach den Ordensregeln dieses großen Kirchenvaters leben sollten. Dieser würdige Bischof Altmann kann daher mit Recht als der erhabene Wohlthäter des Stiftes St. Florian angesehen werden, nachdem er gleichsam die erste Veranlassung war, daß diese gemeinnützige Pflanzstätte durch verschiedene wohlthatige Schenkungen auch eine sichere Fortdauer erhielt. In der Folge der Zeit wurden ihr durch die Bischöfe von Passau und durch viele Edle des Landes, Pfarren, Zehente und Unterthanen zu Theile, welche die Herrscher von Oesterreich durch Ertheilung verschiedener Privilegien sicherten und erweiterten. Im dreizehnten Jahrhunderte, wo die Barbarei und das sogenannte Faustrecht ihre Zügellosigkeiten ausübten, stand dieses schöne Stift in großer Gefahr gänzlich vernichtet zu werden, denn alle Gräuel dieser bösen Zeit mußte auch diese fromme Zufluchtsstätte erfahren. Feuersbrünste, Kriege, Raub und Plünderungen folgten der Art auf einander, daß selbst die Chorherren gezwungen wurden, sich in andere Klöster zu flüchten, weil daS heimatliche ihnen keine Wohnungen mehr darbot, und sie auch schon großem Mangel an Lebensunterhalt ausgesetzt waren. Während der NegierungSepoche Albrecht des 1, wurde endlich die Kirche und das Kloster wieder hergestellt, und erholte sich allmälig wieder von den Stürmen der Zeit. Diese Tyrannin aller Geschlechter, deren nagendem Zahne nichts widersteht, und in deren fort rollendem Strome sich günstige und widrige Begebenheiten aufthürmen, mußte dem Stifte St. Florian gleichfalls bald vortheilhaft bald nachtheilig einwirken. So litt es vorzüglich im fünfzehnten Jahrhunderte durch den ungarischen König Mathias Korvin u s, als er durch eine Reihe von Jahren den Kaiser Friedrich bekriegte; nicht weniger in der neuern Zeit, nämlich im französisch-österreichischen Kriege. Ungeachtet aber aller dieser bestandenen Gefahren und Leiden, ist der jetzige Zustand des Stiftes von St. Florian blühend, und reihet sich mit Recht an alle übrige ausgezeichnete Abteien des österreichischen Kaiserthums an. Ausgezeichnet durch seinen schönen als auch regelmäßigen Bau, vereinigt es Alles in sich, um den wißbegierigen Fremden sowohl, als den einheimischen Beschauer des Guten, Schönen und Nützlichen anzuziehen. Bevor man noch in den ungemein geräumigen Vorhof deS Stiftes gelangt, bietet sich einem der anmuthige Meierhof des Klosters dar, und erst, wenn man den weiten Vorhof desselben durchschritten hat, stellt sich der prächtige Haupteingang der, nach allen Regeln der Architektur geschmackvoll erbauten Prälatur dem überraschten Auge dar. Das Sriftsgebäude, so wie eS sich jetzt zeigt, ist zur Zeit Kaiser Karl des VI. von dem talentvollen Architekten Prandauer aus St. Pölten entworfen und durch die Baumeister Michael und Joseph Steinhuber ausgeft'ihrt worden; die Kirche aber erbaute im prächtigen italischen Style Carlo Carlone. Sie zeichnet sich besonders durch edle Einfachheit aus. Ihr Portale bekam sie im Jahre 1700. Die Decke malten Gum p und S teidel aus der Schweiz'al kv68eo. Der prächtige Hochaltar von Voi-llo rmtieo und calabresischem Marmor, ist mit einer herrlichen Himmelfahrt Mariä, von Ghezzi, einem Schüler des Pietro ah, erregte, wußten die früheren Rathgebcr des Königs, jetzt gröstentheils ihrer Aemter entsetzt und vom Hofe verwiesen, trefflich zu benutzen. Im Volke wurden böse Gerüchte ausgestreut, über den ehebrecherischen Umgang der Kaiserin mit dem Herzoge, und daß sie den frommen Ludwig sogar durch arge Liebestranke berückt hielte. Als der Kaiser darauf im Frühjahre 830 den Heerbann gegen die stets unruhige Bretagne aufbot, wußten jene dem P ipin sogar glauben zu machen, der Zug gelte ihm, nachdem die böse- Stiefmutter ihn seines Erbes berauben wolle. Der König von Aguitamen eilte jetzt mit semen Getreuen nach Paris, wo das Kriegsvolk des Kaisers lag, welches er gegen Judith und den Kämmerer so weit gewann, daß es ibm gegen Compiegne, wo, der Kaiser sich aufhielt, folgte. Bei dieser Annäherung floh Bernhard nach Barcelona, und Judith suchte Zuflucht in einem Kloster, wo sie genöthigt wurde die Ordensgelübde abzulegen, und den Schleier zu nehmen. Der Kaiser selbst aber wurde nebst seinem jüngsten Sohne Karl in einer Arb von Gefangenschaft gehalten, wo Mönche seine Gesellschafter waren, die ihn zum Mönchsleben vorbereiten sollten, und wozu auch Ludwig nicht abgeneigt schien,^indessen traf er aber doch in der Stille seine Anstalten. Schon rriumphirte die Gegenpartei, und hoffte ihr Werk mit der Erhebung Lothars zu krönen, der inzwischen aus Italien herbei gekommen war. Auf dem - großen Reichstage zu Nimwegen im Herbste sollte nun Alles festgesetzt werden. Hier erschienen aber die deutschen Herren auf des Kaiser Anordnung mit zahlreicher Begleitung, vor Allen aber die treuen Sachsen, deren Druck der Kaiser vorher gemildert, und Ludwig der Jüngere, fest entschlossen, den Vater zu schirmen. Lothar und die Seinigen sahen sich jetzt getäuscht, und ' wagten nichts zu unternehmen, denn die Uebermachr war entschieden auf des Kaisers Seite. Die Ver- sammüing erklärte Alles für ungültig, was geschehen war; und die Häupter der Rebellen wurden sogar zum ^Lwde verurtheilt, der Kaiser strafte aber nur einige mit Entfernung und Gefängniß, und den andern schenkte er vollständige Begnadigung. Darauf empfing er zu Aachen freudig seine Gattin, welche aus dem Kloster wieder zu ihm zurück gekehrt war, und legte mit zahlreichen Eidhelfern den Reinigungseid ab. Auch Bernhard forderte öffentlich seine Ankläger zum Gottesurtheile des Zweikampfs, von denen aber keiner erschien. ^ ^ ^ . . < Zuerst wurde jetzt dem Lothar angekündigt, dre künftige Oberherrschaft habe er verscherzt durch seine Gemeinschaft mit den Empörern. Mit Pipin brachen sodann ebenfalls neue Zwistigkeiten aus, und jetzt sollten ihm nun wirklich seine Lander entrissen werden. Auf der andern Seite hatten aber die gestürzten Großen des Hofes weder ihrer ehemaligen Stellung vergessen, noch weniger Ludwigs Milde sie entwaffnen können. Der jüngere Ludwig von ihnen gereizt und unwillig, die Vergrößerung seines Gebiets, welche er für seine Dienste zu Nimwegen erwartet, nicht erhalten zu haben, brach nun in Alemannien ein, um sich zu nehmen, was ihm verweigert wurde. Schnell entschlossen, berief aber der Vater den Heerbann der Sachsen und Franken nach Mainz, welcher auch zahlreich erschien, worauf dann die Baiern der größern Stärke wichen. Der Kaiser bot Verzeihung, und Ludwig gelobte in Zukunft nicht wieder eigenmächtig zu verfahren. Gleich darauf wendete sich der Kaiser nach Aquitanien, wo Pipin abgesetzt, und nach Trier geführt wurde, worauf dann an seiner Statt der neunjährige Karl zum Könige jenes Reiches erklärt wurde. Bei Douay befreiten aber treue Männer den Pipin, welches nun zur Folge hatte, daß die drei Brüder zur Entfernung der Stiefmutter und ihreS Anhangs, einen Bund schlossen. In der Gegend von Kolmar vereinigten sie ihre Heere. Mit Lothar kam der Papst Gregor IV. nach Deutschland, angeblich, um die Söhne mit dem Vater auszusöhnen, zugleich aber auch in der Absicht, den Lothar aus seiner Nähe in Italien zu entfernen, während bei Worms Ludwig seine Kriegsleute sammelte. Die Bischöfe deS Reiches hatten sich hier ebenfalls auf den Ruf des Kaisers eingefunden, und sandten jetzt eine Botschaft an Gregor, falls er sich zum Richter über den Kaiser und das Reich aufwerfen, und den Bann über Ludwig aussprechen wolle, so würden sie, die Bischöfe von Gallien und Deutschland, sich von ihm lossagen. Ludwig aber zog den Rhein hinauf, und lagerte sich seinen Söhnen gegenüber auf dem Rothfelde (nach diesen Begebenheiten später das Lügenfeld genannt). Am 24. Juni 833 standen die Heere gerüstet und schlagfertig sich gegenüber; da erschien plötzlich der Papst. Der Kaiser blieb unbeweglich an der Spitze seiner Krieger, und Niemand kam , den heiligen Vater zu begrüßen. Kalt wurde sein Segen empfangen, und Ludwig sprach: »-Heiliger Bischof, wir empfangen Dich nicht mit Gesängen und Lobliedern, weil Du nicht gekommen bist, wie Deine Vorgänger kamen.<« Gregor entgegnen hierauf: »Wir sind gekommen mit Eintracht und des Friedens wegen. Nimmst Du uns in den Frieden Christi gebührend auf, so wird er bei Dir und Deinem Reiche bleiben, wo nicht, so soll er von Dir gewendet seyn.<« Ludwig ließ sich nun zu seinem Verderben zu. Unterhandlungen mit dem Papste verführen, und während dieser Zeit brachten die Söhne das Heer des Vaters zum grösten Theile auf ihre Seite. Der Papst ging hierauf am 28. Juni ohne etwas ausgerichtet zu haben, wieder zurück, und in derselben Nacht folgren ihm auch des Kaisers Vasallen und Kriegsleute. Am Morgen sah jetzt der Kaiser ein kleines Häuflein um sich, welches die Entscheidung durch Waffen bringen sollte; er sprach nun zu diesen wenigen ihm noch treu Gebliebenen: »Geht auch ihr zu meinen Söhnen, denn ich will nicht, daß einer von euch meinetwillen das Leben verliere;-« und ritt hierauf mit seiner Gemalin und seinem jüngsten Sohne ms Lager der ältern feindlichen Söhne hinüber. Diese kamen ihm jetzt entgegen, stiegen von den Pferden, und empfingen ihn ehrerbietig; die Kaiserin wurde aber über die Alpen nach Tortona verwiesen, worauf der Vater versprach sich auf immer von ihr zu trennen, und der junge Karl kam in das Kloster nach Prüm. Pipin und Ludwig gingen darauf ruhig in ihre Reiche, aber Lothar verfolgte größere Plane und führte den Kaiser mit sich nach Soif- sons, wo er ihn in das Kloster St. Medardus sperrte. Hier versammelten sich jetzt mehrere Bischöfe, und forderten den Kaiser auf, Buße zu thun, wozu er sich, wohl nach einigem Zögern in die Kirche führen ließ, die mit Zuschauern angefüllt war. Vor dem Altäre lag ein härenes Bußgewand, auf welchem er nieder knien, und in dieser Stellung weinend eine Schrift vorlesen mußte, welche ein langes Verzeichniß seiner Uebelthaten enthielt. Als dies geschehen stand er auf, gürtete sein Wehrgehänge ab, und legte es auf den Altar, worauf ihm die Priester daS Büsserkleid anzogen, und in das Kloster zurück führten. Die Absicht dieser unwürdigen Handlung war, ihn. in der Meinung des Volkes herab zu setzen, und einem alten Gesetze zu Folge als Einen, der eine solche Kirchenbusse gethan, der Waffenführung, folglich auch der Königs- und Kaiserwürde unfähig zu machen. Dieser Zweck ward aber nicht erreicht. Das Mitleid des Volkes erwachte wieder, und Lothars Anmaßungen reizten auch die Eifersucht seiner Brüder, deren Plan eS gar nicht gewesen war, den Kaiser abzusetzen. Sie zogen nun gegen Lothar zu Felde, da er sich aber zu schwach fühlte, so gab er den Vater wieder frei — der hierauf den Titel als Kaiser wieder annahm — bat um Gnade, und erhielt sie, jedoch unter dem Versprechen, Italien ohne Erlaubnis deS Vaters nie wieder zu verlassen. Der Kaiser zog hierauf nach Aachen, wo sein jüngster Sohn Karl und seine Gemalin Judith ihm zu- geführt wurden, und es hatte nun das Ansehen, als ob wirklich Friede aufkeimen möchte; aber eine Angelegenheit beschäftigte noch auf Zudringen der Kaiserin den Monarchen, daß nämlich der junge Karl noch keinen gewissen Theil an Ländern hatte, die ihm nach deS VaterS Tode zufallen sollten. Um nun auch dieses zu bewirken trat Ludwig auf dem Reichstage zu Cremeaur mit einem neuen TheilungSplane auf, nachdem er vorher schon Lothar, als den ältesten seiner Söhne zu gewinnen getrachtet hatte. Dieser sollte selbst zu seinem Vater kommen, war aber durch eine Krankheit daran verhindert; der Kaiser wendete sich daher an die zwei andern Söbne, und machte mir ihrer Einwilligung im Jahre 837 dahin die Theilung, daß Karl Alemannien, Burgund, die Provence, und das Land der Westgothen (diese Länder umfaßten den grösten Theil der Niederlande und die Gegenden des damaligen Sachsens bis nach Paris) haben sollte; zugleich ward Karl zum Könige von Neustrien gekrönt. Ludwigs und Pipins Länder wurden erweitert. Im folgenden Jahre starb Pipin und hinterließ zwei unmündige Söhne. Dieses Ereigniß gab nun den Angelegenheiten deS Reiches wieder eine andere Gestalt, da der meist mit sich selbst uneinige Kaiser neuerdings sein ganzes System veränderte. Die Kaiserin ersah diese Gelegenheit als die beste, ihrem Sohne ein größeres Reich zu verschaffen , und drang daher angelegentlich in ihren Gemal, damit er Lothar ganz zu seinem Freunde machen solle, worauf auch der Kaiser in Folge dessen, seinem Sohne das Anerbieten machte, mit Ausnahme von Baiern und den dazu gehörigen Ländern, welche Ludwig wie bisher behalten sollte, mit Ausschließung der hinterlassenen zwei Söhne Pipins zwischen ihm und Karl das ganze Reich zu theilen. Lothar ging sehr bereitwillig diesen Vorschlag ein, und so ward denn sowohl gegen die Söhne Pipins gleich wie gegen Ludwig eine auffallende Ungerechtigkeit begangen. Nicht gleichgiltig war daher Ludwig von Baiern darüber, der jetzt Provinzen verlor, die er im Jahre 837 erhalten hatte, und ergriff, wiewohl er bis jetzt unter allen seinen Brüdern gegen den kaiserlichen Vater noch die meiste Treue und Ergebenheit bezeigt hatte, in der Aufwallung seines Zornes die Waffen, durch welche er glaubte sich in den Besitz der Länder bringen zu können, auf die er Anspruch zu haben vermeinte. Der Kaiser zog ihm jetzt mit einem Heere entgegen, und drückte ihn zurück, wodurch er in die härteste Lage kam, und keinen andern Ausweg mehr sab, als diesmal dem Vater eidlich zu geloben, in Baiern sich ruhig zu verhalten, und ohne seine Erlaubniß dieses Land nicht zu verlassen. Der Adel in Aquitanien war über das, dem hinterlassenen ältesten Sohne Pipins zugefügte Unrecht sehr mißvergnügt, wodurch bedenkliche Unruhen sich zeigten, die es nothwendig machten, daß der Kaiser mit einer Heeresmacht erschien. Obschon er aber die Oberhand gewann, so weigerten sich die Empörer dennoch den jungen Pipin an Ludwig aus zu liefern. Nach dieser Unterdrückung ging der Kaiser zurück nach Frankfurt, verblieb daselbst über den Winter, und begab sich während der Fastenzeit nach Coblenz, und feierte die Ostern zu Kostnitz. Im Monate Mai veranstaltete er mit seinem Sohne Lothar eine Zusammenkunft in Worms, bei welcher Gelegenheit er die letzte Theilung seines Reiches vornahm, in welcher Lothar Herr über ganz Italien und über die Länder von der Maas angefangen bis zu den Alpen wurde; Ludwig bedielt Baiern, und Karl alles Land, welches zwilchen der Loire, der Rhone, der Maas und dem Weltmeere gelegen ist. Während dieser Verhandlung erwählte der Adel von Aquitanien den jungen Pipin zu seinem Könige, Ludwig aber nöchigte denselben, seinen Sohn Karl als König anzuerkennen, dann zog er, obgleich schon alt und schwach, noch gegen Ludwig von Baiern zu Felde, weil Letzterer mit der Theilung unzufrieden, erneuert zu den Waffen griff. Auf diesem Zuge überfiel aber den Kaiser eine Krankheit, die ihn nöthigce, auf einer Rhein-Insel unterhalb Mainz Ingelheim gegenüber zu verbleiben, wo er sich ein Zelt aufschlagen ließ und am 20. Juni 840 in einem Alter von 63 Jahren starb, nachdem er über 26 Jahre regiert hatte. Schwer hatten sich wohl die Kinder an dem Vater versündigt, doch ist aber die Hauptquelle der Verwirrung, welche die bürgerlichen Kriege über daS Reich gebracht hatte, gröstentheils in der sträflichen Nachgiebigkeit des Kaisers für seine zweite Gemalin Judith und in deren ehrgeizigen Planen zu Gunsten ihres Sohnes zu suchen. - 23. Oesterreich unter Ottokar, Bönig von Böhmen, Vom Jahre 1273 bis zum Jahre 1276. ^Invermuthet sah sich jetzt Rudolph auf den höchsten Gipfel irdischer Größe und Herrlichkeit erhoben; er hatte aber diese Erhöhung nicht seiner erlauchten Geburt, auch nicht seinem Reichthume zu danken, denn es war nur die Folge seines erhabenen Charakters, seiner rühmlichen Thaten, und der seltenen Dankbarkeit des Erzbischofes von Mainz, welchen er auf seiner Reise nach Rom über die Alpen begleitete. Die Nachricht von Rudolphs Erwählung verursachte in Deutschland allgemeine Freude, und jeder Redliche dankte laut der gütigen Vorsicht, daß dem Reiche ein deutscher Mann voll Kraft, Muth und Klugheit zum Regenten gegeben wurde, von welchem sich hoffen ließ, daß er weise und tapfer regieren werde. Rudolph begab sich nun zur Krönung nach Aachen, wohin ihm seine Gemalin Anna mit ihrem Bruder dem Grafen Albert von Hohenberg und zahlreiche schwäbische und rheinische Ritterschaft nachfolgte. Auch die Kurfürsten mit ihrem Gefolge gingen nach Aachen, um der Krönungsfeierlichkeit beizuwohnen. Nach derselben (Oktober 1273) sollte nun die neue Belehnung der Fürsten vor sich gehen; aber erst als man schon am Altäre stand, zeigte es sich, daß das Zepter, welches hiebei gewöhnlich gebraucht wurde, nicht bei der Hand war; da ergriff nun Rudolph in seiner Geistesgegenwart das Krucifix vom Altäre, küßte es und sprach: »Dieses Kreuz, in welchem wir und die ganze Welt erlöset sind, wird wohl auch die Stelle eines Zepters vertreten können,-« und die überraschten Fürsten küßten hierauf das Krucifix wie 'er, und empfingen die Lehen. König Ottokar wurde jetzt durch die bestimmte Nachricht von der vollzogenen Krönung R u- dolphs, ungeachtet des von seinen Gesandten eingelegten Gegenspruches auf's Aeußerste bestürzt, nachdem er, obwohl jeden Schein vermeidend, nach der Kaiserkrone zu streben, doch der Meinung war, daß ein einhelliger Zuruf sie zu seinen Füßen legen werde. Ottokar konnte nun leicht voraus sehen, daß Kaiser Rudolph, welchem er bei der Wahl so wenig Geneigtheit bewiesen habe, ihn bald wegen der ungesetzlichen Herrschaft in Oesterreich, Steiermark und Kärnthen zur Rechenschaft ziehen werde, und war daher auch sorgsam bedacht, allen diesen sich etwa ereignenden Vorfällen zuvor zu kommen. Der erste Reichstag, den Kaiser Rudolph ausschrieb, war auf Ostern des folgenden Jahreö 1274 bestimmt, der aber — weil die meisten Fürsten des Reiches sich bei der Kirchenversammlung zu Lyon befanden — in so kurzer Zeitfrist nicht zu Stande kam und bis November desselben Jahres nach Nürnberg verlegt ward. Hier erwartete nun der Kaiser, daß König Ottokar von Böhmen sich persönlich einfinden, und ihm gehörig die Huldigung leisten, auch feiner Reichsländer wegen die Belehnung nachsuchen würde; — allein Ottokar blieb aus, und erschien weder auf diesem Reichstage zu Nürnberg, noch auf jenem zu Würzburg, und endlich zum dritten Male vorgefordert, auch nicht auf jenem zu Augsburg. Wohl erschienen auf dem Reichstage zu Augsburg seine Abgeordneten, aber keineswegs um wegen der in Frage stehenden Länder zu verhandeln, sondern sie erhoben vielmehr einen Streit wegen der Wahlstimmen Böhmens bei der Kaiserwahl. Einer dieser Abgeordneten Ottokars, nämlich der Bischof von Seckau ließ sich bei dieser Gelegenheit durch übertriebenen Eifer so weit Hinreißen, daß er in höchst ungebührliche Aeußerungen selbst gegen den Kaiser und die ganze Versammlung auS- artete, worauf er dann nur mit großer Noth sich aus der Reichssitzung retten konnte. Im Fürstengerichte, welches nun Rudolph hierauf abhielt, wurde gegen Ottokar seines Ungehorsams wegen die Reichsacht ausgesprochen; bevor aber Rudolph zu den Waffen griff, sandte er noch den Burggrafen Friedrich nach Böhmen, den Weg gütlicher Ausgleichung bei Ottokar zu versuchen, welch' Letzterer aber den Burggrafen spottend abwies, daher auch jetzt der Krieg unvermeidlich war. Rudolph verbündete sich mit dem Grafen Meinhard von Tirol und Görz, und um diesen Bund noch mehr zu befestigen, verlobte er seinen erstgebornen Sohn Albrecht mit Meinhards Tochter Elisabeth. Zugleich nahm er auch den König von Ungarn Ladislaus den IV. und dessen Bruder Andreas als Söhbe an, verlobte dem Letzteren seine Tochter Klementia und versprach dem ungarischen Magnaten für ihre Unterstützung Würden und Ehren des römischen Reiches, wenn 65 sie solche begehren würden. Alle diese Versprechungen waren aber hier nicht nothwendig um Ladislaus zum Kriege gegen Ottokar aufzureizen, nachdem er der dargebotenen Gelegenheit ohnehin froh war, da er die Feindschaft gegen Ottokar vom Vater und Großvater (Stephan dem V., Bela dem IV.) geerbt hatte. Außer diesen offenen Verbündeten hatte Rudolph auch geheime Anhänger in Oesterreich und Böhmen, ja die österreichischen Stände, und einige des böhmischen Adels luden ibn sogar ein, sie von Ottokars lastendem Joche zu befreien. Auf den Rath des Erzbischofs von Salzburg bedrohte nun Rudolph die böhmische Grenze, Meinhard rüstete sich Steiermark anzugreifen, und Albrecht, ein Sohn Rudolphs sollte auS dem Salzburgischen Vordringen. Während sich die Scharen des Königs Ottokar bei Eger sammelten, versöhnte sich Rudolph mit dem Herzoge von Baiern, welcher bis dahin OrtvkarS Verbündeter gewesen, und gestattete ihm nun freien Durchzug durch seine Lande, um in Oesterreich einzufal- len. Auf dem Durchzuge längs der Donau gegen Oesterreich ergab sich die Stadt Ens nach schwachem Widerstande, und so wurde auch Klosterneuburg durch einen Handstreich genommen. Die Hauptstadt Wien hatte Ottokar zur Obhut seinen Getreuesten, dem Bischöfe von Olmütz und dem Bürgermeister Paltram Watzo anvertraut. Auch die Bürger hielten noch fest an Ottokar, nachdem sie ihm vielseitige Begünstigungen zu verdanken hatten. Rudolph umlagerte jetzt die Stadt, in Vereinigung mit Meinhard, da aber durch volle 5 Wochen die Belagerten sich noch immer fest hielten, so drohte er endlich den wiener Bürgern, daß er ihre Weingärten zerstören, ihre Landhäuser schleifen, und die Widerspenstigen durch das Schwert bestrafen werde, wenn sie sich nicht bald ergeben würden. Durch diese Drohung geschreckt rotteten sich nun die Wiener vor dem Hause Paltrams zusammen, und verlangten von ihm baldige Vermittlung, da dieser aber von einer Uebergabe nichts hören wollte, so zerstreute er die Haufen, und beschwichtigte den Aufruhr, schickte aber zugleich geheime Boten an Ottokar, mit der Bitte, er möchte bald über die Donau setzen, und sich mit Rudolph in offener Feldschlacht messen. Ottokar war'aber nicht in der Lage diesem Begehren Folge leisten zu können, nachdem an der March ein großes ungarisches Heer bereit stand, um ihm in den Rücken zu fallen, wenn er es versuchen würde über die Donau zu gehen. Es blieb ihm daher kein anderer Ausweg übrig, als für dermal eine Unterhandlung anzuknüpfen, wobei der Bischof von Olmütz die Verhandlungen leitete. Die gegenseitig gewählten Schiedsrichter kamen jetzt dahin überein, daß Oesterreich, Steiermark, Karnthen, Kram, die windische Mark, Eger und Portenau wieder an das Reich falle, dagegen empfing Ottokar von Rudolph die Belehnung mit Böhmen, Mähren, und dem sonstigen Erbe seiner Väter. Ottokar verlobte endlich seine Tochter einem Sohne Rudolphs, und verzichtete hiebei auf alle feine Güter und Besitzungen in Oesterreich, Rudolph dagegen verlobte eine seiner Töchter an den Sohn Ottokars. Wien nahm Rudolph zu Gnaden auf, der Stadt ihre Rechte und Freiheiten versichernd; auch der König von Ungarn wurde in diesen Frieden eingeschlossen, und die Grenzen zwischen Ungarn und Mähren als unveränderlich bestimmt. Ottokar erschien nun mit großer Pracht in dem kaiserlichen Lager und erhielt in Gegenwart der vornehmsten Verbündeten, vieler Bischöfe und Erzbischöfe und einer großen Anzahl deutscher Ritter, von Rudolph, der in sein gewöhnliches einfaches graues Wamms gekleidet war, nach dem bestehenden Gebrauche, vor ihm kniend die Belehnung. Den folgenden Tag wurde die Friedensurkunde von beiden Theilen ratisicirt, und Rudolph nahm darauf Wien, die nun eine Reichsstadt ward, so wie auch alle übrige Städte, Schlösser und Märkte in Besitz, und hielt in Wien einen prachtvollen Einzug. Indessen wurde es aber immer deutlicher, daß der Friede zwischen Rudolph und Ottokar keine aufrichtige Versöhnung herbei geführt habe;.nachdem noch kein Monat seit dem Friedcnsabschluße verflossen war, als Ottokar sich bereits über die Nichterfüllung der Friedensbedingniße bei Rudolph beschwerte. Bald darauf schienen aber diese neu ausgebrochenen Mißhelligkeiten zwischen dem Kaiser und dem Könige Ottokar wieder beigelegc worden zu seyn, und durch die gehobenen Irrungen in den neuen Friedensverträgen verschwand also auch die Besorgniß eines bevor stehenden Krieges. Während dieser Verhandlungen reizte aber immer noch Ottokars Gemalin Kunigunde seinen ohnehin friedenbrüchigen Gedanken, und eiferte ihn durch unausgesetzte Vorwürfe über seine Kleinmüthig- keit noch mehr dazu auf, mit Rudolph zu brechen, welches auch die Hauptursache war, daß dann Ottokar, selbst gegen den Rath der Seinen zu den Waffen griff. F Er suchte nun mit großer Tätigkeit die Freundschaft des Herzogs von Baiern und deS Erzbischofs von Köln zu erlangen; nicht weniger sendeten ihm auch Kasimir von Polen, der König Leo von Reussen, die Herzoge von Kalisch und Glogau vieles Volk. Der angebotene große Sold brachte Streiter aus Meißen und Thüringen, und Vieles geschah von der Mark zu Brandenburg. Auf diese Art hatte sich König Ottokar von Böhmen so mächtig gestärkt, wie er im Jahre 1260 gegen den Ungarnkönig in die Marchfeld-Schlacht zog, und machte daher zu Ende Juni seinen Aufbruch von Prag. Wahrend dieser Rüstung des Böhmenkönigs bewarb stch auch der Kaiser vorzüglich um dre Freundschaft des Königs von Ungarn, und da er stch zugleich von der Treue der Stadt Wien versichern wollte, so ertheilte er jetzt den Bürgern die Bestätigung ihrer bürgerlichen Rechte und Gewohnheiten, erhob diese Stadt zur Würde einer Reichsstadt, und gab derselben nicht allein jene Rechte und Freiheiten, welche ihr schon Kaiser Friedrich II. verliehen hatte, sondern ertheilte ihr auch noch andere neue Privilegien und Vorrechte, dergleichen bisher noch niemals einer andern Reichsstadt gegeben worden waren *). Alle Hilfsvölker Ottokars waren angewiesen, stch in Brünn zu sammeln, von wo aus dann die ersten Feindseligkeiten bei dem Städtchen Laa geschahen. Darauf rückte der König vor das befestigte Drosendorf, welches er durch 14 Tage belagerte. Rudolph war jetzt in der höchsten Gefahr, denn er hatte nur geringe Macht beisammen, nachdem seine Verbündeten noch zu weit von ihm entfernt waren. Hätte nun Ottokar damals ohne Verzug angegriffen, so würde er ihn geschlagen, oder Oesterreich ohne Schwertstreich gewonnen haben; — aber 14 Tage verlor er mit der Belagerung von Drosendorf; zwar eine kurze, aber unheilbringende Zeit für ihn; denn während dieser Tage gewann Rudolph Zeit seine Hilfstruppen zusammen zu ziehen, und stch schlachtfertlg zu ordnen. Rudolph säumte nun keinen Augenblick länger über des Feindes nähere Stellung Erkundigungen einzuziehen, worauf es stch zeigte, daß König Ottokar, der unterdessen heran gerückt war, nur eine Meile WegeS von ihm entfernt stch befand. Am 25. August schlug jetzt Rudolph sein Lager unfern von Stillfried auf, wodurch er nur mehr drei Viertel Stunde von jenem des Ottokars entfernt war. Mit Anbruch des folgenden Tages stellte stch nun die kaiserliche Armee in Schlachtordnung auf, die in 4 kleinere Heere getheilt wurde, wovon zwei aus Ungarn, das dritte aus Steirern, Kärnthnern, Kramern, Salzburgern und Schwaben und das vierte aus Oesterreichern bestand. Ueberdies wurde auch ein eigenes Reserve-Korps aufgestellt, eine beträchtliche Anzahl von ungarischen Kerntruppen zum Schutze ihres jungen Königs auserwählt, und endlich den Kumannen frei überlassen nach ihrer Art ohne Ordnung zu streiten, und dem Feinde wo möglich, überall Abbruch zu thun. Die Armee des Königs Ottokar von Böhmen war in 6 Schlachthaufen getheilt, wovon erner aus Böhmen, einer aus Mährern, der dritte aus Meißnern und Thüringern, der vierte und fünfte aus Polen, Schlesiern und Reussen, der sechste aber auS Sachsen bestand, welche der König selbst anführte, da er den Seinigen nicht mehr traute. Die Nachhut war dem Milota, Oheime des Z erwisch aus dem Hause Rosenberg anvertraut '**). Vor der Schlacht nahm der Kaiser das heilige Abendmal, ritt darauf an den Reihen vorüber und richtete eine kurze aber eingreifende Rede an ste; auch der Bischof von Basel ermunterte das Heer durch geistlichen Zuspruch. Nun setzte dasselbe über den Weidenbach bei Weidendorf, wobei es sich aber ereignete, daß ein schwäbischer Ritter aus dem Gefolge des Bischofs von Basel von seinem unruhigen Roße mitten in die feindlichen Glieder hinein gerissen wurde, worauf nun der erste Angriff von den gepanzerten Reitern geschah, der dann bald allgemein und blutig wurde. Schon war der ehrwürdige 100jährige Greis K o nrad von H as la u erschöpft, *) In Wien war der Anhang für Ottokar nicht gering, und an dessen Spitze stand Paltra m, den der Glückswechsel weder geändert noch gebeugt hatte, sammt seinen 5 Söhnen und seinem Bruder. Dresc luchten mehrere Bürger für ihre verrätherischcn Absichten zu gewinnen, und brachten sogar den ungarischen Grafen Iwan von Gösin g dahin, daß er bald einen Thcil Oesterreichs, bald einen Theil von Steiermark, feindlich überfiel und verheerte. Solche Umtriebe wurden jedoch bald entdeckt, worauf dann die P a l- trame auf Befehl des Kaisers ergriffen, und ihrer Verbrechen überwiesen zum Tode verurtheilt wurden, welche Strafe endlich in lebenslängliche Landesverweisung und Einziehung alter ihrer Guter gemildert wurde. **) Milota hatte schon lange auf eine Gelegenheit gewartet sich an dem Könige Ottokar zu rächen, nachdem dieser seine Nichte entehrt, und ihren Vater Benesch im Thurme zu Atchhvrn lebendig verbrennen ließ. als Heinrich von Liechtenstein das Banner ergriff*), und sich mit solchem in die dichtesten Haufen der Feinde drängte; nicht geringer war der MuH und die Tapferkeit der Kärnthner, Tiroler, Steirer und schwäbischen Völker, welche mit bewundernswerther Ausdauer kämpften. Auch die Ungarn leisteten vortreffliche Dienste, ungescheut der großen Gefahr, der sie immer ausgesetzt waren. Zwei Stunden währte schon der hartnäckige und blutige Kampf, in welchem selbst Rudolph zweimal in die äußerste Lebensgefahr gerieth, als endlich die Böhmen zu weichen anfingen, und sich zur Flucht wandten. In diesem entscheidenden Augenblicke rief Ottokar die Nachhuc vor, aber auch diese war schon in einen Kampf mit den Kumannen verwickelt. Milota von Rosenberg, als er des Königs bedrängte Lage sah, übte nun vollständige Rache, und statt sich der Kumannen zu erwehren und dem Könige beiznstehen, eilte er selbst zur Flucht. Ottokar beschloß jetzt zu sterben wie ein König, und stürzte mitten in die feindlichen Heerhaufen, wo er dann von 17 Wunden bedeckt endlich seinen Tod fand. Dahin gestreckt, in seinem Blute lag nun Ottokar, ganz entkleidet, von Stanb, Blut und Wunden entstellt, die Augen offen, die Züge voll Zorn im schweren Ringen deS Scheidens, als ihn der Kämmerer Heinrich von Berth ol d s d orf auf dem Schlachtfelde fand. Mit Thränen im Auge betrachtete Rudolph eine Zeit lang den sonst so mächtigen Böhmenkönig, und befahl hierauf, daß seine Leiche nach Wien geführt werde **). Als dieses geschehen, wurde solche einbalsamirt, dann von der Kaiserin Anna, Rudolphs Gemalin, mit Purpurgewand und königlichen Zeichen geschmückt, und des andern Tages in Begleitung des gesammten Klerus, jedoch ohne Gesang, ohne brennende Kerzen und Glockengeläute, weil die Reichsacht auf Oktokar lag, von den Schotten in die Minoritenkirche gebracht, und daselbst mit entblößtem Angesichte zur Schau ausgestellt. Hierauf wurde solche verschlossen und blieb etwa durch 6 Monate liegen, bis Abgeordnete von Böhmen nach Wien kamen, und sie nach Znaim führten, worauf sie endlich, aber erst nach 19 Jahren durch Ottokars Sohn, den König Wenzel nach Prag gebracht, und in der St. Veitskirche mit Pracht und Würde zur Ruhe bestattet wurde. Rudolph blieb nun noch drei Tage auf der Wahlstatt zum Zeichen des Sieges wie es damals Sitte war, zog darauf mit den Seinigen nach Mistelbach, und entließ dann das Heer der Ungarn reich beschenkt. Von Mistelbach aus rückte der Kaiser nach Mähren, dessen er sich alsogleich bemächtigte, als er aber von da nach Böhmen rücken wollte, kamen ihm schon die Gesandten der Königin- Wütwe Kunigunde entgegen und baten um Frieden. Rudolph ließ der Königin sammt ihren Kindern Gnade wiederfahren, und sagte ihnen auch seinen Schutz zu. Kaiser Rudolph kehrte endlich nach Wien zurück, ward daselbst feierlichst bei St. Stephan eingeführt, und dankte dort dem Herrn der Heerscharen, der ihn so gnädig erhalten hatte. Das Herzogthum Oesterreich so wie die Fürstenthümer, welche dazu gezählt wurden waren nun also in Rudolphs und des Reiches Händen ***) und da er bei Besiegung Ottokars selbst das Meiste gethan, so beschloß er die neu geworbenen Lande seinem Hanse zuzuwenden, worauf er mit Einwilligung der Kurfürsten auf dem Reichstage zu Augsburg seine beiden Söhne Albrecht und Rudolph mit Oesterreich, Steiermark, Kärnthen, Kram, der windischen Mark und allen den Gütern, welche die vormaligen Herzoge Leopold und Friedrich, und König Ottokar rechtmäßig darin besessen hatten, belehnte. Durch diesen Schritt Rudolphs ist die Unteilbarkeit der Lande, welche schon Kaiser Friedrich I. ausgesprochen hatte, neuerdings bestätigt worden, und so war die Hausmacht Oesterreichs begründet. (Schluß.) *) Nach altem Gebrauche wurden dein kaiserlichen Heere drei Banner vorgetragen, eines mit dem Bilde des Reichsadlers, von dem Markgrafen von Hoch b erg geführt; das zweite mit dem österreichischen Wappen, in Händen des 100jährigen Ritters Konrad von Haslau, welchem Heinrich von Liechtenstein zur Seite gegeben ward; und das dritte mit dem Bildniße des gekreuzigten Heilandes, von Albrecht, dem-- erstgeborncn Sohne des Kaisers geführt. **) Rudolph hatte nie gewollt, daß Ottokars Blut fließe und durch Königsmord dieser Sieg befleckt werde, daher gab er schon am Morgen vor dem Anfänge der Schlacht die gemessensten Befehle zu seiner Schonung. ***) Ottokar, König von Böhmen, hatte vom December 1281 bis zum Zahre 1276, also durch.25 Jahre in Oesterreich geherrscht., Margaretha, genannt die Maultasche. Jahr 1300 bis 1369. ^°öhe ihres Schloßes herab rollen ließen, »daß die Belagerer noch so viele Bahre, als m der Stierhaut Körner seyen, vor der Festung liegen könnten, ohne daß eine Uebergabe erfolgen wurde. Margarethens Heer sah mit Verwunderung dieses Abenteuer und hielt sich davon so sehr getäuscht, daß es mit Unwillen ausrief: »Sie sind mit Vorrath versehen, wir wollen daher abzrehen, und nicht länger mehr hier verweilen. Margaretha sah sich nun bei dieser allgemeinen Unzufriedenheit qenöthigt mit ihrem tirolischen Heere abzuziehen, befahl aber ehe dieses noch geschah, daß jeder von ihren Leuten seine Sturmhaube voll Erde anfüllen, und auf der dem Schloße Osterwltz gegenüber liegenden Ebene ausschütten solle. Diesen nun aufgethürmten Hügel bestieg jetzt die stolze ganz in Harnisch gekleidete Margaretha, und nahm mit den letzten Strahlen der untergehenden Sonne, von ihren Feinden, hyhnsprechend den Abschied, worauf sie sich dann wieder nach Innsbruck zurück begab. König Johann von Böhmen lag damals an einer in dein furniere zu Parts empfangenen Wunde krank. Ueber den Kaiser aufgebracht, beschloß er nun sich an diesem, so wie auch an den österreichischen Herzogen zu rächen, und suchte daher vor Allem die Könige von Ungarn und von Polen für seine Sache zu gewinnen, weshalb er sogleich unter Vermittlung des Königs von Ungarn mit Kasimir von ^)olen einen Frieden schloß. Er entsagte dabei allen bisherigen Ansprücyen an Polen, dagegen leistete"Kasimir Verzicht auf seine Rechte an Breslau, Oppeln und andere schlesische Fürsten- thümer, die König Johann von Böhmen an sich gebracht hatte. Hierdurch kam also ein sehr enges Bündniß zu Stande mit den Königen von Ungarn und ,.o- len, dann dem Schwiegersöhne Johanns, dem Herzoge Heinrich von Niederbaiern, der seit dem fehl geschlagenen Resignations -- Projekte auf den Kaiser einen tödtlichen Haß geworfen hatte. Dagegen aber setzten sich der Kaiser und die österreichischen Herzoge in einen achtbaren und festen Stand, um den feindlichen Angriffen auf das Kräftigste zu widerstehen. Schon standen die beiden Heere bei Landau in Niederbaiern blos durch einen Fluß getrennt nahe an einander; der König von Böhmen und der Herzog Heinrich schlugen aber das angebotene Treffen aus, und verschanzten sich, wahrend der Kaiser das feindliche Land verwüstete, und alle Anstalten rraf um in Böhmen einzudringen. Wie es nun meistens in Fällen geschieht, daß in den Augenblicken, wo die innigste Eintracht herrschen sollte, Zwiespalt eintritt, so geschah es auch jetzt zwischen dem Kaiser und den österreichischen Herzogen. Ludwig verlangte nämlich für seinen Kriegsaufwand einige Schloffer in dem ^znnthale und an der Donau, welche die Herzoge von Oesterreich sich aber weigerten, abzutreten, daher zog Kaiser Ludwig mißvergnügt mit seinem Heere zurück, und auch die Oesterreicher gingen nach Hause. Diesen Umstand benützte der König von Böhmen sogleich und trat mit den Herzogen von Oesterreich in Unterhandlung, worauf dann durch die eifrige Vermittlung der Gemalin des Herzogs Albrecht zu Ens der Friede zu Stande kam (im Oktober 1336). Es wurde dabei die dem Herzoge Otto als Heirath sgut verschriebene Stadt Znaim in Mähren an König Johann von (Veite Oesterreichs zurück gegeben i und zu Gunsten Margarethens und ihres Gemals auf Tirol Verzicht geleistetwozu auch noch einige kärnthnerische Schlösser gegeben wurden. Dagegen entsagte der König von Böhmen seinen Ansprüchen auf Kärnthen, welches nun seit dieser Zeit auch bei Oesterreich blieb. Sehr bald erregte aber auch die Erwerbung Tirols einiges Aufsehen, um welchen Besitz selbst Kaiser -udwig schon seit mehreren Jahren sich lüstern zeigte, und wozu nun Margaretha die nächste Gelegenheit gab. Diese reiche Erbtochter des vorigen Herzogs von Kärnthen und Grafen von Tirol, war ihres GemalS des böhmischen Prinzen Johann Heinrich überdrüßig und beklagte sich mehrmals über die Unfruchtbarkeit und das Unvermögen ihres Gemals. . . ^ . . Dazu kam noch, daß Johann bei Veranlassung eines Zwistes sie m einem ^hurme emsperren ließ, aus welchem sie aber entkam, und nun bei Kaiser Ludwig Zuflucht suchte. Um sich den Besitz von Tirol zu versichern, nahm Ludwig die flüchtige Fürstin freundlich auf, und schlug ihr sogar vor, sich scheiden zu lassen, nachdem er dabei die Absicht hatte, sie mit seinem Sohne, dem eben verwittweren Markgrafen von Brandenburg zu vermälen. Margaretha bedachte .sich wohl nicht lange y l ez u, aber der Markgraf konnte nur mit Mühe zu dieser Vermälung von seinem Vater beredet werden, da Margaretha häßlich, und durch einen breiten Mund entstellt war, von welchem sie auch den Beinamen »Maultasche-« erhielt. Es handelte sich nun um die Scheidung, in welche der Papst nie gewilligt hätte, nachdem Margaretha mit dem Markgrafen im dritten Grade verwandt war, indessen fand man aber auch hiezu Mittel, und der Bischof von Freisingen übernahm eS an des Papstes Stelle, das Geschäft zu vollziehen, jedoch starb dieser bevor er nach Tiro! kam, auf der Reise dahin durch einen un- glücklichen Fall vom Pferde. Der berühmte Marsilus und der Franziskaner Occam gaben nuk dem Kaiser einen andern Rath, das wichtige Geschäft ohne den Papst oder einen Bischof selbst zu übernehmen, worauf nun der Kaiser unter seinem Vorsitze ein förmliches Gericht eröffnen, und die Parteien hiezu vorladen ließ. Margaretha erschien, und erbot sich, ihre Klage rechtlich zu beweisen, und drang zugleich auf die Scheidung; — ihr Gemal I oh a n n blieb aber aus. Der Kaiser nahm jetzt die Beschuldigung als erwiesen an, erklärte ihre bisherige Ehe für nichtig und aufgehoben, und er- theilte zur neuen Vermälung der Prinzessin mit seinem Söhne die Dispensation, worauf im Februar 1342 das Bcilager zu Meran unweit dem Hauptschloße Tirol mit vieler Pracht vollzogen wurde. Nichts konnte dem Kaiser mehr Freude machen, als auf solche Art ein Land an sein Haus gebracht zu haben, das ihm den freien und sichern Zutritt nach Italien gewährte, daher ertheilte er auch seinem Sohne sogleich nicht nur über Tirol allein sondern auch über Kärnthen die Belehnung, weil Margarethens Vater beide Länder im Besitze hatte. Zur zweiten Ebe der Margaretha Maultasche mit Ludwig von Brandenburg, dem ältesten Sohne des Kaisers Ludwig von Baier« hatte der Papst nie seine Einwilligung gegeben, deshalb ward auch der aus dieser Verbindung erzeugte Sohn Meinhard als unrechtmäßig angesehen. Erherzog Rudolph von Oesterreich brachte eS aber bei dem Papste dahin, daß er den Prinzen für legitim erklärte, und gab ihm hierauf die Hand seiner Schwester Margaretha von Oesterreich. Bei Gelegenheit dieser Vermälung am 2. September 1359 nahm nun Margaretha durch einen befon- dern zu München geschlossenen Erbfolgevertrag, die österreichischen Herzoge Rudolph, Friedrich, Albrecht und Leopold als ihre nächsten Anverwandten, und zu Erben auf, das heißt, für den Fall, als sie oder ihr Sohn Meinhard ohne Erben sterben würde. Nun starb Herzog Ludwig schon am 12. September 1361, worauf sowohl in Oberbaiern als in Tirol sein einziger Sohn Meinhard in der Negierung folgte. Dieser starb aber auch am 13. Jänner 1363 ohne Nachkommen, und so siel nun Tirol an seine noch lebende Mutter Margaretha zurück. Als Erzherzog Rudolph von der tödtlichen Krankheit Meinhards Nachricht erhielt, machte sich der junge, schöne und feurige Prinz sogleich reisefertig, und eilte, nicht scheuend die Beschwerden der Jahreszeit, nach Innsbruck und Meran zur Fürstin Margaretha, welche bereits die Negierung wieder angetreten hatte. Er gewann jetzt bald der äußerst leidenschaftlichen Fürstin ganze Zuneigung, die ihm auch und seinen Brüdern mit Einwilligung der Stände am 26. Jänner 1363 die ganze Grafschaft Tirol und die in Baiern ihr verschriebenen Herrschaften abtrat, und behielt sich nur die Landesverwesung im Namen der Herzoge, und die Einkünfte auf Lebenszeit bevor, wogegen Rudolph es sich zur Pflicht machte sie gegen Jedermann zu verteidigen. Indessen fürchtete aber Rudolph den weiblichen Wankelmuts), und da es auch ganz wahrscheinlich war, daß die Herzoge von Baiern ihre vorgeblichen Ansprüche auf Tirol mit den Waffen zu behaupten suchen würden, so war ihm sehr daran gelegen, die Regierung von Tirol noch bei Lebzeiten Margarethens zu erhalten, wozu sich endlich Margaretha nach Sicherstellung ihrer Einkünfte auch herbei ließ, und den Besitz von Tirol dem Hause Oesterreich gänzlich einräumte. Kaiser Karl IV. bestätigte hierauf am 8. Februar 1364 diesen Besitz, und ertheilte zugleich seinem Schwiegersöhne dem Herzoge Rudolph die Belehnung darüber. Hinsichtlich der an Margaretha verschriebenen bairischen Herrschaften ward aber beschlossen, daß es den Herzogen frei stehen sollte, sie nach dem Tode Margarethas in Besitz zu nehmen. Die Stände von Tirol leisteten hierauf am 18. September 1363 dem Erzherzoge Rudolph die Huldigung, und dieses von der Natur ausgezeichnete, und von Gott gesegnete Land, fthloß sich nun an das Erzhaus Oesterreich an, und legte durch eine Reihe von beinahe 500 Jahren während so vielen Stürmen der Ereigniße, die denkwürdigsten Handlungen durch Treue und unveränderliche Unter- thansliebe an den Tag. Die Pracht deS österreichischen Hofes veranlaßte bei Margaretha den Wunsch nach der Hauptstadt Wien zu ziehen, wozu auch Herzog Rudolph gerne einwilligte. Er hielt sie hier in Fülle und Freude, bis sie endlich nach manchem vergeblichen Rückfalle der Sehnsucht nach der aufgehobenen Herrschaft, in dem anmuthigen Schlößlein und Dörfchen Margarethen (welche Vorstadt heut zu Tage noch von ihr den Namen führt) alt an Jahren aber immer noch jungen BluteS am 3. Oktober 1369 starb, worauf sie dann bei den Minoriten in der Stadt ihre Ruhestätte fand. Die Stiftung der Abtei Seitenstetten, in Oesterreich 11. O. IV. V). Jahr 1112. ^)ie schöne Benediktiner-Abtei Seitenstetten mit dem dazu gehörigen Marktflecken gleichen Namens, liegt in einer angenehmen reizenden Gegend des südlichen Oesterreich unter der Ens .m Viertel ob dem Wiener-Walde an dem Fluße Urla, nächst St. Peter in der Au. Der benachbarte Boden ist klassisch. Zur Römerzeit stand an der Erlas ein befestigtes Lager, »ä Muros, wovon die noch lebenden Namen der nahen Ortschaften Mauer, Burg, Lager, so wie eine Menge von ausgegrabenen Altertümern den Beweis liefern. Innerhalb des alten WalleS dieses römischen festen Lagers, war auch ein Begrabmfl- platz, wo man vor kurzer Zeit noch Gerippe, Sporen, Münzen, Röhren rc. fand. Nahe an dieser Gegend ging die Nömerftraße vorbei, die auch noch zu sehen ist, und von den Landleuten die Herden- straße genannt wird. Der alte Name dieser Stiftung war ursprünglich Sytanstetten, und war einst ein Allodialgut des edlen und freien Herrn Udalschalk von Stille und Hefft, der in Urkunden und Chroniken »nobilis, illusti-is vii-, gui äv 8-mxuiue pi-ineipum ti-axit oi-iAinom (ein edler, erlauchter Herr, der vom fürstlichen Geblüts entsprossen)« genannt wird. Obschon sich dieser biedere Mann bei jeder Gelegenheit ritterlich bewahrte und für Recht und Tugend tapfer focht, so lebte doch em stiller Hang für klösterliche Einsamkeit in seinem Innern; wozu aber seine Verhältnisse chm noch nicht gestatteten, seinen verschlossenen Wunsch in Erfüllung zu bringen. . Von reiner Frömmigkeit beseelt stiftete er nun bei St. Peter m der Au für reguürte Chorherren ein Kloster, und glaubte dadurch der Sehnsucht seiner Seele genug gethan zu haben. Die Mönche deS neuen Gotteshauses erfüllten aber keineswegs den Zweck und die Absichten ihres frommen Gründers, und Udalschalk war daher genöthigt seine eigene Stiftung wieder aufheben zu lassen. Er wollte jetzt eine günstigere Unternehmung für die Söhne des heiligen Benedikt gründen , da dieser große und einflußreiche Mann in der Kirchengeschichte, der im Anfänge des sechsten Jahrhunderts seinen Orden m Italien stiftete, bei Udalschalk in besonderer Achtung stand, und da auch die Mönche dieses Ordens an der Urbarmachung ihrer Ländereien selbst Vieles beitrugen. Udalschalk ließ jetzt in dieser Absicht auf seinem Erbgute Sytanstetten zu Ehren der Mutter Gottes ein Kloster erbauen, und um diesem zu ihrer Erhaltung Dauer und Kraft für Gegenwart und Zukunft zu geben, so überließ er dem Kloster alle von seinen Vorältern ererbte Güter an der Urla und am Grünenbach; zugleich gab er auch seiner'neuen Stiftung die Herrschaften Stille und Hefft in Oberösterreich, nM den in diesen Orten befindlichen Kirchen und Kapellen, und vermachte überhaupt all' sem Erbe, bestehend in Landgütern, Grundstücken, Gebäuden, Höfen und Unterthanen. Er befreite diese fromme Stiftung auch von allen weltlichen Vogteirechten, und unterlegte sie dem Schutze der Bischöfe von Passau. ^ Der Bau deS Klosters begann im Jahre 1112 und wurde von dem ritterlichen Wohlthater mit Eifer und Emsigkeit betrieben, so, daß schon mit dem Jahre 1116 das Gebäude vollendet war. Voll Freude hierüber fertigte nun Udalschalk den Stiftsbrief über das Benediktiner-Kloster zu Sytanstetten aus, und nachdem sein Bruder, der Bischof Ulrich zu Passau, welcher der Gründer von Herzo- qenburg war, in der Kathedralkirche zu Passau ein feierliches Dankopfei gehalten, wobei sich viele hohe Personen einfanden, trat der großherzige Gründer vor den Hochalrar, umgeben von ansehnlichen Zeugen, und legte, mit ritterlichem Schmucke angethan, kniend und voll Demuth die Urkunde auf Hem Altäre deS heiligen Stephan nieder. Als diese feierliche Handlung vorüber war, begaben sich Beide nach der neuen Pflanzschule, wo nun die feierliche Einweihung der Kirche, Gott und der heiligen Jungfrau Maria zu Ehren, unter dem Andrange des gläubigen Volkes, vollzogen wurde. Bischof Ulrich hatte in diesen Gegenden auch ansehnliche Besitzungen, und da ihn die außerordentlichen Aufopferungen, welche Udalschalk zur Errichtung des Klosters und der Kirche geb^ hatte, rührten, so wollte sich auch dieser, nach vollbrachter Einweihung des Gotteshauses durch "„e wohlthärige Handlung bei dieser frommen Stiftung verewigen. Er überließ deshalb m emer förmlichen Urkunde dem neuen Stifte die Pfarre Aschbach sammt ihren Filialen, Allhartsberg, Blberbach und 67 Krenstetten, mir allen, sowohl bischöflichen als pfarrherrlichen Zehenten an beiden Ufern der Jps bis zur karintischen Haide. Nach erfolgter Einweihung der Kirche, welches im Jahre 1116 geschah, er- theilte auch Papst Pascha! II. und Kaiser Heinrich V. die Bestätigung über die dem neu errichteten Kloster gemachten Schenkungen. Um den versammelten Söhnen deS heiligen Benedikt ein Haupt zu geben, wendeten sich jetzt Udalschalk der Stifter, und der Bischof von Paffau an den Abt zu Göttweig, worauf ihnen dieser ehrwürdige Mann den frommen, eifrigen und thätigen Mönch Leopold sandte, welcher dieser neuen Gesellschaft als erster Abt vom Jahre 1116 bis 1140 mir dem besten Erfolge Vorstand, und nebstbei seiner anvertrauten Herde eine so zweckmäßige Verfassung gab, daß sie nicht nur den Erwartungen deS edlen Stifters entsprach, sondern in ihm selbst den Wunsch erweckte diesem Orden beizutreten. Damals bestanden die vorzüglichsten Beschäftigungen der Geistlichen in Abhaltung des öffentlichen Gottesdienstes, im Unterrichte, im Beten der Psalmen, in Verfassung der Tagebücher über die Begebenheiten der Welt, in Uebungen der Menschenliebe, und Vervollkommnung der Seelenkräfte. Die ruhige, gleichförmige Stille, die in diesen Mauern herrschte, die Abgeschiedenheit von der äußern Welt , wo damals Gewalt und Unrecht herrschte, und das fromme Beispiel der neuen Brüder, die, durch hinreichende Einkünfte und Privilegien geschützt, unbekümmert um den Lebensunterhalt, in brüderlicher Eintracht Gott und der Menschheit dienten,'bestimmten endlich vollends ihren Stifter ein Mitglied derselben zu werden. Er hatte lange genug in unruhvollen Zeiten das Schwert tapfer für Recht und Gesetz geführt, jetzt wollte er eS aber mit der schönen Palme deS Friedens vertauschen. Dort, in jenen Mauern, die sein frommer Sinn, durch Entäußerung aller seiner Güter erbauen ließ, dort wollte er nun seinem Schöpfer dienen, und in freiwilliger Armuth, im gesetzmäßigen Gehorsam, und in ewiger Keuschheit die Tage seines Lebens vollenden. Liebevoll empfing ihn, als er seinen frommen Wunsch äußerte der ehrwürdige Abt Leopold, und freudig umgaben ihn die jüngeren Brüder, als er zum letzten Male in kriegerischer Rüstung in ihre Mitte trat, um an den Stufen des Altars seiner gestifteten Kirche den Schmuck der Waffen abzule- gen, und die irdische GriHe und Herrlichkeit gegen die christliche Demuth zu vertauschen. Den Blick auf den Gekreuzigten gerichtet, der in Knechtesgestalt auf Erden wandelte, legte Udalschalk seine Pickelhaube, sein Schwert und Panzerhemd an den Stufen des Alrares nieder, und empfing aus den Händen des Abtes die Mönchskappe und den gefalteten Ueberrock mit Gott ergebenem Sinne, worauf er nun förmlich zum Benediktiner eingekleidet wurde. Dieses Beispiel weltlicher Entsagung hatte einen wesentlichen Einfluß auf seine Schwester Helena gemacht, deren Gemüth durch traurige Schicksale für Gebet und Einsamkeit gestimmt war. Sie hatte sich im blühenden Mädchenalter mit einem edlen Ritter vermält, aber diese Ehe war nur von kurzer Dauer, nachdem ihr Gemal, 11 Wochen nach der Vermälung, bei St. Pölten meuchelmörderischer Weise erschlagen wurde. Auf Anrathen ihres BruderS schritt sie nach vollendetem Trauerjahre zu einer zweiten Ehe, und vermälte sich mit Graf R e in b ert von Hagnow und Haide, dem sie eine Tochter und drei Söhne gebar. Späterhin wurde ihr zweitgeborner Sohn Namens Rein ber t, Propst deS Klosters zu St. Pölten, und erhielt die Bischofswürde zu Paffau im Jahre 1141. Graf Reinbert von Hagnow (Hagenau) hatte sich durch viele tapfere Thaten berühmt gemacht, allein jetzt beredete ihn seine Gemalin dem nachahmungswerthen Beispiele seines Schwagers zu folgen, und der Welt zu entsagen. Gleichen Einfluß übte sie auch auf das Herz ihrer einzigen Tochter Richarde, und alle drei weihten sich jetzt dem klösterlichen Leben in der Stiftung zu Seitenstetten. Unter Konrad, einem Sohne des Markgrafen Leopold deS IV. des Heiligen, welcher im Jahre 1137 in den Orden der Cisterzienser trat, und dann im Jahre 1148, Bischof zu Paffau, im Jahre 1164 aber Erzbischof von Salzburg wurde, erhielt die Abtei Seitenstetcen nicht nur eine beträchtliche Zulage an Zehenten, sondern derselben wurden auch die Pfarreien St. Peter in der Au, Aschbach, mit der Filialkirche Krenstetten, Oehling, Allhartsberg mit der Filialkirche Wallnersdorf, Sonntagsberg, Windhag, Jpsitz, Wolfsbach, Biberbach, St. Georg in der Klaus, St. Michael am Brückenkopf und St. Johann zu Engstetten einverleibt, welche theilS vom Stifter selbst, andrerseits durch wohlthätige Verleibungen ursprünglich herstammten. Im Jahre 1175 erhielt das Stift abermals einen bedeutenden Zuwachs an Einkünften, nachdem der Erzbischof W ich mann zu Magdeburg, ein geborner Graf von Seeburg aus Baiern, welcher das Gut Jpsitz in dieser Gegend in Besitz hatte, diese bedeutende Herrschaft nebst allen Gerechtigkeiten, Elsengruben und Salzwerken dem Stifte Seitenftetten förmlich übertrug, hierüber den Schenkungsbrief ausstellte, und diesen durch Kaiser Friedrich den I. der Rothbart genannt, gehörig bestätigen ließ. Im Jahre 1255 war König Ottokar von Böhmen über Troppau nach Wien gereist um seine Gemalin Margaretha abzuholen, und sie nach Prag zu führen, bei welcher Gelegenheit der König die Abtei Seitenstetten mit seiner persönlichen Gegenwart beehrte und diese zugleich auf eine wohltätige Weise bezeichnte, nachdem er dem Stifte neue Freiheiten ertheilte, und die alten bestätigte. Nicht lange nachher wäre es aber bald durch diesen König in seinen Besitzungen sehr verkürzt worden, nachdem Ottokar bei seinen Nachforschungen in Wien gefunden, daß in den unruhigen Zeiten, wo nur Schwert und Gewalt galt, der landesfürstlichen Kammer viele Güter entzogen worden waren. Er gab deshalb im Jahre 1256 den Befehl, den eigenmächtigen Besitzern nachzuforschen, und die auf diese Weise entdeckten Güter zu Gunsten des Königs einzuziehen. Auch Seitenstetten traf nun das Los, einige Grundholden zu verlieren, welche die Reichskammer noch von alten Zeiten her als ein landesfürst- liches Gut behandeln wollte, aber der damalige Abt Hermann ein beredter und gelehrter Mann, welcher dem Kloster vom Jahre 1253 bis 1263 Vorstand, wußte die ursprünglichen Rechte des Stiftes auf die angefochtenen Besitzungen so statthaft zu erweisen, daß König Ottokar, obschon dieselben bereits eingezogen waren, ihm Alles wieder zurück stellen ließ. Nachdem daS gräfliche Geschlecht des Stifters bereits ganz ausgestorben war, und kern Zwerg desselben mehr vorhanden zu seyn schien, begab sich der dem Stifte vorstehende Abt zu dem Kaiser Rudolph von Habsburg, der so eben zu Wien am 16. Juni 1279 einen feierlichen Gerichtstag ab- hielt, und bat den Kaiser, um einen entscheidenden Machtfpruch über die Frage, auf wen nun die Schutz-- und Vogteiherrlichkeit bei geistlichen Stiftungen übertragen werden solle, wenn von dem Stamme der Stifter kein Sprosse mehr übrig ist? Der fromme Monarch, der Recht und Gesetz nach langer herrenloser Zeit wieder einsetzte, entschied nun den Zweifel dahin, daß solche Rechte in derlei Fällen dem Landesfürsten heimfallen. Im Jahre 1440 wurde von dem Abte Benedikt auf dem Sonntagsberge eine Kapelle erbauet, und dadurch zu dem nun berühmten Wallfahrtsorte der Grund gelegt. Im Jahre 1480 wurden auch vom Kaiser Friedrich die Dörfer Seitenstetten und Jpsitz mit Marktfreiheiten betheilt, und von dem thätigen und gelehrten Abte Heym ad er Bieles im'Stifte gebaut und verbessert, so wie auch vorzüglich die Klosterbibliothek mit vielen gedruckten und schätzens- werthen Büchern bereichert. Dieser Abt mußte auch während seines mühevollen StrebenS vieles von den Kriegsunfällen erfahren, nachdem König Mathias von Ungarn sich Oesterreichs bemächtigt hatte, und in diesem Lande vom Jahre 1485 bis 1490 herrschte. Bei dieser Gelegenheit mupte das Stift Seitenstetten, um den übertriebenen Erpressungen Genüge zu leisten, die schönsten Güter veräußern, und einen Schaden erdulden, den die Bater des Ordens auf 24,000 Stück Dukaten schätzten. Bei dem zweimaligen Einfalle der Türken in Oesterreich hatte daS Stift ebenfalls bedeutenden schaden gelitten, nachdem im Jahre 1529 die Klostergebäude zu Lanzendorf, und als im Jahre 1532 die schrecklichen und verwüstenden Feinde bis an die Ens vorgedrungen waren, der Äiarkr ^zpsitz nebst vierzig Dörfern in Brand gelegt wurden. Diese Feinde streiften damals bis in die Nähe des Klosters, und ermordeten in ihrer Wurh den größten Theil der Stiftsunterthanen. Die folgenden Aebte waren indessen eifrig bemüht die Klostergebäude und die Einkünfte desselben wieder zu ordnen und zu verbessern, und trugen vorzügliche Sorge, die Andacht auf dem SonntagS- berge zu erhöhen, und der Kirche daselbst ein herrliches Ansehen zu verschaffen. Bis zur Zeit deS Abtes Guß mann, eines' gebornen Wieners, unter welchem überhaupt daS Stift einen wahren klassischen Wertb erhielt, mußten die jungen Geistlichen ihre BerufSwiffenschaften an der hohen Schule zu Salzburg sich erwerben; dieser thätige Mann machte aber dieser Entfernung ein Ende, nachdem er Lehrstühle im Kloster eröffnete und durch einen von ibm zweckmäßig entworfenen Studienplan, die Zöglinge unter seiner Aufsicht von geschickten Lehrern ausbilden ließ. < Die Reformen Kaiser Joseph des 11, und die sturmbewegte Zeit der französisch - österreichischen Kriege mußten notbwendiger Weise nachtheilig auf den Bestand und die Woblfahrt des (Vtiftes ein wirken, aber die väterliche Fürsorge Kaiser Franz des I., der alles Alte und Ehrwürdige schätzte, und das allgemeine Nützliche zu befördern suchte, gab dem Stifte Seicenstetten seinen alten Glanz wieder, das nun an wissenschaftlichen Bestrebungen, und Beförderung zum Heile der Menschen, eifngst fort wirkt. Das von allen vier Seiten frei stehende Stiftsgebäude erhebt sich auf einem Hügel in einer weiten von Bergen umschlossenen Ebene, ist ansehnlich gebaut und gehört der neuern Zeit an. Die präch- / tige Kirche ist zwar auch erneuert, läßt aber doch noch den alten Bau erkennen in der sehr niedrig gewölbten Eingangshalle, und in den durch Pfeiler von dem viel höheren Schiff der Kirche getrennten Abseiten. Sie hat einige gute Gemälde und mehrere sehenswerthe Grabmaler. Die alte Stifökapelle ist mit Glasmalereien aus der neuesten Zeit ausgestattet. Ein öffentliches Gymnasium und eine Hauptschule nebst einem Studenten-Konvikte mit 50 Zöglingen werden von dem Stifte unterhalten. Einen ganz vorzüglichen Werth gibt dem Stifte die auserlesene Bibliothek, deren Handschriftensammlung auch für alte Kunst sehr beachtenswert ist. Mehrere Missale und Antiphonare stellen den Gang, den die Pergamentmalerei in ihrer Entwicklung genommen, recht sichtbar vor Augen. Die zwei merkwürdigsten und ältesten sind auS dem 12. Jahrhunderte, noch aus der Zeit der Stiftung des Klosters. Das erste hat als Titelbild den auf einem Throne sitzenden Heiland, nur mit Umrissen von schwarzer und rocher Farbe gezeichnet; einige Verzierungen sind jedoch auch mit Farben ausgefüllt. Die Figur selbst ist im antiken Style mit großartigen Gewändern und richtiger Zeichnung. Es erinnert in mehrerer Hinsicht auffallend an die Bilder deS Verduner-Altars zu Klosterneuburg, welche dieselbe Genauigkeit und Strenge in der Ausführung der Zierrathen und Beiwerke haben. Der zweite gleich alte Codex ist ein Pergament-Folioband, mit ähnlichen, aber weniger kunstvollen Gemälden. DaS Buch scheint aus der Zeit W ich mann s, des Erzbischofs von Magdeburg, der das Stift mit seinen Gütern, die er in Oesterreich besaß, beschenkte, im Kloster selbst geschrieben, weil im Monate Mai der Feiertag des Stifters Udalschalk angeführt ist. Aus dem 14. Jahrhunderte findet sich ein Missale und ein sehr großes Antiphonarium von Pergament vor, auf dessen Titelbilde der Abt mit dem Pastorale vor dem Heilande kniet. Die Anfangsbuchstaben sind mit zierlich und fleißig gemalten Figuren der Evangelisten, der unschuldigen Kindlein, der heiligen drei Könige rc. geschmückt. Prächtig strahlt Malerei und Vergoldung in einem ungeheuren Antiphonarium, welches um das Jahr 1500 geschrieben ist, worin auch die Signaturen an einigen Stellen mit Goldplatten bedeckt sind. Auch dieses scheint im Hause geschrieben worden zu seyn, nachdem an der Spitze des Buches sich die heilige Mutter Gottes, die Schützerin von Seicenstetten zeigt welche unter ihrem ausgebreiteten Mantel die Mönche sammt dem Abte bedeckt; ihnen zur Seite steht auch der heilige Stifter Udalschalk, durch das Modell der Kirche bezeichnet, mit seiner Schwester Helena, und dem Wohlthäter des Stiftes, dem Erzbischöfe Wichmann. Außer diesen, und vielen andern Inkunabeln und Handschriften bewahrt diese Bibliothek noch über 10,000 Bände ausgewählter und schätzbarer Werke. Unter dem würdigen Abte Kolumban Zehentner wurde auch eine hübsche Bildersammlung gegründet, welche mit den übrigen Merkwürdigkeiten, ein bedeutendes Stiftsmu- seum bilden. Die Mineralien- und Konchilien-Sammlung sind vorzüglich der Aufmerksamkeit würdig; letztere einiger einzelnen interessanten Stücke, erstere aber ihrer Reichhaltigkeit wegen. Der wohlgelegene Ort selbst zählt bei 80 Häuser und über 1200 Einwohner. Der von dem Stifte abhängige Wallfahrtsort Sonntagsberg liegt auf einem mittelmäßig hohen Berge, der von der nördlichen Seite sich herrlich dem Auge darstellt. Gegen Mittag sieht man im Thale, die Stadt Waidhofen, wo der Fluß Jps vorbei strömt, und den Fuß deS Berges zwischen steilen Felsen umfängt. Diese Gegend hatte noch im 14. Jahrhunderte die Benennung »in der Roudingg.^ Dieser Sonntagsberg wird als ein hochberühmter Gnadenort von vielen Wallfahrern besucht, und hat seinen Anfang von einer Kapelle genommen, welche im Jahre 1440 erbauet, im Jahre 1722 aber in eine geräumige Kirche, der heiligen Dreifaltigkeit geweiht, umgestaltet wurde. Die Kirche hat an Pracht und Kostbarkeiten wenige ihres Gleichen in Oesterreich, und kostete nur an ihrer innern Ausstattung schon über 60,000 Gulden. Die Decke ist von D. Gran, welcher die kaiserliche Bibliothek in Wien ausgemalt hat, herrlich al ki68eo gemalt. Diese Wallfahrtskirche ist zugleich Pfarrkirche für die umliegenden zerstreuten Bauernhöfe, und hat einen Zulauf von Wallfahrern, daß mehrere Geistliche aus dem Stifte Seltenstetten unermüdet beschäftigt sind. Eine Viertelstunde von diesem Wallfahrtsberge entfernt, befindet sich der türkische Brunnen, welcher seine Benennung daher führt, weil die Türken im Jahre 1532 bei ihrem Einfalle auch diese, der heiligen Dreifaltigkeit geweihte Kirche berauben wollten, indessen konnten sie aber nur bis zu diesem Brunnen Vordringen, nachdem ihnen die Pferde nicht mehr weiter vorwärts gehen wollten, wodurch sie endlich von einem panischen Schrecken überfallen, wieder ihren Rückweg nahmen, und den heiligen Ort mit ihrer Raubgierde verschont ließen. Die Stillung der Abtei Heiligenkreuz, - in NiederösLerreich V. U. IV. V). Jahr 1136. A)iese Cisterzienser-Abtei, welche zu den ansehnlichsten Stiften Oesterreichs gehört, liegt zum Theile eingeengt in einem Thale, am Einflüße des Dorübaches in den Sattelbach zwischen Gaden und Alland an einer von Wien nach Groß - Mariazell führenden Straße, vier Stunden von Wien, zwei Stunden von Mödling und zwei Stunden von Baden entfernt. Die älteste Geschichte der Entstehung des Stiftes reicht in jene Zeit, als Leopold IV. der Heilige, Oesterreichs Landesfürst war, dessen frommen und Gott ergebenem Sinne so manche heilbringende Stiftung dieses Landes ihren Ursprung zu verdanken hat. Der Orden der Cisterzienser, der im Jahre 1098 vom heiligen Robert von Molisme zu Cl- teaur in Frankreich gegründet, und durch den heiligen Bernhard, ersten Abt zu Clairvaux seine Berühmtheit und schnelle Verbreitung erhielt, stand zu den Zeiten Leopold des Heiligen schon m seiner schönsten Blüte. Als nun Leopolds Sohn Otto, den er nach Paris geschickt hatte, um dort zu studiren im Jahre 1126 zu Morimund in Frankreich in den Cisterzienser - Orden trat, und im Jahre 1131 daselbst Abt wurde, schilderte dieser seinem frommen Vater die strengen Satzungen dieses Ordens und die ausgezeichnete Frömmigkeit seiner Glieder so eindringlich, daß sich dieser, auf das Bitten seines Sohnes entschloß, eine Kolonie dieses Ordens, nämlich zwölf Mönche unter dem Abte G o- deschalk und dem Prior Wilhelm aus dem Kloster Morimund nach Oesterreich zu berufen, wo er ihnen mit Beistimmung des Bischofs Reginmar von Passau, den Ort Sattelbach zum Wohnorte anwies. Im Jahre 1134 kamen die Mönche wirklich aus Morimund an, und machten an dem Orte lbrer Bestimmung sogleich den Anfang zum Baue des Klosters und der Kirche, erhielten aber indessen ibren Lebensunterhalt von der täglichen Präbende des heiligen Markgrafen, bis derselbe im Jahre 1136 den Stiftbrief ausfertigte, in welchem die meisten benachbarten Adeligen als Zeugen Vorkommen. Leopold der Heilige wollte nun, daß der Ortsname Sattelbach in jenen zum heiligen Kreuze verändert werde, wie er sich in der Urkunde ausdrückt: »-Wegen des siegreichsten Zeichens unserer Erlösung , ob vietoviosissimum nosU'Lv salvatiouis signum Der heilige Markgraf konnte aber den Fortgang seiner neuen Stiftung nicht lange sehen, denn er starb noch im nämlichen Jahre 1136, in welchem er den Stiftbrief ausgefertigt hatte, und wurde in dem von ihm früher gestifteten Klosterneuburg begraben. ^ . Indessen vermehrte sich aber diese geistliche Klostergemeinde zu Heiligenkreuz bald so sehr, da>; der Abt Godeschalk kaum noch den nöthigen Lebensunterhalt für dieselbe besorgen konnte. König Bela 11, von Ungarn, von dem ausgebreiteten Rufe dieses Ordens in Kenntniß gesetzt, machte nun dem Abte den Antrag, daß er mit seinen Mönchen von dem Waldthale Sattelbach hinweg , und nach Ungarn in eine beliebige und bequeme Gegend ziehen möchte. Godeschalk folgte aber diesem einladenden Rufe nicht, denn er wußte, daß deS heiligen Stifters frommer Sohn mit gleichem Gefühle für Gott wie sein Vater begabt, Oesterreichs wohlthätiger Landesfürst sey, und begab sich daher, begleitet von einigen seiner Ordensbrüder zu Leopold dem V., der zu Tuln residirte, um ihm zugleich von dem Anträge des ungarischen Königs die Anzeige zu machen. Mit landesfürstlicher Liebe empfing L e o- pold den ehrwürdigen Abt mit seinen Angehörigen, als dieser aber das heilige Kleinod, nämlich das kostbare Vermächtniß seines erlauchten Vaters Leopold deS Heiligen, jenen Kreuz-Partikel, welcher der Abtei und dem Orte seinen Namen gegeben auf den Tisch setzte, vor dem der Markgraf stand, und ihm mit rührenden Worten die traurige Lage seines Stiftes schilderte, welches sein großer Vater durch frommen Eifer in's Leben rief, und welches er nun mit seinen Brüdern so schwer verlasse, da *) Es ist ungewiß, ob er dieses blos aus Verehrung des heiligen Kreuzes that, oder weil er zugleich dem Kloster jenen kleinen Partikel des heiligen Kreuzes geschenkt, welchen er von seinem Sobnc Otto erhalten, und der bis zum 17. Jahrhunderte im Kloster vorhanden war. Indessen ist gewi>,', daß der Name des Stiftes »zum heiligen Kreuze« erst dann allgemein gebräuchlich wurde, als der Herzog L e o p old 'l. im sichre 1187 dem Kloster jenen Partikel des heiligen Kreuzes schenkte, den dasselbe noch heut zu Lage besitzt. legte der tief gerührte Fürst seine Hand auf den von seinem Vater dem Stifte geschenkten Partikel des heiligen Kreuzes, indem er zugleich die andere Hand zum Himmel streckte, und schwur mit feierlichen Worten, daß er daS Kloster jederzeit beschützen und erhalten wolle, worauf er dann demselben daS Gut Trumau, und kurz vor seinem Tode auch daS Gut Tallern schenkte *). Durch dieses fromme Beispiel deS Landesfürsten aufgemuntert, fanden sich bald auch mehrere Wohlthäter des StifteS, und dieses erhielt dann von Zeit zu Zeit nicht nur von den nachfolgenden Landesfürsten, sondern auch von andern adeligen und vermöglichen Privaten ansehnliche Geschenke an Privilegien, Gütern, Grundstücken, Zehenten rc. Einen trefflichen Beweis des guten RufeS und allgemeinen Zutrauens auf den innern Werth der ^österlichen Disciplin in Heiligenkreuz lieferte daS Stift durch jene Klöster, die ihre Bewohner durch Heiligenkreuz erhielten. Zu diesen gehören die Abtei Zwetl, das Kloster Baumgartenberg (lVlons komaeriu«) beim Städtchen Grein in Oesterreich ob der Ens, daS Kloster Cicador in Ungarn in der Fünfkirchner-Diöcese, daS Kloster Marienberg (Norm Krmetus L. V. M.), das Kloster Lilienfeld, das Kloster Goldenkron in Böhmen, und endlich das Kloster Neuberg in Steiermark. Obschon klösterliche Einsamkeit und Demuth, und daher stilles Wirken deS Guten ohne Rücksicht auf Menschenlob stetS daS pflichtmäßige Streben der Stifrsglieder von Heiligenkreuz war; so gab eS doch auch hier Männer, deren Licht vor der Welt leuchtete, und die sich durch besondere Thätigkeit, Kenntnisse und Beförderung zu höhern Würden auszeichneten. Im 12. Jahrhunderte wurde der Abt Konrad 1., ein Sohn des heiligen Leopold, Bischof von Passau, und dann Erzbischof von Salzburg. Im 17. Jahrhunderte wurde daS Stiftsglied Anton Wolfrath, Abt zu Wilhering, dann Abt zu Kremsmünster, und endlich Bsschof in Wien und Reichsfürst. Der Stifts - Kapitular Mathias Palffy aus dem noch jetzt blühenden gräflich Palffyschen Hause in Ungarn wurde im Jahre 1638 Erzabt zu Martinsberg in Ungarn. Der Abt Nikolaus I. war geheimer Rath des Herzogs Albrecht des IV. Der Abt Heinrich IV. wurde zum Landes - Gouverneur ernannt. Der Abt Christoph wurde von Kaiser Ferdinand dem 11, und der Abt Klemens vom Kaiser Leopold den I. zum Kriegs-Kommissar bestimmt, und mehrere andere Aebte wirkten als landständische Verordnte, und ungarische Komitats-Beisitzer thätig zum Besten deS Landes. Auch in literarischer Hinsicht war man in Heiligenkreuz nicht unthätig, welches die vielen Handschriften von StiftSgeistlichen aus jedem Jahrhunderte seit der Stiftung, die noch in der Stiftsbibliothek vorhanden sind, beweisen. DaS Klostergebäude und das Schiff oder Langhaus der Kirche wurde im Jahre 1187 vollendet, und vom Kardinale Theobald feierlich eingeweiht, welcher Feierlichkeit der Herzog Friedrich mit sehr vielen Adeligen beiwohnte. Im Jahre 1230 wurde von Wichard von Zebingen ein Hospital gegründet, und dieses zwar bloS für Fremde, nachdem der Stifter in der hierüber ausgefertigten Urkunde ausdrücklich sagt: »Ich will, daß kein hier lebender Bruder, und kein Familiär dieses Almosen genieße, sondern ich will, daß, was immer für einen fremden Schwachen oder Kranken die göttliche Fügung dahin führen wird, dieser durch die Werke der Barmherzigkeit dort erquickt werden Der Herzog Albrecht I. ließ im Jahre 1300 zu diesem Hospitale eine dem heiligen Erasmus geweihte Kapelle erbauen, zu welcher 30 Jahre später auch eine tägliche Messe gestiftet wurde. Im Jahre 1278 wurde von Otto, dem Pfarrer zu Rustbach, an dem äußeren nordwestlichen Thore und Vorhofe des Stiftes eine Kirche zu Ehren Mariens der seligsten Jungfrau erbauet, welche zum Gottesdienste für die herum wohnenden Laien diente, damit die Mönche durch dieselben un der Stiftskirche nicht im Chorgebete gestöret werden. Um diese Zeit wurde auch die Klosterkirche erweitert, und der vordere Theil, oder der Chor angebauet, und mit Fenstern von geschmolzenen vielfärbi- gem Glase verschönert, so wie sie noch bis jetzt zu sehen ist. Dieser Chor wurde im Jahre 1285 von dem Bischöfe von Passau, am Neujahrstage eingeweiht, zu welcher Feierlichkeit eine solche Menge Menschen aus den entferntesten Gegenden zuströmte, daß viele Menschen vor Kälte ihr Leben verloren. Zum Andenken wurde eine jährliche Spende am Neujahrstage eingeführt, von welcher zwar keine eigentliche Stiftung vorhanden ist, mit welcher aber wahrscheinlich die Almosenstiftungen verschiedener Wohlthäter vereinigt wurden **). Diese Spende wurde nur in den ungünstigsten Zeitumständen auf kurze *) Dies ist auch der Ursprung des Stiftwappens, nämlich in einem Kreuze eine Hand mit aufgehobenen Fingern nach Art eines Schwörenden. **) Diese jährliche Spende am Neujahrstage bestand darin, daß nach dem vormittägigen Gottesdienste das Hauptthor des Klosterhofcs geschlossen, und jedem innerhalb Befindlichen ein Seitel Wem, eine Portion oder Stri- Zeit unterbrochen; dann aber wieder fortgesetzt, bis zu den Zeiten Kaiser Jo se p h des H., von welchem sie in einen verhältnißmäßigen Beitrag zum Wohlthätigkeitsfonde verändert wurde. Bald nach der Einführung der Spende entstand auch der schöne Gebrauch, der noch heut zu Tage beobachtet wird, daß nämlich alljährlich am grünen Donnerstage so vielen Armen, als die Anzahl der gesammten Stiftsglieder beträgt in dem Stiftskreuzgange von dem Abte und den anwesenden Stiftsgliedern die Füße gewaschen werden, und dieselben dann mit Geld betheilet, und öffentlich im Refektorium gespeiset, und von dem Abte und den Geistlichen bedienet werden. Es wird auch nach dem Tode eines jeden Stiftsgliedes, so wie jährlich nach dem Tage deS heiligen Lambert, durch einen ganzen Monat, täglich eine Portion Speise und Trank von dem Obern im Refektorium gesegnet, und dann unter die Armen vertheilt. ES ist auch bei dem StiftSgebäude ein eigenes Armenhaus, wo alte gebrechliche Leute versorgt werden. Nebst der gewöhnlichen Almosenspende durch den Klosterpförtner, und an der Küche, werden die Armen immerfort hinreichend bedacht. Während dem eingetretenen österreichischen Interregnum, war dieses Land ein beständiger Kampfplatz streitender Parteien, bis endlich Ottokar im Jahre 1278 von Kaiser Rudolph von Habsburg besiegt, und Oesterreich im Jahre 123V an Albrecht den I., einen Sohn des Kaisers erblich übergeben wurde. Es läßt sich nun leicht denken, daß während dieser unruhigen Zeitumstände auch die kirchlichen Verhältnisse Oesterreichs in einer mißlichen Lage waren, und das Stift durch feindliche Verheerung seiner Besitzungen großen Schaden litt. Eben so wurde auch, als sich die Brüder Albrecht des IV. in Oesterreich wegen der Vormundschaft über Albrecht den V. bekriegten, daS Stift mit unerschwinglichen Steuern und Abgaben belegt. Später verübten auch die Soldaten des Ulrich von Cilley und des Ulrich Eizinger, die heftige Gegner des Kaisers waren, vielen Unfug in dieser Gegend und verheerten sowohl daS Kloster als auch die Besitzungen desselben. Im Jahre 1462 brannte durch Unvorsichtigkeit eines Arbeiters, mit dem Glockenthurme ein großer Theil der Stiftsgebäude ab. Zwischen den Jahren 1462 und 1466 waren an den Kaiser Friedrich den IV. und theils an den Herzog Albrecht den VI. die gegen einander Krieg führten, theils auch an verschiedene adelige Gegner des Kaisers, so viele Zahlungen und Kontributionen zu leisten, daß solche das Stift kaum mehr erschwingen konnte. Im Jahre 1529 kam der türkische Kaiser Suleiman mit einem sehr zahlreichen Kriegsheere nach Oesterreich, belagerte Wien und verheerte die ganze Gegend. Bei dieser Gelegenheit wurde das Dach der Kirche und das Klostergebäude von den Türken verbrannt, und nebstdem noch wesentlicher Schaden in den übrigen Besitzungen zugefügt, wodurch das Stift genöthigt war, nicht nur viele Güter zu verkaufen, sondern auch alles Silbergeräthe bis auf eine Monstranze und einen Kelch ausgenommen, einschmelzen zu lassen. Im Jahre 1623 verbrannte der Maierhof beim Stifte und 4 Jahre darauf verbrannte durch einen Blitzstrahl der Glockenthurm und daS Dach der Stiftskirche und des Schlafsaales, so wie mehrere Gebäude am sogenannten Rhadschin. Im Jahre 1683 belagerten die Türken zum zweiten Male Wien, und verheerten gräulich das ganze Land. Alle Ortschaften wurden von ihnen verbrannt, und daher auch die Kirche und das Stiftsgebäude zu Heiligenkreuz, wo sogar aus Begierde nach verborgenen Schätzen, die Grabsteine aufgerissen, und zertrümmert wurden. Im November 1865 kam der General Davon st mit 30,000 Mann Franzosen auf der Straße von Groß-Mariazell nach Heiligenkreuz, und der Durchmarsch dieser Truppen dauerte mehrere Tage; da aber für die Verpflegung dieser zahlreichen Mannschaft hinlänglich gesorgt worden war, so blieb das Stift von feindlichen Ausschweifungen verschont, dagegen hatte aber dasselbe bis zum Abzüge der Feinde aus dem Lande beträchtliche Ausgaben. Im Jahre 1809 widerholte sich dieses Unglück durch den wiederholten Einfall der feindlichen französischen Kriegsheere, wobei das Stift nicht nur bedeutenden Schaden erlitt, sondern auch sogar der Gefahr einer Plünderung auS- gesetzt war. DaS Stiftsgebäude ist ein Stockwerk hoch und umfaßt 8 Höfe. Ueber dem Thore der Fronte des Stiftsgebäudes ist eine kolossale Orgel angebracht, nämlich das sogenannte Hornwerk, womit durch einen vielstimmigen 6 Akkord, den man über eine Stunde weit hört, die entfernten Pfarr- kinder zum Gottesdienste herbei gerufen werden. Durch daS Thor unter diesem Hornwerke kommt man in den Stiftshof, der von drei Seiten bedeckte Gänge hat, die theils zu den Gastzimmern, Kanzleien und Wohnungen geistlicher Stiftsbeamten und sonstigen Personals führen. An der Ostseite dieses Hohe! Brod, und ein halbes Pfund Fleisch, oder statt des Letzteren, zwei Baßen oder vier Kreuzer Geldes von den dazu bestimmten Stiftsgeistlichen und ihren Gehilfen äbgereicht wurden. feS sieht man das Portal der Kirche, an welche das Prälatur.- Gebäude stößt, welches durch eine Gemälde-Sammlung, eine auserlesene Bibliothek, geschmackvolle Einrichtung der Wohnzimmer, und einen schönen Speisesaal sehenswerth ist. In diesem Hofe, dem Eingänge der Kirche gegenüber ist eine schöne Säule, die allerheiligste Dreifaltigkeit und die Krönung Mariens vorstellend, mit den S.taruen mehrerer Heiligen, welche zum Andenken an die Pest, die im Jahre 1713 gewüthet hat, erbauet wurde. Von dieser Säule weiter abwärts befindet sich ein Springbrunnen mit der Statue deS heiligen Joseph. Auf drei Stufen besteigt man den Eingang zur Kirche, welche 120 Schritte lang ist und aus zwei Haupttheilen besteht. Der Hintere Theil ist 65 Schritte lang, und 25 Schritte breit. Er besteht aus zwei Seitengängen und dem mittleren Hauptgange, der beiläufig noch einmal so hoch ist als jene. Er wird von den Seicengängen durch zehn auf jeder Seite befindliche Pfeiler abgesondert. -In diesem Theile der Kirche ist rückwärts der Musik-Chor mit der im Jahre 1802 erbauten großen Orgel; rückwärts derselben sind die Chorstühle zum Chorgebete. Der vordere Theil der Kirche ist 55 Schritte lang, und 40 Schritte breit, an Höhe aber ganz dem Mittelgange des Schiffes gleich, und wird durch sechs Säulen der Länge nach in vier, und der Breite nach in drei gleiche Theile abgetheilt. Das Presbyterium ist um zwei Stufen höher und rings mit einem Geländer von grauem Marmor umfangen. Außer dem Hochaltars der Himmelfahrt Mariens befinden sich hier noch zehn Seitenal- täre. Die Kirchenfenster sind von vielfärbig geschmolzenem Glase, und in Hinsicht der Zeichnung und künstlichen Zusammensetzung merkwürdig. Am Anfänge des Chores rechter Hand gelangt man abwärts in den Kreuzgang, und bei einer zweiten Thüre aufwärts in den Schlafsaal. Vorne ist der Eingang in die Sakristei, die im Jahre 1802 mit künstlichen Kästen verschönert wurde; rückwärts derselben ist der Leichenhof der Geistlichen, wo sich mehrere Grabmäler befinden. Daneben ist die Kapelle des heiligen Bernhard und das anstossende ehemalige Hospital, später Noviziat-Gebäude und rückwärts desselben der Konventgarten, der Bibliotheksaal, dann das Studiengebäude, wo die Kleriker wohnen und unterrichtet werden. Neben dem großen Schlafsaale oder Dormitorium ist die Schatzkammer, die mehrere schöne Kirchenornate, kostbare Kelche und Monstranzen enthalt; dann einen Dorn der Krone Christi, welcher im Jahre 1799 die gegenwärtige'Einfassung erhielt; endlich der berühmte Kreuzpartikel, dessen Authenticität keinem Zweifel unterliegt. Er hat die Form eines Kreuzes mit zwei Querstücken. Herzog Leopold VI. nahm ihn im Jahre 1182 aus Palästina mit sich und schenkte ihn dem Stifte im Jahre 1187. Den ununterbrochenen Besitz dieser Reliquie beweisen die in den Jahren 1285, 1290 und 1328 von den Päpsten für die Feste Kreuzerhöhung und Erfindung dem Stifte ertheilten Ablässe. Zu ebener Erde ist das Sommer-Refektorium, in welchem besonders das Gemälde von Altomonte, »die 5000 Gespeisten,^ sehenswerth ist. Daneben in einem kapellenartigen gothischen Gebäude ist der bleierne Springbrunnen, dessen dreifaches Becken aus Blei ist; die Fenster sind von vielfärbigem Glase, und enthalten insbesondere Abbildungen der ursprünglichen Kirchen zu Klosterneuburg und Heiligenkreuz sammt der Familie des heiligen Leopold. Der Kreuzgang bildet in gothischen Wölbungen ein ziemlich reguläres Viereck und hat an der obern Wand ringsum Gemälde aus dem Leben des heiligen Bernhard. Im ersten Gange von der Pforte sind die Grabsteine von mehreren Stiftsgeistlichen. Der zweire Gang wird zur Fußwaschung benützt und enthält gleichfalls Grabsteine mehrerer Stiftsgeistlichen und Privaten; im dritten Gange ist in der Anna-Kapelle das Grabmal des Abtes Gerhard, und in der Todtenkapelle, wo die verstorbenen Stiftsgeistlichen bis zur Begräbniß beigesetzt werden, das Grabmal des Abtes Robert. In diesem Kreuzgange befinden sich auch mehrere Grabmäler von hier ruhenden Privaten, so wie mehrere Nachkommen aus dem babenbergischen, und zwei aus dem habsburgischen Negentenstamme *). Den Ort Heiligenkreuz selbst bilden nebst den Stiftsgcbäuden bei 30 um dieselben herum liegende zerstreute Häuser, deren Bewohner sich vom Taglohne und Viehzucht, den Unterhalt verschaffen. Außerhalb dem Stifte ist auch besehenswerth der Kalvarienberg mit Statuen von G u i l i a n i. *) A l b e r t, Ernst der Schöne und Leopold V, - Söhne des heiligen Leopold; Leopold VI. , ein Sohn Heinrichs Jasomirgott; Friedrich der Katholische, ein Sohn Leopold des VI. ; Heinrich der Aeltere von Mödling, ein Bruder Leopold des VI. ^ H ein r ich, ein Sohn des Herzogs von Mödling ; Heinrich der G r a usam e, ein Sohn Leopold des VII. ; F r i e d r i ch II. der Streitbare, ein Bruder Heinrichs des Grausamen; Rudolph und Heinrich, Söhne des Otto von Baiern und Enkel Kaiser Rudolphs von Habsburg von seiner Tochter Katharina; Naiza, Gemalin Heinrich des Aeltern; Richardis, Gemalin Heinrichs des Grausamen; Gertrud, erste Gemalin Friedrich des Streitbaren. Ladislaus, der Heilige, König von Ungarn und Landespatron von Siebenbürgen. Jahr 1041 bis 1095. Unter den großen und ausgezeichneten Königen , welche den Thron des von der Vorsehung so gesegneten Ungarns im Besitze hatten, verdient besonderer Erwähnung Ladislaus der Heilige genannt, dessen Leben und Wirken alle jene gemeinnützigen Tugenden in sich schloß, die Ungarns und Polens Wohlfahrt beförderten, und der in der Reihe beglückender Regenten, den schönsten Spiegel der Nachahmung zurück ließ. Schon seine frühere, mit mannigfaltigen Schicksalen verwebte Jugend, und die Launen des Glückes, die sein Vater Bela I., späterhin Ungarns König, wie sein Bruder Geiz a, erfahren mußte, hatten seinem Gemüthe eine fromme Richtung gegeben. Durch den Tod seines Groß- Oheims Stephan des Heiligen, Ungarns unvergeßlichen Königs, hatten sich in diesem Lande vrele Unruhen entwickelt. Der einzige Sohn Emerich, die freudige Hoffnung seines großen Vaters Stephan des Heiligen, war nach dem Willen der Vorsehung in der Blüte seines Lebens zu einem bessern und ewigen Leben berufen worden, weshalb nun der König, den Sohn seiner Schwester, Namens Peter, als Nachfolger auf Ungarns Thron bestimmte. Peter entsprach aber keineswegs den Hoffnungen seines weisen Oheims, und brachte, leichtsinnig, und so manchen verderblichen Leidenschaften ergeben, während seiner dreijährigen Negierung das Reich in große Gährung und Unzufriedenheit, so, daß er von seinem Throne gestürzt, und der Palatinus des Reiches Samuel Aba, welcher des heiligen Königs Stephan älteste Schwester zur Gemalin hatte, zu seinem Thronfolger ausgerufen wurde. Umsonst hatten schon früher die letzten drei Fürsten aus dem arpadischen Stamme, Bela, Andreas und Leventha ihre Ansprüche auf Ungarns Krone geltend machen wollen; nun mußten sie aber flüchtig daS Reich verlassen, und gelangten gerade in einem Zeitpunkte nach Polen, wo die Pommerianer dem Herzoge Mieczyslaw von Polen, den jährlichen Tribut verweigerten, den er jetzt durch die Gewalt der Waffen erzwingen wollte. Schon standen die Heere beider Völker zur Schlacht gerüstet sich gegenüber, aber keines wollte den ersten Angriff wagen. Es ward daher beschlossen, der obwaltende Streit sollte durch einen Zweikampf wie einst unter den Horatiern und Curiatiern, nach GotteS Fügung entschieden, und dadurch jedes weitere Blutvergießen vermieden werden. Mieczyslaw zu feige, um der Herausforderung des kühnen und nervigen Herzogs von Pommern Genüge zu leisten, stand in Gefahr von seinem Volke verhöhnt zu werden, als der flüchtige ungarische Fürst Bela hervor trat, und sich erklärte für den Herzog und daS Reich zu kämpfen. Er ritt mir Löwenmuche auf seinen Gegner zu, sein starker Arm verwundete ihn gewaltig, so, daß er vom Rosse stürzte, und seinen Ueberwinder nur um das nackte Leben bat. Er versprach Unterwürfigkeit und den alten Tribut an den Herzog von Polen zu bezahlen. Mieczyslaw, über diesen Sieg höchst erfreut, belohnte den wackern Bela reichlich, und erhob ihn an seinem Hofe zu dem ersten Range aller Großen, indem er ihm zugleich den jährlichen Tribut von Pommern zu seiner Unterhaltung überließ. Aber auch durch die Bande deS Blutes wollte er Bela an sich und an Polen knüpfen, deshalb gab er ihm seine geist- und anmuchsvolle Tochter Nicheza zur Gemalin, die ihm in der Folge zu seiner Freude und zu Ungarns Heil und Glück zwei Söhne Geiz a und Ladislaus gebar. Letzterer erblickte im Jahre 1041 das Licht der Welt. Nicht lange aber genoß sein Vater ungestört die Früchte seines wohlverdienten Glückes; Mieczyslaw starb, und die Furie der Zwietracht mit allen Schrecken der Anarchie erhob über daS Land ihr Schlangenhaupt. Umsonst versuchte Bela als Gemal der Tochter des verstorbenen Herzogs die Ordnung wieder herzustellen, und gleichsam wie ein Vermittler aufzutreten. Haß und Verfolgung waren aber fein Lohn, worauf er sogar gezwungen wurde, seine Zufluchtsstätte bei dem Bischöfe von Krakau zu suchen. In dieses Asyl begab er sich mit seiner Gemalin Nicheza, und entwickelte da durch eine sorgfältige Erziehung die Keime des Rechten, Guten und Edlen in den Herzen seiner Söhne. Nach sieben Jahren, durch welchen Zeitraum eine elende Zerrüttung herrschte, erwachte endlich in den Polen der Entschluß, dem rechtmäßigen Sohne ihres vormaligen Herzogs Namens Kasimir, welcher sich in der Abtei zu Clugny in Frankreich befand, als ihrem eigent- » 69 lr'chen Oberherrn zu huldigen. Es wurden Abgesandte an den Papst Benedikt den IX. geschickt um seine Einwilligung hiezu zu erlangen, worauf sich diese dann nach Frankreich begaben um den jungen König abzuholen. Kasimir suchte auf seiner Reise den wackern Gemal seiner Schwester in Krakau auf, und beredete ihn, ihm wieder an seinen Hof zu folgen. Bela folgte dieser Einladung um der künftigen Wohlfahrt seiner Söhne willen, und wählte sich aus den Mönchen der Abtei Clugny, welche der junge polnische Herzog aus Frankreich mit sich genommen hatte, den edlen und gebildeten W il! er- muS zum Hauskaplane, der zugleich auch die Erziehung seiner Söhne besorgte. Belas Brüder, keineswegs ihre Ansprüche auf den ungarischen Thron aufgebend, hatten sich von Polen nach Rußland begeben, um dort einen günstigen Augenblick abzuwarten, die Unruhen, die ihr Vaterland zerrütteten, vortheilhaft benutzen zu können. Pannonien war wirklich ein Schauplatz deS Elends, und der nach Peter zum Könige ausgerufene Samuel Aba mußte vielen Widerstand erdulden. Der Bischof von Tschanad, welcher den einzigen Sohn Stephan des Heiligen — nämlich den Prinzen Emerich — erzogen hatte verweigerte dem Neugewählten die Krönung, und in dem allgemeinen Aufstande gegen ihn fiel ihm noch das harte Schicksal, enthauptet zu werden. Die Partei des abgesetzten Peter erhob zwar diesen wieder auf den Thron, aber nur auf kurze Zeit, denn die Ungarn empörten sich neuerdings gegen ihn und riefen Andreas und Leventha zurück, während ^ Peter gefangen genommen wurde und sein Leben in einem Gefängnisse beschloß. Aber auch den Leventha nahm ein plötzlicher Tod von dieser Erde, wodurch Andreas seine Absichten auf Ungarns Krone leichter erreichen konnte. Indessen ward aber mit seiner Thronbesteigung dem zerrütteten Reiche noch immer keine Ruhe gegeben, obschon er sich wider das Heidenthum erklärte, das hie und da im Lande noch feste Wurzeln hatte. Im immer wahrenden Kampfe mit seinen feindlichen Parteien, bedroht und gedrängt von Kaiser Heinrich dem III. sah er sich endlich genöthigt seinen Bruder Bela aus Polen zu Hilfe zu rufen, indem er ihn als Erben und Nachfolger in der Herrschaft von Ungarn bestimmte, und ihm die Thronfolge brieflich zusicherte. Bela eilte auf diesen Ruf willig herbei, und bewährte bald seine brüderliche Liebe durch Heldenthaten. Er besiegte die Feinde des Andreas, zwang den Kaiser die Belagerung von Presberg aufzuheben und vortheilhafte Friedensbe- dingunqen einzugehen. Aber statt Dank zu ernten, entfremdete sich Andreas von ihm, nachdem dieser durch einen ausserordentlichen Umstand bewogen, seine frühere Absicht, Bela und seinen Söhnen das Reich zu hinterlassen, änderte. Ihm selbst war nämlich ein Sohn geboren worden, der den Namen Salomon erhielt, und alle seine früher« an seinen Bruder gemachten Versprechungen, waren nun dadurch vergessen, denn dieses Kind wurde jetzt der Zielpunkt aller seiner Wünsche und Hoffnungen, und um dem jungen Prinzen Macht und Ansehen zu verschaffen, verlobte er ihn noch im zarten Knabenalter mit der Tochter des Kaisers Heinrich des III. und kaum batte er das siebente Jahr erreicht, ließ der Vater die Bischöfe und Magnaten deS Reichs zu Stuhlweissenburg versammeln, damit sie dem Knaben als Mitregenten deS Königreichs huldigen und durch eine feierliche Krönung ihm die Thronfolge sichern möchten. Da Bela und seine Söhne keinen Widerstand leisteten, und der König Andreas kränklich und bereits auch an Jabren vorgerückt war, so willigten die Großen deS Reiches ein, und die Krönung ging mit großer Feierlichkeit vorüber. Bald entwickelte sich aber Unzufriedenheit und neue Unruhen, für deren Urheber Andreas seinen Bruder Bela hielt. Mißtrauen und Furcht erfüllten seine Seele und in dieser peinlichen Lage gedachte er deshalb ihn zu tödten, wenn er auf der Krone bestehen würde. Er lockte ihn nun auf eine einsame Burg Vsrkony genannt, wo auf einem Teppiche Schwert und Krone lagen. Andreas, auf einem Ruhebette liegend, bot ihm die freie Wahl zwischen Beiden an, doch schon früher gewarnt '*), griff Bela nach dem Schwerte, und erklärte seinem Bruder, daß sein Sohn Salomon die Krone behalten könnte '**). Bela hielt sich nun unter solchen Umständen im Reiche nicht mehr sicher, und suchte mit seinen Söhnen nach Polen zu flüchten, wo seit Kurzem Boleslaw, ein Sohn Kasimirs seinem Vater in der Herrschaft gefolgt war. Er bat jetzt diesen Fürsten um seinen Beistand, und dieser ergriff auch sogleich mit Freuden die dargebotene Gelegenheit zu einer kriegerischen Unterneh- *) Nachdem der Wache hallende Graf den Blutbefehl des Königs gehört hatte, flüsterte ihm dieser, als Bela in das Gemach trat zu: »das Schwert wähle, willst du leben!« und so entkam Vela der bevor stehenden Gefahr. **) Würde Bela nach der Krone gegriffen haben, so war die Absicht des Andreas feinen Bruder durchbohren zu lassen, wozu die Mörder schon in einem Nebenkabinete bereit standen. mung. Unterstützt von drei ansehnlichen Heeren betrat Bela den ungarischen Boden, wo sich die nördlichen Gegenden sogleich für ihn erklärten. Andreas, von dem feindlichen Fortschrelten semes Bruders unterrichtet, brachte seinen Sohn und seine Schätze zu dem Markgrafen von Oesterreich und forderte von Wilhelm zu Thüringen und dem Bischöfe von Zeitz, welche die Vormünder des jungen Königs der Deutschen, Heinrich des IV. waren, Beistand und Hilfe. Am östlichen Ufer der Eheiß kam es zur Schlacht, bei welcher nun Andreas mit seinem Bruder fechtend, vom Rosse stürzte, und unter den Hufen seiner eigenen Reiterei das Leben endete. Bela ward hierauf auf dem noch blutigen Wahlplatze zum Könige von Ungarn ausgerufen, und regierte drei Jahre, während welcher Zeit er dem durch 23jähriges Leiden erschöpften Reiche wieder aufhalf. Er stiftete zur Buffe seines auf dem Schlachrfelde gebliebenen Bruders Andreas die Abtei zu ksvlr^äi'cl, schlug die Anhänger des Heldentums, welche die Zerstörung deS Christenthums forderten, verzieh fernen Gegnern, ordnete den Preis aller Waren, und richtete die Wochenmarkte ein. ^ Als Bela im Jahre 1063 zu Dönws Gericht hielt, stürzte das Haus worm er sich befand zusammen, wo er unter den Trümmern desselben durch tödtliche Verletzung sem Leben endete. Bela hinterließ 3 Söhne, Geiza, Ladislaus und Lampert, alle drei zum Throne reif, und des Thrones würdig; aber beispiellos in der Geschichte — keiner begehrte den Ehron. Ste riefen lbren Vetter Salomon aus Deutschland zurück, und huldigten ihm als König. Der dritte Eheil von Ungarn blieb den Fürsten als Herzogthum. Einige Zeit lebten diese Fürsten in Eintracht, und besiegten ihre Feinde; Kärnthner, Böhmen, Kumannen und Bissenen erlagen ihrem Schwerte. Dre Letzteren waren, vom griechischen Befehlshaber zu Belgrad geschützt. Die vereinigten Fürsten belagerten und eroberten diese Stadt, aber über die Theilung der Beute erhob sich Uneinigkeit unter ihnen, denn der König hatte sie auf Anrathen des Grafen Vid unbillig vorgenommen. Dieser Graf hatte die Absicht das Herzogthum selbst zu erlangen, und dachte daher auf Mittel die Fürsten ins Verderben zu bringen. König Salomon ließ jetzt deutsche Hilfsvölker kommen, aber auch Geiza blieb nicht unthattg, und bewarb sich um böhmische und polnische Truppen auf seine Seite. Bei Mogyorod stießen beide Heere auf einander, bei welcher Gelegenheit der König entscheidend geschlagen nmrde, und sich aus Ungarn flüchten mußte. Von den Großen des Reiches nun als Verracher des Vaterlandes erklärt, verlor er die Krone und der ältere Bruder des Ladislaus Namens Geiza wurde zum Könige von Ungarn gewählt. Dieser war ein friedliebender Fürst und wollte die Krone an Salomon wieder zurück geben, aber die Großen des Reiches gestatteten es nicht, und so beschloß er nach kurzer Regierung am 25. April 1077 sein irdisches Leben. , Sogleich wählten jetzt die Stände Ungarns Ladislaus zu chrem Könige, well sie sich bereits von seiner Tapferkeit, Klugheit, Güte und Erfahrenheit im Kriege überzeugt hatten. Dieser edle und fromme Fürst weigerte sich aber die Krone anzunehmen, und schlug als König entweder den abgehetzten Salomon oder den Sohn des Geiza vor. Allein die Stände bestanden auf ihrer Wahl und Ladislaus ließ sich nun, als Salomon in förmlicher Uebereinkunft auf das Reich verzichtet hatte, krönen. Dieser neue Schlag des Schicksals empörte aber nur noch mehr das ehrsüchtige Herz S a- lomons, daher ließ diesen unruhigen Fürsten der friedliebende Ladislaus zu sich kommen , erklärte ihm, daß er willig den Thron ihm überlassen wollte, wenn die Ungarn es genehmigen würden, und überhäufte ihn zugleich mit ansehnlichen Wohlthaten. Ein Edelmuth dieser Art rührte zwar anfangs sein Gemüth, allein, die Liebe zum Herrschen, und der unruhige Gerst, der chn beseelte, ließen ihn aber das Opfer einer Krone in die Länge nicht gleichmüthig ertragen. Er wollte den König auf eine hinterlistige Art umbringen, allein der Anschlag wurde entdeckt und Salomon m s Gefangniß geworfen. Als nach der Kanonisation des heiligen Stephan die Reliquien des Königs gehoben wurden , schenkte ihm Ladislaus die Freiheit, worauf nun Salomon, immer noch von Unruhe getrieben sich an die Kumannen anschloß, um seine herrschsüchtige Absicht zu erreichen. Er versprach ,etzt ihrem Anführer Siebenbürgen, und seiner Tochter, weil ihn auch seine Frau verschmähte, die Ehe, wenn er wieder die Regierung über Ungarn erhalten würde. . - - Die Kumannen, als Feinde des Königs Ladislaus, suchten nun seine Rechte zu vcrtheldlgen, als es aber bei Unghvar zur Schlacht kam, wurden sie von Ungarns tapfern und frommen Könige völlig auf'S Haupt geschlagen. Nun warfen sich Beide auf das griechische Reich, erlitten aber auch hier eine gleiche Niederlage an den Ufern des Pruth von den Griechen, wobei es dem unglücklicyen Salomon nur mit Wenigen gelang, sich durch zu schlagen und über die Donau zu gelangen. Sein Weg führte ihn an einem dichten Walde vorüber, an dessen Eingänge er sein geringes Gefolge halten ließ, und nur mit zwei Getreuen im tiefen Dickichte sich verlor. Er kehrte nicht mehr zu den Seinen zurück, und faßte endlich den Vorsatz, am Grabe des Erlösers Ruhe für sein Herz zu suchen. Die mannigfaltigen Wendungen seiner Schicksale, hatten seinen Geist gelautert, und Salomon sah jetzt ein, daß eS ein höheres Ziel als eine irdische Krone gäbe, weshalb er als küssender Pilger nach Jerusalem reisen wollte. Da sein Weg durch Pannonien ging, so wollte er am Grabe deS heiligen Stephan zu Stuhlweissenburg seine letzte Verehrung darbringen, wo er vor 24 Jahren gekrönt worden war, jetzt aber als Bettler pilgerte. König Ladislaus war eben in seiner angenehmsten Beschäftigung, Geld unter die Armen an der Kirchenthüre zu vertheilcn, als sich Salomon in einen Pilgerhabit gehüllt, den Muschelhut tief in das Gesicht gedrückt, unter diese Hilfsbedürftigen drängte, auch seine Hand hinreichend, um von dem Könige im Vollglanze seiner Majestät ein Almosen zu empfangen. Sein Herz war ruhig, und alles Vergangene erschien ihm wie ein eitler Traum. In eben dem Augenblicke als Ladislaus ihm die milde Spende gereicht hatte, erkannte er ihn, und wollte ihn umfassen, aber Salomon verlor sich im Gedränge und eilte seines Weges weiter. König Ladislaus sandte sogleich Boten nach, und ließ ibm seine Freundschaft mit dem Bedeuten zusichern, daß er zurück kehren solle, nachdem alles Vorgefallene vergessen sey. Salomon gab aber diesen königlichen Boten zur Antwort: »Geht, und sagt euerm Herrn, wen er sucht, der sey ich nicht mehr, mein Reich sey nicht von dieser Welt, und ich müsse eilen das Erbe anzutreten, das mir die Gnade deS Herrn bereitet hat. Der Segen deS Allerhöchsten sey über ihn wie über mich und euch!*? Ein frommer Wallfahrer aus Istrien, der Bethlehem nicht mehr verlassen wollte, bot chm seine Klause bei Pola in Istrien an, wohin er unter Mühseligkeiten gelangte. Er zog dann mit Bewilligung deS Bischofs dem er gebeichtet, den Eremitenhabit an, und lebte hier noch 16 Jahre, getrennt von der Welt, in reiner Beschauung deS Wahren und Ewigen. Er starb im Jahre 1105 nach einem 53jährigen sturmbewegten Leben und ward in der Karhedralkirche zu Pola begraben. Ladislaus beglückte sein Reich durch seine weise Regierung, eroberte die Königreiche Dalmatien und Kroatien, brachte die Böhmen zum Gehorsame, siegte über die Polen und Russen, und verschaffte dadurch seinem Königreiche Frieden, und sich den Ruhm eines unsterblichen Namens. Seine Gesetzgebung und seine Anordnungen in Betreff des Kirchenwesens, so wie in allen Zweigen der Staatsverwaltung, machen ihn zu einem der grösten Könige Ungarns *). Die deutsche Kai-' serkrone nahm er nicht an, obwohl sie ihm angetragen wurde. Er that dies der allgemeinen Ruhe wegen. Als aber der Einsiedler Peter von Amiens den heiligen Krieg verkündigte, da gelobte er am Sonntage Jubilate das Kreuzheer persönlich anzuführen. Bevor er dieses unternahm, mußte er aber noch eine in Böhmen entstandene Unruhe stillen. Das schnelle Hinschwinden seiner Kräfte ließ ihm, in seinem Innern Seligkeit genießend, seine baldige Auflösung ahnen. Er berief daher die Stände zu sich, sandte den Propst Marallus mit dem Grafen Peter nach Polen um seinen Neffen Kolomann, einen Sohn'des Königs Geiza zu berufen, welcher gerade noch zur rechten Zeit ankam, den Segen seines Oheims zu empfangen. Am 30. Juli 1095 vollendete der ruhmvolle König sein edles und thatenreicheS Leben, worauf seine irdischen Ueberreste nach seinem Willen zu Großwardein beigesetzt wurden Papst Cölestin HI. versetzte seinen Namen am 8. Juli 1198 in die Zahl der Heiligen. Er hatte 19 Jahre sein Reich als ein weiser Monarch beglückt, und sein Andenken bleibt gesegnet und unvergeßlich in Pannoniens Geschichte. *) In der bewegten Zeit des Thronstreites hatte der Diebstahl in Ungarn auf furchtbare Weise zugenommcn. Die Gesetze, welche König Ladislaus dagegen erließ, zeigen von ausserordentlicher Strenge. Als Beispiele mögen folgende genügen: Wenn ein Knecht stiehlt und nicht gelöst werden kann, verliert er die Nase; — stiehlt er noch einmal, wird er gehängt. Ein Freier, der eine Gans oder eine Ente stiehlt, verliert ein Auge. Ein Kleriker, der eine Gans, Henne, Apfel ober dergleichen stiehlt, bekömmt einen Schilling; beträgt der Diebstahl mehr, so wird er durch den Bischof dcgradirt, und dem weltlichen Gerichte überliefert. Da diese und ähnliche Gesetze in der Folge nicht mehr erneuert wurden, so läßt sich vermuthen, daß durch diese Schärfe dem Unfuge'gesteuert wurde. Ucbrigens bleibt es merkwürdig, daß Ladislaus bei aller seiner Frömmigkeit dennoch gegen den Beschluß des Papstes die Priestcrehe durch ein eigenes Gesetz aufrecht erhielt. -*) Als er starb herrschte allgemeine Trauer, bei welcher über drei Jahre lang nicht getanzt wurde, und selbst jede Art von Musik schwieg. Emerich von Löwenstein und sein Waffenträger. Jahr 1241. Aur Zerr als König Bela IV. seinem Vater Andreas auf dem Throne von Ungarn folgte, walzte sich auS dem fernen Osten ein gewaltiges mongolisch--tartarisches Nomadenvolk über die Lander des Westens, und gelangte nach vielseitiger Verwüstung, bis an die Grenzen von Ungarn. Noch hatten diese grausamen und schrecklichen Scharen, die blutdürstig wütheten wie die Thiere der Wüste, aus der sie kamen, die Grenzen des ungarischen Reiches nicht überschritten, daher säumte auch der König nicht, zur Sicherheit des Landes ein Aufgebot an alle Burgherren und den kriegspstichtigen Adel zu erlassen, damit sie sich wohl bewaffnet mit ihren Mannen und Knechten in Bereitschaft haken, um auf den ersten Ruf, sogleich in das Feld rücken zu können. Da nun auch auf dem hohen Löwenstein der Befehl des Königs verkündet wurde, so wollte Ritter Emerich nicht der Letzte seyn um bei der Nachricht von deS Vaterlandes Gefahr zu dessen Rettung mit den Seinen herbei zu eilen. In voller Tätigkeit bewegte sich jetzt Alles in der ritterlichen Burg, putzte und schärfte Waffen, Rüstung und Gerüche, damit auf die erste Kunde zum Ausrücken, ungesäumt der wehrhaft gemachte Zug angetreten werden könne. Kaum war durch dieses geschäftige Jneinandergreifen von Jung und Alt, schnell Alles in den Stand gesetzt, als auch schon der Aufruf zum Abzüge sich verbreitete. Zu seinen getreuesten Dienern zahlte Ritter Emerich von Löwenstein, einen rüstigen, obwohl nicht mehr ganz jungen Mann Namens Andreas Budiats, welcher wegen seines ausgezeichneten Fleißes, Treue und Muth von seinem Herrn zum Burgvogte befördert ward. Als nun dieser erfuhr, der Herr selbst wolle in das Feld ziehen, da erschien er vor seinem Gebieter, und bat ihn inständigst, nachdem er gewohnt sey, den geliebten Herrn überall, wo Gefahr drohte zu begleiten, die Ehre ihm auch jetzt wieder zu gönnen, und ihm in dieser getreuen Absicht, die Obsorge für die Burg abzunehmen. Gerührt von dieser Anhänglichkeit bestellte ihn der Ritter zu seinem Waffenträger, und vertraute die Burg, und mir dieser das Theuerste, was er besaß — seine Frau und Kinder — einem andern alt ergrauten Dienstmanne an. So zog nun der treue Budiats an der Seite seines Herrn, den langen dreispitzigen Stoßdegen führend, in dem zahlreichen Gefolge den mannigfaltigen Gefahren des Krieges entgegen. Nicht so eifrig wie der Burgherr von Löwenstein rüsteten sich manche der übrigen Bannerher- ren, und so kam es, daß durch die räuberischen Einfälle der mongolischen Horden ein bedeutender Strich Landes bereits ganz geplündert und in eine Wüste verwandelt war, bevor die durch wiederholte Befehle aufgebotenen Heerhaufen in dem Lager des Königs bei Pesth anlangten. Zwei Monate hielt sich der König in Pesth, während die Mongolen zuletzt zu beiden Seiten längs der Donau ihre Eroberungen ausdehnten, plötzlich aber brachen sie ihr Lager ab, und zogen sich zurück. In der großen Ebene Ungarns, der grösten in Europa — nachdem sie über tausend O.uadratmeilen mißt — am linken Ufer des Sajo ihre beiden Flügel an den Hernad und die Theiß gelehnt, hielten jetzt die Mongolen. Der König Bela, um den sich indessen viele Banner versammelt hatten, rückte ihnen durch die scheinbare Flucht getäuscht nach, und lagerte sich bei Mohl am rechten Ufer des Sajo gerade den Mongolen gegenüber. Einige Tage vergingen in Ruhe, als sich die Ungarn, die sich schon des Sieges gewiß glaubten, durch einen Scheinangriff täuschen ließen, während die Mongolen über den Sajo setzten, und das Lager der Magyaren mondförmig einschlossen. Die nun hier erfolgte ungeheure Niederlage, welche nächst der Schlacht von Mohäcs im Jahre 1526 eine der schrecklichsten so nsie folgenreichsten in der Geschichte war, vertilgte jetzt die Blüte des ungarischen Adels und brach die Kraft der Nation so gänzlich, daß sie mit allen ihren Habseligkeiten wehrlos dem Feinde zur Beute siel. Die Schlacht hatte lang gedauert, denn Tapferkeit wurde dem Andrange der Menge entgegen gesetzt, aber der Druck der barbarischen Schwärme, bewirkte nicht sowohl die Niederlage, alS auch die gänzliche Vernichtung der Christen. Bei diesem blutigen Ereignisse hatte der Tod eine reiche Ernte gehalten und der Gefangenschaft nur jene aufbewahrt, welche durch Wunden gelähmt, ihm auch schon halb verfallen gewesen. Zu der kleinen Zahl dieser Unglücklichen, welche ihr Lebensende in dem Schlachtgetümmel nicht finden konnten, gehörte Emerich von Löwenstein sammt seinem treuen Waffenträger Budiats. Neben einander hatten sie Mochten, neben einander waren sie zu Boden gesunken, als die tartarischen Pfeile sie schwer verwundend trafen. Doch auch mit einander kehrten sie auS tiefer Ohnmacht wieder in daS Leben zurück, als räuberische Hände sich ihrer Habe bemächtigten. Nachdem sie zur Sklaverei verurtheilt waren, wurde durch's Los entschieden, wessen Eigenthum sie werden sollten, und dieser AuSspruch führte sie endlich in die Hände eines Anführers NamenS Cadan, welcher nun ihr unbeschränkter Gebieter ward. Sobald die Theilung der Gefangenen vollendet war, nahm sie jetzt ein zahlreicher Haufe mit Beute heimkehrender Krieger in die Milte, und trieb sie den entfernten Wohnsitzen zu. Durch eine sonderbare Fügung des Schicksals ereignete eS sich, daß zum großen Tröste des Ritters Emerich dieser, gerade mit seinem Waffenträger an Eine Kette geschmiedet wurde, wo er seine Klagen in dessen theilnehmenden Busen ausschütten konnte. Unter Mühseligkeiten, die jede Vorstellung übersteigen, gelangten sie endlich mit ihren übrigen Leidensgefährten in die Besitzungen ihres Herrn, wo sie zwar die schlecht geheilten Wunden besser pflegen, aber auch dem Schmerze desto mehr nachhängen konnten, den ihnen die Aussicht auf ein elendes Leben, weit entfernt vom Vaterlande und den geliebten Angehörigen in unwürdiger Sklaverei zubringen zu müssen, verursachte. Die erste Nachricht von dem unglücklichen Ausgange der Schlacht am Sajo, verursachte bei der um ihren Genial so zärtlich besorgten Agnes eine bange Sorge, noch mehr aber wurde ihr Herz erschüttert, als sie nach Verlauf eines Monats, durch einen dem Verderben entronnenen und auf Umwegen nach Löwenstein heimgekehrten Diener die Nachricht erhielt, daß Ritter Emerich und sein treuer Waffenträger, nachdem sie Wunder der Tapferkeit gethan, endlich der Uebermacht unterliegend, den Wahlplatz, von zahllosen Pfeilen getroffen, mit ihren Leibern deckten. Nachdem die tief erschütterte Gemalin zu einiger Fassung wieder gelangt war, versammelte sie sogleich die Dienstmannen, Vasallen und Angehörigen der Burg, und beging mit ihnen eine Todtenfeier, wie sie nur wenigen Gatten und Herren, so wahr, so innig und aufrichtig zu Theile wird. Als diese traurige Festlichkeit vorüber war, zog sie sich öfters in die düstere Burgkapelle zurück, um dort ihren Thränen freien Lauf lassen zu können, und dabei für die Ruhe des Abgeschiedenen heiße Gebete gegen den Himmel zu senden. Aber auch der Ritter Emerich saß trauernd an der Seite seines mir ihm zusammen geketteten ehemaligen Dieners und jetzigen Leidensgefährten in sehnsuchtsvoller Erinnerung an seine geliebte Agnes, an seine theuren Söhne, an das unglückliche Vaterland, so wie an seinen gebeugten König, von deren Schicksal nur unvollkommene Erzählungen bis zu ihm gelangten. Vielmal hatte Beide der Gedanke an eine Befreiung beschäftigt, aber unübersteigliche Hindernisse thürmten sich jedem Plane zur Flucht entgegen, denn wie sollten zwei aneinander Gekettete an ein schnelles Entkommen nur denken, die bei jeder Bewegung sich wechselseitig nur aufhalten würden; indessen blieb ihnen aber wenn auch schwierig, die Hoffnung übrig, wenn es ihnen gelingen könnte, die furchtbare Kette zu sprengen, dadurch ihre Freiheit zu erlangen. Heimgekehrt von dem glücklichen Raubzuge war indeß ihr Gebieter Cadan, milder in seinem Betragen, daher wurde auch das Los der ihm zugefallenen Gefangenen erträglicher, welche er zu verschiedenen Arbeiten, je nachdem es ihre körperliche Beschaffenheit zuließ, verwendete. An einem heißen Tage war eS dem Ritter Emerich gar so schwer gefallen, sein Tagewerk zu vollenden, und dankend hob er sein Auge zu dem Himmel, als endlich die Abenddämmerung einige Stunden Ruhe dem ganz erschöpften Körper gönnte. Kaum noch auf den Füssen sich zu erhalten fähig, schwankte er mit dem eben so ermatteten Gefährten, dem harten Lager zu, als dieser plötzlich ein Beil erblickte, daS wohl einer der freien Arbeiter vergessen haben mochte. Ohne einem bestimmten Gedanken dabei Raum zu geben, ergriff er dieses schnell, und verbarg es unter sein Kleid. Wunderbar schien dieser Fund auf den treuen Budiats zu wirken, und seinen Muth bis zur Zuversicht zu erhöhen, mit der er dem Ritter, als sie nun auf das Lager sich hingestreckt hatten, die nahe Befreiung verkündete. Ein Theil der Nacht und der ganze folgende Tag verging mit Entwürfen, bis endlich Beide, als sie sahen, daß Alles dem Schlafe sich schon ergeben hatte, sich zur Ausführung ihres Befreiungs-VersucheS anschickten. Budiats zog nun das wohl verborgene Beil hervor, um damit die Kette zu zerhauen, aber das zähe Eisen widerstand jeder Anstrengung, um die geschmiedeten Ringe von einander zu trennen. In verzweiflungsvollen Klagen über die getäuschte Hoffnung, nahm Emerich Abschied in herzzerreißenden Worten, von Allem, waS ihm einst lieb gewesen in diesem Leben, und rief den Tod als den einzigen Retter auS diesem endlosen Jammer herbei. Tief erschüttert hörte ihm einige Zeit der treue Leidensgefährte zu, endlich brach ihm aber daS Herz, und plötzlich unterbrach er seinen guten ehemaligen Herrn mit den Worten: »Haltet ein, o theurer Herr, Ihr tödtet mich mit Eurem Wehklagen, und unmög- lich kann ich daher länger der Zeuge davon seyn, sterben will ich für Euch, doch durch meinen Tod sollt Ihr befreit werden.« Bevor noch der Ritter fragen, und den Sinn seiner Rede sich erklären konnte, oder es selbst hätte noch hindern können fiel schon Budiats angeketteter Fuß durch einen gewaltigen Hieb von dem Beine getrennt, zu Boden, und mit ihm die hemmende Kette. Starr vor Entsetzen über diese schreckliche That stand der Ritter wie betäubt einen Augenblick da, doch das strömende Blut erweckte ihn auS der Bewußtlosigkeit, und schon wollte er um Hilfe rufen, als mit Ernst, den krampfhaften Schmerz bekämpfend, Budiats ihm zurief: »Willst du also, daß mein Opfer vergebens gebracht sey, willst du, daß ich bereuen soll, es gebracht zu haben, weil du nicht gerettet bist? — Schweige still, empfange noch diesen Händedruck, und eile so lange die Nacht dich noch verborgen hält, schnell der geliebten Heimat zu.« Wirklich gelang eS dem Ritter unbemerkt eine ziemliche Strecke weit zu entkommen, bis endlich der Tag graute, und er sich genöthigt sah, eine waldige Anhöhe zu erreichen, damit er den Augen der Ausspäber entgehe. Hier angelangt, fiel er von seiner körperlichen Anstrengung erschöpft in einen tiefen Schlaf, der aber nach einigen Stunden durch die peinliche Empfindung deS Hungers unterbrochen ward. Einige Waldfrüchte gewährten ihm wohl die nothdürfrige Nahrung, die wenigstens hinreichte, um die mit der Kette noch immer mühsame Wanderung fortsetzen zu können, bis er endlich an einen Orr kam, wo man ihn von der schweren Kette befreite, und als einen der heidnischen Gefangenschaft entkommenen Christen - Sklaven mitleidig aufnahm. Nachdem er vor Allem Gott für seine wunderbare Rettung gedankt, aber auch dem Schicksale seines treuen Dieners, manche Thräne der Rührung und deS innigsten DankeS gewidmet hatte, kleidete er sich nun in ein Pilgergewand, und zog, stetS frohen Murhes seiner Burg zu. Immer eilender wurden jetzt seine Schritte, und lebhafter daS Pochen seines von Sehnsucht erfüllten Herzens als er in dem vergoldeten Schimmer der Abendsonne, die Thurmspitzen seiner Burg glänzen sah. Aber plötzlich hemmte seinen eilenden Fuß ein ferne vernommenes Glockengeläuts. »WaS soll das Läuten auf der Burg« — fragte er die Einwohner im nächsten Dorfe — »hat irgend ein Unglück die Gebieter etwa getroffen?« — »Ja wobl ein Unglück und zwar das gröste« — gab man ihm zur Antwort — »denn der Burgherr starb. Es sind gerade morgen zwei Jahre, daß er als Held für das Vaterland streitend auf dem Schlachtfelds blieb, doch trauert die Burgfrau noch immer so innig, wie am ersten Tage, der ihr die Unglücksbotschaft verkündete, und nun will sie morgen die Todtenfeier wiederholen, zu der alle Vasallen und Unterthanen aufgeboten sind.« Am nächsten Morgen in der heimatlichen Burg angekommen, mischte sich nun Ritter Emerich unter die zur feierlichen Andacht eilenden Landleute, und betrat zitternd die mit schwarzem Tuche behan- gene Kapelle, in deren Mitte sich ein Trauergerüste, mit Wappen und Waffen des Verstorbenen geziert, und von zahllosen Lichtern erhellt, bis hoch an das Gewölbe erhob. Bald darauf erschien die Burgfrau Agnes in tiefe Trauerkleider gehüllt, mit ihrem kleinen Sohne, und einer zahllosen Menge der herbei gekommenen Unterthanen. An eine Säule mußte sich jetzt Emerich stützen, um nicht bei dem Anblicke der geliebten Gattin vor freudiger Bewegung zu Boden zu stürzen, so ergriffen fühlte er sich in seinem innersten Leben. Endlich hatte der Gottesdienst geendet, und Agnes, den kleinen Geiz a führend, schritt langsam der Vorhalle zu, um die reiche Spende unter die dort versammelten Armen mit eigener Hand zu vertheilen. Schon hatte sie manches Wort des DankeS erhalten, als auch die Reihe den Pilger traf. Aber kaum hatte Agnes diesem die Gabe in seine Hand gelegt, als ihr Blick auf ein Bildchen der heiligen Jungfrau fiel, das sie dem scheidenden Gemale in der letzten Abschiedsstunde an einer auS ihren Haaren eigenhändig geflochtenen Schnur um den Hals hing. Erstaunt wollte sie den Pilger so eben fragen, wie er in den Besitz dieses theuren Andenkens gekommen, als dieser seine Gefühle nicht mehr länger verbergen konnte, und mit dem Ausrufe: »meine Agnes,« sich in ihre Arme warf. Allein nur eine Leiche hielt er jetzt umschlossen, denn die freudige, aber doch zu schnelle Überraschung wirkte zu heftig auf ihre Nerven. Sein lauter Hilferuf zog schnell die Zofen herbei, während sich Alles, was sich nur bewegen konnte, um die seltsame Gruppe versammelte, um den aus der Reibe der Todten wieder Hervorgetretenen zu schauen. Indessen schlug die Burgfrau Agnes die holden Augen wieder auf, aus denen ein Blick auf den zärtlich geliebten Gatten fiel, und nun erst fanden sie Worte und Thränen als Dolmetscher ihrer Empfindungen, welche Scene sich wiederholte, als die beiden Söhne Karl und G e i z a dem betrauerten Vater um den Hals sich warfen. Als unter vielen und rührenden Erzählungen der traurigen Schicksale, die den Ritter seit der Trennung von seinen Angehörigen getroffen hatten, er auf die aufopfernde Liebe seines Dieners B u- diats kam, dem er seine Freiheit dankte, da mußte er inne halten, denn lautes Weinen und Schluchzen ertönte rings umher, besonders als die Vorstellung zur Deutlichkeit ward, daß entweder Verblutung oder des erbitterten Tartarenhäuptlings Befehl, dem Leben des heldenmüthigen Retters ein Ende gemacht habe. Wohl war die Ohnmacht, welche diesen getreuen Diener, bald nach der Entfernung seines Herrn überfiel, dem Tode ähnlich, denn sie hatte bis zum Hellen Mittag gedauert, wo der Gefangenwärter das karge Mahl brachte, der voll Erstaunen nur einen Sklaven und auch diesen mit einem abgehauenen Fuße im Blute schwimmend erblickte. Unaufhaltsam eilte jetzt dieser zu seinem Gebieter, um ihm das Gesehene zu melden, aber eben so schnell begab sich der Tartarenbäuptling zu Budiats, den er nun ohne Besinnung auf dem blutigen Strohlager hingestreckt fand. Mit vieler Mühe gelang es ihm, den Unglücklichen zum Leben zu rufen, welcher nun ohne Zurückhaltung, im Bewußtsein einer edlen und großherzigen That, bekannte, wie er seinen Schicksalsgenossen, der sein milder und guter Herr in der Heimat gewesen, zu befreien, ihn einer liebenden Gattin und hoffnungsvollen Kindern zurück zu geben, Alles, und endlich das Schrecklichste vollbracht habe. Immer finsterer zogen sich bei diesem muthvollen Geständnisse die buschigten Augenbraunen des Gefürchteten zusammen, unter denen Blicke hervorschossen, welche mit Vernichtung drohten, die aber den fest entschlossenen Budiats, der schon bereit war dem Tode entgegen zu gehen, nicht erschüttern konnten. Endlich wandte er sich um und befahl seinen Dienern, dem entflohenen Ritter nicht nachzusetzen, für den zurück gebliebenen Diener aber die höchste ^L>orge zu tragen, damit er geheilt werde, wenn es noch möglich ist. Durch die aufmerksamste Pflege und gütliche Behandlung gelang es wirklich dem schwer Verwundeten im Verlaufe einiger Monate so weit zu genesen, daß er mit Hilfe der Krücke sich aufrecht erhalten konnte. Nun ließ ihn Ca d an vorrufen, und Budiats, der sich während seiner Heilung mir dem Gedanken vertraut gemacht hatte, sein Leben werde nur gefristet um später in qualvolleren Martern hingeopfert den übrigen Gefangenen den Muth zur Flucht zu benebmen, flehte zu Gott um Stärke und Entschlossenheit auf diesem seinem letzten Gange. Vor C ad an hingebracht, fragte ihn dieser, ob ihn seine That nicht reue, und ob er nochmals bereit wäre, für seinen Herrn so große Schmerzen zu erdulden, Budiats antwortete, willig sey er bereit nicht Klos Schmerzen zu erdulden, sondern selbst das Leben für einen so guten, so väterlich ihn stets behandelnden Herrn zu geben. Auf Liese unerwartete Aeusserung malte sich Rührung auf dem ernsten Gesichte Cadans, welcher nun die seltene Treue belobte, die er an ihm gefunden, und ihm deshalb nicht nur blos die Freiheit schenkte, sondern auch einem seiner Diener befahl, den Freigelassenen wohlbehalten an die Grenze zu geleiten. BudiatS siel, von dieser unerwarteten Großmuth überrascht, zu den Füssen seines Wohlthäters, doch als er sich erhob, um seinen Dank auszusprechen, hatte sich Cadan, zufrieden mit dem Bewußtsein, edel gehandelt zu haben, bereits entfernt, und Budiats befand sich allein. Dieser treue Diener, getrieben von Sehnsucht nach dem Vaterlande und seinem guten Herrn, säumte nicht, das großmüthige - Anerbieten seines Gebieters anzunehmen, und begab sich sogleich auf die Reise. Langsam ging wohl diese von Statten, denn für einen fo entkräfteten Körper, war sie höchst beschwerlich. Indessen peinigten ihn aber der Schmerz des kaum geheilten Beines, Hitze, Kälte, Ermüdung und Entbehrung nicht so sehr, als der Zweifel, ob sein geliebter Herr wirklich gerettet sey; doch überwand die freudige Aussicht den Seinen wieder gegeben zu seyn, Alles, und führte ihn glücklich bis an das Thor der Burg Löwenstein. Während man Anstalt machte die Zugbrücke herab zu lassen, sprengte so eben Ritter Emerich mit seinem ältern Sohne Karl und mehreren Gästen nebst einem zahlreichen Jagdgefolge den Berg heran, der augenblicklich als er dem Fremdlige näher kam, in ihm seinen treuen Diener — Freund — und Retter erkannte, welchen er nun an sein Herz drückend im Triumphe in die Burg führte, deren weite Räume von Freudenruf und den herzlichsten Begrüßungen wiederhallten. Als die Burgfrau Agnes die Ursache dieses frohen Getümmels vernahm, eilte sie dem Wiedergefundenen entgegen, und schloß den Retter ihres geliebten Gemals vor allen Anwesenden mit Entzücken in ihre Arme. BudiatS wurde hierauf reichlich beschenkt, um aber diesem seltenen Verdienste auch öffentliche Anerkennung zu geben, erhob ihn der König zum Adeligen, und verlieh ihm als Wappenschild einen Löwen, in der zweiten Abtbeilung aber einen abgebauenen Menschenfuß mit herab Hangender Kette. Noch leben zahlreiche Nachkommen dieses Andreas auf der von ihm so würdig erworbenen wohl auch seither vergrößerten Besitzung als Erben des Adels, deS Wappens, aber auch der Gesinnung, die sie in dem fturmbewegten Jahre 1809 bewiesen, indem mehrere freiwillige Männer sich zum adeligen Heerbanne stellten, bereit für ihren Herrn und König Blut und Leben hinzugeben. 1 Der heilige Johann von NepomueK, der Weite Schutzpatron in Böhmen. Jahr 1383. Kalser Karl IV., der Erste als König von Böhmen genannt, nach einer 33jährigen Regierung am 29. November 1378 gestorben war, theilten des Königs Erben, nämlich feine 3 Söhne und 3 Enkel seme Lander. Wenzel erhielt Böhmen und Schlesien, Sigmund die Mark Brandenburg, und der Jüngste, NamenS Johann die ganze Lausitz. Die beiden Enkel Jodok und Prokop bekamen das Markgrafthum Mähren, und der dritte Enkel Johann Sobieslaw, welcher Geistlicher war, erlangte später das Patriarchat von Aquileja. Aber ungeachtet dieser Theilung sollten diese Länder alle, immer bei der Krone Böhmens bleiben, so war es die Meinung deS dahin gegangenen Kaisers. Der Reichthum der Böhmen war damals ungemein groß, der -Handel von allen Seilen offen, die Niederlage aller Waren von Europa in Prag, und die Gold- und Silbergewerke wurden mit reichen Segen betrieben. So übernahm der 18jährige Wenzel ein wohl eingerichtetes blühendes Königs relch, umgeben von biedern Rächen seines Staates, welchen er anfangs während seiner Abwesenheit die Zugel der Negierung überlasten hatte, da die auswärtigen Angelegenheiten ihn nach dem Tode seines Vaters nach Deutschland riefen. Kurz vorher war in der Kirche eine Spaltung entstanden, und der sterbende Kaiser hatte daher seinem Sohne angelegentlich empfohlen, diese dadurch zu unterdrücken, daß er sich dem zu Rom erwählten Papste Urban dem VI. anschließen, und auch die übrigen Könige von Europa dahin bewegen sollte. Der junge König, bemüht, dem Willen seines,Vaters nachzukommen, eilte nach Deutschland, um die Ruhe daselbst herzustellen; - schrieb einen Reichstag nach Frankfurt aus, und bewog dte Kurfürsten, Urban den VI. als den alleinigen Papst anzuerkennen. Um seine Partei zu vergrößern, reiste er im Reiche umher, kehrte aber auf die Nachricht nach Böhmen zurück, daß sich hier mehrere Anhänger deS GegenpapsteS Klemens des VII., der sich zu Avignon aufbielt vorgefunden hatten. Von dieser Zeitepoche an verfuhr nun Wenzel mit einer Strenge und Härt/ welche dte Hauprzüge seines Charakters ausmachten. Die Deutschen begünstigte er über die Maßen, und als deshalb in Prag Bewegungen entstanden, mußte daS Schwert deS Scharfrichters Ruhe schaf- ^ Andrerseits vernachläßigte er die Pflichten eines Regenten, und sah durchaus nicht auf Ordnung, weshalb ,ich auch alle Bande des Gehorsams lösten. In dem Jahre 1379 begab er sich nach Znaim um dem Herzoge Leopold von Oesterreich, alle, seinem Hause verliehenen Freihcitsbriefe zu bestätigen , was aber vorzüglich aus dem Grunde geschah, um auch diesen Fürsten auf die Seite des römischen Papstes zu bringen. Zugleich richtete er auch ein Ermahnungsschreiben an den König von Eng- land, reiste zu dem Könige von Ungarn, der auch in Polen herrschte, und begab sich dann wieder nach Nürnberg und Frankfurt, wo er Alles aufbot um die Rechte deS Papstes Urban des VI. zu sichern. indessen hatte Prag seinen würdigsten Prälaten, den Erzbischof Johann Oczko von W lasch ein, dem Papst Urban VI. Ein Jahr vor seinem Tode die Kardinals würde verliehen hatte, ver- loren, nachdem er am 14. Jänner 1382 im 77. Jahre seines Alters starb. Ihm folgte im Erzbis- rhume Johann von G re z stein, Bischof zu Meißen, ein Mann von seltener Frömmigkeit und Demuth. Um diese Zeit lebte nun zu Prag ein Domherr, Johann von Nepomuck genannt, der sich nicht nur blos durch seine liebenswürdige GemüthSart, sondern auch durch seine seltenen Talente auS- zeichnete. Er ward in dem böhmischen Städtchen Pomuck im pilsner Kreise von sehr frommen betag- ten Aeltern im Jahre 1320 geboren, die ihn als ein Geschenk des Himmels betrachteten, der ihre Ge- lubde und Gebete erhört batte. Johannes war sehr -schwächlich, und, kaum geboren, drohte ihm Würgengel des Todes. Die betrübten Aeltern, welchen wenig Hoffnung einer Genesung für kranke Kind übrig blieb, nahmen nun neuerdings ihre Zuflucht in derselben Kirche zu demselben Bilde der heiligen Jungfrau Maria, wo sie den Knaben erfleht hatten, und bald ward ihr frommes Gebet durch die Genesung des kleinen Johann wundervoll erhört. Durchdrungen von den lebendigsten Dankgefühlen, weihten sie nun ihren Liebling demjenigen, der ihnen denselben wieder gegeben hatte, und boten Alles auf, um ihm eine vorzügliche Erziehung zu verschaffen. Dieser hoffnungs- volle Knabe besaß bei seinen großen Geistesfähigkeiten, und unermüdetem Fleiße noch eine besondere Sanftmuth, Offenheit und Frömmigkeit. Er ging jeden Morgen in die Kirche der Cisterzienser, assi- stirte hier den Mönchen bei der heiligen Messe, unterzog sich freiwillig jedem kirchlichen Dienste, und erhielt auch hier den ersten Unterricht für seine künftige Bestimmung. Um aber der von seinen Aeltern beabsichtigten Laufbahn näher zu kommen, wurde Johann bei heran gerückten Jahren nach Saatz einer ansehnlichen Stadt in Böhmen geschickt, um in der lateinischen Sprache den Unterricht zu erhalten. Endlich war der Augenblick gekommen, wo er auf der berühmten Universität zu Prag — welche Kaiser Karl IV. errichtet hatte, und wo die ausgezeichnetsten Lehrer Europas versammelt waren — seine Studien vollenden sollte. Johann verlegte sich auf das Studium der Philosophie, der-Theologie und der kanonischen Rechte, worin er so ausgezeichnete Fortschritte machte, daß er in den beiden Letztem die Doktorswürde erhielt. Schon in seinem zarten Knabenalter fühlte sich Johannes zum Priesterstande hingezogen, deshalb waren auch jeder seiner Schritte, sein Streben, seine Studien und sein ganzes Wesen auf die hohe Zukunft gerichtet. Je naher aber der Tag heran rückte wo er zum Diener Gottes geweiht werden sollte, desto mehr bereitete er sich durch innerliche Salbung zu diesem großen Schritte vor, und brachte, bevor er die Priesterweihe empfing einen vollen Monat in stiller Einsamkeit zu, um sich ganz würdig seinem Bischöfe darstellen zu können. Die Weihe strömte aber ein neues Feuer durch seine Adern, und schuf sich Raum in dem seltenen Talente seiner himmlischen Beredsamkeit. Der herrlichste Erfolg davon krönte sein erstes Erscheinen auf der Kanzel, als Prediger in der Thein-Kirche an der Altstadt. Die Vornehmen und das Volk eilten von allen Seiten herbei, um den Wiederhersteller der Lehre und Wahrheit zu hören. Segen häufte sich auf Segen, Sünder bekehrten sich, Gottlose wurden erschüttert, Gerechte gestärkt, und Niemand konnte der Glut seines Eifers widerstehen; Thränen, Schluchzen, heiliges Schweigen, Zerknirschung und Andacht zeugten von dem unendlichen Eindrücke seiner Worte auf die Herzen der Zuhörer, und selbst die lauesten Gemüther wurden gerührt, und fielen von ihren sündhaften und verderblichen Leidenschaften ab. Der Erzbischof und das Kapitel in Prag bewunderten daS seltene Talent dieses ausgezeichneten Mannes, und verliehen ihm, da er bereits Dechant an der Kollegiatkirche Allerheiligen war, eine Domherrnstelle an der Metropolitankirche. Auch Wenzel IV., der in Prag residirte, ernannte diesen eifrigen Diener GotteS, nachdem er von seinen Verdiensten Kenntniß erhielt, zum Hof-Adventprediger. Ernst und mächtig donnerte jetzt die Stimme deS Edlen in die Gräuel des üppigen HofeS, mahnte an die Gerichte Gottes, und rührte die Herzen mit den Worten des Heils und der Gnade. Die Großen entsagten der Weltlust, ja selbst der Fürst empfand den Segen einer das Laster auf dem Throne nicht scheuenden Freiheit, und besserte seinen Wandel, wenigstens den Zügel ehrend, wenn er sich auch nicht ganz unter das Joch der Tugend beugte. Man trug nun dem Heiligen das erledigte Bisthum von Leitmeritz an, welches er aber aus christlicher Demuth ausschlug. Da man nun glaubte, daß er die hohen, Pflichten und Arbeiten dieses Amtes scheue, so wurde ihm die Propstei Wissehrad angetragen, welche Stelle die erste geistliche Würde nächst den Bischöfen war, reiche Einkünfte hatte, den Titel eineS Kanzlers des Reiches mit sich führte, und mit wenig Obliegenheiten beschwert war. Aber auch diese schöne Stelle schlug Johannes aus, und zog allen diesen ehrenvollen Anträgen, das Amt eines Predigers vor. Endlich wurde er dazu bewogen das Amt eines Almosenpflegers am königlichen Hofe anzunehmen, welchem Anträge er aber nur in der Absicht folgte, weil dieses, seiner Liebe zu den Armen, zusagte. Durch diese Stelle gehörte er nun zum Hofstaate, wo er sich im glanzvollen Kreise, wie in seinem frübern Berufe zeigte. Er war eifrig und handelte ohne Unbeachtsamkeit; war fest ohne Strenge, tugendhaft ohne Prangen, und bewahrte die heilige Freiheit des Priesteramts, ohne die dem Throne schuldige Achtung aus den Augen zu setzen. Die Gunst galt ibm blos zwm Nutzen seiner Mitmenschen, daher war auch seine Wohnung der Sammelplatz aller Unglücklichen und Hilfsbedürftigen. Er war ihr Fürsprecher und Vater; die Sache der Bedrängten war die seinige, deshalb benützte er auch seine Würde nur, um Diftftigen alle mögliche-Unterstützung zu verschaffen. Unerschöpflich war auch seine Nächstenliebe, in friedlicher Vermittlung, wozu er keine Gelegenheit versäumte die sowohl am Hofe als auch in der Stadt, sich bildenden Zwiste, durch seinen kraftvollen Geist und billige Gerechtigkeit auszugleichen, und vollends beizulegen. Die Kaiserin Johanna, eine Tochter Alberts von Baiern, Grafen von Hennegau und Holland, welche dem Schmerze über die Ausschweifungen ihres Gemals unterlag, wählte nun den Heiligen zu ihrem Beichtvater, nachdem sie eines solchen Führers bedurfte, um ihre Frömmigkeit zu erhalten, und ihre Seele bei so vielen Unannehmlichkeiten zu trösten. Ihre Inbrunst steigerte sich unter seiner Leitung, sie war stets in den Kirchen zu finden, wo sie tagelang kniend verweilte, und durch erhabene Andacht allgemeine Bewunderung erregte. Ihr Gebet ward nur durch die Werke der Mildthätigkeit unterbrochen, welche so weit ging, dass sie sich nicht schämte Arme selbst zu bedienen. Es gab nichts Erbaulicheres als diese Fürstin und ihre Umgebungen zu sehen, und doch ward diese hohe Frömmigkeit eine Ursache, den wilden Charakter ihres Gemals zu scharfen. Dieser Fürst herrschte wie ein Tyrann, der nur seine Launen als Gesetze anerkannte. — Er war grausam, jähzornig und heimtückisch, stets von Gemeinheit zur Wildheit, von Unmäßigkeit zum Aberwitze, von Aberwitz zur Wuth eilend; immer die Vernunft mißbrauchend, oder gar nicht brauchend, daS Gute nur sehend, um es zu zerstören, und alle Hilfsquellen deS Lasters ms Werk setzend, um die Tugend zu vernichten. Eifersucht, diese schwarze Leidenschaft, die in den unbedeutendsten Dingen Verbrechen aufspürr, und Tugend für Heuchelei halt, nagte jetzt durch verläumderische Einflüsterung einiger Hofleute, die ihm die eheliche Treue seiner Ge- malin verdächtig gemacht hatten, an seiner verdorbenen Seele. Die Sanftmuth und Bescheidenheit der Kaiserin, ihr Hang zur Zurückgezogenheit, und ihr den Werken der Frömmigkeit geweihtes Leben genügten als Bürgen ibrer Treue; welchen Eindruck kann aber das weiseste Benehmen auf ein Herz machen, in welchem der Glaube an Tugend erstorben ist. Wenzel, ganz seinem falschen Verdachte hingegeben, konnte die Unruhe seines GemüthS nicht mehr bemeistern, und versuchte daher Mittel zur Aufklärung, die aber seine Qualen nur noch mehr vermeh. ren, oder ihn mit dem Gewichte der Unvernunft erdrücken konnten. Er wollte gleichsam das Auge Gottes entlehnen, um die Herzen zu prüfen, und bildete sich den unsinnigen und verbrecherischen Plan, den Schleier von dem Gewissen zu heben, und die Geheimnisse zu durchschauen, welche die Kaiserin vor dem Tribunale der Busse nieder gelegt. Johannes ward zum Fürsten gerufen, der zuerst auf Umwegen Fragen stellte, um in seiner Neugierde befriedigt zu werden, da ihm aber auf diesem Wege seine Absicht mißlang, so erklärte er sich jetzt ganz offen, daß er von Johannes zu wissen verlange, waS die Königin ihm im Beichtstühle anvertraut hätte. Der Mann Gottes von Abscheu ergriffen, bedeutete dem Kaiser mit Eifer, Kraft und Achtung, daß sein Verlangen die Vernunft empöre, das Heiligste der Religion entwürdige und dahin strebe, die Mittel unwerth zu machen, welche die Barmherzigkeit den Sündern gelassen, um sich mit dem Himmel auszusöhnen. Wenzel war gewohnt Sklaven um sich zu sehen, und glaubte, daß Niemand wagen könnte, ihm zu widersprechen, indessen verbarg er aber seinen Verdruß, und entließ den Heiligen ohne den geringsten Anschein von Zorn merken zu lassen. Johann aber erkannte in diesem Schweigen den erzürnten rachesüchtigen Herrn, und war deshalb auch seines bevor stehenden Untergangs gewärtig. Diese gegründete Besorgnis; ward aber nur allzubald bestätigt, denn, als Wenzel in einer dem Caligula oder Nero würdigen Laune einen Unglücklichen zu den Flammen verurtheilte, dessen ganzes Verbrechen darin bestand, daß er bei der Bereitung einer Speise, den Wunsch des Ungeheuers nicht befriedigte, da-eilte Johannes herbei, um das schreckliche Urthcil zu hemmen, und den Verurteilten von der unverdienten harten Todesstrafe zu retten. »Fürst« — sagte der fromme Apostel — »begehe ein Verbrechen nicht, das Dich vor der ganzen Welt mit Schande bedecken würde. DaS Zepter schützt Dich vor der Rache der Menschen, erbebt Dich aber nicht über die Gesetze Gottes. Deine Macht schafft Dir Alles leicht, kann sie aber den Mord heiligen, den Gott verdammt?« Wenzel, ganz erbittert, erinnerte sich seines vorigen Hasses gegen Johann, wegen des ihm verweigerten Beichtbekenntnisses der Königin, und befahl, den heiligen Mann in Ketten zu legen, und in's Gefängm'ß zu werfen, welches er so lange nicht verlassen würde, bis er das Beichtgeheimniß dem Könige entdeckt habe. Nach einigen Tagen ward aber Johann wieder frei gelassen, worauf ihn der König bitten ließ, diese vorgefallene unwürdige Handlung zu vergessen, und am nächst folgenden Tage nach Hof zu kommen, wo er ihm den sichern Beweis seiner Achtung''geben werde. Johann begab sich jetzt nach Hof, wo er gut empfangen, und zur Tafel geladen wurde. Endlich zog ihn aber Wenzel bei Seite, und versicherte ihn, er könne auf unverbrüchliches Schweigen, so wie auch auf Ehre und Reichthümer rechnen, wenn er seinem Wunsche entsprechen würde, im Gegenteile aber, habe er die grausamsten Martern, ja selbst den Tod zu erwarten. »Nein« — erwiederte jetzt Johannes — »Euer Majestät sollen mich nie so verbrecherisch gefällig sehen. Mein Leben ist in Eurer Hand, und nichts kann mich von Eurem Zorne retten; ich werde rreu der Tugend nachstre ben, und mich freuen, würdig befunden worden zu seyn, um Euretwegen zu dulden.« Der Wütherich ließ ihn nun neuerdings in den Kerker werfen, gräßlich foltern, Fackeln an die empfindlichsten Stellen des Körpers halten, und andere unbeschreibliche Martern anwenden. Aber alle diese Grausamkeiten ertrug Johann als ein Mann und Märterer geduldig, und gab sonst keinen Laut von sich, alS: »Jesus- Maria.«- — Fast sterbend ward er von der Folter genommen, und wieder in den Kerker zurück gebracht, wo er nun seinem jammervollen Schicksale überlassen blieb. Die Kaiserin erfuhr Alles, und eilte kniend und Thränen vergießend bei dem harten Gemale die Freiheit für den Diener deS Herrn zu erbitten. Die Gewährung ihrer Bitte erfolgte, und Johannes ward frei gelassen, worauf er wie vorher, heiteren Antlitzes bei Hofe erschien. Doch konnte er aber deutlich bemerken, daß dieS abermals nur eine Scheinruhe sey, und daß sein nahes Ende der König bereits beschlossen habe. EineS TageS (am Sonntage nach Ostern 1383) predigte er daher über den Text: »Ueber ein Kleines werdet ihr mich nicht mehr sehen«- — welche Worte er mehrmals wiederholte — »denn eS bleibt mir nur kurze Zeit, um zu euch zu reden.«- Die Gemeinde konnte nun aus diesen Worten wohl erkennen, daß er sich auf sein nahes Ende vorbereicen wollte. Endlich ergoß sich in sein ganzes Wesen ein neuer Eifer, Thränen strömten aus seinen Augen, als er gleich einem Sterbenden den rührendsten Abschied von seinen tief bewegten Zubörern nahm, und ihnen Kunde von dem bevor stehenden Unheile, daS über Böhmen herein brechen würde, gab, was auch wirklich durch die schrecklichen Verheerungen des Hussitenkrie- ges in Erfüllung ging. Von diesem Tage an, sah sich Johannes der Ewigkeit nahe, und da er sein Leben ganz dem Schutze der heiligen Jungfrau empfohlen hatte, so machte er jetzt bei seinem ihm schon so nahe bevor stehenden Ende noch eine Wallfahrt nach Bunzlau, wo das berühmte, von den Heiligen Cyrillus und Methodius, den Aposteln der Slaven, dahin gebrachte Bild der Mutter GotteS befindlich war. Nach verrichteter Andacht zur gebenedeiten Gottesmutter, trat er wieder neu gestärkt seine Rückkehr an, und ging so eben an dem Residenzschlosse vorüber, als der Fürst seine königliche Stadt bei dem Untergange der blutroth strahlenden Sonne überblickte. Neuer Zorn erwachte jetzt bei dem Anblicke deS so sehr verhaßten frommen Mannes, und alsogleich befahl der König, daß man ihn augenblicklich ergreifen, und vor ihn bringen sollte. Als Johannes vor dem Könige er schien, empfing er ihn mit den Donnerworten: »Du wirst Wasser trinken, wenn du die Beicht der Königin mir nicht entdeckest.«- Der heilige Mann aber schwieg, worauf nun der Rache erzürnte König seinen Gevatter, den Henker *) rufen ließ, und diesem befahl Johannes in den Fluß zu stürzen, wenn eS dunkel seyn wird, damit das Volk die Hinrichtung nicht sehe. Johannes benützte jetzt die noch wenigen Stunden seines irdischen Lebens zur Vorbereitung auf seine große Reise nach der Ewigkeit, und hatte kaum seine Andacht vollendet, als auch schon die Henkersknechte bereit waren, ihn gebunden an Händen und Füssen von der Brücke, welche Kaiser Karl IV. erbauen ließ, und deren Stelle noch jetzt bezeichnet ist, in die Moldau zu stürzen. Dieses geschah am Abende vor Christi Himmelfahrt den 16. Mai 1383. Indessen blieb eS aber vergebens, den Mord verborgen zu halten, denn Gott, der seine Heiligen verherrlicht, umgab den im Wasser schwimmenden Körper mit himmlischem Glanze, wo nun das Volk in großer Menge herbei strömte, um das Wunder zu schauen. Wenzel begab sich .jetzt in voller Verzweiflung und in der Besorgnis; eines Volks-AufstandeS auf das Land, und verbot, daß ihm Niemand Nachfolge. Allgemein bekannt war sein Verbrechen und Alles erstarrte vor Entsetzen über diese Gcäuelthat. Mit tief bewegten Wehklagen über einen so ehrwürdigen und frommen Mann, ward der Leichenzug begleitet, und bald darauf begann auch die hohe Verehrung dieses Heiligen, dessen Grab durch Wunder immer mehr verherrlicht wurde. Papst Innocenz XIII. erklärte nach vorher gegangenen — bei solchen Gelegenheiten üblichen — Untersuchungen den Märterer Johannes im Jahre 1721 zum Heiligen, und Papst Benedikt XIII. vollendete im Jahre 1729 die Heiligsprechung mit vielen Feierlichkeiten. Seit dieser Zeit wird sein Festtag den 16. Mai mit vieler Andacht gefeiert. Sein Standbild findet man gewöhnlich in den katholischen Ortschaften, meistens bei Brücken, Flüssen, Bächen u. s. w. aufgestellt, wo er jährlich am 16. Mai angefangen durch 8 Tage mit öffentlichen Gebeten verehrt wird. In der Metropolitankirche zu Prag befindet sich der auS Silber verfertigte Sarg in Altarsgestalt mit den Gebeinen dieses Heiligen. Am 8. Juni des Jahres 1829 wurde daselbst mit großem Zuströmen des Volkes die Sekularfeier seiner Kanonisation begangen. *) Wenzel nannte gewöhnlich im grausamen Scherze den Scharfrichter bei Ausübung seiner mörderischen Befehle, seinen Gevatter. Dieser war seine liebste Gesellschaft, wurde aber in plötzlicher Anwandlung von Laune oder Zorn, dann von ihm selbst enthauptet. M M« MUAM« «MiW UM^! KFMZMM DMMI ^WWW W ^ L ,k(.7 - UMM ////////-Z'/oetfel mehr übrig seyn könne. Immer finsterer, aber auch immer schweigsamer ward der Obrist, endlich^ fuhi. er wie aus einem schweren Traume auf, schüttelte dem Alten die Hand und verschwand mit dem Rufe. »Auf Wiedersehen« hinter dem Felse. Am nächsten Morgen begannen die Belagerungsanstalten und die nöchigen Arbeiten, um das Geschütze aufzustellen; allein es schien damit keine Eile zu haben, denn der belebende Geist fehlte dem Befehlshaber, der ganz düster in seinem Zelce saß, und sich wenig darum bekümmerte, ob seine Befehle vollzogen würden. Während dessen brachte man ihm Briefe von dem Heere, die meldeten, indem das Lager abgebrochen, und die neue Stellung bezogen werden sollte, sey der Streit zwischen den Anhängern der beiden Feldherren so heftig ausgebrochen, daß es beinahe zu Tätlichkeiten kam, und nur die persönliche Dazwischenkunfr des Fürsten Rägoczy habe noch eine förmliche Schlacht im Angesichte des FeindeS verhindert. Dies entschied: — In einer halben Stunde wurde eine schriftliche Aufforderung an den Kastellan zur Ergebung geschickt, zugleich aber auch um eine wichtige Unterredung an dem bestimmten Orte gebeten; wobei aber auch Ilka erscheinen wolle. Die Zusammenkunft fand Statt: Das Entzücken der Liebenden war grenzenlos und lange betrachtete der Alte mit vergnügten Blicken die beiden sich Umarmenden; aber nun mahnte er nachdem noch wichtigere und größere Dinge abzuthun seyen. Die Unterredung der beiden Männer dauerte lange, wovon endlich das Resultat war, daß Otskay sich dem Kaiser unterwerfen und ihm sein ganzes Regiment zuführen wolle, dagegen müsse ihm aber die Burg gegen freien Abzug der Besatzung übergeben werden, indem ohne ihren Besitz der ganze weitere Plan nicht ausführbar sey. Ilka jubelte über diese Wendung der Dinge, die ihr die Aussicht auf Vereinigung mit dem Geliebten eröffnete, und auch der Kastellan freute sich einen so wichtigen Mann seinem Herrn zugeführt zu haben. Endlich mußte man sich trennen, und am folgenden Morgen begann jeder mit der Ausführung seiner Entwürfe. In dem Lager regte sich Alles in ungeheurer Geschäftigkeit, denn O t s k a y trieb und drängte die Belagerungsarbeiten, als müsse die Festung heute noch fallen. Indessen waren aber auch die Boten des Kastellans an den kaiserlichen Oberfeldherrn Heister durchgelassen worden, um vun diesem sowohl die Gewährleistung der Amnestie für Otskay, als auch die Gutheißung der übrigen Verabredung zu erwirken. Als nun das Nöthige hierüber eingetroffen, kündigte Otskay seinen Truppen einen allgemeinen Sturm für den nächsten Morgen an, wenn die nochmalige Aufforderung unwirksam bleiben sollte, aber der Kastellan von der Unmöglichkeit sich langer zu halten überzeugt, ergab sich auf die gemachte Aufforderung gegen freien Abzug mit Mannschaft und Gepäck, und Otskay rückte hierauf, nachdem er das Nöthige wegen Besetzung der Burg veranlaßt hatte, wieder zum Heere ein, wo er bereits schon alle Vorbereitungen zu einer Hauptschlacht getroffen fand. Der kaiserliche Oberfeldherr Heister hatte eine schiefe Schlachtordnung angenommen, und sich zuerst auf den linken feindlichen Flügel geworfen; doch ward daS Gefecht bald allgemein, und die ganze Linie darein gezogen. Das Glück schien bald den einen bald den andern Theil zu begünstigen, und so dauerte mehrere Stunden hindurch daS Schwanken. Endlich brach aber Otskay mit seinem Regiments auf, warf sich auf die gegenüber stehende Masse, welche sich öffnete, und verkündete mit lautem Geschrei den Ueber- rritt zu den kaiserlichen Fahnen, wodurch eine vollständige Niederlage des Rägoczyschen HeereS herbei geführt wurde. Otskay kehrte nun nach Hause in der süßen Hoffnung, mit Ilka seine Verma- lung feiern zu können. Auch der Kastellan kehrte wieder nach Szomolän zurück, nachdem die Besatzung, als die Schlacht verloren ging, sich eilig an die in Flucht begriffene Armee anschloß, und die Burg, deren Besitz weiterhin ohne Zweck blieb, leer stehen ließ, worauf sogleich kaiserliche Truppen einzogen, und den Kastellan wieder einsetzten. Immer näher rückte jetzt der zur Vermälurrg der beiden Liebenden bestimmte Tag, und alles war zu dieser Vorbereitung auf dem Schlosse Otskay S in der grossen Bewegung. Während dessen erschien aber ein Bote an den Obristen Otskay mit der Bitte, ein ehemaliger Freund und Kriegskamerad liege krank auf seinem Gute, und bedürfe in einem äußerst wichtigen Geschäfte seines Rathes und Beistandes. Otskay sagte den Besuch zu und begab sich am folgenden Tage zu seinem Freunde. Als daS Gespräch beendet war, und es schon gegen Abend ging, forderte Otskay sein Roß, und ritt ganz gemächlich nur von Einem Diener begleitet nach Hause. All- mälig war es dunkel geworden, als die beiden Reiter über einen Hügel am Saume eines Waldes ankamen. Kaum an dieser Stelle angelangt, sprangen aber schwarze Gestalten mit furchtbarem Gebrülls dem Pferde in die Zügel, das mit einem gewaltigen Seitensprunge, den nichts ahnenden Reiter herab stürzte. Augenblicklich warfen sich jetzt die Vermummten über ihn, bemächtigten sich seines Säbels, bevor er ihn noch ziehen konnte, knebelten ihn an Händen und Füssen, warfen ihn auf einen Karren, und nahmen den überwältigten Diener mitten unter sich. Am dritten Tage bemerkte endlich der Ueber- wältigte, daß man sich dem Rägoczyschen Lager nähere, und er nun in die Hände seiner Feinde gefallen sey. Der Fürst, welcher sich so eben in dem wichtigen Neuhäusel befand, als dieser ausgezeichnete Gefangene ankam, befahl sogleich einen Kriegsrath zu versammeln, um über den Abtrünnigen daS Nrtheil zu sprechen. ES sprach den Tod durch daS Schwert — und in drei Stunden war eS auf dem großen Platze vor dem gegenwärtigen Primarial-Gebäude, das der Fürst bewohnte/ vollzogen. Absichtlich verbreiteten die Rägoczyschen die Nachricht davon auf das Schnellste im ganzen Lande, und so gelangte sie auch bald nach Szomolän, und durch die Unvorsichtigkeit eines DienerS zu Ilka. Mir einem durchdringenden Schrei sank sie ohnmächtig zu Boden, und ihr Leben schwebte in der höchsten Gefahr. Nach langer Zeit genas sie zwar wieder, doch ihr Verstand war zerrüttet. Nie sprach sie mehr ein Wort, ging jeden Tag zu dem Rabenfels, harrte dort eine Stunde, stieg dann auf den Stein, streckte voll Sehnsucht die Arme der Gegend zu, wo ihr Geliebter geendet, und kehrte dann wieder traurig zur Burg zurück. Alle Versuche, sie von diesem Gange zurück zu halten waren vergebens und brachten sie nur zur Wuth. Man mußte sie daher gewähren lassen, doch in einem Jahre hatte auch sie geendet. Heinrich l. beigenannt der Finkler. Jahr 919 bis 936. ^I^ach dem Abgänge der Karolinger bestand der deutsche StaatSkörper aus fünf großen Völkerstam- men und Herzogtümern, nämlich Franken, Sachsen, Lothringen, Schwaben und Baiern, unter denen nur noch ein schwacher Zusammenhang übrig war. Es drohte demnach die gröste Gefahr, daß das deutsche Reich jetzt unter lauter kleinere Fürsten zersplittert werden möchte. Zum Glücke waren die Franken und Sachsen mit einander einig, daß man wieder einen König wählen müsse, wozu der Sach- senherzog Otto, dem man diese Würde zuerst antrug, an seine Stelle den Herzog Konrad von Franken als den Tüchtigern vorschlug, und da er auch in weiblicher Linie mit den Karolingern verwandt war, so wurde er ebenso auch von den übrigen Provinzen anerkannt. Konrad hatte den Ruf cineS edelmütigen, tapfern und verständigen Mannes, und ließ sich es auch als seine vorzüglichste Sorge angelegen seyn, das so sehr gesunkene königliche Ansehen wieder herzustellen ; wiewohl er bei Weitem nicht seine Absicht erreichen konnte. Auch suchte er die unruhigen Großen in Lothringen zu unterwerfen, die sich nach dem Tode L u d w ig s des Kindes zu Frankreich gewandt halten, aber er konnte nur Elsaß und Utrecht wieder zum Reiche zurück bringen. Im Jahre 912 als der Sachsenherzog starb, wollte er dessen Sohne Heinrich nicht die ganze Lehensfolge in Sachsen und Thüringen bewilligen *), allein Heinrich war tapfer, mächtig, von seinen Völkern sehr geliebt, und widersetzte sich daher auch standhaft. Konrad ließ hierauf vom Kriege wieder ab, ohne daß es zum Frieden gekommen zu seyn scheint, und Heinrich blieb im Besitze seiner Lander. Dagegen wurden die in Schwaben mit herzoglicher Macht waltenden Kammerboten Erchanger und Berthold, welche an dem Bischöfe Salomo von Kostnitz schwere Frevel verübt hatten, von dem Könige vor eine Fürstenversammlung geladen, und nach deren Ausspruch enthauptet, worauf sich die Schwaben einen Herzog Namens Burkhard wählten, welcher die königliche Bestätigung erhielt. Auch Herzog Arnulf von Baiern, welcher den Kammerboten als seinen Anverwandten, Beistand geleistet hatte, mußte vor der überlegenen Macht des Königs aus seinem Lande weichen. Unter diesen innern Unruhen fielen die Ungarn verheerend in das Reich ein, und drangen in den Jahren 915 und 917 in verschiedenen Schwärmen bis nach Fulda, ja selbst bis nach Elsaß und Lothringen. Eben da, wo man jetzt von dem wackern Konrad Hilfe gegen diese wilden Feinde erwartete, verfiel er aber in eine tödtliche Krankheit, und selbst unbefriedigt durch die geringen Erfolge seiner Regierung, beschloß er nun sein Leben mit einem Zug-e wahrhaft deutschen Edelsinns zu enden. Er ließ nämlich seinen Bruder Eberhard zu sich kommen, und sagte zu ihm in Gegenwart vieler anderer Fürsten und Herren: »Lieber Bruder, ich fühle, daß ich sterben werde; lasse dir also deine eigene Wohlfahrt und das Beste der Franken empfohlen seyn. Wir sind im Stande Heere zu stellen, haben Städte und Waffenvorrath, und Alles was zum königlichen Glanze gekört, nur Glück und Geschicklichkeit haben wir nicht; dies aber besitzt im vollen Masse Heinrich; auf den Sachsen beruht allein das Wohl des Reiches. Nimm nun diese Zeichen der Königswürde, Mantel, Lanze, Schwert und Krone der alten Könige, geh' damit zu Heinrich und mache ihn dir zum Freunde auf immer. Melde ihm, daß ich ihn euch zu meinem Nachfolger empfohlen habe.c — Alle Anwesenden waren gerührt über diese unparteiische Schätzung der Verdienste seines Feindes, und versprachen ihm, seinen letzten Willen zu erfüllen. Kaum hatte Konrad die Augen geschlossen (918), so ging auch schon sein Bruder mit den Reichsinfignien nach dem Harze ab, dem Herzoge Heinrich, der dort seine Güter hatte, die unerwartete Botschaft zu überbringen. Heinrich war so eben mir Vogelfang und Waidwerk beim Vogelherde beschäftigt, als Eberhard mir den Gesandten der deutschen Fürsten ankam, ihm die unerwartete Botschaft von seiner Wahl zum Könige zu überbringen, und die königlichen Insignien zu überreichen. Dies gab späterhin die Veranlassung, daß mehrere Chronikenschreiber, Heinrich den Beinamen des Finklers oder Vogel- *) Man muß bei dem Namen Sachsen nicht an das heutige Königreich dieses Namens denken, sondern vielmehr an Niedersachsen und einen Thcil von Westphalen. Die Landstriche zwischen der Mittelelbe und Saale waren damals noch gar nicht deutsch, sondern im Besitze des slavischen Stammes der Sorben. 75 stell er s gegeben haben, wiewohl er eher der Große genannt zu werden verdient, denn er hob daS zerfallene Reich in weniger als 20 Jahren zur ersten Macht der Christenheit, und gab den Deutschen den alten Ruhm ihrer Tapferkeit wieder. Heinrich war von männlich schöner Gestalt, Muth und Frömmigkeit waren ihm schon als Eigenschaften seines Zeitalters in hohem Grade eigen. In früheren Jahren hatte er einst, mehr zu Fuße als zu Pferde, zur Sühnung seiner Sünden, eine Reise nach Rom unternommen. Unermüdliche Thätigkeit, Beharrlichkeit und unaufhaltsame Schnelligkeit im Streben nach einem Ziele bezeichnen ihn in jeder seiner Handlungen. Jagte er, so ließ er nicht ab, bis er mit eigener Hand dreißig, ja oft vierzig Eber, Hirsche, Bären und anderes Wild an Einem Lage erlegt hatte. War er in Waffenübungen, so legte er nicht eher die Lanze nieder, als bis kein Gegner mehr zu besiegen war, und stand er einmal an der Spitze der Truppen, so ging's über Rhein und Main, Elbe und Havel, und kein Zdg verfehlte seine Absichten. Seine Leidenschaftlichkeit hätte ihn zu vielem Bösen hinreissen können, wenn sie nicht durch einen früh gereiften Verstand geleitet worden wäre. Aber er sah immer das Gute zuerst, und so findet sich auch während seiner ganzen Regierung von einer Ungerechtigkeit keine Spur. Eine glücklichere Wahl hätte sich demnach kaum treffen lassen. Die Feierlichkeit des öffentlichen Ausrufes zum Kaiser ging zu Fritzlar vor sich, wo sich die Fürsten der Sachsen und Franken zu dem Ende versammelt hatten. Als sich ihm der Erzbischof von Mainz näherte, ihn nach altem Gebrauche zum Kaiser öffentlich zu krönen und zu salben, sagte Heinrich: »-ES ist für mich ohnehin schon Ehre genug, daß ich andern Würdigeren vorgezogen wurde. Ich danke Gott für diese Gnade; Krone und Salbung will ich für einen Andern sparen, welcher derselben würdiger ist, als ich es bin!-« — Diese demuthsvolle Rede verursachte eine allgemeine Freude unter den Anwesenden, und jauchzender Glückwunsch erschallte ihm von allen Seiten, da er durchgehends dieser Ehre würdig geschätzt wurde. Bald nach seiner Erhebung zum Kaiser zog er gegen den Herzog Burkhard von Schwaben, welcher seiner Wahl nicht beigestimmt hatte, und zwang ihn zur Anerkennung. Indessen war Herzog Arnulf nach Baiern zurück gekehrt, und da nun die Königswürde von den Franken auf die Sachsen über gegangen war, so glaubte er des Vasallenverhältnisses enthoben zu seyn, und nahm selbst den königlichen Titel an; Heinrich zog aber jetzt mit Heeresmacht herbei und belagerte Regensburg, worauf dann ein für beide Tbeile ehrenvoller Vergleich geschlossen wurde, denn Jeder achtere des Andern Macht. Arnulf erkannte Heinrich als den allgemeinen König von Deutschland an, erhielt jedoch als Herzog von Baiern eine noch ausgedehntere Macht als früber. Um sich gegen Frankreich zu sichern ging Heinrich im Jahre 921 über den Rhein, hatte auch in demselben Jahre eine Zusammenkunft mir Karl dem Einfältigen in einem Schiffe auf dem Rheine, wo beide Herrscher sich Freundschaft gelobten. Bald darauf als der König von Frankreich seine Krone nicht mehr behaupten konnte, brachte Heinrich das vorhin durch die Westfranken von Deutschland abgerissene Herzogthum Lothringen wieder an das deutsche Reich und ließ es durch einen Herzog regieren. Während der Unruhen in Deutschland hatten die Ungarn ohne großen Widerstand zu finden öfters verwüstende Einfälle gemacht und raubten und mordeten bis nach Thüringen. Heinrich, zum offenen Kampfe zu schwach, schloß sich gerüstet in die Stadt Werla im Hildesheimischen ein, lieferte ihnen kleine Gefechte, konnte sie endlich aber nach erfolgter Freilassung eines gefangen genommenen ungarischen Heerführers ohne Lösegeld nicht anders als durch einen neunjährigen Waffenstillstand, den er mir einem Tribute erkaufen mußte, zum Rückzüge bringen. Während dem Verlaufe einer neunjährigen Frist hatte er ihnen aber einen andern Tribut zugedacht, und um seine Deutschen darauf vorzubereiten, fing er an ihre Kriegsart zu verbessern. Er lehrte sie nämlich geschlossener und planmäßiger zu kämpfen, und bemühte sich besonders der Reiterei, die geharnischt und schwerfällig, gegen die den leichten ungarischen Reitern eigenthümliche Art zu fechten, bisher nichts hatte ausrichten können, eine andere Einrichtung zu geben, welche einzig und allein nur gegen die Ungarn entscheiden konnte. Eine der vorzüglichsten Anstalten im nördlichen Deutschland, die Heinrich zur Beschützung deS Reiches machte, war, daß er die bereirS vorhandenen Städte besser befestigen ließ, und offene Oerter mir Mauern einschloß. In diese Städte mußte der neunte Mann von den auf dem Lande wohnenden Edelleuten und Freigebornen ziehen, daselbst für die ausserhalb der Städte Bleibenden auf den Fall eines feindlichen Angriffes, Wohnungen bereit halten, und die vom Lande dahin gebrachten Vorräthe an Lebensmitteln aufbewahren. Alle Volksversammlungen um über öffentliche Angelegenheiten zu berathen, verlegte er in die Städre. Durch diese Einrichtung bildete sich nach und nach ein dritter Stand, dem Deutschland, ebenso wie andere Länder, hauptsächlich seine Bildung verdankt, denn in den Städten entstanden Handwerker, Fabri- keN/ Manufakturen und Handel. Wahrend die Ungarn ihm Ruhe gestatteten gab er den unaufhörlichen Grenzstreitigkeiten, welche die Deutschen im Osten mit den verschiedenen Slavenstammen führten, durch seine Gegenwart in den Jahren 927 und 928 großen Nachdruck. Er wendete sich zuerst gegen die Hn- veller und eroberte ihren Hauptort Brennabor (Brandenburg) mit Hilfe der zugefrornen Havel. Es wurde zwar befestigt, doch konnten die überelbischen Eroberungen noch nicht überall behauptet werden. Dann wurden auch die Dalemincier, die steten Bundesgenossen der Ungarn, welche an der obern Elbe bis an die böhmischen Gebirge hin wohnten mit Nachdruck angegriffen, und im Jahre 9-9 dre Rhe- darier ein mehr nordwärts wohnender Stamm von Heinrichs Feldherrn bei Lenzen curichlcden geschlagen. Um aber die nördlichen Wenden zu beobachten, und der deutschen Herrschaft zu unterwerfen, wurde allmälig in der heurigen Altmark die sogenannte nordsächsische Mark gebildet. Erne ähnliche Markgrafschaft entstand späterhin gegen die Dalemincier, und erhielt ihren Namen von der Burg Meißen, welche als eine Hauptfestung gegen die slavischen Einfälle von Heinrich erbaut wurde. So wurde das Land der Sorben im Laufe der Zeit eine deutsche Provinz. Von hrer aus ward rn der Folge Bautzen, der grösste Ort der Milzener unterworfen. Im Jahre 929 eroberte Heinrich auch Prag, die Hauptstadt der Böhmen, und zwang ihren Herzog zur Unterwürfigkeit, und seit dieser Zeit forderten die deutschen Könige von den böhmischen Fürsten Lehenstreue und Heeresfolge.^ Auch gegen die Dänen unternahm er einen Feldzug, eroberte Schleswig, stellte die alte Markgraf cp a ft Karl . Großen in diesen Gegenden wieder her, und brachte einen dänischen Fürsten zur Eaufe; die ubrigui Danen mußten aber versprechen, die furchtbaren Menschenopfer, die nocy bei ihnen gebräuchlich waren, abzuschaffen. Indessen war die Zeit deS Waffenstillstandes mit den Ungarn abgelaufen, worauf aber Heinrich schon vorher seine Vorkehrungen traf, da er die Absicht hatte, den bisher geleisteten Erlbut aufzukünden. Um seinem Entschlüsse aber auch sicher Nachkommen zu können, hielt er eine Reichsver- sammlung, auf welcher er die Vorstellung machte: »-Ob der Friede durch Gold oder Eisen zu verlängern wäre?-« worauf alle versammelte Reichsstände einstimmig erklärten: »-Lieber Gut und Blut aufzuopfern als den Barbaren länger zinsbar zu seyn,-« und so ward er nun durch die ibm allgemein angelobte Hilfe und Unterstützung gesichert. Bald hierauf gelangte eine ungarische Gesandtschaft an dem kaiserlichen Hofe an, und verlangte ernstlich, bei Vermeidung eines verheerenden Einfalles den schuldigen Tribut; Heinrich aber, von allen Seiten fest und sicher gestellt, ertheilte jetzt den ungarischen Abgeordneten eine schimpfliche Abweisung und ließ ihnen statt eines Tributs einen verstümmelten abge- schornen Hund überreichen. Weil nun auch nur die bloße Benennung eines HundeS den Ungarn schon äußerst gehäßig war, so wurde jetzt über diese Beschimpfung, Rache beschlossen, daß das ganze Reich verwüstet werden sollte. Die Ungarn zogen jetzt ihre ganze Macht zusammen, welche aus Ungarn, Scythen, Slaven, Neusten, Polen, und andern Nationen, bestand; und gingen in grösser Eile auf Sachsen los. Dieses ungarische Heer theilte sich aber, und ein Theil davon zog sich gegen Äietszen hin, da sie zugleich die Absicht hatten diese ihre alten Bundesgenossen an sich zu ziehen. Den Meipnern war aber die Stärke der Sachsen bekannt, und die früher erhaltene Niederlage warnte sie, sich in dieses gefährliche Spiel einzulassen, weshalb sie auch die kaiserliche,Freundschaft der ungarischen vorzogen. Darüber erzürnt durchzogen nun die erbitterten Ungarn mit Feuer und Schwert wüthend das Land, und eilten gegen die Sachsen, um solche unversehens zu überfallen. Nach großen Tagmärschen kamen sie in Thüringen an, wo sie mit verheerendem Brande den Anfang ihrer Grausamkeiten machten. Weder Priester noch Kirchen, weder Weiber noch Kinder wurden verschont, und nur waS gesund und stark war, konnte dem barbarischen Gemetzel durch eine harte Gefangenschaft entgehen. Ein feindlicher Haufe wendete sich jetzt gegen Sondershausen und belagerte das nächst gelegene Jecheburg, aber die Thüringen schen Herren sammt dem Landvolke entsetzten diesen Ort so tapfer, daß von den Feinden nur wenige dem Schwerte entkommen konnten. Das Hauptheer dieses ungarischen Schwarms nahm indessen seinen Zug gegen die Saale, verwüstete und mordete AlleS auf seinem Durchzuge, und stellte sich endlich vor Merseburg, wo nun eine förmliche Belagerung vorgenommen wurde, die aber wegen der Eapferkeit der Belagerten fruchtlos blieb. . „ Während dieses Vorganges war aber auch der Kaiser nicht unrhatig, und ermahnte dre Stande und Nachbarn des Reiches bei Verlust ihrer Freiheiten, so wie bei ihrer Ehre und Pflicht binnen o Monaten vollkommen gerüstet im Felde vor Merseburg zu erscheinen. Diese kaiserliche Anordnung verfehlte nicht seine Wirkung, und ungesäumt erschienen aus den Erblandcn von Sachsen, Lchüringen, Hessen, Sorben, Meißen, Nordalbingerländern und Westphalen, desgleichen auch von der E^aale und dem Harz eine zahlreiche Macht zu Fuß und zu Pferde, bei welcher sich als Befehlshaber der kaiserliche Prinz Herzog Otto zu Sachsen und Herzog Heinrich von Baiern einfanden. Hiezu kamen noch mehrere Hundert Mainz'sche Reiter, und jene Mannschaft, welche die Bischöfe, Prälaten und Grafen dem Kaiser zuschickten, mir welchen er in eigener Person durch die Grafschaft Mannsfeld dem beängstigten Merseburg zu eilte. Die folgende Nacht als der Feind den ganzen Tag zuvor die Stadt grausam bestürmt hatte, schlug die kaiserliche Armee ihr Lager bei Rieth auf. Als die Ungarn diesen zahlreichen Anzug gewahr wurden, und sich an die kürzlich erhaltene Niederlage vor Iecheburg erinnerten, befiel sie ein solch' panischer Schrecken, daß sie das Lager vor Merseburg verließen, und sich nach dem Holze der Scöltzig genannt, zogen. Mit anbrechendem Morgen brach auch der Kaiser auf, und ließ die Hauptfahne, worin ein Engel gemalt war, flattern, hielt den Seinigen eine heldenmütige Ermahnung, und da pr merkte, daß sich die Begierde zum Angriffe durchgehendS in seinem Heere vereinigte, so befahl er, daß eine Truppenabtheilung von Thüringern den zurück weichenden Feind, durch kleine Gefechte so lange aufhalten solle, bis die sächsische Macht zum vollständigen Angriffe ganz zusammen gezogen sey. Allein, als die Ungarn den immer mehr zunehmenden Haufen ihrer Feinde bemerkten, zogen sie sich eilend eine ganze Meile Weges zurück, und setzten sich bei dem Dorfe Scölen neben dem Scöltziger nicht weit von Lützen fest, wo sie dann eine Wagenburg aufschlugen, und in der anrückenden Nacht, sich möglichst verschanzten. Die Kaiserlichen gingen aber dem Feinde beherzt nach, setzten über die Saale und lagerten sich eine Meile jenseit Merseburg auf dem sogenannten Keuschberge, wo die Saale an einer Seite ihr Lager bestimmte. Am kommenden Tage erhielt der Kaiser noch die angenehme Nachricht, daß auch Franken, Baiern, Schwaben, Oesterreicher, Rheinländer, Hessen, Voigtländer und Thüringer angekommen wären, und ungefähr eine halbe Stunde von ihm entfernt ihr Lager aufgeschlagen haben. Der Kaiser gab nun sogleich den Befehl, daß sich diese zahlreichen Hilfstruppen, seinem Lager anhängig machen sollten, und hielt zugleich einen Kriegsrath, in welchem einstimmig beschlossen wurde den Feind anzugreifen. Von Allem diesen erhielten aber die Ungarn durch ihre Ausspäher getreue Nachricht. Wiewohl es nun schon» zu spät war sich durch die Flucht der bevor stehenden Gefahr zu entziehen, so beschlossen auch diese eine Schlacht im freien Felde zu liefern, wozu sie sich eiligst vorbereiteten. Als die Kaiserlichen den Entschluß der Ungarn bemerkten, ergriffen diese nach Mitternacht die Waffen, worauf sie der muihige und tapfere Kaiser selbst in's Feld führte, sogleich den Schlachrplan ordnete, und als dies vollendet war, sie noch mit den Worten ermahnte: »Rufet Gott an, und schlaget weidlich d'rein!-« — Kaum hatten die geschlossenen Reihen das allgemeine Gebet verrichtet, so drängte man sich auch schon gegen den Feind, und es entstand ein Gemetzel, in welchem von beiden Seiten mit der höchsten Erbitterung, nichts schonend, gekämpft wurde. Die Ungarn blieben in ihrer Stellung so standhaft, daß den Kaiserlichen wenig Hoffnung mehr zum Siege übrig blieb, als aber der am Keuschberge versteckte Hinterhalt gegen die Feinde herab stürzte, und ihre Ordnung trennte, da verloren die Ungarn auf einmal ihren Much. Die Kaiserlichen drängten jetzt mit ganzer Macht in die gelichteten Reihen, und brachten den Feind in solche Unordnung, daß solcher von allen Seiten die schnelle Flucht ergreifen mußte. Der Sieg war jetzt vollkommen, und daS Feld weit und breit mit vielen Tausenden feindlicher Leichen bedeckt. Diese Hauptschlacht geschah in der Gegend von Merseburg, und wurde auf Befehl des Kaisers durch die Hand eines berühmten Malers in seinem Palaste auf der alten Merseburg als Saaldecke ausgeführt; auch lebt dieser Sieg noch im Munde der Bauern, und wird in dem heutigen Kirchspiele Keuschberg bei Merseburg alljährlich durch eine Predigt gefeiert. Heinrich selbst baute aus Dankbarkeit gegen Gott viele Kirchen und Klöster wieder auf, welche die Ungarn zerstört hatten, und suchte die Wunden des Landes nach Kräften zu heilen. Zuletzt wollte der fromme und tapfere Fürst eine Reise nach Italien unternehmen, um daselbst das kaiserliche Ansehen wieder herzustellen, als er sich aber zu diesem wichtigen Zuge rüstete, überfiel ihn .zu Memleben an der Unstrut eine tödtliche Krankheit, welche sein baldiges Lebensende voraus sehen ließ. Er verlangte nun einige der vornehmsten Fürsten und Stände des Reiches zu sich, und legte ihnen sein Testament vor, in welchem er mit ihrer Einwilligung seinen Sohn Otto zu feinem Nachfolger ernannte. Die Erblande theilte er unter seine übrigen Kinder, und dankte endlich seiner weinenden Gemalin mit dargereichter Hand für ihre ihm vielseitig erwiesenen Wohlthaten. Er verschied hierauf sanft am 2. Juli 936, worauf sein Leichnam nach Quedlinburg, welches er gegründet hatte, gebracht, und in der Kirche des heiligen Petrus beigesetzt wurde. I. lremenmmL der Grosse. Jahr 936 bis 973. a "üchdem König Heinrich 4. noch bei seinen Lebzeiten seinem ältesten Sohne Otto die Nachfolge zusichern ließ, so ward auch nach dem Tode des Vaters derselbe in Gegenwart aller Herzoge zu Aachen gekrönt. Otto besaß alle die großen Eigenschaften seines VaterS, nur schien er ihnen noch größeres Gewicht verschaffen zu wollen, weshalb er sich die Freunde der vorigen Herrschaft bald abgeneigt machte, und bei Vielen den Wunsch veranlaßt? sich seiner Oberherrschaft zu entziehen. Auch die scheinbar richtige Politik, welche er befolgte, zur Vermehrung der königlichen Macht die großen Herzogthü- wer an Glieder seiner Familie zu bringen, hatte nur den Erfolg, den Unfrieden selbst in das eigene Haus zu tragen, daher hatte ein Herrscher nicht leicht mehr rebellische Vasallen zu bekämpfen gehabt, als er. Indessen halfen ihm aber seine Tapferkeit und sein Glück nicht nur die innern Kriege und Aufstände besiegen, auch konnte er gegen die Feinde von aussen erfolgreich wirken, und das deutsche Reich zum mächtigsten der damaligen Welt erheben. Ottos Heer rückte zuerst gegen Boleslaw, den Herzog von Böhmen, welcher den 28. September 935 seinen Bruder Wenzel ermordet hatte, und einen andern unterworfenen Böhmenfürsten bekriegte. Nach einem erfolglosen Feldzuge übergab Otto, nachdem seine Thatigkeit bereits schon an vielen andern Seiten nöchig geworden war, die Ausführung dieses Kampfes einem tapfern Sachsen, Namens Hermann, und ernannte ihn in der Folge zum Herzoge von Sachsen, da er als König das angeerbte Herzogtum nicht behalten wollte. Dieser böhmische Krieg wurde aber erst nach 13 Jahren beendet, wo Boleslaw sich unterwarf und sich auch zum Christentbume bekannte. Nach dem Tode des Herzogs Arnulf von Baiern glaubte sein ältester Sohn, ohne Einwilligung des Königs das Herzogthum als ein Erbe davon tragen zu können, aber Otto zog wider ihn, vertrieb ihn und setzte Berthold, einen Bruder des verstorbenen Arnulf, zum Herzoge ein. Andere Unruhen brachen in Franken aus, woran selbst der Herzog Eberhard, ein Bruder des Königs Konrad, Theil genommen hatte. Der Uebermuth eines sächsischen Vasallen, der stolz darauf war, daß der König zu seinem Stamme gehörte, und daher nicht mehr unter dem fränkischen Herzoge stehen wollte, hatte diesen veranlaßt, die Waffen zu ergreifen; doch gelang eS aber dein Könige diesen Aufstand durch sein bloßes Ansehen zu dämpfen, worauf dann Herzog Eberhard zu einer ansehnlichen Pferdelieferung, und seine Anhänger zu der altdeutschen beschämenden Ehrenstrafe, nämlich zum Hundetragen bis Magdeburg verurtheilt wurden. Indessen erbitterte aber diese Strafe nur noch mehr, und als Th an km a r, der ältere zu-rück gesetzte Stiefbruder Ottos sich empörte, und sich der Festung Ehresburg in Westphalen bemächtigte, schlug sich Eberhard wieder zu ihm, und ein gefährlicher Krieg schien nahe, allein die Treue der Sachsen rettete den König, nachdem sie dem Thankmar nicht beistanden, sondern dem Otto, als er mir seiner Heeresmacht aus Baiern zurück kehrte, die Thore von Ehresburg öffneten. Thankmar flüchtete sich jetzt in die Peterskirche in der sichern Hoffnung sein Leben daselbst zu fristen, allein ein erzürnter Soldat eilte ihm nach, und stieß ihm in der Kirche die Lanze durch den Leib,, worauf dann vier seiner Anhänger nach dem richterlichen AuSspruche gehängt wurden. Eberhard erhielt durch die Vermittlung deS Erzbischofes von Mainz Verzeihung und wurde auf einige Zeit nach Hildesheim geschickt. Aber kaum ward er wieder losgelassen , so wandte er sich an den gleichfalls unzufriedenen Herzog Giselbert von Lothringen, einen Schwager des Königs, bei welchem sich auch OttoS zweiter Bruder, Heinrich eingefunden hatte, der, noch unzufriedener als Beide, von der Erniedrigung des Königs Erhöhung hoffte. Otto zog ihnen nach, ging über den Rbein, schlug sie, und belagerte Kievermont, dann brach er nach dem Elsaß auf, und legte sich vor Breisach; aber hier blieb seine Unternehmung ohne Erfolg, weshalb der Erzbischof von Mainz und der Bischof von Straßburg ihn verließen, und sich nach Metz zu den Empörern begaben. Nur das Glück konnte jetzt Otto aus seiner mißlichen Lage retten. Das Heer der Verbündeten war auf das rechte Rheinufer über gegangen, und plünderte die dem Könige treu gebliebenen Länder, während Otto noch immer durch die Belagerung von Breisach festgehalten war; indessen wurde aber in einem raschen Ueberfalle der Grafen Udo und Konrad, Vettern des Fraukenkönigs, die aber dem Reiche anhängig geblieben waren, bei Andernach, Eberhard, als er auf seiner Flucht über den 76 Rhein setzen wollte, selbst getödtet, und Giselbert ertrank in den Fluten. So hatte nun durch diesen unerwarteten Vorfall der Krieg ein Ende genommen, worauf Otto seinem Bruder Heinrich erlaubte, zurück gezogen in Lothringen sich aufhalten zu dürfen. Aber kaum waren zwei Jahre verflossen , so nahm dieser um sich selbst auf den Thron zu schwingen wiederholt an einer Verschwörung Theil, welche zum Zwecke hatte, den König zu ermorden. Dieser schändliche Anschlag wurde aber entdeckt, und der großmüthige Otto verzieh jetzt seinem Bruder zum zweiten Male. Während dieser innern Kriege hatte eine treulose Handlung des Markgrafen Gero in der Ostmark (an der Elbe, nördlich von Meißen) die Slaven zu einer Empörung aufgeregt, welche lange und blutige Kampfe zur Folge hatte. Endlich wurden aber diese slavischen Völker bis zur Oder hin wieder unterworfen, und Otto stiftete jetzt in ihrem Lande die Bisthümer Havelberg und Brandenburg. Auch die Danen hatten die von seinem Vater nach Schleswig geführte sächsische Kolonie zerstört, wofür sie aber Otto auf einem Zuge, auf dem er bis an die Spitze von Jütland drang, züchtigte, den König zum Treuschwure nöthigte, und zur Befestigung des ChristenthumS in diesem noch heidnischen Lande die BiSthümer zu Schleswig, Ripen und Aarhus anlegte. Otro war nicht nur gegen seinen Bruder Heinrich milde gesinnt, und verzieh ihm aufrichtig seine Empörungsversuche, sondern übertrug ihm auch nach dem Tode Bert h old s, das Herzogthum Baiern. Dafür blieb aber Heinrich von nun an auch sein entschiedener Anhänger, und eine treue Stütze in inneren und äußeren Kriegen. Seinem Schwiegersöhne, dem Grafen Konrad von Worms, der seit dem Tode Eberhards, Franken verwaltete, gab Otto auch das erledigte Herzogthum Lothringen. Der schwäbische Herzog Hermann, der nur Eine Tochter hatte, bat den Otto, diese mit seinem Sohne Ludolf zu vermälen, und ihm die Anwartschaft auf Schwaben zu geben. So eilte das Glück, fast alle große Provinzen des Reiches an sein Haus zu bringen, und damit noch nicht genug, ward ihm sogar beschicken, Italien wieder mir dem deutschen Reiche zu vereinigen. Dieses Land war seit Arnulfs Zeilen fortwährend der Schauplatz von Kriegen, Verwüstungen und erbitterten Parteikämpfen um den Thron gewesen. König Ludwig von Provence, der Sohn Boso's erschien noch zweimal gegen Berengar, ward auch zum Kaiser gekrönt, zuletzt a^re von jenem überfallen und geblendet in sein Königreich zurück geschickt. Nun war Berengar Alleinherr von Italien, ohne daß darum bessere Zeiten für daS Land begonnen hätten , denn vom Süden aus verwüsteten es die Saracenen, und vom Norden her fielen die Ungarn mit aller barbarischen Wuth ein, so daß Berengar, zu schwach diese schlimmen Feinde zu bekämpfen, durch Geschenke sie gewinnen mußte. Als auch Papst Johann X. von den Saracenen hart bedrängt wurde, so lud dieser den Berengar nach Rom ein, und krönte ihn zum Kaiser. Aber nach einiger Zeit rief eine Partei der stets unruhigen und nach neuen Dingen begierigen Italiener den transjuranischen König Rudolph den II. herbei, und setzte ihm die Krone der Longobarden auf, und Berengar ward durch einen treulosen Diener ermordet. Indessen fand aber auch der neue König einen Gegner an Hugo, Grafen von Arles, welcher dem Nachfolger des unglücklichen Ludwig die Herrschaft geraubt hatte, dieser verglich sich aber endlich mit ihm dahin, daß er ihm seine Ansprüche auf Italien abtrat, und dagegen die Länder HugoS jenseit der Alpen erhielt. Rudolph vereinigte nun die beiden burgundischen Staaten zu einem^Reiche, welches dann von seiner Hauptstadt ArleS auch daS Arelatische genannt wurde. Hugo herrschte in Italien mit großer Strenge, und schien dadurch die Großen einzuschüchtern, erregte aber auch großen Haß, weshalb er sich in ein Kloster zurück zog, und seinem Sohne Lothar, den er schon früher zum Reichsgenossen ernannt hatte, die Herrschaft ganz überließ. Bald trat aber wieder ein neuer Bewerber auf, und dies war Berengar, Markgraf von Jvrca, ein Enkel des ersten Berengars. Lothar starb, und Berengar, den ein allgemeines Gerücht beschuldigte, den Tod seines Gegners durch Gift herbei geführt zu haben, ließ sich zum Könige von Italien krönen. Als er, um auch die Krone auf seinem Haupte mehr zu befestigen, die Wittwe Lothars, eine Tochter Rudolph des II. von Burgund, zwingen wollte, feinem Sohne Adalbert die Hand zu geben, entfloh diese, um der verhaßten Ehe zu entgehen, von der Burg Garda, wo sie gefangen gehalten wurde, und rief die Deutschen herbei, nachdem sie von Canossa aus dem Könige Otto ihre Hand anbot. Otto ging nun ungesäumt über die Alpen, verdrängte den Ber r en gar mit leichter Mühe, da Alles von ihm absiel, und wurde nach der Einnahme der Haupstadt Pavia als König von Italien anerkannt, worauf dann das Beilager mit der schönen Adelheid mit gröster Pracht vollzogen wurde. Indessen erregte aber diese Vermälung Unzufriedenheit unter den Kindern Ottos, nachdem Ludolf von Schwaben neue Erben fürchtete, und Konrad von Lothringen, l ' der nach Ottos Rückkehr nach Deutschland den Berengar durch das Versprechen einer gnädigen Aufnahme, zur Ergebung bewogen hatte, darüber unwillig wurde, daß der König diesen zu Magdeburg 3 Tage warten ließ, und dann erst den Bescheid gab, nach mehreren Monaten mit seinem Sohne wieder zu kommen, wo er mit Italien belehnt werden solle. — Beide mächtige Häupter ^udolf und Konrad gingen jetzt in ihre Herzogchümer zurück, und rüsteten sich zur Empörung, auch der Erzbischof von Mainz trat ihnen bei, so daß Otto, als er gegen daS neue Jahr 953 sem Hoflager zu § Mainz nehmen, und zu Aachen die Ostern halten wollte, Alles so verändert fand, das; er eiligst nach Sachsen zurück kehren mußte, wo er aber den verlornen König wieder fand. Unter diesen Umstanden sah er sich also genöthigt einen innern Krieg zu beginnen, und zwar diesmal gegen seine nächsten Blutsverwandten. Die beiden Herzoge hatten sich nach Mainz geworfen, wohin auch Otto mit einem Heere treuer Sachsen zog. Schon dauerte die Belagerung sechzig Tage und noch war dle Kraft des Widerstandes nicht gebrochen; da bot endlich der König selbst die Hand zum frieden, worauf r. u doll und Konrad in seinem Lager erschienen und sich zu seinen Füssen warfen. Diese, Verzemung, welche sie nun für sich erhalten hatten, verlangten sie auch für ihre Lehensleute, Anhänger und Freunde auSzudehnen, welche Forderung aber Otto ganz entschieden zurück wieS. Die Fürsten brachen nun jede weitere Unterhandlung wieder ab, und kehrren in ihre treue Stadt zurück. Die Fortschritte, welche diese Empörung machte, nöthigten jetzt Otto, die Belagerung von Mainz aufzuheben, da sich sehe der Krieg um Regensburg zusammen drängte, und die Berennung allhier vorzunehmen, die aber lange erfolglos blieb und sich bis gegen Ende des nächsten Jahres 954 hinaus zog, wo eS endlich d^m beharrlichen Könige gelang dis Empörer zu zwingen, um Gnade zu bitten. Unbekümmert um die Schwächung seines eigenen Hauses, wollte nun Otto zum warnenden Beispiele zeigen, das; ihm sein Ansehen und die Erhaltung deS Ganzen über jede Privarrücksicht und Neigung gehe, und verlieh daher das Herzogthum Schwaben dem Grafen Burkhard, des bairischen Herzogs Schwiegersohn;^Lothringen aber theilte er in zwei Herzogthümer, nämlich in Oberlothringen an der Mosel, welches Friedrich, , ein Bruder des Bischofs von Metz, und Niederlothringen an der Maas, welches Gottfried bekam. Beide standen unter der Oberherrschaft des Erzbischofs Bruno von Köln, welcher ein Bruder OttoS war. Kaum waren aber diese Angelegenheiten geordnet, als die Ungarn, welche schon das Jahr zuvor ungestraft einen verheerenden Einfall in Deutschland gemacht hatten, jetzt zahlreicher als je, wieder einbrachen. Sie drangen in Baiern vor bis nach Augsburg, aber die Einwohner von den Haufen der Flüchtigen, die sich in die Stadt gerettet hatten, unterstützt, schlugen die ungeheuren Scharen der Stürmenden mannhaft zurück. Der Bischof U d alrich stand ohne Helm, Schild und Harnisch tm Priesterkleide mitten in dem Pfeilregen, unverletzt unter den Kämpfern und sprach ihnen Muth ein. Als die Nacht herein brach, und die Ungarn ruhten, ließ er die Männer eifrig an den beschädlgten Mauern und Thürmen arbeiten, während die Weiber in feierlicher Prozession die Stadt durchzogen, um göttliche Hilfe zu erbitten. Mit dem dämmernden Tage las Udalrich die heilige Messe, starrte die Krieger mit dem Brode des ewigen Lebens und stimmte laut den Psalm Davids an: »Und wenn ich im Schatten des Todes wandle, fürchte ich nichts, denn der Herr ist mit mir.-« So ermu- thigt hielten die Augsburger den wüthenden Angriff aus, bis die Ungarn Nachricht erhielten, das; der König Otto zum Entsätze heran ziehe. Sie gingen jetzt in ihr Lager auf dem rechten Ufer des Lech- flußes zurück, während die Deutschen auf der westlichen Seite näher kamen. Ottos Heer war schwach, denn die Sachsen standen im Felde gegen die Slaven, und die Lothringer waren zu entfernt runderen Zuzug erwarten zu können. Er konnte daher nur mit seinen Vasallen, an welche sich noch die Schwaben, Baiern, Franken und 1900 böhmische Reiter anschlossen, herbei eilen. Als er in die Nähe von Augsburg kam, empfing ihn der Bischof von den Seinen begleitet, worauf ein allgemeines Fasten angeordnet, und der nächste Tag (der LO. August) zur Schlacht festgesetzt ward. Die Ungarn, als sie von den Vorbereitungen in OttoS Kriegsheere Kunde erhielten, kamen dem Angriffe zuvor, schwammen rm Angesichte des Feindes durch den Lech, umschwarmten das ganze Heer, und sielen endlich mit starken Haufen auf die Böhmen. Diese waren schnell überwältigt, und sogleich warfen sich die Ungarn mit erhöhtem Ungestüme auch auf die Schwaben. Als diese auch in Unordnung geriethen, da gab O t t o den Befehl, Herzog Konrad solle mit seinen Haufen vorrücken, und diesem erfahrnen Führer gelang es nun, die Ordnung wieder Herzustetten, und die Ungarn in ihrem Siegesläufe aufzuhalten. Ocach langem Morden siegten endlich die Deutschen, und die Magyaren sahen sich genöthigt eine wllde flucht zu - ergreifen. Dieser vollkommene Sieg auf dem Lechfelde war der Schrecken, auch für die folgenden Zei M ten, denn seit dem waren die Ungarn nicht mehr in das Innere von Deutschland gekommen. Neue Ereignisse riefen nun Otto zum zweiten Male über die Alpen. Die Nachricht von den Unruhen in Deutschland harten Berengar, dem Italien bereirS zum Lehen ertheilr worden war, so kühn gemacht, daß er in diesem Lande mit der Willkür eines unumschränkten Herrn zu schalten ansing. Papst Johann XU. klagte, und bat zugleich um Hilfe, weshalb jetzt der Kaiser selbst über die Berge nach Mailand kam, wo er den Berengar von den Bischöfen und Grafen ohne Widerstand für abgesetzt erklären, und sich krönen ließ, dann aber im folgenden Jahre nach Rom ging, um von dem Papste auch die Kaiserkrone zu empfangen. Die Beruhigung Italiens hielt jetzt Otto eine Zeit lang in der Lombardei auf, wo er zum Erstaunen der Italiener und deS Papstes gewaltig in ihre Verhältnisse eingriff, und bei Weitem gefährlicher wurde, als eS Berengar war. Otto erhielt jetzt mir Erstaunen die Nachricht, daß Papst Johann sich heimlich mit dessen Partei verbunden hatte, zugleich traf auch eine Gesandtschaft der Römer ein, welche gegen den Papst schwere Beschuldigungen berichteten. Unter diesen Umstanden ließ nun der Kaiser den Papst zur persönlichen Verantwortung auffordern, da diese aber fruchtlos blieb, so erklärte ihn das Koncilium und die römische Geistlichkeit für abgesetzt, und nahm Leo den VIII. zu seinem Nachfolger, dem nun von dem Kaiser die ausgedehntesten Rechte bewilligt wurden. Otto blieb zwar über die Wintermonate noch in Rom, hatte aber sein Kriegsvolk schon im November gröstentheils entlassen müssen, da Niemand Jahre lang zu dienen verpflichtet war. Dies benützten die Anhänger des Papstes Johann deS X!!., und rotteten sich am 3. Jänner 964 in der Stadt zusammen, wo es auf das Leben des Kaisers abgesehen war. Die Deutschen, obwohl nur ein kleines Häuflein griffen die Rebellen murhig an, und zersprengten sie nach einem hitzigen Gefechte auf der Tiberbrücke und in den Straßen. Die Römer mußten jetzt dem Kaiser Treue schwören und mehrere Geiseln stellen; aber kaum hatte der Kaiser im Frühjahre Rom den Rücken gewandt, so verjagten sie seinen Papst und wählten sich — da inzwischen Johann XII. starb — eigenmächtig Benedikt den V. — Zornig ging Otto, als er sein Heer wieder verstärkt hatte nach Rom zurück, welches sich widersetzte, und nur durch Hunger und Gewalt bezwungen werden konnte. Sein Gericht war jetzt streng. Er versammelte wieder ein Koncilium, daß Leo den VII!, noch einmal als Oberhaupt der Kirche anerkennen mußte, und schickte dagegen den Benedikt — nachdem ihm die päpstlichen Ehrenzeichen abgenommen worden waren — in die Verbannung nach Hamburg. Auch Berengar wurde jetzt als Gefangener nach Deutschland auf daS feste Schloß Bamberg gebracht. Nun war es dem Kaiser vergönnt, die Heimat wieder zu sehen, aber auch nur auf kurze Zeir; denn, als die Römer den von ihm eingesetzten Johann den XIII. (Leo VII!, war schon im Jahre 965 gestorben) wieder aus Nom vertrieben, mußte er zum vierten Male einen Zug dorthin unternehmen, bei welcher Veranlassung 13 der vornehmsten Römer aufgehangt, und viele Andere geköpft, geblendet und verwiesen wurden. Nachdem deS Kaisers Sohn Otto I!, von dem Papste als Mitregent und Nachfolger im Kaiserthume gekrönt ward, wünschte der Vater ihn mir der griechischen Prinzessin Theophania, einer Tochter des Romanus des I. zu vermälen, welche nach seinem Vorschläge die Provinzen Apulien und Kalabrien als Brautschatz micbringen sollte, um auf diese Weise den Rest von Italien mir dem römisch-deutschen Reiche zu vereinigen; aber der Kaiser Nicepkorus PhokaS lehnte den Antrag mit lächerlichem Stolze ab, wollte Otto nicht als Kaiser anerkennen, und verlangte Rom und die übrigen Landschaften Mittelitaliens als zu seinem Reiche gehörig zurück. Bald kam eS auch deshalb zum Kriege, aber, als Otto sich ungesäumt rüstete, und in Apulien einsiel, wurde N i- cephorus ermordet, und sein Nachfolger schloß einen Frieden, in welchem er die Theophania für Otto den II. zur Ede bewilligte. Während allen diesen Händeln und Verwicklungen harre Otto die Angelegenheiten des Vaterlandes nicht außer Acht gelassen, und schenkte auch dem Norden und Osten von Italien auS seine Aufmerksamkeit. Er unterstützte die dortigen Missionen, legte Bisthümer in den eroberten slavischen Provinzen an, und unterwarf diese Bisrhümer mit Bewilligung des Papstes einem Erzbistkume, das er in dein durch starke Mauern befestigten, und durch eine berühmte Domkirche verschönerten Magdeburg gründete. Was Karl mir den Sachsen gcthan, thaten nun auch die Kaiser aus dem sächsischen Hause mit den Slaven, und suchten mit dem Schwerte theils errungene, theils zu erringende Herrschaft durch die Einführung des Christenthums zu befestigen und vorzubereiren. O r t o I. — schon bei seinem Leben der Große genannt — endete seine Laufbahn zu Mem- leben, (dem Sterbeorte seines Vaters) am 7. Mai 973 ein Jahr nach seiner Rückkehr aus Italien, uwd ward zu Magdeburg begraben. I M' Peter von Amiens, auch der Einsiedler genannt. Jahr 1093. xI^eiL das Christenthum sich über die Grenzen Palästinas verbreitete, wurden die Wallfahrten frommer Pilger nach den heiligen Oertern deS gelobten Landes sehr häufig, besonders aber als Konstantin der Große, welcher daS Christenthum angenommen hatte, das Grab des Erlösers mir einem schönen Gewölbe überbauen ,§ und daneben eine Kirche mit aller kaiserlichen Pracht aufführen ließ. Wahre innige Liebe zu dem Erlöser mußte in jedem edlen Herzen das Verlangen entzünden die heilige Erde zu betreten, auf der sein göttlicher Fuß einst wandelte, und wo er sein Blut für die Menschheit vergossen hatte. Die Araber, seit dem 7. Jahrhunderte die Beherrscher dieser Länder, störten solche Andachtsüöungen nicht, ließen den Patriarchen und die christliche Gemeinde zu Jerusalem ungekränkt, und fanden bei den häufigen Besuchen fremder Pilger sogar ihren eigenen Vortheil. Karl der Große schloß überdies auch ein Freundschaftsbündniß mit Harun al Raschid, und ersuchte ihn, die christlichen Wallfahrer auf alle Weise zu schützen. Als aber das heilige Land der Herrschaft der ägyptischen Chalifen unterworfen wurde, hatten die Pilger schon mit mannigfachen Bedrückungen zu kämpfen, doch hinderten diese Gefahren nicht den frommen Eifer der Wallfahrer, und so wurden die Wallfahrten im 11. Jahrhunderte immer zahlreicher. Es erschienen unter Andern im Jahre 1065 der Erzbischof von Mainz und die Bischöfe von Bamberg, Regensburg und Utrecht mit einem Gefolge von 7000 Personen in Jerusalem, von denen aber der vielen Gefahren wegen nur 2000 dieser frommen Männer wieder ihr Vaterland sahen. Indessen war die Zeit gekommen, wo die Drangsale sich häuften, denn als diese Länder nach dem Tode des Harun al Raschid gänzlich unter die Herrschaft der Turkomannen geriethen, wurde die Lage der dort wohnenden Christen, so wie die Leiden der dahin wallfahrenden Pilger immer unerträglicher. Sie erfuhren von den Türken die entehrendsten Mißhandlungen, ihre wilden Scharen drangen in die Kirchen, setzten die Christen während deS Gottesdienstes durch den tobendsten Lärm iw Schrecken, erstiegen die Altäre, stürzten die Kelche um, traten die geweihten Gefäße mit Füssen, zerschlugen die marmornen Säulen und Bilder, mißhandelten die Priester, und suchten durch eine harte Gefangenhal- tung deS Patriarchen zu Jerusalem Geld zu erpressen. Die morgenländischen Christen kamen nach Europa, klagten das Elend, in welchem sie seufzten, und baten um Hilfe. Auch die Pilger, welche in ihre Heimat zurück kamen, bestätigten die Wahrheit ihrer Klagen, und unterstützten ihr Birten um Beistand. Diese Nachricht ging nun vielen frommen Männern im Abendlande zu Herzen, und erweckte den Wunsch, in Heeresmasse dorthin zu wallfahrten, und das heilige Land, die theuerste Reliquie Christi und der Apostel, den Ungläubigen zu entreissen. Schon einige Zeit vorher war Gregor VII. von dem griechischen Kaiser um Hilfe gegen die furchtbare Macht der Türken angegangen worden, und da er hoffte bei dieser Gelegenheit die abgefallene griechische Kirche mir der römischen vereinigen zu können, so forderte er auch durch Umlaufschreiben die Könige von Frankreich und Deutschland zu einem Feldzuge gegen die Saracenen auf, und wollte selbst, an der Spitze von 40,000 Mann gegen die ungläubigen Saracenen einen Zug unternehmen. Aber sein Kampf mit dem deutschen Kaiser Heinrich dem IV., der bald darauf zum Ausbruche kam, ließ ihm keine Zeit mehr übrig, an diesen Plan zu denken, und sein Tod vereitelte auch dessen Ausführung bald gänzlich. Nun erschien ein sonderbarer Mann Namens Peter, aus der Stadt Amiens selbst, öder wenigstens in der Diöcese von Amiens gebürtig. Er hatte früher als Soldat gedient, und war verheirathet, wählte aber nach dem Tode feiner Frau das Einsiedlerleben, und unternahm eine Wallfahrt nach Palästina. Mit Entsetzen sah er jetzt d:e Bedrückungen, welche die Christen von den Türken erdulden mußten, und war selbst Augenzeuge der schmachvollsten Behandlungen. Vom heiligen Eifer getrieben ging er zu dem Patriarchen Si- meon, überhäufte ihn mit Vorwürfen, daß er es so ruhig ansehe, wie die heiligsten Orte von den Turnen entweiht, die Gaben der frommen Christen geraubt, und die dahin wandernden Pilger mißhandelt werden. Der Patriarch antwortete aber mit Klagen über die unglückliche Lage seiner Kirche, welche bet der Ohnmacht des griechischen Kaisers verzweifeln müsse, wenn nicht die Christenheit des Abendlan- des sich chrer annehme, und ihre Schmach an den Türken rächen werde, und forderte ihn zugleich auf, als Gesandter der Kirche zu Jerusalem Erbarmen und Hilfe im Abendlande zu erflehen. Peter fühlre sich stark genug, das große Werk seiner Sendung zu übernehmen, und eilte jetzt nach Rom, wo er dem Papste Urban den II., Gregors zweiten Nachfolger, die Bittschriften von dem bedrängten Patriarchen zu Jerusalem überreichte, und dessen Anliegen mit der schauderhaftesten Erzählung, welche die Kirche von ihren Tyrannen erleide, unterstützte. Urban, obschon damals selbst vor den Anhängern des sich noch immer behauptenden Gegenpapstes Klemens, in Rom nicht sicher, faßte doch den gewaltigen Plan, die abendländische Christenheit gegen das Morgenland in Bewegung zu setzen, und schickre Peter seines frommen Eifers wegen als einen Gesandten der Kirche zu Jerusalem mit Vollmacht und Umlaufsschreiben versehen an die Großen der Christenheit, damit er von Stadt zu Stadt den an ihn ergangenen Ruf verkündige, und so die Gemüther auf daS vorbereite, was Urban selbst zu vollenden entschlossen sey. Der Ruf von dem heiligen Pilgersmanne zog ihm weit voran, und überall wo er erschien, ward er jetzt als ein Bote Gottes betrachtet. Zuerst durchstrich er ganz Italien, überstieg die Alpen, und fand allenthalben Beifall und Gehör. Er trat nicht nur vor den Großen, sondern auch vor dem Volke auf, las die Briefe des Patriarchen und anderer Christen vor, schilderte ihre bit- tern Leiden, und begeisterte seine Zuhörer zum Mitleid. Sein AeußereS verstärkte den Eindruck, den seine Predigten machten. Er war abgezehrt von Hunger und Durst und den langen Beschwerden, ging barfuß und mit entblößtem Haupte, und war ganz schlecht gekleidet. Aber der Strom seiner Rede und der Feuerblick seiner tiefliegenden Augen drangen in die Herzen aller Zuhörenden, und flößten, bei seinem Eifer für die Religion und seiner strengen Lebensweise, Bewunderung und Ehrfurcht ein. Er predigte in Kirchen, an Kreuzwegen und auf der Heerstraße,, und regte durch seine siegende Beredsamkeit alle Gemüther auf. In den heiligen Krieg zu ziehen suchten noch Greise die schon langst verrosteten Waffen hervor, und junge Leute übten sich, die Lanze zu tragen. Papst Urban sah mit Wohlgefallen die Wirkungen von den Predigten LeS frommen Mannes, und schrieb ein Koncilium nach Piacenza aus, wobei sich eine solche Menge von Geistlichen und Laien versammelte, daß die Sitzungen unter freiem Himmel gehalten werden mußten. Hier Iröffnete jetzt Papst Urban den Vätern die Sendung des frommen Mannes, und seine feurige Rede, in der er hier die große Angelegenheit der ganzen Christenheit zur Sprache brachte, verfehlte ihre Wirkung nicht. Gleichzeitig traten auch Gesandte des griechischen Kaisers Alexius von Konstantinopel auf, und baten dringend um Hilfe gegen die immer mehr sich ausdehnende, schon bis an die Mauern der Hauptstadt reichende Macht der Türken, worauf viele der hier Versammelten das Gelübde ablegten, den bedrängten Brüdern im Morgenlande bei zu stehen, und sie von dem Drucke der Ungläubigen zu befreien. Hierauf wandte sich der Papst nach Frankreich, und berief auch hier für die Sache Gottes eine Versammlung nach Clermont in Auvergne zusammen, auf welcher ebenfalls der eifrige.Apostel Peter erschien. Eine weite Ebene war mit Bischöfen, Fürsten, Rittern und Herren und mit den Scharen des Volkes bedeckt. Des Papstes Eifer und Peters brennende Beredsamkeit, in welcher er den Zuhörern das unsterbliche Verdienst und den ewigen Lohn im Himmel, Vergebung der Sünden und Gnade bei Gott mit Flammenworten in's Gewissen legte, waren von dem glänzendsten Erfolge. Kein Auge blieb trocken und keine Wange kalt; aus tausend Kehlen erscholl der Ruf: »Krieg! Krieg gegen die Feinde der Christenheit! Gott will es!« Zuerst kniete jetzt der Bischof von Puy vor dem Papste nieder und bat ihn um Erlaubnis' dem heiligen Zuge beiwohnen zu dürfen. Als er sie erhalten, folgte seinem Beispiele der Bischof von Orange rrnd nach diesem der gröste Theil der anwesenden Geistlichen und Laien. Kardinäle und Ritter, Bischöfe und Landleute drängten sich herbei, um das rothe Kreuz, welches auf die rechte Schulter geheftet wurde, zum Zeichen des gemeinsamen Unternehmens zu erhalten. Nach der Kirchenversammlung reiste der Papst persönlich in Frankreich herum, und ermunterte zur Pilgerschaft mit großem Erfolge. Eben so verbreiteten auch die Geistlichen und Laien, welche zu Clermont das Kreuz erhielten, die Begeisterung, welche sie dort ergriffen hatte, in ihrer Heimat. Ueberall gehorchte man dem heiligen Rufe, und besonders glühend und eifrig war gleich anfangs in Frankreich, England, Lothringen rc. die Anzahl derjenigen, welche Haus und Hof verließen, um in den heiligen Krieg zu folgen. Zu diesen gehören vorzugsweise Hugo, Graf von Vermandois, Bruder des Königs Philipp von Frankreich, Herzog Robert von der Normandie (der Sohn Wilhelms des Eroberers, und Bruder des damaligen Königs von England Wilhelm des Rothen), welcher, der beständigen Empörungen und der Widerspenstigkeit seiner Barone müde, an der Spitze vieler Pilger in's heilige Land zog. Gottfried von Bouillon, der Schwcstersohn ChazeloS des Buckligen, Herzogs von Niederloth- ringen, dessen Güter er ererbt, und dessen Herzogthum er gleichfalls späterhin vom Kaiser Heinrich dem IV. erhalten hatte, dann seine beiden Brüder Enstach und Balduin; endlich Graf Raimund IV. von Toulouse und Robert, Graf von Flandern, welche jeder eine Armee anführten. Nach der Berechnung der besten Geschichtschreiber war die Anzahl bei dem ersten Zuge über 1,300,(Ml Kreuzfahrer. Ein eigenes Heer bildete Peter der Einsiedler und eröffnete die Ausführung seines Werkes ehe noch die Fürsten mit ihren Zurüstungen zu Ende waren.. Mit den Kreuzbrüdern, welche zu ihm sich versammelt hatten, zog er schon im Monate März 1096 aus Lothringen aus. Seine Armee war ein regelloser Haufe, ohne ordentliche Waffen, ohne Geld, selbst ohne Reiterei, und bestand tbeils aus Leibeigenen, und theils aus solchen Pilgern, die von den Fürsten abgewiesen waren. Mir dieser zucht- und zügellosen Truppe zog Peter barfuß, mit einem Stricke umgürtet, die Fahne in der rechten, das Kreuz in der linken Hand, als begeisterter Feldherr durch Deutschland und Ungarn, beging die schrecklichsten Gewaltthätigkeiten und übte Heldenthaten an wehrlosen Juden. Der König von Ungarn bewilligte zuerst dem französischen Ritter Walther von Pexejo — welcher sich dem Eremiten Peter auf seinem Zuge anschloß, aber in Köln sich schon von ihm wieder trennte — mit seinen Scharen freien Durchzug bis an die Grenze. Als aber diese zu den Bulgaren kamen, deren Reich im Norden die Sau und Donau begrenzten, und ihnen dort der Verkauf von Lebensmitteln verweigert ward, griffen sie Belgrad an, und plünderten und raubten im Lande, bis die erbitterten Bulgaren in großen Scharen über sie hersielen, und in verschiedenen Gefechten viele erschlugen, bei welcher Gelegenheit auch der Anführer Ritter Walther sein Leben verlor. Als Peter mit dem Hauptheere an die Grenze von Ungarn kam, gestattete ihm der König gleichfalls den Durchzug. VorsichtSweise mußte aber P e- ter versprechen, daß sein Heer nirgends rauben und plündern, sondern die nöthigen Lebensmitteln kaufen solle. Dies Versprechen ward treuer erfüllt, als man hätte erwarten mögen, und so kamen die Pilgrime ruhig bis an die Grenze von Ungarn. Hier angelangt, verbreitete sich aber ein falsches Gerücht, daß nämlich der Statthalter des Königs von Ungarn in jener Gegend aus Begierde nach Beute mit dem Statthalter von Belgrad einen Bund zum Verderben der angelangten Kreuzfahrer geschloffen habe, und daß er, sobald das Heer des Eremiten Peter über den Fluß sey, solches im Rücken anfallen werde, während die Bulgaren ihn von vorne angreiffen sollten. Peter, dem dieser Plan nicht unentdeckt blieb, führte nun sein Heer sogleich gegen die Stadt Semlin, und da der Befehlshaber und die Besatzung auf einen so furchtbaren Angriff nicht gefaßt waren, so gelang auch glücklich der Sturm der Pilgrime. Der gröste Theil der Einwohner wurde erschlagen, und nur Wenige konnten mir der grösten Gefahr verbunden auf Schiffen entfliehen. Das Schicksal der unglücklichen Stadt, in welcher über 4000 Einwohner sielen, setzte die ganze Gegend in Angst und Schrecken, und gleiches Los fürchteten nun auch die Bewohner von Belgrad, weshalb sich Alles in den Wäldern und Gebirgen zu verbergen suchte. Wahrend jetzt der König von Ungarn mit einem mächtigen Heere heran rückte, um seine Unterthanen zu rächen, ging Peter ungehindert über die Sau, zog nach Nissa, der Hauptstadt von Bulgarien, und lagerte sich vor den Mauern, um die nöthigen Lebensmitteln herbei zu schaffen, was ihm auch von dem Fürsten von Nissa bewilligt wurde. Als dieses geschehen war zog Peter wieder ruhig fort; allein ein von seinem Heere rückgebliebener Haufe sing jetzt zu plündern an, und verbrannte Mühlen und Häuser außerhalb der Stadt. Der Fürst von Nissa über dieses Betragen gegen sein früher bezeigtes gastfreundliches Benehmen, äußerst erbittert, sammelte nun sogleich sein Kriegsvolk, und eilte dem Heere des Peter nach, auf welchem Zuge die Nachzügler der Kreuzfahrer theils ermordet, und theils gefangen wurden. Peter wußte nichts von dem, was im Rücken seines Heeres vorging und hatte, als er das Vorgefallene erfuhr den unglücklichen Plan gefaßt nach Nissa zurück zu kehren, um sich zu entschuldigen. Aber kaum war das Lager aufgeschlagen, so brach schon ein Theil seines Heeres auf, zog über die steinerne Brücke, und wollte die Mauern erstürmen, so eifrig auch Peter sich bemühte, die Unbesonnenen von ihrem Vorhaben zurück zu halten. Die Nissaner bemerkten bald die Uneinigkeit unter den Pilgrimen und sielen aus zwei Thoren dem getrennten Haufen in die Flanken , worauf viele auf der Flucht ertranken, noch mehrere aber nieder gehauen wurden. Dies konnte der übrige Theil deS Heeres nicht gleichgiltig ansehen, und eilte, ungeachtet Peter alle Beredsamreit anwendete,, um ihn ruhig zu erhalten, den andern Kreuzbrüdern zu Hilfe. An der Brücke kam cs jetzig zu einem mörderischen Kampfe, in welchem aber die Bulgaren die Brücke behaupteten, und erfolglos mußten die Pilgrime in's Lager wieder zurück ziehen. Peter, der seine Unschuld zu beweisen wünschte, ließ den Fürsten von Nissa um eine Unterredung und um Waffenstillstand ersuchen, aber kaum wurde daS Zugeständniß desselben im Lager bekannt, so singen die Wallbrüder an, die Wä- / Zen zu bepacken und brachen auf, ohne die Vorstellungen ihres Anführers zu beachten. Die Einwohner und Krieger von Nissa, welche den angesuchten Waffenstillstand blos als eine List betrachteten, stürzten jetzt aus der Stadt und eilten dem Heere nach, welches nun theilS erschlagen, theils in die Sklaverei geschleppt wurde; und beinahe ganz vernichtet worden wäre, hätte es nicht in den Gebirgen und Wäldern des Landes einigen Schutz gefunden. Peter selbst flüchtete durch dichte Wälder, über Felsenklippen und rauhe Thäler ohne Begleitung, und machte erst an der Spitze eines Hügels, wo er sich sicher glaubte, Halt, um einige Ueberreste seines Heeres wieder zu sammeln, mit denen er dann weiter marschirte, bis er an eine Stadt kam, welche von den Einwohnern aus Furcht vor ihm verlassen war. Als Peter einen großen Theil der zerstreuten Flüchtlinge an sich gezogen hatte fanden sich auch Gesandte vom griechischen Kaiser Alexius bei ihm ein, und unterstützten ihn mit den nöthigen Lebensmitteln, jedoch mußte Peter versprechen auf seinem Marsche in keinem Orte länger alS 3 Tage zu verweilen. Peter dankre Gott laut für diese Gnade und zog fröhlich mit seinem Heere weiter, bis vor die Mauern der Kaiserstadt Adrianopel, wo er durch Gesandte vom Kaiser bereits erwartet wurde. Seinem Heere ward hier eben der Ort zum Lager angewiesen, auf welchem der Neffe des Ritters Walther, kurz vorher sich gelagert hatte; und beide Heerführer vereinigten sich nun mir ihren Heeren nach harten Leiden, und mit der Hoffnung einer bessern Zukunft. Peter ward bald nach seiner Ankunft eingeladen dem Kaiser Alexius, der vor Begierde brannte, diesen sonderbaren Heerführer zu sehen, sich vorzustetten, und dieser rührte ihn durch seine Beredsamkeit und durch die Erzählung seiner Unfälle so sehr, daß der Kaiser ihn nicht nur beschenkte, sondern auch Lebensmittel und Geld in seinem Heere austheilsn ließ. Alexius rieth ihm nun bei Konstantinopel bis zur Ankunft der größern Heere zu verweilen, weil er für sich allein zu schwach sey einen Kampf mit den Türken zu bestehen; — Peter wollte aber allein über die Türken durch Gottes Hilfe siegen, und so blieben auch ganz natürlich alle Gegenvorstellungen fruchtlos. Der Kaiser mußte ihnen Schiffe geben, auf welchen Peter und Walther mit ihren Scharen nach Bythinien überfuhren, wo sie dann ihr Lager bei Nicomedien aufschlugen. Bald darauf zogen sie nach Helenopolis, wo abermals der Kaiser ihnen Lebensmittel in Ueberfluß liefern ließ , jedoch aber seinen gutgemeinten Rath wiederholte, vor der-Ankunft der Fürsten nicht in das Land der Türken einzudringen. Zwei Monate hielt Peter durch die Vorstellungen des Kaisers geschreckt, seine Scharen zurück, und eS wurden nur kleine Streifereien in's türkische Gebiet unternommen; aber während einer Abwesenheit Peters—der vielleicht absichtlich, weil er seine unruhigen Truppen nicht länger mehr zügeln konnte, nach Konstantinopel gegangen war, um mit dem Kaiser wegen der Verpflegung zu unterhandeln — wagten sie sich vorwärts, eroberten anfangs Nicäa, wurden hiedurch muthvoller, und ließen sich in eine Schlacht ein, wo sie aber für ihren Mangel aller Disci- plin, für ihre Ungebundenheit und ihren Ungehorsam gegen ihren Anführer furchtbar bestraft wurden, denn sie erlitten eine gräßliche Niederlage. Von allen Seifen abgeschnitten, wurden sie hingemäht, nachdem es nur Wenigen gelang das Lager zu erreichen, und als auch dieses von den Türken erobert wurde, so wurden hier Greise, Mönche, Weiber und Kinder erschlagen, und Knaben und Mädchen als Gefangene weggeschleppt. Alles Geld, alle Lastthiere, alles Schlachtvieh und alle Zelte wurden als Beute nach Nicäa gebracht, die Leichname der Erschlagenen aber zu Bergen aufgehäuft und den Raubvögeln überlaffen. Drei Tausend Kreuzbrüder zogen sich jetzt in ein verfallenes Schloß ohne Thüren und ohne Dach, und wälzten Steine vor den Eingang, in der Absicht, sich lieber von den Pfeilen der Türken tödten zw lassen, als sich zu ergeben. Peter, als er von der schrecklichen Niederlage seiner Brüder 'Nachricht erhielt, bewog nun den griechischen Kaiser, einen seiner Kriegsführer mit einer Hee- reSmacht nach Asien herüber zu schicken, welcher, als die Türken sich nach seiner Ankunft zurück zogen, diese wenigen Ueberbleibsel nach Konstantknopel zurück brachte. In die gröste Dürftigkeit gerathen, verkauften sie ihre Waffen an den griechischen Kaiser und kehrten wieder in ihre Heimat zurück. Aber selbst dieses große Unglück konnte den Eifer des Eremiten Peter nicht erkalten; er blieb in Konstantinopel, sammelte immer noch einige Trümmer seines Heeres, und wartete die Ankunft der großen Völ- kerzüge von Europa ab. Als diese wohldisciplinirten Armeen unter dem Helden Gottfried von Bouillon anlangten, vereinigte sich Peter mit ihnen zu Nusinel, um, wenn schon nicht als Anführer einer großen Horde, doch aber mir diesen herrlich geordneten Heeren, welche seine Predigt zusammen gerufen, in der von ihnen im Jahre 1099 eroberten Stadt Jerusalem einzuziehen. Pete wurde daselbst Statthalter, kehrte aber sehr bald nach seiner Heimat zurück, und starb im Jahre 1115 in dem von ihm zu Huy gegründeten Kloster. Franz des i. Huldigungskeier in Tirol. Am 30. Mai 1816. im Frühjahre 1816 Kaiser Franz I. von Oesterreich in Innsbruck erschien, um die feierliche Erbhuldigung von Tirol und Vorarlberg anzunehmen '*), erschien folgendes Program: »Sen mehr als einem Jahrhunderte war den hochherzigen Ständen und Unterthanen Tirols nicht das Glück zu Theile geworden, die Landeshuldigung dem allerdurchlauchtigsten Landesfürsten in höchst eigener Person aller- unterthänigst leisten zu können. Jeder Landstand und Unrerthan dieser Grafschaft wird mir dem Gefühle der innigsten Rührung diese allerhöchste Gnade anerkennen, deren Se. Majestät uns zu würdigen geruhen, indem Allerhöchst ste von der väterlichen Liebe geleitet, in unserm Kreise zu erscheinen und in höchst eigener Person unö einen Eid abzunehmen geruhen, dessen Festigkeit wir in den vergangenen Tagen der Gefahr schon vorläufig erprobten u. s. w.< Am 30. Mai fand nun die feierliche Erbhuldigung unter dem Zulaufe einer zahlreichen Volksmenge, welche alle Fenster und alle Dächer bedeckte, und von den höchsten Bergen und aus den entlegensten Thälern herbei geströmt war, Statt. Als der Kaiser im feierlichen Zuge bei der Frauenkirche angelangt war, wurde er von dem Fürst - Erzbischöfe von Brixen, Grafen Lodron, von dem übrigen KleruS, den wirklichen geheimen Rathen, dem Militär und sämmtlichen Behörden empfangen, und zu dem, zu dieser feierlichen Handlung bereiteten Throne geleitet, worauf das Hochamt abgehalten wurde. Nach Beendigung des Gottesdienstes kehrte der Zug in die k. k. Burg, und nach dem zum Huldigungsakte zugerichteten Saale zurück. Nach wenigen Minuten erschien jetzt der Kaiser unter Vortretung sämmtlicher Erblandesämter mit ihren Insignien, mit dem General-Adjutanten und Hofkanzler in dem Huldigungssaale mrd begab sich unter den Thronbaldachin , um die feierliche Huldigung der getreuen Unterthanen Tirols und Vorarlbergs anzunehmen. Nachdem der Kaiser auf dem Throne Platz genommen hatte, eröffnete der Hofkanzler Graf von L a- zan z k y die feierliche Handlung mit folgender, die Begeisterung des Landes für den allverehrten Monarchen vollkommen ausdrückenden und in Aller Herzen wiederhallenden Rede: »Sie find vorüber die birrern Tage der Prüfung, in denen Tirols und Vorarlbergs biedere Bewohner, losgerissen von dem Kaiserhause, dessen mildes Zepter ihre Vorältern durch Jahrhunderte beglückte, den nicht mehr Va«r nennen durften, dessen Name mit unauslöschlich feurigen Zügen, tief in die Brust jedes Einzelnen als solcher gegraben ist. Der heißersehnte Tag ist erschienen, an dem dies edle Volk den weisesten, den gerechtesten, den gütigsten Fürsten mit lauter jubelnder Stimme als Vater wieder begrüßt, Ihm als Herrscher neuerdings huldigt, mit dem hohen Bewußtsein, selbst in den gewaltsamen Stürmen einer schweren verhängnißvollen Zeit die unerschütterlichste Treue und Anhänglichkeit an Ihn, den Vielgelieb- ren, stets rein im Busen bewahrt zu haben. Je tiefere Wunden die Vergangenheit den stillen Thälern Tirols und Vorarlbergs schlug, mit um so froherem Gefühle, mit eben so höherem Muthe können, müssen die Bewohner dieses Landes einer glücklicheren Zukunft entgegen sehen. Manche Thräne des Kummers hat der von der gütigen Vorsehung wiedergeschenkte Vater bereits in Thränen des Dankes verwandelt; — manche den Verhältnissen des Landes fremdartige nachtheilige Neuerung abgeschaffc, manche wohlthätige, früher bestandene, in dem Drange der Zeiten unterdrückte und vernichtete Anstalt wieder aufleben lassen, und wieder geschenkt dem Lande die, durch ihr graues Alterthum der Nation ehrwürdig gewordene Verfassung. Doch wozu soll ich sie Ihnen anführen alle die Wohlthaten, so sie dem Gerechten, dem Gütigen seit der Wiederkehr des Landes unter sein Millionen beglückendes Zepter verdanken? — Jeder brave biedere Tiroler und Vorarlberger fühlt tiefer sie im Innern der Seele als sie die beredsamste Sprache zu schildern, vermag ! Wozp soll ich sie ihnen aufzählen die Hoffnungen, zu denen sie seine Weisheit, seine Güte, seine Gerechtigkeit, seine rastlose Sorgfalt für das Wohl seines "0 Dle letzte Erbhuldigung in Tirol hatte Leopold II. am 27. Zuli 1790 durch die Erzherzogin Elisabeth angenommen. Zn Person hatte sie kein Monarch mehr empfangen seit dem Zähre 1711, wo sich auf seiner Reise aus Spanien nach Frankfurt zur Kaiserkronung Karl VI. huldiget! ließ. 78 Volkes berechtigt? Ein Blick auf Ihn, den von Millionen angebeteten Fürsten und Vater, schwellt höher die Brust, als Tausende von Worten, die alle seine Tugenden, alle seine Vorzüge als Mensch und Herrscher, doch matt nur verkünden; — reißt unwillkürlich jeden, selbst den, der nie Ihn sah, nie von Ihm hörte, zu dem Wunsche, zu dem Schwure hin, sich Ihm ewig verpflichten zu dürfen, für Ihn Gut und Blut zu opfern.-« Als der Hofkanzler seine Rede geendet hatte, erwiederte solche der Kaiser mit folgenden, an dte Stände und Deputaten des Landes gerichteten Worten: »-Als ich im Laufe des verflossenen Jahres in Tirol war, versprach ich zu euch zurück zu kehren, und die Huldigung in eigener Person abzunehmen. Heute sehe ich die Stände und Vertreter meines treuen tirolischen und vorarlbergischen Volkes mit Freude um meinen Thron versammelt, um das Band zu erneuern, welches dieses Volk seit Jahrhunderten an mein Haus geknüpft hatte, bis harte Zeiten, unter denen die grösten Reiche erlagen, auch euch von mir trennten *). Diese Zeiten sind vorüber. — Der Herr der Könige und der Völker hat gewaltet. — Sein allmächtiger Wille, die ausdauernde Beharrlichkeit meiner Unterthanen und meiner Heere/-ihre beispiellosen Anstrengungen, die Treue meiner Freunde und Bundesgenossen haben den Frieden erkämpft, den einzigen, welcher Dauer versichern konnte, denn er ist auf die natürlichen Verhältnisse der Staaten gegründet. Ihr steht nun wieder als die mächtige Vormauer der Monarchie zum Schutze deS ge- fammten Reiches berufen, und seiner Hilfe am Tage der Gefahr gewiß. Aber nicht allein auf eueren Bergen, und eueren unzugänglichen Schluchten liegt die Sicherheit der Vertheidigung. Auf euerem Sinne, auf euerer unerschütterlichen Anhänglichkeit, auf euerer Ordnungsliebe ruht mein Vertrauen. Ihr habt mir die rührendsten Beweise gegeben, daß in euch der Geist der Völker fortlebt; werdet diesem Geiste nie fremd, pflegt ihn, und übergebt ihn als das theuerste Erbtheil ungetrübt eueren Söhnen. Ich habe dem Lande Tirol eine Verfassung wieder gegeben, welche seinen Bedürfnissen und den Zeitverhältnissen angemessen ist. So wie ich durch diese euch erzeugte Gnade eueren Bitten entsprochen *) Zn der Zeit als der neu entstandene Schweizerbund in Volk und Bürger alle Gemüther in Gährung setzte, und der Kampf der Städte wider Fürsten und Adel allgemein wurde, wurde die Treue dieses Ländchens, schroff und steil wie seine Felsen, dem heran wogenden Frcihcitsschwindel ein unüberfteiglicher Damm. Eben diese Treue gegen Friedrich mit der leeren Tasche, als er, weil er dem Papste Zo Hann das gegebene Fürstcnwort nicht gebrochen, in des Reiches Acht und der Kirche Bannfluch verfallen war, vereitelte die verderblichen Anschläge Kaiser Sigmunds vom Hause Lurcmburg wider Habsburg. Schneller als irgend anderswo verlosch hier die um sich greifende Flamme der Reformation und des großen Bauernkrieges. Zn Marimilian des I. — der in diesen Alpen so manches Abenteuer bestand — und Karl des Kriegen mit den Eidgenossen, mit Venedig und mit Frankreich, war Tirol der Eckstein und Knoten aller ihrer politischen und militärischen Operationen, daher nannten sie es auch billig, den Schild und das Herz Oesterreichs. Die augenblickliche Uebermacht, und der arglistige Ucberfall der schmalkaldifchen Bundeshäupter verfehlte in diesen Bergen,, die doch nur allzulange, in arglosem Vertrauen harrenden Fürsten Kar und Ferdinand, und vermochte es eben so wenig, den Kirchcnrath von Trient aus einander zu sprengen. Tirol weiß nichts von dem Religionszwiste, Bürgerkriege, und den Thron - und Successiöns-Streitig- keitcn, welche die meisten anderen österreichischen Provinzen Jahrhunderte lang verwüsteten. Zn der großen Gefahr des dreißigjährigen Krieges zog es eine undurchdringliche Grenzhut in Chiavenna bis an den Bo- densce und von dort bis Salzburg. Es vereitelte alle Gewaltstreickc Richelieu s im mantua'schen Erbfolgekriege, alle Arglist RoHans in Graubündten, und erhielt die entscheidend wichtige Verbindung der deutschen Linie Habsburg mit der spanischen zu Mailand, welche ein sechzigjährigcr Kaltsinn aus einander gehalten hatte. Als nach Wallensteins Ermordung die letzte Hoffnung auf den spanischen Hilfsvölkern beruhte, welche der Kardinal-Znfant aus der Lombardei heran führen sollte, um das kleine Heer des Königs von Ungarn zu verstärken, wurde dieses, allen Machinationen Frankreichs, Venedigs, Schwedens und der protestantischen Reichsfürsten zum Trotze, dennoch durch Tirol bewirkt, welche Vereinigung sonach die Nördlmger - Schlacht und mit ihr die Pacisikation des Reiches entschied. In der drangvollsten Epoche des spanischen Erbfolgekrieges im Jahre 1703 drangen zwei der grösten Helden ihrer Zeit Maximilian, Emanuel, Kurfürst von Baiern und Vendome; jener aus dem Norden, dieser von Süden her, in Tirol ein, über Briren durch Kärnthen und Untersteier den ungarischen Malkontenten die Hand zu bieten, welche bereits die Linien Wiens umschwärmten. Sie verloren hier aber den Glanz ihrer Waffen, und die Tiroler retteten ihn nur mit weniger, und später militärischer Unterstützung. Zn der großen Bedrängniß MariaTheresiens sielen die Tiroler hinaus in das Herz Baierns, dessen Kurfürst, der beschwornen pragmatischen Sanktion zuwider ihr Erbe schon in seinen Titeln führte, und in Prag und Linz bereits die Huldigung empfangen hatte. Was Tirol vom Zähre 1796 bis zum Jahre 1805 geleistet hat, wo der presburger Friede es von Oesterreich losriß, und acht Jahre der schmerzvollsten Trennung herbei führte, lebt in dem Gedächtnisse aller Zeitgenossen. habe, so fordere ich von euch, und rechne darauf, daß ihr meinen Anordnungen, die immer nur euer Wohl beabsichtigen, mit kindlichem Zutrauen Folge leisten werdet. Ich gewärtige nun eueren Huldigungseid, und ertheile euch versammelten Ständen und Repräsentanten Tirols und Vorarlbergs, die erneuerte Versicherung meiner kaiserlichen und landesväterlichen Huld und Gnaden Die tiefe Rührung und die heilige Begeisterung, die sich bei diesen erhabenen Worten aller Gemüther bemächtigte, löSte sich nach einigen Minuten in den lebhaftesten Ausbruch des Jubels und des allgemeinen Enthusiasmus auf, und ein laut schallendes fortgesetztes »Vivats sollte dem angebeteten Fürsten nur schwach andeu- ten, wie tief seine Worte in alle Herzen eingedrungen waren, und welche heiligen Gefühle sie in jedem Gemüthe erweckten. Als die laute Begeisterung der Ehrfurcht für die Feierlichkeit der Handlung gewichen, und die vorige ehrerbietige Stille wieder eingetreten war, versuchte der Landeshauptmann Graf von Bissingen mit gerührter Stimme die unaussprechlichen Dankgefühle der Stände Tirols in folgender Rede auszudrücken: »Dem heutigen, in den Annalen Tirols ewig merkwürdigen Jubeltage — dem Tage wo der allgeliebte Kaiser Oesterreichs, unser angebeteter Landesfürst und Vater, in unsere Mitte eintrat, um huldvollst in höchst eigener Person unsere Erbhuldigung aufzunehmen, ward es Vorbehalten, nach vieljährigen Stürmen, nach beispiellosen Leiden, daS Grundgebäude für den künftigen Wohlstand Tirols auf eine Art hergestellt zu sehen, daß keine neuen Stürme, keine gebieterischen Zeitereignisse irgend eine gewaltsame Abänderung oder Erschütterung hervor zu bringen vermögend sind, nachdem eben der jetzt beginnende Akt der höchst feierlichen, aber auch herzlichsten Erbhuldigung auf ewige Zeiten das Wohl dieses Landes auf das Engste mit dem höchsten Dlenste Euerer Majestät unseres allergnädigsten Kaisers, Königs und Herrn verbindet. Euerer Majestät ausgezeichnete Fürstenhuld für Millionen Ihrer treuen unter Ihrem Zepter höchst glücklichen Unterthanen erlauchtest und rastlos gewidmeten Herrschersorgen, im Einklänge mit jener erhabensten und innigsten Vaterliebe, mit welcher Sie jedem Ihrer Unterthanen stets fort den Zutritt gestatten, und selbst bei so vielen Anlässen huldreichst dem Schutzsuchenden zuvor zu kommen suchen, dieses leistet unS in Voraus die vollgiltigste Bürgschaft für die bald möglichste Herstellung unseres Wohlstandes, bei dem Umstande, wo wir nebst dem Huldigungseide zugleich mit Herz und Mund am Fuße des ThroneS angeloben, daß wir in unseren nach den allerhöchsten Vorschriften zu übernehmenden ständischen Arbeiten und Obliegenheiten unverrückt die Beförderung des höchsten Dienstes, vereint mit der Begründung des Wohls unseres Vaterlandes, zum steten Augenmerk nehmen werden. So herzerhebend indessen für jeden aus uns die Zuversicht ist, auf solche Art der Huld Euerer Majestät unS und die gesummten Mitunterthanen möglichst würdig darzustellen, so stellt sich uns doch in diesem Momente noch ein ungleich erhabenerer Gesichtspunkt dar, der Gesichtspunkt, daß Euer Majestät der edelste der Fürsten, unser Netter, unser Vater, im vollen Umfange des Wortes, Franz der Einzige, bei der nun vor sich gehenden Erbhuldigung die ehrfurchtsvollste reinste Unterthansliebe m jedem Auge lesen, und sich vollends in der Folge überzeugen werden, daS die Unterthanen Tirols mit jeder der andern Provinzen des Kaiserstaates in Hinsicht auf auSharrende echte Treue, auf unerschütterliche, jede Gefahr trotzende Anhänglichkeit und wahre kindliche Liebe für seine geheiligte Person und für daS allerdurchlauchtigste Kaiserhaus wetteifern, und sicher Niemanden hierunter nachstchen. Allerdurchlauchtigster, allergnädigster Kaiser, König und Herr! Es ist, von dem oben besagten Gesichtspunkte ausgehend, von nun an unsere angelegentlichste Sorge, diese Überzeugung in dem Herzen Eurer Majestät immer tiefer zu begründen, folglich allerhöchst Dero Dienst und das damit auf das Engste verknüpfte Wohl des Vaterlandes immer mehr zu befördern.-- — Nach Endigung dieser Rede ging nun die feierliche Eidesablegung der Stände Tirols vor sich. Der Hofrath Freiherr von Metzburg las ihnen die Eidesformel vor, und sie gelobten mit reiner aufrichtiger Gesinnung, für sich und in die Seele ihrer Commitenten ewige Treue und unverbrüchlichen Gehorsam dem Kaiser von Oesterreich, und allen seinen rechtmäßigen RegierungSnachfolgern. Nun führte auch der Präses der Stände Vorarlbergs, der Kreishauptmann zu Bregenz, die zum Plenarkongresse gewählten Deputaten vor, und drückte die gerührten Dankgefühle der Bewohner dieses Landes mit folgenden Worten auS: »Vorarlberg dem Umfange nach eine der kleinsten Provinzen des großen Kaiserreiches — an unverbrüchlicher Treue und innigster liebvollster Anhänglichkeit an die geheiligtste Person Eurer Majestät und an daS allerhöchste Kaiserhaus eine der ersten — ward von Eurer Majestät, von jeher gewohnt, alle Ihre getreuen Unterthanen mit wahrhaft landesväterlichen Wohlthaten zu überhäufen, neuerlich mit einer eigenen ständischen Verfassung huldvollst beschenkt, und genießt heute aus besonderer landesfürstlicher Huld und Gnade sogar das, selbst die kühnsten Hoffnungen weit überstei- gende, von Millionen beneidete Glück, vermittelst seiner unterchänigsten, ganz nach der ehemaligen Verfassung gewählten ständischen Deputaten des Plenarkongresses vor den Stufen des Thrones Eurer Majestät allerhöchst eigener Person den feierlichen Eid der Treue und Unterwürfigkeit ablegen, und öffentlich vor den Augen der ganzen Welt jene Huldigung darbringen zu dürfen, die in den Herzen eines jeden Vorarlbergers mit innigstem Dankgefühle und unwandelbarster Liebe gehorsamer Kinder zu ihrem allgeliebten Vater laut sich ausspricht, und die Vorarlberg, in dessen Annalen der 14. bis 18. Oktober 1815 ewig als die glücklichsten und unvergeßlichsten Tage verzeichnet bleiben, in den fürchterlichsten Stürmen verhängnißvoller 9 Jahre, und unter den drückendsten Prüfungen zu bethärigen sich bestrebt hat, und auch in seinen Kindern und Kindskindern mir gänzlicher Hingebung und Aufopferung von Hab und Gut, Leib und Blut mit einer, allen Zeitumständen und Ereignissen trotzenden eisenfesten Standhaftigkeit ebenfalls vor den Augen der ganzen Welt neuerlich zu bekräftigen bereit ist.-« Nachdem jetzt auch die Depulirten Vorarlbergs mir gleich lebender Begeisterung den Huldigungseid abgelegt hatten, verließen der Kaiser unter dem lautesten Jubelgeschrei der zahlreichen Versammlung und unter Vertretung des Heroldes und der Erblandesämter, dann in Begleitung seines Generaladju- ranten und dcS Hofkanzlerö den Saal, kehrten aber bald darauf wieder in seiner ganzen Begleitung dahin, um den Erblandesämtern und den neu beeideten Ständen den Handkuß zu gewahren. Als dieses geschehen war, verließ der Kaiser abermals den Huldigungssaal, während dem man nun in diesem die Vorbereitungen zur Huldigungstafel veranstaltete. Die Tafel, an welcher der Kaiser ganz allein saß, wurde unter dem Thronhimmel bereitet, vor demselben aber, durch die ganze Länge deS Saales hinab, nach herkömmlichem Gebrauche die Tafel für die Stande gedeckt. Nachdem Alles in Bereitschaft war, begab sich der Kaiser wieder in den Riesensaal zurück, und nahm, als von dem Erbland- und Hauskaplane, dem Abten von Wildau über die Speisen der Segen gesprochen war, an der bereiteten Tafel Platz, wo sodann sämmtliche Erblandesämter durch die denselben zukommenden Verrichtungen ihr Amt versahen. Bald darauf ertheilte der Kaiser den gesammten Ständen die Erlaubniß sich ebenfalls zu Tische zu setzen, worauf er ihnen während des Mahles in landesväterlicher Huld die Gesundheit ausbrachte, welche allerhöchste Gnade durch Trompeten und Paukenschall und dem Kanonendonner dem Lande verkündigt, von allen Anwesenden mit dem lautesten Jubel ausgenommen, und von der auf dem Rennplätze vor der Burg versammelten Volksmasse mir einem tausendstimmigen Lebehoch erwiedert wurde. Hierauf hatte auch der Landeshauptmann die Ehre, im Namen der Stände in tiefer Ehrfurcht dem Kaiser gegenseitig die Gesundheit zuzutrinken. Nach aufgehobener Tafel begab sich jetzt der Kaiser auf den Rennplatz vor der Burg die Landesschützen zu beschauen, und vor sich vorbei desiliren zu lassen. ES waren bereits die bisher Salzburgischen, Zillerrhaler und Bri.renrhaler darunter, welche besonders jubelten. Die Fahnen sämmtlicher Kompagnien über achtzig an der Zahl und viele Tropaen aus den vergangenen Kriegen wurden jetzt zusammen gereiht, und der geliebte Monarch gleichsam damit bedeckt. Abends wurde die Stadt trefflich beleuchtet und bis gegen den anbrechenden Morgen wimmelten alle Straßen von einer jubelnden und unzählbaren Volksmenge. Den folgenden Tag (den 31. Mai) begann das große Freischießen, das grosse was Tirol kennt. Eine Anzahl von 1-WO Besten und Fahnen, nebst dem schönen Kranze wurden in der Burg selbst abgeholt, die Landschützen machten vor der Burg bis zur Schießstatte Spalier, wo sodann der Kaiser von seiner ganzen Umgebung begleitet, das Freischießen selbst durch vier Schüße eröffnete, wovon zwei nicht ferne vom Schwarzen steckten und allgemeine Freude erregten. Nach einem Aufenthalte von einer Stunde auf der Schießstätte, begab sich der Kaiser wieder in die Burg zurück, wohnte der Gubernialrathssitzung bei, und gab sodann AbendS allgemeine Audienz, welcher bis zu seiner Abreise noch mehrere folgten. Am 6. Juli reiste der Kaiser unter dem Donner der Kanonen, und den Segenswünschen der zahlreich versammelten Menge und unter Absingung des Volksliedes: s-Gott erhalte Franz den Kaiser,« gegen Salzburg ab.^ Bei dem fröhlichen naiven und erfindungsreichen Völkchen der Zillerrhaler erweckte das merkwürdige Ereigniß die seltsamsten Ausbrüche der Freude. Unter Andern hatten sie den allergrößten Stein, den sie nur immer gewaltigen konnten auf Walzen gebrachr, und so gestellt, daß er mit leichter Mühe an einen bestimmten Platz geschoben werden konnte. Sie baten nun den Kaiser, diesem Steine einen Stoß mir dem Fuße zu geben, er schob ihn aber mit der Hand vor sich hin. Als der Stein auf seinem Platze war, liefen sie darauf zu, und küßten ihn. Der Kaiser fragte jetzt, was dies bedeute, worauf sie nun antworteten: dieser Stein bleibe hier zum ewigen Denkmale, daß der erste Kaiser zu ihnen in das Ziller- rhal gekommen sey, und wurde auch in der Folge mit einer Inschrift versehen. i. Johann, Aönig von Söhmen. Vom Jahre 1308 bis 1320. Johann stand eben in seinem 14. Jahre, als sein Vater Heinrich, Graf von Luxemburg, zur Kaiserwürde erhoben ward. Gleichzeitig war auch der Thron von Böhmen erledigt, und der rechtmäßige Königsstamm mit Wenzel erloschen. Die Kurfürsten wünschten jetzt dieses ansehnliche Land an das Haus Luxemburg zu bringen, und dadurch das kaiserliche Ansehen zu befestigen, wozu ihnen der junge Johann nicht unwürdig schien, aber die Sache hatte ihre Schwierigkeiten. Heinrich von Kärnthen hatte bereits im Jahre 1308 ganz Böhmen und Mahren in Besitz, und obwohl er nicht gekrönt worden, den königlichen Titel angenommen. Seine unersättliche Habsucht zu befriedigen ließ er nun die Kirchen plündern, überhäufte das Volk mit drückenden Auflagen, und schickte die erpreßten Schätze nach Kärnthen ab. Die edelsten Böhmen schmachteten damals in Kerkern, oder bluteten auf den Hochgerichten. Die Staatswürden und einträglichen Aemter besetzte Heinrich mit Kärnthnern, welche, so wie der König, nur darauf dachten sich Reichthümer zu sammeln, und diese in ihr Vaterland zu schleppen. Als das gepeinigte Volk endlich mit Aufstand drohte, rief Heinrich immer mehr Truppen aus Kärnthen herbei, aber die Bürger widersetzten sich dem Einmärsche dieser ausländischen Scharen, und diese konnten erst nach einem blutigen Kampfe die Stadt und das Schloß in Besitz nehmen. Die Gassen und Plätze von Prag waren nun täglich der Schauplatz hartnäckiger Gefechte , welche auch bald nach dem Beispiele der Hauptstadt im ganzen Lande um sich griffen. Die junge schöne Prinzessin Elisabeth, eine Schwägerin Heinrichs und dritte Tochter Wenzel des II. und Judith von Oesterreich, wurde durch den traurigen Zustand ihres Vaterlandes mit tiefem Schmerze erfüllt, und verhehlte den Haß nicht, welchen sie dem Urheber des allgemeinen ElendS geschworen hatte. Heinrich fürchtete jetzt, daß Elisabeth Böhmen zu rächen übernehmen würde, so bald sie sich mit einem mächtigen Fürsten vermalt habe, und wollte sie daher zwingen, einem böhmischen Edelmanne, NamenS Berka von Duba, unverweilt die Hand zu reichen. Elisabeth verwarf aber diesen Vorschlag, und Heinrich ließ sie nun auf den Wissehrad in strenge Verwahrung bringen. Elisabeth entkam indessen aus ihrem Gefängnisse und eilte jetzt nach Nimburg, wo sich die böhmischen Großen bereits um sie versammelten, und Bevollmächtigte an Kaiser H e i n ri ch abschickten, um sich dessen Sohn Johann zum Geniale der Prinzessin Elisabeth und zum Beherrscher Böhmens auszubirten. Der Kaiser bei der Jugend seines Sohnes Johann besorgt, lehnte aber diesen ehrenvollen Antrag standhaft ab, und schlug ihnen seinen Bruder Wolfram, Graf von Luxemburg zum Könige vor, welcher dieser Auszeichnung auch nicht unwerth gewesen wäre. Diese Weigerung machte die böhmischen Gesandten aber nur zudringlicher, und sie ließen von ihren erneuerten Vorstellungen so lange nicht ab, bis der Kaiser nachgiebiger wurde, und der Kurfürst von Mainz ihnen die befriedigende Erklärung machte, daß es nur darauf ankomme, daß die Prinzessin ihrem künftigen Gemale und Schwiegervater sich persönlich zeige, um allen weiteren Weigerungen und Schwierigkeiten auf einmal ein Ende zu machen. Elisabeth war nicht abgeneigt, diese Einladung, so ungewöhnlich sie — wenigstens nach jetzigen Begriffen scheinen mag — anzunehmen, und man bereitete deshalb in Speiec alles auf ihren Empfang vor. Der römische König sprach indessen Heinrichs von Kärnthen Absetzung aus, und bestätigte die Prinzessin Elisabeth als Erbin des väterlichen Thrones, bewilligte zugleich die Verbindung mit dem erst 14jährigen Prinzen Johann, und belehnte ihn am 27. August zu Speier mit Böhmen und dessen Nebenländern. Als die Vermälung vollzogen war, wurden der Erzbischof Peter von Mainz und der Graf Berthold von Henneberg vom Kaiser bestimmt den jungen König in sein neues Reich zu begleiten, und ihm in der Negierung an die Hand zu gehen. Ein Reichsheer sammelte sich bei Nürnberg, welches der Pfalzgraf Rudolph, der Burggraf Friedrich von Nürn- berg und mehrere Grafen und Prälaten mit ihren Truppen verstärkten, und nun wurde der Marsch nach Böhmen angetreten. Heinrich von Kärnthen zeigte sich zum Widerstande entschlossen und hatte Kuttenberg , Kollin und andere feste Orte mit starken Besatzungen versehen. Man beschloß nun den Anfang mit Kuttenberg zu machen, und forderte die Besatzung auf sich zu ergeben; diese verweigerte aber die Aufforderung, und versprach nur dann sich zu ergeben, wenn Prag ihr das Beispiel gegeben hatte. Diese Aeußerung machte jetzt die Belagerung der Hauptstadt nochwendig, welche mit Meißnern und Kärnthnern zur Verteidigung besetzt war. Elisabeth hatte aber noch viele Anhänger in Prag und es ließ sich daher von ihrem Einflüße etwas für den jungen König erwarten. Indessen zog sich die Belagerung in die Länge, und die Armee wurde über diese Verzögerung schon unwillig, al- auf einmal die Wirksamkeit der Maßregeln, welche die Freunde der jungen Königin in Bewegung gesetzt hatten, sich zeigte. Man hatte nämlich in der Stadt einen Aufruhr erregt, wozu ein dreimaliger Glockenschlag das Signal zur Ausführung gab. Während deS TumultS stürmte jetzt ein Haufe Soldaten, der dazu ausgewählt und unterrichtet war, gegen das Altstädter-Thor, vor welchem die Armee des jungen Königs stand, welche nun sogleich und unaufhaltsam hinein drang. Ohne große Schwierigkeit ward die Stadt in Besitz genommen, nachdem ein Theil der Besatzung sich ergab, während ein anderer sich mit dem Herzoge Heinrich nach dem Hradschin flüchtete, wo er sich aber nur kurze Zeit halten konnte. Da er jetzt alle Möglichkeit, Prag zu behaupten abgeschnirten sah, und Johann die Bestürmung des Schlosses vorbereiten ließ, flüchtete er mit seiner Gemalin Anna, einer Schwester Elisabeths, in der Nacht nach Baiern, und dann weiter durch Tirol nach Kärnthen. Jo.hann nahm nun auf dem Landtage am 25. December die Huldigung an, und wurde hierauf am 7. Februar 1310, so wie seine Gemalin Elisabeth durch den Erzbischof von Mainz gekrönt. Die erste Sorge seiner Regierung war jetzt auf die Wiederherstellung der Ordnung und Ruhe in dem durch Krieg und Räubereien zerrütteten Reiche gerichtet, nachdem ganze Räuberhorden sich besonders in Mähren festgesetzt hatten, und dort Festungen und Schlösser anlegten, wo sie sich hartnäckig verteidigten. Kaum hatte aber Johann seinen Staaten die Ruhe wieder gegeben, als er von seinem Vater, der einen Feldzug nach Italien unternommen hatte, um sich daselbst feierlich krönen zu lassen, zum Reichs-Verweser bestellt ward, eine Würde, die er unter dem Beistände deS ErzbischofeS von Mainz mit einer, für sein Alter seltenen Weisheit und Thätigkeit verwaltete. Indessen hatte sein Vater um die Hoheit der Kaiserwürde zu behaupten mit einer Menge von Schwierigkeilen zu kämpfen, welche ihm sein Hauptfeind, der König Robert von Neapel entgegen stellte. Heinrich faßte den kühnen Entwurf, sich ganz Italien zu unterwerfen, und Tuscien sollte also jetzt, da er dieS ohne blutige Kämpfe nicht ausführen konnte, zuerst die Gewalt der kaiserlichen Waffen empfinden, und in Zukunft der Sitz des Kaiserthums werden, weil man von hier auS den Weg nach Deutschland offen, und immer die nöthigen Hilfstrup- pen erhalten konnte. Als nun der Kaiser sich mit dem Könige von Sicilien verband, welcher versprach, Neapel zu Wasser und zu Lande anzugreifen, fand Robert in dieser Bedrängniß keinen bessern Ausweg als sich deS Schutzes von Seite deS Königs von Frankreich zu versichern, welcher durch seinen Einfluß bei dem Papste den Kaiser von der Fortsetzung seiner Unternehmungen abzuhalten gedachte. Ein Kreuzzug sollte hiezu den dienlichen Vorwand geben, welchen jetzt der Papst in Vorschlag brachte, und dabei alle seine Beredsamkeit aufbot, dem Kaiser einen solchen Feldzug als das Verdienstlichste darzustellen, was er unternehmen könne. Aber Heinrich war nicht geneigt die Aussicht auf sichere Eroberungen mit der täuschenden Hoffnung ungewisser Siege zu vertauschen, und bewarb sich.vielmehr, aus Deutschland neue Hilfsvölker zu erhalten, welche ungeachtet der schlauen Bemühungen des französischen Hofes, dennoch in großer Anzahl geworben wurden. Der junge König von Böhmen stellte sich selbst an ihre Spitze, um solche dem Kaiser zuzuführen, war aber kaum damit zwischen den Alpen angelangt, als ihn schon die Nachricht von dem Tode seines Vaters überraschte, welcher der Sage nach durch daS ihm zu Buonconvento beigebrachte Gift erfolgte. Die meisten Fürsten, welche bisher den Kaiser begleitet hatten, waren jetzt auf dem Rückzuge begriffen, und nur Johann war anfangs entschlossen aus kindlicher Liebe über die Alpen zu eilen, und den Tod seines Vaters an den Italienern blutig zu rächen; aber der Erzbischof von Mainz und der Bischof von Prag brachten ihn von dieser Aufwallung durch klügern Rath zurück, und führten ihn nach Deutschland. Der Tod Heinrich des VII. wurde jetzt die Veranlassung zu einem langwierigen Bürgerkriege, denn die zwei mächtigsten Fürstenhäuser: das habsburgisch - österreichische und das luxemburgisch-böhmische, traten an die Spitze der Parteien, welche die bevorstehende Königswahl nach ihren Absichten und zum eigenen Vortheile zu lenken suchten. Friedrich der Schöne von Oesterreich, der Sohn und Enkel zweier römischen Könige glaubte ein gegründetes Recht auf den Thron zu haben, und unterließ auch nicht mit kluger Thätigkeit sich den Weg dazu zu ebnen. Dabei befürchtete aber das Haus Luxemburg, daß Friedrich, wenn er zum Throne gelangte die Ansprüche seiner eigenen Familie auf Böhmen wieder geltend machen würde, und bot daher alle seine Kräfte und seinen Einfluß auf, Friedrichs Absichten zu vereiteln. Eine Verzögerung der Wahl schien für jetzt das Dienlichste, und wurde auch bewirkt, nachdem die Fürsten deS Rei- cheS durch 14 Monate hindurch von der Kaiserwahl zurück gehalten wurden, während beide Lheile diese Zeit benützten, um sich durch Bündnisse zu stärken. Ludwig von Baiern erklärte bei einer Zusammenkunft in Salzburg seinem Vetter Friedrich von Oesterreich zu seinen Gunsten, nicht nach der Kaiserkrone zu streben, und versprach, ihn überdies nach allen Kräften zu unterstützen. Aber gerade an diesen Ludwig wendete sich jetzt die Luxcmburg'sche Partei mit dem Anträge, ihn zum Kaiser zu wählen. Zwar nahm dieser Fürst wegen des dem Friedrich gegebenen Versprechens Anstand, dasselbe zu brechen; aber die Luxemburger verstanden die Kunst seine Bedenklichkeiten zu beschwichtigen, und seine Furcht zu entkräften, nachdem sie ihm mächtigen Beistand gegen die Herzoge von Oesterreich zusicherten. Zu Sachsenhausen trat jetzt die österreichische Partei zusammen, welche auS den Fürsten Rudolph von Baiern als Abgeordneten des Kurfürsten von Köln, Rudolph von Sachsen-Wittenberg, und Heinrich von Kärnthen bestand. In einer Vorstadt von Frankfurt, als dem eigentlichen alten Wahlerts versammelten sich dagegen die Kurfürsten von Mainz und Trier, der junge König von Böhmen, das HauS Sachsen-Lauenburg und Brandenburg. Am 19. Oktober 1314 wurde Friedrich von Oesterreich von seiner Partei zum römischen Könige gewählt, worauf am folgenden Tage die luxemburgische Partei Ludwig von Baiern zu Deutschlands Oberhaupt ernannte. Die Folge davon war, daß Friedrich von Oesterreich zu Bonn durch den Erzbischof von Köln, und Ludwig von Baiern zu Aachen durch den Erzbischof von Mainz gekrönt wurde. Das deutsche Reich hatte nun zwei Könige, wodurch ganz natürlich eine zweifache Spaltung entstand, welche zu traurigen Kriegen Veranlassung geben mußte. Inzwischen wurde aber die Gegenwart des jungen Königs in Böhmen bei dem zunehmenden Mißvergnügen seiner Unterthanen immer notwendiger, und man hatte auch bereits Abgeordnete an ihn gesandt, um den Beschwerden seiner Stande abzuhelfen, wozu vorzüglich die Besetzung der angesehensten Staatsämter mit Fremden und die Zurücksetzung der Eingebornen die nächste Veranlassung gab. Der König eilte jetzt unverzüglich in sein Reich, und suchte durch seine persönliche Gegenwart größeren Nebeln abzuhelfen. Die Böhmen drangen mit Eifer auf die Entfernung der Ausländer, welches Begehren der König zwar mit Unwillen aufnahm; da er aber in der Besorgniß stand durch längeres Zögern gleiche Auftritte wie Heinrich von Kärnthen herbei zu führen, so gab er in seiner Weigerung nach, und entfernte seine Getreuen, worauf Heinrich von Lipp«, der sich dieser Auszeichnung durch seine Verdienste um Johann würdig gemacht hatte, zum Statthalter von Böhmen, so wie Hermann von Wartenberg zum Gouverneur von Mähren ernannt wurde. Aber dieBöhmen täuschten sich in ihrer Erwartung, da sie der Meinung waren, dieser Wechsel werde ihre Lage erleichtern, und den Grund ihrer Beschwerden beseitigen. Geblendet durch den Glanz ihrer neuen Würde, drückten die jetzigen Statthalter ihre Untergebenen schwerer, als eS die Deutschen gethan hatten, und selbst der König verlor durch die Untreue seiner neuen Diener einen ansehnlichen Lheil seiner bisherigen Einkünfte. Um nicht Augenzeuge dieser Ungerechtigkeiten seyn zu müssen, verließ er das Reich, und suchte in seinen Erblanden bei seinen treuen Luxemburgern, den Kummer über Böhmen sich vergessen zu machen. Aber sein thätiger Geist erlaubte ihm nicht sich dieser Rübe lange zu überlassen, denn es lag in seiner Natur, stets einen wichtigen Zweck zu verfolgen, und seinen Einfluß auf die Angelegenheiten des Reiches geltend zu machen. Damals waren gerade die Feindseligkeiten zwischen den beiden Gegenkönigen ausgebrochen, und Friedrich von Oesterreich hielt die Stadt Eßlingen belagert, zu deren Entsatz nun Ludwig von Baiern herbei eilte, und wobei auch König Johann von Böhmen erschien, um Letzter» zu unterstützen. Kaum hatte er aber Gelegenheit gefunden in der dabei vorgefallenen Schlacht sich rühmlich auSzuzeichnen, so kamen schon wieder Abgeordnete auS Böhmen, welche ihn zurück riefen der bereits eingetretenen Verwirrung im Königreiche abzuhelfen. Heinrich von Lippa hatte die verwitt- wete Königin in sein Interesse zu ziehen gewußt, und sich v aller ihrer Besitzungen bemächtigt. Sein Uebermuth ging aber noch weiter, nachdem er alle Gesetze mit Füßen trat, und selbst die Gemalin des Königs den empfindlichsten Beleidigungen aussetzte. Sie, deren edler Sinn keine unwürdige Begegnung ertragen, und zu keiner Erniedrigung sich verstehen wollte, verließ jetzt die Hauptstadt und begab sich nach Ellbogen, wo sie ihren Gemal um Abhilfe bat. Johann antwortete ihr durch die Gesandten: »Wenn ich nicht am Martinsfeste sterbe, so bin ich bald in Böhmen bei der Königin,^ und wirklich folgte er bald seinem Versprechen, und eilte nach Ellbogen zu seiner Gemalin. Die angesehensten Stände des Reiches fanden sich jetzt daselbst ein, und riechen dem Könige einen Landtag in Prag zu halten. Auf demselben wurde Heinrich von Lippa gefangen genommen, und Johann suchte durch Geschenke und andere Gnadenbezeugungen sich wieder Hohe und Niedere zu Freunden zu machen. Indessen hatte aber die unerwartete Gefangennehmmig des Statthalters Heinrich von Lippa einiges Aufsehen verursacht, und viele von den Ständen deS Reiches äußerten darüber ihren Unwillen, bei welcher Gelegenheit es an verschiedenen Orten zu einem Aufstande kam, dem der König nur mit Gewalt der Waffen Einhalt verschaffen konnte. Aber immer noch war der Geist der Empörung nicht völlig gedämpft, und obgleich Heinrich von Lipp a gegen hinreichende Bürgschaft wieder auf freien Fuß gestellt worden war, so schien dennoch immer noch einige Verwirrung zu herrschen, wodurch die Abneigung deS Königs gegen die Böhmen so weit ging, daß er dieses Königreich gegen die obere und die rheinische Pfalz an Ludwig von Baiern vertauschen wollte. Die Unterhandlungen deshalb nahmen auch wirklich ihren Anfang, aber als dieses die Böhmen merkten, wurden sie dadurch noch empfindlicher gereizt, und traten mit dem Gegenkönige Friedrich von Oesterreich in Verbindung. Dieser Schritt, der den gänzlichen Verlust von Böhmen veranlassen konnte, nöthigte jetzt den König einen Vergleich auszumitteln, in welchem allen Häuptern der Empörung völlige Amnestie zugestchert ward, um vom Neuem die Unterthanen zur Unterwerfung und zum völligen Gehorsame zu bringen. Der König erneuerte überdies sein Versprechen, keine Fremden mehr zu den höchsten Staatsämtern zu befördern, bestätigte die Vorrechte der Vasallen und die Freiherren der Städte, und eS schien nun, als ob die völlige Ruhe in Böhmen wieder hergestellt wäre. Erfreut über diese erwünschte Veränderung verließ Johann abermals das Reich, um sich mit Ludwig von Baiern zu vereinigen, da dieser die Absicht hatte Kolmar zu entsetzen, welches Friedrich von Oesterreich belagerte. Friedrich hob aber bei dem Herannahen der Feinde die Belagerung auf, und zog dem Könige Ludwig entgegen. Als eine Schlacht schon unvermeidlich schien, schlug jetzt Johann von Böhmen einen Waffenstillstand vor, und brachte denselben zwischen Ludwig und Friedrich auch bald zu Stande. Ihn bewogen aber zu dieser Vermittlung andere Aussichten, welche sich gerade in Polen zeigten, nachdem daselbst Ladislaus um die Krone kämpfte, wobei nun Johann Gelegenheit fand in Schlesien einzudringen, und in einem Lande Eroberungen zu machen, welches seinem Reiche so nahe lag. Er konnte dies um so sicherer thun, da er mit dem Herzoge von Kärnthen wegen seinen Ansprüchen auf ZZöhmen einen Vergleich geschlossen, und durch die Vermälung seiner jüngsten Schwester mit dem Könige von Ungarn, sich gegen feindliche Angriffe von Aussen gesichert hatte. Desto mehr aber beunruhigten ihn jetzt die Mißverhältnisse in seiner Familie. Lange schon hatte die Eifersucht zwischen den beiden Königinen, nämlich der ver- wittweten, und der Gemalin Johanns geglimmt, wozu der herrschsüchtige Heinrich von Lipp a, der sich beim Könige wieder in Gunst zu setzen gewußt hatte, und der Liebling der verwittweten Königin war, wesentlich beitrug. Man verbreitete verschiedene nachtheilige Gerüchte gegen die Königin, und beschuldigte sie, daß sie nach der Krone strebe, um den noch minderjährigen Prinzen auf den Thron zu setzen, und sich dann als Vormünderin der Negierung des Königreiches zu bemächtigen, damit Böhmen einen König beständig bei sich habe, nachdem Johann, seinem Reiche abgeneigt sich immer ausserhalb der Grenzen aufhalte. Tausend Zungen und Hände waren geschäftig die Stachel des Argwohns bei dem Könige, immer empfänglicher zu machen, wodurch er sich endlich, in der Besorgniß, daß die Empörung in Kurzem mit verstärkter Gewalt hervor brechen möchte, entschlossen fand, unverzüglich nach Böhmen zu kommen.. Er ließ in der ersten-Aufwallung Ellbogen, die Residenz der Königin mit Sturm bedrohen, und forderte mit gebietender Strenge die Uebergabe deS Schlosses und den Abzug der Besatzung. Die Königin war höchst erstaunt über diese Härte, von der sie die Triebfeder in der Arglosigkeit ihres Herzens nicht fand, und empfing ihn ungeachtet seiner schonungslosen Behandlung mit der Achtung, die ihrem Gemale gebührte. Aber selbst dann, als sie ihm ihre beiden Söhne vorstellte, und mit der ganzen Zärtlichkeit einer Gattin seine Hand faßte, verharrte er noch immer in seinem finstern Schweigen. Elisabethens Stolz erwachte jetzt da sie die Vorboten eines denvüthigenden Verdachts in der gefalteten Stirne ihres Gemals erblickre, und trat mir Würde vor den König, ihn nach der Ursache seines seltsamen Benehmens zu befragen. Seine Antwort war aber der wiederholte Befehl, daß man die Festung übergeben sollte.. Dies vermochte Elisabeth nicht zu ertragen, und verließ im äußersten Unwillen die Stadt, ohne eines ihrer Kinder mitzunehmen. Der König ließ hierauf feinen 3jährigen Sohn Wenzel und dessen Wärterin iw einen Keller sperren, hielt ihn so 2 Monate in Verwahrung, und gab ihn dann nach dem festen Schloße Bürglitz, wo er gleichfalls streng bewacht wurde. Heinrich von Lipp a triumphiere, und auch die verwittwete Königin betrachtete die Entfernung der Elisabeth, welche einer Flucht ähnlich war, als einen Sieg für ihr eifersüchtiges Herz, aber bald kam die Gelegenheit, wo die verdrängte Königin in Folge der Begebenheiten gerechtfertigt werden sollte. > / 2. Johann- König von Böhmen. Vom Jahre 1320 bis 1330. Ä-nstatt, daß durch die Abwesenheit der Königin, welche als Anstifterin der Unruhen bei dem Könige verläumdet worden war, den Mißvergnügen hatte Einhalt geschehen sollen, war Johann kaum in Mährens Hauptstadt angekommen, als die Unruhen mit erneuerter Kraft ausbrachen. Die Untertha- nen waren durch die drückendsten Auflagen auf's Aeußerste gebracht, und haßten den König wegen seiner geringen Sorgfalt für die Wohlfahrt des Landes, und weil er zugleich auch die böhmischen Staatseinkünfte in fremden Landern verschwendete. Die Bürger von Prag ergriffen nun die Waffen, wählten sich aus ihrer Mitte sechs Vorsteher und riefen Elisabeth nach der Hauptstadt. Johann befand sich damals in Mähren, als er die Nachricht von dem Aufstande erhielt, und eilte sogleich nach Böhmen zurück. Das Schloß und die Kleinseite von Prag sielen wohl beim ersten Angriffe in die Hände deS Königs, aber die Altstadt verteidigte sich entschlossen und schlug den König bei der Bestürmung deS Zderassr - Thores zurück. Nun bot Johann den Bürgern einen Vergleich an, und gewährte in denselben, gegen eine große Geldsumme einige Vorrechte; versöhnte sich mit der Königin, eilte aber bald > wieder nach Luxemburg, nachdem er zuvor den Heinrich von Lipp a zum Statthalter bestätigt hatte. Böhmen sah jetzt seinen König fast ein ganzes Jahr lang nicht, während sein Statthalter H ein r i ch von Lipp a die Regierung führte. Daß eS dabei nicht an Bedrückungen und Ungerechtigkeiten fehlte, läßt sich von Heinrichs selbstsüchtiger Gemüthsart leicht erwarten; vorzüglich verfolgte er aber in seinem Hasse die Königin Elisabeth, in deren mütterlichen Schooß nicht selten der gedrückte Unterthan seine Klagen legte. Im folgenden Jahre erschien der König wieder in Böhmen, eilte aber bald wieder nach Luxemburg zurück, da die bei ih'^r eingewurzelte Abneigung gegen die Böhmen ihn nicht lange daselbst verweilen ließ. Indessen vermehrte sich die Zahl seiner Freunde in und außerhalb Deutschland durch die Vermälung seiner Schwester mit dem Könige von Frankreich, und die Verlobung seiner 9jährigen Tochter Margaretha mit dem Herzoge Heinrich dem Aeltern von Nieder-Baiern, dem Sohne Stephans, dann seiner zweiten 7jährigen Tochter Judith mit dem Markgrafen von Meißen. Judith wurde zur Vollendung ihrer Erziehung der alten Markgräsin von Meißen nach dem Schloße Wart- berg, und eben zu diesem Ende Margaretha nach Landshut gebracht. Müde der Verfolgungen und Leiden, welche die unglückliche Elisabeth bisher mit Ergebung ertragen hatte, verließ sie ihr Erbrcich, und wandte sich nach Baiern zu ihrer altern Tochter, an der ihr Herz mit der innigsten Zärtlichkeit hing, Aber auch hier sollte die arme Fürstin die ersehnte Ruhe nicht finden; denn ihr Gemal fand in diesem Schritte eine offene Kriegserklärung, und da er bereits aufgehört hatte, seine Gemalin zu lieben, so glaubte er auch sich keinen Zwang mehr anthun zu müssen, und ließ deutlich seine Neigung für die vcr- wittwete Königin kennbar werden. Bald nöthigte ihn die zweifelhafte Lage Ludwigs, Böhmen zu verlassen, um dem Treffen, welches dieser seinem Neberbuhler Friedrich von Oesterreich zu liefern entschlossen war, durch seine Gegenwart den Ausschlag zu geben. Friedrich war bereits vorgerückt und lagerte im Salzburgischen bei Mühldorf, wohin ihn sein Bruder Heinrich, der Erzbischof von Salzburg, und die Bischöfe von Passau und Lavant begleiteten. Ihm gegenüber, bei Ampsing stand Ludwig mit einem kleinen Heere; Herzog Leopold von Oesterreich befand sich am Lech. Ludwig war also beinahe in derselben Stellung, in der er sich schon einmal zu seinem Unglücke befand. Hätte ihn Friedrich jetzt angegriffen, so würde er ihn geschlagen haben, da er 30,000 Mann zählte; allein, er wollte dieses nicht, und wartete auf die Ankunft seines Bruders. Allerdings wäre dadurch Ludwig in der Mitte zweier Heere erdrückt worden, und seine gänzliche Niederlage unvermeidlich gewesen. Leopold verlor aber diese kostbare Zeit durch unzeitiges Wüthen gegen die Besitztümer des Grafen Montfort, und die Boten, die Friedrich ihm sandte, wurden bei dem Fürstenfelder-Kloster aufgefangen, daher Leopold keine Nachricht'von dieser dringenden Lage seines Bruders erhielt. So verschwand der günstige Augenblick unbenutzt, während Ludwigs Heer sich verstärkte, und dem kampfdurstenden König Johann von Böhmen die erwünschte Gelegenheit gab auf eine Schlacht zu dringen. Friedrich beschloß sie anzunehmen, wiewohl Dietrich von Pillichsdorf und die Brüder Ulrich und Heinrich von Waldsee dagegen waren, und anriethen, die Ankunft des Herzogs Leopold abzuwarten. Der Tag der Schlacht brach an. Das österreichische Heer war in vier Heerhaufen 80 getheilt Den ersten mit den Reichsbanner führte Friedrich selbst; den zweiten, unter Oesterreichs Banner leitete Dietrich von PillichSdorf, Herzog Heinrich stand willig unter ihm; Ulrich und Heinrich von Waldsee befehligten den dritten Heerhaufen; und der vierte stand unter dem Banner des Erzbischofs von Salzburg. Friedrich führte über daS Ganze den Oberbefehl. Im bairischen Heere überließ Ludwig die Leitung der Schlacht einem alten, gebrechlichen aber kriegserfahrenen Ritter, Seyfried Schweppermann genannt, der am Tage vor der Schlacht eingetroffen war, und über dessen schwächliche Gestalt die Krieger spotteten; dor Ausgang rechtfertigte aber Ludwigs Wahl. Er stellte auf den linken.Flügel den König Johann mit den Böhmen und die Reiterei des Herzogs Heinrich von Nieder - Baiern. Die Mitte bestand aus den oberbairischen Rittern, welche Albrecht von Rindsmaul befehligte; auf dem rechten Flügel waren die deutschen Hilfstruppen und einige Baiern. Der Burggraf Friedrich von Nürnberg hatte sich aber in der Nacht mit 400 Mann in einen Hinterhalt gelegt. DaS Benehmen der beiden Gegner war im höchsten Grade verschieden. Ludwig legte den Königsschmuck ab, und kleidete sich in einen blauen, mit einem weißen Kreuze besetzten Wappenrock, so, daß er nicht anders aussah, wie ein gewöhnlicher Ritter. Er saß auf einem schnellen Renner und nahm keinen Theil an der Schlacht. Friedrich hingegen stand mit königlicher Pracht gewappnet in vergoldeter Rüstung, den blinkenden Reichsadler auf dem Helme, Allen kenntlich an der Spitze seines Heeres, und warf sich muthvoll in daS Gefecht. König Johann eröffnte die Schlacht, und stürzte auf den österreichischen Heerhaufen. Fünfhundert seiner Ritter lagen schon am Boden, da fiel auch der König Ludwig, und harte sich ergeben oder sterben müssen, wenn ihm— unglaublich genug — nicht ein österreichischer Krieger auf die Beine geholfen hätte. Obgleich der König nun wieder zu Roß war, so wichen die Böhmen dennoch immer, und wandten sich schon zur Flucht, als die bairischen Reiter herbei eilten und das Fußvolk wieder zur Schlacht führten. Indessen neigte sich der Sieg auf die Seite der Oesterreicher, deren Muth noch mehr zunahm, - als sie aus der Ferne einen Reiterhaufen bemerkten, welcher unter dem österreichischen Banner ans mengte, und welchen sie für einen Vortrab von Herzog Leopolds Heere hielten; aber eS war der Burggraf von Nürnberg und sein überraschendes Nahen entschied auch die Schlacht. Die Ungarn flohen, welchem Beispiele auch die Oesterreicher folgten, und so erlagen die Tapfersten, worauf die Schlacht verloren war. Friedrich hatte so ritterlich gekämpft, daß im ganzen Heere ihm keiner gleich war; er und Dietrich von Pillichs- dorf hielten noch Stand mitten im Gewirrs der verlornen Schlacht; endlich aber stürzte Friedrichs Roß durchbohrt zur Erde, und Albrecht von Rindsmaul, der ihn nicht kannte, trat zu ihm hin und rief ihn an, sich zu ergeben. Friedrich sprach: »Weß Diener bist du?« Rinds maul antwortete: »Des Grafen von Nürnberg.« Diesen ließ nun Friedrich rufen und ergab sich ihm, worauf er zu Ludwig geführt wurde. Dieser sprach: »Vetter! so sehen wir Euch gerne bei uns.« Friedrich erschüttert, antwortete aber nicht. Noch dieselbe Nacht brach Ludwig mir dem Heere auf, denn er fürchtete einen plötzlichen Angriff vom Herzoge Leopold. Uebcr Dornberg und Regensburg »vurde jetzt Friedrich nach dem festen Schloße Trausnitz in Verwahrung gebracht; Herzog Heinrich aber, der ebenfalls in der Schlacht gefangen wurde, kam in die Hände deS Königs Johann, und mit ihm nach Böhmen, nachdem dieser bald nach der Schlacht in sein Königreich wieder heimkehrte. Nach einigen Monaten wurde durch die Fürsprache des Königs von Ungarn, Herzog Heinrich von Oesterreich unter der Bedingung wieder in Freiheit gesetzt, daß die herzoglichen Brüder allen Ansprüchen auf Böhmen , und auf die mährischen Städte, welche Johann in Besitz hatte entsagen, und überdies noch zwei Städte in Unter-Oesterreich abtreten mußten; dagegen versprach Johann um das gute Einvernehmen mit Oesterreich zu erhalten, keine Hilfstruppen mehr an den Kaiser zu schicken. DieS wurde aber jetzt die erste Veranlassung zum Zwiespalte zwischen dem Könige von Böhmen und dem Kaiser. Ludwig bereute das dem Könige gegebene Versprechen wegen Verleihung der Mark Brandenburg, und verlieh diese auf dem Reichstage zu Nürnberg seinem ältesten Sohne. Dadurch fühlte sich nun Johann beleidigt, dessen Unwille aber noch mehr zunahm, als seine Tochter Judith, welche bereits mit dem Markgrafen von Meißen verlobt war, nach Böhmen zurück geschickt wurde. Dazu kamen noch die schmeichelnden Vorstellungen deS französischen Hofes, welche nun seinen Entschluß vollendeten, Ludwigs Partei für immer zu entsagen, und sich ganz auf die Seite des Königs von Frankreich zu begeben. Er ließ sich auch zu einer Reise nach Avignon zum Papste bereden, dar schon im Begriffe war, den Bannfluch gegen Ludwig auszusprechen, und vereinigte sich mit dem Könige von Neapel und dem Könige von Frankreich, über die Mittel zu berathschlagen, wie dem Kaiser die deutsche Krone ent- rissen werden könne. Diese Absichten fanden aber nicht hinlänglichen Einklang in Deutschland, nachdem di" Fürsten ihrem Kaiser zu treu waren, und auch daS Reich an keinen auswärtigen Regenten verhandelt wissen wollten. Johann sing endlich selbst an zu wanken, nachdem ihm sein Oheim der Kurfürst von Trier auf die verdeckten Ränke des französischen HofeS aufmerksam machte, und die Erinnerung der Verdienste Ludwigs in seiner Seele wieder erweckt hatte. Johann schien nun nicht abgeneigt die vorgeschlagene Aussöhnung mit dem Kaiser anzunehmen, und bald gelang es auch der Klugheit des Kurfürsten die beiden Monarchen, welche durch Mißverständniße von einander entfernt worden waren, mit der grösten Schonung wieder zu vereinigen. Johann fand durch die Verbindung mir dem Kaiser neue Gelegenheit zu Thaten und zur Befriedigung seines unruhigen Geistes, und stand bald nach der Zusammenkunft zu Avignon zum grösten Erstaunen Frankreichs an der Spitze eines HeereS von 70,000 Mann, um die Rechte Ludwigs zu vertheibigen. Die bedrängte Königin war indessen aus ihrer freiwilligen Verbannung wieder in Böhmen angekommen, und mit lautem Jubel als die angebetete Fürstin empfangen worden. Ganz anders war aber die Bewillkommung deS Königs als er in Böhmen an- langte. Furcht und bange Ahnung schwebte auf allen Gesichtern, und das tobte Leben, welches in den erzwungenen Freudenbezeugungen herrschte, verzog die erkünstelten Geberden schnell in das bittere Lächeln deS GramS. Johann brauchte Geld, und kam also nicht um seine Unterthanen zu sehen, hatte auch nicht die Absicht lange in Böhmen zu bleiben, sondern verließ sobald er seinen Zweck erreicht hatte mit der grösten Eilfertigkeit die Hauptstadt, und kehrte in die Rheingegend zurück. Die Verwirrungen im deutschen Reiche nahmen indessen immer mehr überhand, und Ludwig sah sich endlich nach einem langen vergeblichen Widerstreben genörhigt, sein Privatinteresse der allgemeinen Wohlfahrt aufzuopfern, und den Herzog Friedrich von Oesterreich zum Mitregenten anzunehmen. Der Vertrag ward am 5. September 1325 geschlossen, zu Folge dessen Ludwig und Friedrich mit vollkommen gleichem Rechte herrschen, Beide den Titel eines römischen Königs führen, sich Brüder nennen, und in gemeinschaftlichen Urkunden mit der Voraussetzung des Namens von Tag zu Tag wechseln sollten. Auch verbanden sich Beide gegen alle und jede Feinde auf daS Genaueste unter einander. Ludwigs unversöhnlicher Gegner, der Papst strebte aber aus allen Kräften, die Vereinigung des österreichischen und bairischen Hauses zu verhindern, erregre selbst unter den Herzogen von Oesterreich Zwistigkeiten, suchte die Könige von Ungarn und Böhmen in seine Plane zu verflechten, reizte die Polen zu Einfallen in die Mark Brandenburg, und setzte Alles gegen den Kaiser in Bewegung. Diese Unruhen verbreiteten sich auch über Italien, wo man überall Empörungen und Fehden ausbrechen sah. Die Guelfen und Gibellinen bezeichnten ihre Heerzüge mit Blut, und mordeten und verheerten daS schöne Land. In Böhmen dauerten die harren Behandlungen deS Statthalters fort, und Recht und Menschlichkeit entfernten sich aus einem Lande, wo die Selbstsucht ihren Thron aufgeschlagen hatte. Die sanfte Elisabeth , die ibre Unterthanen mit mütterlicher Zärtlichkeit umfaßte, war nicht nur Augenzeuge von den Gräuelthaten, unter denen ihr geliebtes Erbreich schmachtetete, sondern war auch selbst durch die Kargheit und Härte deS Regenten auf die äußersten Lebensbedürfnisse eingeschränkt. Johann war eben im Begriffe eine Reise nach Paris zur Krönung der neuen Königin zu unternehmen. Bald darauf verlobte er auch seine Tochter Judith an den Grafen von Bar, und da er um sie königlich auszustatten abermals Geld brauchte, so wurden jetzt, bei dem ohnehin schon verminderten Münzfüße statt der silbernen, kupferne Münzen geschlagen. Inzwischen fand sich eine neue Gelegenheit für den König von Böhmen, die Grenzen seiner Besitzungen zu erweitern, nachdem ihm der Herzog Heinrich von Schlesien, der außer einem Bruder, den er haßte, keine männlichen Erben hatte, sein Herzogthum antrug, und deshalb auch mit ihm in Unterhandlungen trat. Zu Folge der gemachten Bedingung wurde dem Herzoge die Grafschaft Glatz auf Lebenszeit überlassen, von Breslau nahm aber der König die Huldigung an. Als dieses geschehen war, ging Johann an die Grenze Polens, dessen Herzog sich unabhängig von Böhmen erklärt und den Königstitel angenommen hatte, rückte in Polen ein, und erhielt von den meisten polnischen Großen unaufgefordert die Huldigung. Eben stand er schon im Begriffe nach Krakau aufzubrechen, worin ihn aber der König von Ungarn hinderte, und dahin bewog seine weitern Absichren auf Polen aufzugeben. Johann kehrte nun wieder nach Böhmen zurück, eilte aber auch bald wieder von da nach dem Rheine, wo er zu Luxemburg prächtige Turniere und Wettkämpfe hielt, und in solchen sich als Meister aller Art kriegerischer Uebung zeigte. Noch befand sich der König in Luxemburg, als ein neuer Krieg auSbrach, in welchen auch er, der keine Gelegenheit unbenutzt ließ, sich Lorbern und Länder zu erwerben, verflochten wurde. Es waren zwischen einigen österreichischen und mährischen Edlen Feindseligkeiten ausgebrochen, die aber durch den Beitritt mehrerer Großen immer furchtbarer wurden. Böhmen wandre sich auf die Seite des mährischen Adels, dagegen Friedrich von Oesterreich den seinigen unterstützte. Herzog Otto, ein Bruder Friedrichs benützte jetzt diese Gelegenheit, und machte, unterstützt von dem Könige von Ungarn Ansprüche auf die österreichischen Besitzungen geltend, wodurch nun der unglückliche F ri e d r ich, sich in einen doppelten Krieg verwickelt sah *). Johann fühlte sich durch den alten persönlichen Haß gegen Friedrich aufgefordert, das Unternehmen der Böhmen zu begünstigen, und sammelte eine Armee, mit welcher er in die Staaten deS Herzogs einfiel. DaS Glück begleitete seine Waffen, und Alles wich seiner erobernden Uebermacht. Friedrich machte Vorschläge zum Frieden, aber Johanns stolzes Herz verwarf jeden Antrag, bis endlich, durch die übrigen kriegführenden Mächte die Ruhe wieder hergestellt wurde. Johann hatte jetzt eine Armee, die einmal angeworben war, und die er nicht so leicht auseinander gehen lassen konnte, ohne etwas Bedeutendes damit unternommen zu haben. Er führte sie also nach Preußen, wo die heidnischen Lithauer die deutschen Ritter bekriegten, und trat seinen Marsch mitten im Winter, unter einer Menge von Schwierigkeiten an. Das Heer mußte durch Sümpfe und Waldungen wandern, und litt einen immerwährenden Mangel an den gewohnten Nahrungsmitteln. Zugleich war eS auch unaufhörlich im Kampfe mit den Einwohnern, welche mehr den wilden Thieren als Menschen ähnlich, haufenweise aus den Gebüschen hervor brachen, und die Angreifenden in immerwährende Gefahr setzten, ganz aufgerieben zu werden. Unermüdet suchte er aber dennoch jeden Schlupfwinkel der Einwohner auf, griff ihre Scharen muthig an, zerstreute sie, und machte mehrere Tausende zu Gefangenen, während er ihre Dörfer in Brand legte, und überall wo er hinkam, die schrecklichsten Spuren der Verheerung zurück ließ. Der Verlust eines Auges, den ihm die mephici- schen Ausdünstungen eines verpesteten Klimas zuzogen, reizte noch mehr seinen Zorn und vergrößerte auch die Verheerungen. Endlich, nachdem er den grösten Theil Lithauens verwüstet hatte, nahm er seinen Rückzug durch Preußen nach Böhmen, wo er sich aber nur kurze Zeit aufhielt, da er seinem Oheime das Erzstift Mainz erobern half, und auch eine Armee in Flandern hatte, welche dem Könige von Frankreich zum Beistände diente. Um diese Zeit (28. September 1330) vollendete auch die unglückliche Elisabeth die Laufbahn ihres leidenvollen LcbenS in ihrem 39. Jahre. Wie Johann die Nachricht von dem Tode seiner Gemalin erhielt, war er gerade nach Kärnthen abgereist um die Vermälung seines zweiten Sohnes mit der Tochter des Herzogs zu Stande zu bringen. Hier sah sich der König durch die glänzendsten Zeichen der Ehrerbietung gehuldigt, nachdem der italische Adel, durch seinen Ruf angelockt, haufenweise herbei eilte, um ihn nach Italien einzuladen. Mit großer Bereitwilligkeit versprach er jetzt den Bedrängten seinen mächtigen Beistand, und erhielt auch vom Kaiser die Würde eines ReichS- vcrwesers in Italien. Die Böhmen und Deutschen 'strömten zahlreich zu seinen Fahnen und im Kurzen ward er dadurch schon in den Stand gesetzt an der Spitze von 10,000 Mann nach Italien zu ziehen, wo sich ihm ein neuer Schauplatz eröffnete, um seinen Ruhm durch glänzende Thaten zu krönen. Italien war der grösten Verwirrung Preis gegeben, welche durch die Habsucht und den Stolz der Großen absichtlich unterhalten ward. Johann suchte nun nächst dem Interesse des Kaisers auch seine eigene Macht durch Eroberungen auszudehnen, wußte aber diese seine Absicht weislich geheim zu halten, nachdem er sich als Friedensstifter anbot, und dem gesegneten Lande die Ruhe wieder zu geben versprach. Durch dieses Benehmen gewann er die Herzen der meisten Italiener, und dieser erste Sieg erleichterte ihm nun die folgenden, durch welche er in kurzer Zeit die Hälfte von Italien sich unterworfen, und durch seinen Ruf von Tapferkeit und Gerechtigkeitsliebe die Zuneigung der Italiener erworben hatte. Johann erschien immer als der milde Friedensstifter, der die Gibellinen und Guelfen vereinigen wollte, und schmeichelte den Bischöfen wo sich eine Gelegenheit dazu fand. Indessen erregte aber das unerwartete Glück des Königs von Böhmen die Eifersucht des Kaisers, und dieser erklärte jetzt den König Johann für einen Feind des Reiches, und forderte zugleich die Fürsten Deutschlands gegen den gemeinsamen Feind auf, worauf die Herzoge von Oesterreich und Baiern, der Pfalzgraf von Sachsen, der Markgraf von Meißen, und der Kurfürst von Brandenburg sich zu einem Bündnisse vereinigten, welches für den König um so gefährlicher werden mußte, da die Verbündeten alle seine Nachbaren waren. *) Nach Leo v old s Tode übernahm Friedrich mit seinem Bruder Albrecht die Verwaltung ihrer bcson- dern Reichsprovinzen, als aber auch Heinrich gestorben war, erhob sich Otto der jüngste Bruder, und forderte mit Ungestüm einen gröstern Antheil an der Regierung, welche unbillige Forderung ihm aber seine Brüder verweigerten. 3. Johann, König von Böhmen. Vom Jahre 1330 bis 1346. -A-uf dem Reichstage zu Nürnberg wollte Ludwig gegen den König I oh an n die Achtserklärung aus- sprechen, aber die Klugheit des Kurfürsten von Trier rettete noch seinen abwesenden Vetter von diesem Beschlüße, und die Verurteilung wurde bis zu seiner Rückkehr aus Italien verschoben. Johann hatte kaum die Nachricht von dem Unwillen des Kaisers erhalten, als er sich sogleich nach Negensburg begab, und durch sein kluges Benehmen nicht nur allen Verdacht von sich entfernte, sondern auch Ludwigs vorige Freundschaft sich wieder erwarb. Er wußte alle seine Unternehmungen in ein so günstiges Licht zu setzen, daß eS schien, als wäre Alles zum Besten des Kaisers von ihm unternommen worden, und dieser ermangelte auch nicht, ihn sogar zum Reichsvikare von Italien zu erheben. Froh, dieser Verlegenheit so glücklich entgangen zu seyn, eilte jetzt Johann nach Böhmen, um neut Völker für den italischen Feldzug anzuwerben; blieb aber nicht lange daselbst, so nöthig auch seine Gegenwart gewesen wäre; denn ein mächtigeres Interesse zog ihn nach Italien, wo er bei seiner Rückkehr nach Deutschland seinen Sohn Karl*) zur Behauptung der gemachten Eroberungen zurück gelassen. Karl in einem Alter von 16 Jahren hatte seit 18 Monaten unter immer währenden Kämpfen sich gegen die vereinte Macht der Gibettinen und Guelfen behaupten müssen, nachdem Beide das Joch der böhmischen Herrschaft abzuschütteln strebten, und auch schon mehrere Städte mit den Waffen in der Hand weggenommen hatten/Karl kämpfte mit seinem kleinen Häuflein gegen diese Uebcrmacht mit einem Muthe, der weit über seine Jahre zu seyn schien, aber die Menge seiner Feinde wuchs mit jedem Tage, und machte schon den Muth seiner geschwächten Truppen sinken. Kaum hatte er die Nachricht von der Ankunft seines Vaters erhalten, als er ungesäumt nach der Lombardei aufbrach, um sich mit seinem Vater zu vereinigen, dessen erste Sorge nun auf den Entsatz von Pavla gerichtet war, das sich bereits an Visconti ergeben hatte. Karl war indessen, als sein Vater nach Mailand zog vor Bergamo gerückt, um es zu belagern, wurde aber durch den tapfern Widerstand der Besatzung genöthigt, die Belagerung aufzuhebcn, worauf erst sein Vater mit den Einwohnern von Bergamo einen Waffenstillstand schloß, und sich dann mit dem päpstlichen Legaten zu Bologna vereinigte, nachdem ihm dieser mit Geld und Truppen zu unterstützen versprach. Der Haß gegen die Böhmen stieg aber immer höher, da durch die vielen Aussagen und Kontributionen die Italiener genöthigt wurden, ihre Staats - Domainen zu verpfänden. Dazu kam auch ein unglückliches Gefecht bei Ferrara, welches die Lage für den König noch bedenklicher machte, und bald war außer Lucca fast kein einziger Ort mehr in Italien, auf dessen Treue Johann mit Sicherheit hätte rechnen können. Sein Heer war zu schwach, um gegen die Feinde zu kämpfen,, welche bereits Alles mit ihren Truppen überschwemmt hatten, und selbst die gröste Kühnheit würde hier vergeblich geblieben seyn. Ohne Hilfsvölker und entblößt von allen Mitteln den Krieg hier fortzusetzen sah sich nun der König genöthigt. das treulose Italien zu verlassen, und in Begleitung seines Sohnes nach Böhmen zurück zu kehren. Karl erstaunte jetzt über die Lage der Sachen in Böhmen, und auch die Böhmen erstaunten über den jungen Thronerben, der bereits zum Helden gereift war, ehe er die Jahre der Mannheit erreicht hatte. Karls Erstaunen war aber mit Unwillen gepaart, nachdem er Augenzeuge der vielseitig überhand genommenen Ungerechtigkeiten werden mußte. Alle Güter der Krone waren verpfändet oder verkauft, während die Bürger unter den empfindlichsten Drucke der Abgaben seufzten. Aller Frohsinn, aller Muth und alle Thätigkett waren verschwunden, und überall fand man die Spuren feindlicher Verheerung und gänzlicher Armuth. Selbst das Residenzschloß in Prag war zerstört, und Karl mußte sich, gleich dem Bürger, auf die äußersten Bedürfnisse einschränken. Sein Vater verweilte, wie gewöhnlich nicht lange in Prag, und übertrug jetzt vor seiner Abreise dem hoffnungsvollen Sohne die Regierung von Böhmen und die Statthalterschaft von Mahren. Unter dem milden Zepter dieses edlen Jünglings kehrte die Ruhe und der Segen in das *) Des Königs Johann ältester Sohn Wenzeslaus wurde am französischen Hofe erzogen, wo er fernen Namen in Karl verwandelte. Er heirathete die Tochter des Königs Philipp des VI., und seine Schwester ward mit dem französischen Thronerben Johann verbunden, König Johann selbst vcrheirathete sich zum zweiten Male mit einer französischen Fürstin, einer Tochter des Herzogs von Bourbon. ausgesogene Böhmen wieder zurück, und Jedermann huldigte dem jungen Helden, bis auf jene, welche der erwerbenden Klasse das Mark ausgesogen hatten, und nun auf Mittel dachten, wie sie den tadellosen Jüngling bei dem Vater verläumden könnten. König Johann achtete aber wenig auf die ihm gemachten Zuflüsterungen, denn Böhmen war ihm gleichgiltiger als jemals. Ein kurzer Aufenthalt in Luxemburg, eine Reise nach Paris, um einem Turniere oder andern Feierlichkeiten beizuwohnen, ein Kriegszug in's Ausland, das war der abermalige Wechsel, der ihn unaufhörlich umher trieb. König Philipp von Frankreich suchte ihn, so oft als möglich an seinen Hof zu locken, um ihn desto mehr an sein Interesse zu knüpfen. Man ging diesmal auf nichts Geringeres aus, als den Kaiser dahin zu bewegen, daß er freiwillig der Krone entsage, um sie dem Herzoge Heinrich von Baiern in die Hände zu spielen, und wirklich hatte auch Ludwig dazu eingewilligt, dagegen aber Deutschland und Italien sich mächtig erklärten. Man drang mit Heftigkeit in den Kaiser, die bereits ausgestellte Ver- zichtsleistung zu widerrufen, und Ludwig gab nach, und erklärte sein Versprechen für erschlichen, und die Könige von Frankreich und Böhmen für offenbare Feinde des Reiches. Als der Herzog Heinrich von Karnrhen — welcher seinem Schwiegersöhne Johann Heinrich von Mähren, dem Sohne des Königs von Böhmen und Gemale der Margaretha Maultasche, nach seinem Tode den Besitz von Karnthen und Tirol zugesichert hatte — gestorben war, belehnte Ludwig statt diesem die österreichischen Herzoge, die ihm ihre Hilfe gegen seine Feinde angeboren hatten, mit diesen Ländern, und erneuerte zugleich mit ihnen daS Bündniß gegen Johann und den Herzog Heinrich von Baiern. Der König von Böhmen war so eben in Paris und lag an den Wunden krank, die er im letzten Turniere erhalten hatte, als er diese Nachricht erhielt. Kaum wieder hergestellt eilte er sogleich nach Böh^ men, schwur seinen Feinden blutige Rache, und machte um seine Plane auszuführen damit den Anfang, daß er seinem Sohne Karl die Statthalterschaft über Böhknen nahm, und nur Klos den Titel eines Markgrafen von Mähren ließ. Johann suchte jetzt den König von Polen zu gewinnen, und trat mit ihm in Unterhandlungen, in welchen er allen Ansprüchen auf Polen entsagte, dagegen aber das Versprechen erhielt, daß Wladislaw ihm gegen feine Feinde Beistand leisten wolle. Der König von Ungarn und der Herzog von Baiern traten diesem Bunde bei, und man rüstete sich ohne Verzug zu einem Feldzuge gegen den Kaiser. Karl ging nach Tirol um Besitz von der Verlaffenschaft zu nehmen, und die Könige von Ungarn und Böhmen sielen in Oesterreich ein. Der Herzog Otto rückte ihnen zwar mit einem Heere entgegen, zog sich aber bald wieder zurück, und Johann drang nun mit raschen Schritten vorwärts, und unterwarf sich ganz Oesterreich bis an die Donau. Als er schon im Begriffe war, sich in Verbindung mit dem Herzoge von Baiern einen Weg nach Tirol zu bahnen, fiel auf einmal der Kaiser mit einer furchtbaren Macht in Niederbaiern ein, worauf die ungarischen Völker sich bei seiner Annäherung aus den österreichischen Landen zurück zogen. Der Markgraf von Brandenburg rückte gleichzeitig in's Tirolische, und ein ReichskorpS nahm die luxemburgischen Besitzungen im Elsaß weg. Der König von Böhmen sah sich jetzt von allen Seiten bedrängt, und ein furchtbarer Krieg stand ihm bevor. Die österreichischen Heere vereinigten sich mit dem kaiserlichen, und Ludwig war entschlossen, ein entscheidendes Treffen zu liefern. Aber Johann, der sonst nicht leicht eine Aufforderung dieser Art unbenützt an sich ergehen ließ, trug jetzt Bedenken, es mit der sichtbaren Ueber- macht seiner Feinde aufzunehmen, und verschanzte sich in seinem Lager, so gut es ihm möglich war. Die Feinde deS Königs von Böhmen frohlockten, über die bevor stehende Demülhigung dieses hochmn- thigen Geistes, aber anders wollte es das Schicksal, welches ihn immer noch mir Glück begünstigte. Es entstand nämlich ein Zwiespalt unter den verbündeten Fürsten, der so heftig wurde,.daß die österreichischen Herzoge sich von dem kaiserlichen Heere trennten. Johann benützte jetzt diesen günstigen Augenblick, und schloß mir Oesterreich einen Frieden, welcher sogar ein Bündniß gegen den Kaiser zur Folge hatte, dem auch der König von Ungarn beitrat. Ludwig verlor auf diese Art nicht nur seinen mächtigsten Beistand, sondern machte sich auch neue Feinde, die ihm alle Hoffnung benahmen den Krieg mit Vortheil zu beendigen. Er sah sich also genörhigt, die Feindseligkeiten einzustellen, und sich zurück zu ziehen, was nicht ohne die ängstigende Besorgniß geschah, daß der König von Böhmen die gemachten Drohungen durch eine empfindliche Rache in Erfüllung zu bringen suchen werde. Indessen schien eS aber, alS ob er sein Unternehmen gegen den Kaiser für jetzt noch aufschieben wollte, und machte abermals einen Feldzug nach Lichauen, um den deutschen Orden zu unterstützen; allein der Erfolg entsprach seiner Erwartung nicht, und so nahm er nun seinen Weg über Schlesien, versicherte sich der Treue seiner dortigen Vasallen, und nachdem er in Breslau die Huldigung angenommen hatte, ging er von da über Prag, wo er sich aber wie gewöhnlich nur kurze Zeit aufhielt, nach Luxemburg. Ludwig hatte indessen einen Reichstag in Frankfurt angesetzt, auf welchem er den König von Böhmen von der Verbindung mit Frankreich abzuziehen, und die so oft vorgeschlagene, immer aber rückgängig gewordene Aussöhnung mit dem Papste zu bewirken hoffte; aber Keines von beiden gelang, und der Kalser ^sah sich nun auf's Neue genöthigt den Bann gegen den König von Böhmen auszusprechen, und in Verbindung mit dem Könige von England zu treten, der eben mir Frankreich Krieg führte. Der Kaiser war aber zu saumselig, diese begueme Gelegenheit sich an Philipp zu rachen ganz zu seinem Vorteile zu benützen; dagegen der König Johann von Böhmen mit Kraft zu handeln suchte, und in Person sich bei dem französischen Heere einfand, wo er den König von England zum Rückzüge m sem Reich nötigte. Der Kaiser verlor unter diesen Umstanden jetzt immer mehr sein Ansehen, und auch die Stände fingen an ihren Unwillen zu äußern, vorzüglich bei der Gelegenheit, als Margaretha Maultasche, die Erbin von Kärnthen und Tirol sich von ihrem Gemale, dem zweiten Sohne deS Königs von Böhmen trennte, und aus Anrathen Ludwigs mit seinem Sohne dem Kurfürsten von Brandenburg vermalte. Der König Johann, so wie die Fürsten dev Reiches, als auch der Kurfürst von Trier äußerten laut ihre Unzufriedenheit mit diesem Verfahren, und selbst der Papst sing nun an, in seiner Neigung gegen den Kaiser zu wanken. Der unglückliche dAonarch verlor also jetzt sreüich durch eigene Schuld — alle seine Freunde, und sah sich den empfindlichsten Kränkungen blos gestellt, während der König von Böhmen immer neue Verbindungen anknüpste, und dadurch sein Ansehen begründete. Die mächtigsten Fürsten standen bereits im Begriffe den Kaiser anzugreifen, und den Sohn des Königs von Böhmen den Markgrafen von Mahren auf den deutschen Thron zu setzen. Ludwig sah sich jetzt in der grösten Verlegenheit, und nahm in Furcht und Angst seine Zuflucht zu dem Könige von Frankreich; aber wahrend man den Schein annahm, der Aussöhnung die Hand zu bieten, arbeitete man ihr vielmehr aus allen Kräften entgegen. Alles zielte jetzt auf Ludwigs Absetzung und die Erhebung Karls von Mähren, und schon fanden sich auch mehrere Fürsten Deutschlands geneigt, den vielseitigen Anregungen nachzugeben, und eine neue Kaiserwahl vorzunehmen. Ludwig schrieb einen Reichstag aus um die Stände von einem voreiligen Schritte abzumahnen; aber gerade dieser Reichstag diente dazu, dem unglücklichen Kaiser die Gefahr und die Hilflosigkeit seiner Lage noch anschaulicher zu machen. Die Klagen des böhmischen Königs über die widerrechtliche Anmaßung der Grafschaft Tirol fanden bei allen Anwesenden ein geneigtes Ohr, und die Erbitterung gegen den bedrängten Ludwig stieg dadurch auf's Höchste. Man machte ihm mehrere Vorwürfe über seine eigenmächtigen Eingriffe, und erklärte laut, eine neue Kaiserwahl vorzunehmen, bei welcher Gelegenheit der Name des Markgrafen von Mähren, dessen persönliche Eigenschaften schon langst allgemeine Bewunderung erregt hatten, mehrmalen genannt wurde. Ludwig schien jetzt ohne Rettung verloren, da auch der König von Böhmen und der Markgraf von Mähren sich öffentlich für Feinde des Kaisers erklärten; aber der König von England, Ludwigs ehemaliger Bundesgenosse trat jetzt dem reissenden Strome entgegen, und bot dem unglücklichen Kaiser seine kräftige Unterstützung an. Das Bestreben des Königs von Böhmen, der auf dem letzten Reichstage nur zu sichtbar gezeigt hatte, die Kaiserkrone an sein Haus bringen zu wollen, erregte die Eifersucht einiger mächtigen Fürsten, welche den blühenden Zustand des böhmischen Hauses mit neidischen Augen betrachteten, und dieses, so wie die Einfälle des Markgrafen von Mähren in die brandenbur- gischen Staaten machte, auch den Eifer, den man bisher gegen den bedrängten Ludwig bewiesen hatte, wirklich gleichgiltiger. Besonders äußerte der König von Polen seinen Unwillen über den Verlust von Schlesien, welches er wieder zu erobern suchte, und trat deshalb mit den Kaiser in Unterhandlungen, worauf ein förmliches Bündniß zwischen den beiden Monarchen erfolgte, dem kurz darauf der König von Ungarn, die österreichischen Herzoge und der Markgraf von Meißen beitraten. Diese Verbündeten erklärten jetzt dem Könige von Böhmen den Krieg, und fingen auch die Feindseligkeiten an, wodurch Johann in Verlegenheit gerieth, daß er um Waffenstillstand bitten mußte. Seine Meinung war indessen, während der Unterhandlungen und Vorschläge Zeit zu gewinnen, um sich zum kräftigen Widerstande zu rüsten, und diese Absicht wurde auch durch die Unthätigkeit des Kaisers bewirkt, der seine Völker nur zum Plündern und Verheeren geworben zu haben schien. Johanns eigener unternehmender Geist, so wie sein schneller Blick, mit dem er das Ganze umfaßte, und seine Beharrlichkeit im Verfolgen seiner Siege bahnten ibm bald einen Weg durch Polen bis an die Thore von Krakau, wo er den König in seiner Residenz belagerte. Das seltene Glück, welches den Gang seiner Waffen begleitete, so wie die Eilfertigkeit, mit der er seinen Weg verfolgte, überraschte den König von Pcftn, und die Gefahr, in welcher er und sein Reich standen, nöthigte ihn mit Johann einen Frieden zu schließen. Dieser unerwartete Schlag schreckte auch die übrigen Fürsten, welche nun gleichfalls ohne Vorwissen deS Kaisers mir Johann in Unterhandlungen traten, welche einen allgemeinen Frieden zur Folge hatten. Ludwig, der jetzt von allen Seiten abermals verlassen, außer Stande war, seinem Feinde allein die Spitze zu bieten, schickte eine Gesandtschaft mit ähnlichen Aufträgen an den König von Böhmen, worauf der Kurfürst von Trier einen Vergleich zwischen beiden kriegführenden Fürsten zu Stande brachte. Böhmen erhielt zum Ersätze für Tirol die Markgrafschaften Görlitz und Bauzen, und Johann schien durch diese Übereinkunft auch befriedigt. Nicht so aber seine Söhne, wovon der eine den Verlust von Tirol nicht so leicht verschmerzte, und der andere seine Hoffnung, den Thron von Deutschland zu besteigen, nicht ohne Verdruß vereitelt sah. Keinem war aber diese friedliche Ausgleichung der Sache unwillkommener als dem Papste, der die Entthronung Ludwigs schon für vollkommen erreicht hielt. Mächtige Könige und angesehene Fürsten Deutschlands standen jetzt mit dem Kaiser im Bunde, welchem der Papst mit feiner Macht nicht gewachsen war. Nur der Markgraf von Mähren blieb übrig, ein Mann voll Muth und Ehrgeiz, den die Aussicht auf die erste der Kronen zu Allem vermochte. Der Papst suchte also, bei der beharrlichen Standhaftigkeit dieses jungen Helden, auch seinen Vater, den König von Böhmen in sein Interesse zu ziehen, und Beide reisten nun nach Avignon, um die Plane für die neue Operation auszuarbeiten. Der Papst sendete jetzt an alle Fürsten des Reiches Briefe, und malte ihnen mit schrecklichen Farben die Gefahr, in welcher das Reich unter dem Kaiser Ludwig schwebe. Er erließ dabei noch besondere Handbriefe an mehrere mächtige Reichsstände, und empfahl in diesen den Markgrafen Karl mit allem Nachdrucke zum Kaiser. Diese Schilderungen und Vorbereitungen verfehlten nicht ihren Zweck, und bald folgte diesen auch eine päpstliche Bulle, wie sie noch nicht gegen Ludwig erschienen war. Indessen wurde zu Rhense ein Wahltag ausgeschrieb-rn, auf welchem Ludwig seiner Würde entsetzt und Karl von Luxemburg zum Kaiser erwählt ward. Ludwig war eben mir dem Plane eines Feldzugs nach Italien beschäftigt, als ihn diese Nachricht'überraschte; aber gerade dieser Schlag machte auf ihn einen Eindruck, den man nicht erwartet hätte. Statt allen Muth zu verlieren, und sich verzweiflungsvollen Klagen zu überlassen, raffte er sich zusammen, und man sah ihn von einem Feuer belebt, das mit seiner sonstigen Saumseligkeit auffallend kontrastirte. Er sammelte seine Truppen, und stellte sich mit Kühnheit an ihre Spitze. Kaum sah Deutschland seinen Kaiser das Aeußerste wagen, und durch beldenmüthige Entschlossenheit seine erhabene Würde behaupten, als eine Menge Fürsten sich wieder für ihn erklärten. Seine Partei wuchs mit jedem Tage, und Karl wurde immer mehr verlassen, ja selbst in Aachen, wo er zur Krönung einziehen wollte, verschloß man ihm die Thore. Der neue Kaiser, dessen Heer mit jedem Tage schwächer wurde, sah sich nun genöthigt mit seinem Vater nach Frankreich zu eilen, wohin sie Philipp eingeladen, da er ihre Hilfe gegen England nöthig hatte. Der Feldzug gegen Eduard von England ward eröffnet, und keine Macht der Ueberredung konnte den König Johann, der bereits auf beiden Augen erblindet war, bewegen, sich nicht in die Schlacht zu wagen. Philipps Heer war dem englischen an Anzahl dreimal überlegen, aber was Eduards Heere an der Zahl der Köpfe abging, das ersetzte ein trefflicher Feldherr. Bei Cressy in der Piccardie kam es zu einer Hauptschlacht, wo Philipp selbst im Treffen zugegen war, an dessen Seite auch der Markgraf von Mahren mit Heldenmuth focht; aber dennoch wandte sich der Sieg auf die Seite der Engländer. Endlich erwachte in dem alten blinden Johann'*) der heftigste Unwille, als mitten im Getümmel der Schlacht die französischen Truppen zu weichen anfingen. Er rief jetzt mit Heller Stimme: »Wie? der König von Böhmen sollte heute zum ersten Male seinem Feinde den Rücken kehren? Ich will heute meinen Freund Philipp retten oder einen königlichen, glorreichen Tod finden,und sogleich wandte er sich an seine beiden Führer Heinrich, einen Mönch von Basel, und Heinrich von Kling en b erg, die ihre Pferde an das Seinige gezäumt hatten, und befahl ihnen, ihn in das dickste Gedränge hinein zu führen, wo er aber, unter den Tausenden, die um und neben ihm fielen, seinen Tod fand (27. August 1346). Karl verwundet, und nur mit Mühe gerettet, bat jetzt den siegenden König Eduard von England um seines Vaters Leiche zur Beerdigung, Eduard aber entgegnete, er wolle diese Pflicht selbst erfüllen, und ließ den erschlagenen König zu Luxemburg mit vielem Glanze bestatten. (Schluß.) *) Ein Auge hatte Zo Hann schon im Jahre 1328 im Kriege gegen die Lithauer verloren, das zweite nahm chm eine Krankheit, und die Ungeschicklichkeit der Aerzte. Wenzel des iv., Königs von Böhmen, Gefangenschaft zu Wien. Jahr 1402.' L/^ach dem Hinscheiden deS deutschen Kaiser- Karl de- IV. au- dem Hause Luxemburg im Jahre 1378, welchen die dankbaren Böhmen für die vielseitig ihnen erwiesenen Wohlthaten ihren Vater nannten, theilten seine Erben, drei Söhne und drei Enkel seine Lande. Wenzel erhielt Böhmen und Schlesien, Sigmund die Mark Brandenburg, der jüngste, Johann, die ganze Lausitz; die beiden Enkel Jodok und Prokop bekamen das Markgrafthum Mähren, der dritte Enkel Johann Sobieslaw war ein Geistlicher, und erlangte später das Patriarchat von Aguileja. Wenzel war schon im zweiten Jahre seines Alters zum Nachfolger in Böhmen, und noch bei Lebzeiten seines Vaters zum römischen Kaiser gekrönt worden. Er bestieg jetzt beide Throne in seinem achtzehnten Jahre, aber zu einer Zeit, wo besonders der in Deutschland herrschende Zustand der Gesetzlosigkeit einen kräftigen Fürsten nothwendig machte. Die Erziehung dieses jungen Regenten war nicht von der Art, daß er dieser dringenden Anforderung hätte entsprechen können; denn Stolz und Grausamkeit bildeten die Hauptzüge seines Karakters, wozu sich noch eine niedrige Schwelgerei gesellte. In der ersten Zeit seiner Negierung hatte besonders die Kirchenspaltung durch zweispaltige Papstwahlen auf das europäische Staatsverhältniß die verderblichste Rückwirkung, und in Deutschland nahm daher bei dem Mangel einer festen Reichsordnung und einer kräftigen Verwaltung daS Faustrecht furchtbar überhand. Jede Partei suchte sich durch Bündnisse zu stärken, um sich durch eigene Kraft Schutz gegen Gewalt und Unrecht zu verschaffen, den die Gesetze nicht mehr verleihen konnten, und so entstand ein Städtebund wider die Reichsfürsten, die sich beständig gegenseitig durch Streifereien beunruhigten. Aehnliche Verbindungen wurden auch in mehreren anderen Gegenden Deutschlands geschlossen, und das Recht auf eigene Faust gehandhabt. Wenzel sah diesen Parteiungen unthätig zu, bis er endlich gezwungen wurde —- da diese Verbindungen dem königlichen Ansehen selbst schon Gefahr drohten — durch einen allgemeinen Landfrieden denselben entgegen zu wirken. Die Städte traten diesem mehrseitigen Wunsche bei, und schlossen mit den Fürsten und Adeligen einen Frieden auf einige Jahre, welchen sie aber noch vor Ablauf der festgesetzten Zeit durch Gewaltthätigkeiren wieder verletzten. Wenzel that hiebei abermals nichts, und sah ganz ruhig zu, wie sich Bürger und Adelige rauften, einander plünderten, die Besitzungen gegenseitig verheerten, und sich mordeten, und schritt erst, als ihn schon die Umstände hiezu nöthig- ten, zu seinem gewöhnlichen Mittel, nämlich zur Anordnung eines Reichstages, den er diesmal nach Eger ausschrieb, wo ein neuer Landfrieden von den beiden Gegenparteien, nämlich den Fürsten und Städten unterzeichnet wurde. Aber bei Wenzels Sorglosigkeit in allen dem was die Handhabung der Gesetze betrifft, war es kein Wunder, daß ungeachtet dieses Landfriedens dennoch die Unruhen in Deutschland immer fortdauerten, weshalb ihm auch die Deutschen den Namen des Trägen oder Faulen beilegten. Wie in Deutschland nachläßig, so bekümmerte er sich auch wenig um sein Vaterland, und verwendete seine gröste Sorgfalt bloS auf üppige Gastereien und abwechselnde Belustigungen. Durch diese Lebensweise mußte er nun ganz natürlich auch den Böhmen immer gleichgiltiger und verhaßter werden, wozu noch kam,-daß er ihnen zum Trotze mehrere Deutsche an seinen Hof zog, und diesen die vornehmsten und einträglichsten Aemter anvertraute. Als Folge davon entstand jetzt unter einigen böhmischen Großen ein Bündniß wider ihn, von welchem aber Wenzel durch seine getreuen Anhänger Kunde erhielt. Ohne zu zögern ließ er sogleich die Verschworenen verhaften, und schon am zweiten Tage darauf öffent- licö enthaupten Als dies geschehen war, berief er sämmtliche Rathsherren der Alt - und Neustadt zu sich, und befahl ihnen an seiner Tafel Platz zu nehmen. Während des festlichen Gaftmales trat aber der Scharfrichter in den Saal, und fragte den König um die Ursache seiner Vorforverung, worauf ihm dieser bedeutete, nach aufgehobener Malzeit werde er ihm ein wichtiges Geschäft übertragen, er möge daher seines Auftrages wegen in Bereitschaft harren. Die versammelten Gaste waren über dieses sonderbare Erscheinen nicht wenig bestürzt, und ließen ihre Angst und Verlegenheit auch nicht ganz unbemerkt, welche Stimmung Wenzel nun in diesem günstigen Augenblicke nicht unbenützt lassen wollte. Er machte jetzt die härtesten Bedingungen, gab ihnen strenge Befehle, und entließ sie erst dann, als sie ihm in allen seinen Forderungen willigen und unbedingten Gehorsam versprochen hatten. Wenzel war bereits mit Johanna, einer Tochter deS Herzogs Albrecht von Baiern und Holland, einer in jeder Beziehung liebenswürdigen Fürstin vermalt, welche ihn oft mit Thranen von seinen unrühmlichen Lebenswandel abzuhalten suchte; - aber ihre Tugend und Ermahnungen machten keinen Eindruck auf sein leichtsinniges und entartetes Herz, sondern fachte vielmehr seinen Argwohn an, nachdem er sie im heimlichen Einverständnisse mit seinen Gegnern glaubte. ES ist bekannt, daß er ihren frommen Beichtvater, den heiligen Johann von Nepomuck in die Moldau stürzen ließ, weil er chm die Beichtgeheimnisse seiner Gemalin nicht entdeckte , worüber sich die Königin so sehr betrübte-, daß sie bald darauf aus Gram ihr frommes und ftittwirkendeS Leben beschloß. Die Böhmen wurden indessen immer mit größeren Abgaben belegt, und von den Deutschen, mit welchen fast durchgehendS die königlichen Aemter und Rathsstellen besetzt waren, hart gedrückt. Sie mögen sich jetzt wahrscheinlich in dieser Noch an Sigmund, einen Bruder Wenzels, der damals schon König rn Ungarn war, gewendet, und ihm zugleich den böhmischen Thron angetragen haben; worauf ihn«, der Rath solle ertheilt worden seyn, sich ehevor der Person des Königs Wenzel zu bemächtigen. Durch diesen Wink muthig gemacht, ließen sie ihn nun von einigen vermummten Männern gefangen nehmen, und führten ihn auf das Altstädter-Rachhaus, wo er einige Monate e-ngekerkert blieb, bis er endlich durch vieles Bitten die Erlaubniß erhielt in einem an der Moldau gelegenen Badhause das Bad gebrauchen zu dürferr. Aus diesem entkam er aber durch die Hilfe einer Bademagd, welche chm m einem Kahne an das andere Ufer der Moldau führte, und von wo er dann auf ein ihm gehöriges , einige Stunden von Prag entferntes Schloß sich begab. Diese seine Retterm behielt Wenzel bei sich, beschenkte sie reichlich, und behandelte sie wie eine Gemalin. Von hier aus ging er nach dem festen Schlosse Zebrak, und gelangte mit Hilfe einiger ihm zugethanen Großen wieder auf den Thron. Aber Nicht lange hatte Wenzel das Glück diese Freiheit zu genießen. Die immer mehr steigende helllose Unordnung veran- laßte einige Große den einmal schon gewagten Schritt gegen ihren Landesfürsten zu wiederholen, und diese verbanden sich nun in dieser Absicht mit Sigmund, König von Ungarn, und dem Markgrafen Jodok von Mähren. Diese Verschwörung nahte auch bald der Reife, nachdem schon am 8. Mai der Markgraf mit einigen Großen des Reiches, den von seinem Lieblingsschlosse Bettlern nach Prag zurück kehrenden König Wenzel überfielen, und ihn als Gefangenen in seinem eigenen Schlosse zu Prag dem Oberstburggrafen Heinrich von Rosenberg zur Aufsicht übergaben. Wenzels jüngster Bruder Johann von Brandenburg trauete aber weder seinem Bruder Sigmund, König von Ungarn, noch seinem Vetter von Mähren, und eilte zur Befreiung Wenzels mit einem Heere herbei, wozu ihn eigentlich folgende Ursache bewog: Vermöge eines HausvertrageS konnte Wenzel, da er kinderlos war, entweder seinen Bruder Johann, oder einen seiner beiden Neffen zum Nachfolger ernennen ; - behalt nun der Markgraf von Mähren den König gefangen, so konnte er sich auch leicht die Zusicherung der Nachfolge im Königreiche erzwingen. Als Rosenberg von dem Unternehmen des lungern Bruders Johann Nachricht erhielt, führte er seinen Gefangenen nach Przibiemitz, dann nach Krumau, und endlich gar zu seinen Freunden Kaspar und Gundacker von Starhemberg auf ihr an der Straße von Linz nach Böhmen im Haselgraben gelegenes Schloß Wildberg, unter dessen finsteren Gemächern die Stube, worin W e n z el gesessen, noch heute das »Königszimmer-- heißt. Es ist nicht zu bezweifeln, daß Herzog Albrecht von Oesterreich über h'e unmenschlichen-ichaten Wenzels sehr ungehalten war; als er aber erfuhr, daß die Starhemberge ihren Gefangene ohne sem Wissen und seinen Willen auf ihrer Burg in enger Hast verborgen halten, so zeigte er sich über diese Verwegenen höchst aufgebracht, und beschloß ihre Güter einzuziehen, und sie aus Oesterreich zu verbannen. Diese drohende Gefahr war nun die Veranlassung, daß der gefangene König W en zel sogleich entlassen, und seinem Bruder Johann von Brandenburg übergeben wurde, worauf auch Wenzel dre bisherigen Beschwerden abzustellen versprach. Bald darauf vermalte er sich zum zweiten Male mit Sophie, einer Tochter deS Herzogs Johann von Baiern, seiner ersten Gemalin Vaters BruderS Tochter. Diese war eine eben so schöne als weise Fürstin, konnte aber ihren Gemal nicht dazu bewegen, durch seine bereits ausgestandenen Drangsale sich zu bessern, und von seiner gewöhnlichen Untätigkeit und schwelgerischen Lebensweise abzulassen. Um die noch immer fortdauernden Unruhen, welche die Kirchenspaltung hervor brachte, zu beseitigen, vereinigte sich jetzt Wenzel mit Frankreich dahin, die beiden Papste, welche von den Kardinälen zu Avignon und ihren Gegnern zu Rom gewählt worden waren, zur Abdankung zu bewegen, damit dann durch die einstimmige Wahl eines neuen Papstes der Kirchenfriede bewirkt werden könnte, und übernahm es insbesondere den Gegenpapst Bonifaz den VII. zur Niederlegung der päpstlichen Würde zu vermögen. Die Kurfürsten aber, von denen die meisten jenen Papst anerkannt hatten, waren mit seinen Absichten nicht zufrieden, und dieser Umstand, verbunden mit der nicht zu entschuldigenden Nachläßigkeit in den Reichsangelegenheiten brachte endlich diese zu dem Entschlüße, Wenzel förmlich abzusetzen. Um aber dieses Vorhaben desto sicherer auszuführen, wandte man sich sogleich an den Pfalzgrafen Ruprecht am Rhein, welcher gleichfalls ein Feind des Hauses Luxemburg war, und einige Kurfürsten wählten nun diesen zum römischen Könige. Ruprecht trat jetzt als Gegenkönig um seine Macht zu stärken mit allen Mächten in Unterhandlungen, wobei ihm aber vorzüglich an der Freundschaft des Herzogs Leopold des IV., der damals in Tirol regierte, bei seinem vorhabenden Römerzuge viel gelegen war. Dieser Antrag kam auch dem Herzoge sehr gelegen, weil er wegen seiner Mutter Viridis, der Tochter des durch Johann Galeazzo ermordeten Barnabas Visconti, Ansprüche auf Mailand hatte- Er gestattete daher Ruprecht en nicht nur den Durchzug durch Tirol, sondern versprach auch, ihn persönlich mit tausend Lanzen nach Italien zu begleiten. Dieser Nömerzug fiel aber unglücklich aus; denn die Deutschen wurden von der Armee Galeazzo S geschlagen, und der in dem Treffen gefangene Herzog Leopold kehrte nach seiner auf Bedingungen gestützte Freilassung mit dem Reste seiner Truppen mißvergnügt nach Deutschland zurück. Nach diesem so unrühmlich ausgefallenen Römerzuge 'traten jetzt die lange entzweieten Brüder Wenzel und Sigmund zusammen, und ersterer beschloß eine Röm'erfthrt, während er Sigmund zu seinem Generalvikar in Deutschland und in Böhmen ernannte. Dem Könige Sigmund kam ein solcher Antrag erwünscht, da er seinen Bruder Wenzel mit dem Schimmer der Kaiserkrone abzufertigen, und mir Ungarn, welches Königreich er durch Heirath und Wahl bereits errungen, die Krone von Böhmen und Brandenburg zu verbinden gedachte. Schon war wegen des Ausmarsches der Truppen mit den Herzogen Albrecht und Wilhelm von Oesterreich die Unterhandlung gepflogen, als sich plötzlich die beiden Brüder wieder entzweieten, und worauf dann Sigmund seinen Bruder W e nzel gefangen nehmen ließ. Anfangs verschloß man ihn in einem Thurme zu Prag, dann gedachte man ihn mit Hilfe des Grafen von Cilly nach Italien zu bringen; aber Ruprechts Partei war sorgsam auf der Huth, weshalb dieser Plan auch nicht ausführbar war. S i.g m u n d vertraute nun fernen gefangenen Bruder den österreichischen Herzogen an, und brachte ihn zur Verwahrung nach Wien. Die Herzoge behielten ihn anfangs beinahe durch ein halbes Jahr in ihrer Burg, und ließen ihn öfters, jedoch unter sicherer Begleitung in- und außerhalb der Stadt herum reiten. Bei dieser schonenden Behandlung befürchtete aber Sigmund, Wenzel möchte seinen Vortheil ersehen und entwischen, und bat deshalb die Herzoge diesen seinen Bruder in engere Haft zu ziehen. Wenzel wurde jetzt in aller Stille in ein den Herzogen angehörigeS mit Thürmen wohl verwahrtes Haus am Kien- markte, aus dem man gerade an die Stadtmauern und in den Stadtgraben hinunter gelangen konnte, in sichere Verwahrung gebracht *). Hier war er nun im Ganzen neunzehn Monate in Gefangen- *) Daß dieses Haus wie einige der Meinung sind, nachher aus der Ursache, 'weil der König Wenzel von Prag in diesem gefangen gesessen, das P rag Haus genannt worden, läßtJlch durch keine Ui kunee o>.ei gleich- zeitigen Schriftsteller Nachweisen. In den Steuerauichlagsbüchern der Stadt Wien wird diegev Haus in jener Zeit das Stoß'sche Haus — von seinem Besitzer — und ipäter darauf dav herzogliche, vormalv St o ß'sche Haus, dann aber erst im Jahre 1t3l das P ragh a u s genannt. Dieser letztere Käme Uwint sa- her entweder von dem aus Böhmen eingewandertcn, nachmals auch in Karnthen stark begüterten Geichlechte der Herren von Prag, Freiherren zu Windhag-Sachseneck und Weitra herzustammen, oder weil in ele>cm Hause eine kurze Zeit die Münze geprägt wurde, daher vielleicht früher das P rag h au s genannt. schaft, hatte aber außer des Verlustes seiner Freiheit, sich über nichts zu beklagen, nachdem die Herzoge ihren königlichen Gefangenen noch fortwährend standesmäßig behandelten. Indessen wurde aber die Sehnsucht nach Befreiung in dem Herzen deS Königs immer lebhafter, und er dachte deshalb Tag und Nacht auf Mittel seiner Haft zu entkommen, waS ihm auch endlich auf folgende Art gelang: Wenzel bemerkte oft einen Fischer, NamenS Hanns Grundel, welcher in einer Vorstadt Wiens wohnte, und als ein frommer Mann die Gewohnheit hatte, zu gewissen Tagen abgesottene kleine Fische den Gefangenen auSzutheilen. Sein Weg führte ihn immer durch den Thurm, wo Wenzel gefangen saß, und hatte auch schon einige Mal die Gelegenheit gehabt, mit ihm zu sprechen. Nachdem nun Wenzel bemerkte, daß dieser Mann so mitleidig und barmherzig gegen die Armen sich bezeuge, so faßte er den Muth, sich ihm bei einer schicklichen Gelegenheit zu entdecken, wobei er aber seinen wahren Stand noch sorgfältig verschwieg, und sich blos für einen böhmischen Herrn ausgab, welcher ungerechter Weise in Gefangenschaft gerathen sey. Er versprach ihm zugleich, wenn er ihn aus seinem Gefängnisse befreien wolle, so werde er ihn und seine Familie reichlich beschenken. Der Fischer zeigte sich dem Wunsche des Königs geneigt und ergeben, äußerte aber, daß eS ihm als einem Manne ohne Vermögen schwerlich gelingen werde ihn zu retten, obwohl er überzeugt sey, daß die Wache, welche ihn gut kennt, und auch lieb hat, keinen Anstand nehmen werde, ihn öfters besuchen zu dürfen. Wenzel gab ihm jetzt den Rath, er solle auS starker Seide eine Strickleiter verfertigen, und dieselbe um seinen bloßen Leib wickeln, damit man diese bei seinem Eintritte in daS Gefängniß nicht so leicht bemerke. Der Fischer that, wie ihm Wenzel geheissen, und kam auf diese Weise ohne den geringsten Verdacht zu ihm in's Gefängniß, wo er ihm nun ganz unbemerkt die mitgebrachte Strickleiter übergeben konnte. Nun befahl Wenzel er solle um Mitternacht vor diesem Thurme erscheinen, vorher aber ein Schifflein deren halten, damit er ihn über die Donau führe. Der ganze Anschlag gelang glücklich, nachdem sich Wenzel in der Nacht von seinem Gemache über die hohe Mauer ganz unbemerkt herab gelassen, und gleich darauf von dem nahe am Gestade der Donau harrenden Fischer, wohlbehalten an's jenseitige Ufer nach Stadelau gebracht wurde. Hier angekommen, erwarteten ihn schon —wahrscheinlich nach einem früher verabredeten heimlichen Einverständnisse — H a n n s von L i e ch te n stein mit50 Schützen, welche ihn wohlbehalten auf daS Schloß Nikolsburg und von da nach Prag begleiteten *). Hierauf half ihm Herzog Albrecht wieder zur Besitznahme von Böhmen, und erhielt dafür die Bestätigung der künftigen gegenseitigen Erbfolge. Eben so suchte auch der Herzog eine Aussöhnung Wenzels mit seinem Gegenkönige Ruprecht zu vermitteln, allein Wenzel konnte sich nicht entschließen, seinen Gegner als rechtmäßig deutschen König anzuerkennen, obgleich er nicht im Stande war, und auch die Macht nicht hatte ihn zu bezwingen. Unter ihm begannen nach Hußens, eineS Professors in Prag, schmählichen Hinrichtung zu Kostnitz die hussitischen Unruhen, worin der fürchterliche Zijka eine so große Trauerrolle spielte, und wodurch dieses Königreich der Schauplatz der wüthendsten durch Fanatismus erzeugten Verheerungen wurde. Wenzel sah wie gewöhnlich ruhig dem Untergange seines Königreiches zu, und endete sein Leben, als ihm die Schreckensnachricht von dem Aufstande der Hussiten in Prag, welche dabei mehrere Nathsherren über die Fenster des Nathhauses herunter warfen, gebracht wurde. Er saß so eben bei der Tafel, und erzürnte sich so heftig, daß ihn plötzlich der Schlag rührte, in Folge dessen er in seinem 58. Jahre (1419) starb, nachdem er 41 Jahre regiert hatte. Wenzel starb kinderlos, und hinterließ seine Gemalin in einem von den hussitischen Unruhen zerfleischten Lande. Sie wurde bald nach seinem Tode von Zizka in dem Wisserhad belagert, und übergab durch Kapitulation dieses Schloß an den Unüberwindlichen. *) Einige Schriftsteller geben an, daß Wenzel durch den Boden brach, von da in einen Stall kam, und dann aus diesem an die Donau flüchtete, wo ihm ein Fischer überführte. Gewisser ist aber, daß Herzog Albrecht von Oesterreich sich bemüht habe ihn mit seinem Bruder Sigmund auszusöhnen, und da seine Bemühungen vergeblich waren, so mag er ihm seine Flucht erleichtert haben. ' - -"'- Die Doppelheirath zu Aieir, zwitchen Maximilians Enkel und UUa-islaws Kindern» Jahr 1515. axim ilian der I., dieser merkwürdige und verdienstvolle deutsche Kaiser hatte durch seine Vermutung mir Maria, der Tochter und einzigen Erbin Karl des Kühnen, Herzogs von Burgund, die Niederlande und das Erbrecht auf die große spanische Monarchie an Oesterreich gebracht. Ein unaufhörlicher Gegenstand seiner Sorgfalt war nun, selbst im härtesten Drang der Umstände auch die Kronen von Ungarn und Böhmen wie vor 93 Jahren durch die Vermälung Elisabeths und Albrecht s, jetzt für immer an das Haus Habsburg zu bringen. König Wladislaw von Böhmen hatte bereits das 45. Jahr erreicht, als er sich mir der Prinzessin Anna, einer Tochter Gastons von Foix, Grafen von Candale, einer Verwandten der Königshäuser von Spanien und Frankreich, ver- mälte. Aus dieser Ehe entsproß die Prinzessin Anna, und nach einer schweren Niederkunft, welche der Mutter das Leben kostete, ein äußerst schwacher Prinz Ludwig II. Bei diesem Umstande fand sich nun der König Wladislaw veranlaßt mit Beistimmung der Stände zu beschließen, daß, wenn Ludwig einst ohne Hinterlassung eines männlichen Erben sterben sollte, daß die Regierung über Böhmen . seiner Schwester Anna zufalle, und ließ ihn, sobald er von seiner Kränklichkeit sich nur etwas erholt hatte, in Ungarn, und bald darauf auch zu Prag zum Könige krönen. Nachdem dieS geschehen, war er auch auf die Versorgung der Prinzessin Anna bedacht, denn sein zunehmendes Alter und kränklicher Zustand, der ihm kein langes Leben zu versprechen schien, machte /S ihm zur doppelten Nothwen- digkeit, über das künftige Wohl seiner Familie zu wachen. Eben so dachte aber auch Kaiser Maximilian, der mißtrauisch gegen die so oft vereitelten Verträge, nun die Hoffnungen seines Hauses durch eine Doppelheirath zwischen zweien seiner Enkel und Wladislaw s Kindern, nämlich Ludwig und Anna noch mehr zu sichern trachtete. Der Bischof von Gurk und Johann Cuspinian waren die vorzüglichsten Personen, deren sich der Kaiser jetzt bediente, um die bestandenen Irrungen auszugleichen, die zwischen ihm, und den König von Polen Sigmund, und dessen Bruder Wladislaw, König von Ungarn und Böhmen bestanden hatten; und Beide sollten nach so langer Entzweiung die Fürsten in brüderliche Eintracht wieder vereinigen. Zu Presburg wurde nun am 10. Mai 1515 die-Uebereinkunft geschlossen, daß Wladislaw 6 Tochter Anna mit einem der Enkel Maximilians, Ferdinand oder Karl, und Wlasdis- laws Sohn Ludwig, Maximilians Enkelin Maria Helrathen solle. AIS diese Verabredung geschehen, wurden von beiden Seiten die Heirathsverträge aufgesetzt, deren wichtigster Punkt aber derjenige war, daß der Prinzessin Anna die Erbfolge im Königreiche Böhmen versichert werde, wenn ihr Bruder der Kronprinz Ludwig, ohne Hinterlassung eines männlichen Erben sterben sollte. W la d isla ws Bruder der König von Polen hatte zwar anfangs dagegen Einwendungen gemacht, willigte aber zuletzt dennoch in die vorgeschlagene Heirath, und erkannte auch das eventuelle Successionsrecht doS Hauses Oesterreich auf Ungarn und Böhmen. Die königlichen Brüder Sigmund und Wladislaw beeilten sich jetzt zu einer p^sönlichen Zusammenkunft mit dem Kaiser Maximilian und trafen schon in der Hälfte deS Monats Juli unter einer zahlreichen Begleitung in der Nähe von Wien ein. Sigmund lagerte mit den Polen, Lithauern und Reußen zu Hamburg, König Wladislaw aber mir den Ungarn und Böhmen zu Bruck an der Leitha. Maximilian bestimmte auf der Ebene zwischen diesen Städten nahe bei Trauttmannsdorf den Ort der Zusammentretung, und die beiden Könige begaben sich nun mit ihren Angehörigen auf diesen durch einen hochauflodernden Scheiterhaufen, und einem mächtigen hohen Baume bezeichneten Platz, nachdem auSgemacht worden war, daß zur Vermeidung alles lästigen Ceremoniels, wie solches damals Sitte war, jedes übliche Gepränge beseitiget werden sollte. Früher, als Kaiser Maximilian, trafen die beiden Könige ein; der 60jährige schon schwerfällige Wladislaw in einer Sänfte getragen, umgeben von den Großen aus Böhmen, Mahren und Schlesien, und dem tapfern Volke der Ungarn. Ihm folgte seine 12jährige Prinzessin Anna in einem prächtig gezierten Staatswagen von 8 Schimmeln gezogen. Sigmund, der König von Po- len, damals erst in einem Alter von 48 Jahren, saß stattlich zu Pferde, und war ganz in Scharlach gekleidet, auf seinem Haupte ein weiß sammtenes, mir rochen Federn geziertes Barret. Neben ihm ritt auf einem, mit Gold und Silber, Perlen und Edelsteinen reich geschmückten Schimmel sein Neffe, Wladislaws Sohn Ludwig, der 9jährige Kronprinz von Ungarn und Böhmen. Ihnen folgten zu Pferd und zu Fuß die Reichsräthe, Bischöfe, Woiwoden und Palatine, gröstentheils himmelblau gekleidet, und viel polnisches, -tartarisches und moSkowitischeS Volk. Kaum hatte sich der prachtvolle Zug mit diesem unzählbaren fremden Volke auf der hiezu bestimmten weiten Ebene, unter freudiger Kriegsmusik von zwei Seiten gecheilt, als auf einmal von einem schattenreichen Waldhügel herab, Heller Glanz die Augen blendete, und weithin kriegerische Waffen von Sonnenglanz bestrahlt durch's Gefilde blitzten. ES war Maximilian der ritterliche Fürst, dem seine glänzend reich gekleideten Gesandten, die Herzoge von Baiern, Würtemberg und Meklenburg, viele ansehnliche Fürsten, Grafen, Ritter und Herren aus dem Reiche, und ein zahlreicher streitbarer Adel, aus allen österreichischen Landen umgaben. Dieser schöne und zugleich furchtbare Anblick eines so zahlreichen, in hellschimmernder Rüstung, gröstentheils zu Pferde angekommenen Gefolges erregte in diesem wichtigen Augenblicke aber einen Funken des Mißtrauens in den Herzen der Ungarn, und diese meinten, wenn man Frieden, Heirath und Bruderliebe als Verbündniß errichten wolle, so bedürfte es keines so zahlreichen HeereS. Einige der Vornehmen näherten sich daher den beiden Königen, und gaben ihnen zu verstehen: es sey eine gefährliche Sache, daß beide Könige sammt den königlichen Kindern dem Kaiser, der mit so vieler Macht angezogen komme, sich so vertrauungsvoll in die Hände liefern, sie würden eS daher für rathsam halten, einen Rückzug anzutreren. Aber König Sigmund gab ihnen hierauf zur Antwort: »Ich bin in gutem Vertrauen zu den Kaiser hieher gekommen, und will auch in meiner Meinung verharren, und keinen Verdacht schöpfen.< Wer nun seines Sinnes sey möge ihm und den Seinen folgen, wer aber gegen den Kaiser Mißtrauen habe, der wolle umkehren und seines Weges weiter ziehen. So wie der König Wladislaw, so ward auch der Kaiser Maximilian, der sich schon dem Spätabende seines Lebens näherte — denn er zählte ebenfalls 60 Jahre — in einer reich gezierten Sänfte in der Mitte des PrachtzugeS getragen, und ihm zur Seite folgten seine beiden Enkeln. AlS sie den mächtig hohen Baum, den Platz der Zusammenkunft erreicht hatten, ließ Maximilian die Decke von seiner Sänfte abheben, und die beiden Könige sammt den königlichen Kindern nahten sich ihm. Der Kaiser bot den beiden Königen und den Kindern die Hand, und rief mit wahrhaft fröhlichem Gemü- the: »Dieß ist der Tag, den der Herr gesendet hat, lasset darin uns freuen und fröhlich seyn.-r Dem alten Könige Wladislaw rollten die Thränen in den grauen Bart, und er fand vor Rührung beinahe keine Worte — Sigmund dankte mannhaft und herzlich, und sprach: »Nun wolle Gott, daß diese unsere Zusammenkunft der ganzen Christenheit nützlich und heilsam seyn möge.-« Die königlichen Kinder grüßten den Kaiser als Vater, und neigten sich vor ihm mit aller Ehrerbietung. Nachdem diese gegenseitige EmpfangSbezeigung, welche nach der geschehenen Verabredung, ohne auS ihren Sänften, Wagen, oder von den Pferden zu steigen, vollendet war, wurde eine kleine Jagd veranstaltet, bei welcher der Kaiser selbst einen Hirschen gefangen hatte. AlS sich der Abend nahete, nahm der König von Polen sein Nachtlager zu EnzerSdorf und Wladislaw blieb mit den Kindern zu TrauttmannSdorf; der Kaiser übernachtete aber mit seinen Heeresfürsten, seinen Räthen und übrigen Gefolge in Laxenburg. Kaum grüßte die Sonne den nächsten Morgen deS 17. Juli, als der Kaiser von da mit seinem ganzen zahlreichen Gefolge nach der Schwechat aufbrach, um die königliche Familie dort zu erwarten. Die Feier des vorher gehenden TageS hatte ein heiteres herrliches Wetter begünstigt, der erst angebrochene Tag war trüb und regnerisch; aber dennoch blieb außer Greisen, Kranken und kleinen Kindern kein Mensch in Wien, und wie ein fernes Meer wogte das Volk bei St. Marx und längs der Donau heraus. An der Spitze von 1500 der reichsten wiener Bürger und Bürgerssöhne alle in Scharlach gekleidet, ritten 6 mit ritterlicher Würde geschmückte Rathsherren in silbernen Harnisch auf stattlichen Rossen, um die Könige und Fürsten im Namen der Stadt mit Gruß und reichen Geschenken im freien Felde zu bewillkommen. Hinter ihnen folgten mit fliehenden Fahnen 600 deutsche Landsknechte, welche die Stadt im Reiche hatte werben lassen, mit Spießen und langen Handröhren, alle gleich und imposant gekleidet. Des Kaisers und der hohen Verbündeten harreten an der steinernen Brücke vor dem Stubenthore die Obrigkeit der Stadt, die Hochschule, die gesammte Clerisei, welche den Königen alle Heiligthümer entgegen trug, die Schulknaben, jeder mit einem Fähnlein, worauf die Wappen von Ungarn, Oesterreich und Polen sich befanden, endlich die Zünfte und Zechen der Handweker, jede unter ihrer Fahne. Der Einzug geschah in folgender Ordnung: Voraus zog die Reiterei mit der Feldmusik aus allen Völkern und Sprachen der mächtigen drei Monarchen, und ihres fürstlichen Anhanges. Hierauf folgte der Adel von Oesterreich in blanker herrlicher Rüstung, sodann über 200 Trompeter und Heerpaucker. Hinter ihnen ritten der König Sigmund von Polen und der Erbprinz L udwig. Kaiser Maximilian und König Wladislaw von Böhmen wurden in ihren prächtigen Sänften nachgetragen. Endlich folgte von acht Rossen gezogen der reich vergoldete Wagen der Prinzessin Anna, und hinter ihr eine große Anzahl glänzender Equipagen mit ihren Hofdamen. Diesen herrlichen Zug schlossen 400 deutsche Reiter wohlgerüstet und prächtig geschmückt, denen noch zahlreiche Reiter und Kutschen durch die Wollzeile nach St. Stephan folgten. Dort am Riesenthore erwartete den Zug der damalige wiener Bischof Georg von Slatkonia mit .seiner Clerisei und sprach den Segen iiber Herrscher und Volk. Mehrere Tage vergingen mit der Besichtigung der Stadt, der nahen Lustschlösser, und der veranstalteten Unterhaltungen auf allen Straßen und Plätzen, während die Räche des Kaisers und der beiden Könige die näheren Bestimmungen über die zweifache Verbindung beschlossen. Als der Tag, nämlich der 22. Juli, welcher zu dieser großen feierlichen Verlobung festgesetzt war, mit einem schönen Morgen anbrach, ging der Zug um 9 Uhr von der Burg nach St. Stephan. Dieser ehrwürdige Dom war auf daS prunkvollste geziert und ausgeschmückt. Der Kaiser und die Könige waren in reichen Goldstoff gekleidet, und befanden sich rechts im Presbyterium; die Prinzessinen Maria und Anna in der Mitte, links aber die päpstlichen Legaten, der Nuntius, und der Kardinal Primas von Gran, der Kardinal von Gurk, 14 Bischöfe und viele Prälaten.. Nach der von dem wiener Bischöfe abgelesenen Messe und gehaltenen Anrede hatte sich derKaiser Maximilian, am Grabe seines VaterS mit dem, auf eine Million geschätzten Kaiserornate bekleidet, worauf er und der König Wladislaw die jungen Brautleute zum Altäre führten. Der Primas von Ungarn traute jetzt die Prinzessin Maria und den Kronprinzen Ludwig den 11., den Maximilian zu seinem Thronfolger und Reichsvikar ernannte, vorher aber den Kaiser mit der Prinzessin Anna, im Namen seiner beiden Enkel Karl, der die Königreiche Kastilien und Aragon, oder Ferdinand, der die Kronen von Neapel zu erben und zu erwarten hatte. Nach dieser hohen Feierlichkeit begab man sich zur Tafel, wo man an Gold, Silber und Edelsteinen, welche die Tafel zierten, alle Schätze der neuen Welt versammelt zu sehen glaubte. Die hohen Gäste waren der Kaiser, die jungen Brautpersonen ihm zur Seite, die Könige von Ungarn und Polen, die Königin von Dänemark, die Herzoge aus Baiern, Braunschweig und Meklenburg, der Markgraf von Brandenburg, 2Kardinäle, 13 Bi'schöfe, 16 Fürsten, und eine unübersehbare Zahl von Grafen, Herren und Rittersleuten. Nach aufgehobenem Gastmale war auf dem hohen Markte, der in einen Wald so wie die Häuser in Prunksäle verwandelt schienen, vor einer unzählbaren Menge Volkes Turnier und Scharfrennen, von 6 ritterlichen Paaren ausgeführt. Diesem folgten noch eine Reihe herrlicher Feste, bis endlich am 29. Juli derKaiser von Wladislaw mit seiner Familie und dem Könige Sigmund begleitet sich nach Wiener-Neustadt begab, von wo König Wladislaw nach einem rührenden Abschiede von seiner zärtlich geliebten Tochter nach Böhmen zurück kehrte. Die Prinzessin Anna blieb nun bis zur Zeit deS bestimmten Beilagers des Erzherzogs Ferdinand am kaiserlichen Hofe, wurde aber schon im folgenden Jahre durch den Tod ihreS VaterS (13. März 1516) in die tiefste Trauer versetzt. Der Prinz Ludwig obgleich noch in dem zartesten Alter wurde jetzt König in Böhmen, dies aber in einer Epoche, wo sowohl die inneren Regierungsspaltungen, als auch bürgerliche Unruhen einen Beherrscher von männlicher Einsicht und politischer Klugheit erfordert hätten. Zwar sollten die Großen des Reiche- seine Jugend unterstützen, aber unter ihnen herrschte Neid und Eifersucht, und Böhmen befand sich also in einem gefährlichen Zustande. Nachdem die Prinzessin Anna nach zwei Jahren auch ihren kaiserlichen Beschützer verloren hatte (Maximilian starb den 11. Jänner 1519) und die schwache Gesundheit ihres Bruders Ludwig es notbwendig machte, die schon porher festgesetzte Reichsanordnung wegen ihrer Nachfolge auf den böhmischen Thron nochmals zu bestätigen, so drang jetzt Erzherzog Ferdinand mit allem Ernste darauf, und säumte nicht zu dem Beilager mit seiner Braut zu schreiten, welches im Jahre 1521 zu Linz vollzogen wurde. Auch Ludwig ließ seine Braut die Prinzessin Maria nach Presburg (wo ihm zu jener Zeit der Türkenkrieg und andere Neichsangelegenheiten festhielten) feierlich abholen, und hielt sein Beilager zu Ofen mit königlichem Glanze. Als Karl nach Deutschland gekommen, und zum Kaiser gewählt ward, nahmen die beiden Brüder die Theilung der Erbländer vor. Karl als Erstgeborener hatte »»bezweifelt daS Erbrecht auf den Besitz aller österreichischen Lander; mehrere Ursachen bestimmten ihn aber, die in Deutschland gelegenen Länder seinem Bruder Ferdinand zu überlassen, und so erhielt dieser Oesterreich, Steiermark, Kärnthen und Kram, welche blühende Provinzen ihm hinlängliche Macht gaben im Nothfalle das Recht seiner Gemalin auf Böhmen geltend zu machen, wozu sich auch bald die Gelegenheit ereignete, da König Ludwig in der unglücklichen Schlacht bei Mohäcz wider die Türken im Jahre 1526 das Leben verlor, ohne einen männlichen Erben hinterlassen zu haben. Bei dem Tode des Königs Ludwig war jetzt Ferdinand vollkommen in der Lage, in welcher einer seiner Vorfahren Albrecht II. gewesen. Wie damals Kaiser Sigmund der letzte Luxemburger, war jetzt Ludwig der letzte Jagellonide; wie damals Albrecht deS II. Gemalin Elisabeth, Sigmunds nächste und einzige Erbin, so jetzt Ferdinands Gemalin Anna, Ludwigs nächste und einzige Erbin. Dieselben Erbverträge, auf die sich Albrecht 11, berufen konnte, sprachen auch für Ferdinand; aber wie damals alle Reichsansprüche Albrecht s erst durch die Wahl erkraf- tigt wurden, mußten auch jetzt Ferdinands Ansprüche durch die Wahl der Stände erst ihre staatsrechtliche Würde erhalten. Am 24. Oktober wurde nun der Landtag eröffnet, und zu der Königswahl 8 Personen auS dem Herrenstande, 8 aus dem Ritter-, und eben so viele aus dem Bürgerstande der Städte Prag, Kuttenberg und Saaz ernannt, welche einen Eid ablegen mußten, daß sie in den ihnen anvertrauten Geschäften endlich, und so, wie es die Wohlfahrt des Königreichs erfordert, Vorgehen wollen. Diese Wahlmänner verfügten sich nun in die Schloßkirche zu St. Veit und berathschlagten sich in der St. Wenzelskapelle bei verschlossenen Thüren über die Bestimmung eines neuen Beherrschers. Die Kronwerber waren Erzherzog Ferdinand von Oesterreich im Namen seiner Gemalin Anna, Sigmund von Polen, Bruder des Königs Wladislaw, und die Herzoge von Baiern, Wilhelm und Ludwig. Die 24 Wähler entschieden sich in geheimer Berathung einstimmig für den Erzherzog Ferdinand, worauf am andern Tage in voller Versammlung die Puplicirung erfolgte. Eine feierliche Deputation verfügte sich jetzt nach Wien, um den neuen Herrn zur Krönung einzuladen, und Ferdinand trat bald darauf seine Reise nach Böhmen an. Als die Krönungsfeierlichkeiten vorüber waren reiste Ferdinand nach Mähren und Schlesien, ließ sich zu Brünn und Breslau huldigen und kehrte über Prag nach Wien zurück; verweilte aber daselbst nur kurze Zeit bis er, nämlich vollständig gerüstet nach Ungarn aufbrechen konnte, um den Besitz dieses Landes anzutreten. Die ungarische Krone war aber nicht so leicht zu erlangen als die böhmische, denn durch die Schlacht von Mo- häcz war das Land in die Macht Suleimans gegeben. Vor diesem erschienen nun in Pesth ungarische Große, und S ul e im an versprach ihnen Johann Zäpolya zum Könige. Nach dem Abzüge der Türken versammelten sich Zäpolyas Anhänger zu Stuhlweissenburg, wählten diesen einstimmig zum Könige, und ließen ihn durch den Bischof von Neitra krönen. Hierauf schrieben aber die Königin Wittwe Maria, die Schwester des Erzherzogs Ferdinand und der Palatin Stephan Bäthori einen Landtag nach PreSburg aus, auf welchem man den Reichstag von Stuhlweissenburg für gesetzwidrig, folglich auch die Wahl Zäpolyas für ungiltig erklärte; und Ferdinand wurde jetzt einstimmig zum Könige von Ungarn gewählt, und durch Briefe und Boten bestürmt, baldmöglichst in Ungarn zu erscheinen. Bei Wolfsthal betrat Ferdinand die ungarische Grenze, wo er von dem Palatin nebst mehreren Großen mit ihren Scharen empfangen wurde. Er beschwur die goldene Freiheits-Bulle der Ungarn in die Hände des wesprimer Bischofs, und unter lautem Freidengeschreie vereinigten sich hierauf die deutschen und magyarischen Krieger, mit denen er jetzt auf dem rechten Donauufer vorschreitend Ofen ohne Gegenwehre betrat. Auch in Kroatien erhielt seine Partei unter Franz Batthyany die Oberhand, und Graf Niklas Salm siegte über Zä- polya und eroberte Tokay. So gewann Ferdinand die Herrschaft über einen großen Theil von Ungarn ; wahrend er durch Kreisschreiben alle Comitate zum Reichstag nach Ofen berief, wo auch die Abgeordneten aus allen Gegenden des Landes häufig erschienen, und ihn abermals zum Könige von Ungarn wählten. Zu Stuhlweissenburg wurde der Reichstag fortgesetzt, und man erklärte jetzt Johann Zäpolya und Stephan Verbötz für Feinde des Vaterlandes, so wie alle Akten und Schenkungen Zäpolyas für ungiltig; dabei wurde auch den vorzüglichsten Anhängern desselben ein Termin zum Uebertritte bestimmt. Derselbe Bischof von Neitra, der ein Jahr früher zu Stuhlweissenburg in der Kathedrale Zäpolya gekrönt hatte, krönte nun in derselben Kirche Ferdinand, worauf später auch die Königin gekrönt wurde. So hatte sich auf einmal in der Mitte von Europa ein Staat gebildet, dessen Existenz noch vor wenig Jahren kaum gedacht werden konnte; ein Staat, durch Ausdehnung, Lage, Zahl und Verschiedenheit der Völker, wie durch Gesinnung seiner Herrscher zu einem der grösten Gewichte in der Wagschale der europäischen Geschicke bestimmt. X - 7 -. M»W» Die Stiftung des Ordens vom gstdenen htiesse. Jahr 1340. -^a'ef aus den Bergthälern deS Taurus drang zu Ende des dreizehnten Jahrhunderts Osman, ein Emir, mit einer Horde Turkmanen hervor, überwältigte die Engpässe des Olympus, bahnte sich durch Klein-Asien einen Weg, und schlug in Bithyniens Ebenen unter dem Schutze des Sultans von Jco- nium, eines Stammverwandten, sein Lager auf. Durch Räuber, entlaufene Sklaven und Gefangene verstärkt, verheerte er daS umliegende Land, und nahm den Griechen, welche damals den grösten Theil Klein-AsienS beherrschten, einige Provinzen weg, worauf er sich nach dem Tode seines Schutzherrn selbst Sultan nannte. Dieser Osman, das ist Beinbrecher, in Wahrheit ein kühner und glücklicher Räuberhauptmann, war nun der Stifter deS in kurzer Zeit so mächtigen, und der europäischen Christenheit so gefährlich und fürchterlich gewordenen osmanischen oder türkischen Reiches. Nach seinem im Jahre 1326 erfolgten Tode hinterließ er seinem Sohne Orkan ein schon beträchtliches Reich in Klein-Asien, welches er den griechischen Kaisern entrissen hatte, und so erhoben mehrere große Fürsten aus diesem Hause bis zum Beginne des sechzehnten Jahrhunderts diesen jungen Staat zur ersten Waffenmacht Europas. Orkans Sohn, der tapfere Soliman betrat zuerst Europa, und von nun an breiteten sich die Waffen der Osmanen mit reißender Schnelligkeit in diesem Welttheile auS. Mur a d I. eroberte im Jahre 1360 Adrianopel, der wilde Bajazeth siegte im Jahre 1396 über daS Heer der abendländischen Christen unter dem Könige Sigmund bei NicopoliS in der Bulgarei, und Muhamed I. drang im Jahre 1415 schon bis Salzburg und Baisrn vor. Ihm folgte der eben so weise als tapfere Murad H., der die Eroberungsplane seiner Vorfahren rastlos befolgte. Europa, zu jener Zeit von Kirchenspaltungen und endlosen Fehden zerrüttet, ohne Einheit, ohne politischen Zusammenhang, und ohne Kraft, lag nun den länder- und siegbegierigen OSmanen gleichsam als eine leichte Beute da; aber dennoch war diese gemeinsam drohende Gefahr nicht vermögend, das politische und kirchliche Chaos zu entwirren und zu beenden, um dadurch dem Erzfeinde der Christenheit mit Nachdruck begegnen zu können. In dieser kritischen Epoche versuchte nun ein Herzog von Burgund, Namens Philipp III. beigenannt der Gütige, die unter sich uneinigen Fürsten zu einer kräftigen Rüstung und Gegenwehre wider die Türken dadurch aufzumuntern, daß er einen eigenen Orden errichtete, der den Trägern desselben es zur besondern Pflicht machte, gegen die Ungläubigen zu streiten, und begann diese feierliche Handlung bei Gelegenheit seiner Vermälung mit Isabella, einer Tochter des Königs Johann deS I. von Portugall, wo er zu Brügge am 10. Jänner 1430 den Orden des goldenen Vließes, den ersten aller Hausorden stiftete. Die näheren Umstände aber, welche zur Errichtung dieses Ordens Veranlassung gaben, -waren folgende: Bajazeth der vierte Nachfolger OSmans, als türkischer Kaiser der Erste, hatte sich deS orientalischen oder griechischen Kaiserthums dergestallt bemächtigt, daß der damals herrschende Kaiser Manuel außer seiner Residenz Konstantinopel, fast nichts mehr übrig behielt. Bald dehnte er seine Eroberungen noch weiter aus, beunruhigte Servien und die Bulgarei, und streifte bis in das zu Ungarn gehörige Bosnien. Sigmund, ein Sohn Kaisers Karl deS IV., derzeit König von Ungarn, wurde nun durch das Erscheinen dieses wilden Kriegers geschreckt, und fertigte eine Gesandtschaft an ihn ab, welche Bajazeth zu befragen hatte, warum er Ungarn, das ihn doch nie beleidigt habe, so feindselig behandle. Bajazeth behielt aber die Gesandten so lange bei sich in Gefangenschaft, bis er mit der Eroberung von Bulgarien fertig war, und dann erst ließ er sie in ein mit türkischen Waffen reich behangenes Zelt zur Audienz sich vorführen, und bedeutete ihnen, so lange er diese Waffen führen könne, habe er ein Recht nicht nur auf Ungarn, sondern auch auf die ganze Welt; sey nun Sigmund einer anderen Meinung, so möge er ihm das Gegentheil beweisen. König Sigmund, der in dieser von den Gesandten ihm überbrachten Aeußerung eine Kriegserklärung enthalten fand, rüstete sich jetzt eifrig zur Gegenwehre, und sammelte aus Ungarn, Böhmen, Deutschland und Oesterreich ein starkes Heer. An dieses schloß sich auch ein französisches Heer, welches, Herzog Johann von Burgund, der unglückliche Vater Philipps anführte, und welches bei Ofen, dem Versammlungsplatze der verbündeten Truppen anlangte. Sigmund setzte nun im Jahre 1396 mit der Armee über die Donau, drang in Thracien ein, und belagerte Nicopolis, was sich aber in die Länge zog. Kaum hatte Bajazeth, der indessen Kon- ftantinopel belagerte, von diesem Einfalle Nachricht erhalten, als er schnell die Belagerung daselbst auf- hob, und mit einer Macht von 250,000 Mann Nicopolis zu entsetzen herbei eilte. Durch einen schändlichen Verrath des Johann Galeazzo, Herzogs von Mailand, dessen Tochter Valentia ehemals an den Dauphin Ludwig — welcher diesen Feldzug unter Johann von Burgund mitmachte — vermält, von demselben aber wieder verstoßen worden war, und der sich jetzt an ihm zu rächen gedachte, erhielt Bajazeth durch geheime Nachricht Kenntniß über die ganze Lage des christlichen Heeres , wodurch eS ihm sehr leicht wurde dasselbe in völliger Sicherheit zu überraschen. Durch den unbedachten Eifer der Franzosen, welche durchaus das erste Treffen liefern wollten, und daher auf die Einwendungen Sigmunds keine Rücksicht nahmen, (da doch die Ungarn, besser der Srreitweise mit den Türken gewohnt gewesen wären, um diesen also den ersten Angriff zu überlassen,) ging nun die Schlacht verloren. Der schlaue Bajazeth lockte sie nämlich durch eine verstellte Flucht weit von dem übrigen Heere ab, umzingelte sie dann blitzschnell mit seiner Reiterei, und obschon sie sich ritterlich wehrten, und zuletzt selbst von ihren Pferden sprangen und in geschlossenen Reihen zu Fuße kämpften, so mußten sie zuletzt dennoch der Uebermacht unterliegen, und wurden bis auf eins geringe Anzahl zusammen gehauen. Bajazeth verfolgte schnell seinen errungenen Vortheil, und griff dann auch den andern Theil der christlichen Armee an, welche durch die Niederlage der Franzosen in Schrecken gesetzt, nicht mehr in Ordnung zu erhalten war, und daher mit gleichem Erfolge unterlag. Ueber 20,000 blieben auf dem Schlachtfelde, von welchen es kaum dem König Sigmund mit dem Hochmeister von Rhodus gelang sich auf einem kleinen Schiffe über die Donau zu retten, und nach vielen überstandenen Gefahren in die Heimath zurück zu kehren. Unter den gefangenen Franzosen befand sich der Herzog Johann, welchen nun Bajazeth, da er seinen hohen Stand erfahren hatte, das Leben schenkte. Er führte ihn aber als seinen Gefangenen nach Colchis, einer Landschaft in Klein-Asien, woraus der Fabel nach einst Jason, der griechische Halbgott das goldene Widderfell geholt hatte. Johann soll nun daselbst von einem Wahrsager die Deutung erhalten haben, daß einer von seinen Nachkommen, der Feuer auf der Brust trüge, das türkische Reich zerstören werde. Einer andern Nachricht zur Folge, soll aber Bajazeth dem Herzoge blos deshalb das Leben geschenkt haben, weil ein türkischer Wahrsager dem Sieger prophezeite, daß durch diesen gefangenen Prinzen einst große Unruhen und vieles Blutvergießen unter den Christen entstehen würden. Gewiß ist es aber,-'daß Bajazeth dem Herzoge erlaubte sich aus den Gefangenen fünf Personen auszuwählen, welche seiner Freiheit zugleich lheilhaftig werden sollten; worauf nun Johann den Grafen Philipp von Artois, den eigentlichen Urheber dieser Niederlage, Jakob von Bourbon, den Herrn von Coucy, Guido von Tremouille, und den Marschall von Frankreich Buciald zu ihrer Befreiung nannte. Die übrigen adeligen Gefangenen ließ Bajazeth nach Bithynien abfüh- ren, wo sie erst gegen ein bedeutendes Lösegeld erkauft werden konnten. Nach der Befreiung des Herzogs Johann aus der Gefangenschaft hat nun zum Gedächtniße derselben, Philipp sein Sohn den Ritterorden des goldenen Vließes gestiftet, und dazu eine Kette aus Feuereisen und Feuersteinen verordnet. Nach dem Tode des Herzogs Johann von Burgund, welcher im September 1419 auf einer Brücke bei Montereau durch Anstiften des Dauphins bei Gelegenheit einer Zusammenkunft meuchlings ermordet wurde, folgte ihm Philipp IH. in der Regierung, und hier traf nun jene Prophezeiung des türkischen Wahrsagers in der That ein, nachdem dieser Meuchelmord die Veranlassung zu einem blutigen Kriege gab. Philipp erfüllt von dem Gedanken an dem Dau- phm Rache zu nehmen, verband sich mit England, dem Feinde Frankreichs auf's engste, und ein blutiger Krieg, welcher dem Dauphin alles Land im Norden der Loire kostete, war die Folge davon. Philipp war zuerst mir Michaels, einer Tochter deS Königs Karl des VI. von Frankreich, und dann mit Bona, der Wittwe seines Vetters Philipp vermalt; da er aber von beiden Gema- linen keine Kinder hatte, so schritt er nach dem erfolgten Tode seiner zweiten Gemalin zur dritten Ehe, und vollzog diese mit Isabella, einer Tochter deS Königs Johann des I. von Portugall, im Jahre 1430 zu Brügge, der befestigten Hauptstadt in Weststandern. Am ersten Tage seines BeilagerS erschien jetzt Philipp ganz unerwartet im frohen Kreise der geladenen Gäste, geschmückt mit dem Orden des goldenen Vließes, über dessen Form er schon früher nachgedacht hatte, nahm dieses hohe Ordenszeichen von seiner Brust herab, und zeigte es der überraschten Versammlung, mit wenigen Worten über die Ursache der Stiftung desselben. Sein Wunsch ging bei dieser Gelegenheit dahin, daß ein jeder, der diesen Orden tragen würde, sein Hauptbestreben dahin richten solle, den Türken, als den unversöhnlichen Feinden der Christenheit, die zugleich in Europa immer größere Fortschritte und Eroberungen machten, auS allen Kräften entgegen zu wirken.' Johann Germanus, Bischof von Chalon, welcher unter den geladenen hohen Gästen sich befand, trat jetzt, diese Gelegenheit benützend, aus der Menge hervor, und sprach auf den neuen Orden hindeutend, dessen Fell er mir dem Felle G i d eon s verglich: »So wie Gideon zu seiner Zeit die heidnischen Medianiter durch dieses Zeichen überwand, eben so mögen alle Ritter, welche diesen Orden tragen, die Türken — diese heutigen Medianiter — überwinden, und daS christliche Israel erlösen.^ Diese gute Deutung wurde sowohl von dem Herzoge als auch den versammelten Edlen mit gröstem Beifalle aufgenommen, und zum Andenken ließ nun Philipp diese biblische Geschichte mit Gold und Silber in einen kostbaren Teppich auf's herrlichste sticken. Dies ist also der eigentliche Ursprung von dem Orden des goldenen VließeS, oder des L'oi8on - Ordens. Philipp versprach bei dieser Gelegenheit, selbst einen Kreuzzug gegen die Türken zu unternehmen; da aber Bajazeth nach seinem bei Nicopolis über das Christenheer erfochtenen Siege nach Konstantinopel zurück kehrte, um daselbst die unterbrochene Belagerung wieder fortzusetzen, so unterblieb für jetzt dieses Vorhaben. Aber auch diesmal konnte Bajazeth die Eroberung von Konstanti- nopel nicht abwarten, nachdem er einem neuen, und zugleich sehr gefährlichen Gegner entgegen ziehen mußte. Timur oder La merlan, ein tatarischer Fürst, wälzte sich nach der Unterjochung von beinahe ganz Asien mit seinen unzählbaren Horden nach dem Helespont zu, und in den Ebenen von Ancyra, dem heutigen Angora in Natolien fand eine wüthende Schlacht Statt, welche sich mit der Niederlage des türkischen Heeres, und Bajazeths Gefangenschaft endigte. Hiedurch wurde nun der Siegeslauf der Türken in Europa durch viele Jahre gehindert, bis Ba- jazeths vierter Sohn Muhammed I. das getheilte Reich wieder vereinigte, und Deutschland und Venedig in einen vorübergehenden Schrecken setzte. Als endlich Muhammed II. im Jahre 1453 Kon- stantinopel, diese letzte Schutzwehre der morgenländischen Christenheit mit Sturm genommen, und den Thron der Paläologe umgestürzt hatte, erwachte daS erschreckte Europa, und rüstete sich zu einer starken Gegenwehre. Philipp sammelte jetzt ein Heer von 60,000 Streitern, um es gegen die Ungläubigen zu führen; allein Ludwig XI., König von Frankreich, kündigte ihm einen Krieg an, und so ward Philipps löbliches Vorhaben wiederholt verhindert. Philipp der Gute starb im Jahre 1467 im 72. Jahre seines Alters, und zwar in derselben Stadt und in demselben Palaste, wo er vor 37 Jahren den Orden deS goldenen VließeS gestiftet hatte, und wurde hierauf in der OcdenSkapelle zu Dyvon begraben; sein Herz aber mit einer gros-en Geldsumme für die armen Christen nach Jerusalem gebracht. Philipp verdient seinen Beinamen mit Recht. Er verstand eS, die unruhigen Flanderer und Brabanter, und die Parteien in Holland durch Achtung ihrer Freiheiten und Rechte zu gewinnen; er ordnete auch das Finanzwesen, unterstützte den Handel, Gewerbe, Wissenschaften und Künste, und erhob den burgundischen Hof zu einem der ersten und glänzendsten in Europa. Unversiegbar war seine Güte, und sein Bestreben, seines Landes Wohlfahrt zu erweitern. , DaS Ordenszeichen besteht aus drei Theilen; oben ist daS sogenannte Feuereisen, m der Mitte befinden sich sechs auS einem Zirkel hervor gehende Flammen oder Strahlen, und unten hängt das goldene Vließ. Philipp wollte, daß der Besitzer dieses Ordens ihn beständig tragen sollte, und wohin auch der Denkspruch deutet: »Ich will keinen andern haben.-s Weil aber dieses beschwerlich siel, so änderte Kaiser Karl V. es dahm ab, daß nur an gewissen Tagen des Jahres die Kette, sonst aber blos das goldene Vließ allein an einem rothseidenen Bande getragen werden solle. Die Kette ist nicht erblich, und'muß nach dem Tode des Besitzers wieder abgegeben werden, nachdem blos allein das Verdienst zur Tragung dieses Ordens berechtigt; jedoch bleibt sie als ein immer währendes Andenken beim Schild und Namen deS Verstorbenen gemalt und geschrieben. Auch lag es in dem Sinne des Stifters, daß dieser Orden nicht zu gemein werde, daher verlieh er ihn nur an 24 Personen, welche Zahl aber Karl V. noch um 20 vermehrte. Nur Personen vom reinsten, uralten und unbefleckten Adel können ihn erhalten. Mit diesem Orden ist zugleich auch eine eigene Kleidung verbunden, welche an den bestimmten Rittertagen getragen wird. Sie besteht auS einem langen mit kostbaren Fellen gefütterten, scharlachrothem Leibrocke, und -einer Kappe von dem nämlichen Stoffe. Indessen sind aber diese ursprünglichen Einrichtungen und Formen des Ordens mit der Zeitfolge gröstentheils wieder abgeändert worden. Aus den Ordensgenossen werden vier Minister gewählt, wovon der erste der Kanzler ist, der sich mit dem Oberhaupts in den Ordensangelegenheiten berathet, und deshalb sich auch beständig am Hofe aufhält. Die anderen sind der Schatzmeister, der Sekretär und der Herold. DaS zweite Oberhaupt oder Großmeister dieses Ordens war Philipp des Guten Sohn Karl, mit dem Beinamen der Kühne, welcher in der Schlacht bei Nancy im Jahre 1477 von den Eidgenossen erschlagen wurde'*). Von jetzt an blieb daS Haus Oesterreich Großmeister desselben, weil Burgund durch die Heirath Maximilians deS I. mit Maria, der einzigen Tochter Karl des Küh n en, an Oesterreich gelangte. Als nach dem Tode Karl des V. die burgundischen Besitzungen an die burgund-spanische Linie des Hauses Oesterreich gefallen waren, übten die Könige von Spanien das Amt eines Großmeisters dieses Ordens aus; da aber Karl Hl. (als römischer Kaiser VI.) nach Beendigung deS spanischen Erbfolgekrieges die spanischen (nachher österreichischen) Niederlande erhalten hatte, behauptete er gegen den spanischen Hof sein Recht auf diese Würde; indessen ward aber darüber nichts entschieden, und eS werden daher seitdem sowohl zu Wien als zu Madrid Ritter deS goldenen Vließes ernannt. Gegenwärtig ist die Ordenskette ausschließend die Dekoration des Großmeisters. Das Ordenszeichen, welches der spanische Hof ertheilt, unterscheidet sich durch die auf dem Rande des FeuereisenS befindliche Inschrift: kootium ladorum, non vitao (Lohn der Bemühungen, nicht des Lebens), und die darunter befindliche Figur eines Ritters, der einen Drachen tödtet. Am österreichischen wie am spanischen Hofe ist der Orden des goldenen Vließes der Erste, und geht allen übrigen HauSorden voran. Das Fest dieses Ordens wird in Wien alljährlich am ersten Sonntage nach Andreas gefeiert, wobei sich alle Ritter in der RarhSstube der kaiserlichen Burg versammeln. Sie tragen bei dieser Gelegenheit das Ordenskleid von carmoisinrothem Sammt, aus einem talarähnlichen Unterkleids und einem mantelartigen Oberkleide bestehend; auf dem Kopfe tragen sie eine besondere gestickte Mütze, und über die Schultern die Ordensdekoration. DaS Fest selbst wird aber im großen Rittersaale unter dem Vorsitze des Kaisers, welcher ebenfalls in vollem Ornate als Chef und Souverain des Ordens gekleidet ist, gefeiert. Das 400jährige Säcularfest dieses Ordens wurde im Mai 1830 zu Wien in einem Generalkapitel unter dem Vorsitze des höchst seligen Kaisers Franz des 1, gefeiert**). Auch Napoleon stiftete im Jahre 1809 einen ähnlichen Orden, nämlich den Orden der drei goldenen Vließe, welcher vorzugsweise dem Heere gewidmet war; doch sind die Statuten dieses Ordens nicht erschienen, und von Ernennungen bis zur Restauration nur zwei Personen zur öffentlichen Kenntniß gekommen. *) Aus drei Ehen hmterließ Karl der Kühne von Isabelle von Bourbon, seiner zweiten Gemalin blos eine Tochter, Maria, die Erbin von Burgund, die sich im Jahre 1477 mit Kaiser Maximilian dem I. vermalte. *^) Bei dieser Gelegenheit machteKaiser Franz eine Stiftung für zwölf Personen des alten Herren- oder Rit- tcrstandes aus dem Kaiserstaale, weiche durch Kriegsunsalle oder andere Art in Dürftigkeit gerathen sind. i. Der spanische Erbkolgekrieg. Vom Jahre 1700 bis zum Jahre 1702. OVaum hatte der Friede zu Nyswyk (1697) dem Westen, und der zu Karlowitz (1699) dem Osten Europas die so nöthige Ruhe gegeben, als der am 1. November 1700 erfolgte Tod deS spanischen Königs Karl deS 11., welcher kinderlos starb, einen neuen 13jährigen Krieg herbei führte, in welchen die meisten Staaten des westlichen Europas mit verflochten wurden. Auf dieses schöne und mächtige Reich, das aus dem eigentlichen Königreiche Spanien, der Niederlande, der Lombardei, der beiden Si- cilien, dem spanisch--amerikanischen Kontinente nebst den westindischen Inseln bestand, machten nicht weniger als drei Regentenhauser Ansprüche, nämlich Ludwig XIV., König in Frankreich, dessen Sohn, hxr Dauphin, ein Sohn der ältern Tochter Philipp des IV. und Enkel der ältern Tochter Philipp deS III. von Spanien war; Leopold I., römischer Kaiser, dessen Mutter die jüngere Tochter Philipp des III., und dessen Gemalin die jüngere Tochter Philipp des IV. war; und der Kurprinz von Baiern, Joseph Ferdinand, ein Enkel Leopolds von seiner Tochter Maria Antonia. Niemand hatte jedoch auf diese Erbschaft gütigere Ansprüche als Kaiser Leopold, daS Haupt der jüngevn habsburgischen Linie. Die allgemeine Erbfolgeordnung, so wie die beschworenen Hausverträge schienen seine Rechte auf diesen erledigten Thron gegen seinen Mitbewerber Ludwig um so mehr zu sichern, da Ludwig bei semer Heirath mit der spanischen Infantin auf diesen Thron im Falle seiner Erledigung feierlich Verzicht geleistet hatte. Ohne Zweifel würde, wenn Kaiser Karl V. in der Kindheit gestorben wäre, sein Bruder Ferdinand I. im spanischen Reiche nachgefolgt seyn; und so mußte auS gleichem Rechtsgrunde an die Stelle der erloschenen spanischen, die noch fortblühende deutsche Linie eintreten. Frankreich aber gebrauchte die Ausflucht, daß jene Entsagung nur für die weibliche, nicht aber für die männliche Nachkommenschaft der Königin gegolten habe. Ludwig sah wohl selbst ein, daß er mit seinen Ansprüchen auf den erledigten spanischen Thron jenen, welche Leopold darauf hatte, nachstehen müsse, aber die Furcht, daß in diesem Falle so ungeheuere Ländermassen an Ein Haupt kommen würden, bewog'ihn mit Wilhelm den III. als das Haupt der Seemächte (Englands und Hollands), den großen Verfechter für Europas Freiheit gegen die Uebermacht eines Staates, deshalb in Unterhandlungen zu treten. Der friedliebende Leopold hingegen, in bessern edlen Gemüthe es keineswegs lag, daß Europas so lange erschütterter Friede wieder gestört werden sollte, hatte diese unzeitige Furcht Frankreichs schon längst dadurch entkräftet, daß er für den Fall des Ablebens des Königs Karl des II. von Spanien, seinen zweiten Sohn Karl (aus einer dritten Ehe) zum Könige von Spanien bestimmte, wofür aber Ludwig den zweiten Sohn des Dauphin, Philipp von Anjou in Vorschlag brachte. Um nun jeder Zwistigkeit bei Zeiten zu begegnen, wurde zwischen Frankreich und den Seemächten ein Theilungsvertrag geschlossen, vermöge welchem der Dauphin blos Neapel und Sicilien, Oesterreich das Herzogtum Mailand, und der Kurprinz von Baiern die ganze übrige spanische Monarchie bekommen sollten. Aber Karl II. wollte von einer Theilung der schönen Macht nichts wissen, und ließ sich zu einem Testamente bewegen, in welchem er dem bairischen Kurprinzen allein das ganze Reich vermachte. DieserPrinz starb wenige Monate nachher in seinem siebenten Lebensjahre und die alten Schwierigkeiten traten wieder neuerdings hervor. Es kam nun zwischen Ludwig und den Seemächten ein zweiter Theilungsplan zu Stande (3. März 1700), nach welchem der Dauphin außer dem Königreiche beider Sicilien noch Lothringen, oder Savoyen, oder Luxemburg, oder Navarra erhalten, der Herzog von Lothringen durch Mailand entschädigt, hingegen dem Erzherzoge Karl Spanien nebst Indien und den Nredenlanden anheim fallen sollte., Kaiser Leopold, welcher von Ludwig zur Vertretung dieses Vertrages eingeladen wurde, lehnte aber diesen Vorschlag nach einigem Bedenken ab, und auch jet'gte sich wie vorher jeder Zerstückelung seines Reiches abgeneigt. Hätte jetzt Leopold ferne Sache mit mehr Thätigkeit und Eifer betrieben, so wäre es ihm leicht gewesen, den Erzherzog Karl zum alleinigen Erben der gesammten spanischen Monarchie eingesetzt zu sehen, denn der König von Spanren war bei der Nachricht von dem zweiten Theilungsvertrage schon dazu entschlossen, und drang in Leopold, den Erzherzog nach Spanien zu schicken, wozu aber der Kaiser ungeachtet der Bemühungen deS Prinzen Eugen und seines Gesandten in Madrid, Grafen von Harrach, nicht zu bewegen war. Dagegen wendete nun der französische Gesandte in Madrid alle Feinheiten und Kunstgriffe an, sparte keine Bestechungen, und wußte durch gefälliges und einschmeichelndes Betragen nicht nur die Spanier sondern auch den König selbst zu gewinnen. Mit jedem Tage wuchs jetzt das Ansehen der französischen Partei, da es dem Minister auch gelang des Königs vorzüglichsten Rathge- ber, den Erzbischof von Toledo auf seine Seite zu bringen; und so kam es, daß man nach dem am 1. November 1700 erfolgten Tode Karl des II. in seinem neuerlichen Testamente den Herzog Philipp von Anjou zum alleinigen Erben der spanischen Monarchie erklärt fand. — Auf diese Weise war Ludwig XIV. zu einem Ziele gelangt, hinter welchem alle Vortheile, die der Theilungsvertrag versprochen hatte, weit zurück standen, und Oesterreich war also mit seinen gerechten Ansprüchen hintergangen. Ludwig erklärte am 10. November 1700 seinen 7jährigen Enkel Philipp von Anjou zu Versailles mit vieler Feierlichkeit zum Könige von Spanien, und schon am 14. April 1701 hielt Philipp, dieses Namens der V., seinen Einzug in Madrid. Mit gerechtem Unwillen vernahm Oesterreich die Nachricht von der hinterlistigen Erberschleichung und Besitznahme dieses Königreiches durch Ludwig, und ungeachtet der Erschöpfung seiner Staaten durch den kaum geendigten französischen und türkischen Krieg bot jetzt Kaiser Leopold alle seine Kräfte auf, sein Recht auf Spanien mit Waffengewalt durchzufetzen, wozu er ein Heer von 70,000 Mann ausrüstete. Aber auch Frankreich blieb nicht unthätig, und suchte sich bei seiner Erschöpfung Bundesgenossen zu gewinnen. Vorzüglich zog Ludwig den damaligen Kurfürst von Baiern, Maximilian Emanuel, einen kriegskundigen und ehrgeizigen Mann, der zugleich Statthalter der Niederlande war, dadurch in sein Interesse, daß er ihm und seinen Nachkommen in einem geheimen Vertrage den Besitz dieses Landes zusagte, in welchem Bündnisse auch sein Bruder Klemens, Kurfürst von Köln, mitbegriffen war. Ludwig ließ nun ohne alles Aufsehen französische Truppen in die spanischen Niederlande einrücken, und diesen wußte der Kurfürst von Baiern, geschickt und heimlich in einer Nacht eine Anzahl von Festungen zu eröffnen, welche früher von den besten Truppen der Generalstaaten zu ihrer Sicherheit besetzt waren. Auch der Kurfürst von Köln nahm französische Regimenter in sein Land, und gab vor, daß dieses nur zum Besten und zur Erhaltung der Ruhe im deutschen Reiche geschehe. So wie Oesterreich, eben so waren die Seemächte über die unverhoffte Erbschaft Ludwigs erstaunt und mißvergnügt, und es konnte ihnen auch aus dem Grunde nicht gleichgiltig seyn, daß Frankreich der alleinige Erbe dieser mächtigen Monarchie war, nachdem ihr grösser Wohlstand auf dem Handel mit Spanien und den Kolonien beruhte, und nun alle diese Handelövorcheile an Frankreich allein gelangen sollten. Sie rüsteten sich daher im Stillen, und warteten nur den Entschluß deS Kaisers ab, um dann öffentlich wider Frankreich aufzutreten. Leopold lag nichts so sehr am Herzen, als Mailand, welches von jeher ein deutsches Reichslehen war, zu retten, und er suchte sich daher in Italien Freunde und Bundesgenossen zu verschaffen. Aber die Franzosen waren ihm bereits vorgekommen. Die Herzoge von Savoyen und Mantua, und der mailanbische Statthalter, Prinz von Vaudemont, waren schon für die Franzosen gewonnen, und der Herzog von Mantua nahm in seine feste Hauptstadt eine französische Besatzung auf. Glücklicher war Leopold im nördlichen Deutschland, wo sich der Kurfürst von Hannover, und König Friedrich I. von Preußen mit ihm verbanden, Letzterer aus Dankbarkeit, weil ihm Leopold zur Königswürde ver- holfen hatte. Dagegen verwehrten aber die übrigen Reichsfürsten ihren Beistand zu diesem Kriege, denn Sachsen war von Schweden bedrängt, und Baiern stand heimlich mit Frankreich im Bündnisse. Was indessen dem Kaiser mehr als viele tausend Krieger zu einem guten Erfolge seines Unternehmens hoffen ließ, war der glückliche Umstand, daß er einen Feldbcrrn an die Spitze seiner Truppen stellen konnte, der zu den ausgezeichnetsten kriegerischen Talenten seiner und aller Zeit gehört, nämlich den Prinz Eugen von Savoyen. Dieser Held war der jüngste von fünf Söhnen Eugen Mori- zens, Grafen von Soissons, und einer Nichte Majar in s, Olimpia M a nein i. Wegen seines schwächlichen Körpers ward er zum geistlichen Stande bestimmt, lernte auch früh und mit großem Eifer griechisch und latem, und Ludwig XIV. nannte ihn daher oft im Scherze, wenn er ihn zuweilen sah, das Aebtchen. Späterhin jedoch fand er sich zur Theologie weniger geneigt, und beschäftigte sich am liebsten mit den alten Geschichtsbüchern, und besonders mit jenen, in welchen die Kriegesthaten großer Helden ausgezeichnet waren. Noch unexwachsen verlor er seinen Vater, und dies nörhigte seine Mutter, den Hof zu verlassen, und in den Niederlanden ihren Sitz aufzuschlagen. .Ihre älteren Söhne hatten bereits Regimenter; auch Eugen erbat sich eines, aber der König, der ihn wegen seines schwächlichen Körpers verachtete, fand den Einfall wunderlich, und empfahl ihn, im geistlichen Stande zu bleiben. Er war kaum 20 Jahre alt, als die Nachricht von dem neu ausgebrochenen Türkenkriegr (1683) bekannt wurde, bei welcher Gelegenyett mehrere französische vsPttere um die ErkuiIuM-Laten nach Wien reisen zu dürfen, um den Christen gegen die Ungläubigen beizustehen. Unter diesen war nun auch Prinz Eugen und einer seiner Brüder. Je kälter Ludwig XIV. diese Ritter entließ, desto freudiger empfing sie jetzt Kaiser Leopold I., der sie bald nach ihrer Ankunft nach Raab in Ungarn schickte. Eugen, glücklicher als sein Bruder, der in einem Gefechte blieb, lernte hier den Dienst mit Ernst und Eifer kennen, und gab schon bei dem berühmten Entsätze von Wien durch den Polenkönig Sobieski, Proben von großer persönlicher Tapferkeit, die auch der Kaiser mit einem Dragoner.-Regiments belohnte. Ungeachtet dieser Auszeichnung veranlage aber seine schwächliche Figur und sein grauer Obermantel, in dem er öfter auszureiten pflegte, die kaiserlichen Soldaten immer noch zu dem Scherze: »Der kleine Kapuziner werde auch nicht vielen Türken den Bart auSraufen.-« Bald wußte er sich aber mehr Ansehen zu verschaffen, nachdem er in den folgenden Türkenkrie- gen, die er mitmachte, dem kriegserfahrenen Prinzen Ludwig von Baden, und den noch berühmtern Herzog von Lothringen nicht von der Seite ging, alle ihre Plane beobachtete, und ihre schwierigsten Aufträge vollzog, so daß der Herzog ihn bei seiner Rückkunft nach Wien dem Kaiser mit der Versicherung vorstellte, in diesem jungen Helden blühe der erste Feldherr seines Jahrhunderts auf. Leopold, dieser Empfehlung eingedenk, bediente sich nun deS Prinzen nach dem Ausbruche des dritten Raubkrieges Ludwigs des XIV. im Jahre 1688 in Italien gegen Catin a t, ernannnte ihn im Jahre 1691 zum Kommandanten von Turin, und im Jahre 1693 zum Generalfeldmarschall. Nach Eugens glorreichem Siege bei Zenta gab sich der stolze Ludwig alle ersinnliche Mühe, einen so begabten und glücklichen Feldherrn wieder zu gewinnen, und ließ ihm daher die Statthalterschaft der Champagne, die Würde eines Marschalls von Frankreich, und einen jährlichen Gehalt von 2000 Louisd or anbieten, wenn er zu ihm zurück kehren wollte; aber Eugen betrachtete mit Recht das Land, daS ihn so liebreich ausgenommen hatte, als sein wahres Vaterland, und antwortete dem Abgesandten mit der Würde eines Fabricius: »Sagen Sie ihrem Könige, daß ich kaiserlicher Feldmarschall bin, welches eben so viel werth ist, als der französische Marschallsstab. Geld brauche ich nicht, denn so lange ich meinem Herrn pflichtmäßig diene, werde ich dessen genug haben.< Dies war nun der Mann, welchem Leopold die Eroberung Italiens mit einer Armee von 30,000 Mann anvertraute. Wohl hat sich nie ein Ausländer, und besonders ein Franzose, so glücklich in den Karakrer der Deutschen zu schicken gewußt, als Prinz Eugen. DaS sah man auch bei Roveredo (im März 1701), wo sich das Heer versammelte. Mir Jubel und blindem Vertrauen folgten ihm die Truppen auf die Alpengipfel; aber hier boten sich seiner Kühnheit die ersten Schwierigkeiten dar. Alle Pässe waren schon jenseits von den Franzosen bestens besetzt, und der Marschall Ca- tinat freute sich schon, daß Eugen unverrichteter Sache wieder werde nach Hause gehen müssen. Aber diese Freude war voreilig, und Eugen nicht der Mann, der sich durch Hindernisse, und seyen sie noch so groß, abschrecken ließ. Ein Berg, Balbi genannt, verschloß einen Ausweg, an den kein Franzose gedacht hatte. Eugen bewaffnete nun einige Regimenter mit Hacken, Bohrern und Pulver, und wie einst der punische Hannibal mit seinem Heere, und seinen Elephancen sich einen Weg über die Alpen bahnte, und dann daS überraschte Italien siegend durchzog; so brach jetzt dieser zweite Hannibal binnen wenigen Tagen durch die vereinte rastlose Arbeit vieler tausend Hände, mitten durch Felsen einen Weg von sechs Meilen in der Länge und neun Fuß in der Breite, daß man den Marsch mit dem Geschütze und Gepäcke ohne Schaden fortsetzen konnte. Wo den Pferden das Ziehen zu schwer ward, legten die willigen Soldaten die Hand an, und mit Erstaunen sah Ca t in a t den ganzen Zug von den Bergen herab kommen, ehe er es verhindern konnte, die Ebene von Verona bis an die Etsch zu besetzen. Bald tauschte ihn jetzt Eugen durch unerwartete Wendungen, bald verschanzte er sich so klug, daß er nicht anzugreifen war, und zuletzt überfiel er ihn bri Carpi, und schlug ihn auf's Haupt. Nun mußte sich Catinat über den Mincio und Oglio zurück ziehen, und Eugen nahm eine treffliche Stellung bei Chiari, wo er sein Lager meisterhaft verschanzte. Somit hatte dieser Prinz durch das kühne Uebersteigen der unwegsamen Alpen beinahe das Unmögliche geleistet, und durch den ersten auf Italiens Boden erfochtenen Sieg das Vertrauen gerechtfertiget, welches sein l hoher Gönner und Kaiser in ihm gesetzt hatte. Doch war dieses nur ein Vorspiel ju den großen und herrlichen Thaten, welche Eugen im Verlaufe dieses Erbfolgekrieges in Italien wie in Deutschland vollführte, und wodurch er daS übermüthige Frankreich erschütterte, und seinem Untergange nahe brachte. In Frankreich erregte dieser erste ungünstige Erfolg der französischen Waffen große Unzufriedenheit. Ca t ina t wurde zurü ck berufen unv selner Opervefeylsyaverstrrr^ entsetzt, welchen nun der Marschall Villeroi, ein Günstling der bei Ludwig so viel geltenden Madame Maintenon, auf deren Ansuchen erhielt. Villeroi, der wegen der Uebermacht der französischen Streitkräfte von Ludwig den Auftrag zu schlagen erhalten hatte, traf am 22. August bei seinem Heere ein. Er ging über den Oglio, und griff Eugen in seinem verschanzten Lager bei Chiari (am 1. September) an; allein er wurde so völlig geschlagen, daß dritthalbtausend Franzosen gegen wenige Deutsche auf dem Platze blieben, und ein allgemeiner Rückzug erfolgte. Beide Feldherren beobachteten sich noch zwei Monate, und gingen dann in die Winterquartiere; die Franzosen in's Mailändische, die Deutschen in daS Gebiet von Mantua, Guastalla und Mirandola. Aber Eugen war deshalb nicht unthätig. Durch Kundschafter erfuhr er, daß Villeroi in seinem Hauptquartiere in Cremona völlig sorglos fey, daher faßte er den Plan, ihn mitten unter den Seinen aufzuheben, welches auch gelang. Eugen sendete nämlich im Winter ein kleines KorpS nach dieser Stadt, und durch einen Kanal gelang es den Kaiserlichen in der Nacht unbemerkt in die Stadt zu kommen. Sie umzingelten sogleich den Palast, in welchem Villeroi wohnte, und obschon durch das unvermuthete Losgehen eines Gewehres die Franzosen Alarm schlugen, waren die Kaiserlichen doch so glücklich den Herzog gefangen zu nehmen, und ihn zu Eugen zu bringen, welcher ihn sodann zum großen Verdruße der Franzosen und seiner Gönnerin Maintenon nach Wien abführen ließ. Diese ersten glücklichen Fortschritte der kaiserlichen Waffen in Italien durch Eugen waren für Leopold auch in politischer Beziehung von großem Nutzen. Die Seemächte, welche bisher mit Frankreich in Unterhandlungen gestanden waren, aber von ihm keine billigen Zugeständnisse erhalten konnten, brachen nun plötzlich ihre Unterhandlungen ab, und am 7. September 1701 ward ein Schutz- und Trutzbündniß zwischen Oesterreich, England und den Niederlanden geschlossen, welches das große Bündniß genannt wurde. Man wollte dem Kaiser Genugthuung für seine Ansprüche verschaffen, die spanischen Niederlande, Mailand, Neapel und Sicilien erobern, und nicht eher Friede machen, bis Sicherheit vorhanden sey, daß Frankreich und Spanien nie unter einem Zepter vereinigt werden könn« ten; waS aber hingegen die Seemächte im Laufe dieses Krieges von den spanischen Besitzungen in Amerika erobern würden, das sollten-sie behalten. In Folge deS geschlossenen Bündnisses landeten nun 40,000 Engländer in den Niederlanden unter der Anführung des in diesem Kriege so berühmt gewordenen Grafen und nachmaligen Herzogs von Marlborough, an welchen zuerst Preußen mit einer ansehnlichen Truppenabtheilung, dann auch die vier NeichSkreise, der Fränkische, der Schwäbische, und die beiden Rheinischen, so wie noch besonders der Kurfürst von Trier sich anreiheten. Die holländischen und preußischen Truppen rückten jetzt in das kölnische Gebiet ein, um die Franzosen, welche der unpatriotische Kurfürst darin ausgenommen hatte, zu vertreiben, und eroberte die Stadt Kaiserswerth. Endlich trat das gesammte deutsche Reich, außer Baiern und Köln, dem Kaiser bei, und eS erfolgte die förmliche Kriegserklärung deS deutschen Reiches gegen Frankreich. Nichts war vermögend den Kurfürsten von Baiern, Maximilian Emanuel, von seiner Verbindung mit Frankreich abzubringen, und schwer mußt'e diese Gesinnung des Kurfürsten später sein Land büßen. Er überrumpelte am 8. September 1702 in der Nacht das reiche und feste Ulm, und besetzte eS mit seinen Truppen, und der Kaiser, der kein Heer mehr übrig hatte, mußte eS für diesmal ungeahndet lassen. Doch gelang sein Plan, sich mit dem französischen Marschalle Villars zu vereinigen, für dieses Jahr noch nicht, nachdem sich Villars nach der Schlacht bei Friedlingen. welche er dem Neichsheere unter dem Prinzen Ludwig von Baden lieferte, bewogen fand, sich wieder über den Rhein zurück zu ziehen. An der Maas behielt Marlborough gegen die Franzosen die Oberhand. Eugen konnte in diesem Jahre in Italien nur vertbeidigungsweise verfahren, nachdem die französische Macht seiner Macht weit überlegen war, und auch von einem sehr geschickten Generale, dem Herzoge von V en dom e kommandirt wurde. Blos bei Luzzara schlugen sie sich einmal, aber ohne Entscheidung, und bezogen sodann die Winterquartiere. Dagegen nahm 'die verbündete Flotte unter dem Herzoge Ormond im Oktober 1702 im Hafen von Vigo in Galizien dip spanische Silberstotte weg, und zerstörte einen großen Theil der spanischen Seemacht. r. Der spanische Erbkoigekrieg. Vom Jahre 1703 bis zum Jahre 1708. ^)n diesem Jahre (1703) trat auch Portugal, und der Herzog Viktor Amadeus von Savoyen dem großen Bunde bei, welchen Beitritt dieses Land aber schwer entgelten mußte. Die Franzosen überschwemmten es nämlich in kurzer Zeit, und begingen aus Rachsucht darin die grösten Ausschweifungen. Außer den spanischen Niederlanden und im Kölnischen, wo Marlborough die Städte Huy, Limburg, Geldern und Bonn eroberte, war auch dieses Jahr den Verbündeten nicht günstig. So gelang es auch dem Kurfürsten von Baiern sich bei Duttlingen in Schwaben mit Villars zu vereinigen, von wo aus er mit 16,000 Mann einen Einfall nach Tirol machte, indessen Villars zur Bedeckung Baierns zurück blieb. Durch die Explosion des Pulvermagazins bekam der Kurfürst die Veste Kufstein in seine Gewalt, und bald darauf sogar das wichtige Innsbruck. Jetzt erstürmte er die Ehrenberger-Klause, und ging auf den Brenner loS, den Gipfel der tridentinischen Alpen, zwischen dem Inn, der Eisach und der Etsch; aber hier fand er endlich das Ziel seiner Eroberungen. Wie im neunzehnten Jahrhunderte unter Andreas Hofer, so erhoben sich damals unter Anführung des wackern Beamten Martin Sterzinger die tapfer» Tiroler zu Tausenden, besetzten alle Höhen und Passe, durch welche die Baiern ziehen mußten, und gaben ein herrliches Beispiel von aufopfernder Vaterlandsliebe und Anhänglichkeit an das angestammte Fürstenhaus. Von allen Felsenspitzen rollten Steine und Baumstämme, während die nie fehlenden Kugeln auf die Feinde herab ihre Wirkung machten. Der Kurfürst mußte unter großen Verlusten aus dem Lande sich zurück ziehen, und gelang kaum mit der Hälfte seiner Armee nach Baiern, wofür nichts als Kufstein allein noch in seiner Gewalt blieb. Glücklicher für die Verbündeten war das Jahr 1704 in Deutschland, wohin sich Eugen begab, um mit Marlborough gemeinschaftlich zu wirken. Letzterem gelang es durch künstliche und schnelle Märsche den wachsamen und vorsichtigen Feind zu täuschen, und sein Heer von Mastricht bis an den Nekar zu führen, wo sich Ludwig von Baden und Eugen bei Heilbronn mit ihm besprachen. Es wurde beschlossen den Feind anzugreifen, worauf die Vereinigung der Reichsarmee mit Marlborough bei Ulm erfolgte, indessen Eugen an den Rhein vordrang. Der Feind stand in einem festen Lager zwischen Lauingen und Dillingen verschanzt, und um den Verbündeten den Uebergang über die Donau zu erschweren, sandte er einen Theil seiner Truppen unter dem Grafen Arco auf den Schcllen- berg bei Donauwerth, um sich dort gleichfalls zu verschanzen. Diesen rückten die Verbündeten nach, und erstürmten am 2. Juli Abends denselben, wodurch Donauwerth mit seinen Magazinen in ihre Hände siel. Diese Niederlage bewog den Kurfürsten und den Grafen von Mar sin die feste Stellung bei Lauingen aufzugeben und sich nach Augsburg zurück zu ziehen, um den Marschall Tallard, der bereits auf dem Wege war, zu erwarten. Marlborough forderte jetzt den Kurfürsten dringend auf, von dem französischen Bündnisse abzustehen, wozu der Kaiser noch die billigsten Versprechungen hinzu fügte. Schon schwankte der Kurfürst; da aber Tallard sich mit 48 Bataillonen Fußvolk, und 60 Schwadronen Reiterei bei Augsburg mit ihm vereinigte, so verwarf er alle die ihm gemachten Friedensvorschläge. Nun vereinigte sich auch Eugen, der dem Marschalle nachgefolgt war bei Donauwerth mit Marlborough ; der Prinz von Baden aber entfernte sich, um Ingolstadt zu belagern. Bei Hochstädt bekamen sie den gerüsteten Feind zu Gesichte, und es erfolgte hier am 13. August die denkwürdige Schlacht bei Bienheim oder Hochstädt, in welcher die französisch-bairische Armee völlig geschlagen, 20,000 von ihnen theils getödtet, theilS verwundet, und 15,000, worunter Tallard und sein Sohn, nebst 818 Ofsicieren gefangen genommen wurden. Das französische Heer war jetzt so gut wie vernichtet, und der Kurfürst flüchtete mit dem Neste über den Rhein. Sein Land wurde von den Kaiserlichen besetzt, und von einem kaiserlichen Statthalter verwaltet. Eugen und Marlborough hingegen zogen nach Kronweiffenburg, um Villeroi abzuhalten, worauf sich dann Ersterer im Spatherbste nach Wien, Letzterer aber über Berlin und Hannover nach London begab. In diesem Jahre brach auch der Krieg in Spanien selbst aus. Der schwache Philipp V. hatte sich mit einer savoyischen Prinzessin vermält, welche eine ränkevolle Obersthofmeisterin, die Prin- 86 zessin Ursini mitbrachte; wodurch nun ein verhaßtes Weiberregiment mehrere Große von Spanien verdrängte und erbitterte, die bisher AlleS gegolten hatten. Diese Mißvergnügten, welche sich hierauf gröstentheilS nach Portugal wandten, fingen jetzt an, mit den Verbündeten zu unterhandeln, und versprachen den österreichischen Erzherzog Karl als König anzuerkennen, wenn er persönlich nach Spanien kommen, und sich an ihre Spitze stellen wollte. Auf diese Zusicherung erlaubte der Kaiser seinem Sohne Karl abzureisen, und am 1. Marz 1704 landete er mit 12,000 Engländern und Holländern an der portugiesischen Küste, wo er noch ein Heer fapd, mit welchem der König Peter II. von Portugal in Spanien einrückte. Karl legte in einem Manifeste die Gerechtigkeit seiner Ansprüche und seines Krieges gegen Philipp von Anjou dar; doch geschah aber in diesem Jahre nichts Entscheidendes, außer, daß die Engländer den Spaniern daS so wichtige Gibraltar weg nahmen. Etwas mehr ward im folgenden Jahre (1705) ausgerichtet. Karl eroberte nämlich Barcelona, worauf fast alle übrigen Städte von Katalonien, Valencia und Aragonien sich für ihn erklärten. Hierdurch entstand nun ein heftiger Bürgerkrieg in Spanien, worin besonders die uralte Nationalfeindschaft zwischen Kastilien und Aragonien wieder erwachte, und die Ursache von vielen Frevel und Grausamkeiten wurde. Karl versäumte die Gelegenheit, rasch auf Madrid loszugehen, und war überhaupt viel zu wenig Herr seiner Truppen, um sich ihnen kühn anvertrauen zu können, nachdem der Graf Peterborough, der englische HeereSführer sich nichts vorschreiben lassen wollte. Aber auch Philipp von Anjou befand sich in einer ähnlichen Lage, und hing bei jedem seiner Schritte nicht nur von dem Versailler - Kabinete ab, sondern auch der Herzog Berwik, der Anführer der französischspanischen Truppen, war nicht weniger saumselig. Die Soldaten von beiden Heeren begingen in diesem unglücklichen Lande alle nur möglichen Ausschweifungen, womit endlich dieses Jahr verstrich. Im Mai 1706 rückten 30,000 Portugiesen und 12,000 Engländer und Holländer in Estremadura ein, nahmen in Alcantara eine Besatzung von 5000 Mann, die Berwik daselbst gelassen hatte, gefangen, und besetzten ohne Widerstand Madrid. Nun lud man Karl ein, schnell mit dem Heere herbei zu kommen; aber alle Eilboten wurden von den Spaniern aufgefangen, und Karl, der ganz unthä- rig bei Saragossa stand, erfuhr nicht das Geringste davon, daß die Hauptstadt von Spanien bereits sein sey. — Endlich, spät im Juni erhielt er die Nachricht von der Einnahme dieser Stadt/ und brach jetzt mit P eterborough s Heere auf. Minas, der Anführer der Portugiesen verließ die Stadr, um ihm entgegen zu ziehen, wurde aber von Berwik von der Stadt abgeschnilten, und seine Besatzung in Madrid gefangen genommen, worauf Philipp wieder in Madrid einzog. MinaS vereinigte sich nach vielen Umwegen zwar mit Karl, aber beider Heere waren jetzt so geschwächt, daß man gar nicht mehr daran dachte auf die Hauptstadt loszugehen, und Peterborough kehrte bald darauf nach England, und Karl nach Barcelona zurück. DaS Jahr 1707 verstoß dem bedrängten Spanien nicht weniger unglücklich, als die beiden vorigen. Die erwähnte Feindschaft zwischen Kastilien und Aragonien zeigte sich immer greller, wozu Karl und Philipp bloS den Namen hergaben. Philipp erhielt Verstärkungen von Frankreich, und Berwik, da er in Erfahrung brachte, daß ihm daS Oberkommando von dem Herzoge von Orleans, der die Hilfsvölker anführte, abgenommen werden sollte, eilte den Feinden eine Schlacht zu liefern, ehe der neue Kommandant ankomme, und die Lorbeern deS Sieges mit ihm theile. ES kam wirklich am 25. April in der Ebene bei Almanza zwischen ihm und den Verbündeten unter MinaS und Galloway zur Schlacht, in welcher daS verbündete Heer fast ganz aufgerieben wurde, was aber hauptsächlich durch die Ungeschicklichkeit der Anführer geschah. Nach diesem Unfälle ergaben sich bald darauf die Städte Valencias mit leichter Mühe, und nach dem Falle von Saragossa und Le- rida, auch Aragonien und Katalonien, und Karl blieb fast bloS auf die Stadt Barcelona beschränkt. Am 5. Jänner 1705 starb Kaiser Leopold I. und ihm folgte sein Sohn Joseph I. als römischer Kaiser, welcher es sich nun zur grösten Angelegenheit machte, den Krieg mit Nachdruck fortzu- tzen. Eugen wurde mit unumschränkter Vollmacht in Kriegssachen nach Italien geschickt, daselbst den Oberbefehl zu übernehmen; konnte aber, wegen der Uebermacht deS Feindes nur bis an die Adda Vordringen. Glücklicher war Marlborough, welcher anfangs Wittens war sich mit der ReichS- armee unter dem Prinzen von Baden gegen Villars zu vereinigen, was aber der Prinz, der alle Lorbeern allein erndten wollte, nicht zuließ, welcher Eigensinn dann den Verlust von Saarbrück und Trier herbei führte. Marlborough, der nach Mastricht zurück geeilt war, ging dem Marschall Villeroi und dem Kurfürsten, welche sich bei Tirlemont verschanzt hatten, entgegen. Sie verließen bei seiner Ankunft die Linien mir einem Verluste von 7000 — 8000 Mann, und zogen sich bis Löwen zurück. Gerne hätte sie Marlborough hier angegriffen, aber die Mißgunst des holländischen Generals Schlangenberg hemmte seine Bewegungen, und die günstige Gelegenheit ging also verloren. Baiern litt unter dieser Zeit unsägliches Elend. Alles bare Geld wurde erpreßt, alle Waffen wurden abgefordert, die Festungswerke in München geschleift, das Zeughaus ausgeleert, und die junge Mannschaft gewaltsam zum österreichischen Dienste gezwungen. Der Einquartirungen und Kriegssteuern war kein Ende, so wie es auch an zügellosen Ausschweifungen und Plünderungen nicht fehlte, bis endlich der Kaiser den Kurfürsten, der durchaus Frankreichs Partei nicht verlassen wollte, in die Reichsachc erklärte. Den Winter des Jahres 1706 benützte Frankreich zu ungeheueren Kriegsrüstungen, worauf im Frühjahre der Marschall Villeroi mit einem schönen Heere von 75,000 Mann in den Niederlanden erschien. Nach LudwigS des XIV. Plane sollte er sich durch eine glückliche Schlacht den Weg nach Holland bahnen, und in diesem reichen Lande die Mittel zur Führung des Krieges verschaffen; aber eS stand ihm Marlborough gegenüber. Dieser lockte ihn durch eine Kriegslist aus seinen festen Linien bei Löwen heraus in eine Ebene bei dem Dorfe Namillies, und hier kam es jetzt am 23. Mai 1706 zur Schlacht, in welcher Marlborough, obgleich um 8000 Mann schwächer einen entscheidenden Sieg über Villeroi erfocht. 20,000 Franzosen bedeckten daS Schlachtfeld; ihr ganzes Geschütz (88 Kanonen), sämmtliches Gepäck, die Kriegökasse, 80 Fahnen, und selbst die Paucken und Standarten der königlichen Leibwache sielen dem Sieger in die Hände. Mehr als zwei Monate vergingen hierauf, ehe sich das zerstreute Heer der Feinde wieder sammeln, und im Felde aufstellen ließ. Villeroi, der sich mit dem Kurfürsten nach Löwen geflüchtet hatte, wurde daraus von Marlborough verjagt, und diese Stadt, sammt Mecheln, Brüssel, Gent, Antwerpen, Brügge, Oudenarde, und viele andere Städte unterwarfen sich ohne Schwertstreich. Ostende, Ath- und Dendermonde folgten nach kurzer Belagerung. Ganz Brabant, das spanische Flandern, und ein Theil Hennegaus mußte Karl dem HI. huldigen, in dessen Namen zu Brüssel ein Staatsrath gebildet wurde. Eugen, begeistert von Marlboroughs glänzendem Waffenglücke, wollte auch in diesem Jahre eine entscheidende Kriegsthat vollführen. Er verließ Wien, und kam zu Ende Aprils in Italien an, wo sein Stellvertreter, der Graf Reventlow durch Vendüme eine Niederlage bei Ealci- nato erlitten hatte. Eugen sammelte jetzt die Flüchtigen, und verschanzte sich unweit Verona auf's Beste, um die Reichshilfe abzuwarten. Da er aber erfuhr, daß Vendome nach den Niederlanden abgerufen worden sey, so faßte er den kühnen Plan, sich mit dem Herzoge von Savoyen, dessen Hauptstadt Turin durch 38,000 Franzosen belagert wurde, und der mit dem Neste seiner Armee bei Asti stand, zu vereinigen. Mit 24,000 Mann durchzog Eugen das von feindlichen Truppen besetzte Land, setzte über drei Ströme und viele kleinere Gewässer, und legte in wenigen Tagen einen Weg von beinahe 50 Meilen zurück. Die, Feinde erstaunten, und ehe sie noch einen festen Entschluß fassen konnten, bewirkte er seine Vereinigung mir dem Herzoge, und rückte obgleich jetzt nur 37,000 Mann stark, zum Entsätze Turins herbei. Am 7. September griff er das vereinte Heer der Franzosen, dessen Starke über 80,000 Mann betrug, mit Ungestüm an, und nach einem fürchterlichen zweistündigen Gemetzel, wobei der Stadtkommandant Graf von Daun einen wirksamen Ausfall machte, brachte er die Feinde zum Weichen. 5000 Todte, und noch weit mehr verwundete Feinde bedeckten den Wahlplatz, unter welchen letzteren auch der Marschall Marsin war, der Tags darauf an seinen Wunden verschied. Kaum blieben von diesem großen Heere 1600 Mann beisammen. Alle außerordentlichen Vorräthe, 158 Kanonen, 80,000 Fässer Pulver, 55 Mörser, die Krigskasse, und eine unzählige Menge Ochsen und Mauleseln, so wie die Pferde von 13 Regimentern abgestiegener Dragoner wurden eine Beute der Sieger. Durch diesen einzigen Schlag war fast ganz Italien von den Franzosen gesäubert, die Lombardei dem Kaiser gewonnen, und der Herzog von Savoyen in alle seine Staaten wieder eingesetzt. Eugen- Name ward, wie kurz vorher noch Marlboroughs das Gespräch der ganzen Welt. Die Dichter besangen seinen Ruhm Lateinisch und Deutsch; Kaiser Joseph schenkte ihm zum Danke einen prächtigen Degen, und ernannte ihn zum Oberstatthalter von Mailand. Eugen eroherte in einigen Monaten auch jene mailändischen Festungen, welche die Franzosen noch besaßen, und legte dann seine Truppen in die Winterquartiere. Zwei Provinzen der großen spanischen Monarchie, die Niederlande und Mailand, hatte jetzt das Haus Oesterreich den Franzosen glücklich abgerungen, in welch' Letzter» Prinz Eugen im Namen Karl des HI. am 16. April 1707 die Huldigung annahm. Nun lag die dritte Provinz, nämlich Neapel offen da, zu deren Eroberung jetzt unverzüglich geschritten wurde. Man übertrug dieses Geschäft dem Grafen von Daun, welcher auch bald, und sehr leicht, nur mit 8000 Mann das Vorhaben bewerkstelligte. Die Neapolitaner, welche die französische Herrschaft verabscheueten, nahmen ihn überall mit Freuden auf, nur einzig die Stadt Gaeta ausgenommen, welche von dem spanischen Vice- könige, Herzog von Askalona vertheidigt, Widerstand leistete, endlich aber doch mit Sturm'genommen wurde. Am 7. Juli hielten der Graf von Daun, und der zum österreichischen Statthalter bestimmte Graf von Martin itz mit dem Heere ihren Einzug in die Hauptstadt. Die Einwohner, feurige Südländer, bezeugten ihre Freude durch ausgelassene Freigebigkeit. Alle Häuser waren festlich mit Tapeten behängen, alle Balkons kostbar überzogen, und mit Damen in ihrem köstlichsten Schmucke bedeckt. Eine unzählbare Volksmenge durchwogte in unabläßigen Jauchzen die Straßen. Aus den Fenstern und von den Balkonen warfen die Weiber den Soldaten Blumenkränze zu, andere reichten ihnen im Vorbeigehen Früchte und große Becher Weins, und der Jubel wollte kein Ende nehmen. AlleS Volk war auf den Beinen, und durchlärmte die Straßen. In seinem vollen Murh- willen rieß es die im Jahre 1702 auf dem Jesuitenplatze errichtete metallene Bildsäule Philipp deS V. zu Pferde von ihrem Fußgestelle herab, zerhackte und entstellte sie aus aller Kraft, und endigte dann mit der Plünderung aller Häuser französischer Kaufleute. Eugen, der auf Zudringen der Seemächte mit dem Herzoge von Savoyen ihnen bei der Belagerung von Toulon mit einem Heere von 31,000 Mann beistand, aber wegen der Festigkeit dieses französischen Seehafens, und des zum Entsätze heran rückenden, übermächtigen Marschalls von Tess^ zur Aufhebung dieser Belagerung anrieth, kehrte im Herbste des nämlichen Jahres mit dem Herzoge zurück, und eroberte am 3. Oktober die Festung Susa, den Schlüße! zu Piemont von Frankreich auS. Marlborough hatte dieses Jahr gröstentheilS mit Reisen zugebracht, theils um die Könige von Polen und Preußen in ihren günstigen Gesinnungen gegen die Verbündeten zu erhalten, theilS um Karl den XU., König von Schweden, der siegend in Sachsen stand, zu bewegen den Lockungen Frankreichs kein Gehör zu geben, was ihm auch gelang. Am 4. Jänner desselben Jahres starb der Prinz Ludwig von Baden, und an seine Stelle trat der alte unentschlossene Markgraf von Bai- reuth, Christian Ernst, der den ihm entgegen ziehenden Villars nicht gewachsen war. Dieser bemächtigte sich nun ohne Widerstand der Linien von Stollhofen, die so viel Arbeit und Geld gekostet hatten, drang sodann in Franken und Schwaben vor, verheerte daS Land auf barbarische Weise, und trieb von den kleinen Städten ungeheuere Brandschatzungen ein. Notgedrungen, und zum Glücke für Deutschland übergab der Markgraf den Oberbefehl dem weit thätigeren Kurfürsten von Hannover, Georg Ludwig, der eine neue Linie von Darlanden bis Ettlingen zog, und die fast verwilderten Reichsvölker einer strengen Disciplin unterwarf. Durch diese Stellung deS deutschen Heeres wurde jetzt dem französischen Lager die Zufuhr der Lebensmittel abgeschnitten, und der Mangel so groß, daß Villars sich genöthiget sah ohne eine Schlacht liefern zu können, wieder über den Rhein zurück zu gehen, belastet mit einem Raube von mehr als 9 Millionen Gulden. Sieben Jahre hatte der unselige Krieg schon gedauert, und Ludwig XIV., dieser einst sieggewohnte stolze Monarch hatte jetzt den Schmerz, sein großes Reich so erschöpft zu sehen, wie es bereits sein eigener von der Last des Alters geschwächter Körper war. Seine Heere waren überall geschlagen, sein Land erschöpft und verarmt, sein Handel durch die stets umher kreuzenden englischen und holländischen Flotten zerstört. Der Zeitpunkt schien jetzt da, wo man ihm seine drei barbarischen Naubzüge, seine Reunionen, seine hinterlistigen Friedensschlüße, und seine übermüthige Behandlung schwächerer Nachbaren vergelten konnte. Eugen und Marlborough drangen darauf, und der Kriegsschauplatz wurde noch in diesem Jahre (1708) in den Niederlanden aufgeschlagen, welches Land Ludwig abermals mit einem Heere von 80,000 Mann bedrohte. Der Anführer desselben war der 25jährige Herzog von Bourgogne, deS Dauphins ältester Sohn, für welchen Ludwig eine besondere Vorliebe hatte. Der kluge Vendome stand ihm blos als Rathgeber zur Seite, allein bei der Ungleichheit der Gesinnungen, die zwischen Beiden herrschte, ließ sich das Schicksal dieses Heeres und der Ausgang deS FeldzugeS leicht voraus sehen. 3 Der spanische Erbkolgekrieg. Vom Jahre 1708 bis zum Jahre 1714. Indessen war der Anfang für die Franzosen glücklich. Marlborough, der ihnen jetzt noch allein mit ungleich schwächeren Kräften entgegen stand, mußte sich nach Löwen zurück ziehen; die Franzosen besetzten Gent und Brügge, und eroberten die Festung Plassendaal mit Sturm. Jetzt war es höchste Zeit, daß Eugen ankam, sollte nicht ganz Flandern an die Franzosen verloren gehen. Schon standen sie zwischen Aelst und der Schelde gelagert, und Vendome ließ Oudenarde bekennen. Eugen, der Italien durch eine General-Kapitulation beruhigt hatte, und daher in diesem Lande überflüßig war, eilte nun, um den Oberbefehl über die Reichsarmee anzutreten; da aber die Rüstungen derselben so langsam vorwärts gingen, konnte er erst im Juli zu Marlborough stoßen, worauf von Beiden beschlossen wurde, dem Feinde sogleich eine Schlacht zu liefern, um Oudenarde zu entsetzen. Vendome errieth aber ihr Vorhaben, und wollte sich in die nöthige Verfassung fetzen, so lang die Wahl der Stellung und des Ortes noch von ihm abhing; aber hier zeigten sich recht deutlich die Wirkungen der Doppelherrschaft. Der Herzog von Bourgogne bestand darauf, daß man das Treffen vermeiden müsse, so sehr ihm auch Vendome vorstellte, daß man ungleich stärker als der Feind sey. Die Verbündeten gingen also ruhig über die Schelde, besetzten die vortheilhaftesten Posten, und zwangen durch geschickte Wendungen den Feind zur Schlacht. Sie erfolgte am 11. Juli bei Oudenarde zum großen Nachtheile der Franzosen, die wegen den oft wiedersprechenden Befehlen dergestalt in Unordnung geriethen, daß sich zuletzt ganze Regimenter ergeben mußten, und die Zahl der Gefangenen über 8000 Mann betrug. Der Tobten und Verwundeten waren nicht weniger, und hätte nicht Vendome durch einen meisterhaften Rückzug den Rest deS Heeres so wie seinen Ruhm gerettet, so wäre eS völlig aufgerieben worden. Nach diesem Siege rückte Eugen mit 33,000 Mann vor die französische Festung Lille, ein Meisterwerk deS französischen Ingenieurs Vauban, und eroberte am 23. Oktober die Stadt, und am 8. December die Citadelle. Somit fielen Brügge und Gent wieder in die Hände der Verbündeten, und Frankreich lag offen da. Leicht wäre eS jetzt gewesen in das Herz dieses Landes einzudringen, und in Paris die FriedenSbedingungen vorzuschreiben; aber das Kriegssystem hatte sich in jenen Tagen noch nicht zu jener Höhe der heutigen entwickelt, und man hielt es für ein zu großes Wagniß rasch vorzudringen, so lange auch nur Eine vom Feinde besetzte Festung sich auf der Seile befand. Gleich nach Beendigung dieses Feldzuges trat ein außerordentlicher strenger Frost ein, der den Winter dieses Jahres (1709) berühmt gemacht hat. In Frankreich litten die Feldfrüchte, Weinstöcke und Obstbäume ungeheueren Schaden, und der unglückliche Landmann kam vollends auf den Bettelstab. Die Kälte war so groß, daß Bäume und Felsen Niße bekamen, das Wild in den Wäldern, die Vögel in der Luft erstarrten. Durch diesen fürchterlichen Winter büßte auch der kriegerische Karl XII., der in Rußland von Peter dem Großen bei Pultawa geschlagen worden war, sein ganzes Heer ein. Jetzt war eS Ludwig deS XIV. Ernst, den Frieden auf alle nur mögliche Bedingungen zu erbitten. Er fing abermals bei den Niederlanden an, und suchte durch den Grafen von Bergheik, welchem er hiezu einen geheimen Auftrag gab, die Herren daselbst einzeln zu erforschen; aber der Großpensionär Heinsius, der diesen Auftrag erfuhr, gab dem Grafen die stolze Antwort: »Wenn er nicht bevollmächtiget sey, Spanien, Indien, Mailand und die Niederlande abzutreten, und einen vortheilhaf- ten Handelsvertrag einzugehen, so dürfe er sich keine Hoffnung machen, daß man sich über andere vorläufige Punkte mit ihm einlassen werden Der stolze Ludwig, einst gewohnt selbst Bedingungen vor- zuschreiben, gestand jetzt alle gemachten Forderungen zu, allein, nach einer kurzen Berathung Marlborough s mit dem kaiserlichen Gesandten und dem Großpensionär Heinsius, verwarfen diese das Anerbieten Ludwigs, und nannten es nur eine französische Verstellung; wäre es aber dem Könige mit dem Frieden Ernst, so würde er wohl eine förmlich bevollmächtigte Person schicken. Ludwig verstand sich auch zu dieser Meinung, und sandte den Präsidenten Rouillv als Friedensunterhändler nach Holland, worauf im März 1709 einige Zusammenkünfte gehalten wurden. Aber je nachgiebiger Frankreich war, desto unersättlicher waren die Holländer. Da erschienen Eugen und 87 Marlborough in dem Haag, bezeugten ihre Unzufriedenheit mit den Unterhandlungen, und bestanden darauf, daß dem Hause Oesterreich nicht das geringste Stück von der ganzen spanischen Monarchie entzogen werden dürfe. Ludwig, dem der französische Finanzminister erklärte, daß er die Kosten zu einem neuen Feldzuge unmöglich aufbringen könne, beschloß ungeachtet der schon erlittenen Demü- rhigungen die Unterhandlungen noch fortzufetzen, und schickre den Minister der auswärtigen Angelegenheiten den Marquis von Tore y nach dem Haag, welcher den Holländern noch besonders günstige Versprechungen machte, und da sie so gerne viele Barriereplätze (d. i. Festungen, worin sie das Besatzungsrecht hätten) gegen Frankreich haben wollten, so bot er ihnen außer jenen Städten, die ihnen schon Rouille zugestanden hatte, noch Maubeuge und Dornick, und zuletzt noch Lille, die stärkste Festung in den ganzen französischen Niederlanden an. Aber nun erklärten die Holländer, ohne Zuziehung deS Kaisers und Englands nichts beschließen zu können. Eugen und Marlborough kamen am 18. May 1709 wieder im Haag an, und kaum hörten sie, wie viel der Marquis bereits zugestanden hatte, als sie ihre Forderungen noch höher spannten. Marlborough verlangte von ibm die Abtretung Neufundlands in Amerika, und bestand auf eine ansehnliche Barriere für Holland, Deutschland und Savoyen, und auf die Abtretung der ganzen spanischen Monarchie. Das Letzte gab der Marquis zu. Jetzt verlangte aber Eugen für den Kaiser daS ganze Elsaß, und Graf Sinzendorf wollte noch Bourgogne und die 6omtö. Dazu konnte sich Lore y nicht verstehen, und eine von den Verbündeten schriftlich aufgesetzte Forderung schien ihm ebenfalls zu hart. Somit zerschlugen sich diese Unterhandlungen, und daS Schwert sollte neuerdings die Entscheidung geben. Ludwig rüstete sich mit äußerster Anstrengung, und machte dem Volke öffentlich bekannt, daß die Schuld der Fortdauer des Krieges nicht an ihm liege. Die Heere wurden ergänzt, und Villars, der an die Stelle VendomeS getreten war, in die Niederlande abgeschickt. In Deutschland brach der Marschall von Harcourt mit 40,000 Mann ein, plünderte das Kinzingerthal, und schlug den Graf Mercy, der sich ohne Noch mit ihm, mit nur 6000 Mann einließ (am 26. August), nach welchem Verluste in diesem Feldzüge in Deutschland nichts weiter ausgerichtet werden konnte. Villars stand mit 110.000 Mann in einem sehr festen Lager zwischen LenS und Besser, und seine Armee litt großen Mangel an Lebensmitteln. Eugen und Marlborough, 120,000 Mann stark, und dem Feinde an Geschütz überlegen, täuschten den Feind durch einen verstellten Marsch, und nahmen das von^ Mannschaft entblößte Dornik, ohne daß Villars es hätte wagen dürfen, diese Festung zu entsetzen. Jetzt gingen die Verbündeten vor Mons, dessen Eroberung Villars nicht gleichgiltig zusehen konnte. Er verschanzte sich in einer sehr vortheilhaften, mit Bergen und Gebüsche geschützten Stellung zwischen den Dörfern Malplaquet und Blangies vor MonS. Dies drohte die Schlacht, die man ihm liefern mußte, sehr langwierig und blutig zu machen, aber dennoch beschlossen beide Feldherren — die ja noch nie ein Treffen verloren hatten — den Angriff. Er geschah am 11. September, Morgens um 8 Uhr, und bis gegen 3 Uhr Nachmittags dauerte das entsetzlichste Gemetzel, daS mörderischeste in diesem ganzen Kriege, denn eS kostete beiden Theilen 33,000 Menschen. Besonders viel litten die Holländer, die schaarenweise von den französischen Kartätschen nieder gestreckt wurden. Eugen selbst erhielt einen Streifschuß am Kopfe, steckte aber ruhig sein Schnupftuch unter den Hut, und kommandirte fort. Durch die entsetzliche Heftigkeit seiner Angriffe sah Villars sich ge- nöthiget einige Regimenter aus dem Mittelpunkte abzurufen, und seinem linken Flügel zur Verstärkung zuzusenden. Dies bemerkte Marlborough, der an seinem linken Flügel schon 12,000 Mann verloren hatte, brach schnell in diese schwache Stellung ein-, trennte die feindliche Schlachtordnung, und entschied dadurch den Sieg. Villars, am Knie verwundet, mußte sich auS der Schlacht tragen lassen, und Boufflers, sein Nachfolger trat den Rückzug nach Valenciennes an. Nun stand der Weg nach Mons offen, welches sich auch am 20. Oktober an die Alliirten ergab. So war also auch dieser Feldzug für Ludwig wieder verloren, und er mußte die abgebrochenen Friedensunterhandlungen im Frühjahre 1710 wieder anknüpfen. Jetzt war er schon entschlossen und zugleich auch genöthiget, den Forderungen der Verbündeten die größtmöglichste Ausdehnung einzuräumen , als ein unvorhergesehener Zufall ihn von seinem Abgrunde noch rettete, nämlich: der Sturz Marlboroughs in England, und die damit verknüpfte Minifterialveränderung in diesem Lande. Die Ursache hierzu war folgende: Marlboroughs Gemalin, die Mistreß Sara Jennings, anfangs eine Busenfreundin der englischen Königin Anna, war eine von Herrschsucht und Stolz er- füllte Frau. Sie bewog den Herzog, der ihr nur zu sehr nachgab, die Partei der Whigs (Volksfreunde) zu ergreifen, indessen die Königin den Torys (Beschützern der Rechte des AdelS) anhing. Dies gab zwischen beiden Damen zu vielen Zänkereien und Verdrießlichkeiten Anlaß, und eine gewisse Mistreß Masham, eine Kammerfrau der Königin wußte dieselbe zuletzt dahin zu bewegen, daß Jennings, die einige Zeit die Trotzige gespielt hatte, gänzlich aus ihrer Gunst gebracht wurde. Es kam im Monate April 1710 zu einem Bruche, und Sara Jennings mußte den Hof verlassen, worauf viele Anhänger MarlboroughS entsetzt wurden, und auch viele selbst zuvor kommend sich zurück zogen. So ward nun die M a r l b or o u gh'sche Partei gestürzt, was zur Folge hatte, daß von Seite Englands dieser Krieg mit großer Lauigkeit fortgesetzt, und auf heimlichen Wege mit Ludwig den XIV. Frie- densunterhandlungen angeknüpft wurden. Ein Jahr nach MarlboroughS Sturze starb Kaiser Joseph I. (17. April 1711), ohne männliche Nachkommenschaft, ein von seinen Unterthanen geachteter und geliebter Fürst. Dieser Umstand war Ludwig von noch größerem Nutzen, als jener Fall MarlboroughS, denn nun erbte sein Bruder Karl, als Kaiser VI. den Thron, und eS war leicht voraus zu sehen, daß die Verbündeten jetzt nicht mehr darauf bestehen würden, daß er, als Beherrscher Oesterreichs, Ungarns und Böhmens auch noch die ganze spanische Monarchie besitzen sollte. Uebrigens war Karl während der letzten Zeit seines Aufenthaltes in Spanien nicht glücklich. Vendome, den Philipp V. in Dienste genommen hatte, erfocht über die Verbündeten bei Brihuega und Villaviciosa (9. December 1710) zwei wichtige Siege, und beschränkte Karl bloS auf den Besitz von Barcellona. Bei der Nachricht von dem Tode seines Bruders verließ er nun diese Stadt und folglich auch ganz Spanien, und wurde am 22. December 1711 zu Frankfurt von dem Kurfürsten von Mainz mit den gewöhnlichen Feierlichkeiten gekrönt. Indessen dauerte der Krieg in den Niederlanden dennoch fort, aber Marlborough, der mir sehr beschränkten Vollmachten, sein Möglichstes that, konnte nur wenig Fortschritte mehr in diesem Lande machen, und der ganze Gewinn dieses Feldzuges bestand in der Einnahme von Bouchain, welches sich ihm am 13. September auf Kapitulation ergab. Zwar wollte er die Franzosen unter Villa r s auch noch aus O.ueSnoi vertreiben, aber die Holländer versagten ihm ihren Beistand. Das neue Ministerium Englands arbeitete jetzt aus allen Kräften dahin, einen baldigen Frieden, der besonders ihrem Lande großen Vortheil bringen sollte, herbei zu führen. Auf die Holländer, die doch so viel Blut und Geld in diesem Kriege aufgeopfert hatten, dachten sie nicht, und Ludwig unterhandelte mit England allein, welchem Lande er nun in einem im April 1711 abgefaßten französischen Präliminarentwurfe wirksame Sicherheit, und ungestörten Handel in Spanien, Indien und den Seehäfen des Mittelmeeres versprach. Diese Zusicherung machte er auch den Holländern, und noch dazu eine nach dem Gutachten der Krone Englands hinlängliche Barriere zu ihrer Sicherheit. Vergebens protestirten dagegen die Holländer; aber ihr Gesandter, Herr von Petekum, wurde nicht einmal vor Ludwig vorgelassen; — und somit wurden am 8. Oktober 1711 die Friedenspräliminarien zwischen Frankreich und England unterzeichnet. Die Gelegenheit war also versäumt, daS habsüchtige übermüthige Frankreich zu demüthigen, Europa Gerechtigkeit zu verschaffen, und dem durch eine Reihe von Heldenthaten endlich ein Mal zu Boden gedrückten Ludwig die Herausgabe seines Raubes abzuzwingen. Zwar versuchten der Kaiser und die Generalstaaten selbst nach Abschluß dieser Präliminarien noch das Aeußerste, um diesen Friedenskongreß zu Hintertreiben, und Eugen reiste eigendS im Jänner 1712 nach London, wurde aber daselbst kalt empfangen, und kehrte höchst unzufrieden nach Wien zurück. Ihm stand auch Marlborough nicht mehr zur Seite, welcher.vom Unterhause einer Gelderveruntreuung wegen angeklagt, und aller seiner Aemter und Ehrenstellen entsetzt worden war. Nun vertraute Holland seine Truppen Eugen an, der sie vereint mit der Reichsarmee nach QueSnoi führte, um wo möglich den dort verschanzten Villars zurück zu drängen. Indessen drängte die Königin Anna die Generalstaaten auf eine bestimmte Erklärung, ob sie den Frieden annehmen wollten, oder nicht. Nothgedrungen mußten sie wohl einwilligen, und die Stadt Utrecht ward zum Verhandlungsplatze genannt, wo am 29. Jänner 1712 die Verhandlungen unter dem Vorsitze des englischen Bischofs von Bristol eröffnet wurden. Während hier die Engländer zu Gunsten Frankreichs unterhandelten, suchte Eugen dem Letztem im Felde noch so viel Schaden als möglich zuzufügen. Er vereinigte sich im Mai (1712) mit dem Herzoge von Ormond, der an MarlboroughS Stelle den Oberbefehl über das englische Heer in den Niederlanden erhalten hatte, und führte mit seiner ganzen Kunst eine Gelegenheit herbei, den Marschall Villars mit sicherem Erfolge anzugreifen. Aber Ormond war ungeachtet der Vorstellungen Eugens nicht zu bewegen ihn zu unterstützen, sondern erklärte ihm ganz kurz, daß er den Auftrag habe mit Frankreich einen Waffenstillstand einzugehen, wozu er auch Eugen und die Niederländer einlade. Eugen, darüber empört, trennte sich von ihm, eroberte allein O.uesnoi (4. Juli 1712), und ruckte vor Landrecy; Ormond aber besetzte auf eigene Faust Gent und Brügge. Nun war Villars dem Prinzen Eugen weit überlegen, und nahm Denain weg, welches der englische Graf Albemarle zur Deckung der vortrefflichen Magazine im Dorfe Marchiennes hätte vertheidigen sollen, eS aber sorglos außer Acht ließ (24. Juli). Dieser an sich unbedeutende Sieg hatte große Folgen. Eugen mußte jetzt Landrecy aufgeben, und eS sehen, wie die Franzosen trium- phirend in die Niederlande eindrangen, und da die Nachricht dieses Unfalles gerade in dem Augenblicke in Urrecht eintraf, wo man auf der Versammlung über die Forderungen der Niederländer stritt, so nahmen die französischen Abgeordneten sogleich gegen sie einen stolzeren Ton an, und brachen mit ihnen bald darauf alle Friedcnsunterhandlungen ab, um selbe erst nach einem halben Jahre wieder mit ihnen aufzunehmen. — Endlich auf Zudringen Englands Unterzeichneten sie am 29. Jänner 1713 emen Barrierevertrag, der ihnen einige Festungen und feste Schloffer in den Niederlanden verbürgte. Savoyen kam besser davon, denn es erhielt eine treffliche Barriere von Festungen gegen Frankreich, ferner die Insel Sicilien als Königreich mit voller Souverainirät, und die Anwartschaft auf Spaniens Krone, wenn Philipps Nachkommenschaft aussterben sollte. Nur mit dem Kaiser konnte man nicht auf's Reine kommen, weil er noch Truppen in Italien und Spanien hatte, und auch seine Ge- malin sich noch in Barcelona befand. Die Engländer suchten ihn nun auS allen Kräften zu bewegen, daß er Spanien räume, worauf er endlich gezwungen nachgab, und am 14. März 1713 einen Neutralitätsvertrag Unterzeichnete. Dafür bestimmte ihm England die spanischen Niederlande, Mailand, Neapel und Sardinien; womit aber die kaiserlichen Abgeordneten höchst unzufrieden die Unterhandlungen abbrachen. Am 11. April Unterzeichneten jetzt England, Frankreich, Savoyen, Portugal, Preußen und zuletzt auch die Niederlande diesen Frieden. — Nun beschloß der Kaiser, der allein zurück blieb in Verbindung mit Deutschland den Krieg gegen Frankreich fortzusetzen, aber die versprochene deutsche Reichshilfe kam so sparsam und unregelmäßig an, daß Eugen mit dem besten Willen am Rheine nichts unternehmen konnte, und zusehen mußte, wie Villars mit seinem gewaltigen Heere sich am ganzen linken Rheinufer ausbreitete, alle offenen Städte dieser Gegend besetzte und brandschatzte, endlich über den Rhein ging, und das schlecht besetzte Freiburg einnahm. So ging denn ein Feldzug vorüber, in welchem das deutsche Reich nicht nur nichts gewann, sondern noch zwei Festungen verlor. Für die Zukunft ließ sich hier eben so wenig hoffen, weshalb Eugen den Antrag Villars, ob man nicht an irgend einem Orte wegen deS Friedens unterhandeln könnte, mit Bereitwilligkeit aufnahm. Eugen erhielt vom Kaiser Karl den VI. hierzu die Vollmacht, und bestimmte das Schloß Nastadt, wo er mit Villars am 26. November 1713 von den Segenswünschen und Gebeten jedes braven Deutschen begleitet, zusammen kam. Die meisten Schwierigkeiten bei den Unterhandlungen machte die Festung Landau, und die Forderung, daß der Kurfürst von Baiern alle seine Länder wieder erhalten sollte. Doch gab Eugen, um nur den Wiederausbrauch eines Krieges zu vermeiden in den meisten Stücken nach, und der Entwurf kam zu Stande, wozu nur noch die Billigung der Monarchen fehlte, weshalb auch derselbe nach Wien und Versailles geschickt ward. Ludwig wollte feine Forderungen jetzt höher spannen, wurde aber von Villars beschwichtiget, und so kam endlich am 6. März die Friedensurkunde zu Stande. Nachdem die Abschreiber fast die ganze Nacht daran geschrieben hatten, Unterzeichneten sie dle beiden Feldherren früh am Morgen, zwischen 2 und 3 Uhr den 7. März 1713 beim Scheine der Lichter, und fielen einander voll froher Begeisterung in die Arme. ^ . , , _, ^ .. , . . . .. So endigte nach einem 13jährigen blutigen Kampfe dieser spanische Erbfolgekneg, m welchem der Kaiser die spanischen Niederlande, Neapel, Mailand, Sardinien, Mantua, und die toskanischen Seehafen an der westlichen Küste erhielt, aber viel zu wenig gegen jene Landerbesitze, welche ihm Frankreich noch vor einem Jahre hatte zugestehen wollen. Katalonien, welches dem Kaffer noch »mmer unverbrüchlich treu anhieng, ergab sich erst nach einer glänzenden Verteidigung am 11. September 1714 an Philipp den V., womit endlich auch Spanien beruhigt war. (Schluß.) Anna von Bretagne, Kaiser Maximilians verlobte Braut. Jahr 1492. axim ilian I., einer der verdienstvollsten deutschen Kaiser, war der Sohn Kaiser Friedrichs deS IV. und Eleonorens, einer Prinzessin von Portugal. Er erblickte im Jahre 1459 zu Wiener-Neustadt daS Licht der Welt, und vermalte sich in seinem 18. Jahre mit Maria von Burgund, der Erbin des Herzogs Karl deS Kühnen *), in welcher Ehe der Erzherzog Philipp, nachmali- ger König von Spanien, und Vater Karl des V. und Ferdinand deS I. geboren wurde. Im Jahre 1486 zum römischen Könige erwählt, bestieg er nach seines Vaters Tode 1493 den Kaiserthron, aber unter sehr ungünstigen Umstanden. Außer Philipp hatte er aus seiner Ehe mit Maria noch eine Tochter Margaretha, welche an Karl den VIII., den ältesten Sohn Ludwig S deS XI. **), Königs von Frankreich, verlobt wurde. Maximilian war zugleich ein zärtlicher Gatte und Vater. Er liebte seine Maria auf's innigste, und diese schöne liebenswürdige Prinzessin erwiederte seine Liebe auf alle erdenkliche Weise. Leider sollte er aber das Glück, daS ihm aus dieser Ehe sproßte, nicht lange genießen. Auf einer Falkenjagd bei der Stadt Brügge in den Niederlanden, in welcher Maximilian den Winter des Jahres 1483 mit seiner Gemalin zubrachte, stürzte sie in Folge eines Risses des Sattelgurte- vom Pferde, wodurch sie sich an den Hüften dergestalt verletzte, daß sie wenige Tage darauf in ihrem 25. Lebensjahre, und erst im 5. ihrer Ehe ihren Geist aufgeben mußte. Nie in seinem ganzen Leben konnte sich Maximilian dieses unglücklichen Ereignisses anders, als mit Thranen und Seufzen erinnern. Sie wurde nach ihrem Begehren zu Brügge in der Kirche zu Unserer lieben Frau beigesetzt, ihr Herz aber in die Gruft ihrer Mutter bei St. Michael zu Antorf übertragen. *) Karl der Kühne, Herzog von Burgund, war ein Sohn Philipp des Guten, und der Isabella von Portugal. Er war von heftiger, stürmischer Gemüthsart, und es regte sich früh in ihm jener Ehrgeiz, der die Quelle seiner Verirrungen und seines Unglücks wurde. Als er den Kaiser Friedrich den IV. zu Trier besuchte, um den Titel eines Königs und Generalvikars des Reiches zu erhalten, wurde ihm dieser unter der Bedingung versprochen, daß er seine Tochter Maria dem Erzherzoge Maximilian zur Gemalin geben sollte. Karl wurde in der Schlacht bei Nancy am 5. Jänner 1477, als er auf der Flucht seiner Geschlagenen mit dem Pferde in einen Graben fiel, durch einen Lanzenstich getödtet. Sein Leichnam L mit Blut und Koth bedeckt, wurde erst zwei Tage nach der Schlacht gefunden, und so entstellt, daß man ihn nur an der Länge seines Bartes und seiner Näg^l, die er seit der Niederlage bei Murten hatte wachsen lassen, so wie an der Narbe eines Säbelhiebes erkannte, den er in der Schlacht bei Montlherie empfangen hatte. Aus drei Ehen hinterließ er von Isabella von Bourbon, seiner zweiten Gemalin, blos eine Tochter, Maria die Erbin von Burgund. *») Ludwig war einer der unterrichtesten Männer seines Jahrhunderts, klug und fest, und unermüdet thä- tig; er verstand selbst zu regieren, hielt strenge Aufsicht über die Diener und übte Gerechtigkeit, außer da. wo der Vortheil seiner Macht entgegen trat, Im Kriege war Ludwig kühn und tapfer, im Unterhandeln geschickt, aber falsch und hinterlistig. Seine Leidenschaft war, die Macht des Thrones zu erweitern, und Frankreichs Gebietsumfang abzurunden. Unter ihm entstand der 280 Jahre fortdauernde Zwiespalt mit dem Hause Habsburg, als dieses die burgundische Erbschaft nach Karl des Kühnen Tode erwarb. Durch die Hand der Erbin von Bretagne vereinigte sein Sohn und Nachfolger Karl VIII. dieses Herzogthum mtt Frankreich, schloß hierauf mit Oesterreich den Frieden zu Senlis 1493 und unternahm im folgenden Jahre den Eroberungszug nach Neapel, als Erbe der Ansprüche des Hauses Anjou. Damit begann die Eroberungspolitik der französischen Könige gegen Italien, Deutschland und die Niederlande, woraus zuletzt das neuere polltische System von Europa hervor ging. Karl war der letzte Valois der Häuptling, und lhm folgte dann ein Seitenast dieses Stammes, das Haus Orleans. 88 Bald nach dem Tode dieser liebenswürdigen Fürstin zeigten sich aber auch die höchst nachteiligen Folgen für das Haus Oesterreich, nachdem jetzt Ludwig XI., König von Frankreich, mit seinen alten Ansprüchen auf Burgund wieder auftrar, wozu er freilich kein anderes Recht als jenes der Anmaßung hatte. Schon nach dem Tode Karl deS Kühnen, Mariens Vater, der in der Schlacht bei Nancy erschlagen wurde, und Maria zur einzigen Erbin seines Landes hinterließ, gab er sich alle erdenkliche Mühe durch eine Heirath seines ältesten Sohnes, des Dauphin Karls des VIII. mit Mari e n , dieses schöne Reich an sich zu bringen, und um feiner Bewerbung mehr Nachdruck zu verschaffen , ließ er sogar die Provinzen Artois und Piccardie, als seinem Staate am nächsten gelegen, mit französischen Truppen besetzen; aber Maria war mit dem Ansinnen Ludwigs keineswegs einverstanden, und konnte noch weniger zu seinem Sohne, der damals noch ein Knabe und dazu mißgestaltet war, eine Neigung gewinnen. Sie wendete vielmehr ihre Augen auf den schönen ritterlichen Maximilian, und ungeachtet aller Ränke Ludwigs verehlichte sie sich mit ihm zu Gent am 20. August 1477. Jetzt nach ihrem Hinscheiden rächte sich Ludwig dadurch, daß er auf's Neue in den Niederlanden einfiel, und bei der Verwirrung und Kraftlosigkeit, welche damals in Deutschland herrschte, und bei dem fortwährenden Geldmangel, dem Maximilian ausgesetzt war, bewirkte er wirklich ohne große Mühe die Eroberung Burgunds, wozu ihm die gegen Maximilian aufrührerischen und treulosen Burgunder thätigst beigestanden waren. Im Jahre 1491 starb Franz II., Herzog von Bretagne *), mit Hinterlassung zweier Töchter, wovon die älteste Anna sein Herzogthum erbte. Maximilian war mit ihr verlobt, und eilte nun die Ehe zu vollziehen. Dieses Land war damals von verschiedenen Parteien beunruhigt, wovon einige Frankreich, andere England zugethan waren, sich aber um. die Wohlfahrt des Landes und den Vortheil der Fürsten wenig bekümmerten. Wie einst um Maria von Burgund, eben so warben auch um Anna von Bretagne viele Fürsten, in der Absicht, dieses schöne Reich durch eine Heirath zu gewinnen; aber wie bei Maria von Burgund, so lief auch hier bei Anna von Bretagne, Maximilian den Mitbewerbern den Rang ab. Ludwig XI. wollte jetzt ihre Verbindung um keinen Preis zugeben, weil nur die Bretagne ihm noch fehlte, um seine Besitzungen in einen ununterbrochenen Zusammenhang zu bringen, und abermal war es wieder sein Sohn Karl, dem er sie zudachte, und der sie auch durch seine Machina- tionen erhielt. Ueberhaupt ist von diesem Ludwig den XI. zu bemerken, daß er unter den Königen von Frankreich der Erste war, der dieses vor ihm, durch viele von den Königen unabhängigen Großen zerstückelte Land, unter seinem Zepter ungetheilt vereinigte, und somit das Königthum in seinem vollen Glanze herstellte. Ludwigs Sohn Karl war bereits mit Margaretha, einer Tochter Maximilians, und zwar noch zu Lebzeiten Mariens von Burgund verlobt, weit Maximilian hoffte, durch diese Verlobung seiner jungen Tochter mit dem fast eben so jungen Dauphin Karl, den ländersüchtigen Ludwig zu beschwichtigen. Margaretha war bald nach ihrer Verlobung nach Frankreich abgegangen, und es waren schon 9 Jahre verflossen, seit sie an dem königlichen Hofe zu Paris mit Karl erzogen wurde, als jener erwähnte Todesfall des Herzogs Franz des II. in der Bretagne die Gesinnung des Königs Ludwig *) Bretagne, eines der vormaligen Herzogtümer in Frankreich mit der Stadt Renes, zerfällt jetzt in die Departements Niedcrloire, Ille und Vilaine, Cotes du Nord, Finisterre und das Morbihan. Nachdem hier im dritten Jahrhunderte unter dem Kaiser Konstantius Chlorus bedeutende Einwanderungen aus Britanien (woher auch der Name stammt) statt gefunden hatten, befreiete sich Bretagne im vierten Jahrhunderte von der Herrschaft der Römer, und bildete hierauf mehrere republikanische Staaten, die aber zum Schutze nach Außen im engsten Verbände standen. Doch sehr bald traten an die Stelle der Republik kleine Monarchien, nachdem unter verschiedenen Titeln sich Einzelne an die Spitze derselben stellten. Unter Karl dem Einfältigen verloren sie ihre Selbstständigkeit; doch wußten sie sich auch wieder frei davon zu machen. Der Mannsstamm der Herzoge von Bretagne, welchen Titel sie seit dem Jahre 1250 beständig führten, erlosch mit dem Tode Franz des H., der mit dem Hause Orleans gegen Ludwig sich verband, aber besiegt wurde. in Bezug auf diese Heirath gänzlich umänderte. Er bestand jetzt darauf, daß sein Sohn Karl die Erbtochter Bretagnes heirathen müsse, um dieses Land seiner Krone einzuverleiben, und achtete weder der Verträge, die der Herzog Franz mit dem Kaiser Friedrich und seinem Sohne Maximilian, wegen der Vermälung mit seiner ältesten Tochter Anna an Maximilian früher schon geschloffen hatte, noch jenen Umstand, daß sein eigener Sohn Karl durch seine Einwilligung ein langjährig Verlobter Margarethens war. Um nun schneller zu seinem Zwecke zu gelangen, unterhandelte er vorläufig mit dem Papste Innocenz den VII!., welcher diese Verlobung dispenstren sollte, was Innocenz in der Folge auch tdat. Gleich, als die Nachricht von dem Hintritte deS Herzogs Franz von Bretagne an den Wienerhof gelangte, wurden von hier auS Gesandte an Anna abgefertiget, mit dem Bedeuten, ob sie ihres Vaters Willen erfüllen, und Maximilians, deS römischen Königs Gemalin werden wolle. Anna gab ihr Jawort, und den Abgesandten noch überdies ein besonderes eigenhändiges Schreiben an Maximilian mit, worin sie ihre vollkommene Einwilligung zu ihrer Ehe mit ihm auSdrückte, welches Schreiben auch den Kurfürsten bekannt gemacht wurde. Maximilian machte nun unverzüglich die nöchigen Anstalten seine erhabene künftige Gemalin ftandeSmäßig zu empfangen, und schickte in dieser Absicht den Grafen Engelbert von Nassau, und Wolfgang von Polheim, als Bevollmächtigte in Begleitung von 2000 Mann zu ihr nach Renes, ihrem Residenzsitze, wo Ersterer, nämlich Graf Engelbert von Nassau, nach damaliger Fürstensirte, anstatt Maximilians, halb geharnischt das Beilager mit ihr zu Renes vollzog. Nach dieser feierlichen Handlung (April 1492) führte Graf Engelbert die Königin nach Deutschland. Als sie aber in den Niederlanden angekommen waren, und durch das Hennegauische reiseten, begegneten ihnen wie von ungefähr die beiden Herzoge von Frankreich, Karl von Bourbon, und sein jüngerer Bruder von Orleans, jeder mit einer großen Anzahl von Reitern und Fußgängern, und boten bei dieser Gelegenheit dem Grafen, und der Prinzessin Anna daS Geleite an. Engelbert, nichts Arges ahnend, nahm ihren Dienst mit Vergnügen an, und setzte in dieser ansehnlichen Gesellschaft seine Reise weiter fort. Kaum hatte sich aber dieser zahlreiche Zug einer Brücke genähert, so ließen die beiden Herzoge, die anfangs gezeigte Maske von Freundschaft fallen, und ein hinter der Brücke aufgestellter französischer Heerhaufe theilte sich jetzt bei Annäherung der Reisegesellschaft auseinander, und nahm die Prinzessin Anna gleichsam als Gefangene in die Mitte. Darauf naheten sich ihr die beiden Fürsten, Karl von Bourbon und sein jüngerer Bruder, und zeigten ihr im Namen des Königs Ludwig an, daß sie sich gefälligst nach Tour begeben möchte, wo der König ihrer warte, sie persönlich zu sprechen, und ihr eine wichtige Nachricht mitzutheilen; weshalb sie ihre deutsche Gesellschaft indessen in AmienS zurück lassen wolle. Anna, die ihr Schicksal ahnete, fing jetzt bitterlich zu weinen an, und beklagte sich über die ihr angethane Gewalt; allein die beiden Herzoge drangen immer heftiger in sie, und Anna, der Uebermacht nachgebend, mußte sich endlich bequemen ihnen Folge zu leisten. Als sie auf diese Weise gewaltsam nach Tour gebracht ward, empfing sie Ludwig mit tröstenden Worten, und bemühte sich, ihr die Verheiratung mit Maximilian zu widerrathen, nachdem er ihr bedeutete, daß sie das Glück in dem Lande, in welchem sie geboren und erzogen, als eine mächtige Königin zu herrschen, nicht ausschlagen sollte. Als sie seinen Ermahnungen hart widersprach, ihm seine Treulosigkeit vorwarf, und endlich, auch die Gewalt mißbilligte, wodurch sie ihr dem Maximilian gegebene- Wort brechen sollte, schwieg der König, indem er ihr letztlich 5 Wochen Bedenkzeit gab, innerhalb welcher Zeit sie sich entschließen sollte, seinen Sohn Karl zu sheligen. Diese Zeit benützten nun die Günstlinge und Vertrauten des Königs auf alle ersinnliche Weise, wandten Versprechungen und Drohungen an, und wurden durch deS Königs persönlichen Einfluß dergestalt unterstützt, daß endlich Anna, nach Verlauf dieser Frist der Anforderung Ludwigs nachgab, und seinem Sohne das abgedrungene Jawort ertheilte, worauf sie mit glänzender Feierlichkeit in Tours mir Karl getrauet wurde. Durch diese hinterlistige Gewalt raubte Ludwig dem redlichen Maximilian seine Braut, und vereinigte nach ihrer Vermälung mit seinem Sohne Karl, Bretagne mit der Krone Frankreichs. Ludwig XI. überlebte seinen schändlichen Raub nicht lange, denn Argwohn und Todesfurcht marterten ihn so sehr, daß er sich in dem Schlosse Plessis le Tour verbarg, wo er im August 1483 starb. Aber auch Karl, sein Nachfolger, unter diesem Namen der VII!., König von Frankreich, genoß nur kurze Zeit die Frucht seiner Boßheit, nachdem ihn im 5. Jahre seiner Regierung plötzlich bei einer Lustbarkeit der Schlag traf, ohne Erben zu hinterlassen. Anna vermalte sich nun mit Ludwig von Orleans, einem Bruder Karls, der an seiner Stelle König von Frankreich wurde, und dieses NamenS der XII. war. Mit ihm erzeugte sie zwei Prinzessinen, wovon die ältere Klaudia mit dem Herzoge Franz von Angoulöme, seinem Nachfolger vermalt wurde. Dieser Franz wurde späterhin von Maximilians Enkel, dem Kaiser Karl dem V. am 24. Februar 1525 bei Pavia geschlagen und gefangen genommen, und somit der Brautraub seines Großvaters gerochen. An diesem Tage, der einer der unglücklichsten war, die Frankreich zählt, fielen 10,090 Mann. Unter denselben waren viele Personen von dem höchsten Adel, die lieber sterben, als dem Feinde ehrlos den Rücken kehren wollten. Nicht wenig wurden gefangen, darunter der Vornehmste Heinrich d'Al- bret, der unglückliche König von Navarra war. Als Maximilian den schändlichen Raub seiner Gemalin erfahren hatte, wurde er höchst erzürnt, wozu noch der Umstand kam, daß ihm seine Tochter Margaretha, die, wie erwähnt an den treulosen Karl bereits versprochen war, von dem Könige Ludwig wieder zurück geschickt wurde. Maximilian bat jetzt seinen Vater Friedrich, daß er diese beiden Unbilden rächen dürfe, und Friedrich ließ sich auch dazu bewegen, zu welchem Ende er einen Reichstag nach Koblenz ausschrieb. Maximilian begab sich mit dem Grafen Friedrich von Zollern selbst dahin, und fand hier schon vier Kurfürsten, und viele-Stände und Botschafter versammelt. Der Graf von Zollern eröffnet«: nun in einer Rede, welch' große Beschimpfung dem römischen Könige, seinem Herrn durch den Raub seiner angetrauten Gemalin Anna von Bretagne angethan worden sey, und begehrte schnelle NeichS- hilfe, um den Frevel des Königs Ludwig zu bestrafen; aber die Kurfürsten und die anderen Abgesandten entschuldigten sich damit, daß sie nicht im Stande seyen, in so kurzer Zeit ein Heer aufzu- bringen, welches dem mächtigen Ludwig gewachsen wäre, und schützten überdies ihren Geldmangel zur Ausrüstung eines solchen vor. Maximilian machte sie jetzt aber aufmerksam , daß es der deutschen Nation zur ewigen Schande gereichen müsse, wenn sie solchen Schimpf an ihren König ungeahndet ließen, und dies wirkte endlich, daß ihm die gebetene Neichshilfe zugesagt ward. Indessen traf aber die Nachricht von der'Vermälung der Prinzessin Anna mit Karl ein, und Maximilian, der dies für ein Zeichen ihres Unbestandes hielt, und nun selbst einsah, daß ein Krieg in einem so entfernten Lande als Bretagne war, dem deutschen Reiche nur zum großen Nachtheile gereichen müsse, stand jetzt von seiner Forderung freiwillig ab. Nach dem Tode des Kaisers Friedrich des IV. (19. August 1493) *) folgte Maximilian I. ihm auf dem erledigten Kaiserthrone, und nun schritt er zu einer dritten Ehe mit Blanka Maria, einer Tochter des Herzogs von Mailand, Galeazi Maria, auS dem Hause Sforza, einer eben so liebenswürdigen als reichen Prinzessin, mit welcher er jedoch in einer 17jährigen Ehe keine Kinder erzeugt hatte. Auch sie starb, wie einst Maria von Burgund in Folge eineS Pferdstur- zeS auf der Jagd bei Innsbruck, und wurde im Kloster Stams begraben. Kaiser Friedrich IV. hat unter allen römisch-deutschen Kaisern am längsten regiert, nämlich SÄ Jahre, 6 Monate und 17 Tage/ Er war sparsam, uneigennützig, gottesfürchtig und tapfer. Sem Körper war von auffallender Schönheit. Er hinterließ 3 Söhne und 2 Töchter von der nämlichen E leo nora, einer Tochter des Königs von Portugal, von welcher ihm sein ältester Sohn Maximilian in der Regierung nach- folgte. Die heilige Ludmilla, Herzogin in Böhmen. Jahr 921. <^^ie heilige Ludmilla, diese standhafte Bekennerin und Blutzeugm deS christlichen Glaubens, ward im Jahre 857 zu Psov einem Schloße bei der Sradt Melnik in Böhmen geboren. Ihr Vater hieß Slavibor, und war ein Knees oder Graf, der die Stadt Melnik sammt ihrem Bezirk eigenthüm- lich besaß; ihre Mutter soll Lido s la v a geheißen haben. Zu jener Zeit waren die Böhmen noch der Abgötterei ergeben, und nur sparsam leuchtete in diesem Lande das beseligende Licht deS Glaubens. Der heilige Methodius, dieser Apostel Mährens und Böhmens war damals am Hofe Swatopluks, Königs von GroßmährenS, und durch seine rastlosen Bemühungen und seinen echt apostolischen Eifer war es ihm endlich nach unbeschreiblichen Mühen und Drangsalen durch göttlichen Beistand gelungen, den König zum christlichen Glauben zu bekehren, welchem Beispiele alsbald sein Hof und daS übrige Land nachfolgte. Durch Methodius wurde auch Christi Lehre in Böhmen verbreitet, und die erste Veranlassung dazu war folgende: Damals herrschte über Böhmen der Herzog Borziwog, der Sohn deS im Jahre 876 verstorbenen Herzogs Hostiwit. Unter seines Vaters Regierung war Böhmen in einem langwierigen und nachtheiligen Kriege mit dem deutschen Kaiser Ludwig verwickelt, weil eS sich geweigert hatte den jährlichen Tribut an den Kaiser zu entrichten. In einer Schlacht an der Moldau im Jahre 872 wurde Hostiwit völlig geschlagen, und flüchtete sich zum Könige Swatopluk nach Mähren, den er um seinen Beistand bat. Swatopluk gewährte ihm seine Bitte, und siel mit einem Heere in Baiern ein, wodurch Ludwig zum Rückzuge aus Böhmen gezwungen, und dadurch dieses Land gerettet wurde. Sobald Borziwog den böhmischen Thron bestiegen hatte, war er auf die Sicherheir seines Herzogthums bedacht, und knüpfte mit dem Könige Swatopluk ein Freundschaflsbündniß an, wes halb er sich zu ihm nach Mähren in seine Hauptstadt Wellehrad begab. Hier war Methodius am Hofe des Königs, der sich nun diese Gelegenheit zu Nutzen machte, einen heidnischen Herzog zum Christenthume zu bringen, und bewirkte auch durch seine Beredsamkeit so viel, daß sich Borziwog nebst 50 vornehmen Böhmen, woraus sein Gefolge bestand, zum christlichen Glauben bekehrte, und mit großer Feierlichkeit taufen ließ. Ludmilla wurde an Borziwog beiläufig um das Jahr 873 in ihrem 16. Jahre vermälr. Sie war, wie ihre Aeltern im Heidenthume erzogen, und eine eifrige Anhängerin des Götzendienstes*). Nachdem aber ihr Gemal nach empfangener Taufe wieder nach Böhmen zurück gekehrt war, bewog er Ludmilla den Aberglauben der Väter zu verlassen, und die christliche Religion anzunehmen. Bei diesem Bekehrungsgeschäfte stand ihm ein frommer Priester, mit Namen Kaych, welchen Methodius mit Borziwog nach Böhmen voraus geschickt hatte, trefflich bei, und durch ihre Bemühungen brachten sie es in kurzer Zeit dahin, daß Ludmilla aus einer eifrigen Götzendienerin in eine noch eifrigere Christin umgewandelr wurde. Als kurze Zeit darauf der heilige Methodius selbst nach Böh- ) Ae vornehmsten Götter der heidnischen Böhmen waren der Perun, welcher ihr oberster Gott war. ->cach lhm verehrten sie noch einen guten Geist Czernobog, und einen Bösen Belbog. Unter ihren übrigen Göttern hatten nach diesen Swentowit, Radego st und Pieklo das meiste Ansehen. Unter den werblichen Göttern verehrten sie die Klimba, Dyrsa, Kphala, Krosafina und Z e la. <.s ist ungewiß, ob sie ihnen Tempel und Altäre aufgerichtet haben; jedoch hat man an mehreren Orten sehr ungestaltete, kleine, aus Erz gegossene Götzenbilder ausgegraben. 89 men gekommen war, taufte er nebst vielen anderen auch die heilige Ludmilla, und so wurde der christliche Glaube in Böhmen ausgebreitet. Die Wirkungen der göttlichen Gnade zeigten sich bei Ludmilla bald im schönsten Lichte. Alle Schriftsteller der damaligen Zeit, welche sie zu beobachten Gelegenheit hatten, können ihre Frömmigkeit und ihren christlichen Wandel nicht genug preisen und bewundern. Sie war eine der besten, frömmsten und weisesten Frauen, welche jemals gelebt haben, die treueste Gemalin, die zärtlichste, aufmerksamste Mutter und Erzieherin ihrer eigenen Kinder sowohl, als ihrer Enkel; eine wahre Mutter der sämmtli- chen Unterthanen des Staates, eine große Beschützerin der Geistlichkeit und ihres heiligen Amtes, und eine höchst eifrige wahre Schülerin Jesu. Bis tief in die Mitternacht kniete sie täglich im eifrigen Gebete, fastete oft, und übte noch andere strenge Bußwerke, und bewies in allen ihren Bedrängnissen und unverschuldeten Leiden, welche sie späterhin trafen, eine bewunderungswürdige Standhaftigkeit. Ihre Mildthätigkeit gegen Arme und Unglückliche kannte keine Grenzen, Wittwen und Waisen fanden an ihr jederzeit eine großmüthige Beschützerin. Ja selbst in den tiefsten und schmutzigsten Kerkern erquickte ihre eigene Hand, und trösteten ihre salbungsvollen Worte. Unübertroffen aber steht sie als Muster der Sanftmuth und Demuth, und der frommen Ergebung in den göttlichen Willen da. Sie gebar ihrem edlen Gemale zwei Söhne, Spitignew und Wratislaw mit Namen, welche sie ganz ihrem vortrefflichen Karakter gemäß erzog. Borziwog aber erbaute sich an dem frommen Lebenswandel seiner Gemalin dergestalt, daß er beschloß, sich der weltlichen Geschäfte gänzlich zu entziehen, und mit ihr in stiller Einsamkeit ganz den frommen Betrachtungen und den Werken der christlichen Liebe zu leben. Diesen seinen lange genährten Vorsatz führte er auch wirklich im Jahre 905 aus, nachdem er sich mit Ludmilla auf das von ihm erbaute und mit einer Kirche versehene Schloß Tetin bei Prag begab, jedoch aber früher seinem ältesten Sohne Spitignew die Regierung deS Herzogthums überlassen hatte. Allein dieser fromme Fürst starb schon zwei Jahre darnach an einer schweren Krankheit, und die böhmischen Großen und Aeltesten des Reiches fertigten nun an Borziwog eine Gesandtschaft ab mit der Bitte, daß er die Zügel des Reiches wieder übernehmen möchte. Borziwog hatte indessen die Einsamkeit und die beseligenden Wirkungen der wahren Gottesfurcht an der Seite seiner vortrefflichen Gemalin so lieb gewonnen, daß er die Abgesandten auf das Dringendste bat von ihrem Vorhaben abzustehen , und an seiner Statt seinen zweiten Sohn Wratislaw auf den böhmischen HerzogSstuhl zu setzen. Sie verlangten hierauf den Prinzen zu sehen, und obgleich er ihnen noch zu jung an Jahren schien, um über ein Land zu herrschen, wo der Zwist der christlichen und heidnischen Unterthanen ihm das Geschäft des Herrschen- gar sehr erschweren müsse, so nahmen sie ihn doch zu ihrem Herzoge an, hoffend, daß ihn der Geist seines Vaters leiten werde; und so entließ Borziwog nach einer kurzen eindringlichen Ermahnung, in welcher er dem Prinzen die Pflichten eines Regenten, und besonders noch die Benützung der Christen an's Herz gelegt hatte, ihn seiner väterlichen Obhut, und empfahl ihn in den Schutz deS alten Wladiken Dobrosyn und des Bischofs Methodius. ^ Nun waren die böhmischen Edlen besorgt für ihren jungen Herzog eine Gemalm auszusuchen, und ihre Wahl fiel leider auf Drahomira, aus dem mächtigen Stamme Biwog im Saatzer- Kreise, welcher sich dem Lichte deS Glaubens am längsten und hartnäckigsten entgegen setzte. Drahomira war von ungemein reizender Gestalt; sie mußte aber, weil sie eine Heidin war, früher angeloben, daß sie nach ihrer Vermälung mit Wratislaw die Religion ihres Gemals annehmen werde, was sie auch, um zu einer so hohen Würde zu gelangen bereitwillig versprach, allein nach ihrer Huldigung nicht hielt. Im Gegentheile ließ sie seit jener Zeit ihrem tief eingewurzelten Christenhaße freien Lauf, und erregte dadurch in dem noch nicht völlig bekehrten Böhmen viele und blutige Unruhen, als deren Opfer endlich auch die heilige Ludmilla fiel. Drahomira gebar dem Herzoge im Jahre 908 einen Sohn, der in der Taufe den Namen Wenzeslaus erhielt, und nachmals Böhmens Schutzheiliger wurde. Vergeblich drangen bei dieser Gelegenheit ihr Schwiegervater und ihr Gemal lebhaft in sie, daß sie ihr vor der Krönung gegebenes Wort jetzt erfüllen, die heilige Taufe annehmen, und das Heidenthum verlassen solle; vergebens verschwendete auch der heilige Bischof Methodius seine ganze Beredsamkeit, sie von ihrem Irrglauben abzubringen, aber sie blieb hartnäckig, und diese beiden frommen Männer mußten sich nun mit dem Gebete begnügen, daß GotteS Allmacht sie dereinst erleuchten möchte. Herzog Borziwog entschlief im Jahre 910 selig in dem Herrn, und Drahomira hatte mittlerweile ihrem Geniale noch zwei Kinder geboren, mit Namen Boleslaw und Pibibislawa. Nun besuchte die verwittwete Ludmilla ihre Schwiegertochter, und bat sie, da sie zwei Söhne habe, so möchte sie ihr einen davon zur Erziehung übergeben. Die Herzogin beratschlagte sich mit ihrem Geniale, und Ludmilla bekam den kleinen Wenzel, den sie mit sich nach Tetin nahm, und ihn, wie einst ihre Söhne, in Gottesfurcht und Tugend erzog. Wenzel gedieh unter so liebevollen Händen, wie nicht anders zu erwarten war, vortrefflich, und machte auch in den Wissenschaften große Fortschritte, wozu Ludmillas Hauskaplan vieles beitrug. Leider war We.nzel erst 6 Jahre alt, als sein Vater Wratislaw mit Tode abging. Den erledigten Thron verwaltete nun im Namen ihres unmündigen Sohnes Drahomira, aber bald wurde diese neue Regierung den Christen schmerzlich fühlbar. Sie wurden zur Nachtszeit von den Heiden überfallen, geplündert und getödtet, welcher Frevel, weil er immer ungeahndet blieb, auch bald am Hellen Tage ausgeübt wurde. Ereignete sich der Fall, daß ein Heide aus wohlverdienter Rache übel behandelt wurde, so ließ Drahomira wohl zehn Christen die Beleidigung mit dem Leben entgelten. Einst machte sie eine Reise auf daS Schloß Thodor, wo sie das Licht der Welt erblickt hatte, und schwur hier auf dem Grabe ihres Vaters einen schweren Eid, alle Christen bis auf den letzten zu tödten und zu verderben, ja selbst ihren Sohn Wenzel nicht zu schonen. Sodann ernannte die Herzogin den Heiden Palhog zum Richter in Prag, welcher bei NachtS- zeit 600 geharnischte Männer zu sich berief, und ihnen befahl, die Christen in ihren Häusern zu überfallen , zu plündern und zu tödten; da aber die Christen von diesem Anschläge gewarnt wurden, so bewaffneten sie sich ebenfalls, und lieferten den Mördern ein Treffen, worin ihnen Gott den Sieg verlieh, daß alle Heiden den Tod erlitten. Drahomira konnte sich bei dieser Gelegenheit nur durch den Umstand trösten, daß die Zahl der gefallenen Christen nicht geringer, und ihre Macht durch dieses Gefecht nicht schwächer geworden sey. Sie ließ jetzt den Palhog, welcher sich aus dem blutigen Gedränge geflüchtet und in sein Haus versperrt hatte, zu sich rufen, und befahl ihm, in der Christenverfolgung fort zu fahren, worauf dieser eine große Anzahl Heiden mit Waffen versah, und beschloß die Christen am Morgen anzugreifen. Da aber auch von diesem Anschlag die Christen Nachricht erhalten hatten, so waren sie auf ihrer Huth, und erschlugen Palhog nebst den grösten Theil seines Anhanges. Durch diese Niederlage wurde Drahomira noch erboßter. Sie ließ die Kirche Unserer lieben Frauen am Tein, St. Georg und St. Johannes auf dem Schloßberge, und noch viele andere Gotteshäuser nieder reisten, und bei anderen die Thüren vermauern, damit kein andächtiger Christ darin seine Andacht verrichten könne. Wenzel war darüber höchst betrübt, und Ludmilla bat Gott Tag und Nacht, daß er den grausamen blutdürstigen Sinn ihrer Schwiegertochter zum Besten umändern wolle. Es gefiel aber dem Allmächtigen, diesem Wüthen der Drahomira noch einige Zeit zuzusehen, um die Zahl seiner AuSerwählten durch die heilige Ludmilla zu vermehren. Lange schon hatte Drahomira den schändlichen Plan gefaßt, die gottergebene fromme Ludmilla aus dem Weg zu räumen, nur war sie lange über die Wahl ihrer Mittel zweifelhaft. Da berief sie einst ihre beiden heidnischen Brüder Tu man und Kuman zu sich in ihr Gemach, und trug ihnen auf, sie sollten nach Tetin reisen, unter dem Vorwände, die Stadt und das Schloß zu besehen. Dort sollten sie dann unter dem Scheine der Freundschaft ihre fromme Schwäherin Ludmilla ermorden, wofür sie ihnen große Belohnungen versprach. Die beiden habsüchtigen Heiden begaben sich nun eine- Tages mit Sonnenaufgang nach Tetin, wo aber Ludmilla sie bald als ihre grimmigen Feinde erkannte, weshalb sie ihrem Kaplan Paulus beichtete, und das heilige Sakrament deS Altars empfing. Sodann ließ sie ein herrliches Mal bereiten, setzte sich mit ihren Mördern zu Tische, sprach liebreich mit ihnen, und legte ihnen selbst die kostbaren Speisen vor. Nach aufgehobener Malzeit ließ sie ihre Diener zu sich kommen, bezahlte ihnen ihren Sold, gab allen den Kuß deS Friedens, und begab sich Abends in ihr Schlafgemach, wo sie sich nach einem andächtigen Gebete auf ihr Bett legte. Die beiden Wütheriche hatten sich indessen das Gemach der edlen Fürstin zeigen lassen, kamen in der Mitternachtsstunde vor die Thüre desselben, und erbrachen solche. Ludmilla kam ihnen entgegen , und sprach: »Ihr lieben Brüder, warum nahet ihr mit so drohender Geberde? Ich habe doch, ehe Drahomira Herzogin geworden, euch gleich den eigenen Söhnen an meinem Hoflager erzogen « Die Mörder achteten aber nicht ihrer Worte, und rissen die Fürstin zu Boden. Da bat sie, daß man ihr nur kurze Zeit zum Gebete gönnen, und sie nicht erwürgen, sondern ihr lieber das Haupt ab- schlagen möchte, damit ihr Blut zur Ehre Christi fließe. Aber die Mörder weigerten sich dessen, wanden der Herzogin ihren eigenen Schleier um den Hals, und schleppten sie in ihrem Gemache umher, um sie zu erdrosseln; wie sie aber zu dem Steine kamen, auf welchem Ludmilla kniend zu beten pflegte, schlugen sie ihr das Haupt so gewaltig gegen denselben, daß das Blut aus Mund und Augen floß, worauf sie ihren Geist aufgab. Als die Mörder fortgeritten waren, trugen einige aus dem Gefolge der Herzogin, den Kaplan Paulus an ihrer Spitze, den Leichnam dieser frommen Dulderin nach dem Kirchhofe, und begruben ihn daselbst unter großen Wehklagen. So besiegelte Ludmilla ihr heiliges Leben mit dem Martertode, um jenseirS einer unvergänglichen Glorie bei ihrem Heilande theilhafrig zu werden. Kuman und Tu man eilten nach ihrer gräßlichen That zu Drahomira zurück, und empfingen unter großen Frohlocken derselben, ihren blutigen Lohn, womit sie sich in der Gegend von Tetin ankauften. Als Wenzel, welcher indessen auf der Schule zu Budecz den Wissenschaften sich widmete, diese grausame That erfuhr, kehrte er nach Prag zurück, berief seine Vormünder und die Aeltesten des Reiches zusammen, und stellte ihnen vor, daß er nimmer solche Greuel dulden werde; und als Drahomira mit ihrem Sohne Bo leslaw in die Versammlung trat, sprach er zu ihr: »Du weißt es, mxine MMer, wie mein verewigter Vater in seinem letzten Willen mir das Prager Land hinterlassen hat, und wie auch die hier anwesenden Wladiken und Edlen mich als ihren Fürsten anerkannt haben; ich will daher von jetzt an die Negierung selbst führen, und Du, Mutter, magst Dich ruhig und in Stille mit Deiner Morgengabe, nämlich mir dem Schloße Stochow begnügen, und dort friedlich leben, wie eS einer fürstlichen Wittfrau geziemt.« Die Versammlung gab dieser Rede Wenzels einstimmig ihren jubelnden Beifall, und am folgenden Morgen wurde Wenzel auf den herzoglichen Thron gesetzt, worauf sich Drahomira nach ihrem Wittwensitze begab. Wenzel erklärte feierlich, daß er ein Christ sey, und nur über Christen herrschen wolle; und daß Keiner, der einem andern Glauben anhängen würde, sich seiner Gnade zu erfreuen habe. Sogleich befahl der Herzog die nieder gerissenen Gotteshäuser wieder aufzubauen, die verschlossenen Thüren zu eröffnen, und die Andacht ungestört wie einst fortbestehen zu lassen. Die Priester und andere Edle, welche sich vor der Muth Drahomiras geflüchtet hatten, ließ er zurück rufen, stellte den christlichen Gottesdienst in seinem Glanze wieder her, und verrichtete selbst bei dem heiligen Meßopfer häufig und demüthi^ Dienste. Somit wurde durch Wenzels Eifer die christliche Religion, die Drahomira so gewaltsam unterdrückt hatte, bald im ganzen Lande wieder hergestellt, und gegen die Wuth der Heiden kräftig beschützt. Den Leib seiner ermordeten Großmutter Ludmilla, der ganz unverwesen gefunden wurde, und durch welches Wunder sich viele Heiden zum Christenthume bekehrten, ließ Wenzel von Tetin mit vieler Feierlichkeit nach Prag bringen, wo er zur Seite des Herzogs Wratislaw S in der St. Georgskirche zur Erde bestattet wurde. " ' ' .(L KMchMW.^ ^'--..>^-'.,r^ L -' - ß^M M ^ -, ^ -. UMMMW Hanns Erasmus, Grat von TaUenbachs Enthauptung, zu Gratz in Steiermark. Am 1. December 1671. ^-^as Königreich Ungarn war durch die Vermälung Ferdinands deS 1, mit Anna, einer Prinzessin von Böhmen und Ungarn, und Schwester des in der Schlacht bei Mohäcz am 29. August 1526 gefallenen letzten ungarischen Königs Ludwig an Oesterreich gekommen. Der ruhige Besitz dieses gesegneten Königreiches konnte jedoch nur durch unendliche Anstrengungen und viele blutige Kriege gegen die Türken behauptet werden, welche seit der Eroberung Belgrads, der wichtigsten Vormauer Ungarns im Jahre 1522 unaufhaltsam in diesem Lande vordrangen, es gröstentheilS eroberten, und erst nach einem 177jährigen Kampfe unter Leopold dem I. durch den Karlowitzer- Frieden (1699) völlig daraus entfernt wurden. Während dieser Zeit war selbst Wien zweimal nahe daran durch Belagerungen in türkische Gewaltherrschaft zu kommen (1529 und 1683), wenn nicht durch die heldenmüthige Vertheidigung dieser Stadt die Macht der Osmanen gebrochen, und somit Deutschland, Christenthum und Civilisation durch Oesterreichs Tapferkeit und standhaften Muth gerettet worden wäre. Unter Kaiser Leopold dem I., dem fünften Nachfolger Ferdinands des 1., war Ungarn besonders der Schauplatz wilder Bewegungen, welche theilS durch die Fortschritte der Türken, theils auch durch ehrgeizige und mißvergnügte ungarische Große herbei geführt wurden. Leopold, der am 18. Juli 1658 zum römischen Könige erwählt worden war, wendete jetzt alle möglichen Mittel an, daS in seinem Innern zerrüttete Reich zu beruhigen, und um der heran drohenden Gefahr einer Belagerung Wiens durch die Türken entgegen zu arbeiten. Bereits war ganz Siebenbürgen, dieser Zankapfel zwischen Oesterreich und der Pforte, in türkischer Gewalt, und Michael Abaffy als tributärer Fürst von ihnen in diesem Fürstenthume eingesetzt. Ihre großen Zurüstungen erschreckten den Kaiser, welcher auf den 1. Mai 1662 einen Reichstag nach Presburg ausschrieb, der aber durch den Austritt der unzufriedenen protestantischen Abgesandten zu keinem günstigen Resultate führte, sondern im Gegentheile das Mißvergnügen und die Erbitterung der Stände noch vermehrte, die besonders über Mon tecuculiS*) Feldzug in Siebenbürgen unzufrieden waren. Dieses herrschende Mißvergnügen hoffte nun die Pforte zur gänzlichen Eroberung Ungarns benützen zu können, und der Großvezier Achmed Kiuprili drang mit 200,000 Mann in Ungarn ein. Bald siel das belagerte Neuhäusel, und der tapfere Forgäcz mit seinem Heldenhaufen (1663). Schnell begab sich jetzt Kaiser Leopold persönlich auf den Reichstag nach Negensburg, und bewog durch seine dringenden Vorstellungen die Reichsstände, ihm die nöthige Hilfe zu bewilligen. Aber alle Operationen des Heeres wurden durch den offenbaren Zwispalt der kaiserlichen Befehlshaber Strozzi, Zrinyi und Hohenlohe verunglückt. Dies bewog nun den Kaiser den Oberbefehl abermal dem Grafen Montecuculi anzuvertrauen, welcher noch zur rechten Zeit die Reichstruppen mit einem kleinen auserlesenen französischen Heere unter K öligni und la Feuillade vereinigte. Obgleich nur 40,000 Mann stark, schien ^) Graf Raimund von Montecuculi, Fürst von Melfi, war geboren zu Modena im Jahre 1608. Er diente anfangs in der kaiserlichen Armee als gemeiner Soldat unter seinem Oheime Ernst Montecuculi, Kommandanten der österreichischen Artillerie, und ging alle Millitärgrade durch. Er brachte es zum kaiserlichen General-Lieutenant und Hofkricgsraths - Präsidenten, und wurde ein berühmter Heerführer gegen die Schweden, Türken und Franzosen. Er starb zu Linz im Jahre 1680 an einer Wunde, die er durch einen herab stürzenden Balken erhalten hatte. doch dem Grafen eine Hauptschlacht nothwendig, welche auch am 1. August 1664 bei St. Gotthard erfolgte, und dem Großvezier sein ganzes Geschütz und 16,000 Mann kostete, zu welchem glänzenden und erfolgreichen Siege die Tapferkeit der Franzosen viel beitrug. Kiuprili war durch diesen Schlag so betroffen, daß er sogleich Friedensvorschläge machte, in Folge dessen auch schon zehn Tage nach der Schlacht zu Vasvär ein 20jähriger Waffenstillstand abgeschlossen wurde. Die Türken behielten zwar Neuhausel, der Kaiser hingegen erhielt mehrere Gespannschaften und feste Schlösser in Siebenbürgen und Ungarn, und durfte an der Waag eine Festung anlegen. Mit diesem Frieden waren besonders die ungarischen Stände mißvergnügt. Sie nannten ihn übereilt, und ungiltig, weil er ohne ihre Beiziehung geschlossen worden sey, auch achteten sie nicht der triftigen Gründe, welche ihnen der Kaiser wegen diesem schnellen FriedenSabschluße durch seinen Minister vorstellen ließ. Der Kaiser hingegen säumte aber nicht die Friedensartikel zu vollstrecken; verlegte deutsche Besatzungen in ungarische Städte, und erbaute im Jahre 1666 die Festung Leopoldstadt am rechten Waagufer. Besonders mißfällig waren jetzt den Ungarn diese deutschen Besatzungen, und sie forderten daher mit Ungestüm deren Entfernung auS ihrem Lande. Der Kaiser versprach es ihnen, und um sie vollkommen zu beruhigen, sollte ein neues Klos aus ungarischen Unterthanen besoldetes Heer errichtet, und das Reich durch neue Festungen geschützt werden. Aber in den Festungen Szatmar, Onod, Levenz, Neutra und Kälbo blieben die deutschen Besatzungen, und erlaubten sich große Ausschweifungen und Erpressungen, wodurch das Mißvergnügen von Tag zu Tag sich steigerte. Die Magnaten beschwerten sich, daß durch den Beibehalt der deutschen Besatzungen ihre Freiheiten und Privilegien bedroht werden könnten, und betrachteten die Anlegung der Veste Leopoldstadt als eine Maßregel, nicht sowohl die Türken abzuhalten , als vielmehr ihnen Fesseln anzulegen. Die Brand-, Raub- und Mordzüge der Türken in den Gegenden, wo sie Herren waren, vermehrte noch mehr diesen Unwillen, und somit veranstalteten die mißvergnügten Großen den ruchlosen Plan , den Kaiser aus dem Wege zu räumen *), um Ungarn als ein selbstständiges Königreich zu erklären, wobei ihnen der französische Gesandte am wiener Hofe, Grantonville insgeheim großen Vorschub leistete, und wozu auch Venedig Hilfe anbot. An der Spitze der Verschwörung stand der Palatinus Wesselvnyi, dessen Plan war, Ungarn zu einem Wahlreiche, sich selbst aber zum Könige davon zu machen. Ihn ereilte aber schon am 28. März 1667 der Tod in Neusohl. Wesselönyis Tod gab dem Kaiser die erste Gewißheit durch aufgefundene Papiere von dem ungeheueren Verrathe, der ausgeführt werden sollte. An seine Stelle trat jetzt der Graf Peter Zrinyi, Ban von Kroatien, welcher über die Weigerung deS Hofes, ihm das Gouvernement von Karlstadt zu übertragen, höchst unzufrieden war. Unter den übrigen Häuptern der Verschwörung befanden sich der junge Fürst Franz Rägoczy, ein unbedeutender Mann, leichtsinnig und weibisch, der Fürst von Siebenbürgen zu werden hoffte; Nädasdy, Präsident des Obergerichtes, der ungarische Crösus genannt **), dem die verweigerte Palatinstelle mit Rache gegen den Kaiser erfüllte; Franz Frangipani, der Schwesterbruder Rägoczys, Markgraf im Küstenlande, den seine reizende liebevolle Gemalin Julia de Naro oft mit Thrä- nen aber vergeblich von seinem Verbrechen abmahnte, und der Graf Tattenbach, Statthalterin Steiermark, welcher durch seine Gemalin Justina Forgäcz mit allen Häuptern der Mißvergnügten verwandt war. Tattenbach war durch seine Grafschaft Reinstein zugleich reichsunmittelbar, erst 37 Jahre alt, von großem Ehrgeize, aber beschränktem Verstände, und einer unanständigen Feigheit, welche er besonders bei seiner Hinrichtung bewies. Ihm war die Grafschaft Cilly, wo nicht ganz Steiermark als *) Um diesen schändlichen Vorsatz zu bewerkstelligen, wurde zuerst der Hofbrunn vergiftet, jedoch das Gift aufgefunden. Später wurde ein anderer Vergiftungsversuch durch Wachskerzen gemacht, aber der berühmte mailändische Adept Joseph Franz von Borri, welcher an Leopolds Hofe war, rettete den Kaiser. Eben so wollten die Verschworenen ihn, als er im December 1666 seiner Braut, der spanischen Prinzessin Margaretha, nach Schottwien entgegen reifete, bei Pottendorf aufheben, und ihn nach Rasza bei Trentsin unter Stephan Tökölys Obhut ausliefern; da aber der Kaiser zum Glücke einen andern Weg ein- schlug, so vereitelte er gleichfalls dieses hochverräterische Vorhaben. **) In seiner Schatzkammer zu Pottendorf fand man allein 4 Millionen Dukaten bar. der Preis seines Beitritts zugesichert. Dieser nahm es nun auf sich, auS seinen eigenen Bauern, Holzknechten , Bergknappen und herrenlosen Gesindel einige Tausende zu bewaffnen, sich dann des Schloßberges in Grätz zu bemächtigen, und sodann die Stadt selbst den Mißvergnügten und den mit ihnen verbundenen Türken zu überliefern. Nachdem die Verschworenen sich mit dem siebenbürgischen Fürsten Abaffy bereits in's Einver- ständniß gesetzt hatten, nahmen sie Maßregeln zur Truppenaushebung, und 13 Gespannschaften vereinigten sich durch ein förmliches Zusammentreten. Jetzt wurde Kaiser Leopold selbst durch türkische Unterhändler, und durch einen Diener des Grafen Tattenbach von der Verschwörung genauer unterrichtet. Tattenbach hatte nämlich diesen Diener in sein Geheimniß eingeweiht, und da sich dieser eines kleinen Vergebens schuldig gemacht hatte, so ließ ihn der Graf unbesonnener Weise dem peinlichen Gerichte übergeben, woselbst er, um sich zu retten, alles, was er von der Verschwörung wußte, getreulich angab. Tattenbach war damals abwesend auf seinen Gütern, und die beiden seine Stelle vertretenden Grafen Christian Saurau und Hanns Christoph Breuner handelten mit seltener Entschlossenheit, indem sie eiligst die Sache dem Kaiser nach Wien berichteten. Als Tattenbach zurück kehrte, ward er sogleich ergriffen, und in enge Haft auf den Schloßberg gebracht. Lobkowitz, der damals Minister am kaiserlichen Hofe war, vereinigte zweckmäßig Milde mit Nachdruck, handelte schnell, und bot Zrinyi großmüthig Amnestie an, ließ aber zugleich den General 5 p an kau rasch auf Tschakathurn losgehen, wo Zrinyi sich befand. Zrinyi nahm zwar die Amnestie anfangs an, verletzte sie aber gleich wieder, ^und flüchtete sich mit Frangipani bei Nachtszeit aus der Veste, in der Absicht nach Wien zu gehen, um sich dem Kaiser zu unterwerfen. Allein ihr Gastfreund Kory, der einige Unentschlossenheit an ihnen bemerkte, nahm sie gefangen, und ließ sie nach Wiener-Neustadt abführen. Dadurch ward Kroatien beruhigt, und eben so schnell beruhigte General Spork auch Ober-Ungarn. Rägoczy floh zu seiner Mutter, und diese erhielt durch Verwendung ihrer Freunde, Gnade für ihn. — Nädasdv hingegen, welcher bei Kaiser Leopold Rathsherr und Ouäox 6ui-iae in Ungarn war, wurde zur NachtSzeit in seinem Schloße Pottendorf aus dem Bette geholt, und gefangen nach Wien gebracht, nachdem die in Murany, dem Versammlungsorte der Verschworenen aufgefundenen Briefe wider ihn Beweise lieferten *). Nun begann die Untersuchung der Staatsverräther, welche beinahe ein Jahr gedauert hatte, und worin sie ihren Frevel bekannten. Zwar forderten die ungarischen Stände, daß den Beschuldigten aus ihrer Mitte das Recht gesprochen werden solle, allein dies gab der Kaiser nicht zu, und ein deutsches Gericht sprach mit Zuziehung der Universitäten zu Tübingen, Ingolstadt und Leipzig, und des Kammergerichtes zu Speier über die Verschworenen das Urtheil durch Feuertod, nach voraus gegangenem Abhauen der rechten Hand, welches der gütige Leopold aber in Enthauptung umänderte. Sofort wurden an Einem Tage, nämlich am 30. April 1671, Nädasdy zu Wien, und die Grafen Zrinyi und Frangipani zu Wiener-Neustadt mit dem Schwerte hingerichtet. Jetzt war noch Tattenbach übrig, dessen Verhandlungen und Aburtheilung sich in die Länge zog, wiewohl die bei ihm Vorgefundenen Papiere wider ihn zeugten, und noch überdies, in dem Keller seines Hauses Waffen für 6000 Mann vorgefunden wurden. Die Ursache aber, warum -dessen Hinrichtung so lange verschoben wurde, war die getheilte Meinung seiner Richter, unter welchen 4 auf seinen Tod, 6 auf lebenslängliche Haft, und 2 hingegen auf noch gelindere Strafe stimmten. Solchergestalt saß nun der verhaftete Graf bis zum 1. December 1671, wo sodann das Urtheil erfolgte, welches dahin lautete, daß er, als der Rebellion und des Verbrechens der beleidigten Majestät überwiesen, seiner Güter verlustig sey, aller Ehren entsetzt werde, und durch Abhauen des Kopfes und seiner rechten Hand zu sterben habe. Diese Trauerbotschaft hinterbrachte ihm einen Tag vorher Pater Sägel, worüber sich der Graf aber dergestalt entsetzte, daß er ohnmächtig auf sein Bett nieder sank. Als er zu sich gekommen war, fing er bitterlich zu weinen und zu klagen an, und bat in den beweglichsten Worten, daß man ihm noch eine längere Frist zu leben lassen wolle. ES kostete viele Mühe, bis man ihn ankleiden, und auf den bereiteten Wagen tragen konnte. Als er von ungefähr unter *) Seine Gemalin hatte einen gold- und silberdurchwirkten Freibeitsbanner gestickt, den der Kaiser der allezeit getreuen Wiener-Neustadt schenkte, wo er noch zu sehen ist. ' " seiner Bewachung einen rothgekleideten Soldaten erblickte, den er für den Scharfrichter hült, erfchrack er so heftig, daß er wieder in Ohnmacht fiel, auS welcher man ihn erst nach vieler Mühe wieder erwecken konnte. So fuhr er unter stetem Wehklagen den Schloßberg herab, und als man ihn auf das Rathhaus brachte, zog er seine Mütze aus Scham vor die Augen, damit ihn daS Volk nicht sehen möge, welches ihn ohne Ende einen Landesverräther und Landbetrüger nannte, und mit den Worten schloß: »Lange lebe unser allergnädigster Herr und Kaisers Hier gewann er nach und nach wieder so viel Muth, daß er um Schreibmaterialien bat, und in der Nacht eine sehr wehmüthige Bittschrift zur Schonung seines Lebens an den Kaiser aufsetzte, welche er dem Pater Sägel übergab. Am andern Morgen wurde ihm das Todesurtheil in der Versammlung vorgelesen, nachdem er und sein einziger Sohn vorher aus der Landtafel gestrichen worden waren. Noch immer zeigte Latte nb ach keine Lust zu sterben, und hoffte vergeblich auf einen Aufschub, bis ihn endlich ein Rathsherr kurz bedeutete, daß es für ihn keine Frist mehr gebe, und er sich zum Todeswege bequemen müsse. Nun fiel er diesem kläglich weinend zu Füssen, und bat um die Verschonung seiner Hand, und um die besondere Gnade, daß kein Kavalier und keine Dame der Hinrichtung zuse- hen möge. — Er verrichtete sodann seine Andacht, und wurde darauf zur Hinrichtung geführt, welche innerhalb des Platzes beim Murthore früh um 9 Uhr durch Enthauptung vollzogen wurde. Jedoch ging seine Hinrichtung übel von Statten, denn wahrend der Scharfrichter den Hieb führte, fing Latte nb ach auS Angst zu sinken an, und erst beim vierten Streiche fiel sein Haupt. Außer diesen erwähnten Häuptern der großen Verschwörung büßten aber noch viele andere ungarische Edelleute, die damit verflochten waren, theils ihr Leben ein, theils wurden sie mit Landesverweisung bestraft. Man rechnet die Anzahl auf 300. Die Güter der Hingerichteten wurden eingezogen, und ihre Namen aus dem Buche des Adels ausgestrichen. So hinterließ Nädasdy eilf Söhne, welche sich nun die Herren von C re Utz, so wie jene Zrinyis die von G a de nennen mußten. Doch der gütige Kaiser Leopold verlieh ihnen bald ihren alten Familiennamen wieder, und nahm sogar einige Söhne NädaSdys in seinen Hofdienst, wo er ihnen ansehnliche Aemter verlieh *). Für Ungarn überhaupt aber hatte diese Verschwörung noch die Folge, daß es von dieser Zeit an mit Strenge beherrscht wurde. Vergeblich machten die Patrioten, wie die Erzbischöfe Szelspcheni und Szechäny die dringensten Vorstellungen mit dem Beifügen, daß die Verschwörung nur das Verbrechen einiger gewesen, und daher nicht zum gänzlichen Umstürze der beschworenen Verfassung geeignet sey, da der Unschuldige nicht mit den Schuldigen bestraft werden möge. Es verblieb aber bei dieser Strenge; und so wurden den Protestanten die Kirchen und Schulen weggenommen, und ihre Prediger vorgeladen, und die den Revers nicht unterschrieben, vom Lehramte entfernt. Zum Unglücke 'für Ungarn ernannte Kaiser Leopold den Hoch- und Deutschmeister, Johann Kaspar Am- pringen zum Gubernator darin. Dieser war aber ein beschränkter, eigennütziger und grausamer Mann, und es entstanden nun große Zerwürfnisse, wodurch daS Wüthen immer wilder ward. Parteien erhoben sich, unter denen die in der Geschichte bekannten Korutzen durch ihre barbarischen Einfalle in Oesterreich dieses Land mit Jammer und Elend erfüllten, so, daß sich endlich Leopold selbst bewogen fand, den Gubernator wieder abzurufen. *) Ladislaus wurde Bischof zu Csanad; Thomas, Obergespan und Kronhüter; Franz, General im Heere des Kaisers. WKWWW « 8 ^ W ÄH MM ^MW WW Die Gründung der Stadt und des Gisthums Nahen in Ungarn- durch König Gei za. Im Jahre 1074. >^tcphan der Heilige, der erste König von Ungarn, war im Jahre 1038 gestorben, und da mit ihm der berühmte Arpädische Mannsstamm erlosch, welcher diesem Lande fünf ausgezeichnete Führer oder Herzoge *) gegeben hatte, folgte ein 50jähriger Streit um den erledigten Thron. Peter, ein Sohn Giselas, Stephans deS Heiligen Schwester, die an Otto Wilhelm, Grafen von Burgund vermält war, folgte, besonders durch die Verwendung seiner Mutter, zwar dem Stephan als König nach; aber seine Strenge gegen jene, die noch dem Heidenthume, das erst unter Stephan verdrängt wurde, anhingen, und die Begünstigungen, welche er den eingewanderten Deutschen angedeihen ließ, brachte die Nation wider ihn dergestalt auf, daß er sich genöthi- get sah nach einer kaum 3jährigen Regierung in der Flucht nach Deutschland seine Rettung zu suchen, an dessen Statt nun die Ungarn den Samuel, der Stephans des Heiligen zweite Schwester Sarolta zur Frau hatte, zu ihrem Könige wählten (1041). Aber auch Samuel machte sich durch seine Grausamkeiten der Nation verhaßt, und Kaiser Heinrich m., zu dem sich Peter Hilfe suchend geflüchtet hatte, drang in Ungarn ein, und Samuel büßte in einer Schlacht an der Raab Heer und Leben ein (1044). Heinrich ließ jetzt Peter zu Stuhlweifsenburg zum zweiten Male krönen, kaum war er aber mit seinem Heere nach Deutschland zurück gekehrt, so empörte sich abermals ganz Ungarn wider ihn, und auf seiner Flucht wurde er bei Oedenburg gefangen, geblendet und in einen Kerker geworfen, wo er bald nachher starb. Nun bestieg Andreas, hauptsächlich durch Unterstützung seines Bruders Leventha den ungarischen Thron. Sie waren Söhne Ladislaus des Kahlen, die sich nach Rußland geflüchtet hatten, aber während Peters zweiter Regierung von den mißvergnügten Ungarn zurück gerufen worden waren. Andreas mußte vor seiner Krönung angeloben den christlichen Glauben in ganz Ungarn auszurotten, obgleich er sehr ungerne, als König dies sein gegebenes Versprechen erfüllte. Eine große Anzahl Bischöfe, Priester und Mönche wurden nun getödtet, und die meisten Kirchen zerstört. Nachdem aber Leventha, die gröste Stütze der Heiden gestorben war, unterdrückte Andreas sogleich jede Christenverfolgung, und gebot, daß jeder bei Todesstrafe das Heidenthum verlassen müsse. Kaiser Heinrich IH., der Peters Blendung und Tod in dem Kerker erfahren hatte, rückte mit einer neuen Armee heran, um diesen Frevel zu bestrafen, und da Andreas sich allein zu schwach glaubte, so rief er seinen dritten Bruder Bela **) aus Polen zu sich, und versprach ihm den dritten *) Arpad, Zol t an, T a k son y, Geiza und Stephan, König seit dem Jahre 1000. , , **) Bela war mit den beiden Brüdern unter Stephans Regierung entflohen, und gerieth nach Polen zu Micisl aw, als dieser eben Krieg mit dem Herzoge von Pommern führte. Bela uberwand den Pommernherzog während der Schlacht in einem Zwetkampfe, und erhielt dafür Mitis law s Tochter zur Frau, mit welcher er in vergnügter Ehe lebte, und die Sohne: Geiza, Ladislaus und Lampert zeugte, von denen die zwei ersten ihm später als Könige von Ungarn nachfolgten, indessen Lampert nn Privatleben zeitlich starb. 91 Theil des Landes, wenn er ihm mit einem Heere beistehen würde. Bela war mit Micislaws, Herzogs von Polen Tochter, mit Namen Richesa vermalt, und hatte mit ihr bereits drei Söhne: Geiz a, Ladislaus, und Lampert erzeugt, als der Ruf des BruderS zu ihm kam. Er verließ jetzt Polen mit einer ansehnlichen Macht, hauptsächlich wegen der Aussicht auf den ungarischen Thron, und erhielt auch den ihm versprochenen Landesantheil. Diese Theilung war jedoch dem Reiche schon unter seiner Regierung, noch mehr aber unter den folgenden Königen die Quelle der unseligsten innern Zwistigkeiten, und die Hauptursache, daß die königliche Macht nicht zunehmen konnte. Kaiser Heinrich konnte in diesem Feldzuge den Ungarn nichts anhaben, da sie die Gegenden, wo er durchziehen mußte, weit und breit verheerten, wodurch bald ein großer Mangel an Lebensmitteln im kaiserlichen Heere entstand, welches nun den Kaiser zum Rückzuge nöthigte, nachdem er in kleinen Gefechten auch bereits schon viele Leute verloren hatte. Nun vermittelte Papst Leo, der eben in Deutschland war, zwischen Beiden den Frieden, und Heinrich verlobte seine kleine Tochter Sophia, Andreas kaum gebornen Sohne Salomon, welche Ehe im Jahre 1058 zwischen Beiden vollzogen wurde. In dem nämlichen Jahre ließ Andreas seinen 7jährigen Sohn Salomon zu Stuhlweissen- bürg krönen, ungeachtet er seinem Bruder Bela die Thronfolge versprochen hatte, wodurch nun ein heftiger Bruderzwist entstand, der zu vielen Unruhen im Lande Veranlassung gab, und zuletzt in einen offenen Krieg ausbrach. An der Theiß begegneten sich die beiden Brüder, Andreas durch deutsche, Bela durch polnische Hilfsvölker verstärkt, und es erfolgte im Jahre 1061 eine Schlacht, in welcher Andreas geschlagen, und bei einem Sturze von seinem Pferde, von den Hufen seiner fliehenden Reiterei getödter wurde. Jetzt ließ sich Bela zum Könige über Ungarn in Stuhlweissenburg krönen — denn der kleine König Salomo hatte sich nach Hamburg geflüchtet — und regierte mit vielem Lobe; allein schon im dritten Jahre seiner Regierung verlor er in Folge des unter ihm zusammen gebrochenen Thrones in seinem Schloße zu Dömös das Leben (1064). Nach B e la s Tode sendeten seine 3 Söhne: Geiza, Ladislaus und Lambert, alle drei zum Throne reif, und des Thrones würdig — und beispiellos in der Geschichte — keiner deS Throne- begehrend, eine Gesandtschaft an Salomon ab, und luden ihn ein, die Herrschaft in Ungarn zu übernehmen. Salomon säumte nicht diesem willkommenen Rufe zu folgen, und eilte in Gesellschaft des Kaisers und seiner Gemalin nach Stuhlweissenburg, wo er zum zweitenmale gekrönt wurde. Salomon war aber undankbar, denn bald darauf mußten Geiza und seine Brüder nach Polen flüchtig werden, bis die Großen des Reiche- unter Vermittlung des Bischofs Desiderius zwischen ihnen einen Frieden vermittelten. Geiza kehrte mit seinen Brüdern wieder zurück, und erhielt den dritten Theil des Königreichs als Herzogthum, wofür er eigenhändig Salomon zum drittenmale krönte. Von nun an lebten sie einige Zeit ruhig, besiegten in Vereinigung die Kärnthner, welche in Dalmatien eingefallen waren (1066), dann die Böhmen, welche Trentschin verwüsteten (1069), und zuletzt die räuberischen Kumannen und Bissenen (1072). Aber nach der Erstürmung der Beste Belgrad, welche damals den Griechen gehörte, keimte der Same der Zwietracht zwischen Geiza und Salomon wieder auf. Die Ursache davon war die ungleiche Theilung der unermeßlichen Beute, welche sie in Belgrad gemacht hatten, wovon Sal o mo n den grösten Theil für sich behielt, so wie die ungleiche Verkeilung der Gefangenen. Beide Fürsten trennten sich hier mißvergnügt, und Geiza zog in sein Herzogthum. Als er aber hier erfuhr, daß Salomon insgeheim deutsche Truppen wider ihn anwerbe, um ihn aus seinem Herzogthume zu verjagen, und daß man gesonnen sey ihn im Falle der Gefangenschaft zu blenden und einzukerkern, rüstete er sich ebenfalls nach allen Kräften, und zog dem Könige muthig entgegen, welcher die Anführung seines Heeres einem gewissen V i d, einem ränkevollen und äußerst hinterlistigen Manne anvertraut hatte. Bei Kemeny stießen die Heere auf einander, und ein Zweikampf, in welchem der starke Bätor OpuS *), er'w Königlicher, einen Anhänger Geiza s überwand, war die Losung zur Schlacht, welche *) Dieser Bätor soll der Stammvater des nachmals berühmten Geschlechtes Bätori gewesen seyn. Geiz a hauptsächlich durch den Vorrath zweier Unterbefehlshaber, die zum Könige mit ihren Völkern übergingen, verlor, so daß er nur mir großer Mühe in der Flucht sein Leben retten konnte (1073). Indessen war Geiz a s Bruder Ladislaus, welcher von ihm gleich bei dem Ausbruche der Feindschaft zwischen ihn und den König um Hilfstruppeu nach Mähren gesandt worden war, glücklich bei Geiz a in der Gegend von Wachen eingetroffen, wodurch er sich in Stand gesetzt sah dem ihn rastlos verfolgenden Salomon eine nezie Schlacht liefern zu können. Er lagerte sich zwischen Wai- zen und Czinkota, Salomon mit den Seinen aber auf dem Felde Räkos. Ein dichter Nebel ver- Linderte, daß nicht noch am nämlichen Tage die Schlacht geliefert werden konnte; aber kaum war die Morgenröthe des folgenden Tages angebrochen, so begann auch schon der Kampf. Ladislaus hatte seines Bruders Rüstung angezogen, aus brüderlicher Liebe, damit nicht des Feindes gröstes Augenmerk auf Geiz a, sondern auf ihn gerichtet werde. Nun warf sich G ei z a vor dem Heere auf die Knie, und gelobte, wenn er den Sieg erhalten würde, zur Dankbarkeit eine Kirche aufzubauen. Es wurde von beiden Seiten mit großer Tapferkeit und Erbitterung gestritten; aber der Tod Vids, und die Gefangennehmung MarkwartS und Suentobolds, zweier Feldherren deS Königs, entschieden die Schlacht zu Gunsten Geiz a s. Salomon entfloh in Begleitung des treuen Bätor Opus über die Donau nach Wieselburg, wo sich seine Gemalin und Mutter befand, und sodann nach Presburg, um eine günstige Gelegenheit Geiz a neuerdings zu bekriegen abzuwarten. Diese Schlacht, welche von dem Orte, wo sie vorsiel, die Schlacht von Magyorod heißt, siel im Jahre 1074 vor. Nun erfüllte Geiz a sein vor der Schlacht gethanes Gelübde, und gründete die Stadt und das Bisthum Waitzen, und baute die Kathedrale, worüber die Legende folgendes erzählt: Vor der Schlacht ritten Geiz a und Ladislaus zusammen, und besprachen sich über die Schlacht. Plötzlich rief L ad is lau s : »Sah'st Du nichts?-« G eiza antwortete: »Ich habe nichts gesehen.-« Ladislaus aber sprach: »Während wir uns unterredeten, stieg ein Engel vom Himmel; er hielt eine goldene Krone in den Händen, und drückte sie Dir auf das Haupt, daher bin ich gewiß, daß wir siegen. Salomon wird aus dem Reiche fliehen, und Reich und Krone wird Dir der Herr übergeben.-« Geiza sprach: »Wenn Gott der Herr mit unS ist, und uns vor den Feinden schützt, und Dein Gesicht in Erfüllung geht, so erbaue ich auf diesem Platze eine Kirche zu Ehren der aller- heiligsten Jungfrau.M aria.-« Als nun der Sieg errungen war, zog Geiza mit Ladislaus mit mehreren Kriegern hin zu jenem Platz, wo Ladislaus die Erscheinung gehabt hatte, und besprach sich über den Bau der Kirche. Da erschien plötzlich ein Hirsch mit brennenden Geweihen und lief waldeinwärts; dort aber, wo jetzr Waizen steht, hemmte er seinen Lauf; einige Krieger drückten Pfeile auf ihn ab. Der Hirsch sprang aber in die Donau und verschwand. Geiza baute nun dort, wo der Hirsch verschwunden war, die Kirche zu Ehren der allerheilig- sten Jungfrau, stiftete einen Bischofssitz, und gründete eine Stadt, welche er Waizen nannte, weil in der ganzen Gegend Niemand lebte, als ein einziger Eremit Waiz *) genannt. Auf jenem Orte, wo Ladislaus die Erscheinung gehabt, baute Geiza eine Kapelle, und widmete sie dem Apostelfürsten Petrus. Indessen rüstete sich Salomon daS verlorene Reich wieder zu erobern. Mit Hilfe der Deutschen gewann er anfangs einige Vortheile am Neusiedlersee, wo er den Kaiser Heinrich den IV. erwartete, welcher auch wirklich erschien, und bis an die Waag und Neutra vordrang. Aber eben so wie *) Die jetzt in der bischöflichen Stadt Waizen (Vävr) befindliche Kathedralkirche Maria Himmelfahrt ist eine der schönsten Kirchen in Ungarn. Sie wurde zwischen den Jahren 1761 und 1777 vom Kardinal Migazzi nach dem Modelle der Peterskirche, im verjüngten Maßstabe nach dem Plane Eanevals, durch die Piari- sten Oswald gebauet. Das prachtvolle Portale ruht auf zwölf Säulen und die beiden Thürme haben 126 Fuß Höhe. Die Kirche selbst ist 32 Klafter. lang und 11 Klafter breit. Das Hochaltarblatt malte Schmidt aus Krems, den Plafond Maulbcrtsch al lresco. Auch sind die Porträte von 4 Bischöfen merkwürdig, worunter jene des Migazzi und Althan, von außerordentlich schöner Mosaikarbcit sind. Sehenswerth ist auch die Triumphpforte und der bischöfliche Palast, mit schönen Gartenanlagen und merkwürdigen Denkmälern, aus der Römerzcit und dem Mittelalter. feinen Vater zwang auch ihn der Mangel an Lebensmitteln von dem weitern Vordringen abzustehen, nachdem Geiz a die Gegend weit herum verheerte. Zuletzt ging Heinrich auf Zureden des Pattiar- chen von Aquileja, den Geiz a für sich gewonnen hatte, wieder zurück, und Salomon, von ihm verlassen, warf sich nach Presburg, wo ihn Ladislaus belagerte. Als am Cbristtage der Erzbischof Desiderius zu Szegszärd über den Frieden predigte, befahl Geiz a, der zugleich anwesend war, daß alle, außer der Gastlichkeit die Kirche verlassen sollen. Nachdem dies geschehen, warf er sich auf die Knie, und bekannte sich schuldig, daß er das Reich Salo- mons widerrechtlich an sich gerissen habe, und gelobte, eS ihm wieder zurück zu stellen, wenn dieser ihm den dritten Theil der Länder als Herzogthum zusichern wolle. Die Bischöfe und Aebte dankten Gott für Geiz a s frommen Sinn, und eS begannen auch dieserwegen sogleich die Verhandlungen mit Salomon, aber ehe diese noch zu Ende gebracht waren, starb schon G ei z a (1077). Die Großen deS Reiches waren mit Geizas Beschlüße nicht zufrieden, und gaben nicht zu, daß Ladislaus die Krone an Salomon abtrete, weil sie ihn nach seines Bruders Tode einstimmig zum Könige erwählten. Ladislaus ließ sich jedoch nicht krönen, sondern bloS die Krone vor sich hertragen. Auch unterhandelte er jetzt mit Salomon, und dieser entsagte endlich gegen ein bedeutendes Jahrgeld allen Ansprüchen darauf. Aber bald reuete ihn sein Entschluß, und da ihm Gewalr fehlte, so wollte er zur List schreiten, um Ladislaus durch eine freundschaftliche Einladung zu ihn gefangen zu nehmen. Der Anschlag wurde aber entdeckt, und nun that Ladislaus an ihm, wie er gegen ihn gesonnen war. Er ließ nämlich Salomon fangen, und schickte ihn nach Wissegrad in den Kerker, wo er ihn ein ganzes Jahr in Verhaft ließ, und erst bei Gelegenheit der feierlichen Leichen- erhebung des heilig gesprochenen Königs Stephan wieder seine Freiheit gab. Salomon ging jetzt nach Regensburg, wo seine Gemalin war, da ihn aber diese verschmähte, so wandte er sich zu den Kumannen, einem später im südlichen Ungarn ansäßig gewordenen Völker- ftamme; versprach ihrem Führer Kutesk Siebenbürgen, und gelobte seine Tochter zu ehelichen, wenn er ihm beistehen würde Ungarn zu erobern. Kutesk fand sich hierzu willig, und bei UngvLr fielen Beide in Ungarn ein; allein hier kam ihnen Ladislaus entgegen, und schlug sie (1086) vollständig. Aus Ungarn heraus geworfen, sielen sie in das griechische Reich ein (1087), aber auch hier erlitten sie an den Ufern der Pruth von den Griechen eine vollständige Niederlage, in welcher Kutesk selbst blieb. Da es Winter war, und der Schnee in dichten Flocken siel, verirrte sich Salomon auf der Flucht, und warf sich mit wenigen Begleitern in ein wüstes Schloß, um dort sein Nachtlager zu halten. Als er am andern Tag von den Feinden umrungen war, schlug er sich durch, und rettete sich über die eisbedeckte Donau', befahl in einem dichten Walde den Seinen hier zu warten, legte den Schild von sich, ging, hierauf in den Wald tiefer hinein, und versprach bald wieder zu kommen; aber er kam nicht wieder *). Mit dem Verschwinden Salomon s ward endlich der 50jahrige Thronstreit in Ungarn beendigt, und Ladislaus herrschte nach seiner Krönung unangefochten über dieses Land, daS ihm die ersehnte Ruhe, und viele nützliche und wohlthätige Einrichtungen verdankte. Nach seinem Tode wurde er unter die Zahl der Heiligen versetzt. *) Salomon wurde in der Folge noch einmal in Ungarn gesehen. Er kam in Pilgertracht nach Stuhlweisscn- burg, um daselbst dem heiligen Stephan seine Verehrung zu zollen. Er stand unter den Bettlern an den Pforten der Kathedrale, und empfing aus Ladislaus Händen ein Almosen. Dieser erkannte ihn, und wollte ihn umarmen. Allein Salomon wich aus, und verlor sich unter der Menge. Dann wandelte er dem adriatischen Meere zu, und lebte bei Pola in Istrien jahrelang als streng bullender Einsiedler. Ein Priester, der sich auf der Jagd verirrt hatte, gerieth in seine Klaust, eben da er mit dem Tode rang. Diesem entdeckte er seinen Stand, und verschied darauf. In der Hauptkirche zu Pola ruhen seine Gebeine. Er starb im Jahre 1105 nach einem 53jährigen sturmbewegten Leben. — Die Areuzerkindung) durch die Kaiserin Helena. Jahr 325. jener Zeit, wo Rom daS Haupt der Länder und Völker geworden, wo mit Augustus die Herrschaft der Kaiser begann, und die alte Welt äußerlich noch in aller Pracht und in vollem Schmucke glänzte, innerlich aber desto hohler und verderbter war, erschien unter einem der verachtesten Völker, den Juden, Jesus Christus, der Heiland der Welt, brachte Allen, die an ihn glaubten, eine innere Beseligung, die keines äußeren Wohlergehens bedurfte, und bereitete durch seine göttliche Lehre die Wiedergeburt des menschlichen Geschlechtes auf einem Wege vor, welchen auch die Weisesten der gebildetsten Völker nicht gekannt hatten. Die Juden, unter welchen er geboren war, lebte und lehrte, erwarteten zwar einen Messias, oder Heiland; aber mit ganz sinnlichen Vorstellungen und Hoffnungen, daß er sie nämlich zu einem großen und mächtigen Volke machen, und ein glänzendes irdisches Reich aufrichren würde. Allein das Reich welches Jesus verkündigte, war kein Reich von dieser Welt, sondern es war das Reich Gottes, nämlich die Tugend und die Gottseligkeit. Darum ward er von Pharisäern und Sadducäern, von Gesetzlehrern und Priestern auf gleiche Weise gehaßt, der Gegenstand ihrer heftigsten Verfolgungen; darum von ihnen bei dem römischen Landpffeger Pontius Pilatus des Aufruhrs und der Gotteslästerung angeklagt, und von ihm unschuldig zu dem Tode am Kreuze verurtheilt, welche Todesstrafe nur für verbrecherische Sclaven und die ärgsten Missethäter auS dem Volke bestimmt war. Jesus starb für die Sünden der Menschen am Kreuze; stand aber, zum kräftigsten Beweise seiner Lehre und Verheißungen am dritten Tage wieder auf, und lebte noch einige Zeit bis zu seiner Himmelfahrt auf Erden unter seinen Jüngern und Freunden. Nach dem Hingange zu seinem Vater verbreiteten seine Apostel, die nach seiner Verheißung den helltgen Geist auf wunderbare Weise empfangen hatten, seine göttliche Lehre. Sie predigten mit aller Kraft einer vollen innigsten Ueberzeugung das Evangelium (d. i. frohe Botschaft) , und stifteten aus denen, welche ihr Wort annahmen, zu Jerusalem die erste christliche Gemeinde, welche aber von den Anhängern der alten Lehre viele Verfolgungen zu erdulden hatte. Bald aber, nachdem sich die Apostel überzeugt hatten, daß die Heilbotschaft an alle Menschen gerichtet sey, breiteten sie ihres Meisters Lehre auch unter den Heiden und zwar mit ungemeinem Erfolge oms, wobei der wunderbar bekehrte Paulus, ein Geist voll Feuereifer und Scharfsinn, voll Liebe und meiste Verdienst hatte. Besonders durch ihn wurde das Christenrhum in Syrien, Klein- Asien, Griechenland und Makedonien verbreitet, von wo aus es bald nach Rom und Italien, und noch zu Zeiten der Apostel nach Afrika und zu den jenseits der östlichen Grenze deS römischen Reiches gelegenen Länder drang. — Auf den ersten Blick befremdet diese schnelle Verbreitung des Ehristenthums in einem Zustande der Welt, welcher derselben durchaus widersprechend scheint; denn die damaligen höheren Klassen, die Vornehmen und Begüterten lebten in einem beständigen Wechsel der sinnlichen Genüße, und m einem steten Trachten, die Mittel zur Fortsetzung der Genüße herbei zu schaffen. Beides ist mit dem Geiste des Christenthums unvereinbar. Diese Klassen hatten gar keine Religion, denn dle sogenannten Mysterien (d. i. Geheimniße) des HeidenthumS, welche damals StaatSreligion waren, wurden von ihnen als lächerlich und dem Verstände nicht genügend, heimlich verspottet. Diejenigen, welche den unendlichen, wunderbaren Geist in der Natur ahneten, erblickten darin doch kein Heil noch ^rost für den Menschen, sondern betrachteten die Gottheit als eine um die Schicksale der Menschen unbekümmerte Macht, die Menschen selbst aber der Gewalt des Fatums (d. i. einer unerbittlichen Noth- Wendigkeit) preis gegeben. Edlere Seelen wandten sich den Lehren der Stoa, oder des Platonismus zu; aber die erftere gab stolze Allgenügsamkeit, ohne Liebe und Demuth; und der zweite, noch der beste Lehrbegriff der Alten, der doch die Unsterblichkeit der Seele zugab, war nur das Eigenthum weniger Eingeweihten. Der große Haufe des Volkes selbst lebte in völliger Unwissenheit, entbehrte jedes positiven Religionsgrundes, lebte in Unglauben und einem schändlichen Aberglauben. Aber das religiöse Bedürfniß ist der menschlichen Natur tief eingepflanzt, und gewaltsam zurück gedrängt, geräth es auf gefährliche Irrwege. Die Leere deS Herzens, die Angst im Unglücke, welche durch keinen Glauben an eine göttliche Weltregierung getröstet wird, und die quälende Ungewißheit von der Fortdauer und dem Schicksale der Seele nach dem Tode mußte einer Lehre, die in allen diesen Punkten Licht und Trost verschaffte, bei noch unverdorbenen Gemüthern einen bereitwilligen Eingang gestatten. — Anderseits lag die schnelle Verbreitung des Christenthums auch in dem gänzlichen Verfalle der alten heidnischen Religion, so wie in der Unzulänglichkeit jener Mittel, welche man zu ihrer Wiederherstellung anwandte. Der Untergang des alten Staatsthums im römischen Reiche, die Grausamkeit und Willkür der Kaiser und Herrscher, denen Leben und Güter der Menschen preis gegeben war, zeigten deutlicher als je die Unsicherheit alles weltlichen Besitzes und Glückes, und mußte viele Gemüther für eine Lehre geneigt machen, welche in der Tugend unvergängliche Güter darbietet, und bei der Ueberzeugung von Gottes Allwissenheit und Beistände, einen unerschütterlichen Muth in Ertragung der Lelden gewähret. — Auch erregte der reine, stille und tadelfreie Lebenswandel der meisten ersten Christen Bewunderung und Nacheiferung; und nimmt man noch jenen Umstand hinzu, daß zu jener Zeit, wo das Christenthum verkündiget wurde, daS römische Reich sich über eine halbe Welt ausdehnte, und somit den Verkehr der Völker ungemein erleichterte, daß die griechische und römische Sprache fast überall verstanden wurde, und die allenthalben zerstreuten Juden den Verkündigern des Evangeliums gewisse Anhaltspunkte darboten, so wäre die schnelle Ausbreitung des Christenthums auch aus diesen äußeren Gründen begreiflich, wenn nicht der göttliche Lehrmeister selbst eine schnelle Ausbreitung seiner Lehre seinen Aposteln und Jüngern schon vorher verheißen hätte. Aber selbst die Verfolgungen, welche das Christenthum auszustehen hatte, trugen wesentlich zu seinem Wachsthume bei. Die Alten, und insbesonders die Römer glaubten das Heil ihres Staates ganz von der Verehrung ihrer Götter abhängig. So lange also diese Meinung bei ihnen in Ansehen war, mußten sie die Anhänger einer Religion, die jene Verehrung verbot, als strafwürdig betrachten. Auch die enge Verbindung der Christen unter einander wurde politisch gedeutet, und erregte bei ihrer großen Vermehrung Argwohn und Furcht. Zu diesen kam noch, daß man die ersten Christen mit den gehaßten und verachteten Juden verwechselte, welche von den eifrigen Anhängern des Heidenthums als gottlose Menschen betrachtet wurden, weil sic bei ihnen die religiösen Gebräuche, Götterbilder und Opfer vermißten. Der unerschütterliche Muth, welchen die Christen bei ihren Verfolgungen an den Tag legten; die Unerschrockenheit, womit sie ihre Lehre bekannten; die Verachtung, welche sie den Richtern erwiesen, die sie von ihrem Glauben abbringen wollten; vorzüglich aber die unerschütterliche Standhaftigkeit, welche sie bei Erduldungen von Martern, worüber die menschliche Natur schaudert, an den Tag legten, und die Freudigkeit, womit sie in den Tod gingen, um den Verheißungen Christi theilhafrig zu werden, gewann ihnen unzählige Anhänger aus den Heiden, welche Aehnliches noch nicht erlebt hatten, und durch die heldenmüthige Duldung und Ergebenheit dieser Blutzeugen gerührt, zur Annahme einer Lehre bewogen wurden, die so außerordentliche Wirkungen bei ihren Bekennern offenbarte. Man zählt zehn große Christenverfolgungen bis zu jener Zeit, wo es Gott gefiel seinem Reiche auf Erden Ruhe und Sicherheit zu schenken. Die erste erregte der blutdürstige Kaiser Nero, um den Verdacht der von ihm angezündeten Stadt Rom von sich weg und auf die Christen hinüber zu walzen *). Er ließ bei dieser Gelegenheit viele Tausende derselben auf eine grausame Weise hinrichten, und entweder lebendig verbrennen, oder sie den wilden Thieren vorwerfen. Doch scheint sich diese Ver- *) Daß gleich keim Beginne der Ausbreitung des Christenthums die Juden eine Verfolgung wider die Christen erregten, ist schon bemerkt worden, aber weil sie damals schon unter römischer Botmäßigkeit standen, ihnen also die nöthige Gewalt fehlte, so konnten sie ihre Verfolgungen nicht ganz nach ihrem Willen ausführen. Doch sielen Stephanus, und die Apostel Jakob der ältere und der jüngere als Opfer derselben. folgung nicht außerhalb der Stadt erstreckt zu haben. Die zweite entstand unter dem Kaiser Do-, mitian im Jahre 95, welcher durch den Namen König, den die Christen Jesum beilegen, irre geführt, durch fruchtlose Nachforschungen viele Christen besonders in Klein-Asien umbringen und verjagen ließ. Als die dritte Verfolgung der Christen wird Trajans Gesetz^ gegen geschlossene Gesellschaften und geheime Verbrüderungen betrachtet, welches er im Jahre 105 heraus gab, wodurch viele Christen, welche sich aus Furcht zur Nachtszeit in abgelegenen Gebäuden und Katakomben (d. i. unterirdische Begräbnißplätze) der Andacht wegen versammelten, als Widerspenstige eingezogen und hin- gerichtet wurden *). Von dieser Zeit an genoß, mit Ausnahme eines vorüber gehenden Sturmes in Klein-Asien (um daS Jahr 160), in welchem der Apologete Justin u s, und der Bischof von Smyrna, Polykarpus der Volkswuth sielen, das Christenthum Ruhe, bis zu den Zeiten der Regierung des Kaisers Markus Aurelius im Jahre 177, der besonders in Gallien (dem heutigen Frankreichc) viele Bekenner Christi dem Marterertode weihte, welches man. als die vierte Christenverfolgung an- nimmt. Die fünfte fand im Jahre 192 Statt, wo durch einen wilden Ausbruch des heidnischen Volkes, welches seine Götter von den Christen verspottet sah, dieses unter ihnen schreckliche Blutbäder anrichtete. Kaiser Se p tim tu s Severus verbot im Jahre 202 unter großen Strafen den Ueber- tritt zum Christenthume, und bereitete demselben große Drangsale. Die sechste erneuerte Maximin, welcher aber meistens nur Gelehrte und Geistliche bedrückte. Die siebente hatte unter dem Kaiser Decius im Jahre 249 ihren blutigen Anfang genommen, und es wurden durch ihre Allgemeinheit und schonungslose Grausamkeit unzählige Christen geopfert, durch ihren Schrecken aber auch Viele zum Abfälle bewogen **). Unter Valerian (257) begann die achte Verfolgung, und diese kostete gleichfalls wieder vielen Bischöfen und Priestern daS Leben. Die neunte war unter Aurelian (274), doch nur vorüber gehend; desto härter und umfassender aber war die zehnte und letzte Christenverfolgung unter dem Kaiser Diokletian im Jahre 303. Wahrend dieser wurden im ganzen römischen Reiche die christlichen Kirchen zerstöret, die heiligen Bücher den Christen weggenommen und verbrannt, und alle nur ersinnlichen Mittel unmenschlicher Grausamkeit angewendet, um sie zur Verläugnung ihres Glaubens zu bringen. Tausend und abermal Tausende erlitten den Märterertod, und bis zum Jahre 310 dauerten im ganzen römischen Reiche Verhaftungen und Hinrichtungen der Christen fort. Besonders war Aegypten der Schauplatz der ärgsten Tyrannei gegen die unschuldigen Bekenner Christi, welche in dieser Schreckensperiode eine fast übermenschliche Standhaftigkeit bewiesen. Doch der Zeitpunkt war nahe, wo den muthigen Streitern deS christlichen Glaubens eine feste Ruhe und eine ungetrübte Ausübung ihrer göttlichen Religion gestattet werden sollte. Konstantin der Große bestieg im Jahre 312 den römischen Kaiserthron, und ein Jahr darauf nahmen die Drangsale, welchen die Christen seit mehr als 300 Jahren ausgesetzt waren, durch ein kaiserliches Edikt ein erfreuliches Ende. Er gestattete ihnen dadurch volle Religionsfreiheit, stellte ihnen die gewaltsam entrissenen Kirchen wieder zurück, ließ die zerstörten wieder aufbauen, setzte sie in den ungckränkten Besitz ihrer geraubten Güter, und machte zuletzt durch seinen J-lebertritt zum Christenthume diese zur Staatsreligion in seinem Reiche. — Konstantin, mit dem Beinamen der Große, geboren im Jahre 274, war der Sohn des Kaisers Konstantins Chlorus und der Helena, und regierte vom Jahre 306 bis 337. Helena, welche vom niederen Stande, aber eine Christin, und eine Frau von allen jenen Tugenden war, womit die wahren Bekenner der Lehre Jesu erfüllt werden, hatte durch sorgsame Pflege und Erziehung ihren Sohn dem Christenthume geneigt gemacht. Nach seines Vaters Tode wurde er von *) Von jener Zeit stammt zum Andenken in der katholischen Kirche der Gebrauch her, das heilige Meßopfer auch bei Tag bei angczündeten Kerzen zu feiern. **) Die Meisten, welche sich in jenen Jahrhunderten zum Evangelium bekannten, waren Erwachsene; es ist daher voraus zu setzen, daß wahrer innerer Drang sie zu einem Schritte führte, der sie so vielen Gefahren preis gab, und ihnen noch überdies so manche Entbehrungen und Entsagungen auferlegte. Es ist jedoch gewiß, daß darunter Viele, angelockt durch die besondere Wohltbätigkcit der Christen, von der sie leben konnten, also aus unreinem Beweggründe diese Religion annahmen; andere hingegen abergläubische Vorstellungen mit hinein brachten, wieder andere keine wahre Herzens und Sinndsreinigung dadurch annahmen; und diese allein waren die Abtrünnigen in den Tagen der Verfolgung. den Soldaten als Kaiser ausgerufen, und nahm die Lander, die sein Vater beherrscht hatte, nämlich Frankreich, Spanien und England in Besitz. Er hatte mit zwei Mitkaisern, dem Maxentius und Maxr minus, die sich wider ihn verbunden hatten, zu kämpfen. Als er wider diese nach Italien rückte, soll er am Himmel ein flammendes Kreuz mit der Inschrift: In lioe «ixn» vinee« (mit diesem Zeichen wirst Du siegen) gesehen haben, weshalb er auch eine Fahne mit einem Kreuze verfertigen ließ Er schlug einige Tage darauf (am 27. Oktober 312) das Heer des Maxentius, welcher selbst auf der Flucht m der Tiber ertrank, vor Nom, und zog als Kaiser in diese Stadt ein. Auch den Licinius, einen dritten Gegenkaiser überwand er in Ungarn, damals Pannonien genannt, im Jahre 325, und wurde somit Allemherr des ganzen römischen KaiserthumS. Als solcher bemerkte man in seinen wohltätigen Dekreten sogleich den mächtigen Einfluß, den das Christenthum auf selbe gehabt hat, und seine Gesetze wurden ganz im Geiste desselben abgefaßt. Um sein ungeheueres Reich besser überschauen zu können, erbaute er die Stadt Konstantinopel (im Jahre 329) an die Stelle des alten Byzanz in Thrazien an den Bosporos (der heutigen Meerenge von Konstantinopel), welche neue Stadt, besonders wegen der beständigen Gegenwart des Kaisers bald zu einer solchen Höhe gelangte, daß das alte Rom von seiner Größe herab sank *). Er starb auf einem Zuge wider die Perser in Nikomedien im Jahre 337 im 63. Jahre seines Alters, nachdem er sich kurz zuvor hatte taufen lassen. Konstantin war in jedem Anbetracht ein großer Mann; tapfer, klug und gütig; allein er beging den großen Fehler, daß er in seinem Testamente sein Reich unter seme 3 Söhne: Konstantin, Konstant ius und Konstanz Heilte, wodurch der Untergang und Verfall des weströmischen Reiches vorbereitet wurde. Seine fromme Mutter Helena, die hauptsächlich durch ihre Bemühungen ihren Sohn zur Annahme des Christenthums und zu jenem für die Christenheit so segensvollen Edikte bewogen hatte, wodurch diese lang unterdrückte Religion endlich triumphirend hervor trat, hatte, als sie ihr Lebensende nahe glaubte, den Entschluß gefaßt, noch vor ihrem Ableben die Stätte zu besuchen, wo der gütigste Heiland für die Sünden der Welt den Tod am Kreuze erleiden mußte. Hauptsächlich war ihr Augenmerk darauf gerichtet auf dem Berge Golgatha, wo der Heiland gekreuziget wurde, sein Kreuz selbst aufzufinden, welches der Tradition zu Folge sammt jenen der zwei Missethäter, die man mit ihm zugleich gekreuziget hatte, daselbst eingescharret liegen sollte. Sie reisete also nach Jerusalem, bestieg den Golgatha, und durch Bücher und Sagen belehrt, ließ sie auf diesem Berge Nachgrabungen anstellen. Auch war sie wirklich so glücklich den Platz zu entdecken, wo die 3 Kreuze in einem Felsen vergraben lagen; da man aber nicht wußte, welches darunter das Kreuz Christi sey, so ließ der damalige Bischof zu Jerusalem, Silvester, welcher mit einer großen Anzahl Volkes die Kaiserin Helena nach dem Leidensorte begleitet hatte, eine todtkranke Frau herbei tragen, welche, als sie mildem wahren Kreuze des Heilandes Jesu kaum berührt worden war, sogleich zur großen Verwunderung aller Anwesenden ihre vollkommene Gesundheit wieder erhielt. Helena verrichtete nun an dieser geheiligten Stätte ihre brünstige Andacht, und befahl darüber einen herrlichen Tempel zum Gedächtniße dieser glücklichen Erfindung aufzubauen, welchen Befehl ihr Sohn sodann auch ausführte **). Helena nahm einen Theil dieses Kreuzes in einem goldenen Kästlein verwahret mit sich, so wie auch 2 Nägel, womit der Heiland an das Kreuz geheftet worden war, davon sie später einen als Hauptzierde in ihr Diadem einsetzen ließ. Darauf kehrte sie nach verrichteter Andacht mit dem Kreuzpartikel zu ihrem Sohne nach Konstantinopel zurück, verschied aber bald darauf im Jahre 326 in einem Alter von 80 Jahren in den Armen ihres Sohnes selig in dem Herrn. *) Konstantrnopel, früher Vyzantium genannt, verdankt seinen Namen, dem in der Staatskunst großen Konstantin. der für seine politischen wie religiösen Ansichten hier in dem neuen Rom einen ruhigeren Sitz fand als in dem alten. Von Konstantins Nachfolgern wurde die Stadt verschönert, befestigt und glücklicher gegen barbarische Horden vertheidigt, als gegen abendländische Kreuzfahrer, welche auf den Trümmern der geplünderten und verheerten Stadt im Jahre 1204 ein abendländisches Kaiftrthum errichteten. Der tapfere Michael Paläologus eroberte zwar wieder den Thron seiner Väter im Jahre 1261 , doch im Jahre 1453 fiel mit Konstantin der letzte christliche Beherrscher der Stadt, und mit Mohamed den II. zog der Halbmond ein. **) Dieser Tempel steht noch heut zu Tage. - Die Tempelherren in den österreichischen Staaten. Vom Jahre 1118 bis jum Jahre 1313. v_>ottfried von Bouillon erstürmte im Jahre 1099 Jerusalem durch die Kreuzarmee, und vernichtete dadurch die Oberherrschaft der Fatimiden, eines saracenischen Fürstenstammes aus Aegypten in Palästina. Er wurde wider seinen Willen zum Könige dieses neuen christlichen Reiches ausgerufen, und ließ sich zum frommen Andenken an den Erlöser der Welt, der in dieser Ä9tadt gelitten hatte und gestorben war, mir einer Dornenkrone krönen. Als eine vorzügliche Stutze dieses neuen Staates wurden die vom Könige Balduin den 11. (Balduin I. starb im Jahre 1118) besonders begünstigten geistlichen Ritterorden der Johannitter und Templer, eine sehr merkwürdige Erscheinung, in welcher sich der Geist des Ritterthums und des Mönchswesens auf eme eigentümliche Weise verband. Zum Orden der Johannitterritter wurde der Grund schon im Jahre 1048, also lange vor der Eroberung Jerusalems gelegt, nachdem Kaufleute von Almasi, die als Pilger nach Jerusalem kamen, nahe an der Kirche des heiligen Grabes eine Kapelle, und dabei ein Kloster zur Aufnahme der Pilger ihrer Nation, so wie auch ein Hospital und verschiedene andere Gebäude erbaueten. Sie wählten spater Johannes den Täufer zu ihrem Patrone, und nannten sich Hospitalsbrüder des heiligen Johannes von Jerusalem. Gerhard, der zur Zeit des ersten Kreuzzuges diesem Hospitale Vorstand, sonderte die Pfleger desselben zuerst von dem Kloster ab zu einer eigenen Gesellschaft, gab ihnen die Regel der Augustiner-Chorherren, und zum Ordenskleide einen schwarzen, mir einem weißen Kreuze bezeichneten Mantel. Der zweite Vorsteher Raimund de Puy, ein Ritter ans dem Delphinate, gab der Gesellschaft eine festere Verfassung und vollständigere Ordensregeln. Der Orden zerfiel nun in drei Abtheilungen, nämlich in dienende Brüder, welche die kranken Pilger verpflegten; in Priester, welche die religiösen Bedürfnisse besorgten ; und Ritter, welche einzelne Pilgerscharen durch die unsicheren Gebiete der Ungläubigen geleiteten. Die Könige von Jerusalem gaben ihnen in Palästina ansehnliche Geschenke, selbst die europäischen Fürsten wiesen ihnen Einkünfte aus liegenden Gründen an, und Papst Klemens VI. gab in der Folge dem Vorsteher Hugo von Neve l den Titel eines Großmeisters. Nun entstand im Jahre 1118 auS einer frommen Verbrüderung durch Hugo von Pas en s, Gottfried von St. Uldemar und sieben anderen Rittern der Orden der Tempelherren (auch Tempelbrüder oder Templer genannt), welcher zu den großen Mönchsgelübden, Armuth, Keuschheit und Gehorsam, noch ein viertes: nämlich die Verteidigung der Pilger, und Krieg gegen die Ungläubigen beifügte. König Balduin II. räumte ihnen einen Flügel seines Palastes zur Wohnung ein, nahe bei dem Platze, wo ehedem der salomonische Tempel gestanden war, daher auch ihr Name »Tempel- Herren.-L Auf der Kirchenversammlung zu Troyes erhielten sie im Jahre 1127 die Bestätigung ihreS Ordens, und eine geistliche Kleidung, welcher aber Papst Eugen III. später einen weißen, mit einem einfachen rothen Kreuze bezeichneten Mantel hinzu fügte. Die weiße Farbe sollte ihre eigene Unschuld und ihre Milde für die Christen, die rothe hingegen, den blutigen Märterertod, und die Feindschaft gegen die Ungläubigen andeuren. Als Ordenszeichen trugen alle einen Gürtel von leinenen Fäden, der ihre Verpflichtung zur Keuschheit (Ehelosigkeit) anzeigte. Die Geistlichen unter ihnen hatten weiße, die Knappen und dienenden Brüder graue oder schwarze Kleidung. Die Ritter trugen über ihre einfache Rüstung weiße leinene Mäntel mit einem achteckigen blut- rothem Kreuze gezieret, zum Zeichen, daß sie ihr Blut im Dienste der Kirche vergießen sollten. Sonst stimmten ihre übrigen Verpflichtungen mit den Vorschriften des heiligen Benedikts überein. Einige Zeit stieg die Zahl der Ritter nicht über die ersten neun, denn sie waren anfangs so arm, daß ihrer zwei auf einem Pferde ritten, was hernach das Sinnbild ihres Ordens wurde. Ihr erster Großmeister war Hugo von Pajens, ein unerschrockener edelmüthiger Mann, der auch in den Wissenschaften, wie sie zu jener fernen Zeit im Gange waren, wohl erfahren war. Der Ruf, den sich die Ritter durch ihre Tapferkeit erworben batten, verschaffte ihnen aber bald Zuwachs an Mitgliedern, und zugleich auch ansehnliche Besitzungen in Portugal, Spanien, auf der Insel Majorka, in Frankreich, in der Provence, in England, Irland und Schottland, in Ober- und Mittel-Jtalien, in Apulien, Sicilien und in Deutschland. Im letzteren Lande hatten sie sogar drei Großpriorate, nämlich in Böhmen, Ober-Deutsch- land, und irr der Mark Brandenburg. Nach Oesterreich soll ste Leopold der Glorreiche nebst den Jo- hannittern und den deutschen Herren, von seinen Kreuzfahrten gebracht, und ihnen namentlich in Wien, die Marienkirche zwischen dem nachmaligen Stubenthore und Biberthurme, mit dem anstossenden Gebäude zur Wohnung eingeräumt haben, wohin in der Folge die Dominikaner aus Ungarn berufen wurden. Doch bleibt es immer nur eine alte, schlecht verbürgte Sage, daß die Tempelherren je selbst in Wien ge- hauset haben, denn die Dominikaner kamen so früh nach Wien, daß die Templer nur wenige Jahre in dem, nun seit mehr als sechs Jahrhunderten, von Jenen bewohnten Umkreis sich hätten aufhalten können. Auch beruht alle urkundliche Beglaubigung von Besitzthümern des Templerordens in Niederöster- reich einzig und allein auf zwei unbedeutenden Urkunden, deren eine nachweiset, daß die Templer im Jahre 1309 ihr Gut zu Schwechat, Fischamend und Rauhenwart an einen Herrn von H aß l au verkauft haben, und die zweite vom Jahre 1302, daß Bruder E k ko, des TemplerordenS Comthur, Ge- bietiger durch Böhmen, Mähren und Oesterreich, die dem Orden zuständigen Abgaben vom Teinfalthof in der Teinfaltstraße in Wien mit anderen von einer Bäckerei in der Radstraße (Dorotheergasse) an den Schottenabt, Wilhelm verrauscht habe. Erwägt man noch überdies, daß von den meisten Orten Oesterreichs, wo Sagen und Märchen, wohl auch spätere unbeglaubigte Quellen, Templer hinsetzen, z. B. Petronell, Hamburg, Perchtoldsdorf, Mödling, Eggenburg, Heiligenstadt, Neunkirchen, Aspern an der Zaya, Ebenfurt, Schöngrabern u. m. a. ziemlich genügend dargethan werden könne, daß ste nicht dem Orden, sondern andern geistlichen Körperschaften, dem Landesherrn oder verschiedenen mächtigen Baronen zugehört haben, so geht klar hervor, daß das Templerbesttzthum in Oesterreich so unbedeutend gewesen seyn mag, daß es gar keine eigene Comthurei gebildet habe. Größere Ausbreitung aber hatte dieser Orden in Böhmen, Mähren und Ungarn, und waren ste auch in diesen Ländern nicht überall, so mögen ste doch weit mehrere Sitze gehabt haben, als sich durch sichere Urkunden Nachweisen läßt. In Böhmen erschienen die Tempelherren zuerst unter König Wenzel den I. im Jahre 1232, und erwarben sich auch hier bald einen bedeutenden Ruhm. Sie veran- laßten dadurch viele Adelige, daß solche auf ihren Burgen, Klöster erbaueten, und die Brüder dieses Ordens aufnahmen. Im Jahre 1243 waren sie bereits in Mähren, welches zu der Zeit mit der Krone Böhmens verbunden war, begütert, und im Jahre 1250 residirts schon auf dem Schloße Spielberg ein böhmisch-mährischer Großprior, der das Schloß Tempelstein erbauete. In diesen Orden der Templer ließ sich bald nach ihrer Ankunft in Böhmen auch Wratislaw von Pernstein, Burggraf von Eichhorn in Mähren aufnehmen. Er hatte früher es mit der Partei des Herzogs Friedrich des Streitbaren gehalten, wandte sich aber zuletzt auf die Seite Wenzels, dem er viele Dienste leistete, und von dem er dafür die Veste Eichhorn, sammt dem dazu gehörigen bedeutenden Gebiete durch Tausch erhielt. Nach seinem Eintritte in den Orden beleidigte er eine Dame am Hofe des Königs, welche derselbe hochschätzte, und ließ sich auch mit Kaiser Friedrich den II. in einen verdächtigen Briefwechsel ein, was nun zur Folge hatte, daß er in die Ungnade des Königs fiel, aller seiner Ehrenstellen entsetzt, und dann auf das Schloß Klingenberg im prachimer Kreise, in's Gefangniß gebracht wurde. Aus diesem entkam er jedoch durch die List einer Magd im Schloße, welche den Gefangenwarter auf ihre Seite zu ziehen und ihm im Schlafe die Gefängniß- schlüssel zu entwenden wußte, und flüchtete nun durch Baiern nach Frankreich, wo er in den zu jener Zeit in diesem Lande blühenden Tempelorden eintrat, und diesem die Burg Eichhorn mit dem dazu gehörigen Gebiete, und allen seinen noch übrigen in Mähren befindlichen Besitzungen schenkte. Wratislaw hatte aber einen Bruder mit Namen Burian von Pernstein, der damals als Erstgeborener das Pernsteinische Stammhaus nebst vielen ansehnlichen Herrschaften in Mähren in Besitz hatte. Als dieser die Nachricht von der Schenkung seines Bruders an die Tempelherren in Frankreich erhielt, nahm er sogleich unter dem Vorwände eines Ecbverbrüderungs - Vertrages die Burg Eichhorn in Besitz, und setzte den Wranek von Obrzan in seinem Namen allda zum Burggrafen ein mit dem Befehle, sich den Tempelherren mit all seiner Macht zu widersetzen. Da nun die Tempelherren sahen, daß sie Eichhorn ohne Gewalt nicht erhalten würden, so zogen sie ein Heer von einigen tausend Reitern zusammen, und gingen unter Anführung ihres böhmisch-mährischen Großpriors Bedrzich von Cymburg gegen die feste Burg, wo es auch bald zwischen Rziczan und Eichhorn zu einem blutigen, aber noch unentschiedenen Treffen kam. Am folgenden Tage wurde zur Beerdigung der Gebliebenen eine 3tägige Waffenruhe geschlossen, und in dieser Zeit eine Anzahl von 1700 Leichen zur Erde bestattet. Als die festgesetzte Waffenruhe verstrichen war, kam es abermal zum Treffen, in welchem aber die Tempelherren Burian nöthigten nach einem großen Verluste im Felde, sich in die Burg Eichhorn zurück zu ziehen. . . ^ Bei einem allgemeinen Sturme, den jetzt daS Heer der Templer gegen die,e Burg unternahm, ließ Burian, der sich heldenmüthig zu vertheidigen suchte, von den Brustwehren Balken, und ungeheuere Steine aus die Stürmenden herab rollen, und ein Hagel von Pfeilen, welche er den Fluchtigen nachsendete, richtete unter ihnen eine schreckliche Niederlage an. Als König Ottokar die Nachricht von dieser Fehde erhielt, sandte er Alex Holliczky aus dem Schlikischen Geschlechts an Burian nach dem festen Schloße Eichhorn mit dem Aufträge, sogleich von dieser Feindseligkeit abzustehen, und die Burg sammt ihrem Gebiete den Tempelherren nach dem richterlichen Ausspruche des mährischen Landrechts gütlich abzutreten, widrigens er ihn für einen öffentlichen Land- und Friedensstörer halten, und ihn mit seiner eigenen Macht überziehen würde. Als Burian diesen strengen Befehl des Königs, der seinen Worten Nachdruck zu geben verstand, vernommen hatte, fand er es nicht für rathsam, sich länger zu widersetzen, und des Königs Ungnade wie einst sein Bruder, auf sich zu laden. Er öffnete also den Tempelherren friedlich die Thors der Burg, und übergab ihnen die sämmtliche von seinem Bruder gemachte Schenkung. In der Folge ließ der Orden diese Burg größer und fester, und in derselben auch, nebst vielen Gewölbern, ein Kapitelhaus erbauen, in welchem in den Jahren 1258, 1274, 1280, 1287 und 1293 Ordensversammlungen, im Jahre 1304 aber gar ein Generalkapitel gehalten wurde. Der Orden besaß damals in Mähren schon bei 20 feste Schlösser, und unter diesen namentlich den Spielberg, Lauka und Orlow im brüner, Cymberg im olmützer, Helfenstein und Stramberg im prerauer und Tempelstein im Znaimer Kreise. . . ^ -,- In Prag waren sie ganz zuverlaßig in der Altstadt ansäßig, und zwar in der Kirche des heiligen Laurenz (jetzigen Annakirche), wo urkundlich der Großmeister der Tempelherren, Peter Ost rew von Dub a, ein geborener Böhme, für dieselben ein Klostergebäude errichtete, und Jerusalem nannte; wie auch in dem noch heut zu Tage sogenannten Tempel an der Zeltnergasse, wo jedoch von ihrem Hause keine Spur mehr vorhanden ist. Nebst Prag können nach dem Inhalte der bisher bekannt gewordenen Urkunden blos Czeykowitz und Aurzinowes in Böhmen mit voller Gewißheit als Templersitze angenommen werden; verschiedene aufbewahrte, und noch in neuerer Aeit ausgegrabene Alterthumer mir Abbildungen der bekannten mystischen Symbole dieses Ordens aber lassen seine noch weitere Ausbreitung mir unbestreitbarer Gewißheit vermuthen. In Ungarn spielten die Templer eine große Rolle unter dem Könige Andreas dem Hierosolymitaner. ES ist urkundlich beglaubigt, daß daS berühmte Priorat von Aurana, im Besitze dieses Ordens war, ehe es an die Iohannitter kam. Auch gehörte ihnen die Propste» Glogonza, ein Haus in Gran, Tologd an der siebenbürgischen Grenze, mehrere feste Burgen im thu- roczer und liptauer Komitate, namentlich Blattnitz; Burg und Kirche an der in den jetzigen Tagen so besuchten Heilquelle Pischtian im Waagthale u. a. m. Noch gewaltiger sollen die Templer in Ungarns südlichen Nebenreichen Kroatien, Dalmatien und Slavonien gewesen seyn, doch tritt hier aus Mangel an gütigen Urkunden schon Unsicherheit in Sichtung der Daten ein. Als im Jahre 129l durch den Mangel an Hilfe von dem Abendlande die zahlreichen Heere der Saracenen' die durch die Kreuzzüge gebildete Macht vernichteten, und allmälig die Throne von Jerusalem, Antiochien, TyruS und Edessa umstürzten, folgte diesem Schicksale auch der Templerorden, welcher sich nun nach der Einnahme von Akkon, dem letzten Stützpunkte der Christenheit in Palästina, auf die Insel Cypern zurück zog. Hier wohnte der Großmeister mit einer Auswahl von Beamten, Ritter und Brüder, die sich im kleinen Kriege zur See gegen die Kaper der Saracenen übten. Jakob Bernhard von Mola y aus Burgund, der letzte Nachfolger des ersten Meisters Hugo bemühte sich, den ausgebreiteten Geist des OrdenS zu verbessern, aber seine Absicht blieb ohne Erfolg, denn der zeitliche Besitz lag den meisten Rittern jetzt mehr am Herzen als das heilige Grab. Durch das Streben einiger Glieder nach Einfluß auf das bürgerliche Wesen in Frankreich *) durch den Geist des Geheimnisses und der Verschwiegenheit, der seine innere Verwaltung umhüllte und seine Glieder zusammen hielt, am meisten aber durch sein Ansehen und seinen Neichthum war der Orden den Fürsten bereits verdächtig geworden. Die Mehrzahl der Güter des Ordens lag in Frankreich, auch waren die meisten Ritter Franzosen, und insgemein bekleidete ein Franzose die Großmeisterwürde. Der Orden erkannte fast unter keinem Verhältmße die Herrschaftsrechte der Staaten an, in denen er sich aufhielt, ja selbst seine Verbindung mir dem heiligen Stuhle war getrennt. Der Großmeister nannte sich von Gottes Gnaden, mir welchem Ausdrucke man Unabhängigkeit und Selbstständigkeit bezeichncte; die Wahl desselben war nicht einmal der Bestätigung des PapsteS unterworfen ; kein Fürst oder Bischof konnte über ihn ein Urtheil sprechen. Philipp der Schöne, König von Frankreich, begann jetzt das gewaltsamste Verfahren wider die Templer, nachdem auf seine Veranlassung Papst Klemens im Jahre 1306 den Großmeister Jakob von Molay aufforderte, von Cy- pern, wohin der Sitz deS Ordens nach dem Verluste von Palästina verlegt worden war, nach Frankreich zu kommen, um sich dort mit dem Könige über einen Kreuzzug, den dieser unternehmen wollte, zu berathen. Molay folgte arglos der Einladung, und erschien mit 60 Rittern und großen Geldsummen, die er im Hause der Templer zu Paris nieder legte. Bald darauf sandte aber Philipp durch daS ganze Königreich an die Seneschalls und Baillis der Provinzen geheime Befehle, alle Ritter an einem Tage gefänglich einzuziehen, was dann auch am 13. Oktober 1307 durch die königlichen Söldner geschah. Philipp legre jetzt Beschlag auf alle Güter deS Ordens, bezog selbst mir seinem Hofe das Ne- sidenzhaus des Meisters in Paris, den Tempel *), und ließ die Untersuchung durch seinen Beichtvater Wilhelm von Paris, Inquisitor und Erzbischof von Sens, sogleich anfangen. Dieses gewaltsame Verfahren suchte er durch die Greuel und Ketzereien zu rechtfertigen, deren der Orden von einigen Angebern beschuldigt worden war, und ließ zugleich alle zweckdienlichen Mittel anwenden , die öffentliche Meinung wider sie zu empören. Den armen gefangenen und gemißhandelten Templern wurden jetzt von denen dem Könige ganz ergebenen Inquisitoren die Aussagen in dek Mund gelegt, die sie zu den Akten geben sollten, und durch die schrecklichsten Martern Geständnisse von Freveln ausgepreßt, die nie im Orden geschehen waren. Nur die Bestätigung der Anklagen konnte ihnen das Leben retten, und mancher, durch Gefangenschaft und Folter kleinmüthig gemachte Bruder gab nun zu, was man hören wollte, da die standhafte Betheuerung der Grundlosigkeit jener Fabeln und Verdrehungen den Tod nach sich zog. Papst Klemens V. sprach zwar gegen diese willkürliche Behandlung eines Ordens, den nur die Kirche richten konnte, aber Philipp wußte auch diesen bald dahin zu bewegen , an der Unterdrückung dieses Orden» Theil zu nehmen. Der Prozeß nahm seinen Fortgang, und wie wenig Gegründetes sich auch dabei gegen die Templer ergab, so durfte der Erzbischof von Sens im Jahre 1310 dennoch 54 Ritter, die jedes angeschuldete Verbrechen geläugnet hatten, lebendig verbrennen lassen. In England, Spanien, Portugal, Italien und Deutschland wurden auf die Ermahnungen zur gerichtlichen Verfolgung die Templer zwar verhaftet, aber fast durchaus für unschuldig erklärt. Dies geschah auch auf den Synoden zu Salamanka und zu Mainz im Jahre 1310 zur vollkommenen Rechtfertigung des Ordens, und viele im Volke und Adel erkannten seine gerechte Sache an. Indessen hob aber der Papst auf dem Koncilium zu Vienne in der Dauphin« durch eine Bulle vpm 2. März 1312 aus päpstlicher Machtvollkommenheit den Orden völlig auf, worauf die Güter des Ordens sodann den Johannittern zuerkannt, und seine Schätze an Geld und Kleinodien zu einem neuen Kreuzzuge bestimmt wurden. Obschon aber dieser Orden bereits in Frankreich und Italien aufgehoben, und seine Mitglieder auf grausame Weise hingerichtet worden waren, so behaupteten sich die Templer in Deutschland, Ungarn und Böhmen doch noch einige Zeit, da man sie daselbst gerecht und milde behandelte, und endlich die meisten in den Orden der Johannitter übertreten ließ. Der letzte Tempelhof befand sich noch im Jahre 1319 zu Görlitz in der Lausitz, welches Land damals ebenfalls zu dem Königreiche Böhmen gehörte. *) Dieser Tempel ist ein in der neueren Geschichte, besonders durch die Gefangenschaft Ludwig des XVI. und seiner Familie bekannt gewordenes großes Gebäude in Paris, von dem eine Straße und eine Vorstadt den Namen erhalten haben. Er ward im Jahre 1222 von dem Schatzmeister, des Tempelordens, Hubert erbauet, und diente zur Wohnung für die Ritter. Als der Orden' im Jahre 1312 aufgehoben worden war, wurde, so wie sein übriges Eigenthum, auch dieser Palast eingezogen. Nach der Zerstörung der Bastille, diente dieses Gebäude als Staatsgefängniß. Der Plan Napoleons, cs zur Verschönerung der Stadt abzutragen, wurde nicht ausgeführt, dagegen stiftete die Prinzessin Louise von Bourbon-Cond« im Jahre 1816 im Tempelgebäude ein Kloster der Benediktiner-Nonnen von der ununterbrochenen Anbetung, wobei der Saal, in welchem Ludwig des XVI. Familie gefangen saß, zum Betsaale eingerichtet wurde. Der Mlidehenkrieg in Böhmen. Jahr 743. ^/ie ältesten bekannten Einwohner Böhmens waren Deutsche und zwar Bojer, daher ihr Land Bo- jerhekm genannt wurde, woraus später Böheim und Böhmen entstand. Kurz vor dem Anfänge der christlichen Zeitrechnung überzog ein anderer deutscher Volksstamm, die Markomannen, von Marbod angeführt, das Land der Bojer, überwältigte sie, und nahm von ihrem Lande Besitz. Marbod war in Italien unter den Römern erzogen worden. Als ihn nun ein anderer deutscher Fürst der CheruS- ken, der berühmte Herrmann, welcher die römischen Legionen unter Varn s im Schwarzwalde (damals der hercynische Wald genannt) vernichtet hatte, auffordern ließ, ein Bündniß mit ihm einzu- gehen, um dann mit vereinter Macht gegen Rom los zu brechen, versagte ihm Marbod, weil er das damals noch mächtige Nom scheuete, seinen Beistand, wodurch Herrmann dergestalt über ihn aufgebracht wurde, daß er ihm den Krieg ankündigte, und ihn in einem Treffen schlug. Marbod, von den Markomannen verlassen, floh zu den Römern, wurde von ihnen freundlich ausgenommen, und lebte noch 18 Jahre unter ihnen, ohne in sein Reich wieder eingesetzt zu werden. Seit dieser Zeit blieben die Römer und Markomannen in beständiger Berührung. Was Herrmann nicht zu Stande bringen konnte, nämlich eine Vereinigung der deutschen Fürsten, gelang endlich einhundert siebenzig Jahre später unter der Regierung deS großen römischen Kaisers Markus Aurelius, welchen die Markomannen mit Krieg überzogen hatten. Nur mit großer Anstrengung konnte Markus Aurelius ihrem Andrange widerstehen, und als er gestorben war, schloß sein Sohn und Nachfolger Ko m modus einen unrühmlichen Frieden mit ihnen (180). Zum zweiten Male drangen sie unter dem Kaiser Aurelian in Italien selbst ein, wurden aber von ihm geschlagen, und beinahe aufgerieben, so daß nur ein schwacher Ueberrest von ihnen über die Donau in ihr Land zurück kehrte. Spater gehorchten sie dem Gothenkönige Theodorich, und bei der großen Völkerwanderung, wo bereits die Longobarden in diesem Lande die Gothen überwältigt hatten, verliert sich ihr Name gänzlich aus der Geschichte. Diese Völkerwanderung bestand darin, daß die meisten deutschen Völker jenseits der Donau bis zu dem deutschen Meere hin (die Nord- und Ostsee) ihre Heimat verließen, über die Donau setzten, in Italien eindrangen, und dem Weltreiche der Römer endlich ein Ende machten. Diese Völkerwanderung dauerte fast zwei Jahrhunderte, vom Jahre 375 angefangen, wo die Hunnen in Europa einbrachen, bis zum Jahre 568, da die Longobarden Italien eroberten. Das von den Longobarden verlassene Böhmen nahmen die Czechen, ein slavischer Volksstamm in Besitz, und entrichteten dafür den Franken, einem deutschen Volksstamme in dem heutigen Baiern und Franken, welche ihnen die Erlaubniß einzuwandern ertheilt hatten (596), -einen Tribut. Später gehorchten sie den Avaren, die sie mit hartem Joche bedrückten. Da erhob sich unter den Czechen ein tapferer Mann, Samo genannt, der die Avaren aus dem Lande hinaus schlug, und sich und das Volk von jedem Tribute frei zu machen suchte, daher dieser Samo auch als der erste Fürst oder Heerführer der Czechen in Böhmen gehalten wird. Nach Samos Tode (658) wird von Krok, als zweiten Richters über Böhmen Erwähnung ge. macht, welcher nach seinem im Jahre 700 erfolgten Tode drei Töchter hinterließ, nämlich Kassa, Tetka, und die berühmte Libussa, die ihm in der Regierung nachfolgte. Es fehlen glaubwürdige Quellen, um über diese beiden Personen mit historischer Gewißheit zu sprechen, indessen scheint eS gewiß, daß Krok durch weisen Sinn, Kenntniß der Sitten und Gebräuche seines Volkes, und hohe 94 Rechtlichkeit zu überwiegenden Ansehen gelangt war, welches sich auch auf seine jüngste Tochter Li- bussa, die Erbin seines Geistes und seiner Kenntnisse fortpflanzte *). Das Uebsrgewicht bei Libussa war bei den Böhmen so groß, daß diese eS lhr frei stellten sich aus ihrer Mitte'einen Gatten nach der Wahl ihres HerzenS auszusuchen, welchen sie sodann für ihr Oberhaupt anerkennen wollen. Libussa wollte zwar unvermält bleiben, um allein herrschen zu können, aber die Böhmen, die einen Mann zu ihrem Oberrichter wünschten, bewogen sie bei Gelegenheit eines richterlichen Ausspruches, dahin, daß sie sich zu einer Vermälung entschloß, und den Grundbesitzer Przemisl, auS dem Dorfe Staditz ehelichte (722), aus welcher Verbindung nun Böhmen über 609 Jahre seine Regenten erhielt **). Libussa starb im Jahre 735 auf ihrem Schloße Libuß, und ward daselbst begraben. Sie gebar ihrem Gcmale Przemisl, der jetzt allein in Böhmen regierte, sieben Söhne, von denen aber in der Geschichte nichts erwähnt wird. ^ - ^ ^ . Nach Libussa s Tode ereignete sich der fabelhafte Madchenkneg, den thre Vertraute, Namens W la st a erregt haben soll, und zwar auf folgende Weise: ^ ^ Libussa vermachte nach ihrem Tode das Schloß Libuß ihrer Freundm Wlasta, mit der Obliegenheit ibre noch übrigen Frauen, welche sie zahlreich zu ihrer Bedienung gehabt hatte, darin zu erhalten und'zu schützen. Wlasta befolgte den Willen ihrer Gebieterin, die sie sehr geliebt hatte, genau sah eS aber mit Schmerz und Unwillen, daß jetzt ein Mann allein über ganz Böhmen herrsche, und sie nun allen Einfluß, weichen sie früher als Libussas Vertraute über sie ausgeübt hatte, verloren habe. Sie sann jelft auf Mittel, wie sie sich an den ihr verhaßten Männern rachen könne, und siel auf den Gedanken sich an Libussas Stelle zu erheben, einen Bund von Frauen zu errichten den Männern ewigen Haß zu schwören, und dieselben von der Erde zu vertilgen. Wlasta gedachte um schneller zu ihrem Entzwecke zu gelangen, Gebrauch von jenen magischen Künsten zu machen welche sie von Libussa, die darin wohl bewandert war, erlernt hatte. . . ^ Unter den Frauen, welche ihrer Obhut übergeben waren, befand sich eine sehr listige und verschlagene Person , NamenS Stratka, der sie zuerst ihren Plan mirrheilte, und d'en dieselbe »m vollen Maße billigte. Durch ihre Verwendung und Wlasta s Künste waren bald alle Mädchen des Schlosses zu dem'Entschlüße gebracht, unter sich einen Verein zu bilden, welcher zum Zwecke habe, die'Männer zu ermorden. Ein solches Vorhaben von Seite des schwächeren Geschlechtes , welches heut ru Tage als höchst lächerlich erscheinen würde, machte jedoch die Gewohnheit, welche die böhmischen trauen zu jener Zeit in Bezug der Waffenübung hatten, weniger sonderbar. Sie ritten nämlich gleich den Männern schon von Jugend an auf Pferden, lernten den Gebrauch der Lanze und des Bogens, und handhabten den Spieß auf eine geschickte Weise, weswegen sie sich auch oft mit der ^zagd belustigten, und gewöhnlich mit den Männern in'S Feld zogen. „ . . Ihren Anfang machten sie mit der Ermordung eines benachbarten EdelmanneS und aller seiner Knechte, während sie daS weibliche Gesinde auf ihre Burg schleppten, und daselbst gar bald zu ihren Anbängerinncn umbildeten. Als Przemisl von dieser Unthat Nachricht erhielt, schickte er emen Abgeordneten auf die Veste, und ließ durch diesen die Auslieferung der Wlasta verlangen. Diese ließ *) Die Töchter des Krok batten nicht nur der Verdienste ihres Vaters wegen die allgemeine Achtung dev Volkes sich erworben, sondern befassen auch eine besondere Verehrung, von der ganzen Natron v g) hi e ausgezeichneten Kenntnisse. Die Aelteste hatte eine vollkoiBfiicne Kenn trug' der heiliamcn Krautcr, uni. r ^ richtcte gleich einer zweiten Med ca, viele Wunder der He il tun si.^ Hie Zweite böhaftlfte sich mit Gegenständen des Glaubens, und wenn die Böhmen rn die /unircriuv ^cs Gotte' dem Feuer, den Wäldern, den Sternen, Steinen und anderen Naturgegenstarncn göttliche One, erreichen, 1 e schrieb sie ibncn die Weise vor, wie diese eingebildeten Gottheiten zu verehren und ihnen eie s icher sarzu- bringen sind. Die Jüngste endlich gewann aber den Vorzug über ihre betten alteren Schwestern, eurch eie Lebhaftigkeit ihres Geistes, die Reinheit ihrer Gesinnungen, und ihre große Schönheit. Sie stand wie ihre Schwestern im hohen Rufe der Scherkunsr, und man glaubte fest, ihrem Scharfsinne könne nichts entgehen, "I^Li'blchAa^war die Grüderin"von° Prag, der Hauptstadt Böhmens, die zu keinem Kreise gehört, und fast in der Mitte des Landes liegt. Sie stieg durch ihre nachherrgen Herzoge und Könige zu einer lettenen Größe und Schönheit empor, hat einen Umfang von 4 Stunden und 120,000 Einwohner. aber den Abgeordneten verstümmeln, und solchergestalt zu dem Herzoge zurück kehren, welcher nun darüber höchst erzürnt einen Haufen Reisige vor die Burg schickte, um dieselbe einzunehmen, und die Weiber ihm gefangen zu überliefern. Als W la ft a die Schar heran ziehen sah, machte sie mit ihren Verbündeten einen Ausfall, und erschlug alle bis auf den letzten Mann. Nun verbreitete sich die Nachricht von dem Regiments der Wlasta und ihrem Siege schnell durch ganz Böhmen, und alle Weiber, welche mit ihren Männern unzufrieden waren, so wie alle Dirnen, welchen der Gedanke über Männer gebieten zu können schmeichelte, liefen ihr von allen Seiten haufenweise zu, und verstärkten hierdurch ibre Gewalt ungemein. Wlasta bewaffnete alle, und übte die Unerfahrenen in den Waffen. Dadurch wurde sie immer kühner, und beschloß, den Herzog selbst in seiner Burg Wisserhad, welche gleichfalls Libussa erbauet hatte, anzugreifen. Sie zog mir einem wohlgerüfteten Haufen von Amazonen vor dieselbe; da sie aber gegen dieselbe nichts ausrichten konnte, so bauete sie dieser Burg gegenüber auf einem hohen Berge die Veste Diewin (d. i. Mädchenburg), weil bei deren Erbauung blos Mädchenhände gearbeitet hatten. Diese bezog sie jetzt mit allen Dirnen, welche sie als eine Fürstin und Vorsteherin ehrten, und die nun ansingen ganz nach der Weise der Männer zu leben, und sich in allen Arten von Kämpfen zu üben. Sie machten häufige Ausfälle, und erschlugen dabei jeden Mann, den sie habhaft werden konnten. Um aber ihren Rachedurst gegen die Männer noch mehr zu stillen, gebrauchte Wlasta auch List. Sie ließ nämlich durch die schönsten ihrer Dirnen im Lande auskundfchaften, wo ein Mann mit seinem Weibe in guter Ehe lebe. Die Dirne mußte dann denselben zu bewegen suchen, daß er ihr auf die Mädchenburg folge, und war dies nun geschehen, so hinterbrachte dann eine andere Dirne dem Weibe die Nachricht, daß ihr Mann auf der Burg ihr die Treue gebrochen habe, um sie desto mehr zur Rache wider den Treulosen aufzuhctzen. Auf diese Art wurden viele Männer in Böhmen von ihren Weibern im Schlafe gelobtet, worauf sie sich dann nach dem Schloße der Wlasta flüchteten, und daselbst ohne aller Strafe blieben. Zugleich schrieb sie eine Menge Liebesbriefe an die Bekannten ihrer Leibwache, wodurch viele Jünglinge in's Garn gelockt, zwar anfangs auf's Beste bewirthet, zuletzt aber umgebracht wurden. Diesen Greueln ein Ende zu machen, begaben sich mehrere edle Böhmen zu Przemisl, nachdem sie ihm Vorwürfe machten, daß er diesen Unfug so sehr habe überhand nehmen lassen, und erboten sich dieses Mördernest, die Burg Diewin zu zerstören. Przemisl bewilligte ihr Vorhaben; aber Wlasta hatte durch ihre Freundinnen davon Nachricht erhalten. Sie überfiel daher die Heranziehenden mit ihrer ganzen Macht in einem engen Wege, und tödtete fast alle. Nach diesem Siege legten ihre Dirnen die Rüstungen der Erschlagenen an, und kehrten frohlockend auf ihre Burg zurück. Zu jener Zeit aber war alles öde und wüste um Diewin, denn die Landleute, welche sich von den grausamen Dirnen fürchteten, ließen ihre Aecker brach liegen, und führten ihr Vieh und Getreide weit hinweg, damit es die Bewohnerinnen des Schlosses nicht bekommen könnten. Als Wlasta sah, daß sie bei solchem Umstande dem Hunger erliegen müsse, brach sie mit ihren Amazonen über die Moldau auf, machte einen Einfall in des Herzogs Stallungen und Scheunen, und führte vor seinen Augen Vieh, Futter und Getreide hinweg. Nun bewog Stirad, ein Vertrauter des Herzogs diesen dahin, daß er ihm erlaube, die frechen Räuber zu züchtigen, was ihm Przemisl auch gerne gestattete. Stirad warb jetzt viel Volk, und wollte die Burg Diewin umringen und auShungern. Wlasta erhielt aber auch von diesem Vorhaben bald Kundschaft, und sann gegen ihn auf eine schreckliche Rache. Einst jagte Stirad mit zahlreicher Begleitung in einem nahen Walde, und Wlasta erfuhr es. Sie versteckte nun eine große Anzahl bewaffneter Dirnen in demselben, worunter eine mit Namen Schare a von besonderer Schönheit war. Diese ließ sich an Händen und Füssen gebunden an einen Baum befestigen, und neben ihr eine große gefüllte Flasche und ihr Jagdhorn hinstellen. Als Stirad während der Jagd sie sah, wurde er durch ihre kläglichen Gebärden und Worte eben so sehr, als durch ihre Schönheit gerührt. Sie sagte nämlich, das; sie, weil sie der Wlasta nicht habe in der Ermordung der Männer beistehen wollen, von derselben hierher gebracht, und dem Hungertode preis gegeben worden sey. Stirad befahl sie loszu- binden, setzte sich zu ihr, und ließ sich bewegen auS ihrer Flasche zu trinken, welchem Beispiele auch die mersten seiner Begleiter folgten. In der Flasche war aber ein Schlaftrunk, und als dieser seine Wirkung zu machen ansing, nahm Schare a die Zeit wohl wahr, stieß in ihr Jagdhorn, worauf sogleich die versteckten Amazonen aus ihrem Hinterhalte hervor brachen, alle Begleirer Stirads nieder machten, ihn selbst aber auf Diewin trugen, wo ihn Wlasta nach einigen Tagen lebendig zerreißen, und seine Glieder außerhalb der Burg bringen ließ, so daß sie der, Herzog von Wissehrad auS sehen konnte. — Bald darauf erließ Wlasta ein Rundschreiben durch das ganze Land, in welchem sie ermahnte, daß man, damit nicht das Geschlecht der Männer im Lande einst völlig aussterbe, jedem neu geborenen Knaben das rechte Auge ausstechen, und den Daumen der rechten Hand abhauen solle, damit er bei heran nahenden Jahren zu den Waffen untüchtig wäre. Nun schien es den Männern an der Zeit, diesem schimpflichen Unwesen gänzlich ein Ende zu machen, und Przemisl wendete folgende List an: Er schickte eine Gesandtschaft zur Wlasta, welche ihr bedeutete, daß er nunmehr einsehe, daß sie durch eine höhere Macht geschützt, unüberwindlich und zur Fürstin geboren sey. Er sey daher entschlossen, da er bereits so hoch an Jahren vorgerückt wäre, ihr seinen unmündigen Sohn Ne z amisl zur Erziehung zu übergeben, ja ihr die Herrschaft über Böhmen selbst zu überlassen, sie solle daher zu ihm auf den Wisserhad kommen, und seinen Herzogshut aufsetzen. Wlasta war mit dieser Botschaft ausnehmend wohl zufrieden, kam aber nicht selbst nach dem Wisserhad, sondern schickte eine gute Anzahl ihrer besten Freundinnen, alle zu Pferde auf daS Schloß, wo sie von Przemisl mit ausgezeichneten Ehren empfangen und bewirthet wurden. Während der Malzeit aber traten bewaffnete Trabanten in den Saal, die alle Mädchen umbrachren. Nur eine einzige hatte Gelegenheit zu Roße zu entkommen , und die Trauerbotschaft der wüthenden Wlasta zu überbringen. Diese ließ sogleich alle Dirnen bewaffnet aufbrechen, um die Schmach ihrer Freundinnen jenseits der Moldau blutig zu rächen. Sie setzte einen hörnernen Helm auf, und hielt in ihrer Hand ein vergiftetes Schwert. Aber auch Przemisl war gleich nach der Hinrichtung der Amazonen aufgebrochen, und Männer, mit den Kleidern der Ermordeten angethan, ritten auf deren Rossen voraus, so daß Wlasta anfangs in Jrthum gerieth, und in der Meinung war, die Nachricht von der Hinrichtung ihrer Streitschwestern sey falsch. Diese List war Ursache, daß viele Dirnen in ihrer Arglosigkeit von den verkleideten Amazonen bei ihrem ersten Zusammentreffen getödtet wurden. Als Wlasta den Betrug merkte, stürzte sie wie eine grimmige Löwin auf Przemisl s Völker hervor, und da sie von großer Stärke und Gewandtheit war, so tödtete sie manchen Mann, bis sie auf Stiason, einem edlen Böhmen kam, welcher sich mit noch sieben Anderen gegen Wlasta verschworen hatte, weil durch ihre Veranlassung einige Jünglinge seines Geschlechtes verlockt und getödtet worden waren. Stiason führte einen so kräftigen Hieb gegen ihren Kopf, daß er ihr den Helm entzwei schlug, Wlasta hingegen spaltete ihm seinen hölzernen Schild, doch wurde ihr Stiason bald Meister, und erstach sie. Nach dem Falle Wlasta s gerie- then die ohnehin schon bedeutend geschwächten Dirnen in Verwirrung, und ein von Przemisl in den Hinterhalt gelegter Kriegshaufe brach jetzt hervor, und vollendete die Niederlage der Amazonen. Nun stürmten die Böhmen die Veste Diewin, ermordeten die Wenigen, die zum Schutze derselben noch darinnen waren, und warfen ihre Leichname zur Speise der Naubthiere über die Zinnen herab. Solchergestalt nahm dieses sonderbare aber gefährliche Frauenregiment, nachdem es sieben Jahre in Böhmen arg ge- hauset hatte, ein schnelles und blutiges Ende. Dieses letzte Treffen soll sich im Mai des JahreS 743 ereignet haben, und ist in den böhmischen Chroniken unter dem Namen »der Mädchenkrieg-« bekannt. Alexander Nieolaewitseh - Thronfolger von Russland, in Dien. Jahr 1839. l->^esterreichS prachtvolle Kaiserstadt Wien hatte schon mehr Malen die Beherrscher Rußlands in seinen gastfreien Mauern ausgenommen. Unter Kaiser Leopold des !. ruhmvollen Regierung besuchte zuerst der russische Czaar Peter I., beigenannt der Große, diese Residenz, jedoch im strengsten Inkognito, nämlich unter dem Titel eineS Oberkommandeurs seiner Gesandtschaft. Dieser große Monarch kam auf seiner merkwürdigen Reise, welche er im Jahre 1697 durch einen großen Theil Europas zu seiner Ausbildung unternahm, und wo er unter andern in Holland als gemeiner Schiffszimmermann arbeitete, am 26. Juni 1698 Abends zwischen 8 und 9 Uhr in Wien an. Er hatte unter seiner Begleitung den Grafen Lefort*), seinen Lehrer, einen um Rußlands Wohl sehr verdienten Mann bei sich. Peter wurde am Tabor empfangen, und hielt seinen feierlichen Einzug durch die Leopoldstadr, bei St. Stephan vorbei durch die Kärnthnerstraße nach Gumpendorf, wo bereits die nöthigen Wohnungen und das gräflich Kön ig s eg g'sche Gartenhaus mit kostbarem Hausgeräthe für ihn und sein Gefolge eingerichtet waren. Noch am nämlichen Abende sprach er den Kaiser Leopold, welcher bereits von Laxenburg angelangt, die Favorite bezogen hatte. In den folgenden Tagen besah der Czaar in immer wechselnder Verkleidung, um nicht so leicht erkannt zu werden, alle Merkwürdigkeiten Wiens, bestieg den Stephansthurm, und befuhr auch die Donau. Am 29. Juni als am PeterStage empfing er sehr vergnügt die Glückswünsche deS gesammten Adels, welche noch mit verschiedenen Lustbarkeiten verbunden waren. Am 11. Juli veranstaltete der Kaiser und die Kaiserin in der Favorite dem Czaar zu Ehren eine kostbare und seltene Unterhaltung, welche aus Verkleidungen der Damen und Kavaliere in verschiedenen Trachten der bekanntesten Völker und Nationen bestand. Nach Beendigung dieses prachtvollen Balles, der bis zum Tagesanbruch dauerte, sendete der Czaar Kuriere nach Rom und Venedig voraus, um dort seine nahe Ankunft melden zu lassen; wurde aber davon verhindert, als die düstere Nachricht von einem neuen Aufstande der Strelitzen in Moskau bei ihm anlangte, und ihn zur Bestrafung der Rebellen eilends aufzubrechen, und in sein Reich zurück zu kehren nöthigte. *) Der berühmte Günstling Peter des Großen, Franz Jakob Le fort, wurde geboren zu Genf im Jahre 1652, wo sein Vater Kaufmann war. Er kam nach Hamburg um die Handlung zu erlernen, ging aber aus Neigung zum Soldatcnstande in seinem 14. Jahre heimlich nach Marseille und trat in französische, nachher in holländische Kriegsdienste, die er indessen wieder verließ, um im Jahre 1675 über Archangel nach Moskau zu gehen. Hier wurde er Sekretär des dänischen Gesandten, und gewann durch einen Zufall die Gunst des jungen Czaars Peter A lex jewitsch, die ihm bis an seinen Tod blieb. In Beiden lag nämlich der Keim zu großen und außerordentlichen Unternehmungen, der sich nach und nach entwickelte. Peter fühlte, daß er eines Lehrers und Beistandes bedürfe, und L e so r t besaß zu Beiden hinlängliche Talente. Den ersten großen Dienst leistete er dem Czaar bei einem Aufruhre der Strelitzen im Jahre 1688 , deren verräterischen Entwurf er vereitelte, und gewann dadurch dessen unbegrenztes Vertrauen. Als Peter den Thron bestiegen hatte zeigte sich L e fort s Einfluß mit jedem Tage wirksamer. Er bildete namentlich das Kriegswesen und legte den Grund zu der russischen Seemacht. Auf der Reise, welche Peter der Große im Jahre 1897 in das Ausland unternahm, war L e fort der Erste der russischen Gesandtschaft, in deren Gefolge sich der Czaar Inkognito befand. Bald nach der ausgcbrochenen Empörung der Strelitzen, welche den Czaaren zu seiner Rückkehr nöthigte, starb L e so r t im Jahre 1699. Er hatte einen umfassenden und sehr gebildeten Verstand, eine scharfe Beurthcilungskraft, viel Gegenwart des Geistes, und eine unglaubliche Geschicklichkeit, Diejenigen zu prüfen, die er brauchen wollte. Zudem lagen im Grunde seines Charakters Festigkeit, unerschütterlicher Muth und Rechtschaffenheit. 95 In einem ganz anderen Verhältnisse, und zwar als hilfesuchender Flüchtling erschien unter Kaiser Karl des VI. Regierung der älteste Sohn dieses Czaaren Peter, mit Namen Al ex ei Petro- ^Dieser unglückliche Prinz, den Peter von seiner verstoßenen ersten Gemalin Eudoxia hatte, war mit den Neuerungen, welche sein Vater in Rußland vornahm nicht zufrieden, und stand im geheimen Einverständnisse mit den mißvergnügten russischen Großen. Peter, dem daS Wohl sei. nes gleichsam von ihm neu geschaffenen Reiches so sehr am Herzen lag, warnte ihn oft davon, konnte ihn aber nicht dahin bewegen, daß er an seinen Staatsreformen auch nur den geringsten Antheil genommen hatte, weshalb er ihm zuletzt mit der Ausschließung der Thronfolge bedrohte. Als einst der Ezaar mit seiner zweiten Gemalin Katharina eine Reise unternahm, floh A l ex e i heimlich aus dem Reiche, um bis zu dem Tode Peters im Auslande zu verweilen, wo es ihm dann, wie er meinte an Anhängern nicht fehlen werde, um den Thron seines Vaters mit leichter Mühe zu besteigen. Er begab sich nach Wien, weil Kaiser Karl VI. sein Schwager war, und dieser verbarg ihn auf einem einsamen Schloße im Königreiche Neapel. Peter I. erfuhr aber seinen Aufenthalt, und bestand dringend auf seine Auslieferung, welche auch erfolgte. Zu Hause befahl er ihm den Prozeß zu machen, und 144 Richter sprachen über ihn daS Todesurtheil aus. Obgleich es nicht scheint, daß Peter dieses Urtheil an seinem Sohne vollstreckt wissen wollte, so harte doch die Verkündigung desselben bei Al ex ei eine so eindruckvolle Wirkung gemacht, daß er sogleich heftig erkrankte, und nach einigen Tagen darauf verschied (den 6. Juli 1718) *). . Seit jener Zeit besuchte kein russischer Herrscher mehr Oesterreichs glanzvolle Hauptstadt bis zum wiener Kongresse im Jahre 1814, wo der unsterbliche Alexander I., Kaiser von Rußland, in Begleitung seines Bruders Konstantin Cesare v ich, mehrere Monate darin verweilte. , Nach einem mehr als 20jährigen Riesenkampfe um Europas Freiheit und Selbstständigkeit gegen Frankreichs Uebermacht, welche auf Leipzigs ewig denkwürdigen Ebenen am 18. Oktober 1813 gebrochen wurde, drangen die Alliirten nach unglaublichen und blutigen Anstrengungen bis ParrS vor, welche Hauptstadt sich ihnen am 31. März 1814 mittelst Kapitulation übergab. Nachdem Napoleon, der Urheber aller dieser Kampfe am 3. Mai 1814 nach der Insel Elba, seinem Verbannungs- orte abgegangen, und der pariser Friede am 30. Mai desselben JahreS geschlossen worden war, wurde ein großer Kongreß auf den 1. September 1814 nach Wien ausgeschrieben, der aber erst ein Monat später in Wirklichkeit trat. Um diese Zeit strebte man aus allen Staaten nach Wien hm, welches auf diese Weise der Mittelpunkt der europäischen Welt wurde. Oesterreichs ruhmgekrönter Kaiser, der unvergeßliche Franz I., empfing bei dieser Gelegenheit seinen erhabenen Freund und Mitkämpfer m dem Befreiungskriege, den Kaiser Alexander den I. zu Wien am 25. September 1814 bei seinem Einzuge mit aller einem so erhabenen Gaste gebührenden Feierlichkeit, indem er ihm bis an den -Labor entgegen ritt, und ihn herzlich umarmte. Mir ihnen zog zugleich der König von Preußen, Friedrich Wilhelm III. ein, welcher bereits den russischen Kaiser in WolkerSdorf, der nächsten Poststatton von Wien, an der Brünnerstraße erwartet hatte. . ^ > Bei jenem Kongresse waren in Wien zwei Kaiser, und vier Könige, nämlich der König von Preußen, der König von Dänemark, der König von Baiern und der König von Würtemberg anwesend. Später kam auch noch der König von Sachsen, welcher aber von Presburg aus seine Angelegenheiten betrieb. Auch alle Fürsten des ehemaligen deutschen Reiches fanden sich persönlich nebst einer glanzvollen Versammlung von Bevollmächtigten ein, wie schwerlich eine andere Hauptstadt der europäischen Reiche sie jemals sehen wird. Wien gewährte um jene Zeit ein äußerst lebhaftes und interessantes noch nie gesehenes Schauspiel, und die wahrhaft kaiserliche Freigebigkeit des geliebtesten Kaisers Franz wurde selbst von den Königen und Fürsten als unübertroffen anerkannt. Alexander verweilte so lange in Wien, bis die unvermuthete Nachricht aus Frankreich eintraf, Napoleon habe die Insel Elba verlassen, und sey am 1. März 1815 bei Cannes auf französischem Boden gelandet, und ziehe von den alten Soldaten überall bereitwillig aufgenommen, in schnellen Märschen nach Paris. *) Alex ei Petro witsch hinterließ eine Tochter (gestorben im Jahre 1728), und einen Sohn, den nachmaligen Kaiser Peter den II. von Rußland. Diese Nachricht war Ursache, daß der Kongreß zu Wien mit einer Erklärung, in welcher Napoleon als Hein d des Vaterlandes und in die Acht erklärt wurde, am 13. Marz 1815 auselnander gmg. Zum zweiten Male erschien Kaiser Alexander I., wenn auch nur auf kurze Zeit m Men bei Gelegenheit seiner Rückreise von dem Kongreße in Laibach, welcher zur Dampfung der Unruhen, welche die Carbonari in Neapel und Sicilien angerlchtet hatten, daselbst vom 1. Lanner bis ^ gehalten wurde. Nach einem Aufenthalte von wenigen aber genußreichen ^agen verließ er die chm so Ebener gewordene Kaiserstadt unter den herzlichsten Glückwünschungen semeS kaiserlichen Freundes, und dessen erhabenen unvergleichlich mildreichen Gemalin Karolina Augusta, um nach Petersburg z - ruck ^ "len. ^ Kaiser Nikolaus I. *), der Sohn des am 1. December 1825 zu Ta- ganrog, (einer Stadt Neurußlands) verstorbenen Kaisers Alex-ander des ^ h-er einen überra,chenden Besuch /nachdem er vorher der Feierlichkeit, welche be. der Grundsteins der iekt glorreich regierende Kaiser und LandeSvater, F erdl n an d I. den im Jahre 1813 gefallenen Russen btt Kulm errichten und am 29. September 1835 einweihen ließ **), be,gewöhnet hatte. Wahrend Kaiser Ferdinand I. sich von dort nach Prag begab, eilte Nikolaus nach Wien, e- suchte zuerst die Kaiserin Mutter in Schönbrunn, und begab sich sodann m die kaiserliche Gruft bei den Kavucinern, um am Grabe des höchstseligen Kaisers Franz I. seine Andacht zu verrichten. Er b leb bis zum 11. Oktober desselben Jahres in Wien, und gewann durch seine Popularität und Herablassung die Herzen der Bewohner dieser Hauptstadt. .. ^ ^ ^ ^ ^ Den letzten Besuch aus den russischen Herrscherfamcken m dieser Stadt machte der «lteste Sohn dieses Kauers Nikolaus«*), der Großfürst Thronfolger Alexander N t ko laewl t sch ^*), welcher hier an 3 März 1839 Vormittags um 11 Uhr anlangte. Um ihn würdig zu empfangen war m der k k Hofburg daS erste Stockwerk des Reichskanzleitraktes prachtvoll als sein Apartement ausgestattet worden Gegen 11 Uhr fuhren der k. k. Erste Obersthofmeister Fürst zu Kolloredo-M anns- fe l d der kaiserlich russische Botschafter B a i l l i von T a t i scheff , und Andere an dem Apartement vor ' um den Prinzen daselbst zu erwarten und zu empfangen. Nicht lange nachher erschienen der Großfürst - Casarevich selbst, in Begleitung des k. k. Brigadiers Grafen Ladislaus von Wrbna in einer offenen Kalesche mit sechs Hofpferden bespannt. Btt der Einfahrt wurde er von dem äußerst zahlreich versammelten Volke mit Vivatruf begrüßt, und im Apartement von dem k. k. Ersten Oberst- bofmeister Fürsten zu K olloredo-M a nn s fel d ehrfurchtsvoll empfangen. Spater verfügte sich Letzterer nach dem Apartement Seiner Majestät des Kaisers, um die Ankunft des Großfürsten zu melden, worauf er dann von dem Erzherzoge Franz Karl, der sich gleich nach seiner Ankunft um ihn zu be- willkommen bei ihm eingefunden hatte, in Gegenwart sämmtlicher in Wien anwesender Herren Erzherzoge bei dem Kaiser aufgeführt wurde. Bald darauf wurde er zu Ihrer Majestät der Kaiserin, wohin ihm dieEnherroge folgten, und von dort von dem Erzherzoge Franz Karl zur Kaiserin Mutter, und dann zur Erzherrogin Sophie begleitet. Nach diesen Besuchen verfügte sich der Großfürst wieder rn fern Apartement zurück, woselbst durch den k. k. Ersten Obersthofmeister mehrere Vorstellungen der obersten Hor- ämrer Statt fanden. Vor der Tafel wurde der Großfürst durch einen Besuch unserS gnädigsten Kaisers Ferdinand überrascht, und von den Erzherzogen zur Familientafel begleitet. Außer den Mitgliedern Nikolaus I Paulo mit sch seit dem l. December 1825 Kaiser und Selbstherrscher von ganz Rußland, des 18. Jahrhunderts dem 7, im 19. Jahrhunderte entstricht, so wird dieser als des Kaisers Geburtstag **) ^Jnr ^Monate September 1835 hatten die Monarchen von Oesterreich, Rußland und Preußen eine Zusammenkunft in Teplitz, und legten am 29. September den Grundstein zu dem Denkmale des Generali' Ostermann Tolstoy auf dem Schlachtfelde von Kulm. ...... , ***) Dessen Gemalin Alexandra Feodorowna, zuvor F rl e d err cke Louiie Charlotte Wtlhel- mine, eine Tochter des Königs Friedrich Wilhelm des HI. von Preupen, geboren den 13. (2.) Juli 1798. »***) Alexander Nicolaewitsch wurde geboren den 29. (17.) April 1818. der Allerhöchsten Kaiserfamilie befanden sich auch her hier anwesende Erbgroßherzog von Weimar, Karl Alexander an dieser Tafel. Des Nachmittags stattete der Großfürst den Herren Erzherzogen Gegenbesuche ab, und gegen 7 Uhr verfügte er sich abermals in das Apartemenr des Kaisers, von wo sich der gesammte Allerhöchste Hof in daS k. k. Hofburgtheater begab. Das festlich erleuchtete Schauspielhaus bot einen eben so imposanten ) als glänzenden Anblick dar, das Parterre und die Logen waren lpit einem gewählten Adel und Publikum angefüllt, und die Damen prangten im reichsten Schmucke und in den geschmackvollsten Toiletten. Vom 4. bis zum 10. März besuchte der Großfürst die sehenswürdigsten Merkwürdigkeiten und besonderen Schönheiten der überaus reichen und ausgezeichneten Residenz, als z. B. die Hofbibliothek, die in Europa kaum ihres gleichen hat, die k. k. Schatzkammer mit ihren unschätzbaren Kleinodien und reichen Seltenheiten, das neu gebildete Kunstmuseum, ein Geschenk des Kaisers Ferdinand, daS Mineralien- und Antiken.-Kabinet; ferner die medicinisch - chirurgische Josephsakademie in der Währinger- gasse, das kaiserliche und bürgerliche Zeugbaus, und die k. k. Ingenieur-Akademie auf der Laimgrube. Jngleichen wohnte er auch auf dem Glacis einer Revue von 12,000 Mann bei, so wie einer Produktion des k. k. Marstalles, durch Vorführung einer großen Anzahl Equipagen, der prächtig geschirrten muthigen Roße, und des glanzvollen JmperialwagenS mit der großen goldenen Krone auf der Decke. Auch an einer Wildschweinjagd im k. k. Thiergarten nahm er mit besonderem Vergnügen Antbeil, und bewies dabei eine wirklich bewundernswerthe Sicherheit im Schüße, nachdem von ihm allein 47 Stück Wildschweine erlegt wurden. Am 8. März besuchte er das welthistorisch merkwürdige Schlachtfeld von Aspern und Wagram, und kehrte von da auf der Eisenbahue nach Wien zurück. Unter denen zu seinen Ehren angestcllren vielen und glänzenden Feierlichkeiten zeichnete sich aber besonders ein von dem höchsten Adel in dem Rittersaale veranstaltetes Tableaux theils durch nie gesehene Pracht, theils durch die sinnige Anordnung aus. Es hatte mehrere Theile, und stellte Gemälde berühmter Meister in der Natur vor. Am 10. März war Abends Schauspiel auf dein Schloßtheater des k. k. Lustschlosses Schönbrunn, und nach dessen Beendigung Souper in der Orangerie daselbst. Der Weg vom Schauspielhause bis dahin war durch bengalisches Feuer erleuchtet, welches einen magischen Glanz auf die dahin rollenden Wagen warf. Das prächtige Lokale der Orangerie war auf das Geschmackvollste zum Souper vorgerichtet, und ein wirklich feenhafter Anblick überraschte die Emtreteuden. Dieses majestätische, 600 Fuß lange Gebäude war festlich geschmückt; die Orangerie, an 800 Bäumen, gewiß die schönste ihrer Arc, und mit unzähligen Blumen und Blüten umstellt, bildete eine lange mit balsamischen Düften erfüllte Reihe, innerhalb welcher die mit der gewähltesten Pracht und Eleganz servirten Tafeln, sieben an der Zahl, standen. Ein Feuermeer von Lichtern warf tausende von Strahlen auf das imposante Bild. Eine dreifache Reihe von Silbersternen, zwischen denen reich besetzte Candelabres ausgestellt waren, bewirkten diesen Glanz, der gegen den dunklen Schimmer der Orangenbäume zauberisch abstach. Das unermeßliche Gebäude bot so bequemen Raum für die Tafeln dar, daß alle die zahlreichen Damen und Herren hinlänglich Platz fanden. An jeder Tafel führte eine Dame den Vorsitz, wie z. B. bei jener, an welcher der Großfürst mit Seinen beiden Majestäten, dem Kaiser und der Kaiserin, und der Kaiserin Mutter, sammt den Herren Erzherzogen und den Erzherzoginnen speisete. Während der Tafel durchrauschte eine wohlbesetzte Harmonie des Jnsanterie - Regimentes Landgraf von Hessen-Homburg unter der Leitung ihres Kapell-neisters Nemetz den ungeheueren Raum, der in dieser Nacht in einen reizvollen Feenpalast umgewandelr war. Nach aufgehobener Tafel fuhr der Großfürst mit dem Allerhöchsten Hofe wieder in die Stadt zurück, wo der ganze Weg vom Lustschloße bis zur Mariahilfer- Linie in gehörigen Zwischenräumen abermals mir bengalischen Feuer beleuchtet war. Ungeachtet der ungünstigen Witterung war dennoch der ganze Weg mit unzähligen glückwünschenden Menschen bedeckt. Der Großfürst verweilte bis zum 13. März in Wien, und stattete am Morgen desselben LageS bei dem Allerhöchsten Hofe seine Abschiedsbesuche ab. Sichtbar gerührt schied er, wie vom geliebten Vaterhause vom Allerhöchsten Hofe, und auS der ihm so theuer gewordenen Kaiserstadt, dessen redliche biedere Bewohner ihm ein herzliches Lebehoch nachriefen, nachdem ibn der Kaiser vorher mit dem Großkreuze des St. Stephansordens geschmückt, und durch die Ercheilung deS k. k. Husaren - Regimentes Gera m b besonders erfreuet hatte. Rar! v. betretet die Christen - Sklaven in Tunis, (Staat auf der Nordküste von Afrika). Jahr 1535. Jahre 1535 unternahm Kaiser Karl V. den berühmten Feldzug gegen die seeräuberischen Staaten in Afrika, deren Oberhaupt, der schreckliche Barbarossa besonders dem Handel Spaniens und Italiens im mittelländischen Meere ungeheueren Schaden zufügte, und durch seine beständigen räuberischen Einfälle an den Küsten dieser zwei Reiche die Bewohner in Angst und Schrecken setzte. Karl hatte schon längst den Entschluß gefaßt diesen frechen Räuber und unversöhnlichen Feind der Christenheit zu züchtigen; aber die vielfältigen Streitigkeiten und Unruhen, welche die protestantischen Stande in Deutschland in Verbindung mit Frankreich erregten, hatten ihn an der AuSfübruna dieses Entschlusses bisher gehindert. Der Ursprung dieser seeräubsrischen Staaten *) fällt gegen den Anfang deS sechzehnten Jahrhunderts, und Algier, Tunis und Tripoli wurden die Hauptstädte derselben **). Zwei Brüder, Horuc und Hayradin, Söhne eines Töpfers auf der Insel LesboS waren die Stifter derselben. Von einem ruhelosen und zu großen Unternehmungen fähigen Geiste getrieben, verließen sie das Geschäft ihres VaterS, wagten sich auf S Meer, und schlugen sich zu einem Schwarme von Seeräubern, wovon daS mittelländische Meer zu jener Zeit wimmelte. Sie bewiesen in kurzer Zeit eine besondere Schlauheit und Herzhaftigkeit, machten sich Meister von einer kleinen Brigantine, und setzten ihr ehrloses Geschäft mit solcher Einsicht und so großem Glücke fort, daß sie eine Flotte von zwölf Galeeren und verschiedenen anderen kleinen Fahrzeugen zusammen brachten. Horuc, der wegen seines rothen Bartes den Namen Barbarossa erhielt, war der Admiral dieser Flotte, und es dauerte nicht lange, so wurde fein Name von den Dardanellen bis zur Meerenge von Gibraltar furchtbar. Besonders waren die Küsten Spaniens und Italiens seiner Raubgier preis gegeben, und den Raub, den er daselbst gemacht ) Die Seerauberer ist von der Kaperei wohl zu unterscheiden, wenn gleich ihr gemeinschaftlicher Zweck der Raub zur See ist. Dre Seeräuber nämlich gehen auf eigene Faust zum Raube aus, haben eine willkürliche Flagge, und richten ihre Angriffe gegen jeden Seestaat, ohne Unterschied. Diese Freibeuter, Korsaren genannt, hatten m der neueren Zeit ihre Hauptsitze in den Städten Algier, Tunis und Tripoli, welche vorzugsweise die Scerauberstaaten, hießen. Der Kaper hingegen betreibt dieses ehrenrührige Gewerbe nicht für gewöhnlich, sondern wenn zwei Seemächte m Krieg begriffen sind, erhalten gewisse Personen auf ihr Ansuchen bei den betreffenden Regierungen Erlaubnisscheine (Kaperbriefe), wodurch sie gleichsam das Recht erhalten im ^el lause des Seekrieges den Handlungsflotten der Gegenpartei so viel Schaden zuzufügen, als sie mir immer können. Sobald aber zwischen den streitenden Scemächicn der Friede abgeschlossen ist, Hort auch die Kaperei auf, und wird im entgegen gesetzten Falle nach den Scerechten als wahre Seeräuberei betrachtet und bestraft. **) Algier ist der Name einer Stadt und eines Gebietes, und war bis zum Jahre 1830 der Hauptsitz der so- genaniiten ^arbaresken, oder eine türkisch-militärische Korsarenrepublik. Algier liegt auf der Nordküste von und Marokko, und sein Gebiet beträgt 4200 Quadrat - Meilen. Zn dem erwähnten ^ahre 1830 haben dre Franzosen unter dem Generale Burmont diese Stadt mit Sturm erobert, und den ei abgehetzt- Algier ist seitdem eine französische Kolonie, jedoch noch nicht von besonders bedeutendem Umfange. Astern die Seerauberer ist endlich in diesen Gewässern unterdrückt worden. Tunis und Trivoli un^sichen'n°ch üm-r".ÄN Schutz?^'" ^ S,»«,- mit gleichnamigen Gebiete, SS hatte, schleppte er in die Häfen der Berberei, deren Einwohner ihn jederzeit mit Freuden aufnahmen, weil sie durch die Verschwendung seines Schiffsvolkes sich bereicherten. Es ist natürlich, daß Horuc den Gedanken fassen mußte, einst selbst Herr eines solchen Hafens zu werden , um seine Raubzüge mit mehr Sicherheit und Kraft ausführen zu können, und bald ereignete sich auch eins Gelegenheit, die seinen Plan in Erfüllung brachte. Eurem i, der König von Algier, hatte viele, aber stets vergebliche Versuche gemacht, eine Schanze, die der spanische Befehlshaber von Oran nicht weit von seiner Hauptstadt aufgeworfen hatte, einzunehmen, und war so unbesonnen, daß er den Barbarossa um feinen Beistand ansprach. Der muthige Korsar nahm diesen Antrag mit Freuden an, ließ seinen Bruder Hayradin auf der Flotte zurück, und ging an der Spitze von 5000 Mann nach Algier, wo man ihn als einen Schutzengel aufnabm. Mit einer solchen Macht war er Meister der Stadt, und da er bemerkte, daß die Mauren nicht den geringsten Argwohn von seinen boshaften Absichten hatten, noch im Widerstandsfalle mit ihren leichtgerüsteten Truppen seinen alten und kampfgeübten Völkern gewachsen waren, so ermordete er insgeheim den Monarchen, dem er zu Hilfe gekommen war, und ließ sich an seiner Stelle zum Könige von Algier ausrufen. Die Gewalt, die er sich mit solcher Kühnheit anmaßte, suchte er durch Kunstgriffe zu befestigen, die dem Geiste des Volkes, über welches er herrschen wollte, angemessen waren, indem er jene, die seine Usurpation begünstigten, mit auSr.ehmend großen Neichthümern überhäufte, hingegen aber die ihm Verdächtigen mit schonungsloser Grausamkeit verfolgte. Solchergestalt kaum auf seinem Throne befestiget, griff er den benachbarten König von Tremecen an, überwand ihn in einem Treffen, und verband sein Reich mir dem Gebiete von Algier. Zu gleicher Zeit fuhr er fort, die Küsten von Spanien und Italien mit seinen Flotten zu beunruhigen, welche jetzt schon den Seerüstungen eines großen Monarchen ähnlich waren. Dies bewog nun Karl gleich beim Anfänge seiner Regierung, daß er dem Gouverneur von Oran, den Marquis von Coma- res den Auftrag ertheilte den Horuc, welcher damals in der Stadt Tremecen war, anzugreifen. Co mares that es mit Tapferkeit und Glück, und tödtete den Horuc, nach einer verzweiflungsvollen Gegenrvehre, vor der Stadt. Nun bestieg sein Bruder Hayradin, welcher gleichfalls Barbarossa genannt wurde, den Thron von Algier, und um sich den Besitz desselben zu sichern, stellte er sein Gebiet unter den Schutz deS türkischen Kaisers, welcher ihm ein Truppenkorps zuschickte. Bald verdunkelten seine Thaten und seine Kühnheit den Ruf seines BruderS, und der Sultan S uleimann setzte in seine Geschicklichkeit ein so großes Vertrauen, daß er ihm das Kommando der ganzen türkischen Flotte anbot. Jetzt faßte er den Entwurf Tunis zu erobern, und führte ihn auch glücklich aus. Mahmed, der König dieses Landes hatte von verschiedenen Weibern 34 Söhne gehabt, und er bestimmte darunter den Mulei- Hascen, einen der jüngsten zu seinem Nachfolger. Dieser, um den Thron früher besteigen zu können, vergiftete zuerst seinen Vater, und ermordete sodann alle jene Brüder, welche er habhaft werden konnte. Alraschid, einer der ältesten davon war aber so glücklich seiner Muth zu entkommen, flüchtete zu den Arabern der Wüste, und versuchte durch sie unterstützt mehrere Male, jedoch stets fruchtlos daS ihm gebührende Thronrecht mir Waffengewalt durchzusetzen. , Zuletzt wendete er sich nach Algier, und flehte Barbarossa um seinen Schutz an. Dieser, an Arglist noch seinen Bruder übertreffend nahm ihn mit allen Zeichen der Freundschaft und Ehrerbietigkeit auf, und da er so eben nach Konstantinopel zu segeln im Begriffe war, so beredete er mit leichter Mühe den Alraschid ihn dahin zu begleiten, um durch des Sultans Beistand den Thron von Tunis zu erhalten. Allein als sie in Konstantinopel angelangt waren, dachte der treulose Seeräuber nicht mehr an sein gegebenes Versprechen, sondern er- öffnete dem Sultane seinen Plan, unter dem Vorwände diesem vertriebenen Fürsten zu helfen, und durch den Beistand der Partei, die sich für ihn unfehlbar erklären würde, Tunis zu erobern, und es dann mit dem türkischen Kaisertkume zu verbinden. S u lei mann gab diesem verrätherischen Vorschläge seinen Beifall, ließ eine große Flotte ausrüsten, schmeichelte dem Alraschid, daß er nun bald Herrscher von Tunis seyn würde; aber in dem Augenblicke, als er sich nach Tunis einschiffen wollte, wurde er auf des Sultans Befehl in Verhaft genommen, und erdrosselt. Barbarossa segelte nun mit einer Flotte von 250 Schiffen nach Tunis. Nachdem er seine Kriegsvölker an's Land gesetzt hatte, gab er vor, daß er gekommen sey um die Rechte Alraschid S, der auf dem Admiralschiffe krank zurück geblieben, gegen seinen Bruder Mulei-Hascen zu behaupten. Die Einwohner von Tunis , welche der grausamen Regierung M u l e i - H a S c en s schon längst müde waren, griffen zu den Waffen, und erklärten einstimmig Alraschid zu ihrem Regenten. Sie öffneten dem Barbarossa die Thore von Tunis, und Mulei-Hascen batte kaum noch Gelegenheit gefunden mit Hinterlassung aller seiner Schatze zu entfliehen. Nachdem die türkischen Soldaten in der Stadt eingezogen waren, und statt A l rasch ids Name blos der ihres Sultans erscholl, merkten die Einwohner den Vrrralh, der ihnen gespielt worden war, und griffen die Türken mit Muth an. Allein schon einige Kanonenschüße auS Barbarossas Geschütz waren hinlänglich die Menge zu zerstreuen, und ein Angriff seiner Soldaten vollendete ihre Niederlage. Somit war Tunis in der Gewalt Barbarossas, welcher diese Stadt und daS Gebiet gleichfalls unter den Schutz Sulei- manns stellte. Barbarossa wendete jetzt alle Sorgfalt an die auf diese Art in Besitz genommene Stadt in einen wehrhaften Stand zu setzen. Er verstärkte die Festungswerke der Citadelle, und befestigte Go, letta, eine Sradt bei Tunis regelmäßig, machte es zum Haupthafen seiner Flotte, und zu einem Zeug- Hause und Arsenale. Da er im Besitze dieser weitläufigen Länder war, so trieb er seine Seeräubereien gegen die christlichen Staaten in einem größeren Umfange mit einer zerstörenderen Gewaltthätigkeit als jemals. Kaiser Karl wurde jetzt von seinen Unterthanen in Italien und Spanien täglich mit Klagön über die frevelhaften Angriffe der Seeräuber, die unter Barbarossas Flagge kreuzten, gleichsam bestürmt, und es schien, als erwarte die ganze Christenheit von diesem ihrem erstem und glücklichsten Fürsten die Befreiung von dieser abscheulichen Unterdrückung. Zu gleicher Zeit wandte sich auch der verjagte Mulei-Hascen an den Kaiser, und bat ihn in einer am 21. April 1535 in Madrid gehabten Audienz, daß er ihn wieder zur Besitznahme seines geraubten Tbrones verhelfen wolle. Karl versprach ihm seinen Beistand, und war fest entschlossen den übermüthigcn und grausamen Barbarossa für seine unausgesetzten Räubereien zu bestrafen. Er rüstete durch die vereinte Kraft aller seiner Länder eine mächtige Flotte aus, und übernahm, nachdem die meisten Schiffe in dem Hafen von Barcelona versammelt waren, darüber den Oberbefehl. Seinem Beispiele folgte der Kern des spanischen und niederländischen Adels, und im mittelländischen Meere stieß noch eine bedeutende Escadre von Portugal hinzu, welche der Bruder der Kaiserin, der Jnfant Don Ludwig befehligte. Der Papst schoß zur Ausrüstung dieser Flotten Geld vor, und die Maltheser, diese geschworenen Feinde der Ungläubigen strengten alle ihre Kräfte an, um eine Flottille diesem Bunde hinzu zu fügen. Der Anführer der gesammrcn Flotte nach dem Kaiser war der berühmte Seeheld Doria, und die Landmacht kommandirte der Marquis del Qua sto. Am 16. Juli 1535 segelte die gesammte Macht von dem Hafen von Caglkari in Sardinien ab. Sie bestand aus 500 Schiffen, und hatte über 30,000 Mann regelmäßiger Truppen an Bord. Nach einer kurzen und glücklichen Fahrt gelangten sie in die Nähe von Tunis, zu dessen Vertheidiguug Barbarossa, der von den ungeheueren Zurüstungen deS Kaisers Kunde erhalten hatte, alle seine Kräfte mit eben so viel Klugheit als Lebhaftigkeit aufgeboten hatte. Durch seinen Eifer brachte er in kurzer Zeit 20,000 Mann Reiterei, und eine ungeheuere Menge Fußvolk bei Tunis zusammen, welches Heer er durch große Geschenke und Versprechungen sich vollkommen ergeben machte. Vor allen richtete er sein Hauptaugenmerk auf die Veste Goletta, welche er mit 6000 Mann türkischer Truppen besetzte, ' die nach Art der Europäer im Kriegsdienste wohl eingeübt waren, und von Sin an, einem abgefallenen Juden angeführt wurden. Karl schloß bei seiner Landung sogleich diese Veste ein, und griff sie auf drei verschiedenen Punkten an. Deutsche, Spanier und Italiener wetteiferten unter einander, um unter den Augen ihres geliebten Monarchen Wunder der Tapferkeit zu verrichten, und sich seines Beifalls zu erfreuen. Obgleich Sin an das Vertrauen rechtfertigte, welches Barbarossa in seine Einsicht und Tapferkeit gesetzt hatte, so ging doch die Festung in einem allgemeinen von Karl angeordneten Sturme am 25. Juli 1535 an ihn über. Durch Goletcas Fall wurde der Kaiser Meister von B a r- barossas Flotte, die aus 18 Galeeren bestand, und 300 meistens metallenen Kanonen (für jene Zeit eine ungeheuere Zahl), sielen in seine Hände. Karl hielt durch eine Bresche seinen Einzug in dis eroberte Veste, und ihn begleitete Mulei-Hascen, welcher mit Staunen und Bewunderung die Lhaten des europäischen HeereS beobachtet hatte. Barbarossa war zwar durch diesen Verlust empfindlich geschwächt, ließ aber ungeachtet dessen seinen Muth nicht sinken, und da die Vertheidigung von Tunis, worauf jetzt der Kaiser hin marschirte, wegen seines großen Umfanges und den nicht gar festen Mauern zu einer langen Belagerung nicht tauglich schien, so faßte er den kühnen Entschluß, mit seiner Armee welche sich auf 50,000 Mann be- lief, dem Kaiser entgegen zu rücken, und das Schicksal seines Königreiches durch eine Schlacht entscheiden zu lassen. Plötzlich erschien jetzt die kaiserliche Armee vor Barbarossa, und dieser durch seine Uebermacht kühn gemacht, befahl den Angriff. Allein diese rohen undisciplinirten Haufen konnten dem Stoße des regelmäßig kämpfenden ChristenheereS in der Länge nicht widerstehen, und obschon Barbarossa eine bewunderungswürdige Geistesgegenwart und Tapferkeit an den Tag legte, so wurde er doch in wenigen Stunden vollständig geschlagen, und mußte sich mit den Trümmern seines Heeres in wilder Flucht nach Tunis zurück ziehen, wo er aber alles in der äußersten Verwirrung fand. Die große Anzahl der gefangenen Christen-Sklaven hatten indessen Gelegenheit gefunden ihre Fesseln zu brechen, und aus ihren Gefängnißen zu entkommen. Bald darauf wurde von ihnen die türkische Besatzung übermannt, und die Artillerie auf den Wällen gegen ihren ehemaligen Gebieter gerichtet. Barbarossa war wü- thend über diesen Vorfall, und entfloh nun eilig nach Bona. Kaum war Barbarossa entfernt, so erschienen auch schon Abgeordnete aus der Stadt, um dem Kaiser die Thorschlüssel zu Füssen zu legen, und ihm zu bitten, die Bewohner dieser Stadt gegen die Gewaltthätigkeüen der Soldaten zu schützen. Aber schon waren diese beute- und rachebegierig in die Stadt eingedrungen, und plünderten und mordeten ohne Schonung, um die Schmach so vieler tausenden ihrer gefangenen Brüder an den unglücklichen Einwohnern zu rächen. Der Kaiser bedauerte diesen widrigen Zufall, der einen so glänzenden Sieg befleckte, und zog mit Mulei-Hascen in die mit Leichen angefüllte Stadt, wo seiner ein rührender und freudenvoller Auftritt wartete. Eine Anzahl von mehr als 10,000 Christen-Sklaven, welche ihre Kerker gesprengt hatten, und worunter viele Personen von hoher Geburt waren, zogen dem Kaiser, ihrem hochherzigen Befreier mit unbeschreiblichem Jubel entgegen, fielen vor ihm auf die Knie, küßten seine Hände, Füße und Kleider, und dankten unter Thränenströmen ihm für ihre Errettung aus den drückenden Banden der Sklaverei. Karl war von ihrer Dankbarkeit tief gerührt, nahm sie liebevoll auf, gab ihnen Worte deS Trostes und der Beruhigung, und ließ sie wohl verpflegt in ihre Heimat und zu ihren Anverwandten zurück führen. Nun erfüllte Karl sein dem Mulei-Hascen gegebenes Versprechen, nachdem er ihn wieder zum Herrscher über Tunis einsetzte, und einen Traktat mit ihm abschloß, in welchem er die Stadt und das Gebiet von Tunis ihm als Lehen übergab, mit der Verpflichtung, alle Christen-Sklaven, welche er auf seinem Gebiete fände, ohne Lösegeld auf freien Fuß zu setzen, keinen Unterthan des Kaisers künftig in Sklaverei zu halten, keinen türkischen Kaper mehr in den Seehäfen seines Landes einzulassen, und allen kaiserlichen Unterthanen freien Handel und die ungekränkte Ausübung ihrer Religion zu gestatten. Mulei-HaScen unterschrieb diesen Traktat, und gelobte alle darin enthaltenen Punkte auf's Gewissenhafteste zu erfüllen; der Kaiser hingegen nahm zum Unterpfands die Veste Goletta in förmlichen Besitz, nachdem er sie vorher wieder völlig hatte Herstellen lassen, und Mulei-Hascen verpflichtete sich noch überdies, der Besatzung dieser Veste jährlich 12,000 Kronen zu ihrem Unterhalte verabfolgen zu lassen. Somit hatte Kaiser Karl seine Absicht auf eine glänzende ihm höchst ehrenvolle Weise erreicht. Er hatte den Uebermuth der Korsaren gezüchtiget, den Schiffen seiner Unterthanen eine sichere Zuflucht verschafft, und seinen eigenen Flotten Sicherheitsplätze erworben. Da jetzt die stürmische Zeit heran nähere, welche ihn verhinderte den flüchtigen Barbarossa ferner zu verfolgen, so ging er mit seiner Armee wieder nach Europa unter Segel. Dieser Feldzug gewann dem Kaiser das Wohlgefallen von ' ganz Europa. Jene 10,000 Christen- Sklaven, die er aus Tunis errettet hatte, und denen noch eine eben so große Zahl — welche Mulei- Hascen vermöge deS Traktates frei gegeben — nachgefolgt waren, breiteten in ganz Europa den Ruhm und die Wohlthätigkeit ihres kaiserlichen Befreiers aus, und erhoben seine Macht und Klugheit über alle Fürsten der Erde. W .'Z _ '»«