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'>'4 ^ -*" 7 /. .. ,. -4 ^ , 8->-7 v . ^-L. 8- - '. . .^2 »-- -- 8 n.. -_- - 7 . _^ 7 . . 8 ^ . 8 ^: . 7 ^—-^!^..—L_X-»Ll ^ Are geistige Rose Enthaltend die fünfzehn UMllenen des Mosenkranzes in eben so vielen Federzeichnungen von Professor Joseph Führich, lithographirt von Joseph Binder; begleitet mit einem erklärenden Terte von V' Joh. Em. Veith, Domprediger an der Metropolitankirche zum heil. Stephan. Der Reinertrag ist zum Besten der Wiedner Kleinkinder-Bewahranstalt bestimmt. Wien, 1844. >ei Mayer H Compagnie, (Singerstraße, deutsches Haus). „Siche nun erscheine ich ehrfurchtsvoll vor dir, o königliche Jungfrau, einen Kranz von Blumen, im schönsten der Gärten gepflückt, dir darbringend, um dein Haupt damit zu schmücken." S. Gregorius von Nazianz. Ihrer k. k. Majestät Kaiserin« von Oesterreich, öniginn von Ungarn und Döhmeri) rc. rc. rc. in tiefster Ehrfurcht gewidmet 4 » L Verleger. »Gesegnet bist du unter den Frauen, und oJungfrau, aus dem heilig „Gleich einem Becher frischen Wassers dem Dürstenden, so eine gute Nachricht aus? fernem Lande." (Sprichst). 25, 25.) Die frohe Botschaft aus fernem Reiche, aus den Höhen des ewigen Lichtes, wie lange und wie schmerzlich wurde sie ersehnt! Und diese Sehnsucht der Menschheit nach dem Heile, wie ausdrucksvoll ward sie dem dürren Erdreich verglichen, das nach dem befruchtenden Regen lechzt! „Thauet ihr Himmel von oben, und ihr Wolken strömet den Gerechten herab; die Erde eröffne sich, und bringe den Heiland herfür!" (Isar. 45.) In ähnlichen Bildern reden davon auch die prophetischen Psalmen : „Er wird herabsteigen gleich dem Regen aus die Flur; er wird dem Dürftigen gnädig sich erzeigen, und die Seelen der Armen erretten. In Ihm werden gesegnet seyn alle Geschlechter der Erde, alle Völker werden Ihn preisen." (Ps. 71.) In einem andern Hymnus schildert der königliche Seher die Zukunft des gerechten Herrschers der Menschen, gleich dem Glanze des Morgenhimmels beim Sonnenaufgang, und gleich dem Sprossen der.Gewächse aus der Erde bei mildem Regen. (2 Kön ^3) „Als die Fülle der Zeit gekommen, sendete Gott seinen Sohn, geformt aus dem Weibe, unterthan dem Gesetze, um die, so unter dem Gesetze waren, zu erlösen, damit wir in seine Kindschaft wieder ausgenommen würden. (Galat. 4.) „Einer nämlich ist der Mittler Gottes und der Menschen: der Mensch Christus Jesus." (1. Tim. 2.) Der neue und himmlische Mensch, der im Gegensätze zu allen andern von Sich aussagt:'„ich bin von oben, ihr seyd von unten,- ich bin vom Himmel herab gestiegen; das lebendige Brod, das der Welt das Leben gibt," ist zugleich auch der wesenhafte Gottessohn, das ewige Wort, in dessen unendliche Person er ausgenommen; gesegnet die Frucht deines Leibes, Jesus, den du, en Geiste empfangen hast.« als wirklicher Menschensohn ist er der Reine, Gerechte und Heilige, und deßhalb auf übernatürliche Weise in die Welt eingetreten, durch eine neue Schöpfung, als Sohn der Jungfrau. „Siehe eine Jungfrau wird empfangen, und einen Sohn gebären, und sein Name wird seyn: Gott mit uns, der Wunderbare, der weise Lehrer, der starke Gott, der Vater der künftigen Zeit, der Fürst des Friedens." (Jfai. 7, u. 9.) Dieß ist die Botschaft, welche der himmlische Gesandte, derselbe, welcher vordem den Seher Daniel über die Zukunft des Erlösers belehrt, der auserwählten Jungfrau brachte, der Tochter Davids, der jungfräulichen Gemahlin Josephs, als sie einsam im Kämmerlein ihres kleinen Hauses zu Nazareth, in himmlischen Betrachtungen vertieft war. „Sey gegrüßet, du Gnadenvolle; der Herr ist mit dir; du bist die Gesegnete unter den Frauen." Friede ist mit dir und Freude, und die Fülle der göttlichen Huld; darum sey ohne Furcht, denn du hast Gnade bei Gott gefunden. Und wer anders als sie, die neue Eva, sollte die Fülle göttlicher Gnadengabe besitzen, da ihre ganze Bestimmung darin aufging, die 'Mutter des Einzigen zu seyn, durch welchen die Gnade und Wahrheit in die Welt gekommen L Wie ihre reine Seele mit heiliger Sehnsucht ganz und gar zu Gott gewendet war, so hat auch die schöpferisch erlösende göttliche Liebe sie zum Tempel des Menschgewordenen Wortes erkoren. Sie sprach im Gehorsam des Glaubens: „ich bin eine Magd des Herrn und das wesenhafte Leben, das beim Vater ist, das Licht, so alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt gekommen, nahm die Menschennatur an, um unter uns zu wohnen. „Der Engel des Herrn brachte Mariä die Botschaft, und sie empfing vom heiligen Geiste." 1 -«-G 2 -Gl Denn also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen Eingeboren Sohn dargegeben, damit, wer an Ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern das ewige Leben erlange. (Joh. 3 , 16 .) Marias sprach: „Ich bin eine Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Worte." Die auserwählte Jungfrau, das geheiligte Erdreich, das neue Eden, aus welchem die Menschheit des Herrn dem Leibe nach geformt ward, ist kein blindes Werkzeug der Vorsehung; ihr Mitwissen, ihr freier Gehorsam, ihre Einwilligung ward gefordert. Hat ihr göttlicher Sohn sich selbst entäußert, und die Knechtsgestalt angenommen, und ist gehorsam worden bis zum Kreuzestode; so bestand auch die sittliche Aufgabe der Jungfräulichen und Hehren, die zu seiner Mutter auserwählt worden, darin, vor allem eine Dienerin Gottes zu seyn, als welche sie auch in herben Prüfungen, in Arbeit und Entsagung, mit unerschütterlicher Glaubenskraft, mit unverbrüchlicher Gottestreue, sich stets bewährt hat. „Und das Wort ist Fleisch geworden, und hat unter uns gewohnt; und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, als des Eingebornen vom Vater, voll der Gnade und Wahrheit." Das ewige unsichtbare Wort hat die Menschennatur in sich ausgenommen, und dieselbe auf unaussprechliche Weise seiner Unsterblichkeit und Unendlichkeit zugesellt und vermählt; der göttliche Logos, der im unzugänglichen Lichte wohnt, hat sich wesenhaft müder Menschheit bekleidet, um den Menschen sichtbar zu werden. Selig bist du, o hehre Jungfrau, und des höchsten Ruhmes würdig: denn aus dir ist die Sonne der Gerechtigkeit aufgegangen, Christus unser Gott, der den alten Fluch gelöset, und den Segen gespendet, der den Tod überwunden, und das unverwelklicheLeben uns gebracht! — Auf unserer Federzeichnung erblicken wir den Engel, der betenden Jungfrau erscheinend. Ehrfurchtsvoll sein Knie beugend vor der Tochter der Patriarchen, der reinen Lilie der Menschheit, der Zierde aller irdischen und überirdischen Schöpfung, bringt er ihr, zur Kraft und Huld des Allerhöchsten emporweisend, die wunderbare Botschaft. Die Jungfrau (wie St. Thomas vonAquin bemerkt) ist anfangs bestürzt und von Furcht bewegt, nicht über den Anblick des Engels, da ste an den Umgang mit den Himmlischen gewohnt ist, sondern, wie es der Evangelist ausdrücklich sagt: über seine Rede; indem sie an so große Dinge von und für sich niemals gedacht hatte. Und nachdem sie vernommen, daß die Mutterwürde, die ihr zugedacht, ihrem Gelübde nicht widersprechen werde, neigt sie ihr Haupt, den göttlichen Rathschluß anbetend. Auf dem Betschemel, an welchem die Jungfrau kniet, ist die böse Botschaft des Lügners von Anfang an die erste Eva, so wie die Friedensbotschaft von Jehova an den Erzvater Noah angedeutet, dessen Fahrzeug auf der weiten Fluth als eines der Vorbilder der Kirche betrachtet wird. Durch die Fensterwölbungen öffnet sich die Aussicht links auf einen Hof, wo Maria's gesetzlicher rechtmäßiger Gemahl, der jedoch mit ihr an das gleiche Gelübde sich gebunden hat, mit seiner Handarbeit beschäftigt ist; jetzt noch ohne Kenntniß des großen Mysteriums. Rechts hat der Künstler die fernen Bergtriften von Bethlehem angedeutet, wo ein Hirte seine Schafe weidet, einer von jenen, die nicht lange nachher berufen wurden, dem neugebornen Heiland ihre Huldigung darzubrin- -T 3 G- z(I-s. »Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet die Frucht deines Leibes Jesus, den du, o Jungfrau, Elisabeth heimsuchend, getragen hast.« ^rei Monate, so wird in den Geschichten der Könige von Israel erzählt, war die Arche des Bundes, oder die heilige Bundeslade, welche die Gesetztafeln von Sinai enthielt, und über welcher die Cherubbilder ihre Fittige breiteten, im Hause des Obededom geblieben, und Gott segnete sichtlich diesen Mann, sowie alles, was zu seinem Hause gehörte. (2. Kön.6.) Drei Monate brachte Maria, die lebendige Arche des Neuen Bundes, den Gottmenschen noch verborgen unter ihrem Herzen tragend, im Hause des greisen Priesters Zacharias und seiner Gemahlin« Elisabeth zu; und welche Segensfülle hat über dicß Haus und seine Bewohner sich ergossen! Denn unter allen vom Weibe Geborenen ist kein Größerer, als der, im Mutterleibe geheiligte Johannes Baptista. Mariä Heimsuchung bei Elisabeth, ihrer Anverwandten: welch' ein inhaltvolles Ereigniß, dem nichts solcher Art auf Erden gleich zu setzen! Sie hat von dem Engel vernommen, was an Elisabeth geschehen; sie hält es für ihre Pflicht, der ehrwürdigen Freundin ihre Hülfe und Pflege zu weihen; sie zögert nicht, sie wandert eiligen Schrittes von Nazareth in Galiläa, über die rauhen Berge und Felsen Samarias und Judäas nach Am, in der Nähe Jerusalems, wo Zacharias wohnt. Denn, nach dem bekannten Worte des heil. Ambrosius : keine trägen Bestrebungen, kein saumseliges Verweilen wirket die Gnade des heiligen Geistes! Die Mutter des Herrn eilt zu der Mutter des Knechtes, um ihr als Magd zu dienen. Aber nicht unbekannt blieb hier ihre demuthvolle Hoheit. Der Herr, der in so inniger und einziger Weise mit ihr war, ließ seine neue und wunderbare Gegenwart nicht unbe- zeugt. Er, dem alle Fülle der Gottheit leibhaft inwohnt, heiligte setzt schon seinen Vorgänger und Herold; und als Elisabeth die Grußworte Marias vernahm, fühlte sie die freudige Bewegung des Kindleins, das sie trug, und von prophetischem Geiste erfüllt, rief sie in freudigem Staunen, in tiefer Ehrfurcht: „Du bist die Gesegnete unter den Frauen, und gesegnet die Frucht deines Leibes! Wie bin ich würdig, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Selig bist du, in deinem gläubigen Gehorsam, denn es wird alles in Erfüllung gehen, was von Gott dir verheißen worden!" Maria kann die Wahrheit dieser Rede nicht läugnen, doch wendet sie allen Ruhm von sich ab, auf die unendliche Macht und Liebe des Herrn. Wie einst der Seher, im Hinblick aufdie Zukunft des Erlösers, ausgerufen: „meine Stärke und mein Ruhm ist der Herr, und er ist mir zum Heile geworden" (Jsai. 12) so, mit noch größerm Rechte, konnte sie den Hymnus anstimmen: „Meine Seele preiset groß den Herrn, und es frohlockt mein Geist in Gott meinem Heiland." Mein Herz und mein Fleisch, so hat ihr Ahnherr gesungen: meine Seele und mein Leib frohlocken zu dem lebendigen Gotte. Ihr Geist hingegen jubelt in Gott, ihrem Heilande, der aus ihr die Menschennatur angenommen, und daher in so eigen- thümlicher Weise ihr angehört. „Denn er hat angesehen die Niedrigkeit seiner Magd"; er hat, ohne daß sie solche Würde aus sich selber verdienen konnte, seine Huld und Gnade ihr zugewendet, und sie zur Mutter des Heils erhoben. „Welk ist der Mensch und kraftlos, und groß seine Dürftigkeit; aber das Auge des Herrn sieht auf ihn herab voll Huld, und richtet ihn auf von seiner Niedrigkeit." (Syr. 11.) Aber so lebhaft und wahr dieses Gefühl ihrer Gering- 3 * heit, das durch keine Eitelkeit verdunkelt wird, so weiß sie dennoch um ihre hohe und einzige Stellung in der Menschenwelt: „Siehe von jetzt an werden mich selig preisen alle Geschlechter. Denn er hat Großes an mir gethan, der mächtig ist, und dessen Namen, dessen Wesen heilig" ! Es ist die Heiligkeit seiner unendlichen Liebe, die hier für Alle sich offenbart hat; denn „seine Barmherzigkeit waltet von Geschlecht zu Geschlecht, über alle, die ihm mit Ehrfurcht dienen." Jene erhabenen Worte: „von jetzt an werden mich selig preisen alle Geschlechter", enthalten fürs erste eine Weissagung, die schon während ihres Lebens sich zu erfüllen begann, seitdem jene Frau aus der Mitte des Volkes, das um den Herrn sich drängte, begeistert ausgerufen: „Selig der Leib, der dich Im vorliegenden Bilde erblicken wir das wohnliche Haus eines angesehenen Mannes aus dem Levitenftamme, beschattet vom wilden Feigenbäume oder Sycomorus, umgrünt von einem Nebengeländer. Die Hauptgruppe bildet die freudige Begrüßung zwischen der jungfräulichen Pilgerin und ihrer Base Elisabeth. Man erkennt an der erstem noch den eiligen Schritt, womit sie über das schroffe Gebirge gewandert, beflügelt von dem Eiser und der Freudigkeit heiliger Liebe. Der greise Zacharias, für jetzt noch der Sprache nicht mächtig, blickt mit freudigem Staunen von seinem Buche auf, und im Begriffe, von seinem Sitze sich zu erheben, scheint er über das Gespräch der Frauen, dem er horcht, wieder daran zu vergessen. Als sey ihm Maria eine bedeutende Strecke voran geeilt, zeigt sich ihr Gemahl und Reisegefährte, der heilige Joseph, noch in verhältnißmäßig geraumer Ferne. Daß er seine Gemahlinn begleitet, wird zwar in der heiligen Geschichte nicht erzählt, muß getragen, die Brust, die dich genährt hat"; und die nachher durch alle christlichen Jahrhunderte, bis an das Ende der Tage, sich bewährt hat und bewähren wird. Sie enthalten ferner die Bezeichnung der himmlischen Würde, zu welcher sie Gott über alle Geschöpfe erwählt und erhoben, so wie des persönlichen Werthes , den sie durch ihr eigenes Verdienst, durch ihre Demuth, Liebe und Glaubenstreue erworben. Sie beziehen sich endlich nicht bloß auf die Herrlichkeit ihrer Auserwählung, auf den Glanz ihrer himmlischen Verklärung , sondern auch auf ihr irdisches Leben, worin sie mitten unter herben Prüfungen und Leiden, allen denjenigen, die um ihrer Demuth, Sanftmuth, Gerechtigkeit und Herzensreinheit willen selig gepriesen werden, als Vorbild und Führerin voran geht. aber, wenn man an die fünftägige Däner dieser beschwerdevollen Reise, an die Einrichtungen der morgenländischen Nachtlager (Caravanserai's), an die Sitten des Orients, und an Josephs Lebensaufgabe denkt, als eine Thatsache gelten, die sich von selbst versteht. Die evangelische Geschichte macht wohl deßhalb keine ausdrückliche Erwähnung von ihm, weil, wenn auch beide dieReise gemeinschaftlich unternahmen, es doch eigentlich nur Maria war, welche Elisabeth heimzusuchen kam. Mit sinniger Umsicht hat der Künstler den edlen Patriarchen um einige hundert Schritte Zurückbleiben lassen, und so den sehr wesentlichen Umstand motivirt: daß Joseph, obwohl Maria's Begleiter, doch weder von Elisabeths Gruße, noch von dem Lobgesange der Jungfrau etwas vernahm, weil er, wäre dieß der Fall gewesen, schon jetzt das Mysterium erfahren hätte, dessen Unkenntniß, wenige Monate nachher, zur Feuerprobe seiner erhabenen Tugend und Selbstverläugnung die Veranlassung gab. 5 »Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet die Frucht deines Leibes, Jesus, den du, o Jungfrau, geboren h a st." ahrhast groß ist dieß Geheimm'ß aller echten Religion: geoffenbart im Fleische, gerechtfertiget im Geiste, angeschaut von den Engeln, verkündet unter den Heiden, geglaubt in der Welt, ausgenommen in die Herrlichkeit." (1. Tim. 3.) Auf diesem Mysterium beruht aller Lebensverkehr der Menschen mit Gott, ihre ganze Hoffnung, ihr einziges Heil, ihre echte Frömmigkeit, der Inbegriff aller wahren Religion. Denn das göttliche Wort, als Mensch unter Menschen sich offenbarend, ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. „Die Gnade Gottes, unsers Heilandes, ist allen Menschen erschienen, und hat uns gelehrt, nüchtern, gerecht und gottgetreu in dieser Welt zu leben, in seliger Hoffnung die Zukunft seiner Glorie erwartend, der sich selbst für uns dargegeben, um von aller Verschuldung uns zu erlösen. Erschienen ist die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes unsres Heilandes, um uns, nicht wegen der gerechten Werke, die wir geübt, sondern nach seiner Barmherzigkeit selig zu machen." (Tit. 2, und 3.) „Er war in der Welt, und diese Welt, die durch ihn gegründet worden, hat ihn nicht erkannt. Er kam in sein Ei- genthum, und die Seinigen haben ihn nicht ausgenommen." War die ganze Erde, und die Menschheit auf ihr, sein^Besitz, so doch in besonderer Weise Bethlehem, das uralte Stammhaus Davids. Hierangelangt, wohin der römische Census sie berief, in winterlicher Zeit, suchten Maria und Joseph vergeblich nach einer Wohnung; „es war kein Raum für sie in der Herberge." Erft als der Tag sich geneigt, als es dunkel zu werden begann, fanden sie die Felsenhöhle, in einiger Entfernung von der Stadt, die den Hirten im Nothfall zum Obdach diente. Dieß war, im Augenblicke der äußersten Bedrängniß, die Hülfe, welche die göttliche Vorsehung ihren Lieblingen sendete; dieß die glänzende Wohnung, welche der jungfräulichen Gottesgebärcrin und ihrem Sohne bereitet war. „Maria gebar ihren Erstgebornen Sohn, wickelte ihn in Windeln, und legte ihn in eine Krippe." (Luc. 2,7.) Den Erstgebornen: denn, so lehrt der Apostel: „er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborne aller Geschöpfe, der Erstgeborne unter vielen Geschwistern." (Colofs. 1. Röm. 8.) Sie gebar ihn, frei von den Leiden, welche über die erste Eva verhängt wurden, in einem Augenblicke seligen Entzückens. Und als sie ihr Kindlein, das Wunder der Menschheit , mit ihren Augen erblickte, da war zwischen mütterlicher Zärtlichkeit und Anbetung ihr Herz getheilt. „Wie soll ich dich nennen (so schildert der heilige Basilius ihre Gedanken), welchen Namen soll ich dir geben ? Einen Sterblichen ? Aber ich habe aus göttlicher Allmacht dich empfangen. Einen Gott? Allein du bist mit einem menschlichen Leibe bekleidet. Soll ich alle Liebe und Sorgfalt einer Mutter dir weihen, oder dich anbeten, mit zur Erde geneigtem Angesichte? Der Himmel ist deine Hei- math, und ich halte dich auf meinen Knien? Du weilest auf der Erde, doch alle Himmel sind mit dir!" O großes Mysterium der göttlichen Huld, des menschlichen Helles: „geoffenbart im Fleische, ^ angeschaut von den Engeln!" Denn, nach einem andern Zeugnisse desselben Apostels: „als der ewige Vater den Erstgebornen abermals in die Welt einführte, gebot er: alle Engel sollen ihn anbeten." (Hebr. 1, 6.) Den frommen und einfachen Hirten, die auf Bethlehems Triften, bei nächtlicher Stille, ihre Heerden be- wachten, erschienen die Engel mit der Freudenbotschaft, daß ihnen der Heiland geboren worden. Und es ward ihnen das Wahrzeichen gegeben: „ihr werdet ein Kindlein finden, in Windelneingewickelt, und liegend in einer Krippe." Auf die Geburt des Messias selbst konnte dieses Zeichen nicht Hinweisen. Daß der Heiland geboren worden, der Gottessohn, der von oben gekommen, davon gaben Zeugniß das herrliche Licht, das die Nacht in Tag verwandelte, so wie die Erscheinung der Engel, und ihr himmlischer Lobgesang: „Ehre sey Gott in der Höhe, und auf Erden Friede den Menschen seines Wohlgefallens." Ehre nämlich und Dank sey Gott für seine unendliche Liebe; und Friede, geistige Wohlfahrt und Heit über alle Menschen, auf welchen um Christi willen das Wohlgefallen Gottes ruht, und an welchen durch ihren Gehorsam, sein heiliger Wille in Erfüllung geht. Wozu diente also den Hirten das Zeichen der Krippe? Dazu, daß sie den Heiland von allen anderen neugebornen Kindtein unterscheiden lernten. Denn wo hätte in der ganzen Gegend ein Säugling sich gefunden, dem eine so armselige Wiege zum Lager bestellt gewesen? Der Herr der Menschen, wie Theodotus von Ancyra sagt, kommt nicht in vornehmer Pracht, sondern im Gewände und den Umgebungen der äußersten Armuth; und gerade diese Dürftigkeit ist es, durch welche er allen Menschen sich zugänglich macht, und Allen sich hingibt. Nur deßhalb, lehrt Augustinus, ward ihm so wenig Raum auf Erden gegeben, damit wir durch treue Gegenliebe unser Herz erweitern, und zur Wohnung ihm widmen; denn dieß ist das einzige Besitzthum, das er auf Erden gesucht hat. „Er kam in sein Eigenthum, und die Seinigen haben ihn nicht ausgenommen. Allen aber, die ihn ausgenommen, hat er Macht gegeben, Kinder Gottes zu werden, die aus Gott'geboren sind." — „Siehe, welche Liebe der Vater uns zugewendet hat, daß wir Kinder Gottes genannt werden und sind!" (1. Joh. 3.) Diese Aufnahme und Erhebung aus dem Stande der Knechtschaft zur Würde der Gotteskinder und der Freien ist das Verdienst und die Frucht der göttlichen Menschwerdung. In welchem innigen Zusammenhänge mit dieser Einigung der Gottheit und'Menschheit steht nicht Maria, und wie erhaben ist darum die Würde ihrer Mutterschaft! Da sie die Mutter Christi ist, sagt Augustinus, so ist sie auch Mutter aller Gläubigen, seiner Glieder, die mit Ihm, als ihrem Haupte, lebendig verbunden sind. Auf unsrem Bilde ist der hehre Augenblick angedeutet, da der ^ fährten beschäftigt. In der Ferne zeigt sich die Erscheinung der Heiland zuerst das Licht der^Welt erblickt. Dieß milde Licht kommt Himmlischen an die Hirten. Daß die beiden Thiere in der Grotte aus der Lampe, welche zur Seite der weisesten Jungfrau auf einer nicht fehlen dürfen, geht sowohl aus der uralten Tradition, als aus Felsenecke steht. Die Krippe, welche den Neugebornen erst auf- dem Vorhandensepn der Krippe hervor; viele Väter beziehen nehmen soll, findet sich auf der Seite gegenüber. Anbetung ist eine prophetische Aussage hieher, die bei Jsaias (i, 3.) sich hier das Erste, was die erlauchte Mutter und ihren treuen Ge- j findet. -»T ? S» »Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet die Frucht deines Leibes Jesus, den du, oJungsrau, im Temp el d arg „^err, mein Herz ist nicht erhöht, noch sind meine Augen erhoben, noch wandte ich in großen Dingen, in Verwunderung über mich selbst!" (Ps. 130.) So hat Maria's königlicher Ahnherr von sich bezeugt; mit größerm Rechte durste sie dieß Bekenntniß ablegen, und wie oft hat sie diese unbefangene, herzliche Demuth bewährt, nicht so viel in Worten als im Wandel und Werke! „Alle Herrlichkeit der Königstochter", so heißt es in einem prophetischen Psalme, „ist eine innerliche." In ganz besonderer Weise barg sie, mit anspruchlosem Gehorsam, diese ihre Herrlichkeit, als sie dem alten Gesetze sich unterzog, das weder für sie, noch für ihren Säugling eine Geltung haben konnte; als sie nämlich mit dem Opfer ihrer Reinigung, mit dem Lösegeld für ihren Sohn in den Tempel von Jerusalem kam. „Ueber das alte Gesek, sagt Augustinus, hatte die Gnade sie erhoben, unter das Gesetz stellte sie ihre Demuth." Doch indem sie ihren göttlichen Sohn auf ihren Armen in den Tempel trug, brachte sie ihn schon dem ewigen Vater, im Namen der Menschheit zum Opfer dar. ^ < „Wie soll ich die selige Jungfrau nennen?" ruft Eplpha- nius. „Ich will sie einen Thron nennen, einen Himmel; ich vergleiche sie auch dem Kreuze, da sie auf ihren Armen den Herrn getragen." Aber die herbe Theilnahme, die ihr am Kreuze Christi bestimmt war, sollte ihr, bei diesem Anlasse, deutlicher als je zuvor in Aussicht gestellt werden. Derselbe göttliche Geist, der Maria's Gedanken und Schritte lenkte, führte zur nämlichen Zeit, da sie in die Hallen des Tempels eintrat, einen Seher des alten Bundes herbei, den Letzten in der langen Reihe jener Gottesdiener, deren bracht hast.« Geistesblick hienieden stets auf die Zukunft des Heilandes gewendet blieb. Ihm war die Verheißung geworden: er werde von hinnen nicht scheiden, bis er den Ersehnten mit seinen Augen gesehen, und bis jene Worte der Weissagung sich erfüllt: „Eine geringe Zeit noch, und ich werde Himmel und Erde bewegen, und kommen wird der, nach welchem alle Völker verlangen. Siehe, der Herrscher, den ihr sucht, und der Mittler des Bundes, nach welchem ihr euch sehnt, wird alsbald in seinen Tempel kommen. Steh' auf Jerusalem, und erwache zur Freude, denn dein Licht kommt hervor, und die Glorie des Herrn wird über dir aufgehen'." Die ganze Vergangenheit, die Sehnsucht aller Vater der Vorzeit war es, welche in und mit dem greisen Simeon dem Gottessohne und Erlöser ihre Arme entgegen breitete. Im Namen Aller nahm er den Säugling feierlich m seine Hände, ihn als das Eigenthum, Verdienst und Leben der Menschheit dem Vater darbringend. In andrer Welse, als hier Simeon gethan, können wir uns dem Vater nicht darstellen; denn dieß ist nur in Christo möglich, mit Ihm und durch Ihn; und auf andrem Wege ist Christus nicht Unser geworden, als durch Maria. Darum, als Simeons Lobgesang in dem Kindlein den Heiland Gottes, das Licht zur Erleuchtung aller Völker verkündete, ward dadurch auch seine Gebärerin verherrlicht. In ihr erkennen alle christlichen Volker die Wunderbare, welcher das Heil aller Menschen anver- traut worden; noch immer sehen sie Jesum auf Maria's Armen. Die Leuchte aller Jahrhunderte wird sie von Methodius genannt; die Lampe, die das wesenhafte Licht getragen, von Epiphanius. ^ - >D 8 T-- Doch nicht bloß die wesenhafte Herrlichkeit des kindlichen Erlösers war es, die Simeon sah und pries; indem er auch den Kampf gegen die Finsternisse der Lüge und Sünde vorhersah, welcher dem Sohne der Jungfrau bevor stand, mußte sein freudiges Entzücken in Wehmuth sich wenden. Er darf es der Tochter der Patriarchen nicht verschweigen; und was ihrem Geiste stets als ein düsteres Bild der Zukunft vorgeschwebt, muß er in bestimmten, scharfen Umrissen ihr zeichnen, damit sie an der Bitterkeit des Kelches, der ihrem Sohne bereitet war, schon jetzt ihren Antheil dahin nahm. „Dieser ist gesetzt zum Falle und zur Aufrichtung Vieler, und zu einem Zeichen, dem man widersprechen wird." Dieß Kindlein auf deinem Arme, das dir unendlich thenrer ist, als dein eigenes Leben, wird von allen Mächten der Lüge, der Verkehrtheit, der blinden Leidenschaft und Hoffart angefeindet werden; denn die Menschen können nur für oder wider ihn seyn. Durch seinen Gehorsam bis zum Opfertode wird er den Stachel des Todes brechen; zu jener Zeit jedoch, da es zur Entscheidung kommen, und die innersten Gesinnungen der Menschen sich kund geben werden, wird das Schwert deine Seele durchbohren; nicht ein Schwert von Stahl, sondern die Schärfe eines Schmerzens, wie er kein Mutterherz je getroffen, noch jemals treffen kann. Maria, das ganze Gewicht dieser Weissagung fühlend, und jetzt schon vom Leidensschwerte getroffen, neigte ihr Haupt vor den Rathschlüssen Gottes,- sie sprach wohl wiederum in ihrem Herzen: „Siehe, ich bin eine Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Worte, nach dem einzig heiligen Willen seiner Weisheit!" Die Federzeichnung, in welcher diese große, vielseitige Begebenheit dargestellt wird, erklärt in ihrer edlen und einfachen Symmetrie sich selbst. Der greise Simeon steht mit dem kindlichen Erlöser zwischen der Arche des alten Bundes und einer Säule, auf welcher Moses abgebildet ist; denn er selbst, so wie die Handlung, die hier vorgeht, gehört noch der Ordnung des alten Testaments an. Neben ihm neigt sich die erleuchtete Prophetin Anna, Tochter des Phanuel, herüber, denn auch sie hat die Sendung, des Erlösers Ankunft zu bezeugen. An der entgegengesetzten Seite steht Joseph, bereit die beiden Turteltauben, als Opfer der Dürftigen darzubringen. Die Jungfrau selbst, zu der das Kindlein in Simeons Händen liebevoll seine Augen wendet, trägt die symbolische brennende Kerze, das Sinnbild des lebendigen Glaubens und der göttlichen Gnade, welche alle Menschen ruft, um sie aus der Macht der Finsternisse in ihr wunderbares Licht zu führen. »O 9 G- »Gesegnet bist du unter den Frauen, und o Jungfrau, imLernpel wiede seinen greisen Aeltern hatte der junge Tobias Abschied genommen, und in der Obhut des trefflichsten Gefährten und Führers die Reise in ein fernes Land angetreten, um daselbst einen Auftrag von großem Belange auszurichten. Bei Allem dem konnte Anna, seine Mutter, die Abwesenheit des geliebten Sohnes nicht mit Ruhe ertragen. Unversiegliche Thränen weinend klagte sie Tag für Tag: „Wehe mein Sohn, warum doch haben wir dich so ferne ziehen lassen, das Licht unsrer Augen, den Stab unsres Alters, den Trost unsres Lebens? Da wir in dir Einem alle erdenklichen Güter besitzen, hätten wir nicht zugeben sollen, daß du uns verließest I" — Auf keine Weise konnte sie getröstet werden, sondern täglich eilte sie hinaus, und forschte auf allen den Straßen und Fußpfaden umher, auf welchen er zurückkehren konnte, um den Kommenden schon aus der Ferne zu erblicken. Welches Heer von Leiden, Sorgen, remgen Gefühlen, ängstlichen Erwartungen, die hier ein Mutterherz bestürmten . Wird jedoch diese Mutter des frommen Jünglings Tobias mit der Mutter des Herrn in Vergleich gesetzt, und die Art der Abwesenheit des ersteren mit dem Verluste des zwölfjährigen Jesus, als er, ohne Mitwissen seiner treuen Begleiterin, im Tempel zurück geblieben, so kann daraus die Größe des Schmerzes , der Maria getroffen, mit einiger Annäherung sich beurtheilen lassen. . ^ ^ . Von der göttlichen Weisheit sagt die Schrift: daß der Umgang mit ihr weder Bitterkeit noch Üeberdruß habe, sondern lauter Heiterkeit und Freude. Und wo ist ein süßerer Umgang denkbar als dessen Maria mit ihrem Sohne sich erfreut, m welchem alle Schätze der Weisheit Gottes niedergelegt wagesegnet die Frucht deines Leibes Jesus, welchen du, r gefunden hast." ! ren? Dieses Umganges sah sie plötzlich sich beraubt. Als sie > auf der Rückkehr von Jerusalem nach Galiläa, am Abend der ersten Tagereise, ihren himmlischen Sohn unter den Heimath- genossen und Verwandten nicht fand, in deren Geleite sie ihn wohlbehalten glaubte, da fühlte sie, von Schreck und Schmerz getroffen, die Schärfe des Schwertes, das in ihrer frühesten Kindheit ihr geweissagt worden. Je unschuldiger aber sie selbst an dieser Trennung, diesem Verluste war, desto rätselhafter erscheint es, warum ihr Jesus diesen Schmerz bereitet habe, den er doch voraus sehen mußte L „Diemenschliche Niedrigkeit allein konnte zur Würde und zum Amte des zweiten Adam nicht empor steigen; und die göttliche Majestät allein konnte zum Amte des zweiten Adam nicht herab steigen." So lehrt Leo der Große. Als wirklicher, aber himmlischer Mensch ist Jesus in seinem Leben einzig, und über alle Anderen erhaben. Als er im zwölften Lebensjahre, dem gesetzlichen Alter der geistigen Reife, nach Jerusalem kam, betrat er Seine Stadt, Seinen Tempel, Seines Vaters Haus, wo Gebet, Gebräuche, Opfer, sämmt- lich auf Ihn deuteten, wie Schatten und Bilder auf die Wirklichkeit. So blieb er hier, ohne daß sein Zurückbleiben der Einsicht und dem Willen seiner Mutter, seines Pflegevaters entgegen seyn konnte. Denn dieß eben sagte er ihnen, als sie ihn nach schmerzlichem Suchen, endlich, zu ihrem Entzücken und Staunen, in der Mitte der Lehrer wieder fanden. „Warum , wozu habt ihr so ängstlich mich gesucht ? Wie konntet ihr nur einen Augenblick das Wesentlichste vergessen, was euch doch nicht unbekannt? Wußtet ihr nicht, daß ich in dem sepn müsse, was meines Vaters ist ?" So hat er auch in der Folge -T 10 G»- gelehrt: „Dieß ist meine Speise; daß ich den Willen desjenigen chue, der mich gesendet hat, und sein Werk vollbringe; denn ich bin vom Himmel herab gestiegen, nicht um Meinen Willen zu thun, sondern des Vaters, der mich gesendet hat. Dieß aber ist sein Wille, daß jeder, der an mich glaubt, das ewige Leben habe." (Joh. 4 u. 6.) Schon jetzt also redete er aus der Fülle seines göttlichmenschlichen Bewußtseins ; er belehrt seine jungfräuliche Mutter über die wunderbare Stellung, und die wesentliche Aufgabe seines Lebens; er erinnert sie dadurch an all' das Außerordentliche, das vor und nach seiner Geburt geschehen, und das sie, mit sorgfältiger Erwägung, in ihrem Herzen bewahrte. Durch diese, für jetzt noch geheimnißvolle Belehrung, sowie durch jdencherben Schmerz der Trennung, den sie eben in seiner ganzen Macht erfahren, erkannte sie mit erneuerter Klarheit, was sie stets geahnet, und was Simeon ihr in prophetischen Worten angekündet. Sie wurde nun mit dem Gedanken vertraut, daß Jesus nicht ihr und ihrem Mutterherzen allein, sondern dem ganzen Menschengeschlechte angehöre; daß er dereinst das enge heimatliche Haus in Nazareth verlassen werde, um das große Werk durchzuführen, welches der Va- -»G ter ihm gegeben; und daß ihr, wenn seine Stunde gekommen, eine noch härtere Prüfung bevorstehe, wo sie bereit seyn müsse, das schmerzlichste Opfer zu bringen. Wenn Maria die. Erzählungen und die frommen Lobgesänge der Hirten von Bethlehem in ihrem Herzen bewahrte, wie vielmehr jene Worte ihres zwölfjährigen Sohnes, in welchen seine überirdische Hoheit so plötzlich, wie die Sonne aus den Wolken hervor geleuchtet! Aber diese Sonne trat wieder hinter das Gewölke zurück; der Sohn Gottes ging als Menschensohn mit Maria und Joseph wieder zurück nach Nazareth, und war ihnen, nach wie vor, unterthänig; in dieser heiligen Ordnung des Familienlebens und des kindlichen Gehorsams der Jugend göttliches Vorbild. Hier entwickelten sich mit jedem Tage herrlicher die himmlischen Kräfte seines Geistes, die Fülle der Güte und Anmuth seines Herzens, bis er, nach achtzehn Jahren, aus dem engen Kreise in sein öffentliches Leben hervorging, und die Worte des Psalmes an Ihm sich erfüllten: „Du Schönster an Gestalt vor allen Menschensöhnen, die Huld und Anmuth ist ausgegossen auf deinen Lippen; in deiner Gerechtigkeit. Wahrheit und Sanftmuth trete segenbringend hervor und herrsche!" Die Federzeichnung zeigt den göttlichen Knaben noch sitzend in der Mitte der Lehrer, die über den Scharfsinn seiner Fragen, über die Weisheit seiner Antworten staunen, und ihn rem jugendlichen Daniel vergleichen; doch ohne das Licht der Welt in Ihm zu erkennen, wie vormals Simeon; es ist die Decke über Moses Antlitz, welche das Geistesauge dieser Gesetzeskundigen verhüllt; doch findet sich vielleicht mehr als Ein Gamaliel unter ihnen. Der ungelehrte Handwerker, der rasch und freudig den Vorhang zurückzieht, um Maria's Blick auf den Wiedergefundenen zu lenken, weiß unendlich mehr als sie. -o-Z) 11 (D-»- s M-»- «M »Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet die Frucht deines Leibes Jesus: der für uns bis zum Blutschweiße, dieTodesangst erduldet." ^ie ersten fünf Geheimnisse, die Freudevollen genannt, umfassen das Leben des Herrn von seiner Menschwerdung angefangen, bis zu seiner ersten Selbstoffenbarung, zur Zeit da Maria im Tempel ihn wieder fand. Dieß fünfte Mysterium schließet, gleich einer Knospe, schon Alles in sich, was Christus im öffentlichen Leben vollbracht, sein ganzes Lehren und Wirken; aber auch die Reihe der nun folgenden Fünfzahl der schmerzvollen Mysterien ist schon darin enthalten. Denn als der Knabe Jesus erklärte: er müsse dem Aufträge und Werke seines Vaters sich weihen, hatte er auch die Sühnung der Schuld, die Ueberwindung des Todes vor Augen, und wie lebhaft ihm diese herbe Vollendung seiner Aufgabe jederzeit vorgeschwebt, davon geben viele seiner Aeußerungen Zeugniß. So hatte er auch an die Jünger, die an seiner Herrlichkeit einen bevorzugten Antheil verlangten, die Frage gerichtet: „Könnt ihr trinken den Kelch, den ich trinken werde ?" Dreist hatten sie erwiedert: wir können: und mit gleichem Selbstvertrauen war auch Petrus hervor getreten. Darum, wie Pa- schasiüs lehrt, hat der Herr die drei mit sich genommen, als er nach Gethsemani hinauf ging, „damit sie lernten, wie weit das Können des Menschen reiche." Während er zu den übrigen Jüngern am Oelberge sagte: sitzet hier, während ich hingehe, um zu beten; behielt er den Petrus, Jacobus und Johannes in seiner Nähe. Vor ihnen sing er an, von Furcht und Erbangen, von Ueberdruß und Gram gebeugt zu werden; er bekannte und läugnete nicht: „betrübt ist meine Seele bis in den Toder gebot ihnen: „harret hier aus, wachet mit mir." Und nachdem er einige Schritte von ihnen sich entfernt, fiel er auf sein Angesicht und betete: „Vater, wenn es möglich ist, lasse diesen Kelch an mir vorüber gehen; doch nicht wie ich will, sondern wie du!" Die Schrecken der Furcht, der trostlose Ueberdruß, die tödtliche Traurigkeit: dieß waren die dreifachen Qualen, die je t; t mit eineinmale über ihn herein brachen. Der Menschensohn sollte die Schrecknisse der Todesfurcht fühlen, die jeden Sterblichen hcimsucht; und diese Todesschauer waren tausendfach verschärft, indem alle die gräßlichen Mißhandlungen und Grausamkeiten, die ihm bereitet waren, in grellem Lichte, in nächster Zukunft seinem Auge sich darstellten. Doch schwerer noch lag auf ibm die bleierne Last des freudelosen Ekels und Ueberdrusses,'da er die niedrige, geistlose Gemeinheit der Gesinnung, die Häßlichkeit des Undanks, des Verraths, der feigen Selbstsucht ansah, welche überall seinem liebevollen Herzen sich entgegen stellten. Der Kuß des Jüngers, der ein Knecht der Finsterniß geworden, die Flucht der Uebrigen, die Verläugnuug, zu der ihr Haupt sich entwürdigen ließ, der Abfall und wilde Wahn der großen Menge, die Unzahl der Menschen, von denen er vorhersah, daß sein Opfertod ihr Heil nicht wirken werde: welche bitteren Qualen, vor deren Ueberfluth alle Freudigkeit weichen mußte! So wurde seine Seele bis in den Tod betrübt, da er, als Lamm Gottes, als stellvertretender Hohepriester, mit der Schuld der Menschheit belastet, vorder beleidigten Majestät und Heiligkeit des Herrn in den Staub sich neigte. „Mem Herz in mir ist erschüttert, die Schrecken des Todes haben mich überfallen. Furcht und Zittern haben sich meiner bemächtigt, Finsternisse mich eingchüllt. Ich bin in die Tiefen des Meeres -D 12 S» gesunken; die Wellen und Wogen sind eingedrungen auf meine Seele!" (Ps. 54 u. 68.) Als Menschensohn, der alle Ohnmacht und Hülflosigkeit der Irdischen auf sich genommen, flehte er zum Vater. Er betete in tiefster Unterwürfigkeit, in voller Hingabe an den göttlichen Willen, ohne Vorbehalt,- er betete beharrlich,- er that in allem, wie er selber es gelehrt. Als er in Todesangst gerietst, betete er mit noch größerer Inbrunst. Er kehrte, nachdem er die schlummernden Jünger geweckt und ermahnt, neuerdings zum Gebete zurück; „er betete zum drittenmale, dieselben Worte wiederholend." Wie ward sein Flehen erhört? „Ein Engel vom Himmel erschien ihm, der ihn stärkte." Anderwärts geschah es, daß nach vollbrachtem Kampfe die Engel bei ihm sich einfanden , und ihm dienten. Hier ist von Stärkung die Rede, und worin bestand sie ? In der Antwort auf seine Bitte: der Kelch möge an ihm vorüber gehen. Der himmlische Bote unterrichtet ihn vom göttlichen Rathschluffe: daß dieser Kelch an ihm nicht vorüber gehen werde. Der geliebte Sohn soll ihn leeren bis auf die Hefen; von seinem Opfertode bedingt ist die Erlösung der Welt, die Wiederherstellung der Menschheit, die Verherrlichung seiner eigenen Menschennatur. So ward er „der Urheber und Vollender des Heils, der um der Freude willen, die ihm vor Augen gestellt ward, das Kreuz erduldet, und die Schmach verachtet hat." (Hebr. 13.) Indem sich aber sein Herz zu diesem Gehorsam ermu- thigte, indem er die Schrecken der Furcht und des Abscheues mit aller Macht des Willens nieder kämpfte, um dem schon heran ziehenden Feinde freiwillig entgegen zu gehen, war die Anstrengung so gewaltsam, daß sein Angstschweiß zu Blutstropfen sich wandelte, die auf die Erde herab rieselten. — Siehe, ruft der heilige Prosper, den Preis der Welt; das Blut, dessen Stimme mächtiger gen Himmel drang, als jenes ersten, das der gerechte Abel vergossen! Zu Elias, dem verfolgten und seiner Leiden überdrüssigen Seher, als er auf der Flucht unter einem Baume entschlummert , sprach der Engel, der ihm Speise gebracht: „steh' auf und iß, denn du hast noch einen weiten Weg zurück zu legen." (3. Kön. 19.) Zu Jesus aber sprach der himmlische Bote: steh' auf und trinke den Kelch, welchen der Vater dir gegeben; ein großer Weg liegt noch vor dir, mit blutbezeichneten Schritten zurückzulegen, bis zur Höhe von Golgotha!—Allen Anderen aber gelten die Worte des Herrn: Harret aus, betet, seyd wachsam, damit die Versuchung euch nicht überwältige!—- Auf dem Bilde ist der Moment der Erscheinung des Engels aufgefaßt, dessen Ausdruck reich ist an Ehrerbietung und himmlischem Mitleid. Unter den schlafenden Jüngern ist jener, den Jesus liebte, auf den ersten Anblick kenntlich: und wie auf seinem jugendlich reinen Angesicht die Trauer ruht, so zeigt sich an dem Antlitze des Simon Petrus, und seinen geballten Händen, der Feuereifer, womit er bald nachher den Feinden des Herrn entgegen stürmt. -G 13 O- »Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet die Frucht deines Leibes Jesus: der für uns gegeißelt worden ist.« ->Hn die Enge getrieben zwischen den Forderungen seines Gewissens und dem Ungestüm der Feinde Christi, sucht der stolze und doch feige Richter vergeblich nach mancherlei Auswegen ; er schreitet endlich zum Aeußersten. „Ich finde," sprach er zur Menge, keine Schuld an diesem Menschen; ich will ihn also züchtigen und dann entlassen." (Luc. 23.) Hierauf nahm er Jesum, und übergab ihn den Kriegern, die ihn geißelten. (Joh. 19.) Welch ein grausames, und aller Gerechtigkeit Hohn sprechendes Auskunftsmittel, das er als Züchtigung bezeichnte! Seine Absicht ging allerdings dahin, die wüthenden Gegner zum Mitleid zu stimmen, damit sie, wenn sie den Gegenstand ihres Hasses so schmählich zerfleischt sähen, seinen Tod nimmer verlangten. Um diese Absicht zu erreichen, und den Grimm der Wüthenden zu sättigen, mußte diese Mißhandlung jedes gewöhnliche Maß überschreiten. Auch lag dem weltklugen und eigensüchtigen Manne wenig an dem Leben des Angeklagten, und wenn dieser den Geißelstreichen unterlag, konnte er sich darauf berufen, er habe das nicht gewollt, sondern seine Krieger und Schergen sehen zu weit gegangen. Diese letztem scheinen es auch gar wohl begriffen zu haben , daß sie ihren Gebieter keiner geringen Verlegenheit enthoben hätten, wenn sie die Grausamkeit aufs Aeußerste trieben. Und in der That berichtet Augustinus, daß zuletzt einer der Kriegsmänner ins Mittel trat, der die Stricke , womit sie den Dulder an die Säule gebunden, durchschnitt, und die Wüthriche mahnte, daß es ihnen nicht zustehe, einen Menschen zu tödten, über welchen das Urtheil noch nicht gefällt sep. Diese lange und furchtbare Qual duldet der Herr ohne Klage, ohne Vorwurf, ohne Schmerzenslaut. Denn so heißt es in prophetischen Psalmen: „Sie haben mich umrungen mit wilder Freude, und alle meine Gebeine gezählt, sie haben mich verhöhnt, und ihre Zähne gegen mich gefletscht. Keine Gesundheit ist meinem Fleische geblieben, keine Wohlfahrt meinem Gebeine. Sie haben um mich sich versammelt, und ihre Geißeln über mich geschwungen; ich aber wußte nicht da- von" — ich ertrug es in solcher Geduld und Stille, als ob ich es nicht empfände. Welche Aufopferung, welche Hingabe, welche überirdische Kraft des Duldens! Die Strafe der Geißlung hat die zweifache Schärfe des leiblichen Schmerzes, und der geistigen Schmach. Sie ist eine Strafe, welche über Knechte und Sklaven verhängt wird. Hier traf sie den Herrn der Menschheit, der aus unendlicher Liebe die Knechtsgestalt angenommen. Ehe der Tempel semeS Leibes abgebrochen ward, um alsbald, am dritten Tage, wieder in Herrlichkeit erbaut zu werden, ward der Vorhang dieses Tempels, die ganze Oberfläche seines Leibes, durch die grausame Geißlung, zerrissen. Warum aber sollte es an seinem herben Kreuzestode nicht genug seyn, dem Sühnopfer für alle Zeiten? Als der Feldherr Gedeon auf einem Knegszuge von den Bürgern der Stadt Socoth lieblos behandelt und geschmäht wurde, indem dieselben mit übermüthigem Hohne seinen Kriegern die nöthigen Lebensmittel verweigerten, sprach er gegen sie eine Drohung aus, die er, bei seiner siegreichen Rückkehr, zu vollziehen nicht versäumte. Er ließ die Vornehmsten der Stadt ergreifen, und mit den harten Dorngestrauchen der Wüste zu Tode geißeln. Welche Züchtigung haben erst dre Irdischen verwirkt, welche mit Uebermuth und Hohn gegen ->D- -O-Exr-H -»V 14 D- ihren Schöpfer sich erheben, da jede Sünde eine Verachtung seiner Gesetze, seines heiligen Willens, seiner unendlichen Oberherrschaft nothwendig in sich schließt! „Vielfache Geißeln," so heißt es im Psalme, „sind dem Sünder bereitet." Der Menschensohn, der sein Leben dargegeben zur Rettung der Verlornen, wird auch von diesen Geißeln getroffen, zur Darlegung der göttlichen Gerechtigkeit. So hat ihn schon der größte der alten Seher geschildert. „Viele werden vor ihm zurück schrecken, weil sein Antlitz entstellt ist, sein Aeußeres keinem Menschen mehr gleicht. Es war keine Gestalt an ihm noch Schönheit, daß wir auf ihn gesehen, keine Glorie, daß wir seiner begehrt hätten. Verachtet war er, wie der letzte und werthloseste aller Menschen, ein Mann der Schmerzen; gleich einem, der aus Scham sein Antlitz verbirgt, und der nur Krankheit und Leiden kennt,- deßhalb wir ihn auch verschmäht haben. Und doch hat er einzig nur unsre Krankheit getragen, unsre Schmerzen auf sich genommen! Wir betrachteten ihn wie einen Aussätzigen, den Gott selbst geschlagen und erniedrigt habe; allein er ist durchbohrt worden für unsre Missethaten, er ist zerschlagen worden um unsrer Sünden willen. Die Züchtigung, die uns den Frieden der Sühnung brachte, ward auf Ihn gelegt; durch seine Wunden sind wir geheilt worden." (Isar. 53.) „Viele Geißeln sind dem Sünder bereitet; wer aber auf den Herrn hofft, den wird seine Barmherzigkeit schützen." (Ps. 31.) „Groß bist du, o Gott, ewiglich; du züchtigst, um zu retten, du führst uns bis zur Unterwelt und wieder zurück." (Tob. 13.) „Vernachlässige nicht die Zucht des Herrn, und werde nicht verzagt, wenn du von ihm gestraft wirst. Denn wen der Herr liebt, den züchtigt er; er verhängt die Geißel über jeden, den er zum Sohne annimmt." (Hebr. 12.) Auf der Federzeichnung ist der Gegensatz zwischen der lautlosen Ruhe und Sanftmut!) des Dulders, die unendlich mehr als stoischer Gleichmuts» ist, und der energischen Bewegung roher, liebloser Naturkraft ausdrucksvoll genug dargestellt. Die letztere erlahmt und ermüdet, und bedarf der Nachhülfe, wie es sich an dem ausru- henden Krieger zeigt, und dem andern neben ihm, welcher sich durch einen Labetrunk zu neuem Angriffe stärkt, und zwar mit einem Selbstgefühl, als ob es bei diesem Heldenwerk auf ihn allein ankäme. DieKraft des heiligsten Dulders ist eineunendlich höhere; er ist nicht allein, sondern der Vater mit ihm. Dicht neben dem sitzenden Manne aus der Cohorte sind einige Andre schon beschäftigt, die Dornenkrone zu siechten. Die Unzufriedenheit der in den Vorhof herein blickenden Volksfürsten und Priester erklärt sich von selbst; es ist ihnen an dieser Strafe nicht genug. 15 O"- «Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet die Frucht deines Leibes Jesus: der für uns mit Dornen gekrönt worden ist.« )as der alte Scher von seinem Volke ausgesagt: „von der Fußsohle bis zum Scheitel ist keine Gesundheit an ihm," das sollte auch an seinem geistigen Könige, dem Haupte des Menschengeschlechtes, erfüllet werden. An dem himmlischen Dulder hatten die Geißelhiebe keine Stelle des Körpers verschont, mit Ausnahme des Hauptes; aber auch diesem sollte die vielfache Qual nicht ansbleiben. Die rohen und barbarischen Krieger, da sie einige übelverstandene Worte gehört, daß ihr Schlachtopfer sich einen König genannt, haben mit dem Witze und Frevelmuthe des Pöbels, ein schimpfliches Spiel sich ausgedacht, um den Dulder mit den Gebräuchen der Huldigung zu verhöhnen, und dieß mit all der gefühllosen Grausamkeit, welche vou der tiefen Entartung des gesunkenen Menschen ein so schauderhaftes Zeugniß gibt. Sie führten ihn in den Vorhof des Prätoriums, versammelten um ihn die ganze Cohorte, warfen um seine Schultern einen alten purpurfarbigen Kriegermantel, legten einen Scepter von Binsenrohr in seine Rechte, und flochten eine Krone von bartem Dornengezweige, die sie auf sein Haupt setzten, und mittelst eines Stabes darauf fest schlugen, indem sie die scharfen Dornspitzen so tief als möglich eintrieben, so daß die Blutbäche von allen Seiten über sein Angesicht und seine Schultern herab rieselten. Darauf huldigten sie ihm mit Kniebeugungen, höhnischen Geberden, und dem Zuruf: sep gegrüßt, o König der Juden; und um das grauenvolle Scherzspiel recht kurzweilig zu machen, spien sie ihm ins Angesicht, und fügten ihre Faustschläge dazu. „O was für scharfe Stacheln der Schmerzen hat jede Schmach, die von Niedrigen und Untergeordneten ausgeht!" So hat ein alter Redner gesagt. Was hier an Christo geschah, war das Aeußerste der Schmach, die einem Menschen widerfahren kann; auch abgesehen von seiner unaussprechlichen Hoheit. Und ob Pilatus diese neue Mißhandlung angeordnet oder stillschweigend geduldet; jedenfalls wußte er davon, und billigte dieselbe, damit (wie Augustinus bemerkt) die Feinde des Herrn diese seine Verhöhnung in vollen Zügen trinken, und ferner nach seinem Blute nimmer dürsten möchten. Dieß geht daraus hervor, daß Pilatus iu diesem Aufzuge ihn dem Volke zeigte, und dazu die inhaltschweren Worte sprach: „sehet den Menschen, sehet euren König." In der That: dieß bethörte Volk konnte an einem solchen Könige mit der Dornenkrone, dem Binsenscepter, dem verbleickten Purpur, sein eigenes Geschick lesen, daß nämlich seine Selbstständigkeit, sein Reich für immer zu Ende gegangen, daß es fortan, nach der uralten Mosaischen Weissagung, allen Völkern zum Gegenstände des Spottes und der Verachtung geworden, und aus seiner erhabenen Stellung schmählich herab gestürzt sey. Dennoch ist in dieser Bedeutung des Mysteriums das Wesentlichste noch keineswegs enthalten. Dem ersten Adam ward das Strafurtheil angekündet: „auf der Erde, die du bearbeitest, wird der Flach liegen; Dornen und Disteln werden dir aus ihr hervor sprossen." Verhängnisvoller als alle diese Dorncngestrippe ist die Suu- dcnschuld, welche den geistigen Tod mit dem zeitlichen verkettet , und welche deßhalb der Stachel oder die Schärfe des Todes genannt wird. „Der Herr," wie Tertullianus sich ausdrückt, „hat alle Stacheln des Todes hinweg genommen, sie abstumpfend an den leiblichen Qualen, die er erduldet." i G M -G 16 S- Das Opferlamnr, welches dem Vater der Gläubigen auf dem Berge Moriah gezeigt wurde, war mit seinem Haupte im Dornengezweige festgehalten; und der gute Hirte, als er die Verirrten aufgesucht, hat die Dornen nicht gescheut, die auf diesen Wegen ihn verwundeten. In jener alten Parabel des Joatham (Nicht. 9.) wird erzählt, daß die Gehölze des Waldes den Dornstrauch anredeten: „komme und herrsche über uns." Zum Dornengekrönten im Blutgewande redeten die Barbaren so aus Hohn. Die Heiden verschmähten ihn, die Juden verwarfen ihn; den Christen geziemt es zu sagen: Herr, zu uns komme dein Reich; herrsche über uns. Ein König der Menschen bist du, der Elenden und Schuldbeladenen, darum trägst du die Krone von Dornen, die sich für uns in die Krone der Verklärung , in den blühenden Kranz der unverwelklichen Freude wandeln soll. Denn wer mit dir leidet, wird auch mit dir verherrlicht werden. Seit du obgesiegt, ist die Krone der Macht und Herrlichkeit dein; dir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden; du bist der König der Könige, und der Herr der Herrschenden; in deiner Hand ist unser Leben, unser Tod, unser ewiges Loos, denn dir hat der Vater das Gericht übergeben. Sep gegrüßt, o König der Armen im Geiste, der Sanftmüthigen und Friedfertigen, die vor allem nach deiner Gerechtigkeit verlangen! „Dein bin ich, o Herr, errette mich, denn deines Gesetzes habe ich nicht vergessen!" Die Federzeichnung enthält alle Einzelheiten des empörenden Vorgangs, wie die Leidensgeschichte sie schildert. Wieder haben, sich hier einige von den Scheinheiligen eingefunden, um dem wüsten Spiele zuzusehen: einer von ihnen erniedrigt sich zur Aeuße- rung pöbelhafter Schadenfreude, der Andere vertieft sich stillschweigend in die Anschauung des Dulders; seine forschende Miene ist nicht ohne Dämmerung einer Erkenntniß, die ihn nachdenklich macht. Der Centurio, ihnen gegenüber, wendet von dem Tumulte sein Angesicht ab, in welchem der Ausdruck des Mitleidens und der edlen Indignation vorwaltet. Es ist wohl derselbe, der beim Tode des Herrn so plötzlich von einem Lichtstrahle des Glaubens erleuchtet ward. -D -G 17 T-^ -G 18 T-< Pflichten, der selbstsüchtigen Wünsche und der harten Noth- wendigkeit, aus dem Zusammentreffen feindlicher Verhältnisse und Zufälle unzählige Prüfungen und Mühsale hervor, und wer sie nicht, im Gehorsam des Herrn, bestehen und tragen will, geräth in Sünde. „Zu Mühen und Leiden ist der Mensch geboren, wie der Vogel zum Flug." (Job. 5.) Zur wahren Glückseligkeit berufen, soll er von der falschen nicht getäuscht werden, sondern durch Glauben, Geduld, Selbstbeherrschung, in der Gnade Christi, jene geistige Seligkeit verdienen und erwerben. Deren Abgott das Leben des Genusses, der irdische Besitz, oder sonst etwas ist, was der Selbstsucht allein behagt, diese sind Feinde des Kreuzes Christi, und ihr Ende, da sie den rechten Weg verabscheuen, kann das Heil und der Friede nicht seyn. Das ganze Leben des echten Christen ist eine Wanderung unter der Kreuzesbürde,- weil keine Pflichterfüllung, kein Gottgefälliges Werk, keine wahre, überirdische Tugend ohne Selbstverläugnung geübt werden kann. Daher die Mahnung des Herrn: wer sein Kreuz nicht, freiwillig und mit liebendem Gehorsam auf sich nimmt, und mir nachfolgt, ist Meiner nicht würdig! — Der heilige Bernardus setzt die lehrreichen Worte hinzu: „Ohne Kreuz können wir dem Herrn nicht Nachfolgen, und ohne seine Gnade können wir das Kreuz nicht tragen." Das Kreuz, das dem Herrn aufgebürdet wurde, konnte, wie aus einzelnen Zügen der Leidensgeschichte bervor geht, nicht weniger als fünfzehn Schuh in der Länge oder Höhe haben; denn obgleich ein nahmhafter Theil zur gehörigen Befestigung, in die Erde versenkt werden mußte, schwebte der ans Kreuz Geheftete doch so hoch, daß der Schwamm mit Essig nur an einer Lanzenspitze seinem Munde sich nahe bringen ließ. Dieses Ausmaß ist aus der Abbildung berücksichtigt. Der Hauptmoment aber, den sie darstellt, ist die Ankunft der heiligen Jungfrau, in der Begleitung ihrer Getreuen, am Schmerzenswege; der liebevolle Blick, den ihr Sohn auf sie wendet, und die Welt von Leiden, Liebe, und Ergebung in der wortlosen Zwiesprache, die hier zwischen beiden gehalten wird. Der Krieger mit dem Schilde betrachtet die Dulderin mit einem Blicke, in welchem eine Mischung von Staunen , Mitleid und Wehmuth nicht zu verkennen ist. T 19 (D^ »Gesegnet bist du unter den Frauen, und gekreuzigt worden ist." „Ast es Liebe, ist es Thorheit, die o Christus, dich ge- tödtet? Liebe ist es, und auch Thorheit: Meine Thorheit, Deine Liebe." In diesen Versen des heil. Franz von Sales ist die ganze Erkenntniß des Mysteriums beschlossen. Was der Frevel menschlicher Verkehrtheit gewaltthätig gegen Christus unternahm, hat er in ein Werk seiner aufopfernden Liebe verwandelt; und wo das Vergehen übermäßig geworden, da hat die Gnade die Fülle ihrer Reichthümer eröffnet. „Blicket empor, so mahnt der Apostel, zu dem Urheber und Vollender des Glaubens, und betrachtet ihn oftmals, der solchen Widerspruch von den Sündern erduldet hat, damit auch ihr nicht ermattet und den Muth verliert." (Hebr. 11.) Dieser Anblick ist jedem Gläubigen vermittelt und gegeben, denn, wie derselbe Apostel es ausdückt: „vor unsern Augen ist der Gekreuzigte abgebildet." (Galat. 3.); sein Todesleiden ist so bestimmt und ausführlich geschildert, daß wir, im Lichte des Glaubens, es sogar viel klärer anschauen, als jene Augenzeugen, die einst auf der Höhe des Calvarienber- ges sich drängten. ^ ^ . .. . .. Der Kreuzestod ist unter allen Todesarten, die ze die menschliche Grausamkeit erfunden, die furchtbarste und zugleich die schmachvollste. Drum hat der Apostel nicht umsonst, da er die Tiefe der Demuth des Herrn schildern wollte, auf diesen Umstand den Nachdruck gelegt. „Er hat sich selbst erniedrigt, und ist gehorsam worden bis zum Tode, und zwar zum -E.ode des Kreuzes!" Hier überdieß erneuerten , verschärften, und vereinigten sich alle körperlichen und geistigen Leiden, die er bis jetzt ertragen. Die Glieder durchbohrt, und mittelst dieser Wunden ans Kreuz geheftet; der entstellte Leib an diesen graßgesegnet die Frucht deines Leibes Jesus: der für uns lichen Haltpunkten herabsinkend, Arme und Nippen gewaltsam ausgedehnt; dem Haupte durch seine Dornenkrone selbst das Anlehnen am Kreuzesstamme verwehrt, das Ohr mit dem Spottqeheul einer wabnsinnigen Menge gesättigt; vor dem trüben Blicke nur Rohheit und Erboßung in allen Gestalten: was konnte er da anders als ein Mann der Schmerzen seyn, einem Wurme äbnlich, und nicht einem Menschen, der Auswurf des Volkes, der Abscheu des Pöbels? (Ps. 21.) „Christus, wie der Apostel lehrt, ist für uns zur Sünde geworden, damit wir in Ihm zur Gerechtigkeit Gottes gedeihen." Er ist zur Sünde geworden: weil er das Bild der Strafen und Folgen der Sünde an sich darbot; weil er feiner wie ein Verbrecher behandelt, und unter die Uebelthäter gerechnet würde; endlich Weiler, die alten vorbildlichen Opfer erfüllend, zum Sühnopfer für die Schuld der Menschheit sich dargegebeM s ^s Herrn waren Menschen aller Stände und Völker versammelt: Priester und Laien, Juden und Römer. Hellenen und Barbaren, Richter, Krieger, fürstliche Personen und Pöbel; Alle gegen Christum mit irgend einer Waffe, wenigstens der Lästerzunge, gerüstet, Alle bet seinem Tode betheiligt. Um das Kreuz des Herrn hauste sich die ganze, durch Jahrtausende angewachsene Masse des menschlichen Verderbens. „Dafür, daß sie mich lieben sollten, haben sie mich gehasset; die Zahl deren, die nnch angefemdet, ist größer als der Haare meines Hauptes!" Aber am Fuße des Kreuzes Christl stand auch seine Mutter neben ihr Johannes und Magdalena, und die übrigen Frauen ihrer gewöhnlichen Begleitung. Ehestand m sol- -»G 20 (D-»- cher Nähe, daß sie alles sah, alles vernahm, was nur Macht haben konnte, ihre Seele mit tödtlichem Schmerz zu durchbohren, und doch vermochte dieser Schmerz keinen Augenblick ihren Glauben, ihre standhafte Ergebung in den göttlichen Willen zu erschüttern. Damals, als sie mit dem Opfer, das ihr Sohn darbrachte, das ihre vereinte, so daß auch von Ihr die Worte sich sagen lassen: sie hat ihres eigenen Sohnes nicht geschont, sondern für uns Alle ihn dargegeben; als sie das Testament des Scheidenden: „siehe deinen Sohn, siehe deine Mutter" vernahm, um es für immer in ihrem Herzen zu bewahren; als sie drei Stunden hindurch, und so lange die wunderbare Finsterniß währte, die Todesqual ihres Sohnes ertrug, bis er, das Haupt neigend, seinen Geist der Obhut des Vaters empfahl, — damals ist sie die geistige Mutter aller Menschen geworden. Als der Gottmensch mit dem Tode rang, ward die mittägliche Sonne verfinstert, Dunkelheit lagerte weithin über die Erde. Der Vorhang vor dem Allerheiligsten des Tempels zerriß von oben bis hinab; denn nun war der ewige Hohepriester in seinem eigenen Blute eingegangen in das Heiligthum. Die Erde ward erschüttert, die Felsen spalteten sich, die Gräber wurden aufgethan. Der Centurio, der die Wache hielt, rief, von Furcht durchschauert, laut: wahrlich ist dieser ein Gottessohn gewesen. Und die ganze Menge derjenigen, die umher sich gedrängt hatten, um den Vorgang zu sehen, ward von Angst getroffen; voll Schrecken schlugen sie an ihre Brust, und kehrten zurück. Einer der Krieger aber eröffnete mit dem Speer die Seite des Gekreuzigten, zum Zeichen seines bereits erfolgten Todes; und aus der Wunde floß ein Strom von Blut und Wasser hervor, Vorbilder der Sacramente, durch welche seine erlösende und belebende Macht in der Kirche immerdar fortwirkt. „Die Christo angehören, haben ihr Fleisch, ihr Sinnenteben ans Kreuz geheftet, mit allen seinen Begierlichkeiten. Für Alle ist Christus gestorben, damit wir nimmer Uns selber leben, sondern Ihm, der für Uns gestorben, und wieder auferstanden ist." Die bildliche Darstellung umfaßt einige Vorgänge nach bereits erfolgtem Tode des Herrn. Von den Zeichen, welche diesen Tod begleiten, ist vorzüglich das Eröffnetwerden der Gräber angedeutet. Die Jungfrau sieht mit gebrochenen, doch unverwandten Augen zum Gekreuzigten hinauf. Der Centurio, der laut seiner Heiligkeit und göttlichen Würde Zeugniß gibt, tritt in diesem Momente, wie billig, am ausdruckvollsten hervor. In der Ferne, gegen die Stadtmauern hin, sind noch einige der Beängstigten und Rückkehrenden zu sehen, und zwar solche, deren Bestürzung keine bleibende Reue wirkte, und deren Rückkehr keine Umkehr war auf bessere Wege. »G 21 G- »Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes Jesus: welcher von denTodten auferstanden ist. „Äobsinget dem Herrn, denn er ist gütig; ewiglich waltet seine Barmherzigkeit. Stimme des Frohlockens und des Heils in den Wohnungen der Gerechten. Die Rechte des Herrn hat Macht geübt, die Rechte des Herrn hat micherhöhet. Nimmer sterben 'werde ich, sondern leben, und die Herrlichkeit Gottes preisen." (Ps. 117.) Die himmlischen Geister, welche die Geburt des Erlösers in das irdische, sterbliche Leben verkündeten, verkünden nun seine Geburt in das neue, unverwelkliche Leben. „Christus, einmal gestorben, stirbt nicht mehr; der Tod hat keine Gewalt mehr über ihn." Was sucht ihr, sprach der Engel zu den Frauen, den Herrn im Grabe? den Lebendigen in der öden Stätte des Todes? Jesum im Grabe suchen, heißt soviel, als an seine Auferstehung nicht glauben; wenn aber Jesus nicht auferstanden, so ist es, wie Chrysostomus zergt, auch nicht wahr, daß er jemals geboren worden. Die ganze Kraft und die gesummte Angelegenheit des Christenthums liegt in der Wahrheit der Auferstehung. Den Leib des Herrn zu salben gingen bei erster Morgendämmerung die edlen Frauen hinauf zum Grabe: Magdalena, Maria Cleophä, Salome und die Andern,- nur die Eine fehlt, deren Teilnahme hier doch, wie es scheint, vorzugsweise zu erwarten war: seine verwaiste Mutter. Doch ohne Zwerfel war sie, in der ungetrübten Klarheit ihres Glaubens, besser unterrichtet. Diesen im Grabe ruhenden Leib, der von dem göttlichen Worte so wenig getrennt und verlassen war, als der in der Unterwelt weilende Geist, konnte sie nicht als einen Leichnam betrachten, der solcher Dienste bedurfte gegen die Macht der Verwesung. Sie wußte, von Wem die Worte der Psalmen galten: „Gott ist zu meiner Rechten, damit ich nicht gebrochen werde; deßhalb erfreut sich mein Herz, und auch mein Fleisch wird in Hoffnung ruhen. Denn er wird meine Seele nicht in der Unterwelt lassen, noch seinen Heiligen der Verwesung anheim geben." Sie suchte demnach ihren Sohn nicht in der Stätte des Todes, doch wehrte sie dem Vorhaben der Frauen nicht ab, um den Wegen der Vorsehung, und der schrittweisen Offenbarung des freudigsten aller Ereignisse nicht vorzugreifen. Was jedoch in der Kirche als Gewißheit gilt, und was aus dem innigsten Lebensverkehr zwischen einer so einzigen Mutter und einem so einzigen Sohne von selbst hervorgeht: daß er nämlich vor allen Andern ihr selber, und zwar in Herrlichkeit erschienen, dieß wird in der kirchlichen Antiphone (Himmelskönigin, erfreue dich), von Alters her bezeugt. Und wer hatte ein größeres Recht an diesem Vorzug, als sie, die Mutter des himmlischen Menschen, die Pforte des Lebens? „Christus ist von den Todten erstanden, als der Erstling unter den Entschlafenen; damit, gleich wie in Adam Alle dem Tode verfallen, also in Christo Alle wieder belebet werden. Denn der erste Mensch ward eine lebendige Seele, der neue Adam ein lebendig machender Geist." Durch sein Erdenleben das Licht der Welt, ward er durch seinen Opfertod der Mittler und Versöhner, durch seine Auferstehung der Wiederhersteller des leiblichen Lebens. Durch sein Sterben hat er unfern Tod zerstört, durch seine leibliche Wiederkehr unser Leben wieder ans Licht gebracht. „Der Herr hat die ehernen Pforten zerschmettert, die -G 22 G- eisernen Riegel zerbrochen." (Ps. 106.) Nicht zurückgeschoben hat er die Riegel, nicht bloß eröffnet die Pforten, sondern beide zertrümmert; er hat nämlich den Kerker selbst vernichtet. Das Grab konnte sein Opfer nicht einschließen und behalten ; mit seinem verklärten Leibe ging Christus aus dem verschlossenen Grabe hervor, weil die irdische Natur der verklärten keine Schranken setzen kann; und so wurde der Stein erst dann hinweg gewälzt, als das Grab schon leer geworden. Wenn es (nach des heil. Athanasius und Chrysologus Worten) andren Gräbern eigen ist, die Tobten zu verschlingen, die darin in Moder zerfallen, so hat hingegen Christi Grab den Tod verschlungen, ist die Heimath des Lebens, die Werkstätte der Auferstehung geworden. „Der Tod ist verschlungen in den Sieg! Wo ist, o Tod, dein Sieg i wo dein Stachel? Der Stachel des Todes ist die Sünde; Dank aber sey Gott, der uns den Sieg gegeben durch Je- sum Christum." (1. Cor. 15.) Wer von der Sündenschuld frei und geistig neu belebt worden, hat den Sieg des Todes nimmer zu fürchten. Wer zu fragen berechtigt ist: Tod, wo ist dein Stachel ? der darf auch fragen: Tod, wo ist dein Sieg ? Wer der Gnade Christi treu, wer hienieden, soviel ihm gegeben, den Wandel Christi an sich selber nachbildet, an dem wird auch die Herrlichkeit des verklärten Leibes Christi dereinst zum Vorschein kommen. Denn obgleich der äußerliche oder leibliche Mensch, der irdischen Erscheinung nach, den Todeskeim in sich trägt, und dem Zerfall entgegen geht, wird doch der verborgene innere Mensch von Tag zu Tage erneuert. (2. Cor. 4.) Und wenn der Geist Dessen, der Jesum von den Todten erweckt hat, in uns wohnet, wird er auch unsren sterblichen Leib zum unverwelklichen Leben wieder Herstellen, um des göttlichen Geistes willen, der in diesem sterblichen Leibe, als seinem Tempel, die Wohnung genommen. (Röm. 8.) Die Federzeichnung stellt den Augenblick dar, da der Auferstandene seiner jungfräulichen Mutter erscheint, und ihre Trauer in Wonne verwandelt. In dem Gemache, wo sie weilt, sieht man das Schweißtuch und die Dornenkrone, welche die Schmerzenreiche von Golgotha mit herab genommen; darüber öffnet sich die Aussicht auf die Frauen am Eingänge des Grabes, und den Engel, der auf dem abgewälzten Steine sitzt. Gegenüber erscheinen, um den Lebensbaum des Paradieses, Engel mit Siegespalmen, welche das Regina eoeli anstimmen. -«-T 23 D- -L°ZMM 'Z G § «Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet die Frucht deines Leibes, Jesus: welcher in den Himmel aufgefahren ist. „d!icmand steigt (aus eigener Macht) in den Himmel empor, als der vom Himmel herab gestiegen: der Sohn des Menschen, der im Himmel ist." (Joh. 3.) „Jesus Christus, der zur Rechten Gottes thront, hat den Tod verschlungen, damit wir Erben des ewigen Lebens würden: und ist in den Himmel erhoben, wo die Engel, die Kräfte und Gewalten ihm unterworfen sind." (1: Petr. 3.) „Der allmächtige Vater hat ihn aufgeweckt von den Todten, und in den himmli- lischen Reichen rhn zu seiner Rechten erhöhet, über alle Fürsten, Mächte und Gewalten, und über alle Namen, die genannt werden, es sey in dieser Welt, es sep in der künftigen; alles hat er seinen Füßen unterworfen, ihn gesetzt zum Haupte über die ganze Kirche, welche sein Leib ist." (Ephes. 1.) „Ich bin vom Vater ausgegangen, und in diese Welt gekommen; wiederum verlasse ich die Welt und gehe zum Vater." (Joh. 16.) Derselbe, der herabgeftiegen bis in die Tiefen der Erde, ist auch empor gestiegen über die Himmel, um so sein ganzes Werk zu erfüllen. (Ephes. 4.) Wie der Tod des Herrn nicht denkbar ist ohne seine Auferstehung, so auch diese nicht ohne seine Himmelfahrt. Der Schluß und die Vollendung der Bahn, die er zurück gelegt, konnte keine andere seyn, als der Sieg und Triumph über alle Mächte der Vergänglichkeit und der Tiefe, und die Befestigung in ewiger Hoheit, so daß vor seinem Namen alle Wesen anbetend sich beugen, die himmlischen, wie die irdischen und jene der Tiefe» Nachdem er seine Jünger hinausgeführt, und sie gesegnet, ward er vor ihren Augen empor gehoben, lns eme leuchtende Wolke ihn ihren Blicken verbarg. Er schied von ihnen, Allen reiche Segnungen spendend: denn er ist aufgestiegen in die Höhe, er hat die Gefangenschaft gefangen mit sich geführt, er hat den Menschen himmlische Gaben gegeben. (Ps. 67.) In diesen prophetischen Worten ist sowohl die Wiederherstellung der himmlischen, als der Aufbau der irdischen Kirche geschildert. Dem obern Reiche hat er nicht bloß seine Bürger wieder zugeführt, die Seelen der Gerechten, die seit Jahrtausenden auf den Befreier gehofft, sondern auch als König der Herrlichkeit den Thron dieses Reiches wieder eingenommen, wie er dasselbe in der Parabel angedcutet: „Ein adelicher Herr zog in ein fernes Gebiet, um sein Reich in Besitz zu nehmen." Es erzählt aber dieselbe Parabel auch von den Talenten, die er seinen Dienern ausgetheilt: und dieß sind die Gaben, die er, nachdem er aufgestiegen zur Höhe, in der Sendung des heiligen Geistes, den Menschen verliehen, zur Vollendung seines Reiches auf Erden, oder wie der Apostel sagt: zum Ausbau des Leibes, dessen Glieder die Gläubigen, dessen Haupt er selber ist. Denn „einem Jeglichen ist Gnade gegeben, nach dem Maße der Ausheilung Christi." (Eph. 4.) „Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat uns in seiner übergroßen Liebe, da wir todt waren durch die Sünde, mit und in Christo erweckt und wiederbelebt, auf daß wir mit ihm in himmlischen Höhen wohnen." (Ephes. 2.) Denn die Himmelfahrt Christi, wie der heilige Leo lehrt, ist unsre Beförderung, und wohin die Glorie des Hauptes voran gegangen, dorthin wird auch die Hoffnung der Glieder gelenkt. „Wenn ihr anders auferstanden seyd mit Christo, so suchet, was oben ist, wo Christus zur Rechten des Vaters thront," -T 24 wo die ewige Vereinigung der verklärten Menschennatur mit Gott der Quell aller Lebensfülle und Beseligung ist. Christus , der Lebensgrund oder das Fundament der Menschheit, ist (nach Augustinus) deßhalb in die Glorie des Vaters erhoben , damit wir unsre Herzen empor wenden zu Ihm, damit wir aufwärts erbaut werden. Bei einem irdischen Bau, der mit seinem schweren Gewichte auf die Tiefe drückt, wird deßhalb das Fundament, aus welchem das Ganze ruht, in die unterste Tiefe gesetzt: für unsere geistige Erbauung hingegen ist der Grundstein in der Höhe befestigt, um uns empor zu ziehen durch das Gewicht der Liebe. So hat auch der Herr gelehrt: „Wenn ich erhöhet bin von der Erde, werde ich Alle zu mir ziehen." Was bedeutet aber diese seine Erhöhung, oder, nach dem bildlichen Ausdrucke des Evangeliums: sein Sitzen zur Rechten des Vaters? Zuerst die Erhebung der Menschennatur in Christo, oder des Menschensohnes, über alle Geschöpfe; sodann seine höchste Beseligung und Verherrlichung, wie nur er allein ihrer fähig, und wie dieselbe seinem Verdienste, seiner auf Erden vollendeten, sittlichen Verklärung gebührte; endlich die Theilnahme an der unbeschränkten Herrschaft über alle Welten, wie dieselbe seiner Einheit mit dem Unendlichen zukommt. „Erhebet, ihr Thore, eure Häupter, und erweitert euch, ihr ewigen Pforten, auf daß einziehe der König der Herrlichkeit!" Als Mensch ist Christus in die Glorie des Vaters erhöht , um uns die Theilnahme an seinem göttlichen Leben zu vermitteln. Jedoch „so lange wir im sterblichen Leibe sind, pilgern wir fern von der Anschauung des Herrn; denn wir wandeln im Glauben, und nicht im Schauen. Wir haben jedoch den Muth und den guten Willen, vielmehr aus diesem Leibe zu Pilgern, und in die Gegenwart des Herrn zu gelangen. Und deßhalb streben wir darnach, jederzeit in seinem Wohlgefallen zu beharren." (2. Cor. 5.) In der Federzeichnung heben sich aus der Gruppe der Jünger an der einen Seite die Jungfrau und Johannes, ihnen gegenüber Petrus und Matthäus hervor, der als erster Evangelist durch das Buch bezeichnet ist. Die Gründung der Kirche, durch die Sendung, Vollmacht und Begabung von oben, beruht auf dem Priesterthum und dem göttlichen Lehrwort; die Fortdauer und unverfälschte Wahrheit des einen wie des andern auf der, in Petrus befestigten Einheit. Das innere Leben der Liebe, das geistige Schauen des Göttlichen ist in Johannes dargestellt, welchen die christliche Vorzeit den Theologen genannt hat. Die Mutter des Herrn muß noch auf Erden Zurückbleiben, um als Mei- sterinn seiner Jünger, als Mutter der Gläubigen für die erst ins Leben tretende Kirche ihrem neuen Berufe nachzukommen. -V 25 S» °G^ »Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet die Frucht deines Leibes, Jesus: der uns den heiligen Geist gesendet hat. „Zeinen schöpferischen Geist, o Herr, wirst du aussenden, und erneuern das Angesicht der Erde. Erschaffe in mir ein reines Herz, und einen aufrichtigen Geist erneuere in meinem Innern. Sende aus deinen Geist und deine Wahrheit, daß sie uns leiten und lenken zu den Höhen deiner heiligen Wohnungen." (Ps. 103. 50. 42.) Diesen Äußerungen der Sehnsucht entsprach die alte Weissagung: „Ich werde meinen Geist ausgießen über alles Fleisch, über meine Diener und Dienerinnen; denn von Sion wird das Heil ausgehen.^ (Joel. 2.) Ihre Erfüllung jedoch war bedingt vom Sühnungstode, von der Auferstehung und Himmelfahrt des Herrn. Denn erst mußte die Kluft der Trennung aufgehoben, die Mittheilung des göttlichen Lebens uns durch ihn verdient werden. Daher seine Worte: „Sofern ich nicht hingehe, wird der Tröster zu euch nicht kommen; wenn ich aber hingegangen, werde ich ihn euch senden, den Geist der Wahrheit, der in euch seyn, und ewig bei euch bleiben wird. Harret deßhalb, und bleibet beisammen, bis ihr bekleidet werdet mit der Kraft aus der Höhe." Als nun der Tag dieser großen Verheißung gekommen, und die Jünger alle, mit der Mutter Jesu, in Eintracht und beharrlichem Gebete versammelt waren, da kam es vom Himmel wie Sturmessausen, und erfüllte das ganze Haus ; es erschienen Feuersiammen gleich zertheilten Zungen, die über dem Haupte eines Jeglichen schwebend blieben, und sie wurden Alle vom heiligen Geiste erfüllt. Da wurden sie von einer himmlischen Freudigkeit begeistert, die nur sie selber verstanden; sie redeten in den Sprachen aller Völker von den herrlichen Thaten Gottes. Die Armen waren plötzlich reich, die Ohnmächtigen heldenstark, die Unverständigen weise geworden ; der göttliche Geist begann an ihnen und durch sie das große Werk der Erneuerung der Erde, die neue Weltordnung der Wahrheit und Gnade. Die dreifache Weihe der alten Psingstfeier wiederholte und vollendete sich zugleich in der geistigen Bedeutung der neuen. Hier war nimmer ein Dankfest für den Segen der Ernte, denn es handelte sich nun um ganz andre Felder und Saaten; jetzt erst, wie Chrysostomus sagt, wurde die flammende Sichel des göttlichen Wortes gesendet, um die Erstlingsfrüchte aus allen Völkern ins Gottesreich zu sammeln. Hier trat ferner kein gemeines oder bürgerliches Jubiläum ein, das den Verschuldeten ihr Eigenthum, den Leibeigenen ihre Freiheit wieder brachte; wohl aber wurde die alte Knechtschaft der Sünde gelöset, die Menschen durch den heiligen Geist, der ihre Herzen mit Liebe erfüllt, in ihr Anrecht an die Würde der Kinder Gottes, an die Huld des Vaters und das Erbe Christi wieder eingesetzt. An die Stelle des alten Gesetzes endlich auf den Steintafelneingegraben, unter dem Siegel der Strafe, kam das Gesetz des neuen Bundes, in die Tafeln des Herzens geschrieben, und begleitet von der Kraft der Gnade, von welcher der Apostel sagt: „ich vermag alles in Dem, der mich stark macht." „Nicht den Geist der knechtischen Furcht hat Gott uns gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe, der Zucht und Nüchternheit." (2. Tim. 1.) „Sehet welche Liebe der Vater uns gegeben, daß wir Kinder Gottes genannt werden und sind." (1. Joh. 3.) Ohne diese Liebe, so Großes wir auch sonst wissen und vermögen, und so bedeutende Opfer 4 -G 26 D- -T< wl'r auch bringen, sind wir lediglich „wie ein tönendes Erz, wie eine klingende Schelle." Die einzige Kraft, die uns über Gemeinheit und Selbstsucht erhebt, unsre Werke Gott gefällig macht, unsrem Leben einen übernatürlichen Werth gibt, ist die Gesinnung aufrichtiger Liebe zu Gott, und diese kann nur in der Gnade und durch dieselbe erworben und befestigt werden. Keine Hülflosigkeit und Ohnmacht ist, nach Chrysostomus, derjenigen eines Menschen vergleichbar, dem, durch seine Schuld, der Beistand der Gnade mangelt. Es ist ein inhaltschweres Wort des heiligen Gregor von Nazianz: „Der göttliche Geist kommt nicht als ein Dienstbarer, sondern als Gebieter; nicht als Knecht, sondern als Herr." Wenn Christus von sich das Entgegengesetzte ausgesagt: „der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen, und sein Leben darzugeben zur Erlösung Aller," wenn er im Mysterium des Altars noch Die Federzeichnung zeigt die Versammlung der Jünger. Maria in ihrer Mitte, im Speisesaale, wo der Herr das Abendmal gehalten. Der wunderbare Vorgang ist nach der Schilderung der Apostelgeschichte dargestellt. Mit Entzücken sieht Maria den Geist, immer diese Dienstbarkeit fortführt, indem er sich jedem Einzelnen zu eigen gibt, und seine Oberherrlichkeit erst in der zweiten Ankunft offenbaren wird, so handelt er so als Mittler , der die Knechtsgestalt angenommen. Der heilige Geist aber, in seiner Wesensgleichheit mit dem Vater und Sohn, fordert als Herr und Gebieter, daß wir seinem gnadenreichen Wirken Raum geben; denn nur diejenigen sind Kinder Gottes, die von seinem Geiste sich lenken lassen. Der Geist der Wahrheit duldet keine Lüge; der Geist der Nüchternheit, Zucht und Ehrerbietung kann nicht in einem Herzen wohnen, das den niedrigen Leidenschaften des Sinnenlebens nicht entsagen will; der Geist der heiligen Liebe und Großmuth hat keinen Raum in einem selbstsüchtigen und neidischen Gemüthe. Nahe jedoch ist er in seiner Allgegenwart Allen, die ihn an- rufen; die ihn nämlich anrufen in aufrichtiger Gesinnung, in ungeheuchelter Wahrheit. (Ps. 144.) der stets ihr Herz erfüllt hat, nun auch über die Jünger die Fülle seiner Gaben ergießen, wodurch ihr Sohn verherrlicht werden, und durch das Wort des Evangeliums, in unzähligen Herzen wohnen wird. -«-V 27 A-o- ))Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet die Frucht deines LeibesJesus: der dich in denHirnnrel ausgenommen hat." „Nvie der Hirsch lechzet nach frischen Wasserquellen, so verlanget meine Seele, o Gott, nach dir. Meine Seele dürftet nach dem lebendigen Gott; wann werde ich kommen, und erscheinen vor seinem Angesicht? (Ps. 41.) Wenn je in einem Herzen die Flamme dieser himmlischen Sehnsucht gelodert , wo konnte sie mächtiger sepn, als in dem Herzen der Jungfrau, die, nach der Himmelfahrt ihres göttlichen Sohnes , zum Schutze der aufblühenden Kirche, als Mutter und Trösterin der Jünger und der Gläubigen, auf Erden zurückblieb? Von dem Schwerte der Schmerzen durchbohrt, hatte sie die Qual des Todes längst erfahrender Tod ihres Sohnes wäre, ohne Hülfe von oben, auch der ihre geworden; nun hatte sie auf Erden nichts zu fürchten und zu hoffen mehr; Christus allein war ihr Leben, und Sterben ihr höchster Gewinn. (Philipp. 1.) Dte Saat des Evangeliums blühte weithin auf Erden, und brachte überall reiche Frucht; das große Werk des Heils gedieh unter zahlreichen Völkern, und sowohl in der Zahl ihrer Gemeinden, als in der sittlichen Kraft ihrer Bekenner und Hirten, war die Kirche erstarkt genug, um jedem Sturme zu widerstehen. Die Jungfrau , die fern von der geliebten Heimath, vom Lande ihrer Väter, an der Seite ihres stellvertretenden Sohnes Johannes, in Ephesus lebte, konnte mit wenigstens eben so großem Rechte wie Paulus von sich sagen: Ich fühle mich zwischen zweierlei Wünschen bedrängt: denn von hier zu scheiden, und bei Christo zu sepn , ist für mich bei weitem das Bessere; doch mein Hierbleiben auf Erden ist nothwendig um eurer willen. (Phil. 1. 23.) Als jedoch die selige Zeit heran nahte, die ihrer herben Pilgerfahrt das Ziel setzte, als sie davon auf himmlischem Wege unterrichtet ward, da kehrte sie, von Johannes begleitet, in das Land zurück, von wo der Segen der Menschheit ausgegangen, und zu den Höhen von Sion, wo ihr göttlicher Sohn den neuen und lebendigen Tempel der Menschheit gegründet. Da sprach auch sie: „Erfreuet habe ich mich an der Kunde, die mir gegeben worden: ich werde eingehen in das Haus des Herrn. Was habe ich gesucht auf Erden, und was ist es einzig, wonach ich verlange im Himmel? Mein Herz und mein Gebein schmachten dahin, und vergehen in Sehnsucht; zu dir mein Gott, dem Heile meines Angesichts." Das Hinscheiden der Jungfrau wird von den Vätern nicht als Tod, sondern als Schlummer bezeichnet. Auch sie hat, gleich ihrem Sohne, „den Tod gekostet," aber ohne dessen Bitterkeit zu erfahren; auch sie ist durch den Tod nur hindurch gegangen, ohne seiner ganzen Gewalt zu unterliegen. Die Ansicht, daß sie am dritten Tage, mit verklärtem Leibe auferstanden, ist in der Kirche so allgemein geltend, daß es (nach Suarez) eine Vermessenheit wäre, darüber Zwerftl zu hegen. Von der alten Schuld und ihrem Verhängnisse unberührt, mit einer Mutterwürde begabt, die ganz nn Wunder steht, zum Tempel und zur Ernährerin des Mensch gewordenen Gottes geheiligt, und in ihrem schwer geprüften Leben in steter Gottestreue bewährt: wie sollte sie nicht, vor allen Andern, in die volle Verklärung ihres Sohnes erhoben werden, des Erstgebornen von den Tobten? In der Menschwerdung Gottes, sagt Bernardus, ist der Himmel zur Erde herab gestiegen, in der Aufnahme der heiligen Jungfrau ward die Erde in den Himmel erhoben. -»-T 28 Dort ward Christus ausgenommen in die irdische Hütte der Jungfrau; hier wiederum diese in den Pallast des Königs der Herrlichkeit. Dort ward Christus mit dem Gewände der Sterblichkeit bekleidet, hier die Jungfrau mit dem Gewände des unsterblichen Lebens. „Erhoben ist, so lautet die kirchliche Antiphone, die heilige Gottesgebärerin über alle Chöre der Engel in die himmlischen Reiche." Wenn in der glorreichen Himmelfahrt ihres Sohnes alle Gestirne vor der Sonne sich neigten, so geschah bei der Aufnahme der Jungfrau noch mehr; die Sonne der Wahrheit und des Lebens, ihr göttlicher Sohn, kam ihr mit unendlicher Huld entgegen. „Die Pforte des Paradieses wurde durch dich uns eröffnet , die du glorreich über die Engel herrschest." So redet zu ihr eine Antiphone der Kirche. Und täglich fügen wir dem englischen Gruße die Worte bei: „heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns jetzt, und in der Stunde unsres Todes." Jetzt: damit wir, von der Gnade Christi geweckt, ermahnt, gestärkt und begleitet, den Weg der Wahrheit wandeln, und in freiem Gehorsam Ihm angehören; in der Stunde des Todes: damit uns diese nicht unerwartet überfalle, gleich der Schlinge des Jägers. Jetzt, und in der Todesstunde: damit unser Leben und Tod eine stete Uebung, ein aufrichtiges Opfer der heiligen Liebe sey. Jetzt: damit wir im Zuge des Lebens stets an den nahenden Tod uns erinnern, der Ankunft des Herrn entgegen gehen; in der Stunde des Todes: damit sie uns zur Geburtsstunde des Lebens sich verkläre. Der Tod ist der Sünde Sold; das selige Leben ist das Werk der Gnade Gottes in Christo Jesu. (Röm. 6.) In der verhängnisvollen Stunde, wo es darum sich handelt, daß der Stachel des Todes, die Schuld getilgt, und der zeitliche Tod eine Pforte des Lebens werde, will die Mutter des neuen Lebens Niemanden ihren Beistand versagen; es ist dieß die letzte Hülfe, deren wir von ihrer Liebe bedürfen. Die bildliche Darstellung zeichnet den Empfang der verklärten Jungfrau gleichsam an den Tempelpforten, am Eingang derHallen des himmlischen Sion, über den Gestirnen der oberen Lichtwelten. Der Künstler mag an die Worte des Psalmes gedacht haben: »du hast meine rechte Hand gehalten, und in deiner Huld mich hinan geführt, und zur Glorie mich ausgenommen.« Unter den Chören der Himmlischen, welche dieJungfrau begleiten, erscheinen die drei Erzengel, die vorzugsweise als Boten und Schirmer für das Werk des menschlichen Heiles genannt werden. Unter den Himmelsbürgern, welche die Kommende begrüßen, sind, wie billig, ihr irdischer Lebensgefährte, und ihre Eltern: Joseph, Anna, Joachim, die Vordersten, ihr Ahnherr David begleitet die Lobgesänge der Engel; das erste Menschenpaar, von welchem das Unheil ausgegangen, neigt sich vor der Wiederbringerin des Lebens, die ihm von 'Anfang her verheißen worden. O- -G 29 G» »Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet die Frucht deines Leibes, Jesus: der dich im Himmel gekrönethat. §^ie Kirche beginnt den jährlichen Kreis ihrer, das ganze Erlösungswerk umfassenden, Erinnerungen und Andachten, von der Adventfeier, und führt ihn zum Schlüsse mit dem Feste aller Heiligen. Wenn dort die erste Pflanzung des Heiles gefeiert wird: die Wunderblüthe auf dem einsamen Spröß- linge aus dem Stamme der Patriarchen, so bezieht sich das letztere Fest schon auf die reifen Früchte, versammelt in überirdischen Gebieten. In ganz gleicher Weise bildet in der herkömmlichen Reihe der Mysterien des christlichen Psalters, jenes der Menschwerdung des Wortes den Anfang, den Schluß hingegen die Krönung oder Verherrlichung der Jungfrau, welcher, als der Königin der Menschen und der Engel, in der Gemeinschaft der Heiligen, unter allen Geschöpfen der Vorrang gebührt. Es ist glaubwürdig, daß die Neichthü- mer der Gnade, welche die Jungfrau empfangen und erworben, alles übertreffen, was andern geistigen Wesen verliehen ward; von dem Maße der Gnade aber wird das Maß der Herrlichkeit bestimmt. Fragt es sich um die Stufen, auf welchen sie zu solcher Hoheit gelangt, so ist nicht von den wunderbaren Vorzügen die Rede, welche ihr die Allmacht Gottes ohne ihr Verdienst oder Zuthun verliehen, um sie, vom ersten Augenblicke ihres Daseyns, für ihre hohe und einzige Bestimmung zu weihen; sondern die Stufen, auf denen sie durch ihre sittliche Willenstreue hinan gestiegen, beginnen erst auf der Höhe dieser Würde, auf welche sie Gottes erlösende Huld gestellt, und auf welcher sie schon damals sich befand, da sie als die Gnadenvolle und Auserwählte gegrüßt ward. Die erste und wichtigste dieser Stufen schildert Bernar- dus: „Mit Recht ist die Letzte die Erste geworden, welche, obgleich sie die Erste von Allen war, doch sich selber Allen nachgesetzt hat. Mit Recht ward sie die Gebieterin Aller, die sich gegen Alle als Dienerinn benahm, und mit unaussprechlicher Sanftmuth zu den Sündern sich herabließ." Als fernere Stufen kommen der unermüdliche Eiser in Betracht, den sie, als Magd des Herrn, in unzähligen Liebeswerken geübt, und die himmlische Liebe selbst, dre ihren Werken einen so erhabenen Merth gab. In dieser Treue und Emsigkeit einer sorgfältigen Pflegerin, die dem Herrn als Mutter und Magd zugleich gedient, und in dieser Erleuchtung ihres Geistes, die sie im steten Umgänge mit dem Gottmenschen gewann, vereinigte sie alles in sich, was von jenem trefflichen Schwesterpaar: Maria und Martha, gerühmt wird, nur in ungleich höherm Maße. Und diese Demuth, diese Glaubenskraft, diese unverbrüchliche Treue der Liebe, wie herrlich wurden sie erprobt und verklärt in den mannigfachsten und schwersten Prüfungen! Nie hatte Maria gleich jenen beiden Jüngern, von ihrem Sohne gefordert, zu seiner Herrlichkeit erhoben zu werden; wohl aber hat sie allein, in vollkommenster Weise, den Kelch seiner Leiden getrunken; sie allem stand am Fuße deS Kreuzes, ohne einen Augenblick im Glauben zu wanken; sie allein hat das Opfer der Sühnung, zugleich mit ihm, dem ewigen Vater dargebracht, und ist gleichfalls gehorsam worden bis zum Kreuzestode; denn das Kreuz ihres Sohnes ward für sie das Schwert, das ihre Seele durchbohrte. - Die Stufen, auf welchen die Herrlichkeit der Jungfrau gebaut, sind demnach an gar mannigfachen Ausspru- -G 30 Tuchen des Herrn zu ermessen. „Wer sich demüthigt, gleich den Kleinen, lehrte er, wird der Größere sepn im Reiche der Himmel. Ich war, in meinen Brüdern, hungrig und dürftig, ihr habt mich gespeiset und bekleidet. Vollkommen wird jeder seyn, der so ist wie sein Meister. Ihr seyd es, die ihr in den Trübsalen bei mir ausgeharret, darum habe ich euch die Theilnahme an meinem Reiche bereitet. Wer mir dient, wird mir folgen, damit wo ich bin, auch mein Diener sey." Wer hat ein höheres Recht an diese Verheißungen, als die Wunderbare, die einzig für Ihn und in Ihm gelebt? So unvergleichlich, sagt Jldephonsus, Alles, was sie auf Erden gewirkt und geduldet, so unaussprechlich ist auch der Preis der Glorie, den sie verdient hat. In dem Maße also, worin sie einst an der freiwilligen Erniedrigung ihres Sohnes Theil genommen, ward sie auch zur Theilnahme an seiner Herrlichkeit erhoben, und diese ist es, welche als ihre Krönung bezeichnet wird. Die Krone ist das Zeichen oder Sinnbild der Ehre und Herrschaft. Zahlreiche Enkel werden die Krone des Greisen genannt (Sprichw. 17.), und so nennt der Apostel die Gemeinde der Philip- penser seine Freude und seine Krone. Er redet aber auch von der Siegeskrone der Gerechtigkeit, die ihm von Gott aufbehalten sep. Von den Gläubigen und durch den göttlichen Geist Geheiligten verkündet gleichfalls der Seher: „der Herr der Heerscharen wird seinem Volk eine Krone der Glorie und ein Kranz der Freude sepn." (Jsai. 28.) Die Krone demnach, mit welcher die heilige Jungfrau, als himmlische Königin der Menschen, geschmückt wurde, ist die göttliche Herrlichkeit und Seligkeit ihres Sohnes, die Lichtfülle des dreieinigen Gottes, und dieß, wie Augustinus lehrt, im höchsten Maße, dessen ein erschaffenes Wesen jemals fähig ist. Eine Fürsprecherin, sagt Bernardus, ist unsrer irdischen Pilgerfahrt voraus gegangen, welche, als die Mutter unseres Gebieters und Richters, und als die Mutter der Barmherzigkeit, die Angelegenheit unseres Heiles mit eifriger Sorgfalt vertreten wird. Wenn sie schon im Erdenleben, als die Noth der Dürftigen ihr Mitleid bewegte, von ihrem Sohne eine wunderbare Hülfe auswirkte, obwohl seine Stunde, die Zeit seines öffentlichen Wirkens damals noch nicht gekommen war, welche Macht wird erst jetzt ihre Fürbitte besitzen, seit sie in die Herrlichkeit ihres Sohnes erhoben worden, dem alle Gewalt gegeben ist im Himmel und auf Erden? Groß war, wie Bonaventura lehrt, ihre Barmherzigkeit für alle Menschen, da sie noch in der Welt wandelte, wie in der Fremde; größer als jemals ist ihre Barmherzigkeit jetzt, seitdem sie im Himmel herrscht, als ihrer Heimath. Die Federzeichnung, die in ihrer typischen Schönheit keiner Erklärung bedarf, erinnert an die festlichen Worte der Kirche: »Lasset uns Alle im Herrn an der Ehre der seligen Jungfrau Maria uns erfreuen, über deren Aufnahme die Engel frohlocken, und dem Sohne Gottes Loblieder singen.« Gedruckt bei den Edlen v. Ghelensschen Erben. 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