z Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber: Joseph Neurnayvr wo. S. Eine von den Franzosen der Wiener Universität gewidmete Fahne mit der Devise: vl I, »Isi llltv I«8 «V«?V8 S» L»„O»i84 8 ä II» I «Al«,» ^eL»tI«»»L,L„«; «le ^s»s» L8L8." Dieses Panier ist den 17. Juli 1848 von den Parisern der Akademischen Legion als bleibendes Denkmal verehret worden, und ist erponirt in der Aula zu sehen. — Welche Sympathien die Franzosen den Oesterreichern dadurch an den Tag legen, ist keineswegs in Abrede zu stellen, freudig jubeln ihre Herzen liebe Austria uns entgegen. Wir sind gleichsam ausgesöhnt mit^allen Nationen der Erde, aber halt! das wäre thöricht von mir, eine Positive Behauptung da aufstellen zu wollen, die nicht ganz harmonisch in das Ganze eingreift, der Eisbär, hier meine ich den russischen Knuten-Jmperator, ver scheint über die Gestalten der immer mehr und mehr austauchenden Erscheinungen nicht ganz zufrieden zu sein er rümpft verdammt die Nase darüber, aber dies ist kein Gegenstand, wie kann uns derlei nur im Geringsten a s der Fassung zu bringen suchen, der Russe muß seinen Egoismus beseitigen, ob er- gleich mit lüsternen Augen und gierig ausgestreckten Händen so Manches an sich zu reißen glaubt, dieß hat Nichts zur Sache. Der Engländer, der im strengsten Sinne des Wortes Stoiker ist, schaut mit den Franzosen kaltblütig dem Thun und Treiben eines Russen ganz gelassen zu, bis der Engländer den grimmigen Eisbären so lange im Schach hält, und endlich einmal matt darüber werden muß.— Wir fürchten dich gar nicht, du zu Eis gewordenes Herz; ich meine nur, sonst dürften halbwegs meine prophetischen Wahrsagungen in Erfüllung gehen. Etwas ganz Menes, was ich nicht laut auszusprechen mir getraue. Ich weiß es nicht, wird es wahr sein, od.er hat Demjenigen das geträumt. was er mir für pure Wahrheit aufgedrungen hatte, hört! hört'. -Nicht zu übersehen! und'wohl zu beachten! was ich dir, liebe Austria, und 'auch allen Andern jetzt erzähle. Non der neuen Conscribirung oder Assentirung, von Freiwilligen zum Kampfe nach Italien, dieß ist ohnedem durch Maueranschläge bereits allenthalben dem Publikum bekannt gegeben; aber zur Hauptsache jetzt. Man hat mir fest behauptet, der Kaiser soll nie wieder nach Wien zurückkehren, Erzherzog Johann habe die Stellvertreterftelle in der unmittelbaren Person deS Kaisers niedergelegt mit der lediglicheu Beibehaltung als Reichsverweser. Also unser Kaiser will nie mehr wieder zurückkommen? Ich sage dir, liebe Austria , die Oesterreicher mußten sich schon lange an seine Abwesenheit gewöhnen, und wenn es lange noch dauern sollte, so werden diese ihn noch ganz vergessen und entbehren, die Folgen davon hat er dann nur seiner superklugen Umgebung zu verdanken; man kann sich an Alles gewöhnen, man kann sich in Alles schicken, in der Noth frißt der Teufel Fliegen, wenn mau so zu sagen durch Verhältnisse angelrieben wird. O! herrliche Camarilla, du hast dein Volke den Kaiser geraubt, gestohlen, du suchst die bieder- und edelgesinnte Nation dem Monarchen mit nie zu ahnenden Schilderungen und steter Thätigkeit zu beschäftigen; wie aber würde es dann um euch stehen, wenn das Volk die Gallerie der erbärmlichen Camarilla öffnen würde, wo ihr Euer Conterfei in weit gräßlicheren Gestalten darin erblicken würdet??? Wie würdet ihr euch vor dem Volke rechtfertigen können? eure Seele ist so schwarz wie die finsterste Nacht, und eure Handlungen, die blutroth dem Volke entgegen leuchten, überwiegen die Sandkörnchen am Meere. Also be- haltet ihr nur immerhin eueren Kaiser, ihr lieben Jnn- sprucker, ihr werdet auch noch zur Vernunft kommen, ihr dürstet einem Trübuswinkler Bauer von euerer Dummheit noch immer "/i- Massen, so bleibt euch noch, um umm zu verbleiben, Dummheit noch für 100 Jahre genug über; laßr euch nür von den Pfaffen von uns recht viel Frevelndes erzählen, die eine spanische Jnqui- silion nns mit größter Freude wünschen würden, und uns schon im Geiste auf dem brennenden Scheiterhaufen erblicken, und euch in die Reihen der Heiligen zählen. O Junspnicker! werden denn euch nicht bald die Schuppen von den Augen fallen? Ihr gleicht dem Rohr im wilden Sturme, welches hin von der Camarilla, und her von dem Pfaffenthum getrieben wird. Neber die SitzmrH im NeLchssmrle am NS. J'.rlL 18 ^ 8 . In der hohen Versaiümlung wurde sehr viel über die Wahl der Depurirteu d-battirt, so wurde nämlich vorgebracht, daß bei der Wahl zu Lichtenthal eine Bestechung zu Grunde liege, und Schmcrccker verlustig seiner Deputirteuftelle erkannt werden sollte. Die Herren Deputaten Goldmark, Poresch und Neumann haben dagegen den Protest eingelegt, bis gehörige Beweggründe und Beweise dieser beschuldigten Anklage vorliegen, um die Entfernung aus der konstituirenden Reichsversammlung beantragen zu können, so wie wieder aus Proßnitz, daß die aus Demmel getroffene Wahl als ungültig erklärt werden sollte, die Pflicht des Kreishäüptütauus wäre daher gewesen, die Lv-auern ganz besonders auf die Wichtigkeit dieser Wahl aufmerksam zu machen, und daher die Rüge der zusammengesetzten Commission nicht auszuüleiben hat. Es wurde, die hohe Versammlung von Joseph Weiß, Alters-Vice Präsident, zur Abstimmung durch Aufstehen gebeten, der größte Theil erhob sich von seinen Sitzen, und als diejenigen Deputaten, vie der Sprache zwar nicht kundig, auch von ihren Sitzen sich ethoben, so wurden diese von den daneben Sitzenden bei ihrer Bund« rechts und links gezupft, um damit anzudeuten, nicht 'aufzusteheu und sitzen zu bleiben; überhaupt spielen gerade diese Herren Depulirten in der hohen Reichsvsr- sammlung auch nicht die allerschönste Rolle, weil diese maschinenmäßig wie Puppen behandelt werden: sie können all-rdings intelligente Männer fein, wenn dieie aber den Saal verlassen, der Zweck der täglichen Vergamm- lung immerhin fremd bleiben muß. Ich habe wahrgenommen, als die Zeiger an der Uhr sie an die zwölfte Stunde erinnerten, sie sich aus dem Saale mit ihrer fest benagelten Fußbekleidung zu entfernen suchten, sie schienen kein Behagen zu haben, länger auszudauern, es muß der Magen eine Erinnerung angebracht haben, deshalb eine Momente Entfernung Platz greifen mutzte. — Neber Pariser Angelegenheiten und sonstiger Galimathias. In Paris dauert die Reaction Bourgeoisie gegen das Proletariat fort. Von den Journalen werden wieder Cautionen wie im Jahre 1830 gefordert. Ein Lager von 50,000 Mann wird in der Umgebung von Paris gebildet- Lamartine wird als schwach und unterjocht von allen Seiten angegriffen; auch sollen sich eine große Anzahl von Insurgenten nach Italien anwerben laßen. Dieß scheint einen kritischen Charakter allerdings anzunehmen. Wir stehen auf dem höchsten Culminationspunkt, Streit- kräste werden von allen Seiten gesammelt, die ganze Bevölkerung Europas sieht gleichsam auf einem starken Kriegsfuß; ich sehe, liebe Austria, ganze Nationen sich gegenseitig in den Haaren liegen, um die schwere Last endlich einmal' von den Schultern abzuschütteln. Im Orient scheint Alles in den tiefsten Schlummer versunken zu sein; da findet man sich recht glücklich und behaglich bei einem Mocca-Kaffee. Die Epicuräer in Griechenland ruhen ganz sanft auf ihren eingebildeten Lorbeeren, und Spanien liegt ganz erschöpft von seinen blutigen Scharmützeln darnieder; die Beduinen träumen von einem Paradies, und der Chinese läßt ein auf einer Eselshant ausgefertigtes Manifest der sämmtlichen Bevölkerung publiziren, damit sie zu jeder Minute schlag- ertig sind auf die Dinge, die noch alle kommen sollen. Der alte ägyptische König ruht als gehörig eingewickelte Mumie in einer Pyramide, die dem Montblanc in der Höhe nichts nachgibt, und Ibrahim Pascha führt Krieg mit den Piraten auf dem rothen Meere. Das glückliche Arabien liefert allen Völkern der Erde die von Napoleon Verbotene Einfuhr der Bohnen, aus welchen die Wiener Kaffeehäuser - Proprieteurs 300 pCt. von den Kunden schöpfen. Ost- und Weftindien bekümmert sich um allen den Tand nichts; die Hottentotten sind -in der Cultur auch nicht einmal um ein Haar breit gerückt, mich wundert nur, daß sie um ihre Nasenspitzen noch nicht gekommen sind. — Gleicht nicht die ganze Welt einem Narrenhaus, um was dreht sich das Ganze? um Nichts. Socrates hat wahr gesprochen, wenn er behauptet: „Ich weiß Alles, das weiß ich aber, daß ich gar nichts weiß." Der aus der Erde genommene Mensch kehrt wieder in die Mutter Erde zurück und Alles schwindet spurlos vorüber. — „Glücklicher Säugling", spricht Schiller, „dir wird noch ein unendlicher Raum die Wiege, werde Mann, und dir wird zu eng die unendliche Welt!'.!" Darum liebe Austria! laufen wir hienieden alle im Delirium herum; ich habe dich jetzt mit moralischen Tendenzen gefüttert, wenn dir dieselben gleich abgeschmackt scheinen, so glaube mir aufs Wort, daß alles bunt durcheinander lauft. Werfe nur einen Blick in die Geschichte zurück, um was dreht sich der alte schon bereits bedeutend in Gährungsprozeß übergegangene Klumpen??? Bruder gegen Bruder zu Hetzen, bis er ermattend und kraftlos zu Boden sinkt, dies sind die Ausgeburten einer fluchwürdigen politisch-diplomatischen Manipulation. Eine angebrachte Erklärung des Pfarrers zu Enzersfeld betreffend. Am 19. Juli 1848 hat der Pfarrer von Enzersfeld sich die Mühe genommen, nach Wien zu kommen, um eine Beschwerde bei dem Sicherheitsausschuß anzubringen. Vermöge einer Affront, die ihm in der Wahrsagerin, Blatt Nr. 1, angethan wurde. Die Thatsache, die darin enthalten ist, beruht auf der reinen Wahrheit nachdem der Redaktion jenes fraglichen Blattes mittelst zugekommenen Schreibens von Anton Schellhammer durch Franz Mucha, Isier Bezirk, Iste Compagnie Schottenviertel, ersucht worden sei, diesem Artikel einen Raum in der Wahrsagerin zu gestatten, da Anton Schellhammer bereit ist, den Satz seinem Inhalte nach, Zeile für .Zeile, Wort für Wort verantworten zu können; Franz Mucha aber zu wenig mit der Sachlage vertraut ist, um demselben zur Verantwortung zu ziehen. Anton Schellhammer erklärt feierlichst, von dem Pfarrer noch gräßlichere Geschichten, und von der Bräuermeisterin Namens Theresia Schildkuecht, nebst anderen damit verbundenen Schilderungen an das Tagcslich zu fördern, wenn er dazu verhalten würde, es der Oeffentlichkeit bekannt geben zu dürfen. Anton Schellhammer. 2O Aeber die Khren-Weichte. Es ist doch Jammerschade, liebe Austria, wie ich Weiber in Lanzendorf reden hörte, daß der Priester sich gar keine Zeit mehr nimmt und diese so schnell im Beichtstühle erpedirt, ja haben sie gesagt, früher hätte man Stundenlang im Beichtstühle mit* dem Beichtvater das Gewissen erforschen können, aber jetzt ist es gar aus; die Weiber sind fest entschlossen, an das, hiesige Erzbischöflichen Consistorium zu apelliren. Pabst Gregor der Vs. hat mit der Beichte und dein. Fasten eine herrliche Erfindung gemacht, er steht wenigstens in der Kirchengeschichte als ein großer Mann da, wir haben ihm alle die bestehenden im Canon zu verdanken, daher das Latein den Priestern in den kirchlichen Funktionen angeorenet wurden, selbst Priester hörte ich auf dein Lande sprechen, was braucht das dumme Volk zu verstehen,, was wir da herunterplappern, gerade ist daS heilig, was sie nicht verstehen, würden das Volk damit vertraut sein, so würde es an der Heiligkeit verlieren, Pius der IX., der groß in der Geschichte dasteht, sucht dahin zu arbeiten , die Beichte abzuschaffen. Der Stuhl Petri hat kein einziges Kir- chen-Oberhaup't dieser Größe aufzuweisen, wie es an dem gegenwärtigen auszuweisen hat, als Gregor der XVI. in das Reich der Schatten hinüberging, batte der diplomatische Metternich, der in England mit Guizot Zeitungen schreibt, den FürsK Erzbischof und Cardinal Schwarzenberg von Salzburg nach Rom entsendet, und damit die Wahl auf Cardinal Micara falle , allein zu spät angelangt. Maßai Feretti wnrde scholl als sichtbares Oberhaupt der Kirche publicirt, die Umwälzungen, die bei seinem Antritte geschahen, haben wir lediglich einem Pius derzeitig zu verdanken, er trat auch energisch aus; auch hatte man auf so vielfache Art nach seinem Leben gestrebt, und dennoch stand er unter dem Schutze dessen, der bei unserem ersten Athemzuge war und auch bei unserem letzten Seufzer sein wird. Schölle und edle Handlungen weisen die Römer ihm nach, die zu weitläufig wären, hier aufzuzeichnen und in ein näheres Detail einzugehen, möge er siegreich hervorgehen, man suchte ihn schon in verschiedenen Flugschriften in Staub zu treten, er bleibt, aber dennoch der Eckstein, wo alles Niedrige abprellt; sein Handeln wird nur zu wenig verstanden, daher die Kabalen. Die schwarz-gelbe Wiener Zeitung. Diese Zeitung, die ohnedem dem Publikum eine magere Kost auftischt, und damit die Verdauungswerkzeuge nicht aus ihrem gewöhnlichen Takte kommen, hat den 17. Juli 1848 einen falschen Bericht in der Reichs- sitzungsverfammlung abgegeben, die allfogleich wiederrufen werden mußte, dies war ja vorauSzusetzen, warum ließ sie sich derlei kranke Geschichten zu Schulden kommen. Kann auf einem solchen bedeutungsvollen Orte die Frist nicht mit etwas Passenderem verwendet werden??? es soll jede Störung vermieden werden, und nicht Gefahr zu laufen, profanisirt zu werden, vixit! Etwas ganz Neues, was wir erst bekommen haben. Nachdem wenige Tage vor der Eröffnung des Reichstages und nach vorausgegangenem Verbrüderungsfesie in dem Regiments Mengen Cuirassiere, gegenwärtig in Simmering stationirt, (ein sächsischer 1 7jähriger Junker) am 13 . März 1848 in der Eigenschaft als Cadet ein- getreten, und in dem Monate Juli 1848 schon als Lieutenant avancirte, so möge der Herr Oberst dessen besondere Verdienste anzeigen, indem, so weit uns bekannt, dieselben nur in einem Patrouillendienst am 13 . März 1848, wo flinker v. Dchauroth aus unbewaffnetes Volk eingehauen zu haben sich rühmte, bestehen möchten, und in der jetzigen Zeit nur dem wirklichen (nicht scheinbaren) Verdienste eine solche Auszeichnung zuerkannt werden kann. Für die reine Wahrheit bürgt ein ehrenwerther hier domicilirender Mann. Pre;s des Blattes 1 kr. EM. - Sollte Jemand etwas einzurücken geneigt sein, so bittet man es unter Adresse des Redakteurs, Leopoldstadt, Ferdinandsgüsse 634 , abzugeben. Schnellpressendruck von I. Stöckholzer v. Hirschfeld.