wiener 8taä1 Lidliolhek W^WW Grammatisch-kritisches der Hochdeutschen Mundart/ mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten, besonders aber der Oberdeutschen, von Johann Christoph Adelung, Churfürstl. Sachs. Hofrathe und Ober.Bibliothekar. Mik D. W. S o l L a u's B e y t räg en, revidirt und berichtiget von Franz Xaver Schönberger, Dockor der ftcyen Künste und Philosophie, öffcntl. ordentst Professor der Beredsamkeit und Griechischen Sprache, Subdirector des k. k. Convictes. . - ^ « Dritter Theil, von M—Ser. W i e n, verlegt b e y B. PH. Bauer. r 8 ^ t. M - - öerdreyzehente Buchstab des Deutschen Alphabetes, welcher der dritte unter den Lippenbuchstaben ist, und entstehet, wenn bey einer gelinden Ausstoßung des Hauches die Lippen geschlossen werden. Wegen dieses leichten und sehr einfachen Lautes ist er auch einer von den so genannten flüssige»/ welche bey den Lateinern auch Zalb - vocale genannt wurden. Als ein solcher nimmt er auch, wenn er einen gedehnten Vocal vor sich hat, oft ein h an, lahm, zahm, nehmen, wie schon bep dem Buchstaben Z mit mehrerm bemerket worden. Viele Wortforscher schließen das m von der Reihe der Stamm- kuchstaben aus. Unter gehörigen Einschränkungeit haben sie nicht Unrecht; denn der elgenthumliche Laut, welchen das m ausdrückt, ist in der Natur nicht allemahl so bestimmt vorhanden , daß ihn nicht auch die andern Lippenbuchstaben fast eben so genau sollten susdrucken können. Daher kommen denn auch so wohl in der Deutschen als i» anders Sprachen so häufigeVtrwechftlungen der Lippenbuchstaben. Schlaff, lahm, Schlamm, Schleim, ingleichen greifen, krapfcn/Krampe, krumm, sind genau mit einander verwandt, fo wie Griebe und Krume. Der Wachholder heißt im Nieders. Machandel. Für das alte MnuZov ist -etzt Wange üblich, und Dampf, Luft, vielleicht auch taub und dumm, stampfen und stapfen, schlappen und schlampen stammen aus Einer Quelle her, hundert anderer zu geschwcigen. Um deßwillcn wird es auch andernLippenbuchstaben gern müßig vorge- fttzct. Unser Hufe lautet im Schwedischen klump, und für k!o- burius fittdetmanim mittlcrnLat. auch klombärius; so wie manche Mundarten dem m gern ein b oder p nachschleichcn lassen, oder vielmehr das letzte von mm in b oder p verwandeln, wie Lamb für Lamm, krnmp für krrnnm, krümpen für krümmen. Man darfsich daher bey Aufsuchung des Stammes nicht so ängstlich an diesen Buchstaben binden, daß man ihm nicht, wo es nöthig ist, einen jeden andcrnLippenbüchstabcn Mt? »nter^chi-khen können, Adel. B. W. Z. Th.-.Aust, Mach So würde man z. B. fehl gehen, wenn man kep Aufsuchung des Stammes des Wortes hemmen ängstlich an dem m kleben bleiben und es zn Zimmel, Zumpe oder andern ähnlichen Wörtern rechnen wollte; indem die wahre Abstammung in dem Worte heften oder haben zu suchen ist, so wie Zumpe und Rumpf auf Kopf, Kufe u. s. f. zurück geführrt werden müssen. Ich habe gesagt, daß der eigenthürnlichc Laut, welchen das m ausdruckt, in der Natur nicht allemahl so bestimmt vorhanden ist, daß ihn nicht auch die übrigen Lippenbuchstaben sollten ansdrncken können. Zn den Fällen, wo er cs ist, gehören z. B. die Laute, welche durch die Wörter hemmen, summen , brnmmen, mrlm- meln, ausgedruckt werden , welche kein anderer Lippenlaut so bestimmt bezeichnet, daher in denselben das m allerdings ein Stammbuchstab ist. M^crl, Maar u. s. s. S. in Mahl, Mahr. Maass, S. Maß. Maccüwnrsch, S. in Makrone. Die Mache, plur. car. ein von dem folgenden Zertworte nur irr den niedrigen Sprecharten übliches Wort, r) Das Machen, d. i. der Zustand, da man ein Ding zur Wirklichkeit bringt. Ein Kleid in die Mache nehmen, ansangen daran zu arbeiten. Der Scbnh ist noch in der Mache. 2) Figürlich, doch eben fo niedrig. Jemanden in der Mache haben, ihm mit Hieben, mit Schlägen, mit Verweisen oder Spötterepcn Zusehen. Mächen, vsrd. rsA. Lct. und in einigen Fällen auch da > es denn das Hülfswort haben erfordert. Es bedeutete, I. Ursprünglich und eigentlich allen: Ansehen nach, bewegen, da cs denn mir dem einfachen wegen Eines Stammes zu ftyu scheinet, indem w und m als Buchstaben eines und eben desselben Sprachwerkzeuges sehr oftssür einander gesetzt werden. Von dieser größten Theils veralteten Bedeutung sind nur noch einige wenige Überreste erhalten worden, wohin folgende Bedeutungen gehören. A r.De« X Z Mach r. Den Ort verändern, als ein Reciproeum, für sich bege- Scn - in einigen R. A. des gemeinen Lebens und mit dem Nebenbegriffe einiger Geschwindigkeit. Sich davon machen, oder sich fort machen, sich hurtig weg begeben. Sich aus dem Staube machen. Sich auf den Weg machen, sich aufden Weg begeben. Sich auf die Flucht machen. Sich auf die Seite machen. Sich über etwas machen, sich darüber her machen, auch figürlich, einen ernstlichen Anfang damit machen. Sich von dem Berge hinab machen, wie kannst du dich so nahe zu mw machen? Sich «niemanden machen,figürlich, so wohlchnau- greifen, als auch sich, an ihn wenden. So bald es morgen früh nervr tagt, So will ich mich dahin machen, Theuerd. Kap. 47 . 2. Eine Bewegung, und in weiterer Bedeutung, eine Handlung, eine Veränderung beschleunigen; im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart, und als ei« Neutrum. Mach fort! eile dich! Mache doch ! Mache, daß du bald wieder kommst. Ja, macht doch nur und geht. So machen sie denn, daß rvir forckommen. Wenn sie es sagen wollen, so machen s!e, sonst gehe ich, Gell. II. In gewöhnlicherer und weiterer Bedeutung, handeln, wirken, Veränderungen hervor bringen, zunächst von körperlicher^ dann aber auch von unkörperlichen Beranderungelt. r. Absolute, ohne ausdrückliche Meldung der Veränderung; nur in einigen Arten des Ausdruckes. Mache es mit uns wie dies gefällt-, Nicht. 10, i Z. Der Herr wirds wohl machen, H)s. 3 7 ^ 7 - Was machen sie? Laß ihn nur machen. Man kann ihm nichts recht machen. Machen sie mit mir, was sie rvollen. Damit kann ich nichts machen, damit ist nichts zu machen. So machen es alle die, weiche kein gut Gewissen haben. Schon zwey Mahl hast du wirs fast eben so gemacht. Sie machen es darnach, daß man ihnen so begegnen muß. was mach' ich ? soll ich zu ihm gehend was macht euer Bruder ? figürlich , iu der vertraulichen Sprcchart, wie befindet er sich ? Ich wollte nur sehen, was der Rranke macht, wie er sich befindet. Er wird cs nicht lange mehr machen, sagt man im gemeinen Leben vsu jemanden, der bald aufhöreu wird in einer Sache wirksam zu seyn, iuglcichen., der bald aufhören wirk zu leben. s. Mit ausdrücklicher Meldung der Wirkung. i) Eigentlich. (a) Ein Werk hervor bringen, einem Dinge dieWirk- lichkeit geben, es sey nun ein körperliches oder unkö'rperlichcs Ding. Gott hat Himmel und Erde gemacht, r Mos. 2, 4« Gott machte den Menschen aus einem Erdenkloße, Kap. 2, 7« Mache uns Götter, 2 Mos. z-, wie groß ist der, dev dich (Sonne) gemacht! Weiße. Der wein ist für freudige Herzen gemacht, Cron. Der Schneider macht ein Rleid, der Uhrmacher eine Uhr, der Schuster einen Schuh, der Tischler einen Tisch, der Schmid ein Hufeisen, die Nähterinn ein Semd u.s.f. Gold aus Bley machen. Verse machen, ein Schicht machen, eine Rede, eine Predigt machen , sie ausarbriten. Rase, Butter machen. Feuer machen. Einem Platz machen, ihm Raum verschaffen. Einem eine Beschreibung von etwas machen. Einem die Rechnung machen. Zwey Mahl zwey macht vier. Sich auf etwas Rechnung machen, figürlich, cs zu bekommen hoffen. Groß Aufhebens , viel Rühmens von etwas machen. Lärm machen. EinGeschrey machen. Einwürfe gegen etwas machen. Sich einen Begriffvon etwas machen. Ein Gesetz machen. Ein Zeichen machen- Mach 4 Da das Zeitwort machen nicht iu allen den Fällen üblich ist, wo etwas, besonders aber eiu körperliches Ding, zur Wirklichkeit gebracht wird, so haben verschiedene Sprachforscher Regeln zu geben gesucht, in welchen mau dasselbe brauchen könne oder nicht. Al» sein sie sind Heils falsch, Heils reichen sie nicht hin. Am bester, Hut man, wenn man diese Fälle bloß aus dem Gebrauche erlernet. Machen ist ciu schr allgemeines Wort, welches eigentlich sich bewegen, und,figürlich durch eine Bewegung hervor bringen bedeutet. Da die Art und Weise der Hervvrbringung so sehr verschieden ist, so sind in sehr vielen Faller, besondere Zeitwörter eingefiihrer, welche diese Art und Weise näher bestimmen. So sagt mau nicht, ein . Haus machen, sondern bauen, nichteinen Garten machen, sondern anlegen, nicht Erz machen, sondern schmelzen,, nicht Lichter machen, sondern ziehen, nicht eine Glocke machen, sonders Hießen u. s. s. Das allgemeinere Zeitwort machen ist daher nur für diejenigen Fälle aufbehalteu, welche kein besonderes Worther- Lcbracht haben,, und diese Fälle lassen sich nicht durch Regeln, sondern bloß aus dem Gebrauche lernen. Indessen gibt es Fälle, wo so wohl das allgemeine machen, als auch ein eigenes Zeitwort «blich ist. Ein Buch machen, jnglcichen es schreiben. In einigen Fälle« ist ein gemachtes Ding so viel als ein nachgemachtes oder unechtes, im Gegensätze des natürlichen und echten. Ein gemachter Demant. Gemachtes Gold. Eingemachterwein. Zn andern wird cs elliptisch von gewissen btssonbern Arten der Hervorbringuug gebraucht, Etwas machen, im gemeinen Lebern seine Nothdnrft verrichten; das Rind hat nichts gemacht. Da» gemachte Neue ist bey den Jägern der frisch gefallene Schnee, (S-Neu.) Holz machen, d. i. es hacken, klein machen. (b) In weiterer Bedeutung ein Verhält,riß, eine Veränderung hervor bringen, die wirkende oder bewegende Ursache einer Veränderung seyn; gleichfalls aufciueschr allgemeine und unbestimmte Art. Die Universitäten machen Doctoros. Jemanden zum Doctor, zum Rovige, zum Vormund, zum geheimen Rach, zum Profcssormachen, ihn dazu ernennen, erklären. Jemanden zum Sclaven, zum Rnechte, zum Gefangenes machen. Ein Land zur Wüste machen. Eine Grafschaft einem Fürstenchume machen, viele Schulden machen. Tomplimente machen. Einem ein Tomplimcnt machen. Einen versuch, eine Probe machen, austellen. Er will aus seinem Sohne einen Raufmann machen. EinBündniß mit jemanden machen. Friede machen, so wehl die wirkende oder bewegende Ursache desselben seyn, als auch ihn schließen, als handelnde Ursache. Sich jemanden zum Freunde, zum Feinde machen. Jemanden ein saures Gesicht, eine finstere Miene machen. Anstalt zu etwas machen. Das macht bey ihm keinen Eindruck. Sich allerley Gedanken machen. Machen sie sich keine Sorgen, keinen Rümmer, keine Unruhe. Sich ein Bedenken machen. Einem Hoffnung machen. Machen sie ihm doch die Freude. Einem Verdruß, Noth machen. Sic haben mir tausend vergnügte Stunden gemacht, wir wollen uns einen Spaß, eine Lust machen. Bekanntschaft, Freund-^ schaft mit jemanden machen. Einem allerley Vorwürfe machen. - Den Anfang machen, den Anfang mit etwas machen. Der Sache ein Ende machen. Einem Lust zu essen machen. Machen sie doch keine Umstande mit ihm. Große Augen machen. Einem Ehre, Schapde machen. Ernst machen, zeigen, daß es Ernst ist. Eine Entdeckung machen. Feierabend machen, Schicht machen, aufhöreu zu arbeiten. Jemanden zum Gelächter machen. Sich etwas zur Pflicht machen. Bank machen, im Hasardspiele. Etwas zu Gelde machen, es verkaufen. Jemandes Glück machen, dessen Ursache seyn. Er § Mach hat sein Glück gemacht, er ist glücklich geworden. Sich ein Gewissen aus etwas machen. Einer Sache Luft machen. Mit einem gemeine Sache machen. So auch mit Nebenwörrern. Ein Gefäß rein machen, es reinigen. Etwas, das los oder locker ist, fest machen, es befestigen. Jemanden arm, reich, krank, gesund machen. Sich beliebt, verhaßt machen. Etwas großer, kleiner machen. Einen Gefangenen frey machen, ihn befreyen. Sich naß, schmutzig machen. Einen andern unruhig, lustig, verdrießlich, aufgeräumt, treuherzig, weichmüthig, stolz machen. Das macht mein Unglück vollkommen. Sich nothwendig machen. Einem andern etwas weiß machen (S, Weiß.) Such bezahlt machen. Alles rückgängig machen. Etwas lächerlich machen. Einem das Leben sauer, das Herz schwer, den Ropf warm machen. Einem etwas deutlich machen. Eine Arbeit fertig machen. Sich einer Sache würdig machen» Machen sie es fein kurz. Etwas ausfundig machen. Sich mit jemanden gemein machen. Jemanden herunter machen, rm gemeinen Leben, ihn wacker ausschelten. Ingleichen mit dem Bindeworre daß. Machen sie, daß er Kommt, werden sie Ursache, veranstalten sie es.? Machen sie nur, daß ich artiger und muntrer werde, Gell. Sie machen, daß man das Glück und die Liebe erst recht hoch schätzt, ebcnd. Machen sie, daß wir ihnen heute noch gratulrrsn müssen, rbend. Wie machen wir es , daß wir ihn fangen 2 Biele gebrauchen es auch mit dem blossen Infinitive des andern Zeitwortes, verstricht sey, wer einen Blinden irren macht auf dem Wege, L Mos. 27, ,8. Weil du die Femde des Herrn hast lästern gemacht? 2 Sam. 12, 14. Der da hat Israel sündigen gemacht, 1 Kim. 14, > 6 . Du ließest mich, entschlafen und machtest mich leben. Es. Z 8, 16. Ein Schatten macht uns oft zittern, Mosheim. Jemanden lachen machen, wofür auch zu lachen machen üblich ist. EinoLicbe, die uns alle vortheilc unscrs Eigennutzes vergessen macht» Man tadelt dieseWortfügung; aber allem Ansehennach ohneNoth» Paß sie sehr altist, erhellet aus dem Französischen , wo das Zeitworts faire auf ähnlicheArt, aber in einem noch viel weitermUm- fange gebraucht wird. Wenigstens ist sie erträglicher, als die-mit LemMittelworte: der Herr macht die Blinden sehend, Ps. r 46,8» In einigen, aber vielleicht nuravenigenFällen, ist auch der Infinitiv mit dem Wörtchen zu eing'.führet. Sich etwas zw thun machen. Das har mir viel zu schaffen gemacht. Die wirkende Ursache braucht nicht eben ein verständiges Wesen zu scyn, wie einige behaupten. Das Ze twort machen bat eine so allgemeine Bedenruirg, dass es auch von allen leblosen Dingen gebraucht werden kann. Die Sonne macht das Wachs weich. Sorgen macht vor der Zeit alt. Aufrichtige Reue macht alles wieder gut. Geschwefelter Wein macht den Ropf dumm» Salzige Speisen machen Durst. Das macht Äopjwch. Das macht, weil er arm ist Das macht dom Unbestand. Die- Bescheide: heir machte , daß sie nirück w-ch. So zahlre-ch mm auch, wie zum Thcil schon aus dem vorigen erhellet, die Fälle sind, in welcher» dieses Zeitwort in der Bedeutung der Hervorbringiuig oder Verursachung einer Veränderung: gebraucht werden kann , so sind sie doch auch nicht ohne alle Einschränkung und man muss auch hi- c denGebrauch nicht aus dmAn- gen si tzru In der vertraulichen Spwcharr sage mau zwar ein Spie chen machen, und im gemeinen L-ben, ewen Schnapps machen, ab, r recht, einenLru k machen, sondern chui,,.iiichl,G ttes, Bofts Su: de, Wunder machen, sondern thun, nicht, den Angriff machen, einen Einfall in ein Land machen, sondern thun, nicht, einem Vorstellung machen, sondern chun, Hin- Mach 6 gegen sind in manchen Fällen kepde Zeitwörter üblich. Einem einen Antrag machen und thun, kunö machen und kund thun? eine Reise machen und thun. In andern Fällen kann man andere Zeitwörter unterschieben. Ich habe diese traurigeErfah- rung schon oft gemacht, oder gehabt. Einen versuch macherr und anstellen. Hochzeit machen und halten. Seinem Sohne Hochzeit machen und ausrichten. 2) Figürlich, (a) Zubereiten, zu einer gewissen Absicht tüchtig, geschickt machen; gemeiniglich nur im gemeinen Leben, »- d m einigen Fällen. Das Bett machen. Holz machen, d. i. es klein machen, es hacken, es zum Verbrennen zubereiten. Thee, Raffeh machen. DasEssenmachen, es zubereitcn. (b> Vers mögen erwerben, verdienen. Er hat sich viel bey dieser Sachegemacht. Er weiß sich bey allem etwas zu wachen. Dabep- rst nichts zu machen, nichts zu gewinnen, (c) Sie machen es gar zu gefährlich, D Men es sehr gefährlich vor, geben es für sehr gefährlich aus. Er ist so arm nicht, als ihn die Lenre machen. Er macht sich sehr arm, stellt sich sehr arm. Emen, die Gefahr geringe machen, ihn überreden wollen, daß die Gr. fahr mir geringe sey. Einem etwas leicht, schwer machen, s» verstellen. Ich weiß nicht, was ich daraus machen soll, was ich davon denken, mir davon vorstellen soll. Emem ein ver- brechen aus etwas machen, es ihm als ein Verbrechen auslegeu. Jemanden zum Retzer machen, ihn dafür erklären, ch) Den Schauspieler macht den Lasar, wenn er dessen Person vorstellek. Seine Rolle gut, schlecht machen. Er macht in diesem Hause den Narren, stellet ihn vor, gibt einer, Narren ab. Da win de ich eine sehr alberne Figur machen, vorstellen. se) Ich mache mir nichts daraus, ich achte es nicht, rnel aus eurer Sa^e machen, sie hoch schätzen, sie achten, viel aus einer persi rr machen. Es wird wenig daraus gemacht, man acht, t cs nicht groß, (s) Bey den Jägern macht oder zeigt der Hirsch einen grttenFuß, wenn er erneu guten Fuß bat. Der Hirsch hat eben daselbst wenig oder viel gemacht, wenn er ein Gehörn von wenig oder viel Enden aufgesetzt, d.r. bekommen hat. Zu den Zusaiu- Weusetzlliigm kommen noch andere Bedeutungen vor. Das Hauptwort, dieMachung, ist von dem einfachen Zeitworts nicht üblich. In einigen Fällen kann man den Infinitiv als ein Hauptwort gebrauchen, in andern aber muss man seine Zuflucht zu andern Ausdrücken nehme«?' Anm. Schon ben dem Dttfried rnackion, Aimacliov, im Nie- ders. makcn, im Engl. to Maks, im Angels. maoao,imSchwed. ma' a, im Griech. wieder imeristven oder iterativenEndung een, pwxLkio, Down auch das einfachere in der Dorischen Meu.e < 1 - n gehöret. Es ist sehr wahrscheinlich, dass cs mit den, La., n.o. ^ r< zu dem Geschlechte des Wortes wegen- bewegen, gehöret, weil m imd w mehrmahls mit ejnander a b wechseln. Alsdann würde auch die Verwandtschaft mit dem Lat. facsre begreiflich ftvn, indem das s so gut ein mit dem m verwandter Lip- perrbuchstab :st als w. S. Mähen, Fachen und Fackeln. Der Mattier, des — s, plur. ui. NOM. stnA. Fämin. die Macherinn, rin Person, welche etwas macht; doch nur in den Zusammensetzungen Gcldmacher, Uhrmacher, Hmmacher, Ranunmacher, BriUei.macher, Harnischmacher, Rnopfmacher, Zeuumacher. R.tzermacher u.s.f. Ber-dem Notker istiVIacka- r,, dir Urheber. Dü placherey, plur.die—en, das Machen, ohne Plural, rn- gl^.cheit das gemachte Werk, dieArbei't; beydes nur im gemeinen Lebrri u. d im verächtl chcn Verstände. Das ist. eine elende- Macherep. So auch in einigen Zusammensetzungen,die Gold- machn 'p, für düs Goldmacher!, die Retzexmsicherey, die Ment- ^ Mach sicher-? y. s. f. R.'cbers. Makerije. Von örk ö^r ber Akl'ri- ^ungssylbe ep emgeschobenen ^>ylbe er, V. -. — Ep l. 3- Das Macherlohn, des — es, plur. Inus. der Lohn, welchen man einem andern für das Machen, d. i. für die Hcrvorbringnug Wittes Weckes, -und figürlich auch für die Verursachung einer Veränderung bezahlet. Gemeiniglich nur in solchen Fällen, wo man Len Lobn nicht tageweise, sondern stückweise bezahlet, ingleichcn von der Arbeit, besonders der Handarbeit allein, mitAnsschließuug der zu dem Werke nöthigen Materialien. So bekommen der Schneider für die Verfertigung eines Kleides, und andere Hand- Werker für die Verfertigung anderer Arbeiten Macherlohn. Ich» - null ihnen das Macherlohn doppelt bezahlen, Gell. Im Oberdeutschen der Macherlohn, (S. Lohn.) Es ist unmittelbar von dem Hznptworte Macher gebildet, wie man auch sagt Gchneider- kohn, A'rb -rerlohn, Tischlerlohn u. s. s. Von demZeitworte wachen müßte cs Machlshn heißen. 5 *Die Macht, plur. die-Machte, ein ungewöhnliches Wort, einen Schleyer zu bezeichnen, welches nur i Cor. n, ro vorkommt. Darum soll das Weib eine Macht auf dem Haupte haben um der Engel willen. Obgleich Luther das DeutsckeWorl nach dem Muster des im Grundtexte befindlichen Gricch. r'^vs-t-e gewähret hat, so finden fich doch Spuren, daß diese Wayl nicht ganz willkührlich gewesen, ob mir glcich der Deutsche Ausdruck m dieser oder einer ähnlichen Bedeutung noch nicht vorgekommen ist; weil man es sonst leicht von dem Lat. ainietus herleiten könnte. Am mittler» Lat. kommt Nukors, IVluuors , und im Mittlern Griech.,r«Po§lün. die Mägde. 1. Überhaupt, e>u jedes junges nuverheirachnes Frauenzimmer. Eines Ma nes Weg an einer Mg), L p eich w. zo, 19. Lein Nabme ist eine aiisgeschut^e Saide, darr.m iieve!: dich die Mägde, Hohcl. » , Z. wie ste noch eie.c Magd ist -n ihres Vaters Zause, 4 Mos. zo, »7, Bey oei>. Schwäoische» Dichter» kvkri'mr Nagel in dieser Bedeutung häufig vor. ^4 iZ Mag "- Im Hochdeutschen ist es in diesem Verstaube völlig veraltet, in welchem sich nur noch dasDiimnntivum im gcmeinenLeben und -er vertraulichen Sprechart erhalten hat. Dieses Diminut. lautet im Oberdeutschen und i» der höher« Schreibart derHochdeutschcn Mägdlein, in der vertraulichen Sprcchart derHochdeutschcn aber mit Ausstoßung des g, Mädchen, und im Oberd. Mädel, im Niederst Mädcken und zusammen gezogen Maken. Man gebrauchtes daselbst in dervertranlichenSprechart von allen jungen unverheiratheten Frauenspersonen, von der Geburt an bis gegen das dreyßigste Jahr ihres Alters. Die Frau ist mit einem Mädchen niedergekommen, im Gegensätze eines Rnäbchens. Weichet, denn das Mägdlein ist nicht todt, sondern es schlaft, Matth. 9, 24. Ein junges, ein artiges Mädchen. Bald wird ein Mädchen hier den Pfad Vorüber gehn, Geßn. Dir schmückt das fromme Mädchen flch Bey seinem Morgcnliede, Raml. Da dieses Wort eine Person weiblichen Geschlechtes bedeutet, so pflegt man auchzuweilen wohl das folgende Pronomen im weiblichen Geschlecht«: zu fetzen. Sie ist ein recht artiges Mädchen, die (für das oder welches) von den meisten Fehlern unscrs Geschlechtes frey ist. Gell. Das mehr Oberdeutsche besonders SchlestscheMä'dcl ist in der vertraulichen Sprechart derHochdeut- schen auch nicht selten: Sie sind ein gefährliches Mädel, Gell. Gottsched wollte das HochdeutschcMädchen aus einer nnnöthigen Genauigkeit schlechterdings Magdchcn gesprochen und geschrieben wissen. Allein, zu geschweige», daß die allgemeine Aussprache dawider streitet, so wird aus der Anmerkung erhellen, daß das Wort Magd invielen andern Sprachen und Mundarten nur Mad lautet. Mädchen ist, wie alle Hochdeutsche Diminutiva, zunächst aus dem Niedersächstschen entlehnet, in welcher Mundart dieses Wort ohne g Maid laittet. Wo man kein Recht zur Vertraulichkeit hat, sondern mit Achtung von einer jungen weiblichen Person spricht, da bedienet man sich lieber des allgemeiner« Ausdruckes Frauenzimmer, oder junges Frauenzimmer. Von adeligcnPer- fönen ist das Wort Fräulein, von gräflichen junge Grafinn und von fürstlichen Prinzessin» üblich. 2. In einigen enger» Bedeutungen, i) *Eine Jungfrau, eine Person weiblichen Geschlechtes, welche noch von keiner männlichen fleischlich erkannt worden; eine imHochdeutschen veraltercBe- deutung,in welcher dasWortMagd ehedem sehr häufig üblich war. Ottfried und seineNachfolger nennen die JungfrauMaria beständig j>lAZL<1,Magd,welchenNahmett sie noch in dem altenKirchen- liedc: Lhristum sollen wir loben, führet. Alsbald die Magd die englisch Botschaft erhört, Buch Belial von 1472. In dem Thenerdanke wird die Prinzejsinnmehrmahls die edle Magd, die edle -Meyd genannt. 2) Eine gemeiniglich unverheirathete, oft aber auch verheirathete weibliche Person, welche sich zu geringen häuslichen Diensten aufeine gewisse Zeit vermischet, die Dienst- magdzeine solchePecson männlichenGeschlechtcs heißt einRnecht. Sich als Magd vermiethen. Die Hausmsgd, Obersachsen diejungcMagd oder Iuygemagd, die Viehmagd, Rüchen- magd, Scheuermagd, Rindermagd, Bauermagd u. s. f. Ehedem bedeutete es auch eine leibeigene Person weiblichen Geschlech- ' tes,.ingleichen eine Sclavinn. Ihr werdet daselbst.euren Feinden zu Rnechren und Mägden verkauft werden, z Mos.s 8,68 ; in wclcherBedeutung es aber veraltet ist. Indessen pflegen sich noch weibliche Personen, sie seyen verheirathet oder nicht, an sehr vornehme Personen mit unterchänigste Magd zu unterschreiben. Das Diminutivum ist in dieser Bedeutung nicht üblich. Denn ob man gleich äausmadchm, Rindermädchen, Dienstmädchen u° s. f. sagt, so tritt es alsdann doch i« die vorige allgemeinere Bedeutung einer jungen ledigen Weibespersvn wieder zurück. Rag Anm. Bey dem Ulphilas schon iVlLZLlli, im Isidor undbey dem Ottfried iVluZack, bey dem Willeram. iVluFsck, im Tatian und bey den Schwäbischen Dichtern im Diminut. iVl^ZUtin, im gemeinen Leben der Hoch - und Oberdeutschen Mad, im Niedees. Maid, im Angelsächsischen und Englischen gleichfalls iVlurc!, im Lettischen o/Ieitu; alle in der Bedeutung so wohl einer Jungftau, als auch einer jungen weiblichen Person. Es stammet ohneZwcifek von dem veralteten Mag, Mage, bey dem Ulphilas ein Kind, her, (S. Mage,) von welchem vermittelst der Ableitungs» svlbe ach, et, unser Magach , Maget, zusammen g'zogen ^ Magd, ein Kind weiblichen Geschlechtes, geb ldet worden. In der Bedeutung einer Leibeigenen oder zum Dienen verpflichteten Person-scheinet es jünger zu ftyn; indessen kommtes in derselbe« doch schon im Schwabenspiegct vor. Dieser Begriffdcs Dienstes fließt ganz natürlich aus dem Begriffe der Jugend, daher R recht, Junge,Rnappe,Dirnen, s.s. gleichfalls in beyden Bedeurnn- gen Vorkommen. DasSchwed.undAngels. Island. (das Stammwort von dem Lat.kuer n!ldkue1lu)bedeutet gleichfalls so wohl ein Mädchen, als eine Magd. MitandernAblei- snngssylben gehören zudem Geschlechte des Wortes Magd auch das Schweb. iVIÜ, ehedem iVloj, Jsländ. Dä»r. Mae, Schottländ. ALuij, bey dem UlphilasiVlLvi, im Dimmut. bckuvrlo, Angels. IVIsvola, ingleichen das Jsländ. Uusr, im Wallis. IVIsrck, im Griech.^rr^stm Alt-Preuß:schen!Vl erZus, (S. Mahre,) welche gleichfalls so wohl eine Jungfer als auch ein Mädchen bedeuten. In dem -48z gedruckten Buche der Natur -bedeutet Mager einen Castraten. Ein Mann, dev ein maget ist von Jugend auf, -er hat nicht Bartes. Wo cs aber von mähen, schneiden, verschneiden, gebildet zu seyn scheinet, S. dasselbe. Magdalena, ein weiblicher VornahmeJüdischenUrsprunges, welcher ans dem neuen Testamente entlehnet ist, und eigentlich eine weibliche Person bedeutet, welche aus der Stadt Magdala im Jüdischen Lande gebürtig ist,in wclchemVerstande cs einZunahms einer gewissen Maria war. Im gemeinen Leben wird dieser Nähme in-Lehne, Diminut. Lehnchen, Oberd. Lehner! verkürzt. Der Mägdebaum, des—es, plur. die— bäume, in einigen Gegenden, ein Nähme des Gadcbaumes,ssuniperu8 Zubirur l>. -weil boshafte unverheirathete weibliche Personen Gn häufig zur Abtreibung der Leibesfrucht mißbrauchen, daher er anch Rmder- mord genannt wird. Das Mägdebein, des—.-es, plur. die—e, S. Läkft. Die Mägdeblume, plur. die — n, in einigen Gegenden, ein Nähme der Kamille, vielleicht vornehmlich derjenigen Art, welche am häustgstenMutterkrant, an einigen Orten aber auch Nägde- ^pant genannt wird; Nulricaria OüamoniülL l-,. Das Mägdegut, des—es, plur. die—gitwr, eine Art lehn- barerGüter in den gräflich Rcußischcn Herrschaften, besonders in .dem Amte Gera, welche die Eigenschaft haben, daß, wenn eine Person aus solchen Gütern heirathet, sie wieder in Lehen genommen werden müsse». Wenn aber eine Manns-oder Weibesper- son wider das sechste Geboth sündiget,so fallen sie demLchenherre» anheim. Von Magd, so ssern cs ehedem eine unverletzte Jungfrau bedeutete. DasMä'yöekraut, des—es, plür. !ous. S. Mägdeblume. Das Mägdlein, des — s, plur. ut nom.lrnA. S. Magd t. Daher die Mägdleinschule, Hochdeutsch Mädchenschule, in welcher junge Mädchen unterrichtet werde». Das Magdthum, des—es, plur. inus. ein im Hochdeutsche« veraltetes Wort den unverheicathetenStand einer jungenWeibes- persoil zu bezeichnen. Es kommt noch 4 Mos. zo, 4 vor. Ein Weibsbild, das in ihres Vaters Lauft u«d im Magdtbrrm ist. In Ja engerer Bedeutung für Jungfrauschaft kommt^la^ätlneiti, im Tatian, und KlLZatbsi Hey dem Ulphilas vor; Angels. l^LS- äsulieick, Engl.^aicksllliLLck. *DerMaye, des—s, plur. die —e, oder der Magen, tzcs—s, plur. urriom. bvA. ein im Hochdeutschen veraltetes Wort, welches ehedem, r. Überhaupt einen jedeuVerwandten und besonders einen Blutsverwandten bedeutet. Zorn Icüeläet: Lruiur ariä rnaZS §uot, der Burggr. von Rietenburg. Daher bedeutete Gchwertmagen oder Vatcrmagen ehedem eiucu Verwandten von väterlicher Seite, wie Spilmagen (eigentlichLGpin- öelmagen) oder Muttertagen einen Verwandten von mütterlicher Seite. DK Magschaft, die Verwandtschaft. iVlLZekebakt ili ckre^erle^: eine lrumpbvon Zedurt, ckieLuäervoa L^aAeriLtiskt,6ie är'Uls von Asvarrerl'eliLktstn derGlosse Zum Sachsenspiegel. Die Magzahl, Rieders. Machtale, bedeutete daher die Grade der Verwandtschaft. Dieses Wort kommt jetzt nur noch in einigen Niedersächsischcn -Gegenden vor, wo es Mage, lautet, einen Verwandten oder Blutsfreund zu bezeichnen. Schwed.IVlKZ, Angels. Maeß. ^.ltmLZa sind im Laüan die Vorfahren. 2. In engerer Bedeutung bezeichnet es ehedem, r) einen Sohn, bey dem Ulphilas d/laZuu, im Angels. MaeZ und WlÄZo, im Waüis. ^3k, bey den älter,rGchweden ^1^Z,bey,den altern Isländern i^lozur. Daher ist bey dem Ulphilas imDiniin. MsZuIa ein Knäbchcn, und ^lüumaZus ein Diener. Unser Magd stammet gleichfalls davor, her,(S. dasselbe.) 2) Den Vater odrrdieMutter, in welchemVerstandEaZas imAngelsächsischen die Altern bedeutet. Z) Einen Schwiegersohn, Angels. dckuZ, Schottl. MLickMLL, Island. Schwed.4) Einen Schwager, Schwed. Anderer Arten der Blutsfrennde zu geschweige». Anm. Wenn die allgemeine Bedeutung eines Verwandten die erste und eigentliche wäre, so wurde es ohne Zweifel von dem Zeitworte machen abstammen, und zwar, so fern dasselbe ehedem in engerer Bedeutung verbinden, zusammen machen, bedeutete, (S. Gemahl). Sollte aber die Bedeutung eures Kindes, eures Sohnes, die ursprüngliche seyn, so müßte man freylich ein anderes Stammwort für dieselb^anfsuchen. Der Magen, des—s, plur. ut uom. 6nA. im gemeinen Leben auch wohl im Plural die Mägen, in den thicrischen Körpern ein häutiger hohler Theil in Gestalt eines Sackes, welcher die Speisen aus der Speiseröhre aufnimmt, und ste verdauet, d. i. ste ju den Nahrungssaft verwandelt. Einen guten, gezünden, schwachen, kranken Magen haben. Sich den Magen überladen, ihn verderben. Vep einem leeren Magen kann stchs unmöglich zärtlich lieben, Raben. Dagegen heißt es bey dem Burggrafen von Rietenburg: 80 KlaZ ist vol so ünZ icli rvol. Auch der äußere Lheil des menschlichen Leibes, in dessen Gegend sich der Magen befiüdch wird der Magen genannt. Die meisten wiederkänenden Thiere haben einen vierfachen MagLU, indessen unterschiedenen Höhlen die Speise nach, und nach zubereitet wird. Der erste heißt der Wanst, Rieders. Pansse, welchen Nahmen aber andere dem zweytenMagen beylegen; der zrveyte wegen seurer Gestalt das Garn, die Haube, oder'die Mütze, Rieders. Hülle, der Magcnzipfel, der dritte wegen seiner vielen Faltender §al- renmagen, der Vlattermagen, der Psalter oder Salter, welchen Nahmen aber auch einige dem erstenMagcn geben,dasVuch; «nd der vierte der Zertmagcn, das Lab, der Rshdc oder Roden, oder auch der Magen in engerer Bedeutung. Anm. Bey demRabanMaurus im achtenJahrhundertMuxo, rm Tugels. im Holland. iVlneZIisstmSchwed.undJsläud. NüZL,im Zimtläud. iVlLLo, im Engl. mir Verwandelurig des Mag 46 Gaumettlaukes In den verwandten Blasclauss Na^. Da Mo«e im Rieders, noch jetzt einen Ärmel bedeutet, so scheinet der Begriff der Höhlung, des hohlen Raumes, der herrschende zu ftyn. Diezwcyte Hälfte des Griech. und Latein. StomsLbus gebäret allem Ansehen nach gleichfalls hierher. JmJtaliänische» ist klLZollLcin aufgcbläheter Magen. Die Magenaöer, plur. die—n, in der Anatomie, verschiedene Äste der Pfortader, welche durch und um den Magen gehen; VouLs ALÜrieae. Die Magenarzeyey,plur. die — en, eine jede Arzeney, welche die Verdauungskraft des Magens befördert. Der Magenbalsam, des —es, plur. doch nur vou mehrern Arten, die — e, ein Balsam, welcher von außen ans der Gegend des Magens eingerieben wird, die Verdauung zu stärken, und wozu vornehmlich das ausgepreßte Ohl der Muskatcnnüssc gebraucht wird. Das Magenbrennen, des —s, plur. inust. die Empfindung einer Hitze mit einem nagenden Schmerze in dem Magen und dessen Schlunde,welche von verdorbenen fettenSpeisen herrühret; ^.rckor liomLcbi. Der Mägenbrüch, des—es, plur. die — brnche, ein Brüch oder Vorfall'"es Magens durch die Bauch-Muskelu. Die Mayenbürsse, plur. die—n, ein jetzt ungewöhnliches chirurgisches Werkzeug, welches aus einer weichen feinen Bürste an einem bngftMien Drahte bestehet, welche durch die Speiseröhre m dciMagen gesteckeewird,den darin besindlichettSchleim ans solche Art heraus zu ziehen. Das Magendrücken, des —s, plur. iuus. die krampfigcZusam- mcnziehung des linken Magenmuiides, von einer indem Magen enthaltene» Schärfe; LarclialZiu, im gemeinen Leben oft nur die Herzensangst, wenn dadurch zugleich ein Krampf in dem benachbarten Herzen selbst erreget wird. Das Mägen - Elixier, des—cs, plur. doch nur von mehrern Arten, die—e, ein Elixier, d. i. eine flüssige aber etwas dickliche Arzcncy zur Beförderung der Verdauung,' welche aus Gewürzen oder balsamischen Kräutern und Weingeist oder süßem Wein, verfertiget wird. Die Mäyen-Essenz, plur. doch nur von mehreruArten, die—en, eine solche Essenz zur Beförderung der Verdauung. Das Magensteber, des—s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut uom. kug. ein mit abwechselnder Hitze, Frost und Kopsweh verbundenes Fieber, welches aus den im Magen verdorbenen Speisen ulldGetränken,oder aus dem daselbst gesammcltenSchlei« me entstehet. - Die Magengeschwulst, plur. irrus. eine besondere Erhöhung oder Ausdehnung des Magens von den m demselben versetzten Winden; Hxpnnüo Komaclii. Die Magenhaut, plur. die—häute, Diminnt. das Magen- Häutchen, Dberd.Magenhärrtlern, diejenigen Häute, woraus der Magen bestehet, und deren gemeiniglich drey gezählcr werden. Der Magenhusten, des— s, p1ur..doch nur von mehrern Arten, utnom. linZ. ein Husten, welcher aus dem Magen entstehet, zu welchem die nutzende Ursache in dem Magen befindlich ist; lullis llomacbalis. Der Magenkrampf, des —cs, plur. die —-krämpfe, ein Krampf, welcher den Magen zusammen ziehet, und gemeiniglich aus verdorbenen Speisen in demselben entstehet. Die Magenkrankheit, plur. die—en, eine jede Krankheit des menschlichen Körpers, welche aus einer verdorbenen Verdauung, entstehet. D er r>7 Mag Der Mayenkratzer, des —s, plur. lauf eine im gemeinen Leben übliche Benennung eines schlechten Weines, der auch nur Rrätzcr schlechthin, ingleichenBopfrcifier genannt wird. Die Mayen--Latwerge, plur. doch nur von mehrern Arten, die — n, ein aus einem Theilc Pulver und drcy Theilen Syrnp, zusammen gesetztes Arzeneymittel, die Verdauung des Magens zu stärken. Die Mägen - Mixtur, plur. doch nur von Mehrern Arten, die — en, ein aus magenstärkendenEssenzen zusammengesetztes Arzeneymittel. Der Mayenmrmö, des—es, plur. ious. die Qffnung des Magens, durch welche derselbe die Speisen und das Getränk ans der Speiseröhre empfanget, und welche auch der Magenschlrmd, das Mundloch des Magens genannt wird. Das Mayenpflaster, des—s,-plur. ulnom lluZ. ein Pflaster, welches zur Stärkung der Verdauung auf die äußere Gegend des Magens gelegt wird. Das Magenpulver, des —s, plur. ut vorn. IlnZ. ein Pulver, welches den im Magen befindlichen Schleim verzehret, oder auch die erschlafften Fibern des Magens zusammen ziehet. Der Magensaft, des — cö, plur. doch nur von Mehrern Artete, die — fast e,, ein Saft, welcher sich im Magen theils von dem hinab geschluckten Speichel, theils von dem ansquellenden Safte der Drüseu, theils auch von den übrig gebliebenen Speisen sammelt, und zur Verdauung nochwendig ist; lft^uor Aulirrous. Der Mayensckchun-, des — es, plur.iuul'. S. Magenmund. Der Mayenfchnrerz, des—ens, plur. iuuß. oder die Magcn- schmcrzen, lluZ. ruuf. Schmerzerk, odcrunanaenehme Empfindungen im Magen, welche gemeiniglich von unverdauliche» Speisen, Blähungen, Erkältung u. s. f. entstehen ; das Magenweh, im gemeinen Leben Bauchschmerzen, Bauchweh. Die Mayentropfen, !inZ. inul. eine flüssige Ärzeney, welche zur Stärkung des Magens und der Verdauung tropfenweise eingenommen wird. ' Das Mayenwasser, des — s, plur. doch nur von nrehrern Arten, ul nom.iillß. eiir mir mageristärkenden Mitteln abgezogener Branntweinder Magen - Aquavit. Das Mayenweh, des—es, plur. lauf S. Magenschmerzen. Der Mayenwein, des — es, plur. doch mir von mehrern Arten, die — e, ein feuriger kräftiger Wein, welcher die Verdauung befördert. Auch wohl ein mit allerlei/ den Magen stärkenden Mitteln versetzter Wein. Der Mayenwurm, des — es, plur. die—^Würmer, eine Art rother Würmer, welche den Pferden zuweilen in dem Magen wach sen, und sich in demselben anhängen, und von einigen Engerlinge genannt werden. Die Mayenwurst, plur. die — wurste, der in Gestalt einer Wurst und mit eben denselben Ingredienzien gefüllte Schweins-" Magen; im gemeinen Leben der Sansack. Die Mayenwurz, odevMayenwurzel, plur-inuf ein Nähme, welchen in einigen Gegenden die Zieberwnezel oder das A'rnm, ^ru m maeu luturn L. führet, weil es ein gutes Mittel in Magenkrankheiten ist. Der Mayenzipfel, des—-s, plur. ut norn. llu§. der zwsyte Magen des Rindviehes, S. Magen. DerMayer, des—s, plur. inul. bev den Gärtnern, eine Krankheit der Baume und besonders der Apfelbäume, wenn sie ritz einem zu fette» Beden allzu viele Nahrung bekommen, daher der überflüssige Saft an einem Qrte stocket, worauf den an diesem Drle sich Würmer erzeugen, daher dicseKrankheü auch der Murm genannt wird. Etwa weil der Baum Hey dieser Krankheit mager, Adcl.w.B.Z.TH. 2 .Uufl. . Mag iZ ^ L. i. dürre wird? Bey dem Pictorius ist der Mager, IrnpsüZo^ die Flechte, Schwinde, eine Art kleiner Räude. Mayer, — er, — sie, et ackv. i. Eigentlich, i) Wenig Fleisch habend, im Gegensätze des fleischig/leidig, wohlbeyLeibe, so wohl von Menschen als Thieren; von den erstern in der edlern Schreibart hager. Ein langer magerer Mann. Magere Hände, ein mageres Gesicht haben. Mager werden. Mageres Vieh. 2) Im Gegensätze des fett, wenig oder gar kein Fett habend. Mageres Fleisch. Fettes und mageres zusammen essen. 2. Figürlich. Ein mageres Land, ein magerer Boden, der wenig den Wachskhum der Pflanzen befördernde Theile har; im Gegensätze eines fetten. Eine magere Meide, welche wenig Gras, wenig Nahrung gibt. Die Saar steht sehr mager, sehr dünn, verräth die Magerkeit des Bodens. Eine magere, sparsame, Mahlzeit. Es ging bey dem Gastmahlesehr mager zu. Es sind magere Zeiten, theure, schlechte Zeiten. Ein mageres Gedicht, eine magere predigt, ein magerer Scherz, wo wenig Lehr- oder Geistreiches anzntreffen ist, Anm. Im Dan. und Schweb, gleichfalls ms^er, im Angel s. inse^re, im Engl. mesZer, im Island, rnußur, im Franz, rnuixre, im Jial. inuZro, im Lat. mucer. Es scheinet mit dem Griech. pixyo; zu einer gemeinschaftlichen altern Quelle zu gehören und, so wie Hager, anfänglich klein, oder auch dünn bedeutet zu haben. Das Rieders, lcen, mager, Engl. lenn, Angelst ^plaene, ist gleichfalls das Stammwort von unseem klein. Das Neutrnm m Aderen bey dein Notker, mager werden, oder, wie cs bey dem Qpitz lautet, rwrmagern, und das Activum magern, mager machen, sind im Hochdeutschen ungewöhnlich. Übrigens ist fürmagerim Niederst auch schrade, schrae, schräg, Engl. IcruA, fasel und ftisen oder güst üblich. Dre Magerkeit, plur.^uuf der Zustand eines Dinges da cs mager ist, in allen Bedeutungen des BeyworLes. Bey dem Notker Nazeri, in einigen Gegenden auch Magerheit. Die Mayie, (zweysylbig,) plur. inuü aus dem Griech. und Lat. lVIsZis, die vorgegebene Kirnst, Wirkungen hervor zu bringen, welche die natürlichen Kräfte der Körper übertressen. Die natürliche Magie, wenn sie dennoch daraus Hergclcitet werden können, zum Unterschiede von der übernatürlichen oder Zauberep, Hexe- rep. Bedient man sich in der letzter» dem Vorgebcn nach guter Geister, so heißt sie weiße Magie oder Theurgic; im entgegen gesetzten Falle aber schwarze Runst und Hexcrcp im engsten Verstände. Der Magister, des—s, plur. ul vom. linF. ein Lateinisches Wort, welches einen Meister bedeutet, aber vorzüglich auf Universitäten üblich ist, wo es, wenn die Doctor-Würde in der philosophischen Faculrät nicht üblich ist, die höchste philosophische Würde bezeichnet. Daher die Magistcrrnn, die Gattinu eines Magisters. Die Mayistränz, S. Meisterwurz. Der Magistrat, des—cs, plur. die—e, ein aus dem Latein» lVlutzilirstu s entlehntes CollcctiviM'., den Stadtrach, das Raths- Collegium eiucrSkadtzü bezeichnen. Der Magnat, des— en, plur. die—-en, aus dem Latein« lVluANLtes, eine Benennung der mäunlichenPersonen von hohem Adel in manchen Neichen, z. B. in Pohlen und Ungarn, die Großen des Reiches. DreMaynefre, (vicrsylbig,). plur.inust. ansden, mittler« Latein«. HlLZuelia, eine sehr seine weiße Kallerde, welche man aus den Mutterlauge desSalpeters und Kochsalzes vermittelst eines feuerbeständigen Alkali nicderschlägt. Eine andere Art wird ans dem anfgelöseten Bittersalze niedergeschlagen, und auch Bittersalzerd«? genannt. B - Dev Ly Mag Der Matzet, der —es, plur. ft wohl von mehrcrn Arten, als^ -auch von intt-rern einzelnen zubcreireten Stücken, die — c, ein mit Schwefel vererzrer Eisenstein von röthl Her, dunkelbrauner oder schwärzlicher Farbe, welcher das Eisen an sich ziehet, und sich unter den gehörigen Umständen beständig nach Mlttcrnachl drehet; ehedem der Segelftein, weil man sich seiner besonders in der Schifffahrt bedienet. Der Nähme ist aus dem Lar. KI-rZnetss^ so wie dieser ans dem Gricch prx^iss. welchen dieser Steui entweder von der Landschaft lUng wjien inLhottn, ooecaitchvoit emcm Hirten Rahmens Mag,res führet, der seine anziehende Krastzneest entdeck! haben soll. Magnetisch, u6j. et ättv. mit der ünziehenden Kraft des Magnetes begabt, das Eisen an sich ziehend. Die Magnetnadel, plur. die—n, eine eiserne Radel, welche an dem einen Ende mit Magnet bestrichen rst, m in r Mitte auf einer festen Spitze schwebet, und das vornehmste Stück eines - Compasscs ist. l^fagnistteN^, aus dem Mittlern Lat. d-^a^ktiflnLntiZ., welche-, wie aus Sem Du Fcesne erhellet, ein ehemahllgee Titel rer Fränkischen Könige war, setzt aber in, Hochdeutschen den jedesmahligen Rectoren oder Prorecwrcn anfUniversirälen -in Abstraero gegeben wird. Ew. Magnist'cenz, und im Plural, Em. Magnrsiccn- ;cn. In einigen Reichsstädten bekommen ihn auch die Doctores Medieinä, welch- stch.iü andern wohl gar Exeellenz neunen lassen. Der Magsam-en, S. Nohn. ^ ^ , , Die Mahd, plur. die —en, ein in der Landwirchschaft von dem Zeinvorte mähen übliches Wort, r) Das Mähen, ohne Plural; in welchem Verstände etz doch am seltensten Lorkommt. 2 ) Das in einer Reihe liegende adgemähete Gras,, welches Hey dem Getreide ein Schwad oder Schwaden, und in einigen Gegenden auch ein Jahn Her John genannt wird. Mahden schlage,:, das Gras zu Mahden schlagen, es ab-mähen, wobey es zugleich in solche Rechen fällt. Die Mahden zerstreuen, sie aus einander reißen. Z) In einigen Gegenden auch en,e Wiese, deren Gras zumAömähen bestimmt ist, eine Hägewiese. Drey Tagewerk zweymähdige, und fnntzehen Tagewerk cinmähdige Mahd ; wo es in manchen Gegenden im Plural auch wohl Mäh- der lautet. Die Mannsmahd, so viel als ein Mann in einem -Lage abmädeit rann. Der Mähder, des — s, plur ut uorv. lioZ. ein in der Land- rvirchschafr für Mäher übliches Wort, welches letztere noch in einigen Oberdeutschen Gegenden gehöret wird, einePerson,welche das Getreide oder Gras abmähet, welche, wo das Getreide geschnitten und nicht gemähct wird, ein Schnitter heißt. Inden Fchceittinischen Glossen ist crn "Aeumäher. Siehe Mähen, A u m. DreMähderey, plur. die-— en, ein nur in einigen Gegenden übliches Worc, die Gesellschaft der Mähder eines Dorfes, alle Mähder in einem Dorfe als ein Ganzes'betrLchtct, zn bezeichnen, worunter alsdann diejenigen Tagelöhner verstanden werden, welche das ans schließende Recht haben, den Bauern im Dorfe das Getreide oder Gras gegen den gehörigen Lohn admähen zn dürfen, dagegen sie verbunden sind, dem Herren des Dorfes gegen einen ' gerrug-ern Lohn zu mähen. Nft m der Mahderey scyn, in dieser Gesellschaft der Mähder. As'r'hdig, Lc'.j. st sttv. gleichfalls von dem folgenden Zeitworte mähe,r für m ästig. Es wird nur in der Zusammensetzung in 1 t einigen ZahlWörtern gebraucht. Linmähdlgc-, zweymähdlge, drey- ' mähdige Wiesen, welche des Jahres ein, zwey,drey Mahl gemä- Het werden können, wofür in andedn Gegenden einhauig, cin- sa-hrig u. s. s. üblich ist. M also Mähen, vsrli. rsT. L,ct. welches 1 ) "ehedem überhaupt schneiden, raufen^, werfen u.s.f. bedeutete, wovon die Wörter Messer^ metzeln, und mit voran gesetztem Zischlaute schmeißen, schmieden, Schmid,!, s. s. noch Überreste sind. Hornegk nennt daher einen Wallach oder ein verschnittenes Pferd einen lstkai-der, und in dem ' 48Z gedruckten -Buche der Naarr heißt rs : ein Maden oderRapaun iftcinMan, der seines gezeuge nit hat, welcher il! einer andern Stelle Ma^et genannt w,rd. Eben daselbst kommt Mich oas Z nt vor: merden für verschneiden, castrircn vor. Schon in dem Salischen Gcjetze ist l^orcu? muruliscin verschnittenes Schwein^ Wm gebrauchen es nur noch 2 ) in cugerer Bedeutung in der La u d Wirth sch a ft, das Abhauen der Feidfrüchtc und des Grases mit der Sense zu oeze-chnen, welches, wenn es mit der Sichel geschrchet, schneiden genannt wird. Korn, Gerste, äafer, Gras Mähen. Die Miese mähen, das Gras auf derselben äst« Mähen. In Meißen rst dafür auch das Wort hauen üblich. Daspaiiptworr die Mästung ist nickt emgesührer; man bedi«<- net sich dafür des Jusiniuv» -as Mähen. Anm. In der zivwua engern Bedeutung im Rieders. meyen, im Däii. meoe, im Schwed, rnaj^, im Island, rnau, im Griech. «kL««,', «n-^kL«!-,.aömäheik, wo auch die Sichel, nnd«ftqr-ss d;e Er nie ljl. Ehedem hatte dieses Wort stakt des h eilt V ooer t, wie das alte meiden, dasGothische muituu, das Island, rusitttt, das Wallis, rnstti, das mittlere Lat. muttere und das Latein, mslere, alle in der Bedeutung des Mähens, welches sich auch irr unfern Mahd , Mähder nud Mahhig erhalten hat. In unferm Messer und dem Latein, stckellls gehet es in den Zisch" laut über, so wie der Hauch in dem Angels, mavvan und Engl. to morv, mähen, in den Blaselant übergegangen ist. Im Schwer dischen ist ma rupfen, raufen. Daß dieses Wort eigentlich die mir dem Hauen, Wersen, Schlagen u. s. f. verbundene Bewegung ausdruckt, erhellet theils aus dem Latein, movere, bewegen, (im Angels, ist rnuwan mähe») theils aus dem Dänischen, w» Meyer-eine Art Jilscctcn ohne Flügel ist, kkAlau^ium Opi- l io h,. welche diesen Nahineir um deswillen hat, weil sich die Füße, wenn sie von dem Körper abgerissen worden, lange Zeit hin mch her bewegen. S. anch Machen, Anni. 2 . Mahlen, molers. Der Mahev," S. Mähder. Das Mcrhfclö, des — es, plur. die — er. i)Aufdem Schwarzwalde, Felder, welche abgeschwendct werden, d. i. welche durch Verbrennung des darauf gewachsenen Holzes urbar gemacht werden ; vermuchlich von mähen, hauen, weil das darauf befindliche Holz vorher niedergehauen werden muß. Im Aiedcrsächsischeir ist das Mähfeld der mit Gras bewachsene Grrlttdttines Düiches, weil dasselbe äbgemähet werden kann. r.*Dü6Mahl, des — es, plur. die — e, ein Wort, welches ehedem eine jede Verbindung , eine Vereinigung, einen Vertrag bedeutete, in engerer Bedeutung aber ein eheliches Vcrlöbniß unh dessen Vollziehung. Angels. klulu, Island, kvluels, Schwed. lVlul. Es ist in dieser Bedeurnng veraltet, Hai aber noch di-e Ziisanimeilsetzilttgen Gemahl, Mahlschatz und vermahlen zurück gelassen, (S. diese Wörter.) Schicker lrklct dieses Mahl von Mahl, eine Zusammenkunft, Ihre aber von dem folgenden Mahl, die Sprache, Rede, ein mündlicher Vertrag her. Allein bey dem Worte Gemahl ist schon gezelget worden, daß es von machen ab- siamme, so fernes ehedem in engerer Beden ung verbinden bcdeu- tele, welches durch den starken Hauchlaut, welcher in Gemächt für Gemahl und geinächeln, vermächetn fi-r vermahlen^ ehedem üblich war, bestätiget wird. , 2. *DasMshl,dcs — es, plur. die — e, ein im Hochdeutschen völlig veraltetes Wort, welches ehedem den Schall, die Stimme, den Ton bedeutete, und vornehmlich in einem doppelten Verstände vorkommt. / 21 22 Mah vorkommt, r) DmSprache, wie noch das Schweb.Male und Island. Mal. Daher ist im Schwed. mala sprechen, imJsländ. xnaelL, maelZa. Das hoheAlter dieses Wortes.erhellet aus der letzten Hälfte desLatein. promul^are, aus dem Griech. rin lieblicher Gesang, ö/LsXew, predigen, M.d dem Hebr. ^2, sprechen, reden. Allem Ansehen nach ist cs eitle sinnliche Nachah- mnirg des Schalles' selbst, da es denn, wenn man die gewöhnliche Verwechselung derLippenbnchstaben mit in Anschlag bringt, zu dellen gehören wurde. Diejenigen, welche es mit Wächtern vsn dem folgenden Mahl, ein Zeichen, ablcitcn, weil die Sprache nnd Worte Zeichen der Gedanken sind, krauen unfern rohenVer- fahren, dpnen wir die Sprache zu danken haben, zu viclAbstraction zu. Wir haben von dieser veralteten Bedeutung noch das Zeitwort melden, (S. dasselbe.) So fern LiesesWort ehedemGeräusch nberhaupl bedeutet hat, kann auch das noch Niederst mall, wild, unbesonnen, mallen, ausgelassen seyn, wild in denTag hinein leben, und sein Geld vermallen, liederlich durchdrungen, hierher gehören. 2> Eine Versammlung, besonders eine öffentliche Versammlung des Volkes, ingleichen eine gerichtliche Versammlung; eine ehedem sehr übliche Bedeutung, in welcher im Mittlern Laterne Julius und Wallum, mit vielen Ableitungen Vorkommen. In Thüringen wird das Feldgericht noch jetzt das sagemahl, d. i. das gehägtc Mahl oder Gericht, genannt. Daher war ehedem die Mahlstatte, oder der Mahlplatz, derjenige Platz, ans welchem sich dasVolk, oder auch nur die GerichtSpersonen mit den Parteyen versammelten, der, wenn cS ein Berg war, der Mühlberg genannt wurde. Bey dem Raban Maurus ist Malia! der Gerichtshof. Um Bremen ist die Möllcnvogtey und das Möl- lcnamt bekannt, welche vo,r diesem Mahl, das Gericht, ihren Nahmen haben, und im Hochdeutschen in Mühlen«,vt und Müh- lcnvogtey verderbt werden, als wenn sie von dem Worte Muhle abstammeten. Ja eine jede Feierlichkeit wurde ehedem Mal genannt, weil sie gemeiniglich mit eijlcr Versammlung mehrerer Menschen verbunden ist. Man hat von Mahl in dieser zweyten Bedeutung mehrere Ableitungen. Einige leiten eS von Mahl, Mahlzeit, ab, weil die Alten ihre Versammlungen gern mitcincm Schmause beschlossen, die ineisien aber von dem folgenden Mahl, ein Zeichen , da sie es denn zunächst von dem Versammlungsorte verstehen, undcS durch einen bezeichnetcn und zur Versammlung bestimmten Ort erklären. Mit mehrerer Wahrscheinlichkeit rechnet man es zu Mahl, Sprache, und zwar entweder so fern damit zunächst auf den in allen solchenVersammlungen uöthigen mündlichen Vortrag gesehen wird, ans welche Art noch jetzt in Niedersachsen verschiedene Arten öffentlicher Versammlungen die Sprache, in Frankreich der höchste Gerichtshof, und in England die Versammlung der Abgeordneten der Reichs- und Landstände das Parlament, von parier, sprechen, genannt werden; oder auch so fern überhaupt das mit der Versammlung mehrerer verbnndene Geräusch dadurch ausgedruckt wird. S. Mahlstatt. Z.*Das Mtthk, des — es, xlur. die — c, ein gleichfalls veraltetes Wort, welches ehedem Steuer, Geschoß, Abgabe bedeutete. In einer Urkunde Kaiser Otto I vom Jahr 9 L>L heißt es bey dem Schiller: omnemjullülam ae cevkum^ui Laxoiüce^Mr/ vvcakur. In einer alten BremischenUrkunde in dem Bremisch- Niederst Wörterbuche kommt das jetzt veraltete M alleolckt (vielleicht Malscoclt) von einerjetzt unbekannten Art der Steuer vor. I m Schwed. istMäla gleichfalls so wohler»eAbgabe,cincSteuer, als auch eine frcywillige Gabe, Island. Mala, Schottl.Mall, Angcls. Male, welches letztere auch den Zoll bedeutet. Es ist mngewrß, welches hier die erste und eigentliche Bedeutung ist; ruvessen leitet Ihre das Latein. Mies von diesem Worte her, Mah welches alsdann eigentlich einen Soldner oder Soldaten bedeuten würde. Mit eben den. Rechte würde sich auch das Lat. MMra, eine Geldstrafe, dahin rechnen lassen. 4-Das Mach!, des—es, piur. die Mahler, im Oberdeutsche»» und in der Hähern Schreibart der Hochdeutschen die Mahle, die Handlung da man Speise zu sich nimmt, mit Inbegriff der Speisen selbst. So wohl von feyerlichen Handlungen dieser Art. Und Abraham machte ein groß Mahl am Tage, da Isaac entwöhnet ward, i Most 21, L. Salomo machte ein groß Mahl allen seinen Unechten, r Kon. z, i L. La nun der Löin'g und Haman zu dem Mahl kamen, Las Esther zugerichtet hatte, Esth. 5, 5. Als auch von dem gewöhnlichen Genussc der Speise. Jesus sprach zu seinen Jüngern : kommt und haltet das Mahl, Joh. 21,12. Loch machte den zrvcy Engeln ein Mahl und buch ungesäuerte Luchen, i Mos. 19,3. In bcydcu Fällen ist es in dem gemeinen Sprachgebrauch»: veraltet, indem von vollständigen Handlungen dieser Art das zustammeir gesetzte Mahlzeit üblicher geworden, S. dasselbe. Doch gebraucht man das einfache Wort noch zuweilen in der Hähern Schreibart. Mit Entzücken und mit Zreudcnthränen genoß er da fein MahstGeßu. Auch ist es rwch in vielenZusammensetzungen üblich, daeMittagg- mahl, das Nachtmahl, Abendmahl, das Frühmahl, in der anständiger« nprechart für Frühstück, das Gastmahl, sochzeit- mahl, Ehrenmahl, Frcudenmahl, Traucrmahl, Opfcrmahl, Fenkermahl, n. st f. wovon doch viele auch nur noch in der an- siändjtzcrn Schreibart Vorkommen. Anm. Im Schwed.MM, im Angelst lila ei s, im Engl.Meal, im Holland. Mael. Im Lettischen ist Laikas nndMalks, und iin Finnischen Malja, ein Trmkgelag zu Ehren eirrps andern. Wachter leitet dieses Mahl von Wahl, Versammlung, inglei- chen von den dabcy üblichen Gesprächen her, andere von dein folgenden Mahl, eine Zeit, ciue bestimmte Zeit, als wenn dadurch vornehmlich auf die Zeit, zu welcher man speiset, gesehen würde; welche Ableitung dadurch wahrscheinlich wird, daß auch Zeit in ähnlichem Verstände vorkommt. (S. Mahlzeit.) Allein, alsdann wäre dieses letzte Wort eine Tavtokogie. Über Kieß hat man Spuren, daß Mahl ehedem eine jede Speise, ein eßbares Ding, und mahlen essen bedentet hat. Bey den Lappländern ist Males kiuejede Art der Speise, und bey den Ungarn ist Male eine Art süßer Kuchen. Alsdann würde dieses Mahl-zu dem Geschsechle des Wortes 2. Mahlen, molere, gehören, so daß damitznnächst ans die Zermalmung der Speisen gesehen würde^ >. *D«o Mahl, des — es, xlur. die Mahle, und die Mahler, ein altes aber großen Theiss veraltetes Wort, welches ehedem so wohl den Begriff der Tiefe, der Vertiefung und Aushöhlung, als auch der Höhe hatte; zwcy sehr genau mit einander verwandte Bedeutungen, welche sich fast bey allen Wörtern dieser Artbcy- fammrn befinden. 1) Der Tiefe, der Vertiefung, wo ehedem verschiedene Arten hohler und tiefer Behältnisse diesen Nahmen führten. Noch Hornegk nennt eine Tasche Malch und Maschen. Bey den Schwäbischen Dichtern ist Mallle eist Koffer, eine Kiste. Ben dem Ottfried ist Mal, Malalra, eine Reisetasche, ein Man- telsack, Franz. Malle, im Mittlern Lat. Mala, in welchem Verstände das Wort Mallen noch bey dem Pictorius vorkommt. Das Nicdcrs.Mnle, Holland. Mu^l, bedeutet einen Pantoffel, und das Angels. Mele eine Schüssel. So fern hohle Gefäße zum Maße andererKörper gebraucht wurden, gehöret auch dasSchwe- dischc-M»l, das Maß, und mZla, messen, hierher. Unter den Deutschen Wörtern find noch Maul, Malter, Mulde u. a. m. Zeugen von dieser übrigens veralteten Bedeutung. 2) Der Höhe, in welchem Verstände es mit dem veralteten michel, groß, Griech. , Macht/u. a. verwandt zu seyn scheinet. Dahin B s . , gehören 24 S"hörm nicht nur unser Meiler und Maulwurf, sondern auch das Wendische Moll!, Pohln. Moiiiia, Mogila, ein Hügel, das Epirotischc Mal und Albanische Malli, ein Berg, das Latein. Klais, dieBacke, Moles, dieLast, und vielleicht auch Mulus, Maulesel, eigentlich Lastesel, Malus, der Mastbaum, anderer zu geschweigen. . 6. Das Mahl, des — es , plur. die Mahler, in der anständiger» Schreibart nachdem Muster der Oberdeutschen die Mahle, die Figur, das Bild eines Dinges, in weiterer Bedeutung, ein Erinnerungszeichen einer Sache, und besonders der Zeit, in welcher ein Ding ist oder geschieht, und in engerer Bedeutung, ein Flecken, Makel, Fehler. r. Das Bild eines Dinges, eine Figur; eine größten Thcils veraltete Bedeutung. Die Kinder auf dem Lande pflegen noch mit Stücken Geld, Würfeln, oder andern mitFiguren versehenen Körpern Mahl oder Unmahl zn spielen, wo denn Mahl die mit einer Figur versehene Seite, und wenn mit Münzen gespielet wird, die Bildseite des Münzherren, Unmahl aber die entgegen '' gefetzte oder leere Seite bedeutet. Zu dem SiraßburgischenStadt- rechte bey dem Schicker bedeutet Mal das Gepräge auf einer Münze. Das Zeichen des Kreuzes, welches man mit den Fingern macht/ heißtim Schwed. MAl, und sich damit bezeichnen, m^la. Das wichtigste Überbleibsel dieser Bedeutung einer Figur, eines Bildes, ist unser Zeitwort mahlen, pinZere. S. dasselbe. 2. Ein ächtbares Erinnerungszeichen einer Sache. i) Eigentlich, wo es ein jedes Zeichen dieser Art bedeuten kann und bedeuLet hat, es sey nun geschnitten, gehauen, gestochen, gezeichnet, oder von welcher Altes wolle. Indessen ist es doch in dieser ganzenBedeutung nur noch m einigen übrig gebliebeneuFäl- len üblich. sa) Überhaupt. Jacob nahm den Stein, den er zu . seinen Zanpten gelegt hatte, und richtete ihn auf zu einem Maal, r Mos. 28, »8, 22. Jetzt ist i» diesem Verstände das zusammengesetzte Oenkmahl üblicher. Siche das ist -erlaufe rmd das ist das Maal, das ich aufgerichtet habe zwischen mir und dir, Kap. z-, z,, L2, das Denkmahl. Und Jacob richtete ein Mahl auf über ihrem Grabe, Kap. zz, 20, ein Grabmahl. Ihr sollt kein Mahl um eines Todten willen an eurem Leibe reisten, Z Mos. 19, ? 8 . Bey der Trauer über einen Tobten sollt ihr euch keine Schnitte geben, und kein buntes Mahl einbrennen, Michael, wird aber an der Glatze oder tza er kahl ist, ein weiß oder röthlieh Maal, so ist ihm Aussatz an der Glatze, z Mos. »z, 42 f. Zeiget sich aber ein weißes oder rothliches Mahl, Michael, wo aber die folgende Bedeutung eines Fleckens am meisten hervor sticht. Blaue Mahler, Franz.Vle/iniöS, blaue Flecken auf dem Pferdehufe, welche von geronnenem Blute entstehe»; dagegen die dürren Mahler ähnliche Flecken sind, welche durch Austrocknung des Hufes verursacht werden. ÄbnlicheBedeutimgen sind noch in den zusammen gesetztenBrandmahl, dasZeiche.n aufderHaut von einemBrande, inglcichen ein eingebranntes Zeichen, Wundenmahl, im Oberdeutschen für Narbe, Muttermahl, ein mit auf die Welt gebrachter Flecken, oder ein solches Gewächs auf der Haut, Eisen- mahl, Flecken von Eisenrost in der Wäsche, Merkmahl, ander weitesten Bedeutung u. s. f. üblich. Es sey denn, daß ich in feinen Zünden sehe die Nägelmaal, Joh. 20,2 », die Zeichen, Spuren von den Nägeln, welches Worein derTheo«logie uoch jetzt üblich ist,alsdann aber den Oberdeutschen Plural dieNägelmahle behält. Andere Flecken «m Leibe heißen bey Gellerteu und in der vertraulichen Sprechart im Plural Mahler. , Im Forstwesen, dem, Mühleubaue u. s. f. ist das Mahl das m einen Baum gehauene, geschlagene oder gebrannte Zeichen, M ah (S. Mahlbaum und andere der folgenden Zusammensetzungen.) In verschiedenen ländlichen Spielen ist das Mahl so wohl das Zeichen des Ruhe- oder Standortes, mgleichen des Zieles, al» auch dieser Orr und das Ziel selbst, daher Opitz Mahl für Zirst überhaupt gebraucht: In Gumma allen ist sein Mahl und Ziel bestimmt. Auch die Gränzzeichen, sic seycn nun von welcher Art sie wollen, und die Gränzen selbst, werden im gemeinen Leben häufig Mahler und im Oberd. Mahle genannt, S. viele der folgenden Zusammensetzungen. Auf den Flüssen einiger Länder werden die Zeichen, womit die gefährlichen L)rter in einem Flusse angezeiget werden, Mahle oder Mahler genannt; ist cs ein Bündel Stroh an einem eingeschlagenen Pfahle, so heißt es ein Strohmahl, ist es aber ein Pfahl ohne Stroh, eich Bloßmahl. (b) In engerer Bedeutung, eine fehlerhafte Stelle von andrer Farbe, ein Flecken, Makel. Im Oberdeutschen werden wenigstens in manchen Gegenden, alle Flecken dieser Art Mahle und Mahler genannt. Ein Dbstmahl, Blutmahl, Weinmaht, ein Flecken von Obst, Blut oder Wein. Ein Mahl aus der Wäsche machen, einenFlecken. Wo es ehedem auch Mail und Meil lautete, und einen jede» Schmutzflecken bedeutete. Das Latein. Macula und Deutsche Makel ist genau damit verwandt, indem sich der Gaumenlaut auch in den alten Oberdeutschen Zeitwörtern inailigcn, bemarligen, vcrmeiligcn, vermalgen, beflecken, besudeln und beschmutzen, befindet. Sich mit Schande bemeiligen, Matches. Im Irak, lautet es in dieser Bedeutung MaeLÜia, im Engl. Mole, im Holland. Mael. Das Griech. schwarz, scheinet damit verwandt zu seyu. (S. Mehl- rhau, Molch, Maser.) Figürlich bedeutete cs ehedem auch einen Fehler. Zerre Mal urrä aueLelrarten, sagt Stryker von einem Schwerte. Ganz gesunde an alle Meyl, Theuerd. Kap. Z 4 . Im Hochdeutschen ist es in dieser Bedeutung veraltet, denn ob mau gleich Flecken im Gesichte noch zuweilen Mahler nennt, so geschieht» solches doch nur in der vorigen allgemeinen! Bedeutung ohne den Nebenbegriff des Fehlerhaften oder Schändlichen. 2) Figürlich, die Zeit, wie oft eine Sache ist oder geschieht», daher es mir allein mit Zahlwörtern oder doch ihnen ähnlichen Bey- und Fürwörtern gebraucht wird. Es scheinet hier zunächst das geschnittene oder gemachte Zeichen dieser Art bedeutet zu haben, bis es nach einer gewöhnlichen Figur von der Wieder« Höhlung selbst gebraucht worden. Es wird alsdann mit seiuen Bestimmungswörtern bald zusammen gesetzt, bald aber auch nicht, je nachdem die in der Sprachlehre angegebenenRegeln der Zusammensetzung es erfordern oder verbieten. Verhalten sich dieBestim- mungswörter des Wortes Mahl, so wie sich jedes andere Adjectiv zu seinem Substantiv vcehält, so ist die Zusammcnziehung unerlaubt. Dieses Mahl oder dieß Mahl, kein Mahl, jedes Mahl, das erste Mahl, das letzte Mahl; ss wie man schreibt, dieses Zaus, dieß Jahr, jeder Mensch u. s. s. So auch mit Haupt- zahleu: Ein Mahl, zweyM^hl, dreyMahl, hundert Mahl; nur daß Mahl mit bestimmten Zahlwörtern, wie Pfund, Loch, und so viele andere, welche eine Zahl, Maß und Gewicht bedeuten, im Plural sein e verlieret: sechs Mahl, nicht sechs Mahle. Im Dative hingegen wird es ordentlich decliuirt: Er gab eö mir zu vier Mahlen. Ist hingegen die Bedeutung elliptisch oder figürlich: cs ist nuncinrnahl nicht anders, es wird schon einmahl geschehen, oder isteiil genieinschaftlicher Ableituiigslaut vorhanden, wie in den Adverbien jemahls, vormahls, nachmahls, nochmahls, niemahls, mehrmahls, damahls, und in den Adjecüvcn zweymahlig, dreymahiig, mehrmahlig, so ist die Zusammenziehnng nicht allein erlaubt, sondern auch nothwcndia. Von allemahl ist bereits an seinem Ort gehandelt worden. 26 2L Mah Ein Fehler ist es, wenn manche stakt des 8 ein en anhängen, damahlen, meinahlen, jemahlen n. s. f. für damahls, me- mahis und jemahls. Eben so fehlerhaft sind allzu harte Zusam- menziehungen und Ausdrücke dieser Art, wie genugmahl oder gcnugmahls, fiir oft genug, manchmahl für manches Mahl. Die meisten zusammen gezogenen Ncbemvörter dreser Art lassen sich vermittelst der Splbe ig in Bey,vörter verwandeln, da denn die auf mahls das s wieder hinweg werfen. Sein zweymahli- ger, dreymahliger, oftmahliger Besuch. Dein mehrmahliger Antrag. Ihr vormahliges Betragen. Mein nachmahliger Zustand. Allemahl, kernmahl, niemahls, jemahls, dieß- mahl und manchmahl leiden solches nicht. Obgleich iVlol schon bey dem Ulphilas die Zeit überhaupt, und Alu! und im Schwed. undZsländ. eine beflimmteZcit bedeuten, so ist es doch als eirr Zahlwort der Zeit, wie oft eine Sache ist oder gezchiehet, im Deutschen neuern Ursprunges. Die Alten hatten dafür andere Wörter. Ottfried gebraucht dafür 8tuvt, Vuarba und8i ntke, welches letztere cigenilich denWeg bedeutet; IrirruZ liunton, drcyßig Mahl, iffriLÜuota ruene, drep Mahlzwev, tüiauuarbL und tiies lintkes , dieß Mahl. In eben diesem VerstandekommtSilltka bey dem Ulphilas und 5 in- tlle i,u Angelfvor, so w.edieNiedersachsen undHolländer auf ähnliche Art das Wort Reife gebrauchen, twe,Reise, zwey Mahl. Warf ist im Nieders.sv wie im Schwed.ii warft auch noch üblich; noch warf, nochmahls, dat ander warf, das arrdere Mahl, wohin auch das veraltete Niederst werlc, jewerle, jemahls, rmwerle, newerle, mientahls, u. s. s. zu gehören scheinet. Auch Fahrt wurde ehedem im Hochdeutschen so gebraucht; zu dieser Fahrt, dieß Mahl, einfahrt, allefahrt, ein Mahl, alle Mahl, zu keiner Fahrt, Lheuerd. niemahls. Es kann daher seyn, daß in dieser Bedeutung des WortesMahl anf ähnliche Art der Begriff der Bewegung der herrschende ist; es kann aber auch feyn, daß cs zunächst dasZeichen ausdruckt, womit man die. mehrmahlige Wiederhohlung zu bezeichnen pflegt. Merkwürdig ist indessen, daßllm Vchived. auch einen Fall bedeutet; I?wiswsl3mäft ein zweiftlhafterFall, 8 amwei 8 m" 1 , ein Gewissensfall, Lrott- mD, ein strafbarer Fall. M und f sind Buchstaben eines und eben desselben Oegani, welche-sehr oft mit einander verwechselt werden. S. die folgende Anmerkung. Anm. Auch im Schwed, ist MZftund im Angelf. iVIaeft em jedes Zeichen, und in engerer Bedeutung ein Ziel. Mahl fchei. net überhaupt zunächst ein geschnittenes, oder auf andere Art gemachtes vertieftes oder erhabenes Zeichen zu bezeichnen, da es denn nicht nur zu L. Mahl mit dem Begriffe der Vertiefung und Erhöhung gehören, sondern auch mit demselben von mähen, schneiden, stoßen u. s. f. abstammcn würde. Vermittelst der Ableitnngs- fylbe cl, ein Ding, bedeutet Mahel und zusammen gezogen Mahl, ein geschnittenes oder auf ähnliche Art gemachtes Ding. Da mähen in manchen Mundarten auch meiden, mähden lautet, Lat, Meters, so erhellet daraus zugleich die Verwandtschaft mit dem Lat. lVIeta, ein Ziel. . Wenn man alle dem Anscheine nach verfchiedenenWörtcr, welche Mahl lauten, genau untersucht, so wird man. studen, daß sich die meisten auf einen gemeinschaftlichen Stammbegriff zurück führen lassen, welcher der Begriff der Bewegung ist, daher man machen und mähen, so fern sie überhaupt ehedem bewegen bedeutet haben, als die Quelle derselben anfthen kann. S. das Zeitwort 2. Wahlen, molere, wo dieser Begriff der Bewegung noch Mehr hervorsticht. Gottsched, welcher die gleichlautenden Wörter so gern durch ,; i.'.an diegleichlüutendcuWörtervon versHiedeuerAbstammung Mah auch im Schreiben unterscheiden müsse, schrieb Mahl, eoa- - vivium, —mal, bey den Zahlwörtern, und Maal, üZaum, so wie er malen, pinZere, und mahlen, niolers,- geschrieben haben wollte. Allein, ersündlgte dabei) wider seine eigene Rege!, indem Maal liznum, und malen, ^innere, unstreitig von Einem Stamme sind, zu welchem auch sehr wahrscheinlich sein —mal an den Zahlwörtern gehöret; welche also seiner eigenen Regel nach auch aufeincrley Art geschrieben werden müßten. Über dieß erschöpfen seine drey Schreibarten, wenn sie auch richtig waren, die Zahl dieser Wörter nicht, daher sie unzulänglich sind. Man thut also besser, man folget der allgemeinen und weit siche« rerrrNrgel, nach welcher das l nach einem gedehnten Selbstlaute ein h vor sich hat, znmahl da in den meisten dieser Wörter das h wirklich zum Stamme gehöret, indem die meisten dieser Art von mähen, sich bewegen, abstammeF. -S. 2. Mahlen, Amnerk. Übrigens spricht man ja alle diese Wörter auf einerley Art aus, ohne eine Mißdeutung zu besorgen, warum sollte man sic nicht auch aufeinerley Art schreiben können ? Gottsched kannte nur die wenigsten gleichlautenden Wörter; hätte er sie alle gekannt, so würde ihn schon dieß von der Unmöglichkeit seiner Regel haben überführen können. (S. zum Beyspiel Rage.) Noch verwerflicher aber ward sie bey ihm, da sie in der Anwendung sich immer auf offenbar falsche Ableitungen gründete. Die Mahlchxr, plur. die —arte, im Forstwesen, eine kleine Axt oder ein Beil, auf dessen der Schneide entgegen gesetzten Seite eist Zeichen eingegraben ist, womit die Förster bey der Anweisung der Bäume im Walde diejenigen Bäume mahlen oder zeichnen, welche gefallet werden sollen; die Mahlbarte, das Mahleisen, und wenn es ein bloßer Hammer ist, der Mahlhammer, Forsthammer, Waldhammcr. S. 6. Mahl.2. Dev Mahlhamn, des — es, vlur. die — bäume, ein Baum, so fern er dasMahl oder Zeichen einer gewissen Sache ist ; in- gleichen ein mit einem Mahle oder Zeichen versehener Baum. So werden die Mark- oder Gränzbäume, welche in andern Gegenden Lachbanme heißen, auch häufig Mahlbsrrme genannt. Inden Wassermühlen führet der Fach - oder Wehrbanm gleichfalls den Nahmen des Mahlbaumes, weil er das unveränderliche Ziel und Zeichen der bestimmten Wasserhöhe ist. Das Mahlersen, des—s, plur. ut norn. S. Mahlart. r. Mahlen, verb.reZ. act.von 6. Mahl, die Figur, das Bild, das Zeichen , der Flecken. 1. So fern das Hauptwort die Figur, das sichtbare Bild eines Dinges bedeutet, ist mahlen, 1) überhaupt abbilden, die Gestalt eines Dinges durch sichtbare Züge nachahmcn und vorstellen; i» welcher allgemeinen Bedeutung es doch nur noch zuweilen im ge-, meinen Leben vorkommt, da es denn das Zeichnen, Reißen, Tuschen u. s. s. in sich schließet. 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist mahlen mit Farben abbilden, oder nachahmen, besonders mit Beobachtung des Lichtes und Schattens; zum Unterschiede von zeichnen, reißen, tuschen, illuminiren u. s. s. Ein Bild, §r'n Porträt, eine Landschaft, ein Blumenstjick mahlen. Auf Glas, aufRupfer, ans Leinwand , aufpapier mahlen. In Massen, in Ml, in Freses, m wachs , in Pastell, in Email mahlen, für mit. Wenn mahlen absolute stehet, so bedeutet es die Farben mischen, sie verschmelzen und nach denRegelu dccKunst auftragen. Eine gemahlte Stube, deren Wände bemahlt sind. Zuweilen kommt es auch für anstreichen vor. Und lasser ihm die Fenster — mit Ledern täfeln und rorh mahlen, Zer. 22, 14. Sich das Gefleht mahlen oder bemahlen, ihm einen rochen oder weißen Anstrich geben; ein gewähltes Gesicht. Allein, alsdann gehöret es eigentlich zur folgeirden Bedeutung, mit einer Oberfläche von anderer Farbe versehen. Figürlich. Einem etwas B z vor 27 Nah Rah -8 vor Augen mahlen, es ihm so lebhaft verstellen, daß er die Sache gleichsam zu sehen glaube; wofür auch schildern üblicher ist. s. Von Mahl, ein sichtbares Erinnerungszeichen. r) *Über- hanpt für zeichnen, mir einem Zeichen versehen, bey dem Ortfried rnüloo ; eins im Hochdeutschen veraltete Bedeutung. DicUtün- zcn mahlen und bilden, Tschudi, für prägen. In einigen Ec- gcndcn wird in der Ernte noch der Zehente gemahlet, d. i, ausgezeichnet, wofür auch ausmahlen üblich isi, da denn die dazu verpflichtete Person der Zehentmahler genannt wird. Im Hochdeutschen ist es m dem zusammen gesetzten brandmahlen am üblichsten. 2) *So fern Mahl einen fehlerhaften Flecken bedeutet, war mah- len und bcmahlen ehedem stecken, bestecken, beschmutzen, in welchem Verstände cs im Hochdeutschen gleichfalls veraltet ist. S. 6 . Mahl n. i) (b). Das Hauptwort die Mahlung isi nur in einigen Zusammensetzungen üblich. - - Anm. Im Schwed, müln, im Dän. malc,im Böhm. mnlo- ^vaü, im Pohlu, mnlorvnc, alle für ^InAere.Bep dem Ulphilas ist meljnn schreiben, weil die erste Art des Schreibens doch nur eine Zeichnung verschiedener Figuren war. Aufähnliche Art ist rita im SchweS. und to vvrite imEngl. schreiben, von unscrrn reißen, Niederst rite, so wie unser schreiben durch den Vorgesetzten Zischlaut von reiben gebildet worden. Im Angelst heißt mahlen lnstL», nicht von messen. Niederst meten, sondern allem Ansehen nach von mähen, ehedem meiden, schneiden, Lat. meiere, zu dessen Stamme mahlen und das Hauptwort Mahl in dieser Bedeutung gleichfalls gehören. s. Mühlen, verü. reZ. sct. außer daß es im Mittelworte gemahlen für gemahlet hat. i. ^Eigentlich, sich hin und her bewegen, besonders sich im Kreise bewegen; eine im Hochdeutsch er» veraltete Bedeutung, in welcher man nurnoch in Niedersachsev sagt, das mahlet mir im Aopfecherum, das gehet mir im Kopfe herum. (S. Mahlstrom), welches diese Bedeutung dev kreisför- ^ migcu Beweg,mg noch am deutlichsten erhalten hat. 2. In engerer Bedeutung, durch hin und her bewegen zerreiben, r) Überhaupt ; eine gleichfalls veraltete Bedeutung, in welcher das von diesem Worte herstammendc Jntenstvum zermalmen üblicher ist. Doch sagt man noch zuweilen gemahlenes Gold, gepülverte, zerriebene Goldblätter zu bezeichnen. - 2) In engerer und gewöhnlicher Bedeutung, zwischen zweySteinen zermalmen oder zu Mehl machen, besonders so fern selbiges in besondccn Maschinen oder Mühlen vermittelst des obern beweglichen Steines geschiehet. Zwep harte Steine mahlen selten rein , clurum ckurum äe- 6run. Wo es denu auch von Personen gebraucht wird, welche zumahl bey Haudmühleu die Maschine bewegen. Gimson mußte mahlen im Gefängnisse, Nicht. »6, 21. Man mahlet cs, daß es Brod werde, Es. 28, 28. Nimm die Mühle und mahle Mehl, Kap. 47, 2. Als auch von dem Müller, oder derjenigen Person, welche die Aufsicht über die Mühle führet. Der Müller mahlet, heute nicht. Als endlich auch von derjenigen Person, welcher Gctreid? gehöret, für mahlen lassen. Mir wollen heute mahlen. Sprichw. wer eher kornint mahlet eher, dessen Getreide wird zuerst gemahlen. Der Sand mahlet, oder die Räder mahlen, wenncher Sand über die Felgen der Räder gehet, und die Speichen ihn im Herumdrehe» abwcrfcn. Auch mahlet wanden Schlamm aus den Gräben nnd Deichen; wenn man ihn vermittelst eines Mühlwerkes heraus zu schaffen sucht. S. Modcr- mühle. Auch von diesem Worte ist statt .hes Hauptwortes die Mahlung, der Infinitiv das Mahlen übÄch. Zsnm. Ehedem ging dieses Zeitwort irregulär. Ja noch jetzt sagt man im gemeinen Leben einiger Gegenden, du mahlst, er mahlt, und im Jmpcrf. ich muhl. Zain manchen, selbst Dber, sächsischen Gegenden, lautet sogar das ganze Zeitwort wühlen. Von dieser irregulären Form ist nicht uur das-Mittelwort gemahlen für gemahlet,noch ein Überrest, sondern cs zeugen davon auch die Ableitungen Mühle, Müller, Mehl, Mulm, Mal; u. s. s. Notker gebraucht rnuloO und stermulon uoch iu der weitern Bedeutung für zermalmen. Iu dem heutigen engcru Verstände lautet es im Schwed.mnln, bey dtM UlphilasMÄlao, im Wallis. malu, im Dän. male, im Engl. tc> mill, im Latt mo- lere, im Griech. im Franzos, moulcjre, mouckre, im Böhm. im Pohl«, miete, mele, ich mahle. Scho» im Hebe, isi zerrieben. Zu der Verwandtschaft dieses Wortes gehören außer unserm Mehl, zermalmen, Malz, milde u. s. f. das Niederst ,nullen, zerreiben, Mull, Mulm, Staub, lockere Erde , zerriebener Graus, das Lat. moilis und clemoliri u. a. m. Es ist ein Jterativum von mähen, hin und her bewege», Lat. movere, wovon vermittelst der Endung —len, wahelen, und zusammen gezogen mahlen,^ mahlen, oft hin und her bewegen, gebildet worden; woraus zugleich die Verwandtschaft mit mahlen, xivZSrs, erhellet. Dev Mahler, des—s, pius-M vom. linZ. Fämin. die Mah- lerinn, von -. Mahlen, pin§err, eine Person,welche dicKuust zn mahlen verstehet, ein Künstler, welcher die Gegenstände mit Farben abbildet oder uachahmet; zum Unterschiede von ememZeichuer, Zllumluirer u. s f. Daher der Porträt- oder pcrsonenmahler, Brief,nahler, Ravtcnmahler, Blumenmahlep, Tapcrenmah- ler, 8 rcsco- Mahler, Miniaturmahler, Thiermahler Gcschichtmahler u. st f- Däu. Maler, Böhm. ^aljr. Iu weiterer Bedeuttmg von mahlen, zelchuc», kommt es nur in Zehentmahler vor, (siehe ^ Mahlen.) Von mahlen, molere, ist Müller üblich. Die Mühler- Akademie, ^lur. die — », eine Akademie, irr welcher alles, was zur Kunst des Mahlers gehöret, gelchretwird« Die Mahlevey, plur. die—en. 1) Die Kunst des Mahlers, die Abbildung der Gegenstände mit Farben; ohne Plural. Die Mahlercp erlernen, verstehen. In der anständigen Sprechart sagt man doch wohl lieber die Mahlerkrmst. 2) Die Art und Weisezu mahlen; auch ohne Plural. Eine schone, eine schlechte Mahlerep. z) Ein Gemählde; wo es doch am häufigsten nur im Plural gebraucht wird. Die Mühlerfarbe, xlur. die—n, färbende Körper, wie die Mahler selbige gebrauchen/zum Unterschiede von den äärber- farben. - Der Mühlerfirniß, des—sses, plur. doch nrrr von mchrern Arten, die —sse. Firniß, so wie ihn die Mahler gebrauchen. Das Mühleryold, des —es, x> 1 ur. inust. zerriebene Goldblätter, wie die Mahler sie zum Mahlen gebrauchen. Mahlcrstlber, dergleichen zerriebene Silberblätter. Mühlerisch, —er, —te, ach. et aäv. iwder Kunst des Mahlers gegründet. Am häufigsten figürlich. Ein wählerisches Gedicht, welches dieDegenstLnde so lebhaft beschreibet, daß man sie gleichsam zu sehen glaubt. Schöne wählerische Züge in einem Gedichte. Der Mühlerjrmtze, des — n, xlur. die—n, rn der niedrigen Sprechart, der Lehrling des Mahlers. Düö MühlerkvüUt, des—es,x 1 ur. inust. in einigen Gegenden, ein Nähme des Sauerklees, weil dessen Salz die Wähler oder Flecken aus den Kleidern nimmt. Die Mühlerkrmst, xüur. IvuL. die Kunst des Mahlers, d. i. die Gegenstände mit Farben gehörig abzubilden. S. Nahlerep. Die Mah Mah DreMühlevnühö, plur. iuus. Hey ben Nähterinnen, diejenige Naht, d. r. Art zu nähen, da man LllcrlcpMuster, Blumen und Gänge auf eine mahlerische Art nähet. Der Mahlerpinsel, des — s, plur. M rrom. lmZ. ein Pinsel, wie ihn die Mahler zum Mahlen brauchen; Zum Unterschiede von ' einem Maurevpinsel,-Leimpinsel u. s f. d DüsMühlersilber, des—s, plur. inul. S.Nfahlcrgold. 'Der MühlerstoE, des—es, plur. die—stocke, ein kleiner Stock mit einem Polster oder einer elfenbeiliernenKugel amEnde, die Hand des Mahlers, welche den Pinsel führet, damit zu unterstützen. Der MahlFany, des—es, plur. die — gange, ein Gang in den Mühlen znmMahlen;zumUflterschiede vonernemGraupen- gange, Eilgange, u. s. f. S. Gang. Der Mühlgüst, des — es, plur. die —gaste, diejenigen Personen, welche ihr Getreide in einer Mühle mahlen lassen. Der Müller hat viele Mah-igäste, wenn vieiePersonen bey ihm mahlen lassen. Fwangpssichrige Mahigäste, welche verbünden sind, in einer gewissen Mühle mahlen zu lassen. (S. Gast.) Niederst Mahlaenotcn,Mahigenoffen, in Baieru Mahlmann, im Plural Mahllcute. Das Mahlgeld, des—es, plur. doch nur v.on mehreru Summen, die —er, dasjenige Geld, welches der Müller für das Mahlen des Getreides bekommt; der Mnllcrlohn, der Mahl- geoschen, ilt einigen Gegenden das Notter, im Mittlern Lat. i»oltu, im alt Franz. iVIoutre. Das Mahlgerinne, des—s, plur. ut nom. smZ. ben ben Wassermühlen, dasjenige.Müh!gerinne, durch welches das Wasser auf die Räder geleitet wird ; zum Unterschiede von dem wüsten Gerinne, welches das überflüssige Wasser adfüheet. Der Mahlgraben, des — s, plur. die —graben, vsnMabl, die Gränze, ein Gräuzgrabeu, ein Graben zur Bezeichnung der Feld- und Marlscheidung. Die Mahlgrube, eine solche Grube. 5. 6. Mahl 2, i) ^a). Der Mühlgröschenches —s, plur. ut uorn. livF.S.Mahlgeld. In einigen Gegenden ist es auch eine Abgabe an die Obrigkeit, welche in einem-Groschen von jedem Scheffel bestehet, welchen man mahlen lasset. Der Mahlhammer, des—s, plur. die—-Hämmer,' stehs Mahlaxt. Der Mahlhaufen, des—s, plur.ut NOM. striA-cinErdhai!-- fen, sofern er das Mahl, d. i. Zeichen einer gewissen Sache ist, besonders sofern er zu Bezeichnung der Gränze dienet, einGränz- haufen. S. 6. Mahl 2.1) (a). Das Mahlholz, des—es, plur. die — hölzerchcn dcnBäckern, dasjenigeHolz,womit dasBrot in manchenFallen gezeichnet wird; von6. Mahl, ein Zeichen. Das Mählhorn, des—cs, plur. die-—Hörner, von dem Zeitworte -. Mahlen, p innere, Heyden Töpfern, ein Horn, oder eine Büchsemil einer Röhre z,1 flüssigen Farben, womit die gemeinen Töpferwaareu bemahlet werden. Der Mahlhügel, des —s, plur. ut nom. linZ. ein Hügel, sofern er zugleich die Gränze eines Bezirkes macht. Siehe 6. Mahl 2, t) (a). Mählich, aclj. acl v. nach und nach, mit einer sanften gelinden Bewegung. Mein Zerr ziehe vor seinem Anecht hin, ich will mählich- hinnäch treiben, ». Most ZZ, 14. Eure mählich sich verdünnende Spitze, nach und nach. Es ist im gemeinen Leben amüblichstrn, und stamucet nicht von ernem der vorigen Mahl, sondern von gemach, und mit demselben allem Ansehen nach, von machen, mähen, sich gelinde bewegen, her, (S, diese Wörter,) daher es Such richtiger mählich als mähllg geschrieben wird. Siehe ?sillinähllcy,wciches auch dafür üblicher ist, und Gemach, Der Mühlmann, des —es plur. die — lcnte. l) Von 2. Mahlen, molare, (S. Mahlgast). 2) Von Mahl, das Gericht, ein nur :n rinigen Gegenden übliches Worr, die Gerrchlsunrenhanen zu bezeichnen. (S. 2, Mahl 2 .) J-r einem andern Verstände sind die Mahllcute in den Westfälischen Holzgerichten gewisse verpflichtete Personen, welche für das Besteder Mark sorgen, und die in der Holzmart begangenen Verbrechen demHokzgrafen anzci- gen müssen, wo es wohl von Mahl, dieGränze, und den in seinen Gränzen beschssossenenBezlrk abstammet,und mit Mark gleichbedeutend ist, ob es gleich auch die Bcd'cmuilg des Gerichtes leider. , S. 6. Mahl 2, r) (a). Die Mühlnretze, plur. die — n, von dem Zeitworte 2.Mahlen, niolere. r) Diejenige Metze, welche der Müller an einigeil Orten anstatt des Mahlgeldes von jedem Scheffel des gemählnen Getreides für das Mahlen bekommt, s) An einigen Orlen ist es auch eine Abgabe an den Landesherren, welche in einer Metze,oder deren Werth an Gelde, von jedem Scheffel Getreide, welchen ein Unterihan mahlen läßt, bestehet. S. Mahlgroschen. Die Mahlmühle, plur. die—n„ eine Mühle, aufwelcher Getreide gemahlen wird; zum Unterschiede von einer Malzmühle, Säge-oder Schneidemühle, chhlmiihle, Stampfmnhle. u. s.f. Der Mühlpfühl, des,—es, .plur. die—pfähle, von Mahff dieGränze, ein Gränzpfahl. In den Wassermühlen ist es ein langer starker eichener Pfahl, welcher die eigentliche Höhe des Wassers, und das Maß des Mahl: oder Fachbaumes.zeiget. Er wird auch der Eichpfahl, Wagpftchl, oder Gicherpfahl genannt. S. 6. Mahl 2. ,) (a). Der Mühlplütz, des — es, plur. die—platze, große Flecken äufder-Haul von verschiedener, gemeiniglich nußbrauner Farbe;- l^unni. S. 6. Mahl 2, i) (p). Dis Mühlsäule, plur.'die — n, vonMahl, die-Gränze, eine Eränzsäule. S. 6. Mahl, 2, i) (a). Dor MaylschüF, des —es, plur. die —schätz?, dasjenige Geschenk, r-s fey Iliinan Gelde oder Kostbarkeiten, welches zwey Personen bey derVcrlobung einander zum Uareepfaildeihr-w Liebs und Treue einhändigen, der Brantschatz, Niederst Mahlschatk; Voit Mahl, so fern es Verbindung und besonders eheliche Verbin-. dnng bedeutet. (S. 1. Mahl und Schatz.) Zuweilen wird auch wohl das Heirathsgut, ivelches die Fran ihrem Manne bey des Heirath zudringet, der Mahlschatz genannt. DasMühlschlöfi, des — sses,.plur. die —schlosserst eine im Hochdeutschen größten Theils veraltete Benennung eines Vorhängeschlosses, welche nur noch in einigen Gegenden üblich ist. Die erste Hälfte ist hier dunkel. Sic kann von i. Mahl, die Verbindung abstammen, oder ancfvon Z. Mahl, eine Vertiefung, oder endlich auch so fern Mahl überhaupt eilt bewegliches Ding bedeutet, ein bewegliches Schloß zu bezeichnen, S. 6. Mahl, Anm. In einem Deutsch Lat. Vocabillüri» von 1482 wird Malchschlosi durch peoclula lera und Zaltzei- schlos erkläret. Die Mühlstätt, plur.die—statte, oder öle Mühlstätts, plur. die — n, von 2.Mahl, die Versammlung, das Gericht; ein größten Theils veraltetes Wort, welches nur noch in den Gerichten einiger Gegenden üblich ist, den Ort, wo sich ein Gericht versammelt, die Gceichtsbaick, die Gerichtsstätte, ingleichcn den Ort, wo die peinlichen Uetheile vollzogen werden, den Gerichtsplatz, ' Richtplatz, die Aichrstatt zn bez-ichnea. Ehedem bedeutete cs jeden zu einer öffentlichen oder fepMichen Versammlung bestimmten Platz ; daher auch dicOrte, wo die Reichs- und Landtage gehüsten wurden,die bestimmte» Mnsterplätze u. s. f. diesen Nahmen führc- tcn. In dem Theuerdanke kommt e-t auch vom dem Schlachtfelde oder Wahlplatze vor. S. 2. Mahl 2. Der Mllhsisieür, des —es, plur. die—e, von 6. Mahl, 2.ein Zeichen, die Gränze. >) Ein zum Dcnkmahl einer Sache gesetzter Stein; in welcher veralteten Bedeutung es noch irr der Deutschen Bibel vorkommt. Zur selben Zeit wird des Herrn Altar mitten in Egpptenlande seyn, und ein Maalstcin des Herrn an den Grenzen, Es. r 9, 19. 2) Ein mit Figuren und Zeichen versehener Stein; eine gleichfalls veraltete Bedeutung. Ihr sollt keine Säulen aufrichten noch Maalstein setzen, in eurem Lande, z Mos. 26, i ; ihr sollt keine Gäulen aufrichten und keine Steine mit Bilderschrift in eurem Lande setzen, Michael. Z) Ein Gränzsiein, in welcher Bedeutung cs noch hin und wieder vorkommt. S. 6. Mahl 2. 1) (a). DerMahsstrom, des—es, plur.die—ströme, ein Strudel m der See, wo sich das Wasser meinem Kreifechrehet, unter welchem Nahmen besonders der große Strudel an den Norwegischen Küsten bekarmr ist, Norm. Mueilirom. Von mahlen, sich im Kccisedrehcn,S. 2.Mahlenund6.Mahl, Anni. In der Seefahrt, besonders Heyden Grönlandsfahrern, ist dieMahling oder Naling ein Ort, wo sich das Eis im Kreise drehet. Der Mnhlzahn, des—es, plur. die—zahne, von 2. Mahlen, mnlers , ait einigen Orten, eine Benennung der Stockzähne bey Menschen und Thieren, weil sie zum Zermahlen oder Zermalmen der Speisen dienen. Dhö Mahlzerchen, des —s, plur. nt nom. llnZ. cm bestimmtes körperliches Zeichen, etwas daraus zu erkennen. Es ist ein Maalzeichen dry dem Stuhl des Herren, daß der Herr streiten wird u. stf. 2 Mos. 17, >6; wo es für Lenkmahl stehet. Man gebrauchtes nur noch, fast in eben dem Verstände, in welchem auchwahrzeichen üblich ist,besonders von dergleicheaZeiche» am Leibe. Jemand der eine Narbe von einem Falle hat, trägt davon das Mahlzeichen an seinem Leibe. JmNiederstwirb auch das Ziel und die Scheibe,wornach gezielet wird, das Mahlzeichen genannt. Soll dieses Wort keine Tavtologie enthalten, so muß Mahl in demselben auf die Art und Weise der Verfertigung des Zeichens gehen, wenn cs nicht gar aus Wahrzeichen gebildet ist, weil m und w als Buchstaben gleiches Organi sehr oft in einander übergehen,! und r aber noch öfter mit einander ahwechseln. Siche 6. Mahl 2'. 1) (a). Die Mahlzeit, plur. die—en, die umständliche Handlung, wo ein Mensch die zu feiner Nahrung nöthigenSpelscir zu sich nimmt. Des Tages Eine, zwey Mahlzeiten halten. Die Mittags- mahlzeit, die Abendmahlzeit, von der Mahlzeit aufstehen. Jemanden eine Mahlzeit Essen geben. Das Zleisch reichet' zu drey Mahlzeiten. Einessute Mahlzeit chnn, stark essen. Anm. Im Niederst und Däu. Maaltid. Es ist statt des ungewöhnlicher gewordenen Mahl, (S. 4. Na-Hl,) aufgekommen, wird aber doch nur inengevm Berstaude von der umständlichen Handlung des Speiftus gebraucht. Denn ein bloßes Frühstück normt man wohl in der anständigern Sprechart ein Mahl oder ein Zpiihmahl, nicht aber eine Mahlzeit, wenn es nicht ans Mehrern Speisen bestehet und die Handlung selbst ordentlich und umständlich vorgenommen wird. Die Ursache liegt in dem Worte Zeit, welches in mehrernFällen eine feyerlichcHandlnng bedeutet, z. B. H ^hzeir, obgleich Wachter es in dieser Zusammensetzung nicht für Zeit, kernpus,- hält, sondern es von dem veralteten Schweb, und Jsläud. ipeite, Freude, Fröhlichkeit, Merket. Von einer feyerlichen Mahlzeit gebraucht man Gastmahl, Schmaus u. s. f. Der Mahlzettel, des—s, plur.M nom.silNß. in einigen Länder», ein Zettel, welchen die Mahlgäste in den Mühlen von dem Mah , Z2 vercidigteil Mühlenschrcibcr empfangen, woraufdasGewichr des in die Mühle gelieferten Getreides verzeichnet istum den Unterschleif des Müllers und die Hintergehung des Mahlgroschcns zu verbuchen. DerMahnbrief, des—es, plur. die—e, ein Bestes, worin man jemanden um Bezahlung einer Schuld mahnet. Die Mahne, plur. die—n, die ganze Sammlung von langen Haaren, welche einigeThiere, besonders die Pferde Und Löwen, von dem ober« Zheile des Halses herunter hangen haben; im ge- meinenLeben auch das Rammhaar, Lai. stubu, (S. Schöpf.) Die Mahne eines Pferdes , eines Löwen. Anm. Im Niederst Mane, im Engl. Mune, im Schweb, und Dän.Mun , im Wallis. Mrvns. Casaubonns und Junius leiten es von dem Griech. her, welches bey dem Pollux einen Halsschmuck bedeutet. Vielleicht sind bcyde aus eitler gemeinschaftliche» ältcruOuelle entsprungem Schweb, heißt det ganze Hals des Pferdes Munks, vielleicht nur der Nucken deffel- ben, der Sitz der Mähne, welcher im Deutschen auch der Ramm genannt wird. Mahne druckt vielleicht dieBewcglichkeit derHals« haare dieser Thierc aus, da es denn zu mähen, bewegen, gehörenwürde. S. Mahnen, Anm. Mahnen, verd.rcZ. uct. welches im Hochdeutschen nur noch er- neu Theil seiner alten weiten Bedeutung erhalten hat. Es bedeutete, 1. Eigentlich, ziehen, m welcherBedeutung in Baiern noch die Zugochsen Mähndochsen genannt werden. Noch hänsigrr gc. brauchte man es als ein Factitivum, ziehen machen, d. i. antren ben, in welcher Bedeutung es gemeiniglich mahnen lautet, und noch in vielen Oberdeutschen Gegenden üblich ist. Mit den sporn er sein pferdt mandt, Thenerd. Kap. 4» . Christus wurde als ein Vieh mit Garten (Ruthen) von den Inden gement, ein alter Dichter in Eckards Zeript. bey dem Frisch. Den Fug mahnen, in Franken, fahren, die Pferde vor dem Wagen lenken und antrciben, wo der Mähnjunge derjenige Junge ist, welcher die Ochsen vor dem Pfluge antreibct. Im Holländ. gleichfalls meunen, für fuhren, Schweb, muna, Lat. minure, Franz, mener. 2. Figürlich. -) Zu Leistung einer Pflicht anhalten; eine ihrem ganzen Umfange nach veraltete Bedeutung, irr welcher man es nur noch im engern Verstände gebraucht, an die Erfüllung eines Versprechens erinnern,znrErfüllung eines gechänenVersprechens anffordern. Jemanden mahnen. Am häufigsten, zur Bezahlung einer Schuld anffordern, an die Bezahlung einerSchnld-eriu- nern. Jemanden wegen einer Schuld mahnen. Er laßt sich täglich mahnen, und bezahlt doch nicht. Ich lasse mich nicht gern mahnen. 2) *Vor Gericht laden, auffordern vor Gericht zu erscheinen; eine veraltete Bedeutung, in welcher im Mittlern Laterne munn i re sehr häufig vorkommt. In weiterer Bedeutung gebraucht Ottfried murren auch für einladeu. z) *Beweg»ngS- gründe zur Ausübung seiner Pflichreu vorftelleu, und in weiterer Bedeutung, mitWortcn an fe ne Pflicht erinnern ; eine veraltete Bedeutung, in welcher wir jetzt ermahnen gebrauchen. In diesem Verstände kommt munsn noch oft bey dem Ortfried uudKero vor. In noch weiterer Bedeutung gebraucht Marr es uoch zuweilen im Oberdeutschen flir aufmuntern, besonders zur Arbeit. 4) Erinnern überhaupt, mir dem Vorworte an, im Oberdeutschen auch mit der zweyten Endung. 80 munent miü ckiu lisliten tuZe Miner ultenstencksn KIuZe,Nndosichvon Rotenburg. Iclilueli cla rosiebluomen siun Diemunent micü ckerZLilunksnvH Ois iekirinLsiner krourvenliun, Dietmar von Ast. In / ZZ M ah In diesem Verstände wird es, so wie das »erkangerte gemahnen, nur noch im gemeinen Leben gebraucht. Ließ Buch m.ahrit mich «n die Zeit, da man noch lauter Robinsons schrieb. Der Mensch mahnt, oder gemahnt mich an meinen Vrndcr. S) *Scheinen, Vorkommen, als ein Neutrum; in welchem Verstände doch «ur das zusammen gesetzte gemahnen noch zuweilen im gemeinen Leben vorkommt, S. dasselbe. Das Hauptwort die Mahnung kommt seltener vor als der Intuitiv das Mahnen. Anm. In den figürlichen Bedeutungen von des KeroZeiten an rnanon, im Niedcrs. manen, im Angels. Maniav, mallißian, Hey demUlphilas Zamunau, imDän. mane, im Schweb, mann, im Finnischen manaao, im Lat. moaers, im Griech. ft,«r». Da es in den vier erste» Bedeutungen ein Factilivum ist, cnnnern machen, so wurde es ehedem auch häufig als ein Neutrum für erinnern gebraucht, und diente hierauf in seinen Abkömmlingen nicht nur die Erinnerungskraft, sondern auch das Gemüth, den Geist übcrhanptzu bezeichnen, wohin das Engl, i^incl, Gemüth, unser meinen u. a. m. gehören. S. auch Miene, Mond. Daß unser Activum mahnen, erinnern, eine Figur von mahnen, aittreibeu, ist, ist wohl mehr als wahrscheinlich. Auf ähnliche Art druckten die Lateiner ermahnen durch irortari ans, welches eine sehr sichtbare Verwandtschaft mit dem alten hurten, Franz, treurter, stoßen, treiben, hat. Zergliedern wirunser Zeitwort, so fern es ziehen und factitive ziehen machen^antrei- bcn, bedeutet, genauer, so zeigt uns die Endung —neu, daß es ein Jteralivum oder Jntenfivum ist, und da kommen wir wieder auf das Zeitwort mähen, so fern es überhaupt bewegen bedeutet, und eine fruchtbare Mutter einer sehr großen Menge davon abstammender Wörter ist, wovor, mit den ähnlichen Ableitungssyl- ben unter andern auch die Zeitwörter mahlen und mähren/ rühren, mit ihren Familien Herkommen. Der Mahnendes — s, plur. ulnom.lmA.Fämin. dieMasi- nerinn, eine Person, welche mahnet, oder an etwas erinnert; ein Wort, welches doch nur selten vorkommt. Durst und Hunger find die Mahner, .die man nimmer kann bestillen, Logau. DasMahnretzister, des-7—S,p1ur. ul nom. knZ.ill einige» Provinzen, Verzeichnisse auf dem Lande, nach welchen die Schultheißen die obrigkeitlichen Gefälle einmahnen. Der Mahr, des — es, oder — en, plur. inus. eine besonders in den Nieder-sächsischen und mitternächtigen Gegenden übliche Benennung derjenigen nächtlichen Beschwerung, weiche im Hochdeutschen unter dem Nahmen des Alpes am bekanntesten ist, (S. dieses Wort,) welche der große Haufe dort so wie hier einem bösartigen Geiste zuschreibt. von dem Mahr oder Mahren geritten, oder gedrückt werden. Anm. 2 m Niedcrs. Maar, Moor, Holland. klaZlMsrrie, Engl.KliAÜtmare, Angels. Schwed, und Island, Klaea, Böhm. L 4 üru, Franz. Oaueüsmar, Lkaueemar, der ersten Hälfte nach vermuthlich von ealcars, treten. Weil diese Beschwerung eine würgende, erstickende Empfindung verursacht, so scheinet dieses Wort zu Mord, morden, würgen zu gehören. Die Araber sollen sie um eb.n dcßwillen ^.Ibeckilou und /Mratcm nennen, vorr ähnlichen Stammwörtern, welche würgen bedeuten. Im Bre- tagnischen ist klor ein kurzer, oft unterbrochener Schlaf, rmd mori auf solche Art schlafen. Das Mährcyen, S. Z. Mahre. . 1. Die Mähre, plur. die — Diminut.das Mahrchen, Oberd» Mahrlein, ein sehr altes Wort, welches, i. Ein Pferd überhaupt, ein jedes Pferd, und besonders ein edles Pferd, ein Tur- nie-Pferd bezrichmte, und auch March, Mark, in den alten. Udsl.w.B.Z..TH. 2,A-^ M ah - Z4 BalekWen und Alemannischen Gesetzen Zlaraek, im Island Nur, lautete. Es ist in dieser weitern Bedeutung veraltet, indessen ist selbige noch in dem Worte Marstall übrig, (S. dasselbe.^ Das hohe Alter dieses Wortes erhellet ans dem Pausanias, welcher versichert, daß die alten Celten ein Pferd ftoegxoev genannt« s. In engerer Bedeutung. i^Ein schlechtes, e.ences Pferd; im welchem Verstände es noch oft mit einem verächtlichen Rebenbegriffe vorkommt. Er wackelte auf seiner Mähre fort. Die Ackermähre, ein schlechtes Ackerpferd. Die Schindmähre, ein elendesPferd, welches nur noch für den Schinder taugt. 2) Ein Mutterpferd, eine Stute; eine noch in einigen Gegenden, besonders Niederfachftns, übliche Bedeutung. Der Hengst schreyee gegen alle Mähren, Sic. ZA, 6. Niederst Märe, Angels. Klere» iVt/rn, Holland, klerr^p, Engl. Klare, Schwed, klar. Finnland. Klaerae. 2. *Die Mähre, xlur. die—n, ein völlig veraltetes Work, welches in den nordischen Sprachen ehedem üblich war, wo es eine Jungfrau, eine junge Weibsperson, ein Mädchen bedeutete. In engerm Verstände ist kleri in dcu Monsceischen Glossen eine Hure, welche Bedeutung das VZort Mähre in den gemeine» Sprecharten eimgerGegenden noch hat, wo es mit dem Lat.Klere- irix verwandt zu seyn scheinet. Z. Die Mähre, plur. die—»i> Diminut. das Mahrchen, Oberdeutsch Mahrlein, ein sehr altes Wort, von welchem sich nur noch einige wenige slberbleibsel erhalten Habert. Es bedeutete, . 1) *Das Gerücht, bey dem Ulphilas kleritka, mit einer andern Ableitungssilbe bey dem Ottfried Klari und klaru, bey dem. Hornegk Mer, Märe. Figürlich ist daher im Angels, klaercks Ehre. Jir dieser Bedeutung ist es völlig veraltet. Ehedem war auch mar berühmt, bekannt, unmar unbekannt, waren ans- breiten, bekannt machen, ai Maren in dem Isidor beweiffn und so ferner. 2) *Eine Nachricht von einer geschehenen Sache; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung. Bey dem Hornegk Mer, Märe. Ich, sprach er, bring euch leidig wer, Theuerd. Ich bring euch neue gute Mahr, in einem alten Weihnachtsliede. Neue Mähren Hort man gerne, sagt man nochzuweilen im gemeirren Leben. Z) *Eiue.wahrhaste Geschichte; cnre gleich- . falls veraltete Bedeutung, in welcher das Wort noch mehrmahls bey dem Hornegk vorkommt. 4) Eine erdichtete Erzählung, eine unwahre Geschichte, im mittlernLat. Oieabulum. Sie haben es als eine Mahre in den Wind geschlagen, Opitz. In der- Hand hat sie ein Buch mit Mahren, Gottsch. Am häufigstem ist in diesem Verstände das Dinünnt. Mährchen, Oberd. Mahr; lein. Ihre Worte bauchten sie, als wärens Mährlcin,. Luc. 24, ii. Mahrchen erzählen, erdichten. Wo es am häufigsten von unwahrscheinlichen Erdichtungen, welche bloß in der Absicht zn belustigen erdichtet werden, gebraucht wird, um es von der Fabel und andern Arten der Dichtung zu unterscheiden. Anm. Das Wort Mahr, Mar, ahmet ohne Zweifel durch, seinen Lam das laute Geräusch nach, welches der erzahleudeMund' eines oder mehrerer verursacht, welches eigentlich das Geriichk ausmacht. Daher ist merjan bey dem Ulphilas verkündigerr, und klarck im Island, ein Loblied. S. das folgende. -sMähren, verb. reK. ueulr. mit dem Hülssworte haben, welches unr in den niedrigen Sprechartelt üblich ist, mit den Händen in- etwas herum rühren, es sey nun enr nasser oder ein trockner Körper. In dem Rothe mähren. In dem Gelbe herum mähren«. Anm. Bey dem Notker kommt die R. A. vor mare uuercl^NA, bewegt werden. Mä hren ist vermittelst der intensiven oder iterativen Endung—ren von mähen, bewegen,. Mvvsie,, gebildet gleichsam m a Heren. C DÄs ZL Mah Die Mahrflechte, oder Mahrenflechte, plur. die-n, eine im gemeinen Leben üblcche Benennung des Weichselzopfes, Iri- eako 1 ovics^(S. lDeichselzopf.) Er wird auch Mahrklatte, Elfklatte, Marenzopf, Dan. Marlocke, Schweb. MarlcreL genannt. Der Mahr oder Alp hat mit diesem Worte ursprünglich nur eine zufällige Ähnlichkeit, ob es gleich seyn kann, daß man durch denGleichlaut verführet worden, diejenigcnBüschel verwirr« ter Haare, welche man im gemeinen Leben Mahrflechten nennet, als eine Wirkimg des Mahren.anznsehen. Die Holländer hüben noch das alte Zeitwort marren, Angels. msrav, hindern, auf- halteu, verwirren, welches, wenn man m und w als zwey Lippen- buchstaden anstehet, deren Verwechselung nicht selten ist, zu nn- serm wirren und wehren gehöret, ursprünglich abpr mit dem vorige» mähren gleichfalls von mähen, bewegen, abstammet. Ein Mahrzopf oder eine Mahrflechte heißt also nichts anders als ein Zopf unter einander verwirrter Haare, dergleichen sich zuweilen auch in den Mähnen der Pferde finden. In den Gipfeln der Birken finden sich gleichfalls oft solche inGestalt einesLuastes verwickelte Reisex, welche Mahrquaste heißen, und durch ihren Nahmen den gememen Mann zu der Einbildung verleiten, daß derMahr solche Bäume geritten habe. Auch die Mistel wird wegen einer ahn-, Uchen Verschlingung der Zweige i,l einigen GegcndenMahrents- '> - - sb) Der äußere Glünz, die äußere Würde bieftrhochsterr Getvatt. Der Baiser zeigte sich in seiner völligen Majestät. Da cs denn auch von dem höchsten Grade des äußern Glanzes, Ansehens und dcc Pracht anderer Dinge gebraucht wird. Die Sonne in ihrer Majestät. (c)*Ehedem wurde auch eiu Majestäts-Brief die Majestät genannt, wovon Frisch ein Bcyspiel anführet. 2. Eure mit der höchsten Gewalt begabte Person. Die Majestäten lästern., 2 Pct. 2, io; Br. Jud. v. 8 ; wo auf eine ungewöhnliche Art obrigkeitliche Personen überhaupt verstanden werden. Jetzt gebraucht u;au es nur »och in den Titeln der Kaiser und Könige und ihrer Gemahlinnen, als ein Abstractum. Ew. Raiserl,che oder Röniglrche Majestät geruhen u. s. f. Sr. oder Ihre Majestät haben befohlen. Ihre Majestäten, der Kaiser oder König und -essen Genrahlilm. Anm. Bey den Schwäbischen Dichtern UaMaf. Ehe man dieses, Wort aus dem Lateinischen aufnahm, druckte man es durch eigene Deutsche Wörter aus. Im Isidor heißtes iVlegkine, von mögen, Macht, bey dem Ottfried Lregrec-Kti, von Grecht, Kraft, bey dem Notker Vuerciimagtigi, in Lipsii Glossen gincraft, und zusammen gezogen Nanerskte, in Carls 4gol° denerBulle^ImLejniclikeit, und noch bey den später» Schriftstellern Magenkraftund-Mächtrgkci,. Das Lat. ist, so wie mLZuus uud alle dieses Geschlechtes, mit unserm Macht und mögen genau verwandt. Majestätisch,— er, —te, nckj. et ackv. Majestät habend, derselben ähnlich, in derselben gegründet, doch nur in der weitern und figürlichen Bedeutung, einen hohen Grad des äußern Anse- Honsund Glanzes, der äußern Pracht habend. Ein mafestati- scher Schimmer durchfloß den ganzenAaum um ihn her. Di/ majestätuche Einfalt der biblischen Schreibart, die Mischung der natürlichsten und doch dabey nachdrücklichsten und anständigsten Art des Vortrages. Indcß daß der majestätische sahn seine gluchzenden sennen im sose herum führt, Geßn. 7 knm. In den Kattzelleyen einiger Gegenden ist der majestätische Erbhcrr der oberste Lehens - und Landesherr., im Gegensätze des nii^ern; eine sonst ungewöhnliche Bedeutung. DerMajestäts-Lrief, des — es,p!ur. die — e, ein Frey- heitsbrief, welchen ein souveräner Staat, vdexssouvcräner Landesherr erkheilet, unter welchem Nahmen besonders gewisse Privi- leaia der Kaiser Sigismund und Rudolphs 2 bekannt find. Das Majestäts-Recht, des—es, plur. die— e, das der Majestät oder höchsten obrigkeitlichen Gewalt anklcbcndeRecht, ein mit der höchsten Gewalt wesentlich verbundenes Recht; das soheitsrccht. Echanöer, des — s, plur. ut vom. 6 ng. Fämin. dieMajestars - Schandcrrnn, eine .Person, welche dir höchste Gewalt, oder die damit bekleidete Person auf die gröbste Art beleidiget. Der Major, des — 6 , piur. die — e, aus dem Mittlern Lat. Hiujor, ein Kriegsbefehlshaber, welcher unmittelbar auf den Oberst-Lieutenant folgt. Dessen Gattin« dieMajorinn. Mau pflegt ihn nur bey den Fußvölkern Major zu nennen, dagegen bey der Reitcrey der ältere Deutsche Ausdruck OHerflwachmcifler, der zugleich dessen Pflicht und Bestimmung ausdruckt, üblich geblieben ist. Der Majoran, des—cs xlur. irnis. eine gcwlirzhafte Pflanze, welche eine Art des Doflens ist, und aus wärmer» Gegenden in unsere Gärten gebracht worden; Origanum O. Anm. Der Nähme dieser Pflanze lautet im gemeinen Leben Meier an, Meiran, in Österreich Margran, im Engl. iViario- ram, un Schwed. und Dan. iVIeiran, im Böhm. iVIajoi-unka. im Franz kvlarjolaive, im Jtal. ülagiorällL, im mittler» Lat. I^oracs, Mal 27 Maj jd/lajoracn, alle ohne Zweifel von dem L-t. ^.maracus, mit Wegiverfung des' Anfangs a. Dss Majorat, des —es, plur. die—e, ans dem Mittlern Lat. lVlajoratus. i) Das Recht des Ältesten in einer Familie, ohne Plural; besonders dasjenige R> cht, vennöge dessen alle oder doch die vorn hmsten Güter mit ihren Hoheiten dem nächsten ältesten Erben übertragen wrden, wohin in weiterer Bedeutung auch das Recht der Erstgeburt gehöret, wenn die ganze Erbschaft auf den Erstgeborne,l und dessen Erben, dann erst aus den zweyten Erben u. s. f. kommt. In eng rcr und gewöhnlicherer Bedeutung ist das Majorat dasjenige R.chr, nach welchem dir Erbfolge nicht auf den Ältesten der nächsten Lüne, sondern des nächsten Grades fällt; dagegen es ein Ssniorat ist, wenn weder aufdie Linie noch auf die Grade,sondern rurr auf das bloße Alter der Personen gesehen wird. Ein g 'inischtes Majorat ist, wenn nach Absterben der L-nie des Ältesten nicht die nächste Linie, sondern der Älteste unter den Stammsverwandten folgt. 2 ) Dasjenige Tut oder Land, welches auf solche Art ungethcilt allemabl be» dem Älteste.-, der Familie, und in engerer Bedeutung des nächsten Grades bleibt; das Majorats-Gnt. Nlajorenn, nc!j. elackv. welches aus dem Mittlern Lat msjoren- nis im gemeinen Leben für mündig gebraucht wird. Daher die Majorcnnität, die Mündigkeit. Der Makel, des—s, plur. ut vorn. 6nZ. ciu fehlerhafter Flecken, und iu weiterer Bedeutung auch ein Fehler. Man leitet es gemeiniglich von den, Lat.iVlncuIn her; allein eskann auch nur ein bloßer Seitenvcrwandtcr desselben seyn, weil daSimHvchdeut-- scher, größten Thcils veraltete Mahl in eben dieser Bedeutung ehedem einen stärker,, Hauchlaut in der Mitte hatte als jetzt; Machek, zusammen gezogen Mahl. (S. st. Mahl und das folgende Makeln») Der Unterschied des' Geschlechtes macht solches gleichfalls wahrscheinlich. Dah r mäkelig, besudelt, befleckt, - makellos, rein, unbefleckt. Das Zeitwort mäkeln ist nur in de» mäkeln, für beflecken, beschützen, üblich. I.* Mäkeln, verb. reZ.ac l. erneute, welches im letzter» Falle das HulfSwoct haben erfordert. Es ist nur im gemeinen Leben einiger Gegenden, besonderSNiedersachftnS, üblich, wo es Makel, d. i. Fehler, aufsuchen und flnden, Kleinigkeiten tadeln, bedeutet, fjber e,ne Sache mäkeln. Etwas an einer Sache mäkeln. Überall etwas zu mäkeln flnden. Alles mäkeln. Daherder Mäkler, der Ta-dler,' die Mäklerin,,, die Tadkerinn, die Ma- kelry, das Tadeln. ES scheinet von dem vorigen Makel abzu- stammen, wie tadeln von Tadel. r. Mäkeln, ve, b. reZ. neutr. mit demHülfs'worte haben, welch s in einigenHandelsflädtcn, bcsondcrSNiedersachsens,üblich ist, einen Makler, d. i. Unterhändler der Kanfleute, abgeben. In einigen Gegenden wird eS für trödeln gebraucht, einen Trödler ab- gebcn, niit alten Maaren und Gekäthschafren bandeln. 2tnm. Wachter leitet es von machen, verbinden, ab, (S. Gemahl,) zmnahlda)-lnHuerenuimFranr^inen Vuppler bedeutet; Forsch von machen, den Kauf machen; andere mit mehrcrerWahr- fchemijchkcrr von demHrlländ. m^eclc^n, eincnVertrag machen, wenn nicht vielmehr die Bedeutung des Handelns' in diesem Worte die herrschende ist. Im Mittlern Lat. ist ms.-iKonars, Franz. ' MLH rft-a-,nt-r ans eine betrügliche Art handeln, schlechte und wohlfeil erkaufte Maaren lheucr wieder verkaufen. 1. DsrMaester, des — s, plur nt nom. IruZ. ein Tadler, la- delsüchtiqcr Mensch, S. 1 . Mäkeln. 2 . D^r M>r ler, des - s, p!ur. ul nom. in einigen, besonders Ncedersächnschen Handelsstädten, ein Unterhändler der Kanfleute, der ihre Maaren zu versaufen nicht, in Leipzig undan- sern Orten, wen« es eine verpflichtete Person ist, ein Sensal. Z8 - Zuweilen wird auch einer, der auf eine wncherhafte Art mit etwa- im Kleinen handelt, ein Mäkler genannt, daher der Geldmakler alsdann ein Geldwechsler ist. An andern Orten führen die Trödler den Nahmen der Mäkler. Schwed, lVlalclars,Holland. IVInecke scr. Das Engl. lVlaclMr bedeutet gleichfalls einer? Unterhändler. Der Maklerlohn, des — es , plur. inus. dasjenige, was der „ Mäkler oder Unterhändler eines Kaufmanns für feine Bemühung erhall; die SensaüGebühren, mit einem ausländischen Worte die Courtage. Die Makrele, plur. die—ri> eine Art eßbarer Seefische, welche horrfiq in der Nordsee gefangen werden, einen gedruckten und glatten Kopf, eine Kiemenhant mit sieben Strahlen und fünf kleine getrennte Asterfinnen am Schwänze haben; Scomber Lcom- Krus l^,. Er ist ungefähr eine Elle lang, ha, keine Schuppen, nutz führet graue Qncrstrejsen über demRncken. Im Dän. und Norw. Makrcel, im Müllern Lat. lVIa^usreiluZ, lVlakreuus, im Engl. lVl ackern!, im Franz. iVla^uereau undLIa^uersl, in, Jtal. IVIncarello. Die M^cröne, plur. die —n , eine Art Zuckergebackenen, von Mehl, zerstoßenen Mandeln undZi,cker. AuS dem Jtal. ü)1ac- caroue, Franz. Macaron, im Mittlern Lat. jVlaecZ.ro, von dem Jlal. lVlLeca, Mehl, Schrot, gröblich zerstoßene Dinge, und maccure, gröblich zermalmen. Das Jtal. LlaeeLl ons hat noch sine andere Bedeutung, welche in Deutschland gleichfalls nicht selten ist, indem es grobe oder große Nudeln und aus eincrk Nudelteige gemachte Mehlflccke bedeutet, welche in Italien und Ooerdeutschland auf mancherlei) Art zugerichtet werden. Diesen Nudeln oder Maccaroni zn Ehren schrieb Merlino Tocajo, ein scherzhafter Dichter seiner Zeit, seine Maccorca, ein postierliches Gedicht, in welchem Lombaroische und Lateinische Verse mit einander abwechselten; daher man nachmahls alle aus inchrcrn abwechselnden Sprachen bestehendeGrdichtc maccaronischcGcdich- re genannt hat. Mttl, S. Mahl. Der Malachit, des — en, plur. die — en, ein grüner glasartiger Stein, welchen man ehedem unter die Edelsteine rechnete, welcher aber weiter nichlS als ein grüner qnarzarliger Spath ist, der eine Politur annimmt und seine grüne Farbe von dem bep- gemnchten Kupfer hat, daher man ihn auch unter die Kupfererze rechnet. Aus dem Griech. ygoder^rXoxt^S, von ^ 0 - Malva, Pappel, imä ,c,u Grün dem Grün dieser Pflanze ähnl.ch ist. Weil er, wenn er den Kindern angihängt wird, sie vor dem Schrecken bewahren soll, so wird «r im gemeinen Leben auch Schrcckflcin genannt. Drv-Mälaya, plur. cnr. der Nähme einesSecteS oderSpanifchen süßen Weine-, welcher a„S der Stadl Malaga inGranada zu uüs gebracht wird, von welcher er auch den Nahmen hat. Maleöechen, verb. reZ. act. welches nur noch in dem zusammen gesetzten vermaledcrben, für verfluchen, im gemeinen Leben vorkommt. Es' ist aus dem Larein. maleclicere Verstümmelt, wie benedechen vonbeueclicere. Das Malefiz, de^— es, plur. die — e, ein aus dem Lat. lVIa- lettcium entlrh.tteS und nur in einigen Oberdeutschen Gegenden übliches Wort, wo cS mcht nur ein Crilülnal-Verbrecheii, sondern auch da5 Recht, Criminal-Verbrechen zu lutterfuchen und z» bestrafen, die obere Gerichtbarkeit, den Blutbann bedeutet, welcher alsdann auch das Malefiz-Recht genannt wird. Daher der Malefiz Fall, ein für diese Gerichtbarkeit gehöriger Fall, ein Zenrfall, Fraisfall, Triminal-Fall; -«s Malefiz - Gericht, das obere Gericht, Crirninal-Gericht. Malen, S. Mahlen. C 2 Die Die MallemuEe, plur. die —n, der nordische Nähme des Sturmvogels, S?dieses Wort. ^ ^ Der Malm, des —es, plur. inust. nur in einigen Gegenden, em zerriebener, zu Pulver gemachter, gemahlner Körper, Staub, Graus, Gries u. s.f. Frisch führet einige ältere Beyspiäe an, woraus erhellet, daß im Rieders. Mclm für Staub gebraucht worben, in welchem Verstände es auch beydemSlryker verkommt. Im Schweb, ist Malm der Sand, und im Jtäl. Melrna Koch, Schlamm. Es gehöret mit dem noch Michern Mulm, dem Niederf. Milli, Staub, Auskehricht, unftrm Malz und Mehl, Hern Oberd. Schmolle, Brotkrume, Island. Mola, und andern Hieser Art zu dem Zeitworte 2. Mahlen, mcäere, und dem davon abstammenden malmen. S. Mulm und Zermalmen. Die MslonFe, plur. die—n, eine Art Pflaumen, S. Marsnke. L. "Las Malter, des —s, plur. inul.ein nur in einigen, besonders Oberdeutschen Gegenden übliches Wort, einen klein geriebenen oder gebröckelten Körper, Schutt, Graus u. s. f. zu bezeichnen. Es war kein Zaus in der Stadt, in welchem die Erd- erschiitterung nicht einiges Malter herab gerissen hatte. ES gehöret mildem vorigen Malm und dem folgenden Malz zu dem Geschlechtc des Zeitwortes 2. Mahlen, molere. L. Das Malter, des—s, plur. ul uom. liuZ. welches jetzt nur noch als ein Maß verschiedener Dinge üblich ist. ') Als ein Ge- joeidemaß größerer Art, wv es fast in jeder Provinz von einem Andern Gehalte ist. Zu Nürnberg hält ein Malter 8 Metzen, Z2 Diethhaufl'n, 64Diethhäuflein oder 128Maß; in Erfurt 4 Viertel, r 2 Scheffel, 48 Metzen, oder .92 Mäßchen;imGo- chaischen 2 Scheffel oder 4 Viertel; in der Pfalz und Zrankfurt' am Main, wo es so viel als ein Achtel ist, 4 Simmcr, 8 Metzen, »6 Sechrcrodcr64 Bescheid; inDanzig 16 Scheffel, 64 Vicrtcl, vder ?z6 Metzen; im hannoverischen Z Scheffel, 6 Hunten oder , 2 Metzen; in westphalen 4 Scheffel, 16 Viertel oder 192 Kannen; in Löln 24 Faß;imMsnabrückischen »2 Scheffel, 48 Vier- lel, vder 192 Becher oder Metzen; inVbersachsen laScheffel, 48 Viertel, oder »92 Metzen, wo es doch nach Maßgcbnng des Gehaltes der Scheffel wieder verschieden ist. 2) Als ein Maß des Zn Scheiten geschlagenen Holzes, welches bey denHamincrwerken, Kohlenbrennern u. s.f. einiger Gegenden üblich ist, und gemeiniglich einen Würfel 4 Fuß hoch, 4 Fuß lang und 4 Fuß breit ausmacht, der folglich 64 Cubik-Fuß hält. Neun Malter machen alsdann 4 Klafter zu 4 Fuß Länge, drey Malter aber eine Flvß- klafter. z) Als eine Zahl, wo es in einigen Gegenden cineZahl von ' L ist, und alsdann mit dem verwandtenWorte Mandel überein kommt. Ein Malter Garben, Base u. s. f. das ist eine Mandel, odereine Zahl von JndemSchwabenspicgelKap. »67 ist so wie in dem Sachsenspiegel des Boniges Malter, d. i. ein großes Malter, eine Zahl v-n ZoSchlägeu, welche der Verbrecher in manchen Fällen mit einer eichenenSpießgerte von drey oder vier Ellen lang bekam. Anm. Als ein Getreidemaß im Rieders. Molt, ohne die^blei- tungssylbe — er, im alten Engl. Mauläer, Maiä er, im mitt, lern Lat. MaläraMalärus, Maltrum, Maläarium u.s.f. Es gehöret mit unserm Mulde, zu dem Geschlechts des Wortes Z. Mahl, welches so wohl einen tiefen Raum, ein Gefäß, als auch eine Erhöhung, einen Haufen bedeutet, von welcher letzter» Bedeutung unser Malter, wenn es ein Holzmaß ist, abstammet. Su der Bedeutung eines Gefäßes gehöret das mittlere Lat. Malet err a, ein Kochgeschirr, das Angelst Mete, eine Schüssel, das Ulphilanische Mela, ein Scheffel, Schwed. MA, Island. Mal, Alandrisch iVl ael; daher im Schweb, mala überhaupt messen ist. Da Mabl,Maß, und das Lat. Moclius, (Niederst Maat,) nur im d»tt Ablkttu»sss-lbktt ykrjchikden ist, so ist die Verwandtschaft Mal 4n Niederst Malmastcr, Malmesien, Engl. Malmle^. Die Malve, plur. doch nur von mehrern Arten,.die — n, au§ dem Lat. Malva, eine Pflanze; Malval^. Diein Deutschland einheimischen Arten dieser Pflanze sind unter dem Nahmen dev waldpappcl, Gänsepappelund derSiegmarswuv;am bekanntesten, so wie der Deutsche Nähme Pappel im gemeinen Leben mehrern Arcen Gewächse gegeben wird, welche man il, der Botanik sorgfältig unterscheidet, (S. Pappel.) Bey einigen neuern Schriftstellern führet auch die l,avatera l,, ein ausländisches Gewächs dieser Claffe, Engl. Malinrv, den Nahmen der Malve. Das Malz, des —es plur. iuus. das zum Bierbrauen bestimmte geschrittene Getreide, und in weiterer Bedeutung auch das durch Einweichen und Dörren zum Schroten zubereitete Getreide dieser Art. Daher man unter dem Ausdrucke Malz machen oder malzen und mälzen gemeiniglich nur die Arbeit des Einweichens und Dörrens verstehet,ungeachtet nach der Abstammung eigentlich das Schroten dieses Getreides diesen Nahmen führen sollte. Lnft- malz, welches nachdem Einweichen und Keimen an der Luft getrocknet worden,zum Unterschiede von dem Larrmalze. weitzen- malz, Gcrkenmalz, Zafermalz. Es ist Zöpfen und Malz an ihm verloren, sagt man im gemeinen Leben von einem Menschen, von welchem keine Besserung mehr zn hoffen ist. Anm. Im Niederst Molt, im Angelst Mealt, im Engl. Maik, im Holland. Mout, im Schweb. Mall. Wachter leitet cs sehr m,wahrscheinlich von dem Lat. kolsata ab, Frisch von dem Lat. McäUum, Ihre mit etwas mehrerer Wahrscheinlichkeit von dem Schweb, m-all, Engl. mellorv, weich, mollrs, milde, molsch, Griech. erweichen, Angels.mealt,Deutsch schmelzen, so daß bamir vornehmlich auf die Einweichung gesehen würde, zn- nrahl da im Schweb. Malt a von dem,ersten Keimen derGcwächse gebraucht wird. Mit eben so vielem Rechte kann man es als einen Abkömmling von mahlen, mvlers, ansehen, zumahl da Moik vnd Molta bey den Schriftstellern des Mittlern Zeitalters niehe- mahls für Staub Vorkommen, und im Mittlern Lat. Masta» Mo 1 >a,Mörtel ist. Vermuthlich wurde das Malzaus einerähn- l chen Ursache ehedem ünch Braß genannt, im Mittlern Latem, k^ace, Lralium,indem das Schroten desznmMalz bestimmten Getreides noch jetzt brechen genannt wird. Dro 4 * Mal Mair 42 Die Malz- 2lccrfe, plur. doch nur von mehrern Arten, die—en, in einigen Ländern, eineAceise, welche von dem-Malze entrichtet wird. Der Malzbo-en, des — s, plur. die—Hoden, ein Boden, auf welchem das eingeweichte und zum Malz bestimmte Getreide getrocknet wird; ingleichen eiuBodeik, auf welchem das Malz anfbewahcet wird. Das Malzbret, des—es, plur. die —er, in den Malzdarren, diejenigen Breter, auf welchen ,daS Malz im Darren zu liegen kommt. > Die Mcrkz-crrre, in der anständigern Spcechart, -re Malz-or- re, plur. die—n, eine besondere Art Ofen in den Brauhäusern, ans welchen das zum Mal; bcstimmteGetreide gedörrct, d. i. durch Hülfe des Feuers getrocknet wird. Malzen, im gemeinen Leben mälzen, vsrb. reZ. nsutr.mitdem Hiilfsworte haben, Malz machen, wo es doch nur von der vor dem Schroten oder Mahlen nöthigen Zubereitung, besonders dem Einweichen und Trocknen gebraucht wird. Nieders. molten, Holland, mouteu, Schwed, mastta. Der Mälzer, oder Mälzer, des—s, plur. ut nom. linx. derjenige, welcher die Geschicklichkeit verstehet, ans dem Getreide durch Einweichung. Trocknung und Dörrung Malz zu machen; der Malzmacher. Nieders. Molter, Holland. üstou.'er. -. . Die Malzkammer, plur. die—-n, in den Brauhäusern, eine Kammer, in welcher man das Malz, ehe es auf die Mühle zum Schroten geschaffer wird, nochmahls arifeuchtet. Der Malzkasten, des — s, plur. M nom. 6u§. ein Kasten, in welchem das Malz verwahret wird. In einigen Gegenden ist cs auf den Malzmühlen ein Kasten von bestimmter Größe, welcher zugleich das Maß des zu einem Gebräude nöthiqen Malzes ist. Der Malzkorb, des—es, plur. die—körbe, ein Korb, worin das Malz von der Darre anfden Malzboden getragen wird. Der Malzmahler, des — s,plur. ut. nom. liuZ. an einigen Orten, z. B. in Dresden, eine verpflichtete und von dem Malzmüller noch verschiedene Person, welche die Aussicht über das zum Mahlen bestimmte Malz bat. - ^ ^ Die Malzmühle, plur. die—n, eine Mühle, ans welcher nur allein Malz gemahlen wird, im mittl. Lat. Ilaltniulua, DÜo- Isvlliuum Lralariurn. Der Malzmüller, des—§, plur. nt norn. sing, der Eigc'iithii- mer einer Malzmühle, oder eüt Müller, welcher nichts als Malz - mahlet. Die Malzschaufel, plur. die — n, eine Schaufel, womit das zum Malz bestimmte Getreide auf der Malztenne umgewendet wird. Die Malzscherbe, plur. die — n, die auf der Tenne in Gestalt einer Scheibe ausgebceitete auswkchsende Gerste. Der Malzstaub, des—cs,plur. ear. dasjenige, was von dem fertigen Malze vor dem Schroten durch Sieben abgesondert wird, und aus Keimen, Staub u. s. f. bestehet ; Darrftaub. Die Malztenne, plur. die —N, eine Tenne in einem Branhsuse, auf welche das eingeweichte Getreide zum Keimen und Auswachsen geschüttet wird. Im Churkrcise heißt sie die Hummel. Die Mammä, plur. luul. die Muttee; ein zunächst ans dem Französischen entlehntes Wort, welches Kinder von gmer Erziehung statt des im gemeinen Leben üblichen Mutter zu gebrauchen pflegen , so wie für Vater in diesem Falle Papa üblich ist. Indessen wird es jetzt nur noch von unmündigen und unernachsenen Kindern gebraucht, dagegen erwachsene in den Anreden wohl auch noch die Französischen Ausdrücke brpbehuitcn, sich aber, wenn sie rn der dritten Person von ihren Ältern sprechen, lieber der Deutschen Ausdrücke Vater undMuttex bedienen. Anm. Es ist zwar in dieser Gestalt zunächst aus dcmFranzö«/ stschen entlehnet, indessen ist es doch so wie Amme ein altes Wort, welches die Natur selbst die unmündigen Kinder stammeln lehret, weil die Sylbenum und ma die ersten und leichtester: sind , welche ein Kind aussprechen lernet, daher auch dieses Wort fast in alle» Sprachen anaetroffen wird. Dahin gehören unter andern auch das Gricch. und das Lat. Manama. (S. Amme, und das folgende Mämme.) Um eben dieser Ursache willen heißtauch die weibliche Brust im Französischen lVlarttmelle. Dle Mämme, plur. die—n, das vorige Wort, nur in seiner echten Deutschen Gestalt, r) Es ist noch in den niedrigen Sprecharten für Mutter üblich, besonders so fern cs von nnerwachsenen Kindern des großen Hansens gebraucht wird. Meine Mumme. 2 ) Eine feige Mumme, ein feiger Mensch im verächtlichen Verstände, welchen man auch wohl eine alte Mämme, ein altes Weib, zu nenne» pflegt. Anm. Zn der ersten Bedeutung im Nieders. Mshme, im Wallis. und Engl, Marn, im Schwed. Kammer, im Albanische» Mama, im Wallach, Mama. S. das vorige, ingleichen das gleichfalls damit verwandte Muhme. Der MummeküE, des—en, plur. die — en, ein Arabisches Wort, welches eigentlich einen Sclaven bedeutet, und womit man in Ägypten diejenigen zu benennen pflegt, welche von christlichen Altern geboren, in ihrer Jugend aber gefangen, und in der Ma- homedanischen Religion und Sitte erzogen worden. Es ist durch die Handlung, vielleichtanch schon durch dieKreuzzüge, inDeursch- land bekannt geworden, wo man es nur im verächtlichenVerstande, so wohl von einem Abtrünnigen in der Religion, als auch von dem Überläufer zu eines andern Paricy, ja oft auch überhaupt voll einem Heuchler zu gebrauchen pflegt. Denn kein Mammelurk besteht, Wenn die Welle Harter Plagen sich erhöht, Gryph. Der Mammon, des—s , plur. cur. zeitliches Vermögen, im verächtlichen Verstände, und so fern man fein Herz auf eine ungebührliche Art darall hänget; ein Griechisches, durch Luthers Übersetzung des neuenTestamentes in der theologischeitSprecharLüblichgewordenes Wort, von ftrtpeos/v, heftig begehren. Daher der Mammons-Rneche, voer Mammons-Diener, der dein z-'ü- lichen Vermögen auf eine ungeordnete Art ergeben ist, im verächtlichen Verstände. Im Tatian kommt dafür Vuerolt uuolu vor. 1. *Man, eine Partikel, welche nur im Niederdeutschen und de» nördlichen Sprachen gangbar) den Hoch-und Oberdeutschen aber unbekannt ist. Sie bedeutet, i) aber. Ich weiß es wohl,- man (aber) ich sage es nicht. Z) Nur. Das ist ja man (nnr). ein Bißchen. Romm man (nur) her. Im Holland, mso, im Schwed, mau, wo es mit dem Griech. in der Bedeutung genau überein kommt. 3. Man, ein unbestimmtes Pronomen, welches nur allein csnjun- etive mit der dritten einfachen Person eines Ze ttvortes gebraucht wird. Es bestimmt von dem Snbjecle, welches esausdruckr, weiter nichts, als daß solche» zum menschlichenGeschlechte gehöre, ohne übrigens die Zahl, das G-schleche, oder sonst einen andern Umstand anszudrucken. Es ist darin der Gegensatz, oder wenn ma» lieber w,-ll, der Gesellschafter des unbestimmten es , welches nur allein von Sachen oder Dingen gebraucht wird, sich aber doch im Gebrauche weit-r erstreckt als man, indem es mit einem Beysatze auch von Personen gebraucht werden kann, dagegen sich man uie- inahls von Sachen brauchen läßt. Ls schießt jemand, oder man schießt. In den Sprachlehren heißt es gemeiniglich, dieses m.m m -che unpersönliche Zeitwörter, oder werde ^npersönlicheil Zz, 7. So mancheStadt, so manche Gor- 'ter Haft du, Juda, und so mancye Gassen zu Jerusalem sind, so manchen Gchandaltar habt ihr aufgerichtet, Jer. i r, i Z, so viele, hieran wird sich mancher stoßen, mancher Mensch. So manches 6 er;, das sich verirrte, hat an dem Freunde einen Retter gefunden, Gell, mehrere Herzen, welche u. s. f. Mancher, der sich für noch so weise hält, ist dennoch ein Thor. Das kann in mancher andern Absicht nützlich seyn. Seine Schreibart kann durch kleine Verbesserungen noch man- , ches gewinnen. Ein Seid, der sich durch manche Schlacht, Durch manch verheertes Land des Lorbers werth gemacht, Gell. Ich pflück' ihr manchen Strauß, dieß läßt sie auch ge- 7 schehn, eheud. Seyd tapfer, mancher ist gestiegen, Weil er entschlossen in Gefahr, Und durstig nach der Ehre war, ebenb. So auch manche, d. i. manche Person weiblichen Geschlechtes, manches, manches Ding; aber dasNeutrnm manches, für manche Person, mancher Mensch, gehöret in die niedrige Sprcchart. Einige Sprachlehrer setzen dieses Pronomen mitunter diejenigen, welche die zwcyte Endung des Hauptwortes vor sich her gehen lassen. Allein im Hochdeutschen ist diese Wortfügung ungewöhnlich, indem man dafür die Vorwörter von und unrer gebraucht, außer zuweilen nüt dem Relativis; cs waren ihrer manche, deren manche, weiche u. s. f. d. i. manche von oder unter ihnen, oder denselben. Gewöhnlicher ist es, daß der Genitiv Nachfolger; manche unserer Bekannten, von oder unter unfern Bekannten. Anm. In der Fränkischen Mimdart schon 790 msnZer, bey dem Ruotpert 880 m-meAM, manche, bey demOufried man LA, niLNLAleich in manLAo aralreilä, bey den spärcrnOberdcnt- schen Schriftstellern weniger , mannicher, Menger, im Niederst männig, männig. mannig-cen, bey dem Ulphrlas im Plural rriLNLAos, im Dän. mange, imSchwed.m^nv und rrmrA, :m Engl. mun^, im Angels. MLMA, im Franz, muint. Wegen der unbestimmten Bedeutung lassen es viele von dem vorigen man ab« stammen; allein es ist wahricheittlicher, daß es das Beylvort von dem Hanptworte Menge ist, weil es ehedem auch auf eine bestimmtere Art viel bedeutet hat, wie mLnsA bey dem Kero, m-mex jm Isidor, mumA bey dem Willeram, munaZ bey dem Ulphilas, mllOZü im Russifchen, im Böhmtfchen und inuvZi ) / Man 4L Man 46 1NN0Z! ick Polnischen. Das Stammwsvtrst ein veraltetes man, viel, woraus mit der Ableitungssplbe—ig, manig, manm'g und zusammen gezogen manch, und mit der Endung der Abstractcn e, Manige, zusammen gezogen Menge ^ geworden, i Die verlängerte Form manm'g hat sich noch in mannigfatlig erhalten. Das Lateinische Miauus in der Bedeutung mehrerer Menschen scheinet damit verwandt zu seyn. (S. Menge). Als es schon die unbestimmte heutige Bedeutung angenommen hatte, setzte man ehedem zuweilen noch viel davor, den Nebenbegriff der Mehrheit noch hervorstechender zu machen. Von cZer elbs wärt emseiien vil msni'Zer mau, Heinrich vouMorunge. Nit vll mauiZer claZs, Kaiser Heinrich. An viel manchen (Drtte, Theuerd. Kap. 38. Mancherlei, ein unabänderliches Beywort, von mancher, d. i. mehrerer Art und Weise, welches ein Hauptwort so wohl in der einfachen, als vielfachen Zahl nach sich haben kann, indem es in dem ersten Halle so wie mancher coblective stehet. Laß du dein 8e!d nicht besätst mit mancherley Garnen, z Mos. 3,3. Nachdem er durch mancherleyAnfechtnng bewähret ist, Judith 8,19. Sterke dich nicht in mancherley Handel, Sir. n, 10. Es fallen mir mancherley Gedanken ein. Jngleichcn von Sachen auch absolute. Mancherley lesen, fragen, vornehmen. Er hak schon mancherley erfahren. Nur nicht als ein Nebenwort, welche Form es so wenig als mancher annehmen kann, ob es gleich Judith 8,19 heißt: Abraham wa^d mancherley versucht, d. i. auf mancherley Art. In dem alten Gedichte auf den heil. Anno, ruaniZirslalits, bey den Schwäbischen Dichtern mau- cksr liaocls lrluemeliu, wo aber auch schon mauiZsr Isis vorkommt. S —Ley. fMcrnchmechl, ein nur im gemeinen Leben übliches Nebenwovt der Zeit, für manches Mahl, h. i. zuweilen, dann und wann. Er kommt manchmah! zu uns, zuweilen, dann und wann. Man weiß manchmahl nicht, wie sich eine Sache schicken muß. Ich muß.euch doch sagen, daß mich Peter manchmahl dauert, Weiße. Sie fleht manchmahlFine Sache besser ein als ich,Gell» Mit dem mehr hervorstechenden Nebenbegriffe der Vielheit, für mehrmahls, ist es im Hochdeutscher, völlig ungewöhnlich, ob es gleich in der Deutschen Bibel in derselben vorkommt. Denn die Pharisäer essen nicht, sie waschen denn die Hände manchmahl, Marc. 7, 2. Nachdem vor Zeiten Gott manchmahl und man- ^cherley weise geredt hat, Ebr. 1, 1. *DieMand, oder Munde, plur. die Manden, ein mw im Niederdeutschen, ingleichen am Nieder-Rheine,undum denMain übliches Wort, einen Korb zu bezeichnen. Eine Mand Wasche. Daher der Mandmachor, der Korbmacher, das Mandlein, ein Körbchen. Im Angels, und Holland. ManZ, im Nieders. Mande, im Engl. Mauncl, im Franz. Manne. Es hat über- hanpt den Begriff der Vertiefung und gehöret zu dem Geschlechts der Wörter Mund, 2. Mandel, dem Franz. Miene u. a. m. S. diese Wörter. Das Mandat, des -— es, plur.' die —e, ans dem Lat. Manckatum^ ein Befehl, doch nur von einem obrigkeitlichen oder landesherrlichen Befehle in einzelnen Källerr^oder. eine verbindliche obrigkeitliche Bestimmung einer einzelnen Handlung, zum Unterschiede von einem Gesetze; im Oberd. ein Gebothsbrief. Daher der Mandats-Prozeß, in den Rechten, diejenige Art des gerichtlichen Verfahrens, welche von einem Mandate oder Befehle anfLngt,' vermöge dessen der Richter dem Beklagten bestehlet, dem Verlangen es Klägers Genüge zn leisten. Das Mandatum, lins clauLula ist die schärfste Art solcher Befehle. Das Wort kommt schon bep dem Ottfried vor; er in maackat rati, er ihnen befahl. r. Die Mattdel, plur. die—n,ein Werkzeug, das gewaschene und getrocknete leineneGeräth und anöereZeuge durch hin und her bewegen damit glatt und weich zu machen. Es bestehet aus einem starken hölzernen Gerüste, in welchem ein mit Steinen beschwerter beweglicher Kasten über die aufdie Mandelholzer oder zwey runde hölzerne Walzen gcwnndeneWäschc hin und her gezogen wird. Sie wird in andern Gegenden die Mange, die Mangel, noch häufiger aber die Rolle genannt. (S, Mange.) Ei« kleineres Werkzeug dieser Art ist unter demRahmen des Mandel-', Holzes bekannt, S. dieses Wort. Anm. Da Mand in einigen Gegenden einenKorb bedeutet, so könnte man glauben, daß mit dieser Benennung zunächst auf den mit Steinen gefüllten Kasten gesehen würde, welcher das Hanptstück dieser'Maschine ist. Allein es ist glaublicher, daß ' die Bewegung der Grund der Benennung ist, und da würde es z« unserm mahnen, so fern es eigentlich ziehen bedeutet, gehören," Schwed.rnana, und vermittelst der Ableitungssylbe —el ein Werkzeug bedeuten, welches hin und her gezogen wird; wenn nicht vielmehr den cylindrifchen Walzen dieser Nähme zunächst zn- kömmt. Im Mittlern Lat. ist Manäalus ein Riegel. 2. Die Mcrnöel, plur. die —n, ein sehr übliches Wort- eine Zahl von funfzehen zu bezeichnen. 1) Eigentlich. Eine Mandel Eyer, Base, Nüsse u. s. f.Wenn ein Zahlwort oder ähnliches Beywort vorher gehet, so bleibt es im Plural, wie die meisten Wörter dieser Art, unverändert. Sechs Mandel Garben, nicht Mandeln. Wie viel Mandel sind das? 2) Figürlich, im Hoch-und Oberde,rtschen,ei,rHaufen von funfzehen aufdemFelde z,tmTrocknenanfgesetztenGetreidegarben,welcher inNiedeesachsen eine Hocke, und so fern er in manchen Gegenden aus zwanzig Garben bestehet, eine Stiege, um Frankenhausen eineGlogc, im Hrierschen ein Rasten, Rornkasten, imOsnabcückischen cm Gast genanntwird. Und zündete also an die Mandeln same dem stehenden Born, Nicht. 'L, z. Boas legte sich hinter eine Mandel, Ruth. 3, 7. Und haben so viele Altäre, als Mandeln auf dem Zelde stehen, Hof. 12,12. Anm. In der ersten Bedeutung einerZaht von funfzehen gehöret es vcrmuthlich zu dem Worte Mand ein Korb, und in weiterer Bedeutung ein Gefäß, zu welchem auch dasLat. Mrnus, s» fern es zunächst die hohle Hand bedeutet, gehören kann ; so daß eine Handel ursprünglich so viel Dinge Einer Art waten, als in einem gewissen Gefäße Raum hatten, oder wenn man zunächst auf Lstanus undManipulus sichet, so viel als man inderHand fassen konnte. Das mittlere Lat. Manna bedenket gleichfalls eine Hand voll. Im Oberdeutschen und selbst in einigenHochdeutscheu Gegenden ist cs in dieserBedeutung ungewissen Geschlechtes, dar Mandel. ^ ' Die zweyte Bedeutung kann so fern als eine Figur der etste» .angesehen werden, als wirklich funfzehen Garben zu einer Man del gerechnet werden. Indessen lasset sie sich auch füglich durch einen Hansen überhaupt erklären, da denn dieses Wort zuzi Mahl und M gehören würde, indem das n gar oft ein müßiger Nasenlaut ist. Im mittler,, Latrine bedeuten Manclualis einer» Haufen, und Molonurs, Mcrcivlon, Moclulurn, M-ta u. s. f. einen solchen Haufen Garben, und auch unser Malter wirdssa- wohl von einem Gefäße, als einem Hansen Holz von bestimmter Größe, als endlich auch von einerZahl von funfzehen gebraucht. Z. Die Mcrnöes, plur. die—n,der eßbare oval- runde platte Kern der Steinfrucht des Mandelbaumes z ^m^claluL l,. Süße Mandeln, bittere Mandeln. Im gemeinen Leben eini-- -gerGegenden führen dieMandeln den Nahmen dech Mandelkerne. Figürlich führen diesen Nahmen auch,wegen der Ähnlichkeit«, der Gestalt, zwey Drüsen am Anfänge dk§Schl,kndes,ampbeMTHeile der 47 Man der Luftröhre ein wenig unter dem Zäpfchensin den m,d ch'erischen Körpern z Lat. Jtal, I- ^ Anm Jn der ersten Bedeutung nn Dän. und Schwed, gleich. falls Msn6e1,imEngl.?il.nonci,imFrattz.^map6e,alle aus dem Jtal. ^mauäol». ^.'näola, Lat. und Ließ ans dem Griech welchett Nahmen dieser lu u wärmecnAfieu cinheim.scheBaum vermuthl.ch au^ftmerS «nach mit nach Griechenland und von da nach Italien Spracht ha.. In dessen s bei,,et der Grund der Benennung m der Gestalt zu Kegen, indenl im Mittlern Lat. MaA(lalium , van mehrern Arten walzenförmiger Dinge gebraucht wwd. DerMandeLbaum, des — es, plur. die bäume, . *Der Mänöelbaum, des — es, plur. die —bau-me, m enil- sen Oberdeutschen Gegenden, z. B. nn Wurtembcrglschen, .,e gemeine Fohre oder Kiefer, ?mu 8 l> 1 veüri 8 I. E-waoon einem und eben demselben Stammworte mit Mond ? N. dasse.be. Die Mandel-Benzoe, plur. inussin denApocheken em ^ der reincrn größer» Stucke der Benzoe m-t großer» Milchflecken. Das Mandelbret, des - es, plur. dre-cr, ^ liarkev langes Brct mit einem Griffe um Eude, welches ein Theil der Haue- maudel iss, und womit das Mandclholz durch Drückern und her beweget wird; bey andern das Mangebret oder Mangel- bret. S. r. Mandel. ^ . Der Manöelorey, des — es, plur. doch nur §on mehrern Arten, die —r>, S. S. Mandclmuß. Das Mandelvrot, des — es, plur. inm.^eine Art Zuckergebackenen von Mehl, Zucker, zerriebenen Mandeln, und allerlcy Gewürzen, welches auch Mandel-Biskuit genannt wird. Siche 3. Mandel. - . Die Mandelbutter, plur. inuss in den Küchen, eme mit gestoßenen Mandeln, wie ein Marzipan-Teig vermengte Butter, welche zum Verspeisen ans den Tisch gesetzt wird. Das Mandelholz, des—cs, plur. die — Holzer, die ruin.cn Hölzer oder Walzrn an einer Mandel, um welche der zu glättende Zeug gewickelt wird. Jnaleichen die ähnliche Walze eiucrHand- maudel, welche durch das Mandelbrct in Bewegung gesetzt wird, und diese ganze Handmandcl selbst. In beyden Fällen auch das ^ M^ngeholz, Mangelholz,' Rollhol;, S. i. Mandel. Der Mandelkern, des.— cs, plur. die—c, S. Z. Mangel. Die Mandelkleye, plur. Muss in einigen Gegenden imPlural, dib Mandelkleygn, stnZ. inuss mit der weichen braunen Hülse zcrriebenrMandelmso wie sie mancheFranenzimmer zumWaschen der Hände zu gebrauchen pflegen. S. z. Mandel. DerMandelköch, des — cs, plur. die—koche, in den Küchen, eine Art Torten oder ausgelaufenen Koches, welche aus zerstoßenen Mandeln, Milch, Eyerdottern u. s. fl bereitet wird. S. Äoch. Die MandeLkrähe, -plur. die—n, eine Art Häher, Mtt blut- rothcm Rücken, schwarzen Schwanzfedern, nnd grünen Flugel- federn, welcher der brnueste unter allen Europäischen Vögeln ist, daher er auch dsr Deursche Papagey genannt wird. lAca oder 6L?ru!.u5 ^r^orerlenks L/eM. Den Nahmen Mandelkrahs- hat er ohne.Ztvrifel, weil er sich in derErntegcrn aufdenGetreide-^ maudeln sthenlässet, Körner und Gewürm zu suchen; daher ec «ulch M-rndeltaube und Garbenkrähe heißt, Böhm. Mauels- rieeok. Jnandern Gegenden wird er Birkhäher, wegen seinec bunten gemeiniglich blauen Federn, Grünkrähe, Blaukrähe,. Goldkrähe- blaue Rake, Raker, Racke,Biabarack,- Blau- xock, blaue äolzkrahe, Galgenräkel genannt; welche letzter», M h M n er von sciüem Geschreye, r«k, rak, oder nach ander» Man 48 von öer Unrrrnlichkeit seiner Jungen haben soll, welche wider dir Art der meisten Vögel ihr Nest zu beschmeißen pflegen. Im Engl, heißt er sollet, ingleichen kook. S. 2. Mandel 2. Der Mandelkrapfen, des —s, plur. ul uomAmF.oder W Diminut. das Mandelkräpfchen, oder Mandelkrapflein, m dl 1; Kücken ; eine Art Krapfen oder Kräpflein, welche aus geschälten und zerstoßenen Mandeln, Eyerdottern, Mehl, Butter u. s. fl gebacken werden. Der Mandelkuchen, des—s, xlur.ub vom. lmß. verschiedene Arten Kuchen, zu welchen ganze oder zerriebene Mandeln v kommen. . Die Mandelmilch, plur. muss ') In den Küchen, ein Getränk, welches von geschälten mitfrischem Wasser zu einem dünnen Brev zerstoßenen Mandeln bereitet wird, da es denn die Farbe und Flüssigkeit einer Milch hat. 2) In den Apotheken ist die Mandelmilch ein ähnlicher Trank, welcher daselbst nicht bloß aus Mandeln, sondern aus allen Arien von Kernen und Früchten, welche zum Öhlprcssen taugen, bereitet, und wenn er eine mehrere Consistcnz hat, auch ein Mandeleeig genannt wird> Lmulsso, Das Mändelmüß, des-es, plur. doch nur von mehrern Arten, die-e, in den Kuchen, ein aus geschälten nnd zerriebenen Mandeln bereitetes Muß -, der Mandelbrey. r. Mandeln- verd. reZ.aol. von Mandel , eine Rolle, ver- mittelst derselben glätten. Die Wäsche wandeln, welches s» wohl ans der großen Mandel, als auch vermittelst der Hand- mandcl gefchichet.Jn andernGcgmdcn Mangen, mangeln,rollen. S. i. Mandel. - < 2. Mandeln, verb. reZ. ,. Von Mandel, eine Zahl von furrf- zehen, als ein Activum. Das Scheitholz wandeln, nach Mandeln zählen. 2. Von Mandel, ein Haufe von fimfzeben Garben, in der Laudwirthschast. ,) Als ein Activum, die Garben in . Mandeln setzen. Den weitzcn wandeln. 2) Als ein Neutrum, , mit dem Hiilfsworte haben. Das Getreide wandelt gut (gibt viele Mandeln) und wird vermuthlich auch gut scheffeln. S. 2. Mandel. . / ^ DieMändelnüß, plur. die—niisse, inde.n Garten, cure ckrk weißer, länglicher, den Mandeln ähnlicher Haselnüsse; Gv'^- lus kruelu odlongo albo iss. Das Mandclohl,d?s—es,piur. doch nur von mehrern Arten, — 0, ein ans den Mandeln gepreßtes Ohl. Die Mandelpfirsiche, im gemeinen Leben, die Mandelpfirsche, tzie—n, eine Art Pfirsichen oder Pfirsichen, deren Kern wie eine süße Mandel schmeckt. Dr.e Mandebfeife, piur. doch nur von mehrern Arten, die n, Me mit zerstoßenen Mandel» vermischte Seife zum Waschen der Hände. ^ Dte Mandelspffne,, lmZ'. muss in den Küchen, ein Gebackenes von Mandeln, Eyweiß und Zucker, welches aufOblaten gestrichen nnd gebacken wird. . , Der Mandekstem, des — es, plur. die—e, eine Art Steine, welche den Mandeln ähnlich sehen, und nnter die Naturspiele go- hören;/^rnyZäalolcles. Dir Mandelterube, plur. die—n, S. Mandelkrahe. Der Mandelteis, S. Mandelmilch. Die Manöeltorte, plur. die—n, eine aus klar zerriebenen Mandeln, Eyerdottern, Milch und Zucker bereitete Torte. Der Mandelzehnte, des —n, plur. muss derjenige Zehnte, welcher von dem in Mandeln.gesetzten Getreide,^oder nach den Mandeln gegeben wird, der Garbenzehnte, Zug- zehnte; zum Unterschiede von dem Dorf-Sack- oder Schef» felzch«-»- Der Manöler, des—e, plur. m nom. llvss. i) Vonman- deln, mit der Mandel oder Rolle bearbeiten, derjenige, welcher die Mandel drehet. Auch rin Nähme, welchen an einigen Deren die Schwarz- oder Blaufärber fuhren, weil sie der gefärbten Leinwand vermittelst der Mandel Glätte und Glanz ercheilcn. Siche i. Mandel. 2) Derjenige, welcher das abgehaucne Getreide in Mandeln setzt. S. 2. Mandel 2, Die Man-öre, xlur. die -—n, eine Artunvollkomnmcr Lauten, S. pandore. Die Mange, plur. die — n, ein altes Wort, welches, ^überhaupt, eine jede Maschine, besonders aber verschiedene Arten kriegerischer Werkzeuge bedeutete; bey den Schwäbischen Dichtern Winnie. ZmMittlernLat.lVIsnZL, NsnZO,'ManZevÄ, und im Diminut. NaoZanellus, IVIaveula, Mangel, Schwed. ManZa. In dieser Bedeutung ist es mit der Sache selbst veraltet. Man gebraucht es nur noch, 2) in engerer Bedeutung, in einigen Gegenden, von derjenigen Maschine, mit welcher man leinwandene und baumwollene Zeuge zu glätten und zu glänzen pflegt, und welche auch die Mangel, Mandel oder Roll genannt wird. Die Wäschmange, Farbcrmange, Handmange. Jtal. kvlaußZuo, im Mittlern Lat. lVlancuIa, wo mttncularr mangeln ist. S. i. Mandel. Anm. Es ist wahrscheinlich, daß dieses Wort aus dem Mittlern Lat.lVlLvAo, und dies aus dem Griech. Latein. Nacirioa, entlehnet worden. Aber es kann auch seyn, daß es von allen diesen Wörtern nnr ein Seitenverwsndker ist,und den Begriff der Bewegung oder verursachten Bewegung zum Stamm- begriffe hat, daes denn zu mähen, mahnen und 1. Mandel gehören würde. Wenigstens scheinet es in der zwepten Bedeutung mit Mandel sehr genau verwandt zu seyn. Frisch führet aus dem Tschudi das Zeitwort mangeln, schlagen, stch raufen, an, welches gleichfalls von der allgemeinen Bedeutung der Bewegung hcrstammet. Zm Schwed, ist ein Gefecht, Handge- menge. Wenn dieses Wort in manchen Gegenden Mangel lautet, so ist statt des c der Abstractcu die Ableuungssylbe —el angehä'n- zet worden, welches sich auch in Mandel befindet. Im Schwed. heißt eme solcheNolle gleichfalls ^lävAel, Dän. Mangle,Pchlrr. Der Marrgebamn, des—es, plur. die—bäume, ei« Dstln- bischer Baum, welcher eine nierenförmige Steinfrucht in Gestalt einer Mandel tragt; HlewZuferÄ D. Das Mangevvet, S.Mandelbretnnd Mange 2. Das Mangeholz, S. Mandelhol; und Mange 2. 2.Die Mangel , x!ur. die—n, ein Werkzeug zum glatt und glänzend machen, S. Mange 2. 2.Der Mangel, des— s, xlur. die Mängel, i. Als ein Ab- straetuin und ohne Plural, die Abwesenheit einer Noll,wendigen oder doch nützlichen und bequemen Sache, r) Eigentlich, wo die Sache, dcrenAöwesenheitangedeutet werden soll, das Vorwort an bekommt. Der Müller har Mangel amWasser, am Winde. Mangel am Gelbe haben. An dieser waare iS jetzt kein Mangel, man spüret keinen Mangel daran. Dder iu der Zweyten Endung stehet. Aus Mangel der Gelegenheit. Der Mangel der täglichen Nahrung, Zac. 2, iz. Einem Mangel abhelfen. Dieser Mangel ist wohl noch zu ersetzen. Daher der Brotmangel, Rornmangel, Geldmangel, Wassermangel u. s. s. Es wird, wie schon Stvsch bemerket hat, nur allein von Sachen gebraucht, obgleich das Zeitwort mangeln auch von Personen üblrch ist. Von der Abwesenheit eimr nothwendigen Person kommt cs nicht vor. Die Ursache davon liegt in der Abstammung. sS. die Anmerkung.) 2) In engerer Bedeutung, die Abwesenheit der Norhdtirfr, der uttembehrlichste«Nahrungsmittel, Adel. W. B. Z. Th. 2. Uuß. Mangel leiden. In Mangel gerachen. Er weiß nicht, avie der Mangel drückt, den er nie empfunden hat. L r wußte schon einige Jahre mit allem Elende des Mangels kämpfen. Man sieher ihm keinen Mangel an. 2) Als ein Concrctum, ein abwesender zur Vollständigkeit gehö- > riger Theil, eine abwesende mögliche und Notlüge Vollkommenheit, >vo es denn auch von wirklichen Fehlern und Gebrechen gebraucht wirb, so fern selbige allemahl einen Mangel der wöchigen oder möglichen Vollkommenheit voraus setzen. Es kann so wohl von körperlichen als moralischen Unvollkommenheiten gebraucht werden. Die Hauptmängel eines Pferdes. Einen Mangel am Auge, am Fuße, an der Hand haben, es bestehe derselbe worin er wolle, einen Schaden. Das Haushaternen wesentlichen Mangel, denn es fehlet ihm das Licht. Las Geld deckt alle Mängel zu. überall einen Mangel finden. Jeder Mensch hat seine Mängel, seine moralischen Unvollkommenheiten. Sich seiner eigenen Mangel und Fehler bewußt seyn. Anm. Im Schwed. und Dau. gleichfalls Mangel, im Jtal. mit einer andern Ableitimgssylbe klernco, im Mittlern Latein. A-Ianca, im Franz. ö/Inn s.,.-7, >4. d-r tz,» i mcm 4i«, mir wird nlchtd man,-in, Pi. ' -. >. Lap cs chnm an nich--mangrln, °d°r laß,hnrn ,»chl° mangrlm Mur Mi! d-7 zw-yt-n Endung ist c- im s°-ya-u,schru unge- wohnlich: dem des Brots mangelt, Sprrchlv. >2,9. Dieft-S Zeitwort erstreckt sich weiter, als das Hauptwort Man. indem cs auch 'von der Abwesenheit nötiger oder doch geputschter Personen gebraucht wird, für fehlen, wo da-Hauptwort nicht üblich ist. Es mangeln noch verschiedene von den Gasten. Es mangelt uns der vierte Mann, der r.er Mann mangelt uns, es mangeltuns ^ Werten Manne. Es mangelt mir nur ein 5rennd, der nur hülfe. An mir soll es nicht mangeln, auch figürlich, ich werde mit me,ner Person, m.t meiner Hülfe, mit meiner Bemtthitng nicht entstehen. ^m Oberdeutschen gebraucht mau es auch häufig als ein persönliches Zeitwort. Ich mangele Geld. Noch mehr mit i er zwey- - Leu Endung. 1K ZimanFolo Min, Ottfcied. Sre mangeln des lieben Brotes ; welcher Gebrauch im Hochdeutschen ungewöhnlich ist, ungeachtet er noch einige Mahl in der Deutschen Bibel vorlommt. Sie mangeln des Ruhms, Rom. Z, 23. Lev eine kleine Zeit dtp Engel gemangelt hat, Ebr. 2,. 9. E. Ermanaeln. ^ . Das Hauptwort die Mangclung ist nur m dem zusammen besetzten Ermangelung üblich. . ^ Anm. Bey demOttfriedmavZo1an,imDan. und Schweb, rn-ansla, im J,al. mancare, im Rieders, mankeren, Franz. rr-auciuer. Es ist unmittelbar von Mangel, dagegen merken, welches noch bey dem Notker vorkommt, ciien ve menget ne Keme8 knote?, unmittelbar vonmank ist. Im Engl. ist W rnEle iil thätigcr Bedeutung verstümmeln. Mangen, verk. reg. aot. mit der Mange, oder auf der Mange glatt und glänzend machen. S. r. Mandeln und Mange 2. Das Manykorn, des —es, plur. inul', ein nur ün geinemen LebenObersachsens, besonders aber Niedersachsens übliche- Wort, vermischtes Getreide, d. i. zwey oder mehr unter einander gc- bauete Getceidearten zu bezeichnen, welches man alich Gemang- körn, im Oberdeutsch.» Mischkorn, Mischelkorn, UMchge- treibe zu neunen pflegt; imn!lltlernLat.MlXtum,MesLaIia, Enal, langen rn. Von dem alten Niederdeutschen Mank, e re Vermengung, welches jetzt nur noch als ein Vorwort üblich ist, wo es unter bedeutet. . Der Mangold, des— cs, plur. doch nur von mehrcru eu-ten, die—e, der Hoch-und Oberdeutsche Nähme verschiedener Arten Pflanzen, e) Einer Art des Lungenkrautes, welche zum Unterschiede von andern Actm Arschmangold, genannt wird; ku lmo- riM-iL otk,cinal,8 ^ 2) Einer Art des Gänsefußes, welche anch LUter äemrichheistt, Ekenoporlium Konus I1enricu8l.. und Zun, Unrersch ede den Nahmen des schmierigen Mangolds führet. Z) Einiger Amen des wilden Ampfers. So wird der Meer- ampfer, Uumex maritimuL k,.auch Meermangold, nn-> d e aeme.nc GrindwurzF^umsx acui u8 lk. auch Mangold und Mengl Iwurz genannt. 4) Am häufigsten ist die,er Nähme von einer Act Kohles mit dicken rübenartrgen Wurzeln, welcher in Nredersachs n Becke, in einigen Oberdeutschen Gegenden aber Reiße, Be-ßko l, Beißrnbcn heißt; iWlak,. Rother r,i -n- gold, rotheRüben, 6e-l.a -ukra vulgaris, in Fronten R'-inet; gelber Mangold, U^laluteamajor;weißerMangold,we,ße Beete, Lc-iaEic a , Mcermangold, L An marU'.ma. Anm. D-e letzte An heißt im Dan. gleichfalls Mangold und Lm Böhm. LI mkol».' Der Nähme ist ohne Zweifel Deutsch, ov er gleich dunkel ist. Die orey ersten Arten sind 'mscesamnu hm- Lsnde Pfla zeu, und da di eine Art auch Mcngelwurz heißt, so scheinet Mangel, oder doch dessen Ahnherr, mank. ^)-erhaft, ungesund, bas Stammwort zu seym so daß es eine wner Man- gcl des Leibes heilsame Pflanze bedeuten würde; wenn es nicht an- Mann und hold, oder ans Mann und heil, oder endlich auch aus dem veralteten Man. Mank, Mangel und Fehler, und heil zusammen gesetzet worden. I n alt Schwed, ist MaukLlz,Mau- kaelck und ManaelZ, die öffentliche S cherheit. , . . Ein anderes Wort ifldas ZtaliänischcMan'Zo!6 0, welches s» wohl einen Henker, als auch einen grausamen Menschen bedeutet, und seinen Deutschen Ursprung gleichfalls nicht verlängnen cailn. Es stammet vcrmnthlich von dem alten man, fal,ch, betmiAich, und hold ab, (S. Meineid,) und bedeutet vermuthlich eben so viel als Unhold. Dec eigenthünckiche Geschlechtsuahmc Mangold ist hin und wieder in Deutschland üblich, der aber a u a- ans Mann, komo, vir, und chold, oder gelten zusammen gesetzt seyn kann. ^ - . Der Mamchaer, des —s, plur.utaom. ImF. cme ehemah- lige Art Ketzer inden ersten Jahrhiinderten der christlichen Krache. ,Im vertraulichen Scherze pflegt man auch einen Gläubiger, uni des Glcichklanges mit mahnem willen, einen Manichäer zu nennen. ^ ^ Die Manichäer sind gewiß von drr betrogen, Zach. - ^ Die Manier, (zweysylbig,) xrlur. die --en, ein aus dem Jtal. LInnierL oder Franz. Manie rs entlehntes und nur nn gemeinen Leben übliches Wort, so wohl die Art und Weise überhaupt, als auch in engerer Bedeutung die Art und Weise der Geberden, und diese Geberden selbst zu 'bezeichnen. Sich allcrlep lächerliche Manieren angewohnen, so wohl mitten, als Geberdu,. Auf eine andere Manier, Art und Weise. Inden bildenden Knusten ist dlc Manier die einem jeden Künstler cigenthiimuche Art und'Weise zu arbeiten, d. i. ein Wert zu erfinden, "v sich einzubilden, und es auszndcncken. Sie ist in den Künsl-'i, eu.v, was in den schönen Wissenschaften der Stpl oder die Schreibart ist. Ein Gemählde nach Raphaele Manier. Im mittl. Lat. Manerie8, im Engl. Manner. D'eses aus- ländische Wort kommt schon bey den Schwäbischen Dichtern vor. lunckrovvs elcyes 5 m Nnris, Narj ru8, mamtare in das verwandle r übergehet. Im D-urschen ist es in dieser weitesten Bedeutung wenig mehr gebräuchlich, indem man dafür Mannsperson oder voll vornehmen Personen Zerr gebraucht. Es waren drep Mannspersonen in' der Gekc^s-Haft stm gemeinenLeben auch wohl drep Manner)und vier Frauenspersonen, oder Frauenzimmer; voll Vornehmern, dres Herren und vier Frauenzimmer oder Damen. Doch pflegt man wohl noch im Scherze Kinder männlichen Geschlechtes im Diminutwo Männchen zu neunen. Eben, dieses Diminut. Männchen, Oberd. und in der edler» Schreibart der Hochdeutscheil Männlein , wird in noch weiteam Verstände auch vonThieren gebraucht, cm Individuum des männlichen Geschlechtes derselben zu bezeichne», im Gegensätze de» Weibchen, wofür im gemeinen Leben die Ausdrücke Er-unö Sie- und von Vögeln Hahn und Henne, oder Hahn und Giekc üblich sind. Am häufigsten gebraucht mau es von kleinern Thiereu, oder von Thieren überhaupt, ohne Rücksicht aufihre Größe. Und du sollt in den Rasten thun allc.rley Thicre und von allem Fleisch, je ein paar, Männlein und Fräulein, 1 Mos. 6, 19. Vom größern Thieren gebraucht man es nicht gern mehr, weil die meisten derselben eigene Nahmen haben, oder doch durch die männliche oder wciblicheEndmrg unterschieden werden können. So wird man für 2 Mos. r 2, § -. ihr sollt aber ein solch Lamm nehmen, da kein Fehler an ist, ein Männlein und eines Jahres alt, lieber sagen, ein Böckchen oder Bocklämmchen. Auch vor» menschlichen Jndividuis ist es in dieser Bedeutung nicht mehr üblich. Der Tag müsse verloren seyn, da ich geboren bin, und die Nacht, da man sprach: es ist ein Männlein empfangen, Hiob Z, Z ; wofür es bey Michaelis dem heutigen Sprach- gcbrauche gemäßer heißt: es ist ein Sohn empfangen. In- gleichen 1 Mos. 1,27: und Gott schuf den Menschen ihm zum Bride, —und er schuf sie ein Männlein und Fräulein ; und- Gott schuf den Menschen — einen männlichen und eine weiblichen Geschlechtes, Michael. S. Entmannen. 2. In engerer Bedeutung, eine Person männlichen Geschlechtes nach zurück gelegtem Jünglingsalter, da sieihren völligen Wachsthum, ihre völlige und beste Stärke erlangt hat. 1) Überhaupt, zum Unterschiede von einem Rnaben und Jünglinge. Drepßrg Jahr ein Mann, d. i. im dreyßigsterr Jahre ist ein menschliches Individuum mäiuilichen Geschlechtes ein völliger Mann, ob man gleich das männliche Alter schon von dem zwanzigste!! Jahre an zu rechnen , und eine männliche Person zwischen dem 2osten und zosteu Jahre wenigstens ans Achtung gleichfalls schon einen Mann, oder doch einen jungen Mann zu nennen pflegt. Ein ehrlicher, rechtschaffener Mann. Da ich ein Rind war, da redete ich wie ein Rind — da ich aber- ein Mann ward, that ich ab was kindisch war/ r Cor.-Z, 11. Ein kluger, erfahrner, gelehrter, geschickter Mann. Ein frommer, tapferer Mann. Ein alter, betagter Mann. Ein vornehmer, ansehnlicher Mann. Ein armer Mann, Eni Mann von Geschäften, ein Hofmann, Landmann u. s. f. So wird der M-snn von Gcschmacke in den R linsten ein Mann vonLebensart, Gell. Ein armer Mann, ein gemeiner Mann. Sich Mann für Mann schlagen. E- wird in dieser Bedeutung bald ohne allen Nebenbegriffgebraucht, bald mit einem Nebcnbcgriffe der Achtung, der Würde, bald aber auch mit einem verächtlichen Nibenbegriffe, oder doch dem Nebenbcgriffe des Gemeinen. Wenn man z. B. sagt, es ist ein fremder Man» draußen, so bezeichnet man damit eine mäimliche Person S L AM FL Mau gern Standes; indem man eine bessern Standes lieber eine fremde Mannsperson, und eine vornehmer» Standes einen fremden Herren nennet. Das Diminnt. Männchen, Oberd. Männlein, gebraucht man in der vertraulichen Sprechart thcils von eurem Manne von kleiner Statur, theils aus vertraulicher Zärtlichkeit von einem lieben rvcrthcn Manne; dagegen der verkleinernde Plural Männerchen gemeiniglich mm aus Verachtung gebraucht wird. Hierher gehören auch noch einige figürliche Arten des Gebrauches. Der alte Mann ist imBergbaue das ausgchanene und wieder mit Schutt vollgefiillte Feld. Den alten Mann finden, aus den alten Mann kommen, wenn man in ein solches Feld gerärh. In den alten Mann bauen, in den ehedem weggefiiirzten Schutt bauen. Der arme Mann ist im gemeinen Leben einiger Gegenden in Butter geröstetes Brot, vermuthlich weil es von armen Leuten anstatt des Fleisches gegessen wird; dagrgeu bey den Müllern das Diebesloch, wohin sie das entwendete Getreide zu stecken pflegen, das arme Männchen genannt wird. Der 6 ase, das Äaninchen macht ein Männchen, wenn fic sich ans die Hinterbeine setzen, wo es ein Überbleibsel der ersten allgemeinen Bedeutung eines Menschen zu ftyn scheinet. Ley den Luch- öruckecn wird ein Büch Männchen auf Männchen abgcdruckt, wenn ein schon gedrucktes Buch aufs neue so abgedruckt wird, daß die.Seiten und Spalten bcyder Aussagen genau auf einander treffen, ws cs aber zu einem andern Stamme zu gehören scheinet; so wie im Bergbaus, wo der silberne Mann ist, wenn durch"die Zusammenkunft mehrerer Gängeein weiter reichhaltiger Raum, odrr wie man auch sagt, ein Bauch entstehet, wo es zu dem Geschlechte des Wortes Mund und Mand zu gehöre» scheinet. Bcy den Jägetn heißt der geschränkte Gang des Hirsches, welchen er nur nach erreichtem völligenWachsthume hat,der volle Mann, oder der volle Schrank, entweder so fern Mann hier figürlich einen ausgewachsenen Hirsch bedeutet, oder auch von dem alten mahnen, ziehen, führen, (S. dieses Zeitwort,) so daß Mann hier den Gang oder Schritt bedeuten würde. In der Seefahrt heißt ein Schiff, welches vor einem andern segelt, dessen Vormann, so wie das Schiff, welches hinter dem andern segelt, her Hintermann oder letzte Mann genannt wird ; da es denn im Mural die Manner hat. Ja man hat Spuren, daß Mann ehedem auch überhaupt ein Ding bedeutet habe, S. Haaxmann. Im Mittlern Laterne ist iVlLcruus «einPferd. 2) In engerer Bedeutung, wo der Ncbenbcgriff der Starke, des Muthes, der Tapferkeit auf eiue herrschende Art httevor sticht. (a) Ein ernsthafter, gefetzter Mann, ein Mann von entschlossenem Muthe und gesetztem Betragen. Ein grosser Man?^ rin solcher Mann von großen Verdiensten, der nicht eben ein grosser Herr ftyn darf, so wie grosse Herren Kur selten große Männer find. David sagte zu seinem Sohne Salomo: ich gehe hin den IVeg aller Welt. So sep getrost und sey ein Mann , r Kön. 2,2. Ein Mann der alles so kaltblütig dulden kann, ist in meinen Augen kein Mann. In dem Schooße des Glückes ist noch selten ein Mann erzogen worden, Dusch. BnMch nicht Mannes genug, ihm einmahl alles zu ersetzen? Lest, in welchem Verstände auch mehrere Personen in der einfachen Zahl sagen können, sind wir nicht Mannes genug, u. s. f. Ich bin dir Mann dafür, d. i. stehe dafür, leiste dafür Gewähr, Bürgschaft ; in welchem Falle der Plural gleichfalls nicht üblich ist. Zu viel 1 Fast sank der Mann zum feigsten Wurm in mir, Weiße. M weiche Sohne tapfrer sanken, sprechet Helvetier?, um Manner an! R a ml. M a a L6 (S. Männlich, Ermannen, übermannen.) Ehedem bedeutete cs auch einen ehrlichen, so wie Unmann einen ehrlosen Manu; daher noch die R. A. ein Wort, ein Wort, ein Mann, ein Mann, d. i. ein ehrlicher Mann hält sein Wort. (b) Ein tapfrer Mann, eine Bedeutung, welche ehedem üblicher war, als sie es jetzt ist. Schwed. Klan. ^Sie ist, s» fern sie von der vorigen Bedeutung noch niiterschieden ist,nur noch in einigen einzelnen A. A. übrig, in welchen es größten Thcils unr allein im Singular vorkommt. Er wehrte sich als einMann. Sie wehrten sich als Männer. (S. Mannhaft.) Sie stehen alle für Einen Mann. Ich stehe meinen Mann, d. i. ich werde mich möglichst tapfer vertheidigen; bey dem Opitz, seinen Mann wehren: Also ritterlich Ich meinen Mann gewehrt. In noch engerer Bedeutung bezeichnet!: es ehedem einen Ritter, iuzleichett einen adeligen Vasallen, der ftin Lehrn durch Kriegsdienste verdienen mußte; in welche.» Verstände cs in den Mittlern Zeiten sehr häufig vorkommt, da es denn im Plural nach Oberdeutscher Art Manne hatte. Die Chucsürsten führeten zu diesen Zciteu mrhrmahls den Nahmen der Reichsmanne. Nachtmahls gebrauchte man es von einemLehensmannc und Vasalfen, so wie das Schwed. Klan, und mittlere Lat. biomo, und dessen Ableitungen liomLAiumultdl-soiuiniuui. Ja endlich wurde ein jeder Knecht und Leibeigener ein Mann genannt, in welchem Verstände man jetzt noch zuweilen die W rterNerl und Leute gebraucht. Das Latein, liomo und Griech. wurden an'eb:n dieselbe Art gebraucht, und dem Hesychius zu Folge bedeutete^«»« bey den allein Griechen einen Knecht. (c) Ein Soldat, ein streitbarer Nkinn, als eine Fortsetzung der vorigen Bedeutung, in Rücksicht entweder auf die Tapferkeit, oder aufdie Dienstleistung, wenn es anders hier nicht die bloße Bedeutung der Person hat. Es wird in diesem Verstände sehr häufig von gemeinen Soldaten gebraucht. Das Regiment hat in -er Belagerung nicht einen Mann verloren. Einen Mann stellen. Wenn es ein Zahlwort vor sich hat, bleibt es im Plural unverändert, so wie Pfand, Loth, Jahr, Maß, 5 ass u. s. f. Zwanzig tausend Mann zu 8 uss, » Chron. 19, 4 . vierzig tausend Mann zu Huss, Kap. 22,18. Es sind nicht mehr als sechs Mann geblieben. Das Regiment stehet dreh Mann hoch. Die Compagnie hat hundert und zehen Man?» So auch mit zählenden Beywörtern. Mit wieviel Mann kamen sie? Go viel Mann haben in dem Dorfe nicht Raum. Der Plural Manner ist m dieserBrdeutung nicht üblich, sondern man gebraucht dafür, wenn er stehey sollte, das Wort Leute; woraus zu erhellen scheinet, daß Mann hier so viel als einen Rnecht bedeutet, welches Wort ehedem in diesem Verstände gleichfalls üblich war. Die obige Art des Ausdruckes mst dem Oberdeutschen Plnral Mann und,einem Zahlworte ist nicht bloß von Soldaten üblich, sondern überhaupt von männlichen Personen, wenn sie in einer gewissen Ordnung da find oder handeln, besonders voll männlichen Personen geringerer Art, z. L. von Burgern, bey bürgerliche« Aufzügen, im Jagdwesen, von Arbettsieuten u. s s. Die Bürger ginge?? sechs Mann hoch, d. i. es gingen ihrer sechs in jedev Reihe. Mann Key Mann, einer an dem andern. Den Stein konnten zehen Mann kaum bewegen. Zu dieser Arbeit find sechs Mann hinlänglich. Es scheinet, daß hier die allgemeine Bedeutung eines Menschen oder einer Person zum Grunde liege. S. Bemannen. (d) Ein Reiter, nur in einigen Arten des Ausdruckes, im Gegensätze ftinesPferdcs; wo gleichfalls die allgemeineBeLeutuns eine* eines Menschen hervor r« siechen scheinet. Wenigstens ist der' Plural Männer auch hier nicht üblich. Mann und Rosi hat er ins Meer gestürzt, 2 Mos. rz, 21. Das Pferd hat seinen Mann abgeworfcn. von der ganzen Escadron ist weder Mann noch Pferd davon gekommen. z) In einer andern Einschränkung bedeutet Mann einen Ehemann, eine verheirathetePerfon männlichen Geschlechtes, im Gegensätze der Fran oder des Weibes. Bey dem Ottfried schon Alsn , im Schweb. iV!nn, im mittler» Lat. kstoino. Darum wird ein M nn seinen Vater und seine Mutter verlassen, und «u seinem Weibe hangen, r Mos. 2, 24, Dein Wille so L deinem Manne unterworfen sepn, Kap. Z, -6. Einen Mann nehmen, haben, bekommen. Seiner Tochter einen Mann geben. Die 5rau ist ihrem Manne entlaufen. Freylich bist du alter als deine Schwester, und solltest auch eher einen Mann haben, Gell. Es ist in diesem Verstände besonders so wohl in der ernsthaften Schreibart, als auch im gemeinen Lebe» und im vertraulichen Umgänge üblich. Wenn man Ursache hat mit Achtung zu sprechen, so gebraucht man dafür im gemeinen Leven das Wort Liebster, in der anständiger» Sprechart Gatte -und Ehegatte, und von vornehmen Personen Gemahl. Siehe Mannbar. JmScherze wird es auch wohl vonThieren männlichen Geschlechtes gebraucht. Seht wie der Mann der Herde den Morgen fühlt, Haged. Anm. i. Fast kn alley den Bedeutungen, in welchen jetzt dieses Wort gebraucht wird, war ehedem auch das Wort Rerl üblich. Das weibliche Hauptwort Manninn S. arl seinem Orte besonders. Anm. 2. Die meisten der obigen Bedeutungen kommen auch in den Zusammensetzungen vor, wo dieses Wort, wenn es voran stehet, bald Mann — bald Manns— bald aber auch Männer— lautet. Die meisten Zusammensetz ,noen der Mittlern Art sind niedrig. In den meisten Fällen, wo Mann hinten stehet, bedeutet es eine Person männlichen Geschlechtes, besonders eine erwachsene Person dieser Art, welche durch die erste Hälfte näher bestimmt wird, da denn dasFärmninumam häufigsten auf—frarr in einigen auch auf—männinn gemacht wird, (S. Manninn.) In einigen wenigen ist die allgemeine Bedeutung eines Menschen noch vorhanden, wie in Nundmann, welches daher auch von deydcn Geschlechtern gebraucht wird. Noch mehrere, welche aber nur im gemeinen Leben üblich sind , bedeuten eine männliche Person, welche mit etwas handelt; wie Gbstmann, Holz- mann, Rräutermann, B'ermann u. s. f. Im Schwed, bedeutetes auch eine wirkende Ursache; LLramnstr, derjenige, welchrr verwundet. Anm. 3. Der Plural dieser mit —mann zusammen gesetzten Wörter hat einige Schwierigkeiten, rüdem einige männer, andere— leute, und noch andere beydes zugleich haben. Ein Paar allgemeine Regeln werden hoffentlich auf die meisten Fälle passen. ») Wo Mann einen Ehemann bedeutet, hat es im Plural nur allein Männer ; Ehemänner, Tochtermanner, Witt- Manner. 2) Der Plural auf — leute ist niedrig, zeigt wenig- sterrs einen Mangel der Achtung an, daher man ihn nur von geringer» Personen gebraucht, oder von solchen, denen man keine Achtung schuldig zu seyn glaubt, so wie man im gegenseitigen Falle ihn lieber auf —männer mächt. Ar-beits leute, Bettelleute, Landlcute, Edelleute, Zuhrlcute, Naufleuke, Spielleute, Dienstleute, Fimmerleute, Mterhleute, Schiedsleuke, Gchiffleute, Steuerleute, Bergleute, Hofleute, Leheneleuke, Amtleute, Hauptleute u. s. f. Ist Achtung nörhig, wird man alle Mahl lieber Amtmänner, Hauprmänncr, -Sandmänner, Mair Zz Rttlkmanner, Gchiedsmanner, Steuermänner, Hssmanner, Lehens männer u. s. f. sagen. Nur Edelmanner ist »ich r üblich, welches Wort aber auch im Singular niedrig ist. In der Schweiz unterscheidet man die Landmanne, (der Oberdeutsche Plural für Landmän-ner,) oder die vornehmen Vasallen aus dem Lande, von den geringer» Landleuten. Hierzu kommt noch , daß Lenke als rin Collectionm kein bestimmtes Zahlwort vor sich leidet, daher, wo solches nöth-g ist, Lach der Plural auf —männer erfordert wird. Drey Lampcnmänner, vier Bettelmänner, sechs Fuhrmänner. 3) Wenn zugleich der Nebenbegriff der Ges'tzthsn, der reifen Erfahrung ,^er Herzhaftigkeit mit cintritt, so lautet der Plural —männer. Staatsmänner, Briegsmänner, Biedermänner, Rathsmä'krncr oder Rachmänner, (Rachslcrite ist gar nicht üblich,) u. s. f. 4) Leute ist unbestimmt, und bezeichnet so wohl Personen männlichen als weiblichen Geschlechtes. Ist daher eineZweydeutigkeit zu besorgen, so macht manden Plural, weun nur allein das männliche Geschlecht bezeichnet werden soll, auf—männer; Handwerksmänner, Micchmänner, Hausmänner, Trodelmanner u. s. f. Anm. 4. Da in den »leisten Bedeutungen dieses alten Wortes der Begriff der Stärke, des Muthes so deutlich heüvor sticht, so habe» die meiste» Sprachforscher dasselbe von unser;» Zeitworte mögen,Schwed, m 3, abgeleitet- Einige Oberdeutsche, z. B. die Steyermärker, sprechen Mann nur Ma aus, mit einem Hellen a. Im Wendischen ist premaga xraevalere, Mötsch die Macht, und Mosch ein Mann, welches letztere mit dem Lat. IVIL8 überein kommt. Hierzu kommt noch, daßimHebr. cinMannLeber heißt, gleichfalls von -,2a, stark; anderer zn geschweigen. Für die engcrnBedentuttgcn ist dieseAbleitung sehr wahrscheinlich, weil der Mann der stärkere Thril des menschlichen Geschlechtes ist, obgleich Wachter cs nmkehret, und mögen, Macht, von Mann abstammen lasset. Nur in Ansehung der weitern Bedeutung eines Menscheir will sich diese Abstammung nicht schicken. Denn glauben, die ersten Erfinder der Sprache hätten den Menschen um deswillen Mann genannt, well er das mächtigste: unter den sichtbaren Geschöpfen ist, das hieße bey diesen rohen, ganz der sinnlichen Natur überlassene» Leuten, mehr Abstraktion midüberlegung voraus setzen, als man mit Rechte bey ihnen voraus setzen kann Mir scheinet es sehr wahrscheinlich, daß Mann und dessen Abkömmling Mensch zu dem Worte mein gehöret, oder vielmehr, daß es eigentlich eben dasselbe Wort ist. Mein, Persisch inen, Griech. '-/Log , bey den altern Lateinern mis, istein uraltes von der Natur stlbst gelehrtes persönliches Fürwort, womit ein jeder sein eigenes Individuum bezeichnet, und welches so viel als ich bedeutet, ob es gleich jetzt nur »och i» der zweyten Endung meiner üblich ist. Es ist mehr als wahrscheinlich, daß der bloß sinnliche erste Mensch, welcher die Sprache erfand, wenn er andere Jlldi- vidna seiner Art bezeichnen wollte, ihnen den Nahmen werde gegeben haben, mit welchem er sein eigenes Zndividnnm ansdrncktc, und so ward mrs min, mein, Mann und endlich Mensch Übrigens wurde dieses Wort ehedem häufig statt der männlichen Ubleitungssylbe —er gebraucht; Letomnn, Ottfried für Anbeter, und noch setzt sagt man Raufmann und Läufer, Handwerksmann und Handwerker, Vrftgsmann und Rrieger m s. f. Der Plural lautet im Oberdeutscheü, dieser Mundart gemäß, Manne für Männer. Das Wort Mansen, welches Stosch für einen besonder» Plural von Mann halt, ist ein eigenes Hauptwort, S Mannsen. Das Manna, plur. inu5. ein aus dem Hebräischen Man entlehntes Wort, verschiedene vegetabilische Süßigkeiten zu bezeichnen, welche aus den Rinden gewisscrBäume und Standen dringen. -) Das älteste Manna dieser Art ist daHeri^r. wo mir stch D. 3 dw Matt 60 die Israeliten in der Wüste erhielten , und welches in der Deutschen Bibel auch Man genauut wird. 2 t,n Morgen lag der Lhau um das secr her. Und als der Than weg w r, stehe da lag es in der Wüsten rund und klein wieder Keif auf dem Lande. Und da es die Rnrder Israel sahen, sprachen sie «ntcr einander: das ist Man; denn sie wußten nicht, was es war, 2 Mos. 16 , i Z. f. W d' es bep Michaelis heißt: D est sahen die Israeltten und sagten einer zum andern in ihrer Sprache, Man hu, was heißt, was ist das 2 weil sie nicht wußten, was es war. Aus Niebuhrs Beschreibung von Arabien S. 145 erhellet, daß noch jetzt in vielen Gegenden des Morgenlandes , besonders aber zwischen Mcrdin und Diabekr .. ans den, - Blättern derEichbänme nnd gewisser stacheligcrSträuche, welche die Araber Gul und Algul nennen, besonders nach einem aewisseii starken Nebel,Manna schwitzet,welches in dem Julius undAugust, in welche Monathe die Mauna - Erntesällt, häufig gesamm-lt wird, und dem von Mose beschriebenen Manna völftg ähnlich ist. Weil man glaubte, daß das Israelitische Manna aus der Last fiel, so wird es in der heil. Schrift auch mehrmabls Ammelbrsr und Lngelbrot genannt. Bey dem Notker heißt es Ourremelo, Griesmehs. 2) Das Manna unserer Apotheken ist der verhärtete siiße Saft einer Art des Äschenbaumes, welcher eine gelinde purgcrende Kraft hat, und ans dem südlichen Italien zu uns gebracht wird; iVInnnn LalLdrlna. Es rinnet aus den Blättern dieses Baumes, wenn selbige in der Nacht von einer gewissen Aicade gestochen worden. (S. Mannaasche.) Z) Figürlich wird auch der Same derBluthirse, ?anicum snnguinnle D. noch mehr aberdes Mannagrases, Velinen üuitnuL D welche beyde einige Ähnlichkeit mit dem Israelitischen Manna haben, m einigen Gegenden Manna, äimmelbrot oder Ammclthau genannt. Der letzte ist unter dem Nahmen des Schwadens am bekanntestem S. Mannagras. Die Manna rasche, plur. die — N, eine Art des Äschenbaumes, welche m dem mittägigen Europa einheinn' h ist, und das Manna unsrer Apotheken liefert; braxinus Oraus Sieh^ Manna 2. Die Manna-Birn, plur. die — en, eine der schönsten Virn- arten, welche bauchig, grün und saftig ist, und im Winter reift. Franz, koir« cie lVIanns. Das Manna-Gras, des—es, plur. doch nur von mehrern Arten, die—graser, diejenigen Grasartcn, deren eßbarer Same «nter dem Nahmen des Manna bekannt ist, dahin die Blmhjrse, I'snicumsANguinale s/.noch mehraber derMannaschwingel, Las Schwadengras oderÄntengras, kchliucntiuitnns 1 ^. gehören, von welchem in Pohlen, Preußen und der Mark der Same «nter dem Nahmen des Manna oder Schwaden gesammelt wird, der, nachdem er gestampft worden, auch wohl Manna- grntze heißt. ^ Die Manna-Grütze, xüur. inus. S. das vorige. Der Manna-Schwingel, des— s, ^lur.inul. siche eben daselbst. _ ^ - Mannbar, —er, —sie, aüj. et sä-/, i) *Von Mann, ein tapferer Mann, oder auch ein Dicnstmann höherer Art, ein Vasall, war dieses Wori-'ehedcm so viel als mannfcst, mannhaft, und, so wie dieses, ein Ehrentitel rittcrmäßiger männlicher, und hernach oller adeligen männlichen Personen; anfwelche Art es aber veraltet ist. 2) Von Mann, Ehemann, ist mannbar fähig zn yer- ralhen, dem Alter nach, wo es besonders von dem andern ' G-schlechte gebraucht wird. Eine mannbare ^Jungfer. Das mannbare Alter. Mannbar werden. Schwed. m^ubnr, Dän. Manddar, bey dem Hornegk mynneper, als weni! es von Minne, Liebe, übstaumiete. , . Dw Mannbarkeit, piur. rnuk. in der letzten Bedeutung des vorigen Wortes, die Eigenschaft, da eine Person des andern Geschlechtes mannbar ist. Das Mannbüch, des —es, plur.die—bücher, ein größten Tunis veraltetes, nur noch in einigen Gegenden übliches Wn t, ein Lehenbuch ;n bezeichnen; von Mann, Lehcnsmaun, Vasall. *Mannen, verb. rc A. 3 Ut. welches aber für sich allein im hochdeutschen ungewöhnlich ist. Im Oberdeutschen bedeutete es ehedem heirathen, einen' Mann nehmen, von dem andern Geschlechts, sowie weiben ein Weib nehmen. Es ist im Hochdeutschen nur' ' no 6 ) in denZusamm.llsttznllgm bemannen, entmannen, ermannen und üdermannen, aber in andern Bedeutungen, üblich. S. diese Wörter. sMä'i.nern , Verb. reZ. ncutr. mit dem Hülfsworte haben, welches aber nur in den niedrigen Sprecharten üblich ist. Ein Mädchen männert, wenn es Begierde zu herrathen hat, und diese Begierde merken lässet. Ein junger Mensch männert, wenn er anfängt, sich wie ein gesetzter ernsthafter Mann z u - betragen. Das Mannervolk, des —es, plur. raus. alle oder mehren Mannspersonen geringerer Art; im gemeinen Leben das Mannsvolk. Die Mannermörderinn, plur. die.—en, eine Fran, welche ihren Ehemann ermordet hat; wo der Plural mit eben dem Rechte stehet, mit welchem eine'Person, wenn sie gleich nur Ein Kind ermordet hat, eine Rinderinorderinn genannt wird. Mann fest, —er, —esse, nüj. et arl v. ft st, d. i unbeweglich, tapfer, wie ein Mann; mannhaft. Mannhaft stehen, nicht weichen. Ehedem war es auch ein Titel der Ritter und ritter- mäßigen adeligen Personen, so wie es zuweilen noch jetzt :st. S. Mannhaft. *Das Mannyeld, des—cs, plur. doch nur von mehrern Sum- v men, die — er, ein veraltetes, nur noch in einigen Gegenden für Lehengeld übliches Wert; von Maien, Lehensmann, Vasall. Jngleichcn der jährliche Gehalt, welchen c:n Dienstmann aus der Kammer seines Herren bekam. So fern Mann einen Menschen überhaupt bedeutete, war Manngcld ehedem die Geldstrafe, welche man für einen begangenen Mord erlegen mußte. Aas Mannyericht, des—es, plur.dic—e, gleichfalls nur noch in einigen Gegenden, das Lehengcricht, derLehenhvs; von Mann, ein Lehenmann. Ehedem auch das Mannding, die Mannkammer. Daher das Mannrecht, das Lehenrecht, der Mannrichter, der Lehenrichü r, der Manntag, der Tag, an welchem sich dieLchenmänner versammelten, der Mannbothe, der Gerichtsdiener eines Lehengerichtes u. s. s. welche Wörter jetzt insgesammt veraltet find. In Schlesien wird das Land - oder Provinzial - Gericht noch das Manngericht genannt. M-rnngieriy, —er, —fie- näj. et näv. eine heftige ungeordnete Begierde nach einem Ehemannc empfindend, von Personen des andern Geschlechtes. Eine manngierige Wcibespcrson. Das Manngrab, des—cs, piur. die—e, im gemeinen Leben einiger Gegenden, so viel Land, als eilt Mann in einem Tage umgiaben kann, wo es besonders als ein Maß der Weinberge gebraucht wird; auf den Alpen ein Mannstcssel. Ans ähnliche Art gebraucht man von Wiesen das Wort Mannsmahd. Mannhaft, —er, —este, a 6 j. et aäv. in der engern Bedeutung des Wortes Mann, einem tapfern' streitbaren , entschlossenen Manne gleich und ähnlich, und darin gegründet. Es sind lauter mannhafteLeirte. Sich mannhaft vercheidr'gen. Eine mann? hafteThar. Em mannhaftes Gemüch. Ehe man anfing, die Adeligen nach der Geburt zu titulireu, war mannhaft ein sehr hekiebttr Titel der Ritter und edlen Knechte, welchen bürgerliche Kriegs- Man 61 Kriegsbeamte ans manchen fürstlichen KanzelleMnwch jetzt, adelige aber mannfest bekommen. Die Mannhaftigkeit, plur. inusi. die Eigenschaft einer Person oder Sache, da sic mannhaft ist. Die Mannheit, plur.cal-. eigentlich die Eigenschaft, nach welcher jemand ein Mann ist; doch nur in einigenBedentungcn dieses Wortes. :) Einer Mannsperson die Mannheit nehmen, fle der Mannheit bcraübfn, sie castriren, fle entmannen ; in wel- cherBedeurung cs in der anständigen Schreibart auch vouThieren für das niedrige schneiden gebraucht wird. Seiner Mannheit durch geknüpfte Nestel beraubt sepu, dadurch zur ehelichen Bey- wohnuug untüchtig gemacht ftyn. 2) *Ehedem wurde es auch sehr häufig für Tapferkeit gebraucht, in welchem Verstände es aber veraltet ist; bey dem Srryker lVI intiail. Die Runst, Durch welche wir noch jetzt des Helden Mannheit lesen, Opitz. z) *Auch der Lehens- nndHuldigungseid, und dieHuldignug selbst führcten ehedem diesen Nahmen, von Mann,Lehcnsmann. ManrngfalLtg, er, — ste, Lcft.etÄllv. von maych, so fern es ehedem mannig, inanig, lautete, und mehr, viel, bedeutete, uud faltig, i. ^Eigentlich, mehrercoder viele Falten habend; eine veraltete Bedeutung, in welcher der dritteMagen derwieder- käircuden Lhierc, und besonders des Rindviehes, im gemeinen Leben einiger Gegenden noch der Mannigfalt, oder das Tausendfach genatmt lvird, west er aus vielen Falten bestehet, daher er auch der Blättermagen und im Mieders, der Salter heißt. 2. Figürlich. I) * Was mehrma-hls oder vielmahl ist und gefchie- hct, und in der adverdischen Gestalt oft, vielfältig ; eine gleichfalls ungewöhnlich gewordene Bedeutung. 2) Mehrere oder viele A bändernngeii habend, in derMehrheit verschieden; am häufigsten als rin Beywort, mehrfach, vielfach. Die mannigfaltige Weisheit Gottes, Ephes. z, > 0, so fern ste sich auf mehrere verschiedene Arten offenbaret. Ein Mann von mannigfaltiger Gelehrsamkeit. -Leite meinen Geist, 0 Tsigend, durch die mannigfaltigen Scenen des Lebens. Schlanke Rräriter durchirren das Gras mit zarten Men und mannigfaltigem Laube, Geßn. Wie glänzt das mannigfaltige Grün von der Sonne beschienen! ebend. Da lächeln mannigfalt ge Freuden tim ihn her, ebend. Die Schönheit ist die Einheit in dem Mannigfaltigen, oder das Mannigfaltige auf Einheit zurück gebracht, Sulzer. Zuweilen obgleich seltener auch als ein Nebcn- »vort. Wir fehlen alle mannichfaltig, Jac. Z, 2. Ehedem pflegte man auch dasBeywort gern an dasEnde derRedezu setzen, Lurd da lautete cs verkürzt mannigfalt. Lebt wohl mit euren tiefen Gründen Und grünen Wiesen mannigfalt, Opitz. Abentheuer gegent in manchfalde, Lheuerd. Anm. Bey dem Ottsried MLNuZsn 1 t,munnAl'a!to,in dem alten Fragmente au; Carln den Großen bey dem Schillermvn- Ltiuir ben dem Willeram manniZllLtniß, bey dem UlphilaS ritun -Atul'U, im cflieders. manigvuldig, im Äugelst rnneniA- Lsulcl, im Engl. MÄnilolcl, imDän.mangfoldtg, im Schwed. rn cliA »nd murAkuIsiiA, von ninr», viel. Es ist nach öcmLat. multiplex gebildet,so daß manchcheinerVerwandtschaft mir Menge zu Folge, hier den hervor stechenden Begriff der Menge, der Bielhrtt hat, daher Ottfried es auch für viel gebraucht. In dem PrerrßischenStadlrcci'te von 125, stehe» es für all r man c- valden criile-s gelonbigcn,an allen glänbigenChlusten;ui!dgl>ich darauf: Wisse uv.cr Manicvaldekeit. In dem Isidor kommt auch ettimnv r. lnlcltt, als das Mittelwort des veralteten Zcüwor- ^ "^'"S^tigen, vor, wofür jetzt vervielfältigen üblich ist. Ks unuörhig, diescsWort ngch der verkürzten Form manchftrl- ' Man 62 tig zu schreiben, znmahl da mannigfaltig die Aussprache und längere Gewohnheit für sich hat. Dre M.rnniyf-ch! hob-nd, Mil b--nM-n bcg-b ; IM E>«,»s»»ndrm andern G-schleePl- insmacke Alles was männlich ist unter euch fall beichmtten werden . N!», -7, was männliche»S-schlechte-ist, Meme Rrull klopft mir voll Unwuch, daß mich die Natur nicht männlich schuf, Weiß-, Die männliche Bin,He, die männliche Blume, in dem Gewächsreiche, wriche den befruchten, en Blnmrnstanb -nchält; znni Unterschiede rot, der w-chlich-,, und -iwil-erblij-he, Di- männItchen-Blülh-n haben mlrall-mStaub- fäd-n, 8 ti>miun,di- weiblichen nnrnll-in Staubwr-ie, l-t.die Iwitterbliichen obre bei,des zugleich, Va« männliche Geschlecht der Wörter, in der Sprachkunst, 6 e»us mulcu!,. nurn zum Unterschiede von dem weiblichen und ungewissen,oder vielmehr sachlichen. Der männliche Reim, in derDichk:nnst,ivenir die Reimsylbe einsylbig ist, zum Unterschiede von dem zweysyltnge-r »der weiblicbenRelmezvermuthlich weil jener gefetzter und Mannlicher klingt als dieser. 2) Figürlich, in diesem Geschlechts gegründet, demselben gemäß, ähnlich; zum Unterschiede von dem weiblich und im verächtlichen Verstände weibisch. Die männliche Bleidung, wie sie das männliche Geschlecht z» tragen pflegt; im gemeinen Leben die Mannekleidung, so wie man die melsierr Zusammensetzungen mit Manns— in der anständiger« S'wcch. art mrn durch dieses Beywort zummschrsibeu pflegt. Ein Mann m männlichen Bimsten und Geschicklichkeiten unerfahren,wird sein Ansehen in der Ehe nicht lange behaupten, Gell. 2. Vou Mann, so fern dasselbe ein solches Individuum in enge-, rerBedeutung nach zurück gelegtem Jünglingsalter bezeichnet; im Gegensätze des kindisch und jugendlich. Das männliche Alter. Männlich aussehen. Eine männliche Stimme haben. Besonders, z. Mit dem Nebenbegriffe des gesetzten Betrage,iSchesErnstes, der Entschlossenheit; im Gegensätze des weibisch. Mir einem männlichen Ernste. Eine männliche äand schreiben, Lin männliches Weib. Die männliche Schreibart, wenn die Gedanken fest miteinander verbunden nnd gleichsam zusammen gedrängt sind ; diekräftige, nervige Schreibart, zum Unterschiede von der weitschrveisiaen, schleppenden und schalen. Ein männlicher Pinsel in derMahlerkuust, die gewisse, kräftige, kecke und far benvolle Art zu mahlen. ^ 4, Jngleichen der Herzhaftigkeit, des entschlossenen, »nerschro- ckenenMutoes; mannhaft,Lat. mslcule, imGegcnsatze des wee- hisch. Dadurch ward sie muthig — und faßte ein männlich Her; 2 Macc. 7, 21. Sie liefen männlich mit einem Sturm «n di--Mauer, Kap. 32 - wachet, stehet im Glaubpn, seyd männlich und sepd stark, ^ Cor. , 6 , 13. Die männliche Enragun« der ftbel. Luere, mein männliches äerz zerbricht be-'ne stolzen 5 eMn!Si 5 y männlich wehren. Dein Beispiel lebretmich einen männlichen Enr;chluß, Weiße. Anm. Bey dem Notker m decersten Bedeutung mannolicl,, bey dcm Stryker in der vierten menclleick, im Dberdentschen männlich, bey dem Logau männischz im Dänischen mandelig und mandlich. Die MannNchkeit, plur. innst. die Eigenschaft nach welcher ein Ding männlich ist ; doch nur in den drey letzten Bedeutungen, gefitzte-, ernsthaftes Wesen, Fertigkeit die Furcht gehörig zu Mäßigen. Wie wenig gleichen wir den Alten! was wir für ungesittet halten, , Hieß ihnen Männlichkeit, Uz. Euch wird an Männlichkeit ein Bnab, ein Weib beschämen, Hagcd. In der ersten eigentlichen Bedeutung des Beywvrtes ist dafür Mannheit üblich. . Das Mannrecht, des — es, xlur. die — e, dasjenige Reche, nach welchem adelige Vasallen gerichtet werden, das Lehcnrrcht; ein größten Lhcils veralteter Ausdruck, welcher ehedem auch so wohl ein Gericht, vor welchem sich der Adel stellen mußte, als das Recht, nach welchem in einem solchen Gerichte gesprochen wurde, bedeutete. S. Manngcrrcht. . Dev Mannricpter, des—s, plur. ut vom lmfl. der Richter in einem solchen Mannrechte oder Maungerichte, das vorige. Die Mannruthe, plur. die—n,in denNiedersächnschenMarsch- ländern, der einem jeden Manne »der Einwohner einerDorftchaft mit der Ruths zugemessene Theik, welcheir er an den Deichen und Sieltiefen im baulichen Stande erhalten muß; die Harrsmaße. Niederst Mannrode. . Das Mannsbild, des—cs, plar. die— er, emc Person männlichen Geschlechtes, im gemeinen Leben, im Gegensätze eines Weibsbildes ;in der anständiger» Sprechart eine Mannsperson, und von vornehmen Personen ein äerr. Drep Ukahl im kkayre sollen erscheinen vor demZerrn alle deineMannsbilde,(Mannsbilder,) 2 Mos. 2Z, 17. von einem Monden an bis auf fünf Jahr sollt du ihn schätzen, — wenns ein Mannsbild ist» Z Mos. 2 7,6 ; wofür man doch jetzt lieber Sohn, B,labe oder Rnäbchen sagt. S. Bild Z.und Mannscn. In einigen Stelle» der Deutschen Bibel, wie Es. 44, l 3, und Szech. »6, 17 scheinet es die ungewöhnliche Bedeutung einer menschlichen Bildsäule zu haben. ^ . Die Mannschaft, plur. die — en. 1) *Die Mannheit, oyge Plural; eine im Hochdeutschen veralteteBedeutung, in welcher eS noch im Oberdeutschen üblich ist. jemanden die Mannschaft benehmen, ihn des Vermögens der ehelichen Beywohmmg berauben. 2) *Da'sVerhältnisi zwischen denjLchensherren und Vasallen, und besonders die von dem letzter« dem erster« schuldigeTreue, iugleichen derLchcnseid, die Huldigung, gleichfalls ohne Plural; eine gleichfalls veraltete Bedeutung, in welcher cs in den Mittlern Zeiten häufig vorkommt. Schweb, gleichfalls klavskÄp. Z) Cur Mannsbild; doch ilurnoch in einigen Gegenden, besonders Dber- deutsch!aildes,von geringern, leibeigenen oder zu gewissen Diensten verpflichteten und anfgehochenen Mattnsbildern. Das Dorf hat vier und sechzig Mannschaften, dienstbare Einwohner. Acht und zwanzig Mannschaften meisten Theils Wascher und Bleicher. Zu dieser Arbeit müssen junge und starkeMann- schaften aufgebothen werden. Im Hochdeutschen gebraucht man es nur als ein Collectivnm und ohne Plural. Die zum 8encr- lcschen norhige Mannschaft. Die Mannschaft des Dorfes zu einem Treib ejagcn anfbrechen. Jngleichen von mchrern gemeinen Soldaten. Die Mannschaft zusammen kommen lassen. Schweb, Mall 66 6L Schwed.Narilkap. ^) Juden ZusammensetzungenRanfmann- schaft, Landsmannschaft, und vielleicht noch einigen andern bedeutet es den Stand eines Kaufmannes, die Eigenschaft, das V erhältlich eines Landsmannes, so wie in Hauptmannschaft so wohl die Wurde eines Hauptmarmes, als auch dessen Gebieth. Siehe —Schaft. Der Mannsschild», des — es, plur. lauf. eine Pflanze, wovon die eine Art in ^Österreich, andere Arten aber auf den Alpen einheimisch sind; ^uckrol'sce k,. Mannsharnisch, Nabelkraut. sDas Mannsen, des — s, plur. ut nom. liu^. ein nnr in den uicdrigeu Sprecharten einiger Gegenden, besonders Meißens) übliches Wort, ein Mannsbild, eine Mannsperson; im Gegensätze eines Weibsens. Stosch hält cs irrig für einen besonder» Plural von Mann, indem cs vermittelst der Ableitungssplbe -—sen von diesem Worte gebildet ist, (S.-—Sen.) Mb das Rind ein Mannsen oder Weibsen seyn werde, Basel». Die Mannsfahrt, plur. die—en, im Bergbaue einiger Gegenden, die Fahrt auf Leitern in einen Schacht, die Handfahrt; zum Unterschiede von der Fahrt in Tonnen. Das Mannsl'leid, des—es, plur« die— er, einKleidfür eine Person männlichen Geschlechtes, ein männliches Kleid; im Gegensätze eines Frauenkleides. Die Mannskleiöuny, plur. doch nur von mehrern Arten, dis — en, die männliche Kleidung ; in der Deutschen Bibel 5 Most 22, z mit einem jetzt ungewöhnlichen Worte Mannsgerarhe. Das Männsklofler, des — s, plur. die — ktöster, ein Mönchskloster ; zum Unterschiede von einem Frauen- oder Nonnenkloster. Die Mannslänye,plur. die — n, die Länge eines gewöhnlichen Mannes, d. i. drcy Ellen, oder eine Klafter., Die Grube war vier Mannslängen tief. Auf ähnliche Art gebraucht mau im gemeinen Leben auch die Bey - und Rebeuwörter mannshoch, mannstief, mannsdick. Die Mannsleute, liüZ. inuft mehrere Personen männlichen Geschlechtes, als ein Collectivum, doch nur von geringer« Personen, in der harten nnd niedrigen Sprechart, das Mannsvolk, in etwas gelinderm Verstände Männervolk; alles im Gegensätze der Frauensleute oder Weibslcute , des Fpauenvolkes oder Weibovslkes. Die Mannsmahö, plur. die —en, im gemeinen Leben einiger Gegenden, besonders Oberdeutschlandes, so viel Land,'alsein Mann in einem Tage abmähen kann, wo es besonders als ein bestimmtes Mast der Wiesen gebraucht wird, welches auch ein Tagewerk genannt wird, und mit einem Morgen überein kommt. S. Mahd und Mannwerk. Der Mannsn ahme, des — ns, plur. die — n, ein männlicher Nähme, ein eigenthümlicher Nähme der Personen männlichen Geschlechtes; zum Unterschiede von einem Franennahmcn oder weiblichen Rahmen. Die Mannsperson> plur. die— m, eine Person männlichen Geschlechtes, in der anständigen Spcechart, so wie man von gerin- , gen Personen und im gemeinen Leben das Wort Mannsbild, von vornehmer» aber das Wort Herr, von allen aber in der anständigen Sprechart auch wohl den umschreibenden Ausdruck eine Perlon männlichen Geschlechtes gebraucht. S. auch Mannsen, Mannsbild und Mannsleute. Der Mannsroch, des— es, plur. die — röche, ein männlicher Röck, ein Rock für eine Person männlichen Geschlechtes, ein Männerrotk; zum Unterschiede von'einem Zrauenrocke oder Weiberroche. Der Mannsschneiöer, des,—s, plur. m nom. linZ. ein Schneider,-welcher nur allein männliche Kleiber macht, ein mättk- A del. y). B. Z. PH. -.Aust. Ma lkcher Schneider; zum Unterschiede von einem Zrauenschneidk^ oder Weiböfchnerder. Der Mannsschüster, des—s, plur. ut vom. iinx. eis Schuster, welcher^nur niännliche Schuhe verfertiget, ein männlicher Schuster; zum Unterschiede von einem Frauenschufter. Der Mannsftamm, des — es, plur.^ie — stamme, der männliche Stamm irr der Geschlechtsfolge; zum Unterschiede von dem werberstamme oder weiblichen Stamme. Mannstief, 36j. er uckv. S. Mannslänge. Die Mannstreu, plur. inuf. eine Pflanze; klr^nZlurnl-. Besonders diejenige Art, welche an denungebauelen Orten Deuksch- landes wild wüchset; Lr/vtzium cuu-pelireL,. Brachendistel^ .Vrakendistel, Laufdistel, Walzdistel, Bransedistel, Wald- drstel, Hundertkopf, Hunderthaupt, Wahlendistel, Mordwurz, Grundwurz, valent - Liste!, (vielleicht Falant- Distel,) Ghr- - engcl, Raddistel. Den Nahmen Mannstreu Harste vermurh- lich wegen ihrer heilendenKräfte erhalten. Die bläuliche Mannstreu , welche an 'dem sandigen Meersirande wachset, Lr^u», u.-rr mLrilimuua L,. wird auch Meermannstreu, ingleichen blaue Mecrwurzel genannt. Die Mannsucht, plur. cur. die Sucht, d. l. anhaltende, heftige und ungeordnete Begierde einer Person weiblichen Geschlechtes 'nach einer Person männlichen Geschlechtes, welche, wenn sie irr eine Art oon Tollheit ausartet, die Manntollhsrt, Lrebeswuth genanut wird. Mannsüchtifl, —er, — ste, s6j. et uelv. mit der MannfnchL behaftet, darin gegründet. Im höchsten Grade maurrsuchrig ist mannroll. . Das Mannövolk, des — es, plur. cur. S. Mannsleute. DieMannszucht, plur.car. die Zucht, d. i. Handhabung der Ordnung unter dienstpflichtigen Personen, besonders »lännlichen Geschlechtes: von Mann, ein Dicnsimanit geringerer Art. Es wird am häufigsten von der Handhabung guter Ordnung unter den Soldaten gebraucht.. Gute, fchlechre Mannszucht ballen; m welcher Bedeutung das Wort lvlarnLub r. schon m dem alten Fragmente auf den Feldzug Carls des Großen öep dem Schnur vor- kommt. DerManntheil, des—es, plur. dir—s> in einigen Nieder- sächsischen Gegenden, der Theil, welcher jedem Man» r, d. i. Eingesessenen des Dorfes, bei- jährlicher Tbftluug'ocs gemeikl- schaftlichen Heulaudcs durch das Los znfällt. Das Mannthrer, des — es, plür.die—e, ein Nähme, welchen in dem Froschmäusler und den nachfolgenden Fabeldichtern der Mensch b y den Thieren führet. Ja, schnattert jene (die Gans) drauf, wenn doch das Mannrhier nur Einst unsre Tugenden errierbe, Haged. Manntoll, — er, —, este, acift er sciv. S. Mann süchtig. Die Manntollheit, plur. cur. S. Mannsucht. Das Mannweib,des— es , plur. die— Werber, eine Person, welche männliche nnd weibliche .Zeugnngsglieder zugleich Hai; im gemeinen Leben ein Zwitter, mit ciuem Griechischen Ausdrucks ein Hermaphrodit. z Das Mannwerf, des—e«, plur. die—e, rm Oberdeutschen, so viel als Tagewerk, wo cs besonders als ein Feld, und Wiesen- maß gebraucht wird, so viel zu bezeichnen, als im Mann mit einem Paar Ochsen in 'einem Tage umpflügeu, oder so vielWiese, als ein Mann in einem Tage mähen kann, in welchem letzter« Falle es auch Mannsmahd genannt wird. Ein Mannwerk ist so vre! als in Obersachscn ein Morgen. Steht ein Zahlwort davor, so hftibtes im Plural, wie die meisten Wörter dieser Litt, «nverän» E 'V der;. 67 Man - S-rt. S,ch° Mannw,,!'. I» Ziicch b-!t -in Wonnwttk Wie- sen 320 Quadrat - Ruthen. , D«ö Msnssirö-Däch, des— es, xlur. die Dächer, m der Baukunst/ eilte Benennung der gebrochenen Dächer: aus dein Franz, ala iVliillsÄrckC, von dem Nahmen eines Französischen Baumeisters, welcher sie erfunden hat. -Manschen , oder Ntantschen, vsrd. reF. veutr. mrt dem Hnlfsworte haben, welches nur im gemeinen Leben üblich 'st, mtt den Händen in einer nassen oder feuchten Bache wühlen, ingle'chrn unreinlich mit einem nassen oder feuchten Körper umgehen; fo wie mähren in ähnlichem Verstands von trocknen Körpern gebraucht wird. Entweder von mengen, mischen, oder auch wie panschen, plantschen und andere dieser Art, als eine Nachahmung des ei- genthümlichen Schalles. Daher derMamsch, eine weiche Masse, im verächtlichen Verstände. Die Manschette, plur. die—n, ein aus dem Franz, kläncketts entlehntes Wort, diejenigen in viele Fakten gelegten Streifen fei« neu Zeuges zu bezeichnen, welche man zum Zierathe an das Eude der Hemdärmel zu befestigen pfleget; die sandkraufen. sandblat- ter, im Obecd. äandarmel, Tagen, Tätzchen, im Rieders» panetten, äandpanerren, aus dem Franz. t-'oiFnets, Lobben, Lowwen^ Lrusedullen, im Mittlern Lat. r° Der Mantel, des — s, plur. die Mäntel, cm seltenes Wort, welches indessen den Begriff des Endes, des Letzten an einem Dinge der Ausdehnung nach, zu haben scheinet. Es ist nur bey den Tuch- bererteen üblich, welche das Ende eines Luches, wo der Weber den Anfang mit Weben gemacht hat, den Mantel zu nennen pflegen. Die Sylbe — el ist die Ableitungssylbe, welche ein Werkzeug, Ding, Subject bedeutet; es kommt hier also bloß auf die Sylbe Mant an. . L D er Mantel, der— s, xlrw. die Mäntel , Dmurmt. das ' Mäntelchen, Oberd. Mäntellein, ein Wort, welches überhaupt den Begriff der Bedeckung hat, und ein Di«« bedeutet, rvelche- ein anderes bedecket, aber nur noch in verschiedenen einzelnen Fällen üblich ist. 1) Im Bcrgbape ist das Sahlband gleichfalls unter dem Nahmen des Mantels bekannt, entweder so fern cs den Erzganz umgibt imd ihn gleichsam bedecket, oder auch in der vorigen Bedeutung, so fern es das Letzte, das Äußerste des Ganges ist. ,2) In der Landwirthschaft wird eine Lage neues Stroh, welche ribee ein altes Strohdach gelczt wird, ein Mantel genannt. z) In den Girßereyen ist der Mantel die äußere Form zu den Gustwaares, welche über den Jern geformt wird, und auch die Echale heißt. 4) Zn den Küchen wird der hervorragende Rand der Feuerma»er über den Herd, welcher den Rauch fasset, und ihn in den Schlund der Feuermauer leitet, so wohl der Mantel als der'Schur; genannt. Engl. IVIande!. Auch die Kamine haben mehrmahls solche Mäntel, und oft wird die ganze vordere obere Wand eines KamineS der Mantel genannt. 5) Am üblichsten ist .diesesWvrt pan einem weiten Kleidungsstücke ohne Ärmel, welches über die gewöhnliche Kleidung getragen wird, und von verschiedener Länge ist. Im Mantel gehen. Linen Mantel tragen. Den Mantel anlegen, umnehmen. Der Regenmantel. Trauermantel, Gewehrmaneel, Reisemantel, Deckmantel, Nachtmantel u. s. f. Auch die Saloppen des andern Geschlechtes sind eine Art Mäntel. Das Mantcktragen, eine Strafe für gemeine Soldaten in einigen Ländern, da sie zehen, zwölf und mehrere Wachmantel eine oder mehrere Stunden umnehmen müssen. Den Mantel nach dem Winde hängen, sich in die Zeit schicken, eine von den kurzen Neisemantetn herzensmmene Figur. Der Spanische Mantel, eine Art LeibeSfirafe, welche ig einem tiefen und schweren Zoder bestehet, welchen der Schuldige vermittelst eines -in dem Boden befindlichen Loches aufden Achseln traget. - '- s Mar 63 Anm. Schon bey dem Stricker IVlanktzl, imÄttgclf. KMnlsI, im Engl.Dän.imdSckwcd. glc chfallsMuntel, im Frauj.^i^u- ienu, im Span. IVlnutu, im Jtal. und ^InntLUc», schon bey dem Plantus ÜZlnn'eliuin, bey dem Festus Aluruili- um, IVInnteUuln, Al^ntUe. Dem Servius zn Folge waren M-ioteUa und jVl.incjj>1ia bcyden Römern auch eine Artzoüzer Tischdecken, welches die allgemeine Bedeutung der Bedeckung bestätiget, so wie das Engl, to inanUs, die Federn ausbreiten, mit den Federn bedecken. Die Sylbe —el ist auch hier di- Ablcitungs- sylbe, welche ein Werkzeug oder Subject bedeutet. In dem Arabischen ist ssHnati! ein Schweißtuch. Kcro nennt einen Mantel iiLaken, und der Verfasser deS Schwabens, bestimmter Käcklsscüen. Im Rieders, ist äoiken und äuseke eirl Frauenzimmermantel, Piclleicht eben der, welcher im Oberdeutschen eine Schaube heißt. S. auch Bemänteln und vermänteln. Das ManteLkind.des— es, plur.die— er, ein größtenTheils veraltetes Wort, ein vor der priestcrlicheu Einsegnung gezeugtes uneheliches Kind zu bezeichnen, weil die Mutter selbiges ehedem bey der nachmahligenTrauung uuter ihreuMarüel nehmen mußte, wenn es als ein echtes und rechtmäßiges Kind angesehen werden sollte. Im Schwed. ZirütlalubLrn, so fern es unter der Trauung aufdein Schooße des Vaters oder der Mutter saß. Die Mantelkirsche,srlur. die—n, eine Art braunrocher Gartem kirschen mit kleinen Steinen und von angenehmen Geschmückt, welche unter ihren Blättern wie unter Mänteln bedeckt hängen. Der Mantelsack, des — es, plur. die — sacke, ein Reisesack, besonders so fern er zu Verwahrung des Mantels auf der Reise' dienet. Ehedem die Garge, die Malle, bey dem Ottsrred Nn- iLlin (S. Z. Mahl,) der Watsack, im Mittlern Lat. NLNiicu. S. auch Zelleisen. Die ManteLsch7mr,p1ur. die—schnüre, die starke Schnur, mit welcher der Männcrmautel um den Hals befestiget wird. Der Müntelstsck, des — es, vlur. die — stocke, ein Stock ans einem breiten Fuße, auf welchem man ehedem den Mantel zu hängen pflegte, wenn man ihn nicht trug. Die Nanufactür, p!ur. die— en, aus dem Französischen kck«. rmkacturs, iVlnousactura, eine Anstalt, in welche gewisse neuere Maaren von unzürfftigenPersonen ohne Feuer und Hammer in Menge verfertiget werden; zum Unterschiede von einer . Zabrik. Die Seiden - Manufacmr , Zeug - .Manufactnx^ Serumpf - Manufactur u. s. s. S. Fabrik. Der Mar, Alp, S. Mahr. Die Marane, eine Art Weißfische, S. Moräne. Der Marccrsir, des—es, sslur. die —e, oder des—en, plur« die—en, eine unbestimmte Benennung, welche mehreru Arten von Mineralien beygeleget wird. Am häufigsten ist es ein krysial- linisch gebildeter Schwefelkies, welcher aus einem mit Ersen gesättigten Schwefel bestehet, besonders die würfeligen, glänzenden gelben Acten desselben. Goldhaltige Schwefelkiese sind unter dem Nahmen der Gokdmarcafiten bekannt. IndenTirolischen Bergwerken nennet «na« einenjeden goldfarbigen Kies Marcaflt. Der Rahme ist allem Ansehen nach ausländisch. Im Jtaliänffchen ist s>lL'.-ct ä die G>ätte. Das M-rhech'M S.z. Mähre. /- DerMsttsspan S. Marzipan. ^Mavcolph, S. Markolph., Der Marcus - Bcrkder, im gem. Leben Marxöruder, des —5, pkur. die Bruder, ein Rahme, welchen sich die Bäckerkncchte beyiegen , welche sich auch Lowenschätzen nennen. Beyde Nah- men wollen sie von Carl L V zugleich mit ihrem Wapcnlöwen erhalten haben. Übrigens warm die Marrbrudep, welche von den > Lueass / - Mar ar Lucas-Brndern, und im gemeinen LebenEurbrndern, noch unterschieden find, eine Ar: der ehemahligeu Klopffechter. Der Marder, des—s, plur. ul nom. linZ. ein fünfzehiges vicr- füßiges Raubth er miteüstm braunrolbi-n Körper, einer Weißen Kehle, kurzen Ohren, haarioen Füßen und lang-u Schwänze; Mustätu iVIartesD. Es ist w -l kleiner, als eine wilde Katze, aber größer als ein Zliiß, lebt in Wäldern uud stellet den Eichhörnchen, dem Federviehs und de-.^p, rn nach. Der Baummarder oder edle Marder, un der Gieiur, arder ü.,d Arten desselben. Die Marderfelle, welche an«-nur Marder ichlechthin gcuanut w- rden, find schätzbarera's eie Zl jßo^lge, Nachkomme» demIo- bcl am nächsten. Eni mit Marder gefüttertes Alcrd, mit Marderfellen. Anm. Im gemeinen Leben auch nur das Mahrd vder Mard, imDän.Naar, im Schwed. iVI^rci, im Engl, fvlurtlet, lVlLr- tsn, inr Jtal.lVIui ror-L, XlürtoreÜL.immittlecnLar.eViLrtur, in: Lat.lvl-irtes, im Augelf.lV1u.rtli, im Franz.-Vierte,Sartre. In einigen Gegenden ist es ungewissen Geschlechtes, das Marder. Die Msrherferlle, silur. die — n, eineFalle, mitwclcherman die Marder zu fangen pflegt. ^ D«s Marüergarn, des —es,.plur. die-e, ein kleines Garn oddr Netz mit engen Maschench die Marder damit lebendig zu fangen. Mare, u. s. f. S. in Mähre. ^ Die Marelle, plur. die—n, ein Nähme so wohl einer Art Kirschen, als auch einer Art Aprikosen, S. Amarelle. Däa Marejse, xlur. die—n, dem Frisch zu Folge, kleine Klebgarns der Fischer, deren Gebrauch in derBrandenburgkschenAi- scherordnung verbvthen ist. Margaretha, ein aus dein Griechischen u«z>lX«S'^§, eine Perle, enrlehuter Taufnahme weiblichen Geschlechts, welcr-er in der nie« drigeu Sprechgrt in Grethe, in derverLraulicherrin Gretchen, in der Ober-Pfalz in Meigerl, im Osnabrück, aber in Mettke verkürzt wird. Im Engl, lautet er inr gemeinen LeberMnrAst, Mcr und istsA, m Lotharingen iVlouLrAuite, lVlurJuitte, 6ill.on, Sotdon, Suerrtte, I-LAuiNe, OujAuirre. - Die Margaretheir r^ZIume, plur. die — n, Diininut. das Margarethen-Blümchen, ein Rahme der Gänseblumen oder Maßlieben, welche m aitderwGegeuden Narien-Blümchen genannt werden. Die Margarethen-Nelke, plur. die —n, oder das Margarethen-Nägelein , plt'.r. ut noru. lln-Z. eirre Art so wohl einfacher als gefüllter Gactennelken, welche erne Mrrtgc rother Blumen, wir in einem Büschel, br ingen, und im ZüUo blühen. Der M arbel, des — s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut vom. !in^. eine fette, mürbe, zerbrechliche vermischte Erdart, welche aus Thon und Kalkerde bestehet, gemeiniglich von grauer, oft aber auch von weißer und gelber Farbe ist, und zum Düngen der sandigen Äckergebraucht wird. Mir Märgel düngen. Der verhärtete Marge! wird, wenn er die Gestalt eines Steines hat, stm gemeinen Leben einiger Gegenden Schleimstein genannt. Anni. Im Engl lVlurft im Dän. Mergel, im Schwed. Nlü r- xsl. im Franz. kVlurie, iVlurue , im Mittlern Latem. iVlaiiln, AlarÜL, im Böhm. U- rL', ml BretagnischeniVIur^, bey den alten Galliern, dem PUn-us zu Folge, iVlurZer. Entweder wegen seiner scheinbaren Fertigkeit und düngenden, den Alten schon bekannten Keaft, als ern Verwandter vor; 2.Märk, mec!uUZ,dahcrPiinins ihn auch leer, e nennet, oder anchznnächft wegen seiner mürben lockern Beschoffruheit, als ein Verwandter so wohl eben diejesMark, als airch der Wörter mr-rbe, Nicdcrs. mor, Morse!, morch >.i. s.f. Am gemeinen Leben einiger Gegenden wird das M-aek wirklich hex MärZe! zc-rcrnnt, (S, AdmärZeln,- so wie 70 -. inSteinmavk die letzte Splbe so viel als Marge! bedeutet. Sie Endsylde—el ist in bepden Fällen die Ablcilnngssplbe, welche so wohl ein Werkzeug, als auch ein Subject bedeutet. Aus allem erhellet,daß die Schreibart mit^iuem a der Abstammung gemäßer ist, als die mir einem s. Im Gricch. ist Kohlenstaub. Die Nä'rgeleröe, plur. doch nur vou mehccrn Arten, die—n, eine m t Märgel vermischte Erbe, ingleichen Märgel in Gestalt einer Erde; zirm Ü nterschiede von dem Märgel m fester an ein liebterLairftiahme des weiblichcnGefchlechtss,wclcher uach einigem von "NN, bitter, betrübt seyn, nach andern aber voüL21, erhöhen, abstammen soll. Zm gemeiner) Leben kämet er Maric, Gemt.. Mariens, und m der Zusammensetzung Marien, Dat. Marien, im Dimmut. Mariechen, welche denn in maucheu Gegenden lisch in Merge, Micke, Marke, Matse, Meigeln, Mcka, Midel, Mcigela , Müzel u. s. s. verkürzt werden. Die Engländer verkürzen ihn in Mull und Moll, und nach der nicht seltenen Vor« Wechselung dem m und p, m L^U und 1?o1L, uud diaLocharingcr in lVIsiriou, ^Isrrio. Die große Ehrfurcht, welche mau itt der Römischen Kirche dorr je her für die Jungfrau Maria, oder Mutter Christl, weiche daselbst am hsufigsten unsre liebe Frau, oder die Mutter Gottes genannt wird, gcheget hat, har nicht nur viele ihr zu Ehren eingesetzte Feste veranlaffet, sondern auch verursacht, daß eine Menge von Pflanze« und andern Dingen, an welchen man etwas Brson- dres zu entdecken glaubte, nach ihr benautzt worden, wovon die folgenden Zusammensetzungen eine kleine Probe sind. Unter den in der Römischen Kirche üblichen, und in der evangelischen auch noch hin und wieder, wenigstens dem Nahmen nach, vorhandenenFesterr sind die vornehmsten, Mariä Empfängniß, Marlä Geburt^ Maria Verkündigung, welches in der evangelischen Kirche das Fest der Empfängniß Christi ist, Maria Heimsuchung, in der evangelischen Kirche, das Andenken der öffentlichen LeranntmüL chnng des empftmgenenZesu, (S.Heimsuchcn;) MarläReinigmrg,- in der evangelische« Kirche, das Andenken der Darstellung Christ: in demAempel, MariaMpferung, und Mariä Himmelfahrt, oder Mariä Mürzweihe, welches letztere erst im 11 ten Jahrhunderts allgemein wurde und den i Lten August gefeycrt wird. Zu den ge- ringerir Festen der Römischen Kirche gehöret unter andern dasZcst der sieben Schmerze« Maria, welches den Freytag nach Indien' zum Andenken der Schmerzen der Jungfrau Maria bey dem Anblicke des auf dem Berge Golgatha leidenden Christus gefeyerr, und auch Marien Echnmachksfeper, Maria Bergkrampf, ge-»' nanutwird; Maria Schneefcper, auf den Lten August, welches sich ans eine Überlieferung gründet, däß es an diesem Lage ein, mahl zu Rom soll gcschucptt haben ; Maria verlobmß, des» 2 3 sie n Jan. u. s. ft E L D kv Mar 7 « D-r MMbApfL pl».rk.-Ä>5-^ Segeadca, besonders Riedcrsoc^euS, «ne S« t»,«. er"b» . zeitiger Äpfel. . . . Las Marlen-Bad, des —es, p^ir. bw—^Bader, m der Chymie, ein Gefäß mit Wasser, unter welchem ^ener angemacht wird, um ein anderes Gefäß däccin zn setzen und zu desttll.cen; LLlnennt^A-iae. das Frauenbad; vielleichtauseulemJrr- thumesür öLlneurn rttLi is, Wasserbad. - Das Marren-Bil-, des—es, plur. die—er, Diminttt.das Marien-Bildchen, ein gesch Mytts oder gemahltes B-ld der Znnafcan Maria; das Fraucnbild, im Jtul. eine Lguckoull-t. Die Marien-Blrrms,, plur. die—n, Diminnt. das Mar.en- Blumchen, in einigen Gegenden ein Nähme der Gänseblumen »der Maßlieben, Vellis Das Marien- Rastern. Stehe Maßlieben. . ^ . Di- M-rri-n-dist-l, pl». il--». «-- «" Dck-l. dm» Blatter und Samen eine sehr herlsameKraft haben, und bejonderv wiocr das Seitenstechen g, braucht werden, ^arcluusiVluriLlius Froschdistel, unsrer lieben Frauen Distel, Frauendistel. Der Marren-Zaden, des — s, plur. dre Faden, eine im gememenLeben übl-cheBenemiung derjenigen weißcnFäden,womit so wohl im Frnhlinge, als am Ende des Sommers die Felder be. dcckL Illld- und welche a,ich der Sommer, der fliegende Sommer, unsrer lieben Frauen Faden, Marren-Garn, Gras- v.-^en, Sonrmerfaden, iinNttdersachstschen Slammetje, Matt- ^ chen-Sommer. von dem Matthias-Tage, um welchen sie sich z.-gen, genannt werden. Sre rühren von Spinnen her, welche »ermittelst dicferFäden irr die Luft schiffen, rhreNahrnng ;u suchen. Ler große Hanfe irr der Römischen Kirche hält sie fnr ttbecblcrosel von dem Tuche der Jungfrau Maria, welches sie im Grabe nmge- bobt, und bey'ibccrH'.tttmclfahrt fallen lassen. Jm^chrved. Herren stc j)evnerg5L3et, »on Zwerg, erne Act Murel- geisior und IstelLt, Netz, . .. Das Mcrrien-Zest, des — es, plur. die F, cm ^est err ' Jungf. am Mariä; der Marien Tag. ^ ^ . , a, r. Der Marlen-Zlerchs, des — es, plur. iuus. Srehc Flachs- DaEarten-Garn, des-es, plur. iuut. Siehe Marien-- Faden. . _ - < Das Ma-tten-Glas, des — es, plur. rnuß. S. FrauenglaL« Das Marlen-Gras, des —es, plur.nnus ein Nähme des "weißm K.ees, oder-Hollander. Klees; im Österlich,schen das Maricn-Geasei. Der Marlen-Gröschen, des —s, plur. ,tt nom. l,uZ.eme ^ in Niedersachsen und am Niederrhcinc übliche silberne Scherve- wünze, welche mit dem Marien-Bilde gezerchner ist, und acht gute Pfennige gilt. Sie wird auch ein Batzen, uud wo derBatzen, r 6 Pf. gilt, ein halber Batzen genannt. Der Mamen-Rafer, des—s, plur. M nnm. sinZ. eine Art Käfer mir abgestutzten Fühlhörnern, derenKörper einer dnrchsich. LiHen Krige! gleicht-, Ouccins'.lL l>. Sie wohnen aufden Baum- hlärrern und Blumen, sind -von verschiedener gemeiniglich aber rothswFarbe, daher auch die Scharlachwurmer oft mir ihnen verfälscht werden. Im gemeinen Leben, das Marien - Zudn, «rnscrs s-cren sühn, das Repphuhn, bep ernigen der Son« Der Marlen-Mantsl, des —s, plur. inus. l) In cruigen ' Gegenden einNabmedesSinttaues;Rlcffetnil1s 1^. ( S. Sin- nau.) 2 ) Das ^pliLnes^. wird in cimgenOrtenMarien-Man- Lelcheu und Fr'allenmänLelchen genannt. So vic an noch andern L) euch das Mutterkraut den Nahmen des Mapien - Mantels t, S. Mrttterkraut. Dle Marren-Münze, plur. laus. S. Zrauenmünze. Die Marien - Rose, plur. die —n, Drminut. das Marten- Rsslern, plur. ivul. ») I r einigen Gegenden, ein Nähme de» Maßliebeu, besonders der gefüllten Art, welche man in den Gärten Hat; i^ell.s l-.. die Marienblume. (S. Maßlieben.) 2) I» andern ist die Päonie unter dem Nahmen der Marien - Rose bekannt ; so wie 3) in andern die Hagerose oder gemeine wilde Rose; Kola canrnu 1 -. und 4 ) die Meinrose, S. dieses Wort. Der Marren-Schuh, -es—es, plur. dte —e, dec Nähme einer bcy uns wild wachsenden Pflanze, welche andere den Venus- Schuh, den Marien-Pantsffel, pfaffenschrrh nennen; O/pri- pt-ci«um l^. vcrmuchtich wegen des bauchig aufgeblasenen hohle« Honigbehältmsses der Blume. Der Marien-Lag, des —es, plur. die —e, ein Festtag des Jungfrau Maria, das Marren-Fest. Die Marille, plur. die — n, eine Art so rr>ohl Kirschen, als auch Aprikosen, S. Aquarelle. Die Marine, plur. loul. ein aus dem FranzöflscherMarnie entlehntes Wort, die Seemachr eines Staates und alles was daz» gehöret, das Seewesen. Dahcr das Marinen-Geld, ern ehedem im Brandenburgifchen iiblrches Geld, welches eirr jeder, wel» cher ein Ervü Amt bekam, zum Behufc des Seewesens bezahlen mußte, und welches gemeiniglrch den Gehalt eines halben Iah, res betrug. Marinlren, verb. reg. act. gebratene Fische in Essig undBamn-- vhl einmachen, um sie auf solche Art eine Zen lang aufzubehalten; im gemeinen Leben margrnrren. Marinirtcr Aal, >Tachs, Ma» rrnrrre särrnge u. s. f. Aus dem Jml. inurimure, Franz, mu- -r-inc-r; vermuchlich von murrno, rnurine, zur See gehörig, weil die Sch-fflcute und Seefahrer dre Frjche ,0 einzurnachetr pflegen. II. Der Mar?, ein Marktflecken, S. Markt Z). 2 . Das Mark, des — es, plur. iuull. ein Wort, welches die lockere, mürbe, weiche Beschaffenheit in dem Innern mancher Körper bedenret; im Gegensätze veräußern härrecn und dichter».' r. Eigentlich. >) In den threrrschen Körpern ist das Mark die öhlige Fettigkeit in den Höhlen der Knochen. Rindsmark, Arschmark s. s» Das lange Mark oder RrrEenmark, welches dresen Nahmen nur uneigeulllch führet, indem es rm Grunde ikejue öhlige Fettigkeit, sondern eine Fortsetzung des Gehirnes iA. .welche sich durch das ganzeRückgrach erstrecket. Von dieser Art ist auch das lange Mark im Gehirne, üäLckuU-» oblvngrrta, welches in langer gespaltenerGestalt unter dem Gehirne lieget,weiße.ye ttlier^, im Diminut. Uieriett, die Richtschnur, das Böhm. iVlsrsui, das Messen, klerik, ein Messer, und rneriti, messen. 2) Zn engerer Bedeutung, dieGränze eines Landes oder eines Bezirkes; Hey dem Äero i^lureUo, bey dem Notker rVlarctiÄ , im Latian Märn, im Mittlern Lat. NLrchL, imEngl.iVlark, bey dem Illphrlas kelarcc,, im Dän. Mark , im Schwed, ^iürks , im Franz. Mtti che, und mit andern Ableitungssylben im Schwede Z/ILre. im Dalmat.IVUrtt, im Walljs.Nttrs, im Pohl». iVItarn, !m Lappländ.klLirre, im Pers. und lVlnrr, im Litthauischen LUer», im Russischen im Finnland. Lläarä. In noch weiterer Bedeutung ist im Latein. HsturZo der Rand. Man gebrauchte es ehedem im Deutschen von den Gränzen aller Art, selbst großerMeiche und Länder, da es den» auch wohl dasGe- mcrk, das Bemerk und die Markung lautete. Jetzt ist es nur noch von den Gräuzeu kleincrerBebierhe, besonders der Gerichts- bezirke, Dorffluren und Gemeindegürec üblich. Die Feldmark, Hie Gränze eines Feldes, dieDorfmark, eines Dorfes, die scst;- rnark, eines Gehölzes. Das verwandte Mahl hat auch diese Bedeutung mit demselben gemein. S. viele der folgenden Zusammensetzungen. 2. Eine mtt einem Zeichen bemerkte Sache. c) Die mit Gränzzeichen bemerkte Fläche, ein in seinen Marken oder Gränzen cingcschloffener Bezirk; eine Bedeutung, welche ehedem voü sehr weitem Umfange war, nnd cs zum Theile noch ist. Es wurde daher nicht nur von ganzen Ländern gebraucht, wovon noch die eigenthümlichen Rahmen Dänemark, Zinnmark, Lappmark zeugen, sondern auch von Provinzey, und zwar iu Deutschland besonders von solchen, welche zur Sicherheit des Reiches an deuGränzru gegen llnruhigeNachbarn, besonders gegen die Slavrn und Wenden errichtet und angeieget wurden, w« lche daher Masten, nnd so fern sie gewissen Mark - oder Gränzgrasin zur AutnchtundVerkheidigung anvertrauet wurden, Markgrasfchaf- cen biestcn: Die M.ark Brandenburg, Meißen , die Lausitz,' Mähren, SteycnparL' ü. a. m. wäre»,ehedem solche starken 74 oder Markgrafschaften und haben diesen Nahmen «och bis jetzt behalten. Im Schwabenspie-el heisst eine solche Mark 6sr lVlurtdt. Heut zu Lage pflegt man nur noch kleinere in ihren Sriinzens cingeschlossene Bezirke mit diesem Nahmen zn belegen. Die sc>f-< mark ist in Barern der Gerichtsbezirk eines adeligeu Hofes. Die Lorfmark, auch in Dbersachsen, die zu einem Dorfe gehörigen Grundstücke, welche, so fern sie besonders aus Äckern bestehen, auch die Feldmark heißen. Die 6ol;mack in Westphalen nnd am Nheinstrorüe, ein jn seinen Gränzen eingeschlossener oder abge» theilter Wald, woran mehrere Antheil haben. In Niedersachsen werden auch gemeineWeiden,Torfgruben u. s.f. Marken genannt. Zm Schweb. ist iVlarkt gleichfalls ein unter mehrere vertheiltes Feld. In welcher ganzen Bedeutung so wohl der Begriff der Gränze, als auch der mehr ursprüngliche derTheilung der herrschende seyn kann. 2) Eine Art eines Gewichtes, vermuchlich wegen des darauf geschlagenen Stämpels, oder auch so fern ein körperliches Gewicht das Zeichen des Gewichtes ist. (a) Eigentlich, wo die Mark «och ein sehr gewöhnliches Gewicht des Goldes und Silbers ist> welches sechzehcn Loch wieget, nur daß es bey dem Golde anders ringetheilet wird, als bey dem Silber. Eine Mark Silbers hat r 6 Loth, dasLoth 6 Gran, das Grau 6 Grän, folglich die ganze Mark 288 Grän. Die Mark Goldes hält 2 4 Karat, oder 96 Gran oder 288 Grän, welche 67 Dursten machen. Aneinigc« Deren wird die Mark so wohl im Gold - als Silbergewichte i» 22 Pfennige, der Pfennig aber in 24 Grvschenodec Gran geihei- let,ivelche.wiederu-n 2 88Groschen vderGran machen.DieBeschaf- fcnheit des Goldes oder Silbers wird durch Bevsätze angedcntet.. Eine Mark iothiges Güber, oder die löthige Mark ist die, bey welcher sich r »berauch c^LothZusatz befindet. Eine Mark lörhiges Goldes hält 72 Ducaten oder Goldgulden, jeden zu- r Thlr. 8 Gr. Zm inittl. Lat. klärca. Im Schweb, ist iVlArlc, im Engl. b/ 1 ^rk, so viel als ein Pfund oder 32 Loth. (b) Figürlich ist die Mark in manchen Gegenden eine größten Theils eingebildete oder Rechemirgsmürrze, vermuchlich weil man ehedem das Geld zu wägen pflegte, oder vielleicht auch , wegen des darauf geprägten Zeichens oderGevräges, wo sie aber von sehr verschiedener Beschaffenheit ist, welche nicht allein von dem Unterschiede deS Geldes, sondern auch von einem wirklichen Unterschiede in dem Gewichre abhängt, indem ehedem mehrereActen deSGewichtes den Nahmen der Mark führeten. Sehr häufig war ehedem eine Mark Silbers 16 Loth von einer gewissen Münze, welche in jedem Fälle näher bestimmt werden mußte. Oft legte man auch dir Mark reines Silbers zum Grunde, da /:s denn «auf die Beschaffenheit der Münze ankam, wieviel von derselben ihr gleich kam. Aber man hat auch noch jetzt Münzen, besonders Rechnungs- nninzen, Ivo dre Mark ein vor dem vorigen ganz verschiedenes Gewicht ist. Eine Mark Lübrsch, d. i. eine Lübeckische Mark, gilt 9 Gr. 4 Pf. Dre Lübische Staarsmark aber rw-i »306 gilt i Thlr. Die Mark couraut in Hamburg ist 9 Gr. 4 Pf. Die Mark Banco aber c > Gr. 4 Ps. Die Dänisch- Mar k courant istMr 4 Gr. 8 Pf. In Schweden ist die Mark so wohl eine Kupfermünze von 10Z. Ps. als auch eine Silbermünze voll 2 Gr. 7 Z- Pf. alles den Louis d'or zu L Thlr. gerechnet. In Aachen werden sogar die petermäunchen, welche 4 S Ps. gelten, Marken genannt. Eine Mark Ficrdings zu R'ga.gilt 2 Fierdings oder z Gr. Die Bremer Mark oder Mark Bremisch hält 3 2 Bremer Gcoot. Line, Mark Sundisch gilt in G.-ralfund 4 Gr. Im Osnabrückischenhält die schwere Mark ' 2 Osnabrück. Schillinge, die leichte aber 7 Schillinge oder L Gr. In vielen der obige» Falle scheinet die alte Brdcuftmg desWprtes Mapk, da es auch . E z rill 73 Mar Mar 76 rin Gewicht von 1 Loche war, zum Grunde zu liegen, welches Gewicht zumUnterschiede auch eine Mark lö'chig hieß. Zn den Mittlern Zeiten hatte fast jeder Ort seine eigene Art nach Marken zu rechnen, von denen Du Frcsne rine große Menge gc,ammclt ha'. (S. auch Markstück.) Zn Schleswig hätt eine Hufe 6 Mark Goldes oder 12 Heüscheffel, vermuchlich weil sie ehedem 6 Mark Goldes aalt. In einem andern Verstände ist Vlurcuta terrue im Mittlern Lat. so viel Land, als des Aahres eine Mark Silbers cinkrug. Der Markasit, S. Marcaflt. Der Markbaum, des — es, xstur. die — bäume, ,m gemeinen Leben, ein Gränzbaunr, Mahlbaum, Lachbaum. Siehe 3. Mark r. 2). Die Marke/ plur. die— N, das vorige Wort z. Mark, mit dem weiblichen e am Ende. 1) Zu einigen Gegenden, besonders der Wetterau, ist die Marke dasGerichr überdieHolzmark, (S.Mär- ker.) 2) In der weitern Bedeutung eines Zeichens ist es besonders in den Karten - und andern Spielen üblich, diejenigen Zeichen anzudeuten, welche die Stelle dos Geldes vertreten, wo es zunächst aus dem Franz.MarciuL entlehnet ist. Doch gebraucht man es ' im gemeinen Leben auch in andern Fällen für ein sichtbares Erinnerungszeichen. Sich eine Marke in einem Buche machen, ein Zeichen, es besiehe nun in einem nmgeschlagenen Blatte, oder in etwas anderm. -- ° - . ;. Marken, verb.rsZ. -rot. von Z. Mark,ein Zeichen, ») Zeich» ne«, mw es. noch in den Zusammensetzungen am häufigsten ist. Brandmarken, ein Zeichen der Schande einbrennen. Ein Feld, ein Geh'öi; abmärken, es mit dm gehörigen Grärrzzeicheir versehen. Ausmarken, durch dergleichen Gremzzcichen ansschließen. (S. Markung und Merken.) 2) So fern. Mark ein Gewicht von r 6 Loch bedeutet, sagt man im Hüttenbaue, ein Erz marke, wenn her Zentner desselben mehrere Mark Silbers enthält. 2. "Marken, verb. reZ. uct. noelches narim Oberdeutschen üblich ist. 1) Kaufen , wo es besonders irr dem zusammen gesetztem einmarken, einkaufen, besonders in Menge einkaufen, vorrsmmt. 2) Handel«, dingen, Gärige marken. Wo auch das Diminu- tivnm oder Freqventativum mä'rkeln üblich ist. Es gehöret zu dem Geschlechts des Lat. mercarj. S. Markt. ' Der Märker, des—s, plur. Ut vom KllA. Fämin. die Märkerinn, ein nur in einigen, besonders Niederdeutschen und Rheinischen Gegenden.übliches Wort, den Einwohner einer Mark, besonders einer Holzmark, einen Lheilhaber an einer Holzmark zu ^ bezeichnen, der auch ein Markgenoß genannt wird. Dev In- märkev, ein wirklicher Teilhaber an einer Dorf- vderHolzmark; zum Unterschiede von einem Arrsmarker oder Fremden. Daher das Märkerding oder Markcrgedinge, das Gericht über diese Märker in Sachen, welche die Mark betreffen, welches in der Wctleran die Marke genannt wird, (S. Markgericht.) Oer Märkevneister, der Äorgefetzte der Marker. ES stammet nicht von marken, sondern vermittelst der Msitungssylöe—er unmittelbar von Mark äö. G. Z. Mark 2.,). Der Marketender, des—s, plur. utvom.sioZ. FLmin. die Marketerrderinn, eine Person^ welche den Ssldalen öey einer Armee oder im Lager Lebensmittel oder Getränke werkausi, und . zuweilen auch einen Garkoch abgibt, da er denn auch Fcldkoch genannt !v-rd. Daher die Marketcnderep , piur. die—en, die Lebensart, das Gewerbe eines Marketenders ohne Mural; Mar- kermderep rreiben. Jngleichen das Gezelt des Marketenders, der den Marketendern im Lager angewiesene Platz.. OhneZwei- fe! ansdeMZtal. >4srcLl6,ÄvI.eoderjVleraÄlnvt6. Franz.iVI^r- LustLvr. Am Zral. ist so wohl merc^rs, als merLanlure^und hüiideln. Der Markfrre-e, des —ns , plur ivns. in Wcstphalen, die Sicherheit einer Holzmark gegen willkiihrlrche Benutzung. Das Marsyesd, des—es, plur. doch nur von ruchrern Summe«, die—er, S. Markgroschen 2. Dor Mär-'nenöss, des—ssen, plur. die— ssen, der Genoss oder Lheilhaber an einer Mark, besonders an einer Holzmark, in Westphaleu und am Niederrheme, wo ein solcher Genoß auch Märker^ Erdmann, oder Erdcxc genannt wird. S. das letztere, inglcichen Z. Mark 2., i). Die MarktzLrechtitz^ert, plür. die—en, die Gerechtigkeit, oder das Recht, eine umschlossene Dorf-Feld- pder Holzmack zu haben. Znglcichen, die e ner solchen Mark anklebendcnGerechrsamen. Es muß mit Marktgerechtigkeit nicht verwechselt werden. Das Marktzeri^t, des—es, plur. die—e, das Gericht über eine Mark, besonders über eineHolzmark, und in Sachen, welche dieselbe betreffen; das äolzgericht. S. Märkerding in Marker, und z. Mark 2. 1). Das Markgewicht, des —es, plur. dsch nur von mebrern Arten, die-e, die Mark als ein Gewicht betrachtet. Siehe Z. Mark 2. 2). - Dep Markgraf, des — en, plur. die —en, ehedem der Graf oder Befehlshaber in einer an der Grönze eines Reiches gelegenen Provinz, welches jetzt inDentschland eine fürsilicheWürde ist, nnd eine solche Person bezeichnet, welche mit einem MarkgrafthNme beliehen ist, oder ein Land besitzet, welches ehedem den Nahmen einer Mark, d. i. einer Gränzprovinz, führete. Daher die . Markgr'äsinn, so wohl dessen Gattinn, als auch eine jede fürstliche Person weiblichen Geschlechtes, deren Hous mit dieser Würde bekleidet ist. Zm Mittlern Lat. lVIarcliio. Man thnt llnrecht, wenn maneinenFraikzösischerrlVlLr^uisoderJlaliättischcrMnr. c liefe imDeutschen einen Markgrafen nennet, weil man hier mit diesem Ausdrucke den Begriff einer fürstlichen Würde verbindet, der dort nicht Statt findet. Markgräfsrch^ 2 Mar Mar M 'd och nur in engerer Bedeutung gebraucht wird, eine Art von bs° wohnten Orten zu bezeichnen, welche das Mittel zwischen euier St«dt und einem Dorfe sind, und auch Zleckenm-d Marktflecken, ' Französisch kourss genannt werden. Dass diejeOrtc den Nah- rven von den: ihnen verlicheueu Marklrcchtc haben, erb: siet unter andern auch aus dem Mittlern Lar. i'oru m, isoruie, und idiuu- rZinÄe, welche solchcMäri'teivdreserBedeutung bezeichnen; dage- §eu ftlsr kt und tzeiNÄrkt im Schwabcuspiegel um ebeil diejer - Ursache willen eine Stadt bedeutet. G. Marktflechen, welches Wort «m hochdeutschen, so wie das einfache Markt im Oberdeutschen aun gewöhnlichsten ist. Anm. Im Schwabeuspiegcl in derzweyten Bedeutung schon Llärkt, im Niederst in den beyden ersten Ledeukungen, das Markt, Las Navkcd, welches ungewisse Geschlecht auch m einigen andern Gegenden üblich ist, im Däu. Martcd, im ^^läud. Nlurk^ckr, im Schweb. IVlurkouck, im Engl. jVIsi kst, kelxlaccssm Kranz.^arck^. im Ital. üvlercatv; ohne Zweifel insgesammt ans dem Mittlern Lat. ^lereätum, ftlurcke- turn, so wiediess vondem Lat. mercarj und jVlercntus. Was die Abstammung von dem Lateinischen wahrscheinlich macht, ist unter andern auchbiess, daß dieses Wort, so wie das Oberdentiche marken , handeln, kaufen, bey unfern ältesten Schriftstellerrt nicht vorkommt, und im Schwabenspiegel vielleicht zuerst angetroffen wird. Las Marctamt, des—es, xiur. die —ämtcr, in einigen Stsdren, ein Amt oder Collegium, welches dieMarktsircitigkeiten entscheidet, die Taxe der aus die Wochenmärkte gebrachlenLebens- miktel bestimmt u. st f. Die Personen, ans welchen dieses Collegium bestehet, werden gemeiniglich die Marktherren, ,ihr Protokoll aber das Marktbuch genannt. Die Marktfahne- xlur. die — n, an einigen Orten,emeFahne, welche an Jahr«und Wochenmärkten ausgestcckct wird, nach deren Wegnchwung erst die Verkäufer Erlaubnis haben, Lebensmittel und andere Bedürfnisse einzukaufen, damit sie durch ihren DorsetzlichenAufkaufden Preis derselben nicht erhöhen können.Wo man sich statt der Fahne eines Strohwisches oder andern Zeichens bedienet, da wird es der Narktwisch oder das Marktzorchen genannt. LerMaLktstechen,des —s, plur. utvom.kin^ ein Flecken, welcher das Marktrccht, oder das Recht hat, des Jahres einen oder mehrere Jahrmärifthallen zu dürfen, welcher das Mittelding zwischen einer Stadt und einem Dorfe ist, und auch nur ein Flecken schlechthin, im Oberdeutschen aber ein Markt genannt wird. S. Flächen und Markt. DieMarktfreyheit, pivr. die—en. r) Die Freyhcr't eines Ortes, einen öffentlichen Markt haben zu dürfen, ohne Plural; die Narktgerechtigkeit, das Marktrecht. 2) Die denjenigen bewilligten Frepheitc«, welche den Jahrmarkt an einem Orte besuchen. Der Marktyang, des—es, plur. die—Zange, im gemeinen Leben einiger Gegenden, der Marktpreis, wie eine Maare im Verkaufe auf öffentlichen Markte weggchet. Daher marktgängig, diesem Preise gleich oder gemäss. Der marktgängige Preis, der Marktpreis. Das MarkttzeLö, des—-es, xlur. doch nur von mehrern Sum- u:en, h,e — kr. i) Das von dem Verkäufer auf.einem Markte gclösete Geld. 2) Dasjenige Geld, welches der Hausvater zum Einkäufe der nöthigen Bedürfnisse für sein Haus an den Wochen- markten hergibt, z) An einigen Orten wird auch das Starrd- oder Budengeld, welches die Verkäufer an die Obrigkeit entrichten, das Marktgeld genannt. 4) An noch andern, einGeschenk »n Gelbe, welches, besonders -em Gesinde, zum Jahrmärkte gege. ben wird. - . . Das Narktycleit, des—es, xl u r. die —e, das obriqkettllche - Geleit dvre-', welche auf einen Jahrmarkt reisen; von Messen, das Meßgcleit. DieMarceyerechtitzkeit, pftir.ivtss. S. Marktfrephert. Das Marktyut, des—es, xlur. ivtls. oder die Marktg,lter, . 6 :,?. Mus. Gut, oder Maaren, welche ans cineir Jahr-oder Wochenmarkt znm öffentlichen Verkauft geschafft werden; so fern sic für eine Messe bestimmt sind, heißen sie Meßgur oder Mtßgnter. Der Markthelfer, des—s, plur.uk nom.NnZ. em gernrger Bedienter der Krämer und Kaufleute, ihnen auf den Märkten und Messen HMfreiche Hand zu leisten. DerMar'ccherr, des—en, xiur. die—-en, S. Marktamt. Auch einzelne Rathsherren,welchen dieAufsicht über die anMarkt- tagen zur Stadl gebrachten Lebensmittel anfgetragcn ist, werden an machen Orten Marktherrcn genannt. In Bremen heissen sie Rorhcrren. Der Marktkauf, des —cs , xlur. inust 1) Der Kauf.einee Sache auf öffentlichem Markte. 2) Der Preis, um welchen sie daselbst gekauft wird, der Marktpreis. Der Marktknecht, des—es, xlur. die—e, ein geringer obrigkeitlicher Bedienter, welcher die Befehle des Marktmeissers oder Ma rkrhereen auf den Jahr- und Wochenmärkttn vollziehet. Der Marktkorl), des—cs, x!ur. die—korbe, em Armkorb, so fern er bestimmt ist, das auf dem Markte emgekaufte darin nach , Hause zu tragen. DieMarktleute, flnz. inus. im gemeinen Leben, Leute oder Personen, welche einen Jahr- oder Wochemnarkt ausmachen, , denselben besuchen, sie feyn nun Käufer oder Verkäufer. Der Marktmeister, des —s, xlur. ut vom. flnZ. in den Städten, eine obrigkeitliche Person, welche dieAufsicht über den Preis und die Güte der zu Markte gebrachten Lebensmittel hat, an einigen Orten auch der Marktvogt deisst, unter den Marktherren stehet, und den Marrtknecht unter sich hat. , Der Marktplatz, des—cs, plur. die—Plätze, derfteyePlatz in einem Orte, auf welchem die Märkte gehalten werden; doch nur in Anschung seiner Lage oder seines Raumes/weil er sonst am häufigsten nur der Markt schlechthin genannt wird. Eine Stadt hat einen schönen, großen, regulären Marktplatz. Hingegen wohnet man am Markte, man gehet auf den Markt u. s. f. Der Marktpreis, des—es, xlur. die—e, derjenige Preis, um welchen eine Waare auf öffentlichem Markte verkauft wird; im gemeine« Leberl der Marktkauf, der Marktgang. Das Marktrccht, des — es, x!ur. die—e. 2) Das Recht, einen oder mehrere öffentliche Märkte zu haben, ohne Plural ; die Marktfrepheit, die Marktgevechtigkeit. 2) Das Befug» niß eikes Ortes ein Markt oderMarktflecken zu ftyn; gleichfalls ohne Plural. Einem Dorfe Marktrecht erkheilen, ^ es zu einem Marktflecken erheben^ Z) Die unter den Käufern und Verkäufern in öffentlichem Handel auf Märkten eingcfübrtcn Rechte, deren ganzer Inbegriff auch wohl collcctive und ohne Plural das Marktrccht genannt wird. 4 ) An einigen Orten wird auch diejenige Abgabe, welche die Obrigkeit außer dem Zolle von den Verkäufern, für das Recht, auf öffentlichem Markte feil zu haben, bekommt, das Marktrccht genannt. Der Marktscheffel, des —s, plur. ut vom. kvZ. ein von der Obrigkeit bestimmter und geeichtcrScheffel, so wie erimVerkaust auf öffentlichen Märkten üblich ist. Das Marktschiff, des—es, xlur. die —e, auf den Flüssen, Schiffe, welche zu gewissen Zeile»; von einer Stadt zur andern fahret:, - Zi Rar fahren, besonders weun solches zum Behufs der Wochenmärkte geschiehet. / Der Marttschreyer, des—s, plur. ur vom. lmZ. cm Mensch, welcher seine Geschicklichkeiten, besonders aber seine Erfahrenheit in der Arzency- undHeilkrmst, auf öffentlichen Jahrmärkten ans- schreyet; der Lharlatan, ehedem der Marktrufer. Figürlich' auch eine Person, welche ihre oder anderer erdichtete Vorzüge auf eine unanständig übertriebene Alterhebet; besonders wenn solches aus Eigennutz geschiehet. In Heyden Fällen sind auch die abgeleiteten üblich, hie M-rktschreperey, plur. die — en, das Betragen eines Marilschreycrs, die übertriebene Erhebung der erdichteten Vorzüge einer Person oder Sache, m«rktschreyerisch, einem solchen Betragen ähnlich, darin gegründet. Der Marktstand , des — es, plur. die— stände, der Stand, oder die Stelle, welche der Verkäufer auf dem Markte hat. Die Mchrktftreitigkeit, plur. die— en, eine Streitigkeit, welche auf'öffriitllchem Jahr- oderWochenmarkte unter den Markrleüten entstehet. ' ^ . . -. Der Markttay, —es, plur. die — e, derjenige Tag, an welchem ein öffentlicher Markt gehalten wird; besonders der Lag eines Wochenmarites. DsrMärktvogt, des — es, plur. die—Vogte, S. Marktmeister. Der Märktrvisch, des— es, plur. die — e, S. Marktsahne. DasMarktzercHen, des—s, plur. ut uorn. liu§. S.ebeu dasselbe. Der Marktzoll, des — cs, plur. die — Zölle, der Zoll von ben unfeinen öffentlichen Markt gebrachten Waarcn. Die Markung, plur. die — en, ein sehr häustg für Mark, ein Gränzzelchen und die. G änze selbst, übliches Wort. Dw Feldmarkung, ^olzmarkirng, Lorftnarkung u. s. s. Auch die Mark, d. i. der in seinen Gcänzen eingefchlossene Bezirk eines Drtes, ist hin und wieder unter diesem Rahmen bekannt. Daher das Markungsbuch, ein obrigkeitliches Buch,"worin drein einer Mack gelegenen Grundstücke nach ihren Gränzen und andern Umständen beschrieben werden, und welches auch das Flur- oder Lagerbuch heißt; der M-rrkungsstein, der Gränzstsin u. s. f. Es ist nicht das Verbale von marken, sondern vielmehr vermittelst der Ableitungssylbe—i'ng gebildet, die Markung für Mar- ' . king, S. —Ung und Z. Mark 1.2). Die Markweiöe,plur. die — n, in einigen Gegenden, ein Rahme des Bohnenbaumes,O^tilus lk»uburnumG. welcher ein braunes schönes festes Holz har, und in Niedersachsen am Sollmge häufig wachset. ^ Der Markzieher, dcs — e, plur. utnorn. kuZ. ein Werkzeug, das Mark damit aus den Knochen zu ziehen Der Marmel, des — s, plur. doch nur von mehrern Arten, ul vorn. linZ. S. Marmor. Die Marmelaöe, plu . doch nur von mehrern Arten, die-—N, ans dem Porrugiestschcn und Jmliäuischen f>I rrmel!uc!u, in den Apotheken und bev den Zuckerbäckern, ein mftZucker zu einer Gallerte eingekochter Saft mancher Früchte. L'st der Meir die schnöden Fladen, Zier sind süße Marmeladen, Geyph. Das Portog. wird von dem Lat. l^loli.noln, welches für^Icli- rnel -tu stehen soll, abgeleitet. Der Marmor, des — s, plur. doch nur von mehrern Arten, M vorn. linA. ein feinerKailstein, welcher wogen seines festen Gcivcbes eine gute Politur anniiinnt, in horizontalen Bänken brichl, und von f.hr vi l-achcr Art ist. Man hat weißen, gelben, schwarzen u.s. f.clisscübig nMarmor, und Marmor, wo mehrere Farben Nt Gestalt der Adern, Streifen, in einander Adel.w.B.L. TH.-.Aust. M a r §2 ssießenbcn Flecke u. s. f.- Vorkommen. Muschelmarmor, welcher verste'ttte Muscheln und Schalthierc enthält. Eine Schrift in Marmor graben. Den Fußboden mit Marmor belegen. In Marmor arbeiten. Die Alten pflegten oft eine jede Skeinart, welche in großen Stücken bricht und eine Politur annimmt, Marm.or zu nennen. Anm. Im -Jtal. Usrmv, und dieses, so wie das Deutsche, aus dem Griech. und ^at. kllurmor, woraus die Franzosen ihr Marbre und lftlurble gemacht haben. Im gemeinen Leben lauter dieses Wort häufig Marmel, in welcher Gestalt es auch in der Deutschen Bibel vorkommt. Die Marmorarbeit, plur. die — en, ans Marmor oder auch nach Art des Marmors verfertigte Dinge. Die Marmorärt,plur. die — en, eine besondere Art des Marmors. Am häufigsten gebraucht man es in der mehrern Zahl statt des Plurals des vorigen Mortes. Ausländische Marmorarten. Auf Marmorart, nach Art des Marmors. Daher marmorartig, dem Marmor ähnlich, besonders in Ansehung der Adern und Farbenmischung. DerMarmorbanö, des— es, plur.die — bände, S. Mar- moriren. DerMarmorbkoök, des —es, p!ur. die — blocke, ein großes unförmliches Stück Marmor, besonders wie es aus den Marmor» brüchen kommt. DerMärmorbrüch, des —es, plur. die —brache, ein Drl, wo Marmor gebrochen^wird; dieMarmorgrube. ' Marmoriren, verb. reA. act. mit marmorartigen Adern oder Flecken versehen. Len Schnitt eines Buches marmoriren. Der marmorirre Band eines Buches, welchen man auch wohl einen Marmorband nennet. Marm'vrwtes Papier / eine Art des bnnren oder so genannten Türkischen Papieres. Der Marrnorirer, des — s, plur. ut uoin. ÜnZ. ein Künstler, welcher lünchliche Arbeiten aus Marmor macht. Besonders pflegt mau diejenigen, welche die Zimmer mit einem ans Gyps nachge» machten Marmor, oder ans Marmvrart verzieren, Marmorirep zu nennen. Die Marmoriere, plur. die-7-n, eine ausländische, nur in unser« Gärten befindliche Blums, welche einer Lilie gleicht, nur daß sie weißliche Adern, wie der Marmor, oft aber auch zwcysär- bigeQuadrare, wie ein Bretspiclhat. Sü wird Lat. von einig.'» lVi.esteuLrl8, weil sie fast so wie eine Truthenne gezeichnet ist, Franz. aberVftjtillaire, blurcislft Ob iperovue genannt. Die Marmormwyle, plur. die — n, eine. Mühle, auf welcher der Marmor zu gewissen künstlichen Arbeiten zu ft irrem feinen, Staubc^geinablen wird. M mmorn, uckj. et uckv. von Marmor, aus Marmor bereitet. Ein marmorner Tisch , ein marmorner Fußboden, eine marmorne Bildsäule. BeydettlWtikram liiur-rro; iu. Im gemeinen Leben marmorßeinern. Die Marmorplatce, plur. die—n, Marmor in ^Gestalt einer Platte zubereuet, ein langes breites und dünnes 02-kück Marmor. Der Murmorstein, des — cs, plur die— e, der Marmor als ciu Stellt betrachtet, wo cs im gemeinen Leben für das kürftre Mar ,or üblich ist, ohne Plural; bey demStryker iVlerm -I- üain, in dcrDcittschen Bibel Marmetstein. Auch kleinere unförmliche Stücken Marmors pflegt man zuweilen Narmorsteiue zu neunen. . ^ ft ' ,, > Maröde, sckj. et, abgemattet, müde. Marode seyn. E n mqrodcs Pferd. Marode Soldaten, welche auf dem Marsche nichr fort können. An.m. Es tst aus dem Franz, m.urocke, ehedem merocle, entlehnet, welches von Frischen urrd andern auf eise sonderbare Art s . »0» Von dem Grafen von Merode, einem Krlegsbefthslliabcr unter Dcrdinand Ul, abgeleitet wird, welcher sich m,t iemen -enteil nicht Hey dem Krieg,sheere, sondern stets an entlegenen Ocre , wo'er nnoestraftbrandschatzen konnte, anfgehaltcn haocn soll; eme ALMu^' zn welcher wohl nichts anders als die zufällige Ahn- riefelt im Klange Anlaß gegeben haben kann. Hat das Franz. L "°'nmÄmsch-n U-ftnmg, ftisid-rf->b- allem Ans- °>. .-ach in margcln, abmärgeln,dem Rieders, marachen, und dessen Geschlecktsverwandten zu sirchen, znmahl da mürbe, Rleeers. m-^r in/gemeinen Leben einiger Gegenden gleichfalls für ent- ^ E.dem H.Mwa-.-habe«. w-l. ' ch-.a,lc!>r,f°lls °us d-m Franzästschc» m.d „ur von Soldaten gebraucht wird, wenn sie unter denBor- wandc der Müdigkeit sich von dem Haufen entfernen nne alldaiur ungestüm betteln, ranben oder brandschatzen, dergleichen ans- schw'ifende Soldaten alsdann mit einem gleichfalls französischen Ausdrucke Marodeurs genannt werden. (S. das vorige.) Ehedem nannte man diesen Unfug der Truppen garden, gardl- ren, und dergleichen Soldaten Gardenbrnder. Dt7maröne,p!ur. die -N, ans dem Jtal Marone e.ne Art ^ größerer und schmackhafterer Kastanien, als die gewöhnlichen sine. Der Maronen - Baum, der sie trägt , ist «"e Spielart des Kastanien - Baumes und wachset aus den Jtaliamschen Bergen, IHsus Laliavsa saliva U. Im gemeinen Leben pflegt man alle etwas größere Kastanien, wenn sie gleich von i er gewöhn- lichen Art sind, Maronen zu nennen. S. auch Marunke. , Mars, des Mgrs, dem Mars, plur. car. rer Nähme r r . Krieasgoltes in der Götterlchrc der alten Römer, daher auch d r Krieg noch bey den neuern Dichtern fignrrich unter diesem O^ah- men bekannt ist. Unter den Planeten führet der dritte von dun Saturn an, der seinen Lauf um die Sonne mzwey Zähren rolltet'den Nahmen des Mars, und in der Chynne w-rd das Eisen mit diesem Nahmen belegt. . . ^ In den Mittlern Zeiten findet sich ein gleichlautendes Deutsches Wort, welches den Teufel bedeutet. 2uo rallsn e lar- R, r» alle» -N,-r der «ch-»rdlsch-» Dich,«. » ^»erMerrs des— es, plur. die — c, M der Niederocurfchrn Sch'fs-rsprache, der Mastkorb; auf der mittelländischen See die sL » G-bi-n, d. e d» Käsich. G.asi- SchU- h-ch-ng-. » -iniglich vi-^M,rs- °d-° Masik-rb-, welch-d°,^Nahm-„ °°„ de» M-ll-» d-komm-n, woran sie sich b-fi>>dc"'l>c>ß!!> der aroße Mars, der Besan- Mars, der Socke - Mars , und der Bugspriet- Mars. Uneigeiltlich wird auch wohl der ziveyte r.ber- sab eines Mastbaumes, ob er gleich nur ans Kreuzholzerii bestehet, ein Mars genannt. Daher der Märend, plur. d:e —ranker, das Geländer um den Mars; das Marssegel das zwey e oder über dem Mars befindliche-Segel des großen Mastes, welches an dem Fockmast das Vormarssegel, an dem Be,anmaste das Rreuzftgcl.und an dem Bugspriete die Oberblmdc gc- "E ist Eigentlich ein Niederdeutsches Wort, welches überhaupt den Begriffder Höhlung, der Vertiefung zu Haben, "ndMcm - . ^ . a.-s Land, ZU im Gegensätze der Hähern und Geschleckte des Wortes Marsch, ein tiefes morastiges Lam, zu gehören scheinet. Ein anderes Wort ist das Oberdeutsche be,on. .- - Nute. ders Baierische Marsch, ein dicker Balken, welches allem Anse hen nach zu Mast, Mastbanm, gehöret. . . , DftMars^,plur. die Marschen, m einigen Gegenden auch 'die Märsche ein gleichfalls nur in den Niederdeutschen Provinzen übliches Wort, ein niedriges, fettes, wässeriges oder snmpfi- ges, gemeiniglich an dem Meere oder an groß- n Flüssen liegen,, es Land, wlstches zur Viehzucht und zur Weide bequemer ist, als zum Ackerbaus; das Marschland Niederst so wohl Marsch als Masch, im Engl. llr, Narilll, im Angelst Nerle. Es gehöret z,i d"n Geschlen der Wörter Meer, Moor und Morast, Franz. i>^ara s. I Jtal. wird eine solche Marsch an demMeere klaremma genannt, welches ans dem Lat. Klariiima verderbt ist. 2 Der Marsch, des —es, plur. die Märsche, AN zunächst ans dem Feanz. ?ckarc!ie entlehntes und im Kriegswesen übliches Wort, welches so wohl von Fußvölkern, als von der Rerterey gebraucht wird, i) Der Zug, der Gang, dm Reift mehrerer Soldaten in Gesellschaft. Sich ans den Marsch hegeben, den Marsch antrewn,stch in den Marsch setzen, anfbrechem F-m Marsche blasen. Der Marsch geht nach Pohlen. Im Ma^ che deaviffen sevn. Ans dem Marsche Safte machen. Marlch. ein gewöbnlichesCommando-Wort, wenn die Soldattn schrittweise fortgeheit solle, l. StarkcMärsche thrm. Der Ruck-Marsch, ^ Anmarsch, Abmarsch, Ansmarsch- Einmarsch, Durchmarsch. s) Die Tagereise eines Kriegsheeres, oder enics Tbeiles ecsftloen. Einen starken Marsch thun. In zehen Marschen an e m en Ort kommen. Dem 8einde einen Marsch adgewmnen Z) Das niit dem Felbspiele gegebene Zeichen zum Marsche, da-ienig Stück, welches gespielct wird, wem, die Soldaten marschnen. Den Marsch schlagen,blasen. Der Schwci;er-Marsch,Gra- naerer-Marsch u.s.f. S. Marschlren. . Der Marschall, des — es, plur. die Marschalle, em sehr alte. Wort, welches im Salischen Gesetze zuerst verkommt, wo es eulm aerimrerrl Stallbedienten bedeutet, welcher über zwölf Pferde qesitzet,nnddein-nachmahliacn Lomes Srabulk untergeordnet war. Da der Hof-nnd Kriegsftaat der damahligcn Zeiten größten Theils in Pferden bestand, ft ward dieses Wort nach und nach zu Bezeichnung eines Stallnuisters und noch höherer Wurden gebraucht, welche sichdoch inegesaw.ntt ans die Aufsicht über die Ml Kri>gs-undHvfstaate gehörigcnPferde undihrerReiter, ans >.w be- , queme Unterbringung ders Iben, und auf die Beobachtung derOro- nnna bep feyerlichen Gelegenheiten erstreckten. -Daher ist es denn gekommen, daß dieses Wort heut zu Taeein folgenden Bedeutnn- gen gebraucht wird. ,) Des Reichs LrzMarschall ist ein vornehmer Erzbeamrer des Reiches, welcher ftinrm Ursprünge nach der Lomes 8tabu1i der Fränkischen Könige ist, aber beyRelchstagcil und außerordentlichen Feyerlichkenrn zugleich die Uiiterbringimg der dazu gehörigen Perso,len besorget, und Ordnung und gutePol - zcp nnrer ihnen zu erhalten sucht. Er lasset sein Amt in vielen f-al- len durch den Erb-Marschall verwalten, welcher wiederum den Unter- Marschall oder Reichs- Oulartiermeistcr unter sich hat. 2) Der Selb- Marschall,Franz.MarLoftal cke Lamp, ist .eme der vornehmsten Kricgswürden, welchem die Anordnung n»o Sicherheit des Lagers und die Anssichtüber den Marsch der Truppen oblieget, (S.diefts Wort.) Im Schwedischen ehedem Kstarll.. z) An den Höfen ist der Soft Marschall einer der vornehmsten Hofbedienten, von welchem die ganze innere Haushaltung des Hofes und die Aufsicht über die Hofbedienten abbängei. An großen Höfen gibt es einen Ober- und Unter äof- Marschall. 4) Ans Reichs-und Landtagen ist der Reichö-Marschall,Land-Mar- schall, Erb-Marschall u. s. s. der vornehmste unter den Re-chs- oder Landständm, welcher die äußere Ordnung anfrechl hält, den Vortrag thut u. s.f. Auch außer den Reichs- nnd Landtagen hat die Ritterschaft ür manchen Provinzen ihren Marschall, welcher die äußere Ordnung unter ihnen besorget. 5) Bey öffentliche» Feierlichkeiten, sie fallen nun am Hofe oder unter Pcivat-Perso- nen vor, werden oft gewisse Personen so lange die Feyerlichwt dauert zu Marschällcn erwählet, welche den galrzenZug, oder 8L M«r Mar 86 ai;ch besondereAbtf'eilnngen desselben anführen, und überhaupt für die änße, eQrdnnng >md Beolachtnng des Wahlstandes sorgen. Zum Zeichen ihrer W^ ede führen sie oft einen Dtüb, welcher der Marschalls^Stab genannt wird, in der Hand. Anm. In dem LaUschen G.setze eVlnr esoerlcus, im Franz. MärecUnl. Es rsi von Mahre, ein Pferd, besonders ein Pferd edler Art, und dem alten Schalk, ein Knecht, Bedienter, zusammen gesetzt. Es bedeutet also.Mentlich einen Stallbedientcn, und biese Bedeutung hat dasiFranz'. NnrecliLl, so fern es auch einen Fahn- oder Cnrschnüd bedeutet, noch jetzt. Da dieses Wort nach- mahls von den vornehmsten Bedienungen gebraucht worden, so hat vielen diese Ableitung zu niedrige schienen, daher sie andere verursacht haben, besonders vorhin r, Hluer,Lat. lVinjor, eiiren Bedienten höherer M t zu bezeichnen. Allein zu geschweige«, daß man mehrere Leyspiele hat, daß die Nahmen der Würden und Bedienungen ähnlichen Veränderungen ansgesetzer gewesen, und noch jetzt deren manche in schr verschiedenen Bedeutungen gebraucht werde», wovon bieWöcter Hofmeister, Aanzler und andere nachgesehen werden können: so finden sich in andern Sprachen mehrere ähnliche von den Pferden und dem Stalle hergenommene Nahmen vornehmer Beamten, wohin das Lat. Lomes Zlulruli, LonüubulLrius.Fra: z.Lo!!lreiuchi 6 ,dasSchwed. 8 rnU-ire, und noch in einigen Niedersächsischen Gegenden übliche Gtaller, das alle Schwed llaetlnsvven vonliaetl, eiiäPserd, und das Longobard. kein pnnm, von-Vlnr, Mähre, Pferd, und Knecht, Bedienter, Grnech. u. a. m. sind , welche mit mr- sermMarschalle mehr oder weniger Übereinkommen, besonders was das LongobardischeWorl bcttrfft, welches mit demselben einer, lep Wurde bezeichnet. S. auch Marschall und i. Mähre- Das Marschall-Amt, des - cs, plur. die —Ämter. r) Das Amt, die sämmtlicheu Qbssigenheiten eines Marschalles in dem vorigen Bedeutungen des vorigen Wortes. 2) Ein Collegium mehrerer Personen, in welchem ein Marschall den Vorsitz Hac, so fern es solche Angelegenheiten besorget, welche des Marschalls Aussicht anverlrauet sind. Daher das Hof-Marschall-, Erz- Marschall-Amt n. ft s. Das Marsch alls-Gericht, des—cs, plur. die — c, ein Gericht, in welchem ei» Marschall den Vorsitz hat, über die sei-, «cm Gerichtszwangc unlerwoefcilcnPersvnen. An Schlesien werden auch dix adeligen Austräge oder Rittergerichte Marschalls- Eerichtc genannt, weil derMgeschall des Ritterstandes in denselben den Vorsitz har. Der Marsch)ülls-Stab, des—es, plur. die — Grabe, dcrjc- nige Stab, welcher das symbolische Ehrenzeichen der Marschalls- Wiirde ist. Der Märsch-Lommiffarius, des—rü, plur. die—rii, oder die—rien, in cirligenLäitdcrn, besondere obrigkeitliche Beamten in den Provinzen oder Kreisen, welche den Duech-Marsch der Srnppcn durch deic i-hnen angewiesenen Bezirk besorgen, ihnen die nsthigen Quartiere anweisen u. s. s. Marschfertig, ach', et nckv. imKriegsivescn, fertig zum Marsche. Sich marschfertig halten. S. 2. Marsch. Die Marschbufe, plur. die---n, in dem südlichen Qber-Sach- sen, eine Hufe und in weiterer Bedeutung ein jedes Grundstück, deren oder dessen Besitzer verpflichtet ist, bey dem Marsche der Truppen Einqnartirung einzunehmen. Marschiren, v^rb. reZ.rieutr. mitdem-Hülfsworte scpn, welches aus dem Franz, rnarciier, indem Deutschen Kriegswesen iibllch geworden. Es bedeutet, r) gehen, wo es nur von dem iunstmäßigen Gange der Soldaten, im gemeinen Leben aber auch für gehen, besonders stark geben, überhaupt gebraucht wird. Daher aufmarschjxcn, abmapschr'xm, 2) Reisen, wo es s' wohl von dem Fußvolks, als von der Aeiterey gebranchtwird. Auf einen Mrr zu marschiren. Las Regiment ist fnnfMeilen in einem Tage marschiert. Die Armee ist nach Pehlen marschteer. Daher abmarschrren, ansmarschuen, dnechmarschiren, ein- marschiren. Man gebraucht cs auch von Kriegsschiffe«, wenn sie in Schlachtordnung hinter einanhec fortrückcn. ö) Aufbrechen. Die Armee wird morgen marschiren. Die Marfchkrankheit, plur. doch nur von.mehrern Arten, die—an, eine hitzige, gefährliche Krankheit, welcher die Einwohner der Niederdeutschen Marschländer, besonders aber die fremden Arbeiter unter denselben im Herbste ansgesetzt sind, und welche sic durch einen langsamen Tod dahin reißt, oder sic doch auf immer kranllich macht. Sie wird auch die Erntesenche, in- glcichen das Gtoppelfieber genannt, weil sie sich gleich nach oder «och iu der Ernte einznstellen pflegt. S.'-.Marsch. Das Marschland, des — cs, plur.die—länder, indenNie-^ dcrdeutschen Provinzen, ein niedriges, morastiges, an dem Meere oder großen Flüssen gelegenes Land, die Marsch; int Gegensätze des höher« Geestlandes. Daher der Marschländer, der Einwohner einer solchen Gegend, welcher im gemeinen Leben auch wohl ein Marschcr oder Märscher genannt wird. Suche r. Marsch. Die Marschbinie, plur. die—n, in dem Seekriege, diejenige Linie, nach welcher die Schisse einer Flotte zwar nach dein Striche nahe am Winde gefleller sind, aber nicht so, sondern mit Rückenwinde fahren. Die Marseille-Naht, plur. iuus, eine Naht, d. i. Art der Nähtere», welche zu Marseille in Provence-erfunden worden,, und darin bestechet, daß man die Figuren mit lauter Steppstichen umnähet, und sie sodann mit weißem gedoppelten Garne nnrcc- zicher, daß sie sich erheben. Der Macs-Fanäl, des— es, plur. die — e, in der Seefahrr, cire Fanal, d. i. eine Laterne, welche das vorderste Schiff einer Flotte ans der großen Marssiange führet und den andren Schiffen bey der Nacht damit vorleuchtet; die Marslaterne. S.2. Mars. Aus dem Französischen Kanal, eine Schiffslaleene. Der Marsrand, des — cs, plur. die — rändcr, S. 2. Mars. Die Marsschote, plur. die—N, in der Seefahrt, Schoten, d.i. z Selle, tvelche an den Ecken des Marssegels br festiget werden, dieselben damit nach dem Winde zu stellen. S. Schote. ' Das Marssegel, des—s, plur.ulnom. llnZ. Se2. Mars. Der Marstall, des — cs, plur. die—stalle, ein Pferde,toll; wo es doch nur noch von den Ställen für zahlreiche Pferde großer Herren oder ansehnlicher Gemeinheiten gebraucht wird. Der fürstliche Marstall. Der Raths - Marstall, worin dir Bäu- und Dienstpferde befindlich sind. Der Vorgesetzte über den Mar- stall des Rathes zu Zürch wird der Marstallherr, oder kürzer . Stallherr, Sraller, genannt, S. das letztere. Im Mittlern Lat. ^lnrestullZ. Von Mahre, ein Pferd, besonders ein Pferd edlerer Art, ei»'Kriegspferd. S. dieses Wort. Die Märte, G Mährrc. Die Marter, plur. die—n, der höchste Grad, oder doch ein sehr hoher Grad der Schmerzen, besonders körperlicher Schmerzen, figürlich aber auch derSchrnerzen des Geistes. Sich von der Marter befrepen. Eine unaussprechliche Marter empfinden. ^ Jemanden alle Markern anthnn. NeueMartern fiir jemanden ersinnen verzweifle nicht unter den Martern einer verachteten Liebe. Wie vieler Unruhen und Martern nbes- hebk uns die Demuth l Gell. In engerer und gerichtlicher Bedeutung wird auch die Folter oder Tortur die Marler genannt. Die volle Marter, die Spannung des Anstrnsiteit ans die Leiter, welche an andern Qrtcn her Zk§ gerrlrimr wird, As An«)» 87 Mar Mar 88 ' Anm. Schon imIsidorMarlira und lXlLNirunZ3,imNotfer ^lArteronnd^lurtro, wo es für Leiden überhaupt gebraucht wird, im D Ln. Marter. Es ist ohne Zweifel aus dem Mittlern Latein. Narl^rium mit der christlichen Religion in die Deutsche Sprache gekommen, da es denn zunächst von den körperliche., Qualen gebraucht wurde, mit welchen man die ersten Christen zum Abfalle von der christlichen Religion zu bewegen suchte. . S. Martern. .. ^ , .'- Die Marterbank, sckur. die — banke, die Folterbant in «.en Gerichten, worauf der Jnquisit gemartert wird, um ihn zum Geständnisse der Wahrheit zu bringen. Der Marterer, des—s, plur. ut vom. lin§. i) Derjenige, welcher einen andern martert; in welchem Verstände es doch nur noch zuweilen im gemeinen Leben vorkommt. -) In gewöhnlicherer und leidcutlichcrBedeutuug.derjeuig-, welcher gemartert wird. Doch nur in engerm und mehr eigentlichem Verstände, derjenige, welcher um des Bekenntnisses der christlichen Religion willen hin- gerichtet, oder doch gemartert worden; rin Blntzenge. Stephanus rvar der erste Marterer der christliepen Vir^e. ^zu weiterer Bedeutung, ein jeder, welcher um einer Wahrheit, oder guten Sache, oder doch für wahr nnd gut gehaltenen Sache willen unschuldig leidet. Zum Marterer der Wahrheit werden. Fämin. die Märterinn , wo das eine er um des Wohlklanges willen weg- gcivorfen wird, wie auch inZanberer, Wucherer,Plauderer, Rammcrer n.a.m. geschieht. S. —Er. Anni. Bey demQttfriedjVlLrtvrnild iVlarter, m dem alten Gedichte auf den heil. Anno iVIsrUrer, in. Niederst Mavteler. Aus dem Lat. ^lar^r, und dieß aus dem Gricch. e,n Zeuge, und in engerer Bedeutung, ein Blutzeuge. Mau tchreibL es , um die Ähnlichkeit mit dem Griechischen zu erhalten, auch . Märtyrer. Allein, da das y in Marker und martern schon m eilt c übergcgangen ist, so kann man cs auch hier entbehren; zu» mahl da die^zweyte Sylbe in der Aussprache kurz ist, das y aber im Deutsche» alle Mahl eine lange Sylbe macht. Das Marterhölz, des—es,-plur. die —Holzer, ein nur cm gemeinen Leben üblicher Ausdruck, eine Person oder Sache zu bezeichnen, welche von einem andern gemartet odergemißoan- delt wird. - So ist rin Bedienter das Marterhol; seines Her- ren, wenn dieser ihm viele nnnöthige.Mühe, unverdienten Gram u. s. s. verursacht. Die Figur ist sonderbar. Vielleicht bedeutete dieses Wort eigentlich das Kreuz, an welchem Christus gemar? tert worden, in welchem Verstände das Zeitwort in der theologischen Schreibart sehr üblich ist. .. . Die Marterkammer, plur. die —n, in den Gerichten, cueie- nige Kammer, in welcher hartnäckige Jnquisiten gemartert oder gefoltert werden ; der Mavterkcller, wenn ste unter der Erde ist. Martern, verb, reA. aet. Marter, d. i. einen hohen Grad der Schmerzen verursachen, zunächstkörperljcherSchmerzcn, hernach auch einen hohen Grad des Kummers, der Unruhe, der Furcht, der Sorgen, jemanden martern. In engerer Bedeutung, in den Gerichten, eirckn Jnquisiten martern , ihn mit der Tortur sngreifen, rhu foltern, torquiren. In der weitesten Bedeutung wird es von einem jeden hohen Grade der Mühe, Arbeit, Unruhe u. s. s. gebraucht. Sich martern und quälen. Martere mich nicht mit deinen vielen Zragen, mit deinem ungegriisi- deten verdachte u. s. f. , . Anm. Im Isidor mArtoran, bey dem Ottfried mnrtokon, im Niederst marteln und maddeln, im Mittlern Lat. mnrtu- rrurs, für mart^riare ^ ohne Zweifel ans dem Griech. j/.oe^'rvg S. Marterer. Das Marterthum, bestes, plckr. cur. ans Märtererthum versiuzst in der Theologie und in engerer Bedeutung, der Zustand, die Eigenschaft, die Würde eines Märtenrs, d. i. eines solchen, welcher die Wahrheit mit seinem Tode besiegelt, oder mit Verlust seines Lehens bekannt hat. Der Märtertoöl des — es, plnr. car. eben daselbst, der Tob eines Marterers , d. i. eines Bekenners der christlichen Religion, und in weiterer Bedeutung einer jeden Wahrheit. Den Märter- tod leiden. Es ist gleichfalls aus Märterertod verkürzt? Das Marterurcheil, des — es, plur. die—c, in den Rechten, dasjenige Urtheil, worinmuf die Marter und Tortur er, kanut wird. Die Märterwöche,./plu^. die —n, in der christlichen Kirche, die Woche vor Ostern , in welcher das Andenken der Marter, d. i. des Leidens und des Todes Christi gefcpert wird; die Lharwoche. Martha, ein weiblicher Taufnahme, welcher schon be) den altern Inden üblich war, und von iv, eine Lehrerrnn, absiammen soll. Im Engl. wird er in ^al. verderbt. Martm, ein männlicher Tansnahme unbekanntenUrsprunges, wel- cher durch den heil. Martin, Bischof zu Tours, welcher 402 starb, in der christlichen Kirche sehr beliebt worden, dessen Fest, welches in der Römischen Kirche im Herbste den r 1. Nov. gefeyert wird, im gemeinen Leben nur Martini, nähmlich Dies oder bellum, heißt. Im gemeinere Leben lautet dieser Nähme Marten und im Lotharingischen ^louattN. Der Mübtiny-Abend, des— es, plur. die— e, der Abend vor dem Martins-Tage, au welchem man von alten Zeiten her allerlei) Lustbarkeiten anznsiellen pflegt. S. das folgende. Die Martins-Gans, plur. die—Gänse, r) Eine Zinsgans, welche in einigen Gegenden cm Martins-Tage dem Grnndherren zur Erkenntlich seines Srnisieigeukhnmes gegeben werden muß. ,) Eine gebratene Gans, welche man am Martins-Abende, oder doch um die Zeit des Martins-Tages mit guten Freunde:', unter allerlei) Lustbarkeiten zu verzehren pflegt. Figürlich wird auch wohl der Martins-Schmaus, oder derjenige Schmaus, von welchem diese Gans ein Thcil ist, die Martins-Gans genannt. So fern bey einigenHandwerkern um dieftZeit die Gesellen anfan« gen, bey Lichte zu arbeiten, wird ste bey ihnen auch die -Lichtgans genannt. Die Gewohnheit, »m diese Zeit gebratene Gänse mit allerlcy Feycrlichkeiten zu essen, ist sehr alt; vielleicht ist sie bloß in dem Umstande gegründet, weil sic um diese Zeit am besten sind, und dic Mährchen , welche man von dem Verkehr des heil. Martini mit den Gänsen erzählet, sind vermnthlich erst zum Be- hufc dieser Gewohnheit erdacht worden. Das Martins-Horn, des—es, xlur. die — Hörner, ei« Bnttergebackenes inGcstalt eines Horncs, welches man an einigen Orten mn die Zeit des Martins-Tages zu backen pfleget. Das MartmS'Aorn. des—es, plur.im.,5. ein Nähme, wel, chen man an einigen Orten dem so genannten Mntterkorne zu geben pfleget, und welcher seinenUrsprung vermnthlich auch einem Mährchen von dem heil. Martin zu danken hat. Der Martins-Mann, des — es, plur. die — Männer, IM Mecklenburgischen, derjenige Lnbeckische Ratbsdiencr, welcher alle Jahre auf Martini eine gewisseOuanütiit Wein in die herzogli-' che Küche zu Schwerin liefern muß; welche Gewohnheit die Mecklenburger für ein Andenken der ehernahligen Lehensherrlichkeit über Lübeck, die Lübecker aber für eine bloße Erkenntlichkeit wegen ihrer Zollfnyheit im Liibeckischen ausgcben. Siehe I. G. Marks Geschichte vom Martini-Abend und Martins - Mannt, Hamb. »772 , m 8. Der Märtins-Schöfi, des—sses, plur. die —sse, chic Art d ? Schosses iu der Mark Brandenburg, welchen die Städte von - 7, ihren 89 Mar ihren ansässigen Bürgern um Martini einnehmen, und solchen zu den Landesschulden, oder auch zu ihrem Behnfe anwenden. Der Martins-Lay, des--es, plur. die—e, der 11. Non. als an welchem Tage dasAndeicken des heil. Martini in der Römischen Kirche gefeyert wird, S. Martin. Maresch, Martschen, S. Matsch und Marschen. Der Märtyrer, S. Marterer. Die Marunke, piur. die — n, i>n gemeinen Leben, r) eine Art kleiner gelber Aprikosen, welche auch Marellen heißen, Böhmisch üelsrun!^, welche Nahmen vermuthlich aus Malus ^r- msviaea verderbtstnd, (S.Marelle2.) 2)Eine Art großer runder und süßer Pstaumen, von welchen es so wohl gelbe als rothe gibt, welche noch größer sind, als die Roßpsiaumen und auch Maronkcn und Malonken genannt werden. S. Marone. Der März, des—es, xlur. die —e, ans dem Lat. Martius, der dritte Monarh im Jahre, welcher Z i Tage hat, und mit welchem sich der Mittler endiget, daher Carl der Große ihm den Nah- nieuI-,sllAiri n manotst, Lenzmonath, gab, welchen er im Deutschen auch noch zuweilen hat, obgleich der Römische dadurch nicht verdränget werden können; der Marzmonath. In Westphalen wird er mit dcr im Nieders. nicht seltenen Ausstoßung des r, Mas- > sen genannt. In einigen Gegenden hat er in derzwepten Endung l des Märzen u. s. f. Daher man auch im Kochdeutscheu oft im Märzen für im Märze höret. > Die Märzättte, plur. die —n, ein Nähme der gemeinen wilden ' Ante, welche auch Blanänte, Blaßänte, Spielante und Zorn ^ genannt wird; ^nas sylveliris vera L/srrr. Vermmhlich weil , sie schon im Märze paarweise herum stiegt. r Der Märzbecher, des — s, plur. ut uom. KaZ. eiue Art . Narzissen, welche zwischen den sechs Blumenblättern eine hohle t Röhre in Gestalt eines Bechers hat, der zuweilen sehr artig r gefüllt ist. Sie blühet schon im Märze. G. Märzblume. i Das Märzbier, des—es, xckur. doch nur von mehrern Arten, t die — e, starkes Bier, welches im März gebrauct, und erst m . ben warmen Sommerlager; ausgeschenket wird. Es bekommt seine , Güte großen Hhejls von dem reinern Schneewasser , welches im - - März gemeiniglich mit dem Flußwasscc vermischt ist. Es wird e -' ^.»Vsrbicr genannt, weit es lange ans dem Lager liegen x ' bleibt. , Die Märzblume, p).ur. die—n, ein Nähme verschiedener Blume», welche bereitsim Märze blühen, i) DerNarzissen, von , welcher die eine Art unter dem Nahmen des Märzbechers bekannt ist, (S. dieses Wort.) 2) Der Schneeglöckchen, l,eucojum' ^ vernum l., welche daher auch weiße Hornnngsblnmen heißend 2 ) Des Huflattiches. 4) Der Hpacinthen; und vielleicht noch anderer mehr. Märzen, richtiger Merzen, S. Ausmerzeu. Der Märzhase, des —n, piur. die—-n , ein im März oder zu u Anfänge des Frühlings jung gewordener Hase. u Der Märzhecht, des—es, plur. die—e, ein Hecht, welcher seine Leichzeit im März hat.; zum Unterschiede von den bessern n Hornungshechten. ! . Der Marzipan, des — es, plur. doch nur von mehrern Arten, 7 bie—e, ein Zuckergcbackenes von süßen und bitter» Mandeln, Nüssen, Pistazien u. s. s. und Zucker. AusdcmJtal. Maraapa- QL, Span.Maeapaua, Frcmz. Mastepaia. Im mittler» Lat. knnis Martius, Marei - k^anis.' ^ Deze Mtt'rzkgH, -^-s, plur. ut oom. lirr». Käse, welche im März oder zu Anfänge des Frühlinges gemacht werden, und ^ vornehmlich i« Italien sehr bekannt sind. ^ Das Marzschaf, S. Merzschaf. Mas 90 Dev Märzschelit,'des—es, plur. die—e, in den Kalendern der Schein, d. i, Neumond, im Monach März, S. Schein. Der Narzschnee, des — s, xlur. Laus. Schnee, welcher im Monathe März fällt, dessen Wasser reiner und schärfer ist, als .in den übrigen Monathen. DerMärzthau, des — es, plur. ivus. Than im Wonach Marz^ Die Marzviöle, xlur.dl'e—u, eine Art wohl riechender Violen, welche therls in den Garten gebanet wird, theils in den Europäischen Hainen einheimisch ist, und schon im Monache Mäkz blühet : ViolaMsrtia I>. Man hat volle oder gefüllte März- violen mit purpurfarbenen, braunen und weißen Blumen, aufrechte Mä'rzviolen mitPurpurblümen, kriechende Märzviole« mit zwey und drep Farben. Die blaue Märzviole, Viola oclo- rata st,. von welcher jene Abänderungen sind , wshnt in den Europäischen Hainen. Die wilde Marzviöle, welche auch Hunds- viole oder Hundsveilchen genannt wird, Viola caniua st,. ist i» unbeschatteten Gegenden einheimisch und hat keinen Geruch. Das Märzwasser, des—s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom linA. Wasser vön Märzschnee ; ingleichen Flußwasser im Monathe März, da es gemeiniglich mit dem gestchmolzenenSchnee» Wasser vermischt zu seyn pflegt. Die Märzwurz, oder Märzwurzel, plur.inust. eine Pflanze, welche in den fchästigenGegendenEuropens einheimisch ist;Oeunr I-. besonders dessen 6eum urbanum. Sie hat ihren Nahmen daher, weil ihre Wurzel zu Anfänge des Frühlinges einen gewürz- hastenGeruch wieWürznelken hat,daher sie auch zum mcdicinischen Gebrauche im März ausgegraben werden muß. Sie wird auch - N-agleinrvurz und Benedict - Wurz genannt. S. Benedicten- - Rrant. Die Masche, plur. die—n, Diminut. das Maschchcn, Obcrd. Mäschlein, ein Wort, welches überhaupt den Begriff der Verbindung, und besonders der Verschlingung hat, aber nur in einigen Fällen üblich ist. -. *Ein Ring, besonders so fern derselbe zur Verbindung mit einem andern Ringe oder mit einem andernDinge dienete; eine veraltete Bedeutung, in welcher ehedem nicht nur die Glieder einer Kette, sondern auch die Ringe an einem Harnische. die Schuppen, aus tvelchen ein Panzer bestand u. s. s. Maßen, Maschen, Musen, und im Mittlern Lat. Maculae genannt wurden. 2.Eine Schlinge, in welchen!Verstände die von den Vogelstellern aufgestclltenSchlingen vonPferdebaarcn gleichfalls Maschen genannt werden, da sie sonst auch Dohnen , Lai,fei, Schleifen n. s. f. heißen. Z. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, eine im Stricken vermittelst zwever Stricknadeln gemachte Schlinge, die Schlingen, woraus ein jedes Strickwerk bestehet, i) Eigentlich. Mit engen, weiten Maschen stricken. Die Maschen in den Netzen und Garnen werden mit Knoten b-> festiget, in den Strümpfen und andern Strickwerke aber mcht, daher in den letzter,! zuweilen eine Masche aufgehet, da sic denn wieder ausgenommen oder aufgefasset wird. Niederst Maske, Dän..Naske, Engl. Messt, Malst, Franz. Macste, im Schwed. Maska, im Island. Mösicue, im Angelst Maelcs. Im Deut§ stchen pflegt man in vielen Gegenden noch den gewöhnliche» Zisch- ^ laut vorzusctzen, da es denn Schmasche, Schmosche, Schmaste lautet, in welchem Falle das a zugleich gedehnt wird, das es in Masche am häufigsten geschärft ist. 2) Figürlich, ein ans solchen Maschen bestehendes Werk, ein gestricktes Werk; doch nur in einigen Fällen. So wird die Außenwand an den Frschcrgarnen ans dem Rheine die Ledermasche genannt. In der Lausitz ist Maschel oder .Muschel ein kleiner von Bast geflochtener Sack, welcher wie ein Handkorb am Arme getragen wird, wo es aber auch zu ein^n andern Stamme gehören kann. (S. Maß.) J,u Angelst ist MaL ein Netz. 4. Ein verschlungenes Band, eine Schleife von Band F Z . , oöLr Mai M a s 92 -der Schnuren, im gemeinen Leben.; Franz. Go^unrcke. Eure rveiße Masche auf dem äure. Nein Band war chr ;u lieb, st-' schenkt ihm manche - Masche Bald auf den Lesttägshut-, dald-auf die ärrtenca- sche, Rost. Anni. "Es gehöret zu deiy veralteten Maß, Nicders. Mat, Vecknndung, (S. GUedmaß. Maskspcp und Maischa-t,) und mit diesen Wörtern zu dem Geschlechte der Wörter mit, mischen U. s. f. In andern Fällen und Sprachen gehrt der Zhchlaut in den verwandten Hauchlaut ch üb, r, daher auch machen ehedem verbinden bedeutete, (S. Gemahl.) Daher stammen dcnndasLat. Kla- eu s,das Irak. cV!aZiiu,das Waslis.Ma§r, das Franz.^atUe, Marie, das Engl. MM, das Schwrd. Mskja, das Finnland. M Uja, und Span. Mal a; alle in der Bedeutung einer Masche im Siricken, und zuweilen auch eines Ringes, einer Schnalle. ZNäschiy' L6j. et ackv. ausMaschen in der dritten Bedeutung und deren erstem Falle bestehend ; doch am häufigsten nur in den Zusammensetzungen großmaschig, kleinmaschig, weitmaschig, eng: Maschlg u. s. f. große, kleine Maschen habend. Die Maschine^ plur. die —-n, aus dem Franz. Macchive ">>d hießansdemLat. Mucieina. i. Eigentlich, ein jedes künstlich zusammen gesetztes Ding ohne Leben oder eigene Bewegung. In diesem Verstände nennt man ein großes Hans eine ungeheure Maschine. In engerer Bedeutung, ein solches zusammen gesetztes Ding, eine Absicht durch dasselbe zu erreichen; ein Merkzeng. Die Tabaks-Maschine, zum Tabakrauchen, wo der Rauch, ehe man ihn iu den Mund bekommt, erst durch reines Wasser gehe^ Die Thce-Maschine u.s.f. Zn einer .^mdern Einschränkung ist die Maschine cinkünstlich zusammen gesetztes und mit einer, eo- «leich nicht eigenen und willlühclichcnBewegung versehenesDlng. Das Weltgebäudc, eine Uhr u. s. s. sind dergleichen Maschinen. Zu der engsten Bedeutung ist es ein zusammen gesetztes LVe-rkzeng, sine Bewegung hervor zu dringen oder zu erleichtern; zum Unterschiede von einem bloßen Werkzeuge oder Instrumente, welches , such einfach sepn kann. Große Maschinen, schwere Lasten zu heben »der zu bewegen, werden Rüstzeugs genannt, c,u allen diese» Fälleullst Maschine der allgemeine Ausdruck, welcher bloß entweder die Zusammensetzung oder dlekünstliche in der Zusammensetzung gcgrrindeteBewegnng ausdrnckt,in den meisten errizckneuFäl» !en aber durch eigene Nahmen verdrängt wird. e. Figürlich. ,) Ein lebendiges Wesen, welches nur durch mechanische, oder fremde, von außen her empfangencUrsachen wirkt, nicht nach eigenen vernünftigen Einsichten handelt, eso nennet man einen Menschen eineMaschine,welcher blsß nach fremdemAntriebe ohne eigc- rrePmisung, Wahl und Einsicht wirkt und handelt. 2 ) In den schönen Künsten werden die «^natürlichen Mittel, einen Knoten in epischen und dramatischen Gedichten aufzülösen, Maschinen gekannt. Z> In der Mahlcrcy ist die Maschine die Beriheilung »er Gegenstände auf der ebenen Fläche, um eine Handlung vorzustellen, mehrere durch eine Handlung mit einander verbundene Gegenstände. Ein Mahler, welcher in einem kleinen Inhalte bewunderungswürdig ist, taugt in großenMasch'.ncn oft wenig »der gar nichts. 4) Die Verzierungen auf dem Theater führen gleichfalls den Nahmen der Maschinen. Anm. Da die Zusammensetzung und die darin gegründete Bewegung m diesem Worte der herrschende Begriff ist, so stehet man LLltz>daß das Lat. Muckina mrtallen seinen Griechischen Ahnen V'LSmenserwattdter von unserm Zeitworts machen ist, so fern es verbinden und sich bewegen bedeutet, S, dasselbr-und Gemahl, .»Gleichen Mechanik, Mechanisch. MUfchmexmSßi»'-«-. —»-. »<>j. ^ »Sv. «achAr,-!»« Maschine, d. i. ohne eigene, freye Bewegung , ohne eigene ver- nünfuge Einsicht. Maschinenmäßig h,endein. Der Maschinen-Manier, des — s, ^aur. ul nonr. ln>^ ,ey eiuem Theater , derjenige, welcher den Bau und d.e Einrichtung der zur Vorstcllnngeines Schauspieles uölhigeu Maschuren verste- het und besorget. Das Maschinen-Schiss, des —es, piur. die—e, ein zur Anzündung anderer Schiffe künstlich znbcreirctes Schiff, weiches am gewöhnlichsten ern Brander genannt wird. Der Mäschnäael, des —s, plur. die —nägel, bey den Seilern, ein Stück von einem Hirschhorne, Maschen damit zu verfertigen. Die Merse, im Bergbaue, S. Maße. Die Mase, plur. die—n, Diminut. das Maschen, Dberd. Maslein, eilt im Hochdeutscheie seltenes Wort, welches im Doer- dentschen am üblichsten ist, wo es so wohl eine Narbe als auch ein Mahl, bedeutet. Vleine Maslern oder Blaglem ans der Zunge, Bluntschli. Blatt-wmasen sind daselbst die Narben von z deElattcrn/ In einigen Gegenden das Mas, in Bai.rn Mose, imJcal. Mucctria. S. Maser. *Dll- Maselsuchr, plur. eur. ein imHochdenlschen ungew. hnli- chesWort, den Aussatz zu bc-zruch,,ml.wc'ich> s noch iiit Sachfenfpie« ael vockvMMhund ehedem auch Miselsucht Meis-lsucht, die Misse!, Malazep, Maltzcy, Malarsch, Maletschcp u. s. f. lautete, Franz MeleUers-, Moreau. Es kommt noch indem Juden« erde vor, wo es unter andern heißt: daß mich die Maselsucht bestehe, dic Naeman verließ und Jezi ankam. Es drückt vornehmlich die mitdem Aussätze verbundenen Flecket ans der Haut aus. «ich gchöier init dem folgenden Maser und dessen Abänderung Masel zu dem Geschlechtc des Wortes Mahl. (S: das folgende.) In dem alten Gedichte ans den heil. An^o Mllllluin. Daher maselsüchtig, aussätzig, ben dem Notker milvluliliu. inilele. Im Mittlern Lat. ist inerellus, mitolius, alt Franz. , kkrsLLl, aussätzig, iVlLlolariZ, Miiceltaria, uird lVlLloIaria, eiir Spital für aussätzige Personen, und sogar im Arab. bedeutet Me?.oira hen Aussatz. Der Maser, des—s, plur. bvch nur-v-»»» Ar-tl-»,-»r voin.kvtt. '-MaserigesHolz, Holz, welches schöne Adern, Flecken, Wolken n.f.f. hat, und auch wohl der sslader, das Lladerhol; oder Maserholz genannt wird. Die Ahorn wurzeln geben den besten Maser. Daher wird auch der Ahorndanm selbst in einigen Gegenden der Maser genannt, sv wie im Schwedischen die Birke aus eben dieser Ursache Malur heißt. 2) Die Beschaffenheit des Holzes, da es Adern, Flecken oder Wolken von anderer Farbe hat; ohne Plural. Der Masel wird in dem äol)t aussehr verschiedene Art angetroffen. S. das folgende. Die Maser, plur.die—n, ein altesWort, welches einen Flecken, ein Mahl überhaupt bedeutet, aber nur noch in einigen Fällen üblich ist. ') Flecken, krause Adern oder Wolken von anderer Färbe in dem Holze, werden hänstg Masern genannt. Die Wurzeln des Nnßbaumes, das Holz des Ahornbaumcs, die Knorm des Birkenholzes haben schöne Masern. Engl. NealH es. (S.dsi vorige und die folgenden Zusammensetzungen.) Im mittler» -a > kommcnMllrerM 32 arum,Marerinus.M 386 rinum u. sll und im alt Franz. iVl aclre, häufig von einer Art kostbarer Gefästk vor, deren Materie Ihre für dergleichen maseriges Holz hält, wo- wider sich aber, wenn man die Stellen bcymDn Fresne zusammen nimmt, n«ch manches cimvcnden lasset; obgleich erweislich ist, och die Alten dieses Holz, znmahl da sie es kür seltener hielten, all es wirklich ist, sehr hoch geschätzcthabe». 2) Fehlerhafte Flear» Lus der Haut, wo es ehedem nicht nur von Narben und Mutt«- Mas Maß ^4 Mahlern, sondern überhaupt von allen unnatürlichen Flecken gebraucht wurde; daher man auch dlijemaeil Krankheiten, welche solche Flecken verursachen, die Maser, Masel, Massel, und auch wohl im Plural die Masern, Maseln, Masseln zu nennen pflegte. So war Masel ehedem der Grind. Im Schwed, ist iVlallel die Krätze, mastuZ krätzig, und die Blattern oder Pocken, und im Engl, sind kcksLstlesdie Finnen. Am üblichsten ist es' im Deutschen von einer Krankheit, welche am häufigsten die Kuider, oft aber auch erwachsene Personen befällt, und mit einem Fieber Verbunden ist, bcy welchem am vierten Lage »der gegen denselben kleine rotheFlecken am Leibe ausschlagcn, welche sich aber in keine Blasen zusammen ziehen, und gegen den achten Tag wieder ab- trockncn, ohne einige Narben zu Hintersassen; Lat.lVIorbiili. Wenn das Wort diese Krankheit bedeutet, so ist es nur im Plural üblich, dagegen auch ein einzelner Flecken dieser Art eine Maser genannt werden kann. Um dieser Fleckerl willen wird dlsft Krankheit, welche Unwissende oft mit dem Fcicsel und Gcharlachfieber verwechseln, auch die Flecken, Äinderstecken, dieAötheln, im Mieders. Rftteln. (Jtal. kostslls,) Maseln, Masseln, Messeln, in einigenOberdemschen Gegenden dlcDurchschlechtenstlrschläg, Urspring, genannt. Im Dän. herßt sie Masimger, und im Engl. ^Iseckles. Anni. In allen oöigenBedeutirngen lautet es iir elnigerrMnitd- artcn nach der gelvöhrrlichen VerwechsUnng des l und p auch Masel, im Oberdeutschen aber mit der Ableitnngssylhe c, Mase, rst) Die Größe oder Jntenston eines Dinges, so fern die Größe oder Jutcnsion eines andern dadurch bestimmt wird, das Vcrhaltniß; gleichfalls am häufigsten im Singular allein. Und so -er Gottlose Schlage verdienet hat, soll ihn der Richter heißen — schlagen, nach der Maaß (dem Maße) und Zahl seine? Maß 96 Missethal, A Mos. r 8 , 2. Einem jeglichen unter uns ist gegeben -je Gnade nach dem Maß der Gabe Christi, Evhes. 4 , 7 . Seine Pflichten nach dem verschiedenen Maße der besondern Bedürfnisse, Umsta de und Verdienste des andern bestimmen, Gell. Nach dem Maße meiner Brafte. Seine Achtung für die Gelehrsamkeit stieg nach dem Maße, nach welchem es ihm selost daran fehlte. Ich schätze d-ch bloß nach dem Maße deiner Verdienste. S. auch Ebenmaß und Gleichmaß. 2. Die Fertigkeit, die Größe eines Dinges zu bestimmen ; wo es doch nur in dem zusammengesetzten Augenmaß undwhne Plural üblich ist, S. dass lbe. < 3 . DieArtundWeiß-dcsköiperlichenMaßesindersolgen- dcn Bedeutung ; wo der Plural nur von mehrern Arten üblich ist. Sechs Bannen Dresdener Maß. Vier' Scheffel Leipziger Maß. Wofür auih das Wort Gemäß üblich ist. So auch das weinmaß, Vrcrmaß, Flächenmaß. .Langenmaß u. s. s. Die Art und Weise, den Wein, das Bier u. s. s. zu messen. II. AlseinConcrctum, diejenige bekannte Größe, deren mau sich bedienet, du- Ausdehnung und Menge einer unbekannten zu bestimmen, wo dieses Wort ein allgemeiner Ausdruck so wohl aller Arten der Ausdehnung, als auch der Menge und Zeitdauer ist, wofür in einzelnen Fallen eigene und eigenthümliche Nahmen üblich sind. i. Überhaupt; wo der Plural so wohl von mehrern Jndivtdms, als auch von mehrern Acten üblich ist. Las -Längenmaß, eine gerade Linie, oder ein Körper, welcher eine gerade Linie ist, die Ausdehnung in die Länge, Breite, Dicke, Höbe oder Tiefe darnach zu bestimmen. Von dieser Art ist das Maß der Schneider, obgleich selbiges keine.bestinuute Länge hat. Das Zlachenmaß, eine Fläche von bekannter Größe, eine unbekannte ihrem Flächeninhalte nach damit zu messen. Das Bcvpermaß, ein Körper von bekanntem körperlichen Inhalte, den körperlichen Jühalt eines andern darnach zn bestimmen. Das Zeitmaß, eine bekannte Zeitdauer, die Dauer einer andern darnach zn bestimmen. Das Gyl- benmaß, eine bekannte Abwechselung langer und kurzer Sylben, andere darnach zu ordnen. So sind im Feldmeffen die Kette, die Ruthe, dir-Gchnur, der Fuß, der Zoll u. s. f. im Forstwesen der Spannring, im gerneinen Leben die Elle, die Klafter, die Spanne u. s. f. lairtcr Maße, die Größe der Ausdehnung z» bestimmen, so wie Stunde, Minute, Tag u. s. f. es für die Zeit, Malter, Scheffel, Kanne, Nößcl n.s.f. für den körperlichen Inhalt find. Zalsches Maß und Gewicht haben, volles, reichliches Maß geben, von Dingen, deren körperlicher Inhalt gemessen wird. 2. In engerer Bedeutung führen verschiedene Arten der Maßeanstatt eigencrBcm'ttlmngendenNahmen -es Maßes.Las Winkelmaß, ein Werkzeug der Feldmesser und Wcrtlcute in Gewalt eines rechicktWinkels, rechte Winkel da«»t zu bestimmen, anderer zusammen gesetzten Ausdrücke zu geschwcigen. Am häufigsten ist es von gewissen Maßen des körperlichen Inhaltes; dagegen es von einem gcwissenFlächenmaße im weiblichcnGeschlcch- te die Maße lautet, S. dieses Wort. t) Ein körperliches Maß trockener Dinge. In einigen Gegenden ist das Maß oder Maß so piel alseine Klafter Holz, wo es mit Malter und dem Mittlern Latein. iVLociuIur,, welche in gleicher Bedeutung Vorkommen, gleichbedeutend ist.. Im Hüttenbaue hi«gegen ist ein Naß Röflholz ein Haufen oder eine Zahl von h bis r 0 Scheiten, deren jedes 5 Ellert lang ist. Noch häufiger ist es ein gewisses Maß des Getre'des und anderer ähnlichen trocknen Dinge. So hält ein Mutt Getreide in Bern r 2 Naß oder Maß, jedes von 4 Jinmi oder Z Achreeli. In Elsaß Haltern Sester iFrai!Z. 8 elwr) 4 Qaarl oder Vierling oder r 6 Mäßel; so wie inBöhinen ein Strich 4 Viertel, oder / 6 Naßel, / jedes zu 1 2 Seidel Halft Irr Ober-und Nledersachsen und einem LheileOberdi-utschlaiides hingegen, ist das Maß eines der kleinsten Getreidemaße, welches gemeiniglich der vierte T^,eil eim:r Metze ist, und in manchen Gegenden im Dimmuchvo Maßet uiid Maß- chen lautet, dagegen in andern ein Naß wieder in 2 Mäßcl oder Maßchen gechejler wird, welche an andern OcLenNößel, Seidel u. s s. beißen, so daß rin Scheffel, wenn er 16 Metzen hat, auch 64 Maß oder Naßchen hält. In Thüringen hingegen, wo ein Scheffer nur 4 M-tzesr ha., gehen auch nur 16 Moßchen auf einen Scheffel. In Hamburg hält ein Scheffel 2 Faß, oder ^Himten, oder i6Spint, oder 64 große Naß, jedes wi der zu 2 kleinern Näßen; so wre in Hessen rin Hmnen 4 Metzen oder 16 Maßchen hat. Zn Nürnberg ist das Maß die Hälfte eines Dicrhäusuins, der 4te Theil eines Diethausons, und der 16ce Theil einer Metze, oder der 12 8ste Theil eines Malters- In Augsburg hält ein Schaff 8 Metzen, 32 Vierling, 123 Viertel, oder s r 2 Maßel. 2) Ein körperliches Maß stiissiger Dinge, nird zwar das gemeinste kleinere Maß derselben, welches doch so wie das vorige nicht nur in verschiedenenGegenden von verschiedenem Inhalte ist, sondern selbst in Einer Gegend nach Maßgebung des flüssigen Körpers selbst verschieden ist. So ist ein Naß Bier oder Milch an den ineisten Orten mehr als ein Maß Mein. Arl manchen Orten sind (Quarr, (Quartier, Pott und Ranne für Maß üblich , dagegen sic an andern noch davon verschieden sind. Zn Toln hält eine Ohm 2 o, Viertel, 104 Maß oder 4 l 6 Pinten, öagegeneine Tonne daselbst 160 Viertel oder 640 Maß hält. In Augsburg hält ein Fudet 8 Jez, i 6 Mnids, 96 Brsonsoder 768 Maß, jedes zu 2 Seidel oder 4 Qnäctle. In chsterrerch halt ein Eimer Wein 4 Viertel, 40 Maß oder Ächtering, jedes zn 4 Seidel. ZnZürch ist ein Eimer 4Viertel, 32 Kopf, 64 Maß, 123 Qnärtli öder «z6 Stotzen; t Zürcher Maß list so viel als 2 Hamb. Quartier. ' In Bern gehen 2 z Maß aufeinen Eimer oder Bremen, dagegen im Murtemberglschen ein Ohm oder Eimer 16 Jmmi, oder r 60 Naß hält, jedes zu 4 Quart oder Schoppen« Zn Frankfurt am Main und Hessen hält eine Ohm 20 Viertel oder Quärtlein, oder 80 Naß, jedes zu 4 Schoppen. Zm Osnabrüiklschen gehen 27 Viertel auf eine Tonne Bier, ein Viertel hält daselbst 4 Kannen , eine Kanne oder Naß aber 4 Qrt oder 1 6 Helschen. In der Mark Brandenburg sind Naß und (Quart eincrley, und jedes hält daselbst wiederum 2 Nößel. Anm. 1. Zn allen diesen Fällen, wo dieses Wort ein bestimmtes Maß des körperlichen Inhaltes trockner und flüssiger Dinge bezeichnet , bleibt es wie andere Wörter dieser Arl nnveränd-rt, wenn ein Zahlwort oder ähnliches Beywort vorher gehet. Sechs Maß Bier, nicht Maße. Ich habe an diesem Scheffel schon mehrere Naß verloren. Es sind gar viele Maß ausgelaufen. Selbst wenn sich noch ein anderes Beywort dazwischen befindet.. Zehn volle, sieben reichliche Maß. Anm. 2. Dieses alte Wort lautet fast in allen obigen Bedeutnn- Ken im Isidor Merlin, bet) dem Kero iVler, im Notker im Engl.Ivleufure, und mit eingeschaltetem r im Lat. rVft-vl'u,L. Andere-Spracheu und Mundarten verwandeln den Zischlaut :n das gewöhnliche t oder d, wie das N.eders. Mat, das Angels ivln «e, Alst, lVQ(t.a, das Schweb. jMrr, das Alb-afi. lVLgis, des Lot. der Scheffel, und iVlelu. das Ziel, das Geiech'. ,,o§c §, und Hebe, irr das Maß. Es ist sehr wahrscheinlich, laß lar Begriff der Gränze eine dee ersten Bedeutungen dieses Wo: tes ist, woraus zugleich dessen Verwandtschaft mir Mahl iuss Mark erhellet, welche Wörter nur in den Ableituugsfyl ben verschiede:: sind, und daher auch mehrere Bedeutungen miteinander gemein Hab-.», oder doch geh .br haben. Zm Dän. heiß« düs Kaß Maal.Zn A--!. W.B.3. Th. 2. . r ' M fl ß («Z d r Bedeutung eines Maßes des körperlichen Inhaltes tritt zugleich der Begriff der Vertiefung oder eines Gefäßes mit ein, wohin denn auch das alte Gothische eine Schüssel, Pohln. MH, gehöret. (S. Neste, Metze, Model, Muth in der Oderd. Bedeutung eines Gctreidemaßes, Muschel «. s. s.) welche insge- sammt mit diesem Worte verwandt sind. In Dichmaß und Glre-- maß gehöret die letzte Hälfte zu andern Stämmen. Anm. 3. Um den gedehnten Ton des a .merklicherzu machen, schreiben viele diesesWort Naaff; allein alsdann müßten sie auch das Jmperfectnm des Zeitwortes ich maaß, ingleichen maaßig und Mä äßigktit schreiben, wtil das ä als kein eigentlicher Diphthonge so wohl lang als kurz seyn kann. Da nun in den letzter» Fällen noch niemandem doppeltes ««oder cm zu schreiben für gut gesunden, so kann man es auch hier weglasscn, zumahl da das ff, welches hier einen Zwischcnlaut zwischen dem s uud sshat, wie ans der Verlängerung die Maße erhellet, die Dehnung des vorher gehenden Selbstlautes schon zur Genüge sichert. Zm Oberdeutschen ist dieses Wort auch sehr häufig weiblichen Geschlechtes, besonders in der Bedeutung eines Concrcti, oder bestimmten Maßes des körperlichen Inhaltes. Einige Sprachlehrer haben daher die Regel gegeben, daß dieses Wort in der allgemeinen Bedeutung ungewissen, in der engern eonereten Bedeutung hingegen weiblichen Geschlechtes sey. Diese Regel kann vielleicht für die Oberdeutsche Mundart, nicht aberfür dieHochdeutsche gelten, wo Maß nur in den folgenden Fällen weiblichen Geschlechtes ist, wo es aber auch Maße lautet. Aie Masse, p!ur. dre — n, das vorige Wort nur in einem veränderten Geschlechts, welches im Hochdeutschen in folgenden Bedeutungen üblich ist. I. AlseinAbjkractum, und daher eigentlich ohne Plural, ch r) Das richtige Verhältuiß der Intrusion oder inuern Stärke einer Handlung gegen die Natur der Sache; eine Forts, tzung von Maß I. ,. 2 ) (b)Lat.iViodu8. Maße ist zu allen Dingen gut. , Maße halten, dieses Vcrhäittüß bcooachten. Man mr-ß rn allen Dingen Maße halten. Maße in Essen und Trinken, im Strafen, im Vergnügen n. s. s. halten. Maße gebrauchen. Ohne alle Maße essen, trinken u. s. s. In der Lange der predigten die nöthige Maße beobachten. Züchtig-mich Herr, doch^mir Maße, Zerem. 10, 24. Halte Mrße- in allen Dingen, Sir. Zo, 33. Es findet sich keine Verordnung, welche in dieser Sache Ziel und -Maße vsrfchre-ben konnte. Im gemeinen Leben zuweilen auch im Plural. Mit Maßen essen und trinken. (S. sjbermase.) Dahin gehören «ncy verschiedene advert-Ee Redensarten, wo das Wort oft gke.chsaüs m dem sonst ungewöhnlichen Plural sicher, ffber die Maße , über die Maßen, ungewöhnlich sehr. Lr ist über d-e Maßen groß, stark dich', klein u. s. s. Er trinkt über d-e Maße über alle Maßen sehr. Also schüttere Jos-pH das Gewerbe auf über die Maas viel, 1 Mos. ^ 1, <9. Und sie enrsatzten sich Über die Maße, Marc. L, 42. Eine ewige und über alle Maße wichtige Herrlichkeit, 2 Cor. 4, 2 7. 2sjis der Maßen sehr, viel, ungewöhnlich. iVch!i - u m ^ r r u s c! er Ma ll's üer vil riebvu vrowou min, Graf Werner von Honberg. M ße b. d-,u et'das Berhältniß selbst, die Mäßrgung, die Beobachtung d'eses Verhältnisses, irnd Mäßigkeit den Zustan- dieser Beobachtung; obgleich die Winsbeckinn,VA:lk: fnrMäßig- keit braucht. 2) In weiterer Bedeutung , die Art und Weiße; eine sehr alte Bedeutung, in welcher dieses Wort schon bcy dem Kero iVl-rr und Netzru, bev dem Ottfried Mri:, und im Lac. ü-loüuL lancet. AottlieüuumL2Lu. aufkeineArftKcrv.M^s Uorä tbeiMci- E) LUUAL, 99 Maß Maß 100 die Art und Weise der Versammlung, ebcnd. vesu me^o, aufdiefeArt,ebend. Z-jluru mar, ans vteftrley Art, Ottfr. 2 suf diese Maße, auf diese Art. Inder Maße, ^ wie es vorgebracht worden. In welcher Bedeutung cv im oe^- deutschen am gangbarsten ist. In welcher Maße s^ uns r )" Gesinnung zu erkennen gegeben. Einer Sache, avhelfiu) Maße geben, ihr abhelfeu. (S. Maßgabe.) W eh. u auch re- schiedene adverbinchc Redensarten gehören, m welchen es am ->.u figsteniu dem sonst ungewöhnlichen Plural stehet. Einem etwas bester Maßen anbefehlen, auf die beste Art. Einiger ^a>>en, auf einige Art. Gewisser Maßen, auf gewisse Art. Gehöriger Maßen, auf die gehörige Art; welche insgesammt van e.n.grn wider alles Recht zusammen gezogenwcrden, enugermaßen. Ungleichen die mebr Oberdeutschen, ebener Maßen, gebührend er Maßen, ziemlicher Maßen, was Maßen, ans welche Art, w:e, Verlangter Maßen, solcher Maßen, ms./. Nebst een Partikeln und Zusammensetzungen, maßen , indem , wett, lmma- ßen, so, ingleichen indem, weil, dermaßen, ans diese Ar., auer- " ^ Als ein Toncretnm, wo es ein in vielen Fällen übliches Flächenmaß ist, als eine Fortsetzung der concretcn Bedeutung des vorigen Wortes. Jur Forstwesen werden die abgemessenen bestimm- ten Theile eines Buschholzes, ohxc Rücksicht auf ihre Größe Maßen genannt, wo es eigentlich eine jemanden zugemesscne oder zu- verheilte Fläche bedeutet. Zn derLandwirthschaft v:c!er Gegemum werden die Wiesen nach Maßen elugetheilet, wo es vermnchl-.ch nur den jedem au einer gemciuschaftlicheil Wiese gehörigen ^he:l bedeutet, ohne Rücksicht auf dessen Flächeninhalt. Im Nreder- fächsischen werheu die abgethciltcu Schläge an den Deichen um Sieltiefen , welchejedcr Hausbesitzer im baulichen Staude i.vhal- ten muß,äausmaßen, NiedSrs. äuusmaten, genannt. Im Bergbane ist die Maße eine vermessene Fläche von bestimmter Grog?-, welche zu einer Fundgrube gehöret, und nach derftlben anfeven dem Gange anfgenommen worden. In Frevberg '.st eine so.che Maße 40Lachter oder 140 Ellen lang; in dem Churfächajeyen Obcraeb^e aber hält ste 28 Lachter in die Lä-'ge,uud 7 Lachter iudie Brctte, oder nach Quadrat-Maß, >4 Lachter iudw^o.uge und eben so viel in die Breite. Eine Maße hält alsdann 2 Wehr oder 4 Lehen; rßLNaßr aber machen eine Fundgrube. Daher, die Maßen belegen, daraus arbeiten lassen. S. Maßner. Es ist sehr wahrscheinlich, daß das im Mittlern Lat. w oft verkommende, und seiner Abstammung nach dunkle IlunLus, wenn es einen gewissen einem Bauer zu seinem Unterhalte augeime'l nur Theil Feldes oder Ackers bedeutet, dieses Worr Maße ist, indem es such Nafius, IlLllA, IlcilA, Ilallum, IlalLffu, II sus. Ilellu/siuln u. s. f. und in verschiedeneil Provinzen Fraiik- reichs noch jetzt jVlsix, Iloj 8 Me 5 , IIa 8 lautet, woraus nach -em erngeschobenen u nieselnder Mundarten Ilunlus gewordeir. Anm. In dem zweiten Falle der ersten Hauptbedeutung im Dän. Maade, im Angels. Ilske, im schweb. D^s Niese,, >. Mate und SchwedMutlu bedeuten über dieses auch die bequeme ^At. Mau sagt daselbst von einer Person oder Sache, welche uns gc'rade'zur gelegenen Zeit kommt, oder da wir sie eben brauchen, fle komme uns zu Mate, oder zu Maße, welchen Bezech ans eine ähnliche Art auch das Lat. commoäus ausdruckt.^. das vorige Wort. Mafien, vsrb.reZ. uct. S. Anmaßen und Muthmaßen. Mafien' eine Conjunction, welche in den Kanzellcpen auch für im- maßen gebraucht wird, S. die Maße I. 2). Die Mafierle, S. Maserlr. Die Mäfittah?, plur. irrul. von der im Hochdeutichcn veralteten '"N. A. Maße geben , d. i. die Artnnd Weise bestimmen, vorschreiben, die Bestimmung der Größe oder Art und Weise eines Dinges, das Verhältniß; die Maßgcbnng. Die Menfchen. welchen bloß nach Maßgabe ihrer Erziehung von einander ab. Ich werde mein verhalten nach Maßgabe des deimgen einrichten. S. das folgende. Die MäßFeb'MS, vlur. inul. gleichfalls von der N- A- Maßs geben, die Art und Weift einer Sache Vorschüben, r) Eigentlich, wo mau cs nur noch mit dem Vorworte ohne gebraucht. Aber warum schaffen fleihn nicht ohneMaßgebung (unmaßgeblich) forte Gell, ohne ihnen etwas vorzuschcelben. Aber, ohne Map- gebrmg, wissen ste denn schon, ob ich das auch für ein GluE haltet ebend. 2) Figürlich , wie Maßgabe, das Berhaltm,'-. . Die Menschenliebe Gottes kann stch nur nachMaßgeluing ocr Empfänglichkeit des Gegenständes äußern. Ich werde dich nach Maßgebung deiner Verdienste belohnen, -'re R Maße geben, die Art und Weift, die Einschränkung bestimmen oder vorschreiben, kommt im Hochdeutscheuweuig mehr vor. Im Oberdeutschen hat matt auch das Hauptwort der Maßgcbcr, wel- cherVorschriften crthcilet, die Art und Weise einer Hanelung dem andern verschreibt. S. die Maße l. 2). Der Mäfihecht, des —es, p!ur. die —e, bet) den F-lchcriy Hechte, welche ein Jahr alt, und etwa ^ Elle laug sind. Der Maßholder, des-s, plur. iuul. S. Maserle. Mäßitt, — er,—ste, ^.clj.erLäv. 1. Von Maß, die bestimmte Größe eines Dinges. 1)Dem Maße eines andern Dinges älmUch, doch nur im figürlichen Verstände, dem andern Dinge gemäß, ähnlich, sowie es dessen Beschaffenheit, das Verhältniß zu demftlbeir erfordert; in welcher Bedeutung es doch nur allein in Zusammensetzungen üblich ist, wo die Sache, welcher eine andere gemäß ftyn soll, voran stehet, pflichtmaßig, seiner Pflicht gemäß, schrift- mäßig, regelmäßig, gesetzmäßig, heldenmäßig/ kunstmaßrg, rechtmäßig, zunftmäßig, bochmäßig u. s. s. der Schrift, ccr Regel, dem Gesetze u.s.f. gemäß, mit demselben überelusiimimg, und in dieser Übereinstimmung gegründet. Es leiden nicht alle Hauptwörter diese Zusammensetzung, indem einige die Ableitungs- sylbeu —Haft, —-isch und—lich hergebracht haben, daher man dem Gebrauche folge-.) muß, ob es gleich nicht ganz verwehret ist, neue Wörter dieser Ärt zu wagen. Alle, welche diese Zusammensetzung ertragen, leiden auch Hauptwörter auf —keit. Du-Regelmäßigkeit, pstichtmäßigkeit u. s. s. 2) Von Maß, eul bestimmtes Maß trockner rnid flüssiger Dinge. Ern mäßiger Beug, welcher ein Maß hält. Ein viermäßiger Topft welcher vier Maß hält. Ein im Hochdeutschen fremder, oder oocy nur m den gemeinen Sprecharten üblicher Gebrauch. 2. Von Maße l. r), das richtige Verhälmiß der Größe oder Jurension einer Sache. Dem richtigen Verhälruiffe gegen die Natur der Sache, gegen den Endzweck gemäß, dasselbe beobachtend, nnd darin gegründet; im Gegensätze des übermäßig und unmästitt. Mäßig gehen, laufen, tanzey. Sich mäßig freuen/mit Maße. Eine mäßige Zreude. Ein mäßiges Ur- theil von sich selbst fällen. Wo doch in vielen Fällen das Mittelwort gemäßigt üblicher ist, (S. Mäßigen.) In engerer und ge- wöhnlichee-r Bedeutung in dem Genuss- der Nahrungsmittel das richtigeVerhältn^ß gegen ihren Endzweck oder gegen die Gesundheit beobachtend, und in dieser Beobachtung gegründet. Wenn der Magen mäßig gehalten wird, fo schlaftman sanft, Sir. 3 1,23. wer mäßig isset, der lebt desto länger, Kap. 37, 34. . Ein Bischof soll mäßig sepn, r Tim. 3, 2. Mäßig leben. Em mäßiges Tractament. 2) Für mittelmäßig, das Maß des Gewöhnliche;! nicht übersteigend; im Gegensätze des Übermäßig. Ein mäßiges vermögen haben, ein mittelmäßiges. Er ist nur 201 Maß niüßig groß- wenn ihm diese Sache nur mäßig gelingen sollte. Es ist hente^nur mäßig warm. 2lnm -l» der zweyten Hauptbedeutung uu Schwaöcnspregel ,NLL7-rier, Hey den Schwäbisch. Dichtern ltti-lleUcst, nnNiederj. matclig, im Schwed. m°rre1iZ, bey dem Kero hmgcgen um Ott- fricd mit einer andern Ableitungssilbe merkiÄfn, meLvslto. Das ohne Noth verlängerte mä ßiglich ist im Hochdeutschen veraltet. S. Mäßigkeit. ^ Müssinen, verb.reZ.erct. Maße geben, mäßig maa-en, den ho- ' Hern Grad der Jntenston mildern. Em Vernünftiger mäßiget seine Rede, Sprichrv.' 7, 27, er schränket sic ein, redet wemg. Lines Rechnung mäßigen, wofür im gemeinen Leben, sie mo- -eriren üblich ist. Die Strafe mäßigen, wofür doch mstder-n gc- hräuchlicher ist. Ihre Aufrichtigkeit wird nie das wrab der Hochachtung, weil sie durch Bescheidenheit gemässigt wird, Gell Am l,stufigsten als ein Ncciprocnm. S-ch massigen, leinen Begierde,l, seinen Neigungen Maße verschreiben, sie nach der Vorschrift deS Gesetzes, der Billigkeit, des Endzwecks u. s.f. einschrättken. Sich im Essen und Trinken mäßiger!. Semen ^orn, feiste Begierden. seine Ansprüche massigen. Sich nicht mäßigen können. Daher die Mäßigung, xlur. ivrch. du Em. schrstiikuttg seiner Neigungen und Begierden, die Beobachtung de» gehörigen Verhältnisses gegen die Natur der Sache, des Endzweckes u. s. s. Auch das Mittelwort gemässigt wrrd in manchen Fällen anstatt des Beuwortes massig gebraucht. Erne gemäßigte Luft, welche weder zu kalt, noch zu warm ist. Ein gemässigtes Urcheil von sich selbst fällen, ein durch die Selbsterkermmiß gehörig cluaeschrstuites Ucthcil. ' Anm. Bey dem Kero mit einer andern Ableittnrgssylbe kemer- HIMan, bey dem Notker hingegen nur meren, so wie cs bey des Schwäbischen Dichtern muHsu und ZemsÜ'ev lautet, maßen, nnminelbar von Masse. Es kommt mit detl Lat. vrollerurs und m tiZare überein. Die Müfiegkeit, plur.car. von dem Lcyworte mäßig. So ftrn dasselbe von Maß absiammct, wo alle mit — massig zusammen gesetzte Beywörter strich zu Hauptwörtern werden können, den Zustand der durch das Beywortbczeichncten Beschaffenheit anzu- denten. Die Hsiichrmäßictkeit, Rechtmässigkeit, Regelmässigkeit i>. s. s. 2. So fern dasselbe von Masse abstammet. r) Der Zustand, da man mäßig ist, d. i. das richtige Verhälttuß gegen die Natur der Sache, den Endzweck u. s. s. beobachtet, und in engerer Bedeutung, die Fertigkeit dieses Zustandes. Es wird hier nur in engerer Bedeutung vor: dieser Beobachtung des richtigen Verhältnisses imGebrauche des stnulichenVergnügens, und im engsten Verstände, in dem Genüsse der Nahrmigsmittel gegen ihren Endzweck und die GAniidheit des Körpers gebraucht, da sie denn die Eiirhaltsamkeitt Rcuschheit und Nüchternheit unter sich freist. Die Maße bezeichnet dieses Verhältniß silbst,dic Ukäßignng die Beobachtung desselben, und Mäßigkeit den Zustand oder die Fertigkeit dieser Beobachtung. 2) In der weitesten Bedeutung, der Zustand, da eine Sache das Maß des Gewöhnlichen nicht über- steiael;m welch,r Bedeutung es hoch seltener vorkommt. Die Mäßigkeit der Balte, des Reichthumcs einer Person u. s. s. Die Mäfiranne, chjrir.dle— n, eine Kanne, welche ein Maß enthält, S. Maß 11 . 2. 2), So auch ein Maßkrug , Maßtopf u. s. s? Die Mäßkunöe, plur. raus ein von einigen für Meßknnst, Geometrie, gebrauchtes Wort, welche andere Maßkunst, und einen Mcßkimstler einen MasskÜnstlcr nenrien, (S. Meßknnst ) In engerer Bedeutung verstehen einige unter Maßkvnde nur d:c theoretische Geometrie, welche von den Linien, Figuren und Körpern handelt- imGegensatze der ausübenden oder praktischen Geometrie. Maff 102: Die Mäßla-e, plur. die —en, ein Werkzeug der Schuster im Gestalt einer kleinen Lade, welches aus vier in einander gefalzte« Linealen bestehet, das Längenmaß des Fußes damit zu nehmen. D ie Maßliebe, xlur. die — n. 1. Ein Nähme der Maserle, (S. dieses Wort.),2.Ein Nähme verschiedener wild auf den Wiesen wachsenden Pflanzen, i) Der LeUis M welche auch Gänseblume, Marienblümchcn.Margarechenblnmchcn, Angcrbliimchkn, Zeitlose, Gichtkrant u. s. f. heißt, und wovon einige Arten auch in den Gärten gcbauet werden. Wenn-, die Maßlieben und die Ringelblume von meinem Grabe dir winken, Geßn. 2) Einer Artderwncherblnme.Elii^Icinttiemum 1»eueLvtvemumD. welche auch großes Gänsekraut und Ochsenauge genannt wird. z) Der Dotterblume, GuUsta paluÜris 1^. welche auch unter dem Nahmen derGoldwiesenblume bekannt ist. 4)Bcy den neuern Schriftstellern des Pflanzenreiches auch ein Staudengewächs des mittägigen Europa, welches an den hvchstenFelsen wächst und auch Rugelblume genannt wird; Llobulvriv al^purv 1.. Da alle unter diesem Nahmen bekannte Pflanzen, die letzte ausgenommen, welche denselben bloß einer Ähnlichkeit wegen führet,, aufunsern Wiesen einheimisch sind, so scheinet Maß hier so viel als Matte, Wiese, zu bedeuten, indem nichts gewöhnlicher ist, als daß in den Deutschen Mundarten t und s mit einander abwech- seln ; zumahl da die Dotterblume in einigen Gegenden ausdrücklich auch Mattcnblume genannt wird, (SttMatte.) Aber wenn ' dieses Wort eine Art des Ahornes bezeichnet, so gehöret es zu Mast, Maser, und wird alsdann auch richtiger MasUebe geschrieben. DieMäßlocke, xlur. die —N, dem Frisch zu Folge, ein in Schlesien üblicher Nähme einer Art Pilze mit kurzen Stielen, welche unten und oben gelb sind. Es scheinet ein S la von sich cs WmL zu seyn. Die Mäfinehnnrnst, xlur. die —n, S. Maßregel. Der Mäfiner, des —s, plur. ub vom. IrvZ. im Bergbaue,, derjenige, welcher eine oder mehrere Maßen gemuthet hat , zum Unterschiede von einem 8undgrnbner. S. Maße 11. Der Mafiosen, des — s, plur. die—ösen, eine im Hüstenbaue übliche Art Ofen zu Verschmelzung des Eisensteines, in welchem die Schmelzarbeit nach gewissen Feuerzeiten verrichtet wird, so daß ein solcher Ofen nur 24 Stunden gehet; zum Unterschiede von einem Nußofen oder hohen'Mfen. Er hat den Nahmen ver- rmtthlich von den verschiedenen Zeitmaßen , in welchen in einem ' solchen Ofen geschmelzct wird z odcr von der mässigcrn, d. i. lang- samern Schmelzung. Die MäfiroVel, xlur. die — u, von Maße, die Art und Weise,, eine Regel oder Vorschrift, nach welcher man die Art und Weise stilles Verhaltens bestimmt. Ich werde meine Maßregeln darnach nehmen, meine Handlungen darnach .entrichten. Z»r Oberdeutschen ist dafür »das Wort Mäßi-.chmung üblich. D er Mäfistüb, des —- cs, piur. die —stäbe, ein Stab, so ferm er zum Maße anderer Körper, oder andere Körper damit zu mcs. stn gebraucht wird, ein mit einer gewissen Eintheilung versehener Stab, Längen damit zrt messen; bey den Wertleuten der Naßstock oder Richtstock. Zn der Erdmeßknnst und Etdbesckrc.bung wird auch eine auf solche Art einactheiltc gerade Linie ein Maßstab genannt. Der versti'ngic Maßstab, weicher die gewöhnlichen Längenmaße im Minen rmskellet. L ie Mäfiweihe, x!ur. die —n, eine i,l einigen Gegenden übliche Benennung des Geldgebers, wo das Wort ans LNosweihe verdarbt ist, weil sich dieser Vogel gern in mosigen oder morasiiLem, Gegenden aufhält. Die Mcrsse. pl-ur.-die — n,eus dem Franzos, ^lvlle und Latein. lVlLssü,die Menge der Materie eines Körpers, wo man dstM 104 10Z Raff Wort yoii alten Körpern gebrauchen kann, wenn man von densel- - ben weiter nichts bezeichnen will, als daß sie ans vieler zusammen Hangenden Materie bestehen. Eine ungeheure Masse. Erhabene Arbeit in ganzen Massen, in ganzen zusammen Hangenden großen Stücken. In einigen Fällen werden besondere Arten von Dingen, so fern sie ein Ganzes auSmachen, Massen genannt. Dergleichen ist die Credit - Masse in den Concurs - Prozessen. Zn der Mahlerkunst werden viele an einem Drte gesamnielreLichtec oderSchat- ten, Massen genannt. Die beträchtlichsten partieneines Ge- mähldes bestehen aus Massen, es mögen nun Lichkmassen oder Schattenmassen seyn. Die richtige A'nötheüung der Massen macht die ganze Schönheit der Gemählde aus. Iu der engsten Bedeutung ist Masse zuweilen so viel als ein Teig. Die Bildhauer pflegen auch erneu großen Hammer, womit sie ans den Meißel schlagen, wenn ein W.rk aus dem Gröbsten gearbeitet wird, eine Masse zu nennen. Im Mittlern Lat. ist iVlallu gleichfalls ein hölzerner Hammer, mLÜ'urs damit schlagen, und im Franz. Mullus eine Keule. Im Billard-Spiele ist es ein Werk< zeug in Gestalt einer Schaufel, den Ball damit sortziischit.ben. Ungeachtet dieses Wort zunächst aus dem Lat. entlehnet ist, so kann es doch, so wie das verwandt.'Materie, ferne Verwandtschaft mit unserm Mast, der Mastbaum, Niethe, ein Haufen, meistu.a.m,nicht läugnen. S.Z.Matte. Das Mässrcor, des—es, xchur. iuul. aus dem Franz. ^Tnssicot, gebranntes Bleyrveiß von psirsichgelber, citronengelber oder goldgelber Farbe, Bleygelb; vcrdeebl Masticot. Massiv,—er, —este, ae!j et adv. aus dem Franzos. mrEk, und dießans dem vorigen Masse, r) Aus lauter Mauerwerk be- flehend. Ein massives Haus, dessen Haupt« uird Seiteuwänd» ganz aus Mauerwerk, ohne hölzerne »Ausbindung besteheu. Massiv barren. 2) Von Metallen gebraucht, bedeutet es so viel als dicht; im Gegensätze des hohl. Ein massiver Knopf, ein durchaus aus Metall bestehender Knopf, welcher nicht hohl ist, Figürlich wird es im gemeinen Leben auch für grob im moralischen Verstärke gebrarrcht. Ein massiver Mensch, ein grober. Kehr massiv seyn. 3) Von den edkm Metallen gebraucht, bedeutet es so viel als rein, von einerlei- Materie, ohne fremden Zusatz, ohne doch den vorigen Begriff der Dichtheit auszuschließen. Ein Rnopf vonmassivem Silber oder Golde, im Gegensätze eines bloß versilberten oder vergoldeten.. Ein massiver goldener Degen. r. Der Mast, des-—es, pluri die — en, ein großer länglich runder in einem Schiffe aufgerichteter Baum, an welchem die Sc, gelstangen und Taue befestiget werden; der Mastbaum, ehedem auch der Segelbaum. Kleine Schiffe haben nur Eilten Mast, größere zwey und drey, Men vier. Der große Mast,'oder Mittelmast, dev stärkste und höchste, welcher in der Mitte stehet; der vordere Mast oder der Zockemast, die Zocke; der Hintere Mast, Besanmast oder Besan. Uneigerttlich wird von einigen auch das schief liegende Bugspriet mit uitter die Masten gerechnet. Figürlich wird Mast zuweilen für Schiff gebraucht, da es denn zunächst den großen Mast bedeutet. ^ Eine Flotte von hundert Masten, von hundert Schiffen. Inder Zlinmermanuskunst wird auch dergroßefenkrechteBaum, Melcher die Spitze eines Thurmcs bilden hilft, und an welchem die Sparren auliegen, der Mast genannt. Anm. Schon bey dem Stryker öduk, im Niederst Dän. Engl, und Schweb, gleichfalls selbst, im AngelstsVlaeü, im Französt Alus, hd-ali, im Span. iVlussil, im Finnland. im Pohlu. lVls'rt. Es druckt zunächst den Begriff her senkrechten Höhe, der Größe aus, und gehöret mit dem folgenden Worte zu dem Geschichte der Wörter meist, Mieths, ein Haufen u. st f. Im Mast Lat. heißt derMast mitemeraudern Ableitungssylbe, klnlus,stehe z.Mahl, welches gleichfalls in der Bedeutung derHöhe vorkommt. 2 . Die Mast, Mir. cur. ein Wort, welches ehedem Speise, Futter überhaupt bedeutete , aber jetzt nur noch iu eingeschränkte,« Verstände üblich ist. 1 )Dic Speise, der Fraß der wilden Schweine heißt bep de» Jägern die Mast. Noch häufiger wird derjenige Fraß, wovon die zahmen Schweine iu den Wäldernfett werden, die Mast, oder- Mästung genannt. Die Hslnnast, gewisse Baumfrüchte, wovon die Schweinefett und fleischig werden; im Gegensätze der Erd - oder Brutmast, d. i. der Maden und des Gewürmes, welches sie aus der Erde wühlen. Zur Holzmast gehören die Eichelmast. Buchmast, Kästen - oder Rastanienmast und Nußmast, d. i. Eicheln, Bucheicheür, Kastanien uud Nüsse, so fern sie die Schweine fett machen. Die ganze oder volle Mast« wenn es eine reichliche Menge von Buch- und Eichelmast gibt; zum Unterschiede von der halben Mast. In einem andern Verstände wird zuweilen auch die Buchmast die halbe' Mast oder Halbmast genannt, weil sie nur halb so gut mästet, als die Eichelmast. Er gibt dicß Jahr viel Mast, wenig Mast. Die Mast ist nicht gerathen. Die Mast besichtigen. Dw Mast fangt an zu fahlen. Von demjenigen Futter, womit Schweine uud andere Thiere in und auf den Ställen gefüttert werden, ist cs nicht üblich. 2)Die Handlung des Fettmachens der Schweine und aller übrige» zahmen Thiere, es geschehe nun vermittelst der vorigen Mast in den Wäldern, oder durch anderes Futter in dem Stalle. Schweine snfdcr Mast haben, sie aufdem Stalle mästen. Schweine in der Mast Haben, sie iu einem Holze fett werden lassen. Sie in die Mast nehmen, sie zu der» Tnde in seine Waldung nehmen. Sie wieder aus der Mast nehmen. Sic in die Mast treiben. Ochsen auf der Mast haben. Gänse. Ochsen, Schweine auf die Mast stellen , sie in oder auf dem Stalle zu.mästen. Die Gänsemast, die Handlung, da mau Gänse mästet. DieKapaus nenmast. Auf der Mast liegen, iu der niedrigen Sprechart auch von einer Person, welche ihren Leib durch reichliche und gute Nahrung, burch Müßiggang u. s. f. pfleget. Figürlich wird auch die Art und Weise, das Schlachtvieh zu mästen, die Mast genannt. Die Hansmaß, die Mast des Viehes zu Hanse, zum Unterschiede voir der Holz- oder Waldmast. Die viehmast, Herbstmast. Ka- paunenmast'u. s. f. Jngleicheu die Zeit, zu welcher man das Vieh gemeiniglich auf die Mast zu stellen , wdrr iu die Mast zu treiben pflegt. Anm. Im Enal. Mali, im Angelf. einest, im Dän. Madsk, im Mittlern Lar. kuttus uud ?LÜio, welche, wenn man die Verwechselung des p und m als zweycr Lippeulauter für nichts ungewöhnliches halt, zu Einem Geschlechts gehören. Bey dem Dttfricb ist IVIuL Brot, Speise, im Schweb. Z/l.tt die Speise, Lettisch Idai ss, so wie mLiliun im Finnland, mästen ist. Im Griech. ist fressen, und anfülleii. Mahl in der Bedeutung der Speise ist nur in der Ableitungssylbe davon verschieden, (S. 4.Mah!;) noch näher aber ist damit unser Muß und Schmaus verwandt, (S. dasselbe.) Ehedem war auch das Bey -- und Neben- wort mast, bey dem Notker rnulia, ,für fett üblich. (S. Mastfleck, Masifeder und Mastdarm.). Der Begriffder Größe scheinet auch hier der Stammbegriff zu feyu, obgleich auch der Begriff des Kaueus, des Zermalmens der Speise (S.. Messer, Metzeln, Mahlen) Anspruch darauf machen kann. ^ Der Mastbaum, des — cs, plur. die— bäume, derMast auf einem Schiffe, S. -. Mast. Die Mästbüche oder Mäftbüche, plur. die—n, in einige« Gegenden, ein Nähme der Rothbiiche, weil ste die zur Mast dienlichen Bucheichelu tragt; zum Unterschiede von drr Weißbuche. S. Ruche. Der / 10L Mast Der Mastöarm, des—es, plur. die — Lärme, ein kurzer weiter Darm in den menschlichen und thierischcnKörpcrn, welcher gebade hinunter bis an den After gehet, und zur Ausschaffung der unnützen Überbleibsel von den Speisen dienet; im Oberd. der Afterdarm, der Weidedarm, bey dem Raban Maurus im 8len Jahrh.Grorclarm, der große Darm, im Nieders. pack- darm oder vielmehr Backtzarm, von back, aster, hinten, Angels. Zaectbarm. ingleichcn der pinken, Pinkel, plnkendarm, an andern Orten der Schlackdarm, bey dem Pretorias der Wacherling. Mast scheinet in diesem Worte das alte Beywort mast, fett, zu seyn, weil dieser Darin von ausiep mit vielem Fette bewachsen ist, daher er auch der fette Darm oder8ettdarm genannt wird. S. 2.Mast Anni. ! Die Mastelche, plur.die— n, in einigen Gegenden, ein Nähme der Rotheiche; zum Unterschiede von der Steineiche, obgleich diese unter den gehörigen Umständen eben so gut Mast gibt als jene. Masten, verb. reZ. aat. von Mast, ein Mastbaum, welches nur in den zusammen gesetzten bemastcn und entmasten üblich ist, S. dieselben. Mästen, verb. re§. welches in doppelter Gestalt vorkommt, r.Als ein Neutrum, mit dem Hülfswortchaben, fett werden. Junge Schweine mästen nicht gut, werden nicht fett, lassen sich nicht gut mästen. 2. Als eiir Activum, fett machen, i) Von den Nahrungsmitteln, viel Fleisch und Fett geben. Die Bucheicheln mästen schlecht, machen die Schweine nicht so bald und nichts» gut fett. 2).Von der Person, welche Schlachtvieh durchReichung des Futters fett macht. Schweine, Mchfen, Gänse, Kapaunen, Hühner mästen. Eine gemästete Gans. Sich mästen, sich durch Ruhe uud überflüssige Nahrung fett machen. Daher die Mästung, welche mit der Mästung nicht zu verwechseln, S. das letztere. Anm. Ley dein Notker mastou, rueste»? irnDän. madske, im Böhm. MLÜili. Die Mastfeöer, plur. die — n, kleine, kurze und fette Federn, welche sich auf einem Flecke über dem Steiße einer Gans beysam- men befinden, und welche man ihnen quszurupfen pfleget, wenn man sie auf die Mast stellet. Von dem veralteten Bepworte mast, fett. S. 2. Mast Anm. Der MaststeL, des—es, plur. die—e, indcr Landwirthschast ObecsachsenS, fette Stellen in dem Acker, welche überflüssigen Dünger bekommen haben, und solchen durch den starken und Licken Wuchs des darauf flehenden Getreides verrathen ; geile Flecke. Von dem Bepworte mast, fett, S. a.Mast Anm. Die Mastgans, plur. die— gänse, eine Gans, welche gemästet wird, welche sich in oder auf der Mast befindet. So auch Mastkalb , Mastkuh, Mastochs, Mastschwein. " Die Mastgefälle, liug. lauf, die Gefälle, d. i. Einkünfte von der Holzmast in einem Walde. Das Maftgelö, des—es, plur. doch nnr von mchxern Summen, die — er, dasjenige Geld, welches man für die Mästung zahmer Thiere bezahlet. Ja engerer Äeöeiltnng, dasjenige Geld, welches der Eigenthumsherr eines Waldes für die in denselben zur Mast getriebenen Schweine erhält; das Zehmgeld, der Mastschilling. Die Mastyerechtiykelt, plur. laus. S.Mastrechk. Der Masthafer, des—s, plur. ivu5. derjenige Hafer, welcher an einigen O'rtLü hem Herren des Waldes für die zur Mast in denselben eingefehmten Schweine anstatt des Mastgeldes gegeben wird. Der Masthirt, des—en, plur. die — en, derjenige Hirt, welcher auf die z,rr Mast in einett Wald eingefehmten Schweine Acht hat. " X Mast 106 Das Mästholz, des —es, plur. die—Holzer. l) Holz, d. k. - Bäume, deren Früchte zur Mast dienlich sind, dahin besonders die Eichen, Buchen, Kastanien und Haseln gehören ; wo der Plural nur von mehrern Arten üblich ist. 2) Ein Gehölz, in welchem dergleichen Mastholz wachset; die Mastwäldnng. Das Masticot, S. Massicot. Der Mastix, plur.car. ein hartes, dürres, sprödes und blasige!-- bes Harz, welches'einen balsamischen Geschmack und angenehmen Geruch hat, ans dem Mastixbaume rinnet und in durchsichtige» Körnern von der Insel Chio zu uns gebracht wird. Ans dem Gricch. Lat.Nalilcbe, Jtal.iVIalfios, Franz.IVlaülc, im Alban. U nlticb. Figürlich wird auch eine Art Kick, deren sich die Bildhauer bedienen, die Stücken einer Bild säute damit zn vereinigen, und welche aus Poch, Wachs und Zicgelmehl bereites wird, Mastix genannt; vermuthlich, weil man sich ehedem statt ' desselben dazu des Mastix bediente. Ein anderer Mastix der Mah» ler, dieRitzen eines Gemähldeszu verschmieren, wird aus Mah- lersirniß, Kreide und Glätte bereitet. Der Mastixbaum, des — es, plur. die — bäume, ein Baum. welcher zu dem Geschlechte der Pistacieu gehöret, in den wärmer» Ländern Enropens einheimisch ist, und den obigen Mastix liefert: kiliacia l^entiscus I>. Das Maftixkrant, dcs^—es, plur. inus. in einigen Gegenden, ein Nähme des Katzenkrautes, leucrium ivlarum l-,, welches an andern Marum. und wegen seines balsamischen Geruches auch Amberkraut oder Ambrakvaut genannt wird. Das Mastkalb, des — es, plur. die—kälbcr, S. Mastgans, Der Mastkcil, des — es, plur. die —e, im Schiffbaue, Enden von Mastwangen, die Schüsse damit zu füttern, damit die Baume nicht zu weit stehen. S. Mastwange. Der Mastkorb, des—cs § plur. die—korbe, auf den Schiffen, eine runde aus starke» Balken verfertigte und mit einem Geländer versehene Scheibe oben an dem Mastbanme. die Wände des zwoy- ten Übersatzcs daran zu befestigen, Schildwache daraufzu halten u. s. f. Ju der Niederdeutschen Schiffersprache auch der Mars. S. 1. Mast. Das Maftkorn, des—cs, plur. die—körner, van den Hämorrhoiden herrührcnde dunkelblaue Knoten an und in dem Mastdarme aus welchen gemeiniglich Blut stießet. Die Mastkuh, plur. die—knhe, S. Mastgans. Die Mastlinöe, plur. die — N, in einigen Gegenden, ein Nähme V der gemeinen großblätterigen Linde. Westerlinde oder Gcaslinde; zum Unterschiede von der Steinlinde. Etwa weil sie häufiger blühet und mehr Samen trägt als diese? Oder etwa, weil sie einen fetter» Boden verlangt, von mast, fett? Siehe «.Mast Anm. Mastlos, acij. st v. des Mastbaumes beraubt. Bin maßloses Schiff. - Ern Schiff mastlos machen. Daher die Mast- loflgkeit. Der Mastochs, des—en, plur. die—?rr, S. Mastgans- Die Mastorönuny, plur. die — en, eine obrigkeitliche Verorb-- nung in Ansehung der Buch- und Eichelmast in den Wäldern, und der in dieselben eikgefchmten Schweine. Das Mastrecht, des—cs, plur. inuf. das Recht, die Holz, mast in einem Walde zu genießen und zu nutzen; die Meßgerechtigkeit. Der Mästrich, S. Mostrich. Der MastschMiny, des — es, plur. doch nur von mehrera Summen, die—c, S. Mastgeld. Das Mastschwein, des —es, plur. die — c, ein gemästetes, oder auch nur zur Mast aufgestelltes oder cingefehwtes Schwein. G ^ D^r -» 107 Mast M a r Der Maststall, des —es, plur. die —ställo, ein für das Mastvieh bestimmter Stall, ein Stall in welchem Vieh ge- Die Mästung, plur. laus, ein auch für Mast übliches Wort, es , mag nun die zur Mast dienlichen Waldfruchw, oder auch die Handlung des' Fettrnachens , das Mästen bedeutcm In einigen Gegenden wird auch ein Gehölz, worin sich viele Mast befindet, die Mästung genannt, so wie im Österreichischen dre Eichelmast besonders unter diesem Nahmen bekannt ist. Es ist kein Verbale wie Mästung, sondern die Endsylbe ist hier dreAbleitungs- sylbe —ing oder —ring. Das Mastvieh, des — es, plur. iuul. cmCollectlvuin, gemästetes, oder zur Mast aufgestelltes Vieh zu bezeichnen. Die Mastwaldung, plur. die —en, S. Masthol;. - Die Mastwange, plur. die —n, imSchistbanc, langen,'.!, rrurde und von innen eben so ausgehöhlte lauge Stücken Holz,7 welche man zur Verstärkung des Mastbaumes auf bepdcn Seiten an denselben befestiget. ^ Die Mastzeit, plur. die —en, die Zeit, zu welcher cav-r-lcy auf die Mach gestellet, oder zur Mast in die Wälder ciugeseh- Der Matador, des — s, plur. die—e, eur ursprungllch spanisches Wort, welches eigentlich einen Mörder bedeutet, aber mir den Französischen Kartenspielen auch in Deutschland bekannt geworden, gewisse Arten der höchsten Blätter in manchen Kartenspielen zu bezeichnen. Figürlich pflegt man daher auch ungemeinen Leben einen Mann von vorzüglichem Neichthume, An,ehen oder Gewalt, einen Matador zu nennen. _Ambas; doch auch der ist dir ein Matador, Haged. *Die Matatsche, plur. die—n, ein nur in Schlesien bekanntes Wort, wo gewisse Holzstöße, welche aus Oberschlesien dieOder herunter kommen, diesen Nahmen fuhren. Es ist ohne Zweifel ein Slavonisches Wort. Die Mater, plur. die—n, das Lat. Klater, Mutter, nut welchem Worte die Schraubenmutter oder Schraubenhülse an der Buchdruckerpresse belegt wird. Die Materialien, li»A. io ul. aus dem Mittlern Lat. iVImterim- lia, den zu einer Arbeit nöthigen rohen Stoff zu bezeichnen. Bau-Materialien, d. i. Holz, Steine, Kalk. Schreibe- Materialien , Federn, Tinte und Papier. Die Materialien der Mahler sind Farben, Pinsel und Firniß, der Bildhauer /Stein und Holz u. s. s. Der Materialist, des —en, plur. die—en, aus dem nutt- lernLat. lVlaieriulitts. ,) Derjenige, welcher mit Marerial- Waaren handelt; ein Material-Händler, Material-Rramer, rin GpezercyrHänd'er, wohin auch die Gcwür;krämer oder wurzkrämer gehören. 2) In der Philosophie sind die Materialisten eine Secte, welche nichts als bloße Körper zugebcn, das Daseyn der Seelen und Geister läugnen, und sie für eine bloß körperliche Kraft halten.' Ihr Lehrgebäude wird der Materialismus geraunt. Die Materiäl-Waare, plur. die — n, rohe und ftltrneWaa- ren aus dem Mineral- und Pflanzenreiche, s^wie sie in den Küchen, Apotheken, von den Färbern, Mahlern u. s. s. weiter verarbeitet werden; wohin die Spezcrcyen, Gewürze, rohe Far- bcnkörper u s. s. gehören. S. das vorige. Wie Materie, (viersylbig,) plur. doch nurvon mchrern Arten, -je— n, aus dem Latein. NeUeriÄ. - ) Dasjenige, woraus ein Korper zusammen gesetzt ist, das was einem Körper die Ausdehnung und widerstehende Kraft gibt. Die einfache Materie oder die Elemente, welche sich nicht weiter auflösen, lasset, und aus tzexem Vermischung alle übrige zusammen gefitzte Materie- entstehet. Auch im gemeinen Leben pflegt man dasjenige, woraus rin Körper bestehet, wenn man es nicht mit seinem eigentlichen Nahmen belege« kann, oder es auf die allgemeinste Art benennen will, dessen Materie zu nennen. Aus allerlei köstlicher Materie hat man sie gezcuget, und ist doch kein -llcben darinnen, Bar. 6,24. In der höhern Schreibart der Stoff, wclchesWorr sich doch für die schärfste philosophische Bedeutung nicht schickt. 2) In engerer Bedeutung, dasjenige, woraus ciwaS werde» kann, woraus ein Werk verfertiget werden kann ; doch nur im gemeinen Leben, wo auch das Wort Zeug oder Gezeug. schon bey dem Kero Aeriuc, üblich ist. In der anständiger» Schreibart ist auch hier Stoff üblich. Zngleichen figürlich. Materie zum -Aachen, zum Schreiben , zum Reden haben. gsn der austäudi- gern Sprechart gleichfalls Stoff. In der Logik werden die Sätze woraus ein Schluß besteht, dessen Materie genannt; im Gegensätze der Form, d. i. der Arl und Weise ihrer Verbindung. Z) In der engsten Bedeutung ist im gemeinen Leben der Eiter unter dem Nahmen der Materie bekannt, Engl. U-ttker; ws man auch wohl das Zeitwort materiell für eitern gebraucht. Materien, (viersylbig,) vsrd. r6A. von dem vorige» Hauptworte. r) Neutrum, mit haben, für eitern, (S. das vorige.) 2 , Acttvum, wo es nur bey eiwgenHandwerkern üblich ist, und dasMcisterstück verfertigen bedeutet. Daher sind alsdann die Materien-Meisiex diejenigen Jirnungsnieister, welche der Verfertigung eines Meisterstückes' bey wohnen muffen; der Materierer, derjenige, welcher ein Meisterstück macht , um das Meist.rrecht zu erlangen; das Materie-Essen, welches den Materieu-Meistern gereicht wird; das Materie-Geld , welches ihnen statt desselben gegeben wird. Aus dem Mittlern Lat. matLriare, welches eigentlich zimmern, hernach aber auch in weiterer Bedeutung, auf liinstliche Art verfertigen, so wie iVlLtLrintus ein jedes Werk, bedeutete. Die Mathematik, plur. cur. aus dem Griech. und Latent. tkeinnticL, eine philosophische Wissenschaft, welche sich bloß mit Betrachtung und Ausmessung der Größen belchästiget; die Gro- ßenlchre. Daher der Mathematiker,-besser Mathemäticus, der- jcnlgc, welcher diese Wissenschaft verstehet; mathematisch, zu derselben gehörig, in derselben gegründet. Die Matratze, plur. die—n, ein mit Haaren «uSgestopftes und durchnäheles Unterbett, dergleichen man sich in warmen Ländern, und selbst in Deutschland im Sommer, anstatt der Federbetten zu bedienen pflegt. Daher das Zeitwort Matratzen, oder auematratzen, mit Wolle oder Haaren nach Art einer Matratze auSsiopsen. Auch. JmFranz.iV! 2 terL 5 MnlelK 5 ,Engl.kIurlresL,Pohln. Nuterac. Es ist ans dem Jtal. !V1.Dernr2o,XI.tt urALra, im Mittlern Lat.^lLtLi-^llum, ^ntnric ium, Uettracium, >^l- rnettraciu ln, welches feinet erste» Hälfte nach zu unsrem Worte Z. Matte gehöret, seiner letzten Hälfte nach aber dunkel ist. Im Deutschen wird cs gemeiniglich Madratzc geschrieben und gesprochen, welches aber wider die erweisliche Abstammung ist. Die Matrikel, plur. die —n, aus dem Latein. i>iukricu!u, ein ftyerliches schriftliches Verzeichniß eiuzetuer Personen Einer Art. Dahin gehöret die Reichs-Matrikel, dasVcrzeichniß allerStänds des Reiches nach ihrer Ordilung und ihrem Vermögen; die Stn- denten-Mattikel, das Buch, worein die Studcriten bey ihrer Aufnahme als Burger der Universität verzeichnet werden; die * Birchen- oder Pfarr-Marrikel, das Verzeichniß der Eingepfarr- ten eiircr Kirche, itigleichen dcr Getauften, Gestorbenen und Getrauten u. s. s. Daher das Zeitwort immatrienliren, in die Matrikel einschrcilen, der Makriculär-Anschla§, in dem Deutschen StaatSrcchte, dasjenige, was ein Neichsstaud vermöge der Reichs«- 109 Mat Mat 110 Reichs'Matrikel zu den üllgemeinenBedürfnissendes Reiches bey- zutragen hat u. s. s. Die Matrize, plur. die--n, aus dem spätem Lat. Matrix» bey den Schriftgicßern, diejenige kupferne Form, woritt Buchstaben abgegoffen werden. Die Matrone, ^Iwr. die —n, aus dem Lat. Matrona, eine angesehene verheirathete oder doch verheirachct gewesene Frau von einein reifen Alter. ^ Der Matrose, des—u, xlnr. die—n, einer von den gemeinen Arbeitslenten auf einem Schiffe, welche däs Schiff führen und ' regieren helfen; ein Bothsmann oder Böthsknecht, im Niederst Schiffgast, Schiffsmat. Die sämmtlichen Matrosen cinesSchif- fes zusammen genommen werden die Matschaft genannt, S. dieses Wort. > Anm. Im Dän. Matros, im Franz. Matelot. Die erste Hälfte dieses Wortes ist vcrmuthlich das Niederdeutsche Mat, ein Kamerad, Gesell, (S. Matschaft.) Nnr die letzte Hälfte ist noch dunkel. Bey den ältesten Lateinern wurden dieTroßbnben und'LohnknechteMetelli genannt, welches das' Diminnr. von Meters äst, das mit diesem Mat genau überein kommt. Sollte dieses etwa dasStammwort des Franz.MatLlot und nnsersMa- irose sepne Das e am Ende ist das e enphonicum, ohne welches das gelinde s einen harten Laut haben würde. Härtere Mundarten schreiben und sprechen Matros. Matsch/ ein in gewissen Spielen übliches Wort, welches eigentlich einemgänzlichen mit einem gewissen Grade der Schande verbundenen Verlust des Spieles bedeutet, und sowohl als ein Nebenwort, als auch als ein Hauptwort üblich ist. Matsch werden, das Spiel verlieren, und zugleich eine fest gesetzte geringe Anzahl Augen, Stiche.oderMarkcn haben. JmBillard wird man matsch, wenn man nach geendigtem Spiele mir bis ans 5 zählt. Der Marsch, dieser Zustand oder Umstand des Verspielenden. Ein einfacher Marsch ist im Billard , wenn der Verlierende nur bis ans z zählet, cm dreifacher oder Triple-Matsch, wenii er mir bis anfzwey kommt, und ein vierfacher oder Auadrnple-Matsch, - wenn er gar nichts zählt. In andern Spielen ist der Matsch ans andere Art eingeschränkt. Daherdas Activum, jemanden matschen , ihn matsch machen. Anni. Im Jtal. lautet dieses Wort Marclo und dasZeitwsrt rnarciaes, daher auch einigeDeutsche esMartsch und martschen sprechen nm) schreiben. Aber die Jtaliäner sagen in eben diesem Verstände auch inaLrars. Das Deutsche scheinet indessen nicht ans dem Jtaliänischen entlehnet zu sevn , sondern von matt,, so fern solches noch in demSchachspiele üblich ist, abzusiammen, und mit demselben zn-dem Geschlechts des Wortes metzeln zu gehören. S. diese Wörter. Die Mätschaft,ft!ur.ittus. ein nur in dettNiederdetttschenMund- arten übliches Cpllectivnm , die Kameradschaft, mehrere zu einer gemeinschaftlichen Absicht verbundene Personen, und deren Verhältnis gegeneinander zu bezeichnen. Daher ist im Niederst und Holland, die Matsknp, Masknp, Marsknppr'je, eine Handelsgesellschaft, (S.Maskspep.) Besonders wird in der Seefahrt das gesummte Schiffsvolk unter dcmNahmen derMarschaftbegriffen. Mat und Matse ist ein im Niederdeutschen sehr übliches Wort, einen Kameraden, Gesellen, zu bezeichnen, Engl-Make,Schweb, und Jsländ.Mat, M',i, im weiblichen Geschlechte Maatske; welches zu dem zahlreichen Geschlechte der Wörter mit, mischen u. s. f. gehöret, und überhaupt eine Verbindung bedeutet, (S. auch das Hochdeutsche Gliedmast.) Mit veränderter Endsilbe gehöret auch das Angels.MaDL>,Schwed. Maks, ein Kamerad, Gesell, Genoß, unser Gemakl, und das Zeitwort machen, so fern es verbinden bedeutet, hierher, S. Gemahl. Matschen, G. Matsch. Matt, — er, — ste, ach. et a6v. ei» sehr altes Wort, welches in folgenden Bedeutungen vorkommt. r. *Todk; eine im Deutschen völlig veralteteBedcntnng, deren hohes Alter aus dem Hebr.^lN, sterben, erhellet. Im Mittlern Lat. ist matare,tödten,Span. matar, und im alt-FrairzMatns das Grab. Es gehöret m derselben zu unserm metzeln, Metzcher, und vielleicht auch zu mähen, so fernes ehedem schneiden überhaupt bedeutete, S. diese Wörter. 2. *übertvundeu, so in die Enge gebracht, daß man sich nicht mehr zu helfen weiß; eine gleichfalls im Ganzen veraltete Bedeutung. Im mittler» Lat. maltus, Franz, male. Man sagte ehedem, jemanden matt sprechen, ihn auffordern, stch für über-' wunden zu erklären. VVsr ffoesiisüalb äL8n>vffLrffal: Oer inaZ 6eiri anstsrci ftorseüsn mutt, der Burggraf von Riedenburz. Oia vigsrtt dem kuiniZ lffricür mal, cbend. Im Deutschen gebraucht man es nur noch in dem Schachspiele, wo der Schach oderKönig matt wird, wenn er völlig überwunden ist, so daß er keinen Zug mehr thun kann. 51 üanl Uns lpt1 verloren uncl er eine tuol in allen mat, Walther von der Vogelweide. Im Franz, mal, und selbst im Persischen, aus welchen Gegenden dieses Spiel in Europa bekannt geworden, mal. (S. Matsch,) welches gleichfalls hiervon abzustammen scheinet. Man hatte ehedem auch dasHanptwort Mal,welches noch bey dem Stryker vo:- kommt, und das Verderben bedeutet, Island. Maas. z. Der Kräfte in einem hohen Grade beraubt, einen hohen Grad desMangcls der gehörigen und gewöhnlichcnKräfte empfindend und darin gegründet; in welcher Bedeutung es noch am häufigsten vorkommt, r) Eigentlich. Daß sie laufen, und nicht matt werden, Es. 40, Z 1. Der äerr, — der die Ende der Erde-geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, V. 2?. Wie Widder , die matt vor dem Treiber hergehen, Klaget, i, 6. Und die Sonne flach Zona auf den Äopf, daß er matt ward, Jon. 4, 8. Von schweren Arbeiien, Mangel der Nahrung, großer Hitze, nach einer langen Krankheit n. s. f. wird man matt. 2) Figürlich, (a) Nichtden gehörigen Grad der Lebhaftigkeit oeer Skärie habend; im Gegensätze K's lebhaft, stark. Eine matte Stimme. Bey Gütern, die wir stets geniesten,, wird das vergnnaen endlich matt. Gell. Ein matter Scherz. Em matter Gedanke. Ein matter Stpl. Eine matte Entschuldigung, welcher es an der einlen ütenden Gründuchteit feylet. (b) Besonders von dem Glanze oder Lichte, einen geringem Grad des Lichtes habend; gleichfalls im Be schätze des lebhaft. Die matten Strahlen der Sonne. Ein mattes Licht. Eine zerstäche ist matt, wenn sie kein Licht zurück wirft, daher wirr b.ep den Künstlern matt dem polirten entgegen gesetzt; Franz. mal. Mattes Gold, welches nicht polirt oder brunirr worden. Matte Lavbm/bm dm Mahlern, welche keinen Glanz haben, dergleichen Umbra und Maff-rot sind. Lin matter Demant, welcher wenig Feuer, wenig Glanz hat. Auch figürlich. Die Abendstunde sollte-ihre malten Reitze in einem günstigen Lichte Zer- gen. (c) Jngleichen auch von dem Geschmacks. Das Bier, der - wein schmeckt matt, wenn er die lebhafte Schärfe oder Kran verloren hat. Ehedem gebrauchte man es in noch mchrcrn figürlichen Bedeutungen. Jcroschin nennt ein Larch matt, welches in schlechtem VertheidrgunZsstande ist. Ein Land matt machen, heisst bey eben demselben cs verwüsten. Bey dem Burggrafen vvnR'edenbnrg staud.der Hund, der über dem Schatten im Wasser seinSdückFleisch verlor, leölLUncie irrat. äas erlitt iiuni ui Mnt . chatvsrkor'v, d. k. traurig, getreten. troües mst Kn, ist bi y eben demselben dessen beraubt seyn. Anm. In der dritten Hauptbedcnmng im Däiu mat, im Schweb, matt, im Angels, melkiss, im Engl. mnte, im Böhm. weile. Im Island, ist maeäckir, moelr, mascka, abmatten, Engl, to rnais. Es gehöret zu müde, Muhe, und vielleicht auch zu Myße. Mit verändertem Endlanre ist im Niedres, mak, nicht rmr sanstmüthig. fricdsam, sondern auch matt. Wenn man alle Bedcuruugcn dieses Wortes znsamnm- nimmt, so wird es sibr Wahrscheinlich, daß sie nur Figuren ein?r ätteru sind, w lche nie- Lrig, tief, bedeutete, und wovon da z Stammwort mn, ma, ms, lautere, von welchem vermitt ist vcrschicdciwrAbleitvngslautc unser Marte, eiuc Wiese Uleer, Morast, Mos und andere mehr sbstammen. Im Jtal. ist inarlo dumm) betäubt, und N.Ulo ein Narr. S. 2. May und 5. Matte. - DerMattbunzen, des—s, p!ui< ul VOM. slNss. ben denGold- schmieden,einBunzen, mit ein r fein pnnctirtcn märten Spitze, zu solchen Steilen der getriebenen Arbeit, welche matt, oder glanzlos seyn soll. S. Matt Z. 2) ch) Der Mattdamm, des — es, xiur. die — dämme, in einigen Gegenden, .ein mit Matten, d. i. strohernen Decken, bekleideter - Damw. , . c- c - - 1. Die Matte, plur. die —n, ein nur rm gemeinen Leben eini- ' ger Gegenden für Made oder Motte übliches Wort. So wird Inder Lausitz der Schmetterling, die fliegende Matte genannt. S. Morre und Made. 2. Die Matte, plur. die —n, eineehemahlrge Spanische S-lber- münze, welche viereckt ist, und nach heurigem Gelde etwa r Thlr. 3 Hr.gilt; eine Spanische Matte. Es scheinet, daß dieses Wort ehedem überhaupt den Begriff einer vicrecktcu Fläche gehabt. Im'Mittlern Lat. Nalw und Natl onus, Jtal. Nattone, ein Ziegelstein. Wenn hier nicht vielmehr der folgende Begriff der Verbindung, der Masse, zum Grunde lieget, (S. 4 . Marie,) so daß Matte eigentlich eine Dickmünze bedeuten würde. Nata- pLUU8 war ehedem auch eine Art Venetianischer Münzen, und die Niederdeutschen Mattier sind gleichfalls bekannt, S. dieses Wort. Z. Die Matte/ xiur. die—n, eine grobe Decke. Eine Matte von Stroh, eine Strohmatte, von Binsen, eine Binsenmatte. Die Mistbeete mit Matten andecken. Stubcnmatten, grobe wollene Decken, den Fußboden daqrit zu bedecken; 5 aulmatten, sie vor dke Stubenrhüre z,l befestiget), um den Koth von den Füßen daran abzustre.chen. S. auch Zangematte. Anm. Im Rieders, gleichfalls Marte, im Schwed. Natta, jm Angels. Nsatta, im Engl. und Holland. Natt, im Latein.^ gleichfall-Natta Es scheinet zunächst dcnBegriff derBcdeckung, zugleich aber auch den verwandten Begriff der Niedrigkeit, Tiefe, Höhlung, z» bezeichnen, da es denn mit Z. Matte, Mieder, Mantel und andern dieser Art Eines Geschlechtes seyn würde. Unser Matratze stammet von diesem Worte her. 4. Die Matte, xlrir. jaul'. oder die Matten, swZ. inus. ein Wort, welches den Begriff der Consistcnz. der dichten Verbin- dlMgecrLheile, der Masse, hat. Man gebraucht es nur noch im ' oemeinrn Leben vieler Gegenden, wo die geronnene oder geküsste Milch, so wie sie zum Käsemachen gebraucht wird, die Marte, oder im Plural die Marten, Läsematten Hecht. Holland. Narre, im Lothariug. Nalton. I^. Mecheu wird die Milch wattig, wenn sie gerinnet. (S. auch '-.Matz ) Es gehöret zu demGe- ' schlechte der Wörter Masse, Manwie, und stammet M L denselben von Mat,>'ociu3. (S. Matschaft, mit, mrschcn u. s. f) ab. Vey d>'M Perron ist N.ai."ea eine gewisse lecker« Speise, Gra.ch^ ^ oey dem SuetouMacusa; umBozybrs iuFrankrcich ist Mat ns Natts, ein Bündel Hanf, und im Lotharing. Nuitte die Mate- rie, der'Stoff. L. Die Matte, plur. die — n, ein Wort, welches den Begriff der Vertiefung, der physischen Nwdrigkeit hat, aber nur noch in zwey Fällcnvorkommt. r) Eine erngebogene f hlerhasre Beule in rinem Geschirre heißt an» Nieder - Nl'ciur und in einigen airoern Gegenden eine Matte. Ein metallenes Geschirr bekommt Matten, wenn es auf einen harten Körper fallt. . Bey den Goldbiättern werden die.kleinen fehlerhastenGrübchen in der stählernen Plättwalze, welche von dem Gusse herrühren, gleichfalls Matten genannt, wo es aber auch von matt, wenig oder gar keinen Glanz habend, abstammru, und eine solche matte Stelle bezeichnen kann. 2) Eine Wiese, ein vorzüglich Dberdeutjeyes^ Wiw't, welches im Hochdeutschen nur in dee höher» cvchre-bart üblich ist. Das Zen verfaulte auf den Matten, Blunischli, ein Schweizer. Die Natten, voll Aaub und voll Airin, Äamk. von langen Matten Erhebt sich der kühle Thau, Zachar. Anm. In der letzten Bedeutung im Rieders. Mädc, Mailand, Meetland, im Angels. Nae6,im Engl. Nsacl, Nea- welche man, so wie das Oberdeutsche, gemeiniglich, obgleich unrichtig, von mähen ableitet; eine Ableitung, welche dem Worte Matte bald einen zu weiten, bald aber auch einen zu engen, folg- lichkeinen bestimmten Begriff gewähren würde. Nicht alleWiesen werden gemaher, hingegen, werden in vielen und großen Provinzen auch die Äcker und Felder gemährt. Na, Na, ist ei« sehr altes, noch im Schwedischen übliches Wort, welches einen niedrigen, flachen, sumpfigen Boden bedeutet, und wovon vevmittelst verschiedener Ableitungslaute Marsch, Mos, Morast, Mohr, Matte, u. s. s. abstammcn. (S. Matt Anm.) Zu dieser allgemeinen Bedeutung der Niedrigkeit oder Tiefe gehören auch das Lat. mittsrs, das Franz, mettrs, im Lothar, irialts» das mittlere Lat. bey dem Libavius befindliche Notteoa, Torf, das klngar. Nerö und Lappland. Nstre, ein Feld, und hundert andere mehr ; zu dem abstammenden Begriffe der Aushöhlung aber unser Maß, Netze, Much, ein Scheffel, das Lat. Noäius u. s. f. Im Bäurischen heißt eine Wiese auch nut dem Zischlaute eir? Möser. ' ^ Mitten, verb.rsss.aet. vsu dem Bey» und Ncbeurvorte matt, uratt machen. 1) In dem Schachspiele, jemanden matten, seinem Könige matt blechen, seinen König matt machen. 2) Entkräften und entkräftet werden, wo es doch nur in den Zusammensetzungen abmatten und ermatten üblich ist, S. dioze Wörter. Die Mattenblume, xlur. die—n, in einigen, besonders Oberdeutschen Gegenden, ein Nähme der Dotterblume oder Butterblume, Laltka jialutirig L,, welche auf allen Matten, d. i. Wiesen , angerroffen wird, daher sie auch Goldwiesenblume, und mit untergeschobenen Zischlaute Maßliebe und Mosblrrmc genannt wird. S. 5. Matte. Der Mattenflachs, des — es, plur. inuf. eine Art der Rnhr- pflanze, 6llap>kaliuin L,. welche auch Miesenwolle genannt wird, und ein Binscngewächs ist ; entweder weil sie aufden Matten oder Wiesen wachset, oder auch, weil man die in der Samenknospe befindliche Wolle häufig zu Ausstopfung der Marren und Matratzen zu gebrauchen pflegt. DerMattenk'ümmel, des—s, plur.inus. im Oberdeutschen, ein Nähme des Wiesenkümmels, welcher auf den Wiesen des mitternächtigen Europa Wild wachset; Oarum 1^. S. Rümmel. Matthäus, ei ; männlicher Taufnahme Hebräischen Ursprunges, welcher'so viel als eit Geschenkter bedeutet, und von dem Hebr. NN, ein Geschenk, ad^elerru w.ed. In den gemeinen Mundarten H4 " 11Z M a t arten wird er bald in Manche, Matz, bald aber such in Tews, abgekürzet. Matthias, ein anderer Taufnahme männlichenGeschlechteS, gleichfalls svebräischcu Ursprungs, vou sUV, ein Geschenk, und n->, der Herr, welcher des' Herren Gabe bedeutet. In den gemeinen Mundarten wird er gleichfalls in Matz, im Oberdeutschen aber auch in Aesel, so wie im Niederdeutschen in Thies, abgekürzet. Der Mattier, oder Matthier, (zweysvlbig,) des—s, plur.ub oom.ünZ. eine im Braunschweigischen übliche Scheidemünze, welche 4 Pfennige oder einen Halben Mariengroschcn gilt; entweder mit Marte, einer Spanischen Münze, ans Einer Quelle, (S. 2. Marte,) oder auch, wie Goldast will, von dem heil. Matthias, dessen Bildlich ehedem darauf soll seyn geprägt-worden. In Ste'permark und einigen andern Oberdeutschen Provinzen war Ncdel ehedem eine sehr geringe Scheidemünze, welche noch weniger als ein Haller galt. Im Mittlern Lat. ist iVletullia, ein halber Pfennig, ein Haller, woraus das Franz. MuiUe geworden. Die Mattigkeit, plur. inust. von dem Bey ^ und NebenworLe matt, doch uur m dessen dritten Bedeutung, und deren eigentlichem Verstände, der Zustand eines lebendigen Geschöpfes, da es seiner natürlichen oder gewöhnlichen Kräfte auf eine merkliche Art beraubtest. Der Mattkecn, des — es, plur. die—e,in einigen Gegenden, eiue-Artdes Sand- oder Strandläusers, Glureolu /k/e^r.wel- cher auch kleiner Brachvogel genannt wird; ohne Zweifel von den Matte»: oder Wiesen, auf welchen er sich aufhält. Die letzte Hälfte seines NahmenS druckt vielleicht sein Geschrei) ans, von kirren, daher er voll andern auch Schrick', im Lat. Grex, Gor- linus, Llorius, Franz. Gorlieu, Gorüs, im Arab. Cor)»',, genannt wird. Eine andere gescheckte Art wird Morrhühnleur genannt, gleichsam Mattenhühnlein.. Das Mattland, des — cs, plur. die— lander, im Oberdeutz- scheu, Wiesenland, S. Z. Marte 2. r. Matz, Gcnir. Matzes, die im gemeinen Leben übliche Verkürzung so wohl des' Nahmen-Matthäus,, als auch des Rahmens Matthias, (S. diese Wörter.) Zn einigen Gegenden wird auch der weibliche Nähme Magdalena in Matz verstümmelt; wenigstens kommt letzteres in einer Österreichischen Urkunde von bey dem Hueber in dieser Bedeutung vor. Matz, Mätzchen, ist auch ein Nähme, wobey man zahme Vögel zu rufen pflegt. 2 . DerMatz, des— es,-plur. die Mätze, in den niedrigen Sprechtakten, ein einfältiger, blödst»,Niger, weibischer, dnnimer Mensch, in verächtlichem Verstände, und von beydcn Geschlechtern. ES stammet von matt ab, so fernes ehedem auch blödsinnig bedeutete, welche Bedeutung dasJtal. muUo noch hat, wo Matto auch einen Narren bedeutet. Im Franz, ist HsürsNe ein solcher dummer Mensch, im Engl. mack »tnsinnig, rurd im Gricch. ^^-77x104 eitel, leer. Im aeineiiren Leben pflegt inan dieses Wort in werterer Bedeutung mit vielen andern zu verbuchen; ein TÄchelmatz, ein täudelhafker Mensch, Rieders. Dryselmatz, Plaudcrmatz, ein plailderhafter Mensch, ^Matzfotz, swelchcS man wohl im Sch erze von der zuDrerdcn befiildlichen Bildsäule des Matthias Voctms abznleiten pflegt,) Matzrasche, ein weibischer,, verzagter Mensch, Matz Pumpe, ein einfältiger,, eingebildeter Men sch, u.s.f. An Spanien ist ü/lLtipus ein Todreirgräber. ES kann indessen seyn, daß auch der folgende Begriff der Masse, Materie, in diesem Worte der herrschende ist, indem mail einen solchen einfältigen, weibischen, zaghaften Menschen auf ähnlicheArt auch einen Dloff zu neunen pflegt. Z. Der Mai;, des — es , plur. die — e, kin nur im Bergbaue emiger Geqenden üol.chn's Wort, taube Erd--oder Stcinarkcrr, Adkl.W.R.z.Tü2.A«ff. M untüchtige Erze u.s.f. zu bezeichnen; ohne Zweifel auch vom matt, so fern eS ehedem auch leer, untüchtig, untauglich bedeu-- ttte.. Vermitthlich gehöret auch das eben daselbst übliche ZcnworL. matzhammcln hierher, welches so viel als blinde Hauer führen, bedeutet, d.i. solche Personen oder Sachen mit in die Ausgabe bringen,.welche nicht vorhanden sind, oder nicht angcschaffet worden , von man, keimm Werth habend. 4. DerMatz, des—es, plur. iuul. m den- gemeinen Sprech- arten Ober- und Niederdeutschlandes, geronnene und sauer gewordene Milch, so fern man sie nicht zu. Käst erhärten lasset, sondern sie so weich auf Vror zu streichen aufhebt; steifer Ma^. Streichkäse, an andern Orten Näfebuttcr. ES gehöret zm 4 . Matte, gekäsete Milch, und mit demselben zu Marcane, Massen, st f.. Mauchelnrorö, Mauchllex, S. in Men — Mauen, v erb. reg. neutw. uiit.dem HülfSwortc haben , welches .das Schreyen der Katzen nachahmet, und mit allcrleyinrensiven Eildnngcn in den gemeinen Mundarten auch maunzcn, mautzen- mautcrn, miautzcn u. st f. lautet, so wie man für mailen auch miauen sagt. Auch marrts trauervoll das Vätzchen Win; genannt, Zach. Im Lat. mukire, im Franz. miauler, im Irak. misZoInre^ smiaZolure^ im Dän. miauve, im Nieders.-mauen und janeln, Engl, to meL ev. S. Mietz. ' Die Mauer, plur. die — n, Dimrnilt-.'das Mäuercherr, Öberd.. Mä'uerlcin, eine von Steinen anfgeführtc Wand, sie bestehe niur ans Backsteinen oder auS Feldstelncn. Eine Mauer ziehen, führen , oder aufführen, L. r. machen. Erne Mauer um . enteia Mrt ziehen oder führen, ihn mit einer Mauer umgeben, ein- schließen. Einen Graben mit einer Mittler füttern. E? stehet, wie eine Mauer, fest, rurbeweglich^ Daher die Brand-- maucr, Hausmauer, Vormauer, Zeldma-uer, Gartenmauer,. Giebelmauer, Schiedmaner, Stadtmauer oder Kingmairev u. s. f. welche letztere in engerer Bedeutung oft u,»r die. Mauer schlechthin genannt wird.. Außerhalb der Mauer wohnen, der Stadtmauer. In Fene,-marier bedeutct.es den ganzen zur Abführung des' Rauches gemauerten Canal.. Anm. Bey dem Ortfried lVlur, be» dem Notker IVIurg, bey dem Stryker-ckours, im Niederst Müre, im Dän. Nuur, im Schweb. Island. WallistAlbaujschcli ruid Pohln.!> 1 ur, im Franz. )> 1 ur, und ?>!urujiie, im Lat. klurug, welches d-aS Stammwort, oder auch nur ein Seitenverwandter davon ist. Es scheinet ursprünglich den Begriff derHöhe, oder auch der-Fcstigkcit, Dichtheit zu haben , und vermittelst der Endsylbc —er, von einem veralteten ma> hoch, tief,, stark, ,1, st.f. abzustammen, wovon mit veränderten Endlauten auch Macht, mögen, michel, groß, mehr, Miechc, ein Haufen, Mast, Mastbaum, Marte, Ma- . ftcrie und andere mehr Herkommen. Harm Mundarten werfen das e vor dem r weg, die Maur , und setzen es im Plural vor dem u, die Mauren.- Ükaur, ein. Waurlrauier, S. au feinem Orte.. Das Mauerbrmö", des — es , plur. öle — bänber, der f?ej, nerne Rand oben an der Futtermauer einer Festung, §ranz> Gorclon. Dis Mauerht'eue, plur. d-ie— n, eine Art wilder Bienen, welche einsam und nicht in Gesellschaft lebt, und von welchen die Weib-- chen ihre Wohiinngsehr künstlich ansLehm und. Sand vermittelst eines Leimes, den ste selbst hervor bringen, gleichsam mauere Franz/Hkeills mseonne. Mauerbrecher, des—s, plur. ut nom. ssnA. rüder che.^ mahiigcn Kriegskunst vor Erstndung des Geschützes', ein bö/zestne»- A - - Werkzeug,, Mau i'S Werkzeug, welches aus einem starken vorn mit Eisen beschlagenen Baume bestand, die Mauern damit durcbzubrechen; Lat.^riL8, -er Srurmbock. Nach Erfindung des Geschützes pflegt man auch wohl große Kanonen, welche 5 0 Pfund und darüber schießen, Mauerbrecher und Mauerbrecherinnen zu nennen. Der Mauereppich, des — es, plur. Inus. in einigen Gegenden, ein Nähme des gemeinen Eppiches oder Epheues, welcher gern an alten Wänden und Mauern wohnet, und verderbt auch Mauerpfau genannt wird, S. Epheu. Lev Maueresel, des— -s, plur. ut aorv. 60Z. S. Assel. Der Mauerfalk , des—>en, plur. die — en, eine Art Falken, welche etwas kleiner ist als der Wannenwehcr, und eine rostige Farbe mit dunkelbraunen Flecken. und wechselsweise schwarze und grüne Streifen auf dem Schwänze hat. Er wohnet auf den Lhürmen und in alten Gemäuern, wo er den kleinen Vögeln und Mäusen nachstellet; kulco muroruur, ruäerum, Lur- rium Mauerfest, S. Nagelfest. L er Mäuerfräst, des — es, plur. ivus. derjenige fehlerhafte Zustand der Mauer« und der Steine in denselben, da sie verwittern, und nach und nach so mürbe wie Erde werden. Der Mauerhaken, des—s, plur. ut aom. liuZ.ein an verschiedenem Eisenwerke befindlicher Haken, so fern derselbe mit dem einem Ende in einer Mauer befestiget wird. Der Mauerhammer, des— s, plur. die—Hämmer, ein Hantier der Maurer, welchör an einem Eude glatt und vrrrcckt zum Schlagen, am andern aber breit und dünn zum Hauen ist. Die Mauerkelle, plur. die— n, eine eiserne Kelle oder kleine Handschaufel der Maurer, womit sic im Mauern den Kalkoder Mörtel auf die Steine trägem Das Mauerkraut, des — es, plur. inul. ein Nähme verschiedener Gewächse, welche gern auf oder an den Mauern wachsen. r) Des Attiches, Hambucus Lkuiusll,. 0^, r 8. verstummen müssen falsche Mäuler, Ps. 31,19. Ein Mrlchmaul, in der niedrigen Sprecharr, eine Person, welche gern Milch speist»» iffet. Ein Leckermaul, welche gern leckere Speisen iffet. Ein Lügenmssl, eine lügenhafte Perse-u. Ein Lästerinaul, eine lästernde Person u. s. s. Z) §8,ey dei» Tischlern wird die Dss-> n«ng am Hobel, wodurch das Eisen gebet, und der Span fahret. Las Maul genannt. Anm. J«Niederfüchsischerr, wo es so wohl ungewissen als weiblichen Geschlechtes ist, Muul^Muule, im Dän. Mule, im Schweb. i>/Iuis, im Island, bst ui. Es kann seyn, daß es, wie Wachter will, zunächst von mahlen, Niederst mulen, so fern es auch die Speisen zermalmen bedeutet / abstawmet. Allein es - scheinet überhaupt de« BegriffderDssnung zu haben, und zu dem Geschlechte der Wörrer Mau-, welches im Niederst einen Ärmel bedeutet, Mahl in der Bedeutung öftrer Vertiefung, Mulde, Master u. s. s zu gehören. wr(Äaffeyer) fangdn. Maulaffen, verft. roZ. neutr. mir dem Hülfsworte Haben, das Maul mil-ßig oder gedailkcnlos aufsperren, Maulaffen feil haben; in der niedrigen Svrechart. Nieder,, jaapsnuten. Die Mauldeecc, p'ur. die-n, die beerarrige saftige Frucht des Maltibeeröaumes, weicher aus dem Oriente nach Italien und von ?da nach dem übrigen Europa gekommen ist; ckl iru.-; l,. Der weiße Maulbeerbaum, welcher weiße Fruchte bringet, c.st m China einheimisch. Anm. Beybem Notker heißt der Baum ^urdoumK, in den MonfeeischenÄloffeniVInurpaum.abcr schon im l itenZahrhun- derte mir der aewöhnlichen Verwechselung des l und r iVlulbom. Die Frucht heißt im Nrederf. Munlberc, im Eiigl. Mu> l»srrv, im Holland. > 1 r)^rt)esis,im 2 chwed.Nu>!iner, imFlal.Alorn; alle aus dem Lat- rVloru», Griech. welcher Nähme mit dem Baume selbst ;u uns gekommen l,t. Die MaulveerfeiFe, xlur. die—n, S. Adanrsfeige. DerMaulchrrst, des —en, plur. die —en, in der harten Svrechart der Kirche, der nur seinen Worten, seinem mündlichen V.wgeoci, nach, nicht aber feinen Handlungen und Gesinnungen nach, ein Christ ist. < st Maulen, verb.rsZ.vLulr. mit dem Hnlssworte haben, r) In den nieoriqen Socecharten sagt man, eine Speise maule gut, wenn sie guc zu Maule geht, begierig gegessen wird. Gemeine Lost maulet ih,n nicht, will ihm nicht maulen. 2) Durch ein mürrisches Stillschweigen seinen Zern oder Widerwillen gegen jemanden blicken lasse-u gleichfalls nur in der niedrigenSprechart, wofür man au-chsagt, das Maul hängen. Ungezogene Linder, denen das abgeschlagen wird, was gesittete bekommen, und die jegr maulen und ihre glucklichernVruder lächerlich machen, Hermes. Minder niedrig ist das vertraulichere schmollen, welches vermittelst des Vorgesetzten Zischlautes daraus gebildet ist. Übrigens ist statt dieses Zeitwortes auch mucken, protzen, rrotzen, im Oberdeutschen mutzen, bey dem Plctocius mudern, in Baicrn zittcn und pfnotten, in Niedersachscn schulen und muffen üblich. Doch haben die Niedersachsen auch mulen, nebst dem Levworte mulsk; mulen aber ist bey ihnen ein schiefes Maul machen. Der;Mauleseft des—s, piur. ul narn. kuZ. Fämi». die Mauls eselinn. 1) Eigentlich, eine von einem Esel und einer Sture, oder von einem Hengste und einer Eselinn erzeugte Mittelgattung Zwischen einem Pferde und Esel, welche größer, muthiger und stärker als ein Esel ist, aber ihr Geschlecht nicht fortpflanzet. Er hat den Nahmen nicht vsn dem Maulkorbe, welchen man ibm seines tückischen Wesens wegen gemeiniglich anzulegeu pflegt, sondern ans dem Lat.PckuluZ, welchen Nahmen dieses Thier, dem Isidor zu Folge, daher hatte, weil man es m den Mühlen ^nm'Mahlen gebrauchte, daher auch die! zu gleichem Endzwecke angewandten Pferde kstuli genannt wurden. Ehedem war auch das kürzere das Maul, Mur. Mäuler, üblich, bey dem Notker Lird Stevkee Mul, welches in der Deutschen Bibel mebrmMs vorkommt, aber im Hochdeutschen veraltet ist, so wie das gleich- Mos. 36,2 4. Manlthier, welches gleichfalls in der Deutschen Bibel gefunden wird, kommt noch hin und wieder, obgleich auch selten, vor. Daher der Mauleseltrei- ber, der Nauleselstall n. s- f. 2) FM-cuch pflegt man auch diejenigen Wespen, weiche weder Männchen noch Weibchen sind, die härteste Arbeit verrichten müssen, und bey Ser» Bienen Drohnen heißen, Maulesel za neunen. Der MunMeunc), res — es, plur. die— e, Fämin. dieManl- sreundinu, in der harnen Sprechart, eine Person, welche zwar dem Maule, d. i. ihrer Versicherung-wch, -ucht aber in der Thac na,er Freund ist; m der anständiger« Sprecharr,ein Zun- genfreund. Maulfromm, u6j. et Lck v. gleichfalls nur in der harten und niedrigen Sprecharl, mit drin Maule, d. i. dem mündlichen Vorge» beit nach, froinni, ohire es rn der Thal za jeyn. Die bklaulfücke, plur. ruul. in der lüedrige-t Sprcchart, der nothoürftlge Unterhalt, gleichsam was man mitbeiilMaple davon bringet. Um du-Maulfultc dienen, um den bloßen Unterhalt, um die Kost. Das Maulyatter, des —s, P-Iur. ut nom.linZ. ein eisernes Werkzeug der Schmiede in Gestalt eines Gatters, den Pferden das Maul damu auszuspcrreii. Der Maulheld, des — en, plur. die — en, in der harten Sprcchart, der dem Maule, seinem Vergeben nach, ein Held ist; ein Großsprecher , Prahler, Znngcnheld. Die Maulhuce, plur. die—n, ebendaselbst, eine Person weiblichen Geschlechtes, welche m Worten unzüchtig, in der That aber züchtig ist ; io trrcstirno volu, et iu cubiLulu nolu. Mäulttz. uckj. et u-ck v. von Maul, der Mund, welches aber nur in - enZnsammensctzuttgett großmäulig, weitmäulig, cngmäulig, hartmäulig, weichmaulig rr. s. s. üblich ist, ein grosses, weites, ellgcs, hartes und weiches Maul habend, welche Wörter auch Hauptwörter auf — kcit leiden, die Hartmäuligsten u. s.f. DieMaulklemrne, S. Mundkiemme. Der Maulkorb, des—es, plur. die —korbe, ein geflochtener Korb, welchen man beißigen Thieren größerer Art, z. B. den Pferden, Mauleseln, Eseln u. s. f. nm das Maul zu legen pfleget, damit ste nicht beißen können; der Velpkorb. st Der Nüulina-yer, des—s, plur. uc nun», nufl. Fämin. die Maulmacherinn, in der niedrigen Sprechact, eine Person, welche der andern vergeblich.eHoffnnng «lacht, ihr gleichsam dasMaul aufsperret, ohne ihr etwas hinein zu geben. Das Mäulpferd, des — cs, plur. die —e, S. Maulesel. Die Maulschelle, plur. die — n, im gemeinen Leben, eine Schelle, d. i. ein Schlag mit der flachen Hand auf das Maul oder die Backen; eine Schelle, eine Husche, eine Ohrfeige, in Baicrn rine Schmiere , Flasche, ein Schwinderllng, in andern Gegenden eine Dusel, eine Dachtel, ernwaffling, ehedem eine Halö- schlage, em Handschlag, ein Ohrschlag. ein Maulsireich, eine Brahme, ein Backenstrerch, ein Bäckeling, bey den Bergleuten ein Windlicht. Schelle kommt hier von Schall.her, und druckt den mit einem solchen Schlage verbundenen Schallaus. S. auch Maultasche. Die Maulsperre, plur. raus. L-.'Mundklemme. Die Mäultäscye, plur. die— n. l) L.n gemelnenLeben, eine Maulschelle. Dän. Munddask. Tasche bedeutet hur, wie schon Stosch ailgemerket hat, einen Schräg, ohne indessen ans Tatsche verderbt zu seyn. Dassen ist im Niedersäch,. und t,o clnstti im Engl, so viel als-schlagen, und m engerer Bedeutung dreschen. (S. Dreschen Anm.) 2) Die letzte Erbinn der Grafschaft Tirol bekam wegen ihres großen, einer Tasche ähnlichen Mundes , von ihren Zeitgenossen den Zunahmen Maultasche. Das Maultpier, -es —cs, ^lur.dic—e, S. Mü,ue,el. . Dre Rau . Die Mallktrommek, plur. die—n, ein kleine» eisernes Werkzeug, welches man i? das Maul nimmt oder au die Zähne setzet, und an die daran befindliche stählerne elastische Zunge schlägt, um dadurch einen brummenden Klang hervor zu bringen; die Mund- Harfe, die Manlbrummel, das Brummeisen, bey dem Gohlius die Schnarre, Lat. Lrernbulium. Düs Mcrulwerk, des-es, plur. Mus. in der niedrigen Sprechart, dieGabe zu redvn. Ein gutes Maulwerk haben. In der anständiger« Sprechart das Mundwerk- Der M^ukwurf, des—es, plur. die—würfe, ein fünfzehiges vierfußiges Thier in der Größe einer Ratze, weiches über der Erde nicht laufen kann, sondern sich in der Erde aufhält, wo es sich mit sinnen znmGrabc» geschickten stachen und schaufellgenFüf- scn Gänge gräbt. Er lebt vouAcgenwiirmern und gibt selneGegen- wart nahe an der Oberfläche der Erde durch kleine aufgeworfene Erdhügel zu erkennen, welche Maulwurfshügel genannt werden« L,. Er hat kleine Augen nud ein olödes Gesicht, ist aber doch nrchr ganz blind, ob mau ihn gleich ziuveilcir zum SlNiibild der MöraslscheuBlindluitgebrauchc. Daher der Manlwnrfsfang, ^lur. die — fange, so wohl das Fangen dieses Th:eces, als auch ein künstliches dazu bereitetes Werkzeug, eine Maniwurfsfalle; der Maulwurfsfänger, der riu Geschäft daraus macht, sie um Lohn wegzufangeu u. s. f. A'nm. Der Nähme dieses Thieres hat mit Maul, O«, nichts als den zufälligeil Klang gemein. Er stannner von Mahl, M ul, ein Haufen, (S.-Mekler,) her , oder noch bester von dem noch il» Niederst üblichen Null, Molt, lockere- zerriebene Erde, und wallen, zerreiben, zermalmen, wühlen, weil er nicht nur die Erde durch wühlet,foudeen auch die von ihm ausgeworfenenHansen ausgehr lockerer Erde bestehen. Die lestcrn heißen un-Niederst Mu.thoop, Holland. MuMoon», Engl.Vlolöü.ll, das Thier selbst aber im Nieders.ükulworp, Mockworp, Mulworm, im Holland. iVlost ?>1ol vor^>,u>1ütrvorin, tin stnzl.i>loio,>io- Isvvur'jo, im Dätt.Mkildparpe, im Schwed. oiuiicvuck,>1 ckl- vaerps!, drorll, Ll.lUsorir, welches feiner letzten Hälfte nach mir dem Lat. droreoc, Griech. v , und dem Oberdeutsch. Nahmen S.parmaus überein konunr, im Franz. iVikilor.; so daß dieses Wort eigentlich einen Erdwerfer bedeutet, wie es denkt m eini- genNiedersächsischenGegenoeilarlch wirklichMöhler, derWühler, genannt wird. Übrigens heißt er im Oberdeutschen die Scyär- mans, Schor,naus, Schnrmans, die Schare, von scharren, im Österreich, die lVühlmaus, imNiederst Mmdworpe, Man- naworp, Zt.'ndeworp, Winworp, auch im Oberdeutschen ehedem Mond, Nonne,. im Angelsächsischen Vuut, im Norwcg. vend, und im Witllist 6vouckck, welche Wörter Juniits von dem alten Man, Mangel, herleitet, und glaubt, daß er diesen Nahmen wegen der ihm von Alters her zngeschricvenen Blindheit habe. Richtiger rechnet man sie zu W rnne, Wange, Vanst, Hunir, eine erhabene Fläche, ein Hügel, S, 2 Hund 2 ). Der lllkannzenstein, S. Murrenstein. Der MM.lv, des —en, piur. die—en, ans dem Lat. :VlLurus, für lVluurituuus, ein Nähme, mu welchem man in'Enropa die gesttreternAfrikancr von gguu iuiglich diinrelbrauner Farbe belegt, zum llnterscht.de von denSchwarzen odersllezcrn, den südlicher:!, wildecu und schwäczern Einlvohneeil, ob man gleich beyde imge- Meinen Leben unter dem Nahmen der Mohren mit einander verwechselt, S. dieses Wort. Die Mäurstche, . die — n, S. Morchel. M urg- , veed. rez. ucl. S. Manern. Der Maurer, des—s, pt «r. ut rioin. lin-tz. von dem Zeitwerte mauern, firr Mauerer, ein Handwericr, welcher die Klinst, Mauern und Mauerwerk zu machen, versieht und ausübt z imge- . Mau meinen Leben nicht so richtig Maurer, Niederst Marker, Mur m an n, . Die Märrs, plur. die Mäuse, noch Häuflaer aber im Diminirt. das Mauölein, ein Rahme, welchen zuweilen in der Anatomie die fleischigen gemeiniglich länglicheuTherlr der thieriscyen Körper bekommen, durch welche die Bewegung einzelner Theile des Körpers bewerkstelliget wird; Lat. iVliil'eulus. Indessen kommen sie doch um der Zweydeutigkeit mir dem folgenden Worte willen, am häufigsten unter dem mehr Lateinisch. Nab men Muskel vor, (siehe dasselbe.) In engerer Bedeutung ist bey den Pserdeär-ren die Maus ein solcherMnskel an jeder Seite der Nase, welcher sich bis au das Auge erstreckt und zur Bewegung depOberlippe dienet, daher er auch in der Anatomie kLIevulor l^bi k unleriorus heißt. Anm. Bey einigen Oberdeutschen Schriftstellern heißen diese Muskeln Mauen, Fleistymauen. Es ist ungewiß , ob der Be- griffder Bewegung in diesem Worte der erste undherrschende ist, indem sie nicht nur die Werkzeuge aller thierlschenBeweguug sind, sondern sich auch durch ihreBewegung von außen kenntlich machen, oder der Begriff der Erhabenheit, oder endlich der Begriff der Weichheit. Im ersten Falle würden Maus und das Oberdeutsche Mauc zu mähen, rnovsrs, im zweysten zu Mast, Masse, Natko, im dritten aber zu.Moos und Muß gehören, (S.-diese Wörter.) So viel ist wohl gewiß, daß es mit dem folgenden nichts als eine zufällige Ähnlichkeit im Klange gemein hat. Bey dem Nadan Maurus sind -Vluü^die Seiten des menschlichen Leibes, welche man sonst auch die Welchen nennet, wo es den Begriff dev Weichheit hat. « Die Maus, plur. die Mause, Diminut. das Mäuschen, Oberd. Mauslein, eilt kleines vierfußiges, vierzehiges Thier mit einem langen SünnenSchwanze,von welchem es verschiedepcArteir gibt, welche tbeils nach dem Orte ihres Aufenthaltes, theüs auch von andern Umständen benannt werden. Dahin gehören dke Feldmans, Waldmaus, wassermaus, Zaus naus , Halelmaus- Reirmans, Spitzmaus, Fledermaus u. st f. Eine größere Art Mäuse werden Ratzen genannt, welche sich über dieß noch durch rinen keinen Nagel auf den innerirZehen oder.Dau.men unterscheiden, welcher den Mausen fehlet. In engerer Bedeutung werden: die Hausmäuse, welche gemeiniglich von aschgrauer Farbe sind, nur Ma.tse schlechthin genannt. Die Maus hat mehr als Ein. Loch, oder, es mußte eine avmeMaus sepn, welche nicht mehr als Ein Doch hahensollte, d. i. klugeLeute wissen sich auf mehr als Erne Art zu helfen. Menn die Maus satt ist, schmeckt ihr das Rorn bitter, Überfluß macht Überdruß. Die blurde Maus, -eiil Spiel, welches au andern Orten blinde Ruh genannt wird, -Key den Griechen und Römern ^v-iucka, sS. Hnh.s Der Ratzen Scherz ist. der Mäuse Tos, mit Tyrannen ist -licht gut scherzen« Er stehet so finster ans, wie cm Topf voll Mäuse, sagt nurrr im gemeinen Leben, besonders Niedersachsells, von einem sauer sehenden Menschen, nach einer sehr dunkeln Figur. Vielleicht ge- Höret das Wort hierzu Muß, Gemüse, Niederst Misse, .vielleicht ist es aber auch ein Wortspiel, welches durch das Niederst., mnsen. Nachdenken, (S. Muße und Ralmauseru,) veranlasset .worden. Im Niederst sagt man von jemanden, welcher in tiefen Gedanken sitzet, er habe Mäufenester im Kopfe , wo dassWart» spiel noch deutlicher ist. Wegen einiger Ähnlichkeit wird ein gemeiniglich mir Haareu bewachscnesM 1 ucer 1 ruhl gleichfalls eiueMaus .genannt. " Anm. Der Nähme dieses Thieres ist sehr alt und ausgebreites. Bey dem Nokur heißt es kUule, im Niederst «rrd Don. Muus, imScpwed.unt Angitstscku imEnasth-lr-ui^,!n-.Is!äud..«Viuu8, im Russ. il, km Böhin.dsi v! ,, >m Poliiii.lVi p:/..Staren, kllüi', UNss.-ctst ivioulud, lm^at.ölus, IM Gliech. zrvD tLs s - ' Mau 124 2LA - Mau ist ungewiß, ob es seinen Rühmen von sei u e e »übenden Eigenschaft oder von seiner »«merklichen mir Stille verbttndenenGeschwmdig- keit hat. Im ersten Falle würde es zu mähen, schneiden, mahlen, molere, dem alten Maß, Speise, mczzan, essen, (stehe Mich,) mr zwepten aber zu Muße, dem alten Rieders, musen, Nachdenken, (G. Kalmäuser,) und mähen, movere, gehörin. Im Griech. ist sich schnell verstecken. Wenigstens ist rrst, Zusammeusetzungen mausestill und mau)etodt der Bcgrist der Stille sehr hervor stechend. S. auch 2 . Mausen. Die Mtrussöer, plur. die —n, bey den Pferden, die Ader arl der Nase, Veil ste die sogenannte Maus berühret, S. i. Maus« r. Der Mansche!, des—s, plur. ut nonr. ünZ. ein nur im gemeinen Leben und im verächtlichen Verstände übliches Wort, einen Juden zu bezeichnen. Es ist ohne Zweiftl Jüdisch - Deutschen Ursprunges. Doch bedeutet manschen in Baier» mause«, d. i. stehlen. / s« Oer: Mauschel, des —s, plur. ut nom. linZ.aufden Kupferhämmern , ein eisernes Werkzeug, einer queren Hand laug, woran sich ein Seil, wie an einem Kolm, befindet, die kleinen Kess sel damit zu richten. Die nähere Kennlniß dieses Werkzeuges muß es lehren, ob dessen Rahme aus Muschel verderbt worden, oder ob es zu Maß oder einem andern Stamme gehöret. Die Müuse , plur. die —n. 1) Der Zustand der Vögel und mancher Thiere, zu gewisteu ZeitM des Jahtes ihre Federn oder Schalen vertieren und neuL^berommen; ohne P'-rrül. ^n L'er Mause sepn oder liegen, sagt ruan in diesem Falle von de» Vögeln und Krebsen. Von den erster« wich es auch die Rauche oder Rauhe, von den Krebse» aber in emrgeu RiedersächstschenGe« .gendeu, mit der §ewöhnlichen Brrtauschung des s mit r, die Mute genannt, im mittl, Lat. Mukr, Franz. la Llue« 2) Die Zeit, wenn solches zn geschehen pflegt, welche Hey den Vögeln der Julius und August ist, au-Ä ohne Plural; die Mausezerk, die Raub-, Rauche, Rauh; eit, ^ Rausch; ei t. z) Em besonderes Vogelhaus, worein man die Kalken, wenn st,' stch mavsen, zu setzen pflegt, im Ä nwüvrnfpkLgrl ettorb, im Mittlern Lat» ^ G. Mauserr. Der Mät'sersr, des—en, plur. die — en, S. Mäuftfa!?. Die Mausebirn, plur. die— en, eine Ar: langer, gelber, saftiger aber sehr herber Birnen, daher sie nur zum Kochen taugen; wadeldirn, Rannenbirn Rltterbirn. Suseldirir, Stvewgsing. . Der MMtsebarm, des—es, piur.ikiuf. oder die Mänftdarme, ttnZ laus i) Gin Nähme, welchen im gemeinen Leben das Bogelkraut, ^lliae metti» s,, fiihret, wegeil seiner den Mäusedärmen ähnlichen kleinen Ranke». Von andern wird cs Mäusegedarm genannt. (S. Hühnerbiß.) Auch der Gauchheil, srveulis 1^. welcher bey andern Hnhnerdarm heißt, führet aus einer ähnlichen Ursache diesen Nahmen. Der Mä'nseö.orn, des—-es, plur. die—en, ein Standcngc- wächs. welches m den HainenJtalirns undFrankreichs einheimisch ist; Ruscus!-» Brusch, Bruffwur;, Brurken,, Rußken, Mprrhendorn, dornmyrthe, stechende Palme. Den Nahmen Mäusedorn hat cs vielleicht wegen seines eyförmigen a« der Spitze durchbohrtenHonigbehältniffeS, welches mit demKopfe eincrMaus einige Ähnlichkeit hat; oder vielmehr, weil die Zweige, wenn ste ' zu den Speisen gelegt werden, die Mäuse «nd Fledermäuse von denselben abhalte». Ein- i« Italien gleichfalls einheimische Art, Rulcue bl/po p bellum, ist unter dem Nahmen Fapfenblatt, Aufenblark, sowieeineasderrAeftRuscus iiypo^lolsum, unter dem Nahmen Zungenblatt und Zäpfleinkraut bekannt, welches letzt en e auch i» Dsterrcich anLetrossen wird. Dev MarrseörcE, des—es, plur. inus. der kleine, rnnde, schwarze mrd feste Koch der Mäuse z Rieders. Muftkotrl, Die Mauseerbse, plur. die—n, in einigen GeZeuden, ein Nähme der Erven; Orobusl-ä Mäusefahl, —er, —ste, nckj. et v. der fahlen Farbe der gewöhnlichen Hausmäuse gleich oder ähnlich; mäusefalb, maus- farbig, Angels. muslenlu. Der Nkausefalk, oder MäusefalV, des—en, plur. die—en, eine Art Falken in der Größe eines Fasanes , mit langcir Schenkeln unb k«'.zen starken gelben Füßen, welcher sich von Mäusen nähret, und nicht zur Jagd gebraucht wird;!llulco Luten R/e/n. Bußaar, Bußhard', Mauseaar, Mauser, Mäufthabichr, Mäusewächter. S. auch Näusegeyer. Die Marrsefalle, plur.die—n, eineFülle, dieHausmäuft damit wcgzufangcn. Die Mausefeder, plur. die—n, Federn, welche den Vögeln in der Mause, oder wenn sie sich mausen, ausfallen. Der Mausefräst, des—es, plur. iuust. die Beschädigung einer Sache durch das Fressen oder Benagen der Mäuse. Dem Näuse- fraß an den ledernen Zeuercimern begegnen. Gegenden, wo der Näusefxaß sehr stark gewesen, wo die Feldmäuse das ausge* särte Getreide weggefrcssen haben. Das Mäuseyebärm.- des— cs, plur. inus. S. Mäusedarm. Die MauseIerste, plur. inus. eine.Art wilder Gerste, welche als ein llnkrattt aufdLrren Äckern, an den Wegen und auf Rainen wachset, Mid Ähren ohne Korner bringet; ü orcleum murlnum I«. Mauseksrn, Taubkorn, Taubgerstc, Jungfernhaar. D>e erste Hälfte dieses Wortes scheinet hier aus Miß verderbt zu seyn, sowie in Mäusehafer und andern mehr; wenigstens bedeutet es m diesen Zusammensetzungen etwas untaugliches, unechtes. DeL Mäusegeyer, des-—s, plur. utnorn. kuZ. eine ArtGeyer, weither nur Mäuse und Frösche, wem: er es haben kann, aber auch junge Hase» und Bögrl fanget. Er ist vermurhlich mit dem »Heu gedachter». Mäusefalken einerlei) Vogel. G. auch Moos- >.geper. ' » . » Das MauseAtft, des—es, plur. doch nur vonmehrern Arten, die—e, ein Körper, welcher den Mäusen ein töhtliches Gift ist. Jngleichen Gift, sofern es zur Vertilgung der Mäuse gelegt wird. Im gemeinen Leben pflegt man daher auch den Arsenik, wegen dstfls Gebrauches, nur Mäusegift, MäusepuLver und Ratzenpulver zu nennen. Der Mäusehabicht. des—es, plur. die—e, S. Näusefalk. Der Mäusehafer, des—s, plur. iuul'. ein N Einiger Arten der Ruhrpstanzc. Vleines Näusekrcrut mit schwarzen Blumen ; (Illnp! ulirun uli^'nokum l»,. Sumpfriihrpstanze. Großes Mä'nsekpaut mit schwaxzen Blumen; 6uapttÄlium 1/lvsüeum D, V D >79 Mau 126 12F Mall DüS Mäirselach, des — cs, plur. die —lscher, ein Loch, so fern es derEingaug zudem Aufenthalte einer oder niehrererMäu». se ist. Sich vor Furcht in ein Mauseloch verkriechen wollen, von einem hohen Grade der Furcht. I. Mausen, verk. re». recipr. welches nur von den Vögeln, Krebsen, und in einigen Gegenden auch von den Seidenwnrmeru gebraucht wird. Die Vögel mausen fich, wenn sie im Jnlio oder August die Federn verlieren oder neue bekomme», (bey denJägcrn fich verfedern,) die Krebse, wenn ste eine neue Schale bekommen, und die Geidenwiirmer, wenn sie ihre Hant ablegen. Doch sagt man von den letzter» so wie von allen Thiercn, welche ihre Haut ablcgen, lieber sich hauten, wie von haarigen Thieren, wenn sie neue Haare bekommen,,sich haaren. Figürlich sagt man anch im gemeinen Leben, es habe sich jemand gut heraus gemausek, oder gemauftert, wenn er fich gut gekleidet, gut geputzt, sich eine bessere Kleidung angeschaffethat; wo cs doch vielmehr zudem alten ^ mustern, kleiden, und Musterung, die Tracht, zu gehören scheinet, S. dasselbe. Amm. In einigen legenden auch müssen, mausern, inaustern,, im Schwabens«. murlea, und mit der deuNiedersachftn gewöhnliche» Vertauschung des s Mit dem t, mitten, mutern, mutern, welche letzten besonders von de» Krebsen üblich find, im Holland, munden, im Franzos, mit Ausstoßung des t, wuer, wo cs auch von den Hirschen gebraucht wird, wenn sie ihr Geweih abwerfen, im Engl.io msvv, imJtal. mMare, im Lat. mutars, nahm- lich psaaas. Da alleThierezuderZcit, wenn sie sich mausen, stille und eingezogen sind, so könnte man es mit Muße zu dem alten Nieders.musen,stille nachdeUkeu,rechuen; (S.Kalmausern). Allein cs ist wahrscheinlicher, daß es mit dem Lat. mutare Eines Geschlechtes ist, und überhaupt wechseln , vertauschen bedeutet, (S. Mutschieren.) Wachter hat dieses schon bemerket, nur das zum Beweise von ihm angeführte Muthschem gehöret nicht hierher, (S. dieses Wort.) Ju den MonseeischenGloffcu sindNurZt- . rvttri, Kleider^um Abwechftlu. Mausen ist also eigentlich der allgemeine Ausdruck, welcher das fich haaren und häuten mit ein-- schließt, ob er gleich «urinengerm Verstände m den angeführten Fallen üblich ist. Krebse, welche fich gemauftt, d. i. eine neue Schale bekommen haben, heißen daher Mauser, in den Nieder- ^ deiitscheu.Gprecharten Muter, Muterkrebse, und verderbt Mutterkrebse. Übrigens ist von den Vögeln in diesem Verstände auch fich federn, Rieders, sich feddern, sich rauhen, im Niederst rügen, riicln, rillen, Schwed. ruZ^a, üblich, entweder, weil sie alsdann ein rauhes, polstcriges Ansehen haben, oder auch von dem Holland, ruiteo, vertauschen. In Liestand sagt man dafür, drc Vögel krippen fich. S. die Mause. s. Mausen, verb. re», welches in dopvclter Gestalt üblich ist. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hulssworte haben, Mäuse fangen. Die Rage mauset gut , schlecht. Die Eulen mausen des Nachts. Der Fuchs muß oft aus Noch mausen gehen, Mäuse fangen. Die Nage laßt das mausen nicht. Rieders, musen, Holland, müssen. 2. Als ein Aativum. 1) Beschleichen; m welcher Bedeutung es nur noch bep den Jägern üblich ist, wenn sie ein Wild mit List beschleichen. 2) In engerer und gewöhnlicher Bedeutung, m der Srillr, mit listiger Geschwindigkeit wegstehlen. Die Katzen mausen oft das Fleisch aus den Töpfen. Das Geld ist mir gemauset worden. Sich auf das Mausen legen. Das Hauptwort die Maüsung ist nicht üblich. ^ Anm. In e-nigenOberdemschrn Gegenden »rauschen, im Niederst musen, im Dän. muse, bep den ältesten Franken molen, indem jchsn im Salischen Gesetze Nosclo die Beraubung ist. Bedeutung des ^rtehlens keine Figur von mausen, Mäuse fangen,' sondern vimSeilenvcrwaudter desselben, und eru Wort, welches die Stille, die heimliche Geschwindigkeit, welche man mit dcmMauftn alleMahl verbindesteigentlich ausdruckt,wie . aws der Bedeutung des Beschleichcns, aus dem verwandten Nie- dcrs musen, Nachdenken, (S. Kalmäuser,) ltnd aus dem Hauptworte Muße erhellet; welcher Begriff auch der Stammbegriff in dem Worte Maus seyn kann. Int Meklenb. ist für mause« auch surren üblich, welches mit dei» Lat. kurarl genau überein kommt. DüsMäusensst, des — cs, plur. die —er, ein Nest, welches sich die Mäuse machen. Von der Niederst Bedeutung dieftsWor- tes. S. 2. Maus. Das Mäuseohr, des—es, plur. die—en, Diminut. dar Mäusevhrchen, Oberd. Mäuseöhrlein, eigeutlich das Ohr oder Öhrchen einer Maus. Figürlich, r) ?ln den Pferden werde« die schönsten und regelmäßigste «Ohren Mauscohren oderMause- ohren genannt; zum Unterschiede von den fehlerhaften Hasenohren , Eselsohren oder Scholohren. 2) Eine Pflanze, deren längliche kleine rauche Blätter den Ohren einer Maus gleichen, N^olotis lä,. »st unter dem Nahmen des Maufeöhrchens oder Mä'lseöhrleins bekannt. Das vergiß mein nicht, N^olotis paluliris 1 ^. ist eine Art davon. Angels. Nus-rare, Engl; Nouleear. Eben diesen Nahmen führet, Z) auch die Haselwurz, oder wilde Narde, ^larum I,. Jngleichen, 4) das Nagelkraut, i^ieraciumftllol'ella ^.besonders aberdasWs- raciurn auricula.^. und endlich der Hohlunderschwamm, ?erira auricula 1 -. welcher auch das Iudasohx genannt wird. Der Mausepfesser, des —s, plur. inul. eine Art derRoßpoley, von einem ublenGcrnche und einem scharfen brcnnendenGeschma- cke, mit welcher man die Ratzen und Mäuse vergifte« kann; 8 ra- clr^s stlvatica l^. Bienensaug, Lausekraut, Sveichelkeaut, Stephans-Körner. Das Mcrusepulver, des—s, plur. ioust. S. Mäusegift. Der Mauser, des — s, plur. m nom. liaZ. von dem Zeit- worle Sch mausen, ein Krebs, welcher in der Mause ist, oder sich eben gemauset hat, im Niederst Muter, Muter, und verderbt Nutterkrebs. (S. 1. Mausen Anm.) Von dem Zcitworte mausen, behende stehlen, braucht man cs zuweilen von einem listige« verschlagenen Diebe. Mauser aber in Duckmäuser und Kalmäuser stammen von dem Zeitworte mausen, musen, Nachdenken, her, S. diese Wörter. Der Mäuseschwanz, des—es, plur. die—c, Diminut. das Mäuseschwanzchcn, Ohcrd. Mauftschwänzlein, eigentlich, der Schwanz einer Maus. Figürlich ist es der Nähme einerPflanze, welche aufden dürrellunbeschattetenHügelnEuropsns einheimisch ist; N/oturus I-. > Maussstill, aclv. im gemeinen Leben, so still wie eine Maus, wofür man auch sagt, mäuschenstill, mausstill, stockstill. Mausetodt, ach. et aclv. im gemeinen Leben, völlig todt, im höchsten Grade todt. Und stellt sich maufttodt, Haged. Man ^ehet leicht, daß an die Mäuse hier nicht zu gedenken ist. Daß aber die erste Hälfte dieses Wortes das Arad. Naur , der Tod, ftpn soll, wie Krnkclmann in der Vorrede zu seineru Koran behauptet, ist eben so unzlaubllch. Die Niedersachsen sagen dafür, muvs, mursdod, maufttodt, murs-entw-g, morsch entzwey; ^ das ist murs ab, völlig ab ; wo cs so viel als völlig, plötzlich, aufEiir Mahl,bedeutet. Weiur das Hoch- «ndOberdemsche nicht auS^ieser Art zu reden entlehnet ist, so stammet es vermuthlich von mausen, so fern cs den Begriffeiner großen Stille hat, ab. Der Mäusawächter, des — s, plur. ut nom. lia§. siehe Mäuftfalk. Mäusezcrhn, des—es, plur. die—Zahne, ein Nähme e jwey vordersten Schueidszähne in dem ober« Kiefer, wenn sie länger 1 12/ Mau. langer sind , als die übrigen. Sind sie breiten, so werden sie Sch anfelzähne genannt. Die Mausezeit, plur. inul. S. die Mause. Die Mäusezwiebcl, vlur. die—n, S. Meerzwiebel. Die Mausfarbi>?!ur. inul'. die gewöhnliche aschgraneFarbs der Hausmäuse. Daher mansfärbig, diese Farbe habeird, siehe Mausefahl. Mausiy, —er, —sie, a6j. et sä v. welches nur im gemeinen Leben üblich ist. Sich mausig machen, ungebührliche, trotzige Worte von sich hören lassen, sich ohne Scheu verantworten ^ sich zur Wehr setzen n. s. f. Frisch glaubt, es scv eine Figur der rauhen oder rauchen Gestalt der Vögel in der Mause, weil inan in einem ähnlichen Verstände auch sage, das Rauche heraus kehre«. Allein man stehet bald, daß wenn die Figur nicht zu hart und ungewöhnlich seyn soll, hier weder die Mäuse noch das Mausen in Anschlag komme» köniren. Es gehöret ohneZweisel zu demNiederst. mißlich, so fern cs unmuthig, zornig bedeutet, und zudem alten Oberdeutschen mischeln,,zanken, und Mißle., Zank, Uruvillen,. Zwietracht, S. Miß. ^Maußl-icl), —er,—sie, asts.srastv. auch nur im gemeinen Leben einiger Gegenden, zauberhaft. Manßiich seyn. Mauß-. !ich arbeiten. Ein manßlicher Mensch, der wenig und langsam vor sich bciligt. Auf solche Art arbeiten, wird alsdann manßeln oder mußeln genannt. Im Niederst ist musseln und mustern fiistern,. leise re'den, Lat. mulsilare; ingleichen schmutzig zuWer- ke gehen, mantschen. Es gehöret zu Maus, mausen und musen, so fern sieden Begriff der Stille, der Langsamkeit haben, stehe 2. Mausen, und Muße. Maussiille, S. Mäusestill. Die MeNttch, plur. die — en,, ein nur im Oberdeutschen, besonders in Österreich und Baicrri, übliches Wort, den Zoll vonWaa- reu zu bezeichneniugleicheir-den Ort oder das Haus, wo derselbe entrichtet wird. Die Manch geben,, entrichten. Die Mauchen erhöhen, die Zölle. Anm. Es ist ein altes Oberdeutsches Wort, welches schon bey dem Ulphilasvorkommt, woes Nota lautet, und gleichfalls den Zoll bedeutet. Im mittler« Lar. lautet esNuto,. bey dem Hör- uegl, nach der gewöhnlichen Verwechselung des s und t, M a rufst e, im Böhm, aber NWenn dieses Woxt, wie esDnFrrsne rrllärct, zunächst den Tisch derZolleirrnchmer bedeutete, so würde es z;rden> alten Worte Bl ius , Ni ule gehören, welches'bey dem Koro einen Tisch bedeurcr, ur:d im Angelst NastesimGoth.Nesa, in- Lat. aber mit eingeschaltetem Nasenlaute NenlalanLct. Allein es scheinet eigentlich eine jede Abgabe zu bezeichnen, wovon uoch verschiedene Spuren vor kommen, Mittlern Lat. ist Nuta,. Musta, Nututicum, eine Art der Lcheuwaarc, . welche bey Veränderung eines Gutes demLehensberreu entrichtet' wird, wo es aber wohl von rnutars abstammct, wenn cs nicht- vielmehr zu unst rm muihsn gehöret, (S. dasselbe.) Bey dem La- zius ist Necke Dank, Belohnung,, ben den Friesen Matt? der- T heil ausgedroschener Früchte, welcher den Dreschern anstatt des Drescherlrchuks gegeben wird, und im,Schweb. Nutader Lohn,, ein Geschenk, eine Gabe s sirdaß dieses Mort ein Geschlechrsver- wandtrr von Miethe i.tdessen alteii weitern Bedeutung seyn, und eigentlich eine jede Gabe oder Abgabe bedeuten, oder auch wohl Zit Maß gehören und eine zugemessene, bestimmte Abgabe bedeuten, kann. S. M.'etbe. Dils M-arttherz , des—es, plur. dochnur von mehrern Arten^, die—e, eii-Erz, welches nicht in Gängen, sonderm stückweise -oder n-ermn'.-'lse bricht. Vermnthlich von Miethe, ein Hansen, als ein Gesch echte- e. wmidtcr von Mas,. ein Geselle,, (S.. Matschaft,. Mit, Marte, iwder Bedeutung.,eurer. Masseli.s. ,f. I)« May irZ Schwed, ist Not der Ort, oder Punct, wo mehrere Dinge zusammen kommen, wo das t i« dem zusainmeu gesetzten Glicdmaß in den verwandten Zischlaut übergegangen ist, S. dasselbe in- gleichen Meutercy. Mcruthfrey, astj, et aäv. welches nur im Oberdeutschen für zollfrei) üblich ist. Der Mauthner, des—s , ^lur.M nom. 6n?. gleichfalls nur im Oberdeutschen, der^Zolleinnebmer, der Mamheinnehmex; dessen Gattin», die Mauthnerüm. Mcrutzen, vert>. reA. neukr. mit dem Hülfsworte haben, welches das Jiitenstvnm von matten ist, und von dem Geschreye der Katzen gebraucht wird ; Pohlii. miaore. S. Mauen. LelS Mautzenbraut, des—cs, p!ur. iuus. im gemeinen Leber, ciuigerGegendeii, ei» Rahme der Hundsmelde, Elieuosiociium v uivaria I^.vori Maritze, vul va; entweder wegen ihres stinkenden Geruches, oder auch wegen ihres Gebrauches in hysterischen Zufällen^. Der Mautzenssern oder Maunzenstern, des—es, plur^die- " ---c, im gemeinen Leben einiger Gegenden, der Nähme einer gewissen versteuerten zweyschaligen Muschel; Vulv a inarina. Von dem vvrigerr Worte, wegen der Ähnlichkeit in der Gestalt.. DerMaröor, des — es, plur» die—c, ein ans dem Franz. N sx: m i! l an ck'or verkürztesWortchie iuBaiern mit demBrust- bilde des Chnrfürsten Maximilian Joseph gcschlagencnGoldstücke zu bezeichnen, welche den Lonisd'or zu 5 Thaler gerechnet, 4 Ttil. 2 Gr. 8 Ps. gelten; nach dem Muster der Wörter Louisd'or, Larl d'or, Fridrich d'sr. Die Ma-ltme, plur. die—>r, eine allgemeine Negebdes Verhaltens, und in engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, des sittlichen Verhaltens ; ein Grundsatz. Aus dem Franz. Naxirne, Engl. Naxim,im mittler» Lat.Naxima, welche vonnuftrmWorte Maß oder Maße abzustümmen und cigcittlich eine Maßregel zu bedeuten scheinen. i. Der May, des— es> p'ur. die —e, Oberd. des —-n- die—en, ein Wort,welches ehedeni überhaupt einenBüschel und besonders einen grünen Büschel, einen Straus bedeutet zir haben scheitlet, aber nur uoch in einigen Fällen üblich ist. r« Di« huscheligen Triebe oder Jahrwüchsc, ingleichen die bräunlichen, läuglicheii, spitzigen KnoSpen an denWipfeln undAste.u des Nadelholzes, besonders aber der Kiefern, aus welchen dieser Jahrwuchs heraus kommt, werden in der Landwirthschaft der May genannt. In weiterer Bedeutung ist es rnderLandtvirchschaft crnjedcrJahr- wnchsdes Holzes,.es sey Nadelholz oder Lanbholz, in die Länge, welcher auch der Limpf, ingleichen der Trieb genannt wird. 2. Ein grüner Zweig von einem Baume, oder mehrere in einen Büschel gebündelte grüne Zweige, i) überhaupt. Und sollt am ersten Tage Fruchte nehmen von schönen Bäumen, Pal- menzweige, nnh Meyen von dichten Baumen und Bachwci- den, Z Most 2z, 4vam ersten Tage sollt ihr Litronen, palmenzwcige, Zwerge von andern stark belaubten Baumen und von Vachweidcn nehmenMichael. Schmücket das Fest mit Mayen bis an die Hörner des Altars, Ps. > P8, 27, Und trugen Meycn und grüne Zweige und Palme», 2 Macc. 7, r 0. Etliche hieben Mäyen von den Baumen und streueten sieaufdenMeg, Marc.. 11,.8.. Wo überall grüne Zweige und Büschel von grünen Zweigen überhaupt verstanden werden. Jit dieser allgemeinen Bedeutung ist es im Hochdeutschen veraltet. Wir gebrauchenes nur noch, 2) m engererBedeutung, von selchen Zweigen frisch ausgeschlagener Birkenbänme, so fern selbige im Frühlingc bey festlichen Gelegenheiten zur Ausschmückung der Häussr oder öffenküchrnOrter gebraucht werden, wo das Wort u» Mliyett 129 May einig«» Gegenden auch weiblichen Geschlechtes ist, die Maye, ^kur. die— s, vft aber auch im männlichen Gcschlechte colleettve gebraucht wird. May stechen oder setzen. Das Zaus mir May schmücken. Jemanden einen May oder eine Maye fetzen. Die Fremden besser zu erfreuen. Umsteckt der milde Wirth den Tisch mit dichten Mcyen, Haged. Im Niedcrs. Mai, Metz, in der Schweiz ein Neyeeen, im »niltlernLat. Malus, Franz. Mn/, iinJtal. Mnio, MaL^io-. Daher.der Birkeubauijr, von »velchern solche Zweige genom-Mn werden, iin gcineine!» Leben vieler Gegenden nur der May oder die Maye genannt »vird, S. Maybaum. Ann». Die ineistcn Sprachforscher leiten dieses Wort in dcr'letz- ten Ledeuluug von derrr Mouatste May her, »veil der Birkenbaum gemeiniglich in diesem Monathe auszuschlagen pflegt, dahc.r auch die Maye am häufigsten in demselben gefetzet werden. Allciilste haben das Wort »dicht in feinem ganze» Umfange gekannt. May, Mayenstrauß, Maylein, komrnen bcy den Oserdeulschen Schriftstellern von einern ».den Blumensträuße zu allen Jahreszeiten vor. Me/K.eii ist imHolftind. gleichfalls einBlumenstrauß, und in den Franz. Niederlanden ist Maie, und im Mittlern Lat. M ena, ein Haufen Garben auf dem Felde, eine Mandel. Es scheinet also dieses Wort einen Haufen, ein Büschel, eine Verbindung mehrerer Dinge zu bezeichnen, und mit Mische, ein Haufen, Malter, Mahl in der Bedeutung eines Haufens, u. a. m. zu der« Worte mache»», verbinden, zu gehören, S. Gemahl. 2 . Der May/ 'des — es, piur. die — e, im Oberd. des — en, zrlur. die — en, der fünfte Monath im Jahre, welcher Z » Tage hat. Weil sich der Frühling in demselben mit allen feinen Reißen zu entwickcln, und die ganze Natur sich zu verjüngen pflegt, so ist er von je her für den angenehmsten Wonach im ganzen Jahre gestalten worden. Carl der Große gab ihm den Nahmen desVuuon- nemavoti», Wo>»ssemcmaches,imd in den späten» Zeiten pflegte man ihn wegen der Rosenblüche arich denRosenMonarh zu neunen, welcher Rahme noch a»»» h-äusigsteifbcy den Dichtern vorkommt. leU krorve »nik rnsrriAer bluomev ruot I):e uns cier Mais bringen rvü, König Co»»rad der junge. Ihr Rinder des Mayen, lobstntzct dein May, Rgml. Figürlich ist der May des Glückes der angenehme, erwünschte Glücksstand. Nach einer andern Figur wird auch die Mayblume in einiHeuGegenden nur May schlechthin genannt, S.Mayblume. Ann». I»»» Nieders. Mai, Metz, im Schwed. Msj, »in Lat. Mnjus. Man glaubt gemeiniglich, daß die Deutschen den Nahmen dieses Mensches init den übrigen von den Römern angenommen haben. Allein da er schon in dem Salischcn GefetzeMeo heißt, so scheinet er älter, und ein bloßer Scitenvcrwaudkcr des Römers zu seyn. Die Lateinischen Sprachforscher haben allerley Abstammungen für dieses Wort erkünstelt. Ich will sie hier nicht anführen, sondern nur bemerken, daß derBegriffder jugendlichertSchon- heit der Natur, welche allen Völker»» in der iLördlicheu Halbkugel jederzeit so fühlbar gewesen, vermuthlich auch zu defsenBcncnnung Anlsß gegeben hat. Im Niederst ist »noj, in» Holläird. moo/, schön, angenehm, »m Schived. rnic» und im Island, »uior klein und angcuchm, (S.ANuder,) ui'.d in» alt Schweb. Mo eine Jungfrau, (S. Magd.) Irr Nieder - Bretagne bedeutet mwe grün, blühend, nud Maes ein Feld, eine Wiese, eine Matte, im Lotharing. il) Mai und Mä, irn altFranz. M als, Mes, ein Garten. Dw Oberdeutsche Abänderung dickes Wortes, des Mayr»» u. st f. welche zuweilen auch bey nnsern Dichtern vorkornmt, hat m-ch in die folgenden, Zusammensetzungen ihren Einfluß, in« du.» eie »»reisten derselben ben vielen Mayen— für May -— lauter». Ad-l.w-B. Z.TH. UuA. ' . Müy 120 - ,.. .f' ' ^ ^ DeL Msyapfef, des -^-s, ylur. die —äpfel, Hey einigen neuern . Schriftstellern des Pflanzenreiches, die Frucht desZußblattes, koMj)I»vUurn 1-. einer AmerikanischenPflanze, welchen»» Mo- nach May reif »vird, und wegen ihrer ovalen Gestalt einem kleinen Apfel gleicht. Der Maydaum, des— es, pstur. die— bäume, im gemeinen Leben einiger Gegenden, ein Mchme des Birkenbaumes, besonders der gemeinsten Art, von welcher die Zweige in» Monath May zur Ausschmückung der Häuser und Kirchen gebraucht werden, und welche auch die Maybirke, ingleichcn der May oder die Maye schlechthin, in einigen Gegenden auch der Wonnebaum genunnt wird; alles zürn Unterschiede von der Zangclbr'rkc und ausländischen Zwertzbirke. Letula alba l^. JmJtal.wird sre gleichfalls Maio genannt. Die Mayblume, plur. die—n,Diminut. das Mayblümchen, Oberd. Mayblümlein, ein Nähme verschiedener Pflanzen, welche ihre Blumen bereits im Monath May bringen, i) Des brcn- nenden Hahnenfußes; kLuunculus ncris l-. Am häufigsteir aber, 2 ) einerPstas-ze, welche in den Wäldern des mitternächtigen ' Europa wohnet,und »veißeglockeilförrnigeBlumeu von einer»» angc- nehmerr Gerüche bringet; LonvLÜLriL »uLjalis 1-. 1,i1iurn convLlIiurn bey anderuKräuterkenuern. JnÖsterreichFallriarr. Die Maybutter, plur. cur. in der Hauswirchschaft, Butter, welche im Monath May gernacht »vird, und die schmackhaftest-' und beste ist; Grasbutter, Fruhlingebrttter. Die Maye, plur. die — 1 », S. i. May 2 . Mayer, S. Meier. Der Mäyfrscy,des—es, jckur. die — e, in einigen Gegenden, ein Nähme der Alose, Oupea HstosL 1^. so wic in ander»», des ^äselinges, L/priuus Dobula i-. S. diese Wörter. DerMayfrost, des — es, plur. die — froste, Froste, welche noch des Nachts im Monath May einfallen. Der Maygaflenzins / 5cs — es, plur. doch nur von mebrern Sum'.nc»», di?—>,e, eine in einigen Ämtern des HcrzogthumS Braunschiveig üölicheArt desRutfchcrzinfes, »velcher in ZMarien- tzroschen und 2 Pf. bestehet- und alle Jahre au dem Weihnachtsabend durch einen reitenden Borheu, bcy Strafe der Verdoppelung für jeden später»» Tag, in das Amt geliefert werden muß. Der Ursprung der Benennung ist dunkel. Frisch leitet sie von dem Jar, rnztzis ab, gleichsam Magissc,»zins, da cs der»»», »venu diese Ab- ^ lcitung er-wcislich wäre, mitRutfcherzins ciuerley bedeuten wurde. Der Maykäfer, des—s, plur. »»b vom. lirrZ. eine Art Käfer mir »rnbelvehrteu Kopfe undBrrrstschilde, vonrothbrauuerFarbe, welcher sich »m Monath May häufig sehen täflet, und das junge Laub der Hecke»» und Bäume abfrißt; ZcurabLeus Me!olLn»l»3^. May'wurm, Schmalzkäfer, Rauzkäfer, ^eckenkäfcr nud-ver, derbt tzercnkafer oder ^epeuwrrrm, in einigen Gegenden auch wcidcuhahn, in Zürch -Laubkäfcr, »'»r» Osnabrück. Eckelrerve, Eck'elwcwel, Eck'ernfcheerfel, wo die erste Hälfte aus Zecke eiit- standen zu seyn scheinet, die andere aber »N dem letzte»! Worte, mU dem Lat. 8csrLbaeus überein konmrt. Die Maykatze, plur. die —r», Diniinut. das Maykätzchen, eine Katze, welche im Monath May gsworfeü worden, und später»» Katzcwin der Güte vorgezogen »vird. DerMaycensstäriny, oder Mair'enshärinF, des — es, piur. die — e, in dem Häringshandel, besonders Niederfachsens, früh, k gefangene Häringe, welche zwar ein zartes Fleisch, aber weder Milch noch Rogen haben; zum Unterschiede von dem vollyn Zä- ringc welcher um Bartholomäi gefangen wird. Da der Höringsfang erst nm die Mitte deZ Huvii «»»»gehet, so scheinet das Worr h»er von Mädchen, Niedcrs. Mäkerr, abzirstarninen, und so vipk als Juntzfer'uhäriug zu.bedeuten. May DieMaErsche, x»1ur. die —n, eine Art Gartenkirschen von hellrother Farbe, welche bereits im Wonach May rcifwerden, und wovon eine große Art die doppelte Maykirsche genannt wird. In Österreich Frithkirschen, Zinderkirschen. ' Das Msvkrje kräuter, ein Nähme verschiedener Pflanzrir, welche ent. weder im May gegessen, oder doch in diesem Vlonathe zum meel- Llnischcn Gebrauche gesammelt werden, i)Des Schöllkrautes, besonders des großen, GlleUäonium mujug 1^. dessen Saft wi- tzer äußere Schäden gebraucht wird. 2 )Der Vraunwur;; Sero- plrrüuria 1^. s) Des Meierkrautes, welches im Frühlmge von dcnLandlcutenalS ein Gemüse wie Spinat gegessen wird, S. Meicrrraut. . .. ... - Der Mayttng, des—es, plur. die—e,eine im Österreichischen übliche Benennung der Äsche, Hi/mullus l-.(S.Älchc.)2n' gleichen des blauen MaykäftrS. Die Maxpstanze, piur. die —N, in der Landwirthlchafk Over. sachsenS^ dieNebenhalme des Nockens, welche auch der Unterjochen genannt werden; von May in der Bedeutung des jungen Triebes, S. i. May^ . Die Mavrose, xlur. die — N, eine Art früher t 96 rtcliro,en, welche dereits im May blühen, röthlich, klein und gefullet sind, aber einen schwachen Geruch haben. Sie werden auch kleine Provinz-Rosen genannt. ^ „ Die Ma^rüsie, j>Iur. die — n, eineArt der Drn.iicL welche auch Tellcrrübe genannt wird. Deu Mü)>s, inus. der ausländische Nähme einer Amsrcka- nischen Gctreideart, welche bey ims unter dem Rahmendes Tür- Tischen Zornes am bekanntesten ist; 2ea Der Mayschein, des — es , xlur. die — e. i) I» den Kalen, -derm, der Neumond im Monath May, (S. Schein.) 2 )Jn emi- ger> Gegenden führet auch der Steinbrech diesen Nahmen, S. die. s?s Wort. -- ? ' D ie Mayseuck?e, iriur. die— n, ein Nähme des Blutharnens des Rindviehes, weil es sich im May äußert, wenn das Bich in das frische Gras getrieben wird. Der Maysonnray, oder MazpensorMtatz, des—es, siiur. e, ein Nähme des Sonntages Lätare, an welchem ui einigen Gegenderr, z. B. Schlesiens, die Kinder und jungen Leute mit Mayen 7 d. i. jungen geschmückten TannEpftln, herum gehen, allerlei) Lieder singen, und dafür ein Trinkgeld bekommen. Ein solcher May oder junger Tannenwipftl wird daselbst auch der Gommrrbaum genannt. >L>. e. May "- ^ Der des — es, ^lur. inull Thau, welcher»im Darnach May fällt. >, . . , Der Mazwogel, des — s, plur. die — vögel. r) In ewigen Gegenden, ein Nähme der kleinen schwarzen Mewe, welche nicht größer, als eine .Turteltaube ist, nnd auch Brandvogel genannt wird; I>,Lru 8 miaor niZsr A/srdr. 2) Im Niederl ächchchen führet auch der Guckguck diescit Rahmen, weil er sich im May- monathe hören lasset. Eben daselbst, werden 3) auch dm Schmetterlinge Mayvogel genannt. Der Ma^rvurrn, des —es, plur. die — wiirmer. : Art Käfer mit fadenförmigen Fühlhörnern in Gesialt cine^ p a- rernosters, mit einer cyförmigen Brust, und einem umgebogenM höckerigen Köpft; d.lelos 1 ^. Sie sind eines Zolles lang und bald von grüner, bald von blauer, bald auch von schwarzer Farve, i^rden im May auf dörr Äschenbäum.en, Ahorneu und andern Gc- w"chftn gefunden, und haben einen Geruch fast wie Vielem D-.e r,, ch.re Spanische 5ii-ge ist eine Art davon. In weiterer Bedeu- .^ug werdenar,ch die Maykäftr in vielen Gegenden Mayw-wmer genannt, S. Mayk^ftv- Med iZs Dr- Mapkvudz, ^fur. inusi r)FknNahmrdes 5 rauenftraucher, Oro^nnelis rnerjor l.. 2) Der Schuppenwurz, S. dieses Wort. , . Die Mechanik,plur.inus.aus demGriech.undLat.jVleLnaniea, in der weitesten Bedeutung, die Wissenschaft der Bewegung; hie Bewegringskunft oderBewegungswissrnschaft. In engerm und gewöhnlicherm Verstände, die Wissenschaft von der wirklichen Be. wegung der festen Körper; zum Unterschiede v»n der Lydraulik u. s. f. Daher der Mschanicus, welcher diese Wissenschaft verstehet. In weiterer Bedeutung pstegt man auch wohl einen unzünf. Ligen Künstler, welcher allerlcy mathematische und physikalische Werkzeuge verfertiget, einen Mechanicum zu nennen. Mechanisch, —er, — te, ackj. et aäv. -. Zur Mechanik gehörig , in derselben gegründet. Mechanische Schriften, worin die Mechanik oder einzelne Lheile derselben abgebandelt werden. 2. In weiterer Bedeutung. 1) In der Figur, Größe und Be- scöaffenheit eines Körpers gegründet, und daraus erklärbar. In diesem Verstände sagt man, es geschehe etwas mechanisch, oder es gehe mechanisch zu. Die mechanischen Zünfte, welche daS Ledürftüß der Menschen zum Gegenstände haben; im Gegensätze der schonen Zünfte. 2) Was vermittelst anderer Werkzeuge als des Zirkels und Lineales geschiehct. Die mechanischeAuflosung einer Aufgabe, in der Mathematik; im Gegensätze des geometrisch. 3 ) Nach Art einer Maschine, welche nur vermittelst - von außen angebrachter fremden Kraft wirket, .maschinenmäßig, ohne eigene vernünftige Wahl und Bestimmung. Mechanisch handeln. Meckern, verb. rsZ. rreutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und die eigenthümliche zitternde Stimme der Ziege und des . Ziegenbockcs ausdruckt, von welcher es auch eigentlich nur allein gebraucht wird. Die Ziege meckert. Im Dam mackre,im Griech. ,z»,)L«o-A«r, m einigen Oberdeutschen Gegenden mächzen, im Mittlern Lat. nebrinnrs. Die Medaille, (sprich Medäljr,) plur. die—n, ans dem Franz. HVleämUL, eine Denkmünze, oder Gedächtnißmiiirze, eineMiürzc, so fern ste dazu bestimmt ist, eine merkwürdige Begebenheit auf die Nachwelt zu bringen. EineMedaille vyn ungewöhnlicher Größe heißt mit einem gleichfalls Französischen Worte, ein Medaillon. Im Mittlern Lat. ist kckeclnlln und iVIecknllln ein Haller, wie noch das heutige iVIuille, im Oberdeutschen ehedem ein Medel. S. 2. Mattennd plattier. Mediän, ein aus dem Lat. mecliämm entlehntes und nur i» einigen ZusüMNlensetzungcn übliches Wort, etwas zu bezeichnen, welche» theils in der Mitte zwischen andern Dingen, Shells aber auch von mittlerer Größe ist, d. i. zwar größer als gewöhnlich, doch nicht das größte seiner Art. Die Median - Ader, in der Anatomie, ein Ast der Leberader, welcher um die Mitte des Armes von derselben entspringet und zwischen der Haupt-und Lcberadcr lieget; Venn mettinliL. Das Median - Papier, welches in der Größe das Mittel zwischen dem gemeinenPapiere und demNegal-Papicre halt. Median - Vctav, Median - (Quart, Median - §olio, groß-octav n. s. f. aber noch nicht so grcß als Regal-octav n.sif. Die Medicin, xtur. innüausdcmLat. iVleckicinu, die Wissenschaft die Gesundheit des menschlichen Körpers wieder herzusiellen und zu erhalten ; die sieilwissenschafr, Arzeneywissenschaft, im -Holländischen dieGcnefekunft. Daher der Medieiner, des — s, plur. ut. nom. llnZ. welcher sich dieser Wissenschaft ans Univer- sitätcn besieißiget/zuwellen, obgleich seltener, auch eiu Arzt, der diese Wissenschaft ausübet. Medicinisch, i" drrsclbcn gegründet, zuihrgchöria. / Die Meölrcrtiön, plur. die — eni aus dem Lat. me 6 ii-uri. Z'm weitsten Verstände, rirrs jede Beschäftigung und Änsirengmig "s LZZ M e d Gemülhes, Wahrheiten zu erkennen. In engerer, die regekmäsiras Vorstellung und Vergleichung mehrerer Wahrheiten und Bemühung, ilwen Zwsinmeiiharrg einzusehen. Das Nachdenken, dik Betrachtung. Der Plural ist nur von den auf solche Art heraus gebrachte» Waluheuen oder gehabten Gedanken »blich. In.eben diesem Verstände wird im gemeinen Leben auch das Zeitwort me- ditiren gebraucht. Die Meöüse, pi.ur.inus. in derMythologicdcrAlten,der e!gcn- thümliche Nähme einer der drcy Gorgonen, welche der Minerva den Rang in der Schönheit streitig wachen wollte, daher diese aus Rache ihre paare in Schlangen verwandelte, nnd ihren Augen die Kraft gab, alle, die sie ansahe, in Stein zu verwandeln. Perseus überwand sie, hieb ihr den Kopf ab, und weihece ihn der Minerva, die lhn m ihren frirchtcrkichcnSchild setzte, welcher dafür auch noch Hey unfern Dichtern unter dem Nahmen der Meduse bekannt ist. Figürlich ist das Medusen-saupt r) bcy den neuern Schriftstel. lern des Pflanzenreiches eine Äthiopische Art des Euphorbiums, LupirorMumLLputjVleclulAeL. vermmhlichwegcn einiger ' Ähnlichkeit iü der Gestalt. Noch häufiger aber, 2) eine Art nackter Würmer mit Gliedmaßen, welche zu den Seesternen gehören und fünf lange Arme mit vielen Nebenzweigen haben, wchche ihnen einige Ähnlichkeit mit dem Schlangenhaupte der Meduse geben; Z^tterin» Lupul lVleciulae L. Sie werden häufig im Meere an» getroffen, aber auch nicht selten aufdem festen Lande vecsteint gefunden, da sie denn von einigen auch Sterngcwächse genannt werden. . Das Meer, des — es, piur. die—e, Diminut. das Meerchen, Oberd. Mecrlem. r) * Überhaupt, eine jede große Masse Wassers , eine Sammlung viele» Wassers. In dieser weitesten im Hochdeutschen ungewöhnlichen Bedeutung heißt in der Deutschen Bibel - Kön. 7, 23 f. 2 Köm 25, iz u. s. s. das große eherne Wafferfaß in dem Vorhofe des Tempels nach dem Vorgänge des brätschen Grundtexles, das eherne Meer. Im Mittlern Lat. kommt in einer Urkunde Herzogs Hugo von Bn gund bev dem Du Fresne Üvlure vüreum gleichfalls von einem gläsernen Gefäße vor. 2)In engerm Verstände, eine derrächrttcheSammlung Was: fi-rs auf demErdbodcn, besonders eine solche, aufwelcher dasWas- ser Wellen schlaget; in welchem Verstände verschiedene Landsern oder stehende Waffersammlungen, welche keinen sichtbaren Abfluß haben, oder rings um nm Land umgeben sind, ein Meer genannt werden. Dahin gehören nicht nur das lodrc Neer und das Gall- läische Meer im Jüdischen Lande, welche eigentlich beträchtliche Landscen sind, sonderieauch dasÄaspische Meer in dem nördlichen Asien. AmNicderrheine und inNieder-Deutschland ifldjcseBencn- Ming noch sehr üblich, wo mehrere beträchtlicheLavdseet.Meere gc- ^ nanut werden. Dahin gehören dasZarlemcrNecr m derProvinz Holland, das Lacher Neer im Trirrschen, das Srcinhuder Nrer im Eiickeburg'schen, welches über eine Meile lang und eine halbe Meile breit ist, und andere mehr. Außer diesen Fällen, in welchen cs als ein eigertthuml-cher Nähme angesehen wird', ist eS im Hochdeutschen in dieser Bedeutung nicht üblich. Z) Am häufigsten und gewöhnlichsten wird die große Sammlung Wassers- welche das feste Land des Erdbodens umg bk, und welches auch die See, das Weltmeer heißt, das Neer schlechthin genannt. Das Wasser, die Fische im Neer. Lin Sni m auf dem Meere» Jenscilö des Meeres Auf dem Meere fahren. Im Meere fischen. Ein am Meere gelegenes Land. In vielen Fällen ist es gleichgültig, ob u>an in di, sem Verstände See oder Neer gebraucht, in allen aber nicl t. So sagt man nicht 'm Me-.re fahren, Zn Meere handeln, eine Ä'ene zu Meer u. s. f. wo nur allem See »blich ist. Überhaupt ist im Nirdcrdeuischein und der aan» z?» daher rührende,t SeejpraHe m diesern Verstandst das Wort ? Mee iZ4 ^ See Zblrcher, ft- wie Meer den Oberdeutschen am gelLufigsiemzm ftyn scheinet. Einzelne Theilc dieses großen Weltmeeres führe» im Hochdeulschen häufiger den Nahmen des Meeres als der See, ja einige leiden das letzte Mort gar nicht. Das rothe Meer , das schwarze Meer, das weiße Meer, das mittelländische Meer, das Griechische Neer, das Eismeer, das atlantische Meer, das stille Meer, das Japanische Meer n. s. s. Dage- gen in Nordsee, Dstscs, Südersee, Gudsee, und andern das Wort Sec üblicher ist. Figürlich pflegt, man, besonders in dctz höher» Schreibart, auch wohl eine jede große Menge ein Meer zu nennen. Wie brausend Ein Meer von Feinden ihn umfing, Rains, Anni. Dieses alte und sehr weifausgebreirele Wort lautet keh dem Notker küer iZster e, bey dem Ulphilas iVlurei, im Schwed» und Island. ^Isr, im Angels. iVIrzre, im Breragnjschen iVIor, im Lat. iXlare, im Böhm. uu- Russ. .More, bey den Kraiue- rischen WrndenlVIurje, im Lettischeo^ärrios, im Esthnischen Astsrri, imPohln. iVlorrs. Esschcinet den Begriff der Menge, und den damit verbundenen Begriff der Bewegung zu haben, und zudem Geschlechtsunscrs mehr, plus, mähren, ruhten, sich bewegen, des Griech. fließe», u. a. m. zu gehören. Die figürliche Bedeutung der Menge, in welcher Sec nicht üblich ist, bestätiget diese Ableitung. Unser Moor und Morast sind nur ans eine entferntere Art damit verwandt, indem selbige zunächst zu der Familie des Wortes mürbe, Rieders, mör, gehören. In der Zusammensetzung bedeutet es Heils etwas, was drm Meere eigen ist, von demselben gesagt wird, Heils Dinge, welche in und an dem Meere angetroffen werden, theils aber auch Körper, welche ' über Meer, oder vermittelst der Schifffahrt zu uns kommen, wie in Meerschwein, Meerkatze u. s. f. Viele derselben sind auch mir dem Worte See üblich, viele aber such nicht, so wie andere nur das See allein leiden. Der tNeerauL des — es, xlur. die— e, eine große Art Aale? welche sich im Meere aufhalteit; Geeal, LorrAsr L. Im Dän» Havaal, von äav, das Meer. Der Meevüöler, des — L, piur.utoom. llnZ. r) Eine Art Adler, welche sich am Meere auHLit, und mit einem Schüsse so wohl auf Vögel, als auf Fasche fällt ; -^ejutlm ifluleo binlinetuL L. Seeadler, Fischadler, Fischaar, Beins - brechet. (S, das letzte Wort.) 2) Eine Art Rochen, welche am Schwänze cinemlange» gezähtttenStachel hal,k^ju L^uilmL.ist bey einigen gleichfalls unter semNuhmcndesNkcradlerö bekanirch Der Meeralant, des—es, plur. die—e, eine Arl Meersische mit Banchsinnen hinter den Brusifiltnen, welche häutige Lippen, keine Zähne, wohl aber einen kleinrnZahu in den Kinnladen über den Verrnfupgcu des Mundes hat; L N.eräsche. Dik Italiener bereiten ihr Lotue^o aus deffeltRogen. Die L77eorälfler, plur. die — n, eine Art ausiandischer Vögel mit cincm rvlhen Schnabel wie der Storcheinem oberwäns schwarz- n, ur-ren aber -chmutzig we-ßcrr Kopf, Hals und Rumpf, und langen rochen Füßen ; dstmotULtopus OürLlaAUS L. weil er zur Fluthzen des Meeres Austern fängt, daher er auch von einige» Anstermann, Auster Vogel, Auster fisch er und Austerdieb ge- nailut wird. Der N7ecrampfer, des — e, plur. iuuü eine Artdes Ampfers, we.chc an den Europäischen Meerufenl kinhcimisch ist;Üunaex kiiLriinnn 5 L. D je r^leort.rr'.sels piur..die -77-n, eine Art.Amsrl» oder Drosseln^ wr'che so groß aus ein Kran » crsvvget isi, eine schwarzgrauc mit weißen P»t!e'.e»^inae!pre::g,e.Fal bc, une vorderB^uji ncichäeM Hülse httwlff einen weißere Zlecheu m Gestalt kjues Ningl-hat, I L. -lZL Mee daher sie auch Schtldamseluitd Aingdrossel genannt wirb; Meer- drossel, Stockziemcr, Geeamsel; Hrüus 1 oryuvtus /t/s/er et Der Mserapfel, des — s, plur. die — apfel, S. Meerrgel. Die Meerasche, plur. die — n, S. Meeralant. Die Meerassel, plur. die — n, eine Art nackter Würmer mit Gliedmaßen, einem länglichen und mit vülen Fühl spitzen an den Seiten versehenen Körper, welche im Meere lebt; bereis l,. Eine Art derselben ist so klein, daßmcui sie nicht mit bloßen Augen sehen kann, und verursacht das Leuchten des Seewassers. Die Meerauster, plur. die — n, eine Art geringer Austern, welche auf dem hohen Meere gefischet werden. Die Meer-Bacille, plur. Inul. S. Meerfenchek. Der Meerball, des — es, plur. die—balle, eine gelblich braune länglich rund zusammen geballte Materie, welche auswendig rauch und haarig ist, inwendig aber Seesgnd und Muscheln hat; kila rnärmu. Man stndet sie häufig im lnittelläudischeu Meere, da sie denn über Venedig zu uns gebracht werden. Die Meerbarbe, plur. die —- n, S. Barbe. Die Meerbeete, plur. ivul. S. Meermangsld. Die Meerbohne, plur. die —n, S. Meererchel. Der Meerbors, des — cs, plur. die — e, eine Art Börse, welche sich im Meere aufhält, einen ungctheilten Schwanz, und aufdem Kopfe und vorn am Bauche blaue, rothe und schwarze Streifen hat; kercaviLrlvuI,. Gecoors. Der Meerbrassen, des —s, plur. ub vom. 6oZ. eine Art Brassen von dunkler Farbe , welche sich in dem Meere aufhält; Spurus kLZrus L,. Scebrassen. Der Meerbürzel, des—s, plur. ivul. S. Meer-Portulak. Der Meerbusen, des—s, plur.ut vorn. Nvß. em Theil des Meeres, welcher in das feste Land hinein tritt; im Jtal. ein Golfs. So sind das mittelländische Meer und die Ostsee eigentlich Meerbusen des großen Weltmeeres ; ob man gleich dergleichen große Meerbusen auch häufig Meere zu nennen, und den erster,, Nahmen lieber für kleinere aufzubehaltcn pflegt. Kleine Meerb usen werde« wiken, Buchten und Bayen, und, wenn sic flaches Wasser haben , und zum Aufenthalte der Schiffe vorzüglichssicher und bequem sind, 6afen genannt. Die Meerbütte, plur. die —n, eine Art Bütten mit glattem Körper,welche sich in deyrMeerc aufkätt;?leu roveclesRllvnl- bu8 l,. Weil ihr Fleisch dem Fleische der Fasanen anGeschmacke ähnlich ftyn soll, so ivird sie von einigen auch Meerfakan, Sec- fasan genannt. Bey andern führet auch die große Bütte, oder der große Buttfisch, kl6uronecte8 ttippogloüüsl-. Franz. Rurbue, den Nahmen der Meerbütte. Die Meeröüttel, plur. die—n, einc Art der Gteinmuschcl, in Gestalt einer Dattel,'welche andere die lange Spitzmuschel -der pholade.nennen; kliolu8 vact/lus I-. Franz, kitot. D^r Meeröräche, des —n, plur. die—n. r) Ein den Neuern unbekanntes Rcubthier im Meere; dessen Ezech. 32, 2 gedacht wird. 2) S. drachenfisch. Die Meerörosseü plur. die —n, S.Mceramsel. Die Mesreiche, plur. die—N, eine Art des Meergrases, mit einem Aachen zweytheiligen glatt geränderten Blatte, aus dessen Spitzen warzigr Bläschen entspringen; k'uc.ug vsllculotüs L,. Seeeiche. Es wshnt im atlantischen Meere, und wird in Schweden, wo man die Schweine damit füttert,, Schweinetang ^ genannt. Die Meererchel, plur.die—n einevielschaligeMuschel,welche xinio.e Ähnlichkeit m,t einer Eichel hat, Lalaoug ll,. und auch Meerbohne, Sereichel, Franz. Olunck cl« rVler, Holland. 2 es- genannt wird. M e e Das Meereinhorn, S. Seeessrhorn. Die Meerenge, plur. die—n, der von zwey benachbarten Ländern enge eingeschränkte Theil eines Meeres, ein en-er Durchgang aus einemTbeile des Meeres in den andern, welcher bey den Schiffern eine Straße genannt wird. Jrn Tarian 6Ü020, Gosse, Gasse. x Der Meerengel, des—s, plur. ut vom.üng. S. Lngslfisch. Die Meeresstille, plur. die —n, der Zustand des Meeres, da es in völliger Ermanglung des Windes fast ohne alle Bewegung ist; die Geestille, und noch häufiger die Windstille. Der Mseresstrom, des — es, plur. die—ströme, der Strom im Meere, diejenige Bewegung des Meeres, da dessen Wasser nach einer gewiss", Richtung gezogen wird; der Secstrom, Meerstrom. Die MeereswoFe, plur. die—n, vornehmlich in der dichterischen Schreibart, die Wogen, d.i. hohe« Wellen des Meeres. Mein äerZ geht empor, wie Mcereswogen im Sturm, Weiße. Das Meerep, des — es, plur. die — er, eineÄrtevförmiger Meernüsse, oder einer gewundenen Art Muscheln, welche sich im Meere aufhält, und in Brasilien in der Größe eines Hühnereies v gefunden wird. Der Meerfaden, des — s, plur. die — faden. 1) Eine Art des Meergrases mit einem fadenförmigen durchsichtigen Blatte; büicus V ilium l-. 2) -S. M/erröhre.. Der Meerfasan, des—es, plur. die — e, S. Meerbütte. Die Meerfeder, plur. die — n,eineknorpelartigeThicrpflanze ^-im Meere, welche die Geftalt'einer Feder hat, nicht an einem Orte fest sitzet, sondern eine willkührliche Bewegung hat. ^ie blätterigen Fäden zu beyden Seiten des Stammes, die den Fäden der Gänsefedern ähnlich sind, leuchten imFinstern und machenden Abgrund des Meeres Helle. kevULbulu l,. Geefeder. Die Meerferge, plur. die — n, eine ähnliche Art der knorpeligen Thicrpflanzen, welche einer Feige gleicht, eine Unterart der Meernester ist, und znnächsi an die Schwämme gränzet. Siehe Seefeige. - ü Der Meerfenchek, des — s, plur. inus. eine dem Fenchel ähnliche Pflanze, welche an den Ufern des Europäischen Weltmeeres wohnet, und deren Blätter in England als ein Salatgegeffen werden ; Lritümum lü,. Meer-Bac-lle, Bacillen. Das Meerferlel, des — s, plur. ut von,. üvZ. S. Meevr schwün. Der Meerfisch, des—es, plur. die—e, eine jede Art Fische, welche sich allem oder doch am häufigsten im.Meere aufhalten, und am gewöhn!,chsten Seefische genannt werden ; zunr Unterschiede von den Fluß- und Teichfischen. Die Meerfohre, plur. die — n, eine Art Fohren oder Kien- Harune-, welche in den wärmern Ländern an den Usern des Weltmeeres wachset; I?1NU8 marniovL Die Meerfran, plur. die — en, oder im Diminut. das Meer- fräulein, das tvcibliche Grschlecht einer vorgegebenen Art See-- gcschöpfe, welche am obcrn Leibe einem Menschen gleichen, unten aber einen Fischschwanz haben sollen; das Meerweib , die Sirene. Das männliche Geschlecht wird der Meermann. daS Geschöpf ohne Unterschied des Geschlechtes aber der Mcer- mensch genannt. Der Meerfrösch, des —- es, plur. die—frösche, i) Eine Art großer Frösche, welche über eirrx halbe Elle lang sind, und in den Amerikanische» Meeren angetroffcn werden ; Seefrosch. 2) Eine Art mit Lungen versehener Fische, welche nur En, Luftloch auf jeder Seite hinter den mit Brustfinnrn besetzten Armen haben; Näüü pescabrix!<. ' ch -'-- s" ' . Die - rZ7 Mee Die Mr^rgans, plur. die —gänsc, ein Nähme, welchen , die Rropfgans bey einigen Schriftsiellern führet, S. dieses Wort. Das Meergewächs, des—es, plur. die-e, ein jedes im Meere einheimisches Gewächs, das Geegswachs ; zum Unterschiede von den Erd - oder -Landgewächsen. Das MeersLLEchsn. des—s, xiur-.ut llorN.linZ. S. Meer- «inde. Der Meertzott, des--es, xlur. die—gö'Lter, Fäw.in. die Meergötrinn, in der Mythologie, eine Gottheit, welche das Meer regieret, und figürlich auch das Meer selbst. Das Meertzras, des—es, plur. doch nur von Mehrern Arten, die—gräser. ») Eine Art Astermoosos, welches dem Graft ähnlich ist, und.imMeere angetroffen wird ; k^ucu.3 L,. Seegras. Es gibt sehrZiele Arten deffelben, wohin auch die Meereiche, der Meerfaden u. a. m. gehören. 2) Eine Pflanze, welche gleich- , falls in demWeltmeeee wohnet und in den mitternäch"genLändern , Lang, Seetang germunt wird, Koltern I,, führet gleichfalls den Nahmen des Meer - oder Seegrases. Die Meeryroppe, plur. die — n, eine Art mit Kiemendeckeln versehener Meerfische, welche zum Theile einen Kamm auf dem Kopfe haben; Llermius lk,. ^ Meergrim, ackj. er n.6v. der scheinbaren grünlichen Farbe dcS Meerwaffers gleich oder ähnlich. Der Meeryrüaöe!, des — s, plur.ut nom. ünZ. oder der Meergriindling, des —es, plur. die—e. r) Eine Art den Geündeln ähnlicher Meerfische von schwarzer Farbe, welche ihren Roge» ans einen Stein am Ufer legt; 60 b ius blrZer b,. In Dänemark wird er Hurling, Schmorbutting genannt. 2) B-.y rhngcn werden auch die Anschoven, oder die aus Frankreich und Portugal zu uns gebrachten Sardellen, Lluxca, Tucrali-aolus 1^. Meergrunde! genannt. Der Moerbafen, des—s, plur. die—Hasen, ein Hase» anr Meere, welcher-«^lVYäusiacc ein Seehafen grnannr wird; zum Unterschiede von einci:'. Flußhafen. Der Meerhahn, des--cs, plur. die—Hähne, cincArt Amerikanischer Meei fische, wovon her zchente Strahl der ^ückenfinne, und dcrzweyte der Sleißsinne länger als der ganze Fisch sind; 6,!llu8 D. Der Meerhaso, des — N, plur. die — N. l). Ein Meepfisch, welcher mit dem Gtörgeschlechte nahe verwandr ifi, und einen mit knochigen Schuppen besetzten Korper hat; lmmpuslk,. In Norwegen wird cr Rognkexe, d. i. SlUnbeißer, und auf Helgoland Haffpodc genannt. Eingesalzen heißt er in Dänemark Runde- mäve. 2) Eine Art im Meere befindlicher nackie» Würmer " mit Gliedern, welche eine Art Spritzlinge, 1 «tst) s I-,, ifi. z) S. T'ntenfisch. . - Der Meerhebsr, des—s, plur. ul nom. lmZ. bey einigen ein. Nähme der Wasserhose, S. dieses Mort. Dar Maerhechp, des—es, plur. die—e, eine AÄKem Hechte ähnlicher Meerfische mit zwey Rückenfinnen; Ivlerlucius l-,. Seehecht. Die Merchenna, plur. die—u, eine Art Meerfische, welche m Frankreichpoule cle iVIer genannt wud. Die Meerhirse, plur. inus. ein Nähme, welchen bey einigen auch der officinelle Steinsamen führet, welcher auf den Rainen in Europa wild wachset; lUtholpermum olstcmale ld.Dagegen andere dcuAckerstclnsamerr, Diiliolpermum arveukü mit diesem Nahmen belrgcn. Das Meerhorn, des — cs, plur. die—-horr.er, .eine gewun- reue ei,,fächxrig, woran das erste Gewrude fthr dick- bauchig, und die Öffnung einförmig ist; LucLiuum l^. Meer- Mee , i.?8 trompete, Seerrompeke, pssaunenschncFe, in Niederdeutschland Rmihorn, alles wegen der Ähnlichkeit. Die Meerhose, plur. die—n, der Nähme einer Luftrrscheinung, S-. i.sose z). . Das Meeryuhn, des —es, plur. die —hicyner, eure .lrt Wasserhühner, welche über l zZoll lang find, und sich am Ufer des Meeres aufhaltea, IHuZa l.!mc)1ki De-r Meerhund, S. Seehund. Der Meerigel, des— s , plur. ui nom. lmZ. eine Art viel- schaliger runder Muscheln , deren Schale eine Harle Rinde ist, und zum Theil bewegliche Stacheln hat; Loliiuus Seeigel, Meerapfel, Igelschnecke, Geeapfel. Der Meerjunker , des—s, plur.ut nom. linzz. »ine Art Schlcyenj welche sich im Meere aufhält; linca lul rs l-. Das Mrerkalb, des es, plur. die—kälber, S. Seehund. Der Meerkamm, des — cs, plur. dre — kämme , eine Urt , Meerfische, deren Kopf und Floßfedern mit gegitterten blauen Strichen versehen find ; lHovacula I-. Die Meerkatze, plur. die—n, ein Nähme, welchen man alle« mit eincmKaSenschwanze versehenen Affen bcvzulegcn pflegt,deren es sehr viele Arten gibt, Lüd us Iv. Sie haben diesen Nahmen, weil sie aus wärmern Ländern über das Neer zu uns ge- bracht^werden. ^ . Die Meerkirsche, plur. die—n, die herbe, den Kirschen ähnliche Frucht des Meerkirschcnbaumes, welchenNahmcn der Lrd- beerbanm, ^ burus lInest 0 Q.in einigen Gegenden führet, vielleicht auch, weil er über das Meer zu uns gebracht worden. Der Meerkohl, des—es, plur.inus. t) Ein Schotengewachs, welches an 'den Usern des mitternächtigen Weltmeeres wachset, demKohl gleicht,und imAppillnnd May wie Spinat gegeffe,rwrrd; Grambe maritimnlk,. 2 ) Eine Art Winde, welche an dcnUsern des mittägigen Europa wachset, bey uns aber nur in den Garten zebauetmird, rothliche, an der Erde kriechende Stanze!, fast runde, dicke und milchsaftige Blätter an langen Stichen, und par- purröthe glockenförmige Blumen hat; Neerwinde, Meerglock- chcn oder Meerglocklcrn, Goldaüelle. Der Meerkrebs, S. Seckrcbs. ^ Der Meerkreuzdorm, S. äaffdorn. Die Meerkub, S. Seekuh. . ' ^ Die Meerleuchte, plur. die—n, eine Art Meerfische w.'lüoauch- fiullrn unter den Brustfinnen, und einem gepanzerten und mit rauhen Strichen versehenen Kopfe; Irigla lmcerim l^. Die Meerlezoer, plur. die—n, eine ähnliche Art Seefische, welche sich in denGewäsftrn »«mEngland aushält; 1^. Franz. KouZot. Die Morrlinsen, liuZ. inul. S. Äntengriin. ^ , Der M-erlöwe, S. Seelowc. - ^ » Das MeerlmiFenkrLUt, des—es,-plur. mut. eure chrt der Lungenkrautes, welches an dem Meerstrande des mtttcrnachtrgen Eiiropa wüchset; HulmocinriÄ-iNLritiiNU Der Meermastgold, des—es, plur. iaul. eine Art des Mangoldes, niit doppelten Bl-Een, welche an dern Meerstunde Englands und der Niederlande einheimisch ist ; Lela maritima k. Ukeetvch'a^ Le r Me-rmün,'7,' »-<—«,?>>>'. die-miinner, SMeerfi,«,. Di- Mee-maus, mause. -m-Ar<.°-ck,,rL»,.»-- mit GIi«d-m, >velche s,ch -».-N -S-'-mde» mi» eielcu Füß-u, vrcicheucn Körpt? m,d em Ma»> z >>» b-pp-l-eu MG-.«--»-,, 1-. ,e»--«L ,dm.b> b,u ist ml, tt-lttk» Schupp.» , »"der- ab-c m» Stachel b-d-ck-. Di- 1^0 iZ9 Mer Dre^Meermekbe, xlur. die--«, ein Staubeugewächs, welches eine Art Melde ist, an den Ufern des mitternächtigenEuropa wachset, und viele Ähren an einem sechseckigen Stängel har; ^tri^lex littovLUs oderftoi tulacoi^LS Meer- Portulak. Der Meepmenft^, des—en, plur. die—-en, S. Meerfratt. Das Meermoos, der—es,p 1 ui. doch nur von Mehrern Arten, die—e, ein Moos, oder vielmehr Astermoos, welches in dem Mcere wüchset, dessen es verschiedene Arten gibt. Die Meermüschel, xlur. die — n, Muscheln , welche sich im Meere aufhalten, Secmuscheln; Zum Unterschiedevo« dcit ZIuß^> mistcheln. Der Meernabel, deo-^-s, plur. die—nabcl. r) Eine Art Aftermole-r, welches eine lrderartige, flache , zirkelcunde, fest Ssoltre Pflanze ist, welchePch anfdcmBoden des WeklineercZ aufhält; Olua umbilicLÜs 1^. 2) Die versteinerte» nabelstcmigeu Deckel einer gewissen Arr Seeschnecken, welche im millelländi- schen Meere häufig sind, führen gleichfalls den Nahmen derMeer- oder Seenadel. Die Meernadel, p!ur.die-^n. t) Ein Meerfisch, Lfox Zel- lone 1^,. (S.^ornstsch.) 2) Eine Art versteinerterungewundener Schnecken, welche aus geraden silberfarbenen Röhren bestehen, , die wie ein abgebrochenes Stück von einer Stricknadel aussehen, und von einigen zu den lubulis rectis gerechnet werden, Siehe Seenadel. Der Meernebel, des—s, plur. ut vom. linF. ein dichter und finsterer Nebel, welcher sich oft auf dem Meere sehen lasser, und gewisse große Sandbänke fast beständig bedeckt. D§b Meernefl, des—cs, plur. die —er, eine Art knorpeliger Thicrpflanzen von kugelrunder Gestalt; ^Ic^onium l^. Die Meerfeige, Ts dtenhand u. s. f. sind Arten derselben. Die Meernuß, plur. die—niiffe, eine Art Schnecken mit gewundener länglich runder Schale, deren Dffnung oben weit und unten, enge ist; LuIlu D. Las Meerey ist eine Arkderftlben. Bepde halten sich nur in dem Weltmeere auf. Die Meerorgel, p!ur. die—n, S. Meerröhre. Der Meerpapayey, des—en, p!ur. die—en, eineArt Meer- fischc, mit vorwärts abgestumpften Kopfe; Oor^ptiLLUL tLeus l^. Geepapagey, Franz, kerroczuet. Der Meerpfaffe, des — n, p!ur. die—n, eine Art Meerfische mit Bauchfinncn vor orn Brustfinnen, und einem rauhen Kopfe; DrallQl'copus I,. Franz. 6rLckos,LrLäos,ii,der Normandie ?retre, in Bretagne krctrus. Der Meerpfau, des — es, p!ur. die—en, G. Hiftroche. Das Möerpferö, des — es, plur.die — e, S. Seepferd. *Die Meerpforte, xiur. die — n, eine veraltete Benennung eines Meer-oder Seehafens,. welche unter andern noch in dem Tust des ehemahligen Chursäch fischen Ministers Brähl vorkam. Der Meerpmsel, des — s, plur.inuf. eine Art im Meere befindlicher ungewundener einschaliger Schnecken, von der Dicke- einer Fedcrspule, welche vorn Fäserchen wie ein Pinsel hat, mit welchenfie fich an die Steine anhäuAt; keniciüus 1^. Der Meer-Portulak, des — es,plur. die—e, er» Nabmr der Meermelde, wegen einiger Ähnlichkeit der Blätter, (S. dieses Wort.) In den gemeinen Mundarten wird er in Menbürzel verderbt» Der Meerräuber, S. Seeräuber. Die Meerrauke, p In r. ivuf. eikcArtder Rauke, welche als eiw Sonlmergcwächs in unfern Garten gcbauct wird, aber in Italien vinhcimisch ist» Entweder, weil sie daselbst am Seestrandc wachset, oder auch, weil sie überMßkr nach dm nördlichen Deutjch- isnde gebracht ivsrden» Mce Die Meerrebe, pkur.muf. eine Art ber Waldrebe, welche an den llfcrn des Asiatischen Meeres wohncr;L 1 ern!ur. die—er, in einigen Gegenden, ein Nähme des Rohrdommel», (S. dieses Wort.) Hier ist Meer unstreitig so viel wie Moor, Morast, daher eben dieser Vogel an andern Drten Moosochse, und Moosreigcl genannt wird. Die Meerröhre, plur. die — n. r) Eine Art ungewundene? Meerschnecken in Gestalt einer langen engen Röhre, deren es verschiedene Arten gibt, welche auch versteinert angctvoffcn werden; lubuius l,. Mehrere zusammen versteinerte Meerröhreu in TinemStückeführen bey denSteinkeitnern denNahmcn der Meerorgel, Seeorgel. 2) Auch eine Art weicher horirartiger Tl^er- pflanzen, welche sich im Meere aufhalren, und aus einer lheilS ^ einfachen, theils in Zweige zertheilten bornartigen Röhre bestehen, aus deren obern offeneil Theile dasThier durch viele Faden > oder Armr herv»L^Et ^ i-L l-,, s»-^ Sinter dem NahNikll oev Meerröhren, inaleichen der Meerfädeu bekannt Der Meerfäbel, des —s, p!ur. ut uom. liuz. ein Meerfisch, welcher zu dem Geschlechte derDelphinen gehöret, 10 bis r 2 und in Amerika bis zo Schuh lang ist , und ausser den zwei) Seitenfin- nen eine z bis 4 Schub lange Rückenfinne in Gestalt emes SäbelS hat; Oetpkluus Llaclius murinus I,. Das Meerfakz, S. Seesalz. Der Meersamkraut, des—cs, plur.inus. eine Art des Sam» krautes, welches an dem Strande des Europäischen Meeres wohnet; ^otamvAetoll marillum Der Meersattflfch, des — e», plur. die —-e, eine ArtHaye» mit einem höckerigen Rücken, ohne Stcissfiuaeu ; L^ualus 62- leus 1^. Der Meerfchatten, des —s, plur.utnom. ünZ. eine Art der Seerappen, welche sehr mager ist, und um Rochelle häufig gefan- gen wird^WciaellL vmbra k,. Franz. iVlaißre. Der Meerschaum, des—e«, p!ur. mul', r) Einevor-egebene weiche, we^sse, brüchige Maste, welche ans dem Schaume des sal. ziaen Meecwasscrs bereitet wird , aber ein Unding ist, indem die Pfeffenlöpfe, welche daraus bestehen sollen, und in Semlin u. s. f» fehl häufig verfertigt werden, aus emcr Art weichen Specksteines bestehe«, welcher aus Natolien kommt, und dieselbe Farbe durch Sieden in Dhl erhält. Daherdas Bey, und Nebeuwort meerschaumen, ans Meerschaum verfertiget. Ein meerschaumener Pfeifenkopf. 2) Auch ein nackter Wurm mit Gliedern, welcher sich in dem Meere aufhält, einen erhabenen eyrunden Körper, und Füblspitzenvon verschiedener. Gestalt und Anzahl hat; bko- LorLurLn I<- LH2 141 Me e DerMeerschLtMev, des-s, plur. ul vom Kag. eineeüvas anständigere Benennun- eines Seeräubers, von der R. A. das Meer schäumen, d. i. auf Beute in der See herum segeln, G. Schäumen. Die Meerschilökröte, plur. die —n, eine Art grosser Schildkröten, welche sich nur in dem gesalzenen Meerwasser aufhalten; zum Unterschiede von den ees- vin, in Nicderderttschland aber auch Springer, Spring- wall heißt. Der Meersenf, des —es,-plur. iuus. ein Schotengewächs, welches an dem Meerstrande aller Theile der alten Welt gefunden wird r Lüning l>. Der MeerssioLptön, des—es, plur. die — e, einöemSkorpion ähnlicher Meerfisch miteinem grossen und «it Spitzen versehenen Kopfe; 8corpLSUÄ 1,. Der Meekspargel, des — s, plur. inus. eine Art des Spargels, welchem, den Küsten des Weltmeeres wild wachset; ^lps- rnAus mneirimu8 l,. Die Meerspinns, plur. die— n. i) Bey einigen ein Nähme der iLrabben oder Garnelen, (S. diese Wörter.) 2 ^ Bey andern des Blackfisches oder Tintenfisches, (S. dieses Wort,) deyde wegen einizec Ähnlichkeit der äußern Gestalt. Der Mesrste r»;, des—cs, plur. die—e , S. Seestern. Dis MesrstMe, S. Meeresstille. Dor Meerstrom, S. Meeresstrom. Dsr Moersiru-sl, des—-s,plur. utncrw. lrn^. ein Strudel ' ' Unterschiede von einem Strudel iu eincrn Füllst'; der Meerwirbel. 'Metz Der Me-NaNA, des—rs, plrrr.isul'. ei» Gewächs, welches i» dem Weltmeere wohnet, und auch Seetang, ingleichen nur Tang schlechthin gsnqnnt wird; 2oKsra 1,. Der Meerteufel, des—s, plur. uLllom.ün§.S. Flvßteufel. Der Meertrirr,des — es , plur. laus. S. Meerwegetritt. Die Meertrompete, plur. die— n, S. Meerhorn. Die Meertulpe, plur. die—n, ein Rahme der grossen versteinerten Merreicheln oder Balaniten. Da« Meerufer, des — s, plur. ut uors. ka§. das Ufer des Meeres, zum Unterschiede von einem Fluß-und Seeufer; der Neerstrand. Die Meerwag*, plur. die—N,S. sammerfisch. Das Meerwasser, des—s, plur. inus- das Wasser im Meere, dasSeewasscr; zum Unterschiede von demBrnnnestwasser,Flnß- wasser u. s. f. Bey dem Notker Ulereuuarrsre. Der Meerwegetritt, des—es, plur. Lnus. r) Eine Arides Wegctrittes, welche an den Ufern des morgcnländischen und mittägigen Weltmeeres wohnet; l?ol/§ouum maeUirnum 2 >DerR oßschwan;,Lplie6rL L,, welcher auf den felsigenHügeln amMeere des mittägigenEuropa einheimisch ist,führet bey einige» gleichfalls den Nahmen desMeerwegerrittes und Meertrittes. Da s Meerweib, de»—es, plur. die—er, S. Meerfrau und Sirene. Die Meerwinöe, plur. irrul. eine Art der Winde, welche an dem Meernfer in England mckFriesland angerroffen wird; <^ou- volvulu8 8ol6asellL 1,. S. Meerkohl. Der Meerwirbel, des— s, plur. ut uoiu. lin§. S. Meer- strudel. Der Meerwolf, des—cs, plur. die—-wölfe. >) Eine Art ausländischer Wölfe, welche sich so wohl auf dem Lande, als im Wasser anfhalten sollett;l>upu8 rnnrinuis et6^/A.Nach Belonii Beschrciöimg hat er einen grossen Kopf, mit Haaren bewachsene Augen, Nase und Zähne wie ein H und, aufrecht stehende Haare, ein buntes schwarz gefleckres Fell,und einen langen, dicken und zotigen Schwanz. 2 ) Auch eine Art Börse, welche inFrank- rcich Lar und b,u?aius genannt wird ; leerest 1-ubrax 1,. Das Meerwuaöer, des — s, plur. ut uom. liuZ. eine jede wunderbare Erscheinung imMeere; besonders ein wnndcrbarcs Geschöpf im Meere. So pflegt man die grossen seltenen Thiereim Meere, die vorgegebenen Sirenen, und andere seltene und sonderbare Dinge häufig Mecrwunder zu nennen. Die Meerwurzel, plur. inul. einNahme, welcherauch der blän- licheu Mannstreu gegeben wird,welche bey andcrnNecrstrands- Mannskreu heisst, weil sie an dem sandigen Mcerflrande einheimisch ist; ilr^li^ium marUimum 1, Der Meerzahn,des—es, plur.die—.zahne, eure Art zahn- förmiger Meerröhren, 1udulu8 Dsatuli3 L,. Andere nennen das verwandte Lutulium 1,, den Meerzahn. Der MserzeisLg, des-es, xlur. die —e, S. ää'nssing mir Gräßlein. Dis Meerzwiebel, plur. die —n, ein Zwiebelgewächs, dessen Zwiebel oft dir Größe eines Kinderkopfes erreicht, und eine sehr heft-gsund anhaltende Schärfe besitzet; 8ciUu murilimL b,. Bey andern 8c;u illa. Sie hat den Nahmen entweder, weil sie an den stückigen Meecnfern des mittägigenEuropa wohnet,oder auch, weil sic Liber Meer zu uns gebracht wird. Von einigen wird sie Mänsezwicbel genannt. Das Mehl, des—es. plur. iuul. zarter, zn einem unfühlbare» Pulver gemahlener Sranb, besonders her nahrhafte Staub dieser Art der Geteeidcarten, Hülsenfrüchte u. s. f. nach der vermittelst des Beutels davon geschiedenenKlcpe. UngeöcntelresMeyl wirb Schrot, »nd in einigen Oberdeutschen Gegenden SU-s, Aas, Ahß 14A Meh eh 144 Lhß genannt, RoSenmebl, Gerstcnmehl, Wvitzenmchl, Boh- m-nmchl, Erbsenmehl, Ledapfelmedl u. s.f. Der Weitzen mbt ein feines, gesundes Mehl. Mehl mahlen. Schwarzes Mehl oasienige Rockcmmchl, welches aus dem sechsten und lemerr Gangekorumtt Gegraben^ Mehl, eine Art dem Mehle in der äußern Gestalt ähnlichen Bolus, welche von dem gememeu Volke zuweilen inThenerungen,aber zu stmem großen schaden, gegejirn worden. In weiterer Bedeutung werden zuweilen auch andere zu einem unfühlbaren und dem Mehle ähnlichen Staube gerlebene over zermalmte Körper Mehl genannt. Dergleichen ist das Wurmmehl, oder das von den Holzwürmern zu einem zar»»u ' Gmube zermalmte Holz, das Bohrmehl, das von dem Bohrer klein gemalmete Holz oder Stein, das Pochmehl tu deirpurren- werken u. s. f. In einigen Gegenden werden auch dre Sagcspaue GMemehl genannt. . . - ^ , Anm Zm Niederst und Dän. Meel, bey einigen Oberdcut- jchen Schriftstellern Mahl, ben dem Ottfried blelo, ben dem Latiair lVleleuue, und rrpch in. einer Vchmäbiichen lli tnu e von 2479 Melde, im Angels. Nsuluvvessm Engl. IIe^ rm Schwed.I^liöl, im Wallis. lVIul, im Slavon.!VlIanie, rm^ohui. Mlelec-vIm Alban.Iliel, im Lat. I4ola, im Gricch Es ist ein sehr naher Geschlechtsoerwündter von Malm, lNnIm, Mall, und stammetunmittelbar von mahlen ab, wenn ^ ma-t vielmehr das Stammwoet von diesem ist ; denn aus den Zusammensetzungen Mehlbcere, Mehlbirn u. s. f. erhr-llet, daß dieses Wort eine gewisse Art der mürben, weichen Beschaffenheit überhaupt bedeutet, und -in dteftr Rückfichtem Gcschlechtsverwandter ' von molsch, mürbe u. s. f. ist. Wenn es iMTatian heißt, sch-tt. rcl: ,bsa Ileliir ston iuuLien kuoren,chen Staub, lo ,st hier allem Ansehen nach lVlulm zu lesen, welches durch das dem Wort Mehl ungewöhnliche männliche Geschlecht wahrscheinlich wird. „ < - Die Mehlbahn, xlur. die—en, bey den Müllern, dre innere Seite des Laufes mildem darin befindlichen Mehle. In manchen Gegenden ist dem Müller die Mehlbahn gelassen. 0 . i. was ssch an der innern Seite des Laufes vom Mehle anlegt. Die Mehlbanß, s§1ur. die—banke, ebendaselbst, eine Ban», wodurch das Mehlloch gehet. DerMehlbatzen, des—s, xlur. doch nur von mehrern .-rten, uv N 0 in. im Bergbaue einigerGegenden, der Nähme einer' mehlichten Kalksteines, welcher sich wie Kveide schneiden lasset, dergleichen sich in demFlötzgebjrge zwischen Ilmenau nndstKauen befi-idet. An andern Orten wird auch der ähnliche weiche und Mchlichte Speckstein Mehlbatz oder Mehlbatzen genannt. Siehe Batzen. . < DcrWhssbaum, des —es, plum die—bäume, der Nähme vcrschiedellerSlaudengewächse,welche mehlichteFrüchte oderVce. reu tragen, r) Einer Artdesäagedorücs, welche in der Schweiz mrddennördlichenGegenden Europens einheimisch ist, und rvtbe, süße,-^.nd unschmackhafte Beeren traget zLrnlse^us ^rin D«. Mchlbcerdaum, Meerkirschbaum, Atlassbaum, Gpe^erlingö- bai'M, lBeißläuben , Sperberbamn. Seine Beeren find nnter dem Nahmen der Mehlbeeren, rurd Mehlfaßchen bekannt. s) Des lveißdorncs, OrulaeZUS 1^. welcher auch sagedorn »nd Mehldorn heißt. Seine mehlichten Beeren sind gleichfalls unter dem Nahmen derMehlbeerenMehlsaßchen, unsrer lrcbcn Fparien Brrnlein bekannt. Z) Des Gchlingdau- mcs, Viburnuln b>3vtana 1^. welcher gleichfalls Mehlbeerbaum, und Faulbaum heißt, so wie seine Beeren Mehlbeeren, Schling oder Schirmherren,saubeeren, Ranlbccreii, Schicß- dceren,'patschernen,Scherpken genannt werden. 4) DerAmeri- Zanischc und Afrikanische Mehlbaum, L-AQlnllüenmLra und I.Lnl 3 NÄ ^kricLnu. b,, trägt eine nieh.lichteSternfruchss welche rinezweyfächerigc Nuß enthält. Die Mehlbeere, ftiur. die—n, eine Benemmng verschiedener mehlichten Arten von Beeren. 2 ) Der Beeren des Sperlings- baumes, chrin b/.(S.Mchl-ailm.i. 2 ) Des Weißdorns, OrÄlneAUsOx^'scLntbÄ, (S. Mehlbaum 2 .) Z) D^s Schlmubaumes, V'ibnrnum issuntÄiiÄ, (S. Mehlbaum 4) Der Preiselbeeren, VLULtnium Vilis lckaeu, (S. Preiselbeere. Z) Der wilden Johannis Beeren, Kibes alpirrum, welche »auch B ehtdrosseln genannt werden,(S.Iohannis-Beere.) 6) Dor Sandbeeren, /^rbutus ssva ssrü, welche Hey Solle Moorbceren heißen, lind vielleicht noch anderer Meyr. Alle Stauden, welche diese Beeren tragen, werden alsdann auchMehir beerstranche genannt. S. auch Mehlbaum. DerMohlbeutel, des —s, xlu.r. ut. nom. stnF.in dcnMüh- len, der Beutel, durch welchert das Mehl gkbe-sselt wird, und welcher gemeiniglich nur der Beutel schlechthin hcißss S. dieses Werk. Die Mehlbirn, plur. die—en, eine-Art mchlichter Birnen, welche das Mittel zwischen dem lchyruL Lrerlnegus und den Mispeln ist, und.auch ^.azerolen - Bien genannt wird ; I'^rus IrreLuInris Der Mehlbohrer, des—s, plur. ut nom. üng. im Bcrgbaue, eine Art des Boss, es, das von demMeißelbohrer gemachte Bohrmehl damit heratls ztl hehlen, um die Beschaffenheit des Gesteines zu erkennen. Der Mftblbrey, des — esplur. doch nur von mehrern Arten, die —e^ ein ans Mehl gekochter Mrcy ; ein Nehlmnß, Pappe, Niederst Pampe. ^ ^ DerMehldorn, des—es, xlur. die-—en. S.Mehlbarrm 2. Die YLehldroffel, pjur. die — n, ein Zlc-ss.r'.e der wilden Johannis-Beere, (S. MehlbcereLft von Drossel, entweder sofern solches ursprünglich einen erhabenen runden Körper bedeutet hat, oder auch, weil diese Beeren droffclwcise, d. i. büschelweise, wachsen, S. >. Drossel. Das Mohlfaßchen, des—s, ftlur. ut nom. ÜNF. 2 ) Im gemeinen Leben einiger Gegenden, ein Nähme der Beeren so ivool des SpeverliiigsbauMes als auch des Weißdornes, (S. Nest!- bäum,) vermnthlich wegen ihrer länglich runden, einem kleinen Fasse ähnlichen Gestalt. In den gemeinen Mundarten auch verderbt Mehlfeistchen. In einigen Gegenden heißen sie Wehl- Hosen, von Hose, rin längliches Gefäß, wo, denn auch der StrauchMchlhoscnstranch genannt wird. 2 ) Ein zur Aufbewahrung k^s MchlcS bestimmtes Fäßchen. Das Mehlfaß,, ein soss chesFaß. DcrM'ehlfleE, des— en, plur. die —e, in den Kuchen, ans dünne getriebenem Nudelteige gefchnittene Flecke oder irreguläre Stücke,wrlche mWasser gekocht und mit geschinelzterBiittcr ange, richtet werden. Sie sind eine Art der Jtaliänischen Macaroni. DieMehlhoste, xlur. die— n, S.Mehlfäßchen 2 . Mehlrcht, — er, — ste, uöj. et uckv. dem Mehle ähnlich. Em mehlichtes Pulver, welches sich so weich wieMehl ansühleu lasset. MehlichteFrüchte, welche ein mürbes, dem schwach angefcuchtc- ten Mehle ähnliches Fleisch haben, dergleichen dieMehlbcercn und Mchlbirnen find, (S. Mehl Anm.) Bey den Mghl--rn ist mehlicht ein Fehler, wenn hie Gegenstände mit zu Hellen und abgeschmackten Farben gem.ahlet werden, weiin dir Lichicr zu wciss uud die Schatten, grau find. In das M.hlichte verfallen.. , Mehlits, —er, —sie, erclj. et acke--. Mehl enrhastend. Mehlige Früchte oder Rorncr, lvelchc Mehl geben oder enthärte«. Jngleichm mit Mehl l-cstäubt. Sich mehlig machen. - »4L Metz Der Mehlkäfer, des—v,xlur. ut vom. kivZ. eine Art Käfer, welche den Erdkäfern gleichen, und sich gern m dem Mehle auf- halttn; levebrio 1 ^. sausschabe. Ihre Larve, welche vsn den Nachtigallen begierig gefressen wird, ist unter dem Rahmendes Mehlwurmes bekannt. Der Mehlkasten, des —s, xlur. ut vom. lmg. m der Haus- Haltung, ei» Kasten zur Verwahrung des Mehles. Der Mehlkleister, des — s, xlur. inul. ein aus Mehl bereiteter Kleister; Pappe. Der Mehlkloß, des —es, xlur. die-klöße, ein aus Mepl gekochter Kloß; zum Nnterfchiede von den Semmelklößcn,Fleischklößen , Leberkloßen u. s. f. Das Mehlkraut, des— es, xlur. inuss in einigen Gegenden, ein Nähme des Johanniswedels, welcher auch Geißbart genannt wird; 8xiraea Mmarlalv. Die Mehlmeise, xlur. die— n, in einigen Gegenden, ein Rahme der Aschmeise, wegen ihrer weißlich grauen Farbe, besonders wegen ihres weißen Kopfes, der so aussiehel, als wenn er mit Mehl bestäubet wäre. Die Mehlmilbe, p!ur, die —n, eine Art Milben, oder kleiner ungeflügelter Jnftcten mit acht Fußen und zwey gelenkigen Fühl- spitzen, welche sich im Mehle aufhallen, aber auch in die Schweiß- lb'cher der Menschen kriechen und alsdann die Krätze verursachen; ^earus sarioas L,. Milbe, im gemeinen Lehen Mehlmicche. Die Mehlmutter, xlur. iuus. in einigen Gegenden, ein Rahme des Mutterkornes, S. dieses Wort. Das Mehlmüß, des —es, xlur. doch nur von Mehrern Arten, die — e, S. Mehlbrey. Der Mehlpilz, des—es, xlur. die — e, S. Birkenpilz. DasMehlpulver, des—s, xlur. inul. in der Geschiitzkunsk, das zu einem Mehle zerriebene Schießpulver; zum Unterschiede von dem Rornpulver, oder gekörnten Schießpulver. Der MehlsaE, des—es, xlur. die —sacke, ein^zur Fortschaf- fung oder Ausschaltung des Mehles bestimmter Sack. Der Mehlsanb, des — es, xlur. ear. eine Art des Staubsandes, dessen Theile ein wenig gröber als des Flugsandes sind, und welcher wegen seines Gebrauches auch Formsand l genannt wird. .Die Mehlschabe, xlur. die—-n, eine Art Schaben, welche.sich in den Stuben, besonders aber in dem Mehle üushält, und erst in den nenern Zeiten durch die Handlung mit aus dem Oriente gebracht worden ; L-iatta oriental m l^. Stubenschabe. Das Mehlsreb, des — es, xlur. die — e, ein Sieb zur Reinigung des Mehles. Die Mehlspeise, xlur. die — n, eine jede aus Mehl bereitete Speise. Der Mehlstaub, des —es, xlur.inus. Staub von verstäubtem Mehle, in die Luft getriebenes Mehl als ein Staub betrachtet. Die Mehlstraube, xlur. —n, in den Küchen, ans Mehl gebackene Strauben, zum Unterschiede von andern Arten, siehe Straube. Die Mehlsuppe, xlur, die—n, eine ans Mehl gekochte Suppe. Der Mehltha U, des — es, xlur. doch nur von dessen Erscheinung zu mehrern Zeiten, die—e, in der Landwirthschaft, eine weißliche Materie, welche sich wie ein Mehl oder weißer Staub auf die Gewächse legt, dieselben perdicbt, nnd, wie man lange geglaubt, mit dem Than vom Himmel fallen soll; zum Unterschiede von dem klebcriaen Honigthaue. Die neuern Naturforscher schreiben den Mehlthau gewissen Znsecten, besonders aber den Blattläusen zu, andere aber leiten ihn, wenigstens gewisse Arten desselben, von einer Stockung in den -Säften der Gewächse her. Auch der weiße Staub, welchen die untersten vertrockneten Adrt.w.B.,s.TH.2.Anff. Metz 146 Blatter der Kurbissb bekommen, ist unter dem Nahmen des Mehk- thanes bekannt, ob er gleich unstreitigst nicht von einem Lhaur herrühret. An dem Getreide wird der Mehlrhau. wenn er aus einem dom Honigthaue ähnlichen gelbrothen kleberigen staube be- stehet, auch der Rost genannt, Franz. Rouille, Ztal.Kobbi- xa, K-UMve. Anm. Im Oberdeutschen Milthau, Molkhan, im Angelf. lVlilckea^ve, im EuglMiläerv, im Holländ-Neltaw, im Jtal. iVlelumL. Ohne Zweifel wegen des-weißen dem Mchleähnirchecr Staubes, obgleich andere dieses Wort bald von Mahl, Makel, Flecken, bald von Milbe u. s. s. hergeleitet haben. Die älrern Schriftsteller begriffen auch den Honr'gchatz, welcher eigentlich > rothc Flecken auf den Blättern hinterlässct, unter dem Nähme,» desMehlthaucs. Der ersterc hieß schon im Griech. fttX-ro?, ' welches auch rothe Farbe bedeutete, und so fern kann es wohl sevn, daß auch Mchlthau zu Mahl, Makel, Flecken ^ gehöret. In Böhmischen und vielleicht auch i« Oberdeutschland wird der Mchlthan Trachten genannt. DerMehlwurm, des-es, xlur. die —Würmer, die Larve des Mehlkäfers, S. dieses Wort. Mebr, acij. et aciv. welches eigentlich der Comparativ des veralte-, tcn Posttivimch, viel, groß, ist, und im Superlative mehrcste und meiste hat. Es ist in doppelter Gestalt üblich. I. Als ein Nebenwort, wo es überhaupt eine größere Menge bezeichnet. 1. Eigentlich. So wohl mit ausdrücklicher Meldung dessen, worauf sich die größere Anzahl beziehet, oder dessen , was der Maßsiab der Vielheit ist, da denn im Nachsatze alle Mahl als, im Oberdeutschen aber auch denn folgbt. Das ist mehr als ich brauche. Ich habe mehr als nothig ist. Er chnt mehr als er soll. Ich habe es dir mehr als zehn Mahl gesagt. Er ist mehr als Z" Jahre alt. Ich bekomme nicht mehr als du. Alte Leute sagen oft mit einem Worte mehr, als die Jugend in zehen Jahren nicht fassen kann, Gell, besser, als die Jugend in zehen Jahren fassen kann. Oder so, daß dasjenige, worauf sich die Mehrheit beziehet, darunter verstanden wird. Lrey Mahl mehr, zehn Mahl mehr. Es ist ein wenig mehr. E^vas mehr. Noch mehr. Was wollen sie mehr 2 Ich kann nicht mehr essen. Was konnte ich mehr thnn? Ich sage nichts mehr davon. Las hat etwas mehr zu bedeuten. Ich habe nicht mehr. Ich habe nichts mehr. Dasjenige, um wie mel die Sache der Menge nach mehr ist, stehet nach Maßae- bung des Zeitwortes in ter ersten oder vierten Endung, gemeiniglich ohne, selten mit um. Las saus kostet Hundert Thaler mehr, oder um hundert Thaler mehr. Ich gebe keinen Haller mehrt Ich gebe zehen Thaler mehr. IH habe nun einen Grund mehr, ihn nicht zu sprechen. Das ist ein Trost mehr. ' , 2. Figürlich. ,)Die Wicderhohl,mg einer Handlung zu bezeichnen, wo es bejahender Meise nur selten vorkommt. Willst du es mehr chun? Willst du mehr sündigen? Am häufigsten mit dcrVerncinnng. Sündige hinfort nicht mehr, nicht wieder, nicht öfter. Nicht mehr thun , ist die beste Buße. N'emahls mehr, oder nimmermehr. 2) Einen sccndigten Zustand zu bezeichnen, gleichfalls nur mit der Verneinung. Ich bin nicht mehr dein Freund. Ich sehe ihn nicht mehr. Ich Hove niemand mehr, säst du nichts mehr zu thun? Unjer Freund lebr nicht mehr. Das stehet jetzt nicht mehr in unserm ver- mögen. Es rennet nicht mehr. Ich kann nicht mrbr eßen, sehen, gehen u si f. Im Oberdeutschen wird dieses nicht mehr häufig in nimmes zusammen gezogen. Ev lebt nimmer. Z) W u einigen andern Bey - und Nebenwörtern der Zeit, der Menge, / L47 M eh her Beschaffenheit«. s. f. doch auch nur verncinungsweift, bedeutet es einen Zusatz, für über dich, ferner u.s.f. Unsere Trennung rvird nicht lange mehr dauern, der Frost wird so gar lange nicht mehr anhaltcn. Es wird so viel nicht mehr sepn. Es ist kein Mensch mehr da. Ein Gott ist und keiner mehr, 5 Mos. 4, Z.z. Sage mir kein Wort mehr. 4) Einen größern Vorzug, eine größere Wurde zu bezeichnen. Er ist mehr als du, er ist vornehmer. Mehr sepn wollen als andere Leute. Gott ist mehr denn ein Mensch, HiobzZ, 12. Ist nicht das Leben mehr denn die Speise e In deu alten Bremischen Statuten sind die Mehren die Vornehmen. 5) Eine Intrusion oder größere innere Stärke der Handlung zu bezeichnen, wo im Positive viel oder sehr stehet. Ich liebe ihn jetzt mehr als vorher. Er gilt mehr bep uns alsbcp euch. Ich muß meine Sorge mehr auf ihn richten, gls auf dich. Du hast es mehr mir als ihm znzu- schreibcn. Daran ist mehr dein Glück, als dein verstand Schuld. Solche Leute sind mehr zu bedauern, als zu verachten. Man must Gott mehr gehorchen, denn den Menichen, Apostelg. L, 29. Nm so viel mehr, aus dieser oder folgender Ursache desto stärker. (S. auch Vielmehr.) Wohin auch einige besondere Arten des Ausdruckes gehören, (a) Mehr und mehr, noch häufiger immer mehr und mehr, ehedem je mehr und mehr, je länger, je stärker, i wir wollen mehr und mehr Gott dankbar sepn, Opitz. Er gefällt mir immer mehr und mehr. jVler uncls msr, Wil-> leram. (b) Das ist nicht mehr als billig, das ist vollkommen billig. Das Hundert war schon mehr als voll, Leff. reichlich voll, (c) Mehr als zu oft, mehr als zu viel , mehr als zu groß u. s. s. überflüssig oft, viel, groß. Die flache ist mehr als zu gewiß. O, ich kenne mich mehr als zu wohl. Sie gefallen ihm mehr als zu sehr, was nachmahls mehr als zu oft geschähe. Ich fürchte, daß mir diese-unglückiiche Entdeckung schon mehr als zu bekannt ist, Gell, (d) Ae mehr ich -er Sache nachdenke, desto mehr finde ich dich schuldig. Ae mehr er hat, je mehr er haben will. Endlich, 6) dienet dieses Nebenwort auch irr einigen Fällen Comparcuivezn machen; und zwar, (a) wenn das Bcywort keinen eigenen Comparativ leidet, oder derselbe den Wohlklang beleidiget. Sep künftig meiner mehr eingedenk. Wohin besonders die Mittelwörter gehören. Em noch mehr geliebtes Rind. Da denn der Superlativ mit am meisten^gemacht wird, (b) Wenn die Vergleichung vermittelst zweyer Nrbenwörtec ansgedrnckt wird. Mein Zer; ist mehr traurig, als lustig. Gott mehr gütig als gerecht denken, ist eben - so viel, als Gott entehren , Gell. In andern Fällen ist der Gebrauch dieses Wortes statt des Comparauvcs eine unzeitige Nachahmung des Französischen, wo die Comparative nicht anders als mit plus gemacht werden können. Nur muß man nicht das für Comparative halten, wo /seine größere Intensiv« der ganzen Handlung oder des ganzen Zustandes ansgedrnckt wird. Nichts spricht ihn davon mehr frey, als seine Jugend. Jeder Mensch jstfrey, und nie muß er cs mehr seyn, als wenn cs die Wahl seines Glückes betrifft. II. Als ein Bepwort, welches wieder auf gedoppelte Art gebraucht wird. r. Als ein unabänderliches Bey'.vorL, welches doch nur in der erstell und vierten Endung, so wohl des Singulars als Plurals stehen kann, und sein Hauptwort bey sichhabcn muß, d. i. als ein wahres Bcywort nicht absolute stehen kann, außer bey einigen Fürwörtern. Es ist in dieser Gestalt die abgekürzte dritte Declination der Beywörrer; mehr für mehres, wie viel für vieles. Es bezeichnet alsdann alle Mahl einen größcrn Grad der Menge «nd der Jnte«ston, und zwar auf eine so unbestimmte Art, daß es M e h i48 weder einen Artikel vor, noch ein Fürwort unmittelbar nach sich leidet. G:b mir ein wenig mehr. Geld. Mehr Leute habe ich nie gesehen. Nie habe ich mehr Schmerzen empfunden. Sie- haben ja weit mehr Verdienste als ich. Ich habe ihm auf mehr als Eine Art gediener. Es besitzet immer ein Mensch mehr Einsicht, als der andere. Du hast mehr Glück al« verstand. Deine Bestimmung erfordert mehr Eingezogenheit, mehr Stille und Ruhe des Geistes. Selten stehet es in dieser Bedeutung vor einem Hanptworte der drittelt Endung. Seit zehen und mehr Jahren. Ist der Ausdruck so bestimmt, daß das Hauptwort einen Artikel oder ein Fürwort vor sich hat, oder statt dessen ein Fürwort stehet, so gebraucht man (a) entweder ein Vorwort. Mehr von dieser Waare.' Schicken sie mir mehr von diesen Leuten. Oder (b) das mehr tritt hinter das Hauptwort, rbelches alsdann, besonders in der edlern nnd höhern Schreibart, alle Mahl in der zwep- ten Endung stehet, Es wird des Holzes nicht mehr werden. Und was der Dinge mehr sind. Ich habe des Zeuges mehrmals ich brauche. Es müßte denn ein Vorwort eine andere Endung erfordern. So gehts mit andern Dingen mehr. Das Fürwort solch leidet das mehr so wohl vor als nach sich. Ich habe solcher Leute mehr gesehen, oder mehr solche Leute, oder mehr solcher Leute, oder auch solche Leute mehr. Es gibt solcher Leute mehr. Ich habe solche Mädchen mehr vor mir gehabt, Gell. Dieß und viel anders mehr gab mir der Argwohn ein, Weiße. Nur wenn das Hauptwort von einem Fürworte vertreten wird, 7 so muß solches alle Mahl voran und in derzwevlen Endung flehen. Ich habe dessen mehr als nothig ist. Unsrer sind mehr al« der enrigen. Es kommen ihrer noch mehr. Wo doch zuweilen auch ein Vorwort Statt findet. Es kommen noch mehr von ihnen. s. Als ein abänderliches Beywort, welches ein eigener Com- Parativ ist, welcher in gedoppelter Bedeutung gebraucht wird. r) Eine absolute Vielheit, d. i. mehr als Eins, zu bs- zeichiicn, ohne zu bestimmen, ob solches mehr oder wenig fty. In dieser Bedeutung, in welcher es dem Eins entgegen gesetzct ist, scheinet-cs erst in den neuern Zetten eingeführct zu seyn. Es leidet in-derselben den bestimmten Artikel, ohne ihn doch nothwendiz zu erfordern. Die mehrere Zahl, der Plural, im Gegensätze der einfachen, oder des Singulars. Ich habe ihn zu mehrern Mahlen gesehen, mehrmahls, mehr als Ein Mahl. Die ;u- fammeitt gesetzten Maschinen bestehen aus der Verbindung mehrerer einfacher Maschinen. 2) Als ein wahrer Comparativ, von einer größer» Menge, und vou einem größer« Grade der Intrusion. So wohl con- junctive und mit dem Hanptworte, doch nur in der zweyten und dritten Declination der Beywörter, folglich ohne den bestimmten Artikel. Einige mehrere Aufmerksamkeit wäre hier wohl nothig gewesen, für einige größere. Dazu wird eine mehrere Anstrengung der Seelenkräfte erfordert. Besonders in der dritcen Declination der Beywörter, wo man es in der cdlern und . ai.ständigern Schreibart gern für das unabänderliche mehr gebraucht. Eine Sache mitmehrerm Fleiße verrichten, mit mehr Fleiß. Es braucht noch mehrere Gewißheit. Mir wollen e- mit mehrern Worten erklären. Ein Fuchs, Der oft mit mehrerm Glück als Rechte Der schnellen Zünde Spur entging, Lichtw. Es isthier eineNachahmung derOberdeutschenKanzelleyc», welche dieses dcclinable rnehrev dem irideclinablen mehr gern vorziehen, vcrmuch- vernmthlich aus keiner andern Ursache, als weil cs um eine Sykbe länger ist. Im Hochdeutschen folget ihuen,wie schon gesagt »vor- den, die edle, e Schreibart darin zuwciletl nach, obgleich die Zu- sammcukunst z acper und dreper r nicht alle Malst den besten Wohllaut macht. Als auch absolute und ohne Hauptwort, für welchen Fall dieses mehrer eigentlich bestimmt ist, indem das kürzer, mehr sich nur selten auf dftse Art gebrauchen lasset. Es stehet alsdann, -och nicht ohu-Unterschied, bald im S ngolar, collerr-oe, bald auch im Plural. Das rhun mehrere, d. r. Menschen. IHhabe es mehrerer gesagt, m-chrern Menschen. Republikanische Regierungen, wo eine große Thal von mehrerer bemerket wird. Das soll künftig mir mehreren erläutert werden, weitläufiger, mit mchrern Worten. Ein mehreren kann ich dir jetzt nicht geben. In den Kanzelleyen ist man mit diesem absoluten Bey. Worte noch frepgeblger. Solches haben wir Les mehrcrn ersehen, umständlicher, weitläufiger. Liese Anstalten zeigen des mchrern, daß u. s. s. Wo man es auch sogar als ein Nebenwort gebraucht. Wir muffen hierin um so mehrere anfuchen,um so viel mehr. Der eigentliche Superlativ von diesem Comparativ heißt der mehrestc, so wie er von dem alten meh, meiste lauter, welches ans weheste zusammen gezogen cst. Gr ist mir dem letzten völlig gleichbedeutend, nur mit dem Unterschiede, daß man ihn im der edlen und anständigen Schreibart dem, pbgleich ohne Noch für niedriger gehaltenen meist gern vorzuziehen pflegt. Der Mehreste Theil, der meiste Theil. Die mehresten Stimmen gelten lassen, die meisten. Das kränkt mich am mehresten, Lin meisten. Viele , besonders Oberdeutsche Schriftsteller, gebrauchen statt beyder Superlativen gern den Comparativ mehrer. Las mehrere Theil wußte nicht, warum sie zusammen kommen waren, Apostelg. - 9, Z 2. Ihrer bestanden das mehrere Thcil auf dem Rath, Kap. 27,12. Welches auch wohl Hochdeut,'cheSchriflstel- ler ans einer eingebildeten Zierlichkeit nachahmen. Die mchrern Stimmen gelten lassen. Anm. Dieses alte Wort lautet, so fern es eine größere Menge oder Intensiv» bedeutet, schon seit dem /ten und 8ren Jahrhunderte im Oberdeutschen nrer, naerst, im Niedersächsischen und Dänischen meer, im Engs.inore, im Angelf. Marr s, und du Schweb, mer. Wenn man unser heutiges mehr und mehrer genau untersucht, so scheinen beyde von zwey verschiedenen, obgleich geitau verwandten Stämmen herzukommen. Das Nebenwort und abänderliche Bepwort mehr ist, so fern es eine größere Menge bedeutet, der Comparativ von dem uralten aber veralteten Srammworte meh, ma, viel, groß; Comparat. mchcr, zusammen gezogen mehr; Superl. weheste, zusammen gezogen mMe, für wehste. Dieses meh, mä, welches so wodl groß als viel bedeutete, lautet noch bey der Wmsbeckmn ine, im Epirotischcn mna, im Wallis, mr«^, und ist mit unserm Macht , Menge, Mast, Mastbaum, Mauer, Manch, michel, groß, Meurer, demLat. mnAiK, multum, mnZvus, msjor. muximns,dem. «alteu Gvchischcn maira, meris, mehr, dem Griech. dem Hehr HuuSert, irnd andern genau ve .c-cadt, we^yr i tsgesammrdurch allerseyAbleitungssi-lden davvnherstam- Mrn. Von diesem ma, me, stanunet vec-uittelst des Ablcuuaqs- lautcs r ein neues Beywort her, welches im Positive mar, mehr, lautet, und gleich alls groß und viel bedeutet, und unter andern auch noch bry d-mHociregk sehr häufig vort'omuu,auch noch i.: dem Wallachischeu mai e, groß. voebanden ist? Dieser im Deutschen veraltete Postliv sch.inet noch in denjenigen Bedeutu.igcu des Nebeiuvone- mehr zum Grmche zu liegen, wo es keine kigeuUechr Meh ^ iZc> Vergleichung voraus setzet. Von ihm kommen der Comparativ mehrer, der also kein neuer Comparativ von der zweyten Staffel mehr ist, und der Superlativ mehreste her. Dieses mar, mehr, im Comparat. mehrer, bedeutete ehedem auch groß, in welchem Verstände es im Oberdeutschen, und besonders in der Schweizerischen Mundart noch häufig vorkommt. Ob der mehrere Stadt, Bluntschli. Das mehrere Spital, ebend. das größere. K1«rr- ri.8, /nu/or/4, Kero, bey welchem auch ^Isririn die Vorfahren, IVI^joreü, sind. Ja noch 1477 heißt die älteste in Augsburg die mehrere der Geburt. Ehedem war mehr auch ein Bindewort, welches aber bedeutete, und noch in dem Holland, nraer, in dem Franz, mach, und Jral.ma vorhanden ist, im Hochdeutschen aber nicht mehr gehöret wird. 'DasMehr, des —es, xlur. die—e, ein im Hochdeutschen ungewöhnliches, im Oberdeutschen aber noch gebräuchliches Ab- Hirackum von dem vorigen Beyworte. 1) Die Mehrheit, d. i. die größere, überlegene Menge; wo cs besonder-von der Mehrheit der Stimmen und ohne Plural gebraucht wird. Lurch dasMehr Bürgermeister werden, durch die meisten Stimmen. Etwas mit gemeinem Mehr thun, mit der Mehrheit der Stimmen. 2> Die Sammlung der Stimmen, das Votier». Ein Nehr machen , die Stimmen sammeln, Umfrage haften. Ein Gegenwehr machen, über die entgegen gesetzte Sache die Stimmen sammeln. Man konnte lange zu k-im-w Mehr kommen, zu keinem Botiren. Daher, auch die daselbst üblichen Zeitwörter übermehren, überstimmen, abmehren, durch die meisten Stimmen abschaffeu, verwerfen, erwehren, durch die meisten Stimmen beschließen. Anm. Mit dem eigentlichen Abkeitnlrgslautc der Abstcäcteu ist Hey dem Ottfricd tftie I-Ieradie Menge. Wenn die Mehr und die Mehrung in den vorigen Jahrhunderten einiger Gegenden die ftycrliche Handlung bedeutete, da die Truppen die Kriegs-Artikel beschwören, wo auch das Zeitwort mehren in diesem Verstaube üblich war, so ist solches nur eine Figur der vorigen Bedeutung, so fern dazu ehedem die meisten Stimmen uöthrg waren. Ire einer Hessischen Reiter-Bestallung von -570 Hecht es Arr. c 06: „Es soll auch diese Bestallung und Ar tikel zur Zeit der ersten Musterung öffentlich den gemeinen Reutern im frcpen Felde unter fliegenden Fahnen fiirgelesen, darauf durch sie gemchret werden, wie von Alters gebräuchlich." Und Art. 108: „Älcichergestaft sollen alle R uter — gleich sowohl zu Haftung vbgrmeltcr Bestallung und Articul verbunden sevn, als wen« sie zsi Anfang darauf bestellet wären und gemchret hätten." Womit aber av- mchren, abrhcilen, nichts als den Klang gemein hat. Siehe 1. Mehren. Der MeLrhrat?n, des —s, plur. nt riom. lmZ. in einigen Gegenden, besonders bey den Jägern, ein Nähme des Lendenbratens. Vermirchlich von dem Niedersächsischeu msr, mürbe, werk diese Stücken ein sehr, mürbes und Zartes Fleisch haben. 1. L-7 ren, verb. rc-Z. aut. welches Heilen bedeutet, Griech. , aber im Hochdeutschen veraltet ist, und nur rroch in einigen legenden vorkommt, besonders in dem zusammen gesetzte» "abmehren, abtch ilen. Abgem-'hrte, abgefundene, abgecheilte, R ndee. Daher die Abmehrung, dre Abfindung, Abthciluiig. S. 7.m»nk ^ l). ' ^ , 2. Mehren, VLrft. rstz. uol. r) Von dem Bey-- sind Neben- worte mehr. mehr machen, der Zahl und-Meuge, und zuweilerr .auch der Juleirston nach größer machen; Hey dem O'feied und Notlcrme.-on Srpd fruchtbar und mehret euch,' Mos. 1..2 r, 28. L. 'c Menschen begunren sich zu mehren, Kap. 6, 1. Sein Linkem,n n Meurer sich, Nehem. 9, A7. Die Zruchr des K L _ ssrpttz iLr 'Reh Herren mehrst die Tage/ Sprichw. '0,27. Las Wort Gottes mehrere sich/ Apostelg. r 2, 24. Lu sollst dich so gemehrt an Rindern spüren, Opitz. Im Hochdeutschen ist dafür das zusammen gesetzte vermehren Micher; doch kommt das einfache Zeitwort noch zuweilen bey Dichtern vor. So wie sich deine Zahre mehren, Mehrt dein Verdienst sich um die Welt, Gell. s)* Von dem Hauptworte Mehr, vermittelst eines Mehr, d. i. einer Mehrheit der Stimmen, beschließen; eine im Hochdeutschen unbekannte Bedeutung, S. das Mehr. So auch die Mehrung. Mehrentheily, aäv. welches ans des mehrern oder mehresten Theiles, d. i. dem mehresten oder meisten Theile nach, zusammen gezögert ist, und wofür auch meisten Theils und größten crheils und in der Sprache des täglichen Umganges auch meistens üblich ist; Niederst meistlik. Und woraus besteht die Welt 2 Mchrentheils aus Thoren, Haged. Mebren stehet hier vermuchlich anstatt des alten Comparativi merren für mehrern. Der mynre Theil soll dem merren folgen, Sachsens!». ^ - ^ * Der Mehrer, des—s, plur.ut nom.lroF. eine Person, welche mehret oder vermehret; ein veraltetes Wort, welches nur noch in dem Titel des Dcmswen Kaisers vorkommt, allezeit Mehrer des Reichs, wo es aber eine vernnglückte Übersetzung des Latein, stemper ^uFuUusist, welches man von auFsre hergcstitet, da es doch einen heiligen, nuveri'-tzlichen Kalser bedeutet. Indessen kommt es in diesem Verstände in den Urkunden der Deutschen Kaiser und Könige doch schon seit dem t Aten Jahrhunderte vor, wo sogar inFranzöstschen Urkunden das Wort ^ccrniÜnnt gebraucht wird. So schreibt sich König Wilhelm r 2§z bey dem Martene LH. I. ^nscä. S. lvzz: Wälaumes par laFrall's äeOieu roi äs Romains et. touäis ^ccrolUAnL zundKaiserPhilipp »265 bey demCarpentier in Llossar. v. l?üi- iippes xiärlaZrÄee äs Oieu emxersrsL äskiomauis a 1!ou2 lem^s ^ccroissLns. Die Mehrhcrberey, xlur. die —en, die ungeordnete Begierde, mehr zu haben. Die Mehrheit, säur, inust. von hem Bey--«nd Nebemvorte mehr, i) So fern dasselbe dem Eins entgegen gesetzet ist, der Zustand, da ein Ding mehr als Eines ist, ohne doch zu bestimmen, ob dieses mehr viel oder wenig ist. In diesem Verstände pflegen einige neuere Sprachlehrer den Plural oder die mehrere Zahl auch die Mehrheit zu nennen. 2) Der Zustand, oder die Eigenschaft der größer» Menge oder Anzahl. Oie Mehrheit der Stimmen. Im Oberd.,die Mehrtheit, der Mehrrheil. Mehrmcrhlitz, das Beywortvondem folgenden Nebenworte, was zu mehrern Mahlen ist oder geschehet. Die mchrmahlige Wie- derhohlung einer Sache. Mehrmahls, aäv. z,t mehrern Mahlen, mehr als Ein Mühl. - Ich habe ihn schon mehrmahle gesehen. Bey einigen irrig mehrmahl oder wehrmahlcn, S. 6. Mahl 2.2). r.*Dte Mehrung, säur, iuus.chas Verbale des Zeitwortes mehren, S. dasselbe, S. Die MehrunF, säur, die— en, ein nur in einigen Oberd. ,Gegenden, z. B. in Österreich, übliches Wort, eine Cloak, oder einen Canal zu Abführung der Unceinigkeiten, eine Abzucht, m Meißen eine Schleuse, z» bezeichnen. Es scheinet aus Meer, Moor, Morast, Sumpf, und der Ableitungssilbe —mg oder — ung znsamme,! gesetzet zu sepn, Meht, S. Urcch. v Mel 1L2 t.*Meiöen, verb.rsF.3ct. welches im Hochdeutschen veraltet ist, ehedem aber schneideil, und in engerer Bedentung verschneiden, castriren bedeutete. Daher war Meide oder Meiden ehe- - dem ein verschnittenes Pferd, ein Wallach, welches Wort viele Ausleger verkannt/ und es bald durch ciuen Hengst, bald aber auch, wie Frisch, durch ein mittelmäßiges Pferd, cinPferd von der Mittelgattung erkläret haben. Es stammet mit dem folgenden von mähen ab, so fern solches schneiden bedeutet, S. dasselbe. L. Meiöen, verl). irrsz. act. Ich meide, du meidest, er meidet ; Jmperf. ich mied ; Mitteln», gemieden; Jmpcrat. meide. Es bedeutet, ») eigentlich, einer Person oder Sache ans dem Wege gehen, fich Huchen, daß man sich nicht M't ihr an Einem Orte befinde, ihrer Gegenwart zu entgehen suchen; wofür auch, doch mit einigem Nachdrucke, vermeiden üblich ist. Zu meiden .-. die Stricke des Todes, Sprichw. »Z, 14. Ihr könnet wohl wieder Freunde werden, wenn du ihn nicht meidest, Sir. 22,27. Emen ketzerischen Menschen meide, Tit. Z, io. Eines Gesellschaft meiden. Man muß ihn meiden, als ein schlagendes Pferd, ihm ans dem Wege gehen. Leide, was du nicht meiden kannst. Das Land, die Stadt, den Hof meiden müssen, denselben nicht zu nahe kommen, sie nicht betreten dürfen. Ich werde von ihm gemieden. 2) In weiterer und figürlicher Bedeutung, vorsetzlichmnterlaffcn, mit Bestrebung der Gelegenheit, der Veranlassung dazu, zu entgehen. Meidet allen bösen Schein, 1 Thess. L, 22. Schlecht und recht, gottesfürchtig und meidet das Bose, Hiob 2, z. Die Arbeit, die Sünde, die Trunkenheit, das Laster meiden. Allen Streit zu meiden. Ich mied alle Gelegenheit dazu. So auch die Meldung. Anm. Schon bey demKcro undDttfried rniättn, imNieders. miden, wo auch midern enthaltsam, schüchtern, furchtsam ist. Ehedem bedeutete es auch verborgen seyn, ingleichen lM miäeri bev dem Notker sich schämen, der auch bäiäunZL für Scham «- gebraucht. In noch mehr thätiger Bedeutung ist dn'miäer^bey dem Ottfricd abiveirden, und bey der Winsbeckinn figürlich ab- mahuen. Das äu mit runsvmiäsämlU, daß duMch heimlich abmahnest. Alis allem erhellet, daß es ein Abkömmling von mähen ist, so fern solches überhaupt eilte gelüide Bewegung bedeutet,daher p irniätt» in denMonseeischenGlossen durch äsclinars übersetzt wird. Meiden und fliehen sind daher nur in den Graden der Bewegung unterschieden. Nimmt man die Verwechselung der Buchstaben eines und eben desselben Werkzeuges als etwas Bekanntes an, sv ist auch das Lat. vitare ein sehr naher Ge- schlechtsverwandter davon. Einige geben diesem und dem zusammen gesetzten vermeiden eine reguläre Abwandelung; ich weidete, gemordet, welche Form auch Hiob i, r, Tob. -, z, i» vorkommt. Indessen ist im Hochdeutschen die irreguläre immer noch die üblichste. , 1. Der Meier, des —s, säur. ut uom. ävF. ein nur noch in dem zusammen gesetzten Birkcnmeier übliches Wort, wo es allem Ansehen nach von mähen, Rieders, meien, schneiden, abstammec, und ein aus cinemBirkenstamme geschnittenes Trinkgefäß bezeichnet, S. Birkcnmeier. 2. Der Meier, des — s, oder der Meierich, oder das Meier- kraur, des-^-e s, säur, i u u s. Nahmen verschiedener bey uns wild wachsenden Pflanzen. 1) Des Gauchheils, ^nnALÜis arveräis G. welches zu dem Unterschiede von andern rothee Meier genannt wird. (S. Gauchheil.) 2) Des v -gelkraures, ^Iline lnsäitt 3) Des Labkrautes,Gallium verum st,, welches auch Megerkraüt, Waldstroh, unser Frauen Settstroh, goldener Waldmeister und gelbes Äreuzkpaut genannt wird. '4) S. Meierkraut. Ann). Anm. Der Grund der Benennung ist dunkel. Einige dieser Gewächse haben zarte, weit aufder Erde hernmkricchcndeZweige, und da scheinet ihr Nähme von mähen, Niederst meicn > sich bewegen, oder auch von i. May , ein Zweig, Büschel, abzustam- men. Wäre die Abstammung Voit dem letzten Worte erweislich, so könnte mail den Nahmen dieser Pflanzen auch Mayer, Maye- rich, Mayerkrant schreiben , wie von vielen wirklich geschiehet. Indessen kann auch das alte ma, mä, mei, niedrig, (L). Meer, Moor, Morast?) das Stammwort dieses Rahmens seyn, theils so sern einige dieser Gewächse, wie z. B. das Vogelrraut, niedrig bleiben, theils aber auch, so fern sie gern an niedrigen feuchten Orten wachsen. Von ma, me, mei wird mit angehängter Ablei- tungssylbe —er, welche ein Subject, ein Ding bezeichnet, Meier, und vermittelst der neuen Ableitungssilbe —ich, Neierrch. Z. Der Meier, des —s, plur. ul nom. ünZ. Fämin. die Meierinn, ein sehr altes Wort, welches überhaupt eine Person bedeutet, welche mehr als andere ist, andern Personen ihrer Art, oder auch wohl einer Sache vorgesctzet ist. Bey dieser sehr allgemeinen Bedeutung ist es denn kern Wunder, daß dieses Wort von je her von sehr mancherley Arten solcher Vorgesetzten gebraucht worden. Die vornehmsten sind folgende, i) *Dcr AiLjorOomus oder Lomes der Fränkischen Könige, der oberste Pfalzgraf, kommt in den mittler» Zeiten sehr oft nnrer demNahmcn des Meiers, Hausmeicrs vor. Noch m dem Schwabenspiegel heißt der Churfürst von der Pfalz des Herl. Reichs oberster Richter und Haüßmeier. In den folgenden Zeiten wurde derjenige vornehme Hofdeamte, welcher jetzt unter dem gleichbedeutenden Nahmen des Hofmeisters bekannt ist, Meier und Hausmeier genannt. In dem mittler» Lat. und zwar schon in dem Salischen Gesetze, machte man aus diesem Meier iVIujor, obgleich andere es umkehrcn, und das Deutsche von demLateiuischen Worte ableiten wolle». (S. die Mmerkuug.) In beyden Bedeutungen ist es jetzt im Deutschen veraltet. 2) Zn den Städten war der Meier, eine der vornehmsten obrigkeitlichen Personen, welchc.dichohcGerichtbarkeit ausübete, und mit den Vögten und Schuldheißen beynahe einer- lcy Amt und Würde hatte, zuweilen aber auch von denselben verschiedenwar; im Mittlern Lat. j^lajorvillLe. In diesem Verstände kommt es noch in einigen Städten vor. So hatte in Aachen vor nicht gar langer Zeit, und vielleicht noch jetzt, der Vogt die peinliche, der Meier aber die bürgerliche Gerichtbarkeit mit den Polizeysachen zu besorgen. In vielen Städten Frankreichs und Englands ist eine solche obrigkeitliche Person unter dem Nahmen deEaire,Mu^or, gleichfalls noch bekannt, z) Der Vorgesetzte derLandwirth schüft so wshl einer ganzcnGcgend,als auch eines einzelnen Landgutes, wo es ehedem von mchrern Arten solcher Vorgesetzten gebraucht wurde, und zumTheil noch gebraucht wird. Besonders pflegt man einen Vorgesetzten eines Land-oder Feldgntes, auch wenn es nur ein Bauergut ist, welchergegen einen jährlichen Lohn die Aufsicht über den Feldbau führet, und der oberste unter den Knechten ist, in vielen Gegenden einen Meier oder Hofmeyer zu nennen. An andern Orten heißt er Vogt,. Zeldvc-gt, Schirrmeister, in Böhmen Schaffner , in Pommern Statthalter , in Meißen aber Hofmeister. (S. dieses Work.) Die Vorgesetzte der Mägde eines Gutes , sie sey nun die Fran des Meiers oder Nicht, wird, alsdann die Meierinn, Hofmeierinn genannt. 4) ^Jn noch weiterer Bedeutung sind in vielen Gegenden, besonders N:e« dersachsens und Westphalens, die Meier Besitzer unfreyer Bauer- gütcc, gewisse Erbzinslcute, welche ihr Meiergut oder ihren Meierhof nicht eigenthümlich, sondern nur als einen alle neun Jahre zu crncnerndenErbvacht besitzen, und demGntsherren euren - gewissen festgesetzten Meierzins entrichten. Bey der Erneuerung des Meiergedinges, ingleichen bep Veränderung desHauswirrhes nnd zuweilen auch des Gutsherren bezahlen sie wie andere Lchen- güter den Weinbaus, oder wie er im Lalenbergiscßen heißt, die Rnrmede, nnd erhalten dafür einen neuen Meierbrief. Ein solcher Meier ist eben das, was an andern Orten einZinsbauor, Erbzinsbauer, im Oberdeutschen ein G nltebai-.er , im Hessischen ein Landfledel u. s. f. genannt wird. Nach Maßgebnng der Größe seines. Gutes oder Hofes, wird er ein vollmeier, oder Halb- meier, oder Rochsaffe genannt.Dnher die Zeitwörter bemeiern, mit einem solchen Meiergute versehen , abmciern,,, einen Meier seines Gutes entsetzen u. s. f. Anm. Dieses Wort hat, so wie Meister, alles-An sehen eines echten alten Deutschen Wortes. Es ist von dem alten ma , mä, meh, groß, mehr, und derAbleitnngssylbe— er, eine männliche Person oder eilt Ding, zusammen gesetzet, und bedeutet überhaupt, einen Vorgesetzten, folglich auch, wie in der vierten Bedeutung, den Vorgesetzten eines Ballergutes, wovon ein anderer der Eig cn- thümcr ist. Es ist zuverlässig ein Geschlechtsverwandtcr von dem Lat. mLZrius , rnttjor, ohne doch ans dem letzten gebildet zu scyn, wieviele behauptet haben. (S. Macht, Mehr, Merster.) Da dieses Wort imDerttschen so alt, und von einem so weiten Umfange ist, so ist gär nicht glaublich, daß die Deutschen und verwandten Völker für einen Vorgesetzten nicht eher einen eigenen Nahmen gehabt haben sollten, als bis sie solchen ans hem Lat. jVInjor und entlehnet. Das Lateinischs IVI-rjor ist vielmehr erst in den spätern Zeiten auf die Deutschen Meier angewandt worden. Daß dieses Wort so wohl von den vornehmsten Höf - mrd Rcichsbegmten, als auch von einer geringen Art Bauern gebraucht.worden, darf niemanden befremden. Es hat dieses Schicksal mit Meister , Hofmeister, Marschall, R-rnzler und andern allgemeinen Benennungen mehr gemein. Die Schreibart dieses Wortes ist sehr verschieden.. Man schreibt es bald Maier und Mayer , bald auch Meyer. Däs ai ist ein Oberdeutscher Doppellauts,velcher im Hochdeutschen gern in ein et übergehet, zumahl da das alte meh, mehr , und derLm- perlativ meist, sich für das letztere erklären. Für das y ist gar kein Grund vorhanden. Ein anderes hierher nicht gehörigesW oct in das Niederst Meier, ein Mäher, Schnitter, von »seien, ^ mähen. . Der NM er - Amarant, des—es, plur.inus. eine Art des Amarantes, welcher in dem gemäßigten Europa einheimisch ist, lUitum L. S. 2; Meier Anmerk, und in Ansehung der Rechtschreibung Amarant. Der Meieran, S. Majoran. Der Meierbrief, des—es, plur. M nom. linZ. dersenige Brief, d. i. Urkunde, in welchem ein Meier mit einem Neiergu- te belehnet wird, S. 3. Meier 4). Das Meierding, des—es, p!ur. die — e. 1) Von Ding, emGericht, in einigen Nicdersächstschen Gegenden, ein besonderes Gericht über die Meier, in welchem einige Meier als Beysttzer befindlich sind. 2) Von Ding, ein Gedinge oder Vertrag , eben daselbst- der Vertrag zwischen dem Gutsherren und dem Meier, das Meiergedrnge. Daher das Meierdingsrecht, das daraus er, wachsende Recht, das Mcierdingsland, Land, d. i. Grundstücke, welche diesem Rechte unterworfen find, das NcicrdittgLgttt, cm Meiergut, oder Baucrgut, welches von einem Meier nach Mcier- dingsrecht besessen wird, der Meierdingsmann, im Mural, die Meierdingslente, Meier, Personen, welche dem Mtierdmgs- rechte unterworfen find. S. Z. Meier 4). .Die Mererep, plur. die — en. i) *So fern Meier einen vornehmen Beamten bezeichnet, ist Meierey der demselben -anver- trauete Bezirk. Im Hoch - und Oberdeutschen kommt es in dieser Bedeutung nicht mehr vor, wohl aber iir einigen Niederdeutschen 2 « Gegenden, Mri Rei 1L6 Gegenden, vnd besonders in Brabant, wo es so viel als ein Amt, eine Burg mit dem dazu gehörigen Gebreche ist. 2) Ein zu einem Kauptgme gehöriges und^besonders zurVichzncht bestimmtesLand« zur, welchem ein Meier vorstehet, welches von einem Meier oder Hofmeister im Nahmen des Besitzers verwaltet wird, und welches auch ein Meierhof, ein Meicrgut, an andern Orten auch ein Hof schlechthin, ingleichcn ein Vorwerk genannt wird; (siehe Z. Meier z), z) Ern Bauergut, welches einem Meier auf Meterrecht, d. i. gegen einen jährlichen Erb- oder Meierzins, überlassen worden, besonders in einigen Niedersächsischen Gegenden; ein Meierhof, Mcicrgut. Das M'-iergedinge, des — s, plur. M vom. lioZ. Siehe Me-erding 2). Das Meiergut, des—es , plur. die — griter. ') Em einem Meier oder Hofmeister anvcrtrauetes Landgut, (S. Mnerey 2). 2) Ein Erbzinsgut, welches von einem Meier besessen wird, siehe Neierep Z). Der Meierhof, des — es , plur. die — Höfe. I) All einigen Orten, der von einem Haupthofe abhängige Hof, welcher der Aufsicht ciucsMeiers anvertranet ist, und in weiterer Bedeutungauch die dazu gehörigen Grundstücke; das Meiergut, die Meicrey, an andern Orten ein Vorwerk. S. Z. Meier z). 2) I» einigen Gegenden, ein Bauerhof , wrlcher von einem Meier auf Meier- recht besessen wird; die Mcicrstatt. S. z. Meier 4). Der Meierich, des —es, Plur. mul. ein Nähme verschiedener Pflanzen, S. 2. Meier. Dte Meierjügd, ptur. die—en, in einigen Gegenden Nieder« sachsens, z. B. im Nothenburgifch! n, eine Jagd, welche der Gutsherr des Jahres zwey Mahl auf den Ländercpeu seiner Meier zu halten berechtiget ist. Das Meierkraut, des—es, plur. inul. ein Nähme verschiedener Pflanzen, (S. 2. Mrier.) Besonders wird das Kraut deS Mangoldes oder der Beete, Leta le, in einigen Gegenden besonders Obecdeurschlandes , Meier, Meierjch und Meierkraur genannt. Rothes Nererkraut, weißes Meierkraut. S.2. Meier Anmerk. Das Meierlaud, des — es, plu^. die—lander, das zueinem Mcierhofe gehörige Land, die dazu gehörigen Etundstücke, siche Meierhof 2). D«s Meierlehen, des—s, plur. ulnom.linZ. das Meier- gedrnge, als ein Lehen betrachtet, ingleichen cin Mciergut, siehe Meicrdlng 2). Meiern, verb. reZ.ack. welches aber nur in den Zusammensetzungen bemeiern und abmeiern üblich ist, S. 3. Meier 4). Die Meierstrrtt, plur. die—statte, in einigen Niedersächsischen Gegenden, ein Meierhof, S. Meierhof 2). Der Meierzins, des —es, plur. doch nur von mehrern Summen, die — e, derjenige Erbzins, welchen der Meier seinem Gutsherren alle Jahre entrichten muß, S. Z. Meier 4). Die Meile, plur. die — n, Diminut. das Meilchew, eines der größten Längenmaße, die Weiten aufder Oberfläche der Erde damit zu messen, welches aber nicht aller Orten, selbst in Deutschland nicht,.einerley Größe hat. Eine Itali «Nische Meile, welche ungefähr den alten Römischen gleich ist, halt r 000 geonretrische Schritt oder Looo Schuh, und vier solcher Jtaliänischen Meilen zehen auf eine gemeine Deutsche Meile, deren , z auf eineirGrad gerechnet werden. Eine geographische Meile, wclche eiii, r Deutschen ziemlich gleich kommt, hält 2 2 842 PariscrFnß. In Deutschland ist das Meilenmaß in den Chursächsischen Landen auf das genaueste bestimmt, wo eine Chursächsische polizry - Meile s oooRuthen, jede zu LDresdenerEllen, folglich 16000 solcherEl- len hält. Sechs Mecken jn einem Tage reisen. Im gemeinen Le-» ben nimmt es bas Wort Weg in der zweyten Endung zu sich, wel. cheS doch nur am häufigsten von geringernWeiteumaßen üblich ist. Eine Meile Weges, zwey Metten W ges, eine halbeMcile Weges. Anm. Schon bey dem Kn» LI i 11 u , in dem allen Gedichte auf den Heil. AnuoLlili, im Niederst Mile, im Angelst LI »la , im E"gl.Llile, im Island. Ll^la , im Schwed. LI il, im Wallis. Llvlckir, im Böhm.Lljls, im Franz. L!ille, imJial. Lliglia, Ehald. Syr. und Arab. Llil, Liilo, Nile,u; welche, wie Wachter zeiget, insgesanunt von dem Lat. Lick! rare adsiammen, weil die Art die Weiten nach tanstnd Schritte» zu bestimmen vou den Römern der ganzen damalsts bctanttterl Welt mittzelheller worden. Ehe dieses M^ß angenommen wurde, rechneten dieBeutschen nach Rasten, (S. Rast,) so wie die Gclstrr nach Lenken , jetzt h-t» ues, welches Llaß auch noch in Uut r - Wallis üblich ist. Das Meilenmäß, des—es, plur. die—e, dre Art und Weise, die Weiteir nach Mulen zn berechnen. Das Meilenrecyt, des— es, plur. die—e, das Recht eines Orres, daß niemand innerhalb einer Meile um denselben eine gewisse Nahrung treiben darf. Die Merlensaule, plur. die — n, eine an dem Wege errichtete Säule, auf welcher die Zahl der Meile« bis zu einem gewissen One verzeichnet rst; der Meilenstein, wenn es ein bloße» Stein ist. ^ Der Meilenzeitzer, des—s, plur. uk.nom.knZ. ein Ding, welches die Zahl der Meilen zwischen zivcy oder meheern Orten anzeiget, es sey nun eine Meilensäule oder ein Meilenstein, ode» auch nur ein Verzeichniß, eine Tabelle u. s. f. Der Meiler , des—s, plur. ut vom. liuZ. ein altes Work, welches ehedem einen jeden Haufen oder Hügel bedeutete, jetzt aber nur den rundenHaufen auf einander geschlchtetenHolzes bezeichnet, aus welchem dieKohlcnbrenner in denWäldcrn dieKohlen brennen. Der Scheirelmeilcr oder Gcheumeiler, welcher ans gespaltenen Scheiten aufgesetzet wird; zum Unterschiede von einem Rleppel? ineiler, welcher aus Ri öppeln bestehet. Anm. In dieser eingeschränkten Bedeutung im Niederst Miler, im Schwed. LI i la , imFinnländ. Llilu, im Böhm. LI i lj r. Es stammet vermittelst derAbleitungssylbc—er, von einem veralteten Worte mahl, weil, ab, so fern solches ehedem hoch , groß bedeutete. Im Franz, ist LIsulov ein runder Heuhaufen, im P ohlir. LIoZila, im Wend. Llolil, ein Hügel, und im Alban. Llulur rin Haufen. (S. z. Mahl, Malter und Maulwurf.) Die Schreibarten Manier und Meiller sind so wohl der guten Aussprache, als auch der häufigsten Gewohnheit zuwider. Die Meilerhecke, plur. die—n, bep den Kohlenbrennern, di» Decke von Reisig oder Stroh, womit der Meiler von außen be» deckt wird. Das Meilerholz, des—es, plur. ivust.Holz, welches zu Meilern für die Kohlenbrenner besiintmt ist, worarrs die-Meiler zusammen gesetzet werden. Die Meilerkohle, plur. die — n, Kohlen, welche in Meilern, oder aus Meilern gebrannt worden.; zum Unterschiede von andern Arten der Kohlen. Der Meiler: ohler, des—s, plur.ut nom. lioZ. ein Köhler oder Kohlenbrenner, welcher das Ho-z in Meilern verkohlet; zum Unkerschiedeoon dem Grubemohlev, der Holz und Reisig iu gemachten Gruben zu Kohlen brennet/ Die Meilerstatt, plur die—statte, oder die Mellerstätte, plur. die—n, die Statt odcrStäcte, d. i. der Platz , wo/in Meilerstebt, oder gestanden Hatz die Anstatt, Rohchäne, Meckcrstelle. 1.* M ei n rL7 Mei ,. *Mem, a6j. et aä v. in Menge vorhanden, der Menge gehörig ; ein für ssch allein veraltetes Wort, welches nur noch in dem zusammen gesetzten gemein üblich ist, S. dasselbe. s.*Mein, aclj. et adv. falsch, boshaft u. s. f. ein gleichfalls ver- altetosWort, welches nur noch in dem zusammen gesetztenMeineid vorkommt, S. dasselbe. Z. MeimeinZwischenwort,welches nurin dervertraulichenSprech- art üblich ist, eine aus Verwunderung herrührende Frage zu begleiten. Mein! wie gehet das Ding zu 2 Aber, mein! wie ist das möglich? ^ , ' , , - Und, mein! wie weit wird auch ein junges Mädchen weichen? Beruh. Mein! sage.mir, warum die Fürsten fechten, Haged. Anm. Frisch und mit ihm fast alle Sprachlehrer halten cs fiir das folgende possessive Fürwort mein, wo das Hauptwort ausge, lassen worden, so daß cs fiir mein Freund, oder mein -Lieber stehe. Allein es scheinet vielmehr die alte noch im Niedersächstschen, Dänischen nnd Holländischeil übliche Partikel man, men zu ftyn, welche unter andern auch aber bedeutet; zumahl da dieses aber . auch im Hochdeutschen auf ähnliche Art zur Begleitung einer mit Verwunderung verbundenen Frage gebraucht wird, (S. dasselbe). Dieses Niederst man, men ist von dem Holland, mar, aber, welches daselbst auf ähnliche Art gebraucht wird, und von dem Franz, mais nur im Endlantc verschieden. Im Schwed, ist mea eine verstcheritde Partikel, welche so wohl zuBejahrmgcn, als such zu Verneinungen ßesetzet wird, und die Bedeutung unser» doch hat, s» wie das Griech. pry» S. i. Man und Mehr. L. Mein, die zusammen gezogene zweyte Eichung des persönlichen Fürwortes ich, für meiner, S. Meiner. z.Mein, Pronomen pollelstivum, öder daszueignendeFürwort der ersten Person, welches sowohl mit einem Hauptworte, als ohne dasselbe gebraucht wird. !. Mit dem Hauptworte, als ein Conjrmctivum, wird es völlig so, wie das Conjunctivum dein abgeändert, (S. 2. Dein.) Es bedeutet, i) etwas, welches mir, oder der ersten Person gehöret , womit sie in Verbindung stehet, was in ihr gegründet ist, ihr widerfahren ist u. s. f. Mein Vate?, meine Rinder, mein Zaus. Lr isteiner meines Gleichen. Nach meiner Meinung. Ich meines Theiles finde es nicht für gut. Ich habe meine guten Ursachen dazu gehabt. Ich habe mein Gutes (das mir bestimmte Gute) empfangen. Es ist nicht niedrige Begierde, meinenSchimpfan dir zu rächen,den mirwiderfahrnenSchimpst Wo es auch oft ein Ansdruck eines zärtlichen Vertrauens, warmer und vertraglicher Liebe wird. Mein Bönig und mein Gott, Ps. L, z. Mein Zerr und mein Gott, Joh. 20, 28. Mein Geliebter. Mein Sohn. Mein Freund. 2) Zuweilen bezeichnet es auch eiiie eiitferntercVerbindnng mit allerleyNebcnbe- griffen. An meinem d)«e, in meiner Scadt, in meinem Lande, wo ich wohne, woher ich gebürtig bin. Mein obiger Fremder, von welchem ich oben geredet habe. Es wwd, wie .alle ejgeutlicheFürwörrer,ohneArtikel gebraucht, nnd demHauptworte alle Mahl vorgesctzet. Findet sich zwischen beyden noch ein Bey- wort, so wird dieses im Singular am richtigsten nach der ersten Decliilation derBeywörter abgcändert, als wenn statt deSFürwor- tes der unbestimmte Artikel ein da tvare, im Plural aber nach der zweyten Declination,ats wenn der bestimmteArtikel der da stände. Mein armes Rmh. Meine lieben Freunde. Mit den Hauptwörtern Halbe, Oeg, Mille wird es im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart gern zusammen gezogen, doch so, daß das letzte n in das t euphomcum verwandelt wird. Meinethalben kann es geschehen, d. i. ich habe nichts dawider zu sagen, es ist mir gleichgültig. Alles dieses geschieh« meinetwegen, oder um Mei 1L8 meinetwillen, mir zum Besten, aus einem von mir hergenomrnr- nenBewegungsgrunde. S. 2. Lein, wo dasjenige, was d^se Zusammensetzungen betrifft, umständlich bemerket worden. 11 . Ohne Hauptwort, als ein Absolutum, welches auf doppelte Art geschieh«, r) So daß das ungewisse Geschlecht mein nach Art der Beywörtcr adverbialitcr gesetzt wird; welche Form doch nur im gemeinen Leben und in der vertraulichen Sp! echart übl-ch ist. Die Erbschaft ist mein. Mem gehöret das Buch? Antw. Es ist mein. Befehlt mir nicht, ich bin nicht weiter mein, Gell. Es sind nicht mehr als hundert Gulden mein, ebend. Nicht wahr, er soll doch mein? nähmlich seyn, ebend. Ach, strenge Schäfcrinn, wird auch dein Her; nicht mein? ebend. Jn- gleichcn mit der Inversion, um des Nachdruckes willen, wo es auch in der höher» Schreibart gebraucht wird. Mein ist das Verdienst, dich errettet zu haben. (S. 2. Dein 11 , wo mehr von diesem adverbialifchen Gebrauche gesagt worden.) 2) Außer dieser adverbialischen Form, so daß es sich auf ein darunter verstandenes Hauptwort beziehet, da es denn in der Declination von dem cons jnnctivenFürworte bloß darin, abweicht, daß die erste und vierte Endung im Singular meiner, meine, meines hat. Ist das dein Hut ? Ich dachte, es wäre meiner. Auch dieser Gebrauch ist in der vertraulichenSprechart am üblichsten. In der anständiger» gebraucht man dafür lieber das Abstractnm der, die, das weinige, S. dasselbe, ingleichen a. Dein 11 . Anrm JmOöerd.vondesKeroZeitenan mein, bey dem Ul. philas msms, im Niederst mien, im Angelst min, im Engl. m/, mins, im Wallis.man, imFcanz. mien, imPohln. ma^, im Lettischen manas, im Latein, meus, im Griech. und selbst im Pers. men. Lex Meineid, des —es, plur. die— e. 1) Ein mit Wissen und Vorsatz geschwornerfalscherEid, ein faischerEid; zum Unterschiede von einem bloß unwahrcn Eide, welchen man auch wider sein Wissen und Willen schwören kann. Einen Meineid schwören. 2) Die wiffeittliche Übc«r«nttg dessen, was man beschworenhat, derEidbruch ; ohne Plural, und nur in einigen Fällen. Sich eines Meineides schuldig machen, kam-, so wohl bedeuten, einen falschenEid schwören^als auch einen gcschwornea Eid vorsttz'lich übertreten. Anm. Jm Tatian iVlsrneida, in dem alten Fragmente auf Carl» den Großen bey dem Sch-lkr, getheilt, main im Angelst Lllanaetk^n Schwed.MLneci, im Oberdeutschen der vorigen Zeiten auch Meinschwnr. Es ist ans mein und Eid zusammen gesetz«. Jenes, welches jetzt im Hochdeutsche» veraltec ist, ist ein altes Wort, welches schon bey den ältesten Schriftstellern vockommt, und so wohl befleckt, beschmutzt, mangelhaft, als auch figürlich falsch,untreu,boshaft,, böse, u. st st bedeutete. Das Niederst meen bedeut« noch jetzt böse, lasterhaft. Angelst man, masns. Daher war Msinlat ehedem so viel als Missethat, u a- meino unschuldig n. s. s. Man hatte davon auch das Hauptwort Llsin, Niederst Meen, Schwed. lVIey, welches einen Mangel, ein Gebrechen, einen Makel, und figürlich Untreue, Falschheit, Bosheit und Laster bedeutete.' Man stehet bald, daß dieses alte Wort von mank, dem Siammworte von Mgng«, miß, Mahl, Makel, Flecken, dem Lat. malus, und andern mehr nur in dei» Ableitungslaute verschieden ist, und mit denselben vermuchlich von mähen, schneiden, abstammet, so daß es zunächst eure körperliche Verstümmelung, oder ein geschnittenes Mohl bedeutet. Das Lat. )V 1 sn 6 um,IV!sll 6 Lxund L4snc!icu5, find allem Ansehen nach damit verwandt, wenn nicht dieses letztere vielmehr zu mahnen, bitten, betteln, gehöret. (S. auch Monkaib.) Gottsched, welcher Meineid auf eine sehr sonderbare Art von,meine:-, (bey hm mevnen) ableitete, und es durch einen vermeinte» W «klarere. 1L9 Mei wollte es mit einem y, Mepnsid, geschrieben wissen; eine Schreibart, rvclche sich mit nichts vcrlhcidigen lasset. ' Memeiöry, —er, —sie, ach. et sstv. des Meineides schuldig. ^ -) Eines falschen Eides schuldig. Ein meineidiger Mensch. Ein Meineidiger. Noch häufiger aber 2) den geschwornen Eid mit Vorsatz übertretend. Meineidig werden. Eine meineidige Thal. Anm. In dem Schwabcnsp. nur msinsicl. Bey dem Notker heißt ein Meineidiger meinsiuero. Das ohne Noth verlängerte .Oberdeutsche meineidiglich ist im Hochdeutschen veraltet. Meinen, verb. reZ. welches seiner eigentlichenBedeutung nach längst veral«rt ist, und nur noch einige figürliche hintcrlassek^hat, welche insgesammt gewisse Fädigkeiten und Wirkungen der Seele bezeichnen. Es kommt in doppelter Gestalt vor. ^ I. Als ein Neutrum, mit dem Hiilfsworte haben, r) *Sich - erinnern; eine der ältesten und vermnthlich auch ersienBedeutnir- aen in weheres das Neittrnm vondcm Aetivo mahnen zu sepn scheinet. (S. dasselbe). Schon bey dem UlphilaS ist munja und ZLMUNLN sich erinnern,so wiebeyden älkesienNöimri« «neuere, und beydenspäternmemini, menifc«, eomminilci u. s. f. 2) *Dcnken, Schwed, n,ens, bey dem Ulvhilas m«>nsn, im Angels. maenon,; eine im Hochdeutschen gleichfalls veraltete Bedeutung, sin welcher mau nur noch zuiveilen im gemeineuLeben sagt, anders meinen/ anders handeln. Z) 3 " engerer Bedeutung, dafür halten, urtheilen, ohrw zu entscheiden, ob das Üccheil wahr ist oder nickt, so wohl im weitesten Verstände, ohne Rücksicht auf die Gründe, um welchrrwck» len solches geschrchct. Da sie rhu s-chen auf dem Meere wandelt«, mepneten sie, cs wäre ein Gespenst, Marc. 6, 4,9. wer ench todtet, wird mcpnen, er thue Gott euren Dienst daran, Joh. r6, 2. La«rn wird im nähern Glan; ihm (nnferm Geiste) derne . ^ Gnad erscheinen. Und er von dir nicht inehr nach vorurchcilen meinen, Gieseke. Als auch im engernVerstande, nach wahrscheinlichenGründen ur- thcilen. Man «nemet, der Streit werde bald geendiget sepn. Was meinen sie von der Sache ? Ich sollte es nicht meinen, -, r. ich glaube, ich vermittln' es nicht. Nun, wenn d«l meinest, wenn du es für rathsam, thuulich oder «vahr hältst. Meinst du, ich werde dir noch gute Worte geben ? Meinst du nicht, daß sie für einander geboren sind f Hell, was meinst du, Hab ich recht ? ebeiid. (S. auch vermeinen.) In beydcn Fallendst es nur im gemeinen Lebe«: und höchstens in der vertraulichen Sprechart üblich ; dagegen in der anftändigcru dafür glariben, halten, oder rin anderer Ausdruck gebraucht wird. Von glauben ist es außer der Würde desAuSdnufes auch noch darin unterschieden, daß dieses sich auf eines andernAussagebeziehet, ein Activumist, und daher auch die vierte Endung haben kann, dagegen meinen als eilt Neutrum nur absolute gebraucht wird. Hierher gehöret auch die in de«« gemeinen Sprecharren einiaerProvinzcnchefondersThürin- -ens und Frankens/übliche Ausfüllung-. Partikel meeg, welche ans mein ich, d. i. wie ich dafür halte, zusammen gezogen ist, wofür der mehr Oberdeutsche Pöbel halt oder Halter gebraucht. Schon Notker sagt, slln meiniek, für, das ist. 4) Mit seinen Worten einen gewissen Verstand verbinden; «m häufigsten im gemeineuLeben und der vcrtraulichenSprechart. was meinen sie damit? was wollen sie damit fagen ^Jngleichen, mit seinen Worten alifjemandcn zielen. Ich meine dich, wen mesuest du damit? wen hast dir Hey diesen Worten in Gedanken ? wo ist meine Braut ? — Ja , ich weiß nicht , welchesiemei- nen, Gell. Ehedem wurde es auch sehr häufig für sagen gebraucht, in welchem Verstände schon moinon bcy dem Otrfricd vorkommt. Inder anständigen Eprechatt ist es auch hjcr veraltet, und nur . Rei 160 noch im gemeinen Leben fragt man zuweilen, wenn man auf eine höfliche Art zu wissen verlangt, was der andere gesagt habe, was meinen sie ? oder, wie meinen sie? Es ist in diesen Fällen nur ein Überrest einer sehr alten weitern Bedeutung, nach welcher dieses Mort für bedeuten überhaupt gebraucht wurde; in welchem Verstände es mit dem Schwed, mens, mid dem Griech. überein kommt. Mik wunstsri was 6ss meine, was das bedeute, der Burggraf von Rictcnburg. meinet stiner stinke tcstin, ebend. — siVas meinest 6u Dss ckn l« ast Zelscstet nu ? ebend. «ras bedeutet das,daß. du jetzt gelacht hast. z) Willens senn, wollen, im Schwed, mens, im Gricch. Im Deutschen ist , besonders im Oberdeutschen in der Schreibart der Kanzelleyen, in diesem Verstände nur das Mittelwort gemeiner mit dem Zeitwerte seyn üblich ; gcmeinct scpn, Willens, entschlossen. Das lose Volk — Und ist gemepnt, mich grausam um;,«bringen, Opitz. Ich bin nicht gemeine«, die Sache darauf beruhen zu lassen. Der Rönig war nicht gemeint, diesem Anträge Gehör zu gebe«,. Jin Schweb, ist Minne der Wille. In enger«,, Verstände ist Zimeivan bey dein Ottfricd befehlen. 6 ) Eine gewisse Gesinnung gegen jemanden hegen, deren Ber schaffenhcit durch em Nebcnwort bestimmt wird, und mit dem Wörtchen es. Er meint es gut mit dir. Es redlich, aufrichtig, trer, meinen. Es falsch «„einen. Es war so böse nicht gemeint. Ich weiß, sie meinen es gut mit mir. Wir werden stets finden, daß Gott es besser mit dem Menschen mcinet, als es der Mensch mitfich meinen kann. Gell. DieGonne meint es gut, sie brennt fast gar ;r« sehr, ebend. Wo es auch in der passiven Form, doch nur unpersönlich gebraucht wird. Es ist so böse nicht gemeinet. Es war recht gut gemeint. Ehedem gebrauchte man es in diesem Verstände auch als ein Activum, milder vierten Endung der Person, Mit vntrew meinten sie mich zwar, Lheuerd. Las Volk das du regierest. Das dich mir Treuen me>rnt, Opitz. Den Gott mit Treuen mcynt, den er vo«, Herzen liebt, ebend. II. *Als ein Activum, lieben, geneigt, gewogen seyn, jemanden wohl «vollen, mit der vierten Endung der Person, und als eine Fortsetzung der vorigen Bedeutung; ein im Hochdeutschen veralteter Gebrauch, der doch in den vorigen Jahrhunderten, besonders bey den Oberdeutschen Schriftstellern, sehr häufig ist. Das li irr vonsterren meine, Marggr.Heinrich von Meißen. IUeZe stss mist tie^Iicst meine Der vii lieben münciel rot, Jacob von Warte. « wird deine Treu sich deiner Schönheit gleichen/ Und du mich mepnst, wie dich «nein Herze liebt, Opitz. Ich hasse den, der deine Bahn nicht mepnt, ebend. Es ist sehr wahrscheinlich, daß das veraltete Zeitwort minnen, lieben, nur das Jntcnsivuin von diesem meinen ist, und bloß einen höher« Grad des Wohlwollens und der Liebe bedeutet, daher ehedem beydeZeittvörter auch häußg mit einander verbunden wurden. 8 sAe ster lieben, clle lest von sterren minne, ^ Lie ist stie lest mir xsnLeo uüwen , ^ ine, Marggr. Ott- von Brandenburg. Dss iestirere — minnenost meine, Heinr. v.Vcldig. HVsr sn cker Minne vsisicstesibk. Dsmikicstiu— meine, Rudolph von Rotenburg. S. Minne. > ^ /- Das Met Met Das Verbale die Meinung ist nicht üblich, denn das Hauptwort dieses Klanges iss auf andere Art gebildet, S. dasselbe an seinem Orte. Anm. Im Nieders. mcenen, im Angcls. innenan. Ehedem Hatle dieses alte Zeitwort noch weit mehrere Bedeutungen. Man gebrauchte cs für lehren,, bestimmen, handeln oder thuu u. s. f. Diese letzte scheinet eine der ersten zu scyn, so daß meinen, so fern es handeln oder thuu bedenket, zunächst die damit verknüpfteBe- wegung ausdrncken, und also ein Abkömmling von mähen, sofern es ehedem bewegen bedeutete, seyn würde. S. das Activum Mahnen, welchss ans ähnliche Art davon herstaminet. Da die Nahmen aller Wirkungen des Geistes vonlörperlichen Bewegungen oder Handlungen entlehnet sind, so wurde meinen auch gar bald von den obpn gedachtm Handlungen der Seele gebraucht. Ehedem haue man auch das Hauptwort lVlin, welches das Ge- miith bedeutete, Engl. Schwed. iVlou, Jsländ. IVlune, und sehr sichtbar mit dem Lat. U, N3 und Griech. ,a.5voz überein kommt; woraus zugleich das hohe Alter dieses Wortes erhellet. (S. auch Miene.) Viele schreiben diesesWort und das davon ab- flanuncnde Hauptwort Meinung mit einem ep; eine Schreibart , welche nichts zu ihrem Behufs anzuführen vermag, und welche über dieß erst im - 6ten Jahrhunderte aufgekommen ist. 1. Meiner, meine, meines, das zncianendc Fürwort relative und ohne Hauptwort gebraucht, S. 5. Mein II. 2, sllomer, die zwcpte Endung des persönlichen Fürwortes ich. Erinnern sie sich meiner. Ich war meiner nichtmehr mächtig. Im Oberdeutschen gebraucht man diese zweyte Endung zuweilen anstatt derdrilkdn, Er näherte sich meiner, für mir. Ebendaselbst wird sic sehr häufig in mein zusammen gezogen. Es will sich niemand mein annehmen. Welches auch wohl einiw Hochdeutsche Dichter um des Reimes und Sylbenmaßcs willeu nach« ahmeu. Ach, sprach er, ach, erbarmt euch mein. Gell. Meinetchabben, Meinetwegen, Meinetwillen, S. z. Mein I. Der, die, das Meinige, das Abstractum des zueignenden Fürwortes mein, welches alle Mahl deu bestimmten Artikel erfordert, und ohne Hauptwort gebraucht wird, ob es sich gleich auf eines beziehet. Mache mit deinen Sachen was du willst, nur laß mir die weinigen. Jngleichen als ein Hauptwort. Ich habe das Meinige gethan, meine Pflicht, ingleichen, was in meinen Kräften war. Ich habe alles daL Meinige dabep zugesetzt, »rein Vermögen. Es ist das Meinige, mein Eigertthnm. Die Meinigen, meine Angehörigen, Verwandten. Ehedem pflegte n:an dieses Abstraetnm gern in der, die, das Meine zusammen zu ziehen. Mache mit deinen Sachen was du willst, nur laß mir die meinen. Welche Form zuweilen noch ben den Dichtern verkommt. -Laß sehn, spricht Galache, obs auch die meine sep, Gell. Die Meinen, meine Angehörigen. Das Meine, mein Eigen- thum, mein Vermögen. Die Meinung, plur. die—en, ein Hauptwort, welches nicht das Verbale des Zeitwortes meinen ist, weil es sonst die Handlung des Weinens bedeuten müßte, sondern aus demselben und der Ableikniigssylbe—ung. ein Sulchet, ein Ding, zusammen gefettet worden, ein von dem Gemülhe gewirktes Ding zu bezeichnen. Es ist jetzt nur noch in folgenden Fällen üblich. 1) Das Urtheil über eine Sache nach wahrscheinlichen Gründen, ohne zu entscheiden, ob dieses Urtheil wahr ist, oder nicht; dahcr.es so wohl ge- grunde^e itNtinnngengibt, wenn dieses Urtheil ans'wahrschein- l»u',cn Netzen, durch ordentliche mit einander verknüpfte Schlüsse hermleitet wird, als u,-gegründete. Etner Meinung seftn, sie Adel.W.V.Z.Th. 2.Auß. 162 haben , hegen. Ich bin der Meinung, es werde nicht geschehen. Mit einem andern gleicher Meinung sepn. Andrer Meinung werden. In der Meinung stehen, sie haben. Auf seiner Meinung, bep seiner Meinung bleiben, vorharren, davon abgehcn, sie verlassen. Jemanden umseine Meinungin einer Sache fragen. Meiner Meinung nach, wie ich dafür halte. Es gibt hierüber allerley Meinungen. Alts eine Meinung gerathur. Jemanden irrige Meinungen bepbringen. Jemanden bcp seiner Meinung lassen. Meine Mainung geht dahin. Eine übertriebene Meinung von sich selbst haben» Darin bin ich völlig ihrer Meinung. Unrichtige Meinungen erzeugen unrichtige Begierden, Gell. Die wahre Freundschaft setzet allezeit gegenseitige Verdienste voraus, wenigstens.die Men-.mg derselben, ebeud. Jemanden seine Mernung.sagen, im gemeinen Leben auch, ihm einen Verweis geben. 2)Die Absicht und Gesinnung ; wo der Plural ungewöhnlich ist, Es war nicht meine Meinung, dich zu treffen. Ich habe es nicht in der Meinung gethan. Ich kam her in der Meinung dich zu b c wichen. Ich habe cs aus keiner bösen Meinung gethan. 5) Der Wille; ein in den Kavzellcyeu vorzüglich üblicher Gebrauch, wo es gleichfalls am häufigsteu im Singular vorkommt. Und sendetzu uns desNoniges Meinung über diesem, Esr. 5,17. Man hat davon auch das zusammen gesetzte die WUlensmeinmig, um die Zweideutigkeit des lctztcrn Wortcs'Zu' heben. Anm. Bey dem Notker ftleiaunZv, bey dem Ottfried, für Absicht, iVleiuon. Bey andern kommt es mit andern Ableitirngs- sylben vor. Bey dem Ottfried ist iVlLiadm die Ansicht, im Wallis. Hl innu. S. Meinen und—Ung. Der Mersch, des —es, pftir. doch nur von mehrern Arten, die —e, ein nur noch in einigen Fällen übliches Wort, eine Vermischung, einen vermischten Körperzu bezeichnen. >) JmÖster- reichischen wird, dem Hueber zu Folge, der noch nicht lautere Wein Maisch oder Meisch genannt. Bey den Branntweinbrennern ist der Mösch oder Meisch das mit Wasser und Hefen vermischte Malzschrot, woraus der Branntwein gebrenuet wird. Z) In dem Bierbraucu flr der Meisch oder Mösch, in Schlesien Matsch, das geschrotene uud mit heißem Wasser vermrügte Malz, welches die Grundlage des Bieres abgibt, und noch von der Würze verschieden ist. Im Schwed. Der Aleischdottich, des — es, plur. die — c, in den Brauhäusern, ein Bottich, worin das geschrotene Malz eingemeischer, d. i. mit heißem Wasser vermischet wird ; wenn es eine Kufe ist, so heißt sie die Meischkufe, und wenn es ein Faß ist , das Meischfaß. Meischen, vsrb. reA. act. rühren, und in engerer Bedeutung, durch Rühren vermischen, welches ft wie das Hauptwort Meisch nur noch in einigen Fällen, besonders bey den Bierbrauern, üblich ist. Das Malz mischen, cs nach darauf gegossenem heißen Wasser mit der Meischkrücke und dem Rührsteckei: nmrühren, damitcs sich gehörig mit demWasser vermische, welche ganzeHand- lung auch einmeischcn genannt wird. So auch die Neischung. Anm. Im Dän. mädske, es bezeichnet zunächst das Rühren, , undkommt darin mit dem Slavomschen miollu, lr?.iellu, rühren, und Griech. ^«a^s,v, überein. Es gehöret gleichfalls zu dem G e sch l echte des Wortes mäben, bewegen, von welchem cs nur in dem Ableitüngslantc verschieden ist. Mit mischen ist es sehr genau verwandt, (S. dasselbe.) Die im gemeinen Leben üblichen Sprech-und Schre-ibcarten maischen, mensch.cn, möschen n. s. s. ciitferneu sich mehr oder weniger von der Abstammung. Das Möiscyfäss, des — sses , xlur. die—fä'sscr, (S. Meisch- bottich.) In dem Weinbaue einiger Gegenden wird auch das Faß, ig welchem man die Beeren nach der Kelter führet, das L Meisch saß !YZ M.e i l- L 'Mcischfast .gencumt. In Thüringen und Franken heißt es die Leithe. . _ Die MeischkLüLe,-plur. die—u, eben daselbst , eme Krücke,- womit das Malz gemeischet, d. i. umgerühret und mit dem Wasser vermischet wird. Die Meifchkufe, plur.die-m, S. Meischbottlch. 'Die M risse, j)lur. die—n, Diminut. das Meischen, Ooer>.. Meislein, ein kleiner Sangvogcl mit einem dünnen pfeieme.-lföc- rnigcn Schnabel und mit Federn bedeckten Nasenlöchern, welcher auf die Zweige der Bännw klettert, und sich von Jnftcten und Fleisch nähret; ^crruZ l^. und Es gibtihrer verschiedene Arten, S. Brandnre-ise.Rshlmeise, Tannenmeift, Blaumeise, Mönchmeise, Aschmeise, Haubenmeise, Schwanzmeise n. s.f. Anm. In Niedees. Meeske, iin Angels. iVIule, im nntttern Lat. ^iLissr, im Schwed, lVlKsse, im Dän. Musvit, '..n Engll. '.Vitmouts, ^uskin, im Fran;. Echtst ungewiß, ob die-er Vogel den Nahmen von seinem gemeiniglich schwarzen -Kspft'hat, oder von seinem Gcschreye, oder von seiner kleinen Gestalt, oder von ftincr Gewohnheit, a'I e S zu behacken, von meißeln, wie Maus von dem Benagen-, oder auch von eurem andern Umstande. In dem ersten Falle würde Meise nach einer sehr gewöhnlichen Verwechselung des r und s ansMohr entstanden soyn, Ivic denn dieser Vogel auch wirklich in einigen Gegenden da- Mohrvögelchen genannt wird- Wachter leuet leinen Nahmen von der Kleinheit her, und rechnet ihn zu dem Griech. ^cstr», kleiner, so wie ihm zuFolge auch der Lat. Nähme ^ÄrusvonPLr- v us, und der Schweb. stsctkÄ,Dön. Titlrng, Engl. I'ir.mouls ,ind ^lorkiklinZ, vondenrTriech. ^-vi-Ls; klein, abstammen soll, der aber auch eine Nachahmung seines GeschreyeS seyukanu. Ihre glaubt, dieser Vogel habe seinen Nahmen daher, weil er sich gern in Mooren oder sumpfigen Gegenden aufhalte, welches aber wohl nicht gegründet ist, und Frisch, weil er einer Mansmhnlich sey. Der Meisenfcrntz, des—es, nlur. iuuss die Handlung, da may Meissen fangt, Lie'Meissenhürte, plrrr.'die —n, eine Klobenhütte, so fern sie besonders zum Meisenfange gcbrailcht wird. Der Meissenkasten, des—s, viur. ut nom. ssmx. eine Falle in Ge,Mt eines kleinen Kastens, Meisen darin zu fangen; de« Meisenschlag, N-eders. Dlippe, Vogelklippe. Der Merssenkloben, des —s, plur. ut nom. siu§. ein Kloben, Meisen damit zu fangen. Der Meissenssöniy^ des—^es, plur. die—-e. i) Ein Nähme des gemeinen Zaunköniges, welcher auch Winterkönig, Schneekönig, Ncsselkönstg,DornköniF u. s. f. genannt wird; ^roetilo- Die erste Hälfte dieses Wortes scheinet hier nur eine zufällige Ähnlichkeit des Klanges mit Meise, karus, zu haben, und zu einem andern Stamme zu gehören, es müßte denn der Zaunkönig diesen Nahmen wegen einiger Ähnlichkeit mit der Meise führen. 2) In einigen Gegenden führet die Mönchmcise den Nahmen des Meisenköniges, vielleicht weil sie größer ist, als dieübeigen Arten, (S. Mönchmcise.) 3) Ingleichen eine Art grüner Grasmücken, mit einer schwarzen Platte auf dem Kopfe, welche einen angenehmen Gesang hat und auch Meisenmönch, Mönch und Schwarzkopf genannt wird. Sie stehet der sanft weise sehr ähnlich. Der Mcstssennrö'nch, des — es, ^lur. die — e, S. das vorige. Die Meissen pfeife, p) ur. die —n, Diminut. das Nsiseirpfeift chen, Oberd. Meisenpfeiflein, eine kleine Pfeift, womit man die Stimme der Meisen nachznahmen Pfleget, wenn man sie in die Kloben oder Kasten locken will. Der MeisensschlaZ, des — es,^ 1 ur. die—schlage, S. Meifen- . Lasten und Schlag. Der Meissentcrnz, des — es, ftlur. die—tanze, ein Werkzeug der Vogelsteller, welches ans einem Gestelle mit mehrern auf kleine Stangen gehängten Sprenkeln bestehet, Meisen damit zu fangen. Der Meist, des-es, piur. die —e, ein nur im Forstwesen einiger Gegenden übliches Wort, ein Gehau, einen Hau, oder einen Schlag zu bezeichnen. Einen Wald in gewisse Meiste chei» len, in Haue oder Gehaue. Daher das zusammen gesetzte ab^ Meißen, kötreröen, übhüuen» 66 ^cheüret zu'^em Äl-vrte zu gehören, so fern es einen abgemessenen oder abgecheilten Bezirk bedeutet, oder mit yoch mehrerer Wahrscheinlichkeit zu dem Geschlecht dc-S Wortes Meiste!, Messer u. s. s. so daß es mit Hau oder Gehau gleichbedeutend ist. (S. das folgende.) Im Oberd. wird es Mais und inaiftn geschrieben. l.Der Meißel, des — s, plur. ut uonu ssuag. Dinunnt. dar . Meißelchen, Obcrd. Meistellein, ein Werkzeug Zum Schneide», Hauen oder Siechen; in welchem Verstände es nur noch in engerer Bedeutung von verschiedenen schmalen mit einem langen Hefte versehrnenWerkzeugen dieser Art gebraucht wird. Dm Bilohmu r -m nennen alle stählerne Werkzeuge, Holz oder stritt vermittelst des Schlägels zu bearbeiten, Meißel. Die Meiste! der Tischler und Zimmecleute find von ähnlicher Art und werden zuweilen «auch Stämmeisen und Durchschlage genannt. Ein Meißel mit gekrümmter und hohlerSchneide heißt bey denTischlern und Drechslern ein Hohleisen, so wie der Stechbcutel der ersteru eilt an der Scharfe breit und schief geschlissener Meißel ist, das Holz mit der Faust gerade zu bestoßen. Die stachen mit schräger Schneide versehenen Drcheiscn der Drechsler führen gleichfalls den Nahmen der Meißel, und bey den Fcilenhauern werden alle Werkzeuge ohne Heft, die Feiten damit gilrcrförmig zu hauen, Meiste! ge, nannt. Die ähnlichen Werkzeuge^, in Metall damit zu graben oder stechen, welche bey andern Metallarbeitern Grabstichel oder Bunzcn heiße», führen bey den Schwertftgern den Nahmen der Meißelchen, so wie die runden Hauer bey den Klämvcnern Meißel heißen. Im Bergbaus ist der Meißel ein Eisen mit einem langen Hefte, dasjenige, was sich in dem Oftnloche angesetzet hat, damit abzu stoßen. Anm. Im Dän. Meisel. Es ist vermittelst der AblertungS, sylbe—welche ein Werkzeug bedeutet, von dem veralteten Zeitwortc meisten, schneiden, hauen, graben, stechen, gebildet,, welches ein Jntensivum oder Jterativum von meiden, mähen, schneid^», zu seyn scheinet, oder doch genaubamit verwandt ist. Meißel und Messer sind eigentlich nur in der Munda.t verschieden. S: Meißeln, Metzeln, Metzcher, Meiden, Nahen n. a. m. L. Die Meißel, x»!ur. die —n, Diminut. das Meißelchen, m Oberd. Meistelein, bey den Wundärzten, ein aus geschabter Leinwand gedreheter kleiner Cylinder, oder ein solches Bäuschlei», in die Wunden zu legen. An andern Orten die Schleiße, der penfel, am Rheine Traftl, in Österreich Wurzel, Nieders.'d-c Wieke, Franz. LüLt-pie. Ohne Zweifel müdem folgenden vo» meisten, schneiden, Hallen, schaben, und der Ablcitungsiylbc H e, ein Ding, so daß es, so wie das Franz. Lir^r^is, von dem Niederst scharben, schepbcn, eigentlich ein geschabtes Diilg , und i» engerer Bedeutung, geschabte Leinwand bezeichnet. Bey einige» ist cs auch im männlichen Geschlechte üblich, der Meißel. Der Meißelbohrer,des —s, piui-. ukuona. linZ. im Berg« baue, eitle Art des Erdbohrers mit einer meißelförmigen Schueioe, in Kalk - oder anderes Gestein damit zu bohren. Meißeln, verk- reA. ncb. ») Ein Dimlrwtivum oder Fregnenta» tivum von dem veralteten meisten, schneiden; in welchem Verstände es nur noch in einigen Fällen üblich ist. Inder Pftrouvar- tung nmneLmüirdasBesch neiden der allzu langer-rOhren dec-pfer meißeln. L6L Met meißeln. Zu ben Bleich- oder Kleibewcrken müssenm dieRiegek Fugen genwißelt finden gemeinen Mundarten gemosclt) werden, die Kleibestangen darein zu zwängen. 2) Zn engerer Bedeutung, mit dem Meißel bearbeiten; unmittelbar von dem vorigen Hauptworte Meißel, wo es in den Zusammensetzungen abmeißeln,auf- mcißein, arrsmeißeln u. s.f. am üblichsten ist. So auch die Meißclung. S. Messer, Metzcher, Metzeln und ».Meiden. Meist, s 6j. et nck v. welches der Superlativ von dem Comparative mehr, und dem veralteten Positive meh, viel, groß, ist, so daß meist für mehrst stehet. Es wird so wohl von dev größten Menge, als auch von dem größten Grade der Jntension unter mebrern Mengen oder Graden gebraucht. Die meisten Stimmen gelten. Er hat das meiste Geld gewonnen. Den meisten verstand, das meiste Ansehen haben. Eigentlichen Eollectivis wird es seltener vorgcsctzct. Der meiste Thcil, besser, der größte Thcil. Dev meiste saufe, ^ Macc. -1. 12, der größte Theil des Haufens. Jnglcichcn in Gestalt einesHauptwortes. Mir haben das Meiste gegeben. Die Meisten oder die meisten, die meist.n Menschen. Das Meiste oder meiste biethcn. Wie auchin adverbischerGesialt mit dem gewöhnlichen am. Am meisten geben- leiden , rhun. Wer am meisten gesündigct hat, wird auch am meisten gestraft. Für gemeiniglich, am häufigsten, ist es nur noch im gemeinen Leben üblich. Das pfleget am meisten im Gommer zu geschehen. So wie auch aufs meiste für auf das höchste irm Hochdeutschen «-«gewöhnlich ist. Jemand -— oder zwecn oder aufs meiste dre?, » Cor. 14, 2 7. In der gewöhnlichen adver- bischen Gestalt der Beywvrter kommt es nur in der niedrigen Sprechart, besonders Niedersachsens, vor. Ich bin meist fertig, größten Theils, beynahe, fast. Es. ist meist alles bezahlet. Etwas gewöhnlicher ist im Hochdeutschen meistens, S. dasselbe. Das Schweb, m eff wird auf eben diese Art gebraucht, Anni. Bey dbmKcro und Willeram rnt-ili, bey denrUlphilas- inäiüs und miü, im Angels. maeli, im Schweb, nreü, im Dan. mcest, im Engl. irioü, imGriech. im Lat. rnLxi- mus. S. Ukchr. Meistbiethsn-, nckj. et Lckv. welches im gemeinen Leben und der gcrichtlicheir Schreibart, für der am meisten blechende , größten Theils als ein Hauptwort üblich ist. Etwas den -Merstbiecheu-, den verkaufen, denen, welche am meisten biethcn. Meistens, sc! v. welches in der vcrrraulichcnSprcchart fürdas niedrige meist, größten Theils, meisten Theils, üblich ist. Er hat mir diese Bücher meistens verschaffe Gell.. Die Engländer- find meistens freigebig, dem größten Theile nach. Eben diese Eitelkeit ist meistens das Werk seiner Schmeichele?, Dusch.. Man schmeichelt sich meistens vergebens, den Wissenschaften außer d«"- Ehr besser zu leben, Gell. Nieders. meistlik, bey den Schwäbischen Dichtern meitiiZ. Meistentheils- richtiger getrennt meisten Shells, «chv. in der vertraulichen Sprechart, wie meistens, dem meisten und größten Theile nach, größten Theils, wofür man m der anständiger« Schreibart auch wohl mehrenrheils gebraucht. Ich habe es meisten Theils bepfammen. Der Meister, des-—s, plur. ut nom. Fämin. die Meisterin«, ein altes Wort, welches in folgenden Bedeutungen vorkommt. i. Überhaupt, der vornehmste unter mebrern Einer Art, der Vorgesetzte; eine nur noch in einer großen Menge vonZusammen- setzungen übliche Bedeutung, wo esVorgesetzte vorl allen Artendes Runges und der Würde bedeutet. Drrgleichenffnd, Hofmeister, Forstmeister, Jägermeister, Zeldzeugmeifter, Rittmeister, Bürgermeister, Baumeister, Betkmeifter, Brunnenmeister, Bnchscmneistcr, Capell-Meifler, Lüchcnmejster, ProviMt- M ei 166 Meistek, Kellermeister, Mimzmei'fler, Schulmeister, ÄkauerZ- Meister, Postmeister, Schatzmeister, Borhenmcister, Zahlmeister, und hundort andere mehr, wo cs bald einen Vorgesetzten*, mehrerer Personen Einer Art, bald aber auch gewisser Sachen bezeichnet. Für sich allein ist es in dreserBcdcutung, wenigstens irr der anständigen Schreibart, veraltet. Bey dem Willeram heißt die vornehmste Kirche unter mchrern, I^leiüerinnÄ. Nur der.- Abdecker oder Zeldmeister wird an einigen Drten iroch Meister schlechthin gencnmt , S. Meistere?. 2. Zn engerer Bedeutung. 1) Der vornehmste der Macht «ach, der Herr, der Macht und Stärke nach, Schweb. IlelUrre; eine ihrem ganze« Umfange nach gleichfalls veraltete Bedeutung. Jemanden für seinem Meister erkennen, dessen überlegene Stärke cinränmen; im gemeinen Leben. Zn der vertranlicherrSprecharr ist diese Bedenrnng nur noch in einigen Arten der Ausdrücke üblich, wo es im männlichen Geschlecht allein von Heyden Geschlechtern gebraucht wird, und im Singular am üblichsten ist. Sich von etwas Meisten machen, ohne Artikel, sich dessen bemeistern. Die Leinde haben sich von der Stadt Meister gemacht. Meister von etwas- se?n, es in seiner Gewalt haben. Den Meister spielen, mit. überlegener Macht wirken. Die Russen spielten in dem letzten Türkenkriege überall den Meister. Seiner selbst nicht Meister seyn, sich nicht in seiner Gewalt haben, gleichfalls ohne Artikel. Cholerische Gemüther sind ihrer selbst selten Meister. Dcri'rrde ist niemahls über ihre Begierden Meister. 2) Den Kenntnissen,amd besonders der Geschicklichkeitnach.. (a) Überhaupt, wo es gleichfalls niw noch in einigen Fällen üblich » ist. Einen großen Künstler, rinen in seincrWissen schaff vorzüglich erfahrnen Mann, pflegt man oft einen großen Meister, eincir- Meister in seiner Dunst, in seinem Zache, in seiner Wissenschaft, und wenn cs eine Person weiblichen Geschlechtes ist, eine- Meisterr'nn zu nennen, ohne daß diesem Worte hier etwas von: dein Verächtlichen der folgenden Bedeutung eines Handwerksmeisters anklebte. Die Meisterin« derLredcr, heißt die Nachtigall' mehnnahls bey denDichtern. Ehedem pflegte man auch dieDocto- res und Mägistros ans Universitäten im Deutschen nur Meister z» nennen , welche Bedeutung aber veraltet ist. Meister §nchs,. heißt der- Fuchs noch im Scherze , wegen feiner überlegenen Lisi.. (b) In engerer Bedeutung. (2) Ein Künstler, besonders ein Künstler von vorzüglicher Geschicklichkeit.' Thubaikam, des Meister in allerle? Erz und Eisenwerk, » Mos. 4, 22. Der. war ein Meister in Erz-, i Kön. 7, r 4 t wie zwo Spangen die des Neistcrschand gemacht hat. Hohe!. 7, tx. Im Hoch^ deutschen ist es anch.hier vapaltet, außer wennrs in der vorigen Bedeutung gebraucht wird, einen Künstler von vorzüglicher Ge- schicklichkeitzu bezeichnen. ME in Handwerker, welchersein.Hand- werkgehörig erlernet, und sich das Recht erworben hat, Gesellen und Lchrlinge-halten zn dürfen, entweder wegen seinerüberlegenen Erfahrung, oder auch in der folgenden .Bedeutung, so fern er dem Lehrlinge entgegen gesetzet wird. DessenEhegattinn. dieMeistcrinn. Es wird in dieser Bedeutung, welche überhaupt dem ganzen Worte, einen niedrigen Ncbenbegriffverursacht hat, nur von den eigrrrt» lichcn Handwerkern gebraucht, dagegen bey Künstlern und andern- ähnllchen Lebensarten die Ausdrücke Principal, mid in BeziehnnK.. aufden Lehrling, Lehrhevr u,.f. f. üblich sind. Meister werden,, sirchaufdie gebräuchliche Art das Recht erwerben, ein Handwerk, öffentlich treiben und Gesellen und Lehrlinge halte« zu dürfen. Der Dorfmeister, ein Handwerksmeister auf einem Dorff, zum- Unterschiede von einem Gtadtmerstcr. Im Franz, heißt daher er«. Handwerk nudln weilererBedcutling eiuejedeHantirnng^lLti^r^ ehedem i^ellisr, im Ztal. IstLÜiere, Ein Lebecr, im L ^ ' Gegen sakr? z.6/ M ei Gegensätze des Schülers; der Lehrmeister. Oer Herr wird aus- roeren, beyde Meister und Schüler, Malach. 2, 12. Der Junger ist nicht über seinen Meister, Matth. 10,24. Ihr soll; euch nicht lassen Meister nennen, Matth. 2z , 10. Bist -u ein Meister in Israel e Joh. 3, ' Vermnthlich hat man es rrm der vorigen Bedeutung willen auch in diesem Verstände veralten lassen,"denn wenn noch jetzt ein Schiller seinen Lehrer seinen Meister nennet, so geschiehst es nur noch im vertraulichenScherze. Doch gebraucht man es noch in einigen Zusammensetzungen von solchen Personen, welche in gewissen freycn Künsten Unterricht er- theilen. Dergleichen sindGprachmeister, Rechenmeister,Zeichen- ineister, Tanzmeister, Exercitien-Meister, Schreibcmcistcr u.s.f. Wenn es vonKünstlern/imGegensatzedesSchiilers, zuweilen auch noch außer der Zusammensetzung gebraucht wird, z. B. in die Lande eines schlechten Meisters fallen, so scheinet es hierbei« mehrdic allgemeinere Bedeutung eines Kunsterfahrnen zu haben. z. In weiterer Bedeutung, derjenige, welcher ein Werk hervor gebracht hat, im Gegensätze des Werkes; so wohl umder überlegenen Kenntniß undGeschicklichkrit, als auch nm der überlegenen Gewalt willen. 2 lls wenn ein Werk spräche von seinem Mcister : er hat mich nicht gemacht, Es. 29, 16. Das Werk lobet den Meister, Sir. 9, 24. Anm. Inden meisten der obigen Bedeutungen schon ft-t des Kero Zeiten Meitiur, im Engl. Malier, im Schwed. Meltare, im Island.Meiliure, im Mittlern Lat. Meilirulis, imWallts. Meiüri, im Wend. Mojüsr, im Franzos. MailrI, im Ira!. Maestro, im Wallach. Maüoru, und Alban. Mjestur. Es ist wegen des hohen Alters und weiten Umfanges dieses Wortes nicht wahrscheinlich, daß es, wie man gemeiniglich behauptet, ans dem Lat. Meister entlehnet worden; glaublicher aber, daß es ein gleichzeitiger Seitenvcrwandter desselben ist. So wie Meier, von dem alten Positive meh, mei, groß, viel, vornehm, und der Ablei- tnngssylbe—er, eine Person männlichenGeschlechtes, gebildet ist, so ist auch Meister sehr regelmäßig aus demSnper lativo meist und eben dieser Ablcitungssylbe zusammen gesctzet. S. Meier und das verwandte Macht. Der MeisierdrnL, des —cs, plur. die —e, indcr Mahlercy, ein großer,-kühner, bedeutender Druck des Pinsels), welcher die Hand eines Meisters, d. i. eines erfahrnen, großen Künstlers, zu erkennen gibt. S. Meister 2. 2) (a). Das Mcifteressen, des—s, plur. ul. vorn. lmZ. bey den Handwerkern , die Mahlzeit, welche derjenige, welcher zum Meister ausgenommen wird, den übrigen Meistern gibt. Die Meifterey, plur. die —en, ein in einigen Gegenden fssr Feldmeistere- übliches Wort. ') Die Haimnmg, Lebensart eines Feldmeisiers oder Abdeckers ; ohne Plural. 2) Die Wohnung des Fcldmcisters oder Meisters , nebst dem derselben ankle- bcnden Rechte des Abdeckens. In beyden Fällen auch die Ravil- lerey. S. Meister i. und Feldmeisier. Düö Metstergeld/des —es, plur. doch nur von niehrcru Summen, die—er, bey den Handwerkern, i) dasjenige Geld, welches derjenige, welcher Meister werden will, an die Zunft bezahlet. 2) Dasjenige Geld, welches die Gesellen mancher Handwerker dem Meister für den Gebrauch des Handwerkszeuges geben, und welches gemeiniglich Ein Groschen des Tages ist, daher es auch der Merssergroschen heißt. Der Meistüryesany, des—es, plur.die—sänge, derGesang eines Meistersangers, S. dieses Wort. Der Meisiertzesell, des — en, piur. die — en, bey den Hand. rverkern, ein Gesell, welcher bey einer Handwerkswitwe die Stelle des Meisters vertritt. Mei 163 Meisterhaft, — er, — este, säj. eb Lcl v. von Meister, cm in seiner Kunst, in seiner Wissenschaft vorzüglich erfahrner, geschickter Mann, einem solchen Mannegemäß, in Hess-n Fertigkeit, Erfahrung und Einsicht gegründet; im qemeinenLcben meisterlich. Ein meisterhaftes Gemählde. Ein meisterhafter Streich. Die Meisterband, plur. die — Hände, von der vorigen Beden- tnng und figürlich, die Geschicklichkeit und Einsicht eines in einer Sache vorzüglich erfahrnen und geschickten Mannes. Dre Meisterhand, welche den elastischen Vollkommenheiten der Alten nachzueifern weiß. Der Meisterjätter, des — s, plur. ul nom. lluF. an den Höfen, erfahrne Jäger, welche im Range auf die Jagd - Cavalier und Jagdjuuker folgen, den Jagd-Pagen, Jagdschreibcrn, Leib- iind Hofjägeru u. s. f. aber vergehen, und die anbefohlnen Jagden anstelle». Von Meister, so fern es einen Vorgesetzten bedeutet. Der Meisterknecht, des — es , p!ur. die — e. -) Bey den Schäfern, der vornehmste Schafknecht, welcher die Schafe treibt und hüthet, zum Unterschiede von dem Hammelknechec und Lämmerknechte. Im Niederst ist Meisterknecht der oberste Bediente in einer Fabrik, welcher die Aufsicht über die übrigen Arbeiter hat. Beydes von Meister, so fern es einen Vorgesetzten, oder dei; Vornehmsten unter mehrern bedeutet. 2) Von den Handwer- klstn wird der Jlingmcistcr, d. i. der jüngste Meister, welcher die übrigen Meister zusammen ruft, der Meisterknecht genannt. Der Mrrsterköch, plur. die — koche, an den Höfen, der vornehmste mtter den Hofköchen, welcher aber noch von dem Mundkoche unterschieden ist. S. Meister '. Die Meisterlaöe, plur. die — n, bey den Handwerkern, die Lüde, oder das Bchältniß, worin die Frcyheiien , Gerechtsamen u. st f. des Handwerkes, die Rechnungen und Gelder der Zunft u. st f. verwahret werden, Und welche auch nur dieLade schlechthin heißt; zum Unterschiede von der Gescllenlade. Meisterlich, —er, —ste, uclj. et uck v. wie meisterhaft, nur daß dieses mehr der anständigen Svrechact, meisterlich aber mehr dem gemeinen Sprachgebrauchs gemäß ist. Vlach der Rur,st meisterlich bilden, Weisl). 1 z, 1 Z. Wie meisterlich wußte er seine Empfindungen zu verbergen! Das kann ich meuieriich. Er glaubt, seine Sache meisterlich gemacht zu haben, vortrefflich. Meistern, verl>. reg. uel. welches von dem Hauptworte Meister gebildet ist, aber einen großen Theil seiner ehemahligen Bedeutungen verloren hat. Es bedeutete, 1).* Personen oder Sachen vorgesetzet seyn, sie regieren; (S. Meister >,) Eine veraltete Bedeutung, in welcher meilirou in den Monseeischen Glossen vorkommt. Etwas dieser Bedeutung ähnliches scheinet auch Luther Hrobz8, 33, im Sinne gehabt zu haben: weißest du, wie der Himmel zu regieren ist? oder kannst du ihn meistern aufLr- den? Wo cs bey Michaelis heißt: Rennst du die Gesetze des Himmels, und machst die Abzeichnung für ihn auf der Erde? 2) Bemächtigen, überwältigen, von Mecher, so fern es einen Stärker», einen Herren bedeutet; eine gleichfalls veraltete Bedeutung, in welcher noch die zusammen gesetzten bemc.stern und über- meistern üblich sind. Ich kenne mich nicht mehr, ich weiß nicht was ich setze, Oie Regung meistert mich, Gryph. 3) Sofern Meister eine mu überlegener Einsicht oder Geschicklichkeit begabte Person bedeutet, ist meistern niit dem Bewnßlseyn dieser überlegenen Einsicht tadeln, wo es doch größten Theils nur in engerer Bedeutung und im uachtheiligen Verstände, von der eingebildeten überlegenen Emsicht, oder einem nilzeitigen, ungebührlichen Tadel der Handlungen oder Wirkungen eines andern gebraucht wird; Schwed, melüs, Franz, mällrtl'pr. Sie versuchten Mei 169 suchten Gott rmmer, und meisterten den Heiligen in Israel, Ps. 78, 4 r. wer ist mir gleich? wer will mich meistern, Jcr> 49, -9. . ^ Auch der dich meistert, muß dich lieben, Haged. Soll die Seele sich entwickeln, und in rechter Große bluhn, Ö, so muß kein klügelnd Meistern ihr die Majestät entzieh«, cbend. Oer mein Thun zu meistern denkt, predigt tauben Mhren, cbend. Oer Dünkel meistre dich, cs mag dic Thorheit rich- ren, Drisch. Inder im gemeinen Leben üblichen Ä. A. wer am Wege bauet, chat viel Meister, ist Meister ans dem sonst ungewöhnlichen Meisterer, Tadler, zusammen gezogen. 4 ) *Von Meister, ein Lehrer, war meistern ehedem lehren , in welcher ganz veralteten Bedeutung Notker m^ittorev gebraucht. Z) *So fern endlich Meister den Urheber , Verfertiger eines Werkes bedeutet, war meistern ehedem auch hervor bringen, verfertigen, machen. Lcripimras clio clu ineilirotoü, Notk.dieSchriftcn, welche du verfertigtest. Auch diese Bedeutung ist veraltet; indessen scheinet ben den Färbern noch etwas davon »blich zu ftyn, bey welchen meistern dir Grundfarbe cinrichten bedeutet. Anm. DaS Hauptwort die Meisterung ist nicht üblich. Im Schweb, heißt mellra auch zerbreche«!, wo es besonders von dem Glase und den Fenstern gebraucht wird, aber alsdann ein ganz anderes Zeitwort ist, welches vcrmuthlich zu meiden, mähen, schneiden, stoßen, bey dem Mhilas inLÜLU, gehöret. Siehe Meißel. Das Meiflerpfunö, des—es, plur. die—-e, bey den Woll- webern, eine Art schwererer Pfunde als die gewöhnlichen, nach welchen die Wolle, welche sic zum Spinnen ausgebrn , gewogen wird. Von Meister, so fern es im weitesten Verstände ein andern Dingen seiner Art überlegenes Ding bedeutet, Das Meisterrecht , des —cs , plur. die — e. i) Bey den Handwerkern, das mit dem Nahmen und Stande eines Handwerks»! eisiers verbundene Recht, das Recht, ein Handwerk öffentlich zu treiben, und Gesellen und Lehrlinge zu Hallen. Das Meisterrecht erhalten, erlangen, gewinnen. 2) In einigen Oberdeutschen Gegenden bedeutet es auch das Meisterstück. Sein Meisterrecht an etwas thun, Opitz. Und an einem andern Orte nennt er die Natur des Höchsten Meisterrecht und erstge- borncs Aind. Der Mecstersanger , oder Meistersinger, des—-s, plur, M nom. liliZ.rine alte Art zunstmäßig eingerichteter Dichter oder vielmehr Reimer, welche wie andere Handwerker Merster und Lehrlinge unter sich baden, und noch in Nürnberg, Srraßburg und einiget! andern Oberdeutschen Städten zünftig sind. Sie stammen von den chemahliacn Dichtern des Schwäbischen Zeitalters oder den sogenanmen Minnesängern ab, undsingen ihre Meistergesänge oder Meisterlieder in ihren Zechen und Gingeschulen oder seyrrlichen Versammlungen, nach gewissen angenommenen Mcistertonen her. Die Meisterschaft, plur. die — en, ein ehedem sehr übliches, jetzt aber größten Theils veraltetes Work. Es bedeutete, i) den Zustand, die E'genschaft, die Würde eines Meisters, ohrrc Plural; wo cs fast il! allen Bedeutungen dieses Wortes vorkommt. So wohl für Vorzug, Rang. Vil liolLemick min meillerlcliLkt Danne clin ^ros unlluemikeiftdct'Burggr.v.Riedenb. ^ere!mt volbiacül. lln pverk mck krukt Dsm wärt ckiü meilierlcliLst, ebend. Mei 170 Als auch für Oberherrschaft, Überlegenheit. Den andern teil cken ßit mir mins krakt Vncl mine grosse meiüersclinkt, ebend. Besonders überlegene Geschicklichkeit, Erfahrung, Wissenschaft, Kunst; in welchemVerstandc cs noch im 1 öienJahrhunderte häufig verkommt. Auch für Lehre, Unterweisung, Zucht war es ehedem üblich. Von der akademischen Magister- Würde kommt es noch zuweilen im Scherze vor. Am üblichsten ist es noch von dem Zustande, der Würde eines Handwerksmeisters. Dre Meisterschaft rechtmäßig erlangen, das Meisterrecht. 2) Mehrere Meister; ehedem gleichfalls in den meisten Bedeutungen dieses Wortes. So heißt die Obrigkeit bey dem Hocnegk die Meisterschaft. Der Burggraf von Riedenbnrg nennet die Gelehrten an des Kaisers Hofe äes Leckers msilieslelmkt. In einigenStäd- ten führet nur noch zuweilen eine Handwerkszunft oder Innung den Nahmen der Meisterschaft. Der Meisterstreich, des—es, plur. die — e, ein meisterhafter Streich, der Streich eines Meisters, d.i. einer mit überlegener Geschicklichkeit, Erfahrung und Wissenschaft begabten Person. Sich durch einen Meisterstreich aus einer Verlegenheit wickeln. ^ Das Meisterstück, des — es, plur. die—e. r) Überhaupt, ein Stück, d. i. ein Werk, eines Meisters, einer in ihrem Fache mit überlegener Kunst, Geschicklichkeit, Wissenschaft oder Ersah, rni'.g begabten Person, ein vortreffliches Stück; ein Meisterwerk. So nennet man eine vortreffliche Rede, ein vorzüglich schönes Gedicht, einen meisterhaften Gereich u. s. f. Meisterstücke. In engerer Bedeutung ist es das beste unter rnchrern vorzüglichen Werken Einer Person. Oer Mensch ist das Meisterstück der Nacnr. 2) Bey den Handwerkern ist es dasjenige Stück Arbeit, welches einGesell verfertigen muß, wenn er dasMeisterrecht erhalten will. Das Meisterstück machen.. Da es denn in weiterer Bedeutung auch wohl von einem jeden Werke gebraucht wird, welches man zum Beweise seiner Geschicklichkeit, Einsicht oderEefah- rung verfertiget. Der Meiftertay, des — cs, plur. die— e, bey den Handwerkern , derjenige Tag, an welchem sich die Meister eines Handwerkes versammeln. Die Meisrerwur§, plur. inul. eine P stanze,-welche ans den 'Schweizerischen Alpen einheimisch ist; lucperakoria ft. Engl. Alnlierevort. Dän. Messerurt. Sic hat den Nahmen vermuth- lich den überaus heilsamen Kräften ihrer gewurzhaftcn scharfen Wurzel'zu danken, welche noch jetzt für das wirksamste schweiß- nnd urintrcibende Mittel gehalten wird. Bey dem Camerarins heißt sie lVInZiltrAnÜL, bey andern Oärutium, sUlruüul«. ^lire;nr ium,daher sie auch in einigenDeutschenGegenden Ostritz, Asten;, Astranz, Magisteanz, ingleichen-Uaiser^urz undwohl- stand genannt wird. Die Melancholie, (viersylbig,) plur. die—n, (fünfsylbig,) aus dem Gricch. und Lat. klelnnckolia. i) Ein hoher Grad der Traurigkeit oder Schwermüthigkeit, besonders so fern sie ihren Sitz in einer fehlerhaften Beschaffenheit des Körpers hat; wo der Plural nur von mehrern Arten üblich ist. 2) Bey einigen neuern Schriftstellern wird cs oft von einer jeder, traurigen Empfindung des Gcmüihcs, und demjenigen Zustande desselben, da es zu solchen Empfindungen geneigt ist, gebraucht. Melancholisch, —er, —te, ach. s r sclv.mit der Melancholie behaftet, in derselben gegründet, i) In der ersten engern Bedeu. im,g des Hauptwortes. Em melancholischerMensch. Melancholisch sey,r, werden. 2) In der zweyten weitern Bedeutung, für traurig der Empfindung des Gemüthes nach, schtvcrmülhig, diese Empsittdung so wohl verrachend als auch veranlassend, in dn l tz- a , tcrn 172 171- ^ kl Lern Bedeutung'besonders in öerhöhern Schreibart. In mekan- Holischen Gangen von -Laub will ich irren, Geßn. Die Meksne, ein Raubvogel, S. Milane. Die Mslünzäne, xlur. die—.n, aus dcrn Jtal. MelsvLans, eine Art in Italien einheimischer Gold- oder-Liebesapfel, welche Key uns nur in den Gewächshäusern angetroffen werden, und eine länglich runde apfelför-mige Frucht von gelber, aschgrauer, grüner oder röthlicher Farbe haben. ^ Die Melde, plur. doch rulr van mehrern Acten, die—n. 1) Eine Pflanze; iVkrixlLX k,- Es gibt mehrere Arten derselben. Die Rssenmelde, ^rrifllex roses, ist in dein mittägigen Europa sin- heimisch. Die Gartenmeldc, ^lriplex liorteniis, ist ans des Tatarey in unsere Gärten gekommen, und kann mit andern Krau- . lern wie ein Gemüse gegessen werden. Die gemeine Melde oder waidmelde, ^trixlex pswls, wachset in den Gartenländern und auf denRainen, so wie die Mecrmelde,^t.riplex liitorslis,. an den nördlichen Scekusten, und die Staudenmclde, ^triplex Issl^mus, ii» dem südlichen Europa, e) Die stinkende Melde, Glievopoclium Vulvsrls 1 /. welche an dcnManern und uuge- Kaueren Orten wachset, und auch Hundsmcldc, Bochskraut, Mautzeükraur und Maunzenkraut heißt, verräth ihren widrigen Geruch schon durch ihren Nahmen, z) Der rothe Gänsefuß,, MienopoäiuM rubrum l,, führet in einigen Gegenden deu Nahmen der wilden Melde, Däu. Skovmeld , so wie der weiße Gänsefuß, Gbeuopoclium slburn 1 ,, den Rahmen der weißen Melde, und das Olieoopoäiurn viricle und lr^briclum b,, den Nahmen der kleinen und breiten waldmeldr. Anni. BeydeArten von Pflanzen,das L!ieNop v6:-um so wohl als ^t.rlp!ex heißen auch im Dänischen Meid, Nkiald, im dlor- weg. Melde, und in den gemeinen Deutschen Mundarten Melre, Malten, Milte u. s. f. Schon im Griech. war ^eXt-r-er«, dem Scholiasien desTheophrastes zu Folge e/öotz.jZoT-s-vql; 0^4. Das Stammwort scheinet milde zu sepn, weit diese Pflanzen weich und milde anzufuhlen sind. Nlclöen, verb. reZ. aet. et reclproo. welches das Jrttensivnm oder Frequentatirum des veralteten malen ist. Es bedeutet,. 1, in der wertesten Bedeutung, seine Gegenwart andern vermittelst des Gehöres merklich machen; als ein Neciprosum. Ein Thier meldet sich, wenn cs sich hören lasset, und man daraus dessen Gegenwart erkennet. In diesem Verstände gebrauchen es dieJäger, bey welchen sich der pirsch meldet , svcnn er schreyet, dagegen von dem Schrcyen des Thicres auch die Zeitwörter schallen, schmahlen, schrecken und bellen üblich sind. Der Wind meldet sich, wenn man sein Daseyn aus dessen Brausers erkennet. Zn werterer Bedcuiulig auch wohl vom der Bekanntmachung des Dascyns durch andere Mittel. Der Winter meldet sich, roenn es gegen die Zeit des Winters kalt oder unfreundlich wird. Das Zieber meldet sich, wenn man dessen Ankunft empfindet. 2. I,r weiterer Bedeutung, r) Jemandes Ankunft oder Gegenwart an- sagen, bekannt machen. Man lasset sich melden, wenn man einem andern seine Gegenwart ansagen lasset, inglcichen, wenn man ihn wissen lässet, daß man ihn besuchen wolle. Sich bey einem melden lassen, zum Besuche. Die Wache muß die eingehenden Personen melden, dem dieMache habenden Officicr, sder dem Corumendanten ansagen. Jnengerer Bedeutung, jemandes Gegenwart zu dessen Nachtheile oder doch wider seinen Willen bekannt machen; ihn verrathcn. verbirgt die verjagten und Melde die ßliiehtigsn nicht, Es. 16, z. Christus bedrauete sie, daß sie ihn nicht meldeten , Math, r ? ^ 16. In dieser eingeschränkten Bedeutung ist cs im Hochdeutschen veraltet. Ehedem gebrauchte man cs für verrathcn überhaupt, daher Judas der Berräther nvch im Tatran Lkrüiebclsr HMr. Das Schwedische M c l m^ls bedeutet gleichfalls verrathcn. Jugleichen als ein Rccipro- eum, sich melden, seine Gegenwart in einer gewissen Absicht dem andern kund thun, es geschehe nun schriftlich ober mündlich. Der Gläubiger meldet sich, wenn er sich als Gläubiger bekannt macht, und seine Bezahlung verlangt. Es haben sich schon viele Gläubiger gemeldet. wer es gefunden hat, melde sich bey N. N. Man meldet sich bey jemanden , wenn man bey ihm etwas zu bitten, ihm etwas zu hittterbringen, etwas von ihm zu verlangen hat u. s.f. Sich um ein Amt bey der Gbrigl'eit melden. Ein Beurlaubter muß fich nach seiner wiedcrkuust bey seinem Vorgesetzten melden. 2) Nachricht von etwas rrtheile», eine gcsche- heye Sache einem oder mehrern bekannt machen, es geschehe nun schriftlich oder mündlich ; bey dem Otlfried melclon./ Man hat mir gemeldet, daß dein Bruder gestorben sey. Mein Cox- xospondcnt meldet mir nichts davon. Es wird von Rom gemeldet, daß der Pabst krank sey. Die Sache ist mir schon gemeldet worden. Z) Erwähnen, Meldung thun. Er meldet hiervon nichts. Um nur kürzlich etwas davon zu melden. Ohne Ruhm zu melden, d. i. ihrer, ohne mich selbst zu rühmen, Erwähnung thun. Mit Ehren zu melden, nur im gemeinen Leben lslvs venis. Die gemeldete, oben gemeldete, mehrmals gemeldete Sache. 4 ) *Nennen; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung. Als er feinen Vater melden hörere, nennen. Daher die Meldung , plur. inus. so wohl die Handlung des Melkens , als auch die Erwähnungen der vorigen dritten Bedeutung. Einer Sache Meldung thun, ihrer erwählwn; welche Wortfügung mit der zweytcn Endung besser, und im Hochdeutschen üblicher ist, als die mit dem Vorworte von, von etwas Meidling thun. ' , Anm-Dieses alte Wort lautet schon von des Kero Zeiten an urslchsn , im Angels, rnsolcisu. Es ist das Intensiv.«»! oder Frequentalivrnn von dem alten malen, mclcn, molcn, schallen, dem Gehöre merklich werden, und merklich machen, und in enge, rer Bedeutung, reden, sprechen, Schwed. mAla, Hebr. Des eso! molet fiue llirnrne, verräth seme Stimme, einer der Schwäbischen Dichter. Es kommt mit dem alten Lat. inulAsr« in ^rvliruIZLre überein. Im Ängels. ist daher Klelflel die Sprache, und bey deweheinahligen Gothen in der Kr-imm ms!- rliats sprechen- S. 2. Mahl. Dir Melilöte, p!ur. inuf. der ausländische Nähme eincvArt des Steinklees, Irisolium kelelilorus 1 ^. welcher in den Euro- päischenFeldern Wild wachset/ und woraus dasMcliloten-psiaster - verfertiget wird. Im gcrucinel» Leben werden beydeWörter gemeiniglich in Melote und Meloten-P siaster verkürzt. Die Mebisse, plur. ivut. eine Pflanze, welche einen angenehinen gcwürzhaften Geruch hat, und in dem wärrnern südlicher« Europa einheimisch ist; oü'ieinsl is 1 ^. Sie hat den Nahmen aus Italien mit zu uns gebracht, welcher vermuchlich zu dem Ge- schlcchte des Lat. lVle!, Gricch. Honig, gehöret, so wohl ihren angenebmen Geruch dadurch zu bezeichnen, als auch, weil die Bienen sehr begierig nach deu Blumen sind, daher sie auch Bicncnkrant und Honigblume heißt. Wegen ihres angenehmen Geruches wird sie auch Citronen- Brant, und wegen ihrer Wirt kuug in Mutterbeschwrruligcn Muttevkraut, genannt. Daher das Mcliffeuwasser, der Melissengeist u.s.f. Die Türkische Melisse, Oracocepflslum i>!o!cjsvjcsb/. isteineArt desDra- chenkopfes, und ubertrisst an starkem Gerüche dis gewöhnliche , Melisse.. Die Molucknche Melisse, welche auf den Molucken wachset- ist eine Pflanze eben dreser Orduuikg , welche aber eilt eigenes Geschlech t ausmacht; iVlolucce!!?. ch,. Eine Gattung da^ von i.st d;e'Syrische Melisse,. ^lolucoalls Isevis 1 ... Das Melissenblütt, des—es^Iur.iaus. eine Pflanze, welche auf den hohenGebirgen der Schweiz so wohl als Englands einheimisch ist, und in den Blättern der Melisse gleicht; Nelitus I,. Melk/ sei). et ackv. in derLandwirthschaft,wirklichMilch gebend. Nelke Ruhe, Schafe, Ziegen,, welche gemolken werden können, Melkkühe, Melkfchafe. Melk werden, anfangen Milch zu geben. ZrischmelkcÄühe, welche erst vor kurzen! melk geworden^ zum Unterschiede von den altmelken. Engl, vuleii. Melken, v erb. sct. welches aus doppelte Art üblich ist. i) ifMit regulärer Abwandelung, streicheln,,und in engermVerstande, zie- hend streicheln oder betasten; in welchem Verstände es nur in den niedrigen Sprechartcn üblich ist, wo mau z. B. jemanden, der gern die Hunde und Katzen streichelt, im verächtlichen Verstände einen Zundemelker und Ratzenmelker zu nennen pstegt. 2) Mit irregulärer Abwandelung. Jmperf. ich molk; Mittelwort gemolken; Jnrpcrat. melke. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, die Milch durch ein mit Ziehen verbundenes Streicheln ans dnr Zitzen drücken. Oie Rühe, Schafe, Ziegen mflken. Die Rühe werden im Sommer drey Nahl gemolken. Daher das Nelken, anstatt des ungewöhnlichen Melkung. Anm. In der letzten Bedeutung im Niederst gleichfalls melken, im Angelstmelcnll, msolcisnstm Engl. to rvilk,imDän. malke, iur Schwed, molkn, im Latein. mulZLeL, uirdGriech. «irrX^st». Es ist noch eine Frage, ob cs in dieser zweyten Bedeutung unmittelbar von Milch abstammet, ungeachtet diese im Niederst Melk'heißet. In der ersten wenigstens hat es mit diesem Worte nichts gemein, sondern ist, so wie das gleich lautende Lat. mulcers, streicheln, und WuIZsrs, melken, ein Abkömmling von mahlen, hin und her bewegen, >,, Honig. Im Böhm, heißt sie Llelnuv. Die Melonendistel, plur. die — n, eine Art Disteln, welche anfden Felsen des warmern Amerika wohnet, und deren Pflanze einer Melone gleicht; Laotus mumrllnris und lÜLcbusiVIelo- unctus k,. Die Mslönenp febe, xlur. die—n, eine Art Kürbisse mit einem aufrechten Stamme, lappigen Blättern, und einer eingedruckten cknoligen Fruchtg OucurbitLiVlelope^o lv. Von dem Oberd. Pfebe, Kürbiß. Im Hochdeutschen könnte man sie Melonen- kürbiß nennen. Die Melöte, S. Nelilote. Die Memel, plur.die —n, im gemeinen Leben einiger Gegenden, besonders Niedersachsens,einNahme der Mehlmilben, luelche an andern Orten Memern heißen. Die Memme, S. Mämme. '*Dis Menerle, xlur. die —n, im gemeinen Leben einiger Gegenden, ein Nähme der Maserle, ^.esr ollmrietirs l-.muswel- chcm WorteMenerle vermuthlich verderbt ist. Jnandern Gegenden sagt man dafür Mcwerle. Die Menge, plur. doch nur von mshrccn Arten undOuantirären,. die—n, ein Collectivum, eine Vielheit oder große Anzahl meh- wercr Dinge Einer Art zu bezeichnen. Etwas in Menge haben. welche Mengen entdeckt mein Blick mit erhabene« Zünden! Zachar. Die Dinge Einer Art, dpren große Anzahl bezeichnet werden soll, stehen, wie gewöhnlich, in der zweytcn Endung, mit dem bestimmten Artikel, wenn sie selbst bestimmt ausgedruckt werden. Nach der Menge der Jahre sollt du den Ranfsteigern, Z Mos.2L,i 6. Das Land mochte sie nicht ertragen vor der Menge ihres Viehes, r Mos. 36, 7. Die Menge des Wassers war unglaublich. Werden aber diese Dinge nur unbestimmt ausgcdrnckc, oder soll nur angezeiget werden, daß von gewissen Dingen Eivcr Art .pine Menge oder große Anzahl vorhanden scy, so bleibt der bestimmte Artikel weg. Es gibt überall eine Menge armer Leute. -Eine Menge Zenschrecken. Eine solche Menge Menschell hatten wir noch niegcsehen. Eine Menge Geldes. Wo statt der zweyten Endung die erste beynahe noch üblicher ist. Eine Menge Geld, Zolz, Schnee, Wasser u. s. s. Im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart wird die Menge so wie die Zulle gern adverbisch gebraucht, für sehr viel, und alsdann stehet cs am liebsten hinter dem,Genitive. Daß sie Geldes die Menge zu ^arrse brachten, 2 Chrom 24, i>, für eine Menge Geldes. -Wo im Hochdeutschen der Nominativ gleichfalls am üblichsten ist. Marmor- Marmeljremc die Menge, i Chrom30, 2. Merle«- wem Lie Menge, Nehem. 7, » 8 . Zener und Holz d:e Menge, ^s. 30, 33 , Arbeit die Menge haben. Waaren die Menge verkaufen. In manchen, doch nicht in allen Fällen, lasset sich statt der ersten oder zweien Endung auch das Verwart von gebrauchen. Eine Menge von Leuten, d. i. eine Menge Leute. Die schwere Menge, für, eine sehr große Menge, gehöret in die niedrige Spreckiart. Von einem hohen Grade der Jutenston ist es m der LnständigernSprechart derHochdcutschen nicht mehr üblich.Durch die Menge der Braft, Hiob 30, 18. Die Menge des Alters laß Weisheit beweisen, Kap. 32, 7. Er hatte Reichthum und Ehre die Menge, 2 Chrom 1 L, Z. Wohl aber wird die Menge zuweilen von den größten Haufen d>:r Menschen, oder doch von einer großen Anzahl Menschen gebraucht. Du sollt nicht folgen der Menge zum Bösen, 3 Mos. 2z, 2. Sich zu dem Gesich:s- kreise der Menge herab lassen, des größten Haufens. Wir müssen den verstand gewöhnen, sich nicht von den Grundsätzen der Menge verführen zu lassen. Gell. Anm. Bey demKero^lunLFi, Hey dem Dttfried^lLNi^i, bey dem Notker iVIsuixstchey dem Willcram IVIsniAe. im Angels. MeueASO, bey dem Ulphilas iVlunÄ^si, im Dän. Mangde, im Schwed. lisAllAst,im Island. lVIeinZi. Es ist das Abstr cctnm von dem alten manig, viel, jetzt manch, welches mit mein in gemein, mehr, Macht und andern verwandt ist. S. auch Mengen. - . L,. "Das Mentzel, des—s, plur. M »orn, linZ. rin nur in rini- gen Gegenden, z. B. in Bremen übliches Maß flüssiger Dinge, welches der vierte Thcil eines Quartes, oder der ftchzeheute Theil eines Stübchens ist. Es scheinet zu dem Geschlechte der Wörter Mand oder Mandc, rin Korb, Mund v. a. m. zu gehören, oder auch zudem Lat. IvlLllu.s» ÜVlLnixiulus. Im Mittlern Lat. ist svl Ln »Leine Hand voll. ^ Mentzeln, verb. reZ. nct. welches das Dimlmttjvrrm oder auch Jterativum von dem Zeitworte mengen ist, aber nur im geuleiueu Leben einiger Gegenden , besonders im verächtlichen. Verstände, gehöret wird, so wie man von mischen,in ähnlichen'. Verstände auch mischein sagt. I,r andern Gegenden ist mengein, so. wie mengen, im Kleinen verkaufen, besonders Eßwaaren im Kleinen verkaufen, holen, Jtal. meleciLre.im mittler« Lat.mLN^onL- re. Zische mengen oder mcngeln, mit Fischen imKleüwn handeln. Wo denn Menger, Mengeler, Mengling auch einen solchen Hören bedeutet, Jtal. bckelcolLtore. Die Mentzelvsurz, plur. i null ein Nähme verschiedener ihrer Wurzeln wegen brauchbarer Pflanzen, r) Der gemeinen Grind- wnrz, Kumex acutus K. welche auch wilder Ampfer und Mangold genannt wird, ans welchem letztern Nahmen Mengel- rvnez seiner erst, n-Hälste nach herstammet.(S.Mangold.) ^Bereinigen führet auch derSaiierampfcr, Kumex ^eetolL 1 ^. dessen trockene Wurzel roch färbet, den Nahmen der Mengelwnrz. Mengen, verb. rez. Lct. mehrere Dingr verschiedener Art^nter einanderlhml. 1) Eiaciitlich, wo es von trocknen"Dingen äm üblichsten ist, sie ohne Ordnung inüer einander thnn , ohne doch, daß sich ihre Bestandtheile nur einander verbinden. Gerste unter den Rocken, Mäusedreck unter den Pfeffer mengen. Das Hundertste in das Tausendste mengen. Gemengtes Getreide/ in der Landwlrthschaft,wo mehrere Arten unter einander gebauet werden-, Mengkorn, Niederst Mankkorn, im Qberd. M-sch- korn, Mischclkorn. Dem Pferde das Zntter mengen, das Korn oder den Hafer unter den Häcksel mengen. Sich unter das Volk mengen, der körperlichen Gegenwart nach. Mc'lj^ müder Mengung zugleich die Verrittignng der Bcstaudcheile verbunden ist, so ist dasZcitwort mischen üblicher,daher man dieses lieber von der Vermengung flüssiger Körpcrgebraucht, als mengen ; obgleich es ben älternSchriststellern so genau nicht genommen wird. Wohl > aber läffet sich mengen gebrauchen, wenn eilt trocknrr Körper mit einem nassen verbunden wird. Eile und menge drep Maß Semmelmehl, knete und backe Buchen, ^ Most -8,6. Ungesäuerte Buchen mit >. Nasenlaut von machen, verbinden, abznstammen, S. Gemahl und Mischen. Das Mcntzenmäß, des ^-cs, p'-nr. doch nur von Mehrern ^ Acten, die—e, ein Maß , die Menge der Körper damit zu messen ; das körperliche Maß, zum Unterschiede von dem Lä'ngcn- und Zlachenmaße. DieMengeprssse, plur. inust. ansderMeffiirghüttezilGoslar, eine Art des Messinges, welches ans einem Pfunde Lairterbergev Kupfers und zuwyPsundGalmcy vcrferiiger,aber nicht allein ver- ' kauft, sondern zum Zusätze des Tafelmcssunes genommen wird ; zum Unterschiede von diesem Tafelmessmm- und dem Gtnckmes- siune. Die Benennung ist drrzweyren Hälfte nach dunkel. DerMentzor, des—s, plnr. m norn. stn§. S. Mengckn. Das Montzsel, des —s, olur. doch nur von mehrcrn Arten ut nom. ffnZ. mehrere unter einander gemengte Dinge, als ein Ganzes betrachtet;ssm verächtlichen Verstände ein Mischmasch. Im Niederst Mcngels. S. —^Sal. Der Münnitz,des—es, plur. ir-us. ein sehr lebhafter pouieran- zcnrother Farbenkörpee,welcher eigentlich eine rolhe Blcyasche ist, . welche durch eins starkeCalcinütion ans demBlcye oderBli'y.'vciße erhalten wird. Im Niederst Mennje, daher auch einige Hochdeutsche dieses Wort im weiblichen Geschlechte gebrauchen, di? Mennige; im Schweb. IVbönch, im Dän. Mönne, Minie, irn§ral!z.lV!ins,iVI>ne cle x>'onib; alle aus dem Lat.>!lnnim, welches vermurhlich zu dem Woece iVUnerL gehöret, und eigentlich einen jeden gegrabenen Farbenlö.rper bedeutet haben kann. Wenigstens wird derBcrgzinnober noch bey einigenMeunigfarbe genannt. Wenn es bey dem Notker Ps. 70. V. i 3 heißt: jiü mi66Nt cko?. st rote meu^e kLÜent ui>6er rauc-en,welche stch schämen, daß sie unter den Angen roch werden: so scheinet c- hier für rothe Farbe, Nöthe überhaupt zu stehen, wenn IvlenZe anders hier unser Mennig ist. Der Nstenn.omst, odrr Mcnnorrrt, des —en, piur. die —-en, ein Nahnre, welchen die Wiedertäufer oder Tanfgestauten in Holland fuhren, von dem Mennon, einem ihrer ersten Lehrer. Der Mensch, des —en, plur. die — en, rin Individuum des menschlichen Geschlechtes, d. i. ein mit einer verinmfligen Seele begabtes Thier. '. Überhaupt und im weitesten Vmsiande. A'l? Menschen sind sterblich. Christus ist ein Mensch oder ist Mensch geworden, (S. Menschwerdung.) Jeder Menuh frep, und nie muß er cs mehr sepn, als wenn es die Wahl feines Glückes betrifft, Sonncnf. Das ist keinem Menschen erlaubt- Men 177 Men erlaubt. Das glaubt kein Mensch, niemand. Es ist kein Mensch zu Zause, niemand. Las ist alles, was nur ein Mensch thun kann. Mit dcyi bestimmten Artikel wird cs oft im Singular für ein Mensch, oder auch collectivc für Menschen gebraucht. Was ist der Mensch, daß du sein gedenkestr Pf. 8, z. Las Leben des Menschen ist vieler Gefahr unterworfen. Nur durch Untersuchung der Triebfedern der Natur entledigt sich der Mensch der Knechtschaft der Natur und wird zu einem freycn Weltbürger, Sulz. 2. In engerer Bedeutung, viit einigen Nebenbegriffen. i) In Absicht auf dessen veränderliche Umstände. («) In Ansehung des eingeschränkten Zustandes, der anklebenden Schwachheiten. Wir sind alle Menschen, d. i. eingeschränkte, schwache, Fehlern und Jrrthllmern unterworfene Menschen, (st) In Ansehung des gesellschaftlichen Lebens gesitteter Menschen und der darin gegründeten Pflichten; im Gegensätze des Unmenschen. Erinnere dich, daß du ein Mensch bist. Freund unsre Zeit von Ersen Ist sehr an Menschen arm, obgleich sehr reich an Weisen, Gicseke. S. Menschlich , welches in diesem Verstände noch üblicher ist. (->) JnAiisehung der Vernunft,durch welche sich der Mensch von allen übrigen sichtbaren Geschöpfen unterscheidet. Lie Hellen- Zwischenräume dervernunft, die einzigenAugenblicke, worin der Mensch wahrhaftig ein Mensch ist. 2) Der ganze Gemüths- zustand des Menschen; doch nur in der biblischen Schreibart und ohne Plural. Der alte Mensch, das natürliche Verderben, im Gegensätze des neuen Menschen, oder der in der Wiedergeburt hervor gebrachten neuen Fertigkeit; beydes, west sie sich über alle Fähigkeiten des Menschen erstrecken. Der innere Mensch, bey den Mystikern, das Genu'ith, im Gegensätze des äußern Menschen, oder des Körpers. Die Übereinstimmung in dem Laute mit dem Latein. !V1evs ist hier bloß zufällig, indem dieses zu dem Zeitworte meinen gehöret, z) Eine Person männlichen Geschlechtes ; wo es doch gemeiniglich im verächtlichen Verstände üblich ist, wenigstens nur von solchen Personen gebraucht wird, von welchen man ohne besondere Achtung sprechen zu könne» glaubt. Mit Achtung gebraucht man dafür das Wort Mann, und mit Ehrerbietigkeit das Wort Zerr. Im Plural hat es in dieser Bedeutung nicht Menschen sondern Leute. Ein artiger junger Mensch. Was ist das für cinMensch ? Ein böser, liederlicher, ruchloser Mensch. Es ist ein guter, ehrlicher Mensch. Em armer Mensch. Also vertheidigen fle den Menschen noch. Gell. Im weiblichen Geschlechte lautet^es in einer ähnlichen Bedeutung das Mensch, S. das folgende. Anm. Schon bey dem Kero als ein Hauptwort IVIenmlck. Hey dem Ottfriedstleunilco, (Vlenaisg, bey dem Notker iVlev- nilcüo, im Niederst Minsk, im Dän. Menniske, im Schweb. lVlLNustsku, im Island Navveska, im AugelstjVlermit'e, und schon bey den Litern Ägypticrn iVluvolcii. Es ist ein zusammen gesetztes Wort von Mann, welches ehedem auch eine« Menschen bedeutete, wie noch im Isidor hüunvo und im Engl. iVl uv, und der Ableitungssylbe—isch. Gemeiniglich glaubt man, daß dieses—isch die Endung der Beywörter sey, und daß Mensch anfänglich nur als ein Beywort gebraucht worden, bis es endlich die , Gestalt eines Hauptwortes angenommen habe. Es wird solches dadurch wahrscheinlich, weil bey dem Mphilas und rnLULsk bey dem Kero wirklich als ein Beywort Vorkommen. Allein, zsi geschweige«, daß der Übergang solcher Beywörter i» Hauptwörter selten ist, W gibt es auch eine substantive AblliturrgS- sylbe—isch, wie in Zannsch, dem alten klmuisk, die Familie, und vielleicht noch einigen andern. Hier scheinet es das alte Angelst -siolc, alt Schwed, ein Mann, Mensch , und vikl- Adcl.w.B.L.TH.2.UuA. *78 leicht in noch weiterer Bedeutung auch ein Ding, ein Geschöpf zu sey», welches mit dem Hebr. ein Mann, genau überein kommt. Nuv-vsk, iVlev-iltM, und zusammen gezogen Mensch, würde also ein menschliches Geschöpf, ein menschliches Individuum bedeuten. Im Pohl«, ist iVIesirks eine Mannsperson, ein Marun Bey dem Ottfried heißt ein Mensch auch 6omono, welches mit dem Latein. üomo sehr genau überein kommt. S. Mann. Das Mensch, des — es, plur. die—er, das vorige Mort, nur mit verändertem Geschlechte und in eirigeschräukrcr Bedeutung. i. *Eine Person männlichen Geschlechtes, besonders in der letzten Bedeutung des vorigen Wortes ; eine im Hochdeutschen ungewöhnliche Bedeutung. (!> du unmenfchlichs Mensch, redet Opitz einen Selbstmörder an. Im Schwabenspiegel wird iVlevlcÜL und üer iVIerrlcli, ohne Unterschied, von einer männlichen Person gebraucht. 2. Eine Person weiblichen Geschlechtes. i)*Über- haupt und ohne allen verächtlichen Nebenbegriff; eine im Hochdeutschen gleichfalls veraltete Bedeutung, welche noch bey dem Opitz, besonders von einer jungen unverheiratheten Person, mchrmahls^, vorkommt. Ein reiches Mensch, ein reiches Mädchen, eine reiche Jungfer, Opitz. Lisi Mensch soll solche Noch, soll solchegroßeNoth Mir seilen aufden Zals ? Ebn >. von seiner Geliebten. Nein kluger liebt ein Mansch von ihrer Nleidung wegen. Die sonsten gräulich ist, ebend. Zielr'egt der zugebracht sein Leben hat mit Lieben Zu lieben dieses Mensch, das allzeit ihn geplagt, ebend. Nur in den niedrigen Sprecharten kommt es noch zuweilen in diesem Verstände vor. / Las Mensch (die flinke Hanne) gefällt auch ungepntzt, Haged^ 2) In engerer Bedeutung, eine geringe Person weiblichen Geschlechtes, im verächtlichen Verstände. Ein armes Mensch. Em böses, zanksüchtiges Mensch. Ein Frauensmensch, Weibsmensch. Besonders eine zu geringen Diensten verpflichtete weib^ liche Person, eine Magd, Jtal. iVIulluru; doch auch nur in der harten und verächtlichen Sprcchart. Ein Dienßmcnsch, Nü- chenmenfch,Aindermensch, Stubenmensch. Dem armen Menschen, (Marsche,) Gell. An den Höfen sind die Nammer- menscher geringere Kammerbedirntett, welche unmittelbar ausdie Kammerdienerinnen folgen, und ihres geringen und verächtlichen Titels ungeachtet oft Figur genug machen. Die Rehrrycnschcv' sind eben daselbst geringere weibliche Personen, welche die Zimmer auskehccn. In noch verächtlichcrm Verstände pflegt man eine Hure in manchen Gegenden nur ein Mensch zu nennen; wo es zugleich ein Schimpfwort ist, welches auf Anöringen des Klägers gerichtlich geahndet wird. Engl. VVeveü, ein junges Mädchen, und eine Hure. Das Menschenalter, des — s, p? u r. ui v om. liriF. das gewöhnliche Alter, die gewöhnliche Lebenszeit eines Menschen. Sechs Menschsnalter lang. Das Menschenblttt, des— es,p!ur. cur. das Blut von einem Menschen. Menschenblttt vergießen, einen Menschen umbringrn. Der Menschendieb. des—cs,jüur. die—e, S. Menschenraub er. Der Menschenfeind, des — es, plur. die — e, eine Person, welche andere hasset, bloß weil sie Menschen sind. Menschenfeindlich, — er, — sic, ach, et wie Menschenfrucht, plur. die —feuchte, die Leibesfrucht eines Menschen, ein Kind; ein im Hochdeutschen ungewöhnliches Wort, welches noch 4 Mos. 18,15,16 vorkommt. Die Menschenfurcht, plur. car. die Furcht vor Menschen; zum Unterschiede von der Gottesfurcht. In engerer Bedeutung, die ungeordnete oder unerlaubte Furcht vor Menschen, besonders in der Gottesgelehrsamkeit. Das Menschenyeboch, des — es, plur. die —e, ein von Menschen hcrrührendes Geboth, und in engerer Bedeutung, rin solches Gebots), welches dem göttlichen Gesetze widerspricht; ein Wort, welches in der Deutschen Bibel häufiger als außer derselben angetroffen wird. S.Nenschensatzung. Die MenschengefäNiykeit, plur. iuus. die Neigung, andern Menschen, bloß weil sie Menschen sind, gefällig zu werden. In engerer Bedeutung, d^ untergeordnete, fehlerhafte Bemühung dieser Art. Die Menschenhand, plur. die — Hand-, die Hand eines Menschen , eine menschliche Hand. Am häufigsten im Plural, von Menschenhänden gemacht, Ps. -15, 5- So etwas können Menschenhände nicht verfertigen. Der Menfchenhäfi, des—sses, plur. car. der Haß gegen andere, bloß weil sie Menschen find. Daher der Menschenhasscr. Der Schalksfreund, Filz und Menschenhasscr, Haged. Wofür doch Menschenfeind üblicher ist. *Die Menschenherde , plur. die-n, eine Herde, d. i. bey einander befindliche große Anzahl, von Menschen; ein ungewöhnliches Wort, welches Ezech. 56,37, z 8 vorkommt. Die Menschenhülfe, plur iuus. Hülfe, welche uns von andern Menschen geleistet wird. Ps. 60, 13. .» DerMsnschenhücher, des— s, plur. inus ein nur in der, Deutschen Bibel, Hiob 7,20 befindliches Wort, wo es von Gott gebraucht wird, weil er die Menschen in seiner Obhuth hat. *Das Menschenkind, des — es, plur. die — er, ein Mensch; einim Hochdeutschen veraltetes Wort, welches in der Deutschen Bibel sehr häufig angetroffcn wird. Die Menschenliebe, plur. car. die Liebe gegen andere, bloß weil sie Menschen sind, die Neigung und Fertigkeit, sich an aller Menschen Wohlfahrt zu belustigen , und selbige möglichst zu befördern. Man hat die Lobspruche der Freundschaft oft auf Bosten der allgemeinen Menschenliebe übertrieben. Gell. Menschenmöglich, ac!j. et arl v. welches nur im gemeinen Leben üblich ist. Sich alle menschenmögliche Mühe geben, alleeincm Manschen mögliche Mühe; wofür auch nur mcnschmöglich gebraucht wird. Der Menschenraub, des — es, plur. inul. der Raub, .d. i. die gewaltsame Entführung, eines Menschen. Der Menschenräuber, des — s, plur. ul. vom. linF. derjenige, welcher eines Menschenraubes schuldig ist; in der Deutschen Bibel ein Menschendreb ; welches.Wort doch nicht so üblich ist, weil Dieb und Stehler den Begriff der Heimlichkeit und Stille bey sich fuhren, der sich hierher nicht so gut schickt, als der Begriff des gewaltsamen Raubes. Die Menschensatzung, Plur. die — en, eins Satzung, d. i. ein gottesdienstliches Geboth, so fern es vo» Mensche« hercührct, besonders so fern es den göttlichen Verordnungen entgegen ist; das Menschengeboth. Der Menschensauger, des—s, plur. m 00m. kuz. siehe Vampyr. Menschenscheu, — er, — cste, ach. el ackv. Menschenscheu habend, darin gegründet; leuteschcn. Ern menschenscheues Betragen. Die Menschenscheu, plur.esr. die Scheu vor Menschen, und in engerer Bedeutung , die ungeordnete, fehlerhafte und übertriebene Scheu vor andern Menschen. Der Menschensohn, des — es, plur. die — söhne, ein Nahmen welcher-in der Deutschen Bibel sehr häufig von Christo gebraucht wird, besonders seine menschliche Natur dadurch zu bezeichnen. Die Menschenftimme, plur. die —n, die menschliche Stimme, die Stimme eines oder mehrerer Menschen. In den Orgeln ist die Menschenftimme ein Register, dessen Pfeifen die menschliche Stimme nachabmcn. Der Menschenverstand, des — es , plur. car. menschlicher Verstand, Verstand so wie ihn Menschen zu haben pflegen. Sie bleibt beständig dabcy, daß das Thier Menschenverstand hatte, Gell. Jngleichen der begreifliche Verstand oder Sinn einer Rede. Wenn in dieser Frage Menschenverstand ist. . 7. Das Menschenwerk, des — es, plur. die — e, dasWerkhund in weiterer Bedeutung, bas Thun und Lassen der Menschen. Psalm 17, 4. Die Menschheit, p-lur. car. das Abstractum des Hauptwortes Mensch , die menschliche Natur zu bezeichnen. 1) Überhaupt. Die Menschheit Christi. Die Menschheit annehmen, die menschliche Natur, von Christo. Die Menschheitablegcn oder ausziehcn, ein unbequemer Ausdruck, welchen einige für sterben gebrauchen, lasterhafte Seelen, die das größte, was die Menschheit besitzt, vcru 'edeln. Es gkhörcr mehr als Menschheit dazu, seine Fassung bey so niedrigen Bosheiten zu behalten. wer gar kein Ungemach begehret auszuftchn, Muß in der Welt nicht seyn , muß aus der Menschheit gehn, Logan. Wo es aber auch das menschliche Geschlecht bedeuten kann, wofür eben dieser Dichter an einem andern Orte das ungewöhnlich-Men- schcnthnm gebraucht. 2) In engerer Bedeutung, die Fertigkeit, die Pflichten des gesellschaftlichen Lebens auszuübcn ; wofür doch Menschlichkeit üblicher ist. Alle Menschheit ausziehen, ab- legen. Die Pflichten der Menschheit gegen einander ausuben. Beine Menschheit haben. Z) *.Das menschliche Geschlecht, bc- sonders inRnckstcht aufdcssen Cnltur; eine von einigen Neuern in den Gang gebrachte Bedeutung, welche aber so wohl wider alle Analogie, als auch wider die Bedeutung der Ableitungssplbe — heit ist. Geschichte der Menschheit. Ephemeridcn dtt Menschheit. . Bey dem Strykcr IVlanxliLtt, im Schwabens. lVlevsclitiait, im Dän. Manddom, im Schwed. IVl^nckom. Menschlich, — er, —sie, ach. et a ^ Merkbar, — er, — ste, u6j. et. a6v. was gemerket, d.i. durch dir Sinne empfunden werden kann; merklich. Sich dem Gehöre merkbar machen. Merken, verb-reZ. act. welches in gedoppelter Bedeutung üblich ist. 1. Eigentlich, zeichnen, mit einem Merke, einer Marke oder einem Zeichen versehen, um eine Sache daran wieder zu erkennen, wofür doch marken üblicher ist; bep demUlphilas murlcan, im Niederst marken, im Schwed, märücu, im Bretagnischen inerc 3 ,im Engl, ro mark. Einen Ballen Waare merken, zeichnen, marken. Das Vieh merken. Einen Tag im Valender merken, anzeichneu. Einen Ort merken zeichnen. S. auch Anmerken und Bemerken. Mer s. Figürlich, i) Die Gegenwart einer Veränderung aus gewissen Merk- und Kennzeichen schließen, oder muthmaßlich urlh.i- len, wo cs von allen Sinnen gebraucht werden kann, so fern sie zur Empfindung dieser Merkmahle oder Kennzeichen dienen. Ich merke nichts, sagt man, wenn man berühret wird, und keine Empfindung davon hat. Pharao merkte, daß es ein Traum war, » Mos. 14,7. David nahm den Spieß und den Waf- serbecher — und war niemand, der es sähe, noch merkte, 1 Sam. 26, 12. Ich merke deine List. Den Possen, die Gchelmerey merken. Man stichelte auf ihn, aber er merkte nichts. Ich merkte, daß ich abnehme. Damit es die Leute nicht merken. Ich merkte, daß mein Gesicht gnihete. Aus allen Umstanden merke ich, daß er es sehr ungern thue. In weiterer Bedeutung für erkennen, urtheilen, ist es im Hochdeutschen nicht mehr üblich, ob es gleich in der Deutschen Bibel sehr häufig in derselben vorkommt. Ein Vernünftiger merket den Mann an seinen Geberden, Sir.i9,26. An den buchten merket man, wie des Baums gewartet ist, also merket man an der Rede, wie das Herz geschickt ist, Sir. 27, 7. Durch den Glauben merken wir, daß die Welt durch Gottes Wort fertig ist, Ebr. 11, Z ; und so iu andern Stelle»mehr. Wohl aber mit dem Zeitworte lassen. Etwas merken lassen, machen, daß andere das Dasepn einer Veränderung an uns aus gewissen Merkmahlen schließen können. Er sucht etwas darin, seinen Verdruß merken zu lassen, oder andere seinen Verdruß merken zu lassen; nicht andern, weil, wenn die A. A. aufge- löset wird, die Person in der ersten Endung stehet, zu machen, daß andere seinen Verdruß merken. Laß ihn nichts davon merken. Laß nicht merken, daß du Französisch verstehest. Ich bin krank, aber ich lasse es nicht merken. Ich habe ihn gebethen, dich nichts merken zu lassen. Gell. Jngleichen, als ein Reciprocum. Er ließ sichs merken, daß er ihn nicht gern sähe. Laß dich nichts merken, d. i. gib keinen Anlaß, daß man etwas davon merke, besonders so fern der Anlaß durch Worte gegeben wird. Die dritte Endung, laß dir nichts merken, wie viele sprechen und schreiben, ist eben so unrichtig, als laß mir es nicht empfinden, lassen sie mir es chun u. stf. Laß dich ia nichts gegen ihn von dev Sache merken. Hatsicflch etwas davon gegen dich merken lassen ? 2) Acht haben, Acht geben, zu bemerken, und in weiterer Bedeutung, zu erkennen suchen; als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben. Merket mir Fleiß und schauet, obs daselbst so zugehet, Jcrcm. 2, ro. Im Hochdeutschen nur noch mit dem Vorworte auf; auf etwas merken, seine Aufmerksamkeit darauf richten. Jedermann merket auf meine Handlungen. Dann merket die Welt auf deine Gaben, Gell. Der Rnabe, den Irin gelehrt. Auf jede Schönheit der Natur zu merken, Kleist. Merke auf meine Worte. Du merkestnicht aufmich. Merket wohl auf diesen Umstand. (S. auch Aufmerken). Z) Vermittelst gewisser Kennzeichen üm Gedächtnisse behalten, und in weiterer Bedeutung überhaupt, im Gedächtnisse behalten. Merke dir den Mrt, wo du es hing.elegt hast, wer kann merken, wie oft er fehler ? Ps. 19, 1Z Ich werde mir es merken. Sich etwas ans der Predigt, aus einem Buche merken. Das Wort ist schwer zu merken. Das' Hauptwort die Merkrmg ist nur in den Zusammensetzungen üblich. Anm. Bey dem Willeram mercsseo, im Angelsächst meu.r. csn. Es stammet von Mark, ein Zeichen her, siche dieses Wort. In der ersten und zweyten figürlichen Bedeutung ist es zwar eigentlich ein Activum, ob es gleich in der leidentlichen M L Gestalt iZZ Mer Gestatt seltener vorkommt, sondern am häufigsten das Auiehen eines Nentrius hat. ^ Der Merker, des — s, plur. ul vom. tin§. ^amm. d;e Mer- kcrinn, ein größten Theils veraltetes Wort, elne Person zu bc- zeichnen, welche auf etwas merket, besonders, welche dazu bestellet ist, etwas anzumerken. Bey den Meistersingern werden noch die Vorsteher der Genossenschaft des Meistergesanges die Merker genannt, weil sie in den Singeschnlen in einem besonder» Gerüste, welches' das Gemerk genannt wird, sitzen, und die Fehler der , Singenden anmerken, welche Handlung auch merken schlecht, hin genannt wird. „ ^ , Merklich, — er, — st«., s 6 j. etaöv. in der ersten figürliche» Bedeutung des Zeitwortes merken, was sich merken lasset, d i. dessen Daseyn man ans gewissen Kennzeichen schließen kann, im Gegensätze des nnmerklich. Ich konnte ihn nicht ansehen, wenn ich nicht merklich erröthen wollte, so daß andere ev ge« merket hätten. Einem etwas auf eine sehr merkliche Art zu verstehen geben. Einen merklichen Schaden, einen merklichen Nutzen von etwas haben. Er hat sich merklich gebes» sert. Die Lage werden schon merklich langer. Ziirmerkwür- dig ist es in der anständigen Schreibart der Hochdeutschen vcr- attet, ungeachtet es im gemeinen Leben in dieser Bedeutung noch häufig ist. Und verdorren den andern zum merklichen Äxem- pcl, Sir. 19, 3 . Die NerrUchkeit, plur. car. die Eigenschaft, der Zustand einer Sache, da sie merklich ist. Die Merklichkeir des Einstusses einer Handlung m andere Personen und Handlungen. Das Merkmahl, des —es, plur. die —e, ein M.chl, d. i. Zeichen, woran man eine Sacbe^ntdecket, ihre Gegenwart »der Annäherung erkennet, sich derselben wieder erinnert, von der er- ficn und dritten sigürlichenBedcmung desZeuworres merken; das Merkzeichen. Vie Wrndst-Le ist den Schiffen ein zuverlässiges Merkmahl eines bevor stehenden Sturmes. Oft auch ein jedes Zeichen, woran man eine Sache erkennet, d. i. sie von andern unterscheidet; ein Kennzeichen. Merkur, in der Götterlehre der Griechen und Römer, der Gott der Beredsamkeit und Handlung, welcher zugleich das Amt einc- Botben der Götter verwaltete. Unter den Planeten heißt der sechste, welcher der Sonne am nächsten ist, der Merkur. Ja der Chymie ist es der Nähme des Quecksilbers; wo aber nur allein die vollständige Form Nerkurius oder Mercurius üblich ist. Merkwürdig, — er, — sie, sch. ei 26 v. von der dritten figürlichen Bedeutung des Zeitwortes merken, würdig, oder werth, gcmerket, d. i. im Gedächtnisse behalten zu werden ; denkwürdig. Ein merkwürdiger Tag. Las war mir, oder schien mir sehr ' merkwürdig. Die Merkwürdigkeir, plur. die—>en. r) Die Eigenschaft eine« Sache, nach welcher sie merkwürdig ist; ohne Plural. 2) Eine merkwürdige Sache, merkwnrdige Begebenhe.it. In Leyden Fällen auch die Denkwürdigkeit. Das Merkzeichen, des—s, plur. ut vom. 6vZ. in der ersten figürlichen Bedeutung des Zeitwortes merken, ein Zeichen, woraus man die Gegenwart einer Sache oder Veränderung schließet; wofür doch Merkmahl üblicher ist. Jngleichesi in der dritten Bedeutung, ein Zeichen, eine Sache vermittelst desselben zu merken , d. i. im Gedächtnisse zu behalten, »der sich derselben wieder zn erinnern. Sich ein Merkzeichen machen. Der Merlan, des — es, plur. die— e, in einigen Gegenden, ein Rahme des Meerhechtes, 6a6us Nerlueiu^ D wcnnes nicht vielmehr der verwandte 'Mitling oder Weißfisch. Onstus Nerlauxus, ist. Im Franz, ist Merlan, oder Norae, im Me s iZ4 Mittlern Lat. Nsrluu8,dcrgleichfalls verwandte Stockfisch oder Rabcljau, 0-i(lu8 Norkuu. Die Merle, plur. die — n. ») Eine im Oberdeutschen übliche Benennung der Amsel, welche mit dem Latein. Nerulu überein kommt, und in einigen Gegenden auch im männlichen Geschlechts der Merl lautet. Icü körte e!v merlikiv wo! stvZsv Das mik üutile clsr kumsr rvNte entttan,Hr.Uft rich von Guotenburg. 80 verviuuusl olkeuberö l)iu ineriiv irkuuc, Diu uv? KrivAent lllii'u mere, Heinrich vonVeldig. s) Eine kleine der Amsel ähnliche Art Falken von aschgranerFacs be, welche sehr gelehrig ist, und ziyn Lerchenfange gebraucht wird; jssslco Zession K/s//r. In andern Gegenden mit Vorgesetztem Zischlaute das Gchmerlem, Schmierlein, Franz. Lmerlllott, Irak. Lmsri^üoae^ Merode, S. Marode. Die Merthe, G.Mihrte. Der Merz, S. März. Merzen, S. Ausmerzen. Das Merzschaf, des—es, plur. die — e, in der Landwirth- schast, Schafe welche ansgemcrzctworden, 1 ec, im Wend. Ilecx, und im Kram r.II «-liech, glcichfgffs ein Degen, womit auch das Angels. iVlrca, das Schwed. Ei.ki r, das Krimmlsch." iVffv-cu , das Finnland. Ivlicku, und das Griech. und Lat. , alle in der Bedeutung eines Degells, verwandt sind. Um,er Hackmesser und Wiege- i88 messi-r scheinen diese alte weitere Bedeutung noch anfbehalten zu haben. I n mittler« L^t. bedeutet iVl^rciu, ^iZciiia, eine Keule, Franz. iVInllue, Cialis. 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, ein Werkzeug mit ein.r langen Klinge, damit zu schneiden, besonders so fern dts Schneiden mit einer Art von Ziehen verbunden ist; zumUnterschiede von einer Schere, welche nicht nur zwey Klingen hat, sondern das Schneiden auch allein vermittelst des Druckes verrichtet. Das Tischmesser, Brotmesser, Ruchen- rrn.ssr, Barbiermesser, Schermesser, Federmesser, Weidcmcs- scr, Gartenmesser, Schlachtmesser, Pflugmesser u. s. f. Einem das Messer an die Vehle setzen , ihn in die äußerste Verlegenheit bringen. Uns stehet das Messer an der Dehle, wir befinden nns in der äußersten Verlegenheit. Das große Messer fuhren, prahlen,, aufschnuden. Anm. Zu dem alten Gedichte auf den heil. Anno lVierrir, im Niederst ohne Ableitungssplbe Metz, Mcst, im Holland. lVIes, im Ungar. iVleiroker. Es ist vermittelst der Ableitungssylbe —er welche ein Werkzeug bedeutet, von dem veralteten Zeitwort weißen, schneiden/ hauen , stechen, schlagen, gebildet, welches . wiederum vou meiden und mähen abstammet. Siehe Mähen, Meißel, Metzeln, Metzcher u. a. m. Das M?sserbesteck, oder Messergcsteck, des—cs, plur. die —e, ein Futteral mit einem oder mehrern Paaren Messern und Gabeln. ^ Messerheft, des—es, plur. die—c, das Heft an einem Messer, wobey MAN dasselbe angreift und handhabet. x.-L Mesf rVlin ge, plur. die—n, die Klinge, d. i. der schneidende Thcil eines Messers, oder an einem Messer ; Niederst das Lämmel, Holland. lummer, nach dem Lat. I^akniuu. Der Möss.rlohn, des — es, plur. doch nur ungemeinen Leben von mchrern Summen, die—-lohne, der Lohn, welchen der Messer für das Messen bekommt; das Meßgeld, Niederst Metelgeld. S r. Messer. Die M'sserschale, plur. die»—n, eine von den zwey Hälften, woraus das Hest-an einem Messer bestehet. Messerscharf, aclj. et aäv. so scharf wie ein Messer. Bey den Schlössern werben die dreyeckigen Feilen messerscharfe Feilen genannt. Die Messerscheibe, plur. die—n, die Scheide zu einem Messer. Der Messerschmiö, des—s, p^lur. die—schmiede, ein Schmid, tvslcher nur allein, oder doch hauptsächlich Messer- und Säbelklingen verfertiget; im Oberb. Messerer, Niederst Mestmaker. Die Messerspitze, plur. die—n, die Spitze an einem Messer. Zügle chen , so viel, als man mit derselben fasseil kann. Eine Messerspitze Sal;, Pulver u. s. f. Eine Messerspitze voll. Die M eßfahne, plur. die — n, von dem Zeitworte messen, eine Zahlte an einer langen Stange, dergleichen sich die Feldmesser bedienen. D üb Meßfäß, des—sses, plur. die—fässer, von eben diesem Zcitworte, ein Faß , gewisse Dinge damit zu messen. So ist in der Lausitz das Meßfaß ein Maß, wornach bey Ausfischung der Teiche die Speis stsche verkauft werden, und welches ein Dresdner Viertel hält. Die Mcßfreyheit, plur. die—en, vonMesse?. r)Dieeinem Orte erthcilte Frcyheit, eine Messe haben zu dürfen. EinerSladt die M ßfrepheir ercher'len. 2) Die einem Orte oder den die Messe besuchenden Personen während derselben und zum Behufe derselben b.willigten Frcyheiten. Das M"ßFelb, des—es, plur. doch nur von mehrern Summen, die - er., r) Von dem Zeittvorte messen, (S. Messerlohn.) 4) Von Messe 2, das auf der Messe gelösete, oder für die Messe hestimrntt Geld. Mcs Das MeßZeleit, des—es, plur. inus. das Geleit der aus eine Messe oder zu derselben reisenden Personen , und das dafür z,t bezahlende Geld; von Messe 2. Das Meßgeräth, des—es, plur. laus, von Messe i, ein EH- lectivum, alles zur Haltung einer gottesdienstlichen Messe nölyM Gcräth zu bezeichnen. Das Meßgeschenk, des — es, plur. die — e, von Messe 2, ein Geschenk, welches man jemanden zur Zeit der Messe macht, oder ihm von der Messe mitbringt; im gemeinen Leben, die Messe. Das Meßgewand, des—es, plur. die—w'änder, von Messe >, ein besonderes Gewand oder Kleidungsstück, welches in der Römischen Kirche die Priester bey Haltung der Messe anlegen, und welches auch noch in einigen evangelischen Kirchen üblich ist. Es bedeckt den Leib nur hinten und vorn bis an die Knie, ist aber ail den Seiten offen. Schwed. lVlelsltLke, Dän.IVl.ell'ehLZel, im Oberd. ehedem iVlillueliel, voll demAngels.ULeeels,Island, l^ttkul, ein kurzer Mantel. Die Meßtzlocke, plur. die—n, Diminut. das Meßglöckchen, O/erd. Meßglocklein. 1) Von Messe i. ist in der Römischen Kirche theils die Mcßglocke diejenige Glocke, mit welcher zur Messe geläutet wird, theils das Meßglöcklein eine kleine Glocke, womit den Zuhörern das Zeichen der geschehenen Verwaudclung bey der Messe gegeben wird. 2) Von Messe 2, diejenige Glocke womit an manchen Orten die Messe ein - und ausgeläutet, d. i. der Anfang und das Eude der Messe verkündiget wird. Das Meßgut, des—es, plur. die—guter, Güter, d. i. Maaren, welchefür die Messe bestimmt sind , aufdic Messe geschaffet werden; von Messe 2. Der Messias, des Messias, oder Messiä', plur. die Messias, oder Messiä, oder Messen, ein aus dem Hebr. NLiv , salben, gebildetes Wort, welches einen Gesalbten bedeutet, und der Nähme des Erlösers bey den altern Juden war,welchen Erlöser die neuern noch erwarten. Daher das Beynrnd Nebcmvort messänisch, welches von einigen für christlich gebraucht wird. Die messanische Haushaltung Gottes, nach der Zukunft des Messiä, oder Christi. Das Messing, des—cs, plur. car. ein gelbes gemischtes Metall, welches entstehet, wenn mau Kupfer mit einem Zinkerze, wozu gemeiniglich Galmcy genommen wird, vereiniget. Messing machen, oder vielmehr mit dem gewöhnljchenKunsiworte Messing brennen, Kupfer mit Galmey zusammen schmelzen. Das Prinz» mcrall ist ein solches vermischles Metall, welches entstehet, wenn man anstatt des Gallmeyes reinen Zink nimmt. Anm. Im Dänischen und Schwedischen gleichfalls MellinZ, im Angelsächsischen lVIuelilinZ, Ulaetileu, lVlaeslen, im Pohln. lVIoüackr, im Böhm. lVlolaL. Es stammet vermittelst der Ableitnngssylbe —ing, welche ein Ding bedeutet, von dem Zeitwerte mischen, Franz, mesler, her, und bedeutet ein gemischtes Ding, ein Wengsel, und besonders ein gemischtes Metall. Diese Abstammung erhellet unter andern auch aus den gemeinen Ober- und Niederdeutschen Mundarten; in jenen heißt das Messing auch Mösch, Meisch, von mcischen, mischen, (S. Meisch,) und i» diesen Messen, von misken, mischen. Es wurde daher ehedem auch von mehrern vermischten und unreinen Metallen gebraucht. So bedeutete iVlnesleu ehedem im Augels. auchZiuu, vermuthlich unreines, mit Bley vermischtes Zinu, welches mau noch im Deutschen in einigen Gegenden Mangk zu nennen pflegt, von mengen, mischen. Im Böhm, ist molarn/ ehern, aus Erz, welches gleichfalls ein vermischtes Metall ist. (S. auch Metall und Mess fingisch.) Übrigens ist dieses Wort i» einigen Gegenden auch männlichen Geschlechtes, Hey Messing. Andere l§9 Mts Andere Sprachen haben ein anderes, aber derBedeu.tung nach sehr nahe verwandtes Wort, dieses vermischte Metall zu bezeichnen. Dieses ist das mittlere Lat. L-alo, Franz. I^ilov, Span. I,ston, . 4 lÄtov,Jtal. I^Eone, Cottons, Olkovs, Engl. Nullen,Holland, ls-vtoev,und auch Hey einigen älternDeutschen Schriftstellern Larrrn. Die auswärtigen Sprachforscher haben über dieses Wort allerlei) seltsame Einfälle, die ich hier nicht an- führen mag. Es gehöret unstreitig zu unsecm lochen, vereinigen, verbinden, und bedeutet so wie Messing eigentlich auch nichts andres als ein vermischtes^ aus mehrern Metallen verbundenes Metall, S. Lochen. Das Messingblech, des—es, plur. die—e, zu Blech geschlafenes Messing, ein aus Messing verfertigtes Blech. Das Messingbrennen, des — s, plur. car. das Brennen, d. r. die Verfertigung des Messings, weil die vornehmste Art dabcy in dem Brennen, d. i. Rösten, des Galmeysteines bestehet. DrrMüssmgbremrer, des—s, piur.ut nom.linZ. derjenige Arbeiter in einer Messinghüttc, welcher das Brennen, oder die Verfertigung des Messings verrichtet, welcher den Galmey rostet, und ans dessen Zusammenschmelzung mit Kupfer Messing hervor bringt. Der Messingöraht, des—es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die—e, zu einem Drahre gezogener Messing, messingener Draht. Messingen, vclj. et uckv. aus Messing verfertiget, aus Messing bestehend. Messingene Knöpfe. Ein messingener Ressel. DerMessingfeiler. des—s, plur. ur vorn. üuZ. in den Ge- wehrfabrikcn, ein Nähme derjenigen Arbeiter, welche denBeschlaz zu den Schäften der Gewehre verfertigen und auch Zcugfeiler genannt werden ; zum Unterschiede von den Rohrseilern, Schloßmachern, Gchäftern, Stechern n. s. f. Der Messinyhammer, des — s, plur. die—Hämmer, ein großer Hammer, mit welchem das Messing zu Blech geschlagen wird. Jngleichen ein Hammerwerk, d. i. eine Anstalt, wo das Messing vermittelst großer von dem Wasser getriebener Hämmer bearbeitet wird; zum Unterschiede v»n einem Eisenhammer und Rupferhammer. Die Messinghütte, plur. die—n, eine Hütte, ür welcher Messtug gebrcmiel, d. i. gemacht wird, und wozu man oft mehrere Nebenanstalten und Gebäude rechnet. ^Mcssingisch, e>. 6 j. et uüv. welches nur in Niederdeutschland üblich ist, wo es besonders von derjenigen Sprechart gebraucht wird, wo man Hoch- und Niederdeutsche Wörter,nnd Endungen unter einander mischet. Eine messingrsche Sprache. Mess-ngisch reden, wie besonders die nach Oberdentschlaud gewanderten Niederdeutschen Handwerksbursche zu thun pflegen. Als man in N-edcrsachsen anfing, die Plattdeutsche Sprache von den Kanzeln und aus den Gerichten zn verdrängen, und doch dem gemeinen Volke nicht gern auf einmahl unverständlich werden wollte, so ward diese messin- gische oder vermischte Mundart sehr gemein. Ein solches Testament von 16z2 stehet unter andern auch in demNostockischen Etwas 17Z8, S. 514. Dieses Wort bat mit dem Hauptworte Messing nichts als den gemeinschaftliche» Ursprung gemein. Es stammet, so wie dieses, unmittelbar von mischen ab, und bedeutet eine v rmischte Sprache, welche man in Oberdnttschland Menselsprache und Mougsppachc, im Irak, aber KLolcolLvra und KIslouZlio nennet. ''^platte, plur. die—n, eine messingene Platte, ein ^ Lrtück Mess Ilg il! Gestalt einer Platte. ^ —g plur. utooni. IivZ. auf den Mcssmghämmern, diejettigru Arbeiter, welche das geschlagene M e ß 19» Messingblech mit dem Schabeisen und vermittelst einer gewissm Beikc hell und glänzend machen. Der Messmyschläger, des-s, plur. M vom. 6 nZ. ebendaselbst, ein Arbeiter, welcher das von denMessiilgichneidern in Zai- nen gesägte Messing unter dem Hammer zu Blech treiben lässer. Der Messingschmrö, des—es, plur. die — schmiede, ein Hard- werter, welcher allerley Arbeit aus Messing verfertiget, doch da,- selbe nur kalt mit demHammer bearbeitet; daher er an eiittgeu Orten auch Raltschmrd genannt wird. DerMessingftyneider,des—s, plur. utvom. llnZ. auf den Meffinghämmern, ein Arbeiter, welcher das in Platten gegossene Messing zuZainen schneidet oder säget, damit der Mcssingschläger dieselben zu Blech verarbeiten könne. Die Meßkanne, plur. die—-n, ein Gefäß, welches eine Kanne hält, so fern es zum Maße flüssiger und trockncr Dmge gebraucht wird; von dem Zeitworte messen. Die Meßkette, plur. die—n. von eben diesem Zcitwvete, eine in Rüchen. Schuhe u. s. s- gecheckte Kette, die L inen am dem Felde damit zu messen; die Meß schnür, wenn mau sich statt derselben einer Schnur bedienet, der Mesiriemen, wenn es cm solcher Riemen ist. Das Meßkorn, des—> es, plur. c?.r. von Messe i. in einigen, besonders katholischen Gegenden, dasjenige Korn oder Getreue, welches die mitAckerbau versehenen Laudleurc detti Pfarrer i irr d c,r Gottesdienst, von welchem die Messe für den wesentlichsten Thril gehalten wird, jährlich entrichte'!! nrusien. Es ist unter diesem Nahmen auch noch in einigen evangelischen Gegenden üblich. In andern heißt es das- Zehentkorn, Zinskorn, Scndkorn u. s.f. Im mrttlernLat. .kvnova mlllülis. Die Meßkunst, plur. cur. von dem Zcitworte messen , die Wissenschaft, nicht nur alle Entfernungen, Weiten, Höhen und Tresen, besonders auf der Oberfläche der Erde auszumesscu, sondern auch Thcile dieser Oberfläche in Grund zu legen und auf das Feld abzustecken,welcheWiffenschaft ciuTheil der pracuschenGeomctrie ist;dle 8 eldmesiknnst, bey altern Schriftstellern die Maßkunst. Die Meßkunde bezeichnet nur die Kunde oder Kenntmß, oder den Inbegriff der hierher gehörigen klaren und deutlich, u Vorstellungen, S. die Runde und Runst. Der Meßner, des —s, plur. ul vom.flnZ. dessen Gattin« die Meßnerinn, von Messe 1, in einigen, besonders latbolischen Gegenden, ein Kirchenbedienter, welcher das Meßgerät!) in leinre Verwahrung hat, und in andern der Rirchner,Rüster, Gacrista- ner u. s. s. genannt wird. Schon im .Schwaben,p.egel Kl es v er. Das Meßopfer, des—s, plur. ul vom.üvZ. von Messe in der Römischen Kirche, die Haltung der Messe, so firn sic als ein unblutiges Opfer, oder als eine wicderhvhlre unblutige Auf- opftruug Christi betrachtet wird. Bey dem Notker ist KI Isolier meinem andern Verstände dasjenige, was hi y dem Genüsse des Abendmahles ans dem Altäre geopfert, d. i. geschcnket wird. Der Meßpfass, des—en, plur. die —en, S. das folgende. Der Meßpriester, des—e, plur. ub vom. ss-us- von Messe in der Römischen Kirche, ein Priester, so ferner besonders dazu bestimmt ist, Messe zu lesen. In weiterer Bedeutung auch ein jeder Priester, so fern das Lesen der Messe für das vornehmste Stück seines Amtes gehalten wird; im harren und verächtlichen Verstände, ein Meßpfass. Der Meßriemen, des-s, plur.ut vom. üvZ. S. Meßkette. Die Mrßruthe, plur. die—n, von dem Zeit», orte messen, ein in Ruthen, Schuh u. s.f. abgetheilter langer Stab, so fern er zum Messen auf dem Felde gebraucht wird; in euugen Gegru- den die MeßstanIe. Meß Die Mbßschnur, plur. die—schnüre, eine solche Schnur; Hey dgm Notker MuLseile. S. Meßkette. Die Meßstunge, plur. die —n, S. Melkruthe. DerMeßtissy, des—cs, plur. die—e, Diw.inut. das Meßtischchen, Qberd. Meßtischlein, von dem Zcitworte messen, ein kleines vierccktes Tischchen, die Weiten und Höhen damit-zu mcs- sen; Meufula b>ruswriLN 3 , von dem Erfinder pratorius, einem Lehrer der Mathematik zn Mors. Are Meßwaars, plur. die— n, von Messe 2, Waaren, welche auf die Messe geschaffet werden, für die Messe bestimmt sind. Der Meßrvechsel,des — s, plur. uknom. lin§. vonMeffe 2, ein auf die Messe gestellter, in einer Messe zahlbarer Wechsel; der Meßbrief. DerMrßrvern, des — es, plur. muss von Messe », in der katholischen Kirche, der für die Messe bestimmte Wein. Die Mrßwöche, plur. die—n, von Messe 2, eine Woche, so fern fie die Dauer einer Messe bestimmt, Die erste, letzte Meß- rvoche, Woche in der Messe. Die Meßzeit, plur. die—en, von eben diesem Worte, die Zeit der Messe. Die Messe, plur. die — n, ein nur in einigen Gegenden übliches Wort, eine Art von Gefäßen zu bezeichnen. In Thüringen und einigen andern Gegenden wird ein Salzfäßchen, so wie es auf den Tisch gesetzet wird, eine Mesic oder Gatzmcfic genannt. In der Lanstz werden dieTheerbilttenpechmesten odernneMcsien schlechthin geimnrtt. Zm Forstwesen ist die Harzmcste ein von Flchren- rinde verfertigtes Behältniß, worein die Harzscharrer das abgeschabte Harz sammeln. In Schlesien wird Moste oft von einer Schachtel geöraitcht. Bey den Jägern einiger Geg-mden sind die Gtahrmestcu ansgehöhlreStöcke, welche aufaehänget werden,da- .rrüt die Srahrc darein nisten. In Frankfurt am Main sind Metze und Moste gleichbedeutende Wörter,, und zugleich «sin dostlmrmes Maß körperlicher Dinge, welches die Hälfte eines Sr.-runcrs r st. Ans allem erhellet, daß Moste, Motze, Muth, ein körperliches Maß, das Lat. Mockius, und in gewissem Verstände auch Maß,- sehr nahe verwandt sind, und insgesammt in der Bedeutung eines Gesäßes mit einander überein kommen. Im Böhm. ist IVkalls eine Büchse, und im Gothischen Mes, und Pohln. Milk, eine Schüssel. S. Metze. Dcrs Mstsill, des—cs, plur. doch nur von mehrern Arten, die —e. 1. Überhaupt,ein aus seinem Erze geschiedener schwerer, glänzender mineralischer Körper, welcher sich im Feuer schmelzen und unter dem Hammer ausdehucu lasset. Edle Metalle, dergleichen Gold und Silber sind, im Gegensätze der unedlen, oder des Kupfers, Zinnes, Bleyes und Eisens. Eim Zalbmetall, welches einige Eigenschaften der Metalle, aber nicht alle hat, wie das Quecksilber, der Zink, der Spießglaskönig u. s. s. Reines Metall, welches mit keinem andern Körper vermischet ist. Untermischtes Metall, welches mit keinem Metalle andererArt vermischt ist ; im Gegensätze des vermischten.- 2. I» engerer Bedeutung. r) In einigen Fällen führen die unedlen Metalle nur , schlechthin diefen'Nahmen, im Gegensätze der edlen. So wird -as zu zarten Blättern geschlagene Messing, welches denGolö- «ud Silberblättern in der Farbe und Dünne gleicht, Metallgold und Metalls! der; oder auch nur Metall schlechthin genannt. 2) Noch häufiger firrd unter dem Nahmen des Mctalles vcrfchie. deneArte» vermischter Metalle bekannt, la) Das Metall der Stückgießcr ist Gemenge von Kupfer, Zinn und Messing. Das Glockengur oder die Glockenspeise, das Gießer;, die Bronze find ähnl.chc Vermischungen,und werden daher im gemeinen Leben auch urweilcn Metall genannt, (b) Das Metall der , Orgelbauer ist eine Mischung pp« zwey Thülen Zinn undLinerrr Met 19« Thüle Bley, woraus diejenigen Pfeifen, welche nicht imGestchke stehen, gegossen werden. Anni. Es stammet mit dem Lat. Metallum aus dem Griech. pcrr«»o», dieß überaus dem Hebe, M«'il, Metall, her. Eustachius undPlinius hatten die Grille, daß es von und abstamme, ob sic gleich verschiedene Ursachen davon äuge* ben. Es >st sehr wahrscheinlich, daß der Begriff derMaffe, des Zusammenhanges, der Geschmeidigkeit und Schwere, der Stammbe- griffin diesem Worteist, so daßes zu Materie, Masse, 2, und 4 . Matz, und 4 . Mattegehöret. DieEndsylbe—all, im Hebr, —il, kommt mit unserer Ablcitungssylbe—el, überein,ein Ding, Snbject zu bezeichnen, so daß Mctallttin zusammen hängendes, schweres, dehnbares Ding bedeutet. Im Mittlern Lat. wurde daher Motalluin auch für Materie gebraucht, so daßMetulluni li^neurn Zimmerholz bedeutet. QhneAbleitungSsylbe heißtErz, odet veriuischtes Metall im Pcrs. Mis, im Pohln. MLick-c, und im Dalmat. Micko, dagegen imBöhm. Mecl Kupfer bedeutet. So fern Metall in manchen Fällen ein vermischtes Metall bedeutet, kann auch der verwandte BegriffberMischung mit in Betrachtung kommen. S. Messing. Die Metallische, plur. rnukein zu Asche gebranntes Metall, 5. Metall Metallen, a 6 j. et ack v. aus Metall verfertiget, so wohl in der ersten weitern, als auch, und zwar noch häufiger, in der zweyten enger» Bedeutung des Hauptwortes. Ein metallenes Bild. Metallene Lanpnen, im Gegensätze der eisernen. Das Metällgstaö, des — cs, plur. doch niir von mehrernArtcn, plur. die—glaser, ein ans Metall oder metallischen Körper« geschmelztes Glas, dergleichen z. B. die Fritte ist. DasMetallgolö, des — es, plur. iuul'. S. Metall2.i). Metallisch, —er, —t e, crckj. et uüv. dem Metalle ähnlich, Metall enthaltend. Ein metallischer Glau.;, der dem Glanze der Metalle ähnlich ist. Metallischer Sand, Metall oder Erz enthaltend. Die Metallmutter, plur. die—mutter, in der Mineralogie, Erd' oder Steinarten, welche die Metalle Hey ihrer Erzeugung in sich nehmen. Der Quarz, Späth, Thon, Kalkstein, Fraucn- glas, u. s. f. sind solche Merallmükter, welche daher bep dcnBerg- lcuten freundliche Bergarten genannt werden. Der Metällschau-er, des—s, plur. u t uoru. liux. ben den Ärzten, ein abzehrendes Fieber nach einer ungeschickten Quecksilber - Cur. Die Metallurgie, (viersylbi'g,) plur. die—n, (fünssvlbig,) aus dem Griech.und Lat. MstullurAiu,diejenige Wiffenscbaftsivrlche die Erze der Metalle und Halbmetalle aufsuchen, von ihrem Geburtsorte absondern , auf die Oberfläche der Erde schassen und in gutes Metall oderHalbmetall verwandeln lehret; ohne Plural. Sie ist der wichtigste und vornehmste Theil der Bergwerkswissen- schaft. Jngleichen ein Buch, worin diese Wissenschaft gelehret wird. Daher metallurgisch, in derselben gegründet, zu derselben gehörig, der Metallurgift, der dieselbe verstehet. Die Metapher, plur. die—n, aus dem Griech. und Lat. Me- rctpliora, in der Sprach-und Redekunst, eine Figur, nach welcher die gewöhnliche oder angenommene Idee eines Wortes oder einer Redensart gebraucht wird, ein anderes Ding, wegen einer anscheinenden Ähnlichkeit, zu bezeichnen. So enthalten dieMorte die Fittiche des Windes eine Metapher. Eigentlich sind unsere meisten Wörter Metaphern. Das Wort Geist, wenn es ein »u- körperliches vernünftiges Wesen bezeichnet, ist eine Metapher weil es eigentlich den Wind bedeutet. Allein gemeiniglich nimmt man hier die gemeinste oder gewöhillichsie Bedeutung der Wörter für die eigentliche an, und nennt es eine Metapher, wenn diese x . - - ' M -,- ' / zur Bezeichnung eines andern in einem oder dem andern Stücke ähnlichen Dinges gebraucht wird. Daher meraphör-sch, eine Metapher enthaltend, iii derselben gegründet. D-e metaphorische Bedeutung eines Wortes, die figürliche. Ein metaphorischer Ausdruck. Eine fortgesetzte Mttaphee wird eui-Allegorie. Aie Metaphysik, p!ur die — en, aus dem Gr>cch. und Lat. Net.L-o!,> diejenige philosophische Wissenschaft, welche sich, mir d-.n allgcruei.'en Ergenschazlen der Drrige, mis de,u Daseyn und den Eigenschaften Gottes, mit dem Wesen der Welt überhaupt und mit i en Eigeuick aften eines Geistes beschäftlgcp ohne Plural; die 'sauptuussenschaft, bey einigen dre Grundwissenschaft, mir welchem letzter« Nahmen doch andere richtiger die Ontologie, den erst, n Theil der Metaphysik belegen. Jugleichen, ein Buch, welches duse Wissenschaft enthalt. Daher metaphysisch, zu dieser Wissenschaft gehörig , in derselben gegründet. Aer Mrlh, des-es, j-lur doch nur von mehrersi Arten oder Oualitrtälen, die — e, i m Getränk, welches vermute.st dir Gäh- rriiig ails Hönig und einem andern fl-issi en Körper bereiiet mied», wcmmtch, welcher aus Honig und Wem, Burmetl-, auSBür und Honig, Mosimerh, aus Most und Hönig, Lffigmech, aus Essig und Honig, Wassernikth, aus Masse? und Honig r«, h i. bereitet wird. In engerer und gcwöh-üicheeer Bedeutung wird der letzter e oder der Wassermech nur am häufigsten schlechtem Mech genannt. Weiter Merh, welcher aus weißem Ho. ig und Wasser gekocht wird, ün Gegensätze des braunen. Llleth brauen oder sieden- Daher das Werl-Haus, wo Mell) verkauft wird, die Methschenke, eine Schenke, wo allein Meth geschenkt wird, der Mcrl-sieder u. s.f. . ^ Anm. Inder letzten Bedeutung des Wasscrmethes, ,m West- phälischen nut der gewöhnlichen Ausfloßuug des d pllaie, iin Dän». M-od, Mod, im Schwed. lVljocl, im Engl. Bleuel, im Angelst Mecko. lVlueilie, im Wallis. IVlercl, im Böbm. iVIeclu, iVleclo- im Mittlern Last./VI tto. iVleclus. Der M.ch ist ein sehr alres Getränk durch w-lches die nördlichern und besonders die Slavonischen Völker den Mangel des Weines zu ersetzcm gesucht. Das nächste Stammwvrt ist das Slavonischc Necl, Honig, im Russ. iVlcchPoh u. kleoch Litthauisch vstecicius, wel. ches von dem U«ear. Finnischen uud Esthnitchen iVIttlsi^ und Griech. und Lat. iVlel, Hönig, nur in dem Ableitunas- laute verschieden ist, uno zu dem Geschlcchte der Wörter milde, Milch u. s.f. zu gehören scheinet. Bey dem Hesychius , der den Meth ausdrücklich für ein Scytbisches Getränk erkläret, beißt er und im mittler» Lat.-Viel!itn. lVieioZvatum, kvle- Irtiu, Ül<.!lcn6a u.s.f. Das Griech p^rr, Wein und überbaupt- starkes Getränk, scheinet mehr zu Macht, mögen u. s. f. zu gehören.. Damast am Ende gelinde laut, k, und alle übrigen Sprachen ein e! haben, so schreibet man dieses Worrrichtiger Mech, als Meht oder Merk, wie viele thun. Die Methode, plui. die — n, aus dem Griech. und Lat. kletko- cl us, die Ordnung im Vortrage der Regeln; die Lebrart,.bey altern Schrifistcllern die Lebrordmmg, Lehrkunst. 2 « weiterer Bedeutung auch überhaupt, die Ordnung in Einteilung mehrerer einzelner Dinge, welche auch ein System genannt wird. Die Linnäische Methode, die vou Lumee augenomn ene Eintbeilnng der Pflanzen in Elasten, Ordnungen, Geschlechter und Arten. Daher metködisch, nach einer gewiffenOrdnung im Vortrage der Reacln oder in Eintbeilung mehrerer einzelner Dinge. Die Metonymie, (virrsplbig,) plur.die—n, lern Schweden istIVl oilun, gleichfalls eineArt großer Kanoncn. Daß cS in dieser Bedeutung, wie Frisch will, von Amazone abstamme, ist nur ein Traum. - A. Die Motze, piur. die—n, eine Weibsperson,welche ihre« Leib Mannspersonen auf eine unerlaubte Ari überlässet; eine Zrire, obgleich nicht mir einem so harten und verächtlichen Nebenbcgriffe, als diesem Worte anklebet. Es scheinet im Oberdeutschen am üblichsten zu seyn. Wenigstens kommt es im Hochdeutschen nur noch zuweilen in der Büchcrsprache vor. Einem jegliche« Mann eine Mätze, oder zwey zur Ausbeute, Nicht. L, Zo. Sie schmücken sie mit Golde wie eine Metze zum Tanz, Bar. 6. 3. Anm. Zu dieser eingeschränkten Bedeutung im Niederst Nutze, . im Holland. IV!ob, im Ira!. IVkorru, Lurnor.ru, welches aber auch eine Gemse bedeutet. Man hat mancherley Ableitungen von diesem Worte. Diejenige», welche Hure von heuren abflammen lasse«, leiten auch Metze von miethen ab; noch unwahrscheinliche- rer zu geschweige«. Allein cS scheinet überhaupt kittejunae Person N. weiblichen - v Met Met !9L Weiblichen Geschlechtes bedeutet zu haben, und von Mädchen nur in der Ableitnngssylbe verschieden zu seyn. Das Englische klils, Span. und iVluckacka, das Holland. IVIeisje, und Wend. lVlul'cüica undMurica, bedeuten so wohl eine junge Person weiblichen Geschlechtes, als auch im gelinden Verstände eine Hure. Wenn es nicht gar überhaupt ein Ding weiblichen Ge- schlechtesbczeichnet. .Im Oberdeutschen ist Metze eine Hnndinn, eine Betze, wo m und b Buchstaben eines und eben desselben Sprachwerkzeuges find, und im Niederst ist Mutte ein Schwein weiblichen Geschlechtes, eine Sau. S. Mutter. 4. Die Metze, plur. die — N, ein altes Wort, welches jetzt nur noch ein gewisses Mengenmaß trockner Dinge ist, in welchem Verstände im Deutschen besonders ein gedoppeltes Maß dessenNahmen führet, r) Ein größeres , welches in Oberdentschland üblich ist, aber auch daselbst uichtvon einerlei) Gehalte zu seyn scheinet. In Nürnberg hält ein Malter 8 Metzen, eine Metze vier Dietbau- fen, ein Diethaufe 2 Diethäuflein, ein Diethäuflein aber 2 Maß. In Regensburs hältein Schaff, welches so viel als ein Hambur- gisches Mispel ist, 4 Maß, ein Maß 4 Vierlinge, ein Vierling aber 2 Metzen; dagegen in Augsburg 8 Metzen oder 4 Vierlinge ein Schaffmachen. Im (Österreichischen gehen Z o Metzenauf ein Muth ; eine Metze hält daselbst 4 Viertel oder 8 Achtel. Drey Wienerische Metzen machen vier Hambnrgische Faß. In Ulm be- stehet einJmmi aus 4 Mittlen, oder 24 Metzen, oder y 6 Vierteln. In Frankfurt am Main und der Pfalz hält ein Achtel, welches mit unscrm Malter überein kommt, 4 Simmer, 8 Metzen, 16 Sechter, oder 64 Bescheid. Metze und Meste stnd daselbst gleichbedeutcndeWörter. In Erfurt hält ein Malter 4 Viertel, ein Viertel Z Scheffel, ein Scheffel 4 Metzen , eine Metze aber 4. Mäßchen. 2) Ein kleineres, welches in ganz Ober» und Niedersachsen üblich ist, wo es den röten Theil eines Scheffels, oder den 4ten Theil eines Viertels beträgt, aber nach Verschiedenheit^ des Scheffels auch wiederum vou verschiedcnerGcöße ist. Im Os- nabrückischen wird eine solche Metze auch ein Becher genannt. In einigen Gegenden wird die Metze wieder,im in vier Mäßchen oder Mäße! getheilet. Von dieser Art ist auch die Mahlmctze, d. i. diejenige Metze Getreides, welche der Müller als seincGebiihr von jedem Scheffel zu nehmen befugt ist, und welche im Rieders, auch die Matte, im Mittlern Lat. aber lVlEa genannt wird. Die Mahlmetze ist alt, und kommt schon in einer Urkunde von 1276 bey dem Ludewig in Kelly. Th. I, S. 115 vor. Anm. Meyr, Maß, das Oberdeutsche Much und Lat. Klo- öiuk und lVletreta, stnd sehr genau verwandt und bedeuten ins- gesammt ein gewisses bestimmtes obgleich verschiedenes Maß körperlicher Dinge. So fern dieses Maß ein Gefäß ist, gehöret auch Meste hierher. S. diese Wörter. Die Metzeley, plur. die — en, S. das folgende. Metzeln, vsrd. rsZ. uct. welches das I,evatipum oder Frcquen- tativum von wetzen, schneiden, ist. Es bedeutet, 1) ungeschickt schneiden, aus Ungeschicklichkeit statt Eines Mahles mehrmahls schneiden, fetzen; in welchem Verstände cs so wie das zusammen gesetzte zermetzeln besonders im gemeinen Leben üblich ist. Daher die Metzeley oder das Gemetzel, ein solches ungeschicktes Schneiden. 2) ^Schlachten, im Mittlern Lat. mnceilare;in welchem Verstände esmur noch im Oberdeutscher, üblich ist. Der Metzger hat heute nicht gemetzelt. Daher eben daselbst der Metzger auch der Metzler genannt wird, bey dem Ottfried HLeLalur ; der Mc- yeltag, der Schlachttag. 3) Nicderhauen, medermachen, Franz. mall'Äcrsr;in welchem Verstände es besonders in dem zusammen gesetzten niedermetzeln üblich ist. Daher die Metzele^, ein Blutbad. So auch die Metzelung. 196 r. Metzen, vsrd. rex. neulr. mit dem Hulfswsrte haben, von 4.Metze 2. Der Müller wetzet, wenn er die ihm bestimmte Mahlmetze vor dem Mahlen von dem Getreide wcgnimmt. Niederl. matten. 2. *Metzen ,verd. re§. aet. ein altes Wort, welches ehedem schneiden, haue», schlachten, niedermachen u. s. s, bedeutete, aber im Hochdeutschen veraltet ist. Im Oberdeutschen kommt es so wie die Iteration metzeln und mctzgen noch für schlachten vor. Es ist das JntenstvilM von dem alten meiden, meden, schneiden , welches wiederum von mähen abstammet, schon bey dem Ulphilas muitan lautet, nnd mit dem Lat. inuclare Eines Geschlechtes ist. Unser wetzen lautet rmHolländ. mLtl'en.im Jtal.muL^are, im Span. mLtar, im mittler,. Lat. mnlure, im Slavon. mell'ar, im Ungar. met^öm, im Aeab. mara ; alle in der Bedeutung so wohl des Schneidens und Schlagens, als auch des Umbrülgens, Schlachtcns und Niedermachens. Ein Überrest ist außer den vorigen und folgenden Wörtern auch noch die letzte Sylbc des Wortes Steinmetz , einen Steinhauer zu bezeichnen. Allein das Franz. iVIs^on, e,n Maurer, und mLeonuer, mauern, gehöret mehr zu Masse, Massiv, als hierher. S. Mähen, Mark, Meißel, Messer u. s. s. Das Metzengeld, des —cs, plur. doch nur von Mehrern Summen, die — er, dasjenige Geld, womit man dem Müller die ihm gehörige Mahlmctze aAanft; das Mahlgeld, Niederst Mat- ^ tclgeld. S. 4 . Metze 2. *Metzyen, verd. reZ. act. welches nnr im Oberdeutschen üblich ist, wo cs schlachten bedeutet. Der Metzger hat heute nicht ge- metzgct. Im Niederst ist matsken in noch weiterer Bedeutung schneiden, hauen, fetzen. Es ist aus metzigen Zusammen gezogen, und vermittelst der iterativen Endung — lgen vo„2. Metzen gebildet. Metzeln und metzigen bedeuten einerlep und stnd nur i« den Ableitnngvsylben unterschieden. (S_igen.) Hieraus erhellet zugleich, daß man dieses und das folgende Wort richtiger mit einem g als mit einem ch schreibet. Der Metzger, des — s, plur. M nom. liuZ. Famin. die Metz» gerinn, ein vorzüglich im Oberdeutschen übliches Wort, eine« Fleischer zu bezeichnen, wo auch Metzler dafür üblich ist, bey^dem OtlfriediVlereilLr, im Mittlern Lat.lVlLcellLriu^im Jtal.jVln. eellaio. Man könnte cs von Mett, Fleisch, ableiten , von welchem Worte auch Fleischer in eben derselbenBcdeutung herstammt, sowie das Böhm. lVlutlckr, ein Fleischer, von lVluüo, Fleisch, gebildet ist, wenn nicht die Abstammung von dem vorigen metzgen zu gewiß wäre, da es denn genau das ausdruckt, was die Nieder- sachftn mit ihrem Schlächter sagen. (S. Fleischer.) Im Oberdeutschen stnd von diesem Worte alleZusammeusetzungen üblich, lvrlche man im Hochdeutschen am liebsten mit Fleischer macht. Der Metzgerknecht, Metzgerhicud, Mctzgergang, ein vergeblicher Gang, Metzgerpost, die Fortschaffung der Briefe und Packele durch die Metzger, welche der Ursprung des ganzen heutigen Post- wcsens ist, und noch in einigettOberdentschenGegenden angetroffen wird, u. s. s. *DieMetzitz, plur. die— en ein nur im Oberdeutschen übliches Wort, die Fleischbank zu bezeichnen, wo es am häufigsten Mctzg oder Mezg, zuweilen aber auch Metze lautet. Im Mittlern Lat. jVlLcsUum. Der Metzkaften, des — s, plur. ul vom. von 4. Metze 2, in den Mühlen, derjenige Kasten, worein der Müller seine » Mahlmetzen schüttet und verwahret. Der Metzner, des —- s, plur. ui noip. LmZ. von dem Zeitwerte r. Metzen, derjenige Mnhlknappe auf den Mühlen, welcher das Metzen verrichtet, nnd welcher an einigen Orten auch der Mehlkleister genannt wird. Der Meu 197 Der Meuchelmord, des—cs. plur. dre —e, ein hem-.l-ch, hinterlistiger und tückischer Weise begangener Werd. Einen Meuchelmord begehen. Das alte Wort menchel, welche heimlich, tücklsch, hinterlistig bedeutete, ist im Hochdeutschen veraltet. Dietrich van Btade und Bödicker leiteten es van dem gleichfalls veralteten Mangel, die Dämmerung, her. Allein, es scheinet zunächst zu mucken und munkeln zu gehören, welche gleichfalls den Begriff der Heimlichkeit, der Tücke, ben- sich fuhren. Im Vchwcd. ist mulll a heimlich verbergen, nild im Franz. Nt!il!e:r vecb r- gci,. Indessen kann es ftyn, daß das gedachte Mongel, Kaiftrs- beras munk, dunkel, und Marchesti munken, vecrathen, und Munker, ein Ver-ather, Spion, damit verwandt sind. Im N cders. ist mit ken tückisch, hiuteclistig. ansmenchclmörderische Arl ermorden, welches in dem Bremisch-Niedersachstschcn Wör- terdlt^eauf eine sonderbare Art ans Indien hergclritet wird. Ein Mucker, Afmuckev ist daselbst ein Meuchelmörder, imOberdeut- scheu Meuchler. In dem zu Basel 1 zg ^gedruckten neuen Tcsta- mcirle Luthers wird Meuchelmörder alsÄnchn den dortigen Gebenden unbekanntes Wort, durch heimlich'Möoder erklärt. Wrnn nicht der Begriff der Heimlichkeit, der Tucke, diesen Wörtern so wesentlich anttcbie, so könnte man sie mit dem Lat. m aetLre füg- lich von meggen und metzerr ableitcn. S. Meuchlings. Der Meuchelmörder, des —s, plur.utmom. lanZ. Famin. die Menchelmördcrinn, eine Person, welche sich eines Meuchelmordes schuldig gemacht hat. Daher menchelmordcrisch, einem Meuchelmorde ähnlich, in demselben gegründet. Meuchlings, uöj st üäv. ein imHochdentschen selten gewordenes Wort, welches nur noch zuweilen im gemeinen Arbeit gehöret wird, heimlicher, hinterlistiger Weise. Der Fernd stellet sich, als wollte er dir helfen, und Met dich meuchlings. Sir. >2,18. Bey dem Würstchen ist eine meuchlerische Zusammenkunft eine heimliche, verdorbene. S. Meuchelmord. Die Meute, p!ur. die—n, ein nur bey den Jägern üblichesWort, eine ParticJagdhnnde von ungefähr Z o—6 n Stück bey ciuerPar- sorce Jagd zu bezeichnen. Aus dem Franz. Jleure, weiche- aber mit dem folgenden genau verwandt ist. Die Meutere)), pluc. die —en, ein Wort, welches nur noch m engerer Bedeutung gebraucht wird, eine unerlaubte Verbindung mehrerer, besonders wider ibreObcrn zu bezeichnen, ein (Komplott, wo es mehr von leichtsinnigen, vorübergehenden Verbindungen dieser Art gebraucht wird; dagegen Verlchwö''nng den Begriff der festern, seyerlichern Verbindung mit sich führet. Eine Menterey machen. Anni- Im Schweb. imDän. Mgttcrie, km Engl. lVlubin^. Es ist -mHochdcutschen nur cin Überbleibsel eines zayl- reichern Geschlechtes, woben die veralteten Mente, eine svlcheVcr- bindung, und das Zeitwort menten, menreniren, sie erregen, anstiften, gehören;Franz naut!uer, I-al. mutin ure, ummM i- v urll, Span. umotu-Ärls. Es gebäret zu dem Grschlechie der Wörter Masse, Mareri'e, 4. Marte, Mar, locurm, in Mat- schaft, 4. Mutz und Mit, und bezeiUmet überhaupt eine Verbindung. Der Begriff des Aufstandes ist nicht nothwend.g damit verbunden, kann aber dab-y Siait finden, da denn auch das Lat. ÜVIcUri!; m t zur Verwandtschaft gehöret. Der Moütmächer, des — s,plur. ul nom fln^. Fämi». die M ntmachermn, eine Person, welche eine Mente, oder Meutere^ anstistet, erreget, S. das vorige. Die Merve, plur. die — n, eine Art mit einer Schwimmhaut an dru Füßen versehener Wasservögel, deren untere Kinnlade i» der Mitte einen Höcker hat; Ü.nru6 1 -,, et Griech. X«. 04, welche Nahmen sie von den klc-nen S estschcn, l^ari, Huben sollen, welche sie gern essen. Es gibt ihrer sehr viele Arten, welche Mich i§8 so wohl in der Größe, als in der Farbe von einander unterschieden sind. Die weiße Mewe wird auch Meerfchwalbe, Seeschwalbe und Fischaarmewe genannt; die weiße Mrwe mit einem braunen Kopse h ißi anch Brannkopfimd rothkopftge Sceschwalm; dste grcßc graubraune Mewe führet bey den Grönlandsfahrerii den Nahmen des Burgemeistcrs. Die Rmgclmewe hat e-ncn schwarzen Ring von dem Nacken bis über die Hälfte des Halses. Der Schwarzkopf ist eine wiche Mewe mit schwarzem Kopfe. Die kleine aschgraue Mewe wird auch Rohrschwalm und Fischerlein genannt, anderer zu geschwejgrn. Nach dem Klein müssen alle Mewen vierzehige Patschfüße mit frcyer Hinterzehe haben. Anm. Im Rieders, gleichfalls Mewe, im Angels. Fläevv, im Engl.!V1srv,iN!Holländ.i>stLLurv, imZran;. klarve, JstouLlte, blaues, im Dän. Maage, im Norweg. Maafe. Weil diese Vögel beständig über der Oberfläche des Wassers fliegen, um die kleinenFischc wegzuschnappen, so scheinen sie von dicserBewegung ihren Nahmen zu haben, welcher'alsdann von dem Zeitwerte mähen abstammen würde, wenn nicht ihr eigenchüinUches Geschrey zu ihrer Benennung Anlaß gegeben. Eine Art kleiner Mewen wird wegen derArt ihres Fluges im Rieders. Scherke genannt, von scheren, sich im Fluge durchkreuzen. Der Mewenschrabel, des — s, plur. die-schnabel, e,ne Art dreyzehiger Parschfüße, welche euren schwarzen Schnabelwre eine Mewe hat; l^Iuutus roüro lariuo Die Meye, Birke, S. r. May 2. Meyer, S. Meier. Mepnen, S. Meinen. M'-Kuen, verft.reZ. neutr. mitdemHülfsworte haben, welches auch für das Zeitwort maucn üblich ist, das Schreyen der Katzen zu bezeichnen, deren Geschrey man auch durch das indeklinable Miau nachahmet. S. Mauen und Mietz. > Mickl, die vierte Endung des persönlichen Fürwortes ich, ftn N-e- ders.mi, im Schwed, m i Z, bey dem Ulphilas rnik, mis, im Angels. und Engl, me, im Latein, me, im Griech. i 4 § , ^5. S Ich. richael, ein ursprünglich Hebräischer eigcnthümlicher Nähme, welcher von »v , 'ver, 2 , wie, und Gott, abgeleitet, und durch wer ist wie Gott? erkläret Wild, ob cs gleich immer sehr wahrscheinlich ist, daß er mit dem folgenden michel, groß. Eines Geschlechtes ist. Die Hebräische Etymologie bedarf, so wie die Etymologie aller Sprachen, noch einer großen Aufräumung. Em anderer Hebräischer weidl.cher Nähme, Michal, welcher vermuth- lich auch hierber gehöret, wird gemeiniglich von O '2 Wasser, und ^ all, abaelcirct, und soll lauter Wasser bedeuten. Be- sond r«''st in der christlichen Kirche der ErzengelMtchacl berühmt geworden, dessen Fest, welches das Michaelis-Fest, der Michaelis Tag, im gemeinen Leben aber mir Michal heißt, im Herbste den ersten Sept. gefeuert wird. Daher das Michaelis-Huhn, ei-i Zmshubn, welches um die Zeit dieses Festes, odecim Herbste emrich'el werden muß ; das Herbsthuhn. Durch den Nahmen des Erzengels -st dieses Mort auch ein männlicher Taufnahme geworden welcher im gemeinen Leben nur Michel lauter, Wem. Micha, aber auch in den niedrigen Sprechen mit allerlei- Bey. sätzen, zuweilen im verächtlichen Verstände gebraucht wird. Ein dummer Michel, ein dummer Mensch. Ein grober Michel, ein grober Mensch. Ein Deutscher M-chel. welcher nur allem se.ukMi.ltersprache verstehet, da er auch andk.reLprachen verstehen sollte oder welcher in andern Sprachen fehlerhafte Germanismen mach!. Welches Schicksal dieser Nähme mit Hans, Matz Drews und so vielen andern gemein hat, daher man nicht Iw s i)'g bat, Mi G-Zettnern den bekannten protestantischenGeneraj im dreyßlgia-- rigett Kr-cge, Han« Michael ObcmpaM, mit in das Spiel zu 2 mengen- ^99 ^ Mich Mengen, oder Michel hier für das folgende Wort zn halten, weil -die alten Deutschen große starke Leute gewesen. " Michel,- ach. et »6 v., welches groß bedeutete, im Hochdeutschen ober völlig veraltet ist, besten Spuren stch aber noch in verschiedenen cigenchiimlrchen Nahmen erhalten haben, wohin unter.andern -auch Micheldsrf m Österreich, Mcklenburg, ehedem nucMechel- burg u. a. m. gehören. Bey dem Kero und Dttfried mililiil, rniliil, im Angels, miel, micsl, im Engl, inioklL, im Schweb, rnazle und^in^ckren, im Island, mickste, bey dem UlphilaS mikü, im Griech. st?-/«;, Es ist ein sehr altes Wort, welches vermittelst der Ableunngssyloe—cl, von dem alten ma, groß, herstammet, :uid wovon mit andern Endsylben auch das Pers. iniir, groß, lniktsr, größer, das Pohl». moc, Dalmat. rnoscff, Wallis. m/Z, das Lar. muZnu.-;, das Engl, mucst, viel, Spa», mueffo, Islands rnick und Schweb, m^cicen Herkommen. Sogar im Malabarischeir ist rnuZL und und jm Jndostanischen mni, groß. (S. Macht, Menge rind Mögen, welche gleichfalls zu dem Geschlechte dieses Wortes gehören. Das Mieder, des—s, plur. ul uom. Diminut. das Micderchen, Dberd. Mibderle'in, ein nur noch in den gemeinen Sprecharten, besonders ans dem Lande, übliches Wort, ein Dber- kleid des wriblichenGefthlechces ohne Ärmel zu bezeichnen, welches Zunächst über dem Heinde getragen wird, und in der anständiger» Sx rech arl ein Leibchen heißt. l Jetzt schielt er dem Mädchen aufs Mieder, Beruh, wie schalkhaft vcrräth Das knappe Torset , Das schließende Mieder Die schlankesten Glieder l Weiße. Das Achuürnueder, wenn eS gesteift ist, und geschnürt wird. Anm. In einigen DberdenlschenGegenden, Z- B. in der Srraß- burgischen Polizey-Ordnung, das Murer. GS ist vermittelst der AbteAnngSsylbe—er von maMwä gebildet, welches im Äugelst -bedecken, bekleiden, bedeutet, wie daS Lat.amicire,/Vmielus, wofür ini Mittlern Lat. anchAsn.ru gefunden wird. S.4. Matte, Decke, und' Mutze^ welche gleichfalls zu diesem Geschlechte gehören. Die Miene, plur. die — n , ein alres Wort, von welchem wir nur noch einige Überreste haben. Es bedeutete, i. ' Die äußere Gestalt, die Figur eines DiugeS; rine veraltete Bedeutung, in welcher noch-im Schweb. iVI/nck, Ist/nt üblich ist. Dar hohe Alter dieser Bedeutung erhellet aus dem Hebe, ws , ein Bild, von dem ungewöhnlichen Worte ftu, abstamlnct. 2 . In engerer Bedeutung, i) Eine angenommene Gestalt, der äußere Schein, im Berta g nifchen Klan. In dieser Bedeutung gebraucht man eS im Deutscheil nur noch im Singular allein, ohne Artikel and mit demZeitwortcmachen, Miene machen, stch stelle:!,, ohne doch damit zu entscheiden, ob der Schein wahr sry oder nicht. Der «Alänbizer macht Mirn', feinen Schuldner zu verklagen, aus seinem Betragen lasset sich meinen oder mnthmaßen, daß er ihn verklagen wolle. Der Feind macht Miene, die Festung zu belagern. Wo . ^ aber auch ein Überbleibsel einer noch altern und mllgemcinern Bedeutung der Bewegung seyn kaum so fern eS mit mahnen, sich bewegen, überein komm:. Indessen gebraucht man dieses Zeitwort auch für scheinen, Vorkommen. Ich weiß nicht rvre du mir gemahnst, wie du narr vorkommst. (S. Mahne«.) r) * EineFigur, so fern sie ein Zeichen eines andern Dinges ist, und in weiterer Bedeutung ein jedes Zeichen; wo der Grnno der Benennung entweder in dem Scheine, oderauch i» der Bewegung, Mit welcher ein Zeichen hervor gebracht wird, zu liegen scheinet. Zn dreier Bedeutung iß es völlig veraltet, aber Oltftied gebraucht Mi e LOO noch ksseiao für e!n jedes Zeichen. Unser Münze und Münzen stammen mit dcmLat.KlonLta gleichfalls davon ab. z-DieGcstalL des Gesichtes, im Brrtagnischenklin; doch nur noch in engerer Bedeutung, die zufällige Gestalt des Gesichts, so fern sic ein Überbleibsel oft gehabter Empfindungen, oder oft empfundener Leiden, schäften ist, und daher einen muthmaßlichen Erkenntnißgrund von der Beschaffenheit des Gemüthes und der Seele gewähret. ES ist in dieser Bedeutung im Singular am üblichsten. Erne gute Miene. Mft ist es die gute Miene, in der sich die Seele abdruckt, wodurch wir zur Freundschaft eingeladen werden, Gell. Ein andrer hat zwar viel Geschicke Doch weil die Miene nichts verspricht, cbend. Zngleichen die veränderliche Gestalt deS Gesichtes, welche von den iedesmahlizen Empfindungen herrühret, verZchun^n, die zu Lev heiligen Miene, die er sich gab, so wenig stimmten. Die Deinnth entzieht dem Verdienste das Gebierhcrische der Miene, des Tones und der Sprache, das in Gesellschaft so beschwerlich fallt, Gell..^ Die Miene mit der sie diese Nachricht aufnehmen wird, ^soll mlr ihre ganze Seele erklären, Sonnens. Vir wurden mit einer sehr frostigen Miene empfangen. Ein reicher Mann, Der, seiner Miene nach, die eingelaufnen Schulden In schweren Ziffern ubersann. Gell. 4 ) Einzelne willlührlichr -GesichlSzügc, GcberdendeS Gesichtes; Diminut. das Mienchen. Allcrlep wunderliche Mienen machen. Sich seltsame Mienen angewöhnen. BrsvnderS'so feen sie von Empfindungen, von dem Zustande des Gcmnrhcs hcrrühreri, und zusammen genommen die vorige M-ene ausniachon. Franz.kline, Ztal.kliuu, Engl. Kllen. Jemanden eine finstre, eine frenndli, .che, erne angenehmeMiene machen. Eitle liebreiche, eine väterliche M.ene. Auf jemandes Mienen Achtung geben. Ich las in seinen M-enen alles, was er oabcp dachte. Etwas mit einer verächtlichen Miene ansehen. Juglcichen figürlich. Die Einbildungskraft gibt denGedanken des Verstandes effeichsam die ergenrhumkiche Miene, wodurch sie sich leicht von einander unterscheiden lassen, Gell. Anm. ES ist m diesen beyden letzten Bedeutungen nicht, wie man gemeiniglich glaubt,znnüchsiauS demFranzös. Klnis entlehnet , sondern mit demselben Eines Ursprunges, wie aus Dufeieds Kl s ino erhellet, daher man es auch richtiger Miene, als Mine schreibt, nach der allgemeinen Regel, daß ein gedehntes i im Deutschen in den meisten Fällen ein e zu seinem Begleiter hat. Mttie, curneulus ttird.Bergwrtr,schrribt man gemeiniglich um deßwillen ohne e, weil eSin den fremden Sprachen, ans welchen es entlehnet ist, kein c hat. Es ist mehr.als'wahrscheinlich, daß mahnen, so fern es zunächst bewegen, ziehen, bedeutet, und von mähen, mo vers, herkommt, der Stamm dieses Wortes besonders in den Heyden letzten Bedeutungen ist, weil diese Mienen au ch Züge und Goflch'lgzilge, Franz, 'ikraits, genannt werden, und wirklich ans gezogenen F alten der Haut bestehen. Der Zusammenhang zwischen dieser Bedeutung, und der Bedeutung des Scheines, des Glanzes, und in weiterin Verstände der Figur undGrstalt, wird nur dadurch dunkel, well hier einige Sprossen in der Letter zu fehlen scheinen. Indessen gibt es mehrere Wörter, welche ursprünglich die Bewegung. und figürlich Glanz, Licht, Schein, Feuer bezeichnen. sS. Mond,) welches gleichfalls hierher gehöret. Unser meinen gehöret zu den Mienen des Besich:S nicht weiter, als so fern bevde, obgleich in oerschielei,rn Rücksichten, von einem gemeinschaftli- / che» Stamme Herkommen. * Die Miere, plur. die— n, der Niederdeutsche Nähme der Ameisen, S. Ameise. Der 201 LOS Die Der Hriesel, d?s —s, xlur.uk. nam. Kn», bcy ben Böttchern, dem Frisch zu Folge, diekleinen, bey ihren Arbeiten abfallenden Stücklein Holz; ohne Zweifel von meisten, schneiden, hauen, S. 2. Meißel uitd Messer, ingleichen Musel. Die Miesmüschel, xlur. die —n, die Niederdeutsche und Holländische Benennung der gemeinen zweyschaligen Muschel mit violetter Schale; M^kulus Mulculus l-. Änrwedervon diesen Lareinischen Wörtern, oder auch von Maß, Speise, maßen, ,niesten, essen, (S. Must ,) weil sie in vielen Gegenden gegessen werden, daher einige sie auch Riichenmuscheln nennen. Das Miethdrer, des —es, xlur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die — e, ein nur an einigen Qrten, z. B. zu Wittembeeg übliches Wort, diejenigen Biere zu bezeichnen,welche nicht indesMicthmannes Hans gelegt und daselbst verzapfet werden können, sondern auf des VermiethersHaus gebrauet und verzapfet werden müssen. S. z. Mchthe. Der Mrech-Lonträct, des—es, plur. die-^-e, e'm zwischen dem Abmiether tmd Vermiether errichteter Contrac.t, ein Con- tract, vermöge dessen man etwas miethet oder oermiethet. Siehe Miethen. , Die Mieche, xlur.die—n, ein Nähme der kleinsten nngefln- gelcen Jnsceten, welche acht Firste nnd zwey gelenkige Fühlspitzen haben, und sich vornehmlich in dem trocknen Käse nnd in dem Mehleanfhalt'en; /lcurus D. Rasemiethen, Mehlmiethen. S:e sind so klein, daß sie mit dem bloßen Auge kaum sichtbar sind. Eine Arc derselben kriecht in die Schweißlöcher der Menschen nnd verursacht alsdann die Krätze. Sie werden im Hochdeutschen auch Milben,- im Niederst auch Memeln, Memern, Emeln , im Dsiitbrücklschen aber Maanen genannt, dagegen Miethe daselbst eine Mucke bedeutet. ' Aum. Dieses Insert heißt im mittlerir Lat. MikL, im Franz. Nile, tm Eng!. M.te, im Dän. Mcd. Schon un Griechischen war, dem Hespchius und Theopluast zu Folge, eine Made, welche die Bohnen zernagte.. Mckthe, Made nur- Motte schest neu genau venvandt zu seon, obste gleich Znseeten nndWücmec von verschiedener Art und Größe bezeichnen. Die Kleinheit der Miethen wird in ihrem Nahmen auch durch den Selbstlaut i bezeichnet, welcher überhaupt der Ausdruck des Kleinen iss, dagegen die größern Made und Motte breitere Selostlauter haben. S. Made. 2. Die Mieche, salur. die—n, ein nur in der Lanbwirth'chast einiger Gegenden, so wohl Ober-mls Nicderdencschlandes übliches Wort, einen großen runden oben zngespitzten Haufen Garben oder Skboh zir bezeichnen, welchen man zuweilen unter freyrm Himmel zu errichten pssegt, wenn in der Scheuer nicht Platz genug vorhanden ist, und der in Qbersachsen ein Fchm, Fenn oder Feimen, um Hamburg ein Diemen oder eine Dieme, im Oldenburgischen eine Wiske, an andern Orlen aber auch eine Triste genannt wird. Schottin dem alten Baierischen Gesetze in d i e so in B c r st and e :V 1 1 l u, imLatein. Msla. Wachter leitet- es von dem Airgels. iniktiun, bedecken her, weil dergleichen Hansell oben bedeckt zu werden pflegen, (S. Mieder und z. Matte.) Mil mehrerer Wahrscheinlichkeit ist der Begriff der Höhe, der Größe, der Masse, der Con- sistenz nnd Verbindung der Stammbegriss. Im Mittlern Lat. ist Moku, nnd im alt Franz. ,VI oke, ein Hügel. S. Macht, Mehz>' 4 . Matte, r. Mast und z. Mahl. Z. *Die Mieche xlur. die — n, ein veraltetes Wort, welche» nur noch in einigen'Oberdeutsche» Gegenden üblich ist. Es bedeutete, i s ein Geschenk, in welcher Bedeatung es im Ottfned N ia- tu. im Notker M, Na, itnd im Schwed.Mulu lautet. Es soll niemand kein Miet uo.h (Laben nehmen, von keiner Mahlung wegen, Bluntschli, en; Schweizer. Im Hebr. ist jnu gleichfalls Mie ein Geschmk. 2) Der Lohn, dre Vergeltung -, eine gleichfalls veratteie Bedeutung. JmLattanNit-t,bey welchem uruu MNL u insoilst, vhile Lohn ist , im Angelst Neck , im Engl. N seci, im Schioed. Mutu, imPohln. M^to, bey dem Ulphilas Nirtcko, imGriech.^ta'AozftmBöhm. Ml26u. Bus Zroike Mietekuon ieii ckur,Hecm. von derVogelweide. üstiiit en lit ckurcir ktraulls Miete veile, ftvd nicht für geringen Lohn feil, ebend. Dem neucsster was re 6 er Miste ZLck, der Burggraf von Liunz. Anyi. Man hält dieses Wort gemeiniglich für ein und eben -dasselbe Wort mit dem folgenden, welches sich aber ohne sichtbaren Zwang nicht will thnn lassem Wenn man bedenkt , daß die rrsie und älteste Art der Geschenke in Lebensmitteln und Eßwaa- ren bestand, so scheinet Miethc, ein Geschenk, Belohnung, Gabe, von Mat, Speise, abznstammen, (S. Mast und Muß.) Eben so bedeutete Mahl ehedem so wohl Speise, als auch eine obrigkeitliche Abgabe. S. auch Manch, welches gleichfalls hierher gehöret. ^ Oie Mieche, xlur. die—n, das Absicactum des folgenden Zeitwortes, doch nur in dessen zweyter Bedeutung. 1) Das Vec- Hältniß zwischen dem Abimecher und Vermiccher, der zwischen beiden errichtete Vertrag; ohne Plural. Etwas zur Mieche habeim Rauf geht vor Mieche. Zur Mieche in einem Zause wohnen. Die Mieche zur Richtigkett bringen. Jemanden die Mieche aufsagen. Jemanden in die Mieche nehmen. 2) Das für eine gemiethete Sache verglichene Geld, am häufigsten von dem Gelbe, welches für eine gemiethete Wohnung, für einen gemicthe- 4en Theil eines Gebäudes bezahlet wird, und welches auch der Zins heißt. Der Plural wird hier nur von mehrern Summen dies fer Art gebraucht. Die Mieche bezahlen, schuldig bleiben. Die Mieche zur Richtigkeit bringen. 3) Eine gemiethete oder vrrmiethete Wohnung', ein gemietheter oder vermierhetec Theik eines Gebäudes. Es stehen drey Miethen in diesem Zause leer. Mischen, verd.rsZ. Lick, welches jetzt mir noch meiner gedoppel- renBedcutnng üblich ist. l) klm Lohn dingen; wo man es nur noch von dem Gesinde gebraucht, wenn man es gegen einen bestimmten Lohn ansgewisse Zeit zu seinem Dienste dinget. Einen cknecht, eine Magd, einen Bedienten miethen, diefcn Vertrag errichten, welches durch bepderseiriges Versprechen Und durch eine gewisse Angabe von Seiten der Herrschaft geschiehet, welche daher das Mwthgcld, der Miechgrsschen genannt wird. Von andern Personen wird es nicht mehr gebraucht. Andere Arbeiter, Tagelöhner u. s. s. werden nicht gemiechet, sondern gedungen, ober bestellet; ob es gleich noch Matth. 20, i beißt, Arbeiter zu mie- then in seinen Weinberg; wo eszchon in dem zu BaM 152z gedruckten N. T. als ein itnverständliches Wort, durch bestellen, dingen, erkläret wird. Wohl aber gebraucht man.es noch im verächtlichen Verstände, von Personen , welche man durch Belohnung zss seinen Absichten beweget. «Lin gemietheter Lsbredner. 2) Zum Gebrauche ans eine gewisse Zeit gegen eine bestimmte Bezahlung erhalten; wo es, wieStosch ganz richtig bemerkt, nur von solchen Dingen üblich ist, welche man ohne weitere Bearbe- tnnq gebrauchen kann, zum Unterschiede von dem pachten. Man uilcthet einen Garten, wenn man ibn, so wie cr da ist, zu sei- nenr Vergnügen gebrauchen ivill; dagegen der Gärtner, welcher den Ertrag benntzeil will, und ihn also erst bearbeiten muß, denselben pachtet. Indessen ist es auch hier du ch den Gebrauch ein« geschranket ivorden. Man miethet zwar ein Zaus , eine Mahnung, eine Stube, eine Rammer, einen'Reller, einen Ladeir, einen Stall n. s. s. ingleichen ein Schiff, einen Rahn, eine Rutsche, einen Magen, ein Dkerd, Meub'en n. s. s. dagegen man von Büchern n. s. s. dieses Zeitwort nicht gebraucht, wenn man gleich für >ren ans gewisse „eit beduirgenenGebrauch bezahlet N s 3 » Mil L04 syZ Mie In weiterm Verstände kommt es in einigen Zusammensetzungen auch von geringeuPersonen vor, welche man anfkurze Zeitz» seinem Dienste verpfl-chtet. So wird ein Lehn odcrLohnlackey, ein Lehn - oder Lohnknecht, welchen man nicht jahrweise, sondern auf kurze Zeit in seinem Dienste hat, auch ein Miethlackey, ein M.et-^knecht genannt. So auch die Mischung. Anni. Schon Hey dem Dttsried in der ersten Bedeutung migt- tuo, ben dem Kero in derzwevten im N-ederf. meden, meen , wo es aber nur allem in der ersten Bedeutung von dem Gesinde gebraucht mied, dagegen in der zweytenBedeutung heuern üblich ist. Die Abstammung ist ungewiß, weil mehrere Stämme mit gleichem Rechte darauf Auftruch haben. Da miethen alle Mabl einen Vertrag, eine Verbindung voraus setzt, so scheinet es zu m!t,Mat,lociu8, (S Matschaft,) 4 . Matte, und andern dieses Geschlechtes zu gehören. Indessen kann es auch von Miethe, Lohn, abstammen. S. z. Miethe. Der Miether, des—s, ptur. >.it nom. linA. Fämin. die Mie- therinn, eine Person , welche etwas micthet, besonders in den Zusammensetzungen Abmiether, vermietbar. Die Mrethfrau, plur. die—en, S. M-echhcrr und Micth- 4>rann. Dttö MteHAelb, des — es, plur. doch nur von Mehrern Summen, die — er. 1) In der ersten Bedeutung des Zeitwortes, dasjenige Geld, welches man dem gcmiethcten Gesinde zur Befestigung des geschlossenen Vertrages auf die Hand gibt; der Miethgroschen , der Mrechpfennig, das S^ndgeld, Niederst Medelgeld, ehedem Medeise, Menasle, um Bremen Godcs- gelb, Gottesgeld.^ -) In dessen zweyten Bedeutung, das für denGebrauch einer gemietheten Sache bedungene Geld; wo es doch am häufigsten von gemietheten Wohnungen und Zimmern gebraucht, und auch Miethe genau,,t wird. Das Mlethhttrus, des— cs, plur. die—Hauser, eil, Haus, welches mau miethet, oder andern vermiethct. Der Nkiethherr, des — en, plur. die—en, Fämin. die Mierh-. frau, der Eigenthumsherr, die Eigenthumsfrau der vermielheten Sache, besonders der Wohnung. tMethLx, —er, —sie, sch. elackv. von 1. Miethe, solche Mie- thcn enihaltend. Miechiger Raft. Das Mehl ist miechi§, voller Miethen. Der Mrethstnecht, des— es, plur. die—e, S. Miethen 2. Die Nrechl'utsche, plur. die—n, eineKutschr, welche man nur auf kurze Zeit zu feinem Gebrauche gemiethet hat; die Lohnkutsche, Lehnkutsche. Der Mreth Rutscher, des — s, plur. utriom. llnA. derjenige, welcher solche Kutschen hält, und mit den Pferden an andere auf kurze Zeit vermiethet; der Lohnkutscher, Lchnkutscher, in Baiern Lehnr'ößler. In Wien macht man einen Unterschied unter Lkhnkutscyer und Miethkutscher oder Fiacker. Letztere halten auf den Straßen und öffentlichenPlätzen. Auch'eiu Kutscher,welchen mau aufkurze Zeit zu ftinen Diensten dinget. Der MietchlaEey, des—en , plur. die—en, S. Miethen. Dre Miethlerrte, liUA . inust Personen, welche in einem Hause zur Miethe wohnen; im Gegensätze des Miethherren. Der MtetchltNA, des—es, plur. die — e, eine auf kurze Zeit um Lohn gedungene Person, ohne Unterschied des Geschlechtes. Ein 6ausgenoß und Mischling sollen nicht davon essen.' s Most t 2, 4L ; der Fremdling und Tancloyner, Michael. Ein Mischling, der nicht Sirre rsi, deß die Schafe nicht eigen find, ius. s. Joh. io, ros. Wo es schon in dem iL2Z zu Basel gedruckten N. T. Lutheri als ein unbekanntes Wort durch gedingter Rnecht, Tagelöhner, erkläret wird. Niederst Schling. Man gebraucht es in der Hochdeutschen Büchei spräche nur noch zuweilen im verächtlichenVersiande, von einer Person, welche stch durch einen Lohn , oder durch eine Belohnung zn einer gewissen Verrichtung bewegen lässet. Der Mftthloh-r, des—es, plur. iuust eine nur in einigen Gegenden übliche Beilrnnn.lg des Gestndelohnes, welcher auch der Fährlohn, der Liedlohn geuanut wird. Der Mierhmnnn, des—es, plur.die—Miethleute, eruePerson mänulichen Geschlechtes, welche in einem Hause zur Miethe wohnet; im Gegenfttze des Miethherren. Im geme-uen Leben wird es zuweilen von beydcn Geschlechtern g brai cht, da denn Mann hierUr allgemeine Bedeutung eines Menschen hat. Doch ist auch Miethsrau von einer Frau üblich, welche in einem Hause z,rr Miethe wohin t. Der Mietbmsistev, des—s, plur. ut nom. linx. ein nurbey den Abdeckern übliches Wort, wo der Salbmeister, welcher dem Feldmeister umergeorduct ist , auch der Mischmeister genannt wird. Der M'ethpfenniy , des— es, plur. doch nur von mehrern Summen, die — e, S. Miechgcld. Das Mrethpferd, des—es, plur. die — e, ein auf kurze Zeit gcmiethetes Pferd. Das Mrethvieh, des—es, plur. rar. in den Schäftreycn einiger Gegenden , z. B. in der Lausitz , diejenigen fremden Schaft, welche um einen gewissen Lohn in das Wiluerfntter genommm werden, und welche auch das Saitevieh heißen. Mrethweise, ackv. zur Miethe. Etwas mr'erhweift haben, als ein gemiethetes Ding. Die Miethzeit, plur. inust die ineeincm Mieth-Contracte bestimmte Zeit der Miethe, die Zeit, wie lange eine Miethe dauert. Der Miethzins, des—es, plur. doch nur von m hreru Summen, die—e, der Zins für eine gemiechete Sache, besonders für eine gcmrethete Wohnung, oder für den gemietheten The il eines Gebäudes; die Miethe. Mretz, ein im gemeinen Leben sehr übliches Wort, mit welchem man die Katzen, als mit einem cigeutbümlicheu Nahmen zu rufen pflegt, wofür su andern Orte» Sieg. S'nz, Wien;, Rietz u. s. s. üblich sind. Im Span. iVlrr, im Jtal. kl eria , klsicuo , im Franz, klitou, im Schwed. Kltlls« Es ist eine Nachahmung des eigenthümlicheu Geschreyes dieser Thiere, um dessen nullen eine Katze auch im mitlletnLat.kIuüo , im Epirotifchen kl, 4 -», unLl key den Kalmücken Klit2 heißt. S. Mauen und Miarien. Die Milane, plur. die — u, oder der Milan, des —en, plur. die—en, ein großer braungelber Adler oder Falk mit kürzen ungeschickten gelben Fängen und lairgen Flügeln. Er gleicht dem Rvhrvogel, nur daß er größer ist, und wird, weil er den jungen Gänsen sehr nachsteller, auch Ganftaar, wegen der Gestalt seines Schwanzes auch Schwalbenschwanz, und vermuchlich wegen seines kirrenden Geschreyes auch Vurweihe, genannt. Mau gebraucht ihn zur Jagd, daher au dem kaiserlichen Hofe zu Wien eine eigene Mslan-oder Milanpartey ist, welche ans dem Mckan- mcisier, und verschiedenen M.lanknechten und M ia ijungen bestehet, und von der Falkeiipartep und Recherpartep noch verschieden ist. Im Franz, heißt dieser Vogel lVIü nn , im Mittlern Lani'i.kl jtio, welches mit dem Latein, kllluus, Weihe, überein ko u: m s. Die Mtlbs, plur. die — n. Der mehr Hoch-und Dberdeut, sche Nähme derjenigen kleinsten Art achifüßiger Insekten, welche sonst auch unter brrnNahmeu der Miethen bekannt find; ^euruä (S, !. Miethe.) Bey deu Schwäbischeu Dichtern Klelrve, Däu. Mol, Pohl», klol. 4) Jit einigenGeg^lden werden arich die Motten, Ll ittnv st,. im Tatian schon KliliuuÄ, Dän. Mal, Schwed. lVlcelj und in risch andern , s) dlr rauchen Nachtvögel, welche SOL Mil Mil so6 welche die Kseiber zerfressen, «ich mit ihren Hensern aufbem Ru« ckcn herum kricchen, MUben genannt; Dän Mol. 4) Eine Art Maden, welche die Larve gewisser kleiner Kaser sind, sich in den Büchern und in dein Holze anfhalten, und selbige zerfressen. Ann». In allen diesen Fällen von mahlen, zernagen, zermalmen, zerfressen, weil alle jetzt gedachten Jnsecten besonders ihrer nagenden Eigenschaft wegen bekannt sind, so wie Motte von dem alten matten , nagen, essen, abstammet, (S. 2 . Mast.) Bl y den Meistersängern ist die Mllbe derjenige Fehler, wenn am Ende des Verses um des Reimes willen ein Buchstab abgebrochen oder verschluckt wird, wo es von eben diesem Zeitworts herstammet. Die Milch, plur. car. 1 . Überhaupt, ein jeder weicher, weißer, milderKörper; in welcher weitestenBedentung es doch nur noch in einigen Fällen üblich ist. So werden in der Bienenzucht die jun- genBicnen, so lange sie noch inGestalt derMaden in einem weißen dicklichen Safte liegen, die Milch genannt. Bey den Fischen männlichen Geschlechtes ist die Milch der männliche Same, welcher dieGestalt eines weißen, dicklichen, aber sehr milden und weichen Körpers hat, daher die Fische männlichen Geschlechtes auch Milcher genannt werden, (S.dieses Wort.)Jin Niederst heißt diese Milch Milte, (S. Milz,) im Schwed. lVljölk, im Lat. I^actes, im Franz, la und im Span. I,solle.(S.auch Milchfteisch, Miichhaar, ingleichen Milz). In andern Fällen scheinet es mehr eine Figur der folgenden Bedeutung zu seyn. 2 . In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist die Milch bey den Menschen und vierfüßigen Thieren ein ansgearbeiteter weißer, süßer, milder Nahrungssaft, welcher in den Brüsten und Entern des weiblichen Geschlechtes derselben befindlich ist, von der Natur zür Ernährung der Jungen bestimmt worden, und welcher aus Butter, Käse und Molken besteht. -) Eigentlich. Zrauenmilch, Rühmlich,Schafmilch, Ziegenmilch, Esclsmilch u. st s. Frische Milch. Siiße Milch, im Gegensätze der säuern, oder sauer gewordenen Milch. Geronnene Milch, welche auch Rase,Keller, Schlocken, Schlotten, im Niederstplundermilch und Pumpermilch genannt wird. Dicke Milch, ste sey nun gelabt oder sauer gewordene Milch. Er fleht aus, wie Milch und Blut, sehr weiß und roch. Etwas mit der Milch , oder mir der Muttermilch einsaugen, gewisse Gesinnungen von der zartesten Jugend an annehmen. 2 ) Figürlich werden verschiedene Acten flüssiger Körper entweder wegen der Ähnlichkeit in der Farbe und Consistenz, oder auch wegen ihrer milden Beschaffenheit eine Milch genannt. So führet diesenNah- men der milchweiße dickliche Saft, welcher in manchen Pflanzen enthalten ist, daher diese Pflanzen selbst anch Milch genannt werden, (S. äundsmilch und Wolfsmilch). In den Küchen und Apotheken ist die Milch ein aus Kernen und andernÖhl gebenden Samen und Früchten bereitetes weißes dickliches Getränk, (S. Msndelmilch.)Die besteArt desRhcinweines,welche in einem kleinen Bezirke bey Worms wachset, führet daselbst den Nahmen unserer UebenZrauenMilch,wegen seiner mildenBeschaffenheit.Auf ähnliche Art nennet schon Aristophanes den Wein überhaupt Venus« Milch. Änm. Im IsidorlVlilub,bey dem Willeram MIrcbMilcb, im Niederst Melk, im Angelst lVleolc, Ucholuc, im Engl. Mik, im Dän. Malk, im Schwed. lVljylk, im Wend. lVlslauca, Uieku, im Böhm. lVsleko. Es ist allem Ansehen nach aus mel, mil, und der Ableitnngssylbe — ich, ein Ding, zusammen gestehet, und dieses mel oder mil gehöret ohne Zweifel zu dem Geschlechts unsers milde, und des Lat. nrolli8. Die Milch ist einer der mildesten flüssigen Körper in der Natur, man sehe nun auf die Consistenz,oder auf denGeschmack,oder auch aufdieFarbe. Hieraus erhellet zugleich die Be-rwandtschaft mit dem Lat. und Griech. prrXe, Hönig, mit öemGriech. milde, mit unserm schmerzen, mahlen, melken, mulg^re, u. a. m. und dem Jsländ. rniullr, weiß, indem die weiße Farbe die mildeste unter allen Farben ist. DasLat. lü,aL scheinet mit unsermLeich, verwandt zu seyn. DieMckchader, plur. die—n, in der Zergliederungskunst, die-- " jenigen Adern, welche den Milchsaft in die große Gekrösdrüse führen ; Venas lacteas. Der Mibchäsch, des—es, plur. die—asche, in der Haushaltung, ein Asch, d. i. oben weites und unten enges rundes Gefäß, die Milch darin zum Nahmen stehen zu lassen; der Milchhut. Der Müchbävt, des—es, plur. die—Karte, ein nur im gemeinen Leben übliches Wort, r) Ein aus MÜchhaaren beste, hender Bart, der erste weiche, wollige Bart eines Menschen, im Oberdeutschen Gauchbart,Loffelbartlein; ingleichen im verächtlichen Verstände, ein nur noch mit einem solchen Barte begabter junger Mensch; das Milchmaul. 2 ) Im Scherze, ein Mensch, welcher gern Milchspeisen isset; em Nilchmaul, ein Milchzahn. Der Milchbaum, des — es, plür. die—bäume, in einigen Gegenden, ein Nähme der Rüster oder Lehne; ^cer klatauoi- cles jst,. Das MilchbeMtniA des—sses, xlur. die—ssc, S.Milch- gefäst. DerMilchbrey, des—es, plur. doch nur von mehrern Arten, die —e, ein aus Milch und Mehl gekochter Brey ; Milchmuß, Niederst Melkmösken. DieMrlchbrezel, plur. die—n, key den Bäckern, eine Art Brezeln, zu welchen der Teig mit Milch angemachct wird. Das Milchbrot, des —es, plur. die —e, Diminut. dar Milchbrötchen, bey den Bäckern, eine Art Gebackenes in Gestalt eines Brotes oder Brötchens, wozu der Teig mit Milch angemacht wird. DerMilchbruöer, des-e, plur. die — brüder. ») Em Bruder der Muttermllch uach, derjenige, welcher mit einer andern Person einerley Brüste gesogen hat, mit ihr von einer Amine gesäuget worden; 6oUactLllLU8. Dip Milchschwcster, eine solche Person weiblichen Geschlechtes. 2 ) Im genmnenScherze auch einePerson männlichenGefchlechtes,welche gernMilchspeisen isset; cin Milchbart, Milchmaul. Die Milchbrühe, plur. von mehrern Arten oder Quantitäten, die—n, eine Brühe von Milch. Bey den Wcißgärbern wird die schwache Kalkbrühe, die abgehärten Fälle darein zu legen, auch die gute Milchbrühe, Franz. ?lrin mort, genannt, zum Unterschiede von der frischen oder guten Ralkbrijhe. Der Milchbrunnen, des—s, plur. ui uom 6nZ. in der Land- wirtbschaft, eine ausgegrabene Wassergrube in einem Milchkrllrr, die Milch im Sommer darin frisch zu erhalten. Die Milch- Lur, plur. die—en, die Cur, d. i. Heilung eines Kranken, vermittelst der Milch. Eine Milch Lur gebrauchen. LerMrlch-ieb, des—es, plur. die —e, ein Nähme, welcher im gemeinen Leben den Schmetterlingen gegeben wird, wo ste auch Molkendiebe und Buttervögelheißen, S. B'ttterst.iege. ^Milchen, a6j. et ackv. welches für melk bey denjenigen Hochdeutschen üblich ist, welchen dieses Wort;» Niedersächsisch klingt. Milchen werden. Milchenes Vieh. Wofür auch einige fälschlich milchend sagen, indem dieses Mittelwort eiy Neutrum milchen, Milch geben, voraus setzt, welches doch nicht vorhanden ist. Auch das Zeitwort melken wird von einigen milchen geschrieben und gebrochen, die aber doch alsdaun anch im Jinprrf. ich molk, und im Mittelworte gemolken sagen müssen. Siehe 207 Mil Der Milcher,-es—s, plur. utrwm. Kax. ei» Fisch männlichen Geschlechtes, wegen seines der Milch ähnlichen Sarnens, der Milchner, in einigen Gegenden anch Milchling , der Reimer; im Gegensätze des Rogeners, oder eines Fisches weiblichen Geschlechtes. Rieders. Mrlter, Engl. Miler, Dän. ganfiök. Die Mischfarbe, plur. inul.dieweiße, nüceüt wenig Bin» vermischte und der Farbe der Milch ähnliche Farbe, Milchfarben, aäj. et üä v. diese Farbe habend; milchfarbig,, milchweiß. D as Milchfaßchen, des—s, plur. ut uom.liuZ. S. Milch» glöckchen. ^ Das Milchsteher, des—s, plur. dock nur von mehrern Arten, / u t nom. ling. bey den Ärzten, ein Fieber säugender Personen, welches voll verdorbener oder überflnssigerMilch herrühcet; b e- iiris lnctea. D srs Milchfleisch, des ^es, plur. raus, in cilrigeu Gegenden,, ejn Nähme der milden, weichen, saftigen Brustdrüsen an den jungen Kälber«, welche such das Milchüück', ingleichen dw Aalbö- milch genannt werden. S. Brustdrüse. Der Milchflor, des— es, plur. von mehrern Arten,. die—e, eine Art zarten Flores von allen Farben, der, wenn er weiß ist, wir Milch ausstehet. Die Milchfrau, plur.. die—en, eine Fran- welche Milch verkauft, mit Milch handeltin der harten Sprecharr, das Milch» rveib. Das Milchfriefel, des — s, plur. ut nom.flu§.. das weiße Friese! der Sechswöchnerinnen, S. Zriesel. Das Milchtzefäst, des-cs, plur. die — e, ein jedes Gefäß, welches vornehmlich zur Aufbewahrung der Milch bestimmt ist. In der Anatomie stud es kleine Gefäßemden Gedärmen, welche den NahrungssaftinGesialteinevMilch aus der verdanctenSpeise saugerr, und stch endlich in das am Rückgrade befindliche Milcy- bebaltniA (Gillarnu jncteu) ergießen, welches der Sammelplatz des ganzen Milchsaftes ist, aus welchem derselbe in das Blut geführet wird. DasMilchyelöches —es, plur. doch nur von mehrern Summen, die—er, das aus der Milch gelösete, oder für Milch bezahlte Geld. , Die Milchtzelte, plur. die—n, eine Geste, die Milch darin zu verwahren, zuweilen auch das Vieh darein zu melken; die Mclkgelre. Die Milchyeschwulst , plur. die—schwülste. ^ Die mit Schmerz und Fieber verbundene Aufschwellung der Brüste von . stockender Milch. ») Eine Geschwulst, welche bey Schwängern und Kindbettcrinnen durch die in einen oder den andern ,Theil des Leibes ergossene Milch verursacht wird- Das Milchyewölbe, des—es,plur.utuom. koZ.rnderLand- wirthschaft, ein Gewölbe, die Milch darin frisch zu erhallen. Das Milchylö'ckchen, Oberd. Milchglöcklein , des—s, plur« ut nom. 1ir>A. -) Ein Nähme der herab Hangenden Warzen an dem Halse der Ziegen. 2 ) Ejne Art blauer Glockenblumen,welche im September blühen ruck im Winter in denGewächshäusern auf- --halten werdest; Milchfäßchen^ampanularotuutttfolial-. Das M'lchhaar, des—es, plur. die —e, oder auch collective, das Mllchhaar, plur. i n ul. die weichen, wolligen, blonden Haare, aus welchen der erste Bart bev jungen Mannspersonen bestehet, die ersten Barthaare; Staubhaape, Zederhaare, 'M Dberd. Ganchhaare, Gauchfedern. Eh' ihm das Milchhaar noch das grüne Maul bezogen, Giinth. S. Milchbart.. In weiterer Bedeutung werden alle zarte und speiche Haare auch an ander» Theilm des Leibes Milchhaare und Mil 208 Mi'lchbarchen genannt. Von Milch, so fern solches einen weichen, milden Körper bedeutet. , Der Milch Harn, des—es, plur. inuf. cm milchfarbiger, fehlerhafter Urin, welcher mit den aus den Speisen bereiteren Milchsäfte vermengt ist, und diejenige Krankheit, da der Urin in solcher Gestatt abgehetOi-chstes der Müch- harnffuß. Der Mrlchhut, des — es, plur. die—hüte, S. Milchasch. Mrleyicht, — er,.—>ie, ckttj. et ucl v. der Much ähnlich. Milchig, nckj. et uuV. Milch enthaltend. Die Milchkanne, plur. dre — n, Diirüu. das Milchkännchen, / Dberd. Milchk rnnlein, eine Kanne oder ein Kännchen, dre Milch darin auszubeballen, zuzuiragen, oder vvrzusetzen. Der Milcykefler, des — s, plur. ut uom. !inZ. indcr Land- wirthschafl, ein eigener Keller zur Aufbehaliiuig der Much. Der M'lchköch, des—es, plur. die — koche, in den Küchen, ein Koch, d. i. eine ausgelaufene gebackene Speise, welche aus Milch und Cycrn gebacken wnd, S. Koch. Das Milchkraut, d—es,plur. uiul'. einNahme verschiedener Pflanzen, deren Genuß den Zufluß der Milch bey den Thioren befördern soll. ') Der Kreuzblume, l-,. MUchwurz. (S. Kreuzblume.) 2 ) Eurer Pflanze, welche an dem Meere und an den Salzquellen wachset; 6!uux l. Der Milch - /irpfizÄ, des — cs, plur. inul. eine Art Kry stall, welcher trübe U'ie Milch ist. Die Milchrnäyd, plur. die—magde, in der Landwirtschaft, eine Magd, welche allein, oder doch vornehmlich nrit der Milch zu rhun bat, das Vieh melket u. s. Jnale,cheu eine Magd, weiche die Milch in die Stadt zu Markte trägt. Der Milchmarkt, des—es, plur. die — markte, in einigen Städten, ein Marktplatz, auf welchem Mstch verkauft wird.. Das Milchmaul, des—es, plur. die—Mauler, im gemeinen Leben, S. Müchbart.. Die Milchmüschel, plur. die—n, eine Art der Miesmuscheln, M^tuli hstulculi ^.vielleicht wegen der weichender Milch ähnlichen Beschaffenheit ihres Fleisches. DerMilchnapf, des—es, p>,-r. die—napfe, Diminut. das Milchna'pfchen.Dberd. Mstchnapffein, rin Napf oder Näpfchen, Milch darin aufzubehalten odervorznsetzen. Das Mllchvulver, des —s, plur. von mehrern Arten, ut NOM. 6nZ. 1 ) Die unter beständigem stlmrühr, u bis zu einem trocknen Pulver gekochte M ich. 2 EinPulver zur Vermehrung derMilch bey dem andern Geschleckte. , Die Milchpumpe, S, Bruffpumpe. Der Milchrahm, des—cs, plur. cnr. der Rabm, d. i. fette öhlichteTheil derMilch, welcher stch durch die bloße Ruhe oben aufderselben sammelt, und aus welchem die Butler gemacht wird; der Rahm, die Sahne, in einigen Gegenden Schmant, der Kern, in der Schweiz Niedel, in Wien das (l>bers, im Niederst ^ das ZIvtt, Dän. Zlode, Schwed, lslött, Latein. k'los iLetis. S. Rahm. Das Milchröhrchen , oder Milchröhrlein, des — s, plur. ut vorn. linA. in der Anatomie kleine Röhren unter den Brnff- gefäßen des andern Geschlecktes, welche die Milchmarerie anneh- mcn und erhalten; 1'ubuij lactei. Die Milchruhr, plur. iuus. der Durchfall kleiner fangender Kinder,, wobey eine milchichte Feuchtigkeit abgehet; -ek Milchstuhl. Der Milchsaft, plur. doch nur vslr mehrern Arten, die —safte, ebendaselbst, der aus den Speisen bereitete milchfarbige Nah- kungssaftin den thierischen Körpern, so wie erdemBlure Zugeftch" M wird z. hex ^ahzunZs-saft, Lft/lus, Der roA M di Der Milchsausev, des —s, plvr. M vom. kvz. eine Art zri-sicr ausländischer Schwalben, von welchen man fälschlich vergibt, daß sie den Ziegen uud Menschen des Nachts die Much aussaugen ; kliruvckc» LaprrvauI^a R/s/er. Ziegensauger, Rin- depmelker, rkachtvogel, rtachtschade-, Pfaffe, Hexe. Milchschauer, des — s, plur. m vom. Kux. ein fieberhaft tcr Schauer, welcher schwangere Weiler und Sechswöchuerm- «en befällt, wenn ihnen die Milch in d^e Brüste lr:lt und selbige schwellen macht. DerMilchschorf, S. Ansprung. Der Milchschwamm, des —es, plur.dre —schwämme, eme Art kleiner, gelber, eßbarer Schwämme oder Pilze; im Oberdeutschen Rehlinge, Rechlinge, Pfeffecschwamm, umDanzig Pfifferlinge, im Schlesischen Ganfel, weil sie unten gelb, wie eine junge Gans, sind, ingleichen Galluschel, von gallosch, gelb, ^tal. uni Neapel GaUuccio. S. auch Rehling. Die Milchschwestsr, plur. die —n, S. M'lchbruder. Die Milchsiene, plur. die —n, in der Landwirthschaft einiger Gegenden, eine Siene, d. i. ein hölzernes oben weites, unten aber enges Gefäß, durch welches die Milch -eseihet wird. G. Siene. Die Milchspeise, p!ur. von mchrern Arten, die—u, eine Me aus Milch bereitete Speise. Der Milchstaar, des — es, plun rauft eine Art des Staares im Auge, wobep die krystallinische Feuchtigkeit r« einen milcharti- ze« Saft verwandelt wird. , Der Milchstern, des —es, plur. die —e. t) Ein weißer aschfarbiger Stein, welcher, wenn er in das Wasser gelegt wird, darin zergehet, und dasselbe milchfarbigmacht. Er wird in Sach, sen gefunden und von de« gemeinen Weibern an dem Halse getragen, weil er die Milch vermehren soll; Galactires. 2) Eine Art weißen milchfarbenen Marmors führet in einigenGegendcn gleichfalls den Nahmen des Milchstemds ; ohne Plural. M« Milchstraffe, p >. u r. ivul..ein breiter milchweißer Streifen an dem Himmel, welcher ans einer unzählbaren Menge von Gter.nsv stellten bestehet, die in einer sehr breiten Fläche in dem- runden Raume des Weltgrbäudes liegen; die Jacobs-Straße, Via laclea. Im Mittlern Lat. Lalaxia. Kästner nennt sie den Milchweg: Wie um den Himmel sich der lichte Milchweg zieht. - Das Milchstück, des—es, plur. die — e, S. Milchst eisch. DerMilchstichl, des—cs, plur. die —stichle, S. Milchruhr- Die Milchsuppe, plur. die —n, eine aus Milch oder von Milch gekochte Suppe. Dao Milchtrich, des —es, plur. die - rücher, in derHaus- wirchschaft, ein leinenes Tuch, die frisch gemolkene Milch dadurch zu ftihtn. Das Milchwaffer, des —s, plur. raus. r) Das von dem Kast, oder dem festem Thcile der Milch nach deren Gerinnung' verschiedene Wasser, welches unter dem Nahmen der Molken sm bekannte,len ist. 2) Bey den Perlen wird die mir einem Silberglanze crhöhctc reine Milchfarbe das Milchwasser genannt, S. Wasser- Der Milchweg, des—es- plur.ruuf. S. Milchstraße-. DaoMrlchwerb, des-es, plur. die—er, S. Müchfram - Milchweiß- aclj. ct a6v, G. Milchfarben/ Dle Milchwurr, plur. ruuf S. Milchkraut. Der Milchzahu, deö— es, plur. die—Zahne. 1) Bey dem- vierfüßigcn Thiercn, ditjenigen Zähne, welche die Jungen mit auf dieWeil bringen, oder doch während des Sanacns bekommen, und' wclche ihnen wieder ausfallen, wenn sie tUifhöre« zu langen, und festere Suchen bekonuuen. Be» den Füllen werden sie Zullen- - Ldch'W.Ä.Z.TH.2.Mss. R i l 2!-0 zahne, und bey den Lämmern auch Hundszähne genannt. Auch die ersten Zähne der Kinder führen diesen Nahmen. 2) Dor hinterste Backenzahn auf jeder Seite eines gekochten Kalbskopfes, welcher mit einem der Milch ähnlichen weißen Safte angefüllct ist. z) S. Milchbart. Der Milchzehnte, des —n, plur. die —n, dev Zehnte, welch er von der Milch gegeben wird. DerMilchzms,des — es, plur. die — e. ,) Der Zins von gepachteter oder verpachteter Milch. 2) In einigen Gegenden ist esdie Abgabe, welche fremde geschwächte Weibespersonen demjenigen Gerichtsherre», in dessen Gerichte sie niedcrkommcn wollen, entrichten müssen. ^ Der Milchzucker, des — s, plur. ivul. ein zuckerartiges wesentliches Salz der Milch, welches man erhält, wenn mazi Molken abrauchen und krystallisiren lasset. Milöe,—r,— ste, astj. etLciv. ein Wort, welches eigentlich angenehm weich, gelinde bedeutet, und dem entgegen-gefttzct wird, was eine unangenehme Härte oder Schärfe, so wohl im eigentliche« al^ figürliche» Verstände, hat. 1. Eigentlich, weich, der Eonfistenz und dem Gefühle nach, und in engerer Bedeutung, auf eine angenehme Art weich und gelinde. Das Fleisch ist sehr milde, wenn es mürbe ist, und gleichsam im Munde zerfließet. Milde Apfel, milde Birnen, mürbe. Mildes Led?r, bey den Schustern, welches den gehörigen Grad der Gare hat. Ein milder Sand-' Kein, welcher weich und leicht zu bearbeiten ist. Eine milde Vergärt, im ^rrgbane,iu engerer Bedeutung, welche nicht nur mürbe und gebrechjg, sondern auch schmierig dem Gefühle nach ist, - und sich leicht anleget, Das Rupfer ist milde, bey den Kupferstechern, wenn der Grabstichel es leicht und'rein schneidet; im - Gegensätze des hark und spröde. 2. Figürlich. 1) Dem Ge« schmacke nach, im Gegensätze dessen was hart, scharf und sauer ist- - Der alte Mein ist milder, Luc. 5, z 9. Milde wie die reifste-' Traube, Weiße. Mildes Obst, im Gegensätze des säuern, herben. In weiterer Bedeutung ist mildes Obst im Oberdeutschctt'' reifes Obst, rnilia poma. 2) Der Intensiv« nach, für gelinde; - doch nur in einigen Fällen. Ls regner sehr milde. Em milder Regen, ein sanfter^ gelinder Regen. Mildes Wetter, gelindes, - Ein mildes Ur-thci!, milde Strafe, gelinde, z) Im moralischen > Verstände ist milde liebreich, herab lassend, sauft, gesprächig,' gütig, im Gegensätze der Häric und Schärfe des Gemülhcs ; in-' gleiche» darin gegründet. Milde Thranen weinen, liebreiche,-- Ein milder Vater. Ein mildes Gemiith, milde Sitten. Ju ^ denKanzellrpcn wird mildest und allcrmildest häufig für gnädigst- und allrrZnadigst gebraucht. Etwas än mildeste Betrachtung >' ziehen. 4) Freygebig, gcueigtsein Vcrnrögen andern mikzuchcis lcn, cs zi: andrer Nutzen zu verwenden, und in dieser Eigenschaft '" gegründet. Weil du denn so milde Geld zugibstj Ezrch. -6, z6. - Geint'milde Hand aufthust. Spricht». Der Milde-gibt sich' rerch, der Geitzhals nimmt sich arm. Ihr Baume, die ihr- uns milde eure reifen Früchte gegtoen, Geßn. , . Die Fremden besser zu erfreuen, Umsteckt dermilde Wirth den Tisch mit dichten Maicns - D- H a ged. 5) Nach einer Fortsetzung dieser Figur gebraucht man cs auch,' einc Frcygebigkcit in Worten zum Nüchtheil dcrWahrheit auf Sine ' gelinde und nicht beleidigende Art zu bezeichnen. Das war ein^ wenig zu Milde gesprochen, war zu viel gesagt,zum Nachtheill der Wahrheit übertrieben. Ew, -—sind hierin zu milde, berrch-' ttt wördcnl 6)*Fromm, gottessürchlig; eine veralten- Beden,-' tung. So heißt Ludwig dcrFromme bep deil altern Schristsiell- en' mchrmahls Ludwig der milde, Milde Stiftn',-gen, milde- Sachen, im Oberdeutschen, vias caulae. -Dahiilöchöet-..-,.ch> c)> ' - Mil Zu Mil - » - der eigentlich Oberdeutsche Ausdruck, nach der Nennung eines Verst^oenen christmilden oder christmüdesten Andenkens hinzu zu setzen, welcher noch auf den Kanzeln und in den Kanzeleyenüb- . lich ist. Aaiscr Tar! Vl. christmildcsten Andenkens/ An,n. Im Oberdeutschen schon von den ältesienZeiten her milk, im Angelst milcks, mrliäe, im Engl. und Schweb, mild, im Island, miiäs, im Griech im Russischen miloi, im Pohl», ruil/. Es ist mir Mrich, schmelzen, Schmalz, mah- len, molsch, dem Latein. mollis, und andenr dieses Geschlechtes genau verwandt. In Baiern ist mollede weich, mollis. Das e am Ende ist das e euphonicum, ohne welches das d wie ein t lauten wurde. Die Milde, plur. cur. das Abstractum des vorigen Bcywortes, die Eigenschaft, nach welcher ein Ding milde ist. In allen Beden- tnngen desselben, vornehmlich aber in der dritten und vierten figürlichen. Ein Mensch, über welchen das Glück alle seine Milde ansgießt, und seinen w ünschen nichts versagt. Die Milde seiner 6nld e'nkfernrder Greisen Tod, Haged. Jngleichen in der fünften. Etwas mit zu vieler Milde erzählen, übertrieben, mit Verlesung der Wahrheit. Anm. Schon bey dem Ottfried für Güte, lVIllti, im Tatiau für Barmherzigkeit, MlüÜL, und im Isidor mit einer andern ÄbleitnngssylbelVIiltuillo. Mildern, verü. rex. act. gleichfalls von dein Beyworte milde, undLessen Comparativo milder, milder machen, doch nur in den zwey ersten figürlichen Bedeutungen. i) Dem Geschmacke nach, die Schärft, Säure, Härte dem Gcschmacke nach vermindern. Zerflossenes weinsteinsal; mildert die Säure des Weines.- 2 ) Der Intensiv» nach, den unangenehmen Grad der Härteund Scharfe vermindern. Einen harten Ausdruck mildern. Das sanfte Wesen des weiblichen Geschlechtes mildert den muthi- gen Sinn des Mannes, daß er nicht in Trotz ausarrc, Gell. Der Südwind mildert die Aalte. Eines Urtheil mildern. Die Strafe mildern. So auch die Milderung. Mildherzig, — er,— ste, uclft et aäv. ein mildes Herz habend, milde dem Gemüthe, dem Herzen nach, knd darin gHriindet, in der dritten und vierten figürlichen Bedeutung des Wortes milde. Die Mildherziykeit, plur. car. der Zustand, und in engerer Bedeutung , die Fertigkeit, da eine Person mildherzig ist. Schon im Angels. ist kllliksortnjllL die Barmherzigkeit. DieMildiykeit, plur. car. in der vierten figürlichen Bedeutung des Beywortes milde, die Fertigkeit milde zu seyn, die Milde, die Freigebigkeit als eine Fertigkeit betrachtet. Die christliche ' Müdigkeit. Bey den Schwäbischen Dichtern lVlillekeit. ^Milditzlich, aäv. für milde, welches im Hochdeutschen veraltet, aber noch im Oberdeutschen gangbar ist. Mildreich, — er, — sie, aclj. et uäv. reich an Milde, in der dritten und vierten figürlichen Bedeutung des Bcywortes milde, und in dieser Gemijthsart gegründet. Ein mildreiches Betragen. Mildthätiy, — -er, — ste, s6j. et seine Milde durch die That beweisend, d. i. geneigt, so reichlich und auf'eineso liebreiche Art zu geben, als nur möglich ist, unh in dieser Gesinnung gegründet. DieMilölchätiykeit) plur. inus. der Zustand, und m engerer Bedeutung, die Fertigkeit, da man mildthätig ist. "DerMiliz, des — es, plur. iuust. in einigen Gegenden, ein Nähme einer Art Schilfgeases, welches sehr groß und ansehnlich wird, und an denUftrn derTeiche und Flüsse wachset; bou acfua- ricu Rispengras, wasserviehgras, im Braunschweigischen Segge. Der-Nahme kommt mit dem Lat. IVlilium, Hirse, überein. Zalschee Miliz, ein Nähme der Masserscmse oder des Cyxer- Grases; Zclrpus k/lvulieus I,. Cs hak wirklich eine ebenst zerstrente Blnthenrispe als die Hirse. Die Miliz, plur. eur. ans dem Latein, l^ilitia, der Kriegsstaat eines Herren, dessen Truppen und was dahin gehöret; wo cs doch am häufigsten von dem Corps der zur Vertheldignng des, Landes ausgesonderrcn Einwohner gebraucht wird, welches man auch vollständig die Land-Miliz heißt, zum Unterschiede von den Feldsoldaren. Die Million, plur. die —en, eine Zahl von tausend Mahl tausend. Ans dem Franz. lVUlIiou, welches vermittelst der vergrößernden Endung —on von dem Lat. mille gebildet ist. Die Milz, plur. die — en, ein weicherTheil der menschlichen und thierischen Körper, welcher von rother oder bräunlicher Farbe ist, in der linken Weiche zwischen den falschen Rippen und demMagen liegt, und sich wie die Lunge anfblasen lasset; l^ieu, 8plen. Ihr Nutzen ist noch unbekannt. Die Milz sticht mich, sagt ma« im gemeinen Leben, wenn man nach einem starken Laufen einen stechenden Schmerz in der linken Weichp fühlet, welcher doch seinen Sitz nicht in der Milz, sondern in dem dicken Darme hat. , Eiiw geronnene Masse, welche das Füllen auf dem Kopfe mit ans die Welt bringt, wird im gemeinen Leben irrig für die Milz gehalten, und daher auch die Milz, bey andern Pferdegift, und im Griech. iir-iropc-vqr genannt. Anm. Ley dem Raban Maurus schon im 8ten Jahrhunderte lVIiltri, im Niederst Milte, im Angelst Engl. Dan. lZlilt, ilü Schwed. lVIstilts, im Jsländ.IVllllte, im JtalMilru, im Franz, leftlou ; allerem milde, Latein, mollis, wegen der weichen Beschaffenheit, so wie die Lunge und Leber gleichfalls von ihrer Beschaffenheit, wie sie sich dem Gefühle darstellet, benannt worden. Im Niederst ist daher Milte auch die Milch der Fische, welche-auch wohl von einigen Hochdeutschen die Milz genannt wird. In dein Geschlechts dieses Wortes gehen die Deutschen Mundarten von einander ab. In den meistert Oberdeutschen Gegenden ist es männlichen Geschlechtes, der Milz, und in einigen gar nngewiffen, das Müz. Im Hochdeutschen ist das weibliche das üblichste. Im Alban, heißt die L.ber Die Milzader, plur. die — n. r) Eiiieje 0 eButt-und Pulsader, welche durch dieMiiz gehet; ^rteriu und Venu lplsui^a. 2 ) In engerer Bedeutung ist die Milzader ein Ast der Pfortader, welcher nach der Milz zu gebt, z) Auch die Salvatell-Ader, welche ein Ast der Hohlader ist, der sich von der Vorhand bis' zu dem kleinen Finger erstrecket, und ehedem in Mi'zkrankheittir geöffnet zu werden pflegte, führet bey einigen den Nahmen der Milzader. Die Milzbeschweruny, plur. die—en, ein Anfall von der Hypochondrie, eine hypochondrische Beschwerung, weil man ehedem die Milz für den Sitz derselben hielt. Ein höherer Grad der- ftlbeir wird daher auch die Müzkrankheit, das Milzwch imd die Milzsncht genannt. S. Zppochondrie. Der Milzbrand, des— cs, plur. inul.cine Krankheit des Rindviehes, wobey die Milz ganz schwarz und fließend wird; in Baier» der gelbe Gcheben, der gelbe Anopf. Die Milz: Essenz, plur. von mehrern Arten, die — en, eine Essenz aus bitter» Kräutern, die Verstopfung der Milz zu heben. DerMilzfarn, des — es, plur. inul'. S. Müzkraut. Die Milzkrankheit,^plur. die —en. Eine jede Krankheit. t welche von einer verdorbenen Milz herrühret, oder doch derselben zngeschrieben wird. Von öieser Art ist die Milzkrankheit der . Pferde, wobey sie einen großen dicken Bauch bekommen, oft und geschwinde athmen, beständig stöhnen, mager werden und in der linken Seite Schmerzen empfinden, welche man im gemeinen Leben / L1A Ä! l l Leben der Milz zuschrcibt. -) In. engerer Bedeutung, die Hypochondrie, S. Milzbeschwerung. Das Milzkraut, des — es, plur.inuf. ,) Ein Art des Farnkraut s welches jn den wärmernLändern aufd>'uKlivpen-wächsct, und ein'sehr wirksames Mittel wider die Milzkrankheu oder Hypochondrie ist; ^kplenium LelnrLcii ryilzfarn.' In weiterer Bedeutung pflegen einige alleArten des ^lpleniurn s,, wohin die Hirschzunge, das Vogelnest, der rothe Widerchon, die Mauer- raute und das schwai zeFeauenhaar gehören, gleichfallsM-Izkraut zu nennen, weil die meisten derselben ähnliche Kräfte haben. 2) Eine Art der verwandten Mondraute, OsmunckA spiesnt 1 ^. welche auch Steinfarn he-ßt, ist bey einigen gleichfalls unter dem Nahmen des Milzkrautes bekannt. Der Milzstrany, des —es, p!ur. die —stränge, in der Zer. gliedernngskn.-st, ein verw-ckeltes, aus Sehnen bestehendes Geäder auf der linken Seite des Magenmundes, welches bis zur Milz gehet. DieMilzsttcht, plur.car.die Hypochondrie, (S. Nilzbcschwe- rung.) ' Daher milzsüchtig, mst Her Hypochondrie behaftet, in derselben gegründet, hypochondrisch; Ängels. milte-lsoe, Schwed, m^äilkjuk. Das Mtlzweh, des—es, olur. eLr. S. Milzbeschwerung. Minder, uckj. et ackv. welches der Comparativ des im Hochdeutschen veralteten Positivi min ist; Superlativ mindest. Es bedeutet, 1. Kleiner, und im Superlative der kleinste, der körperlichen Große,md Ausdehnung nach; im Gegensätze des groß, r) Eigent» lich; wo .-s nur noch im Oberdeutschen üblich ist, aber auch zuweilen in der höher« Schreibart derHocktdentschen vorkommt. von dem mindern ans das größcreschließcn. Du bist der mindeste unter u , s. 'Weil eine mindre Stadt, Nicht Lun,lnoch Puder gnug für kluge äwner hat, Hall. s) Figürlich, (a) * Junger, und im Superlative der jüngste- Alcichfalls nnr noch im Oberdeutschen. Nein minderer Bruder. Meine mindeste Schwestern- (b) * Der Wurde, dem Vorzüge nach, geringer, und im Superlative geringste ; gleichfalls nnr im Oberdeutschen. Sich minder schätzen, als andere. Der mindeste unter uns, der geringste. Die Frauciscaner - Mönche, welche sich auch lsiruli-LS rninores nennen, werden im Oberdeutschen häufig mindere Brüder, Nrnderbrüder, nnd.Mrnne- brndev genannt, dagegen im Hochdeutschen der Nähme der Mi- noriren üblicher ist. Die Minorisscrinnen, oder vielleicht besser Minorissinnen, sind eine Art Franciscaner-Nonnen von dem Orden der heil. Clara. 2. Der Menge und Intrusion uyd im Superlativ wenigste, geringste. Der Comparativ ist auch hier im Oberdeutschen und in der edler» Schreibart derHvch.dent- scheu üblicher, als iu dem gemeinen Sprachgebranche. Ich habe minder als du. Nicht minder, nicht weniger. Die mindern Flammen, Opitz. Die mindere Zahl, die Zahl der Zehner und Einer von der Jahrzahl, im Oberdeutschen. So ist von '770 siebzig.die mindere Zahl. Der Superlativ kommt indessen im Hochdeutschen öfter' vor. Ich habe nicht das mindeste bekommen. Ich dachte nicht im mindesten daran, nicht im geringsten. Am mindesten, aufs mindeste, zum mindesten, am wenigsten, anf^ wenigste, zum wenigsten. Ich werde mir ein Gewissen machen, das mindeste anznnehmcn, das geringste. Davon har er nicht die mindeste Einsicht. Nein, ,reift, ihr äerz verdient zum mindffcn meinen Dank, Gell. Min ' 214 Sehr häufig gebraucht man dieses Wort, nach dem Muster der Oberdeutschen, in der edlern Schreibart der Hochdeutschen, so wie weniger, als ein Nebcnwort fürnicht so viel, oder nicht so. wenn durch ihr schmetternd Lied Die Lerche minder Runst verrieth, Gell. Besonders vor Bey- und Nebenwörlern, verkleinernde Compa- ratde zu machen, so wie die Franzosen ihr nacrius gebrauchen. Die minder mächtigen Stande, die nicht so mächtig sind, als andere. Minder gesellig, minder gelehrt als du. Auf ähnliche Art gebraucht schon Ottfried min Zettcko für ungleich. S. Nehr, welches in vergrößernder Bedeutung auf eben dieselbe Art gebraucht wird. Anm. Dieser alte Comparativ lautet schon im Isidor, Ker» und Ottfried minnir, in der Advcrbialform aber beständig min, für minus, und im Superlat. minnitts, im Dän. mindre, mindst, im Schwed, so wohl minne als minäre,uudin der dritten Staffel m in st, im Franz, moinclre, und als ein Nebenwort moins; welche insgesammt ihre Verwandtschaft mildem Latein, minor, minus und minimus nicht vcrläugnen können. > Der längst veraltete Positiv min, klein, wenig, geringe, im Wallis, man, im Griech. pcirwoj , kommt bey den älter« Oberdeutschen Schriftstellern nicht vor, ist aber noch im Nieder-sächsischen gäng und gebe, wo min beständig für wenig und geringe gebraucht wird. Dat ls man mtn, das ist nicht viel; ja dcr Niedersachsc hat kein anderes Wort als dieses, das Hochdeutsche wenig anszudrucken. Eben daselbst wird aber auch min nach Art der alten Oberdeutschen für den Comparativ iu dcr adverbischen Gestalt gebraucht; min ofmeer, weniger oder mehr. Bey demKero und andern altern Oberdeutschen kommt dieses min theils als ein verneinendes Nebcnwort, für minime, theils aber auch als ein Bindewort, für damit nicht, ne, vor. ^ Der Minderbruder, des—s, plur. die—briidev, siehe Minder r. S). Die Minderherrschaft, plur. hie—en, einem Schlesien übliche Benennung solcher Herrschaften, deren Besitzer vor andern Grafen und Freyherrcn zwar verschiedene Vorrechte, aber doch, keine Stimme auf den Fürsientageu haben; zum Unterschiede von den Standesherrschaften. Minderjährig, —er, — fte, ustj. et näv. minder den Jahren nach, d. i. noch nicht die nach den Gesetzen zur eignen Veiwaltung seines Vermögens erforderlichen Jahre habend; im Gegensätze des großjährig oder volljährig. Gemeiniglich ist es mir dem nu- inimdig eincrle», zuweileiraber noch davon unterschieden. Nach chem PrcuMhcuGesikbnche ist man bis in das r 4 !eJahr unmündig, bis in das 24stc aber minderjährig. Mindern, verk. reZ. ckcl. minder machen, so wohl, 1) * der Ausdehnung nach; wo es doch nur zuweilen imOberLcrtischeu vorkommt, wo unter andern mindern im Stricken auch so viel als abm-hmcn ist. Als auch, und zwar am häufigsten, 2) der Menge und Intrusion nack>, weniger und geringer machen. Die Zahl der Ziegel sollt ihr ihnen gleichwohl austegen und nichts mindern, 2 Äosi L, 8, 1Ich will sie mehren und nicht mindern, Jerem Z», - 5Ü Nie haben schädliche Seuchen unsere Herden gemindert, Geßn. Mindert sich nicht unsere Unr uhe schon, indem wir sie einem Freunde klagen? Gell. E-' soll den Wunsch zu leben mindern, Gell, was Mindert nicht die Zeit ? verarreu wir nicht immer 2 Haged. O -r ' nach, für weniger, geringer. Die Minderjährigkeit, xlur. car. die Eigenschaft einer Person, da sie minderjährig ist. Ll6 2,L Ml» Indessen ist iin gemeinen Sprachgebrauchs der Hochdeutschen, besonders von der Menge, das zusammen gesetzte vermindern übll- cher. So auch die Minderung. Anm. Im Isidor minneroll, bey dem Notker minllsrsn, bey deli Schwäbischen Dichtern minren, im Dan. mindske. Bey euliaen Oberdeutschen kommt es auch als ein Neutrum, für ab. nehmen, sich mindern,Zor. Wiewohl die Gefahr nicht minderte« Mindestens,, wckv. für zum mindesten, zum wenigsten. 1. Die wine, der Gesichtszug, S..Miene. I. Die Mine. plur. die — n, ein zunächst anS dem Franz. lVlins ' eutichuteS Wort, welches noch von einer doppelten Art Gruben gebraucht wird, r) Die zur Aufsuchung und Ausförderung der Erzei,-. dieErdegegrabener. Höhlungen, welche imBergbaue Gruben, chreer u. s. f. genannt werden; in welchem Verstand« dieses Wort doch in der guten und anständigen Schreibart veraltet ist. 2) In der Gefchützkunst ist die Mine ein unter der Erde gegrabener Keller mit den dazu gehörigen Gänge», die darüber liegende Last vermittelst des Pulvers in die Luft zu sprengen. Eure Mine graben, ziehen oder führen. Die Mine springen lassen, das darin befindliche Pulver anzündcn. Jngleichen figürlich, ein heimlicher Anschlag, im Mittlern Latein. klioa. Eine Mine springen Lassen, einen solchen Anschlag zur Wirklichkeit kommen lassen, ihn ausführen. Amn. In beydrn Bedeutungen im Dän. Mine, im Engl. M Le, im Iml. Eon, und im Franz, kl; ne. Das letztere scheint mit dem Fränkischen und Rieder-Rheinischen Mand, Manne , ein Korb, und ursprünglich ein jeder hohler Raum, verwandt zu seyn. Weil dieses Wort, allem Ansehen nach, aus dem Französischen entlehnet ist, so schreibt man es in der erstenSplbe, ungeachtet diese ejrr langes i hat, ohne e. S. Miene. Der Minen-Gsny, des—es, plur. die —gange, in der Ge- schützkuust, der unterirdische Gang, welcher zu einer Mine führet. Die Mrnen-Rammer, plur. die—n, eben daselbst, der unterirdische hohle Raum, welcher mit Pulver angefüllet, und auch nur die Mine schlechthin genannt wird. Die Mrner, plur. die—n, ein aus dem Lat. Kliner-L entlehn- 4es und in der guten und reinen Schreibart veraltetes Wort, ei« Ärz zu bezeichnen. Da« Mineral, des — es, plur. die — lien, aus dem Mittlern Lat. iVlinernIe, rin jeder ans und unter der Erde befindlicher natürlicher Körper, welcher wachset, aber nicht organisier ist; ein Fossil, ben den älter« Schriftstellern ein Berggewachs. Das Mineral-Reich, des —es, plur. i uul. dasjenige Natur, reich, welches die Mineralien in sich fasset; zum Unterschiede von dem Thier- und Pflanzenreiche. Mmiren-, Verb. rLZ. neutr. mit dem Hülfsworte haben, ans dem Franz, rnirrer, Minen grabcu, in der G-schützkunst. Muri- ^ ren lassen. In dem zusammen gesetzten unterminiren wird es auch lhatig für untergraben gebraucht. S. 2. Mine 2. Der Mürirer, des — s, plur. ut vom. im Z. in der heutigen Kriegskunst, besondere Leute, welche zum Minrreu gcbrmrcht werden; SchanzgeÜber. ^Die Minne, plur. crrr. eiu vcraltetesWort, welches ehedem die Liebe bedeutete, und von der Liebe aller Art gebraucht wurde. Der heilig geyst entzündet den Menschen zu gores M:nne und M des nächsten Liebe, im Buche der Natur, Augsb. >4,83. Von welcher Arr der Liebe cs, so wie das Zeitwort mmnav, lieben, so wohl bey dem Ottfried, als den Schwäbischen Dichter» h-usig vorkommt,-die es auch für Fecuadschaft gebrauchen. Venöse Liebe gegen das ändere Geschlecht wird es bey den Dichtern des Mittlern Zeitalters fkeylich sehr hänstg gefunden; qlleur. daraus folget noch nicht, daß r^, zvie ein neuer Schriftsteller örhsuprtt, Mts auf diese allein einzeschränket gewesen, indem man fick durch ei« PaarBlicke in dergleichen Schriftsteller von demGegentheile übcr- jeugen kann. Da man dieses Wort endlich sehr hättfig vo»l der fleischlichen Vermischung gebrauchte, um einen anstößigen Gegenstand durch ein unschuldiges Wort auszudrucken, so machte ver- muchtich dieser Mißbrauch, daß es mit allen feinen Ableitungen nach und nach verächtlich wurde, und endlich gar veraltete. Im Holland, ist es indessen noch jctzr üblich. Das Zeitwert minoen, lieben, und figürlich küssen, ist Mein Ansehen nach dasJntensivum von meinen, so fern es ehedem günstig ftyn, wohl wollen, bedeutete, (S. Meinen.) . Das Hauptwort Minne ist dasAbstraerum davon. Das Franz. LLiznon, eiuLiebling, stammet gleichfalls daher. Im Rieders, pflegen die kleinen Kinder ihre Ammen u«d Wärterinnen noch Minne zu nennen. Der Minorrt, des — en, plur. die -»en, S. Minder '. 2). Der Minsel, des—s, plur. ut noru. linZ. im gemeinen Lebe« einiger Gegenden, z. B. in der Lausitz, die Kätzchen oder Palmen an den Weiden, Haseln, Nußbäumeu und Erlen. Die Mmrjte, plur. die-^-n, aus dem Lat. lVlinuta. Ninutum., ein kleiner, und im gewöhnlichsten Verstände, der sechzigste Theil . eines Ganzen, besonders der sechzigste Theil einer Stunde, und im gemeinen Leben übcrhaitpt, ein sehr kleiner Zeitrheil. Ich warte keine Minute länger. Zugleich«» in der Mathematik, der sechzigste Theil eines Grades. In beyden Fällen wird eineMinute wieder in sechzig Secunden gecheckt. In der Mahlerey werde« die kleinern Thcile, nach welchen die Verhältnisse des menschlichen Körpers bestimmt werden, gleichfalls Minuten genannt. So theilct mau daselbst den Kopf iu vier Theüe, deren jeder wieder aus zwölf Tbeilen oder Minuten bestehet. Das Minuten-Rtrö, des — es, plur. die — Räder, bey den Uhrmachern, ein Rad von 64 Zähnen, welches den Minuten-Zeiger umdrchet. Der Minuten-Riny, der-—e», plur. die—-e, der Ring oder Kreis auf dem Zifferblatte einer Uhr, auf welchem dir Minuten verzeichnet sind, zum Unterschiede von dem StundenrinZe. Die Minuten-Uhr, plur. die —en, eine Uhr, wclchezngüich die Minuten zeiget. Der Minuten-Zeiger, des—r, plur. utllom.klllg. derjeiüge Zeiger an einer Uhr^, welcher die Minuten zeiget; zum Unterschiede von dem Stunden- und Secunden-Zeiger. Die Minze, eine Pflanze, S. -.Münze. Mir, die dritte Person des persönlichen Fürwortes ich, S. Ich. Die Mrrthe, S. Myrthe. Mrs, mit seinen Ableitungen, S. Mist. Mischbar, —er, —fle, ackj. et nck v. was sich mischen lasset. Dis Mischbarkeit, plur. laut, die Eigenschaft eines Dinges, nach welcher es sich mit einem andern Dinge mischen oder ver- miscbenlässet. Das Mischrlkorn, S. M: sch körn. Mlschebn, Verb. reg. aut. welches das Ditninutwum oder a»rch wohl das Freguentationm des folgenden mischen ist, aber nur im gemeinen Leben euügerGegnrLen am meiftcu im verächtlicheuVer^ flandc für mnchrn gebraucht, wird; so wie man vou mengen i« eben diesem Sinne auch mengein sagt. Franz. meler, ehedem rnes ier, Ztal. melcolure. Ehedem wurde es im Oberdeutsche» auch als ein Neutrum für zanken, streiten, in das Handgemenge gscacheu, gebraucht, da denn Mlsilc und Mischlen auch Uneinig' keit, Fehde, Zank war. M scheu, verb. reZ. aet. welches überhaupt zivey oder mehrere Dinge unter einander chuu bedeutet, l. Im weitesten Verstände, , ohne Rücksicht auf die Art und Weise der Verbindung, wo eS auch von trocknen Dinge» gebraucht wird, besonders, wenn sie ohne Hestimrrm Sl/ Dis bestimmte Ordnung unter einander gechän werden; fkrmsngm. i) Eigentlich ; wo es am gewöhiüichsten nur in einig, ^ bestimmten Fällen üblich ist. DicRarten mischen, wofür man auch mengen getaucht, die BlLrter unter einander stoßen. Besonders wenn nach dieser Vermischung ein gewisses drittes Ding entstehet. Ein gemischter Zeug, wo seidene und wollene oder leinene Fäden unter einander gewebet find, der also weder ein seidener, noch ein leinener, noch ein wollener Zeug allein ist. Gemischtes Futter, welches von mehrern unter einander gethanen Jutterarten entstehet, Gemischtes R )rn oder Getreide, von mehrern mit einander vermengten, oder unter einander gefäeteu Getceidearten, welches im 'Rieders. Mangkorn, Gemangkorn, im Hoch - undOöeudeut, fchenaberMischelkorn, Mischkorn, Mischgetreids heißt. Gemischtes Mbst, Apfel und Birnen unter einander. Es ist sehr gemischt, es ist Gutes und Schlechtes unter einarrder. Das Wetter war trübe oder doch gemischt. Mischt Blumen, die der offnen Erd entsteigen. Und frische Blüthe drein, Raust. (S. auch vermischen.) s) In weiterer und figürlicher Bedeutung, so wie mengen, (a) Sich in etwas mischen, Theil daran nehmen. Sich in alle Handel mischen. Ich will nicht mit in diese Sache gemischt sepn. Jemanden mit in das Spiel mischen. r,Dan. Niskmak, im Franz. LLietnao. Es ist den gemeinen Deutschen Mundarten und den oerwaitdtrtt Sprachen eigen , durch Wiederhohlnng eines und eben desselben Wortes Arten vonJutenstvisoder Frequentiviszu bilden. Dergleichen ist nicht nur dieses Wort, sondern auch unser ssEsacken, das gemeine Schnickschnack und Wischwasch, ein unnützes Geschwätz, das Ruders, hinkhanken, hinken, ticktacken, oft berühren, ikirLarren, zärgen, Tiesketanske, Zreskezaaske, ein aldernes Weib, titeltatein, unaufhörlich plaudern, das Schwed. dictLpLLk,dasGepäck,WlUerwLl1a, Unordnung,Mischmasch, I)lQ»I6an^I, die schwankende oder schwingende Bewegung, das JsMnd.-V'imbulkLmoe, ein Narr, u. a. m. Übrigens wird ein Mtschmaschstm Rieders, auch Mengelmmrs, und Sammelsurium genannt- DteNtsprs, plur. die—n, die Frucht des Mispelbaumeg, welcher in dem mittägigen Europa einheimisch ist, von da er auch sei- uenNahmett mitznuns gebracht hat; !V7Ll^ilu8 Die Frucht ist eilte nabekigeBeere mit fünfhartenSamsnkörnern, welche einen - säuern herbenGeschmack hat, und daher erst einen Frost aushakten, und daraufjn faulen anfangen muß, eheste gegessen werden kann. Bey einigen die Mespel, welches dem Lüt. Nahmen gemäßer ist, m einigen Gegenden anchvlespel, Vlispel', ßespel, sespstein, -Asperl, im Zrieders. Wispel. wispeltute, imDän. Mispel, im Ital. imFranz. ü>Iefl6,imPohlii.^IriHlL,I^iLs^UK; alle aus dem Lat. Uelsnius und Griech.^vs'vtXq und I l einigen Gegenden ist es männlichen Geschachtes, der M.spel. Die letzte Sylbe ist die Ableitungssylbe—el, welche ein Ding, ein Snbject bedeutet. Die Hauptsylbe aber läßt sich mit gleichem Rechte zu mehrern Stämmen rechnen. Die Mispelbtt'n, plur. die—en, eine Art länglicher, kleiner; geldlich rother Birnen, um einem gelblichen, mehligen nnd steilst- ZenFleische; die äahnbuttenblrn, Lazarolenbrrn, stehe das letztere. H7r ß—, eine alte Partikel, welche nnr noch in der Znsammsnsetznng mit verschiedenen Nennwörtern, am häufigsten aber mit Zeiuvör- tcrn üblich ist, wo sie verschiedene Bedeutungen hat. Sie bezeichnet daselbst, a. Eine Verschiedenheit, eine Mannigfaltigkeit, in welchem Verstände sie nnr noch in einigen wenigen Wörtern üblich ist; mißhällig, im Gegensätze des emhällig , und mißfarbig, wel, ches auch ftir bunt gefunden wird, Lat. cirfcolor. Bey dem Ul, philaSmissulelüs, verschieden, und im Isländ.milslell, bunt, kvlilsel^ri, die Verschiedenheit des Alters, U i tsstau 61 , das Absterben zu verschiedenenZeiten, u. a. m. (S.Mißiich.) Es kommt darin mit dem Lateinisch. Partikel 6,8— inckiilonure, stillen, tire, stisputure, OlsLoräiusViscrepulltia. u. s. f. überein, woesanchiumehrthätigem Verstände eincZertheilung bedeutet, wie das Deutscherer; stick-rcur?, stilfilirs, stisrurnpere, strl- pelc-we u. s. f. Es ist sehr wahrscheinlich, daß diese letztere thä- tige Bedeutung die erste eigentliche ist, ungeachtet sie im Deutschen nichtmehr vorkommt, und daß folglich in dkesemWortsdreZerthei- l,r-!g. die Verstümmelung, Verletzung, der herrschende Begriffist, aus welchem sich die übrigen als Figuren sehr bequem herleiten lassen. Miß würde also einGeschlechtsoerwandter von bem alten, Meißen, meiden, schneide, seyn, (S. Merßel, Messer, Metz- O 3 Le? LIH Miß Zer u. s.f. 2. Zu engerer Bedeutung, eine fehlerhafte, unangenehme, widrige Mannigfaltigkeit. Mißlaut, mißlanren, miß- ton, mißtö.nen, sillouLre, Dilstouanela, Mißfarbe, miß- färbig. Z- Eine Entfernung; doch nur noch in figürlichem Verstände in deu Zeitwörlcn mißrathen, abcarhen, widerrathen, üilsuaclers, undmißarten. 4 . Euren Mangel, d.i. die Abwesenheit eines Dinges , so wie Mangel selbst eignulich eine Verstümmelung bedeutet. i)Den Mangel, dir Abwesenheit derjenigen Sache, welche durch di andere Hälfte der Zusammensetzung ««gedeutet wird. Mißtrauen, welches ehedem auch den Mangel des Vertrauens bedeutete, jetz, aber nur iu einer der folgenden Bedeutungen üblich ist; m ß,kennen, nicht kennen / verkennen; mißbilligen, für unbrllig ce.'r'ären, der Gegenjatz von billigen; mißgönnen, Mißgunst. Dahn, gehören auch die Lar. elitär und cljlstimiljungleich. 2) Iu enget in Verstände, d u Mangel eines zur Vollständigkeit grh üügeii Thcües. LasMißgeschopf, die Mißgeburt, dem es an einem solchen Tbeilo fehlet. 5. Ei- uen Fehler, die Verfehlung des Vorgesetzten Zieles aus einen, Versehen, und in weiterer Bedeutung einen Jrrchum. Oer Mißgriff, Fehlgriff, mißgrcifen, fehl greifen, mißgchen, irre gehen, fehl Heyen, mißschlagen, fehl schlagen, mißrechnen, stch verrechuen, rvißtreten, Mißtritt, und andere mehr. 6. Eine F.-Hlschlaguirg, der Erfolg widdr die Erwartung und Absicht. MißlinZcn, miß- gltichen, mißschlagen, im Oberd. für mißlingen. 7. Eine der Vorgegebenen Beschaffenheit, derWahrheit zuwider lanfendeHaud- lung, für falsch. Mißfarben waren ehedem falsche, unechte Farben. Für lügen sagte man ehedem auch m iß sagen, und mrß- schwören kommt noch zuweilen für falsch schwören, und Miß- schwur für Meineid vor. Mißdeuten, Mißverstand. 8. In noch weiterer Bedeutung, eine der Absicht, der Bestimmung, der Regel, denGcsetzen zuwider laufendeHandlung und Beschaffenheit, für itbel, böse , schlecht, schlimm; im Schwed. miltz— und schon bey dem Ulphilas m iMi.—. Line Mlßgestistt, eine unangenehme, widrige, häßliche Gestalt. Das Nißverhaltn-ß, ein fehlerhaftes Verhältniß. So auch Mißbrauch, mißbrauchen, mißfallen, mißhandeln, Missethat, m-ßleiten, M.ßsahr, Mißwachs, Mistheirach, Mißstand, Übelstand, Mißtraue),, mißleiten, Mißgeschick, mißartet!, Mißmahl, im Niederst eine schlechte Mahlzeit, Mißgeboth, bin schlechtes, geringes Ge- borh, Mlßmuth, mißmüthig, Mißvergnügen n. s. s. 9. Im Schwedischen wird cs Mich gebraucht,den Verstand svlcherWörree, welche einen Fehler bedeuten, zu vermehren, Jutenstva daraus zu bilden. ^IftsciArs - ist daselbst ein Erznarr, Istist-Mott diu großes Verbrechen. Ihre bemerket, daß die Lareiner auf ähnliche Artmwlsxarvus, male ciispur, für sehr klein,- fehrnngleich, gesagt haben. Aber auch Suid esActiva, so ist miß ein untrennbares Vorwort , und das Augment ge wird der Partikel vorgcsttzet. Ich mißbillige es. Du mißdeutest es. Man hat es gemißbilliget. Du hast cs gemißbrauchct. wir wurdengemißiertet. Man hat cs sehr gemißdcurct. -Ist das Verbum abcx eiu Neutrum, so ist miß eine trennbare Partikel, welche dasAugment zwischen sich und dem Zeitwerte nimmt. Miß- gegangen. Diese Neutra find aber im Hochdeutschen im Präsent, und I upcrfecto nicht üblich. Man sagt nicht, ich greife miß, wohl aber ich habe mißgegriffen. Ruhet aber der Hauptton ans dem Zeitwerte,- so ist miß cme untrennbare Partikel, und das Augment fällt ganz weg, das Zeitwort sev ein Aetivnm oder Neutrum. Es nußfallt mir, hat mir mißfallen. Es ist mir mißlungen. Anm. z. Es lassen sich mit diesem Worte auch noch jetzt neue Zusammensetzungen versuchen, besonders in der ztcn und 8cenBe- - deuruna, welche der höheru.und edlern Schreibart sehr zu Statten kommen; nur muß dabey die genaueste Analogie beobachtet werden. Anm. 4. Diese alte Partikel kämet in den meisten der angeführten Fälle in den Zusammensetzungen schon bey dem Ulphilas m i st La, bey dem Oltfcied und späten, Oderd. Schriftstellern mrsti und rnitls, welche Form noch m unserm Missethat üblich ist. Auch die gemeiuenOberduiitschenMnttdarteii sprechen miffegehen, m ssebrauchen u. stf. Im Niederdeutschen, Dänischen, Eng- >lrschen und Ztaliänischen lautet sie rnis, im Schwedisch, mist:, im Franz, mes und ms , im Mittlern Lar. ms,, und im Lat. clrs. Es ist sehr wahrschemlich, daß sie, ime schon gesagt woran:, vom Meißen, schneiden, abstammet, und eigentlich verstümmelt, figürlich aber auch uiivollüändig, unvrllkoniuiell, nnangenc-m, widrig bedeutet; welche Beanffe sehr natürlich daraus folgen, und diesem Worremir Laster , klkahl, Makel, Mangel und andern Mehr gemein sind. Als ein Nebenwort ist miß im Niederst, auch noch außer der Zusammensetzung üblich, wo es vergebens, .zu spät, verfehlet, und ungewrß bedeutet. Haben ist gew-ß, kriegen ist miß, d. i. ungewiß, (A. Mißlich.) Darin seod ihr miß, dar'tt irret ihr euch. Auch im Engl, ist ami ls übel, unrecht. S. Missen. M 'ßacHtew,vert). rs^ ael. welches im Hochdeutschen wenig vor- kommr, nicht achten, verachten, doch im gelindem, oder glimpflicher!, Verstände. Mutelw. gemißachtet. Daher die Mißachtung. S. Miß 4 . 1). M.'starten, verk. rsA.neutr. mit dem Hülfsworte sepn, w lches nur zuweilen iu deredlernSchrcwart derHochdemschen für aiisar- ten vorkommt. Daher d,e M.ßartiu'g. S. Ükiß z. und 6. Das Mißbehagen, des —s, p iu r. must eil, vorzüglich im Oberdeutschen, für Mißfallen, Mißvevtzilttgeil nblichesWyrt. Bey dei. Schwäbischen Dichtern und bey dem Opitz kommt auch das kürzere Zeitwort mißhagen vor. . H Diß was noch nirgend watz , wie kunnt es wohl miß- hagen, Opitz. Wo aber der Ton um des Svlbrmnaßcs willen versetzt ist. MrßbeUebrg, —er, —sie , aäj. st ae!v. kein Belieben, keine Neigung zu etwas habend, und darin gegründet; am häufigsten in der, Källzellepen , daher ss etwas weniqer sagt, als mißfällig. So auch das M-ßbelieben. S. auch Mißliebig. Mtßbiethen, vsrr,. irrSA. neutr.(S.Brethen,) mit haben, welches vorzüglich im Oberd, üblich ist, ein Mlßgeborh tlnin, ein zu geringes, ujedrigesGeboth thuu.Mlttelw. mißgebochen. S. Miß 8. MlßbrMgen, LSI. Miß Mißbilligen, verlr. reZ. »cl. für unbillig, unrecht erklären. Jemandes Handlungen mißbilligen. Mittelw. gemißbilligett Daher die Mißbilligung. Der Mißbrauch, des—es, plur, die—brauche. ,) Der ' Gebrauch, d. i. die Anwendung einer Sache auf eine ihrem Zwecke und ihrer Bestimmung zuwider taufende Art, im Gegensätze des rechtmäßige» Gebrauches; ohne Plural. Einen Mißbrauch von seinem vermögen, von seinem Ansehen machen. Der Mißbrauch der Geschöpfe Gottes. 2) Ein tadelhafter oder schädlicher Gebrauch, oder durch mehrmahlige Wiedcrhohlung zu einer Gewohnheit gewordene willkührliche Handlung. Alle Mißbrauche abschaffen, abstellen. S. Miß 8. Mißbrauchen, veib. reZ. act. Mittelw. gemißbraucht, auf eine der Abstcht, dem Endzwecke zuwider laufende Art gebrauchen oder anwenden. i) Eigentlich und überhaupt; wo es im Hochdeutschen gemeiniglich die vierte Endung bekommt. Sein Ansehen zu Gewalttätigkeiten,seinvermögen zur Üppigkeit mißbrauchen. / Den Nahmen Gottes mißbrauchen. Im Oberdeutschen, und zuweilen auch in der höhernSchreibart derHochdeutscheu pflegt man es, so wie das einfache brauchen, wohl mit der zweyten Endung zu verbinden. Und die dieser Welt brauchen, daß sie derselbi- gennicht mißbrauchen, i Csr. /, Z>. Aufdaß ichnichrmei- ner Freyheit mißbrauche am Evangelio, Kap. 9, 18. 2) An einigen cngern Bedeutungen. Jemanden mißbrauchen, sich seine Leichtgläubigkeit, Gutwilligkeit, seine Schwäche zu dessen Nachtheil zu Nutze machen. Eineperson wechlichenGeschlcchtes mißbrauchen , sich fleischlich mit ihr vermischen, besonder-, wenn solches mit einiger Gewaltchärigkeit verbunden ist. S. Miß 8. Anstatt des nnzeivöhnlichen Mißbrauchung ist Mißbrauch üblich. Das Mrßbünömß, des —-sscs, plur. die —e, siehe Miß- heirath. . ' Der Miß-GreLlt, des — es, nlur. inust. im gemeinen Leben, ein schlechter, übler Credit, d. i. die üble Meinung anderer von jemandes ökonomischen und moralischenBeschaffenheit; im Gegensätze des guten Credires. S. Miß L. Mißdeuten, vkrv. rsß. nct. dem wahren Verstände, oder der Abstcht des Redenden oder Handelnden zuwider deuten, falsch deuten. Mittelw. gemißdeutet. Jemandes Worte mißdeuten. Daher die Mißdeutung, welches von einer solchen übclnDcutung in mchrern Fällen auch den Plural leidet. S. Miß 7, und 8. Missen, verb. reZ. welches in doppelter Gestalt üblich ist. I. Als eilt Neutrum, mit dem Hülfsworte haben. ») *A 5 - > wesend scyn, wo es im eigentlichen Verstände veraltet ist. Im Niederst sagt mau nur noch, das kann Nichtwissen, das bleibt nicht aus, kann nichtfehlen. JmHornegk ist Missung Mangel, Abgang. 2) Entbehren, eine nvlhwcndige Sache nicht haben, nicht besitzen ; ein nur noch in den gemeinen Sprecharten üblicher Gebrauch, wo es im Hochdeutschen die vierte Endung erfordert. Ich kann die Sache nicht missen, kaut: sie nicht entbehren. Die, wenn vowWein und Liebe voll Ein Gast zuviel begehrt. Und sie doch etwas missen soll. Am liebsten Band entbehrt, Ramll Im Oberdeutschen aber auch die zweyte. Eines Dinges missen, esentbehren. Ibus ^uöres tnnkni missiu, daß sic dennoch keines Guten entbehrten, Ottfr. Im Oberd. auch für nicht Habert überhaupt. Las Beinholz misset Dorner und Stacheln, hat sie nicht. 3) *§ehlschlagcu, ividtfl die Hoffnung und Erwartung erfolgen ; eiue nur noch im Nieders. «bliche Bedeutung. Dar Gissen misset,Muthmaßen bekrieget. 4 )*Jrren; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, welche doch in dem Holland. Mtss'eo, Miß LL2 , und inr Engl. io mists übrig ist, rvo auch dasHauptwort iVIils den Jrrthurn bedeutet. l I!. Als ein Activum, den Mangel, die Abwesenheit eines Dinges gewahr werden, empfinden ; gemeiniglich auch nur in der Sprache des täglichen Umganges, wofür doch vermissen noch üblicher ist, und im Oberdeutschen gleichfalls diezweyte,im Hochdeutschen aber die vierte Endung bekommt. ssuu des Rindes, Ottfr. sie misteten das Kind,merkten, dasses abwesend war. Istar er es misse, als eres vermißte^ebcnd. Woman sein wird missen, 1 Kon. 20, Z 9. Das wird niemand missen. Ich miss«? nichts an dem Gelde. Das Hauptwort die Misslmg kommt nur noch zuweilen m der letzten thätigen Bedeutung vor. > Anm. Im Niederst gleichfalls missen. Es ist unmittelbar ans miß gebildet, so fern es theils abwesend, theils auch verfehlet? bedeutet. S. dasselbe. Die Missethat, xlur. die—en. r. *Eine That oder Handlung,, welche aus einem Versehen geschichct, ein Versehen, Fehler; eine veraltete Bedeutung, in welcher dieses Wort noch in dem Straßburgischen Stadtrechte bey dem Schitter verkommt. 2. *Eine der Billigkeit zuwider laufende Handlung, eine unbillige That; eine veraltete Bedeutung. l,ont K mir mit üdissetets, Herzog Johann von Brabant, z. Eine den Gesetzen zuwider laufende Handlung. i)*Jm weitesten Verstände; wo es gleichfalls veraltet ist, außer daß in der biblischen Schreibart noch zuweilen alle Sünden oder wihcr das göttliche Gesetz begangene Handlungen Mifferhatcn genannt werden. 2) Im engsten und gewöhnlichsten Verstünde ist die Missethat ein grobes wider ein Gesetz begangener Verbrechen, welches mit einer harten Leibes- oder Lebenssirafe geahndet wird. Aum. Bey dem Ulphilas iVlillndedi, bey demKerobdissetat, bey deinOttfrud iVlississnt, im Angelst nnd Engl. kdisdeess. Miß hat in dieser Zusammensetzung noch seine alte Form Misse behalrenssn welcher es Hey den älrcrnSchriftstcllern beständig verkommt (S. M.ßthun.) Ottfried gebraucht dafür auch Rirnssst, und einer der Schwäbischen Dichter^leiirtttt. Der Missethater, des— s, plur. ut nom. linZ. Fänun. die Missethaterinn, eine Person, welche sich einer Missethat schuldig gemacht hat; jetzt nur noch in der dritte» engsten Bedeutung. Der Mrßfallches.— es,. p!ur. öie — falle, ein wi-nig bekanntes Wort, eine allzu frühe Niederkunft, das Mißgcbären, Abortna.u ,u bezeichnen, welches üblicher zu feyn verdiente. S. Miß 8. Mißfällen, verb. irreA. neutr. (S. ßallen,) welches dasHutfs- wort haben bekommt, und der Gegensatz von gefallen oder wohl gefallen ist, durch seine Unvollkommenheit Unlust erwecken; Mittelw. mißfallen- weil der Hauptton auf dem Zeitwerte ruhet. Eine gute Lehre mißfallt dem Muchwilligen, Sir. 21 , 18. Dein Betragen har mir gar sehr mißfallen. Las Haus mißfällt mir eben nicht. Im Canitz kommt dafür das minder gebräuchliche mißgefallcn vor: Der thnt was ihm mißgefällt. Im Schwabenspiegel uud bey deu SchwäbischrnDichtern misse- vollen, bey dem Notker missslsiessen. S. Mlß 8. Das Mißfallen, des—s, plur. esr. der Gegensatz des Gefallens oder Wohlgefallens, die Unlust. Mißfallen an etwas haben, das Unangenehme, Unschickliche, das Unrechte daran empfinden und mißbilligen. Ein Mißfallen empfinden. Sein Mißfallen über etwas an den Tag legen, zu erkennen geben. Mißfällig, —er , —fie, udj. et udv. r) Mißfallen erweckend. Das ist mir sehr mißfällig gewesen. Dein mir mißfälliges Betragen» 2) Mißfallen empfindend, mit Mißfallen; in weichem Verstände cs nur mGestalt eures Ncbenwortes in denKanzelleyen ^ ' üblich L2Z -N t p Mich ist. Sr- Majestät ist mißfällig angezeigt «orben, Se^ Majestät habcn mißfällig vernommen u. s. f. Die MißfÜlli§?elt, plur.eur.der Zustand, da man Mißfallen empfindet, und das Mißfallen selbst. Die Mistfarde, plnr. die —n. i) "Eine Mannigfaltigkeit in der Farbe, der Zustand, da ein Körper bunt ist , ohne Plural; eine veraltete Bedcntnng, in welcher auch das Bcywort mißfar- hig oder.mißfärben ehedem vorkam. (S. Mist r.) L)*Kincvnan- gcnehme widrige Mannigfaltigkeit der Farben, auch ohne Plu-. ral; cm gleichfalls ungewöhnlich gewordener-Gebrauch, in tvelchem auch das Bepwort mißfarbig oder mißfqrben vorkommt. (S. Mist Au etwas auderm Verstände ist miste- var bey den Schwäbischen Dichtern, von zweydemiger Karbe. Z) Eine falsche, unechte Farbe, ui-wein solcher Farbenkörper; ein noch bep den Fordern hin und wieder üblicher Gebrauch.. S..Meß 7.. Die Mißform, xstur. die-,-en, ein wenig gebräuchliches Wort, eine fehlerhafte, 'unangenehme, ividrige Form zu bezeichnen. Daher das Bey - und Nebemvvrt mißförmig, eine solche fehlerhafte Form habend. S. Miß 4. 2) und 8. Mißtzebären, verb. irre^. neutr. (S. Gebären,) welches das HMfsworr.haben erfordert, zu früh gebären, eine unzeitige Geburt zurWelt bringen, erneu Mißfall haben, aborrirem Mtttelw. mrßgcboren, ivril der Hauptton auf der dritten Sy!be liegt. S. Miß Z- und 8. Das Mißgehoth, des —cs, plur. die -— e, ein unbilliges, allzu niedriges Gebots). Ein Mlßgeboth aufetwas rhun. Siche Mtßbiethen und Miß 8. Die MißZeburt, plur. die—en. t) Eine Geburt, d. i. ein zur Welt geborues Geschöpf, welches von der ordentlichen Gestält aö- weicht..Angels. IVlisb^rcl, Schwed. IVlisZsöstsel.AudonAech- ten wird im engcrn Verstände nur diejenige Geburt für eine Mißgeburt gehalten, welche keine menschliche Gestalt noch Vernunft hat. Jngleichewfigurlich. Der gemeine Stolz anfGebürt, Reich- thirm— ist die unförmlichste Mißgeburt der Lhrbegierde. Gell. 2) *Znuächst von dem Zeitworte mißgebärcn, der Anstand oder Zufall, da ein Geschöpf weiblichen Geschlechtes niißgebärct, eine mrzeinge Geburt zur Welt bringet, der Mißßall; ohne Plural. Zn diesem Verstände ist es inr Hochdeutschen ungewöhnlich. Anna ist so wunderhübsch, daß Schwangere fich- segnen; Es geht nicht ab ohn Mißgeburt, so bald sie ihr begegnen, Logau. Mtßtzefällerr, S. .Mißfallen. Mt-ffZechen, verb. irre«, »«ut r. iS. Gehen.) mit dem Hülfs- wsrte fevn, welches aber im Hochdeutschen selten verkommt) irre - zehen, fchl gchcm Bey dem Dtrfried mE ßeüao. Mütrlw, mißgegangen. S. Miß- 5., D Ms ^rftZeftchiE, des — es , plur^ iouf. ein widerwärtigrs,.. feindseliges Gesch »ch; nur.in der höbe en und anstandixeruEchreib, an der Hochdeutschem Mein MPgesch:^ har es so haben wollen. S. Gesch iE z. und Mist 8. Das WrßZrschöpf, des—es, plur. die—e, ein gutes im Hochdeutschen aber seltenesWorl,ein von der gewöhulichenGcstalt abweichendes Geschöpf Zu bezeichnen; im..harten Verstände ein Ungeheuer, Monstrum. Dir plur. die — en, ein besonders bry den Dichtern übliches Wort/eine rmsörmlichc, widerwärtige, unangenehme Gestalt. Mlßy!iiEen, verb. reZ. neu!r. welchesdas Hülfsvsort sehn er- fordert,.und der GegenstchvonglüEen ist, nicht glücken, übel B-chen i mißlingen. Mllrelw, mißgegluFk. Es.ist uns miß- geglueket. Indessen wird es in den einfachen Zeiten häufiger als in den zusammen gesetzten gebraucht. Mißgönnen, verb. rs§. sct. welches der Gegensatz von gönnen ist, einem andern seine Wohlfahrt und Vorzüge nicht gönnen, b. i. sie ungern sehen, und in engerer Bedeutung, unwillig darüber werden. Mittclw. gemrßgö'nnt. Einem etwas mißgönnen. Las wird mir von jedermann gemißgönnt. Mißgönnst du mir die sanfte Standes Gell. Daß dieses Wort zugleich den Begriff mit in sich schließen soll, daß man die einem andern geunß- gönnte Sache selber zu besitzen wünsche, wie verschiedene behaupten, dazu ist in der Partikel miß nicht der geringste Grund vorhanden. G. Mißgunst. Mtßgreifen, ^erb.IrreA. neulr. (S. Greifen,) welches das Hülsswort haben, erfordert,fehl greifen, das Ziel imGrcifen versehen. Mitteln, mißgegriffcm Daher die Mißgreifung. S. Miß L. Der Mißgriff, des — cs, plur. die—e, ein verfehlter Griff, eilt Fehlgriff. Einen Mißgriff thun. Rieders. Niegreep. In figürlichem Verstände wird es zuweilen auch für ein jedes Versehen, für eineil jeden Zrrchum gebraucht. Die Mißgunst, plur. cur. vou dem Zeitworte mißgönnen, der Zustand, da inan einem andern etwas mißgönnet, d. i. dessen Wohlfahrt, dessen Vorzüge ungern und mit Unwillen stehet; im gemeinen Leben die Abgunst. An engerer Bedeutung ist es die Fee, trgkeit, anderer Vorzüge ungern und mikUnwillen zu sehen. Siehe Mißgönnen. Mißgünstig-, —er, — ste, Läj. et u6v. Mißgunst habend, und in derselben gegründet; im gemeinen Leben abgjnrstig. MLßhägen, S. Mißbehagen. Mißfällig, —er, —ste, aclj. et uüv. -) "Eigentlich,,ineg verschiedenen, und in cngerm Verstaube einen unangenehmen verschiedenen äall, d. i. Ton, habend; im Gegensätze des einhellig. (S. Miß ». und 2.) In dieser Bedeutung ist es veraltet.. 2) Figürlich, nicht das gehörige Verhältniß habend, übel stehend; eine nur bep einigen Neuern übliche Bedeutung. Am gewöhnlichsten ist es, z) im moralischen Verstaube, uneius, uneinig, verschiedene Meinungen und Absichten habend und äußernd; imGegcnsatzr des kinhälllg, Da sie aber unter einander mißheüig (Mißhällkg) waren, Apostels. ^2 8, 2,;. Anne. Das veraltete Zeitwort mißhallen kommt in der dritten . Bedeutung schon in den ältesten Zeiten vor; bey demDttfried mil- üüeUen, bep den Schwäbischen DichiernmistelrellHo.S.Em- hällig und Gehellen. Die MißhällligkeLt, plur. die —en, der Zustand, ztvryer oder mehrerer Dinge, dasiemißhattiI sind, besonders in den bipden figürlichen Bedeutungen. >) Der. Mangel des Vcrhelttlifses. Die Mißhälligkeit einer Gruppe. Die Mißhälligkeit m der diese Rache mir ihrem Charakter stehet, Leff. 2) Noch mehr aber im moralischen Verstände, die Verschiedenheit der Memlui- gen und deren Äußerung. Zu der Schweiz Mißhäll, Nicders.. Mts Heilung, Mißhandeln, verd. rs§. welches in doppelter Gestalt üblichlsi. l. Als ein Zentrum, mit dem Hülfswortc haben, übiwhaupt übel handelu, wider ein Gesetz handeln, wo es im weitesten Verstände nur noch in der biblischen Schreibart, von einer jedeuüber- tretung des göttlichen Gesetzes Mich ist. Als ein Nömrurn lluittt das Mittelwort mißgghandelt, welches auch zuweilen iu Lachers Übersetzung vvrkomnit, der aber eben so oft dasselbe mißhandelt ttillcht. Die letzte Form würde voraus setzen, daß der Ton auf denn handeln lieget. Was habe ich mißgehändeltoder.gefnru . digkt 1 Mos. z - ,Z6. was habe ich mißhandelt r 1 Sam. 20, -. Ml' haben mißhandelt,. Ps. e 06, 6. Ardich»/, r 9. Düse Lehrer L2L Miß Lehrer haben wider mich mißhandelt, Es.4Z, 27 -Kap. 66,24. In der biblischen Schreibart der Gottesgelehrten ist mißgehan- delt am üblichsten. Außer der biblischen Schreibart wird cs nur zuweilen von einer groben wissentlichen Übertretung menschlicher Gesetze gebraucht; und da heißt das Mittelwort beständig miß- gehandelt. Im mittler» Lat. miskacere. ll. Als ein Activum, wo das Mittelwort gemißhandelt heißt. Jemanden mißhandeln, ihn durch thätigeBeleidigungen beschimpfen. Wir sind von den Räubern gemißhandeltworden. ward je ein Mensch so niedrig mißgehandelt? Schleg. hierin, Natur, hast du mich mißgehandelt, cbeud. wo um des Sylbeumaßcs willen das Mittelwort des Neutrius unrichtig für das thätige Mittelwort gemißhandelt gesetzt worden. Die Mißhandlung, pl'.tr. die—en, das Verbale des vorigen Zeitwortes. ') Zn dessen Mittlern Bedeutung, eine jede, dem Gesetze zuwider lauf. ndeHandlung, wo es im weitesten Verstände nur im theologische,t Verstände gebraucht wird, von Handlungen wider menschliche Gesetze aber nur von groben Übertretungen der- ? selben üblich ist, ohne eben den harten Nebenbegriffdes Wortes Missethat zu haben. 2) In dessen thätigen Bedeutmrg, eine jede thätige Beschimpfung eines andern. Die Mißheiratch, plur. die —en, eine „achtheilige, eine den bewachenden Personen schädliche Heirath. Eine Mißhcirath thun. In engererBedeutnng ist die Nißheirath der ebenbürtigen äeirath entgegen gesetzt, da sie denn eine Herrath zwischen Personell ungleichen Standes bedeutet. In beyden Fällen von vornehmen Personen auch wohl das Mißbündniß. Mißhellig, S.Mißhallig. Das Mißjahr, des—es, plur. die —e, von Jahr, so fern es den Ertrag der Feldfrüchte in einem Jahre bezeichnet, ein in Ansehung der Feldfriichtc fehl geschlagenes Jahr, ein Jahr, in welchem die Fcldfrüchte mißpathen sind; im Oberdeutschen ein Fehljahr. Misskcnnen, ver'o. irrsA.ael. (S. Nennen,) Mittclw. gemiß- kannt, nicht kennen, verkennen. Seine pstichren mißkennen. Tausendmahl hat man wahrgenommen, daß, ein Prophet in seinem Vaterland? entweder mißkennct sgemißkarrut) sep, oder verfolgt werde, Zimmerm. Die Sache ist zu deutlich, als daß sie von jemanden konnte gcmißkannt werden, verkannt, nicht eingesehen werden. Der MiMang, des —es, plur. die —klänge, ein falscher, fehlerhafter, widriger Klang; ingleichen ein nicht Harmoniren- der Klang. Der Mißlant, des — es, plur. die—- e, ein fehlerhafter, übel klingender Laut; l^illonuotin. Oer Mißlant in dem Singen der Nirchcngesänge. M'ßrairten, verb.reZ.neulr. mit haben, ubellattten. Mutelw. yrmißlautet. M streiten, verb. reZ. uct. falsch leiten. Jemanden mißleiten. Mittelw. gemißlettet. Ich bin mißgeleitek (genußleitek, weil es ein Activum ist) worden und habe mich allzu sehr mißleiten lassen, Less. So auch die Mißlcitung. Nicders. misleiden, Engl. to misleud. Mißuch, — er, — sie, adj. et adv. i) "Von dem Bey- und Nebeuworte gleich, und miß, war mißlich ehedem so viel wie ungleich, ulrd im weitern Verstände, verschieden; in welcher Bedeutung es aber im Hochdeutschen veraltet ist. Bey dem Kero inilli- üeh.D.Iitsili-bs subti, Otrft. verschiedene Krankheiten, lüo li kuuclis buii rriillilib, cberld. von verschiedener Art. Im An- Kels. wo auch Alislicn^ll'e die Verschiedenheit ist. Int Island, ist mannigfäcbig, bunt. Vermntblich sind dw Nn'derdemscheu Bedeutungen, da dieses Wort theils für unpaß, the ls ober auch für mißmüthig, schwermüthig, gebraucht wirr, A- ^.,Ä.3.TH.2.Au^ Miß 226, noch Figuren öavsn. 2) Von dem Zeitworte missen , und des' Ableitungssylbe—lich, was missen, d. i. fehle» oder fehl schlagen kann, dessen Zustand, Ausgang oder Dauer ungewiß, z-veisel- haft ist. Der sterblichen Menschen Gedanken sind mißlich, und unsere Anschläge sind fahr lich, Weisl). 10,14. Rr-egsglück ist mißlich. Ein mißlicher Ausgang. Nichts ist mißlicher, als der äußere. Schein. Es ist ein mißlich Ding um unsere Reitze. Treu, die aus Furcht entsteht, hat mißlichen Bestand, Opitz. Oft Mich mit einem stärker» Nebenbegriffe der möglichen Gefahr. Eine mißliche Reise, eine gefährliche. Es stehet mißlich mit ihm, gefährlich. Dis Sache sieht sehr mißlich aus. ' Dte Misslichkeit, plur. iuu!) der Zustand einer Sache, da sie mißlich ist, in der zweyten Bedeutung diese- Wortes. Die Misslichkeit eines künftigenGewinnes. Die MlßUchkeu des menschlichen Lebens, Opitz.) "Missliebig, —er,-—ste, »dj. et adv. welches nur im Ober-. deutschen für mißbeliebig üblich ist. Misslingen, vsrb. irrsA. usutr. (S. Gelingen,) welches das Hülfswort ftpn erfordert, übel gelingen, einender Erwartung und Absicht zuwider lausenden Erfolg haben; mißrachen. Die Sache ist mir mißlungen. Die besten Absichten mißlingen oft und gewinnen einen traurigen Ausgang, Gell. Viele machen das Mittelwort mißgelungen, welches aber unrichtig ist, weil man alsdann auch im Präsent! sagen müßte, die Sache liuget- miß, welches doch nicht geschieh«. So auch die Mrßlingung. Im Mittlern Lat. rrüi'evenire. Der Missmuch, des — es, plur. car. der Unmuth, die Unzufriedenheit, Unlust. Missmuchitz, — er, — ste, adj. et.adv. unmürhig, schrvermü, thjg, verdrießlich. Mißmüthig sepn. Daher die Mißmüthig- keit, der Zustand, da man mißmüthig ist. Der Mißpickel, des —s, plur. doch nur von mchrern Arten, ut ncrrn. ll nZ. in dem Bergbane, der Nähme eines weißen Arse- nikkiescs, welcher ans einem mit Arsenik vererzren Eisen bestehet, und auch Giftries,' wasserkies, weißer Ries genannt wird. Die erste Hälfte dieses Wortes ist allem Ansehen nach diePartikel miß, «ur die zweyte Hälfte ist noch dunkel. Dieses Mineral wird, wie man behauptet, nur allein i-c dem Meißnischen Erzgebirge angetroffen. 1. Mäßrüchen, verd. irreZ.neulr. (S. Rathen,) welches das Hülfswort seyn erfordert, wider die Erwartung und Absicht geraden ; mißlingen. Mittelw. mißrachen. Die Arbeit ist nur mißrachen. Die Feldfrüchte sind dreß Jahr mißvathcn. So auch die Mißrachung. 2. Mifiräthen, verb. irreZ. net. (S. Rachen/) abrachen, zur Unterlassung einer Sache rathen. Mittelw. mißrachen. Einem etwas mißvachen. Die Sache ist mir mißrathcn worden. So auch die Mißrachung. S. U7:ß Z. Mtßrechnen, verb. reZ. ueutr. mit dem Hülfswortc haben, falsch rechnen, einen Fehler im Rechnen begehen, sich verrechnen., Mittelw. mißgevechner. Daher die Mißrechnung. Mißrech- nung ist keine Zahlung. S. Miß 5. DerMtssschlay, des — es, plur. die—schlage, ein verfehlter- Schlag.ein Fehlschlag; ein Wort, welches im Hochdeutschen selten vorkommt. Im Niedres, bedeutet es auch eine fchlgcschlagcne Absicht. Mtßschworen, verd. irreZ. nsuir. (S. Schworen,) welches das Hülfswort haben erfordert, falsch schwören ; ein im Hochdeutschen ungewöhnliches Wort. Mittelw. mißgeschworen. Der Missstand, des—es, plur. csr. der Übelstand, im Ge» «ensatze des Wohlstandes, Das macht einen WM an d, iss P- - «L -LZ7 Miß Hin Mißstanb, strhet übel. ^Ohne alle Verwirrung und Mißüand. ^Mtßrhun, verb.irrsZ. nsutr. (S. Thun,) welches das Hülfs- wort haben erfordert, übel thnn, unbillig handeln, und in engerer Bedeutung, wider ein Gesetz handeln, mißhandeln.; ein im -Hochdeutschen ungewöhnliches Wort. ^ , W a aeinü li so dos len rat Das d na mir ariisststs, Reinmar der Alte. Wir haben gesündigetund mißgethan, i Kon. 7, 8 ; 2 Chron. 6 , Z 7 - Bey dem Öttfried rniNduan, im Nieders. misdoov. er, — este, adj. et adv. überwiegende Unlust empfindend, und darin gegründet;'im Gegensätze des vergnügt« Mißvergnügt seyn. über etwas mißvergnügt se>'n. Ein Immer mißvergnügtes Gemüth. Das Misiverhaüten, des —c, plur. innst. das von dem Gesetz oder der Vorschrift abweichende Verhalten. Das Mißverhältnis, des — ffes, plur. die — sse, der Mangel -des gehörigen Verhältnisses; DiL^ro^Oltio. Der Mißverstand, des — es, plur. inust. 1) Der falsche, unrichtige Verstand eines Wortes oder einer Rede, ein Jrrchnrn, - welcher in dem Vernehmen oder in der Denurng einet Wortes oder eiürr Rede begangen wird ; da« Mißversten.-niß. 2) Ein^e geringe Unemigkm, Mißhalligkeir urrter Fronden oder Belann- > Mist LSF ren/eme Jrrnng, führet gleichfalls den Nahmen eines Mißveps standes, noch häufiger aber eines Mißverständnisses, im Gegensätze des Einverständnisses. Schwed. MiLsförliaad, Franst MnsilltelliZvNLe. Das Mißverftandniß, des —sses, plur. die — sse, siehe das vorige. , ' Mißverstehen, verdürreZ. acr. (S.verstehen,)falsch verstehen, einen Fehler in dem Verstehen oder Vernehmen begehen. Mittelw. mißverstanden. Der Mißwachs, des—cs, plur.ivus. ») Der fehl geschlagene Wachsthum der Fcldfrüchte, der ungewöhnlich geringe Ertrag derselben, wenn Mißwuchs einfällt. Ein Jahr, in welchem sich ein Mißwachs ereignet, wird ein Mißjahr genannt. 2) Der fehlerhafte oder nngestalte Wachsthum. Den Mißwachs eines Gliedes verhinseru. ^ Der Mist, des—es, plur. car. ein Wort, welches überhaupt ei-, neu vermischten Körper der schlechtesten verächtlichsten Art bedeu. - tet. 1. Im weitesten Verstände, wo es nur noch iu einigeu Fällen üblich ist. So wird das Auskehricht iu einigen Gegenden Stubcn- mist,genannt. Der Gassenkoth , ja ein jeder Koch führetim gemeinen Leben oft den Nahmen des Mistes. Untaugliche Maaren und andere untaugliche Sachen werden oft aus Verachtung nur Mist genannt, in welcherBedeutung eszunächst von mißabznstam- men scheinet. 2. Iu engerer Bedcuinng. i) Der Koch von Men- , scheu und Thieren, die untauglichen Überbleibsel von den verdankten Speisen ; in welchem Verstände es besonders im gemeinen Leoben üblich ist, und alsdann von dem natürlichen Auswnrfe aller Thierc gebraucht wird. Menschenmist, pferdemrst, Bnhmist, SHafmist, Taubenmist, Hühnerinist, Schwalbenmlft u. s. f. In der Deutschen Bibel kommt es in dieser Bedeutung mehrinahls vor. 2) Der mit Stroh, Laub oder ähulichen Theilen desPsian- zenreiches vermischte Thierkoth, so fern derselbe eine Art des Düngers ist^ und zur Düngung des Erdreichs gebraucht wird. H.üz- vder Waldmkst, dergleichen mit dem Koche des Viehes vermischtes Laub. Stroh zu Mist machen, es dem Viehe iu djeser Absicht uncei streuen. Etwas-auf den Mist, in den Mist werfen. ^ gendeir , besonders Nicdecsachsens, auch wohl ein jeder Dünger Mist genannt. Z. Figürlich, der Nebel; eine nur in de« gemeinen Sprecharten so-wohl Ober - als Rrcder-Deutschlandes üblich^ Bedeutung. wie auch die Sonne glanzt, die auf den Mittag steht, wodurch der Wolken Dunst und schwarze Mist vergeht, Opitz. Am Österreichischen in Hieser Bedeutung die Misten, Nieders« Mist, im Engl, und Holland, gleichfalls Meü. Im Angels, ist M ik die Dunkelheit. Anm. In der letzten Bedeutung gehöret auch das Engl. moist, feucht, und unser moos, so feen es ,feucht bedeutet, gleichfalls dahin. Jit den beyden engern Bedcutimgcn lautet es bey dem Notker Miü, in den,Monseeischcn Glossen Mills,, be» dem Ulvhi- las Maiük, im Nieders. Meß, im Angels. MsvLund Mi^en, im Engl.!V!ixcn, Miack, im Schwed. Mack, jmIsländ. M/k, welche letzter» nur in der Äbleitungssylbe versechieden sind, daher auck die Lat. Mucusmnd Mucor, und das Griech. Rotz, dahin gehören. .Die meisten leiten nnserrMst von denn Zbitworte masten ab, weil es nicht nur die Überbleibsel per Mast, d. i. der Speise, sondern auch die Mast, d. i. den Dünger, des Ackers bedeutet., Allein diese Ableitung ist allem Ansehen nach zu gesucht, vb sie gleich debwahrcSlümm schwerlich mit überwiegenderWahr- . schünuch-- c scheinlichkeit bestimmen lasset, weil die erste ursprüngliche Bedeutung dieses alten Wortes unbekannt ist. So lange diese nicht auf- gesunden wird, Habel» miß, mischen, Moos und Makel ein be»- nabe gleiches Recht auf dasselbe. In einigen Gegenden ist es werblichen Geschlechtes, die Mist. Die Mistbahre, plur. die —n, in der Landwirtbschaft, erne Babre oder Trage, den Mist damit von einem Orte zum andern zu tragen; die Misttrage. Der Miftbauer, des —n,, plur. die—n, ein Banen, welcher den Mist ans der Stadt zurDnngung seiner Felder bohlt. Das Mistbeet, des-es, plur. die —e, in den Gärten, eine viereckige, längliche, anden Seiteit ausgesi llte, nn>. tnit Mist und guter Erde aitgr füllte Grube, zarte und frühe Gewächse daraus zn zeugen; das Treibebett. Ein kaltes oder blindes Mrstb-et, wo man nur eine Grubenm ein gewöhnliches Beet ziehet, und solche mit liiluaem Miste anfiillet. Der Mrftbeller, des— ^ plur. utnom. ünb. Diminut. das Mistbellerchen, Oberd. Mistbellerlein, in einigen Gegenden ein Rahme des Murn,-Ilhieres, (S. dieses Wort.) Auch ein Bauer- Hund, welcher immer auf seinem Miste bellet, führet zuweilen diesen Nahmen. Das Mrstbier, des—es, plur. die—e, in einigen Gegenden, besonders Niedersachseus, ein Schmaus in Biere, welchen jemand den Nachbarn eines Dorfes gibt, wofür ihm jeder ein oder mehrere Fuder Mist zur Düngung seines Ackers bringet;Niederst Meßbecr. Der Mistblätterschwamm, des—cs-plur. die—schwämme eine Art Blätterschrvän.me miteinem bohlen Stiele, und glockenförmigen zerrissenen Hute, dessen Blätter schwarz find, und welcher gern auf den Misthaufen zu wachsen pflegt z^srlcuL Ü- metLrM8,Mistpilz, Mistschwamm. Das Mistbret, des—cs, plur. die—er, in der Landwirtbschaft,. Breter, womit man den Mistwagen, wenn Mist darauf gesichert wird, unten nnban der Seite zu belegen pflegt. Jnglcichen eine mit Bretexn beschlagene Wagenleiter aufdcm Mistwagen. Die Mistel, plur. die—n, eine Pflanze, welche keine Wurzeln hat, sondern bloß auf den Zweigen arrderer Bäume wüchset, ans welchen ste ihre Nahrung ziehet; Vilcum l>. Meiße Mistel,, Vrfcum aibum, welche anf-den Europäischen Bäumen wachset, und nach denselben Eichcnmistek, Lindenmistel, Mcidenmurel, Tannenmistel, ^aselmrstel, Aschenmistel ri. s.s. genannt wird,, ob sie gleich sonst in keinem Stücke von einander unterschieden sind«. Aus den Beeren dieser Mistel wird der vogelle!m bereitet. Verschiedene andere Arten,wohin auch die Erdmistel, V rlcuir, t.er- ress re l^. gehöret, sind in Amerika zn Hanse.. Anm. Im Dän. nnd Noriveg. gleichfalls Mistel, im Engl, KIiÜ!.6toe,MisIetoe,. im Lat. Vilcum, im Griech entweder wegen des zähen,,leimigen, in den Beeren befindlichen Saftes, als ein Geschlcchtsverwandter von 4. Matz, 4. Marte, Masse N. s. s. oderauch wegen der schon sehr alten Bemerkung, daß die Samenkörner der Mistelbeeren von den Drosseln, denen sie eine sehr angenehme Speise stnd, mir ihrem Korbe auf die Bäume getragen wurden,daher schon ben demPlautus dasSprich- wort vorkommt, Tu r 6 u.-; iple libimslum cnerit; folglich von .dem folgenden Zeitworte misten. In beydcn Fällen bedenket die Ableitnttgssplbe—ei, ein Dina, ein Snbjcct, von welchem etwas gesagt wird. In einigen Gegenden wird unsere Europäische oder die weiße Mistel Rinstrr, Aenster, Abholder, Affolrer, ^stolrer, und wegen ihrer verworrenenZweige auch Mahrenta- cken genannt, (S.Mahre.) In vjplcn Gegenden ist das Wort Mistel männlichen Ge>chlkchtts, der Mistel, des — s, plur. ut M l-st ^ -, LZO Dre M'stelörosiel- plur. die—n, die «rosste Art Drosseln, welche einen bräunlich gelben Schnabel und Füße, schwarzeKlauen, einer» weiß geschrppl'.'nHals und Bauch. dnnkelbraunenRücken undFlil» gel, und einen blelchrotbcn Schlund hat. Sie ist eine große Freundin» der M-stclbceren, deren Samen ste mit ihrem Kochr unverdanet auf die Bäume fallen lasset, und dadurch die Fortpflanzung der M stech befördert ;-Turciu8 vist^vorus^. Sicivird wegen dieses Umstandes auch Miflclzr'emer und Mrstler, son^ aber auch Schnarre, Schnarrdroffel, und in Kärmhen Ferrer, Fahrer genannt. Misten, verb.re^ welches von dem Hauptworte Mist abstam-- met, und in doppelter Gestalt-üblich rst. ,. Als ein Neutrum - mit dem Hnlfsworte haben, seinen Koch von sich geben ; wo cs in der anständigerl Sprechart des gemeinen Lebens besonders von größer» Thier en gebrauch, wird. Das Pferd mistet, kann nicht > misten. Schon bry dem Notker rwislon. 2 . Als ein Actioum. 1 ) Von Mist-.Koth, in Gestalt des Kothes, oder mit dem Korbe von sich geben; am häufigsten von größer» Thieren. Blut mistend 2 ) Von Mist, so fern cs die mit Thierkoth vermischten vegetabilischen Theile bedeutet, (a) Diesen Mist äns dem Stalle schaffen -, doch nur in dem zusammen grsttzren ausmisten, ch) Mit diesem Miste düngen. Den Acker misten« Rieders, messen. Daher die Mistung in den thätiäen Bedeutungen. Der Mtststnk, des— en, plur. die—en, im gemeinen Leben- eine figürliche Benennung einer unreinlichen, schmutzigen Pcrsorr beyderlcp Geschlechtes, welche man auch wohl einen MrsthammeL z,r nennen pflegt. Die Mlstflieye, plur. die — n, eine Art Fliegen, welche fich gem auf den Misthaufen oushalwn; hilulcu ssimet-u-iL L-. Die Mistforke, plVr. die—n, S. Mistgabel. Die Mistfuhre, plur. die — n, in der Landwirchschaft, eine Fuhre, so fern damit der Mist ans die Äckcegeschaffet wird. Zrn, wcilcn auch von der Zeit, Zn welcher der Mist avfdie Äcker gesi'ih- ret wird. Die erste Mistfuhre fällt in den Junius, die zwepte in den August n. s. s. Die Mistgabel, plur. die — n, eben daselbst eine große dren- zinkiae Gabel mit einem hölzernen Stiele, den Mist oder Dünger damit auf-nfassen, anfznladen n. s.s. in Niedersachscn die Mist» forke, Grepe. Schon in demSchwabcnspiegel Uickgubel. Die Misttzauche, plur. doch nur von mehrern Arren, die — n, die Gauche von dem Miste, d. i. das von dem Miste zusammen gelaufene Wasser; das Mistwaffer, in einigen Gegenden die Misigalle , die Mistgallen. Die Mistgrube, plur. die — n, eine Grube in welcher der Mist gesammelt ivird,.daniir erfanlennd znrDüngiurg geschickt lverde. Zngleichen die Grube in den Häusern, in welche d,cchcjmlichen Gemächer gehen. Der Misthaken, des—s, plur. ut uom. lio^. eben daselbst, ein zwe-vzackigcr Kaken an einem hölzernen Stiele, den Mist damit ans dem Felde von dem Wagen abzüziehcn. Dor Misthammel, des—s, plur. die —Hammel, stehe Mistsink. Der Misthaufen, des — s, plur. ut nom. liriß. in Gestalt eines Haufens ans einander gelegter Mist; Niederst Meßhoope, Meßfaal, von §aai, ein Häufe. Der Mistkäfer, des—s, plur. ut norn. flriA. eine jedeArt Kaser, welche sichst» dem Miste, d. i. dcm Auswurfe der Men- schei^nudThiere aufbält. Der schwarze Mistkäfer, dicurn- baeus.^tsreoi-Äriu« L,. Roßkäfer,Dreckkäfen In Nieder"'ach- sen beißt er Scharnweves, ven Scharn, Mist, Koch , Gebe, undMevel, einKäftr; Schwj'd.l'neilvscvel. Er hat einen »lnbe« wehrten Kopf und Bruflschild,mnd jstgemelüiLlich ganz mistM'5-- P 2 - öeu Sen besäet. Auch eine Art Speckkäfer, welche auf ben Straßen kri dem Pferdemisie wohnet, Dormeckes tiercoreus I>. ist im gemeinen Lebe» unter dem Nahmen des Mistkäfers bekannt. Die Mistkarre, plur. die—N, eine große Schubkarre, den Mist damit von einem Orte zum andern zu führen; in einigen Gegenden der Mistkarren. Die Mistläche, plur. die—n, eine Lache, d. i. Pfütze, von zusammen gelaufener Mistgauche; die Mistpfütze, der Mistp imhl, im Oberd. die Mistgalle, der Mistsudel, in Schlest -n, die Misi- lusche, im Niederst Meßaal, Meßlacke, Adelpe-ol, Adel, Lddel, von Aal, Adel, Pfütze, stinkende Feuchtigkeit. Die Mistleirer, p!ur. die—n, eine Leiter auf einem Mistwagen. Der Mistler, des — s,plur. ut uom.lln^. S. Misteldrossel. Der Mistlerfttch, des—es, piur. die—e, oey den Vogelstellern, der Fang der Mtstler im Herbste, vermittelst eines im Bauer an eine,r Baum gehängten zahmen Mistlers, weil die wilden sehr begierig auf diesen zuftoßen oder stechen. Die Miftmeböe, plur. inust ein Nähme der gemeinen Melde oder Waldmelde, ^triplexpatulu 1 ^. vielleicht weil sie gern in Gartenländern und an gedüngten Örtern wachset. Der Mistpibz, des — es, plur. die — e, siehe Mistblätterschwamm. / Die Mistpfütze, xlur. die —n, S. Mistlache. Der Miftschwamm, des —es,p 1 ur. die—schwämme, siehe Mistblätterschwamm. Die Miststatt, plur. die—ffä'tte, oder die Miststätte, plur. die— n, in der Landwirthschaft, diejenige Statt oder Srätte, d. i. derjenige Platz, anfwelchem man den Mist aus den Ställen zurch künftigen Gebrauche aufbewahret. Der Mistsudel, des — s, plur. ut. »om. 6 nZ. S. Mistlache. Die Mftsttrage, piur. die—n, S.Mistbahre. Der Mistwayen, des —s, plur. die — wägen, ein Wagen, den Mist damit auf die Äcker zu fuhren. Das Mistrvasser, des-—s, plur. doch nur von Mehrern Arten, ut vom liuA S. Mstgauche. Mit, eine Partikel, welche üvcrhanpt eine Gesellschaft, Verbindung und Gemeinschaft bezeichnet, und in einer doppelten G> stalt üblich ist. I. Als ein Vorwort, welches alle Mahl die dritte Endung des ^ Nennwortes erfordet Es bedeutet, 1. EineVegleisuna, und im weitern Verstände, eine Gesellschaft, d. i. die Theilnehmung an einen. Zustande, an einer Handlung zu Einer Zeit, und oft auch an E nem Orte. Mit einem, gehen, reisen, fahren. Alle diejenigen, welche mit uns auf dieser Welt leben, zu Einer Zeit. Dommen sie mit uns. Flehe mit mir den Himmel. Mik- einem essen, trinken, welches aber auch oft so viel bedeutet, alsbeyihm, au desseuTische. Etwas mir sich nehmen. Wein mit Wässer vermischen. Len Häcksel mit Hafer vermengen, vielleicht begleiten einige wenige deine Zähren mit den ihrigen. Mit einem Sohne in die Wochen kommen. Alle mit einander, d. i. sie alle insgesammt. Jemanden mit Briefen an einen andern abschicken. Den Mann mit der Frau fwtjagen. Die Alten mit den Jungen tobten. Ju welchem Fall, man in den gemeinen Sprecharten dieses Vorwort um niedrer» Nachdruckes Willen noch mit einem sammt begleitet Du solltest dich der Lust mit sammt der Brant verzeihen , Günth. . her Lust mit der Braut, der Lust und der Bram, welcher Nach- ' druck - aber der anständigen Sprechart fremd ist. 2. Eine Gemeinschaft, eine Theilnkl'mung an den Umständen «iries ander». Mit einem leiden. Sich mir einem freue». Nach dem, was voryefallen ist, kann ich nicht mehr mit dir leben, in Gemeinschaft mit dir. Wer nicht mir mir ist, der ist wider mich, Luc., i, 23. Sind wir mit Christo gestorben, so glauben wir, daß wir auch mit ihm leben werden, Röm. 6, 4. Mit euch wird die Weisheit sterben, Hiob 12, 2, in eurer Person, mit euch zugleich. Etwas mit einem andern gemein haben. Er har gleiche Neigungen mit mir. Sie sind mit meinem Bruder von Einer Große. Z. Ein Werkzeug. Mir dem Messer schneiden, mit dem Degen stechen, mit der Art hauen, mit dem Hammer schlagen. Mit dem Degen in der Faust erobern. Etwas mir der bloßen Hand angreifen. Mit den Augen winken. Ich habe es mit meinen Obren gehöret. Mit der Elle messen. Sem Vaterland mit dem Rucken ansehen. M:t der Zunge anstoßen. Und so in tausend andern Fällen mehr. 4 . Ein Hülfsmittel, ein Mittel. Mit barem Gelde einkaufen. Mit Gelde läßt stch alles Zwingen. Mir Gutem richtet man mehr aus. M r Gor-es Hülfe. Mit Gottwol-. len wir Charen thun, Ps. 60,14. Griisset euch unter einander mit dem heiligen Düsse, Röm. «6, ,6. L. Eine Materie. Mi'Essen beschlagen. Mit Gold ein- fassen, sticken, belegen. Mik C-nte schreiben. Mit doppelter Kreide anschreibrn. Mik Wasser gerauft. Mit Rosen gekrönt. M tSegemgeschmückt. Mär Gelde bestechen. Einen Acker mit Gerste besäen. Mit Wasser anfüllen. Mik Roth besudeln. Mir einem Sternchen bezeichnen. Emen Wagen mir Getreide, mit Steinen beladen. Mit Baumen, mir Unkraut bewachsen. Mik Unglück schwanger gehen. Mit Blindheit geschlagen. Mit einer Krankheit behaftet sepn. 6 . Emen Gegenstand, und zwar, ') den persönlichen Gegenstand einer Handlung. Mit jemanden sprechen Mitcinery zanken streiten, hadern. Mrr einem zu thun haben. Ich schmecke kein Vergnügen , welches ich nicht mit rhnen checke. Weisheit »ind Thorheir können stch nicht mit einander vertragen. Was habt ihr denn mit einander 1? Mitjemanden bekannt sevn. Sich mir'eiwas bekannt machen. Sich mit jemanden aussohnen. vertragen. Eckr Bündniß, einen Vertrag mir jemanden machen, viele Noch mit einem haben. Ls mit einem halten. Er meint cs nicht aufrichtig mit mir. 2) Zuweilen auch den Gegenstand der Sache. Bist du mit dem Kranze fertig i? Mit den A ußenwerken weit ins Feld rücken, verschone mrch mit solchen Anträgen. Laß mich damit zufrieden. Mit den-. Essen auf jemanden warien. Was wollen ste mit dikssei.Worren sagen ? was willst du denn mit ihm? warum erwähnst du seiner? Mir etwas unglücklich sepn. wenn man mir mit dem Nachruhmc kommt, so muß ich nothwendig lachen, Gell. Wenn ste mir mir ihrer L-ebe ange-ogen käme, Weiße, wenn sie davon spräche. Nimm dich mir dem Lichte in Acht. Nur schweig mir dieses Mahl mrt solchen Reden still. Halt an mit Lesen. M t dem Reden kann ich es nicht lange ausbalren. Sich mit etwas beschäftigen. Den Anfang, den Beschluß mit etwas machen. Mrr etwas zufrieden seyn. Mobil!, 3) auch viele-Fälle gehören, in welchen dieses Vorwort gebraucht wird, denGegcirstand derPcrson oderSache nur schlechthin zu bezeichnen. Em Freund, mit dem es keiner Umstände braucht, m Ansehung dessen. Es ist a,'S mit ihm, es ist mit ihm getban. Es steht gefährlich mit ihm aus. Mit den Folgen fleht es noch sehr m-ficher aus. Wie wird es nach un- sermT>de mit dem N. chr chme aussehen? Gell. Wie läßt sich dfrUmstand mit dem G.'spenste erklären? Es ist mit dem Schalle, wie mit dknTenen. Eben so ist ee mit deu Manns- .versoncn beschaffen. Es ist mit ferner Heiterkeit immer nur 2ZZ Mit Kit -24 -in Übergang. Ich dachte, es ließe sich mit ihrem verstände noch wohl halten, Gell. Wie lange wird es denn noch mit mir werden? weg mit der Sache! Ins Zuchthaus mtt solchen ungerachenen Rangen! Gell. 4) Lngleichen, der m dwver- rranlichenSprcchart übliche elliptische'Gebrauch,erneu Gegenstand des Unwillens zu bezeichnen. Ach die bsseZrau mit ihrem verwünschten Besuche l Gell. Nit deiner ewigen Lrepheit! Gell. - Mit eurem Schrein! W-iße. Geh mit deiner Ehre'. 7. Die Art und Weise, wie etwas geschehet, glercysam, von welcher Eigenschaft es begleitet wird. Etwas mitGeduld ertragen, geduldig? Mit saufen kommen, hanfenwerft. ^eme Schritte mit Vorsicht abmessen. Laß mich mit Friedenrm gemriucu L.ben, wofür mau auch sagt, laß mich zufrieden. Eine Gftrdt mit Sturm erobern. Seine Arbeit mit Buchen anfangen. Mit seftigkeit auf etwas dringen. Dem Tode mit Standhaftigkeit entgegen sehen. Das Genüge mrt ern.m ruhigen Genüssen besitzen. Ich fand ihn muncer Mit dem Stade in der Sand. Etwas mit vsecheil, mit Schaden verkaufen. Das Haft du nicht mit Recht. Mt Stumps und Stiel ausrotten, gänzlich. Mit Luft arbeiten. E,was mit Widerwillen rhun. Mit Maßen Zucht gen, mäßig. Mit Schande bestehen. Mit Ehren zu melden. Mit einer trotzigen Miene ansehen. „ Der Ton, mit dem sie sprach, verrreth em still Verlangens Wohin auch das in den gemeinen Sprecharten, besonders Niedcr- sachsens, übliche mit Ein Mahl für auf Ern Mahl gehöret. ' Und ward msi Einem Mahl erweicht, Gell. 8. Den Umstand des Besitzes. Nit großen Zäh-gkeitcn geboren werden. Mit einem Schaden auf die Welt kommen. Der Mann mit der krummen Nase, welcher die krumme Nase hat. Markgraf von Brandenburg mir dem Pfeile. Das Mädchen mit den schwarzen Augen. Es kam emer mit Nahmen Markolph. Judas mit dem Zunahmen Thaddens. 9 . Eine Zeit, wenn ehre Veränderung erfolgt ist, oder erjol- Ken soll. Mir Anbruch des Tages vereisen. Das wird sich mit der Zeit schon geben. Mit den Jahren wird man k'ug. Mit dem Schlage zehn steht sie auf. Der Pacht Hort mit dem ersten Map auf? M t diesen Worten lief er fort, nachdem rr diese Worte gesprochen batte. Ich werde mit dem 5rüheften «ufstchen. Ich will es mit dem neuen Jahre anfangen. Das längste übel Hort doch mit dem Tode auf, Gell. Und so entzücket seine Brust Ein frischer Scherz mit jedem Morgen, Mit jedem Abend neue Lust, Haged. Ich trage dir die Speise zu Schon mir dem frühsten Morgen, Weife. II. Als ein Nebsnwort, in der ersten Bedeutung des Vor. Wortes, eine Gesellschaft, Begleitung, zu bezeichnen. Ich kann es unmöglich mit anhören, mit anjehen. warst du auch mit habep , mit darunter ? Es mischt sich immer etwas Menschliches mit ein. Mit zur Leiche gehen. Wohin auch das im gemeinen Leben übliche mitunter gehöret. Es läuft immer so etwas Lächerliches mit unter. Mit unter gibt es noch ehrliche Leute, d. i. hin und wieder. Sie sind mit unter (zuweilen) ein wenig grob. Jngleichen das in der anständigen SprccharL größten Theüs veralme mit Nichten, für keines Weges, im Theuerhanke m t nicht. Anm. r. Diese altePartikel lautet im SalischenGefttzerniit.o, im Kero schon mit,.bey dem Ulphilas mift, im Angels, rnicl, im Engl, xvir.tr, im Schwed, meci im Island, insclur. ruiclur, im Dnmschen M) ästöll, bepdenKtaitterischenWettdcnMLci,rri^c-, msj. welche zunächst unter bedeuten, und im Griech /as-r-« Z>* Niedersächsischen ist das Nebmwvrt von demVorrvorle geuar «n« terschicdrn; indem ersteres daselbst mede, me', letzteres ab r m.p lautet. Auch bey den altern Oberdeutschen Schr stfiellern lauteL das Nebenwort gemeinigllch mrtte, das Vorivoe. aber^mie. Beyde siird indefferr nur Ein Wort, und beze chncn.zunä^-si ine Beglertimg, eine Gesellschaft, aus welchem Begriff'.- all-'irvr.gc» Bedeutungen als Figuren herfließen; so daß dies s Wori e,u naher Geschlecht-verwandter von mengen, mischen, m ch 5 !i, verbin nt, 4. Morre, Marerie, Masse u? s. f. ist, weiche sich zum Thstl nur üt den Abieitungschlben unterscheiden ^ AuM- 2. So häufig dieses Vorwort auss> gebrauch' , s- g'-lt doch noii demselben auch, was fast von asten V rwört en gr!t, daß es rmhmlich bry der Anwendung aufden Gebrauchankolumt- ob derselbe es in dieftm oder jenem Falle hervor gebracht habe-odee nicht. Nur in der ersten und dritten Bedeutung einer Brgl uung, Gesellschaft, und eines Werkzenges, kann es fast ohne all Em« schränkung-gebraucht werden. Eäedenr wurde es sehr häuft r auch für dev und durch gefttzer. V! i t Ootuü irro rr.ru, O.-ftied, tu-ch Gottes Krar'k. Somit, üm Oderdeulscheu ft-r dadurch tolgl!.p. Mir dem Glauben Buch Blral - 472. für, durch den Glaub n. Jin geunrnen Leben >agr man noch mit alle dem , für, mn arm allen; so wie es auch Iwch UN Ni der sächsische» bämig la i l-'!! L t, wo der Hochdeutsche das Vorwort Hey gebraucht. Mu eurem dienen, bev ihm. Anm. Dieses Vorwort wird so. rrne alle < orwortw, h .v.stz Mit andebn Wörtern zusammen gesenet. Von Pariik'ln -ch-n eu dahin, damit, womit, mithin, hrermit, rurd das rchon gedachre Oberdeutsche somit, (S. diese Wörter.) Weit größer.st d-eZahl der Nennwörter, und besonders der Hauptwörter, welche b-ese Parnkel irr der Zusammensetzung vor sich lüden , wo sie oeiur alle Mahl die z-verneBedeutung der Gemeinschaft, der Thülnchmun- an einerley Umständeu har. M'.tarbc-ter, kl^.rchrist. kNrt- qlied u.s.f. Auch einige Bey - und Mittestvört-.-r lc.den dieik Zusammensetzung, ein Mitschuldiger, M-rbeieharer " si ft Ebenso häufig wird cS auch den Zeitwört-rn vorge,stzet,'u vee ersten Bedeutung des Vorwortes, eine Begleitung, Ges-.llichait, zu bezeichnen. M-tgehen, mitfahren, mrtlauftu, m-rbcm- gen u. s. ft Fast alle Zeitwörter- können cs m dusim oecstm ve vor sich leiden, ob sie gleich nickt alle in demselben ubstck sind Im folgenden sind nur einige der vornehmste» und gang. arst< u a, fitz .-führet worden. Mit ist in dieser Verbindung all- Mahl E trciurbsresVorwort, welch s m den gswöhttlrchr n^ollen i,-!l ,r ^a», Zcitwort tritt, und das Amgment unmittelbak nach sich da:: mmm ^smit, mitgekommen. Man hatdreFragear.fge.vorftn, obm't in der Verbindung mit Zeitwörtern mit densilbrn -Mammen geigen, odergetheilt geschrieben werden müsse; d-s bcrßt m» ander« Worten so viel, ob eS hier die G sialt eines Vo . worres oder eures Nebeuwortes habe. Es lassen sich für b.vdes gründe anfn-u en. Indessen ist die Zusammenz-etmng einmahl hergebracht , mrr hatüber dreß die Analogie dermrdern Vorwörter vor sich, wc.chr.« so unzähligen Fällerr adverbisck stehen. Man ppr.-chr afto .murr mitbrrunen. mttgehen, mirbetheu, Mitwirken u- si ft -Kur wenn das Zeitwort schon mit einer andern Partikel^ z ftmm.u gesttzet ist? so wird das mit lieber von demjclvcu argz'!.m. ert; mit genießen, ich kann nicht mit eb stw.rmen, nur erwacpe^. Anch rst esrathsamer,tvetti, man n.»-', ebennrchrallge^t.n , g- dare Ailsdrücke diesir Art waat, eine Handluna zu beze.«)--en, welche von mehrcrn z,r Eurer Zeit, und au Einem O. m m rqenom- men wird, das mit getheilt zu schreiben. Wollen N n-chi n.'t spazieren ge^en ? M^efangen, mit gehangen. «W im. m e- len Fällen den ^ stp nun rm Vorwort oder em Nr.cmo.^ Ps 1 Mit - 2ZL Der Mitältesie, 5 es —n, plur. die—n, der mit andern zugleich da» Amt eines Ältesten verwaltet. Ich, -er Nrtaltcste und Zeuge der Leiden, i Petr.z, i. Der Mitarbeiter, -cs —s, plur. ut nom. ling. Fänstn. die Mirarbeiterinn, eine Person, welche mit einer andern einerley Arbeit verrichtet, besonders, ^welche mit einer andernän eiircrlep- Gegenstände arbeitet. i Cor. 3, 9. Die MltbelehnsHaft, plur. tzie—en, iudemLehnrechte, der Zustand, das Verhältniß, da jemand mir einem andern über eine' und eben dieselbe Sache die Lehen empfangen hat, dessen Milde-- lchnter ist. Der Mitbelehnte- des—n, .plur. die—n, eben dastlbst, der-- jenige, welcher üüt einem andern über eine und eben dieselbe Sache die Lehen empfangen hat; im Oberdeutschen auch der Mirbehandigre. Die Mitbebehnung, pfur. die—en, von dem ungewöhnlichen Antworte mit belehnen, die Handlung, da mehrere mit, einer und ebenderselben Sache belehnet werden. Der Mitbesitzer, des — s, plur. M nom. ling. Fämin. die Mitbesitzerin«, eine Person, wr'lche eine und eben dieselbe Sache' mit einer andern gemeinschaftlich besitzet. Mirbethen, verb. reg. nsui r. mit dom Hülfsworte haben, mit andern zugleich, oder gemeinschaftlich bethen. Der MitbevoPmachttgtr, des—n, plun die—n,. derjenige, welcher mit einem andern Zugleich in einer Sache bevollmächtiget ist; (üoncommillLriuSi Der Mitbewerbn'r, des—s, plur. uknom. sing. Fämin. die Mirbewerberinn, eine Person, welche sich mit einer,andern zu- gleich nur etwas bewirkt: rin Mitw'erber. Mttdrethen, Verb. -rrkg.nüuir. (S. Biethen,) mit hab-n>, nrit -einem andern zugleich aufetwas biethen. So auch die Mit- bicthung. M'tbrm^sn, vyrlnirrsg. act. (S. Bringen,) mit sich bringen, kommend in seiner Gesellschaft oder bey sich haben ; so wohl von Personen, als von Sachen. Warum haben ste ihren Freund nicht mitgebracht ? Ich habe das Buch, das Geld mitgobracht. Daher die Mitbringringv L ev Mitbuhler, des — s , plur. ut NOM. 6ng. Fämin.. die Mitbuhlerinn,. eine Person,-welche mit ebier andern zugleich um eine Person buhlet; ein Nebenbuhler, eine Nebenbuhlerinn, Figürlich, obgleich nicht auf die beste Art , auch wohl ein jeder Mitbewerber oder Mitwerber. Der Mitbürye, des-^-n, plu^die — n, derjenige, welch/r mit einem andern gemeinschaftlich Bürge ist, mit ihm für eine nnd eben dieselbe Person oder Sache Bürge ist. Der Mitbürger, des — s,,p!ur. ut vorn. stvA., Fämin. die Mitbürgerinn, eine Person,- welche mit einer ändern in einer und eben derselben Stadt Bürger ist, mit ihr an einem und eben demselben Bürgerrechte Theil hat ;- im mittler« Latein., com- burgensts. Der Mitchrrst, des —en, p)ur. die -—en, Fämin.. die Mit- chrisiinn, eine Person, welche mit einer andern an einer und eben derselben christlichen Religion Theil Hat, ein jeder Christ, jn Ansehung anderer Christen; -er Nebenehrist. Lein 6erz voll Andacht zu entdecken,. Wie es dein Mitthrist dirrntdeckt, Gell. Der Mitdiener, des s, plur«, ut nom. iing. derjenige, welcher einen nnd eben denselben Dienst mit einem andern verrichtet, mit ihm einem und eben demselben Herren dienet. Col.,, 7. Der Mrterbs, des N, piur. die—N, Fämin. die Miterbi'nn, eine Person, welche mit einer andern an einer und eben derselben GrbschaftTheil hat; ein Erbgenost, bey dem Notker Oeerbe- M l k LZ§ Mrtessen, verb. irrsg.^eutr. fS.Effen,) welches das Hülfswort haben erfordert, mir andern in Gesellschaft essen. Die Mitesser, t,ug. inul. eineKrankheit der Kinder, bev welcher sieabnehmen, und nicht gedeihen wollen, so fern der große Haufe dieselbe gewissen aschfarbigen oder schwärzlichen Würmern zu- schreibt, welche als kleine schwarze Haare in der Haut stecken, und den Nahrungssaft verzehren sollen; Oomeckones, und wrgeU ihrer Ähnlichkeit mir denHaarcncrinone8,-Franz.crillontz. Die Mitesser haben. In einigen Gegenden werden sie Lürrmaden, in andern aber Zehrwürmer genannt. Mitfahren, Verb, irreg.neutr. (S. Fahren,) welches in-döp, pelter Gestalt üblich ist. Mit dem Hülfsworte seon, mit einem andern in Gesellschaft fahren. Wir werden heute nicht mitfahren. 2) Mit dem Hülfsworte haben, und in figürlicher Bedeutung. Einem mitfatzrcn, ihn behandeln, ihm begegnen. Mit Bezeichnung der Art und Weise. Ler Ie-er sagt Unfalo nie Wie er dem edlen Melden mit tzer gefaren vnnd gcfrist sein Leben, Theuerd. Kap. 31. Wo es von einer guten Begegnung vorkommt. Jetzt ist es nur noch von einer unangenehmen, üblen Begegnung «blich. 8i scliu Werlk) vertmir rvunckerliclle mitte, DietmarvonAst. Warum hat-der ^err diesem Lande also mirgefahren^ 2 Chron. 7, 21. Alto habt ihr den Tochter« Israel mitgefahren , Hist, .LerSus. v. L7. Fahren sie mir nicht so übel mit, Gell. Mir armen Frau bep meinen Jahren So ehrvergessen mirzufahrcn, Beruh. . Vielleicht würbe auch hier das Hülfswort sepn schicklicher ge- brauchtwerden. Vollständig lautet die R. A. mit einem fahren, Fahret säuberlich, mitdem Ä,laben. Schon Notker sagt: durs in Lifo-mitte. S.8ahren2. 5)und Wtspielcu. Die Mitfasien, S. Mittfastcn. ' d Mitstretzen, verk. irreg.neutr. (S Fliegen,) welches dasHülfs- wort sepn erfordert, mit einem andern in Gesellschaft stiegen. Mitfokgen, verft. reg. neurr. mit dem Hülfsworte seyn, mit andern zugleich, oder in Gesellschaft folgeit. Mitfressen, verb. irreg, aet. (S. Fressen,) mit andern in Gesellschaft fressen-. Die Mitfreuöe, plur. car. die Freude, welche man mit einem andern aenreinschaftlich empsindet; die Bepfreude. IenianLeu feine Mi'tfreude bezeugen. Beyde Wörter Kommen ilt der edlcrn Schreibart nur selten, vor. Die Mitgabe, >olur. die—n, dasjenige , was einem andern mitgegeben wird. Am hänsigstcn in engerer Bedeutung , derjenige Theil der Güter, welchen die Altern ihren Töchtern bey ihrer Ver- heirathnng mitgeben; die Mitgift, das Scirathsgut. Der Mityast, des—es, plur. die—gaste, eine Person, welche mit einer andcpn gemeinschaftlich ein Gast ist.. Mityeben, verb. irreg. nct. .einrm der sich entfernet zur Begleitung oder zur Gesellschaft geben. Jemanden eine« Bokhen milgehen. Jugleichen, jemanden geben, damit er es mit sich nehme. , Jemanden Geld, einen Brief mitgeben. In engerer Bedeutung , einer Tochter bey ihrer Verheirathnng einen Theil seines Vermögens abtreten. Ich kann dir freplich nichts mitgeben, Gell. S. Mitgabe. ^ Der Mitgefangene-Fes— n, plur. die—n, derjenige, welcher mit einem andern genreinschaftlich gefangen sitzet. Röm. - 6, 7z Col. 4, - v. Mrtyehen, verd. irreg. neutr. (S. Geyen,) welches das Hülfswort sepn erfordert, mit einem andern ln Gesellschaft neben, ihm irn Gehen Gesellschaft leisten. Wollen sie mitZehen, ^ nehmlich mit X SZ7- Mit mit mir. Figürlich sagt martim gemeinen Leben/ es gehet noch mit, d. i. es ist mittelmäßig, erträglich. D?rMttFenöß)des — ssen, plur.die—ssen, Fämin. die Mit- gcnossinn, eine Person, welche mit einer andern etwas in Gemeinschaft genießet,d. i. einerley Umstände undBeschassenheir mit ihr hat; ehedem nur der Genoß, die Genossmn, im gemeinen Leben ein Lamerad, Lo'mpagnon. Laß die Zechen Niter- Hen sepn, und Mitgenossen seiner Verheißung, Ephes. z, 6. Darum seyd nicht ihre Mitgenossen, Kap. z, 7. Was den Menschen im Dienste der Natur über feine Mitgenosse,r erhebt, ist dieß u. s. f. Mitgenossen an der Handlung. Mitgenossen der Bosheit. Das Mitgeschöpf, des—es, x-!ur. die—e, ein Geschöpf, m Beziehung auf andere Geschöpfe, besonders seiner Art. Ein reit- zendes Vergnügen cftüllt aus dem Umgänge unserer Mttge- schöpfe, Zimmerm. Der MttgeseU, des-^-en, plur. die—en, Fämim die Mitge- sellinn, eine Person, welche mit einer andern in gleicher Gesellschaft, oder in gleichen Umständen stehet« Die Mönchesehen niemanden als ihre Mitgesellen, Zimmernr. In der anständigen Schreibart gebraucht man dafür doch lieber das gleichbedeutende Mitgenoß. Die Mitgift, p'ur. die—en, S. Mitgabe. DasMttglned, des—es, ^>!ur. die—er, eigentlich rin Thell, so fern derselbe mit andern ein gemeinschaftli^esGlied eines und ebendesselben Körpers ist, ein Glied im allgemeinsten VcrlMcniß gegen die übrigenGlieder; doch nur noch in figürlichemVerstandc, eine Person, welche mir einer andern in einer und eben derselben Gesellschaft lebet. Ein Mitglied der ehelichen Gesellschaft, einer gelehrten Gesellschaft, einer Zandlungsgesellschaft, der menschlichen Gesellschaft u. s. f.JmmittlecnLat.LommslN- bris. Oft würde das einfache Glied ebendas sagen ; z. B. dieGlie» der der gelehrtcnGeftllschaft kommen heute zusammen. Indessen ist doch das zusammen gesetzte in diesem und ähnlichen Fällen beynahe üblicher geworden. Mfthalren, verü. irreZ. act. (S. Halten,) mit einem andern zugleich, gemeinschaftlich halten. Besolidcrs in einigen figürlichen .Bedeutungen. Eines Parcep mithalten, sie nebst andern halten« Einen Schmaus mithalrcn, Theil an demselben und an dessen Kosten nehmen. Ein Fest mithalten, es nebst andern feperm Mirhalten, in einigen Spielen, gleichfalls auf eine Karte halten, nebst andern darauf blechen. Der Mithelfer, des— s, plur. nt vom. 6nA. Flunin. die Mithelferinn, eine Person, welche mit andern gemeinschaftlich hilft, und welche von einem Gehülfcn noch verschieden ist. 2 Eör. 6, i; z Mace. 2,24. Mithin, ein nur im gemeine» Leben und in denKanzellcyen übliches Blildcwvrt für folglich , welches so neu nicht ist, als Frisch behauptet, ob es gleich in der anständigen Schreib» und Sprechart nur selten vork-rmmt. Der Mithridüt, des — es, vlur. doch nur von Mehrern Arten, die—e, eine sehr alte ans vielen Kräutern und andern Mitteln zusammen gesetzte Arzeney wider das Gift, so wohl bey Menschen als Thieren; und in weiterer Bedeutung oft eine jede wider das Gift kräftige Arzeney. Von dem Könige Mtthridates,welcher durch eine häufige Genießling einer solchen Arzeney alle Arten des Giftes ohne Schaden soll haben vertragen können. Siehe Theriak. Die MitiäF-, plur. inuss das Recht, die Jagd mit einem andern gemeinschaftlichen genießen,; das Mitjagen, die Koppeljagd. Mttkl^Zen, verv. rstz. nentr. mit dcm,HlUsswotre hcchen, irüt einern andern gemeinschaftlich klagen« Mit LZ§ Der Mitkläger, des — e, plur. m vom. livZ. Uamlm die Mitklagerinn, in engerer Bedeutung des Zeitwortes klagen», eine Person, welche mit einer andern gemeinschaftlich Vor Gericht klaget. Dbr Mitknecht, des—es, plur. die—e, derjenige, welcher mit einem andern zugleich und in dessen Gesellschaft ein Knecht ist. Da ging derselbe Rnecht hinaus und fand einen seiner Mit- knechte, Matth. 18, 28. Der Miekneter, des—s, plur. ut norn. lio^. bey den Bäckerie einiger Gegerlden, z. B. iu Leipzig und Hamburg, ein Nähme deS .Unterkneters, welcher unmittelbar aufden Oberkneter folgt. Mitkonrmen, vsrb. irrsg. rieutr. (S. Kommen,) welches das Hülfswort seyn erfordert, mit einer andern Person oder Sache zugleich kommen, so wohl-von Personen als von Sachen. Die Post ist schon da, «der es sind keine Briefe, keind Reisende mitgekommen. Mitlassen, vsrb. irrsZ. uct. (S. Lassen,) einem andern ziw Gesellschaft, zur Begleitung lassen, milgehen, mitreiseil n. s. f. lassen. Man wollte uns nicht mitlasscn. Mitlaufen, verb. irreZ. Q6tttr.(S. Laufen,) welches dasHülfS^- wort sepn erfordert, init einem zugleich, mit ihm in Gesellschaft laufen. Der Znnd lauft mit. Bey dem Ottfried miti laukLN. Der Mitlaut, des—es, plur, die—e, in der Sprachkunst, ciir Lallt, welcher nicht allein für stch, sondern nur in Gesellschaft eines Selbstlautes hervor gebracht und gehöret werden kann; ein Lonsonant, im Gegensätze dieses Selbstlautes , oder deL Vocales. Der Mitlauter, des —s, xlur. ut vorn. ssnZ. das Zeichen eines Mitlautes, derjenige Buchstab, welcher den Mitlaut auch chen Augen merklich macht. S. Laut und Lauter. Mitleiden, verb. irreZ. ueutr. (S. Leiden,) welches das Hnlfs- wort haben erfordert, mit einem andern zugleich oder gemeinschaftlich leiden. Bewundere diese Gewalt der mitleldenden! Empfindung. Das Mitleiden, des— s, plur. cur. in engerer Bedeutung, von dem vorigen Zcitlvorte, das Leideil, d. i. eine schnterzhaftcEmpfin- -dung des Gemülhcs, so fern es durch das Leiden anderer erreget wird/dic Unlust über das Übel anderer. Mitlkiden empfinden« Mitleiden mit jemanden haben. Jemanden zum Mitleides bewcgey. von Mitleiden Zerühret werden. Bey einigen Hochdeutschen auch in der kürzer» Gestalt dag Mitleid, des —es, von Leid, so fern es auch in weiterer Bedentirng für Leiden gebraucht wird. Im Oberdeutschen ist auch Beplerd für Mitleiden üblich. S. auch das folgende« Die Mitleidenheit, plur. cur. der Zustand, da. eine Person oder Sache mit andern gemeinschaftlich oder zugleich leidet zwo es doch nur noch in zwcy Fällen üblich ist. .>) Lev den Ärzten ist die Mitleidenheit der Schmerz eines Thcilcs des Kör.ers, sofern derselbe in dem Schmerzen eines andern Theiles gegründet ist. Her Zustand, da ein Lchcit des Leibes bey den Schmerzen eines andern Theiles gleichfalls leidet. 2) Der Zustand, da jemand mit einem andern einerley büegerlicheVeschwecden ftägct. DirKlöüer mit zur Mitleidenheir ziehen, sic zu Entrichtung der bürgerlichen .Abgaben anhalten. Sich der schuldigen Mitleidenheit entziehen wollen, die bürgerlichenLasten nicht gleich wie andere tragen wollen. In welchem Verstände auch znweilen das Wort Mitleides vorkömmt. Im bürgerlichen Mitleiden seyn. Sich dem Mit- leiden entziehen wollen. Der Mitleider, des — s , plur. der mit einem andern Mitleiden bat; doch nur in der im gemeinen Leben üblichen sprichwörtlichen R. A. cs l'l besser Neider als Mitleidrr, nehir^- ljch .zu hahm, bessep beneidet als / / MitleiLLsD' Mit L40 ZZ9 Mit Mitleidig, —er, —ste, uZj. et aäv. Mitlciden habend und darin gegründet. Mitleidig werden, jemanden mitleidig machen- Eine mitleidige Handlung. In engerer Bedeuturlg, die Fertigkeit leicht zum Mitleiden bewogen zu werden. Ein mitleidiger Mensch. Ein mitleidiges Zer; haben. Die Mftleidigkeit, plur. cur. die Fertigkeit, bcy anderer Übel, Mitleid-'» zu empfinden. Nitleiden druckt nur einzelne Empfindungen dieser Art ans. Miller, S. Mittler. Mitlernen, voi b. rez. i) Als ein Neutrum, mit dem Hüsts- wortc haben, mit andern Personen zugleich,inGesellschaft lernen. s) Als eilt Activnm, eine Sache mit einer andern zugleich, in Verbindung, il, Gesellschaft mir ihr lernen. M-'tmächen, vsrb. re:A. sct. mit andern zugleich machen ; doch nur in engerer Bedeutung von Moden, Gebräuchen und sittlichen Handlungen. Alle neue Moden mitmachen. Eine Thorhcie, Me Laster mitmachen. Im engsten Verstände sagt man im Kemcineu Leben von einer Person, besonders wnblichcnGeschlech- tes, sie mache mit, wenn ste sich kein Bedenken macht, bey fich krstgnendeeGclegenheit das sechste Geboth zu übertreten, da man ldenn eine solche Person auch wohl eine Mitmacherinn zu nennen pstcgt. Der M tmeisteö, des -—s, plur. ut nom. liuZ. Fämin. die Mnmeisterinn, der mit einem andern zugleich Meister ist, als Meister Glied einer und eben derselben Zunft ist. ft r M rnrnsct), des — rn, plur. die — en, ein Mensch im we Verholt iffe gegen andere mit ihm zugleich lebende Meu- ..e, genleinen Lebeii ein Nebenmensch, ein Nächster. . -rncn, Veeb.ii reA.net. (S. Nehmen,) mit fich nehmen. -) Elgcnlftch. Geld auf dir Reise mitnehmcn. Dtthast vergeben das Buch mit;nnehmen. Einen Reisenden umsonst mit- nehmen. 2) Figürlich, errtkräften, erschöpfen; im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart. Ach, die Zaussorgen nehmen einen sehr mit, Gell. Die Rrankheit hat mich zu sehr mitgenommen. DieZründe haben das Land sehr mitgc- - -tommen. Die Stadt ist von den Überschwemmungen sehr hart mitgenommen worden. I? er Mitpfleger, des—s, plur. ut vorn. üuZ. der mit einem andern zngl.'lchPflrger ist; cm nur in einigenFällen üblichesWort. Eo we, den zu Frao.rsurt am Main die zwölf Deputieren der Bürgerschaft , welche mit den sechs Raths - Devntirten die Einkünfte des Armn-nhanses verwalten, Mitpfleger genannt. W'treetznütt, vorb. reZ. not. mit andernDlugcii zugleich inRech- nniig bringeir. Das habe ich nicht mitgerechnet. DLitveisen, verb. reZ. neutr. mir den» Hülfsworte sepn, mit einem andern in Gesellschaft reisen. DcrMitrheöer, des—s, plur. nt nom. llnZ. in den Seestädten, ein Rheder in Ansehung der übrigen an der Ausrüstung «Ines Schiffes Theil habenden Personen; ein Schiffsfrennd. S.'Rheder. Mitschulötg, u lj.et näv. mit andern eines aemeinschaktl cheir Verbrechens schuldig. Der Dieb hät seine Mitschuldigen an- g geben. ft des s, plur. utrrom. s!np. Fämiu. die M > :ci)ui»nerrnn, eure P. rflm, welche mit einer an.dern gemein- schüfst Heine gewisse Summe schuldig ist. d-cr t'ftstsHüler, des—s, plur. utvom. knz. Fämin. die Mi-se.9iiie. inn, eine Person, welche mit einer'andern qemein- WaftliH terncst verb. iri-sZ. 2 cd. (S. Gingen,) mit andern gemerir- Weslstch fiugm. Daher die Mikfingung. Mltspetfrn, verb. reZ. net. etusutr. welches imletztern Falle dasHülfswort haben bekommt,mit andern gemeinschaftlich speisen. Mitspielen, verb. reZ.net. r) Mit andern gemeinschasst. 0 spielen. 2) Einer Person mitspielcn, so wie mitfahren, 'che begegnen, ste behandeln ; doch nur von einer nachthestigeir Begegnung. wichat er mir daraufmitgespielet ? Gell. Istcswohl erlaubt, mir so mitzuspielen, mir so zu begegne». Der Mittag, des—cs, plur. die—e. l) Eigentlich, die Mitte des Tages, diejenige Zeit, zu welcher die Sänne am höchsten über dem Horizonte gesehen wird. Es ist Mittag. Es wird bald Mittag seyn. Zit Mittage essen. Lrev Mittage hinrer einander. Es geschähe am Hellen Mittage. Figürlich in derchöhern Schreibart, das muntere männliche Alter. Mein Mittag ist dahin, dev ohngcfahr die wage Des kurzen Lebens hielt, Cau. 2) Diejenige Gegend des Himmels, in welcher dieSonue zuMit- tage gesehen wird, lind welche Mitternacht gegen über liegt, oder welche Morgen zur rechten, Abend aber zur linken Hand hat, ohne Plural; Süden. Gegen Mittag liegen, wohnen, reisen. Der wind kommt von Mittag. An,n. Dieses Wort ist aus' dem alten Beyworte mitte und Tag, sowie Mitternacht ans eben demselben und Nacht zusammen gesetzt, daher die altern Schriftsteller, wie Notker, Wii- leram.Scryker und die Schwäbischen Dichter es noch getheiir schreiben, mittvu ^2Z,im Thcnerdanke noch Mittentag, woraus endlich unser Mutag fiirMitttag zusammen gezogen worden, - welches den Ton anfder erstestSplbe behalten hat. Zm Angelf. bflurneZ, im Holland, und Niedcrs.Middag, Latein. lVleriäles. S. Mitte, vormittag und Nachmittag. Mittägig, Lch.etncl/. 1) Was um die Zeit des Mittages ist oder geschichet. Die mittägige Stunde, die Mittagsstunde. Die mittägige Mahlzeit, die Mittagsmahlzeit. 2) Gegen Mittag liegend. Diemittägi'genLänder, dieMittagsländer. In dieser Bedeutung kann es auch die Cornpacation leiden, mittägiger, mittägigste. Bey dem Notker nüttstuZiZ. In bepden Bedeutungen gebraucht man statt dessen auch wohl mittäglich, die mittäglichen Länder; wie man sagt abendlich, mitternächtlich, morgendlich. Das Mrttagsessen, des—s, plur. laus, dasjenige Essen, welches manuin Mittag zu fich nnrmt; ingleichen die Handlung, da man es zu stch nimmt. Das Mittagsessen versäumen. In der anständiger» Sprechart die Mirtagsmahlzeit. Die Mtttttgsflächo, p!u r. die—n. 1) In der mathematischen Erdbeschreibung und Astronomie,dicjenigeFläche oderEbene durch die Achse, welche aus dem Horizonte senkrecht stehet, und folglich durch das Zönith und Nadir gehet. Der Kreis, welcher fic gleichsam begränzt, heißt der Mittagekreis, der M-ttagszirkel, Meridian, ^!eri6ittuu^ und die gerade Linie, in welcher fitst der Horizont und die Mittagsfläche durchschneiden, die'Mittags- linie. 2) Erne jede gegen Mittag gelegene Fläche. Die Mttta§shöhe,. plur. die— N, in der Astronomie, eilt Stück der Mittagslinie, welches vom Horizonte bis zu ejnein gewissen 'Puncte oder Stand eines Sternes m derselben reicht; ^ltltucio insriclisua. Der Mittagörreis, des —es, plur. die —e, siehe Mittags- fl äche. Das Mittagslanö, des— cs, plur. die —ländcr, ein gegen Mittag, besonders Europa gegen Mittag gelegenes Land; das Glidlayd. DerMrttaFsländer, des—s,plur. ut nom. lluZ. derEinwoh- nereines Mittagslandes ; der Südländer. Die Mitt.rgslime, plur. die -—n, S MittaZsfläche. Mit Mit . 241 Die MittüAsluft, jssur. inus. S. Mr'ttagswind. DasMittagsmahb, des—es, ptur. die—mahle, oder— Mahler, i" der höherir Schreibart, und von Hoheit Personen, das Mahl, welches man zur Mittagszeit zu sich nimmt. Ich will in meinem dllstcrn Schatten süße Fruchte zum Mittagsmahl dir auftischen, Geßn. S. 4 . Mahl und das folgende. Die Mittuysmuftlzeit, plur. die— en, diejenige Mahlzeit, welche man zur Mittagszeit hält, und die Speisen, welche man alsdann zu sich nimmt. Zur Mittagsmahlzeit gehen. Die Mittagsmahlzeit halten, bereiten. Zm gemeiuen Leben das Mittagsessen, das Mittagsbrvt, in der höhern Schreibart das Mittagsmahl, von vornehmen Personen die Mittagstafel. DieMittayspre-itzL, xlur.^dre—en, eine Predigt, welche Sonmags zur Mittagszeit gehalten wird; zum Unterschiede von der Frühpredigt, vormittagspredigt und Nachmittagspredigt. Daher der Mittagsprediger, wenn für diese Predigt ein eigener Prediger bestellt ist. Die Mittagsruhe, plur. tvu 5 . die Ruhe, oder der Schlaf, welchen man nach der Mittagsmahlzeit hält; im gemeinen Leben der Mittagsfchlaf. Mittagsruhe halten. Bey dem Varro lusstitius tomnus. Der Mittagsfchlaf, des— es, xlur. inuf. (S. das vorige.) Im gemeinen Leben sagt man auch im Diminnttvo, ein Mittags- schlafchen machen, für Mittagsruhe halteir. Die Mittagsfeite, xlur. die—n, die mittägige, oder gegen - Mittag gelegene Seite eines Dinges. Die Mittagssonne, jssur. cur. der Schein odcrGlanz der Sonne um die Mittagszeit; zum Unterschiede von der Morgen- nnö Abendsonne. Lin Zimmer hat die Mittagssonne, wenn die Strahlen der Sonne um die Mittagszeit in dasselbe fallen, d. i. wenn es gegen Mittag liegt. Jngieichcn in der dichterischen Schreibart. Bsmm unter mein schattiges Dach, denn die Mittagssonne brennt schon, GcKn. Die Mittagsstunde, j> t u r. die— n, die Stunde des Mittages oder um den Mittag, d. r. die Stunde von zwölf Uhr vis eins. Die Mittagstafel, S. Mittagsmahlzeit. DerMittagsthau, des — es, plur. i null Than, welcher NM die Mittagszeit fällt; zum Unterschiede von dem Morgen - und Abendthaue. Der MittagStrfch, des — es, jilur. inuf. die gewöhnliche Mit- tagsmahlzeit; doch nur in einigen Fällen. Den Nkttagstisch bey jemanden haben, gewöhnlich bey ihm speisen. Die Woche zwep Thaler für seinen Mittagstisch bezahlen. Einen Nit- cagötisch halten, andere zn Mittage für Geld speisen. Die Mrttagsuhr, ptur. die — en, in der Gnomonik, eine Sonnenuhr, welche auf einer gegen Mittag gerichtet: n Fläche beschrieben wird; zum Unterschiede ,von einer Morgen-Abend - und Mitternachtsuhr. Der Mittagswmö, des—cs, jssur. die— e. i)Ern Winö, welcher um die Mittagszeit wehet. Noch häufiger, 2) ein Wind, i der aus. Mittag kommt; Ser Südwind, wir haben heule Mittagswind. Ein schwacher ans dieser Gegend des H mmels kommender Zug der Luft heißt d:e Mittagslust. Der Mittagszirkel, des — s, jssur.ub Qoui. ssuZ- S. HAt- tagsstäche. Mittagswarts, assv. gegen Mittag gelegen; südwärts, in der Schweiz sonncnh alb, auf der Donnen Halbe oder Seite. Dte Mitte, plur. doch nur von diesem Theilc in mehrern.Körpecn, derjenige Theil, Puirck, oder Linie eines Körpers, welcher von dessen Enden gleich weit entfernet ist 1. Eigentlich. Die Mitte des Zirkels, des Zauses, des Gartens, des Feldes, «-er Leinwand u. s. s. In der Mitte stehen, sepn. Die Mitte Adcl.W.B.z.TH. -.Aust. 24z 2 des Leides. Etwas in der Mitte entzrvep schneiden, brechen. In die Mitte des Weges treten. (S. das Mittel und Mitren.) 2. Figürlich, i) Derjenige Grad der Beschaffenheit, welcher von zwcp äußersten Graden gleich weit entfernet ist. Ich stehein der Mitte zwischen Furcht und Hoffnung. 2) Einer aus unserer Mitte, einer von uns, aus unserer Gesellschaft. Anm i Zm Niederst Midde, bey dem Notker iVlitti, bey dem Ulphilas Missjs, im Schwed. Misst. Es ist dasAbstractnm, entweder von dem Vorworte mit, so fern es ehedem unter bedeutete, oder auch von dem veralteten Beyworre mitt, mitten, was in der Mittelst, (S. Mitren.) Aus der zweyten figürlichen Bedeutung erhellet zugleich die nahe Verwandtschaft dieses Wortes und seiner Angehörigen mit 4. Matz, 4 . Matte, Materie, Masse und andern Wörtern dieser Art, welche eine Verbindung bezeichnen, wenn nicht Mitte in dieser Bedeutung vielmehr unmittelbar davon abstammet. S. das Mittel. Mittel,— er, — ste, assj. et assv. was in der Mitte ist, sich m der Mitte befindet; ein altes zum Theil veraltetes Wort. Die erste Stufe, mittel, ist für sich allein veraltet, und nur in einige» Zusammensetzungen üblich, (S. die folgenden Wörter.) Noch bey dem Willeranr ist ssar mittelosse der mittlere Theil. Der Coni- parativ mittalex scheinet noch in unserm mittler in der positiven Bedeutung vorhanden zu seyn, obgleich dieses richtiger als er» eigenes Beywort angesehen wird. Nur der Superlativ ist noch gangbar und zwar auch nur als cm Positiv, von einem Dinge, welches zwischen zwey andern in der Mitte ist. Las mittelste Buch, welches zwischen zwey andern in der Mitte liegt, das mittlere. Der mittelste Theil, der mittlere. S. Mittelst. Das Mittel, des — s, plttr. M vorn. liUA. 1.Zunächst vom Masse, 4. Matz, 4 . Marte, Materie und andern Wörtern dieser Art, welche eine Verbindung bezeichnen; wo es doch nur noch in einigen besonder» Fällen üblich ist. 1) Taube Bergmit.rel sind im Bergbaue taube Vergärten, so wie schwebende Mittel solche Erz-odcrSteiklmassrn, wo oben und unreu schon die Erze ober Steine weggebrochen sind, welche also gleichsam noch in der Mitte schweben. 2) Eine Gesellschaft, Zunft, Verbindung mehrerer Personen; nur noch in einigen Gegenden und Fällen. So ist z.B. zu Aschcrsleben der Stadtrath in drei- Nittel, d. i. Classe» oder Drdnnttgen, eingetheilet. An einigen Orren werden die Haudwerkszünfte noch Nittel genannt, so wie auch die Bergleute ihre Zunft oder Innung noch ein Mittel zu nennen pstegsn, und zwar nicht, wie Frisch will, weildabey ihre Lade ist, welche ihre Mittel, d. i. ihr Vermögen, enthält, sondern so fern dieses Woet vermittelst der Ablciruagssylbe —ei von Nltt, Matte zusammen gesetzt stk. und eine Verbindung mehrerer Personen bedeutet. Auch im Hochdeutschen sagt man noch zuweilen,einer aus unserm Mittel, d. i. von uns, ans unserer Gesellschaft, wofür aber das Hauptwort Mitte üblicher ist. Ich will das saus Juda aus ihrem Mürel reißen, Irr. 12, 14. 2. Zunächst von dem vorigen Beyworte mittel, dasjenige, was in der Miere ist. 1) Eigentlich, derjenige Theil, Punct oder Linie eines Körpers, welcher gleich weit von dcnEndcn entfernt ist; Niederst Middel, Angelst Missssel, Engl. iVlissssls, Schweb. Messet, Franz. Milieu. DieGtadt sey im Mittel, 4Most zz,5. Das Mittel des Landes, Nicht. 9, z/. Die Pharisäer und Schxjftgelehrten brachten ein Weib — und stellten sie ins Mittel dar, Zoh. 8, z. Las Mittel von Asien liegt sehr Hoch. Im Mittel eines Thaies, Haller. In der edlen Schreibart der Hochdeutschen ist dafür das Abstraclnm die Mitte üblicher. 2) In weiterer Bedeutung, (a) Was zwischen andern Dingen i» der Mitte ist, so wohl dem Drte nach, als auch der Würde, der JlM'nsion u.s.f. nach, was vim zwey Dingen, von zrvey Extre- Q ' ' nris, Z4Z ans, von dem Ersten und Letzten, von dem Höchsten und Niedrigsten, von dem Besteil und Schlechtesten u. s. f. gleich weit, oder doch beynabe gleich weit entfernet ist; ohne Plural. Der Zeit Anfang, Mittel und Ende. Die Bewegung der Strauße halt das Mittel zwischen dem Fliegen und Gehen. (b)*Ins Mittel, für das Nebenwort unter; ein im Hochdeutschen veralteter Gebrauch. Paulus trat ins Mittel unterste, Apostclg.2 7,2 1. Und hat die Handschrift aus dem Mittel gechan , Col. 2, 14, hat sie weggethan. Oder auch für das Nebenwort mitten; Ljn gleichfalls veralteter Gebrauch. Mit dir eilt' ich zugleich ins Mittel der Gefahr, Schleg. z) Figürlich, (a) Sich in das Mittel schlagen oder legen, in das Mittel treten, eine streitige Sache zwischen zwey oder Mehrern Personen beyzulcgeu, zu vergleichen suchen. (S. Mittelsperson, Mittler und Vermittler.) "(b) Eine wirkende Ursache, so fern man sich ihrer zuvErreichung einer Absicht bedienet. «)Übcc- haupt. Alle Mittel und Wege versuchen. Ich weiß kein Mittel mehr, dieses abzuwenden. Sich durch unerlaubte Nittel bereichern. Etwas durch Mittel zu erreichen suchen, wofür doch mittelbar üblicher ist, im Gegensätze des ohne Mittel, oder unmittelbar. So fern die wirkende Ursache, deren man sich bedienet, eine Person ist, wird sie die Mittelsperson genannt. (S.auch Hülfsmittel.) A In engerer Bedeutung. (i)EinArze-- neymiLLel, ein Mittel, die verlorne Gesundheit wieder herzustel- leu. Ein Hausmittel, Brechmittel , Laxir-M ttel u.s.f. Ein kräftiges Nittel wider das Fieber. Allerley Nittel gebrauchen. (2) Vermögen, Neichthum, welcher auch im Spanischen !V 1 e 6 i os heißt; nur allein im Plural und am käustgsten jm gemeinen Leben. Gute Nittel haben, ein gutes Vermögen. Dazu habe ich die Mittel nicht. In noch engerer Bedeutung, gutes, hinreichendes zeitliches Vermögen. Bey Mitteln seyn. Zu Mitteln gelangen. S. auch Bemittelt. Anm. Dieses Wort ist mit dem Latein. Medium genau verwandt, von welchem cs nur in der Ablettungssylbe verschieden ist. Es ist aus mitunter, Menge, Verbindung, oder mitten, und der Splbe—el zusammen gesetzt. In den meisten der folgenden Zusammensetzungen ist die erste Hälfte nicht so wohl dieses Hauptwort, als vielmehr das vorige Beywort mittel. Die Mtttelaöer, plur. die— n,bey einigen Zergliederern, diejenige Ader, welche unter dem halb Latein. Nahmen der Medran- Uder am bekanntesten ist, S. Medran. Das Mittelalter, des — s, plur. inus.das mittlere Alter, welches zwischen der Jugend und dem hohen Alter in der Mitte ist, das männliche Alter. Die Mittelante, plur. die — n, eine Art wilder Änten von mittlerer Größe, wohin so wohl die ?.uas ruedioaris als die so genannte Schnarrame, tire- psragehören , welche beyde den Nahmen der Mittel- Mtten führen. Die Mittebart, plur. die —en, eine Art, welche zwischen zwey andern Arten in der Mitte ist, von Heyden gleich weit entfernt ist, aber doch von bey den etwas merkliches an sich hat; eine Basiard- art, (S. dieses Wort.) So sind die Maulesel eine Mittelart zwischen den Pferden und Eseln. DasMittelband, des — es,-plnr. die —bänder, einander Mitte befindliches Band. An den Dreschflegeln ist das Mittelband, ein ledernes Band, vermittelst dessen die andern Flegel und der Ruthe befindlichenKappen verbunden werden. Air dem groben Geschütze ist es ein B and oder Gürtel zwischen dem hin« Lern Friese und dem Stabe des Mundstückes, welches auch Hey Mttttlgiiktel heißt. - > Mlt 2/s4 Mittelbar, — er, — ste, adj. et adv. I) Was durch Mittel, d. i. durch gebrauchte wirkende Ursachen , ist oder geschiehet, die wirkende Ursache sey nnn eine Person oder Sache; im Gegensätze des unmittelbar. Die mittelbare Hülfe Gottes, zu deren Erweisung sich Gott anderer Personen oder Dinge als wirkender Ursachen bedienet. 2 )In weiterer Bedeutung. Mittelbare Reichs- stände, welche höher« Reichsständen unterworfen find, im Gegensätze der unmittelbaren, welche niemanden als dem Kaiser und Reiche unterworfen sind. Das folgt nur mittelbar daraus, durch Hülfe anderer daraus hergcleitcten Schlüsse. Der mittelbare verstand einer Rede, welcher nicht so wohl durch die Worte, wie der unmittelbare Verstand, als vielmehr durch die mit den Worten bezeichnten Sachen hervor gebracht wird, und auch der figürliche, der geheime verstand heißt. Die Mittelbarkeit, plur. iuuü die Eigenschaft einer Sache, nach welcher sie mittelbar ist, in beyden Bedeutungen dieses Wortes. Der Mittelbaum , des — es, plur. die —bäume. >) Ein Baum von mittlerer Größe. Im Forstwesen stehet der Mtttel- baum zwischen einem angehenden Baume und zwischen einem Hauptbaume m der Mitte. 2) Ein i,r der Mitte befindlicher Baum. ' Der Mittelb e g riss, de« — es , plur. die—e, in der Logik, ein Begriff, welcher zwischen zwey andern verwandten Begriffen in der Mitte stehet, die Verbindung derselben ausmacht. Besonders wird bey den Schlüffen derjenige dritte Begriff, aus welchem die Verbindung des Subjektes und Prädieatts mit dem Schlußsätze erweislich ist, und welchen die bevden Vordersätze nur einander oemein haben, der Mittelbcgriff, und noch häufiger das Mn- telglicd, Lat. Uledrus lermiuus, genannt. Das Mrttelbem, des —cs, piur. die —e, ein zwischen zwey andern in der Mitte befindliches Bein. So wird bey den Bienen das zwcyte Paar Beine die Mittclbcine genannt. Die Mittelharte, inul.im Bergbaue, in derMitte zwischen zwey andern liegende Berac, d. i. Erd- oder Sreinarten. In dem Hohenstcinischcn Flötzgebirge sind dieMittelberge ein schwarzer, gemeiniglich thoniger und am Gehalte armer Schiefer, welcher zwischen der Rammschale und dem Dache liegt. D lehrt u. s. s. Der Weg ist mittelmäßig gut. Unschuld ohne Verstand ist ein sehr mittelmäßiger Schatz. Ein mittelmäßiger verstand. Dieses Wort zeiget nur überhaupt etwas an, j was weder groß noch klein, weder viel noch wenig, weder gut noch böse u,s. s. genannt zu werden verdient, dagegen sich das Bcywort mittler näher und bestimmter ans die zwey Extrema beziehet, zwischen welchen das Ding von mittlerer Beschaffenheit in der Mitte stehet. Mttclmäßig leidet eigentlich keine Komparation, wenn es abcrznwcilcn mit dem hervorstechenden Rebenbegriffe der geringen Beschaffenheit gebraucht wird, da ist cs derselben gar wohl fähig, besonders aber des Superlativs. Der mittelmäßigste Verstand. Niederst nuddelsarig, midfarig, Schwed. meckelmatNA. Die Mittelmäßigkeit, xlur. car. bcr Zustand, da ein Ding mittelmäßig ist« DerMLttelmast, des — es,x>lur. die —e, aufdendreymaftigen Schiffen, der mittelste Mast, welcher, weil er zugleich der stärkste und höchste ist, auch der große Mast genannt wird. Das Mittelmehl, des —es, xlur. ious. bcy den Bäckern und Müllern, ein Mehl, welches aus der Spitzklcyc, und von dem zum dritten Mahle durch die Mühle gegangenen Griese erhalten wird, und auch Aftermehl und pollmehl heißt. Es hält das Mittel zwischen dem gröber« Schrotmehle undfkürermGrics- meffle. Mitteln, verk, reZ. act. von dem Hauptworte Mittel, welches aber nur in den Zusammensetzungen ausmitteln, ausfündig machen, bemittelt, mit Mitteln, d. r. zeitlichem Vermögen, versehen, und vermitteln üblich ist, S. diese Wörter. Der Mittelpunkt, des—es, plur. die —e, der mittelste Punkt eines Körpers oder eines jeden Dinges, derjenige Punkt oder Drt, durch welchen eine Größe in zwey gleiche Theile getheilet wird; Gsntrum. Der Mittelpunkt der Größe, durch welchen ein Körper in zwey gleich große Theile gctheilet wird. Der Mittelpunkt der Schwere, durch welchen er in zwey gleich schwere Theile getheilet wird; der Schwerpunkt. Der Mittelpunkt der Bewegung, in der Mechanik, derjenige Punct, in welchem man sich die sänuntl.che Bewegung als vereinigt vorstcllet. Figürlich , auch dasjenige, wo sich mehrere Dinge einer Art vereinigen. Paris ist von je her für den Mittelpunkt des guten Geschmackes gehalten worden. Du lebst Hier im Mittelpuncte der Geschäfte. Sein (des Zärtlings) eigenes Selbst lst der große Mittelpunkt der Schöpfung, für ihn ist alles, zu seinem Vergnügen müssen alle Geschöpfe da sepn, Dusch. DerMittelrabe, des— n, plur. die —n, S. Brühe. DasMittelrad, des —es, plur. die —räder, das mittelste Rad unter drey oder mehrern. Zu den Uhren ist es ein Rad mit sechzig Zähnen, welches das Steigerad in Bewegung setzet. Die Mittelrast, plur. die—en, diemittelsteRast oder Ruhe an dem Schlosse eims Feuergewchres; zum Unterschiede von der vor- dcr^gst und Hintcrräst. Der Mittelreif, des —es, sckur. die —e, der mittelste Reif unter drey oder mehrern/ A", den Kanonen ist es ein Reif, oder M l t Stab mit zwey Plättchen, womit das Stück i-mten ben demZürrd, loche verzieret wird. Der Mittelriegel, des —s, plur.ut vom. stnA. ein in der Mute bestndlicherRiegel. An den Laffeten sind es Zimmerstücke, weiche die Lüffete in der Mitte zusammen halten. Der Mittelring, des—cs, piur. die —e, der mittelste Ring unter drey oder mehrern, z. B. auf der Nabe eines Rades, der Ring neben dem Bocke. ' Der Mittslri.cken, des —s, plur. ut now. livg. inder LünH- wirchschaft, der mittelste erhabene Theil eines Ackcrbeetcs. Das Mittelsalz, —cs, p!ur. doch nur von mehrern Arten, die — r, in dar Cbymie und Naturgeschichte, eine Art des Salzes , welches aus der Verbindung des säuern und laugcnartigen Salzes entstehet, und wohin dasgemcine Kochsalz, das Steinsalz, das Kreidensalz, das Bittersalz,, und der Salmiak gehören. Dar Mittelscyild, des—es, plur.die— e, in der Mapenknnst, ein in der Mitte eines größern liegender kleinerer Schild. Der Mittelsctzlay, des—es, plur. ivul. die mittlere Art oder Gattung. Ein Pferd vom Mittelschlage, welches weder zu groß noch zu klein ist. Jngleichcn ein Ding von dieser Mittlern Beschaffenheit» Mer in großen Städten nicht unbekannt sterben will, muß entweder ein sehr großer, oder ein sehr kleiner Mann fern; Mitkelschlag wird gar nicht geachtet. S. Schlag. Der Mittelschlamm, des—rs, plur. ious. im Hüttcnbauc, ein . Schlamm von mittlerer Beschaffenheit, welcher zwischen dem Haupt- oder Röschschlamme und dem Sumpfschlamme in der Mittelst. Daherder Mittelschlammherd, von welchem der Mil- - telschlamm erhalten wird, und welcher eine Neigung von l 0 Graden hat. S. Schlamm. Der Mittelschlich, des-—es, plur. doch nur von mehrern Arten, die — e, ebendaselbst, ein Schlich von mittlerer Beschaffenheit. Die Mittelschnepfe, plur.die—n, eine ArtSchncpfen von mittlerer Größe, welche sich gern an sumpfigen Drtern aufhäit, und kleiner als die Waldschnepfe ist. Das Mrttelschrot, des—es,x!ur. doch mir von mehrern Artem die—c, bey den Jägern, Schrot von mittlerer Größe, der' gleichen das Hascnschrot »nd Hühnerschrot ist. Der Mittelsmann , des — es, plur. die — männer, und — leme, S. das folgende. Die Mittelsperson, plur. die— en. 1) Eine Person, so fern sie ein Mittel ist, dessen sich eine höhere wirkende Ursache zu Erreichung einer Absicht bedienet. 2) Eine Person, welche eine Sache vermittelt, zwey streitige Parteyen vereiniget; ein Mittler, Vermittler, im gemeinen Leben einSchiedemann, Mittelsmann, welches auch vonPersoneu weiblichenGeschlechtes gebraucht wird; im Mittlern Lar. iVlettiator, Llvckius. Mittelst, uckv. welches nur noch hin und wieder im gemeinenLeben für das gebräuchlichere vermittelst üblich ist, für durch das Mit, tel, durch Hülfe, mit Hülfe. Mittelst einer Leiter auf das Dach steigen. Mittelst göttlicher Hülfe. (S. vermittelst.) In immittelst bedeutet es indessen, S. dieses Wort. Mittelst scheinet für mittels zu sichert. Mittelste, a 6 j. welches in der adverbischcn Form nicht üblich ist' S. das Beywort Mittel. Der Mittelstand, des — es, plur. ivus der mittlere Zustand einer Person, besonders in Ansehung des Vermögens und des bürgerliche» Ranges, derjenige Stand, welcher zwischen reich und arm, zwischen vornehm und geringe in der Mitte ist. Der 249 Der Mittelstes, des—es, plur. die — e, der mittelste Steg. Bey den Buchdruckern ist es der breiteste Steg in den meisten Formate«, in der Mitte der Form der Lange nach. Der Mittelstem, des —es, plur. inul. im Hüttenbane, der rohe noch Ein Mahl durchgestochenc und geschmelzte Stein, welcher bey Schmelzung der Kupfererze erhalten, und nachmahls im Rösten wiederum fünf Mahl zugebrannt wird. Die Mittelstimme, plur. die —n, in der Mustk, die zwischen dem Discante und dem Basst befindlichen Stimmen, dergleichen der Alt und Tenor sind, von welchen jener die hohe und dieser die tiefe Mittelstimme genannt wird. Die Mittelstraße, ptur. die—n, eigentlich die mittelste Straße unter dreyen, in welcher Bedeutung es aber nicht so üblich ist, als in der figürlichen, das Mittelzwischen zwey äußersten Graden zu bezeichnen; der Mittelweg, welches doch nicht so gebräuchlich ist. Der kluge Mann halt die Mittelstraße zwischen einem Verschwender und Rnauser. Auster Mittelstraße bleiben. Die Mittelstraße verlassen, sich von derselben entfernen. Der Mrttelstrrch, des — es, plur. die—e, ein von einigen Sprachlehrern cmpfohluesWort, dasLi^llurnLonjunctionis, d. i. denjenigen Strich zu benennen, vermittelst dessen zwey zusammen gesetzte Wörter mit einander verbunden werden, z. B. Hof- Marschall, oder Hof-Marschall. Die Mrttelttefe, plur. von mehrern Arten, die —n, die mittelste Tiefe, die Tiefe in der Mitte eines Dinges. Die Mittel- . tiefe eines Fasses, welche auch die Gpuudticfe genannt wird. Jnglkicheu die mittlere Tiefe, welche zwischen einer großen und gerittgrrn Tiefe i« der Mitte ist. Die Mitteltinte, plur. die—n, bey den Mahlern, ein für Mittelfarbe übliches Wort, S. dasselbe. Das Mitteltreffen, des — s, plur. ut noin. bey einem in Schlachtordnung gestellten Kriegsheere, der mittelste Theil des Hauptheeres, welcher sich zwischen den beydenFlügeln in derMille befindet. Zngleichen, der zwischen dem Vordertressen und Hintertreffen befindliche Thcil eines Heeres , welcher gleichfalls den vornehmsten Thcil desselben ausmacht. Bey einigen Oberdeutschen Schriftstellern, der Mittclhaufe, Schlachthaus«?. Das MitteltüH, des—es, plur. die — tr'icher, Tuch, oder ein Tuch von mittlerer Güte, Beschaffenheit oder Größe. Zm Jagdwesen halten dieMitteltucher, deren es wieder hohe und schmale gibt, die Mitte zwischen den hohen Tüchern und zwischen den Lauftüchern, da sie denn colleclive auch der Mittelzeug genannt werden. Die Mittelursache, plur. die — n. 1) Eine wirkende Ursache, so fernste von einer höhernzn Erreichung einer Absicht gebraucht wird; das Mittel, und wenn es einePerson ist, die Mittelsperson. r) Eine Ursache oder Beweguugsgrnnd, welche sich zu her höchsten Ursache als ein Mittel verhält. Der Mittelwall, des—es, plur. die— wälle, im Festimgs- baue, derjenige Theil eines Walles, welcher zwey Bollwerke mit einander verbindet, der zwischen. zwey Bollwerken befindliche Wall; der Zwischcnwall, und mit einem Französischen Knnst- worte, die Tourtine. Die Mittelwanö, plur. die—wände, die zwischen den Außenwänden eines Gebäudes befindlichen Wände. - Der Mittelweg, des—es, plur. die—.e, S. Mittelstraße. Der Mittelwegerick), des—-es, plett. inuf. eine Art des We- gerichcs von mittlerer Größe; uiLclisf,. Das Mittelwerrig, des—es, plur. inul. verderbt Mittelwert, im Flachsbaue, dasjenige Werrig, welches diezwepte He- cßel gibt, und welches eigentlich Heede ist. Mit sLo, Der Mitkelwinö, des — es, plur. die-—e, ein zwischen zwey Hanptwinden befindlicher Wind, der Zwischenwind, dergleichen Nordost, Nordwest, Südost und Südwest sind; zum Unterschiede von den Haupt- und Nebenwindcn. Das Mittelwort, des—cs,plur. die—'Wörter, t) In der Sprachkunst, eine Art Wörter, welche zwischen den Zeitwörter» und zwischen den Nennwörtern das Mittel halten, von mittlerer Beschaffenheit sind, Beywörter, welche die Nebenbedeutung der Zeit haben, und vonZeitwörtern Herkommen; hat. k>Lrkiciplum. Ruodepert, ein Oberdeutscher des ykenJahrhuudertes, übersetzte das Lat. karttcipium sehr buchstäblich durch lelluemüLZZ. 2) Zuweilen auch ein Wort, welches der Intrusion, der Bedeutung, der Würde nach u. s. f. zwischen zwey andern das Mittel hält. So kann man sagen, ermahnen ist ein Mittelwort zwischen bitten und befehlen. 3) In der Moral, eil» Wort, s, fern es eine gleichgültige Sache bezeichnet, eine Sache, welche an sich weder gut noch böse ist; Voeabululn zü.ea'sr,. Der Mittelzahn, des—es, plur. die—zähne, bey den Füllen, diejenigen Zähne, welche sie im z-z Jahre anstatt dcrVvr- schieber bekommen. Auch die zwischen den Zangen, oder zwey vordernZähnen,nnd zwischen denEckzähnen der erwachftneuPfer- de in der Mitte befindlichen Zähne werden Mittelzähne genannt. Das Mittelzelchen, des — s, p!ur. ut nom. bey den.Zä- gern, dasjenige Zeichen einer Hirfchfährte, welches einem Tritte gleicht, und entstehet, wenn der Hirsch mit .dem hintern Fuße in den vordem eintritt, doch so, daß der Tritt nicht genau eintrifft. Die Mittelzent, plur. iuuf. in einige» Oberdeutschen Gegenden, eine Art der Zent oder Gerichtbarkeit, welche das Mittel zwischen der Ober-und Nicderzent hält, und auch die Fraißzem genannt wird. S. Frarß und Zenr. Der Mittelzeug, des—^ es, plur. doch nur von mehrern Arten, öle —e, Zeug von mittlerer Beschaffenheit. Im Jagdwesen werden auch die Mitteltücher der Mittelzeug genannt. Der Mittelzweck, des —es, plur. dre — e, siche Mittel- endzweck. Mitten, ein Nebenwort des Ortes, in der Mitte, welches alle Mahl ein Vorwort nach sich erfordert. Mitte» in der Stadt wohnen. Mitten durch den Fluß gehen. Etwas mitten eur- zwey brechen, es mitten durch schneiden. Mitten unter dem großen Haufen seyn. Mitten von einander ehesten. Mitten am Himmel stand die Sonne, Jos. io, »z. Ich sterbe mitten unter den Edlen, welche ihr Blut für die Wohlfahrt ihrer Mitbürger vergossen haben, Gouuenf. Edle Seelen entdecken einander mitten in dem Gedränge der Welt, Gell. Ohne Vor- wortmach sich ist eS in der anständigen Schreibart der Hochdeutschen veraltet; wo die Enden mitten zusammen stoßen, besser in derMitte. Auch für das gemeine mitten rnne sagt man lieber in der Mitte. Ehedem sagte man auch inmitten für mitten unter, bey dem Ottfried in milden, welches im Hochdeutschen gleichfalls veraltet ist. . - In mitten solcher Last ist dennoch fein Ergötzen, Opitz. — In mitten Furcht und Schämen, ebend. Dieses Vorwort lautet schon im Isidor mittem. Die Mitternacht, plur. die—nächte. l) Der mittelste Theil der Nacht, die Stunde von zwölf bis eins m der Nacht. Um Mitternacht. Es ist Mitternacht oder um Mstkernacht. vor Mitternacht. Nach Mitternacht. wie oft Hab ich nach dir mitbangcm Sehnen Die Mitternacht verseufzt.' Weiße. 2) Diejenige Himmelsgegend, welche Mittag gegen über liegt und Abend zur Rechten, Morgen aber zur Linken hat, derjenige Punct des Horizontes,wo er von demhalbenMrttagSzirkel dnrchschnirte« ,Q z wird wird, worein die Sonne um die Mitternacht kommt, ohnePlural; Nord. Der wind kommt aus Mitternacht. Gegen Mitter- sacht wohnen, liegen, reisen. Anm. Bey demKero mitli!o6i Nabt, bcy spätrrn Oberdcut- schen Schriftstellern mitte Nicht, Nitnacht, und noch jetzt in der Schweiz Mitnacht, im Niederst Midnagt, ftm Dän. Midnat, im Engl. iVIiclnixbt. Unser Mitternacht scheint vermittelst der gewöhnlichen Verwechselung des l und r ausNittelnacht entstanden zu seyn. Mitternächtig, ackj. er arl v. i) Was um Mitternacht ist oder geschiehst. Der mitternächtige Schftrmmer. s) Gegen Mitternacht liegend, wo auch die LomparationStatl findet, —er, —,ste. Die mitternächtigen Lander. In dieserBedcutüNg ist dafür auch mitternächtlich üblich, so wie man auch nördlich, mittäglich, östlich u. s. f. sagt. Aber mitternächtisch, die mitternachtische See, Opitz, ist im Hochdeutschen veraltet. Die Mitterncrchtsstunde, plur. die—n, die Stunde derMit- tcrnacht, die Stunde von zwölfbis eins in der Nacht. Die Mltternachtötchr, plue. die—en, in der Sonnenuhrkunst, eine Sonnenuhr, welche auf einer gegen Mitternacht gelegenen Fläche angebracht wird. D er Mieterncrchtswind, des—es, plur.die - e, ein Wind, welcher ans Mitternacht kommt; wofür doch Nordwind üblicher ist. Die Mitternachtszeit, piur. ivul. die Zeit der Mitternacht, oder um Mitternacht. Die Mittfasten, lrnZ. inust. eine im Hochdeutschen selten gewordene Benennung dcrMittc der Fasten. Der Sonntag nach Nitt- fasten, der Sonntag Lätare. Niederst Midfasten, wo man auf ähnliche Art auch Midsommer, Middenfommer und Middewin- 1 ur. die — n, die eingeführte Art des Verhaltens "n gesellschaftlichen Leben, die Sitte, Gewohnheit; und m en- M 0 d LL4' germ Verstände, die veränderliche Art der Kleidung und der Anordnung alles dessen, was zum Schmucke gehöret, wofür man ehedem auch das Wort Weise gebrauchte. Sich nach der Mode kletden. Eine Mode mitmachen. Lassen sie sie die gottlosen Moden in Rleidern nicht mitmachen, Gell. Eine neue Mode ülifbriugcn. Es ist die Mode so. Die Mode bringt es s» mit fich. Ans der Modekommen. Las Rleid ist nicht nach der Mode gemacht. Bey der alten Mode bleiben. Wo es zuweilen, auch in Gestalt eines Neberuvortes gebraucht wird. Lieser Nopfpntz ist nichtmehr mode, d. i. gewöhnlich, üblich. E« wird bald wieder Mode werden. Anm. Es rst ans dem Franz. Blocks entlehnet, welches wiederum von dem Lat. iVlockus, die Art und Weise, abstammrt. Indessen hat es doch schon dasBürgcrrecht im Deutschen gewonnen, zumahl da die meisten Deutschen seit langer Zeit in der Art der Kleidung und des Schmuckes eben so veränderlich sind, als die Franzosen. Man kann mit diesemWorte allerlevZnsammenfttzun- gen machen, so Wohl Dinge zu bezeichnen, welche Mode find, Modewörter, Modetracht, Modekleidnng, Modezeng u. s. f. als auch Personen , welche sich nach der Mode bequemen, dieselbe zu beobachten und bey andern zu beförderwsuchen,einModeschnei- der, Modedichter, Mobepredrger u. s.f. S. auch Modisch. Der Model, des — s,^)>ur., utuvm. tln F. ein Wort, welches in den bildendenKünsten, und bey einigenHandweckern, besonders in einer dreyfachen Bedeutung üblich ist. Es bedeutet nähmlich, 1) Ein Maß ; in welchem Verstände es doch nur bey den Säulen- ordimngkn vorkommt, wo inan das Maß, nach welchem man alle Glieder und Theile der Drdnnngen und ihre Weiten von einander auszumcffen pflegt, den Model nennt. 2) Eine Figur, ein Bild; eineBedeutiittg,welche besonders bey denNähterinnenund Webern angelroffen wird. Allerley Model in ein Tuch nahen. Indessen ist das Zeitwort modeln in diesem Verstände üblicher, (S.dasselbe, ingleichen Modeltuch.) Z) Eine vertiefte Form, einen andern Körper darein zu gießen oder zu drücken, um ihm dadurch die verlangte Gestalt zu geben; eine Gießform, Form oder Patrone. Ein Gießmodel, einen flüssig gemachten Körper darein zu gießen, um ihm eine gewisse verlangte Gestalt zu geben. DerRnop.fmo- del, Rngelmodel, Blumenmodel u. s. f.^Knöpfe, Kngeln,Blrr» men darein zu gießen. Lev Töpfermodel, worein die Töpfer ihre Arbeiten drücken, wenn ste selbige bilden. Etwas in einen andern Model gießen. Im Ztal. bstockello. Anm. So sehr dieses Wort auch mit dem Latein, ^ociulus überein kommt, so ist es doch wahrscheinlicher, daß es mit demsel- chcn ans einer gemeinschaftlichen Duelle berkommt, als daß es unmittelbar von demselben abstammen sollte. In der letzten Bedeutung gehöret es zu dem Geschlechte der Wörter Muth, ein Dberdentsches Maß, Mutter, ein vertiefter Raum, dem Lat. lelockius, dem Mittlern Lat. IVIockoilus, ein Lägel, Gefäß, und anderer dieser Art. Da die Wörter, welche eine Vertiefung bezeichnen, gemeiniglich auch eine Erhöhung bedeuten, so erhellet daraus zugleich die Verwandtschaft mit dem m ttlern Lat. iVIockuIus und Franz, kloule, ein Holzhausen von bestimmter Größe, dem Deutschen Mandel, N rlter u. a. m. In der ersten Bedeutung eines Maßes scheinet es zunächst zu messen, Nieders. meten, und dessen Hanptworte Mae, *däs .Maß, zu gehören. An beyden Fällen bedeutet die Ableitungs- sylbe —cl, ein Werkzeug oder Subject. S. auch Modell und Muster. -..-. ' - Das Mödelbret, des-—es, xlur.dr'e—er, in den Stückgieße- ' reyeu, ein an einer Seite miteinem eisernen Bleche beschlagenes Bret, worein die Friesen nndStärke des Merallcs eingcfeilr sind, und welches auch das Zormöpek genannt wird. -Da» 1 LLA Mod *Das Mööelyeev, des—es, piur. luus. im gemeinen Leben einiger Gegenden, besonders Oberdeutschlandes, ein Nähme des Rreuzkrautes oder der Reeuzwurz, Zevecio vui^srls l,, welches anch Baldgries, Sperenstich u. s. f. genannt wird. Das Modell, des—es, piur. die—e, in der weitesten Bedeutung, ein jeder Gegenstand, welcher nachgeahmet wird, besonders, welcher in den bildenden Künsten nachgeahmet wird. So ist der ^nackte Mensch.nach welchem in denMahltrschnlengcmahlet wird, das Modell des Mahlers. In engerer Bedeutung ist es ein nach dem verjungtenMaßstabe verfertigter kleinerKörper,welcher einem glößern ähnlich ist, oderwornach ein größerer verfertiget wird. So verfertigen sich die Bildhauer solche Modelle von Wachs, Thon, Gyps u. s. f. ihre größeren Werke darnach auszuarbeiten. Das Modell eines Hauses, einer Muhle, einer Maschine u. s. f. eine körperliche Vorstellung derselben imKleinen. Aum. Die imDeutschen sonst ungewöhnlicheVerlegnng des Tones von der Stammsylbe beweiset, daß dieses Wort zunächst anS dem Franz. Hlockeie, welches wiederum von dem Lat. Lstocluius abftammet, oder vielmehr mit dem obigen Model Eines Geschlechtes ist, entlehnet worden. ZmEngl. lautet dieses Wort i^loulä, und da stammet es zunächst von Model, Mulde, Malter und so ferner ab. Moöelliren, verb.reA.act. etusutr. ans demFranz.moäeier, ein Modell machen. In Thon, in Wachs modclliren, ein Modell aus Thon, aus Wachs verfertigen. Jngleichessso viel als abforrnen, Franz, rnouisr. Eine Bildsäule modelliren. L ieModellsunst, piur. inuss die Kunst Modelle zu machen, und in weiterer Bedeutung, die Kunst andere Körper abzuformcn, oder überhaupt, die Kunst zu formen; bep den Alten mit einem Griechischen Kunstworte kiuüiee. Der ModöNmächer, des—s, xlur. ut vom. kioZ. ein Künstler, weicher Modelle macht, d. i. nach dem verjüngten Maßsiabe kleinere zusammengesetzteKörper verfertiget, welche größer» ähn- lieh sind. Bestehen dergleichen Modelle ans Tischlerarbeit, so wird der Verfertiger derselben ein Modelltischler genannt, und wenn sie aus hohl gearbeitetem Holze bestehen, ein Modellschncider. Modeln, verb. reZ. uot. von dem Hanptworte Model, so fern dasselbe, in der zweyten Bedeutung, die Figur und Gestalt eines Dinges überhaupt bedeutet, i) Mit Figuren versehen, besonders bep den Webern. Gemodeltes Band, im Gegensätze des glatten. Ein gemodelter Zeug, dergleichen z. B. der Damast ist. Zeug, Leinwand modeln. Gemodelte Buchstaben, bev deuSchrift- gießern, Schöuschreiberu, mit Figuren versehene Buchstaben. 2 )Eme gcwisseGcstalt gebe». Die Fregatten zur schnellen Fahrt > modeln, ihnen einesolche Gestalt geben, welche zu einer schnellen Fahrt bequem ist. 3) In noch weiterer und figürlicher Bedeutung, bilden überhaupt. Die Sucht, uns nach dem Gallier zu modeln. Nun modelt Frankreichs Witz, das ganze Deutsche Reich, Utz. Das' Hauptwort die Modelung kommt selten vor. Ehedem bedeutete es auch ein Vorbild. S. Model. Der Mööelschneider, des — s, piur. ut vom. 6v§. ein Künstler, welcher die Model oder Formen zu den Abdrücken oder Ab- giessen in Holz schneidet; der Formcnschneiber. Dao Mödeltüch, des—es, piur. die—tücher, bey denNäh- terinnen, ein Tuch,worein fic Buchstaben, Figuren,Muster u. s. f. nähen, damit ihnen solche in vorkommenden Fallen zum Muster dicnentönncn. L er Moder, des—s, piur. doch nur von mchrern Arten, ut ' vorn. ltvZ. ein mit Wasser vermengter fester Körper, im veracht, lrchen Verstände, dergleichen z. B. dicker Schlamm, der Boden- Mod t ' 2L6 satz flüssiger Körper, mit Wasser vermengte Erde u. s. f. sind. Zu Moder werden, verfaulen. Im Bergbauewird eine staubige, oft. feuchte Materie, welche dem Letten ähnlich ist, Moder genannt. Für Koth auf den Gassen oder Felde nach einem starken Regen, ist es nur in dem gemeinen Mundarten besonders Niedersachsen» üblich. < Anm. Im Rieders. Modder, Mudder, Mudde, Made, Mae, im Holland. Istoäöer, im Engl, l^luck, im Dän. Mudder, im Schwed, ^lockel, Iloelckei, im Finnland, bkluts, im Ira!, klora. Es gehöretzu einem weitläufigen Geschlechts von Wörtern, in welchen der Begriff der Feuchtigkeit, der Weiche, und des Schmutzes der herrschende ist, dergleichen z. B. das Lat. lVIsckor und mackickus, das Griech. MLcleo, unser Moor, Morast, Made, Morh, Muddig, Schmutz, beschmitzen, Uluß, u. s. f.das Franz.moüe, zeucht, nass, das Wallifische mrv/tii,weich,und wrvs,faul,und andere mehr find. Schon irr der alten Ägyptischen Sprache war >VIot, ^-lout, Schlümm,Fettchtlgkerr.DasWorlMutker,so ftru es von denHefen desWeittes,Esslges oderÖhles gebraucht wird,ist nur eine verderbte Aussprache uusers Moder, S. Mutter. Das Modererz, des —cs, piur. doch nurvou mehreru Arten, die—e, in einigen Gegenden dasjenige Eisenerz, welches an manchen .Orten in einem moderigen, d. i. morastige» und sumpfigen Boden gefunden, und daher auch Gumpfcrz, Morasterz, Wie- ftners und Moraststeinc geuamit wird. Der Moderhamen, des - s, piur. ul oam. linZ. ein Hamen, d. i. ein Netz, an einem eisernen Ringe, den Moder,d. i.Schlamm, aus den Gräben, Canälen u. s. f. damit zu ziehen z Rieders. Muds derhamcn. Moderig, — er, — sie, ackj. et aäv. O Moder enthaltend, aus Moder bestehend. Ein moderiger Boden. Moderiges Wasser. Das Rieders, modderig und Holland. mostäomZ, wird auch für kochig und schlammig gebraucht, in welchem Verstände aber dasHochdeutsche ungewöhnlich ist.Am häufigsten,ajdemMo- der ähnlich, besonders dem Geschmacke und Gerüche nach. Der Fisch schmeckt moderig. Das Wasser riecht moderig. I» den gemeinen,besondersNiederfächfischeuMundartenist das verwandte muddig in ähnlicher Bedeutung üblich. S. dasselbe. DLe Modermichle, piur. die—N, eine Maschine in Gestalt ei.' ner Mühle, mit Flügeln, welche von dem Winde beweget werden, den Moder oder Schlamm damit aus den Grüßen und Leichen zu mahlen; Rieders. Muddermolc, Holland. Ilociciermkuls. Modern, verii. reß. neutr. mit dem Hülfsworte haben, zn Moder werden, sich in Moder auflösen, von festen Körpern, wenn sie durch die Fäulniß anfgelösct werden. DieLciche modert schon. S. vermodern. ^ Modern, —er, —sie, nckj. et aäv. aus dem Mittlern Lat. m u- clsrvus, Franz, mockerve, den neuesten Sitten, dem neuesten Geschmacke, der neuesten Mode gemäß; im Gegensatz dcS antik oder veraltet. Der Moderprahm, des — es, piur. die — e, oder der Moder- prahmen, des —s, piur. ur uom.üvA.iir den niedligen Ländern an der See, ein Prahmen, d. i. niedriges staches Fahrzeug, den Moder oder Schlamm aus den Canälen wegzufiidcen. Das Moderwasser, des—s, piur. ivus. ein mit vieler Erde vermischtes Wässer. In engerer Bedeutung ist es ein solches moderiges Wasser, welches über einem lchniigemBoden stehet; zum Unterschiede von dem Bruchwasser oder Moorwasser, welches über einem Torfboden sichet. Beyde sind Arten des Gumpf- wassers. Die Modesucht, piur. car.die Sucht, d. i. ungeordneteBegierde, dir Modr zu beobachten. Modisch, Modisch/ -— er, — ke, ach. et aclv. der Mode gemäß; nerz- modisch. Sich modisch kleiden. Neue modische Stoffe, Zachar. Und spricht verwirrt etwas von einem modschenRleide, ebend. ^ Jngleichcn, die Mode beobachtend, derselben folgend. Ein süßer modischer Zerr. Modische Prediger. Der Mo-t, S. Morh. Mögen, verb. irr«?». neutr: Präs, ich mag, du magst, ermag, wir mögen u. s. s. Coni'unct. ich möge; Jmperf. ich mochte, (nicht mogre,) Conjunct. möchte; Mittelw. geznocht, (nicht ge- mogr;) Jmperat. welcher doch nur in der Zusammensetzung mit ver üblich ist, möge. Es erfordert das Hülfswort haben und bedenket so wohl können, als wollen. l. Können, r . Im weitesten Verstände, so wohl subjective, -ls objccrive, Kraft, Macht, Vermögen haben etwas zu thim. ^ möglich sey», durch keinen Widerspruch , durch keine wesentliche oder zufällige Einschränkung gehindert werden, zu seyn oder zu handeln; bep dem Kero bey dem Ottfricd mugun, Hey dem Ulphilas maZÄN, im Engl, ro im Schweb, m A, ehedem rntiZa. leli Aruills mit »elan»eckis lüifferi vis ict» vsrmiäeQ oiür vvil aoclr srimsc, Kaiser Heinrich. Das Land mochte nicht ertragen, r Mos. «z, 6. Wir mögen es überwältigen, 4Mos. »z,zi. Wie mag ein Mensch gerechter seyn, wie Gott e Hiob 4, * 7. Msg auch ein Blinder dem andern den weg weisend Luc. 6, Z 9. Ls mag die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen seyn, Matth. Z,t4. In dieser im Hochdeutschen veralteten Bedeutung istcsnochtm Oberdeutschen gangbar. Wie magst du dich allein zu einem Tobten wagen e weiter mögen meine schwankende Rnie nicht, Geßner. Aus welcher Mundart es auch noch einige Hochdeutsche Kanzelleyendeybehalten haben. Wir mögen euchhiermit gnädigst nicht verhalten. Es hat ihm solches nichtverdachr werden mögen. 2. Zn einigen engern Bedeutungen. 1) Macht, Gewalt haben; in welchem Verstände doch nur das sonst ungewöhnliche Mittelwort mögend noch in denTilein der Staaten oder Stände der vereinigten Niederländischen Provinzen üblich ist, welche den Titel mögende Zerren bekomnre», dagegen die Staaten der Provinz Holland grossmögende, die General- Staaten aber hochmögende Zerren genannt werden, s) Ursache haben etwas zu rhun; m der vertraulichen Sprcchart. Lu magst, dich immer in Acht nehmen. Er hätte cs immer thun mögen. Z) Erlaubniß haben etwas zu thun, durch den Willen des andern nicht gehindert werden; doch nur in einigen Fällen, besonders des gesellschaftlichen Lebens, wie find sie dazu gekommen, daß ich fragen wage Besonders mit einigem Unwillen. Ermag cs immerhin thun. Mager doch thun, was er will. Immerhin, mag er sie doch heirathen. Mag er doch den verdacht haben, Weiße. Mögt ihr doch hier machen, was ihr wollt. Da cs denn oft in die mit Unwillen verbundene Überlastung oder Dahrngebung in einen gewissen Zustand übergehet. Er mag Zusehen, wie er mit ihr zurecht kommt. Du magst nun auch versuchen , wie cs , thut. 4) Sevn, geschehen, oder erfolgen köunerr, von einer möglichen aber doch ungewissen Sache. Ich mag thun was ich will, so ist es nicht recht. Lu magst von mw verlangen, was du willst. Alles was du wünschen magst. Ja, ia, ste mag ein ganz gutes Gemüth haben. Wie mag das zugehen? Was km g doch diele Zubereitung bedeuten? Worin auch unsere Pachten bestehen mögen. Wo mag er so lange bleiben ? Was mag cs wohl kosten? Ich weiß nicht, was es kosten mag» Adel. W.B.Z.TH.s.Auß. Wem mögen sie zu Leibe wollen? So aufrichtig auch unser Zerz seyn mag, so wird cs doch ohne Geschmack und Gieren wenig Anmuth in dieFreundschaft bringen, Gonnenf. Wie mag es mit dem Rranken stehen ? L) Besonders, mit dem Nebenbegriffe der Gleichgültigkeit, von Seiten des Redenden. Es mag seyn. Mag doch unser vermögen an lachende Erben kommen. Es mag dabcy bleiben. Sie mögen bcyde kommen. Du magst. lachen oder weinen. Es mag seyn, wie es will. Die Leute mögen sagen , was sie wollen, er ist doch unschuldig. Du magst mir den Tod drohen, so oftdu willst. Mein Vater mag sagen was er will. Es mag kommen, zu was es will. Man mag gleich stumm und fühllos seyn, Man scy nur schön, so nimmt man ein, Gell. d. i. wenn man gleich stumm und fiihLcs ist. Ich mag kommen, wenn ich wrll, so hat sic ihre Andacht, ebend. Sie mögen euch nun auch noch so sehr hassen, so werdeich mich doch nie beklagen, cheud. Erl/atdie Sache angefangcn, so harre er sie auch zu Stande bringen mögen, ebend. §)Dft bezeichnet es nich.' so wohl eine entfernte, als v iclmi.hr eine nahe Möglichkeit, eine mögliche Sache, welche unn r gewissen Umständen leicht wirklich werden kann, oder werden können; da es denn im Conjuttfttvo stehet. Ich fürchte, er möchte kommen. Rommen sie, der Thee mochte kalt werden. Man möchte vor Ärgerniß des Todes seyn, Gell. Er mochte sonst gar nein sagen. Ich mochte mich zu Tode lachen. Ich hätte blutige Thrä'ncn weinen mögen, wir hätten uns mögen buMich lachen. Sie hätten für (vor) Furcht vergehen mögen , Weish. r/, 9. Dellen,- welche ei.-.en falschen Schluß daraus ziehen mochten, dienet zur Nachricht u. s. f. Still, man möchte dich hören. 7) Eben so oft wird es aber auch gebraucht, eine Vermmhuna, eine wahrscheinliche Möglichkeit anzudeutcn. Er mochte etwa zwanzig Jahre altseyn. Im Grunde mag sie ihn wohl leiden können , Weiße. Sie mögen ihr sehr gefallen, und sie mag es doch verbergen wollen. Gell. Er mochte nun wohl nicht mehr kommen, wie ich glaube, so mag es mit ihrer großen Frömmigkeit eben nicht so richtig seyn, Gell. Wie ich merke, so mag ihr diese Tugend sehr natürlich seyn, ebend. Sie mag ein gut Gemüch haben , ebend. Nun, nun, sie mag' artig genug seyn, Weiße. Ich möchte dieses Weges so bald nicht wieder kommen, Less. Er mag s- wenig Laurens Vetter seyn, als diese eine Witwe ist. Ein Esel mochte lüstern seyn, Und wollt auf essentlichen Gassen Sein lieblich Sümmchen Horen lassen, Nchttv. Wo cs zuweilen auch ironisch im entgegen gesetzten Verstände gebraucht wird. Und eine Frau ist ohne dem ein Lamm. — -— Lin Lamm ? da magst du Werber kennen, Less. L)Zngleichcn, den Optativum uiidConjunctivum auszudrucken, dä es denn dir Gestalt eines w/chren Hülfswortts hat; welches denn auch die meisten SprachMrer bervogen, dieses Zeitwort mit unter dir Hülfswörtcr zu setzen, ob cs gleich nur seinem kleinsten Gc-- brauche nach e«, eigentliches Hülfswvrt ist. Daß ich im Zause des Zerren bleiben möge, Ps. 2 7. Dass wir ein stilles Leben führen mögen, r Tim. 2, 2. Er Ihat es bloss , damit ich ihn loben mochte. Er bach mich, ich mochte doch kommen. Ich Wunsche, daß du unschuldig seyn mögest. Ich winkte ihm, daß er sich ruhig halten möchte. Wo mau sich irr der Harrern Schreibart des Zeitwortes sollen bedienet. Ich rierh ihm, daß er nicht hingehen sollte. Daher es denn 9) auch das eigentliche Amt dieses Ze-twortes ist) einen Wunsch auszudrucken «ud zu begleite», da es denn im Couiuuttiv» stehet, tmd zugleich di die 2Z9 ' Moz die Verbindung der allgemeiner» Bedeutung desAönnens mit der folgenden des woiiens ausmach:. Möchte ich nur sein Rleid anrübreu! Matth. 9. 21. O. daß ich ihn umarmen möchte! Möchte er doch kommen! Möchtest du doch glücklich seyn! Möehti-ch, ihr Götter, möcht ich meinenDank euch würdig singen! Geß». Ach, wenn die Leutenicht besser loben können, fo «lochten sie es doch nur gar bleiben lassen, Less. Möchte doch, euch zu erfreun, Sprach es, dieser schöne Stein Nur ein weitzc-nkörnchcn sepn, Hagel». II. Wollen, doch nur in engerer Bedeutung, Neigung, Lust haben, etwas zu thun, oder zu leiden; wo es auf doppelte Art gc- hraücht wird. 1. Im Jndicativo; wo cs doch nur in der harten Sprcchart des gemeinen Lebens üblich ist. Er h ätte es bekommen können, wenn er ce gemocht hätte. Am häufigsten mit der Verneinung. Graben mag ich nicht, Luc. >6, z. Ich mag es nicht, ich habe keine Lust, keine Neigung dazu. Ich mag cs nicht mehr essen. Ich kann und mag es nicht thun. Ich mag ihn nicht langer sehen. Derer mag ich nicht. Es. 1, 13, mit der zweytcu Eitrung ist im Hochdeutschen veraltet. Oft wird es aber auch in der ünsiäi.digern Sprecharr verneinender Weise in solchen Fällen gebraucht, wo man-Bedenken trägct, etwas zu thun. Ich mochte es nicht thun, d. i. hatte Bedenklichkeiten ^ es zu thun. ^Ich habe es nicht sag'N mögend s. Im Conjunctivo, mit dem Ncbenbegriffe eines Wunsches, in welchem Falle es auch der anständigen Sprechart nicht znwi- decist. Ich mochte wohl spazieren gehen. Ich mochte ein solches Zaus. Er möchte es schon haben. Du möchtest gern, aber du kannst nicht. Das möchte ich nun nicht gern, d. i, haben, thun, sehen u. s. f. Ich möchte es doch versuchen. Ich möchte sic jetzt b.eyde bepsammen sehen, Gell. Ich möchte doch wissen, was sie mir zu sagen hätte, ebend. Ich mochte gern, daß sie ein paar würden, ebend. Ich mochte wohl wissen, wie seine Umstände sind. Das Hauptwort dis Mö'gung ist völlig ungangbar, so wie auch Ser Imperativ möge nur allein i»vermöge üblich ist. Auch das Mittelwort der gegenwärtigen Zeit mögend ist ausserdem schon sbcn angezeigten Falle nicht eingcführet. Anni. r ^ Da dieses Zeitwort irregulär abgewandelt wird, so erhellet schon daraus, dass cs im Ganzen genommen, aus mehrern älteru Mundarten zusammen gesetzt ist. In einer dieser M»nd- ten muss es möchen gelautet haben, wie aus dem Jmperfect mochte und Mittelwort gemocht erhellet. Einige Sprachlehrer haben dieses ch in das g der übrigen Zeiten verändern wollen; allein sie haben nicht bedacht, dass die Veränderung des Tones in vielen alten Wörtern auch die Veränderung des folgenden Consonanten nach sich ziehet. So lange der Vocal gedehnt ist, ist ihm auch der gelinde Gaumenlaut g angemessen ; mögen, ich mäg, du magst; gehst er aber in den geschärften über, so verwandelt das g sich gleichsam von selbstin das härtere ch ; möchte, mochte, gemocht. Eben so kommt von trägen, Tracht, trächtig, von schlagen, Schlacht, von dem veralteten prägen, Pracht, u..f. f. Schon Otrfried, bey welchem dieses Zeitwort mu zun lautet, sagtim Jmperfect molibo. Wenit dieses Zeitwort mit demJnsinitiv eines ÄudernZcitwortes verbunden wird, und der Regel nach in einer zusammen gesetzten Zeit stehe»sollte, so wird es gleichfalls in den Infinitiv gesetzt; ein Umstand, welchen es mit den Zeitwörtern dürfen, können, lassen, hören, sehen, müssen», a. m. gemein hat. Ich Habe es nicht sagen mögen, für nicht sagen gemocht; du hättest es immer thun mögen, für gemocht. Stehet es aber für sich Mog 26s allein, so folgt cs der gewöhnlichen Form: ich habe es nicht gemocht. Anm. 2. Dieses alte und weit ausgebrcitctc Zeitwort lautet, besonders in der erstell Hauptbedeutung des Könnens, schon bep dem Ulpbilas maZao, bcy dem Kero ma^an, im Angels, gleichfalls mnALll, im Engl. rc> mav, im Schweb, wa, ehedem nanßn, im Island. meiZn, im Dän. maa und monne, im Daunat. mo^u, im Böhm.motiu, mitiu, moiti, im Pohln. rno^s. Im Nieder:', lauteres gleichfalls mögen, und in einigen Oberdeutschen Mundarten mügen. Es ist mit uuserm Macht, Böhm. iVIoc, dem alten michel, gross, Griech. pl>r>x«4, Lat. Magnus, genauverwandt. In Ansehung der zweycenHauptbedeutung gehöret auch das Griech. begehren, zu dessen Verwandtschaft. Im Niederdeutschen ist auch das Hauptwort Möge üblich, welches nicht nur Macht, Gewalt uud Vermögen, sondern auch sinnliche Neigung, Geschmack, Appetit bedeutet: über seine Möge essen, über sein Vermögen; elk sie» Möge, cüucun ä koaZout. S.auch vermögen. Mötzlich, — er, ste, ackj. et ackv. von dem vorigen Zeitworte und zwar von dessen ersten, weitesten Bedeutung, was seyn oder geschehen mag oder kann. 1 )Jn Ansehung der Sache ist im schärfsteil philosophischcü Verstände ein Ding möglich, im Gegensätze des unmöglich, wenn es keinen Widerspruch in sich enthält, cs sev mm wirklich da oder nicht'Ein hölzerner Teller ist ein mögliches Ding, nichtübcr cm sterblicher Gott, oder ein ledernes Eisen. Indem gemeiner: Sprachgebrauchs hingegen gebraucht man es auch in weilerm Verstände, von dem was unter gewissen Umständen seyn oder geschehen kann, und da ist oft eine Sache nicht möglich, wenn sie es gleich absolute oder an und für sich sehr wohl ist. Es istuicht möglich, daß er eine solche Niederträchtigkeit begehen sollte, d. i. nicht wahrscheinlich, schlechter- dinzs nicht glaublich. Eine mögliche Sache. Wo cs denn auch oft zur Begleitung einer Verwunderung gebraucht wird. Isis möglich k Wie ist dasmoglich? Zuweilen bedeutetes auch so viel wie wirklich, wo es doch nur adverbisch gebraucht wird. Ich will sehen, wie ich es möglich mache. 2) I« Ansehung der handelnden Person, oder subjektive, so wohl keinen Widerspruch mir den Kräften, den Fähigkeiten derselben enthaltend, als auch in Ansehung der Gelegenheit und äußern Umstände, was neben denselben bestehen kann. Es ist mir nicht möglich. Ich habe deiner Tochter alle mögliche Vorstellungen gethan Gell. Seinen möglichsten Fleiß anwcnden. So viel mir möglich ist. Thue dein Möglichstes, alles was dir möglich ist. Das Wasser möglichst abdämmen. Es wäre mir jetzt nicht möglich , gelassen mit ihm zu sprechen. Ihn Zwingt die mog- lichste Härte des Schicksals zu so niedrigen Dingen. Moralisch möglich, was durch kein Gesetz verbothcn ist, keinen Wider» spruch gegen ein Gesetz enthält. Anm. Niederst möglich, Dän. muelig. Bey den älteste« Oberdeutschen Schriftstellern sucht man dieses Wort vergebens. Ottfricd gebraucht dafür das verwandte mexi, Kero aber sankt, und Tatian oäi, Angelst ea6, eatii, welches noch in dem Engl, eas)--, leicht, möglich, und dem Franz, aile, wie auch in dem Niederdeutschen unnode, vielmehr unode, zusammen gezogen node, ungern, vorhanden ist. Das Niederst möglich wird auch für mäßig, billig, gebraucht, ein möglicher Schoß, ein mögliches Gelb, ein mäßiges, billiges; Lngleichen als ein Neben- wort für vielleicht, wie das Franz, peut - Lire« D!e Möglichkeit, plur. die — en , das Hauptwort des vorige« BeyworteS. r) Alsein Abstractum und ohne Plural, die Eigenschaft einer Sache, nach welcher sic möglich ist, in allen Bedeumn- ge« s6t Mvh gen desBeywortes. Es war keine Möglichkeit, daß er ihn hatte einhohlen können, Warum er unsre Welt vor tausend andern rief, Ais alles in der N-Acht der Möglichkeit noch schlief, Gieseke. Nach meiner Möglichkeit, so viel mir möglich ist, im gemeinen Leben. 2) Als ein Concretum, eiue mögliche Sache, dochum-in engerer Bedeutung, eine bloß mögliche Sache, im Gegensätze einer wirklichen. Das Reich der Möglichkeiten, bloß möglicherDinge. Der Mohn, des —cs, plur. doch nur von mehrern Arten, die_ ^ eine Pflanze mit einer gemeiniglich kugelrunden einfache, rigen Samenkapsel; kapaver Der wilde Mohn, welcher «uch Nlapperrose, Flitschrose, Lornrose, Feldmohn, Hornmohn u. s. f. genanntwird, t^apaver kboeas 1>. wohnt auf -en Europäischen Feldern unter dem Getreide und bat eine hochro- ihe Blnme. Der Gartcnmohn, welcher auch nur Mohn schlechthin heißt, kapaver lomviksrurnlü,. liefert in den wacmenLän- Lern das Opium, besonders der weiße gefüllte. Der stachelige Mohn, -XnAsmoae ist auch unter dem Nahmen des Ackermohnes bekannt, S. dieses Wort. Anm. Der Nähme dieserPflanz? lautet im Qberd. Mage, Magen, in den gsmeinenMnndarten so wohl Ober- alsNicderdentsch- landes Mahn, schon bcy dem Qttsried l>Iana, im Norweg. Mue, imBöhm.Pchln.und Wend.Llak, welches dem Griech. am nächsten kommt. Die anständige Hochdeutsche Mundart hat beständig Mohn , ungeachtet es nicht an Sprachlehrern fehlet, welche das gemeinere Mahn um der verwandten Sprecharten und vorgegebenen Abstammung willen, vorziehen wollen. DieAbstam- mu»g ist ungewiß; vielleicht ist der hohe gerade Wuchs des Blu- mcnstäirgcls der Grund der Benennung, da denn dieses Wort zu ma^nus, unserm manch, groß, viel, Macht, >meh, mehr, r. Mönch und andern dieses' Geschlechtes gehören würde. Das Moynhau.pt, des—es, plur. die — Häupter, d'.e runde Samenkapsel des Mohnes, welche am ober» Ende eines langen geraden Stängels stehet, und die Gestalt eines Hauptes hat; bep dem Qttsried lllallakaubit, im gemeinen Leben Mshnkopf. Der Möhnküchen, des—s, xlur.ut noin. floß. eme Arlbrei- ter, dünner, oben mit weißem Mohnsamen bcstrcucter Kuchen; der Mohnfladen. Das Mohnohl, des—es, plur. doch nur von mehrern Arten eder Quantitäten, die —e, das aus dem Mohnsamen gepreßte Qhl. Im Qberd. Magöhl. ^ - - ^ Der Mohnfaft, des —cs, plur. laus, der getrocknete Saft, welcher aus den Mohn Häuptern zur Zeit ihrer Reife stießt, wen» man leichte Einschnitte darein inacht, und welcher unlerdemNah- ruen des Opiums am bekanntesten ist. Eine andere geringere Art des Mohnsaftes, welch- in den Apochekcnb/leconiucn heißt,wird aus den frischmMohnlöpfeu,ihrenStängeln nndL!äuerngepreßt und an der L ist getrocknet. ^ «..-me Der Mohpfamen, des — s. plur. irms. der Samen des Mohnes, welcher oft auch nur Mohn schlechthin genannt wird ; un Ober-. Magsamcn. / r. Der Mohr, des—es, plur. doch nur von Mehrern Arten oder Quantitäten, die —e, ein Nähme eines gewissen derben um dichten seidenen Zeuges. Gewässerter , ungewässerter Mohr. Silbcrmohr. Vermurhlich von dem Franz, rnoirsr, wässern s. Le» Mohr, des — en, plur..die—en, Fämur. die Moh- rinn , ehedem Möhrinn. -. Eigentlich, ein Ernwohner des ehe- mahligen Manritaniens, wegen der braunen oder bräunlich gelben Gesichtsfarbe; ans dem Lat. und Griech. Maurus, ^eachecm diese aus Afrika in das westlichcEuropa eingefallen waren und sich daselbst festgefttzet hatten, ngnnte mau erst diese, und. hernach in Mol) 26s den spalern Zeiten nicht nur alle Muhamedancr in dem südlichen TheileAsiens und anfdenKüsten nndJnseln desZudischen Meeres, sondern auch die braunen Äthiopier wegen dieser ihrerGesichtsfar- be Mohren. Die letzrern kommen unter diesem Nahmen in der Deutschen Bibel mchrmahls vor. Wegen der großen Zwepdcntig- keit dieses Wortes hat man in den neuern Zeiten angefangen, die Einwohner des ehemahligen Maurjtauieils, oder diegesitrctern nördlichen Afrikaner Mauren zu nennen, um stevon dciiMohrcn iit der folgendeuBedeutimgzu unterscheiden; dieMuhamedaner iu Lern südlichen Asien aber, welche größten Zheils Araber von Hec- - ktlnst sind, nennet man richtiger Muhamedancr, ungeachtet sie in vielen Rtisebeschreibungcn noch immer den Nahmen der Mohren führen. s.EttlMensch von ganz schwarzer Gesichtsfarbe mit krau- feu wolligen Haaren und dicken aufgcworfcuenLippen, dergleichen die Bewohner des südlicher» Afrika, am Senegal, inNcu-Gninea und Congo, die Einwohner vonMonomotapa, Malabar, Malakka und einigen südlichen Inseln sind; welche auch unter dem Nahmen -er Schwarzen oder Negern bekannt sinh. Besonders pflegt man einen solchen ganz schwarzen Afrikaner, welchen vornehmcHerren zu ihrer Bedienung halten, einen Mohren zu nennen, z. Figürlich. i) Eine Art Schmetterlinge, kapllio/tntiopa l^. ^ Einer Art Menschen von kleiner Statur, mit krausen Haaren und ei- ncr schuppigen Haut von blendend weißer Farbe, welche in einigen südlichen Gegenden angetroffcn werden, hat man aufeine sehr un- eigentliche Art den Nahmen der weißen Mshrcn gegeben. Die Spanier nennen sie Albrno's,dieHolländischenReisebeschreilur aber Rakerlack'en, andere Nachtmenschen. Außer ihrer weißen Haut unterscheiden sie sich auch durch den ölaffen, gelben, grauen oderröthlichen Stern im Auge, dem der schwarze Schleim mangelt, dahcrche auch weder das Sonnenlicht noch ein Helles Feuer vertragen können. Nach den zuverlässigsten Nachrichten sind sie mehr eine Art kranker und brcsthafter Menschen, als eine eigene Menschengattlmg. Z) Der mineralische Mohr, in der ChiMe, ein aus Metallen und Halbmerallen niedergeschlagenes schwarzes Pnlver; ^eclriops mmeralis. Anm. Dieses Wort, welches im Niederst Moor und Moor- jan, im Engl, und Dän. gleichfalls ÜVIoor lautet, stammet allem Ansehen nach aus dem Lat. Naurus her, weiches zunächst einen braunen Mauritanier bedeutet, und das Griech. ^«^04 und «,-«-,004, dunkel, ist, zu dessen Verwandtschaft auch das N-edcr- dcut,cpc Mörk, dunkel, und Island. Mvrkur, F-nstcriiiß, im- vermuthlich auch das Schwed. I^lor, ein dicker Wald, gehören. S. auch Moor.' «.Das Mohr, ein sumpfiges, morastiges Land, S. Moor. Das Mohrban-, des — cs, plur. von mehrern Arten, die — Hauder, eine Art glatten seidenen Bandes mWner wolkigenWäs- scrung. S. 1. Mohr. Die Mohre, plur. dw — n, ein Nähme einer Art eßbarer rüden, artiger Wurzeln und ihrer Pflanzen ; Osucus !^. Die wilde Möhre, DttucusLarütL !^. wohnt aufdenEntwpäischen dürren Feldern und hat eine sehr schmale, weiße, rübenföcmige Wurzel. Die gelbe Möhre/zahme Möhre oder Garrenmohre, welche auch Mohrrübe genannt wird, vaucus larivu« L., ist eine Abänderung der vorigen und trägt eine goldgelbe süße Rübe; gelbe Rübe, in Schwaben nur Rübe schlechthin, bey dem Peucer Rlrn- gelmöhre, Gritzclmöhre, in Niederst gelbe w-trzel, oder nur Wurzel schlechthin, im Qsnabrück. Murrwortel. Die rothe Möhre, welche auch Larotte genannt wird, nach dem Franz. <üarolte,vaucu8 stativus, raciics rubra, cralsta, ist bluc- roth, aber von der Beete oder dem Mangolds noch sehr verschieden. Die weiße.Möhre oder Schrycinsmshre, l)aucus lativus, raüics alda, ist die schlechteste Art. N 2 Anm. i s6z . Mph Anm. Die gelbe Möhre heißt auch im Schweb. iVsorrost im Böhm. IVIrkew", und im Pohln. jVlarccketv. Der Nähme scheinet die mürbe, markige, eßbare Beschaffenheit auszudrucken, iS. 2. Mark;) obgleich andere ihn von Moor, Sumpf, herleiten, weil dieses Gewächs einen feuchten und moorigen Boden lieben soll, welcheEigcnschaft auch dasFranz.Garotte anzudeuten scheinet, von dem Nord-Errgl. Larre, Schwed, kaerr, ein Sumpf, Morast, und Kot, Wurzel. Allein die gelben Möhren wenigstens kommen in einem sandigen Boden besser fort, als in einem sumpfigen. Die Pastinaken, welche gern in lockerer Moor- erde wachsen, heißen in Niedersachsen auch Moorwovtcln. Im Angels, und noch jetzt in einigen Gegenden Englands bedeutet iVlora eine jede Wurzel, und im Augels. ist Relcl-iVIora die Pastinake. Das Mohrenhuhn, des-—es, plur. die—Hühner, rin Nähme einer Art Fasanen, welche von den Mohren auf der JnselMosam- bikc zu uns gebracht worden; kckaüanus IVIorio l>. Der Möhrenköch, des — es, plur. die— koche, in den Küchen, ein Doch, d. i. eine aufgelaufene Speise, welche aus zerriebenen gelben Möhren, Eyern, Butter und Semmel bereitet wird. S. Doch. Der Mohrenkopf, des — es, plur. die —köpfe, eine Benennung verschiedener Arten Thiere, welche einen kohlschwarzenKopf Haberl, von 2. Mohr 2. So wirdein weißes Pferd oder Eis^ schimmcl, welches einen schwarzen Kopfund schwarze Fuße hat, ein Mohrenkopf genannt. Eine weißeTaube mit einem schwarzen Kopfe führet gleichfalls diesen Nahmen, so wie auch eine Art Blaukehlchen oder vielmehr Grasmücken, welche eine schwarze Platte auf dem Kopfe hat; Z^Ivia al rieapilla L/s/n. -Viola.- ejllaatricapjlla Gricch. ft»X«vox5ip«Xoe, i« einigen Gegenden Mönch, Schwarzkopf, Erasspatz. Das Mohrenkraut, des — es, plur. iuust in den Gärten, ein zaseriges Sommergewachs, welches aus Mohrenland oder Äthiopien herstammet, einen viereckigen, dicken, rauhen, in etliche Äste gecheckten Stängel treibt, und weiße Blumen in Gestalt der Mönchskappen trägt. Der Same, welcher den Erbsen gleicht, liegt paarweise in den Hülsen. Der Mohrenkümmel, des—s, plur.iuustS.DönigLkttmmtl. Das Mohrenlanö, des — es, plur. die — lander, ein jedes Land, welches von Mohren, d. i. so wohl von ganz schwarzen, als auch von braunenMenschen bewohnet wird. JncugcrerBedeutung und ohne Plural pflegte man ehedem Äthiopien nur Mohrenland zu nennen, welche Benennung aber wegen der Vieldeutigkeit des Wortes Mohr jetzt veraltet ist. S. 2. Mohr. Die Mohrenmütze, plur. die — n, eine Art Taucher oder vielmehr Sägeschnöbler, mit einem schwarzen Kopfe und Halse und einer oberhalb reißen Mütze, Lerrator cucullatus G. 2. Mohr. Der Mohrenweitzen, des — s, plur. iuust S. Drchwcitzen. Die Mohreröe, S. Moorerde. Die Mohrhirse, plur. iuust eine Art des Honiggrases, welche unserer Hirse gleicht, in Syrien, Mauritanien und Indien einheimisch ist, und auch in Italien und der Schwei; als eine der ergiebigsten Getreideartengebauet wird; Nolcus 8-r§lium,N. staceckaratus, kj. lstalepouüs und kl. lckcolor st,. Weil fie ans'dem Lande der Mohren, d. i. aus Mauritanien und Indien, zu uns gebracht worben, daher sie richtiger Mohrenhirse heißen sollte. Nkohrisch, ackj. er aä v. den Mohren gehörend, ihnen ähnlich; ein Beywort, welches jetzt wenig mehr gebraucht wird. W^n man unter Mohren nördlichcAfrikaner verstehet, so lft dafürjetztMau- Fisch üblicher. S. 2. M9HP. L64 Die Mohrmeise, p-ur. die —tt. chJn einigen Gegenden, ein Nähme der Mönchmeise, Uschmeise, Dothmeise oder Grau- meise, karus palustris st,. karus atricapillus welche auch das Mohrvögelchen genannt wird. Vermuthlich wegen ihres schwarzen Kopfes. 2) An andern Orten führet die lang geschwänzte Meise, welche auch Zahlmeise, Schwanzmeise, Pfannenstiel, Riekmeise, Bergweise und Schneemeise heißt, karus cauckallus k/srn. diesen Nahmelr. Die Mohrrübe, S. Möhre. Der Molch, des—es, p!ur. die — e, eine Benennung einer - Art schwarzer Eidechsen mit gelben Flecken, welche zu den Wasser- Eidechsen gehören, und stch in moorigen Teichen und Sümpfen aufhalten. In weiterer Bedeutung wird der ähnlich gefleckte Salamander von einigen gleichfalls Molch genannt. Anm. An den Monseeischcn Glossen Ulol, im Oberdeutschen Moll, Malen, Moldwnrm. Frisch murhmaßct mit Recht, daß dieses Thier seinen Nahmen von seinen Flecken habe, von Mahl> ein Flecken, S. 6. Mahl. Die Molde, S. Mulde. Die Molken, stuA juckst der wässerige Theil der Milch, nachdem der fettere, dichtere Theil davon geschieden worden; -as Dafe-- wasscr, Milchwasser, in Oberdeutschland die Schotten, Milch- schotten, Sivpen, (6erum,) Sussy, Strotten, im Nieders. waddick, Wanke, Wacke, Schweb. VVassla, Engl. ^Vstav, ohne Zweifel von Wasser, Nieders. Waeer, Schweb. V^attn; imDithmarstschen sen oder sei. Die Molken - (stur gebrauchen, Molken zur Gesundheit trinken. Im gemeinen Leben einiger Gegenden wird dieses Wort auch in der einfachen Zahl gebraucht, und da ist es in Meißen ungewissen Geschlechtes : ein leichtes Molken wird dem bäuerischen Rinde die besteMandel- milch, Gell. In Österreich ist es, dem Aichinger zu Folge, männlichen, der Molken, und in der Schweiz weiblichen Geschlechtes, die Motte: äier preßt ein stark Gewicht den schweren Satz der Molke, Hall. ^Anm. Gs ist mit Milch, Nieders. Melk, genau verwandt.' Noch im Nieders. bedeutet Molken, so wie das Ängels. lVlolceo, nicht so wohl das Käsewasser, als vielmehr die Milch selbst, und alles was von der Milch kommt, und in diesem Verstände scheinet cs auch in der Schweiz üblich zu seyn. Die Sibentaler und Sauer Das haben vnder allen selvetischen MulEcn den Preis, heißt es noch bey dem Stumpf. S. das folgende. Der Moltendreh, des — es, plur. die —e, im gemeinen Leben einiger Gegenden, ei« Nähme aller Schmetterlinge, weil fie der Milch nachgehen sollen; von Molken, so fern es Milch überhaupt bedeutet. An andern Orten heiße» sie Molkentcller, Milchdicbe, Bnttervögel, S. Butterfliege. DK 9 Nolxenfäss,des— ffes, plur. die—fässer, in der Land- wirthschaft , ein weites hölzernes Gefäß, worüber der Ouark- korb gefttzet wird, damit die Molken aus dem Onarksacke darein ablaufen können. Moltitz,-^-er,— ste ackj. et ackv. Molken enthaltend; ingleichen de,r Molken shnlich. Molm, Molmitz, S. Mulm u. s. f. Molsch, — er, — este, ackj. et arl v. ein in einigen Gegenden, besonders Ober-und Niedersachsens, übliches Wort, welches eigentlich weich bedeutet, aber vornehmlich von den Äpfeln, Birnen, Mispel», und andern Arten des Obstes gebraucht wird, wenn ste in den ersten Grad oer Fänlniß übergehen. In einigen Gegenden nurlsch. Es ist mit milde, schmelzen, dem Oberdeutschen Schmolle, Brocke«,ne, unfern, morsch, mürbe, und dem Lat. mollig genau verwandt. In Aajern wird molled von allen weichen 266 26L Mol weichen Dingen gebraucht; msllede 6ärrde. Das Schwed. rnD', basEngl. und Griech. pc«>.o-, bedeutengleichfallsweich und milde. Noch näher gehöret hierher dasAugrls. rnolsninn, faulen, das Holland, vollem, Fäulniß, das Schweb, multeri, faul, rnulML,faulen, Engl, to rnouI6Lr,Nieders.mo!sli. und dus mittlere Lat. iVluIca, eine weiche Sache. Die Molteheere, oder Muktebeere, plur. lunst. der nordische Nähme eines nnp in den mitternächtigen Länder« einheimischen Strauches, welcher nach dem Linnee zn den Hindbeccen gehöret, und in den Sümpfen und torfigen Gegenden Schwedens, Norwegens und Preußens wachset; kubusOtiLMLemcrrusk. Die Beere gleicht der Brombeere, nur daß sie auf der einen Seite ritrvnengelb und auf der andern ponceau - roth anssiehct. In Prcußett.wird sie pankkenbeere genannt. (S. auch Rratzbeere.) Der nordische Nähme Moltebecre scheinet von dcmSchwed. uiul- tLo,fanl, weich, abzustammcn, und den Aufenthalt des Gewächses in Sumpfen und Mooren zn bezeichnen. S. Molsch. Der Molton, S. Nnlron. Die Monade, plur. die—n, ein aus dem Griechischen — «So-, eine Einheit, entlehntes Kunstivort der neuern Philo, sophen von Leibuitzeus Zeiten an, die ganz einfachen und umheilba« ren Destandtheile der Körper zu bezeichnen, welche die altern Philosophen, deren Begriff von denselben doch verschieden war, Atomen , Elemente nannten. Der Monarch, des — en, plur. die—en, Famin. die Monarchin«, aus dem Griech. und Latein. lVlonarcba, von peooag, allein, nnd«^Liv, regieren, der Beherrscher eener Monarchie, so wohl im cngeru, als im weitern Verstände, in - welchem letztern man oft alle Könige und Kaiser, auch wenn ihre Gewalt auf mancherley Art eingeschränket ist, Monarchen ,^und solche weibliche regierende Personen (nicht aber die bloßen Gemahlinnen der Monarchen) Monarchinnen zu nennen »siegt. (Siehe Selbstherrscher.) In den mittler» Zeiten wurden die Wörter Monarch und Monarchie gar sehr geuüßbraucht, indem sich auch Bischöfe und Grafen Monarchen nennen ließen, und sogar die Gerichrbarkekt und der Äerichtsbezirkeines Abtes unter dem Nahmen einer Monarchie vorkommr. Die Monarchie, (dreysylbig,) plur. die—-n, (viersylbig,) aus dem Griech. und Latein. lVlonarekua. i) Diejenige Regierungs- fonn eines Reiches, nach welcher die oberste Gewalt nur einer einzigen Person airvertrauet ist, zum Unterschiede von der Aristokratie und Demokratie; ohne Plural. Schweb. Ln vväläs, Allein- Kewalt,im Angels.^nüua!6. Nochhäusigeraber, 2)ein Reich, in welchem die oberste Gewalt einem einzigen aufgetrageu ist; zum Unterschiede von oincr Republik. Eigentlich und im engsten Verstände, wenn dieser einzige in deren Ausübung unumschränkt, d. i. auf keine merkliche Art eingeschränkt ist; in welchemVerstande nur Frankreich, Spanien, Dänemark, diePortugiesischen Staaten und noch einige andere Reiche Monarchien sind. In weiterer Bedeutung aber werden auch solche Reiche, in welchen die Von einem r ln- zigen bekleidete oberste Gewalt auf mancherlei) Art eingeschränket ist, wie das ehemahlrge Pohlen, vor kurzen noch Schweden,Groß- britanien u. s. f. Monarchien genannt. Monarchisch, Lcij. et aäv. einem Monarchen, oder oinerMonar- chre ähnlich, in des Monarchen ungetheilten irud uneingeschräiik- ten Ge;valt gegründet. Die monarchische Regiaxungeform, im Gegensätze der republikanischen. Der Mönaty, des — es,plur. die — e, die Zeit vou einem Neumonde zum andern, welche .eigentlich 2 9 Tage - s Stunden und 44 Minnten enthält, welcher Zeitraum der natürliche oder astronomische Monath genann t wird , zum Unterschiede von dem bürgerlichen oder politischen, wo bald Zo bald Z t Tage auf einen Mo» Monath gerechnet werden, da denn ein Jahr zwölf solcherMonathe enthält. In manchen Fallen des gemeinen Lebens pflegt man auch eine Zeit von 4 Wochen oder 2 8 Tagen einen Monath zu nennen, da denn iZ solcherMonathc aufein Jahr gehen. DerMonden- monach sdcr leere Monath, in der Chronologie, die Zeit, m welcher der Mond den ganzen Thierkceis durchlauft, und welche aus 29 Tagen bestehet, zum Unterschiede von dem Ssnnenmo- nathe oder derjenigen Zeit, in welcher die Sonne den zwölfte« Theil des Thierkreises zurück leget; vou welcher letzter» Art unsere gewöhnlichen Monathe sind, oh sie sichgleich nicht mit dem Eintritte der Sonne in die himmlischen Zeichen aufangen. Drep,. vier Monathe. In Monaths Frist , in Zeit von einem Mona- the. Innerhalb Eines Monathes. ' Anm. Bey dem Raban Maurres im LLen Jahrhunderte ?elL- oo!b, bey dem Ottfried und Tätian , bey dem UlphilaS ^leuatk, im Angels, im Engl. Nontk, im Dänisch. Maaned, im Holland. I^laeulk, im Niederst Maand, Maant, v , im Schwed. im Island. iVlLnLclur. Die veckiiczteNie- "der'eutschsForm war auch lange indem Hoch-undOberdeutschen Mond üblich, welches in der Deutschen Bibel noch so oft für Monath oovkommt, außer der dichterischen Schreibart aberin dieser Bedeutung veraltet ist; (S. Mond.) Im Oberdeutschen ist Monath ungewissen Geschlechtes , das Monath. Es stammet von Mond, I.UNL, .im Oberdeutschen nnrMan,Mon, her, woraus vermittelst der Ableitungssilbe ach, oth, (Zievath. Hei- math, das alte äsrlath, Heil, Herrath,) wofür in andern ^Wörtern de odetauch nur ein bloßes d stehet, (Zierde, Zeiinde, das alte Hcilde, Magd, bey den Franken L 1 .LAL 6 und Gothen Lla- xLtü, und hundert andere mehr,) Mansch, Monath, und zusammen gezogen Mand, Mond entstanden. Hieraus erhellet zugleich, daß das th, für welches einige ein bloßes t einfühscu wollen, mehr Grund für sich habe, als dieses, des langen Gebrauches von undenklichen Zeiten her zu geschweige». DasLat. lVIevlis unterscheidet sich von unserm Monath nur in der Aölemmgssylbe, so wie das Griech. gar keine Ablcitungsfylbc hat; S. Mond. Die Monathblume, oder Moncrthshlume, plur. die—n, ein Nähme verschiedener Gewächse, welche alle Monathe, oder das ganze Jahr hindurch blühen, i) Der Maßlieben, oder Gänseblumen, LsIIisk. 2) Einer andern Pllanzc, Uen^Lvlüosk. wovon die eure Art, welche der Seerose gleichet, klen^LnMes I 4 ^lNs>koi 6 es, in den Wassergräben der Niederlande und Preußens wachset, eine andere in Ostindien einheimisch ist, Meo pLkr- tlies inciica k. und die dritte unter dem Nahmen des Biberklee» am bekanntesten ist. Msnuthkrch, sclj. et was asseMonarbe ist oder geschiehet. Monathlich bezahlen. Der monathliche Gehalt. Die monach- liche Reinigung des andern Geschlechtes, S. das folgende. Der Mönathsflüff, des—ffes, x!ur. die—sti-sse, der moüath- liche Abfluß des Blutes durch die Mrtttersch.eide bey dem chtdc.rn G.efchlechte, welcher auch die monathliche Reiniguncr, die monathliche Zeit u. f.f. genannt wird, im gemeinen Leben aber bald die Zeit schlechthin, die Rechnung, in Schwabeil die Recht, heißt, bald andere seltsame Nahmen bekommt. Im Osüabrück. heißt er der rothc 6und, in Preußen und sogar bey den Malaba- ren der röche Friese!, in den niedrigen Sprecharten anderer Gegenden aber der röche Äönrg. - ^ Das Monuthvgel-, des—es, plur. die-er, Geld, welches moitarblich bezahlet wird, besonders Sold, welcher alle Monathe , entrichtet wird; der Monachsfold. Der Möuuthsrerdieff, des —es , plur, die — e,, eine Art Radiese, welche den ganzen Sönmrer hindurch alle Monathe gesäet werdeussöltitkn. - Uz ' Dev Mon Mon 26/ Der Monathsre ttrg, des—es, plur. die—e, eine Art kleiner weißer runder Rettige, welche gleichfalls den ganzen Sou,- mer hindurch gesäet werden können, und auch Raphanellen heißen. . Der MonathsrmF, des — es, plur. die — e, siehe Mo- nachsstein. Dre Monathsrose, plur. dr'e-^-n, eine Art Rosen, welche den ganzen Sommer hindurch bis in den Herbst blühen. Ihre Blumen, welche so groß wie die Centifolien sind, riechen wie die Möschrosen, stehen doldenweise bey einander und sehen mehr blass als roth aus. Der Monathsstem, des—es, plur. die—e, ein Edelstein, in welchen das Zeichen des Mouathes, worin man geboren worden, gegraben ist, und welchen man in einen Ring gefastet, aus einem gewissen Aberglauben noch an einigen Orten am Finger zu tragen pflegt. Ei» solcher Ring wird alsdann ein Monarhsring genannt. Der Monttthstag, des — es, xlur. die—e, der Lag in einem bürgerlichen Monache der Zahl und Ordnung nach. Die Monathstcmbe, plur.die—n, eine Benennung der gemeinen Feld - oder Flugtauben, weil sie mehrere Monathe hinter einander Junge brüten. Von einer andern Art, welche auch Mond- tauben heißen , S. das letztere Wort. Die Monatchsuhr, plur. die — en, eine Uhr, welche nur alle Monathe Ein Mahl aufgezogen werde» darf. Zuweilen, obgleich seltener, auch eine Uhr, welche den jedesmahljgen Monathstaz zeiget. Der Mönch, des — es, p!ur. die — e, ein Wort, welches nur in verschiedenen Fällen des gemeinen Lebens üblich ist, theils eine Art von Säule, eine verlängerte Spitze, ein hervorragendes Ding, theils aber auch ein W-rkzcug zum Stoßen oder Schlagen zu bezeichnen. So heißt die senkrechte Spindel an einer Wendeltreppe, um welche sich dieselbe drehet, bey einige» der Mönch, imRiedcrsächsischen aber ohncNasenlaut und miteinerAbleltungs- fplbe der Makeler. Auch diejenige Spindel auf dem Gipfel eines Thurmes oder andern Gebäudes, welche den Knopf traget, wird in einigen Gegenden der Mönch, im Rieders. aber gleichfalls der Makeler genannt, welchen letzter« Nahmen in Niedersachsen auch diejenige Säule oder Spindel führet, worauf eine Windmühle ruhet. Im Hüttenbaue ist der Mönch der Stämpcl, womit die Kapellen in die Ringe oder Nonnen fest gestoßen werden. An einem Hohlwecke, einer größten Theils veralteten Art die Dächer mtt Hohlziegeln zu decken, heißt derjenige Ziegel, welcher mit auswärts gekehrter erhabener Seite ans zwcy Hohlziegel gcleget wird, der Mönch, dagegen diese Nonnen genannt werden. In dem Leich - und Wasserbaue ist der Mönch oder Wassermönch der in die Höhe gerichtete Spund oder Zapft« in dem Ablässe eines Teiches, welcher auch der Achutzl'olbcn und Schlägel genannt wird, und den Tuich zu- oder a ozu schützen dienet; daher auch wohl der ganze Ablaß mit der dazu gehörigen Rinne durch den Damm, in deren Öffnung der Kolben paffck, der Mönch genannt wird. In Bremen heißt die kleine Pumpe in den Häusern, zum Behuf«: des durch die Stadt geleiteten Röhrwassers, eine Micke, welches Mort bloß iu dem Geschlechts und durch den Mangel des Nasenlautes von Mönch unterschieden ist. Anm. Fast alle Wortforschcr sehen dieses Wort als eine bloße Figur von dem folgenden dritten Mönch, iVlokiuciius, an, in welcher Meinung sie noch dadurch bestärket werden, daß der zu einem Mönche gehörige andere, gemeiniglich hohle Theil,in man- chru Fällen de» Nahmen einer Nonne führet, (S. dieses Wort.) Allein dergleichen weit hergchohlte Figuren streiten wider dieAna- logie nicht nur der Deutschen, sondern aller übrigen Sprachen. 263 Die Ähnlichkeit dieses und des folgenden Wortes mit Mönch, HlouactiuL, ist bloß zufällig. Das n vor dem Hauche ist der bloße Nasenlaut, wie unter ander» auch aus drn oben angeführten gleichbedeutenden Niederdeutschen Wörtern erhellet. UnftrMonch scheinet also, so fern es etwas Erhabenes bedeutet, zu Macht, manch, groß, viel, mLZnus, michel, meh oder mehr, und andern dieses Geschlechtes zu gehören. Im Schwed, ist Hlumks der erhabene Lheil des Halses an den Lastthirren, die Mahne, der Ramm. Indessen scheinet in einigen der angeführten Fälle auch der Begriff des Schlagens und Stoßens mir in Betrachtung zu kommen, da es denn zu unsrem Mange und Handgemenge und dem Schweizerischen mangle, streiten, kämpfen, gehören würde. Im Schwed, ist MaoZa ein Mauerbrecher und Klüngel ein Gefecht. Das Holland. iVloirer bedeutet einen Schmiedehammer, und im Nicdersächsischen heißt derStrauß-oder Kämpshähn Möiuuck. In eben dieser Mundart wird ein Schil-- derhäuscheu Msnnik und Monk genannt, welche aber wieder zu einem andern Stamme zu gehören scheinet; vielleicht mit eingeschaltetem Nasenlaute zu Mach, Gemach, Schwed, Kink. Öb das Wort Mönch in der alten Oberdeutschen Redensart, einem den Mönch stechen, d. i. ihm die Faust zeige», so daß dabry der Daumen heraus stehe , welche mit der R. A. einem die Feigen weisen, gleichbedeutend ist, auch zu einem der vorigcnFälle gehöre, wage ich nicht zu entscheiden. Mönch, Hlauactrus, scheint wenigstens keinen Anspruch darauf zu haben. , 2. Der Mönch, des —es, plur. die—e, ein gleichfalls nur in einigen Gegenden übliches Wort, ein geschnittenes Thier, besonders aber ein geschnittenes Pferd, einen Wallach zu bezeichnen, in welchen Gegenden denn auch dasZeinvort mönchen oder München fürcastriren, verschneiden, Jtal. lnovau»re, üblich ist. Ann». Auch dieses Wort ist bisher als eine Figur des folgenden auzrfthrn worden, und zwar auf eine eben so gezwungene und seltsame Art, als das vorige. Es gehöret ohne Zweifel zu dem noch im Niederdeutschen üblichen mank, mangelhaft, gebrechlich, Latein, rnancus, und unserm Hochdeutschen Mangel, .und mit demselben zu dem veralteten mein, falsch, mangelhaft, min, klein, wenig, in minder, dem Latein. iVluQckum und andern dieses Geschlechtes, oder vielleicht noch näher zu mähen, schneiden, von welchem Worte auchMeide, und mit Verstärkung dcsHanchlauttS auch Mager, ehedem einen Castraten bedeuteten, von welchem sich unser Mönch nur durch den Mangel der Ableirungssylbe und Ein- schiebung des Nasenlautes unterscheidet. (S. Mähen ) Auf diese Art müssen auch manche eigenchümlichrNahmen der Örter, welche sich mit Mönch oder Münch anfangen , erkläret werden, wenigstens solche, von welchen erweislich fft, daß sie nie Klöster gehabt, oder Klöstern zuständig gewesen. DaZZcitworr mar ken, minken, kommt in den Mittlern Zerren für verstümmeln, vermindern u. s. s. mehrmahls vor. Aus diesem Grunde führen einige Gegenden der Insel Rügen den NahmenMönchgr-tt, Rieders. Memlgodt, nicht weil sie Mönchen zugchör^k, sondern weil sie nur einer befugen Überschwcmnmng von dem ftstcu Lande abgerissen worden. Siehe Mönchsbogen^ Mondmilch undMonkalb. Z. Der Mönlur. die — sch äge, ebendaselbst, ein mißrathener Schlag mit dom Ballen d. i. wenn vre Farbe aus Versehen nicht überall gleich stark mit dem Ballon anfgelragen wordon ;mit dem vorigen Worte ans E ner Omstke. Die Mönchskappe, p!ur. die —u, die hinteu-mit einer Kappe versehene Tracht der Möirche; dieRutte, die Mönchskutte, in der anständigem Sprechart das Ordenskteid. L/0 Das Mönchsklöster, des—s, plur.die—-klöfter, ein Kloster für Mönche, ein Mannskloster; zum Unterschiede von einem Nonnenkloster. Der Nönchskopf, des—es, plur. die —köpfe. I) Nach dem Frisch aus dem Frischlitt, eine Münze, welche drey Batzen gilt z vermuchlich wegen eines darauf geprägten bischöflichen Brustbildes. 2 ) Eine Art des Löwenzahnes, welcher auf den Europäischen Wiesen wachset, und dessen Blumen ciniaeÄhnlichkeit mit demKopfeeinesMonches haben; l,e0oto6on1arLxacurn l,. Butterblume, Dotterblume, Gchmalzblume, Pfaffenplatte, Mönchsplatte. Die Mönchskutte, plur. die—n, das Kleid eines Mönches, im verächtlichen Verstände, S. Mönchskappe. Das Mönchsleben, des —s, piür. raus. das Leben der M/ nche in Gemeinschaft und nach gewiffenOrdcnsrogeln,der ganze Standes klösterlichen Lebens; das Rloftcrleben. Der Mönchs-Orden, des—s, plur. ut aorn. linz. ein für Mönche gestifteter, aus Mönchen bestehender Orden. Der Mönchspfeffer, des—s, plur. inul. S. Reuschbaum. Die Mönchsplatte, plur. die—n, die Platte, welche einem Mönche bey der Aufnahme in den Orden auf dem Kopfe geschoren wird. Wegen einiger Ähnlichkeit auch ein Nähme der Dotterblume, S. Mönchskopf. Die Mönchs-Rhabarber, plur. lauf, eine Art des Ampfers mit Zwitterblumen, und einer Herbert und biktern Wurzel, welche wie die echte Rhabarber eine abführende Kraft hat; Rumex katientia L,. Sie ist in Italien einheimisch, wächst aber auch hin und wieder in Deutschland, da sie auch Deutsche Rhabarber, mglerchen Englischer Spinat genannt wird, DieMönchsschrift, plur. doch nur von Mehrern Arten,die —en, diejenige eckige Art der Deutschen undLateinischen Schrift, welche in den Mittlern Zeiten üblich war, und deren sich besonders die Mönche in den Abschriften der Bücher zn bedienen pflegten. In Holland pflegt man noch jetzt mit derselben ganze Bücher abzudrucken. DerMönd, des — es, plur.die—e,(Oberd. des -— en, plur. die —en,)Diminut.das Möndchen, derjenige Weltkörper, welcher nächst der Sonne am größten zu seyn scheinet, des Nachts, obgleich mit vcrändcrlrchemLichte, leuchtet, und der Trabant oder Neben.Planet der Erde ist, welcher sich um sie, als seinen Haupt- Planateu beweget. 1 . Eigentlich. Der Mond scheinet, wenn er des Nachts sichtbar ist. Er gehe auf, geht unter. Der Mond nimmt zu, wenn die gegen «ns gekehrte Seite nach und nach erleuchtet wird; im zunehmenden Monde. Er nimmt ab, wenn die erleuchtete Oberfläche nach und nach immer kleiner wirb; im abnehmenden Monde, Nieders. im Mannen. Der Neumond oder neue Mond, wen« er seine sin. stere Seite zu uns kehret und nicht leuchtet; der Mond wird neu. Vas erste viertel des Mondes, wenn uns die Hälfte seiner Seite gegen Abend erleuchtet erscheinet. Der volle Mond oder Vollmond, wenn die ganze gegen uns gekehrte Seite erleuchtet ist; der Mond wird vell. Das letzte viertel, wenn dessen gegen Morgen gekehrte Seite erleuchtet ist. Welche Abwechselungen feiner Gestalt und seines Lichtes, die auch Msndcswandelungen oder Mondesbrüche g nannk werden , von seiner Stellung gegen die Sonneherrühren. In Aust-- hung derselben wird er im gemeinen Leben auch nur das Acht genannt. Das neue -Acht, das volle Acht- im abnehmenden, im zunehmenden Lichte. Die Oberdeutsche Abänderung des Monden, xlur. die Monden, welche in der Deutschen Bibel L71 MoN nicht selten ist, kommt auch noch zuweilen bey ben Hochdeutschen Dichtern vor. In dem Gefichr des Monden, Gell. Wie siist und freundlich lacht Des Mond s stille Pracht! Weise. Im Oberdcinschen lantet alsdann auch die erste Endung oft der Monden, dry dem Opitz der Monde. Zn den folgenden Zusammensetzungen sind daher bald Monden—und abgekürzt Mond— bald aber auch Monds — üblich. In weiterer Bedeutung werden in der Astronomie auch wohl die Trabanten anderer Haupt-Planeten Monde genannt. 2. Figürlich. --Verschiedene Werkzeuge oder Körper, welche -er Gestalt des Mondes im ersten oder letzteuViertel gleichen, sind im^r dem Nahmen des halben Mondes oder nur des Mondes schlechthin bekannt. Dergleichen ist der Hache Mond imFrstungs- baue, eine Art Anßenwerke. Oer Mond odrr Monden der Weißgarber ist ein Schabeisen in Gestalt eines halben Mondes, welches inwendig bohl und auswendig erhaben ist, und wovon der Stpeichmonden und Schlichtwonden Arten sind. Indessen stehet es dahin, ob es in dieser Bedentung nicht vielmehr unmittelbar r>on mahnen, ziehen, abstammet, und rin Werkzeug zum Ziehen, Streifen, oder Streichen bedeutet. 2) Bey den neuern Schriftstellern des Jnseclen - Reiches führet eine Art Nachtvögel, l?kL- lueuu klockuc» Dunula^/ätL^.den Nahmen desMondchens. F) Die Seit von einem Neumonde zuck andern, ein Monach ; eine größten Tdeils veraltete Bedeutung, welche nur noch in der Deutschen Bibel und zuweilen auch noch in der Hähern Schreibart der Hochdeutschen vorE'^, da es denn auch die Oberdeutsche Fobm der M<>,id oder Monden, des Monden, plur. die Monden behältt Einige neuere Schriftsteller,als der verstorbene Ritter Michaelich bchalccndiefts Wortnoch ben, einen Mondenmonath zu bezeichnen, dagegen sie unftrir gewöhnlicher» SonnelMlomuh Monach schlechrhiu nerlnen. Anm. In der ersten eigentlichen Bedeutung bey dem Ulphilas Hlaüü, im Isidor und bcy dem Oltfried IVluoo, bey dem Notker Klun, bey den Schwäbischen Dichtern Klaue, noch jetzt in den gemeinen Oberdeutschen Mundarten Mahn, Mohn, Mann, im Niederst Maane, Maand, (wo es Zugleich wider die Ana-- logre der übrigen Mnndarreu weiblichen Geschlechtes ist .) im An- Kclst^lnnL, im Engl. Kloon,im Holland, kl aau,imDätt.Maane, im Schwed. kl^ue, im Grirch. und nach der Dorischen Mundart im Lettischen Klieuu. Die Lat. Klenst-; und rneostruus haben eben dieses Stammwort zum Grunde. Aus sbrgem erhellet, daß dieses Wort rigmtlich Man, Mon lautet, und daß das in Mond, luu.1, angehangte d allem Ansehen nach nur das d euphonicumist, obgleich Mond, Menlis, aus Monach zusammen gezogenzü sepn scheinet. In dem zusammen gesetzten Monläg Hut man diese ali-e Form Noch behalten, da dieses Wort Srach der heutigen Hochdeutschen eigentlichMondtag beifcn sollw. Was die Abstammung dieses Wortes betrifft, so leiten Wachter und andere Etymologen dasselbe v n mahnen, erinnern, oder hem Hebr,iNÄnak, zahlen, her, weil die abwechselnden Gestalten di-ses Weltkörpers schon von den ältesten Zeiten her, zu Einteilung der Zeiten und Geschäfte gebraucht worden. Allein, wer ssl-bc.- nicht, daß diese Abteilung z,r gekünstelt, und dem einfältigen Gange der menschliche« Begr ffc zu wenig angemessen ist? Über hieß mußte ja dieses Gestirn schon einen Nahmen Huven, ehe man dass, lbt ünf solche Arr benutzen konnte. Der Nähme desselben muß «>lso in einer Eigenschaft gegründet sepn, welche einem jeden bey h.'w rtlle,r Anblicke il» die Augen fällt. Man könnte denselben daher mit Mehrern Rechte von mau, manch, groß, ma^nus. her, keil'», weil dic-er Himmelstörper ttüch-st der Sonne dem Angen- fchcme nach dergtvßw ist; oder auch.wegen seiner veränderlichen ! / Mon 272 Gestalt von mahnen, so fern cs als ein Frequentativum von mähen, movere, sich wandeln bedenlet haben kann. Allem an. wahrscheinlichsten scheinet sein vorzüglichcsLicht derGermd der Benennung zu sepn, indem man Spuren genug har, daß man, mon, ehedem Hell, glänzend, rknd figürlich rein, schs», angenehm, bcdemel habe, wie aus den davon abstammcnden mua 2/Z Mor» Das Mörrölöch, des — es, plur. die — locher, in der Schwyz, ein Pahme derjenigen Höhlen in den Bergen, in welchen die Mondmilch gefunden wird. Die Nondmllch, plur. i aus. im Bergbaus und m der Mine» ralogie, eine leichte, weiße, schwammige und zerbrechliche talkartige Erde, welche an der Zunge klebt und einen süßlichen Ge- schmäckhat; I^ac I^uuae,IVIarocl:tu5, in Scryermark weiße Schmilben. Man findet sie von mancherley Farben, gemeiniglich aber von weißer, wovon auch die letzte Hälfte ihres Rahmens entstandenen seyn scheinet. Die erste Hälfte ist dunkel. Einige leiten ihn daher, weil man fie ehedem vornehmlich in dem Mondloche aus dem Pilatusberge gefunden habe. Allein in der Schweiz ist Mondloch eine allgemeine Benennung aller derjenigenHöhlcn, in welchen diesesMincralgefunden wird, weiches übrigens in allen kalkartigcnGegenden angetroffen wird. Vielleicht stammet Mond hier von mank, mangelhaft, unecht ab, da denn der Nahmeso viel als falsche, unechte Milch bedeuten würde, weil die weiße und gemeinste Erbe dieser Art, wenn sie flüssig ist, der Milch ähnlich genug stehet, (S. 2. Mönch;) oder auch von mahnen , moncn, scheinen, glänzen, wegen ihrer oft blendenden Weiße, S. Mond, Anm. und Monkalb. Die Mondraute, plur, inus. eine Pflanze; Osmun6a I^una- ria l,. Mondkraut, Eisenbrech. Sie hat den Nahmen ver- mnthlich von den Blättchen des gefiederten Blattes, welche einander gegenüber stehe» und die Gestalteines halben Mondes haben; obgleich andere vergeben, daß sie bey zunehmendem Monde alle Tage ein Blatt bekomme, bey abnkhmcndenrMonde aber täglich eines verliere. Sie wachset auf den Weiden und an erhabenen Orten, blühet im May und Junius, und verschwindet sodann plötzlich. Ein anderes Gewächs, welches in den Gärten unter dem Nahmen des Griechischen Mondkraures oder Gilberblättchcns bekannt ist-, und Schoten tröget, hat den Nahmen vecmuthlich von dem silberfarbenen Glanze, von welchem das Innere seiner Schoten schimmert, von man, Hell; glänzend,„G. Mond. Anm. Der Mondsamen, des — b, plur.inus. eine schlingende Pflanze wie der Ephen , welche in Ostindien und Nord- Amerika wüchset; kelenilftermurn 1 ^. Mondsamenkraut, (kanadischer, Lfirginischer, Carslinischer Ephen, Sie hat den Nahmen ver- muthlich von dem einem halben Monde ähnlichen Samen. Die-MönösVvuche, finZ. iaul. im gemeinen Leben, die Veränderungen des scheinbaren Lichtes des Mondes, dielrufe,nvcise Zu- und Abnahme seines Lichtes; die Mondeswandelung. Von dem veraltetet: Bruch, Veränderung, oder auch der Glanz, Schein, nnd brecheir- sich brechen,, sich ändern,ungleichen gläu- > zen, S. Brechen!. Die Mondscheibe, oder Monbsscheibe, xlur.die — w, die Hälfte der Oberfläche des Mondes,, so wie fie fich dem Auge als eine ebene Scheibe dgrsibllet. Der Mondschein, des — es, plur. die—e. i) Der Scheine des Mondes, dessen Zustand, da er uns andere Körper sichtbar macht, ohne Plural ; das Mondlicht. Mir haben diese Nacht Mondschein. 2) Bey den Kunstdrechslern ist der Mondscheine oder das Baucheisen ein Drehstahl mit einer zirkelförmigen Schneide, bauchige Sachen damit auszudrehen; eine Benennung,, welche wohl einen andern Grund haben muß, als eine Figur, welche sehr ungereimt und unnatürlich seyn würde. Vielleicht ist die letzte Hälfte aus Schiene verderbt, und die erste von mahnen, als das Frequentativum von mähen, bewegen, drehen u. s. s. gebildet- Vielleicht ist es auch ein fremdes Wort, obgleich das Jtal.inanLillo, link, hier nicht in Betrachtung zu kommen scheinet. Vchel.w.B.z.TH.-.Auff.. Mon K74 Der MsnösteM/ des— es, xüur, itttts. ein Nähme, welchen das Fraucneis oder der Spicgelstcin in einigen Gegenden fiilft ret. Wenn er nicht schon bey den Galen Helemtes und delenites hieße, von welchem Worte der Deutsche Nähme nur eine Übersetzung ist, so könnte mail glauben, daß er den Nahmen seinen Hellen durchsichtigen weißen Blättern, in welche er sich spalten löstet, z,r danken habe, von man, mon, Hell, glänzend, S. Mond, Anm. Mondsüchtig, —er, — ste, ach. et 26v. eigentlich, mit einer Krankheit behaftet, welche in ihren Anfällen von der Ab- und Zunahme des Mondes abhänget. Im engern und gewöhnlichsten Verstände nennt man nur diejenigen Personen mondsüchtig, welchedes Nachts im Schlafe aufsiehen, und allerlep, oft sehr gefährliche Verrichtungen vornehmen, deren sie sich nach ihrem Erwachengar nicht mehr bewußt find, dergleichen Personen man auch Nachtwandcrer, Nachtgänger, zu nennen pflegt. Ihre Krankheit richtet sich gemeiniglich nach der Mondswandelung, und istum dic Zeit des Vollmondes am heftigsten. Im Tatran rnalloülicbb, in denMonfterschenSlosten marroükallon, bey den später» Schriftstellern mondisch, in dem »52z zu Basel gedruckten neuen Testamente monig, (S. Monig,) lünig, Lat. iu- Natieus. Daher die Mondsüchtigkeit, diese Krankheit selbst, auch die Mondsucht. Die Monösrchr, Monöenuhr, oder Monöuhr, s-Iur. die —en, eine Uhr, welche die Stunden tu der Nacht vernnttelst des Schattens des Mondes, so wie die Sonnenuhr durch den Scharten der Sonne, andcutct. Die Nonöswandslunr?, xlur. die— en, die periodische Ab- und Zunahme des scheinbaren Lichtes des Mondes; die Mondsbrüche, der Mondwechsel. DerMorrötay, S. Montag. ' DreMonörauve, xlur. die —n, eine Art Haustauben, welch« , stärker als die Fcldcauben sind und Büschel ans den Köpfen Hadem Sielegen und brüten im Sommer alle Monden oder Monathc, daher sieauch hen Nahmen Zu haben scheinen, und bey andern Monachsraubeii heißen. Wegen ihrer einer Trommel ähnlichen Stimme werden sie auch Trommelrauben genannt., Die Mon-ur, S.Montiir. Die Mondviole, die—n, eine Art Violen oder Veilchen, welche ihrenSämeu inSchotchcn bringt; ^.ullaria^,. Sie wohnt > in Deutschland und in den nüttcrnächtige,,Ländern, und blühet den Sommer hindurch alle Monden oder Monathe. Der Mondvogel, des —s, jrlur. die — Vogel, bey den nencrn Schriftstellern desJnsectenrciches, eincArtNachtvögel, kkuiae- na bomb^x bucexkala 1 ,.welche andere den Waffenträger nennen. Der Mondzirkel) vderMonöszrrkel, des—s, xlur. ur 00m. linx. in der Chronologie, derjenige Zeitlauf, oder diejenige Zahl der Jahre, in welcher die Neu - und Vollmonde wieder auf einen und eben denselben Tag des Julianischen Kalenders fallen; olus lunae. " . . *Mö'ni§,— er, — fie, a6j. et aäv. welches in den gemeinen Sprechartenfür mondäugig und mondblind üblich ist, und nur vpn den Pferden gebraucht wird. Es stammet vermittelst der Ab- ' leituugssylbe —ig von dem alten Mon her, und bedeutete, so wie mondisch, ehedem auch mondsüchtig, Das Monkalb, des — es, plur. die— kälber, ein fleischiges Gewächs, welches sich zuweilen in der Barnimrer des weiblichen Geschlechtes erzeuget; Lat-iVlola. Die Benennung ist ein wenig dunkel. Die letzte Hälfte Nalb bedeutet hier ohne Zweifel eine jede Geburt,, ein jedes Junges, (S. Bald,) welches durch die Niedersächstsche Benennung eines Monkaibes, welche Manenkmd, S lmttet,) Z7L Mon Moo L7S kantet, bestätiget Wird; wenn nicht dee Hochdeutsche Ausbruch zunächst von solchen Gewächsen in der Bärmutter der Kühe entlehnet ist. Dieerste Hälfte ist allem Ansehen nach das alte mein, inan, falsch, unecht, (S. Meineid, Mangel und 2. Mönch;) so daß der ganze Ausdruck eine falsche unechte Geburt, ein un» echtes Kind, ein Afterkind, welches die altern Oberdeutschen Ausdrücke Aöerkalb, Alöerkalb, Eberkalb, von aftev, falsch, «necht, bestätigen. Frisch führet aus den Breslauischen Sammlungen auch den Nahmen Eggekalb an. Um dieses mon, mein willen wird dieses Wort richtiger Monkalb als Mondkalb geschrieben. . - Die Monstränz, xlur. die —en, m der Römischen Kirche, das zierliche Gehäuse, in welchem die consecricte Hostie aufbehalten und gezeiget wird; aus dem Mittlern Lat. welches ehedem auch ein Reliquien - Kästchen bedeutete. Der Montag, — es, xlur. die —e, der zweyteTag in der Woche, Dies 1 ullas,weil er bei) den ältesten abgöttischen Völkern dem Monde gemidmet war; obgleich Eccard glaubt, daß er bey den Deutschen seinen Nahmen von ihrem alten Manns habe. Der blaue Montag war ehedem, dem Frisch zu Folge, der Montag vor dem Anfänge in der Fasten, an welchem noch jetzt in einigen Oberdeutschen Gegenden alles in der Kirche blauausgezieret wird. Weil dieser Tag gemeiniglich mit Üppigkeit und Völlbrey zugebracht wird, daher er auch der Freßmontag heißt, so wird noch jetzt an den Orten, wo die Handwerker jeden Montag Feyer- tag haben, jeder Montag, und in weiterer Bedeutung jeder müßige Lag , ein blauer Montag genannt, welcher sonst such ein guter Montag, Dän. Zrimandag, heißt, der verlorne Montag, in einigen Gegenden, der Montag nach dem Feste der Erscheinung Christi. Anm. Bey dem Notker lVlLllstaZ, im Niederst Maandag, Holland. v/lLLuckaA, Angelst?ckooalräueA, Engl. Dän. Mandag. Es erhält das Andenken der alten noch in den gemeinen Sprecharten üblichen Form des Wortes Mond, da eS ohne d Mon, Maan lautete, und sollte daher nach der heutigen Hochdeutschen Form billig Mondtag heißen. Die Montur, xlur. die—en. 1) Diejenige Art der Kleidung, welche geringer» Bedienten von ihrem Herren gegeben wird, um sie dadurch von andern zu unterscheiden. In welcher weitern Bedeutung auch die Livree zuweilen die Montur, und im gemeinen Leben die Montirung genannt wird. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutuug ist die Montur die Kleidung der gemeinen Soldaten, welche ihnen von ihrem Herren gegeben wird, sie so wohl unter sich, als von den Soldaten eines andern Herren zu unterscheiden, im gemeinen Leben gleichfalls die Montirung; dagegen die einförmige Kleidung der Officiers mit einem anstän- bigern, aber auch aus dem Französischen erborgten Ausdrucke die Uniforme genannt wird. In beyden Fällen wird essowohlcol- lective, als auch von einzelnen solchen Kleidungen gebraucht. Basier das Zeitwort montiren, mit der Nonkur versehen, und die Zusammensetzungen, das Morrtirnngs-Stück, ein zur Montur gehöriges Kleidungsstück, die Montirungs-Rammer der Hanpt- leure, zur Verwahrung öerMontjrungs-Stückeu.s.f. -)Bey den Perrückenmachern ist die Montur, Franz.iVlorrture,die Hanbe von Band, Netz oder Zeug, auf welche die Tressen der Perrncke ge- nähet werden. Daher das Zeitwort monturen, Franz, rrronter, 'die Montur verfertigen, das Montur-Band oder Montirungs- Band, dasjenige Band, womit die Montur der Perrücken eingefasst ist, der Montirunge- Ropf, ein hölzerner geschnitzter Kopf, . Einige halten fie bloß für eine Abänderung der folgenden. Z) Ein den Häringen ähnlicher Fisch, welcher zuweilen auch ihre Größe hat, zuweilen aber auch nicht grösser als eine Sardelle ist. Erist von Farbe weißlich, hat silberfarbene Schuppen, einen länglichen Kopf, große Augen, ein zartes und wohl schmeckendesFleisch,und wird auch geräuchert. Sie haben außer dem Rnckgralhe und Gerippe keineGräthcn, und werden in den Seen der Mark Brandenburg, Pommerns, und Schlesiens Häufig gefangen. In dem letzter« Lande Heißen sie Muränen. Nach dem Linnee gehöret dieser Fisch zu den Härnr- geu, bcy dem Klein heißt er IruNa eüerttula, artenden lota. iHULmis tsnuidus ivksrlors mavckibulu r6lrma.'S.Rich« ters Jchthyolog. S. ??7. Eine kleine Art derselben, welche in dem Sächsischen Erzgebirge sehr Hoch ge sch atzet wird, heißt daselbst Ziedrl. - A u m. Der Nähmebieses Fisches lautet bald Maräne, bald Moräne, bald auch Muräne. Die letzte Schreibart ist irr Ansehung der ersten, den Alten schon bekannten Art die richtigste. Den Nahmen der dritten Art leiten einige von dem Brandenbnr- gischen Städtchen Morine, fünf Meilen von Berlin her, in dessen Nachbarschaft sie häufig gefangen wird. Allein er scheint vielmehr von dem moorwen Aufenthalte, oder auch von seinem m nr-^ " ben (Rieders, mor) Fleische entlehnet zu seyn, welche Ableitung auch die Muräne der Römer leidet. Der Morast, des —es, plur» die —aste. -) Tiefer Koch auf der Oberfläche der Erde, weiches mit Wasser vermischtes Erdreich; ohne Plural. Es ist vieler Morast in dem Wege. In dem Moraste stecken bleiben. 2 ) Eine mit solchem tiefen Koche oder weichem mit Wasser vermischten Erdreiche airgefüllLte Gegend; ein Moor. Die Moraste austrocknem Anm. Am Dän. Msrads, im Schweb. Nora«, im Franz. Nurais, im Jtal. Nararro, im Mittlern Lat. Nurillus, und NuraZium. Es ist von Moor, welches auch im Niederst für Morast üblich ist, nur vermittelst einer Ableitnngssylbe gebildet, welches die Sylbc—rsch zu ftp« scheinet, da denn Morast mit Msr LtzL Mor dem Niederdeutschen Marsch,Angels. Älsrkc, Engl. im Mittlern Lat. ückarilcus, ein und eben dasselbe Wort seyn würde. Morastig, —er, —ste, aclj. et ackv. Morast enthaltendin der ersten Bedeutung. Eine morastige Gegend. Ein morastiger weg. Jngteichen in der zweyten Bedeutung, Moräste enthaltend. Ein morastiges Land. Jtal. morL2Lolu, im Mittlern Lat. rnotolus, moriuus. Der Moräststein, des — es, plur. die—e, eine Art Eisensteine, welche in manchen Gegenden in den Morästen und Sümpfen gefunden werden; Geeerz, Sumpferz, Modererz. Die Morchel, plur. die — n, eine Art eßbarer Gichtschwämme mit einem epförmigen Hute, der mit vielen kleinen Höhlungen gezeichnet ist, und einem nackten runzeligen Stiele; kckallus eleu*, lentus l,. Die Spitzmorcheln und Stockmorcheln find Arten derselben. In einigeil Gegenden führen auch die Trüffeln den Nahmen der Erdmorcheln. In weiterer Bedeutung werden im gemeinen Leben alle getrocknete eßbare Schwämme Morcheln genannt. Anni. Jur Dbccd. mit einem andern Ableitungs'laute Morche, stnDstcrreich, Steyermark und Baiern Maurache, im Schwed» kckurkla, immittl.Lat.MoruelL, imFranz. undEngl.jXlorille, im Böhm. 8 mrre. Entweder wegen ihrer dunkeln fchwarzcn Farbe, von Mohr, Niederst murk , und Schwed, morlo, oder auch wegen des moorigen, sumpfigen Bodens, welchen sic lieben, (S. Moor ) Im Böhmischen wird der Fliegeuschwammkluclio- murkck genannt, gleichscunstliegenmorchel, woraus man schließen - könnte, daß Morche, Morchel, ursprünglich eine allgemeine Be, nennung allerSchwämme gewesen,welche sic vielleicht wegen ihrer weichen, mürben Beschaffenheit bekommen, hl oder Auftrag ercheilet, einen andern zu ermorde» ; ein Uriasbrref. Morden, verb re-g. nee, r. mit dem Hnlssworte haben , welches nur absolute gebraucht wird, Mordchaten begehen, und in weiterer obgleich batter Bedeutung, niedu rmachen, todttnr La ging es an em Morden. Unmenschlich mordere mein Vater nie, Schleg. Zm thätigenVerstande ist dafür ermorden üblich. Im Niederst moorden, im Dän. myrde . im Schwed. mörUu, im Island, rnvrfta, im Pers. worclan-ckell. Der Mörder, des — s, xlur. ui.nom. ünx. Fämin. die Mörderin», eine Person, u eiche eine andere unbefugter und vorfitz- licherWcise um das^Leben hrrirget, welche einen Mord begehet, (S. dieses Mort.) Der Vatermörder, Muttcrmörder, Brudermörder, Rindermörder Selbstmörder, Meuchelmörder, u. s. f. An jemanden zum Mörder werden, ihn ermorden. Arm. Im Schwüdensp. iVlorcier, im Niederst Mordener, ^ Holland.-, 1 oor 6 enLÄr, Engl. Nurclerer, Dänisch. Mörder, Schweb. L 4 ör 6 -tre , Angelst IVI^rldru , Franz, ^eurtrrsr, PerstlVjir!un,Pohln.e^ortje7rt.L,sv1o!6Lrc,a, Böhm.^lorcler. Die Mördergrube, plur.dre—n, eine Grube oder Höhle, so fern ste Mördern, oder Raub rurd Mord im Sinne habenden Leuten zum Aufenthalte dienet. In wettrrcr Bedeutung, ein jeder Aufenthalt lasterhafter und boshafter Menschen. Niederst Moor- kuie. S. Mordgrnbe. Mörderisch, —er, —te, acl). el ustv. nach Art der Mörder, Mördern ähnlich, mgleichen, so fcrnMörher hier die altrForm des Wortes Mord mit dcrAbleitnrrgssylbe — er ist, in einemMorde gegründet, wofir: in der anständiger!, Sprechart doch mördlich üblicher ist. Ihre Schwerter sind inörderifche Waffen, r Mos. 49, Z .Ps. 144, t 0. Die mördeir-chc Stadt, Ezech. 22, 2; Kap. 24, 6, 9. Mörderische Gedanken hege». Jemanden mörderisch an- grcifcn. S. das folgende und Mördlich. Mörderlich),.-—er,—ste, ue!j. et. welches mit dem vorigen Worte eigentlich einerlcy Bedeutung hat, aber nur allein zuweilen im gemeinen Lebe» im figürlichen Verstände für sehr heftig üblich ist. Mörderlich schreien. Mit seiner Harn gen Äeftcrep Z-eb Scidütz mörderlich, Gleim. Dir MordZ:schichte, plur. die —n, eine Mordthat, „nd in wcilerer Bedeutung , eine schreckliche und zugleich abentrueriwle Vegebr übest , inzk.-kch.-n d'e Erzählung derselben. Es hat sich eine schreckirche Mordgeschichte zngetragen. Eine M.pdge- gsschrchte abflngen, wie vondcuBärstelsäugeen geschich.r. Das Mörötzeschöß, des— sse.s, ;,Iur. die—sse, ein invrdliche-, tödiliches Geschoß, in der dichterischen Schreibart. Drrb Morö^eseyre)), des —es, ^lur. die—e, ein Geschrei), . rmr welchem man einen unternommenen oder begangenen Mord ' verkündiget, u,:d in weiterer Bedentnng, ein sehr heftiges, -schreckliches ^se^chrey. Meine Sexlehö- et ein Mordgeschrep über das andere, Zor. 4 , 20. Nun hat er mit einem großen Mord- g^schrey e:» Leuer angezfindet, Kap. 11, 26. Ein Mord- Zeschrey erheben. Dsr MordFrsrL, Leg—-en, plur. die —en, der Gesell, d. i. Gedüste bep einem begangenen Morde. Jnaleichei, der Mörder selbst, l^MEnd. 284 DüS MoröFewehr, Lee — cs, plur. die — e, em Mordlrche.^ todtlichos Gewehr, am häufigsten in der dichterischen und rednerischen Schreibart. Ihr Männer mir den M ordgewehren , Gell. Die Mordgrube, plur. die—n, im Fcstnngsöäiie, Gewolber unter den, Walle in einer Festung, woraus der Graben bestrichen werden kann; der Mordkeller, und mit einem auslandischenWorte die Lasematte. Lermnthlich so fern Mord überhaupt Blutvergießen bedeutete, weil diese Gewölver bcp einem Sturme für die Sn'irmkirden sehr gefährlich find. Mördio, ein Zwischenwort, welches das Mordgeschren ausdruckt, aber nur noch im gemeinen Leben üblich ist, wo es gemeiniglich mit Feter verbunden wird. Fcter Mordio schreien, sehr heftig. Es ist, wie man glaubt, von Mord, und der alten Interjektion Io, welche auch in Iodutc vorkonunt, zusammen gefitzt, und war ehedem die Formel, der Ruf, womit man einen unternommenen oder begangenen Mord verkündigte. Der Mordkeller, des—s, x!ur. ut nom. stuZ. S. Mordgrube. *Das Morbstinö, des—es, plur. die—er, ein Mörder; ein ungewöhnl.ch gewordener Ausdruck,-der noch 2 Kön. 6 , z 1, Z-r VorkoMMt. Mördlich- —er, —ste, sckj.et Läv. welches in der anständiger!, Sprecharr für mörderisch übiich ist, einem Mordegleich oder L'. nlich, m demselben gegründet. Ein jeder habe ein mördlich W -ffen in seiner Zand, Ezech. 9, r, wo es in weiterer jetzt ungewöhnliche- Bedeutung nir tödtlich stehet. S.^ greifen Wirtwcn -nördlich an, Opitz Ps. 94. Mögliche Anschläge hegen. I -Mtznden mördlich anfallen. Das Mordmrfftr, des—s, filur. ut uoui. linZ. ein Messer, womit ein Mord begangen lvorden, oder begangen werden soll. Die Mc-r-Niack-r, lilur. die—nächte, eine Nacht, worin ein ein- oder mehrfacher Mord begangen worden, welche zu Begehung eines Mordes bestimmt ist. Die Mordthat, jst m. die — en, ein Mord. Eine Mordthar begehen, im Sinne haben. Lre Mordthat vollführen. Besonders, wenn Mord im Plural stehen sollte, vieler Mordrha- tten schuldig seyn. Zur Ooerd-urschen ein Mordstück. Geinei- mgljch erk-mret man dasiVlortLusiOx 'Uorltucic.- und^llorlLU- 6 us in d-m alten Aremaunischen Gesetze durch Mordthat; wenig- Mus hat es d«.'nga.--zgk Sinn dieses Wortes. Aber lVIvrstum to- Lu m in demSachflschrn Gefttze ist wohl etwas andres dem Worte nach, obglc-c. rucht der Bcdri.tung. Der Mordweg, des—es, plor die — e, im gem . inen Leben, ein dö,er, unwegsamer Weg, auf welchem man Hals und Berne brechen möchte. Die Moräste , oderMoriste, S. Amarelle. Der Morf- iyA, des—es, plur.die—e, in einigen Gegenden, z.B.im Cfim-krl ch', rin Karpfen/ welcher weder Milch noch Epcr hat; auch der-Leiner. Morgen, e,-r Nebcnwort, welches aus dem folgenden Hanpcworte - einstanden ist. den nächst folgenden, morgenden Lag zu bezeichne»; zum Unterschiede von hcuteuud gestern. Morgen will ich komme»- Wenn ich morgen noch lebe. Zebe es bis morgen ans. Morgen ist es Frcptag. Morgen früh, morgen in der Frühe, im Hanuöo. moren morgen, Engl. m»rrovv moroinb, gleichsam morgen-M.rgein Morgen Mtttag, morgen Nachmittag, morgen Abe- d. Morgen des Tages sollst d» fort , rur gemeinen Leben; eigentlich morgendes Tages. Er mag 1.rm heute oder morgen kommen. Zerrte oder morgen wird auch häufig für eine unbestimmt! künftige Zeit gebraucht. Wenn ich heute oder morgen sterben sollte. Lieber heut als morgen, re sZL R »r je eher je lieber. Er ist so vergafft m sie, baß er sie lieber heute als morgen nähme, Less. übermorgen, an demzwepten folgenden Tage. Jngleichen mit einigen Vorwörtern. Ich bin «uf morgen schon versprochen, von morgen an. S. auch Morgend. Anm. JmTaüan lautet dieses Nebenwort morgnu, morAL- nn, in den gemeinenQöerd.Mundarten zusammen gezogen morn, imNieders. morgen, imAngelf.to morAev,im Engl, to nnor- rorvstmJsländ. marneü, mit welchem,wenn man dieVersetzung der Buchstaben annlmmt, dasHebr.inv, morgen,überein kommt. Daß dieses Nebenwort ans dem folgenden Hauptworts entstanden fty, und eigentlich die Zeit um den Allbruch des nächst folgenden Tages bedeute, erhellet aus dem Qttfried, der in NorZen und 21 UlorALne noch fürbsn folgenden Tag, xroÜrickis, gebraucht. AufähnlicheArtist dasZranz.äsmLlin aus mavs gebildet. Übrigens kann dieftsNebenwort rrur alsdann gebraucht werden, wenn der nächst folgende Tag dem Redenden noch wirklich bevor stehet, nicht aber in dem Laufe der Erzählung von dem folgenden Tage überhaupt. S. das folgende. ^ Der Morgen, des—s, xlur. ut vom. llnZ. die Zeit zwischen Nacht und dem vollen Tage, die Zeit um den Aufgang der Sonne und bald hernach, r. Eigentlich. Es wird Morgen. Der Morgen bricht an. Es gehet gegen Morgen. Ich habe ihn diesem Morgen gesprochen. Es war em schöner Morgen. Gegen Morgen fing es an zu donnern. Guten Morgen, der gewöhnliche Morgengruß. Daher, jemanden einen guten Morgen sagen oder biethen, ihn mit diesen Worten am Morgen grüßen. Bis an den Hellen Morgen schlafen. Alle Morgen» Zerrte Morgen, diesen Morgen. Des Morgens, am Morgen, zur Morgenzelt. Am Morgen, oder des Morgens ans- xehen. 8riih Morgens, des Morgens in aller Frühe, in den Mynfteischcn Glossen vruo in Mornzen, vruo in k/lorZLN, bey dem Stryker, 6es Nordes vil kru. vonfrüh Morgens an arbeiten. Gestern Morgen, ehegestern Morgen, vom Mor- , gen bis an den Abend. Bey frühem Morgen kam derarme^ Amyntas aus dem dichten Zain, Geßn. Nych eh der Morgen graue, gehst -u wohin du willst, Zach. ^Zuweilen begreift man unter dcmWorteMorgen auch den ganzen Vormittag. (S. auch Morgens.) 2. Figürlich.-r) Die Zeit der Jugend bis zum männlichen Alter, in der dichterischen Schreibart. Mein Morgen ist vorbey, der Frühling meiner Tage, Canitz. Heil uns, daß unser Morgen in die Tage Des einzigen Monarchen fiel! Raml. a) Die Gegend am Himmel, wo die Sonne aufzugehen scheinet, und im schärfsten asironomischenVerstande,derPunct amHimmel, wo sie in den Äquator tritt, welcher von dem Meridian 90 Grad entfernet ist, und der wahre Morgen genannt wird, zum Unterschiede von dem scheinbaren, ohne Plural; Osten. Gegen Morgen wohnen, reisen. Der Mind kommt von Morgen, ans Morgen. Es wird in diesem Verstände am gewöhnlichsten ohne Artikel gebraucht. Notker gebraucht dafür V 5 ruus, d. i. der Aufgang. Anin. Bey dem Ulphilas Naurgin, bey dem Kero UlorLäv, bry dem Qttfried und Tatian lVlorgLQ, in den gemeinen Oberdeutschen Mundarten zusammen gezogen Morn, im Rieders, und Dan. gleichfalls Morgen,im Angels.iVIorASll, lVlarn, im Engl. Uoruivb, 2 /!orrl,im Schwed.iVlor^ov. im JsländMorZun. Es ist sehr wahrscheinlich, daß dieserTheilderZeitvondewAnbru- chc und'WachsthitM des Tages und des Lichtes seinenNahmen habe, so wie derAbend von dem Abnehmer! desselben benannt worden. Mor 236 Morgen wurde alsdann zu dem Gcschlechic des Wortes mehren, bey dem Qttfried merrLy, wachsen, gehören, so wie sich das Lat. cras zu erescsre, und lNLve.zu man, mon, hell, leuchtend, (S. Mond, Amu.) rechnen lasset. 2. Der Morgen, des—s, plur. ut vorn. ÜQ^. ein Feldmaß, welches nicht überall gleich ist,aber doch ungefähr so viel Feld oder Acker bedeutet, als ein Mann mir Einem Gespanne den Tag über bearbeiten rann, daher dieser Raum in einigen Gegenden auch ein Tagewerk, Juchart, Mannwerk und Mannsmahr genannt wird. In Nürnberg hält ein Morgen, wornach daselbst Felder und Waldungen vermessen werden, 200 Quadrat-Rurheu oder etwas mehr als 2 Acker; ein Tagewerk, wornach daselbst die Wiesen vermessen werden, ist eben so viel. In Bern halt ein Morgen oderIuchart an Äckern und Wiesen 312Z o,anWaldung aber 45000 Berner Quadrat- Fuß. Ein Rheinländischer Morgen hält rNheinlandischeJucharten oder ^oNheinlLndischcQua- drat-Ruthcn. Im Durlachischen hält ein Morgen Acker oder Inchart r 16 Quadrat« Ruthen, jede zu 16 Schuh. In den Chur- sächstschen Landen gehen ^«Quadrat- Ruthen,jede zu i Z Schuh 2 Zoll Leipziger Maß, auf einen Morgen; in der Mark Brandenburg 400 Quadrat-Ruthen auf einen großen,' 80 aber auf einen kleinen Morgen; im Hannoverischen 120 Quadrat. Ru-- then; im Bremischen 6 Hund oder gleichfalls 120 Quadrat- Ruthen; im Erfurtischen r63 Quadrat-Ruthen; in Hamburs 620 Quadrat'Ruthen oder 20 Scheffel Aussaat; und in und um Danzig Zoo Quadrat-Ruthen. S. auch Inchart, Tagewerk, Mannwerk u. s. f. Anm. Es scheinet, daß mit dieser Benennung zunächst auf die Zeit gesehen werde, in welcher ein solches Glück Feldes brarbeitet werden kann; Morgen mag nun hier figürlich den ganzen Tag bedeutet, oder es mag auch ein Morgen ursprünglich nur so viel Acker gewesen seyn, als jemand in Einem Morgen, d. i. in einem Vormittage, bearbeiten kann. Indessen stehet es dahin, ob sich nicht emmahl eine Spur finden sollte, woraus zu schließen wäre, daß dieses Wort von Mark, oder einem andern rvahrschcir-rlichcrn Stamme herkäme. S. 3. Mark 2, l) Dte Moryenandacht, plur. die—en. 1) Ohne Plural, eine Andacht oder Übung derNeligion, welche man amMorgen verrichtet. In engerer Bedeutung, das Morgengebeth. Seme Mor- genandacht halten. 2) Eine Gebethsformel, oder gottselige Betrachtung zur Erbauung am Morgen. DerMörgenbesüch, des — es, piur. die —e, ein Besuch, welcher des Morgens abgestattet wird. DasMorgenbrot, des —es, xlur. ious. wenige und mäßige Speise, welche man des Morgens zu sich nimmt; bas Frühstück', im Qberd. das Imbiß, S. dieses Wort. Morgend, das Beywort von dem Nebcnworte morgen, was morgen, d. i. den nächst folgenden Tag, in Absicht des Redenden, ist oder geschiehst. Der morgende Tag. Rühme dich nicht des morgenden Tages, Sprichw.27, i. Er hat noch einige Dlei- nigkeiten wegen unserer morgenden Abreise zu besorgen, Gell. Müder morgenden Post, ebend. Morgendes Tages, (nicht morgen des Tages,) morgrrr, rm gemeinen Leben. Man muß dieses Bcywort mit morgendlich und morgig nicht verwechseln. Anm. So sehr auch dieftsWort das Ansehen eines Mittelwortes hat,so ist es doch nur das Nebenwort morgen mildem d eupho- «ico am Ende, welches es in der adjcctivische:: Form annimmt, und welches dem n auch in andern Wörtern so gern nachschleicht. Zm Lhenerdanke lautet dieses Brpwort nur morgen, der morgen Tag. Eben daselbst kommt es auch mit der Ableitungssylbe—ig, vor, der morgenig Tag. In den.gemeinenQberdeutschert Mundarten ist statt Hessen nur morgig, mornig üblich,der morgigeTag. Noe ' Die Mortzenöämmeruntz, plur». inuk. die Dämmerung des Morgens, oder am A!§rgen; Nieders. der Krick vom Tage, von Krift Schein, Glanz, die Ucht, Angels. Vkt» bey dem Mphi- las Vlitevo,bey dem Notker Volituv. Morgendlich, uclj. von demHauptworte Morgen, so fern es den Anfang des Tages bedeutet, was am Morgen ist oder geschiehet, besonders in der dichterischen Schreibart.. Der morgendliche Glanz der Sonne. Von der Himmelsgegend wird dieses Bcy- Mort nicht gebraucht, wie es denn auch in der Adverbial-Form nicht üblich ist. Von Morgen, ein Feldmaß, lautet das Beyrvort morgig, von dem Nebenworte morgen aber morgend. Morgendlich ist nicht, wie es scheinen möchte, aus diesem letzten, Bey- worte gebildet, sondern von dem Hauptworte Morgen mit dem eingeschalteten d euphonico, welches in wesentlich, ordentlich, flehentlich n. a. m. in ein t übergehet. In dem Tatian kommt es noch ohne dieses d vor, tchermorZanliliftci t.LZ. Die Mor.tzentzahe, plur. die—n, dasjenige Geschenk, welches der Ehemann den nächstenMorgen oderTag nach dcrVermählung seiner neuen Gattinn zu machen pflegt, und welches jetzt nur noch unter dem hohen Adel gebräuchlich ist, ehedem aber auch unter den Deutschen modern Standes üblich war, und als eine Vergeltung für die demGatten zugebrachteJungfrauschast angesehen wird; sogleich auchWitwen solche ben ihrer zwetztenVcrmählung zu bekommen vflege». Daher das Zeitwart bemorgengaben, mit der Morgengabe versehen. Das Wort ist so alt, als der Gebrauch selbst, der sich in den ältesten Zeiten Deutschlandes verlieret. Es lautet schon i» dem Theilnugsvcrtrage zwischenGutttranyChildebert und Brünndild vonL87iV1orZ3neZit>a, in den altenLongobardischen Gesetzen iVlorgsnAnx, IV1orZiacsp,imAngels.l>1orAenZiks, im SchwedMprgoli^Lkvs, im Mittlern Lat. ü4ar^ÄvLZibZ, sVlorAenZab^^lorZnngiLa.MorALvLtjcumMurgLNZ- ts.MurZtlntio u.s. s. Bey denCataloniern heißtdiesesGeschenk, dem Du Fresne zu Folge, Lereix, im Valentia 6reix, in Ara- gonien Uuereclilnmentum maritorum,oder k'irma clotig, M Castilien Hrrfta, bey den altern Schweden ttilläruckuZsZchk. und 5ckunckur. Die Morgengabe muß mit der Mitgabe oder dem Brantschaye, dem Witchum, der wrderlage u. a. m. nicht ver--. wechselt werden. Der Mortzentzantz, des—es, plur. die — gange,, im, Bergbaue, ein Gang, welcher sein Streichen gegen Morgen hat, oder, die Zte bis 6te Stunde führet. Das Mortzenyebeth, des — es? plur. die— e, das Gebeth>. zu Gott am Morgen, beym Anfänge des Tages; im gemeiuen Le-- ben der M.orgensegen. DerMortzenyeftrntz, des—es, plur. die—sänge, ein Gesang am Morgen, zum Lobe des Morgens oder dessen Schöpfers, wie hier rings um Luft und Wipfel voll MorgengesanA sind! Herd. Ein geistlicher Gesang dieser, 2lrt. heißt ein Mor-- genlied. Die Mortzenghocke, plur. die—n, die Glocke, welche den Morgen verkündiget und derenKlang am Morgen, in der dichtere cheu Schreibart. Die Moryengränze, plur. die—n, dieGränze gegen Morgen^ Jos. 15 , s. Morgenitz, er6j. S. Morgend, Das Morgenland, des —es, p!ur. die —länder, ein gegen' Morgen gelegenes Land; iu welchem Verstände Assyrien,Persieu,, und andere dem Jüdischen Laube gcgenMorgen gelegene Länder in. der Bibel unter dem Nahmen des Morgenlandes Vorkommen.. Jetzt ist es im Plural am üblichsten, die uns Europäern gegen Morgen gelegenen Asiatischen Länder zu bezeichnen, welche man auir) den Orient zu neunen pfleget, und von welchen die Lc.vanre - »der das Morgenland, oder auch die Msrgenlä'sider im engsten, Verstände, der westliche Theil diesseits des Tigris sind. Der Morgenländer, des—s, plur. ut nom. linz. Fämin. die Morgcnländerinn, ein Einwohner oder eine Einwohnecinn des Morgenlandes, in beyden Bedeutungen dieses Wortes. Morgenländisch, a6j. et uäv. aus dem Morgenlande gebürtig, demselben gemäß, ähnlich, in demselben befindlich; mir einem Lat. Ausdrucke orientalisch. Die morgenlandischen Sprachen. DasMortzenlied, des —es, plur. die—er, ein geistlicher Gesang am Morgen, zum Lobe Gottes bep dcin.A„fange des Tages. Die Morgenluft, plur. die — lüfte, Diminut. das Morgen- liiftchen. i) Eine Luft, d. i. ein gelinder Wind, welcher ans Morgen kommt;., ohne Plural, wir haben Morgenluft. 2 ) Die kühle Luft des Morgens; wo von einzelnen sanften Bewegungen derselben auch der Plural Statt findet. Dann würde eine sanfte Morgenluft euch wecken, und die Concerre der Vogel, Geßu. Euch Blumen grüßen die lieblichen Morgenlüfte und die sumsenden Bienchen, ebend. *D er Mortzenort, des—es, plur. die—e, ein gegen Morgen gelegener Drt; ein außer, r Chrom 6 ,10 ungebräuchliches Wort. Der Moryenreyen, des — s, plur. m nom. 6u§. >) Ein Regen, welcher des Morgeüs fällt. 2 ) In Luthers Deutscher Bi- bel, der Fruhregen , d. i. derjenige Regen, welcher in den Morgenländern im Herbste fällt, S. Fruhregen. Die Mortzenrose, plur. die —n, Rosen, welche am Morgen gebrochen worden, oder erst des Morgens ailfgeblnhet sind, in der dichterischen Schreibart. Morgenrosen schmücken die heitre Stirn, Uz. Moryenroth, a6j. et ackv. der Morgenröthe an Farbe gleich,eine gelblich cothe Farbe zu bezeichnen, welche aus fcharlachrolh und oraniengelb gemischtist; auvor, aurorfarben, aurorfarbig. Das Morgenroth, des—es, plur. csr. die Morgenröthe, in - der dichterischen Schreibart. Jungst Hab'ich, als das Morgenrot!) kam, den ganzen Orr mit Kränzen geschmückt, Gcßn. ^wie lieblich glanzet das Morgenroth durch die Zaselstauden am Fenster! ebend. Weiß und unschuldig wie die Lilie, wenn fle am Morgenroth sich öffnet, ebend. Eben dieser Schriftsteller gebraucht es auch aufeine im Hochdeutschen nutze«' wöhnliche Art ohne Artikel mit dem Zeitworte seyn. So bald es Morgenroth ist, sprach er- will ich an den Fluß hinaufgehen. Wie froh werd' ich seyn, wenn cs Morgenroth ist! ebend. Bey dem Willeram sind andern alten Dberdemschen Miuidaeten im männlichen Geschlechte cket väorAenrot. JmHolländ.IVIor- ßlienrot.imSchwedMorßonroclnn. Jn dengemeinenMiind- arten so wohlDber- als Nieder,deurschlandes ist dieses Wort üblicher als das folgendeMorgenrothe. JmHochdcutschen aber kommt es, wie gesagt, nur in der Hähern Schreibart vor. Die Morgenröthe, 'plun. die — n, der rothe Schein, welcher kurz vor dem Aufgange der Sonne am Horizonte gesehen wird,, und von der Brechung, der Sonnenstrahlen.in der Luft.herrschet. Ans rosenfarbnem Fittich Rauschet die Morgenröthe vorbey, Zach.. . , vor tausend Morgenröten Glanzt dieses Sternes Licht, Dpitz. Figürlich, in der dichterischen Schreibart, sowie das vorige Mor- tzenrorh, aufbliihende Schönheit, anbrechendcs Glück. Ich wünr sche, daß auf diese Morgenröthe ein schöner Tag folge« möge, Sonnens. Anm: Statt dleseS und des vorigen Wortes kommt im Angels " auch laZarock und Oae^rime, (von Rahm, Rand,) und im Altschwed. Oatzraoc! vsr. Diefruchlbringmde Gesellschaft,wel- . ' - ch-1- cher dieses Mort vermuthlich zu lang war, suchte, obgleich mit schlechtem Glucke, dafür das Wort Röthinn einzuführen. Der Rothinn Purpur und der Sonnen Gold verderben, Casp. Abel im übersetzte» Boileau. Morgens, ein Nebenworl, für des Morgens, d. i. am Morgen, zur Morgenzeit, wofür doch das Hanptwort Morgen übsicher ist. Ich esse morgens nicht, des Morgens. Gestern morgens, gestern Morgen. Zerrte morgens, diesen Morgen, oder heute Morgen. EinigeEchriftsicller, bey welchen dieses Nebcnwortnoch vorkommt, schieben ein unnöthiges d ruphonicum ein; morgends eh» als die Sonn anbricht, Opitz. Jnr Oberdeutschen ist dafür auch morndes üblich, von Morn, der Morgen, S. Abends, Anm. Der Morgen schlaf, des—es, plur. ivul'.der Schlaf s.ü Morgen. Der Morgenschlafist der angenehmste. Inder anständigen Schreibart auch die Msrgenrnh. " -Lisette wiegte sich in süßer Morgenruh, Zach. Der Moryensegen, des—s, plur. ut norn. kuA. daSMor- gengebekh, im gemeinen Leben. Die Morgenseite, plur. die—n, die gegen Morgen gelegene Seite eines Dinges. Die Morgensonne, plur. i auf. der Glanz der Sonne am Morgen , bcy Md kurz nach ihrem Aufgange; in der dichterischen Schreibart. Dir frühe Morgensoun? flimmerte schon hinter den Bergen auf und verkündigt? den schönsten Zerbstlag, Geßn. Die Msrgensonne glanzt an ihr bemoostes Dach, ebend. Wir arbeiten von der Morgensonne bis;» der Abendsonne, ebend. vom Morgen bis an den Abend.' Die Mörgenspräche, plur. die —n, ein nur noch m einigen Städten so wohl Ober-als Niederdeutfchlandes übliches Wort, die Versammlung und Berathschlaglurg der Glieder eitler Gesellschaft am Morgen oder Vormittags zu benennen. So.ist in Bremen die Morgensprache oder der Morgcnrakh, die vorläufige Versammlung der vornehmsten Rathsglicder des Morgens vor der Versammlung des ganzenRaches. In weiterer Bedeutung werden die Versammlungen der Zünfte und Innungen noch an manchen Orten Morgenfprachen genannt, weil sie gemeiniglich des Vormittags gehalten werden, wo denn auch die Zandwerksherren, oder Zunftherren, d. i. diejenigen Rathsherren, welche der Zunft vor - und bepgefttzet find, den Nahmen der Morgensprachsher- < ren führen. Auch im Bergbaus heißt dir gemeinschaftliche Berath- schlagnng der Bergbeamten und Steiger die Morgensprache oder das Morgcngespräch. Unter eben diesem Nahmen sind in einigen Reichsstädten auch die Abschiede und Urtheile bekannt, weil sie gleichfalls des Vormittags gemacht werden. Der Morgenstern, des — es, plur. die — e. l) Die Venus, wenn sie vor der Sonne hergehet, d. i. vor Sonnen Aufgang gesehen wixd, ohne Plural; Lat. Duciker, Griech. In rechter Lckoene ein lVIorZeo Kerne Ili min frowe/Jacobvon Warte. Ick lick clen Norzeu Kerne usbreckeo, der Bnrggr. vonLiunz. Bey dem Ottfried Da^akerrou, bey dem Kaisersberg der Mets . renstern, von Mette, Ü/Iatutiuum. 2)Figürlich, eine veraltete Art Waffen, welche in einer Keule bestand, die an ihrem kol« bigcn Ende mit eiserrien Spitzen und Stacheln versehen war, und, dem Hortlederzu Folge, 1347 erfunden seyn soll. DerMor^enstrahl, des — es, plur. die — en, die Strahlen , der Sonne am Ddorgen. DerMortzenstillstanö, des — es, plur. ivust. m dcrAstrono- rnie, wenn ein Planet des Morgens in einem Punete des Thier« kreises eiuigeTagr stille zu stehen scheinet; ätstio matutins, im Gegensätze des Abendsiillffandes. Adel.W.B.Z.TH.2.Auff. Die Morgenstunde, plur, di? — N/ die Stunden des Morgens oder der Morgenzeit, und figürlich auch der Morgen, oder die Morgenzeit selbst; auch in der einfachen Zahl. Sprichw. Morgenstunde hat Gold im Munde, AuroraHlukrs amics. DerMoryenthau, des — es, plur. jaul. der Thau, welcher zur Morgenzeit vor dem Aufgange der Sonne aus der Luft fällt. O Romeo, meine Seele schmachtet darnach, wie ein verdorrtes Gras nach dem Morgenthaue, Weiße. Der um den Morgenthau Aus Thetis Armen sich entziehet, Uz. Der MorFentraum, des — es, plirr. die—träume, ein Traum, welchen mau des Morgens hat. Die MorHenuhr, plur. die — en , eine Sonnenuhr, welche auf einer gerade gegen Morgen gelegenen Fl.äche beschrieben wird, und also nnr die Morgenstunden bis Mittags um 12 Uhr zeiget; zum Unterschiede von einer Abenduhr, Mittagsuhr und Mitter- nachlsuhr. Das Moryenvolk, des — es, plur. dis— Volker, ein gegen Morgen wohnendes Volk. In engerm Verstände ein in Europa gegen Morgen g lemi'ks Volk. S Morgenland. Die Mörgenrväche, plur. die — n, in dem Kriegswesen, besonders der vorigen Zeiten, diejenige Wache, d. i. Wachzeir, welche um die Morgenzeij fällt, Und unmittelbar auf die Nacht« wache^olgt, undfigürlich der frühe Morgen selbst, die frühe Mor- gcnzeit. 'Als nun die Morgenwache kam, 2 Mos. »4,24. Sie kamxn ins Lager .um die Morgsnwache, 1 Sam. n, r r. von einer Morgenwach? bis zur andern, Ps. rzo, 6. Die Morgenwache schlagen, wofür in dem heutigen Kriegswesen die Französischen Reveille und Diane üblich sind, von demLat. Dies, der Lag. S. Wache. Morgenwärts, ackv. gegen Morgen, der Himmelsgegend nach, nach Osten zu. Norgenwärts gehen, wohnen. Mu Vorwör tern, wie, die Grä'nze von morgenwärts, 4Mos. 34, 4, von morgenwärts die Bothen senden, L Mos. 2, 26, das Thor gegen morgenwärts, Ezech. 46, 19, ist es im Hochdeutschen uu- gewöhnlich. Der Morgenwind, des—es, plur. die—e. -) Ein Wind, der aus Morgen, oder Osten kommt, wir haben Morgenwind, 2) Ern Wind, welcher des Morgens, zur Morgenzeit wehet. Die Morgenzeit, plur. luu5. der Morgen, als ein Theil der Zeit betrachtet , die morgendliche Zeit. Bey früher Morgen-- . zeit ausgehen. Morgig, ein Beywort. 1) *Von dem Nebenworte morgen, für morgend ; in welchem Verstände es aber nur in einigen gemeinen Mundarten üblich ist. Der morgige Tag. Die morgigepost. (S. Morgend.)'2) Von dem Hauptwort- Morgen, so fern dasselbe ein Feldmaß bezeichnet; wo cs doch nur in der Zusammen- fetzung mit Zahlwörtern vorkommt. Ein dreymorgigcr, sechs- morgiger Acker u. s. s. ein Acker von drey oder sechs Morgen. Die Mornelle, plur. die — n, oder derMorncll, des — cs, plur. die — en, eine Art Kibitze, von welcher es mehrere Unterarten gibt. Der gewöhnlichste Vogel dieser Art, welcher auch Mornellkibig genannt wird, ist in England sehr häufig und hat einen rnndern Kopf, als seine übrigen Geschlechrsvcrwandten; Oavial^oriuellus Okaraclrius lVIorluellus D. In einigen Gegenden heißt er wegen seines gelben Fleckens anfder Brust, Citronen - Vogel, pomeranzenvogel, Franz, kluvler «I'or. Er zeichnet sich besonders durch seine Dummheit ans, welcher er auch im Englischen den Nahmen Dotterel zu danken hat, und Klein tpill, daß auch der Nähme Mornell von dem Griech. MLvi'o-, welches einen dummen Vogel bedeute» soll, abstariime, obgleich auch die schwarze Farbe, wenigstens bey einigen Arten, zrr T ' . der Her BenennungÄulaßgegeben haben kann. Der graue Mornell, ^.a^iL Alorickella altera lX/e/n. heiße imEnglisch. gleichfalls Vortsrel. Der langgeschwÜnzte Mornell, Oavia bracky- ^l-sra. vocllsra^/aDr. Engl. OiiatlsrinZ bloßer, Franz. ^'!u viererlarck, hat einen schwarzenFleck an derStirn, schwarze Streifen längs den Backen und dem Halse bis ün die Brust, einen dunkelschwarzen Rücken und weißen Pauch. Der Seemornell, hie Seclerche, Oavja Morinellus Uttoralis Lliara- Prius Laticula 1^. hat einige Ähnlichkeit mit einer Lerche und wohnet in den Hohlen an dem Seeufcr. Morsch,—er, — este, ach. et -M v, welches eigentlich mürber bedeutet, aber nur in einigen Fällen üblich ist. l) Bon festen Kö'.-pern, welche durch die FLnluiß mürbe werden, sagt man im gemeinen Lebe«, daß ste morsch find; Jral. mnrcic». Ein morscher Apfel, der in den ersten Grad der.§änlniß gegangen ist, da er nocheßbar bleibt, welches in einigen Gegenden auch molsch, mulsch genannt wird, (S.Molsch,) dagegen faul den Hähern Grad der Fanlniß ansdrnckt. Em morsches Sein, ein morscher Äno- chen. Morsches 6olz. 2 ) Im gemeinen Leben gebraucht man es auch, doch nur als ein Nebenwort allein , von Dingen, welche plötzlich und gänzlich zerbrochen werden. Das Bein ging morsch cntzrvey. Einen Zweigmorsch abbrechcn. Das Schiff ging morsch in Stücken. Er blieb morsch todt, d. i. plötzlich und völlig, wofür man auch sagt mausetodt, S. dieses Wort. 2lnm. Es gehöret in der ersten Bedeutung zu dem Geschlecht«: des Wortes mürbe, Niederst mör, bezeichnet aber, so wie molsch, nur eine besondere Art des Mürben. In der zweyten Bedeutung scheinet es zunächst zu Nörsel, Mörtel und dem veralteten noch im Oberdeutschen gangbaren Zeitworts mürsen, zermürsen, zerquetschen , zermalmen, zu gehören. Bep dem Horncgk bedeutet murch und mnrkh, ohne Zischlaut, ss wohl morastig, moorig, (S. Moor,) als auch faul, und wankend, nnsiätr. D er M0 rse l, S. Mor ser. Die Morftlle,. xlu r. die— N, ein in den Apotheken übliches Wort, eine Arzency zu bezeichnen, welche mit Zucker vermischt in kleinen feste;! länglichen viereckten Stücken bereuet wird, und wovon die Magen - Morsellen, eine Art sind. An-dem Lat. .Xloriellus, dem Diminut. von kvlor'üs,welches in den Mittlern Zeittn sehr oft für ein kleines Stück überhaupt verkommt; Franz. Xloraoalt« Der Mörser, des — s, plur. ut nom. lin^. 1 ) Ein Gefäß von einer festen Materie, harte Körper vermittelst einer Lenle oder Mörserkeule darin zu zerreiben oder zn zerstoßen. Ein eiserner, steinerner, messingener Mörser. Etwas im Mörser stoßen oder zerstoßen. 2 ) Ein grobes dem vorigen Mörser nicht unähnliches Geschütz, welches nicht horizontal, sondern schief in^. die Höhe gerichtet wird, Bomben, Granaten, Carcafsen, Feuerkugeln und.andere große Körper daraus zu werfen; ein ßenermör- ser , zum Unterschiede von dem vorigen, ehedem eine Wnrfbüchse, ein Böller, Ital. Uortalstlo. Ein Hangender Mörser, welcher vermittelst seiner in der Mitte befindlichen Schildzapfen hänget, zumUilterschiedc von einem stehenden. S. auch Blockmör- ffer imdFußmorser., 2tnm. In der ersleir Bedeutung lautet dieses Wort in einigen Gegenden auch Mörse', (weil die Endsylbe el und er in meh- recn Fällen mit einander abwechftln,) in andern Morsener, Morschner, mir der gewöhnlichen Verwechselung des s und t, lm Österreichischen Mörtel, Mörtel, im Niederst Marter, im Dan. Marter, im Schwed. iVlort«!, im Lat. iVlortnriu n, im Ital. Mortacc», ^o rtai y. im Angelst Xlortore, im Engl. iVlorrsr, im Fran;. X! 0 et 1 - r, imBsh.m- HstorMr, Alorckjr, im Pshln. Es gehöret zu dem Geschichte der Wörter nurrbe, morsch, Lat. marUrrs» zermalmen, Niederst murren, Oserd. mnrfen, Island, msrin, Mörtel, merzen ». s. f. Da dieses Werkzeug im Österreichischen auch Malter und im Niedcrsächst auch Moser Hecht, so erhellet daraus zugleich die Verwandtschaft ^ mit mahlen i'.nd dessen Freqnentativo malmen, mir Muß, Moos, und andern dieser Arr. Übrigens wird der Mörser sin Niederst I auch Grjisener genannt, von griffen, zermalmen, (S. Graus.) Die zweytr Bedentarg kann als eine Figur der ersten von der Ahn-.- i lichkeir m der Gestalt entlehnet seyn, ob sie gleich auch unmittelbar von dem alten marsen, zermalmen, oder auch von morden Herst a m men kann. Der Morserolock, des — cs, plur. die—blocke, in der Ge- schUtzkunft, der Block oder die Lassem, worin der Mörser hängt oder stehet. Der Mörcel, des — s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut uom. iinj;. Hey den Maurern, der mit klein zerstoßenen Steinen oder groben Sande vermischte Kalk, so wie derselbe zum Mauern gebraucht wird ; die Speise, in Österreich das Malter. Mit Mörtel mauern. Mit Mörtel bewerfen. Amn. Im Lat. lVlortarrum, Franz, sortier, Engl. lVlor- tnr, lVIorter, Holland. Wörter. Es stammet mit dem vorigen Worte gleichfalls von dem Zeitworts mnrfen. Niederst mnrten, Lat. morlare, zermalme», her, so fern man sich anfänglich anstatt des Sandes zermalmeter Steine zur Vermischung mit dem Kalke bedienetc, wie in Italien noch jetzt geschiehct. Im Niederst bedeutet Mnrt alles was klein zerrieben ist ; Grut und Murch. Im Irak, und Mittlern Lat. heißt der Mörtel IVIulta, von mahlen, mc> lere, um eben der gedachten Zermalmung willen. Die Mördelhaue, plur. die— n,, bey den Maurern, eine Hane oder Hacke, den Mörtel damit anzumachen nno unter einander zu ziehen. Dtp Mörtelkelle, plur. die — N, eben daselbst, eine Kelle in Gestalt eines Dreycckcsoder Herzens, den Mörtel damit aus und zwischen die Steine zn tragen ; die Mauerkelle. Die Mörtelpfamrs, plur. die—n, u'ben daselbst, der mitBre- tern eingcschlossene Raum, in welchem-den Mörtel bereitet und anfbcwahret wird. *Mos, plur. cur. ein nur in den niedrigen Sprecharten im Scherze zuiveilen üblichesWort, welches ohne Artikel gebraucht wird, und Seid bedeutet. Es ist ans dem Jüdisch-Deutschen Alelüm, Geld, verderbt, und wird zuweilen auch Moses gesprochen. Mor Habens Geld. Das Mos, S. Moos. Mosaische?srbelt, Mosaisch Golö^, S.Muffv. Der Mösch, S. Mersch. .Die Mosche, plur. die—n, ein besonders in den zemeinen Sprecharten Meißens und der Lausitz übliches Wort, eine Kuh zn bezeichnen. Daher das Moschcnkalb, ein Kalb weiblichen Ge« schlechtes) zum Unterschiede von einem Vchsewoder Bulleukalbe. In engerer Bedeutung heißt eine jnnge Kuh, welche noch nicht getragen hat, und die an andern Orten cine llalbc, Zarsc, im Niederst (Queens, genannt wird, eine Mosche. Anm. Ans dem Lande in Meißen und der Lausitz auch mit dem verstärkten Slavonischen ZischcrMstsche,Mörschel; vielleicht zunächst ans dem Wend. IVlociro, lX-llockra, ein Junges. Daß aber dieses Wort nicht diesen Mundarten allein eigen ist, sondern ehedem bey dem ganzen Europäischen Völkecstamme anzutreffen gewesen, erhellet anS dem alten Franz. dckLlclrin, und im weiblichen Geschlechts la L/Ielcüine, fm mitllernLar. >1elc!r>nus, l^las^uinus, so wohl eine junge Person, als auch eine jnngcKuh, dem PiccardifchenMec;uaiÜ6, ern Bediente, Magd, dem Mittlern Lat. l^ocimu^ Holland.Blocke; und auch in einigenObcr- dentfchen H-egeuden üblichen Nkocke, Niederst Nud-S/ Mücke, Ürntte, M,Ulf, eine Sau, und dem Elsasilschcn Mötsch, eine Stute; S. Mutter. Die Moschee, (zwevsylbig,) plur. die— n, (dreysvlbig,) ein ans dem Türkische» Mesdsched verderbtes Wort, ein Bethhaus der Mahoiucdaner zu bezeichnen. Eigentlich führet nur ein kleines Wethhaus diesen Nahmen ; ein größeres wird Dschamj genannt. Die Wäschrose, plur. die —n, eine Art Rosen von weißer in das Gelbe spielender Farbe, welche mau so wohl einfach, als gefüllt hat; k olck rnoleketta Sie haben u nter allen Arten der» angenehmsten Geruch, welcher stch dem Bisam nähert. Und werden auch Bisamroscn genaunt. DieDamascencr-Rose, welche viele mit ihr verwechseln, ist davon noch ver schieden. Der möschns, plur. cur. ein Nähme, welchen auch der Bisam führet, und welcher so wie dieser unstreitig morgcnländischen Smmmcs ist; im Mittlern Lat. LI ustou s. Die Moscobäöe, oder Moökoväde, xlur. ivull aus dem Por- tugiesischeiMLscodueiu, womit in denZuckcrsicdereyeu der erste bis zur Trockenheit eingcsotteneZuckersaft benannt wird, aus wel» chcmdurch die zweykeSiedung und Reinigung der gelbe Zarin, durch die dritte der weiße Zarin oder die Lassonade, durch die vierte der-Eumpenzuckcr, durch die fünfte der Melis, und durch die drey folgenden endlich Rafinade, feiner snikc? und Lanarien-Zuckcr bereitet werden. Die Mosflechte, Mosgeyer, Mosig, u. s. f. S. in Moos. Der Most, des—es, xlur.doch nur von mehreru Arten oderQuan- titäten, die — e, der ausgepreßte zuckerartige Saft verschiedener Früchte, vor der Gährung. Apfelmost, Birnmost, Ttuittknmost, welcherstach derGährungÄpfelwein, Birnwein, Guittenwcin oder mit einem fremdenWon Lider heißt. In engcrerBcdeutting wird der IL'cinmost oder der aus den Weinbeeren gcpreßteSast, so lange er noch nicht gegohren hat, nur schlechthin Most genannt. Most machen, im Oberd. mosten, most- In, Ztal. mvüure. Anm. Bey dem Notker und Willeram Llloü, Lloüs, im Dän. Moost, im Schweb. und Engl.Must, im Jtal.Lloüo, im Franz. lVIout, im Böhm. L!cli, im Pohln. L!ulir.Lic; alle, wie cs scheinet, zunächst aus dem Lat. Tritium, obgleich auch dieß zu dem Geschlechte der Wörter dieser Art gehöret, welche Saft, Flüssigkeit überhaupt bedeute«, (S. Moos, Aum.l Zm Oberdeutschen wird eine schlechtere Art Most, wo die Trauben mit den Hüsten^ Kämmen und Kernen gestoßen werden, Masch oder Narich genannt, welches zu morsch und dem veraltete« morschen , zerquetschen, gehöret. Die Moftöute, plur. die—n, i» einigen Gegenden, z. B. in ^ Meißen, ein Gefäß in Gestalt einer Dutt, welche, wenn der Most brauset, in das Spundloch gesetztwird, vielleicht das Verfliegen der geistigen Theile zu vermindern. Moste ln, verd. reg. i) Acnvum, Most machen, mosten, siehe Mostler. 2) Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, nach dem Moste schmecken, wie bcy jungen Weinen zuweilen Statt findet. Mosten, verb. reg. act. S. das vorige. Mostiy, —.xx, st?, Ltij. et. aäv. dem Moste ähnlich. Lex Mein schmeckt mostig, mosielt. Der Mostler, des — s, xlur. nt nom. 6 ng. von dem Activo mosteln, ein Arbeiter/ welcher Most macht, d. i. ihn durch.«.rc- ten aus den Trauben presset, und im Oberd. auch Trotter, Trott- knechsgcnaunt wird. Der Möstr ch, des—s, plnr.runs. eine vornehmlich mNie- der-Dclttschlüud übliche Benennung des mit Mo» e oder Weinessig zerriebenen sind zu einerTunke zubereiteten Senssamcris, welchen man in Obersachsen und andc^-n Gegenden gleichfalls nur Genf zu nennen pflegt. Niederst Mustert, m Liestand Mästring, W Iral.MoÜLrcku. Dir Endsyldeu cpr, pich, 1 ii>§u. s. s. Hede»- ten insgefammt einerlep, nähmlich ein Ding von der Art. Se§ Hauptwortes. Die Mostross? S. Moosrsse. Die Moswerhe, S. Maßwethe. Die Motete, ^lur. die—n, in der Musik, eine musikalische Com» posiciou, welche über einen biblischenSpruch gemeiniglich siwS'-n» gestiiumen verfertiget wird, und aus Fugen und allcrley kurzem Nachahmungen besteht. Aus dem Jtal. Lst ottelto, im Mittlern Lat. Lstololum, im alt Franz. Liste, beyden neuern Franzosen Lstotet. In Frankreich werden alle Kirchenstücke Moteten ge- «anut, dagegen bey den heutigen Jtaliäucrn die Motete eine Lateinische geistlicheSolo-Carttate rst, iuelchx aus zwey Arien und zwey- Aecitativen bestehet, sich mit einem Halleluja schließt, und unter derMesse nach dem Credo gesungen wird. Der Nähme scheint von dcmZtalMoi.ro herzustammen, so fern eS nicht so wohl ein Wort, als vielmehr eine Sentenz, einen biblischen Text bedeutet, welcher iu der Motete zum Grunde liegt. Die Jtal.Schreibart Lloltettv mit dem doppelten t bestätiget diese Ableitung. *Der Moth, des— es, xlur. doch nur von mehrern Arten ,. ^hie—e, im gemeinen Leben einiger Gegenden ; z. B. Meißens, ein Nähme des Torfes, oder einer dem Torfe ähnlichen lockern schwarzen und fetten Erde, welche in den Wäldern aus dem ver- faulten Holze entstehet, und sich wie Tors brennen läßt. Man findet es auch Modl geschrieben. Ohne Zweifel gehöret es zu Moder, die lockere weiche Beschaffenheit, und zugleich die schwarze Farbe dieser Erde auszudrucken. Dia Mötsche, eine Kuh, G. Mosche. Die Motte, plur. die — n. i)Ein Nähme, welcher denjenigen Nachtvögeln gegeben wird, deren Larven oderWürmer dasRanch- werk und andereKlridungsstücke zernagen; kksl^evlie 1 'iueus js,. Wohin vermuthlich auch diejenige Motte gehöret, dercu Larve sich als eine weiße Raupe mit v^rzr-hn Füßen gern in den Bienenstöcken aufbält und daselbst vielen Schaden verursacht. Sie wird auch Schabe nnd Riehwurm genannt. Iu allen Fällen führet si> wohl der Wurm oder die Larve, als auch das fliegende Ausi-ct diesen Nahmen, welches letztere zum Unterschiede auch wohl die strebende Motte genannt wird. 2) Die Milbe, Llattulst-. kommt in manchen Gegenden gleichfalls unter diesem Nahmen vor. Anm. Im Niederst Mutte, im Engl. Llstd, im Angelsächst. Liotll, Mole. OhneZweifclvon dem alten waten, zernagen,, weil dieses eine der vorzüglichsten Eigenschaften dicserJnsectcn ist, daher sie auch in einigen Gegenden Schaben.genannt werden. Milche, Motte und Milbe, welches letztere zunächst zu m-ahlen gehöret, sind genau mit einander verwandt, welches unter andern auch aus dem Dänischen uudNorwegischen erhellet, wo eine Motte Mol, d. i. Milbe, genannt wird. S. diese Wörter. Die Mottenflreye,. plur. die—n, ein Nähme, welchen Frisch demjenigen Schmetterlinge gibt, welcher aus dem Blattwickler oder der Wickclraupe entstehet, und vermürhlich zu denkÜZsLe- vis tortricibus ll.. gehöret. Der Mottenfraß, des — es , pl'ur. ivus. der durch die Motten verursachte Schade. Jngleickwn, von den Motten verderhte Kleidungsstücke. Und dieß veraltert wie Mottenfraß, Hiob 13, 2 3 ,, nach Michaelis Übersetzung. Dergleichen Kleider nennet Luther Zer. z, 2 mottenfraßige Riecher, wo aber das thätige Mittel-» wort anstatt des leidenden, von Morten gefressen, stehet. Das Möttenkraut, des— es, plum iuust ein Nähme verschiedener Pflanzen, welche die Motten vertreiben sollen,.besonders des wilden Rosmarins oderMutterfrautes, Beckum ^crlulire k-» welches stch durch seilten iiblcnGeruch ankündiget; ingleiche» einer Art der Königskerze - welche im mittägigen Europa in thoingen L r- - Gegendes Gegenden wachset, und auch Schabenkraut, Mottcnsgme, gereimt wird ; Verbaleum LÜLltLriL L,. Dcrö Mottyiltzn, des— es, plur. die — Hühner, oder das Motchühnchen, des —s, plur. ut vom. üvZ. ein Nähme, welchen in einigen Gegenden die Wasserhühner oder Sandreiher führen, welche sonst auch Sand- oder Skrandläufer genannt, in den Küchen aber mit unter dem Nahmen der Schnepfen begriffen werden, ob sie gleich noch gar sehr von ihnen verschieden sind ; Olareolns Sic haben den Nahmen, welcher im Niedersächsischen am bekanntesten ist,von ihremAufenthalte anfdenWie- sen und in sumpfigen feuchten Gegenden, daher sie an andern Orten auch Mattkerne heißen, S. dieses Wort und 5. Matte, Moder und Moos. Motzltz, —er, — sie, ackj. et ack v. ein nur im Bergbaue übliches Wort, wo die kurzeu.Gange,welche nicht weit iu dasFeld streichen, motzige Gänge genannt werden; ohne Zweifel von dem imHoch- dentschen veralteten mutzen, absiutzcn, verstümmeln, mutilnrs, (S dasselbe.) In Bajern bedeutet motzen zaudern, säumen. Die Möwe, S. Mewe. , ' Mücheln, verb. reZ. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert , und nur in den gemeinen Sprccharten üblich ist, nachSchim- nies, und in weiterer Bedeutung nach einer verdorbenen, von der Fäulniß noch verschiedeuenFeuchtigkeit riechen oder schmecken,anbrüchig riechen oder schmecken. Das Mehl m sichelt. Es ist statt dessen auch miichzen, imOberdeutschen miechteln, in andern Gegenden muffen, muffzen, muffen/ muffzen, München, msinch- zcn u. s. s. üblich. Es erhält das Andenken des Lar. m ucere, mücheln- und klueor, Schimmel, welcher in einigen Gegenden Muff und in andern Nun genannt wird. (Siehe r. Mauke.) Mair hat in eben diesen Gegenden auch die Bey- und Nebcnrvörtcr muchlich, msichlich, muffig, muffig, müfzig, münig, Rieders. mulsterig, Engl. moulck^ und muddig, welches letztere von Mudde, Schlamm, Koth, abstammet und zu dem Geschlechts des Wortes Moder gehöret. Übrigens ist für mücheln im Österreichischen auch bladeln üblich. S. 2. Muff und z. Muffen. Muchsen, S. Mucksen. Die Mucke, xlur. die—n. r) Üble Laune, besonders so fern sie sich durch mürrisches oder tückisches Stillschweigen an den Tag legt; in welchem Verstände dieses Wort am seltensten vorkvmmt, und alsdann im Plural gebraucht wird. Mucken haben, Grillen. 2) In weiterer Bedeutung, ein jeder anderer merklicher Anfall einer verborgenen üblen oder seltsamen Gemüthsart. Sie hat ihre alte Mucke. Ich kenne seine Mucken. Mb er gleich genesen war- so behielt er doch eine solche Mucke von, Verrückung n. s. f. der Arzt. Er kam wieder auf seine alten Mucken. A) Im weitesten Verstände wird cs oft von einem jeden Ausbruche, - von einer jeden Äußerung eines verborgenenFehlers oder Übels gebraucht. Das Pferd hat Mucken, einen heimlichen Fehler. Die Sache hat Mucken, verborgne widrige Umstände, Hinder- «isse u. s. f. - Anm. Im Niederst mit einem gedehnten u Muke, welches aber auch die Mauke, eine Krankheit der Pferde bezeichnet. Die Mucken ziehen bedeutet.m Hamburg so viel als das Maul krümmen. -Frisch in-.b andere sehen unser Mucke als eine Fiaur des folgenden Mücke an, welches im Oberdeutschen Nucke lanret, und daselbst auch eine Fliege bedeutet. Allein, cs scheinet entweder zu recm Zeitworte mucken zu gehören, und eigentlich das ungesittete mit Verzerrung des Gesichtes und besonders des MurckeS verbundene Stillschweigen eines mißvergnügtenMenschen zu bezeichnen, oder ein Verwandter des altenMeuchel, verborgeneTiicke, zu sehn, jumahi da der Begriff der Verborgenheit, der Stille, die sämmt- , -sichen Bedeutungen dieses Wortes begleitet. (2. Meuchelmörder und Nucken.) Übrigens wird in Niedersachsen das Wopt Nucke auch in eben den Fällen gebraucht, in welchen das Wort Mucke ^ üblich ist, S. dasselbe. Die, Mücke, plur. die — n, e?n Nähme verschiedener einander in der äußern Gestalt ähnlicher Jnsecten mit zwey Flügeln, welche dem Menschen durch ihr Stechen empfindlich fallen. 1) Der Erdschnake oder Schnake schlechthin, welche lange Berne hat, nicht in gerader Linie flieget, sondern gleichsam tanzet; lipula L,. Sie ist die größte unter den Mücken, legt ihrc Eyer in die Erde an die Wurzeln derBäume, und wird auch große Mücke genannt. 2)Der im gemeinen Leben eigentlich so genannten Schnake, Gulex ü,. welchem Obcrdeutschland Golfe, Galse, heißt, sich am häufigste» an wasscrreichenOrten aufhält,finget odersummet und scharfsticht. Die Lichtmücke, welche nach dem Lichte fliegt, und sich die Flügel verbrennet, Lulex pipiens st,, ist eine Art derselben, .z) Der am häufigsten so genannten Mücke, welche ein Maul mit einem sehr langen Rüssel hat, st-. Diese tanzen des Abends schar- weise in der Luft. Anm. Bey dem Notker klucca, im Oberd. Mucke, im Nie, ders.Msigge, im Osnabrück. Miete, im Sch wed. im Augels.IVI^c^im Engl.kstickge, im Island. im Böhm. IVIuucün, im Pohln. kluclis, imLappländ. imPlural iVl^ggor und kluoclü r,selbst imNikobarischcEunü, welche insgesammt ihre Verwandtschaft mit dem Lat. !V 1 ulcn und Griech. nicht verläugneu können. Im Oberdeutschen ist das Wort Mucke von einem viel weitern Umfange, indem es nicht nur unsere Fliegen sondern auch fast alle Jnsecten mir zwey Flügeln, z.B, diePferde- bremse, bezeichnet, ja auch oft mehrere Arten kleiner Vögel unter sich begreift, in welchem letzternFasse es denn daselbst im gemeinen Leben oft Musch nnd Muschel lautet, welches dem Lat. bluten am nächsten kommt. So wird der Waldsperling daselbst die äolz- muschel, der Mujch- oder Muschelsperlmg, oder nur die Muschel schlechthin genannt. In dem Nahmen derGrasmücke hat sich diese Bedeutung auch noch bey uns erhalten. Es scheinet daher dasWort Mücke so wieLlrege eigentlich ein sehr allgemeiner Nähme zu seyn, welcher nicht nur ein fliegendes Zirsect, sondern auch kleine Vögel bedeutet, nnd alsdann zu dem Werte mähen, bewegen, gehören würde, wenn es nicht vielmehr von mühen, ehedem mutieo, vexnre, beunruhigen, abstammet. (S. anch 2. Mauke.) In dem Meinbaue einiger Gegenden ist die Mucke eine Gabel, mir welcher die Weinbeeren in dem Fasse von den Kämmen abgerissen werden, um die letzter« allein auspreffenzn rönnen, in welcher Bedeutung es vermurhlich zu einem andern Stamme gehöret. MiuEen, verl). re§. NLUtr. welches das Hülsswort haben erfordert. i. Einen^aut von fich geben, als wenn man ansanaen wollte zu rede«, aber indem wieder abbricht, der geringste ver- nehmlicheLaut,welcher Laut selbst auch wohleinMuckoderMucks - genauut wird. Nicht einen Muck oder Mucks von sich geb m nicht den geringsten Laut. NrchrMuck sagen, kein einzigesWört- chen. Es soll nicht ein Sund mucken , 2 Mvst r r, 7. Er darf mir nicht mucken. (S. Mucksen,) welches in dieser Bedeutung noch üblicher ist. 2. Figürlich, r) Sein Mißvergnügen auf eine ungefitteteArt durchStlllschweigen und ein verzöge,resGesicht an dcnTag legen, welches im gemcinenLeben auch maulen,schmollen, protzen, im Niederst schulen, genann, wird; ohne Zweifel, so fern aufsolche Art mißvergnügte Leute ein mürrischesStillschivei. gen beobachten, und nnr unvernehmliche dem Muck ähnliche Töne von sich hören lassen. Er muckt. (S. Mucke, Mucker und Muckisch.) Nach einer „och weitern Figur. .2) Es muckt mit der Sache, öderer? Sache muckt, sic hat eine?, heimlichen Fehls^, geräch in StockunA, in das Stocken, es will nicht mit ihr fort. Mück 297 Ein vermuckter Hyam, ist daher im Niederst. ein verzweifelter t Handel. S. Mucke.^ Anni. In der ersten eigentlichen Bedentung, wo es eine Nach, ahmung des Lautes ist, im Rieders, mucken, im Mecklenb.m recken, im Schwed. muokL, imDän. mnkke, im Engl, to mutter, im Lat. mutire, mullArs und muMtLrs.im Griech. Das Griech. , eine verspottende Geberdc, und , mit Mienen und unarticnlirten Tönen verspotten, Engl. to moeir, Franz.mocc^usr, sind ohne Zweifel aus ähnlicherQuelle, sofern eine solche Verspottung sich bloß durch einfache Töne undGeberden äußert. Dieser Laut, welchen man im Hochdeittscheü einen Muck oder Mucks nennet, heißt in Baiern ein Nüsterle, (im Dän. ist knpsie und im Schwed. Kaolin, mucksen,) im Rieders. Rick, wo kicken mucksen istim Schwed. im Lat.lVlu, und im Griech. Weil alle die Laute, welche man mit dem Nahmeil Muck beleget, leise, still und unverständlich sind, so bedeutet mack, muck, in mehreru Sprachen und Mundarten auch so viel als heimlich, verborgen, wie das Schwed. mftrgZ. (S. Meuchelmord.) Das Niederst mucken, abmucken aber, - tückisch, auf heimliche hinterlistige Art ermorden, kann auch zu ' demGeschlechte derWörteraittctare, metzeln, Messer, > u. a. m. gehören. Das Mückenkraut, des—es, xlur. illust. r) Ein Rahme des Zlöhkraritcs oder Pfeilkrautes, koI^onurnksrlieLrin l>. weites die Mücken vertreiben soll. 2) Jngleichen des Zl'öhalan- tes, lriula p ulicari LI-. um eben dieser Ursache willen. Dre Mückenmotte, ,plur. die— n, eine Art Dämmerungsvö- gel, welche einer Mücke oder Schnacke gleicht; 8püinx cuüei- kormis ch,. ^ Die MüEenwanze, plur. die—n, eine Art Wanzen, welche sich auf den Bäumen aufhält, und daher auch Baumfloh und Baumwanze genannt wird; GilnsxNpularius I>. Der Mucker, des—s, plur. m vorn. liüZ. Fänün. die Muckerinn, eine Person, welche eine Fertigkeit besitzt, schädliche Absichten Hutter einem tückischen Stillschweigen zu verbergen. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung pflegt man auch cinenHeuchler in derResigiomwelcher hinter eilten, eingezogenen frommen äußern Schein ein lasterhaftes oder doch nngebessertes Herz verbirgt, einen - Mucker zu nennett. Es stammet von dem Zeitworte mucken her, von dessen erstell figürlichen Bedeutung es eine neue Figur ist. Daher die Nuckcrey, diese Art der Heucheley. MuEisch, Lckj. et nä v. gleichfalls von dem Zeitworte mucken nud dessen ersten figürliche» Bedeutung. Muckisch sepn, im gemeinen Leben, sein Mißvergnügen durch ein ungesittetes Stillschweigen äußern. Mucksen, verti. rez. neutr. welches das HülfSworr haben erfordert, und dasFreqncntatrvmn oder Jntrnsivnm des Zeitwortes mucken ist, aber nur in dessen ersten und eigentlichen Bedeutung gebraucht wird, cineuMucks, d. i. einen einzelnen schwachen unar- ticillir ten Laut von sich geben. Muckse mir nicht dagegen, sage mir kein Wort dagegen. Er darf nicht mucksen. Da es denn im Hochdeutschen auch wohl wuchsen geschrieben wird, weißt du wohl, daß dazu eine Zraunicht muchsen darf? Weiße. Einige Philosophen haben es so ziemlich durchgesetzt, daß die gesunde Vernunft nicht gegen sie wachsen darf. Das Mud, oderMüöd, ein Oberdeutsches Maß trockner Dinge, S. 1. Much. *MuddtF, —er, —sie, ackj. et sckv. in ben gemeinen Sprech- artcn, besonders Niedersachseus , für moderig. Der Zisch , das Wasser schmeckt muddig. Von dem Niedersächs. Mudd e, , Schlamm, Moder, S. das letzte Work. > Muff 'L98 lüde, —r, -—sie, aäj. et aäv. von einer Arbeit, vom Wachen, oder durch eine Bemühung der nöthigenKräsce beraubt, i) Eigentlich, wo diese Empfindung eine Wirkung der Mühe ist, und einen geringer» Grad derselben ausdruckt, al- matt. Müde sepn) müde werden. Müde von Arbeiten, von Gehen scyn. Sich müde arbeiten, gehen u. s.s. Ein Pferd'müde reiten. Besonders wird es von der durch Erschlaffung der Nerven verursachten Neigung zur Ruhe oder zum Schlafe gebraucht, für schlaferig. Müde sepn. Müde werden. Der müde Wanderer, Hunds- miide,hr der niedrigen Sprccharp, im hohen Grade müde. 2) Figürlich, durch mehrmahligen Genuß, durch mehrmahlige Handlung der Neigung zu einer Sache beraubt, derselben überdrüssig, ws es als ein Nebenwort allein am üblichsten ist. Dis Liebe wird nicht müde, r Cor. i Z, 8. Die Sache, zu welcher man der Neigung beraubt ist, wird so wohl mit dem Infinitiv und dem Worte zu ausgedruckt. Wenn man die Zarte der Menschen schon so oft erfahren hat, so wird man freilich wohl müde , von seinem Unglücke zu sprechen, Hermes. Dieses sep der einzige Ehrgeitz, den man der Zügen- einznfloßen nicht müde werde,.Gell. Als auch mit der zweyten Endung eines Nennwortes. Des Erbarmens müde sepn, Jer. 15, 6 . Wenn man so oft abgewiesen wird', so wird man am Ende dieser übel angewandten Freundschaft auch müde. Ronige werden des Thrones, Große rh'-er Ehren, Reiche ihres Überflusses müde, Zimmerm. AlSeiu Bepwort, ein des Rrieges müder Held kommt es irr dieser Bedeutung nur selten vor. Anm. Bey dem Ottfried, der es auch für faul gebraucht, inuncke, bcy dem Willeranr muo 6 e, indem alte»Fragmente auf Carl» den Großen bey dem Schitter rnuotüs , im Niederst möde, moe, im Dän. mode, modig, im Schwed. mock, im Island, inociur, im Angels. metüiZ, im Böhm. mäle, im Griech. Es stammet entweder von Muhe ab, deren Wirkung es bezeichnet, oder kommt auch mit matt, dessen geringer» Grad in unserm müde schon das weichere d bezeichnet, ans einer gemeinschaftlichen Quelle her. (S. Matt.) Das Zeitwort müden, bey dem Kcro rn uacksv, ist nur noch in dem zusammen gesetzten ermüden üblich. -, Das Müder, S. Mieder» Die Müdigkeit, plur.ecir. derZi,stand, da man müde ist; doch nur ,n der ersten eigentlichen Bedeutung, vor Müdigkeit zücht gehen können. Bey den altern Oberdeutschen Schriftstellern mit einer andern Ableitungssylbe die lVluLäe, lVl otlre, im Thencrd. die Mud. > r. Der Muss, des — es, plur. die—- e, ein Wort, welches im Hochdeutschen selten gehöret wird, aber in andern Provinzen üblicher ist. Muff druckt als eine Nachahmung den cinsylbigen ähnlichen Laut aus, welchen große Hunde in manchen Fällen von sich geben, und der von dem Bellen und Gnurren noch verschieden ist. An weiterer Bedentung ist aber in manchen Gegenden muffen auch von demBellen, vermuthlich wohl nur von demBellen großer Hunde, üblich, und alsdann wird ein Hund, welcher immer bellet, im gemeinen Leben ein Muff, Muffmaff,, Mcrffer und Muffel genannt. ' > ' ' 2. Der Muff, des—es, plur. inus. ein nur im Oberdeutschen übliches Wort, wel^ daselbst den Schimmel bedeulet, und von mücheln, und dem Lat. Lllucor, nur in der Endsilbe verschieden ist. Im Jtal. ist bckulktt gleichfalls der S Himmel. (S. z. Muffen.) I nhochdeutschen sagt man im gemeinen Leben auch wohl voil einem Knalle» Tobak, welcher einen guten Geruch hat, daß er ein guter Müsst sep. l. Der Muss, des — es , ^ilur. die Müsse, Dimin. das Müffchen, eine Art Kleidungsstücke, welche die Gestalt eines hohleil 2, ^ Cylinders LY9 Muff Cylmdershat, am hänstgsien mit Rauchwcrk gefüttert ist, rrnd dazu dienet, daß man die Hände im Winter darein stecke,' solche vor der Kälte zu verwahren. Einen Muff tragen. EinBaren- ninff, ein großer Muff von Bärenfell. Ein Hermelin - Muff, seidener Muff u. s. s. Handmüffchen, kleine Bekleidungen dieser Art, welche man über die H ände streift, die Handwurzel damit zu bedecken. Anm. Im Schtved. und Engl, gleichfalls.Nuff', im Franz, mit Leni Suffix»—el, Klouffle, im Zlal. Kiuffola, im Mittlern Lat. Uuff'ula und iVlnuusollin. Es gehöret zu dem Niederst Mane, ein Ärmel, Holland. IVlourv, und hat mit demselben zunächst deir Begriff der Höhlung, und den nahe damit verbundenen Begriff der Bedeutung. Im Engl, ist lo muffle noch jetzt verhüllen, vermummen, welches Wort gleichfalls damit verwandt /-jff, (S. dasselbe, ingleichen 2. Muffel.) Im Gricch. ist zuschlicßen. Übrigens wird ein Muff imOberdeutschen einStützel, Stutzer, ein Schlüpfer oder Schliefer, ingleichen ein Stauch ober Staucher genannt. > 1. Der Muffel, des—s, plur. ut vom.kirrZ. ein nur im gemeinen Leben einiger Gegenden übliches Wort, ein Geschöpf, und am häufigsten einen Hund mit dicken herab Hangenden Lippen zu bezeichnen , der im Niederst eine Lobbe heißt. Es ist mit Mops Eines Geschlechtes. Inweiterm Verstände wird daher ein häß, siches Gesicht mit herab Hangendem Maule im Franz. i> 5 uffts genannt, welchen Nahmen in den bildenden Künsten auchThicr- larven, besonders Löwengesichtcr bekommen, welche man so wie dieFratzengesichter ziuveilen als Zierathen anzubringen pflegt, und welche auch wohl im Deutschen Muffelgetlannt werden. Im Niederst wo muffen auch das Maul hängen lassen bedeutet, ist «inMuffer ein Mensch, welcher maulet. Vermuthlich hat man daher auch das Wort Muffel zuweilen als einen eigenthümlichen Nahmen eines heuchlerischen Kopf-und Maulhängers in der Reli- ^ §ion gebraucht. Zu Frankreich pflegte man die Einsiedler ehedem ans Verachtung nur ffffmouffes zu nennen, S. Carpenriep v. ffromita. > L. Die Muffel, plur. die — n, in der Schcidekunst, ein kleines Gewölbe aus Thon in der Größe einer Spanne, welches inan über die Scherben und Kapellen setzet, damit keme Asche oder Kohlen hinein fallen. Es gewahret den Begriff des hohlen Raumes, der Bedeckung,Md ist daher sehr uahe mit Z. Muff verwandt. Muffeln, v erb. re^.nsulr. mitdem Hulfswortehaben, welches - nur im gemeinen Leben üblich ist, und den Toll ausdruckt, welchen manche, besonders zahulofe Personen im Kauen durch dieNasevon sich hören lassen, aufsolche Art kauen, und in weiterer, gemeiniglich scherzhafter und verächtlicherBedeutung, kauen und essen überhaupt; im Niederd. mummeln, im Oberd. mampfen, mumpfen, mümpfen, mümpfeln, Errgl. Io wumble, muffle, mnffle, Holl. mommelen, welche iusgefammtNachahmullgen des damit verbundenen Schalles sind. S. Mummeln. r. Muffen, verb.reF.neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches nur iin gemeinen Leben für bellen üblich ist , wo es doch nur von dcmBcllcn großerHundc gebraucht wird, (S.-i.Mnff.) Man Hat davon auch das Zntensivum mriffzen. < 2. Muffen, verd. re^. veutr. gleichfalls mit dem Hükfsworle Haffen, maulen, schwollen, im Nieder st.-* st sehen, S. i. Muffel. Z. Muffen, oder Muffen, verb-r-ex. neutr. welches auch das Hülsswort haben bekommt, und ebenfalls mir im gemeinen Leben, besondersOber-undNiedexsachsens, üblich ist, imchMuff, d. i., Schimmel, angegangenerFeuchtigkeit, riechen und schmecken,Jtass muff-irs. Das Mehl mufft oder müsst. Jnglcichen absolute. Ls mufft in dem Schranke, m der Stube, es riecht verdorben, Muh Zoo übel. Im Oberdeutschen ist davon auch das Zutensiöum müffzen üblich. S. 2.MnffundMücheln. Muffiy, —er, —sie, uüj. et uü v. im gemeinen Leben, r) schimmelig und anbrüchig, dem Gerüche und Gefchmacke nach. Muffig riechen oder schmecken. In andern Gegenden müfficht, muffend, müfzend,Irak. oluffnto,Niederst auch mulsierig. 2) Mürrisch. Ein muffiges Wesen. Die Muhe, pluc. irnff. eine jede Anstrengung derKräfte, so wohl des Körpers, als des Geistes. 1) Eigentlich. Sich viele Mühe machen oder geben, d. i. seine Kräfte sehr anstrcngett. Sich viele Mühe um etwas geben, um es zu erlangen. Er gibt sich viele Mühe um dich, Gell. Und auf ein sinnlich Glück beflissen vergessen sie die Müh um ein unendlich Glück, Gell. Große Mühe mit etwas haben. Jemanden Muhe machen, verursachen, viele Mühe auf etwas wenden. Das hat mir viele Mühe gekostet. Das wird Mühe kosten. Man Hatle große Mühe (mußte viele Mühe anwenden) ihn wieder zu sich selbst zu bringen. Ich habe viele Mühe mit ihm gehabt. Und freilich wird er Mühe haben, Allein ich will erkenntlich sepn, Gell. Eine Mühe über sich nehmen. Ich nehme mir nicht die Mühe, (nehme sie nicht über mich, wende nicht die Mühe an,) zu ihm zu gehen. Wollten sie sich wohl die Mühe nehmen (über sich nehmen) zu mir zu kommen ? Das kann mit leichter, mit geringer Mühe geschehen. Die Mühe sparen. Verne Mühe noch Fleiß sparen. Jemanden der Mühe, einer Mühe iiöerhebcm Sein Betragen uberhob uns der Mühe, die Sache zu untersuchen. Es braucht nicht viele Mühe. Es ist nicht der Mühe werth; im Oberdeutschen, cs steht nicht für die Mühe, in der vertraulichen Sprechart der Hochdeutschen, es lohnt der Mühe »licht, besser, es lohnt die Mühe, oder belohnt'die Mühe nicht, (S. in Lohnen.) Was ist für die Mühe? was habe ich . für die angewandte Mühe zu bezahlen? Herr, sprach der gute Bauer, Was soll für seine Mühe seyn? Gell. 2) *Figürlich. Gram, Sorge, Kummer, Leiden, Plage u. s. f. eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, welche noch zuweilen in der Deutschen Bibel vorkommt. Mir haß du viel Mühe gemacht mit deinen Sünden, Es. 43, Z4. Anm. Bey dem NotkerNuoffi, in der Schweiz Mich, im Niederst wo die Bedeutung des Kummers, des Herzeleides noch gangbar ist, Moie, und mit einer andern Ableitnugssplbe Moi- heit, Motte, im Holland. iVloeffe, im Schweb. ssl ÜÜL.im Dän. Mspe, Mode, im Griech. wo auch xwAog, so wie das Schweb. IVloclo, Arbeit bedeutet, welche sich zugleich dem verwandten müde nähern. Unmope bedeutet im Niederst unnöthige Mühe. Es gehöret ohne Zweifel zu dem Zeitworte mühen , und bedeutet eigentlich Bewegung, und figürlich eine jede Anstrengung derKraft. Der Plural die Mühen für Bemühungen, welcher bey einigen SchlesischenDichtern des vorigenJabrhnnderteS angetroffen wird, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. Mühen, verb. reZ. act. Mühe verursachen. 1) So fern Mühe Anstrengung derKraft bedeutet. Was mühest du weiter den Meister? Marc. 5, ZF. Ingleichen, als einReciprocum , sich mühen, Muhe anwendcn , seine Kraft anstrengen. Müheteuch nicht mich zntrösten, Es. 22, 4. Sic mühen sich, daß sie ihre ' Dinge erhalten, Ezech. c z, 6. Es mühet sich der Mensch, damit er was erwerbe, , , Loaan. In dieser gäuzenBedeutimg kommt es außer derDichtnng imHoch- deutschen wenig mehr vor, weil bemühen dafür einLcfnhrrt ist. ' -) * 2 " Zor Muh 2 ) *Jn der zwcyken Bedeutung des Hauptwortes kränkelt. Gram, Kummer, Herzeleid verursachen, s» wohl active, als auch rcci- proce, sich muhen, stch kränken; eine veralteteBedeutung, welche aber in den Mittlern Zeiten sehr häitstg, auch noch im Magdebnr- gischen gangbar ist. .^ibmuen, sich kränken, Oufned. VVua 6us icb 6 froem6e 6ri8 muek mitt. clilrelLre:, Reinmar - der Alte. Anm. Bey dem Notker muolisn, im Nieders. wo die zweyte Bedeutung noch völlig gangbar ist, moien, moggen, Griech. Daß dieses'Zeittvort als ciu naherVerwandter von mähen eigentlich bewegen bedeutet, erhellet aus dem Notser, wo es heißet: 6er Wink, 6er 6ar 8esk muoiret, der das Schiff heftig beweget, hin uud her wirft. S. Mlihe. Kluften, verb. rsF. usukr. welches das Hulfsmort haben erfordert, und nur zuweilen im gemeinen Leben gehöret wird. Es ahmet die ähnliche Stimme der Kühe nach, wclche r m Oberdeutschen durch leucn, iüpcn, im Hochdeutschen aberaull), wenigsteus der lautesten Abänderung nach , durch blöken auvgtu ruokt wird. Die Asche muhen. Im Lat. muZlre, im Griech. wo das Muhen ist. Der Mudlarzt, des—es, plur. die —arzte, im gemeinen Loben, ein Müller, welcher deu Mühlenbau versteht, Mühleii anzuttgen tlnd auszubessern weiß, S. Arzt. DerMühlbäch, des—es, plur. die—dache, ein Bach, welcher eine Mühle treibt; Nieders. Grmdelbach, von Grindel, die Mühle. Der Mühlbrrrsch, S. Muhlknappe. ^ Die Mühle, plur. die—-n. r) Eine Maschine, tvo vernutte^,^ eines Räderwerkes arrdereKörper gemahlen, d. i. zermalmet,werden. Dergleichen sind die Aassehmühle, die Sanfmühie, >üe Genfmühle, die Mablmühie oder Aornmüh!?, welche auch nur die Mühle schlechthin genannt wird, und von welcher cs wieder verschiedene Arten gibt, dergleichen, die äandmühle, dicRoß- milhlch die Windmühle, die Wassermühle, die Schiffmuhle u. ft f. find. An weiterer Bedeutung werden auch andere ähnliche Räderwerke, vermittelst deren Dinge zerschnitten, geschliffen, gestampfet, gewaltet, gebollrct, adgewunden, gezwiruer u. s. s. werden, Mühlen genannt. Dahin gehören die Vret-Schncide- vderSagemuhle, die Srampfmühle, die ^ohmiihü, die Lohe Zu stampfen die Papiermühle, die Lumpen durch Stampfen zu Papier zu bereiten, die Schleifmühle, die Walkmühle, die ^ei- firm ü hie,die Tücher aufzukratzen, die Gimfmühle, ein Drehrad, die Gimfe rund zu drehen, die Schöpfmühle, Wasser damit aiiv Teichen und>§auälen zu schöpfen, die Bohrmühle, die Fliiuen« laufe auszubohrcn, 'die Zwirnmühie, viele Fäden zugleich zu zwirnen u. s. f. Indessen gibt es ähnliche Maschinen dieser Art genug, von welchen der Nähme Mühle nicht eingesühret ist. Dein Tuche die Mühle geben, bey den Luchbcreitern, cs auf der Walkmühle walken lassen. Das ist Wasser aus seine Muhle, das ist seinem Verlangen, stiucuAbsichmr über dieMaßeu gemäß ; eine von den Wassermühlen hergenommcne Figur. Getreide zur Mühle, auf die Mühle, in die Mühle schicken, damit cs gemahlen werde. Aüfden Mahl - oder Getreidemühlen wird auch ein einzelner Gang derselben die Muhle genannt. Die Mühle stellen, Hey den Korumülleru, den oberri Mühlstein höher stellen. Die Mühle zusammen lgffen, ihn niedriger stellen. 2 ) Am d>.-u Mühlenspiele, hat man eine Mühle, wenn man drey skeme in einer geraden Lime hat. Die Mühle zumachen, eben da,elbst, durchEinschiebuilg des drirrenSleiues eine goradeLiiüe bekommen. Seine Mühle aufm ach en, durch Wegnehmung deseineu Steines die gerade Linie zerreißen. Die Zwickmühle, eine solche Stellung dep Steine, wo mau durch Offmnig der einen Mühle uumer Muh Z02 die andere schließen kann; wo die erste Hälfte aus zwep entstände rr zu seyu scheinet, eine gedoppelte Mühle zu bezeichnen, -die es wirklich ist. Der Grund der Benennung dieses ganzen Spieles »st mir unbekanut.Thom.Hyde in seinem Buche 6e Iu6is Orisnkuliuln zeigt, daß dieses Spiel von den ältesten Zeilen in der ganzen alten Welt bekannt gewesen, daß es im Oriente erfunden worden, und daß schonOvld darauf gezielet, wenn er iu seinem Gedichte 6s arte amaucü sagt: - B . karvatLbellL cupik lernos utrinquelLpillos, la c^uu vicissv, eft eoalüauuste luos. Anm. In der ersienLedeirtung im c 2 tenAahrhunderte ?>Ioile, im Schwabensp. Mulru,uud noch in Schwaben und dcrSchweiZ dieMühlin, urrd im Plural die Ülkühlinen, im Nieders. Mole, im DLn.Molle, im Schwed, klöilu, ehedem imZsländ. k-6/lnu^im Engl. l^lill, im Angels, im Franz.i>>steule. jVloulio, im Böhm. Ee^a, im Pohln. >U)'v, im Russ. Melrre^ imFimlläi.d. !>1^l!/, im Irland. lVluliun, im Brc- tagnischeu iVIr-u!, im Wallis. lVlelitt, iVlilin, imLat.^olu, im Griech. pevXq ; alle unmittelbar von mahlen , welches in vielen Mundarten auch Mühlen und muhlen lautet,und zwar entweder, so fern es im engsten sigürlichenVerstandezcrmalmeubedeutet, oder auch so fern es llls das Frequentarivum von mähen, sich bewegen, in mehr eigentlicher Bedeutung, sich im Kreise bewegen, bezeichnet; obgleich andere es seltsam genug von einem gewissen Griechen, Rahmens Mplas abletteri,welcher zur Zeit der Eroberung des gelobten Landes von den Israeliten gelebt und die Mühlen erfunden haben soll. Daß in den Wörtern Mühlenamt und Muhieuvogrep, so fern sie einen Bezirk um Bremen bezeichnen, die erste Hälfte aus Mahl, eine gerichtliche Versammlung, ein Gerichrsbezirk, verderbt ist, ist schon Hey 2 . Mahl angemcrket worden. ^ Lcrs Mühleisen, des —s, plur. M nom.6nF.in den Getreidemühlen, eine eiserne Achse, um weiche sich der obere Mühlsiem bewegt. oerNühlenamtmann, des—es, plur. die—Manner, ein Amtmann , welcher über mehrere Getreidemühlen gesetzt ist. DerMühlen«nster,des —s, plur.uk nom. 6aZ. ein Anker, womit eine Schiffmühle angehalten und befestiget wird. Der Mühlenarbeiter, des — s, plur. ut nom. lrnZ. im Bcrg- baue, diejenigen Arbeiter, welche in den Pochwerken und Wasche» gebraucht werden. - ^ ^ Der Mühlenbau, des—es, plur. mul. der Bau eurer Muhle, oder an einer Mühle. Jngleichen, die Kunst, eine Mühle geho- rigzu bauen. Den Mühlenbau verstehen. Der Mühlenfachbaum, des—es, plur. die—bäume, der an einer Wassermühle; zum Unterschiede von imiem Wehrfachbaume. , - ^ ^ DieMühlenfrohne, plur. die—n, die Fcohnd-cnstezu Erbauung oder Ausbesserung einer Mühle, iugleichcn das Getreioe des Gutsherren aufdie Mühle zu schassen. DieMühlenordnunY, plur. die —en, eine obrigkeitliche Ver- ovdn'.iüg desjenigen, was die Gerreidcmüller Hey ihrem ganzen Geschäfte zu beobachten haben. Die Mü'hlenschrru, plur. die—e, die obrigkeitliche Beschauung der Mühlen, besonders der Wassermühlen; die Mühlbe- schauung. - Der Mühlenschreiber, des—s, plur. uk vom. lmZ.m eml- grn Äcgeudeir, eine vereidigte Person beychec Mühlenwagc,welche das Gewicht des in die Mkchle gelieferten Getreides verzeichnet. DasMühlenspiel, des—es, plur. lnus. S. Mühle r. Der.Mühlensnchl, des —es, plur. die — stühle, in emrgeik Gegendcn eineBenenimngeitter tzaudmühle. ^ i ZOZ ' MUH '- , V Der Mühlentekch., -es—-es, plur. die—e, ein Teich, m welchem das Wasser zum Behuf einer Wassermühle gesammelt wird. Die Mühlenwaye, plur. die—n, eine obrigkeitliche Wage, aufwelchec so wohl das in die Mühle gelieferte Getreide, als auch das darauf gemahlne Mehl gewogen wird. Der Mühlenzwang, des—es, plur. inul. das Recht, andere anhalkenzu können, daß sie ihr Getreide auf sei nee Mühle muffen mahlen lassen,. Eine solche Mühle wird eine Zwangmühle genannt. , ' Der Michlgsss, des—es, plur. die—-gaste, einün einig-su /Gegendenfür Mahlgast übliches Wort, S. dasselbe. Das Müylgebreth, des — es, plur. die—e, in den Getreidemühlen, dasjenige Gestell, auf welchem sich der Stein, derLauf und der Rumpf befindet. "- . - Die MühltzerechtiFkeit, plur.inul', die Gerechtigkeit, d. i. das Recht, die Befugniß, eine Mühle, und in engerer Bedeutung eine Getreidemühle, anzulegen und zu halten. Der Mühlherr, des—en, plur. die—en, der cigenthümliche Besitzer einer Mühle. Der Mühlknappe, des—n, plur. die—n, der Gchülfe des kNüllers, besonders auf den Getreidemühlen; eine Benennung, welche so wohl den Gesellen, als auch den Lehrlingen des Müllers gemein ist, (S. Bnappe.) Sie werden auch Mühlknechte, Mühl- buvsche, und Müllerbursche, und an einigen Orlen auch Müh- üfche genannt. In manchen Gegenden bekommt nur der geschickteste und erfahrenste unter den Mühlburfchen den Nahmen eines Mühlknappcn. Der Mählkrapp, des—es, plur. Must. in den Manufactu- ren, die äußerst braune Schale von dem Krappe, oder der Wurzel der Färbcrröthe, wenn sie aufder Krappmühle abgestoßen- worden. DerMühlmeisser, des—s, plur. ur vom. kaZ. derjenige, welcher einer Mühle vorgesetzt ist, und auch häufig der Müller genannt wird. Die Mühlmetze, plur. die—n, G. Mahlmetze. Der Mühlpfahl, des—es, plur. die — pfähle, an den Wa^. sermühlen , derjenige Pfahl, welcher die gesetzmäßige Hohe des Wassers und folglich auch des Fachbaumes zeiget, und auch der Mahlpfahl, Erchpfahl und Sicherpsahl genannt wird. DasMühlrad, des—es, plur. die — rüder, dasjenige Wasserrad, welches eine Mühlein Bewegung setzet. , DerMühlrechen, des—s, plur. ut noln.linA. ein Werk von nahe bcysammen stchsndenPfählei, an denWassermühlcn vor oder am Ende des Mühlgerinnes, damit nichts schädliches auf die Näder falle. Der Miihlsseiyer, des—«, plur. ur nom.liuA. im Bergbaue, ein Steiger, welcher bey den Pochwerken und Zinnwaschern die Aufsicht führet, und dem Mühlmeister untergeordnet ist. Der Mühlstein, des—es, plur. —e, derjenige Stern, welcher in den Mahlmühlcn zum Zermalmen dienet, snd deren alle Mahl zwey siud, wovon der obere bewegliche der Läufer, der untere unbewegliche aber der Bodenstein genannt wird. Figürlich werden in einigen Gegenden auch die SchreEenberger oder En- gelKroschen, Mühlsteine genannt, S. Engelgroschen. DerMühlwaFen, des — s, plur. ur norn.ün^. ein Wagen, welcher das Getreide auf und von einer Mahlmühle führet. Düs Mühlwasser, dos—s, plur. iuul. dasjenige Wasser, welches eine Wassermühle treibet. Das Mührwehr, des—-g, plur. die—e, ein Wehe, vermittelst dessen das zu einer Wassermühle nöthige Wasser aufgedämmet «u- anfdie Mühle geleitet wirb. Muh Z04 Das Mühlwerk, -er —es, plur. die — e, ein jedes Werk, oder eine jede Maschine, wo vermittelst angebrachter und in Bewegung gefetzter Räder andere Dinge zermalmet, gefiampfet, geschliffen, zerschnitten u. s. f. werden; eine Mühle, S. dieses Wort. Die Muhme, plur. die—n, Diminut. das Mühmchen, Oberd. Mühmloin. 1) Der Mutter oder des Varcrs Schwester, welche auch die Base genannt wird. Ingleichrn eine Person weiblichen Geschlechtes, welche mit einer andern Geschwisterkind ist, und in noch weiterm Verstände, eine jede nahe Scitenverwandte weiblichen Geschlechtes; in welchem Verstände dieDeutschen Fürsten, ' andere fürstliche Personen weiblichen Geschlechtes ihre Muhmen zn betiteln pssegen, da man denniu den Kanzelleyen auch das Bey- ^ won freundmühmlich hat. 2) Eine Kinderwärterinn wird im gemeinen LebenchesondersObersachftns, gemeiniglich eineNuhme' oder Rindermuhkne genannt. So wie man, z) auf den Landgütern oinigerGegenden diejenigeweibüchePerson, welche dieAüf- stcht über das Vieh hat, die Viehmuhmc oder rtt uh m e zu nennen pflegt, welche an andern Orten die vrehmutter heißt. Änm. In der ersten Bedeutung lantet dieftsWort in den Mon- sccischen Glossen iVl uomu, im t 4 tenJahrdunderte imOberdeut- scheu ü'lumrne^, Hey den Schwäbischen Dichtern in derverklei- ^ nernden Form iVkuemel, im Österreich, auch Maim, Ulamb, im Niederst Moje, Moie, Mone, Holland. iVtosi, Es ist entweder mit Mama, Möme, Mutter, Eines Geschlechtes , wenigstens in einigen Bedeutungen, welches dadurch wahrscheinlich wird, weil der Mutter Schwester im Niederst auch Meoder, Meddersche genannt wird, welches mit dem Latein. l^Lberteru genau überein kommt; oder es stamstiet auch vermittelst eines andern Ablcittingslautes-von Ma, Mage, ein Verwandter, mähen, mögen, verbindeist her, so daß es eigentlich einen jeden Verwandten bedeutet, (S. Gentahl und Mage. Im Österreichischen bedeutet Mühmling noch jetzt einen jeden Vcr-- wandten. Mühsam, —er, —sie a np s en i l il e e u. s. f. Anni. Im Nicders. Möller, im Schweb. l^Ölu.nrs, im Engl. Nilie,-,im Böhuuschen xliprer. Jen Obcedeiuschen lautet dieses Wort auck Münlncr. welches denn der nächsten Abstammung von Muhle, O.u'rd. Muhiln, freylich gem sec ist. Allein nnftr Müller stammet auch jchc ziniä mst von Nlnhle sondern von dem noch -m Niederst üblichen mnllen, mah.en, zerreibiu, Gricch. ftvXXrtv, her. ^wMülleraiet, plur die-—arte,-ine kleine Art an einem langen S irle, welche die Mühllnappen der Getreidenriiller ehedem Del. W. B. Z. Th. 2 . Aust. M u m ZoS auf der Reiss und zur Zierde trugen, die ihnen aber in vielen Gegenden isst verbotheii ist. Der Müllerbursch, des — en, plur. die—e, S. Mühl- knappe. Der Müllereseb, des—s, plur. ut 00 m. lloZ. Esel, deren sich die Getreidemüller an manchen Orten bedienen, das Getreide von ihren Mahlgästen abzuhohlen, und ihnen das Mehl zurück zu schicken. Der Müllerkohn, des — es, plur. jaul'. S. Mahlgeld. Der Mulm, des — es, plur. doch nur von mehrern Arten, die — e, trockne lockere Stauberde und andre ihr ähnliche staub- artige Körper. Im Bergbaus ist der Mulm ein ausgewittertes Erz in lockerer staubiger Gestalt. Der Rnpfcrmnlm ist ein solches verwittertes Kupfererz. Verfaultes Holz u, Gestalt eiiics weichen Pulvers ist im gemeinen Leben gleichfalls unter dem Nahmen des Mulmes bekannt, Niederst Mulm, Molin, Ulm, HollLnd.lVlollem; daher denn auch die Fäulnis im Holze selbst zuweilen der Mulm genannt wird. Ein Baum hat den Mulm, wenn er anfängt zu faulen. Anm. Bey dem Stryker lVlelm, der es ^ür Staub gebraucht, im Schwed. lVlnIrn, wo es Sand bedeutet, im Holland. iXI o lum Im Irak, ist Ilellnu. Morast. Alle vom mahlen, malmen, Mehl, mollir, molsch u.st f. so daß sowohl der Begriff der Weiche, als auch der Zermalmung der herrschende ist. Sich-: auch Mull. MuLmicht, —er, — ste, uüj. et uäv. dem Mulme ährrirchv Mulnnchte Erde. Mulmig, —>cr, —ste, ackj. et ackv. Mulm enthaltend, aus Mulm bestehend. Mulmige Erde. Ein mulmiger Acker. Mulmiges Erz, im Bergbaue, erzhaltiger Mulm, zu einer lockern Erde verwittertes Erz. Die Baume werden mulmig, im Forstwesen, wenn sie anfangen zu faulen, und dadurch ür Mulm anf- gelöstt werden. Im Niederst auch ulnüg, ulmerig. Mulsch, S. Molsch. *Mulsrcht, oder MulstF,ääj. et aclv. welches nur im gemeinen Leben einiger Gegenden üblich ist. So sagt man in Franken, die Weintrauben schmecken mulstcht, wenn sie gefroren oder erfroreir gewesen. Man gebraucht es von dein Gcschmacke aller gcsrornen Säfte. Es gehöret ohne Zweifel zu dem Worte molsch. Die Multedeere, S. Molrebecre. Mulripliciren, verb. r«^. uct.aus dem Lat. multiplicars, in der Rechenkunst, eineZahl so oft zu sich selbst setzen, als eine andere gegebene Zahl Einheiten har. Daher die Multiplication, diese Handlung selbst. ' DerMulton, im gemeinen Leben Multum, des — s,plur.doch nur von Mehrern Arten, ut noru. ein Nähme eines sehr wejch-.n obgleich dicken Zeuges von Wolle, welche r gewaltet und., dadurch weich und wollig gemacht worden ; Franz, ^,-llrtoa Ohne Zweifel von dem Lat. mollls oder Deutschen milde, weich, wegen der weichen Beschaffr.-cheit dieses Zeuges. Im Mittlern Laterne kommen schon iVlultecla und 5.1ultieiu als Nahmen ähnlicher weicher Zeuge vor. Die Mürnie, (dre sylbigi) plur. die — n, der einbalsamirte und getrocknete Körper ijursVerstorbenen, und in weiter. rBedenlnug, ein jeder todtrr Körper, welcher anstatt in die Fäulnis Überzüge- hrn, ansgetrockuer, uitd in eine ftstadürre Masse verwandelt worden, drrgl- ichrnKörperznw.ilen ui denheisenSandwüsteir von A- frcka gefunden werden. Auch dieMasse selbst ist unt-.r diesem Nahmen bekannt, in welchen! Falle aber der Piural wcgfälll. DaS Wort ist unstreitig morgcnläudischnrUrsprnngs, obgleich oessenAb» stanimu ^q s ansgc - acht noch u cht ist. Eirigi, leiten cs von dem Wott«ft«pto»' her^wrlchrs der Nähme eines bekannten Gewürzes » , - 'st, x Mum M, dessen sich zrrrZnbcreittlng der künstlichen Mumien kstdie-- mc^habeu soll, andere von dem Arabischen Nucnu, Wachs, an- -drre von andern Wörtern. So viel ist gewiss, dass die wahren Mumien ans Ägypten zu uns gekommen sind, und noch daher kommen, weis vornehmlich die altern Ägyptier ihre Todten auf eine sehr kostbare und mühsame Art einzubalsamiren pflegten, um sic dadurch vor der Verwesung zu schlitzen. Im Koptischen ist Num Erdharz.' L. Die Mumme , xlur. die — N, ein mir in einigen Gegenden übliches Wort, ein verschnittenes Thier zu bezeichnen, daher die S/Hweinschneider an solchen .Orten auch Mummenmachcr ge- nannr werden. Es gehöret mit meiden, casteiren, zu dem Geschlechts des Wortes mähen, schneiden, S. Mähen, 2 Mönch, und r Meiden, ingleichen Nonne. L. Die Mumme, pdnL. inrss der Nähme des dicken rind starken B.ieres, welches zu Brannschwerg gebraust, und wegen seiner dick- branncn Farbe rlnd guten Geschmackes sehr hoch geschätzet wird. Die Gtadtmumme, das gewöhnliche Bier dieser Art, zum Unterschiede von der Schiffmumme, welche stärker ist und zu Wasser verführet werden kann. Im Engt, wird dieses Braunschweigische Bier gleichfalls Nuin und im Holland. Mumms genannt. Gemeiniglich glaubt man, daß ein gewisser Christ. Mumme dieses Bier zu Braunschweig l4 ,39 erfunden habe. Telomoiuns oder Zierberger, welcher nM eben die Zeit letzte, und dieses Bieres gedenkt, sagt doch davon nichts. Er nennet es in Leibnitzens 8eripr. Lruul'uic.Th. 2, S. 90 Muma (vielleicht aus einemFehler des Abschreibers Für Mum a) und setzt hinzu, dass es auch Moca genannt würdc:Lerevlliu^uam^/L/nu,/r uut->soc?Lmricjjcu- > Is uppeUulU,pro xotrr, Lecsuo^um stri luxoris ncicko, , k/.ich - v ' - - ebcud. Mumpfeln, verft. reZ. veutr. welches das Hülfswort haben erfordert, zahnlos kauen; am häufigsten im Oberdentschen, wo es auch mampfein und mampfen lautet. (S. Mummeln 1, r) und Muffeln.) In der Schweiz ist ein Mumpfel eiu Mundvoll, wo es aber aus diesem Worte zusammen gezogen ist^ Der Münch), S, 3 Mönch. < München, verschneiden, S. 2 Mönch. i.*Der Mund, des — es, plur. die Münder, eiu im Hochdeutschen veraltetes Wort, welches sich nur noch in erlügen Ableitungen und Zusammensetzungen erhalten hat. Es bedeutete , 1, einen Mann, d. i. eilten Manu von Stärke und Vermögen, und itz engerer Bedeutung einen Beystand, einen Beschützer; bep teu^ougobardclliVlunUuL undNunUoalclus, gleichsamSciPtz- waller. Wir haben es noch iu dem zusammen gesetzten Vormund, ft> wie auch Mündel und Mündig als Ableitungen davon übrig - sind, (S. diese Wörter.) Ehedessen bedeutete Mundherr einen Schutzberren, Gönner, Patron, Mundbar, Mombar, Mnnd- burt, Mommer, iVlumburnus, so wohl einen Schirmvogt, Advocatnm, als auch den Schirm und Schutz selbst, sind die Schutzgerechtigkeit, Mundmann einen Clienten, Balmund einen schlechten Vormund "u. s. f. 2) Den Schutz, derssBcvftand selbst, ohne Plural, ben dem Ottftied Munt, in: Schwed, sind Angelst gleichfalls hstuncl, wo auch munclao, munstian, beschützen ist, im Mittlern Lat. kkuncli um; eine gleichfalls veraltete Bedeutung. Davon hatte man ehedem d ^ür EchutzLcli^strrglerchpn das Geld Pkir geleisteten Bepstaud, und ültöere ähnliche Zusammensetzungen mehr. Anm. Es ist gewiß keine Figur des folgenden Wortes, wie die- meisten Sprachforscher glauben, sondern stammet mit Mannvvir dem alten m a, können, vermögen, her, von welchem au ch vermittelst eines andern Ableitnngslantes unser mögen -erkommt.. (G. Mündig sind Munter.) Zm Albanischen bedeutet munnt noch jetzt ich kann. Viele eigenchnmlichemit Mann znsammew gesetzte Personen werden in den mittler« Zeilen au-a> mit Munk gefnnöen, wovon Frisch verschiedene anfiihrct. Z. B. Wicman nnd Wigmnnt, Herman und serimnnt, Altmann und Altmunr u. s. s. Übrigens siebe von diesem veralteten Worte und dessen Zusammensetzungen Schilters und andere Glossarien. 2. Der Mun-, des — es, xlur, inust. Dimmnt. das Münd- chcn, Oberd. Mündlcin, zusammen gezogen Mündel, diebreite, tieft und fleischige Höhle im Gesichte des Menschen, welche.die Zunge, den Gaumen, die Zähne nnd Lippen nebst vielen Drüsen und Speichelgängen in sich begreift, nnd so wohl zur Eiunehmnng derNahrungsmittel, als auch zurHecoorbringmig un-L Auslassung - des Tones, der Stimme und Sprache dienet, r) Eigentlich, wo es nur allein von dieserÖssnung an den menschlichen Körpern und zwar im anständigen Verstände gebraucht wird, dagegen in: verächtlichen Verstände das Wort Maul üblich ist, welches auch von den breiten Öffnnngen dieser Art bey drnThieren gebraucht wird, dagegen spitzige hornartige Schnabel heißen, vom Munde auf nett Himmel fahren, eine im gemeinen Leben übiiche R A. welche noch ans der Römischen Kirche übrig ist/unmittelbar, ohne Berührung des Fegefeuers in den Himmel komnum. In einigen Fällen verstehet man unter Mund bloß die Lippon nnd den äußern' Theil des Mundes. Einen kleinen, großen, schönen, rochen Mund haben u. s. f. Da der.Mund der Sitz der Sprachwerk- zenge ist, so hat inan eine Menge figürlicher R. A. welche sich auf die Sprache und das Sprechen beziehen. Reinen Mund halten, ein anvertrantes Gcheimniß verchchweigen. Den Mund.nicht «nfchlin, kein Wort reden, ihn nichtzuchun, nicht anfhören zu . sprechen. Die Zand, oder den Finger auf den Nnrnd legen, ans Ehrfurcht schweigen. Rein Blarrvor den Mund nehmen, frcyuüithig, ohne Mensche,ifnrcht reden. Ich hakte es eben im Munde, wollte cs eben sagen. Einem das Wort aus dem Munde nehmen , gerade das Wort sagen, welches der^-ndere sagen wollte. Sich mit dem Mitnde gut öehelfenst'önnen, ein gut Mundwerk haben ,-den Mund auf dem rechten Flecke haben, eine gute Gabe zu reden haben. Etwas immer im- Munde führen, cs immer erwähnen, immer davon sprechen, nnd viele andere mehr, von Mund ans, kommt in den Oberdeutschen Kanzelleyen für mündlich vor. Im verächtlichen Verstände und in der niedrigen Sprcchart ist in vielen dieser R. A. das Wort Maul üblich, (S. dasselbe.) In eben so vielen Ausdrücken beziehet sich das Wort Mund auf die Nahrung, welche man durch denselben ^zn sich nimmt. Jemanden das Brot vor" dem Munde 'wegnehmen. Sich eftvas an dem Munde «bbrechen, arkdeu nöchigen Nahrungsmitteln. Der Mundkauft ihm rolftMassem zum Zeichen der Läsilrubeit nach einer Speise, und in weiterm Verstände nach cinerjcden andern Sache, u.s.s. Wohin auch ver-- schiedencZnsammcnfttziingcn gehören, z.B. Mundsemmel-Mund- wein u.s.f. Nahrnngsmicu'l zu bezeichnen, welche iinrnikkclbar für die Tafel eines großen Herren bestimmt sind, oder auch Personen, welche mit den für ihn bestimmten Nahrungsmitteln zu rhum haben, wie in Mnndbäeiftr, Mundfoch, Mnndsch nk ü. sl f. - wofür in Allfthnng anderer Gegenstände daS.Wvr.Leib üblich ist.. 2) . Figürlich, die Öffnung oder der AnSgang eines DingkS, dar hohle Zugang zn demselben;, doch, nur in eini^n Fällen. Oer li L.. ' . ' Oftnx- Mu» Z" Mun 'r -Ofcnmund, welcher noch häufiger das Mundloch genannt wird, der Nagenmund, welcher auch der Schlund beißt, und noch einige andere. Ben noch Mehrern sind dafür die Werter Müir- -e, Mundloch und Mimbrrng üblich.. Allem. Zn Ober- und Nieder-Deutschland von des Kero Zeiten an^luuä,im Deuischen und Schwed, gleichfalls K1un6,bep dem Alphilas l>'!uut!r5,im Island, ^lluu, im Angels, ohne n bckuck, im Engl. K4outk. Es stammet ohne Zweifel von einem Zeit- Worte manen, muuen, her, welches kauen bedeutet haben muß, und als ein Jntensionm oderFrequentativum von mähen, schneiden, zu dem zahlreichrnGeschlechte dieses Wortes gehöret. Die Bedeutung dcsKaueus erhellet unter andern auch aus dem Latein. inLn6uoLre,üvlLlläibu!,L,dieKin!ibacke, demJtal.mLaZiurs und Franz. lULUAer, essen, dem Wallis, klaut, der Kiefer. Im Mecklenburgischen ist münten wenig essen. Aufähuliche Art ist Dieser von kauen, und Maul von mahlen gebildet. Merkwürdig ist doch, daß-dcrPlural von diesem Worte so ungebräuchlich ist, so sehr auch die Sache selbst ihn verstauet, und dasBcyspiel anderer Sprachen chn berechtiget. Man findet zwar hin und wieder, selbst bey den altern Schriftstellern die Münde. Allein er bclei- d get doch allen'.abl das Gehör, und hinterläßt die unangenehme Empfindung des Ungewöhnlichen. Daß in Füllmuud die letzte Sylke aus dem Latein. —msutum, in Bedemund aber aus Münze verderbt worden, ist schon bey diesen Wörtern eriuuert worden. Die Mundart, plur. die — en, die besondere Art zu reden, wodurch fich die Einwohner einerGegend von den Einwohnern anderer Gegenden unterscheiden, die Abweichungen einzelner Gegenden in der gemeinschaftlichen Sprache; wohin also nicht nur die Abweichungen in der Aussprache, sondern auch in der Bildung,der Bedeutung und dem Gebrauche der Wörter gehöret; mit einem Griechischen Kunstworte der Dialekt. Oie Oberdeutsche Mundart, so fern fie fich von der Niederdeutschen unterscheidet. Bcyde theilen fich wiederum iu eine große Menge uutergeordncterMiind- arlen; ja im schärfsten Verstände hat jeder Ort seine eigrneMund- art, weil doch jeder Ort etwas besondres in der Sprache har. Auf der andern Seite kann man auch mehrere dem Auscheine nach verschiedene Sprachen als bloße Mundarten ansehen, je nachdem der Begriff ist, welchen man mit dem Worte Sprache und Zaupt- sprache verbindet. Freylich ist der Ausdruck Mundart, wie schon Frisch erinnert, nicht so bequem als Sprechart, weit das Wort Mund für Sprache nicht üblich ist; indessen ist es allgemein, Lind wenn nur der Begriffbestimmt und bekannt ist, welchen mau mit einem Worte verbindet, so mag es übrigens mit dem letzter« seyn wie es will. Der Mundarzt, des — es, plur. die—arzte, an einigen Höfen, eilt Arzt, welcher die medicinische Besorgung der Zähne der Hcrr- fchaftaufstch hat, und am kaiserlichen Hofe zu Wien derNain- meruZahn- und Mnndarzt heißt, wo er von dem Zahn-Thi- . rurgo noch verschieden ist. *Dre mündat, plur.die—en, einnur noch irr einigen Gegenden übliches Wort, einen von der ordentlichen G er ich tba ekelt oder auf andere Arr öefrcyeteuOrt odrrGegeud zu bezeichnen. S^werden die sogenannten Freiheiten oder Frcpuugrn, d. i. von der gewöhn-^ kichert städtischen Grrichtbarkeit g-u-sgenornruerrcil Gegenderr, in manchen Städten noch Mundaten, und verderbt Mandaten genannt. Zu Kron-Werßenburg heißen dieHolzmarken Mundaten. Es ist ausdein Lat. ltukpunisas verkürzt, wofür in den Mittlern Zeiten auch nur Klurftlaü üblich war« Der Mundfiäcker, des^—s, plur. ut norn. ünA.Fämin. die Mundö äckerrnn, au den Höfen, ein Bäcker, welcher allein das Brot für die herrschaftliche Tafel zu backen hak; »um Unterschiede von dem Hofbackcr. S. 2 . Mund 1 . ' Der Mi'wddecpor, des—Lplur. MnvM.lLUA. eben daselbst, derjenige Becher, woraus eine fürstliche P e,en Zu trinken pstegt. *Der Munöbrssen, des—s, plur. udr-oru. llnZ. in den niedrigen Sprecharten, ein. Bissen. I-H habe heute noch nicht einen Mundbissen zu mir genommen, nicht das geringste; w» Mund bloß zur Verstärkung dienet. r Dre Münde, plur. die —N, der Ausstuß eines Flusses, der Ort, wo sich ein Fluß in einen andern, oder in die See ergießet; wofür doch jetzt Mündung üblicher ist. In eigenthümlicheu Nahmen solcher Orte, welche an dem Ausflüsse eines Flusses oder Baches gelegen find, kommt dieses Wort noch oft vor; z. B. An germ finde, Lechsmünde, Dünamünde, Orlamünde, Uckcrmüude, Den- dermonde, Ruremonde u. s. f. Der Mündel, des—L, plur. ut vom. IinZ. eine unmündige, der Vorsorge eines Vormundes anvertraute Person. Ich lasse mir die Wahl meines Mündels sehr wohl gefallen, Gell. Es stammet vermuthlich von Mund, Schutz, oder vielmehr vordem veralteten Zeitwerte munden, schützen , und der Ableitungssilbe —cl her, welche hier keine Verkleinerung, sondern eine Person bezeichnet, von welcher etwas gesagt wird, eine dein Schutze eines andern anvcrtrauete Person, und im engern Verstände, ein seiner Altern oder doch des Vaters oder der Mutter beraubtes, und der Obsorge eines Vormundes auvertrautes minderjähriges Kind. Zn Ansehung des Geschlechtes find dieMundarten, oder vielmehr nur " einzelne Schriftsteller sehr verschieden. Manche gebrauchen cs im ungewissenGeschlechte, die unmündigePcrson mag männlichen oder werblichen Geschlechtes seyn, andere sagen im männlichen der Mündel und im weiblichen die Mündel, noch andere in beydenFäl- len im mäiinlichenGeschlechte. Die letzter» scheinen diemeisteAna- logie für fich zu haben, weil Findel, welches in vielen Gegenden für Findling üblich ist, eben so gebraucht wird, es auch mehrere mäiui. liehe Wörter auf —el gibt, welche von beydep Geschlechtern üblich find, dergleichen z. B. Flegel, Tölpel, Teufel u. s. s. find, wenn fie als Schünpfuahmeu gebraucht werden. Da die Ableitnugssvlbe —el, —-liug oder —Iciu in vielenFällcn mit einander abwech'seln, so ist in manchen Gegenden für Mündel auch Mündling und Mündlcitt üblich. Das mittelste, welches ohne Widerrede ein Masculinum allein ist, wird so wieFindling imdLieblii^g von ben- den Geschlechtern gebraucht; das letztere aber ist, vermuthlich weil mail es für eine verkleiuerndeForm gehalten,nugewisscuGeschlech- tes, das Mündlein. Diejenigen, welche einen Mündel weiblichen Geschlechtes die Mündel neunen, müssen im Plural auch die Mündeln sagen, weil die weibliche Endung—el diese Form erfordert. Gottsched machte es in allen Fällen zu einem weiblichen Worte, dessen Plural dem Singular gleich sey ; allein er hatte dazu wohl so wenig Grund als in andern ähnlichen Fällen. Das Mündelgeld, des —cs, plur. von Mehrern Summen, die er, Geld, welches einem oder mehrern Mündeln gehöret. Dre Mundfäule, plur. doch nur von mehrern Arten- dre — n, eine Krankheit des Mundes, welche gemeiniglich den Scorbut begleitet, und bey welcher das Zahnfleisch aufschrvillh zuweilen auch uiederfinkt, und so bald es berühret wird, blutet. Die.Zähne werden schwarz wackelnd und fallen aus, und im Munde zeigen sich hm und wiederGeschwüre,welches alles zusammen genommen, cinon-hesrigen und Übeln Geruch verursacht; Lionraoace, bey den Holländern 8c:jieruve.tt6. S Scharbock. Mundgeld, des cs, plur. doch nur von mehrern Summen, die —er, ein nur noch m einigen Gegenden, z. D. in Franken^ für Schutzgeld übliches Wort; von Mund, Schutz, S., r Mund. Der Mull ZiZ - Mun, Der Mundraubs, des —ns, plnr. ear. bey dei: Theologen, ein bloßniit dem Munde von sich vorgegebener Glaube, eine Art des Heuchelglaubens; zum Unterschiede von dem Hcrzensglau- ben, oder wahren Glauben. Das Mundgut, des —es, plur.. von Mehrern Arten oder Quantitäten, die —griter, ein nur in einigen Gegenden , z. B. in der Lausitz, für Lebens-oder Nahrungsmittel übliches Wort, wo die Mirndgutsteuer daher auch eine Art der Accise ist. Das Mundholz, des—es, plur. inus. S. Hartriegel. -Mündig, —er, —sie, 30^. stnäv. von der väterlichen Geivalt befreyet, großjährig, volljährig mit einem Lat. Ausdrucke majorenn; im Gegensätze des unmündig , minderjährig oder minorenn. Mündig scyn. Mündig werden, dasjenige Alter erreichen, welches denGesetzen nach zur Befreyung von derGewalt des Vaters und Vormundes nöthig ist. Jemanden mündig sprechen, ihn aus obrigkeitlicher Gewalt für mündig erklären. Im Schweb, und Dän. m^ncklA. Entweder vonMnnd, Vorsprache, Schutz, und munden, beschützen, der sich selbst vertheidigen, selbst für sich sprechen kann, oder auch unmittelbar von dessen Stammworte ma, manen, können, vermögen, der das gesetzmäßige Vermögen zu bürgerlichen Geschäften hat. In eigentlicher und weiterer Bedeutung kommt daher im Alt-. Schweb, u c'i Z für mächtig, angesehen, und M/vcljvKst für Ansehen, Macht, vor. ^ S. 1 Mund. Die Mündigkeit, plur. cur. die Eigenschaft, dcrZustand, da eine Person mündig, d. r. vonder väterlichen Gewalt befreyet, ist; die Großjährigkeit, Volljährigkeit, Majorennitat. Die Mundklemmr, plur. doch nur von mchrern Arten, die—n, eine Krankheit des Mundes , welche in einer krampfigen Zusam- niciiziehung desselben bestehet, wobey die untere Kinnlade mit Gewalt gegen die obere gezogen wird, so daß der Mund nicht anders als mit Gewalt geöffnet werden kann; Trismus, der Rinn- balkenzwang, dieRftmme, der Rlammstnß, im gemeinen Le-- ben die Maulsperre, welches Wort auch von dieser Krankheit bey den Pferden üblich ist, wo sie auch die Hirschkrankheit genannt wird , S. dieses Wort und Mnndspiegci. Der Mündköch, des — es, plur. die—koche, an den Höfen, ein Koch , welcher allein die für die herrschaftliche Tafel nöthigen Speisen zurichtet; zum Unterschiede von dem Hofksche. Dessen Gartinn die-Mundkochinn. Die Mundkuche, plur. die—n, bey großen Hofhaltungen, eine besondere Küche für die herrschaftlicheTafel; zumUnierschiede von der Hofküche. . - Das MundleicH, des—es, plur. die—e, an Wasserkünsten, die äußerste Nohre, aus welcher das Wasser senkrecht aufsieiget, S. 1 Leich 1. ' Der Mundleim, des—es, plur. i nuf. cm ans Hanfenblase und Zucker verfertigter Leim, welchen man nur mit demMunde benetzen darf, wenn man ihn gebrauchen will. Mündlich, uckj. et uckv. mit dem Munde, doch nur so fern der Mund der Sitz der Sprachwerkzcnge ist, und zumUmerschiede von schriftliche Jemanden eine Sache mündlich melden, persönlich, durch den Schall der Worte. Ein mündliches versprechen. Er hatte es mir mündlich und schriftlich versprochen . Zm Hochdeutschen ist es indessen als ein Ncbenwsrt am üblichsten, dagegen es im Oberdeutschen auch alsein Beywort völlig gangbar ist. Das mündliche Gebeth, welches laut geschiehet, zum Unterschiede von dem stillenHerzensgebethe. wollen, sie die Gnade haben, mir ihre mündlichen Befehle zr^ertheilrn ? mir ihre Befehle münd-. tich zn ertheilen. Die mündliche Wahl, ^znm Unterschiede von rinxr schriftlichen. Ern mündliches Testament. Aber auch das ^4 Nebenwort ist im Hochdeutschen nur so fern üblich, als es dem schriftlich entgegen gesetzet ist ; daher Opitzens Stelle r warum der — Herzlich haßt und mündlich liebe, für imHerzen und mit demMunde, ungewöhnlichklingt. Schweb« nsimteU^en, Dän.mundtlich. Der Mündling, des — es, plur. die—e, S.Micndel. Das Mundloch, des —es, plur. die—löcher, der Mund im figürlichen Verstände, die Öffnung eines hohlenRaumes, wodurch man zu demselben gelanget; die Mündung. Das Mundloch eines Mfens , des Magens, der Magenmnnd, eines Büchsen: oder Flintenlaufes, wo der Schuß hinein gethan wird, einesGtol- lens, dessen Ausgang , u. s. f. Das Mundmehl, des—es, plur. inuf. eine besonders im Oberdeutschen übliche Benennung des feinsten Writzemnehles, so wie es zu denSemmeln für fürstlicheTafeln gebraucht wird, S. 2.Mund. Der Mundpfropfen, des — s, p!ur. ut. nom, ünZ. in der Arlilleriederienige Pfropfen, wvm:t die Mündung cines Stückes verwahret wird, damit nichts unreines hinein kommt; der Zapfen, Spund. Die Münd-Pomüde, plur. doch nur von meheern Arten, die—n, eine Pomade, dieLippen damit geschmeidig zu machen; zum Unterschiede vsn der Haar - Pomade. ^ Die Münörportiön, plur. die—en, im gemeinen Leben, besonders im Kriegswesen, dasjenige, was einem Soldaten oder Arbeiter an Speise und Trank geliefert, oder dafür mit Gclde vergütet wird. Der Mundreif, des—es, plur. die—e, in der Geschiitzkunss, der Reif oder Stab an der Mündung der Kanonen. Das Mundrohr, des — es, p!ur. die—rohre, bey den Büch- smmachern,eiit hohles eisernesRohr mit Reifen, die Büchsenröhre darnach inwendig gereift zu ziehen. Die Bedeutung des Wortes Mund in dieser Zusammensetzung ist mir dunkel. Der Mundschenk, des—en, p!ur. die—en/derjenige, wel- tHer das Getränk eines großen Herren m seiner Aufsicht hat, und dasselbe bey der Taft! cinschenkt, und zu veilen eine hohe Reichs- wücde ist. Pohlen hatte einen Rrsn - Großmrrndfchenken , LlL- Lhauen aber einen Großmundschenken, welche von dem Rron- schenken in Pohlen und Schenken in Litthauen noch verschieden waren. S. Schenk. Die Mundfchraube, plur. die—n, S. Mundspiegel. Die Mundfeite, plur. die —n, in fürstlichen Küchen, diejenige Seite der Küche, auf welcher allein die Speisen für die herrschaftliche Tafel bereitet werden-, zum Unterschiede von der Hofseite. Die Mundsemmel, plur. die— n, Semmeln von dem feinste» Weitzenmehle, so wie sie für die Tafel großer Herren gebacken werden'; im Mittlern Lat. kunes dveiis. Der Mundspatel, des—s, plur. ulnom. lrnZ. bey den Wundärzten , ein Spatel mit einem spitzwinkeligen Ansschnitte an der Spitze, dessen man sich bedienet, wenn man einem Kinde die Zunge löset. ^ Der Mundspieyel, des—s, plur. ul nom. stpA. eben daselbst, eine Art Schrauben, den Mund in der Mlmdklcmme damit von . einander zu schrauben,; die Mimdschraube. S. Spiegel. Der Mundstein, des—cs, plur. die—e, an einigen Orten, der Gränzstein eines beferyelen Bezirkes, einerMundftt; von r Mund, Schutz, Befrcynng, S. dasselbe und Mandat. Das MunöstüE, des — es, plur. die—c. 2) Dasjenige Stück eines Dinges, welches in den Mund, oder unmittelbar an demselben zu sichen oder zu liegen kommt. Das Mundstück an einem Pferdezaume, das Gebiß, welches in das Mau! gelegt U 3 - wird, Z,Z Nun wird, an einer Trompete, welches an den Mund gesetzet wird, v. s. s. 2) Dasjenige Stück, der Theil eines Werkzeuges, welcher dessen Mündung in sich begreift; doch nur in einigen Fällen. Dergleichen ist das Mundstück einer Kanone, im Gegensätze des Bodenstückcs oder Zapfenstückes. Z) Im gemeinen Leben sagt ins», einePe^vn habe ein gut Mundstück, wenn sie ein gut Mundwerk hat, die Gabe zu reden und sich zu vcrcheidigcn im reichen Maße besitzet. Die Mündung, piur. die—en, welches in der anständigen Sprechact für das niedrigere Mundloch üblich ist, (S. dasselbe.) DieMündung einerDanone, eines 8Iinten!aufes, des us, der obere erweiterte Theil an der Röhre (lubus) der Blume. Auch der Ort, wo ein Bach, Fluß oder See sich in den andern oder in das Meer ergießet, wird die Mündung genannt, ehedem nur die Münde, w. S. Es ist von Mund, welches zuweilen eben dieseBcdeutung har. Dpr Mündyorrath, des—cs, xrlur. von Mehrern Quantitäten dreftr Art, die—rache, der Vorrath von Lebensmitteln, besonders im Kriegswesen ; die Provision, der Proviant. Das Mundwasser, des — s, plur. von mehrern Arten, M oom. üvA.eiil ssüffiges Arzeneymiltel, es in dem Munde zu halten , oder den Mund damit auszuspiilen. Der Munöwein, des—es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die—e, derfür die herrschaftlicheLafel, für die Herrsch -ft selbst bestinunte Wein. Znglcichen, derjenige Wein, welcher einer Person am besten schmeckt, von ihr am liebsten ge- trunken wird. Sein Abt, dem sonder ihn auch nicht sein Mundwem schmeckte, Haged. Das Mundwerk, des—cs, p!ur. eur. im gemeinen Leben und der vertraulichen Spcechart, eine vorzügliche Gabe zu reden; Nie« ders. das Mundstück. Er hat Mundwerke genug, zehn Lüge», in Einem Athem zu sagen. . Munkeln, verd. reg. nsutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und nur im gemeinenLeben und der vertraulichen Sprechart üblich ist, heimlich, leise sprechen, beynahe so wie murmeln. Man munkelt davon , es wird heimlich davon gesprochen , man sagt es einander ins Qhr. Sie munkelten, er habe ein Bünd- niß mit dem Saran. Sprichw. Im Dunkeln ist gut munkeln, wo cs heimlich ausspähen zu bedeuten scheinet, denn Frisch führet «ns dem Maihcßus das im Hochdeutschen ganz unbekannte Mun-. ker , ein Ausspäher, an. Anm. ZmNieders.so wohl munkeln als mumpcln, Englisch 40 inurrrftle, Holland, mooclceri^monckelLN, wom^elsu, im Qberd. maunkcln, im Schwed, und Island, rnö^iu, im Lat. bey dem Nonius MUZjü3rj. Ls ahmet den Laut der heimlichen Rede nach, der, wenn er gewisser Maßen schwirrend ist, durch murmeln ausgedruckt wird. Figürlich bedeuten in den Mundarten die Verwandten dieses Wortes theils trübe, theils aber auch heimlich, verborgen. So ist im Niederst munkelt, Holländ.rrionckea, nebeln, dämmern, trübe und dunkel anssehen es munkelt, als wenn es regnen wollte, und munkelig, trübe', dunkel, finster, Island.,ch ohne n, Siehe auch Meuchel, welches sich nur durch den Mangel des n, des gewöhnlichen Begleiters, der Gaumenlaute, unterscheidet. Das Münster, des—5, pIur.ulKorn.ltNZ. in einigen Gegenden, eine Collegiat - oder Domkirchc. Es ist aus dem Griech. undLat.Mou>ÄUerium/ein Kloster, entlehnet, daher anfänglich die KlösteestMünster und im Niederdeutschen Monster genannt wurden. In diesem Verstände komnit uniürs schon bep dem -Kero vo v. Weil die Canonie- an den Demkircheu ehedem in Ge- . ^ - . ^ ' st ^ ^ ^ ' - st st st- ^ / / / ' - Äkun Zl6 mcillschaftwie dieMonche lebten, und daher auch mit unter dem Nahmen der Mönche begriffen wurden, so bekamen auch die Collc- giar - Kirche» den Nahmen der Münster, und endlich wurden sogar alle, besonders ansehnliche Kirchen mit diesem Nahmen belegt, wie in Oder-Deutschland zum Theil noch geschiehet. Eben so bedeuten im Mittlern Latein. iVIsuusteriurn, im Alt-Franzos. !s LlovÜier, im Augels. iVl/nÜLr, im Schwed. lVioolier, und im Island. lVluster , eine Stiftskirche, und.in weite rm Verstände zuweilen eine jede Kirche. Munter, —er, —ste, s6j. el schv. welches in einer doppelten Hauptbedeutung gebraucht wird, i. Von der Bewegung. 1) Im Gegensätze des schlascrig, im eigentlichsten Verstände, nicht mehr schläferig. Man ist munter, wenn man nach dem Schlafe die gc- wöhulicheNeigung zur Bewegung, so wohl dein Leibe alsGemüthe nach empfindet. Munter scyn. Jemanden munter machen, von der Neigung zum Schlafe befreyen ; ihn ermuntern. Geyd munter und wachet. 2) Im Gegensätze des schläferig im figürlichen Verstände, einen vorzüglichen Grad der Fertigkeit zurBcwe- gung habend, und darin gegründet; im "Oberdeutschen ftrnzig, im Nieders. tanger, wahlrg, kregel, terig, tirig, tanger, kask. Em muntres Pferd. Ern muntrer junger Mensch. Muntre Augen. Ein Merk munter angreifen. 5 ein munter! em Anf- rnunterungswort. Jngleichen mrt dem Nebcnbc griffe der gehör igen Gesundheit und Stärke des Leibes, der Quelle der Munterkeit. Der Alte ist noch sehr munter. Und in dieser Eigenschaft gegrün- det. Eine muntere Gesichtsfarbe, z) Nach eitler noch weitern Figur, als eine Eigenschaft des Geistes , Fertigkeit habend, die Wirkungen desGcistes schnell »nd mitDeutlichkeit zu vollbringen, nnd darin gegründet; gleichfalls im Gegensätze des schläferig. Ein munrrer Kopf. Jngleichkn, euren gcringern Grad desjenigen zu bezeichnen, was man sonst lustig nennet. Ein muntrer Scherz. Em muntres Gedicht. Die muntre Schreibart. 2. Von Farben , wo man meinem gewissen Grade hohe und Helle Farben muntre 8arbcn zu nennenpsiegt. Ju einem etwas Hähern Grade nennt man solche Farben lebhaft. Bcydes im Gegensätze des todt. Anm. Munter druckt einen gekingern Grad aus als lebhaft; ein höherer Grad von beydenist lustig. DasWort ist alt, denn das Zeitwort munteres, wofür wir jetzt ermuntern und'im figürlichen Verstände aufiyuntern sagen, kommt schon bey dem Willerairt vor, Das Stammwort ist mähen und dessen Zntrnsivum mahnen, so fern ste bewegen bedeuten. So fern es von der Farbe gebraucht wird, gehöret es zunächst zu Mond ; beyde aber find in der Bedeutung des Glanzes und der Helle weiter nichts als eine von des Bewegung hergenommene Figur. Die Munterkeit, plur. jaul'. die Eigenschaft einer Person oder Sache, da ste munter ist, in allen Bedeutungen des Beywortcs. Die Munterkeit des Leibes, des Gemüthcs, der Schreibart, der 8arbe n. s. f. Munterkeit und 8reude tont jetzt durchs Thal, und froheLleder höret man von einem Berge zum andern, Gcßu. Das Münzamt, des — es, plur. die—--ärnter, ein unterdem Nahmen eines Amtes niedergesetztes Collegium, welches die Aussicht über die Münzanstalt eines Landesherren führet. Die Münzanstalt, xlur. die—en, S. 2 Münze 2. Der Münzbe-iente, des — n, plur. die — n, ein öep einer Münzanstalt angestellter Bedienter. Ein solcher Bedienter höherer Art pflegt auch wohl ein Münzbcamter genantst zu werden. 1. Die Münze, plür. inuk. 1) Eine Pflanze, iVlent üu l,, vo» welcher es sehr viele Arten gibt. Die zahine Münze oder Gartenmünze, svl.saüvu l.,, welch^eitien angenehmen Geruch hat, ist aus dem mistägigen Europa zu uns gekommen. Die im gemeinen,Lehen so genannte Zvarrcnmünzc pder Marl'enmü-ze schont eure M M Zl 7 MAN eine Art davon zu sepn, wenn ste nicht eben dieselbe ist. Die Roßmünze, oder Pferdemünze, IVl. l/lveliris 1 ^. wohnt in den Gräben und Morästen Deutschlandes,Dänemarks,Englands und Frankreichs, und ist der krausen Münze, oder ÄrausemÜnzs, iVl. crispÄ l!,, welche ansSibirien herstammct, sehr ähnlich. Die grüne Münze, oder Spitzmünze, lVl.virickis 1 ^. wird inDeutsch- land, Englaird und Frankreich angetroffen. Die Bachmünze, Rrctenmiülze oder Fischmün;e,lVl. L^unticL 1 ^.wachset an den Leichen und wasserreichen Orten Europens. Die Pfefferminze, ^ 1 . fiiperitL f,. ist in England einheimisch, so wie dieAEermün- ;e,Rornmünze, Tcichmünze, oder FcldmÜnze, Ivl. urveuKs auf allen feuchten Äckern Europens angetroffen wird. (S. diese Wörter.) 2) Figürlich führen noch verschiedene andeceArten Voit Pflanzen, wegen einiger Ähnlichkeit so wohl in derGestalt als dem Gerüche diesen Nahmen. Dahin gehöret die Feld- oder wiesen, kreffe, LnrclLmins urvenÜ 8 lü. welche auchBachmünze heißt; eine Art Melisse, MeUHu OalLmilltkia I,, welche unter dem . Nahmen der Bcrgmünze bekannt ist; welchenNahmen an einigen Orten auch die wilde Bastlien, 1k^rüu8 Bcino 3 f,. bekommt; das Ratzenkraut, ^le^sta I,, welches auch Ratzenmimzeheißt; eine ArtRheinfarn,1auLc:6t.uin8Lll'ÄmitÄl^. welche auch unter dem Nahmen der Zrauenmünze bekannt ist, und vielleicht noch andere mehr. - . Anm. Im Niederst Mi'nre, im Dän. Mynte, im Angelsächst wirrte, Nintu,im Engl. iVlinl, imkat. jV1entkn,.im Griech. Kenneten wir keine andeceArt dieses Gewächses, als die Gartenmünze, so wäre es glaublich, daß diese ihren Nahmen mit aus dem südlichen Europa zu uns gebracht hätte. Allein da fo viele Arten be» uns einheimisch sind,welche diesenNahinen von undenklichen Zeiten her gcführet haben, so muß die Übereinstimmung in der Benennung wohl einer von den vielen Beweisen des gemrin- schaftlichcuUrsprunges allerEnropäischenSprachrn seyu. Alle ei- gentliche Arten dieses Gewächses machen sich durch einen starren gemeiniglich angenehmen Geruch kenntlich, und es scheinet, daß auch dieser der Grund ihrerBenennuug gewesen. Vielleicht ist das alte rn;n, iu.ÄUMin, anmuthig, Minne, die Liebe, Notkers Rleocli, Freud-e, das Island, men , schon, oder irgend ein anderes ähnliches Wort das Stammwort derselben. 2..^ Die Münze, plur. die — n, geprägtes Metall, r. Eigentlich, wo dieses Wort ans doppelte Art gebraucht wird. 1) Alsein individuelles Nennwort, einzelne Stücke geprägten Metalles zn bezeichnen ; in welchem Verstände ro doch nur von sogenanntenMe- daillen, d. i. solchen Stücken geprägten Metalls, welche zum Andenken merkwürdiger Begebenheiten oder Personen veranstaltet - worden, gebraucht wird, nicht aber von dem eigentlichen Gelde. Eine Gedachtnißmünze. Fwey Begrabnißmünzen, Denkmünzen, Schaumünzen, u. s. s. Drey goldene Münzen. Doch wird cs auch von den Gcldsorten der vorigen Zeiten , so fernste nicht mehr gänge und gebe sind, und also nur alsMedaillen genutzt werden, auf diese Art gebraucht. Eine Römische Münze. Zwey Blechmünzen. 2) Als ein Collcctivnm, Geld, d. i. zum Behuf des Handels und Wandels geprägtesMetalstzu bezeichnen; wo der Plural nur von mehreru Arten, von Münzarten oder Münzsorken üblich ist. (a) Überhaupt. Münze schlagen. Gute, falsche Münze. Die Münze absetzen, steigern, erhöhen n. s. f. Jemanden in Silbermünze bezahlen»^ Acht - Groschen Scheidemünze. Ein Gulden Rupfermünze. Jemanden mit gleicher Münze bezahlen, figürlich, ihm Gleiches >>üt Gleichem vergelten. Schwarze Münze, eine in Baiern bey Bezahlung di;r Grundzinsen und gcrichckichenSLrafen übliche Art zu rechnen, nach welcher - pflmdRegcnöburger in weißerMünze Güldenst Pfund Pfennige acht Schillinge, 2 40 Pfennigs oder Z'8 Gukben, l Schilling 4 Gr. oder Kreuzer, und I Gr-schek 7 v Pst oder 2^ Kreuzer beträgtSchwarze Münze nannte n'.an ehedem diejenige, welche mit vielem Kupfer vermischt war, zum Unterschiede von der weißen oder feinen Silbermüsze. (b) In engerer Bedeutung ist Münze im gemeinen Leben oft so viel als einzelnes Gelb, in Niedersachsen klein Geld, im Oberdeutschen Zandmünze, im Gegensätze des ganzen Geldes oder größerer Stücke Geldes. 2. Figürlich, das Haus, in welchem Münze ge- präget, oder Geld geschlagett wird, mit der ganzen dazu gehörigen Anstalt; die Münzanstalt. Zum.ilen auch das Recht, Münze schlagen zu dürfen , das Münzrecht, oder Münzrega!, in welchem Verstände es schon in dem Schwabenspiegel vorkommt. Anm. Im Schwabenspiegel jVIuurre, im Niederst Münte, im Angels.N^uer,imEngl. undDLn. iVIiatchmSchwed.N^n-t, im Finnland. N.^tNi, im Böhm. Dst ince; mit einer andernAö- leitungssplbe im Niederst auch Munje, im Wallis. jVlrvnLi, im Engl. lVloue^, imFranz. Mcrnnois. Gemeiniglich leitet man diesesWort unmittelbar ans demLat. lVloneta her,weil es gewiss genug ist, daß das nördliche Europa dcu Gebrauch des Geldes aus Italien bekommen hat. Das Lateinische Wort soll alsdann bald von inOnors, bald von dem Hebe. tNÄNcuii, zählen, bald von einem andern Stamme Herkommen. Allein, wenn auch imserMünze zunächst ausklonstu gebildet seyn sollresso gehöret es doch einem alten echt Europäischen Stamme zu. Ihre hat sehe deutlich gezei- gct, daß dieMünze von dem ans dem Metalle geprägten Zeichen den Nahmen habe, und daß das Wort Voit dem Schweb. Llint, ein Bild, eine Figur, abstamme, welches mit dem Hebe. ein Bild, vou der veralteten Wurzel PQ, übcreür kommt. Bey dcmOttsrirdbcdentet iVIeinu ein Zeichen,imBretaguischen uoch jetztNLN, wo auch U in das Antlitz ist. -(S. Miene.) Ihre beweiset mir mehrern Stellen aus alrcuSchwedischen Schriften, daß Münze ursprünglich das Gepräge, das Bild des Landesherren aufdem Metalle bedeutet habe, und erst später nach einer sehr gewöhnlichen Figur von dem geprägten Metalle selbst gebraucht worden. . - Das Münzeisen, des — s, plur. ut ncrni. lirrA. dassenigcEi- srn, d. i. eiserne oder stählerne Werkzeug, womit die Münzen ge- präget werden; der Münzstampel. r. Mtinr.en, vsrb.reZ. ucl. ScückeMetallzumBehufedesHan- dcls und Wandels mit dem uöthigen Gepräge versehe«. Münze prägen oder schlagen. Gemünztes Silber, um Gegensätze des un- gemünzten. Das Recht zu münzen haben, Münze schlagen ffl dürfen. Es wurde heute nicht gemünzt, in der Münze kein Geld geprägt, nicht darin gearbeitet. Neue Wörter münzen,^ ffgiirlich, bilden, machen, und anszusühren suchen. Daher chi- 'Münzung. S. auch Ausmünzcn. Anm. Bey hem Ottfried muuirsn, im Niederst mimten,, im Angels, in/nslian, imEngl.lo inint, im Dän. nndSchwed.' Das Staiuinwortist noch im Schweb, vorhanden, lv» m^ntLx bilden, mit einer Figur bezeichnen überhaupt bedeutet. -S. das vorige. 2. Münzen, verb.rez. uct. welches in berVertraulichenSprech- art nur in einigen R. A. üblich ist. Es war nicht auf dich ge- .münzt, du wärst damit nicht gemeiner, es sollte dir nicht gelten.' Bey der ganzen Sache harre er es auf ihre Schwester gemünzt,, er harre ste dabev zur Absicht,zielete aufste, in der weitesten Bedeu-' tung^ dieser Ausdrücke. Darauf war es nicht gemünzt. Es scheinet in diesen Ausdrücken nicht eine Figur-des vorigen zu seyn, sondern vielmehr zu meinen zu gehören, r onnvetchem cs vermittelst derintenstvenEudung—zengebildet worden,münzen für meinzen. Der Münzer, des—s, ^lur. uluo-n. iinc;. Fämin. die Miin- . zerinri, derjenige, welcher Münze schlägt obcr präget. Ein fal- - ' scheL Mur Z >9 Milli scher Münzer, welche falsche Münze schlägt. Bey demOttsried. kvluoirar, im Schwabcnsp. IVIunsier, im Lat. Monstarius. Der Münzfälscher, des—s, plur. m vom. lin§. Fämin. die NNinzfälschcrinn, eine Person, wekche die Münze verfälschet, z. B. durch Beschneiden. Zuweilen auch wohl ein falschcrMiinzcr, depfalsche Münzen schlägt. Der Münzfuß, des —es, pltir. die — füße^ die Einrichtung des innern Wertstes und disGehaltes derMünzen bey ihrer Ausprägung, das Verhaltniß.hres iunernWerlhes gegen den äußern, im Mittlern Lat. t^es woneiSL, S. Fuß 2..^). Die Münzfreyheit, p>ur. die — en. i) Die Freyhcit oder das Reckt, Münze schlagen zu dürfen, das Münzrecht ;.ohne Plural. 2) Eine Freyheir in Ansehung der Münze. Der Münzyenofss, des—n, piur. die —n, derjenige, welcher mit einem andern gemeinschaftlich das Recht hat, Münze schlagen zu dürfen. Die MünzgerechtiFkeit,p1ur. irrus. S. Münzrecht. Der Münzgucrrdein, S. Münzwardein. Der Münzhammer, des—s. plur. die — Hämmer, derjenige Hammer, dessen man sich noch zuweilen beyAusprägung decMrin« zen bedienet. Der Münzherr, des—en, plur. die—en. r) "Ein Herr, welcher das Recht hat, Münzen schlagen zn dürfen. 2) In den Reichsstädten sind die Münzherren dicjenigenRakhsherren,welche die Aufsicht über die Münzanstalt führen. Der Münzkenner, des — s, plur. ut. aom. ünZ. Fämin. die Mnnzkennerinn, eine Person, welche eine gelehrte Keurttiüß von den Münzen, und in engerer Bedeutung von den alten Münzarten hat; Uumism3.lie1.1s. Daher die Münzkenntniß, plur. innl. die gelehrte Keinuiüß der Münzen, besonders der alten Münzen; UumismLlicn« die Numismatik, die Münzkunde, welche, wenn diese Keimti-iß wissenschaftlich ist, auch 'die Münz- rvissenschaft genannt wird. Das Münzkratz, oder Mimzyekrätz, des—es, plur. inusi. dasjenige, was in der Münze von dem Metalle^adgehet, stehe Gekrätz. Der Münzmeister, des—s, plur. ui vom. lin^. Fämin. die Münzmeifterinn, der Meister, d. i. Vorgesetzte einer Münzanstalt, welcher besonders dem Golde und Silber den in der Münzordnung vorgeschinebenen Zusatz zu geben hat. JnOfterrcich und Stcyer gibt cs oberste Erbmünzmeister, welches Amt in Österreich die Grafen vonSprintzensicin verwalten. Anct- inBöh- men wird das oberste Munzmeisteramt von Grafen und Herren bekleidet, da es denn.zugleich die Aufsicht über alle Bergstädte und Bergwerke hat. Die Münzordnuny, plur. die—en, eine landesherrliche Verordnung, nach welcher bey decAusmünznng des Geldes verfahren werden muß. Jugleichen eine solche Verordnung in Ansehung der in dem Lande cursirenden Münzarten. Das Münzrecht, des—es, plur. inus. das Recht, Münzen schlagen zu dürfen; die Münzgerechrmkeit. DasMrmz-ReFäf. des — es, plur. iuul. das Münzrecht als ein Regal, d. i. landesherrliches Vorrecht, betrachtet. Der Münzschlösser, des—s, plur. ui nom. ünZ. in den Münzanstalten, ein Schlosser,welcher das daselbst nöihige Stahl- nnd Eisenwerk verfertiget. Der Münzschreider, des—s, plur. urnom.lioZ.derSchrci- ber in einer Münze oder Münzanstalt. Die Münzsorte, plur. die—n, im gemeinen Leben, eine besondere Sorte, d. i. Art, Münzen; die Mumaet. Grobe Münzsorten, dergleichen Species - Thaler, Gulden und halbe Z20 Gulden sind, zum Unterschiede von den kleinen. Schlechte, gute Münzsorten. S. Sorte. Die Münzstadt, plur. die — städte, eine Stadt, welche das Münzrcch besitzet. Jngleichen, eilte Stadt, in welcher der La», desherr Münzen schlagen lass t. Der Münzstämpel . des—s, plur. ut nom ünsil. derjenige Srämpel", womit die Münzen gepräget werden; das Münzeiscn. Der Münzstanö des —es, plur. die—stände, ein Reichs, stand, welcher das Münzrecht besitzet. In engerer Bedeutung sind es diejenigen Reist s,- oder Krejsstände, welche eine gewisse Verblndniig in Ansehung des Münzwefens unter sich errichtet haben. Die Münzstatt, plur. die—statte, oder die Münzstätte, plur. die — n, diejenige Statt oder Stätte, d. i. der Ort, wo genuin« zet wird ; die Münze. Der Münzwardem, des—es, plur. die—e, ein Wardein, d. i. verpflichtetePerson.in den Münzanstalten, welcher den inner» Gehalt oder wahren Werth derMünzen erforschet; zuweilen auch der Münztzuardein, im mittlerrt Lat. 6uräu mouetarum. S. Wardein. Das Münzwesen, des—s, plur. cur. alles was die Münzen betrifft, dazu gehöret, mit denselben lnVerbindnng sichet. Die Münzwissenschaft, plur. mul. S. Münzkcnner. Die Muräne, S. Moräne. Mürbe, —r, —ste, astj. et LÜv. welches diejenige Eigenschaft fester Körper bezeichnet, da ihre Lheile bey einer sehr geriit- genGewalt leicht ibrenZnsammenbang verlieren,lvodurch sich dieses Wort von'weich unterscheidet; im Gegensätze des fest. Ein mürber Stein, welcher sich gleichsam Zwischenteil Fiilgern zerreiben lasse,. Das äolz ist mürbe, wenn es faul oder wurmstichig ist, daher dieses Wort auch zuweilen für brüchig gebraucht wird. Den Stockfisch durch Schlagen mürbe machen. Besonders in Beziehung auf das Kauen; im Gegensätze des hart. Mürbes Fleisch. Mürbe Apfel, mürbe Birnen, miim pnmu. Jemanden mürbe machen, fi ürlich, seinen Trotz, seine Widcr- fpäustigkcit durch gewaltsame Mittel übern ä tigen, ihn biegsam, nachgcbend machen ; ingle-chen, in weiterer Bedeutung, ihn matt machen. Anm. Bey Herr älternDberdenLschenSchriftstellern ohneb mur, in den gemeinen Oberdeutschen Mundarten noch jetzt mar und inuei rvu. im Franz, mcur im Schwed, nn ö ', im Dän. mor, im Lappland, mo er« Es gehöret ;n dem Worte Moor,Morast, Morsch, dem Lat. iVlnr und andern dieses Geschlechtes, welche jnsgesammt eine Am der weichen Beschaffenheit andertten. Die älwrn Lateiner sagten m aecus für mürbe. Wir haben von diesem Bey worie kein recht gangbares Hauptwort, so noröwendig solches doch oft ist. Im gemeinen Leben sagt man znwcj'.cn die Mürbigkeit. Die Mürbe verdiente allgemeinz>u werden, za- mahl da cs schon in den Monseeischen Glossen vorkommt, wo cs ikluruui lautet. Murks, ein im gemeinen Leben üblicher Laut, ivow.it man den gleichlautenden grunzende« Ton der jungen Schweine nacho.hniet. Daher murksen, diese,. Laut von sich geben. Figü lich pst gt man auch in den niedrigen Sprccharten, besonders Niedersachsens, so wohl einen kleinen, unansehnlichen, als auch einen mürrischen, verdrirßlichen Menschen einen Murks zu nennen. Bey den Lateinern war rnurcüs, bey dem Plautns rnurcistus, träge, faul mid verstümmelt. Irr der letzten Bedeutung gehöret es mch: hierher, sondern zu merzen, schneiden, verstümmeln, (S. Ausmerzm, worfeln u. f f.) bey dem Js»Magister ist jVlureus,.n welchem Verstände in den gemeinen Mundarten auch munkeln und mummeln üblich sind, (S. diese Wörter.) Es wird davon gemurmelt, man spricht heimlich davon, sagt es einander iudas Dhr. Für murren ist es im Hochdeutschen ungewöhnlich, ungeachtet es in diesem Verstände noch nsehrmahls in der Deutschen Bibek vorkommt. Es erhub sich ein Murmeln unter den Griechen wider die Ebväer, Apostelg. 6, Seyd gastfrey unter einander ohne Murmeln', r Pet. 4, 9- Diese murmeln und klagen immerdar, BriefJud. 6. Thut alles ohne Murmelung, welches Hauptwort, selbst in den vorigen Bedeutungen, nicht gebräuchlich ist, obgleich Mu rmuluuZL schon bry dem Dttfrird für das Gemurmel angetroffen wird. Anm. Beybem Kero.deresfur murren gebraucht, iriurwu- !oü, bey dem Dttfried inurmulsu, im Dän. murmle, im Lat. murmurars, wo auch Murmur das Gemurmel ist, im Griech. Es ahmct den Laut, welchen es ausdrnckt, sehr genau nach, und ist in Ansehung der Form das Diminut. von mrrrren. Mn anderes ähnliches Wort ist das Niederst mustern, Lat. mus- literre, im Harruöv. muffeln, welches aber mehr den Laut des Flistcrns ansdruckt. S. auch Munkeln, Mummeln und Murren. Das Murmelthrsr, des—-es, p!ur. die — e, Diminut. das Murmelrhierchen, Dberd. das Murmelthierlein, ein vierfüßiges vierzehlgesNaacthier,welches zudem Gefchlechte der Ratzey gerechnet wird, die Größe eines Kallinchens erreicht, einen kurzen, fast nackten Schwanz, aufgeblasene Lacken, und an jeder Seite sechs Reihen Barchaare hat. Es schläft fast acht Monathe des Jahres, und wohnet aufdenTirvlischen, Schweizerischen und Jta» liäuischcnAlpen; MarmotL ul^iuu!fi.,Es wird auchBergratzp, Bergmaus, Bergbachs, Alpmaus, Alpenrnaus, in der Schweiz Mistbellerie,iinPohln. Lobui^i, und an dem Kacpachischen Gebirge 8 tvlLrcr, 8vvi8LLra genannt. Anm. Bey dem Notker lautet dieses Wort Murmsnti.,. in der . Schweiz Murmentls, im Ztal. MÄrniovtÄUU, im Franz. MurrNolts. Frisch glaubt nicht unwahrscheinlich, daß der Nähme ans Mure moiNuno zusammen gezogen worden. Allem, da dieses Thier, wenn es säuft, wirklich ein Murmeln van sich hören l äffe t, so kann auch dieser Umstand gar wohl zu dessen Benennung Anlaß gegeben haben. Die Murre, plur. die—-N, ein nur in Tirol übliches Wort, eine Art Lauwinen zu bezeichnen, welche aus Sand und Siein bestehet, von hohen Gebirgen herab stürzet, und das ebne Land bedecket, welche eigentlich eine trockne Murre genannt lvird, zum Unterschiede von einer nassen, wenn dieser Sand und diese Steine von einem reißenden Bache, der alsdann eiuMun-bach heißt, herunter geführet werden, Di.se Murren werden daselbst auch Grund und Berglähnen (—lauwinen, oder—lauinen) genannt- zum Unterschiede von den Gchneelahnen. Ein anderes ganz verschiedenes Wort ist das Niederst Murre ein durchlöcherter Kohlentopf, über welchem sich das andere Geschlecht zu wärmen pstcgt. Murren, verk). reZ. ckeutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und nnr noch in figürlichem Verstände üblich ist, sein Mißvergnügen gegen einen Dbern durch dumpfige Töne an den Tag legen, und in weiterer Bedeutung, sein Mißvergnügen auf eine ungesittete .Art durch Morre äußern. Da murrcte das Volk wider Arosc, 2 Mast i Z, 24 . s-bxx etchüH mumu- Schlved. morra. Muf ALL murra, Krainerischen inermuram. ESist, so wie murmeln, eine Nachahmung des Lautes, und mitöem Dberd. murren- welches das Gnurren, das kivZi der Hunde ausdruckt, und dem Niederst mirren, wimmern, klage«, bey dem Ottfried mornen, Lat.moerere, verwandt, indem solches ähnliche Nachahmungeu sind. Daß nrirrnmlnin deil ältern Zeilen für murren gebraucht worden, ist schon vorhin bemerket; Notker hat dafür runeren,. aruuzru, und sltsi koken, Lat. ultsrcLri. Hingegen wird im Dberd. murren noch häufig für murmeln gebraucht: man murret davon, murmelt. Gnarrrn, guurrcn, knurren, quarren, schnurren, prörtelu u. s. f. find Niederdeutsche Wörter, welche verschiedene Arten des Murrens ausdrucken. Mürrrs ch, — er, — te, sck). et ack v. sein Mißvergnügen, seinen Widerwillen ans ungesittete Art durch Worte und Geberden an den Tag legend, und fit dieserGemüthsart gegründet. Miiurisch feyn- Lin mürrischer Mensch. Mürrisch Aussehen. Jn- gleichrir Fertigkeit zu stetem Widerwille^ und dessen Äußerung durch Worte und Geberden besitzend, und darin gegründet. Ein mürrisches wcsenan sich haben. Wehre deinem Ernsre, daß er nicht mürrisch werde. Sein einsames Leben mürrisch verträumen. In Barern ist statt dieses Wortes auch schieferig und schie- ferwastl, in dem übrigen Dberdenrschlande grantig, im Niederst» gnarrig, gnarsk, gnurrig, gnursk, hurl, wranrig, wramsk u. st f. üblich. DsrMurrkopss, des— es, pkur. die — köpfe, rim mürrsscher Mensch; im Anhalt, ein Mgram» Das Mus, S. rlkuß. Muscat, u.st f. S. Muskat. Die M fische, p!ur. die—m. r ) Mn nur im Dberdcutfch''N übliches Wort, wo es ein Nähme gewisser kleiner Vögel ist, und auch Muff und Muschel lautet. (S. Moosspcrkng und Grasmücke.) Es kommt mit dem Lat. Llu/eu und Franz. Noucfie,, Fliege, genau überein, (S. Mücke.) 2 ) Ein Schonpfläsierchcrr, wo-es unmittelbar aus dem Franz. iVlouctre entlehnt ist. Lein Blattetchen fuhr auf, die'Musch e mufft es Hecken-, Aachar. r. Die Muschel, plur. die—n, ein nur in einigen Gegenden, z. B. in der Lausitz übliches Mort, wo es einen von Bast geflochtenen Sack bezeichnet, welchen man daselbst wie einen Handkorb an dem Arme zu tragen pstegt. Es wird daselbst auch Maschel. gesprochen. Es stammet zunächst au- dem Wendischen her, wo- )V1iecfi,imDimirntt. Misscfik, einen Sack bedeutet, gehöret über mit demselben zu Maß, Moste, und andern ähnlichen Wöv- tern, in welchen dsr Begriff dev Vertiefung der herrschende ist, S.Maff- Anm. L» Die Muschel, plur. die — n, Diminut. das Müsch eich en, Dbord. Müschellein, eine Art Schalrhiere mit zwtySchaleu, welche vermittelst eines Gewindes geöffnet werden können. 'Mgent- lich, wo bald das ganze Geschöpf mit feiner Schale, bald das Thier' ohne Schale, bald aber auch nur die Schale allein mit diesem Nahmen beleget wird. ZnAnsehnug des ganzcnGechöpfes nüumtmaü es in der Naturgeschichte in der schm? angezeigten weitern Bede,r- tl'.ng, so daß auch die Austern, Pinnen, Lammmuscheln-. Perlenmuscheln u.a.m. dahin gehören. In engerer Bedeutung hinaegeir pstegt man oft nur diejenigen Schalchiere dieser Arl Mnschein zu nennen, welche länglich rund sind, ihre Zergliederung mitten -u dem Gebäude haben- und größten Theils gegessen werden iounbn,, und-daherzum Unterschiede von andern Arten auch LficheizmuÄ schein heißen; tVl vlüuL D. Diese letztere Art, von. welcher es so wohl Zluffmuscheiir als Keemnschcln gibt, h, iße.-r im Holland» gleichfalls nur 'vloileln schlechthin. In den Küchen verstehet mau unter dem dhahmen dcr Muschel oft nur das Thier^ welches t est- Z2Z Mus Schals bewohnet. Kalbfleisch mit Muscheln EmeMufchel- öruhe. Aus gestochene Muscheln. Dagegen man eben so oft mirer diesem Nahmen nur eine derbeydenSchalcn allein verstehet, welche vollständig eine Muschelschale heißt. EineZarbenmuschel, zngerichtere Farben darin aufzubehaltcu. Muschelgold, Uruschel- Dbsp n. s- f- 2 ) Figürlich, von der letzten Bedeutung ein einer Muschelschale in der weitesten Bedeutung, so daß auch die Auster- schalen mit darnrttcr begriffen werden, ähnliches Gefäß oder Be- hältniß. So wird der einer Muschel ähnliche Schild an den Gefäßen der Hirschfänger und der Pallasche der Officicrs von der Reiterey so wohl dev Korb, als die Muschel genannt. Der äußere Lheilhes Ohres führet wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt gleichfalls den Nahmen der Muschel; anderer ähnlicher Fälle Zu geschweige». Anm. Im Niederst Muffel, im Holland. Gossel, im Engl. Mulcls, im Franz. LckouslsMoule, im Span. iVlsxile, im Jral.lV1uolcolo, kluloiolo, im Schwed, blusig, im Dän. Muskel, im Mittlern Lat. iVluleuIa» bep dem Plautus iVluleu- lus, sonst aber bey den Römern und Griechen lVl^tilu?, welches bloß den Z'schlaut in das nahe verwandte t verändert hat. Es ist ungewiß, ob der BegriffderSchale und des hohlen Raumes in diesem Worte der herrschende ist, in welchem Falle es zu dem'vorigen Muschel, ein Sack, gehören würde, oder der Begriff der weichen eßbaren Beschaffenheit des Thieres. Das letztere erhält dadurch einige Wahrscheinlichkeit, weil eine Muschel im Jtal. auch iVIol- Iscu. genannt wird. Alsdann würde es ein Seitenverwandter von Moos, Muß, Muskel, Moder, und andern dieses Geschlechtes seyn. Die Ableitungssylöe—el bedeutet ein Sub/ect, von welchem der erste Theil des Wortes etwas sagt. Daß im Oberdeutsche» Muschel auch eine Fliege, ingleichen einen kleinen Vogel bedeutet, ist schon bep Musche und Mucke angemerket worden. Der Müsch elätlaß, des — sses, plur. doch nur vonmeh»ern Arten, die— ssk, eine Art Atlasses mit Figuren, welche den Schalen der Kammmuscheln oder Austern gleichen. Der Müschelflor, des —es, plur. doch nnr von mehrcrn Arten, die — störe, eine solche Art Flores. Müschelfürmiy, — er, —ste, acij.etaäv. der Gestalt einer Muschelschale, besonders der Schale einer Auster-oder Kammmuschel ähnlich, d. i. aus einer plattrunden Erhöhung oder Vertiefung bestehend, zumahl, wenn dieselbe mit runden Reifen versehen ist; muschclicht. Das Müscheltzobd, des — es, plur. car. das mit Hönig abge- riebeneBlattgold, welches in Muschelschalen aufbehaiten, und zumJllumiilircn und Mahlen gebraucht wird; Muschelsilb-r, abgegebenes Blattsilber. Das Muschel - Insert, des — es, plur. die — en, ein Nähme, welchen ben einigen Schriftstellern die Schtldlarrs, Loceu5 Iv. führet, deren Schild die Gestalt einer Muschel hat. Der Müschelkö'nix, des—es, plur. die — c, S. Muschel- schlucker. Der Muschelkrebs, des — es, plur. die — e, eine Art kleiner Seekrebse, welcher seine Wohnung i» eilier leeren Muschelschale aufschlägt, und dieselbe, wie die Schnecke ihr Haus, überall mit herum trägt. Der Müschelmarmor, des —s, plur. inus. ein mit verstimmten Muscheln und Schnecken durchsetzter Marmor. Die Müschelnischel, plur. die —n, S. Moossperling. Die Muschelschale, plur. die —n, eine von den beyden Schalen, in welche» die Muschel lebt; Niederst Musselschulpc, Mussel- schclle. Der Müschelschlucker, des — s, plur, m riom. 6oZ. eine Art Lauchec inder Größe ernerTauchergans, welche euren brannro- Rus ZS4 fhen Aopfunö Hal» hak, sich von Muscheln nahrek, und in Siam angetroffen wird ; lVIerZus rubriLApillLl,. Muschelkönig. Das Nuscholsilber, des — s, plur. ear. S. Muschelgsld. Das Müschelwerk, des — es, plur. die — e, ein Zierath der Bildhauer nudMahlcr, welcher aus uachgcmachten Muscheln oder muschelförmigen Figuren bestehet. Der Muscus, S. Muskus. 1. DieMuse, plur. doch nur von mehrcrn Arten, die — n, ein ausländischer Baum; Es gehören dahin, die para- diesfeige, IVlulu puraäillLcu il,, aus Ostindien, die Muse dev weisen, iVlulu stLpieutUlnI^. aus bepderrIndien, und dieAffen- muse, NusulryZlocl/tarumü,. aufdenMolucklschenJnftln. DerNahme ist allem Anscheine nach morgenländischenUrsprungs. 2. Dre-Muse, plur. die — n, aus dem Griech. und Lat. IVluln, eine von den neun Gottheiten oder Vorstehern der schönen Künste, nach der Göttcrlehre der Griechen uudRömer; die Kunst- Sottirin, bep dem Logau. Figürlich pflegt man in der höhern und dichterischen Schreibart einer jeden Wissenschaft eine Muse beyzu- legeu, und dann unter diesem Nahmen auch wohl die Kunst oder Wissenschaft selbst zu verstehen. So alt und fremd dieses Wort ist, ffo scheinet es doch zu dem alten noch hin und wieder üblichen nm- sei, ernsthaft Nachdenken, Engl, do rnule, Holland, muilen, rnuilerrerev, zn gehören, (S. Kalmäuser, Duckmäuser und Muße.) Daher der Musensohn, ein Schüler oder Student; der Musensitz, eine Schule oder Universität. Der Musel, des —s, plur. ut vorn. ÜI 1 A. in den gemeinen Sprecharten einiger Gegenden, ciu abgehauenes oder abgeschrote- nes unförmliches Stück; ein Schrot. So heißen die Blöcke, woraus aufdcn Sagemühlen die Bretergeschnitten, und dieKlötze, woraus Scheite gespalten werden, im Forstwesen einiger Provinzen Musel. Bey de» Böttchern, wo dieses Wort Miesel lautet, sind cs die kleinen bep ihrer Arbeit abgehcudeu Klötze. Es gehöret zu meißeln, Messer, Muß u. s. s. so fern sie alle in dAN allgemeinen Begriffe der Absonderung mit einander überein kommen. Der Muselmann, des—>es,plur. die — männer, Fämin. die Musclmänninn, ein Nähme, welchen sich die Anhänger Ma- homeds oder die im gemeiueuLebeu so genannten Türken selbst bey- legen, und im Arabischen eigentlich Mselemim, d. i. Bekenner des Islam, oder wahren Glaubens, bedeutet, welchen Nähme» Mahomcd seiner Lehre schon imJahre 612 gab, und woraus die Europäer ihr Muselmann verderbt haben. Muslg, oder MttstF, — er, —sie, sckj. et uäv. welches nnr iin Hüttenbaue, besonders von einer fehlerhaften Beschaffenheit des Zinnes, üblich ist. Müsiges oder dorniges Zinn. Der Wolfram macht das Zinn musig. Vielleicht bedeutet es so viel als mürbe, brüchig, da cs denn zu dem Geschlcchte des Wortes Muß gehören würde. Es wird oft müßig, müßig und müsflg geschrieben, ungeachtet die Aussprache des s allem Ansehen nach sehr gelinde ist. Musrcrren, verb.reA. act. von dem folgenden Worte, Musik machen. Die Musik, plur. die — en. i) Der Ausdruck der Empsindun- gcu durch harmonische unarticulicte Töne, die Nachahmung der schönen Natur durch Töne, und die Kunst oderWiffeuschaft derselben, die Tonkunst, die Tonkunde; wo der Plural allenfalls nur von mehrern Arten gebraucht werden kann. Die vocal- Musik, zum Unterschiede von der Instruiüental - Musik. 2 ) Einzelne Ausübupgcu dieser Kunst, besonders der Instrumental Musik. Musik machen, wenn mehrere aufharmomreuden Jttstriimenlcii spielen. Eine Musik aufführen. Die Nacht- Musik, Abend- Musik u. s. s. Ich habe ohne dem wissen die Musik bestellt, Gell. Ich höre Musik. Jugleichen dis Belustigung anders < Z2L Mus Lurch Musik, die Musik verpachten, die Aufwartung mit Musik b; y Feycrlichkeiteu, in Gasthöfeu u s. f. Unm. Es ifi das Griech. und L.t. Lluüca. Die Hochdeutschen legenden Ton, nach dem Muster des Franz. lvßuliHue. auf dlr letzte, die Oberdeutschen aber, welche der Lateinischen Aussprache getreuer geblieben sind, ans die erste. Im Pees, heißt die Musik gleichfalls ötlulllH. Musikalisch, sch. et uci v. i) Zur Musik gehörig, in derselben gegründet. Ein musikalisches Gehör haben. 2) Der Musik kundig, besonders der Instrumental-Musik ;am häufigstem als ein Nebenwort. Musikalisch seyn. Der Musrcänt, des —en, chur. die — en, eigentlich, der die Musik verstehet uudausübct; in welcher weitern Bedeutung es doch nicht üblich ist. Man gebraucht es nur in engcrm Verstände von solchen Personen, welche die Instrumental-Musik als eiu bloßes Handwerk um Lohn treiben; ein Spielmann. Dessen Gattinn die Musikanrinn. Derjenige, welcher die Musik mehr als eine Kunst ausübet, oder als eine Wissenschaft verstehet, heißet auf eine anständigere Art ein Musicus, und im Deutschen zuweilen ein Tonkunftlcr. Die Musiv Arbeit, plur. die—en, eine Art der Mahlerep, wo die Figuren nach dem Leben durch künstliche Zusammensetzung kleiner farbiger Glasstncke oder Ären,e hervor gebracht werden, die Musiv Mahlcrep; ohne Plural. I.,gleichen deraleichenGe- nrählde selbst. Im Mittlern Lawine M chi^UlN. Das Wort stamme^ so wie diese Ari der Mahlerep seldst, aus dem Oriente, und vernuuhlich aus Persien her, Voit da depde zur Zeit des Griechischen Kacherchnms nach Constautinopel und von da in das übrige Europa gebracht worden ; obgleich Scaliger und andere den Nahmen von i^on.7«.v evpcvvo'o y,. vuuLcv welche den Begriss der Zierlichkeit haben, adieuen. Die Franzoftn haben dies sWort in Alosui^us verderbt, woraus den viele Deutsche das noch mehr verderbte m u falsch und mosaisch gemacht haben, mosaische Arbeit, mu falsch oder mosaisch Gold-, wodurch viele verleitet worden, dabey an Moses, den Heerführer der ehemahligen Inden, zn denken. Man muß d iese Art brr Mahlerey nicht mit der bloßen eingelegten Arbeit von vieljärbigen. Steinen verwechseln,^ welche bey den Altert 0^>u8 tellelLtum und Dibieoftrutum genannt wurde, und weit älter, zugleich aber auch die Mutter der Musiv-Mahierep ist. Das Musiv-Golö, des — cs, plur. cur. eiue-Zinnbereituirg mit Schwefel, welche wegen ihrer goldgelben Farbe, so wie das echte Gold, zum Mahlen und Schreiben gebraucht wird. Das Musiv-Güber ist eine ähnliche Zubereitung ans Zinn und Wiß- runch. Beyde heißen auch unechtes Mahlgoi- und Mahisilbcr. Die Musküte, Plur. die — n, das Product des Muskaten- B a um c 2 - welcher in Ostindien wachset, und dem Birnbäume ähnlich siehet. Dasjenige, was wir die Muskate, und wegen der Ähnlichkeit in der äußern Gestalt, du Muskaten-Nuß nennen, und als ein angenehmes Gewürz in den Küchen gebrauchen, ist der Kern der Frucht, welche einer Pfusche gleicht. Der Muskateller, des—s, piur. doch nur von Mehrern Arie», utuc-in. lwZ. eine Art eines süßen Weines, welcher einen angenehmen, gewürzhasten Geschmack hat; Ira!. V in > rnolcastLllo, Musr'arwein, im mtttlcru Lat. MuscullLÜus, MukLuteliL, Llulcertellus, welches Petrus de Crescentiis daher leitet, c^u ock vu//cas,Ll. Äpss lltijusiNircii'uvLss^pLinnt. Andere teiren den Nahmen von dem gewürzarrigen Geschmacke undGeruche her, da denn das vorige Muskate oder auch der Moschus,Müsens,auf dieVerwandtschaslAnipruck) mach n würden. Der bcsteMnseatel- ler wird in Italien bey Montesiascone in Campagria die Aoma ge- bauet, u-td ist von Farbe entweder biarrk oder eöthlich. Der Fron- Mus Z2§ kignac ist eine Art Französischen Muskat - Weiucs. Die Weintraube, welche diesen Wun liefert, wird auch in unfern Gärte» gcbauek, und heißt gleichfalls^die Muskateller - Traube oder Muskat: Traube. Die Muskateller- Bern, plur. die — en, eine Art kleiner schmackhafter Birnen, welche frühzeitig zur Reife kommt, und wegen ihrer Süßigkeit und ihres gewürzhafteu Geruches gcschätzct wird. Jtal. kvlulccatelln. Sie ist unstreitig diejenige Birn, welche Plinins kirum I'u^erllum llennct. Das Muskateller - Araut, des—es, x>1ur. inus. eine Art der Salbcy mit runzligen, herzförmige», länglichen, rauchen Blättern ; 8c,Iviu. 8clarsu D. Sic ist in Syrien und Italien einheimisch. Der Muskaten: Baum, des — es, xlur. die — bäume, siehe Muskate. Die Muskaten-Blume, xlur. die — n, eine gelbe oder röth- liche Haut, womit die Muskate in der Frucht umgeben ist, und die, weil» sic abgesondert und getrocknet worden, gleichfalls als ein - Gewürz gebrauchtwird. Sie wird auch die Muskaten- Biulhe genannt, ungeachtet sie weder Blume noch Blüthe ist. Die Muskaten - ^yacinthe, s>!ur. die — n, eine Art Hyecjn- then ; lll^Lcivllius Istulcerti b,. Die Blumen geben, wenn sie anfangen zu welken, einen starken muskatartigen Geruch von sich. Die Muskätennüß, piur. die — misse. S. Muskate. Dic-Muskatenrofe, piur. die — n, ein Nähme, welcher zuweilen auch der Moschrose gegeben wird, S. dieses Wort. DerNuskatwein, des—es, xlur. doch nur von Mehrern Arten, die — e, S. Muskateller. Der Muskel, des — s , piur.die— n, fleischige,.gemeiniglich längliche und erhabene Theile derthicrischeu Körper, welche aus nutzbaren Fibern bestehen, durch ihr Zusammenziehen den Körper und dessen Theile bewegen, und eigentlich das Fleisch ausmachen, Lat. Musculus, im Deutschen auch wohl die Maus, (S. dieses Wort.) Bev einigen Zergliederern kommen sie unter dem Nahmen der Fieischlappcn vor. Wenn auch der Nähme Muskel zunächst aus dem Lat. hclulculus gebildet ist, so gehöret doch dieses, wie aus unsrem Maus und dem in einigen Gegenden üblichen Mane erhellet, zu einem allen echtEuropäischen Stamme, (S. 1 Maus.) Dir Lateinische Endung—ulusist sb wie die Deutsche —el die Bezeichnung entweder eines Werzeuges, oder eines Snbjectcs. Die Muskete, plur. die — n,c gtittlich ein« veraltete Art Büchsen, welche'ein Lnntcnschloß hatte, wo das Zündpulver vermittelst einer in den Hahn geschraubten Lunte angezundet wurde. Obgleich dicft Art hcs Fenergewehres veraltet ist, so ist doch der Nähme einer größer» Art Flinten geblieben, welche an die Stelle der halben Hakender vorigen Zeiten getreten sind, und mit welchen die gewöhnlichen Soldaten zu Fuß bewaffnet werden, welche daher Musketier beißen, um sie von dcu Füse- liers, Grenadic-.s u. s. s. zu unterscheiden. Der Nähme ist ans dem Franz. Nusyuctt, Jeal. Dckolclletto, entlehnet, wo er von IVIoscllatto, eiu Flieg'enhabicht oder Sperber, absiam- men soll, weil,die Falkauncn , Falkonette, Scylangcu u. s. f. ihre Nahmen gleichfalls von Thiercnerhaluu haben. Dem fty wie ihm wolle, so wurden noch lange vor Erfindung des Schießpulvers und unsers heutigen Geschützes, eine Art Pfeile, welche mit einem starken Wuichzcuge geworfen wurden, bstu. ^IclleUue, und im Alt-Franz Lloucllettos genannt, koteü ^ruelerew tieri, «oll lluec euckein llc-.lillue eelu jsolleut trällere, c^uue vuIZaeitcr Ittrnlur, Sa- nutus bey d-m Du Fresue. s^cliu terti.z pars nrimeckiute llu- 1ili,t8luL8 stonclerslcuin et ^uocl te!is ctti- L»i lupiltet, die ttiüsr. Eörtuüor. eben daseibst. § s - « Die Die MusketenkuFes, plur. die—n, eme Akt bleyerner Kugeln, so wie sie aus den Musketen geschossen werden. Das Musketenpulver, des—ch xiur. illus. eine Art Schießpulver, welches zwischen dem gröber» Stuck- und Karthauneupuls ver, und dem fcineru Bursch- und Scheibenpulver die Mitte halt, und zu deu Musketten gebraucht wird. Der Musketier, (dceysylbig.) des— s, plur. die—s, oder —e, cm mir einer Muskete bewaffneter Soldat, S. Muskete. Der Musketen, des — s, plrrr. die — s, aus dem Jtal. Mulckettori«, mit der vergrößernden Endung—oris, eine gleichfalls veraltete Art großer Musketen, Mit einem kurzenLaufe mild einer weiten Mündung, aus welchen man mehrere Kugeln auf einmahl zu schießen pflegte; im gemeinen Leben Muskedonner. Die Muskrose, plur. die—-n, ein Rahme, welchen an einigen Orten die Moschrose führet, S. dieses Wort. Der Muskus, ^rlur. cur. ein auch für Moschus oder Bisam übliches Wort, S. das erstere. Die Muskus-Ante, oder Moschus-zsttbe, plur. die—n, eine Art Änten, welche größer ist, als die zahme Ante, einen blutrorhen Kopfuild Kehle, und eine fleischige Haut hat; ^ULL rnoscüakL L,. Bisam-Mte, Tü'skischs Äure, Indische Ante. Sie ist so bunt, wie ein Truthahn, und stammet aus Indien und Afrika her. Der Musrus-Bock, des — es, x!ur. die — Bocke, S. Bi- samthier. Die Muskus-Ratze, plur. die — n, S. Bisamratze. Das Muskrrs-Thier, des—es, xlur. die — e, S. Bisam- threr. Die Muskue-Ketze, xlur.öie —n, S.ebend. r. Das Muß, plur. cur. ein unabänderliches Hauptwort vonbew Zeitwerte müssen, welches nur in einigen R. A. ohne Artikel gebraucht wird, eine unvermeidliche Nochwendigkeit zu bezeichnen. Es ist eben Fein Muß, keine unvermeidliche Nothweildigkest, es muß eben nicht seyn. Muß ist ein bitter Lraur, aller Zwang ist unangenehm. s. Das Mirß, des—es, plur. von mehrern Arten, die Muße, bey cinigen dle Miißer, Diminut. das Müßchen, Oberd. Müß- lein. ^Speise überhaupt, und die Einnehmung derselben, die Mahlzeit; eure im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, in welcher der Plural Hey Oberdeutschen älter« Schriftstellern Muser,Muser, Mssser lautet. Bey dem Kers und Ottfcied in diesem Verstände schon Muss. Vuir6iZ ik6er uuuri.kostus8 muotes, Tat. der Arbeiter ist seiner Speise , seines Unterhaltes werch. Ns b et i r uuaa rnuyles? ebend. habt ihr etwas Speise ? Bey dem Otlfried ist OaZairruass dieMittagsmablzeit, und^-beOll- rrniuse die Abendmahlzeit. In engerer Bedeutung pflegte man rhedcm dicSpeisen aus dem Gewächsreiche und die eßbare» Pflan- :Zcu selbst nur Muß zu nennen, wofür wir setzt Gemüse und Zugemüse sagen. Daher war der Mußgavten der Küchengarten, Krautgarten, der Mußmengelcr der mitKüchengcwiichsen handelt, MußwerkGemüseu.s.f. (S. auch Mußtheil.) 2 ) Eine zu einem Breye gekochte Speise, und in weiterer Bedeutung, eine ;ede zu einem Breye gekochte Masse, der Brey, im gemeinen Leben, besonders der Niedxrsachsen, §uch die Pappe; wo der Plural uur zuweilen von mehrern Arten vorkommt. Das Apfelmus), Pflaumenmuß, Brstmuß, wassermuß, von Mehl und Wasser, Biermuß, von Bier und Brot, Mandelmuß, von Mandeln, Milch, Eycrdottern u. s. f. Das Fleisch zu Muß kochen. - Anm. In der ersten Brdentung gehöret es zu einem sehr alten 'Mld zahlreichen Geschlechts solcher Wörter, welche essen, Speise «. s. s. bedeuten, da denn oft derZischlaut in das verwandte t über- , .^chtt. Am Schweb, .ist Mäs gleichfalls eine jede Speise,-4ep dein UlphilaS Mat, Mats, Angels.Masis, eine Speise,Gericht, Engl.M sa t, Franz.Met. Man hatte auch dasZeitwvrt müsen,essen, speisen, bey dem Kero mualo«, womit das'Lat. Lomilkari, dasGriech.ftscs's'««'^-, essen,und unser schmausen verwandt sind, und wovon masten das Factinvum ist. In Ulm müssen die Ehebrecher zur Strafe noch setztHaferbrev miteinander essen, welche Strafe daselbst das Musen gcnsunt wird. (S. Gemüse, Masten,' Mettwurst und Muskel.) Zn der ziveyten Bedeutung, wo es such schon bey dem Kero IVIuar, und im Rieders. Moos lautet, gehöret es zunächst zu Moos und andern Wörtern dieser Art, i» welchen derBegriffdcr weicheuBeschassenheit, des Zcrreibeus und Zermalmens, der herrschende ist, rvelcher Begriff doch mit dem vorigen des Essens genau zusammen hängt. Es erhellet solches unter andern auch aus dcm Zta!. wo ei» solches Muß MirrMo heißt. Da das s in dresrm Worte nach dem gedehnten u unläugbar eben so geschärft lautet, als in Muße, §uff, Buße, süß u. s. s. so schreibt man es auch am richtigsten mit einem ß, obgleich das abgeleitete Gemüse wegen des gelindeirLautes des smit diesem zufrieden seyn muß. Die Muße, piur.isus. die von ordentlichen Beschäftigungen,^» Berufsgeschäften übrige oder freye Zeit, Befreyung von ordentlichen Geschäften. Die Porste will Muße haben. MemeLerufs- tzeschafte lassen mir nicht viele Muße übrig. Gute Muße haben, hinlaiigliche von pflichtmüßigen Geschäften freye Zeit. Seine Muße gut anwenden. Die gelehrte Muße, gelehrte Anwendung der von BerufsLeschäften frepen Zeit. -Wenn ich mehr Muße bekommen werde. Junge-Teure muß man immer beschäftigen, und ihnen zu Thorheiren keine Muße lassen, Sonnenf. Etwas mir Muße verrichten , sich hinlängliche bequeme Zeit dazu nehmen. Jngleichen die völlige Freiheit von allen pflichtmäßigen Beschäftigungen. Die Ehre wohnet nicht auf demAosenbeite der weichlichen Muße. Zur Trägheit m den Armen einer wollüstigen Muße gewohnt, findet er (derZärtt ling des Glückes) die Tugend und die Verdienste zu mühsam , Dusch. Anm. Dieses alte Wort lautet schon Hey dem Kero undOttftied Muars. Der letzte gebraucht es auch für Zeit überhaupt, iu iksmo muare, in dieser Zwischenzeit, indessen. I« den Mon- seeischenGlosserr ist Muoru so wohl olium alsüceaua; M so- rlZI wird daselbst durch vaeunas,und rnuoriAeroKiaK'i durch lenti tor^oris erkläret. Bey dem Rotker ist Vumuorreeiieit Beschäftiguitg, und bcpdemWilleram muc-rsZan, ^ernuors- ßas, sich einer Sache entschlagen, sich Muße von ihr verschaffen, nnd^in Kero muo-E Zeit senn. Zstn Ztal. ist musarsuiid im Franz. Nulsr müßig seyik, müßig gehen, daher in der lüstern Sprache arnulerdie Zeit, die Muße und deren rniangenehmr Empfindung vertreiben. Im mittler» Laleine ist Mularcius und im alten Franzos. Mular ein müßiger, träger, dummer M nsch. Aus allem c-ehellek, daßber Begriff der Ruhe, des Mangels der Bewegung,in diesem Worte der herrschende ist, welcher durch d essen Seitenvcnrrandtenoch mehr bestätiget wird. Im gemeinenLe- ben einiger Gegenden ist müsse!» so wohl als nüsseln zaudern, und muffelig zauberhaft, langsam in seinen Verrichtungen. Zm Rieders, bedeutete muftn ehedem in tüfem Nachdenken versiciiken seyu, wie noch setzt das Engl. W mute und das H^stländ. müssen, nauiseue ren,wovon noch iinserDuck'm auser unvLalmäuser herstammen. l gfistch, falls ich kann, und bey den altern Schweden nüd im Finnland. inuvclZ, können. Auch für dürfen war es ehedem nicht ungewöhnlich , und in dem Slraßburgischen Stadtrechte lommt daher auch muisUcff für erlaubt vor. Da es nun auch noch setzt iu einigen Fällen für npogen gebraucht wird, so erhellet daraus dessen Verwandtschaft mit duffem .Zeitwpete. Dab Muster, des —s, pffrr. ur uvm.ffoF. Dimimit. das Mitstcrchen, Oberd. Müsterlern. r. Ein jeder Gegenstand, welcher nüchgeahmet Wed,besonders so fern er zugleich dieArl und Weise der Nachahmung zeiget. So wohl, ,) der phystschen und mechaiuichi,n Nachahmung. Ein Spitzenmuster, cineZeichnuilg, wornach die Spitzemgeklöppelt werden. Die Nähtcrniuen haben Muster, weiche fheils ZeichuunLeu siud^ Blumeit und Figuren V - ^ darnach ZZZ Mllst darnach zu nahen, Hells Stucke Papier, welche die Große, Form und Gestalt cmesKleidungsstückes zeigen,um es darnach zuschnci- den zu können; Rieders, pand, Naramels. Inden mechanischen und bildenden Künsten ist das Wort Modell üblicher, obgleich Luther in diesem Verstände auch noch Muster gebraucht. Zeige dem äa"se Israel den Tempel an — und laß sie ein reinlich Muster daran nehmen, Ezech. 4Z, i'. Zeige ihnen die Weise und Muster des Hauses, V. 12. Als, auch, 2) der sittlichen; ein Vorbild, Exempel. Sich jemanden zum Muster verstellen. Sie ist ein Muster der Tugend. Er hinteeließ der Zolgezcit Zwar Muster aber nicht Gesetze, Haged. 2 . Ein Probestück von einem Ganzen, im gemeinen Leben Ober- und Niedersachsens; Rieders, auch Staal, Staalken, Holland. Ltualljs, Franz. LclinrUillon. So geben die Kanfleme denen, welche es verlangen, Muster, d. i. Proben, von den Zeugen, welche sie führen, zu deren Behuf sie eigene Musterbücher oder Muster-Barten haben. Z Eine Figur; doch nur in einigen Fällen des gemeinen Lebens. Ein Zeug, ein Rattun hat ein gutes Muster, wenn die Figuren Geschmack von Seiten des Erfinders verrathen. Bey den Gärtnern ist das Muster eine zierliche Figur in einem Blumengarten,ein zierlichesBlumenflück. Modell wird Hmvcilen in eben diesem Verstände gebraucht. Anm. Muster scheinet zunächst aus dem Jtal. Klollra gebildet Zu seyn, welches wieder von moukträi-e, oder vielleicht von dem Mittlern Lat. mulare , sehen, und dessen Factitivo molirnre, rnullrarv, zeigen, sehen machen, abstammet. Die Niedersächsische Mundart und die mit ihr verwandten Sprachen haben das n des Latein, inontirurs beyhchalten, Wiedas Niederst Münster) das Dänische Npnster, dasHolländ.kelonÜer und Schwed.iVlou- üer. In einigen der folgenden Zusammensetzungen ist Muster aus Musterung verkürzt. S. Mustern. DerMusterbaum, des—es, plur. die—bäume, Diminut. das Musterbäumchen, Oberd.Musterbäumlein, bcy denGärt- nern, zierliche Bäume oder Bäumchen, welche in die Muster, d. i. fignnrten Luststücke, gesetzt werden. Das Musterbuch, des—es, plur. die—bücher. r) Bey denk andern Geschlechte, eine Sammlung von Figuren, welche im Nähen nndSttickennachgeahmet werden. 2) Ei» Buch, in welchem Muster, d. i.Probestücke, verschiedener Zeuge befestiget sind, und welches, wenn es nur aus einem großen starken Blatte, oder aus wenigen Blättern bestehet, eine Musterkartegenanniwird; Rieders. Staalkenbook. Die Musterelle, plur. die—n, in einigen Gegenden , z. B. in Danzig, eine von der Obrigkeit zum Muster des bürgerlichen Lebens bestimmte Elle, welche an andern Orten die Eichelle genannt wird. Musterhaft, —er, -—efle, u6j. et aäv. einem Muster ähnlich, so vollkommen, als ein Muster seyn muß. Ein musterhaftes Betragen. So auch die Musterhaftigkeit. Der Mustcrherr, des—en, plur. die— en, ein veraltetes Wort, welches ehedemdiejenigenCommissarieubezeichuetc, welchen die Musterung der Truppen aufgetragen ivnrde. Es,gab ehedem bey den Armeen auch beständige Musterherren, welche vermuthlich auch die Aufsicht über die Gewehrstücke der Truppe» sühreteu. Die MnsterVarte, plur. die —N, S. Musterbuch. ^.*Muftepn, verb. rs». neutr. mit dem Hülfswortc haben, welches nur imNieders.üblich ist, wo es für flistern und murmeln. Lat. Mickl, tare, gedrauchtwird. S. Zlistern und Muße, Anm. r. Mustern, verb. reg. act. 1) Genau und stückweise besehen, um das Gute von dem Schlechten abznsondern, in verschiedenen Rust ZZ4 Fassen. Wenn die Zeuge aus den Fabriken kommen, so werde» sie gemustert, im Oberd. beschauet, um zu sehen, ob sie auch die ordnungsmäßige Güte haben. Daher ist.ausmustorn, bey ejnev solchen Besichtigung ausmerzen. Am hänfizsten wird es von den Truppen gebraucht, wenn sie bestchtiget werden, ob ste die gchs- rige Beschaffenheit, Kleidung und Ausrüstung haben; in welchem Verstände es doch ehedem noch üblicher war, als jetzt. Die Reviien der heutigen Zeiten sind in die Stelle dieser Musterungen getreten. Die Truppen mustern. Er musterte seinen Zeug (sein Heer) zu Michmas, Es. iF, 255 Sopher, der Heerfürst, der das Landvolk zu mustern pflegte, Jer. 52, 2§. Jngleichen figürlich, in der vertraulichen und komischen Schreibart, stückweise benrtheilen. Ein Vogel aus Tanaria Ließ einst in Deutscher Luft sich nieder; Gleich war ein Schwarm von Vögeln da Und musterte des 5rcmdlings Lieder, Michal. 2)*Ausrüsten, besonders mit den nöthigen Kleidungsstücken versehen ; eine im Hochdeutschen ungewöhnliche Bedeutung, in welcher es nur in einigen gemeinen Sprecharten vorkommt. Sie hatte sich recht heraus gemustert, geputzt, heraus gekleidet; S. auch 1 Mausen. Daher die Musterung, S. solches hernach besonders. Anm. Im Engl, to muüer, im Rieders, munstern, im Dan. mynstrc-, im Schwed. mönürS; im .Holland, mölleren; vee- muthlich alle aus dem Jtal.mcckirckre, und Latein, m oullrare, zeigen. Im Mittlern Laterne kommen so wohl Klonürum als auch Okenko häufig für die Musterung der Truppe», die Revue, vor. S. Muster. Die Musterordnuntz, plur. die—en, bey den Gärtnern, die Ordnung, d. i. geschickte Austheilung der Gewächse in den Mustern, d. i. zierlichen Luststücken. Der Musterplatz, des — es, plur. die—Plätze, derjenige Platz, welcher zur Musterung der Truppen bestimmt ist, aufwel- chem die Truppen gemustert werben.. Die Musterrolle, plur. die — n, eigentlich, die bey der Musterung d crTruppen über ste und ihr Befinden verfertigte Rolle oder Liste. In weiterer Bedeutung wird jetzt bey den Compagnien ein jedes Verzcichniß der Soldaten nach ihrem Nahmen u. f. s. die Musterrolle, der Musterzcttel genannt. *Ler Musterschneiöer, des —s, plur. utnom. tlnZ. eine im Hochdeutsche« ungewöhnliche Benennung eines Modeschneiders. Trispus ist gereist, ist munter, ist gelehrt, — und wird veracht. Ep der neue Musterschneider hat ihm noch kein Rleib gemacht, Logau. VonMttsternng,so ftrn es ehedem die Tracht, Mode bedeutete., DerMusterfchreiber, des —s,p1ur. utnom. lmA. derj-nige, welcher bey der Musterung der Truppen oder Miliz das Protokoll über das Befinden derselben führet. In weiterer Bedeutung, derjenige, welcher die Musterrolle hält, das Verzeichniß Über die Truppen oder Miliz, ihre Kleidung, Gewehr u. s.f. führet. Die Musterung, plur. die--- en. i)DieHandlungdesMusterns, d. i. der stückweise« Besichtigung, besonders der Truppen ; die Revue, ehedem auch die Heerschau, die Waffenschau, Mannzahl, Rieders. Manntall, im mittler» Lat. Monstrum, Otteulio, Böhm, nach dem Hochdeutschen klostrunk. Die Musterung halten. Die Truppen durch die Musterung gehen lassen. 2) ^Ehedem bedeutete cs auch die Kleidertracht, die Mode, wovon Frisch einige Beyspiele anführet. Musterlich war alsdann ZZF Must Der Musterzettel, des-e, plur.M vom.ünx. G. Musterrolle. Das Muscheil, S. Muflcheil. Mutern, oder Mutern, verd. rsZ. rsciproT. neue Federn oder Schalen bekommen, S. i Mausen» r. *Der Much, des—es, piur. ivllf. ein nur in den gemeiueir ' Muudartsil, besonders Riedersachsens,übliches Wort,wo es theil^ den Schaum auf dem Biere, theils auch denHaferschleim bedeutet» Nieders. Nood. Es gehöret zu Moder, Mutter, so fern es Hefen bedeutet, und andern dieser Art,, m welchen der Begriff der Flüssigkeit und besonders der zähen Flüssigkeit, der herrschende ist» S. Meder. ' 2. Das Much, des-—es, piur. die—e, ein im Oberdeutschest sehr bekanntes Wort, wo rs eine Art größerer Maße, so wohl für trockne, als flüssige Körper ist. r) Z» Ansehung trockner D nge ist das Muth besonders ein Getveidemaß, welches mit unser,« Scheffel üderemkommt, undmZürch 4 Viertel, r 6 Vierlinge, 74 Mäßli, oder Z6 Jmmi hält; in Bern aber 12 Berner Maß, 48 Zmmr, oder 96 Uchrerli. In Basel ist die Mudde (wo es Zugleich weiblichen Geschlechtes ist) oder der Scheffel 4 Küpfleüi, oder 8 Becher. Acht Müdden machen daselbst einen Sack. Znr Österreichischen hält das Much zo Metzen ,120 Viertel, oder 2 40 Achtel. Es scheinet, daß dieses Gemäß auch in einigen Nie-- SersüchsrschcnGcgenden nicht ganz uttbekanntscyzwenigsisns werden in den dasigen Torfländern die Fehnkerschjffe nach Mutten berechnet, wenn anders dieses Wort hier nicht einen Kaufen Torf bedeutet, da es. denn fceylich zu einem,andern Stamme gehören würde. L) Zu Ansehung flüssiger Körper, wird irr der Schweiz, auch der Wein nach Muthen oderMui-en gerechnet, da denn ein Muth, so viel ist^wie ein Gaum, d. j. 1.2 Sester, oder Letiers^ oder 92 Maß, so daß ein Muth etwas mehr als AH dasige Eimer sder Brenten hält. In Augsburg hält sin Muth oder Muid s Besons,.48 Maß, oder 96 Seidel. 16 Muth machen daselbst ein Fuder. Zu Botzen in Tirol ist das Much ein Öhkmaß, welches i 2 o Hamburger Pfund hält. Anm. Schon öep drm Ottfried und im Tatran, wo es in fol* chen Stellen sorkommt, in welchen Luther das Wort Scheffel ge- - LrauchtMuttu^Ulutti, in den heutigen Oberdeutschen Mundarten Much, Muth, Mutt, Muid- Muidd, und Muidds, im Angelst E6d und lVlitta, im Franst im Mittlern Lat.Mutachn II a l» mit andernEnd-^onsonanten Esgehörct mit dem Lat» b/lc>üiu8 und Griech. DoSiog zu Maß, Metze und alle^ Wörtern diesesGsschlechLes,welche einen hohlen Raum bezeichnen. S. Der Muth, des —es, plur. cÄr.Diminut. welches doch nur i« Einer Bedeutung üblich ist, das Müthchen, Oberd. MÜthlem. r. *Das ganze Begehrungsvermögen des Menschen, die Seele in Ansehung ihres Vegehrungsvermögcns ; eine im Hochdeutschen verattets Bedeurung, für welche rmumchrGemüch undHevz üblich sind. Es lautet in diesem Verstands schon bep dem Übersetzer IsidorsMuoi; bcydem KeroNuLt-bey demOttfned und arider« ältest Schriftstellern Nuot» Du w oueff mir m 6em wuvts Die nseüt urrä vueti ckeu tLZ, Kaiser Heinriche Der serr verhärtete ihm° seinen Muth und verstockte sein ser;- L Mos. r, A 0» Zu noch weiterm Werstandv kommt es bey- dem Oikfried und seinen ZcikFenoffen von dev Seele und einem Geiste Überhaupt, und von dem Gewissen undWillen ittsbeiondkre,mehr- mahls vor. 2. *Zu enqerm Verstände, das Gi-müth in Ansehung des ver- snderl-chen.Anstandes desselben, die Gemüthsart, Gemitthsstel- lung» Lustigem Much' macht Znres B! - - r, Gtolzex Much Rlkt kommt vor dem 5 akk, Sprichw. l 6, 18. Ich mag des nicht, der stolze Gebcrden und hohen Muth har, Ps. Lin guter Muth ist ein tägliches Wohlleben, Sprichw. »5, iz. Ein berriibrer Much vertrocknet das Gebein, Kap. 16, 22. Auch diescBedemuug ist, außer denZusammensctzungcuDemuth,(Zrcß: muth, Zochmurh, Langmuth, Ganftrnuch, Ldelmury u. s. s. im Hochdeutsche» veraltet» z. In noch engerer Bedeutung, einzelneStellungen desGemü- thes oder Begehruuzsvermögcns. Bey den älter» Schriftsteller» kommen fast alle Leidenschaften und GemüchSbewegnngcu unter dem Nahmen des Muches vor. Bey dem Ottfrred ist Lemust die Freude, das Bergungen ; von welcher Bedentimg noch der Gegensatz Unmnth zeuget»(S. auchAnmuth.)Bey druSchwäbischen Dichtern kommt es von dem Grame vor» Leüiere vvnrck 6 kro Vrick AeriuZetir üers^IuoL, Gras Otto von Botteleuben. Außer drnZusammensetz'gngen Gchwermuth, MiJmuch, Wan« kelmuth, wehmurh u. s. f. kommt es i» dieser Bedeutung noch in folgenden Fällen vor. » 1) Von der Gemüthsstellung überharrpt; doch imr noch>in einigen Fällen. Dahin gehören die in der vertraulichenSprechart üblichen R. A. zu Muthe sepn und zu Muthe werden- Wie ist dir zu Muthe? was empfindest du? Es ist mir bep der Sache nicht wohl zu Murhe, ich verspreche mir von ihr nicht viel Gnres, stehe wegen derselben in Furcht. Wie war dir da zu Muthe ? Reiche wissen nicht, wie einem Armen zuMurhc ist, was der Arme empfindet. wem so zu Muthe wird, der fangt schon an zu lieben , Rost. Jngleichen, gutes Muthes sepn, aufgeräumt, heiter ssy«; im Gegensätze des Unmukhe«. Sepn sie heute gutes Muths , Gell. Zktzc wollen wir reHrt gutes Muches sepn. Guter Muth' ist halbes Leben, im gemeinen Leben. Der sjbermuch ist ein ans» schweifender Muth m diesem Verstände» Im Engl» ist ü 4 ooä die Laune. S. Muthig 2. 2) Von einzelnen Gemi'-chsbewegungen und Zeidcnschasterr, Ws cs noch in zwcy Fällen üblich ist. (a) Denjenigen Gemürhs- znstaud zu bezeichnen, da man den vorher ges Herten Hindernissen undGefahren mit zuvevfichtlicherHoffnung eines grtteuAusganges entgegen gehet, und in engerer Bederttnng, die Fertigkeit dieses Gcmüchsstandes; im Gegensätze d-er Muthlofigkeit und Zagheit. Voller Muth sepn, Muth haben, kernen Muth haben, Einem Muth machen, chm Muth rinsxrcchen. Einen Muth faffsn, schöpfen. Den Muth sinken lasstn. Einem allen Muth benehmen« Der Muth ist ihnen vergangen, Der Much wachset ihnen» Vuslis iu tsiA? iru iVluLt, Ottfricd. DeinenMiith zu e iner Sache oder Herfon haben, aus Mangel des Vertrauens, oder der Hoffnung des guten Erfolge» keine Neigung zu der« selben haben. (S. Mrichrg r.) Zeldenmuth und L öwenmuch sind Arten dieses Muthes. (b) Dir Rachbegierde; doch nur noch allein in der R. A. feinen Muth an jemanden kichlenffeine Rache befriedigen, seiner Nachbegierde ein Genüge thun. SchonOttsried sagt, tkar K AskuAlUo in üur^luuf.Bey eben demselben ist üelr- muuti Rschbegirrds, und NuutliLti eine in der Hetze, im Zorne begangene Thar. Zn der vertraulichen Sprechart ist es m derjetzt angezeigten R. A. häsfig im Diminutivo üblich. Bühle dein Miirhlein nicht, Sir. »o, 6. Das Glück scheint an dir feinMürhchenkühlen zuwollen. In noch weiterer Bedeutung ist schon bcy dkm Ulphilas IVIvcks der Zorn, nrid rnoriLZs zor> nig. Im Schwed. bedeutet !V 1 vä gleichfalls den Zorn,imJsländ. und imAirgels. müäiL» zürurrr, so wir imGriech. M u r S37 so wohldas Gemnth alsdenZorn bedeutet, und die Latein, anr- molu8imd .inilNcrt.us gleichfalls für feindselig und zornig ge. -raucht werdeii. Anm. In allen obigen Bedeutungen im Rieders. Mood, im Angcls. und iVlocks, im Schwed, und Däu. gleichfalls Uio6. Da fast alle Benennungen des Geistes und seiner Fähigkeiten und Wirkungen fast in allen Sprachen Figuren von der Bewegung find, so ist es sehr wahrscheinlich, daß auch dieses Wort auf ähnliche Acr gebildet worden, da es denn ein Sei- teuverwaudtcr von meinen seyn, und mit demselben vermittelst eines andern Ableitungslautes von mähen, so fern es ursprünglich bewegen bedeutet hat, abstammen würde. Pflegt mau doch merkliche Äußerungen des Brgehrungsvermögens noch jetzt Ge- rnüthsbewegungen, Latein. au imi, movere, zu nennen. Im Gothischen istlVlilon, und im Finnland. iVlotte, der Gedanke. (S. Meinen.) Dicß voraus gesetzt ist es sehr glaublich, daß die Bedeutung des Zornes und der Herzhaftigkeit die erste und eigentliche Bedeutung des Wortes Muth gewesen, weil bryde sich am deutlichsten durch äußere Bewegungen offenbaren, worauf es denn leicht war, alle übrige Wirkungen des Gcrnü- thes, diese Fähigkeit selbst , und endlich den ganzen Geist und die ganze Seele mit diesem Worte zu benennen. S. Murhig, Anm. Die altern OberdeutschenSchriftstcller gebrauchen dieses Wort sehr häufig im ungewissen Geschlecht?, das Muth. Im Angelsächsischen ist cs so wohl männlichen Geschlechtes »ker k 4 ock, als auch wejbliche^kie klost-e. Zm Hochdeutschen ist es zwar für sich alleinj°tzt ohne Ansnahme männlichen Geschlechtes, welches auch die zusammen gesetzten Edelmuth, Gleichmuth, äoch- much, Wankelmuth, Zwerfelmurh, Unmuth, äeldenmuth, e.vmen gesonnen, M?lleus. J >. rimgen Gegenden lautet es aurd gemuther- Im Hochdeutschen ist rs on- bckauut. s) Als ein Ac rum, ve ianacn, kcg Hren, beü-uders förnni b um etwas Lnfttchung tü n-, iu welchem Verstaube es noch zuw uen üriich 'st. Bey den Handwerlcru mutbet ein G csell dabMe flerrechr, »v nn er um die Aufnahme in di? Innung l ärmlich aumchu. Ls auch im Lrhensweffn. Ein (che milchen, den Lehenshcrren um die Erthcitunq des Lehens, um die J.veftitur, förmlich bitten. Wer im Bergbaue eine Fundgrube u. s.s. bauen will, muß selbige muthen, d. i um die Erlaubiliß und Beleh» nuttg anhalte«. blutet er Oel -i r, verlanget er ein Geleit, im Schwabeilsp. tek wir an 6ie reinen Zuolen I-ones nock Aeua leg muolen -Vis von reckt en eigen man, Kristan von Hamle; d. i. verlangen, begehren. Des 'ivi.l ick Ls Ootts muateo, Heinr. v. Frauenberg» Adel. W. B. 2. Th.-.Aust. M l! t ZZ8 . Es gehöret zu dem Hauptrvorte Much, so fern es ehedem auch das Verlangen, den Willen bedeutete, in welchem Ber- stände es noch bey dem Otiftied vorkommt. (S. auch Anmurhen und Zumuchen.) (In vermuchcn hat es noch eine andere Bedeutung , welche aber gleichfalls in dem Hauptworte Muth gc^ gründet ist. Daher die Muthung in allen den Fellen, wo das Actioum gebraucht wird, die fcyerliche Ansuchung um eine Sache. Im Bergbaue nimmt der Bergmeister die Muthung an ; er bestätiget die Muthung, wenn er dem Muther wirklich die Leheu ertheilet. Der Muther, des — s, xlur. ulnom. 6ng. Famiri. dieMtt- therinn, eine Person, welche etwas muthet, d. i. um etwas förmlich anßält, bey den Handwerkern, im Bergbaue, und Lchenswefen. Das Muchgelö, -es — es , xlur. doch nur von Mehrern Summen, die — er, dasjenige Geld, welches man bey der Muthung für die Ertheilung der verlangten Sache entrichtct, besonders bey den Handwerkern. So fern dieses bey jeder Muthung ehedem ein Groschen war, wird es auch der Murhgroschen genannt. Milchig-, — er, —ste, aäj. er aäv. Muth habend, doch nrrr, ») so fern dieses Wort in der dritten engern Bedeutung das glückliche Gefühl der gespannten Kräfte bedeutet, vorher gesehenen Hindernissen und Gefahrenen Erwartung eines guten Ausgangs ohne Furcht entgegen gehend, und in dieser Gemüthsfassung gegründet; im Gegensätze des muthlos. Muthigin dre Schlacht gehen, l^in muthiger eifriger Gefährte. 6rer mrrßt du einen muthjgen Entschluß fassen. Zu, Oberdeutschen ehedem muth- sam. 2) So fern guter Much in der dritten weitern BedenkuirZ ein fceudigesGemüth bedeutet, ist miithig munter, aufgeweckt, ans dem Gefühl seiner Kräfte, und diese Empfindungen durch äußere Bewegungen verwachend; im Geanisatze des nnnmchig und muthlos. Ein muchrges Pferd. Muße und gutes Futter mache die Pferde milchig. Anm. Bey dem WinSbekmuticchey dem Ottftied nur must, im Rieders. mor>:g, wo cs aber auch stolz bedeutet, so wie da» Angcls. ln ocli ß, in welcher Sprache auch mücli an stolz seyn ist. Zu den übrigen Bedeutungen des Wortes Muth, wo es die Ge- müchsart und Gemüthsstellur g überhaupt bedeutet, lautet das Liywort, wo es doch nur in Zttiammen/ctzunzell vorkomn t mii- thig, iu>d m Niederst modig ; demüthig, langmürhig, cinmu- chig, freymäth g/großmuthigu. s. s. Es sche.uetdaraus zu er- hcll.u, daß diese erst lange nach muchig und dessen Gegensätze nvmuk'st,. r gebildet worden, welches so wie Much in der Bedeutung i rr Freudigkeit in Gefahren, vielleicht mehr ein Seiten- mrwandter von Much, animus, als eine verschiedene Bedeutung ist. DisMuchiyreit, plur.inust. die Eigenschaft, der Zustand, ds man muthig ist ; doch nur in derzweyteuBedemnng-des Bey- wort s. Die Murhigksi't eines Pferdes. Zu der ersten ist Muth üblicher. Das Muchjahr, des —es, plur. die—e,bey einigen Handwerkern , dasjenige Jahr, welches zur Muchung um das Meister, recht bestimmt ist, weil der Candidat des Meisterrechtes sich oft ein ganzes Jahr um dasselbe bewerben muß. Muthlos, — er, — este, aäj. et aüv. des Muthes beraubt. i) In der dritten engern Bedeutmig des HanoiworteS, wo es dem muchig r entgegen gesetzt ist, den Widerstand gegen ein bevor stehendes Übel aus Mangel der Hoffnung eines guten Erfolges unterlassend, und darin gegründet 5 zaghaft. Muthlos sepn, murhlos werden. Bey dem Notker tnuotkeck, im Obecdeut- Y sche» Mut »Mut ZZ9 scheu auch nur ch fällig. 2) In der dritten weitern Bedeutung, aus Gefühl seiner Schwache niedergeschlagen; Rieders, laarlss. Die MurhlosiFkeit, plur. dre—en, der Zustand, die Eigenschaft, da man muchlos ist, in beyden Bedeutungen; ohne Plural. Jngleichen muthkoses Betragen, muchloses Bezeigen. Muthmaßen, vsrli.reZ.uct. aus wahrscheinlichen Gründen dafür halten, dce Wahrscheinlichten in einzelnen Fallen bestimmen; vermnthen. Ich weiß es nicyr gewiß, ich.muthmaße cs nur. Weil man ihn noch mcht gesehen hat, sc» mnthmaßer man daraus , daß er. noch nicht hier ist. Anm. Dieses Wort kommr bey ben altern Schriftstellern nicht vor, so wie es auch den Niederdeutschen und den mit ihnenver- wairdien Sprachen unbekannt ist. Die Niedersachsen gebrauchen dafür gissen, 00a; Geist, die Engelländer lo Zusls, die Angelsach- scn (S.vcrgesscn.lFrisch führet cineStelle ans Hedions Kirchcnhrst. an, woraus erhellet, daß es auch für schätzen, taxiren gebraucht wordeir. Die letzte Hälfte stammet mit dem Oberdeutschen ermäßigen, dafür halten, und dem Hor^-emschen ermessen, schätzen, dafür halten , begreifen, u. s. f. und vielleichtauch mit bepmessen uud anmaßen, aus Einer Quelle her, welche, wcnig- fieiis irt Ansehung der bcpden erster», das Zeitwort messen ist. Mnthmaßen wäre also mit dem Gemüche, mit dem Verstände messen, d. r. nach dem Augenmaß , ungefähr, pach wahrscheinlichen Gründen. Muth hat in dieser Zusammensetzung die Gestatt eines untreruibareri Vorwortes, ich muchmaße. Doch verdrängt es das Angmeut nicht ganz, sondern läßt dasselbe vor sich treten, gemuthmaßec. Im Oberdeutschen setzt man es auch in die Mitte, inuthgemaßet. Mnthmaßen und vermnchen können mit Stosch immer so unterschieden werden, daß sich ersteres auf eine stärkere Wahrscheinlichkeit beziehet als letzteres, wozu die Zusammensetzung mit messen Anleirung gibt. Im Jüdisch - Deutschen bedeutet mnthmaßen gewiß wisse». Mt thmäßlLch, — er, — ste, uckj. et. uckv. nach wahrscheinlichen Gründen, in einer Mnthmaßnng gegründet. Muthmaßlich iß ?r noch nicht hier. Ein mnthmaßlrches Urtheil von er- . was fällen. ^Die Müthnräßlrchkeit, plur.ivus. die Eigenschaft einer Sachs, da ste miuhmüßlich ist, d. i. nur allein auswahrscheinlichen Gründe» bestimmt wird, oder bestimmt werden kann. Die MuthmaßunU, plur. die — en, die Handlung.des Ge- nliithes, da man muthmaßet; ohne Plural. Noch mehr aber, das wahrscheinliche Urchcil, die Bestimmung aus wahrscheinlichen Gründen selbst. Es ist nur eine Mnthmaßnng. In ferner Muth- maßnng fehlen. Dadey kommt es bloß auf Murhmaßung an. Anf seltsame Mnchmaßungcn gerathen. Der Muth schein, des — es, plur. die—e , im Lchcnswesen, ein Schein, welchen der Müther von dem Lehcnhofe erhält, daß er wirklich das Lehen gemuchet, d. i. um die Belehnung ange- sncht hat. .Mrithooll, et Ä6v. mit Muth erfüllt, sehr muthig. DerMuthwille, des—-ns, oder der Muthwillen, des — s, ^lur. itiul. eines der ältesten zusammengesetzten Wörter in der Deutschen Sprache, welches daher auch in verschiedenen Bedeutungen verkommt. l)*Ehedcm bedeutete cs so viel als das' einfache Wille, in welchem Verstände es bep dem-Ottfried mehrmahls verkommt. Z. B. der Wind bl äset tsturuimo 1 K muatuulllo, wo jbmmuchwillig ist, h. i. wo er will; und an einem andern Orte sagt Christus seiueu Jüngern tkev linan KIuLtuuillov, seinen Willen. Eben derselbe gebraucht es aber auch für Willkühr, Lust, Neigung im guten Verstände, und Hey dem Notker werden Wollüste, Vergnügungen, kluatuulllori genannt; ja der noch ältere Übersetzer Isidors gebraucht kluoLuuUtu sogar für das Gemüch. 2) *Jn engerer Bedeut,rng war Mllthwille ehedem der freue Wille, im Gegensätze des Zwanges; in welchem Verstände cs auch iu guter Bedeutung in denLchriften der mittler» Zeiten sehr häufig verkommt. Von K1ui.uu1ll.ev, freywillig, im Schwabens!). Jetzt gebraucht man es, z) nur noch von einer Art der Frey- , Willigkeit»» bösen Dingen, und da ist der Mnthwille eine böse Handlung, welche bloß aus Lust Böses zu thun, oder aus einem . sinnlichen Vergnügen an dcmBösen, in der Absicht sich an deinBö- sen sinnlich zu vergnügen, begangen wird, darr denn eine ArtdeS libermmhes ist, m wit Bosheu eine böse oder schädliche Hand»" lung ilt, welche aus Neigung Schaden zn thun, nnd in der Absicht zu schaden, unttrnomntcn wird. Muthwillen treiben. Allerlcp Muthwillen begehen. Ein Narr treibet Muthwillen urch ba'ts noch dazu seinen Spott, Sprichw. uv, 25. Im Buche der Richter Kap. 20,6 wird die geschehene Schändung und Ermordung des Kedsweibes des Leonen em Muchwillc und Thorheit ge- narlnt, wo .Michaelis die Ausdrücke Bubenstück und Frevel hat. Ihr verlasset euch ans Frevel und Muthwillen, Es. zo, »2. Auf daß sonst niemand an Daniel Muthwillen übte, Darr. 6, »7. Wo es auch die Fertigkeit Böses aus Lust, oder zur Lust zu thun .bezeichnet. Herr laß dem Gottlosen seine Begierde nicht und starke seinen Muthwillen nicht, Ps. ' 4 «, 9. Am häufigsten wird es im Hochdeutschen von geringern aus Lust begangenen bösen Handlungen und der Fertigkeit dazu gebraucht, welche wider kein ausdrückliches Gesetz streiten, dagegen inan für diese die härter« Ausdrücke Frevel, Bosheit u. s.f. hat. Ern Rind treibt Muthwillen, wenn es aus Lust in Kleinigkeiten Böses oderScha- den thilt, wo es mit Leichtfertigkeit bepnüye überein kommt. In .-noch weiterer und gelinderer Bedeutung ist derNnthwllle oft auch eine jede unschädliche, aber doch unnützliche Handlung, welche bloß ans Lust, ans Neigung zum Vergnügen begangen wird. Der Mnthwille emes feinen Ohres konnte in der Musik nichts voll- .kommners wünschen. A nm. Im Niederst gleichfalls Moodwille, ehedem aber auch Sulfmood, d.i. Selbstmuth. Die Verfasser des Bremisch Niederst Wörterb. und einige andere Sprachforscher halten die letzte Hälfte dieses Wortes für das Niederst Mehle, welches zuweilen auch für Mnthwille gebraucht wird, und mit Keros Well i, An- Muth, Vergnügen, zu unscrm wohl gehöret, von welchem Worte wchlig im Niederst stark und lebhaft bedeutet. Allein aus den erste, n altern Bedeutungen erhellet wohl unstreitig, daß 'unser Mille den gegründetsten Anspruch darauf habe. Die erste Hälfte scheinet entweder das Hauptwort Muth zu seyn, so fern es anch eine auf Gefühl der Stärke gegründete Lustigkeit bedeutet, oder -auch das alte Beywort muat, Zeinuut, freudig, angenehm, lustig, da doch der Begriff der Lustigkeit mit diesem Worte nicht nur in den heutigen Bedeutungen genau verbunden ist, sondern auch in der ältsrn Bedeutung des'fceyen Willens, und des Willens überhaupt, obgleich i»,einem geringern Grade, angetroffcn wird. In dem Schweb. Klotwilfu, Hartnäckigkeit, Eigensinn, ' ist die erste Hälfte nicht nttser Muth, sondern das nordische Vorwort mot, gegen, gleichsam Gegenwille, Widerspenstigkeit, wovon im Niederst moten, entgegen kommen. Mnthwille ist der-Ana- logic und dem Alterthnmegemäßer als Muthwillen. MnthwrlläF, — er, — ste, aclj.et uckv. Muthwillen habend, begehend, in demselben gegründet, in allenheirtigen Bedeutungen des Hauptwortes. Muchwillig thnt ihr Unrecht im Lande, Ps 58, z. Ein verwohnet Rind wird muthwillig wie em wild Pferd, Sir. zo, 8. Wo es auch m noch weiterer Bedentlmg oft vorsätzlich, mit Vorsatz bedeutet, als ein Überbleibsel der eheinah- ligen Bedeutung des Wortes Muthwille, da es für dei» frrycn - Wellen gebraucht wurde. Muthwillig ftmdrZen, mit Vorsatz, mit Mut Z41 Milt mit Wissen und Willen. Mnchwillige Sünden, tm Gegensätze der Schwachheits- oder ftbcreilnngssünden. Einen muchwil» iigen Bankerott machen. Ein mnrhwrlliger Bankerorüer. Das ohne Noth verlängerte Oberdeutsche Nebcnwort vurchwrlr liglich, welches noch einige Mahl iil der Deutschen Bibel vor- koninit, ist im Hochdeutschen veraltet. Die Muchwilligkeit- plur. die — en. >) DerMnthwille, als ein Gemüthsz'ustand oder als eine Fertigkeit betrachtet; ohne Plural. 2) Mnthwillige Handlungen, besonders im Plural, wo das Hauptwort Mnchwllle nicht gebraucht werden kann -, doch nur in der gelinden» Bedeutung kleiner unerheblicher böser oder schädlicher Handlungen, so fern sie bloßznm^Vergnügen begangen werden. Der Muthzettel, des—s, plvr. ut vorn. 6oZ. im Bergbaue, der Zettel, d. i. eine kurze Schrift, in welchem der Muther ein Bcrggebäude muchet, d. i. um die Belehnung desselben ansuchet. Der MutschelsperUng, des — e-s,p 1 ur. die—e, S. Moos- sperling. Mutschieren, verb.rsZ. neutr. mit dem Hnlfswvrte haben, welches jetzt nur noch in einigen Gegenden üblich rst, wo es eigentlich abwechseln bedeutet. Zu demDemschen Staatsrechte war ehe- dem die Mutschiernng eine Abwechselung in der Regierung, da in einer untheilbarenProviuz oderHerrschaft mehrereBrüder oder Stammcsvenvandle die Negierung wechsclsweiw führcten, und die Einkünfte unter sich theilten , oder auch dke Regierung dem ältesten allein mit Theilung der Einkünfte überließen. Etwa von dein alten Mut, Schwed. Muts, Lohn, Gabe, Einkünfte, wo- von unser Miethe noch übrig ist, und dem noch nicht ganz veralteten scheren, tbeilen, Niederst schieren, so daß cs eigentlich eine Theilung der Einkünfte bedeutet? Oder vielmehr vermittelst des starken Zischlautes aus dem Latein. mMare, womit auch das Niederst mutern, die Federn ändern, verwandt ist? S. , Mausen. L.«* Der Mutter, des—s, plur. ut vom. lmZ. in den gemeinen Sprecharten, besonders Niederdeutscylandcs, ein Krebs, welcher in der Mauss ist, oder die Mause erst yor kürzen nberstan- den hat, von dem Niederftmurteil, mutern; im Hochdeutschen ein Mal- scr. Einen solchen Krebs pflegt man auch wohl einen Mutterkrcbö zu nennen. S. i Mausen. 2. Dre Mutter, plur. ivust. der dicke Bodensatz flüssiger Körper, besonders desWeines und des Essiges. Den Wein auf der Mutter liegen lassen, auf den Hefen, auf dem Lager. Im Engl. Molker, im Schwed. MoH6er,im Niederst Moder. Es hat mit den übrigen Wörtern dieses Lautes nichts gemein, sondern ist durch eine härtere Anssprache aus dem Niederst Modder, dickes Schlamm, gebildet, wofür im Hochdeutschen Moder üblich ist, S. das letztere und Mutterkorn. 2 . Die Mutter, plur. die Mütter, Diminut. das Mütterchen, Oberd. Mütterlein, ein Wort, welches überhaupt den Begriff des. hohlen Raumes hat, besonders so fern derselbe zur Aufnahme eines andern dazu gehörigen Theilcs bestimmt ist. i) Überhaupt; wo es doch nur in einigen Fallen üblich ist. So wird der untere hohle Theil einer Racketen- oder Schwärmerform die Mutter genannt. Am häufigsten ist cs von einer hohlen mit Schrauben- gängen versehenen Cylinder-Fläche, welche die Schraube im engsten Verstände anfnimmt, und welche die Schraubenmutter, oft aber auch nur die Mutter schlechthin genannt wird. Ein Ohr von Draht an denKleidungsstücken,in welche der Haken eingreijt, heißt im Oberdeutschen im Diminut. ein Mütterlein, verderbt Mntterle und Miderle, dadenn der Haken das Zäftlcin, Seftle, genannt wird. s) In engerer Bedeutung ist die Mutter bey Menschen und lebendig gebärenden Thieren weiblichen Geschlech- Z42 /es, ein hohles Behältniß in dem untern Schmerbauche; worin die Frucht empfangen, gebildet und zur Zeitigung gebracht wird; die Barmutter, von baren, tragen, nnd verderbt auch wohl die Gebärmutter, (S. Bärmutter, und viele der folgenden Zusammensetzungen.) Figürlich pflegt man im gemeinen Leben aus Unwissenheit allerley Arten der Leibesschmerzcu, Blähungen und andere ähnliche Empfindungen des weiblichen Geschlechtes dcrMut- ter zuznschrciben, und alsdann zu sagen, die Mutter stoße auf, ja diese Empfindungen wohl selbst die Mutter zu nennen; Ausdrücke, welche nichts als eine tiefeUnwissenheit desBaues des thie- rischen Körpers zum Grunde haben, S. Mntterbeschwerde. Anm. In der ersten Art der Bedeutungen gehöret dieses Wort wohl unstreitig zu Much, mocüus, u.ftf. so fern es ehedem die allgemeine Bedeutung eines hohlenRanmes gehabt,,-« es denn vermittelst der Ablcitnngssylbe —er aus demselben gebildet worden; so leicht es übrigens auch wäre, eine Ähnlichkeit zwischen die- ^ ser Bedeutung undchein folgenden Worte anzugeben. Die zweyte Bedeutung wird von allen Sprachforschcrnäls eine Figur des folgenden Wortes angesehen, so hart und ungewöhnlich sie auch seyn würde. Es ist aber wahrscheinlicher, daß damit gleichfalls ansdeir hohlen Raum der Bärmutter gesehen worden, um deßwillen sie im Latein, auch Merus, voiMter, eiuSchlauch, genannt wird; welches Wort selbst damit verwandt seyn kann, weil das m in vielen alten Sprachen weiter nichts als ein Präfixum ist. Indessen kann es seyn, daß manche Sprachen, welche das Wort in dieser Bedeutung von altern Mundarten empfangen, und dessen wahreBedeu- tnng nicht verstanden, es nach der bey ihnen üblichen Benennung her Mutter, mster, gemodelt haben. Schon Ottfrie d nennet die Bärmutter Muster, und im Griech. heißt sie zLy-rj,«', im Lat. Matrix, im Engl. Molker, im Ztal. Maäre, im Franz. InMere. 4. Die Mutter, xftur. die Mütter, Diminut. das Mütterchen, Oberb. Mütterlein, ein Wesen weiblichen Geschlechtes, welches ein anderes zur Welt gebiecct, oder geboren hat; zum U tterschicde von dem Vater, und'im Gegensätze des Rindes. 1. Eigentlich. 2) Absolute. Mutter werden, ein Kind gebären. Mas gehet der die Mutter an. Die selber Mutter werben kgnn? Less. Line Person zur Mutter machen, für das härtere und niedrigere schwängern. Sie ist Mutter von vier hindern, hat vier Kin-. der geboren. 2) In engerer Bedeutung, in Beziehung auf das Kind, oder bey Thieren ans das Zunge. Sie ist nicht Mutter vyn dem Rinde. Wie die Mutter, so die Tochter. Die Mütter haben gemeiniglich mehr Nachsicht gegen ihre Rinder, als die Vater. Mutterstelle bey jemanden vertreten. Sieben Tage laß cs (das Schaf) bey feiner Mutter seyn, 2 Mos. 22, zo. Du sollst nicht die Mutter mit den Jungen nehmen, von Vögeln, 5 Most 2 2, 6., Und so auch von allen Thieren. Von dem Gebrauche des Wortes Mutter, so fekn Kinder ihre Mütter damit anreden, (S. Mamma.) 2. Figürlich. 1) Eine bejahrte Person weiblichenGeschlcchtes pflegt man im gemeinen Leben häu- figMuttcr anznrcden,so wie man eine solche hoch bejahrtcPerson in der vertraulichenSprcchart ein altesMütterchen zu nennen pflegt. 2) Ein zur Zucht bestimmtes Hansthier weiblichen Geschlechtes,^ und in weiterer Bedeutung zuweilen auch ein sokches Tbier weib- UchcnGeschlechtes überhaupftdoch nnr in cinigenZusammensetzun- gen. Das Mütterpferd, eine Stute, das Mutterschwer'n, eine Zuchtsau, nnd in wciterm Verstände eine Sau, das Mutterschaf,einSchaf weiblichen Geschlechtes, welches schon tragbar ist, oder getragen hat, das Mntterfnlkcn, er» weibliches Füllen, die Mrrtteröiene,dcrMntterhase u. s. s. Z) Eine Person weiblichen Geschlechtes, welche hie Stesse einer Mutter bey andern A 2, vrrLritt,. Mut Z4Z Muk vertritt, mütterliches Au scheu hat. So wie man Landesherren und Regenten Vater des Landes,, oder des Volkes nennet, so werden ihre Gemahlinnen auch Mittler desselben genannt, (S. Landesmutter.) Eine Äbtissin« bekommt nicht nur von den ihr untergebenen Nonnen, sondern auch wohl von andern oft den Titel hochwürdige Mittler. Eine Pathe heißt in Schwaben in Beziehung des vsu ihr aus der Taufe gehobenen Kindes Mutter, dagegen die wahre Mutter daselbst Tods genannt wird. Ferner gehören hierher die Zusammensetzungen Hausmutter, Pflegemutter, Rindermutter, fürHebamine,wehmutter,Stiefmutter,Schwie- germutter,waisenmrttter u. s. s. Ja aufden Landgütern pflegt man oft auch eine bejahrte weiblichePerson, welche das Vieh unter ihrer Aufsicht hat, die Viehmuttcr oder viehmuhme zu nennen. 4 ) Ein Ding, eine Sache, welche den Grund des Daseyns nnd der Fortdauer eines andern enthält, wenn ersteres weiblichen Geschlechtes ist. Die Gottesfurcht ist die Mutter aller Tugenden. Die Erde ist unser aller Mutter. (S. auch Muttermaß ) 5 ) Im Bergbaue werden diejenigen unmetallischenErd- odecSceiuarten, in welchen die Erze eingehüllet sind, Mütter oder Metallmutter genannt-, ab sie gleich nicht die wirkende Ursache, sondern nur die Lagerstätte des Erzes sind. Der Schiefer gibt eine bequeme Mutter für Rupfer und Silber, nicht aber für Zinn ab. 2edes Metall liebt vorzüglich ihre eigene Mutter, bricht in einer ihin eigenen Erd- oder Steinart. Oie Perlenmutter ist die Schale der Perlenmuschel, vielleicht weil man ehedem glaubte, d^ß sich die Perle aus ihr erzeugte. S. auch Muttererde. Anni. In der Fränkischen Mundart schon im LttnJahrh,ruderte Muacler, bey dem Willeram undDttfried Kluater, Kl -oder, im Angels. klöcksr und k^otbor, im Niederst Moder, Mser, Moor, im Engl. flottier, im Dän. und Schweb. Klocker, im Griech. im Lac. Klater, imJtal. Klaclre , im Franz, klsre, und selbst im Perst Klarer. DieSylöe—er ist die Ab- llcitungssvlbe, welche cinSubjectbezeichnct; dasStammwort heißt Mat, Mot, Mut. Bey den alten ÄgYPticrn hieß die Mutter, dcm P'utacch zu Folge nur kiutk, und bey den Krainerischeu Wenden heißt sie noch jetzt Klats. Allem Ansehen nach ist dieses Mae von den Stammsylbsn in den Wörtern Mamma, Muhme, Mabre, Mosche,, Metze und andern, welche insgesammt ein weibliches Geschöpfbedeitten. nicht verschieden. Allein ihre eigentliche Bedeutung läßt-sich kaum muthmaßlich angebcn. Vielleicht gehöret sie zu Mag, Verwandtschaft, vielleichtzu dem altenMat, Speise, so wie Vater gemeiniglich von fö'den, ernähren, abgeleitet wird, vielleichtist sie auch dieSylbe Na, das erste Lallen der Natur bcy unmündigen Kindern, u.s.f. denn dergleichen vielleicht ließen sich noch gar vielcwagcn. (S. Amme,Mamma, Mamme, Muhme.) In den gemeinen Sprecharten wird dieses Wortzuwci, len zur Ver stärkung anderer Wörter gebraucht, (S. Mutter-allem, Mutterklwd, Muttermensch, Mutternackt, Mutterseele.) Wo freylich bey einigen die Veranlassung und Figur ein wenig hart, wenigstens dunkel ist. Die Mütterader, piur. düe —-n, ein.Ast der untern Hohlader, welcher durch dir inwendige Seite des Schenkels zum inwendigen Knöchel geht, und die man ehedem m Mutterkrankheiten zu öffnen pflegte; Vena k'ap baevI, die Rosenader-, 5rauenader. Mrrtterrrllein, a c! V-. welches nur in den gemeinen Sp-echarten für ganz allein üblich ist, gleichsam so allein, wie ein von seiner Mutter-verlassenes Kind. S Mntterseele.' Der MlttterbcMsam, des—es, plur. inus. rineArzeney in Gestalt eines Balsames, geg.-n die Mutterbeschwernngen. Der Mutterbetttm, des—cs, plur. die—bäume, im Forstwesen, ein Baum, welcher auf einem Schlage zu dessen Besamung ^ bleiben muß z der Ssmenbarrm, SHlaghücher. Z44 Das Mtt"erhe;n, des—es, plur. die—e, im gemeinen Leben, ein Knochen oder Grien? an den Hinterkeulen des Viehes, da wo Keule und Bein sich schließen ; wo die Bedeutung der ersten Hälfte des Wortes, mir wenigstens, dunkel ist. Die Mtttterbeschwcr.ds, xlur. die — n, oder die Nutterbe- schwerung, ^)!ur. die—-en, eine innere Krankheit des' andern Geschlechtes, welche sich aus vielerlei) Art und durch sehe beschwerliche Ziifällczeiget, welche im Ganzen mit der Appochondrie des männlichenGeschlechtes überein komme»; ?aftn a ftplieriea, die 'äpirerik, die Mutterkrankheit, die Mntterschmerzen, Mut« terpiage, das Mntter'weh, auch nur die Mutter schlechthin, Niederst Moorbrncn, von brürn, plagen, Msorwark. Sie hat d-nNahmen-oon dem großenHaufen bekommen, der atteZnfäl- le derselben, z. B. die Beklcnimnng der Brust und der Luftröhre, dem?lufstoßen der Mutter znschceibt, welche doch an deu allermeisten dieser Zufälle sehr unschuldig ist. (S. Z Mutter 2 ,^psterik, Mutter si'eber, Muttergicht.) Im gemeinenLeben schreibt man sogar die Kolik und andere Arten der Schmerzen in den Gedärmen der Mutier zu. G. Mutter-grimmen. Die Mutterbien?, p!ur. die—n? >) Ein Nabrne, welchen der Weisel iir eineniBiene.-istocke führet, so fern man ihn indeir neuern Zeiten als die einzige Biene weiblichen Geschlechtes in einem Stocke erkannt har; die Röniginn. 2 ) Auch einen Murcerftock, d. i. ciiren zur Zucht bestimmten Bienenstock, pstegt man eine Murtcr- biene zu nennen, S. Mutterstock. Die Mutterbirke, plur. die — n, eine Art Birken, welche zartere und kleinere Blärker hat, als die gewöhnliche, auch schlanke und zum Theil herab Hangende Reiser treibet. Sie scheinet die an andern Drten so genannte ^angelbirke zu seyn. Auch hier ist die Bedeutung der ersten Hälfte des Wortes duukel. Die Mutterblume, plur.die— n, bey den Blumenliebhabern, diejenige Blume, welche man zum Samen gebraucht. Der Mütterbrüch, des—es, plur. die—bruche, eine Krankheit des andern Geschlechtes, wenn die Bärmutter in die Mutterscheide sinket, oder auch die innereHartt dcrMutterscheide erschlaffet, und durch die Scham herunter hänget; ?roc16evpa oder^ !?ro1ansus uteri, der Vorfall der Mutter, oder nur dervor- fall schlechthin. Der Mutterbruder, des—s, plwr. die — brüdcr, der Bruder der Mutter einer Person. Das Muttereisen, des—s, plur. nt vom. ssvF. bey de» Holz< und Metallarbeitern, dasjenige Eisen, mit welchem die Schraubcngänge einer Schraubenmutter ausgcdrehet werben, ' G. 3 Mutter -. Dcrs Mutter-Elcxicr, des — es, plur. doch nur von mchrern Arten, die— c, in den Apotheken, cinc Arzcney wider dieMut- terbeschwerden in Gestalt eines Elexieres. Die Muttererde, plur. von mehrern Arten, die—n, die gewöhnliche natürliche Gartenerde, weil sie gleichsam die Mutter aller Gewächse ist, zum Unterschiede von gekünstelten Erdarten- Die Mutter - Essenz, plur. doch nur von mehrern Arten, die—en, eilte Arzcnep wider die Mutterbeschwerden^n Gestalt einer Essenz. Der Muttercssitz, des —es,, plur. doch auch nur von mehrernAr- ten, die—e, ein mitBibergeil, stinkettdemAsansteittigenGiimmiar- ten,Kräutern und Wurzeln destillirter Essig, welcher wider die Mutter beschwerdcn eingenommen wird. Das Muttersieber, des — s, plur. von mehrern Arten, ut nom. box. ein mit der Mnlterbcschmerde oder Hpsterikzuweilen verbundenes Fieber. Bey andern ist es eine Art eines hitzigen Fiebers, welches zuweilen artseiner allzu Heftigen Begierde nach dem Bey schlafe bep dem andern Geschichte entstehen soll. Der Der Mutterflecken, des —s, xlur.ut nam. ünZ. E. Mut- rcrmahl. Der Me'ltterflüß des — sses, plur. von mehrern Arten, dre- siusft, der Ausfl >.ß e »es wech/n oder gefärbrenSchleimes aus den äußern G'bnelslheileiideschttdern Geschlechtes; der weiße 8luß. S.Flmß ),und 3 rNnttep 2 . Das M atter füllen des —s, xlur. ut aom.flnZ. ein Füllen weiblichen Geschlechtes, zum Unterschiede von einemsengksüllen; ein Stutenfüllen, Nicders. Moorvale. Die Muttergerfte, plur. inul'. S. Mutterkorn. Das Muttertzewächs, des—es, plur. die—e, ein fleischiges fehlerhaftes Gewächs, welches sich zuweilen in der Bärmutter des andern Geschlechtes erzeuget; dasMonkalb, S. dieses Wort. Die Muttergicht, plur. inul'. bey eiiligenÄrzten, ein Nähme derjenigen Mutterbeschwerrrng, welche aus einer gichtischen Materie entstehet. Das Mutteryrimmen, des—s,xlur. ivuf. im gemeinen Le- ben, ein Nähme der KM bey dem andern Geschlechts, weil sie aus Unwissenheit der Bärmutter zugeschrieben wird; dft Mutter, kolik. S. Mutterbeschwerde. Das Mül-terhärz, des-es, plur. inul. der Deutsche Nahm« eines harzigen Klebers, welcher sonst auch unter dem Nahmen des Galbanum bekannt ist, und inMutteebeschwerden gebraucht wird. Es riuuet aus dein geritzten Stamme einer Äthiopischen Ari des Stciiieppiches, 6udc»n OulbLllum L,. welcherBaum bey den neuern Schriftstellern desPflanzenrelches auch selbstMutterharz genaniit wird. Der Mutterhafe, des—n, xlur. die—n, ein Hass weiblichen Geschlechtes, der Satzhase, dieääsinn; zum Unterschiede von dem Rammler. Das Mutterherz, des — ens, plur. die—en, das zärtliche Herz einer Mutter gegen ihre Kinder, wie das Vakcrher; des Vaters. Ein Mutterherz gegen jemanden haben. O, wenn ein Monarch nur Eine Wunde meines Mutterhcrzens fühlen sollte! Das Muttsrhorn, des — es, plur. die — Hörner, einer von den zwey Stämmen oder Röhren, worein, die Bärrmrfter mancher Thiere getheilct ist. Der Mütterhüften, des—s, xilur. doch nur von mehrern Acten, ut noin. linZ. im gemeinen Leben, ein trockener krampfartiger Husten, welcher zuweilen mit den Mutterbeschwernngen oder der Hysterik verbunden ist. Das Muttsrkalb, des—es, plur. die— kälber, ein Kalb weiblichen Geschlechtes, im gemeinen Leben ei» Moschenkalb, Zärsenkalb; zum Unterschiede von einem Ochsenkalbe oder Bullenkalbe. Die Mutterkälte, plur. inul. im gemeinen Zebeil und bey den Afterärzteu , eine vorgegebene Kälte der Bärmutter, so fern sie die Unfruchtbarkeit verursachen soll. Das Mutterkind, des—es, xlur. irruk. ein in den gemeinen Sprecharten üblicher Ausdruck, ein Kind, und in wrtterm Verstaube, einen Menschen mit Nachdruck zu bezeichnen. Gott besuche jedes Mutterkind vor einem solchen Unglückel jedermann. Das hat manches ehrliches Mutterkind erfahren. Es lcrnft Jost ohn Unterlaß Daß ihm der Äspf fast rauchte, Lein Mutterkind stndirte das, Haged. Im Rieders. Mserkind. Gellert gebraucht den vollständigen - Ausdruck: So ward doch mancher Matter Lind von einem 6?rrn cft klug geschlagen. S. Mutter,nensch und 4 Mutter Aiem. Die Mutterkirche, plur. die—N, die vornehmste Kirche oder Hauptkjrchc eines Kirchspieles, bey welcher sich der Pfarrer bewerbet, zum Unterschiede von den ihr untergeordneten Tochterkirchen oder5itialen; nach dem Lat. Lccisiiu mutsr. Die Mütterkolrk, xiur. inul. S. Mnttergrimmtn. Das Mutterkorn, des—es, plur. die — korner, inderLand- wirthschaft, ein Nähme des unschädlichen Brandkornes, welches am häufigsten denRocken, zuweilen aber auch die Gerste trifft, und in langen, schwarzen, oft krummen Körnern bestehet, welche ein weißes, zuweilen auch bläuliches, widerlich süßes Mehl enthalten, und in nassen Jahren sehr häufig unter dem Getreide wachen. Bey dem Rocken heißen sie Mutterkorn, Lornmntter, Rocken- mutter, Mehlmntter, das Marftnsksrn, Aftcrkorn, 6ahn- sporn, Todtenkopf u. s. s. (S. Brandkorn, wo mehrere Benennungen angeführetworden;) bey der Gerste aber MuLtörgerstt oder Eerstenmutter. Es wird sv wohl collective und ohne Plural, als auch poneinzelueuKöruern gebrauchtst» welchem letzternFalle es auch von solchen ausgeartetenKörnern unter der Gerste üblich ist.Lat.Leeals eornutum, LscLlsluxuriLns, LlurerloeL- 1is,0rZa,Clavis laealiaus.Franz.LrAat. Vis cornu. Engl. Spur. Wenn der Nähme Mutter diesen Körnern nicht we.^ i ihrer Größe beygelegct worden, so gehöret er mit» Mutter, dicker Bodensatz, ohne Zweifel zu dem Gefchlechte des Wortes Mader, Niederst Modder, weil diese ausgeartcten Körner eine Wrkung überflüsslgerNLsse sind, und oft selbst statt des Mehles eine weiche, schwammige, moderige Masse enthalten. Im Holländischen heißt das Mutterkorn ilsr. Der Mutterkrampf, des —es, xlur. die —krämpfe, die krampfartige Zusammenzichung desMuttermnndes in der Geburt. Andere belegen die so genannten wilden Wehen mit diesem Nahmen , und im gemeinen Leben werden oft alle hysterische krampfartige Zufälle einMutterkrampfgenannt. S Mutteröeschwcrde. Die Mutterkrankheit, plur. die—en, S. Mutterbeschwerde. Das Mutterkraut, des—es, piur. doch nur von mehrern Arten, tzie—xxMer, ein Nähme verschiedener Pflanzen, welche unter dem großcnHanftn, wegen der ihnen beygelcgten gutenWwkungen in Mutterbeschwerungen, in Ansehen flehen, i) Einer Pflanze, welche in den EuropäischenGartenländern wohnet, und einen starken Geruch und bittern Geschmack hat; M-ttricaria ?aitttislii- u rn l-, im gemeinen Leben auch Matrene, Mecram, Netteraw. Mettrich,immittl. Lat.jVssttLln, ^maraous, Mägdeblinne, Ziebcrkraut. Die LamillenMatricariaOkamcilnilla k,, smtz eine Art desselben, und werden gleichfalls Muttcrkraut, inglcich-m Mäzdeblumc, Magdekraur genannt. 2 ) Des wilden Rosmarins, Motttnkrautes oder postes, l-säum paluü es L,. welches aber auch wegen semesWohnplatzes in den Sümpfen undMorästen diesen Nahmen haben kann, (S. 2 Mutter.) z) Des Milchkrautes oder Strand-^Jsoppes, 6Ianx uaaritimaC. 4) Der Melisse, Klslilla olilciaaUs z) Des Bepfußcs, und viel- leicht noch anderer mehr. Der Mütterkeebö, des—es, pluv. die—e, S. i Mutter. Der Mütterküchen, des—s, plur. ut uorn.liuA.S. Nach- geburt. Das Mutterlamm, des<—es, plur.die— lä'mmer, ein Lamm weiblichen Geschlechtes, zum Unterschiede von einem Bocklamme. Niederst Ouwlamm, von Ouwt, ein Mutterschaf. Das Mutterland, des—-cs, p!ur. die—lander, dasjenige Land, aus welchem erne'Colonie herstaitlmet, im Gegensätze dieser Colonie. Die Mutterlauge, piur. doch nur? von mehrern Arten, die —n, i» derChymre und Hey verschiedenen Handwerkern, eineLange, aus welcher bereits alles, was sich von den darin befindlichen Sal- I Z . - M Mut Z4f zcn krystässistren lasset, geschieden worden, weil sie gleichsam Mutter der darin befindlichenSalze gewesen; bcy andern dieHecklange. AusderMrstterlange des Salpeters und Kochsalzes wird die Magnesia niedergeschlagen. Inden Salzwerkcn wird die Mutterlauge des Salzes, oder der Hey dessen Bereitung zurück geblie- deneKörper, auch die Muttersohte, ingleichen die rvüde Sohle genannt. ^ . Die Mutterbebsr, plur. die—n, S. Nachgeburt. Der Mutterleib, des—cs, x> 1 ur. ear. der Leib der Mutter, in Beziehung auf die darin verschlossen gewesene Frucht. Es wird nur ohneArtikelmitgewissenVorwörtern gebraucht. Warum hast du mich aus Mutterleibe kommen lassen ? Hiob io, r L, warum hast du mich lassen geboren werden? Aufdich bin ich geworfen aus Mutterleibe, du bist mein Gott von meiner Mutter Leibe an, Ps. 22, i r; wo es zugleich vollständig vorkommt, von meiner Geburt an. Und so in andern Stessen mehr. Ausser der bi- blischenSchreibart wird es noch am häufigsten in der vertraulichen und lehrenden Schreibart mit dem Vorworte von gebraucht; von Mutterleibe an, von der Geburt au. von Mutterleibe an blind seym So nackt, wie er von Mutterleibe gekommen ist. Mütterlich, —er,—stc, ach. et ackv. von dem Hauptworts 4 Mutter, iVlatex. i) Der Mutter gehörig, von ihr herkom- mend; ohne Compgration. von mütterlicher Seite mitjeman- dcn verwandt seyn? Das mütterliche vermögen. Wo cs auch als ein Hauptwort gebraucht wird, das Mütterliche, das von der Mutter herstammcndc Vermögen, zum Unterschiede von dem väterlichen. Die mütterliche Erwartung, die Erwartung der Mutter. Die mütterliche Liebe. 2) Der Mutter ähnlich, dem zärtlichen Herzen einer Mutter gegen ihre Kinder gemäss, ähnlich, bann gegründet. Ihr mütterlich Herz entbrannte gegen ihren Sohn, 1 Kön. Z, 36. Eine mütterliche Liebe. Jemanden mütterlich ermahnen. Mütterlich für ihn sorgen. 3) Das mütterliche Land, in der höher» Schreibart der Renern, das Vaterland, und in weiterer Bedeutung, die Erde, so fern sie unser aller Mutter heißt. Erde, mein mütterlich Land, Klopft. So auch die mütterliche Stadt, die Vaterstadt, die Stadt, aus wrlch-r,„a„ gebimi, ist. ' . Der du vor den Thoren Von deiner mütterlichen Stadt Einst Lieder lalletest, Raml. Mutterlos,. a6j. et ackv. der Mutter beraubt, so wie vaterlos des Vaters. Line mutterlose Waise. Eine Art kleiner Fische, von welchen mau glaubt,dass sie nicht aus dem niütterlichenRogen, wie andere Zische, sondern aus dem Schaume und Schlamme entstehen, heißen in vielen Gegenden Mutterlose, und im Diminut. - Mntterlcschen, Nutterloseken. S. Grühe. Das Muttermcchl, des —es, xlur. die— Mähler, ein Mahl am Leibe, d. i. ein Flecken oder Answuchs der Haut, welche Kinder zuweilen mit aufdie Welt bringen, und die sehr oft von der Einbildungskraft der Mutter Herrichten; im Oberdeutschen Anmahl, Abermahl, Mutterssecken. ? Oer llluttermenscl), des—en, piur. inus. in den niedrigen Sprecharten , ein einzelner Mensch mit einigem Nachdrucke. Es war kein Muttermensch zu sause, kein Mensch, niemand. 6at wohl ein Muttermensch jemahls dergleichen erlebt? irgend ein Mensch. Rieders. Moderminsk. S. 4 Mutter, Anm. Die Muttermilch, piur. car. die Milch der Mutter, besonders der Mutter eines Kindes; im Gegensätze der Ammcnmilch. Etwas mit der Muttermilch einsangen, figürlich, gewisse Begriffe oder Vorurteile von der frichesienJngkird an einacpräat bekommen, . Mut ^ §48 Der Muttermöröer, des — s, plur. m vom.stoZ. FLmch. die Muttermörderinn, eine Person, welche ihre Mutter ermordet hat. Oer Asuttarmund, des — es, plur. die — münde, irr der Anatomie, die Öffnung der Mutter oder der Eingang zu derselben am innern Ende der Mntterscherde. Bey einigen wird auch die äussere Öffnung der Mutterscheide mit diesem Nahmen beleget, da denn jene der innere, diese aber der äußere Muttermund genannt werden; Oristeium uteri. Mutternackenö, oder Mutternackt, ach. st astv. im gemeinen Leben und den niedrigen Spxccharten, völlig nackt, gleichsam so nackend, wie man von Mutterleibe gekommen ist; fadennackt, im Rieders, stocknackend. Sich mutternackt ausziehcn. S. 4 Mutter, Anüi. Dre Nkutternelke, plur. die—n. a) Diejenigen Gewürznelken, welche an dem Baume zur Reife gelangen, von selbst abfaüen, und' zum Samen gebraucht werden. 2) Unter den Gartcnnclken wer- , den diejenigen Nelkenftöcke, von welchen man gemeiniglich gute Sorten durch den Samen zieht, Gamennelken'odcr Mntternel. ken genannt. Dre Mkutterpfeife, plur. die—n, in dem Bienenbane, diejenigen Pfeifen oderZellen in den Bienenstöcken, welche für die junge Brut bestimmt find; zum Unterschiede von den Honigpfcifcn nnd Brotzäpflein. ^ Die Mutterpfenniye, linz. raus. im gemeinen Leben und her vertraulichen Sprechart, Pfennige, d. i. Geld, welche die Mütter ihren Kindern, besonders ihren auswärts befindlichen Söhnen, heimlich und wider der Väter Wissen zuzusteckcn pflegen. Das Mütterpferd, des —es, plur. die—e, ein Pferd weib- lichen Geschlechtes, eine Stute; zum Unterschiede von einem Hengstpfcrde oder Hengste. Rieders. Moorperd. Das Mutterpstafier, des—s, plur. ut nom. 6n^. im gemeinen Leben, cm Pstaster, welches man in Mutterbeschwerden, . oder vielmehr in Krämpfungen des Magens, anfden Leib zu legen pflegt; LmplLÜrurnttMei'Icum. Die Mutt-rrplage, plur. die—n, S. Mutterbeschwerde. Das Mutberröhrchen, oder Mutterröhrlein, des—s, plur. ttt nom. linA. au den Feuergewehrcn, die Röhrchen an dem Schafte, in ivclche der Ladeffock gefleckt wird. S. 3. Mutter 1. Das Mutterschaf, des—es, plur. die— e, ein Schaf weiblichen Geschlechtes, so bald es gelammet bat; ein Trageschaf, eine Gchafmutter, Öberd. die Mutze, Rieders. Mnwe, Unwwe, Angels. Lovvu, Eitgl. Ltve,.Lat. Ovis, in einigen Deutschen Provinzen auch eine Zade. > Die Mutterschaft, plur. ear. ein von einigen gebrauchtes analogisch richtiges Wort, die Eigenschaft, den Zustand einer Mutter zu bezeichnen. S. L Schaft. Die Mutterfcheiöe, plur. die—n, in der Anatomie, eine häutige längliche Röhre, welche sich von dem Halse der Bärmutter zu dem weiblichen Schoosse erstrecket; VaZioa uteri. Die Mutterschmerzen, liuA.rous. S. MutLerbeschwerde. Das Muttevschwern, des — es, plur. die—e, ein erwachsenes Schwein weiblichcnGeschlechres,besonders ein solches zahmes Schwein, im gemeinen Leben eine San, Fährmuttcr, Schwein- mutter, Rieders. Moorswien, Mudje, Mutte, m einigen Oberdeutschen Gegeudeu Losa, Sutz , Mor; zum Unterschiede von dem Eber oder Hacksch. S. Schwein und Gau. Die Mutterfchwester, plur. die—n, die Schwester der Mutter, Lat. Klatertsr^, im Dithmars. 8eye, S. Muhme, Der Mutterschwinöel, des — s, plur. doch nur von mehrcrn Arten , ut vorn. livZ. im gemeinen Leben, ein krampfartiger Schwindel bey dem andern Seschlechre, webep das Deweßtsepn aufhörtt, D / §49 Mut aufüöret, und welcher von dem großen Haufen derBärrmrttec zugeschrieben wird. ^ -jDre Mutterseele, plur. car. ein nur in den niedrigen Sprech- arten, so wieMntterkind und Muttermensch, übliches Ä^rt,cine einzelne Seele, d. i. einen einzelnen Menschen mit Nachdruck zu bezeichnen. Es war keine Mntterseele da, schlechterdings niemand. Sollte das wohl eine Mutterseele glauben 2 irgend ein Mensch. Man hat davon in Verbindung mit dein Worte allein auch das Ncbemvort,mutterseelen allein, d. i. völlig allein, ganz allein, gleichsam so allein, wie ein von seiner Mutter verlassenes Kind, wofür man auch nur mutteralleinsagt. In eimgenMund- arten spricht man auch mutterselig allein. Wenn nicht die Abstammung von Seele, suima, zuerweislich wäre, so könnte man die letzte Hälfte in den Nebenwörtern als ein mit dem Lateinischen tv!u8, allein, verwandtes Wort arischen. Die Muttersohle, plur. iaul. S. Mutterlauge. Das Muttersöhnchen, Oberd. Mntrersohnlein, des—s, plur. u r aom. lintz. ein von seiner Mutter verzärtclterSohu; Niederst Mömckenkind, Momekens'öne, von Mome, Mutter, Jtal. lelammolo, ^lammaliao. Der Muttersplegel, des—s, plur. ut nom. llog. ein chirurgisches Werkzeug, womit man in schweren Geburten den Muttermund öffnet,um die todw Frucht heraus hohlen zu können ;Oiop- tra. S. Spiegel. Die Muttersprache, plur. die — n. -) Eine Sprache, welche jemand von seiner Mutter erlernet hat;in welchemVerstande matt ssedcr vatcrsprache entgegen setzen könnte. Am häufigsten inwei- tercr Bedeutung , eine Sprache, welche an dem Ortsüblich ist, wo man geboren und erzogen worden, welche man daher auch gemeiniglich von Jugend auf erlernet, im Gegensätze der fremden Sprachen; im mittler« Lat. marerna ^inZua. 2 ) Eine ursprüngliche Sprache , welche dem Anscheine nach, oder ans eine merkliche Art, aus keiner andern entstanden, eine Hauptsprache, Stammsprache,wird inAnschnng der von ihr abstammendenToch- tersprachen, oder auch Mundarten, dieMuttersprache genannt. So ist dicLateinischeSprache eineMuttersvrache inAnschnng der Jtaliänischen, Französischen und Spanischen Sprachen. Der Mutterstein, des — es, plur. die—e, eine versteinerte zwevschalige Muschel, welche deu äußern Thülen der Bärmntter ähnlich ist, und um dieser Ähnlichkeit willen im gemeinen Lebe» Mannzenftein genannt, vonMaunze, vulva; k^üerolitllus. Der Mutterstock, des—es, plur. die —stocke, ein Bienen- stock, welcher zur Zucht, zur Fortpflanzung dienet, und welcher auch ein Leibstock, Srammschwarm, pffanzstock, Stander, und, so fern Biene in eluigenGegenden^uch einen Bienenstock bedenket, eine Mutterbiene und Lcibdiene genannt wird. Dcw Muttertheil, des—es, plur. die—e, der von der Mutter ererbte Lhcil des Vermögens; ziun Unterschiede von dem varertheile. Die Muttertrompete, plur. die —n, in der Anatomie, zwey .einer Trompete in der äußern Gestalt ähnliche Gänge, auf jeder Seite der Bärmutter, welche sich von derselben bis nach de« Hüsten erstrecken, und den Samen, oder vielmehr das angeschwän- aerte Ep in die Bärmutter leiten sollen ; I'ubus ^LllOplariae, von ihrem Entdecker Lallopins. Die Muttermale, plu. die —u, das Mutter-veilchen, des —s, plur. ul unm. stng. ei^c Ärt der Nnchtvioie, welche in Italien einheimisch ist; Ichülperi« malronalis L^.Frauenoislechey deu Gärrnern Viola maironali.';. Dttb Mutterwasser , des -—s, plur. doch nur von mcheern Arten,ul norn. liu».Luden Apotheken, eilt abgcrogenes Wasser wider Murtrrbeschivcrden. Milt ALS Das Mutterrveh,des —-es, plur. iaust.S.Mntterbeschwerde. DerMuttsrrvein, des—es, plur. iu.ull im gemeinen Leben, ein süßer Wern, welcher vori dem großen Haufen wider die M^c- terbeschwerden gebraucht wird« Der Mutterwitz, des-es, plur. ear. der natürliche Verstand, so wie jedermann die Anlage dazu von Mutterleibe an. mit auf die Welt bringt; im Gegensätze des Schulwitzes , des durch die Wissenschaften aufgeklärten Verstandes, viel Mutterwitz haben, viel natürlichen Verstand. (S. Mitz.) Daher das Bey-und Ne- benwort mntterwitzitz, Mutterwitz habend, vcrrathend. Die Mutterwurz, plur. lttul'. ein Nähme verschiedener Gewächse, welche in Mutterbeschwcrden von guterWrrkung seyn sollten. Besonders des Mohlverlep , S. dieses Wort. . Die Mutterwuth/ plur. ear. bey einigen Ärzten, ein Nähme derLiebeswuth oder des in Muth und Unfinn ausgearketenLie- besficbers; I^uror uteriuus. S. Licbesfieberund Z Mutter. Das Mutterzäpfchen, oder Mutterzäpfiein, des—s, plur. ui vom. äug. bey den Ärzten, ein Zäpfchen oder Meißel, welcher m die Mutterscheide gesteckt wird, die monachliche Reinigung zu befördern, einerl Vorfall zurück zu halten u. s. f. Der Mut» termetstel. . - Der Mutterzimrnt, es, plur. inus. die Deutsche Benennung der Cassis, welche eine Art schwächer» Zimmtes ist, und von dem gemeimmManne wider die Mutterbeschwerden gebraucht wird; I/LurusOassial^. Die Mutterzwiebel, plur. die—n, bey den Zwiebelgewächsen, eine Zwiebel, welche bereits Blumen getragen, und junge Zwiebeln hervor gebracht hat. Der Mutz, des—es, plur. die—e, ein nur in den gemeinen Sprccharten übliches Wort, welches überhaupt den Begriff der Verkürzung, der Verstümmelung der Länge nach, bey sich führet. Einstiges Schwanzes beraubtes Thier, ein gestutzter Hund oder Esel, Jtal. Lauemorro, wird im verächtlichen Verstände ein Mutz genannt, welchenNahmen man auch wohl fehlerhaft kleinen Dingen ihrer Art, z. B. einer ungewöhnlich kleinenPerson beyzn- legen pflegt. Figürlich nennt man auch wohl eitlen dummen Menschen einen Mutz, wo es aber auch von Matz abstaimnen , oder auch zum Mittlern Lat. klutis, krutio, ein dummer Mensch, vom Lat. m utu§, stumm, gehören kann. Bey denSchwäbifcherr Dichtern heißt Nul'er, ülurer, ein dummes Pferd. Siehe 2 Mntzen. Die Mütze, plur. die—u, Dimimtt. das Mützchen, Oberd« das Mutzlcin, eine ehemahlige Benennnilg einer jeden Bekleidung des Hauptes. Daher werden die Docror- Hüte, Cardinal - 6nte und Bischofshnte im gemeinen Leben noch rnehrmahls Doctor- Mntzen, Cardinal-Mützen und Bischofsmützen genannt, obgleich jene Benennung wegen des dem WorteMütze jetzt anklebenden niedriger» Begriffes anständiger ist. In Grenadier- Mnyc bat es diese Bedeutung noch behalten. Denn jetzt gebraucht man das WortMntz^ nur von gewissen zur Bequemlichkeit oder Wärme dienenden Bedeckungen beydec Geschlechter, welche das ganze Haupt umgeben. Besonders des männlichen, welche im Oberdeutschen in vielen Fällen die Haube, die Rappe genannt wird. Die Mütze abnchmen, aufsetzen. Die Nachtmütze oder Schlafmütze, Pelzmütze, Zedermütze, Rlapp,nütze, Schiffmütze, Reisemütze, Fuhrmannsmütze u. s. f. Auch bey dem andern Geschlechte ist die Mütze eine ganz einfache Bekleidung ge. ringer Personen von allerlcy Zeugen , welche den Kopfgenau umgibt, und zuweilen gleichfalls die Haube ge»annt wird, oft ablw noch von derselben unterschieden wird. Im Nieders. heißt sie di« Hülle, die Rips, Rlpp, von Kappe. Kleine Kinder beyderley Gc.chlechtes werden gleichfalls mit solchen Mützen oder Mützchen bekleidet Mut AL r bekleidet. Figürlich wird der zweyte Magen der wiederkauenben Lhiere wegen der Ähnlichkeit in der Gestalt, die Mutze genannte S. Nagen. Ann». Im Niederst Mutze, Müsse, im Schwed. HIMa, im Holland. lVIuts, im Finnland, IVlysl)e. Nicht, wie Frisch will, von dem folgenden mutzen, stutzen, weil die Mützen aus den ab- gestutzten Kappen an den Kleidern entstanden wären, welcher Ursprung selbst schon unerweisljch und unwahrscheinlich ist, sondern mit dem Lat. lVlitra und Griech.ausEiner Quelle, nahm- lich zunächst von dem altenZeitwone muren. bedecken, bekleiden, welches schon beo demNotker vorkommt, und bey deis'ältern Franzosen mulser lautet, so wie im Angels, mitlrav» bedecken, verbergen ist. ES sichreren daher ehedem mehrere Kleidungsstücke de» Nahmen einer Mütze. Dahin gehören die mittler« Lat. Murn, Mulla, Mucata, MurectaMuriretta, ^Imuoium, Franz. Tumulte, Jtal. Moretta, welcheinsgcsammt eine gemeiniglich kurze Art der Bekleidung des Leibes bedeuten. Im Island, ist Mu? a ein Baucrwammes, und noch jetzt ist im Oberdeutschen Lev Mutzen eine solche kurze Kleidung gemeiner Lente. So fern bcv diesen Kleidungsstücken der Begrisfder Kürze der herrschende ist, kann ihre Benennung freylich auch zu dem folgenden mutzen, stutzen, gerechnet werden. Allein unser Nutze gehöret mit seinem veralteten Zeitworte mutzen, bedecken, ohne Zweifel zu dem Ge- schlechte der Wörter Mieder, Marte, Muff, Muth, mcrckiu«, 2 Mutter u. s. s. welche den Begriff des hohleuRaumes und folglich auch der Bedeckung haben. . *Mutzen, verb. r?F. actt. welches nur noch in einigen gemeinen Mundarten Nieder-und Qberdeutfchlandes üblich ist, wo es sich zieren, putzen bedeutet. Sich" zum Tanze mutzen, d. i. putzen, Kaisersb. Täglich fle flch ziert, preyst (brüstet) und putzt, vordemSpiegel 6 reycht,zafft und mutzt,HanSSachS. Zm Niederst gleichfalls mutzen, im Osnabrück, muten, in Hamburg murern; ohne Zweifel auch von dem jetzt gedachten alten Muren, bedecken, bekleiden, von welchem es allem Ansehen nach eine Figur ist. S. Aufmutzer,. verb.' reZ. aot. welches gleichfalls nur in den gemei- «cn l2vrccharten, besonders Oberde,»tschlandes, vorkommt, wo es stutzen, der Länge nach verstümmeln bedeutet, die Baume mutzen, d. i. stutzen, im Oberdeutschen, wo auch das zusammen Kesktztr admntzen üblich ist. Es stammet mit demLat. mutilare «ns Einer Quelle her, nähmlick von meiden, metz-n, schneiden, wohin auch unser metzeln/ Messer, Meißel urL andre mehr gehören, , Das Ntttz"Nyerlcht, des—es, xlur. die —e, ein nur m. einigkn Hrffischen Gebenden üblichcsGecicht,welches vornehmlich auf der Eig-nhufe zu Zffenhstusen gehalten, und auch der Eigcn- stnhl und das E-gengericht genannt wird. Es wird über die neu verchlichten Leibeigenen gehalten, -a denn diejenigen, welche eines andern Adeligen Leibeigene (vielleicht nur ohneErlaubniß ihres Leib - und Eigcuthumsherren) gehejrathet haben, eine kleine Strafe erlegest müssen. Man nennet es im Lat. ilus LunvaZii, rutd leitet es von Mutze, vulva, her, (S. z Mutter 2.) Al- Myt ZL2 lriu es kann auch von Mutze, Metze, d. i. eine jede unverehll'chte weibliche Person, einMädchen, abstammen, S. Z Netze. Der Mützenmacher/ des —s, xlur. ut vom. üog. S. Hut- Staffircr. "— Das Muus, oder Mnuff, S. 2 Muff. Die Myriade, xlur. die — n, in der höher» Schreibart der Neuern, eine Zahl von zehn tausend, und in weiterer Bedeutung eine jede sehr große Anzahl; aus dem Griech. Bald nimmt der Abgrund eine Myriade Zu früh entleibter Seelen ein, Naml. Die Myrrhe, xlur. iv us. noch häufiger aber ohne Artikel und absolute, Myrrhen, der Nähme eines ausländische»» biticru Harzes, aus dem Griech. /nng-«, und dieß aus dem Hcbr. 11V. Schon bey dem Wuleram lvl^rroo. Der Myrrhen - Kerbel, des — s, xlur. ivuk. eine Art des Kerbelsmir gefurchtem eckigen Samen,welcher aufdenAlpen einheimisch ist; 8 canclix ockorata l-. Die Myrte, xlur. die —n, ein baumartiges Gewächs, desse» Blätter einen angenehmen bitten» und herben Geschmack haben; IVl vrttus l^. Sie ist in den wärmern Gegenden von Asten und Afrika einheimisch, aus ivclchcn sie über Gricchenland und Italien in dem übrigen Europa bekannt geworden. Weil der Baum das ganze JahrHrüu bleibt, so hat mau ihn schon von den ältesten Zeiten an gern bey den Leichen und an Begräbnißorten gepflanzt, »vorauf er denn auch sehr bald als ein Sinnbild derTrauer und deS Todes gebraucht worden. Allein will ich ins Grab sinken, rind dort deiner erwarten, wo eine unverwelkli'che Myrie um unsre Häupter blühen soll, Weiße. Wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt derBlätter,wird auch der HsrstMr» ica eummuni-,!^. von einigen Myrte, Deutsche Myrte, Engl. Dutcli i>^rtls genannt. Aun». Der Nähme stammet auS dem Griech. her, welches wiederum im Oriente eiuheimisch ist, indem dieser Baum im Pers. iVlurt heißt. Vermuthlich hat die schmale, spitzige Gestalt der Blatter zu dieser Benennung Anlaß gegeben, da denn so wc-hllVl^rtus als auchIV! vriea »nit deinGriech.pc theilen, zu unser,u merzen gehören würden. Die Myrtenbeers, xlur. die—1», i) Die bcerartige Frucht desMyrtcnöaumes. 2) Auch eine Art der Heidelbeeren führet diesen Nahmen, S. Heidelbeere Der Myrtendorn, des — es, xlur. inust ein Nähme des Gtech- oder Christ. Dornes,llex a^uikoü^m ^.welcher gleichfalls stachelige spitzige Blätter Hac, ^ythos.otz?e, (oicrsylbig,) xlur. die n, (fünfsylöig,) i)Die Lehre von den' erdichteten Gottheiten der Alten; ohne Plural. 2) Ein B,ich, welches diese Lehren enthält. Daher mythologisch, in dieser Lehre gegründet. Gleichfalls aus dem Griechischen. 253 N der vierzehnte Buchsiab des Deutschen Alphabetes, und ^ H g der dritte unter den Zungenbuchstaben; indem er mit / 8 Anlegung der Zunge an den Gaumen und die Zähne ^ und einem gelinden dabey durch die Nase gelassenen Laute ausgesprochen wirde Wegen dieses letzter» Lautes, welcher vor den Hauch und Ganmenbuchstaben sehr merklich ist, wird er auch der Nasenlaut genannt. Als ein für die Aussprache sehh leichter und einfacher Laut, welcher nach allen und vor den meisten andern Mulamern ohne Muhr ausgesprochen werden kann, ist er ailch einer von den flüssigen Mutanten oder so genannten Halb-Vocalcn oder Halblauten, unter welchen er die dritte Stelle kinnimint. Das n wird mit einem durch die Nase gelassenen Hauch ausgesprochen, doch in einer Sprache, in einer Mundart mehr als in der andern, selbst im Deutschen vor e-nigen Miclautern mehr als verändern. In der Hochdeutschen Mundart ist dieser Nasenlaut gewöhnlich nicht stärker, als er zur vernehmlichen Hervorbrin- gung des n unentbehrlich ist. Nur vor den Harrern Gaumenlauten § und k, wenn cs mit denselben in einer und eben derselben Sylke stehet, ist dieser Nasenlaut überaus merklich, denn da wird eS dunkel, und fast so ausgesprochen, wie das Französischen nach einem Selbstlaute, in eu, on, un; langen, krank, jung, Menge, singen, winken. Ich sage, in einer und eben derselben Sylbe, und verstehe das Wort Splbe etymologisch, nicht aber orthographische Denn ob man gleich theilet win - ken, -(an - ge, Gedan - ken, so gehören doch nach der Abstammung alle diese Gaumenlaute zur Srammsylbe, amo nach der Abstammung müßte man theilen, Wink - en, Lang -e, Gedauk-en. Wenn hingegen in Zusammensetzungen das n vor einem Gaumenlaute zu stehen kommt, so behälr es seine gewöhnliche Aussprache. Angenehm, cingehen, Unkraut, hinkriechen. Vörden weicher» Gaumenlauten ch und j x ist dieser Nasenlaut unmerklichcr, denn da schmilzt er mit denselben am Gaumen gleichsam zusammen; manch, tünchen, so wie in den gemeinen Sprecharten auch vor dem i, Linie, Pinie, gleichsam, Linje, Pinje. Zusammensetzungen machen auch hier eine Ausnahme, Unchrill, Schcinchrist, Sonnenjahr. Das n liebt diese harten Gaumenlaute g und k so sehr, daß es sich ihnen in tausend Wörtern unberufen anfdringt, oder vielmehr manche Mundarten und Sprachen können das g und k nicht aus- sprechcNj ohne ein n vor ihnen her schleichen xn lassen. Vermuth- lieh war diese nieseinde Anssprache ehedem ganzen Völkerschaften eigen; sie ist cs auch jetzt zum Theil noch. Allein bey der unzähligen Vermiichung dei Völkerschaften von den frühesten Zeiten an, sind auch die Mundarten und Sprachen vermischt worden, und daher kommt es vermuthlich, daß die Abkömmlinge eines rmd eben desselben Stamnnvortes einer und eben derselben Sprache bald ein n vor diesen Gaumenlauten haben, bald aber auch nicht, ^ür das kraZo, (brechen) (Niedcrs. ticken) pnZo (fugen) u. s. f. sagten die neuern Lateiner.srÄUZo, tanZo,punzo, behielten aber doch l'retzi, sirnctum, leiiAi, tnelum, pepi^i u. s. f. bey. So auch tinZore, il >ura , lictux, ii^mLnr um; striNAers, nmcw3, n. s. f. Für das Griech. und Lat. I! cnneu unläug- bar zu einander gehören. Diele alte Sprachen verstärkten das n noch durch einen freundschaftlichen Hauch-und Gaumenlaut. Für Nacken sagten die Angelsachsen für Napfl^nnsppL, für neigen Unserer Sprache fehlet es daran gleichfalls nicht. Genick, Lnicks, Anre und Rnöchel stammen n/it Nacken von neigen her; genau von dem alten nau; knapp, knappen, kneipen, von dem noch in den gemeinen Mundarten üblichen noppen, Schwed, napxiu ; Bnoten vonNocZug; RnastvonNaK und Ast u. s. f. In andern Wörtern nimmt es dafür den Zischlaut au, wie in Schnabel, von Nabe, Nabel, Engl, t^luve, Schnur, von^uruZ, Schnee, von dem noch bey den JLaern üblichen Neu. Nix, Gchnaue, von Nache, Nnvis, Schnecke, Franz. Nuers, vermuchlich auch daher u. s f. , In der Beugung und Ableitung der Wörter hat dieser Buchstab einen vielfachen Nutzen, welchen ich hier, um nicht wectläustig zu werden, übergehen muss. Er ist hier gewiss kein leerer, oder aus blosser Willkuhr gewählter unbedeutender Schall, ob wir gleich in der grossen Entfernung, worin wir uns von den ersten Erfindern der Sprache befinden, seine eigentliche Bedeutung nicht mehr ge- ttauchestimmen können. Etwas davon ist bey dem Artikel —Ern und —En bemerket worden. Es ist jetzt so wohl im Deutschen als Lat- mischen sehr gewöhnlich, dass man an die Stell-'eines cigcuchümlichen Nahmens, wen« man denselben entweder nicht weiß, oder ihn mit Fleiß nicht nennen will, ein N. N. setzet. Nach dem Dn Frcsirr ist dieses Zeichen ungefähr im eilften Jahrhundert üblich geworden, und zwar aus dem abgekürzten küo oder lila, welches man l! I mit einen, Querstriche durch die Heyden ll za schreiben pflegte, welche Abkiirznng Man Nachwahl- aus Unwissenheit für N. N. gehalten. Jenes, Nab ZL6 näbmlich das III. kommt in Mareulphs Formeln Mld andern Schriften vor dem eilftrn Jahrhunderte hänflg vor. Die Nabe, zstur. die—n, der hohle in der äußern Mitte crha» bene Cvlinder in einem Rade, welcher um die Achse läuft, und in dessen äusscrm Umfange die Speichen befestiget werden; in einigen Gegenden der Nabel. In engerer Bedeutung wird nur der vordere Thcil dieses Cylindcrs die Nabe genannt, da denn der mittlere erhabene Tbeil der Bock, und der Hintere der Stoß heißt. Es scheinet, dass dieses Wort auch in dem Teich- und Wasserbau,'einiger Gegenden eine Art Röhren bedeute; denn in einer gewissen Dbe,-sächsischen Schrift wurde der anstatt der N,ben eingelegten einbohrigen Röhren, das lDasser in den Fisch- Halter zu leiten, gedacht. Ann,. Im Niederst Nave und Nascl, im Angelst Nass, im Engl.und Holland. Nwvs, im Schwed.Nak. Es ist ein altes Wort von einem zahlreichen Geschlechte, welches überhaupt de« Begriff des Hohlen hat, und >vo:u ausser dem folgenden Nabel und Naber, unser Napf, das Lat. N.rvis, undmit veränderten Endlauten, auch Nache Nuß u. st f. gehören Schon im Hebräischen bedeutet 222 etwas Hehles, Durchbohrtes. Da alle Wörter, welche eine Höhlung, Vertiefung bedeuten, auch zugleich eine Erhöhung bezeichnen, so gehören auch das alte Nabe, jetzt Schnabel , mit ihren Verwandten hierher, und es kann serm, dass in der enger» Bedeutung des vordersten Theiles der Nabe der Begriff der Hervorragung der herrschende ist. Im Mittlern Lat. heisst die Nabe auch klockicstus, Franz. Klojeu, entweder eben so von iXlockiuL, i Muth, ein hohler Raum, oder von melius,Mitte. Der Nabel, des — s, plur. die Nabel, Diminut. das Näbel- chen, Qberd. Näbcllcin, Nabel, i) Überhaupt eine jede schneckenförmige runde Vertiefung, oder ähnliche Erhöhung; in welcher weitern Bedeutung es doch nur in einigen Fällen üblich -st. So wird der Schluss eines Gewölbes, wegen dkkser Gestalt, welche man ihm zuweilen erst) ilet, in der Baukunst ocr Nabel genannt. In der Mathematik ist der Nabel der Panet in der Achse einer krummen Linie, welcher am gewöhnlichsten der B' ennpunct, 1 ocu?, genannt wird. Bey den neuern Schriftstellern des Thicr- reichcs ist der Nabel an einer Schnecke die gewundene Vertiefung untenan dcrSvurdel oder Säule. (S. auch Nabelftelle.) 2 ) Iu engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist der Nabel an den thierischen Körpern die gewundene runde Vertiefung in der Mitte des Schmcrbauches, welche im Grunde gemeiniglich eine kleine runde Erhöhung hat, und die zurückgebliebene Narbe von der a b g e schni ltrnen N abel sch »u r i st. Anm. Inder letzten Bedeutung schon ben dem Raban Mannis im 8ten Jahrhunderte Nabnlo, dry dem Willeram Nubel«, im Niederst und Engl. Nave!, im Äugelst Nuftzft Navela, im Dän. Navle, im Schwed. Nuüs, im Finnland. Lappland. Nseppe', im Pcrs. Nnst, und selbst im Malabarischen Ncrbi. Gewiss nicht unmittelbar ans dcmLat. Llmkilicu):, wie Frisch will, sondern als ein naher Verwandter des vorigen Nabe, mit iw.schein cs in dem Begriffe so wohl der Vertiefung, als auch der Erhöhung übereilt kommt. Beweise der ehemahl-g-n weitern Bedeutung sind dei bk rre Nuvslft für die Herzgrube, in dem alten Fragmente aus Carl« den Grossen b, y demSöchiltcr, und das ehemahlige Schwedische In il! das Eingeweide. Dir Endung —el ist auch nicht ein Zeichen der Verkleinörung, sondern viel- ^ mehr die Ahleitlingssylbe—el, ein Subjeet, Nabel, ein vertieftesoder erhabenes Ding. Die Lat. Omüo lind kirn bilrctzs und dasGrieck o/rqrnXog leiden eine ähnliche Kerle-tima, als Geschlechtsverwaudte von unserm Humpe, Hiimpcl für Hübst, HugA, Rumpf u. stf. Die Z^)7 Nab Nach 3)6 Die Nabelbinde, plur. die —n, eine Binde, »der schmaler Streifen Leinwand, womit bey neu gebornenKindern der Unterleib umwunden wird, um den Nabel niedcczudrncken. Der Nävelbrstch, des —es, plur. dsch nur von mehrern Aeten, oder in mehrern Jndiridnis, die — brüche, ein Brüch, oe-w Austritt eines Thriles der Gedärme, durch den Nabel, oder in der Gegend des Nabels, von welcher Arl Brüche es denn so wohl NeLbr.icht, als Oarmbriiche, und Darmnetzbrüche gibt; OmMloeole. Bey noch nicht völlig geheiltem oder befestigtem Nabel können sich kleine Kinder durch vieles Schreyen leicht emen Nabelbruch verursachen. Das Nabelkraut, des —es, plur. inust /) Eme > stanze, welche in dcn wärmerliliätrderiiEuro pens cinheimistz) ist,um- we.ge röthlich gemischte kleine Blumen trägt; Eolvl^ä.ou c L., dicNabelpflanze, dervenus-Nabel, Enzl.^ksicvorl. Sie har denNahmen von ihren hohlen, runden, ein lebogenenBlättern, welche einem Näpfchen ober eiiiemNabcl gleichen. Einige anore Arten sind inAfrcka undOstindien einheimisch. 2) Das Leinkraut oderZlachskraut, ^nNrrlnnurn ^iuuria!^. wird von einrgen gleichfalls Nabelkraut genannt, vielleicht weil es inNabelbrüchen oder bey Verbindung des Nabels gebraucht worden. (S. Flachs- krartt 2.) 3) Die ^väi oluce mux m i D. S. Mannsschild. Nabeln, verb. reZ. seb. ein Vind nabeln, den Üserrest der ab- geschnittenen Nabelschnur einbinoen uird eindrüeken. Dle Nadelpflattze, S. Nabelkraut. Der Nabelsamen, des-s, plur. inul. in einigen Gegenden ein Nähme des Rlebkrautes ; GaUurn ^parins Q. Das Nabelschtld,^ des —es, plur. die-e, Diminut. das Nabelschildchen, .Ob?rd. Nabelschildlein, in der Wapcnkunst, ein Wapeuschild, welches auf der Nabelstelle gestellt ist. Dre Nabebschr»rtr, plur. die—schnüre, eine häutige Röhre in Gestalt einer Schnur, welche aus zwey Pulsadern, Einer Blutader und der Harnschnure bestehet, und das Kind in Mutterleibe mildem Mutterkuchen verbindet. Im Niedersächsischen Streng, -er Strang. _ . „ . Die Nabelftelle, plur. die—n , m der Wapenkunft, dreien,ge Stelle eines Wapenschilbes,, welche etwas niedriger als d,e Herz- sielle ist; wo die Figur von der Stellung des Nabels in Beziehung des Herzens entlehnet ist. . . Das Näbeltüch, des —es, plur. die-—tücher, Durunut. das Nabeltüchlein, ein kleines zusammen geschlagenes Tuch, we.- ches neu geborneil Kinderu anf deu eingedrückten Nabel gelegt und mit der Nabelbinde fest gebunden wird. Der Nabenbohrer, des-s, plur. M vom. lioZ. bey .-en Gi-stellmachenr, ein jeder Bohrer, womit die Nabe ernes Rades susgcbohret wird; der Näber. In engerer Bedeutung ist ev nur derjenige Bohrer, womit die mit dem Lochbohrer gebohrre Öffnung erweitert wird. ^ Die Nabeneiche, plur. die—n, im Forstwesen, eine Eiche, sa wie sie zu Naben tauglich ist, und r cH Holl im Durchmess r und 2v Ellen in die Länge halten muß; die Achseneiche, weil sie m dieser Stärke auch zu Achsen brauchbar ist. ^ Das Näbenlöchches — es, plur. die—lscher, das Loch orer die Öff-uu-.g in der Nabe eines Rades. Dev Nabenrintt- des — es, plur. die—e, überhaupt ein irrer anfund in der Nabe befindlicherRmg. Zn engerer und gewöhnlicherer Bedeutung werden nur die Ringe auf der äußern Fmche der Nabe Nabcnringc genannt, wohiil denn dir Speicheinn.Fr ^lnd Großringe gehören. . ' .. Der Naber, des—s, plur. ut vom. linx. Diminut. das,Naberchen, Oberd. Näberlein. rin jederVobrer, dahin denn der Schlanchncrber, Hahnennäbcr, Zapfennaber, Anstechnäber, Dorrnaber, pseifennaber , Banonäber, Hohlnäber, Drahtnäber u. s. s. gehören. I-, engerer Bedeutung werden nur die Nabenbohrer schlechthin Näber genannt. Anm. Im Österreich. Näbinger, im Niederst Naviger, Ne- vi§er, im Däu. Nave-, im Äugelst Navegar, -m Schwed. Nasvure, im Zsläi-.d. ^ubar, in den gemeinen Mundarten Ober- uichNicderdeutschlandes auch ohne N, Eber, besser Aber, so wie im Holläi-.d.kveZsr, ^veZc-r, LZZer, und im Engl. ^uzsr. (S. N.) Es ist von Nab/Nabe, so fern es eine jrde Öffmtng bedeutet, und dcrAbl-.iluugssylbe—er, rin Werkzeug, gebildet. Im Franz, ist uavrer bohren. Der Nabersch'mid, des — 2 , plur. die—schmiede," rin Schund, welcher vornebttllich Naber, d. i. Bohrer, rrrferiiget, und daher auch Be h'. schmid, und weil er zugleich auch Sägen und andere Werkzeuge v.rferilmt, auch Zeugschmid genannt wird. Näcl), eine Partikel, welche irr eurer doppelten Gestalt üblich ist. ^ Als ein Vorwort, wo sie alle Mahl die dritte Endung des Hauptwortes erfordert,' und eine zwiefache Hauptbedeutung har. Sie bezeichnet uähmlich, 1. Die Richtung dct Bewegung zu einem Gegenstände hin. 1) Eigentlich. (a) So fern der Gegenstand ein Ort ist, bezeichnet es diese Richtung der Bewegung besonders bey den eigemhümllcheu Nahmen der Länder, Städre, Flecken, Schlösser und Dörfer. Nach Frankreich, «ach England, nach Italien reisen. Nach Ostindien segeln. Nach Schlesien wandern. Ich gehe morgen nach Holland ab. Sich nach Liefland einschiffen. Einen Courier nach Rußland schicken. Nach Spanien schreiben. Der Weg gehet nach Leipzig. Nach Paris, nach Rom reisen. Nach Aach-en in das Bad gehen. EincLustrerse nach Dresden machen. Die Post nach Berlin ist schon weg. Wissen sie keine Gelegenheit nach Frankfurt? Waarcn nach Hamburg , schicken, spediren. Nach Wien schreiben. Ehedem gebrauchte man hier das Vorwort gen, und im Oberdeutschen ist auch das Vorwort auf üblich. Eben so werden auch die Wörter Hof, wenn es die Residenz bedeutet, besonders aber Haus gebraucht, nähmlich ohne Arükest als wenn sie eigcnthümlichc Nahmen wären. Nach Hofe reisen, gehen, fahren, schreiben, schicken. Nach Hause gehen, fahren, reiten u.s.f. Es ist noch nicht nach Hause gekommen. ' Hast du nach Hause geschrieben? Nach Hause eilen. Erwog mit sich nach Hause, nach Hofe nehmen. (S. Hans Z. 2). In einigen Fällen wird dafür auch zu gebraucht; zu Hause gehen, eilen, kommen . Allein es ist doch besser, mau behält dieses Vor- ^ wart, wenn ein Staud der Ruhe auszudruckcn ist , nnd läßt das nach den Stand der L.wegung ausdruckeu. Zu Hause seprr, bleiben, nnd nach Hanse gehen. Es aibt noch einige andere allgemeine Nennwörter, welche dieses Vorwort iuder jetzt gedachtenBedeittung vor sich leiden, welche ade?alsdann den Artikel vor stch haben müssen. Nach der Stadt gehen, reisen, fahren, eilen. Waaren nach der Stadt schicken. Der weg gehet nach dem Walde, nach dem Flusse. Etwas nach sich ziehen, nach sich hin, nach sich zu, mit dem Tone auf dem sich; zum Unterschiede von der A. A. etwas nach sich ziehen, Himer sich her. Allein in den meisten Fällen sind hier doch andere Vorwörter eingesühret. In das Bad reisen. Auf das Land, auf das Dorf gehen. In den Wald fahren. Auf die Börse, auf das Rathhaus, in die Hirche, auf die Hochzeit gehen. Zu Markte fahren. Zu Vette gehen, u. s. f. Zn welchen Füllen die Niedcrsachsen, aber auf eine den Hochdeutschen anstößige Art, das Vor wort nach brauchen. Nach Bett» gehen, nach dem Markte fahxen« - L L. ALM ZL9 Nach Wohl aber kann dieses Vorwort in allen Fallen gebraucht werben, wenn bloß die Gegend bezeichnet werden soll, wo es denn gemeiniglich noch das Wörtchen zu bey sich hat. Der Wind drehet sich nach Westen, nach Morgen, nach Mittag. Sich nach Osten wenden, aufderReise. Den Mantel nach dem Winde hangen. Er segelte immer nach Abend zu. In welchen Fallen auch gegen und gen gebraucht werden. Nach dem Walde zu fahren, reuen. Wo es auch im Stande der Ruhr gebraucht werden kann. Das Dorf liegt nach Leipzig zu. (b) Äst der Gegenstand der Richtung eine Person oder Sache, so bekommt derselbe wohl in den meisten Fällen dieses Vorwort. Nach jemanden Hanen, schlagen, stechen, stoßen, werfen, schießen, zielen. Nach etwas langen, greifen. Jemanden nach der Rehle greifen. Ich griff schon nach meinem 6»te. Greif du dem Ritter nach dem Schwert, Ich greif ihm nach den äaaren, Michal. Sich nach jemanden umkehren. Wornach sehen sie sich um? Wir wollen nach dem Vogel sehen. Indem nun Sylvia sich nach dem Rande bückt, So küßt sie ihn geschwind. Gell. Nach etwas schnappen, springen. 6a, welche Flammenströme schoß die 6>'der Nach seinem Leben! Raml. In engerer Bedeutung wird dieses Vorwort besonders in der vertraulichen Sprechart sehr häufig gebraucht, wenn die Richtung der Bewegung in der Absicht gcschichet, um dieDerson oder Sache nach welcher sie gerichtet ist, herbey zu hohlen, oder zu bekommen. Es istschon jemand nach wein gegangen, um Wein zu hohlen. Ich will nach Veilchen gehen, Gell, um Veilchen zu suchen. Ich will nach der Wache schicken, ebend. um die Wache zu hohlen. Nach dem Doctor, nach dem Geistlichen schicken; im Oberdeutschen um. In der Bedeutung der Richtung allein ist von Personen zu üblich. warum durchirrt nach Gut und Geld Der Mensch die fernsten Meere? Weiße. Nach Schagen graben. Sich nach etwas umthun, um es zu bekommen. 2) Figürlich, die Richtung der Wirksamkeit des Gern», thcs, der Begierde, des Verlangens u. s. f. zu bezeichnen. Es wird hier vorzüglich bey Neukris gebraucht, d. i. bey Zeitwörtern, welche nicht schon arl undfürsich die vierteEndung erfordern, oder wenn sie als Neutra stehen. So wohl überhaupt. Nach jemanden fragen, fragen wo er ist, wo und wie er sich befindet. Man har nach dir gefragt. Nach der Ursache fragen. Neugieriger Myrtill, wer wird nach allem fragen, Gell. Nach etwas forschen, um es zu erfahren. Figürlich bedeutet die R. A. nicht oder nichts nach einer Person oder Sache fragen, sich nicht nm sie bekümmern, sie nicht achten, ihr nichtFolge leisten, was frag ich nach.den Ammels-Sphä'ren Und nach dem ganzen Sternenlauf! Gell. (S. Fragen ) Als auch besonders, um die Person oder Sache, worauf die Wirksamkeit des Gcmüthes gerichtet ist, zu bekomme», zu besitzen; eine Fortsetzung der vorigen cngern Bedeutung. Nach einer Sache begierig seyn. Sich nach etwas sehnen, bestreben, bemühen. Nach etwas trachten, seufzen, schmachten, verlangen. Jemanden nach dem Leben stehen. Sehr wie sein Auge nach mir schmachtet. Gell, wie hatten wir nach dieser Zeit geftufzei l Ein nachGliick entbranntes 6er;, Gell. Der unbezwinglichc Wunsch der Seele «ach Unsterblichkeit, ebend. Und mache daß mein6crz den Wunsch nach dir vergißt, ebend» Nach Z66 Mich durstet nach Wern. Es verlanget mich nach dir. Der Mund wassert ihm schon darnach, cs gelüstet ihm darnach, er ist darnach lüstern. In der ganzcit erste,rHauptbcdeutuug wird das Vorwort feinem Nennwerte uiemahls nach-sondern alle Mahl vorgesetzet. Den» in denjenigen Fällen, wo es hinter demselben zu stehen scheinet, gehöret es zu dem Zeitworte; sch sähe chm nach, von Nachsehen, hinter her sehen, in der folgenden Bedeutung. 2. Eine Bewegung, zuweilen aber auch einen Zustand hinter einer andern Person oder Sache, so wohl tu Absicht des Orts, als auch der Zeit- ^ , i) In Absicht des Orts, des Raumes. (a) Eigentlich, wo es für hinter stehet, wenn es deu Zeitwörtern der Bewegung oder Richtung zugcsellct wird. Nach einander, einer nach dem andern, d. i. hinter dem andern. Sie kamen alle nach einander. Er geht nach mir, besser hinter mir. Etwas nach sich ziehen, mit dem Ton auf dem nach, hinter sich her, welche R.A. im figürlichen Verstände am üblichsten ist, (S. Ziehen.) Indessen ist cs hier doch in der eigentlichsten Be. deutung ohne einen der folgenden Ncbenbegriffe nur i« der Zusammensetzung mit Zeitwörtern, und außer der Zusammensetzung als ein Nebenwort am üblichsten. (b) In engerer Bedeutung, mit dem Nebenbegriffe der Ordnung, der Reihe. Er folgt nach mir, auf mich. Du kommst nach mir. Jngleichen der Folge, d. i. der Bestimmung feiner Bewegung nach derRichtung des vorher gehenden; wo es alleMahl hinter seinem Neunworte stehet. Mir nacht welches doch ein elliptischer Ausdruck ist, wo ein Zeitwort, z. B. folgen, zu welchem das nach gehöret, ausgelassen worden. Rehre um deiner Schwagerinn nach, Ruth. 1,15. Denn es sind schon erliche umgewandt, dem Saran nach, 1 Timoth z, rz; welche Art des Ausdruckes doch ungewöhnlich ist. Immer der Nase nach, im gemeinen Leben, gerade vor sich hin. le) Figürlich, wo es in sehr vielen Fallen gebraucht wird, welche doch größten Lheils darin überein kommen , daß sie die Nebmung gewisser Bestimmungsgründe aus einer andern Sache bezeichnen. («) Zn Absicht der Würde, des Werthes, den zweytcn Rang, die zweyte Stelle in der Würde anzildenteit. Der nächste nach dem R'önige. Nach ihm habe ich keinen bessern gefunden. Nach dir ist mirniemand lieber, als Lajus. Das beste Buch nach der Bibel Nach der Lichtmaterie ist die Luft der feinste Rörper. Ä" dieser Bedeutung, in welcher auch nächst gebraucht wird, muß es alle Mahl vor dem Neunworte stehen. lst) Eine Richtung zu bezeichnen, welche sich längs der Richtung eines andern Dinges erstrecket, welche in allen ihren Puncten von derRichtung eines andern Körpers bestimmt wird; eine außer der Zusammensetzung seltene Bedeutung, in welcher es dem Neunworte nachstehet. Als sie zogen dek Straße nach, Apost. 8, z 6. (V) Nach einer noch weitern Figur, die Nehniung einer Sache zum Bestimmungsgrunde des Verhaltens. (aa) Als eine Regel, als eine Richtschnur. Die nicht nach demFieische wandeln, sondern nach dem Geiste, Röm. 8, 4.- Nach Gottes Gedothen handeln. Sich nach der Vorschrift des Arztes richten. Er thm, handelt, lebt ruckt darnach. Sich nach etwas richten. Die Rraft der Geschöpft äußert sich nach gewissen veränderungsgefttzen. Sich nach der Mode kleiden, sich nach seinem Stande auffichven, sich nach seinem Beutel richten. Etwas nach seinen Absichten e» - richten. Unsre Empfindungen richten sieb nach den Vorstellungen unsere Verstandes, Gell. Las l,i schon nach der Vernunft Z6i Nach Nach Z62 «unft ein verbrechen. Nach der Schnur, nach dem Winkelmaße gebattet. Sich nach der Lecke strecken. Es gehet nach Gllnstl Nach seinem Bopfe, nach seinem Sinne, nach seiner Weise leben. Nach seinem Gewissen handeln, nach Recht und Billigkeit verfahren. In dieser Bedeutung wird es dem Nennworte nicht leicht nachgesetzet; außer in der N. A. wenn es nach mir ginge, wo man auch sagt, wenn es mir nach ginge. (bb) Als ein Muster, Vorbild, ein Maß u. sf. Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde. Nach der Natur, nach dem Leben gemahlt- Etwas nach einem Modelle machen. Nach etwas arbeiten, es zum Muster nehmen. Nach der Vorschrift schreiben. Jemanden nach sich, nach seinem Nahmen nennen. Nach der Elle, nach dem Gewichte verkaufen. Zähle die Jahre nach Minuten, um die Rache zu verlängern. Etwas nach der Hand verkaufen, nach dem Augenmaße, ohne es zu wiege», oder zu messen. Ein Laubthaler macht nach unfern, Gclde ' Thlr. 14 Gr. Wo es auch Neutris zugcscllet . werden kann, eine Ähnlichkeit zu bezeichnen. Nach seinem Vater arten. Nach seiner Mutter sehen, ihr ähnlich sehen. Es riecht nach Biesam, nach Schimmel. Es stinkt nach dev Säulniß. Das Wasser schmeckt nach Erde, schmeckt erdig. Nach dem Bocke riechen. Er heißt nach mir, heißt so wie ich. Auch in dieser Bedeutung nimmt es seine Stelle alle Mahl vor dem Nennworte. (cc) Oft zeiget es auch nur eine bloße Gemäßheit an. Thut es nach eurer Gelegenheit. Nach Belieben. Nach Hun- gn- essen, nach Durst trinken. Jemanden nach dem Munde reden, so, wie er cs gern höret. Nach Stand und Wurden. Nach Landes Gebrauch. Nach seiner Gewohnheit. Es geht ihm alles nach Wunsch, nach Willen. Nach Gottes Willen» Die Sorgfalt die ich angewandt, Dein Glück nach meinem Wunsch zu gründen, Gell. Hie Menschen weichen bloß nach Maßgabe ihrer Erziehung , von einander ab, Gell. Das kann ich nach den Regeln der Bissigkeit gar wohl erwarten. Nach mcin/r Meinung, nach meinem Bcdunken, nach meinen Begriffen. Ich rede und Lenke noch nach der alten Welt. Ließ setzet sie nach (bey) ihrer eingeschränkten Lebensart über alle Bedürfnisse hinaus. Nach dem es kommt. Nach Vermögen beytragen. Wo es zuweilen auch hinter dem Nennwerte stehen kann, welches, wenn es ein Hauptwort ist, alle Mahl ein Fürwort oder Beywort, oder doch den Artikel vor sich haben muß. Seiner Gewohnheit nach. Meiner Meinung, meinem Bcdunken nach. Ihm nach (seiner Meinung nach) verhalt sich die Sache nicht so ; welcher Ausdruck doch nicht nachzuahmcn ist. wenn es meinen wünschen nach ginge, wo man es nicht für das zusammen grsekte nachginge halteumuß. Der Mond blieb seiner Natur nach kalt und unempfindlich, Gell. Nach Gestalt der Sachen, und gestalten Sachen nach, 3 Macc. 7, 8 ; welches letztere doch - Oberdeutsch ist. Wohin auch das in einigen gcmcinenSprecharten übliche so nach oder sonach gebäret, welches bald folglich, bald aber auch auf diese Art bedeutet. Diese Sicherheit der Aöniginn, die der Graf sonach lieber durch seinen Tod befestigen wollte, Less. auf diese Art. Und sonach (folglich) hätten wir cs auch hier nur mit dem Alterthumc zu thun, Less. (dd) Eben so oft dienet cs auch die nähere Bcstrmmnng, ingleichen den Besiimmungsgrund einesAussprucbes, eines Unheiles, einen Gesichtspunct zu begleiten, für das Latein, a,uocl strittet, respectu. In dieser Bedeutung kann es so wehl ver als hinter dem Nennworte stehen , und in manchen Fällen ist die letztere Wortfügung nur allein üblich. Dem Leibe nach im Grabe, der Seele nach im Himmel sepn, wo es nicht vor dem Nenn- Worte stehen kann, so wenig als in der R. A. jemanden nur dem Nahmen nach kennen. Christus seiner menschlichen Natur nach , oder Nach seiner menschlichen Natur. Die Einrichtung des Menschen ist so wohl ihrem Anfänge, als ihrer 8ort- dauer nach eine Wirkung der Vorsehung; wo sich das Vorwort auch voran setzen lässet. Mancher armer Mensch ist nach seinen Verdiensten, oder seinen Verdiensten nach,, ein großer Mann. Dem Ansehen nach zu urtheilen. Seiner Miene nach, oder nach seiner Miene. Die Allgegenwart Gottes, nach welcher er allen Dingen gegenwärtig ist. Den Jahren nach konnte er es wohl wissen. (ec) In einigenFällen bezeichnet es auch nur überhaupt eine Ärt und Weise; wo es gleichfalls so wohl vorn als hinrew stehen kann. Etwas nach allen Umständen wissen. Ein Thier seiner Natur nach beschreiben. Etwas nach der Länge, nach der Reihe erzählen. 2) In Absicht der Zeit, zu welcher eine Sache ist oder ge» schiehct, hinter einer andern Sache, der Zeit nach; wo cs alle Mahl vor seinem Nennworte sichen muß. Nach etlichen Jahren kam er wieder. Ich komme nach dem Essen, wach der predigt u. s. s- Er kam erst nach acht Tagen wieder. Nach dem Tode. Im Jahre 1776 nach Christi Geburt.. Zwcy Schüsse nach einander. Acht Tage nach einander. Nach dem Regen scheint die Sonne. Nach der Zeit, hernach. Nach dem Lachen kommt Trauern und nach der 8reude kommt Leid, Sprichw. r4, 1 Z. Nach langemGcschrepc ward cs endlich stille. Ich komme nach fünfen, nach fünf Uhr. Nach diesem, hernach. Zuweilen auch mit dem Nebenbecuiffe des in dem Dorhrr- gcgangeneu liegenden Bewegungsgr,indes. Nach dem,was ror- gesallen ist, kann ich nicht mehr zu ihm gehen, wir wollen sehen, wie er sich nach diesem Briefe ausführen wird , Gell. - Nach dir kann nichts hinfort mein Herz gewinnen, Rami. Nach vieler Mühe erhielten wir es doch. 11 . Als ein Umstandswort, i) In Absicht des Ortes; wo es doch nur zur Begleitung des hinten dienet. Hinten Nach treten, hinterher. Das schlimmste kommt hinten nach. Hinten nach wird er klug, figürlich, nach geschehener Sache. ^ 2) In Ab,rcht der Zeit; auch nur in einigen Fällen, vor wie nach, oder nach - wie vor, Rieders, na un vor, vorher -v wie nachher. Nach g-rade, allmählich. Nach und nach, allmahsich, durch merklich an einander hängende Veränderungen, im Gegensätze dessen, waS plötzlich oder aufEin Mahl geschiehet. Nach und nach abney- men. Etwas nach und nach bezahlen. Anm. Dieses Vorwort wird im Hoch - und Oberdeutschen, s» wie vor und für, jederzeit mit einem gedehnten a ausgesprochen. Die Niedrrsachsen hingegen sprechen es geschärft, als wenn es nacbch geschrieben wäre. Die Fälle, wo es hinter seinem Nc.m- worte stehen kann, wo BSdicker es irrig für em Nebenworl erkla- rel sind schon bey jeder Bedeutung angezeiget worden. In einigen Gegenden wird cs, wenn es hinten stehet, sehr misch-cklichmit der zwenten Endung verbunden. Ihres Gefallens nach. Mernes Bcdllnkrns nach. _ , -. Dieses Wort wird so wohl mit andern Partikeln, als auch nut Hauptwörtern und Zeitwörtern zusammen gesetzt. Zu der erster,, gehören nachher, hernach, demnach, darnach » Nachwahl- u s s In der Zusammensetzung mit Hauptwörtern hat cs gemer. niglich den Begriff der Zeitfolge; mit Zeitwörtern abcrdieBcdeu- timg der Ordnung und Folge dem Raume, nach, nnt allen figürlichen Bedeutungen. Es ist alsdann zugleich ein trennbares Vor- wort, welches in der Conjugaiion hinter das Zeitwort tritt; Z z ** n ähmet mir nach. Alle mit nach zusammen gefitzte Zeiiwör- , e^ oederu die dritte Endung der Person und haben den Ton ans i?em nach. Di halte Partikel lautet Hey dem Willeram vab, bey den Her,ngen Oberdeutschen nacher, mit dem Tone a::s dem a, im Rieders, na. Die verwandten Sprachen haben sie nicht, wohl aber has Bey - und Nebenwort nahe, mit welchem sie sehr genau verwandt ist. S. dasselbe. Die Nüchachtuny, p'-ur- iuufi ein besonders in den Kanzclleyen übliches und aus der R. A. sich nach etwas achten gebildet?» Wort, dicBeobachtung, Befolgung Jemanden etwas zur Nach- «chtting zu wissen-thun, damit er cs befolgen, vollziehen, demselben Gehorsam lensten möge. - Nachfiffen, verb. rsZ. Lee. ohne Besonnenheit, d. i. Reflexion, nachmachen, oder in unähnlichen Umständen ähnlich handeln. Der Affe asst immer nach, aber na ctg? ahm t hat er nie, Herder. Jugleichen änßereHandlniigeu ohne übereinstimmigeGemüuisfüs- snng nachn-acheu, im verächtlichen Verstände; affectirc». Ich affe niemanden nach , cs war mein eigener Lharaktcr. Daher die Nachäffung. S. das folgende. N-.tchah.'lien, verb. reZ. na-, ivelche^imweitesten Versta-.de,eine Person oder Dache zur« Muster fiiuer ähnlichen Handlungen nehmen, bedeutet, wo es denn das Niachaffeu , nachmachen und nachthun n.it unter sich begreift, aber der Würde nach edler ist, als alle diese dreu Zeitwörter. In engerer Bedeutung schließt es so wohl die Besonnenheit mit ein, als auch, wenn von sittlichen Handlungen die Rede ist, die Übereinstimmuntz des Gemüthes, Mid da ist nachahmen in ähnlichen Umständen ähnlich handeln. Der Litdhaner ahmet die Natur nach, wenn erZüze aus derselben entlehnet, und sie ans einen andern Körper übertrüget, welches besonders nachbilden genannt wird. Die ganze Ärmst der Mah- lerep besteht in der Nachahmung der Narrir. Oer Mensch kann nicht erfinden, sondern nur finden, nur nachahw.en, Herd, jemandes Beispiel nachahmcn. Lehren sie mich, ihre Tugend nachahmen. Eines Grimme, Gang, Schreibart, Gebcrden nachahmen. Jemanden in einer Sache nach- «hmen. So auch die Nachahmung, so wohl von der Hand- luug des Nachahmens, als auch vor; dem dadurch hervor gebrachten Dingt'. Anm. - . Die Sache, welche nachgeahmet wird, stehet alleMahl in der vierten Endung, welche Endung auch die Person bekommt, wenn sie als Dache betrachtet wird, sie mag nun allein stehen, oder die Sache mag vermittelst der zwcyten Endung, oder auch durch Hülfe eines Vorwortes ausgedrnckr werden. Ahme deinen Vater nach ; ahme deines varees Tugend nach ; ahme deinen Vater M der Tugend nach. Nur wenn die Sache in der vierten Endung ausgt druckt werden könnte, welches doch selten geschehet, kann die dritte Endung Statt finden; ahme deinem Vater die Tugend nach. Die Sache in der dritten Endung zu fitzen , wie von einigen geschieh?!; einer Gewohnheit nachahmen, Gottsched, ;st Mlstreiug eineben so großer Fehler, als wenn die Person außer dem schon gedachten Falle in die e ritte Endung gefitzt wird. Sieht mich die Mitternacht bep meinem Sehrohr wach. So ahm ich höchst vergnügt berühmten Männern nach, Haged. Sehr übelklingend ist > s, wenn ewige Dichter das nach in diesem Zeilworte, um des Sylbenmaßes und Reimes willen, als ein im- ibäuberliches Vorwort gebrauchen. Nachahmst du etwa unfern Bundsgenosscn 2 Schleg. Anm. 2 ^Dieses Zeitwort kommt so wiedas einfache ahmen Lep unfern ältesten Schriftstellern nicht vor. Kero gebraucht dafür i «LEtien, gleichfinen, in Boxhorns Glosfin LnLLiUsüu.Ott- fried, Willeram und Notker aber bürclen, pilicken, bilde:;, und spätere Oberdeutsche Schriftsteller andtcren, andern, welches Frisch von ander, 3ÜU8, herleitek, aber auch das'Jrttenstvum oc-n ahmen fiytr kann, so wie es das verwandte Latein, i mir-iri von dem veralteten t msri ist. Aus diesem Lateinischen Worte erhell t zugleich das hohe Alter nnfirs ahmen, zu dessen Geschlcchte auch das alre Schweb, am und jetzige jamn, gleich, ähnlich, eben, gehöret. S. Eben Anm. Der Nachahmer, des—s, plur. ut nom. llinx. Fämin. die Nachahmcrinn, eine Person, welche eine Person oder Sache nachahmet. L>as Verdienst des Bescheidenen erwirbt sich willige Nachahmer, Gell. Die Dichtkunst ist eine Nachahmerin;: der Natur. Nachahren, verb. re^. oeutr.mit dem Hülfsiverte haben, die Ähren von dem Acker lesen, nachdem selbige schon vorher von einem andern abgelesen o^pvoeggeschaffel worden; mit der driltenEndung der Person. Einem nachahren. Dem Geitzigen ist schwer nachahren. So auch die Nachahrrrng. S. Ähren. Die Nacharbeit, plur. die— en, eine Arbeit, welche in Ansehung der Zeit nach einer andern verrichtet wird. Im Bergbaus ist es die Arbeit, welche der Bergmann noch nach seiner ordentlichen Schicht verrichtet, und welche auch die ledige Schicht genannt wird. Bey den Färbern bestehen die Nacharbeiten in dem Absic- den, Wusspülen und Trocknen der gefärbten Zeuge, zum Unterschiede von dem Färben, als der Hauptarbeit, und der Appretur, als de^A'-isarbeitung. Nacharbeiten, verb. re^. ueutr. mit dem Hülfswsrte haben. i) Nach einem andern, d. i. hinter demselben arbeiten, so wohl in Absicht der Zeit, als auch der Ordnung ; mit der dritten Endung der Person. Einem Nacharbeiten. Figürlich ist jemanden Nacharbeiten, dessen Arbeit verbessern. 2 ) Bey den Jägern wrrd Nacharbeiten auch vou demHeithundc gebraucht, da es denn so viel als nachsuchen, nachhängen, bedeutet. Nach hat alsdann die Bedeutung der Richtung, gleichsam der Zährte nach. Die Nacherrnöe , S. Nachernte. Nacharten, verb. re^. neutr. welches das Hiilfstvort sepn erfordert, nach jemanden arten, d. i. ihm an Art, an natürlicher Beschaffenheit ähnlich seyn oder werden; mit der dritten Endung der Person. Der Sohn ist seinem Vater nicht nachgeartet. Im gemeinen Leben, besonders Niedersachsens, nachschlachtcn. Daher die Nachartung. Der Nachbar, des—s, plur. die—Fämin. die Nachbarin», eine Person, welche zunächst an uns wohnet, sich zunächst neben uns aufhält. Personen, welche neben uns sitzen, oder ihre Zini' iner neben dem uuscigcn haben, heißen in dieser Rücksicht un tre Nachbarn. Personen, deren Häuser an einander stoßen, oder nicht weit von einander entlegen sind, heißen Nachbarn. Mein Äirchcnnachbar , welcher in der Kirche neben mir sitzc. Auch Personen, den »Grundstücke an einander gränzen, werden in dieser Rücksicht Nachbarn genannt. Feldnachbarn, deren Felder an einander stoßen; in einige» Gegenden Zurchgcnossen, so fern ihre Grundstücke nur durch «ne gemeinschaftliche Furche von einander geschieden werden. In noch weiterer Bedeutung heißen in eini» gen Gegenden, z. B. im Meißnischen, alle Einwohner und in engerm Bestände, alle m;: Grundstücken ansässige Einwohner - eines Dorfes, Nachbarn , da denn dieses Wort auch wohl für Einwohner überhaupt gebraucht wird. In jedem Dorfe sind dazu zwey ansässige Nachbarn zu bestellen, d. i. Bauern oder Einwohner. Anm. Bey dem Stryker, in dem Schwabenspkegelund bey de» Schwäbischen Dichterrr Idl^Lb^eftUuer, bey dem OUft'ikd' Z6§ Nach Nach Z 56 Ottfried und Notker nur Oebur, und mluc für meine Nachbarn. Oes muos ick vil äicke trurea ^i sroeUcksn nttk Zeburen, der wilde Alexander. Im Niedres. Naber, Nauber, im Fämin.NaberskechmEngl. ^ ch^kdour, im Angels. ^leLtiZeburej im Schwed. Nabo, im J-länd. Kacbur. Es stammet von nahe, nach einer harren hauch.,»den Aussprache, und bauen her, so fern es ehedem auch wohnen bedeutete, und bedeutet eigentlich einen Nahewohner. Notker umschreibet dieftsWort auchdurch 6sr uns keleZen iK, daher geleZLnlick bey ihm so viel wie nachbarlich. Winsbeck nennt seinen Nachbar rrnu OmklölLiLLU. NacybarUch, aäj. et Läv. r) Nahe an den andern oder an das andere gränzcnd; eine ungewöhnliche Bedeutung. Las Gesicht ist der nachbarliche Ginn des Gehöres, Herd, das Gesicht ,st dem Gehöre benachbart. -) Fu der Nachbarschaft, als einem Abstracto, gegründet. Alle nachbarliche Beschwerden übernehmen, welche Nachbarn gegen einander zu tragen haben, und so ftrnNachbar auch cincnDorfseinwohner bedeutet, alle Beschwerden, zu welchen diese verbunden sind. In engerer Bedeutung lsi nachbarlich , einem friedlichen, getreuen Nachbar gemäß und harj-r gegründet. Nachbarliche Freundschaft halten. Das'.st nicht nachbarlich. , - Das Nachbarrecht, des—es, plur. die—e. . ^in Neu-t, welches,jemanden in Ansehung seines Nachbars und desteuEigen- thumes zuständig ist. Z. B. daß,wenn jemand sein Hans versau- ft-n will, der Nachbar das Näherrecht oder den Vorkauf hat. 2) Das Recht, in einem Dorfe zu wohnen, und in engerer Bedeutung sich in demselben ansässig zu machen, da es denn das ist, was in Städten das Bürgerrecht ist; ohne Plural. Von' Nachbar, ein Dorfseinwohner. Die Nachbarschaft, plur. die—en. iMsemAbstractum und ohne Plural, der Zustand, da man ein Nachbar von einem andern ist, mit den darin gegründeten Pflichten und Obliegenheiten. Sitte Nachbarschaft halten, nachbarlich- Freundschaft. 2 ) Die !-whe um uns wohnenden Personell, und die Gegend, in welche/ sie nahe um uns wohnen. Er wohnt in immer Nachbarschaft, Die ganze Nachbarschaft speicht davon. Niedres. Nabcrschup, bey demOttfricd RakulM. Der Nachbarwog , des - cs, plur. die—e, m Obermchst», ein nur allein für die Nachbarn, d. i. Einwohner eines Dorfes, bestimmter Weg; ein Feldweg. Naeftbellett, verb. reg. neMr. mit dem Hülfsworte haben, und der dritten Endung der Person. 1 l Hinter jemanden her oellen. So bellen die Hunde den Vorübergehenden nach. 2) Eben so bellen, wie ein anderer, ihn im Betten nachahmen. Einem Hunde nachbellen. DieNachbeschickitNy, pl',;r. die—en, im Hütteubaue, die wu-- dcehohlre Beschickung, welche nach der ersten mißrachenen vorgenommen wird. Nachbethen, vorb. reg. act. mit der vierten Endung der Sache, und der dritten der Person. Eigentlich dasjenige Ge« bcrb wicderhohlcn oder nachsxrechen, welches ei-r anderer vor- bcthct. Einem nachbetben, oder ihm ein Gebeth uachbe- then. Am hausizstcu' stgürlich, ohne Überzeugung, ohne Kenntniß dasjenige uachsirzett. was man von einem andern gn höret hat; im verächtlichere Verstände. So auch die Nach- bethnng. Das Nachbier, des—es, ftlur'. doch nur von mrhrern Arte», die — e, ein geringes schwaches Getränk, welches nach abge- scköpstem Biere aus neuem auf dieTreber'gegostonenW'tster bereist wird; im gemeinen Leben Afterbicr, Halbbier, Tväberbier, Gpeifebrer, dünnes Bier, Niederst Naubeer, :n. Ba;er..'^^)eps, Hainzli, im Österreich. Häusel. S. auchLofcnt. Das Nachbild, des-es,plur. die -er, ein von eimgen M da^Latein Lopie vorgeschlagcnrs Wort, im Gegensätze des Urbildes oder Originales ; welches sich doch nicht in allen den Fällen würde gebrauchen lasten, worin das Wort Sopie üblich ist. Der Mensch das Ebenbild und Nachbild Gottes, wie Gott' sein Vorbild. Nachbilden, verl). reZ. acl. et nsutr. welches -m letztern -alle das Hülfswort haben erfordert. Etwas nachbildcn, mit ocr vierten Endnng der Sache, die ineiuenl Ur - oder Verbilde lie-- gendenZügc alst eine andercSache übertragen; im genuinen Leben cspLiren, welches aber von einem weitern Umfänge derBedentung ist. .Etwas nachbilden. Wem wollt ihr Gott nachbilden? Es. 40,18,2z ; von wem wollt ihr dieZiige entlehnen, Gott abzu- bilden? Daher die Nachbildung. Naeftbinden, verb. irreZ. uot. (S. Binden) M'.t der dritten Endung der Person und der vierten der Sache, butter jemanden her binden, so wohl in Anschuusder Zeit, als auch der Ordnung. Einem nachbinden, was er gebunden hat, und nochäinmahl binden. Daher die Nachb-ndung. Nachbleiben, vorb-irreZ. uoutr. (S. Bleiben ) welches das Hülfswort seyn erfordert, zurück bleiben- Sie konnten nicht alle mitkommen, cs mußten einige nachblerbcn. J»gleicheu unterbleiben. Die Sache ist nachgedlrrben. Nachbohren, verb. uei. Lrnc.utr.im letzter» Falle Mit ttM Hülfsworte haben. Einem nachbohren, Himer 'bm her bohren, ingleicken, was er gcbohret har, nochmahls bohrem Nachbrausen, veib. rcZ uct. hinter jemanden her branftn. Zeder Wind würde mir von den väterlichen Rüüeu Verwünschungen nachbrausen, Lest. . NächbNchan, tterb.^rreZ. neutr. (S.Brechen.) l) Nkit dem Hülfswortesepn, hinter einer Person oder Sache her brechen. Als die Wand wcggenommen wurLee^-b^ack die Lecke nach. 2) Mit dem Hülfsworte haben, brechend rrachmbetten ; in welchem Verstände dieses Wert im Bergbau«: so viel ist, als auf einem Gange fortarbeinn, demselben gleichsam brechend nachtol- aen. Die Schweine brechen den Furchen au> dem .«ickernach, wenn sie in Aufbrechung oder Ansiverfung der Erde den Furche« N trennen, verd. «r/e-. neudr. (S. Brennen,) mit dem Hüiftworts sepn. Bey den Jägern brennet cm Gewehr nach, wenn der Schuß nach schou abgebranntem Z-indpuiver kos gehet. Nachbrinyen, verb. irreZ. scr. (S. Bringen,) mit der v-crtcn " Euduug der Sacke und der dritten der Person, tti'ma-'den etwas nachbringen, hinter ihm her bringen. Ich will es chnen schon „achbrmgen. Daher die Nachbringnng. .. . Die Nacttbr-.mft, p!ur. inu^. b.» den Jagern, d«e r>e-t eer Bruntr der geringer» Hrrfche nach der gewöhnlichen Btr.ttitzut Die Nachbruft, plur. die—brüste, bey den Fleischern, der Hintere Thcil dcr Brust eines geschlachictenRindes; znin Überschwer von der Vorbrust und dem Brustkrrne. , . . ^^-e,biivkte des—n p l irr, die—n, in einigen Gcgen- ^ deu^cin Nähme des RUckbiirgen oder Afterbürg-n, welcher erst i-i Ermangelung des Hauptbürgen als Srckstichuldyer ange- Na '' 5 däm ^ eine Partikel, welche auf doppelte Art gebraucht wird. -""i Allein Umstandswort, und zwar t) als ein Umstandswort der O nw hernach, in der vertraulichen Svrrcha, l. wn w len 7s nachdem schon sehen, Gell. Denn nachdem kamen wo von ihren Llientinnen in der Andacht zu rhr, rbeno. / ^ Z6y Nach - niirer'nmcrhl etwas fehlet, so sind mir nachdem auch die gesündesten Dinge schädlich, ebend. 2) Des Verhältnisses. Nachdem es kommt. Nachdem diese drcyStücke aufverschie- dene Art verbunden sind, bekommen sie auch verschiedene Nahmen, so wie, die Leidenschaften sind verzehrend oder wohlthatig, je nachdem man sie regieret. s. Als ein Bindewort, in Ansehung der Zeit, dieVestimmung auszndrucken, dass eine Sache nach einer andern gesch-chel, geschehen ist oder geschehen soll; da cs denn so wes,l in, Doed.rsatze, als Nachsätze stehen kann, alle Mahl aber den Jndicaliv bey sich hat. Ich will nuä gerne sterben, nachdem ich dein Angesicht Fischen habe, i Mos. 46, zo. Erfreue uns wieder, nachdem du uns so lange plagest, (geplaget hast,) Ps. 90, -5. Nachdem er dasgesaget hatte, verschied er. Nachdem er gestorben war, fanden sich viele Gläubiger ein. Am häufigsten wird cs von einer vergangenen Zeit gebraucht, da es denn, wenn es im Vordersätze stehet,dieStelledeskürzern und der vertrauIichcrnSpeech- art geläufiger« als vertritt. Von der gegenwärtigen Zeit find im hochdeutschen als und da, von der künftigen aber wenn üblicher. Man muss dieses Bindewort übrigens mir dem ganz verschiedenen demnach -licht verwechseln. Nachdenken, verb. irrex. neutr. (S. Denken,) welches das Hülfswort haben erfordert, sich die einzelnen Theile einerSache und ihre Folgen inGedanken verstellen, den Unterschied des Man- nigfaltigen vermittelst des Verstandes zu bemerken suchen. So wohl absolute, als auch mit der dritten Endung der Sache, einer Sache Nachdenken. Mardochans dachte dem Traume nach bis in die Nacht, Esth. 7, 9. Jngleichcn mit dem Vorworte über; über eine Sache Nachdenken. Sehr nachdcnkend sepn, Neigung, Ferckgkeit zum Nachdenken,besitzen. Ein nachdenken- der Mann. Statt des ungewöhnlichen Hauptwortes auf—ung ist der Infinitiv das Nachdenken üblich. Ohne Nachdenken handeln, ohne einer Sache und ihren Folgen nachzne enkrn. Rein Nachdenken haben, unbesonnen handeln. Nach hat in dieser ganzen Zusammensetzung bseBedcutniig der Folge, so wohl der Richtung, als auch der Zeit nach. Das Ein Mahl in der Deutschen Bibel befindliche nach gedenken,Ps 7 Z, '6, istimHochdeut- schezl ungewöhnlich. Im Niedersächsischen find die Hauptwörter Nadanken und Afterdankcn, Schwed, ^fterlavke; für das Nachdenken üblich. Nachden.ktch, er, —ste, ed sclv. 1) Ferrigkeitzum Nachdenken besitzend. Ein nachdenklicher Mann, ein nachdenkender. Sehr nachdenklich sepn. 2) Des Nachdenkens werth, in der weitesten Bedeutung, so wie bedenklich nur im engern Verstände gebraucht wird. Eine nachdenkliche Sache. Nachdenkliche Reden führen. Nachdonnern, VLrd.reZ. uct. welches nur figürlich srbraucht wird. Jemanden Llnche nachdonnern, mit donnernder Stimme hinter ihm her rufen. Ncrryörefchen, verd. re^. mcl.mit der viertrnEndungdrrS-ache und t-cr dritten der Person. Den Dreschern das Stroh nachdreschen, oas von ihnen gedroschene Stroh nochmahls dreschen, «m zu sehen, ob ste auch rein ausgedrofchen haben. NchshOrntFen, verlr. irre^. neutr. (S.Dr ingen,) welches das Hülfswort sepn, und die dritte Endung der Person erfordert. Jemanden nacpdringen, hinter ihm her dringen, ihm dringend Nachfolgen. Daher die Nachdringnng. Nachövucb, des es, vlur. die—drücke. 1. Von dem Zettworre Nachdrücken, so fernes im Oberdeutschen gleichfalls Nachdrucken karrtet, i) Die Handlung des Nachdrückens; ohne Plural, (a) rri-zcntlich die Hairdluirgdes iviedrrhohlkei'Druckes Seist der Nachdruck bep dem Pressen des Manes die zweple Nach Z^z stärkere Pressung nach der vorher gegangenen gen,,gern. Bey den Jägern wird das Widerkanen desRc thwildbreres der Nachdruck genannt. (S. Nachdrücken) (d) Im figürlichen V-rstaude, eine angewairdte grosse Kraft zrr 5 ^ zeichnen, und zwar sowohl eine physische Kraft. Etwas mit vielem Nachdrucke angreifcn. Mit außerordentlichem Nachdrucke reden, so wohl rmt vieler Kraft in der Stimme, als auch um heftiger L wegung des Gemnthrs. Als auch im moralischen Verstände. Einer Sache den Nach-- druck geben, ihren Fortgang beschleunigen. Geld gibt allen Sachen den besten Nachdruck. Ohne Nachdruck handeln. Die Ermahnungen haben keinen Nachdruck, wenn sie ihre Kraft nichtauf den Millen des andern äußern. Der Nachdruck eines'Wortes, dcssi-n Eigenschaft, da es außer der Hanplcdee noch fruchtbare Nebenidecn erw-'cket. Einige wagen es hierauch imPlnral, besonders wenn sie von den Nachdrucken eines Mortes reden; allein es bieior doch allemahl ungewöhnlich und streitet wider die Analogie der Abstracten dieser Art. 2) Was durch den Nachdruck oder ziveytenDruck erhalten wird; wo derPlural nur von mehrern Arten üblich ist. So ist im Weinbaue der Nachdruck derjenige Most, welcher durch die zwi yte stärkere Pressung erhalten wird, im Gegensätze dessen, welcher entweder von selbst aus den Trauben rinnt, oder nur durch eine schwache Pressung erhalten wird, und welcher der Vorlauf,Vorschuß, Vordruck heißt. Er wird auch der Nachschuß oder Nachlanfgenannl. 2. Von dem Zeitworte nachdruckeil, ist der Nachdruck so wohl die Handlung, da eine Schrift von neuen gedruckt wird, wo es doch im engern Verstände am üblichsten ist, von einem solchen wider Willen des rechtmässigen Verlegers unternommenen Drucke, als auch von einer ans solche Art nachgedruckten Schrift selbst. Nachdrücken, verb. re§. rieulr. mit dem Hülfsworte haben, zum zwcyrcn Mahle orückcn, ingleichen einem schon xistirendeir Drucke durch einen nochmahligen Druck mehrere Kraft geben; in welchem Verstände cs zuweilen im gemeinen Leben oorkommt. Auch figürlich sagt man in den gemeinen Sprecha-me», nicht Nachdrücken können, eine Sache nicht mit der gehörigen Kraft, besonders ans Mangel am Gcldc, betreiben können, wofür in der anständiger» Sprechart den Nachdruck geben üblicher ist, so wie man für nachdrückend lieber nachdrücklich sagt. So anch'die Nachdrückung. Nachdrucken, verb. reZ. welches das vorige Zeitwort nach der breitren Oberdeutschen Mundart ist. Es kommt ans doppelte Art vor. Als eilt Neutrum, t) Mit dem Hülfsworte haben, wo es doch nur bey den Jägern einiger Gegenden für wieder.lazwit üblich ist. 2) *Mit dem Hülfsworte scpn, gleichfalls irr den gemeinen Oberdeutschen Mundarten s ür nachrücken. So will ich mit dem andern Fcug Nachdrucken, Thenerd. Kap. 9 r. Das ersach sein Geselschaft werd Trückten ihm nach mit aller Macht, ebend. Kap. 8 ^. 2. Als einAcnvnm,nochmahls drucken,nach einem vorher gegängelten Drucke von neuen drucken, von Büchern und Schriften; wo doch ill der weitesten Bedeutung abdrucken und aristegcn üblicher sind. Am häufigsten bedeutet es , in engerm Verstände, ein Buch zum Nächthcste und wider Willen des rechtmässigcuVcr- legers von neuen drucken. Ein Buch Nachdrucken. Einem Verleger ein Buch Nachdrucken. S. Nachdruck, welches für das ungewöhnliche NachdruckuNL üblich ist. Der Nachdrucker, des—s, plur. ,m vom. linZ. Finnin. die Nachdruckeriiin, nur in der letzt-n engern Bedeutung, eine Person, welche einem rechtmässigem Verleger zum Nachtheile ein Buch nachdruckt oder Nachdrucken lässt. Nach-kück- Nach Nachdrücklich, —>er,—sie, ackj. et Ätsv. Nachdruck haben?', ju dem ganzen.ersten Falle der ersten Bedeutung dieses Hauptwor- ^ tes. Line Sache auf das nachdrücklichste betreiben, mit vielerangewandten Kraft, sie sey nun von welcher Art sw wolle. Jemanden nachdrücklich bitten, ermahnen, mit den kräftigsten Bewegnngsgründen. Er wird nachdrücklich gestraft werden, so daß er es lebhaft empfinden wird. Ich habe ihm die Wahrheit vielleicht zu nachdrücklich gesagt, mit z,t vieler Heftigkeit oder Bitterkeit, wo cs oft ein glimpflicher Ausdruck für oerb und grob ist. Nachdrückliche Worte. Im Oberdeutschen auch nachdrucksam. Nachönnkeln, verd. reZ. yeutr. mit dem Hülfsrvorte haben, welches nur bey den Mahlern üblich ist, wo eine Farbe nachdun: kclt, wenn sie mit der Zeit dunkel wird und in das Schwarze fällt. Die Umbra, die (kölnische Erde und Aurum pi'gmentum dunkeln nach, und verderben die Farben, mitwelchen sie vermischt sind. Der Nachdurst, des — cs, plur. inul. im gemeinen Leben, der Durst, welcher sich gemeiniglich des andern Morgens einfindeft wenn man sich den Tag zuvor mitGeträuk überladen hat; Niederst. Nadost. Der Nachelfer, des — s, plur. inusi. das emsige Bestreben, cs einem andern in einer Sache gleich zu thun, ihm in etwas gleich zu werden. Die Hoffnung der Belohnung erweckte unser ihnen einen edlen Nacheifer. Nacherfern, verd. reg. nsutr. mit dem Hiilssworte haben und der dritten Endung der Person odcr Sache, sich emsig bestreben, einem andern in einem Dinge ähnlich oder gleich zu kommen. Die Meisterhand, welche den classtschen Vollkommenheiten der Alte,n iiachzucrfcrn weiß. Daher die Nacheiferung, der Nach» eiftr, und der Nacheifcrer, welcher jemanden nacheifert. Die Nacheile, plur. inufl. die Handlung,da man jemanden nach- eilet. In engerer Bedeutung ist es in einigen Gegenden die Verfolgung eines flüchtigen Mijfethäters. Die Unrerthancn zur Nacheile anfbietheift Jngleichen das Re^ht, flüchtige Miffethä- ter zu verfolgen. Die Nacheile haben» Nacheilen, vorft. reZ. ueutr. mit demHnlfsworte scyn, und der dritten Endung des Hauptwortes, hinter einer Person oder Sache her eilen.. Da die Egypteu-ihnen mft ihrem ganzen Heers nachellcten, Judith 5, 11. Der Nachen, des — s , plur. uk v om. lin§. ein zunächst ans der Oberdeutschen Mundart entlehntes Wort, welches einen Rahn bedeutet. In den Nachen steigen, in den Kahn. - Anm. Im nüttleM Lat. kston,. 1!stoLuIu3, Es gehöret zu denjenigen Wörtern, welche einen hohlen Ramm überhaupt bedeuten, dergleichen Nabe, Napf, Nsvis, Nuß U. s. f. sind, von welchen cs nur im Endlante verschieden ist. Im einigen Oberdeutschen Gegenden ist daher Nochc noch eine hölzerne Rinne, ein Canal. Der Nacherbe, des — n, chlur. die — n, Fämin. die Nach- crhinn, ein nachgesctzter Erbe, eine Person, welche in Ermangelung, oder nach dem Abgänge des Haupterben zum Erben eingesetzt worden ; im Oberd. ein Aftererbe. Nacherflnben, verb. re^. act. mit der dritten Endung derPcr- son uni) der vierten der Sache. Jemanden nacherftndcn, dasjenige erfinden , oder zu erfinden suchen, was ein anderer schon erfunden hat, oder zu erfindeil bemühet gewesen ist. — n, die Ernte nach der Haupternte, >m Gegensätze der Vorernts. Nachernten, verb. re§. neutr. mit haben und der dritten Endung. Einem Nachernten, einernten, was ein vorbe'' gegau- qem-r bevm Ernten übrig gelassen hat. Daher die Na^MMlNH. Adeftw. B- Z.TH. 2.^ Nück) NachefftM, verb. irreg. Lek. (S. Essensöi.nier her, Hinten na H esseir. wer das Brot zu essen vergessen, der muß s.ckcheo nachessen. Das Nachessen, des — s, plur.. u! no-n. ein Essen, d. i. Gericht, welches nach einem Hauptgerichte, besonders nach dem Fleische, aber noch vor dem Braten aufgetragen wird. Im Nie-- dersächsischen ist Nakost eiru: Speise, welche nach der Suppe gegessen wird. Nachfahren, vsrd.irre^.nsukr. (S.Fahren,) welchesdasHülfs- " wort sepn erfordert, i.ssSo fern fahren ehedem von einer jeden Bewegung oder Veränderung des Ortes gebraucht wurde, bedeutete Nachfahren ehedem so viel als folgen, oder Nachfolgen überhaupt. Er wird nichts in seinem Sterben Mitnehmern und seine Herrlichkeit wird ihm nicht Nachfahren, Ps. 49, >8. So fahren sie ihren Vätern nach, V. 20. Besonders bedeutete einem Nachfahren sehr häufig, jemanden in einem Amte, in einer Wurde folgen, in welchem Verstände es »och im Oberdeutschen üblich ist, wo derNachsahrer decNachfolger in einem Amte, in eincrWnrde, fa in einer jeden Eigenschaft ist. Im Bergbaue fahret man derr Bergleuten nach, wenn man hinter ihnen her einfähret, munach- znsehen, ob sie ihre Schuldigkeit lhnn,(S.Fahrkn.) Jetzt gebraucht man es i'm Hochdeurschcn, .2. nur noch iir engerer Bedeutung, thcils '1) von einer schnellen Bewegung , so fern solche auf eine andere folgt. Ben deirJägern fahren die Hunde nach, wenn sie ein Stück Wild schnell verfolgen. .Mit der Hand uachfahrcn. schnell die Hand auf eine vorder gegangene Bewegung folgen lassen. Thcils wich., 2) vermittelst eines Fuhrwerkes Nachfolgen. Der Nachfahrer, des — s, plur. ui, norm. stnF- c) *Cin Uach-- folger-, ein nlir im Oberdeutschen übliches Wort, wo cs auch verkürzt , der'Nachfahr lautet, (S. das vorige.) 2) Im Bergbaus sind sie Nachfahrer oder Einfahrer gewisse Dergbeamten, welcha dieGruben besah und Nachsehen, ob die Geschworneil ihrer Pflicht eilte Genüge leisten. *Die Nachfahrt, plur. die—en, ei:r auch nur- im Oberdeutschen in dell Bedcrrtuilgen des Zeitwortes nachfabren übliches Wort, besonders dieNachfolge in einem Amtcoder in einer Eige»schaft zr» bezeichnen. In einigen Gegenden ist es auch die Verbindlichkeit, seinen Wein in einer dazu berechtigten Kelter keltern) sein Getreide in einer Zivangmüble mahlen zu lassen, u. s. s. gleichsam die Verbindlichkeit, der Kelter, der Muhle uachzufahreli, zu ihr Zu fahren.. Die Nachfayrte, plur. die—n, bey den Jägern, die Fährte des hintern Fußes; die Hinterfahrte. Bey andernist dieNach- fabrre, Hinterfährte, Rückfährte oder Wiederfahrte, diejenige Fährte, welche ein Thier oder Hirsch im Rücken hat, wo es hinaus gegangen ist. Nachfallen, verd, irroZ. neukr. (S. Fallen,) welches das Hülfs- wort sepn erfordert, hurter einem Dinge herfallen, demselben im Falle folgen.. Nachfärden, verb. reA. welches m doppelter Gestalt üblich ist. L) Als ein Nentrrrm, nutzem Httlfswortc haben, bey den Mahlern, seine Farbe durch andeke durchscheinen lassen, sie andern damit gebrochenen Farben mittheilcn. Die Umbra und alles Schwarz färbet nach. (S. Nachdunkeln,) welches seine schwarze Farbe mittheilcn bedeutet. 2) Als ein Ackivum, rrochmahls färben, besonders was ein anderer bereits gefärbt hack Nachstiegen, verd. irreZ. neukr. (S. Fliegen,) welches das Hülfswörtscyn erfordert, hinter .mem Dinge her fliegen, dem- , selben fliegend folgen. Die Nachfolge, plur.LLr. der Zustand, da man eincrPerfonvder Sache nachfolget; doch nur in einigen figürliche» Bedeutungen. 1) DieNachfolge Christi, in der Theologie, die Gdsinnung, A g ' ' , dir ' Z7I* Nach die Fettigkeit , Christi Verhalten And Lehre zum Grunde fernes eigenen Verhallens zu nehmen. 2) Die Nachfolge in einem Amte, in eurer Würde, in dem Besitze der Guter - die Erlangung derselben von einein Erblasser oder Vorführer Kraft der Ge- * butt, der Gesetze oder gewisser Verträge, wo es zuweilen auch von dem Rechte, einem Erblasser oder Vorgänger in seinen Gütern und Gerechtsamen zu folgen, gebraucht wird; die Erbfolge, wenn man dem Erblasser in dem Besitze seiner Güter und Gerecht-" samen folget. Nachfolgen, verb.reZ. veutr. welches das Hülfswortseyn nebst der dritten Endung des Nennwertes erfordert, nach einem andern gehen, seyn oder geschehen, i. Eigentlich, i) Dem Raume nach, sich hinter einem Dinge her bewegen. Jemanden aufdem Zuße Nachfolgen, ihm von weiten Nachfolgen. Seine Blicke folgten ihm mit Thränen nach, sahen ihm nach. 2) Der.Zeit nach. Der nachfolgende Wille Gottes, in der Theologie, der wirkliche Rathfchluß von der Menschen Seligkeit, welcher sich auf das vorher gesehene Verhalten derselben gründet; im Gegensätze des verher gehenden Millens. Die Strafe wird nicht aus- bleiben, sie wird gewiß Nachfolgen. Jemanden in einem Amte Nachfolgen, dessen Amt überkommen ; ihm in dem Besitze seiner Güter Nachfolgen, dessen Guter bekommen. In beyden Bedeutungen ist auch nur das einfache folgen üblich, weil cs die Bedeutung des Vorwortes nach schon in sich begreift. Nuc um des Nachdruckes, um der Runde der Rede, und zuweilen auch uni der Zweydeutigkeit willen,wenn folgen auch für gehorchen verstanden werden könnte,"wird das zusammen gesetzte dem einfachen vorgezö- gen. 2. Figürlich. 1) Nachcchmeu, einem andern Dinge ähnlich zu werden suchen. Folger ihrem Glauben nach, Ebr. - Z, 7. Folge ihm darin nicht nach. 2) Jemandes Verhalten, Willen oder Lehre zum Grunde seiues eigenen Verhaltens nehmen; nur in der biblischen Schreibart. Will mir jMand Nachfolgen u.stf. Matth. »6,2z. Und folgten andern Göttern nach, Nicht. 2,12. 2) Zn überkommen beckühet feyn ; gleichfalls nur in der biblischen Schreibart. Folgest du der Gerechtigkeit nach, so wirst du sie kriegen, Sir. 27,9. viele werden Nachfolgen ihrem verderben, (werden ihrem Verderben Nacheilen,) 2 Pet. 2, 2. So auch die Nachfolgung, wofür doch in zwey Bedeutungen die Nachfolge üblicher ist. In den beyden ersten figürlichen Bedeutungen wird auch das einfache folgen gebraucht. Nachfolgen bekommt, so wie das einfache folgen, in den gemeinenMundarten, selbst Dberdeutschlandes, häufig das Hülfswort haben, mit welchem es auch so oft in der Deutschen Bibel angttroffen wird. Allein im Hochdeutschen ist seyn üblicher. Der Nachfolger, des—s, plur. ur nom. ünZ. Fämin. die Nachfolgerinn, eine Person, welche einer andren nachfolget; doch vornehmlich nur in zwcyFällen. i) EinePerson, welche einer andern in einer Würde, in einem Amte, in einer Gerechtsame oder einer andern Eigenschaft folget, im Gegensätze des Vorgängers ; im Oberdeutschen der Nacyfahrer. Sein Nachfolger in der Regierung, in der königlichen Wurde, im Amte, m dem Besitze eines Gutes u. s. f. Bey einigen auf eine sehr ungewöhnliche Art der Folger. Sein Folger, Antonin der Weise, wird bald müde, Cron. s) EinePerson, welche jemandes Lehre zumGrnnde ihrer Lehre und ihrer Überzeugung macht; eine noch ziemlich ungebräuchliche Bedeutung; im verächtlichen Verstände der Anhänger. Nachfolger der Scholastiker. Am häufigsten ist es im biblischen Verstände, eine Person, welche jcmandesLehre und Verhalten zum Grunde ihres eigenen Verhaltens gebraucht. Seyd meine Nachfolger, r Cot. 4, - 6. Ein Nachfolge r Christi. Nach Z72 Nachfovschen, verb. re^. rreutr. mildem Külfswotte haben, nach etwas forschen, d. ^-sorgfältig fragen. Am häufigsten absolute. Sorgfältig nachforschen.Juglerchett figürlich, den höchsten Grad ors Nachdenkens zu bezeichnen, die Art und Weise einer Sache auf das angelegentlichste zu erkennen suchen ; mit der drit-. . ken Endung der Sache. Forsche ihr nach (der Weisheit) und suche sie, Sir. 6,28. Die Binder Zagar forschen der irdischen Weisheit nach, Bar. Z, 6. So auch die Nachforschung. Eine sorgfältige Nachforschung anstelle»/ in der ersten eigeiltl.chen Bedeutung. Die Nachfrage, p!ur. die— n, die Handlung, da man nach einem Dinge fragt. - Es ist viele Nachfrage nach der Maare, man fragt häufig, ob und wo sie zu bekomme» ist. Jchhabees nur zur Nachfrage, wenn etwa jemand darnach fragen, es zu wissen oder zu haben verlangen möchte. Eine Nachfrage halten oder anstellen, eine Sache durch sorgfältiges Fragen zu erfahren suchen. Nachfragen, verb.reF.neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, aber nur absolute gebraucht wird, nach etwas fragen, es durch meh'rmahliges Fragen zrr erfahren suchen. Da stk snehienundnachfragten, Nicht. 6, 29. S.FragenAnm. *Dre Nachfrist, plur. die — en, im Oberdeutschen einiger Gegenden, eine rückständige, aussiehende, verfallene Zahlung; ein Rest. Die Schulden und Nachfristen eintreiben. *Der Nachf'röhner, des—s, plur. ut nom. stvA. Fämin. ^ die Nachsröhnerinn, auch nurtm Oberdeutschen, em Frohner, ! d. i. zur Execution berechtigter Gläubiger, welcher einem andern nachsteheL; im Gegensätze des vorfröhners. S. Frohnen. Nachftth'l-'ett) verd. reZ. LLt. welches die vierte Endung der Sache und die dritte der Person erfordert. Jemanden etwas nachführen, es hinter ihm her fuhren. Nachsüllen, verb.rsZ.nct. von neuem füllen, das Füllen wieöec- hohlcn, mit der vierten Endung der Sache. Den Mein oder ein Weinfaß nachfüllen, wenn cs durch die Ausdünstung abgenom- men hat, wieder füllen. Nachgebaren, vürb.irre». Zct. (S. Gebaren,) nach dem Tode des Vtters gebären; wo doch nur das Mittelwort nachgebo- ren üblich ist, das Lat. Postumus anszudrucken. Ein nachger borncs Bind, im Oberdeutschen eine Nachwaise. Nachbeben, verb. irrs^-. (S. Geben,) welches in doppelter Gestalt üblich ist. 1. Als ein Activum, nachdem man schon gegeben hat, von neuem geben. Ungeachtet der Raufer das Gut schon bezahlet hatte, mußte er noch hundert Thaler nachgeben. Das Buch wird auf Vorschuß gedruckt, so daß nichts nach« gegeben wird. S. Nachschießen. 2. Als ein Neutrum, mit dem Hirlfsworte haben. 1) Die Spannung vermindern, Nachlassen; wo es als rin Activum ge« Kraucht werden könnte, aber doch nur absolute, und als ein Neutrum üblich ist. Man gibt nach, wenn man einen Faden, ein Band, ein Seil, welches man hält, nachlässet, ihm mehr Länge verstattet. Jnglrichen, wenn man eine Schraube lockrer schraubet, und in andern ähnlichen Fällen mehr. Niederst firen, (S. Feyern.) 2) Aufhören., Widerstand zu leisten, .(a) Eigentlich von körper- lichenDingen. Der B^den gibt nach, wenn»erauswncht. Ein Stein in der Wand, auf welchen man tritt, gibt nach, wenn er weicht, (b) Figürlich. Aufhörenzu widersprechen, oder zu widerstehen. So gibt man 1.ach, wenn man den Widerspruch oder den Widerstand unterlasset; wo es auch mit der dritten Endung der Person gebraucht wird, einem nachgeben. Schi nach- gebend seyn, Fertigkeit besitzen, allen.Widerspruch oder Widerstand zu mäßigen oder zu unterlassen ;nachgiebig, Niederst na- gevern. In welcher Bedeutung es auch die Comparation leidet, Z 7 Z R ä ch Nach 374 nachgebender, nachgeöenbste. In weiterer Bedeutung ist es oft überhaupt so viel, »ils aufhören mit der bisherigenKrcntzn wirten; Nachlassen. So geben bey den Jägern die Zünde nach, wenn sie an'hören zu suchen, st) Einem nichts nachgebcn, ihm nicht uachsiehen, nicht geringer seyn, so wohl in gutem, als nach-heil-- «em Verstände. In der Licke, im Reichchum, in der Tugend, in der Betriegerey gibt er dir nichts nach, er ist dir darin völlig gleich. 7) * Zugeben, einräumen; doch nur im Oberdeutschen. Ich Hab, ich geb cs nach, des Zerren Bund verhöhnt, Gryph. So auch die Nachgebung, wofür doch das Nachgebcn üblicher ist. Nieders. nagcvcn. Nachgeboren, S. Nachgcbarcn. . . . Die Nach gebürt, plur. die— en, ein runder schwammiger breiter und dicker Körper, welcher ans Häuten, Blutgefäßen und einem zölligen Gewebe bestehet, sich mit der Frucht in der Mutter der menschlichen und thierischen Körper b.ildet, und vermittelst der Nabelschnur mit derselben verbunden ist; ^cun-i-vae. Er tritt nach der Geburt des Kindes aus der Mutter, daher er auch den Nahmen hat, wird aber auch die Afterbürde, inSchwabenBurtk, wegen seiner Ähnlichkeit mir einem Kuchen der Mutterkuchen, und wegen seiner schwammigen Constsie-.z die Mntterlebcr, im Niederst Zamel, Holland, blamms, genannt. Nachgehen, verb.ir--eA.neMr. (S. Gehen,) welches das Hulfs- wort sepn und die dritte Endung des Nennwortes erfordert, hinter einem Dinge her geben, demselben folgen, i. Dem Orte nach. i) Eigentlich. Die Zmstcn der Philister gingen ihnen nach, (den Kühen mit der Lade des Blindes ) i ^am. 6 ,12. Und der Lonig grng dem Garge nach, 2 Sam. 3 , Z'. 2) Figürlich, der Wurde, dem Range nach, einem andern Dinge den Vorzug, den Rang lassen. Er muß mir nachgehen. Die allgemeinen Pflichten müssen den bcsondcrn nachgchen. (S. auch Nachstehen.) 2. Der Richtung nach, eben den Weg gehen, welchen ein ' anderer gegangen ist, sich in seinem Gange von der Richtung eines ündcrnDingcs bestimmen lassen- r) Eigentlich. Der Spur uach- gehen. Wer will die Geheimnisse der ewigen Vorfehring erforschen, und den Zußstgpfen des Verhängnisses nachgchen? Jemanden auf allen Schritten und Tritten nachgehen. Ich rvill ihm nachgehen ^ er möchte sonst gar zu große Zändel an- richten, Gell. 2) Figürlich, (a) Einer Person nachnehen, sich um ihre Liebe bewerben. Laß du nicht bist den Jünglingen nachgegangcn, Ruch 3, -». Zm Harrern Verstände nachlanfcn. (b) Sich der Neigung zu einem Dinge überlassen ; doch nur in einige,- Fällen. Seinen Geschäften, seinen Verrichtungen, fernem Gewerbe nachgchen, ihnen obliegen, sie abwarten. Wenn man fremdem Gute nachgehet, so muß man zuvor dm ferne sichern. Auch im liachrheiligcn Verstände. Wer unnoth-gen Sachennachgchet, der ist ern Narr, Sprichw.- 1,.^ Dem Müßiggänge , dem Trünke u. s. s. nachgchen. (S. auch Nachhängen. (c) Einem Befehle nachgehen, -hm gehorchen, lern Verhalten darnach bestimmen; doch nur in den Kanzelleye-r. Anm. Niederst nagaan, wo auch nagaanern eigennützig, und Nagaancrnhed Eigennützigkeit ist. In der R. A. wenn es mir nach ginge, d. i. wenn es nach meinem Willen ginge, ist es nicht das zusammen gesetzte Zeitwort, sondern das Vorwort nur ft nein Dativ ; eigentlich, wenn es nach mir ginge. S. Nach !. 2. ^ Nachgehends, einllmstandswort, welches nur in der vertraulichen Spri-chart für hernach, üblich >st; obgleich nachgehen von der Zeit nicht gebraucht wird. Niederst nagaans. Ich werde nach- geheuds selbst kommen, hernach. Dor Nachgeschmack, des—es, f)!ur. doch nur von Mehrern Arten, die — e, der Geschmack, welcheu eiue Sache nach ihrem ordentlichen Gcschmacke im Munde zurück lasset, und welcher von dom Nebengeschmäcke noch verschieden ist. Nieders. Nasmack. S. Nachschmccken. Nachgiebig, — er , —ste, ach. et aclv. welches auch für nach- geden'd üblich ist, (S. Nachgcben.) Daher die Nachgiebigkeit. Nachgießen, verb. irreZ. act. (S. Gießen,) noch etwas hinzu .gieren, hinter drein gießen. Noch Wasser nachgießen. Sofern gießen auch durch Schmelzen bilden bedeutet, ist nachgießen auf solche Art nachbilden, nachahmen. So auch die Nachgießung. In der letzten Bedeutung wird auch das Hauptwort Nachguß gebraucht, so wohl die Handlung des Nachbildcns durch Gießen, als auch einen nachgegossenen Körper zu bezeichnen, Nachgraben, verb. IrreZ. veutr. (S. Graben,) welches das Hülfsrvort haben erfordert, der Richtung eines Dinges im Gra- ' ben folgen. Der Spur nachgra-ben. Jngleichen durch Graben suchen, doch nur absolute. Wir wollen nachgrabcn. Daher die Nachgrabung. Das Nachgras, des—es, plur.-null inderLandwirthschast, Gras, welches zum andern Mahle gehauen, und aus welchem das Grummet gemacht wird; Nieders. Nagras. Nachgrübeln, verb. reZ. neutr. mit dem Hnlfsworte haben« Einer Sache nachgrübeln, sie zu ergrübeln, durch Grübeln zu erforschen suchen. Daher das Nachgrübeln. Das Nachgrummet, des—s, plur.inul. in der Landwirthschaft, Gras, welches zum dritten Mahle gehauen und zu Heu gemacht 'wird; Sparheu, Zerbstheu, in Österreich und Schwaben Aberomt. Nachgucken, vsrd. reZ. veutr. mit dem Hnlfsworte haben, welches nur in der vertraulichen Sprechart für Nachsehen üblich ist. Einerperson nachgncken, ihr Nachsehen,hinter ihr her gucken. Der Nächgüfi, des —sses, xlur.die—güsse, S. Nachgießen. Der Nachhall, des—es, plur. die —e, das Echo, in der Hähern und anständiger-- Schreibart. Nachhallen, verb. ISA neutr. mitdemHülfsworte haben, hinter her Hallen, d.-, schallen, wie das Echo; in dcrhöhernSchreib- art. Im gemeinen Leben nachschallcn. Die Nachhand, plur. inubin einigen Gegenden, der Hj-lterthe-l cineo Pferdes, vog'. der Gruppe an, das Zintergestell; im Gc- tzensatze der Vorhand, oder des vordcrgestelles. Nachhan^eu, verb. irrez. aeutr. (S. Zangen) welches das " Hülfswort sepn erfordert. Es ist, i) im eigentlichen Verstände nur bey den Jägern üblich, wo es einem Hirsche mit dem am Zängeseile gesührlm Leikbunde nachsuchen, denselben auf dieseArt anfsuMen, bedeutet. M-t, dem Leithund ein Züschen nach- znhenngen, Theuerd.Kap. 40. Man gebrauchtes auch von dem Leithnnde selbst,, welcher einer Zährte, oder ans einer 8 ährk'e nachhanget, wenn er eifrig auf derselben fortsuchl. Ohne Zwei, ftl wird in dieser Bedeutung zunächst auf das Zängcseil gesehen, ün welchem der Le-rhnnd gcsühret wird. 2) Figürlich. Einer Sache nachhängen, sich ihren Wirkungen, oder auch sich der Nrigung zu ihr ans eine anhaltende Art und in einem merklichen Grade überlasse.-; Ivo es mehr Anhalten, einen Hähern Grad, und zugleich auch mehr leidentliche Beschaffenheit bezeichnet, als nachgchen. Man gebraucht es so wohl von allerley Leidenschaften und Grmulhsbewegungcn. Ich will meiner Leidenschaft nicht nachhängen. Dem Grame nachhängen. Als auch von ander» Neigungen, Vorstellungen n. s. f. Unter der Naske der Gleichgültigkeit kannst du deinen Begierden sicher nachhängen. Wir hingen unsrer Lieblingsthorhcit nach. Eines, Gedanken nachhängen. Und hängt voll lüsterner Begier Bloß seinen Zrmden nach, Weiße. A a » Ann,. - §75 Nach Anni. Schon Notker gebraucht das einfache k cm gen in diesem V.ersiande; uuemÜL er iiLoZtLfiner zeluüe. Es stammet von ' hangen ab, so fern es rüder weitesten und eigentlichsten Bedeutung ehedem eine jede doch stärkere Bewegung als gehen ausdrnck- te, Daher wurde hangen und nachhangen im Oberdeutschen auch häufig für gehen,, »achgehen, folgen gebraucht. Einem Geschrey rra chhangen, demselben nachgehen, in den Deutschen Sprichw. bey dem Frisch. Dem abziehenden hernach hangen, dcn ad- ziehendcn Feind verfolgen, ebend. Und ben dem Picloriu-S ist der Nachhänger ein Nachfolger, Lonsecl.Ll.or. DaalleBeneir: mungen des Gemaches und seiner Wirkungen Figuren der Bewegung find, so erhellet auch daraus die Verwandtschaft mir Haug, Neigung, und dem alten Hug, das Gemiuh. Eigentlich sollte dieses Wort als ein Neutrum nachhangen lauten, wie es auch im Oberdeutschen »blich ist; allein im Hochdeutschen werde» hangen und hängen fast beständig mit einander verwechselt. S. dieselben. Die Nachharke, S. Nachrechen. Nachhauen, verb. irre», nculr. (S. fairen,) welches das Hülfswort haben erfordert, und mir absolute gebranchrwird. Die Rcitere- zum Nachhanen commandiren, :m Kriege, den flüchtigen Frind mit dem Säbel in der Fällst Zu verfolgen, ihn auf der Flucht mederZuhauen. Die Truppen haben den ganzen Tag nachgehauen , oder mir Naehhaiien zugebrachk. In welchem Verstände auch zuweilen das Hanptwvrt der Nachhieb gefunden ivird. Ncchhebsn, verd. rrreZ.Lct.sÄ. Heben,) durch Heben von hin- reu höher helfen, mit der vierten Endung des Nennworles. Jn- gleichen nach sich heben, hebend nach sich ziehen. ^ So bald ich ans dem Brunnen dm, . — Sie nachzuheben, Gell. Nachhelfen, verb. irreZ. act.. (S. Helfen,) eigentlich, von Hinten Helsen, daß crwas weiter vorwärts komme, mit der drillen Endung des Nennwortes. Dann auch' in weiterer Bedeutung, durch Helfen, d. i . Vereinigung seiner Kraft mit der Kraft ernrs andern Dinges, eine Bewegung befördern. Steig nur hinaus, rch wist dir nachhrlfcn. Dre Uhr wist nicht gehen, man muß rhr naclchelfen. Nachher, ein Umstandswort der Zeit, welches in der vertraulichen Sprechart für hernach sehr gewöhnlich ist; Rieders, nagaans« Ich will es schon nachher sagen. Einige Zeit nachher. Weder vorher noch machhcr. Diese letzte A. A- ausgenommen, wo der Ton so wie in vorher auf der ersienSylbe liegt, Hai es den Ton gemeiniglich auf der letzten Sylbe. Jnz Oberdeutschen ist naeher 4. ' Jager euren Fem- ddn nach, Jos. 10,19. Figürlich ist in der bioli,chen Schreibart der Gerechtigkeit, der Barmherzigkeit, dem vorgesrecifte!, Ziele, dem stbel u. s.f. nachjagen, sich derselben unablässig, mit der größten Emsigkeit befleißigen, aus ihrer Erlangung seine vornehmste Bemühung machen. Im Niedcrs. ist dieNschjagd die Verfolgung, besonders die Verfolgung flüchtiger Mistclhäcer, und die Verbindlichkeit, inglelchen das Recht, ihnen nachznsetzen. Das Nachjahr, des—es, plur. die — e , in einigen Gegenden eine Benennung des Gnadcnjahrcs, d. i. des erstell Jahres nach dem Tode eines Erblassers, in welchem dessen Erben noch die völlige Besoldung genießen. Nachkehren, verb.weZ. Lct. von dem Zeitworte kehren, ver- rers. ,Ernem nachkehren, wo er gekchrer har, noch ern Mahl kehren. Die NachkkaFe, plur. die—n) in den Rechten, diejenige Klage, welche nach ausgeklagter Sache der Beklagte bey ebendemselben Gerichte gegen den Kläger anstcllet, S. Gegenklage. Der Nachklany, des — es, ^»lur. invk. der Klang, welchen ein klingender Körper nach dem Hauptklange hören lasset, dis Fortsetzung seines Klanges. Ehedem gebrauchte man csanch für das Echo z m welcher Bedeutung es aber veraltet ist. Figür- . - , llch Z77 Nach lick kommt es auch bey einigen Schriftstellern von Lern Nach- rühme vor. Wir denken gar nicht nach, was wir zu hoffen Haben Für Nachklang bep der Welt, wenn unser Leib vergraben Im Sande liegen wird, Opitz. Im Hochdeutschen gebraucht man es nur noch zuweilen von dem nachfolgenden Urtheile der Welt über eine böse Handlung. Das wird einen schonen Nachklang haben. Nachklatfchen, vercr. rez. neutr. mit dem Hülfsworte haben. i) Einem nachklatschen, butter ihm her klatschen. 2 Etwas nachklatschen, in der gemeinen Sprechart, es aufeine schwatzhafte Art wieder erzählen. Nachklnnyen, verb irrsA. veukr.(S.Rllngen,) mitdem Hiilfs- tvorte haben , seinen Klang fortsetzen , nach dem ersten Hauptklange noch fortsübren zn klingen. Ehedem wurde' es auch für nachhallcn gebraucht. S. Na-Hktang. Der Nachkomme, des—ns, piur. dre—n, eine Person, welche nach uns kommt, d i. lebt, welche uns im Leben , in der Würde, in-dem Besitze der Güter u. s. f. folgt. Es wird am häufigsten im Plural gebraucht. Unsere Nachkommen, welche nach uus.lcben. Zn engerer Bedeutung stud die Nachkommen Verwandte in ab- steige,iderLiuie, zum Unterschiede von den Vorfahren oder Verwandten in aussieigender Linie; in welchem Verstände es in der Deutschen Bibel häufig vorkommt. S. Nachkömmling. Anm. Bey dem Notker Bllllerciioino, ehedem im Oberdeutschen im Plural auch Nachkommer. Ottfcied gebraucht dafür Kibarne. Die meisten Sprachlehrer wollen, daß dicfesWortnuc allein im P.chralgebräuchlich fty. Gebräuchlicher ist frevlich der Plural als der Singular; indefien ist dieser weder ungewöhnlich noch der Sache selbst und Analogie zuwider. Gung , wenn versetzt rn höhre Sphären. Ein Nach komm uns ms hellre seyt, Lest. Die Form Nachkomm oder Nachkomme sür Nachkommer ist fveyllch cin wenig ungewöhnlich ; allein dieser Vorwurf rrrffr den Plural so gut als den Singular. Übrigens wird dieses Worr auch im Singular von beyden Geschlechtern gebrauchte Nachkommen, verb. irrsA. nsutr. (S. Äoinmen,) welches das Hülfsivort seyn erfordert, nach etwas kommen oder folgen, der Zeit nach, r) Eigentlich. Gehen sie nur voraus , ich werde schon Nachkommen. Rommen sie bald nach. Juglcrchen mit der dritten Endung des Nennwortes. Einem Nachkommen. 2) Figürlich. Einem Befehle Nachkommen, denselben befolgen, Hn vollziehe«. Buchstäblich wird eiserner Ordre Nachkommen. Seiner Pflicht, seinen veroindlichkeiten, fernem Versprechen Nachkommen, sie erfüllen , ihnen eine Genüge leisten. Aber, dem Guten Nachkommen, r Per. 3, - Z, und allem guten Werk Nachkommen, r Tim. z, rc>, sich derselben befleißigen, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. Die NaA)kommensll)aft, plur. die—en, ein Collectivum, Leute, welche nach uns kommen oder leben, zn bezeichnen. Zu engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, Verwandte in absteigender Lmle. Eine zahlreiche Nachkommenschaft haben. Ich seh' in ihnen schon Nachkommenschaften, die dereinst, wie uns, Dievorsicht glücklich macht, Gieseke. Schon in dem Isidor mit einer andern Eudung'uud einem andern Vorworte kHmcchunkt, bcy dem Notker ^kterullucikt und ^!kcuumkie, im Rieders. Nalaat, Nachlaß. ^ er Na chrömmUny, des —cs, plur. die—e, eiir auch für Nachkomme, besonders in: Singular, übliches Wokt. Die Nachkömmlinge der Gottlosen, Hwb-l, 8, die Nachkommen. Es X Nach Z 78 ist vermittelst derÄbleltuttgssolbe -—sing gebildet, wie Abkömmling, Einkömmling, Ankömmling, und wird, so wie alle ähnliche Wörter auf -—ling, von beyöeu Gefchlechterit gebraucht. Die Nacykost, plur. cur. in den gemejnxj, Sprecharten, besonders Niedersachsens, Rost , d. i. Speise, welche nach der Suppe gegessen Wird. Nllchkimsteln, verb. rez. aet. künstlich nachmachcn oder nachzu- machen suchen. Ein nachgekünsteltcr wein. Ntte^bcrllen, verb. rsz. Lct. lallend nachsprechen, vergönne mir, Najade, nachzulallen. Was mein erstauntes Ohr durchdrang, Raml. Der Nachlaß, des—sses, plur. ruuk. dasjenige, was nachgelassen wird , besoüders was ein Verstorbener so wohl an beweglichem als unbeweglichem Vermögen nach - oder zurück leistet; die Vrrlassenschaft, die Nachlassenschaft, ehedem auch das Gelast, bey dem Winsbeck L^eleÜ'e, bey dem Notker Oelarre, Niederst Nalaat. Den Nachlaß unter sich theilen. Na chlassen, vsro. IrrsZ. (S. Lasten,) welches in doppelter Gestalt üblich ist. I. Als ein Activnm. >. So fern nach so viel als hinter bedeutet , hinter sich lasten , zurück lasten, i) Eigentlich, wo es hauptsächlich vouPerfonen nndSachen gebraucht wird,welche mair nach dem Tode in der Welt zurück läßt; im Oberdeutschen hlmer- lasten. Er hat nicht viel vermögen nachgelassen. Oie nachgelassenen Freunde. (S. Nachlaß.) , 2) ^Figürlich, für uirter- kästen, nicht chuu, nicht beobachten, wir haben ihnen auch Geld gcthan und Getreide, den Wucher aber haben wir nachgelassen, Nehem. z, -0. Im Hochdeutsche« ist diese Bedeutung fremd, wenigstens ungewöhnlich. Noch ungebräuchlicher aber iss die Bedeutung des Aufhebens, m welcher es Nicht. 2,, vorkommtr ich wollte meinen Bund mit euch nicht Nachlassen ewiglich. 2, So fern nach eine Zeitfolge und Ordnung bedeutet, ist Nachlassen in den Salzwecken so viel als nachfüllen. Die Salzpfannen werden nachgelassen, wenn die Sohle eingekocht ist, und frische nachgegosten wird. z. So fern nach von der Richtung gebraucht wird, seiner natürlichen Richtung folgen lassen, die Spannung, heit Widerstand vermindern. 1) Eigentlich. So. läßt man eiw Seil, einen Strick, einen Faden nach, wenn man ihn nicht mehr so fest hält, sondern ihn einem Theile nach, oder ein wenig gehen lasset; wofür auch nachgeben üblich ist. Die Hunde Nachlassen, bey den Jägern, sie auf eine Fährte anlassen, sie der Fährte nachgehen lassen. Eine Schraube Nachlassen, sie locker schrauben. Wo es auch absolute als ein Neutrum gebraucht wird. 2) Figürlich, (a) Einem etwas Nachlassen, es ihm zulasten, vccstatrcu. Ich habe ihm schon vieles nachgelassen, verstattet. (b) Einem Theile nach fahren lassen, seine Ansprüche,, seinen Widerstand vermindern. Er hat von den geforderten 50 Rth-l. zehen nachgelassen. An dem Preise, von dem Preise etwas Nachlassen. Ich kann nichts Nachlassen, an dem Preise. Ich will von Zo Achl. bis auf Z« Nachlassen, Gell. Es ist i)M ,nichts an der Strafe nachgelassen worden. So auch in Ansehung aildeccr Ansprüche oder Gerechtsamen. Jngleicheu seinen Widerstand vermindern; wo cs gemeiniglich absolute gebraucht wird, wie nachgeben.- Er läßt schon nach, widersetzt sich nicht - mehr so heftig. Nachlassen stillet groß Unglück, Pred. io, 4 . il. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, der Heftigkeit, der Zitteusiou nach vermindert werden; eine Fortsetzung der vorigen Bedeutung. OreRälte, die Hitze, die Rrankdeit' läßt nach. Vre Schmerzen wollen noch nicht Nachlassen. Sein Zorn hat nachgelassen. Gerne Hitze hat bald nachgelassen. Ich merke schon , daß -hr Eigensinn nachiäßt. In den Salz- Hütten lasset das Salz nach, weuues sich fetzt. .Aar ' Daher Z79 Nach Daherdie Nachlassung, welches doch nur irrten Bedeutungen des Acrivi üblich ist. Die Nachlassen schuft, plur.die — en, S. Nachlaß. Nachlässig, -—er, -r-ste, aäj. et aäv. von dem vorigen Zeit. Worte Nachlassen , sofern es die Spannung vermindern, oder vielmehr rm Neutro, der Jntenston nach vermindert werden, bedeutet, nicht die mögliche Kraft anwendend und in dieser Verab- fäumung der Kraft gegründet. Es iss indessen nur in engerer Bedeutung üblich , von derVerabsänmung der pflichtmäßigen oder doch gehörigen möglichen Kraft. Nachlässig sepn. Sehr nachlässig arbeiten. Ein nachlässiger Mensch, ein nachlässiger Arbeiter. Nachlässig in seinem Amte, in fernem Berufe, in seinen Geschäften sepn, nicht die gehörige Kraft, den gehörigen und möglichen Fleiß bey denselben anwenden. Eine Sache sehr nach- " lassg betreiben. In weiterer Bedeutung, nicht die gehörige und rnögUcheSorgfalt oder Achtung anwendend. In seiner Nleidung nachlässig scyn. Eine nachlässige Kleidung. Nachlässig auf- geschürzt. Nachlässig tanzen. Man begegnete uns sehr nachlässig, wir wurden sehr nachlässig empfangen, nicht mir der gehörigen oder gewöhnlichen Achtung. Anm. Im Schwed. esterlOten, j,n Island. epterlÄtur, im Oberdeutschen hinlässig und fahrlässig, welches letztere, sofern es so viel als fahren lassend bedeutet, mit nachlässig in der Be, deutnng wohl so ziemlich überein kommt. (S. auch vernachlassi- ! gen.) Unser lässig gehöret nur auf eine entferntere Art hierher, indem cs eigentlich eine körperliche Trägheit oder Müdigkeit bezeichnet, welche denn freykch oft eine Quelle der Nachlässigkeit ist. Die Nachlässigkeit, chur. die—-en, das Abstractum des vorigen Bepwortcs. r) Der Instand, der Fehler, und in engerer Bedeutung die Fertigkeit, daman nachlässig ist; ohne Plural. 2) Eine nachlässige Handlung, ein nachlässiges Betragen in einzelnen Fällen. Der Nachlauf, des —es, plur. doch nur von mehrern Arten, die — laufe, S. Liebestrank. Nachläufen-verb. IrreZ. neutr. (S. Laufen,) welches das Hülfswort sepn und die dritte Endung der Sache erfordert, hinter einer Persvnher oder drein laufen; im Oberdeutschen hrnnach einem laufen. David lief dem Löwen nach, r Sam. 17, 35- Figürlich, r) Einer Perfon nachlaufe'n, stcsssehr angelegentlich um ihre Gunst bewerben, gemeiniglich im verächtlichenVerstande. Er läuft mir auf allen Schritten nach , Gell. Ihm lauft das Glück auf dem Fuße nach, ebend. 2) *Einer Person oder Sache Nachfolgen, sich ihr widmen, ihre Lehren , Willen und Meinungen zum Bestimmungsgrmrdc der seimgen gebrauchen ; eine im Hoch-^ deutschen ungewöhnliche Bedeutung, in welcher es mehrmahls in der Deutschen Bibel vorkommt. Den Soßen, der Abg'öttercy u. s. f. nachlaufen. Nachreden, verb. reg. oeulr. mit dem Hülfsworte haben, zum Bestimmungsgrunde feinesLebens, d. i. freyenVerhaltensimachen, mitder dritten Endung der Sache. Eines Vorschrift, eines Befehl nachleben. So auch die Nachlebung. Nachleyett, verb. reZ. acl. zu dem was schon hmgelcget worden, noch etwas legen, 6ol; nachlegcn, zu dem brennenden Feuer. So auch die Nachlegnng. Die Nachkeje, plur.die — n, von lesen, auffammeln, die nach der vorher gegangenen eigentlichen Lese angestell-c Lese oder Ei:i- sammlung. Die Nachlese erlauben, das Auslesen der Ähren auf dem Acker nach bereits fortgcschafften Garben. Die Nachlese in Leni Weinberge, die Einfammlung der von der Lese zurück gebliebenen Trauben. Eine Nachlese halten, anstcllen. ,. Nachlesen. verb. irreZ. ucl. (S. Lesen,) von lesen , einfam- msln oder anfsammeln, nach der schon geschehenen eigentlichen Lese Nach Zgo nochmahls lesen, das übrig gebliebene auf- oder einlesen^ Wenn du deinen Weinberg gelesen hast, so sollt du nicht Nachlesen, L Mos. 24, 2'. Als wenn man nachliesct, so die Weinernte aus ist, Es. 24, 1 z. Und dein ich jetzund nur die Lorbern nachgelesen, Weiße. Daher das vorige Nachlese. L. Nachlesen, verb.irreA. act. (S.LesenIvou lesen, ledere. a) Nachschlagen und lesen. Eine angeführte Stelle in der Urschrift Nachlesen. 2) Einem andern im Lesen folgen. So liefet man z. B. das Vn'ginal nach, wenn uns ein anderer die Übersetzung vorlieset. Daher die Nachlesung. Nächmächen, verb. reg. uer. eben dasselbe Werk hervor bringen, welches ein anderer hervor gebracht hat, mit der dritten Endung, der Person, und der vierten derSache. Einem etwas nachmachcn. Wae seine Augen sehen, das macht er nach. Das Meißnische Porzellan ist von vielen nachgcahmet, aber noch von wenigen nachgemacht worden. In weiterer Bedeutung, eben die- selbe Veränderung, eben dasselbe Verhältnis hervor bringen. Der Affe macht alles nach, was erflehet. Jemandes Mienen, Geberdrn nachmachen. Nach bedeutet hier die Bestimmung nach dem Muster oder Borbilde eines andern Dinges, nachmachcn kann also nur in den Fällen gebraucht werden, wo eine Bestimmung nach einem Muster vorhanden ist. Wenn also zwcy Arze- nepeu einerlei- Veränderung hervor bringen, so kann man nicht sagen, daß eine es der andern nachmache. Da dieses Zeitwort so wie das einfache machen alle Mahl ein Werk, oder doch eine Veränderung voraus setzt, (S.Machen,) so muß es alleMahl einen Accusativ bey sich haben, sollte cs auch nur das Wörtchen es seyn. So auch die Nachmachung. S. auch Nachthrm. Die NachmahH , vlur. doch nur von mehrern Arten, die — en, ein in einigen Gegenden für Grummet übliches Wort, dasjenige getrocknete Gras, welches nach der ersten Mahd, oder dem ersten gemäheten Grafe und daraus bereitetem Helle, bereiter wird. Nüchmahlen, verb. reA. Act. von mahlen, pinZere, ein Bild durch Mahlen anfeine andere Fläche übertragen, es copüren; mit der vierten Endung der Sache. Ein B>ld nachmahlen. Nachmahlig, dasBeywort des folgenden Ilmstandswortes, was nachmahls ist oder geschiehet, am hänstgsten in.der vertraulicheil Sprcchart; nachherig. Sein nachmahIigeL (darauffolgendes) - Betragen bestätigte den verdacht. Es ist nach dem Muster von damahlig, mehemahlig, zweymahlig u. s. s. gebildet. Nachmabls, ein Umstandswortdcr Zeit, welches aber nur in der vertraulichen Sprechart üblich ist, für hernach, irr der darauf folgenden Zeit. Ich habe ihn nachmahls nie wieder gesehen. Gehe nur , du sollst es nachmahls schon erfahren. Von dem s am Ende S. 6 Mahl 2. Einige Mundarten hängen statt des s rin en an, nachmahlcn, so wre es andere vorn noch mit dem ) Im Forstwesen, der Abgang, d. i. die Spane und Äste von dem Zimmer - und Scheitholze; der Abraum, Afterschlag. 2) Auch dasjenige schwache Holz, alte Stöcke u. s. f. welche von einem abgeraumren, d. i. ausaeschlagcnen Gehaue stehen geblieben. In beyden Fällen, weil es in Absicht der Zeit hernach weggeräumt oder wegge- schaffet wird. Nauchräumen, verb. rsF.neutr. mit dem Hülssworte haben. Emem nachraumen, was, oder wo er aufgeräumt hat, oder was er in der Unordnung gelassen hat, nochmahls aufräumen. Daher die Nachrärrmung. Nächrechen, verb.reZ uel. in deEandwirtbschaft, nach aufge- bundcnen und ausgestellten Garben, die noch übrigen Ähren mit einem großenRechen zusammen rechen; nachschlcppen, im Nie- derfnachharken,hungerharken. Daher dieser großeRechen selbst- auch wohl der Nachrechen, in Obeesachsen der Zeschelrechen (vielleicht äaschelrechen, von Haschen,) im Niederst hie Zunger- Harke genannt wird. Nachrechnen, verb. rez. Lct. r)Was jemand gerechnet hat, nochmahls rechnen, um zn sehen, ob er recht gerechnet habe. Einem nachvechncn, ihm etwas nachrechnrn. 2) Jemandes Ausgaben vdcrKvsten berechnen,gleichsam hinter ihm, ohne sein Msten berechnen. Ich kann es ihm nachpechncn, was er aufge- vpandt hat. DüsNachreche, des —es, x!ur. die—-. l) Rechte oder Gerechtsamen,welche sich erst nach einer geschehe,nenSache z,rLa- ge legen; wo es doch nur in einigenGegcnden bey Ercheiluug eirres Abschiedes u. st f. üblich ist, in welchen man sich die gewöhnlichen Nachrechte Vorbehalt, d. i. die gegründeten Ansprüche, welche man noch nach der Entlassung machen könnte,wenn sich die Veranlassung und Beweise erst nach derselben ergeben. 2) In andern Gegenden ist das Nachrecht, oder die Nachrechte, ein bestimmter Antheil, welchen die Jäger, Förster und andere Unterbeamte von den eingehenden Strafgeldern genießen ; weil sie den Rechten des Grund- oder Gerichtsherren untergeordnet sind. Die Nachrehe, plur. die—n. r) Eine Rede, welche auf eine vorher gegangene Rede folget. Spricht», Vorrede macht keine Nachrede. In diesem Verstände wird den Büchern am Schlüsse zuweilen eine Nachrede beygefüget, da sie denn der Vorrede entgegen gesetzet ist. In den Rechten einiger Gegenden ist die Nach- rede eine Schrift, welche 'auf die Oiderrede folgte und in den Obersächstschen Gerichten die Duplik genannt wird. 2) So fern nach so viel als hinter bedeutet, ist die Nachrede das mündl'.che Urtheil andrer überjemandes sittliche Beschaffenheit, so fern dieses Urtheil in feiner Abwesenheit oder hinter seinem Rücken gefallet wird ; wo es doch nur innachcheiligem Verstände und ohnePlu- ral gebraucht wird. In übler Nachrede sepn. Jemanden in üble Nachrede bringen. Alle üble Nachrede zu vermeiden. Er ist in keiner guten Nachrede. Nachreden, vsrb.rsA. acl. 1) So fern nach soviel als hinter bedeutet, ist einem etwas Nachreden, es Himer feinem Rücken, in seiner Abwesenheit, von ihm reden oder sagen, es ihm Nachsaat«; wo es doch am häufigsten im nachtheilrgen Verstände gebraucht wird,etwas nachcheiliges von jemanden reden. Las wollte ich mir nicht Nachreden lassen. Das reden ihm wohl nur ieine Feinde nach. Das uns nicht jemand übel Nachreden möge, 2 Cor. 8,20. Das redet mir kein ehrlicher Mann nach, (S. das vorige), s) So fern nach den Begriff eines Vorbildes, eines Musters hat, ist einem Nachreden, dessen Worte, mit eben demselben Tone, mit eben denselben Gebinden wiederhöhlen, mit welchen sie ausgesprochen worden; ihm nachsprcchen. 3) So fern nach von der Zeit gebraucht wird, ohne doch den vorher gehenden Begriff ganz auszuschließcn, ist einem etwas Nachreden, dessen Rede aufdeffen ZeugNiß wiederhohlen. Ich habe es nicht selbst gesehen, ich rede es nur andern nach, wie ich es von ihnen gehöret habe. Du kannst es mir sicher Nachreden. NaMretchen,vsrb. re§, aec.nachdem man vorher schon etwas gereichet hatte, noch mehr reichem Einem etwas nachreichen. Daher die Nachreichung. Nachreifen, v erb. rex. nentr.. mir dem Hülfsworte seyn, hinter jemanden her reisen, ebenden Weg reisen, um ihn einZuhohlen, sich ibm zu nahen. Er ist uns nachgereiset. Nachrsrßsn, verb.irreA. (S. Reißen,) welches in doppelter Gestalt üblich ist. ». Als ein Neutrum, mit dem Mfsworft scyn; da reißt'ein Ding nach, wenn es fortfäöret z,l reißen, wenn sich der vorher gegangene Riß verlängert oder erweitert. 2. Als ein Actirun,, und zwar, 1) von reißen, vi lepckrnre, ist nachreißen ; so wohl Hutter einem andern her reißen, einem nachreißen ; als auch nach geschehenem Außen noch mehr reißen, irkwclchem Verstände im Bergbane die Sprossen nachgerisscn, d. i. stück weise nach einander gebrochen werden, s) Bon reißen, zeichnen, ist nachreißen. einen Riß.anfeine andre Fläche übertragen, ihn cspirren. Line Festung na chreißen. Nachreiten', verb. irrsF. »sutr. (S. Reiten), welches dasHl-lfs» wort fern erfordert, hinter jemanden hcr reiten, ihm reitend sol- - ' gev. 'X Z8Z - Nach Zen. Einem nachrer'ten. Besonders in der Absicht.ihn einZn- hohlen. Es kam uns jemand nachgeritten. Nachrennen, verk. irreA. neutr. (S. Rennen,) welches das Hülfswort seyn bekommt, hinter einem Dinge her oder drein rennen, vornehmlich in der Absicht es einzuhohlen, zu bekommen. Einem nachrennen. Figürlich, sich mit einer übertriebenen Begierde einer Sache befleißigen» Rennt dem scheuen Glücke nach, Less. ^ Die Nachreue, plur. cur. die Reue, welche aufeine Handlung folget; bey den Schwäbischen Dichtern Rurui vvs. wahrhafte Lust, die Nachrcn nie vergällt, Gieftke» Die Nachricht, plur» die—en, die glaubwürdige, oder doch für glaubwürdig ausgegcbcne mündliche oder schriftliche Bekanntmachung einer in der Ferne geschehenen Sache. Jemanden von einer Sache Nachricht geben,bringen, ertheilcn. Nachricht bekommen, erhalten. Ich habe gute Nachrichten von unsernFrenndeu ans Wien. Haben sie keine Nachrichten aus England ? Es ist Nachricht eingelaufen, daß die Belagerung aufgehoben scy». Von der pflichrmästigen Bekanntmachung eines Untergebenen au seinen Obern ist Bericht üblicher. Anm. Bey den ältesten .Oberdeutschen Schriftstellern kommt dieses Wort nicht vor, so wie es auch die verwandten Sprachen nicht haben. Die letzte Hälfte ist das Zeitwort richten, vermnth- llich so fern es ehedem belehren, unterrichten, bedeutete. Nur das , Vorwort nach ist hier dunkel. Vielleicht ist das Wort nach dem Lat. kelutio gebildet, weil das re der Lateiner in mehrern Deutschen Wörtern durch nach gegeben worden. Nachrichten, vsrb. rez. uct. von richten, ckiriAsre. i) Eine Sache, nachdem sie schon gerichtet worden, nvchmahls richten. Las Jagdzeug wird nachgevichtet, wenn man das an demselben völlig in Ordnung bringt", was bey dem ersten Richten vergessen worden. 2) So fern nach hinter bedeutet, werden auch dieTücher. Garne u.s.f. bey den Jägernnachgerichtct, wenn sic hinter den Treibern aufgestellct werden. Z) Mit dem Leit - und Schweißhunde auf einer Fährte nachsuchen» - So auch -re Nachrichtung. D er Nachrichter, das—s, plur. ut vom. linA. in der anständigen Sprechart, derjenige,welcher ein gefälltes peinlichesUr- theil vollziehet; im gemeinen Leben der Scharfrichter. Dessen Eattinn die Nachrichterinn. Entweder so fern derselbe nach dem Richter richtet, d. i. dessen Uetheil vollziehet, oder auch so fern ehedem der jüngste und unterste Richter odcr Beysitzcr eines Gerichtes zugleich die Urtheile vollziehen mußte. Die Nachrichterey, plur. die—en, an einigen Orten, die Wohnung des Nachrichtcrs, ingleichen dessen Amt mit den ausübenden Gerechtsamen; die Gcharfrichrcrey. Nachrichtlich,. ein Umstandswort, welches nur in den Kanzelley« en üblich ist, inGcsiatt einrrNachricht, zur Nachricht. Jemanden etwas nachrichtlich zu wissen thun, zu seiner Nachricht. Wo es auch in engerer Bedeutung zuweilen für zur Nachachtung, sich danach zu richten, gebraucht wird. So wird euch solches nachrichtlich bekannt gemacht. Nachv'lck en, verb. re^. Lct. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort seyn bekommt, hinter einem Dinge her oder drein riielen. kNit den Truppen nachrücken, als ein Nemrum» Jemanden den Tlkch nachrücken, als ein Ackivum. Daher die Nacheückung.. Im Oberd. nachrücken und Nachdrucken. D er Na-bruf, des-,—es, pilur. inus. von dem folgenden Zeit- worre, doch in e-niacn enger'n Bedeutuirgen. i) Der Nachruf eines verstorbenen, ein Ruf, welchen er nach seinem Tode an am tee gelang« n lasset. 2) Zuweilen bedeutet es auch den Nachruhm; in welchem Falle es doch-seltener vorkommt, > - - ^ ... ' ' Nach , s Z84 NachLusen, verb. irre^. act. (S. Rufen,) hinter jemanden her oderdrein rufen. Jemanden nachrnfen, rhm etwas Nachrufen. Der Nachruhm, des—es, plur. cur. von dem folgcndeir Zeit- Worte, doch nur irr engerer Bedeutung, der Ruhm nach dem Tode, das laute Unheil anderer von jemandes Vorzügen nach dessen Tode. Nachrühmen, vsrd. reA. uct. hinter jemandes Rücken, oder in dessen Abwesenheit von ihm rühmen, mit der dritten Endung der Person und der vierten der Sache. Es wird ihm viel Gutes nachgerühmt. Nachsatzes», vsrb. reZ. uct. 1) Hinter jemandes Rücken, in dessen Abwesenheit von ihm sagen; wo es so wohl im guten al» nachtheiligeu Verstände üblich ist , dagegen Nachreden in letzrcrrn am gebräuchlichsten ist. Das kann ich ihm zum Ruhme nachsa- gcn. Sie kann uns doch nicht Schande nachsagen, 1 Mos. A8, 2 z» 2) Eine gehörte oder erfahrne Sache lvieder sageir, wieder erzählen. So du etwas von diesem unfern Geschäft wirst nachsagen, Jos. 2, 2 0. Hörest du was Böses, das sage nicht nach, Sir. z 9, .7. Z) Besonders in engerer Bedeutung, auf jemandes Zeugniß wieder erzählen, mit der dritten Endung der Person, wofür ,doch Nachreden üblicher ist. Einem etwas nachsagen. Nach sammeln, verb. rez. uct.klach einem andern samiueln,dasjenige sammeln, was ein vorher gehender übrig gelassen hat. Ss auch die Nachsammlung. Der Nachsatz', des —es, plur. die—säge, ein Satz, welcher einem andern vorher gehenden in einer und eben derselben Periode folgt, und gemeiniglich eine Wirkung, Folge, Ursache u. s. s, ent» hält; zum Unterschiede von dem Vordersätze. In einem Schlüsse wird der Nachsatz oder Schlußsatz am häufigsten der Hintersatz genannt. Nachschallen, verb. re-F. neutr. mit dem Hülfsworte haben, hinter einer Person her schallen, oder auch nach einem vorher gegangenen Schalle schallen, in welchem letztern Falle ös für nach« Hallen gebraucht wird, st> wie der Nachschall zuweilen für Nachhall, Echo vorkommt. Wohin würde mir nicht die Verklagende Stimme des Blutes meines Freundes nachschallen l Nachschauen, vsrk. re§. neulr. müdem Hülfsworte haben. >) Hinter einer Person oder Sache her schauen, sie mit seinen Blicken verfolgen. Einem nachschauen. 2) Nach etwas schauen oder sehen, zu erfahren, in was für einem Zustande es sich befinde; am häufigsten im Oberdeutschen, wofür im Hochdeutschen Nachsehen üblicher ist. So auch die Nachschauung. Nachschicken, verk. re§. act. hinter jemanden her schicken; ss wohl absolnte, jemanden .rachschkcken, eine andere Person hinter ihm darein schicken, als auch müder vierten Endung der Sache, einem etwas nachschicken. Ich will es auf der Post nach- schicken. Daher die Nachschickung. Nachschieben, Verb. irreZ. sct. (S.Schieben,)voil hinten schieben, eine Bewegung von hinten durch Schieben erleichtern. .In den Morgenländern schiebt der Elephant das Geschütz mit der Stirne nach, indem die (Ochsen vorn ziehen. Nachschießen, verb.irreZ. (S. Schießen,) welches in doppelter Gestalt üblich ist. Als ein Activum, so fern schießen so viel ist, als Geld bezahlen, nach schon bezahltem Gelde zu einer und eben derselben Absicht noch Geld.hcrgeben; nachgeben. Viel Geld nachschießen müssest. (S. Nachschuß») 2. Als ein Neutrum. 1) Mit dem Hülfsworte haben, nach einem andern schießen, in Absichtdpr Ordnung. 2) Mit dem Hülfsworte seyn, so wohl von schießen, plötzsich fallen, i-,i Fallen einem andern ge- fallkirmDingk folge», Die Wand siel ein und has Dach schoß nach. 28L Nach Nach Z86 nach. Ms auch von schießen, aufwachsen,M schnellen Wachs, Ihume solzen. Nachsrt)iffen, verb. reg. neulr.mit dem Hülfsworte ftyn, hinter jemanden her schiffen, um ihn einznhohlen. . Jemanden nachschiffen. *Nachschlachten, ve, d. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, von Schlacht, die natürliche Art, welches aber nur in den gemeinen Sprechenden, besonders Nlcdersachsens, für nacharten üblich ist. Der Sohn schlachr-t seinem Vater nach. Die Hochdeutschen kennen dieses Zeitwort nicht, daher eS auch nicht Niirin die Reihe Hochdeutscher Synonymen g-setzt zu werden verdienet. S. Geschlecht, Nachschlagen, Schlachten und Schlagen. Der Nachschlay, des — es , p'ue. die—schlage, ein besonders in der Musil übliches Morr, eine kleine Note zu bezeichnen, welche man nach einer größern hören laßt; im Gegensätze des Vorschlages. S. Schlag. . i.Nachschlayen, verb. irrsg. act. (S. Schlagen,) von schlagen, so fern cS von verschiedenen Arten schneller Bewegungen gebraucht wird. -) Durch Schlagen nachbilden. Jemanden eine Münze nachschlagen. Die Holländischen Ducaken sind in Pohlen nachgcschlagen worden. 2) Durch Schlagen, d. i. G ca-- ben, verfolgen, aufsuchen, in welchem Verstände cS besonders im Lergbane üblich ist. Einem Erze, einein Gange nachschlagcn. Soailch, 3) Eine Stelle in einem Buche nachschlagen, sie aufschlagen und nachsuchen. So auch die Nachschlagung. z.*Nachschlügen, VLrb.irreg. veutr.(S. Schlagen,) welches das Hülfswort haben erfordert, und nur in einigen Oberdeutschen Gegenden für das Niedersächs. nachschlachten, d. i. Macharten, üblich ist. ^ Ihr schlagt dem Esau nach, der das, was kostbar ist, Ziis eine Schüssel voll gekochter Lmsen giebet Günth. — Ein edler Samen schlägt Der ersten Ankunft nach, von der er Fruchte trägt, Opitz. S. Schlagen, das Neutrum. Nachschleichen, verb. irreZ.rreulr. (S. Schleichen,) welches das HülfSwort seyn bekommt , hinttr einem Dinge her schleichen, ihm schleichend folgen. Einem nachschleichen. Juglekcheu stgur- ljch, heimlich zu bekommen^ zu entdecken süa-rn. Der der Weisheit nachschleicht, wo sie hingohet, Sir. » 4 , 2 z. we?>n der Philosoph der Natur , in ihrem verborgenen Gange nachschleicht, Sonncnf. ^ Nachschleppen, verb. le^.ttcl. l) Hinter sich her schleppen. 2) *Jn einigen Obersächstschen Gegenden bedeutet rS l» viel als Nachreden. So auch die Nachschleppung. Der Nachschlüssel, des—s, plur^ul. nom. lE. -in uack Art des rechten Schlüssels zu einem Schlosse gemachter L-chlüsiel, ein Schlüssel , welcher nach und außer dem rechten e in ^chi. ß schlüßer; in emigenGegend^ ein Beyschlüsscl. Jur verächtlichen Verstände ein Dieterich, Diebsschlüsse!. Der NachschmaE des—- es, jüur. doch nur von mehrrrn Arten, die — e, in einigen Gegenden, besonders in Niederiachjen, ftir Nachgeschmack, S. dieses Wort. Naaischmechen, verb. re^. neulr. mit dem Hülfsworte haben, nach seinem eigentlichen Geschmacke noch euren andern obgleich schwächer» in dem Munde hintcrlaffcn, einen Nachgeschmack haben. Nachschneiden, verb irreZ.acl. (S.Schneiden.) durch ^chm den nachbilden. So schneiden die Holz - und Formschncrder eine Figur nach. ^>erN rcyschnitt, des — es, plur. die — e, eine solche nach de n Muster einer and.'rn geschnittene Figur» Adkl.w. B. 3.L^.2. Aust. Nachschrerben, verd.irre^.Act. (S. Schreiben.) l) Durch Schreiben nachbilden. Eine fremde Schrift, eine Vorschrift nachschreiben. 2) Jemandes Worte, so wie er sie spricht, auf- schreibcn^ seinen Worten schreibend folgen. Einem nachschrei- ben. Jngleichen mit der vierten Endung der Sache. Eine Prc* digt nachschrriben. 3) Was im Schreiben versäumt worden, jiachhohlcn.' Wir wollen es schon nachschreiben. > 4 ) Einem nacpschreibkn, hinter ihm her schreiben, d. i. ihm einen Brief nachschickeu. Daher das Nachschrerben statt der ungewöhnlichen Nachschreibung. Nachschreyen, verb.irreA.aet.sS. Schreyer,.) 1) Hinter jemanden her schreyen. Ein Cananäisch Weib schrie Christo nach, Matth. 15,22. 2) Jemandes Geschreynachmachen, nachahmen. Einem nachschreyen. Die Nachschrift, xlur. die —en. 1) In der ersten Bedeutung des Zeitwortes nachschreiben, eine nach dem Muster einer andern gebildete, eine nachgemachtc Schrift. 2) J.< dessen zwcyten Bedeutung , wo eine nachgeschriebene Predigt, ein nachgeschricbe- neS Collegium u. s. s. eine Nachschrift genannt wird. Z) So fern nach die Bedeutung der Zeit und Ordnung hat, ist die Nachschrift auch eine einem Briefe oder andern Hanptschriftheygefügte und nachgefttzte Schrift; Lat.ein kolileriptum. Der Nachschub, des — es, plur. iuul. von dem Zeitworte nachschieben, d. i. nach einem andern schieben, wo eS doch nur im Billard - und Kegelspirle üblich ist, wo der Nachschub oder Nachschuß, das Schieben oder Schießen nach einem andern ist. Den Nachschub oder Nachschuß haben, im Gegensätze des Vorschubes oder Vorschusses. In einigen Gegenden wird eS auch der Nachsitz genannt, im Gegensätze des Vorsitzes. Der Nächschüß, des — sses, plur. die—fchüsse, von dem Zeitworte nachschießen. 1. Die Handlung des Nachschicßens, ein Schuß, welcher nach einem andern geschiehet. (S. auch das vorige Wort.) 2. Was nachschießt oder nachgeschossen wird. 1) So fern nachschießen nachbczahlen bedeutet, ist der Nachschuß nachbezahl- teS, hinterher bezahltes Geld, im Gegensätze des Vorschusses. Außer dem Vorschüsse wird auf das Buch auch noch ein Nachschuß gegeben. Auch ein zweyter Beytrag zu einer Conti b,irion wird oft emNachschuß genannt. 2)ImWeinbaueist r>er Nachschuß einiger Gegenden derjenige Most, wclch.r durch Presse» -derTreten heraus gebracht wird, der Nachdruck; im Gegensätze des Vorschusses oder Vorlaufes, welcher von selbst her-uS rinnet. Nachschiittelss, verb.rsZ.aet. wenn schon geschüttelt worden, von neuen schütteln, wenn du deine C»lbänmc hast geschüt- >telt. so sollst du nicht nachschütteln, 5 Mos. 24, 20. Der Nüchschnarm, des —es, p'ur.die — schwärme, in der Bienenzucht, der zweyte Schwarm von einem Bienenstöcke in einem und eben demselben Sommer; im Gegensätze de's Vor- schwarmcs. N a ...schwärzen, verb. reZ. act.st neulr. welches im lctztern Falle das Hülfswort haben bekommt, nach der Hand, oder mit der Z. it schwarz werden oder schwarz machen, wenn die Rupfer- 'ßiche der Luft ausgesctzt st dv so schwarzen sie nach. Von Farben ist bey den Mahlern nachdunk. ln üblich. Naa-schwttNMenrVc-rb. irr-;A. neulr. (S. Schwimmen,) wel- ches daSHülfswort seyn erfordert, Himer einem Dinge her schwimmen, ihm schwimmend folgen. Nachschwmyen, verb. ir-eZ. reeipr. (S. Schwingen,).stch nachschwingen, sich hinter einemDinge her schwingen,ihm schwingend folgen. Nachsegeln, verb. reA. neulr. mit dem Hülfsivorte seyn, vermittelst der Segel folgen. Einem nachsegrjrr. ^ , B - Nachsehen, Z?7 Nach , Nach §§8 Nachsehen, vsrb. !rre§. (S. Sehen,) welches in einer hoppelten Gestalt üblich ist. ». Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben , hinter einem Dinge her sehen, ihm Mit den Augen folgen, i) Eigentlich, wo auch im Oberdeutschen nachschauen, in der vertraulichen Sprechart der Hochdeutschen nachgucken und im Niederst nak-ken üblich sind. Alles Volk sähe Most nach bis er iu die Hütte -am, - Most Zz,8. Als fle ihm nachsahen gen Himmel fahrend, Apostelg, r, io. 2) Figürlich, in der Hoffnung eines zu erlangenden Guten betrogen werden, wo doch die R. A. das Nachsehen haben am üblichsten ist, gleichsam dem vorüber gchendenGu- Sen unbefriedigt Nachsehen müssen. So viel du dir auch versprichst, so wirst du doch nur das Nachsehen haben müssen. Nlan hatte mir viele Hoffnung gemacht, aber am Ende hatte sch das leere Nachsehen. 2.'Als ein Actirrrm. i) Die Forderung einer Schuldigkeit, Lttgleichen die Ahndung, Bestrafung ganz oder doch auf eine Zeit sang um des andern Besten willen unterlassen, so wohl absolute mit der dritten Endung der Person, alSaua) mit der vierten Endung der Sache; eine Figur der vorigen Bedeutung. Der Gläubiger sichet dem Schuldner nach, wenn er nicht mit der befugten Schärfe auf die Bezahlung der Schuld dringet. Denn länger sieht sie ihm nicht nach, Gell. Einem Rinde flehet man aus Zärtlichkeit manches nach. Man muß ihr wegen ihrer jetzigen Verfassung sehr liebreich Nachsehen. Eine Härte, welche man -er Sprödigkeit der reinsten Tugend kaum Nachsehen würde. Da denn auch das Mittelwort nachsehend, als eiu Bey- und Nebenwort gebraucht wird. Sehr nachsehend sepn. Ein nachsehender Vater. (S. auch Nachsicht und Nachsichtig.) übersehen wird in ähnlichem Verstände gebraucht, nur daß es eine gänzliche Unterlassung der Ahndung bezeichnet, Nachsehen aber auch mehr Empfindung des Unrechtes bey der nachsehenden Person voraussetzt als jenes. 2) Nach etwas sehen, in der Absicht, es zu untersuchen. Eine Rechnung Nachsehen, sie durchsetzen, vb sierichtig sey. Die Wäsche Nachsehen, ob sie vollzählig scy. Ich weiß nicht, ob ich es noch habe , ich will aber Nachsehen. Siehe doch nach , wie viel Uhr es ist. Ncrchsenöeu, verb. IrreZ. ncl. (S. Senden,) hinter jemanden her senden ; für das niedrigere nachschlckrn. Einem einen Bosheit nachsenden. Daher die Nachsendnng. Nachsetzen, verb. reA. welches in doppelter Gestalt üblich ist. 1. Als ein Activnm. >) Der Zeit nach, wo man es in verschiedenen Fällen gebraucht, wo eine Sache nach einer andern gesetzt oder gesiellet wird. Nachgcsetztc (folgende) Worte beweisen, daß n. s.f. Unter Nachgesetzren Bedingungen, hier nachfolgenden. Zm Hütlenbaue, besonders bey dem Peobiren, wird der Zusatz vermittelst des Nachsetzlöffels nachgesetzt, d. i. eingetragen, eingesetzt, r) Der Ordnung, und figürlich auch der Würde nach. Ein nachgesetzter Erbe, welcher in Ermangelung oder bey Abgänge des HanpterbenS, zur Erbschaft gelanget; bisere8 lnb- llitutus, der Nacherbe- Jemanden einer Sache nachsetzen, dieselbe ihm vorziehen, sie höher halten, als ihn. Alles andere Gott nachsetzen, geringe gegen ihn schätzen. 2. Als «in Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, i) Einem nachsetzen, hinter ihm her setzen, ihm in der größten Eile folgen. 2 s*Fortsetzen, verfolgen, im figürlichen Verstände- doch nur im Oberdeutschen. Als er seiner Ansuchung ernstlich und eifrig N 'schfttzte, Opitz. Er wollte nicht «blassen, semem herzlichen Begehren nachznsetzen, cbcnd. Daher die Nachsetzung in dm Bedeutungen des Activi s» wohl EhS in der ersten des Nemrius. Dr'e Nachsicht, jilnr. car. das Abstractum des Activi Nachsehen, in dessen ersten Bedeutung , die Unterlassung der Forderung eines Rechtes und der Ahndung einer unerlaubten Handlung, rundes andern Besten willen, und in engerer Bedeutung, die Fertigkeit dieses Gemüthsstandes. Nachsicht gegen jemanden haben, beweisen. Ich habe nun schon zu viele Nachsicht bewiesen. Nachsicht ist keine Bezahlung, .d. i. sie befreyet den Schuldner nicht von der hernach geforderten Bezahlung, gibt ihm kein Recht. Ein Fehler des Herzens erhalte nie Nachsicht und Vergebung, bis man die Rinder nicht das Häßliche desselben hat fühlen lassen, Gell. Nie sep die Rränklichkeit des Rindes eine Urs fache zur Nachsicht gegen seine bösen Neigungen, ebeud. In den übrigen-Bedeutungen desZeitwortes ist cs zwar bin und wieder im gemeinen Leben üblich. Z. B. die Nachsicht haben, das Nachsehen; die Nachsicht einer Rechnung, die Untersuchung derselben; Vorsicht ist besser als Nachsicht u. s. s. Allein in der guten Schreibart werden sie sich wohl nicht leicht vertheidigen lassen; wenigstens ist in vielen Fällen die Zweyderitigkeit unvermeidlich. Nachsichtig,—er, — ste, nclj. et näv. geneigt zur Nachsicht und darin gegründet. Ein nachsichtiger Vater. Daher die Nachsichtigkeit, die Nachsicht als eine Fertigkeit betrachtet. Nachsingen, verb.reA. Lct. et neutr. (S. Singe*,) welches im letzten Falle das Hnlfswort haben bekommt, r) Nach einem andern singen, der Zeit und Ordnung nach. Einem nachsingen, r Chron. 16,20. 2) Jemandes Art und Weise zu singen nachm«- chen. Einem nachfingen. Z) Etwas nachsingen, einem etwas nachflngen, cs singend wiederhohlen. Daher das Nachsingen. Naü-sinken, verb. irreß. neuir. (S. Sinken,) mit dem Hülfs, Worte feyn, hinter drein sinken, sinkend folgen. Daher däs Nachsinken. Nachsmnen, verb. irreZ. veutr. (S. Sinnen,) welches das Zeitwort haben erfordert, und eigentlich einen höhern Grad des Nachdenkens, eine mehr angespannte und langer anhaltende Be- ttiühung sich das Mannigfaltige an einer Sache vorznstellen bedeutet, als Nachdenken. Einem Dinge nachsinnen, über etwas nachflnnen. Seinen verstand nicht zum eignen Nachstnren gewöhnen, und ihm stets nach der Anleitung der andern stimmen, he.ßt sein Etgcnthum verlassen, um betteln zu können, Gell. Ich sann dem Zweifel nach, der meine Ruhe stört cbcnd. Oft aber wird es auch nur für Nachdenken überhaupt gebraucht. Es ist kern Nachsinnen bev ihm, kein Nachdenken über die Folge«. Daher das Nachflnnen. Der NachslH. des—es, plur.inus. S.Nachschub. Der Nstchsommer, des — s, plur. ut NOM. tiriA. angenehmes Sommerw'tter nachdem eigentlichen Sommer, zu Anfänge des Herbstes. Niedres. Nasommer. Die Nachsorge, pl-iir- inul. die durch eine böse oder doch unüberlegte Handlung veraulaßte Sorge; ein nur in den sprichwörtlichen N. A. Vorsorge verdürhet Nachsorge, und Vorsorge ist besser als Nachsorge, übliches Wort. Nachspä'hen, verb. reZ. rit-m r. welches das Hnlfswort haben erfordert, aber nur in der dichterischen Schreibart gebraucht wird. Einer Sache nachspähen, ste auszuspähen suchen. S. Spähen. Dav Nachspiel, des— es, plur. die — e, ein Spiel oder Schauspiel, welches nach einem andern, gemeiniglich größer», aufgeführet wird. - Nächspotten, verb. rex. neulr. mit dem Hülfsworte haben. Einem nachspotten, hinter ihm Her spotten, ingleichen, dessen Gang, Worte, Stimme n.s.f. mit Verspottung nachmachen. Daher dieNachspottnng. Nachsprechen, 2S0 Z89 Nach N'rchsprechen, vsrb.irr-^act. (S. Sprechen.) vorgefprochene Wonc wiedeehoblen. Foncrthas ^ang vor, die andern aber sprachen ihm nach. 2 Marc. 1,2z. Jagleichen jemandes W.rte mir Nachahmung der Geberden, der Stimme und des Tones Miederhohlen ; Nachreden. Einem nacysprechcn. Nächsprrnyen, vsrb. irrsZ. ueukr. (S. Springen,) welches das Hülsswort sexn erfordert, hinter jemanden her ipringen, thm springend folge«. Einem nachspringen. Jngleichcn mit dem Zeinvorte kommen. Er kam mir nachgesprungen. Ns-yspüven, vöi b. reg. neuer, mit dem Hülfmvorte haben, nach einer Sache spüren, sie anszuspüren suchen. Der und, der Aager spüret dem Wilde nach. Wir wollen der Natur gar zu genau nachspüren, und sie ist für uns doch viel zu schlau, viel zu heimlich. Daher die Nachspürung. N.ra)st, die dritte Staffel des Beyworres nahe in der adverbischen Gestalt,welche vornehmlich eine drcyfache Bedeutung hat. l. Des Ocrcs, etwas zu bezeichnen, welches sehr nahebei) und neben einem andern Dinge ist oder geschieher, wo cs denn bald alsein eigentlichesNebemvort gebraucht wird, bald auch als einVorwort. Als ein ejgentlichesNebenwort muß es alleMahl noch eine oder die andere Partikel zur nähern Bestimmung bey sich haben. Er saß zu nächst oder zu allernächst bey mir, er saß ganz nahe an mir, unmittelbar neben mir. Er wohnt hier nächst oder hiernächst, hier gleich in der Nähe. Welche Arten des Ausdruckes doch insge- sammt nur im gemeinen Leben üblich sind, so wie diejenigen, wo es in Gestalt eines Vorwortes mit der dritten Endung verbunden wird. Dein Bruder saß nächst mir, ganz nahe neben mir. 2. Der Ordnung, des Ranges, etwas zu bezeichnen, welches m Ansehung einer Eigenschaft unmittelbar-auf ein anderes Ding höherer oder bessercrArt folget; in welcher Bedeutung auch das Vorwort nach gebraucht wird. Hier erfordert es alle Mahl die dritte Endung. Nächst dir ist er mir der liebste, nach dir. Du, den ich nächst den Göttern am meisten ehre, Geßn. Z. Der Zeit. 1) JnGeflalt eines Vorwortes. Nächst dem oder demnächst, unmittelbar hieraus, der Zeit und Folge nach. Demnächst wird auch für so bald als möglich, mit nächstem gebraucht,(S.Nachstest 2) Als ein eigentliches Nebenwort, für neulich, von einer vor kurzen vergangenen Zeit. Nächst, als ich im Garten war, neulich. Du glaubtestnächst, ich würde es nicht thnn. Ihr .wartetet nächst in der Nacht, Günth. (S. Nächste, Nächstens und Nächten.) So fern es andern Wörtern der Zeit beygesüget wird, z. B. die nächst vergangene Nacht, S. Nahe. Anm. Im Niederst nagst, negst, naast, im Dän. nä'st, im. Schwed, näti, im Angelst und Engl. usxt. S, Nahe. Der Nächst ächel, des—s, plur.die— n, in der Bienenzucht einiger Gegenden,dcrLegestachel dcrBicnen und anderer Jnsecten, vermukhstch weil er sich nach oder hinter dem zum Stechen dienlichen Stachel befindet, S. Lcgestachsl. Der Nächsten-, des — es, plur. die — stände, nachstehendes, d. i. rückständiges Geld; doch nur in einigen Gegenden, ws mau auch das Bey- und Nebenwvct nachständig für rückständig hat. Die Nachstände eintrciben, die Rückstände, die Reste, die nach- ständigcn Geldposten. S. Rückstand. Der, die, das Nächste, der Superlativ des Beywortes nahe, von welchem hier nur ein Paar besondere Arten des Gebrauches zu bemerken sind, in welchen die erste und zweyte Staffel nicht üblich sind. . r) Von der Zeit, als ein Beywort, eine sehr nahe bevor stehende Zeit zu bezeichnen, so wohl mit einigen Hauptwörtern, wohin die im gemeinenLeben üblichen Ausdrücke nachsterTage und nächsten Tages, für nächstens, in den nächst bevor stehenden Tagen, gehören. Als auch mit Auslassung des Hauptwortes. Mit nächstem, Nach nächstens, so bald als möglich. Ich komme mit nächstem. Den nächsten, für sogleich, welches mehrmahls im Theuerdanke ange- troffen wird, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich, so wie nächster Zeit,' für neulich. Du meintest nächster Zeit, getreu und edler Freund, Ich scherze gar zu viel mir meinenTastalr'nnen,Giiitth. S. Nächstens und Nahe. -2) Als ein Hauptwort gebraucht, bedeutet es schon von Alters her eine Person, welche am nächsten und genauesten mit uns verbunden ist. So nennt Ottfried die Blutsfreunde oder Verwandten R aüilkLn o, und im Dithmarsifcben heißt ein Blutssreund noch jetzt Neuster. JmTaiian bedemet Nubnücr den Nachbar, weil er uns am nächsten wohnet; in welchem Verstände es auch noch in derDeutschenBibelvorkommt, z. B. 2 Mos. i', 2. Jetztistes in der Gottesgelehrsamkeit und Sittenlehre in writererBedentuns üblich, wo der Nächste oder unser Nächster ein jeder Mensch außer uns ist, weil doch unter allen zufällizenDmgen andereMen- schen der übereinsiimmigen Natur wegen uns am nächsten sind. Du sollt kein falsch Zeugniß reden wider deinen Nächsten, «Mos. 20, 15. wer ist denn meinNächller? Luc. »o, 29. . Der Plural wird in dieser Bedeutung nicht leicht gebraucht, ob er gleich der Sache sehr wohl angemessen wäre, er auch bey den ältern Oberdeutschen Schriftstellern nicht selten ist.Vucke andere Nnbition mioe, heißt es schon im 8ten Jahrhunderte. Meine Nächstenchaben sich entzogen und meine Freunde haben mein vergessen, Hiob c 9, » 4 ; wo Michaelis es gleichfalls im.Plural bcybehalten hat. Indessen scheinen hier Nachbarn oder Bluts- frennde gemeinct zu seyn. Im Fäminino müßte es nach der Analogie anderer Beywörter, wenn sie als Hauptwörter stehe«, die oder meine Nächste heißen; allein auch diese Form ist ungewöhnlich und man gebraucht dev Nächste und mein Nächster lieber von beyden Geschlechtern ; sie istja auch dein Nächster. Aber die Nächstinn, wie aMos.i 1,2, daß ein jeglicher von seinem Nächsten und eine jegliche von ihrer Nächstinn silberne und güldene Gefäße fordere, ist eben so ungewöhnlich, als die verwandtinn, Bedr'entinn u. s.f. Ulphilas nennet den Nächsten Hekivullckja,Kero aberNaüilio, Ottfried^sbiÜn. JmAngels. heißter RekÜL,im Dän.Näste, im Schwed. IMlie, im Bretagnischen Reiser, im Pers. Ra/.ck. Notker gebraucht dafür 6eIsZene, der Verfasser des Buches der Weisen Ebenmensch, und im Niederst ist noch jetzt Evcnminsk üblich. S. Nahe. Nächftechen, verb. irreZ. (S. Stechen.) 1) Als ein Activum, stechend nachbilden. So stechen die Kupferstecher einGemahlde, eine Zeichnung, oder einen Kupferstich nach. Daher ist dev Nachstich ein solcher nachgestochener Kupferstich. 2) Alsein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, ist im Bergbaue der, säuern oder Bergleuten nachftechen, ihnen nachfabren, um zu scheu, ob sie ihre Arbeit gehörig verrichten. Von stechen, so fern es im gemeinen Leben zuweilen für schnell gehen gebraucht wird. Daher das Nachstechen in beyden Bedeutungen. Nachstehen, verb. irre§. nentr. (S. Stehen,) welches das Hülfswort seyn bey einigen auch haben erfordert. >) *Zurück stehen, noch außen stehen; wo es doch nur im Oberdeutschen für rückständig seyn üblich ist. Nachstehende Reste, (S. Nachstand.) 2) Im folgenden befindlich seyn. Der Brief der nachstehet, hiev folget, Raben- Seine Antwort lautete, wie nachstehet. Für welche Ausdrücke man in deranständigern Schreibart lieber folgender Gestalt gebraucht. DasMittelwort nachstehend macht weniger M-ßklang. Er that mir nachstehende Erklärung. Z) Der Ordnung und zugleich dem Range nach, nach einem andern Dinge stehen, die zweyte Stelle haben, und in tveitekkk Bedeutung, dem- V - 2 selber-! Nach Nach Zk>2 selben nachgesetzet, für geringer gehalten werben; nachgehen. Ich mußte ihm nachstehen, mußte ihm den Verzug lassen. DieZart- richkeit soll der Zreundschaft einige Augenblicke nachstehen, Gell. ^Allgemeine Pflichten müssen den besondern nachstehen. Der Mensch stehet den Thieren an Stärke und Sicherheit des Instinkts weit nach. So auch das Nachstehen.' NckchstelFen, verb. irrsA. neutr. (S.- Steigen,) welches das Hülfswort seyn erfordert, steigend folgen, hinter jemanden her steigen. Einem nachsteigen. Daher das Nachsteigcn. Nachstellen, verb. reZ. welches in doppelter Gestalt üblich ist. r. Als ein Aetivum. -) Nach einer andern Sache, hinter dieselbe stellen, mit der vierten Endung der Sache; in welchem Verstände es doch felteu gebraucht wird. 2) Bey den Jägern ist, das Jagdzeug nachffellcn, was bey dem aufgestellten Jagdzeuge noch vergessen oder versehen worden, in seine völligeLage oderOrdnung bringen; Nachrichten. 2. Als eia Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, nach etwas stellen, d. i. durch ausgestellte Fallen, Schlingen, Netze u. s. s. in feine Gewalt zu bringen suchen. So stellen die Jäger im eigentlichsten Verstände den wilden Thieren nach, wenn sie selbige durch aufgestellte Fallen u. s. s. zu fangen suchen. In weiterer Bedeutung ist cs oft überhaupt durch List zu bekommen suchen. Einem Amte nachstcllen. Jngleichen aufeine heim- liche Art aus dem Wege zu räumen suchen. Einem nachstcllen, ihm nach dem Leben trachten. Jemanden mit Gifte nachstellen. Ehedem sagte man vollständig , einem nach dem Leben stellen. Daher die Nachstellung, plur. die—en, die Handlung des Nach- ^ stellcns auch in einzelnen Fällen. Nächstens, ein Umstandswort der Zeit, welches von einer nächst bevor stehenden unbestimmten Zeit gebraucht wird. Ich will es nächstens mi.bringen, mit nächsten. Im Oberdeutschen nahe- stens, des nutzesten, nächstens. S. Nahe, Nächste und Nächst. Die Nachsteuer, plur. die—ir. 1) Eure Steuer, d. i. Geldhülfe, welche nach einer schon gegebenen zu eben derselben Sache uochmahls gegeben wird. 2) Ein Nähme, welchen an einigen Or. ten das Abzugsgeld führet, welches schon i» der ersten Hälfte des rzten Jahrhunderts unter dieser Benennung vorkommt. Siehe Abzugsgeld. Nachsteuern, verb. reZ. acl. i) Nachhelfen, doch nur im gemeinen Leberl; Rieders, uastüren. (S. Steuern.) , 2) Nachdem man bereits gesteuert, d. i. Steuer oder Hülfsqeld gcgebeir hat, zu eben derselben Sache uochmahls steuern. Zehn Thaler Nachsteuern. Der Nächstrch, des—es, xlur. die—e, S. Nachstechen. Nachstopfen, verb. reA.aet. hinter eine gestopfte oder eingestopf- Le Sache noch etwas stopfen. Nachstoppebn, verb. reZ. scr. eigentlich die Stoppeln Nachlesen, und in weiterer Bedeutung, mühsam Nachlesen oder nachsammeln; ingleichen Nachlesen überhaupt, im verächtlichen Verstände. Daher die Nachstoppelung. Nachstoßen, verb. irreZ. act. (S. Stoßen.) r) Was schon gestoßen ist, nochmahls stoßen. Etwas nachstoßen. 2) Eine Bewegung durch Stoßen vermehren. Z) Hinter her stoßen. So auch das Nachstößen. Nachftreben, verb. rsA. neutr. mit dem Hülfsworte haben und der dritten Endung des Nennwortes, r) Nach etwas streben, in der edlen Schreibart. Der Tugend nachstreben. 2) Im Strebe« nachahmen. Jemanden nachstreben. Daher die Nachstrebung und das Nachstreben. Nachstreuen, verb. reZ. act. hinter jemanden her streuen, mit her vierten Endung der Sache und der dritten der Person. Jn- gleichen was oder wo jemand gcstccuet hat, nochmahls streuen» Daher das Nachstreuen. Nachsturzen, verb. reZ. rieuir. welches das Hülfslvvrt seyn erfordert, hinter her, hinter drein stürzen, stürzend folgen. Daher das Nachstürzen. Nächsuchen, verb. re§. neutr. mit dem Hülfsworte haben, nach etwas suchen, es aufsuchen; doch nur absolute. Ich will nachsuchen, ob ich es finde. Zuweilen auch mit der viertrn Endung. Etwas nachsuchen, bey einem Höher» darum anhalten. Eine Pension, oder um eine Pension nachsuchen. Daher die Nachnutzung. Im Jagdwesen isiauch die Nactzsuche üblich, wo es das Recht bedeutet, ein augeschossenes Wild in einem fremde« Reviere aufzusucheu; die Folge. Die Nacht, plur. die Nächte. 1) Fiustermß, der Stand der Dunkelheit überhaupt. Es wird am Morgen doch Nacht seyn. Es. 21, i2. Wenn es am Tage sehr dunkel wird, sagt man häufig , es werde Nacht. Murner wandelte fort, durch dr'Le cimmerische Nachte ssber plutons finstre Gefilde, Zachar. Alles schien sich um mich her, in Nacht und Grauen zu verhüllen. 2)Jn engerer Bedeutung diejenige Zeit, da die Hälfte der Erd- / kugel verdunkelt wird, da sich die Sonne unter unserm Horizonte verweilet; im Gegensätze des Tages. Es ist Nacht. Es wird Nacht. Die Nacht bricht an, überfallt, übereilet uns. Ich habe diese Nacht, oder die vorige Nacht kein Auge geschlossen. Etwas auf die Nacht aufheben. Ich kam ihn weder Tag noch Nacht von der Seite. Tag und Nacht arbeiten, unaufhörlich. Die Nacht ist niemands Freund. Bey der Nacht find alle Ragen grau, oder alle Rühe schwarz. Siehe, die einsame Nacht winkt mit demblcyexnen Zepter Ihrem Lüsternen Zug, Zachar. Die zwolfNächte, die zwölf Nächte vom ersten Christtage an, aus deren Beschaffenheit der große Haufe die Witterung des ganzen Jahres vorher bestimmet, wobey jede Nacht für einen Monat- gelteir muß. ' Besonders in Ansehung der Ruhe, des Schlafes. Der RranSr har eine gute, eine böse Nacht gehabt. Sie haben ihm mit dieser Nachricht eine unruhige Nacht verursacht. Viele schlaflose Nächte haben. Gute Nacht! der gewöhnliche Wunsch einer guren Nachtruhe vor dcmSchlafengehen. Daher, jemanden gute Nacht sagen, wünschen, oder geben, welches auch wohl figürlich gebraucht wird. Der Welt gute Nacht sagen, oder geben, sterben. Und nahmen fröhlich gute Nacht, Gell. Die Ausdrücke wohlschlafende, wohlruhende, geruhsame Nacht, gehören in die Sprache des großen Haufens, wovon die bepden erste« nicht einmahl grammatisch richtig sind. Mit einigen Vorwörtern wird dieses Wort auf eine ein wenig ungewöhnliche Art gebraucht. Bey der Nacht, zur Nachtzeit, in der Nacht. Bey der Nacht arbeit.-n. Jemanden bey der Nacht erscheinen, zur nächtlichcnZcit. Ingleichen ohne Artikel, bey Nacht, im gcmeim'U Leben bey Nachte. Bey Nacht und Nebel davon gehen, mit Hülfe der Dunkelheit der Nacht. / Bey Nachte schlief sie stets noch an der Mutter Bette, Rost. Ich werde auf di? Nacht nicht schlafen können, Gell, in der künftigen Nacht, über Nacht, die Nacht über, im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart. über Nacht auöbleiben. Über Nacht an einem Drte bleiben, daselbst übernachten. Ie- wanden über Nacht bey sich behalten. Mit Z93 Mildem angehangtrn adverbischcn s wird dieses Wort auch häufig als ein Nebenwort gedrauchl; Nachts, d. i. zur Nachtzeit. Nachts muß man Nicht arbeiten. Daß dieses Nebemvort alt ist, erhellet schon aus demOttfried und Notker, tzuam err'imo vnütes, Ottfried, zur Zeit der Nacht. Da es im gemeinen Leben auch wohl das Vorwort vor vor sich leidet, wie mau auch sagt vor Tags, vor Nachts werde ich nicht wieder kommen, vor Nachts schlafen gehen. Nur der Ausdruck des Nachts für' Nachts hat keine Analogie, mau müßte denn die gleichfalls irregulären Formen aller Orten, dieser Tagen, nächster Lagen, für Analogie halten. Es scheinet, daß man das Nebemvort Nachts .für irgend einen männlichen Genitiv gehalten, und ihm daher den männlichen Artikel beygefllget, so wie man sagt des Lages , des Morgens, des Abends; ungeachtet Nacht ein werbliches Wort ist, Hessen Genitiv der Nacht heißen müßte. Dem sey wie ihm wolle, so ist dieser Ausdruck sehr häufig, selbst m der anständigen Sprechart. Des Nachts fällt der Lhau, 4 Mos. »i, 9. Der Lerr erschien Salomo des Nachts, 2 Chron. 7,12. Grauen des Nachts, Ps. 9», Z. Daß der Mond dich des Nachts nicht steche, Ps- r 2 », 6 ; und so in andern Stellen mehr. In der im gemeinen Leben üblichen R. A, zuNacht essen, bedeutet Nacht den Abend, das Abendbrot essen, welches daher auch wohl das Nachtbrot oder Nachtessen genannt wird. In Fastnacht bedeutet es den Abend, oder in weiterm Verstände den Tag vor einer gewissen Zeit , so wie Aox im Mittlern Lateine häufig von dem Tage vor einem Feste georaucht wird. In dem Worte Weihnachten, eigentlich die heiligen Nächte, ist die letzte Hälfte der alte Oberdeutsche Plural Nachten für Nächte, welcher noch jetzt in manchen Gegenden Oberdeutschlandes gangbar ist. z) Nach einer sehr alten Figur ist die Nacht und Finsterniß überhaupt ein Bild der tiefen Trauer, des Elendes, der Unwissenheit, des Todes und des Grabes. Zwar eine lange Nacht wird uns trennen, die Zeit zwischen dem Tode und der Auferstehung. Das Reich der Nacht oder der Schatten, der Zustand desTodes. DerBalldermich ins Reich der Nacht zu schleudernbrannte , Ramt. Denn tiefe Nacht deckt vor uns her die Lage, Die jeder noch durchwandern wird, Uz. h. i. Unwissenheit der Zukunft. Eine undurchdringliche Nacht zieht ihre Decke vor d as Zukünftige, Sonnenf. Des Schöpfers weisen willen pflegt eine dunkle Nacht noch vor uns zu verhüllen, Weiße. Anm. Bey dem Ulphilas Nakts, bey dein Kero, Ottfried u.f.f. Nakt, im Rieders. Nagt, im Dän. Island, und Schwed. Natt, im Angels. Ni!»t, Niiitas, im Engl. NiZüt, im Jtal» Notte, im Span. Noetie, Im Franz, ifluit, in der Provence Nusck, in GascogneNs^t, in Bretagne Nos, in Graubiiuden Nois, in Lotharingen Neut, Neuis, in Burgund Nsut, im Albanischen Nata, im Wallach. Noapte, im Slavon.uud Wen- bischen Noe, im Wallis. Nos, im Latein. Nox, noctis , im Griech. Nutz, »»«i-vs, im Hebr. NN2; woraus das hohe Alter und der weite Umfang diesesWortes hinlänglich erhellet. Es kann zugleich zu eitlem sehr einleuchtenden Beweise von dem Übergänge mancher Mitlaute in einander, oder vielmehr von demDaseyn mehrerer gleichbedeutender Ableitungslaute mit einem und eben demselben Worte seyn, weil man hier die Endbuchstaben ckts, x, eilt, et», e, j, t und tt, ptund s hat. Es ist mehr als wahrscheinlich, daß es mit dem bey dem Hesychius befindlichen Worte bie Finsterniß, und mit dem Latein, ui^er, schwarz, vielleicht auch mit ater, welchem nur das ohnehin nicht wesentliche N fehlet, (S. N,) sehr genau verwandt ist. Nach A94 Die Nachtanyel, plur. die — u, ein mit vielen, oft zwev hundert Angeln und anderm Zugehöre versehenes Seil, welches zur Nachtzeit quer über die Ströme gelegct wird, Fische i» Menge damit zu fangen; die Nachtschnur. Der Nachtanker/ des—s, xlur.ut nom.linx. auf ben Schis, ftn, ein Anker, welcher in der Größe auf den Hanptauker folget, und gebraucht wird, wenn dieser forttreibet; Franz. Innere äs veille. Vielleicht weil man ihn zur Vorsicht nebst dem Hauptau- kec zur Nachtzeit answirft. Die Nachtarbeit, plur. die—en, der Zustand, da man zur Nachtzeit arbeitet; ohne Plural. Jngleichsn Arbeit, welche zur Nachtzeit gethan wird. Der Nachtarbeiter, des— s,?1ur. ut vom. linZ. Fämiu. die Nachlarbeiterinn, eine Person, welche zur Nachtzeit arbeitet. In engerer Bedeutung werden diejenigen, welche in volkreichen Städten die heimlichen Gemächer zur Nachtzeit ausräumeu, in der anständigen Sprechart Nachtarbeiter genannt. Das Nachtbecken, des—s, plur. utnom.liaZ. ein Becken, d. i. Geschirr, zum nächtlichen Gebrauche, d. i. zur Adschlagunz des Urincs; der Nachttopf, das Nachtgeschirr, der Rammer- topf, das Rammerbecken. ^ - Die Nachtblatter, plur. die—N, Diminut.das Nachtblätter- chen , Oberd. Nachtblätterlein, schwarze, schwarzgelbc, röche oder auch weiße Blattern, welche zur Nachtzeit ausbrechcn, mit Entzündung uudSchmerz verbunden find, und zuweilen die Größe einer Schminkbohne haben; kpin^otis. Die Nachtblume, plur. die—n, bey den neuern Schriftstellern des Pflanzenreiches, eine ArtOstindischer Gewächse, welche ihre Blumen des Abends gleich einem strahlenden Sterne ausbreiten, und des Nachts mit einer vortrefflichen Weiße glänze«; Arctan- tkes l,. Der Traucrbamn, N. ^rbor triüis, ist eine Art derselben. Das Nachtbrot, des —es, plur. car. S. Nacht 2, und Nachtessen. Der Nacht-ru-, des—en, plur. hie —en, S. Alp. "Nächten, ein Nebemvort der Zeit, welches nur in den gemeine» Sprecharten Obersachsetts und Oberdeutschlandes üblich ist, wo es so viel als nächst, nächst vergangen, neulich, und in engerer Bedeutung gestern und gestern Abend bedeutet. Nächten tanzte» wir, gestern Abend. Nisa starb mir nächten, Logau. Neche spat, Theucrd. Kap. 78. Denn du mir necht sagst, ebend. Der an eitlem andern Orte nechten auch für neulich gebraucht. Icb üuoat mir ustitiM L^ats an einer rinne, der vo» Kiurenberg. In einigen Gegenden ist es auch als ein Bcywort üblich, den» Frisch hat irgend wo die Stelle gefunden: er räuspet den nächte» Schlaftrunk heraus, den gestrigen. Eben derselbe leitet es von dem Worte Nacht ab, allein es scheinet vielmekr von nahe, nächst abzystammen, weil es auch für neulich überhaupt gebraucht wird. Nächst hat hier nur den Zischlaut weggeworfeu. ^Nachten, verb. reZ. ueulr. welches das Hülfswort haben erfordert, aber nur im gemeinen Leben einiger Gegenden üblich ist, für Nacht werden ; Jtal. nottare, nottsZgisre. Es nachtet schon. Es fanget an zu nachten. Benachten heißt beym Hans Sachs von der Nacht überfallen werden. S. auch übernachten, wo aber das Zeitwort eine andere Bedeutung hat. Das Nachtessen, des —s, plur.inul. im gemeinen Lebe» einiger Gegenden, das Abendessen, die Abendmahlzeit; das Nachtbrot, Niederst zusammen gezogen Nagtfen, S. Nacht r, und Nachtmahl. Die Nachteuke, piur.die— n, eine Art Vögel mit einem sonderbaren Kopfe, welche fich nur des Nachts sehen lassen, und sich Bb 2 » alsdann Z9L Nach «lsdann durch ihre traurige heusende Stimme ankündigen, von welcher sie auch den Nahmen haben, Nachrcule für Nacht- § ule; 8 -ix?. sonst auch nur Eule schlechthin gerrannt, sowie -je Lateiner sie lstluln nennen, (S. Eule.) Es gibt ihrer vcrschicde- «e A teil, wohn» der Uhu oder Schubut, die Schleiereule, oder Rircheule, die Erdeule, die Gepereule, und andere mehr Aehören. Die braune oder gemeine Eule, 6 trix Lllula L,, w lche nur schlechthin die Nachteule genannt wird, heißt auch Buscheule. Die kleinsten Arten Eulen sind uucer dem Nahmen der Raine bekannt. Wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt fuhren auch einige Arten der Nachtfalter den Nahmen der Nachteulen oder N rchteulchen, LUrnlseuLe dergleichen das glatte Naq-reulchen, oder die wollmotte, ?l,ttiiielln I-Ior.acil- la ^ulcinia I,. Im gemeinen Leben hat man von diesem Vogel zwey Arten, wovon die eine, welche rörhlich von Forderst, der Rothvogel, ,md weil er auch bey Tage schlägt, der Tageschläger oder L orriing, (S. dieses Wort,) die andere mehr graue Art aber, welche am liebsten bcy der Nacht schlägt, der Nachtschläger, Sprosser oder Sproßvogel genannt wird. Auch eine Arteines grobenGeschützeS, welches 4z Pfund schoß, war ehedem unter dem Nahmen der Nachtigall oder Singerinn bekannt. Anm. Bey denSchwäbischenDichterndieldla!itcZal,irriDätt. Nattergal, imAngelsächst I^aecleZuls, l^iZlitZule, im Engl. NiAkünZsIe,iinSchwed. fiiäcterZul; alle von Nacht und dem alten Gall, g allen, singen, weil sich dieser Vogel durch sein nächtliches Singen von allen andern unterscheidet, (S. Gall und Gallen.) Eben so wird der KibiS, oder doch eine Art desselben in einioenGegenden derSeegallgenannt, nach dessen Muster auch Nachtigall in einigen Gegenden männlichen Geschlechtes ist, der Nachtigall. Die Nahmen, welche dieser Vogel in andern Sprachen führet, sind gleichfalls von seinem Gesänge hergenommen- Dahin gehören die Gricch. /t,-«,, und , der Latein, ^ulcinis, vonl^ux und cnnere, Weiler bcy Licht singt, das Jtal. k oMZnuolo, und andere mehr. Der Nachtisch, des—-es, plur. inul. von nach und Tisch,.dasjenige, was nach der eigentlichen Mahlzeit zum Beschlüsse derselben noch anfgesetzet wird, als Dbst, Confcct u. s. s. Mit einem Französischen Worte das DEstert, Niederst Nagift, im Mittlern Lat. Kpickipttis. Man muß den Nachtisch nicht mit dem ganz verschiedenen Nachttische verwechseln. Die Nachtiayd. ptur. die —en, rine Jaad, welche zur Nachtzeit angestellet wird; die 7tb'endjagd, und weil man sichdabey der Fackeln beoienet, die Fackeljagd, im gemeinen Leben ein Nachtjagen. DieNachtkevze, plur. die—n. i) Ein Nachtlicht; doch nur im Oberdeutschen. 2) Bey den neuern Schriftstellern des Pflanzenreiches ist cs eiiu- Pflanze, welche in Amerika rlnhei- misch ist, und voll welcher es wieder verschiedene Arten gibt; Oenotttera l,. Das Nachtsleiö, des—es, plur. die—er, ein Kleid oder eine Bekleidung des Leibes, welche man des Nachts im Bette traget, und wohin die Nachtkamrsöler, Nachkjnpchen, Nacht- wämmser, Nachtmieder u. s. s. des gemeinen Lebens ge, hören. Die Nachtkleidung, alle zur nächtlichen Bekleidung gehörige Stücke. . - Das Nachtlager, des —s, plur. die—läger. i) Derjenige Ort, wo man aufder Reiste übernachtet, besonders von Kriegs- Heeren nnd Personen, welche mit einem ansehnlichenGefolge reisen; im gemeinen Leben das Nacht - (Quartier, welches aber auch von einzelnen Personen gebraucht wird, die Nachcherberge. 2) Die Übernachtung, der Aufenthalt aufder Reise zur Nachtzeit , wo es auch von einer jeden einzelnen Person gebraucht wird, ohne Plural; im gemeinen Leben gleichfalls das Nacht-(Quartier. Das Nachtlager an einem Muc nehmen, haben. Jemanden das Nachtlager geben. Im Mittlern Latein, öiocturuum cks're. Die Nachtlampe, pur. die—n, Dimüutt. das Nachtlamp- chen, Oberd. Nachtlämplem, eine gemeiniglich kleine Lampe, mit einem schwachen Dochte, welche man dieMacht über brennen lasset. - - - Nach Z98 Dep Nachtleuchtsv, des—s, plur. m norm llng. 7iue ArS - Leuchter, in deren weiten und tiefen Dille das Nachtlicht schwimmet, damit es bey der Nacht keinen Schaden thue. Nächtlich, aäj. et uck v. was bey der Nacht ist oder geschiebet» Ein nächtlicher Besuch. Nächtliche Zusammenkünfte. Bezt nächtlicherweile, im gemeinen Leben, für, bey der Nacht, zur Nachtzeit. Seufzend bebet auch jetzt der matte nächtliche Zephyr Durch der Espen erzitterndes Laub, Zach. Der nächtliche Anzug. Amn. Schon bey dem Kero uaftkliülr. Als ein NcbenworL allein, für in der Nacht, ist es im Hochdeutschen ungewöhnlich, ob es gleich bey den Schlesischen Dichtern sehr häufig vorkommt. Nächtlich und zu Morgen, die Nacht durch bis an den Morgen, Opitz. Die Sternen um des Himmels 5?ld, Go nächtlich leuchten aller Welt, ebend. Als kurze Zeit, die einer nächtlich wacht, ebend. Nächtl-ch seh ich tausend Sterne — In der Ferne, Günth. Das Nachtficht, des—es, plur. die —er, Diminut. das Nachtlichrchen, Obcrd. Nachtlichtlein, überhaupt ein Körper, welcher die Nacht über leuchtet, in welchem Verstände Opitz den Mond ein edles Nachtlicht nennet. In engerer Bedeutung, eine Art dünneefanger nnd mit einem schwachen Dochte versehe- ner Lichter, welche man des Nachts über, während des Schlafes, , in einem Zimmer brennen lasset. Die Nachtliebfte, plur. die—n, eine Art Tnbbrosen, welche auf den OstlttdischenJl'seltt einheimisch ist; koliullüiss^micL nocturnaL.. Die Nachtluft, plur. die—lüfte, der Zustand der Luft zurNacht« zeit; ohne Plural. Auch eine gelinde Bewegung der Lust zur Nachtzeit, da es denn auch Nachtlr'iftc gibt. Die Nachtluss, piur.inul. eine zur Nachtzeit veranstaltete Lustbarkeit. *Das Nachtmahl, des—es, plur. die—e, eine im Hochdeutschen veraltete Benennung der Abendmahlzeit. In den gemeinen Sprecharrcn pflegt man das Sacrament des Altars noch häufig das Nachtmahl zu nennen, wofür doch in der anständigen Sprechart Abendmahl üblicher ist. Der Nachtmahr, des—es, oder —en, plur. inust. eine m einigen Gegenden übliche Benennung des Alpes, S. Mahr und Alp. Das Nachtmännchen, oder Nachtmännlein, des—s, plur. iuul. auch rin Nabme des Alpes, S. dieses Wort. Der Nachtmantel, des—s, plur. die--mantel, ein leichter ' Mantel des andern Geschlechtes ^welches denselben Abends nach dem Ariskleiden nnd Morgens vor dem Ankleiden zur Lcqnemlich- feit um sich zu nehmen pstegt. DerNachtmeifter, des—s, plur.ut ncnn. lmZ. im Hütten, baue, ein Hüttenmeister, welcher des Nachts die Schmelzhüt. tcn besucht, nm zu sehen, ob die Arbeiter ihre Schuldigkeit gehörig erfüllen. Der Nachtmensch/ des—en, plur. die—en, eine vorgegebene Art Menschen, welche nur allein bey der Nacht sehen können, undauch weiße Mohren genannt werden, S. dieses Wort in 2 Mohr 2. Die Nachtmotte, plur. die—n, ein Nahnre der fliegenden Motten, welche sich nur zur Nachtzeit steben lassen , und auch nur Motte schlechthin, inglcichen Nachtschaben genannt werden; kftaiäeua Iftueu DieNachtmücke, plur. die -- n, S. Johannis-Würm. , * 4vo Zyy Nach Die Nächtmuslk, plur.die — en, eine zur Nachtzeit veranstaltete Musik. Die Nachtmütze, plur. die—n,Diminut. dasNachtmützchen, Oberd. die—lein, eine Mütze zur Bekleidung des Hauptes zur Nachtzeit im Bette, besonders bey dem männlichen Geschlechte. Im gemeinen Leben gebraucht man es auch alseinenSchimpfnah- men eines trägen, einfältigen Menschen. Der Nachtnebel, des—s, plur. laust ein Fehler des Gesichts, da mau zwar bey Tage gut siehet, in der Dämmerung aber blöd, sichtig ist. Den Nachtnebel haben. Das Nachtnetz,des—es, plur. die— e, S. Nachtgarn. Die Nacht-Nymphe, plur. die — n, eine Arl Nymphen, d. i. mit vier netzförmigen Flug. ln versehcnerJnsecten, welche sich nur des Nachts sehen lasten; Hvmorobiuü st,. die -Land - Libelle. Der Nachtpelz, des —es, plur. die —e, in einigen Gegenden ein Nähme des Schlafrockes, Nachtrockes oder Schlafpclzes. Der Nachtpöcher, des —s,plur.utvom.ün^.indenBergwerken, ein Arbeiter, welcher demPochwerke dieNacht über vorstehet ; zum Unterschiede von dem Tagepocher. Das Nacht - Quartier, des —es, plur. die—e, S. Nacht- lager und (Quartier. Der Nach: Trab, des—es, plur. die—e, ein gutes Oberdeutsches imHochdeutschen aber ungewöhnlichesWort, den hintersten Theil eines im Zuge begriffenen Kriegsheeres zu bezeichnen, der Nachzug, der Nachtrupp oder die Nachtruppcn, in der Schweiz dieNachhuth, im Gegensätze des.vortrabes, des vor- derznges, des vortruppes, oder der Vortvnppen, oder der Vrrhurh; wofürindem Hochdeutschen Kriegswesen die Französischen Ausdrücke Arriergarde und Avantgarde üblich gewor- den sind. S. .Trab und Nachtraben. Der Nacht-Rabe, des—ns, plur. die—n, ein Nähme, welcher verschiedenenVögelit beygelegt wird, welche desNachls herum fliegen, und dabey eine widrige Stimme haben, i) Oer Nacht- enle, welche bey dem Notker und in den Monselischen Glossen Aasttram genannt wird, von dem veralteten ramen, räbcn, schrcyen, inglcichen herum schwärmen. 2) Einer Art Reiher von der kleinern Art, welcher sich durch die drey auf demKopfe befind, lichen Fockfedern unterscheidet; Hwchea l^l^cticorax st,. bunter Retzer, Schildreiher,'Fischreiher, Nachtram, Nachtrciher, Zocker, (S. 2 Zocke.) 3) Am eigentlichsten führet diesen Nahmen eineArt großerSchwalben,von schwarzer oder dunkelbrauner Farbe, welche dieGrößeeinesGuckgucks hat,und sich nur imDnn- keln sehen lasset, da sie ein beständiges widriges Geschrey macht; stlirunclo LaprimulAaR/er/r.LaprlmulZus st,. Ihm singt die Eule nicht banges Unglück und der traurig krächzende Nachtrabe, Geßn. Er wird auch Nachtschade, Nachtschatten, Nachtschwalbe, Nachtwanderer, Nachtram, Nachtvogel, Pfaffe, weil er bey Tage schläft Tageschläfer, und weil er, einem alten Mährchenzu Folge, den Ziegen die Milch aussaugen, nud die Kind-.-r in der Nacht beschädigen soll, auch Ziegenmelker, Geißmelker, Ziegensangev, Milchsauger, Rindcrmelker u. s. s. genannt. Im Dän. heißt er Natravn, Narskade, A-'ten- -akken, Zlaggermusc, im Engl. Altztrt baer, leinst-.-Kn von. Die letzte Hälfte des Worten Nachtrabe zielet rrltweder aus seine dustere rauhe Sümme, oder staimnet ailch von raben , Eugl. to rove herum ichwärmeu, ab. 4) Figürlich psiegt man auch kitten Menschen, welcher desNachls Herum schwärmet, oder sich des Nachts allerley lärmende Geschäfte macht, em enNachtraben zu ncllnen. N.ru) : traben, verft. re^. nsutr. mit dem Hülfsworte seyn, hinterher oder darein trabktt, mir derdritten Enoungder Person. Linem nachrrgberr. Nach Nach-trachten, verlr.rsZ. neutr. mit dem Hülfsworte haben, von nach und trachten, nach einer Sache trachten, sie gleichsam trachtend verfolgen, mit der dritten Endung des Nennwortes. Er trachtet und jaget ihm nach, Pred. z, 'z. Am häufigsten für nachstellen, d. i eine Sache in s.ine Gewalt zu bekommen suchen; wo es doch den Begriff der Hinterlist nicht bey sich führet , wie nachstellen. Oie Juden trachteten Jesu nach, Joh.L, *8, So auch die Nachtrachrnng. S. Trachten. DerNach-Tcay, des—es, plur. die—träge, dasjenige, was nachgetragen wird. So w;rd der Nachschuß, d. i. Geld, welches man nach schon bezahlter Hauptsumme zu einer und eben derselben Sache nachschießer, ofteinNachtrag genannt. Bey Schriften ist es zuweilen ein Supplement, etwas, was zur Erläuterung oder nähern Bestimmung des vorher gehenden noch nachgehohlet wird. Nach:tragen, verb. irreZ. act. (S. Tragen,) von nach und tragen, welchesbie dritte Endung der Person und die vierte der Sache erfordert, t. Hinter jemanden her tragen,ihm tragend irach- bringen. 1) Eigentlich. Sic legten das Rreu; dem Simoni von Tprene ans, daß ers Jesu nachtrüge,L»c. 2z, 26. 2) Figürlich tragt man jemanden etwas nach, wenn man ihm eine ge- schehene Sache vorwirft, vorrückt, und in engerer Bedeutung, wenn man eine von ihm empfangene Beleidigung im Andenken behält, in der Absicht, sich gelegentlich dafür zu rächen. Tragen fle mirs doch ja nicht nach. Niederst nädrä'gen. IraZe uiLmanneuitnocli (nach) langen blas,Winsbeck. Im Hochdeutschen gebraucht man es am liebsten mit dem Worte es, welches sich denn auf die vorher erwähnteBeleidigung beziehet. s. In Absicht der Zeit und Ordnung, nach vorher scholl verrichtetem Tragen noch das übrige tragen; wo es nur mit der vierten Endung allein, und in verschiedenen figürlichen Bedeutungen des Wortes tragen gebraucht wird. So trägt man etwas in einer Rechnung, in einem Buche nach, wenn man etwas, welches mau eiiizuschreibeu, oder zu schreiben vergessen hatte, nachhoh- let, S. Nachtrag. Daher die Nachtragrmg. Der Nacht-Ram, des — es, plur. die—e, stehe Nachtrabe ». und 2. Nach:treiben, verb, ,'rreZ. aet. (S. Treiben. 1) Hinter her oder hinter drein treiben. Einem das erkaufte Vieh nachtreir ben. 2) Eilte Bewegung durch Treiben von hinten beschleunigen. So werden bey den Holzflößen die in das Wasser geworfenen Scheite nachgetrreben wenn sie mit dem Floßhaken voll dem Ufer abgestoßen werden. Z) Inglcichen, absolute, nach oder Himer einem andern treiben, d. i. Huchen. 4 ) Im Niederst ist einem etwas nachtrerbcn , es ihm nachtragen. So auch das Nach- treibcn. Der Nacht-Reiher, des—s, plur. ut nom^liuZ. S. Nachtrabe 2. Nach-tr?ten, verb.irreZ. veutr. (S. Treten,) mit dem Hülfs- nx-ne scyn, hinter jemanden her treten, d.-i. feyerlich gehen, mit der dr.tteu E»d„i,a der Person. Mw trat mit sittsamen Gcberdcn Ein äeer vergoldter Diener nach, Lichtw. Der NaU>t-Rrrtz'l, des—s. plur. ut NOM. IlNZ. an de« Französische,. Schlössern, rin Riegel, vermittelst dessen man ein Z in.ucr des Nachts voir innen verriegeln kann. Der N rcy-Tcreb. des—es, oder die Nach-Trift, plur. iuust. S. Nachblnh und Nachtreiben Z. Der Naw?t-RocL, des — cs, plur. die — recke, der Schlafrock. Wenn mlc Bachus oder Tppria den Scherz lm Nachtrock schländern sah, Gotting. Mus. Alm. 1776. Nach- 402 40i -Nach Nach-trillern, Verb. reg. ack.was vörgetrillert worden, trillernd wiederhohlcn, jemandes Thriller uachmachen. Einem nach- trillern. Jngleichen mit einer unangenehmen Hellen Stimme nach. singen. Etwas nachtrillern. ^ Die Nacht-Runde, plur. die—n, die Run.de, d. i. Soldatenwache, welche des Nachts herum gehet. Der Nach - Trupp, des —es, plur. die—e, (S. Nachtrab.) Man findet auch dafür im Plural ohne Singular die Nachtruppen. S. Trupp und Truppen. Die Nachtschabe, plur. die —n, S. Nachtmotte. Der Nachtschade, des—ns,plur. die-— n, S. Nachtrabe. Z. i.Der Nachtschatten, des — s, plur. ut vom. liug. S.ebend. r.Der Nachtschatten, des —s, plur. inu5. i) Ein kletterndes strauchartiges Gewächs, welches überall«! den Hecken wachset, dessen Blumen des Nachts einen angenehmen Geruch von sich geben; 8olarium Dulcamara l-. Bittersüß, vielleicht wegen des widerwärtigen Geschmackes der Beeren, Je langer je lieber, entweder wegen des angenehmen Geruches der Blüthe, oder auch, weil die Wurzel, wenn man sie kauet, je länger je süßer schmeckt, Hinschkraut, weil es wider den Ansch, d. i. die Engbrüstigkeit, gut ist, Alpranken, (S. dieses Wort,) Mauseholz. Engl. l)iig!it.-8!iack6; vielleicht weil der angenehme Geruch, welchen die Blüthe des Nachts von sich gibt, Kopfschmerzen verursacht und folglich schadet. 2) Eine andere Art dieses Geschlechtes, welche »och häufiger Nachtschatten, sonst aber auch gemeiner Nachtschatten genannt wird, und überall in den Gartenländern wachset, soll ein narkotisches Gifthaben ; 8olauum rnzruru l-. Säu- kraut, weil die Schweine davon sterben, im Oberd. Morche, vielleicht wegen der schwarzen Beeren, Jtäl. Kkoreila. z)Derdrep- blätterige Nachtschatten ist ein Gewächs, welches nur in Virgi- nien und Carolina einheimisch ist ; Irilliuui 1,. Der Nachtscherben, des—s, plur. ut nom.liuZ. S. Nachtbecken. Die Nachtschicht, plur. die — en, im Bergbaus, die Schicht, d. i. die Arbeitszeit, iu der Nacht, oder von Abends 8 Uhr bis Morgens Z Uhr; zum Unterschiede von der Frühschicht und Tagcschicht. Der Nachtschichter, des—s, plur. utnom. eben daselbst, derjenige, welcher in der Grube oder in der Hütte des Nachts arbeitet, zum Unterschiede von dem Tagefchichter. Das Nachtschießen, des — s, plur. ut nom. 6uZ. an den Höfen, eine Feyerlichkeit, da zur Nachtzeit nach einer Scheibe geschossen wird. , ^Nachtschlafend, ackj. welches nuriuden niedrigen Sprecharten .üblich ist. Bey nachtschlafender Zeit, zur Nachtzeit. Der Nachtschlayer, des—s, plur. ut. som. lioZ. S. Nachtigall. Der Nachtschmelzer, des—s, plur. ut nom. sinA. in den Schmelzhütteu, derjenige, der das Schmelzendes Nachts verrichtet. > Die Nachtschnur, plur. die — schnüre, eine mit vielen Angeln versi-heue Schnur, welche des Nachts querüber einen Flußge- spannet wird, viele Fische auf Ein Mahl damit zu saugen; die Nachtangcl. Der Nachtschreiber, des— s, plur. ut vom. finF. an einigen Orten, ein Thorschreiber, welcher die bep der Nacht zur Stadt einkommenden Personen aufschreibet. Die Nachtschwalbe, plur. die—n, S. Nachtrabe Z. Der Nachtschwärmer, des —s, plur. ut nom. llog.Fämm. dieNachtschwärmerinn, eine Person, welche des Nachts herum schwärmet, d. i. sich entweder ausgelassen belustigt, oder allerlcy lärmende Geschäfte vornimmt. Daher die Nachrschwarmerey. Adel. W. B. Z.Th. 2. Aust. Nach Der Nachtschweiß, des —es, plur. doch nur von mehrern Arteu , die—e, starke Schweiße, welche manche Personen gewöhnlich des Nachts zu haben pflege», und^welchen vornehmlich hektische und mit andern auszehrenden Krankheiten behas» tctcPersoncn ausgcsetzt sind. DasNächt-Siynäl, des — es, plur. die—e, auf den Schiffen, Signale, welche des Nachts mit Feuer oder Schießen gegeben werden; zum Unterschiede von den Tage - Signalen, wozu die Flaggen, Segel und Wimpel dienen. Das Nachtstellen, des — s, plur. iuus. im Jagdwesen, die Umstellung eines Geholzes in der Nacht mit Tüchern oder Lappen, . damit das Wild, welches Abends heraus gegangen ist, nicht wieder hinein kann. Das Nachtstück, -des—cs, plur. die — e, bey den Mahlern und Kupferstechern, die Abbildung einer Handlung oder einer Gegend bcy der Nacht. Der Nachtstuhl, des—es, plur. die—stähle, ein beweglicher Abtritt in Gestalt eines Stuhles, eine Bequemlichkeit den Leib auf dem Zimmer, besonders zur Nachtzeit zu erleichtern; der Lcibstuhl. Die Nachtstunde, plur. die — u, eine von den Stunden, 1», welche die Nacht gerheilet ist. Der Nachttisch, des — cs, plur. die — e, ein Tifchbes andern Geschlechtes, das Geschmeide beym Auskleiden und die Nacht über auf selbigen abzulegen, ingleichen sich vor selbigem anzu- kleidcn und zn putzen; der Pritztisch, mit einem Französische» Nahmen, die Toilette. Der Nachttops, des —es, plur. die— topfe, Diminut. das Nachttopschen, ein Topf, d. i. Geschirr, den Urin ans dem Zimmer, besonders znr Nachtzeit darein abzuschlagen; im Oberd. der Scherben , Nachtscherben,, S. Nachtbecken. Die Nachtuhr, plur. die — en, eine Uhr, an welcher die Stunden in der Nacht vermittelst des Mondes und der Sterne gezciget werden. . » ' Die Nächtviöle, plur. die—n, eine Pflanze, deren den Violen ähnliche Blumen nur des Nachts einen angenehmen Geruch habe»; ttelperis l^,. Die traurige Nachtsrole, tleiperis Irillis, wohntin Ungarn und Österreich. Eine andere Art, welche in den Gärte» Viola matrooalis und beym Linnes Uelperis watronZlis heißt, ist in Italien einheimisch. In Afrika und in d, r Provence werden noch ein Paar andere Arten gef«nden. Der Nachtvogel, des — s, plur. die — Vögel, Diminut. das Nachtvögelchen, ein jeder Vogel, welcher sich nur des Nachts sehen lässet, in/0 weiter Bedeutung, daß auch die Nachtfalter, l?t!alaeuae 1,, von einigen Nachtvögel genannt werden. In engerer Bedeutung sind einzelne Vögel dieser Art unter dem Nahmen der Nachtvögel bekannt, dergleichen z. B. der Nachtrabe ist. Die Nachtwache, plur. die — n. 1) Diejenige Wache, welche um der Sicherheit anderer willen zur Nachtzeit verrichtet^vird, z«m Unterschiede von der Tagcwache. Die Nachtwache thun, verrichten, halten, r) Diejenige Person oder diriemgen Personen , welche diese Wache verrichten. Z) Die Zeit, in welche eine solche Wache des Nachts auf ihrem Posten zubringen muß; eine jetzt ziemlich veraltete Bedeutung, weil man diese Einthei- lnng der Nacht an den wenigsten Orten mebr kemmt. Ehedem aber ihejlte man die Nacht in Ansehung der Wachen, besonders ben den Kriegsherren und in Festungen, in drey öder vier Theile, deren jeder denn eine Nachtwache genannt wurde. Tausend Jahr sind vor dir wie eine Nachtwache, Ps. 9», 4. In der vierten Nachtwache kam Jesus zu seinen Jüngern, March. 14, 2z. Schon bey dem Kcrs l^afttuuabllo, imTauan uuallta. Lex Ce MZ N ach Der Nachtwächter, des —s, plur. ut vom. 6ng. derjenige, welcher dazu bestellt ist, de- Nachts für die Sicherheit anderer zu wachen. Besonders derjenige, welcher des Nachts auf den Gassen für die össcnniche Sicherheit wachet; im Mittlern Latrine ^ oetiLnus, ^oLtieustos, Rieders. Rdper, weil er zugleich die Stunden in der Nacht abrnft, an einigen Orlen, besonders Oberdeutschlandes, Stillwächtcr. Figürlich wird auch zuweilen der Haushahn der Nachtwächter genannt. Der Nachtwanderer, des — s, plur. ul vom. ling. einePer- son, welche des glachts im Traume aufstehet, herum wandert, und allerlei) Geschafre verrichtet, ebne sich dessen bewußt zu scyn, dergleichen man sonst auch Mondsüchtig? zu ucnnen pstegt, (S. dieses Wort;) der Nachtwandelet-,-im Oberd. Nachtgänger, Schlafganger. Man gebraucht es von bcpden Geschlechtern. Si-bplla ist auch ein Na chrw anderer. Auch der Nachtrabe führet in einigen Gegenden diesen Nahmen. Der Nachtweiser, des —s, s>lur. ut uo:n. linZ. indcrSchifffahrt, ein Werkzeug, dessen man sich bedienet, in allen Stunden der Nacht zu finden, um wie viel der Nordstern höher Mer niedriger ist , als der Pol selbst. DieNachtzelt, chu r. in u s die Zeit der Nacht, die nächtliche Zeit. Zur Nachtzeit, des Nachts. Das Nachtzeug-, des —es, plur. die — e. i) Als ein Coller- tivunl und ohne Plural, alles was zur Bekleidung des Nachts gehöret. 2) In engerer Bedeutung war das Nachtzeug vor einiger Zeit eine Art eines bequemen Kopfputzes des andern Geschlechtes, welches.amTage zur Zierde getragen wurde. Die Dormem- scn , Lc-rnetten n. s. s. waren Arten davon, DerchAachtzug, des—cs, xlur. die — züge, ein Zug, welcher zur Nachtzeit angcstellet wird.- Besonders bep den Jägern, wenn ein Gehölz des Nachts mit Tüchern oder Lappen umzo- „gcn wird. Das Nachurthetl, des — es,- plur. die — e, in der Logik, ei» Urthcil. zu welchem mau durch Schluffe gelanget; zum Unterschiede von Bin Vorurtheile. Lrachwachsen, verb. rrreg. neutr. (S.wachsen,) welches das Hülfswort scyn erfordert. i)JmWachsthnmefolgen. Es wird nur absolute gebraucht. Das Gras wachst nach, wenn es abgehauen worden, und es von neuen wachset. Daher das Nachwachsen. 2) Einem nachwachsen, ihm imWachsthume Nachkommen. Nachwayen, verb. rsZ.recijiroc. sich nachwagen, sich hinter drein wagen. Nachwägen, verk. rez. uet. was schon gewogen worden, noch- rnahls wägen, um zu sehen, ob es recht gewogen worden ; Nachwiegen. Einem etwas nachwägen. Das Fleisch nachwä'gen. Daher das Nachwägen. Im gemeinen Lcbennachwiegen. E^Dre Nachwarse, silue. die — N, ein im Hochdeutschen veraltetes gutes Oberdeutsches Worr, ein nach dem Tode seines Vaters gebornes Kind, einen psstumiim zu bezeichnen. Nttchwanösln, verb. r 8, 2 Durch falschen Schein getauscht, eil' ich ihm nachzuwandeln, Bell. Lied. Das Nachweh, des—es, plur. die— en, die schmerzhafte . oder unangenehme Empfindung nach einer bereiLs.voriiber gegangenen Veränderung. Wenn jemand eine Krankheit ubcrstanden Nach 404 hat, so empfinde er oft noch lange darnach die Nachwehen davon. In noch weiterer Bedeutung pflegt man alle unangenehme selbst moralische Fotgenund Empfindungen, welche ans eine Handlung oder Veränderung folgen, Nachwehenzu nennen. In der engsten Bedeutung sind die Nachwehcn schmerzhafte Empfindungen in: Unterleibe und dem Rucken, welche das weibliche Geschlecht nach der Geburt empfindet, wo es nur allem im Plural gebraucht wird. Der Nachwem, des — es, plur. doch nur von mehrern Arten, die—e, Wein geringerer Art , welchcr^nach den bereits ausge- preßten Trauben, vermittelst auf die Hussen gegossenen Wassers und einer wiedcrhohltcn Pressung erhalten wird; Tresterwein, im gemeinen Leben Lauer, Lauerwcin, Lurkc. Nachweisen, verb. irreg. act. (S.Weisen,) welches die vierte Endung der Sache und die dritte der Person erfordert, weisen, d. i. zeigen, und in weitcrm Verstände, bekannt machen, wo man etwas finden könne. Aann er mir nicht den Mann Nachweisen, der u.s.f. Less. Da ich außer diesem Eremplare ein zweptes nicht nachzuweisen weiß , ebend. Daher die Nach; Weisung. Die Nachwelt, plur. die — en. 1) Die Welt, d. i. ein Zusank menhang zufälliger Dinge, welche nach der gegenwärtigen kommt; in welcher Bedeutung cs doch nicht leicht gebraucht wird. 2) In weiterer Bedeutung und ohne Plural verstehet mau darunter die Menschen, welche nach uns leben, die Nachkommen, die Nachs kommeuschaft ; im Oberd. die Afterwelt. Da wider ihn mehr Feinde sich gesellten. Als dir die Nachwelt glauben darf, Raml. Nachwerfen, verb. irreg. aer. (S. Werfen.) -) Hinter her, hinter drein werfen. Einem etwas nachwerfen. s)^olz nach- werfen, wenn das erste abgebrannt ist. ' . Nachwiegen, S. Nachwägen. Der Nachwille, des— ns, plur. die—11, in ben Rechten eind ger Gegenden, ein .Nachtrag oder Anhang, welcher zu dem bereits errichteten letzten Willen gemacht wird; däsLodicill. Nachwinden, verb. irreg. sct. (S. Winden.) ,) Hinter her winden. Einem etwas nachwinden. 2) Was schon gewuii« den worden, nochmahls winden. Etwas nachwrndcn. Daher das Nachwinden. Der Nachwinter, des—s, plur. ul vom. sinZ. kalte wimer- hafte Witterung z,l Anfänge des Frühlinges, nach bereits zurück gelegtem eigentlichen Winter. Nachwirken, verb. reg. welches in doppelter Gestalt gebraucht werden kann. 1) Als ein Neutrum, mit dem Hulfsworte haben, noch nach vollbrachter Wirkung, oder doch nach vorüber gegangener Wirkungszeit, feine Wirkung äußern. In diesem Verstände sagt man von einer Arzeney, z. B. von einem Laxativ, daß sie nach- wirke. 2) Als ein Activum, in denjenigen Fällen, wo .wirken thärig gebraucht wird. So wirkt mau in den Salzkothen nach, wenn man das versäumte oder verhinderte Sieden des Salzes nachhohlt. Daher dasNachwirkcn. Der Nachwuchs, des — es, plur. die—wüchse. I) Das Nachwach scn ohne Plural. 2) Was nachwächset. Nachwüuschen, vsrb. reg. net. hinter drein wünschen, Wünsche Nachfolgen lassen. Jemanden tausendfachen Segen nachwun- schcn. Daher die Nachwunschnng. Nachzählen, Verb. reg. aet. was schon gezahk't worden, nochmahlszählen, um zu sehen, ob recht gczählet.worden, oder auch, ob die Zahl noch richtig ist. Der Zchntner ist befugt, alle sausen und Mandeln nachznzählen. Sein Geld nachzahlcn. Daher die Nachzählung. . ' Der Nachzähler, des —s, plur. ut vom. lmg. im Hutten- Haue, ein Aufseher, welcher dafür sorgt, daß die gesetzte Anzahl Kübel 40F Nach Kübel aus der Grube gezogen, oder das völlige Treiben verrichtet wird. Nüchzeichnsn, verb. re^. act. zeichnend nachbildcn. Etwas nachzeichnen. Daher die Nachzeichnung. Nachziehen, verb.irreZ. (S. Ziehen.) welches in doppelter Gestalt üblich ist. i. Als ein Accivum, hiitter her, hinter drein ziehen. Etwas nachziehcn, hinter sich her. Zeuch mich dir nach, so laufen wir, Hohel. i, 4. In der figürlichen Bedeutung, das wird nichts Gutes nachziehcn, d. i. zu Folgen haben, ist das Vorwort mit seiner Endung üblicher und richtiger, das wird nichts Gutes nach sich ziehen. In Preußen ist nachzie- hisch und im Niederst nataansk , eigennützig, eigentlich, alles nach oder an sich ziehend. 2. Als ein Neutrum, mit dem Hülfs- worte sepn. i) Hinter her, hinter drein ziehen, d. i. reisen. Acbeeca zog dem Manne nach, i Most.24, 6r.. Und cs zog ihm viel Volks nach, Joh. 6 , z. Man gebraucht cs in diesem Verstände nur noch von mehrern mit ihrem Gcpäcke zugleich reisenden Personen. Dochpflegen die Jäger noch dem Wilde oder der Zährte nachzuzichen, wenn sie ihnen nachgehcn, das Wild . aufsuchcn. 2) I» Veränderung seines Wohnortes oder Aufenthaltes einem andern folgen. Einem nachziehen. Der Nachzins, S.Gatterzins. ffNachzotteltt, verb. reZ. Nkutr. mit dem Hülfsworte sepn, welches nur in den niedrigen Sprecharten üblich ist, hinter her, hinter l rein zotteln, d. i. nachlässig folgen. Einem nachzotteln. - L re Nachzucht, plur.car. in der Bienenzucht, die letzte Zucht, d. i. die letzten Jungen der Bienen, vor dem Winter. Der NachzuF/des—es, plur. die — ziige, in dem Kriegs, wesen, der hinterste Zug, derjenige Theil eines im Zuge begriffenen Kriegsheeres, welcher dasselbe schließt, S. Nachtrab. Her Nacken, des — s, plur. M uom. linZ. der Hintere Theil dcsHa-sts, besonders an dem menschlichen Körper, von welchem das Genick' ein Theil ist. In engerer Bedeutung werden die langen Haare hinten an den weiblichen Köpfen, welche ungekränselt in die Höhstgeschlagen und oben auf dem Scheitet befestiget wer, den, der Nacken und Franz. LknZvon genannt. Einem Franen- zimmer den Nacken machen, die Haare aus. solche Art in die Höhe schlagen. In weiterer Bedeutung stehet das Wort Nacken in einigen Redensarten des gemeinen und niedrigen Lebens für den ganzen Rücken. Der Mensch liegt mir den ganzen Tag auf dem Nacken, auf dem Halse, ist mir den ganzen Tag zur Last.- Eincm immer auf dem Nacken seyn, auf dem Halse, ihn nicht, verlasse», immer um ihn styn. Jemanden den Nacken schmieren , ihn abprügeln. Figürlich ist ein harter- starrer, unbiegsamer Nacken, die Fertigkeit, seine Meinungen uud Entschließungen auch bep entdeckter Unrichtigkeit beyznbehalten, die Hartnäckigkeit; jemanden den Nacken beugen, diese Fertigkeit durch gebrauchte Gewalt überwinden. So gehorchten sie nicht, sondern härteten ihren Nacken, wie der Nacke (Nacken) ihrer Väter, r Kon. 17, r 4. Ich weiß, daß du hart bist, und dein Nacke (Nacken) ist eine eiserne Ader, Es. 48 , 4 . S. Hartnäckig. Anni. Niederst Nacke, Angelst biuecc, Engl. Reck, Dan. Nakke, Schwed. Racke, Jtal. Ruca, Rocco, Ungar. R^ak, imLapplättd.,Rikk,e. Es gehöret mit Genick zudem Geschlechts der Wörter neigen, nicken, Rnie u. s. s. weil-dieser Theil des Körpers sehr beugsam ist. Um eben deßwillen wird er auch in einigen Oberdeutschen Gegenden dieAnkc genannt, (S. dieses Wort.) Der Nacke für der Nacken ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. Im Grönländ.ist Riakok der Kopf. 2 )er NackenschbaF, des —- es,x 1 ur. die—schlage, in den gemeinen Sprecharten uud im figürlichen Verstände, böse Nachrede. Nacke.nschlägebekommen, übler NachredsausgestyctseyA., M') Nacket, noch häufiger zusammen gezogen, nackt, oft auch racke-d'-- nackig, nackicht, nackter, nackteste, ohne andere BcUricunA- oder Bedeckung, als welche die Haut gewähret. 1. Eigentlich, wo es von thierischeu Körpern gebraucht wird- wenn sie ohne andere Bekleidung als der bloßeil Haut sind. Ein nackrer Hund, welcher keine Haare aufder Haut hat; ein kahler Hund. Ein nackrer Vogel, welcher lwch keine Federn hat. Das Mnrmclthier har einen kurzen fastnackten Schwanz. Und in diesem Verstände kann man auch die nackte Haut des Menschen der haarigen Haut der Thiere entgegen setzen. I,r Ansehung des menschlichen Körpers wird es am häufigsten von dem: ganzen Körper gebraucht, für unbekleidet, ohne alle andere Bekleidung, als die bloße Haut. Nackt oder nacket gehen. Sich nackt ausziehcn. Nackt ans die Welt kommen. Eine nackte Venns. Adam und Eva waren-bcpde nacket, i Most 2, 2-, Sie wurden gewahr , daß sic nacket waren, Kap. Z, 7. ^ Sieckleidcr Nackende vom Raub der fetten Trift, Hall» Das Nackende oder Nackte erfordert von Seiten des Mahlern viele Geschicklichkeit. Eine nackte Figur, welche nicht bekleidet, ist, zuweiren auch in engerm Verstände , an welcher diejenigen Theile nicht bedeckt sind, welche Gewohnheit und Ehrbarkeit bcy allen gesitteten Völkern zu bedecken pflegen. Von einzelnen Thor- len des menschlichen Körpers ist freylich bloß üblicher, ob es gleich auch n-cht an Fällen fehlet, wo das Wort nackt gewöhnlich ist» So gebrauchen es z. B. die Mahler von nlibekleide/en Lheilen des menschliche» Leibes. Ein nackter Arm, ein nackter 5 uß. Nackte- Theile des Leibes. Wenn man unbekleideter Theile des Leibes . welche bekleidet styn sollten, im verächtlichen Verstände erwähnet, pflegt man gleichstes das' Wort nackt zu gebrauchen. Auch- vonmilbehaarten odermibestederrcu Thailen des thierischen Körpers ist dieses Wörr üblichdagegen man von unbehaarten Thei- len des menschlichen lieber kahl und in der anständigern Eprechart zuweilen glatt gebraucht. Ein kahles Njnn, ein glattes Rinn,- ein nnbärnges. Ein kahler Kopf,. 2. In weiterer Bedeutung auch von andern unbedeckte» Körpern ; doch nur in einigen Fällen. So ist ein nackter Same m der Botanik ein Same, dessen äußere Haut mit keiner Hülse bekleidet ist. Die nackte Gerste, eine Art kleiner Gerste ohne Hülsen z- Reißgcrste. Nackte Felder, welche mit keiilen Gewächsen bekleidet sind, kahle Felder?' Nackre Hügel, aufwclchen nichts wäch- stk, kahle. In noch weiterer aber jetzt ungewöhnlicher Bedeutung nennt der Verfasser des alten Fragmentes auf Carl» den Großen ein bloßes Schwert rin nachetos ^rvert. 3. Figürlich. 1) Schlecht bekleidet, der Kleiber größten Theils beraubt.. Du halb den Nackenden die Rleidcr ausg.ezogcn, Hiob 22, 6. Am häufigsten im verächtlichen Verstände. Nackt und bloß einher gehen, in schlechten, zerrissenen Kleidern. 2) Ein nacktes Gemählde,-bey- den Mahlern, m welchem cs an den nöthigen Gegenständen mangelt. 3) Aller andern Eigenschaften beraubt. Die bloße nackte Fähigkeit, die auch ohne vorliegendes Hinderniß keine Vraft, nichts als Fähigkeit sty, ist ein tauber Schall, Herd. A-.m. Bey dem Ulphilas nayuaUis, öey dem Kcro nah hu t, bey dem Ottfried nakot, im Tarian naccot, narlrct, im Nie. derftnaakt, im Däm nogen, im Schwed. nakot, im Jsläird.. naker7,.im Angels. uaceck, im Engl. nLkeci, im Pohl». os^i, im Böbm. nah^, dey den Krainerischrn Wenden ohne allen AH-- keitnrigslaut naß, imBretagnisch. noas^imWallis. novth, wor^ ans zugleich die Verwandtschaft mit dem Latein, nucius, und dem von Perizonio irgend wo gefundenen Gricch. erhellet.. Aus den obigen Formen stehet man schon, wie unwahrscheinlich Wächters Etymologie ist, welcher es von. den» Angelsächf.. nacenueck, üacLticle,. Nack 40 / N a ck nscencle, d. i. neu geboren, ahleitete. Eben so unwahrscheinlich ließ Dietrich von Stade es von nagen abstammeu. Das Wort ist alt, sehr einfach, denn es kommt hier nur ans die Snlbenag, nad, na ait, und daher eben nicht leicht auf seine erste eigentliche Bedeutuug'zurllck zu fuhren. Im Finnland, ist die Haut; fänden sich im Deutschen und den verwandten Sprachen Spuren von dieser Bedeutung, so wurde sich unser nacket sehr wohl davon ableiten lassen. Es wäre alsdann vermittelst der Ablcitungs- sylbeu—ichk,—lg, im Oberdeutschen'-—et, vossNacke, die Haut, gebildet, und bedeutete eigentlich, die bloße Haut habend oder zeigend. In den neuesten Zeiten hat man das Franz. 8wus- culocte Deutsch zugeben gesucht, und das alberne unanalogische iphrlchose gestämpelt. Die gemeinen Mundarten haben schon lange, ehe noch die 8LN8-enlolteL iir Frankreich bekannt wurden, sie zu benennen gewußt. Sie nennen einen solchen Menschen Nackarsch, Engl. Lalckarle. Fehlt eS dem Worte gleich an Wurde, sso fehlt es doch auch dem Gegenstände selbst daran. Zm Deutschen, selbst in der Hochdeutschen Mundart, wird die Endsylbefthr verschieden geschrieben und gesprochen, indem sie bald nackend, bald näckendig, bald nacket und nackt, bald nackicht, und bald nackig lautet. Die letzten Formen scheinen die wahren zn sevn, und da die Ableitungssnlbe—ig im Oberdeutschen sehr häufig —et lautet/stecket für fleckig, (S. —Ig,) so hat aus nackig und nackicht gar leicht nacket und zusammen gezogen nackt werden können. Nackend ist kein Mittelwort, sondern bloß das vorige nacket, welches nur das euphonische n vor sich genommen Hat, S. N. Diejenigen, welche in der adverbischcn Gestalt nacket sagen, müssen das e bey Verlängerung des Wortes heraus werfen, ein nackter Mensch für nacketer. völlig nacket heißt in den gemeinen Mundarten mutternacket, faden - oder fasennackrt, und splintcr- oder splitternacket, S. diese Wörter. Ich hatte in der ersten Auflage öey dem Worte Bloß gesagt, daß dieses der auständigern Sprechart gemäßer sey, nackt sich aber mehr für die niedrige und gesellschaftliche schicke. Stosch widersprach diesem Satze iu serueu kritischen Anmerkungen, und suchte mit vielen Beyspielen sonst angesehener Schriftsteller zn beweisen, daß man sich des Wortes nacket ganz wohl in der erhabenen Schreibart bedienen könne. Darin hat er Recht, daß man bloß nicht alle Mahl da gebrauchen kann, wo man nackt saget, und daß es sich von einem ganzen unbekleideten Körper in den wenigsten Fällen gebrauchen laßt. Ich gebe auch zu, daß es gute Schriftsteller genug gibt, welche dieses Wort rm eigentlichsten Verstände in der sey erlich sten und anständigsten Schreibart gebraucht haben. Allein ich glaube doch noch immer, daß ein feines Gefühl etwas Widriges bey dem nacket empfinden muß, zumahl da die Sache selbst, die cs ausdruckt, unsere heutigen Sitten so sehr beleidiget. Ein kluger Schriftsteller wird daher, wenn erchie feinen Empfindungen des Lesers zu schonen, und widrige niedrige Bilder zu vermeiden hat, wie in der erhabenen Schreibart der Fall ist, dieses Wort lieber vermeiden. Die Grazien unbekleidet mahlen, eine unbekleidete Venus, sagt doch im Grunde eben das, nur mit mehr Würde und nicht mit dem widrigen Nebeubegriffc, was die Grazien nacket mahlen und eine nackte Venus sagt. Näckrsch, S. Neckisch. Die Nacktheit, plur. car. der Zustand eines Dinges, da eS nacket ist; im gemeinen Leben einiger Gegenden die Nackigkeit und im Oberdeutschen die Nackte. Die Nadel, plur. die—n, Diminur. das Nüdelchen, ein zarter an einem Ende spitziger Körper, i) Iu der eigentlichen wei. lern Bedeutung, wo verschiedeneÄörpcr dieser AruNckdeln genannt werden. Dergleichen sind die runde« spitzigen Blätter der Fichten und Tauncm, dcS Wachholders u. st f. welche so wohl Nadeln als Nüd 4oZ Tangeln genanntund den Blättern im engern Verstände entgegen gesetzt werden, (S. Nadelholz.) Die Seenadel ist ein langes spitziges dünnes Schalthier, (S. dieses Wort.) Besonders find verschiedene ähnliche Werkzeuge unter dem Nahmen der Nadeln bekannt. Dahin gehören die Probir-odep Sercichnadeln der Goldschmiede und Probirer, die Magnetnadeln, die Stricknadeln, u. s. s. (S. diese Wörter.) In noch engerer Bedeutung sind cs Werkzeuge zum Stechen , wohin die saarnadeln, die packnadeln, die Gpicknadeln, die Radirnadeln u. s. s. gehören. 2 ) Im engsten Verstände, kleine zarte Werkzeuge dieser Art, so wohl zum Nähen, als auch etwas damit anzustecken, wovon jene Nähnadeln, diese aber Stecknadeln heißen, beydeaöcr auch nur oft Nadeln schlechthin genannt werden. Etwas mir einer Nadel anßecken, mit einer Stecknadel. (S. Stecknadel.) Sich mit der Nadel nähren, von der Nähnadel, ein Schneider, oder eine Nährerinn scyn. Etwas mir der heißen Nadel nähen, sehr eilfertig , so daß es bald wieder anfgehct. Anni. Schon bey dem Ulphilas Delhis, im Oberdeutschen ehedem Naild, im Niederst Natel, im Engl. l^ecclle, im Angelst Huecj l, im Dau. und Island. Aaul, im Schwed. im Finnland. Neuis, im Esthländischen l^elcla, im Fries. Ncrla. Es stammt nicht, wie gemeiniglich behauptet wird, von nahen her, weil dir Nähnadeln nur eine kleine Unterart der Nadeln aus- machcn, sondern gehöret zu dem Gcschlechte der Wörter Nessel, Nagel, Nase, Schnautze, «vr-r-/», stechen, u. s. s. welche insge- sammt den Begriff der Spitze oder doch der Hervorragung haben. S. Nase und Nessel. Naöelbereit, wclj. et s6v. welches nurbey den Tuchmachern üblich ist, wo ein Tuch nadelbcreit genannt wird, wenn cs völlig fertig ist, so daß der Schneider es nunmehr mit der Nadel bearbeiten kann. Das Nadelbley, des —es,plur. die— e, an denStrumpfWür- kersiühlen, der zinnerne Fuß, worin sich die Nadeln befinde«, welche die Müschen des Strumpfes bilden. Die Nadelbüchse, plur. die — n, Diminut. das Nadelbuchs- chen, Oberd. Nadelbuchslem, eine kleine Büchse des andern Geschlechtes, die Näh- und Stecknadeln darin zu verwahren. Der Na-deldraht, des — es, plur. doch nur von mehrern Arte» oder Quantitäten, die — e, Draht, woraus die Nadler die Näh- uud Stecknadel u verfertigen. Die Naöeldrnse, plur. die— n, eine Druse, welche in Gestalt zarter Nadeln oder kleiner Spießchenkrystallisirr ist; dw Spiesidruse. Die Nadelfeöer, plur. die—n, in einem Flintenschlosse, eine stählerne Feder, welche sich gegen die Nadel in dem Gewehrschlosse lehnet. / Die Nadelfeile, plur. die — N, bey den Goldschmieden, eine zarte spitzige Feile, die durchbrochenen Zierachen damit aus- zufeileu. Der Nädelfisch, S.sornsisch und Meernadel. Das Nadelgeld, des—es, plur« doch nur von mehrern Suuk« men, die — er, eigentlich Geld, wofür man Nadeln kauft oder kaufen soll. So wird ein Trinkgeld, welches man weiblichen Personell gibt ^ zuweilen ein Nadelgeld genannt. Bey vornehmen Personen ist das Nadelgeld eine jährliche Summe, welche einer Dame zum Ankäufe der Nadeln und zu andern kleinen Bedürfnissen ausgcsetzt wird, und in audern Fällen Spielgeld oder Taschengeld genannt wird. Der Nadelhalter, des—s, plur. ut nom. liu^. bey den Wundärzten, ein Werkzeug, die Heftnadel damit zu halte». Das Nadelholz, des—es, plur. die — Hölzer, r) Holz, d. st Bämne, welche statt der Blätter Nadeln oder Tangcln haben. und 409 N a d und daher auch Mangelholz heißen, zum Unterschiede von dem Laubholze; wo derPlural nur von mchrcrnActeu üblich ist. Zum Nadelholze gehören die Fichte, Tanne, Fohre, der Lärchenbaum, die Eibe und der Wachholder. 2) Ern mit solchen Bäumen bewachsenes , daraus bestehendes Gehölz, welches, weil es in demselben finstrer ist als in den Lauöhölzcrn, auch ein finsteres Holz, ein schwarzes Holz, und weil die meisten Arten des Nadelholzes auch Harz geben, Harzholz und Pechholz genannt wird. Der Nadelkerbel, des—s, plur. iuust. eine Art des Kerbels mit -einem sehr langen spitzigen Samen, welcher unter dem Getreide des mittägigen Europa wachset; löcauclix decken l-, He- chcikamm, Schnabelmöhrcn. Von andern wird das Frauen- mäntelchen oder der Jungfernkamm, ^pliaues arven 5 i 8 l-. Nadelkerbel genannt. Der Nadelknopf, des — cs, plur. die—knöpfe, der Knopf einer Stecknadel, Das Nadelkissen, des — s, plur. ut vom. linA. Diminnt. das Nadclküßchen, ein Küsten, die Näh- und Stecknadeln daraufzu stecken, damit sie nicht verloren gehen. Nabeln, verb. reA. ast. welches nur bey denSchnhmachern für nähen üblich ist, doch nur von dem Annähen der Überstimme an das Oberleder. Das Nadelöhr, des—es, plur. die—e, das Öhr, d. i. die kleine Öffnung, an dem einenEnde der Nähnadel; Niederst ^>ge. Die Nadelspitze, plur. die—n, die Spitze einer Näh- oder Stecknadel. Die Nadelstreu, plur. iouf.in der Landwüthschast, die Nadeln oder Tangeln des Nadelholzes, so fern sie dem Vieh statt des Strohes mttrrgcstreuet, oder zur Streu gebraucht werden; zum Unterschiede von der La u b streu. Der Nadelwickler, des—s, plur. m nom. fiuZ. eine Art Nachtfalter, welcher die Nadeln oder Tangeln derFichtenbäume zusammen wickelt oder spinnet; ?balasüa1'orclr^x?iLa«- ana 0. Das Nadir, S. Fußpunct. Der Nadler, des—s, plur« ur nom. llnZ. ein Handwerker, welcher Steck- und Nähnadeln verfertiget oder verfertigen lasset, dessen Gattinn die Nadlerinn; zu Nürnberg Häftleinmacher, im Österreich. Spängler. In weiterer Bedeutung werden auch alle mit Verfertigung der Nadeln beschäftigte Arbeiter Nadler genannt. r. Der Nagel, des—s, plur. die Nagel, Diminnt. das Nä- gclchcn, .Öberd. Nägellein oder Nägelein, die breite hornartige Bedeckung der äußersteuEnden derFingcr undZähcn an demKör- per des Dlenschen und einiger Thiere. 1. Eigentlich, wo die mehr breite und gerade Gestalt dieNagcl vou den krümnrern und dickem Llaucn unterscheidet. Lange Nagel haben. Die Nägel ab- schneiden, beschneiden. Etwas mit dem Nagel, mieden Nageln ahkratzen.2. Figürlich.!) Bey denneuernSchristfleLerndes Pfianzenreiches wird der untersteTheil einesjeden Blumenblattes wegen einigerÄhnlichkeitderNagel genannt; 0 »Zu 1 sl-. 2 )U»ch ein Fell im Auge, wenn eS weiß von Farbe ist, und einem Nagel gleicht,ist unter diesemNahmen bekannt, S. Fell und Nagelfell. Amn. Schon bey dem Raban Maurns im 8ten Jahrhunderte NaZal,,im A!Wls. NaeAl, im Jslältd. Nagl, im Niederst und Schwed.NsZel, im Engl. Nail. Frisch glaubt, daß es durch Versetzung aus dem Lat. vnAuisimd Griech. övvtz, »»vxos» entstanden. Allein man hat eine weit nähere Ableitung. Die letzte Gylbe ist die Ablcitungssylbe —el, welche ein Werkzeug, ein handelndes Subject bedeutet, und die erste gehöret ohne Zweifel zu dem Zeitworte nagen, so fern es überhaupt kratzen bedeutet. Der Nagel ist ein "kratzendes Ding, ein Werkzeug zum Kratzen, und Nag 41.0 dazu scheint selbst die Natur ihn bestimmt zu haben. Der Lat. . und Griech. Nähme scheinen aus die Krümme zu sehen, welch.' die Nägel der Menschen im Stands der Natur bekommen, wenn si- nicht beschnitten werden, da es denn zu Anke, Angel, Haken u. s. f. gehören würde. 2. Der Nagel, des—s, plur. die Nägel, Diminut. das Nagelchen, Oberd. Nagellein, oder Nägelein,-ein gerades spitziges Werkzeug, zwey Körper oder Theile eines Körpers mit einander zu verbinden, oder auch nur ihn in einen Körper zu schlagen, etwas daranzn hängen u. s. f. Man hat hölzerne Nagel ohne Köpfe, welche in manchen Fällenpstöck'e heißen,man har aber auch eiserne, welche letzter» am häufigsten sind, und gemeiniglich mit einem Ropfe versehen werden. Es gibtihrcr fthr mancherleyArten, welche ihre Nahmen von den Körpern bekommen, zu deren Befestigung sie gebraucht werden; (S. Bretnagel, Hufnagel, Schiefer- nagel, Blcpnagel, Schloßnägcl, Radnagel, Bandnagel u. st f.) Etwas mit einem Nagel, mit Nägeln befestigen. Einen Nagel Anschlägen, ansziehen. Etwas an den Nagel, oder an einen Nagel hangen. Wenn die Drescher die Flegel an den Nagel hängen, d. i. ausgcdroschen haben, wird ihnen an manchen Orten ein Schmaus gegeben, welcher die Flegelhenkc heißt. Figürlich und im gemeinen Leben heißt eine Sache an den Nagel hangen, sie verlassen, sich nicht weiter um sie bekümmern. Die Theologie an den Nagelhangen, diese Wissenschaft verlassen. Die Frömmigkeit an den Nagel hängen. Einen hohen Nagel habem heißt im Niederst stolz seyn, die Nase hoch tragen, und jemanden dm Nagel niederklopfen, ihn demüthigcn. Von einem Men-- schen, welcher einen gewissenStolz hat,sagt man in Niedersachftn, er hat einen Nagel. Man leitet, aber mit weniger Wahrscheinlichkeit,dieseArtendesAusdruckes aus dem dreyßigjährigeuKriege her, da ein Schwedischer Oberster, Rahmens Ißler, in der Schlacht beyLeipzig mit einem krummen Nagel dergestalt soll seyn in den Kopf geschossen worden,daß ihn dieWundärztc nicht heraus ziehenkönnen, sondern ihn cingehcilct; worauf er zwarlgesnnd geblieben, sich aber hernach sehr stolz betragen, und sich auf seinen Nagel nicht wenig eingebildet habe. In weiterer Bedeutung werden oft auch verschiedene andere ähnliche Körper, wenn sie gleich nicht unmittelbar zur Befestigung dienen, Nagel genannt. Dergleichen ist der Nagel in einer Scheibe. Die Wirbel an den Saiten- Instrumenten heißen bey vielen Nagel, anderer zu geschweigen Das Diminut. Nägelchen, Nägelein, und zusammen gezogen Nelke, ist auch der gewöhnliche Nähme theils eines ausländischen Gewürzes, theilS einer bekannten Art Blumen, S. solches hernach besonders. Anm. Im Tatian schon NaZel, im Schwed. nndNiedersächs. gleichfalls Nagel, im Jsländ. Nagle, im Angelst Naegl, im Engl. Nail, im Dän. Nagl, im Finnland. Naula. Es kann so wohl de» Begriff der Verbindung ausdrucken, da es denn von nahen, nahe, abstammen würde, als auch den Begriff des Nagens, oder endlich auch der Spitze, als ein Verwandter von dem Griech.- »v/'-tv, stechen, Island. naslla/Nabe, Schnabel u. s. f. Die Endsylbe —el bedeutet in allen Fällen ein Werkzeug. S. auch Nickel. Das Nagelbem, des — es, plur. die—e, in der Anatomie, zwey Beine an dem menschlichen Kopfe, welcheden vordern und MittlernTheil der Orbitae einnchmen, die Thränengruben und den Thränengang zusammen setzen helfen,daher sie auchThränen- deine beißen, und einem Nagel an den Fingern ähnlich sind. S. 1 Nagel. Die Nagelblüche, plur. die —n, im gemeinen Leben, weiße Flecken auf oder in dem Nagel an den Fingern, welche man auch C c 3 Blumen 4ir N a g Blumen und Blümchen zu nennen, und alsdann der Nagel blühe zu sagen pflegt. S. r Nagel. Der Aagelbohrer, des—s, plur. ut nom.^linA. ein kleiner Handbohrer,dieLöcherzuden eisernenNägeln damit vorzubohren;. im gemeinen Leben Fritt, Rieders. Frittboor. S. 2 Nagel. DüsNägelein, des —s, plur. ut nom. llno. j», gemeinen Leben der Hochdeutschen das Nagelchen, das Diminutivum des Wortes Nagel- so wohl wenn es vnZuls, als auch wenn cs- OlavuL bedeutet, (S. diese Wörter). Hier kommt es nur um zweyer besoudern Bedeutungen willen in Betrachtung, in welchen das Wort Nagel nicht üblich ist. -) Die getrocknete Blume eines Ostindischen Baumes, Lar^opb^llus I>. welche einen scharfen aromatischen Geruch und Geschmack hat, und daher als ein Gewürz ait die Speisen gechan wird, ist unter dem Nahmen Nägelein und noch häufiger Nelke, zum Unterschiede von Len folgenden aber Gewürznagelein, Gewürznelke, Wurz- nägelein, Wiirznolke bekannt- Vermuthlich hat sie diesen Nahmen entweder voll der Ähnlichkeit in der Gestalt mit den folgenden Blumen, oder auch weil sie einem kleinen eisernen Nagel mit einem Kopse nichk unähnlich ist. Niederst Nägclkcn, (S. Nelke.) 2) Eine andere Art oft in dem Gerüche, alle .Mahl aber in der Gestalt ähnlicher Blumen ist gleichfalls unter dem Nahmerr Nägelein und im gemeinen Leben Nagelchen bekannt, (S. Nelke), welcher) Nähme im Hochdeutschen der üblichste ist. Eigentlich sollte dieses Wort Nägellein geschrieben werden; allein in den Wörtern ans —el wird das eine l in mehrcrn Fällen weggelassen. Die Nagekemwurz, (S. Benedictcnkraut.) Die übrigenZusam- mensetzlingen S. in Nelke. DasNageleifen, des—s, plur. M nom. sinZ. Key den Nagel- schmjeden, ein vierecktes Eisen, welches ein stählernes Knöpschm mit einem Loche hat, die Nägel darin zu schmieden. Das Nagelfell, des—es, plur. die—e, ein Fell im Auge, welches weißlich ist, in dem innern Augenwinkel entstehet, und stch-bisweilen bis über den Stern des Auges wegziehct; kfter^- Zloo. Es gleichet einem Nagel am Finger, und wird im gemeinen Leben auch nur derNagel schlechthin,Hey demRindviehe aber der sank genannt.. S. Fell. Nayelfesk, acft. etaäv- vermittelst eines Nagels befestiget, doch nur in der R. A. nicth- und nagelfest, d. i. so in einem Hause befestiget, daß es ohne die Integrität des Hauses zu verletzen, nicht kann weggenommen werden; im Gegensätze der beweglichen Dinge im eigentlichsten Verstände. In den Kaufbriefen überHäu- ser und Güter befindet sich gemeiniglich die Clauftl, daß alles, was erd - uierh - und nagelfest ist, dabei) verbleibell soll, wohin denn auch cingemauerte und eingezimmerte Schränke,, Brunnen-, eimer, Seile und Ketten u. s. s. gerechnet werden., *Die Nagelflithe, plur. die-—n, ein nur irr der Schweiz übliches Wort, wo es eine Art Steine bedeutet, welche aus Kieseln, Schiefer und andern Steinen zusammen gebacken ist, und zu dem Wakcn gehöret. Eine ähnliche Art ans grobcuSande oderGrand zusammen gebackene Steinart wird daselbst Sandflühe genannt. Z N l! g Der Natzelschmrö, des — es,pjur. die—schmiede, crnSchmid, welcher vornehmlich eiferncNägel aller Art verfertiget; imOberd. der Nageler. Daher die Nagelschmiede, dessen Werkstätte. Dre Nntzels chrote,p!ur. die—n, bey denSchnüeden nndSchlöf- ftrn, ein scharfes Eisen ailfeinenr Klotze, die Nagel darauf abzu- schrotcn: die Abschrote. DerNatzelschwLMM,deT — es, plur. die—schwämme, eine Art Blätterschwammes, mit einem gewölbten gestrichelten gelben Hute, und weißen Blättern und Strunke, welcher in den Wäldern unter den abgefalleuenBlättern wohnet, und einem eifernenNagel nicht unähnlich stehet; ^Zaricus cücrvus Der Nägelschwamm, des—es, pluridle—-schwämme, eine andere eßbare Art Blätterfchwammes mit einem Strunke, einem schmutzig gelbenHute und feuergelbeu Blättern,welcher gleichfalls in den Wäldern wächfet, und einen gewiirzhaften Geruch, fast wie Gewürznägclcinhat; ^zaricus oinn-nnomusf,. Das Natzelwerk,des— es, plu-r. die — e, ein ans Latten zusammen genageltes Werk. Besonders werden die aus schmalen ge- hobelten Latten verfertigten Portale, Lusihäuschen u.s. f. in den Gärten Nagelwerk und Nagelwerke genannt. Der Nagelzwantz, des —cs, plur. Lauf, die Beschwerde, welche von Nied- oder Nochnägeln verursacht wird. Len Nagelzwang haben, Niednägel. Das Nageinaul, des — es, plur. die— Mauler, in einigen Gegenden ein Nähme des Zanders. S. dieses Wort. Nage??, verb. reZ. acl. et asutr. welches im letzter» Falle das Hülfswort haben erfordert,uitd den Laut nachahmet, welcher verursacht wird, wenn man mit den Zähnen von einem festen Körper nach nnd nach etwas heruuter z» scharren sucht, r. Eigentlich. Der Zund naget an dem Rnochen. Die Maus benaget das äolz. Die Würmer nagen den Rase. An einem Änochen, -an einem Beine nagen. (S. auch Abnagcn, Benagen, Zernagen.) In weiterer Bedentung wird es auch zuweilen, doch nur im gemeinen Leben, für kauen, und in noch weiterer für essen gebraucht. Am äungcrtuche nagen, an den nothwcndigsten Bedürfnissen anhaltenden Mangel leiden. Er hat nichts zu nagen noch zu beißen, in eben diesem Verstände, wofür man auch sagt, nichts zu beißen noch zu brechen haben, wer nicht wagt, der nicht nagt, wer nichts wagt, gewinntauch nichts, Jtal. clii non lüiiAL non roleZn. 2. Figürlich, i) Er wird daran zu nagen haben, im gemeinen Leben, er wird viele Mühe, Arbeit, Unlust davon haben, ohne viel ansznrrchten. 2) Einen anhaltenden Grad sehr merklicher, gleichsam verzehrender Unlust verursachen. DcrTod naget fle, Ps.49,15. Ich quäle mich unaufhörlich mit den nagenden Vorwürfen, dich unglücklich gemacht zu haben, Dusch. Ihr Mann, denn die Eifersucht nagte, Haged. Stets nagt ein scharfer Neid Sein blnrcnd Herz, ebend. Der Eigennutz wird ihn nagen, da Julchen eine reiche Partie ist, Herm. Mein nagender verdacht, Schleg. Las nagende Gewissen, die anhaltendeUnlnst über begangene ööseHandlungen. So auch das Nagen anstatt des ungewöhnlichen Nagung. Anm. Im Schwed. nuAÄ,im Dän. nagge, nogge;mit voran gesetztem Gaumenlaute im Niederst gnaucn, knarren, Engl. to Annev, Angelst AUneAen, Schwed. ^NLAe, Wallis onsi, in' Boxhorns Glossen kinungno, im Dän. gnave, im Griech. >cv«»/v und und in der verkleinernden Form, Niedersäch f. gnagge.'n, gnaueln, gnabbcln, Hochdeutsch knaupeln, Engl. lo knnbble.Es ahmet allemAnfehen nach denLaut nach-welchen öie Zähne machen, wenn fle nach und nach etwas von einem harten Körper herunter scharren. In cinigenOberdcutschenGeLeuden gehet es irregulär z sch nrrg, Hans Sachs, für nagte. Nah 414 Das Nayethier/des—es, plur. die — e, in der Naturgeschichte» ein Rühme derjenigen vierfiißizenThicre, welche mit.vier spitzige» Schneide;i hnen versehen sind, und alles benagen; wohin dieEich- horncr, Ratzen, Mnrmolchiere, Wiesel, Hermeline, Zobelthierc, Iltisse, Marder u. st f. gehören. Sie werden von einigen auch Nager genannt. Der Nähdvaht, des—es, plur. doch nur von Mehrern Arten, die—e, an den Papierformen, Dcaö-tfäden, womit das Gitter derQuere nach durchflochten und gleichsam durchnähet wird. Siehe Nagen. -Nahe, näher, nächste, ach.er aclv. durch keinen beträchtlichen Zwischenraum von einem andern Dingegetrennt, im Gegensätze des fern oder entfernt, wo es so wie dieses ein relativer Begriffist, welcher durchGervohnheitnnd durch die Umstände bestimmt wird. Ein Ding kann, in einer Absicht nahe, in einer andern aber entfernt fern. 1. Eigentlich, dem Orte oder Raume nach. Em naher Ort. Das nächste Dorf. Mein nächster Nachbar. Er wurde a» den nächsten Baum gehenket. M ja, du singst , schon hör' ich dich, vom nächsten Baume, Weiße. Jngleichen als einNobenwort; so wohl mit verschiedenen Neben» Wörtern. Naher zur Stadt kommen. Einem nahe auf den Leib treten, ihm nahe anfden Hals kommen. Es stehet nahe an der Thür. Es liegt nahe bey dem 6 anse. Nahe bey einem wohnen, stehen, seyn. Nahe dabey seyn. Nahe her- bey kommen. ^ Sich nahe zu etwas machen, sich nahe zi» -jemanden setzen. Nahe um jemanden seyn. Nächst an dem Schlosse wohnen.. Zunächst an den Wald granzcn, für nahe» (S. Nächst.) Als auch mit der dritten Endung, doch nur mit einigen Zeitwörtern. Einem nahe seyn, stehen, liegen, kommen. Romm mir nicht zu nahe, wir kamen der Stadt immer naher. Ein naher Weg, für ein kurzer, und der nächste Weg, für der kürzeste , ist eine Figur, von nahen, für in der Nähe/ ist Oberdeutsch ; etwas von nahen besehen. 2. Figürlich. 1) Von der Zeit. Sich auf den nahen Sommer freuen. Der Frühling ist nahe. Mit der nächsten Post, mit der ersten. Nächster Tage, nächsten Tages, nächstens, (S. Nächst und Nächstens.) Nächst künftigen Sonntag. Nahe an vierzig Jahr alt, in der vertraulichen Sprechart, für bcynahe. Er ist schon nahe an vierzig, Gell. Sie muß ja wohl nahe an fech-- zig Jahren seyn, ebend. Oie nächst vergangene Nacht. Lev nächst bevor stehende Feldzug. (S. Nächst). Jngleichen mit Einschluß des vorigen Begriffes des Ortes. Dem Tode nahe seyn. Die Gefahr war mix sehr nahe. Ich war einer Ohnmacht nahe. 2) In verschiedenen ander» Verhältnissen, mehrere oder auch alle dazwischen bcsindlicheDiugc arlszuschließen, imGegeusa- tze des entfernt; Ivo es oft mir als einNebeuwort alleiu,oft nur als ein Bepwort allein, oft aber auch nur ineiner oder der andern Staffel üblich ist. Ein naher Freund/ ein naher verwandter. Er ist nahe mit mir verwandt.' Er ist mein nächster Freund. Jeder ist sich selbst dev nächste. (S. Nächste.) Die nähen (genauere) Vereinigung mit Gott. Der Römische Röntg ist der nächste nach dem Aaiser, der Würde nach, er folgt unmittelbar nach ihm. Linen nahen Zutritt bey jemanden haben. Die Sache betrifft ihn sehr nahe, uns noch naher, dich aber am nächsten. In naher (genauer, enger) Verbindung mit jemanden stehen. Zu nahe in die Freundschaft Herrathen. Der Wahrheit nahe kommen. Der Sache schon naher kommen. Damit wir.näher zur Sache kommen. Einem nahe kommen, - ch« 41L Nah ihm m einer Eigenschaft ähnlich seyn. Sich naher mit jemanden bekannt machen. Ls f-ll mir lieb ftp», ihn näher (genauer) kennen zu lernen. Linen sehrnahcnUmgangmitjemandcn haben. Sich einem naher entdecken. Etwas naher bestkm- men, genauer. Die nähere Offenbarung Gottes, im Gegensätze der allgemeinen oderentferntern. Das enthält den nächsten (immittclbarstkn) Grund dieses Vorganges. Dcr nächste Endzweck, der unmittelbare. Der Mensch kommt mit der nächsten Anlage sich Sprache zu bilden, in die Welt, Herd. z) Das geht mir nahe, das kränkt mich, schmerzet mich, im sittlichen Versiandc.Sein Abzug geht mir etwas «ah/Haged. Wie oft wird mir sein Schicksal nahe gehen! Es geht mir recht nahe, daß ich ihnen so viele Ungelegenheit verursache, Gell. 4) Einem etwas nahe legen, n'abe bringen, theils ihm solche Bewegungsgründc vorlcgeu, welchen er nachgeben muß, Heils aber auch, ihn zum Zorne reitzsn. Sie legen mir es außerordentlich nahe, rertzen mich außerordentlich. Ja, wenn es einem so nahe gelegt wird, wenn man so sehr gereiht wird. Ich habe es ihm so nahe gelegt, daß er sich wird ergeben müssen, ihm solche triftige Bewegungsgründe vorgestellet. Im Oberdeutschen ist es i» dieser und der vorigen Bedeutung auch als ein Bey- wort nicht selten. Nahe Reden, welche dem andern nahe gehen müssen, ihn zum Zorne reitzen. 5) Der nächste Preis, im Handel und Wandel, der genaueste. Ich kann es um keinen nähern Preis geben, um keinen niedriger», genauer» , wofür man auch sagt, ich kann es nicht nähern Raufs, nicht näher geben. Du kannst hier nähern Raufs die edle Freiheit kriegen, Canitz. Nach einer noch weitern Figur sagt mau von jemanden dernach- gibt, von seinen Forderungen, von seinem Widerstande, von seiner Hitze nachläßt, er gebe es schon näher. 6) Einer Person oder Sache zu nahe treten, sprechen, handeln, ihr Nachtheil, Schaden verursachen, sie beleidigen. Eines Ehre zu nahe treten, sie kränken, vermindern. Der schuldigen Achtung für sein Vaterland zu nahe treten, sic nicht beobachten. Vs ist ihm zu nahe geschehen , es ist ihm zu viel geschehen. Eines Ehre zu nahe reden oder sprechen. 7) Rey nahe, fast, eS fehlete nicht viel. Beinahe wäre er uns entwischet. Duhättest mich beinahe nicht mehr ange- troffcn. In dem Tatian und bey bell folgenden Oberdeutschen Schriftstellern nur nass, nalien und nack. Icch bio nack liungsrs tot, der Burggraf von Aietcnbnrg. S. Bey III. Anm. Schon bey dem Ottfried und seinen Zeitgenossen naft, rm Thcuecdanke nahende, im Niederst nah / nä'ger, nagst, bey den Ulvhilas neüwa, im Angclsächst nest, nsaft, im Engl. niZli. Es ist mit neben, nan in genau, nach, noch und andern dieses Geschlechts sehr genau verwandt. Der Form nach gehöret es zu den irregulären Eeywörteru, indem es in der zweyten und dritten Grassel nicht daS a in a verwandelt, sondern in der dritten auch den stärker» Hauch ch annimmt. Daß dieser ehedem auch in der ersten Staffel nicht ungewöhnlich gewesen, erhellet ans dem Vorworte nach und dem Hauptworte Nachbar. Eben so abweichend ist es in seinen Bedeutungen, indem es in einigen nur als ein Nebenwort allein, in andern nur als ein Beywort allein, und in noch andern nur in dieser und jener Staffel üblich ist. S. auch Nächst. Ein anderes nur in der Ableitungssylbe verschiedenes Wort ist dasAnges.oear, neuro, UEurerve,imDän.undSchwed.viir, im Island, naer im Engl, near, und Narrow, welches andere für den Comparativ von nahe halten, das aber vielmehr ein eigenes Wort ist, welches seine eigene Comparation hat, und statt Nah 416 des Hauchlautes am Ende bas r angenommen hat, so wie sich in nau, genau, wieder ein anderer Tndlaut befindet. S. Nährlich, welches noch von diesem Worte abstammet, und Nähern, welches sich auch daher leiten lasset. Im Oberdeutschen wird nahe noch in verschiedenenZnsammen- ffctzutigen gebraucht, indem daselbst danahen für daher, inglcichcn für hier, und deßnahcnfllrdeßhalb üblich find. Die Nähe, plur. ioust das Abstractum des vorigen Wortes. 1) Die Eigenschaft eines Dinges, da eS von dem andern durch keinen merklichen Zwischenraum getrennct ist, im Gegensätze der weite ;fo wohl in der eigentlichen,als in verschiedenen figürlichen Bedeutungen des Wortes nahe. Die Nähe der Stadt an dem Hafen ist ihr sehr vorrbeilhaft. Wenn ich die Nähe betrachte. 2) Ein nicht merklrch großer Zwischenraum. In die Nähe aber nicht in die Zerire sehen können. Er wohnt in dcr Nähe, nicht weit von uns. Je mehr ich seine Chorherren in der Nähe sehe, desto'mehr fange ich an, ihn zu hassen, Weiße. Etwas in der Nähe betrachten. Bey dem Ottfried idlaki, im Theucrdanke dreNehnt, im Niederst Nägte, im Dän. Närhed. Nahen, verb. reß. welches in doppelter Gestalt gesunden wird. r) Alsein Neutrum, mir dem Hülfswortesteyn und der dritten Endung, nahe kommen, liier enZilimo oakta,Ottfr. So will ich dem Todegettahen, Theuerd. Kap. 67. Dem Heeress ihr naht, das vortheil abzurennen, Opitz. Im Hochdeutschen ist es in dieser Gestalt ungebräuchlich, obgleich einige neuere Dichter eS um des SylbenmaßeS willen, statt des folgenden Reciproci gebraucht haben. DerÄonig naht dem Schluffe seinesLcbens, Schleg. ' Hier naher schon sie Schaar der unverletzten Helden, ebcnd. Doch gebraucht man es noch zuweilen in dieser Gestalt mit dem Nebenrvorle heran. Das Alter naher unvermerkt heran. Als die Zeit heran nahe», daß u. st st 2) Als ein Reciprocum, in eben dieserBedeutung; in welcher Gestalt es auch im Hochdeutschen üblich ist, aber doch mehr in der hohem und dichterischen Schreibart gebraucht wird, als in der gewöhnlich«! und Vectra,1- lichern, in welcher sich nähern gebräuchlicher ist. wer nahet sich der Thür? Sich einem nahen, ibm nahe kommen. Schon nahen wir uns dem Flusse. Der Tag nahet sich, Ebr. i», 2z. Die Zeit nahet sich, daß u. s. st Die Sache nahet sich zum Ende, oder nahet sich ihrem Ende. S. Nähern. Daher das Nahen stakt des außer der Zusammensetzung ungewöhnlichen Wortes Nahung. Anm. Bey demOtcfried nndNotkcr nakev, im Tatian naliff- ften, im Dän. närme, im Schwed, rra und nakas. Siche Nähern. Nähen, verb.reZ. acl. welches ehedem überhaupt verbinden bedeutet haben mag, von welcher längst veralteten Bedeutung noch in Nähdraht ein Überbleibsel ist. Jetzt bedeutet es nur noch vermittelst der Nadel und eines Fadens zusammen fügen, und in wri» tererBedeutung, auch vermittelst der Nadel und eines Fadens her, vor bringen, bearbeiten», s. st Da es denn so wohl absolute und i» Gestalt eines Neutrius gebraucht wird, den ganzen Tag nähen, sein Bror mit Nahen verdienen, nähen lernen; als auch mit der vierten Endung der Sache, welche durch Nähen hervor gebracht wird, allerley Figuren nähen, Hemden nähen, Handschuhe nähen, ingleichen derjenigen, welche aufsolche Art bear- b. itct wird, Leinwand nähen, zwey Stücke zusammen nähen. Zuweilen bedeutet es auch so viel wie ausnähen. Manschetten nahen, genährte Halstücher. Daher das Nahen. Anm. 417 Nah 2 t 'M. Im Taüa» nauen und lleieo, bey dem Strykcrvuusn, km Schwabensp. i-reiZ-au, ui, Nieders. neuen , im Schwed, mit einen, andern Ableitungslau-.e oueliu, nn Angels, uelian, im Bretagn. im Griech. rer.'- und llnj§?u» im Lat. nere. Es ist ein fthralkes W. rt, welches mtt N Netz, uectere, uu- sern, knüpfen, Nestel, Nuth, und andern dieses Geschlechts genau verwandt ist, und von nahe abzustammen schetnet, einem andern Dinge nahe bringen, d. i. mit demselben verdürben. (Siche auch Nahe.) In vielen Provinzen wird es in der ersten Solde mit einem scharfen c gesprochen, und daher auch neben geschrieben. I -i Hochdeutschen höret man das 'a deutlich, und da die meisten Verwandten ein a baden, so schreibt man es richt'ger mit einem a. Ein Faden zum Nähen heißt in Baiern ein Nähling, und ungeschickt nähen wird in Niederst priimcn, prunen, prinen genannt. In, Böhm, istein Saum, (S. Rahm,) woraus es mit Vorgesetztem Blaselante gebildet ist. *Dee Näher, dess, p!ur. ul rrotn. linZ. noch mehr aber im Fämin. die Näherinn, eine Person, welche nähet, ans dem Nähen ein Geschäft macht; ein im Hochdeutschen ungewöhnliches Wort, wofür Nä'hterinn cingeführet ist. Der Nähersauf, des — es, plur. inust. S. Naherrccht. Nähern-verb. regnet, nahe bringen. Einem etwas nähern. Noch hänstgcr aber als ein Reciprocum sich nähern, d. i. nahe kommen. Als er sich mir näherte, im Dberd. als er sich meiner näherte. Die Zeit, der Winter, der Tod nähert sich. Die rühmliche Begierde, sich den Tugenden der Alten zu nähern. Gern Leben nähert sich nun seinem Ende. Alles nähert sich feiner Vollkommenheit. Sie näherten sich Paar bey paar, Geßn, Daher dieNähernng, wofür dochAnnäherung üblicher ist. Anm. Im Dän. närme. Es kann das Jntcnstvüm von nahen sehn, es kann auch von dem Comparario naher abstammen, cs kann aber auch von dem veralteten nähr, nahe, gebildet ssyn, S. Nahe Anm. und Nährlich. Das Näherrecht, des—es, xlur. i r, u s. das Recht, nach welchem jemand bey dem Verkaufe emccSache ein näheres Recht auf dieselbe hat, als ein anderer, d. i. ste für eben den Preis, welchen ei l anderer gebothen hat, mir dessen Ausschließung kaufen, und wenn sie schon verlauft worden, zurück nehmen kann ; der vorkanf, der Nähcrkauf, der Einstand, das EinsranLsrecht, im Dberdcutschen auch die Nä'hergeltnng. das Nahergeltungs- recht, der Äaufzug der Abtrieb, das Aotriebsrecht, das Vorgeld, das Zugrecht, dieLosung, das Gesprlde,. S. diese Wörter; Lat.-us l^etructus. Nahesäcklitzl, Lck). e l uck v. welches nur iu d/r Baukunst üblich ist, diejenige Säuleuweitezu bezeichne!!, wo diLSänlen nur - Z- Model von einander entfernet lind, und wofür man auch ow Wörter fcinsäuilg und schönsäulig gebraucht; alles un Gegensätze des ferniaulig. . ^ Der Nähkloden, d-s—s, plur. ul uom. ljnZ. bev den Sattlern, ein Kloben, dir Tssllc, welche zusamule» genährt werden sollen, dam't zusammen zu halten. Das Nähküssen, des —s, nlur. ul nom. lin§. Diminut. das Nähküßchcn, Dberd.Nahküßlrin, ein kleines Kiisseruder Näh- terinnnr, dasjenige, »voran sie nahen, nur einer Nadel darauf anzusiecken. Der Nähme, des—-ns, dem—n, salur. die — n, ein Wort oder Ausdruck, welcher diejenigen Merkrnable eines Dinges enthalt , woran däss lbe in allen Fäll n erkannt wird, ein symbolisches U-.trrsch.eidun»s- oder Erkenninißze-ichrn eines Dinges. r. Eigentlich. ,) In der ivellesten'Reden ring, wo zuweilen ein jedes Wo. t, ein j i r Allsdruck, so fern er drc U>tterschcidungs- m-nkm lhlceine Dinees andeulet, ein Nähme gkna.ult wird. So Adel. W.B.z.T-.-.Aust. Nah 4-Z nannte Wolf die Adjectiva ober Beywörter zufällige Nahmen, die Subsianliva oder Hauptwörter aber wesentliche Nahmen, selbstständige Nahmen, welche bey andern Hauptnahmen heißen. 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist der Nähme ein Hauptwort, welches die Art oder das Geschlecht eines Dinges bezeichnet. So sind die Wörter Pflanze, Holz, Mensch, Thier, Seele, Tugend, Geitz insgesammt Nahmen, und zum Unterschiede der folgenden Bedeutung allgemeine Nahmen, weil sie ganze Geschlechter oder Arten benennen, welche aus vielen Zn- dividuis bestehen, oder, so fern sie Abstracta sind, an vieleuJndivi- dilis angetroffen und als Jndividua betrachtet werden. Diese Gutherzigkeit verdienet den Nahmen der Tugend nicht. Liese Eigenschaft ist des Nahmens der Gutherzigkeit unwerth. Der Mensch, der seinen Schöpfer zu kennen vorgibt, und doch nichts gegen ihn fühlt, verdient den Nahmen des Menschen nicht, Gell. Da nennt man doch ein verbrechen bep seinem rechten Nahmen, Weiße. Der Amtsnahme, ein Ausdruck, welcher jemandes Amt anzeiget, ein Ehrennahme, oder Titel, der dessen Rang in der bürgerlichen Gesellschaft bezeichnet. Die Sache muß doch einen Nahmen haben, figürlich, man muß sich doch einen deutlichen Begriff von derselben machen, sie doch uw ter dem wahren Gesichtspuncte verstellen. Z) In der engsten Bedeutung ist der Nähme ein Wort oder Ausdruck, weicher ein einzelnes Ding, ein Individuum von allen andern Dingen unterscheidet. Deutschland, Dresden, der Zar;, Gott, Caspar, Hof- mann u. s. f. sind solche Nahmen, oder zum Unterschiede von der vorigen Bedeutung eigene Nahmen oder eigcnthümliche Nahmen. Wirrem Rinde, einem Orte, einem Dinge einen Nahmen geben. Den Nahmen von etwas haben. Seinen Nahmen verändern. Ich kenne diesen Menschen nur dem Nahmen nach. Mich daucht dem Nahmen nach sollt ich sie doch wohl kennen, Crou. Jemanden mit Nahmen nennen. Ihn bey seinem Nahmen nennen, oder rufen. wie lange wirst du ihn bey diesem Nahmen nennen«' Weche. Ein Mensch mit Nahmen Herrmann, oder Nahmens Herrmann. wie ist sein Nahmech Wie heißt sein Nähme? W.e lauter fern Nahm? ? Wrc herßc er ? Fuhie, w:c mir bey seinem Nahmen das Her; schlage, Weiße; wenn er genannt wird. (S. Geschlechtsnahine, Zunahme , Vornahme, Taufnahme, Beynahme.) Die Nahmen der zwölf Monachc, der Winde und so ferner. 2. Figürlich, i) Ein Vorwand, ein Vorgeben ; im Gegensätze der Thar oder der Realität. Jemanden unter dem Nahmen der Freundschaft bekriegen , unter dem Scheine. Etliche sind mit dem Nabmeiuund nicht dcrThat nach Freunde, Sir. z 7, 1. (S. Nahmenchrrfl) 2) In /emands Nahmen, arl dessen Statt. Sage es ihm in meinem Nahmen. Es ward ihm im Nahmen des Richters befohlen; ln den Kanzelleyen, Nahmens des Richters. Ich bin gekommen in meines Vaters Nahmen, Joh. L, 45,an dessen Statt, oder auch wohlauf dessen Befehl. Z) Auf jemandes Nahmen Waarcn ausnchmen, borgen, Schulden machen, ansdeffen Credit. Der Wein ist aufunsers Fpeundes Nahmen gehohlet worden, rutter der Bersichernug, dem Vorgeben nach, daß er für ihn scy. 4) In jemands Nahmen, im Vertrauen aufdessen Verheißung; doch nur iu der Deutschen Bibel und biblischen Schreibart. Tbut alles in dem Nahmen des Herren Jelu, Col. Z, 17. So ihr den Vater etwas bitten werdet in meinem Nahmen, Joh 16, 26. 5, Im Nahmen Go ttes des Vaters u. s. s. in der Tarrfsormel, bedeute: D d in 420 419 Nah in dessen Gemeinschaft und zum Bekenntuiß derftlbeir, welchen Sinn auch die biblische N. A- hat, cruf eine- N rhmen taufen. Im Nahmen Gottes wandeln Mich. 4^-L, m dessen Gemeinschaft. WelcheArtcn des AnSoruckes außer der biblischen Schreibart nicht üblich sind. 6) Die Nachrede. Ich mag den Nahmen nichthaben, daß er mir gedienet hat, mag es nicht von nur gesagt haben. In engerer Bedeutung, das Uriheil anderer von unserer bürgerlichen und stttlechenBeschaffenheit, welches denn durch Beuwörter näher bestimmt wird. E neu großen Nahmen haben, hinrerlassen. Sich einen unsterblichen Nahmen machen. Jemanden einen bösen Nahmen machen. Der ehrliche Nähme, das öffentliche Urtheil niederer von unserer gehörigen bürgerlichen Beschaffenheit, so wieder gute Nähme auch ans die weitere sittliche Beschaffenheit gehet. Seinen guten Nahmen, seinen ehrlichen Nahmen retten, vercheidigen. Jemandes ehrlichen Nahmen kranken , schwächen, ihn um seinen guten Nahmen bringen. 7) Ein Volk, eine Nation ; doch nur m einigen wenigen Artendes Ausdruckes. Ein 8cind des christlichen N.ch- mens , des Deutschen Nahmcns seyn, eigent.ich alles dessen, was Christ, oder ein Deutsch, r heißt. 8) Die Nachkommen, Personen, welche von jemanden abstammen, weil ste dessen Nahmen führen; doch nur in der Deutschen Bibel. Mein Schwager, wegert sich, seinem Bruder einen Nahmen zu erwecken, LMost 25, 7. Ihren Nahmen vertilgest du, Ps. 9, 6. Und so in andern Stellen mehr. 9) *Die Person. So werden die drei) Personen in derGottheit sieh den altern Schriftstellern des r'-'reu undderfolgendenZahrhunderte häufig die dreyNahmen genannt. 60t ckurft ckis liain turnen ckriu, Walther von der Vogelweide. Der jünger fraget, was sollen wir gelauben ; der Meister sprach, das in Gott drey nam.-n sein, und das die drey Namen ein wäre Gotheü ist, sucidar. Bey eben diesen Schriftficl-. lcrnbedeutet daher Manusname so viel wie Mannsperson, und Zrowenname Frauensperson. Die Manns-Namen sollen schweren, u. s. f. im Straßbnrg. Stadtrechte. In der Deutschen Bibel wird unter dem Nahmen G ottes oft Gott selbst verstanden. Außer den: ist es in dieser Bedeutung im Hochdeutschen ganz veraltet. Im lateinischen wurde kstoinssn in d^ftm Verstände schon im 4ten Jahrhunderte gebraucht. Anm. Dieses überaus alteWort lautet bep demUlphilaslstnmL), bcy dem Kero und im Isidor ^smi,bcydem Willeram und seinen Zeitgenossell^amo, im Niederst Name, im Angelst hlo- M3N, Zlnmn, im Engl. hlame, im Schwed. Idlnrnll, im Finnland, idlemi, im Irland, im Wallach, wo es auch die Nachrede bedeutet, hlene, im Alban. Anm, sogar im Perst Ist am, und im Malabar. iKamam. Das Krainerische Imi hat das n weggelassen, so wie das Dänische Nave und Island. Ist ustn einen andern Endlaut haben, und das Griech. ovoia« noch cin o vordem r> angenommeil hat. Es stammet gewiß nicht vondemLat. Borneo her, von welchem allenfalls das Jtal. sslo-nsund Franz. Ist om entlehnet ftynkönncn, sondepn ist ein alter Seitenverwandter desselben, wie aus dessen ausgebreiteeem Umfange wohl-erweislich ist. Es stammet von den. im Hochdeutschen veralteten Zeitworte nahmen her, welches noch in dem Niederdeutschen nähmen, und in den Oberdeutschen benahmen, beniehmen, be- nahmsen übrig ist, und ehedem nicht bloß nennen, sondern reden, sprechen, überhaupt bedeutet hat, so daß eS allerdings als ein naher Verwandter von dem Hebe. OX2, sprechet, angesehen werden muß. Unser vernehmen, hören, scheinet gleichfalls zu diesem Geschlechte zu gehören. S. auch Nennen. Einige Mundarten pflegen diesem Worte in der ersten einfachen Endung gern noch ein müßiges n anznhärigen, der Nahmen, so wie ste auch der Glauben, Samen, Bnaben u. st f. für Glaube, Nah Game, Rnabe sagen. Man gibt dieses gemeiniglich der Ober- sächsischen Mundart Schuld; allein hier wird solches doch bey weiterr nicht so häufig gehöret, als in andern Gegenden. Der Regel nach muß dieses Wort mit einem h geschrieben werben, weil die vier flüssigen Buchstaben l, m, n, r, dasselbe gern vor sich haben. Man Hst es auch bis ans Gottscheds Zeit beständig so geschrieben. Dieser verbannete das h, thells weil er glaubte, daß dieses Wort unmittelbar von demLateimschen absiamme, welches ohne h geschrieben wird, lheils um den Feinden des h doch m etwas nachzngeben. Bepde Bewegungsgründe waren unzulänglich, und der erste völlig falsch. Gesicht aber auch, Nähme stamme von dem Lat. Istornsn her, so hak es doch seit undeutlichen Zeiten das Bürgerrecht gewonnen, und sich in andern Umständen der Deutschen Sprache gemäß gebildet, so, daß cs sich auch in der Schreibart nach derselben fügen muß. Wer daher Name schreiben null, weil es dem Lateinischen gemäßer ist, muß vielmehr Nome oder Nomen schreiben, welches ihm noch ähnlicher ist. DasNühmenbüch, des — es, plnr. die — bücher, eigentlich rin Buch, in welchemNahmen, und in engerer Bedeutung eigen- thümliche Nahmen verzeichnet sind; in welcher Bedeutung es aber wohl nicht leicht vorkvmmt. Einige haben ein Wörterbuch oder Lepicon ein Nahmcnbuch nennen wollen, aber wenig Bei)» fall erhalten. Nach dem Frisch wird in Franken und andern Oberdeutschen Gegenden ein Buchstabierbüchlein für Kinder ein Nah- menbuch genannt. Der Ncrhmonchrist, des—en, xlur.die—en, eine Persog, welche nur dem Nahmen nach ein Christ ist, ohne es in der That zu seyn; ein Gcheinchrift, in der harten Sprcchart ein Maulchrist, zum Unterschiede von einem wahren Christen. Das Nshinenkehn, des — cs, xr!ur. die-—e, S. Metonymie. Nahrnrnbos, —er, —este, nclj, etn6v. keinen Nahmen habend , des Nahmens beraubt. 1) In der eigentlichen Bedeutung des Wortes Nähme, und vhnc Comparation. Ein nahmenloscr Schriftsteller, der sich nicht genannt hat; ein Anonymus. Em nahmenloses Buch, dessen Verfasser sich nicht genannthät. Im . Niederst nennet man kleine Kinder, welche noch keinen Nahmen haben, Namenliesken, welches ans nahmenlos verderbt ist. r) Unaussprechlich, was sich wegen der Menge oder des hohen Grades der Intensität nicht nennen oder ausdrucken lasset; in der höhern Schreibart der Neuern. Diese nagende Angst, diese nahmenlose Pein vermag ich nicht zu ertragen. Mehe mir, ' wehe des nabmenlosen Jammers l Weiße. Mer zahlet die nahmenlosen Zeinde des Lebens? Z) So fern Nähme den Ruhm, guten Nahmen, bedeutet, ist nahmenlos in der edlen und anständigen Schreibart nnbernhmt. Nahmenlose Schriftsteller, dunkle, unberühmte. So auch die Nahmenloflgkcit. Düs NahnrenreFister, des—s, p'ur. ut vom. kuZ.ein Register, d. i.Vcrzeichniß von Nahmen, besonders eigenthümlicher Nahmen. Der Nckhmewörats, des — es, plur. die— e, derjenige Tag, dessen Nähme im Kalender zugleich jemandes Taufnahme ist; das Nah mens fest, so fern er als ein festlicher Tag betrachtet wird. Seinen'Nahmenstag feyern. Ncrhmentbtch, LsHss et nck v. mit Nahmen, mit ausdrücklicher Anzeige des Nahmens einer oder mehrerer Dinge. E:ne nahment- liche 2kn;eige von etwas thun. In einigen Oberdeutschen Gegenden ist es auch für das folgende nahmlich üblich. Das t 'm der Mitte ist das t cnphenicum, welches dem n so gerne nach- schleicht, S. N und T. Der Nahmenwechfel, des -»s, p!ur. ut vom.lurZ. eigentlich der Wechsel, d. n die Verwechselung, Berlanschung der Nahnren. Einige 4Li. Nah Einige haben die Metonymie euren Nahmenwechsel nennen wollen, S. jenes Wort. Nahmhaft, —er, —^ste, ttcj j. et ack v. welches anfdoppelte Art gebraucht wird. i..Als ein Nebenwort allein, ohne Comyara- kion, wo etwas nahmhaft machen, es lrennen, dessen Nahmen anzeigcn ist. Len Thäeer zu erfahren und nahmhaft zu machen suchen. Sich nahmhaft machen. (S. Nahmkundrg.) 2. Als ein Bey- und Nebenwort. -) *Für ausdrücklich, bestimmt; eine im Hochdeutschen völlig ussekannttVedeutnng, welche zuweilen im Oberdeutschen vorkommt. Ein nahmhafter Befehl, ein gemessener, ausdrücklicher. 2) Beträchtlich, ansehnlich; am bä u. sigsten im Oberdeutschen und in den Hochdeutschen Kanzsslenen. Eine nahmhafre Summe Geldes. DerSchade war nicht geringe, er war nahmhaft. Euren nahmhaften Vorrath von etwas liegen haben. Man hat nahmhaftc Schulden frss ihn bezahlt. Es kostet mich ein Nahmhastes. Jugleichen berühmt, einen guten, ansehnlichen Nahmen habend ;im Mittlern Lat. mo'-ninn- livu^, Franz, renomme. Dieweyi Ewev kunigl. Mayestat von Lr'm tencrlichstcu cltisten und nahmhaftigisten geschlecht der Lhriste Haft iren vrsprnnghat, Thenerd. iss der Zuschr. Ich biss eui Blt'ger einer nahmhaftigen Stadt m Lilicien, Apostelg. 2 -, z-). Diese wurden nahmhafcige Fürsten in ihren Geschlech- tcn, - Chron. z, 58. . In welchem Verstände es doch der edlern Schreibart gleichfalls fremd tfl. Anni. Bey.dem Ottfricd ist numuftnfto mit Nahmen, nah- mcntlich. Nahmhafti-g für nahmhaft ist eine unnütze Overdeutsche Verlängerung. Nahmkundiy/ —er, —ste, sstj. et Lclv. welches gleichfalls imOberdenlschen und in denHochdcutschenKanzelleyen am üblichsten ist, dem Nahmen nach bekannt, deutlich bestimmt. Etwas nahmkundig machen,nahmhaft. Eine nahmkundige (bestimmte, ausdrücklich genannte) Snmme Geldes. Eben daselbst wird es auch zuweilen für nahmhaft, so fern es für beträchtlich, ansehnlich, berühmt stehet, gebraucht, welche Bedeutung auch das Schweb, anrnnkunrug und dasAngels. naincutss hat. NähmUch, ach'.er ück v. Snperl. nähmUchsie, welches in drey- fachcr G-'stakt vorkouunt. 1) ^ Als ein Bey- und Nebenwort, für nahmentlich, mit Nahmen, welches die erste eigentliche Bedeutung diefisWortcs ist, die aber, wenigstens im Hochdeutschen, gar nicht mehr vorkommt. Nämlich und besouder in der Acht begriffen, in Goldasts Reichsi'atz. bep dem Frisch. 2) -s Als ein 5iirwort, für eben derselbe, entweder ss fern Nähme ehedem für Person gebraucht wurde, oder auch für, der vorher genannte. Der nä'hmÜche Freund, den wir gester n sahen, eben derselbe. Wo man auch wohl im Superlativ der nähm- lichste sagt. Zn den gemeinen Sprccharrcn Ober- und Nrrder- Dcntschlandes ist diese Bedeutung überaus häufig, daher es auch manchen sonst guten Hochdeutschen Schriftstellern anllebr welche stch über dieses Wortes brllig enthalte» sollten, indem es m der reinen und anständigen Schreibart überaus widrug und unangenehm klingt, auch völlig überstiisstg und nnnochig ist, da eben derselbe dessen Begriff völlig erschöpfet. Ausführlicher habe ich dwses in meinem Magazine- B. 2, St. 1, S. 1 4 Z zu beweisen gesucht. z) Als rin Nebenwort allein, da es^auch in der anständigen Schreibart, sehr häufig gebraucht wird, die nah.uenrl-chr und nähere Bestimmung ciucr vorher nur allgenicin befiiwmtennoache zu begleiten. Niemand fahret gen Ammei, denn der v.n Ammei hernieder kommen ist, nämlich des Menschen Sohn, der im Amme! ist, Joh. z, Ich null dir das -Land geben, nämlich das ganze «E,and Tanaan. i Mos. '7 8. Und weil wir solches wissen, nemlich die seit, daß die Stunde da ist, Nah 422 Röm. r z, -Es kamen ihrer drey, nähmlich Tajus, Titins und Mylius. Anm. In der letzter» Bldcutnng im Oberd. nämlich, namblich, im Niederf. namtlik, benamen, im Dän. nemlrch , im Schweb. vssMrASQ, im Engl. bey drn Krainerischen Wsndeu llamrorft, worausdeffenAbstaitttt'.ung von Nähme wohl uuläug- bar!vird, zumahi da nahmc-ttlich, von wckchem nähmlich nur dae verlürzlc Form ist, imOserdentsch. noch für das letztere gebraucht wird. Die Lat. vem^e und oirnirum scheinen auf ähnliche Art von n omen gebildet zu scyn, ob sie sich gleich ein wenig mehr von ihrer -Quelle entfernet haben. Man schreibt diefcsWort bald nämlich, bald aber auch nehmlich und nemlich. Die erste Schreibart gründet sich auf die unrichtige Schreibart des Wortes Nähme, da man es für einen Abkömmling von dem Lat. Bornen hält, und daher das h rvcgiäßt; die zwcyte auf die erweislich falsche Ableitung von nehmen, und die dritrc auf eine eben so unrichtige von dem Lat. In vornehmlich, vernehmlich und annehmlich ist das e hingegen richtig, weil diese Wörter unläugbar von nehmen abstammen. Die Nähnadel, plur. die—n, eine mit einem Öhre versehene und zum Nähen dieiüiche Nadel, zum Unterschiede von eitler Stecknadel. Das Nühpult, des— es, plrrr. die — e, ein Pult des andern Geschlechtes, die Sachen, an welchen genähet wird, an dem auf demselben befindlichen Küssen zu befestigen, und in dem Pulte allerlei) zum Näheg dienliche Sachen zu verwahren. S. Pult. Der Nährahm , des -—es, plur. die — c, oder der Nährah-- men, des—>s,p!ur. urnom.linZ. ein Rahm aus vier glatt gehobelten Latten, ein Stück Zeuges, welches ansgeuähet oder gesirckrtwerden soll, darin ansznspanncn. Nähren, verd. rs§.welches indoppelter Gestalt gebraucht wird. r. Als ein Neutrum, mit demHülfsworte haben, i) Absolute, nahrhafte Theile enthalten, solche Theile enthalten, welche durch ihren Übergang in den rhierischen Körper dessen Theilen Zusüss geben und dieaufmanchortey Aet abgehenden Theile ersetzen. Mehlspeisen nähren gut. Der B - h! nähret schlecht. 2) Mil der vierten Endung d s Nenuworces solche Nahrung geben. Diese Speise Haft mich gut genahret. Zu welcher Bedeutung es doch seltener vorkommt. 2. ÄlseinActivnm. i) In enaerm Verstände, Speise gehe», darreickeu. . (a) Eigentlich.- in welcher jetzt veralteten Bedeutung be« dmn O-ftrieo ftie speisen vorkonunt. Man findet es nur «vcd züweüen in werlerru Vörstande, als gewöhnliche Spr-.se gehen oder darreichen. Du nährtest dein Volk mu Engclspeise, Wsssh. r 6, 20. Auch als ein A-ciprocum. See nähren sich vom gottlosen Brot, Sorichw. 4, > 7 . (b) Figürlich, diein- nere Stöckedeföidern. Geduld durch Grundsätze genährt und durch Schicksale gehärtet. W r müssen unsere Seele mit Grundsätzen der Tugend genährt haben. 2) In weiterer'und gewöhnlicherer Bedeutung, die nörhige» Nahrungs-und Uinerhaltungsmirttl des thierischenLebeus gewähren, dsrreicheü. (a) Eigentlich. Gehet die Vogel unter dem Ammei— und euer himmUscher Vater nähret sie doch, Matth. 6,26. Lrnährete ihn mit den Früchten des Feldes, 5 Mos. 32, iZ. In häusncher Stille von unserer Arbeit genährt, Gcstn. Eine Gchla ge im Busen nähren. In dieser Bedcutuirg, wofür jetzt ernähren üblicher ist, kommt,es noch zuweilen in der höheru Schrcibcwfvor. Gewöhnlicher ist es in Gestalt eines Rcci- procr, sich nähren, sich die nöthjgen Nahrungsmittel, sich den Unterhalt verschaffen; obgleich auch hier das zusammen gefitzte ernähren gebraucht wirir. Sich kümmerlich, reichlich nähren. Die Sache, welche zum ErwcrhMgsmittkl der Nahrung dienet, D d 2 bekommt 42Z - Nah bekommt die Vorwocler von und ,m'k. Sich mit Spinnen, mit Stehlen nährem Sich vom Raube nähren. Ein einziger alter Eichbaum ist eine Welt für ganze Heere verschiedener Thiere, die sich von ihm nähren, Gell. Im Oberdeutschen gebraucht mau cs häufig mit der ziveyten Endung. Sich Bettelns nähren, Opitz, vom Betteln. Der stch der wurtzlcn neren thnt, Haus Sachs; welche Wortfügung auch in der Deutschen Bibel nicht selten ist. Sich seines Schwertes nähren, r Mos. 27, 40. Sich seiner sänke Arbeit nähren, Ps. 128 , 2. (b) Figürlich, den Grund der Fortdauer einer Sache enthalten. Der Traurige liebt alle die Bilder, die seine Leidenschaft nähren. In welcher Bedeutung ernähren nicht üblich ist. Anni.In der heutigen Bedeutung schon bey demOttfried neran und Alleren , im Niederst nären, im Schwed, vära, im Dän. nähren, im Engl. to vurke und llourrisft, imNorwpg. norrie, uyd sogar im Grönland, nsrrick. Es scheinet zu naschen und niesten in geniesten zu gehören, und eigentlich essen und zu essen geben, bedeutet zu haben, znmahl da auch ehedem nesen dafür üblich war, wie sogleich erhellen wird. Das Lat. umrir« ist sichtbar damit vcrwaildt/erttweder vermittelst des schon gedachten nesen, niesten,weil s und t beständig in einander nbergehen,oder auch t», daß das t in dem Deutschen nähren ansgrsteßen, oder in dem Lat. llulrire eingeschaltet worden. DieJialiäner sagen mit einem weichen d uockriro, und die Franzosen stoßen auch dieses d nach Art der Niedersachsen ganz ans,nourrir. (S.Naschen und Nahrung.) Für Nahrung ist zuweilen das Nähren, oft aber auch Ernährung üblich. Einige Mundarten sprechen es mit einem scharfen e aus, daher man es auch oft nehren geschrieben findet. Ehedem wurde dieses Wort sehr häufig auch in weiterer Bedeutung - theils für erretten, befreyen, theils aber auch für heilen, von einer Krankheit befreyen, gebraucht, da es denn auch nc-Ian, ßenelaii lautete, weil v und e sehr oft mit einander abwechseln. Go kommt ,verrell schon imIsidor für lalvnre vor. Zn diescrBedeittungist es längst veraltet, außer daß genesen noch in dcr mittlcrnGattunK davon übrig ist, S dasselbe. Nahrhaft, —er, —este/ ach', etastv. vondcmaltenNahrfür Nahrung, S. das letztere. 1) Nahrung gebend, im eigentlichsten Verstände, nährend, in der ersten Bedeutung des Neutrins nähren, d. i. viele solche Theile enthaltend, welche die auf mancherlei) Art a . gehenden Theile der tlsterjschen Körper wieder ersetzen. Nahrhafte Speisen. Die Milch ist sehr nahrhaft. In weiterer Bedeutung, für fett, gedüngt, natürliche Erde mit Mist nahrhaft gemacht, ist es nur in einigen Gegenden üblich. 2) I,r einigen Gegenden bedeutet es auch, begierig seine Nahrung zn suchen, sich zu nähren, ein nahrhafter Mensch ; in welcher cs aber im Hochdeutschen gleichfalls unbekannt ist. Die Nahrhaftigkeit, plur. ivus.die Eigenschaft eines Dinges, da-es nahrhaft ist, besonders einer Speise, in der erstenBedcn- - tu-ng des vorigen Wortes. > Der Nuch-Raeinen, (von nähen,) des—s,^lur. nt norrr. limZ. bep den Sattlern, dünne lederne Riemen, damit zu nähen. Der Nah-Ring, des—es, p!ru-. die—e, ein Fingerring, im Nähen die Nähnadel damit fortzudrücken, dergleichen z. B. die Schneider und Schuster gebrauchen, und statt dessen sich die Nähterinnen des Fitigerhutcv bedienen. * Na^rlich, —er, —ste, sclj. et ackv. welches nur noch im gemeine» Leben einiger Gegenden üblich ist, wo es für genau, kaum, kümmerlich gebraucht wird. Sich nährlich brhelfen, kümmerlich, sparsam. Ein n ährlicher Mann, ein genauer, der alles zu Rache hält. Nahrliche Zeiten, kümmerliche. Es gehet nähr- lich zu, knapp,-sparsam, genau. Es wird dazu nährlich zu.-- reichen, kaum. Nährlich Haushalten, sparsam. Nährlich genug haben, kaum. Anm. Es scheinet nicht von nä'bren und Nahrung herzukom- Men,sondern von nahe,genau,welches in vielen verwandienSpra- chen statt des Hauches ein r hat, wie das Englische neue. (S. Nahe.) Von nähren ist im Niederst närig sparsam, Haushalts und Närigkcit Sparsamki.it, ante Wirchschaft. Nahtlos —er, —este, aeft. «t aclv.vvn dem alten Nähr, (S. Nahrung.) - ) Keine Nahrung gebend, gewährend, in der ersten Bedeutung dieses Wortes; im Gegensätze des nahrhaft. Nahtlose Speisen. Noch häufiger, 2) der Nahrung, d. i. der Gewährung des Unterhaltes und der Gelegenheit stibitzen zu erwerben beraubt. Nahrlosc Zeiten. Ein nahtloses Land. Die Ncrhrloslykeit, plur. inus. die Eigenschaft eines Dinges, da cs nahtlos ist, besonders in der letzten Bedeutung des vorigen. Wortes. Der Nührstanö, des— es, plur. Illuf in der,Moral, derjenige Stand unter den Menschen, welcher sich zunächst mit her Erwerbung seiner Nahrung, d. i. seines Unterhaltes, beschäftiget; zumUntcrschicde von dcmLehrstande undwchrstande. S.Stand. Die Nahrung, plur. die — en. I. Dasjenige, was nähret, 1) Eigentlich. Di-jenigen Theile eines genießbaren Körpers, welche durch ihren Übergang in den thicrischeii Körper denselben erhalten und stärken, d. i. die aus mancherlei- Art abgehendcnThei- le ersetzen ; wo der Plural nur von mehrern Arten gebraucht wird. Vohl gibt eine schlechte Nahrung. Milch gibt viele Nahrung, Die abgehendcn Theile der thierischen Rcrper müssen durch neuen Zugang der Nahrung ersetzt werden. (S. Nahrhaft und Nähren.) 2) In weiterer Bedeutung, derfinige genießbare Körper, welcher solche Theile enchält/ (a) Eigentlich. Speist und Trank, so wohl von Menschen als Vieh ; als ein Collectivnm und ohne Plural. Ich will dir Rleidcrund deine Nahrung geben, Nicht. 17,»0. Die Acker bringen keine Nahrung, Habac.4, > 7. Wachteln zur Nahrung, Weisl-. - 6, 2. In großer Dürre findet das Vieh keine Nahrung auf dem Felde. Der täglichen Nahrung mangeln, Jar. 2, 1 z. (b) Figm lich, was die Fortdauer des Feuers, und im noch weitrrerLftdcmung eines andern Dinges befördert und vermehrt; ohne Plural, außer allenfalls von mehrern Arten. Dem Feuer frische Nahrung geben. Fett ist des Feuers Nahrung. Der Flamme die Nahrung entziehen. Nahrung für seine Wißbegierde finden. Menschenfreundliche Neigungen find eine siKe Nahrung edler Herzen, Gell. Immer neue Nahrung zum vertrauen anfdie Vorsehung einsam- meln , ebend. Das Her; wird in der Wohlfahrt der andern die Nahrung seiner Freude finden, ebend. Fliehe alles, was deiner Flamme Nahrung gibt. Thorigte wünsche, die aus einer abgöttischen Meinung von fich selbst ihre Nahrung zier hen. Z) In noch weiterm Verstände, der Unterhalt, d. i. alles was zur Erhaltung des natürlichen Lebens dienet; ohne Plural. Der zeitlichen Nahrung warten, Sir. Z8,Z8. Lein Rriegs- mann ssieht fich rn dre Händel der Nahriing, 2 Tich. 2,^4. Sorgen der Nahrung, Rahrnngssorgen. Seine Nahrung in einem Lande juchen. Seiner Nahrung nachgehen. Jemanden seine Nahrung entziehen. 2. Der Inbegriff aller derjenigen Mittel, womit man fich die Nahrung der vorigen Bedeutung verschaffet, das Gewerbe; auch shne Plural, außerallenfalls von mehrern Arten. Die Nahrung gehet schlecht. Was treibst du für Nahrung e was ist eure Nahrung? 1 Most 46, zz. Auf die Nahrung erpicht se?n. Die Braunahrung, der Bierbran als ein Gewerbe, als ein Mittel des Unterhaltes betrachtet. So auch die Schenknahrnng u.s.f. Da denn in mattchenGegenden dieses Wort auch zuweilen imCon, cret§ 42 F Nah creto gebraucht wird; z. V. zwep Schenknahrungen, örepBrau- Nahrungen d. i. so viele mit der Schenk - oder Bra".gorechng?e:L versehe!'..' Häuser. Auch in Absicht der äußern Umstände, der Gelegenheit und Mittel von außen, sich den nörhigen Unterhalt zu verschaffen ; ohnePmral. D-e Nahrung ist schlecht, geht nicht. Gute Nahrung, schlechte Nahrung haben. Bs ist kerne Nahrung unter den Leuten, es fehlt unter ihnen an Gelegenheit, sein Brot zuverdümen. Eine Sradt hat gute Nahrung, nenn mehrere Mensche» leichtlich ihren Unterbau in derselben finden. Anm. Im Niederst gleichfalls Narung, im Dänischen nud Schwed. Naring, imPohln.^err^ia. Es scheinet von dem veralteten Nar, Nara, welches im Tatian und andern altern Schriftstellern, für Speise, Nahrung, noch häufig vorkommt und der Ableitnngssylbe —ingoder—ung zusammen gesetzet, und also nicht zunächst von nähren gebildet zu seyn; da es denn eigentlich ein nährendes Ding bedeuten würde. Das NcchrunFSFelö, des — es, plur. doch nur von mehrern Summen, die—er, in einigen Ländern, eine Art von Abgabe, welche nicht von den Grundstücken , sondern von der Nahrung, d. i. dem Gewerbe gegeben, und daher auch Gewerbegeld, Ge- ' Werbesteuer, Nahrungssteuer genannt wird. S. Gc-werbegeld. Das Nahrungsmittel, des—s, plur. ut nom. linZ.dasMit- tel der Nahrung, d. i. der Erhaltung des natürlichen Lebens ; in welchem Verstände alle Arten der Speisen und der Getränke Nahrungsmittel genannt werden. DerNahrunyssaft, des—es, pIur.dochnurvonmehrernArten, die—safte, der aus den Speisen in dem Magen bereitete Saft, welcher eigentlich die Nahrung der thicrischcn Körper ansmacht, und wegen seiner Ähnlichkeit mit der Milch, auch der Milchsaft genannt wird ; LK)'Ius. Die Nahrungssorge, plnr. die—n, Sorgcn für die Nahrung, d. i. Erhaltung des natürlichen Lebens, Sorgen der Nahrung. Die Nähschule, plur. -ie— n, eincSchule, worin Personen des andern Geschlechtes im Nähen unterrichtet werden. Die Nähseide, plur. inul'. gezwirnte Seide zum Nähen, zum Unterschiede von andern Arten. Die Naht, chur. die Nähte, von dem Zeitworte nähen. I. Die Art und Weise zu nähen, ohne Plnral; in welcher Bedeutung eS bey den Nähicrinnen sehr häufig ist, besonders in den Zusammensetzungen äansnaht, Mahlcrnaht, Bildernaht u. s.f. 2. Der Drt, wo zwep oder mehr Stücke zusammen genähet worden. 1) In der weitesten Bedeutung, so fern nähen ehedem verbinden, zusammen fügen überhaupt bedeutete, da dieses Wort in vielen Fällen d'^,s gemeinen Lebens vorkommt. So wird die Fuge zwischen zwey Planken an denSchiffen, wo selbige in der Länge zusammen stoßen, die Naht genannte Bey den Blecharbeiternist die NahtderDrt, wo zwey Stücke Blech durch N-cthc mir einander verbunden werden, (G. Meuznaht.) In der Anatomie ist die Naht eine Art der Zttsammenfügnng, wenn zwey Knochen mit ihren ausgczähnteu Enden, wie die Zähne zweycr Sägen ineinander greifen, oder auch, weiüinnr die Ränder über einander gehen; jene wird die wahre, diese aber die falsche Naht genannt. (S. Vranznaht, Pfeilnaht und U) nkelnaht, welche drey Nähte sich an den Beinen des Kopfes befinden. Die Naht an dem Zodensacke ist die schmale Vertiefung in der Mitte, welche ihn gleichsam in zwey Thcrle theüet. Wegen der Ähnlichkeit werden auch an den haarigen Thieren solche Stricke von Haaren, welche das Fell gleichsam in zwey Thejle z» theilen scheinen, Nähte genannt. 2) In engerer Bedeutung', so ferN nähen mit Nadel und Faden zusammen fügen bedeutet, ist die Naht dcrjenigeOxt, wo zwey Stücke auf solche Art in die Länge zusammen gefiiget worden. Eine Nadt machen. Die Naht auftrcnnen. Die Naht gehet ruf, reiße Nap 426 auf. Das Meid reißt aus allen Nähten. Jemanden auf die Naht fühlen, ihn ausforschen, inglcichen, ihn auf die Probe stellen, wo die Figur dunkel ist, wenn ste nicht mit den in Nicdersach- sen üblichen R. A. auf die Nähr (nähmlich der Geldtasche) greifen, aus der Naht klauben, die letzten Pfennige in der Tasche zusammen suchen, kein Geld mehr haben, zusammen hängt, so daßjemanden auf die Naht fühlen, eigentlich seinen Vermögenszustand ansznforschen suchen bedeuten würde. Anm. JmNiedcrs. und Dän. Naad. Es stammet unmittelbar von nähen ab, welches im Mittelworte bey dem Ottfried Kinat lautet,und wird daher richtiger Naht als Nach geschrieben. Ver - mittelst dieses Zeitwortes hänget es mitNockus, Niech und Nuch genau zusammen, welche in den: Begriffe der Verbindung insge-' sammt mit einander überein kommen. Die Nähterep, plnv.die—en, die Art und Weise zu nähen,, die Naht. Die künstliche Nahterep. Das Nähen selbst, ohne Plural. Sich mit der Nähtcrey beschäftigen, scher der Näh-, terey fitzen. Inglcichen genähete, oder ausgcnähete Arbeit. Die Nähterinn, zilur. die —en, eine Person weiblichen Geschlechtes, welche nähet, und in engerer Bedeutung, welche auS dem Nähen ihr vornehmstes Geschäft macht; in einigen Gegenden auch die Näherinn, welches der Analogie unzähliger anderer Wörter gemäßer ist, dagegen Nähterinn von Naht, oder von einem veralteten Zeikworte naten für nähen (S. Niethen) gcbil» det zu seyn scheinet. Niederst Naierske. Der Nachthaken, des—s, xlur. litnom. linA.bcy denKürschr -irern , eine Art kleiner Zange, die Enden der Felle an die Nahö herbey zu ziehen, um ste ohne Runzeln an einander zu heften. Das Nähzeug, des — es, plur. die—e. 1) Alles was zum Nähen gehöret; als ein Collectivum und ohne Plural. 2) Ein Gesteck, oder Futteral mir den darin befindlichen und zum Nähen gehörigen Werkzeugen. Ntrrv, (zweysylbig,) —er, —este, aus dem Franz, vaiv, und dieß vermuthlich aus dem mittler» Latein. nativus, offenherzig. 1) Natürlich, der Natur des Gegenstandes angemessen; natürlich. Naive Gedichte, welche die Empfindungen der Natur des Gegenstandes gemäß ausdrncken. 2) Natürliche Gegenstände, sh- ne die durch den Wohlstand nochwendig gewordenen Umschweife ausdrnckcnd; natürlich. Zn beyden Bedeutungen könnte man es entbehren, wenn nicht die Vieldeutigkeit des Wortes natürlich eS zuweilen erforderte. Z) In der engsten in den schönen Künsten üblichen Bedeutung ist naiv und das Narve, das Unerwartet- mit einer unschuldigen Offenherzigkeit verbunden. So auch d-e Naiv- heit, Franz. Naivste, so wohl als ein Abstraktum und ohnePlu-, ral, als auch imLoncreto von itaiven Gedanken und Ausdrücken, mit demselben. Der Name, S. Nähme Nämlich, S. Nähmlich. Oer Napf, des—es, plur. die Näpfe, DimmuL. das Näpfchen, Öberd.Nä'pflein, ein Wort, welches ehedem überhaupt ein jedes tiefes Gefäß bedeutet zu haben scheinet, und daher von ver- schiedenen Arten derselben gefunden wird. Und die Gähne Aaro- nis nahmen ein jeglicher seinen Napf, und rhäten Feuer darein, A Mos. 10, i. Und soll einen Napf voll G-'mh v-m Altar nehmen, Kap. *6, 12 ; in welchen Stillen Michaelis das' Wort Rauchfaß gebraucht. Die Lampen mit ihren Näpfen, 4 Mos. 4 , 9; Schälchen für die Lichrschnupfen, Michaelis. Die Messer, Becken , Löffel und Näpfe waren lauter Gold, 2 Cbron. 4, 22. Jetzt ist es noch von verschiedenen Arten uefcr Gefäße üblich, welche man in manchenFällcn auchGchalen nennt, welchenNahmen ste aber in manchen nichl bekommen können. Von ihrcrBestimimmg bekommen ste allerlei) zusammen gcsctztcNahmen, Dd Z > Ei» 42Z 427 Rap Ein Milchnapf, der an manchen Orten auch ein Nilchafch heißt, Iäsenapf, die Käse darin zu bilden, ein Punschnapf, eine Punschschale, Suppennapft tieft Suppenschüssel, Suppenschale, Sprilnapf, ein Spülkummet, ein Spucknapf, Hundenapfu. s. f. So auch im Diminutivo ein^uppenn-Pfchen, Vögeln apfchen, den Bügeln darin zu essen oder zu trinken vorzufttzen , u. s. s. I» das Nä pfchen treten, im gemeinen Leben einiger Gegenden, z. B. in Meißen, einen Fehler begehen, und in engerer Bedeutung , sich aus Versehen Schaden thun. Bep jemanden ins Näpfchen treten, eben daselbst, sich ihm verhaßt machen. In einiaen Salzwerkeil werden, dem Fr,sch zu Folge, auch die Salzpfannen Nappen genannt, ungeachtet sie verhaltnißmäßig sehr stach sind. An,n. In dem alten Fragmente auf Cacln den Großen bey dem Schiller NE, im Schwabenspiegel N-tjilch. Bey dem Mil- leeam und in den Monseeischcn Glossen ist Nnpkci» Becher, welche Bedeutung auch das Schweb. Naftp, das Angels. Nsppe, Nnaeppe, dasJsländ. nndNirderf Nap, dasAltsrairz.lstallLp, dasBretagnischc^neik, dasJtal.ldlappo und andere mehr haben, welche aber auch zum Theile eine Schale und Schussel bedeuten. Es gehöret zu dem Geschlcchte der Wörter Nabe, Nabel, N^vis, Nupe1Iu3, und vielleicht auch zu offen, Ofen, Obbn, u. s. f. weil doch das N in vielen Wörtern nur eiu müßiger Vorschlag ist, S. N. Der Napfkuchen, G- Aschkuchen. Die Napfmorchel, S. Becherschwamm. Die Naphtha, plur. car. ein Nahnie, welchen man dem feinsten weißen Bergöhle gibt, welches auf allen Säften und Geistern schwimmet, und die Flamme sehr leicht an sich ziehet. Es stammet aus dem Arab. NE her, indem man dieses Bergöhl dort zuerst kennen gelernet, ungeachtet es such in emigenGegendcn Europen- angetroffen wird. Näppen, Näpper, S. Noppen. r. *Oie Narbe, plur. die—n, (nach der härter» Oberdeutschen ' Mundart die Narb, plur. die — en ,) ein nur in einigen Ober, deutschen Gegenden ublichesWort, dasjenige Schließzeuz an einer Thür z» bezeichnen, welches man in Regensburg eine Anlege, in andern Gegenden eine RIammer, und in Ober . und Niederfach- sen eine Arampe nennet, d. i. dasjenige bewegliche Eisen, wel- - ches auf den Kloben passet, in welchen das Vorlegeschloß gehänget wird. In Steyermark heißt es nur die Arb, zne neue» Bestätigung des Satzes, daß das N zu Anfang vieler Wörter bloß zufällig ist, wie auch aus dem folgenden erhellet. Popowirsch leitet cs von dem Altbrittischen/rrk, Eisen, her, von welchem auch das Engl. -strrovv, ein Pfeil, abstammen soll, welches sich aber auch zu werfen rechnen lasset. 2. Die Narbe, plur. die—N, Diminut. das Närbchen, Oberd. ' Närbiein, ein Wort, welches ehedem eine Vertiefung in die Länge bedeutet zu haben scheinet, jetzt aber nur noch am häufigsten von dem Überbleibsel einer zugcheilten Wunde gebraucht wird. Eine Narbe im Gesichte haben. Die Wunde hat eine Narbe ruriitk gelassen, voller Narben scpn. Pockennarben oder Blatternarben. Ähnliche Vertiefungen auf der äußern Seite des zubereiteten Leders werden gleichfalls Narben genannt, daher die Leder-und Pergamentarbeiter auch die äußere Haut ans denFelftn, und zuweilen auch die ganze auswend-ge Seite einer Haut, auf welcher die Haare gesessen haben, die Narbe, und in einigen Gegenden den Narben nennen. Die Narbe wegnehmen , oder abnarbcn, die Oberhaut der Felle verletzen. In den Eyern der Ever legenden Thiere ist die Narbe ein kleiner weißer Zirkel, in »r welchem sich das junge Thier entwickelt, so wie die Narbe an de» Nar Samen der Gewächse eine Vertiefung der Haut an der Stelle ist, wo der Same in seinem Gehäuse angewechsen war, kkilurn lb/. Amn. Im Sachsenspiegel Nare, im Niedersächs. Nave und Narvc im Dän. Narv- Andere Spr achen haben biesrs Wort nur obre Anfangs N, wie das Schwed. /irr, das Island, das Nord - Engl, ^r, das Esthland. ^r, mrd'das Finnland, ^orpi, alle in der Bedeutung einer Narbe Voit einer Wunde. Da cs in dieser Gestalt auch in einigen Gegenden Deutschlands nicht selten scyn müsse, erhellet aus-eincm »482 in Augsburg gedrucktenVocabclbnche, wo Gis^lrix.durch Arbe, oder Maft gegeben wird. Es scheinet von ähren, errure , herzustam- men, so fern solches Furchen in die Erde ziehen bedeutet. I?« der Grafschaft Rietberg nennet man die mit einem b, sondern Messer, welches das Siebt oder Heidesieot genannt wird, abgeschnitrenc Heide, welche der Arbeiter, sowie er sie abschneidet, mit dem Archen seitwärts schiebet, dre Narbe, welches diese Ableitung bestätiget. Dieses Abschneiden selbst wird daselbst narben oder abnarbcn genannt. Übrigens ist dieses Wort der Hechdeustchcir Mundart am geläufigstrn , dii Nieders. gebraucht dafür Schramme, L-dtcken, Gliedzeichen, Liekteken, Fleischzeichen , und die gemeinen Oberdeutschen Mahlzeichen, Anmahl, Wundcnmahl, Mase, bey dem Notker WunktNÄle. S. auch Schmarre. Nachen, verft. reZ. welches in doppelter Gestalt üblich ist. r) Als ein Neutrum, mit dem Hulfsworte haben, wo es doch nur im gemeinen Leben einiger Gegenden vorkommt, eine Narbe geben, oder setzen. Die Wunde narbet sich , setzt eine Narbe. 2 ) Als ein Activum, wo es nur bey den Weißgärbern und Perga- menrern üblich ist , und auch narben lautet. Ein Fell narben oder narben, die Haare oderWolle von der änßernSeiteabstoßrn; entweder von den Narben, welche nachmahls aufdftserSeite sichtbar werden, oder auch so fern narben ehedem überhaupt schneiden, stoßen und schaben bedeutet hat, in welchem Verstände cs noch in der Grafschaft Rietberg üblich ist, (S. bas vorige in der Anmerkung) Im Nieder,', narven. S. auch Abnarben. Dle Nttphenfeite, plur. die—n„ bey den Gärbern und Lederarbeitern , diejenige Seite einer Haut, auf welcher die Haare gesessen haben, und ans welcher nach der Zubereitung die Narben sichtbar sind; im Gegensätze der Fleisch- oder Astfeite. Sie wird zuweilen auch nur die Narbe schlechthin genannt. Der Närbenstrich, des—es, plur. iriul. bey den Weißgärbern, eine Art des Streichens der Felle, nachdem sie mit den Pumpkeu- len gewalket worden, wo initdemStreicheisen aufder Narbenseite nach der Länge gestrichen wird, um die Narbe nicht zu beschädigen. Einer Haut den Narbenstrich geben. —er, —ste, Eft.et Narben habend. Ein narbiges Gesicht. Blatteenarbig. Narbicht würde nur bedeuten, Narben ähnlich. Die Narcisse--S. Narzisse. Die Ncrröe, plur. inull eine Art des Bartgrases, dessen lange braunröthliche oder gelbbraune Wurzel den Cyperwurzeln gleicht, und einen angenehmen bittern Geschmack hat; ^uckropo^oa Rur-ckus Es ist i» Ostindien einheimisch. Weil es seinen Samen in einer Ähre trägt, so wird es gemeiniglich äpiculdl^icki, und im Deutschen Spike-Narde genannt. Die Narde, oder ab,o- lute Narden und das Nardenwasser kommen einige Mahl in der DentschcnBibelvor,wieHehel.i, t2;Kap>4, 13 , a4;Marc.r4,3; und Joh. - 2 , z. Die.Rrctische Nardo, ist eine ArtBaldnancs, welche auf den höchst-nGebirZenEuropens wachset,tind gleichfalls eine gewürzhafte Wurzel hat, welche aitKcäfteu die Baldrianwiir-- zel noch ubertrifft; Vulerians LslticL 1-,. Unsere Haselwurz wird wegen ihres gewürchastcn Geruches von einigen wilde Narbe genarifit. S. Haselwurz. Anm. 429 Rar. Anni. Der Nähme ist morgenländifch. Im Hcbr. lautet er DI, woraus das Gricch. und Lat. ^»rckus entlehnet ist. Jiu Perst lautet er Zl-rrckio. Einige gebrauchen das Wort im männlichen Geschlechte, der Narden. Das Nar-errgras, des—es, plar. inust. eure Art des Grases, welches in den nnfrnchtbarenGegendenEuropensin großer Menge wachset, aber ein sehr schlechtes Heu gibt; i^arckus l,. Wegen seiner borstigen geraden Ähre heißt es im gemeinen Leben auch Borstengras und Pfriemengras, in der Schweiz aber Närsch. Dao Naröen?raut, des—cs, p!ur. raust ein Nähme, welchen an einigen Orten der Schwarzkümmel, NiZella 1 ^, führender an andern auch Nardcnsamen genannt wird,weil derSame einen angenehmen Geruch, fast wie dieOstindische Narde hat. Der Narr, des—en, plur. die—en, Fämitt. die Närrinn, Diminnt. das Närrchen, Oberd. Narrlcin, ein Wort, welches im gemeinen Leben sehr Haustg ist, alle Mahl aber, das Diminu« tivnm etwa ausgenommen^ einen harten und niedrigen Begriff hat. Es bedeutet, 1) Einen Menschen, welcher seltsame Possen macht, andere zu belustigen. Em Narr seyn. Sich zum Narren gebrauchen lassen. Einen Narren abgrben. Jemanden zum Narren dio S p e ech a e t wird dasDiminulionmNarrchen fthrhäusig gebraucht, einkleines, artiges, possierliches Ding zu bezeichnen, da es denn den harten und verächtlichen Nebenbcgriff verlieret. Das gute Närrchen I Gell, von einer jungen Person. Ihr Zerz ist ein gutes Närrchen, es laßt sich zu allem bereden, was ihrer Einbildung einfüllt/ Leff. 2) Lin jeder Mensch, welcher der gesunden Vernunft ans eine grob? Art zuwider handelt, in der harten Sprechart, dagegen er in etwas geunderm Verstände einThor genannt wird; im Gegensätze eines Blngen oder Weisen. Du bist ein Narr. Glauben fie, daß ich ein Narr bin? Jemanden zum Narren machen, ihn verleiten, ungereimte Dinge zu thun oder zu glauben. Jemanden zum Narren haben, ihm als einem Menschen begegnen, welcher der gesunden Vernunft zuwider zu handeln gewohnt ist. Linen Narren an etwas gefressen haben, in der niedrigen Sprcchart, eine blinde unvernünftige Liebe auf etwas geworfen haben. Sich zum Narren studieren. Da man der gesnndenVernunft auf gar mancherle^Art zuwider handeln kann, so gibt cs auch mancherley Arte« von Narren. Ein guter Narr'/ welchem die Gutherzigkeit oder Nachsicht über die Gränzcn der gefunden Vernunft treibt. Ein Birchcrnarr, Puy- narr, Bindernarr, Bleidernarr, Modenarr, Weibernarr u. s. f. welcher die Bücher, den Putz ». s. f. auf eine ungeordnete, vernunftwidrige Art liebt. In der Deutschen Bibel ist das Wort Narr fthr häusig, einen unbesonnenen unvernünftigen Menschen, ja oft einen jedcnGotrloftn zu bezeichnen. Verschiedene Schriftsteller haben sich Mühe gegeben, den Unterschied zwischen einem Narren und Thoren zu bestimmen, welche beydcuWörter iu diesem Verstände als gleichbedeutend angesehen werden können; aber keiner hat bemerkt, daß Narr hart und niedrig, Thor aber um einige Grade gelinder und anständiger ist. Narr setzt grobeFeh- ler wider die gesunde Vernunft voraus, Thor hat diesen Nebenbe- Sriffnicht. Da das Geschlecht der Narren so zahlreich ist, und desto zahlreicher, ft mehr jeder Mensch geneigt ist, nur sich mit Ausschließung anderer , Klugheit und Weisheit zuz u schreib e u, so hat Rar 4Z0 man auch vsn dieser Art Menschen eine Menge Sprichwörter, Maximen, und fprichwörtlicherR.A. welche aber insgesimmit nur in der Sprache des gemeinen Lebens einheimisch sind. Zur Probe dielten folgende. Narren muß man mitBolben lausen , oder mit beulen grüßen. Narren haben mehr Glück als Aechr. Setze Narren nicht anfEyer. So lange der Narr schweigt, hält man ihn für klug. Narren find auch -Leute. Zange dem Narren nicht Schellen an, man kennt ihn so. Jedem Narren gefällt seine Weife, seine Bappe. Binder und Narren reden die Wahrheit. Zerren und Narren haben frey reden. Narren wirft man bald aus der Wiege. Ein Narr macht ihrer hundert- Die Narren wachsen ohne Begießen. Wenn die Narren kein Brot aßen, so wurde das Born wohlfeil seyn. Bey dem Trünke erkennt man den Narren. Ein Narr kann mehr fragen, als sieben Weise antworten, u. s. f. Worunter sich aber einige aufdie vorige erste, einige aber auch aufdie folgende Bedeutung beziehen. Das Fämiuinnm lautet in dieser Bedeutung bald der Narr, bald die Närrinn. In der vertraulichen Sprechart ist auch das Diminutivum Närrchen auf.eure minder beleidigende Art üblich. Z) In engerer Bedeutung, ein Mensch, welcher des Gebrauches seiner Vernunft ganz unfähig ist; ein Wahnwitziger, wahnsinniger, Alberner. Ein Narr werden. In dieser Bedeutung wird es, vermutlich um die Zweydentigkeit mit der vorigen Be-^ denlniig zu vermeiden, wenig mehr gebraucht, obgleich Narrenhaue, Närrisch und noch einige andere noch in derselben üblich sind. Im werblichen Geschlechte lautet es hier der Narr. Anm. Im Niederst Nare, im Dän. Nar,im Schweb.Ilurr. Die Abstammung ist dunkel und ungewiß, weit die meisten Wörter dieser Art Figuren enthalten, deren Veranlassung jetzt schwer anfzuspüren ist. Bey unfern altern OberdentscheiiSchriftstellern kommt dieses Wort nicht vor; indessen ist es doch allem Ansehen nach sehr alt, dem, imAngelsist Iluri-2, Lusania, und riarriia, veeors. Ja Hesychins erkläret durch n Die Ableitungen, welche man von diesem Worte har, sind grölen Lheils verunglückt. Einigelaffen es von nurrLro abstammen, ' weil mancheNarren sehr schwatzhaft sind,Wachter von demGriech. tLApy;, da denn auch das Alban. r-pl.x§§«, ein Narr, dahin gehören würde, Frisch aufeine überaus seltsame Art von dem Larein. Nnrs, iinre ckelorla cavü-Iar, alt^uem, Leibuitz von einem alten klein, da denn auch das Hebr. Raur,nlld Lappland, und Finnland. Auori, ein Sohn, Jüngling, dahin gehören würden, anderer zu geschweige!,. Im Griech. ist träge, unachtsam. Narren, verk. re^. welches m doppelter-Bcdeutung gebraucht wird. ,) Als ein Neutrum, mit dem Hülfsivorte haben, auf eine grobe Art wider die gesunde Vernunft handeln, sich als ein Narr betragen; nur noch zuweilen im gemeinen Leben. Za,k du genarret und zu hoch gefahren und Böses vorgehabt, Sprrchw. .zo, Z2. Sey nicht allzu gottlos und narre nicht, daß du nicht sterbest zur Unzeit, Pred. 7, 18. Er narret zuweilen, handelt zuweilen närrisch. Denn das Gold der neuen Welt macht, daßalteWrlt sehr narrt, Logan. Zuweilen auch spaßhaft handeln. Mit jemanden narren, mit ihm spaßen. In den niedrigen Sprecharten auch narriren, und narrschen. S. auch Ansnapren und veryarren. 2) Als ein Activnm, mit der vierten Endung der Person. Jemanden narren, ihm so begegnen, so mit ihm umgehen, als wenn er des Gebrauchs seiner gesunden Vernunft beraubt wäre, besonders ihn aufziehen-mit vergeblicherHoffnung aufhalten; auch nur 4Z1 Nar nur in der niedrigen Sprechart. Es ist eine Schande — daß ein solch Weib sollte nnbcschlafen von uns kommen, und einen Mann genarret haben, Judich. -2,12. E,.- hat mich nun lange genug genarret, mit vergeblicher Hoffnung aufgezogen. Jn- gleichen, vexwen, äffen, schrauben. Wenn ein großer Lehrer fehlt, soll man ihn nicht narren und eseln, Kaiscrsb. bey dem Frisch. Im Niedres, ist mrtnarren neelen. Daher das Narren. Das Nacrei,Haus, des—es, plur. die—Häuser, ein Haus, in welche u N wren d. i. wahmwm.ia,e Personen, ejugespcrrek and von der Gememschaft mit andern Menschen abgesondert werden ; das Narren-Spital, das Tollhaus. Alleinigen Orten ist das Narrcnhaus oder Narrcnhäüschen ein anscinem Pflocke beweg» sicher Käffch an einem öffenilicheu Oew, in welchen man geringe Verbrecher eiuzusperren nild sie ocr öffentlichen Berspottun'gPrc.s Zu geben pflegt; das DeUlha,ischen. Die Narrenkappe, plur. die —N, eine an ihren Zipfeln mit Schellen versehene Kappe, welche ehedem die soft und Schalksnarren zu tränen pflegten ; die Schellcnkap ., Sich um die Narrenkappe >ankcn,um denVorzug m einer uiigercimtenSache. Wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt der Blumen wird auch die Wolfswurz oder der blaue Gturmhuft s^conlum l^upel- lus l», in einigeu Gegenden Narrenkappen genannt. Die Narrenkolbe, xlur. die —n, oder der Narrenkolben, des-s, plur. ut uoru. liuZ. ein Kolben, wie ihn ehedem die Schalksnarren zu tragen pflegten. Besonders w.rd der Rohr- oderwasserkolbcn, 1 ^. in einigen Gegenden Narrcnkol- ben genannt, weil man ihn ehedem, wie Frisch will, den Hof- mnd Schalksnarreit statt eines Gewehres in die Hände gegeben. (S. Rohrkolben und Rolbe.) Auch ein kleines Glöckchen mit einer kleinen lächerlichen Figur an dem eiucnEnde inGefiaü einer Marionette, welche nüt einer vielfarbigen Schellenkappe bedeckt ist, und mit welcher die Narrheit und Momns abgebildet zu werden pflegen, führet den Nahmen des Narrenkol ben s, ohne Zweifel weil die Hof- und Schalksnarren ehedcffcn dergleichen zu tragen pflegten. Die Narrenposse, plur. die—n, Diminnt. das Narrenpoß- chen, eigentlich die Posse eines Narren, ein Spaß, so wie srey- will-ge Hof- und Schalksnarren denselben vorzubringen pflegen, eine Handlung, welche bloß zur ungeordneten Belustigung vorge- nonnnen wird; in der niedrigen und harten Sprechart für das anständigere aber auch harte Narren thcidung und gelindere Spaß. Narrenpossen machen, treiben. In weiterer Bedeutung auch wohl eine unerhebliche, ungereimte Sache. S. Posse. Dn .9 ^tarrei.lerk, des es, plur. inuf. ein nur noch in einigen ffgürlicssn N.Ä. übliches Wort. 2 stmNarrenseile ziehen, mchr- mahls närrische Handlungen begehen. Jemanden am Narrenseile führen,ihn äffen, mit vergeblicher Hoffnung aufziehen. Ohne ^»weiftl von einem veraktetenGebranche der ehenlahIigenHos-nnd Scyallr-narren; oder auch von der Gewohnheit, wahnwitzige Personen an ein Seil zu legen. DcdS Li-arrensp^ta-b/ des es, plur, die—spitäler, S. Nar- renhans. Die N. erentpeiöunF, plur, die—en, Handlungen, welche bloß zurnngeoroncteu Belustigung vorgenommen werden. Narren- thei ungen lasietvon euch nicht gesaget werden- Epes, z, 4 S. T Herdri ng. Zm gemeinenLeben auch Narretey. Dre Llarrhe.t, peui. d>e en. i) Als ein Abstractnm, und obnePlmal, die Fertizkelt, unfeine grobe Art wider die gesunde Berniu-.st zu paudeln, besonders in der unrichtigen Bestimmung de» Guten und B oien; in der zwesstenBedrnlung drs.Hauptwortes Narr, «eine Narrheitnicht verbergen können. In gelinde- ' !' N a s 4Z2 rer Bedeutung ist dafür Tlho''hcit üblich. 2) Eine darin gegründete Handlung, eine närrische Handlung - in der zwcyten und dritten Bedeutung der Wörter N -rr uud Narrisch. Eine Narrheit begehen. Sich vieler Narrheiten schuldig machen. In Boxborns Glossen rdlunulieit, im Nirdcrs. Narrije. fNarriren, S. Narren. Narrisch, —er, —le, uckftekuclv. 1) In der ersten Bedep. tling des Hauptwortes Narr, einem solchen Narren ähnlich, in desien Gemürhsart gegründet, poffeubafr; in der barten und niedrigen Sprechart. Ein narrischer Mensch, ein Possenreißer. Narrische Handlungen begehe 1, pvffeubasle. In der weitern Bedienung pflegt man in der medrigenSpri chart wohl alles spaßhafte und lustige narrisch und »in einer Vergrößerung pudelnär- risch zu nennen. il) Der gesunden Vernuuft aus eine grobe Art. zuwider, in der niedrigen Sprcchart. wo es auch in noch weiterer Bedeutung sehr bäustgsür seltsam,, ungewöhnlich überhaupt gebraucht wird. Em närrischer Mensch. Eine narrische Aleidung. Es ging mir neulich narrisch, sonderbar. Las ist doch närrisch, sonderbar, z) Des Gebrauchs der gesunden Vernunft beraubt; wahnwitzig, albern. Ein narrischer Mensch. Närrisch werden. Ja- möchte mich närrisch lachen. Anni. Im Rieders, einiger Gegenden nursk, im Dan. nar- risk. Zn der Deutschen Bibel kommt dafür Ein Mahl das veraltete narricht vor; ein narrichtes Volk, 5 Most 32,2 1 . Eben daselbst findet sich auch oerSuperlariv närrischte,Sprichw. 30,2. Narrfthen, G. Narren. DerNarwall, des—es, plur. die—e, der nordische Nähme einer ArtWallstsche,welche einen laugen hervor ragendenZahn an der linken Seite der obern Kinnlade hat, daher er auch das Einhorn oder das Seecinhorn geirannt wird ; lVIouockou Ü-. Die Schweden, n/elche vor dem w gern ein h gehen lassen, schreiben den Nahmen l^urlivull. Von der setzten Sylbe, (S. llVallfi'sch.) Die erste Splbc, welche Frisch von nurs, schwimmen, ableitek, gehöret unstreitig zu Nase, ein langes hervor ragendcsDing, welches auch in dem Lat. hlsres das s in ein r verwandelt hat, eine über dreß sehr gewöhnliche Verwandlung. Die Narzisse, plur. die—m, eine wohl riechende Blume und deren Pflanze, welche ein Zwiebelgewächs ist, und eine scchsblätter-gc, gemeiniglich weiße, vft aber auch gelbe Blume au einem geraden saftigen Stängel treibet; ldlureillus 1 ^. An einigenOrten wird sie Zeitlosen, bey Hamburg Zittelrosen, weil sie um Ostern blühet, Msternlilie, Aprillenblume, im Norwegischen pintzelilie, in und um Augsburg Glitzepfeule genannt. Im Niederst heißt sie Tyr- losken, welcher Nähme verMnthlich mit Zeitlose überein kommt. Man hat ihrer verschiedene Arten, wohin auch dieIoseph-Gkäbe, die (trenclen, d. i. die mit ganz z,«gespitzten Blättern , die Rosem Narzissen, Berg- Narzissen, Lilien- Narzissen, die Dugel- Narziffen oder Girandolen, dicTazetten, Ionquillen (Schon- kiljen) und andere mehr gehören. Diese Blume, welche bei) uns nur iir den Gärten gezeuget wird, ist nebst ibrcmNahmen ans dem mittägigen Europa zu uns gekommen; Griecb.hl«§xto-o-otz, Latein. R Z rc i ll us, und auch im Persischen l^urZue^,, dapcc er urorgen- ländischen Uesprimges zu sepn scheinet. Das Nasal, des—es, piur. die — e, in den Orgeln, ein Register, welches ' ^ Fuß Ton bat, nur zu andcrnSti'mmen gezogen und auch die kleine Gemshorn- ÜLumte genannt wird. Aus dem Lat/nasalis, weil es gleichsam nieselt, oder dem Singen durch die Nass ähnlich ist. Naschen, verb. re^'. nsutr. welches das Hülfswori haben ersor- derr. 1) Z»M Vergnügen, auSLiiflrrnhew von etwas es u, zur Lust irr kleinen Bissen « sscu, iin Gegensatz- des-Css-us zurNahrung odeeausHunger, von etwas naschen. Ich esse mchr, ich nasche- Ras 4ZZ Nas ^ nasche nm'. 2)Jnengerm Verstände, ans Lüsternheit vvn einey verbotheuen Speise effen. So sagt man von den Katzen, von dem Gesinde u. s. f. daß sie naschen, das Naschen nicht lassen können u. s. f. Figürlich bedeutet es auch, das andere Geschlecht aus Lüsternheit liebkosen. Daher das Naschen. In den verwandten Sprachenkommt dieses'Woer nicht vor. Es ahmet, wie schon Frisch vermuthct, den schmatzenden Laut-nach, der bey manchen Leuten mit dem Essen schmackhafter Sachen verbunden ist, und ist mit nießen in genießen, nesen in genesen, und nähren verwandt, so fern sie insge- sammt essen bedeutet haben. Ja wenn,man das n als einen zufälligen Laut ansiehet, so gehöret auch essen zu dieser Verwandtschaft, (S. Naschmarkt.) Coler im Hausbuche gebraucht natschcn ausdrücklich für schmatzen. In einigen Gegenden Englands ist daher velli lecker, in andern mce. Im Finnland, ist. rrsskurr schmatzen, im Lappland, u^dko m heimlich verschlingen, und mit Vorgesetztem Zischlaute im Schwed. stnaskL schlingen, Dän. snaeske. Die Niedcrsachftn gebrauchen für naschen ftickcrn, sliren, Schwed. Hialc r, snötern, snopen , snuckern, da denn auch Snökerije, Gnoperife, SUckcrije, Näscherey, Glickerkost, Glickertüg und Gnuckcrbeten, Naschwerk, Snoper, Snoper- taskc, G.ückertaske, Glickebtan/ ein Näscher, uud snopcrn, snopsk, vernascht, ist. Der Nascher, des- s, plur.M nom. linZ.Fämin. dieNäsche- rinn, eine Person, welche naschet, in allen Bedeutungen des Zeitwortes. In den niedrigen Sprecharten ein Naschmaul, Naschkatze, im Oberd. ein Nischel, N a schling. Die Näscherey, plur. die — en. i) Das Naschen, in einzelnen Fällen, die Handlung des Naschens; ohne Plural. Der Nasch- Hunger, die Naschlust. — wie seit Evens Näscherey Der Weiber Erdtheil Leiden sey, Haged. -)Die ungeordnete Begierde zn naschen, die Fertigkeit aus Lüsternheit von allem zu essen; auch ohne Plural. Z) Wohlschmeckende Dinge, welche uurzur Stillung der Lüsternheit sind ; Lcckereyen, Naschwcrk, dergleichen z. B. Confectist. Rinder mit kleinen Naschereyen beschenken. Naschhaft, — er, — este, aclj. et ackv. oder naschhastig, Neigung, und im enger» Verstände, Fertigkeit zu naschen besitzend, in beydeü Bedeutungen des Zeitwortes. Naschhaft seyn. Naschhaftes Gesinde. S. Naschig., Die Naschhaftigkeit, plur. ioust. die Neigung, und in engerer Bedculnng die Fertigkeit zn naschen , besonders in der zweyrcn Bedeutung des Zeitwortes; die Näscherey. Der Näschhirsch, des — es, plur. die—e, S. Naschwildbrct. Der. Näschhunger, des—s, p!ur. inust der Hunger, d. i. die sinnliche Begierde nach Naschereyen, nach schmackhaften Dingen, nicht so wohl zur Nahrung, als vielmehr zur Lüsternheit; die Naschiust. Naschig, —er, —ste, ach. el aäv. welches auch fürnaschh rft, besonders in der zweytcu Bedeutung des Zeitwort, s naschen üblich ist, und wofür im Hochdeutschen gengkchig noch gewöhnlicher ist; vernascht. Leckerhaft und naschig seyn. Andre mögen naschig geilen, da bey Grethen, dort bey R m h en, Legan. Die Naschigkeit, xlur. inust. die Naschhaftigkeit; die Ge- ^ näschlgkcik. DasNaschlein, bey den Jägern, S. Nase 2. Die Näschlust, ^rlur. inust. (S. Naschhunger.) Seine Nasch- lust büßen. Naschmarkt, des—-es, plur. die — markte, an einigen Orten ein Marktplatz, auf welchem Geflügel, Wildbret, Obst uud Ldel.W)B.Z.CH. 2 .Äuff. , 4Z4 andere Naschereyen feil gehalten werden ; zum Unterschiede von dem Brotmarkte, Flcischmarkte, Rornmarkte u. s. s. In Leipzig wird dieses Wort nur Aschmarkt ausgesprochen, weil das n in den gemeinen Sprecharten bald zugesetzt, bald wegge- lassen wird. Das Nüschmaul, des — es, plur. die— Mauler, Diminm. das Naschmäulchen, im gemeinen Leben, ein naschhaftes Maul; ingleichcn eine naschhafte Person, S. Näscher. Das Nascywerk, des — es, plur. ioust. Arten von Speisen^ welche nur zur Vergnügung desGeschmackes, zur Lüsternheit sind; Naschereyen. Das Naschwrkdbret, des—es, plur. inu 5 . Wildbret, welches an der Gränze in ein fremdes Gebierh überzngehen pstcgt, und daselbst weggeschossen wird ; Gränzwildbret. Der Naschhirsch, ein solcher geschossener Hirsch. Vermuthlich so fern man dieses Übertreten oder Überwcchseln als eine vrrbothcuc Näscherey von Seiten des Wildes betrachtet. Die Nase, ftlur. die — n, Diminut. das Näschcn,Oberdeutsch Nä'slein. 1. Eigentlich, der hervor ragende Theil an dcm Vor- dertheile des Kopfes der Menschen und vieler Thiere unmittelbar über dem Munde, welcher der Sitz und das Werkzeug des Geruches ist. Der höhere Theil der Nase der Länge nach wird der Rücken, und dessen schaefcrTheil die Gräthc, das Ende derselben der Ball, die Rugel, die^Rnppe oder Nasenkuppe, die Scitentheile über die Flügel genannt, an nndzwischeir welchen sich die Nasenlöcher befinden. Der Obertheil der Nase, wo ste an die Stirne gränzet, heißt wegen seiner krausen Gestalt in Niedersachseu das Rröse. Eine große, lange, kurze, kleine Nase haben.. Eine eingedrückte Nase, Ni ders. Braknä'se, von den Bracken, einer Art Hunde mit solchen Nasen. Eine krumme Nase oder Habichtsnase, welche in der Mitte auswärts gekrümmt ist. Eure aufgeworfene Nase. Eine stumpfe Nase oder Stnmpfnase, Niederst Gtuuvnase. Etwas vor die Nase oder an.die Nase halten, «m dessen Geruch zu empfinden. Durch die Nase reden oder singen, nieseln. Da die Nase cm so vorzüglicher Theil des Gesichtes ist, so hat dieselbe zu einer Menge figürlicher R. A. Anlaß gegeben, welche aber größten Theils in die niedrige Sprecharr g-höreu. Jemanden bey der Nase herum führen, ihn äffen, ihm vorsctzlich vergebliche Hoffnung machen. Emem etwas ans die Nase binden oder heften, ihm eine Nase drehen, ansetzcn, oder ihm eine wächserne Nase drehen, ihn einer Unwahrheit überreden, ihm etwas weiß machen. Der Einfalt Nasen dreh», den Schwachenhinter- ' . g bn, Opitz. -r Ihr wollt mir,- hör' ich wohl, ein kleines Naschen drehn, Wieland. Aus einer Gchriftstclle, ans dein Rächte u. s. s. eine wächserne Nase machen, die man drehen kann, wie man will, eine Schriftstelle oder ein D'cht nach Willkühr auslegen. Zupfe dich chey deiner Nase, nostue te iplftm. Der Nase nach gehen, gerade aus, gerade vor sich hin. Einem etwas vor der Nase w gnehmcn, in seiner Gegenwart, indem er die Sache genieße» oder gebrauchen wollte. Eurem die Thür vor der Nase ;u- machen. Es fehlt ihm zwcy Finger über der Nase, es fehlt ihm am Verstände. Es liegt dir v^or der Nase, unmittelbar vor dir. Sich die Nase bcg eßen, sich betrinken. Besonders so fern sie Vas Werkz ug des Geruches ist, da ste denn in der niedrigen Sprechart oft für den Sinn des Geruches, ja für das E.keniltuißoermögrn überhaupt g'.uetzl wird. Eure gute, eine feine, eine dünne Nase haben etwas bald riechen, uud in weiterer Bedeutung, es bald merken, bald entdecken. Daher ben E e den 4ZL N a > den Jägern auch die Nase für den Geruch selbst gesetzt wird. Ein 6 imd verlieret die Nase, wenn er den Geruch verlieret, und bekommt sie wieder, wenn er diesen wieder bekommt. Einem etwas unter die Nase reiben, es ihm vorwerfeu, es ihm auf sehr merkliche, aufeine grobe Art zu verstehen geben. Oie Nase in alles stecken , sich um alles bekümmern , eigentlich alles beriechen. Das sticht ihm in die Nase, reitzt seine Lüsternheit, Begierde. Laß die Nase davon, bekümmere dich darum nicht, menge dich nicht in die Sache. Es schnupfte ihm in,dic Nase, er ward darüber stutzig , betreten. Zngleichen, sofern sich verschiedene ^Leidenschaften und Ge- müths'stellungen durch sie offenbaren. Die Nase rümpfen, zum Zeichen des verachtenden Hohnes. Die Nase aufwerfen, oder in dre Hohe werfen, irr eben diesem Verstände. Oer edelmüthge Hohn, der auf der Nase faß, Sah jetzund hoch herab auf eines Läufers Spaß, Zachar. Die Nase hängen lassen, aus Beschämung, oder Kleinmuth. Mit einer langen Nase abziehen, mit Beschämung über den mißlungenen Versuch, eigentlich mit einer herab Hangenden Nase. Daher denn vermütblich auch die N. A. rühren, eine lange Nase bekommen, eine Nase bekommen, sich eine Nase hohlen, so wohl einen Verweis, als auch eine abschlägige Antwort, ingleichen, sich in seiner Hoffnung betrogen sehen. Im Niederst ist nasen, asnascn, einen Verweis geben. Jemanden eine Nase geben, einen Verweis. 2. Figürlich, wo im gemeinen Leben mehrere hervor ragende Dinge den Nahmen der Nase führen. Ein sehr alter Gebrauch ist es, Vorgebirge, Halbinseln, und^andere sich riefin das Wasser hinein erstreckende Tüeile des festen Landes mit diesem Nahmen zu belegen. Das Griech. bedeutet nicht nur eine Insel, sondern auch eine Halbinsel. Das Schweb. A3.8 undÄngels. IdluslL wurde von den frühestenZeiten an von cinemVorgebirge gebraucht, daher bcp dem Cnrtius, Lncan und SilinsJtalicus die Scythischen Seeräuber Aulchmones heißen, glcrchsamNasemanner, weil sie hinter den Vorgebirgen lauerten, um weßwillen sie auch noch jetzt Lapergenannt werden, von Vorgebirge, S.Laper. Im Englischen endigen sich daher viele eigene Nahmen der Vorgebirge und an Vorgebirgen gelegenen Orte auf—osls. Auch im Deutschenist diese Bedeutung nicht unbekannt. In der Schweiz werden die Landspitzen, welche sich in einen Landsee hinein erstrecken, so wohl Nasen, als Planken genannt, und in einigen Niederdeutschen Gegenden heißen die Berggipfel oder Kuppen gleichfalls N asen. Der Schiffsschnabel heißt im Niederst dessen Nase, und am Pfluge ist die Nase oder pffugnase derjenige Theil, welcher das Screichbcet mitdcr Griffsänle verbindet. An einem Tischler- hobkl ist das vorn senkrecht gehende Holz, woran man die Hand legt, die Nase. Die Fenster werden von außen mit dreieckigen Wassernasen versehen, welche das am Glase herunter laufende Wasser ableiten. Bey den Jägern ist das Näslcin, verderbt Aäß- lein, Naschlein, eine kleine dilnneErhöhung aufdem Boden in der Fährte eines Hirsches, welche entstehet, wenn der Hirsch auf weichemBoden mit enge geschlossenen Schalen gehet. JmHüt- tenbane ist die Nase die äußerste Spitze deS Gebläses, und die zähe Unart, welche sich daselbst ausetzt, (S. Nasenschlacken.- Die Nase andenDach- und Hohlziegeln ist die einer Nase ähnliche Erhöhung, vermittelst deren sie ans die Latten gehängt werden. Im Oberdeutschen wird eine Art eßbarer Flußfische, welche in der Gestalt den Maysischen oder Häftln gleicht, und größer als ein Häring ist, wegen deS in Gestalteiner Nase über sich gebogenen Obertheiles ihres Maules, Nase und Näsling genannt. Es scheint ebender Fisch zu seyn, welcher in Pommern und der Mark N st s HHo Brandenburg Schnäpel genannt, und geräuchert verführet wird, S. dieses Wort. Amm. In einigen gemeinen, besonders Oberdeutschen Mundarten ist es sehr gebräuchlich, diesem Worte, so wie andern weiblichen auf e , in der zweyten und den folgenden Endungen ein unnützes n anzuhängen, der Nasen, u. s. s. welche Form auch i» der Deutschen Bibel sehr häufig ist. Iu der ersten eigentlichen Bedeutung im Deutschen schon von des Raban Maurus Zeiten an im Nieders. Nase, im Angels. Rele, im Engl, im Schweb. lMlaund^os, im Jsländ. I-lcrs, im Pohln. und Böhm. N o.<>, im Krainerischen H us, und selbst in Neu-Guinea NUl'oa. Gewiß nicht von dem Latein. Aul'us, weil man sonst voran» setzen müßte, daß alle diese Völkerschaften ihre Nasen nicht > eher zu benennen gewußt, als bis sie solches von den Römern gclernet; sondern mit denselben aus einer gemeinschafrlichcnOuel- le, welche das noch nicht veralrete nasen, imJntensivo naschen, ist, welches nicht nur das Schmatzen mit dem Munde, sondern auch das starke Hauchen mit der Nase, das Schnuppern und Beschnuppern durch seinen Laut nachahmet. Im Schwed, ist noick blasen und schnuppern, und wenn dieHunde die Fährre nur beschnuppern, ohne ernstlich zu suchen, so sagen auch die Deutschen Jäger, daß sie näseln oder näffeln. (S. auch Naschen.) Mit verwandten AbleitungSlanten, oder vielmehr, weil eben dieser Laut auch durch naben, nauben, schnauben ausgedruckt wird, heißt die Nase im Nieders. auch Nlbbe, und im Schweb, so wie die Naseu- löcher im Lateiu. Ns res, und im Niederst Nüster, die Nase selbst i aber im Span, ldlurir, genannt werden; woraus zugleich dieVer- wandtschaft mit Schnabel, Schnauze, dem Hebräischen die Veele, eigentlich, der Athem, so wie Geist, LN!ma,u,id andere gleichfalls den Athcm bedeuten, und in der figürlichen Bedeutung derHervorragung,und der damit verbundene,iVerkiefung, auch mit Nabe, Nabel, Naft, für Ast, Napf u. s. f. erhellet. Übrigens wird die Nase im Scherze auch der Riecher, Niederst Rüker, im Oberd. der Schmecker, von schmecken, riechen, und im Nieders. auch dieGnurre genannt. Dcrs Ncrfehorn, des—es, piur. die — Horner, ein dreyhiisi- ges vierfüßigcs Thier, fast in der Größe eines Elephanten, welches kleine Angen und Ohren, eine runzelige und fast nackre Haut hat und inAfrika und Indien lebt; kihinoesros ll,. nach welchem Griechischen Nahmen, den dieses Thier von seinem konische» etwas zurück gebogenen Horue auf der Nase hat, auch der Deutsche gebildet ist. Das geflügelte Naschorn ist eine Art Hvhl- schnäbler mit einem zusammen gesetzten Schnabel, welcher aufden Griechisch.Inseln einheimisch ist; ^Llütusküinocerosk/e/n. Auch eiueArt Käfer, welche sich in Dänemark sehr häufig in den Rinden, Sägespänen und Mistbeeten aufhalten, und ein kleines Horir auf der scheinbaren Nase haben, werden Nasehorner oder Nashornkäfer genannt; Anlicvrnis 1 ^. Die gewöhnliche Schreibart Nashorn oder Naßhorn ist unrichtig, weil das s gelinde ist, dasselbe aber ohne e euphonicum Hari lauten würde. Nasenhorn ließe sich noch eher entschuldigen, da diese Form auch in den folgenden Zusammensetzungen üblich ist, wenn gleich nur eine einzige Nase verstanden wird. Sie rühret von der Oberdeutschen Abänderung die Nase, der Nasen u. s. s. her. Näs eln, verd. rsA. bcy den Jägern, schnuppern, S. Nase Amn. Ncrsenhcrnö, des —es, ^lur. die — bänder, ein jedes Band, welches um die Nase gelegt wird. An einem Pferdezaume ist es derjenige Theil, welcher über die Nase des Pferdes gehet. Dcrs Ncrsenhern, des'—es, plur. die —e, das erhabene Bei», welches den obern Theil der Nase bildet, und mit welchem sich die Naseutuorpel verbinden. Das 4Z7 Nas Das Nasenbluten, -es—s, plur. ivust. bas Bluten aus der Nase. Der Nasenflügel, des — s, plur.ut vom. ÜVZ. die äußern ausgebogenen unter« Wände der Nase, welche die Nasenlöcher umgeben. Das Nasengeschwür, des — cs , plur. die—e, ein Geschwür in der Nase, welches zuweilen die Nasenknorpcl selbst anfrißt. O/aeva. Das Nasengewachs/deg — es, plur. die—e, ein fieischar- üges Gewächs, welches sich im Grunde der Nase anhänget, und mit verschiedenen Ästen zuweilen nur ein Nasenloch ansfüllet, zuweilen aber auch in den Mund hänget; Nasen-Polpp, ?o- 1/pu8 Hali. Der Nasenhauch, des — es, plur. die — e, der Hauch durch die Nase. Jngleichen die Gewohnheit, gewisse Buchstaben, z.B. die Gauiuenbuchstaben, mit einrm Hauche durch die Nase auszusprechen, welches nieseln genannt wird; klinnelmus. Die Nasenhaut, plur. die— häute, die Haut an oder in der Nase. Das Nasenhorn, S. Nasehorn. Der Nasenkeil, des—- es, plur. die — e, bey den Sattlern, ein mit einer Nase, d. i. erhabenen Hervorragung, versehenerKeil an dem Sattel. S. Nase 2. Der Nasenknorpel, des—s, plur. ut vom. üvZ. Knorpel, welche die Nasenlöcher einfassen und bilden helfen. Die Nassenkuppe, plur. die— n, S. Nase r. Das Nasenloch, des—es, plur. die — locher, die Öffnungen zu bepden Seiten der Nase, welche die riechbaren Theilchen zu den Geruchsnerven führen; Niederst Nüstern, Nüster, Engl.No- ltrUs, Schwed. ^Üsbore. Im Niederst ist nusteren durch den Geruch zu entdecken suchen, schnuppern. S. Nase Anm. Der Nüsen-Polyp, des—en, plur. die—-en, S. Nasengewächs. Die Nasenquetsche, plur. die—n, im gemeinen Leben einiger Gegenden, z. B. Meißens, ein schlechter Sarg, mit einem ebenen platten Deckel, weil er den Verstorbenen gleichsam die Nase quetschet. Der Nasenring, des — es, plur. die—e?, ein Ring , welcher einem Thiere in die Nase gelegt, oder durch die Nase gesteckt wird. Die Nasenschiene, plur. die — n, eine eiserne Schiene ander Nase des Pfluges. S. Nase 2. Die Nasenschlacken, üvZ. i v ul. im Hüttenbaue, Schlacken, welche zur Blcyarbeit genommen, uüd zur Haltung der Nase quer an die Brandmauer gesetzt werden. S. Nase 2. Der Nasenstüber, des—s, plur. utvom.üvZ. ein Stüber oder Schneller mit dem an den Daumen gedruckten und los ge- schnelltenMittelfinger gegen die Nase; eine der verächtlichsten und niedrigsten Beleidigungsarten. Einem Nasenstüber geben. Auch der Nascnschneller, im gemeinen Leben ein Fips, imObcrdent- scheu die Hirnschnelle, der Nasenschnalzcr, Gternickel, Gtir- ni'ckel, Lat. lalitrum,Franz. GroequiZnols, ldlasarcle. Das Näsentüch, des—es, plur. die — tücher, eine im Oberdeutschen übliche Benennung eines zur Reinigung der Nase bestimmten Tuches, eines Schnupftuches. Das Nasenzäpflein, des—s, plur. M nom. livA« kleine Zäpfchen, welche aus niesen erweckenden Dingen und Gummi Tragant vder Terpenth-n bereitet und im nölhigen Falle in die Nasenlöcher gesteckt werden. Naseweis, — er, — este, aclj. et sckv. im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart, vielen eingebildeten Verstaiid, viele eittgebÜdcteEinstcht ohne die gehörigeKlugbeit oderBebuthsamkeit öiickcn lassend, und darin gegründet. Naseweis se)>n. Ein Naß 438 naseweises Rind. Eine naseweise Frage. Oft wird cs auch für vorwitzig überhaupt gebraucht. Anm. Im Niederst näsewies, nasewater, wiessnuten, nif, im Schwed. nÜ8vi8nndvaspärla,imLat. valuw8und nnlu- tul us. Die Figur ist ein wenig dunkel, indessen ist es wohl gewiß, daß dieses Wort ans Nase n«d weise, besonders so fern es zuweilen auch p roeax bedeutet, zusammen gcsetzet ist. Vielleicht gehöret es zu der Figur, seine Nase in alles stecken, oder es ist auch von dem überklugen Rümpfen der Nase oder andern ähnlichen Ge- - berdcn entlehnet. Die Niedersachsen kehren es auch nm und sagen wicsnäse, wiessnuten. Eben daselbst ist Wressnute, Wies- hohn, Nisenaser, Nif, Nifke, Gnippke, eine naseweise Person, nasewatern (von weken, wissen,) und nisenäsen, naseweise handeln oder sprechen, und Nasewaterii?, naseweises Betragen. Näsewres ist kein Brägenwies, sagt man eben daselbst, Nase- Weisheit ist keine Hirnwe'lshcit oder wahre Weisheit. Der Naseweis, des—es, plur. die—e, eine naseweise Person, in der vertranlichenSprcchart und von Heyden Geschlechtern. So ein kleiner Naseweis muß nicht darein reden, wenn alte Leute miteinander schwatzen, Weiße, Die Naseweisheit> plur. rvul. die Anwendung des eingebildeten Verstandes ohne Klugheit, und in weiterer Bedeutung, der Vorwitz. Das Nashorn, S. Nasehorn. NaslF, —er, —str, ackj. et 36 v. welches nur in einigen Zusam, mensetzungen üblich ist, großnastg, krummnasig, breitnasig u- s. s. eine große, krummk, breite Nase habend. Im gemeinen Leben —näfig.tz Der Nä'slinF, des — es, plur. die —-e, ein Fisch, S. Nase 2.- Näss, — sser, — sseste, ach. et ackv. 1. Flüssig, von flüssigen Körpern, Ohlen und dergleichen ; in welcher Bedeutung es aber nur in einigenFällen gebraucht wird. So ist im Handel und Wandel na sie W aare, welche aus flüssigem Körpern, als Wein, Bier, Ohl, Branntwein u. st s. bestehet. Sein Geld an nasse waare legen , im Scherze, es vertrinken. 2. In gewöhnlicherer Bedeutung ist naß von einem flüssigenKörper durchdrungen, oder auch nur auf der Oberfläche benetzet, da es einen höher» Grüd, als feucht bezeichnet, und nur von demWasser und allen wasser-artigen ^ flüssigen Körpern mit Ausschließung des Ohles und ähnlicher fetter Körper gebraucht wird. 1 - Eigentlich. Wenn es regnet, wird der Erdboden naß. Ein nasser B^den, ein nasses Erdreich, welches von vieler Feuchtigkeit durchdrungen ist. Naß machen, naß werden, naß sepn. Ihr Brief, noch naß von meinen Thranen, liegt aufgeschlagen vor mir, Sonnenf. 2) In weiterer Bedeutung. Nasses Wetter, nasse Tage, da vieler Regen einfällt. Ein nasses Jahr, in welchem es mehr regnet, als in einem gewöhnlichen. Es wird nasse Augen setzen, es wird Thrä» neu verursachen. Ach, sprach er mit noch nassem Blicke, Gell. 3) Figürlich. Ein nasser Bruder, im vertraulichen Scherze, ein Mensch, der den Trunk liebt. Die nasse Gesellschaft, die trunkene, Anm. Im Niederst mit der gewöhnlichen Vertauschung des Zischlautes, nat, natt,welches mit demGriech. vo-rio-, vonlstor«?, Fenchrigkeit, und büß von reerv, fließen, genau verwandt ist. Im mütlernLat. ist Istoa ein feuchter morastigerOrt, im Wallach. Klotze ein flüssiger Körper, und schon im Hebr. M2, besprengen. Die Latein, vare, natare u. s. s. gehören gleichfalls dahin, und wenn man das n für nichts rechnet, auch »6us, (S. N.) in- gleichen Netzen. ' » Das Näss, des—sses, plur. dach allenfalls nur von mehrern Arten, die — sie, ein flüssiger Körper, ein Wort, welches einig e klnzufiihren gesucht, da wir noch kein bequemes Wort haben E e 2 flüssige 4-ro 4Z9 Naß flüssige Korper nderbaupt auszudrucken, indem Saft,5ettchtig- keit Nebenbegriffe haben, und Flüssigkeit eine Zlvcydeutigkeir mit der abstrakten Bedeutung macht.' Ein Naß welches nicht gefriert. , Indessen bar es in der dichterischem Schreibart noch den meisten Beyfall gefunden. La (aufdem Rheine) kommt das edle Naß arrfDor- drecht abgefahren, Las Niederland erfreut, Dpitz. Eogau nennt den Regen ein gedeihlieh Naß, und Zachariä stngt: Lrey Lasen waren stets von Wurzner Nasse voll, d. i. von Wurzener Biere. Die Nässe, plur. iuus. das Abstractum desBeyivortes naß, der Zustand, da ein Körper naß, d. i. vom Wasser durchdrungen, mit Wasser benetzt ist^ Die Nässe schadet dem-Leibe. Eine Sache jn der Nässe liegen lassen. Ist das nicht eine Nasse! sagt man, wenn ein Körper sehr naß ist. Jngleichen in weiterer Bedeutung, Lie äerbstnässe, nasse Witterung im Herbste. Die viele Nasse imFruhlinge war den Gewächsen schädlich, die nasse Witterung. Wie auch Feuchtigkeit selbst. Nasse vonfich geben. Im Rieders. Nattigkeit. Im Diethmars. ist Nette der Urin. S. Naß. Die Nassel, S. Assel. Nässeln, verb. rsb. welches das Diminutivum von nässen und netzen ist, und im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart in doppelter Gestalt vorkommt. i) Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, ein wenig naß sepn,ingleichen ein wenigFeuch- tigkeit von sich geben. 2 ) Als ein Activum, ein wenig naß machen, ein wenig netzen; in welchem Verstände es doch qm seltensten gebraucht wird. Nässen, verb. reZ. neulr. mit dem Hülfsworte haben, Nässe, Feuchtigkeit von sich geben. Lie Wunde nässet, wenn sie Feuchtigkeit von sich gibt. Die Zände^ nassen ihm stets, wenn jemand starke Ausdünstungen und daher immer feuchte Hände hat. Bey den Jägern bedeutet nässen so wie feuchten, den Urin lassen, wo es aber mir von Thiercn gebraucht wird. Das Activum davon ist netzen. Jndesscn'ist es in durchnässen auch inthätiger Gestalt üblich, S. dasselbe. Im Rieders, ist naren nassen, naß sepn; der May nässet, hat nasses Wetter. Der Näßhaufen, des—s, plur. ut vom. üaZ.bey den Brauern , der Haufe genetzter Gerste. Das Näfilein, bep den Jägern, S. Nase r. Näßlich, aclj.et a6v. ein wenig naß, im gemeinen Leben. Der Nast, des — es, plur. die — e, ein nur in den gemeinen Spcccharten für Ast in dem Holze übliches Wort, welches die Zufälligkeit des n zu Anfänge sehr vieler Wörter beweiset, (S.N.) Mit Vorgesetztem Gaumenlaute sagen die Niedersachsen auch Anast, alles in eben derselben Bedeutung. Die Nach, Nächerinn, S. Naht. Der Nächer,des — s, plur. ut uo'm. liuß. einnur im Wasser- bane übliches Wort, ein mitPfählen und Ruthen geflochtener starker Zaun, womit man den Damm eines Teiches oder das Ufer eines Flusses wider das Auswaschen des Wassers verwahret; ein Skriehzaun. Es gehöret ohne Zweifel zu nähen, Naht, sofern solches in dx.r weitesten Bedeutung ehedem für verbinden, flechten, und Verbindung überhaupt gebraucht wurde. Die Nation, plur. die — en, aus dem Latein, üstalio, die cinge- bornen Einwohner eines Landes, so fern sie einen gemeinschaftlichen Ursprung haben, und eine gemeinschaftliche Sprache reden, sie mögen übrigens einen einzigen Staat ausmachen, oder in mehrere vertheilet seyn. Die Deutsche Nation, die Französische, die Spanische, die Italiairische, die Russische Natipn. Auch hessndereZweige einer solchen Nation, d. r. einerley Mundart - - Rat redende Einwohner einer Provinz, werden zuweilen Nationen genannt, in welchem V rstande es anf den altenUlniversitäten, wo die Glieder nach Nationen verthcilet sind, üblich ist. (S. des Du Frcsne Gloss. v. ldiatio.) Ehe dieses Wort aus dem Latein, entlehnet wurde, gebrauchte man Volk für Nation, in welchem Verstände es auch noch von alten Nationen üblich ist. Wegen der Vieldeutigkeit dieses Wortes aber hat man es in dieser Bedeutung großen Theils verlassen und Völkerschaft für Nation einznführett gesucht, welches Wort auch bereits Beyfall gefunden. Die Nativrtttt, plur. inuli aus dem Latein.NÄkivitLS, die Bestimmung der künftigen Schicksale eines Menschen ans dem Stande der Gestirne in feiner Geburtsstuiidc. Einem die Nativität stellen, diestSchicksale daraus berechnen. Daher der Nativitäts- Stcller, welcher diese Afrerkunst übt. Die Natter, plur. die—N, in der weitesten Bedeutung eine Art Schlangen,wclcheSchilder unter demBanche undSchuppen unter dem Schwänze hat; Eoluker li,. In welchem Verstände alle Europäischeil Schlangen Nattern sind, und in einigen Gegenden werden auch beyde Wörter wirklich für einander gebraucht. In engerer Bedeutung nennet man nur die kleine giftigste Schlangenart, welche auch Otter, Lat. Vipera, genannt wird, Natter. Anm. Schon bcy dem Ottstied ^atar, im Talian ldlutru, inr Isidor ldluclru, bey dein Ulphilas Istucls, im Anqels.idinclrn, Nueära, im Mittlern Latein, ldftttrix, im Jtal. Nutrice, im Franz, ehedem Noerrelce, welche gemeiniglich von uure, na- tsre, hergelcitet werden, als wenn nur die Wasserfchlangen diesen Nahmen führeten. Allein da cs bey den älternSchriftstellcrn von einer Schlange überhaupt gebraucht wird, und in diesrm Verstände noch jetzt üblich ist, so ist es vielmehr für ein und eben dasselbe Wort mit dem im gemeinen Leben üblichen Otter, in den gemeinen Sprecharteil Atter, Engl, ^clcler, zv halten, welchem nur das zufällige N, wie in so vielen andern Wörtern, vorgcsttzt worden. S. N Jngleichen Otter und Viper. Der Nätterbiß, des--sses, plur. die—sse, der Biß von einer Natter oder Viper, und in weiterer Bedeutung von einer jeden Schlange, Der Nattorhalö, des—es, plur. die—Hälse, der Nähme einer Art Spechte, welche den Hals wie eine Natter drehet, daher er auch Natterzwang, Natterwendel, Drchhais und Wendehals genannt wird, S. das letztere. Das Natterkraut, des — es, plur. iuus. ein Nähme, welchen das äauslaub oder die äanswurz, 8eclum, l^,. an cinigenDi len führet. An andern wird die wilde Ochsenzunge, Otternkopf oder Schlangenhaupt, Cc-Krum vulxare Natterkraul und Natterwurz genannt; beyde wegen ihrer heilenden Kraft in Nat- tecbisscn. Die Nattermisch), plur. iuus. in einigen Gegenden ein Nähme der gemeinen Scorzoncra, 8cor?oueru irum' 1 weil ihre Wurzel einen weißlichen Milchsaft enthält, die Pflanze selbst aber sehr viele Heilkräfte auch in Schlangenbissen besitzet; Schlangen- msrd, weil sie den Schlangen zuwider styil soll. Der Natterwendel, des—s, plur. ur vom. lmZ. S. Natterhals. Die Natterwurz, plur. iuus. i) Eine Art des Wegctritles, mit einem einfachen Stamme, welche auf den Bergen Derilsch- landes einheimisch ist, und eine zusammen ziehende heilende Kraft hat; ^ol v^ouum ^iliorta.l/. Die Wurzel ist gekrümmt und hat einige Ähnlichkeit mit einer Natter oder Schlange. Drcbs- rvurzel, weil der große Haufe sie in Krebsschäden gebraucht. 2 ) S. Natterkraut. Die Natterzunge, oder im Diminut. das Natterzunglein, des — s, plur. iuus. 1 ) Eine Art des Farnkrautes, welches auf Nar 44 L Rat ^ufden Europäischen Waldwiesen wachset, und nur ein einziges fettes Blatt treibt, woraus sich einStaiigel mit einer gelben Spitze in Gestalt einer Schlangenzunge erhebt, woran die Bliithen und FruchtkiKpfchen sitzen; O^kioZIollftm l,. Schlanncnzunge. 2 ) Eine Art Versteinerung , S. Schlangenzunge. Der NatterzwanF, des—es, ^lur. die—zwange, S.Nat- Die Nutür, plur. der doch nicht in allenFällen üblich ist, die-—en, ein schon seit langer Zeit ans dem Lateinische» Natura entlehntes sehr vieldeutiges Wort, dessen Gebrauch oft sehr schwankend und unbestimmt ist. Es bedeutet überhaupt die wirkende Ärast, dieVeränderirngskraft, sowohl in jedem einzelnen Körper , als auch in allen Körpern zusammen genommen als erne einzige Kraft betrachtet. ^ ^ c r. In einzelnen Körpern, was einem lebendigen Geschöpfe von seiner Geburt an, und in weiterer Bedeutung, einem jeden für sich bestehenden Dinge von seinem Entstehen an, zrckommt, von nulcf, geboren werden, so wie das gleichbedeutende Gricch. von rwktp. i) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, die Verb,», düng des Mannigfaltigen in einem Dinge, so fern sic den Grund aller Veränderungen desselben enthält, welche von dem Wesen einesDmqcs noch verschieden ist, die wirke.tdeKrast icdev Körpers nach der Art seiner Zusammensetzung. Der Plural findet hier nur Statt, so fern diese Kraft in mehrern Jndwtdm- betrach, retwird. Das Wasser iS seiner Natur nach naß, das Zeuer warm, die Luft elastisch; oder, das Wasser ist von Narur naß u. s. f. Der Mond blieb seiner Natur nach kalt und unempfindlich. Wie viel Dinge gibt es nicht, deren Natur von aller forschenden Vernunft noch nicht hat ergründet werden kennen! Die von Natur nicht Götter sind, Gall. 4, d. Eine Sache ist der Natur eines Rörpers gemäß ^weun sie aus den Veränderungen erfolgen kann, deren er fähig ist. In noch engerer Bedeutung, die ganze Verändcrungskraft eines lebendigen Dinges, oder der Grund seiner^ eigemm Verankerungen. Die Natur Gottes, dessen unendliche Kraft; nach dem Griech. Pva'tg, Die göttliche Natur in Christo, die unen uep^ rlnnmschenntteVerändernngskraft in demselben, dicGotthcit, zum Unterschiede von der menschlichen Natur oder Menschheit, d. l. der endlichen eingeschränkten Vcrändernngskraft; in welcher Bedeutung auch der Plural eingeführet ist, die bepdcn Naturen m Christo.' Dre Natur des Menschen, die bey seinem Entstehen geschehene Verbindung des Mannigfaltigen irr ihm, und i w r arm gegründete Vcrändernngskraft, so wohl, so fern ste bev allenMcn- schen in vielen Stücken von einer und eben derselben Art ist, als auch so fern sie in jedem einzelnen Menschen auf mancherlei) Art ciiigeschränktisi. Rinder des Zorns von Natur , Ephes. -,--. Der Unterricht, wo Rinder Stunden lang auf einerlei Sache merken sollen, streitet mit der Natur eines zarten Rindes, Gell. Seine Natur überwinden. Die Naturen sind verschieden. Die Gewohnheit wird oft zur andern Natur. Seme Natur bringt es so mit sich. Meine ganze Natur (alle meine ^.nrän- derungLkräfte) empörte sich in ein entletzliches Granen, von Natur gucherzig scpn. Er kann sich von Natur n.cht verstellen. Mich, sprach sie, lockte jene 5lur, Und ich, zu lustern von Natur, Zlog hin, Gell. Da denn diese Verbindung des Mannigfaltigen und e arm gegründete Veränderungskraft , durch die imaginative Vorm.ünng oft als eine eigene Kraft, ja als ein eigenes für sich beftehendesWi- fe» angesehen wird; in welchem Falle cs denn nur in der einfache» 442 Zahl allein üblich ist. Die Freundschaft, zu der wir von dev Natur eingeladen werden, die so leicht Parteilichkeit des Herzens und wohl gar Selbstliebe wird, Gell. Wo die Natur nicht die beste Lehrmcisterinn ist, da arbeitet die Bunst um- . sonst, Weiße. Die Funken des Muthes , welche die verwandte Natur in mein junges Herz gelegt hatte, Dusch- Das große Interesse des Menschen liegt darin, daß er dieser Stimme der Natur, die ihn zum Schönen, zum Guten hinrnft, gehorsam werde, Snlz. Das Gluck ist nicht so liebreich gegen sie gewesen, als die Narur, Gell. warum hat die Natur dir so viel Reitz gewahrt! G.ll. s) Überaus häufig wird diese Verällderungskraft, besonders bey dem Menschen, unter allerley Einschränkungen gebraucht. (a) In Ansehung des menschlichen Körpers allein, ist es die ganze Verbindung der flüssigen und festen Theile in jedemMen. scheu, und die darin gegründete Bewegungskraft. Eine gute, . starke, gesunde, schwache Natur haben. Es sind nicht aste Naturen cinerlep. Unsere bepdcnNaturen sind sehr verschieden. In Rrankheiten muß die Natur das Beste thun. Der Arzt ist nur ein stDiener der Natur, kommt der Natur des Rrankeu zu Hülfe. Die Natur hilft sich selber. (b) In der Theologie, wo die Natur der Offenbarung und zuweilen auch der Gnade entgegen gesetzet wird, ist jene die Fertigkeit des Gebrauches der bloßen natürlichen, d. i. dem Menschen bey seiner Entstehung mitgetheilten Kräfte; ohne Plural. Das Licht der Natur, die durch diese Kräfte erhaltene Erkenntlich, im Gegensätze der Offenbarung. Gicht man die Zrennd- schaft bloß von der Seite der Natur an, so ist sie — weder Tugend' noch Laster , Gell. In noch engerer Bedeutung wird in der Deutschen Bibel.oft die ungeänderle Fortdauer der natürlichen Beschaffenheit des Menschen, nebst allen darin gegründeten eigenen Veränderungen, die Natur genannt, im Gegensätze der Gnade. Nach einer andern Figur heißt sie das Fleisch, im Gegensätze des Geistes, welcher letztere 2 Petr. 1 , 4 auch die göttliche'Nanir heißt, die neue Errichtung der Brände- rungskraft. (c) Oft ist die Natur , (gleichfalls ohne Plural,) so wohl im gemeinen Leben, als auch in den Wissenschaften und Künsten, die einem Dinge bey seinem Entstehen milgetheilte Verändirüngs-- kraft, dessen erste ursprüngliche Bcschaffenh- it, mit Auslchliesung aller'von außen oder durch eigene fcepeWahl her: ührenderBest-m- mintgen oder Veränderungen, wo sich wieder mehrere Unter»drhei. lungen anbringen ließen. So ist der Stand der Narur, der- , jeurge Zustand, wo man-sich die Menschen ohne alle bürgerliche Gesellschaft, folglich ohne alle von außen herrührende Einschran-, knngen oder Bestimmungen ihrerVerändernttgskräfte denket. Im Stande der Natur leben. In einer andern Betrachtung wirb die Natur den eingebildeten Bedürfnissen, erkünstelten Verschönerungen unsers natürlichen Zustandes entgegen gesitzet^ LerNatur gemäß leben. Unsere künstliche Sprache hat die Sprache der Natur verderbt. Oie Natur ist mit wenigem vergnügt- Der Natur Zecreu bleiben. Oft wird die Natur dem Unterrichte, und den durch Unterricht oder Übung erworbencnFerligkeitcn, oder derRunst, entgegen gesetzt. wG, welchen man von Natur und ohne Unterricht hat, heißt Mutterwitz Das r,- Runst und nicht Natur. Ein Rünstler zeigt in seinen A'beiten 'au- tcr Natur, wenn er die angewandte Kunst auf eme geschickte Art zu verbergen weiß. Em Mensch ist lauter Natur , wenn ft me Handlungen keine gekünstelte oder von andern entlehnttEmschiän- kniigen verrathen. Von einer geschminkte» Person sagt man , sie sey mehr von Natur so» Ee 2 - ^ Rat 44Z z> Oft pflegt man auch in weilcrm Verstände gewisse äußere Verhältnisse , in welche jeder Mensch von ftinem ersten Entstehen an aesetzet wird, die Natur zu nennen. Der Plural ist hier nicht gewöhnlich. Die Bande der Narur, der Blutsfreundschaft. Man sagt viel von der "Empfindung der Natur zwischen Geschwistern. Die erhabenste Liebe zu Gott, die über die süßeste Liebe der Natur gegen einen Sohn siegt, Gell. Die Stimme der Natur, die Überzeugung von derBesiimmnug unsers Verhaltens dnrch den Zusammenhang der Dinge. Ja i Cor. i -, i 4 kommt auch der bürgerliche Wohlstand unter dem Nahmen der Narur vor: -Lehret euch auch nicht die Natur, daßeinem Manne eine Unehre ist, so erlange äaare zeuget? 4) In noch weiterer Bedeutung ist die Natur die Art und Weise desDasevus eincrjedeu auch nichtfnr sich bestehendcnSachr, die Verbindung des Mannigfaltigen in derselben; ohne Plural. Die Natur der Sache erfordert es. Das bringt die Natur der Sache schon mit sich. Die Treue der ehelichen -Liebe gründet sich auf das gegenseitige versprechen, und auf die Natur der-Liebe, Gell. 2. Alle wirkende Kräfte aller körperlichen Dingezusammen ge. nommen und als eine Einheit betrachtet, eigentlich die zeugende Kraft in allen Dingen ; wo man sie denn zuweilen wiederum als eine eigene für sich bestehendeFraft, ja ,vohl gar'als ein eigenes für sich bestehendes und von Gott noch unterschiedenes Wesen zu betrachten pflegt. Der Plural ist auch hier ungewöhnlich. i) Eigentlich. Aer hat die Natur alles versammelt, was sie schönes hat, um deinen Aufenthalt angenehm zu machen. M wie schon bist du, Natur, in deiner kleinsten Verzierung so schön! Geßn. Der Lauf dcrNatur, der'Erfolg derBegeben» heiten in derWelt, nach den Veränderungskräften der darin befindlichen Dinge. Die Schuld der Natur bezahlen , sterben. Die Natur thut keinen Sprung, weil alle Veränderungen der Körper nach und nach geschehen. Die Natur wirkt nicht nach ihrem Gefallen, sondern nach unveränderlichen Gesetzen. Der Philosoph schleiche der Natur in ihrem verborgenen Gange nach. Die Geheimnisse der Natur. Wo man sie dcnnoft wiederum der Lunst entgegen zu setzen pflegt. .2) Figürlich, der ganze UmstandallerzufülligenSubstanzen. Das ist in der ganzen Natur nicht anzurressen. In weiterer Bedeutung rechnet man oft alles, was möglich ist, oder seyn kann, mit zur Natur, dagc-gen man in engcrm Verstände nur den ganzen Umfang aller körperlichen Dinge, rmd in noch engerm die körper. liehen Dinge auf unscrm Erdboden die Natur nennt. Die drep Reiche der Natur, die Vertheiluag aller körperlichen Dinge auf dem Erdboden in drey Classen. Die Geschichte der Natur oder dieNaturgeschichte, die Beschreibung dicscrKörper, (S.Geschich- re.) So allein und einzeln das Thier jedem feindlichen Sturme des Weltalls ausgesetzt scheinet, soistsnichr allein; csstehtmit der ganzen Natur im Bunde, Herd. Ihm schmückt sich die ganze schöne Natur, Geßir. was entzückt mehr, als die schöne Natur, wenn stein harmonischer Unordnung ihre unendlich mannigfaltigen Schönheiten verschwendet? cbend. Überall bemerkt man Weisheit und Ordnung in der Einrichtung der Natur. In den bildenden Künsten verstehet man unter der Natur alle sichtbaren Gegenstände, welche der Künstler nach- ahmenknuu. Die Natur nachahmeu. Nach der Natur arbeiten. Der Natur schmeicheln, die Fehler au den sichtbaren Gegenständen in der Nachahmung verbergen. Der Plural thut hier eine üble ^Iirkttug, weil in dreier und der vorigen Bedeutung alle wirkende Kräfte und die Körper, in welchen sie befindlich sind, als eine Euchen betrachtet werden. Ein zäptUchesGefühl ging sanft durch -ieNaruren, Dusch. § i "444 Anm. Alle jetzt angeführte Bedeutungen ließen sich noch weiter ciiithcilen, wenn nicht dieser Artikel schon ohne dieß zu lang wäre. So sind auch,um i l'm nicht ein all zu tabellarisches Ansehen zu gc- beu, vevschiedeue Bedeutungen lieben eiuätldcr geordnet worden, welche einander eigentlich untergeordnet werden müssen. von Natur und von der Natur ist zweyerley. Dort bedeutet es die anfängliche Elnrichuing eines Dinges, und hier wird die darin gegründete Veränderungskraft, als ein eigenes Wesen, oder doch als eine besondere Kruft angesehen. Die Weglassung des besiimmtenArtikcls isi, außer in drin ersieu Falle mit von, reicht zu billigen. Die uns Natur mitleidig eingescnkt, Uz. Diesen- Wort findet sich im Deutschen zuerst zu OttfriedsZciten, der lLatura in uns im theologischen Verstände gebraucht. Vor ihm suchte man denBegrissdes LateinischenÄlisdruckes durch andere Wörter zu erschöpfen. Kero gebraucht (öttnunt, welches sonst fremdeWvrr mit der ersten Gplbc in Natur verwandt zu seyn scheutet, nnd eliriua>!ittfto ist bey ihm von Natur. Notker gebraucht die Wörter Durte, /Lvstturt und Anauuilte, und selbst Ottj eied nennet die beydcn Naturen in Christo noch 6imacli. So feen oieAlteu iirderzweytenHauptbedeutung unterderNaturauch die zeugende Kraft verstanden, wurde dieses Wort ehedem sehr häufig so wohl im Mittlern Laterne, als auch im Deutschen von den Aulguitg^glicdcrn gebraucht. Die weibliche Natur. Jetzt kommt nur noch das Bcywortzuwcilen in diesem Verstände vor; die natürlichen Theile. Im Mittlern Laterne werden auch die zwey wesentlichen Theile des Menschen, Leib unb Seele, AuturaL tto- m inis genannt; vielleicht aus Mißdeutung d'r beyden Naturen irr Christo. Übrigens wird diesesWort fast in allen obigen Bedeutungen mit vielen andern zusammen gesetzt, welche hier nicht alle angeführet werden können, weitste willkührlich sind, und jeder deren neue machen kam,. Die vornehmsten und gebräuchlichsten sind folgende, ie Naturalien, (fünfsylbig,) ÜUA. inus. aus dem Mittlern Lat. ldlaturale. r) Alle von der Natur selbst hervor gebrachte rohe Körper, so lange sie von der Kunst noch nicht zu sehr verändert worden. So nennet man das Getreide, die Molle u. s. s. die Naturalien oder natürlichen Prvducte eines Landes. In der einfachen Zahl ist auch wohl das Lat. Naturale üblich. 2) J„ ^rge- rrr Bedeutung find die Naturalien oder natürlichen Aörper. alle von der Natur selbst zusammen gesetzten Körper aus unsermErdbe- deu, so lange sie durch die Kunst noch nicht merklich verändert ivvr» den, welcheKörper man gemeiniglich in drehHaupt-Claffeu oder so genannte Reiche zu verthcilen pflegt. (S. Naturreich.) Daher das Naturalien - Tabinett, wo dergleichen Körper aufgestellet werden. Naturereiftren, verli. reA. ac.t. ausdem späternLat. naturali- rul e ^uuter dic Zahl der eiirgebornen Bürger eines Landes oder eurer Stadt aufnehmen, und mit allen diesen zuständige» Vorrechten und Freyheiken begaben. , Der Naturalist, des —en, zilur. die — en, ans dem später» Lat. ^laturaljÜa, eine Person, welche die natürliche Übung der Pflichten gegen Gott für hinlänglich zu seiner Gemeinschaft mit demselben hält. Dessen Lehrbegriff oder Meinungen, der Naturalismus. Die Naturöetzebenhwtt, p! ur. die—en, in weiterer Bedeutung, eine jede Veränderung, welche in derNatur , dc i. in der Wett, vergebet, und in den allgemeinen Verändern-rgsgesetzen der Dinge gegründet ist. In engerer Bedeutung sind es solche Veränderungen , welche die Körper betreffen. Das Naturell, des — es, plirr. die — c, ans dem Französ. Llulurei, vir natürliche/ d. i. erste und ursprüngliche Einrichtung -er der VorstellungS- und Begehrnngskräfte eines Menschen. Ein gutes Naturell haben, seinem Gemüthe, ingleichen seinen Vorstellungskräften nach gut geartetseyn. Mair hat eine gewisse verläugming seiner selbst in der Freundschaft zum Wunder der Tugend erhoben, die doch oft nur ein glücklicher Eigensinn des Naturells war. Gell. Der Naturforscher, des-s, plur. utnom. linz.Fä-nin. die Naturforschern:!!, eine-Person, welche die Veränderungen in der Natur, d. i. in der Körperwett, nach ihren Gesetzen und ihrer Entstehnngsartzn erforschen sucht. (S. Naturkenner.) Daher die Naturforschung, die Bemühung, die Veränderungen, welche in den Körpern vsrzehen, und die Gesetze, nach welchen sie erfolgen, zu erforschen. Die Naturgcrbe, plur. die — n, Gaben,d. i. vorzügliche Eigenschaften, welche jemand von der Natur, d. i. ben und mit seinem Entstehen, empfangen hat; zum Unterschiede von dei: Fertigkeiten, d. i. den durch Unterricht uud Übung erlangten Eigenschaften. Die NaturUesechichte, pkur. doch nur von mehrern Lehrbüchern dieser Art, die —n, die Geschichte, d. i. das Verzeichniß und dieBeschreibnng der natürlichen oder zu den dreyNatnrreichen gehörigen Körper; tiiltoriu uaturulis, die Natur - Historie. S. Geschichte. Das Naturgesetz, des—es, plus. die—e. i) In derNatnr- lehre, die Gesetze, d. ».Regeln, nach welchen sich die Veränderungen in der Natur, d. i. in der Körperwelt, zntragen ; dre Bewe- gungsgeseze. In weiterer Bedeutung werden auch wohl dieVor- stellnngsgesetze in der Geisterwelt mit unter den Naturgesetzen begriffen. 2) Zu der Moral sind die Naturgesetze Regeln, Vorschriften für unsere freyen Handlungen, welche aus natürlich bekannten Wahrheiten hergeleitet werden,welche wir durch den richtigen Gebrauch der Vernunft lernen. Der ganze Umfang dieser Gesetze wird auch collective das Naturgesetz oder das Gesetz der Natur genannt; da denn der Plural ungewöhnlich ist. Der Naturkenner, des—s, plur. utuom. linst. Fämin. die Natürkennerinn, eine Person, welche die Veränderungen in der Natur, d. i. in der Körperwelt nach ihrem Daseyn, nach ihrer Entstehuttgsart, und nach den Gesetzen nach welchen sie erfolgen, kennet, ihrer kundig ist, d. i. klare und dentlicheBorstellungen davon hat; der Naturkuudige. Bey dem Notker i>lururo suZo. Daher die Naturkenntniß, plur. iuus. die Kenntniß der Natur, d. i. der Jubegr ffder klaren und deutlichen Vorstellungen von den allgemeinen Verändernngskräftcn derKörpcr,welche auch dieNa- turkuude genanntavird. S. Renntniß. Dre Naturkruft, plur. die —Grafte. :) Eine jede in der Verbindung des Mannigfaltigen eines Körpers gegründete Veräiidernngskraft. (S. Natur r.) 2) So fern die Natur deu Inbegriff aller Veräuderungskräfte der Körper bezeichnet, werden auch einzelne Äußerungen dieser Kraft Naturkräfte genannt. Die Naturkunde, plur. inuk. S. Naturkeuner und Runde. Der oder die Naturkundltze, des oder der—u, plur. die—n, S. Naturkeuner und Rundig. Die Naturlehre, plur. doch nur von mehrern Lehrbüchern dieser Art, die—n, die Lehre, d. i. der Inbegriff aller die Verän- derunzskräfte der Körper betreffenden Wahrheiten, die Lehre von den Ursachen der Veränderungen in der Körperwell; ?iiylic i. Ingleichen ein Buch, worin diese Lehre vorgetragen wird. Wird diese Lehre anfeine wissenschaftliche Art behandelt, sv heißt sie die N a t >rrwiffensch a ft. Naturft h, —er, —sie, welche Comparation doch nur in einigen Fällen üblich ist, g.Uj. et aüv. der Name gemäß, in der Natur gegründet. :. Go fern Natur die Verändernngskrasi oder dieVerbindunz des Mannigfaltigen eines einzelnen Dinges ist. 1) Überhanptin dieser VcränderungSkraft,indieserVerbin- düng des Mannigfaltigen gegründet, (a) Einiger Maßen in derselben gegründet, derselben gemäß, in welcher Bedeutung auch die ComparationStatt findet; im Gegensatzedes unnatürlich. In diesem Verstände ist die Tugend, das Thristenthum, die Frömmigkeit dem Menschen natürlich. Rohlen, Spinnen u. s. f. sind keine natürlichen Speisen des Menschen. Das ist kein natürlicher Hunger, (b) Noch häufiger, ganz darin gegründet, seinen zureichenden Grund darin habend,von dem erstenEntstehen an in einem Dinge gegründet; im Gegensätze des übernatürlich und zuweilen auch unnatürlich. Las natürlichcLeben, im Gegensätze des geistlichen. Der natürliche Tod, welcher aus erschöpften Bewegungskräften entstehet, im Gegensätze eines unnatürlichen oder gewaltsamen. Mit seinem geschwinden Tode ist esuvohl nicht natürlich zugegangen. Eines natürlichenTsdes sterben , "natürlicher weise sterben, aus einem innern zur Auflösung der wesentlichen Theile hinreichenden Grunde. In einem andern theologischen Verstände ist der natürliche, leibliche oder zeitliche Tod, der in der gegenwärtigen Verfassung unserer Ver- änderungskräfte gegründet ist, im Gegensätze des geistlichen und ewigen Todes. Uns alle treibt ein natürlicher Trieb zu dem Glücke, dem Ziele unsrer Wünsche. Natürliche Strafen, welche aus den Wirkungen des Verbrechens bestehen, und ganz iu demselben gegründet sind; im Gegensätze der willkuhrlichea. wir haben einen natürlichen Hang, an dem Guten und übel andrer Theil zu nehmen. Deine natürliche cholerische Heftigkeit. NatürlicheUrsachen. Oer natürliche Trieb, (S. Naturtrieb.) Ohne die Herrschaft des Verstandes arten die natürlichen Triebe in verderbliche Leidenschaften aus. Das natürliche Geschick eines Menschen. Der Gebrauch des Nebenwortes natürlich für von Natur, wie Weish. rz, 1, alle Menschen sind natürlich eitel, ist imHochdcntschen ungewöhnlich. Dft wird auch dasjenige natürlich genannt, was bey allen oder doch den meisten Jndividnis einer Art angetroffen wirb. Die Silnde ist dem Menschen natürlich. Der Stolz ist ein natürliches Laster des Menschen. Der Eigensinn ist den Rindern natürlich. So auch, was bey einem und eben demselben Jndividuo gemeiniglich angetroffen wird. Die Grobheit ist ihm sehr natürlich, weil er sie schon mehrmahls bewiesen bat. Das ist ihm nicht natürlich, weil man es noch nie an oder von ihm gesehen hat. Wie ich merke, so magihm diese Tugend sehr natürlich sepn. (e) Im engsten Verstände ist nur dasjenige natürlich, was so sehr in der Verändernngskraft, in der ansänglichenTinrichtung einesDingeS gegründet ist, daß auch keine freye Wahl dabey Statt findet; im Gegensätze des willkijhrlich. So werden die Verdauung der Speisen, der Umlauf des Geblütes, die Fortschaffnng unnützer Theile ans dem Körper u. s. s. natürliche Handlungen genannt. 2) In verschiedenenEinschränkungen, wo dieses Wort mehr ftnterabtheilungeir leidet, als dessen Hauptwort, weil die Art iriid Weise, wie eine Sache in der Natur eines Dinges gegründet ist, verschiedene Stufen leidet, (a) In Ansehung des Körpers allein, was in dessen Dewegungskraft zum Theil, oder auch ganz, oder endlich auch mitÄusschließimg allerWillkührlichkeit gegründet ist, in welchem letzternFallecszuder nächst vorher gezangenenBedcu- tuug gehöret, lb) In der Theologie, wo natürlich dem übernatürlich und zuweilen auch dem geoffonbart entgegen gesetzt wird ; ohne Comparation. D'e natürliche Theologie, die Erkenntniß Gottes,so fern selhiae allein durch rechlmäßigenÄebranch derVer- ilUnft, aus eigenen dem Menschen bey seinemEntstehcn nütgetheil- ten Kräften, erlangt wird. Der natürliche Mensch,' Cor. 2,14, so wie er ohne alle übernatürliche Veränderung Lelrachllt wird. Natürliche Pflichten,welche durch dasNatur- Kesetz bestimmt werden. Die natürliche Frömmigkeit, welche sich «uf natürljcheErkenntniß gründet. (c)Der ersten anfänglichenBe. schaffenheit einer Sache gemäß, in derselben gegründet, mir Ausschließung aller nachmahls erfolgten oder von außen herrührenden Veränderungen, wo cs wieder mancherlei) Unterarten gibt. JmGegensatze desUntcrrichtes, der Erziehung,der bürgerlichen Einrichtung und Ordnung, ist natürlich der ersten unausgebilde- Len Beschaffenheit gemäß. Der natürliche Mensch, oder Naturmensch, so wie er ohne alle gesittete Erziehung, ohne alle bürgerliche Gesellschaft betrachtet wird. Die natürliche Freiheit, welche «in Geschöpf in dem Stande der N.-tur genießt. Das Tanzen ist Hein Sunde nicht natürlich. Wo es denn zuweilen auch als ein Hclinderer Ausdruck für grob gebraucht w-rd. Das kommt sehr Natürlich heraus. Dahin scheint vermurhuch auch die Bedeutung des Wortes natürlich zu gehören, wenn cs iu der anständigen rrild glimpstichenSprechartfür unehelich gebraucht wird. Ein natürlicher Sohn, eine natürliche Tochter, ein natürliches Dind, welche bloß aus einem natürlichen Bedürfnisse, bloß nach dem Stande der Namr, ohne Beobachtung der bürgerlichen Ordnung gezenget wordcn.Jm mittlirnLat.k'ilrus natura lin,Franz. Uls naturel, welche aber zuweilen auch von einem rechlmäßigeu Sohne gebraucht werden. / Im Gegensätze der Runst, oder der durch willkührliche Mittel ^oorgenommenen Veränderungen, des Gekünstelten. Natürlicher LVein, natürliches Master. Der Wern war nicht natürlich, sondern gekünstelt. Natürliches äaar, eigenes Haar, im Gegensätze des falschen. Einer Sache ihren natürlichen Geruch fassen. Diese Farbe ist der Blume nicht natürlich. Eine na-- türliche Gesichtsfarbe. Der natürliche Tag, der vom Anf- gange der Sonne bis zu ihrem Untergänge dauert, zum Unterschiede des bürgerlichen, der in 24 Stunden cingethei- let wird. Eine natürliche Tavallerie,'im Tarok-Spicle, welche aus vier Bildern in Einer Farbe bestehet, im Gegensätze der durch Len SkiiS gemachten. In weiterer Bedeutung ist auch etwas natürlich, wenn es gleich durch die Kunst verändert ist, doch aber ,der wahren natürlichen Beschaffenheit sehr ähnlich ist, wo es aber zu einer der folgeiidcü Bedeutungen gehöret. Im Gegensätze des Gesuchten, des Mühsamen. Das folgt ganz natürlich daraus. Natürliche Gedanken, wetchejedem Menschen von gesuuderVernunst von selbst einsalleu, und aus der Sache selbst zu entstehen scheinen. - Oft ist natürlich auch minder künstlich, ,minder gesucht, im Gegensätze des mehr Künstlichen, mehr Gesuchten. Eine natürliche Tonleiter, in der Musik, deren Töne durch kciiieVerfelmngs- zeichen verändert werden; im Gegensätze der versetzten. Im Gegentatze desZwanges oder des Gezwungenen, sürun- gezwungen. Das solgtgan; natürlich. Ein Gram, der eigen- ffn-.igist, verbreitet sich, nicht so natürlich über fremde Gegenstände, Hermes. Daher wird es im Niederst auch häufig für gelinde, saust, gebraucht. Es regnet so natürlich, so saust. Z) Zu der weitern Bedeutung desWortesNanir ist natürlich in Ansehung des Ursprunges, mit eiuerSachc zugleich ernste, heud, in dem gleichzeitigen Ursprünge gegründet. Die natürliche Cesellichaft, die Gesellschaft zmischenÄltern undKindern, weil sie pnt dem Entstehen eines jeden einzelnen Menschen zugleich entste-. det. In diesem Verstände l-cißr in der Theologie das Ebenbild Gottes dem Menschen natürlich, weil es mit der Natur, mit der Verbindung desMannigfaltigenin demMenschen zugleich entstand. . N ttiirliche Zeichen, wo eine Sache beständig neben der andern ist, oder beständig auf dirseche folgt. So ist der Rauch ein natürliches Zeichen des Feuers. Wo es denn zuweilen auch für rechtmäßig gebraucht wird. Der natürliche Mberhcrr, wes, chem mau gleichsam von seinem Entstehen an unterworfen ist. 4) In noch weiterer Bedeutung, der Beschaffenheit einer Sache, der Verbindung des Mannigfaltigen in ihr gemäß, in der» selben gegründet, war es nicht natürlich, daß dieser Argwohn meine ganze Freude verderben mußte? Isis nicht natürlich, auf die Gewißheit einer künftigen Einrichtung der Welt zu schließen, da in dergegcnwartigen fast alles nur Anlage ist ? Da er die Hoffnung z,t gefallen aufgab, so war es ganz natürlich , daß er auch die Bemühung darum aufgab. Oie natürliche Schreibart. 2. So fern Natur die wirkende Kraft aller Körper als eine Einheit betrachtet ist, ist natürlich, t) Eigentlich, dieser wirkenden Kraft gemäß, in demselben entweder zum Theile oder ganz gegründet ans derselben erklärbar, verständlich ; im Gegensätze des unnatürlich , übernatürlich und widernatürlich. Das gehet ganz natürlich zu. Die natürliche Zaubere;'. Daß die Gonneauf-und untergchct, ist sehr natürlich. Das ist natürlicherweise gar nicht möglich- 2) Zur Natur, d. i. zur Körperwelt gehörig, einzelncnThei- len derselben gemäß oder ähnlich. Natürliche Aö'rper, welche zu einem der Naturreiche gehören, so lange sie durch die Kunst noch nicht merklich verändern worden; Naturalien. Wo es denn in weiterer Bedeutung auch für einen wirklichen oder doch leicht möglichen Gegenstand, gebraucht wird. Das Bild sichet natürlich so aus, wie er selbst. Er stellet sick- natürlich so, als wenn er betrübt wäre. Jemanden sehr natürlich nachahmen. Daher denn m den schöllen Künsten natürlich auch der Natur, d. i. den wirklich vorhandenen oder doch Möglichen Körpern ähnlich und gemäß bedeutet. Anm- So oft dieses Wort ähnlich oder gemäß bedeutet, leidet es auch die Comparauon, weil die Sache selbst hier mehrerer Grade fähig ist. DillNatürbichreit, plur. jnus. die Eigenschaft eines Dinges, nach welcher cs natürlich ist. Die Natürlichkeit unserer Triebe. Die Natürlichkeit der Schreibart. Das Naturlicyt, des — es, p!ur. inus. eine figürliche Bcnen- muig der durch natürlicheKräfremöglicheil Erkeuutniß, iuglcichell der Vernunft, so fern sie diese Erkeuiillliß gewähret. Der Naturmensch, des — en, plur. die —eil, ein im Stande der Natur lobender Mensch, ohne alle bürgerlicheVerfassung oder Einschränkung von außen. Die Naturpstrcht plur. die—en, eine jede Veränderung, Z« welcher ein Ding vermögcder Verbindung des Mannigfaltigen in demselben gezwungen wird. Die geschlagene Saite thut ihre Naturpflicht, sie klingt. Herd. In engerer Bedeutung sind N turpflichten, diejenigen Pflichten,zu welchen derM.nsch durch das Naturgesetz verbunden ist. Das Nllturrecht, des -es, chur. die—e, Rechte, welche einem jeden Dinge vermöge der Einrichtung seiner Natur zniom- mc». In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, Rechte, welche einem jeden Menschen vermöge seiner allgemeinen Beschaffenheit, auch außer der bürgerlichenGesellschaft und ohueRücksicht auf dieselbe zukommen. Jngleicheu der Inbegriff dieser Rechte, ohne Plural; das Rxchr der Natur, öus >iaturae, im Gegensätze des durch willkührliche Einrichtung entstandenen oder bürgerlichen Rechtes. Das Naturreich/ des —es, plur. die — e. 1) Die ganze sichtbare Körpcrwelt, als ein mit einander genau verbundenes Ganze betrachtet; ohne Plural. In derTheologie, Ivo es dem Gnadenreiche, welches sich nur auf die Menschen und besonders aasdie ' Gläubigen 4 V / Gläubige« erstreckt, entzogen stehet, wird cs auch das Reich der Macht gerannt, 2) Z» enzeeer Bedeutnuz xflegr mau s Le auf U-id unter der Erde best.»: liehen bekannten Körper indveyHauyt- Ciasierr oder s- AenarmteNau-rreiche zuthl-ilen, welche dasThrer- rcich, das pssanzenroich und Mineralreich sind. Dtrs Nrrtyrspiel, des — cs, xlur. die — e, ein Nähme, welchen man in der Naturgeschichte solchen natürlichen Körpern gibt, welche einige tufäil-L>: Ähnlichkeit mit andern Körpern ha» ben, weil dieNurav hrytzrvenBlldung'gleichsamspreletr. .L.ec- gleich'-n find dicLiilsensteme u. sisi Sreme, welche zufälliger Weise Lmftu äh'lich sh u. Zn dem Bttmreichr werden solche Narur- fpieie auch Bteülspiete genairut. Der Natnrrrielr, des-es, plur. die--e, ein jeder Trieb, welcher in der -N-tur, d. i. in der Veröndermrgskrrcft allein. §e- Hrru-lder ist. der eifrchste Enthusiasmus in der Freundschaft, -er sich n -rauf glftchselkige Neigung des Temperaments gründet, ist an und für sich keine Tagend, er ist ein bloßer Natur- ' trieb. In engerer Bedeutung ist ein Naturtrieb, Lat. Zystin et, ein solcher Trieb dieser Art, der so sehr in der Veränderuugslcaft gegründet ist, daß auch keine freye Wahl dabey Stall findet. Den Naturtrieb durch das eheliche Land fesseln. Wenn ein solcher Trieb bcy den Thieren anfgeivisse dem Anscheine nach künstliche Verrichtungen riugeschränkt ist, so wird er auch der Lunstcrieb genannt. . ' Das Naturvolk, des — es, plur. die — Völker, ein im Stande der Natur, ohne merkliche bürgerliche Verfassung lebendes Volk, dergleichen Völker und Menschen gemeiniglich Wilde genannt werden. Die Naturwissenschaft,p'lur. doch nur von mehrernLehcbüchern dieftrÄrt, die—-en, die wissenschaftliche Kenntniß der Natur, d. i. der BerattderungskcZfte aller körperlichen Dinge, die Natur» kennrniß als eine Wissäuschast betrachtet, sowohl objective, als sttbjective; 8LftnUu outurecki;. tzB/ücm, die Physik, welche in andern Rücksichten auch die Naturlehre, die Nanrrkunde .oder Naturkenntmß genannt wird. S. Benntniß und wrssen- fchaft. Dar Nebel, des—s, plur. ut nom. lrnA. eine Menge wässeriger, durch die Kälte verdickter Dünste in der untern Lust, welche dieselbe undurchsichtig machen, und in der Ferne eine Wolke heißen. Es entstehet ein Nebel. Im Frühling? pflegen zuweilen ungesunde stinktnoe Nebel'zu fallen, zu entstehen. Oer Nebel fallt, wenn sich die Dünste auf die Erdfiäche legen. Die Sonne zer- theilt den Nebel. Der Nebel steigt in die Hohe, wenn er sich in die obere Lust hegibt und daselbst zur Wolke wird;.aber, es steigt ein Nebel auf, d. i. es entstehet ein Nebel. Bey Nacht und Nebel ansziehen, im gemeinen Leben, heimlich, in aller Stille. Jemanden einen Nebel vor den Augen machen, wofür man auch sagt, ihm einen blauen Dunst vermachen. Line gefürchtete Zerr mit peftilcnzialischem Fittig Waller auf Nebeln die Seuche Laher, Zachar. Anm. Bey dem Ditfried mit einer neuen Ableiruugssylbc Ne- dulttils, bey dem Notker diso ul, im Lat. Reb ui u und schon im Hebe. welches auch figürlich Eitelkeit b; beutet. Jm Griech. ist vePk-.^, üe Wolke, und im Böhm. i^ebe der Himmel, welcher .ey.ore aber zu einem andern Stamme gehöret. Die letzte Sistbe>—K ist die Ädleirungsjylbe; es kommt also bey der Aufsuchung des Stammes nur auf Ned an, welches mit Nacht ver- - wandt zu ftyn, und grau, trübe, schwärzlich, zu bedeuten scheinet. (S. Nebelkrähe.) Oie Nu'derdeulschen und rh; c Sprachvrrwand, teil Huven dieses Wort nicht, sondern gebrauchen dafür tbesis Mist, Engl, und Holl. .Vicki, theils auch Dank, Däu.vusLe., Schwed. 4 öku. H. Tbüu. ^dcl.W.B.Z. Th.-.Auss. N l b 4LO Die Nsbelbank, p!ur. die —banke, iilber Seefahrt, ein in der Ferne auf der Oberfläche der See, oder auch an den Küsten sich ze-Hknder Nebel, welcher die Gestalt einer Insel, oder einer Küste hat, und da Seefahrer oft hftüergehet. S. Bank. Der N?belbo§en, des -—s, ,j>1ur. ul nvm. lin^. eineArfdes Ncgenbogitts, welcher sich in einem Nebel bildet, und sich von einem Regenbogen nurdariu unterscheidet, daß er weiß und ohne alle Farben ist. Bildet er sich in dem Thaue, so wird er auch ein Thaubogen genannt. Nebelgrau, ach. et ackv. der grauen Far.be des Nebels gleich oder ähnlich. , NedLbrcht, —er, —cste, Lclj. et uclv. einem Nebel ähnlich. Ein ncbelichter Stern, in der Astronomie, welcher einem kleine» Wölkchen, oder Hellen Flecken gleicht. Einen einzigen ncblrchten Stern verwandelt das Fernglas in einen Fimmel voll Sonnen, Kast». Nebeliy, —er, —. ste, ackj. et adv. Nebel enthaltend, aus N«- bel bestehend. Nebel'gcs Wetter. Es ist heute sehr nebelig. Nirders. mistig-, daakig ,. dakerig. Die Nebelkappe, plur. die— n, in den Ritter-Romanen der mittlern Zert, eine bezauberte Kappe, vermittelst deren man sich in einen N-bcl verwandeln und unsichtbar machen konnte; das Zelmkäpplcim bey andern die Tarnkappe. Die Dichtung, daß man sich durch zauberische Mittel in einen Nebel verwandeln, und sich dadurch brn Augen anderer entziehen könne, ist alt, und kommt schon im Homer vor. Dir NebLlckrahe, plur. die — n,in einigen Gegenden ein Nähme der aschgrauen Krähe mit schwarzem Kopfe, Flögeln und Schnauze; L-.srnix ojuoreÄ !Net lL/e/n. Sie halten sich ge- meüliziich nur im Winter bep nns auf, begeben sich aber inr Sommer in andere Gegenden. G. Nebel Anm. Nrbeln, vei'd. rr§. vsutr. mit hem Hülfsworte haben, welches aber im.r unpersönlich gcbrancht wird. Es nebelt, es fällt ein Nebel , es ist nebelig. In benebeln ist es auch persönlich und thä- tig üblich. Neben, eine Partikck, welche überhaupt eine Nabe ausdruckt, und ' auf eine doppelte Art gebraucht wird. I. Als c-iu Vorwort, wo sie so wohl die dritte als vierte End-mg des Nennwortes erfordert. 1. Die dritte Endung, wenn ein Zustand der Ruhe nahe bep einem andern Dinge bezeichnet werden soll. 1)Eigentlich. Kr saß neben mir. Er wohnet gleich neben uns an. Sie standen nebeneinander. Neben der Wahrheit vorbsy spazieren, wo zwar dir Handlung sckbst eine Bewegung ist, welche aber in Rücksicht ans die Äloabchcit im Stande der Ruhe gedacht wirb; so wie man. auch sagr, neben dem Walde hin gehen; würdig, neben ihr zu wandeln. Neben ihm soll sich lagern der Gramm Zsaschar, 4 Mos 2, Z. Sieben Säulen eine neben der andern, > Macc. 1 Z, 28. Seinen Äopfmit den Federn soll man neben dem Altar werfen, 5 Mosi -, 16 ; wo aber die vierte Endung stehen -ollte, so wie Rebem. 3, 2, 4, z irrig die vierte Endung statt der dritte» stehet. N ben mir, in me-nee Gegenwart, , Sam. 21,1z. äabe ich -er Unsinnigen zu wenig, daß ihr diesen herbränftet, daß er neben mir rasete f ist im Hochdeut- scheü unzewö-nlich. 2) Figürlich, für außer, einen Zusatz zu oder anser einem schon vorhandenen Digge zu bezeichnen, mit dessen Beibehaltung; wo sS doch in den meisten Fällen im Hochdeutschen ung-.'wöhm'ch zu werden anfängt. Du sollt keine andere Götter haben nOe -. mir, 2 M4. 20, 3. Du sollst deines Weibes Schwe rer nutzt nehmen neben ihr, 3 Mos. l 8, 18. Die da Z-mrennung und Aegerniß anrichten neben der Lehre, die-fr aelcxnt habt. Röm. 16, 17. Am häufigstft, kommt diese Bedeu- ^ Ff - tung Ne'b Lung noch in den folgenden Zusammensetzungen vor, wo es ein Ding bedeutet, welches sich nahe bep und außer einem andern von eben derselben Art befindet, und zuweilen noch den Nebenbegnff des nach, d. i. der geringer», unwichtigernBeschaffeicheit, bep fich führet, da es denn demjenigen Dinge entgegen gescyet wird , welches in seiner Zusammensetzung das Wort Haupt — hat. Siehe auch Nebst. 2. Die vierte Endung, eine Bewegung nahe bep oder zu einem Dinge zu bezeichnen..Daß er ihn setze neben die Fürsten, neben die Fürsten seines Volkes 5 Ps.»r z, 7, -8. Er soll die Asche neben den Altar schütten, 3 Mvs. 4, 10. Alser müde war und sich neben eine Wand legte, Tob. 2, 10. Jesus stellere ein Rind neben sich, Luc. 9, 47. Begrabe sie neben miey. Tob. 4, 5. Sie traten neben die Ruhe, iMvs.4l,3. . II. Als ein Umstandswort, Ivo cs doch nur in Gesellschaft einiger andern Partikeln gebraucht wird. Neben her gehen, reiten, fahren z im gemeinen Leben beiher, wo es auch mit dem her zusammen gezogen wird, nebenher. Ingleichen figürlich, aufeine entferntere, zufällige Art, c^uuü sliucl aZencio, als eine Nebcn- fache, in welchem Verstände auch neben bey üblich ist. Ich will es neben her oder neben bep machen. Nebenher diene ich den Armen, so viel meine Umstände erlauben. Anm. Im Oberdeutschen mit dem uberfiüßigen d, nebend, im Niederst neffen, neven, teffenL- Es scheinet ans nahe bep zusammen gezogen zu seo u, dessen Beoeuluirg es wenigstens hat; so wie props aus pro und ps, bey, pous und pens aus po, pe, bey, und ne, nahe, beynahe, entstanden zu scpn scheinen. Steho auch Nebst. Der Nßbenabschieö, des — es, plur. die —e, auf den Reichs, und Landtagen, ein Abschied, welcher neben, d. i. nach und außer dem Zauptabschiede verfasset wird, und fich gemeiniglich auf einzelne oder seltene Fälle beziehet. Die Nebenabsicyt, plur. die—en, eine Absicht, welche man neben und außer der Hauptabsicht bep einer Sache hat. Die Neben - Allee,plur. die — n, im Gegensätze der Hauptallee, S. dies s Wort. Der Nebsnaltär, des — es, plur. die — ä'rc, im Gegensätze des Hauptallarcs, S. dieses Wort. Die Nebenarbeit, plur. die — en, eine Arbeit, welche man neben und außer der Hauptarbeit verrichtet odrr zu verrichten hat. fsderyaufte Nebenarbeiten haben. Etwas als eine Nebenarbeit behandeln. Der Neben - Artikel, des—s, plur. ut vom. llnF. ein Arti. kel. welcher neben und außer dem Haupt-Artikel verfasset wird, Die Nrhenstun-e, noch häufiger im Plural, die—n, diejenige Acht, in welcher man von seinen ordentlichen Amts- oder Berufsgeschäften befrepet ist, denselben ohne bereu Wachtheil abörechen kann ; biorun lübcllivae. Etwas in den Nebenstunden vcr- . richten. Seine Nehenstunden gut anwenden. Die Nehenthur, plur. die — en, eine neben einer andern befindliche Thür. Jngleichen eine der Hanptthur nach- und untergeordnete kleinere Thür. Die Nehenwhr, plur. die —en, in der Guomonik eine der Hanptnhr nach- und untergeordnete Uhr, dergleichen die incliui- rcnden/declmircndcn, reclinirenden und deinclinirenhen Sonnen- uhren find. Der Nebenum-stanö, des — es, plur. die — stände, ein m dem Hanptnmflande gegründeter, von demselben abhängiger, ihm nach und untergeordneter Umstand. Die Nebettirrsache, schür, die—n, S^Harrpkursache, Die NebenwcrHrhett, plur. die — en, eine Wahrheit, wclchi? in einer höhern oder lvichtigern gegrürtdet ist, aus derselben herge- leitet wird, ihr nach-und untergeordnet ist; im Gegensätze dieser höhern Hairpt- oder Grundwahrheit. Der Nebenweg-, des — es, xüur. die —e, ein Weg, welcher neben einem andern gehet. Zngleichenemdem Hauptweg? nach- oder untergeordneter Wrg. Zuweilen auch figürlich für Abweg. Dab Nebenweib, des — es, pürr.die—er, eine weibliche Per- ' son, mit welcher eine verheirarhets männliche außer und neberc der rechtmäßig»» Gattrnn einen vsrbothenrn Umgang unterhält; ehedem dasRebswcib, mit ausländischen Ausdrücken dnLoncubine, Maitresse, im verächtlichen Verstände die Beyschläfcrinn. Das Nebenwerk, des — es, piur. die — e, ei» dem Hauptwerke nach- oder Llttergeyrdnetes, von demselben abhängiges Werk. Der Nebenwin-, des — es,piur, die —e, ein Wind, welcher aus einer Nebengegend wehet. S. Hanptwind. Der Nebenwinkel, des —s, plur. ut aom.stoZ. in der Geometrie, Winkel, welche sich neben einander befinden, d. i. einen gemeinschaftlichen Schenkel nnd eine gcmemschaftli'cheSpiHe haben. Das Nebenwort, des —es, plur. die —Wörter. r) Über- - Haupt, ein Wort, welches dem Hauptwort?, d. i. dem vornehmsten wichtigsten Worte, irach-.und untergeordnet ist ; in welcher Bedeutung es doch nur seltengebraucht wird. Am häufigsten, in der Sprachkunst, 2) das Adverbium zu bezeichnm, d. i. eine solchcPartikel, welche demZeilworte beygesellrt wird, und dasselbe bestimmt, z. B. er reitet schnell, wofür andere die Benennungen Beywort, Zuwort u. s. f. versucht haben. Das Nebenzimmer, des — s, pürr. uk irotn. ÜLZ. Diminut. das NcbenzimmerHcn, S. Nebenstube. Der Nebenzoll, des—es, plur. die — zolle, S. Hauptzoll. Der Nebenzweck, des — cs, plur. die—-e, ein dem Hauptzweck? nach und murrgeordneter, von demselben abhängiger, in demselben gegründeter Zwcsk. Der Neher, S. Näber. N^-bst/ ein Vorwort, welches die dritte Endung erfordert, und nur in der figürlichenBedcutting dcsDorwortes neben gebraucht wird, änzndeuten, daß ein Dirrgmeben, d. r. mit dem andern zugleich, N ef 456 - ist ober geschiehet, ohne koch ben Nebmbegrrss b^r aermgenr Besch assenheii zu haben; für mit. Man gebraucht es gemeiniglich da, wo m i c eine Zwrydeutigke't veranlassen könnte, wrnn weiter nichts als eine Co xistcstz der Sache oder Handlung angedeutet werden soll. Sie war nebst ihrem Geschwister im Garten. Der Nachtank, r wird nebst dem H nptanker zur Nachtzeit ansgeworfen Meine Angehörigen empfehlen sich ihnen nebst mir. Aber in der. eigentlichen Bedeutung des Vorwortes neben, von dem Drte grl raucht, ist es im Hochdeutschen ungewöhnlich. vor ihm . liegt der Tod, nebst ihm liegt das Leben Wnhof. -Anm. In: N ied-rs. nessens, nevcns, im gemeinen Lebender Hochdeutschen nebenst/nebest, benebcnff. (S. Neben,) von welchem Vorworte es unmittelbar abftammck. Necken, verb. re§. Lct. durch kleine Beleidigungen, durch kleine Posten bloß zu seinemVergniigen, zumUnwillcn, zumZorne rvitzm. In Cuba war ein Papagep, Den neckt' ein jeder um die Mette,Haged. Wer andre necken kann, must wieder Scherz vev- stehn , Gell. Ihr lebhafter Ditz verleitet sie oft, ihre Geschwister zu necken, und ihnen kleine Ränke abzulüuftn, Weiße. Wasfichliebt, das neckt sich gern, Gell. Daher das Necken. - Anm-Jm Oberdeutschen auch zecken, im Niederst tergen, tevs pcn, Angelst i^riuu. Griech. bey den Hochdeutsch reden- deic N i oder fach sc n zargen. Unstr necken leiten die meisten von Nacken her, und schreiben es daher nä'cken, ungeachtet sich hier fein wahrscheinliches VerbindungSmittcl zwischen Heyden Bedeutungen a 11 geb en lasset. Ley demUtphilas ist üuuiZÄN verspotten, Es scheinet vielmehr das Diminntivum von nagen zu sepn, und eigentlich kleine Biss? mildem Munde oder Schnabel versetzen zn bedeuten, so wie zecken nndzargen ähnliche verkleinernde Formen sind. S. auch Hohnecken. rie Neckerey, xlur. die — m, das wiederhohlte Necken ; ohire Plural. Jugieichen kleine Beleidigungen, welche daraufabzielcn, den andern zu reitzen. Es find unter den Truppen allerlei Neckereien vorgefasten. leerisch), —er, — te, 3.6). et sckv. welches nur im gemeinen Lcbktt für spaßhaft, possierlich üblich ist. Ein neckischer Mensch. Ein neckischer Streich. Das ist doch neckisch. Lin Bube, den nichts fröhlich machte, Als was er für recht neckisch hielt, Haged. Es hat mir dem vorigen rlar eine zufällige Ähnlichkeit im Klange Seinern, und gehöret zu dem Worte Schnake und hem Niederst schnakisch, welches durch vorgesetztenZischlaut daraus entstanden. wrNeckstem, des — es, plur. die-—e, im Bergbaue, eine bräunliche Bergart, welche zinnartig zu seyn scheinet, es aber nicht isti. Sw ist von dem Wolfram und Schirl noch rrltterschnden, und soll den Nahmen daher haben, weil sie die Bergleute, oft necket, d. i. sie verführet, daß ste selbige zu ihrem Nachihcil fijr Zwitter halten. Der Nesse-, des —n,«plur. die — e, ein vorzüglich im Oberdeutschen übliches Wort, einen Enkel, d. i. des Sohnes oder der Tochter Sohn, inglerchen des Bruders oder der Schwester Sohn zu bezeichnen. Daß du mir, noch meinen Rindern , noch meinen Neffen keine Untreue erzeigen w llest, 1 Mos. 21, 25. Israel Abdon hatte vierzig Sohne und dregrß'g N-ffen, Nicht. r 2, 14. Er wird keinr Linder haben, und keine Neffen unter seinem Volk, Hiob l 8 , 19; wo Michaelis das Wort Enkel, in der ersisu Stolle aber-das Wort Nachkommen hat. Die geistlichen Churfürsten bekommen h-mt -»Tage vondemKaiser dcnTüel Neffe, dagegen die weltlichen Vheim heißen. Ehedem wurden / k/yde Ausdrucke ohne Unterschied von geifl-- und weltlichen Chur- fürsten gebraucht. Anm. Schon im yten Jahrhunderte m der Fränkischen Mundart Neun, Hey demScryker im Rieders. Neve, im Holland. Nssf, im Angel,'^ essL, im Engl.NspkLNv im Franz, hleveu, im Alban, , und sogar im Lappland. I§Lsx; alle in der heutigen Deutschen Bedeutung, dagegen in Ungarn der Schwager Nnp genannt wird. Die Übereinstimmung mit dem Latein. l^spOL, ein Enkel, ist unläugbar, woraus cchcr noch keine Abstammung, wohl aber ein gemeinschaftlicher Ursprung von einem älternStamme folget, welcher vielleicht unser nahe ist. BcyruHornrgk heißt ein jeder Llutsfreund Nef, Neve, New. In den alten Englischen Gesetzen ist Msk, ein Leibeigener, welches aber ans dem mittler» Latein. ldHüvus, welches in ebendieser Bedeutung vorkommt, zusammen gezogen zu seyn scheinet. In der Hollsteinischen Lanögerichtsordnung sind Neffninger gewisse Feld- oder Ackerrichter, wo Frisch die erste Splbe für eine Znsammenziehung von Nachbar halt. Übrigens lautet das weibliche Geschlecht von diesem Worte Nichte, und im Oberd. auch Niftel, S. das erstere. L. Die Neffe, plur. die — n, ein Nähme, welchen m ewigen Gegenden, z. B. in Meißen, die Blattläuse haben, (S. dieses Wert.) Ss scheinet mitder ans dem Grrech. entlehnten Lat. Benennung verwandt zuseyn, weil das N vor den Wörtern bald zugesetzt, bald rveggelassen wird, S. N; es kann aber auch von nagen, Schnabel u. s.s. absiammcn, weil dieses Jnftct den Fruchten vielen Schaderl thut, und daher im gemeinen Leben auch mitunter die Milben gerechnet wird, welche ihren Rahmen von wählen, kauen, zermalmen, haben. Der Ne^er, des —s xlur. die— n, Famin. die Negerinn, aus dem Franz. , und dieß von dem Latein. QiZer, eine Benennung, welche man heut zo Tage Herr Einwohnern des südlichen Afrika wegen ihrer völlig schwarzen Gesichtsfarbe zugegen pflegt, und die daher auch wohl die Schwarzen genannt werden» S. 2 Mohr. Nehen, S. Nähen. Nehmen, verb. irreZ. ich nehme, du nimmst, er nimmt, Conj. ich nehme ; Jmpecf. ich nahm, Couj. ich nähme; Mitteln). Ze- nommen; Jmperat. nimm. Es ist auf gedoppelte Art üblich. I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, in einen Zustand versetzet werden; in welcher Bedeutung es eine Figur des folgenden Activi istj aber nur in einigen wenigen Fällen gebraucht, wird, überhand nehmen, sich auSbreiten, das Übergewicht bekommen. Schaden nehmen, einen Schaden, Nachtheil erleiden; besonders in engerer Bedeutung von einer körperlichen Beschädigung oder Verletzung, i» welchem Falle man von Personen auch sagt, zu, Schaden kommen. Das Arnd fiel die Treppe hinunter, nahm aber keinen Schaden, wurde nicht beschädiget. Linen Anfang nehmen, angefaugcn werden ; ein Ende nehmen, auf- hören. wenn wird meine Gua! ein Ende nehmen r Die Sache hat eine gute, glückliche, schlechte, unglückliche Wendung genommen; bekommen. Hierher gehöret auch die unpersönliche oder doch nur in der dritten Person übliche R. A. es nimmt mich Wunbev, es wundert mich die Sache nimmt mich Wunder, wundert mich, welche Frisch als eineNachahmung desGedrauche» drsZcitwortescape- re imLaiein. ansichet: czune le ce^il, cnxüt rne scimirupio. Dem sey wieihm wolle, so ist fie schon alt. Luk ne ihnlk .8 ne neüeinJVu'tüer »rinnen, in dem alten Fragmente uns Carlu den Großen beo dem Schitter. Des vsm clis s IL a i c'- en ^Vum'e . Stn/er. Des nam vil dickch wunder vrl manigen chsrncnden gast, Horm Es nimpt mich, wrocher, dassu. s. f.Lheuerd.Kap. AZ. So nimmt michs nicht Wunder, Gell. Das sollte mich sehr Wunder nehmen. Was mich dabep sehr Wunder nahm. Dieses hat viele Wunder genommen. Das darf dich nicht Wunder nehmen. Auf eben die Act sagt man dafür auch , es hat mich Wunder, und im Theuer- danke kommt nehmen in diesem Verstände auch persönlich vor: die schiflentdarab wunder namen, Kap. 7- ; amfwelche Act es aber im Hochdeutschen veraltet ist. II. Als ei-r Acttvllm, wo es in einem sehr weiten Umfange von Bedeutungen üblich ist, und eine Sache sich oder einem Theile seines Körpers nahe bringen bedeutet. r. Eigentlich, wo es sich weiter erstreckt als ftrssen, indem dieses eine Hand, oder anderes zanzenartiges Glied voraus setzet, womit eineSache gefastet wird, nehmen aber von allen Gliedern und Theilen des Leibes gebraucht werden kann. Man nimmt etwas in bie'äand, mit der Land; man nimmt aber auch etwas auf denBopf, aufden Rucken, auf die Achsel u.s. f. wenngleich keine Hand dabey gebrascht wird. Das Glas von bem Tische, das Geld aus der Tasche nehmen. Jemanden etwas aus der Sand nehmen. Ein Ding in den Mund nehmen. Jemanden bep der Sand nehmen, ihn freundschaftlich und sanft an die Hand fassen; dagegen jemanden bep dem Nopfe nehmen mehr Ungestüm voraus sstzr, und auch figürlich für is Verhaft nehme» gebraucht wird. Eine Person in den Arm, ein Bind auf den Arm nehmen. Bem Blatt vor' den Mund (im gemeinen Leben vor das Maul) nehmen, ftcvmmyig rüden und urtheilen. Ich Nehme sie bepm Worte, ich halte nnc^ an ihrWort. Sich viel heraus nehmen, figürlich, sich viele Frcy- heit anmaßen. Eine Last auf den Rücken nehmen. Eine Sache auf sich nehmen, sich anheischig machen, siv aikszuführen, sie zu verantwerten. Das nehme ich. auf mich. Das will rch schon über mich nehmen, es zu verantworten. Wohin oenn eine große Menge ähnlicher Arten der Ausdrücke gehöret, wo nehmen eine Art des nahe bringens und oft auch des zu eigen machen» bedeutet, und wo die ganze R. A. bald eigentlich, bald aber auch figürlich genommen werden muß. Speise und Trank zu sich nehmen, genießen. Ich habe heute noch nichts zu mir genommen, noch nichts genossen. ArZMep nehmen oder einnehmen. Etwas in Empfang nehmen. Etwas zu sich nehmen, es zu sich stecken. Nehmen sie das Geld zu sich, vergiß das Obst, das du zu dir genommen, Gell. Jemanden in die Mute nehmen. Das Werk vor die äand nehmen. Etwas in die Arbeit nehmen; in der niedrigen Sprcchart, es in die Mache nehmen. Einem das Wort aus dem Munde nehmen, eben das sagen, was der andere sagen wollte. Jemanden zu sich in den Wagen nehmen, ihn m seinem Wagen sitzen lassen. Jemanden zu sich in das Sans nehmen, ihn in demselben wohnen, sich aufhalten lassen, im weircfkc'n Verstände, ohne Bestimmung der Zeitdauer oberer Art und Wesse. So auch, jemanden zu sich am den Lisch nehmen. Jemanden in seinen Schutz nehmen. GichZeit zu etwas nehmen. Sich Bedenkzeit nehmen, ükan muß die Gelegenheit nehmen, .(nutzen, gebrauchen,) wenn sie da ist. L.*ine wi'i)'e, eine Stwohnheit an sich n.ehmen. Ein Gut in Pacht nehmen. Sich die Freiheit nehmen. Etwas in Besitz nehmen. Die Post nehmen , mit Cznrapvsi rrüftn. wie viel nimmt er desTagss für seine Arbeitwie vielläßt ersichdasür benihüu? Ei-e - Eid vqn jemanden nehmen, ih" solchen ablc-- gen lassen S inen Sitz oben an nehmen, die st)berstelle nehmen. S-'inen Befehl, einen Entschluß zurück nehmen. Frische Pferde nehmen, sich geben laffrn. Lin Gut in Leben nehmen- Im wollte^>icht viel nehmen^ und sie stören, Gell, nicht viel Geld. Nj-nm dir wieder einen Sprachmcistcr, .Grll- Ff- . T- sös Reh In engerer Bedeutung «st, Geld nehmen , üch bestechen lasten, dagegen man in weiterer von einer Geldsorte, welche nicht gäng und gebe ist, sagt, dieß Geld wird hier nicht genommen. Man stehet hieraus, daß nehmen ein sehr unbestimmtes Wort ist, welches nur überhaupt ein nahe bringen bezeichnet, die Art rurd Weise aber völlig unentschiedcu lasset, Welche denn entweder Lurch Beysätze bestimmt wird , oder auch durch den Gebrauch fest besetzet worden. Zu der letzter,« Art gehören noch folgende Fälle. r. Eine Frau nehmen , einen Mann nehmen, sie oder ihn hei- rathen; in welcher Bedeutung auch nehmen im gemeine,« Leben ullen« gebraucht wird. Sie will ihn nicht nehmen, hat keine Neigung, ihn zu hcirathen. Wenn fle dir gefallt, so nimm sie. Zur Ehe nehmen. 2. Mit dem Nebcubegriffe der Gewalt, auf . eine gewsltthätige Art sich uahe bringen, und in weiterer Bedeutung, sich eigen «nachen. Er laßt sich nichts nehmen. Die Feinde haben ihm. alles genommen. Jemanden ein Amt, ihm das Leben nehmen. Der Dieb nimmt, was er findet. Jemanden das Seine nehmen. Jemanden gefangen nehmen» Das Nimmt der Sache nichts, schadet ihr nichts. D sage, wie es immer kam, Laß man dir deine Freiheit nahm! Gell. s . Figürlich, wo eS in sehr vielen Fällen gebraucht wird/ aller- ley t hätige Veränderungen zu bezeichnen. 1) Überhaupt. Die Flucht nehmen, ergreifen, fliehen. Seine Zuflucht zu jemanden nehmen. Urlaub nehmen, Abschied nehmen, gute Nacht nehmen. Und''nahmen höflich gute Nacht, Gell. Sein Nachtlager an einem Drte nehmen. Lin Herz nehmen, im Oberdeutschen, für fassen. Das Naß zu etwas nehmen. Sich die Muhr nehmen. Ich nehme mir die Nuhe nicht. Theil, Antheil an etwas nehmen. Ich nehme an eurem Glücke den aufrichtigsten Antheil, Weiße. Den weg wohin nehmen, sich dahin wenden. Einen großen Amwcg nehmen. Nicht Umgang nehmen können , nicht umhin können. E.n Epempel, ein Beispiel an etwas nehmen, es sich zu einem Beyfpieje dienen lassen. Eine Abschrift von etwas nehmen, verfertigen, oder verfertigen lassen. Die polhöhe, die Sonnenhöhe, die Höhe eines Sternes nehmen. Messen« Nit etwas für lieb nehmen, es sich gefallen lassen. (S. Lieb.) Sich in Acht nehmen, sich Huchen. Etwas in Acht nehmen, es gewahr werden, bemerken. Eine Sache in Acht nehmen, sie vor Schaden, Verlust, Verletzung sorgfältig bewahren. Seine Absicht auf etwas nehmen. Anstand nehmen. Sie nehmen die Sache sehr genau. Mit dir wird es so genau nicht genommen. Cassis nahm hier das Wort, setzte hier die Rede, das Gespräch fort. Und so in vielen andern Fällen mehr, welche aus dem Gebrauche erlernetwerden müssen. 2) Besonders, sa) Sich betragen; eine mw m einigem Provinzen übliche Bedeutung, welche im Hochdeutschen unbekannt ßst. Wer weiß, wie albern fle sich dabey genommen hat, Less. ^lch h atte mich noch wohl anders dabep nehmen kennen, cbend» (b) Oft wird es auch vonEmpsindungen, iugleichen von verschiede- nenWirknngen desGemüthes und der Seele gebraucht. «) Etwas zu fl Hren nehmen, eine biblische, im Hochdeutschen veraltete R. A. für hören, sörct ihr Zimmel, und Erde, nimm zu L Hren , denn der Zerr redet, Es. -, -. (S. vernehmen,) welches noch u« dreftm Verstände üblich ist. K) Etwas zu Zerzen nehmen, davon mit Einfluß aus den Willen gerührct werden», jemandes klägliche Umstande zu Herzen nehmen. -/) Ausle- geu, mißdeuten. Etwas übel nehmen, es übel anslegen, mit Empfindung des Unrechtes. Nehmen mir es nicht Übel. Ein Wort in einem andern verstände nehmen» Ja, wenn wie X A ei ^60 es so nehmen, so a,«siegen, wie mans nehmen will.,S) Dafürhalten. Er nimmt seine Gelassenheit für Feighcn. Nimm für den Dichtcrtrieb nicht Leichtigkeit zu reimen, Kästner. »i Betrachten; doch nur in einigen Fällen. Ich mag es nehme» wie ich will. Die Sache ist im Ganzen genominen nützlich. Er würde es vielleicht auf einen viel ernsthafter«: Fuß nehmen , Schlcg. A Daraus kann «ch mir nichts nehmen, ich finde darin nichts, welches ich nutzen, auf mich anwenden könnte. Was soll ich mir ans alle dem nehmen? An m. Bey dem Kerö"n em au, ssnTatian und bey dein Ott- fried ni'rnnli, im Niederst nemen, im Angelst und bey dein Ulphilas nimnn, im Island, nim-n, im Schweb, nsnin, im Lettischen nemu. DasLatein. emere, welches sich btoßdmch den Mangel des zufälligen N unterscheidet, (S.N,) bedeutete ehedem auch nehmen, wie im Deutschen nehmen mehrmals für kaufen gebraucht wird. Daß auch im Gricch. ein Zcüwort für nehmen üblich geweftu scpll n-üsse, erhellet aus dem zusammen gesetzten xXqyovo/Lo-, ein Erbnehmer, d. i. Erbe, schon bey dein Ulphilas ^rbcriumjs. Wachter leitet es vom Island, nest«, dis Hand, und neawen, zusammen ziehen, Frisch aber von dem Latein, cmers her. Allein, es scheinet mit mehrerm Rechte zu nahe zu gehören, da es sich doch in allen seinen Bedeutungen durch nahe bringen und nahen erklären lasset, zumahl da Mächlers nenn en auch davon abstammet. Nehmen stehet vermittelst der intensiven Endung men für nahem/»:, zusammen gezogen nehmen. Unser Hochdeutsches Zeitwort ist aus zwei) verschiedenen Mundarten zusammen gesetzt. Im Oberdeutschen sagt man für ich nehme noch ich nimm, und in Schlesien im Zmperativo nihm für nimm. Die Nehm-enöunA, plur. die— en, oder der Nehmfall, des—es, plur. die—falle, Ausdrücke, mit welchen einige Deutsche Sprachlehrer den Ablativ der Lateiner zu übersetzen versucht haben, welchen Gottsched mit mchverm Glücke die sechste Endung nannte. Nehmlrch, S. Nähmlich» Die Nehrung, S. die Niedere. Der Neid, des—es, plur. cur. das anhaltende Mißvergnügen über die Wohlfahrt und die Vorzüge anderer, und in engerer Bedeutung, die Fertigkeit, anderer Wohlfahrt und Vorzüge aufeine anhaltende Art ungern zu sehen ; die Mißgunst, von welcher der Neid allenfalls ein höherer und länger cuchaltender Grad ist. Der Neid bestehet in nichts, a', in der Unzufriedenheit der göttlichen Austheilung, Gell. Neid gegen jemanden empfinden, tragen. Die biblische N. A. im Neide wandeln, ist im Hoch, deutschen ungewöhnlich. Etwas aus Neid thun. vor Neid bersten wollen, im gemeinen Leben. Der Neid verzehret «hn. Das erweckt, verursacht nur Neid. Anni. Schon bey dem Ottfried in der heutigen Bedeutung bey dem Ulphilas ReitssL , im Niederst Nied, im Angelst im Schweb. l>lick. Ehedem erstreckte sich die Bedeutung dieses Wortes viel weiter als jetzt. Es bedeutete nicht nur heftiges Verlangen , Begierde überhaupt, m welchem Verstände sich bry dem Notker Niet, und bet) dem Stryker neitlick für begierig, findet. Er schlug auf ihn mit grossem neyd, mit großer Begier, Hitze, Theuerd. Kap. 106. Sondern auch beson- del-eArtcn heftigerGemüthsbelvegungen. Urvurs munMickw^» hieß bey den altern Schweden jedermanns Abscheu.. DcrGeitz heiß« im Dän. und Schwed, noch jetzt Nick , und Nickin^ ein- Geitzhals. Der Eifer wird im Schwed. Nit, und im Angelst N)tt!« genannt, und W llerc.ni gebraucht Nitli für Eifersucht». Bey dem Ousried «stNick Haß, 0 ck«urn, welches Lateinische Wort 461 Rei Wort selbst damit verwandt zu seyn scheinet, weil das N zu Anfänge der Wörter oft sehr zufällig ist, (S. N.) Ja es wurde, so wie dasBeyivort neidisch,ehedem von einem jeden hohenGrade der iilnern Skärke gebraucht, daher noch jetzt neidisch essen in Nieder« sachscn begierig essen, und eine neidische RÄte, eine heftige Kälte ist. Er merkt, daß ihm der Ritter so nepdig was, Theuerd. Kap. 106, s, hitzig aufihn eindrang. Welcher we te Umfang, von dem unsere heutige Bedeutung nur ein kleiner Überrest ist, bey Aufsuchung des Stammes nochwendig mit iir Betrachlmig kommen muss. Der Neidhau, des — es, plur. muss in den Rechten und im gemeinen Leben, ein Bau, welcher mehr aus Neid gegen den andern, d. i. aus Verlangen ihm zu schaden, als um des Nutzens willen unternommen wird. - . Neiden, verh. regnet, welches die vierte Endung der Person erfordert; jemanden neiden, über dessen Vorzüge und Wohlstand ein anhaltendes Missvergnügen empfinden. Die Philister neideten Isaac, i Mos. 26, 14, Ich will dich darum, oder deßwegen nicht neiden. Der jetzt uns neiden kann, Opitz. Wenn lhn pursten neiden, Haged. Im Hochdeutschen ist es, etwa diedich- - terifche Schreibart ausgenommen, grössten Therls veraltet, indem das verstärkte beneiden dafür üblicher ist. So auch das Neiden. iOiu lncle ein nnckor eiurum uiiir,heißt es schon bey decWins. öecki!ill,itnd lcir nicke nimun cler n j>at, Reinmar der Alte. Der Neider, des—s, o!ur. ul nom. LinZ. Fämin. welches doch seltener vsrkommt, die Neiderinn, eine Person, welche eine andere neidet oder beneidet, d. i. ein anhaltendes Missvergnügen über ihren Wohlstand Und über ihre Vorzüge empfindet, viele Neider haben. Besser Neider als Mitlerder, im gemeinen Leben. Bey dem Ottftied ldlulÜAy. Lier Neidhammel, des — s, plur. die —Hammel, ein neidischer Mensch, ohne Unterschied des Geschlechtes; doch nur im gemeinen Leben und den niedrigen Sprecharten, in welchen das Wort Hammel in meheern zusammen gesetzten verächtlichen Ausdrücken gebraucht wird,;. B. Streithammel, Zankhammel, eine streitsüchtige, zanksüchtige Person. , Der Neidhart, des—es, süur. die—e, ein nur noch in einigen Gegenden übliches Wort, eine neidische Person zn bezeichnen« Es ist kcinLanren über des Neidharts Lanren, Sir. 2 z, '19, S. — Hard. Neidisch, —er, —te, nclj. et aclv. Neid empfindend, und darin gegründet, und in engerer Bedeutung, Fertigkeit besitzend, andere wegen ihres Wohlstandes und wegen ihrer Vorzüge zu beneiden. Ein neidischer Mensch. Neidisch seyn. Jemandes Glück mit neidischen Augen ansehen. Iß nicht Bror bey einem Neidischen, Sprichw. 2Z, 6 ;in weiterer Bedeutung, der es dir nicht gönnet. Bey dem Ottftied, nicki Z, bey dem Notker niclik noch jetzt in: Oberdeutschen neidig, im Niederst niedsk. S. Neid Anm. Der Neidnagel, S. Niednagel. Die Neige, plur. die—n, voir dem folgenden Zeitworte neigen. r) Der Zustand, da ein Ding gcneiget wird, oder da sich eine Sache zu ihrem Eude oder ihrem Verfalle neiget; ohne Plural, und als eine Figur von einem bald leeren und geneigten, d. i. hinten aufgehobenen Fasse. Der Wern, das Bier, das Faß gehet aufdie Neige, das Fass ist bald leer, es muss bald geneiger werden. von der Neige trinken, von einem bald leeren, geneigten Fasse, Niederst von der Helle, von Hellen, lüften, vorn neigen« Daher figürlich, doch nur im gemeinen Leben, die Neige der Verfall, die Abnahme ist. Das Leben ist wie der Weich wenn er auf die Neige kommt, so wird er sauer, Opitz. Auf der Neige ist nicht gut sparen, wenn wenig mehr da ist. Sein vermögen ist auf die Neige, ist bald alle. Ergehet mit chm auf N e i 462 die Neige, er nimmt ab, so wohl an Kräften und Gesundheit als auch am Vermögen. Die Zeit hat abgenomm-eu. Da noch was Gutes war, wir find zur Neige kommen, Opitz. OdieWeltkommtaufdieNeige, Hagcö. ^ — Denn ihre Schönheit geht allmählich auf die Neige, Leist e Nürnberg ist mit feinem ehemahl-gen großen Rufe auf der Neige. 2) Ein flüssiger Körper von einem geneigten Fasse. von der Neige trinken. In weiterer Bedeutung ein jeder Überrest von einem flüssigen Körper. Hier ist noch eine Neige Bier. Die Neige auscrinken, den Überrest in einem Triukgeschirre. Und figürlich, ein Überrest von einer jeden Sache; doch alles nur in den gemcinenSprechartcn.wo auch dieVerkleinecungen Ncigel- chen und Neigelein Vorkommen. Eine Neige Ävfcl, Zeug u. s. f« Neigen, verfi. reZ. act. nach einem niedrigernGegenstande bewegen oder wenden, näher nach der. Oberfläche der Erde zu beugen oder richten. r. Eigentlich. 1) Überhaupt. Wenn nun eineDirne kommt? zu der ich spreche: neige deinen Rrng und laß mich trinken, 1 Most 24,14. Ein Faß neigen, cs hinten höher stellen, damit es vorn tiefer komme; cs lüften. Niederst es Hellen, (S. Neige.) Der Ban hat sich ein wenig geneiget, im Oberdeutschen, wofür man im Hochdeutschen das Wort senken gebraucht. Eine Flache neiget sich, wenn sie sich dem Mittelpuucte der Erde nähert, wenn sie abhängig ist. Oie Baume neigeren ihre Wipfel. Das Haupt neigen. Den Leib neigen, oder sich mit dem Leibe neis gen, im gemeinen Leben sich bücken. Die biblische R. A. sei» MÄr zu etwas oder zu einer Person neigen, mit Einfluß aufdere Willen höre», ist ein Hebraismus. 2) In engerer Bedeutung ist sich neigen, sich ans Höflichkeit oder Ehrfurcht mit dem Leibe beugen, oder zur Erde senken; wo es in der anständiger» SprecharL von beydenGcschtechtern gebraucht wird,dagegen sich im gemeinen Leben das männliche bückt, das weibliche aber verneigt oder einen Anicks macht. Sich vor jemanden neigen. Sich bis zur Erde neigen. Sw neigte sich freymilchiger als sonst. BeydemOtt--- fried schon der es aber ohne Vorwort mit der dritten Endung der Person gebraucht, ZeneiZ sr imo ültt kram; irr Oberschwaben gneigen. -. Figürlich, r) »Sich zu jemanden neigen, dessen Bestes gern sehen und zu befördern suchen; eine veraltetste Bedeutung, welche noch in der Deutschen Bibel vorkommt. Neige dich zn meinen Bitten, Canitz. (S. Geneigt und Neigung.) 2) Sich zu seinem Ende, zu seinem verfalle neigen, sich demselben nähern. Wird sich der Rrieg nicht bald zum Ende neigend Meine Jahre neigen sich dem Alter. Die Welt neiget sich zum Eude. Es neiget sich mit ihm zum verfalle. Dahin auch die absolute R. A. gehöret, der Tag neiget sich, nähmlich zu seinem Eude, welche N. A. iu der Deutschen Bibel mehrmahls vorkommt. Und gleichwohl neigt flch.schon der kurze Lag,Weiße. Nach einer noch weitern Figur gebrauchte mau neigen ehedem überhaupt für vermindern. l)iuliei)e rv-ülsn meinen Kummer neiZLli, Graf Kraft von Toggenburg. Zck cliuZunne irliesiten ä^tiin 6eZsn clsr Kelle tint ZeneiZet, Heinrich von Veldig. (S. die Neige.) A) Sich zu einer Sache neigen, dieselbe beschließen, und seine Kraftanwenden, diesen Einschluß zu vollziehen; welche R. A. in der vhilosophischen und dichtcrischrnSchreib- art noch am öftesten vorkommc. Das Herz zu etwas neigen, in der Deutsche» Bibel. Jemandes Willen neigen, einen Ent» schloss HöZ N e i schlttß und Bemühung zu dessen Aüsführuna in ssm hervor bringen, dessen Willen lenken'. Der Wille ist das vermögen sich nach und durch Vorstellungen;» neigen. S. Geneigt. So auch das Nergen. Anm. Schon bey dem Kero ks^neigon, ley dem Ulphilas IineievLw, Hey ßemOrtfriod ueie.LN^ im Schweb.üu Angels. km'Zsn, im Island, ime-ßs, im Dan. ncye, im Krai- nerischcn uw- merr, wohin auch dasGrjech. »n-rn- uv.d dicLaiein. vuo, vu»:t>,urco, gehören, obgleich solche nur irr eingeschränkterer'Bedeutung von dem Neigen des Hauptes oder Nüeen Vorkommen. Neigen scheint das Jntenstvum von nahen zu ü»n, wenigstens ist es mit demselben sehr genau verwandt. Das Fre- quentalivum davon ist rucken. S. auch Anickcn, Genck, Nackeir, Dnie u. s. f. welche insgesammt damit verwandt sind. Die NcitzUNY, plur. die—en. rj Die Handlmtg dcs Neizens; das Neigen. 2 ) Der Zustand, da eine Fläche sich imch und nach dem Mittelpnncte der Erde nähert; wo der Plural nur von Mehrern Arten gebraucht wird. Die Neigung des Bodens mit der Wasserwage erforschen, dessen Abhang, Fall. Die Neigung der Magnetnadel, ihre Jnclination, ihre Abweichung von der Horizontal Linie. Z) In engerer Bedeutung, das Neigen des Körpers ans Höflichkeit; die Verbeugung , im gemeinen Leben die Verneigung, die Neige, bey dem weiblichen Geschleckte der Inicks, bey dem männlichen der Bückling. Eine Neigung machen, sich neigen. 4) Die Bestimmung des Willens zu etwas aus Erkenntnis so wie Trieb die Bestimmung der Kraft ist. Neigung zu etwas haben, empfinden. Ich habe keine Neigung dazu. Die menschenfreundlichen Neigungen find eine süsse Nahrung edler Herzen, Gell. Ls kann keine gute Neigung in einem Herzen wohnen, wo die unmäßige Begierde nach Reichthum herrscht, cbend. Irr engerer Bedeutung find m der Moral die Neigungen Fertigkeiten der Begierden Einer Art, zum Unterschiede von ben einzelnen Bestimmungen des Willens, oder den Begierden, da denn hie Neigungen von den Leidenschaften nur in der geringer» Stärke unterschieden find. Wir .kommen mit einer allgemeinen Zähigkeit zu unzähligen Neigungen und Leidenschaften aufdie welt, ohne etwas anders mrtzubringen, als die Rraft, die das Wesen der Seele aus- macht, Gulz- Z) In engerer Bedeutung ist die Neigung, ohne Plural, die Fertigkeit, jemandes Bestes gern zu sehen, deren stärkerer Grad die Geneigtheit ist. S. Auch Abneigung und Zuneigung. Nein, ein verneinendes Nebenwort, welches eigentlich alsdann gebraucht wirb, wenn man eine vorher gegangeneFrage oder Bitte mir Eurem Worte verneinen will. Sind fic schon da k Autw. nein. Auch wenn die Ursache mit beygcküget, oder die Sache, nach welcher man fragt, verneinender Weise wiederhohlet wird. Nein, sie sind noch nicht da. 'Nein, denn sie können noch nicht da seyn. Nein, ich kann es nicht thun. Nein zu etwas sagen. Auf etwas nein, oder mit nein antworten. Etwas mit nein beantworten. Da es denn zuweilen auch als ein Hauptwort gebraucht wird. Umsonst find alle Zragen, Er wicdcrhohlt sein mystisch Nein, Gell. Oft dienet es auch ohnevorher gegangene Frage oderBitte, eine Abneigung, Verwunderung, einen Widerwillen anzukündigen. Nein, das iß unmöglich. Nein, das geschieh« nicht. Siehe Verneinen. Anm. Schon Hey den ältesten Oberdeutschen Schriftstellern vein,in dergemeineuSprechartderObersachsen näh,bey denNie- dcrsachftn undSchlcsiernnee, in dexOberpfalz naa,in dcrSchweiz »»a, im Engl. uv, im Dan. nej, im Schwed, uej, bey dem Net 464 Ulvknlas ne, ruki, uv, im Angels. nÄ, r>e, rn->, im Gricch. in dcrZ ssammcasitzung vs. vq im Latein, n -u. im Pohin. m, nie, imKraimrischen nn, :m Pers. uen. Frisch glaubt, daß es aus d«-alten Veruewuug ne und ein zusammen gesitzet sep. Man könnre vielmehr das n für bloß -.fällig haltert, m 4 im Sstrwed. und reke, im Island, ec ke, und im Gricch. Lv und cv^r, gleichfalls nein bedeuten. S. N. mglnchen Nicht. DerNeiß, S. 2 . Gneiß. Dev Nektar, des— L , plrr. ivull nach der Götterlehre der Griechen und Römer, derjenige Trank, welcher de» Göttern zum gewöhreichen Getränke dnuete; der Göttertrank. Dort werde sie (die Schale) bey jebem Zreudenmahle voll Neckar, der die Götter trankt, Und roll Unsterblichkeit geschenkt Raml. Dte Naske, p!ur. die— n, es'.aus Nägellel'n oder Nägclchen zusanimen gezogenes und statt desselben in der anständjgouSprcch- art übliches Wort, es mag mm das Gewürz oder dicBlnmeu dieses Nahmtnis und ihre ss-stanzn bezeichnen. Oie Gewürznelken, zum Unterschiede Hon deicGarten'ielken, welche letzteru in einigen Gegenden, z. B. in Franken, Grasblumen genannt worden. Gestoßene Nelken , d. i. Gewürznelken. Nelken pßanzcn, Gar- tcnnclkcn. Diejenige Blume, welche bey uns unter dem Nahmen der Nelke so hoch geschähet wird, ist eine Art des viun'Uuis b,, von welchem es mehrere Arten gibt, wohin die Bartnelkr, die Carthäilser - Nelke, die Gartennelke, die Donnernelk», die Zcdcrnelke, die Gandnclke, die Jungfernclke u. s. s. gehören, Die stolze Nelke, DiuntlruL buper^us G. hat büschelförmig zu- saimrrcn gesetzte Blumen. Die wilde Nelke, OiLialllUij Römerin. mit gehäufrerr bündelwei-e zusammen gesetzten Blumen, Wachset in den nnfruchrbaren Gegendeu Europens wild. Fi- -üolich werden auch andere Arten Blumen wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt Nelken genannt, wohin besonders einige Arten der Lichtrose/ D^okttrrs I,, gehören, besonders die I^cUnis UjviLa, welche-gleichfalls wilde Nelke genannt wird. Die Tunisblume führet bey einigen den Nahmen der Türkrschen Neiße, ungeachtet sie nicht die geringste Ährrlrchkeit mit den Nelken hat. (S. auch Bachnelke, Maner- nelke, Dornnelke u. s. f.) Das kleine Büschelchsn Haare a« der Ruthe des Fuchses zunächst an dessen Rücken heißt bey" den Jägern die Nelke, vcrmuthlich wegen seines augenehmen balsamischen Geruches. Im Rieders, so wohl son dem Gewürze, als der Blume Nagels ken, Dä'n. Neilrl'e, Schwed. ksteZÜKw. S. Nägelein. Nelkenbraun, ucij. et. aäv: den Gewürznelken an brauner Farbe gleich oder ähnlich, deren dunkelbraune Farbe ein wenig, obgleich auf eine kaum merkliche Art in das Carmurrothe spielet. Der Nelken-Zlor, des—es, plur. doch nur in der zweyten Bedkutnng, die—e, derFlor, d.i. derZustand, da die Garken- uelkrn blühen. Jngleicheir die Zeit, wenn sie blühen, und mehrere blühende Nelken selbst, Einen schöncnNelkenßor haben, viele blühende Nelken. S. Zlor. DaoNelkenkraut, des— es, plur. inuk. in einigen Gegenden ein Nähme der Märzwurz oder Benedict.. Wurz, besonders der einen Art, 6eum urbullmin 1^. deren Wurzel gegen den Frühling wie Gewürznelken riecht. DreNelkenl«us, plur. die—laufe, ein grünes Ungeziefer, welches sich oben an demStängel der Nelken nahe bey dem Kelche auf- hält, und die Pflanze aussauget; einigen die Mauke. Das NeLkevmäß, des—es, plur. die—e, bey den Liebhabern der Gartennelken, ein Maß, welches ans mehrern Zirkeln bestehet, die Größe der Gartennelken damit zu messen. Die Nen 463 Ne l Die Nelkenmyrte, piur. die — n, eine prächtige Art Myrten mit drei) Mahl gespaltenen vielblumigen Blumenstielen, und umgekehrt eyförmigcn Blättern, welche in Zeylon einheimisch ist; j^l^Nus cur/o^biUul^ b,. Der Nelkenstock, des — cs, plur. die—stocke, eine einzelne Pflanze der Gartennelken, sie mag nun in der Bluthe seyn oder nicht, S. Stock, l > Die Nelken- Viäle, p!ur. die —n, ein Rahme, welcher in cini- gcuden Gegondelt den Levkojen gegeben wird. Der Nelkenzimmt, des —cs, plur. inul. eine Art Zimmtes, welche den Gewürznelken an Geruch und Geschmack nahe kommt. —-Nen, eine Ableitungssylbe, vermittelst deren neue Zeitwörter aus andern Zeitwörtern gebildet werden, welche vornehmlich eine doppelte Bedeutung haben. 1. Eine factitive, thät-ge Zeitwörter aus Neutris zu bilden. Dergleichen sind offnen, von dem veralteten offen, offen stehen, gähnen, vondem noch im Island, üblichen Ziu, Latein, biure, erwähnen, von dem alten rvahcn, sich erinnern, gleichsam erinnern machen, entfernen, von fahren, ob es gleich auch von fern abstammen kann, und alsdann hierher nicht gehöret, warnen, wahren, d. i. sehen machen, das Oberdeutsche stehnen, heimlich lvegschaffen, von fliehen , das veraltete festnen, von festen, lehnen, liegen machen, zeichnen, nennen, ordnen, dehnen, seifc- nen im Lergbcme, vielleicht auch fröhnen und andere mehr. 2. In andern Fällen werden bloß Intensiv« daraus, einen verstärkten inner» Grad der Handlung zu bezeichnen, und in den meisten Fällen ist das erste ursprüngliche Zeitwort verloren gegangen und nur das Jntensivum in dessen Bedeutung üblich geblieben. Dergleichen sind mahnen, von dem veralteten mähen, bewegen, obgleich auch dieses eine factitive Erklärung leidet, wohnen, von bauen, mau e re, das veraltete bibenen von beben, wähnen, meinen, lernen, weinen, greinen, flennen, laugnen, meinen, waffnen, welches aber auch zum vorigen Falle gehören kann, zürnen, höhnen, belehnen von beleihen, sehnen von sehen, stöhnen, rechnen, staunen, dienen, regnen, segnen und andere mehr. Besonders in solchen Fällen, wo das ursprüngliche Zeitwort schon ein n vor der Endung hat, wie in kennen, können, brennen , rennen, spannen , trennen, gewinnen, u. s. f. welche insgesammt solche Intensiv« zu seyn scheinen, wenn nicht einige derselben auf die vorigeBedeutung zurück geführct werden können. z. Verschiedene Wortsocscher legen den Zeitwörtern aufnen auch eine inchoative Bedeutung bey. Allein im Deutschen hat sich dieselbe bisher nvch nicht wollen finden lassen. Denn das einzige lehnen, anfangen zu liegen, in welchem Verstände es besonders im Oberdeutschen üblich ist,kann auch bloß intensiv oder factitiv seyn. In einigen verwandten Sprachen ist diese inchoative Bedeutung erweislich, und da kommen die mit derselben versehenen Zeitwörter mit den Lateinischen Zeitwörtern auf—leo überein. Im Schweb, ist z. Leesco, trüttuer, lucel'co, ckurelco, /r/rrckucr, obckoi miseo,/L,^rukr, ex^erZilevr u.s.f. Anm. '. Hierher gehören diejenigen Zeitwörter nicht, welche vermittelst der Endung —en von Nennwörtern und Partikeln gebildet worden, welche sich aufein n endigen, wie z. B. bahnen von Bahn, bannen von Bann, begegnen von gegen, ermännen und entmannen von Mann, erkühnen von kühn, fernen, in der .Ferne schön scheinen, von fern, grünen von grün, harnen vou äarn, Horum von 6orn, körnen und kernen von Born und Ncrn, kapauncn von Aapaun, krönen von Nrone, schienen von schiene, trocknen von trocken, zäunen von Zaun, eignen von eigen, zwirnen von Zwirn n. s- s. Von einigen ist ec- üidessen noch zweifelhaft, ob nicht das Nennwort vielmehr von Abel» W. B.ö.TH. 466 dem Zeitworte abstammet, welches denn in diesem Falle zu einer der vorigen Bedeutungen gehören würde. Anni. 2. Diese Endung ist sehr alt, und findet sich nicht allein schon bey dem Ulphilas, Kero und andern, so wie in allen mit der Deutschen verwandten Sprachen, sondern schon im Lat. wo das veraltete lli'nZt e in äsliiuare u.s.f. auf solche Art von liure gebildet ist, wie ruonere, venire, miauere, minari u.s.f. von ähnlichen obgleich längst veralteten Zeitwörtern abstammcn: noch mehr im Griechischen, wo »^.ivciv, lehnen, cliuure, ^«1- gähnen, xxivsm, und tausend andere Zeitwörter auf ähuttche Art gebildet sind. Ihre glaubt,, daß diese Endsylbe von dem Schwed, ou, n^. nehmen, abstamme; allein dieser Begriff möchte sich ohne großen sichtbaren Zwang wohl nur auf sehr wenige der angeführten Zeitwörter anwenden lassen. Ncnnbar, abj. et ackv. was genannt werden kann. Daher Lue Nennbarkect, plur. in ul'. Beydes im Gegensätze des unnennbar und der Unnennbarkeit. Nennen, verb. irreZ. aet. ich nenne, du nennest oder nennst; Zmperf. ich nannte, Conj. nennete,Mittelw. genannt. r. Ein Ding bey seinem Nahmen rufen oder erwähnen, dasselbe vermittelst des Ausdruckes bezeichnen, welchen cs als einen Nahmen führet, der ihm zukommt, der dessen Unterscheidungsmerkmahle enthält; da denn so wohl das Ding, als auch der Nähme in die vierte Endung gesetzet werden. Ihr sollt euch nicht Rabbi, nicht Meister nennen, Matth. 23, 8 . Der wird ein Sohn des Höchsten gencnnet (genannt) werden, Luc. 1,32. Tajus und Titiue nennen sich Vetter. Wir nennen alle Dinge schon, die der Einbildungskraft oder dem verstände gefallen. Das nenn'ich doch gehen,das verdient doch dcnNahmen des Gehens. Ich kann ihn nicht nennen, weiß seinen Nahmen nicht. Wie nennt er sich? wie heißt er? Er nennt sich Bav, er heißt Bav, seinNabmeistBav. Als er die Mutter nennen horete. Das Hauptwort Nähme leidet auch das Vorwort bey. Jemanden bey feinem rechten Nahmen nennen. Jemanden bey Nahmen nennen. Das ist mein Nähme bey dem man mich nennen soll, 2 Mos. 3, i L. Wie lange wirst du ihn bey diesem Nahmen neunen k Weiße. - Zuweilen auch das Vorwort mit. Da stunden auf die Männer, die jetzt mir Nahmen genenner (genannt) sind, 2, Chrom 23,13, die jetzt genannten Männer. Er zahlet die Sternen (Sterne) und nennet sie alle mit Nahmen, Ps. 147, 4 . Die Person, zu deren Nachricht eine Person oder Sache genannt wird, stehet, in der dritten Endung. Nenne mir doch einmal)! das^Ding, sage mir dessen Nahmen. Nenne mir einen, der keine Fehler hätte. Zuweilen hat es den Nebenbegriff der allgemeinen Achtung bey sich. Wer ist wohl jetzt des Volks verlangen ? wen- dacht er, nennt man jetzt als mich ? Gell. Das Mittelwort genannt wird auch vor Beynähmcn gebraucht; Dionysius genannt der Tyrann; ob man gleich iu der edlem Schreibart lieber einen andern Ausdruck gebraucht, Dionysius mildem Beynahmen des Tyrannen, oder der Tyrann. So yenannt deutet an, thcils, daß man diese Benennung und die Sache, welche sie ausdrnckt, nicht so schlechthin anerkenne, theils aber auch, daß der Nähme zwar üblich, aber doch an sich unrichtig und undeutlich scy. Man merket sehr deutlich, daß die so genannten Großen oft noch bey ihrem Leben wieder kleiner werden. Mbncnannt, oft genannt, mehr genannt, vorgenannt u.s.f. für oben genannt, vorhin genannt, oder mehrmahls genannt, gehören in die Sprache der Kairzeflkpen. Gg " r. Einem Neu 467 2. Einem Dinge einen Nahmen geben, ertheilen, mit zivey Ucensativen, so wohl der Person, als des Rahmens. Gott nennere (nannte) das Licht Tag, und die Finsterniß Nacht, - Mos. 1, z. Es kann so wohl von Errheiln'ng eines eigenrhüm- lichen Rahmens gebraucht werden, als auch von Ausdrücken, welche nur die Art oder Gattung bezeichnen,' dagegen das niedrigere heißen nur allein von dein erster» üblich ist. Das Rind rvurdc nach seinem Vater genannt, bekam den Nahmen, welchen dessen Vater führet. Der biblische Ausdruck , mit einem Nahmen nennen, eiueu Nahmen beylegcn, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. Du sollt mit einem neuen Nahmen ge- nennet werden. Es. 62, 2 ^ Kap. 6^, iL. Z. bestimmen, ein im Hochdeutschen ungewöhnlicher Gebrauch, welcher rwch im Oberdeutschen vorkommt. Ein Genanntes ist daselbst der genau bestimmte Gehalt, die bestimm- Len und bekannten Einkünfte, die man auch wohl das Zirnm zu nennen pflegt. In Nürnberg sind die Genannten die Glieder des äußern oder weitern Rathes, aus welchen die Glieder des inner« oder enger» Rathes erwählet werden, vermuthlich, weil sie hon der Bürgerschaft, oder denen die das Wahlrecht haben, dazu ernannt werden. I« eben dieser jetzt ungewöhnlichen Bedeutung kommt cs ^ Mos. 4i,4Z vor: Pharao nennete Joseph den heimlichen Rath, d. i. er ernannte ihn zum geheimen Rache. Daher die Nennung, am häufigsten in der ersten Bedeutung. Anm. Dieses Zeitwort ist vermittelst der Endung—nen von dem größten Thcils veralteten Zeitworte nahmen, welches noch in dem Oberdeutschen benicmen und in demNiederdeutschen nomcn, uennen, übrig ist, gebildet, daber es arich rwchIm äiatian vem- osn, ben demKero, vermutblich um desWohllautes willen, oem- rnen, aber schon in dem Isidor venneu lautet. Im Schwed, lautet es gleichfalls uÜmuu, dagegen im Englischen noch das einfachere to uLme üblich ist. Mit einer andern Ableitungssplbe Hat man noch in den gemeinen Mundarten, benahmscn, d. i. nennen, bestimmen. In einigen Gegenden wird es regulär abgcwan- delt, ich ycmnete, gcncnner. Im Hochdeutschen ist die irreguläre Abwandelung die üblichste, obgleich auch viele sonst gute Schriftsteller jene vorzichen. DieNrnnen-unF, plur. die—en, bey den altern Deutschen Sprachlehrern, dir erste Endung der Nennwörter, alseine buchstäbliche Übersetzung des Lat. Nominativus, wofür andere das Wort Ncnnfall versucht haben. Beydc sind durch den bessern Ausdruck erste Endung verdränget worden. S. das folgende. Der Nenner, des— s, plur. ut nom. llng. r) Die erste Endung der Nennwörter, bey einigen neuern Sprachlehrern. 2) In her Rechenkunst ist der Nenner diejenige Zahl eines Bruches, welche die Eintheilung des Ganzen bezeichnet oder benennet, Deuominalor; zum Unterschiede von dem Zahler oder Nu- rnsr«rtol>welcher die Zahl der Theile des Ganzen anzeiget, welche der Bruch enthält. Der NennfaU, der — es, plur. die—fälle, S. Nennendung. Das Nennwort, des—es, plur. die — Wörter, in der Sprachkunst, ein abänderlicher.Redktheil, welcher den Nahmen eines Dinaes oder einer seiner Eigenschaften ansdruckt, wohin denn sa wohl die Hauptwörter als auch die Bepworter gehören. Latein. bey den altern Sprachlehrern gleichfalls der Nähme, schonbey dem Auodepert im 8ten Iahrh. Numo. -—Nsr, eine Ableitnngssylbe, vermittelst welcher Hauptwörter Männlichen Geschlechtes von andern Wörtern gebildet werden. t) Bon Zeitwörtern, eine Person männlichen Geschlechtes zu bezeichnen, welche dieHandlung des Zeitwortes verrichtet; von welcher Art doch die wenigsten find. Nlempener, von krampen, klümpen, und vielleicht upch andere mehr. 2) Von Nennwör- Rer 468 kern, besonders von Hauptwörtern, eine Person männlichen Geschlechtes anzudemen, deren vornehmster Gegenstand das Hauptwort ist, wo aber die Art und Weise ihrer Verbindung oder Beschäftigung mit demselben bloß durch die Gewohnheit und den Gebrauch bestimmt wird. Der Beständner, der etwas in Bestand oder Pacht hat, der Pachter; der Bündner, in der Schweiz, der Theilhaber an einem Bunde, der Mitverbundene, Bundes- genoß; der Büttner, welcher Butten verfertiget; der Clanfener, der in einer Clause lebt; der Falkner, der mit Falken umzru- gehen weiß; der Glöckner, der die Glocken zu läuten hat; der Aellner, der die Aufsicht über den Keller hat; der Ristner, der Kisten verfertiget; der Mauthner, Zöllner, der Einnehmer der Manch oder des Zolles; der Meßner, der das Meßgeräch in seiner Verwahrung hat; der Büchner, in ähnlichem Verstände; Pförtner, der die Aufsicht »her die Pforte hat; Pfründner, der einePfründe im Besitze hat; Schuldner, im Gegensätze desGläu- bigers; Söldner, der um Sold dienet; Wöchner, der Wochenweise arbeitet n. s. f. Diejenigen Wörter gehöre« nicht hierher, wo das Hauptwort schon ein n hat, an welches die Ableitungs- sylbe —er angehänget worden, wie Gärtner von Garten. Ge§e- ner von gegen, Hafener von Hafen u. s. f. Manche der oben an. geführten Wörter können freylich wohl von dem Plural auf—en gebildet seyn, da denn auch nur die Sylbe—er angehänget worden; allein in den meisten ist doch die Sylbe—ner unläug« bar. SO kommt mit der Sylbe—er sehr genau überein, und es kann seyn, daß sie auch vermittelst des euphonischen Vorgesetzten n aus derselben gebildet worden. DecNerfLmF, eine ArtFische, S. Nörfling. Der Nerve, des — n, plur. die—n, ein Wort, welches an den Körpern der Menschen und Thiere in einem zwiefachen Verstands gebraucht wird. 1) Die festen und starken Bandarten, welche zur Verbindung anderer Theile, besonders aber der Beine diene«, und auch Spannadern, Flachsen, Flachsadern, Bänder, am häufigsten aber Sehnen genannt werden, fuhren im gemeinen Lebe« häufig den Nahmen der Nerven. Im Lat. heißen sie Vincula oder lügarnentn. In diesem Verstände wjrd die auch von außen sichtbare Sehne dieser Art, welche hinten an dem Beine eines Pferdes an dem Röhrbeine hinunter läuft, und eigentlich aus zwey Sehnen und einem Bande bestehet, der Nerve genannt. 2) Noch häufiger werden gewisse zarte röhrartige von außen unsichtbare Fasern, welche sich ans dem Gehirne und Rückeir- ttrarke über alle Theile des Leibes erstrecken, und der Sitz so wohl der Empfindung als der Bewegung sind, Nerven genannt; Lat. Nervi. In welcher Bedeutung das Wort auch häufig im weiblichen Geschlechte gebraucht wird, die Nerve. Ließ Gefühl, dar mir fönen in jeder Nerve bebt. Sie werden von einigen auch, obgleich sehr unschicklich, Gpannadcrn genannt. Anin. Im Engl. Nerve, im Pohl». Ner^va.. Esist wohl aus dem Lat. Nervös entlehnet, welches wiederum von dem Griech. abstammet. Nerven, ^ *r,<,. reg. act. 1) Mit Nerven versehen, wovon doch nur der Gegensatz entnerven im figürlichen Verstände, für entkräften, schwächen, üblich ist. 2) Km Pferd nervet sich, wenn es im Gehen mit dem Eisen der Hinterfüße den Nerven der Bor? derftiße beschädiget, S. Nerve l. Das NÜrvenbern, des — e«, plur. die— e, S. Gedankcnbem. Dcrs Nervensteber^ des—s, plur. doch mw von mehren:' Arten, ut uom. üng. ein schleichendes verzehrendes Fieber, welches gemeiniglich mit Mattigkeit imdSchwäche, mit anhaltender Verstopfung des Leibes, Ausstößen und andern Kennzeichen der Blähungen in demMagen nnd denGedärmen verbunden ist, und von einem lränklichen Zustande der Nerven des Magens und der Gedärme, vsst auch des ganzen Körpers, seinen Uesprunz hat. Es ist eine Ari der Nervenkrankheit. S. Nerve 2 . . . DüS Neevenyras, des—es, piur. must. m e„„gcn G'geinen ein Nähme des Sandrohres oder so genannten Zelmes, welches «n dem sandigen Meerufer Eneopens wachset, und den Flugsand abl-ält und stehend macht; ^ unäo arollaritt b,. Die Nervenkrankheit, plur. die — en, eine jede -.räuchert, welche aus einer mangelhaften Beschaffenheit der Nerven rn der rwevten Bedeutung dieses Wortes gegründet ist. Der Nörvensaft, des —cs. piur.inut. ein sehr feiner geistiger ffüffiger Körper, welcher von einigen in den Röhren der Empftn- dungsnerven angenommen und für den Sitz der Empfindung und des Lebens gehalten wird; ssluickum aer vt-umcher Gehirnsaft, der Nervengeist, die Lebensgeister. Nach andern dienet diese Flüssigkeit bloß die Nerven anzufeuchten. Die Nervensache, plur. doch nur von mehrern Arten, die—n, eine aus Feit, Öhlen und die Nerven stärkenden Kräutern zubereitete Salbe, die Nerven durch Einschmreren damit zu stärken; I7u"uerUuiN nervinum. S. Nerve 2 . Das Nerven-Gyftem, des —cs, x^ur. die — e, der ganze Umfang der Empfindung»-und Bewegungsnerven iu einem Körper, in ihrer gegenseitigen Verbindung betrachtet. Die Nervenwarze, xlur. die—n, Diminut. das Nexvenwar;- - - chen, Oberd. Nervenwärzlein, kleine Warzen an dem Endender Nerven auf der Zunge und in der Nase, welche der eigentliche Oitz des Geschmackes und des Geruches sind; ^LpillttL nsrvsns. Der Nervenwurm. des—cs, die—würmer, ein Wurm, welcher einem zarten Nerven oder Faden Zwirne gleicht, mit dem Wasser in den menschlichen Körper kommt, alsdann alle The.le dnrchkriecht und sich oft durch die äußere Haut frißt; Gorckius aqusticus S. Fabenwurm. _er, —ste, aäj. et ac!v. viele und starke Nerven 'habend, in beyde» Bedeutungen des Hauptwortes. Figürlich, kräftig, stark. L),e nervige Schreibart, wo starke Gedanken gleichsam zusammen gedränget werden. Nervicht würde nur Nerveil ähnlich bedeuten. Die Nespel, xiur. die — n, S. Mispel. Die Nessel, plur. die—n. 1 . Eigentlich, eine Pflanze, welche sägeariig gezähnte und mit snbtllenStacheln verfthcneBlo.tter bat, welche, wenn man sie berühret, ein empfindliches Stechen verursachen, welches man ein Brennen nennet; Orticer 1^. Daher sie auch Brennnessel, u»d im gemeinen Leberl einiger Gegenden Siter- nessel (S. diese- Wort) genannt wird, um sie von den folgenden mit keinen Stacheln versehenen >„A also auch nicht brennendenAr- tcn zu unterscheiden. Es gibt verschieb ne Gattungen ders.lden. diepillennrssel, oder Römische Nessl, blrriett piluliserü, ist im mittägigen Europa einheimisch und brennet heftig, linkere gewöhnliche Brennnessel, im zemeinenLebenE ternessel nndN.'tter- nessel,wohnt in denGartenländern uild aufRainenchl rti cn u - LN8 und citoica, von w ichcr e^ wiederum eine größere und eine kleinere Artgibt. Oie hanfavtigeN'. ssel,- welche inSibirien angetros- fen wird, wird oft sechs Ellen hoch, OrtueL carrnshärrn; einiger ausländischer Arren zu geschweigen, Sp,- chw. Wog erne Nessel werdcn'wstl, brennet bald. L; b t", na s kr.ilO öLs/.ülns, rrss- kelerr rverck v lol, Winsbeck. Nessln brennen Feinde und Freunde. Rlug - äuhner legenauch wohl in die Nesseln, weise Leute rönnen auch fl hlen. 2 Figürlich führet ivegcn ei ierÄhn' r ch- keit der Gestalt und der Blätter noch eine doppelte Art von Pflanzen den Nahmen der Nessel, welche aber, weil sic nicht brennen, taube oder todre Nesseln genannt werden. >) Das amium st,, besonders das st-nmin n ast um, purp reuen und -rmpi xi e-tulöz welche auj unfern Gaetenrändetn wachsen, und eßbar sind. 2 )das Äatzengeficht, Onleopsss I,. welches auch sanfnesseT gcnailnt wird, im gemeinen Leben aber, so wie die vorige am Hau- fizsten unter dem Nahmen der taubewoder todten Nessel bekannt ist. Nrcders. Oannettel, Wallis. OLNuäl, welches vermnthlich, ans taube Nessel zusammen gezogen ist. Anm. Im Nieoers. Nettel, im Angels. IssetI, im Engl, bettle, im Holland, blstei, im Schwed. Beisls und llg, im Dän. und Norweg. Nalde, Neide. DerNohme dieser Pflanze rühret von ihrer stechenden Eigenschaft her, und iss ein naherVerwandtcr vonNadel, und demGriech. vvo's't», ist sieche, (S. Nadel und Natter,) oon welchem Worte auch dek im gerueinen Leben einiger Gegenden, z. B. in Thüringen, für Brennnessel übliche Nahmen Netternessel herstammet. Auf ähnliche Art heißt sie vonureie, brennen, im Lat. stlrttcg. Der NessestbattM, des — es, plur.die — bäume, ein in dew warmen Ländern einheimischer Baum, welcher auch Zirgelbarim, Bohnenbaum und Lotus-Baum genannt wird, und von welchem es mehrere Arten gibt; Geliäs I-,. Der NesseLbrand, des — es, plur.inus. die Beschädigung dee Haut von den zartenStacheln derBrennnesselünd die Empfindung dieser Verletzung. Das Nesselfieber, des—s,p1ur. doch nur von mehrern Arten^ ut nom. I 10 Z. eine Art desScharlachfiebers, wo miteinrmgelinden Fieber kleine Erhöhungen auf der Haut zumBorscheure kommen, welche einem Ncsselbeande gleichen und einen brennende,* Schmerz verursachen, aber in einigen Tagen wieder vergehen; die Nesselkrankheit, Ncffelsucht, und, wenn cinFriesel damit verbunden ist, das Nessclfriesel. Der Nesselfink, S. Braunkehlchen. Das Nesselycrrn, des—es, xlur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die — e, ein-zartes, aus den Fäden in den viereckten Stängeln der großen Brennnessel gesponnenes Garn. Figürlich, wird auch wohl ein sehr zartes, glattes und gleiches baumwollenes Garn Neffelgarn genannt. S. Nesseltuch. Der NesselkontF, des — es, plur. die—e, ein Nähme, welchen an einigen Orten der Zaunkönig führet, weil er sich gern auf den Zäunrn, dem gewöhnlichen Aufenthalte der Nesseln findeir lasset; besonders derjenigen Art,- welche auch Meisenkönig, Schneekönig oder Winterkonig genannt wird; lVlotMLilla. 1rocjr1ock)?t68 st,. Die Nöffelkrankheit, plur. doch nur von mehrern Arten, die—en, S. Nesselfieber. Die Nesselfiau-e, plur.,die—n, ein Jtaliänisches Standengc- wachs, dessen sägeariig gezähnte Blätter den Blättern der Nessel gleichen; ?r.?liumst,. Die N ss.stlu-.'tzt. plue. must. (S. Nesselfieber.) Andere unterscheiden hie Nesselsucht noch von dem Nesselfieber, und da ist die erste eine chronische Kranich, il ohne F.eber, vielleicht eine bloße Hanne.'.nkheit. Das Nchssalrü y. des — es, p!ur. doch mir von mehrern Arten oder Quantitäten, die — tücher. eigentlich rin rarns ans Ncssel- garne, d. i. ans den'in den Stängeln der großen Br«! l, Nessel befindlicher, Fäden, veri- rtiues G wcdr, Derjeuige klareZeng. welcher jetzt unrer dem Rühmen d s Nesseltrrches begannt ist, süchvet diesen Nohme;, nur figürl ch . indem er aas weißer Bannnvolle, vielleicht nach Art hcs ehedem üblichen eigentliche,, Nesselruches, verfertiget wird. Nrsseltüchen, ttstj. ei uclv. aus Resslruch bereitet. Eine nessel- tuchene Schurze. Dcks N'st. des—cs, plur. die — er, Diminut, das Nestchen, Obrrd. Nestle,?,. 1 . E?or,u! ich, ein Hause mehrerer mit einander' verbundener . bep rurd uedsn einander befindlicher Dinge; eine nur Gg 2 rw ch 47 ' Nest Net 47 ^ noch in einigen Fallen übliche Bedeutung. So pflegen die Bergleute, welche uns überhaupt nych die erste und eigentliche Bedeutung so vieler Wörter erhalten haben, einen Haufen in der Erde bey einander befindlichen Erzes ein Nest zu nennen. Ein Erz bricht nefierweise, wenn es sich iu solchen Haufen, dcrenLänge der Breite ungefähr gleich ist, befindet. Dre Stockwerke sind eine Art solcher Nester. (S. Niere,) welches Wort nur von kleinen Häufchen Erzes gebraucht wird. Das Nest aufeinem Frauenzim- merkspfe entstehet, wenn die geflochtenen Haare oben auf dem Kovfe um die Nest- oder Nestelnadel geschlagen werden, welche Art noch unter geringenPerfonen, besonders aufdemLande, üblich ist ; die Nestel, das Haarncst, Zopfnest. Im gemeinen Leben wird es, doch gemeiniglich nur im Scherze, von mehrern ben einander befindlichenDingen gebraucht, wo es aber auch zur folgenden Bedeutung gehören kann. 2. I,i engerer uud gewöhnlicherer Bedeutung ist das Nest ein von Reisern, Stroh, Moos und andern weichen oder biegsamen Dingen bereitetes tiefes Bchältniß, welchesJrch die Vögel und einige Arten von Jnsecten und vicr- HiiAgen Thieren zu ihrcyi Aufenthalte verfertigen, besonders aber ihre Jungen darin auszubrüten oder zu werfen, i) Eigentlich. Das Vogelnest, Ratzennest, Wespennest, Mäusenest u. s. s. Die Vogel bauen fich Nester. Sprichw. Man kann es an dem Neste sehen, was für ein Vogel darin wohnet. Zu Neste tragen, jagt man von den Vögeln, wenn sie die Materialien zu ihrem Neste zusammen tragen. Das Nestausnehmen, die darin befindlichen Jungen oder Eyer heraus nehmen. Das Nest eines Raubvogels wird ein Horst genannt. 2) Figürlich, (a) Die in einem solchen Neste befindlichen Eyer oder Jungen. Ein Nest Vogel, Mause u. s. s. Das Raupennest, die in einem gemeinschaftlichen Gespinste bey einander befindlichen Raupen, (b) Ein Haus., eine Wohnung. Ein Mann, der kein Nest hat, . Sir. 36,28. Man gebraucht es nur noch im verächtlichen Verstände, von einem schlechten elenden Hause, oder einem solchen Aufenthalte; besonders in de» Zusammensetzungen Hurennest, Liebsnest, Raubnest u. s. s. In eben diesem verächtlichenVer- stande pflegt man auch wohl ein festes Schloß, einen kleinen aber festen Ort, ein festes Nest zu nennen, (c) Das Bett, doch nur im vertraulichen Scherze. Zu Neste gehen, zu Bette. Er will nicht aus dem Neste, nicht aus dem Bette. Amm. Schon bey dem Notker Nell, im Engl. Angels, und Nieders. gleichfalls im Schwed. idlKÜs, im Wallist lMch, im Irland, l^eacl, imGciech. vsos' (siebe Neumond.) Dagegen ist bep den Jagern das Neue, oder ein Neues, frisch gefallener Schnee, (S. dieNeuc.) Neue Einwohner -n eine Lolonie schicken, welche vorher noch nicht da gewesen. Die Besatzung mit neuen Leuten abwechseln lassen, mit frischen. Die »reue oder neuere Geschichte, >m Gegensätze dee alten oder altern. Neuere Briefe (spätere, lungere) melden nichts davon. Das neue Logis , worein man llü kurzen gezogen ist , oder cest darein zu ziehen Willens ist. Ein neuer Bedienter, welchen mau noch ruchr lange hat. Neue Fürsten, welche die fürstliche Würde nach der Mitte des 16nn Jabrhundeines erhalten haben, im Gegensätze der alten Fuvfixn. (S. NcusÜrstiich.) L) In Bez'ehung auf ruiscrc Erkeuntniß, was man vorher noch nicht erfahren, »mpfun-- den oder erkannt Hütte. Das ist mir nichts Neues, das habe ich scheumehrmahls erfahren, oder cmpfundiu. Drese Sache ist mir nrchtneu, nicht unbekannt.- Eine neueLehrc. Ein neuer Ge- -anke, welchen mm: noch nicht gedacht, oder noch nicht gelesen hat. Neue Gewächse, neuc Thicre, welche bisher noch nicht bekannt gewesen. Diese Forderung wäre ganz neu, ganz unerhört. Dreß Gefühl, welches mir so neu in jeder' Nerve bebt. Der Gegenwart des Gerstes ist nichts neu- Ein neuer Gegenstand, in den bildenden Krursien, der noch von niemanden, oder doch nicht sufdresc Art, behandelt worden. Etwas Neues erzählen , was man noch nicht gewußt hat, besonders wenn es sich vor kurzen zuge- rragcn hat, oderzugetraLen haben soll. Was gibts Neues? Im. mer ctwas'Neues wissen. Das ist nichts Neues , das ist schon etwas Altes, Bekanntes. S. Neuigkeit. Z - Figürlich, in Beziehung auf solche Eigenschaften, welche ge- Weiiliglich an neuen Dingen angerrossen werden, i) Seinem ersten Zustande, der ersten Gestalt, welche ein Ding nach seinem Entstehen hatte, glich, iu welchem Verstände man im gemeinen Leben Werle der Kunst, wenn sic so aussehen , als wie sie ans der Hand des K lnrstiers oder Urhebers kamen, neu zu nennen pflegt; wo es doch in Gestalt eines Nebenwortes am üblichsten ist. Etwas wieder neu machen. 2) Ungebraucht , unabgeniitzt. Ein neues Alerd, welches noch nicht getragen ist, wenn es gleich in Ansehung der Zeitdauer nicht treu ist, Neues Geld, welches noch ganz glän- . Neu 476 zenbist. Das Nleid, das Haus ist noch ganz neu. Z) Den Grad der lebhaften iiuicrn Starke habend, welchen eiu Ding bep seinem Entstehen gemglniglich zu haben pflegt. Neuen Muth, neue Nräfte haben, bekommen. Die Barmherzigkeit des Herrn ist alle Morgen neu, Klugl. z, 2g. Mein Schmerz wird wieder neu. 4 ) Mir dem Nebe,»begriffe des bessern; im Gegensätze des alt. Der neue Mensch, das neue Leben , ein neues Herz, der neue Sinn, in der D-mschenBibel und der biblischen Schreibart, die durch denGeist Gölles gewirkte bessere stitluHeBeschaffen- ht'it, im Gegensätze der ungcändei ten. z) Unerfahren ; am häufigsten als ein Nebenwort. In c.ner Sache neu sepn. Er war in dieser Arr von Erfahrungen noch ganz neu. Bist du so neu in der schonen Welt, daß du nicht weißt, daß das Freye jetzt der gute Ton ist ? S. Neuling. Anni. Bey dem Kero neuer, bep dem Ottfried neu, nouo, im Niederst nij, nige, im Dein, ny, im Angels. nerve, ueovve, im Engl, nerv, im Franz, ne uk, im Jtal. nuovo, bep dem Ul. philas nivve, im Irland, nun, im Perst nun, im Nuss, und Pohl,:. norv^', inl Ki aiu. nov, welche insgesammt mit dem Lat. vor uslrndGriech. vsog aus einer gemeinschaftlichen ölternQuelle knrsprungen sind. Das Stammwortscheintt nahe zu ftprr, (siehe Nun;) indessen da neu im Dätt. auch npt lalltet, und unser neu in einigen Fällen selbst so viel wie glänzend bedeutet, so stehet es noch dahin, ob es mit nett nicht vielmehr zu Ilitor, nitere, neteckus gehöret. Man niacht mit diesem Worte verschiedene Zusammensetzungen, Dinge zu bezeichnen, welche enuveder erst seit kurzen da sind, oder seit kurzen bekannt geworden, oder auch, welche später rnkstande» .oder bekannt geworden, als ein anderes von eben derselben Art. Die bekanntesten derselben kommen in folgenden vor. Nur wenn es das bitss-e Nebenwort neu ist, und weder eine Ellipse noch eine Figur Star: findet, (v emhält man sich der Znsammenzwhung mit mehr rin Rechte, als man sich derselben bedienet. Neri geboren, neu gebackenes Brot, neu geworbene Soldaten, neu gekleidet, für neugeboren u. s. s. - Nruvaccen, ucij. ne!v. :m gemeinen Leben sü. neu gebacken, oder frisch gebacken , im Gegensätze des altbacken oder alt gebacken. Neubackenes Brok, neu gebackenes, frisches. Jn- gleichen figüei.ick> nu verächtlichen Verstände. Ein neubackener oder neu gebackener Edelmann, welcher erst vor kurzen zu dieser Würbe erhoben worden. Däu. npbagct. Die Neubegieköe, zuweilen, obgleich seltener, auch dicNeubegier, plur. rnnl. die Big'.erde, der merkliche Grad de» Berlangeris, etwas Neues, d. i. Unbekanntes zu erfahren, r. In weiterer Bedeutung, ohireBesiimMnug dcrRech-mäßigkeit odcrUurechtmäßig- keit dieses Verlangens, das Französische Luriofltät auszudrucken. Ich frage bloß aus Neubegierde. Befriedigen sie meire Neu- bexicrde. Indessen tst doch nicht zu läugnen, daß diesem Worte allemahl ein härterer Nebenl". griff aicklebct, als das ausländische Kuriosität hat, welcher von dem Nebenbegrissc des Wortes neu herriibret, (S. den zweyten Fall der folgenden Bedeutung.) Daher man in diesem unschuldigenVerstandc auch liebcrWißbegic-de und wißbegierig gebraucht. 2. In engerer Bedeutung. ») Das Verlange», eine nützliche ililbekanttteWahrheit zu wissen; welches doch am häufigsten dw Wißbegierde, die edle W ßbegierde genannt wird. 2) Am häufigsten, die Neigung, unbekannte Dinge bloß um ihrer Neuigkeit willen, bloß um des sinnlichen Vergnügens an Veränderungen willen, zu wissen, da sie denn mir der Neugier oder Neugierde einerlei) ist, obgleich d» se eigentlich einen stärker»: Grad des Verlangens ausdruckt, als Neubeg,vrde. S. Neugier. Neubeyieriy, —er, —ste, nci/. et. uclv. Sreubcgierde habend uud darin gegründet, so wir dieses Hauptwort. Der 477 Ne« Neu 478 Dcr Ncubekehrte,dkS—n, xlur. dir—n, Fami». d,-Um- bekehrt-, eine Person, welche erst vor kurzen bekehret worden, und in weiterer Bedeutung,welche sich erst vor kurzen zu einer bessern Religion gewandt hat; ein proselyt, bep einigen auch ein Neugläuviger. , . Der Neubrüch/des — es, plur. die—hrirche, e.« altes Wort, ein neu ansgebrochcnes Holz, d. i. ein vor kurzen, oder>ch später als eine andere Gegend, ansgerottetes und zu Feld oder Wiesen gemachtes Gehölz; das Neuland, Neugereut, Neurcut, Rodeland, Reutfeld, Rode, der Gtockraum, das Geräumte. Noval-Ackerwon dem mittlernLat. Novule. „Neubruch undNeu- ^gereurh werden genennrt diejenige Grunndt, allda zuvor we- ^der Furch, Strang nochGeaffler gesehen,auch nie war angebauet ,,worden. Die Ausbruch aber eine Grunndt, welche vordere zwar angebauet gewesen, aber kurz oder lang hernach in einem und ^andernBau verkehret worden." Leopoldi Satz und Ordnung im Erzberz. Österreich. Daher der Neubruchszehent, oder Noval- Zehent, der von solchen Neubrüchen entrichtet wird. 4. Das Neue, ein Neues, S. das folgende. . . , 2 .. Dre Neue, xlur. inus. oder ein Neues, plur. rnul. ein nur bey den Jägern übliches Wort, welches tlieils den Than und neblige Witterung, besonders des Morgens, rheils aber und am häufigsten auch den Schnee bedenket. Ern gemachtes Neues, em frisch gefallenerSchnee, dagegen ein ausgehender oder auschauen: denSchnee eine ^albneüe genannt wird. Es scheinet, daß dieses Wort von neu, vovus, gänzlich verschieden ist, und noch das Stammwort desWortesGchnee aufbehalten hat,ävelcheS verniit- Lelst des Zischlautes daraus gebildet worden ; zumal! da ander? Sprachen diesen Zischlaut auch nicht haben, wie das Lat. Ä!X, das alte Franz. Noik,^ois, das neuere Franz. ^-i^echasLotha- xingische Ü4ncj^e, dioAs. Im Mittlern Lat. ist bey dem Petronins ldHuLtu, ein jedes aus der Luft fallendes Was,er. Es müßte denn seyn, daß beyde Wörter in der Bedeutung desHcl- Lcn, Glänzenden, mir einander überein kämen. Im Mittlern Lat. ist uibuiälus (eigentlich vlvulatus) glänzend. S. Schnee. Neuen, verb. reZ. act. welches, so wie das Jntenstvum oder Frcquentativnm neuern,nur in den Znsammensetzungen erneuen, erneuern, verneuen, verneuern üblich ist,für wieder neu machen. Doch gebraucht mamdas Zeitwort neuen in der Bienenzucht, wo die Bienen neuen, wenn sie anfangen an dem Werke zu arbeiten. Neuerlich, scij. et a6v. neulich, vor kurzen, ingleicheu neu, so wohl als ein Bey- als auch als ein Nebenwort; doch nur am häu- figstcnim Oberdeutschen. Ich habe ihn erst neuerlich gesehen, erst neulich. Seine neuerlich angenommenen Lehren. Als ein Beywort, in neuerlichen Zeiten, ist es im Hochdeutschen noch seltener. Niederst nuur, iiZ Hannöv. nuus; nunr Dages, vov ivenk^Tagen, nurrr Abends, neulich des Abends. S.Nur. Die Neuerung, xlur-. die—-en, die Veränderung in dem bisherigen Herkommen, eine neue Gewohnheit, ein neuer Gebrauch, doch am häufigsten in engerer Bedeutung, eine vorher nicht da gewesene Sache zu bezeichnen, welche jemand, bloß weil sie etwas Neues ist, eirrfuhrenwill. So nennt man neue Auflagen , neue Anstalten,nene Verordnungen im gehässigen Verstände Neuerungen. Allörlep Nenerrmgen aufbringen. Neuerungen m der , Lehre, m der Rechtschreibung u. s. f. Neuerungen anfangen. Daher dieNouerungsbegierde, die Neuerungssucht, d. i. unge- ordileteBegierde nachNenerungen,d. i. nach neuenGewohnheiten, Lehren, Gebräuchen u. s. s. bloß um ihrrr Nettigkeit willen. Es scheinet nicht, daß dieses Wort den nachtheiligen Nebenbegriff von je her bev sich gehabt dar, denuFcisch hat es irgendwo anch von der Erneuerung ciaerObligatioir-efundell.Das mittlereLat ^ovitns ttttdFranz.i^ouveLute find mit eben diesem Nebenbegriffe üblich. Der NsufLrrser, öes-s, plür. M °c>m. kvZ. im Bergbau-, so wohl derjenige, welcher einen Gang zuerst gefunden und ausgenommen hat, als auch derjenige, welcher die letzten Maßen ^ge- mnthet hat; wo es nach einer verderbten Aussprache für Neufinder z« stehen scheinet. - . Neufürstlich, a6j. et aäv. den neuen Fürsten gehörig, m ihrer Würde gegründet, S. Altfürstlich. Der Neugänyer, des-s, xlur.ut vom. 6v§. rm Berg« baue, derjenige, welcher einen neuen Gang entblößet und ergangen hat. Neugebacken, S. Neubacken. . , ^ - Neugeboren, bester neu geboren, aäs. et a6v. erst vor kurzen geboren. Ein neu gebornes Bind. Der neugeboxne Bönig ^ der Juden, Match. 2 , 1 . Ich bin wie neu geboren, empfinde neue Kräfte, neuen Much, neue Munterkeit. Bey dem Ottfried niuui bornvar. . Das Neuyereut, des—es, xlur. die—e, S. Neubruch mw Reltten. . - - Die Neuaier, oder Neuyierde, xlur. mus. dre Gier oder Be. gierde etwas Neues, d. i. eine neue uns bisher unbekannte Sachs z,r erfahren, wo es von einiaen , obgleich nicht mit dem besten Er- folge, für Neubegrerde und Wißbegierde in weiterer Bedeutung gebraucht wird. Am häufigsten .st cs im enger» und nachthell,gen Verstände üblich, und da istes die merkliche Begierde, eine unS unbekannte Sache bloß nm ihrer Neuigkeit, oder aus sinnlichem Bergungen an Versicherungen zu wissen. Die Neugier plagt chn. Jemandes Neugierfi-llen, befriedigen. Aus bloßer Neugierde nach etwas fragen. Gier und Begierde sind zwar sonst den Graden nach verschieden; allein in Neugier oder N »gierde und Neubegier oder Neubegierde wird dieser Unterschied, der über dieff in der Partikel be keinen Grund hat, weil sonst Neubegierde einen stärker» Grad bezeichnen müßte, nur selten beobachtet. In Boxhorns Glossen heißt die Nengier ssvrsxilt, von forschen, rm Niederl, aber NiMheid. . ^ Neuorcritt- - er, - ste,3äj. -t acr^. Neugier habend, besitzend, und in^erselben gegründet, besonders in der engern Bcdnttuug e es Hauptwortes. JmNieders. niisgirig, nijpligtern, in Mohorns Len und Erkenntnisse bloß um ihcerNeuizre: .. sinnlichem Vergnügen an Veränderungen zu bestelßrgen, wofür doch auch Neugier nnd Neugierde üblich find. Die NeuheSxlur. die-en, welches in doppelter Gestalt übl-ch ist. . r. Als ein Abstracttim nnd ohne Plural, e er Z iftam^^ Eigenschaft eines Dinges, nach welcher es »en -fi. ch In Josicht seinesDäftsns; in welchemVerfiande.es doch nnr s^rc» vorkommr. Noch häufiger 2) in Absicht unftrecEmpfindnng oder Erremttmf, mit demNebenbegrrffe des Ungewohntem Dre Nnchett LerSache. Gegenstände, die wegen rhrer Nelcheit etwas Auffallendes a» fich haben. Diese Empfindungen hatten, flwmrch den Re.tz der Neuheit. 2. Als ein Loncremm, eine neue bisher noch Nicht erfahrne oder erkannte Sacke; wofür doch Neuigkeit üblicher ist. Die Neuheiten lieben, neue Nachrichten, neue VerLnderuumn, wo es zuweilen im gelinder» Verstände für Neuerung gebraucht wird, weites den unangenehmenNebenbegclffnicht hak. E-'fr erst in den neuern Zeiten eingefübret worden, um ernen anständiger» Ausdruck so wohl für Neuigkeit, als auch für Neuerung zu D^NsmFkeiL, plur. die-en, welches gleichfalls aufdoppelte Art gebraucht wird. '.Als einAbftractum undohne Purral, ow Eigenschaft eiyes Dinges, nach welcher es neu ist. r) 3-'Al i « / Neu 479 «ufdrsscn Dascytt; in welchem Verstände es doch nur in den gemeinen Sprechanen zuweilen vorkommt. 2 ) I« Absicht auf unsere Empfindung oder Erkenntniß. Die Neuigkeit einer Nachricht, einer Empfindung, eines Gedankens u. s s. wofür jetzt in der anständiger» Sprechart Neuheit üblicher ist. 2 . Als ein Concre- ruw, eine neue Veränderung ; als ein glimpflicher Ausdruck für das härtere Neuerung, Noch häufiger aber in Al ficht der Er- kenlttttiß, ohne doch die Neuheit desDafesns ausznfchließen Nach Neuigkeiten begierig seyn, nach Nachrichten von »cueuLegeben- hciten. Eine wichtige Neuigkeit erzählen, saben sie keine Neuigkeiten? nichts Neues? Das Neufahr, des — es, plur. car. ein aus das neue Jahr zusammen gezogenes Wort, welches ohne Artikel gebraucht wird, den Anfang eines neuen Jahres zu bezeichnen. Es wird ba.d Neujahr sepn. wir kommen aufNenjahr. Wenn Neujahr vorbey ist. Nach Neujahr. Noch häufiger ist cs in deuZwäm- meiisetzuttgeu der Neujahrstag, das Neujahrsfest, das Neu- jahrsgcschenk, dieNeujahrsmeffe u, s.f. Der große Neujahrs- rag ist ein Nähme, welchen auch zpohl das Fest der Erscheinung Christi oder der heil, drey Könige bekommt. Das Neuland, des — es, plur. die — länder, S. Neubruch. Neulich, ach. etaclv. vor kurzen,iilgleichen waspor kurzen gewesen ist, oder geschehen ist, doch alle Mahl nur in Absicht auf den Redenden. Er isterstnenlich wieder gekommen. Ich habe ihn erst neulich gesehen. Neulich, als ich mir es am wenigsten vcrmuthete, fand ich es. Als ein Beywort kommt es in der an- ständigen Schreibart seltener vor, ob es gleich in dies, r Gestalt im gemeinen Leben nicht selten ist. Euer neuliches Schreiben. Die neuliche Begebenheit. Anm. Bey dem Ollfried niuenss, nuuuiu, im Schwabensp. viuuecli^, im Rieders, nijlik, welches aber auch neugierig, lüstern, ingleichen ungewöhnlich, seltsam bedeutet, im H End. vieuu'e1iok,im Däu. nplig, im Lat. nupsr, welches seiner ersten Selbe nach damit verwandt ist. Der Neulinu, des — es p-ue. die—e. i) Eine Person, welche in einer Sache noch neu, d. r.unerfahren -st, weit ste sich »och nicht lauge mit derselben beschäftiget Hac, wo eS vvn beyden Geschlechtern, so wie alle Wörter auf—ling, gebraucht wird. Ein Bischof soll nicht seyn ein Neuling, r Turlvth. Z, 6. d. i. ein Neubekehrter, r-eo-pvT-o- Denn er ist kein Neuling in Rennt- niß dev Schönhe-r , Weise. 2 ) Eine Person, welche Neileruil- gcn liebt und zu machen sucht; in welchem Verstaube man es doch um der Zweydeutigkeit mit der vorigen Bedeutung willen vermeiden sollte. Neumodisch, —er, -—te, a6j. et ackv. im gemeinen Lebe», der neuen Mode gemäß, in derselben gegründet^ wofür auch wohl nur das einfache modisch üblich ist. Neumodische Rleider. Der Neumond, des — es, plur. die —e, derjenige Zustand des Mondes, da er neu ist, d. i. wenn er zu der Sonne-kommt, und daher die dunkle Seite gegen in,S gerichtet Hai, und die Zeit, wenn solches geschiehet. wir haben Neumond, von einem Neumond bis zum andern. Ich bin feind euren Neumonden', Es. r, '3, den alsdann vorgeuommencu gottesdienstlichen Verrichtungen. Im gemeinen Leben auch nur das Neue, das neue Licht, iLchwed. ü>I/,Däll. Nyet,Lat. ^oviluuium, ^oxillu- lN8, !ni-l lut, i u m. Der neue Nond oder Neumond wird dem alten Nande oder Vollmonde entgegen geschet, weil der Mond, wenn er neu gewesen ist, znzunehmeir aufäugt. Neun, ein -Grundzahl, welche sich zwischen acht und zehen in der Mitte befindet, und jederzeü unverändert bleibt, wenn sic das Hau"lwc>rt be» sich hat. Die nenn Nnscn. Neun Tch^e. St--- het sic über absolute, so har sie in der zwepten Endung', welche Neu 480 doch selten vorkommt, neuner, und in der dritten neunen. Eine Zahl von neunen. Einer aus nennen. Wenn neun die Zahl der Stunde nach der Uhr ist, so pstegt mau es auch wohl unverändert zu tasten. Ich kann vor neun nicht kommen, oder vor neunen. Anm. Dieses Zahlwort findet sich so wiedie meisten übrigen in allen Europäischen und vielen auswärtigen Sprachen wieder. In den Salischen Gesetzen lautet cS nuensl,bey demKcro rnunchm Niedcrs. negen, bey den Friesen niughen, im Angels. nigon, niZen, im Engl, niris, im Dän. ni, im Schweb, vio, im Island. um, bey dem Ulphilas niuu, im Wallis, uavv, im alt. Preuss. nerv^mchmPers. nu, imLat. novsm, imGriech. Neunautze, plor. die—n, die mittlere Art Lampreten der Grösse nach, welche sich in denFlüsscn Nieder-Dentschlairdes aufhält, und wenn sie eingemacht ist, in Obersachsen und Oberdeutsch- land den Nahmen der Bricke bekommt; ?etrom vron Lluvia- tüi3 1^.Dieser^isch hat denNahmen voll seinen siebcnLuftlöchern an i. er Seite, welche den Augen gleichen, und mit seinen wahren Augen ihrer neun machen. JmNicders. gleichfalls Negenoge, im Dän. Negenope, im Schwed. NsjnÖZOn.im Pohln. eXinoZ, im Böhm, i)le^uok/. In derSchweiz gibt cs eine ArteßbarerFlnss- stsche, welche gleichfalls Nennauge genannt wird, und vielleicht auch eine Art Lampreten ist. Eigentlich und der Analogie nach solltedieses Wort ungewissen Geschlechtes scyu, weil Auge dieses Geschlecht hat, das Neunauge; allein der Gebrauch hat hier ein anderes beliebt. Der Neunbatznev, des —>s, plur. ul vorn. 6nZ. in einigen Oberdeutschen Gegenden, eine Münze von nenn Batzen. Die Neune, plur. die—n, die Zahlfignr, welche die Zahl neun bezeichnet; der Neimer. Eine Römische Neune. Alle Neunen hinaus werfen. Auf eben diese Art sagt man die Achte, die viere, die 5ünfe u. s. s. Der Neuner, des—L, plur. utoom.lioZ. eine Zahl von nennen, eine Zafil von nenn Einheiten als ein Ganzes betrachtet, oder ein aus neun Einheiten bestehendes Ganzes. Daher sind die Neuner in Hessen eine Art Landmünze, welche ncimPfennige gilt, und auch Weißpfcnnige und leichte Groschen genannt werden. Auch di-Neune, d. i. die Zahlfigur neun, wird m der Rechenkunst oft ein Neunergenanttt, (S. Neunerprobe.) Ingleichen eines von einem aus neun Einheiten bestehenden Ganzen. So sind zu Frankfurt gm Main die bürgerlichen Neuner ein Collegium voll neun Personen, welche die Rechnungen des Raches dnrchsehen,uild verschiedenes bey der Stadt-Ökonomie zu besorgen haben. Nrunerbefp, aclj. inciec!. st acl v. von neun verschiedenen Arten und Beschaffenheiten. Neuneriep Samen. Im gemeinen Leben wird eiile gewisse Arzeney, deren vornehmsterBestandthcilOpium ist und die Kinder schlafen macht, keyenes Nicolai, nenncrlcp Lust genannt. In andern Gegenden heisst sie allcrley Lust, in- gleicheu l^inderruhe. Sie ist von dem Rinderpulver und Ruhcpulver, welches zu eben derselben Absicht dienet, noch verschieden. Die Neunerprobe, xlur. die —n, in der Rechenkunst, eine Probe einer berechneten Post, nach welcher man in den summirten Zahlen »rnd in der Summe gleich vieleNeuner wegwirst, und waS übrig bleibt, mit einander vergleicht. Neunfach, et acl v. welches ein vermehrendes Zahlwort ist, neun Mahl genommen. Oer Zeug liegt neunfach. Er soll es neun fach ersetzen. Ncuiifältig kommt im Hochdeutschen wenig mehr vor. Neunheik, des—es, piur. inusi. ein Nähme, welchen im gemeinen Leben einiger Gegenden der Bärlappen führet, S. dieses Wort. Neunhundert, 48 r Neu Nich 452 Neunhundert, richtiger gklhrilt neun hundert, s6). et L6v. welches cineGrundzahlist, hundert neunMahl genommen. Neun- hnudertIahre. Bey dem Oufried niuniiuot. S.äundert. NemrhrmdeLtsie, ackj. welches die Or dnungszahl der vorigen ist. Neunjährig, no!j.6t a.i v. neun Jthre alt, neun Jahre dauernd. Ein neunjähriges Pferd. Jahng. ^ Neunmahb, richtiger gecheilt neun M rhl, (2. Mahl.) no v. zu neun verschiedenen Mahlen. Ich h be cs schon neun Mahl gesagt. Neun Mahl zehn ist neunzig. Neunmal)liy, u6j. was zu neun Mahlen g-schiehet. Ern neun- mahliges verbotst. ^ ^ ^ Der Neunmorder, des-s,plur. ut üom.livZ. S. Nenn- tödter. ^ . D^r Neunstrahl / des -- es , piur. die -- e, m rer Naturgeschichte , eine Art mit iMm Strahlen versehener aufgcr-tzter Seesterne; LunLüLtis. NeuntättM, u6i.et.Lc!-/. was neunTage dauert oder gedauert hat^ Eine neuntägige Äranksteit. Neunte, u6j. welches die Ordnungszahl von neun rst. Der nennte Tag. Es istheute das neunte Jahr. Ich sage es lchon zum neunten Mahle. Bey dem Kero uiunto, bey dem Ottftied noua» Niederstnegende, Airgelst MLoMü. Das Neuntel, des — s, plur. ut norm linZ. der neunte Thcrl . eines Ganzen, für Nermcheil. Ein Neuntel eines Zentners. Neunthalh, uclj. inäesl. acht und ein halbes. Nennthalb Wochen. Nermehalb Thaler. S. Halb. Neuntherltg, uäj. et. aäv. aus neun Theilen bestehend. Der Neuntööter, des — s, plur. ut uom. eine im gemeinen Leben üblich'Benennung eines kleinen Raubvogels, welchen Kleinzuden Falken rechnet, von welchen er alsdann dis kleinste Art ist; Lenins l-. kalco minimus L/s/m Er hat einen fast geraden Schnabel mit nackter Wurzel, ist weiß, braun , und schwarz gescheckt von Farbe, und stößt-M auf kleine und junge Vögel und Jnsectcn. Er wird auch Neunmörder, (Niedersächs. Negenmörder) Dornreich, Dornkveul, Dorndrcher (S. dieses Worr,) Bergälster, Nruck'ä'lster, Würger, Würgengel, im Hannöv. Rabraker u.st f. genannt. Es gibt verschiedene Arten dieses Vogels, wohin man im gemeinen Leben auch den Meiscnko- nig oder Mönch rechnet. Die meisten der jetzt angeführten Nahmen hat dieser Vogel wegen seiner Raub- undBlutgierde erhalten. In einigen Gegenden werden auch die Hornissen Neunmörder genannt, weil man glaubt, daß ihrer neun ein Pferd tobte« können. Neunzehen, zusammen gezogen neunzehn, eine unabänderliche Hanptzahl für nenn und zehen. Neunzehn Groschen, Tage, Jahre. Es waren ihrer neunzehen. Im Dän. nittcn, im Schwed, mttou. Der Neunzshente, zusammen gezogen neunzehnte, Lvj.die^Ord- nungszahl der vorigen. Es gehet in das ncunzeheNte Jahr. Wirstaben heute den neunzehnten, d. i. Monathstag. Neunzig, Läj. iuckecl. et aä v. welches eine Hauptzahl ist, neun zeüen Mahl, oder zehen nenn Mahl genommen. Neunzig Jahre. Einer von den neunzigen. Bey dem Kero mun 2 oZo, im ^Niederst negent-g, Angelst ftunäuiZonriZ, Schwed, nittio, Pees. rvÄuelcl. Der NvrmziIer des—D, plur. ut Nttm. flnA. I) Ein ans neunzig Eiichl itrn bestehendes Ganzes. So ist im Pickcrspiele ein Neunziger oderMepick, wenn jemand aus der Hand, d. j. ohne auszuspiclen iiriulzig zählet, zum Unterschiede von einem Sechziger oder PiF. Eben so pflegt man auch eine männliche Person, welche neunzig Jahre alt ist, einen Neunziger'und eine solche weibliche Person eine Neunzigcrinn zu nennen. So auch ein Achtnndnewniger, Sechsun-neunzigepy.s.s. 2 ) Was r6§o Adel.W,Ä. Z.Th. "-.Aust. gcbauetoder verfertiget ist. Ein Neunziger, ein Achtundneun- ziger, ein Wein von 1690 , von 1698 . Neunzigste, ach', die Ordnungszahl der vorigen. Der neunzigste Theil. B.y dem Kero viunreZoliin. Dcr Neupfünner, des —s, plur. ut nom. lio§. in den Salzkochen, ein Salzstiick, welches in einer neuen Pfanne gesotten worden, und daher unreiner ist, als anderes Salz. Das Neureuth, des — es, plur. die — c- S. Nerrbruch. Die Neustadt, plur. die —ftadre, S. Altstadt. Neutestamentlich, aclj. et uckv. was das neue Testament betrifft, in demselben gegründet ist; im Gegensätze des alttestamentlich. Das ncnteftamentliche Priesterthum. NeuttÄ, —er,—> sie,, ach. et uckv. aus dem spätern Lat. veu- truiis, keiner Pärtey zugethan; unpartepisch. Neutra! sepn. Neutrale Mächte, im Kriege, welche keine von den kriegführenden Mächten mitRathvderThat unterstützen ; in welchem Falle sich das Wort unpartepisch nicht gebrauchen läßt, weil esmrehr sagt, als man durch neutral ausdrucken will. Daher die Neutralität, plur. ivul. Die genaueste Neutralität beobachten. 1. Der Nicht, des — cs, plur. doch nur von mchrern Arten, die—-e, ein nur in dem Hüttenbaue übliches Wort, ein ganz weißes, feines und mehliges Product zu bezeichnen, welches bey dem Schmelzen des Zinkes in Gestalt weißer Flocken in die Höhe steigt, und auch Zinkblumen, Almep, Augennicht, weil er gut für die Augen styn soll, weißnicht, äüttennicht, Galmepflug, Galmepblumen genannt wird. Der graue Nicht, Graunichc oder Pompholpx ist ein ähnliches Product, welches hellgrau, mchr so fest und leichter ist. Die Tucia ist gleichfalls grau, aberschwer und dicht. Beybc steigen bey dem Schmelzen des Zinkes und Gal» meyes in die L>öhe, dagegen die dem weißen Nichte sehr ähnliche Zinkasche von dem Verbrennen zurück bleibt. Anm. Der Griechische Nähme ist Ouock^ti.-;, aus welchem, dem Frflch zu Folge, der Deutsche vermittelst einer Verkürzung gebildet ftyn soll. Wenn man dieses Pcoduet im Lat. ldlitiilumc nennet, so ist es ohne Zweifel aus Mißdeutung des Deutschen Nahmen-geschehen. . , 2 . Nicht, ein Hauptwort, welches mit der folgenden Verneinung Eines Ursprunges ist, aber nur noch in Gestalt eines Ncbeirworres ohne Artikel und mit den Vorwörtern zu und mit gebraucht wird. Zu nicht oder zu nichte wird nur mit dem Zeitworte machen Ze. braucht. Etwaschi nichtemachen, so wohl es nukräftig, ungültig, als auch unbrauchbar machen, verderben; doch beydes, besonders aber das letzte, nur in der vertraulichen Sprechart und im gemeinen Leben.' Jemandes Anschläge, Entwürfe zu nichts machen, sie vernichten, rückgängig, unkräftig machen. Etwas zu nichte machen, es verderben^ unbrauchbar machen. Mit Nichten wird als eine stacke Verneinung für keines Weges gebraucht. Mit nichten, sondern er soll Johannes heißen, Luc. r, 60 . Du Bethlehem —bist mit nichten die kleineste unter den ZÜrsten Juda, Matth. 2,6. Anm. Nicht hat in diesen Fällen seine ursprüngliche Gestalt eenes Hauptwortes, indem cs ans der alten Verneinung ni und Wicht, ein Ding, ein Etwas, zusammen gefttzer ist, noch einiger Maßen erhalten. Im Theuerdanke, wo die Verneinung mit nichten oft vorkommt, lautet sie bald mit nicht, bald mit nichte, bald auch nur nichten ohne Vorwort. Tewrdannk der gedacht im nichten arge, Kap. 43 . Noch lies er mit nichten darvan, Kap. 6z. Go sept ir mit nicht ein tuglichcr man, Kap. 74» S. vernichten und Nichtig. Z. Nicht, das verneinende Nebenwort, welches gebraucht wirb, wenn mau im,Zusammenhänge der Rede, oder mit ganzen Sätzen H h ' etwas / 48Z - Aich -etwas verneinet, örgegen nein eine cinsylbige'Verneinung airf - -eure vorher gegangene Frage oder Bitte ist. ». 'Eigentlich, wo es aufdiejetzt gedachte Art im Zusammen- hange der Redeverneinet. Als ein Nebcmvort stehet es zunächst '^bey Zeitwörtern, eine thätige sder leidende Handlung zu vernchncn. Ich sehe nicht, wir konnten nicht stehen. Aber es verneinet auch Sachen, Eigenschaften und Umstände, und kann daher auch Nennwörter, Fürwörtern, Nebcnwörtern und Vorwörtern zngs-- seller werden. Nicht Männer, sondern Weiber. Nicht Lin Mann. Nicht lang, nicht kurz, nicht breit, nicht gross, nicht sosehr, nicht so viel, nicht von hinten, nicht ans der Mitte, nicht lange hernach. Gar nicht, ganz und gar nicht, durchaus nicht, schlechterdings nicht, im geringsten oder im mindesten nicht, nicht im geringsten, nicht im Mindesten, sind -verstärkte Verneinungen. Er istgar nicht einfältig. Ich will durchaus nicht. Ju.der einfachen erzählenden und wünschenden Ordnung der Wörter stehet nicht fo wie ein anderes Nebenwort hinter dein Zeitworts, und in einer,zusammen gefetzten Zeit, oder wenn ein Zeittvorc das andere regieret, zwischen Heyden Zeitwörtern. Ich Ziaubte cs nicht. Man laugnere es nicht. Ich Zweifele nicht daran. Ich wollte ihn nicht erzürnen. Sie sind noch nicht da. - Es karmNichtsein. Er sollte uns trennen, nicht verwinden. Der Himmel wolle es nicht l In, der befehlenden und bittenden Construction stehet die Verneinung hinter dem Imperativ, und wenn derselbe einen Casum regieret, auch hinter diesem. Lache nicht. Thun sie es nicht. Glaube deinem Freunde nicht. In der fragenden und verbindenden Wortfügung nimmt es die'Stelle ein, welche einem jeden andern Ncbemvorte gebühret. Rommt er nicht ? Warum gehst du nicht hinein,? Wenn es jetzt nicht geschehet, so geschehet es nie. Wenn ein Zeitwort das andere regieret, so entstehet oft eine Zweideutigkeit, indem die Verneinung so wohl aufdas erste, als üufdas andere Zeitwort gezogen werdenkann. Erlaube chm nicht Hu spielen, kan« bedeuten: erlaube ihm, nicht zu spielen, und, erlaube ihm nicht, zu spielen. Durch das Ultterscheidmlgszer-> cheu kann mau zwar Vorbeugen, es ist aber doch besser, man drucke sich anders aus. Da das nicht nicht bloß Handlungen, sondern auch Zustande, Eigenschaften und Umstände verneinet, und cs sich oft z u trag t, daß außer der Verneinung »och andere Nebemvsrter da sind, so kommt viel daraus an, daß das nicht gerade zu demjenigen Nedetheile gesetzt werde, welchen man verneinen, will, weil sonst der Verstand verändert wird. Ich sehe ihn oft nicht, und ich sehe ihn nicht oft, sind sehr verschieden. Aus Ruhmsucht ward ihm nicht des Wjirgens Arbeit sauer, Karschinrr. Die Vecfasserinn hättvsirgen sollen, ward ihm—nichtsatter. Wenn jemand viel nicht isst, wenn jemand viel nicht weiss. Dusch, ist ganz etwas andres, als nicht viel isst und nicht viel weiss. Aichinger führet >wch folgendes Beyspiel an, welches einen vierfachen Sinn leidet, je nachdemdie Verneinung gestellt wird: Ich kann es nicht gar wohl thun, vix mini I iccl ick Lacerc ; ich kann es gar nicht wohlthnn, ackuavckurn ckickäLilc ruckcki eck Lactu ; ich kann es gar wohl nichtthnn, prvclive rnifli eck, ick non iacsre; und, ich kann es wohl gar nicht thun, uticzus rnrckt licet, ick non sacere. So auch, ich mochte es nicht gap gern haben, und andere R. A. Mehr. Dagegen in manchen Fällen die Stelle gleichgültig ist. Er ist so einfältig nicht, rmd, ex ist r«ichr so einfältig. Mehr nicht und nicht mehr. Ruch 484 Die Inversion weiset dieser Verneinung oft einoandere Stelle an, als ihr ordentlicher Weise zukow.r'nt. Hier trinkt nicht mächtig Unrecht des Schwachen Bluk und Schweiß, Dusch, für, hier trinkt mächtig Unrecht nich? u. s. s. Auch nicht die Armurh selbst sollte mich aöhalten , redlich zu handeln, cbend. Nicht der Reichthum ist cs, was ich bedauere, für, der Reich? thum ist es nicht u. s. s. Nicht das Gold, sondern die Tugend adelt. Nicht Wün che Hallen sie auf, nähmlich die Jahre, Zachar. Nicht jede Handlung der-Geele ist unmittelbar eine Folge der Besinnung, Herb. Nur mn einem Imperativ thut diese Inversion eine widrige Werbung, Nicht frage zwar zu sehr, was der und jener rhuk« Opitz. Im Oberdeutschen pflegt mattes, wenn zwey Zeitwörter zusam« mcu gehören, um des Nachdruckes willen, gern unmittelbar vor dem letzte» zu setzen. Die furgcdaucrtc Hoffnung ist in die Er^ füllung nicht gegangen. Wenn m zwey oder mehr auf einander folgenden Sätzen das nicht wiedcrhohlct werden sollte, so kann man das zweyle und die folgenden Mahle auch noch setzett. Ich will dich nicht verlassen, noch versäumen, für, und nicht vexsäumxn. Es hat nicht , geregnet noch geschneyet. In welchen Fällen doch statt des ersten nicht sichtiger weder gesetzt wird. S. Noch. ' Oft beziehet sich die Verneinung aufein vorher gegangenes oder ^ ausgelassenes Wort. Bald sieht mans, bald- aber auch nicht. Er, komme nun, odcrnrcht. Gehe hin, wo nicht, (wo du nicht gehest,) so werde ich gehen. Nicht doch, bleiben fie hier! Nicht so meine Rinder! Nicht so böse, mein lieber Peter,Weiße. Ich gab es , nicht als wenn cs meine Schuldigkeit gewesen wäre, sondern u. s. s. Er rhat rs, nicht zwar aus Edel, muth, sondern aus Eigennutz. Nicht wahr (für, isis nicht wahr ?) sie haben es gehöret ? Nach dem Zeitworte fürchten, nachdem Muster der Lateiner, noch ein nicht einzusihiebeu, ist nicht nur wider die Analogie der Deutschen Sprache, sondern kann auch in manchen Fällen einen unangenehmen Doppelsinn machen, (S. Fürchten -« 2 ). Nach dem Nebenworte mehr fiaim es zuweilen durch deuRachdruck entschlil» digct werden, wenn der Nachsatz einigs Länge hat. Alte Leute sagen oft mit einem kvorte mehr, als die Jugend in einem Jahre nicht fassen kann, Gell. Bey einem kurzen Nachsatze würde es widrig klingen. Das ist mehr, «Is ich nicht verlange; besser, als ich verlange. Inden gemeinen Sprrcharten, besondersOberdeutschlandes, ist es sehr gewöhnlich, die Verneinung um des Nachdruckes willen . zu verdoppeln, nach dem Muster des Griech. sv kt.q, und Franz. Q6PN8; nichts nicht, keiner nicht, niemand nicht, für das einfache nichts, keiner und niemand. In der anständigen Schreibart klingt solches überaus widrig; indessen höret und liefet man es doch oft. Schön Ottfried und Notker gebrauchen nieckl osi, und bey dem Opitz ist diese doppelte Verneinung sehr häufig. Habt ihr nichts eignes nicht ? Opitz. Rein (prt gefiel mir besser nicht, ebend. Es ist in ihm kein Geist nicht iflehr, ebend. Selbst Gellert sagt an einem Orte : Reine andere Gefälligkeit habe ich ihm nicht erzeigt, für eine. S. Rein. Dahin gehören aber zwep Fälle nicht, wo die doppelteVerriei« nung nicht nur völlig untadelhaft ist, sondern auch nach dem Vorgänge der Lateiner hejahet. i) Wenn die Verneinung in den Partikeln un— miss — ab — u. s. s. steckt. Ich sehe ihn nicht ungern. Es ist mir nicht mißlungen. Sie ist ihm nicht abgeneigt. Welche Ausdrücke zwar wirklich bejahen, aber doch schipäcbermid germger, al- wenn man sagte § ich sehe ihn Zern , cs ist mir gelungen, 48L Mich gelungen, sie ist ihm geneigt. «) Wenn die Verneinungen i» zwcy Sätzen oder Commatibns auf einander folgen. Es ist niemand, der ihm nicht alles Gutes wünschte, d. k jedermann wünscht ihm alles Gutes. Mir wird nichts in der Welt zu schwer seyn, das ich nicht für sie wagen wollte, Gell. Nur das als läßt sich auf diese Art nicht ohne Mißklana ersetzen.Er wird sich ohne dieß nicht Zur Ehe entschließen, bis er nicht eine s hinlängliche Versorgung hat, Gell; Lester: er wird sich nicht eher — als bis er eine u. s. f. Sehr oft aber behalten zwei- solche verneinendcSätze ihre eigentliche verneinende Äcdeutung. Ich hätte es nicht gewußt, wenn man mir es nicht gesagt hätte. Ich hatte nichts davon gewußt n. s. f. Es hatte niemand etwas davon gewußt, wenn er es nicht selbst gesagt hatte. Oft wird dieses Wort in Verbindung mit andern Partikeln ge- brancht,ohne eben seine eigentliche verneinendeBedeutung merklich zu'verändern. Es ist nicht anders, cs verhält sich so. Es kann nun einmahl nicht anders seyn, nicht geändert werden. Nicht anders als, gerade so. Er thät nicht anders, als sb er noch Recht Härte.- Ersparen sie mir ein Bckcnnrniß, welches mw nicht anders als schwer ankommen wird, nothwendig schwer ankommen wird. Wo nicht, wenn nicht, daß nicht, damit nicht, machen Arten von Verbindungswörtern. Schrie cs, wo "nicht, so werde ick böse, d. i. wo oder wenn du es nicht thusi. Welche denn auch getrenner werden können. Wenn er nicht kom« men sollte. L>aß (besser damit) es uns künftig an nichts fehle« Besönders das nicht allein — sondern auch, oder nicht nur — sondern auch.» Nicht aflein er, sondern auch wir. Wo gleich, falls oft eine Trennung Statt findet, besonders wenn das allein auf ein Nenu>'oder Fürwort gehet,, nicht er allein, sondern auch wir ; und statt des sondern auch auch zuweilen aridere Pattikeln gebraucht werden können. Gtap ist nicht allein blödsinnig, er iß auch noch boshaft. 2. In manchen Arten von Fragen scheinet das nicht eine bejahende Bedeutung zu haben, oder vielmehr bloß zurEiukleidung der Frage zu dienen. Ists nicht wahr k Warum nicht gar k eine ironische Art der Frage. Besonders, wenn eine Verwunderung, oder ein Ausruf in eineFrage eingckleidetist. wie ruhig wurde ich jetzt nicht cinschlafen, wenn u. s. f. wie schlau ein alter Daufmaun nicht ist! Lest, welche unselige Vertraulichkeit herrscht nicht unter den Lastern ! Gell, wie reitzend wird die Freundschaft nicht, wenn sie sich zugleich auf Natur und Tugend gründet! cbeud. Ach, was für ein vortrefflicher Mann er nicht ist! Ach, wie matt bin ich-mcht k wie gur werden sie nicht mir ihm auskommen! Gell. Wie spielt die schöne Blase'sucht- z Go bunt.am goldnen Sonnenlicht! Weiße» . Wo sich das nicht zuweilen durch doch ersetzen lasset, zuweilen aber? auch völlig wegblcibeu kann, und in der anständigenSchreibartoft wegblcibcn muß. Ach, wie matt bin ich! Amn. Diese Verneinung lautet Hey d'cmMphilas Mikan, Key ^ dem Notker mekt, bep dein Willeram melk, in der Schweiz mit, in den gemeinen Mundarten Ober» und Nieder-Deutsch tan- des nie, oder nich, im Niederst mg, nich , im Angelst mee, rroeki, in Bdxhorrrs Glossen ni»a, im Engl. not, bey den Krai- mrischen ?Denden nekar. Sic scheinet von der alten noch im gemeinen Leben für nein üblichen Verneinung ne, und icht, oder wicht, wicht, etwas, zusammen gefttzet zu seyn. Das einfache ni kommt für nicht noch beständig im Jstdor, bey dem Kreo sind beydem Ottfried vor. Kero gebraucht statt desselben noch eine andere Zusammensetzung valles, ,vo die letzte Hälfte unter all zu sepn scheinet.. Id alles smw, ist Hey ihm mchs allam> Zn Zusammensetzungen -st diese Verneinung nur in eimgenWft leii'ublich. i) Im gemeinen Leben, wo man es hinten an Jmpera- - kivc anzuhängcn pflegt,Personen zu bezeichnen,welche das gewöhnlicher Weise nicht sind, was, das Zeitwort besaget. Er ist rmn Taugenicht, oder Taugenichts, er taugt nichts., .em willnichr, der nremahlS will, ein Geben icht, der nicht gern gibt u. st s. wo - man denn wohl gar ganze R. A. auf diese Art zusammen ziehet z . cmThunichtgut. 2) In der wissenschaftlichen Schreibart, wo man dieses Wart den Jnstmtiren vorznsetzen pflegt, wenn sie als Hauptwörter stehen und den. Gegensatz des Zeitwortes, oder vielmehr nur die Unterlassung der in dem Zeitwartc siegenden Hand - lnng bezeichnen sollen, weil solche Znstnitive nicht mit un— Zusammen gesetzet werden können. Das Wollen und Nichtwollou» Im Falle der Nichtzahlung. Das Nichrchun, Nichtwissen ü-stst. S. einige dieser Wörter im folgenden an ihrem Orte. Die Nichtachtung, xlur. inus. die Unterlassung der Achtungcher Mangelder Achtung, welcher, von derverachrung noch unterschie- den ist. Die Nichte,, p!ur. die—n , Dimirmt. das Nichtchen, Okerd» Nrchtlem, Nichtcl, ein Wort, welches das Fämiuinnm von Neffe ist, des Bruders oder der Schwester Tochter, iugleichen des Sohnes oder der Tochter Tochter zu bezeichnen. Es ist. im Hochdeutschen imder anständigen Schreib- und Sprcchart am üb- lichsteustmDöerdeutschen abecauch ihr gemeinen Leben gangbar. Es stehetsub Nifte, im Dimimrt. Niftel, welches Wort noch nicht . ganz veraltet ist, odeo ist auch mit Neffe und Niste unmittelbar aus nahe gebildet, und kommt mit den: Angelst i^ist inrd Lat. Iste^rtis genau überein. (S. Ni steigernd e und Neffe,) Mit Aus- lassuug des Hauchlautes ist im Schwed, lßich bcy dem lilphilas Düiikja, ein Verwandter überhaupt, im Finuläud. nuocls, per- wandt, und im Wallistschen Ißitii, eine Nichte, alle von nahe. Nichtig, — er, —sie, acij. Stativ. welches von dein veralteten Hauptworte Nicht (S.2.Nich^)abstammet und nur.noch in einigen Fällen üblich ist. r) Keine Kraft- keine Gültigkeit habend. Ein nichtiges versprechen, ein ungültiges. Eine nichtige Ent-: schuldigung. Las sind nichtige Ausflüchte, Etwas null und nichtig machen, völlig uukräftig. Dein Vorsatz mußte nichtig seyn, Dpitz Pst 11 L, 6. 2) Keinen Werth, keine Realität habend, eitel. Nichtige Anschläge. Ein nichtiges Geschwär'tz. . Ein 6ol; muß ja ein nichtiger Göttssdrcnst seyn, Jcrcm. 10, 8. Unsere Väter haben falsche undnichtige Götter gehabt, Kap. r 6, 19. Noch gaffetcn unsere Augen auf die nichtige äiÜft, Klaget. 4,17.'. Ich aber will in nichtigen'versuchen Nicht solcher Mämner thcnre Leben wagen, Schftg. z)- Keine Dauer habend, vergänglich- Der nichtige Leib, Phil. 3,2,. Ach wie nichtig, ach wie fluchtig p.s.s. Die Nichtigkeit- plum inu5» derZustand, die Eigenschaft eines Dinges da es nichtig ist, m allen Bedeutungen dieses Wortes. Die Nichtigkeit eines Vertrages, eines Versprechens , dessen - Ungültigkeit- Nullität. Die Nichtigkeit der guten Werke, des menschlichen Lebens u. st s. Wenn es, wie zuweilen geschehet, als ein Eoncretum von nichtigen Dingen gebraucht wird, so leidet, cs auch den Plural. Nichts, aclv. welches nur allein von Sachen üblich'ist, und,dem - etwas entgegen gesetzet wird, ein Ding zu hezerchmm, welches nicht vorhanden rstl r. Im schärfsten, engsten philosophischen VerstaUde, wo nur dasjenige nichts ist, was nicht nur nicht vorhanden ist, sondern ' auch nicht vorhanden ftvrr kann, nicht möglich sti; issikilum me- -.Aalivum. In diesem Verstände sa^t man, nichts könne nicht er? waswerden, oder aus nichts könne nicht etwas werden. Wo HA.«- - 487 N ich ' es denn auch inGefialt eines Hauptwortes vorkommt, öaeNichks, ein Nichrs. 2. In weiterer und gewöhnlicherer Bedeutung ist nichts nur dasjenige, was nicht vorhanden ist, nicht existiert, aber doch existieren oder wirklich werden kann, folglich möglich ist-, Mtiilurn xrrlvalivum. Besser etwas als nichts. Ich Habenichts. Er Hatte nichts gesehen, nichts gehöret. Ich weiß nichts davon. Durchaus nichts, ganz und gar nichts, schlechterdings nichts. Ls wird nichts aus der Sache, sie kommt nicht zu Stande. Mein Lebenistwie nichts vor dir, Ps. 39,6. Wenn es wen Ler nichts ist. Nichte sollte dich mehr rühren, als dieses. Es ist nichts ander Sache, sie ist ungegnindet; illgleichen, sie hat keinen Werth. Er ist nichts besser, um nichts besser. Gott schuf die Welt aus nichts, er brachte Dinge hervor, welche vorher nicht da waren. Aus nichts wird nichts, wo keine wirkende Ursache vorhanden ist, da kann auch keine Wirkung erfolgen, irr- gleichen, ein nicht vorhandenes Ding kann nicht den Grund wirklicher Dinge enthalten. Mit nichts anfangen, bey seinem Anfänge nichts haben. Er wußte sich mit nichts, als mit seiner guten Absicht zu entschuldigen. Ich weiß von nichts. Zu ^nichts werden, nicht bloß aufhöreu zu seyn, sondern auch allen Theilcn nach aushören zu seyn, vernichtet werden. Wo cs zuweilen auch Beywörtcrn, wenn sie als Hauptwörter stehen, zugesellet werden kann. Es ist nichts Gutes an ihm. Ich mag mit nichts Ungerechten zu thun haben. Noch häufiger wird es als ein unabänderliches Hauptwort gebraucht, ein nicht vorhandenes Ding zu bezeichnen. Das Nichts, ein Nichts. Jiigleichcn den Stand des nicht Daseyns. Falle ich nach dem Tode wieder in mein erstes Nichts zurück:' Ferner das Mögliche, im Gegensätze des Wirklichen, besonders bey den neuen Dichtern. ^ . Befruchtet mit derBraft des wesenreichen Wortes Gebiert das alte Nichts, Hall. Ein Schöpfer, der allmächtig das Nichts gebaren Hieß , Dusch. Nichtsdestoweniger, oder nichts desto minder werden häufig als entgegen setzende Verbindungs-Formeln gebraucht. Im gemeine» Leben ist es sehr gewöhnlich, diesem Adverbio zur Verstärkung der Verneinung das nicht nachschleichen zu lassen, welches sich auch wohl gute Schriftsteller mancher Gegenden zu Schulden kommen lassen. Nichts nicht, für nichts. Habt ihr nichts eignes nicht? Opitz. Um nichts nicht zu gewinnen,Lohenst. wenn der nichts nicht fühlt, ebend. (S. z Nicht 1.) Jndcrrei- ucn Schreibart ist dieses eben so fehlerhaft, als wenn man einem vorher gegangenen verneinenden Worte noch zur Verstärkung das nichts nachschickt. Wird denn nimmermehr nichts aus dir? Raben. z. Figürlich, wo es nach einer sehr gewöhnlichen Vergrößerung häufig für wenig, sehr wenig gebraucht.wird. So sagt man von einem Mensche» im gemeinen Leben, er habe nichts, er könne nichts, er tauge nichts, wenn er wenig Vermögen hat, wenig kann, oder wenig taugt. Da es denn nach einer noch weiter» Figur auch für unerheblich, unwichtig, unvermögend gebraucht wird, wie gar nichts find alle Menschen.' Ps Z9, » 2. Alle Menschen find doch ja nichts, Ps. 62, 10. Der Heiden Götter find lauter nichts / Jerem. rc>, z, haben kein Leben, kein göttliches Wesen. Dasheißt nichts gesagt, nichts das zur Sache dienet. So auch in Gestatt eines Hauptwortes. Ze mehr wir die Unzulänglichkeit oder das Nichts unsrer Brüste einsehen u. s. f. Gell. Jngteichistr, obgleich seltener, von einer unbedeutenden ,' unerheblichen Person. So viele Nichts find durch den Zutigen Einstuß des Goldes zu Etwas geworden. Nick ' 488 Ätim. Z!'. Ifiöorn?onuil,Z nist. bey bem Wisseramrn^uus- ilss, im Schwabenfpiegel und noch jetzt in einigen Oberdeutschen Gegenden nilltrüt, nützit, bey denSchwäbischen Dichtern vuit> n uile, in den gemeinen Hoch- undOberdeutschen'Mundarte» nrsche im Niederst niks, im Angelst norvliit, rrorvil,im Böhm, und Pohln. nie, bey den KrainerischenWenden rras und vsr!i,im Dan. und Schwed. intbl. Es scheinet ans nicht was oder nicht es zusammen gesetzct zu seyn. Ke'ro und Ottfried gebrauchen noch nichtdafür oder vollständiger nach ihrerAusspracheundSchreibart neouuslit, uiauuittt. Manche Sprachlehrer rechnen es zu den Prolwminibus,von welcher!eS doch nicht das mindeste an sich hat.. Düb Nichtsein, des —s, plur. car. in der wissenschaftlichen Schreibart, der Mangel des Daftyns oder des Seyns, im Gegensätze des Scpns oder Dasepns. f Nichtsnutzig, — <>r, — ste, ackj. et a6v. welches nur in der gemeinen Sprcchart üblich und ans der R. A. zu nichts nütze zusammen gezogen ist. Ein nichtsnutziger Mensch, der zu üiichts zu gebrauch«.-» ist, nichts taugt. So auch die Nichtsnutzigkeit. Nichtswüröltz, — er, — ste, ach. et ackv. keine Würde, keinen Werth habend, auch in der anständigen Schreibart. Eine nichts- würdige Sache. Nichtswürdiges Geld. Nichtswürdige Dinge. Hngleichcn keinen moralischenWerth habend. Ein nichts- würdiger Mensch, ein im hohen Grade lasterhafter Mensch.' Gern vermögen an Nichtswürdige verwenden. Die Nrchtswüröl^keit, plur. die—en, die Eigenschaft einer Person oder Sache, ,du sie nichtswürdig ist; ohne Plural. In« gleichen eine nicht-würdige Sache; mit demselben. Das Nrchtwollen, des — s, plur.ear. in der wissenschaftlichen Schreibart, der Mangel des Wollens, die Abwesenheit des Willens ; im Gegensätze des Wollens. Das Nick, S. Genick. Der Nickawitz, S. Nikawitz. 1. Nrck'el, Genit. Nickels, der nur in den niedrigen Sprccharten einiger Gegenden übliche verkürzte männliche Taufnahme Nikolaus, welcher gemeiniglich von , der Sieg, und x-cog, das Volk, abgeleitet wird. Der Nicker, derNikolanS. Andere Mundarten verkürzen diesen Nahmen vorn, da denn Blaus, Claus oder Blas daraus wird. 2. Der Nickel, des — s, plur. doch nur von mehrern Arten oder Orrantitäten, ut nom. 6n^. ein nur im Berg-und Hüttcnbaue üblichesWort, eine arsenikalrsche Erzart zu bezeichnen, welche von einigen für ein eigenes Halbmerall gehalten wird ; be» den neuern , Lat. Nieolum, l^iccalum. Sie ist dem Bobalte sehr ähnlich, außer, daß bey diesem dieAirflosirng in mineralischen Säuren rörh- lich, bey dem Nickel aber grün ist, welche Farbe der Nicket auch in der Verkalkung arrrrimmt, dagegen derKoba.t im Flusse blau > wird. (S. der Brrpfernickel.) Die Abstammung ist ungewiß. Es kann seyn, daß es aus Arsenik mitWeglastuirq der ersten Syl- bcn verkürzet nrrd verderbt worden, so wie ans Nikolaus auf ähnliche Art Alans wird. Es kann aber auch seyu, daß es Masse überhaupt, und eine vermischte Masse insbesondere bedeutet, da es denn von nahe, Nagel, Bnocke, und andern dieses Geschlechtes, welche eine Verbindung audciitcn, abstammen würde. Im Schwed, ist daher R/cke! ein Nagel, und Finnland. Riculi, eine Garbe. S. auch Nagelflüh?. Z. * Oer Nickel, des — ö, plur. M vorn. livZ. ein nur in eini- genOberdcntschen Gegenden, z. B. in derSchrvciz, üblichesWort, wo es, dem Frisch zu Folge, lünen Hohlkreisel bedeutet. In diesem Verstände kommt es ohne Zweifel von nicken, neigen, her, so fern es ehedem auch stoßen bedeutete. Im Schwed, ist daher Siek ein Stoß, und im Finnland. k ja ich stoße. Mathesius nennt einen Nasenstüber einen Sternickel, gleichsam Stnn- nickcl. / Nick rEl. D-e Endsylbe isi hkr, so wk in ben folgenden, bk Ablei- tuilgssylhe —el, welche so wohl ein Werkzeug, als auch ei» Sub- iect bedeutet. ^ ^ DsrNickel, des—-s, plur. M nom.ffnZ. Dimmut. das Nickelchen. Oberd. Nickelein, e.n gleichfalls nur m den geinelnen Sprecharten einiger Gegenden, z.B.Frankens undNkedersachsens, übliches Wort, ein kleines Pferd, ein Pferd von geringer Große, zu bezeichnen, Rieders. Nittel, Engl.NaZ, Holland im Mittlern Lat. Nuecus, in den Baierischen Gesetzen Onucco, /inLur^nLccv, ein schlechtes Ackerpfcrd, Karrengaul; allein der Bedeutung eines kleinen Pferdes. Wachter, Frisch und andere lassen es in dieser Bedeutung von dem Angels. ttnÄSißen, Engl, to neiZll, wiehern, abstainmen. Alsdann wurde es eigentlich ein allgemeines Nennwort eines jeden Pferdes seyn, weil e och die kleinen Pferde wohl nicht mehr wiehern als die großen, und ca das N zu Anfänge der Wörter oft sehr zufällig ist, so könnte auch das Lat.Loews dahin gerechnet werden. Allein, man findet Spuren genug, daß nak ehedem klein ,und Nickel ein kleines Ding überhaupt bedeutet har, da es denn ein Abkömmling von neigen, nicken ist. In der Nöthwälschen Diebessprache ist Geumckel und Strohnickel ein Schwein, äornickel ein Ochs u. s. s. wo es aber wiederzu einem anderst Stamme zu gehören scheinet. W» auch Pumpernickel. _ . . . - „ L Nickel, des—s, xlur.ut nom. üuF. in den m.dngen ^ Sprccharten. ein liederliches, nichtswürdiges Weebesbüd rm verächtlichsten Verstände zu bezeichnen, so wohl in Absicht der Uil- rcinlichkeit des Leibes, als auch der Sitten. Es ist ein Nickel. Ein Commiß - Nickel, eine niederträchtige Soldarenhnre, ein Gchandnickel, ein schändlicher Nickel, Saunickcl, Schwern- nickel u.s.f. welche insgesammt in die niedrigsten Sprecharcen gehören. Die Abstammung ist ungewiß. Frisch lasset cs eine H-lgnr des vorigen Wortes seyn, welches sich in so fern verthetdigen ließe, so fern klein, niedrig, figürlich auch für nichtswürdig gebrascht , rvird.Joh.Ge.vonEckhard lertere es von Nichte, VepNs, ab^und Faubtk, weil die Geistlichen in den mittler» Zeiten ihre Beischläferinnen für ihre Nichten ansgegebcn, so hätte man nac)» ncahls eine jede verächtliche Weibesperson eine Nichte, und ver- ' öcrbt einen Nickel genannt. Allein widei diese Ableitung streitet unter andern Gründen auch die hohe.Vcrachtung, welche diesein Worte anklebet, zu welcher in Nichte kein Grund vorhanden ist. Scholz im Mittlern Lat. ist bey dem Papias nnd in Isidors Glossen Lnicmeine Ehebrccheriim, welches,Wort Du Fresne und seine Nachfolger nicht zu erklären wissen, ungeachtet es allem Ansehen nach hierher gehöret. Der MckettöniF, des — es, plur. die—e, im Hüttenbane, ein Köllig, oder eine metallische Masse, welche man erhält, wenn man den in Säuren aufgelöseten Knpsernickel abdunsten lasset, und die metallischen Theile wieder Hersteller. S. 2. Nickel. DerNtckelöcher, des—s, plur. doch mir von mehrern Arten, ui. nom. lmZ. eben daselbst, Nickel oder Knpsernickel in Gestalt eines Ochers, oder grünen Kalkes; Oetirck Ricoli. Der Nickel - Vitriol, des — es> plor. doch nur von mehrern Acten oder Onantitäten , die—c, ein schöner grüner Vitriol, welcher sich aus dem verwitterten Kupfernickel langen lasset. Nicken, verb. reA.ueutr. welches das Hiilfswort haben erfordert, und das Fceqnentarivum oder Jittenfivum von neigen ist. Es wird nur noch in engerer Bedeutung von dem mehrmahligen Neigen mit dem Haupte und den Augen gebraucht. Mtt -den Augen nicken, durch Niederschlagung der Augenlieder eurem andern ein Zeichen geben. Jemanden Bepfall znnlcken, ihm auf solche Art seinen Bevfall zu erkennen geben. Wenn man ftneird schläft, so pflegt man mit dem Kopfe zu nicken, welche And Nie 4yo Nickens im Oberdeutschest naffezen, nafzen, nutzen, netzen genannt wird, Angelst NLPPE. Daher einnicken, auf solchcUrt einschlummcrn. llVL dem Lopfe nicken, durch Niederbeugu-uz desKopfts ejn ZeichenLeben. Einem nicken, ihm nm'.cken, rm Baierischen knanpen, mit nafz^n von einem ähnlichen gemeinschaftlichen Stamme, bey dem Altensteig nutten, gnutten, nuls.- re. , Daher das Nicken. „ Anm. Im Niederst nicken, nickkoppen, im Hannav. stucken, imDän. nikke, imSchwed. uleka, alle von neigen, so wie das Latein.nictare,und uutars von unsre, Griech.vsvr « herstam- mcn. Schorr Kero gebraucht kstiusieksu für nergrn, so wie unser knicken besonders von dem Neigen der Knie im Gehen gebraucht wird. Das Hauptwort der pstck, rin Wmk mit dem Kovfe oderAugen,ist noch hin und wieder im gemeinenLeben üblich - Der Nickert, S. Nix. Der NiEfüNtz, S. Genickfang. Nicolaus, S. Nikolaus. , . - , ./v. Nie, ein verneinendes Nebenwort der Zelt, zu keiner Zeit, lüe- mahls, im Gegensätze desje; so wohl von einer vergangenen als künftigen Zeit. Ich habe noch nie gesehen, den Gerechten ver- lassen, Pst 27 , 2z. Es ist mir.nie in den Sinn kommen, Jer. Z 2, 3z. Es wird eine solche Trübsal seyn, als nie gewesen ist, Matth. 24,2 r. Es soll nie wieder geschehen. Besser spät als nie. Nie sep die Lränklichkeit des Lindes eine Ursache zur Nachsicht gegen seine lösen Neigungen, Gell» So schön kann nie Die 5 lur im Lenze prangen, Weiße. Das mehr denn nie für mehr als jemahls ist eine Blume aus d>m OberdeutschenKanzelleyen. Ein so heilsamer und mehr de m m'e unentbehrlicher Endzweck. Der Zeit (jetzt) mehr denn nie vorwaltende Umstände. . Die Verdoppelung der Verneinung ist auch hier cm >.ch!cr, 6 abt ihr auch je einen Mangel gehabte Sie sprachen: nie keinen, Lire. 22, zz, für nie einen. Es hat nie kein Mensch also geredet, Joh. 7, 46, und in Ludern Stellen Mehr. S. auch z Nicht, Nichts und Lein. A^m. Es ist allem Ansehen nach ans der alten Verneinung nt und je oder ie zusammen gcsetzet, so wie nein ans ni und ein, und nicht ans ni und icht. In dem Lat. uunczuom ist emeahnll- che Zusammensetzung. S. auch N-emahls, Niemand, Nimmer und Nirgend. . . . - . *Der Niedel, des—s, pl ur. inul. ern nur m eimgcn Ocerc eut- schen Gegenden, besonders in der Sehweu übliches Wort, dte Sahne, den Milchrahm, zu bezeichnen. Daher das Niedeldrok daselbst ein in heißen Niedel oder Mrlchrahm geschnittenes vor r gekrnmtes Brot ist, eine Suppe von gekochtem Milchrahme und kittgebrocktem Brote. Frisch lasset es von dem Lar. ^ Wo r und ^jtor abstammen; allein es gehöret mit mehrer,n Rechte entweder zu niedlich, oder unmittelbar zu nießen, ehedem nieten, genießen, Nudel u. s. f. S. diese Wörter. ' Nieden, cm Nebemvort'des Ortes, für unten, welches für sich allein im Hochdeutschen völlig veraltet ist. Nach nieden zu, nach unten zu, im Niederst Da npdcn, Lhenerd. dort »men So legt er mden auf der erd, ebend. Es laurcrt sich nrcden die Erde, Herd. Man gebraucht es mir noch zuweilen in der höher» poetischen Schreibart in Verbindung mjt dem hier; hier nieden, hie nieden, hier unten, und figürlich, ans unsrer Erde, im Gegensätze des dort oben oder des Himmels, wo es denn auch wohl zusammen gezogen wird, hiernieden, hienieden. Siehe wie vergänglich alle sjbel hiernieden sind. Die , die sich ihrer Laster frenn, Trifft die kein Schmerz hienieden e Gell. Lieb. Sb z A""' Ann». Schon bey dem Ottfkiedlriar nickana; obanvisni- üana, indem alten Gedichte auf den heil. Anno üinickine, im Mieders, nedden, benedden, im Dan. neden, imSchwed. veckarr, im Angelst neotbsn. Cs ist ans nied , dem Starnme des folgenden nieder, und der adverbischen Endung — en zusammen geatzt, welche auch in oben, unten, vorncn, hinten, gegen u. s. f. befindlich ist. S. das folgende. Nieder, —er, -—ste, ackj. stackv. dem Mittelpuncte der Erde näher als ein anderes Ding, im Gegensätze des ober und hoch. Es wird auf doppelte Art gebraucht. I. Als ein Bcpwor^ . i. Eigentlich, wo im Hochdeutschen niedrig statt dessen üblicher ist; doch kommt es noch iin-Oberdcutschen, und zuweilen auch in der Hähern Schreibart der-Hochdentschen vor. Eine niedere Ban 5 , eine niedrige. Ein niedres Zaus, ein niedres Land. Ein Zügel ist niedrer als cinBcr'g. Sich der Armuth recht- schaffcner Verwandten, und der niedern Stufe schämen, auf der ste stehen,^ist nicht bloß Stolz, es ist zugleich Grausam- ??rs, Gell. Ich wohneflcher in meiner niedern Z litte, Geßn« Eben so haben wir es noch in den Zusammensetzungen Nieder- land, Nieder-Leutschla»»d, Nieder - Sachsen, Nieder - Ungarn, alle im Gegensätze derhlHer gelegenen Theile dieser Lander, welche alsdann das Vber- vor stch nehnien. S. anchNicder- bort- Nrederholder, Niederholz u. s. s. wo die erste Hälfte dieses Beywort ist. ^ Die Endsylbe —er hat viele Sprachlehrer verführet, dieses Wort für einen Comparativ zu halten, welchem die erste und dritte Staffel fehlet, dagegen andere es für die erste Staffel halten, und ihm die zwey tEld dritte absprechen. Bcyde irren. Daß es kein Comparativ ist, erhellet unter andern ansdern Superlativ, niederste, der alsdann kein r haben könnte, so wie man von großer - nicht größcrste, sondern große,ste, größte sagt. Wir haben mehrere Beywörtpr auf—er, wie bitter, tapfer, sauer- sauber, finster', lauter u. s. ft ferner äußere, inner, hinter, vorder, ober u. s. s. welche letzter» gleichfalls irrig fürCompara- rive gehalten worden, vermuthlich, weil sie alsNebcmvyrter nicht üblich find, indem ste, so wie nieder, eigene Nebenwärter auf -—en haben. Daß aber nieder wirklich die zweyte nnd dritte Staffel habe, erhellet nicht nur aus dr-r Natur der Sache, sondern auch an- oemOöer-- unv Niederdeutschen, wo beyde häufig genug Vorkommen, und der Superlativ ist auch in der Hähern Schreibart der Hochdeutschen nicht selten. 2. Figürlich, der Würde nach, geringe, im Gegensätze des Hoch, wo es auch un Hochdeutschen üblicher ist. r) Die niedere ^ragd, wohin das geringe oder nnedleWildbret gerechnetwivd/im! Gegensätze der hohen Iagd. Die niedere Gerichtbarkeit, die niedern Gerichte oder Niedergerichte, Untergerichte, im Gegensätze der hohen Gerichtbarkeit. Die niedern Schulen, die hohe und niedere Geistlichkeit, die hohen und nieder» Sraats- Ledwntcn, Rriegsbefchlshaber n. fff. Zn welchen Fällen man das Wort niedrig wohl nicht leicht gebraucht. Zu Sachsen,sind ver schieden? Vaiallen auf niedere Neralle, alsZirm, Eisen u.s.ft besiehe»., Jngleichen als ein Hauptwort, ein Niedrer, dreNie- Lern, dem Stande, der äußern Würde nach geringe Personen. Der H i eiern oimt 6 ffeins war, ste achtet der Niedern nicht, die Winsbeckinn. Auf stch den Zaß der Niedern laden. Gell. 2) Immoralischen Verstände, in Ansehung der sittlichen Würde, rvo cs in der Hähern Schreibart, noch mehr-als niedrig, ein glimpflicher Ausdruck für das härtere niederträchtig, ist, seiner borstige mit Vorsatz uneingedenk und darin gegründet. Niedere Verleumder. Ein niederer Eigennutz. Der niedere Stolz. Der Zeige jucht stch nur durchniedre Äncht zn retten,Weiße« Als rin Rebenwort wird dieses ganze Beywort nicht gebraucht, weil im Hochdeutschen statt dessen niedrig, im Oberdeutschen aber in manchen Fällen auch nicden üblich ist. Ehedem kannte man es gar wohl. Vuas 1 rc> krakt 21 nlckirl, war ihre Kraft zu schwach, Ottfried. II. Alsein Ncbenworftoder vielmehr als ein Vorwort, rvel, ches ehedem die Viertelenden älternSchriftstcllern auch wohl die dritte Endung erforderte, aber jetzt außer der Zusammensetzung mit Zeitwörtern und dcndavon abstammenden Nennwörtern völlig, veraltet ist. Ein Überbleibsel davon ist noch in der R. A. übrig, die Stube, den Äarten u. s. s. ans und nieder laufen, wo es doch wohl nicht zunächst zu dem Zeitworte gehöret. Danieder und hernieder find gleichfalls Überreste dieses ehemahligeu Vorwortes. Nicker rmo, unter ihm, in den Pstonseeischen Glossen. Als ein Vorwort wird es daher auch mit den Zeitwörtern, welchen es bcy- gefüget wird, zusammen gezogen,, ob es gleich übrigens zu den trennbaren Partikeln gehöret. Es kann mit allen Zeitwörtern zusammen gesetzet werden, welche eine Bewegung oder eigentliche Handlung bezeichnen,und bedeutet alsdann, daß diese Bewegung nach unten zn, nach der Oberfläche der Erde zu' gerichtet ist. Die Zusammensetzungen dieser Art, gehören mit zu den ältesten in der Deutschen Sprache, indem sie schon im Kero Vorkommen. Die Niederdeutschen pflegen diejenigen Zeitwörter, welche die Hochdeutschen mit diesem Worte bilden, gern mit daal zu machen; da- «fallen, nieder fallen, daalslaan, Niederschlagen. S. Thal. 2 tnm. Bey dem Ottfried rrickar, bey dem Notker nicker, im Niederst ncdder, zusammen gezogen neer, Comparat. neddercr, Superl.nedderste,im Angelst oeolkor,. im Engl, vstbsr, im Schwed. Necker, im Island. Neckar. Es stammet vermittelst der Ableitungssylbe—er von dem im Hochdeutschen völlig veralteten Bey - und Vorworte nied her, welches noch in dcrSchwciz gang- bar isi, wo es unten und unter bedeutet. Ob stch und nied stch ist in der Schweiz über stch und unter sich, vorwärts und hinterwärts. Der Thurm soll nid stch so tieft.als hoch seyn, Bluntschli, d. i. unten in der Erde. Dieses einfache nied, welches ohne Zweifel zu neigen und nahen gehöret, ist auch noch in andern Sprachen vorhanden, wie in dem Dän. ned, in dem Schwed, neck, in dem Angelst neotk,. und in dem Engt, beneatk. Das hohe Alter dieserPartikelerhellet aus demGriech. veroS-i-, -,r§Zr und »seySl, welche bepden letzten dem zusammen gezogenen Niedersächst neer nahe kommen. S. auch die Nrehcre und Niedrig. Nreöerbeugen, verb. re§. act. nach der Oberfläche der Erde zu beugen, im Oberdeutschen nnd der'anständigen Sprechart der Hochdeutschen, wofür bey den ketzern in dem gemeinen Sprachgebrauch,: niederbiegk-n üblich ist, S. Niederbncken. Dar Nieöerbört, des —cs, plur. die — e, in der Schifffahrt, eigentlich ein niederer oder niedriger Bort eines Schiffes! Figürlich und ich gewöhnlichsten Verstände, ein Schiff mit einen» niedern Borte; im Gegensätze eines Zochbortes. Ein jedes Schiff, welches nur allein Ruder hat, oder doch nebst den Segeln auch Nudcrgebrancht, ist ein Niederbort, wohin folglich auch alle Galeeren, Brigantinen u. s. ft gehören. Nieherbrechen , verb. IrreZ. act. (S. Brechen,) bis ans die Oberfläche der Erde, oder doch beynahe-bis ans dieselbe, abbrechen. Ein Zaus niedcrbrechen, es.abbrechen, im Niedersächst daalbreken. Nieöerbrcrmen, verb.irreZ. (S. Brennen,) welches in doppel- ter Gestalt üblich ist. ^l )Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte sepn, verbrennen und dadurch der horizontalen Fläche gleich wer- . den. Das Zaus ist ganz m'edcrgebrannr, bis ans den Grund abgebrannt. Das Z,olz im Mftn ist.noch nicht nicdergcbrannt. 2 ) Als . 49Z Nu e 2) Als ein Aetivum- wo es billig regelmäßig abgewandeli wer- den sollte, durch ein solches Verbrennen zerstören. Die Feinde haben die Stadt, das Dorf nicdergebrannt, oder niederge- brennet. NrederbrinFen, verb. irreZ. sct. (S. Bringen,) auf die horizontale Fläche, auf die Oberfläche der Erde bringen, durchange- wandte Kraft Zur Erde bringen. Daher die Niederbringung. Niederdücken, vsrb. rsZ.rsLi^roe. sich niederbucken, sich zur - Erde, oder bis auf die Erde bücken, in der edlern Schreibart sich niederbeugen. Israel bückte sich nieder auf die Erde, - Mos. r.8, 2. Daher das-Niedcrbückcn. Niederdeutsch, ucjj. st Lckv. irr dem niedriger gclegeneir Theile Dentschlandes einheimisch, darin gegründet; im Gegensätze des Oberdeutsch. Ein Niederdeutscher, ein Einwohner dieses Thei- les von Deutschland, im Gegensätze eines Oberdeutschen. Die Niederdeutsche Sprache oder Mundart, welche in diesem Thoile von Deutschland gesprochen wird,und wohin nicht nur dieNreder- sachsische, sondern auch die Holländische, Friesische, Hollsteinische u. a. Mundarten gehören. S. Hochdeutsch« Nrederdeutschland, oderNieder:Derttsck)land,6sn.Nieder- deutschiandes, plur. car. der nördliche und niedriger gelcZene Theilvon Deittschlaud, welcher in weiterer Bedeutung auch die vereinigten Niederländischen Provinzen, in engerer nurWestpha- len ulld ganzSachsen, in der engsten aber nurWestphaleu, Nieder- sachsen, und den ander Ostseegelegcnen Theil von Obersachsen in sich begreift. S.Oberdsntschland, welches demselben turlgeZen geseßet ist. Niederdrücken, im Obvrdentschcnrmd der h öhern. Schreibart der Hochdeutschen Niederdrücken,vsrb. rsF.crct.nach derÖberfläche derErdc zu, nach der horizvntalenFläche zu drücken,dnrchDcücken niedriger Zu machen suchen, r. Eigentlich. Jemanden, welcher sich aufzustehen bemühet, Niederdrücken. 2. Figürlich. - ) Für unterdrücken oder unterdrücken. Oft drückt ein schlechter Anzug alleverdrenste Meder. IncherDeuLschen Bibel kommt e; in diesem Verstände mehrmahls vor, wie Ps. 1 v, l v;.Ps. z?, 7 ; Ps. i07,Z9 ;Ps. ifto, 73. 2) Für Niederschlagen, in dessen figürlichem Verstände, murhlos machen. Ein von Lummer niedergedrückter Mensch. ft' Go auch die Niedordrückung und Nicdcrdrnckung« DioNiedere, piur. die —n, das Hauptwort von dem Beyworte nieder, eine niedrig gelegene Gegend zu bezeichnen, im Gegensätze des Gebirges, so wiedas Thal dem Berge, die Tiefe aber der Hohe entgegen gesetzet ist. Indessen ist das Wort Niedere doch imHochdeutschen nur wenig gangbarg üblicher ist es imOber- deukschen. In einigen Gegenden, selbst Meißens, hat man auch das Hauptwort Niederung, wo cs nicht bloß dem Gebirge entgegen gesetzet wird, sondern auch die niedriger gelegenen GLgenöen an den Flüssen, ingleichcn niedriger gelegene Theile des Feldes bedeutet, im Gegensätze der hohcrn; im Niederst die Sinke, Senke. Mit der denNiedecdeutschen so gswöhnlichenAusstoßung des d wird aus der Niederung die Nehrung, welches Wiirt " in Preußen von niedrigen au der Sec gelegenen Gegenden gebraucht wird. , - Nieöerfahrsn, ver'o. irr-SA. (S. Fahren,) welches in einer dop- pelten Gestalt gebraucht wird. ») Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte sepn, aus der H'oüe senkrecht niederwärts fahren. Christus ist niedergefahren zur Hölle. Ich sah-e einen Engel niederfahren vom Himmel, Osscub. 1 Z, '. Irr welchem Ver- siandeauchdas Hauptwort sie Niederfahrt gefunden wird. Die Niederfahrt Christ: zur Holle^. die Höllenfahrt 2) Als ein . Actio, rm, durch Jahren Niederdrücken, zu Boden werfen, drrErd- ' Rie 494 stäche gleich machen« Alles Getreide niederfahren. Ein Rittö- niederfahren, umfahren. , Niederfcrllen, verb^irrs§. vsutr. (S. Fassen,) welches das Hülfswort fepn erfordert, zu Boden fallen, auf die Erde fallen, besonders von lebendigen Geschöpfen. Unter der-East niederfallen, zu Boden. Jngleichen sich ans Ehrfurcht auf dieErde werfen, vftauch für niederknien, bey dem Ottfried aick-rrL.a 1 en. Da seine Brüder kamen, fielen sie vor ihm nieder auf ihv Antlitz zur Erde, 1 Mos. 42, 6. -Lasset uns anderen und knien und mederfassen vor dem Herrn, Pf. 95, 6. Auf die Lnie vor einem mederfassen. Bey den Jägern fällt das^eldgessügel nieder, wenn es sich sicher, nachdem es äufgetriebe» worden. Daher das Niederfallen. In einigen Oberdeutschen Gegenden ist n-rederfällig für sachfallig üblich; mcderfällig werden', den Prob zeß verlieren. Niederflioyen, verb. irreZ. nsutr. (S.ZUegen,) welches das Hülfswort sepn erfordert, niederwärts stiegen, von oben nach der Tiefe, und in die Tiefe stiegen. Die Niederfolye, plur. raus, iir einigen Gegenden, öieVcrblnd- lichkeit der llnterthanen und Vasallen, dem Lehens- und Grund- Herren in nieder», d. i.-geringern Fällen, zu siegen, im Gegensätze der hohen Folge oder Hocresfolge; da denn zur Niederfolgo die Verbindlichkeit, Verbrecher zu verfolgen und aufzufuchen, die Jagdfolgc, Lehensfolge, Hoffolge u. f. f. gehören. DerNieder§anF,'des—es, plur. inust. die Handlung des Nie- derzehens, doch nur noch inrngerer Bedeutung i,»Oberdeutschen? -und zuweilen auch bey den Hochdeutschen Dichtern, der Untergang der Sonne, und die Gegend, wo die Sonne untergehct, d. i. Abend. Jenfeik dem Jordan gegen der Sonnen Niedergang, 5 Mos. r 1, Zo. Die Sonne .weist ihren Niedergang, Ps. :o 4 , 19. Vom Aufgang der Sonnen bis zum Nie- .devgans, Pf. 50, r. Den Auf-undNiedevgangrrnd alter Weltkreis ehret, Opitz. Aber auf einmahl verjagt die triumphirende Sonne Schatten undSchauder und SchlafzumNiedergange zurück, Zachar. Bey dem Notker Zurmen 8säs!AL0§, bey dem Kcco nur Zs- ckslKnnZ schlechthin. S. Untergang. Nieöergehen, verb. irreZ. nsutr. (S. Gehen,) welches daF Hülfswort scpn erfordert,stch aus dcrHöhe nach decOberfiäche der Erde zu bewegen. Ein Hans gehet niedev, wenn es nach und nach nieder sinket. Die Sonne gehet nieder,wenn sieumergshek, welches letztere in dem gemeinen Sprachgebrauch? üblicher ist. Das Niedergericht, des — es, p l ur. die—-e. r). Bey dew Jägern, ein niedriges GekichtoderVogelschneide, im Gegensatz- des Hochgerichtes» (S. Gericht.) -2) Dis Gerichtbarkeit über niedere Rcchtsfälle, nnd ein Gericht, welchem solche Sachen am vertra,m werden ; in welchem Falle es auch nur im Plural allein die Niedergerichte lautet, und alsdann dem Hochgerichte oder den Hochgerichten entgegen gesetzet wird. Besser würde man es in dieser Bedeutung getheilt schreiben, das niedere Gericht, oder die niedere Gerichtbarkeit, im Gegensätze der hohen oder hohcrn. S. Antergerichk. Niedertzeschlagen, und dieNiederFeschlaZenheit, S.inNie- .dcrfchlagen. Niederhalten, vsrd.irr«^. act.(S. Halten,) nach unten zu, nach derLiefe zü halten, niederwärts halten. Die Augen Niederhalten, besser Niederschlagen. Niederhüttgen, verb. ftreZ. neutr. (S. Hangen,) welches das Hülfswort scpn erfordert, niederwärts, nach unten zu hangen. Die niedexhaiMnden ZwelZecheö Baumes» Die Flügel nioder- hangers Nie 49L Nie ° , Hängenlassen- Allgemeinen Leben der Hochbeutschen niederhängen, welches billig das Activum bleiben sollte. Niederhcruchen, S. Niederhoch'en. Niederhauen, verb. irre^. ncr. (S. äansn,) zu Boden hauen, durch Klauen zu Boden fallen machen. Bäume niederhauen. I.-.nanden niederhauen, ibn mit dem Sabel so hauen, daß er z?: --- Boden fällt. So Hanen die Soldaten, im Kriege ihre Feinde nieder. Niederhocken, verb. re^. n^utr. welches das Hülsswort seyn erfordert, sich auf die Fersen niedorlaffen; imOberdeurschen niedcr- chauchen, N edecs. daalhnrken, daalhucken, im gemeinen Leb^n Obersachsens auch niederkanern. Das Pferd thateincnNrcder- hanch, stolperte, Lh.nerd. Kap. zz. Z:cken. Der Nieberhohlun-er, im gemeinen Leben Niederholdev, des—s, plur. lnul. eine Art niedrigen Hohlnitdcrs,welche unter dem Nahmen des Attiches am dekanutestcn'ist, S.dicsesWvrt. Die Nie-erjüF-, plur. rnuf besser die niedere Jagd, das Recht, das niedere oder kleine Weidwerk jagen zu dürfen, -im Gegensätze der hohen Jagd. S. Jagd. Niederkippen, verb. reZ. welches swwohlals ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, gebrarrcht wird., kippend nicdcrsinkelt, als auch als ein Activum, auf solche Ast niedersinken machen. S. Rippen. .Niederklappen, vsrb. reZ. aci. die Klappe uirdcrlassen. Einen Tisch niederklappene DasNieöerklerh, des—es, plur. die—er, ein im Hochdeutschen seltenes Wort, wofür Unterkleid üblicher ist. Und sollt ihnen leineneNiederkleidcr machen, 2Mos.28,42; Kap.Zy,2L ; Ezech. 44 , r8; wo Beinkleider verstanden werden, welche in der anständiger» Sprcchart gleichfalls Unterkleider heißen. ZItederknien, verb.rsZ. noutr. welches das Hülsswort sepn erfordert, auf die Erde knien, sich kniend niedcrlassen. Daher das Niedcrknien. Nlrderkohben,verb. reF. act. et rreutr. welches im lctzternFalle dasHülfswort seynbekommt, aber-nurbey den Köhlern üblich ist, zu Kohlen nirderbrellnen. Einen Meiler mederkohlen. Nieöerfommen, verb. irreZ. neutr. zS. Rommen,) welches das Hülsswort seyn erfordert, aber rnrr in engerer eingeschränkter Bedeutung üblich ist, für entbunden werden ; im gemeinen Leben, in das Rmdbett.kommen, rn die Wochen kommen, in einigen Gegenden einkommen. Mit einem Sohne, mir einer Tochter niedcrkommen. die Frau ist noch nicht niedergckommeii, wird bald niederkommen. Im Isidor ist nnltterhuliernÄll in mehr eigentlichem Verstände vom Himmel kommen, i,r welchem man in der höher» Schreibart auch wohl sagt hernieder kommen. - . Die Niederkunft, plur. !nus. der Zustand, da eine Person andern Geschlechtes entbunden wird, und die Zeit, wenn solches geschiehst. Ihre Niederkunft ist nahe, nahet heran. Die Niederkunft erwarten, vor ihrer Niederkunft, nach derselben. Eine schwere Niederkunft haben. Bey einer Niederkunft zugegen seyn. S. das vorige. -, Die Niederlage, plur. die—n, von dem Zeitwerte nrederlegen. -) Die Handlung, da ein Ding nicdergelegetwird. Besonders figürlich beyKriegsheerey, der Zustand, da einKriegshcer geschlagen wird. Eine beträchtliche, ansehnliche, gänzliche, völlige Niederlage leiden. Die Niederlage lär-gnen. Nach der Niederlage nahm der Überrest des Fi-indes die Flucht. Im Niedcrs. wird Unterlage auch von dem Unterliegen einzelner Personen in einem Gefechte oder in einer Schlägerei) gebraucht, Unterlage leiden, den Klirzmn ziehen ; in welchem Verstände im Hochdeutschen weder Ni. -erläge uöchUmterlagc üblich ist. (S. Niederlage:!.) 496 So fern die Niederlage zu verschiedenen Zeiten oderMahlen Statt findet, kann auch der Plural gebraucht werden. Zwey Niederlagen leiden. 2) Der Zustand da man danieder lj'gt, d. i. bettlägerig ist Nach einer kurzen Niederlage sterben. Z) Der .Orr, woWaareu oder andere Sachen m Menge medergeleget, d. i. ans eine Zeit lang verwahret werden. So haben die Kausteute außer ihren gewöhnlichen Gewölveru und Läden noch besondere Niederlagen, welche, wenn sie aus ganzen Häusern bestehen, oft Magazine, v orrathshauser und in Nieder sachsen Speicher genannt werden. In derSchissfohrt werden auch zuwellcu diejenigen P ätze, welche znmEin-uud Ausladen gewisserWaaren all in und au sschließungsweise bestimmt siud, Niederlagen genannt. Solche Nieoerlagcil sind für die Spanischen nach Westiudicu segelnden Schiffe Calaoin Amerika undCahix inSpanien; Spail. Lrnbär- cäcl o^. Auch Stapelstädte, wo gewisseWaaren niedergelegt werden müssen, heißen zuweilen Niederlagen .oder Niederlagsstädte. 4) Das Recht, d-e Befugniß, etwas an einem Orte niederzu- legeu, ingleichen die Verbindlichkeit,etwas an einem Orre nicder- lcgen zu müssen ; obne Plural. So werden so wohl das Stapel- recht, als auch das Krahurecht, Ius Ger-rnli, sehr häufig die Niederlage genannt, und oft ist e§ streitig, yb unter diesem Worte das Stapelrecht oder nur das Rrahnrecht verstanden werden müsse, (S. diese Wörter.) In Wien ist die Niederlage das Be- fugiliß eines ausländischen Kaufmannes, im Großen haudcln zu dürfen, daher solche ausländische Kausteute, oder Kaustente im cngernVerstande daftlbsiNiederlager undNiederlagsverwandte heißen, S. Raufmann. Der Nieherlägev. des—s, plur. m nom. liuZ.Fämin. die Niederlägerinn, S. das vorige, ingleichen Raufmann. . Düö Nie-erlanö. des—es,plur. die—länder, und—lande, ein niedrig gelegenes Land, im Gegensätze des Oberlandes. Das Niederland äadfü 2 Sam. 24, 6. Am üblichsten ist cs im Plural und als ein eigeitthümlicherNahme, das ehemahligeLLlAium zu bezeichne». Die Niederlande, die siebzehn um den Ausfluß des Rhemes gelegstien Niederdenlschen Provinzen. Die Österreichischen Niederlande, diejenigen Provinzen, welche davon dem Hausi'Österreich gehören' znin Unterschiede von den Französischen Niederlanden. Beyde werdcnauch die kätholischenNicderlande genannt, im Gegensätze der vereinigten Niederlande, oder der siebenvereiniglenProvinzen. Ji^dieserengeinBedeutung.iuwel- cher der Singular nicht üblich ist, lautet der PluralNiederlaude, in der erster« weiter« aber auch Niederländer. Der Niederbcrnöcw', des-s, plur. ut nom. sinZ.Fämin. die Nicderländerinnf der Eiuwohuer eines Niederlandes, imGegen- satzc des Oberländers, Ju engerer Bedeutung, ein Einwohner der Niederlande, welchen man auch wohl, obgleich nicht ganz richtig einen Holländer zu nennen pflegt, indem Holland nur Einen Theil der Niederlande ausmacht. Nreöevlä'nötfch, aclj. et m6v. zu cinemNiederlande gehörig, aus demselben herkommend, darin gegründet, im Gegensätze desMber- ländisch. Ingleichen zu den Niederlanden gehörig, daher kommend, daher gebürtig, in denselben gegründet. Niederländischer Räse. Die Niederländische Sprache. Nreöerlüssen, verb.reA. acr. lS-Lassen,) nirdergehen, oder niedersinkeil tuachen, von oben herab lassen. Den Vorhang niederlassen. Die Rlappc eines Tisches niederlassen. Jemanden an einem Seile von c-nein Thurme niederlassen. Die Segel niederlassen. Ingleichen als ein Reciprocum. Sich nicderlasf». Sich von einein Thnrmc niedcrlassen, vermittelst eines-S i!cs. Die Vogel lassen sich nieder, wenn sie nach und nach aus der Luft nach der Erdfläche zu kommen. In engerer Beden '.mg si sich niedcrlassen cm anständiger Ausdruck für das gemeinere sich . . ' sezc-n. Nie 4§7 setzen. Figürlich bedeutet sich an einem Orte ni'ederlassen> feinen Aufenthalt, seine Wohnung daselbst nehmen Sich häuslich an einem Orte niederlassen. So auch die Niederlassung, welches anG zumeilerr für Kolonie gebraucht wird. Schon dcp dem Ottfried riilburlurun. Niederleyen, verb. reZ. a et. niederwärts legen, aus der Höhe nach nrttcn zu legen, auf den Boden, zu Boden legen. >) Eigentlich. Eine Lall mederlegen, welche man trägt, sie aufdic Erde legen. Einen Stuhl niederlegen, auf die Erde. Sich niederlegen, auf die Erde. 2) In engerer Bedeutung legt man ein Aind nieder, wenn man es in das Bett legt. So auch das Neci- procum, sich niedcrlegcn, sich zu Bette legen, sich schlafen legen. Z) Figürlich. Ein Amt niederlegen, im gemeinen Leben abdan- ken. Die Regierung, die Drone, eine würde, eine Ehrenstelle niederlegen, sich derselben freywillig begeben. Grld oder eine andere Sache bep jemanden niedcrlegen, cs ihm in Verwahrung geben, im Oberdeutschen himerlegen; daher man zuweilen auch eine solche in Verwahrung gegebene oder genommene Sache, ein Depot, eine Niederlage, und im Oberdeutschen eine Hinterlage zu nennen pflegt.Luther nennt sie eine Beplage. waa- ren an einem Orte niederlegen, sie bis zu weiterm Gebrauche daselbst verwahren, (S. Niederlage z.) Einem die Straße niedcr- leaen, ihm die Bereisung derselben verwehren, ihm dasHandwerk niederlegen, ihm die Ausübung desselben verbiethen, ihm das Handwerk legen, sind nur in einigen Gegenden übliche So auch die Niedcrlegung. . NrederUeyen , verb. irreZ. neutr. (S. Liegen,) welches das Hülfswort haben erfordert, zu Boden, aitf der Erde liegen, ingleichen niederwärts liegen, wie Halmen von des Himmels Schloßen Niederlagen, Raml. Ehedem gebrauchte man es auch für unterliegen, in einem Gefechte den kürzern ziehen» Alspald ich sach, Das die veindt mit aller macht Niderlagen in difer schlacht, Kap. YZ-. Er gedacht mit fleys auf new weg Lardnrch der Held zuletzt niedcrleg, eben-. Von welcherstetzt veralteten Bedeutung noch das Hauptwort Niederlage in simec ersten Bedeutung .üblich ist.. Nleöermächen, v^rb. reZ. sct. machen, daß etwas niederwärts -> gerichtet werde. So sagt mair im gemeinen Leben , den Vorhang niedermachcn, für niedcrlassen, die Drämpe am Hute, die Dlappe eines Tisches n. s. f. niedermachcn, niedcrlassen. Jnglcichei» figürlich, jemanden niedermachen, ihn niederhäucn, oder niedcrstechen ; doch nur von Menschen und mit dem Neben- begrisse der Geschwindigkeit. Der Datier befahl die Gefangenen niedcrzumachen. von Straßenrändern nrcdergcmacht werden. So auch das Nicdermachen. Niedermetzeln, verb. reA. ual. mit mehrern nngeschickterlHie- ben oder Stichen zn Boden legen, von lebendigen Geschöpfen. Das gefangene Wild, gefangene Soldaten niedermctzcln lassen. Daher die Niedermetzclung. Nlederveißen, verb. irre^. -rct.(S.Reißen,) medcrwärtKreisten, rngleichen zu Boden reisten, von einem wilden Thicre nie- dergerissen werden. Ein.Haus niederrcißcn, es durch Einreistung dem Boden gleich machen. Daher die Nicderreißung und das Niederreiß en. Niederreiten, verb. irrsA. Lct. (S. Reiten,) im Reiten zu Boden treten. Das Getreide auf dem Acker niederreiren. Ein Bäumchen nieoerrciten. Ein Rind niederreiten. Daher d>?s Niede'-reiten. Als ein Neutrum, mit dem Hütfswortc hab.n,-. den Weg auf und nieder retten, wird cs besser getheilt ge- fchiicbeii. ^ Ade1.W.B.Z.TH.L.Auss» Nie 4v3 Nie-evrennen, verb.rsZ. et irreZ. Lct.sS. Rennen,) zu Do-' den rennen. Jemanden niederrennen, von einem vferde nie-' dergerenncr oder niedcrgerannt werden. Daher das Niedek- rrnnen. Nie'bersä'üekn, verb. re^aot. mit einem Säbel niederhsuen,. rnO in weiterer Bedeutung, für niederbanen überhaupt. Jemanden nredei'säbeln lassen. Daher die Niedersabelung.Siehe? Säbeln. -sOfteöer'icrufen, verb. irreZ. 20t. (S. Saufen,) welches miriw der niedrigen Sprcchart für niedertrinken üblich ist. Jemandem niedcrsaufen, ihm so lange zutrinkeu, bis er zu Boden fällt. Daher das Nicdersaufen. Niederschießen, verb.irrex.(S. Schießen,) wclcheSin doppel-- ter Gestalt üblich ist. 1) Als ein Neutrum, mit dem Hülfs- worte seyn, sich plötzlich und sehr schnell niederwärts bewegen. Unvermuthct schoß der Balken nieder. 2) Als ein Acnvum> mit einem Schüsse oder mit Mehrern Schüssen plötzlich zu Boden legen. Jemanden niederschießcn. Ein Thier niederschießen.. Die Gefangenen medcrschießen lassen. Einen-Thurm nieder- schießen, mit Kanonen. So auch dasNiedcrschießen. Der Nieöerschlcrtz, des — es, plur. die—schlage, das Hauptwort des folgendcnZeitwortes, welches doch nur in cinigenBedeu« tiingen desselben üblich ist. 1) Pon der weitern thätigen Bedeu- tt:ng ist der Niederschlag in der Chymie, ein ans demAuflösungs- nüttel durch Zusetznng eines andern Körpers wieder geschiedener Körper, ein in einer Flüssigkeit aufgeloseter fester Körper, wenn derselbe durch Hüizuthnung eines dritten wieder daraus geschieden wird ; das Hrcieipitat. (S.chas folgende.) 2) Ein Schlag, welcher niederwärts geschiehet. So ist in der Musik der Niederschlag, der niederwärts gerichtete Schlag der Hand dessen, der den Tact führet, zum Unterschiede von dem Aufschläge. Mit Griechischem Kunstwörtern heißt dieser Arsie, der Niederschlag aber Thesis. Niederschlagen, verb. irreZ. (S. Schlagen,) welches m doppelter Gestalt üblich ist. I. Als ein Neutrum, wo es wiederum auf zwiefache Art gebraucht wird, i) Mit dem Hülfsworte haben, niederwärts schlagen , so fern dieses Zeitwort bloß ein Neutrum ist, in welchem Verstände es in der Musik dem anfschlagen entgegen gefetzt wird. 6, 19. . 4) Oft wird es iu der anständigen Schreib-lurd Sprechart such als ein glimpflicher Ausdruck für das wen härtere niederträchtig gebraucht, S. dasselbe. Ein niedriges Bezeigen, ein m/driges Gemüth. Anm. Int Nieders. neddrig, im Schweb. nsclriZ. Es ist vermittelst derEndsylbe -—ig von dem im Hochdeutschen minder üblichen nieder gebildet, und has .dasselbe ans seinen meisten Bedeutungen verdrängt. Von nied, dem Stsmmworte von niedcn «üb nieder, ist vermittelst eben dieser Sytbe vicirZ bey demDtt- fried niedrig. S. Nieder. ^ Nie-rigen, verb. reZ. uct. niedrig machen, welches im Hsch- desltsch.il veraltet ist, aber in der Deutschen Bibel so wohl im eigentlichen, als figürlichen Versiaude'vorkommt. Gott willalle Hohe Berge niedrigen, Bar. 3. 1. Nit deinen Augen mebri- s«4 Fest du die Hohen, 2 Sam. 22, 28. So auch Es. 2, -o, 12; Kap. 2 s, -1. JmHc-chdeutschrn ist dafür im figürlichen Verstände erniedrigen übi'ch, S. dasj'elbc. Die NteSrigkeic, plur. inul', das Abstractnm des vorigen B« y- worws, die Eigenschaft eines Dingcs, da es niedrig ist, in allen den Fällen, in welchen das Beywort gebraucht wud. Die Niedrigkeit einer Gegend, der Stimme, des Preises. Sich der Niedrigkeit seines Standes schämen. Die Niedrigkeit der Schreibart. Sich aus Bewußtseyn sein er .Niedrigkeit vörGstt demÜrhigen. Iey lebe nur ln stiller Niedrcgkt'it, Haged« *Dte NieörigUNg, ^lur. die— en, im gemeinen Leben einiger Gegenden, z. B. Meißens, eine niedrige Gegend, eine niedrige Skelle auf der Erdstäche, wofür in andern Niederung, Niedere und Nehrung üblicher ist. S. Niedere. Dle Ntesyl, m einige« Gegenden für Feifcl, S. dieses Wort. N''emah 1 v, ein Nebeuwort der Zeit, zu keiner Zeit, so irohl von einer vergangenen als zukünftigen Zeit; nre, welches in der edlern . Schreibart lieber gebraucht wird. Ich habe ihn noch niemahls gesehen! Das habe ich noch niemahls gehöret. Das soll nie- mahls wieder geschehen. Er wird wohl niemahls wiederkommen. Da es denn zuweilen auch figürlich für eine verstärkte Verneinung gce raucht wird. Ein schlechterdings einfacher Gegenstand i'a:.n niemahls schön seyn, Sulz. Niemahls nicht, für das einfache niemahls, ist eben so fehlerhaft als nichts nicht, kern —nicht, niemand nicht und andere doppelte Verneinungen 'dieser Art. Anm. Es ist aus nie und Mahl zusammen gesetzct. In den gemeinen Sprechartcn lautet es oft memahl und nicmahlen. Allein bey.dem Worte Mahl ist bereits gezei'gct worden, daß das s hier analogisch richtiger ist. Kero gebraucht statt dieses Nebeuwortes neoualcire, non-Aäre, undWilleram rnsuusli- ntz,welches sich dem Latein. nuo^uLin nähert. Im Nieders. ist dafür newerle, unwcrle, unwarf, irnwerfe, und im gemeinen Leben der Hochdeutschen auch mein Tage nicht,und all mein Tage nicht üblich. S. auch Nimmer. Niemand, Gerrit, niemands, Dat. und Accus, niemand und nie- manden,ein personlichesFürwort/velches nur imSingular üblich ist. und eine Ausschließung einer jeden Person bezeichnet, kein Mann, d. i. kein Mensch ; im Gegensätze des jemand. Niemand hat Gott se gesehen. Es kam niemand. Nun will es niemand gethan haben. Das ist niemafids Sache., Das weiß niemand, das kann niemand. Es stehet in niemands Macht, wie er wandele, Jcrem. 10, 2 z. Im Scherze wird es wohl auch als ftn Hauptwort gebraucht. Der leidige Niemand. Außer dieftrn letzten Falle leidet cs keinen Artikel vor sich. Wenn die Personen näher bestimmt werden, welche rnau vermittelst dieses Fürwortes ausschließet, so müssen sie die Vorwörter von, unter, in, aus, u. s. s. vor sich haben. Hast du niemand von unfern Leuten gesehen? Niemand unter ihnen. Niemand in der Stadt, aus Her Stadt, auf dein Lande. Im gemeinen Leben und in der vertraulichen Sprechart ist es sehr gewöhnlich, diesem Worte emBeywort ungewissenGeschlechtes inGestalteinesHaupt- wvrtes Nachfolgen zu lassen. Es war niemand Fremdes, da, kein Fremder. Das wird niemand Rechtschaffenes thun, keine rechi schassene Person. Er geht m-t niemand Rechtschaffenem um. Niemand anders als er, auciers nielnao, Reinmar der Alte. N-cmand vornehmes. Der Fehler der gemeinen Sprecharten, diesem Fürworte, so nviü. den verneinenden Nrbenidörtern/ noch eine Verneinung beyzufügen, niemand nicht, ist schon bey dem . Worte nicht bemerket worden. Anm. Dieses atteFürwort lalltet bey dem Mphilas nimLNna, bep demOttsried rÜLMan, im Taftan lliotnuu, be-' den Schwä- Uscheir bischen Dichtern nisman, nimmer,, im Nu-bersächs. nüms, nemmes, (wie jums, jemand,) im Angelsächs. vauman , im Latein, nemo, und im Mittlern Lateins vullimunvus. Es ist, wie jemand und jedermann, vou-der alten Verneinung ni und Mann, oder auch van dieser Verneinung nnd jemand zusammen gesetzt; daher es auch nur allein vonPersvueu gebraucht wird, ludern Mann ehedem eine jede Person ohne Unterschied des Geschlechtes bedeutete. Das d, welches dem n so gern nachschleicht, scheinet erst in den später» Zeiten Eingang gefunden zu haben. I» dem Theuerdankk kommt so wohl nieman, als nicmandt und in der ersten Endung auch niemandrs vor. Zn der Declinaiion dieses Wortes sind die Sprachlehrer eben so uneinig, als bey jemand. Den Genir. niemands bestreitet keiner von ihnen, außer daß einer oder der andere niemandes für analogischer hält» Was die dritte und vierte Endung betrifft, so sind schon die alten Schriftsteller darin wicht einig, indem man sie eben so oft uugeändert visiNLvn, als im Dat. niemavne, und im Accus. nisrnanvin, oder auch irn Dat. und Accus. viemuQviv .findet. Das gsldliacli viemanvs me , icftveicie vismen, rjen Atlr ieli viemuv, bey den Schwäbischen Dichtern, Idlie- meillnirr im Accus, in dem alten Gedichte ans den heil. Anno. Iwuge viemunue vit nocti tauge» lins, Wiilsbeck. Ein Sach, davon er nymandts sagt, Theuerd. Luther gebraucht niemand. Er that niemand unrecht, Es. L-Z, 9. Vergelter niemand Böses mir Bösem, Röm. 12, 17. Lasset euch niemand Gewissen machen, Col. 2, 16. Da man das Gute an , niemanden, als an sich schätzet, Gell. Gottsched machte diese Form mit dem —en in der dritten und vierten Endung zur Regel. Höchstens kann inäu sie als gleichgültig dulden, weil sie das hohe Alterthum für sich hat, zumahl da sie in Ermangelung des Artikels zur bestimmten Bezeichnung des Casus dienet. Analogisch ist sie freilich nicht, indem sie weder mir Mann noch auch nur jedermann überein kommt. S. auch Jemand. Die Niere, plur. dre— n, Dimiuut. das Nierchen, Dberd. Nicrlein. r) Überhaupt, ein runder oder doch rundlicher Körper. In diesem Verstände ist es irr dem gemeinen Epcachgcbcanche veraltet, und nur noch im Bergbau üblich, wo Erze und Mineralien, wenn sic in runder oder rundlicher Gestalt gefunden werden, unter dem Nahmen der Nieren bekannt sind. Von dieser Aftt sind z. B. dl'e Aiesniercn , oder rundliche Stücken Schwefelkies. In einem etwas andern Verstände werden auch kleine mitErzthcilchen ange- schwängerte Klsifte, Nieren genannt, zum Unterschiede von den größer» Nestern. Ein Erz bricht niercnwcisc, wenn cs i» solchen einzelnen Klüften angerrvffen wird, oderauch, wenn es zwar gang- weise brichi, aber sich doch nnr in einzelnen kleinemStellen ergiebig zeiget; meng. 2) J„ engerer und gewöhnlicherer Bedeutung find dicNieren indcnthierischeilKörpprnläugllch runde, fleischige, röthliche, aus Adern und Drüsen bestehendeTheile, welchezu Heyden Seiten unter der Leber und Milz liegen, und zur Absonderung des Harnes von dem Blute dienen ; bien. Es sind ihrer in jedem Körper gemeiniglich zwey, welche auch wohl collective imSiugular die Niere genannt werden. Figürlich wird au den Pferden die Stelle des Riickgrathss von dem Ende des Sattels bis zur Gruppe, die NieLen genannt, weil sich diese unter derselben befinden. Die biolischeFigur, nach welcher dieNicren'ftir dasganzeBegehrimgs- verrnögen, für das Heb;, gcsctz. t werde», ist ein Hebpaismus, welcher im Den scheu völlig ungewöhnlich ist. > Anni. Im i zten Jahrhunderte Nper, im Däp'. Npre, im Schwed.,R jure, im.Island. Al/ra-, im Pohl». Rerks. Er hat das völlige Ansehen eines sehr alterr Wortes, ob cs gleich ben den altenSchriftstclleru nicht verkommt. Koro nennt dieNierc»I,ev!i, Raban Maurus im öteu Zahrhunderke b, 6 ucitbrctloni, Lcnden- Nie ' M braken, Notker L. eiuealteübcrsetzrmg derSprüchcSalom. üiis demAtlfange des lzccnJahrhnndcrrcsLewte, welches letzten« wenn es nicht ein Lese - oder Druckfehler für Leute ist, zu Äloß, Niedcrs. Nloor, gehören kann, sowie Niere mit Anorre Eines Geschlechtes ist. Bcyde bedeuten eine rundliche verbundene Maste. Frisch glaubte, daß es durch ejne Versetzung aus dem Lat. kerr entstanden si'y. Die Nrerenbeschweruny, plur. die— en, eine schmerzhafte Empfindung in der Gegend der Nieren, welche sich oft bis in die Harngängc erstreckt, und von einem Steine, Griese oder einer schleimigen Materie herrühret; Repüritis, das Nierenweh, die Nierenkeankheit. r Der Nierenbrateir, des—s, plur. ub vom. lm». dasjenige Stück von den: Rückgrathe einesLHieres, wo die Nieren gesessen haben, wenn er als ein Braten zugerichret wird. Bey einem ausgeschlachteren Kalbe ist eS dasSlückdesHinLcrviertels zwischen den langen Rippe» und der Keule, mir der daran befindlichere Niere. ' ' , 'v Das Nierenfett, des—cs, pIur.Lnuk. das Fett, mit welchem die Nieren in den thierrschen Körpern gemeiniglich umgeben sind. Das Nierensteber, des — s, pj ur. doch nur von Mehrern Arten, ut-uom. 6 uZ. ein hitziges Eutzüudungsfieber, mit welchem die Entzündiuig der Nieren gemeiniglich verbunden ist; k^ebris j^epftrUiüjs. N erenförrnig, er, —sie, a 6 j. et LÜv. die Gestalt oder Form der Nieren habend, d. i. aus verschiedenen kugclartigen Erhöhungen bestehend, wie z. B. die Kalbsnieren. Der Nierengries, des—es, plur. inus. Gries, d. i. grober Sand, welcher sich zuweilen in den Nieren erzeuget; zum Unterschiede von dem Blasengriese. Die Nervenkrankheit, plur. die—en, S. Nierenbeschwcrung« Das Nierenschmalz, S. Nierenstolle. Die Nierenschnitte, plur. die — n, in den Küchen, Semmel- schnitten, welche mit gehackten Nieren, Eyern u. s. ft bestrichen und aus heißem Schmalzegebacken-weeden; mit,einem ausländischckL Worte Possesen. Der Nrerenstsin, des — es, plur. die — e. 1) Ein Stein, welcher sich zurveilen in den Nieren erzeuget, zum Unterschiede von dem B!aft.nstcine; Galeulus revum. 2) In der Mineralogie, ein tbönartiger Stein von grüner Farbe, weicher zu dem Specksteine gehöret und dem Serpcnlli'.steiiie sehr nahe kommt, nur daß er härter ist. Er ist fettig anzufühlen, und von verschiedener Durchsichtigkeit; l,Lpis Äepüriticus, Lendenstein, Franz. 8 isclre, Jral. OüaÜL clel kchuvcd, Span, l^iucks. Die Nierenstolle, plur. die — n, in denKuchen, 'zerlassenes Nirrentalg, welches man in Gestüt einer Stolle erkalten kaffe«., und es nachmahls wieder an den Speisen gebraucht , Nieren- schmalz. S. Stelle. Das Nierenstück, des —es, plur. die—e, Diminnt. das Nie- renstüLchcn, ein Stück Kalbfleisch mit der Niere, oder mit einem Theilc der Niere. Das Nierenraltz, des—er, plur. ivuk. dasjenige Talg , welches die Nieren bey den; Rindviehs umgibt. Dav Ntkre^'rueh, des—es, plur. i u ul. S. Ni e re no e sch w er 1: n g. Nierenweise, »ckv. S. Niö-re i . Nicrirg, aüj. et «clv. V. ebendas. Das Niesekraut, des — es, plur. ivus. in einigen Gegenden, ein Nähme de- Bcrrrams, ^Nnlle-r. I^tarmicaL,. weil es niesen macht. Nieselt!, ve'ko. re». s er. ebneut'-.welchcs im letzter« Falle das Huchs wo. t h u b c'7 erfordert, durch die Nase reden ; im gemeinen Leben n'üßeln, nüffeln, schnussettr, Hey dem Picrorius iiudern. Zi r 'Z« L07 Nie In engerer Bebeutung, die Hauch- und Gaumenlaute mit einem durch die Nase getönten n begleiten, wie z. B. den Franzosen cigenchümlich ist. Die nieselnde Aussprache. (S. Nasenhauch.) Es stammet von Nase ab. Das Nresemittest, des — s , plur. nt uom. ssnZ. ein jedes Arzeneymittel, welches das Niesen verursacht. Niesen, vsrb. reZ. neutr. ivelches dasHnlfswort haben erfordert, und dieheftige mit einem erschütterndenGcräusche verbundencAns- stoßung der Luft, besonders aus der Nase, bezeichnet, welche von einer couvulstvischen Zusammcnziehung aller zum Acbemhohlen dienlicher Muskeln, auf Veranlassung der Geruchsncrven herrüh« rct- Schnupftabak macht niesen. Daher das Niesen. Anm. In den Monsseischen Glossen niuHo, wo auch Xio- das Niesen ist, im heutigen Oberd. niesten, in: Engl. Mir Vorgesetztem Zischlaute to lckeere, im Dän. nyse, im Schwed. viusa, imAngelst uiNcku, imZsländ. mil der gewöhnlichen Vertauschung des r und s, nsra, womit auch das Hebe. ON'NI überein kommt. Es ist ohne Zweifel eine Nachahmung des mir dem Niesen verbundenen Lames, so wie schnäutzen einen andern verwandten Laut ausdruckt. Ein Nieser, Obrrd. Wcstcr, ein ein- mahliges Niesen, ist nur im gemeinen Leben üblich. Die letzte Halste des Lat. lteroutLre scheint vermöge der so häufigen Vertauschung des s und t gleichfalls hierher zu gehören. Die Niedersachsen sagen statt dieses Zeitwortes prusten, prusten , und auch im Hochdeutschen sagt man von den Pferden, daß 6 e brausen, wenn sie niesen. In Frauken ist auch pfnischen üblich. Das Niesepulver, des— s, plur. doch nur von mehrccn Arten, ut nonn. stuK. ein Niesemittelin Gestalt eines Pulvers. Die Nieserpurz, plur. inust eine Pflanze, welche in dem südlichen Europa einheimisch ist, deren zaserige Wurzel wegen ihres scharfen flüchtigenSalzes das Niesen verursacht; tteUestommst,. Lhristwurz, Ohlroschen. Die weiße weservurz, zum Unter- schiede von jener schwarzen, gehöret zu einem andern Geschlechts, wohnet aufde.u BergenÖsterreichs, Italiens und Rußlandes, und hat eine längliche Wurzel, welche gleichfalls Niesen erreget. Die wilde Niesewurz, hat diesen Nahmen wobt nur we, gen einigerÄhnlichkcit in der äußern Gestalt; bey den ättern Keäu- terkundigen heißt ste klelledorine. Der Nießbrauch, des—es, piur. inust der Gebrauch des Geniestes einer Sache, d. i. ihres Ertrages oderMutzcns; D.l'us- fructus, die Nutznießung, der Genuß, bey Oberdeutschen Schriftstellern auch der Geniestbrauch, die Nitßbarkeit, die Niestung, die Abnutzung, die Fruchtnießung. Den Nießbrauch von etwas haben, dru Ertrag davon genießen, im Obcrd. auch Hey Nutz und Gywä'br fitzen; im Gegensätze des Eiaenlhu- mes. Im Oberd. hat mar» .vlch düs Bey - und Nebenwort nieß- barlich, derNießbarkeit, d. i. demNießbrauchegemäß, in demselben gegründet. Ein Gut niestöarlich befitzen, den Nießbrauch desselben haben. Bey dem Kero ist ^ul^iuuucssar derjenige, welcher den Nießbrauch hat, bll'usructuurftrs. Das Zeitwort niesibrauchen und Hauptwort Nießbraucher kommen selten vor, ob ste gleich cingesühret zu werden verdienten. *N'.eften, verb. irreZ. nsu'r. (S. Geniesten) welches im Hochdeutschen völlig veraltet ist, und eigentlich essen bedeutet zu haben scheinet. S. Genießen, welches dafür üblich ist, und Nutzen, welches mir zu dessen Verwandtschaft gehöret, so wie vermuthlich anch m'eblich und Nudel. Das N et, des—es, plur. die —e, Diimnut. das welchen, Ooerd. Nitt!e:n, ein Wort, welches ehedem einen jeden Nagel, Pflock oder dergleichen älinlichesWcekzeug, wodurch etwas befestiget wü d, bedeutet zu haben scheinet. In diesem Verstände kommt cs kocc) in der R. A. vor, met-und nagelfest, h, i. mit Nieten und Nie Loz Nageln in und an einem Hause befestiget, (S. Nagelfest.) Außer diesemFalle gebraucht man cs nur noch von einem stumpfen metallenen Nagel, welcher zwey Theile mit einander verbindet, und an einem oder bcpden Enden mit der Finne des Hammers in dieBreite ausgedehnet wird, damit er halte; ein Nietnagcl. Z. B. das Niet in einer Schere, welches die beyden Blätter oder Klingm derselben verbindet. Etwas mit einem Niete befestigen. In einigen Gegenden werden, dem Frisch zu Folge, auch die abge- zwickten Spitzen der Hufnägel Niete oder Weckern genannt. Anm. Niederst Neeb, Neednagel, Böhm, Gottsched und Heinze legen diesem Worte das weibliche Geschlecht bey, die Niete. Ich habe es nie in demselben weder gelesen noch gehöret, sondern beständig in dem »mgewissen. S. 2 Nietern Die Niete, plur. die—n, ein Loszettel, welcher ohne Gewinn heraus kommt. Eine Niete ziehen, nichts gewinnen. Niederst Niete, Schweb. Niet. Es flammet ohne Zweifel aus Holland und dem Holländischen niet, nichts, her. Das Nreteisen, des—s, plur. ut vom. livA. bey der; Hufschmieden, ein Eisen, die Hufnägel damit umz,mieten. 1. *Nieten, verb.rsZ. reci'pr. welches nur im Oberdeutschen üblich ist, stch beflrebcn, sich bemühen, sich sauer werden lassen. Sich über etwas nieten. Er hat sich viel genietet, er harfichs sauer werden lassen. Sich zernieten. Mehrere Verspiele führet Frisch an. Es hat eine sichtbare Übereinkunft mit demLat. uiti, ohne eben von demselben abzustammen, indem es mit Noth, kneten, und vielleicht auch mit niedlich eines Geschlechtes Ist. Das Niederst niten, mit den Hörnern oder mir dem Kopfe stoßen, und niec.sk, nerelsk, stößig, gehöret gleichfalls dahin. In dem Bremisch- Niedersächsischen Wörrerbuche wird es irrig von dem Engl, ^est, ein Rind, Angelst iS. Noß,) abgeleitet. 2. Nieten, verb. reZ. Lct. r) Vermittelst eines Nietes befestigen. Zwep Stücke zusammen nieten. (Siche auch vernieten.) r ) Einen eingeschlagenen oder zur Verbindung eingeffeckten Nagel an dem Ende breit hämmern, ihm gleichsam einen Kopf hämmern; vernieten, z) Die hervor stehende Spitze eines eingeschlagenen Nagels umbiegen und Niederschlagen, besonders in dem zusammen gesetzten umnieten. Anm. In einem altenVocabnlario von -482 wird npeterr durch wiederbiegen erkläret. Im Niederst lautet dieses Zeitwort nee- den, neen, nien. Frisch lasset es von nahen, Naht, abstammen , da cs denn verbinden überhaupt bedeuten würde. Allein es kann auch zu Nadel, Nessel, (Niederst Nettest) und andern dieses Geschlechtes gehören, und zunächst den Begriff der Spitze aus- drucken. Der Nrethlrnrmer, des — s, pftrr. die—Hammer, bey verschiedenen Handwerkern, ein Hammer, welchen man auf das eine Ende des Nietes halt, wenn man bas andere Ende breit hämmert; bey den Schlössern aber der Lankhammcr, weil er zum Vernieten auf der Bank gebraucht wird. 1. Der Nietnayel, des—s , plur. die — Nagel, ein Nagel, welcher am Ende eine Vernietung bekommt, breit gehämmert wird. 2 . Der Nietnagest, des —s, plur. die—nagest r) Ein Stückchen von dem Nage! eines Fingers , welches sich von dem übrige» Theile absonbert, unten aber mit der Wurzel «n dem Fleische fest fitzet, und Schmerzen verursacht. 2) Eiu Stückchen aufgesprungene Haut an dem Nagel am Finger, welches oft weiter reißet und alsdann empfindliche Schmerzen verursacht; in einigen Gegenden das Nagelstroh , die Nagelwurzel, der Neidhaken, im Niederst äungertitten, Himgerzitzerr, Dan. Näglerod. Die schmerzhafte Empfindung von Heyden Arten von Nietnägeln wird auch der Na<- gelzwang, Schtvrd. genannt. Anm. Nie Nir -09 Anm. In dm gemeinen Sprecharreri lautet dieses Wort bald Neidnagel, bald Neider, bald auch Niednagel. Gemrirnglich sichet man es als eine Figur der vorigen Nietn ägcl an. Allein die Nieder-sächsische Mundart, in welcher dieses Wort Nothnagel lautet, beweiset, daß cs mit i'Nieten, zu Noth gehöret, und . .einen Nagel bedeutet, der Schmerzen verursacht, daher erii.Niek- nagel im Engl. auch ^NZnail, Airgstnagel, genannt wird. So fern nieren, sich heftig bemühen, stoßen, und figürllch Schmerzen verursachen, auch nur Neid, heftigrLeidcnschaft,verwandt ist, lassen sich auch die Schreib-und Sprecharten Niednagel oder Neidnagel vertheidigen, wenn man nürdabey nicht an den Neid in der cheritigen Bedeutung denke, wie der große Haufe zu thun pflegt. Der Nietpfüffe, des— n, plur. die —n, bey den Schlössern, ein Pfaffe, d. i. eine Art Meißel, welchen man auf die Niete, zu weichermalimit dem Hammer nicht kommen kamt, setzet, und nur dem Hammer darauf, schlägt. S. Pfaffe. Die Nifel/ S. Feifel. 'Nrffebn, verb. reZ. act. welches nur in den gemeinen Sprech- arten für reiben üblich ist, wofür mau auch wohl rtffelnzu sagen pflegt. Das Hol; hat sich stark abgcniffclt, abgexrffelt, oder a b gerieben. Die Niftelyeraöe, xlur. die—n, diejenige Seradr, d. i. das» jenige Geräth, welches die nächste Niftel, d. i. Nichte, oder Wlutssreundüin mütterlichcrLinie,von ihrer verstorbenenMuhme, Base oder Niftel erbt, welches, weil es die Hälfte der gewöhn- lichenGeradc ausmachr,auch die chalbeGerade genannt wirb Von Niftel,welches ehedem auch für Nichte üblich war, S.das letztere. *Der Nißawitz, des—es, zilur. die — e, ein imOsterreichi- fchen üblicher Nähme des Bergfinken, welcher in Niedersachsen Quäker genannt wird. (S.Bergsink.)DasWortscheinelSlavo- nischen oder Ungarischen Ursprunges zu.scyn, wenn cs nicht eine Nachahmung seines Geschreies ist. Nikolaus, ein aus dem Griechischen entlehnter männlicher Tauf- nähme, von r^ii,, der Sieg, und-.«04, das Volk, welcher im tzemeineil Leben in Nickel, und mit Wcgwerfung der crstenSylbe in Rlaus, Claus und Dlas verkürzet wird. Das Nilpferd, des— es, plur. die— e, ein vicrhufiges vier- füßiges Thier, welches der Gestalt nach einem Schweine gleicht, so groß wie ein Bär ist, und im Wasser lebt; klippopotamus. Es hält sich in einigen Flüssen in Asien und Afrika, besonders aber in dem Nile auf, und gleicht übrigens weder einem Pferde noch einemOchsen, ungeachtet es auch Flußpferd und Zlußochse genannt wird. Nlmrner, ein Umstandswort derZeit, welches eine doppelte Bedeutung hat, und allem Ansehen nach auch zwiefachen Ursprunges ist. i. Zu kemer Zeit, niemahls,so wohl von einer künftigen, als von einer vergangenen Zeit, im Gegensätze des immer, aus welchem und der alten Verneinung ni, es auch zusammen gesetzt ist ; bey demOttfried yiumer, bey welchem jamsr für immer vorkommt. Die.wolkcnjaulc wich nimmer von dem Volke des Tages, 2 Mas. »Z, 22. Das Feuer soll nimmer verloschen, . Z Mos. 6, 12. Der Gottlosen Bauch hat niwm«?r genug, Sprichw. rZ, 2L. Das Auge stehet sich nimmer satt, Pced. r, 8. Hochmnth thut nimmer gut, Sir. Z, ZO. Faule Leute werden nimmer reich. Las werde ich nimmer vergessen. Mein Ürchcil das mir fällt, * Das kostet nimmer Geld, Weil solches unbestellt. Mein Richter mir bestellt, Logau. D er mit bestälter Asche, nimmer müde» Len rasenden Encelador Zurrickc warf, Raml. ZlO Im Hochdeutschen ist doch dafür memahls, nie, und in manches Fällen das verstärkte nimmermehr üblicher. Das nicht ist hier eben so überstüßig und fehlerhaft, als bey andern verneinenden Wörtern. Mer nimmer nichts versucht, der weiß nicht was er kann, Loga«. Im gemeinen Leben macht man mit diesem Worte allerley Zusammensetzungen. Ein Nimmersatt, Nimmcrgenug, welcher nic'mahls satt wird, memahls genug hat, Nimmerfroh, der nie- mahls froh wird, Nimmernüchtern, der memahls nüchtern ist, auf Sancc Nimmersrag, memahls u. s. f. 2. *§ür nicht mehr, nicht wieder, die Wiederhohlung oder Fortdauer zu verneinen , im Gegensätze des wieder und noch; da es denn aus nie und mehr zusammen gesetzet ist. Es ist noch um ein kleines, so ist der Gottlose nimmer, Ps. Z7, ro. Wenn nimmer Hol.; da ist, verlefchrt das Feuer, Sprichw. 2.6, 20. wenn der Wind darüber gehet, so ist sie nimmer da, Ps. r c, z, 26. Ich will ihrer Sünde nimmer gedenken, Zer. 31,34; wo bessere Ausgaben nicht mehr haben. Er kommt nimmer. Ich konnte die Schmerzen nimmer ausstehen. Nimmer thun ist die beste Buße, nicht mehr thun. Zn dieser Bedeutung ist es nur in den gemeinen Sprecharten, besonders Ober- deutschlandes, üblich. Die anständige Schreibart keune.tsie nicht. Anm. Bey dem Ottfried niemer, bey denSchwäbischeuDich- tern niemer, im Niederst nÜmmer, im Engl. riever. Nimmermehr, aäp. temp. schlechterdings zu keinerZeil, in der ersten Bedeutung des vorigen NebemvorLes, und nur von einer künftigen Zeit. Der Gerechte wird nimmermehr umgestoßen, Sprichw. 10, zo. Liebe höret nimmermehr auf, t Cor. 23,3. Bedenke das Ende, so wirst du nimmermehr Übels rhun, Sir. 7, 4». Las soll nimmermehr wieder geschehen. Nun, und nimmermehr, eine Verstärkung des nimmermehr. Nein, nun und nimmermehr soll das geschehen. Nimmermehr wird das geschehen. So kommen wir nimmermehr zu Stande. Zuweilew wird cs auch figürlich als eine starke Verneinung gebraucht. Las will ich nimmermehr hoffen. Sie werden doch ihre Brant nimmermehr bep einem fremden Menschen alleine lassen 2 Weißx. Las hätte ich nimmermehr gerächt. Bey dem Stryker nimmermere. Der Nimmersatt, ludst, inclecl. eine Person, welche memahls satt wird, im gemeinen Leben. (S. Nimmer i.) In engerer Bedeutung ist der Nimmersatt eine Art Pelikanes oder Löffelgans, weicher >0 groß wie eine Gans ist, einengroßen Kropf,hoheLeine, einen konischen am Ende gekrümmten Schnabel, einen schwarzen Schwanz undschwarzc Füßehat z lalltLlus hochbeini- gerMauchler,Baumpelikan,weil er sich aufdenBäumen aufhält. Nippen, verd. reZ.veukr. mit dem Hülfsworte haben, welches nur in den gemeinen Sprecharten üblich ist, im Trinken kleine, behende Züge thun, wenig auf Ein Mahl trinken. Nirgend, Nirgends, ein Nebenwort des Ortes- an keinem Orte, im Gegensätze des irgend oder irgends. Hab ich-doch nirgend keine Hülfe, Hiob 6, r z. Ein Gott desgleichen nirgend ist. Es. 46, 9. Ein Prophet gilt nirgend weniger als in feinem paterlandc, Matth. iZ, 7. Ich weiß nirgends hin. Ich sehe es nirgends. Im Grabe ist Trost für mich, sonst nirgends, Weiße. Nirgends wo, im gemeinen Leben, für nirgends. ' A'nm. Im Niederst ncvgen^ nargens. Zn dem alten Fragmente auf Carl» den Groß?» bey dem Schifter kommt dafür n i e- v/Li e vor, von war, wo, so wie in den gemeinen Oberdeutschen Mundarten statt nirgends anch m'enen, nienent, und nindert, im Gegerrsaue des indert üblich. Nirgends mit dem s am Ende ist LIL Ris ist im Hochdeutschen üblicher als nirgend, so wie irgend häufiger ist, -als irgcnds. Im Böhmischen lautet dieses Ncbemvvrt Die Nische, plur. die—.,,, Dimmut. das Nrschchen, Oberd. N»schlkin,xln aus dein Franz. Ricke entlehntes Wort, eirieAus- höhlungm 8 er Wand eines Gebäudes zu bezeichnen, cinBild, oder eine Bildsauledacrin zu stellen; die Blende, Bildcrbleude. In den gemeinen Sprecharteu auch Nitsche. Jtal. Rice!,io. ^Der Nlscheb, des —s, plur. utnorn. liNA. nur in den gemeinen Sprecharten, besonders Obersachsens, den Kopf im verächtlichen Verstände oder i,u Scherze zu bezeichnen, verflucht, die Haare fahren mir alle auf dem Nischel empor, Weiße. Es scheinet zu Nuß, Niere, und allen Wörtern dieses Geschlechtes zu gehören, welche etwas Rundes, Erhabenes bedeuten. In einigen Gegenden wird derMosspcrliug Holznischcl und Muschelnischcl genannt, wo eS aber zu einem aiidernGtainiiie gehören muß. —Niß, eineAbleitungssvlbe, welche Hauptwörter aus Bey . und Zeitwörtern bildet, welche thcils die Handlung selbst oder einen Zustand, theils aber auch eine Sache, welche etwas lhut, oder auch welche gelhau wird, einen Ort u. s. s. bedeuten. Die Wörter, aus welchen vermittelst dieser Endung Hauptwörter gebildet werden können, sind r) Bn,Wörter, von welcher Art Finsterniß, Wildnis, Geheimnis, und die veralteten Schweres und Wärnis find. 2) Zeitwörter, deren Anzahl größer ist. Die Bildung kann hier so wohl von dem Justuitive geschehen, da denn die erhallten Hauptwörter zuweilen die Stelle der Veeba- lium auf—ung vertreten, wrcEmpfängnlß, 8 äulnlß,Verdammnis, Erlaubnis, Fahrnis, Dümmer,»iß, Besorgnis, Begeg- nrs, Beschwernis, Ärgernis, Hindernis, Gaumnis n. s. s. Da deilir, wenn die beybetzalrcue Sranruisylbedes Zeitwortes sich schon auf ein n endiget, das t euphvnicum eingeschaltet wird, wie Denntnis, Erkenntnis, Bekenntnis. Als auch von dem Mittelwort der vergangenen Zeit, da denn, wenn sich dasselbe auf rin t oder en endiget, diese weggcworfen werden; ans welche Art Betrübnis , Bündnis, Geständnis, Begängnis u. s. s. aus betrübt, gebunden, gestanden, begangen gebildet sind. Nur der Wohllaut behält zuweilen das r ben, wie in Bewandtnis, Vermächtnis, Gedächtnis nud vielleicht noch einigen andern. Gemeiniglich werden auch die Selbfilauter a- o rrud u, in ä 0 und Ü verwandi-lt. Nur Erlaubnis, Fahrnis,, Bewandtnis, Verdammnis, Besorgnis, Befugnis und Erfordernis behalten ihre L-clbstlantcr. Was dir Bedeutung dieser Wörter betrifft, so hängt selbige von denjenigen Wörtern ab, von welch n sie gebildet worden.^ 1) Sind cs Bcywörter, so bezeichnen sie so wohl das Absträcrum, als auch das mit der Tigciischafl des Bcy- worres begabte Ding. 2) Die von Infinitiven gemachten Hauptwörter, bedeuten theils die Handlung, den Anstand, wie Begräbnis, Gefängnis, Verlöbnis u. s. s. bekommen aber auch verschiedene figürliche Bedeutungen, und vertreten im ersten Falle die Zeitwörter auf —ung; theils aber auch ein Ding, welches die Handlung des Zcitwones verrichtet, welches L. l >, lewe Perlon seyu darf, wie Bedrängnis, Fahrnis, was sebret oder fich bewegt, wrlches aber auch von dem Miticlworle gcmacht fern» sann, etwas welches beweget wird, Beoegnis, was uns begegnet, Beschwernis, Mgerms, Hindernis', Versäumnis, Bedürfnis, was man bedarf, Behältnis, was etwas auf-- l r >älr n. h s. z) Diejenigen, welche Voit dem Mittelwerte der rergangetten Zeit Herkommen, bezeichnen theils, so Ivic die von Beywortern, ein A bsina- t'nn, oder den Zustand, theils auch etwas !a-.' aethan wird; w:e Bündnis, Geständnis, Vermächtnis, G.'d-Q.t.us, Verständnis, Bildnis u. s. s. In manchen Wör- rommer; mehrere dieser Bedeutungen zusammen, und alsdaim v Niß L12 fchciilek auch da s Wort so wohl vor; dem Infinitive, als auch von dem Mitielworte zugleich gebildet zu ftyn. , Mit deiu Gcschlechte diescsWortes haben sich die Sprachlehrer viel zu schaffen gemacht. Zu dem 2 ten Bande der Schriften der AuüältischeuDcutschen Gesenschafr ,virdS.. 4 Z 2 auffiebeu Blättern üavoir gehandelt; Hcynatz widmet demselben iit seiuern zchn- teil Briefe gleichfalls stebcnBlätlcr, und Stosch handelt in» dritten Theilc seiner Dcstinuurmg gleichbedeutender Wörter S. 41 8 auch davon. Daß die Wörter auf—nis so wohl im weiblichen als nn<- gewiffeu Geschleckte üblich sind , gestehet ein jeder ein. Die meisten »vollen rnit Gottscheden das weiblichcGeschlecht gebrauchen,wenn cm Wort das Abstractim» oder die Handlung, bedeutet, und das uilgewrffe, wenn es im Concreto gebraucht wird. Ich weiß nicht, warum sich bloß die Wörter auf —nis diesemGcsetze ui'iterwcrfen sollen, da »vir so viele tausend andere haben, welche so wohl in» Abstracto als Conöreto gebraucht werden, ohne jemahls ihr Ge, schlecht zu ändern. Das' sicherste ist also wohl,man halte sich an den Gebrauch, und lasse einem Worte dasjenige Geschlecht, welches demselben am häufigsten gegebeü wird. Frrylich ist der Gebrauch hier sehr schwankend und ungewiß. Im Oberdeutschen sind die meisten Wörter auf nis weiblichen Geschlechtes, obgleich auch viele daselbst im ungewissen, üblich sind, denen »vir im Hochdeutschen das' weibliche beylegen. Die Hindernis, die Bildnis, die Bündnis, die Gefängnis, das Wildnis, das Finsternlß, das Fäulnis u. s. s. sind lauter Oberdeutsche Formen, und mau gebraucht sie, obne guf die Bedeutung zu scheu, das Wort mag ein Abstractum oder ein Concretum bezeich. neu. Hingegen lieben die Niedersachsen in diesen Wörtern das ungewisse Geschlecht, ohne doch das weibliche ganz aus'zuschließen. JmHochdeiuschcn find folgende am häufigsten »veiblichen Geschlechtes; die Betrübnis , die Bedrängnis, die Bewandtnis, die Besorgnis, die Beschwernis, die Begegnis, welche beyden .letzter»» doch nur selten Vorkommen, die Empfängnis, die Erkenntnis, die Erlaubnis, die Fahrnis, die Finsternis, die Fäulnis^, die Renntnr's, die Dümmernrs, die Verdammnis, die Wildnis, und vielleicht noch einige andere nicht s» übliche. Das ungewisse hingegen bekommen: das Ärgernis, das Bedürfnis, das Befugnis, das Begräbnis, das Bekenntnis, das Bündnis, das Brldnis, das Behältnis, das Einverständnis, das Erfordernis, das Geheimnis, das Geständnis- das Gedächtnis, das Gefängnis, das Gleichnis, das Hindernis, das Leichenbegängnis, das Misverständnis, das Versäumnis, das Verlöbnis, das Verhältnis, das Vermächtnis, das Verzeichnis, das Verhängnis, das Zeugnis, und vielleicht noch cirnge andere. Wollte man diese nach der Regel formen, daß sie weiblich fern» sollten, wenn sie den Zustand oder die Handlung bedeuten, aber ungewiß, wem» sie ein Concretum bezeichnen, ss mußte mau der» ganzen Sprachgebrauch umschasscn, ohne eben etwas gethan zu haben, welches die Mühe bclohncte. Einige der jctzt angeführten Wörter sind imHochdeutscheu zwejfelhaftmird bekommen in einerley Bedeutung von einigen das weibliche, von andern ober das nngcwiffcGeschlecht, je uachdemjederderObcr- oder Niederdcuti chciiMiiildart günstiger ist. Einige andere find in verschiedenen Bedeutungen wirklich in bendcn Geschlechtern üblich, und diese nuiß man denn frcylich so lassen wie sie sind. Veen»,üblich rühret solches daher, daß cs in der einen Bedeutung von denOber- dcntschen, in der andern aber vo»r den Niederdeutschen entlehnet worden. Die Oberdeutsche Mundart liebt diese Ableitnngssylbe vorzüglich, daher sind in derselben eine Menge solchcrHaupuvörter gangbar, welche die übrigen Mundarten, und folglich auch die Hochdeutsche nicht kennen. Viele derselben s»ud voirHkynatz,und im-ten Bande Künde der Schriften der Anhältischen Gesellschaft, an den angeführten Orten anfgezählet worden. Sie könnten aber gar leicht vielfach vermehret werden, wenn es die Mühe belohnet. Es scheinet sogar, daß man im Oberdeutschen täglich neue Wörter vermittelst dieser Sylbc bilde, wenn man sie bedarf. Im Hochdeutschen ist diese Freyheit nicht so uneingeschränkt, und es machte viel Schreibens, als Abt das Wort Empffndniß von demZustande des Empfindens gebrauchen wollte. Diese Sylbe ist sehr alt, und lautetbey dem lllphilas—llaffus, bep den ältesten Oberdeutschen Schriftstellern—nicke, nicko, mlln, welche Endsylbcn n, e, o zugleich Beweise des weiblichen Geschlechtes sind, bey den heutigen Oberdeutschen—nuß und im Plural—misse, im Angriff—nicke, —r^cke, -nolls, im Engl.—nels. Die Alten machten gern Abstracta damit, So ist imJsidorMicknillo dieMilde, und ttsrlnicka dip Härte. Im Nicders. woes doch seltener vorkommt lautet es —nis und—nisse, Drovnis, Betrübniß, venknisse, Gefängniß, Gefangenschaft, Düsternis, Finsierniß, Erfnis, Erbe, Eigenthmn. Um die Abstammung dieser Sylbc, welche doch gewiß kein leerer Schall ist, hat sich noch niemand bekümmert. So fern die eoncrete Beden- tung, wie sehr wahrscheinlich ist, die erste und älteste ist, scheinet es mitNoß, Nuß, so fern cs noch in manchen Gegenden eiwDing überhaupt bedeutet, verwandt, oder vielmehr ein und'eben dasselbe Wort zu seyn, S. Noß. Lie Nisse, ling. inu 5 . i) Die Eyer der Läuse, besonders in den Haaren. Nisse haben. Die Nisse abkämmen. 2) Auch die Eyer der Bienen werden von einigen Nisse genannt, dagegen sie bey andern, welche die Bienen für ein lebendig gebärendes Inject halten, Maden heißen. - . Anm. Bey altern Oberdeutschen Schriftstellern Ri^re, im Nieders. New, im Engl. Rits, im Wallis. Reit, im Angels, mit dem Vorgesetzten Hauche Unitu, im Däu. Gnid, im Schwed. 6net,imBöhm.ttni6L,imPohln. 6nicla,im Griech. »§04. Es bedeutet ohne Zweifel einen kleinen runden Körper, jo ww Nuß einen solchen größer», (S. das letzte.) Auf ähnliche Art heißen stc im Lat. Gentes, indem Linschcn, Lieschen, auch im Deutschen von einem sehr kleinen Stückchen gebraucht werten. Der Singular wird selten gebraucht; sollte er nörhig seyn, so, müßte das Wort in demselben die Niß heißen. Nisten, verb. reZ. neutr. mildem Hüljswone haben, sein Nest bauen oder bereiten, am häustgsten in Beziehung und mjtMeldung des Ortes. Dicvögelnrsten auf den Ledern, Ps. r04, >7. Daß des Sommers die Vogel darin nisten, Es. ,8,6. ThnL wie die Tauben, so da nisten in den hohlen Lochern, Irrem. 48 , 28. Die Eulen nisten Liif den Birchthurmen und in altem Gemäuer, die Schwalben an den Munden, die Rohrdommel im Rohre. Von solchen Thiercn , welche keine Nester haben, ist es im eigentlichsten Verstände nicht gebräuchlich, ob cs gleich Es. 34 , r L heißt: der Igel wird atich daselbst nisten, und auch Opitz sagt, wo grimme Leoparden nisten. Von Raubvögeln gebrauchen die Jäger dasWort horsten. Jngleichen figürlich, sich an einem Orte scsi setzen, seinen danerhaftenAufenchalt daselbst nehmen, im Scherze und verächtlichen Verstände. Laß Veine LnssZtt bösen Lüsten, ^ In dem l'nncrn Menschen nisten, Gryph. Wofür doch im Hochdeutschen sia- einnistcn üblicher ist. Daher das Nisten. , Anm. Bey dem Willcram und Notker nicken und necken, im Nicders. nesteii, i^Angels. nickiwn, imEngl.lo necklestmFranz. nicüer, im Schwed. näck!s, im LaL.oickfticwre. S. Neff. Nivelliren, S. Abwägen. rldel.W.S-2.TH.2^uss. Dev Nr-e, des-^es, plur. dir— r, ein erdichtetes Waffrr- gespenst, von unförmlicher Gestalt, mit welchem man noch im gemeinen Leben die Kinder zu schrecken pflegt. Man sagt, daß er in den Teichen, Flüssen nnd Seen wohne, und die Schwimmenden, oder auch diejenigen, welche dem Wasser zu nahe kommen, bey den Füßen unter das Wasser ziehe und sie tödte. Die Kinder der Nixen heißen Rielkropfe, weil es in ihren Kröpfen stets kielet oder klnchzet. Anm.Dieses Wassergespenst heißt im Schwed. Recken, im Dän. Nicken und Nocken, im Island. Riknr, auch im Deutschen Hey einigen Nickrrt, im Engl. l^ick, im Mittlern Latein. Roccn, Reccus; Wachter leitete dieses Wort von dem Dän. nocken, ersticken, ab, im Mittlern Lat. necars und velare, wovon derHenkcr im Nicders. Nickcr,und dcrTcufel imEngl. Rick, genannt wird. Allein es scheinet vielmehr ein Überrest der alten nördlichen Mythologie zu seyn, nach welcher Necken bey den altern Schweden der Gott des Mesres war, welcher bey den Griechen und Römern Neptun hieß; welches. Wort mit der erste« Svlbe in Nektar, und wenn man das N, wie aus so vielen andern Wörtern erweislich ist, als einen zufälligen Buchstaben ansichct, auch mit dem altsn Aach, nyuL, Wasser, verwandt ist. Im Dän. bedeutet Nisse einen jeden Kobold oder Poltergeist, und bey den heidnischen Schweden wurden die Genii Nissar genannt. Die Nt-chbume, j)Iur. die — N, im gemeinen Leben einiger Gegenden, ein Nähme des Froschbisses, lst^ckrocÜ3ris I>. welcher in den lehmigen Wassergräben Europens wachset; Der Nobel, des—g, sckur. nt nom. cknZ. eine chemahlige Englische Goldmünze, welche auch in andern Ländern nachge- fchlagen wurde, und deren es von verschiedenem Gehalte gab. (S. Heinrichs - .Nobel, Rosen - Nobel und Schiffs- Nobel.) Der Nähme ist aus dein Mittlern Lat. Robile, Robulus, Robins, welchen Nahmen diese Münze erhielt, als sie 1A44 zum ersten Mahle in England geschlagen wurde. Die Noberge, ckn§. inul. ein nur in den Eislebischcn Bergwerken übliches Wort, wo das Dach der Schiefer, d. i. diejenige Erdoder Steinart, welche zunächst oben aufden Schiefern liegt, die Noberge genannt wird. Die erste Sylbe scheint hiervon nahe abznstammen, weil die Nobcrge doch die nächste Bergart vor den Schiefern sind. DerNobiskruF, S. Obiskrug, "Joch, eine Partikel, welche im Deutschen von einem großen Um- fangeist, und bey einem gehörigen Gebrauche viel zn dem Nachdrucke und zu der Runde der Rede bcyträgt. Sie kommt in einer drepfachen Hauptbedeutung vor, nnd stammet in denselben allem Ansehen nach auch ans einer drepfachen Onellc her. 1. Als ein Bindewort oder Nebenwort, eine Verneinung zu bezeichnen, doch nur alsdann, wenn mehrere Dinge in einzelnen Sätzen oder Gliedern verneinet werden. Rocü sielt ub ers nocb nktuZent, der Burggraf von Riedenburg. Rocb bencke. vocb ckie kuere, eben derselbe. Rocb rück nocb büs öer nie zelnZ, ebend. verhindert, daß noch Recht noch Satzung reden kann, Opitz. Hier will noch Ceres weichen, Noch Bacchus, ebend. Du sollst dich selber nicht noch loben noch verachtest, ebend. In dieser Gestalt ist es im Hochdeutschen veraltet, und wir gebrauchen cs nur zur Fortsetzung einer aus m'ehrcrn Gliedern bestehenden Verneinung, da denn das erste Glied weder bekommt, alle folgende aber mit noch verneinet werden. Er hat weder Geld noch Credit. Er ist weder krank noch gesund. Vcrrio ist K k ä ' weder LlL Noch -Weder zur Freundschaft fähig, noch fähig, Freundschaft in andern zu erregen. Wenn mehrere Sätze auf einander folgen^ welche ans solchen sich auf einander beziehenden Verneinungen bestehen, so wird das weder— noch so oft wiederhohlet, als der Sinn der Rede es erfordert, weder Freude noch Leid, weder Glück noch Stern, weder Ruhm noch Ehre. Im Oberdeutschen wird für weder — noch, da- weder zwcy Mahl gebraucht, S. dieses Wort- Indessen folgt dieses noch im Hochdeutschen nicht bloß auf weder, sondern es setzt eine jede vorher gegangene Verneinung fort, wenn selbige aus einzelnen Gliedern bestehet; sin Gebrauch, welchen Gottsched tadelte, der aber das Ansehen aller Zeiten und Schriftsteller und selbst das Lat. neczue- für sich hat. Ich will dich nicht verlassen, noch versäumen. Bein Mensch noch Thier. Ich habe es niemahls gesehen, noch etwas davon gehöret. Nichts Neues noch Erhebliches. Ein herrlicher Tod, nicht ans dem Rosenbette der weichlichen Muße, nicht gleichgültig dem vaterlande, noch unberühmt bdy den künftigen Enkeln. Es lautet inbieser verneinenden Bedentung schon im Isidor und Hey dem Kero nok, und kommt so wohl in dem Klange, als in dem Gebrauche sehr mit dem Lat. nee und ve^ue überein. Da cs eigentlich auch nicht, und nicht bedeutet, so ist sehr wahrscheinlich, daß es hier aus der altenVerncinnng oi, und off, auch, zusammen gesetzet worden, so wie bcy den ältesten Deutschen Schriftstellern jvff, von ja, und ooff, auch, als ein Gegensatz von noch vorkommt. Die Lateinischen nee und ne^us sind auf ähnliche Art aus ne und ne, und ne und c^ue zusammen gesetzet. 2. Als einNebenwort der Zeit oder Bindewort, die Fortdauer einer gegenwärtigen Handlung zu bezeichnen, für bis jetzt, obgleich mit einem Nebenbegriffe, welcher sich besser empfinden , als durch Worte airsdrucken lasset; im Gegensätze des nicht mehr. Der Begriff des Gegenwärtigen beziehet sich alle Mahl ans die redende Person, oder auch auf d'e gemeldete Handlung. Er lebt noch. Ich weiß es noch. Bist du noch böse? Ist er noch da? Er iß noch immer krank. Es ist noch früh , im Gegensätze des, es ist nicht mehr früh. Als er noch schlief. Die Witterung war noch günstig, als er ansreisete. Rann es noch berverk- Kclliget werden? Wohl ihm, wenn er cs noch ändern kann, wenn es jetzt zur Änderung nicht zn spät ist. Als noch das Vaterland deine Hände bewaffnete, Dusch. warum er unsrer Welt vor tausend andern rief, Als alles in der Nacht der Möglichkeit noch schlief, . Gicseke; besser : als noch alles u. s. fi Weißt du noch, wie schwer.ser'n stolzes Herz mir den Sieg machte? Dusch. So oft ich ihn noch gefragethabe, hatercs alleMahl gelä'ugnet. Die so genannten Großen, werden oft noch bey ihrem Leben sehr klein. Sie nahmen euch doch noch mit ? Wo es in der gewöhnlichen erzählenden Wortfügung nach einer nachdrücklichen Inversion auch voran gesetzet werden kann. Noch ist er nicht da, für er ist noch nicht da. Noch niemahls habe ich so etwas gesehen. Noch ist es Zeit. Noch zur Zeit nicht, gegenwärtig noch nicht. Aber achnoch irr ich immer hin, wohin der Gram mich bannt. Umkränzt mit Rosen eure Scheitel, Noch stehen euch die Rosen gut, Hagcd. Es kann, ob es gleich ei» Nebenwort ist, nicht allein Zeitwörtern, sondern auch andern Aedethcilen zugesellet werden, wo die vorige Bedeutung im Ganzen bleibt, ob sie gleich in einzelnen Fällen zuweilen manche Nebenbedeutungen an sich nimmt. Mit noch Mutigen Händen. Besonders in Verbindung mit Nebcnwöctcrn. Noch heute soll es geschehen. Ich habe ihn noch gestern gesehen, erst gestern. -Da es noch kaum Tag war, vix ckum. Noch Li.6 Der frühe Hahn hat kaum noch den Morgen gegrüßt, Geßn. Raum hatte noch des Schneiders Hand Dem Affen ein erstickt Gewand von bunten Flecken Umgehungen, Gell. I'i dem Gchooße des Glückes ist noch selten ein Mann erzogen worden. Dusch. Zuweilen bedeutetes sehr bestimmt bis jetzt. Der niederträchtigste Mensch, den ich noch gesehen habe. Ost aber druckt es auch eine von jetzt an noch künftige Zeit aus, wo es auch zu der folgende» steigenden Bedeutung gehören kayn. Er wird stoch kommen. Er kommt noch. Er wird, schon noch kommen. Es findet sich wohl noch jemand, der cs thut. was wirds noch werden? Wie lange sollte deine Blürhe und deine Schönheit diese Blumen wohl noch überleben ? Dusch. Wo es denn oft in der vertraulichen Sprechart zugleich audeiitet, daß eine Sache noch nicht geschehen ist. Er soll wieder kommen. Ich soll es noch wieder haben. In Gesellschaft mit den verneinenden Wörtern nicht, nichts, nie niemahls u. s. s. hat es die einfache Bedeutung des bis jetzt. Er ist noch nicht da, im Gegensatz- des schon. Es ist noch nicht Zeit Das habe ich noch nie gesehen. Das ist noch niemahls geschehen. Sagst du mir cs noch nicht, wo er ist? Noch ist die Sonne nicht hinter dem Berge hervor, Geßn. Auch in dieser ganzen Bedeutung lautet es schon bcy den ältesten OberdeutschcnSchrkftstellernnSff, im Niedres, nog, nah. Von dem vorigen ist es ganz verschieden, vielleicht auch von dem folgenden. Es scheinet in der Bedeutung der gegenwärtigen Zeit mit nahe, nun, und neu verwandt zu sepn, zumahl da Kero in dieser Bedeutung nunoff für noch gebraucht. Die Lateiner drucke« es durch Lckkue, eliarnnunc, etiamnum, etisrn ckum u.s.f. aus. Im Oberdeutschen und zuweilen auch im Hochdeutschen wird dafür auch das verstärkte annoch gebraucht. S. dasselbe. 2. Als ein Nebeuwort, welches eine steigernde, vermehrende Bedeutung hat. Eine Zahl oder Menge zu steigern. Er sagte noch, u. s.s. Dazu kommtnoch, es kommt noch dazu, noch kommt dazu, welche Inversionen doch nicht in allen Fällen angehen. Außer dem habe ich noch dieses. Es find ihrer noch mehr. Ich habe dir noch viel zu sagen. Ich habe dir noch etwas zu sagen. Ich will sehen, ob ich nur noch einige Tage Aufschub erhalten kann. Einige Tage sollten nur noch unsere Glückseligkeit verschieben. Noch ist hier eine Bittschrift einer Emilie Bru- neschi, Lcss. Eines müssen sie mir noch versprechen. Ich habe noch für ein größer Geschenk gesorgt, Gell. Für ein noch größeres Geschenk, würde den Comparativ steigern. Und wenn ich auch noch zehn Iahre auf seine Hand warten sollte, Gell. Ich muß dich doch noch etwas fragen, ebend. Besonders mit Zahlwörtern. Sage mir es noch Ein Mahl. Thue es nur noch ein paar Mahl, wenn du noch Ein Mahl wieder kommst. Ich sage es noch Ein Mahl. Noch zwe? Mahl so viel. Noch Ein Mahl so lange. Ich bin des Todes , wenn das noch Erne Stunde währet. Jugleichen mit Comparativen. Noch großer, noch langer, noch weiter. Dar wird meinen Schmerz noch vergrößern, noch größer.ryachem Das macht ihn nur nur noch lieber. Sie ist noch tugendhafter als Doris. Im gemeinen Leben pflegt man das einfache noch zuweilen für noch Ein Mahl so zu setzen, welches aber die gute Schreibart gerir vermeidet, vorhin sang sic noch so artig,- noch Ein Mahl s» .-artig. Es muß noch so viel seyn, noch Ein Mahl so viel. Sehr -/ F 17 Noch Schroff steigert es auch die Intensiv«, besonders anderer Nc- renwörter. Das ist noch weit gefehlt. Es ist noch lange nicht Tag. Nommen.sie noch so spät ? Mancher der sich für noch so weise hält, ist dennoch ein Thor. Raum Hort man noch ein Vögelchen im Gebüsche zwitschern, Weiße. Machen sie mir noch so viele Vorwürfe, Gell, wenn er mich auch noch so sehr bitten sollte.- was ist der beste Mensch, der auf der Lahn des Lebens noch so vorsichtig wandelt L Gell, wenn ,s mir auch noch so sauer werden sollte, eb-end. Und wenn ,s auch noch so sehr mit meinen Wünschen stritte, ebend. Sie habe ihrem Bräutigam noch so viel zu danken, so bin ich ihnen doch eben so viel schuldig, ebend. Ich mag ihm noch so sehr zureden, er thut doch was er will. Ich konnte kaum den Thurm und also noch viel weniger die Airche sehen. Ost bedeutet es, dessenungeachtet, nach allem was vorher ge- schehen, oder im vorigen gesagt worden. Du kannst noch lachen? Du unterstehest dich noch, mich darum zu bitten? Dreß könnt ihr noch von mir begehren ? Gell. Du unterstehest dich noch, ihn zu vertreten und zu entschuldigen ? ebend. Und er konnte »och die Wahrheit für Schmcicheley halten. Ich hatte es deutlich gesehen, und er wollte es noch laugnen. Welche derbe grobe Speise l Und ihr zankt euch noch um sie? Michas. Es kommt in dieserBcdeutunF dem davon gebildeten weit bestimm- tern dennoch nahe, und wurde ehedem gemeiniglich dafür gebraucht. Schon im StenJahrhundcrtc kommt das Qok für dennoch »or, und Otrsried und seine Nachfolger gebrauchen es beständig so, dagegen bcy den Schwäbischen Dichtern ienoft dafür gefunden wird. Noch liest er mit nichtc darvan, Theuerd, Kap. 6 Z„ Wiewohl mein arbeit ist verlsvn Bißher gewesen an dem Held gehervp, Noch so wil ich mein abentheuer Versuchemu. s s.Kap.. 57 . Wo man auch häufig noch dannoht für dennoch findet.. Siehe Dennoch. Oft dienet dieses noch bloß zur Intrusion der ganzen Rede, und bekommt alsdann ülft'rley kleine Nebenbedeutungen welche sich schwerlich mit andern Ausdrücken erschöpfen lassen. Er befahles mir noch aufseinem Tsdbette. Wenn er mir es noch gesagt hätte, so sollte es mich nicht verdrießen. Das ginge schon noch an. Das läßt sich noch essen. Ariel) sein vergehen ist noch ein Verdienst, Gell. Auch selbst der Zorn läßt ihr noch schon , ebend. Sie sollen auch wach meinem Tode noch glückuch sepn. Anni. Auch in dieser Bedeutung bev den ältesten Schriftstellern rrolr, im Niederst nag und noch. In einigen Fällen der Zwn Bedeutung kann es wohl eine Figur der zweytrn styn; all in in den meisten ist es doch wohl eineigenesWorstwilcheü LNlwcderzu nug in genug gehöret, oder auch von auch, vermittelst des n als eines müßigen Vorschlages, welcher sich vor so vielen andern Wörtern fi idet gebildet worden, znmahl da man es im Lat. in den meiste» Fällen durch e;iäm, sliciln u. s. f. ansdrucken muß. Nochmahls, ein Nebenwort, für noch Ein Mahl. Er kam nochmahls zu mir. Ich sage es dir nochmahls. Von dem uuentbehrlichen s am Ende, S. 6 Mahl. NöchmahlÜF, 2ejj. von dem vorigen Nebenworte, was nochmahls ist oder geschiehet. Auf sein nochmahliges Bitten, auf sein wiederhohljes. Das Nock, des — es, plur. die—e, ein nür in öerSeefahrt übliches Wort, das äußerste Ende der Rahen zu bezeichnest. Es stammst ohne Zweifel aus dem Holländischen her. Nor, Die NoLe, xlur. die^n, ein nur im gemeinen Leben einigee Gegenden, besonders in Oöerdentschland, üblichesWort, eine Art in Milch gekochter großer Klößezu bezeichnen. Jtal. Gdoeco, S. Rnocke, welches vermittelst des -Vorgesetzten Gaumenlautes daraus gebildet ist. Die None, plur. die—n, aus dem Latein, von», i) In dcn- Klösiern ist es die neunte Stunde des Tages, d. i. um drcy Uhr Nachmittags. 2) .Inder Musik ist die None, die «m eitle Ockave erhöhcteSecunde. 1. Die Nonne, xlur. die — n, nur in eftu'gcn Gegenden, ein verschniltenesMntterschwein,welches man iürOsnabrnckischcir auch wohl eine Begine zu nennen pflegt. Gemeiniglich hält man es hierfür eincFignr von Nonne, lnovmlis, obgleich die Anspielung sehr hart und ungewöhnlich ist. Allein, so wie 2 Mönch m der Bedeutung eines verschnittenen Thierrs oder Menschen männlichen Geschlechtes, nicht von Mönch, monacku.^fondern von mähen, schneiden, absiammet, so leidet und erfordert auch Nonne eine ähnlicheAbleitmtg,von neiden, jetzt mitdcmZischlaute schneiden, schneiden,stechen. In der Lotharingischen Mundart ist von ebendiesem Stammele Rovoatte, eine Stecknadel. Siche auch das folgende. 2. Die Nonne, plur. die — n, Diminnt. das Nönnchen,Obcrd. Nönnlein, bey verschiedenen Handwerkern ein Nabme eines hol), len Raumes, oder vertieften Gefäßes, so wie 1 Mönch einen hervor ragenden Theil bedeutet. Im Hüttenbaue wird der Ring» worin die Kapellen mit dem Mönche oderStampel geschlagen werden, die Nonne genannt. Bey denBüchscnmacherrr ist die Nonne ein Werkzeug in Gestalt eines Ringes oder einer Hülse, welche auf Ken Zapfen der Nuß gesteckt wird, um den Hahn und dieStudel damit zu vereinigen. Ucher den Hohlzn-geln werden diejenigen Nonnen genannt, welche ihre vertiefte Seite auswärts kehren, zum Unterschiede von den Mönchen, welche die erhabene Seite auswärts haben. Bey den Fleischern ist die Nonne ein breiter Ring oder Trichter, welcher in den Wursibügel gesteckt wird, die Würste durch denselben zu füllen. Im Safflorbaue werden du gepflegten glatten Safflorstöcke Nonnen,die ansgeartcien stachelig, n aber Mönche genannt. Im Niederst ist die Nnnerc, oder das Nlincken, ei« Fläschchen mit einem Zapfen in Gestalt einerBrust- warze, woraus man die Säuglinge saugen täffet; wo es aber auch unmittelbar von dem noch im Niederst üblichen ninnen, nünnken, ninnken, saugen, abstammen kann, wofür in den gemeinen Hochdeutschen Sprecharten mit andern Endlanten nutschen, nudeln und nollcn üblich sind. In Isidors Glossen kommt ILoonui^. von einem Vogelnetze vor. Anm. Es ist in dieser Bedeutung mit dem vorigen verwandt, und hak eine zahlrcichcMcnge vonGeichlechtsverivandleil, obgleich- mit andern Endlauten, dergleichen Napf, Nachen, Nuß und so ferner sind, Z. Die Nonne, plur. die—n, Diminnt. das Nönnchen, Obcrd. Nönnlein, eine gottesdienstliche Person weiblichen Geschlechtes, welche sich in Gemeinschaft mitandern dem ehrlosen Stande widmet. 1) Eigentlich, wo überhaupt alle solche in Gemeinschaft lk> bende Personen weiblichenGeschlcchtcs, welche über dreß noch das Gelübde derArmuth und desGehorsames auf sich haben, Nonnen, genannt werden. In engerer-und gewöhnlicherer Bedeutung sin) es nur die zum eigentlichenGottesdienste gcwidmetenPer sonen dieser Art, welche in der anstäudjgern Sprechart auch wohl Rloster- frauen, Grdensfrauen, Thorfrancn, genannt werden, zum Unterschiede von den Schwestern oder Nlosterschrvestern welche dip niedrigen häuslichen Geschäfte in den Klöstern verrichten. s) Figürlich, wird wegen einer Ähnlichkeit in derGestalt, cineArL weißlicher Taucher mit einem schwarzen Kopfe in einigen Pegen^ Kk r hem den die Nonne oder schwarze Nonne genannt. Bey den neuer» Schriftstellern dcsJnsecten-Reiches führet auch eineArtNachtfal- ter,^jr 3 lnellaLomb/x monLctiL^.denNahmen derNonne. Anm. Im Niederst und Därn Nunne. Das Wort ist in die- scmVersiande alt, indem es schon bey dem Hieronymus vorkommt. Der Ursprung desselben ist indessen so ausgemacht noch nicht. Einige halten cs für ein ÄgYptisches.Wort, andere leiten es von dem Griechischen ab. Allein da es ehedem ein Ehrenwort war, welches jüngere Personen älter» ans Achtung gaben, und auch von männlichen Personen gebraucht wurde, so reicht diese Ableitung nichthin. Normones, U annanes heißen im Mittlern Lat. die altenArmen, welche bey denKirchen verpfleget wurden, idioanos, fagtPapias, vocamus majvres ob rsverentinm, rinm in- ielijZitur pnternL rs-vererrlia. Und in derAegel des heil. Be- nedicts heißt es: juniores nutem i?riore8 luosbionuos vo- cenr, nuock inreUiZitur paseruL reverLntin. Mehrere Weyspiele hat DuFresne gefaminclt. So wie man die bejahrten Mönche aus Achtung?atres, Väter, nannte, so nannte mau sie auch ^ollno8,und d!e Klosterfrauen hlonn/i8, bcydc aberzusau!« men genommen, Konnones und i^onnunes. Ja dnsts Wort wurde so wie t^Lser den ergenthümlichen Nahuren oft Vorgesetzer; ckdlonnusstreckürieus b^onncüus, bey deinCäsarins. Von den Mouche» ist es mit der Zeit veraltet, von denKlostersraiien aber ist es geblieben. So fern nun der Begrsss des Alters in diesem Worte der herrschende ist, so fern kommt es auch mit dem Griech. »ervo?, Vatcrdruder, v«v-q,Mutterschwester, ,ja mit nnftrmAhn silv,L überein, denn das N ist, wie mit so vielen Wörtern bewiesen werden kann, oft ein sehr zufälliger Vorschlag. JmJtal. ist^onno der Großvater, und jdloüNL die Großmutter. Das Nonnenbrot, des—es, plur. Lnus. eine Art Conftctes, welches iu den Nonnenklöstern sehr häufig verfertiget, und aus einem Marzipan-Teige in einer Tortenpfanne gebacken wird. Das Nonnenfleisch, des—-es , xlur. iaust. nur im gemeinen Leben und figürlich, die einer Nonne anständige Verläugiumg der Welt und Sinnlichkeit. Es, ist ihr kein Nonnensteisch gewachsen, sagt mau von einer Person, welche an der eingeschränktcnLe« öeirsart der Nonnenklöster keinen Geschmack findet. Das Nonnenysas, des—es, plur. die—glascr, einNahme der gewöhnlichen Arzeneyglästr. Das Nonnenklöster, des — s, plur. die — kloster, ein für Nonnen gestiftetes, von Nonnen bewohutesKlostcr, ein weibliches Kloster; in der anständigem Sprechart das Frauenkloster. Das Nonnenkraut, Lcs—es, plur. inus. S. Erdrauch. Das Nonnenleben, des — s, plnr. iaus. der Stand, die Lebensart der Nonnen; das Rlosterlehen. Die Nonnenmeise, plur. bie—n, in einigen Gegenden, ein Nähme der Mönchsmeise, ohne Zweifel wegen einiger Ähnlichkeit mit der Kleidung der Nonnen; Franz, ^onnelts. Siehe- Aschmeise. ^ ^ Der Nonnenteiy, des — es, x!ur. irrust. in den Küchen',eine Art des Teiges oder Breyes, woraus allerlei) i» Butter gebackene Speisen bereitet werden. Er wird aus Mehl, Milch, Wein, Eyern und Salz bereitet. "Die Nonnerizelle, plur. die-».», die Zelle für eine Nonne, in einem Nonnenkloster. Das Noppeisen, des— s, plur. ui vorn. liriA. bey den Webern, eine kleine Zange, die Knoten des Gewirkes damit abzu- noppeu , d. k. abzuzwicken. Noppen, verb. reZ. uct. welches nirr noch iu einigen Fällen des gemeinen Lebens üblich ist, wo es so viel wie kneipen, zwicken, rupfen bedeutet. Die Tuchmacher noppen die gewebten Tücher, wenn sie die Kneten oder Anöpfe mit dem Noppeisen abzwicken, ' ' '- /" ' ' welches von einer besonderuPerfon geschiehet, welche derNopper, im Fämiil. die Nopperinn genannt wird. In Niedcrsachsen werden die Knötchen vonWolle an gewissen Zeugen Novben genannt, und alsdann ist noppen,solche Knötchen an denZengen verfertigen. Das 8ettnoppen ist bey den Tuchmachern eine andere ähnliche Arbeit, da das gewebte Tuch gegen das Tageslicht beschauet wird, umdieDhlstccke m demselben zu entdecken, wo es auch zu dem Niederst nipp, genau, nipß sehen, genau, scharf sehen, gehören kann. Es ist mil kneipen, Schnabel und andern dieses Geschlechtes genau verwandt. Im Niederst ist nobben mit den Zähnen schaben, und im Holland, und im Schwed, nsppu, rupfen. S. anchFellnäpper. Der Nord, des —s, plur. inul', i) Der aus Mitternacht kommende Wind; in welchem Verstände es in der höhrrn und dichterischen Schreibart am üblichsten ist, dagegen außer dem Nordwind häufiger gebraucht wird. Gcm Nord schwebt auf der Fluth mit ungestümen Schwingen, Giesekc. 2) Diejenige Himmelsgegend, welche Mittag gegen über ist, oder welche Abend zur Rechten und Morgen zur Linken ssass Norden, Mitternacht; en welchem Verstände es ohne Artikel und nur mit einigen Vorwörtern gebraucht wird. Der wind kommt ans Nord. Gegen Nord nisten. Es kommt in dieser Bedeutung seltener vor, indem Norden dafür üblicher ist. Mit dein Artikel, wie einige Schriftsteller es versucht haben, ist es noch ungewöhnlicher. Lurch die Erfindung der Magnetnadel ward die Schifffahrt kühner, da flc gewiß war, vermittelst des gezeigten Nords sich alle Mahl orienttren zu können. 3 )* Der Nordstern, oder Polarster« ; eine ungewöhnliche Bedeutung, in welcher -Opitz dieses Wort, vermuthlich um des Sylbeumaßes willen, ein Mahl braucht^ Das sternenlichte 8euev Rommt, wie der schöne Nord dcnSchiffern, mir zu Steuer. An.n. Schon bey dem Raban Maurus im 8 tcn Jahrhunderte N orck t-oui, bey dem Notker l^orck, im Äugelst dorrst, im Engl. ^ortü.im Schwed.Istorck, im Franz. ^orck. Der Versicherung der gleichzeitigenSchriftsteller znFolgc rühret dieser Nähme/ so wie die Nahmen der übrigen Himmelsgegenden, von Carl» dem Großen her. Vielleicht hat er sie nur erneuert oder feperlich bestätiget. Wachter leitet dieses Wort von vegSe, unten, nieder, Frisch aber von Ott her. Allein, da Süd von'der Wärme den Nahmen hat, so scheinet mit dem Nahmen dieser Gegend auf das Brausen oesNordwindes gezielet zu seyu, und alsdann würde derselbe ein Geschlechtsverwandter Voit dem Holland, neuren, knirschen, Inorren, schnauben, so wie von unsern schnurren, gmrr- reu, knurren u. s. s. seyu, welche ähnliche lärmende Laute aus- drucken. Aus einer ähnlichen Ursache heißt dieser Wind bey den Griechen »ndLate'.ncrnLoreLS.Bey den alten heidnischenSchwe- denwarwiorck der Gott der Winde und des Wassers, daher Carl der Große dtesesWort wenigstens nicht erfunden haben kann. Der NorörEppep , oder Norökaper, des—-s, plur. ur nom.iiaZ. eine Art Wallfi/che, welche zuweilen Zwanzig Fuß lang wird, und wenigstens halbst dick, als er lang ist; Ooipki- nus Orca L/. der Butzkopf, wegen seines dicken uiiförmlichen Kopfes. Nordkaper heißt 'er, weil er sich am häufigsten in der Gegend des Nord^Lap in Norwegen sehen lasset. Noröeff, ein Hauptwort, welches nur mit einigen Vorwörtern und ohne Artikel gebraucht wird, die' mitternächtige Himmelsgegend, Nord, zu bezeichnen. Der wind kommt aus Norden. Sich gegen Norden wonden. Das Zaus liegt gegen Norden. Ns ein abänderliches Hauptwort mit dem Artikel, wie es einige gewagt ^ , Haben, Noß F22 ' ' haben, der Norden, klingt es doch allclnahl sehr ungewohnt, wenn rochen Farbe zeige-. Es wirb an einigen Orten ohne das zufällige es sich gleich zuweilen in der dichterischenSchceibartdulden lässet. Anfangs N Qrse genanirt, S. dieses Wort. Die Noröervreite, plur. die—n, in der Geographie und Astro- NörFeln, verb.rsZ. nsutr. mit dem Hülfsworte haben, welches nomie, die Breite nach Norden; im Gegensätze der Süderbreite. nur im gemeinen Leben üblich ist, fti-ten Unwillen durch nmr- S. Breite nnd polhöhe. rische Wörter an den Tag legen, welches man an andern Orten Der Nordgürtel, des—s, plur. ut nom. lir-Z. in der See- brammeln, in Niedersachsen aber gnageln , öLern, und wran- fahrt, gewisseTaue an den Enden oder Winkeln der Segel, ver- ' ten nennt. Es ist das Diminuk. von gnurren, knurren n-ü» mittelst derer dieselben gegen die Nahen zn aufgezogeil werden. brummen, eine, gelindere Art des ZankenLund Keifen», und s» Noröisch, aäj. et aäv. welches zuweilen für das bessere nördlich wie jene eine Nachahmung des Lautes. . . gebraucht wird. Die nordischen Reiche, die nördlichen. Nor- DüS Nösi, des-—es, plur. dre Noßer, im gemeinen Leben eini- dische Sprachen, nördliche. - ger Gegenden, z. B. in Meißen, ein Stück zahmes vierfüßiges Nördlich, —er , —sie, uäj. et acl v. gegen Norden gelegen, da- Vieh, besonders aber der Pferde, des Schaf-nud Rindviehes, her kommend, in dieser Himmelsgegend gegründet; mitternächtig. äünf Rindsnoßcr, Schafnoßer, pterdenößer, .zugnoßer, Aug- Die nördlichsten Lander. Nach der Analogie von südlich und Vieh. Ein Gut, wovon nach dem Absterben des Beflzers östlich ist nördlich richtiger als nördlich. die besten Noßer, welche in Pferden und Rindvieh bestehen, Düv Nordlicht, des — es, plur. die»—er, ein Heller Schein, in das Amt geliefert werden müssen. Das beste Noß fällc welcher oft zur Nachtzeit ben heiterm Wetter über dem nördlichen dem Amte anheim. Der Schäfer muß die gefallenen Noßer Horizonte in der höchsten Luft gesehen wird;/lurora boreulis, selbst abziehen. der Nordschein, im Niederst Nordblüse, von Blas, Bluse, Anm. Es ist ein altes weit a.usgebreitetes Wort, welches aber Feuerstamme, im Schwed. l^orrLlceu. außer.Mcißen inDeutschland vielleicht wenig mehr bekannt ist, Der Nordoft, des —es , plur. iuul. i) Ein Wind, welcher Im Schwed, ist Id, ehedem Istuut, im Angels, ^ytsus^itsn. aus der Gegend zwischen Norden und Osten herkommt; derNord- im Island. ldluut, im Englischen ^sat, im Schottland. ^ oute, ostwind. 2) Die Gegend zwischen Norden und Osten, doch ohne im Finnland. Ißaute, ein Ochse, und im Dan. bedeutet Nod und Artikel und nur mit einigen Vorwörtern, wofür auch das mehr Noth ein jedes Stück Vieh. - Frisch leitet es von Genoß ab, und adverbische Nordosten üblich ist. Der Wind kommt aus Nord- erkläret es durch peeor^ejusclew liabuli, Ihre aber von Nu- ost, oder aus Nordosten. Bey dem Raban Maurus Idto- tzen, wegen der Nutzbarkeit des zahmen Viehes. Da das N zu An- krouj., fange so vieler Wörter sehr zufällig rstj so könnte man glauben, das Der Nordpol, des—es, plur. inust. weil nur ein einziger vor- Noß und Qchse, Niederst Qß, ein und eben dasselbe Wort sep. Da Händen ist, in der Geographie, der äußerste Pnnet der Erdachse man das zahme Vieh auch gern säuprerzn benennen pflegt, und oder Weltachse gegen Norden oder Mitternacht, im Gegensätze des das Diminut. Nischel noch in einigen GegendenKopf bedeutet, ^ Güdpoles; polu 8 arcticus. ' so könnte man es auch hiervon ableiten. Allein, da Nüß (mit Der Nordscheln, des— es, plur. die—e, S. Nordlicht. . einem gedehnten u) in dengemeinenSprecharlen, besonders Ober- Die Nordselte, plur. die —n ^ die gegen Norden oder Mitter- deutschlandcs, sehr üblich ist, ein jedes Ding so wohl im Scherze, nacht gelegene Seite eines Dinges. Bey dem Notker ^orästitn. als verächtlichem Verstände zu bezeichnen, wo eS nicht, so wie Der Nordstern, des—es, plur. inul. der Polarstern, welches Id, ein dummer Mensch, im Schwedischen, eine Figur von der sein gewöhnlicherer Nähme ist; (S. dieses Wort.) Opitz nennet Bedeutung des Viehes, zu seyn scheinet; so muß dieses Wort wohl ibn nur den Nord, S.dieses Wort. eigentlich einen weiLernUmfailg haben,und aus einer andernQnelle Das Nordwasser, des—s , plur. inust. in der Schifffahrt, der- hergeleitet werden. Du bist ein leichtfertiges Nüß, ein närri- jc-iige Strom des Weltmeeres, nach welchem dasselbe von dem sches Nüßcyen, sagt man im Oberdeutschen im Scherze zu einem Nordpole gegen Mittag gezogen wird ; zum Unterschiede von dem Kinde, wo es gewiß nicht zu Nuß, Rux, gehöret. S. — Niß, Südwasscr, einem Gegenstrome, welcher das Meer gegen Nor- Anni. und dasfolgende. Den ziehet. Vielleicht sind bepde nur Eine Wirkung des an den Das Nässest, des—s, plur. utnow.linF. Diminut. das Noßel- Küsten gebrochenen Weltmeeres. chen, Obecd.Nößelcrn, ein Wort, welches, so wie fast alle ähn- Nordwest, oder Nordwesten, die Himmelsgegend zwischen Nor- liche Benennungen, so wohl von einer Vertiefung , als auch von dei- und Westen, ohne Artikel, und nur mit einigen Vorwörtern. einer Erhöhung gebraucht wird, i) Von einer Vertiefung, einem Oer Wind kommt ans Nordwest. Gegen Nordwesten segeln. hohlen Gefäße, ist es nur noch in cinigen Gegenden so wohl Ober- Bep dem Raban Maurus I^orcluuestron. Daher der Nordwcst- als Niedersachscns als ein bestimmtes Maß flüssiger und trockner wind, des—es, plur. die —e, der Wind, welcher ans dieser Dinge üblich, welches die Hälfte eines stlkaßcs, einer Ranne oder Gegend kommt. eines Quartes beträgt, so fern diese drep Wörter gleichbedeutend Der Nordwind, des—es, plur. die —e, der Wind, welcher sinkst, denn in einigen Gegenden hat man große Rannen , welche aus Norden oderMitternacht kommt; in der dichterischenSchreib- zwep Maß halten. Im Oberdeutschen pflegt man ein .Noßel, arr der Nord, bcy dem Willeram ^ortuuwt. In Golii Ouo- ein Seidech km Seidlein, oder einen Schoppen zu nennen. Ein mast, bep dem Frisch heißt er Schindenhangst, ben dem Picto- Noßel Bier, Wein, Getreide n. s. s. Zu Thüringen werden eins und andern Oberdeutschen der Beißwind, Bißwind, Irak. auch die Hufengüter in halbe Hufen, Viertelhilfen und Nößel Listnjo, Lbjstujo, Listu, Franz. Vent 6 e Liste, von dem noch getbeilet, ws vielleicht ein Nößel Aussaat zu verstehen ist. In- Rieders, und Holland, biester,, brausen, daher inLipsii Glossen dessen gibt eS mehrere Fälle, wo das Nößel figürlich ein gewisser ein jeder Sturmwind Ljsts heißt, bep den Griechen und Römern kleinerer Theil eins grSßern ist. Sv wird in den Salzkothen zu ans einer ähnlichen Ursache Lorsns, bep den Kramer, scheu Wen- ' Halle ein Stuhl, d.i. eine Hauptabtheilnng eines Salzbrunnens, den Lurjs. in 20 Quart, und ein Quart in zwep Nößel gerheilet, da denn Der NöcfUnU, des—esplur. die — e, in Ob -rsachsen nnd jedesNößel Pfanne hält; wo cs Pin weit größeres Maß bedeu- Oberdcntschland, eine Arc eßbarer-Flnßsische, welche den Äschen ttt. In Meißen hingegen, besonders zu Leipzig, ist das Nößel nahe kommt, und sich unter dem Wasser mit einer schönen feucr- auch ein Holjmaß, welches dersechzchente Theil einer Klafter -st. K k z ' 2) Von F21 N S k F2Z N0s 2) Von einer Erhöhung, oder einem erhöheten Stucke; in welchem Verstände es vielleicht nur in den Scrlzkothen üblich ist, wo die ans Salzschlamm gemachten Stücke, welche unter die Pfanne und «n den Seiten gelegt werden, damit sie fest stehe, Nößcl genannt werden. Amm. Dieses Wort lautet in den meisten Niederfachsifchen Geändert ohne N nur (pßcl; ein neuer Beweis, wie zufällig dieser Buchstab am Anfänge vieler Wörter ist. Frisch leitet es daher von Achter ab, weil das Nößel gemeiniglich der achte Theil eines Ganzen ist. Allein, da die Verwandlung zu ungewöhnlich ist, so stehet man es, wie so viele andere, richtiger als ein allgemeines Nennwort an, welches so wohl eine ausgehöhlte, vertiefte, als auch eine erhabene Fläche bedeutet, und mit Nuß, Nase, Niesten für aushöhlen, Nischel, in der weitesten Bedeutung einer Masse, eines Dinges, vielleicht auch mit dem vorigen Nost und der Endung—Niß, und wenn man das N in keine Betrachtung ziehet, auch mit st)hse, essen und so vielen andern dieses Geschlechtes verwandt ist. In der Lausitz werden die Stangen, woran die Zuber getragen werden, Nossclftangen genannt; ohne Zweifel von Nossei, Nostel, ein Zuber, Gefäß. Die Endung —el kann so wohl ein Zeichen des Diminutiv i, als auch die Ableitungssilbe seyn, ein Werkzeug oder Ding zu bezeichnen; Nestel, ein vertieftes oder erhabenes Ding. Der Nosselfink, des —en, plur. die—en, eine Art Brustwenzel, oder nach andern eine ArtGrasmücken von brannfahler Farbe, mit weißlich gesäumten Federn, von welchem man glaubt, daß er Häufig in die Gärten komme, wenn eine Pest bevor stehet, daher er auch Todtenvogel nnd pestilenzvogcl genannt wird; 8 / 1 vi 2 peliilSntinÜs Lrilola Die Nosselstange, plur. die — n, S. Nestel Anni. Das Nöstocy, des—es, plur. inul', eine sonderbare Pflanze, welche zu dem Geschlcchte der Gallerten gehöret, und welche ganz sns einem einzigen Blatte ohne Wurzeln bestehet, und sich nur nach einem Regen wie ein Schwamm voll Wasser ziehet und alsdann einer Gallerte ähnlich stehet. Nach ein Paar Stunden Sonnenschein oder nach einem starken Winde zerfällt sie wieder in ein trocknes schwarzbraunes Blatt, welches kaum noch sichtbar ist^ IchoineliL Nolioc 1^. Man findet es nach dem Regen aus den Wiesen und in den Garrettgängen. Der Nähme ist ausländisch. 'Paracelsus nennet dieses GewächsLsresoli um, andere imDeul--- scheu Himmelsblume, Himmelsblatt, Erdblume. Die Note, plur. die—n, Diminut. das Notchen , Oberdeutsch Notlein, aus dem Lat. Nota, ein Zeichen, i) Eine Anmerkung, im-gemeinen Leben. Noten zu einem Büche machen, Anmerkungen. 2) Ein kurzer Aufsatz, eine kurze nur ans wenig Zeilen bestehende und ohne alle Förmlichkeiten aufgesetzte Schrift. So wird eine kurze Rechnung im gemri»en Leben zuweilen eine Note genannt. Bey den Wechselbanken ist die Banknote, ein Schein, welchen jeMand überfein in die Bank gelegtes G^ld erhält, und welche von einer Bankactie noch verschieden ist. Ern Aufsatz chnes Notarü, ein Notariat-Instrument, wurde ehedem auch nur eine Nore gena:uit,z(S. Du Fcesne Gloss. v. Nota.) s) In der Musik werden in weitererBedeutung alle Zeichen, deren man sich daselbst imSchrribrn bedienet, in engerer und gewöhnlicherer aber nur allein die eigentlichen Tonzeichen, Nitten genannt. Hvrnegk «en^ «et sie im Diminut. Nötel. Nach Noten singen oder spielen. Die Notel, plur. die —n, aus dem Mittlern Lat. Nvtul a , dem Dünmut. von Nota, eia kurzer gemeimglich ohne alle Förmlicheren gemachter Aufsatz, m welchem Verstände es riech hm und wieder im gemeinen Leben vorkomntt. Noch öfter werden die El Usseln eines Vertrages, -der einer andern verbindliche« Schrift No. cln genannt. . ' Rot LS4 Da» Notekgefchiw, dkS—ks.plur. ri,— kc» ben Seiler», ein Geschirr mit vier eisernen Haken, große Seile daran zu verfertigen ; wo die erste Hälfte freylich einen andern Ursprung hat. Das Notenpaprer, des — es, plur. von,Nehrer« Arten, die—?, starkes geleimtes Papier, Noren daraufzu schreiben. Der Notenplan , des —es, plur. die—e, in der Musik , die fünfLinien, welche das Steiger: und Fallen der Noten verstellen, - und auch das Linien-System, die Musikleiter genannt werden. S. Nore z. Der Notenschreiber, des — s, plur. ut nom. Kux. derjenige, welcher musikalische Noten schreibet, und in engerer Bedeutung, welcher ein Geschäft daraus macht. Noten abzuschreiben, und welcher auch wohl der Notist genannt wird. Der Notenstein, des — es, plur. die— e, eine Art Steine, welche zu den Naturspielen gehören, und deren Adern und Flecken eiitiger Maßen den musikalischen Noten ähnlich sind; mu- licslis. Gemeiniglich sind cs Sandsteine, welche auf diese Art gezeichnet sind. "Noth, ein Nebenwort, nöthig, nothwendig, fo wohl bedürfend, als auch zu einer Sache erforderlich. Raufe was uns Noth ist, aufs Fest, Joh. i z, 29. was jeglichem noch war, das gab er, Apostelg.4, zz. Wenn uns Hülfe noch seyn wird, Ebr. 4, 16. Geduld ist euch noch, Ebr. r», z6. was mehr noch schn wird, Esr. 7, 20. Hier aber ist es noch den Unterschied zu machen, Opitz. Daß uns Gott Ließ alles geben wird, was zu dem Leben noch, ebcnd. Juglcicheu mrtdrmZcirworte haben, ich hatte es nicht noch, nicht uöthig. Du hast gelehrter Zreund des Zettels zwar nicht noch, Grütth. Im Hochdeutschen ist dieses Nebenwort veraltet, außer daß man in der höflichen Sprechart des gemeinen Lebens zuweilen mir ist noch sagt , wenn jemand von der Natur zur Erleichterung des Leibes aufgefordert wird; es. ist ihm noch, nähmlich zu Stuhle zu gehen. Anni. Dieses Nebenwort ist alt. Nu 1ü es not, heißt es schon bey dem Ottfried, und an einem audernOrte: ni uuas rmt» es wlliein not, er hatte cs nicht nöthig. Das fo im zu der fachen not was, Thenerd. Kap. 67. Die Noth, plur» inus. einige aber größten Theils veraltete Fälle ausgenommen, wo es in der ersten Endung die Noche heißen müßte: , 1. Mühe, Anstrengung der Kräfte so wohl des Leibes als des Gemüthcs; am häufigsten in der verrraulichenSprcchart, und auch hier nur mir den Zeitwörtern haben, machen, verursachen. Du wirst Noch haben, in die Stadt zu kommen, es wird dir viele Mühe kosten. Har man nicht Noch, ehe man dreh aus dem Bette bringt 2 W iße.' Seine Noch mit jemandem haben. Las macht mir vrele Noth, hat mir viele Noth verursacht, lüuruü n ot ist bey dem Ottfried mir Fü rst. 2. Derjenige Zustand, da eine Sache mir Mühe, d. i. gen-nr, kaum, zu e-ner Absicht hinrnchr und dienlich ist ;choch „irr ,j, ocn R A. zurNoth^ litte mit g,-n< uer Norb. Lcr Zeug reicht zu einem Rieche zm Noch, zur hör. stm Noth hin. Er konnre es so-.ur Noth Er har zur Noch zu ct r! , zu Bei-ichigung se il-r Nblhdursr, zur höchste Noth, z» Beste ediou g l er dustersten N-nstdurft. Mtt genauer Norh davon kommen. Mit genauer Nttsi haoe ich ihn yefrrnd-n. Dü' Wastel.- weichede-r> Gefahr Des Garns mrr Noth cnrgangen war, Gest». -. i.miLseuüuerNoth« - Z. De» i Not L2L Not Z. Der Zustand, da man eines Dinges bedarf; nur noch in einigen Fällen. Ich brauche es zurchochften Noch. Ich habe es aus Noth gethan, weil ich dessen bedurfte, über Noth essen, ' trinken, mehr als man zur Nochdurft bedarf, ist nur im Oberdeutschen üblich. S auch Nöthig und Vonnochen. 4. In engerer Bedeiltung, derZnstand, da man in ^er Wahl der znrErreichung einer Absicht gehörigenMittel eingeschränkt ist. Ich habe es nur aus Noth genommen, weil ich nichts bessecs haben konnte. Ich habe cs aus Noch gechan. Wenns die Noch erfordert; im gemeinen Leben, wenn Noch an Mann Zehr. Aus der Noch eine Tugend machen. Jemanden aus der Noch helfen. Einem seine Noth klagen. Ich brauche es zur höchsten Noch. L. Besonders, äußerer und phystscherZwang; doch am häufigsten in der R. Ä. aus Noth. Etwas aus Noth chun, weil mau dazu von außen gezwungen ist. Wenn es Röm. - z, 5 heißt : so seyd nun aus Noth unterchan, so stehet es daselbst in der veralteten Bedeutung der stttlichenNothwendigkeit, weil es nöthig und nützlich ist, (S. die folgende Bedeutung.) Im gemeinen Lebeu sagt man noch, es chut mir Noch, wenn man den Naturtrieb zur Erleichterung des Leibes empfindet. Ehedem bedeutete es nicht nur Nachzucht, sondern auch ein Hinderniß. 6. Sittliche Rothwendigkeit, gegründete Ursache; nur in einigen bereits eingcführten Fällen. Wenns die Noth erfordert. Im Falle der Noch. Es chut Noch, wird nur in der vertraulichen Sprcchart und imCcnjuncriv gebraucht. Es chate Noth, ich ginge felbst hin, es wäre wohl nöthig, bepnahe nöthig. Auch im ironischen Verstände. Es rhare wirklich Noch, Duliesseftesgeschehn,und wurdestUiemahlsroch, Rost. Zur Noth, wenn es nöthig ist, wenn gegründete Ursache dazu vorhanden ist. Ich kann zur Noch auch ein Liedchen davon singen. Ohne Noth, ohne gegründete Ursache. Etwas ohne Noth chun. Ich halte mich nicht gern ohne Noch auf. wie können fle sich doch ohne Noth traurig machen? Gell. Schon Dttfried gebraucht es häufig für Ursache überhaupt. LI ^ kkeru vcrti, ist bey ihm ans dieser Ursache, nnd binoti daher. Am Hochdeutschen ist es jetzt nur »och in einigen Fällen üblich. Ehedem war echte Noth auch eine gegründete Entschuldigung, Ehehaften. 7. Derjenige Zustand, da man der Wahl der zur Wohlfahrt gehörigen unentbehrlichsten Mittel beraubt ist, die Gegenwart eines Übels, welches unfern Zustand in einem hohen Grade ver, schlimmcrt,und zuweilen auch dieses Übel selbst,wohin dennGefahr des Lebens und derWehlfahrt,langwierige undgefährlicheKrank- hciten und Schmerzen, Armuth und Mangel an Nothdurft, Verachtung und Schmach, Kummer und Verdruß gehören. Viele Noth haben, empfinden, viele Noch ausstchen, ausgestanden haben. Noth und Elend, Jammer und Noth. Iu dex äußersten Noch seyn. Jemanden in seiner Noth bepstehen. In Noth kommen, gerarhen. Jemanden aus der Noth reißen. Einem seine Noth klagen. Noth harkein Geboch, oder Noth bricht Eisen. Noch lehret bcchen. Er weiß nicht, was Noch ist. Die Noch zwingt mich, dringe mich dazu. Ein Freund in der Noth. Leidesnoch, Seelenn'och, Zungers- noch, Grerbensnoth. Ehedem war in dieser Bedeutung der Plural sehr üblich, der Such in der biblischen Schreibart, nud außer dem in derDichtkunst noch zuweilen gebraucht, am sichersten aber in der reine» u»d anständiger« Schreibart vermieden wird. Die wollten durch das Schwert sich rachen ihrer Nöthen, Opitz. L26 Ihr Zuflucht meiner Nöthen, ebend. Der Stifter dieser Nöthen, rbeud. Am häufigsten mit Vorwörtern. In Nöthen seyn. Ich bin gutes Muchs in Nöthen, 2 Cor. 12, 10. Jemanden in seinen Nöthen bepsteheii. Bringt den Gesalbten nicht in Nöthen, (eigentlich in Ncthe) Opitz, pkochus lag in tausend Nochen, Logau. Welcher Plural denn schon alt ist. lü tliea L u tiu> Dttfried. Inuociri, ebeud. 8. In engerer Bedeutung, von besondern Arten dieses Zustandes und eines solchen Übels, r) Die Gegenwart eines Übels, welches das Leben und die Wohlfahrt eines Dinges, bedrohet, Anwesenheit einer Leibes-und Lebensgefahr. In Noch seyn. Sich in Noch befinden. Noch leiden. Ein Schiff leidet Noch, wenn es in Gefahr ist, zu scheitern oderunterzr.gehen. Die Frömmigkeit leidet Noch. Es ist Noch vorhanden. Es ist dis höchste Noth. Noch lehrt bethen. Es hat keine Noch mit uns, Jer. 7, 10, keine Gefahr. Mit dir hats keine Noth, du bist außer aller Gefahr. Der Plural ist auch hier veraltet^ Da das sahen die Männer Israel, daß fle. in Nachen waren, i Sam. i Z, 6. 2) Krankheit und Schmerzen. Rindesnoth. In Rindesnöthen sepn oder liegen, in den Geburtsschmerzen. Die schwere Noth, eine niedrige Benennung der Epilepsie. 2) Armuth und Mangel der Nothdurft, so wohl überhaupt, als auch in einzelnen Fällen, Mangel der Hülfsmittel in dringenden Bedürfnissen. In Noch seyn oder stecken. Jemanden aus feiner Noth heraus reißen. Noch lehrt Rünste. Reine Noch leiden, sich an Essen und Trinken nichts abgchen lassen. Es stößt jemanden eine Noch Zu, wenn er zu einer nochwendigen Ausgabe Geld bedarf. 4) Gram, Kummer, Verdruß. Jemanden viele Noth machen, viele Noch mit jemanden haben. Wer keine Noch hat, macht fich welche. Sie wissen nicht, was äerrschaftcn für eine Noch mit dem Gesinde haben. Gell. Du wirst keine Noch bep ihm haben, wenn du sie dir nicht selber machst, ebend. Da denn im gemeinen Lebe» fast ein jeder unangenehmer Vorfall und dessen Empfindung eine Noth genannt wird. Anm. Bey dem Dttfried und seinen Nachfolgern Not,Xotk, bey dem Ulphilas Hluutk, im Angelst Disoü, im Niederst Nood, im Island. Neici, im.Schwed, -In der ersten Bedeutung der Mühe gehöret es ohne Zweifel zu dem noch im Oberdeutschen üblichen Zeitworte sich nieten, sich bcmü. hen, bestreben, (S. dasselbe;) welches ein Abkömmling eines sehr fruchtbaren Stammwortes ist, welches nahen lautet, nnd eigentlich bewegen bedeutet, und wovon unser nahen, näher kommen, nahen, nurs, usre, neigen und viele andere abstammen. In der folgenden Bedeutung tritt, wie schon Wachter cingesehen hat, die Verwandtschaft mit nau, genau ein, welches Wort selbst von nahen, bewegen, abstammen kann, med dessen Begriff in allen folgenden Bedeutungendes Wortes Noth hervorsticht, indem sie alle besondere Arten der Einschränkung bezeichnen, so wie dasGrirch. welches gleichfalls eigentlich eine Enge bedeutet. LerNothanker, des—s, plur. ut vom. lia§. auf den Schiffen, ein großer Anker, welchen man im Schiffsräume aufbewahret, um sich seiner nur in den dringendste» Notl/Lllen zudedie- nen; der Raumanker, bey einigen auch der 6a Iranker, wel- ches doch am häufigsten der Rahme des gcwöhnlttAu großruAn- kers ist. DieNothärbeit. plur. die—en, eine Arbeit, welche ans Noth, d. i. zur Abwendung einer Gefahr des Lebens oder der Wohlfahrt, unternommen wird; S. Nothwerk und Noth 7. Der Nothauswurf, des—es, plur. die—würfe, der Auswurf der Waaren unh, Sachen ans dem Schiffe in besorglicher Lebensgefahr, zur Erleichterung des Schisses. Juglerchcn das Recht Recht, in solcher Gefahr Maaren undSachen in düsMeer zu werfen; ohne Plirral. Der Nothwurf. LerNothbau, des— cs, plur. die—e, ein Ban, welcher zur Vermeidung einer unvermeidlichen Gefahr vorgenommen wird. In engerer Bedeutung, ein solcher Bau, welcher nur aufkurze Zeitaus Noth und zur Noth unternommen wird, in der Absicht, ihn nach vorüber gegangenerGesahr mitBequemlichkeit vorzuneh- men. Auf ähnliche Art nennen die. Jäger eine Höhle, welche der Fuchs zuweilen auf freyem Felde aus Noth und auf kurze Zeit macht, einen Nochbau, der Fluchtbau, wenn er ihn auf der Flucht macht. Nöthbrüchrg, sckj. et v. welches nur im Bergbaue üblich ist. Eine Stufe nothbrüchig machen, sie zersetzen, d. i. zerschlagen, um zu sehen, wie sie inwendig beschaffen ist. Der Nothbrimnen, des—s, p'ur. ut nom. linF. in einigen Gegenden, z. B.zir Hannover, bedeckte unbewegliche Wasserbe- hältnisse, in welcher das Wasser bey einer Zeuersnoth durch Schöpfräder oder Wasserkünste geleitet wird. Der Nothdamm, des —es, ^lur. die —Hamme, ein Damm, welcher auf kurze Zeit und so lauge verfertiget wird, bis dcrHaupt- damm zu Stande gebracht worden. Der Notböeicj), des—es, plur. die—e, in den Niedersäch- sischcu Marfchländ^n, ein Deich, welcher das eindringende Wasser so lange aufhält, bis der Haupldeich wieder ausgebessert worden. L erNothöienst, des—bs, plur. dis—e, ein Dienst, welcher einem andern in einem dringenden Nothfalle geleistet wird. Besonders ein Frohndienst dieser Art, welcher zu den außerordentlich- n Diensten gehöret. NothHrinyen, verb. irreZ. act. (S. Dringen,) welches nur in den Oberdeutschen Kanzelleyen für zwingen üblich ist. Ich bin dazu genothdrungen worden. Auch durch unwiderstehliche sittliche Bewegungsgründe zwingen. Sich zu etwas gensth- drungen sehen. Wo denn auch das Mittelwort nochdringend und das Beywort nochdringlich Vorkommen. Die Nothöurft, xlur.jrius. einWort, welches in einem doppelten Hauptverstande gebraucht wird. i. Als ein Abstracrum. r)DerZustand,da etwas mitMühe, d. i. kaum und genau, zu einer Absicht hinreicht, wie Noch 2; doch nur in den Ausdrücken zur Nothdnrft und nach Nothdnrft, welche im gemeinen Leben nnd in den Kanzelleyen häusig Vorkommen. Es reicht zur Nothdnrft hin^ zur Noth. Nach Noch- durft zu leben haben. Daß sie einen Tag langer nach Noch- durft haben mochten, Judith 7, *2. Jnglcichcu , so viel als nöthig ist, auch nur in den Hoch- und OberdeutschenKanzelley'en. M ine frau die wil die sach nach nottdu: ft ratschlagen,Theuerd. Daß Rtager dasjenige, so ihm zu erweisen aufgeleget war, und er sich angemäßet, zur Nothdnrft erwiesen, auch in den Obcrsächsifchen Gerichten. Im Oberdeutschen sagt man auch, seine Nothdurft essen, trinken, schlafen u. f.f. soviel als man bedarf. 2 )DcrZufiand,da man emesDiuges bedarf,iuglcichen, der Zustand,da einDing nöthig und nothwendjg ist, wieNochz und 6 ; gleichfalls nur im Oberdeutschen und in den Obersächsischen Kan- zelleyen. wir haben der Nochdurft zu seyn ermessen, erachtet n. s. s. hq^nfür nöthig gehalten. Ob nichtdasjenigeeinervor- gängigen Nochdurft sep u. s. f. vorher no.khweudig fty. Z) *Ju engerer Bedeutung, derZustand, da man die zurWohlfohrt n,tent- behrlichften Mittel bedarf, Mangel an denselben leidet, besonders zur Erhaltung des natürlichen Lebens;eine imHochdeutschen veraltete Bedeutung. Nehmet euch der heiligen Nothdnrft an, Röm. 12,1 z. Nochdurft leiden, im Oberdeutschen, Mangel an den ttnembehrlichsten Erhaltungsmitttln, Noth leiden. In Noch- durft stechen, eben daselbst, wo man es denn auch wohl für Noth?, im Plural gebraucht, in diesen Nothdurftcn, in diesen Nöthen. Auch in der Bedeutung der Blöße, des Zustandes, da man an den unentbehrlichsten Kleidungsstücken Mangelleid, t, ist cs im Hochdeutschen ungewöhnlich. Rlcider damit er seine Nochdurft decken kann, Sir. 29,28. 2. Als ein Concrekum; wo es doch nur collective und ohne Plural gebraucht wird. 1) In der weitesten Bedeutung, alles was nöthig, zu einer Sache erforderlich ist -, eine imOberde,rischen und denHochdeutschen Kauzelleyen noch sehrgangbareBedeuttina,welche aber in der zierlichen Schreibart veraltet ist. Die Schreibe- nokhdrirft, Schreibe-Materialien, Feder, Tinte und Papier; der Schreibebedarft Seine Nothdnrft, reden, was man für nöthig, für nochwendig hält. Dre Gläubiger sind zur pssegung der Güte und Beobachtung sonstiger Nothdnrft vorgcladen, in den Gerichten. Daß 'ihr eures Orts die Nothdnrft dabey beobachten möget, in derr Kanzelleyen, für, was nöthig ist. Wir haben bereits die Nothdnrft in Schriften an ihn gelangen lassen, ebend. Nehmet die Nothdnrft für euer äans und ziehet hin, i Mos. 42, z z. 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, dasjenige, was zur Erhaltung des natürlichen Lebens unentbehrlich nothweudig ist, und so viel als unentbehrlich dazu erfordert wird? Seine Nothdnrft haben. Einem die Noth- dürft verschaffen. Zur Leibes Nahrung rindNothdurft. Znr Nothdnrft und nicht zur Lust. Auch der unentbehrlichsten Norhdurft beraubet sepn. Sich etwas an der Nothdnrft abbrechen. Z) Seine Nochdurft verrichten, in der anständigen Sprcchart, dem Dringen der Natur zur Erleichterung des Leibes rin Genüge thnn. Anm. In allen diesen Bedeutungen schon bey dem Kero I§ot> ckurost, bey dem Ottfried NoNkurk, im Gegensätze des bey ibm gleichfalls befindlichen Vorkurse,was nicht nöthig ist, imScbiva- bcuspiegel in der letzten Bedeutung Noturst, im Angels. Ii euth. tk-rrft iin Schweb. Ilüttkorst, im Island. Nnucirkurlft. Es ist ans Noth und Dürft zusammen gesetzet, welches letztere ehedem auch nur allein für Norhdurft gebraucht wurde, so wie dieses bey den älternSchriftstellorn in allen Bedeutungen des einfachem Noth verkommt. Noth scheinet in dieser Zusammensetzung das veraltete Bey - und N- benwort nvti zu feyn, welches bey dem Ottfried noch so häusig ist, und unteraudcru auch sehr bedeutete, so daß die Bedeutung des Durst dadurch nur erhöhet wird. Ehedem war nochdurft auch als ein Bey- und Nebenwort für noch- wendig üblich.^ Do kumpt die pesttlentz, so ist nottnrft den luft zu rechtfertigen und ihm sin bosbcit zu bcnemmcn, die Luft z,r reinigen, im Liber Pestilenz. Voit 1500. Nothöürftig, —er,— sie, uclj.ett uci v. Nothdnrft habend, in derselben gegründet. Ju der ersten abstrakten Bedemnng des " Hauptwortes, kaum, mit Mühe zu etwas hinreichend ; ohne Cem» paraliou, und am häufigsten als ein Nebcnwort. Es reicht so nothdürftig zu. Er ist nothdurftig gelehrt, geschickt. Er verstehet es nothdürftig. In engerer Bedeutung, zur unentbehrlichsten Erhaltung des natürlichen Lebens genau hinreichend. Ein nochdürftr'ges Auskommen haben. Nothdürftig auskcmmcn. Er kann nothdürftig davon leben. 2. Eines Dinges bedürftig. 1 )*Überhaupt; eine imHochdeutschen veraltete Bedeutung, welche noch im Oberdeutschen gan-rbar ist, für bedürftig, wo es denn auch die zweyte Endung des Nennwortes erfordert. Eines Dinges nothdürftig seyn, es bedürfen, gebrauchen. Die »nsreräüsst norhdürft g wären, im Oberdeutschen. So wilich diervell cin- kaufen, was ich dann yetz nothdürftig bin, Theuerd. Kap. 52. Z) In engerer mrd gewöhnlicherer Bedeutung, der uneittbehrlich- steu ErhaltunLSMittel des ualürlichen Lebens bedürftig, Mangel ^ .daran Saran leidend; wofür doch, uw der Zweydeuft'greli mit der vorigen Bedcutttiig willen, auch das einfachere dürftig gangbares. Em «othdürftiger Mensch. Nothdürftig leben- Die NothdttcftlFseit, s>lur. Inuk. der Zustand, die Eigenschaft, da eine Person oder Sache nochdürstig ist, m denjenigen Fällen, worin das Lctiwork noch ilu Hochoeutschen üblich ist« Der Ndtheimer, des—s, ft!ur. ul rrom. livZ. in einigen Gegenden, ein Eimer, dessen man sich nur in Feuersnoth bedre- net; ein Fcuereimcr, Rieders. Nsodammcr. Der Notherbe, des—n, plur. die —n, in den Rechten, Erben, welche man ohne dringende Roth nicht übergehen oarf, welchen man sein Vermögen zu hiitterlaffen gewisser Maßen gezwungen ist, d. i. Älter» und Kinder , im Gegensätze fremder Erben. Von > Noth 5 Zwang. Die Nocheröschaft, plur. die-en, derre-uge Therl der Erbschaft, welchen man den Seinigen zu hi:;terlasscn gezwungen ist; daher in einigen Gegenden, z. B. zu Nürnberg, in Hamburg, und in dem Entmischen Rechte, der Pflichtteil unter dem Nahmen der N« cherbschaft bekannt ist. In einigen Gegenden heißt fic dreN thgcbührniß. . DerNothfall, des — es, plur. die— fälle, jeder Fall, da man durch äußere oder mmre Bewegungsgrirndc zu etwas gedrungen wird, in den fünflesten Ledernrr-ngen des Hauptwortes Noth. Im Nothfälle will ich mich seiner bedienen, wenn ich ihn gebrauche, ftiner/bcnöchiget bin, wenn die Noch cs erfordert. Dei-igende Nothfälle, welche keinen Aufschub ^erstatten. Im Norhfalle ist es schon gut, wenn man nichts besfers hat. Das Nochfeuer, des —s, plur. ut vom. liu§. im gemeinen Leben, ein abergläubiges Feuer, welches von dem großen Haufen Key ansteckenden Seuchen oder dem so genannten w lden Feuer, unter frcycm Himmel, vermittelst eines Haarfcilcs aus einem trockenen Zaunpsahle ducchReiben hervoogelocket, und mit brennbaren Mitteln unterhalten wird, worauf das Vieh drey Mahl mit Gewalt durch dasselbe g-'triedcn wird, um es aufdiese Art vor der Krankheit zu verwahren. Es ist von dem Johannis.- Feuer noch unterschiedeil, welches nur eine Art desselben ist, und jetzt an den meisten Octcn von den Obrigkeiten abgc,Hasset worden. Das Worr ist so alt, als der Aberglaube selbst, der schon unter Carln dem Großen unter dem Nahmen des ^ockk/rs, Rteäksurs, als eines lckorüesi i^vis, gedacht wird. Es hat den Nahmen von Noch » und Z, so fern es ehedem heftige Bemühung, Zwang bedeutete, indem es theils aus-dem Holze erzwungen, theils auch das Vieh mit Gewalt dädurch getrieben wird. Dle Nochfrist, plur. die— en, in den Rechten einiger Gegenden, ein ptremtorischer Termin, welcherr man nicht ohne die höchste Noth versäumen darf, zu dessen Abwm-tnug man gezwuu- gen ist. Das Nochgeömye, des —s, plur.uk vom. lmx. im Berg-, baue, ein Gedinge, welches.auf Gewinn und Vermst gemacht wird-, vielleicht, weil es nur aus Noth geschehet. Das Nochyelö, des—es, p^ur. doch nur von mehrernSummen, die — er, in den Gerichten einiger Gegenden, z. B. in Bremen, dasjenige Geld, welches zu Abtragung der Eriminal- Koster» entrichtet wird/ S. das folgende. Dttö Nsthgericht, des — es, plur. die — e, ein noch in einigen. besonders Niedersächsischen Gegenden, übliches Wort, ein Eriminal- Gericht zu bezeichnen. Im Hochdeutschen kommt es noch in dem zusammen gesetzten Ausdrucke vor, einhoch-noth- peinliches Halsgericht hegen, oder haften. Das NothAeseftrey, des—es, plur. inus ein größten Thclls veraltetes Wwt, ein G e sch ec y bep und über augeHacke äußere Dcl.w.B.3. LH. 2,«. Gewalt, besonders bey angechaner Noihzucht zu bezeichne;?. Von Noth 5. *Nothhaft, —er, — este, ackj. et ackv. welches im Hochdeutschen unter die veralteten Wörter gehöret. Ehedem bedeutete es, - 1) Noch leidend, sich in Noch befindend. Ick notkakre km, Notker, der auch das Hauptwort Nolkakt für Wiederwärtigkeit, Noch, gebraucht. I m Tatian ist norkskt gebunden, gefangen. 2) In einer dringenden Noch gegründet, und folglich rechtmäßig; in welchem Verstände noch in denGerichten einiger Gegenden eine .nothhafce Entschuldigung eine rechtmäßige Entschuldigung ist, wo auch die Norhhaft, und im Plural die Nothhaften, solche Nothfälle sind, welche eine rechtmäßige Entschuldigung gewähren, Ehehaften, S. dieses Wort. Der Nothhelfer, des— s, plur.ut vom. llvZ. Fämin. die Nschhelferinn. r) Eine Person , welche uns aus einer Noth hilft, von einer dringenden Noch befrcyet. Du bist ein Trost Israel und ihr Nothhelfer, Jerem. r 4 , 8. Er ist der Erlöser und Nothhelfer, Dan. 6,27. In der Römischen K rche sind die vierzehen Nothelfer vierzehen Heilige, welche in allen Arten der Noth vorzüglich angerufen werden. In der anständigen Schreibart ist es in diesecLedeutung veraltet,vcrniuthli.ch um decZweydcii- tigkeit mit der folgenden willen. 2) Eilte Person oder Sache, deren Hülfe man sich nur ans Noth bedienet, > weil man keine bessere hat; Nieders. Hannke in der Noch. Das Nothhemö, des'—es, plur. die —en, ein ehedem sehr übliches abergläubiges Hemd, welches nicht nur fest machen, sondern auch in Kindesnöthen liegenden Weibern die Geburt er- leichtern sollte. ' Die Nsthhülfe, plur. ivuft die Hülfe in der Noch, in dringenden Nothfälle». Jngftichen eine Hülfe, deren nmn sich nur aus Noth bedienet, weil man keine bessere hat. Nöthig, —er, —ste, ach', et aclv. Noch habend, in derselben gegründet; doch nur in einigen Fällen des Hauptwortes. 1. Subjektive, in Ansehung der Person. 1) Ju der weitesten Bedeutung, in der dritten und sechsten Bedeutung des Hauptwortes, doch nnr als ein Nebenwort, und mit dem Zeitworte haben. Etwas nhchig haben, cs nicht haben, da man es doch gebrauche», es zur Erreichung einer Absicht, zur Hervorbringuug einer Veränderung anwt-nden könnte, ohne den Grad dieses Bedürfnisses zu bestimmen. Geld nothig haben, es bedürfen. Ich habe Hülfe nothig. Man har ihn nicht mehr nothig. Ihr Her; scheint keinen großen Antrieb mehr nöchig zu haben, Goll. Etwas sehr nothig , hoch n'ökhr'g^. höchst nothig haben. Er hat es nochig. Im Oberdeutschen auch mit der zweyten Endung. Einer Sache nothig haben. 2) Zn engerer Bedeutung. (a^Jn Noth befindlich, in der siebeiUenLedeMlig desHauptwoncs; eine im Hochdeutsche» ungewöhnliche Bedeutung. Zm Bergdüüe ist eine wassersnothige Zeche, welche Roth von Wasser leidet, zu viel Wasser hat. (b-*Arm, dürftig; m welchem Verstaube es im Hochdeutschen gleichfalls veraltet ist. 2. Objektive, in Ansehung der Sache. >)Zur Erreichung einer Absicht, zur Hervorbringuug einer Veränderung erforderlich und dienlich, in der dritten Und sechsten Bedeutung des Hauptwortes Noth, und im Gegensätze des unnothig. I-emanden mit den nochigen Hulfsmittcln versehen. Die nöthige Rleidung, welche nicht bloß zur Nothdurft, sondern auch zur Bequemlichkeit und zum Wohlstände erfordert wird. E ne nöthrge Sache. Etwas für nothig halten, befinden, wenn du es nöchig befindest, Goll. Es ist nothig , es ist nicht noch.g, So ne Micne- sagc mehr pls nothig ist, den verdacht gegen chr< Tugend Lu bestärken, Gell. Wozu ist das nothig ^ Ich werde bep diesem Gespräche wohl nicht nothig fern. Es ist nicht uöchrg, daß L l < . ^ Not 5Zt du hinZeösst. Das nöthigste von etwas wissen. Gehr nöthig, hoch nöthig, höchst nöthig, drucken auch hier die höher» Grat e aus. das Röthige wirdauch zuweilen in der anständigen Schreibart für die Nothdurft gebraucht. Goll ich dich an dem Röthigen Mangel leiden sehen:' Dusch. 2)*Z»r Erreichung einer Absicht unentbehrlich, deu Umständen nach unvermeidlich ; eine im Hochdeutschen veraltetcBedeutuug, wo cs für nothwendig bcy den Oberdeutschen Schriftstellern mehrmahls vorkomntt. Die Sache must nsthig da seyn, Opitz, für nothwendig. Ich muß nöthig schreiben, nothwendig. Daher Opitz auch Röthigkeit für Roth- wendigkeit gebraucht. Röthigen, verb. reZ. aet. >) *Durch äußere Gewalt, wider Willen, zu etwas bewegen, zwingen, von Roth z ; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, in welcher so wohl nothigen, als das veraltete einfachere norhen bey den Oberdcutscheit Schriftstellern sehr häufig ist. Go dich jemand nothiget cincMeile, so gehe mit ihm zwo, Matth. 5,41. (t)hne deinen Willen wollte ich nichts thun. auf daß dein Gutes nicht wäre genöthiget, sondern freiwillig, Philem. i 4 . Oie ärgste Roth ist die, die gar zu lange nöthet, Logau. Ehedem war eine Juugsrau nothigen oder nöthen so viel alb' sie nochzüchtigen. Zuweilen pstegt mau die R. A. genochrget werden, genöchigetfein, stch genöthiget sehen, auch im Hochdeutschen im gl.'mpstichcru Verstände;,, gebrauchen, wenn man wider Willen zu etwas gezwungen worden. 2) Durchdringende Umstände, durch Vorlegung triftiger Gründe zu etwas bewegen, so daß der freye Wille dabey nicht im eigentliche» Verstände gezwungen wird. Ich ward genochrget, mich auf den Ä.rifer zu berufen, Apostelg. 28, r y. Das Wetter nöryigte mich zu Zauke zu bleiben, was nörhiget dich dazu? Besonders in den R. A. stch genöthiget sehen, genöthiget fepn, genöthiget werden, wofür man im Oberdeutschen sagt, stch gemüßigec od.rbemüßi- get sehen , bcmüßiget werden, z) Zn der engsten Bedeutung, auS Höstichkcit, durch Gründe der Höflichkeit zu etwas bewegen. Jemanden zum Essen, zumTrinken nothigen. Man nochrgte mich so lange, bis ich voran gehen, die Dberstelle nehmen mußte. Das Röthigen bey Tische ist nicht mehr Mode. Schon Ottfried gebraucht in diesem Verstände nolen. So auch die Röthigung, besonders in der zweiten Bedeutung. Anni. Im Schwed, llcrcizn, bey dem Ulphilas nnutkjau,im Angels. nsackiZAn. Es ist das Jntensivum oder Frequentativum des schon gedachten im Hochdeutschen aber veralteten nöthen, welches mit dem Oberdeutschen nieten genau zusammen hänget, und ehedem für nnser heutiges nothigen gangbar war; Dän. node, ^ Schwed. nöÜL, Island, nercka. In zunothigen, zudringen, hat es noch die mehr eigentliche Bewegung des Bestrebens, Drängens, (S. Rieten,) so wie es in benöthigtzunächst von nöthig abstammet. Die Röthigkeit, xlur. lauf. die Eigenschaft eines Dinges, da es nöthig ist, in der zweyten objectiven Bedeutung des Beywortes. Das Rothjahr, des — es, plur. die — e, im gemeinen Leben, ein theures Jahr, da Roth, d. i. Mangel an Getreide und Lebens« ' Mitteln ist. Die Rothklstge, plür. die —N, noch in den Gerichten einiger - Gegenden, die Klage über angethane Roth, d. i. ossenbarcGewalt, besonders,die Klage über erlittene Nothzncht. DerRothknecht, des — es, piur. die —e, ein Knecht, dessen man sich nur aus Noch, aufkurze Zeit, und in Ermangelung eines ordentlichen Knechtes bedienet. Im gemeinen Leben auch in weiterer Bedeutung, eine Person, deren Hülfe man sich, in Ermange- li tg der ordentlichen und bessern, auf kurze Zeit bed'euctz der Rokhhtlftr. Jemandes Rorhknecht sepm *Der Rothkönig, des —es, plur. bie —e, ein ungebräuchliches Wort, welches einige für einen Zwischenkönig, lnterrsx aufbringen wollen, welches aber wegen des dem Worts Roth in solchen Fällen anklebcuden Nebenbegriffes des Geringeru, Schlechter», unschicklich ist. Nothleiöend, das Mittelwort dcr R. A. Roch leiden, welches so wohl als ein Beywort, als auch als ein Hauptwort üblich ist, ein gegenwärtiges die Wohlfahrt in einem hohen Grade vermindern, des Übel leidend, oder empfindend, und in engerm Verstände, Mangel au deu unentbehrlichstenErhaltungsmitteln des zeitlichen Lebens leidend. Einem Rochleidenden helfen. Die Thranen eines nochleidenden Unterchanen rühren ihn nicht. Go gehe denn keiner zur Ruhe des Grabes, er habe denn erquickenden Scharten über den Rochleidenden gestreut, Geßn. DieNothlüge,plur. die — n,eineLttge, zu welcher man durch ^>ie Noth, d. i. zur Vermeidung eines Übels, oder auch .zur Erfüllung feiner P,licht, bewogen wird. Eine Rochluge sagen. DerRothnagel, (S. Riethnagel.) In einem andern Verstaube höret mau'im gemeinen Leben oft, mau müsse Rochnagel sepn, wenn mau andern in Ermangelung eines bestem aus einer Verlegenheit helfen muß. Nothpsinlich, S. Zochnoehpeinlich. Der Rothpfennig, des — es, plur. inuf. Geld,welches man auf einen dringende» Nochfall anffparet, zum Unterschiede von einem EhrenpftnnigeuudZehrpfennige; Niederst Roodgrooten, Nothgroschen. Sich einen Rochpfennig ersparen. DasRothrecht, des— es, ^>Iur. inul. in einigen Gegenden. 1) Oas Recht in Norhklagen, d. i. in Klagen über angerhane Gewalt, besonders über Nothzncht. Das Rochrecht ergehen lassen, in solchen Fällen Recht sprechen. 2) Ein Recht zu dessen Ausübung jemand gezwungen wird, oder gezwungen werden kan», öo ist cs an einigen Orten ein Rochrecht, daß, wenn jemand zu einer obrigkeitlichen Stelle erwählet wird, er dieselbe schlechterdings an- m-ftnen muß. z) Das Befugnrß, etwas in einem Nothfallc unter dem Schutze der Gesetze zu thun; wohin z. B. die Nothwehr gehöret. 4) In Breslau ist das Rochrecht eine Art des außerordentlichen Rechtes, nach welchem in dringenden NothjMen verfahren wird; z. B. wenn ein fressendes Pfand vorhanden ist. Rothreisi, ucij. et uü v. welches in der Landwirthschaft von dem Getreide, Hrüchten und Obste gebraucht wird, wenn es von übermäßiger Hitze vor derZeit, ehe cs noch völlig ausgewachsen ist, zur Reife gezwungen wird. Der Nothreif, des—es, plur. die — e, bey den Böttchern, ein Reif, welcher nnrim Nochfall und auf kurze Zeit um ein Ge- faß gelegct wird, bis dasselbe mit ordentlichere Reifen versehen werden kann. Die Nöthsache, f>Iur. die — n. 1) Eine nöthige und nothwen- dige Sache. Das ist keine Rochjache, ist so gar nothwendig nicht. 2) Eine Sache, welche durch einen dringenden Nochfall veranlasset wird; daher auch eine rechtmäßige Entschuldigung vor Gericht iu manchen Gegenden Roth fache genannt wird. Die Noth) chlzrnge, plur. die—n, eine Art eines groben Geschützes, zS.^eldichlange.) Entweder von Roth, Zwang, ober auch weil man sich dessen wegen seiner Größe nur im Falle der Noth bedienete.Esrvurdeehcdem auch der Rothdrache genannt. Der Rothschnitt, des — es, plur. hie—-e, im Bergbaue, ein Schnitt, d. i. eiue Grube, welche man aus Noth und nicht nach den Regeln des Bergbaues macht. In engerer Bedeutung heißt daselbst Rothschnitte thun, das Erz wegnehmen, wo man es findet, um so bald als möglich anf die Kosten zu kommen. Der Roth schuft, des—es, jüur. die—schüsse, ein Schuß, wodurch man eine vorhandene dringende Noch verkündet. Besonders '.-Z ders chnt ein Schiff Nochschnsse aus Kanonen, wenn es sich in dringender Gefahr befindet, um dadurch andere zur Hülfe herbey zu rufen. . Der Nothftall, des —cs, plur. die —stalle, cm Stall, d.,, ein starkes Gerüst mit einem Dache, unbändige Pferde, welche sich nicht gern beschlagen, Arzeneyen eingicßen u. s. f. lassen, darin zu zwingen, stille zu stehen, und geduldig auszuhallen, von 5 Noch, physischer Zwang; im Mittlern Lat. ^uZurium. Sv fern Stall ehedem einen Gesellen, Gehiilfen bedeutete, kommt Nochsiall in den Mittlern Zeiten mehrmahls von eitlem Nothhclfcr, Vasallen, vor, von welcher längst veralteten Bedeutung Schilters Glossarium nachgeschen werden kann. Der Nothsian-, des—es, plur.inus. ein bedrängter Zustand, " die Noch als ein Zustand betrachtet. Der bejammernswürdige Nothstand dieses verwüsteten Landes. Jngleichen der Zustand, da man aus Noth zu einer sonst unbefugten Handlung gezwungen wird. Der Nsthsiem, des -— es, plur. die — c, S. Rragstcm. Der Nochftern, des—es, plur. die —e, eine rhemahlige Benennung eines Kometen, wett er Jammer und Noch verkündigen sollte. Die Nochtaufe, plur. die—n, die Laufe, welche einem Kinds im Falle derNoth, d. i. ineiner augenscheinlichen Lebensgefahr, ohne die sonst üblichen änßccnFeyerlichkeiten ertheilet wird, besonders so fern sie von weltlichen Personen verrichtet wird; imDbrrd. die Gachtaufe, Jähtaufe, und, so fern ste auch von Weibern verrichtet werden kann, die Kpauentanfe. Die Nvchchür, plur. dre —en, eine Thür, deren man sich nur in dringenden Nochfällcn bedienet. So hat man zuweilen Norh- thürcn auS einem Hause in das andere, sich ihrer in Feuersnoth zu bediene». Der Nochwey, des — es, plur. die— c, ein Weg, dessen man sich nur aus Noch, ingleichen im Falle der Noth, anstatt des ordentlichen Weges bedienet. Die Nochwehr, plur. inul. die Gegenwehr, welche man im Falle der Noth, d. i. zu Abwendung einer dringenden Gefahr chm oder leistet. In engerem Verstände ist es die Gegenwehr zur Abwendung einer solchen unvermeidlichen Leib- und Lebensgefahr; im Schwabenspiegel Nodnuuer. Der Nochweiser, des—s, plur. ut vom. ffnZ. in der Bienenzucht, ein Weiser, welchen die Bienen nach Verlust ihres ordentlichen Weisers sich selbst im Stocke zu machen wissen. Nothwendig, —er , —sie, nckj, et ackr. was dergestalt ist, oder geschehet, daß es nicht anders seyn oder geschehen kann, da denn dieses Wort so viele Stufen leidet, als das Zeitwort können Bedeutungen verstauet. 1. In dem schärfsten, aber freylich nur in der Philosophie üblichen Verstände ist nothwendig, und bestimmter schlechterdings nochwcndig, a'-ilolule necellnrium, was den Grund seines Daseyns in sich selbst hat, oder dessen Grgencherl einen Widerspruch enthält; im Gegensätze des zufällig. Auf diese Artist Gott nothwendig oder ein nothwcndigcs Messen. Zwey Mahl Zwey ist nothwendig vier, wett der Gegensatz einen Widerspruch enthalten würde. In dieser Bedeutung fällt die Comparation von sich selbst weg. 2. In weiterer und gewöhnlicherer Bedrntung, was in Ansehung der Umstände nicht anders seyn oder geschehen kann, welches vollständig bedingungsweise nothwendig genannt wird, lt>po- ittetice necelknriuin; wo cs wieder mehrere Stufen gibt, i) Physisch nothwendig. oder auch nur schlechthin nothwendig, in demWesen eines Dinges gegründet; natürlich. Das Keller muß nothwendig brennen, weil es sonst nicht das seyn wür de, was wir unter dem Worte Feuer verstehen. Las Ganze setzt die Vielheit der Theile nothwendig voraus. Unser 6 er; hat einen nothwendigen sang fich von jeder Art der Schönheit rühren zu lassen. Mer tugendhaft leben will, muß nochwen- dig seine Neigungen bezähmen lernen. ,2) Moralisch noch- wendig, oder auch nur nothwendig schlechthin, was unter gewrs- senUmständen nicht anders seyn kann,was nur ansEincArt gethan werden kann, dessenGegcnsatz einenWiderspruch wider einePfllcht, wider eine Absicht, oder auch nur wider einen Umstand enthalten würde, was man nicht vermeiden, nicht mrterlassen kann. Ans diese Ar t ist alles nothwendig, was in einem Gesetze befohlen ist, was mail unbeschadet seiner Wohlfahrt nicht entbehren kann, und in der weitesten Bedeutung auch, was man nicht entbehren zu können glaubt; daher einer oft ein Ding für nothwendig hält, welches bey dem andern nur nöthig und dem dritten gar nnnöthig und überflüssig ist. Ler heutige Tag ist ja nicht nothwendig ihr Lraultag, Gell. Müssen sie mich de» nochwcndig stören? ebcud. Wenn man mir mit dem Nachruhme kommt, so muß ich nothwendig lachen, ebeud. Ich muß heute nothwendig schreiben. Nochwendige Arbeit haben, welche ohne Übernerirng einer Pflicht nicht unterbleiben kann. Lin nochwendigerMensch, welchen man nicht entbehren, ohne welchen man nicht leben kann. Er weiß fich sehr nothwendig zu machen, Mangel an dem Nothwendigen leiden, an dem was zur Erhaltung des natürlichen Lebens unentbehrlich ist. Anm. JmSchwed.glerchfallsnöckvKncliZ. Dieses Wort sagt in seinen schärfer» Bedeutungen weit mehr als das bloße nöthig, und diese erhöhetc Bedeutung rühret von der letzten Halste wendig her, deren eigentlicher Sinn aber so ausgemacht noch nicht ist, indem diesesWort bey keinem unserer ältcsteiiSchriftstellcr angetrof- fen wird, ob es gleich alles Ansehen eines alrenWortes bar. Wachter lasset die letzteHälfte aufeine sehr gezwungene Art von rvendcr» stehen,abstammen. Schiltcr mit mehrerer Wahrscheinlichkeit von wenden, abwendcn, und erkläret es durch dasjenige, was die Noth abwendet. Da aber auch diese Ableitung den Begriff des Wortes nur halb erschöpfet, so fällt Ihre auf das alre Wahn, Mangel, nnd wahnen, Engl.w vvanl, mangeln, fehlen; und da ist denn nothwendig, was man nicht ohne Noth entbehren kam?, was höchst nöthig ist. Die Nothwendigkeit, plur. die—en. r) Die Eigenschaft eines Dinges, da cs nothwendig ist, in allen Bedeutungen des vorigen Wortes, und ohne Plural. Die Nothwendigkeit Gottes, nach welcher er unmöglich nicht da seyn,oder unmöglich anders beschaffen seyn kann, als er ist. Die moralische Nothwendigkeit, die Gegenwart hinlänglicher Lewegungsgründe.' Setze mich nicht in die Nothwendigkeit, auf meine eigene Sicherheit zu denken. 2) Nochwendige Dinge, d. i. solche Dinge, ohnewclcheeincAv- stchr nicht erreicht, eine Veränderung nicht hervor gebracht wer den kann, und in engcrm Verstände, Dinge, welche zur Erhaltung des natürlichen Lebens nothwendig sind. Das Nothwerk, des — cs, plur. die—e, ein Werk, eine Verrichtung, welche zur Erhaltung unsrer und andrer Wohlfahrt unentbehrlich ist. Der Nothwurf, des— es, plur. die — würfe, S. Nothauswurf. Die Notzucht, plur. inul. von Noch und ziehen, r) *Ciue jede Gewalt, welche man einem andern anrhnt und zufüget, auch der Zwang wider dessen Willen; eine veraltete Bedeutung, welche ehedem sehr häufig war, wo nochziehen „ndnsrhzogen auch zwingen war^ Gott wird uns keine Gewalt anlegen, benothigen, norhziehen, heißt es in den Deutschen Sprichwörtern bev dem Frisch. Im N'.edcrsächfischen ist nochtagen, norhziehen, noch in L l 2 fiM- AZL Nst figürlichem Verstände für nothigen, durch HFfliches Bitten, üblich. -) In der engsten und gewöhnlichsten Bedeutung, die niit angewandter Gewalt ohne Willen der andern Person mit ihr begangene Unzucht, gewaltthätiger Beyschlaf; ehedem die Noch, d« Nothnunft, von nehmen, der Nothzug, die Nochzoge, die Nothzogun§, der Nsthzwang, im Nieders. verkräfting,wicf- nood. Norhzucht begehen. Nlothzüchtiyen, verd.rsz.Lcr. welches auch nur noch m der engern Bedeutung üblich ist, mit Gewalt zum Beyschlaft zwingen, rblne Person nothzüchtigen. Ehedem nochzogen, nochzögen, noqeren, im Schwabens?). »orroAen,im Nieders. verkraftigen. Daher die Norhzüchtizung, die Nachzucht. Ehedem bedeutete es überhaupt, Gewalt anthun. 8i llOteZoton miü, Notker. Das Hauptwort der Nochznchtiger, ehedem der Nothzüchter, Nothzoger, kommt noch Zuweilen in den Gerichten vor. Der Noväl-ALer, NoväL-Zehnte, S.Neubrüch. Der November, des— s, xlur. ut uom.lmZ. dcreilfteMo- ' nach im Jahre, nach dem Lat. November, weil er bey den Römern, welche das Jahr mit dem Märze anfingen, der nennte war. Carl der Große nannte ihn den Windmonach, weil sich in demselben gemeiniglich starke Winde einzustellen pflegen, oder nach dem Raban MaurustteriuMmavoik, da bcy uns jetzt der Septem- her der Herbstmonath ist. Er wird im Deutschen auch derwinter- monach genannt, weil sich dieser-derWitrerung nach,gemeiniglich in demselben einzustellen pflegt. JmHolländ. heißt er Lcblaobt- masocl, und auch wohl bey einige» Deutschen Schlachtmonach, weil man das znr Haushaltung nöthige zahme Vieh in demselben einzuschlachten pflegt, daher er auch bey den alten Cimbern Llol- - moncit genannt wurde. Nu, die Partikel nun im gemeinen Leben, S. Nun. Nüchtern, — er, — ste, aäj. et aäv. ». Dec denftlben Tag noch nichtgegessen und getrunken, und in engerer Bedeutung noch nicht gegessen hat. r) Eigentlich. Noch nüchtern feyn. Nüchtern trinken, ehe man etwas gegessen hat. Etwas in den nüchternen Nagen hinein trinken. Nüchterner Speichel, welchen mau des Morgens, che mau noch etwas zu sich genommen hat, auswirft. -) Figürlich ist nüchtern oft im gemeine,! Leben so viel wie abgeschmackt, unschmackhaft. Das Zleisch schmeckt so nüchtern. Ein nüchterner Einfall. Ein nüchternes Gedicht. Das klingt so nüchtern- 2. I» engerer Bedeutung ist nüchterndem betrunken entgegen gesetzt. 1) Eigentlich, sich seiner und andrer Dinge außer sich nach vorher gegangenerTrunkcnheit wieder völlig bewußt; wo es in Gestalt eines Nebenwortes am üblichsten ist. Wieder nüchtern werden, wofür man auch sagt ausnüchtern. Nie nüchtern werden, beständig betrunken feyn. 2)Figürlich,sich seines gegenwärtigen Zustandes recht bewußt, im Gegensätze des Taumels der Leidenschaften, Gegenwart des Gemüches besitzend, " Hr Absicht auf die Unterdrückung der Leidenschaften. Werdet doch oiümahl recht nüchtern und sündigt nicht, r Cor. 15, 34. Easset uns wachen und nüchtern seyn, 1 Thess. 5, 6. von einer Leidenschaft, oder nach derselben wieder nüchtern werden, zu sich selbst kommen. So lange seine Sinnen noch nüchtern ,md gleichgültig flnd^ Z. Ja weiterer und figürlicherer Bedeutung ist nüchtern Mäßigkeit im Essen und Trinken beobachtend, und darin gegründet. Ein nüchternes Lehen führen. Am häufigsten als ein Nebeuwort. Nüchtern leben. Anm. Schon bey dem Notker in der ersten Bedeutung nucb- kmrlrir,, im Schwabenspiegel ohne n amEude rrubter,in einem allen Vocabulario aus dem »Llen Jahrhunderte nucchemimNie- ders. nogrern, im Schweb, n^cklsr. Frisch leitet es von dem Latein- nSLluriius her; aber warum nichtlieber vou dem Deutschen Nacht, oder vielmehr von dem noch jetzt Holland, und Nie- 'Rud FzS öers. Vkucht, Ucht, die frühe Morgenzeit ? Die Gylbe — er ist eine sehr gewöhnliche Ableitungssilbe, welche in vielen Fällen ein n nachschleichen lasset, wie in albern, eisern, ehern, strohern u. s f. Nüchtern hat als» eigentlich morgendlich bedeutet, und figürlich, des Morgens noch ungegessen. Bey dem Notker - kommt aokturna wirklich noch für nächtlich vor. Die Angelsachsen umschrieben diesen Begriff, und nannten einen noch nüchternen Menschen onniüluektZ, von on, nicht, rrikt, frühe, und llök, Speise, Nahrung, und Ihre zu Folge, ist das Schweb, ll^ektsr und unser nüchtern eine bloße Znsammenziehung dieses Ausdruckes. Opitzens nüehterlich für nüchtern ist im Hochdeut, schen veraltet. Die Nüchternheit, xlur. car. der Zustand, da man nüchtern ist, in alle» Bedeutungen dieses Wortes. ,) Der Zustaud, da man noch nicht gegessen hat. 2) Der Zustand, da man nach eine,» Rausche sich seiner wieder völlig bewußt ist. Und figürlich, die Gegenwart des Geistes, so fern ste von keinen heftigen Leidenschaften "unterdrückt wird. Jngleichen die Artigkeit, sich seiner und seines Verhaltens allezeit bewußt zu k - ben. 3) Die Mäßigkeit im Essen und Trinken, und die Fertigkeit derselben. Und sey ein Zrennd der Nüchternheit, Gell. Lied. Die Rrankhcit, weit entfernt von armer Nüchternheit, Besuchet nur den Lisch dev blassen Üppigkeit, Dusch. Im gemeinen Leben einiger Gegenden ist dafür mit einer andern Endsylbe Nüchternkeit üblich. Die Nücke, xlur.die—n, S. Mucke. Die Nudel, xlur. die—n, Diminut. das Nüdelchen, Oberd. Nudelein, ein Wort, welches verschiedene Arten, gemeiniglich eßbarer, runder oder rundlicher Massen bezeichnet. In dcrMack Brandenburg werden die Kartoffeln Nudeln genannt, (S. dieses Wort und Erdapfel.) Dampfnudeln sind im Oberdeutschen eine Art in Milch gekochtcrMehlspeise, welche aus unförmlichen Mas, sen bestehet, wlup. Fänum d-e Nudelmachrrmn, Personen, welche ihr vornebmstes Geschat- daraus machen, Nudeln auf den Kauf zu verfertige». ZZ7 Rud Nun 3 ' Das Nuöelmehl. des—es, plur. iousi. sehr felneS Weitzettmehl, so wie es zu drn Nudeln gebraucht wird. Der Ntt-eLtöiy, des—ee,p>ur. doch nur vo« Mehrern Arten und Quantitäten, die—e, ein Teig aus Nudelmehl und Eyern, woraus die Nudeln verfertiget werden. Muffeln, verb. rsZ. nsulr. mit dem Hülfsworte haben, durch die Nase reden, in andern Gegenden mit dem Zischlaute schnüffeln. Beyde sind nur in den gemeinen Sprecharten üblich,, indem m der anständiger» dafür nieseln gebraucht wird. Nutz, Nutze, S. Genug und Genüge. Null, ein Nebenwort, welches nur in der Redensart null und nichtig üblich ist, ungültig, als nicht da seyend, als nicht geichehen. - Etwas null und nichtig machen, für null und nichtig erklären. Da es denn in den Gerichten imdKanzelleyen auch wohl, doch ohne Verlängerung am Ende, als ein Beywort gebraucht wird. Em null- und nichtiges Verfahren, als wenn das Beywort nullig hieße, welches doch nicht gangbar ist.. Es kommt mit dem Lat. Qulius überein, aus welchem es auch wohl entlehnet seyn raun. Daher die Nullität, p!ur. die—en , in den Rechten, ein nichti- gesund an stch ungültiges Verfahren; die Nullitäts-Blage, die darüberangestellte Hage. Die Null, plur. die—en, oder dih Nulle, ^lur. die n, eineZahlsigurinGestalteinesklcinenZirkelsoderLat. o, welche für stch allein nichts gilt, sondern nur die Abwesenheit einer Zahl bezeichnet. Aus dem Lat. nulla. Dte Nummer/ plur. die — N, aus dein Lat. Numerus , eine Zahl und Zahlfigur, in welchem Verstände es noch im gemeinen Leben üblich ist. Besonders eine Zahl, so fern ste ein Zeichen eines aus mehrern mit Zahlen bezeichueten Dinges ist, und dieses Ding selbst. ' Figürlich, doch auch nur im gemeinen Leben und in der vertraulichen Sprechast, eine gute Nummer bey einer Person, «n einer Sache haben, sich gut an und bey derselben stehen, an nud bey derselben gewinnen. Ihr Vater ist ein Förster, und du weißt, die haben eine gute Nummer, Weiße, eins einträgliche Stelle. Ich bin so eigennützig nicht, sonst hatte ich bey ihr gewiß eine gute Nummer gehabt, cbend. Das Nummereisen,, des—-s, plur. ut nom. sinZ. im Hütten, baue', ein Eisen, womit die Nummer iu das auszeschmelzte Bley geschlagen wird. . ^ Nummeriren, verb. reA. act. aus dem Lat. numerare, zählen. -) Für zählen; wo es doch nur in engerer Bedeutung in derRechen- kunst. üblich ist, wo nummeriren eine geschriebene Zahl gehörig üussprcchen, oder eine ausgesprochene Zahl durch die gehörige» Zeichen ausdruckcn bedeutet. 2) Mit der gehörigen Nummer bezeichnen. Die äauser, waaren, Mannschaften u. s. f. num- meriren. ^ Nun, im gemeinen Leben Nn, eine Partikel, welche besonders in den figürlichen Bedeutungen im Deutschen von einem sehr vielfachen Gebrauche ist, und zur Ründe, Annehmlichkeit und Vollständigkeit der Rede überaus viel beyträgt. Sie wird so woül eigentlich als ein Nebenwort derZeit, als auch figürlich in Gestalt eines Bindewortes gebraucht. r.'Eigentlich, als ein Nebenwort der Zeit, den gegenwärtigen Augenblick, die gegenwärtige Zeit zu bezeichnen. Ach, wollt ihr nun schlafen und ruhen:' Marc. 14, 4i. Zerr, nun lassest du deinen Diener in Friede fahren, Lne. 2, 29. Nun ist cs Zeit zu gehen. Sichest du es nun? Hörest du es nun erst? Nun ists nicht mehr Zeit. Nun kommt er endlich emmahl. Ader was sagst du nun dazu ? Man hat seit langer Zeit daran gearbeitet, nun ist die G '.che endlich zu Grande gekommen. Zngleichen mit dem Vorworte von , von nun an , von dem -egenwrrtizen Augenblicke, von der g^zleuwärki-cuZeit an. Im Oberdeutschen verbindet man es auch mit bis , bis nun zu, bis jetzt, welches aber im Hochdeutschen ungewöhnlich ist. " Nun und nimmermehr stehet sehr häufig mileimmNachdrucke für memahls. Nein, nun und nimmermehr soll das geschehen. Gell. Aber das Oberdeutsche nun und ewig für ewig, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. Doch wird der große Zorn, mchk nun und ewig wahren, Opitz. — Und euch dahin gesetzek, Da nun und ewiglich kein Auge wird genetzet,^benö. Oft beziehet sich das nun zugleich auf eine vorher gemeldete oder? nachfolgende Sache, ohne doch die Bedeutung des ge genwärtigen Augenblickes oder doch der gegenwärtigen Zeit auszuschließeu; ein Gebrauch, welcher dasBand dieser eigentlichen Bedeutung derZeit mit den fol^nden figürlichen ausmacht. Ich will nun gerne sterben, nachdem ich dein Angesicht gesehen habe, ^ Mos. 46,zo. wenn er nicht die Wahrheit sagt, wem soll man nun glauben? Er hat stezur.Frau verlangt, da sie arm war., nun soll sie chn , da sie reich ist, zur Dankbarkeit hoicatyen, Gell. Wo auch das da wegbleiben kann, wobei) sich zugleich das nun der folgenden Gestalt eines Bindewortes nähert: nun sie reich ist, sollsteu. f.f. Ich habe ihm immer geliebt, nun aber, da ich sehe , daß er meine Liebe mißbraucht, hat ste ein Ende; oder, nun ich aber sehe, daß u. s. f. Oft gehöret das nun und die ganze Bestimmung der gegenwärtigen Zeit nicht wesentlich zu derRsde, sondern scheinet vornehmlich um des Nachdruckes willen da zu stehen, wenn der Landmann in den frohen Saaten der reichen Ernte dankbar entgegen stehet und nun ein schreckliches Ungewtttcr seine ganze Hoffnung danieder schlägt, Sounenf. In dieser ganzen Bedeutung der gegenwärtigenZeit kommt nun mit jetzt überein, welches letztere man iu der hohern Schreibart in diesem Verstands dem nun gern vorziehet. Allein, setzt erstrecket >stch weiter, und kann auch von einer den Augenblick oergang nren Zeit gebraucht werden, wo nun ungewöhnlich ist. Erst jetzt ist er weggegangen, nicht erst nun. So wie es auch die näher bestimmenden gleich und eben nicht vor sich leidet. Nu und Nun werden zuweilen auch alsHauptwörter gebraucht, doch selten in der anständigen Sprechart. In einem N r, in einem Augenblick-, wo Nun ungewöhnlich ist. Du sollst in einem Nu befreiet von Beschwerden, Ja gar ein großer Bönig werden, Willam. S. die Anm. Das Nun oder Niemahls eines Christen. 2. Figürlich, größten Theils in Gestalt eines Bindewortes,, welches sichaber in gar vielfacher Gestalt zeiget, l) Eine Folge, eine Wirkung , und zuweilen such eine Schlußsolge zu begleiten. So beschneidet mm eures Herzens Vorhaut, 5 Most io, r 6. Bin ich nun Vater, wo ist meine Ehre? Mal. i, 6. S» halten wir es nun, daß der Mensch gerecht werde u. s. f. Röm. 3, 28. Haft du nicht hören wollen , nun so magst du fühlen. 2) Jngleicheu die wirkende Ursache. Was habe ich nunmehr zu hoffen, Nim ich einen solchen Nebenbuhler Habs? für nun da. (S. dieersie eigentlicheBedeutuug.) Nun du nicht kommen willst, so sollst du es auch nicht haben , für nun weil. Welche Ellipsen doch behuchsam zu gebrauchen sind, damll sie nicht zu hart werden. 3) Sehr häustg Wird cs inder erzählenden Act als eine ölößr Verbindungs-Partikel der Glieder einer Erzählung gebraucht. Da sie nun nahe bey Jerusalem kamen, Matth. 21,1. Nun war a. r damahls ein Gebrauch u. s. s. Nun waren ste damahls nicht zugegen. Hier bemerkte ich nun ganz deutlich, oder nun bemerkte ich hier ganz deutlich. Für diesen Gewinst nun kaufe stch mir ein Haus. Glauben ste nun, daß ste ihnen an der Gemüthsart nicht gleicht, so lassen sie sie fahren. Wo Ll Z . doch doch der allzu häufige Gebrauch dieser Partikel vermieden werden muß. 4) Eben so häufig dienet fie etwas einziiränmcn oder zu- zngeben, besonders wenn es im Nachsake compcnsirct wird. Nun rstzwar gewiß, aber u. s. f. Je nun, du bist freylich nicht die schönste, aber du wirst auch versorgt werden, Gell. Fliegen kann der Strauß nun wohl nicht, aber ich glaube, er muß gut laufen können, Less. Rakhsherr möchte ich nun freilich gern werden, Naben. Nun find freylich diese Töne sehr einfach, aber u. s. f. Er mag nun kommen, oder nicht. Sie mögen mich nun noch sosehr hassen, so werde ich mich doch nie beklagen, Gell. Las mccht ich nun nicht gern. 5) Jn- Zleichcn einen möglichen Fall zu begleiten. Wenn er nun nicht da ist? Wenn er sich nun nicht bessert? wenn er nun die Nachtsterben sollte? Wenn ich nun auch so gedacht hatte? Wenn ich nun hundert Thaler gewönne, so wollte ich die Hälfte den Armen geben. Und wenn ich es nun wäre, was wolltest du da tbun ? 6) Ferner eine Versicherung, eine Bejahung ü-nzuki'-ndigerr, in der vertraulichen Sprechart. Nun, wie ich dir gesagt habe. Nun ja! eine Bejahung, welche oft eine« Unwillen vcrräth. Eben dieser entschlossene Unwillen blickt auch iu einigen der folgenden R. A. hervor. Ich kann ihn nun nicht leiden. Ich will es nun haben. Es ist nun einmah! so. 7)Dft dienet cs auch m andern Fällen dem Unwillen »der dem Verweise zur Begleitung, wer wird denn nun aAe Worte auf die Eoldwagc legen? Was nun das für Dinge sind ? Da Haft du mir nun die ganze Sache verderbe. Nu, warte du, ich will dich schon wieder kriegen, Weiße. Nun, man sollte denken , du wußtest es nicht. Nun, was das wieder für eine beleidigende Antwort ist. Nun, was soll denn das heißen? was hatt' rch aber nun die ganze Zeit vom -Lachen ? Rost. Was wird es denn nun sepn.? 8) Jnglcichen eine vertrauliche Frage anzufangen, wo es olle Mahl voran stehet. Nun, was fehlet ihnen? Nun, wie befinden sie sich? Nun, wie flöhen unsre Sachen ? Nun, wie gefallt ihnen mein Gärtchen ? Nun, Friedrich, was willst du? Und zuweilen auch allein stehet, die Fortsetzung der Rede von dem andern heraus zu locken. Aber, liebste Themire!-Them. Nun? Nerine ging vorhin in den Garten.-- Nun? --und da verlor sie es. 9) Ferner, eine Verwunderung zu begleiten , wo es gleichfalls dis Rede anfängt. Nun, das must ich bekennen! Nun, da ist mir ein rechter Stein vom Herzen ! Nun, die muß recht beherzt gewesen sepn ! Nun , so will ich doch gern sehen,, was daraus werden wird ! Nn, ist doch alles ganz leer ! - v) Wie auch einen vertraulichen Verfall. Nun, das ist ja recht gnss daß du das gekhan hast. Nun, wenn das ist. -i) Eine Aufmunterung, s neu beherzten Entschluß. Nun, so sey es denn. Nun , so will ich denn kommen. Nun , sö will ich es wagen. Nun, so erkläre dich deutlicher. Nun , so g'b mir die Hand» darauf. Nun, so sep es! 12) Jngleichen eine Besänftigung, wo es gemeiniglich verdoppelt wird. Nun, nun, wir wollen sehen. Nun, nun, wenn er dich auch Ein Mahl du hieße, Gell. Nun, nun, ich muß wissen, was an dir ist, eteud. Nu, nu, cs wird schon wieder vergehen. Nun, nun, wenn das ist. Anm. Ans diesen und andern dergleichen Fällen mehr, welche hier um der Kurze willen übergangen werden, erhellet, daß diese Partikel im gemeinen Leben und der vertraulichen Eprcchart cin sanftes Verb ndungsu örtchen ist, welches fast in allen Fällen gebrauch t werden kann, wo keine mehr hervorstechende Partikel uö«. thig ist, d., es oft bloß mildert, sowie es die meisten saustern und gelindem Gemuchsbewesnnge,r zu begleiten pflegt. Dieses Wörtchen kantet im grmeineü Lch-rr nur yu, schon im'Isidor, bch dem Kero, Milleram u.s. f. gleichfalls nii,im Niederst Dän. Schweb. Holland. niidJsländ. auch nu, bry dem Ulphilas nu niidunna, im Persischen null, im Russischen nu, im Böhm. nvni.n pucko, im Lat. vunc, im Griech. eve, und, wenn cs das Bindewort ist, ohne das Anfangs N ovv , im Finnland., mit einem andern End- lautc u)'t. Lbes gleich viele Wahrschcinlichkeirhat, daß es mir nahe und neu verwandt ist, so sch einet es doch fast noch glaublicher, daß das Hauptwort Nu, ein Augenblick, noch die erste eigentliche Bedeutung aufbehalteu hat, da es denn mit dem Lat. nuers, dlu- ius, mit unscrm nicken , neigen und nahen oder nahen, so fern cs anfänglich überhaupt sich belvegen bedeutet hat, EinesGeschlech- tes seyn würde. Es kau« sepn, daß das Bindewort nun wenigstens in einigenBedeiitungcn ein vondemNebenwortenun ganz verschic, dencs Wort ist; znmahl da dieses im Niederst nn und im Grjech. rvv, jenes aber im Griech. ovv und imNiederst no lautet. Indessen lasset es sich nur muthmaße», denn Beweise sind davon noch nicht geführet. Nunmehr, ein Nebenwsrt der Zeit, welches in der feyerlichen Schr F44 A i sch ei, so fern eZbeu Kopf bedeutet, gehöret hierher. (S. auch Pfeffernuß.) 2), In engerer Bedeutung ist in dem Pflanzenreiche die Nuß eine gemeiniglich runde Frucht, welche in einer hü. an Schale einges.hlossen ist, wo es doch auf den Gebrauch ankommt, welche Früchte diesenNahmen bekommen oder nicht. (S. Wasser- ^ nuß, Pimpernrrß Muskarn ch, Zirbelnuß, Erdnuß u. s. f.) Di/Früchtc derBuch. a uudEichbäume werden oft Buchnüsse und Eichnüsse, so wie die Mandel!« Mandclnüsse und die Samenbe- hältiusse der Linden Zernüßchen genannt. Z) Im engsten Verstände führet besonders eine gedoppelte Art von solchen Früchte» den Nahmen der Nüsse. Die Haselnuß, »velche oft auch nur die Nuß genannt wird. Nüsse pflücken, knacken u. s f. In die Nüsse geben, in den Wald gehen, Nüsse z« pflücken. Figürlich ist in die Nüsse gehen, verloren gehen, in die Krätze gehen ; wo es noch dahin steh", ob dasWort hier nicht zu einem andern Stamme gehöret. Das ist eine harre Nuß- sagt mau von einer schweren, mühsamen'oder auch sehr unangenehmen Sache. (S. Haselnuß.). Die wä'lsche Nuß, oder im gemeinen Leben, zusammen gezogen, die iDülluuß, ist die Frucht des IVälschcn Nußbaumes, welcher in Persien einheimisch ist,von da er überGricchcnland nach Italien oder walschland, mW von da zu uns gekommen ist, daher er auch den Nahmen hat; ssuZluns D. Anm. In der zweylcn und drittenBedeutung bei) demWilleram Rur, irn Lat. üdlux, im Jeal. Aore, im Franz, iidlorx, im Lotharingischen im Plural Ruecbes, lm Span, Andere Sprachen Hild Mundarten haben statt des Zischlautes das verwandte t, wirr das Niederst Nut, das Dän. Nood, das Schwed. Noll, das Island. biuitt, dasAngelsäch.lssnult. dasEnql.dlut. Es gehöret in Ansehung d« rErhöhung,der rturdlichen festcnMaffe, zu Nudel, Rüste, Änospe, Rnö>>el, Nast, Rnast u. s. s. und in Ansehung der Vertiefung zu Nachen, nahen, Naht u. s. f. Im Oberd. lautet der Plural die Nusseir. Das Nußband, des —es,ss)iur. die >—bänder, bey denSchlöf- seru, ein Lhürbaud, dessen beyde Theile vermittelst einer Nuß an einander gesügct sind, d. i. welches in der Äeitte zw- y Gewinde und zwe«) heraus stehende walzenförmige Stücke hat; dergleichen Bänder z. B. an den Klapptischen befindlich find. S. Nuß 2. «. Der Nußbaunr, des— es, plttlr. dje —bäume, cm Baum, dessen Fruchtuuter dem Nahmen der Nuß bekannt ist, ein Baum, welcher Nüsse trägt. Besonders wird der Watsche Nußbaum oft nur der Nußbaum schlechthin genannt. NußbÜumcn, »üj. er ucko. von dem Naßbaume herkommend. Nusibäumenes 6 olz. Nußbäumene Tommoden, Tische u. s.f. aus ttußbäumen Holzwerfertiget, odec doch dam«r belegt. Der Nußbeißer, des—.s, ^lur. ut nom.stio§. Suhe Nußkrähe. ü . Der Nüßbrecher, des —s, xlur. ul vom. kng. Siehe eben daselbst. ^ Das Nußeisen, des—^s, plur. ul n«^rn ling. bey den Büchsenmachern, ein Werkzeug, die Zapfen an der Nuß eines Gewehrschlosses damit zu schneiden. S. Nuß 2. '). Die Nußfarbe, plur.iuus. eine braune Farbe, welche derjenigen Farbe gleich ist, welche die fleischige Hülle der Wälschen Nüsse gewähret. Nußfarben,oder Nußfacbig, Läj. et aä v. diese Farbe habend. Ein mißfarbenes Tuch. DerNußyarten, des—s, p!ur. die—gärten, ein Garten, worin vornchmlich Nüsse gezeuget werde«, es mögen mm Watsche Nüsse oder Haselnüsse seyn. Das Nußtzras, des — es, plur.inust. eine Art Grases, welches mSpanien einheimisch ist,und seinenSameir meiner kleine» zwey-- fächerigen Nuß traget; Dvzeurn Io. Der Nut L 4L Nuß -s, xlur. ut vorn. DerNäßhackor. oder Nrßhä'hee, des lE. S. NuMrähe. . Der Nußkärn, des-es, xlur. die —e, ^ Kur» einer Nuß, besonders der Haselnuß und Watschen Nuß. Der Nußknacker, des—s, xIur. ut aoiv. LiuF. ein Werkzeug, die Haselnüsse damit aufzudrücke», oder aufzuknackeu. Die Nußkrahe, xlur. die— n, eine Art Häher oder Bergkrahen, welche theils bunt, mit dunkelbraunen und weißen Flecken, wie ein Stahr theils kleiner iss, und eine kurze Zunge hat. Bcyde essen Nüsse, die sie sehr gesch:ckt aufzubrechen oder doch zu durchstoßen wissen, ingleichen Eicheln und alle ähnliche Früchte; siics. nueikrsZL Oorvus (ÜLrioeuotss l.- Nußoerßer, Nußbicker, (Nieders.Notebicker) Nnßbrecher, klußhah-r, Tannenkrähe, Tannenhäher, wett sie in Ermangelung der Nüsse auch den Samen der Tannzapfen speiset, Nußhackcr, in emrge.r Gegenden, z. B. in der Lausis, Sarrusch, äerrehusch, Marko.ph, (S. dieses Wort,) Eichenhäher, Eicheihabicht, Bergkrahe und Das Nußohlches —- es, xlur.öoch nur von Mehrern Arten oder Quantitäten, die — e, dasaus den Nüssen, besonders aus den Haselnüssen und Wälschen Nüssen, gepreßte Dhl. ^ Die NvßpstrsLch, im gemeinen Leben Nußpsirsche, xlur. drs —n, eine Art Pfirsichen oder Pfirschcn, welche von außen glatt find, und deren Kern wie ein NußE^rn schmeckt. ' DerNußrinF, des — es, xlur. die—e, bcy den Büchsenmachern, ein starker Ring, welcher auf den Zapfen der Nuß an dem Gewehrschlosse gestecket wird, wenn der Hahn und die Studel aufgepreffet werden sollen. S. Nuß 2.!). Die Nußschale, xlur. die —n, die Schate einer Nuß, so wohl die äußere weiche, mit welcher sie am Baume umgeben ist, als auch, und zwar am häufigsten, die harte Schale, welche den Kern Die NußstaUöe, xlur. die —n, eine Staude, bereu Frucht eine Nuß ist. In engerer und gewöhnlicherer Ledeuttmg, die Hasel- stände, welche die Haselnüsse trägt. . . Die Nurch, xlur. die-—en, bey den Holzarbeitern, eine vwreckts Rinne, welche bey den Tischlern vermittelst eines besonder» Hobels, welcher daher der Nnchhobel, verderbt devNotbhobel, heißt, m das Holz gemacht wird, einen andern Theil hinein zu schieben, und beode auf diese Art zu Verbinden. Dergleichen Nu- then befinden sich H denFc-nsterrahmen, das Glas hinein zu sitzen, die Glasnukh, ingkeichen in solchen Behältnissen, welche mit einem Schieber versehen sind u. s. s. Die Fensterrahmen mit Nuchen ausfahren, solche Nnchcn darein verfertigen. Es gehö. retzuNuß. Nie-ers. Nut, so fern es eine Rinne, einen Canal bedeutet, (S. Nuß r.) oder auch, so fern eine solche Rinne zur Verbindung dienet, zu Naht, nähen. Der Nuthhobel, des —s, xiur. ut vom. Kn». S. das vorige. Der Nutz, des — es, xlur. inus. S. der Nutzen. Nütz, —er, —este, uckj. et vckv. brauchbar, und in weiterer Bedeutung nutzbar, nützlich. Und sind uns doch sehr nütze Leute gewesen, i Sam. «z, i Z, sehr nützliche. Der Rramer nutzer Schwur und ihr genießlich Lügen, Logau. Den nützen Zreund nur immer plagen, ehend. Durch nütze Dieberey, Dprtz, einträgliche. Im Hochdeutschen gebraucht mau cs nur noch als ein Nebemvort in der vertraulichen Sprechart, mit der Verneinung nichts und dem Zeitrvorte seyn, da man denn demselben so wie w.ehrrrn Nebenwörtern wohl noch ein e cttvhottlcrun anzuhängcn pflegt. Das ist zu nichts nütze, zu nichts zu gebrauchen. Bey diesen frostigen Leuten sind wir nichts nutze, Gell. Luthers kein nütz oder kein nütze für nichts nütze, welches mehrmahls m der Deutschen Bibel vorkommt, ist im Hochdeutschen ebenso sehr Adel. W. V. z.Th. 2. Aust. Nut L46 - veraltet, als der bejahende Gebrauch, es ist nütze, oder es ist mir nütze. S. auch Nichtsnutzig, .welches aus diesem nichts nütze gebildet ist. Anm. Dieses alte Bey- und Nebenwort, von welchem im Hoch, deutschen nur noch ein kleinerüberresi gangbar ist, lautet schon bey dem Ottfried vurri, im Niederst nutte, im Angelst vMs» im Holland, out. Zn unnütz ist es noch völlig gangbar. Die Oberdeutsche Mundart ziehet auch hier das breitere u dem rundern u vor, daher auch im Hochdeutschen dieses Wort zuweilen nutz, Nichtsnutz, nichtsnutzig lautet. Die Nutzanwendung, xlur. die —en, die Anwendung einer Sache zu seinem Nutzen; doch nur in engerer Bedeutung, die Anwendung der Wahrheiten der Religion zum sittlichen Nutzen, zur Verbesserung des sittlichen Zustandes. In diesem Verstände ist die Nutzanwendung gemeiniglich ein Theil der Predigten. Nutzbar,— er, — ste, «räj. etaäv. was Nutzen bringt, oder Nutzen bringen kann; nützlich. Nutzbare Gelehrsamkeit. Ein nutzbarer Mann. Besonders-in engerer Bedeutung des Wortes Nutzen, was durch seinen Gebrauch Gewinn verschaffet. Lin nutzbares Landgut. Einen Acker nutzbar machen. Die La- pitalia find bey uns nutzbarer, als in Lolland, ste tragen bcy uns mehr Zinsen. Das Schafist ein nutzbares Thier. Zu den übrigen Bedeutungen ist doch wohl nützlich üblicher. Von dem alten Zeitworte baren, tragen, S. r Bar. Die Nutzbarkeit, x!ur. ivul'. die Eigenschaft kines Dinges, da es nutzbar ist, so wie dieses Nebenwort. Die Nutzbarkeit eines Landgutes, eines Lapitales. Aber für Nutzen, wie es Opitz gebraucht, ist es im Hochdeutschen ungewöhnlich : Der seiner Nutzbarkeit will selber lieber schaden, seinem Nutzen. Die Nutzeiche, xlur. die —n, eine Eiche, welche zu Dan-und Nutzholz tauglich ist, zum Unterschiede von den Brcnncichen. Nutzen, oder Nützen, verb. rsx. welches in doppelter Gestalt nützlich ist. I. Als ein Neutrum, mit dem Hulfsworte haben. 1) Brairch- bar seyn, als ein Mittel zur Erreichung der bestimmten Absicht, oder einer Absicht überhaupt, gebraucht werden können. In diesem Verstände sagt man im gemeinen Leben sehr häufig verneinender Werse, ein Ding, eine Sache nutze vder nütze nichts, wenn ste zu der bestimmten Absicht nicht gebraucht werden kann, nicht tauglich ist. Bejahender Weise, *ae Ding, die Sache nutzet, ist es eben sowenig mehr üblich, als das Nrbenwvrt nütz oder nütze- ') Nutzen bringen, denZustand eiiresDingks oder einer Person bey gehörigem Gcbranche vollkommner machen, mit der dritten Erüung der Person, was nutzet ihm ein Muger ? Hiob 2 2, 2. was nutzet es, daß wir seine cÄcborhe haben ? Mal. A, 14. Das kann dir viel nützen. Das kann mir wenig oder nichts Nlitzen. Was nützt die 8ejndfchaft mir und dir ? Willam. Gey stets der Wahrheit hold, sie nutzt vor tausend Sachen, Haged. II. Als-ein Uctivum; in welcher Gestalt nutzen üblicher ist als nützen. i)*Geuießen, als ein Nahrungsmittel oder als eine Arzencp zu sich nehmen; eine veraltete Bedeutung, welche indesst-« doch die erste und eigentlichste ist, auch im Oberdeutschen »och hin und wieder vorkommt. Arzeney nutzen, d. i. cinnehmen, Garten der Gcsundh. um 1490. 2) Gebrauchen, als ein Mittel zur Er- reichrmg einer Absicht anwendcn. Ich kann dieSache gut nutzen. Daß weiß ich nicht zu nutzen. Einen Menschen gut nutzen. Verräther hasset man, und nutzet den verrarh, Haged. Eine Erfahrung, eine Gelegenheit nutzen. Zu noch engerer Bedeutung zuweilen als einMittel zur Verbesserung ftinrsZustaii. - Mm ^ des anwenden. Line Demnthigung, die treu genutzt wirb, ist die letzte ihrer Art. Z) Im engsten Verstände, als ein Mittel zur Erlangung zeitlichen Vermögens, zur Erlangung des Gewinnes, anwenden. Dieses Landgut kann jährlich auf tausend Thaler genutzt werden. Oer Acker ist auf zehn Thaler zu nutzen. Sein Geld nutzen, es zu Vermehrung seines zeitlichen Vermögens anwenden. Ein äaus auf hundert Thaler nutzen. Das Hauptwort die Nutzung ist nicht üblich, wohl aber die Nutzung, S. solches hernach besonders. Anm. Dieses alte Zeitwort lautet, besonders in der thätigen Form, bey dem Ulphilas nlUtun und Aaniutan, der es auch für nehmen gebraucht, bey dem Ottfried ZinurLen, bey welchem es für genießen vorkommt, im Niederst nutten, benutten, im Angelst votisn, n^ttiav, im Schweb. ojutL.Es scheinet das Zn- tensivum oder Frequcntativum von niesten, geniesten, Niederst neten,zuseyll; wenigstens ist es mit dcniselben sehr genau verwandt, indem es bey den älter» Schriftstellern für genießen, gebrauchen überhaupt vorkommt. Das Lat. uti unterscheidet sich bloß durch den Mangel des zufälligen Anfangs N. Es hat ursprünglich essen bedeutet, und im Neutro eßbar seyn, in welchem Verstände noch geniesten zuweilen vorkommt. Im Oberdeutschen lautet auch das Neutrum beständig nutzen. Der Analogie nach von tranken und trinken, senken und sinken, hängen und hangen u.s.f. sollte das Neutrum nutzen, das Activulü aber nützen lauten. Mein im Hochdeutschen werden beyde ohne Unterschied gebraucht, obgleich in der -thätigen Form das breirere nutzen üblicher ist. Der Nutzen, des — s, plur. der doch nur selten vorkommt, M norn. linZ. I« einigen Fällen auch der Nutz, des—es,Plur. rnus das Hauptwort des vorigen Zeitwortes. r. Der Gebrauch einer Sache oder eines Dinges, die Anwendung deMben, als eines Mittelspur Erreichung einer Absicht; ohne Plural. Ich weist keinen Nutzen davon zu machen, kci^ uen Gebrauch, weiß es nicht anzuwcnden. Zu was Nutzen s zu was für einem Gebrauche ? Vermutlich gehöret hierher auch die M A.stch etwas zu Nutze machen, in welcher das kürzere Nutz am üblichsten ist, es gebrauchen, und in engerer Bedeirtung, zur Verbesserung seines Zustandes gebrauchen und anwenden. Sich eine Gelegenheit, eine Erfahrung, eine warnung zu Nutze -machen, sie anwenden, gebrauchen. Im Oberd.auch mit der zwcyten Endung, sich einer Gelegenheit zu Nutze machen. 2.Diejeirige Eigenschaft eines Dinges, da es genutzt, d. i. als ein Mittel zur Erreichung eiuerAbsicht, und in engerer Bedeutung, als ein Mittel zurVerbesserung unftrsZustandes gebraucht werden sann ; auch ohne P' mal. Die Sache hat einen großen Nutzen, Hat einen vielfachen Nutzen. Oie Sache ist nicht ohne Nutzen. z. Das Gute selbst, welches ein Ding durch seinen Gebrauch gewähret, es bestehe nun überhaupt ^>ß in der Erreichung der Ab- ' sicht, oder in der Verbesserung unsres Zustandes, in der Beförderung der Vollkommenheit; in welchem Verstaube der Plural zuweilen gebraucht wird. i)Überhaupt, da eiuejedeErreichniiger- ner Absicht in Rücksicht auf das Mittel, und in noch writerm Vcr- -Hunde eine jede Verbesserung desZustandcs, sie sey von welcher Art He wolle, ein Nutzen genannt wird. Nutzen bringen, geben, schaffen, haben. Zum Nutzen dienen oder gereichen. Auf seinen Nutzen sehen. Nutzen mit etwas schaffen. Nutzen von einem Buche, aus einem Buche haben, wenn mau seine Er- keuntsißdaraus erweitert. Das rstderganze Nutzen, den ich davon habe- Jemandes Nutzen suchen, befördern. Den gemeinen Nutzen befördern, die gemeine Wohlfahrt, das gemeine Beste, (S. Gemeinnutz g.) Es ist dein Nutzen. Nichts ist in -der Welt ohne Nutzest. Alles hät seinen Nutzen. Eine Arze- nez> hat keinen Nutzen, wenn sie nicht gebraucht wird. Nutzen -aus einer Lehre, aus einer Wahrheit ziehen, sie zu Erweiterung seiner Erkenntniß oder zur Verbesserung seines sittlichen Zustandes anwenden. Zuweilen unterscheidet man den Nutzen noch von demjenigen Guten, welches man bey der Hervvrbringung eines Dinges zur Absicht hatte, und alsdann ist der Nutzen das zufällige Gute, was ein Ding außer seiner Bestimmung noch gewähret. 2 ) 3 » engerer Bedeutung. (a)Die Vermehrung des zeitlichen Vermögens; ohne Plural. Es ist kein Nutzen dabey. Aufseinen Nutzen sehen. Etwas in seinen Nutzsn verwenden, es zu seinem Nutzen anwenden. Sich Nutzen mit etwas schaffen. «Ohne Nutzen kann man nicht arbeiten. Em jeder sieht auf feinen Nutzen. Etwas mit Nutzen verkaufen, mit Gewinn. (b) Zuweilen ist der Nutzen dem Eigenthume entgegen gcfttzet, und oa bedeutetes sowie Nutzung den Vortheil, welchen man von dem Gebrauche einer fremden Sache hat, und das Recht, eine fremde Sache zu seinem Nutzen zu gebrauchen. Nur den Nutzen von etwas haben oder geniesten« (S. Nutzung.) (c) Der Ertrag. Der Nutzen des Landgutes betragt raufend Thaler, - dessen Ertrag bey gehöriger Bearbeitung. > Anm. Scholl bey dem Ottfried l^urr, im Niederst Nuse, Nutt, im Angelst Hot,Nots, im Dan. Nytte^ Ursprünglich hat es allem Ansehen nach Speise, Nahrung bedeutet, so wie Not in der alten Friesischen Mundart von den Feldfruchten vorkomnu. Das kürzere Nutz, welches außer der R. A. sich etwas zu Nutze ^machen im Hochdeutschen veraltet ist, kommt noch mehrmahls in der Deutschen Bibel vor. Saar zum Nutz dem Menschen, Ps. r 04, 1 4 . So wie es auch noch in Eigennutz üblich ist. Das Nutzholz, des —es, xlur. inus Holz, welches zu einem bessern Gebrauche, als zum Verbrennen genutzcr werden kann, welches zum Verarbeiten tauglich ist, zum Unterschiede von dem Brennholze. Zn noch engerm Verstände pflegt q^ gn in der Land- wirthschaft dasjenige Holz, welches zu Verfertigung allerley zur Landwirthschaft gehöriger Geräthschaften dienlich ist, Nutzholz zu nennen; Geschirrholz, Schirrholz, Werkhol;. lNutzitz, oder Nütziy, a 6 j. er uä v. Nutzen habend oder bringend z doch nuri,l den Zusammensetzungen nichtsnutzig, gemeinnützig und eigennützig, S.diese Wörter. .Nützlich, -—er,—ste, aclj. et aüv. Nutzen Habend und bringend, doch nur in dem ersten Falle der dritten Bedeutung, durch feinen Gebrauch oder Genuß jemandes Absicht befördernd, und in engerm Verstände, den Zustand anderer Dinge verbessernd; im Gegensätze des schädlich. Einem nützlich seyn, dessen Absichten, und in engerer Bedentnng, dessen Vollronnnenhcit befördern. Diese Arzcney ist nicht nützlich, sondern schädlich. Ein nütz» liches Buch. Ei,r nützliches Mittel. Eine sehvnützliche-ilehre. Das wird dir sehr nützlich seyn. Gerne Zeit sehr nützlich anwenden, zu Beförderung seiner oder anderer Vollkommenheit. Seine Fähigkeiten sehr nützlich gebrauchen. Zuweilen auch in engerer Bedeutung, für einträglich, das zeitliche Vermögen vermehrend. Ein nützliches Gewerbe. Sein Geld nützlich anwenden. / Anm. Vermöge der Zusammensetzung von Nutz mid li'ch bedeutet es eigentlich dem Nutzen gleich oder ähnlich; aflrln es' ist nun - schon eirrgeführet, daß man es für das minder übliche nutzbar und veraltete nütz oder nutz gebraucht. Nutzlos, — er,— estc, aüj. etaclv. keinen Nutzen habend, in der cdlern Schreibart, für das gemeinere unnütz. Erne nutzlose Mühe, Herd« Die Nutznießung, plur. inus. in den Rechten, der Genuß des Nutzens, d. r. des Ertrages einer Sache, mir Ausschließung des Eigen- L49 Eigenthumes, der Gebrauch einer fremden Sache zu seinem Nuyen, und das Recht dieses Gebrauches, S. Nießbrauch und das folgende. Die Nutzung, ?!ur. die — en. Y Der Gebrauch, als das Verbale des Activi nutzen, d. i. die Anwendung einer Sache als eines Mittels zur Erreichung einer Absicht, und in engerer Bedeutung zur Beförderung seiner Vollkommenheit; ohne Plural. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist die Nutzung so wie Nutznießung dF Gebrauch einer fremden Sache zu Erwerbung oder Vermehrung zeitlichen Vermögens, unbeschadet ihrer Substanz, und das Reckt dieses Gebrauches. Die Nutzung en etwas ha- ben. 2) Der Ertrag selbst, der Beytrag eines Dinges zu Erwerbung zeitlichen Vermögens aus dem Genuß einer Sache. Die Nutzungen des Gutes, oder von dem Gute, betragen jährlich rausend Thaler. Beständige und gewisse Nutzungen, Einkünfte. In der Bienenzucht pfleget man alles dasjenige, was die Bienen in ihre Körbe eiutragen, die Nutzung zu nennen. Der Nutzunyscrnschlatz, des — es, plur. die — schlage, in der Landwirthschaft, der Anschlag einer Sache, besonders eines Landgutes, nach seiner Nutzung, d^i. nach seinem Ertrage; zum Unterschiede von einem Grundanschlage. O Ny m M Die Npmphe , xlur. die — n, aus dem Griech. und Lateim i. In der Gotterlchre der Griechen und Römer, gewisse weibliche untere Gottheiten, welche als Bewohnerinnen der Flusse, Mcere, Berge, Harne, Quellen u. s. s. angegeben wurden, und das Vergnügen bezeichnten, welches diese Theile der Natur dem Menschen gewähren. Die Wasser- Nymphen, Berg- Nymphen , Wald - Nymphen u. s. f. In engerer Bedeutung verstehet man unter Nymphen schlechthin oft nur die Wasser- Nymphen. Wegen der vielen Liebeshäudel, welche die altern Dichter von diesen Schutz^öttinnen der Naturgcgcnden erzählen, pflegt man auch wohl zuweilen eine allzu frepe weibliche Person eine Nymphe zu nennen. 2.Figürlich. r)Jn dem JnsecteiN Reiche ist die Nymphe, noch häufiger aber die Puppe, ein Jnftct in dem zweyten Grade seines Zustandes, worin cs gemeiniglich mit einer Haut umgeben, oft aber auch bloß ist. Aus der Raupe oder Larve wird die Nymphe oder Puppe, und aus dieser das vollkommene Jnftct. (S. Puppet) Daher der Nympheustand, dieser Zustand eines Jnftctes; der Puppenstand. Der Nähme Nymphe war in diesem Verstände schon den Alten bekannt. Vielleicht stammet er von dem Griech. -»Mi,, eine Braut, her, wer? das Jnftct in diesem Zustande gleichsam eine Braut ihres vollkommener» Zustandes ist. 2) Der Nahme einesgroßenJnscets,L-i- bellula SkLnär? L,. S. Heupferd m»d Jungfer» < - - - 'V ^7 ."7 - ^ ^ O FF ^ O der f»»fzehente Buchstab des Deutsche» Alphabetes, und der vierte unter den Selbstlantern, welcher mit ^ einer runden Dffnung des Mundes ausgesprochen wird. - Es hat inr Hochdeutschen nur eilten einzigen Laut, welcher aber bald gedehnt ist, wie in Tod, roch, schon, bald geschärft, wie in Post, Sonne, Stock. Zu den Mundarten aber gehet es fast in alle andere Selbstlaute, das i auSgcnom« men, und oft in die widrigsten Doppellaute über. Saun für Sohn, Pust für Post, graust, groaff, grust, für groß n. s. f. So wie in eben diesen Mundarten andere Selbstlaute in diesen übergehen. Die Doppellaute oi und ou finden sich, außer einigen elgenthiimlichen Nahmen, nur noch in den gemeine« grober» Mundarten. Für auch spricht der Schweizer such, sür Eimer, Ormer,und statt Voigt schreibt und spricht man im Hochdeutschen beständig Vogt. Ehedem druckte man das gedehnte o oft durch ein angehängtes - e ans, welche Schreibart sich'noch in einigen eigenchümlichcn Nahmen erhalten hat. So schreibt man Soest und Coesfeld, und spricht Sooft und Loosfeld. Zn den neuern Anten fingmanM, m einigen Wörtern das gedehntes mit einem oszu schreiben, und dieses Zeichen des gedehnten Selbstlautes gar siir einen Doppellaut auszugeben, welches es doch auf keine Weise seyn kann, (S. i Aa.) So wollte Gottsched Boot, und Room (besser Rahm, denn Room ist Niederdeutsch) zum Unterschiede von der Stadt Rom, geschrieben wissen. Allein die Verdoppelung der Selbstlanter ist unter allen möglichen das unschicklichste Zeichen der Dehnung, und die seltsame Neuerung, verschiedene gleichlautende Wörter «nch durch die Schreibart zu unterscheiden, hat zu wenig Beyfall gefunden, als daß man noch Rücksicht darauf nehmen könnte, zu« mahl da sie sich unter hundert Fällen kaum in Einem anwenden lasset. Von dem h, so fern es gleichfalls das Zeichen eines gedehnten o-ist, S. 6 . Ein sehr nahe mit o verwandter Selbstlaut ist das ö, welches ebensowohl bald gedehnt bald geschärft ist, und daher von den meisten Sprachlehrern irrig für einen Doppellaut gehalten worden, da es doch vielmehr ein eigener Selbstlaut ist, welchen man nur aus Aemuth an Schriftzeichen durch ein oe, ö, oder o ausdruckt, (S. H.) Inder Ableitung und Beugung der Wörter pflegt das o gern in diesen Selbstlaut überzngche«. Groß, großer, Grosse; Tod, tödken, rödtlich; Ochs, «pchschen; Wort, wörtlich, Wörter; roch, Roche!, rörhlich, röchen, . u. s. s. Regeln lassen sich davon nicht geben, sondern der Gebrauch entscheidet hier alles. Das » druckt vermöge seiner Natur etwas Großes, Hohes, Erhabenes, Weites arrs, und ist der natürliche Ausdruck der stau- ncndenVerwundcrung. (S. den folgendenEmpstndungslaut.)Ma» findet es daher gemeiniglich in denjenigen Wörtern, welche diese Eigenschaft bezeichnen; groß, grob, hoch, Ochs, empor, c»ri, u. s. f. obgleich durch die Länge der Zeit, durch die natürlich Unbeständigkeit derMenschen, und durch dasEigenthümliche derMund- arten, dieses ursprüngliche o in vielen Wörtern in andere verwandte Selbstlauter übergegangen ist. Indessen haben wir doch nochMörter, wo die verschiedenen Vocak zugleich die Verschiedenheit der Größe ausdrucke». Stock, Stecken und die Niederst Grafe und Sticken sind alle i» der Größe verschieden, wie Bloß FF- und Blößchen, das Schwed. Not, ein großes Netz, und Natt, ein kleines Netz, und andere mehr. S. I den Selbstlaut. In den nördlichen Mundarten ist das o zu Anfänge der Wörter oft aus unserm un entstanden, wo es sich denn dem a privativ» der Griechen nähert. ZmSchwed.istotroAev ungetreu, olmnk- IiZ ««schmackhaft, abgeschmackt, Orull Unfall, Oloick ein schädliches Thier, u. s. s. Hingegen ist cs im Schwedischen auch eine intensive Partikel; om/eken, sehr stumm. Im Deutschen wird es manchenWörtern, welche sich auf ein r endigen, oft müßig angehängt; dero, ihro, nunmehro, dahero u. s. s. wo es aber die reinere Hochdeutsche Mundart, einige wenige Fälle ausgenommen , wieder weggcworfen hat. S. Dero. r. O ! ein Zwischenwort, welches sehr lang ausgesprochen wird, und ein Zeichen des Stillehaltens ist. So ruft man den Pferden vor , dem Wagen, wenn sie stille stehen sollen, zu: O! wo man eS auch wohl Oh zu schreiben, und im Sprechen auch wohl mitdem ha zu verlängern pflegt, oha ! Das o, wenn es in einigen Sprache» des Vocativis vorgesctzct wird, jemanden zu rufen, scheinet gleichfalls hierher zu gehören. (S. Ze 2.) Im Deötschen ruft man mit diesem Selbstlaute gewöhnlich nicht, denn wenn er den Vocativis mit Heftigkeit, oder mit einer Gemüthsbewegung vorgesctzct wird, da ist er eigentlich die folgende Jnterjection. L. O! ein Empfindnngslaut, welcher der natürliche Ausdruck zunächst der Verwunderung, hernach aber auch fast aller lebhaften Gemüthsbewegungcn mir allen ihren Schattirungen und Unter, arten ist. 1) Der Verwunderung, so wohl der Verwunderung überhaupt. O, wie groß das ist! O, welch eine Liefe! O, dar ist zu viel! Als der fröhlichen, angenehmen Verwunderung. O, welch ein Gluck! O, wie schon! O, der Entzückung! Weiße. O, was ist der Umgang mit großen Kerzen für eine Wollust! Gell. Als auch der unangenehmen. O, welch ein Schmerz! O, welche Schande! O, Fimmel! Ocher Schande. 0) Einer jeden angenehmen Empfindung, nach allen Graden ihrer Stärke« O, wie mir das Herz schlägt! O Anblick, der mich fröhlich macht, Mein weinstock reift und Loris Lacht, Haged. Gegrüßet seyst du edles Licht, O Sonne! Weiße. vergönne doch auch der süßen Tychere Den Zutritt, und, 0! dem freundlichen Amor, Raml. wo das 0! den freundlichen Amor mit Bewunderung gleichsam an- kündiget. z)Einer jeden unangenehmen Empfindung von der Ber- zweifeltuig, der auffahrenden Muth an, bis zum kältern Hohne, und dem gelassener» Unwillen. O, du Ungeheuer ! O, ihr Thoren und träges Herzens! Luc. 24, 2Z. O, du Bind der Teufels! Apostelg, rz, »v. O,.welche Noch! O, der große» Noch! O, ich Elender! O, mich Unglücklichen! O, dev kurzen 8 reude! Weiße. O, überden infamen Aalender, daß ein solcher Tag darinnen steht! Weiße. O, des klugen Mannes ! ironisch. O, ich habe es wohl ehe gesehen, daß du hast gehen wollen! Gell. 4) Des Wunsches, des Mitleidens, der Sehnsucht. O, daß ich dieser Hoffnung gewiß wäre! O, da? ihr weise wäret! O wenn er doch käme! Du^lutest armes Threrchen, d«, O, bissest du nicht an! Weiße. t) T« Ob LL4 L) Ja fast einer jeden verandortenGemüthsstcllnttS, besonder- in der vertraulichen Sprechart. O, gehen fle doch noch nicht! O, sich doch nur erst ins Gesicht! Weiße. O, warum sagen s. fle es denn laut 2 Da es denn im gemeinen Leben oft müßig ohne alle Gemütsbewegung gebraucht wird. O ja, o nein, fürdas einfache ja und nein. Ann,. Dieser Empfindungslaut bindet sich so w,e die Leidenschaft , selbst, deren Dolmetscher er ist, ankeine bestimmte Wortfügung. Man findet ihn so wie ach mit allen Endungen, ohne daß man eben sagen könne,daß er dieseEndungen regiere,(S.?.Ach,Anm.2.) Jm.gemeinen Leben verstärkt man ihn bey schwächernGemüthSbe- rvegungen oft mit dem ho. Oho, finde ich dich da 2 Diese Jnterjection lautet mit wenigen in allen Fällen übllchen Veränderungen fast in allen Sprachen (l)! VH! Das Hebräische *18, dasGriech. o«, das Latein. Lksu! und unser ach, ah, ha sind genau damit verwandt, oder find vielmehr nur verschieden- Aussprachen eines und eben desselben Lautes. Ach ist wegen des Hauchlautes im Oberdeutschen, besonders in den Ausdrücken des Schmerzens, der Wehmuth, der Klage üblicher, so wie die Niederdeutschen, und die Hochdeutschen in der vertraulichen Sprechart, o häufiger gebrauchen, welches doch in allen Mundarten der Verwunderung vorzüglich eigen ist; so wie es bep der sanften, angenehmen , schmeichelnden Bewunderung gern in das ey! übergehet , welches wegen des kleinern Lautes er schon eine Verkleinerung bezeichnet, überhand.) 4 ) Die Stelle zur rechten Hand, die oberste, vornehmste Stelle, oem Range nach, die rechte Hand; gleichfalls ohne Plural. Jemanden die Oberhand geben, die reckte Hand, den vornehmsten Platz im Gehen oder Sitzen. Die Oberhand nehmen. DerOberhanbwerksineister, S. Obermeister. Das Oberhaupt, des—es plur. die — Häupter, nur im figürlichen Verstände, der die oberste, höchste Gewalt über ein ganzes Volk hur, das oberste unter denHäupternoderObern einer Nation. Jemanden für sein rechtmäßiges Oberhaupt erkennen. Sich -znm Obcrhaupre anfwerfen. Die Oberhäupter der Nation. Näders. Upperhofd. S. Haupt. Der ObiMhauptmann, des — es, plur. die—-männer, zuweilen auch — leure, der oberste Hauptmann, der Würde nach; im Gegensätze des Untevhariptwannes. Das Oberhaus, des—es, ;ch.ir. die — Häuser, t) Der obere oder oberste The-l dcsHause's, imGegensatze des Unterhauses. 2)Zn dem Parlamente in England ist das Oberhaus, die vev- sammelten Pairs oder Peers der Natiori, und der Ort, in welchem sie sich versammeln, im Gegensätze des Unterhauses oder Hauses der Gemeinen. Die Oberhaut, ^lür. die—häute, Dinürmt. das Oberh-äut- chcn, Oöerd Oberhäurlcin, die oberste oder äußere Haut an den tbienschen Körpern, znm Unterschiede von den darunter befindlichen oder innern Hanken. Weil diese Haut bey den Thre- ren narbig ist, so wird sie bep den Gärbern auch die Narbe genannt. Dre Oberhofen, sinA jaus. diejenigen Hefen, welche das Bier im Gahren oben, ausstößct, und welche auch die.Spnndbefen, die Gahrc und Lei Gischt genannt werden; im Gegertsaö ' der Bodenhefcn, Unterhefen, oder Stcllhefen, welche sich auf den Boden setzen. ^ Tier OverbeinrbijrF?, des — u,plur. die—n, der oberste Heimbürge, im Geg-msatze des UnttphcimbürZm.S.Heimbüpge. Ad^.W.Ä.s.TH.2.Auff. Obe ^62 DasOberhemö, des—es, srlur. die — en,.im gemeinen Lebe« — er, ein feineres Hemd, welches über dem gewöhnlichen Hcmde> oder Unterhemde, getragen wird. Der Oderherr, des—en, plur. die — en, der höchstaund oberste Herr unter mchrexn, welcher in der bürgerlichen Gesellschaft niemanden unterworfcnist; der Landesherr. Ihr wisset- daß die weltlichen 8ürsten herrschen und die Oberherren haben Gewalt, March. 20,23. Am häufigsten gebraucht man es in Beziehung aufdessenUnterthancn. Jemanden für seinen Oberberrcw ' erkennen. Im Niederst Avcrherr, welches aber auch eine» jede« Herren oder Vorgesetzten bedeutet. Oberherrlich, aüj.etuäv. dem Oberherren gehörig, in dessen Würde gegründet; oberherrschaftlich. Die Oberherrschaft, plur. inul. c)Die oberste und höchste Herrschaft, oder Gewalt zu gebrechen und zu verbiethen. Daher oberherrschaftlich, in derselben gegründet. 2) In weiterer Bedeutung auch zuweilen die überlegene Gewalt m einem Wett- - ' streite, die Oberhand. Die Oberherrschaft haben, bekommen, erhalten. Der Oberhimmeh, des — s, plur. ut vom. siu^. der obere oder oberste Himmel, die oberste und höchste Gegend des Rauines über unserer Erde; zum Unterschiede von dem untern Himmel oder nnserm Dunstkreise. Der Oberhof, des —cs, xlur. die — Hofe. 1) Der obcee oder höher gelegene Theil eines Hofes, im Gegensätze deS Unterhofes. ' 2) Sofern Hof einen vornehmen Gerichtshof bedeutet, ist der Oberhof znwcilen ein höheres oder oberes Gericht, welchem andere Gerichtshöfe untergeordnet sind. Oberhof —, siehe die mit diesen Sylben airfangendcn Wörter^ in Hof—. 4 Das Oberholz, des — es, xlur. inuk. c) Im Forstwesen, H.llz, d. i. Bäume, welche z» hohen Stämmen gezogen worden, Stammholz; im Gegensätze des Unterholzes, oder niedriger» Gebüsches. Ein mit Oberhol; bewachsener Wald. Der Wald bestehet aus Obcrholz. 2) Zuweilen werden auch die Äste der Bäume das Obexhol; genannt, zum Unterschiede von demmn-" lern oder Stamm- und Sr «kholze. Der Oberholztzraf, S/Hoezgräf. s Das Oberhüttenamt, des—es, p! u r. die — ämter, im Bergbaue, S. Hücrenamt. Der Oberhütten : Infpector, des — s, plur. ul noän.sin-;. w sicher die Schmelzhimen eines ganzen Bezirkes unter feiner Aufsicht hat. Der Oberstüttenmerster, des — s, plur. ur nvnr. sing, der oberste Hüttenmeister, welcher die Hüttenmeister einer gewissen Gegend unter seiner Aufsicht bat. Der Oberhüttenraiter, S. Hürtenraiter. . Der Oberst»: ten Verwalter, S. Hüttenverwalter. Der Oberjager, des — s, plur. utuom. sing, einer von den» obern Jagdbci ienten, welcher die Jäger nndHofjäger unter seiner» Befehle Hac, und eine Jagd aiwrdnct und ausführet. Der Oberjägerme'sier, des — s, plur. ul ciocn. sin Z. der oberste oder erste Jägermeister, unter welchem das Jagdwesen einer ganzen Provinz stehet, und welcher auch Obersts ägermer-- ster, Oberlandjägermeister genannt wird, An großen Hofen hat ec oft noch den v ce Oberjagermeister, oder Obevhofjägermsl- fter u-usich. Der Obpriunäcr, riu Bäckerknecht, S. Junker. DerObepsttlfüterer, des—s,p!ur.ul nptn.sin^ aufdenScbif- fen. eircUn'.crbesehlshaber, welcher die Kalfaterer unter stch hat. Dr-. Ooeräammer, plur. dre - n, die obere Kamme e in ein ens Hause, im Gegensätze dtp Unkevkämmep». N» ' D b e Dev Oberkämmerer, des—s, plur. ut vom. lluZ. der oberste r^'d voniohmste Kämmerer unter mehrern, welchem diese untergeordnet sind. S. Rammerer. Der Gberkammerherrj des—en, plur. die — en, an den H»fen, der oberste und erste Kammerherr, welchem dieKammer- herren untergeordnet sind. 'Seine Gerichtbarkeit, und der Ort, wo dessen Ausfertigungen geschehen, wird die Oberkämmerey genannt. Der Ober-Ranourrer, des—s, plur. ütnvm. lirrZ. aufden Schiffen, ein Befehlshaber, welcher die ganze Artillerie des Schiffes csmmandiret, nnd die Ranonirer unter sich hat. Die Oberfeit, S. Obrigkeit. Der Oberkellner, des — s, plur. utnom. liu§. der oberste Kellner unter mehrern, unter welchem diese stehen. -DerOberkiefer des—e, plur. utuorn. liriß. der obere Kiefer ^-der Kinnbacken, irn Gegensätze des Unterkiefers. Der Oberkirchenrath, des —es, plur. die— rache, in einigen Gegenden ein Nähme eines Ober-Consistorlal-Nathes. Auch das Dber-Consistorüuu.selbst, wird in einigen Gegenden collective der Oberkirchenrath genannt, S. Äkrchenrath. Die Oberklaus, plur. die— n, bey den Jägern, die kleinen Klanen oder Hornspitzen, welche dasrothe und schwarze Wildbret an den Lausten ilber den Ballen hat, und welche auch die Afterklauen, Aberklanen, die Aftern, die Obcrrücken, die Spornen genannt werden. Das Gberkleiö, des—es, plur. die—er. i) Ein oberes Kleid oder Kleidungsstück, welches man über andern trägt; in welchem Verstände der Rock und die Weste Oberklcide.r in Ansehung des Brusttuches sind. 2) Ein Kleid oder Kleidungsstück, welches die obern Theile des Leibes bekleidet; zum Unterschiede von -em Unterbleibe oder den Hosen. S. auch üderkleid. Der Oberknecht, des — es, plur. die — e, der erste und oberste Knecht-unter mehrern. So wird anfgroßen Landgütern, wo man mehrere Knechte hat, der oberste der Oberknecht, an einigen Orten auch Oberenke, Großenkc, Großknecht, Schirrmeister - genannt; alles im Gegensätze des Unterknechtes, Untcrenken, Rleinknechtes und Äleinenken, und zuweilen auch des Mittel- knechres oder Mittelenken." Der Oberkneter, des —s, plur. M vorn. llnZ. bey den Bäckern einiger Gegenden, z. B. zu Leipzig, der zweyte .Bäckerknecht dem Range nach,!y Engl.ioplieue^. Ist es hinten zu sehr beladen, so wird es hin- terlastig oder hrnrerlästig, inglcichen stcuerlästiF, und wenn cs vorn zu sehr beladen ist, vorlastig oder vorlä'stig grnailnt. Der Oberlauf, des — es, plur. d-c— läuft, das obere oder oberste Verdeck aufden Schiffen, welches auch wohl der Überlauf genannt, wird. Die Oberlauteruny, plur. die — en, in den Rechten, eine noch« mahlige, wiedcrhohlte Läuterung, wo ober für das veraltete aber, wiederum, n.ochmahls, stehet. Das Oberleöer, des —s, plur. ut nana. 6rrZ. das obere Stück Leder, im Gegensätze des Unterleders. An den Schuhen wird dasjemge Stück Leder, welches den Rist des Fußes bedecket, im Gegensätze des Anlerleders und der Eshle, das Oberleder gekannt. Im Oberdeutschen heißt es das Obcrgeschuhe, und an deniStiefeln der vorderschnh. Die Oberlefze, plur. die—n, im Oberd. und der anständiger» Sprechart der Hochdeutschen, die obere Lefze; im-gemeinen Leben die Oberlippe. Jngleichcu figürlich, an den Flöten, das nieder gedruckte schräge Feld über dem Aufschnitte. Alles im Gegensätze der Ünterlgf-e. S. Lefze« Das Oberlehen, des— s, plur. ut nom. lin§. in dem Lehens- wesen, einLehcn, welches unmittelbar Hey.dem obersten Lehens- Herren zu Lehen gehet; zum Unterschiede von einem Aftcrlehcn. Der Oberlehens fall, des—cs ,p!ur. die — fälle, eben daselbst, ein Lehensfall, welcher sich in der obern Hand ereignet, d. i. den ^ ^ Lehensherrcn betrifft; im Gegensätze des Unterlehensfalles. Der Oberlehensherr, des — en, plur. die — en, der oberste Lehenshcrr, im Gegensätze des Afterlehensherren. Der Oberleib, des — es, plur. die—er, der obere Thcil des Leibes bis in die Gegend des Bauches, znm Unterschiede von dem Unterleibe. Die Oberleine, plur. die—n, im Jagdwesen, die oberste Leine an den Tüchern und Netzen, welche auch die Zauptleine genannt wird; im Gegensätze der Unterleine. Der Ober-Lieutenant, S.Unter-Lieutenant. ^ Die Oberlippe, plur. die — n, die obere Lippe des Mundes, im Gegensätze der Unterlippe.- S. Oberlefze. Die Oberluft, plur. csr. die obere oder höhere Gegend der Luft des Dunstkreises unserer Erde; zum Unterschiede von der untern, ^ näher nach der Erde zu befindlichen Luft. 4. Die Obermacht> S. Übermacht. Der Obermann, des — cs, plur. die — Manner. 1) Im gemeinen Leben, derjenige, welcher in einem Streite die Oberhand behält. -kemands Obermann werden. Wo der Plural ungewöhnlich ist. 2) Derjenige, welchen streitende Parteyen ans freyer Wahl zur Untersuchung und Entscheidung ihres Streites erwählen, der Schiedsrichter; welcher auch der Obmann, inglei- chen der dritte Mann oder Dritkmann genannt wird. Z) S. Untermann. 4 ) Eine Figur in der Deutschen Harte, welche auch LerOber, richtiger der Obere genannt wrrd, zum Unterschiede von dom Untern. - Das ObermsierHiptz', des —eF, plur. die —e, in ^euieiügen Gegenden, wo die Meierdinge üblich stnd, rin oberes Meierdiug, oder Mererding für wichtige Fälle, an welches von diMllyter- meierdinae appelliret wird. S« Meierdr'na, Der L6L Obe Der Obermeister, des —s, plur. M vom. ffvZ. der oberste oder vornehmste Meister npter mehrern, im Gegensätze des Unter- nier'sters oder auch nur -er Meister schlechthin. Auf den Kriegsschiffen gehören der Obermeister und der Untcrmeister, welche dem Range nach zwischen dem Schreiber und Schiffsprediger bc- - findlichfind, zu dem Unterstabe. Am üblichsteu ist dieses Wort . bey den Handwerkern, Zünften und Innungen, wo der erste und vornehmste Meister der Zunft, welchem die Handhabung der Zu- ten Ordnung bey derselben oblieget,-er Obermeister, zuweilen auch Ober-Handwerksmeister genannt wird. An andern Orten heißt er der vormeistcr, der Älteste, der Handwerksakeste, -er Oberältesie, der Handwerksmeister u. s. s. Dor Ober-Offirier- des—s, plur. ut vorn. livg. ein Officicr, ' von höhcrm A ulge nnd Würde, zum Unterschiede von dem Unter- Officicr. Bey den Kriegsheeren werben alle Officier. von dem Fähnrich an, Ober-Officiex genannt. Ans den Schiffen gehöret auch der Schiffer, und zuweilen auch der Steuermann, mit zu den Ober-Officiercn. Der Oberpfarrer, -es—?, plur. ut vom. livZ. der oberste Pfarrer an einer Kirche unter mehrern; der Oberpriester. Der Ober-Pikier, oder Ober-Piqueur, des—s p!ur. die—s, der oberste und erste Pikier bey der Par-Force-Jagd, welcher bey der Deutschen Jagd, der Oberjäger genannt wird. In einigen Gegenden heißt er auch dev Srz-Prkier. Der Oberpriester, des-s, plur. urkiom. 6uZ. S. Ober- pfarrer. Der Oberrechner, des— s, plur.uk vom. llvZ. in einigen Gegenden, der erste und vornehmste Rechner, d. i. Vorgesetzte einer Einnahme. Solist zu Rothweil der Oöerrechner eine vornehme Nathspcrson, welche das ist, was in andern Städten der Oberkämmerer genannt wird. Das Oberrecht, des — es, plur.ivus. r) Das höchste und obersteRechk über eine Sache, so wohl die höchste Herrschaft, als auch das oberste Eigenthnm; in welcher Bedeutung es doch fetten vorkommt. 2 ) In Schlehen wurde ehedem auch das Zürsten- rccht, nach welchem über die Schlesischen Fürsten erkannt wurde, und das Gericht,-wvlches dieses Recht handhaöetc, das Ober- recht genannt. Der Oberrentnreister, des — s, plur. ut vom. üvZ. der oberste und vornehmste Rentmeister unter mehrern. Der Oberrichter, des — s, plur. ut vom. stnZ. der obere oder höhere Richter , im Gegensätze des Unkerrichrers. Jnglei- chcn dev Richter irr einem Obergerichte. In einigen Dörfern Chnrsachsens ist der Oberrichter auch ein Uuterthan in eines andern Dorfe, worüber einem dcittcn .die LMrgerichte gehören,, welcher denn die Vorladungen besorgest nWffbcrhaüpt darauf Acht hat, daß nichts zum Nachtheil des Obergerichtes vorgeuom- men werde. Oberrichterlich,Ach. et sckv. dem obersten und höchsten Richter gehörig , in dessen Recht und Würde gegründet. Die oberrichterliche Gewalt. Wofür man auch nwhl im Superlativ oberstrichterlich sagt. Dir Oberrinde, plur. die—n, die obere oder oberste Rmde, im Gegensätze der Uuterrinde; z. B. an dem Brote. Der Oberrist, des — es, plur. die—e, der obere Theil des untern Fußes, im Gegensätze der Ferse, derZehen und der Fußsohle, welcher auch nur der Rist schlechthin genannt wird, (S. dieses Wort.) Er heißt auch der vorderfnß, der Oberfuß, die 8nßwurzel, Lor. Kursus. Der OberroE, des — es, plur. die—rocke, der obere Röck, m der weitern Bedeutung dieses letzter» Wortes, -so daß her Ober- ro undvornchmsteSchlämmerbepeinemPochwerke. S.Schlämmkr-, Die Oberffchwelle, plur. die—n, die obere Schwelle, zum' Unterschiede von der Lnterschwelle, S. Schwelle. Das Obersegel, des— s, plür.ut vom. Un^. an den Schiffen, das obere kleinere Segel, im Gegensätze dcs größer» Untrrsegek. Gemeiniglich haben sic nach der Verschiedenheit derMastbäun?e, an ivelchcn fie sich befinden, besondere Nahmen, Der Oberlichter, d-s—s, plur. ut vom. llvZ. in großen Baüst Häusern Niedersachsens, der vornehmste unter den Sichtern,-.!, denjenigen Bäckerkncchten, welche das Sichren, d. i. Sieben oder Beuteln des Mehles, verrichten; im Gegensätze des Untcrflchters. * Die Oberstppschaft, plur. die— en, ein größten Theils veralten- Wort, die Sippschaft, d» i. dieBlttlsftemrdr, in aufstn- Nn s ' . . zmd-ur gender Linie zu bezeichnen; im Gegensätze der Unkerstppschafk, vdcr der Verwandten in absteigender Linie. Der Obersltz/ des — cs, plur. die — e. i) ßin höherer Sitz, ein oberer Sitz; im Gegensätze des Untersitzes, r) Figürlich der vornehmste Sitz der Würde nach; die Oberstelle. Den Obersttz nehmen. Der Obersicrller, des—s, xlur. ut vom. 6n§. S. Stallcr. Der Oberftallmerfter, des — s, plur. Mnom. liaZ.cin vor. nehmer Hofbedienter^ welcher die oberste Aufsicht über den Stall des Hofes hat, und welchem der Stallmeister untergeordnet ist. Der MberstMöev, —s, plur. ul vom. lin§. S.Sräuder. Mberst, Oberste, S. Ober. In vielen Zusammensetzungen ist statt des Positivs ober der Superlativ oberst üblich. So sagt man zuweilen Obersthofmeistcr, Oberststallmeister, Obcrstjagcrme». stsr, oberstrrchterlich u. s.f.fürObcrhofmeister, Oberstallmeister, Oberjägermeister, oberrichtcrlich; dagegen in Oberst-Lieutenant und Obcrst-Wachmeistcr derPositiv nicht üblich ist. Der Obersteiger, des —s, plur.ut nom. linZ. einBergbc- dicnter, welcher die Aufsicht über die ihm untergeordneten Unterste g er hat. S. Steiger. Die Oberstelle, plur. die—n, die oberste und voruchmsieStelle. Die Oberste!!? haben, nehmen, bekommen. Die Oberstimme, plur. inus. außer wenn sie von mehrern gesungen wird, die—n, jn der Musik, die Discant-Stimme, der Discant; nach dem Irak. Loprauo. Der Oberst-Lieutenant, des — s, plur. die— s, oder — e, ein vornehmer Osfcier Hey den Kriegsvölkern, wclche^unmittel- Lar auf denObersien folget, und in feinerAbweftuheit dessen Stelle vertritt, daher er im Oberdeutschen ehedem auch der Untcroberste genannt wurde. Der «xcherstrich, des — es, plur. die -- e, ein von einigen Sprachlehrern in Vorschlag gebrachtes Wort, den Apostrophus Lcr Griechen und Lateiner zu übersetzen; im Gegensätze des Unterstriches, Striches oder Romma. OberstrichterUch, S. Oberrichtcrlich. Die Oberstube, plur. die —n, die obere Stube eines Hauses, im Gegensätze der Untcrffube. Der Oberstuhl, des —es, plur. die-—stichle, von Stuhl, cm Haspel, indem Salzwerke zu Halle, der obere oder höher stehende Haspel, im Gegensätze des untern oder Unterstuhles. Der Oberftwächmeister, des — s, plur.utnom. linF. ein vornehmerOfficier bey denKriegsvölkern,welcher auf deuOberst- Lieutcnanr folget, und die oberste Aufsicht, über die Muhen und Posten hat. Bey den Regimentern zu Fußeführet er deir fremden Rahmendes Majore, hagegen her Deutsche sich noch bey der R-ei- terey erhalten hat. ' ^ Das Oberthe'll, des—es, plur.die —e, der obereTheilcines Dinges, im Gegensätze des Untertheilcs. Von dem Geschlechte dieses Wortes) S. Theil. Der OberuuterganF, des—es, plur. die—gange, in einigen, besonders Oberdeutschen Gegenden, der vornehmste Untergang oder Umgang, d. i. Besichtigung der Gränzen einer Flur, beson. ders dsr Shadtssur oder Stadtgräuzen, der Obcrumgang; dagegen die Besichtigung derderStadt gchörigenDol ffliiren derUnrer- Umgang oder Uuteruntcrgang genannt wird. S. Untergang. Das Oderverdeck, des — es, plur. die — e, das obere oder oberste Verdeck eines Schiffes, der Oberlauf; im Gegensätze des Unterverdeckes oder Unrerlanfes. Der des—es, plur. die— vogte, der oberste oder vornehmste Vogt unter mehrern, welchem andere Vögre untergeordnet sind; in einigen Oberdeutschen Gegenden derOberfauth. Vogt.) Daher die Obervogcey, Oberd. auch Oberfaurhey, das Amt, die Würde eines Obervogtes, ingsercheu der ihm unter». M gcbenc Bezirk. Der Obervormund, des —es , plur. die—wunder, der obere Vormund, welcher die Aufsicht über andere Vormünder hat. Daher die Obervormundschaft, das Amt, die Würde eines Oder» Vormundes, das Obervormundschaftsamt, ein Collegium, weh chem die oberste Aufsicht über die Vormünder einer Stadt oder eines Landes anfgetragen ist, obervormundschaftlich, zur Ober. - Vormundschaft gehörig, darin gegründet. Obcrrvahnt, aäj. S. - Ob. Oberwä'rts , ein Nebemvorl des Ortes, nach obenhin, nach der obern Gegend zu; im Gegensätze des unterwärts. Die Oberwelt, plur. car. die obere Welt, d. i. der aufderErd« stäche befindlicheZusammeuhaug derDinge,imGi!gK«>satze der dich« terischeu Unterwelt; das gegenwärtige Leben im Gegensätze deS , Zustandes nach dem Tode. Aepde Ausdrücke werden nur noch als Nachahmung der Griechischen und Lateinischen Fabellehre gebraucht. Der Oberwuchs, des — es, plur. cur. im Forstwesen, l) die Äste eines Baumes, welch e auch wohl dasOberholz, das Hoch- hol; genannt werden. 2) Alles Holz, welches in einen Stamm gehen oder zu Bäumen erwachsen soll/ im Gegensätze des Nntcr- wuchses oder Gebüsches. Daher denn auch alles Oberhoiz, d.i. zu Bäumen erwachsenes Holz, der Oberwuchs genannt wird. Der Oberwurf, des—es, plur. die—würfe, bey den Jägern^ der obere Kinnbacken eines wilde» Schweines, im Gegensätze des Unterwurfes, S. Wurf. Oberzählt, uclj. S. - Ob. Der Oberzerhn, des — cs, plur.di'e—zähne, die ober» Zähne, die Zähne in dem obern Kinnbacken, zum Unterschiede von dert Unterzähnen. « Der Oberzehnter^ des— s, plur. ui nom. lwx. der erste und oberste Zehnter unter mehrern. So hat das Oberzchntcr- und Austheileramtzu Freyberg einen Obcrzehntcr, einen Oberaus- theiler und verschiedeneZehnter, S. das letztere Wort. Der Oderzimmermann, des—es, plur. die—zimmcrleute, aus den Schiffen, der oberste Zimmermann, welcher dieZuumer- leure unter seiner Aussicht hat. Obyedacht, Ovgemelöet, Obyenannt, S. i Ob. Obgleich, ein couccffives Bindewort, welches von allenZeite« gebraucht werdeil kann. Es ist aus der Pariikel ob, und dem Bindeworte gleich zusammen g setzet, und hat, wenn es im Vor« dcrsatze fiehel, alleMahs das so und gemeiniglich auch das doch im Nachsatze. Obgleich ein Geist keinen Ort cinnimmr, so denn: der er sich doch,«cthrvcndig irgend wo. Stehet cs im Nachsätze, so kann Vf?iHordcrsatz ^ loch oder dennoch haben, oder auch ohne Partikel bleiben. Ich habe es erfahren, oder ich habe es dennoch erfahren, obgleich kein Mensch es gesehen hatte. Wenn Pronomina mitin der Rede verkommen, so können die beyden zusammen gesetztenPartikeltt nicht beysammen bleiben,sondern sie muffen uochweBdig gctrennct werden. Ob stegleich große Volker sind , Jcr. 25, 14. Ob ihr mir gleich Brandopfer opfert, Amos 5, 22. Ich lebo vergnügt, ob ich gleich arm bin. Ich halte es doch mit ihm, ob er gleich unglücklich ist. Welchesanch mit andern Partikeln gcschiehes. Ob nun gleich bekannt ist. Ob es nun gleich niemand sähe, so u. s. s- Zn- wrilerr aber auch n-it Nennwörtern. Ob die Menschen gleich sterben müssen. Aber fr; Mich nicht in allen Fällen. Obgleich oder ob — gleich, für wenn gleich, ist im Hochdeutschen veraltet. -Ich kann es nicht thun. eh er g eich mein Bruder wäre, wenn er gleich, oder wenn er auch. Ob der Herr gleich Steine und Rlüfte vom Himmel regnet, so werden sie * uns §6y Lbb Obm L7v «NS nicht schaben, Opitz. S. 2 Ob, und von der Auslassung des »b , Gleich Auch die Veebeißung des gleich, woh! und schon Gun Hoch, deutschen ungewöhnlich, obgleich in der Oberdeutschen Mundart bäuna Bepspiele davon Vorkommen. Ob du reich bist , so bist du doch nicht vergnügt. Ob du weise bist, so kannst du doch krren. S.2 Ob. - . Siehe auch Obschon und Obwohl, welche in allen Fällen mit obgleich gleichhedeutend sind. 7tnm.Ottfried gebraucht für diefePartikel obaundKcro c!ou> äoü. S. 2 Ob. *Wbh-rben, vsrb. irrsZ. usutr. (S. saben.) welches nur rm Oberdeutschen für aufl)nben oder auf sich haben üblich ist. Wegen meines odhabenden schweren Amtes. Von ob, 10 fern esehe- di,m auf bedeutete, S. l Ob. . ^-Obhün-en, ackj-etackv. welches gleichfalls nur imOSerdeut. sch.n üblich ist, für vorhanden. Die obhandene G-fahr, die vorhandene. Es ist nichts mehr obhandcn, vorhanden. S. a Ob. Die Obhuth, plur. car. die Huth, d. i. derSchntz, die Aufsicht- ob oder über eineSache; eia in deeHochdeuftchenSchreibart gleichfalls seltenes Wort, welches noch in den Kanzelleycn und dem kan- zelleysörmigen Briefstyle am üblichsteir ist, doch aber noch zuweilen inder evlecn Schreibart gebraucht 'wird. Die göttliche Obhrtth über das Israelitische Volk. Jemanden der göttlichen Obhurh empfehlen. S. i. Ob. Ohm, das Beywort von dem Nebenworte oben, was oben ist, oder gewesen ist. Es ist nur in engerer Bedeutung üblich, so fern oben die vorher gehangene Stelle in einer Schrift bedeutet. Mein obiger Sag, welchen ich oben, d. r. im Vorhergehenden angcführct habe. Ans obigen erhellet, daß u. s. f. Es ist.von dem veral» teten Nebemvorre ob für oben vermittelst der Ableitnngssylbe -—r'g gebildet, (S. - Ob.) Opitz gebraucht dafür auf cine-ungewöhnliche ^ Art oben als ein Beyworr. Der obene Beweis, der obige. »Die OLlcrsi, plur. die—en, ein veraltetes nur noch irr den Kan. zcüeyen für das einfache Last übliches Wort, eine Last oder Ver. bindlichkeit, welche man auf sich Hac. Oie Obiasten eines Standes gegen das Deutsche Reich. Die Oblate, plur. die— N, ein sehr dünnes Gebackenes, welches gemeiniglich ans bloßem Mehl und Wasser zwischen zwey warmen Eisen gebacken wird, und oft nur die Dicke eines stacken Papicres hat. Dergleichen sind die Oblaten , deren sich die Zuckerbäcker zum Boden für die Makronen, den Marzipan n. s. f. bedienen. Runder Oblaten bedienet man sich zum Znsiegeln der Briefe. Die Oblaten, deren man sich im Abendmahl statt des Brotes bedienet, sind von eben der Art, nur daß sie größer sind, als die Brief- Oblaten , S. äostie. Anm Obgleich die Griechen schon eine Art Brot hatten , welches sie o, 3 zXt«j nannten, und welches, dem Alhenäus zu Folge, zwischen zwev Eiftn gebacken wurde; so ist eS doch criveislichge- u»z, daß dieses Wort aus dem Lat. Oblata hcrstammet. In den ersten Zeiten des christlichenAlterthnines brachten dieChristeu Hey ihren Zusammenkünften alles selbst mit, waszndenLie^sinählern uad der darauf folgenden Haltung des Abendmahles wöchig war, welches daher OülaiZ, Ob!a^on-s genannt wurde. Da nun hierunter auch das zum Abendmahle nöchige Brot befindlich war, so behielt dasselbe den Nahmen nicht nur nach A v schass" "g der L-e- vesinähler, sondern auch, nachdem man statt dcs Brores die sscht üblichen Kuchen einführete, worauf den «auch ein jedes ihnen ähnliche Gebäck Oblate genannt wurde. Jur gemeinen Leben pflegt Man ein dünnes Gebackenes ans Mehl und Wasser für kleine Kinder Anblatt t'i nennen, welches ohne Zweifel ans Oblate verderbt ist. Ä. auch Oblcp. Der Oblaten - Bäcker, des—s, pW r. u r- aom. lmz. cm Bäcker, welcher vornehmlich Oblaten bäckt. Die Oble)), plur. die—en, ein gleichfalls aus dem Lat. OblZ .a geformtes und nur noch in eütigenGegendeil üblrchesWort. ')A » les tvasKlöstern undgeistlichenStiftern anLebensmitteln uno selbst an Geld geschenkt wird, führet ineinigenOberdeutschen Gegenden noch jetzt denNahmen derObley. Daher das Oblephaus, ein Gebäude, in welchem solche Gaben angenommen, und wo sie ver» ivahret werden, der Oblepschreiber, der darüber Rechnung süh» ret il. s. s. (S. Frischens Wörterbuch.) 2) In noch weiterer Bedeutung wurde hernach oft ein jedes Geld, welches mail für de» Besitz eines Dinges, oder für eine gewisseBegünst gung entrichtete, eine Öblep genannt. So heißt noch in eiing^nGegendenObecsack- sens dasjenige Geld, welches die Einwohner des Dorfes dein . Grund- oder Gericht-Herren entrichten, wenn derselbe einen Eber zum Behuf des Dorfes hält, so wohl das Ebergcld, als auch die Obley. Das Wort Oblei kommt schon m dem alten Gedichte auf de« heil. Anno vor. . OMeyen, verb.irrsS.L6t. (S.-Liegen,) welches auf doppelt Art gebraucht wird. -. Mit dem Httlfsworte seprr, wo es arrS dom veralteten Nebenworte ob für oben, und liegen zusammen ge- fttzet ist, oben liegen, und figürlich, in einem Wettsteite die Oberhand gewinnen, den Sieg davon tragen. On hast mit Gott und mir Menschen gekampfet und bist obgelegcn, i Mos. 32 , ox. EinGeschrep derer die pbliegenund unterliegen, 2 Mos. Z?, 18« Wo es den» auch wohl mit der dritten Endung gebraucht witd-, ' Er wird seinen Feinden obliegen. Im Hochdeutschen gehöret cs in diesem Verstände unter die veralteten Wörter, außer daß eS noch zuweilen von denDichternimAndenkeu erhalten wird. Oocb so äas SSM nibt IiFs ob , daß es dich nicht beherrsche, bey- dem Winsbeck. a. Mit dem Hiilfsworte haben, wo es ans dem veralteten Vorworte ob, ans, zusammen gesitztt ist. i^Einec Sache obliegen, sich derselben auf eine anhaltende Art befleißigen. Len Wissenschaften,,der Musik, dem Tanzen obliegen. Auch dieftBedeutung kommt imHochdeulschen wenig Mehr vor. 2)Durch ein Gesetz zu etwas bestimmt sepn, dazu verpflicht t, verbunden- seyn; wo cs nur in der dritten Person, und oft unpersönlich gebraucht wird, und gleichfalls die dritte Endung der Person crfor. dert. Es lag dir ob , daran zu denken. Es lieget mir ob, dafür zu'sorgen. Oie wichtige Pflicht, die uns obliegt, dl'v Rräfte unsere Geistes auszubilden, Gell. -' Mir liegt die Pflicht der Ehrfurcht ob, Haged. Was liegrMpnarchen ob, die tausende regieren? ebcnd. Die Obliegenheit, plur. die—en, von der übten Bedeutung des vorigen Wortes, diejenige.Handlnng, welche uns oblieget, wozu man verbunden ist, ein Verhalten, welches durch ein Gesetz bestimmt ist, eine Pflichsi Auch ün Pohlnischen-ist OblrZ die ^ Pflicht. -' Die ObUFirtiön, plur. die—en, aus dem Lach Obligatio, das schriftliche Bekenntniß einer Schuld, welche nmn einem andcrtr z» bezahlen hat; der Schuldbrief, Schuldschein, ehedem derSchuld- zettel. Man gebraucht es niirvon förmlichen mit alle» Feierlich» k -it -n versehenen Schuldbriefen , dagegen man kleiner e einfache Schuldbekenntnisse nur Handschriften zu nennen pflegt. Der Obmann, des — cs, plur. die — Manner, ein im Hoch- dcmschcn großeiiTheils veraltetesWort, welche/ans dem alten ob, auf, und Mann, zusammen g «sitze c ist, (S. - .Ob.) -) Ein Anf- fther, welchem die Aufsicht übel ettvas aufgeteagen ist; in welcher . imHochdeutschen ganz fremdrn Btt puiungimOstetreichischcn der N u z Eisen ob man -O b r Eisenobman, der oberste Aufseher eines Eisenwerkes ist. 2) Der Schiedsrichter zwischen zwey streitiger: Theilen, in welchem Verstände cs noch zuweilen vorkommt, und alsdann auch Obermann lautet; Nieders. Upmann, Overmaitn und Uppcrmann. Jemanden zum Obmann erwählen, zum Schiedsrichter. Siehe Schiedsrichter. Dis Obrigt'crL, xlur. die—en. 1) "Überlegene'Gewalt, Herrschaft ; ohne Plural. Welcher uns errettet hat von der Obrigkeit der FinSerniff, Col. 1,15. Zn welcher Bedeutung es im Hochdeutschen verattet ist. 2 )Perfonen, welche im gemelnenWrscn die Gewalt zu gebrechen und zu verbrechen und die Nechlssireitig-- keiten zu entscheiden haben; wo es nur collective im Singular, von mehrern Arten aber auch im Plural gebraucht wird. Der Dontg ist meine Obrigkeit; aber nicht, zwep Obrigkeiten für obrigkeitliche Per-one» oder Collegia. DieObrigkeiten, die obrigkeitlichen Personen, von Mehrern Arte». Die höchste Obrigkeit, ^ die hohe-landesobrigkeir, welche die -.ochste Gewalt in einem Lande hat. L i? geist--rmb> weltliche Obrigkeit. Die hohe und niedere Obrigkeit, ttnterobrrgkeilcn, welche von derhöl/ern Obrigkeit an ihre Stelle verordnet worden. Die Gtadtsbrigkeit, der Magistrat, welcher oft auch nur schlechthin die Obrigkeit ge- naurttwird. Jemanden bep der Obrigkeit verklagen. Wertst feine Obrigkeit? Der Obrigkeit gehorchen. Amn. Go wie man von über das Beywort übrig bat, so sagte man von ober ehedem auch obrig , und von diesem Worte ist vermittelst der Ableitungssylbe—keit unser Obrigkeit, im Oberdeutschen auch Vbrikeit, Niederst Overicheit gebildet. Indessen hatte - mau unmittelbar von ober auch Oberkett, welches noch im Oberdeutschen üblich, imHöchdeutschen aber veraltet ist; Niederst Over- hed, Schweb. Ofwcrhar. beyoenFormen kommt das Wort vier dcm 1 zten Jahrhunderte wohl nichtleicht vor, denn in den altern Zeireir hatte man andere Wörter, diesen Begriff auszudrucken, blerluom, jVlniüsrtuom, n. s. f. Als es anfkam, gebrauchte man es zuerst im Abstracto Voit der Herrschaft. Obrigkeitlich, Lclj.etückv. der Obrigkeit gehörig, vonihr her- kommend, in derselben gegründet. Die obrigkeitliche Gewalt. - Ein odrigkettlicher Befehl. Eine obrigkeitliche Person. Ein od'.iZkeltlrches Amt. Der Gbritzkeitstein, des — es, plur. die—e, im gemeinen Leben einiger Gegenden noch ein Grenzstein, welcher die Gräuzrn eines Landes, dcrLandcsobrigkejr scheidet, ein Bannstein ; von Obrigkeit, ss fern es ehedem auch die obrigkeitliche Gewalt bezeichnet?. . Obrist, Obvisse u.s. f. S. Ober und Oberst — Obschon, ein Bindewort, welches einen Gegensatz begleitet, mit obgleich gleichbedeutend ist, und auch eben so wie dieses gebraucht wird. Es kann so wohl im Vordersätze stehen, da es denn alle Mahl das so und oft noch doch nach sich hat, als auch imNochsatze. M v schon noch nicht ausgemacht ist, so u. s. s. Ich habe es erfahren,'obschon niemand von ihnen es mir sagen wollre. Die Pronomina und das Wörtchen nun verursachen auch hier alle Mahl eineLrcnnung, welches zuweilen auch der^Novünaliv des Nennwertes rhut. Ob ich schon wandere im finstern Thal, Ps. 2Z , 4. Obs schon wieder in die Scheide gesteckt würde, . EZech. 2 1, zo. Ob ich ihn schon nicht kenne, so will ich ihm doch den Gekästen lhnn. Ob. dir Menschen schon undankbar sind. Indessen ist dieses Bindewort im gemeinen Leben häufiger, - als in der edlen und anständigen Schreibart, wo man dafür liebe?- die gleichbedeutenden obgleich und obwohl gebraucht. Anm. Im Nieders. lautet dieses Bindcivortobshonst, im Dsn. omskiont, im Schwed. 3ulköut, und mit andern Dorsylben iw Nichkrs. auch allfhonst, rm-MDsn.errdffjont, Schon stammet -Obst L72" hier nicht, wie Ihre glaubt, von ske, geschehen, nochvonschön ab, sondern ist die bekannte Partikel schon, S. dieselbe. Obschweben, vorb.reA.veutr. welches das Hküfswort hüben erfordert, und von dem veralteten Vorworte ob, über, zusammen gesctzet ist über etwas schweben, und figürlich vorhanden scyn, bevorstt hcn. Es ist im Oberdeutschen am häufigsten , wird aber auch in d u Hochdeutschen Kanzelleyen gebraucht. Die zwischen ihnen obgcschwubten Streitigkeiten. Dre obschwebende Gefahr. Die Observanz, plur. die—en, aus dem Lat. observantia, in den Rechten, das Herkommen, ingleichen eine in dem Herkommen gegründete Gewohnheit, ein he rgebrachtes Recht. S. Herkommen. " < Die Obsicht, plur. car. ein auch nur im Oberdeutschen für AnH sicht übliches Mort, von ob, auf. Die Obsicht über etwas haben. Scharfe Obsicht halten. Etwas in Obsicht nehmen , Logair. Obsiegen, vorb.reZ. oeritr. welches das Hnlfswort haben erfordert, und für das einfache siegelt im Oberdeutschen gebraucht wird, aus welcher Mundart es zuweilen die höhere Schreibart der Hochdeutschen entlehnet; von ob, über. Der Vernunft kommr es zu, in dem Streite der Leidenschaften obzusiegen. Denn Friedrich, der Menschenfreund, hat obgesiear mit Gott, Zachar. Wo man es im Oberdeutschen auch mit der dritten Endung der Person verbinden ' Und Rhötus ssohe dich. Dem Bacchus obgeflegt, Opitz. Der Obsieg für Sieg, und Obsieger für Sieger, sind im Oberdeutschen gleichfalls üblich, so wie das Bey - und Nebenwort ob- sieglrch; ein obfleglichcs Urtheil erhalten, in dem Gerichte ' ssgcn. Die Obsorge, plur. inus. rin gleichfalls nur im Oberdeutschen einheimisches Wort, für Vorsorge, gleichfalls von ob , über oder für. Eben daselbst hat man auch das Zeitwort obforgen ; dem Selnigen obforgen, für das Scinigc sorgen. Das (A'st, des — cs, pluri in ul', ein Collectivum. ») Eine jede eßbare Frucht desGewächsrcichcs, derenSamen mit einer fleischigen Bedeckung umgeben ist; in welcher weitesten Bedeutung alle Feuchte dieser Art der Stauden nnd Pflanzen, z. B. die Stachelbeeren, Himbeeren, Weintrauben, Melonen, ja in noch weiterer Bedeutung vonÄiiigen auch die Nüsse, mit zu dem Obste gerechnet werden. 2) Ju cngerm und gcwöbnlicherm Verstände gehören nur die Baumsrnchte , deren Same mit eine^ stcikchjgen oder saftigen Bedeckung umgeben ist, zu dem Obste. Kernobst., dessen Sa- menkerne eine weiche Schale haben, und wozu die Äpfel, Birnen . u. s. f. gehören ; im Gegensätze des Steinobstes, dessen Kerne niit einer steinbaren Schale umgeben sind, wie die Kirschen, Pflaumen, Aprikosen, Moschen n. s. f. Ein Apfel ist ein schönes Obst, besser, Apfel sind ein schönes Obst. Obst essen. Mit Obst handeln. Z) In der engsten und allem Ansehen nach eigeiit-^ ltchstenBedcutnug gehören nur düÄpfcl undBirncn zu demObste. Frühobst, frühzeitiges Obst, Apfel oder Birnen, welche früh reifwerdcn; zum Unterschiede von dem Sxätvdste oder sparen Obste. Anm». Bey dem Ottfried in Hieser letzten Bedeutung Obsr, bey dem Rolker Obwxo, dey dcm Willeram Obsr, Obere, im Niederst A'vet, im Böhm. Orc-oce. Es ist sehr wahrscheinlich, daß dieses Wort mit Zspfel eines Geschlechtes ist, indem beyde Wörteramr in den Endsylben —el, und —.ez, —es, —s, —st, unterschieden sind. JmOberdentschcn sagt man nur Obs fürObss. Da dieses Mvtt Ms Ober zusammen gezogen iss, so erhellet dar- L7Z ans zugleich die Ursache, warum bas s gedehnt ist, ungeachtet zwey Mitlauter darauf folgen. Dar Ob-Stand, des — es, plur. car. der Widerstand, von der alten Partikel ob, (S. i Ob.) Es kommt im Hochdeutschen nur selten vor. Glaubst du cs mm bald, daß ich ihr festen Ob- stand gehalten habe? Lest. Obschon noch nicht ausgemacht ist, daß diese 5rau auch allen übrigen Arten Obstand halten würde, ebend. Die Ob-Stcrtt, plur. cur. ein gleichfalls nur zuweilen in bcrBe« deutung des vorigen, fiir Widerstand übliches Wort, wo es auch nur mit dem Zeitworte halten gebraucht wird, jemanden die Obstatt halten, ihm Widerstand leisten. Frisch leitet es aus dem Lat. obstnt Her,wozu stch aber das weiblicheGeschlechrdiesesWor- tss nicht schilt. Es ist vielmehr gleichfalls aus der alrenPartikel ob und Statt zusammen gesetzet. Derchbstbäcker, des—s, ptur. ut vom. livA. ein Bäcker, welcher sein vornehmstes Geschäft daraus macht, das Obst zu backen, d, i. im Ofen zn dörren. Der AbstbüMlr, des—cs, x>kur. die —barrme, ein Baum, welcher Obst traget,deffenSame mit einer eßbaren fleischigen oder saftigen Bekleidung bedeckt ist. Der chbstvrecher, des—s, xlur. ul vom. livZ.e-uWerkzeug der Gärtner, in Gestalt eines mit Zähnen versehenen Tellers an rinein langerr Stiele, das Obst, und besonders die Äpfel und Birnen von den Bäumen zu brechen; der Apfelpstücker. Siehe Gbsthamen. Die Vbstöcrrre, x>!ur. die—n, eine Darre, das Obst in derselben zu darren, d^i. durch die Hitze des Feuers zu trocknen. Der Obster, des—s, plur.ru vom. ilnZ. Fämitt. die ijMerinn, im gemeiner» Leben und der vertraulichen Svrechart. i) Eine Person, welche das Obst im Garten die Nacht über bewacht. 2 ) Noch" häufiger, eine Person, welche mit Obst handelt, ein Obsthändler, eine Öosthäudlerinn; im Oberd. Obser, irr andern Gegenden . Obstler. Der-ÖhJessiN, des—es, plur. doch nur von mehreren Arten oder Quantitäten, die —e, ein aus Obst oder Obstwein bereiteter Essig. Der ÖbstAarten, des—ss plür. die—gärten, ein Garten, in welchem vornehmlich Obst gebauet wird ; zum Unterschiede von einem Rohl-oder Vnchengarten , Blumengarten, Grasgar- ten u. s.f. Jm Piekees. ein Apfelhof. Der Öbfthamsn, des —s, plur. ut vom. lrv^. ein Hamen an einer Stange, welcher oben herum mit stumpfen Zähnen besetzt ist, dasObst vermittelst desselben von den Bäumen abzubrecheu. Er unterscheidet stch von demObstbrechev, welcher nur einen Teller bat, durch den Hamen, oder das beittelförmigc Netz. Der Obsthändler, des—P, plur. ulnoin. lusZ.Fämin. dir Obsthä'ndlerrnn, eine Person, welche mit Obst handelt; der Obstkramcr, im gemeinen Leben der Obsthöke, die Obsthökinn, -cr Obstmanu, die Obstfrau, der Obster, Obstler. DüS Obstjahr, des -— cs, plur. die—e, derErtcag, die Fruchtbarkeit des Jahres in Ansehung desObstes; so wie manweinjahr, Rornjahr u. ff. in andern Beziehungen sagt. Em gutesObst- jahr, in welchem viel und gutes Obst fällt. Der Obstkäfer, des—s, plur. ul nona. stvF. eine Art Käset', welche sich auf den Obstbäumcir unh in dem Ooste aushält; §LL- rLdneus liorliculu l^. Die Obstkümnrer, plur. die— N, kitte zurVerwaltuug oder Aus- bchaltung dc-s Obstes bestimmte Kammer. Der O^stUer, des—s, plur.utLvm.6nZ. Fämiu. die Obst- lcriim, S. chbßer. ' . Och e - L74 Der Obstrnsrkt, des — es, plur. die —markte, ein Marktplatz, ansivelchem vornehmlich Obst feil gehalten wird. Der Obstmsnath, r>es —es, pluv. die —c, ein von einigen für September in VorschlaggcbrachLesWort, welches aber wenig Bepfall gesunden hat. Der Obstmost, des—es, plur. doch nur von mehrcrn Arten oder Quantitäten, die—e, ci-r aus Obst gepichter Most, welcher, wenn er gegohren hat, Obstwein genannt wird. S. Lider. Die Obstmotte, plur. die—n , eine Art Motten, welche stch ans den Obstbäumen aufhält und deren Larv/stch in den Birnen und Äpfeln befindet; kbulÄSuaHnLN Ib,. Von cinigenSchriftstel- lern wird auch di- kliLlnsvL 1or6r/x biolmiLva k-, die kleine gelbroche Obstmotte genannt. Der Obstwein, des—cs, plur. doch nur von mchrern Arten oder Quantitäten, die—e, S. Obstmostund Lider. Obwalten, verd. reZ. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert und aus dem Zeitworts walten, und dem veralteten Vorworte ob, über, (S.lOb.)zusammen gesetzct'ist, aber nurunOber- deutschen nnd.'n den Hochdeutschen Kazezelleyen gebraucht wird. r) Vorhanden^gegenwäetrg jepn, obschweben. Die obwaltende Gefahr. Aus obwaltenden Ursachen. 2 ) Mit Einfluß gegenwärtig seyn, vorhanden ftpn und bestimmen. Dein eigenes Interesse waltet hierunter so sehr ob, als das meinige. So auch , die Obwaltimg. Obwohl, einBindeworfwelches mit obgleich und obfchon gleichbedeutend ist,und so wie das orstere auch irr der anständigen Schreibart gebraucht werden kann, dagegen obfchon mehr in der geckeiuen üblich ist. Es wird anfeben dieselbe Art gebraucht, als obgleich. Es wird weggeführet werden, wie eine Eiche oder Linde, Äelche den Stamm haben, obwohl ihre Blätter abgestoßcrr wer den, Es. 6, iz. Und obwohl ihre Schwester Juda gesehenhat— noch fürchtet sich ihre Schwester nicht, Jer. z, 7 , 8 ; besser, so fürchtet sic ähre Schwester doch nicht. Du sollt dich 'nicht furchten/-ob sie wohl ein ungehorsames Hans sind, Ezech. 2 , 6. Ob du wohl solches alles weißt, Dan. 5 , 2 2 , Der Ocean, des — cs, plur. die—e, aus dem Lat. Oosavus, das Weltmeer, ein beträchtlicher -Theil des allgemeinen Weltmeeres, welcher mehr als Einen Weltcheil berühret; das Meer oder Weltmeer. Der südliche Ocean, das stille Meer, die Viidsee. Der nördliche Ocean, zwischen Amerika, Europa und Afrika bis an die Linie. Der Äthiopische Ocean, zwischen Afrika und Amerika jcnftit der Linie. Der Indische Ocean, zwischen Asten und Afrika. Unglücklicher,der, schon von sossmmg trunken, Des Oceans Gebiether ist, Raml. Ingleichcn in der höhcrn Schreibart eine große Menge solcher Dinge,welche mit cmcmvollcn Meere verglichen werden können. Der Ocean von Empfindungen, Herd. Anm.DasLat.Oceavus stammet vor» demGriech kwe, welches wiederum inAsten einheimisch zu seon scheinet; weu^stens ist im Persischen Vkiavus gleichfalls das Weltmeer. Norker gebraucht dafür LncliI msre, das Endmeee, wo sich die bewohnte Welt endiget. OOebbeze, eine Art Weißfische, S. Ukeley. Der Ocher, des—s, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, ul vorn. 6vZ.crnemctallischeErde,welchc aus reinen durch dieSäure aufgelb'fien oder zerstörtenMetallcnentstehet, und ltüch Verschiedenheit der Metalle von verschiedener Farbe ist. Der Eisenocher, welcher gelb, braun und röthlich von Farbeist, und wohin auch der Rost gehöret. Der Rnpferocher, wohin daS Kupfergrün, der Grünspan, der Kobaltbeschlag u. s. s. gehören. Der Blepocher, der am häufigsten Blepweiß genannt wird, u. s. s. L7S DG In engerer Bedeutung ist der Ocher eine milde Erdart von dunkel gelber aus citronengelb und braun gemischterFarbe, welche in den Bley- und Kupferbergwerken angetroff. n, von den Mahlern gebraucht und auch Berggelb genaiurt wwd. A m. JttdenchartenSprecharten Ocke> ,Okcr Franz.Oc-Irre Oere. Lsistau/ demLar. Orti u undGcitch. < entlehnet. Dl.Schreibaei Oecher ist uur:chtig^anch wenn inl^. uchischen ein doppelter Gaumenlaut b.finblich wäre, weil das ch imDeutschen zwischen zwe'y Selbstlautccn ohuehur schon doppelt ausgesprochen wird. nckj.et ückv. der dnnkclgelben Farbe des Ochers in der engsten Bedeutung gleich und ähnlich. Auch als einHanpnvort wird es zuweilen theils für diese gelbe Farbe, theils für denOcher selbst gebraucht. i Der Ochs, des — en, plu^. die — en, Diminut. das chchschen, Oberd. ch>chslein. l- 3 >u weitern Verstände, das inämiUcheZu- dividuum einer Art zweyhnfiger vierfüßtgcr Lhiere, welche vorwärts gebogene sichelförmige Hörner und einen kuscheligen Schwanz haben. Der wilde Ochs, derB üffeiochs.der rluerochs, Her zahme oder gemeine Ochs. Das weiblicho^udioiduum dieser Arten wird die Ruh-genannt. 2. In engerer Bedeutung führet der gemein.Ochs oderzahmrOchs dcnNahmcndesOchfen schlechthin. 1) Eigentlich, wo das ungeschnilrene männliche Zndivi- duum, welches znrFortpflanzuna seiites Geschlechtes bestimmt ist, der Herdochs, Zaselochs, Zuchtochs, St.rwmo^s, Reitochs, Gpringochs, Brnllochs, Brummochs, Bullvchs, auch irnr der Ocys schlechthin genannt wird, dagegen er an andern Orren der Bulle, Stier oder Brummer heißt. (v) Am häufigsten führet diesen Nahmen ein solches geschnittenes Thier, dessen man sich hernach zum Ackerbane, zum Fahren, und an einiger Orten auch zum Reiten und Lastwagen bedienet. Im engsten Verstände wird nur ein solches m der Jugend verschnittenesThiep ein Figürlich ist in den niedrigen Sprecharien dasWotrOchs ein Scheltwort so wohl eines groben und ungeschickten, als auch eines dummen Mdiischen bepderley Geschlechtes. Ein grobe* Ochs. Ein dnmmer Ochs. 2 tnm. Im Isidor Oxllo, im Schwabens-. Osis^im Niederst Osse, ^ev dem Ulphilas-V uli«n, im Atrgels. Oxa, ini Dän. und Schund. Oxe im Engl. Ox, im Jsländ. Oxe, im Wallis. Vctt, Wachter nildJuiiius leiten es von dem Griech.« D«? e.u^ere, wachsen, ehedem anchcn, her, Frisch vom Griech. o^s«, ich fahre, trage, im Schweb, c,Ks, führen, (S. Wagen,) Ihre aber von OK, Joch. Den beyden letzten Abtheilmigcn kömntt das zu Statten, daß im Jsländ.-Oxe ein jedes Last- nnd Zugthicr, folglich auch ein Pferd, bedeutet.sS.anch Ne ß,)>velchcs sich irnr durch das müßige n von diesem Worte unterscheidet. Das e enphonrcnm, Ochse, ist hier uimöthig, weil das ch in diesem Worte im Hochdeutschen hart, wie ein l'aur-gesprochsnwird, woraufanch das s hart kauten muß. OHfen, verb. isZ.i-teinr. mit dem Hülfsworte haben, welches o ber nur im gemeinen Leben einiger TeFeuden für rindern üblich ist. DieRuh ochset, wrnn sie nach dem Znchtochscn verlanget. Das Ochsenauge, des —s, plur. die—eigentlich, das Auge eines Ochsen. Figürlich. 1) Irr Herr Küchen einiger Gegen- Ochs §76 de!» werden aufzerlaßene Butter geschlagene i»nd gebackene Eyer, so daß der Dotter ganz bleibt, Ochsenaugen genannt; Niederst Ossenogen. Speigeikoken, Spicgclknchen. 2) In BauLjrnst ist das Ochsenauge ein rundes oder oval rundes Fenster in einem Dache. Z) In einigen Gegenden führet das große Gänsekraut, Oirr^lau kemurn Deuca.-.lkein'-ikn D. wegen einiger Ähnlichkeit der Blumen, den Nahmen des Ochsenauges. 4 ) Auch eine Art Zaunkönige, S. Goldhähnchen. Der Och send aller, des— g, pH. die—^-n, ein Bauer, welcher keinePferde, sondern'nur Ochsen hält, im Gegensätze des pferdebancrs. Das Ö-chsenbrech, des — es, plur. inul. eine Pflanze, siehe Hauhechel. ssDas Ochsenflleber, des—s, p!ur. r'nusi. ejn^rur irr den niedrigen Sprecharten im figürlichen Verstände übliches Wort. Das Ochsenfi'eber haben, sich grob und ungeschickt betragen. D üö Ochsen fleisch, des—es, pl ur. cerr. das Fleisch von einem geschlachteten Ochsen, im Gegensätze des Ruhsteisches. Man begreift es am häufigsten mit unter dem Nahmen des Rindfleisches. Die OchsenFLlle, piur. die—n, eigentlich die Galle von einem Ochsen; ohne Plural. Figürlich pflectt man die runden inderMit- te erhabenen grünen Gläser in deu kleinen Laternen Ochsengallen zu nennen. Das Ochsenyeld, des es, plur. doch nur von mehrcrn Summen, die—er, dasjenige Geld, welches die Gemeinde eines Ortes, wenn sie keinen eigenen Zuchi-oder Gemeindeochstn hat, dem Gerichtshcrren für den Gebrauch seiites Znchtochsen bezahlst. Ochsenhüft, —er, —este, ästj. er sc! v. in den niedrigen Sprech- arten, für grob, plump, ungeschickt und dumm. S. Ochs Der Ochsenhät-dler, des—s, plur. utnom.linA derjenige, welcher mirOchsen handelt,besonders der, welcher fremdeSchlacht- ochscn zum Verkaufe herum treibet. Die Ochsenhcrut, plur. die — hmtte, die Haut von eineN geschlachteten oder gefallenen Ochsen; die Rmdshaut. Das Ochsewherz, des—cns, plur.die— en , eigentlich das Herz eines Ochsen. Figürlich wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt, eine Art verfteülter z veyschalig c Muscheln welche zu den Chamiren gehöret nrrd die Gestalt eines Hcrzöns har; Lucsr- cittes, Bukardir. Die unversteinte Muschel wird auch dieHqrz- mnschci genannt. Der O>i)senhitt, des —en, plur. die—en, ein Hirt, welcher allem die Ochsen weidet od.r hülhet. Der Ochsenhuf, des — es, p!ur. die—e, eigentlich der Huf Sitt, s Ochsen, welcher, weil er aethcilt ist, auch die Rlauc genannt wird. Figürlich ist der Ochsenhnf au einem Pferde ein fehlerhafter Huf, welcher vorn der Länge nach aufgesprungen ist. Das Achsenjöcy, des — es, plur, die—e, rinJoch, so wie es den Ochsen anfg-'lcget wird. Der Ochsenjunxe, -cs—n, plur. die—n. in der Landwirlh» schasst ein Knabe, welcher die Ochsen auf der Weide hütbet. Das OchstMsittsib, des — es, plür. die — kälber, inderLand- wirthschaft, einKaib männlichen Geschlechtes, ein Bullenkalb; im Gegensätze eines Ruhkaibes, Zärsenkalbcs oder Noschew- kalbcs. Dor Ochsen^opf, des — es, piur. die —köpfe, eigentlich der Kopf citics Ochsen. Figürlich doch nur in den niedriaenSprech- art.'n , ein dumrnermiigcschickrer Mensch. In Berlin wird das Arbeitshaus, weil es ehedem dasZcichen einesOchsen oderOckstu- kopfes führele, noch jetzt dec Ochfenkopfgenannt, und an maacbcit Orten führet nm eben dieser Ursache Willen auch die Herberge eck Fleischbänke diesen Nahmen. -, ^77 -Ochs Das Gchsenrraut, des —es, xlur. inus.in ewigen Gegenden ein Rahme der Hauhechel, Ononis S. dieses Wort. Der O hsenmarrt, des — es, plur. die — markte. >) Ein Markl oder Jahrmarkt, auf welchem nur D-bscn verkauft werden;, eine^rt des Viehmarktes. 2) Ein Marktplatz, auf welchem uur Ochse» verkauft werden. DreOchsenposi, plur. die —en, ein nur in den niedrigen Sprecharren im figürlichen Verstände übliches Wort. Mt der Ochsm poft gehen oder fahren, sehr langsam gehen oder fahren. Lie Ochsenpsst nehmcn, sich sehr langsam fortbewegen. Inder anstäudigern Sprechart die Schneckenpost. Die Ochsenrübe, eine Pflanze, S. Hasenohr. ^ ^ Der Ochserrsprrth, des — es, plur. doch nur von mchrern^.r- ten,die— e, eine Art dcs Spathcs bey den Pferden, welcher seinen Sitz hinten an dem Knie hat; zum Unterschiede von dem Beinspathe, welcher an dem-Jnnern des Schenkels sitzet. Der Ochsrnstttlk, des — es, plur. die —stalle, in der Land- wirthschaft, ein Stall für Zug- oder Mastochsen, zum Unterschiede von dem Vuhstalle. Der Ochsenziemer, des ^s, plur. ut nom.tin^. das getrocknete männliche Glied eines Ochsen, welches die Gestalt einer lan- gen dicken Sehne hat, und im gemeinen Leben statt einer Peitsche gebraucht wird. Rieders. Ochsenpesel. S. Ziemer. Die Ochsenzunge, plur. die—n, eigentlich dieZunge eines Ochsen. Figürlich, eine Pflanze, deren längliche und rauche Blätter einige Ähnlichkeit mit der Zunge eines Ochsen haben; L,. Besonders die offcinelle Art, welche auf den Rainen, Wegen und Äckern wachset; Bueüusa oUi.1uu.Us, röche Ochsenzunge, wegen der rochen Blumen, Hundszunge, Ackermann- kraut, Liebäuglein, Angenzier. Die echte röche Ochsenzunge, ^vckula UriLwriu U. deren Wurzel roch färbet, wird auch Färberkraut genannt; Franz. Orcaoets. In einigen Gegenden wird auch der Steinsame oder die Steinhirse, Kitboi por- rnum avveols U. reche Ochsenzunge genannt. Die kleine Ochsenzunge ist eine Pflanze eben dieser C'asse, k/coplls arvenlis L,.so ww die wilde Ochsenzunge, L. kium vulZare k. welche ^auch Otterkopf genannt wird. stOck-frF,— er,—fte, ackj.etackv. nur in ben niedern Sprcch« arten, einem Ochsen gemäß, d. i. im höchsten Trade plump, un- gesch.ckt und grob. Das Ochshoft, S. Orhofk. Ockeley, eine Art Wechfische, S. Ukelep. Octäv, ein aus dem Lat. octtavatormL entlehntes unabänderliches Hauptwort, dre Größe eines in acht Blätter zusammen gelegten Bogens zu bezeichnen. E n Brich in Octav, drffcn Bogcndrcy Mahl gebrochen sind und also acht Blätter geben, zum Antcr- sejstedevon dein Z0Ü0, O.uart, Duodez u.s. s Em Buch in Groff- Octav, in Mein - Ocrav Das Öcrao-Blart, ein solches Blatt; das Octav - 5 orrnat, ein solches Format der Bücher; ein Octav: Hand, ein Buch m Octav. Dte.Octäve, olür. die —n, aus dem Lat. Oclava, in der Musik, der Zwischenraum zwischen zwey Tönen, wovon der eine noch Ein Mahl so stark ist als der andere, da denn nur jeder der brydcu äußersten Töne die Octave des andern genannt wird. Dieser Zwischenraum beißr die Octave, weil er,. Sie der,den äußersten Töne mü gerechnet, aus acht ganzen Tönen bestehet. Auch eine Reihe von acht aufeinander folgenden Töne» führet den Nahmen der Octave. In den Orgeln'st dir Ocrave ein Nähme verlcbie« dcncr Register, wohin die große Oct,ave, von acht Fuß Tom, die mittlere Octave oder Mttter - Ocrave, von vier Fuß, die kleipe Octave, von zwey Fi-ß, und das Super-Octäplitin, von einem Fuße, gehören. Adel. W.L. z. Oh. 2. Aust. Ode L78 DerOceöösr, des—s, plur. ut norn. 60Z., aus dem Latein. Octobsr, der zehnte Monach im Jahre, der bey den Römern der achte war, und z r Tage hat. Carl der Große nannte ihn den weimnsnarh , weil die Weinlese gemeiniglich in denselben fällt, welchen Nahmen er auch noch zuweilen führet, obgleich derselbe den Römischen nicht verdrängen können. Nach dem Raban Maurus aus dem achten Jahrhunderte bey dem Goldast lautete dieser vsnCarin dem Großen herrührende Nähme, Winckumanolb, Windmonath, welche Leseart auch einige Handschriften des Eginhard haben, dagegen andere Winck rumanotli und lVeirrmo- nstk lesen. Allein es ist sehr wahrscheinlich, daß die Nahmen der vier letzten Morrathe bey allen Schriftstellern dieser Zeit verderbt sind. Sw-He auch September. Oculrren, verd. reZ. aci. S.A"Fcln. Der Oculnfi, des —en, plur. die— en, ans dem Lat.OauIus, ein Wundarzt, welcher sich vorzüglich der Heilung der Augenschä- den befleißigt; der Augenarzt. — Ob, in Rlsinod, S. dieses Wort. AHe, — p, —sie, aäj. et ackv. ein sehr altes Wort, welches iu folgenden Bedeutungen gesunden wird. ')*Hohl; eine »n Hochdeutschen unbekannte Bedeutnng, welche indessen eine der-ersten zu seyn schämet, und noch bey dem Dasypodins nach dem Fcssch vorkommt, welcher ode durch hohl »nd cavus erkläret. Bey eben demselben ist die Ode die Höhle, Ooncavitas. E^sst in diesem Verstände mit dem Niederdeutschen Ohse- ein Öhr. öseir, schöpfen, Ole, rin Schöpfgefäß, und unserm Hose, ein Gc-äß,genau verwandt, indem dieVerwandlung des d m s und s in d in allen Sprachen und Mundarten sehr gewöhnlich ist, auch m dcnfolgeu- de» Bedeutungen ose für ode gefunden wird. Das Lar. baurire, im Pers. baust, scheinet gleichfalls dahin zu gehören. 2)*Leer; eine im Hochdeutschen gleichfalls unbekannte, mit der vorigen aber genau verwandte Bedeutung, worin mir der Ableittmgssi-lbe —el auch eitel üblich.war, (S. Eitel r,) und von welcher Bedeutung, auch das Franz. vuicksundJtal.vuo'to, leer^abstammen, welche nur dcrr..müßige!r Blaselaut angenommen haben. Z)Jil engerer Bedeutung, von Menschen und Arbeiten des menschlichen Fleißes leer, unbewohnt und ungevauet. Eine öde Gegend, wo gar keine Menscheu oder doch verhältnißmäßig nur sehr wenig Menschen angecroffen werden. Ein ödes Land, ein unbewohntes und ungehärtetes. Die Häuser sollen wüste stehen, und die großen und feinen öde stehen, Es. 5, 9. Ich will deinem Willen folgen, vielleicht führst du mich ödern Gegenden zu, Geßn. Zwar ist die Gegend ode, die Herden vnken eingeschlossen im wärmenden Stroh, ebcnd. Einen Acker, ein Feld ode liegen lassen, ungebauct. Die Welt ist für mich so öde wie das Grab. Daher ist einen Wald absden, die Bäume völlig ausschlagcn, ihn avränmen, die Fischbrut ausöden, sie ansrotten und vertilgen u. s. s. (S. auch wüst.) 4) ^Figürlich, keinen inner» Werth habend, eircl; in welchem Verstände cs jetzi veraltet ist, ehedem aber üblich war, wie aus einigen Beyspieleu bey dem Frisch erhellet. O^ewerkc, nichlswirrdige, eitle. Ein oder Balg, ein nichrL- würdi-gcr, ksllexvaua. Ein öder Pfaff. Anm. In der dritten Bedeutung schon bey dem Notker ocks, im Däu. öde, im Böhm. o vvcko wcLzr. Im Finnischen ist Bulbier cinleererRauw,und im Friesischen Oocks und im Irland. eZit ein Ort, welcher Begriffmitdem leeren Raume genau zusammen hängt, so wie das Lar. kocus, ein Ort, zu nnscrm Loch gehöret. Ein leerer , wüster Ort heißt schon in. Isidor Ott tn u , nnd Hey dcm Mpbilas ^ui üicls, im Schweb. Oscke, im Jsländ. kicks u d ^ucka. (S. auch Eitel und Z.H. ide, welche gleichfalls damit verwandt sind.) Wachter Hai schon die Verwandlschäst mir dem Criech.oros, ülem, ciiisam,otsA,, allein,oiosw,verwüsten,sr-Ssr-» Oo vecwüstct, verwüstet, clngeselicir. Da keine Mitunter häufiger mit einander 'verwechselt werden, als d, t und s, so lautete dieses Wort ehedem auch ose, daher das Zeitwort ösen, erösen, verölen, eröügen, And das im Hochdeutschen unbekannte ostnr, wüst, in den Mundarten so oft Vorkommen, wovon bey dem Frisch Beispiele anzu- treffen sind. Härtere Mundarten sprechen und schreiben dieses Wort nur od, da denn das b wie ein t lautet; im Hochdeutschen »st um der weichern Aussprache dieses MirtamerS willen das ceupho- nicum unentbehrlich. i Die^Hös, piur. die — n, ein oder, unbewohnter, imgebaueter Ori; ein imHochdeutschen seltenes Wort, wofür in der Bedeutung eines unbewohnten Ortesjetzt Einöde üblich ist, S. dieses Wort. Der Odern, S. Athen». Oder, ein Bindewort, welches mehrere mögliche Fälle, von welchen etwas behauptet wird, begleitet. r. So dast die mehrern Dinge einander aufhebe», oder vielmehr, so daß von den mehrern nur Eines ist oder seyn soll; so daß diese Partikel alle Säue nach dem ersten begleitet. Tajns muß sehr unwissend oder sehr bosbaft seyn, wo zwey Fälle als möglich angenommen sind, von welchen norhwcnoiz einer wirklich seyn soll. S io mir die Maare oder Geld. Um des Nachdruckes wellen und die Ausschließung der andern möglichen Fälle noch mehr iheroorstechen zu lassen, bekommt der erste unter den möglichen Fallen gemeiniglich das entweder. Gib mir entweder dre Maare oder Geld. Entweder brn ich der Manner, oder fte meiner nm-t wert!) gewesen, Tob. z, 20. Erwähle dir entweder -rey Jahr Theurung, oder drey MondenFluchr, »Chrom?2,12. Einer von uns beyden, entweder ich oder du mußt eö'gewe- sen seyn. Da denn bas letzte von den Dingen, welche mit oder bezeichnt» find, noch das auch zu sich nehmen kann. Es fehlt chm e rweder am vermögen, oder am Mrllen, oder auch an Gelegenheit. 2. So daß die mehrern Dinge Theile eines Ganzen ausmachen; dachen»: das erste gleichfalls das entweder bekommt, das-letzte aber von denen, welche oder vor sich haben, gleichfalls das auch oder endl-ch leidet. Die Steine find entweder glasartig ^ oder tho.iarvrg, oder talkartig, oder auch gemischt. Wo das entweder auch zuweilen wezoleiben kann. Diejenigen, welche in der inenfhlichen Gesellschaft gehorchen, stn- Linder, Untcrrhaneir oder Unechte. z. So daß die mehrern Dinge oder Falle bloß aufgczählet werben, und es unentschieden, oder gleichgültig bleibt, welcher von ihnen ist oder geschiehet. Dreß oder jenes. Ich weiß mcht ob es -(ob oder Tadel ist. Nun glaub' es, oder nicht, sie liebt, und liebet dich. Gell. warum stehet man euer» Bruder nicht? Ist er verreijeb? -Oder ist er krank? Oder ist er so sehr beschäftiget? In drey oder vier Stunden komm? ich gewiß. Trieg' ich mich, oder hör'ich den zartesten Gesang ? Geßn. O, wie reißt dre Ent- z-üikun-g mich hin, wenn ich vom-hohen Zügel die weit KUS- geöreikete Gegend übersehe, oder wenn ich ins Gras hrnge- streckr,- die mannigselngen Bluinen und Rrä'uter betrachte, - oder we»rn ich in nächtlichen Stlinden den gestirnten Zrmmes, wenn ich den Wechsel der Jahreszeiten oder den Machschum dertlnzüblbaren pstanzen betrachte! ebend. wo stch das letzte oder nicht ans die vorher gegangenen beziehet, sondern auf eine neue nach demzwevten oder angcfängene Roche möglicher Falle. Auf diese Art kann diese Partikel auch eine ganze Periode anfarr- gen, wenn sie einen gleich möglichen Fall mit der vorher gehenden, oder auch einen Emwurf, einen Gegensatz u. s. f. enthält. Sie finge dann, And ich begleite rhren-Gesang mtt der Flöte. --- — Oder singen eure Salrenspieler besser als die Nachtigall oder die liedlicpe Grasmücke? Geßn. 4 . Oft dienet der durch oas oder angeküiidigte Satz zur Erklärung des vorher gehenden. Das allgemeine Beste oder den vorrheil der Gesellschaft befördern. Alle Mens..-.en'können nicht Zerren seyn, oder andern befehlen. Ost auch zur B»r-ch. tiguug, da denn gememigltch noch das vielmehr d»rzu kommt. Wenn ernur konnke, oder vielmehr wollte. 5. geinernrit Leben gebraucht man es ost, eine ungewisse, ungefähre Zahl zu bezeichnen. Erne Elle oder sechs, d. i. ungefähr sechs Ellen. Ern Stuck oder zehn , nngcsähr zehn Stücke. Da.man es denn zuweilen wohl gar in er zu verwandeln und dem ersten Hauptworte anznhäügen pfleft. Ern Lüener drey, ein Tager vier, für eine Elle oder drey, en» Tag oder vier, d. i. ungefähr drey Ellen, vier Tage. S. Em. Anm. Da die Leidenschaften sehr oft über die kalten Verbin« dnnqswörter dahin rauschen, so wird diese Partikel in einer lebhafter» Gemütbsbewegnttg gar oft au°gela,jen. Eine Versetzung findet bco ihr nicht Statt, und sie steher alle Mahl vor demjenigen Subjecre, zu welchem sic gehöret, sollte etz auch nur ein Ne- beiuvort sevn. Es komme nun oder nicht. Dieses alte Lindewörtchen lauret so wie wir cs jetzt haben, im Angels. atllor, rin Niederst edder und nach dergewöhnlichenAits- sioßung des d, or, im Engl. or. Es ist aus od und der Ablei- Liingssylbe—er zusammen gesctzet, welches od bey den ältesten Schriftstellern für oder allem vorkonrmt; im Isidor ostüo, bey dem Kees esto, esteo, rm Otrfried 060, bey dem Ulphilas Litk- tiiau, LitirtÜLo, im Angelsächs. orsttiis, welches denn mit dem Latein, aut, dem Griechischen q, und dem Hcbr. ^ , oder, sichtbar genug überen» ronnac. Es ist sehe glaudUch,oaßes »üitetin ctwan einerley ist, denn in den Mon- fteischen Glossen und im Onsried komm» es auch für etwan vor. Da in allen Sprachen keine Nedetheile in ihrer Bedeutung s» schwankend und unbeständig sind, als die Partikeln, so wurde auch ocio ehedem sehr häufig für aber (Lat. Lutvrn- gebraucht, so wie aber noch in»»Lien Jahrhunderte für oder vorkommr. Die Nie- dccsacksen drucken das oder auch durch of, ofre, efte, nild Wil- leram durch avo aus, welches dieses aber zu seyu scheinet. Eine andere noch für oder in einigen Oberdeutschen Gegenden üblich- Partikel ist ald, bey dem Notker Liste, deydenSchwäbisch. Dichtern Liste, Lister, im Schweb, eller, welche noch jetzt in dev Schweiz üblich ist, uudzn dem Lat. alter, ander , Jtal. Lltro, Franz. Lutre, Engl, öftrer, zu gehören scheinet. . Derodcr-ie Odermenntg, eine Pflanze, S. Agrimsne. Der Ofen, des — s, plur. die Ofen, Diminut. das Ofchen, Oberd. Ofelern, ein eingrschlosserrer Nanin, Feuer darinanzu- machen und zu ulrterbalteu. Em steinerner, gemauerter Ofen. Em blecherner Ofen oder Blechofen. Von der Absicht, zu welcher das darein gemachte Feuer dienet, bekommen die Ofen besondere Nahmen. Dahin der Backofen, Bratofen, Brennofen, Schmelzofen, Ziegelofen, Ralkoftn, Destillir-Ofen, Gtasofen Stubenofen, Ruhlosen, Pechofen, Theerofen , probier- Ofen u.s. f. gehören. Der hohe Ofen, im Hütienbane, ein Schmelz-^ ofen, welcher höher ist, als der sonst gewöhnliche Urummoftn. Den Ofen ablassen , anslassen, ansbrennen, im Hiitlcnbaue, das Feuer in den Schmelzofen ansgchen lassen; ihn anlassen, daS x Gebläse zur Verstärkung der Glukh in Bewegung setze»!. Ost wird auch das Gebäude, »u ivclchem stch eiu Oser» befindet, der Ofen genannt. Bey den Minirern wird die MinellLaminor, oder der hohle Raum unter der Erde, so lange er noch nickt nur Pulver an« gefvllet ist, dev Ofen genannt; ist er gefüllt, so h -ßt rr eigentlich dre Mme. In engerer^Bedculung verstehet «nan unter dem Oftn gemcriiigltch LZ' gemeiniglich den Stnbenoftn, d. i. denjenigen cingefchlossenen Raum, in welchem man Feuer zur Erwarmung eines Zimmers unlerbält. Einen Ofen setzen, ihn aufbauen. Ern eiserner, blecherner Ofen, ein Dachelofen, Porzellan ^ Ofen u. s. f. Der Ofen raucht, wenn der Rauch aus dem Oft» in das Zimmer geht, anstatt in die Feuermaner zu gehen. Den Ofen Huchen, sich geril an oder um den warmen Ofen aufhalren. Anker c cm Ofen sitzen oder liegen, auch figürlich im gemeinen Leben, müßcg zu Hause bleiben. , . . A,'.m. Schon ben dem Kero Ounn, (Ovnri,) bcy dem Notker Oucn im Tatian Ovnn, bey dem ttlphilas^u!,»,^ im Niederst Aren,'im Angelst Oken,0fne,imErigl.0veu,imDän. Ovne, in, Island. Oi'u. Wachter erkannte schon die Übereinstimmung mitten, Griech. so«>, ich zünde an, und diese Verwandtschaft wrrd „ich uuw -rwiig-., d-§ d» Lft.„ i«Sch«-4 dischcil, mit der nicht ungewöhnlichen Verwechselung der Blasi- undGaumcnlaute,vAll, bey den LlrernSchwedenOZv undOwm, im Finnland, Vllvi, im Esthland. heißt; woraus sich zugleich die Abstammung von dem alten Eck, Eg, Feuer, Lat. luuis Slavon. Oku und OZns ergibt. Ein Ofen ist'doch allemal)! um des Feuers willen da, und die Lat. ^ oriiLX und^uruus stammen auf ähnliche Art von 8euer, Griech. Hvg, her. Lier Ofencrnker, des —s- plur. ut vom. livZ^n den aus Mauersteinen und Kacheln aufgcführten Stubenöfen, eine dünne eiserne Schiene, welche an den Enden von einander geschroten und nmgebogen ist, die Steine oder Kacheln zusammen zu halten. Das Ofenauye, des — s, plur. die—n, an den Schmelzöfen, ein Loch unter der Vorwand des Ofens, welches im Schmelzen zn- gemacht, nach demselben aber geöffnet wird. Die Ofenbank, plur. die—Hanke, eine Bank hinter dem Stu- benofen gemeiner Leute. . ^ , Die Ofenblase, plur. die—n, in der Landwmhschaffteme rn den Stnbenoftn oder deffen Brandmauer eingesetzte Blase, d. i. länglich rundes kupfernes Gefäß, vermittelst deS im Ofen be- stndlichen Feuers beständig warmes Wasser zu haben. Der Ofenbrand, des —es, plur. die —brande, so viel als auf Ein Mahl in einem Ofen gebrennet, d. i. durch Hülfe des Fencrs verfertiget wird, und welches auch nur ein Brand schlechthin genannt wird. Ein Ofenbrand Ziegel, Aalk u. s. f. Der Ofenbrüch, des — es, plur. doch nur von mehrern Arten oderÖuautitätcn, die—brnche, dasjenige, was sich in einem Ofen ansetzet, und heraus gebrochen werden muß; besonders im Hüttenbaue, wo man zwcyerkey Oftnbruche hat, so wohl tzlche^ welche sich bey der Blcy- und Noharbeit als ein Lehm unten im Ofen ansetzen, heraus gebrochen und bey der Roh- und Bleyarbcit wieder als ein Zuschlag gebraucht werden; als auch solche, welche sich oben in dem Ofen ansetzen, nnd ans einem verdickten minera- lischön Rauche bestehen. Von der letzter« Art ist besonders der Ofcnbrnch , welcher sich bcy dem Schmelzen des Zinkes als eine harte, schwere, feste, blätterige Materie, oben in den Ofen ansetzt, und außer galmeyischcn und arsenikalischenTheilen auch eine rohe Erde in sich enthält; die Ladmia.. Die Ofentzcrbel, plur. die—n, eine Gabel, oder ein zweyzacki- ges Eisen au einem lange» Stiele, das Holz damit iu den Ofen zu schieben oder zurecht zu legen. Der Ofcnyalmey, des—es, plur. doch nur von mehrern Arten, die — e, ein Kalmey, welcher sich in den Schmelzhütten bcy der Roh- und Bleyarbeit a« die obern Seiten und Winkel anleget, und eigentlich auch ein Ofenbruch ist. Dtts OfentzsstWe . des — s, plur. doch nur von mchrerir Arten, ut vorn. üos;. im Hüttenbaue, Grstübe, welches bey Ausstoßung drr'Of nbrüche und Säuberung des Dorherdes mit L ff tos gebrochen, klein gemacht und wieder als Gcstübe gebraucht wird. Der Ofmherö, des—-cs, plur. die—e, der Herd in emerrr Ofen. Die Ofenkachel, plur. die — n, eine von denjenigen Kacheln, aus"welchen die Aachcioftn verfertiget werden. Der Ofeukessel, des — s, plur. ul voru.stng. aufdun Lande, eiit eingewamcrrer Kessel in dem Stnbenoftn, Wasser darin warm: zu machen. Die Ofenfrische, plur. die — n, eine Krücke, d. i. ein senkrecht an einer Stange befestigtes Bret, das Feuer, die Kohlen, oder die Asche damit aus dem Ofen zu ziehen. Der Ofenlehm, des — es, plur. inul'. Lehm, so wie er zur Bereitung eines Ofens erfordert wird; ingleichen aus einein Oft» gebrochener Lehm. Das Öf^löch, d/s—es, plur, die—löcher, die Mündung des Ofens , die Öffnung, durch welche derselbe geheitzet wird; zuweilen auch das Rauchloch des Ofens, das Loch, durch welches der Rauch ausziehct. Der Ofenmeister, des—s, plur. ul vom. kllA. im Hütten- baue, derjenige, welcher dir Aufsicht über einen Schmelzofen hat, und die dabcy nSlhigcn Arbciten anordnct, von welcher Art besonders der hohe Ofcnmeister bep einem hohen Ofen ist. Die Gfenplcrtte, plur. die — n, eine eiserne Platte, womitzu- wcilen der Herd eines Stnbenofens belegt wirb. Ingleichen/ eiserne Platten, aus welchen die eisernen Öfen zusammen gcse- tzet werden. Die Ofenröhre, plur. die—n, die Röhre in einem Ofen, besonders diejenige Röhre, durch welche der Rauch ausdem Ofen abge- führct wird. Zngleichen eine große viereckige blecherne Röhre m einermStubenoftn, mit einer Thür, Speisen darin warm zw erhalten. Der (pfenrüß, des—es, plur. laut, der Ruß aus einem Ofen. Die Ofenschaufel, plur. die — n, eine Schaufel, Kohlen oder Asche damit aus einem Ofen zu ziehen. Der Ofenschirm, des —es, plur. die — e, ein Schirm vos dem Ofen, die große Hitze abzuhalten. Die Ofenstanye, plur. die —n, eine Stange, das brennende Holz in einem Backofen damit in die rechte Lage zu bringen. Die Ofenthür, plur. die—en, die Thür vor dem Oftnloche. Der Öfenwisch, des — es, plur. die —e, bey den Bäcker,r, ein Strohwisch an einer langenStange, den Ofen damit ausznkehrcn. Der Ofenzins, des—es, xlur. die—e, derjenige Zins, wcl. cher für denGebranch eines fremden Backofens, ingleichen für das Recht, einen Bäck- oder andern Ofen zu halten , entrichtet wird. Offen, —er, —sie, welche Grade doch nur in der ztcn und /tcn figürlichen Bedeutung gebraucht werden, nckj, et. crckv. Es ist dem verschlossen und eingcschlossen, und, so fern cs als ein Nebenwort gebraucht wird, dem zu entgegen gesetzet. i. Eigentlich- anf Einer oder mehrern Seiteyuuit keinen körperlichen Einschränkungen versehen^ nicht cing,. schlossen, nicht zn- gemacht. Ein offener Helm, im Gegensätze eines geschlossenen. Ein offenes Glas, ein offener Topf, ein offenes Gefass, im Gegensätze eines zngedecktcn. Eine offene Thür, ein offenes Zensier, im Gegensätze so wohl eines verschlossenen, als auch eines znaemachten. Den Mund offen haben, ein offener Mund. Den A'mmcl offen sehen. Mit offnen Augen nicht sehen. Jemanden mit offenen Armen empfangen, mit Lusgebreiteten, und figürlich, mirfcöhlicherBereitwilligkeit. Mir Entzückung eil'ich in deine offncnArme, Geßn. Ein oben offener Spaziergang, im Gegensätze eines bedeckten. Ein offne? Schade, eine Oo L Murlbe Münde an dem Körper, welche nicht gcheilel werben kann oöck darf. Ein freies offenes Feld, welches durch keine Gegenstände eingeschlossen Ist. Ein offener Brief, der nicht versiegelt ist, daher denn offene Briefe, offene Befehle , im Mittlern Lat. jf-it- terae patentes, auch solche obrigkeitliche Befehle genannt werden, welche jedermann angehen. 2. In verschiedenen engernBedeutungen. Die Erde ist noch nicht offen, sagt man in der Landwirtschaft, wenn sie noch nicht aufgethauet, sondern durch den Frost gleichsam verschlossen ist. Man hat offenen Leib, wenn die Ausleerungen gehörig erfolgen, im Gegensätze des verstopften Leibes. Den Leib offen halten, dafür sorgen, daß die Ausleerungen gehörig erfolgen. In offener Rechnung mit jemanden stehen, in uneingeschränkter, d. i. daß jeder von dem andern so viel auf Rechnung bekommen kann als er will oder bedarf. Offene Lasse bey jemanden haben, so viel Geld von ihm bekommen können, als er will. Ein offener Wechsel, ein uneingeschränkter, der auf keine gewisse Summe gerichtet ist. Mein Haus stehet ihnen offen, ste können zu allen Zeiten ungehindert in dasselbe kommen. Z. Figürlich, i) Unbefestigt. Eine offene Stadt, ein offener Platz,-ein offener Ort, der mit keinen Festungswerken, mit keinen Mauern versehen ist. Ein überall offenes Land, wo der Eingang durch nichts erschweret wird. 2) Ein Lehen wird offen, in demLehenswefen, wenn es demLehensherren anheim fällt,wenn cs eröffnet wird. Ein offenes Lehen. Z) Die offeneZeit, im Gegensätze der geschlossenen, d. i. diejenige Zeit, da der Genuß oder Gebrauch eines Dinges einem jeden frey stehet; in der Land- wirtbfchaft, diejenige Zeit, da die Äcker, Wiesen und Wälder mit dem Viehe betrieben werden können. Das Vieh zu offnen Zeiten in das Gehölz treiben. 4) Für öffentlich; doch nur alsein Bey- wort. Etwas in offener Gant verkaufen, im Oberdeutsch-.», d. i. m öffentlicher Auction. Im Hochedutschen gebraucht man es nur noch in einigen Fällen. Auf offener Straße, auf öffentlicher. Offene Tafel halten, öffentlich speisen; ingleichen, jeden der mit» speisen will, mit zur Tafel ziehen. Einen offenen Laden haben, ' öffentlich verkaufen. 5) Ein offener Ropf, der etwas geschwinde und deutlich begreift. Einen offenen Ropf haben. Ingleichen eine Person, welche einen offenen Kopf hat. Er ist ein offener Ropf. 6) Das offene e, bey einigen Sprachlehrern, dasjenige e, welches wie ein a ausgesprochen wird, wie das erste e in geben, leben, Steg; weil der Mund dabey mehr geöffnet wird, als bey dessen Gegensätze dem geschlossenen, welches in den ersten Svlbcn .der Wörter gehen, stehen, das Lehen, Statt findet. Beyde Kunstwörter find nach denFranzöfischenKnnstwörtcrn e ouvert, und e terme gebildet. Andere Sprachlehrer nennen das offene e nicht so bestimmt das dunkle, und das geschlossene das Helle. Besser nennt man es das Liefe e, zum Unterschiede von dem hohen. 7) Eine offene Miene, ein offenes Gesicht, ein freyes, unverstelltes Gesicht,welches keincVerstellung, keineZurückhaltuug ver- räth. Ein offenes Herz, welches seine Gedanken und Empfindungen andern vertraulich bekannt macht. Du verdienest, daß ich mit offnem Herzen zu dir rede. Erscheint nicht mit offnem Herzen gehandelt zu haben. S. Offenheit. ' Änm. 1. Dieses Wort lautet schon bey dem Ottfried und Wil- leram offav, im Niederst apen, im Angelst open und ?ppe, im Engl. open, imDän. aaben und aabent, und im Schwed, oppsn, ^ppeu. Es stammet, vermittelst der adverbischen Endung —en, von auf her, welches in der Zusammensetzung mit Zeitwörtern noch für offen gebraucht wird. Astm. 2.Dieses auf macht zuweilen manchen DeutschenSchwie- rjgkeit, welche m einigen Fällen n cht wisse«, ob sic aufoder offey gebrauchen sollen, und daher bepde sehr oft mit einander verwechseln. Offen ist ein eigentliches Nebenwort, und kann als ein ssl« ches nicht mit einem Zeitworte zusammen gc-setzet werden; soll dieses geschehen, so muß dafür das Vorwort auf gebraucht werden, welches dagegen außer der Zusammensetzung nicht für offen gebraucht welchen kann. Gehöret nun das Wort unmittelbar als ein Theil der Zusammensi tzung zum Zeit Worte, so muß au s, im widn- gcnFallcaber offen gebrauchtwecden. Er ließ die Thür offen, ist unrichtig, weil das Zeitwort auflassen dafür üblich ist. So sagt man auch das Zensier steht Pis, das Thor bleibt die ganze Nacht auf, den Rasten aufmachen, sie hielt die Schürze auf u. s. s. Wohl-aber, den Himmel offen sehen, den Mund offen haben, u. s. f. weil aufsehen, aufhaben, in diesen Bedeutungen nicht üblich find. Alles dieß gilt nur, wenn auf und offen in der eigentlichen Bedentuilg üblich find, denn so bald sich eine Figur mit einmischt, muß offen stehen, es nuißte denn das mit auf zusammen gesetzte Zeitwort diese Figur hergebracht haben. Die Thür stehtauf; aber, mein Haus stehet ihnen zu allen Zeiten offen, zur Aufnahme bereit. Das Thor bleibt auf, aber unser Herz bleibt jedermann offen. Offen druckt schon im Positiv verschiedene Grade aus, oder vielmehr, eirr Ding kann nur auf Eine Art offen seyn, d. i. so bald die Flächen, welche es auf allen Seiten einschließcn, unterbrochen werden. Der Positiv druckt schon alle diese Grade allein aus, daher fallen derComparativ undSnperlativ, außer der Lten und /Len figürlichen Bedeutung, schon von sich selbst weg. Offenbar, — er, —ste, a6j. et ackv. -) Offen, auf allen Seite» durch nichts eingeschränkt; in welchem Verstände man eS «ur noch in dem Ausdrucke die offenbare Sec gebraucht, das hohe, dem Anblicke nach auf allen Seiten nnbcgränzte Meer. 2)*Bloß, unbedeckt; eine gleichfalls veraltctcBedcutungFn welcher man nur noch in einigen Gegenden, z. B. in der Lausitz, den Barfrost, d.i. -den ohne vorher gegangenen Schnee eintrctonden Frost, einen offenbaren Zrost zu neunen pflegt, z) Von jedermann dafür erkannt. Es ist eine offenbare Lüge. Die offenbare Wahrheit. Es ist offenbar, baß dieß schon mehrmahls geschehen ist. Lin offenbarer FeiiF, im Gegensätze eines heimlichen oder verborgenen Feindes. Ein offenbares Wunder. ^Offenbare Sünden, welche von jedermann für Sünden erkannt werben. Bep dem Menschen waltet offenbar ei» anderes Naturgesetz über die Succeffion seiner Ideen , Herd. 4) * Bekannt. Wenn dein Wort offenbar wird, so erfreuet es, Ps. 119, 'zo. vieler Herzen Gedanken wepdcn offenbar werden, Luc. 2, ZZ. Denn daßananweiß, daß Gott sey, ist ihnen offenbar, Röm. v 19. In dieser Bedeutung ist es imHochdeutschen größten Theils veraltet, ob es gleich noch hin und wieder in den Kanzclleyen gebraucht wird, wo auch offenkundig für offenbar vorkommt. Der Tha- ler ist noch nicht offenbar, noch nicht bekannt. Zl"nm. Bey dem Stryker schon vlksnbar, im Nieders.apenbar. Es ist von offen und bar zusammen gesetzet, von welchen auch ehedem jedes für sich allein für offenbar gebraucht wurde, daher die Zusammensetzung bloß um des mehrernNachdruckes willen geschehen zu seyn scheinet. Ja dem Isidor und bey dem Ottfried heißt offenbar beständig off'r-n. DerRegcl nach liegt der Ton aufder ersten Sylke als der Stammsylbe des Hauptwortes. Allein iu der nachdrücklichen Rede legt man ihn oft auf die Ableitungssylbe bar. Offenbaren, Verb. rs§. act. I. Bekannt machen. Der Herr lasset fein Heil verkündigen, vor den Völkern lasser er seine Gerechtigkeit offenbaren, Ps. 98, 2 ; und so in andern Stellen mehr. Es ist in dieser weitern Bedeutung im Hochdeutschen veraltet, außer daß man in der zurück kehrenden Form noch zuweilen im gemeinen Leben sagt, rs wird sich bald offenbaren , was an der Sache ist, es wird bald bekannt werden. Auch in der biblischen Schreibart Schreibart sagt Man noch, Gott habe sich im Reiche der VkattkV durch ftincWerke offenbaret, d.i. deiuMenschen bekannt gemacht. Man gebraucht es, 2, nur noch in zwcy enger» Bedeutungen. 1) Eine geheime, verborgene Sache Einem oder mehrern bekannt . machen; gleichfalls mit der dritten Endung der Person , und der vierten der Sache. Jemanden ein Geheimnis offenbaren. Einem sein äerz, ein Anliegen offenbaren. Sich einem offenbaren, ihm seine Heimlichkeiten, entdecken. Der Verbrecher har alles offenbaret, wofür doch entdecken üblicher ist. Dem Beichtvater seine Sünden offenbaren. Offenbare nicht eines andern Heimlichkeit, Sprich»'. 2Z, 9. Gleich wird sichs offenbaren^ Wer unter euch den Brau; mit Ehren trägt, Gell. s) In noch engerer und theologischer Bedeutung, übernatürliche Wahrhelt-m bekannt machen. In diesem Verstände hat Gott den Menschen den weg zur Seligkeit, die Heilsordnung gcoffcn- bartt. Geoffenbarte Wahrheiten, Pachten u. s. s. Siehe Offenbarung. Anni. Rieders, apenbaren, Schwed.uppendarÄ. Bey dem Ottfricd und Notker nur offenen, und selbst imThenerdanke noch offnem, wovon noch unser Eröffnen üblich ist. Die Weglassung des Augmenti ge, er hat es offenbaret, ist ein Fehler. ^Offenbarltch, —er,—ste, ucks. et acl v. welches im Hochdeutschen ganz fremd ist, aber noch mehrmahls in der Denlschen Bibel, für offenbar, bekannt, »»verhüllt, öffentlich, vorkommt. Die Offenbarung, plur. die— N, von dem Zeitworte offenbaren. 1. Die Handlung desDffenbarens. r) ^Überhaupt, eine jedeBekanntmachnng;in wclchemVerstande es außer der biblischen Schreibart veraltet ist. Wir gehen auch nicht mit Schalkheit um, sondern mit Offenbarung der Wahrheit, 2 Cor. 4, 2. Der Tag der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes, Röm. 2, z. 2) Zu engerer Bedeutung,'die Bekanntmachung einer verborgenen Sache. Man kann alles verlohnen, ausgenommen dicSchmach,. Verachtung, Offenbarung der Heimlichkeit und böse Tücke,. Sir. 22, 27. Z) Irr noch engerer theologischer Bedeutung, dieLekanntmachung übernatürlicher Wahrheiten von Gott. Manche Schwimmer rühmen sich noch jetzt,daß fle göttliche Offenbarungen haben oder bekommen. 2. Die bekannt gemachte Sache selbst , die gcoffenbarten Kenntnisse; wo es nur allein im theologischen Verstände üblich ist, bekannt gemachte vorher nnbekannteKenntnisse zu bezeichnen. DicOssenbaruntz Johannis, der ganze Umfang aller ihm geoffenbarten Dinge, und das Buch, worin sie ausgezeichnet sind , welches in den altern Übersetzungen vor Luthern das Buch derTugenheit heißt, d. i. der Verborgenheit, vontugen, verborgen. Besonders die bekannt gemachtenWahrheiten vonGott und unsermVerhältttlsse gegen ihn, und deren ganzer Umfang. Die allgemeinere oder entferntere Offenbarung, die aus dem Daseyn und Zusammenhänge aller natüclrchenDinge bekannten Wahrheiten von Gott; imGegcnsatze der nähernOffenbarnngGsttes, der durch die veranstalteteVer- söhnung von ihm bekannt gewordenenWahrheiteu. Zu der engsten Bedeutung ist die nähere Offenbarung, die durch symbolische Erkenntiüßzcichen geschehene Bekanntmachung der nöthigenHeils- wahrheitcn, da denn in weiterm Verstände auch wohl die ganze heil.Schcift,ob sie gleich nicht lauter geoffenbarteWahrheiten enthält, die göttliche Offenbarung, oder die Offenbarung schlechthin genannt wird. Bey dem Notker nur OffenunZa , Öffnung. Dü-Offenheit, plur. inul. von offen Z. 7), die Eigenschaft, da man offen, d. i. frey, ohne Zurückhaltung und Verstellung ist. Offenherzig-,—er,—sie, s6j. et ack v. ein offenes Herz habend, i>. i. serireGedanken undEmpstndungen andern ohneZurückhaltung entdeckend, und in dieser Eigenschaft gegründet. Lin offenher^- ger Mensch. Sie sind sehr offenherzig, da sie mir auch ihre Thorhelten nicht verschweigen. Gegen jemanden offenherzig seyn. Ein offenherziges Bckenntniß ablegen. Du gehst nicht offenherzig mit mir um. In engerer Bedeutung ist man osftn- herzrg, wenn man einem andern alle heilsameNachrichten aufdaS möglichste entdeckt. Die Offenherzigkeit, plur. inust. die Eigenschaft, da man offenherzig ist. *Offenkünöig, —er, —sie, uckj. etackv. welches nur im Oberdeutschen für jedermann bekannt, notorisch, üblich ist. Eine offenkundige Sache. Daher die Offenkundigkeit. Das Offensiück, des—cs, xiur. die—e, Key den Gärtnern, eine Art Luststücke, wo man vermittelst der Gänge zwischen den Feldern überall frey ein - und ausgehen kann / ohne überznschreft ten; Franz, kurtsrre 6e kieces eou^ees, eigentlich ein offenes Stuck. Dffentltch, —er, —sie , aäj. et uckv. 1) Was vor allen Leuten, vor jedermann ist und geschiehct; imGegcnsatze des geheim oder verborgen. Sich nicht öffentlich sehen lassen. Eine öffentliche Buße. Öffentliche Sunden, öffentliche Schande. Öffentlich beschimpft werden, öffentlich speisen. Ein öffentliches zftS^rniß. Sich öffentlich hören lassen. Man spricht öffentlich davon. Der öffentliche Gottesdienst , wo jedem der Zutritt verstattet, jeder durch das Geläut der Glocken dazu eingc- laden, und jede gottesdicnstlicheHandlung vor jedermann verrichtet wird; im Gegensätze des Privat-Gottcsdicnstes »>nd Zausgottesdienstes. Öffentlich (vor den Leuten) spielten sic die Rolle der Gleichgültigkeit sehr glücklich. 2) Zu jedermanns Gebrauche bestimmt. Ein öffentlicher Ort. Auf öffentlichen Gaffen. Auf öffentlichem Markte, öffentliche Gebäude. Ein öffentliches wirthshans. z) In engrrm Verstände, eine große bürgerliche Gesellschaft betreffend. Ein öffentliches Amt. Öffentliche verbrechen, welche wider das Band des Landesherren und der Uillrrthanen begangen werden. Anm. Im Oberdeutschen öffentlich. Es ist aus offen und lich zusammen gesetzct, und lautet daher im Kero, Isidor, und selbst noch bcy denSchwäbischen Dichtern, öffanlüff, offenliff. Das r ist das t puphonicum, welches dem n in mehrern Wörtern nachschleicht, (S. vl und T.) Im Oberdeutschen wurde es ehedem auch sehr häufig für offenbar gebraucht, so wie Ottfried für öffentlich nur offeer, offen, hat. Die Öffentlichkeit, xlur. inul. die Eigenschaft einer Sache, da sie öffentlich ist, oder geschjchet, in allen Bedeutungen dieses Wortes. ^ Der Offciäl, des — es, xlur.die—e, aus dem Mittlern Lat. OfficMIis, in der Römischen Kirche, der Borges tzte eines geistlichen Gerichtes, welcher in einem geistlichen Gerichte imNahrnen des Bischofts den Vorsitz hat, und dessen Stelle vertritt. Daher das Offcialäk, dessen Amt und Wurde. Das Offie alat- Gericht, ein geistliches bischöfliches Gericht, dessen Stelle bep den Protestanten die Tonststorien oder Rirchenräthe vcrtrctcsi. Die Ossiciale und ihre Gerichte kamen ungefähr imi2ten und izten Jahrhnitderte anstatt der Archi-Diaconen und ihrer Gerichte ans, welche sich durch ihre Ausschweifungen, Härte, und Gierigkeit bcy jedermann verhaßt gemacht hatten. Der Offciünt, —en, plur. die—en, ans dem Mittlern Lat. offieians, ein jeder, welcher ein öffentliches Amt geringerer Art bekleidet, ein Unterbedienter, welcher den Beamten hilft oder an die Hand gehet. Die Officianten ans der Buchhalnrep. Die Miinz-Officianten. Zuweilen werden auch wohl die Arbeiter einer Officin Officianten genannt. An den Höfen sind die Oo z Officianten I F87 -Off Officianten Hofbebicnten geringer Art, welche keine Livree tragen. Der Officrer, des —s, plur. ut vom. Kux. sehr häufig auch die—s, aus dem Franz. Officier , aber mit Deutscher Aussprache. i) Ein jeder, welcher ein Amt, besonders ein öffentliches Amt bekleidest in welchcrnVerstaude auch dasFranz.OMcier gebraucht wird. Zm Deutschen ist cs iu dieser weitern Bedeutung nur in einigen OberdeutscheuGegeuden üblich. Rait-Officicr find imDfierreichischcn dieDeamtcu der kaiserl.köttigl.Cameral-Haupt- Buchhalterey. Das Kriegszahlamt zu Wjen bestehet aus einem Kriegszahlmeister und verschiedenen Officiercn. Das oberste Schiffamt zu Wien hat einen adeligen Schiffamtsobcrsteu und einen Amrs - Officier. Das kaiscrl. königl. Waldamt in Niedcr- Dsterreich hat einen adeligeuWaldmeister, eluen Waldschaffer und verschiedene Waldamtö - Officier. Wo cs zuweilen auch wie Offlciantnurdie Schreiber,Kanzcllisteiz und andereUnterbeamt-.n zu bezeichnen scheinet. Hingegen werden in Mähren der oberste Landkämmecer, der oberste Landrichter und der oberste Landschrei- ber, die drey obersten Land - Offstierer (Officier) genannt. 2) Zu engerer und im Hochdeutschen gewöhnlicherer Bedeutung werden nur die Beamten oder Befehlshaber bey den Soldaten Officier genannt. Unter-Officier, die erste Staffel der Officier' nach den Gemeinen; zum Unterschiede von den Ober-Officieren, welche auch nur Officier schlechthin genannt werden, und wozu die Fähnriche, Lieutenants und Capitäns itnd Rittmeister gehören. Die Stabs - Offizier, die Hähern Officier von dem Major an? Die Offiern, plur. die—en, aus demLat. OU'lcinÄ, eine Werkstätte, der Oet, wo gewisse Arbeiten in Menge verfertiget werden. Man gebrauchtes gemeiniglich von Fabriken, MaNufacturen und andern Örtern, für welche man das Wort wcrkstatre für zu niedrig und handwerksmäßig hält. Die Officin eines Buchdruckers. Auch die Apotheken werden zuweilen Officinen genannt; daher officinell, in den Apotheken gangbar oder gebräuchlich. Offrri- nclleRrauter, bereu mau sich in der Medicin bedienet. Offnen, verb^reZ. sct. offen machen, d. i. aufmachen, machen, daß andere Dinge freyen Aus-oder Zugang zu einem cingcschlossc- nen Raume bekommen. ».Eigentlich, wo dieses Wort von einem weiten Umfange der Bedeutung ist, und alle die besonder» Arten unter sich begreift, wodurch andern Dingen der Zugang zu einem eiugefchtoffenen oder verschlossenen Raume verschaffet wird, und welche man sonst durch aufmachen, austhun, aufschließen, auffchneideu, aufgrabcn, aufbrechcn u. s. s. ausdruckt. Zugleich ist es edler als die meistert dieser Zeitwörter, und wird daher vornehmlich irr der edlen und austäudigen Schreibart gebraucht. Eine Bouteille öffnen, durch Auszichuug des Stöpsels. Die Thur öffnen, so wohl durch Ausschließung des Schlosses, als auch indem man sie anfsperret. Die Fenster offnen. Einen Brief öffnen, ihn aufsiegelu. Ein packet offnen, es aufbinden, aufschueidcn, aufbrechen. Die Augen öffnen, ste.aufmachen, aufthuu, aufschlageu. Lin Grab offnen, durch Wegnehmuug der Bedeckung; ingleicheu es machen, verfertigen. Die Laufgra ben öffnen, sie durch Graben verfertigen. Ein Buch öffnen, es aufschlagen, aufmachen. Jemanden eine Ader öffnen, ihm die Ader schlagen. Ein Geschwür offnen, es ausschneiden, aufmachen. Einen tobten Rorpcr offnen , ihn aufsch neidest. Ein Schloß offnen, es aufschließen» Der Himmel öffnet sich „ thur sich auf. Die Erbe öffnet fich, wenu.fie sich auschut, d. i. einen beträchtlichen Riß bekommt. Irr einem andern Verstände öffnet sich dic Erde im Frübliuge nach dem Froste, wenn die Dünste und fruchtbaren Ausflüsse ungehindert aus derselben aufsteigeu können. Die Blume öffnet sich, wenn sie fich ausschließt, weiß onb unschuldig wie bic Lille,, Oft L88 wcM sie am Morgenroch sich öffnet, Geßn. Den Leib offnen, den Ausleerungen der« nöchigcn ungehinderten Ausgang verschaffen. 2. Figürlich, r) Den freyen Zugang zu etwas , den freyen Geuuß, Gebrauch einer Sache verschaffen und verstärken. Die Stadt öffnete dem sjberwinber dieThore, ließ ihr, ungehindert einzieheu. Die Magazine öffnen,das darin befindiicheGetreide, jedem der es braucht, verkaufen. Das Feld, die Wiese, einen Wals offnen, Erlaubniß ertheilen, sie mit dem Viche zn betreiben, (S. Offen.) Das bescheidene Verdienst öffnet sich den Zutritt bey den Hohen und Niedrigen zugleich, Gell. Sich durch Ungestüm und wueh die Bahn der Ungebundenheit öffnen, rbeud. Welches Feld von Tugenden öffnet nicht bloß die gemeinschaftliche Erziehung ihrer Rinder! ebcnd. Ihm 'öffnete sein hoher Stand ihr Haus, ebend. 2. Jemanden sein Her; öffnen, ihm dasselbe entdecken, ihm seine Gedanke» und Empfindungen bekannt machen. Da sie mir ihr Herz so weit geöffnet haben, so sehen sie mich nunmehr vollends als ihren vertrauten an, Weiße. Rein einziger öffnete mir sein Herz, Dnsch. O, wieweit hätte mir das alles mein Herz öffnen können! entdecken, z) Jemanden die Augen öffnen, ihm Einsicht ,md Erkenntnis verschaffen, in der Deutschen Bibel Luc. 24, 4L, ihm das verständniß öffnen. Die Schrift offnen, erkläre»; nurin der Deutschen Bibel, Luc. 24, 4§. Ehedem wurde es in noch weiterer Bedeutung für beweisen, offenbaren, ja für erzählen und bekannt machen überhaupt gebraucht. Anni. Schon im Isidor, sogar in der setzten figürlichen Bedeutung otsollon, bey dem Ottfried und Willeram otkeoen, im Angels, opeoiau, im Niederst apenen, im Schweb, öpaa. Es ist von dem Nebenworte offen, vermittelst der Endung desJnfini- tivcs—en gebildet; öffnen für offenen. Der Offner, des—s, plur. nt 00m. linA. Key den Seidenwe- bern, ein grober Kamm von knöchernen oder elfenbeinernen Zähnen, vermittelst dessen die Kette üufgebänmet wird. Auch bei) andern Webern führet der Riedkamm diesen Nahmen. Im gemeine» Leben lautet dieses Wort auch Afner, Affner; indessen scheinet es doch voll offnen abzustammen. Die Öffnung, plur. die—en, so wohl di e Handlung des-Öffnens, ohne Plural, als auch der geöffnete Ort selbst. In der ersten Bedeutung der Handlung ist es in allen Fällen des Zeitwortes üblich. Die (ffffnung der Thiir, eines Briefes, der Augen u. s. f. Ingleicheu der.Zustand,da mau offenen Leibes ist. Öffnung haben, bekommen. Reine Öffnung haben, verstopft seyn. In der Bedeutung eines geöffneten Ortes ist es in der edlen und anständi- genSprechart von eben so weitem Umfange als dasZeitwort selbst, indem es jeden Ort bedeutet, durch welchen der freye Z»- oder Ausgang zu oder aus einem eiugeschlosseneu oder verschlossene» Raume v erstattet wird, welchen mau im gemeinen Leben ei» Loch nennet. Eine Öffnung in ein Geschwür machen. Die Öffnung in der Bonteille u. s. s. NStkcr gebraucht OllelltM- xa in der veralteten Bedeutung der Offenbarung. Das Offnunysrecht, des —cs, plur. die—e, das Rechst nach welchem der Besitzer eines Schlosses gehalten ist , dasselbe de.m Lehensherren zn allen Zeiten, oder auch nur in einigen Fällen zu öffnen, d. i. ihm den freyen Zugang zu demselben zu verstauen; Ius aperturne. Oft, oster, am öftesten, acl v. 1) Mehr als Eiu Mahl, ohne den Nebenbegriff der Vielheit; mehrmahls. Ein gutes Wort richtet oft mehr aus, als eiu böses. Man sagt ofteinWorst welches man nicht so meinet. Besonders mieden Partikeln wie und so. Wie oft? Autw. Nur Ein Mahl, zwey Mahl, drey' Mahl u..s. f. Erinnere ihn daran, so oft -u chn stehest. Ich F89 D ft siche ihn öfter als du, Tajus aber am öftesten. Eine Übermaße von Freude verursacht de,i Tod öfter als man wohl denkt. 2) In engerer Bedeut,mg, mit dem Ncbenbegriffe der Vielheit, vielmahls. Unverhoft kommt oft. Ich Hase es dir schon oft gesagt. Es gcschreher oft, daß man nicht weiß rvas man sagt. Schreibe mir fein oft. Das habe ich schon oft gehöret. Ich habe dich oft genug gewavnet. Nicht oft. Gar oft, sehr oft. Mehr als zu oft, sehr oft. Das geschre- hct nur mehr als zu oft. Ich habe dir es schon so oft gesagt, sehroft. wieoft habe ich zu dir h m g e seufz et? Dusch. Denn oft, wenn wir im Schatten bey der Herde sitzen, dann reden wir von dir, Geßn. wer oft schwöret, sündiget oft, Sir. -z, 12. Anm. Schon im Isidor, bey dem Kcro, Ottfried u. s.f. ofto, bey den Nlpbilas uftu, im Angels. und Island, oft, im Dän. und Echwed. oste, oftu, im Engl. vftea. Es ist aller Anschein vorhanden, daß es mit dem Angels. und Enal, skr, dem Göth. uftra, dem Island, uptur, und dem Griech. «ch- und owAts, wiederum, «ochmahls, zu dem Geschlecht«: des un Hochdeuljchen veralteten aber, wiederum, gehöret. Das Lat. laspe, unterscheidet sich von der Stammsylbe ab of, bloß durch den zufälligen Zischmut. Ehedem war es auch als ein Beywort üblich, wofür im Taiia» oftiZL vorkommt. Start des Bevwortes gebrauchen wir fest das folgende öfter und oftmahlig. Der Superlativ am öftesten, und in einigen Gegenden zum öftesten, ist analogisch völlig richtig, er wird aber doch im gemeinen Leben öfter gebraucht, als in der edlen Schreibart. Ester, ustj. et nstv. von dem vorigen Nebenworte, in dessen ersten Bedeutung, mehrmalig, mehr. Die Belagerten rhaten öftere Ausfälle, mehrmahligc. Ls wurdest" öftere Schlachten geliefert, mehrere, verschiedene. Der öftere Gebrauch de« Abendmahles. Zum oftern, mehrmahls. In- gleichen als ein Nebenwort. Den Menschen habe ich schon öfter gesehen, mehrmahls. Ich habe den Brief öfter durcy- gelesen, mehr als Ein Mahl; wo es nichl der Cmrrparativ von oft ist. (S. Afters.) In der zweyten Bedeutung des Wortes oft, für vielmahls, ist oftmahlig üblich. Anm. Die meisten Sprachlehrer halten dieses Beywort für den komparativ von dem vorigen oft. AÄein es ist eben so gut ein eigenes Beyworr als ober, nieder, außer, hinter, vorder, sauer u.s.f. weil wir eine eigene Ableikungssylbe —erhaben, welche Beywörter bildet, besonders ans solchen Nebenwörtern, welche nicht als Adjecrive gebraucht werden können, wie außen, oben, unten, hinten, oft. Der Comparativ ist uni des Wohlklanges willen wenig üblich, aber der Superlativ öfterste kommt in der vertraulichen Sprechart oft genug vor, besonders als ein Nebenwort, am öftersten , zum öftersten, für das minder übliche am öftesten, zum öftesten. D eser Suoerlativ könnte nicht Statt finden, wenn öfter der Comvarativ wäre, weil die Beywörtcr das r des Comparattvs im Superlative wieder weg- werftn. S. Hinter. Afters, ustv. von dem vorigen Beyworte, welches füpDfter, mchr- wahls, mehr als Ein Mahl, nur im gemeinen Leven üblich ist. Man spricht öfters erwas, was mail nichtffo meint. Ich habe dich schon öfters gesehen, wie öfters,-für wie oft-, ist im Hochdeutschen ungangbar. --'s ' U, v Und wre öfters bläht die hohe Dame Nichts als ibr Nähmek Zach. D 'tmcrhsjF, Zc>j. von dem Nedcnworre oft in Hessen zweiten Ve- dertaüg, was oft oder vii lmabls ist oder geschehet; vielmahlig. I re oftmabligen Zusammerikiinfte. Die oftmahlige Wieder- Höhlung, Meine oftmahlrgen Schre-den.^ Ohl Z90 ONebenwort des vongenBeyivorLes, für oft, in deft ftn zwevtcn Bedeutung; im gemeinen Leben auch oftmahlen ruid ö'ftermahlö. Ich habe es ihm schon sftmahls 'gesagt, schon oft. Er errettete sie oftmabls, Ps. 106^ 4z. So wohl hieß als das vorige, werden in der edlen Schreibart gern vermieden, außer daß die Dichter sie zutveilcn um des Sylbenmaßes willen gebrauchen. , - Vernunft, zu sftmahls sklavisch, ergriff jetzt die Partex Der machtigern Begierden, Dusch. Oh '- S. 1 O. Der Oheim, zusammen gezogen der Ohm, des —es, plur. hie —e, Fämin. die Oheime, zusammen gezogen die Ohme, xlur. die —n, des Vaters oder der Mutter Bruder, und im Fämin. des Vaters oder der Mutter Schwester. Cs ist in den gemeinen SprecharrenOber- und Nieder : Demschlandes am üblichsten, kommt aber a,ich in der Kanzellevsprache vor, wo derKar- ser die weltlichen Churfursten, so wie die meisten altfürsilichen, Oheim zu nennen pflegt; vermnthlich so fern dieses Wort ehedem, wie aus dem Frisch erhellet, auch des Bruders und der Schwester Kinderz« bezeichnen pflegte, wofür jetzt die Wörter Neffe und Nichte üblicher find, so daß die Neffen und Nichten sowohl ihrer Altern Geschwister, als auch diese jene Oheim nannten. Im Bremischen wird des Bruders oder der Schwester Kind Noch» jetzt auf dem Lande Ahm und Abme genannt. Der Großoheim oder Großohm, des Vaters oder der Muter Oheim. Das weibliche Oheime und Ohme scheint seltener gebraucht zu werden ; in» dessen kommt es doch Amos 6, 10 für Muhme vor: ein jeglicher muß semeObme nkhmen. Anm. In dem alten Fragmente auf Carln den Große» Ossein, in Schwaben und der Schweiz noch jetzt Ohan, Ohen, Ohein, im Niederst Ohm, im Diminnt. Ahmkcn, Abmke, im Angels. h um. In dem alten AuaSburg. Stadtcechre bey dem Schilter heißtrs: HVer stie frunl lien, stie erusu Ler ecsst brrnAen muoen. Ons lullen ssv stss tnannes varer uncl llo mutter, viji» ririll essinst,ssrucier uncl ftveüer, ssruster essiusts uost frveller c ssivste, vettern unst vetterncssinste, össun uost össan 'cssinst.^Vusen unt Blumen unch iro cssinste. Frisch ließ cs, freylich gezwungen genug, von dem Latein. vun- eulns abstammen. Weit wahrscheinlicher ist es, daß es mit dem alrcn Amme, Mutter, A!>n,und, so fern es auch einen Neffen bedeutet, mit Enkel und Enke verwandt ist, und überhaupt einen nahen Verwandten bedeutet, so wie Muhme und Mamma, Mutter, auf gleiche Art verwandt sind. Schon im Arab. bedeutet dem Bremisch Niederst Wörterbuche z,l Folge, einen Vaterdrnder- In de« Münzen werde« an einigen Orten noch die zünftigen Arbeiter Ohme oder Ohmen, und ihre Zunft oder Gesellschaft die Ohmschaft, Ayenschaft^genannt; woraus denn erhellet, daß es auch in weiterer Bedeutung von einem jeden Verbundenen, in Gesellschaft uudGemeiuschaft stehenden gebraucht worden. Das Ahlches—es, plu r. doch nur von rnehrern Arten undOuan- tilären, die—e. ein von sich selbst flüssiges Fett, ein fetter flüssiger Körper, welcher sich imWasscr gar nicht oder doch nur wenig auslöftu lajff't, mit einer von Rauch und Ruß begleiteten Flamme brenne:, und nach der Destillation eine kohiichte Substanz zurück lasset. > - Eigentlich. Ans einem Rorper das AK! destilliren. Das Ab! aus den fruchten pressen. Ahl schlagen, es durch Stau-lpieu aus den Samen heraus bringen. Mesentlüchcs Ahl, welches den Geruch derjenigen vegetabilischen Substanz, aus welcher es gezogen worden, bat, wie Nclkenohl, Zimmteh! u. s. f. Brennliches Ahl, ein jedes Ohl, welches durch die Destillation bey einem Gcadel)cr Wärme erhalten worden,welcher über den Grad der Wärme des siedenden Wassers gehet,-und daher anae- brüim§ F9» Ohl -rannt riecht und schmeckt; empyrevmatr'sches Hhl. fl^,hl brek- nen, in der Lampe. Ödl in das Feuer giesten oder schulten, figürlich, eine j de Leidenschaft noch heftiger macken. In enger r Bedeulung pflegt man diejenige Art des Öhlcs, deren man sich in Zerrissen Fallen am häufigsten bedienet, nurOhl schlechthin zu nennen. Sv ist unter (s-hl"«der Deutschen Bibel beständig Baum: -hl zu verstehen, (S. die folgenden Zusammenfttznugen,) und in -er Hauswirthschast pflegt mau das Lein - und Nübsenöht, dessen man sich zum Brennen in drn Hauslampen bedienet, n- r chhl schlechthin zu nennen. Las Ah! der Rupferdrucker ist N-r.ßöhl, und das chchl der Mahler reii.öhl, (S. gchjflrniK.) 2) Flgnrlich werden gewisse durch die Kunst bereitete flüssige Körper, wegen einer ähnlichen Consistenz, zuweilen Oyle genannt, dah N das Arseniks!)!, weinsteinöhl, vitriolohl, Riipscrshl u.s. s. gehören, S. diese Wörter. Anm. Schon im Isidor Ole, bcy dem Oltfried Oli, im N ederf. Ö je, bcy dem Ulphilas Hiev, im Schwed. Olj-i, im Aiigets. ZLle, im Engl. Oil, im Böhm. OleZ, im Krainerischen V ojis, im Pohln. Oie)?, im Fran;, liuile, irwJtal. OZIio, iin Latein. O'.eum , im Griech. »x«iov, selbst in Paragonien Oli, und ans den Cocos - Inseln Kolo. Jhrelässetcs von dem alten noch Schwed. Lila, siere, abstammen, weil cS dem Feuer Nahrung gibt, oder auch von u!a, anzünden, und dem alten INcl, Helci, Feuer. Allem es scheinet auch ohne diese Eigenschaft eine» jeden flüssigen, besonders dicklichen Körper bezeichn t zu haben; daher ist .'m Angels. Lsln, mr Engl. Hie, im Schweb. Oel, .m Island. Hui, im Lettischen Hiiun, im Esthnisch-n Olei, Oei- ju t, und in einigen Njedersächsischen GeMrden stshl, Bi. r, womit auch das Griech. vl-Xsel bey dem Enflalh.rus überein kommt. In den nördlichen Mnicharten ist Elbe, Llf. ein Fluß, und sogar ^ im Patagonrschen bedeutet Oli das Waffew Gottsched hatte den sonderbarenElnfatl, dieses Wort ohne h Del oder chd! zu schreiben, bloß weil das Lat. Oleum, wovon er es ableitcie, kein h hat. Die Ableitung war sehr nngegründ.tt; gleich als wenn das ganze nördliche Europa nicht eher ein flüssiges Fett, oder einen flüssigen Körper überhaupt hätte benennen können, als bis es solches erst von denRömern lernen müssen. Hätte es aber auch mir der Abstammung seine Nichtigkeit, so wäre es doch billig, daß ein Wort, welches durch Wegwersung derEndsylchen und durch Veränderung des Selbstlautes ein ganz Deutsches Ans, hem bekommen, sich auch in der Schreibart bequemer, welche vor den flüssigen Buchstaben einherfordert, S.H. Das (Ahlbällchrn, des—s, plur. M nom.linZ. bey den Kupfer- drnckcrn, ein kleiner Ballen, womit die Kupfcrplatten abgewischet werden; das Filzbällchen. Der jMlbaumches — es, die — bäume^derjenigeBaum, ans dessen Beeren das Banmöhl gepressct wird ; Olea k. bey einigen, aber sehr undentsch, D iven - Baum. Und warum floh der seid igr stillen Schatten zu. Und wählte für den Streit des Ohlbäums trage Ruh 2 , -ch-'chchchchch ck. . Weiße ; weil her Öhlbanm schon seit den ältesten Zeiten ein Sinnbild des Friedens ist Er ist in dem wärmern Asien einheimisch, von da er nach Griechenland, von da, um das Jahr 690 der Stadt Nom, nach Italien, und von da endlich nach Frankreich und Spanien gebracht worden. Or>'wilde Öhlbarnn, oder Böhmische hl- baum wächst in Böhmen, Spanien und Syrien; LlLSL^nus k. Er-wieo in der Lausitz Ohlbcerbanm genannt, und Hac den Nahmen nur wegen der Ähnlichkeit der Fi üchre, so wie der Le- bensbaum, welcher von einigen gleichfalls wilder Ohlbaum genannt wird. BcydcmOttfcred Olüoo um, bey dem Noklrr Oiebou.ch. O h l As Hhllräumen, s6j. et Läv. von dem Öhlbaume Hcrkommend. Ohlbanmenes äolz. Jngleichen aus diesem Holze bereuet. Der «xchlbeerblMM, des—cs, plur. die — bäume, S. chchl- banm. Die zphlbeere, plur.die — n, die Beeren des Öhlbanmcs, welche man gemeiniglich mit einem ausländischen Nahmen Oliven zu nennen pflegt, S. dieses Wort. Der Oelberg, des — es, plur. die — e, ein mit Öhlbänmm bewachsener Berg ; besonders in engerer Bedeutung und als ein eigenchirmlicher Nähme eines vor der ehemahligen Stadt Jerusalem beflttdlichenDcrges, welcher durch dieLeidensgeschichteChrisii bckanntgeworden ist. In her Deutschen Bibel kommt cs auch als, ein allgemeiner Nähme mchrmahls vor. Ohlbcrge, die du nicht gepflanzet hast, 5 Mos. 6, Bcy demOufried OtiberZ. Dtro(j)hlbtlH, — es, piur. die — er, ein mit Öhlfarben gcmechltesBild. S. Ohlfarbe. Die fl)h!blcrse, plur. die n, eine kupferne Blase, worin die Mahler das Leinöhl, Nnßöhl u. s. s. zu Firniß, die Kupferdrucker aber chre Schwärze aus Nnßöhl kochen; die Firmstblasttt Das (phlblatt, des—es, piur. die — blättcr, ein Blatt von dem Öhlbaume. Das ch>hlblau, kubst. inckecliv.bey den Mahlern, ein Nähme der besten Schmälte, weil sie auch mit einem Öhlfirniß aufgetta- gen werden kann. Dre chzhldrüsen, tinZ. inuk. die Hefeir, der dicke-Bodensatz des Öhles, nno besonders des Banw.öhles; die Ohlhefen. Jngleichen das Überbleibsel von den Öhlbeeren oderOliven, nach ansgepreßtem Ohle ; im gemeinen Leben die Ohltricstern. Ley dein Notker O-ItruvliN. S. die Drusen.' ÖhkoTt, verb. re^. not. mitÖhl versehen. Len Salat chlen, Baumöhl daraus khim; doch nur im Oberdeutschen. Geohltcs Vroi, mit Öhl bestrichenes oder in Ohl gebackenes Brot, ^Mos. 8, 26. Am häufigsten gebraucht man es noch, für mir Ohl bestreichen, mitÖhl tränken. Geohitcs Papier, welches aufbeyde» Seiten mit Tttpcnthin- Öhl bestrichen worden. Lin Schisst e n- ohlen oder ohlen, es mit Öhl schmieren. Ehedem gebrauchte man cs auch für mir Öhl salben, daher noch die letzte Ohlnng in der Römischen Kirche üblich ist, wo es die sacrameutuche Salbung eines in den letzten Zügen liegenden Krackten mir dem genecheten Öhie bedeutet. Die (phlfarhe, pl ur. die — N, eine Farbe, welche mit Leinöhl, Naßöbloder Mohnöhl, oder auch nur einem daraus gesottenem Firnisse ansgeiragen worden oder aufgeiragen werden kann; im Gegensätze der Wasserfarben. Mrt chchlsärrben mahlen, mit Farben, welche m-t Öhlangisscnchtel sind. S. chhimahlcrep. Der ch)hlflecken, des — s, jcknr. ut nom. trug, ein von Öhl verursachter Flecken. Der (Hhltzsirten, des—s, —gärten, er» Garten oder eingeschlossener Ort, welche- mit Öhlbäumon bepflanzt ist. In der Deutschen Bibel kommt cs mchrmahls vor. Der chMsö'tze, des—n, p kr r.,'die—n, eine figürliche Benennung eines dummen und trägen, uüthätigcn, unwirksamen Menschen. Es ist ein rechter (j',hlgstz, in den alten Deutschen Sprichwörtern. Anders denn -Lapen gekleidet seyn , mag cürm Elcistner und Ohlgötz-'n machen, aber nicht einen Christen, Luther bey dem Frisch. In Mkm'ensdü riptor.'LH. 2. S- - auch bey demFrisch, irird derSächflscheAögott Credo ein ^ihlgätz genannt. Die Anspielung ist so klar noch nicht. Frisch erklärtt es sehr wahoscheinüch durch ein Götzenbild, welches man ehedem risit Öhl zu sal.ben siegte. S. I. I. Bcllermann über die alte Sitte Steine zu salben Erf. » 798 , 4 . Daher nennet man noch im Hennröergischen einen mit Öhl brttriefre:-r Pfosten, woran man die O ' M -, - Lhn Z§4 V dessen häufigen Samen ein nutzbares Dhl gepressrt werden kann; kupkunusOkinönlis arnn-'us oleikerus L>. Er ist in China ^„lvrrgv .n - . ...— , » ..- einheimifch, und >st erst :n den neuern Znren von Herrn Eckeberg auf man denn einen jeden aus Dum ,-h ic trägen Menschen einen nach Schweden gebracht worden, wo er mir Nutzen gebauet wird- - , götzen genannt. Wäre diese Erklärung die wahre, so würde Bey einigenSchriflstellern wird crLhinesisch.sHlsamcn genannt, düser Ausdruck die Ableitung des Wortes Götz, von giessen, Das (Hhlrökchen, des —L, plur. ul. norn. 1in§. in einige.» »iareo, ein gegossenes und in weiterer Bedeutung ein geschnitztes Gegenden ein Nähme der Christnmrz oder schwarzen Niese» - Bild, bestätigen. S. Götze.- - Wurz; N. lleborus niZer l.. Der Osslhu del, des—s, plur. iuuf. der Handel mit chhl. Der chhlsemro, des — n, plur. die —n, S. chchlrettig. Dass r der Oh'chLndier,Fämin. die (Lchlhändle^.n, einePerson, Der (Mschläyer, des — s, plur. nt vom. ünZ. derÖhlmül-. welche mit Öhl oderOhlen handelt; un Österreichischen ein (pH- lcr, ingleichen derjenige Mühlknappe, welcher das Schlagen des ler, eine Ohlcrlnn. Öhles in einer Öhlmühle besorgt. Die Mlhefen, linZ. inuf. die Hefen von dem Öhle, besonders Der chhlstem, des — es, plur. die— e. i)Lin feiner Wetzstein, von dem Baumöhle. S. (phldrusen. welcher im Wetzen mit Öhl befeuchtet werden muss 2) In Tirol MUcht, u6j. et nckv. dein Öhle ähnlich, eine dem Öhle ähnliche ist es ein mit Erdöhl durchdrungener Stinkstein, aus welchem man 'Fertigkeit enthaltend. Das chlichte Wesen mancher Früchte, /das Dürschenohldestillirt, welches von seinem Erfinder Dürsch Gewächse u. s. s. Ohlarrig, Nieoers, öljchaftig. den Nahmerrhat. Adlig, n ij. st ackv. Öhl enthaltend, mit Öhl vermengt. der Die chbltonne, plur. die— N, eine zum Ohle bestimmte Tottne, Salat ist zu öhlig, wenn sich zu viel Baumöhl daran befindet. Öhl darin zn verwahren. Die (Mkelter, plur. die —n, eine Kelter, in welcher das Öhl Die chssltrotte, plur. die —n, eine im Oberdeutschen übliche Be- aus den Öhlbeeren gekeltert wird. nennung einerÖhlkelter, zuweilen auch einerÖhlmuhle,S.Trotte. *Das (Hhb^ittd, des —es, plur. die — er, ein ungewöhnliches Die (Hblrmy. plur. iuul. S. rphlen. nur in der Deutschen Bibel befindliches Wort, einen Gesalbten Der chhlzuEer, des — s, plur. inuf. in den Apotheken, rin mir zu bezeichnen. So werden Zach. 4, - 4 der Fürst S-rubabcl, und Zucker vermischtes Öhl, um das letztere durch dieses Mittel in der Hohevriester Josua chihlkinder genannt. wässerige Feuchtigkeiten zu vertheilen. Der (jMkitt, des — es, plur. doch nur von Mehrern Arten, Der (phlzweiy, des — es, plur. die — e, ein Zweig von einem Lie—-e, bey den Stsinmetzen, ein aus Glas, Eisenschlacken, Öhlbaume; ein altes Sinnbild des Friedens und der ruhiges Ziegelmeble, gelöschtem Kalke und Leinöhle verfertigter Kitt. Freude. Ju dem alten Gedichte auf den heil. Aun» Olrrui. Der Ohlkruy. des —es, pluo. die — keügc^ ein Krug zum i. Der Ohm, S. Oheim. Ohle. Öhl darein zu thun. Jngleichen ein Krug mitÖhl. 2. Die Ohm, oder Ohme, ein Maß flüssiger Dinge, S. Ahm. Der Ohl.ruchen,, des— s, plur. ut uc>M. liNF. r) Ein mit Ohmen, S. Ahmen. Öhl. oder in Öhl gebackener Kuchen ; in welchem Verstände die- Ohmiy, S. Ahmig. ses Wort auch einige Mahl in der Deutschen Bibel verkommt. - Ohne, eine Partikel, welche auf doppelte Art gebraucht wicd. 2) Auch die M Gestalt großer Kuchen überbleidenden Trestern von I. Als ein Vorwort, welches ein nicht Daseyn, einen Mangel, den »us manchen Samen und Früchten gepreßten Öbwn werden eine gänzliche Abwesenheit, oder doch die Abwesenheit irgend eini- chhlkuchen genannt. Leinkuchen, Hanfiuch'n, Rubsenkuchen ge» Einflusses, eine Ausschließung bezeichnet. Sie stehet im Hoch- u. s. f. solche von dem Leinsamen, Hanfe und Rübsen überbllibende deutschen gewöhnlich vor dem Nennworts und erfordert alle Mahl Kuchen, nachdem das Öhl daraus gestampfet worden. die vierte Endung. Sie bezeichnet: Die Ohblampe, plur. die — n eine Lampe, in welcher das bren- r. Einen Mangel, eine Abwesenheit; im Gegensätze des nendeDocht mü Öhlunterhalten wird, und welche auch nur die mit. Ohne deine Hülfe kann ich es nicht verrichten. Ohne Lampe schlechihin ss ißt. . mich könnt ihr nichts rhun, ohne meine Hülfe. Er kann nicht Die Ohllese, plur. die — n, die Lese, d. r. Einsammlung der ohne ihn sepn, oder leben, ohne seine Gegenwart, ohne sems Ölübeeren oder Oliven. Hülfe. Besonders mit solchen Hauptwörtern, welche den unbr- Die (Hhckmckhferep, plur. dis — en. r) Das Mehlen mit Öhl- stimmten Artikel erfordern, welcher aber hier wegbleibet, weil das färben, und die Art und Weise mit Öhlfarben zu mahlen ; ohne Vorwort die vierte Endung erfordert, und die Wörter, welche» cs P ural, und im Gegensätze der Wassermahlerey. 2) M'.t Öhl zngescllct wird, gemeiniglich schon etwas Allgemeines oder eine gcmat'lte Gcmählde. ganze Gattung bezeichnen, (S. 1 Ein lH> Ohne Sorge sevn. Der (Hhlmann, des — es, plur. die -— männer, im gemeinen Ohne Geld kaufen wollen. Ein Baum ohne Blätter. Ein Leben, so wohl ein Mann, welchermit Öhl handelt, als auch, Buch ohne Tütel. Ein Mensch ohne Tugend. Ohne Hülfe welcher Öhl verfeniget, besonders dei Öhlmüller. sefn Etwas ohne Umschweife erzählen. Ohne Trost, ohne Die Ölmühle, pinr. die — n, eineSrauivsmühle, in welcher Geld, ohne Gewissen stM. Ohne Hut einher gehen. V:e ans verschiedenen Arten von Sämrreocn Öhl gestampfet, oder, Schafe ohneHirtcn seyn. Er ist ohne Tadel. Ohne A seh'N wie man sagt, ge'chlag-n w:rd. Auch derjenige Gang einer der Person. Ohne Zwang leben. Ohne Scham uno Scheu. Mühle, welch.r zu dieser Arbeit eingerichtet ist, wird die Ohl- Es wird nicht ohne Schläge abgchan. Die Speisen,ohne Salz Mühle genannt. essen Ohne Luft kann man nicht leben. Ohne Dervissens- Der Ohsmüller. des — s, plur. ul nom. lrnA. der Vorgesetzte . bisse sündigen. Ich habe ohne dein Wissen die Muss? be- vde. Eigenthümcr einer Öhlmühle; dessen Gattliln die (phlmul- stellt. Gell. Ohne die Bauern (ohneBauern) wären keile lexi n. S. (Hhlschlssger. . Funkern, Weiße, wenn'keirre Bauern waren.-- Ohne MterläA Die ch)hlprZsst.' plur. die — n, eine Presse, Öhl aus Früchten, arbeiten. Ohne Ende, unendlich, endlos. Ohne Unte"schied. Sänneeyen n. s.f. zu pressen. Wohin auch einigLaeverbische Ausdr ücke gehören. Ohne Zweifel, Der OhbrettlN. des — es, plur. die — e, eine Art Rettige mit es ist nicht daran r,l zweifeln. Ohne Scherz, ohne Spaß, es ist - verhalten oder verschweigen, welche man im Hochdeutschen gar nicht kennet. Man setzt es auch mit Nennwörtern und Partirpien zusammen,wie ohngleich, ohndenklich, ohnentgeldlich, ohnver« fanglich, ohnwcigerlich, ohnmoglich, ohnwissend, ohnerach- tet, ohnmaßgeblich, ohnparteprsch u. s. s. ingleichcn »nit Neben- Wörtern, ohnfern, ohnlängft, ohnschwer u.f. s. wofür man aber im Hochdeutschen das Wort un hat, welches in allen diesen Zusammensetzungen gebraucht wird, uud darin mit dem Latein, in überein kommt, indem beyde die Abwesenheit des Dinges bezeichnen, welchem dieses Wort vorgesetzt ist. Nur ein Paar derselben haben sich im Hochdeutschen erhalten,nähmlich ohngefähr. wofür aber doch auch schon viele richtiger ungefähr schreiben, und Ohnmacht, mit feinem Beyworreohmnachng, welches vielleicht auch noch einmahl in Unmacht und unmachng übergehen wird. In den neuern Zeitrn hat mau ein Paar neue dazu gemacht, das »pri» vativum der Griechen auszudrucken, uäbmlich Ohngctternnd ohnschattig, »velche aber von den etymologischen Kenntnissen ihrer Erfinde? eben keinen vorthellhaften Begriffzurück lassen. Schiefe Wörter. Ohnedem und Ohnehin, S. Ohne I. 2. Ohnerachtet. S. Ungeachtet. OhnermcrnFel.n, S. Ohne Ann», r. Ohnfern, S. Unfern. Ohntzeachtet, S. Ungeachtet. Ohnyefahr. S. Ungefähr. Der Ohnyotter, des — b, plur. ur vom. 6 nA. ein von einige» Neuern gewagtes Wort, das Griech. anszndrncken, rvofür doch Gotteslaugner richtiger mrd üblicher ist. Die Hochdeutschen haben das ohn in den Zusammensetzungen veralten lassen, und dafür das un behalten. Nach dieser Analogie müßte das Wort, wenn es auch keinen andern Tadel hatte, Ungottcr heißen. Siehe Ohne Anw. 2. Ohnlä'nyft, S. Unlängst. Die Ohnmacht, plrO die—en. 1) Mangel der Macht, d. i. -er Kraft, die Schwäche, Schwachheit; ohne Plural. Die Ohnmacht eines Staates, dessen geringe Macht. Die Ohnmacht des Menschen zu guten Handlungen. Die Ohnmacht der Gegen. 2) In engerer und gewöhnlichcrerBedcittung, derjenige Zustand des menscklichrn Körpers, da derselbe ans einige Zeit alle Kräfte und alles Dewußtseyn verlieret, und wie tödr dahin sinket. In Ohnmacht fallen, liegen. Es trat ihn eine Ohnmacht an. Die Ohnmacht dauertefünfMinrikcn. Den Ohnmächten aus- gesetzt scpn, öftere Ohnmächten bekommen., A nm. In der ersten weitern Bedeutung lautet es schon von des Kero Zeiten an im Oberdeutschen Vnmaüft. und im Plural Vu- wsü lch wo cs auch von jeder Schwachheit und Krankheit so wohl des Le-brs als desGeistes undGemüthes grbrancht wird. Im Nie- verstund einigen gemeinen Ol-erdguttch'.Mundarten a»:ch Amacht. Ein stein der tpaff den jeger das Er vor Umacht darnieder saß, Theuer-. Kap. 37. Ohr Log Es ist aus un und Macht zusammen gefetzek, welches un in der ricuern Oberdeutschen Mundart in ohn übergegangeu ist. Es ist noch das einzige Wort, in welchem ohn für un im Hochdeutschen von allgemeinemGebrauche ist,ob es gleich ralhsamer wäre,.dieses Wort nach demVorgauHe der Alten und der Analogie aller übriaen Wörter Uvmacht und unmachtig zu schreiben und z,1 sprechen. S. Ohne Ann». 2. Der Plural Ohnmächten ist der alte Oberdeutsche Plural von Macht, derdasclbst noch die Machten lautet, wofür das einfache Worrim Hochdeutscher» Machte hat. Inder zwexten eugern Bedeutung lautet cs im Isländischen Ome:xn, und im Niederst gleichfalls.Anemacht, Unmachr und Amachr, indessen ist dafürimNiedecsächssschcn auchSwögnrß.^cswögnrß, Beswugtje, Sweimnisse, Beswimung und Fiaure öbl.'ch, da man denn auch die Zeitwörter b.cswöZen, verstauen, swcimen, besrvlmen, bcswngten, fwugren u. s. s. für in .Ohnmacht fallen, hat. Im Oberdeutschen sagt man für Ohnmacht auch -r- Unkrä'ften. Ohnmächtrg, —er, —sie, aftj. «t i> In der erste» Bedeutung .des Hauptwortes, ohne Macht, ohne Kräfte, kraftlos, und darin gegründet. Ein ohum ächtlger Götze. Bare 6, A 8. Ich bin ohnmächtig. Pst 77, Z. Em ohnmächtiger Sraak, ein ohnmächtiges Reich. Ein dhnmä'chtlger Feind. -) In der zwryten und cngern Bedeutung des Hai.pilvoetcs, Kräfte und Bewußcscyn verlierend. Ohnmächtig werden,, in Ohnmacht fallen. Ohnmächtig sepn, in Ohnmacht liegen. Ann». Bey dem Kero, der es für schwach, krank, gebraucht, uvmsküb, bey dem Notker, für kraftlos, uumaiieig »uid smaclNiA. Lo erffuiZet einen valken ein unmekniZ kno, Reinmar der Alre. In der zweyten Bedeutung lautet es im Dan. afmägtig, im Theuerd. anmechtig. im Niederst «mächtig, anmä'a^tig. OhnmafitzebLich, S. Unmaßgeblich. Ohnscycrttry, aftj. et a ft v. cul in der mathematischen E> dbeschrei- blurg von cftiigenNeuern vorgeschlagenesWort, dasGriech «a-xts- auszudrucken. Ohnschattige Volker, welche au einem gc.oi,;.» Lage im Jahre keinen Schatten haben, weil dir Sonne alsdann senkrecht über ihnen stehet. Besser unkchatttge, wc.l das ohne in der Znfarnmensetzung in diese Parnkel übergehet. S. Ohne Amu. 2 , und Un. Der Ohnschwanz, des—es, plur. die—schwänze, bey enrr. aeu ein Nähme desStrarißbastardes oder grauen Casuars m,t l em Straußschitt>bcl; 8 lrul.ftio ^olllus L/sr/r. weil er fast gar keinen Schwanz hat. Ohnschwer, S. Unschwer. Ohnverhalten, S. Ohne Anm. 2. . Der Ohnvoyel, des—-s, jUur. die—Vögel, m einigen Ober, deutschen Gegenden, ein Nähme der Krorfgans oder des Biel, fraßesh ?1aoeu8 6u!o ^/^>r, Im Gr-ech. he ß. dieser Doc-el 0»o^goi-«Xoz, vor ovo?, ein Esel, und Lgo-raXo-, da-Geklapver, weil Iw den Eichnabel ili das Wasser jitckki, danill ein Gellapv-r macht, nnd dabev wie ein Esel schrryet, daher ihn auch einme d » Eselschrcper neunen. Dieses vvoz scheinet auch rn dem Echweize- rischen Nahmen Oi nvogel zuu Grunde zu lieoen, welches d-n» mit dem Vorworte ohne hier nur eine zufällige Lhulichkcit hak. Im Franz, Hecht der Essl gleichfalls für ^sue. Oho! S. > O. Das Ohr, d^s — es,ftft»r.die — e, Diminnt. Las chhrchen, Obcrd.chbrtein, rin noch in verschiedenen cinzefticnAälftn übliches Wort, gewisse, geweinialich runde oder rundlich-Öffnungen su bezeichnen. Das Ohr einer Nähnadel, oder das Nadelöhr, die kleine Öffnung u» der Nähnadel. Dre Handhabe oder der Henkel 6oo LS9 Ohr an den Geschirren ist im gemeinen Leben baufig unter dern Nahmen einer' Ohres bekannt. Sprichw. Rleine Töpfe haben auch Mbre ; kleine Töpfe haben kleine Ohre. Noch häufigeplst-das Ohr ein kleiner rundlicher Ring von Draht an den Kieidniigsstü- cken, worein ein Haken von Draht greift; beyde zusammen werden alsdann Zakenund Ohre, im Oberdeutschen Hestle undM:derle, gleichsam Müttcrlein, (S-Nutter,) genannt. Im Niederdeutschen laut-t e- in der letzten Bedeutung mit der gewöhnlichen Ver- - t au Dun g des r und s O h ft, und imDiminut. Ohftken, (Haken, Eeaken, Schwed. Osja, Holland. , bkauH, wo denn 6sft, in der Bedeutung eines Gesäßes oder hohlen Raumes, mit eintritt. Das Ohr an eincrMünze ist ein ähnlicher kleiner ange- lötheter Ring, sie vermittelst desselben am Halse zu tragen, so wie das Ohr ait einem metallene» Knopfe, welches Hey den Gürtlern gleichfalls die chhse genannt wird. Anm. Dieses Ohr ist nur in der Aussprache und Schreibart von dem solgendenOhr in dessen weitcrnBedcutung unterfchieden, S. dasselbe. Das Dhr, des—-es, plur. die—en, Dimknut.das Ährchen, Oöerd.Ohrlein. r.Jn dec engsten und gewlchnlichstenBedeutnng, das Werkzeug des Gehöres an den rhierischen Körpern, welches ans einer Höhle am Kopfe bestehet, welche gemeiniglich mit hervor sagenden Knorpeln umgeben ist. Große, lange, kleine Ohren habe». Man kennet den Esel an den Ohren. Die Ohren klingen, gällen, sausen oder brausen, wenn man ein solches Geräusch.zu Hören glaubt, welches gemeiniglich von einem Flusse herrühret, jemanden bey den Ohren zupfen. Daher die figürlichen nur im gemeinen Leben üblichen R. A. Den Ropf zwischen die Ohren nehmen und davon gehen, sich in aller Eile davon machen. Jemanden hinter die Ohren, an die Ohren schlagen, ihm eine Maulschelle geben. Jemanden die 6aut,- oder das Zell über die Ohren ziehen, eigentlich, ihm die Haut ganz abziehen; figürlich, ihn um seiu Vermöge» bringen. Sich hinter den Ohren kragen, zum Zeichen der Rene, des Unwillens über einen begangenen Fehler, über einen erlittenen Verlust. Sich etwas hinter die Ohren schreiben, eine empfangene Beleidigung im Andenken behalten. Bis über die Ohren im Elende, in Schulden stecken, von einem hohe« unüberseh- lichcu GkÄde des Elendes und der Schulden. Er hat es hinter den Ohren, er hat einen Schalk hinter den Ohren, er ist witziger, klüger, als er zu sryn scheinet.. Noch nicht hinter den Ohren trocken scyn, nochjung und unerfahren seyn. Sich auf ein Ohr, auf das Ohr legen, sich schlafen legen. Jemanden bey den Ohren nehmen, bey den Ohren kriegen, sich seiner Person bemächtigen, ihn in Verhaft nehmen. Die Ohren hangen, oder hangen lassen, vor Unmnth, Zagheit, Reue, wie manche Thiere. Ein Ding am rechten Ohre angreifen, wo Ohr für das vorige Ohr Z" stehen scheinet. Besonders in Absicht auf das Gehör. Die Ohren spitzen, mit Begierde auf etwas hören, bey dem Ovid. cacumtuars au- , res;'eine von manchen Thieren entlehnte Figur. > Er wird die Ohren spchen, Wenn er erfahre, was unsre Absicht ist, Wiel. O Jemanden die Ohren voll schreyen, ihm mit seinem Geschreye lästig werden. Davon thun mir die Ohren weh. Schreien, daß dem andern die Ohren gällen. Jemanden beständig in den Ohren liegen, ihm immer von einer und eben derselben Sache Vorreden. Ihm die O hren mir etwas reiben, es ihm unaufhörlich verwerfen. Ihm die Ohren kitzeln , ihm Neuigkeiten oder andere Sachen vorjagcn, welche er gern höret. Die Ohren jucken Ohr ihm, wenn er nach Neuigkeiten lüstern ist. Einem etwas in das , Ohr setzen7 jemanden einen Floh iildüvOhx setzen, ihn übercine Sache unruhig machen. Dicke, harkeOhren haben, nicht nritEin- fiuß aus den Willen hören. Aeine Ohren zu etwas haben, davon 7 nichts hören wollen. Auf dem Ohre höret er nicht wohl, von der Sache mag er nicht gern etwas hören. Thue die Ohren auf, höre mit Aufmerksamkeit zu. Etwas zu einem Ohre hinein, und zum andern wieder hinaus gehen lassen, cs ohne Aufmerksamkeit, ohne Einstichaufden Willen anhöi en. Dünne Ohren haben, ein leises Gehör. Einem die Ohren wärm machen, ihm mit seinenNedem mit ftinenVorstellungcn beschwert-ch fallen. Einem etwas in die Ohren blasen, zu Ohren tragen, zum Nach- theik einesDntten ins geheim Nachricht von etwas geben. Ich habe es mit meinen Ohren gehöret, ein im gemeinen Leben üblicher Pleonasmus um des Nachdrucks willen. Man must sehr viel hören, ehe ein Ohr abfällt. Auf den Ohren sitzen, nicht hören was gesagt-wird, im Nieders. auf den Ohren gehen. Bohnen in den Ohren haben, in eben diesem Verstände. Folgende sind auch in der anständigen Sprechart üblich. Seine Ohren vor jemanden verstopfen. Man prcdjgt rauben Ohren. Jemanden etwas in das Ohr sagen. Es ist mir zu Ohren gekommen, zu Ohren gebracht worden, ich habe es gehöret,man hat es mir berichtet: Es sind mir nachtheiligb Dinge von dir ZU Ohren gekommen. Ein offenes Ohr dich jemanden haben, bey ihm geneigtes Gehör finden. Und sein verhärtet Ohr ist taub bey unftrm Flehen, Schlegel. Es war eine Zeit, da ihr Nähme die Wollust meines Ohre» war, von Brawe. Alles war O! r, alles hörte aufmerksam zu. So auch, wenn Ohr figürlich für die Person inAbsicht des Gehöres gesetzt wird. , / Die größte Hlage kluger Ohren, Gell. Sein Ohr um Rath fragen, etwas nach dem Gehöre beurtheilen. Aber die biblische» R. A. zu Ohren fassen, zu Ohren nehmen, mit Einfluß auf dcu Willen anhören, die Ohren ;ü etwas neigen, sein Ohr von jemanden wenden , seine Ohren merken auf die Stimme des Flehens, u. s. s. find Hebraismen, welche im Deutschen fremd klingen. -. In weiterer Bedeutung, wo in einigen Fällen so wohl vertiefte als hervor stehende Dinge Ohren genannt werden, i) Bon vertieften Dingen. So ist in der Baukunst das Ohr ein kl, ines Gewölbe m und an einem größer»;.z. B. wenn die Fenster und Thüren in einemGewölbe von neuen überwölbet werden, die durch die Öffnung.geschwächte Mauer zu stärken; Franz. Lünette. In andern Fälle» ist dafür Ohr üblich, S. dasselbe. 2 ) Von hervor ragenden Dingen. Ein Ohr in einem Buche, ein mit der Spitze eingrschlagencsBlatt,welches mau auch wohl einEselsohr urimet, wo es zunächst eine Figur von Ohr , auris, ist. An einem Pfluge wird das Strrichbrct von einigen auch das Ohr genannt. Hingegen sind a» einem Hakenpstuge oder'Rührhaken die Ohren .zwey längliche krumme Hölzer, welche unten an das Haupt des Pflugs befestiget sind, und die Spillrwrtter in der Mitte haben. Ander Buchse eines Rades, oder denjenigen Ringen, welche inwendig in das Rad geschlagen werden, heißen die krumme» Widerhaken, welche m das Holz getrieben werten, gleichfalls die Ohren. Anm. In der ersten enger» Bedeutung schon im IfidorOro, bessdelssKero Ora, bey dem Öttfried Or, im Tatia» knora, im Nieders. Oor, im Angels. Laie, im Engl. Lar, im Holland. Oor, in, Däu. chre, im Schwed.Oora, im Island. L^ra, im Franz. OreilleHm Jtül.Orec-Lllio, lmLatein. ^uris, Andere Sprachen haben^dafür das nahe verwandte s, wie das alte Gokhische 6o2 601 -D t) r Sothische^ulo, das Lettische ^uü8, bas alteLatein.^usis für ^uri«, das Griech. 6wr> und das Hebr. P8, Ofen- wohin auch das Niedcrf. Ohft sehöeee, wenn es für «phr gcbrauchl wird. In noch andern Sprachen findet fich statt beyder der Hauchlaut, wie in dem Pohln. Occlio und dem Krainer-schen Oüu. (S. 6oren.) Es ist noch ungewiß, ob Ohr und allgemeine Nennwörter find, welche eine jede Vertiefung und folglich auch Erhöhung und Hervorragung bedeuten, in welchem Falle sie mit Arsch, 6orn, Ur, Zofe, dem Hebr.pt« . spitzen, (wo pj< das Ohr ist,) und andern dieser Art Eines Geschlechtes seyu würden ; oder ob es unmittelbar von hören abstammet, welches alsdann eigentlich schreyen, rufen, Haren, und figürlich das Geschrey empfinden, bedeuten würde. In diesem Falle würden Ohr und Ohr, lvenn sie vertiefte und erhabene Dinge bedeuten, bloß Figurine seyrr, welche von derÄhnlichkeit mit eiuemOhre entlehnet worden. Übrigens heißt das Ohr im Wallis. LluÜ, von lauschen, ehedem losen, in der Rothwälschen Diebessprache dev Leisung, von eben diesemStamme, bey den Jägern der Luser, Lrjchser, oder Lösel, -er Wildlappen, bep den Hase» der Löffel, und bey den Hunden das Gehänge. Das Ohrband, S. Ortband. Der Ohrbock, des—es, plur. die—bocke, im gemeinen Leben einiger Gegenden, ein Geschwür hinter dem Ohre, derOhrenbock, die Ohrdruse, Ohrenbeule, Ohrrveigel, Ohvenmiitzel; von Bock, ein erhabenes Ding , ein Buckel. ^ Die Ohrbaumek, plur. die—u, S. Ohrengehenk. Die Ohre, oder Ohre, plur. die—n, S. Ahorn Anm. 2. Ohren, vsrh.reZ.uet. mit einem Ohre versehen. Oie Nähnadelnöhren, bey den Nadlern. S. Ohr. ^ -' Die Ohrenbaumel, plur. die— n, S. Obrengehenk. Die Ohrenbeicht, plur. irius in derRömischeu Kirche, diejenige Art zu beichten, da der Beichtende seine Sünden dem Beichtvater, welcher zu dein Ende das Ohr hinhält, ins geheim bekennet. Der Ohrenbläser, des—s, plur.utnoin.1ing. Fämin. die Ohrenblaserinn, einePerson, welche das Gehör eines andern zum Nachtheile einesDritten mißbraucht, demselben nachiheiligeDinge ^ von einemDritten zuträgt. Sep nichtei,-Ohvcnblaser,Sir. 5, >6. Zuweilen auch ein Ohrenträger, Niedcrs. Ohrruner. Daher die Ohrenbläserey, plur. die—en, dergleichen Mißbrauch des geneigten Gehöres eines andern zum Nachtheile eines Dritten. Dev Ohrenbock, S. Ohrbock. Das Ohrenbrausen, des—s , plur. ious. das Brausen in den Ohren, welches von einem vor dasOhr gefallenenFlusse heerübrrt; das Ohrensausen, und wenn man starkes Brausens ein Güllen und Klingen zu hören glaubt, das Ohrenkiingen, das Nlingcn der Ohren, das Ohrcngällen. Der Ohrendrayt, des,— es, plur. die —e, ben dem andern Gcschlechte, ein nachdem Ohre cingebogener Draht, unten mit einem halben Ringe, die Obrgehenke daran zu tragen, wenn man sich dicOhren nicht gern will durchstechen lassei>;dieOhrenspauge. Die Ohrenbrüse, plur. die — N, zwcy Speichel rufen, zu bey- den Seiten des Mundes, nahe an der Wurzel des Ohres ; Olau- . 6u1ae?Lroti8. DasOhrenyehen?, des —es, plur. die—e, zierliche G-Henke von Gold, Silber, Perlen oder Edelsteinen, welche das andere Geschlecht in den Ohr-u zu tragen pflegt.; die Ohvenbaumcl, im Österreich. Ohrbuckerle. S. Ohrring. Ohvenyel, eine Pflanze, S. Grengel. DerOhrenhöhlev- des—s, plur. utnom. llnZ.S.OHrwurm. Der Ohrenkitzel, des—s, pru . jaus figürlich, die Lüsternheit, ungeordnete Begierde, nach Neuigkeiten. Das Ohrenksingen, des—s, plur. raus S. Ohrenbrausen. Ohr Der Ohrenknsrpel, des — s, plur. ut. nom. übg. der knorpelige Theil des äußern Ohres. Die Ohrenmorchel, plur. die — N, eine Art runder Morcheln voller löcheriger Knorren, Stockmorcheln; zum Unterschiede von den Spitzmorcheln. Die Ohrenpflanze, plu r. die—n, bey den üeuernSchriftstclleen des Pflanzenreiches, eine Pflanze, welchem Zeylon einheimisch ist; Hsclioti5l-. Besonders die ttsciiotis Lurioulari-r, welche ein kräftiges Mittel wider die Taubheit ist, daher sie auch de» Nahmen bekommen hat. Das Ohrenschmalz, des — es, plu-r. inus. eine gelbe fettige und dicke Feuchtigkeit, welche von den kleinen gelben Drüsen im Gehöcgange abgesondert wird , um diese» schlüpfrig zu erhalten. Es ist ein Fett, welches die Haut nicht naß macht, damit die Reflexion des Schalles nicht gehindert wird. Der Ohrenschmerz, S. Ohrenzwang. Der Ohrenschwamm, des—es, plur. die—schwämme, eine Art Becherschwamm, welche einem Obre gleicht ; l^ri r» auri- ' culas,. DasAudasohr, der Iudasschwamm, der äohlun- verschwamm. »Die Ohrenspanye, plur. die—n, (S. Ohrendvaht.) Ja LuthersDeutschenBibel werden die Ohrengehenke mit diesemNah- men belegt: i Mos. 35, 4; Es. z, 2 0. Der Oh.renträser, Hes—s, plur. ut Qom.ünZ. S. Ohrenbläser. Der Ohrenzcuge, des—n, plur. d^e —n, derjenige, welcher das was er bezeuget, selbst gehöret hat; nach dem Muster von Augenzeuge. , ^ Der Ohrenzwanx, des—es, plur. inus. eine schmerzhafte spannende Empfindung in dem Grunde des Gehörganges; OlnIZiL, der Ohrenschmerz, im gemeinen Leben der Ohrenklamm, die Ohrcnklemme. Die Ohreule, plur. die—n, Dimiuur. das Ohreulchen, eine Art Eulen, welche an den Seiten des Kopfes in der Gegend der Ohren in die Höhe stehende Federn haben, welche den Ohren an vierfüßigen Thieren gleichen. Oer Uhu, bürix Zub 0 l-, ist eine Art derselben. ES gibt auchRauze mit solchen langenOhren, welche alsdann Ohrkauze genannt werden. Die Ohrfeige, plur. die—n, ein Schlag mit der flachen Hand an das Ohr. Bey dem Hornegk kommt das einfache Wort vaige in dieser Bedeutung vor. Daß die Ähnlichkeit mir Zeige, ^:eu5, bloß zufällig sey, und daß Ferge h.cr einen Schlag bedeute, haben schon Wachter und andere vermuthet. Es gehöret in dieser Bedeutung ohne Zweifel zu dem Geschlechtc des Wortes fegen, liZere, von welchem ficken, mit Ruthen hauen, und rvickscn , für prügeln , inteilstva find. Es bestätigen solches das Nieders. Oyrbat- sche, Ohrslag, und Schwed. Osiül, deren letzte Hälften insgc- sammt einen Schlag bedeuten. (S. auch Maulschelle.) Übrigens wird ?ine Ohrfeige im gemeinen Leben einiger Gegenden auch eine Dachtel/ eine Dusel, eine Brähme u. s. s. genannt. Der Ohrfinger, des—s, plur. ut noin. linZ. der fünfte und letzte Finger an der Hand, weil mau vor Alters die Ohren damit zu säubern pflegte; der kleine Finger. Das Ohrgewölbe, des—s, plur. ut nom. kraZ. oder die—r, rin lleüreres Gewölbe über dem Fenster oder der Thür in einem größer», welches auch nur das Ohr schlechthin geiraunt wird, S. Obr 2, a). Der O^ri äfer, des—.s, plur. ui uom. llnZ. S. Ohrwurm, Der Ohrkcniz, des — es, plur. die—e, S. Ohreute. Das Ohr^uffen, des—v, plur. üt No m. llnZ. ein kleines Kliffen,Sv clch - s mau zuweilen im Bette unter das Ohr zu legen pflegt. Ehedem wurde üllch das Bepfküffen mit diesem Nahmen belegt; P P - - v ' Niedcrs. Rieders. Lcerkusscn, von Leer, die Bocke. In einer Kutsche sind öieOhrkiissen anderSe.re in der Gegend des Ohres befestiget, den Kopf im Schlafen daranzulegen. Der Ohrlaek, des—es, p!ur. doch nur von Mehrern Arten, die—bc-y den Mahlern eine Art des Gummi-Lackes , welcher ehedem in Gestalt der Ohren zu uns gebracht wurde, aber jetzt nicht mehr gesehen wirr; Franz, er» Orsilles, zum Unterschiede von dem Holzlackc und plattlacke. Das Ohrläppchen, des—s, plur.uk nom.linA. Oberd.das Ohr-applein, das häutige Läppchen, welches den nntecn Theil des men'chlichen Ohres oder der Ohrmuschel ausmacht;iuderDem- scheu Bibel das Ohrcnlapplem, Amos Z, r 2. Im Augels. Lar- Zapp?, im Engl.-irn Österreichischen das Ohrwaschel, »uelches auch wohl das ganze äußere Ohr bedeutet. DerObrliny, des - es, plur. die—e. S. Ohrwurm. Das Ohrlöch, des — es, plur. die—löcher, im gemeine» Leben, die äußere Höhle des Ohres. Der OHrlofftzl, des—s, p!ur. uk nom. 6 nrr. cm kleiner Löffel , das i,„ft- e des Ohres von dem Ohrenschmalze zu fäuberu; iin Oberdeutschcy der Ohrgriebcl, Obrgriffcl, Niederst Ohrklaker. In dem Pstaiizellr-iche wird eine Art Stachelschivämme, welche rineil Srrunk und eincilhalbzirkclförmigenHrlt har, und in den Nadelhölzern über der Erde wachset, wegen einiger Ähnlichkeit in - dcr G'.stalt Ohrloffel genannt; tt/ctnurn ^uriLculpiurn l,. Das Ohrmahl, der—es, plur. die—e, m den Schäfereyen, ein 'Rahl oder Zeichen in den Ohren der Schafe, um das Vieh des Schäfers von dein Vrehr der Herrschaft zu unterscheiden. D ls Ohrmuschel, plur. die—n, der ganze äußere muschelför. mige Theil des Ohres. Der Ohrringe des — cs, plur. die-« 5 c, zierliche Ringe von edlen Metallen, welche das andere Geschlecht zur Zierde m den Ohren zu tragen pflegt; in der Dcittschen Bibel Ohrenring. Zu w'eirererBedeutung pftegt man auch wohl alle OhrenZehenke Oh- renrrnge zu nenucn. Der Ohrwurm, des—cs, plur. die—wurmer. r) Eine Art Käfer, dessen Schwanz mit einer Zange versehen ist , welcher sich auffaulen Stauden, Pflanzen und m der Erde auchält, nnd welchen man fälschlich iu dem Verdachte hat, daß er den Schlafenden Hern in die Ohren krieche ;^or 6 cula ^uricukariaI>.Fangens käfer, Ohrka'fcr, Ohrhöhler, (fthrling, Niederst Ohrworm, Gaffeitange, in der Schweiz Obrenmittel, Mittel, von Made. Go freundlich als ein Okrwurmoder Ohrwürmchcn,in?gemeis neu Leben, weil dieser Käfer imGehen viele schkangenförmige, dem Buschen nach freundliche Bewegungen macht. Ronnte ein Ohr- rviirmchen gsschmcidiger seyn ^ Less. 2) Auch eine Art Asseln, welche gleichfalls einen gecheckten zangenförmigen Schwanz hat; , Kcol open Muk'cirücsts l,.führet kenNahmendcsObrwurmes« 2sBey den Jägern ist der Ohrwurm, ohne Plural, eine Krank« Heit an druOhrrn derZagdhuude, welche von einer scharfen Feuchtigkeit hrrruhret, die ihnen die Ohren wund frisset. Anm. Da die beyden erste» Arten Ohrwürmer, den neuern Erfahrungen zu Folge, die Ohre» berMenschen nicht mehr a^suchen als ein jedes anderes Jnsecr, so ist sehr wahrscheinlich, daß sie jh.enNahmen vozr ihrem zangcnförMißen,einem(j)bre nicht unähnlichen Schwänze haben; (S. chchr und Ohr 2.2). Dir Unkunde der wal-rrnBedeutung ihresNahmens hak denn gemacht, daß rnan ihn so gar zu erklären gesucht, als man konnte, und dieses Insert für den g -fäbrlichstrn Feind des Ohres aus^ab. Di- Ohse plur die—n, E. das chhr. Okeley, einFifch, S. Ukeleys Der Orelrrühme, Ekeinahme. Der g)kottöm, des—m, plur. die —en, aus dem Erlech. und Lat. Ooc o omus, eiuejede Person männlichen Geschl- chtes von Seilen der Hausw'.nbschm r betrachtet, d. L. so fern sie sich beschäftiget zeitliches Vermögen zu erwerben und dasErworbcnc zu erhalten und zu vermehren; der Haushälter. In engerer Bedeutung ist der Ökonom derjenige, welcher sich mit der Feld« und Land, lvirchschaft beschäftiget; der Landwirts). Die ; iur. inust. aus dem Griech. und Lat. Oeconc>- m ia, der ganze Umfang von Beschäftigungen, wodurch man zeitliches Vermögen zu erwerben und das Erworben zu erhalten und zu vernichrru sucht ; die Haushaltung , dw Wirchschaft. In eugererBcdeutuna, die Kunst zettlichrsVcrmögenzu erwerben und das Erworbene zu erhalten und zu vermehren; die Harrshaltungs- kunss, dicWlrthschasrsklinü. Da die wcisliche und verhält» iß- rnäßige Einrichtung der Ausgaben und Einnahmen eine^- der vor- nehmstenStiicke dieftrKunst ist, so wird oft auch figürlich die ganze Einrichtung der Endzwecke nnd Mitte! die Ökonomie genannt. So ist die Ökonomie des Ganzen in der Maklerei) die Anörd. lnrng eines Gemähldrs irr Ansehung sei,lerThecke, die Ökonomie der Natur , die verhältnißmäßige Vcrtheilung der Zwecke und Mittel. In noch engerer Bedcmung, die Landwirthschaft. Ökonomisch, -—er, — te, uck;. et aciv. ans dem Griech. und Lat. oeconnmicus. 1) Zur Ökonomie gehörig, in derselben gegründet; ohne Comparanon. 2) Einen» klugen Ökonomen oder Haushälter gemäß, d. i. mit weiser und verhältnißmäß-gcr Vrr- theilung der Zwecke und Mittel; haushalkiA. Das Ob, S. Ohl. Der Oleander, des—s, pIur.ur nom.6nA. ein Baum, welcher yellrorhe -den Rosen ähnliche Blüthen tragt, daher er auch Rosenbaum undLorberrofe genannt, wird; Zerium Oleancler I«. Er ist irr Ostindien einbeimisch, und wird Hey uns nur in den Gewächshäusern gefunden. Der Oleaster, des—s, plur. ul nom. 6 v§. bey eustgen ein Nähme des wilden oder Böhmischen Öhlbaumes; LlaenZNUz l.. S. semitz, Olnich, im barbarischen Lat. Oilet-icitium , be» den altern Krämerkennern ^k vll'cliouin. Die letzte Hälfte scheinet aus bieünum verderbt zu sevu. Die erste Hälfte stammet per- milthüch von Obi, ein dicklicher Saft her^ weck diese Pstanze einen hüuftMl nrrlchLhnlrchcn Saft enthält. 6vL Oly Der Ospmy, des—es, plur. inust. aus dem Griech. und Lak. Oi/mpuZ, ein Gebirge in Thessalien, welches sich mit einigen Spitzen über die Wolken erhebt, und in der Mythologie der Griechen und Romer die WohirungJnpirers und der odernGStter war,daher auch wohl christlicheDichter es noch von dem poetischen Himmel, und olympisch für himmlisch gebrauche». Das Omar, S. Grummet. Die Ontologie, S. Grundwissenschaft. Der Onvogel, S. Ohnvogel. Der Onpp, des —es, pjur. die—e, aus dem Griech. und Lat.Ov/x,Ou/cjiium,ein halb durchsichtiger glasartigerHalb- edelsteiu, welcher zu deu Achatartcn gehöret, und eigentlich ein ans über einander laufenden Streife» von verschiedener Farbe bestehender Krysiall-Achat ist. Der Sardonyx, Znrüov^oüium, ist ein mit rothen Streifen vermischter Onyx. In der Deutschen Bibel kommen die ungebräuchlicher» Nahmen Onich und Orüch- steinvor. - - . Dev Opal, des—es, plur. die—e, aus dem Griech. und Lat. Opnlus, ein milchfarbiger, thonartiger, mehr als halb durchsich- tigerStein,welcher nach dcmSchieifen,bey verschiedenerWendung mit verschiedener Farbe spielet,uird urtter dieHalbedelsteine gerechnet wird. Bey den Alten hieß er wegen dieser verschiedenen Farben lris; Pllnins nennet ihn ?necksros. Die Oper, plur. die—n, die mit Musik begleitete Vorstellung einer wunderbaren Handlung, das musikalische Drama, welches, weil cs gesungen wird, auch im Deutschen dah Singespiel heißt. Der Nähme ist so wie die Erfindung selbst Italienisch, indem man im o StenJahrhunderte inJtalien anfing, das damahls übliche Er- temporirelt den mittelmäßigen Schauspielern zn erleichtern, die sollen mit Musik zu begleiten. Die ernsthafte Oper , Jtal. Opern lerinpvenn eine ernsthafte wunderbare Handlung vorge- stcllet wird, welche sich wieder in die Götter: Oper uno Zelden- Opcr theilet; zumUiiterschied von der komischen Oper, Jtal. Opern bulka, wenn es die Vorstellul.g einer lnstigenHandlung ist. Daher dir Operette, plur. die — n, Jtal. Operettn, ein kurzes Singespiel dieser Art, dasOpern-äaus, worin Opern gespieletwerden, der Oper-u-Sänger, oder Operist, die Opern- Sängerinn, oder Operrstrnn, dieSchanspieler in der Oper, der Opern-Dichter u. s. s. DasOperment, des—es, plur. doch nur von mehrern Arten, die - e, ein aus^uripIZmenturn verderbtes Woct,nnArsenik- Erz zu bezeichnen, welches aus Arsenik, Schwefel und Erde bestehet, ein blätteriges Gewebe und eine gelbe glänzende Farbe hat; Auripigment Das ro üeMperment har einehochrorheZinnober- farhe, und wird auch Rauschgelb und rother Arsenik genannt. Cs hat den Lateinischen Nahmen, so wie den Französischen, Or> piment, Orpin, von dcm Gebrauche zum Mahlen, »velchendie Mahler davvri machen. Dec OpernyuEer, des—-s, plur. M vom. stmZ. eine Art kleiner Ferngläser, so fern man sich ihrer bedienet, m der Oper damit umher zu gucken; der Tafchenguckcr. ? Das Opfer, des—s, plur. nt vom. sin», ein jedes sichtbares Ding, welches dev Gottheit zur Abbildung seiner eigenenübergabe an dieselbe, dargebracht wird. Ein blutiges Opfern oder Gchlachropfer, wenn es in einem lebendigen Geschöpfe bestehet, welches alsdann geschlachtet, und oft auch in der engsten Beden- lui'g c in Opfer schlechthin genannt wird, zumUncerschiede von einem unblntigeiiOpfer, welches in einem jeden andernDinge bestehe:; kann. I» writercrBedeutl'.ng wird oft, besonders in derAömi- schcn Kirche, alles ein Opfer genannt, was zum Behuf des Gottesdienstes und der gottesdienstlichen Personen geschenkt und öargebracht wird. Im weitesten Verstände rst, besonders in öer : Opf 606 höhern Schreibart, em jedes Ding, eine jede Sache, welch- ma» einem andern Zum Zeichen seiner Unterwürfigkeit., ftinerTrgedcn- heitdarbrrnget, ein Opfer. Ein Opfer bringen. Einem etwas zum Opfer bringen. In engerer und figürlicherer Bed.ulüng ist das Opferst) wohl eine Sache, derell Eigentbnmesman sich um eines andera willen begibt, als auch ein Gegenstand, auf welchen die Schuld eines andern übertragen wird, und in weiterer Beden- lung ein jedes Ding, welches der Gegenstand eines von einem andern ihm zngefügten Übels ist, wo dieFiaur von einemSchlacht- opfer oder blutigen Opfer entlehnet worden. Die Gerechtigkeit, verlanget ein Opfer. Oft wird die Unschuld ein Opfer der Tyranney und überlegenen Macht. Em Opfer dep Leiden, schaft eines andern werden. Anm. Schon in dem Isidor Okkerunz, bey demOttfcied O 0- xüer, rmTatian0bpk3r,imDän.undSch'.ved.Ok5er,imWalllst ^.bert, im Böhm. Obsr. Gemeiniglich glaubt man, daß es aus dem Lat.okkerre, obksrre, oder gar aus dem Griech. evryop«, entlehnet sey. Allein, es kann auch, wie so viele andere cme oioß buchstäbliche Übersetzung desLateinischcn Ausdruckes ftnn, weilst» wohl das Vorwort ob, auf, Niederst, up, als auch das Zeitwort baren, tragen, bringen, kerre, ehedem sehr üblich wa- ren. Auf ähnliche Art hieß ein Opftr im Angels. 1 idsr, von to'oernn, znbringen, zntragen. Man hatte ehedem noch andere gleichbedeutende Ausdrücke, wohin das Oüelünr und 6üeliiro im Isidor, von gelten, das Ltostsr bey eben demselben, und Mot der aUen mitternächtlichen Völker, das ttuvsl derGvtben, undttusl der Angelsachsen, und das VuiecüuUeretr deS Not. kergehören. Der Opfenltar, des —es, xlur. bis — täre, ein Mar, st» fern er zunächst zu de,r Opfern, und in engerer Bedeutung zu den blutigen Opfern bestimmt ist. Das Opfersteifch, des-^-es, plur. ivust. das .Fleisch der als ein Opfer geschlachteten Thiere. Ezech. 40, 43. DasOpfergelö, des—es, ^lur. doch nur von mchrern Summen, die—er, ein Opfer in Golde, Geld, welches geopfert wird ; doch nur noch in einigen einzelnen Fällen. So wird in eini. gen Niedersächsischen Gegenden dasjenige Geld, welches man dem Gesinde, welches man behalten will, um Neujahr oder Johannis als ein Handgeld gibt, das Opftrgeld, oder der OpferpfcnmL genannt. Das Opferhaus, des—es, plur. die — Häuser, ein Haus oder Gebäude, in welchem einer Gottheit geopfert wird,cinTem- pel; ein sonst ungewöhnliches Wort, welches' i. Chrom 7, 12 von dem Tempel zn Jerusalem vorkommt. Der Ooftvkasten, des—-s, p!ur. m vom. knZ. in einigen Gegenden, ein Kaste» in der Kirche, dasjenige Geld, welches fteywillig zum Behuf des Gottesdienstes geschenkt wird, dareür zu stecken; der Opferstock, 1venn es ei» hohler verschlossener Stock oder Pfahl ist, der Rirchenstock oder auch nur der Stock schlechthin. Der Opferküchen, des -s, plnr. M vom. livZ. Kuchen, so fern sic in der ehemahligen jüdischen und Heidnischelt Religion der Gottheit geopfert wurden. Der Opfermann, des—es, plur. die—Männer, oder Opfer- lettte, m kinige», besonders Niedersächsischen Gegenden, ein Nähme des Küsters oder Kirchners ^vermnchlich so fern er vorder Reformation die zum Behufs dcrKirche und desGottesdicnstes gemachten Opftr oder freywllligenGeschenke in Empfang nahm und verwahrere. ^ Das Opfermeffcr, des —-s, plur. u.t. vom. linZ. ein gottes- dieustliches Moser, womit die Schlachtopfer geflüchtet ivurden. Opfern 6o? Opf Orb 6oZ Opfern, vcrd. re§. act. als ein Opfer darbringen,eigentlich,der Gottheit als ein stimbildlichesZeichen seiner eigenenübergabe dar- bxing''n; wo es am häufigsten von demDarbringen undSchlachten lebendiger G schöpfe in denjenigen Religionen, wo diese Art des Gottesdienstes «blich war, und noch ist,aber anch von dem gottesdienstlichen Darbrjngen aller körperlichen Dinge, gebraucht wird. In einigen protestantischen Kirchen nennet man anch das opfern ' wenn b< y gewiffenGeleqenheiten frevwilligcGeschenke an Geld ans dl il Alrar oder in den Kirchensiock geleget werden. In we lerer Bedenkulig, besonders in der Hähern Schreibart, Ist jemanden etwas opfern, es ihmznmZeichen seiner Unterwiilfigkeit oderEr- gebenheit darbringen. Mit dcmNebenbegriffe der Begebung seines Engenthnmes um eines andern willen ist es besonders in dem zusammen gesetzten aufopfern üblich. Daher die Opferung, die Handlung des Öpferns in allen obigen Fällen. Anm. Schon bcy demOttfried opptioron , bey dem Strpkcr optrern. (S. Opfer.) Ottfried gebraucht dafür auch einigeMahl diuten, blechen. Der Opferpfenniy, des—es, plur. doch nur von mehrcrnSum. men, die — e, S. Opfergeld. Der Opferpriester, des —s, plur. ur nom. linZ. Fämin. die Opfcrpriesterinn, in den heidnischen Religionen, .eine Person, welche dazu bestimmt ist, das Opfern der Opferthiere zu oerrichten. Die Opferschale, plur. die —n, in der Mythologie, eine Schale, in welcher das Blut der geschlachteten Opferthiere anfgefangen wurde. ,, " Der Opferschmaus, des —es, plur. die—schmause, eben daselbst, ein festlicher Schmaus, zur Verzehrung des übrig gebliebenen Fleisches der geschlachteten Ovferthiere. O, wenn dich noch ein Opferschmaus Herab vom Himmel ziehet, Raml. Dev Opferstock, des —- es, plnr. die—stocke, S. Opferkasten. Das Opferthier,.des—es, p!ur. die —e, rin zum .Schlachtopferbestimmtes als ein Opfer geschlachtetes Thier. Der Opfertisch, des—es, plur. die—e, in der Mythologie, ein T sch, aufwelchem die Opferthiere geschlachtet und zubcreitct . wrrd.n. Das Mpf-rvieh, des—es, plur. inuk. zum Opfer bestimmtes, als ^itt Opfer g. chlachtetes Vieh. Der Opfern ein, des—es, plur. ir»u5. Wein, so fern derselbe in der ehemaligen jüdischen und heidnischen Religion zum Opfer b-.fiinunt war. St. Esth. z, 11 . ' < Der Ophlt, des— en, plur. die — en, rin vornehmlich bey den Alten branntet Stein, welcher grün ist,und schwarze Flecken und Adern hat,daher ,r auch OpiiNes, d. i. Schlange,isteiu,genannt wurde, welcher Nähme bey dem Pliujus und Dioskondes vorkommt Er bestehet ausThon,Kalk undSerpelttiustein,und wird iu unfern Flötzgeb-rgerr häustg gefimden, wo er auch Lehmstein heistc. Weil er um Mcni.phis in Äg: pten sehr häufig gefunden wurde, so kommt er auch unter dem Nahmen ^1emptntc-8 vor. Das Opium, drs Op i, plur. inufi. eil, Gummi, welches aus , dem getrockneten Safte der niorgentändischen Mohnköpfe fiNß-t, wenn sie zur Zeit ihrer Reife geritzt werden, und welches ein s hr heftiges einschläferndes M-ttel ist Mohnsaft. Der Nähme ist morgenlätt^ifchenUr'prilnges und lautet in der beutigeliPerstsch.cn Sprache-^fruu. Daher das Opiat, des—eü, plur. dre—e, ein daraus bereitetes Schlafruachendes'Mitlel. Die Optik, plur. inul. aus dem Griech. und l!ak. OotieA, ein Tbeil der angewandten Mathematik, welcher in der Wissenschaft der Lichtstrahlen bestehet. In der engsten und gewöhnüchstenLe- heuttmßifidrc Optkk dieWrssen:chastderLichtstrahlen, welche in gerader Linie m unser Auge kommen; zum Unterschiede von der Ratoptrik, oder der von polirtcn'Flächen zurück geworfenen Lichtstrahlen, und der Dioptrie, der in durchsichtigen Marerien gebrochenen Lichlstralen. Optisch, ackj. et ucl v. aus dem Lat. opticus, zur Optik gehörig, in derselben gegründet.- In weiterer Bedeutung ist optisch so wie eine Sache gesehen wird, so wie stedemAuac vorlommt, im Gegensätze der Art und Weise, wie sie wirk! ch ist. So sind die Aus- >, drücke, die Sonne gehet auf, ste gehet unter, optische Ausdrücke und Vorstcssungen, weil dieSonnc auf- und unterzugcheu scheinet, ob ste gleich im Mittelpuuete ihres Systemrs unbeweglich ist. Das Orakel, des—s, plur. ul NOM. sing, aus dem Lat. Ors. culum, nach der Mythologie der Alten, >) die, gemeiniglich räthselhaftc Antwort der Götter durch dre Priester; der Gotter- sprnch. Daher man auch noch jetzt einen jeden theils räthsilhaf- ten, theils such «tnwidcrlegbar gewissen Ausipruch ein Orakel zu nennen pflegt. 2 ) Der Ort, wo eine heidnische Gottheit den Fragenden durch die Priester Antwort erthcilrc. Daher auch figürlich eine Person) bcy welcher fich viele Raths erhöhten, cm Orakel heißt. Die Oranye, (sprich Orangsche,) plur. die—n, ans dem Franz. Ornate, und dicß aus dem Ztal. ^rckncia, eine Pomeranze, ingleichen ein Pomeranzenbairm. Im Deutschen pflegt man daher die Bäume, Blüthen, Zweige, ingleichen die unreifen Früchte der Pomeranzen- und Citronen-Bäume Orangen, ingleichcu Orangem Baume, Orangen: Bliiche, und Orangen - Früchte zu nennen. Im Mittlern Lat. lr^oZis. Im Jtal. heißt der Psme- ranzen-Apfel auch mit dem müßigen n, l^arLnroundiVlelL» r^nrö, und im Persischen l^arsnA. Die Orange oder Oran- genrZavbe, und mit einem dem Deutschen näher gebrachten Ausdrucke die Oranien-Farbe ist die dunkle röthlich gelbe Farbe, welche aus cüroncn-gelb und roth gemischt ist, und denübergang der gelben Farbe in das Morgenrorh ansmacht. DaberdasBey- und Nebenwort orangen, orangefarben, orangefarbig, orangegelb, oraniengelb, diese gelbe Farbe Kabend. Ein orange- gelber Taffcnt. Ein orangefarbenes lRleid. Die Orangerie, (sprich Orangscherre, viersylbig,) plur. di,—n, (fünfsylbig,) aus dem Franz Or^nZeris. ;) Der sä'mmtliche in und bcy einem Garten befindliche Vorrath vonLitroucn-Bäumen, Pomcranzen-Bäumen, und in wcitererBedeuluug auch von asten ausländischen Bäumen und Gewächsen, welche in dem Gewächsbause anfbewabret werden. 2 ) Auch das Gewächs- ober Treibhaus selbst wird zuweilenmit diesem Nahmen belegt. Ocaniengebb, S Orange. Der Orant, des — es, plur. inus. der Ncchme einer Pflanze, welch auch Dorant, ingleichcir Hundskopf, Sieckkraut, Slärk- kraut, Teufclsdand, weil man cs eh d^n. zur Zaubercy^u mißbrauchen pflegte, genainn wird; Hm >rrli num Oronlium l,. Nach dem Frisch find beydeNah non. so wol l Dorant als Orant, ^ aus dem G?iecb. verderbt. Von andern wird auch der gemeineDostenodeellVohlgemljth, O -Aanum vulgäre k,, mit dicfein Nahmen beleget, da denn derselbe /ns dem Lat. oder vielmehr Griech. OeiZnuum gebildet wnn würde. Die Ol'arörie, plur. inus. S. Redekunst. Das Oratorium, des — torii, plur. die—toria, das mittlere Lat. Ornluriu n, ein Singcstück in der Musil zu bezeichnen, in welchem die Handlung aus der geisil chen 0)eschick'te hergenom- menist, eine Ooer oder Operette geistlichen Inhaltes. In der Römischen Kirche ist es auch ein Bethstübchen für vornehme Personen. Die Mrdede, S. Uzbede, Orbil- N' l 6oA Lö Mrb^l 6EN!t. Orblls, plvr. die Orbile, eigentlich der Nähme eines mürrischen harten Schulmeisters zuNom, welcher vorher ein Nathsd-encr, und hernach eilt Soldat geworden war, und welchen -doraz, weil er die grammatischen Regeln mit dem Stocke einzu- blrmen pflegte, plsgolüm OrbiUum nennet. Von ihm wird^ noch jetzt ein finsterer mürrischer und mit Schlägen sreygebigcr Schulmann ein Orbil genannt. Der Orcän, S. Orkan. Das Orchester, (sprich Orkester,) des-s, pbur.Mvom. sto§. der ebgetherlreOrt in Schauspielen , Opern und Coueerten, wo sich die Musilariwn befinden, und die sämmtlichen. in einem Stücke spielenden Musikanten. Es ist ans dem Griechischen s?vn§« entlehnet, welches den erhöhettn Ort bedeutete, aufwel- rheiu die Mimi spielcten; daher auch das erhöhete Pult in der Kirche , ja zuirn rtcn auch die Kanzel selbst, im Mittlern Latein. Orciichn geuaunt wurde. Ler Oröen, des—s, pivr. uk von-. 6v§. r . *Die Ordnung, ohne Plural ; eine im Hochdeutschen ungewöhnliche Bedeutung. . Nach dem Orden ihresAltcrs, - Mos.28, S.Ordentlrch. 2. Ein Stand, d. i. eine Gesellschaft von Menschen einerley Art. ') Überhaupt, wo cs nur noch zuweilen und gemeiniglich im Scherze vorkommt. Der Mannerorden, derwciberorden, der Junggesellen- Orden n. s. f. der Stand oder die Gesellschaft der vcrheirstheten Männer, der Weiber, der Junggesellen. Siehe Ordnung. 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung wird e- nur von gewissen Gesellschaften, welche durch Gesetze, Regeln oder Statuten untereinander verbunden find, georauchr. Der geistliche .Orden, in der Römischen Kirche, ist eine Gesellschaft gottesdienst- -licher Personen, welche unter gewissen Regeln zum gemeinschaftlichen Gottesdienste verbunden ist. Der Mönchs - Orden , ein solcher Orden für Mönche oder männliche Personen, zum Unterschiede von einem Nonnen-oder Frauen - Orden. Der Augustiner - Orden, Franciscaner- Orden, Bettelsrden u. s. f. Vermn-'hlich gaben diese geistlichen Orden das Mustcr zu den Ritter - Ordrn ab, in welchen die ritterlichen Übungen mit gottesdienstlichen verbunden wurden, und welche in den neue-n Zeiten bis aufbloße Ehrenzeichen nndFeyerlichkeiten ausgeartct: find. Endlich sind auch andre Gesellschaften, welche bloss das gesellschaftliche Vergnügen zur Absicht haben, und deren Glieder durch gewisse Regeln und Gesetze mit ci«Lnder verbunden, und gemeiniglich durch äußere Zeichen von andern unterschieden sind,, unter dem Nahmen der Orden bekannt. Dergleichen sind der Freimaurer - Orden, dev Mops, - Orden und so ferner. g.Das Vcrhältniss, die Wurde und die Verbindlichkeit einer fglchen Gesellschaft. Jnglrjchen das Ehren- und Unterscheidungszeichen einer solchen Gesellschaft, besonders eines Ritter. Ordens. Einen Orden tragen, das Ehrenzeichen eines Ordens. Anm.Es ist wohl gewiß, daß cs, wenigstens in der zweyteu Bedeutung, nach dem Lat. Oreio gebildet worden, welches schon sehr frühe von gottesdienstlichen Gesellschaften gebraucht, und mit dem Chrlstenrhinne und den Mönchs,- Orden selbst auch in die Deutsche Sprache eingefuhret worden. In d?r allgemeinen Bedeutung der Ordnung ist es ein gutes altes Deutsches Wort, welches von dem Lat. O.rflo nur ein, Seitcnv'erwandrer ist, S. DrLenrÜch u r, d Ordnung. Das Ordensaltsr,. des—s, pl'ir. ivnü dasjenige Mer, welches nach den Gesetzen eines Ordens-u der Ausnahrue j'.r den;ü- ben erfordert wird.. Das Ordensband,-des—es , pl ur. die—bander, dasjenige Band, welches die Glieder eines Ordens tragen, und an welches oft der Orden befestiget ist.. Adel. W. B. z.Th. 2. Aust- DrA 6io Der Ordensbruber, des — s, plvr. die—brüder, das Mir^ glied eines männlichen Ordens, so fern sich dieselben Bruder zu. nennen pflegen; besonders eines geistlichen Ordens, die Ordensschwester ist eitl solches Mitglied eines weiblichen Ordens. Beyde znsammeir werden Ordenspersoncnmrdim gemeiueu Lehen Gr-- dcnsleute genannt. Der GrdettS§erstllche- des — n, xlvr. die — n, ein Geistlicher, so fern er zugleich ein Glied eines geistlichen Ordens ist, in d-ek Römischen Kirche, und zum Unterschiebe von einem Weltgsist- lichen. Daher die Ordensgeistlichkeit, die sämmtlichen Geistlichen dieser Art. Das Or-enskbeiö, des — es , ylur. die — er, dasjenige Kleid,, diejenige Kleidung, welche die Glieder einesOrdenszu tragen verbunden sind, welches sie von ander»; unterscheidet. Die fämmt^ licheit Kleidungsstücke dieser Arl machen den Ordens- äabr r aus. Die Ordensbeute,üvA- ivus. S. Ordensbruder. DerGrdsns-mann, des —es, xlur. die — Manner, und im gemeinen Leben, die— leutc, das männliche Mitglied eines männlichen geistlichen Ordens; m drr anständigern Sprechart'. die Ordensperson. Der Gröensmeifler, des— s, p!ur. m vom. llv?. der Meifier ober Vorgesetzte eines Ritterordens. Wo mehrere Ordcnsmeistee verschiedenem Range sind, da wird der erste und vornchmsts auch wohl der Großmeister genannt. Bep ben geistlichen Ordm ist das Wort General üblicher. Die Gröenspersön, p!ur. die — en, S. Ordensbruder. Die OröensveAel, x> 1 ur. die — u, die Regel oder Vorschrift, nach weicher dir Glieder eitles geistlichen.oder weltlichen Ordens ihr Verhalten Zu bestimmen verbunden sind. Der Ordensritter, des — s, süur. ur vorn. flv§.. das Mit» glied-cines Ritterordens. Die Ordensschwester', plür. die — n, S. Ordensbruder. Das Ordenszeichen, des.—s,-plur. urvom- 6 v^. das.Ehi'en-- und Unterscheidungszeichen eines wcltlicheirOrdens, welches auch nur der Orden schlechthin genannt wird. - Ordentlich,— er, —-ste, ach. et ÄÜv..dcrOrdnunggemäß,in derselben gegründet 1. In debnveitern Bedeutung dieses HäuptkvortcchderÜberein- si-mmuttg des Mannigfaltigen in der Folge der Dinge nach und neben einander gemäß, und darin gegründet; im Gegensätze des unordentlich. Die Bibliothek ist sehr ordentlich eingerichtet.. Eine ordentliche Bibliothek, welche nach einer, guten Ordnung eingerichtet ist. Es liegt alles sehr ordentlich. Die Soldaten marschiren ordentlich. Etwas sehr ordentlich erzählen, wie- ' - die Folge der Begebenheiten es erfordert. Jngleichen, Fertigkeit, besitzend, in allen Dingen die Übereinstimmung des Manuigfal, Ligen zu beobachten, und darin gegründet. Ein ordentlicher Mensche der in gllen Dingen und Geschäften eine gewisse.Orö- umlg beobachtet, besonders in Ansehung-der-Zrit und des Ortes. Er lebt sehr ordentliche Eine ordenriiche Zaushaltung, in welcher alle Geschäfte zur gehörigen Zeit und nach dem gehörigen Verhältnisse geschehe». Die Host kommt.sehr ordentlich, zur bcstimmtcn-Zeit. 2. Ju engerer und figürlicher-Bedeutung: 1) Im moralischen Verstände, der gehörigen Übereinstimmung nttsrer Handlungen mit der Vollkommenheit unsers äußern uüd innern Zustandes gemäss und darin gegkündet^iu-glrichen Fertigkeit besitzend, diese ÜbereinsiilMnuiiZ zu beobachten. Bevdes im Gegensätze des unordentlich. Sehr ordentlich leben. E'n ordentlicher Mann. Ein.ordentliches-Tcbcn, einen ordentlichen Wandel führen. Besonders in Ansehung, des. gichöri^cn Maßes Q.q- . ^nd 611 Drd »und Vrrhaltti'sscs in Speise und Trank und ben Vergringungen. Heute leb: auch der ausschweifendste ordentlich. 2) Der E-nrichrung. der Beschaffenheit einer Sache gemäss, in derselben gegründet , daraus begreiflich; im Gegensätze des ausserördc-ntiich. (a). Überhaupt. Die ordentliche Obrigkeit, welcher man vermöge seines Verhältnisses in der bürgerlichen Ge- ' sellfchaft unterworfen ist. Linen ordentlichen Berufhaben. Der ordentliche Pfarrer, der ordentliche Beichtvater, der ordentliche Richter. Die ordentlichen Lufterscheinungen, im Gegensätze der ausserordentlichen. Um der Zwcydeutigkeit mit der ersten allgemeiner:! Bedeutung willen, ist es m diesem Verstände gemeiniglich mir auf gewisse Fälle eingeschränkt, (b) Der Vorschrift, der Regel gemäß; um der gedachten Zweydeutigkeit willen, auch nur in wenigen Fällen. Ein ordentliches Verfahren. Aber für regelmässig, regulär, durch Regeln und Verordnungen eingeschränkt, wie es von einigen gebraucht wird, die ordentliche Geistlichkeit, in der Römischen Kirche, die reguläre oder Ocdensgeist- lichkcit, im Gegensätze der weltlichen, inglejchen ordentliche Truppen fürrcgnläre, ist es noch weniger anzurathen. (c) Den gewöhnlichen Formalitäten oder Umständen gemäß, in welchemVer- stande es besonders in der vertraulichen Sprechart und im genu inen Leben sehr üblich ist. Das Licht war nicht selbst erloschen, sondern ordentlich abgeschnä'utzt- Hermes. Eine ordentliche Lochzeit halten, eine förmliche, feywliche. Er hat micchor- .dentlich geschimpft, förmlich. Sie hat uns ordentliche Grobheiten gesagt. Gell. förmliche. Das Dmg hehme ich ordentlich übel,förmlich, wirklich. Daher es denn, (d) in noch weiterer Bedeutung oft auch für gewöhnlich, den meiste» Fälle» ähnlich oder gemäß grbrauchtwird; im Gegensätze des ausserordentlich. Das gehöret zu feinen gewöhnlichen und ordentlichen Verrichtungen. Seine ordentliche Mahlzeit halten, seine gewöhnliche; Er schreibt ordentlich alle posttage, gemeiniglich, gewöhnlich. Er kommt ordentlich alle Tage. In ordentlichen Zö llen, i:n Gegensätze der ausserordentlichen. Ordentlich- d. i. gewöhnlicher Weise, gcschiehet das nicht. ^ . Anm. Dieses Wort ist von dem Hauptworts Orden, so fern es ehedem Ordnung bedeutete, (S. Orsen i und Ordnung) und der AbleitungSsi-lbe—lich gebildet, und bedeutet daher der Ordnung ähnlich, gleich und gemäß. Das t in der Mitte ist das r eupho- nicum, welches dem n in mehrernWörteru angchänget wird, (siche N und T.) Jm Oberdeutschcn lautete es daher in den älter» Zeiten nur ordentlich, und meinem r 503 zu Basel gedruckten Buche gar nur ordelich. Auch in Luthers Bibel kommt unordig für un- ' ordentlich vor. Die Order, S. Ordre. Z5re Ordinänz, xlur. die—en, aus dem mittler» Lat. OrcU- Liantia. 1) *Der Befehl; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung. Man gebraucht es 2) nur noch bey den Soldaten, ws die Ordinanz derjenige Soldat ist, welcher beständig bcy und um einen Befehl habenden Officiev seyn muß, um dessen Befehle in nöthigen Fällen an andere zu überbringen, in manchen Ländern Ordonnanz, unmittelbar aus dem Franz. Orclonnnnce; wo es denn auch von diesem Verhältnisse, von dieser Verrichtung eines solchen Soldaten gebraucht wird. AufOrdinanz seyn, einen Befehl habenoen Officier begleiten, um auf dessen Befehle zu warten. I» manchen Gegenden hat man auch dergleichen Civil - Bediente, welche, wenn sie beritten sind, und zu Pferde verschickt werden, Oedinanz - Reiter heißen. Ordiniren, verb. re§. not. aus dem Lattorckinars. 1) Befehlen, anordnen, verordnen; in welcbem Verstaube cs doch nur im gemeinen Leben üblich ist. 2) Einen Geistlichen ordim'ren, in der protefiürttischen Kirche, ihm das Lehramt und das Befugniß zu / Ord 6l2 allen Amtsverrichtungeli ftycrlich erthelsen; welches von einenr oöeru Geistliche,! geschiehst, und an die Stelle der Priesterweihe in der Römischen Kirche eingeführet worden. Ans dem Mittlern 'Lat. orclsnnro. die geistlichen Orstioss ertheilei!, feyerlich in den Orden oder Stand der Priester ünfiichunu. Daher die Ordi- nariön, diese feperliche Erchriluug des Rechtes zur Führung des gottesdienstlichen Lehramtes. Ordnen, verd. reA. Url. die Folge des Mannigfaltigen nach und neben einander bestimmen. 1. Eigentlich, in Ordnung bringen, einem jeden von mehrern Dingen seine gehörige übereinstimmige Stelle anwttsen, zunächst dem Orte, in weiterer Bedeutung aber- auch dcrZr.t und dem V-rbälttliffe »ach. Die Bücher in einer Bibliothek ordnen, in eine gewisse Ordnung stellen. Mehrere Personen nach dem Alter, nach der Grosse, nach dem Range ordnen. Die Stimmen in der Musik ordnen. Die Schnitter ordnen das abgeschnittene. Getreide in kleine Laufen Jn- glcichen m tveirerer Ledentiurg,,licht nnr dem gehörigen Orte und der gehörigen Zeit nach, sondern auch dem. gehörige» Verhältnisse nach bestimmen. Der verstand muß'mit seinen Einsichten die Neigungen des Willens seiten und ordnen, Gell. Gott regie- rerund ordnet die allgemeinen und bes-ndern Schicksale des Menschen. Die geordnete Selbstliebe, im Gegensätze der ungeordneten. 2. In engerer Bedeutung, r) Die Handlungen anderer ordnen; wofür hoch in den meisten Fällen dir zusammen gesetzten anordnen und verordnen üblicher sind, wie ich den Gemeinen in Galatia geordnet habe, r Cor. 16, i, d. i. verordnet, befohlen. Ihr ordnet der Festtage zu viel. 2) Zu Führung und Verwaltung eines A-mes Befehl und Befugmß ecthei- len ; wofür jetzt gleichfalls zuweilen verordnen gebraucht wird. Gott hat geordnet die Herrschaften, Sir. 17, >4. Die Apostel ordneten ihmen hin und her Altesten in den Gemeinen, Apostelg. 14, 2z. Dass ich dich ordne zum Diener und Zeugen, Kap. 26, 16. Von der feyerlichen Verordnung und Einsetzung zum gottesdienstlichen Lehrer ist in den protestantischen Kirche« das verwandte aber Lat. ordchiren üblich. Daher die Ordnung, S solches sogleich besonders. ^ Anni. ImTatiauorcttllon, imLm. orüinnre. Es ist vermittelst der Endsylbe —neu entweder das Factiuvnm von einem vc-ratteten Neutra ordcn, oder auch das Jntcnstoirm von dem noch bcp dem Stryker befindlichen orclen, für ordnen. Ordnen ist ans ordenen wie Ordnung ans Ordenuug zusammen gez'ogeu. Die Ordnung, plur. die —en. 1. Die Handlung desOrdncns, als das Verbale des vorigen Zeitwortes und ohne Plural; in welcher Bedeutung es doch am fttteusten gebraucht wird. Die Ordnung 5o vreler Menschen ist schwer, so viele Menschen zu ordnen. -.AlseinAbstraclum; wo der Plural nnr von mehrern Arte« üblich ist. ») In der weitesten Bedeutung, eine jede Folge der Dinge nach und neben einander. Etwas in eine gewisse Ordnung bringen, die Dinge auf eine gewisse Act nach und neben einander stellen. Eine gute Ordnung, eine schlechte Ordnung. D-c Ordnung der wöeier in derRede, ihre Folge aufeinander. 2) Jwengerer und gewöhnlicherer Bedeutung, die Übereinstimmung, die Ähnlichkeit des Mannigfaltigen in ihrer Folge auf und neben einander; ini Gegensätze der Unordnung. (a) Überhaupt, wo es so viele Arterl der Ordnung gibt, als Ähnlichkeiten des Mannigfaltigen Statt finden, oder als die Absicht und Bequemlichkeit des Ordneudeu es erfordert. Etwas in Ordnung legen stellen, bringen. Die Truppen in Ordnung stellen- Eure, Bibliothek m Ordnung bringen. Die Trüppen gingen ohne alle Ordnung unter einander hin. Nach der Ordnung gehen. Ohne alle Ordnung marschiren. Die Soldaten 6 '. Ord Org 6r 4 6 ofr>a,-n in Ordnung halten- die Ordnung erfordert e?. E- ist keine Ordnung unter- den Leuten. Etwas ohne alle Ordnung erzählen. Die Ordnung lieben. Jngle.cheu dre Folge einzriuer Dinge nach der Ähnlrchkrit des Ganzen, ep.-c chn die Ordnung trifft, die Reihe. . , e, 1-me!, !ln« u. z. f. sich bloß durch den sorgesetzlenZischlaul von der alteuQuel- le entserner hat. (S. Ort.) Übrigens kommen für Oednung in dem Zstdoranch ftecü'L, im K-ro ^ntreittclci, s^ntrsNi, bey dem Netksr ^utrellt, und imTatian /Xvtreitu vor-, welche nichr ss wohl zu unftrm Rede, als vielmehrzu dem Oberdeutschen raiten, rechnen, vermuthlich eigentlich ordnen, und zu unserm recht und richten gehören. Die Ordnungs-Zahl, plur. die—en, in der Sprachkunst, eine Zahl, welche die Ordnung oder Folge der Stelle nach andeutek, die ordnende Zahl, dergleichen der erste, zw-epte, dritte u. s. f. sind; nach dem Lat. idlumerl ordinales, zum Unterschiede vow den Grundzahlen, eins, zwep, drep u. s. s. Die Ordonnanz, S. Ordinanz. Die Ordre, plur. die—n, ein zunächst aus dem Fkanz.Orüre entlehntes Wort, den gemeffenenBefehl eines Hähern in einzelnen Fällen zu bezeichnen; in welchemVerstande cs besonders imKriegs- wefcn und gemeinen Leben i^.ich ist. Gemessene Ordre haben , gemessenen Befehl. Nichts ohne Ordre thun. Ordre bekommen. (S.Beordren.) Daß dreß Wort mit der Taktik und ganzen Kriegssprache aus Frankreich zu uns gekommen, ist sehr wahrscheinlich. Indessen bedeutet Order und Odder im Nicdersächs. eisten jeden Befehl, welches wohl unmittelbar von orden, für ordnen, befehlen, abzustammen scheinet. Daher man auch im Hochdeutschen Order nnd beordern schreiben kann. Der Orenyel, des—s, plur. iuuü in einigen Gegenden einNah- mc der Mannstreu, Lr^nZium I-. aus welchem Lateinischen Rahmen der Deutsche Orengel oder Ohrengel ohne Zweifel verderbt ist. Der Orf, des—-en, plur. die — en, oder die Grfe, süur. hjx — n, in einigen Gegenden ein Rahme des Galdbrassens oder der Goldforelle, Ssiarus surstu 1^. Bey andern Schriftstellern Or^trus. Er hält sich in denDeutschen.Engl'schen nndFran- zöstschen Flüssen auf, und hat den Nahmen von seiner hohen Gelöst. r be; Franz, v ors 6 e, Jral. Ors r u, O 3 6s, von welcher ohne Zweifel auch der NahmeOrfabsiammer, welcher in andern Gegenden Erf, Llf,.Ürf, Orbe, und mit dem Vorgesetzten n, Nör sting lautet. Ein anderer m der übrigen Gestalt dem vorige,» ähnlicher Fisch, welche» aber statt der fcucrrothrn Farbe weiß ist, wird in Sachsen die weiße Orfe genannte Das Organ, des — es, xlur. die —e, ans dem Griech. und Lat. O^-ZLnum, womi' besonders die Werkzeuge der äußernSin- »e, der Empfindung, im weitern Verstände aber auch derVeräude- ° rung an und in den Körpern bezeichnet werden. Die Organe de« Empfindungen, die Werkzeuge, oder Hülfsmittel, wodurch ein Körper empfindet. Das Organ des. Gesichtes, das Auge, mit allen dazu gehörigen Theilen. Organisch, «täj.etsclv. aus dem Lat. und Griech. vrgsn'cus^ mit Organen, d. i. Werkzeugen der Empfindung, und in weiterer Bedeutung, der Veränderung, bc«abrt und darin gegründet. Eiw organischer, oder organisirrerJörp-r, welcher vermöge seiacr Ansammenfttzung zu Empfindungen und Veränderungen fähig ist ; zmn Unterschiede von einem unorganischer;. Der Organist, des — en, p'ur. die — en, aus dem Mittlern Lat.OrgaiMs, derjenige, -essen eigentliches Amt ics ist, die Orgel in eiucr Kirche zu spielen; -esse» Gatlinn die Organistinn-. S. Orgel. Die Organsrn-Seide, xlur. inus aus dcmJtal. OrßLukos^ in den Seiden-Fabrikc«^ die feinste und beste Seide, woraus di« La, Lett« Kette der ftidenen Zarge bereitet wird, und welche aus einzelnen zusammen-gezwirntenFäden bestehet. Die Orgel, plur. die —- n, Drminut. das Orgclchen, ein mnst- kalisches ears vielenPfeifen zusammen gesetzresJnstcunient, welches die verlangtenTöne veemilrelstdes künstlichenWindes hervor bringet, rmd am chäufigstsn, ja säst nur nvch allein es— cs, plur. car. der Bau.ciner Orgel; in- gicichen die Kunst, eine Orgel zu bauen. Leu Orgelbau verstehen. ° , Der MrFelBckuer, des—s, plur. ul r>OM. derienige, welcher dieKnrrst verstehet, Orgeln zit bauen, und wirklich daraus sein Hauptgeschäft macht; im Mittlern Lat. OrZanamus. Das Orgelte sch sttz, des — es, plur. die — e, eine Art Geschütz, wo aufEinem Gestelle viele Läufe nebelt und über einander liegen; wegen Ser Ähnlichkeit mit den Pfeifen einer Orgel. Mogeln, verb. reZ. rrsutr. mit dem Hnlfsworte haben, welches nur in der niedrigen Sprechart üblich ist, die Orgel spielen, oder auf der Orgel spielen. Die Orgelpfeife, plur. dlc—m, rine Pfeifc in der Orgel oder «ns der Orgel. Der Orgeltceter, des—s, plur.uk pom. linZ. derjenige, wel- cher dieBlafebälge an dsrOrgel trict; der Balgentreter, rurd mit cinenr Lateinischen Ausdrucke der Laleant. DckS Orgelwerk, des — es, plur. die — e, das Innere einer Orgel, die zusammen gesetzten Theile, deren Ganzes dieOrgel ausmacht, und die Orgel selbst. Der OreskwBlf, des—es, plur. die—-rvolfe, bey den Orgelbauern ein Fehlrr an der Orgel, wenn Zwrp überein siunmendc Pfeifen zugleich gerührer werden, und zwischerr sich einen dritten Dissonanz-Ton hören lassen. Der Orient, (drpysylbig,) des — es,plur. ear. ausdemLatein. OriLchs, die Gegend zu bezeichnen, in welcher dieSonne arifgeh«, tNorgen, Ostens in welcher Bedeutung es doch wenig mehr .gebraucht wird. Am häutigsten bezeichnet es den Europa gegen Morgen gelrgerrenMeltkheil, dessen westlicher oder näher gegen Europa gelegener Thell unter drM Na>.nench?r -Eevarue bekannt -ist.; die M??§en^ev. - Orientäflsch, L 6 s.sk a 6 v. aus dem Latem. oriental rs, ans dem Oriente hcrkommend, in demselben gegründet; morgenland,sH. OrientslischeBdelstetne. Die ortentalischeLompagnie rnWien, welche nach der Turkey handelt. Die orientalischen Sprachen,' in engerer Bedeutung, S Morgenlandisch. Orlentiren, vero. reZ. act. aus dem Franz, orierrter, ein nur in Ser Seefahrt und Erdmeßkuuft übliches Wort. Einen Riss orientiren, dessen Theile in die gehörigen Wettgegcnöen oring^,. Figürlich, einen deutlichen Begriff von einer Sache beybringen. Sich orientlren, sich die Lage, Beschaffenheit einer Sache dent- lich machen. st Drrs Originäl, des'—es, plu-r. die — e, ans dem Mittlern Lat. Originale. >) E'genlllch, das erste ffyerliche ursprüngliche Wert; im Gegensätze der Cople. Ein Bstd, welches, nach dein Leben gewählt oder von demKünstler selbst erfunden worden, heißt das Original, zum Untersch ede von oc-r ctopie oder dem wieoec nach nnd von diefim Biloe gemaylten G-mähldc. In einem andern Verstände ist die gewählte Person oder der adgemahtte natürliche Gegenstand oas Original, da denn das Gemählde, ' wenn cs gleich nach'dem Leben und der Natur gewählt ist) die Cspie heißt. In beydeu Fällen ist im Deutschen auch das Wort Vorbild, noch mehr aber Urbild üblich, dagegen Nachbild für Lopw erst noch einen Mehrern Bepfall erwartet. JnAnschmtg der Schrkiten, ist der erste feyrrliche Aussatz das Original oder die Urscht rft. zuweilen auch die Urkunde, im Gegenlatze der Lopie > oder Abschrift. Etwas im Originale haben. Das Original eines Briefes, eines Vertrages. Die Originale, oder nach dem Lat. Ori^inalis, die Originauen aufweiscn. 2) Figürlich nennt man auch ein außerordentliches Genie, eine Person, welche in ihrer Art Seidsterfinder ist, ein Original; da denn auch wohl .jwwenerer Bedeutung ein seltsamer Kopf, ein Sonderling, den Nahmen eines Originales, nöhmUch der Thorheit, des Seltsamen, bekommt. Der Mrkckn, des — es,p!ur. die— e, ein heftiger reißender und gemeiniglich im Wirbel sich drehender Sturm- der heftigste und höchste Grad des Sturmes. Im Jral. Orcano, Orrioauo, im Franz. Origan, Oura^an, im Engl. kurt-inane. Es ist ein ausländisches Wort, welches aus Amerika herstammeu soll; vielleicht aus den Antillen, wo vom Julius bis zum Oerober gemeiniglich schreckliche Orkane wüthen. Indessen sicher man doch bald, ffaß es, so wie Nord , ein nach der Natur gebildetes Wort ist, nnd das Brausen des Sturmwindes airsbrnckt. Der Orlecrn, (sprich Orleans,) p!ur. inul', die rothen Samenkörner des Orlean-Saumes, welche zu einemTcige gestoßen, und in der Färberey gebraucht werden, da sie denn eine schöne Hohe gelbrorhe Farbe geben, welche gkstchfalls Orloan genannt wird. DerOrlean-Banm, Lixa Orellana L,.wächwk indem wärmer» Amerika , und traget eine stachelige Frucht. Die Farbe wird jetzt am häufigsten und besten aus Cavcnna zu uns gebracht. --. Vielleicht erhielt man sie ehedem aus der Stadt Orleans in Frankreich, dg sie denn den Nahmen von derselben bekommen haben würde, wenn anders derselbe nicht Amerikanischen Ursprunges ist. *Der Orlog, des—es, plur. die — e, ein altes jetzt nur noch im Niederdeutschen übliches Worr, welches ehedem sehr gangbar war, einem feyerliche,r Krieg, imGeaenftchedec kleinen Fehden zu bezeichnen. Esivmmt'tmr iwch zuweilen rn dem Worte Mrlogö- schiff vor, welches einige Schriftsteller ans dem Holländischen und Rirdcrsächstschen bepdchalten, ernÄriegsschrff'zu bezeichne,u Bey demStrykrrVs-leuxe, bey älldernattettOdeeo. utichenSchr-ftstcl- lcrn Urltgnng, ttrllng-, im Nkederdennchen Ooriog, Oeling, wo -auch oßl0tzorr Krieg führen ist, Dir Ablkttungerr, weiche bis- her >6 1 7 Ä t s herdavon versucht morden, sind größten Lheiks seltsam. Im Angcls. bedeutet Orlsg^und im Schwed, chrlig eine Schlacht, und wenn hieß, wie cs scheinet, die erste eigentliche Bedeutung^, so ist die letzte Hälfte, wie Ihre will,,instreitig das alte Lag, bey dem Uiphilas'DnuZ, wofür wir jetzt mit dem Zischlaute Schlag und in der intensiven Form Schlacht sagen. Die erste Sylbe, welcheIbre voudem alten O,", päur, ein Pfeil, ableicet, wird richliger fürbie Vorsvlbe —er oder —ur gehalten, so daß Orlpg in der Bedeutung einer Schlacht oder eines Treffens mit unferm Zeitworre crlecren iiberein kommen würde. Die Orseille, (sprich Orsclje,)p 1 u r. iuu 5 . ans dem Französischen OrieiUs, der Nähme einer Art Flechte, welche stcanchförmig,- dicht, und lven g ästig ist, aber keine Blätter hat; Dicken Koa- ^ eella O. Sie wächst an den Felsen des Meeres auf den Cana- rischen Inseln und im Archipelagns, und gibt die bekannte Colurn- bin-Farbc. Der Mrt, des —-es, plur. dieOrte und zprter, Dimüutt. das tHrtchcn, Qbecd. K ei e iw, rin Wyrt von vielfachen Bedeutungen, welche sich doch insgesammt aus einem gemeinschaftlichenStamm- bcgriffe herleiten fasten. *Ein Theil eines Ganzen, ein abgebrochenes Stück , ein Stückchen; eine Bedeutung, welche sich nur noch in cinigenlÄer- rcsten erhalten hat. Im Engl. sind Orts Brocken, der übrig gebliebttreLheil des Brotes, und in weiterer Bedeutung jeder Speise. -Im Niedersächstschen ist Ort und Metels dasjenige, was das Vieh von dein Futter übrig lastet und verwirft; Orr- stroh, das von dem Viehe übrig gelassene Futterstreh, orten, orden, verorten, das Beste ans dem Futter und den Speisen misslichen, und das Schlechtere verwahrlosen. Im Irländischen ist Orelo em Überrest, ein übrig gebliebenes Stück, und im Norwegischen 0 r ein Brsckchen. Wenn es h,er nicht zu der folgenden Bedeutung des Letzten gedörrt, so stamme, eS vermuthlich von ären, nrwre, ab, so fern es ehedem überhaupt graben, zermalmen u. s.f. bedeutet har, mrd wovon wir mir dem Zischlaute noch scheren, theilen, haben. Besonders scheinen hierher diejeni- gen Fälle zu gehören, wo Ort von einem Gewichte, einer Münze und einem Maße gebraucht wird, wo es gemeiniglich den vierten Theil eines größer« br-zeichnet, und, wenn man das v und q oder k als nnw sentliche Vorlaute betrachtet, alsdann mir vier, vierte und rsuurtus, vrrwar.dr ist. ,) Ern Gewicht, eilst besonders in Niedcrsachsen und Dänemark übliche Bedeutung, wo der Ovt oder im Dim nur. das Örtchen, der vierte Tbril eines Quentes ist; in ivelchem Verstünde es im Hannoverischen und Bremischen verkommt. An andern Qrtcn wird das Quent dafür in vier Pfennige gelheilet. Der Plural har hier beständig Orte, oder nach der Analogie anderer Wörter, welche eine Zahl, ein Maß, ein Gewicht u. s. s. bedeuten, nur Ort, wie es denn in dieser Bedeutung auch wohl im sachlichen Geschlechre gebraucht wird, das Ort. 2) Eine Mü rze, welche gemeiniglich such der vierte Theil einer größer« ist, und wo der Plural gleichfalls ^Ortender Ort lautet, das Geschlecht abiw auch oft sächlich ist, das Oer. (a) In Vielen Gegenden Qbrr-und Nieder Dentschlandes ist der Orr oder das Ort der vierte Theil eines Neichschalers, daher eine Münze, welche 6 Gr. gilt, auch emOrtsrhalcr oder ein Reichsort genannt wird. Es kostet drep-Thaier und einen Ort. Im Cöllnischen hat ein Ort oder Ortethaier 2 Schillinge, z Blaffsrks, ober 240 Haller; zwep Ort machen daselbst einen Herrengnlden. b) Das Örtchen, im Diminut.ist in Qstfriesland der vierte Theil cines Slüvers, welcher 2^ W-ttenhalt, so daß 2,6 Örtchen ans einen Reichsthaler gehen. In Schiveden,st Öcttg oder Orrug der deute Theil eines Ores, »brr acht Pfennige. Auch im Dänischerr Drt SiZ hat man Orte, und im Pohln. ist Ort gleichfalls eine Münze. Ix , dieser Bedeutung einer Münze leiten es die meisteuSprachforschee von der folgenden Bedeutung einerEcke her, weil ein in wer Theist, getheiltes Stück Ecken bekommt. Allein wenn man ben ganzen Umfang dieser Bedeutung zusammen nimmt, so mnß man den Stamm höher suchen, welcher denn vermuthlich kein anderer ist, als daS schon gedachte ären, scheren, therlen. z) Eines Maßes, welches glbichsalls gemeiniglich der vierte Theil eines größern ist; Plural Orte oder Ort. Es ist in diesem Verstände im Niederdeutschen am üblichsten. InLübe'ck ist das Ort der vierte Theil eines Quartiere-, und im Qsnabrückischen der vierte Theil einer Kanne oder eines Maßes, welcher daselbst wiederum vierHelschsn hat. Auch in Schweden ist Ort ein Gctrei-- demaß , deren 32 eine Kanne, 1792 aber eine Tonne machen» Im Salzwerke zu Halle ist Ort der viebte Theil einer Pfanne. In noch weiterer Bedeutung, aber mit andern Endlanten gehören auch Ohr, Ohr, Arche, Arke, Urne, E rceus. särca, das Rurko» ein Becken , in del-. Monseeischen Glossen, und das alte Gordische ck^urallju, rin Grab, hierher, welche insgesammt in der Bcdeu- Lnng eines hohlen Raumes mit dem vorigen überein kommen. Auchdas Ort im folgenden, sofern es im Bergbaue einen Theil einer Grube bedeutet, lasset sich hierher rechnen. , 2. Drc Schärfe, Spitze, Ecke eines Dinges; eine mit der vorr- gensehr genau verwandte Bedeutrmg, welche im gemeinen Leben Qber - und Nieder - Dentschlandes noch häufig genug vorkommt. r) Überhaupt, eine jede Spitze, Scharfe oder Ecke eineL Dinges ; wo der Plural gemeiniglich Orter lautet. Seiner Zungen Ort, für Spitze, heißt es bey dem Jervschim vicrortl§ kommt für viereckig >.lsch im gemeinen Leben Qber-DemschlandeS vvr, so wie scharfsptig, einen scharfen oder spitzigen Winkels stumpfortig, einen stumpfen Winkel, und rcchtortig, einen rechten Winkel habend. Im Bergbaue werden die Spitzen an den Bergeisen Orter genannt. Die Orter ausschmieden, die abgenutzten Spitzen wieder spitz schmieden. 8ivsk8cvert.e5ort blik- ks, Srryker, dieElicke von derSchärfe seines Schwertes. JmNie^ ders. ist der Ort, wie im Angels. Orcl, eine jede Ecke, cm jedes Winkel. Um den Ort,gehen, um die Ecke gehen. Daher Ort- Haus daselbst ein Eckhaus, Ortstein einen Eckstein bedeutet. Auch cineLandspitze an derMündung zweyer in einander fließeickee Flüsse, oder an der See, ist unter dem Nahmen eines Ortes bekannt,daher sich manche eigenchümlicheNahmen ans diesesWort endigen; z. B. Daggerork, Leeroer u. s. f. Ein kleiner übrig bleibenderPlatz in einem Garten, in einem Acker, heißt m Niederst ein Ortken, gleichsam em Eckchen , ein Wmkclchcn. In den Monseeischen Glossen ist 0 rt. 1 i gleichfalls ein Winkel. Ähre^ rärillL. Ärker, 6orn, Hort, und hundert andere sink gleichfalls damit verwandt, indem der Begriff der Hervorragung. der Schärfe, der Spitze, in allen der herrschende ist. S. dieftWör-- Ler. In einer alten Bibelübersetzung von 1477 werden die ner odcr'Eckeil des Altars Orter genannt. 2) Ein mit einer scharfen Spitze begabtes Ding; wo der Plural gemeiniglich Orre hat. Besonders p siegen die Schuster ihre Ahle Orte zu nennen. 3. *Das Erste und Letzte an einem Dinge, der Anfang und das Ende in Ansehuug der Ausdehnung ; eine noch im gemeincn Leben hin und wieder übliche Bedeutung, welche eine Figur der vorigen ist, in der änstLichigcn Schreib- und Sprechart der Hochdeutschen über, einige Zusammensetzungen ausgenommen, nicht mehr vorkommt. Des Lebens Ort, des Lebens Ende, Jervschin. Bis zu Tages Ort, bis zum Anbruche des Tages. Narienschiff. Er sagt cs chm von Orr, er erzählet es ihm von Anfänge, in einem alten Gedachte bey dem Sckürd, nach dem Frisch. Bey dem Notker L 'Est ist Or krumZ, nnd bey demHornegkOrchab, der Urheber, An» fänger eines Dinges, im Angels. Ort der? Ursprung, Anfang, und im Schwed. Ort das Ende. Wer sichet nicht, daß in An» sehung des Anfanges nnfeL er, erst, ur und Ur , dasLat. oriri, v 6iri, Orius, Orjc;y, und in Ansehung des Letzten, des , Endes, das Griech. ö(>vs, das Ende, dasLat. Ora, inlerMon- seeischen Glosse Orr, der Rand, und mit demB auch unser Bord und Bort dahin gehören? Tewrdank der Held— trat an des paumbs Ort, Theuerd. Kap. 28. was ist doch unser -Leben, Die wir ohnEnd und Ort in Furcht und Tröste schwe- . ben s Opitz, wo End und Ort weiter nichts als Ende zu bedeuten, scheinen. Zur gemeinen Leben sagt man noch, eine Sache am rechten Orre «»greifen, am rechten Ende. Im Niedres, ist es in dieser Bedeutung des Endes noch völlig gangbar. S Ortband, Ortbrer und andere der folgenden Zusammensetzungen. Vermuthlich gehöret hierher auch die im Bergbaue übliche Be- deutung , wo cs das Ende eines jeden horizontal getriebenen Berg- geöäudes, ferner die Stelle in einer Verggrnbe bedeutet, wo der Bergmann arbeitet, und hernach in weiterer Bedeutung eine jede' kurze hor:zontaleAi>shöhlung;wcnn es hier ilicht vielmehr zur ersten Bedeutung eines Theiles, eines furzen Stückes,, eines Endes, zu rechnen ist. Der Plural hat hier beständig Arter. Alle horizontale und in die Quere gehende Wege und Öffnungen, welche zum Theil auch Ouerfchl äge genannt werden, heißen dvselbst Arter, Suchörter, deren Absicht bloss das Nachsuchen ist, Zeldörwr, welche in keine große Tiefe getrieben werden, Füllörter , wo die Tonnen geMet werden, u. s.f. Arter an stellen oder treiben, solche horizontüleÖffnungen machen, vor Ott kommen, an das Eude eines horizontalen Berggebäudes. Der Bergmann arbeitet ror Ort, wenir er ferne Arbeit am Eude der Grube auf dem Gesteine hat. Im Schwed, lauteres in dieser Bedeutung gleichfalls Ort. 4 -Der jenige Raum, welchen ein Körper eimrimmt oder doch , riimehmen kann, ein bestimmterTheil des Raumes ; cinc/glei'ch- " falls mit den vorigen genau verbundene Bedeutung, entweder, so ferst das Ende des Raumes , dessen Gränze, sigürljch für den Raum stehet, in welchem Verstände auch Gränze und das Latein. Mini d üblich sind, oder auch, so fern Ort, dem dritten besondern Falle der ersten Bedeutung zn Folge, einen hohlen, vertieften Raum, und hernach figürlich einen jeden bestimmten Raum bedeutet, auf welche Art auch das Latein. I^octt8 eine Figur von Loch ist. r) Überhaupt, der Raum oderTherl des Raymes, welchen ein Ding eiunimmt oder doch einnrhmcn kann, und in weiterer Bedeutung auch ein Theil eines Dinges in Ansehung des Raumes, so fern sich ein Ding oder auch nur ein Umstand daselbst befindet »der befinden kann. Der Plural hat hier im geureincn Leben zwar Häufig Arter, in der ansiandrgern Schreib-und Sprechart, nach Zem Muster der Oberdeutschen, über alle Mahl Orte. In der Metaphysik nennet man denjenigen Raum, welchen ein Körper wirklich einnimmt , den absolttteu Ort, denTheil dcs Raumes aber, welche» er in Ansehung anderer Körper emnimmt, sein Ver- Hälrniss gegen die neben ihm befindlichen Dinge, die Stelle, den relativen Ort. Im gemeinen Leben begreift man beyde unter dem Nahmen de- Ortes schlechthin. Es lag än/tziesem Orte. Lege es an jenen Oet. Ein jedes Ding an seinem Orte. Ich habe es an allen Orten gesucht, in allen Theilen des Raumes, wo es sich nur befinden konnte.. Ein bequemer Ort. An welchem Arte f' wo? Etwas an dem rechten Orte suchen. An unzäh- ligBr Orten. Jemanden Zeit, und Ort bestimmen. Eine pssichk aller Feiten und A rter, Goll. besser Orte. Sich -in-ss Ort merken. Das lasse ich an seinen Ort gesteller fern , das lasse ich unentschieden. Das Feuer brach an vier Oreen ans. i D?c Stadt wurde an drey Orten zugleich angegriffen. Geistige Substanzen sind unburchdringdar und nehmen keinen Oer ei". Das stehet hier am Unrechten Orte. Aller Arten, für an allen Orten. ^ Die Lust — Schleicht Bosen aller Orten nach, Haged. Raum, Orr, Stelle und Platz kommen in gewissen Fällen Mit einander überern , gehen aber auch in vielen Stücken von einander ab, (S. diese Wörter.) Hier bemerke ich nur, daß Ort einen in seinen Gränzen eingeschlossenen obgleich unbestimmten Raum bezeichnet, welches ans derAbstammung diesesWortes erhellet, dacs ' eigentlich darLetzte, Äußerste, die Gränze des Dinges ändertet. ' DerOrt, wo einDing sieh, t oder lieget, kann zwar onchOrl heißen, wir d aber doch in manchen Fällen lieber die Grelle und Starte genannt, (S diese Wörter.) Daher ist in den Stellen? er waget ein Land aum seinem Ort, Hiob 9 , 6 , und, sein Orr kennet ihn nicht mehv, Kap. 7, r 0, freplich das Wort Stelle, welches Michaelis dafür setzet, schicklicher. 2) In einigen engecn Bedeutungen, (a) In der höher« Geometrie ist der Ort, im Plural die Orte, diejenige Linie, durch welche eine unbestimmte Aufgabe geometrisch aufaelöset wird; I^c»cu8 eeomet-icus. Der Ort an einer geraden Linie, oder ein einfacher Ort, wenn es eine gerade Linie ist. Der Oer an einem Zirkel, oder ein ebener Ort, I,ocus planus, wenn es eine Zirkellinie ist. Der Ort an der Parabel, äpperbel u.f. f. oder ein körperlicher Ort, I-ocus lolickus, wenn es eine Parabel, Hyperbel u. s. f. ist. (h) Bey den Markscheidern ist der Ort oder die Ortung ei,r jeder Punct in der Grube, so fern derselbe durch eine perpcndjcriläre Linie am Tage, d. i. auf der Oberfläche dcrErde.angegeben wird,wo es auch wohl jm sflchlichenGeschlech- te gebraucht wird. Ein Ort, oder einen Ort, eine Ortung an Tag bringen, ans der Oberfläche der Erde bezeichnen. (S. Or tpfahl und Ortung.) (e) Derjenige Äaum in einer Schrift, in welchem sich ein Satz, eine Rede, ein Ausspruch u. s. f. beflisset; im Plural die Orte. Das ist schon an einem andern Orte gesagt worden. Davon wird an seinem Ortegeredet werden. Dieses Wort kommt an mehrcry Orten vor. Der Satz, die Rede, der Ausspruch selbst heisst die Stelle, (d) "Die Himmelsgegend; ei,-e im Hochdeutschen veraltete Bedeuttulg. Die vier Ww.de aus den vier Anern drLAmmcls, Zerem. 49, Z6. Die vierA i rer desErdreichs, Es. 11, r 2; wo cs auchEnden obre Ecken bedeuten kann, (e) "Ein Thril der Erdfläche, ein in seine Gränzen eingeschlossenerTheik derOberflächedcrErde, einBezick; imPlnral die Arter und im Oberdeutschen die Orte. In den Orten der Wüste wohnen, Jercrn. 9,26. Im Hochdeutschen ist auch diese Bedeutung unbekannt, im Oberdeutschen aber kommt sie mchrmahls vor. So werden die Cantons der Schweizer daselbst MlrOrtewderOrtschafwn genannt. Das gleichbedentcisseLanton flammet ans ähnliche Ari von Vanre, Ecke, ab, wie Ort von Ort, Ecke. Die Fränkische Reichsritterschaft wird in sechs Orte ' oder Arter , d i. Kreise, getheilet, welche Odenwald, Gebürg, Röhn und Werra, Sttyerwald, Altmühl und Buchau heißen. Die Schwäbische Ritt- eschaft bestehet ans fünf Orten, (s) Ja engererBedeutmig, em von Menschen bewohnter Lheil der Erdfläche; wo es ein allgemeiner Ausdruck ist, welcherStädte, Schlösser, Flecken, und Dorfe r unter sich begreift. DerPlural hat hier im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart Arter, im ObcrdeMfchkN und der anständigern Schreibart aber Orte. An meinem Orte, in der Stadt, hemFlecken, demDarfe, wohcrich ge bür ti L gebürtig bin, wo ich wohne. Ein fester Ort. Einen Ort mit ^ Sturm erobern. An vielen Orten halt man es anders. Berlin ist sein Geburtsort, Wohnort, der Ort seines Aufenthaltes. An einigen Orten in Franken. Durch einen Ork reisen. Ein offener Ort. Ließ Orts, andiesim Orte, hiesigen Orts, a*, diesigem Orte, hiesiger Orken, än oder in hiesigen Orten, was Orren, für wo, sind den Oberdeutschen'am geläufigsten, /g) In noch engererBedentung,cm kleinerer vonMenschen bcjachter .'kaum, auf eine ganz unbestimmte Art, ob es ein Gebäude, c:n Haus, ein Zimmer u. s. f. ist. Im Plural gleichfalls im s-emciucil Leben chmter, und in der anständigeruSprechart Orte. An öffentlichen Orten, Lest. Verdächtige Örter oder Orte besuchen, verdächtige Häuser. Etwas an öffentlichen Orten Aufschlägen, (b) Figürlich, die Person oder Personen selbst, doch nur in einigen Ar ten des Ausdruckes; im Plural die Ovte. Etwas gehörigen Orres , oder am gehörigen Orte melden, es der gehörigen Person melden. Es ist hoher« Orrs befohlen worden, im Oberdeutschen, von höhern. Orte, k i. von einer höher» Person. Etwas von hohen Orten, oder hohen Orrs, her haben. Ich meines Orrs, was mich betrifft. Er seines Orts, was ihn brtrifft. Wir unsere wenigen Orts, was unsere geringe Person betrrffr. Anm. In dieser ganzen vierten Bedeutung schon bcy dem Ottfried Ort, im Schweb. Ort. Die Abstammung ist schon oben bemerket worden. Auster den daselbst bemerkten Verwandten ge- hören auch noch hier, dort (gleichsam da — ort) und warts zu dem Geschlechte dieses Wortes. Einige Mundarten sprechen das o in diesem Worte gedehnt aus, als wenn cs Ohrt geschrieben würde. Im Hochdeutschen lauert es geschärft, wiees dieNegel erfordert. Anm. 2. Im Oberdeutschen ist birfts Wort häufig, obgleich nicht durchgängig, sächlichenGeschlechtes, u clchesGeschlecht auch wohl,doch nur in einigen oben bemerkten cinzelnenFällen imHoch- dcutscheu verkommt; das Ort. Das^Ort der äerrlichkeir, Opitz. Im Thenerdan/e kommen in einer und eben derselben Bedeutung bald der Ort bald auch das Oer vor. Anm. Z. So wie man von Docus im Latein, so wohl loci als laca sagt, so ist imPlural von diesemWorte auch Otker und Orte üblich. Die Fälle, wo sie gebraucht werben , sind schon bey jeder Bedeutung angeführet. Im Ganzen erhellet daraus, düst, so wie in andern ähnl-chenFällen, Örter mchrNiederdcutschund gemein, Orte aber mehr Oberdemsch, edel und anständig ist. Daher ist in denjenigen Fallen, wo Or t nur noch im gemeinen Leben gebraucht wird, auch nur allein der Plural Örter üblich. Sollte das Wort in di. feu Bedeutungen einmahl in die edlere Schreibart ansgenom- rnen werden, so müßte es im Plural gleichfalls Orte haben. Verschiedene Sprachforscher, und unter andern auch Stosch, haben behauptet, der Plural laute Orte, wenn das Wort ganz unbestimmt gebraucht werde, niemand kann an allen Orten sepn, ich bin aller Ortei. herum gelaufen; aber Örter, wenn cs mit mehr Bestimmung gebraucht werde, und entweder das bestimmte Geschlechtswort, oder ein anzeigendes Fürwort vor sich habe; dir Orter, wo wir vormahis so vergnügt waren. Allein aus dem vorigen und den daselbst angeführten Beispielen erhellet, daß sich der Gebrauch an dieie Bestimmung nicht bindet, welche auch in der Sache selbst keinen möglichenGrund hat. Der Plural auf —er scheinet aus derjenigen Mundart herzustammen, welche die- sesWort im fachlichen Geschlechte gebraucht, da doch einmahl die me.sten Plurales auf — er sächlichen Geschlechtes sind. Da nun diesis Geschlecht im Hochdeutschenmicht üblich ist, so könnte man den PluralÖrter füglkch ganz entbehren. In dem i zten Bande der Berliner allgemeinen DcutschenBibliochek, machte einRecen» -v'' M,- ftut zu der jetzt angeführten Bestimmung des Stosch folgende An» mer-kung : „Das Worte Orte, als die mehrere Zahl eon Oer, „möchten wir nicht gern annehmen, sondern lieber sagen, daß „Orten (denn bloß mit dieser Endung kommt es vor) adverbia- ,fiter gebraucht werde; z. B. aller Orten, welches auch rrchn« „ger ist, als an allen Orten." Hier sind so viele Fehler als Sätze, deren Unrichtigkeit- einem jeden ans dem vorigen eiulcuch. ten wird. Das Octbcrnd, des — es, plur. die—bänder, das hohle Blech unten an der Spitze einer Degenscheide; im gemeine : Leberl das Ohrband, da es doch von Ort^das Ende eines Dinars, zir-amme« gesetzet ist, Niederst Oovrband, Oetisrre. (S. Ort-.,.) Schon im Schwabenspiegel kommt dasO.tliLni an denSchw rtcrn vor, wo es Kap. Z86, von Xuinpsis.Vcrs. »4. heißt: Orb.,nt pulend sie von sien luuertlebLtäea abbreosiev, li lieben sin denn urlopvon siem k,isirer. Die Ortbeschreibuny, plur. die —en. die Beschreibung der Orte, d. i. der von Menschen bewohnten Plätze auf Vre Erdstäche, der Städte. Schlösser,Flecken undDörfer; mit einem Griechischen Kunstworte die Topographie. Da^Ortbret, des - es, plur. die —er, im gemeinen^ebe,l, dasBret am Ende eines Dmgcs, das äußerste Bret, das Seiten- bret. Das ein jegliches der beyden sich mit seinem Oetbrct von unten auf geselle, 2 Mos. 26, 24; Kap. 36, 29. Die Seilen- brerer eines Bertgesielles werden noch jetzt Ortbreter genannt. S. Ort Z. . Der Ortengesell, des—en, plur. die —en, bey einigen pand- wrrkern, z. B. bcy den Gürtlern, der Alrg-si ll, weil sein Amt unter andern auch darin bestehet, den ankommenden Gesellen de« Willkommen zu reichen und sie zu bewirthen. Orte, chrte, Irre und Urte ist ein altes noch hin und wieder im geme-nen Leben übliches Wort, welches die Zeche, d. i. den Amheil eines jeden an einem gemeinschaftlichemSchmause, und diesen Schmaus und deffen Kosien selbst bedeutet. Eine Ö"e Bier, eine Zeche Bier, Die Ö"e bezahlen, die Zeche. Die Abstammung ist dunkel. Es kann von Ort, einTheil, Herkommen, sofern es eigentlich den Theil eines jeden an den Kosten eines gemeinschaftlich»u Schmauses bedeutet; oder von aren, dem Suim mworre von Ort. zermalmen, essen, da es denn eine jede Hanetnng des Es -iv, eine Mahlzeit, einen Schn,aus bedeuten würde; oder a,ick von Ort, so fern es eine Spitze, eine Linie, bezeichnet, da es denu eigentlich denStrich mitKreide an derTafel der Zechenden bezeich- mm würde. S. Wirch und Irte. Ortern, vsrb. reZ. uet. ein nur bey den Tischlern, Kamm- machern n. s. f. übliches Wort, die Ö"er, d. i Enden, oder Stammenden der Breter und des Holzes, absägen; im gemeine« Leben ertern» Daher die Ö^tevbauk, eine längliche B«uik, auf welcher es geschiehet,«^ auf welcher überhaupt die Bre-rr ^geschnitten werden ; die Öl'tkrsage, eine grobe Handsäge, womit solches geschiebet. Die Kammmacher övrern das Horn, wenn sie es vie^eckt sägen, welches gleichfalls durch Absägung der Orter, d. i. der Endel», geschiehet. Ehedem bedeutete örtern auch zu Ende bringen, endigen, entscheiden, wovon noch unser erörtern übrig ist, S. dasselbe. Der Orterzwrtter, des—s, plur. doch nur von mehrern Arten oder^Ouantttälen, ut nom. sing, im Bergbane einiger Gegenden, Zwitter, welcher auf den Stollen vorOrt gewonnen worden, S. Ort 3. DerOrtfausiel, des—s, plur. ut nom.sinF.imBcrgbaüe, ein Fäustel, welchen der Bergmann gebraucht, wenn er vorOrt arbeitet, S. Orr Z. ^ Der (NLt§rcfchen, des — s, plur. ut vom. stvZ. ein in einigen Gegenden üblicher Rahme einer Münze, welche der vierte Theil eines Groschens, oder ein Dreyer ist. JmMeklenburgischenhat man Ortgroschen, welche der vierte Theil eines großenGroichelts sind, und 4^ Pfennig gelten. S. Ort >. 2). Der Orthäuer, des — L, piur.ut. ao N. linF. im Berzbane, ein Bergmann, welcher vor Ort arbeitet, d. i. dessen Beschäftigung es ist, das Erz in den Gruben mit Schlegel und Eisen zu gewinnen; zum Unterschiede von denjenigen Bergleuten, welche andere Arbeiten verrichten. S, Ort Z. Das Octhcrus des—es, plur. die—Häuser, eine nur im Nie- dersächsischen übliche Benennung eines Eckhauses ;von Ort, Ecke, S. Ort 2. i^rthoöö^, S. Rechtgläubig'. > Die ^rthotzrapyie, S. Rechtschreibung. ck)rtläH>, ackp erackv.welchcs von einißeilstreuern ikittgeflibretwor^ den) das Latein. localis auszndrucken. r) Einen Orr habend, einnehmend. Die Engel sind nicht ganz ohne oder außer allem Orte, ob sie gleich keinen Ort einnchmen und ausfullcn; sie haben also eine örtliche aber keine räumliche Gegenwart, welche letztere das Daseyn anderer Körper ausschließt. (Vorerst keiner örtlichen Gegenwart und Einschränkung fähig» 2) Einem besonder» Orte gemäß, in demselben gegründet; nach dem Franz, local. Die örtliche Schönheit, welche nnr in einem Lande, in einem Orte bewundert, in andern aber verachtet wird. In welcher Bedeutung es doch um derAveydeutigkelt willen am wenigsten anzurachen ist. Der Ortolün, des—es, plur. die—c, ausdem^tal. Orks- lano, der Wälsche Nähme einer in der Lombarde?) befindlichen sehr lockern Art Ammern oöer Ämmerlinge,. welche im Deutschen Zeerammcrn genannt werden; Lmberira lckormlavus L^. Sicha Zettammer. Der Ortpckuschel, des—s, plur. ut vom. kivg. bey denBerg, lenten, ein eiserner schwerer Fäustel, das gröbere und festere Grsieindamit vor Ort zu gewinnen, S. Ort Z. und pauschel. Der Ortpfahl, des—cs, plur. die—pfähle, bey den Mark- f fcherdern, ein Pfahl, mxrmiteirr in der Grube befindlicher Ort auf der Oberfläche der Erde bezeichnet wird; der Grtpflock, wenn rs nur ein Pflock ist. Die Ortfchaft, plur. die—-en,ritt von Menschen bewohnterOrt, ohne zu bestimmcrr, ob es ein Weiler, Dorf, Fleckeiloder Stadt ist. Am häufigsten pflegt man Dörfer, Weiler und einzelne benannte Gebäude mit diesem allgemeinen Nahmen zu belegen. Das Ortschert, des—es, plur. die—e, dasjenige bewegliche Stück Holz, woran ein Pferd mit den Strängen vor einem Wagen gespanuet wird; von Orr, das Ende, weil sich an jedem Ende der Wage eines befindet, In Niedersachsen heißt es der Schwänge! , im Österreich das Drittel, der Vorschlag, im Hohenlohischerr das wagschcit, iu der Wetterau das Gtillscheit, S. Orr 3. Dcks Ortschrck, des—er, plur. die—c, im Bergbauc, eine Kluft,welche nach einem spitzigenWinkel über einenGang streichet, und ihn in Gestalt eines Andreas . Kreuzes durchschncidet; zum Unterschiede von einerNreuzkluft vderOuerkluft,welche ib» nach ^ kineul rechten Winkel dnrchschueidet. Von Ort, die Spitze,, und Schick, für Geschick, eine zurErzeugung der Erze, dienliche Slcin- aer. S. Ort 2, und Geschick 4 . Daher ortschickig, aclj. et aclv. Ortschicke habend, enthaltend. Ortfchief,.a 6 j. oi. ack«. welches nur im gemeinen Leben üblich ist, eine schiess, d. i. verschobene Ecke, einen schiefen Winkel habend, schiefwIrikeliH, im Gegensätze des rechtwinkelig. Sy heißt ein Ah-.rnbrrs.-im Arminen Leben.eine uilaü! 1 a L,, auch Osterblume genannt. Eben diesen Nahmen führet auch der kleine Ziegonöart, oder Wielen-Anemone, Anemone prabenliü O. welche zum Unterschiede von der vorigen auch kleine Osterblumeheißt. Ferner die Narzisse, üsturchs- lÜ5 welche daher :n einigen Oberdeutschen Gegenden auch Aprillenblume genannt wird. Der Meröinstach. des — es, ptur. die—r, der Dinstag in dun Osterfeste, der deine Osterfcycrrag. DusML-xex, des—es, piur. die—er, im gemeinen Leben, bunt gefärbte Eyer, womit man sich noch ietzt aus dem Lande nach einem alten Gebrauche am Osterfeste zu beschenken pfleget ^in Rieders. Paskep, von pasken, Ostern. Der Gebrauch rühret üus der Römischen Kirche her, da man am Osterabende nach geen- digter Fasten, und nunmehr w-eder vorhaneenen Feeyheit, Eyer und andere Fleischspeisen zu essen, ganze Körbe voll solcher bunt Adel. W. 2)3 .Th."-. Aust. gewählten Eser weihen lasset, und die Mahlzeiten die ganze Osterwoche über damit ausschmücket. In Siebenbürgen werden solche Eyrr Mengelahr, Mengeleyer, d. i. gewählte Eyer genannt, vom dem aus mahlen verderbten mengeln. Das Osterfest, des — es, plnr. die—-e, Ostern als ein Fest betrachtet, ein^ohesFest, welches in der Jüdischen Kirche zum Andenken des Ausganges ans Ägypten und der dabey vom Würgengel geschehenen Verschonung der Indischen Erstgeburten, (S. Pascha,) in der christlichen Kirche aber zum Andenken der Auferstehung Christi gefeyert, und im gemeinen Leberl nur Ostern genannt wird, S. dieses Wort. Das Osterfeuer, des —s, piur. ub aom. kinZ. Freudenfeucr, welche man ehedem am Osterfeste oder am Ostcräbende anzuzünden pflegte, und welche noch an einigenOrtcn auf dcmLande üblich sind, und einigen zu Folge noch aus den Zeiten des HeidenthumeS herstammen sollen. (S. Ostern.) In der Römischen Kirche wird am Ostersonntage schon voll alten Zeiten her alles alte Feuer ans- gclöschet, und neues, welches Man in den Kirchen von geweihten Lampen oder Kerzen bekam, angezündet, welches im mittlere Lateiiie gleichfalls IZnis palckalls hieß, und nach einem Briefe, des Papstes Zacharias an den Erzbischof Bonifacius zu Mainz aus den ersten Zeiten der christlichen Kirche herrühren soll. Der Österfez>erta§, des — es, plur. die—e, einer von den drey Feyertagen, woraus das Osterfest bestehet. Der Öfterfladen, dcs—s. u r. ub uorn. lioZ. Fladen , d. l. breite dünne Kuchen, welche noch am Osterfeste gebacken werden, und das Andenken des ungesäuerten Brotes, welches in der alten Jüdischen Kirche ail diesem Feste genossen werden mußte, erhält; der Ostcrkuchen. In Niedersachftn bäckt man um Ostern eine Art runder Fladen mit einem anfgebogenen Rande, welche oben mit einem Teige von Mohnsamen bedeckt werden und daselbst Offermahue heißen, von Mahn, Mohn. - Die Österkerze, plur. die — n, in einigen Gegenden ein Nähme der Ronigskerze oder des Wollkrautes , Vsrkalculn Ilia- piüs O. vielleicht, weil es um Ostern blühet. S. Ronigskerze. Der chfterküchen, des-s, xlnr. ut nom. flach S Offei staden. Das Öllerlamm, des — es, xlur. die—lämmer, dasjenige Lamm, welches die ehemahligcn Juden tui ihrem Osterfeste mit gewissen besondern Feyerlichkeit.-n zu essen pflegten. Bey dem Notker Olwirkriskill, S. Frischling. Österlich, acij.elaciv. was um Ostern ist oder gp'schichet. Die österliche Zeit, die Zeit um Ostern. Die österliche Beicht, in der Römischen Kirche, da jeder wenigstens Ein Mahl des Jahres um Ostern zu beichten verbunden ist. Oer olisrlicke tac, der Osterrag- Heinrich von Morunge. Die ÖsterUlie, xlur. die — n, ein Nähme, welchen in einigen Gegenden die gelbe oder unechte Narzisse führet, weil sie um Ostern blühet; NarciMis klsucko . ^aroilkus Di?Ö^^^u;ö)), plur.inuL'.eine Pflanze, welche in Österreich, Frankreich und der Tartarcy wachset, und deren Wrrrzel einen starken widrigen Geruch, nebst einem scharfen bittern Geschmack hat, und Brechen e'reger; ^rrkoiocüia OlLmatiL O. äohl- wuril, Zerzwurz, in Schwaben Zobwirrz. Einige andere Arten find in Amerika und dem wcirmern Europa einheimisch. Der Deutsche Nähme ist, wieschon Frisch aumerket, sowie der Engl. Olli rlttit, aus dem Griech. ^mlioiocüia verderbt, welchen diese Pflanze, nach dem Dioskorides, um deßwillett erhalten'hat, weil sie den Gebärenden sehr heilsam fron soll. Die Öfl^"^§se, ^lur. de — n , eine Messe, d. i. großer Jahrmarkt, welcher um Ossrn gehalten, wird. Der Mllerma'rkt, des — cs, plur. die.— mä'rkre, ein Jahrmarkt, welcher um diese Zeit fällt. Rr D.'L Der Oftermonath, öes— es, plur. die —,, der Deutsche Nähme des Aprilles, weil das Osterfest gemeiniglich in denselben zu fallen pflegt, welcher Nähme, der Hey dem Raban Maurus . OliarmallotH lautet, von Carl» dem Großen Hercühret. S. Aprill. Der Gsternrsntay, des — es, plur. die — e, der Montag in dem Osterfeste, der zweyte Osterfeyertag. Die Ostern, UuZ. ear. das Fest der Auferstehung Christi, das Osterfest, und bey den Juden, das Fest, in welchem das Andenken des Ausganges aus Ägypten und der Verschonung von dem Würgengel gefeyert wird; das Osterfest. Es ist eigentlich der Plural des außerdem veralteten Beywortes oster, wo Tag oder Feyertag ausgelassen zu seyn scheinet. Die Ostern, eigentlich die ostern 5eperta§,e. Daher es auch billig das Ley- und Zeitwort in der vielfachen Zahl bekommt; auf künftige Ostern , die Ostern sind nahe; wie man die Wörter Pfingsten und Weihnachten auf eben dieselbe Art gebraucht. Indessen wirh cs doch sehr häufig mit einem Zeitwerte der einfachen Zahl verbunden. Und der Juden Ostern war nahe, Joh. 2 , 1 z. Es war aber nahe hrs Ostern, Kap. 6- 4 . Welches Entschuldigung zu verdienen scheinet, wenn dasWort absolute und ohne Artikel gebraucht wird, auf welche Art es,am üblichsten ist, so wie man mit dein Artikel lieber das Wort Osterfest gebraucht. Ostern wird bald kommen. Es wird bald Ostern s-yn. Ostern ist nähr. Acht Lage vor Ostern. Nach Ostern. Um Ostern. Anm. Schon be» dem Kero Ooflrun, Östron, bey demOtt- fried Ostoron, und noch jetzt in der Schwei; Öfteren. Andere Sprachen gebrauchen es in diesem Verstände im Singular, wie Las Engl. Laster, das Angcls. Laster, Oster, Olior, das Holland. Oostsr. Beda und andere, welchen auch Jhce bcypflich- tct, leiten diesesWort von der alten Sächsischen Göftiun Losten, Ley. den altern Schweden ^starg^stia,cher, welche b.y dcn Dcntschen und mitternächtigen Heiden die Stelle der Grichi- fchen und Römischen Venus vertrat, und deren Fest nm die Zeit unserer Ostern soll seyn gefeyert worden, da denn das Fest der Auferstehung, welches bey der Einführung des Ehn-, stenrhnmes an dessen-,Stelle gekommen, den alten Nahmen behalten habe. Man hat wichtige Gründe wider diese Ableitung; z.B. daß es sehr unwahrscheinlich ist, daß man eines der vornehmsten christlichen Feste mit einem heidnischen Nahmen sollte Haben belegen lassen. Daher Wachter glaubte, es sey ans dem Göth. urreistao, auferstehen, oder Angels, ^r^st», Auferstehung, zusammen gezogen; eb sich gleich von dieser an und für sich schon sehr ungewöhnlichen Zusammenziehung nicht die geringste Spur findet, und dieses Wort schon bey dem Kero, der doch bald nach der völligen Einführung des Christenthumcs in dem mittägigen Deutschlande lebte, Ostroo lautere. Es ist also noch immer am wahrscheinlichsten, daß es das veraltete Beywort «oft r;, östlich, ist, (S. Osten Anni.) nicht, weil man, wie Frisch .will, Christum Hey seiner Auferstehung mit.der ausgehenden Sonne verglichen, sondern sofern osten und oster indem allge- rneinern Begriffe des Erhebens, des Aufgchens und Anfersie- hens, mit einander überein kommen. Im Angclf. ist Lst wirklich der Ursprung. Im Niederst heißt Ostern PaZken, parrsken und noch jetzt in einigen Oberdeutschen Gegenden pasch und paschen, von dem Heör. Nahmen dieses Festes Pascha. Die Osterpalme, plur. die—n, in einigen Gegenden die wolligen Blüthknospen der Weiden, S. Palme. Die OsterreLjHnnnrr, p!ur. doch.nnr von mehrern Arten,dst"—en, Lie Berechnung ob. r Ausrechnung des Osterfestes, nach dem .Schlu sse de r N ic ä nlsch e n L i r che n v er sa m m l ung. Der Ostersonntag, des — es, plur. die — e, der Sonntag in dem Osterfeste, der erste Ostertag. Der Ostertüts, des — es, p Im r. die — e-, einer von den drey Tagen des Osterfestes. Der erste, zweyte, dritte Osterkag. In engerer Bedeutung wird zuweilen der erste Ostertag oder der Ostersonntag nur der Ostertag schlechthin genannt. 8i ik mins Herren oüsrlLA, Heinr. von Frauenberg. Die Osterwoche, s>1ur. die — n, diejenige Woche, in welche das Osterfest fällt. Östlich, —er,—>ste,a6j. et astv. gegen Osten oder Morgen gelegen oder gerichtet. Die östlichen Lander. Der Wind drehet sich östlich, gegen Morgen. Die Oftlinöe, plur. die—n, in einigen Gegenden, z. V. in der Lausitz, ein Nähme der Steinlinde, waldlinde oder Sandlinde; Ulla coräala st////. Die Oftranz, oder Ostrich in einigen Gegenden ein Nähme der Meisterwnrz, S. dieses Wort. Der Ostwind, des —es, plur. die — e, ein aus Osten oder Morgen kommender Wind; der Morgenwind, in der höherm Schreibart der Ost. Bey dem Raban Maurus im 8ten Jahrhunderte Olironiuuinl, bey später» Oberdeutschen Schriftstellern Osterwind. De^r Ochem, S. Achem. Die Otte, p!ur. die — n, oder absolute Otten, der Ottenbanm, oder Otrerbaum, in einigen Gegenden ein Rahmender Erle, (S. dieses.Wort.) Ohrre Zweifel mir 2 Otter aus Einer Quelle, weil dieser Baum die feuchten sumpfigen Gegenden liebt. l. Die Otter, plur. die — N. r) Ein Nähme der kleinen , sehe giftigen Schlangen, deren Biß vor andern schädlich ist. Sie sind nicht über zwcy Fuß lang, und höchstens eines Daumens dick, haben eine graue oder gelbe Haut mit langen braunen Flecken und einen breiten Kopf; die Vipern In einigen gemeinen Mundarten so wohl Ober-als Niederdeutschlandes, Adder, Atter, Angelst Keller, ^eltsras, Engl. stcieler, und mit dem Vorgesetzten müßigen n, in einigen Deutschen Gegenden auch Natter, welches voll vielen von Matrix abgeleitet wird, da doch die eigentlichen kleinen giftigen Schlangen keine Wasstrschlangell sind, sondern sich in den Schutthaufen und um Gebäude herum aufhalten, (S. Natter.) Otter und Natter stammen unstreitig von Leni alten noch bcy. dem Notker befindlichen Liller, Gift, her, Aitgels. Kelter, s^ellor, Gift, S. Eiter. L. Die Otter, plur. die — n, ein r^erfüßiges Thier mit v. Indessen könnte es seyn, daß man gerade bey diesem Worte auf das Lat. par Rücksicht genommen, welches geschärft gesprochen wird, da man denn durch dieVerdoppclung des Vocales vor der Schärfung hat warnen wollen. Paaren, verb. reß. act.zwey Dinge, welche beysammcn bleiben sollen, mit einander verbinden; wo es doch nur in dem Falle gebraucht wird, wenn manDinge, welche man nicht anders als paarweise verkaufen will, miteinander verbindet. Jngleichen die zu einemPaarc gehörigen zwcyStnckc anssuchen und zu EinemPaare verbinden. Dikchandschuhe paaren. Die Markscheider paaren zwcp Züge, wenn sie einen Grubenzng, so wie er in der Grube gemessen worden, wirklich abstecken; wo doch das Wort ans einer andern Quelle herzustammen scheinet. In engerer und gewöhn, licherer Bederttnng ist sich paaren, von zwey lebendigenGeschöpfen verschiedenen Geschlechtes, sich zu einem Paare verbinden, und i« engerer Bedeutung sich zur Fortpflanzung vermischen, sich begat- ken; eigentlich vonThicren, besonders von Vögeln, wenn sich ein Männchen und ein Weibchen zur Fortpflanzung ihresGeschlechteS zusammen begeben,jngleichen wenn sie sich wirklich begatten. Von Menschen gebraucht man cs nur im Scherze. L)cr Masken Scherz, wo Mummerep und List verliebte paart, Gepaarten günstig ist, Hagcd. Hlavia will nichts gestatten was den Schein des Paarens hat, ebend. So auch die Paarung und das paaren. S. paar. Paarweise, ust v. in Paaren, je zwey und zwey. paarweise gehen, verkaufen. Pabst, S. Papst. . ^ Der Pacht, des —es, plur. die Pachte, r) *Ein zedsr Vertrag, oder Contract; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, welche noch im Oberdeutschen gangbar ist, und wofür man im ge. meinen Leben derHochdeutschcn in manchenFällen nochpact saget, (S. dieses Wort.) Einen Pacht mit den Satan machen. Den Pacht halten, erneuern, aufhebcn, den Vertrag, Contract. Es ist in diescrBcheurmig unstreitig aus demLatein.?cieturiaent« . lehnet. Da die älteste Art Gesetze zu machen in einem verabredeten Vertrage zwischen dem Landesherren und seinen Unterthane« bestand, so wurde ein Gesetz in den ältesten Zeiten sehr häufig b'Zc/um genannt, wovon in des Du Fresne Glossario Stellen genug Vorkommen. Nach diesem Vorgänge nannte man im iZten und den folgenden Jahrhunderten anch imDentschen ein Gesetz den oder die Pacht , oder mit der blasenden Aussprache einiger Provinzen, der oder die Pfacht, bey dem Strvker ci i e püactck , womit denn zuweilen auch das göttliche Gesetz bezeichnet wurde. 2 ) In engerer Bedeutung, ein Vertrag, in welchem man die Nutzung eiuerSache einem andern gegen einenTheil dcsErtcages, oder auch gegen eine bestimmte Geldsumme überlasset, in denjenigen Fällen, in welchen das Zeitwort pachten üblich ist; der pacht- Contract- Jngleichen der Geguß der Nutzung vecmögemnd Kraft eines solchen Vertrages. Der Pacht der Zölle, der Einkünfte, der Accise, des Zehenten, der Jagd, der 8lscherey, der Schenknahrung an einem Orte, der Rühe auf einem Land- gute, einer Schäferep ü. s.f. Etwas in Pacht nehmen, es pachten. Einem etwas in Pacht geben, im gemeinen Leben, es in Pacht austhnn, cs verpachten. Etwas in Pacht haben, ben Ertrag eiuerSache gegen eine bestimmte Vergütung geniesten: Der Erbpacht, der erbliche Besitz und Genuß der Nutzungen gegen ein bestimmtes Pachtgeld; zum Unterschiede von einemZeit- pachte, welcher am häufigsten unter dem Pachte schlechthin ver- P ach 634 standen wird. Der eiserne Pacht, ein Pacht aufeine lange Zeit» Einen Pacht antreten. Aus dem Pachte gehen. In der engsten Bedeutung ist der Pacht der Genuß des Ertrages eines Landgutes oder einesStückes der Erdfläche gegen eine jährliche vechalt- nißmäßige Geldsumme. Ein Gut in Pacht haben. Der Pacht eines Ackers, eines Gartens. (S. pachten.) z) Figürlich wird such das Pachtgeld sehr häufig nur der Pacht genannt. Dar Gut gibt hundert Thaler Pacht, trägt dem Besitzer so viel Pachtgeld ein. Den Pacht bezahlen. Mehr Pacht blechen, viel, chenigpacht geben. Den Pacht schuldig bleiben. Anm. Dee Plural ist in der zweyten Bedeutung von mehreru- Arten des Pachtes am üblichsten, so wie er in der dritten nur von mehrern Summen Statt findet. Verpacht in der zweyten Be» dentung heißt im mittl. Lat. kseturn, ^pacttrs, ^üüctu8,issictum,k'ictus,imJtal.^pPLfto ksslt.o,^ckjt.t«. Wäre es nicht überwiegend wahrscheinlich, daßesvouft^ckum entlehnet worden, so würde das mittl. Lat. pncare, zahlen, bezahlen, Jtal. paZar^, Franz, von welchem cuxiu m, Fcanz.?LÄZe, ehedem auch einenTribut, eine Steuer bedeutete, ein bequemes Stammwort abgeben. Im Deutschen scheinet es jüngern Ursprunges zu seyu, wenigstens kommt es in der ersten Bedeutung eines Gesetzes am frühesten vor. In vielen, besonders Niederdeutschen Gegenden, ist es weiblichen Geschlechtes, die Pacht, dagegen die Hoch - und Oberdeutschen es " beständig im männlichen gebrauchen , welches auch dem Lat. kae- lurn gemäßer ist. In einigen Oberdeutschen Provinzen lauter die- sesWort pfacht. Übrigens ist statt desselben imObcrdeutschcn auch Bestand, und irr einigen, besonders Niederdeutschen , Gegenden auch Arrende üblich, ans dem Franz. ärreu6e. S. pachten. Der pachtanschlay, des-es, ?lur. die—schlage, der Anschlag, oder die Schätzung des jährlichen Ertrages ernes Dinges, welches verpachtet werden joll; zum Unterschiede von demRauf- anfchlage. ^ - <^ Der Pachtbauer, des—s, xlur. ut nom. unZ. em Bauer, welcher eiil Bauergut iit Pacht hat. Jngleichen, rin Bauer , si» fern er ein anderes Grundstück in Pacht hat, besonders im Gegensätze des Verpachters. Jemandes Pachtbauer sepn müssen, sich von ihm allerley Lasten und Beschlüßen müssen aufbürden lassen. IM Niederst lautet das Wort in dicserRedensart packbuur, Pack- bauer;daher unserHochde,ltsches entweder auch von packen abstammet, oder die Niedersachsen, bey welchen das Worr Pacht nicht ,o gewöhnlich ist, dasselbe von den Oberdeutschen entlehnet habe» müssen. . . Der pachtbrief, des —es, plur. die—e, der Brus, d. r. die Urkunde, über einen geschloffenen Pacht, der schriftliche Pacht- Contract. ^ Ler pacht-Oontract, des—es, plur. die —e, der Contract oder Vertrag über die Nutzung einer Sache gegen eine gewisse jahr- liche Geldsumme; der Pacht, der Pachtvertrag. Jugleichen der schriftliche Aufsatz desselben; der Pachtbrief. Pachten, verb. reF. uet. den Errrag, die Nutzung eiircr Sache gegen ein dafür bestimmtes angemessenes jährliches Geld an sich bringen. Die Besserung derckNegr pachten. Die Zölle, Acerie, den Zehnten eines Gutes u. s. s. pachten. In engerer Bedeutung, den Ertrag eines Landgutes oder einen nutzbaren The:! der Erdssäche gegen ein bestimmtes Pachtgeld an sich bringen. Em Gut pachten. Einen Acker pachten. Einen Garten pachten. Bey dem Worte miethcn ist bemerkt worden, daß das Zeitwort pachten von solchen Gegenständen gebraucht werde, welche erst durch Arbeit oder Mühe nutzbar grmacht-werdeu müssen, mi'ethen aber von solchen,welche sogleich ohne weit-xeArbrjt gebraucht werden können. Noch genauer und bestimmter lasset sich der Unter- R r s 6ZL Pach Pack 6Z6 schied so angeßett, daß pachten zunächst die Nutzung im engsten Verstände, d. i. denGcbranch jurErwerchc'.ng zeitlichenVermögens, zur Absicht habe, mierhen aber aufandere Bedürfnisse gehe. Daher pachtet der Gärtner, welcher den Ertrag nutzen will, einen Garten, welchen der bloße Liebhaber der Gartenlnst micthet. Daher werden die Zölle, die Accisc und andere Einkünfte gepachtet und verpachtet, aber nicht gemiethet und vermiekhet, weil die Absicht des Pachters die Erwerbung zeitlichen Vermögens ist, ungeachtet sie keine andere Bearbeitung bedürfen, als ein Pferd, ein Hans oder andere Dinge, welche man micthet. - Daher die Pachtung. S. Pacht. Dev^pacyter, des — s, plur. die Pächter, Famiir. die pach- terinn, eine Person, welche etwas gepachtet hat, eine Sache pachtweise besitzet. Besonders eine Person, welche ein Landgut vermittelst eines Pacht-Contractes besitzet; der Pachtinhaber, im Oberdeutschen der Beständner, im Niederst der Henersmaim. In ' einigen Gegenden, selbst im Hochdeutschen, ändert dieses Wort den reinen Vocal auch im Singular, der Pachter, diepachtcrinn» Die Pachtfrist plur. die—en. i) Eine Fran, welche etwas gepachtet hat. ä) Die Ehefrau eines Pachters » besser die Pachter i nn. Das PachtUel^, des—es, piuw. doch nur vonmchcernSnmmeist die—er, das verglicheneGcld,welches der Pachter für die Nutzung einer gepachteten Sache dem Eigenchümec entrichtet; der Pacht, der Pachtschilling, der Pachtzins, das Bestandgeld. Das pack)tgut, des — es, p)iue. die—guter, eiu Gut, wel. ches man gepachtet hat, welches man pachtweise besitzt; zum Unterschiede von einem Gute, welches mail eigcnthümlich besitzet. Der pachthero, des—en, plur. die—en, der Eigemhumsherr einer verpachteten Sache; der Verpachter- Der pachtinhaber- des — s, plur. ur. nom. linZ. Fämin^ die pachtinhaberinn , eine Person, welche etwas pachtweise besitzet; der Pachter, die pachterinn. .. Das pachtjahr, des—cs, plur. die—e, eines von den Jahren, anfwclche ein Pacht geschlossen ist. Die Pachtleute, knF. inulst Leute,d. i. geringe Personen beyder- ley Geschlechtes, welche etwas m Pacht haben. püchtlos, aclft et u6v. des Pachtes beraubt. Ein Gut wird . pachtlos, wenn der Pachter von demselben abziehet. Ein Pachter ist pachtlos, wenn er keine Sache in Pacht hat. pachtbirsilF, —er, —sie, uclj.etu6v. in den Kanzelleyen einiger Gegenden, Lust, d. i. Neigung, habend, etwas zu pachten, wie kauflustig , geneigt etwas zu kaufen, S» Lustig- Der pacbtmann, des—cs, plur. die—Manner, oder—lente, einePcrson männlichenGeschlechtes, welche ein Ding inPacht hat; der Pachter., Die Pachtmuhle, plur. die—n, eins Mühle- welche man nur pachtweise besitzet-, Daher der pachemnller? welcher fie aufdiese Art besitzet. Der pachtscha-fev, des—s, plur. ulnomi cin Schäftr, welcher die Schciferep gepachtet hat; zum Unterschiede von dem Lohn- und Menge- oder Setzschafer. Der pachtschillinF, des—es , plur. doch mir von mehrerrr Sninmeii , die—e, das Pachtgeld, S. Schilling. Pachtweise, in Gestalt, nach Art eines Pachtes. Etwas pachtweise- besitzen , vermöge eines Pachtes. Der Pachtzins, des—es,piur. doch nur von mehreruSummetst, die—e, iil eben den« Verstände wie Pachtschillrng. »..Der oder das pack, des — es., plur. die — e, Dirninut- das Päckchen, Oberd. päcklem, mehrere zusammen gelegte und von, außen mit einander verbundene Dinge- Ein pack Briefe,. Neider/ Waaren., Bucher., Sein pack unter dem Arme kragen. Er will dieses pack mitnehmen. Ein ganzer pack Schriften. Mik Sack und pack ausz-rehen, mit allem, »yas man hat, mit allen seinen Ger athschaften. In einigen Gegenden ist cs auch eine bestimmte Zahl. So ist z. B. in dem Luchhandel zu Nürnberg, Bcannschweig n. s. s. cm pack Tücher, eine Zahl von zehen Stück, jedes von z 2 Ellen. Anm. Im Niederst Pack, pucke, im Irak Lacco, im Island. LaZZe, im Schweb. Lucke, im Wallis- L uc k, imEng! Lach, im Span. Lucs, im Franz, ehedem LsAiie, imGriech. p«!tsXü;, im mittl.Lat. Luccus, (S. Z packen.) Der pack und das pack werden selbst im Hochdeutschen ohne allen Unterschied gebraucht, doch ist das erste üblicher. Für pack-st auch Packt und das ans dem Franz, entlehnte packet üblich, (S. das letztere.) Ein großer pack Hecht im gemein, n Leben zuweilen ein packen. Ein Bündel bestehet bloß aus mehrern zusammen gebundenen Dingen, pack setzet voraus, daß die Dinge zusammen gelegt, fest ans einander gedruckt, und dann erst von außen mit einander verbunden worden. Indessen ist das Hauptwort Pack nicht in allen den Fällen üblich, wo das Zeitwort packen gebraucht wird. Man packt aller lepDingc in ein Faß, in einen Koffer, in eine Schachtel u.st f. und nennet diese zusammen gepackten Dinge doch nicht packe, wel- cher Nähme nur alsdann Stakt findet, wenn sic von außen entweder mit gar keiner oder doch nur mit einer weichen biegsamen Hülle umgeben sind. L. Das pack, des—es, plur. cur. in der verächtlichen Sprech- art, eine Gesellschaft lasterhafter oder niedriger Leuts, liederliches Gesindel. Es ist pack. Schelmpack, Diebespack, Lumpenpack, Hurcnpack u. s. f. In einigen Oberdeutschen Gegenden bedemstes auch den Troß bey einerArnice, da cs denn zugleich männlichen Geschlechtes ist. Der Pack ziehct-„ach. Im Hochdeutschen ist es alle Mahl ungewisse,- Geschlechtes. Anm. Niederst pack, Packhoop, Pack nndploje, Schweb, und Engl. gleichfallsLuck. Es ist ehneZweiftl cincFignr des vorigen, und bedeutet eigentlich zusammen gelaufenes Gesindel, durch ge- meinschaftlich.Lasier miteinander verönndenePersonen, so wiedäs letzte Wort in dem im gemeinen Leben üblichen 6«ck und Mack eben diese Bedeutung hat. Indessen kann es seyn, daß dieftsWort anfänglich den bep dcmGepäcke eines Kriegshcercs befindliche» Troß bedeutet hat, weil das Französische Bagage auf ähnliche Art von liederlichem Gesindel gebraucht wird. Der Packbauer, S. pachtbancr. Das packbvet, des—es,plur. die—er, die an einerKrttfche so wohl vorn als hinten besindlichcnBreter, die Koffer und andere Packe daselbstansznpackc« ; die packbrücke. Die packdecke, plur. die— n, die Decke, welche einem Packpferde über das Gepäck geleget wird. Das Packeisen, des — s, plur. ul vom« liuZ. in den Salzwerken , kleine runde eiserne Spaten , das Salz, wenn cs in den Körben zu fest und trocken geworden, damit ausznsiechen oder ans- znfloßen; der PaLspcUcn. Etwa vonbicken, piken, Niederst xoken, siechen? Der packen, des—s, plur. ul nom. kmA. S. r pack. L. packen, verb. roA. recipr. welches nur im gemeinen Leben üblich ist, üttd eigentlich sich schnell bewegen bedeutet. Go pack dich her und rede l Less. pack dich herein ! packt euch hinauf! In engerer Bedeutung sich schnell forlbewegen, sich fortpacken» wo es, so wie in der vorigen allgemeiner» Bedeutung , gemeiniglich eincwUnlvjllen von Seiten des Redenden voraus setzet. Packe dich deiner Ullege, packe dich fort, packe er sich, Less. Nun packt euch, daß ihr cinmahl hinaus kommt, Weiße. Bis oft gestoßen, oft geschmissen, Srch endlich bepdc packen muffen, Haged.. Arm' 1 6Z7 Pack Anm. JmNieöers. packen.Jm EngUstto pack gleichfalls sich sortpackensimSchwcd. paclra, imFinnländ.pnksnen. wo ?nco anck die Flucht ist. Wachter leitet cs von dein Gciech. v-»-«-/-'»', her,wovon ailch dasLat.-npLZs herstammet. Ihre hält cs für eine Figur von z packen, und erkläret es durch ^birum pÄrLne.Allein es ist wohl unstreitig einJntensivum von wegen, weichen, wovon auch fackeln, fickfacken u. s. f. Jnten- siva in einer andern Bedeutung sind. Die Griech. ö und haben in de^ letzten Hälfte das einfache Zeitwo-n «'/st», wegen. DieNiedersachsen hüben von packen das Diminm. pa- kern, mit kyrzcn Schritten laufen, traben. Eben daselbst ist von pad'den, pcdden, treten, auch das Diminut: padken, gehen, mit kurzen Schritten einher treten, üblich ; sich fort padken, sich aus dein Staude machen. s. Vackcn, verk. re§. set. welches gleichfalls nur im gemeinen Leben üblich ist, fest, gewiß angrerfcn, gewiß anfassen, es fey nun mit der Hand, oder mit den Klauen und dem Maule. Die sunde haben ein Thier gilt gepackt, wenn sie es mit dem Maule gewiß gefastet haben. Ich kann es nicht recht packen, nicht fest, gewiß, angreifen. E'.ncperson zu packen kriegen, sie derb angrei- fen. Nehmen was man zu packen kriegt. Die Zsiger packen ein Wild, wenn sie es mit dem Gewehre gut fassen, und im Rieders, ist packen auch von dem Fasten mit dem Verstände üblich. Ich kann es nicht packen, kannes nicht begreifen. Siehe auch Anpackcn. ^ Anm. Auch dieses Zeitwort ist, wie aus den härter» Buchsta- keil erhellet, ein Jntcnsivum, aber von dem alten sähen, fassen, fangen. 2 . Nacken, verb. rsZ. aet. mehrere Dinge fest zusammen legen, sie auf solche Art zusammen fügen und fest mit einander verbinden. Die äärrnge in die Tonnen, die Neider in den Roffer, die. Bücher in den Lasten, chie Waaren auf den Wagen packen. Die Waaren sind nicht gut gepackt. I «gleichen figürlich. Ein Faß, eine Riste, einen Raffer packen, die bestimmten Sachen biueiil packen. Nach einer andern Figur sagt man im Scherze die Darre packen, sie künstlich mischen. Daher das packen. S. auch Abpacken, Aufpacken, Aus- packen, Bepacken. Einpackcn u. s. s. Anm.JmmckrlernLat. ^Ärcar^stmJtal-gleichfalls pewenre, im Engl. lo x>ack, im Schwed.yLcka, ist,Finnland. pacolnv. Allem Ansehen nach ist es dasJmensivum von fügen, welches zur Bezeichnung der Intrusion seine weichen Mirlanrer in die harten verwandelt hat. .Die Griech.»-^'/«, dicht, / ich mache ^cst und dicht, das.alre Lat. LompÄ- ^«6, und andere sind frcpt:ch damit verwandt, ohne eben, wie Wachter und Frisch wollen, die Quelle des Deutschen Wortes znfeptt. S. Packwerk. Der Packer, des—s, p!ur. itt nom. lioZ. i) Eine Person, welche packt, besonders in Handelsstädten, Lenrc, welche ein Geschäft daraus machen,die Waarrn, welche verschickt werden sollen, einznpacken, und welche zuweilen auch Vallenbrnder heißen. r) Bey den Jägern, ein großer starker Hund, welcher ein wildes Schwein anpackt und solange hält, bis man demselben dcnFang . gibt. Die päckerev, plur. die— en, mehrere Packe oder Packete, das Gepäck, das Packgeräkh. Das packet, heg — es, plur. die —e, aus dem Französischen ^ l?-rc^ue!, und dicß au^öi m Jral.LmüMlt.k'LLclrstto, ein kleines Pack, ein Päckchen. Ein packet Briefe, Waaren u. s. f. llngeachtec packet schon ernVecklciutu ungswort ist, so macht man zuweilen doch noch ein neursDlirünutivmn davon,daspacketchcn. Pack 6ZZ Das Pücket-Both, des--es, plur. die—s, in Len Seestädten, ein Fahrzeug, welches, so wie zu Lande eine Post,, zu bestimmter Zeit mit Briefen, Packete» und Personen zu Wasser von einem Orte zum andern fahret. Daspackyeräth, des—es, plur. jaul, ein Colleetivum, zusammen gepackteGeräthschaften zu bezeichnen. Das packgeräch eines Rriegsheeres, das Gepäck; mit eiuem Französischen Ausdrucke die Bagage. Daspackhaus, des, —es,,»1un die—Häuser, ein öffentliche- Haus, in welchem nicht nur die eingepackten WaareneineZeit lang aufbehalten werden, sondern wo sie anch aiff- und abgepackt, und zurEntrichtung der obrigkeitlichenGefälle ausgepackt werden'müs- sen; der packhsf, wenn es eilt großes mit einem ansehnlichen Hofe versehenes Gebäude ist. Zn der Schweiz eine Züst »der Suffe, arr andern Orten, von den daselbst befindlichen großen Wagen, auch wohl die wage. Die packlemwanö, plur.iuus. grobe Leinwand,Waarendarein zupackeu; das packtuch. Der packmerster, des—s, plur.utvom. ffnZ.einPostbedien- ter, welcher das Gepäck in seiner Aufsicht und Besorgung hat. Die Packnaöel,plur. die—u, eine große starke mit einem Dhre versehene Nädelchie äußere Hülle der Packe oder Packete mit groben Zwirne oder Bindfaden zusammen zu nähen. ' Das Packpapier, des—es, plur. doch nur von Mehrern Arten, die—e, grobes, starkes Papier, verschiedene Dinge darin ein- zupacken. Das Päckpferd, des—es , plur. die—e, ein Pferd, welches Packe undJ'lngepackck Waaren trägt; im Qberd.einSaumpferd, ein Säumer, S.diesesWort. Der packraum, des —es, p?ur. di-—räume, derjenige Raum, in welchen etwas gepackct werden kann und soll. Die packräume in der Rutsche, unter dem Sitze, unter dem Fußboden, unter dem Locke. Jngleicheu ein Raum, woWaaren und andere Dinge eingepacket werden. In den Salzwerken ist der packraum ein Gebäüde, wo das Sal: inFässer und Tonnen eingepackt wird. Der packrien'LN, des—s, plur. ur vorn.chllA, ein Niemen, sofern derjelb. zur Befcsiigtingeines Packes dienet. Besonders lederne Riemen, das Gepäck aufdem Packpferdc zu befestigen. Der packsattes, des—s, plur. die—sä'ttel, ein Sattel, welcher den Packpftrden und andern Lasten tragenden Thieren aufgelegt wird,-um diese Laßen daran zu befestigen, und das Drücken zn verhindere Der packspaten, des— s, plur. ut nvm. llnz. S. Packeisen. Dor packstock, des—es, plur. die—stocke, ein starker Stock oder Knüttel, die großen Ballen damit zu packen, und die Stricke, womit sie umwunden werden, damit fest zu ziehen; der packknüt- tel, packbängcl, das packscheik, Raitelschatt, im Niedersachs. Wreil. Der packt, des—es, plur. die—-e, S. pack. Das päcktück-, des—cs, plur. doch »nr von mehrern Arten, die—tücher, grobes Tuch, d, i. hänfene Leinwand, Waaren darein zupacken; packleinwand, im Schwab. Bläh. Auch wohl ein Tuch, welches über ein Packpferd gedeckrwwd, wie packdecke. Der Packwagen, des—s , crlur. ut uorn. linZ. ein zum Ge- päcke bestimmter Rcisewagcn, ein Wagen, woraufdas Packgeräth eines oder mehrerrrReisenden gepackt wird., Daspackwerk, des—es, pl'.ir. sie — e,'in dem Wasserbaue, einauSFaschinen nndWiirst,,! gegen dasWasserverfeitigtesWcrk, das Auswaschen des Ufers von dem Wasser zu verhindern. Von packen, ctweder so fern es überhaupt verbinden bedeutet, oder auch so fern die Faschinen, aus welchen ein solches Werk bestehet, fest ans elnander gepackt und befestiget werden. Das 6^9 Pack Düo packwesen, des—s,' pivr. irms alles was das Gepäck odep.das Packgcrärh bltrifft. Auch in der Bedeutung des Wertes p ckwerk. alles was bas Packwerk im Wafferbaue betrifft. Las packwcsen verstehen. Der pack, des—es, s>Inr. die—e, ein aus oemLat. p-aclum kurlehnres, aver nur im gemeinen Leben übliches Wort, einen Vertrag zu dize-chnen. Einen Pace mir jemanden machen Qen Pace brechen. Linen Pace m-t dem Saran haben Ä. Pacht i. Der pactbckryer, des —s piur. nt. n:m. linZ. in ei ligen Städten,nn Schutz!>erwandler,einEm!voh.ier, welcher!«»rr unter einer gewissen Bedir:gung, oder in gewisser Rücksicht Bürger ist; an eruigenOrten auch wob! einpachrbllrger.Vonpact,knetUln. S. Schutzverwandt. *Dre paöde, oder Peööe, srltlr. die—n, der Niederdeutsche Nähme einer Kröte; von pedden, treten, (S.^Aröte-) Jtal. Lortn. Franz. Lotte. Auch dasAufla-ifen des Ri'.tdvichcs ist daselbst unter dem Rahmender p'.rdde bekannt, S. i Vrote. .P§ff, ein unabänderliches Wort, welches den Laut eines gedämpften Schalles oder Knalles nachahmet, der, wenn er kleiner oder feiner iss, dnrckpiff,und wenn er gröber ist, durch Puff ausdruckt wird. piff, Puff, paff, Puff geht sein Gewehr, Weiße. Daher Las im gemeinen Leben übliche paffen, einen solchen Laut von sich geben, verursachen. Stammelnde Kinder pflegen das Labackrauchen anderer gleichfalls paffen zu nennen, weil derLaut, welchen manche bey dem Auslassen, des Rauches mit dem Munde machen, dem Worte paff ähnlich ist. Das Parament, des—es, pliar. doch nur von Mehrern Arten, die—-e, ans dem Mittlern Lat. ?ÄAÄinöNtum, in den Münzen, aüerley unter einander geschmelztes Metall, besonders allerley ,mter effraridcr geschMelztesSilver;ferner ungemünztesSilber.Jnr Hemeinen Leben einigcrGegenden,besondersNiedersachsens,bedeutet es auch alles, womit man zahlet oder bezahlet, Geld, ingleichen eine Münzsorte,wie auch das Aufgeld , welches man auf einege- ringhaltigeMünze legen muß. Alles aus dem Mittlern Lat. PUAU- §s, Franz. pn^Lr, Engl. W zahlen, bezahlen. Der Payät, des —-es, plur. die—e, in dem Tarock-Spiele, das mit einer Römischen I bezeichnete Blatt, welches das vornehmste Blatt ist, um welches sich das ganze Spiel drehet. Das Wort ist eben so ausländisch, als das ganze Spiel. Im Feischlin jst Pagay l-, 0 liAurio. ein langer Mensch. Der Page, (sprich pasche,) des—n, plur. die — n, aus dem Franz. ein adeligerKnabe, welcher einem Vornehmern zur Aufwartung dienet; ein Edelknabe. Ms Page dienen. Page sepn. S. Rammer-Page Leib-Page, Jagd-Page u. s. f. Anm. JmJtal. kuZ^io Das mittlere Lar. ssAins bedeutet einen jeden Aufwärtcr und Bedienten. Bag ist ein altes «Veit «usgebrcitctes Wort, welches einen Knaben bedeutet, und zu def- senGeschlechte mit andern Endlautertauch unser Bube, das Lat. kuer, uud Eriech. gehören. Ivlurpnis war im Lougoöar- discheitein Marschall, eigentlich ein Pferdekuabe oder Pfecdedie. «er.NachdemCurtius hießen dieEdelknaberr derPctsifchcuMonar- chen 6uZ0Äe,und bep den heutigenPcrffrn heißt ein Lackep ?ei k. JmSchwedckedeutetnoch jetzt kaZge ernciiJüngling^Nidpoi^s euren Knaben ,Dan. pog, Engl.Lo^. Im Finnland. heißt im Esihnischen kois, und jm Lltthanischcn poiZ, der Sohn. DesVayerr-^ofmeister, des—s, plur. ukriorn. ItLL- an den Höfen, ein Hofmeister, welcher die Pagen in seiner Aufsicht hstt So auch das Pagen- Zaus, der Pagen- Bediente, dee Pagen-Roch, n. s.f. Die ptr^öbb, xlur. die—n, ein Chinesischer oder Ost - Jüdischer Götzentempel; aus dem Portugiesischen kuFocku, und dieß aus dem Persischen kulAsäu, ein Götzentempel. Pal ' 640 pah! ein Empfindungswort der stolzen Verachtung, pah! der Härte mir kommen sollen ! Packle, (sprich Palje,) das Franz. ?-rrIlL, welches Stroh bedeutet. Mau gebraucht es imDeuschi-n nur, eine A. t der blaßgelben Farbe zu bezeichnen,welche aus schwefelgelb und ein wenig röthlich grau bestehet, und der Farbe des S-rohes gleicht; strohgelb. Las Tuch lst paille oder paille-farbig. Die paiffeli-cere, S. Berberis. - , Der packel. e.u im Rieders, für Bökel,Salzbrühc,üblichesWort, S. Bökel. Die pcrlänöer, plur. die— n, aus dem Irak. pcnnnckrL, Franz. eine Art platter Fahrzeuge auf der mittelländischen See, in der Größe eines starkenSchjffes, welche von starkemHolze und mikEisen beschlagen sind,und so wohl zumFischsauge, als auch zu Lombardier - Gallioteil gebraitchl werden. In Genua heißt ein solches Fahrzeug k'ulLmite. Der Palast, S. palläff. Derpälatin, des—es, plur. die—e,.eineArt zierlicher Halstücher des andern Geschlechtes, welche von Nauchwcrk, oft aber auchvoir Sammet, Flor», s. s. verfertiget sind, und derenbeyde lange Enden gemeiniglich vorn herunter hängen. Ans demFranz. k's.Intllle, wo dieses Kleidungsstück den Nahmen vo» seiner Erfinderin»,einerPsaizgräftuirchckomiueii haöeil soll. Einige gebran- chen es im sächlichen Geschlechte, weiches aberiuk Hochdeutschen, ungewöhnlich ist. Ein zartes Palatin, zu dünn etwas zu decken, Istdoch bemüht, dieBrust verr ächrisch zu verstecken. Zachar. Ein Palatin-von Rauchwerk heißt bep einigen ein Pelzkragen. Derpalefler, S. Balcst-r. Die Palette, plur. die — n, aus dein Franz. Palette, bey den Mahlern, em dünnes rundes ober ranotiches Bret von hartem Holze, welches vermittelst eines darirr befindlichen Loches aufden Daumen gcffckt wird, und woraus der Mahler die Farben setzet, ordnet und mischet. Lin Gemahlde verräth die Palette, schmeckt nach derpalette wenn dieMschung nichtigeschrcke genug gemacht worden, so daß die einzelnen Farben,welche vermischt worden, zu kenntlich find. Jur Mittlern Lat. ist pul etu m eine runde Scheibe. Es ist em Dinunut. vielleicht von dem noch im Schweb, üblichen ipuls Island, pull si ein Schämmcl. Der Packer, packerrn, S. polttcr, polircn. Diepacksröe, S. pallisade. Oer Pallasch, des—es, piur. die — e, ein kurzes Seitengewehr der Soldaten zu Fuß, welches eine gerade breite Klinge und gemeiniglich einen stumpfen dicken Rücken hat. Das Wort ist, so Wiedas Gl wehrseckst, vermuthlichSlavonischen Ursprunges. II! dem (ckockar. > llnucico in Leibnitzens Gockect. llt/inoi. krmnrtpollesch von cme.ePrreitaxi vor, welches aber arrs bal,öoi, groß, oder auch von bar,böse, streuend,und Axt zusammen gi'fttzet ist.JmSchwed. ist^o^xa und. 6 ül/xa gleichfalls eine große Axz eine Streitaxt. Jrroeffen kommt doch im Mittlern Lar. 6 ckä- sarUut, vou einenl kurzen Degen vor, welcher auch Ir .« ckelure, Lackurellus, uudim alten Franz. ^Ä^Lluire genannt wi'rd.^ Der pallast, des—es, plur. die pulläste, ein großes prächtiges Gebäude, besonders so fern es einem vornehmen Herrn zur Wohnung dienet. Las ist kein Haus, das ist ja ein Pallasti Sie stehen fest wie ein pallast, Ps. 75, 4. Und werden Dornen wachsen in ihren pallästen. Nesseln und Disteln in ihren Schlossern , Es- 34 , -Z. Ein köi.»glicher, fürstlicher, gräflicher pallast. Anm. Schon im pten Jahrh. kaücs, Hey demDttfried mit dkmriliäcschaltelen n,l?uliarU) depm Notker KHanLO, bcp ander» 64l Pal -ernpalass, Palas, Pfalz», s. f. Es ist aus dem Lat. ?ulu- tium. welches ursprünglich ein jedes Gebäude bedeutet haben mag, da es denn mit Pfahl oder auch mit Hessen Verwandten, bal, bol bo, hoch, groß, verwandt st-yn würde. So fern aber kulu- tiu'm anfänglich der Nähme eures Hügels zu Rom war, gehöret es unstreitig zu dem alren bal, bol. hoch, groß. Im Deutschen lregt der Ton -M Singular bald auf der ersten, bald aber auch au der le tzten, im Plural aber alle Mahl auf der letzten Sylbe. Das doppelte l ist so wie in dem folgenden um der Deutschen Aussprache willen uothweudig, obgleich das Lateinische nur ein einfaches hat. Unmittelbar von 1?ulu8, ein Pfahl, ist im Mittlern Lat. k-r- lseium, d'nlitium, ein Pfahlwerk, Pallisaden, S. Pfalz. Die püllette, plur. die — n, aus dem Franz, ^ullebs, eine Verzierung der Knopflöcher, welche aus Goch- Silber- oder Sei- deufädeu bestehet, die um ein Pergament gewunden werden. Daher der Pallete - Macher, das pallee - Rad, u. s. f. Pallier, Palliren, S. Polierer, Policen. Die pallisäd e, plur. dae — n, ein besonders in der Befestigungs- kunst übliches Wort, starke hölzerne, oben und unten zugespitzte Pfähle zu bezeichnen, welche fünf bis sechs Schuh über die Erde hervorragen, und zwey Schuh tief nahe an einander in die Erde gcsetzet werden; der Schanzpfahl, pallisaden um den Graben setzen. Mit pallisaden verwahren. Es ist aus dem Franz, kalitsulle und Ziak. kcililücia, kalicciats, welche von dem Lat. ?Llu 8 , ein Pfahl, übstammen, :md eigentlich ein Psahlwerk, eine aus mehrcrn Pfählen bestehende Befestigung, nicht aber einzelne Pfähle bezeichnen^ wie ma-i cs im Deutschen zu gebrauchen pflegt. Der Palm, des — es, plur. die — e, S. 2 Palme. Der Palmbaum, des —es, plur. die— bäume, ,.ün Asiatischer Baum, welcher nur allein i» Ostindien wachset, und einen einfachen geraden Stamm hat, der nur an feinem Gipfel aus Einem Puucte lauge schmable spitzige Blätter treibt, welche, so wie der Baum höher wachset, abfallen, aber den untern Theil an dem Baume sitzen lassen, daher der ganze Stamm mit solchen Überbleibseln besetzt ist. lb,. auch im Deutschen nur schlechthin die Palme. Die Zwergpalme, Wempslme, (S. Palmwein,) Schirmpa'me, derSagobattm/^bkr^ol'osbaum, der Dattel- banm, der Arekabaum, die Pst.rumpalme, die Rculpalme rmd die brennende Palme, sind Acren dieses Geschlechtes. Zn der Monfteischen Glosse kLlmpoumÄ. Der Nähme ist aus dem Lat. k>utm 3 , welches wiederum morgen! ändischen Ursprimges zu ftyn scheinet. Aber so ausländisch er auch sryn mag, so kann er.doch die allgemeine Verwandtschaft aller Sprachen und den gemeinschaftlichen Ursprung der Wörter nicht verlärignen. Da alle eigentliche Palmarien lange spitzige Blätter haben, so ist sehr wahrscheinlich, daß auch der Banin von dieser Gestalt derselben seinen Nahmen bekommen hat, da denn d eses Wort kein anderes ist, als dasfolgcnde z Palme. Da indessen bey den Palmen die starke runde Blumenscheide, welche bey einigen über 2000 Blüthen enthält, aus dem Gipfel hervor kommt: so kann auch dieser Umstand zu der Benennung Anlaß gegeben baden, da denn das Wort mit 2 P^rim? zu ball, Koll, rund, dem Niederst Bolle, die Zwiebel. Pöll-, der Gipfel, u. st s. gehören würde. i. K? re Palme, piur. die—n. >) Der Palmbaum, (S. das vorige.) 2) Em Palmzweig, cinZ veig des Palmbaumcs. Mit weißen Reidern und Palmen inihren äandcn, Offenb. 7, 9. S. pa^mzwcig. r. Die Palm?, p!ur. die — n, ein im gemeinen Leben noch sehr übliches Wort, wckches vornchmlich in einer doppelten Bedeutung vorkommt. 1) Die Augen oder Kuosven.an den Weinstöcken iver- den in den We,»ländern Palmer: zcnül.Nt. Mallmuß den Weln- rtdel.W.H.z.TH. 2, Aust. Pa! 642 heften, ehe die Palmen ausschlagen, sonst wenn die pale - men an den Reden ausschlagen, thur man ihnen lerchrlich Schaden, Coler im Hausbuche bey hem Frisch. Ja im Niederst, heißen alle Knospen Palmen, und im männlichen Geschlechte zuweilen Palme. Besouderssühren diesen Nahmen diejeuigenBlüth- knospen an den jungen Zweigen der Weiden, Erlen, Haseln u. s. s. wohin die Bienen im Frühlinge zuerst fliegen. Daher wird der Anfang des Frühlinges, wenn die Knospen an diesen Bäumen her- vorkommen, die Palmzeit genannt. 2) I» engerer Bedeutung sind die Palmen, besonders in Niedersachsen, die Blülhknospe» der Weiden, Erlen, Haseln und anderer Gewächse, welche in viele * seidenartige Haare eingehüllet sind, und hernach die so genannter« Rätzchen geben. Weil sie um Ostern zum Vorscheine zu kommen pflegen, so pflegt man sie auch Osterpalmen zu neunen. In andern Gegenden heißen sic Mmscl, (S. dieses Wort.) Ein mit solchen Palmen oder Kätzchen versehener Zwerg des Weidenbaumes, welchen man in der Römischen Kirche am Palmsonntage in Ermangelung echter Palmzweige zu weihen pflegt, wird gleichfalls die Palme genannt. S. palmzrveitz. Anm. Es ist sehr wahrscheinlich, daß dieses Wort die runde- erhabene Beschaffenheit der Knospen ausdruckt, da es denn ver- mittelfl des Ableitungslautes, m, von ball, Koll, rund, absiam- mcn, und mit Ball, Beule, Bolle, Bühel u. s. s. Eines Geschlechtes seyn würde; wenu nicht vielmehr die wollige Beschaffenheit der meisten Arten von Knospen zu dieser Benennung Anlaß gegeben, da mau es vielmehr zu wolle und Zell rechnen müßte. ^ Z. Die Palme, plur. die — n, eine Benennung verschiedener mit Dorum oder Stacheln versehenen Gewächse. 1) Der Lhristdorn, oder Mprtendorn, llex a^uikolmm 1 ^,. welcher ovalcuude spitzige stechende Blätter bat, wird in vielen Gegenden stechende Palme oder Stechpalme, in andern Stechbaum, Gtechlaub und 6 ulse genannt. 2) Oer Mäusedorn, kuleus aculeLtus l,, heißt an manchen Orten gleichfalls stechende Palme oder Stechpalme. Anm. Da beyde Gewächse schmale stachelige Blätter oder doch Dornrn haben, auf welche auch ihre übrigen Nahmen abzielen, s» ist es sehr wahrscheinlich, daß sie dieser Eigenschaft auch den Nahmen Palme zu danken haben, deralsdann mit Pfahl, Beil, Bolz, Pfeil, dem Lat. ^Lle^von vielen andernEiilesGeschlechtes seyn, und die stachelige Beschaffenheit der Blätter oder Dornen beze,ch. neu würde. S. Palmbaum, dessen Nähme eben dieselbe Abstammung leidet und erfordert. 4. Die Palme, plur. die — n, ei« in Nieder-Deutschland unö den nördlichen Gegenden übliches Maß, wornach die Dicke de« Mastbänme und des runden Holzes bestimmt wird. In Hamburg hätt die Palme in die Runde 42H Französische Linien, im Durch- Messer aber >. 4 solche Linien. In Holland und Norwegen hält die Palme Französische Linien, und drep Palmen machen daselbst r c> Zvll 2 Linien Dänischen Maßes. Es ist hier ohne Zweifel das Jlaliänische einer flachen Hand breit, welches vou demLal. die flache Hand, abstammet, und gleichfalls häufig als ein Längenmaß gebraucht wird. Schon im Isidor ist I^olrnd und in: Angels. k^olm die flache Hand, welches denn entweder von sahen, fassen, abstammen, oder auch zunächst die Fläche bezeichnen kann, in welchem letzreen Falle es mit . Palette zu Bohie, Zeld und andern dieses Geschlechtes gehöeen würde. Das Palmeichhornchen, des —s, piur. ur vom. eine Art Eichhörner, welche ihr Leben in den warmen Ländern «ns deu Palmbäumen zubringt; 8 ciuru 8 t^tlm 3 ' um I,, die palmratze, weil es gewisser Maßen einer Ratze gleicht, der pal-ust, »ach dem Franz, kuimiüe. S s Der x 64 Z Pul Der pabmeses, des—s, plur. ut nom. lln». ru berNömischrn Kirche, ein geschnitzter Esel, welcher am Palmsonntage, wenn derEinzugChristl oorgestellet tvird,deffeil ansgehauencsBr.d trägt, !und aufeinem kleinen Rollwagen herum gefuhret wird. Die Redlichkeit ist bey ihm so rar, als der palmcsel, der das Jahr nur Ein Mahl zum Vorscheine kommt. Das palmgewächs, des — es, plur. die—e, bey den neuern Schriftstellern desPftanzenreiches,Gewächse,welche wie diepalni- bäume nur Einen Stamm haben, auf dessen Gipfel die Blätter befindlich find ; zum Unterschiede von Heilpflanzen in engererBe- deutung, von den Gräsern, Farnkräutern, Moosen und Schwämmen. Das palmhonig,- des — es, plur. iouf. in der Bienenzucht, dasjenige Hönig, welches die Bienen in der Palm, oder Kuospeu- zcit eintragen sollen, uugcachlet die Palmen kein Honig, sondern nur Bienenbrot geben, (S. 2 Palme«) In andern Gegenden wird r» Ärauthonig genannt. Dor palmist, des—en, plur. die—en, S. palmeichhornchen. Dos palmohl, des—es, plur. doch nur von mehrern Arten, die—e, da- aus der Frucht des Palmbaumes gepreßte Ohl, wohin denn auch das Äokosoßl und Dattelödl gehöret. Die palmratze, ptur. die — n, S. palmeichhornchen. Der palmsect, des—es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die — c, eine Art Sect oder süßen Wernes, welcher von der Canarjschen Insel Palma zu uns gebracht wird, woher er auch den Nahmen hat; so wie Tanarien-Secc eigentlich der Sect von der Insel Lanaria ist. Der Palmsonntag, des—es, plur.die-e, der Sonntag vor Ostern, an welchem das Andenken des Einzuges Christi zu Jerusalem und seiner Eiuhohlung mit palmzweigen gefeuert wird; Oolninica?a1mnrum, ehedem der Blumen-Vflerrag, und verderbt der blaue Dstcrtag, l?Äl'c!ra tlorrclum, Franz. HueUsurie. Die palmwerde, plur.die—n, eine Art Weiden mit fast sägeförmig gezähnten rauchenBlättern,welche auf den trocknenFeldern Europens wachset; 8alix caprea I-,. Saalweide, Werftwci- de, Buschweide, Strcichpalme, ^oylweide. Vielleicht weil sie größere Palmen hat, als die übrigen Arten. Die palmweihe, plur. die—n, die Weihe oder Weihung der Palmzweige am Palmsonntage in der Römischen Kirche, siche palmzweig. Der Palmwein, des—es, plur. doch nur von mehrern Arten, die—e, ein aus dem Safte der Palmbäume bereiteter Wein, welcher sich aber nicht über z6 Stunden hält. Er gleicht unserrn Birkensaft? und wird auch fast auf eben dieselbe Art zubereilet. Die Valmwöche, plur. die — n, die Woche vor Ostern, die Woche von demPalmsonntage bis zum erstenOstertage,welche jetzt am häufigsten di? Lharwoche, und die still? Woche genannt wird. Die Palmzeik, plur. inust die Zeit, da die Palmen, d.i.Blüth-. knospen an den Weiden, Erlen, Haseln u. s. f. auszufchlageu pflegen, S. 2 Palm?. Der palmzucker, des—s, plur. doch mir von mehrern Arten oder Quantitäten, ui uorn. liuZ. eine Art großen Hutzuckers, welcher aus Holland in Palmblätter gewickelt verschickt wird, daher er auch den Nahmen hat. Der palmzweig, des—es, plur.die — e. r) Ein Zweig des . Palmbaumcs, welcher ein altes Sinnbild des Sieges,^.des Friedens und der ruhigen Freude ist. Bey dem Ottfried^Llrnouo Kerto, Palmgerte. 2) Au der Römischen Kirche werden auch die mit Palmen, d. i. Bliithkirospen, versehenen Zwerge der Wei- deubäume, welchem Ermangelung echter Palmzweige amPalm- MutLge geweihet werden, palmzweige genannt. .Pan ^ 644 *DerpäMkch, dese, plur. inus. eine in einigen Niederdeutschen Gegenden, besonders in Pommern, übliche Benennung des aus feinem Rockenmehle gebackenen Hefenbrotcs, welches aufdem Lande bey ftyerlichen Gelegenheiten gegessen wird. Im Franzos, heißt l'aino ule, in der Provence t^uumoulle, in der Picardie I^Lmel, die Gerste, daher auch im mittler» Lateine k'aumell^a und ?u!ln olÄ von der Gerste vorkvmmen. Diepanacee, (droysylbig,) plur. die—n, sviersylbig,) ans dem Franz, und d-eß von dem folgenden Griech.v«»«^, ein Arzeneymittel in allen oder doch den meisten Krankheiten. Das päna-r-Arailt, des—es, plur. inus. eine Art desLascr- krauttzs, welche um Montpellier einheimisch ist; I^ulerpilium Ltiircruium l- Der Nähme ist aus dem Griech. welcher vou oecs'/v serco^ abstammei, weil man diese Pflanze ehedem für ein Heilmittel in allen Krankheiten hielt, daher sie auch im Engl. ^ll- lieul heißt. Aus der geritzrenWurzel und demStängel rinnet ein Saft, welcher Panax-Saft oder Gummi-Panax genannt wird. Die pandöre, plur. die—n, eine Art unvollkommener Lauren, welche eine» kurzer« Hals wie dieLaute hat,auch mit wcnigerSai- teil bezogen wird als diese. Sie ist, dem Pollux zu Folge, der sie »«„Sau?» und nennet,eineAssyrischeErfindulig,und komnll schon dey oemL-auipridius imLebenHeltogabalsKap.z 2 vor. Heul zu Lage ist sie in Rußland, Pohlen und der Ukräne am üblichsten, ans welcher letzter« Provinz auch die besten pandoristen vder pandurisrcn nach Rußland kommen. Sie heißt im Jtal. gleichfalls ^ancioru.imFranz.mit der nicht ungewöhnlicheiiVer« Wechselung des m und p ^Lnclore,und auch imDeutschen zuweilen Mandore, im Engl. 6LneI,I^LoneI, die viereckige Leiste an der Schreliierardeit,und^une eine viereckige Scheibe. Es scheinet entweder zu Bahn, oder so fern zunächst «uf die vertieften Felder gesehen wird, zu Pfanne,Niederst Panne, zu gehören. Das panier, des—es, oder—s, plur. die—e, ein Wort, welches ehedem die Hauptfahne bey einem Kriegsheere oder einem Haufen desselben bezeichnete, jetzt aber nur noch in der biblischen und dichterischenSchreibart für Sanier gebraucht wirb ; welches letztere der Abstammung gemäßer seyn würde, von dem Franzos. Lttuniere, Irak. LLnciierL, mittlere Lat. Lanckeriu, alle von kttticlum, eine Fahne, und dieß von Band. Die Rinder Israel sollen sich lagern, ein jeglicher in sein Lager (in seinem Lagerund bey das (hem) Panier seiner 'Schaar, 4, Mos. 1,52. Ge- §en"Abend soll Liegen das Gezelt und Panier Ephraim mit ihrem Heer, Kap. 2, ,3. Im Nahmen unsers Gottes werfen wir panier auf, Pst 20,6 , rüsten uns zum Kriege. wie -as panier, von seiner Zand gefaffet, Zur drohenden Ägide ward, Raml. Der Panis-Brief, des—es, plur. die—e, in dem Deutschen Staatsrcchte, eine schriftliche Anweisung,welche derKaiftr jemanden auf eine Pfründe zu ercheilen befugt ist ; aus demLau ?unis. Daspanket, S. Bankett. D re Panne, plur. die—n, ein nur bey denFalkenjägern übliches Wort, die große» Schwingsederu an den Flügeln der Falken zu beze?chnen, S.Wanne, von welchemWorters nurmlk verderbte Ailssprachcist. Der Pannerberr, S. Bannexhexr. Die Panse, S. Banse. - ^ - Der 645 Pan Das panstcr, dk» --, pU»', ur nnm.linx.imMmKnb-n-, ei» hohe-- uuterschlächtiges Wasserrad, welches zwcy Mahlgänge treibt- das Panfierrad,zuiu Unterschiede von dem Staberrade, welches nur halb so hoch ist, und auch nurEinen Mahlgang treibt. Daher die panfieemiihle, eine mit einem Pansterrade verjehene Wcchermiihle; daspansterzeug, das Pansterrad mir seinemZu- behör. S. Srockpanster und Ziehpanster.. Anni.Obgleich die Stellung derSchaufeln bep dem Pansterrade und Staberrade heut zu Tage einerley ist, indem die Schaufeln bep Heyden zwischen denWaugen oder Felgen eingesetzet sind, dagegen ein Straubrad selbige ander Stirn'tragt, so scheinet doch ehedem einUntecschied zwischen denftlbenStatr gefunden zu haben, woher denn auch die Benennung rühren mag; wenn mcht Panster eigentlich die allgemeine Benennung des Panster- und <2taberrai.es im G-ge il 1 a sie des' Straubrades ist, da denn pausier auf dieVev- ricfttng der Schaufeln und den hohleu Raum zwischen denselben gehen, und zu unserm Banfe und Banse,rgehören wil'^de, (L-. diese Wörter.) Vermutlich hat man dieses Wortehedem von Panzer abgeleitet, wie es denn auch wohl von einigen so geschrieben und gesprochen wird; wenigstens kommt I-oricL im Mittlern Latcme von einem Thcile der Mühle vor. kro kaciencäo et ponencw in ciicto molsuckino — urrsm loricam, d. i. einPansterrad, in einer un-gedruckten Urkunde Key dem Carpentier. Das vantübon, (sprich pantalong,) des—s, plur. die —-6 ^ ein musikalischesJnstrument in Gestalt eines großen Claviercs,wo die Saiten durch Hämmer geschlagen werden. Es hat seincnNah- men von Pantaleon Hebenstreit, welcher cs um das Jalir - 7 - 8 m Sachsen erfaild, und die Veranlassung dazu von dem Hackebrete nahm. ^ ^ Der Panther, des —s, plur. Mnom. llriZ. oder das Pan- kherthirr, des—es, plur. die—-e, ein fünfzehiges vierfußiges Thier, welches anGestalt nnd Grausamkeit demTieger gleicht, nur daß es oben runde, und nur allein unten kuschelige Flecken hat, dagegen dcrTieger über den ganzenKörper mit büscheligc-u und streifigen Flecken besäet ist; karckus I-. Der Nähme ist aus dem Griech. voe-.-n-- Er lebt so »pic der Tieger in den wärmern Gegenden Asiens, und in Afrika. Nach dem Griech. und Lat. Nahmen ^urciu8,kÄrcktt!i8, wird er auch im Deutschen Pardel und Parder, ehedem auch pard genannt. Alle drey Formen kommen in der Deutschen Bibel vor. Es wird ihn überfallen wie ein Löwe, und -aufreibcn wie ein pard, Sir. 28,27» Die pardel werden bey den Löcken liegen, Es. » 6. Dann auch ein Mohr seine Harrt wandeln , oder ein Parder seine Klecken? Jer. i z, 23. Weil dieses Thum wie ein Löwe brüllt,, so wird es auch Leopard, bev dem Plinius I^eopurclus, Key dem Strpker j^ieburl, in dem alten Gedichte auf den heil. Anno l^e- dar cl, bey dem Hocncgk Liphart, Key dem Pictorius Lcfrat genannt. Von den Bergen der Leoparden, Hohel. 4 , 8, Dis altern Schriftsteller hielten den Panther, den Parder und den Leoparden irrig für drry oder doch zwey verschiedene Arten von Lhieren, dagegen andere sie mir dem Tieger verwechseln. Jnpan- rherthierfür Panther ist die letzte Solbe unnütz indem dasWort Thier schon in Panther, Gricck.»«'.»Zif?«, Z" liegen - scheinet. Im Hochd. urschen ist der Panther üblicher als das Panther. S. auch Parder. A re Panther«?, piu r. die— N, eiu im Jagdwesen übliches Wort, ein viereckiges, drryfaches, auswendig mit Spieaeln und inwendig mi« einen, subtilen w-itenJnaarne versehenesGaru, allerlen große und kleine Vögel damit in Menge zu fangen. Es ist in Italien am üblichsten, wird aber auch in den an Italien gränzenden Deutsches Provinzen gebraucht. Der Nähme stammt gleichfalls aus Pan 646 Italien her, indem schon Petrus Crescenti,»s derpLulllsru als eines im Ämenfange üblichen Garnes gedenket. Er ist ans dem, Griech. weil allerlei) Acten von Vögeln damit gsfangen werden, so w,cein ähnliches Fischernetz bedeutete. Irr der Nieder-Normandie ,st kautisre ein Garn, womit allerlep Seesögel gefangen werden. Der pancherstein, des — es, plur. ivul. ein Nähme, welchem emige dem Jaspiß geben, Weiler fast eben so gefleckt ist als ein Panther. Das pomterthier, S. Panther. Der Pantoffel, des —s, plur. die — n, eine Bekleidung der- Füße beyderGeschlcchter,welchezurBequemlichkeitgetragen wird, und eigentlich eincArt von Halbschuhen ist, indem sie keineLaschen, gemeiniglich auch ein kiirzeresQberleder als dieSchuhe,und eigentlich auch kein Hinterleder haben, ob es gleich nunmehr auch häufte Pantoffeln mit Hinterleder gibt. Unter der Herrschaft despan- toffels stehen, unter dem Pantoffel stehen, sich von seiner Fran beherrschen lassen, von denPantoffeln des andernGeschlechtes,wes- chcs sich derselben im Nothfalle wohl zum Angriffe zu bedienen pflegt. Unter dciipantoffel kommen, unter die Herrschaft des andern Geschlechtes. Figürlich wird auch diejenige Pflanze, welche sonst nitter dem NahmenMarienschnh oder venusschuh-brkannt isi,0/prjpecjiuml-.inelnigenGegettdenpantöffelchcn genannt» Anm. Dieses Wort lautet schon im Theuerdanke Pantoffel, im mittler» Lat. um das Jahr 143o ^ÄlitoLIs, im Jral. kola, im Franz, pnntouflo, im Engl. st^Lutostle, im Böhm, gleichfalls ?Lvt.otstel. Man hat von diesem dunkel scheinenden Worte eineMenge Ableitungen, welche ich hier nicht wiedcrhchlen will. Wer sie beysammcn zu sehen verlanget, kann sie in Stosch. krit. Anmerk.S.4'6 s. und in Diecmanns 8pec.OIolstLr»S. r 2z finden. Indessen ist doch noch nicht ausgemacht, ob die Pantoffeln 'eineeinheimische oder eine ausländische Erfindung sind, wovon doch die Ableitung mit abhängr. Die wahrscheinlichste Memunz ist noch Schillers, der es von Tafel und Hein ableirer, weit die crstenPantoffeln ausBrelern bestanden ivelche man übrr denp-aste- mit Bändern zu befestigen pflegte, daher auch Frisch für Bein l as Zeitwort binden zur Ableitung vorschlägt. Daß der Haup: begriff in der letzten Hälfte des Wortes liege, erhellet aus dem Nirders. wo einPamoffcl nurToffel oder Tuffe! heißt, so wie er in.Schwed» lotste!» im Island, lupla» im Fmnländ. 1 'otsteli, und im Ungar. IHpetö heißt. Der pstNtöffelbaum, des— es, plur. die—bäume, emeAct Eichen, welche in dem mittägigenEuropa einheimisch «st, und deren ' schwammige Rinde den Nork oder das so genannte panroffelyol; liefert, weil man ans derselben in manchen Gegenden Pantoffeln zu verfertigen pflegt; OueicrrsLuber I »Rorkbaum, panrof- fklholzbanm.. Der pantöffelfrsch, des—es.pstur. die—e, ein Nähme, welcher von einigen auch dem Hammerfische gegeben wird,, nach dem Franz. l?avtvu6rer. S. Hammerfisch. Das pantöffelholz, des—es, p!ur. inust. S.panroffelbanm. Die Pantomime, plur. die—n, ans dem Griech. oe«s, rog, und ich ahme nach , eine Art Schauspie s, wo ohne ein einziges Wort dakcy zn sprechen, die Handlungen und Morre durch bloße Geberden ansgedcuckt unh nachgeahmet werden; das Pantomimen-Spiel. Pantomime spielen» In die Pantomime gehen. Der Pantomimen-Spielep oder panromimlst. pantomimisch, nach Art einerPantomime,durch Zeichen ohneWorte. Der Pantsch-, ein in den niedrigen Sprech arten. für Wanst ühli- chcs Wort, S. dasselbe. ff pantscchen, vsrb. re°l. sek. welches gleichfalls NM' im niedrigen Lkbcir üblich ist, und den Laut Nachahmer, welchen ein Uttgesck «ekles S s 2. Hanureu 647 Pan Harttirerr in und mit dem Wasser verursacht, und Wofür vermöge der nahen Verwandtschaft beyder Buchstaben auch mantschen üblich :fi. Im Wasser pantschen oder mantschen, ungeschickt mit demselben hanuren. Lenlvein pantschen oder mantschen, ihn auf eine ungeschickte und unerlaubte Art vermssch.n uud verfälschen. Der panzen, S. der Bansen. r. Der ganzer, des—s, plur. uk nom. llnZ. im gemeinen Leben einiger Gegenden für Wanst, Bansen, besonders von dem Bansen des Rindviehes, S. dieses Wort. r. Das ganzer, eine Act eines unterschlächtigen Wasserrades. S panster. Z. Der Panzer, des—s, plur.uk NOM. lrrrZ. eine feste gemeiniglich metallene Bekleidung de.-L ibes vor feindlichen Geschossen und Stichen oder Hieben. Dem Frisch zu Folge bestehet der pan- ^ zer eigentlich aus lauter kleinen Ringen vonDraht, welche denselben biegsam, aber doch auch undurchdringlich machen. Indessen werden Harnisch, Panzer, und das heutige A,naß, besonders aber die beydcn ersten, sehr häufig als gleichbedeutend gebraucht. - Goliath hatte einen schuppigen Panzer an. und das Gewicht feines Panzers war fünf tausend Seckcl Erzes, i Sam. 17, L. Sin Mann schoß den Röntg zwischen den Panzer lind Hengel, r Köll. 22,54. Heute zu Tage werde» die Panzer so wie die Harnische wenig mehr gebraucht, und was noch davon bey der schweren Reiterey übrig rst, führet den Nahmen des Rurasses. Bey den Jägern ist der Panzer eine aus Leinwand und Fifchbein verfertigte und mit Haaren ausgcstopfte Bekleidung der Jagdhunde, um siechuf der wilden Schweinsjagd vor dem Schlagen der wilden Schweine zu beschützen. A'nm. JmOöerd'erttscher, ist essächlichenGeschlechtes, daspan- zer, auf welche Art es schon im Theuerdanke vorkommt. Im mitrl. Lat. lautet dieses Wort ?Lr'.cer- 3 , k'ukceriL, k'anlLrju, im Jtal.kanriern, im Schwed.käuksar, imBöhm.kLue^r und Pohl». l?äneerr. Frisch hält es für ein Slavo». Wort. Die meisten übriqenWortforscher leiten es vonBansen,pan;e,Wanst her, (S. der Bansen und Wanst,) Franz. l?unle, Jtal kancin, weil noch dcrPanzer vornehmlich den mittlernTheil desLeibes bedeckte, rmd nach Ihre ist die letzte Sylbc nicht die Ableitungssylbe —er, sondern das Hauptwort ner,ue 8 , Er;,'so daß Panzer eigentlich einen ehernen Wanst oder eherne Bekleidung des Unterleibes bedeuten würde. Allein ein Panzer darf eigentlich eben so wenig ehern seyn als ein Harnisch, und über dicß hat es alles Ansehen, daß Panzer, Harnisch undRücaff, so wohl der Sache selbst, als - der Benennung nach ausländische Erfindungen sind. Übrigens wurde ein Panzer ehedem auch Halsperik, Halsberge, Hoser und Mus, Musn, Nuserfen genannt. Das mittelste leitet Frisch von dem Franz, ttaulrsrk, ein Panzerhemd, ab, wenn nicht vielmehr beyde zu unserm Haube gehören; das letzte aber stammet ihm zu Folge von Nasche her, weil er voraus setzt, daß ein Panzer alle Mahl aus kleinen Ringen oder Maschen bestanden habe. panzerfegen,verb. reZ.net. ei„ größten Theils veraltetesWort, welches noch hin und wieder im gemeinenLeben im figürlichenVer- stande für einen derben Verweis geben, mit Worten und mit der Lhat züchtigen, gebraucht wird, in welchem Verstände man auch scheuern und ausscheuern gebraucht. Ich panzerfege; gepanzerfeget. Es stammet, wie schon Falsch bemerket, aus der Zeit her, da die Panzer von Draht noch üblicher waren als jetzt. Man gebrauchte die Stücken solcher unbrauchbar gewordenen Panzer, welche panzerfieckc genannt wurden, zum Ansscheuern des Geschirres in den Küchen, und besonders zur Reinigung defeisernen Töpfe oder Grapen. Dreß nannte man eigentlich panzerfegen, von dem Oberdeutschen fegen, scheuern. Da indessen dafür imNjederf. auch teuie.'fegen üblich ist, (ohne Zweifel von Teure, eine große Pao 64z hölzerne Bierkanne,) so kann die Figur auch von dem Legen, d. i. Scheuern uud Putzen, der Panzer selbst entlchucr seyn; zumahl da man ehedem eigene panzetfeger hatte, welche die Panzer anderer um Lohn r.inigten und putzten. Der panzerflsch, des— es, plur. die—e, eine Art Fische mit Bauchfinnen hinter den Brustfinurn, welcher mil festen Schrippen, wie mir eurem Pal zer versehen ist, und sich in den Amerikanischen Gewässern aufhält; st-oricari-» L'Ss/ /r. Der Panzerfleck, des—es, p!ur. die —e, S. panzerfegen. Der panzerhandstryirh, des— es, plur. die — e, Handschuhe von Deaht oder Blech, zur Vertherdigung der Hände, welche ehedem üblicher waren als jetzt. Da» Panzerhemd, des — es, plur. die —en, ein ans Draht g. flochtenesHenid, welches man ehr dein im Kriege statt eines Parr- zers unter der Kleidung zu tragen pflegte. Dre panzechosen, lrnZ. inui. Hosen oder Beinkleider vonDraht oder Blech, zur Lcschützung dcr Dichbeine im Kriege. Die panzerbette, plur. die — n, eine zierliche Kette, deren Glieder länglch gebogen find, so wie d ie Gelenke und Maschen an derr eh. mahligen Panzern. Das andere Geschlecht pflegt sie an einigen Orten noch zur Zierde zu tragen. Die panzerklt.ty'', plur. die — u, eine Art starker steifer Stoß- klingen, um damit durch einen Panzer zu stoßen. Sie find mit den Panzern selbst veraltet, und werden nur «roch in Spanien gebraucht. Ehedem wurden die mitfolchen Klingen versehenen Degen panzerrcnner, Panzerstecher, und Gchnrzer genannt, weil man damit besonders die panzerschurzen zu durchbohren suchte. panzern, Verb. reZ. act. mit einem Panzer versehen. Gepanzerte, Soldaten. Vom Rcpfe bis auf die Liiße gepanzert seyn. Jngleichen mit einer undurchdringlichen Bekleidung nach Arc eines Panzers versehen. In diesem Verstände panzern die Jäger die Hunde bey den wilden Schweinsjagden. S. Panzer. Das Panzerrad, S. panster. Der Panzerreiter, des — s, plur. ur nom.linZ. ein gepanzerter Reiter, dergleichen ehedem üblicher waren als jetzt. Der Panzerrenner, des—s, plur. m aom. liuZ. S. pan- zerklinge. Die panzerschürze, plur. die — n, oder der Panzerschur;, des —es, plur. die—e, ein von Draht geflochtener oder aus drähternen Maschen zusammen gesetzter Schurz, welcher bey den ehemahligen Rüstungen unten an den Panzern und Harnischen befestiget war, und den Unterleib bedeckte. Der panzerfieHer, des—s, plur. ur uom. 6 nZ. S. pan« zerklinge. Das Panzerthier, des — es, plur. die — e, ein gepanzertes, d. i. mit undurchdringlichen Schuppen versehenes vierfiißiges, vier- und fünfzehiges Thier, welches in Ostindien lebt, und auch Armadillo, (ans dem Span, von arrnncko, bewaffnet,) Gchild- ferkel, Ameisenbär und Ameisenfresser genannt wird, weil es sich von Ameisen nähret; Das panzerzeuA, S. panikerzeug. Die Päonie, (viersylbig,) plur. die — n, ein Gartengewächs, welches große, gemeiniglich dunkelroche Blumen trägt, welche einige Ähnlichkeit mit den Rosen haben; k^eonia otkicinulis 6 . Pfingstrose, weil fie um Pfingsten blühet, Gichtrose, Gichtkörner, wogen der Heilkräfte ihrer Wurzelund Samenkörner in der Gicht/Rönigerose, bey dem Dasvpodius Minwenkraut, Min- wenwurz, Benonr'en, im Niederst Amachtsblome, Ohnmachtsblume. Sie ist in den Schweizerischen Gebirgen einheimisch, von da fie in unsere Gärten gebracht worden. Der Nähme pestnie ist aus dem Griech. »-Llsvio». Im heutigen Persischen heißt diese Blume kUvauin. * > . ^ b. - .'z X ' ^ Papi^ . c ^ - ' , , , 649 P« ? Vapä, das Nennwort, womit Kinder ihren Vater rufen und anzure- ^ den pflegen, da cs denn auch als ein Hauptwort gebraucht wird, der Papa, des — s, pckur. die — s, der Vater. Es gilt v-n diesem Worte eben das, was schon bey dem Worte Mamma erinnert worden. Nw Kinder von einem gewissen Stande pflegen ihre Altern mit Papa und Mamma anzureden. In der Abwesenheit aber und als ein eigentliches Hauptwort sind bev Kindern von Erziehung und von einigem Alter mein Varep meine Mutter, fiir mein Papa, meine Mamma üblicher und schicklicher, indem beyde durch den langen Gebrauch von Kindern ein kindisches Ansehen bekommen haben. . Anm. Dieses Wort ist so wie Mamma erst in den später« Zel- tcn aus dem Französischen entlehnet worden, indeffen'ist es doch so wie dieses im Grunde ein allgemeines Wort, welches die Natur stammelnde Kinder selbst gelehret zn haben scheinet, weil die esyl- benpa, pa, ma, ma, die ersten und leichtesten sind, welche ein Kind aussprechen lernet. Daher findet es seine Geschlechtsver- wandien auch in allen Sprachen und bey allen Nationen. Selbst in den niedrigen Sprecharteil einigerProvinzen, z.B. Thüringens, ist Pappe und Mämme bey Kindern fürVater und Mutter üblich. Das Jtal. knps, und in den gemeinen Sprecharten Lnbbä, das Schweb. pspya, das Pcrs. Laba und kaxa,das Griech. »«or- - und andere, werden auf eben dieselbe Art gebraucht. Ja selbst bey den Negern am Senegal heißt Baba der Vater, und Bibel eine bejahrte Matrone. S. Abba, Papst, Pfaff und Vater. Derpapützey, des— es, ^iur. die — e, Diminnt. das Papa: gepchen, zusammen gezogen in der vertraulichen Sprechact, p äp- chen, ein ausländischer Waldvogel mit einem oben gewölbten Schnabel, welcher in den warmen Gegenden Asiens und Afrika's einheimisch ist, und eine sehr fleischige Zunge hat, daher er auch leicht reden lernt; kültncusD. Man findet ihn fast von allen und oft schrflchonen Farben, ingleichen von verschiedener Größe, von der Größe eines Sperlinges an bis zu der Größe eines Huhnes. Hwep häusliche Thiere, Cpper, ein fleckiger Rater, und ein geschwätziges Papchen, Zachar. Ihr plauderndes Papchen Saß im goldenen Rafich, cbcnd. Besonders wird dieses Dimittulivnm, sowie das sonst ungewöhnliche nicht verkleinernde Pape, als ein Anrede-und Liebkosnngs- wort gegen einen Papagey gebraucht. Wegen einiger Ähnlichkeit in den Farben, zuweilen auch wegen der Ähnlichkeit in leichter Nachahmung der menschlichen Stimme, werden auch wohl einige bey uns einheimische Vögel mit diesem Nahmen belegt. So führen dieMandelkrähc wegen ihrer bunter: Farben, und derRrumm- ^ schnabel wegen seiner grünen Federn, bey einigen den Nahmen des Deutschen Papagepes. (S. Sittich,) welcher Nähme besotts , ders im Oberdeutschen für Papagey üblich ist. Anm. Dieser Vogel heißt im Mittlern Lat.käpaZeri und ka- p 3 Zn 1 lu 8 , im veralteten Franz. kapeZuur, ehedem im Jtal. ks^LALllo, im Engl, im Niederst Papegoje, Pape, und mit Wegwerfnng der ersten Sylbe Goje, Goge, imSchwed. knfleZojn, imBöhM. ksk, im Portng. l-'apn^ÄVo, im Span. L^rpuZi^o, und im Neu- Griech »'«»'«'/ccg. Die wunderliche Ableirnng von b*.eps, ein Pfaffe, und c em ^runz. Osni, eine Ächer, oder x u, lustig, weil dieGeistlichrn >hn jn den Mittlern Zeiten ^n ihremVcr- gnügcn zu Hallen pflegten, hat schon Frisch verworfen. D-r Papagei) hat seinen Nchmeil ohne Zweifel mit ans Asten gebracht, «wd i,0 Arab. hußt er wirklich , weicher der Grund d-.s Europäisch.» ist. Ob di 'ser aber zu unserm papern, papeln, plaudern, gehöret, »der ob er ihm um deßrvillen gegeben worden, Pap 6zo weil dieSylben Labs Lreersten find, welche er a,lSsy^chen lernet, mag ein Araber unt rstlchen. Er ist durch die Handlung aus Italien nach der Levante und nach nahls durch die Kreuzssige in Europa sehr früh bekannt geworden, und sehr bald zum Vergnügen gehalten worden. Übrigens heißt er im Jral. auch k^ro- ctietw, im Franz. l^rroqukt, im Engl. l?errociuett, kur- rot, so wie man ihn im Deutschen nach dem Griech. kitttucus auch Sittich nennet, (S. dieses Worc.) Die Malabaren nennen ihn von seinem Geschrey Klipull^. Die pcrpcrtzeycrnte, plur. die—n, eine Art Grönland. Mgsser- Vögel oder Taucher, mit einem breiten oben gekrümmteneschnabel, wie ein Papagey, und schwarzen Federn mit gelben in die Quere gehenden Streifen. Andere nennen ihndeupapageytanchcr. Die Papcryeyfeöer, plur. die— m, eigentlich die Feder von einem Papagcy. Figürlich pflcgtmanm den Gärten auch eine schöne Art dceyfarbiger Amaranthe oder Sammtblnmen, welche gecb- roth und grün voll Farbe ist, die Papagepfeder zu nennen. ^ Der Pcrpageyscrme, des—ns, plur.iwii. bry einigen, derSame des Safflors, weil die Papageyen ihn -gern zu fressen pflegen. Die Pcrpcryeytsube, plur. die — n, eine Art Tauben mir grünem Körper, dunkelbraunen Rudersedern, welche Farbe anry das Ende des Schwanzes hat, gelbe» Fußen und dunkelbraune» Klauen. Sie ist auf der Insel St. Thoma einheimisch. Der Papageytaucher, des—s, plur. ur üom. tivA. Papa^ gepänte. Papern, verü. reA. uet. et nsutr. welches im letztern Halle oas Hnlfswort haben bekommt, aber nur im gemeinen Leben und in der vertraulichen Sprcchart für plaudern oder plappern irbli^ ist. Den ganzenTagpapern- UngereimtesZeug papern. Daher das Gepaper, das Geplauder, ingleichen ein grundloses Geschwätz. Es ahmet den Laut des geschwinden und gedankenlosen Redens nach, und lautet in manchen Gegenden auch papeln. pap- pern, päppeln, babbeln, Engl. to bsbbls, Franz, bnbiller, Jral. buvure, bave^Arare, ÜLlibolure, Lat. fäibulur'.. Man hat vsn diesem Morre in den niedrigen Sprecharteil mehrere Ableitungen und Zusammensetzungen; z. B. paperig, paperhafk, babbelhaft, pappelig, plauderhaft, plapperhaft, Papelhans oder Paperhans, der gern und viel plappert, Franz. LsliülÄrc! u.st f. Ein anderes nur in einigen Oberdeutschen Gegenden übliches Wort ist papeln, streicheln, liebkosen, zärteln, im gemeinen Leben der Obersachsen hätscheln. Das Papier, des — es, plur. von Mehrern Arten oder Quantitäten, die —e, Diminnt. das passierchen, Qberd. Papierlein. ,) Eine aus verschiedenen Theilen des Pflanzenreiches in statt dünner Blätter bereitete Masse, vornehmlich nm darauf zu schreiben, hernach aber auch sich deren zu ander» Bedürfnissen zn bedienen; ohne Verkleinerung. Die erste Arl des Papieres, oder der unter diesem Nahmen bekannten Masse wurde ans derÄgvptischen Papierftande bereitet, (S. dieses Wort.) In den mittler« Zeiten verfertigte man baumwollenes Papier, dessenGebranch in öffentlichen Urkunden schon von Kaiser Friedrich H im Jabre »221 in Neapel,und zwischen >2^2 und t 2 84 ittCastilien verbothen wuke. Auf dieses Papier folgte unser heutiges ^Lumpenpapier, welches jetzt mw schlechthin Papier genannt, und ans leinenen zuweilen auch wollenen Lumpen ans de» Papiermühlen verfertiget wird. P pier machen,(S. Paptk-rmacher.) Map .Pier handeln. Ern Bogen Papter. Ein Buch Papier, 24 Bogen. Ein Rieß Papier, 20 Barch. Ein Blatt Papier, ein Stück von einem Bogen. D r; Papier schlägt durch o>'c fließt, wenn cs aus Mangeldes Leimes die Time zerstoßen lasset. Etwas zu Papier (nichtPapiere) bringen, es ausfcheeiben, eufsetz-'n. Schreibpapier, Druckpapier, Loschpapier, > ckpapier, Pdflpa- Ss r pwr 6L-. Pap papicr i«, s. f. Das sehr zarteChinesischesderIndianische Papier wird nicht, wie man gemeiniglich glaubt, ans Seide verfertiget, sondern ist gleichfalls dssPeoduct der zarten Rinde gewisserPstan- zcn. 2 ) Ein Stuck Papier von unbestimmter Größe, Diminut. Papierchen, Oberd. Papierlein. Ein jedes Papierchcn auf- , heben. Es liegt unter den Papieren auf dem Tische. Am häufigsten beschriebene Stücke, auch wohl Bogen Papier, im allgemeinsten und unbestimmtesten Verstände. Man hat cs unter seinen Papieren gefunden, unter seinen beschriebenen Blättern oder Bozen Papier, unter seinen Scripturcn. Jemandes Papiere versiegeln lassen. Anni. Es ist aus dem Griech. und Latcin.?Ap^rus,«'«»'v^og, welches eigentlich der alteÄguptischeNahme derpapicrstaude war, der denn mit der Sache selbst in den übrigen Theilcn der Welt bekannt geworden; Franz.?3pier,E«gl.f'Lper,Schwed.Kapper. Der Papieradel, des — s, pl ur. jaul, der Adel, d. i. die adelige Würde, welche sich nicht auf Geburt, sondern auf Erhebung vermittelst einer Urkunde gründet; der Briefadcl, Buchadel. Jn- glcichen mehrere auf diese Art geadelte Personen. Die Papierblume, plur. die — n, ein Nähme, welchen in einigen Gegenden die gemeineZlockcriblume, Oentaurss lacea l-, führet. Papieren, s6j. et ackv. aus dem Papier bereitet. Ein papierenes, papierncs Zensier. Eine papierne Laterne. Das Papiergeld, des—es, plur. inus. Scheine oder Zettel von Papier, so fern ste im Handel und Wandel dieStelle des baren Geldes vertrete». Der Papierhanöel, des — s, plur. inus. der Handel mit Papier; der Papierkram. Daher der Papierhä'ndler, Fäinin. die Papierhä'udlerinn, eine Person, welche mit Papier haitdelt; an einigen Orten der Papierkramer, diepapierkrämerinn. D ie Papierlaus, plur. die—lause, bey einigen ein Nähme der Buchmilbe, lermes pulsatorius ü,. weil ste sich gern in den alten Büchern anfhält. Von andern wird ste wegen ihres kleinen Körpers die Staublaus genannt. Die Papierlumpen, sinZ. inus. Lumpen, aus welchen Papier gemacht wird, oder gemacht werden soll. Der Papiermacher, des—L, plur, utnomi. ÜNZ. ein Handwerker, welcher Papier aus Lumpen macht; der Papiormuller, so fern er der Inhaber einer Papiermühle ist» Dessen Gartinn dir Papiermachermn. Zm Oberdeutschen wird er der Papierer genannt. Das Paplermass, des — es, plur. die—e , eiu Maß von Papier, dergleichen Maße sich z,B.die Schneider und Schufier bedienen. Bey den Perrnckrnmachern ist das Papiermaß daspapicrne Maß der Sr itenlocken einer Perrncke, welches in so viele Falze gebrochen ist, als Reihen Locken anfgenäbet werden sollen. Die Papiermühle, plur. die— u, eine Wassermühle, in welcher die Papierlumpen klein gcstamvfet und zu Papier verarbeitet werden. Daher der Papiermiillcr, der Inhaber einer Papiermühle, -er Papicrmacher. Das Papierohl, des— er, plur. inus. eine braune cinemÖhle ähnliche Feuchtigkeit,, welche Zurück bleibt, wenn man reines Papier aufeinem zinnernenTellcr verbrennet. Die Papierschere, plur. die — n, eine lange Schere, Papier damit zu schneiden, und besonders zu beschneiden. Der Papierschirm, des—es, p-ur. die —e, bey den Kupferstechern, ein mit Papier überzogener Rahmen, hinter welchem man das Auge wider die Blendung des Sonnenlichtes verbirgt. Die Papierstaude, plur.die—u, ein Staudengewächs welches in Ägypten in und am Nil sehr häufig wächst-^ und aus dessen Rinde oder vielmehr Haut die älteste mrd erste Art des PapiereS Pap 6^2 verfertiget wurde, welches daher auch seinen Nahmen bekommen hat. Im Griech. bey dem Plinius kapprus. Der Papiertorf, des—es, plur. doch nur von mehrernArten, die—e, eine Art lockern Torfes, welcher auS dünnen dem Papiere ähnlichen Bläuern bestehet; der Blättertorf. Der Papist, des—en, plur. die — en, Fämin. die Pap i'stinn, ein nur in der harten und verächtlichen Sprcchart übliches Wort, ein Glied der Römischen Kirche, einen Römisch-Katholischen z„ bezeichnen; eigentlich ein Anhänger des Papstes, wofür ehedem auch das Wort Päpstler üblich war, und es zum Tluile noch ist. Die Papisterey, plur.inus. gleichfalls nur im harten und ver. ächtlichen Verstände, die ganze Römisch-katholische Religion, so fern dieselbe großen Theils anfder Willkühr ihres sichkbacenObcr- Hauptes, des Papstes, beruhet; das Papstthum, ehedem die Papstlerep, Irak, b^spistsria, b'speria. j Papistisch, säv.zum Papstthum,-, i. zur Römischen Kirchegehörig, derselben ähnlich, in derselben gegründet; gleichfalls nur im harten und vrrächtlichcnVerstande für das anstäirdigere katholisch, Römisch-katholisch, oder auch nur Römisch schlechthin. Die papistische Religion. Papistische Grundsätze. Papistifchs Gebrauche. Ehedem auch Päpstisch oder pabstisch. Allein für, dem Papste gehörig, in dessen Würde gegründet, von ihm herkom- mend, die papistischen Lander, die papistische Wurde, ist es, völlig veraltet, indem dafür jetzt päpstlich üblich ist. Die Pappe, plur. doch nur von mehrern Arten, die—n. i) Ein dicker Brey, vorzüglich im gemeinen Leben. So wird der dickliche Mehlbrey, womit man Kinder zu nähren pflegt, ehe sie Zähne bekommen, und welcher auch Muß heißt, Rmderpappe, Mchl- päppe, und nur Pappe schlechthin genannt. Dem Rinde Pappe einstreichen. Bey den Buchbindern und einigen andern Handwerkern ist die Pappe ein dicker Brey von groben Mehle, welcher statt des Kleisters gebraucht wird ; Buchbinderpappe. (S.Pappen.) Im Schiffsbaue ist die Pappe oder derPapp eine Art der Schjffstheerung, um die Schiffe auf weiten Reisen vor den Seewürmern zu verwahren, da er denn aus Harz, Talg, Schwefes, Thran und gestoßenem Glase zusammen gesetzet wird. 2 ) Mehrere bis zu einer gewissenDicke zusammen gepavpte oder gekleisterte Blätter Papier. Pappe machen, mehrere Blätter Papier zusammen pappen, um diese dicke Masse hervor zu bringen. Jetzt wird diese Pappe ohne Pappe und Kleister sogleich auf den Papiermühlen aus einer schlechter» Papiermasse verfertiget. Ein Buch in Pappe binden, ein Bogen, ein Strick Pappe. Bey den Buchbindern ist dafür auch Pappendeckel üblich, welches so wohl cisl- lective für Pappe, als auch von einzelnen Stücken und Bogen Pappe gebraucht wird, Anm. So fern dieses Wort Brey bedeutet, lautet es in einigen niedrigen Mundarten auch Päppe. In einigen Gegenden ist es männlichen Geschlechtes, der Papp. Das Jtal. kspp3,das Engl.s'up, das Latein. ?3pp3 bey dem Varro, bedeuten gleichfalls Brey, besonders aber Kinderbrey, Es kann seyn, daß dieses Wort ans derSprache lallender Kinder entlehnet worden, welchen die Sylbe ba, bab, pap am leichtesten auszusprechen find, daher sie auch alle ihnen besonders wichtigen Gegenstände damit zu nen- nenpflegcn, (S.auchpappe) Es kann aber auch seyn, daß es den Laut nachahmet, welchen ein zahnloser Mund bey dem Essen des Breyes und anderer weichen Speisen von sich gibt. sS. Pappen.) Im Niederdeutschen und einigen andern Mundarten lauret dieses Wort mit dem eingeschalteten verwandten m Pampe, Pimpe, S. Schlampampen. Der Pappeband, des—es, plur. die—bände, der Einband' eincsBuches, so fern er aus bloßer Pappe bestehet. Zugleich«; ein auf solche Art eingebundenes Buch. L. Die 6LZ Pap L. Die Pappel, plur. die — n, ein Nähme verschiedener Pflan- ' zen. i) DesEibisches, ol'kicinnlis L^. welcher zum Unterschiede von den folgendenArten wildepappel und weißepappel genannt wird, und filzige, breite zugespitzte Blätter und einen platten runden Samen hat. 2 ) Ein anderes ähnliches Gewächs eben dieser Claffe, welches auch unter dem Nahmen des Sieg- marskrautes bekannt ist, /Ucew L,.wird sehr häufig nur Pappel schlechthin genannt. Die Rosenpappel, Xtoea rolea, ist eine Art derselben. Noch häufiger führet, Z) diesen Nahmen eine andere Pflanze dieser Claffe, welche auch Nalva heißt, Mulval-,. und von welcher es verschiedene Arten gibt, worunter doch nur die GraspLppel, Rä'sepappel, Gänsepappel oder Zasenpapprl, MwIvwrotUlicllL'oliL ^chiewaldpappel, Mnlva il,.und die weißepappel oder dasSiegmarökraut,iV!a1 va^loea D.bey uns einheimisch find. Sie wird auchpappelkrant,und schon m den Mouseeischen Gloffeu?upul!L genannt. Die Gartcnpap- pel der Gärtner ist, so wie die krause Pappel, oder Römische Pappel, vermurhlich auch eine Art derselben. 4) DieGammtpap- pel der uenecn Pflanzeukeiiiler ist eine Ostindische Pflanze, von welcher^» mehrere Arten gibt; älcla l-». z) Roßpappel ist ein Nähme, welchen in einigen Gegenden auch diepestilenzwurz oder Schweißwurzel führet; DulkilaZo ketälites II. Und endlich, 6) führen auch die ausländischen Arten des Eibisches, ickidilbus ZI. den Nahmen der Pappeln, wohin besonders der Syrische Eibisch, lcki'oilcus ^riaeus, gehöret, welcher baumartig ist, und daher auch Syrischer Pappelbaum genannt wird. Amu. Da alle diese Pflanzen oder doch wenigstens die meisten und eigentlichsten derselben weiche wollte Blätter haben, so scheinet auch darin der Grund ihrer Benennung zu liegen; zumahl da der Latein. Nähme uad Gricch, gl ichfalls die Ableitung von -noilis, weich, molsch, vertrage». Aber auch der runde, qroßföriiigc, platt gedruckte Same, welchen oie meisten dieser Pflanzen haven, und welcher im gemeinen Leben Pappclkäse He mulil wird, kann eine bequeme Ableitung an die Hand geben,, da denn dieses Wort ein Äeschlechtsverwandter von dem Latein, kapa, ?upiI1tt, k^bs, voil dem Schwed, k'upp, die Brustwarze, von dem Obcrd. Pfebe, von dem gemeinen Nahmen der Hahnblltteil, Wiepen, u. a. m. seyn nnd eigentlich den,Samen dieser Gewächse bezeichnen würde. Man müßte denn lieber annch- men wollen, daß diese Gewächse wegen der Ähnlichkeit ihrer rauchen wolligen Blätter mir den Blättern des folgenden Baumes so benannt worden. L. Die Pappel, plur. die—n, ein Baum, ?opulus welcher auch Pappclbaum genannt wird. Man bar verschiedene Arten desselben, r) Die schwarze Pappel, der schwarzepappelbaum, die Pappelweide, von welcher die Itaiiäncsche Pappel eine bloße Abart ist, hat eine rauhe aschfarbene Rinde und dunklereBlätrer als die folgende; l^opulus Nigrer. l,. Sie wird imObcrdeutschen, wegen der weißlichen Rinde, Alberbaum, Albele, Abele, Tabelke, Alaprapst, äeiligenbanm, Götzenholz, Rheinweide, Saare, Garbacken, Savbache, Sarbschbaum u. s.f. genannt. 2 ) Die weiße Pappel, der weiße Pappelbaum, kopulus albaD,. hat eine weißlich grüne Rinde und hellereBlättcr, welche auf der unter» Seite weiß und wollig sind. Er wird in einigen Gegendeil auch weißbaum genannt, z) Die kleine Pappel, Zitterpappel, Flarierpappel, Zitteräspe, in Tirol Aschenbaum, knNreders.Beberesche,Bdberesche, kopulus lremuler 1^,.deren Blätter, wegen der dünnen, langen Stiele in steter Bewegung find. Anm. Es ist sehr wahrscheinlich, daß dieser Baum wegen der immer zitternden Bewegung seiner Blätter den Nahmen hat, welche besonders an der dritten Art merklich ist, da denn so wohl Pap 6L4 der Hochdeutsche Nähme Pappel, als auch der Niederdeutsche Poppel, der Latein, kopulus, der Franz. keupUsr, der Engl. ck'oplwr und der Pohlu. Espols, von unserm beben abstammen würde. Um eben diesesUmstandes willen heißt er auch imNieders. Beberesche, im Holland, klatelaar, und im Latein. 1 remula. Wenn anders nicht die wollige weiche Beschaffenheit der untern Seite der Blätter, auch hier, wie bey den vorigen Gewächsen, der Grund der Benennung ist. Alle drey Pappelbäume werden im Hochdeutschen auch Mpen genannt, welches einige gleichfalls von «a'n'üttjisr», zittern, ableiten. Das Pappelauye, des—s, plur.dre—n, S. Pappelknospe. Der Pappelbaum, des— es, plur. die—bäume, S. r Pappel und » Pappel 6. Der Pappelkase, des— s, plur. ut vom. 6vg. im gemeinen Leben, die platt runden Samenkörner der Pappel, besonders der Hasenpappel oder Gänsepappel; IVlulva hrlveliris lI. weil fie in derGestalt klernen Käsen gleichen. S.» Pappel. Die Pappelknospe, plur. die—n, die Laubknospen des schwarzen Pappelbuumes oder der schwarzen Äspe, welche im Frühlinge einen überaus balsamischen Geruch von sich geben und wegen ihres balsamischen schleimigen Wesens mit zu derPappelsalbe genommen werden; Pappelaugen, im Oberdeutschen, wo der Pappelbaum Alber heißt, Alberbrossen, von Brossen, Knospen, Alberknöpfe. Das Pappelkraut, des — es, plur. ivul. S. » Pappel. Die Pappelmotte, plur. die—n, eine Art Motten, welche sich gern auf den Pappel- oder Äspenbäumen aufhält; kliulueva. Lomb^x kopuli li,. Das Pappelöhl, des — es, plur. doch nnr von Mehrern Arten, die—-e, ein Ohl, welches aus den Pappelknospen bereitet, und als ein Schmerzen stillendes Mittel auf die Schläfe und Pulse gestrichen wird. Die Pappelrose, plur. die—n, S. 1 Pappel. Die pappelsalbe, plur. doch nur von mehrecn Arten, die — n, eine Salbe, welche aus Pappelknospen, Mohnblättern, Hauswurz u. s. s. mit ungesalzener Butter bereitet, und in verschiedenen Fällen gebraucht wird. Die Pappelweide, plur. die—n, der schwarze Pappelbaum in vielen Gegenden,kopulus vigrer l^. S. 2 Pappel. Pappen, sclj. er sclv. aus Pappe oder Pappendeckel bereitet. Eine pappene Schachtel. Pappen, v erb. reg. aot. von Pappe, i) So fern dieses Wort Brey bedeutet, ist pappen im gemeinen Leben mit Breye füttern. Las Rind pappen. In den niedrigen Sprecharten gebraucht man es zuweilen auch als ein Neutrum fürBrey essen; Jral pap pure, puppooare. Jnglcichen mit zahillosemMundekaucn oder essen, welches vielleicht die erste Bedeutung dieses Wortes ist, und wie mampfen, mümpfen, mumpfeln den damit verbundenen Laut nachahmet. 2 ) In der zweyten Bedenttmg'des Wortes Pappe ist pappen mit Pappe oder Mehlbrey befestigen. Zwey Bläkree Papier zusammen pappen. Besonders in den Zusammensetzungen anpappen , anfpappen, finpappen. Jugleichen in Pappe arbeiten, allerlei) Dinge aus Pappe verfertigen. So auch das Pappen. Der Pappendeckel, des—s, plur. ut vom. trug. ein besonders bey den Buchbindern für Pappe in der zweyrenBedeutung übliches Wort. Etwas aus Pappendeckel verfertigen, aus Pappe. Besouders von einzelnen Bogen Pappe. Zwey Pappendeckel. Die letzte Hälfte scheinet auf den häufigsten Gebrauch der Pappe zu den Deckeln der Bücher zu gehen. Der Pappenstiel, des es, plur. die — e, ein nur im gemei- neuLeben im figürlichenVerstaude üblichesWort eine unerhebliche Kleinigkeit, eure nichtswnrdige Sache zu bezeichnen. Ich mache mir mir so viel daraus als aus einem Pappenstiele, ich mache mir nichts daraus. Orr Denker, zwcy tausend Thaler sind kein Pappenfi e!.' Weiße, stud keine Kleinigkeit. Du mußt wissen, -ie Interessen von 40000 Thalcrn sind kein Pappenstiel, ebend. Das Wort ist dunkel. Bedeutet es etwa den Stiel von einem abgenutzten Brevlöffel? Oder stehet Stiel hier in seiner weitesten Bedeutung eines schmalen dünnen Stückes, da denn das Wort einen solchen Abgang von Pappe oder Pappendeckel bedeuten würde? Der Papst, des— es, plur. die Päpste, das sichtbare Oberhaupt der Römischen Kirche, welches seinen Sitz gewöhnlich zu Nom hat. Der Römische Papst, der Papst zu Rom, oder am häufigsten schlechthin der Papst. Papst werden. Papst Clemens !X. Anm. In dem alten Gedichte auf den heil. Anno knbis, in der Pa än. Tirolis und im Schwabenspicgel Lubeü, im Niederst Pawcst, paus, paust, im Schwed, kAfvtz. Es ist ans dem Mittlern Latein. Vater, welches Wort als ein Ehrentitel ehedem allcnBischöfcn gegeben wurde, so wieder schon angeführte Verfaffer hcs Gedichtes auf den heil. Anno sein bubis von dem Erzbischöfe zu Mainz gebraucht; bis es nachmahls auf die Bischöfe zu Rom allein einaeschränket worden, wozu schon Gregor VII. durch eine förmliche Verordnung den Grund legte. Da das a um der Abstammung von knpa willen gedehnt lautet, so schrieb man, diese Dehnung zu bezeichnen, das Wortehedem Pabst,' oder wohl gar Babst; allein in den neuern Zeiten hat die Etymologie ihr Recht behauptet, und das p wieder hcrgcstellet. (S. auch Propst,) welches mau aus eben derselben Ursache ebedem probst schrieb. Das Fäminlnnm ist nur von der Päpstinn Johanna üblich, welche als eine weibliche Person zum Pabste soll seyn erwählet worden. S. auch Pfaff. - Der Päpstbaum,dcs— es/xlur. die — bäume, S. Papstweide. Püpstisch, uäj. et uüv. S. Papistisch. Dre Päpstkrone, plur. die — n, die dreyfache Krone des Papstes, die päpstliche Krone. Der Päpstler, des— s, plur. ut nom. lirr?. Fämin. die Päpstler INN, ein, so wie Papist, nur allein im harten und verächtlichen Verstände übliches Wvrt, ein Glied der Römischen Kirche, eigentlich einen Anhänger des Papstes zu bezeichnen. Päpstlich ach. et adv. dem Papste ähnlich, ihm gehörig, in dessen Würde gegründet. Oie päpstliche würde. Die päpstliche iRrone. Seme päpstliche Heiligkeit. Die päpstliche Gewalt. Der päpstliche Nuntius. Eine päpstliche Bulle. Dir P«rpst,n>itze§ piur.die—n,eigentlich eine zuaespitzte Mütze, welche die P ,oste als ein Ehrenzeichen ihrer Würde bey feyer-- lichcn Gelegenheiten z,1 tragen pflegen. Figürlich, eine Art Schn-cken mit rlgUmästia ü> w,indencu Häusern, welcher in den Musch ifgm!»>iuflgcn nach ? d-a Heyden Admiralen der größte Werth bey el- ger wird. und'-oU-che auch die Bischofsmütze heißt; Volne; r.r l.. Das Päpstthum - des —- es, plur. inul. 1) * Die päkstliche Würde;eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, in welcher es noch im Oberd-mrichcir »orkommt. Zun Papsttbum gelangen. Unter dem Papstthume Innoee tii X unter dessen pä.psiiich-n Regier»«. r) Dtcjenlge Arligion's in welcher der Papst zu Rom für das sichtbare Oberhaupt der Kirche erkannt wird, die Römische Religion, die Römische oder Römisch-katholische Kirche; doch nur im harten und verächtlichen Verstände. Niederst pausdoom. Die Papstwreöe, oder Päpstweide/ plur. die — n, eine im gemeinen Leben übliche Benennung, i) des vogelkirschbaumes oder Stinkbanmes. t^runu« keeckus 1 ^. welcher auch Elsebeere, soMrsche, Papstbsum, undmit einem vermuthlichModischen Worte auch Patscherpe genannt wirb, (S. das letztere.) 2) Des Gehiingb uimes oder Mehlbaumes, V-durnuin I^nlituua I,, welcher im gemeinen Leven gleichfalls Patscherpe genannt wird. In Heyden Fällen ist der Grund der Benennung unbekannt. Par, paren, u. s f. S. paar. Die Parade, plur. die-^n, ans dem Franz, knrncke, und dieß von dem miulernLat. 1) Der Staat d.i. das feyer- liche Gepränge, besonders in Ansehung der Kleider und des Haus« geräthes; ohne Plural. Etwas zur Parade haben, zum Staate. Parade mit etwas machen, Staat. Das dient zur Parade, aber nicht zum Nutzen. In Parade erscheinen, in festlicher Kleidung, in feyerlichem Gepränge. Daher beim dieses Morr mit allen Hauptwörtern zusammen gesetzet u-ird, welche zur Parade, d. i. zum Staate, bestimmt stud, wofür in vielen Fällen auch das mehr Deutsche Pracht gebraucht weroen kanuäOas paradebett, das Prachtbett; das Parade-Pferd Parade-Zimmer, Parade- Rleid u. s. s. 2) Ein Aufzug iu festlicher Kleidung; in welchem - Verstaube es nur im Kriegswesen üblich ist, wo die Parade, der feperliche Auszug der Soldaten in ihrer besten Kleidung ist. Beider Parade erscheinen. Daher denn auch die auf solche Art auf die Wache ziehenden Soldaten die wach - Parade oder auch nur die Parade schlechthin genannt werden, in welchem einzigen Falle auch der Plural Statt findet. Daher der Parade-Platz, des—es, xüir. die Platze, derjenige Platz, auf welchem die Soldaten auf solche Art aufziehen. Das Paradies, des— cs, plur. die — e,Diniinut. das para- dieschen, Oberd. das Paradieslcin. r) Eigentlich, die anfäng« liehe Wohnung der ersten Menschen, welche als ein überaus angenehmer Ort beschrieben wird, und im ersten Buche Mosts der Garten in Eden, der Garten Eden heißt. 2. Figürlich. 1) Ein höchst angenehmer Ort, eine überaus anmuthige Gegend. Sehen sie, wieich mir meine Einöde zu einem Paradiese zu machen weiß. 2) Der Aufenthalt der.Seligen «ach diesem Leben, die himmlische Glückseligkeit in dem unmittelbaren Genüsse Gottes; in welchem Verstände es schon in der Deutschen Bibel vorkvmmt. Anm. Schon im Jstdor und bey dem Ottfried nach dem Griech. und Latein, »«y« S,1^04, b'Lrsljiürn, welches Wort, so Griechisch es auch ausstehec, dennoch aus dem Morgenländi» scheu herzustamiuen scheinet, weil das Paradies auch im Persischen IttrtteuÄ heißt, und die Überlieferung von dem Paradiese der ersten Menschen bey allen allen Völkern angetroffen wird. Ottfried nennet dieses Paradies auch ^Vunrnlnm ke!ä, Notker und andere alte Schriftsteller aber Vunuo^nriin, Wonnegarteii, und Ziergarten, wofür es an einem Orte bey dem Notker, vcrmmhlich nach einer solchen Leseart, 2 urtkurtin beißt. Ehedem wurde auch die Halle vor den großen Stiftskirchen ^Zruckilus, kuruvilüs, -Franz. I^urvis, Deutsch auch perdis genannt; nicht, wie Frisch will, weil insgemein Adam und Eva im Paradiese daselbst abgebildet wurden, sondern von drm Griech. welches Heso- chins durch ^siro» errmrcr. Die folgenden Zusammensetzungen haben du p s W»rr theils wegen ihrer angemh- meu Beschaffenheit erdalren, theils gründen sie sich auf eine alte Überlieferung, daß dieses oder jenes Ding in dem Paradiese der ersten Menschen befindlich gewesen sey. Der Paradiesapfel, des — s, plur. die—äpftl. i)Eine 2 lrt schmackhafter rotber oder auch weißer Äpfel, deren Bäume niedrig bleiben und oft nur einige Schuh hoch werden, wenig Holz haben, aber desto mehr Früchte tragen; l^ru.? IVluIus pumilu . 4 ////. Weil besonders die weißen frühreif werden, so werden steanckIor hannisapfel genannt. 2)EmeArt Cttronen, S. Adams-Apfel. Der Paradiesbaum, des—es plur.die—bäume, ttteilligenGe- grnden ein Mhme des wndenÖhlbaumes, Llueusuus uutzi'Üü kolia 6L7 Par folio weil seine gelben Blumen imFruhlinge einen angenehme« Geruch weit um sich her verbreiten. Die parad'esfeiye, plur. die—n, die eßbare weiße und mehlartige Frucht einer An der Muse, we che in Ostindien einheimisch ist und bey uns nur in den Gewächshäusern gesunden wird , und diesesBewächs selbst; M > tu pLlLckiliuca^. Die Fruchr, welche wie ein halber Mond gekrümmet ist, wird von einigen für die vcr- hochene FruchtimParadiese gehalten, wie sich denn auch Adam mit den großen Blättern dieses Gewächses nach dem Falle bedeckt haben soll; eine Überliesernilg. welche diesem Gewächse den Nahmen einer 8eige erworben hat- Der paradieshaher, des —s,'xlur. ul nom.tinZ. S. Paradiesvogel. Das paradieshotz, des—es, xlur. must S. Aloe Paradiesisch, ackj. et astv. dem Paradiese oderanfättglichenAuf- enthalte der ersten Menschen ähnlich, im höchsten Grade ange- nehm und schön. Mik dir stieg für mich E-'u paradiesisch Glück' am äorizont herauf, Gieseke. Das paradiesßorn, des —es, plur. die—-korner, die dem Pfeffer ähnlichen gewürzhafte« Samenkörner einer Art des Car- damsw.es , welche in Madagaskar und Guinea einheimisch ist, und die so wohl als eineArzeuey,als auch als cinGewllrz gebraucht werden, und die Pflanze, welche sie trägt; OrariL. - k>Li-Ä(iili 1^,. Der parsdiespapayey, des -es, plur. die—e, eine Art Pa- pageye aus Cuba, welche btaßgelb stndamd einen rochen Hals ttnd Bauch haben ; käitac u-> l^Leackili Der Paradiesvoyel, des—s, plur. die —Vogel, eine Art Waldvögel, welche nachdem Klein zu den Hähern gehöret, deren Schnabel halb. m.t z.u,eu, weichen Flaumfedern bedeckt ist. Der Schwanz bestehe: aus sehr langen Federn; dieser, die Brust und der Umerleiv sind rvrh, die Kehlr lasurblau, das übrige aber gelb; kurLriitt-s I^. k'tLL?arL6iltL/sr/r bey andernÄLauucockin. IL, bey einigen Deutschen Schriftstellern paradieshaher. Weil dicJndianer ihm die Füße abzuschneiden, ihn auszustopfeu und auf ihren Mützen zu tragen pflegen, so ist daher die Fabel entstanden, daß er keine Fuße habe. Er ist in Ostindien einheimisch ; ehedem aber glaubte man, daß er sich in dem ehcmahligen Paradiese auf- halte. Der Paradiesvogelkonig ist eine Art dieser Vögel, nur daß er weit größer ist. Einige Schriftsteller, z. B. Seba, nennen alle Vögel mit langen Schwänzen Parad'es-vögel; z. B. den mor- genländischenSchwarzkamm, Opupa Nauueoftiala welcher eine Art Wiedehopfe ist. Paradox, —er,-—eff?, acsi. et s6v. einer allgemein kngenomm - neu Meinung entweder wirklich, oder nur zum Scheine widersprechen, wobcy ,-s doch unentschieden bleibt, ob die allgemeine Meinung wahr oder falsch ist; aus dem Griech. und Latein, parackuxus. parallel, —er, —sie, scsi, et aftv. aus dem Griech. und Latein. parLilelus, in allen Puncten gleich weit von einander abstehend, in EuierRlchtimg mit einanderfortgehend; gleichlaufend, parallele Linien, oder parallel:Linien So auch der Parallcl-Zir- kcl, besonders in der mathematischen Erdbeschreibung, ein Zirkel auf der Erd - oder Weltkugel ., welcher mit dem Äcjuaror parallel gehet, und auch nur die Parallele genannt wird; das Parallel- Lineal, ein Lineal, parallele gerade Linirn damit zn ziehen ; das Parallelogramm, des—es, pl -r. die—en, eine vier citige Figur, an welcher die gegen über stehenden Seiten einander parallel sind; das Parallelipipednm, ein viereckiges Prisma, dessen Grundflächen Parallelogrammen sind. Adel. W.B. Z. TH. 2 .Aufl. Par 6LZ , Das pavasoll, des—es , plur. die—e, aus dem Franz, i?arL- lol und Jtal. karLlole, ein Sonnenschirm. ^>ie parce, oder Parze, plur. die— n, in derMythologie der Griechen und Römer, drey Göttinnen, welche dem Leben der Menschen Vorständen, deffenLebenssadctt spannen, und Rlorho, Lachesis und Atropos hi- ßen ; wovon die erste den Faden drehete, die zweyte dre Spindel hielt, und die letzte ihn abschnitt. Nur Unverständige haben den Nahmenparce aus dem Latein, parcereablei- ten können. Die Römer bekamen ihn von den Grwchen, diese aber aus dem Morgenlandc, wo im Arabischen, im Hebräischen und Chaldäischen aber trennen, brechen, ab- schneiden ist. Der pärchent, odcrparchet, S. Barchent. Der pardet, oder Parder, (S. Panther ) Der Nähme ist morgenländischen Ursprunges, indem dieses Thier auch im Persischem l^ar genannt wird. Der Pardon, des — es, plur. die — e, ein aus dem Franz, karston, nur im gemeinen Leben fürBeraebung undBegnadigunK übliches Wort, so wie pardonniren, aus dem Franz, paeckou- ver, vergeben, begnadigen, paren, S. paaren. Die parentatiön, plur. die — en, aus demLat.^Lrentalio, diejenige Rede, welche bey einem Leichenbegängnisse zum Lobe des Verstorbenen und zurAuftichtuiigderLeidtragend n gehalten wird; die Trauerrede, Leichenrede oder Standrcde, weil sie frcy stehend gehalten wird; zum Unterschiede so wohl von der Leichcn-- predigt,als auch von der bey anfthnlichenLeichenbegättKniffen üblichen Abdankungsrede. Daher parentiren, diese Rede halten. Die Parförce-Iägö, plur. die—en,ausdemFranz.purllolce, mit Gewalt, diejenige Art der Jagd, da das Wild ohne Gary un» Tücher zu Pferde so lange'verfolgt wird , bis es niederfällt oder von den Hunden zum Stehen gebracht wird; das Laufjagen, Rennjagen. (S. das erster.-.) Daher der parforce- sund, (S. Laufhund.) Im Thcuerdanke wird diese Art der Jagd -i,; Zortz Gejeid genannt. ^ parrcen,verb reA.Lct.etneutr.ausdemFranz.pLrer. ,)Ge« horchen als einNeutrum, mitdemHülftwvrtc haben; doch nur im gemeinen Leben. 2 ) In dcrFechtkunst ist pariren oder auspanren, . die Stöße oder Hiebe des Gegners von sich weg in die Ln sc leiten. Einen Stoff pariren. Daher die Parirung, so wohl die Hand- lnna des Parirens als auch die stärkere Hälfte einer Degenklinge, mit welcher das Pariren ^schiebet; die parirsiange, an einem Degengefäße, eine mit dem Stichblatte parallele kleine Stange, welche gleichsam das untere Ende des Bügels fortsctzr. Z) Wetten, aus dem Franz, parier ; doch nur im gemeinen Leben. Das Parlament, des—es, plur. die—e, oder—er, in einigen auswärtigen Ländern, z. B. in England und Frankreich, die versammelten Land«und Reichsstände. Aus dem nüttlern Laiein. ?LrlLrnco'.um, und dieß von parlars, reden, sprechen, Franz, pöll^r, so wie man auch in» Deutsche,l dergleichen Versammlungen ehedem Sprachen zu nennen pflegte, und im gemeinen Leben einiger Gegenden noch jetzt nennet. Franz, ^-rrlemsnt , Engl. karliLmrut. Der Parmesan - RÜse, des—s, plur.ut nom. 6nss. eineArt - Wehl schmeckender Käse, welcher von der Stadt Parma in de; Lombarde;, seinen Nahmen hat. Indessen machr man ihn daselbst nicht allein, sondern in dem ganzen Hcrzogthum Mailand, bcso-ndcrs in der Gegend von Lodi. Die Parole, plur. die—u) ans dem Franz.karnle, das Wort, besonders imKricgswesen, dasjenigeWerr, woran sich die Wachen, Posten, Befehl und Mache habende» Officiers erkennen; die Losung, zum Unterschiede von dem8eldgeschrerk, woran nch d:o Z. Parteyen 6W , P a r -kPürLeyen im Felde erkennen. Auf den Leldwachen werden Parole und Feldgeschrey zugleich, auf andern Wachen aber nur Parole allein ansgegeven. Der Part, des —es, yckur. die—e, mus dem Franz, kurt, ein nur noch im gemeinen Leben übliches Wort« r) Lin Theil eines Ganzen, oder mehrerer als ein Ganzes bewachterer Drage-Einer Art. Die Waaren in sechs Parte theilen, in lechs Tüeile. Oer Erbpart, das'Ecotheil. Besonders der Antheil. Park an etwas haben, Antheil. In Ntedersachsen wird der Anclwu, welchen jemaiid an einem gebaueten und ausgerKsteteitSchiffehar,dcrPa,t genannt. ^ Park, z- Park, z parr u s. f. der so vielste Aniheil an deir sämmtlichen Kosten eines erbauerenSchiffes. Ich für meinen Part, im gemeinen Leben, für meinen Theil, was mich betrifft. Jemanden Part von-etwas geben, ihn davon benachrichtigen, in den niedrigen Sprecharten. 2) Ein oder mehrere mit ander,r streitige Personen, besonders in de^Nechten. Der eine Part, der andere Park. Der Gegenpart, der Widerpart. Zn der bessern Sprechart ist dafürpartey,nnd in der anstänoi.gern Theil, und für Gegenpart Gegner und Gegenrheil üblich. (S. Partey.) In beyden Bedeutungen ist es in einige,rÄegendcn sächlichen Geschlechtes, das Part,am häufigsten aber männlichen, wie das Franz, kurt, ans welchem es-rimehnet worden,obsslerch dieAnssprache völlig Deutsch ist. -sparten, verb.reZ. uci. etneutr. ans denrLal. purttri,welches gleichfalls nur in den niedrigen Sprecharten üblich ist, wo es auf doppelteArt vorkommt, i) Als ein Neutrum, mir dem Hüifsworle haben, Theil an etwas haben; in welchem Verstände auch anpar- pen vorkommt. 2)Thcilen; ZReder s. parten, HoÜämd. purlLU. Das Parterre, des — s, plur. ul nom. trug, aus dem Franz, ilkaröerrs. t) Zn den Gärten sind parterre Luststücke, weiche in Felder von verschiedenen Figuren gethcilet nnd mit B/nmen, geschnittenen Taxusbänmen u. s. f. ansgczieret werden; das Lust-- stück. 2) Zn einem Schanspielhanse ist das parterre der untere auf dem Fußboden desGebändes befindliche Platz für dleZuschau- errzum Unterschiebe von den Logen und der Gallerie. Die partes, plur. die—n,-ein aus dem Franz, kurtis entlehntes Wort. l. Mehrere Zndividua von Einer Art, obgleich von n-rbestimnlter Menge-cder Anzahl. P llberhaupk, von allen Arten von Körpern ; wofür doch auch Partie jetzt üblicher ist. Einepar- tr-y waaren. Die waaren nicht anders als in Parteyen ver- kaitfen, nichtirückweise, sondern mehrere Stücke zusammen. Elne partep oder Partie Menschen, Rssubsr, Zuschauer u. s. f. ein Haufe. 2) In engerer Bedeutung ist eine Partey ein Haufe Mehrerer Menschen Einer Art; doch 'nur in einigen Fällen. (r) In vielen Fällen werden mehrere zu Einer Verrichtung gehörige Menschen eine partey-genannt. Die Jagdpavtey, die zur Jagd oder Jägerey gehörigen Personen. Am kaiserlichert Hofe Zu Wien sind die Rüdenpartey, Reiherpartey, Müanpartey, Wrahenpartey, Revierparkey u. s. f. so viel besondere Haufen von Jagdbedienten. Im Kviegsivrsen ist eine partey ein kleiner Haufe Truppen von unbestimmter Anzahl ; ein Detachement. Parteyen auf Kundschaft ansschickcn. Streifende Parteyen. Daher die R. A. auf partey ausgehen, ausziehen iim Bellte zu machen, auf Brutrmachen aüsgehen; arrf Partey ausschicken. (S. Parteygängec.) (2) Mehrere gleichgesurnte Personen, im Gegensätze derer, welche entgegen aesetzteGesi,münzen hegen.; wo es ein gelinder Ausdruck für Grete, Faction, Rotte u. s. f. ist. Erne Republik ist in Parteyen getheilet, wenn es mehrere Hau- 7fkk: widrig gesinnter Personen m derselben gibt.Dre Stadt cherlce sich in zwey partcyen, in Ailsehung der Gefiiuinnzeu. Die französische partey, welche es mit Frankreich hält, mir Frank- xeich gleich grsinnet ist. Jemandes -Paptcy halten, von dessen P a r 6^o Partey seyn, es anit ihm halten, seine Handlungen nnd Gesinnung verfechten, seinen Nutzen zu befördettl suchen. Nonnen sie glauben, daß ich ihre partey gegen meine Gchv-esser habe halten müssen ? Less. sie vrriheioigen. Jemandes Parrey neh- anen, zu dessen. Partey treten, dessen partey ergreifen, sich zu besten parrey fNaoen. Jemanden auf seine partey brrnger-., auf seine Srcke. Es mit keiner parrey halten. Sich eine p»r- tey-machen,einen Anharrg, welcher derGesiiinuug oder Absicht aio- derer erugegen gesetzt ist. In einer Sache partey nehmen, sich -zu girier, oder der andern Partey bekennen. Die Gegenparte-y- dic enigeacn gesetzte Partey. In engerer Bedeutung ist eine Reli.- -g-roys - partey ein Haufe niedrerer Menschen, welche in Grundwahrheiten der Religion von andern abgehen. In dicsiluVersianre sinddie Herrcnhuther zwar emcRclrgions-Geselischaft aderkruw -Rciigisnö-.pa-rrey. 2. In e.mgen Fällen werden aiich einzelire Jndtviduaparteyen genannr. Zioey Personen , 'reiche einenVer- trag w.tt einander schließen , heißen die beyden conrrahirenden part/yen, noch besser aberdie-cvnrrahit.nden Theile. Besonders führen sireiugc Perionen vor Gerichte den Nahmen dcrpar- reyen ; mi Franz. h'urllLS, im Mittlern Latein, kst leä.DicPar- reven vergleichen. Beyde.parteyen Horen. Die Gegcnpartey. Die klagende Partey, der.Kläger, die beklagte partey, der Beklagte. Von einer Person, welche man zu heirathen sucht oder gehen achct hat, ist Partie üblicher, S. dasselbe. Anm. Parthey, wieviele schreiben, hat nickt den germgstm scheinbaren Grund, Weberin der Abstammung, noch m der Aus- spvacke. Khedem bedeutete es auch einen Streit, einen Zwist. Sw Han.ein klein parthey minder-rn, istr Theuerd. S. Part und Parti,'. Der Parteigänger, des—s, plur. udrr om. im Kriegs- wesen, Soldaten, welche vornehmlich bestimmt sind, ans Parrey anszugehcil, d. i. dem Feinde durch Beutenmchen zu sch aden, wozu jetzt vornehmlich die leichten Truppen und. besonders die Freybeu: ter, »der Freypartien gebraucht rverden. Auch der Anführer eines solchen Haufens, derselbe sey nun eine Compagnie oder emBcuail- lon, führet, den Nahmen eines parteygangers.Ztal. h'artioiL- no. S. Parrey 1. 2). , Der parteygeist, des —es, xlur. inus. die ungeordnereNeigung, es mit einer von zwey oder mehr widrigenParteyen zu halten,oder auch dergleichen Parteyen zu stiften. > parteyts-y, —er, —re, Lckj. et näv. r) .Überhaupt, einer Partey zngethan, es mir eurer von zwey oder mehr widrig gesiiiN' /en Parreyeir haltend; itn Gegeitsatze des parteylos oder rmpar- teyisch. 2) In engerer Bedkurung ist man parreyisch, wenn man sich in der Beurtheilung andrer und in seiner Netguug gegen sie durch außerwesentliche Umstände leiten lasset; uigleichen in diewr Denkultgsart gegründet. Beydes imGegettsatze des lmxar tcyiich. parteyisch seyn. parreyrsch handeln, urtheilen. Ein par- teyischer Richter. Eine partheyische (paitcyische) Empfehlung der Blutsfreunde, ist, sie mit -em gelindesten Nahmen zu belegen, ein frommer Betrug, Gell. Parteilich),—er, —ste,ncij. et ^ 6 v. welches von einigenNenern mit gutem Glücke eingeführetword«m,denÜbelllang des ziichendeu parteyisch zu vermeiden; im Gegensätze des unparteylich- ^ wird in beyden Bedeutungen des vorigenWorrcs gebraucht,besonders imSuperlative. -Das parteyllchste Betragen, für das Hane partey! fehle. Die Parteylichkeit, plur. die—en. i) Der Zustand, damia» parteylich oder parreyrsch ist, iu den beyden Bedeutungeu des letz- tcrn Mortes , und ohne Plural. In engerer Bedeutung rst die .parteylichkeit die Fertigkeit,stich in dem Beurlheilen andrer, i» seine Neigung gegen sie, durch außerwesentliche Umstande bestimmen Mi Par men zu lassen-, im Gegensätze der lWparfepNchkeie.- Di--Par- rcvli.ykeit eim-s Richters.. Die Freundschaft, zu der wrr von ^er Natur eingeladen, werden, die >o leicht Parlheplichkert rPacte lichken)'dcsHer;enö und wohl garScibstliebe wird,Gell. 2) Ein rartcyliches Betragen iu einzelnen Fällen. V^rröylos, —er, —este,n 6 j.etLäv.»velchesfür unparteyssch ^ oder mivartevlich in beyden Bedeutungen de^ Gegensatzes par- eevu-ch Mich iss Parteilos ftpy, unpartevisch. Daher die Parteilosigkeit, plur. juu 5 . die-UnparteylichkeiL. Lre Partie, (Zwensissbig,) plur. die Partien, (drey^v..Ig,) ein gleichfalls aus demAranzssurtis entleh-uesMort,welches-n euu- Len Fällen für das gemeiner gewordene partes gebraucht wrr.. 2 . Mehrere Jndividua Einer Art, ohne Bestimmung der Menge ober Anzahl. Line Partie Waaren. Eine PartieObstbaume, Bucher u. s. f. Die Maaren nicht-anders als in ganzen Partien verkaufen. Borr einen» unbestimmtenHanfeil mehrererMcn- schen ist Partep üblicher, außer in einigen Zusammensetzungen. So sagt man für Freppartep, Jagdpartey u. s. ft auch häufig .Kreppartie, Iagdpartie. Auch ist Partie zuweilen noch em Hause mehrerer sich gemeinschaftlich crlnstigenderPer.onen. Daher sagt matt Partie machxn, mit von der Partie seyn, einer -vc- chen Gesellschaft bcytrsten ; welche Ausdrücke auch wohl in wer- term Verstände von dem-Beytritte zu einer jeden gemein,chafrli- cheilBemühung gebraucht werden. Besonders bedeutet dre,esWort in manchen Spielen, z. B. im Billiard, im Kegelspiele u.f. eir.' a-anzes Spiel.. Eine Partie Billiard, Regel,spielen. 2. Ern Theii; doch nur noch-n» einigenFällen. a) Bey der, Mahlern werden so wohl die einzelnen Theile einerFignr, als auch die einMnen Theile eines ganzen Gemähldes Partien genannt. 2) Sehr.hänfig ist auch die Partie die Heirath in Ansehung der Glücksumsiände einer oder beyder heirathenden Personen; wo man ehedem Partcp sagte. Eine gute Partie chun oder treffen, reich oder vornehm heirathen. Sie.hofft noch eine bessere Partie zu treffen. Wo auch wohteine der bcyden Personen eine Partie genannt wird ; welches allem Ansehen nach die erste Bedeutung d^Worles in diesem Verstände iss gleichsam einer von beyden Theilen. LerEigen- mitzwird ihn nagen- da Irilchen eins große parthie (Partie) iß, Hermes. Ann». Partep undpartissind beybeansdem Franz. r^Krtre ; käs letzte ist erst in den neuern Zeiten m einigen Bedeutungen cin- Arfnhcet worden, um theils dem Französischen näher zu kommen, rheils auch den unangenehmenDoppellautey zu vermeiden. Dasch ist in diesem Worte eben so nmwthig als in Partcy. plartiren, Verb. re^. Lct, welches nur im gcmcincnLeben üblich ' ist. BFürtheilenpausdemLatein. partl-ri. So wird»»» demSalz- wcrke-Zn Halle dir Sohle partiret, wenn stein die Koche verrheilet wird. 2) Berrügliche Knnstgrisse anwenden, durch betrüglichs Kunstgriffe erhalten. L »r Noth hat ihn partircn lehren> (grleh- Matcheft beydem Frisch. .Sich im einen M.rt hinein parti- rrn. Sich in jemrnbes Freundschaft partiren. Etwas heimlich wegpartwen. Sich wegpartiren, wegschleichen. Etwas vrrpartiren, heimlich-.verschlcppen. Welche insgezanmit nur in den niedrigen Sprecharten üblich sind, so wie dw-Aögelertelen ein pärtirer, eine partirermn,-die partirerey u. s. ft S. äuch part-ire. Anm.Frisch leitet es in dieferBebentiukg von-dem Ital. unrnl- rLks,..entwenden, bekriegen, her, Ihre aber von dem Schwed. Var; Holländ. kärl,Betrug,Ränke; welche?! kleimug allcnBey- fällverdienete, wen« nur nicht die ausländ-«'che Endung —iren öüwider wäre,und es überwiegend wahrscheinlich mackste, do^ par- rirennurrineFiaur vo!! pLlNiri, theilen, ist. In» Bergbane wer- dcnchie^nrgeu,, welche -die Kuxe perMwelN/, in» gnkelr-Vrrstaude P-L r Rux-Parewer genannt , ohne Zweifel, weil sie solche einzeln verkaufen oder an Mann bringen. Im mittler» Laicin. war kssrK- eus, oder, wie Grävius bcy dem Isidor liefet, ftarticArius,^ ein Höke, welcher dir Maaren einzeln mit. Wucher verkauft,. S.partite. Der Partisan, des—es, plur. die—e, ein aus dem Franz, karüssu undZtLl.?2^iZ!Lno entlehntes,«bernur noch zuweilen im gemeinen Leben übliches. Wort, r-) Ein Anhänger, welcher es mit jemandes Parrcy hält. 2) Ern Parteigänger, S. die- ses.Wort. Die Partisane,. plur. die — u, eine jetzt größten Theils veraltete Art des Gewehres, welches nur noch an einigen Höfen von den Trabanten zur Zierde gesnhret wird. Es war eine Art Spieße, welche unter dem eigentlichen Eisen zum Stecher» noch eine Barre oder kleines zweyfchneidiges.Beil hatte,und oft mit der Hellebarre verwechselt wird-aber doch von derselben noch unterschieden gewm- ftn zu seyn scheinet, welcherUnterschied von ewigen in die mehrere Größe der Partisane, von andern überin die zweyschneidigeBe- schaffenheitdes unter dem eigentlichen Spieße befindlichen ErsenS gesetzet wird. Der Nähme ist ausländisch , so »vre das Gewehr selbst.Es lautettmIral.^urtiZinv^ lind imFrailz.fterluilckne. Ans einem von beyden ist rmser Partisane, so »vic das Niederdeutsche B-rrdesan, das Engl.kLrtilckn, und dasSchwed.Lnr- Mckn, entlehnet. JmEpirotischen heißt dieses Gewehr 1 ?Lr 6 rea° ou. Die Abstammung dieses Wortes hat den Wortforschern viek zu sch affe »r-gemach t. Die meisten haben doch,erkannt, daß dissrste Hälfte unser altes Barte, ein Beil, ist; , obgleich auch dessen Stammwort, das alte und noch jetzt Schwedische, baren, bttrjs, schlagen, streiten, Anspruch daraus machen kam», einige auch den Nahmen von dem Latein, ps» tulus ableiten. Wachter sichet düs mittlere Latein. Lnr 6 ucium, welches dncch ünkile jnculum, ssLuri«»bL.. 1 e'sss, erkläret ivird,nnd wiederum von Barte- ab- stammet, für das Starnmtvort cur. Nach Ihre ist die le.öteHälfte das.Wort eisen-, Rieders, isen, s» daß Partisane eigentlich eine, eiserne Barre, oder wenn die erste Hälfte von baren, streiken, schlagen, abstaimnen Me, eine Streitaxt bedenten wüede. Ist die letzte Abstammung die wahre, und'stammt Hellebarte, wie Wachter will, von einem alten Hellen, streiten, ab: so iss sehr wahrscheinlich, baß Partisane der ausländische, Hollebarte.aber der Deutsche Nähme eines und eben desselben Gewehresist. Den,» - a;rs der von Frischen-angeführten Stelle ans dem Fronsperg folget noch nicht, daß beyds wirfkchwcrschicden gewesen. S. Barrs- und Hellebart-. Die.partrte, .pjur. die—n, ein r»ur im gemeinen Leben übliches Wort. 1) Eine Partey, eine Post, nur in einigen Oberdeutschen Gegenden; ans dem Jial. ?Lr 1 its. Elnepartftetn dasSchrild- bnch tragen, eine Post. 2) Betrügliches Verfahren ^heimliche, listige Ränke; Praktiken. Partiten-machen oder spielen. Durch, lauter Partiten reich, werden. .. Opitz übersetzt das-: jffuL»Lt ».uns IrrwrobL - fticra maritus,. durch: Partiten mache dann der Mann. Daher, der- parrnrinnacher, die partitenmacherinns eine' Personwelche mit Partite» umgehet. Im Jt.al. ?-irUln.,. im Mittlern Latein, klnrtft rum, welches Du Fresne durch siukk'rnAM.ijon-em <^§.6 sie- e-reto psr cn!cu!os Ick, erkläret/ und ohne-Zweifel mit-par- tiven von einer noch unbekankrten Bedeut»»ug des Zeitwortes ^Avtiri in den rniltlern Zeittir herstanunet; vielleicht cinzelw,. rbeilwoise »veqnehmcn, und hernach heimlich, urivermerkt ' kvxgstedlen. Wenigsteris ist rs -lvohl nicht, wie - Frisch will/., aus.- Maktikon verderbt.. . Dre parüEe, 'S. Prrruckft'- Die Darre, S Parce. pakzett, H6Z . Par Parzen, vsrb. re§. iseiproc. welches nur im gemeinen Lebe», besonders Oöerdcutschlarrdes üblich ist. Sich parzen, sich brüsten, sich stolz gebecden. Es ist altem Ansehen nach das Jntensivum von dem alten baren oder bcrden, geberden, für bardftn. Der Pasch, des—es, plur. die — e, ein nur in dem Würfel? spiele übliches Wort, wo es einerley Zahl oder gleich viel Augen aufdrey Würfeln bedeutet. Einen Pasch werfen. Frischens Ableitung von dem Paschafeste, weil die Kriegsknechte in der Woche vor Pascha um Christi Kleider gewürfelt, könnte wohl nicht seltsamer seyn. Da es eine gleiche Zahl bedeutet, so stammet es ohne Zweifel von dem noch Niederst paß , gleiches Maß habend, und der Paß, das rechte Maß, her. S. diese Wörter und i paschen. Das Pascha, das Osterfest, S. Pasta. r. paschen, verb.reA. neutr. mit dem Hülfswortehaben, wel« " ches nur im gemeinen Leben üblich ist, mit Würfeln spielen, würfeln. Die ganze Nacht paschen. Von dem vorigen Worte Pasch. -'S. paschen, verb.re§. act.welches-vorzüglich inOberdeutschland gebraucht wird, auf eine heimliche vcrbothenc Art handeln; doch nur von der heimlichenEinführung verbothcner oder mit Abgaben belegter Maaren, welche eben daselbst auch schwarzen, im Nie- dersächs. aber smuggeln, genannt wird. Waaren in die Stadt paschen. Sie aus dem Lande paschen, heimlich mit Hintergehung der obrigkeitlichen Gefälle. Vermuthlich aus dem Mittlern Lat. paffare, entweder so fermes vorbey gehen, oder such so fern es übertreten, Franz, outrepaffer, bedeutet; oderauch von passen, lauern, wie schmuggeln von schmiegen. Das Pasquill, des—es, plur. die—e, eine Schrift, worin mau jemanden fälschlich ehrenrührige Handlungen Schuld gibt, besonders, wenn man eine solche Schrift ohne seinen Nahmen bekanntmacht; die Lästerschrift, Schandschrift. Dic ungegrün- deteBeschaffenheit der dem andernSchuld gegebenen, dessen guten Nahmen aufhebenden Verbrechen, und nächst dem die Verschwel« gung des Nahmens des Verfassers find die wesentlichen Unter- fcheiduilgsmerkmahle eines PasquilleS. Fehlt eines dieser Stücke, so ist cs eine bloße Schmähschrift. Daher der Pasquillant, des—en, xlur. die — en, Fämin. die pasquilläntinn, eine Person, welche Pasquille verfertiget und ausbreitct, und in weiterer Bedeutung ein jeder grober Verleumder, eine Person, welche andere auch mündlich unwahrer ehrenrührigerHandlungen beschuldiget; der Lästerer. Paequillantisch, einem Pasquille ähnlich, gemäß, in demselben gegründet. Die Pasquinäde, plur. die—n, aus dem Jtal. kssquinata, eine Lästerung, und in engerer Bedeutung , eine witzige Lästerung. Anm. Alle diese Wörter stammen aus dem Jtaliä'nischen, und dem daselbst in den neuern Zeiten geformten Lateinischen Worte kashuülus, her. Paequin oder pasquino ist derheutigeNahme einer verstümmelten und fthr unkenntlichenBildjaule znRom nahe bey dem Platze Navone, an welche man ehedem alle nahmenlose Schmähschriften »nd beißende witzige Einfälle anzuheften pflegte. Die Bildsäule, von welcher man nicht weiß, was ste verstellet, hat den Nahmen von einem witzigen Schneiderpasquino, welcher ehedem in ihrer Nachbarschaft wohnete , und in dessen Werkstätte sich alle Liebhaber vonNeuigkeilen versammelten, und daselbst alles Gute und Böse, was in Rom vorging, durchh.-chelten. Erstarb, nachdem ihm sein boshafter Witz tausendVerdruß z,.gezogen hatte, und hinterließ der gedachten Bildsäule so wohl seincnNahmen, als auch das Amt, dasjenige bekannt zu machen , was die witzigen Köpfe der Stadt gern bekannt machen wollen, ohne stch selbst zu erkennen zu geben. Gemeindlich antwortet paequin aufdie Fragen, welche Marforio an ihn thut. Dieses ,st eine andere eben P a j 664 so verstümmelte Bildsäule in einem von den Höfen des Capitolii, deren Nähme so viel als Markts Forum bedeuten soll, wo ste ehedem gestände» hat. *päß, ä6v. welches nur im gemeinen Leben, besonders Niedersachsens, gebraucht wird, das rechte Maß habend. Dag Meid ist mir paß. Die Schuhe sind mir nicht paß. In eben diesem Verstände gebraucht Opitz dieses Wort an einem Orte, obgleich nicht ans die schicklichste Art: Ihm istAmericus, sein Schuler nachgegangen, 6at dicß, was von ihm heißt, zu zwingen angefangen, Dem Geige pas (paß) gemacht. S. das folgende. r. *Der Paß, des—sses, plur. die Pässe, ein gleichfalls nur im gemeinen Leben, besonders Nieder-Deutschlandes, übliches Wort. r) Ein Maß, ein Ziel, ein Gewicht und ein abgemessenes Ding zu bezeichnen; doch nur in einigen Fällen. Daß der Zirkel ehedem diesen Nahmen gesühret haben müsse, erhellet aus dem Feanz. Lompas. Jetzt heißt er im Holland, und Niederst Passer, von dem Zeitworte passen. Ehedem gebrauchte man es auch in einigen Gegenden für denTact in der Müstk, denn Apherdian hat die R. A. nach dem Passe tanzen. Der Wasserpaß ist in einigen Salzwerken das Gewicht des Gefäßes mir süßem Wasser bey dem Probiren der Sohle, gegen welches man eben so viele Sohle abwieget. Im gemeinen Leben Hakman eiste Art hoher Trinkgläser, welche von einem Raume zum andern mit Reifen versehen find, welche Reife, so wie der zwischen zweyReifen eingeschsosiene Raum, ein Paß genannt werden. (S. paßglas.) Ein Paßglas mit vier Pässen. Einen Paß austrinken. Da denn auch wohl das Paßglas selbst ein Paß heißt. Da soff man nun mit ganzen Pässen Auf aller 6 - - Wohlseyn los, Günth. Diese Gewohnheit, die Trinkgeschirre in gewisse Theile oderRäume abzutheilen, ist alt. Frisch führet eine Stelle ans Alberici Chronik inLeibnitzens astLLsll an, wo er jagt: Dunffavus ^us in , ut potationsm cornpatriotarurn rekrevarst, clavos Lureos vsl arZentsos vasts iustZjjuffit, "ut, Zum metarnsuLm coZnolcsret,non plus sudlsrvieu- 1e vereeunciia vel ipse appeieret ve! sppetsre cv^eret. In den alten Statuten vonVercelli bey dem DuFresne ist kaffus und ?L 2 Ll!u 8 eine Art eines unbekanntenNdaßes oder Gewichtes, k'allL peola, heißt es daselbst, ffatera, paffus, baiancia, rnarcstu8. Im Holland, ist ?Zsz und paffe das Ebenmaß , die Symmetrie. 2 ) Jn engererBedeutung und ohnePlural, das rechte Maß, die rechte bequeme Zeit; wo es nur im Niederdeutschen und den verwandten nördlicher« Sprachen mit einigen Vorwörtern gebraucht wird. Die Schuhe sind mir zu Paß, gerecht, haben das rechte Maß. von Paß seyn, das rechte Maß haben. Zu Paß kommen, zu rechter Zeit. Datz kommt mir recht zu Paß, zu gelegener Zeit, zu Statten. Jetzt noch kommt ste zu paß, (zu Paß,) Opitz. Jngleicheu figürlich, der gehörige Zustand der Gesundheit rmd der Glücksumständc. Wohl zu Paß seyn, sich ganz Wohlbefinden, so wohlderGesundheirals denGlücksnmstän. den nach. Nicht wohl zu Paß seyn, stch nicht Wohlbefinden. Den Gegensatz enthält das Nebenwort, unpaß, welches stehe. Anm. In der letzten Bedeutung im Holländischen, Englischen und Schwedischen, wo es gleichfalls nur mir einigen Vorwörtern adverbialster gebrauchmvird, anchpals. Wachter leitet es wirn, derlich genug von dem Franz, u propos her, Frisch in der letzten Bedeutung von dem altur baß , besser, Ihre aber von dem Franz, paffer, erträglich seyn. Alle diese nnd andere Ableitungen rhnn dem Worte kein Genüge. Cs scheinet, wenigstens in der ersten Bedeutung, eigentlich ein eingcgrabenes, eingeschnittenes Mabl, ' oder 666 66^ Pas oder auch ein spitziges, siechendes Ding, bedeutet zu haben, da es denn zu beißen in dessen weitesten Bedeutung, zu dem Griech. -»«La'«-, siechen, zu Spitze und andern diesesGeschlechtes gehören würde. Bey verschiedenen Handwerkern bedeutet passig einge- grabene oder getriebene Figuren habend, welches eiuHauptwort Paß, eine gestochene oder gegrabeneFigur, voraus setzt,(S. Passig, Häßlich , passen und Unpaß.) Im Niederfachstschen bedeutet es auch noch Achtung, Aufmerksamkeit, Paß geben, aufmerken, wo es aber mit i passen zu Pause gehöret. 2 . Der päß, des —-sses, plur. die Passe, ein aus dem Latein. Julius, der Schritt, emlehnlesWort. i. Ein Schritt. > -Eigent- . lich, wo es doch nur von einer gewissen Art des Ganges der Pferde üblich ist, welcher in einer zugleich geschehenden niedrigen Bewegung beyder aufEincr Seite befindlichen Füße bestehet, welche mit den andern wechseln; ein zwar bequemer und schneller, aber eigentlich fehlerhafter Gang, welcher auch der Paßgang, der Antritt, der Drepschlag und der Zelt genannt wird ; (S. dieseWörter.) Im Jtal. heißt er gleichfalls kuKo. Eincnpaß gehen. (S. Paßgänger.) Der halbe Paß ist einc Mischung von Trab und Paß. 2) Figürlich, ein Fall , ein Umstand, eine jede vorkommende oder vorliegende Sache; doch nur im gemeinen Leben. Jtal. kallo. In diesem Passe mag es gnt sepn, in diesem Falle. Oer Alten und Neuen Grunde, welcher sie sich in diesem paffe bedienen, Opitz, in dieser Materie. 2. Ein enger, beschwerlicher Weg, besonders aus einem Lande in ein anderes ; ehedem auch die Clause. r) Eigentlich; im Mittlern Lat. kallus, im Jtal. kall'o, im Franz, p-ns. Der Paß aus ßrankreich nach Italien. Alle Passe besetzen/ Einen Paß einnehmen. In der Schiffersprache wird auch eine Meerenge zuweilen ein Paß genannt; daher heißt die Meerenge zwischen Frankreich und England in einigen Gegenden der Paß vonCalais, Franz. 1 s I'as cie Oalais.^) Figürlich, der Durchgang durch einen solchen Ort, und in weitermVerftande, der Durchgang durch einen jeden Ort. Frepen Paß haben, freyen Durchgang, im gemeinen Leben. Jemanden, den Paß abschneiden, verlegen, verharren, ihm an dem Durchgänge, an seinem Fortgange, an seinem Rückgänge hindern. Einem den Paß offnen. Im Jtal. gleichfalls pullo. z. Ein Freybriefzue ungehinderten Fortsetzung seines Weges; ein Paßpsrt, im Oberdeut- —^chen paßbrief, paßzektel, Schwed.Jemanden einen Paß geben. Einen Paß losen, bekommen. S. Paßport. Das pässcr, plur. inuf. ein Hebräisches Wort, welches eigentlich Verschonung oder Vorübergang bedeutet, von noL , vorüber gehen, und durch die Griech. Übersetzung des alten Testamentes, wo es »«cr^oe lautet, in die Lateinische und DeutscheSprache gekommen ist, zunächst das Osterfest der Juden zu bezeichnen , welches zum Andenken derVerschonurrg von dem Würgengel bey dem Ausgange ans Ägypten geftycrt wurde. Hernach nannte man glich das christliche Osterfest Pasch,paschen, Pascha, welcher Nähme noch in den gemeinen Mundarten so wohl Ober- als Nieder. Deutschlandes üblich ist. Rieders, pausten, Schwed. Island. kul'KL. Die Passage, ssprich Passäsche,) plur. die—n, aus dem Franz, kulla^s, nach welchem Muster es iry gemeinen Leben für die Durchreise, für die Stelle aus einem Buchen, s. s. gebraucht wird. Hier wird cs nur als ein musikalisches Kunstwort angeführet, wo die w'.llkührlicheu Auszierungen oder Veränderungen eines einfa- chenGesangcs in gewissen dazu tauglichcnStellen.passagen, und, nach dem Jtaliänischen kuCuAtzly , auch wohl passag'en, (sprich Passadschreu) genannt werden. Der Passagier, (sprich passasch-er,) des —s, plur. ut nom. IwZ. ein Reisender, eine reisende Person ohne Unterschied des Pas Geschlechtes; aus dem Franz.?LlIaZer. Besonders, eine Person, welche mit der Post reiset. Der Passat-Wind, des —es, plur. die—e, in der Seefahrt, und Erdbeschreibung, ein Wind, welcher m manchen Gewässern entweder beständig nach einerley Richtung wehet, oder nur zu gewissen Zeiten einerley Richtung hat, dergleichen in den Indischen Gewässern, und auf dem stillen Meere sehr häufig sind ; ein beständiger Wind, im Franz. Nusson. Auch im Atlantischen Meere bläset vom October bis zum Januar ein beständiger Nord- , ostwind. Der Nähme rühret vermutlich daher, weil man diese Winde abwarten muß, wenn man ein solches Meer passieren, d. i. durchsegeln, will. Der Passauer, des—s, plur. ut nom. linZ. eigentlich eine Person männlichen Geschlechtes , welche aus derStadt oder demBis- thum passan kommt, daher gebürtig ist; FLmin. die passrnerinn. Jugleicheu, ein Ding, welches von daher zu uns gebracht wird. So hat man eine Art des Salates oder Laktukes, welche weißer, und gelber großer Passauer genannt wird. Passauer Schmelz, ticgel. Die Passauer Bunß, die Kunst sich fest zu machen; von eincmScharfrichtcr zupaffau, welcher, 6 r r das feige Kriegs- Heer, welches um die Stadt lag, mit papiernen Zetteln zu tapfer« Soldaten machte. >ie Passe, plur. die—n. -) In der Seefahrt, kleine Kanonen, welche statt der Laffeten nur ein Gestell haben, von hinten geladen, und anfden Mastkörben, den hohenTheilen derCastelle, ingleichen aufPrahmen und Schaluppen geführct werden. Man hat chrek auch ausGaleereu, welche 1^- Pfund schießen. 2)JudenMühlm, besonders Niedersachsens, ist es ein Werkzeug, vermittelst dessen die Mühle zum Stillestehen gebracht wird; in welcher Bedeutung es ohne Zweifel von passen, warten, stillestehen, abstammet. Pässebn, vsrb. reZ. nsutr. mit dem Hülfsworte haben, welches nur in den gemeinen Sprecharten einiger Gegenden, besonders Oberdeutschlandes üblich ist,kleine, unerhebliche Hausarbeit chun. Daher wird auch im Bergbaue jemand, der kleine geringe Arbeiten verrichtet', einPäßlergenannt. Wendisch Psckluju. Etwa von Bissen, Bißchen, Obcrd. ein Bißlein. Pnssen, verio. rsZ. ueutr. welches mit dem Hülssworte haben verbunden wird, und eigentlich uuthätig, unwirksam scyn, bedeut ter, aber nur noch in einigen Fällen üblich ist. r) ^n ernigen Spielen, besonders in Kartenspielen, passet man, wenn man nicht Svieler ist, kein eigentliches Spiel unternimmt, sondern sich mehr Leidentlich vekhält. Franz, paffer, Jtal. pairurs und tar paffo. ^ (S. verpassenundZupassen.) 2) Auf etwas warten, merken, und Acht haben, in welcher ganzen Bedeutung es nur im gemeinen Leben und in den niedrigen Sprecharten gebraucht wird, ^ch habe hier schon lange gepasset, gewartet. Er kann passen, warten. Paß auf etwas geben, im Niederst auf etwas merken, Acht geben. Besonders in einigen engern Bedeutungen , indem es so wohl, aufjemandcs Befehle oder Worte warten, bedeutet. Auf jemanden passen, ans dessen Befehle warten, dessen Worte und Ermahnungen befolgen. Er passet nicht auf mich, folget, gehorchet mir nicht. Als auch, zu jemandes Schaden oder Verderben warten und aufmerken, lauern. Die Aatze passet auf d.ie Maus, der Räuber auf den Wanderer. Jemanden auf den D-enfl passen, ironisch, ihm nachftellen, ihm ein Unglück zuzubereite» suchen. So auch das passen. - Anm. Hornegk gebraucht enpairsnsllrnachstellen/woes aber auch zu einem andern Stamme gehören kann. Übrigens lautet es in der zwerchen Bedeutung ün Schwedisch, gleichfalls paffa. Ihre leitet es gleichfalls von Paß, die bequeme, gehörige Zeit ab, da es denn mit dem folgenden Zeitworte einerlcp sepn würde. Allem, Lt z da da man ehedem, wie ausernem alten Voeabnst von , 482 erbEe/,. such daS Wort Paß für Pause batte, jo, ist eS entweder ein alles Wort, welches einSeitenverwandker yon^nuta und demGriech. «'«vkt» ruhen, unwirksam ftyn, ist, öderes ist auch aus Pause entlehnet, und in Paß verderbt worden. 2 , auch Pause, Auf--' passen und Abpassen. L. paffen, verb. re§. welches zu dem Hauptworte ipaß gehöret-, und in doppelter Gestalt üblich ist. 1. Als ein Acrivum. r) Messen, besonders mit-dem Zirkel« messen, der daher in: Rieders, der Passer heißt. In diesem Verstände wird cs nur im Niederst gebraucht ^indessen hatdasZw.l.. xsssnee und compZssmre, und das Franz, compakler, eben- dieselbeBedeuuurg. s) Eine Sache der Größe nach einem andern Dinge gemäß machen. Der Deckel ist auf den Topf gepasst.. Das Rleid.ist ans meinen Leib gepasst. S. Anpassn. 2. Als ein Neutrum, mit dem Hülfswarte haben, im Maße zutressu,dasgehLrrgeMaß haben, angemessen ftyn. Die Schuhe passen mir nicht. Las Llcid passt sehr gut. Ls muß auf rin Haar passen. Der Deckel passt nicht aiif den Topf. In» gleichen figürlich, sich schicken, fügen,- angemessen ftyn. Das passet nicht hierher. Diese. Stelle paßt nicht auf unfern Satz.- Im Niederst bedeutet es über dieß noch gefallen, anständig seyn,. Den Dieben passet alles. Das paßt mir nun so, gefällt mir so. . Jngleichen sich fügen, sich zntragen.. Das kannsich wohl ein Makk passen, Zuträger;. Daher das, passen. Anm. Jrn Schwed, in beydm Gattungen gleichfalls pullst. S. st Pass Dre päß forme, p!uv. die—n-bey den Kattundruckern,, zrisam- Nlen gesetzte, oder zusammen gepaßte Formen, deren zuweilen zwanzig und mehr kleine zusammen gesetzt werden, die verschiedenen R-nken und mancherley Farben der großen anszufüllen.. Derpäßtz^NF, des—cs,ustur. doch nur von mehrern Arten, die —gange, der Paß e irres Pferdes, S. 2 Paß r . Der päßtzänaer, des —s,plur. Mnorn.lrnZ. ein Pferd, welsches den Pastgehet, S.Uelter. Das päßylas, des—es, plur. die—glaser, ein hohes Trinkglas, welches durch verschiedene Passe, d. i. Reife oder Ringe am Rande,ln mehrere ALrinie gethe-let ist , uitd auch nur ein Paß schlechthin genannt wird. S. r Püss Passieren,, verb. reZ. welches aus Hem Franz, pgsssr^im mitt-- lern Latein. psIlLre, entlehnet ist, und nnrckmgemeittknLeben gc- brauchtwird, wo esin doppelter Gattiittg-vorkornint. ^ - Als ein Neutrum, mit dem Mlfsworte, seyn, rxift«,, wandern, gehen. r) Überhaupt,woes mit verschiedenenVorwörtern gebraucht wird. Durch einen Drt passieren/ durch denselben reisen.. In die Stadt passeren, in die Stadt reisen, über einen Floß- passieren, setzen. Vorbey passieren/ Wo es denn auch ohne Vorst wort mit der vierten Endung gebraucht wird.. Einen Ort passie^- rrn, durch denselben aufftiner Reisekommen. . Man kann die Gasse vor Menschen nicht passeren, nicht durch dieselbe kommen. Daher die Zusammensetzungen drrrchpassieren, einpassie- pen, auspasserer;. 2 ) In engerer Bedeutung, ftine Reift , feinen Weg fortse. Ken. (a) Eigentlich. Er kann passieren, er känn seinen Weg fortsetzen. Einen Reisenden, einen Wagen, eine Waareniche passieren lassen,, sie auf dem Wege anhalten. (b) Figürlich. «) Das kann passieren, ist'erträglich, mittelmäßig. Das laß ich passeren, das laß ich gelten, dawider habe ich nichts einzuwen- Leu. ß) Für etwas passieren, gehalten werden. Er passieret sich emen ehrlichen Mann, Ex Mffjexek noch füpernen I.unA- gesellen. Er will für einen reichen Mann passeren. «^)' Ge- . scheheu, sich z,,wagen, was passieret neues ? Es ist ein rechter Spaß passieret« Schreiben sie mir doch, was, passieret, was vergebet., 2, st Als ein Aclivum, passeren machen, dt i. zubrinaen ; doch nur in den niedrigen Sprecharten,besondcrs von der Zeir und dein menschlichen Lebro. Die Zelt passeren, mit etwas z,«bringen. Die Zeit mit Lesen, mit Spielen passerem Sein Leben mit Herumreisen passeren«. sspassierlich,L 6 j. et mckv.welches gleichfalls nur in den niedrigen Sprecharten üblich ist. r) Ern passerlicher Weg, welchen inan bereisen kann. 2) Mittelmäßig, was passieren kanri. Das ist pass,erlich. Eine passierliche warme, Gesundheit. Ep spielt so passcrlich. S. paßlich.. Der Passierzettek, des-—s, plur. ut vom.stNA., ein Paßfür Menschen undWaarcn,besonders für letztere, ein Zettel, vermöge dessen eine Maare oder ein Fuhrwerk ungehindert paffieren, oder den Weg fortsetzenkann., P^rss y, nckst et v. welches nur bey einigen Hgndwerkerir üblich ist, wo es stgurirct, d. i. mit erhabenen odef vertieften Figuren oder auch nur Zügen: versehen bedeutet, und dem glatt entgegen gesetzet wird. pasiig drehen, ssgurirt, bey den Drechslern. Bey den Zilttlgl'eßern ist passig, kraus oder gerippt gearbeitet, nach Art des Silbergeschirres. Erne.passg/Raffehkanne, eine gerippte. Bey i Paß ist schon angemerket worden, daß sich dieses Wort auf die eingegrabcnen oder cingestocheueit Figuren zu bezir, Heu scheiue, wovon sich auch in andern Sprachen Spuren finden. Im Ztal. ist pallsre und im Franz, paller, durchstechen, durch, stoßen, durchpressn u. st f. Zm Latein. ist kaliinum ein Karst, psssinsre hacken, und kaxillus ein Pfahl. ^allemens sind m; Franz, wie küls-tMLrvi im Zsral. allerley sigurirte Borttnund Schnüre, Si Posamentierer. Dlepassrön,.giür. die— en, ein aus dem Lat. ?sftrO entlehntes und im gemeinen Leben für körperliche Schmerzen und unangenehme Empfindungen übliches Wort.Besonders gebraucht man es von dem letzten verdienstlichen Leiden Christi, von der Zeit in welcher das Andenken desselben geseyert wird, und welche auch die Fasten heißt, inglcichen von der Geschichte und dramatischen Vorstellung desselben.. Die Passions-Blume, p!ur. die— n, eine Psianze, m deren Blumen die scharfsichtige Andacht alle bey dem Leiden Christi gebrauchte Werkzeuge zu erblicken geglaubt hatz^nMklora!-. Es ist ein ganzes Geschlecht von Pstanzeu, welche aber insgesammt iuAmcrika augetroffeuwerdeu.. passiren- S. passeren.. Passiv, aeij. et ariv. aus dem Latein. pAlliVus, leidend; im Gegensätze des activ oder rhatig. Sich passiv verhalten, leidend. Die Passiv- Schuld, welche ich zu bezahlen habe, zum Unterschiede von der Acriv- Schuld, welche ich zu empfangen habe. Die pässkcrmmer,' p!ur. die—n- an den Paffen, d. i. kleinen Schl'ssskanotlcn, die hintercDffnung, durch welche dieLaduiig hinein gcsteckct wird, S. Passe. Diepäßkarte, p!ur. die -—n, eine nur in der Niedcrdeutschvn " Schlffcrsprache übliche Benennung einer Landkarte,u>ld besonders einer' Seekarte. Entweder von passieren , reisen, oder auch von . dem veralteten Paß, eil« Zirkel, ein übereinstimmiges Mass eine abgemessene, genau bestimmte Karte zu bezeichnen^ Die päfckuyel, pltir. d;c—n, eine Büchsenkugel, welche genau in das Rohr pass-; im Gegensätze einer Lanfkugel, päßlich, oder pstftlich, ae!st etsckv. welches nur im genteinen Leben ciniaerGegenden üblich ist,erträglich, leidlich,mütoi Müßig; passiexl ich,Franz. jictllllüle, Ital.xall'LÜHe., Er befindet sich Lanz ,669 -' ' ^ lll .ganz paßlich ober paßlich. Das M ganz paßlich. Eins paß- ltche Gesundheit. S. Unpaß und Unpäßlich. Der Pafipört, -des-es, plur. di. — e, ans dem Francs. - 'kallepo-t und I-al.^ntsuporio, cmFrepbciefzur ungehinderten Fortsetzung seines Weges, ein Paß. Schwedisch gleichfalls Fultzport. Im i Lten und lsstt-n Iaheliunderte verderbte man cs itt Paßwort, als wenn es Deutschen Uriprnnges wäre. Wachter leirete die letztepälstesehr unschicklich von oemWaürstscheni?ort., die Hülfe, her. Wahrscheinltcher ist es , daß csmit poriure zu unser»'. Zahrr Und fahren in dessen weitesten Bedentnitg gehöret. Die puste, plur. die—-n, aus dein Ikal. s aUu , im ruiltlern Lat.tr'ustu, eiuTeig, mit welchemÄtainnen mau besonders unechte, aus euiem Älasteige oder eilt«-Glasmasse nachgeinachte Eoeftrei- ne, besonders, wenn daraufgeschriitten worden', Pasten zn.rrenm'U pstegt; Afcerfteine, Glaspasten. Der pustest/ des—es, plur. -bis — e, aus dem Franz. i-'Lftel; welches gleichfalls von tr* ckis, der Teig, abstammet, dey den Mahlern, eur aus Farbimrerge geformter und hernach getrockneter Stift, und die Art, damit trocken zu mahlen. In Pastell mahlen, mit solchen.Stiften. Am iiblichstenist es in den Zujainmetl- setzungen dw Pastell-Mahlersp, die Art und Weise mit solche n Stiften zu mahlen , der Pastell - Mahler, das Pastell - Ge- madlde, der Pastell-Stift, ein solcher Farbenstrsc u. j. f. Im niittlern Lateine ist .j^ulichlus undUnlitllus eine Pastete. Die zurFäcberey jubereireLenWaidballen werden iutZranzöfischen I^L- stsl genannt, daher anch die Deutschen Material- Händler sie col- leetioe Pastell nennen. Schon bep den altern Griechen hießen sie ne««pe'X>.oi. Iin Jtal. stnd kuÜLlli Spanische Räucherkerzchen. Die.plur. die—n- Diminut. das pastetchcn, Dberd. pastctleln, rn den Küchen, eine sin einen Teig geschlagene und irr dem Dfeii gebackene Speise. Zlcisch - -Pastcre, Zisch-- Pastete ri. s. f. eine in eincii solchen Teig geschlagene Fleisch- oder Fisch? speise. Es stammet ans dein Mittlern Lat. iftullLlu. und llftri- pLÜLtL her, welche schon in diesem Verstände Vorkommen, und gleichfalls von. ftnlin.,e!n Teia,a'ostamttren. Ehedem sagte man im Deutscheuauch.Pnstep, welches dem Franz, t^usts näher kommt« Der Pasteten-Bacher, des—s, p!ur. ulnorn. linA. Fämin- dre Pastctcn-Bäckerinn, eine Person, welche ihr -vornehmstes Geschäft daraus macht, Pasteten zn backen. Das Pasteten-Band, des—es, plur. die—bänder, eine lange in Holz geschnittene oder ausgestochene Form, denTeig zu dem Raitde einer Pastete darin zii formell und auszudrucken ; wegen ihrer Länge, in welchor sie-einiger Maßen einem Bande gleicht. Das Pasteten-Brot, des—es, "plur. inuft in den Küchen- «) Der Teig von einer ansgedackenen zerschnittenen Pastete. 2) Eine besoitdere Art Zwieback, welche aus zerriebenem harten Brote mit Zucker, Mehl und Epweistbereitet, und in einemPaste- tcn- Ofen gedacken wird. Der Pasteten- Deckel, des—s, plur. ul uonr. linZ. der Deckel einer Pastete. Das Pasteten-Zlersch, des—es, plur.in.us. dasjenigeFleisch, welches sich zur Fülle in eine Pastere schickt, oder dazu be- . stimmt ist« Dor Pasteten r Ofen, des—s, plur. die ch>sen, ein kleiner Dfen, in welchem die Pasteten gebacken werden. Die pafteten-pfanne, plur. die — n, eine zierliche Pfanne mir einem Deckel, worin das Pasteten - Fleisch anfden Tisch getragen wird. ^ Die Pasteten-Taube, plur. die—n, zuweilen ein Nähme der gemeinen Feldtauben, weil man sie gemeiniglich in dtk Pasteten - M füllen pflegt« Die Pastinake, plnr. die — n, Lic-rubenarftge, starke, eßbare Wurzel einer Pflanze, welche ans den Rainen und Tristen des mll- tägigen Europa wild wachset, in unfern Gärten aber zu einem schmackbastkil Gemüse veredelt wird; k^üinncL D., pastmak- wurzcl, in einigen Gegenden äckschmohren, Watsche Petersilie«. Wegen eütiger Ähnlichkeit in deil Wurzeln wird auch diewilLe Möhre, Ouucus LurotL D. nndin ändernder Durchwachs,. Lupleurum rolunckisoliumDt.wrldepastinake genaiiirt, so wie die Wasftrpctersilic, !bium !LltLo 1 ium l--.in einigen Gegenden Wasserpastrnake heißt. Anm. Im gemeiiien Leben wird dieser Nähme in Pasternak, .'palsternak, pastnach, psingsternakel u. s. s. verderbt. Frisch führet anch die Formen pastcney, pastiney, Bestenau, und .Pei lstert an. Der Nähme ist ans dem Lar. ck'ustinacL, ivelchec schon bey dem Plinius vorkonum. ,Jn einigen Gegenden ist er männlichen Geschlechtes, der Pastinak, welches aber wider das «Lateinische Geschlecht und den bestern Gebrauch ist. Große Passt- nükwnrzeln werden in Niedersachsen palstcrqnabben genannt. Der Pastor, des Pailöris, oder Pastors, Plur. die Paßöres, stim niedrigen Leben Pastors,) das Lateinische Wortkustor, eil» Hirt, welches in der evang-elischen Kirche-als ein Ehrentitel der Pfarrer und Prediger üblich ist, wenn sie mit keinem andern Titel versehen sind. Der Pastor zu N- ßerr Pastor. Dessen Gat- Linn alsdann auch die Pastorin» genannt wird. ZmOberdeutschen .ist dafür dasWottPfarrer üblicher. .In engerer Bedeutung ist .Pastor derHanptprediger an einerKirchellvenn ihrer mehrere sind, zum Unterschiede von dem Diaeono.- Daher das Pastorat, dir. Stelle und das Amt eines Pastoris , ingleichen dessen Wohnung. Drepatäte, ^plur. die—n, (S. Batate.) Im gemeinen Leber» pflegt man d.ieÄartoffeln, oderWurzeln des .^alani tu'oerol! .häufig mit den Bataren oder Patatcn zu verwechseln, und,m Dänischen kennet man für fie keinen ander« Nahmen, als den letzter«, so wie sie auch im Engl. I^orawes heißen. Indessen find sie doch wesentlich verschieden, indem dieBataten, Gonvolvulus LatatLs Dwelcheman inEngland nur aufdenMiflbeeten ziehet, in unserm Himmelsstriche noch weniger fortkommen. Die pateL-Müschel, plur. die — n, eine Art Schnecken mit unordentlich gewnildenenH änserncheren fast konische mit sehr un- merklichen Windungen verschcneSchale einerSchüffel oder einem Napfe ähnlich stehet, daher sie auch Gchiisselmnschel und Napfmuschel genannt wird; ?LleIlL welcher Lateinische Nähme eben denselben Grund hat. Versteinert wird eine solche Muschel der Patelllt, des—en, plur. die—en, genannt. 'Die Patente, plur. die—-n, die kleineOvlaten-Schüssel, welch? .l,i den Kirchen ben dem Abendmahle gebraucht wirdz ans demkLt« t^iintt, im mittler» Lat. k'aleua. Das Patent, des—cs, plur. die—e, aus dem mittler» Lat kulerilL, Franz. Klents, welches für IckttsrLe pLtenkLS stehet.-) Ein obrigkeitlicher Befehl, welcher jedernmnn angchet 2) Dre schriftliche Bestalliing eines -Ossiciers. Der Pater, piur. die patres, (im gemeinen Leben die pärers,) das Lateinische'Wort t^Lter, Vater, sofern es in der Römischen K-rche als ein Ehrentitel der gelchrtettOrdensgeiftlichen üblich ist Der Pater 6ell. 6err Pater äcll. äerr Pater. Das Paternoster, des — s, plur. ur norn. liug. ein, aus deic bevden ersten Worten desLat.Vater unssr,?Lier uuÜLr, znsam. men gezogenes und besonders in der Römischen Kirche übliches Wort. 1) Das Vau r unser, das Gcbeth des Herren. Ein Pater noster bekhen« 2) Jede zehnte große Kugel in dem Ro- - senkranzc, bey welcher das Vater unser gebrthetwird, dagegen bey den kleinen Zwischenkugeln nur das Ave Moria gesprochen wird; ' daher denn, Z) auch Roflnkranz selbstchas Paternoster heißt, 671 Pat Zn Barcrn der Becher. 4) Figürlich führen noch verschiedene Ding'wegen ihrer Ähnlichkeit mildem Rosenkränze de« Nahmen des Paternosters. Dergleichen sind verschiedene an eine Schnur gcreih. te Arten des Geschmeides, Geldstücke u. s. f. welche man den Kindern um den Hals zu hängen pflegt, und welche an rjnigenOr- Len auch das andere Geschlecht zur Zierde trägt. Auch eine geringere Art des ansPrei.ßen, Curland undLiefland zu uns gebracht, n Flachse? führet den Nat-nu uP ncrnoster odeepatcriiester Flachs, vielleicht weil er znweilui milgedreheun Knocken untermischt ist. Das Paternoster-Mer^, des — es, plur. die— e, eine Was- .ser' Maschure, wo vermittelst mehre« er an einer Kette oder an ein S.il gebuuoener led-erue» m-t Haaren ansgestopsten Kugeln, welche durch eme oder rmhdcre Röhren gehen, das Wasser aus derTic- fe gehoben wird. Gleichfalls wegen einiger Ähnlichkeit mtt einem Paternoster. Daker die Paternoster-Nunst, eine aus solche Art eingerichtete Wasserkunst, welche auch wohl eincTaschenkunst und Puschelkunst, vielmehr Bauschelkunst, genannt wird, von den ledernen Bauscheln oder Kugeln, S. Bausch. Der pathe, des—n, plur. die—n, Fämin. die Pathe, plur. die—n, ein Wort, welches noch in einer doppelten Beziehung gebraucht wirb. 1 ) Eine Person , welche ein Kind aus der Laufe hebt, dasselbe zur Taufe darbriugt; doch nur in Rücksicht üuj den Täufling, dagegen eine solche Person in Rücksicht auf dir Älter» des Kindes und aufdie übrigen Tanfzeugen Gevatter und Gerat- rerinn Heist. Er ist mein pathe, er har mich ans der Taufe gehoben. Sie ist seine Pathe, hat ihn aus der Taufe gehoben. (S. Taufzeuge.) Zn einigenGegeiiden lautet es im weiblichenEe- schlechte die pachinn, dagegen in andern der pathe auch wohl von Leyden Geschlechtern gebraucht wird. In der Römischen Kirche werden die bey der Firmelung nöthigen Zeugen gleichfalls pachen genannt. JmAngels. beißt ei„P-iche Ooclssecchr, 6oclmo6er, Engl.Oocifuttier, 6oclrnot!ier, und im Schweb. 6ucjscccker und 6u6mo6er, (S. Gevatter.) In Franken hat man dafür die Wörter Tod und im Fcimiil. Toda, in Baiern, der Schweiz und Schwaben God, Göte, im Fämin.Goden. 2 ) Der Täufling inAn- schung derTaufze-ngen,Diminlit. daspachchen, Oderd.pachlein. Carl ist mein pathe, Friderica meine parhe. In einigen Gegenden wird auch hier der Pathe von beyden Geschlechtern gebraucht. In den vorhin genannteuDberdeutscheuProviiizen ,st dafür gleichfalls Got, Godel, Gott), und im Fämin. Gotte üblich. Zu der RömischenKirche heißen auch dicgefirmelteuPersouen inAnsshung -er dabey gegeirwärtigen Zeugen pachen. Anm. Zm Mittlern Lat. in der ersten Bedeutung ?wter sp 'ri- rttali.-;, auch nur knter schlechthin, ingleicheu ?utrinu 3 uiid im Fämin. k-NrinL, Gemeiiiiglich glaubt mau, dicsesWorr sey aus dem Lat. entlehnet, und mit der christlichen Religion zugleich in Deutschland cingeführet worden. Allein, um der zwcyten Bedeutung willen ist dieses sehr unwahrscheinlich. Es har vielmehr alles Ansehen, daß dieses Wort mit Vater Eines Geschlechtes ist und ehedem einen jeden sehr nahen Anverwandten bedeutet hat, welches auch von den Oberdeutschen Tod und Göre g-lt, wovon das ersterc zu dem alten Atta,- Tatte, Vater, das letztere aber zu Gatte gehöret. Bey unfern ältesten Schriftstellern kommt es frey. lich nicht vor; allein, bä die,e insgcsammt Oberdeutsche stnd , so gebrauchen sie dafür das ihnen geiäusi^re6öte,welches sich unter andern auch in dem Schwabens, findet. Der pathenbries, S. pachenzcttcl. Das pathenyehd, des—es, p!ur. doch nur von mehrern Summen, die—er, ein Pachengeschenk auGelde; der Pachenpftn- nig, im mitileri'.Lat. k'jÜoiaZiu--, k'iuolaftcueri. isiliwt»8, Nieders.vaddernxcnnln§,Httnnöp.Vaddernknuttk', vonBnudde, Par 672 einKnolen, weil gemeine Leute es in den Zipfel des Schnupftuches eiuzuknüpfeu pflegen. Das pathenyeschenk, des —es, xlur.die—e, dasjenige Ge. schenk, welches die Pathen dcmTäuflmgc Hey der Taufe oder gftich nach derselben zu machen, oder wie man sagt, einzubindcn Pflegen. Der. Pathettpse nntN, des — es, f?!ur« doch nur von mehrern Snmineit, die — e, S. Pachtgeld. Der pathenzettel, des—s, plur. ut nom. ein geschric. bener, ooer auch u it Lttnnbildern ausgezierter, in Kupfer gestochener und illuminirier Zettel, worein die Pachen das Pachengelu z» wickeln pflegen; im gemeinen Leben auch der P.nhcn'orief. pathetisch, er, —te, s6j. et srosv. eine starke Leidenschaft verrathend und darin gegründet. Aus dem Griech. v«Arrc, eine jede starke Leidenschaft. - ' Der Patient, (sprich paz,'ent,) des — en, piur. diesen, Famm.dte pattcnmin, aus dem Lat. putiens , ein im gemeinen Leben s hr üblicher Ausdruck , einen Kranken zu bezeichnen. Der patkrärcH, des en, plur. die—en, aus dem Griech. und Lat. katria-LftL, eigentlich ein aftcrVater, von »« 7 -^ und -) E", "och sehr üblicher Ausdruck, die Srammväter derFamilieu vor der Sündfluch und kurz nach derselben, bis auf den Auszug der Israeliten aus Ägypten , zu bezeichnen, weil sie gemeiniglich ein sehr hohes Alter erreichten; ein Erzvater, (siche dieses Wort.) 2 ) Inder christl chen Kirche ward dieses Mort sehr frühe ein Ehrentitel der vornehmsten Geistlichen , welche mehrere Erzbischöfe und Bischöfe unter sich hatten, oder den Geistlichen eines großen wcitlüuftige,-.Landes vorstandeni In diesi-mVersta.ide gibt cs in den Morgenland,, cheri Kirchen noch jetzt Patriarchen. In der abeudläudischen Kirche bekamen zuweilen die Primaten den Titel dcrPatriarchen, ja oft wurde er auch nur gewissen Erzbischöfen 1 rtheil. t. ohne daß sie dadurch einige Gewalt über andere Erz. bischöse erhalten hat!en. Patriarchalisch, ustj. e, sstv. dem Patriarchen ähnlich, ihm ge, hörig, in dessen Würde gegründet, in beyden Bedeutungen des vorigen Wortes; wofür von einigen auch xatnarchisch gebraucht wird. Das Patriarchat, des —cs, ftlur. die—e, aus dem Mittlern Lat. l*striarcliL us, die Würde, die Stelle eincsPatriarchcii, in der zwcyten Bedeutung. Ingleicheu dessen geistliches Gebieth, dessen K rchsprengcl. Die Patrice, S. p a tri; e. Der Patriot, des—en, plur. die— en. i) In der engsten Bedeutung, eniePerson welche das allgemeine Beste auch zum Nact'lhi'ile ihres eigenen B^len befördert, welche die allgemeine Wohlfahrt ihrer eigenen vorziehet. 2 ) I» weiterer Bedeutung wird dieses Wort oft sehr gemißbraucht, rüdem man schon eine» jeden, weicher eine parreyische oder auf Nebenumstälide gegründete Liebe füricin Vaterland, oder seinen Wohnort ducken lasset, und dessen auch parteyische Ln bc gemeiniglich nur auf der Zunge wohnet, oder welcher gar seinen eigenen Vortheil ustter dem Scheine des allgemeinen Besten sucht, einen Patrioten zu nennen pflegt. Es ist aus dem mittler« Lat. ^Litriota, welches eigentlich einen Elngeborneu eines Landes bedeutet. Mau hat statt dieses fremden Wortes das veraltete Biedermann vorgeschlagen, welches aber dessen Begriffin keiner von beyden Bedeutungen erschöpfet. patriotisch, —er, —te, sckj. et v. einem Patrioten ähnlich, gleich, in dessen eigemhüml-chen Art zu denken und zu handeln gegründet ; in beyden Bedeutungen des Hauptwortes. Die patrrze, plur.die—n, aus dem Latein, s^utrix , bey den Schtif rgießern, der links in Stahl geschnittene Buchstab, welcher hierauf 6/Z Pat hieraufin Kupfer geschlagen Niro, und dadurch die Matrize bildet. S. Patrone. ^.D-epatrölle, plur. die — n, das z-erliche mit einem Quasie versiherieLand an der Trompete; ein aus dem Franz. Lancke- , rol verstümmeltes Wort. S. Die patrölle, oder patrüfle, plur. die —n, die umher geherrde Soldatenwache, um die oss urliche Ruhe und Sicherheit zu unterhalten. PatrolliN ausschicken. Daher patrollircn, oder parrnlliren, zur Beförderung der öffentlichen Sicherheit herum gehen , von solchen Wachen. Zngleicheir, im gemeinen Leben, figürlich , emsig und geschäftig umher gehen. Anni. Es ist wie andere Kriegs - und Soldatenwörter aus dem Franz Patrouille und patroullier, Jtal. patru^'A, cmleh. net. Frisch leitet es sehr unwahrscheinlich von patronus her, weil eine solche Wachr- der Schutz der Straffen ftp. Wahrscheinlicher ist das alle Deutsche und noch jetzt Niederst padden, pedden, treten, oft treten, beizhaft einher gehen, im Salischen Gesetze daltioe, das Stammwort, zu dessen Geschlechts auch die Lat. Peters rmd vaäere gehören. S. auch Pfad. Der Patron, des — es, plur. die—e, Fämin. die patroninn, aus dem Lat. Patronen. istEin Schntzherr, ein Beschützer; doch nur noch in einigen Fällen. In der Römischen Kirche wird der Heilige, desscnSchutze eineKirche oder ein Stift besonders empfohlen ist, und nach welchem ste auch gemeiniglich genannt werden, deren oder dessen Patron, oder wen» es eine Heilige ist, die Patronen genannt; der Schutzheilige, die Schutzheilige. Ehedem nannte mau solche Heilige den Zauptherren, dcm Hausherren, die 6 >lisfrau, von Hans, eiw heiliges Haus, das Gotteshaus. Im gemeinen Leben nennt mcu: noch einen jeden, besonders Höhern und Dornehurern, der unser Bestes aus Wohlwollen befördert, ,einen Patron, wofür man jetzt in der archändigern Sprechart. lieber das Wort Gönner gebraucht. 2) Der Eigen- lhumsherr, Eigcnthiimer; gleichfalls nur noch ineuügen Fällen. Der Eigenthümer eines Sch.sses hciffr ans den Deutschen Schiffen gemeiniglich der Schissspatron oder nur Patron schlechthin. Im mjtll. Lai. b.etronus vavlS. In weilererBedcutnng heißt auf dem mittclländ. Meere auch derjenige, welcher die Aufsicht über das Sch-ff und dessen Ladung hat, der Schiffer, der Schissspa- tron, oder Patron schlechthin. Im gemeinen Loben nennr der ' Miethmann seinen Mielhhcrrn den ^ausparron. Z) In engerer Bedeutung wird der Lehensherr über geistliche Bedienungen, oder derjenige, welcher das Recht hat die Stellen an den Kirchen und Schulen zu vergeben, der Patron genannt; im Mittlern Lat. paeronus. Das Patronat, des — es, plur. die — e, aus dem Mittlern Lar. katronatu 8 , in der letzten Bedenruug des Wortes Patron, das Recht, die Stollen an den Kirchen und .Schulen zu besetzen, dasLohensrocht über geistlich. Stellen ; das Patronat- Recht, die Lollatur, und mit Deutschen Ausdrücken, der lkstrchensatz, das Birchcnlehen. das pfarrlehen, S. daslctznce. üpie Patrone, plur. die—N eilt noch in verschiedenen Fällen des gemeine!: Lebens übliches Wert. ') Ein Modell wirr noch bcy- verschieoenen Handwerlern eine Patrone genannt. 2) N ch häw figcr werden b'ky den künstlichen Webern die gezeichneten Muster, woruach sie weben, Patronen gewinnt, welchen Nahmert auch die Z.ichnungcn bekommen, wornach die Formenschnerder ihre Formen schneiden.Auch die papierncnMnfter dcrSchi'.cidcr und Piltz- macherimien bekommen diescn.Nahinen; wenigstens hnfft ei:: solches Muster in Frankreich ka-rov. Z,r Nnderfachsen führe l cs den Rahmen paud- .8) In dem heungrn.i' riegswestn :st die Patrone nicht nur dap Futur zu einem Schüsse, sondern auch-der ganze Schuß selbst, so weh - zu dem großen als kienicn Gewehre, Adel.W.B. Z.Th. 2.Aust. P a t 674 sofern er sich in einem hohlen Cylinder von Papier, Blech, Holz u. st st befindet. Anm. Dieses Wort ist ans dem Franz, Patron entlehnet, und auch im mittler« Lat. kommt katronuL von einem Muster oder Verbilde vor. Die Übereinstimmung des Klanges mit dem vorigen Patron ist hier allem Ansehen nach nur zufällig, indem dieses Wort,so wiepai iix und patri';e, zu dem alten batten, patten, Franz Katti e, schlagen, zu gehören scheine-, weil das Modell, in , welcher Bedeutung es ehedem häufiger war, in manchen Fällen in eineweichere Materie abgeschlagen oder abgeformct wird. Die patrize der Schriftgießer ist in derThat auch eine solchepatrone, welche hernach in ein weicheres Metall abgeschlagen wird, um die eigentliche Form zu bekommen. (S. auch patschen.) Von diesen z,un Abschlagen bestimmten Modellen haben hernach alle Muster diesen Nahmen bekommen. Zm Oberdeutschen ist es männlichen Geschlechtes, der Patron, welches denn dem Franz, palroa näher kommt. Die patröntäsche, plur. die—n, einelcderne Tasche der Soldaten, welche ste an einen breiten ledernen Riemen über der Schulter hangen haben, die Patronen zu dem kleinen Gewehre darin zu verwahren und bey sich zu führen. Patsch, eine Jntecjection oder doch ein «nabäüderliches Wort, welches den Schall nachahmet, den gelpisse Körper mi Schlagen und Fallen auf andere von sich geben, und Lin gemeinen Leben noch häufig vorkommt. Patsch! da lag es. sagt man daselbst Voit einem Kinde oder andernDinge, welches plötzlich hinsällt. Patsch! da hatte er eins auf das Maul, von jemanden, welcher eine Maulschelle bekommt. Auch den Laut, welchen das Gehen oder Treten im Wasser verursacht, ahmet man mit diesen: Worte nach, daher im gemeinen Leben auch Parsch naß so viel als über und über naß ist. Von diesem unabänderlichen Laute hat man in den niedrigen Sprecharteu auch das Hauptwort der patsch, des — es , plur. die — e, einen Schlag, besonders mit der flachen Hand, zu bezeichnen. S. die folgenden. Die patsche, plur. die — n, Diminut. daspatschchen oder pätschchen. ein auch nur im gemeinen Loben übliches Wort. 1) Ein Werkzeug zum Schlagen, in einigen Fällen. Die Strohdachdecker haben eine solche patsche, deren ste sich bey dem Decke,» bedienen. In einigen Nieder-sächsischen Gegenden heißt das Ruder ans eben dieser Ursache eine Patsche. Auch ein breites ebenes schweres Holz an einem schiefen Stiele, womit die auS Lebin bereiteten Tennen fest geschlagen werden, ist auf dem Laube unter dein Nahmen wirrer patsche bekannt. (S. auch Pausche!, Peitsche, Batzen und possekel ) 2) Der Oer, woran etwas lchiägt. Zn diesem Verstände heißt in den Salzwerkeu die Mauer an der Salzpfanne, woran dasFeuer schlägt, die patsche oder pirschte. 3) In der tändelnden und vertraulichen Kindersprache wird die Hand diepatsche, die parschhand, und im Diminut. daspatschchen, das pätschchen, das Patschhändchen genannt; gewiß nicht von dem Ztal. baLciarr-, küssen, wie Frisch wilk,*wcil gemeiner Leute Kinder die Hand erst zu küssen pflegen, ehe sie solche zum Willkommen darrcichen, denn wie wäre der große Hanfe zu dem Jtaliäiirschen gekommen? sondern gleichfalls von diesem Schalle, welchen der Handschlag ben dem Willkommen macht. Schmerzt nicht das arme parschchcn dir? Weiße. Gib mir einmahl dein liebes parsch- chen ebcnd. M lassen sie mich geschwind die weichen rued- lrchen Patschcpen kchssn, ebcnd. S das folgende. patschen, verb. ro-Z. welches nur im gemeinen Le-sn üblich ist, wo es in doppelter Gestalt vvrko,uwt. 1) Als ein Neutrum, mit den: Hülssworte haben, den Lank Parsch! von sich geben, vernesachon/ pon En Dingm, welche U u LmMr« Pat denselben hervor bringen können. Es regn-k, daß es patscht- Er fiel hin, daß es patschte, wir Horen cs patschen. 2) Als ein Activum, diesen Laut hervor bringen, da es denn auch im gemeinen Leben diejenigen Handlungen bezeichnet, welche mit einem solchen Laute verbunden sind. Ein Rmd patschen, cs mir der flachen Hand vor den Hintern schlagen. Die Tenne patschen, sie mit der breiten Patsche fest schlagen. Im Wasser patschen, mit den Füßen in dem Wasser herum gehen, wofür man auch die Diminut. pa-rscheln und paddeln hat. In dem Drecke patschen, in dem Koche herum gehen« Asim. DiesesWort stammet von der vorigenJnterjection patsch her, und ist zugleich ein von der Natur selbst gebildetes Jntensivum von dem alten baren, batten, schlagen, welches einen ähnlichen aber nicht so zischenden Laut ansdruckt. Da diese Wörter, wie so viele andere, unmittelbar nach der Natur copiret worden, so darf man sich auch nicht wundern,daßman sie in allenSprachen antrifft, ÄiejenigenHandlungen auszudrucken,welche mit diesemSchalle verbunden sind. Zu unserm Zntensivo gehören das Dän. Bask, ein Schlag, und baske, schlagen, unser peitsche, pänschel- panschen und Batzen,dasEngl.topasb, quetschen, und Kuss, einKuß, das Jtal.baleiare, küssen,imNiederstpussen, dasGriech.V-«-r«o-a'«v, , schlagen, und hundert andere mehr; zu deM einfachern batten aber das Franz, ba.tt.re, das Angelsächs. beatau, das Wallis. bae66u^ das Lat. batuere, schlagen, das Rieders, pedden, gehen, treten, Lat. petere, v ackere,nebst unzählig andern mehr. Die patscherpe, plur. die—n, ein Nähme, welchen im gemeinen Leben einiger Gegenden zweyerley Früchte nud die Gewächse, welche sie tragen, bekommen, i) Die vogelkirsche, Lrunus Lackus I-. welche an andern Orten auch Scherbche undScherbke genannt wird. 2)Der Schlingbanmund dessen Frucht, Vibur- uum l^autava lb,. welcher auch Papstwiede heißt, in vielen Gegenden aber unter dem Nahmen Parscherpe, Petscherpe und Scherpe bekannt ist. In bepden Fällen ist das Wort vermuthlich Wendischen Ursprunges. Der Pätschfüß , des — es, plur. die — fuße, vey einiget! Schriftstellern desThierrciches.ein Neahme derjenigenVögel,deren Vorderzehen mit einer starken Haut verbunden sind,welche sie zum Schwimmen geschickt machen, wohin denn alle Wasservögelgehö- ren. Der Nähme rühret von dem Laute her, welchen diese Vögel entweder im Gehen auf der Erde, oder auch im Schwimmen im Wasser machen. (S. Patsch und patschen.) Klein nennet sie im Latein, Llotusrmd im Deutschen plott, S. dieses Wort. Die patschhand, plur. die--. Hände, Diminut. das Patschhändchen, S. Patsche Z. Patzig, —er, —fte, ackj. et ackv« welches nur in den niedrigen Sprechaeten, besonders Nieder-Deutschlandes, üblich ist, 'im Reden stolz und trotzig, patzig thun. Ein patziger Mensch. An andern Gegenden ist dafür pratzig und protzig üblich. Die pauke, plur. die—n, ein hohles, rundes, mit einem Felle bespanntes musikalisches Werkzeug, welches einen hohlen dumpfigen Schall von sich gibt, wenn es geschlagen wird. In diesem Verstände belegte man ehede^r auch unsere heutigen Trommeln mit dem Nahmen derpallken, sowie die Pauken auch oft Trommeln, und um ihrer halb runden Gestalt willen Nesseltrommeln genannt . wurden. Von dieser ehemahligen weitern Bedeutung rühret es such her, daß m-an ein hohles cylindrischcsGefäß, worin derKaffeh gebrannt oder geröstet wird, so wohl eine Rassehpauke als auch eine Raffehtrommel und oft nur eine pauke oder Trommel - schlechthin zu nennen pflegt. Jetzt gebraucht man dieses Wort nur -m engerer Bedeutung, ein gemeiniglich kupfernes, zuweilen aber Euch silbernes, halb rundes musikalisches Werkzeug zu bezeichnen, welches auf-der.offeuen Seite mit einem Felle bespannt ist, - Pau 676 wenn es geschlagen wird, einen starken dumpfigen Schall von sich gikN; zum Unterschiede von einer Trommel. Eine solche Pauke nannte man ehedem, auch znm Unterschiede von den Trommeln und wegen ihrer halb rnnden kcsselartigen Gestalt auchAesselpau- ken , mit welchem Nahmen sie auch noch jetzt zuweilen beleget werden. Heerpanken, so fern sie bey den Kriegsherren gebraucht' werden. Die pauken schlagen. Der pauke ein Loch machen, figürlich und im gemeinen Leben, der Sache ein Ende machen, ihr den Ausschlag geben. Ich muß der Pauke nur ein Loch machen, damit ich weiß, woran ich bin, Lcss. Anm. Im Dberd. ehedem Puk, pawk, Bö'k, die Raukel, und mit dem eingeschalteten n Bunge, Bunke, im Schwed. Lu- kor, und selbst im Pers. Lik. S. das folgende. Pauken, verb. reZ. act. et ueutr. welches im letztem Falle da§ Hülfswort haben erfordert, und eigentlich den hohlen dumpfigen Schall hervor bringen bedeutet,welchen diesesZeitwort nachahmet. r) Überhaupt schlagen; doch nur von dem Schlagen in solchenFäl- len,in welchen dadurch ein solcher Schall verursacht wird. Daher gebraucht man es im gemeinen Leben zuweilen noch für prügeln. Jemanden weidlich pauken. (S. auch Arschpauker.) 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, die Pauken schlagen. Du sollt noch fröhlich pauken und heraus gehen an den Tanz, Jer. z 1, 4. Daher das Pauken. Anm. Dieses Zeitwort ahmet den Schall, welchen es bezeichnet,- genau nach. Sogar imFinnländsschen ist paucuu dumpfig tönen, Lauckina ein dumpfiger Ton, und Lanke ein starker dumpfiger Schall. Das Niederst pauken bedeutet daher auch mit hohlem Munde reden. Das Niederst hakern ist ein Jntensivum von einem veralteten Zeitworte backen, welches einen ähnlichen aber nicht siz dumpfen Ton ausdruckt. S. auch pochen, welches gleichfalls genau damit verwandt ist. * Das paukenwerk, des—es, plur. iouf. ein ungewöhnliches nnr Ezech. 28, 1 z befindliches Wort, alles zur Schlagung der Pauken nöthige Geräth zu bezeichnen. Der Pauker, des — s, plur. utuom.si.HF. derjenige, welcher die Pauken nach der Kunst zu schlagen weiß, und dessen Amtes ist, sie zu schlagen; in einem alten Vocabulario von r 47 7 der Buckeler. Der Pausback, S. Bausback. Der Pausch, oder die Pausche, S. Banfch. Der pauschel, des—-s, plur. ut vom. 6uZ. ein nur im Bergbaue übliches Wort, einen schweren Hammer von oft zo bis 4oPfu»d zu bezeichnen,welcher bey dem hartenGesterne gebraucht wird. Der (Drtpäuschel, so fern der Bergmann denselben vorOrt .gebraucht. Von dem folgenden Zemvorte panschen, schlagen, und cher Ableitungssilbe — el, ein Werkzeug. In einigen Gegenden -heißt er der pauschschlägel. 1. Pauschen, anfschwellen, S, Bauschen. .2. Pauschen, verb. rsF. act. welches schlagen bedenket, aber nur noch am häufigsten im Bergbaue üblich ist. Er; panschen, oder panschen, es zerschlagen, zersetzen. Die Schlacken panschen, sie klein schlagen. Figürlich ist panschen daselbst auch zuweilen so vjel als schmelzen, ausschmelzen. Ausgepauschte Schlacken, welche .schon mehrmahls durchgesetzt, d. i. ausgefchmelzet worden, so daß kein Gehalt mehr darin ist. Es ist gleichfalls eine Nachahmung einesSchalles, von welchem patschen einen stärkern härter» Grad ausdruckt. In der Bedeutung desSchmelzens, worin es mit dem Wendischen puleberu und pausktjsti, ausdrucken, auslassen, überein kommt, ist cs ohneZweifel eine Figur der ersten Bedeutung indem die Zeitwörter schlagen und durchschlagen in ähnli che u Fälble» gebraucht werde«!. 6?8 Der pauscht, bey den Papiermachern, S,. Busche. Die Pause, plur. die—n, die Unterbrechung einerVeranderung, dasAujhörc», der Stillstand in derstlben ; in welchem Verstände es zunächst in der Musik gebraucht wird, den Verzug in der Musik und dessen Zeichen auszu.drucken. Zn weiterer Bedeutung aber auch von einer jeden Unterbrechung" einer Veränderung und der Zeit, welche sie dauert. < Mir ward die Pause selbst zu lang, Drum forderte ich meinen Gang, Michal. Anni. Schon bey dem Hornegk paws, im Rieders, paus, wo auch pausen anfhören, auf eine Zeit lang anfhören, ist. Es ist f allemA»sehen nach ein alterSeitenveewandter von demLat.k'aulZ, Griech.Franz. Lepo8, weil die gemeinen Mundarten dieses Wort noch in einem weiternUmfange der Bedeutung haben, als die Hochdeutsche. Das Rieders, poos und Pose bedeutet eine jede unterbrochene Dauer. Bep Posen, mit Absätzen, mit Zwischenzeiten. Daher auch der Paroxismus einer Krankheit daselbst pose^enannt wird. Eben so ist im Bergbane Pose, Puse, Buse, Buße, eine Arbeit, welche nicht ununterbrochen, sondern nur ruckweise, mit verschiedenen Zwischenzeiten getrieben wird. Auch ein Theil der Schicht wird daselbst Bose genannt, deren gemeiniglich drey, zuweilen aber auch nur zwep aufeine Schicht gcrechnetwer- den. Frisch lasset cs in diesem Verstände von dem Rieders, verpusten, verschnaufen, von der Arbeit ausruhen, abstammen. Allein unser Panse hat einen nähern Anspruch darauf. Vermuthlich gehöret auch das Meklenburgische, mit jemanden pruß scpn, aus- gejohnetseyn, hierher. S. pauflren. Pausen, aufschwellen, S. Bausen. Pausrren, verb. reZ.veutr. welches das Hrilfswort haben erfordert, und erst m den neuern Zeiten aus dem Jtal. pLulare, oder dem Mittlern Lüt. pLulnre entlehnet ist, eine Zeit lang aufhöreu eine Handlung zu verrichten. Besonders in der Musik, eine Zeit lang schweigen. Die älter» Deutschen gebrauchen dasürdas nun veraltete pausen. Pausten, verb. reZ. uct. etveudr. welches im letzter» Falle das Hülsswort haben bekommt, und dasJutensivum von pausen oder vielmehr bansen, aufschwellen, ist, sehr aufschwelletl und sehr auf- schwellen machen. Es kommt in der anständigen Sprcchart dev Hochdeutschen nur selten vor. Die Taschen pausen, bausen, oder pausten, wenn ste voll gestopfet sind, und daher absteheu. Die Backen aufpansten, aufblasen. (S. Bausback.) Daß ihr nur paustet Worte, die mich verzagt machen sollen, Hiob 6, 26; wofür es bey Michaelis heißt, die Worte eines verzweifelnden gehen in die Luft, vor Fett pausten, schnaufen. Anm.Im Rieders, wird pusten für blasen überhaupt gebraucht. Im Schweb, bedeutet pöls, und imFinnländ. pLiluu gleichfalls aufschwellen, und im Jtal. paulLre pausten« DieLat. Luftr!» und Luliula, eine Blatter und Blase, gehören, wie schon Zhre an- merkt, gleichfallschahin» Übrigens sind bansen, pausen, bauschen und pausten lauter Wörter, welche denSchall des Blasens und dadurch verursachten Aiifschwcllcns genau ausdrucken. Dle pautkebeere, plur. die—n, eine nur in einigen Gegenden, z. B. in Preußen, übliche Benennung der Bratzbecren oderThan- beeren, LuburLliLwiLemorusL. welche denBrombeeren gleichen und nur in den nordischenLändern in nasscnGegendcn wachsen. Die paveöette, plur. die— n, eine Art zahmer Tauben, welche rin großes steischigesGewachs auf derNase und rolheAugeit Habens d!eBrieftalibe,Lv1uml)n!ab6l!3! inl^/s/n.wciksiewegeit ihres starken Fluges zum Briestragcn am geschicktesten ist. Im Rieders, lautet dieses Wort pavcdettc, povedette, pawedette, paüdctte- Der Nähme scheinet Französisch zu seyn, obgleich diese Tauben iM Zeatlz. am hänsigsten Lo uirerä genannt werden.. Der Pavian, S. Bavian« Die Pavle, plur. die — n, bey den Gärtnern, rin auSdem Franz. Lnvie entlehnter Rahme der rauhen Pstrschen, bey welchen der Kern am Fleische fest sitzet. Der Pavillon, (sprich pawilljong,) des—s, plur. die — s, aus dem Franz. Lavill or>, ein Dach, welches von allen vier Seiten gegen die Mitte zu spitzig zusammen läuft, und ein Mit einein solchen Dache versehenes Gebäude. Ferner ein Zelt mit einem stumpfen Dache, und ein ähnlicher Himmel über ein Bert. Zn- gleichen einSommerhaus mit einem runden Dache, in Gestalt eines Gezeltcs. Dieses Wort ist schon in den mittler» Zeiten ans dem Französischen entlehnet, aber auch häufig mpaulun verstellet worden, wovon Frisch einige Beyspiele curs Niedevfächstschen Schriftstellern anführet. Bey andern kommt dafür Bawelin vor; alle in der Bedeutung eines Thronhimmels. Dav Pech, des—es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die — e, ein festes Harz, welches, wenn man es angreift, an den Fingern klebet, (S. Bergpcchund lludenpech.) In engerer und gewöhnlichererBedeutung, ein geläutertes und bis zu einer gewissen Conststenz eingesvttenesFichten- oderKieferharz^ welches fchwarzbr«un von Farbe und fester als derTheer ist. Das Waldpech, welches auch nur das Pech schlechthin genannt wird, und dasPech ist, so wie es indem Walde aus dem Harze geläutert oder aus den Kienssöcken gebrannt wird, zum Unterschiede von dem Schusterpeche, welches aus Harz und Talg bestehet. Ein Bier lieget auftpech, wenn es in ausgepichtenFässeru aufbehalten wird. Sprichw. wer Pech angreift, besudelt stch, welches jchon Sir. i Z, » vorkommt. Ehedem pstcgte man auch das Harz selbst, noch ehe es gesotten worden, Pech zu nennen, S. pechrinne, Pechholz u. s. s. . Anm. Schon bey dem Oltfried L«b, imSchwabensptegel ckaL Lecll, im Rieders, dar pick, im Angels. ?ic, il» Engl. im Wallis. k/F, im Dän. Bceg, im Schweb. Keck, im Island. Lik, im Bretagnischen kec.imFranz.b'oix.im Ir-.lftecciL, Lece, ketzvtla, imLat. Lix, im Griech. »ra-o'« , in; Slavon. kekul. Es stammet von dicken, bacten , ab, welche - noch im gemeinen Leben üblich sind, und kleben bedeuten, wegen devkleberigen Eigeilschaft des Peches. Bey dem Ottsried bedeutet Leclie die Dunkelheit, Schwärze, Finsternis;, wo es aber auch von einem andern Stamme seyn kann. (S. pechschwarz.) In einigen obgleich wenigen Gegenden ist es männlicheuGeschlechtts, der Pech. Der Pechbaum, des — es, plur. die —biftune, in einigen Gegenden einNahme dergemeinellAiefcr,Linu8 l^lvellris welche auch Nienbaum und Fohre genannt wird, aber mü der Pechtanne nicht verwechselt werden muß- Die Pechblende, plur. doch nur von mehrern Arten, die —n^ im Bergbaue und in der Mineralogie, eine Dwarze Blende mit klaren und dünnen Blättern; zum Unterschiede von der großblätterigen Hornblende. Bcyde halten Zink, zuweilen auch Silber. Der pöchbvennsr, des—e, plur. ur uoni. llnZ. derjenige, dessen vornehmsteBeschäftigung darin bestehet,Pech aus demHar- ze oder den Kieirstöcken zu brennen; der pechhaucr, im Oberd. Pechler, pechcr, Pecherex. S. auch Hnrzscharrer. Der Pechdraht, des — es, plur. von nrehrern Arten, die—e, mehrere zusannnen gedrehte und mit Schusterpech bestrichene Fäden, so wie sich die Schuster ihrer zum Nähen bedienen; Rieders. Pckedraht- Peche«, verb.reA.aot. r) Pech brennen, Pech machen; im Oberd. pichle«. Auch das Abscharven des Harzes um Pech daraus zu brennen, wird zuweilen pechcn genannt. 2) Mit Pech bestreichen e-der überziehen; wofür doch pichen üblicher ist. U 2 L Dex 679 Pech Derpecher. des —s, plur. ut vom. IlnZ. S. Pcchbrennev und Harzscharrer. Daspecherz, des —es, plur. doch nur von mehrern Arten, die — c, im Bcrgbaue, ein schwarzes, glänzendes Kupfererz, welches dem Peche, oder einer Schlacke ähnlich sichet, und ein mit Schwefel und Eisen vercrztes Kupfer ist. Das poröse Pecherz wird im Harze Rupferknoten genannt. DiepechfaEel, plur. die—n, eine mit Harz, Pech und Wachs überzogene Fackel, welche außer sechs Strickdochten auch noch ein Kienholz in der Mitte hat; zum Unterschiede von den wachs- fackcln. Die prchstechte, plur. iuus. in der Botanik, eine Art Flechte, deren schwärzliche Farbe dem Peche ähnlich ist, und welche auf den Schwedischen Klippen wohnet; lüelisu Ü^Aius L,. Die pöchhaube, plur. die—11, eine inwendig mitPcch bestrichene Haube, oder Mütze, womit man zuweilen die ausgeschlagenen Köpfe zu heilen pflegt; dicpcchkappe, Pechmütze. Der Pechhauer, des — s, plur. ut vom. ÜUZ. Siehe Pech- brcnner. Das Pechholz, des — es, plur. die—Holzer, im Forstwesen. r) Ein jedes Holz, aus welchem Pech gebrannt werden kann, wo der Plural nur von mehrern Arten üblich ist; Harzhol;, Nadelholz. 2) Ein mit solchen Bäumen bewachsenes Gehölz; das Harzholz, Nadelholz, Tangelholzschröarzes oder finsteres so!;. Die Pechhütte, plur. die—n, eine Hütte oder ein Gebäude, in einem Walde, in welchem das Harz zu Pech gebrannt wird. pechicht, — er, —ste, ach. stack v. dem Peche äbnlich. pechig, ach.: et. ack v. Pech enthaltend, mit Pech beschmieret, oder besudelt. Sich pechig machen. Die Pechkappe, plur. die — n, S. Pechhaube und pechmütze. Die Pechkerze, plur. die — n, eine aus dem schwarzenUnschlitte, welches zuletzt aus den Grieben gebrannt, und zuweilen auch Pech aenannt wird, gezogene Kerze, welche zu geringen häuslichen Verrichtungen gebraucht wird; das Pechlichk. Die Pechkohle, plur. die — n, eine Art Steinkohlen, welche fett und fest sind, dem Peche gleichen, und einen groben Schwefel, nebst einer reinern Thoncrde erhalten, Schimedekohlen, weil sie vor andern zur Schmiedearbeit gebraucht werden, Glanzkohlen, weil sie auf dem Bruche glänzen, Fettkohlen, Harzkohlen; zum Unterschiede von den schlechtern Lach- oder Schieferkohlen. Der Pechkranz, des —es, plur. die — kränze, aus brennbaren Materien geflochtene und mit Pech und Harz überzogene Kränze, welche man des' Nachts in eisernen Pfannen zur Erleuchtung anzuzünden vflegt. Man bedienet sich ihrer auch im Kriege, Häuser und Gebcurde damit anzuzünden. Die pechkrüEe, plur. die — n, eine hölzerne Krücke, wonnt die Böttcher bey dem Ansuchen der Fässer das brennende Pech in dem Fasse verbreiten. Die pechkugel, plur. die — n, bei) den Goldarbeitern, ein runder Pcchklumpen aufciner metallenen oder eisernen Halbkugel, die getriebene Arbeit daraufzu verfertigen; der Pcchklumpen, das Treibepech. Der pechler, des — s, plur. ul vom. liuA. S. Pechbrenner. Die Pechmütze, plur. die—n, (S. Pechhaube.) Auch die kleineu schwarzen Mützen, welche man vor Einführung der Pcrrücken unter dem Hute trug/wurden, vielleicht wegen ihrer schwarzen e Farbe, pechmutzen und Pechkappen genannt. ptur. die — n,eine Art wilder Nelken , welche aufden trocknen Wiesen des mitternächtigen Europa wachset; L^Llmis vllcaria Ped 6Zo Devpechofen, des—s, plur.öie— öfen,ekn viereckiger Oft« in der Pechhütte, in welchem das Harz in besonder« Töpfen zu P^ch gebrannt wird. Das pechohl, des —es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die —e, ein Öhl, welches mit Wein aus dem Peche destillieet, und für ein wirksames Mittel in den Krankheiten der Nerven und Gelenke gehalten wird.* Die Pechpfanne, plur. die—«r, eine eiserne'Pfanne, in welcher man des Nachts Pech oder Pechkränze zur Erleuchtung offener Plätze zu brennen pflegt. Das Pechpflaster, des — s, plur. ul uom. 6 uZ. ein aus Pech bereitetes, mit Pech vermischtes Pflaster. Die pechrinne, plur. die — n, im Forstwesen, der Ort in einem Harzbaume, aus welchem das Pech oder Harz riuuct. Jngleichen das in einem Harzbaume eingehauene Gränzzeichen , wenn solches mit Harz ausgcfüllet worden. Die pechscharre, plur. die — n, S. Harzmcssep. pechschwarz, ach. st ackv. so schwarz wie Pech, besonders im gemeinen Leben, wo essehr häufig intensive für sehr schwarz gebraucht wird. Der pechftein, des— es, plur. die — e, eine in der Gegend Luc Stadt Meißen bey Milditz und Schlettau befindliche Steinart, welche ein verhärteterLecten zu ftyn scheinet, und zwischen dem Serpentin und Jaspiß in der Mitte stehet, aber noch nicht genug untersucht ist. Sic ist weißlich, gelblich, roch, grün, bunt u. s. f. von Farbe. In Schlettau, eine halbe Skunde von Meißen, werden fast alle Häuser aus diesem Steine gebauct. Die Pechtanne, plur. die — n, in einigen Gegenden ein Nähme der eigentlichen Fichte, kftous^bies picea welche auch. Rothtanneund Harztanne genannt wird, und das meiste Pech oder Har; gibt, S. Fichte. Die Pechtonne,plur. die — n, ein mit Pech und andern brennbaren Materien angefülltcs Faß, welches in der Nachtzeit ange- zündetwird, in unruhigen Zeiten Signale damit zu geben. Der Pechtorf, des — es, plur. doch nur von mehrern Arten, die —e, die beste Art des Torfes, welche schwarz, dicht und schwer ist, und aus einem mit Erdöhl durchdrungenen Gemenge von Gartenerde und Wurzeln bestehet; zum Unterfch iede von dem Blättertorfe und Papiertorfe. Das Pedal, des—es, plur. die—e, aus dem Lat. kss, peckis, dasjenige Clavicr an einer Orgel, welches mit den Füßen gespielet wird; das Fuß-tlllavier. Es soll im i Ztcn Jahrhunderte von einem Deutschen, Nahmens Bernhard, scyn erfunden worden. Der Pedant, des — en, plur. die — en, Fämin. die pedanwni, ein Gelehrter, und in weiterer Bedeutung, eine Person, welche Kleinigkeiten als wichtige Dinge ansiehet und vertheidiget. Im weitesten Verstände nennet man jeden Gelehrten ohne Geschmack und Sitten einen Pedanten, worunter denn auch die Pedanten der vorigen engern Bedeutung begriffen sind. Franz, l^eckant, Irak. I?ec!ante. Daß dieses Wort in den Mittlern Zeiten aus irgend einem Latein, gebildet worden, ist wohl gewiß, ob sich gleich der rechte Stamm bisher noch nicht mit Gewißheit hat wollen ansfündig machen lassen. Frisch leitet es sonderbar genug von dem Lat. puckere her, ohne Zweifel,so fern der Mangel der Sitten sich bey Pedanten oft nur zu sehr auszeichnet. Nach dem Ferrarius flammet es von eckaueug ab, und bedeutet lVIaAillruin pscka- neum,d. i. einen Unterschulmeister, welcher bey den Römern nichtaufdem Katheder'faß, sondern stehend lehren mußte. So viel ist gewiß, daß dieses Wort zuerst vonSchulmäunern gebraucht worden, welche einest übertriebt nbn Werth auf ihre Schulgelrhe- samkeit legen, und im verächtlichen Verstaube auch Gchuifüchft genannt werden. Im mittlernLat. ist peckaasuL^uckex ein Unterrichtet, Hi -Ped ttrrichter, «nd peöaneÄ Laut» eine geringe, unerhebliche Sache. ^ Die peö«nterey, xlur. di- — en, das Betragen eines Pedanten, besonders die Erhebung unnützer Kleinigkeiten als wichtigcrDinge aus Mangel des Geschmackes. pedantisch,— er, —te,ach. et aä v. einem Pedanten ahnüch, in dessen Eigenschaft gegründet. Der Pedell, des —en, plur. die —en, aus dem Mittlern Lat. keckeUus, ein Gerichtsdiener, welcher die Parteyen vor Gericht fordert, welchen Nahmen derselbe noch bey verschiedenen Civil- - und Eriminal-Gecichten, z. B.bey dem Stadt- und Landgerichte zu Erfurt, führet. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung werden die Diener der Universitäts- Gerichte, welche die Parteyen vor Gericht laden, Pedellen genannt. Weil dieses Wort im Mittlern Lat. auch LeckeUus, La 6 e 11 us, Li 6 elius, Franz. Le- ckeuu und LeckeLu,Jtal.Lickeiio, lautet, so glaubeit die meisten Wortforscher, daß es im Mittlern Lateins aus uuserm Büttel, welches ehedem in eben diesem Verstände gebraucht wurde, und von biechcn abstammet/ gebildet, und in dieser ausländiichen Gestalt Wieder von den Deutschen angenommen worden. Allein, warum sollte cs nicht ebenso gut von Les, peclin, Herkommen können, als ksclilss(iuu 8 , welches schon bey den Römern einen Lackeyen bedeutete, da es doch eine ihrer vornehmsten Obliegenheiten ist, dem Richter uachzuteeten, um dessen Befehle zu vollziehen? L^ckeUu 5 , LicleUus, Lacksriu? u. a. m. können hcß- wegen immer aus Boche oder Büttel gebildetseyn. Die peUketafe!, S. Bcilketasel. Die Pein, plur. car. i) *Mühe, Arbeit; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, welche noch im Niederst angetroffen wird, und woriil es mit dem Franz, peius, dem Griech. vovoz, und dem Alban, kuua überein kommt. 2) Der höchste Grad der Unlust, es sey rmu körperlicherSchmerzcn oder auch der Uistust des Gemüthes; wie Marter und Slnal. Pein empfinden, leiden. Jemandes Pein lindern. Jemanden allcrley Pein an- thun. Wenn dli wüßtest, was das für eine Pein ist! Die Hollenpein. Im gemeinen Leben werden die Mageuschmerzen, Kopfschmerzen, Zahnschmerzen u. s. st häufig Magenpem, Ä opf- pein, Zahnpcin genannt. Auch die Tortur war ehedem unter dem Nahmen der Pein bekannt; in welcher Bedeutung es aber wenig mehr gebraucht wird. Z) *Die Strafe; eine gleichfalls veraltete Bedeutung, in welcher ehedem auch der Plural üblich war. Bi sodanen Pinen, bey solchen Strafen, bey dem Frisch aus dem i 4 teu Jahrhunderte. Mau hat dafür in einigen Gerichten nach- mahls das Wort pön aus dem Lat. Poeua entlehnet, vermuth- lich um die Zweideutigkeit mit der vorigen Bedeutung zu vermeiden. Anm. In der zweyten Bedeutung schon bey dem Ottfrird plu, bey dem Notker Lina, Linon, im Niederst Pin, im Schwed, kiua, im Angelst Lio, im Engl. kuin, im Franz, psioe, im Griech. Es ist gewiß nichtaus dem Lat. posna entlehnet, wiewohl das spätere Pon, sondern vielmehr einSeicenverwandter desselben, weil man sonst anfiehmen müßte, daß so viele Nationen, bey welchen dieses Wort angetroffen wird, einen hohen Grad der Schmerzen nicht eher zu benennen gewußt, als bis sie es von den Römern geleruet. Die Bedeutung der Mühe, der Arbeit, scheinet die erste zu sc v u, und alsdann gehöret es ohne Zweifel zu dem Geschlechts der Wörter, welche eine Bewegung bedeuten, und wohin unser wenden, winden, wandeln, wanken, das Lat. venire, und hundert andere gehören. Peinigen, verk. rsZ. act. Pein verursachen, jetzt nur noch in der zivcyten Bedeutung des Hauptwortes, einen hohen Grad der Schmerzen und der Unlust verursachen. So wohl körperlicher Schmerzen. Da dieser tobt war, peinigten sie den vierten auch und geißelten ihn, 2 Macc. 7,'Z- Von dem reichen Manne heißt es Luc. 16,2Z: er werde in der Hölle gep-rniget. Der Aonig Herodes legte die Hände an etliche von der Gemeine sie zu peinigen, Apostelg. 12, Ju welchem Verstände der von außen zugefügteu körperlichen Schmerzen doch in der anstandigern Sprechart martern üblicher ist. Am häufigsten gebraucht man es noch von der Verursachung des höchsten Grades der Unlust des Gemüthes, derSeele. Was plaget ihr doch meineSecle, und per-, nigct mich mirworten s Hiob 49, 2. Die Furcht peinigt mich. Das peinigende Gewissen. Ihre Unschuld , ihre unoefangene Seele fühlt nicht, wie sehr mich die kleinen Vertraulichkeiten» peinigen, Göche. Ich kenne keine größere Marter als dl-, wennvorwürfe,die man sich hätte ersparen können, zu ihrer Feit uns peinigen, Hermes. So auch die Peinigung. Anm. Dieses Zeitwort ist das neuere Jnteusivum von dem inr Hochdeutschen veralteten peinen, welches noch imNiederdeutsche« und den verwandten Sprachen völlig gangbar ist, und beydemOtt- fricd oinon, im Niederst pincn, im Angelst pinian, im Schweb, pillu, im Franz, peiller lautet, und auch Mühe verursachen, in« gleichen strafen bedeutet, in welchem Verstände es mit dem Lat. pullire übereilt kommt. Im Island, lauter dieses Wort pinas, und da pi na auch im Schwedischen beengen bedeutet, so erhellet daraus die schon bey dem vorigen Wvrte bemerkte Verwandtschaft mitbindcn, winden, und andern Zeitwörtern, in welchen der Begriff der Bewegung der erste und ursprüngliche ist, wohin nm dem Zischlaute auch unser zwingen gehöret, welches imFinuläm. xaillan, heißt; woraus zugleich die Verwandtschaft mit bange erhellet. . . .. . Der peinigendes — s, plur. ut nom.lloZ.AaMin. dtepett niaerinn, eine Person, welche peiniget. Ein Mensch M der Peiniger des andern, Mosh. Stürmische Leidenschaften, dws- Peinigerunsers Herzens, und derer die mit uns leben, Goll. Besonders pflegte mau ehedem den Henker, dessen vornehmstes Geschäft cs ist, verstockte Übetthäter zu peinigen, d. i. zu martern, mit diesem Nahmen zu belegen, m welchem Verstände es noch Matth. 18, Z 4 vorkommt. Ju Franken wird daher der Henker, d i. der erste und vornehmste Knecht des Scharfrichter.-, noch fttzt pcinlein, d.i. Pernling, genannt. ^ . — er, — sie-, a 6 j. et näv. der Pein ähnlich, >n derselben gegründet, Pein verursachend. 1. In der er sten Bedeutung des Hauptwortes, einen hohen Grad der Mühe verursachend, mit vieler Mühe verbunden; Nieders. pinUk. Oer Oeloud cier lo pinlick aufZericlit, Jcroschin bey dem Frisch. Man gebraucht es imHochdeutscheu nur uoch zuweilen von einer mit vieler Unlust 8 a es fick denn der folgenden Bedeutung nähert. . . . ^ ^ ^ Als er so großer Noch zu peinlich nachgedacht, Haged. 2 Dem höchsten Grade der Unlust ähnlich, solchen verursachend, darin gegründet, i) Von körperlichen Schmerzen. Ein peinlr- cher Tod, ein sehr schmerzhafter. Besonders noch in den Gerichten in einer doppelten Bedeutung, (a) Die peinliche Frage, die Befragung eines Missethäters unter und vermittelst körperlicher Schmerzen, die Tortur, Marter. Einen Missethater peinlich befragen/ ihn gerichtlich martern, ans die Tortur bringen. (b) Leib - und Lebensstrafen betreffend, crimiual oder criminell; im Gegensätze des bürgerlich- Die pernliche Gerichtbarkeit, das Recht, solche Strafen zuzuerkeutteu. Das peinliche Gericht, peinliche Gesetze, welche Leib- und Lebenssteafen betreffen, peinlich gegen jemanden verfahren, als wenn cr solche Straftu verdienet hätte. Jemanden peinlich anklagen, auf Leib und Leben. u u r S'.kh- / ' 68z Pei Stehe Bürgerlich ,. s) Von der Empfindung des Gcmuthes, derl höchsten oder doch einen sehr hohen Grad der Unlust verursachend, und darin gegründet, (a) Eigentlich. Las ist mir sehr peinlich. Das Zögern ist mir überaus peinlich. Die Langeweile (lange Weile) ist eine der peinlichsten Gemurhsfassungen, Sulz. Der Umgang mit einem Menschen, mit welchem man-so steht, ist sehr peinlich. Es ist peinlich, ermahnet zu werden, wenn man unschuldig ist. lb) Geneigt, gewohnt, bey unerheblichen - Dingen eineübertricbeneUttlust,ingleichen eineübertriebeneSorg» fall lindBedenkllchkeit zu äußern. Ern peinlicher Mensch. Sehr peinlich thun, ängstlich, bange. *Die Peinlichkeit, plur.inull welches in allen Bedeutungen des vorigen Beywortes von dem Zustande einer Person odcrSache,da sie peinlich ist, gebraucht werden könnte. Ehedem bedeutete es auch die peinliche Gerichtbarkeit, das Halsgericht; in welchem Verstände cs doch wenig mehr gebraucht wird. Die peißelbeere, S. Berberis. Der peißker, eine Art Fische, S. Beißker. Die peitsche, plur. die — n, Diminm. das peitschchen, ek» Werkzeug zum Schlagen, doch nur ein solches, welches imSchla- gen den diesem Worte eigeitthümlichen Laut Nachahmer. i) Eigentlich. So snhret im Bergbaue ein Holz, welches zwey Ellen lang imd eine halbe Elle breit ist, und womit die Kupferbleche in derSeigerhutte gleich geschlagen werden, denNahmen derpeitsche. Zu engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist dicpeitsche eine ge- drehcrc oder geflochtene und vorn spitzig zulaufende Schnur an einem Stiele, Lhiere und Menschen damit zu hauen. Die Hundepeitsche, zuhrmannspeitsche, Rnutpeitsche, Bnßpeitsche u. s. s. Mir der Peitsche hauen, d. ie schlagen. Mein Vater har euch mit Peitschen gezuchtiget, »Kön. r 4. Mik berpcit- ; sche knallen, klatschen. Der wilden peitsche Rnall beraubt die Straße ganz, Zach. Dre Aarbgrsche, welche ihrer letzten Hälfte nach gleichfalls hierher gehöret, ist eine lederne Pe'tsche. In manchen Fallen wird in der anständigern Sprechart dafür das allgemeinere Geißel ge. braucht. 2 ) Figürlich. Die Mecrpeiksche, Steinpeitschc,Gnurr- pcilsche oder Änurrpeitsche, ist ein Fisch, welcher lang, dünne und schmal wie eine Peitsche ist, nnh um Zelle in allen stießciideiljWäs- ( fern angetroffen, wird ; Opliiciiou darüatum l,. DenNahmen Dnurrpeitsche hat er daher, weil er einen knurrenden Laut von sich gibt, wenn man ihn aus dem Wasser ziehet. Anm. Im Niederst pietsche, im Schwed, piska, im Gricch« ßreH», im Böhm.Zic, im Pohln. (S. das fol- geuoc.) J a Gliederst wird die peitsche auch Schwepe genannt, Angels. IHsoj-), Engl.Mlrip). Peitsa^ett, Vt-rb.reZ.act. eigentlich, denjenigen Laut hervor bringen, welchen dieses Zeitwort «achahmet. In diesem Verstände sagt mau noch im gemeinenLeben, denwein peitschen,Hausenbla s- oder andereDinge hinein schütten, und ihn damit oft und lange hin ruid. her rütteln, um ihn durch solche Zusätze klar zu machen oder zu verbessern. Ein gepeitschter Wein, verdorbenes Wasser auf den Schiffen wird durch Peitschen gut gemacht. In engerer und gewöhlllichcrcr Bedeutung ist peitschen mit der Peitsche hauen oder fontreiöen. Die Pferde peitschen. Jemanden peitschen. Daher das peitschen. Anim Peitschen, Niederst pistskcn, im Welch. b-icr, kiju^ a h im t den. Lautwelchen es ausdruckt, genau nach, und ist ein Verwandte von patschen-, welches einen gröber nLantt dieser Art bezeichnet. Dir Wellen peitschen Mt den Thurm,Blmuschlr, peitschen ihn, d., i. verursachen durch ihr Anschlägen einen, harren zische,rdewLaut. Der starke Zischernmcht dieses Wort zugleich zu rüplütt vva de.L Pccallerm Haren, batten., schlafen, P e l 6L4 womit auch beißen, Niederst biten, übercm kommt, als welches einen ähnlichen Laut nachahmet. Der Pelikan, des — es, xlur. die—e, aus dem Gricch „Xv- »«—g -) Eigentlich, ein großer Wasservogel, von welchem die Alten viele fabelhafte Dinge erzählten. Unter den neuernSchlift- stellrrn des Naturreiches nennen einige, z. B. Klein, die Löffelgans, 6raUa plataloa Pelikan, andere aber, z. B. Lmiiee, halten, und wie es scheinet mit mchrecm Rechte, die Bropfgans, kelecanusOnocrotaluZ L^.für denPelikan derAlreii, (S.die, se Wörter.) 2 ) Figürlich wird, wegen einiger Ähnlichkeit mit der Gestalt des Schnabels des von den Alten beschriebenen Pelikancs, bey den Wundärzten ein Werkzeug zum Ausziehen der Zähne der Pelikan genannt. Auch in der Chymie ist ein Gefäß mit zivey Handhaben nmer dem Nahmen des pellkanes bekannt. Die Pöltschen, liNA. inul. eine im gemeinen Leben vieler Gegenden übliche Benennung des Beilkrautes, Gorooiila8ecurie genannt; vermuthlich wegen der glänzender; Augen, mit welchen der ganze Kopfbesetzt zu siwn scheinet. Die kleinen Bläschen, welche bcy dem Einsch'enlcn des Bieres und Weines zuweilen anfsteigen, Thränen, glänzende Waffertrofen, heißen häufig Perlen. Sieh die Blume richtet sich auf; voll blitzender perlen Lacht sie schöner umher, Zachar. (b) Wegen der Kostbarkeit. So pflegt man eine Person von vor- züglichem Werthe, eine vorzügliche Eigenschaft u. s. f. besonders iit der höhcrn Schreib»rt, eine perle zu nennen. Unm. In dem alten Fragmente auf Carlu den Großen bey dem Schilter Lerillv, im Niederst Berel, im Mittlern Lat. k>er 1 a, im Franz, kerle, im Jtal. Lerla, im Engl, Lear!, im Schwed. I^erla, im Böhm. Lerle. Es ist, wie schon von andern bemerket wc-eden, sehr wahrscheinlich, daß es das Diminut. von Beere, in dessen weiter» Bedeutung, einer runden od r rundlichen Masse ist, daher es in einigeu Gegenden auch das Perle im ungewissen Geschlecht? kämet. Ihre ziehet zwar diese Ableitung in Zweifel, aber die Gründe, welche er ansshret-, sind nicht von der Stärke, daß sie selkuge verdächtig machen könnten. Auch Doid nennet einePerle an einem Orre Laue a m. Bey unfern ältestenSchriftstellern kommtdiefts Worc nicht vor. Tatians Übersetzer nennt die Perle kleriAroLra; und der Angelsachse NereArot. Es ist schon von ander!« angemerket und erwiesen worden, daß dieses Wort Meersteinchen bedeutet, von Grans, Gries. N-.eders. Gnrt ssiess Graus,) und daß aus diesem Worte auch das Griech. Lat. k^arAar^a gebildet worden, zumahl da sett-;r Pu.-uus bekennet: ves^rucl karbaros cfuiklccm, iv venLores ejus aiiust »(noinsn) Huarri /wr. die — n, S. perlenmuschek. Dieperlenbernk, piur. die— banke, eine Bank, d. i. ein erhöhter Theil des Bodens der See, ans welchem die Perlenaustcrn gefangen werden. Der perlenvcchrer, des—s, plur. ut vorn. kvA. ein Drillbohrer, womit man diejenigen Perlen, welche angereihet werden sollen, zu durchbohren pflegt. Der perlenferny, des—cs, plur. die — fange, der Fang der Perleumuscheln, ohne Pluralbesser, die Perlensi'fchcrey. Jn^ gleichen der Ort, wo sie grfangeu werden, und die Zeit, zu welcher selbiges geineinigslch geschii het Daher der Perlenfänger, welchen man noch richtiger den Perlenfischer uenuet. Die 689 Per T ie perlenfarhe, plur. rurs. eine milchweiße. der Farbe der Perlen ähnliche Farbe. Dccher bas Bes- und Nediinvorr pcrlen- farben oder perlenfarbig, diese Farbe habend. Der perlenfiscy, S. perlfisch. Der Perlenfischer, des — s , plur. ut uolinZ. derjenige, welcher die Pcrlenmuscheln um der Perlen willn-' fischet; der Perlentaucher, bey einigen nicht so richtig, der Perlenfänger und pcrlensttcher. Die perlenfifcherey, plur. iout. dasFischen der Perlenmuscheln »m der Perlen willen. Der Perlenhändler, des—s, plur. ut vom. Kux. derjenige, welcher vornehmlich mit Perlen handelt. Perlenhell, aäj. er aäv. so hell, wie eine Perle, mderbichte- rischen Schreibart. ' ?tuf einem perlenhellen wagen Wird der Monarch der Wasserwelt äoch auf dem Saum der 8luth getragen , Raml. Die Perlenkrone, plur. die—n, eine Krone von Perlen , reich mir Perlen besetzte Krone. Der Perlenkran;, ein solcher Kranz. Das Perlenkupfer, des—s, plur. doch nur von mchrernArten, - ut vom. licitz. Kupfer, welches in Körner wie Perlen gegossen worden, dergleichen in Schweden bereitet zvird. Die perlenkuste, plur. dre—n , eine Küste, an welcher die Perlenmufcheln in Menge gefunden werden. Das perlenmäsi, des — es, plur. die— e, bey den Juwelen« Händlern, ein durchlöchertes Blech, die Große der Perlen vermittelst desselben zu bestimmen. Die perlennrüfchel, plur. die—n, eincMnschel, in welcher Perlen gefunden werden. Die Perlenmuschel ist keine besondere Gattung von Muscheln, sondern man findet die Perlen in allen Arten derselben, auch in den Anfiern, welche alsdann auch per- lcnaustern genannt werden. Die Perlenmutter, plur. lauf. die innere Schale derPerlcn- anster», besonders der morgenländischen, welche zu allerley künstlichen Sachen verarbeitet wird. Marl gebraucht dieses Wort auch obne Artikel von der Materie. Mit perlerrmutter ausgelegt. v rn Perlenmutter. Die perlenmutterschneLe, plur. die—n, eine Art Schnecken mit unordentlich gewundenen Häusern, einer stachen Schale in Gestalt eines Ohres, welche an der einenSrite einige Löcher hat, und inwendig wie Perlenmutter glänzet. Der perlenmutterstein, des—-es , plur. inus. eine Art Alabaster, welcher der Perlenmntter gleicht, und unter andern bey Steyerthal in Thüringen gefunden tvird; der perlenmutterala- bafier. Die perlennadel, plur. die—N, eine zarte a«ts dem schwächsten Drahte zusammen gedrehete Nadel, dis Perlen- damit anzureihen. Der Perlensamen, des—s, pl«r. inuf. ein Nähme der kleinsten Perlen, welche am häufigsten Stzauoperlen genannt werden; zum Unterschiede von den Lotyperlen oder Zahlperlen. Die perler-schlack-, plur. doch nur von mehrern Arten, die—n, eineSteinart, welche ans kleinen ben Perlen ähnlichen glasartigen Kügelchen zusammen gesetzet ist, auf der Ascensions-Insel gefunden wird, und all^n Ansehen nach eine Schlacke Feuer speyendcr Bergeist. Der perlen schmuck, des—es, plur. die—e, ein ans Perlen bestehender Schmuck. Die Perlenschnur, plur. die—schnüre, mehrere aufcjncSchnur gcreihete Perlenbesser eine Schnur Perlen. Der Perlensticker, des —s, Pl r. ut vom. llnZ. Fämin. die Perlenstukerinn, eine Person', welche sin Geschäft dar- Per 6yo aas macht', mit Perlen zu sticken, Perlen auf Kleidungsstücke zu sticken. Der perlensücher, Perlentaucher, des—s, plur. ul vom, fing. S. Perlenfischer. Die Perlenrvarzs, plur. die—n, kleine halbkugelichtcAuswüch» se in den Pecleumuschekn, welche größer als die eigrntlichenPerlew find, ihnen aber an Güte undWerthe nicht gleich kommen. Man verarbeitet fic zu Halsbändern und Ohdcngehängen. Der perlfisch, des—es , plur. die — e, eine in Österreich, besonders in dem Attersee, befindliche sehr schmackhafte Art Weißfische, welche daselbst auch der edle Weißfisch genannt wird. Er wird zuweilen vierSpannen lang,bat öinen kurzen gedruckten Kopf, wie der Karpfen, und großeSchnppen. DasMännchen ist imMay über den ganzen Leib mit weißen bartcnKnöpfchen, wie mit perlerr besetzt, welche aber nach der Streichzeit wieder vergehen. ' ' Die perlgerste, plur. mul. S. Perlgraupe. Das Perlgras, des—es, plur. inul. ein gutes Futtergras, welches auf den unfruchtbaren Hügeln wachset; lVlelica l-. Besonders diMeiica cilialL, welche auch Aafergras genannt wird. Die Perlgraupe, plur. die—n, ganz rund gestampfte Graupen in Gestalt der Perlen ; im Oberdeutschen perlgerste, Gerste. Die perlhrrse, plur. ioul. ein Nähme des ossiemellen SteinfaL mens, lfttliolpermum otkicioulell,. auchSteinhirse genannt; welche Nahmen insgesamntt von den vier eyförmigcn Samenkörnern dieser Pflanze herrühren, welche der äirse, ingleichen den perlen gleichen, und so hart wie Stein find. Das Perlhuhn, des — es, plur. die— Hühner, eine Arl Afri> kanischer Hühner, welche von der Küste Guinea zu uns gebracht worden, und unfern zahmen Hühnern gleichen, nur daß ste einen unterwärts gebogenenSchwanz,einen hartenHöckcr aufdemKopfi> ^ und perlenfarbene Flecken und Puncte auf den schwarzen Federn haben; Uelestzris ^.^leoturOuiueeuljs Die Franzosen brachten ste im 14 ten Jahrhunderte mit aus Guinea; indessen waren fie doch schon denAften bekannt, mdem Horaz und Iuvenal, welche siL^ves afras nennen, ihrer als Seltenheiten gedenken.. Perlhuhn fasset beyde Geschlechter in sich. Will man D näher unterscheiden, so nennet man dasmannliche denPcrlhahu und das weibliche die Perlhenne. Perlicht, a^j.et uckv. den Perlen ähnlich. Der Perllauch, des—es, plur.iuus. eine noch ziemlich rlilbc- kannte Art des Lauches , welche aus vielen kleinen perftnförinigin und perlenfarbigen Zwiebeln bestehet, und ans den imMiurer ad- genommenen und im Mörz gepflanzten kleinen Nebenschößimgen de? Porree erzeuget wird. Er scheinet das Milium rotuaclum des Linnee zu seyn. Das perlsalz, des—es, plur. inuk. in dcr Chymie, Urinsalz voin zwcytrn Anschüsse; vielleicht wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt/ Die pernise, plur.die—n, der Schweizerische Nähme desRoth-: > Huhnes, S. dieses Wort. Der Perpendikel, des— s, plur. ut vom. lln§. aus dem spärrrnLat. kerpencliou'uMs eine gerade Linie mit einem Ge- w chte an dem einen Ende, welche an dem andern Ende beweglich ist, und sich wechselsweise bin und her beweget. Besonders an einer Uhr, wo derselbe im Deutschen auch die Unruh, bey den Neuern aber das pendul genannt wird, S. das letztere. Perpendikulär, sstPetsUv. ausdcmmntl. Lat. perpenclicu- ksris, nach dem Mittelpunkte der Erde gerichtet. Ingleichen mit- ^ dem Horizonte, und in weiterer Bedeutung mit einer jrden andern Linie einen rechten Winkel machend; senkpecht, lothrech^> und im Bcrgbaue ftiarp^ Lr - Di- 69 L Per Die PorLitcke, ober pcrrücke, plur. die—n, Diminut. das Perrückchen, au- dcmFranz.s?erru^ue,ei>lc zierliche, aus frem- ^en Haaren verfertigte Bekleidung des ganzen Kopfes, entweder zur Bequemlichkeit, oder auch den Mangel eigener Haare^u ersetzen. Eine perrücke tragen. Bey einigen lautet das Wort Parucke und parucke, welches sich aber von dcmFranzösischen zu sehr entfernet. Die Gewohnheit, den Mangel Eigener Haare durch falsche zu ersetzen, ist sehr alt, und findet sich schon bcp dei» Römern. Auch in Deutschland war sie zu den Zeiten derSchwäbi- dischen Kaiser nicht selten wo man ein solches Haargebäude eine Haarhanbe nannte, (S. dieses Wort.) Indessen sind unsere heutigen Perrücken eine Erfindung der Franzosen, daher wir mit denselben auch den Französischen Nahmen angenommen haben, dessen Abstammung doch so ausgemacht noch nicht ist. In der Rothwäl- schen Diebessprache heißt eine Perrücke Purschaupel, welches die Etymologie nicht wenig erleichtern kann. Einige übertriebene Puristen in der Sprache haben dcnFranzösischen Nahmen ausznmcr- zen gesucht, und dafür Haarmiitze angerathen, womit sie aber nur verlacht worden. Der Nähme Mutze ist bereits zu niedrig geworden, als daß er sich ohne Ärgerniß von einem so feyerlichen Kleidungsstücke als die Perrücke ist, sollte gebrauchen lassen. Der perrückenbcrum, des —es, xlar. die — bäume, ein Rahme,welchen einige demFärberbaume, Rtrus Lolinus !ü. geben, wovon der Grund vermuthlich in demWachsthnme derZwei. g.e und des Laubes zu suchen ist. Das Perrückenfutter, des — s, plur. M aom.üaZ. bey den Perrückenmacheru , eine Art Haube, welche ans Bätldern zusammen gcirähct wird, die Haare, welche eigentlich die Perrücke aus- machen, dacaufzu befestigen; die Mrückenhaube. Der Perrückenkopf, des—es, Pilar. die — köpfe, ein Hölzer, ner Kopf oder runder Klotz auf einem kurzen Fuße, die Perrücken, wenn man sie nicht lixigt,' darauf zu s-öen. Hat derselbe einen langen Fuß, so wird er ein Perrückenstock genannt. Der perrückenmächer, des —s, plur. ut. uorn. linZ. eilt Handwerker, welcher Pcrrücken verfertiget und accommodiret. Dessen Gattinn die perrückenmacherinn. Die perrückenschachtel, plur. die—n, eine Schachtel, die Perrücken darin ans Reisen bey sich zu führen. Der Perrückenstock, des — es, plur. die — stocke, S. per- .rückcnkopf. Der Persianer, des—s, plur. ulaom. IinZ. Famin. die per- sianerinn, eine aus Persien gebürtige Person. Zuweilen auch ein ans Persien zu uns gebrachtes Ding. So wird eine Art Vögesi welche nach dem Klei» zu denRönigssischern gehöret, einen laugen Schwanz, und weiße und schwarze Federnhat, in der Naturgeschichte nur der Persianer genannt^ weil er um Gamron inPer- fikn am häufigsten angetroffen wird ; Ilplüa sx albc» elui^ro varia X/a/n. D er persica, plur. doch nur von mehrern Arten, ulnc>m.üu§. aus dem Jtal. kerlico, welches eigentlich den Psirschenbarun bF- dentet, ein über Pfirschkcrne abgezogener Branntwern. Der persmy, des—es, p!ur. die—c, in einigen Gegenden, ein Nähme desjenigen Fisches, welcher im Hochdeulschen unter demNahmcn desBsrses am bekanntesten ist, (S. B örs.) Auch die perske der Meißner ist kein anderer als dieser Fisch. Dir Person, p>lur. die—en, aus demLat. I^erlovL. 1. Die äußere Gestalt und Statur eines Mruschen; in welcher Bedeutung es dem ehemahligenLateinischenkerlouL am nächsten kommt. I) Eigentlich'als einAbsiractum. (a) Die äußere Gestalt, 'Statur um? Leibcslängc; ohne Plural, und nur in einigen Arten Kes Ausdruckes. Er ist lang von Person. Schön, häßlich von Person. Dlern, unansehnlich von Person. Zachs'nswar klein von Person, Luc. 19 , Z. Ich kenne ihn von Person, seiuer änßeru Gestalt oder Bildung nach. von Person hat mir Jefallen, Gell, ihrer Gestalt und Bildung nach. (b)*Der Rang, die Würde, die Stelle, welche man in der bürgerlichen Gesellschaft bekleidet, das Amt, welches man in derselben hat; eine veraltete Bedeutung, von welcher die R. A. seine Person gut spielen oder vorßcllen, das anfgetragene Geschäft geschickt ius Werk richten, ein Überbleibsel zu scyu scheinet, wenn sie nicht vielmehr von der folgenden von dem chemahligen Theater entüchntenBeder,. tung herstarnmet.' 2) Figürlich, ein menschliches Individuum in Ansehung dieser Umstände, (a) In der engsten und eigentlichsten Bedeutung, ein menschliches Individuum, so fern es ein anderes menschliches Individuum vorstellet ; eine der erstenBedetttlittgen diesesWortcs, nach welcher die ehedem bey den Römern üblichen Larven der Schauspieler und die verlarvtcnSchauspieler selbst Personen genannt wurden. Daher dieses Wort noch jetzt vorzüglich von den Schauspielern beyderleyGeschlechtes gebraucht wird. EinSchau- spiel mit sechs Personen. Die stumme Person aufdem Theater. Seine Person gur spielen, vorstellen, seineRolle. Welche Bedeutung sich auch außer dem Theater fortgcpstanzet hat. Sie können eine fremde Person vortrefflich annehmen. Es ist eine verdrießliche Sache, bep welcher ich eine verwirrte Person spiele, (b) Ein menschliches Individuum in Ansehung der äußern Gestalt, Bildung und Statur; ysn beyden Geschlechtern. Eine schöne, eine lange, eine kleine, eine ansehnliche, eine unansehnliche Person." Er stellet eine ansehnliche Person vor, hat eine ansehnliche äußere Gestalt. Sie stellet ihre Person gut vor, im gemeinen Leben, für, sie suchet gut aus. (c) Ein menschliches Individuum in Ansehung der Würde, des Ranges, der Stelle in der bürgerlichen Gesellschaft, die Person ansehen, sich iu Bcurtheilung anderer und in Sprechung des Rechtes durch ihre, äußeren Verhältnisse bestimmen lasse«. Reine Person sollt ihr im Gericht ansehen — und vor niemandsperson euch scheuen, z Mos. r, » 7 . Ghuc Ansehen der Person strafen, d. i, ohne sich durch deuStand und djeWürde derjenigen, welche Strafe verdienet haben, bestimmen zu lassen, wo es auch zn der zweyten ab- siracten Bedeutung gehören kann. In den meisten übrigen Fällen stießet es mit der nächst folgenden Bedeutung zusammen. 2. Ein menschliches Individuum, ein Mensch, so fern er von andern unterschieden ist, ein eigenes vernünftig denkendes Wesen ausmacht; ohne Unterschied des Geschlechtes. 1) Überhaupt. Eine vornehme, eine geringe Person. Die Person zahlt emen Thaler, im gemeine,r Leberl der Mann. Zwölf Personen am Tische haben. In eigener Person, selbst; im Mittlern Lat. ia kerlova, Franz, en ?ar loaae, von Karton», welches ehedem auch den Leib bedeutete. Der Rönr'gkam in eigener hoher Person, ykeine geringe Person. Ich, für meine Person, d. i. was mich betrifft. Sein Reifeg«rä'th ist bereit- abgegangen, er für seine Person (was ihn betriff,) wird erst in acht Tagen abreisen. Wo es auch woh-l im Plural unverändert bleibt, wir, für unsere Person. Sie werden in der Person irren. Eine Haushaltung, welche aus neun Personen bestehet. 2) In engcrerBedcutung grbranchtman diesisWort gemeiniglich von menschlichen Jndividuis,welche in der' bürgcrlichcnGe- sellfchast einen gewlssenRang, eine gewisse Würde bekleiden, da cs denn aus Achrnng anstatt dcr niedrigen,Mensch, Leute u..s s gesetzt wird; doch immer nur so fern ein menschliches Individuum ohne Bezeichnung desGeschlechtes oder anderer Berhältnisseänge- dturer werden soll. Mt fürstlichen Personen umgehen. Er waren er 69Z V ^ waren viele Personen zugegen. Eine Raths- Person, Privatperson, Ordens- Person, Standes Person, Mittelsperson, Mannsperson, Weibs- oder Frauensperson u. s. s. z. Im ve testen Verstands e, n s ür sim bestehendes, v-ernnüf- trg d. nt »des Än-g. e n Ding, welches sich seiner selbst und seines Zu'iandes d utl-ch bewiißr ist. 1) Überhaupt. Th-ere als Personen auftreten lasse». Lie Tugenden, die Laster als Personen auffnhren- Die erste, die zwepre, die dritte Person, m der Sprachkunst. Die erste Person, wenn ich rede oder handle, oder wenn wir reden oder handeln; die zwrpte Person, wenn du handelst oder ihr handelt ; die dritte Person, wenn er oder ste bandelt, oder wenn sie handeln. Ws auch da» Zeichen der Person die Person genannt wird. Ein Zeitwort in die'erste Person setzen. I» der dritten Person reden, von sich als von einem dritten reden. 2 ) In engerer Bedeutung ist in der Theologie, wo man drey Personen in dem göttlichen Wesen annimmt, die Person etwas in Gottfür sich bestehendes vernünftig denkendes. Dre erste Person, der Barer, die zwepte Person, der Sohn, die dritte Person, der heilige Geist. In Christo waren zwcy Naturen in oder zu Einer Person vereiniget. Anm. Die,es Wort ist erst m den spätern Zeiten aus dem Lat. ksrloau entlehnet worden, besonders nach dessen Gebrauch in den Mittlern Zeiten,wo es unter andern auch dieWiirdc,einen mit «iner Würde bekleideten Menschen, emenHerren, ja auch den Leib oder Körper bedemete >. Ehe man dieses fremde Wert entlehnrte, marterten sich die einheimischen Schriftsteller sehr,ein für sich bestehendes vernünftig denkendes Ding in der zweyten und brüten Bedeutung des Wortes Person ansz.-drucken. Kcro und decÜb.r- fetzer Isidors gebrauchen dafür isteisto, llett,auch von den Personell im göttlichen Wesen. Ostsro ruuio lst iüo,die zwey Personen, ststiu Vrtttuvstei^ die dritte Person, im Isidor, S. — Heit. In den später» Zeilen gebrauchte man dafür das Worr Nähme, bey deir altern Scbivrden —6ob — stur üirlliuiu^ütnell strtu, Walther von der Vogelweide, S. Nähme. Die Personäl:en, stn^.inust aus dem mittlernkat. personnlis, persönliche Umstande, Umstande, welche di' Perlon unmittelbar besessen N!id ienntl.ch macheki. So werden INI gemcunn Leben persönliche Anzüglichkeiten osl Personalien genannt. Am häufig- st,.» find die Li-brnSbi schreibungett, weiche nach denLeichei.predigte,r oe» lesen zu weiden pflegen, unter dem Nahmen der peesona-- lien bekannt. Die persönenöichtuny, plur. die—en, m der Dicht - und R dlkttnst, eneFgur, nach welcher leblosen Dingen solche Ei- genscha tenb-mgeleaer werden, welchetturPersoi'.Ln,d.i. verriünfttg dt isteiideil Wesen zistommen, da man leblose Diutze als Personen anführek; mu tlsem Griechischen Kunstworte I?eo1'o ^0 poeia, d-ep- osopopoie. Persönlich», ackj. et ackv. die Person betrefirnd, in der Person gegründet; doch nur in der zweyten und Heilten Bedeutung des Hauptwortes. Der persönliche Gegenstand, der Gegenstand, so firn derselbe eilte Person tft, zum Unterschiede vost dem Gegenstände der Sache. Persönlich kommen, erscheinen, in eigener Person, im mittler» Lat. pcrlonaHlei. Einen pcrsonlichenHaß §e§en jemanden haben, dessen Person hassen, persönliche 5iir- rvorrerstn der-Sprachkunst,welche dieStellc einer bestimmtcnPer- ' vertreten, und wohin man nur die Fürwörter ich, du, er, wi-r, ihr,sterechurt,obgleich auch aridere diesenNahmen mit eben so vie- leniRechte vrrdienetcn, (S.Es,?lnm. i.)persönlicheZeitwörter, Zleichfalls in derSprachkunst, Zeitwörter, welche eines dicserFnr- rvörrer vor sich leiden, zum lkuterschrede von den unpersönlichen, Pes 694 welche sehr unbestimmte Fürwörter vor sich haben und nnr in dek dritten Peezvn gebraucht worden, persönliche Handlungen, göttlichen West», Handlung, n, welche im ^choeße der Gottheit vorzchau, ohne V. chättniß aiif znj ästige Dinge. Die Persönlichkeit, p!>n . ir>ul. die Eigerlschaft eines Dinges, da es eine Person, d. i. ein für sich bestehenoes vernünftig denken- - d, s Wesen ist, das für sich Bestehen eims vernünsttg denlendett Wesens. Man hat in den neuern Zeiten wieder angefangen.. die Persönlichkett des Teufels zu bestreiten. Es gcschieher oft, daß wir unsre Existenz und Persönlichkeit gewisser Maßen vergessen. Die Aufnahme der menschlicheiöNaturChrlstr von der göttlichen in ihre Persönlichkeit, oder in die Persönlichkeit des Sohnes Gottes. Die menschliche Natur Christi hatte vorder Vereinigung mit der göttlichen für sich keine Persönlichkeit. Das Perspectiv, des—es, plur. die—e, aus dem Francs.. l^rcheLtif, ein optisches Instrument, wodurch man entlegene Sachtmdoullich erkennen kann ;das5ernrohr, Sehrohr. Die Perspective, p!uc. iuust aus dem Franz, kerl'psetive, die Wissenschaft, die Gegenstände so zu zeichnen, wie sie aus einer gewissen Entfernung in das Auge fasten. Gryphins suchte dieses Wort durch Schaukunst zu ersetzen, welches aber keinen Bepsall erhalten hat. Perspectrvrsch, rrckj. et in der Perspective gegründet, In- gleichcn so wie ein Gegenstand in einer gewissen Entfernung sich dem Auge darstcllot. Die pertinenzien, stn§. iouss oder das pertinenz- Stricke des—es, plur. d-re—e, was zu einem Dinge, als ein wesentlicher The>! gehöret, das Fr,gehör; besonders Voit solchen Theilen eines Gutes, Hauses, oder ander» unbeweglichen Dinges. Die Pest, plur. die—'en, der Nähme einer im höchsten Grade ansteckenden Krankheit, welche in kurzer Zeit eine große Menge Geschöpfe hinraffct, und sich unter vrclcrlcp Gestalten zeiget, aber gemeiniglich in einem sehr ansteckenden und bös- as tigen Faulfieder bestehet. Die Pest unter dem Rindviehs, welche doch bönsieer das Viehsterben, die Viehseuche genannt wird. Die Pest unter den Pferden, Bienen u. s. f. Die Pest unter den Menschen, welche man am häufigsten unter der Pest schlechthin verstehet. Die Pest herrschet-, wnthet in runem Lande. Die Pest haben bekommen. An des. Post sterben. Mik der Pest angesteckct werden. Ungeachtet nicht zu längnen ist, daß die Pest eine eigene Art einer sehr ansteckenden und bösartigen Krankheit ist, so ist doch auch wahr, daß man ehedem ein jcdes bösartiges Faulsieber, besonders boy der ehemahligen schlechten Behandlung desselben, eine p st genannt bat. (S. auch Pestilenz.) Figürlich wird eine im höchsten Grade schädliche Sache, welche sehr leicht mcl-rerePerso- nen verderbet, eine Pest genannt. Die Wollust ist die Pcst der Seele. Anm. Im Franz. k'sste, welches so wie das Deutsche aus dem -Lst. k st 8 entlehnet worden. Zrn gemeinen Leben sind dafür auch die Ausdrücke die Seuche, das Sterben, im Dber deutschen Sterbvre, Sterbat, der Sterbend, in der Schweiz der Prüften, und in andern Gegenden der Schelme, Scholm und Aepb üblich. Der pestarzt, des — es, plnr. die—arzre, ei» Arzt, welcher dazu bestellet ist, in Pestzeiten, die von der Pest angegriffenen Kranken zu heilen; Verpest-Mcdicus. Die psstbculc, piur. die—n, Beulen, welche in Pest; icen zuweilen an den mit der Pest behafteten Kranken ansbrcchen; pestdrnsen. Die pestblrrse, oder pessblattLp, xluc. Hs?—n, solche Blasen oder Blattern, Kx 2 Der Der pestefsitz, des—es, plur. dock nur von mehre.» Arten, die—e, ein mir Raute, Salbey, Wcrmuth, Münze und Lavendel zubercitctec Wrinessig, iir Pestzeist» daran zu riechen, oder sich den Mund damit anszuspnlen, um sich vor dein Amecke» der Pest zu verwahren; dcrGiftesscg, Franz. VinaiZre cie ^ualrs voleurs, weil sich vier Spchbuben vermittelst desselben zue Pestzeit gesund sollen erhalten habe»!, ungeachtet sie während der Pest alle Häuser best-chlen. Dss Pesthaus, des—es, plur. die—Häuser, ein Haus außer der Stadt, in welches man zu Pestz ten die angestecktcn Persone» zu schaffen pflegt; eine Art der L rzaretde oder Siechhaufer. Die Pestilenz, plur. die— en, au^em Lat.?slrUen «L, welches für Pest »m gemcineil Leben am üblichsten ist. pestilenziältstch, wclj.et -rckv. der Pest ähnlich, in derselben gc- gründet, im höchsten Grade ansteckend; am häufigsten int gemei- neuLeben. Eine pcstilenzialrsche Luft, pestiienzialtsche Ausdunstungen. Der höher» Schreibart ist dafür pestileirzisch angemessener. Eine gefürchtete Zeit, mit pestilenzischem Zitkig wallet auf Ncoeln die Seuche daher, Zachar. Das pestilenzkraut, des—es, plur. inul. iu einigen Gegenden, ein Nahmedrr Geißraute, OsieA» l,, weil sie eilt kräftiges Vfittrlwider die Prst seyrr soll; pestilenzwurz. Der peftilenzvogel, des — s, plur. die — Vogel, eine An braunfahler Grasmücken mit weißlich gesäumteuFedrrn, von welch en man glaübt, daß sie häufig in die Gärren komme» , wenn eine Pest bevor stehet; L^lvin psÜtlenüälis k/e/^. Todtenvogel, Neffelstnk. Die pestilenzwurz, plur. inuf. ein Nähme verschiedener Gewächse, welche vorzügliche Kräfte gegen die Pest besitzen sollen. r) Der Geißraute, l^wleAw L,. (S. pestilenzkraut.) 2) Einer Art Zuflattiges, mit eittemeysörmigen Blumensträuße, welche am Uftr der Quellen und Flüsse wächst; l^ulltlLZo kelLÜtes pestilenzwurzel, Dockenblätter, Vrennwurz, Nennkrafr, Roßpappel, Schweißwurzel. Die Wurzel wird «mt unter distGift- und Schweiß treibenden Mittel gczählrt. Die pestordnuntz, plur. die —en, eine obrigkeitliche Verordnung in Ansehung des Verhaltens in Pestzeittrr. Der Pestprediyer, deS'—s, plur. ut norn. linZ. ein Predi, ger, welcher in Pestzeiteu dazu verordnet wird, die Kranken zu besuchen und zu trösten. . , Die Pestzeit, plur. die—en, diejenige Zeit, da die Pest meinem Lande, oder an einem Orte herrschet. Die Petarde, plur. die—n, aus dem Franz, k^-tarcke, in der Artillerie, eine Arteines Geschützes in Gestalt eines abgekürzten Kegels, welches mit Pulvergefüllest und an die Thoce, Mauern, Brücken, Pallisadcn u. s. s. befestiget wird, um sie zu ze> strengen. Peter, Genit. Peters, cm eigenthümlicher Taufnahme des männlichen Geschlechtes, welcher aus dem Griechische« ,,^!»^ ein Stem,FelS, entlehnest und im gemeinen Leben am häufigsten lst, dagegen man in der anständigen Sprechart in vielen Fällen ihn lieber mit der Lateinischen Endung Petrus, Petri gebraucht. Der Apostel Petrus, der heilige Petrus; im gemeine» Lebe» Sanct P.ter. p-trr Rettenfeper, Petri Stuhlfeper, zwey Festtage in der Römischen Kirche. Der Ung.witteroogei, l^roLellaria l^. wird bey den Seeleuten S. Peter und petrell genannt, Weiler yahe über den branstndcn Wellen herum flattert, und wie der Apostel Petrus gleichsam ans denselben zu gehen scheinet. Der Peterbatzekst des —s, plur. ut yuru. lioz. Siehe das folgende. Der Petermann, des — es, pll.tz'. die — Manner, Dimmni. -aßpetermrU-ichM. '-Ein Kind, dessen Tanftrahme Peter ist pflegt man im gemeinen Leben zuweil'-t Petermann zu nenne». Ehedem schrieben sich auch erwachsene r rum so. wicDiezmann für Dietrich. 2) De', penrösisch, 0» »li« u« einigen Gegeild»» gleich, falls merer dem Nahmen des Peter, mannes unhpelermannchens vor. Z) Eine Münze, aus nc-^er Bild des Apostels pc-iri gepräget ist. ZttdieiemVeesiandeiste-: pecermann oder großes p termäN 'cheu, «vrlckcs auch rin jl er. Hatzen heißt, eneMüirze, «vrlche imTcierischen^Kreuzer oder z g- wöh, lichepettrmannchen gilt. Em Re.chsrhaür häu drstttst 18 ^roße Petermännchen oder Pcrerbatzeu , oder s4 g . öhnilche petermärmchen. In Aach-.«, gilt ein petermannchen -. K Pfennige. 4) Auch eine Art gemeinen Zeuges «fl in« gemeinen Le«, en unter dem Nahmen peter- iffRnn bekannt, welcher, wen..» cr gewalkt würde, ein wirklicher § eognet sty» würde. Der Peter sty i er! i Ny , des—es, plur. i u ul. S. Petersilie. Der petersbisch, oder G. Pcrers-F'isrh, des — es, plur. die —e, ein Art Meerfische, welcher eilten platten und abhängige« Kopf, eine mit einer Querhant genölbte Oberlippe, und eine» runden Schwanz Hatz 2 üus L,. In einigen Gegenden Petermann. Das petersyericht, des—es, plur. die—e, ein Gericht, welches in der Grafschaft Henneberg alle Zähre um Petri Stuhl- feyer gehalten wird. Die Petersilie, (ftmfsylbig,) im gemeinen Leben peterfllje, plur. iv«»f. eine Pflanze, deren weiße eßbare Wurzel einen angenehmen, süßlichen und gelinde gewürzbaft« 11 Geschmack hat; /^pium?e- rroielluum 1 ^. imObcrd.peterlein, pcterle, peterling, im Nie- dersächs. nur Silk, im Mittlern Lat. kstrilellum, im Französ. kerlil, im Engl. kars!^, im Jtal. iftetrolelioo und verderbt keraleuielo, im Bohm.st'errrEl, welche all» aus dem Latem, ^etrolelio um entlehnet sind, welche n dieses Gewächs schon bep dem Plim'usführet. ZmDeutschen wird es auch Ga. renepp-ch genannt. Es ist auf der Insel Sardinien ciichcimnch, von da es i« unsere Garten gebracht worden. Daher pelerfilienwurzel, peterfiliensamen, peterflüe^kraut, peterst'.icnstetsch, out dem Krallte oderdcnWurzeln dcrPertersiiic gekochtes Fleisch, im Ober, deulschen peterleinssteisch u. s. s. Eine Art , weiche bey «ns a» den Quelle» wild wächsest und von welcher die Selkers eine veredelte Abart ist, wird wegen ihres starkem Geruches auch stark riechende Petersilie, ingleicheuwasserpeterstliegenannst^pium tzruveol^us l., welchen letzter» Nahmen bey einigen auch der Wasscreppich, 8 iurn!ati 5 olium L. bekommt. Die Bergpeterfl- lie ist eine Art des Vogelnestes, ^ikcunavlu Oreost-Iinum L.. In einigenGegenden heißt auch die Gleiße, wilde Petersilie, äundspeterfllie und peterfllienschierling; so wie di» Pastinake im Qberd. auch Maische peterfilie genannt wird. Do» dcx letzten Hälfte des Wortes, S. Stige. ^ Der peterstlrenwein, des—es, plur. inuf. »ine Art Weinst öcke mit fünifachen Blätttrn, deren Blättchen wie das Kraul der Pelerfilic vielmahl gesyallen sind; V>ris luciuiola Franz. 6 -outLt, Lüo.ar, klniun cl'^ut. ieüe. Der Peter-Simons-Wein, des — es, plur. doch nur vo« mehrexn Arten, die — e, S. HaKard «« s ' . : Das peterokorn, des—es. plur, inuf. in einigen Gegenden, ein Nähme des wilden Dinkels oder Einkornes. In andern wird das mittlere Zttcergr as oder Liebesgras, Lrirs Peterskorn genannt. Das peterskraut, oder S. Peters-Kraut, des—es, p!ur. inul'. 1) Ein Nähme des Glaskrautes. l^urieturis L,, sicht G askraut. 2) Desheil-stlichen Löwenzahnes, L-eontockon ^utumusis ist. z- Einer Ari Leckenklpschen mit gerade« Stamme 697 Per Sramme und v!clblüm!genStängeln,I,ovicsra l^mpkoricsr- v >s l^. Eugl. 8. S- p etersschlüssel, plur. inust. im gemeinen Leben einiger Ge. gnlden, ein Nahme der Schlüffelblumen, S. dieses Wort. Dle petcrsrvurz, oder S. Peters-Wurz, piur. irrul. eine Arl des Johanniskrantcs, welche in Siberien, Canada und aus den Pyrenäischen Gebirgen wachset; tt^pericum ^lov.ron l . Das Perschaft, des—es, plur. die—e, ein kleines Handsscgel, welches man auf Siegellrachs oder Oblate druckt. Jneleichcndas auf Siegellack oder Oblate abgedrnckte Zeichen desselben; das Siegel. Einen Brief mit seinem Petschaft: versiegeln. Das Petschaft eines Briefes erbrechen, wofür man doch lieber das Siegel sagt. S. auch Petschier. Ann,. Dieses Wort lautet im gemeinen Leben, obgleich minder richtig, pitschaft, im izteuJahrhrmderteBuschig, im i ^»Butschet, pitschct, im Böhm, keeet (sprich Petschek.) Es ist immer noch am wahrscheinlichsten, daß dieses Böhmische, wie Frisch behauptet, das eigentliche Stammwort unsers nurlmehrOeutschen Petschaftes so wohl als des folgenden petschieres ist, welche unter Carls IV. Zeiten in den Kanzellcyen und nach und nach auch außer denselben gangbar geworden, ein kleineres Handsiegel zum Unter- schiede von dem größeruKanzelleystegstzn bezeichnen. Wenigstens hat es sich vor dem i Lten Jahrhunderte im Deutschen noch nicht finden wollen. Die Endsylbe er, mit welcher dieses Wort noch im 16ten Jahrhunderte gefunden wird, ist nachmahls in —aft über- Aegaugcn. Das Stammwsrt des Böbmischenpetschct ist das Zeit, wortpetschaci, drucken, wetchec. zu dem auch im Deutschen zahlreichen Gesculechte der Wörter patschen, butzen, stoßen, batten, schlagen, stoßen, Batz, eine Aar»me u. s. s. gebäret. Der petfchaftrmy, des — es, plur. die—e, ein Petschaft m Gestalt eil,cs Fingerringes, ein Fingerring mir einem Petschafte. In Luthers Deutschen Bibel, Hagg. 2, 2 4 Pitschaftring. . Die Petsa-erpe, S.parscherpe. Das petsHier, des—cs, plur. die—e, ein für Petschaft, besonders im gemeirrenLeben, übliches Wort, so wohl ein Handstegel als auch dessen Abdruck zu bezeichnen. Mit seinem petschiere versiegeln. Und sie schrieb Briefe unter Ayabs Nahmen, und versiegelte sie mir seinem pitschier (Petschier,) > Kon. 21,8. Vas petschier erbrechen, besser, das Siegel. Im Nied rs. lautet dieses Wort Pitzer, im Schwed, k, lf«r. Es ist mit Petschaft Eines Ursprunges und von demselben nur im Endlante uutcrschie- -en, welcher allcmAnsehenauchSlavonischen Ursprunges ist,wenn es nicht, wie aus dem Niederst bcynahe glaublich werden sollte, . «us nnscrm Endlautc er verderbt worden; petschier für Petscher, ein Ding, womit man aufdruckt. Petschieren, verb. reg act. welches nur im gemeinen Lehen für znstegel» üblich ist. Einen Brief, ein packet petschiercn, zufie. geln. Daher auch da's Siegellack im gemeinen Lebe» Oberdeutsch- landcs petschierwachs geuanntwird. Der petseyierriny, des—cs, p!ur7die—e, wie Petschaftrina, am häufigsten im gemeinen Leben, i. ^ . Der petschtersteck)er. des—s, xrlnr. ur vom. ssllA. derjenige, dessen voruehinstesGeschäft eS ist, Petschiere für andere zu stechen; der p.'tschaftsiechk-x. Das Vetum, des —s, nkur. cnr. eigentlich der Nähme, welchen der Rauchtobak und dessen Pflanze auf der I ssel Takago führet. Bev uns pflegt mair noch eine AnAmerikanischen Tobakes mit sehe / ßrüneu ivollig -n und dicken Blättern, welche »4 Zoll breit und ^6 Zoll lang stnd, nnd den dararts bereiteten Rauchtsbak pctum s zu neunen. Der Petz, des — es, xlur. die — e, der Nähme bps Baren im gemeinen Leben, Hier -raubet sich der Petz, HageL, Pf ^ 698 Inaleichen ohne Artssel als ein eigenthümlicher Nähme deS Baren. Und wo ein Bar den andern sah, Sohlest es: Petz ist wieder dg, Gell. S. Batz, wie diefesWort auch, und vielleicht am richtigsten, geschr.ieben und gesprochen wird. Die Petze, plur. die—n, »m gemeinen Leben eine Hündinn , an» figürlich ar«ch wobl, ein unzüchtiges UederlichesWeibsbild. Diese» Wort wird HLufigBetze geschrieben und gesprochen; allein imHoch- undOberdeutschen hat das P den Vorzug. Im Angelst lautet es 8icoe,Lice, im Engl.kit.ck,imFranz. Licchorr, im Schwed. L) oksa, alles in der Bedeutung einer Hündinn. Im Böhm. bedeutet kes einen Hund, und kst/cs eine Hündinn. Wächter leitet es von dem Slavon.biru, laufen, her, wckche Ableitung » dadurch unterstützet wird, daß sich auch mehrere Benennungen des Hundes und der Hündinn von laufen, jagen, ableitcn lassen. (S.srmd,mgleichenBätz.) Man hat in den Deutschen Mund arten eine großeMengeWörter, das weiblicheGisschlechtderHunde zu benennen. Bey den Jägern heißt die Hündinn eine Zähe, eine Mölfinn, eine Hündinn, und eine Vebe. Das letztere ist besonders in Niedersachsen üblich, wo es auch Terc, T ffe, Trcve lautet, im Holland. I'eef, lae^e!, im Schwed.'r^el'rva. In eben dieser Niedersächstfchen Mundart bedeutet Teüe auch einen jeden Hund, ohne Rücksicht auf dessen Geschlecht. Wächtern ;x Folge stammet dieses Wort von 2 e«, ich laufe, im Jmperat. her. Zippe ist eine andere auch Nredersächsifche Benennung e.m-e Hündinn, welche mit dem Gothischci, List, und dem 2 odL öcy deu Raban Maurus überein kommt. Doch bedeutet Zip inNü- dersachsen,so wie62upkL im Böhmischen, nnd !ioba in andern Slavon. Mundarten, auch einen jeden Hund. Luppe, welches in einigenGegenden auch eiueHündinn ausdcuckt, kommt vermuch- l:ch von laufen her. Bekannter ist das Hannöv. Tacche, welches -cv den alten Franken und Alemannen 2 c»k, bey den nciiernObei- deutschen Zauche, Zaucke, Zuche, im Schwed. iiu Js' länd. im Nordengl. lautet, uiid mit dem Engl.l ein Hund, überein kommt. Im Oberd. bedeutet auch Brack'-- eine Hündinn, und Meye »der Matze so wohl eine Hündinn, als auch ein unzüchtiges Werbesbild , und im Würtembergischen soll an Zage für eine Hündinn üblich seyn.-S. auch Brach, Hund und Racher. Pf, ein zusammengesetzter Consonant, welcher rittst.bet.wertti man dem p in der Aussprache einen starken Biaselant nachsch eichen lasset. Dieser Laut ist de» Oberdeutschen Mundarten am geläusi - steil, aus welchen ihn auch die Hochdeutsche beybehalten bat. Dm Niederdeutschen kennen ihn nicht, sondern sprechen und schreiben in ihrer Mundart statt dessen ein p oder pp; tropfen , hiiofen, zapfen, Rropf, Hopfen, Ropf, Rrampf, Dampf, Sumpf, Schnupfen, Pfad, pfropfen, Pfaff. Pfand. Pfanne, Pfeffer u. s. f. wofür die Niederdeutschen drüppen Krippen, kappen, Bropp, Hoppen. Rapp, Bramp, Vamp, Sump, Schnuppen, pad, proppen, Pape, pan d, Panne, Peper u. st s. sagen. Für das mehr Oberdeutsche Schopfe haben auch die Hochdeutschen das Niederdeutsche Schöppe bevbehalten. Eiri'ge Oberdeutsche Mundarten find uut die-em harten Laute überaus frcyge- big,^uud d» sagt mau für Pacht auch pfacht , für pachten, pfachten, u. s. f. Ja manche sprechen auch das f mir >0 fest geschlossenen Lippen ans, daß ein pfheraus kommen muß, daher auch im Hochdeutschen viele Psiampfeder und pfinne siüZlaum- federimd Zinne schreiben und sprechen. In empfahl, empfanden, empfehlen und empfinden, ist emp um des Wohlklarrges Wille« aus ent entstanden. S. diese Wölter^ und viele der folgenden mit Pf anfanzenden. Der psaö, des—es, pp'r. bis -s, (nicht Pfade, wie einige schreibe-') der W- g, worauf man gehet der Fußweg; ein Wort, rv la, es iw Obi-rl tmschen auch in den gemeinen Mundarten üblich ist, iw H-ockdeUifcheir aber nur in der erlern urch Hähern Schreibart, so wohl un eigentl chcual- fiMrl.chen Verstände, gebraucht wird. Du crar der Engel des ^erru in den Pfad, 4 Mos. L2, 24 . Bald wird >r! Mädchen hier den Pfad vorüber gehn, schon wie c ne der Grazien, Grßn. Ich will mich jedem Vergnügen libcriasc-n, womit die wohlthärige Natur -re dornige Pfade d es Lebens bc-Sreust. Du streust Rosen und I- snun Auf die sichern Pfade hin, Die ich gehe, W-che. Anm. B«y dem Dltfricd ?üc!. im Plural ?eck>. siey dem Nojke:?'.uck dey demSrr!.cker?üut.:n^cxhornsGloss.„ffLciki, im Nieder', psd, im Angeis. k^auck, in, Engl. ?sttr, im Grrcch. «-«-ratz im Ruffischen i, und selbst im Mü.'abarischen ?> cl ü)'. Es ifl ein altes Wort, welches' vox dem noch Nieder s. pcdden, psdden aehrn. treten, Lat-, zetere,. Geieck. Hebe. r!O 2 , Lkv>S, mii abstammet, und mit Fuß den- Lat ?vs, ttuserm Pfote > m» A^atenErntS Geschlechtes ist, S.oieft Wörter. Ein anderes unr in detz ocurcineu Sprecharken einiger Doer» deutschen Gegenden, z. L. inDsterre-ch ui:dBanrn,übllchesWort, ist Pfad, oder nach der dortigen Anslprache pfoad, ein Hemd, womit das Goihische ^Aicicr undJstarrd. puitL in ebeu dieferBe- deutung, überein kommt. Dieser- prad scheinet das Stammrvort von linserm Futter Zn seyn, so feen, cs eine Bekleidung bedeutet. Das pfüöeisen, des—s, p!ur. ul vom IjnZ. im Bergbaus, e niungeboecuesEisenitt derHaspclstüöe, in nndanfwelchem der Zapfen desRnndbaumes herum loufr,uao weicher auch daspfuhl- eiscn gcualllit wird; ohne Zweifel auch von Pfad, ein Weg, nud dem veralteten pfaden, geben, sich bewegen. Pfttdbos, —er, —este, uckj. etuckv.^des Bfades beraubt: in der Hähern Schreibart. Eine pfadlose wüste, eine unwegsame. pfadlos ach ! und rauh rst oer Boden. Die pfaSschau, plur. d-e—en, m einigen O'.:crreutfchen Gegenden, die obrigreitliche Besichtigung der P fas e-oder Wege. r. Der Pfaff, des —e r, plur. die—en, oder Pfaff.-, des—n, plur. die—n, eilt nur r^r gemeinen Leben in ewigen Fasten übliches M»-rr, c'neu Zapfen oder doch eine Art desselben zu bezeichnen. So wird bn, den Brauern der Zapfen der Pfaff genannt. Ben den Schlägern »st oer Niechpf.rffe eme Art M,-isiel, welchen mav auf die N:-.lhe, ^n denen mau mit dem Hammer nicht kommen kann, setzt, und mit dem Hammer darauf schlügt (Siehe auch pfaffendorn.) Pfaff hat hier überhaupt den Begriff der spitzten Beschaffenheit, u ist) u noch weiterer Bedeutung der Er- ^ HSyuttg , daher es zu dem Geschlechts der Lat. ? - f> i, jz i Uu, ?upul a, ffubu, des Schw.d. Ps zr. die Brustwarze, der Deutschen p ff b e, Wrepe. Feiscl, tl. s. s. gehöret. J.m Nieder s. ist Papr ein kleiner Hügel. - ' , s. Der Pfaffe, des—N, pffrr die—N, eine dem eigentlichen Dienste Gottes oder des für Gott gehaltenen Wesens gewidmete Person; wo es ehedem auch im guten und rühm! ich euVetstande gebraucht wurde, einen Priester, und in wchsrcriLedcutnng einen jeden Geistlichen zu bezeichnen, daher noch Jeroschin den Papst den obersten Pfaffen nennet. In dieser anständigen Bedeutung ist cs längst veraltet, und wird nur noch rrü »rräckllicheir uudhar, ten Verstände von cülem jeden Peiester.und Geistlichen gebraucht, er diene nun dem wahren sder fatschen Gotte. Da werden sie denn fraZ-n ihre Götzen und Pfaffen, ustd Wabvfaaer und Zeichmdeuter, E«'. '9, Z. Em G'-tzenvfaffe, Dompfaffe, Bauchxfaffe, M.'ßpfaffe, Dorfpfaffe u. s. f. aste im harren und verachkllchen Verstands. Bey den Hankweifferm, wo man einen Lchrl-mg mit allerlei) seltsamen Gebräuchen zum Gesellen zu machen pflegt, hat mau einen Gesellen, welcher eimn Gerstl.che» vorstellct, dieDepositiop verrichtet, und gleichfalls derpfaffr. der Gesellenpfaffe oder Gchlc.fpfaffe genannt W rd Aui denNlied-.-r- sächsischcn Universilätett wurden b:c Stüdeskeu, weisuian sic ehedem Mit zudem Geistlichen rechnete, gleich.als» Puffen genannt, da denn die Pennale oder so genau»,enFüchi'. 6 « r.pfeffeu hirsieL. Figürlich und vcrnmthlich wcg.lt einiger Ähalichkeu IN drrGe- stalt oder vie-U. ichtauch wegen der schwarzen Farbe sind im geir-.ei- nenLebr n ein geVög-l u iker dieftinNahmen bekannt. >-Die groß- bärtige Schwalbe welche bey d.ui großen Hauken in dem unge- grü..d. ten Verdachte ist, daß sie dir .R »der und Ziegen aussaugen soll ttiruncio Gui-rimuchrr k/c-f/r. wird auch der Pfaffe gedünnt. (V. Nachtrabe.) 2) Das Rohrhtlhn, Mafferhuhu oder schwax;eBlasbuhn,b u!-c'a rsceai i'o. u tl»iv/s/^.ist gleichfalls umer dem Nahmen des Pfaffen bekannt, z) S. auch Dompfaffs- ' Anni. Dieses Wort laulxt bey dem Versoff r des alten Gcdich« tes auf den heil. Anno ?ulk, im Nicdrrs.pape, im Angelf. im Wallis, und Slavon. ?ope. Es ist aus deM Griech ««-»-«§, Lat.? epu, welches schon frühe ein Ebrcnnahmeder Pri-che und Geistlichen wurde, und von denDöerdeutschen blasendcuNlundar- t»n in Pfaff verwandelt worden. Durch oen kairgen Gebrauch, besonders in dem Munde des großen Hanffns har es feine ehemah. lig.eWürde verloren, so daß cs jetzt bis zu'einem beleidigenden Ausdrucke hinab gesunken ist. Ju den fvigendeuZusüMmenfetzun- gen liegt theils eine oder die andere Ähnlichkeit mit der Tracht der Geistlichen zum Grunde, theils bedeuten aber auch die mit Pfaff zusammen gefetzlrm Wörter das vor,üglichsteihrcr Art, weil sich die Gelstlichen immer gern das Beiff anzumaß»» pfl -en. Der pfchffenbcrmn, des — es, piui . die —bäume ein Nähme, welch il dergeMeineGpindelbauin.k^vo ^ n L) irvjdueu-;!.,. in vi»ien Gegenden führ, t In andern wi-d .1 Psaffenhut pfaff fe-rhü'chen, p rff ukappe, p ff nräppiein. p.affen nutze, pfaff.-umü-cheu, Pfaffeneos-ye . p rffenpfötche 1, pflff u« Holz. Pf.rff n!)uteiho!z!tu pf.-ffiedei P ff uinttel) genannt. Alle öi'.fe N ,l).-».ea reichen sich aut oj. cor en viereckigen Beeren, weiche einer 0,er. ck gen I „uee- )!)lütz ähnlich sehen, und in Schalen stecken, >v l che ki m n Hür-en gl-ichen. Die Nahmen pe.ffer -olz n ro pf'.-,f-rreiff.bai,: H-i lleichi p. affe icesel- ho -) ;iud alluu Anfeheu nach oaraus verderbt, S. Sprndcl- baum. Die pfrffonbrn-e. p! u r. i-ui. in eimg.-n Gegenden ein Rahme defFwserwur.'el, surum .n m b. wegenderÄhnlichk-eit des Blattes, worin der Same eiugervickelt liegt. In manchen G gc rdcil Pfa ffenp.rrt, welches ans pfaifendiu ^e verderbt ist. Die Pfaffe-.- b.rn , j)lur. die — -u, eure Arr schmackhafier Bir- uen, wo.che in andern G -gend u äerreubirn, Bönigsbirn -und T-rfslbrrn g-uarrnt wird. S. ä'rrenbirn. Dcrs präffc'. c>tß»yo!r, des — s, s,iur. ut VOM. fro§. das beste schmackhafte S-.iick an einem Braten oder gr-kochten Fleische oder Fische,welches auch wohl oei pfaff-nschuitt oder da. pfaffenstu-k genannt wird, weil man es bey öffentlichen Gafterey. n, beflnoers auf dem Lande, den Geistlichen aus Achtung vorznlegcn pflegt. An einer gebratenen Bans ist es die Brust. An einem Rinbe heißt das beste Stück Fleisch aus dem Hinterorertel um eben dieser Ursache willen das Pfaffe,Mück. Daspfaffmblirbc, S. Pfaffenplatts. . Der pft fferrdor !, des — es, p'ur. die -e, bey den Spsreru, ein an, Ende ausg-chöhiter Dortt, die Nägel damit anzuziehen. S. l Pf-ss. 7or. Pfa Die pfaffenyassa, plur. die—n,in manchen StädteneinNahme einer Gasse, in welchen mehrere Geistliche wohnen oder doch ehrmahls gewöhnet haben. Im Scherze pflegte man ehedem auch wohl die Gegend längst des Rheines, wo mehrere Bisthümer »nd Erzbisthümer beysammen liegen, die Pfaffengasse zu nennen. Das pfaffenhö'ölein , des—s, plur. iaust. r) Ein Nähme des Spchdelbaumes, wo es aus pfaffenhütlem verderbt ist, siehe p fassend aum. 2) In einigen Gegenden ist auch das klenw Gchelkraut nittec diesem Nahmen bekannt. Das Pfaffenholz, des —es, plur. illull das Holz des Spindelbaumes, S. Pfaffenbaum. Der pfaffenhut, des—es, plur. i'uust Diminut. das Pfaffen- Hütchen. S. eben daselbst. 2) Im Österreichischen rine Art der Herbstmorcheln mit einem in zwey Gipfel gespaltenen Hut. Die pfaffenkasve, plur. iuuf.Diminut.das Pfaffenkäppchen, Oberd. Pfaffenkäpplcin, S. ebex daselbst. iper pfaffcnknechr, des—es, plur. die—e, in den nieder« gen Sprecharten, derjenige, welcher de» Geistlichen auf eine stlavische Art ergeben ist. Das pfaffcnköpfchen, S. Birkenpilz. Das pfaffenkraut, des — es, plur. äuust. G. Pfaffenplatte. Der Pfaffenkümmel, des—s, plur.iuul.S. Rümmcl 1. Die Psürffenyrütze, plur. iuui.Diminut. das pfaffenmützchen, ein Nähme des Spindelbanmcs, S. Pfaffenbamn. Das Pfaffenpfötchen, des— L, plur. Lauf. S. eben daselbst. Der Pfaffenplnt, des—es, plur. irrul'. S. Pfaffenbinde. Die Pfaffenplatte,plur'. laut. Diminnt. das Pfaffenplättchen, eiir Nähme einer auf allen Wirsen befindlichen Art Löwenzahnes mit hohlen Stielen und gelbenDlumcn,welcher anchBrrtterblume und Dotterblume genannt wird; ll/soutoclou laraxacurn Ö- Er hat den Nahmen von dein großen weißciiFrnchtboden, welcher, wenn der mit langen Federn versehene Same davon abgcbla« sen wird, einer Mönchsplattc ähnlich stehet, daher dieses Gewächs such pfaffenkrarrt, Pfaffenröhrchen oder pfaffenrohrlein und Mönchekopf genannt wird. Der in einige» Gegenden übliche Nähme Pfaffenplatt ist aus Pfaffcnplatte verderbt. Das pfaffenröhrlein, des—s,-plur. iuuf. S. das vorige. Der Pfaffenschnitt, des — cs, plurl die — e, stehe pfaffen- bißchen. Der pfaffenschich, des—es, plur. inust. ein Gewächs, siehe Marienschnh. Das Pfaffenstück, des — es, plur. die —e, siehe pfaffen- bißchen. Die Pfaffsrep, plur. die — en, in der verächtlichen Sprechart, die den Geistlichen cigenthümliche Art zu denken und zu handeln, und das darin gegründete Betragen/ Das pfaffiedel, des—s, plur. iuuf. S. pfaffenbamn. pfäffisch, nüj. etaclv. welches nur in der harten und verächtlichen Schreibart gebraucht wird,denGeistlichen ähnlich, in ihrer eigentbnmliche» Art zu denke» und zu handeln gegründet. Derpfayl, des —cs, plur. die pfähle, Dimttuit.-das pfähl- chen, ei.r zugespitztes gemeiniglich rurrdesHolz, welches man in die Erde schlägt, oder auch etwas daran spießet. Man gebraucht es nur von solchen zugcspjtzten Hölzern von eurer gewissen Größe, indem si? wenigstens einige Zoll im Durchmesser halten müssen, bis zu den großen oft viereckigen Grund - und Brnckenpfählcn. - Kleinere Pfähle werden, weine sie von Holz sind, pstöcke genannt. Einen Pfahl einschlagen, oder wenn er groß ist, einrammen. ^ An pfählen befestigen. An den pstehl stellen, an dem Schand- Pfahle der öffentlichen Verachtung aussttzeu. In meinen viex Pfählen, figürlich , in meiner Wohnung, in meiner Behausung. Dep Mel'irpfghl, Zaunpfahl, Gvänzxfahl, Brandpfahl, Pfa 702 S'chandpfahhStttrmpfahl, Grnndpfahl, Brückenpfahl u. s. st. Zn einigen der folgendenZusamwerffetzungen bezeichnet es in engc- rer Bedeutung einen Gränz - und Gerichtspfahl. Anm. Im Niederst Paal, Pössl, Paul, im Angelst Pal, im Engl.pale,im Wallff.katvl, imSchwed.I^^ie, LmPohln.f'al» im Jtal.kalo,lmFranz.l?Ll,inlLat.ka!u 8 . Der Grund der Benennung liegt in der Spitze, daher dieses Wort einGes l lechts-- verwandter von Bolz, Bohle, Bille, Bei?, Pfeil, Spille, Palme und andern dieses Geschlechtes ist. In Bexhorns Gloss' u heißt dep Pfahl düeckockücrruund kaclctiacffjo. Das h erfiu'*-/ dert theils der lange,Gebrauch, theils die Regel, daß die flüssig n Mitlauter im Deutschen gemeiniglich ein h vor sich haben, S. tz. Der pfahbbauer, des— N, plur. die— N, in einigen G-gen- deu, z. B. im Osnäbrückischeu, eine Arl Bauern, deren Rocht bloß darin bestehet, daß, wenn das Vieh der Eingesessenen zwepec benachbarten einander gleichen Märker aus der einen in die Ln- dereMark übergehet, solches aus nachbarlicher Freundschaft nicht gepfändet werden darf.S.BerghoföBefchaffenheicdesOsttabrück. Pftchlbauerrechtcs, Osnabrück 1770. Pfahlbauern scheine« hier also eben das zu styn, was i» den Städten die Pfahlbürger sind, d. i. schntzverwandte Bauern, welche di Kege«, fettigen Dorfrechte genießen, als innerhalb der Gränzpsähle des Dorfes wohnhaft angesehen werden. Der Pfahlbaum, des—es , plur. die—bäume, ein zu einem Pfahle, besonders zu einem Grund - und Brückenpfahle dienlicher, dazu bestimmter Baum. Die pfahssssrücke, plu-r. die— -N, eine Brücke, welche auf Pfählen ruhet; dicIschbrück^e. Der Pfahlbürger, des—s, plur. ut uom. 6uz. ein ehedem sehr gangbares, jetzt nur noch in einigen Gegenden übliches Wort, einen Eimvohncr einer Stadt zu bezeichnen,- welcher Zwar , außerdcnStadtmaucrn, aber dochinnerhalb der Bann- und Ge- richtspfähle der Stabt kyohnet, einen Vorstädtcr, welcher daher auch alle oder doch einige Rechte der eigentlichen Bürger genießet. In wettererBedeutnng pflegte man daher ehedem einrrülnterlhan, welcher sich zum Nachtheil feiner eigentlichen Obrigkeit das Bürgerrecht in einer fremden Stadt erkhcilen ließ, aber an feinem vorigen Wohnorte blieb, einen Pfahlbürger zu nenne». Die Leibeigenen, welche sich auf solche Art ihren Verbind» lichkeiten zu entziehen suchten, heißen daher in einer Urkun« de Kaistr Rudolphs von 1275 in den Materialien zur Öt- tingifchen Geschichte: 8srvilis conc1itioui8 üc mlues, czul vulla petita licsatia vel obteuta, imo ipso irucio ikrauckulevter et occulteack cüvitates couvol >nk, et per jura ei vitatum suis clebitis tervitiis te fubtra-tunt ec subclucccnt. In dem Städtchen Schellenberg bey Augustus - Burg im Erzgebirge werden die Bürger noch jetzt in brauende und Pfahlbürger gerheilt. In Frankreich erklärte man in den mittler» Zeiten aus Unknnde der Deutschen Sprache dieses Wort durch lssaux LourAeois, als wenn es aus falsch und Bürger zusammen gesttzet sty, wre aus einer Franz. Urkunde Kaffer Heinrichs von izöz Hey dem Dir FreSne erhellet, welcher sich gleichfalls dadurch verleiten taffen, eine« . Pfahlbürger durch kallüm burxerilLin zu erklären, ungeachtet diese Benennung augenscheinlich von den Bann- und Ge-- richtspfähleu bergenommen ist. Ja eii.igen alten Urkiliiden heißen sic auch pflugbürNer, ohne Ziveifel, so fern sie in de» Vorstädten wohncten, und sich von dem Ackerbane nähreten. Das Pfahldorf, des — es, plur. die — dörfcr, ein nur im Braunschweigischen übliches Wort, wo gewisse Dörfer, welche innerhalb der Baum und Gerichtspfähie der Stadt Branttschweig liegeri, diesen Nahmt» führen. S. da» vorige. Die 703 P k« Die pfahleiche, plur. die —n, im Forstwesen, eine zu Grund- und Drückeiepfädlen tanaliche Eiche, welche e z Zoll imDurchmes- fer und 2 z Ellen in der Länge halten muß. Das Pfahlersen, des — s, plur. ul nom. kn^. ein eiserner Pfahl, die Löcher zu deu hölzernen Pfählen in festem Boden damit vvezustoßen. Zn den Glashütten hingegen ist das psahleiscn er" starkes Eisen in Gestalt einer hölzernen Streugabel, welches in den Pfahl eingefchlagen wird, um dasGlasrohrmitdem Scheiben- taubel zwischen dessen Gabel zu legen. Pfühlen, verb. reß. nct. »- Mit Pfählen versehen. Den wein, den Hopfen pfählen. Jugleichen, einen wein- oder Zopfen- l-crg pfählin, die nolhigcn Pfähle einschlagen. Er pfä hlt und biegt und zieht die zart - und jungen Stämme, Giinth. 2) Auf einen Pfahl sp'cßen; eine noch in den Morgenländern «bliche Lebcasstrafe. Ehedem war auch das pfählen eine in. Deutschland übliche Lebensstrafe, besonders der Kindermörderin- nen , da ihnen ein Pfahl durch den Leib geschlagen wurde. So ^ auch das pfählen. Das Pfahlgericht, des — es, p!ur. die—e, eine in einigen Gegenden übliche Benennung, eine Art eines Gerichtes, und einer Gerichtbarkeit, welche sich nur über einen bloßen Hof in eines andern Gebiech erstrecket; das Zaungencht, von den Zäunen und Pfählen, womit die Bauerhöfe eingeschlossen sind. Der pfahlgraben, des—s, plur. die—graben, ein mit Pfählen oder Pallrsaden besetzter Graben; ein Nähme, welchen noch in manchen Gegenden die auf solche Art befestigten Grauzgräben führen. Die Pfahlhecke, plur. die—n, eine solche mit Schutz-oder auch nur Gränzpfählen besetzte Hecke, so si»rn sie dje Gränze zwischen zwey Gebrechen macht. Das Pfahlholz, des — es, plur. die— Holzer, Dimiuut. das pfahlholzchen , ein Holz in Gestalt eines Pfahles , ein kleiner Pfahl oder Pflock; eine im gemeinen Leben üblicheBenennung verschiedener Arten von Spindeln, od^r Pflöcken. Die Pfahlmuhle, plur. die—n, eine Wassermühle, welche auf einem, festen mit Pfählen versehenen Boden unbeweglich siebet; im Gegensätze der mehr veränderlichen und beweglichen Schiff- miihlen. Der Pfühlpauschel, des—s, plur. utnom.liux. im Bergbane, ein großer, schwerer Päufchel, Pfähle damit einzuschlageit. Die pfahlramme, plur. die—n, eine Ramme, große Pfähle damit einzurammen, S. Ramme. Das pfahlwerk, des — es, plur. die — e, ein aus Mehrern Pfählen bestehendes ÄZ> rk. Ein solches Werk ist der aus Pfählen bestcheude Grund eines Gebäudes. Die Pfahlwurzel, plur. die — n, die Harrptwurzel mancher Bäume, welche als ein Pfahl senkrecht in die Erde gehet; die Herzrvurzel, Zapfenwurzel, Pfeilwurzel. Der Pfahlzaun, des -es, plur. die—zäune, ein Zaun, welcher aus neben einander geschlagenen und nur oben mitWeiden zusammen geflochtenen Pfahle» bestehet; zumUuterschiede von einem gesiochtcnen Zaune. r. Die Pfalz, die Begattung , pfalzen, sich begatten , S. Balz und Balzen. , 2 . Die Pfalz, plur.die—en, ein aus dem Lateinisch, ^ulati um verderbtes Wort, welches ehedem für pallaft sehr üblich war, aber in dem gemeinen Sprachgebeauche der Hochdeutschen veraltet ist, und so wohl allein , als auch in Zusammensetzungen »nr nochals eine Art eines eigenthiimlichen Rahmens gebraucht wird. Es be- druiete ehedem, i>einen Pallast , wo es auch palen; und pfa? !r»z, im trennten Jahrhunderte k'ulice ,uud irr dem alteuSedlchte P la 704 anfdkn heil.Anno kbelivri, lautete. So wurden die Rathhäu- ser mcd Gerichlsorke ehedem sehr häufi Pfalzen genannt, irr welcher Bedeut,nng es noch in Schwaben üblich ist. Wird endlich doch der Menge Der Reimen schon die Pfalz, der weite Bau zu enge, Opitz. Besonders und in engerer Bedeutung waren bey der ehemahligen Gcwohnhkitder Deutschen Könige und Kaiser, feinen f-sten Siy zu haben, sondern in dem Deutschen Reiche herum zu reisen, die ihnen gehörigen Palläste, Schlösser und Königshöse m dcnProviu: zen, in weichen sie sich von Zeit zu Zeit anfhielten, daselbst Gericht hielten und Recht sprachen, und Reichstage daselbst hielten, unter dem Nahmen der Pfalzen bekannt. Daher war die Pfalzstadt eine Stadt, in welcher stch ein solcher kaiserlicher Pallast befand. 2) Das zu einer solchen Pfalz oder zu einem solchen Pallaste gehörige uud den Kaisern und Königen unmittelbar nntcr, worfene Gebieth; in welchem Verstände es ehedem sehr vielepfal- zen in dem Deutschen Reiche gab, welche nach nnd nach an andere Herren gekommen sind, und zum Theil anch ihren Nahmen verloren haben. In den Nahmen der (pber- Pfalz, nnd Unterpfalz, welches letztere auch die Pfalz bep Rhein, am Rheine, genannt wird, und von welcher die )Jn der weitesten Bedeutung, eine jede Person oder Sache, welche man dem andern zur Sicherheit emiir Handlung oder eines Erfolges übertrüget, sie > ihm im widrigen Falle zu seiner Willkühr überlässet. Zn dieftnt weitesten Verstände ist es noch in vielen Fällen üblich-. Ich setze mich selbst, oder mein Leben, meine Ehre zum pfände, daß es geschehen wird, wobey man, im Falle die Sachs nicht geschehet., das Recht über sich selbst , sei» Leben und seine Ehre verlieren will. In noch weiterer Bedeutung heißt der heilige Geist u«, dorDeutschen Bibel das Pfand unsers Erbes , Ephes. t, und das Pssrud schlechthin, 2 Cor. r, 2 2, so fern er der Ver- , ' '-. ßchMUIgr', 70 L P la - sichernngsgcund unserer künftigen Glückseligkeit ist, gleichsam das Angeld A'lch Kinderpfiegt manhänfig Pfänder der Liebe und Lhepfänder zu nennen, so fern sie nicht nur ttMige Beweise derselben sind, sondern auch einen Versicherungsgrund der Fortdauer derselben ab geben. 2) In engerer Bedeutung ist das Pfand eine Person oder Sache, welche einem andern zur Sicherheit einer eingegangenen Verbindlichkeit übergeben oder übertragen wird. In dieser Bedentung ist es nur noch von Sachen üblich, well em persönliches Pfand, ehedem ein Pfandmann, Pfandbürge, jetzt ein Geißel genannt wird. Jemanden etwas zum pfände neben. (S^Pkättden.) Pfänder spielen, (S.Pfandspiel.) Z) Jtt noch engerer Bedeutung, eine Sache, welche man dem Gläubiger znr Versicherung seiner Schuldforderung entweder wirklich übergibt, oder .hm nur anweiser, um im Falle der Nichtbezahlung sich an dessen Werthe zu crhohlen. Auch hier ist es nur im engsten Verstände von beweglichen Dingen üUich, welche auf diese Art dem Gläubiger übergeben werden. Unbewegliche Güter, welche nur angewiesen werden, werden ein Unterpfand, noch häufiger aber eine Hypothek genannt. Einem etwas zum pfände geben, setzen, oder lassen, Einem etwas als ein Pfand, oder zum pfände einsetzen. Geld auf Pfänder leihen , auf bewegliche Dinge. Ein Pfand einioscn. Das Pfand ist verfallen, wenn die Zeit, anfwelche es dem Gläubiger zu seiner Sicherheit übertragen worden, verflossen ist, und derSchuldner seine Verbindlichkeit nicht erfüllet, verfallene, im Oberdeutschen verstandene, Pfänder. . ^ . Anm. Im Ächwabensp.kfant, im Näders, pand, rm Schwed. knot, im Jsländ. k rnlu,-, im Pohln.k'Änr, in Boxborns Glossen ssant. Da das d oft ein müßiger Laut ist', welcher dem n' gern nachschleicht, so lautet dicsesWort im Mittlern Lat. nur num, im sfngl. i^tvn.undim Franz. ?un, woraus zugleich dieAbstammuna von Bann und binden erweislich wird. Wenn das n durch die Nase gesprochen wird, so hängt sich ganz natürlich der Gaumenlaut an, so daß auch das Lat. ?iZ'nu8. Jkal. ?LAno, näher mit nilserm Pfand verwandt ist, als man dem ersten Anscheine nach vermulhen sollte, welches auch von dem alten wette, Schweb. V^rcl, Angelst im Mittlern Lat.Vallium, 6unckiu5, Franz. Oäge, welche insgesammt auch ein Pfand bedeut n, erwiesen werden könnte. (S. Unterpfand,) welches sehr häufig auch iu allen Bedeutungen des einfacher» Pfand gebraucht wird,ingleichcn Pfennig. Im Oberdeutschen lautet der Plural oft pfände für Pfänder. Das Niederst pand hat noch verschiedene andere Bedeutungen, welche sich gleichfalls auf das Zeitwort binden zurück führen la-s- sen, und in welchen es, wenn man es im Hochdeutschen airsdrucken will, bald Band, bald auch Pfand lautet. 1) Eine Menge, eine Partcy, gleichsam eine verbundene Menge mehrerer Dinge. s)Die Haut über flüssige Körper, z) Ein papierues Muster, eine Patrone. 4) Ein Stück, woraus ein Kleidungsstück bestehet. Ein Mätzenpand, ein Stück, woraus eine Mütze zusammen g!csetzct wird. Das vorderpand, das Vordcrstück, das Zinlerpan-, das Hintcrstiick. L) Das Dcichpand, im Hochdeutschen bald Deichpfand, bald Deichband, ist ein bestimmtes Stück eines Deiches, welches jemand im baulichen Stande zu erhalten verbundenist. Wohin 6) auch das Oberdeutsche. Beunt, peund, Bunt, . im mittler»Lat. LiunclL, ein ejugezäunter Platz, besonders ein eingezäuuter Weideplatz, Niedersächst eine Doppel, zu gehören scheinet. Pfandbeschs.ofit.a6j. et a6v. S. Beschloßt. Der Pfandbrief, des—es, plur. die — e, ein Brief, d. i. Urkunde, worin man jemanden ein unbewegliches Gut zur Sicherheit seiner Schuldforderung anweiset, von Pfand, so fern es ehe- Ndel. W. B. z. Th. 4. Aust. Pfa 706 dem auch ein unbewegliches Pfand bedeutete; die pfandvev- sckreibung. , . . . Der Pfandbürge, des—n, plur. dre —n, eine ziemlich unge- wohnlich gewordene Benennung eines Geißels, welcher ehedem auch Pfandmann und Leistosirge genamitwurde. Das Pfandeaeld, des—es, plur. doch nur von mehrern Summen, die — er, dasjenige Geld, womit eine gepfändete Sache wieder eingelöset wird. Der Pfändemann, des — es, plur. die Manner, siehe Pfänden, verb.reg. ael. ijDurchAbnehmung eines Pfandes ^ zur Leistung einer Schuldigkeit zwingen. So pfändet der Gläubiger seinen Schuldner, wenn er zucSicherheit seiner Forderung demselben eine Sache abnimmt odervorenkhält. Sie machen dre Leute arm mit Pfändern, H-ob 24, 9; und nehmen das Rind des Durstigen zum pfände, Michaelis. Juglcichen durch Abnchmuug eines Pfandes zur Ersetzung einesSchadens zwingen. So pfändet man auf dem Lande das Vieh, wenn es an verbotheuen Orten weidet, und man cs so lange in Verwahrung nirumt, - bis der Eigenthümer den verursachten Schaden ersetzet hat. Im - Niederst schütten, von Schutte, Schutz, ein befriedigter Ort, im Oberdeutschen fürfangen. DepLnhrmann, welcher verbo. lheue Wege führet, wird gepfändet, wenn man ihm ein Pferd ausspannet, oder emeandereSache zum Unterpfande der Ersetzung abnimmt. (S. auch Abpfänden und Auspfänden.) 2)Zum Pfände geben ; doch nur in dem zusammen gesetzten verpfänden. ' So auch das pfänden und die Pfändung. Anm. In dem Schwabens, pkeuckeu, im Niederst panden, im Holländ. pLncken, „ ^ - , Der Pfänder, des--s, plur.ut uoin. UaZ.derienige, welcher einen andern pfändet. In engerer Bedeutung ist der Pfänder aufdem Lande, ein Wachter, welcher die Dorfflur begehet, und Menschen und Vieh, welche derselben Schaden znfiigen, pfändet; im gemeinen Leben der Pfändemann, Pfandmann. An andern Orten heißt er der Deller, von dem im Liefländ. üblichen keilen, pfänden; in der anstänöigern Sprechart aber der Lcldvogt, Zlnr- schütz, Fcldhüthcr. Der pfandesinhaber, des—s, plur. ut nom. linZ. Hämin.^ die pfandesinhaberinn, eine Person, welche zu ihrer Sicherheit ein Pfand von einem andern in Besitz hat, es sey nun ein bewegliches oder ein unbewegliches Pfand; ehedem der Pfandhaber,,. Pfandherr, Pfandglänbiger. Das Pfandhaus,des-es, xlur. die—Häuser, em öffentliches Haus, m welchem Geld auf bewegliche Pfänder geliehen wird; ein Leihhaus. Das pfanöbehen, des—s, plur. ut noni. üoZ. em Lehen oder Lehengut, welches man als ein Unterpfand besitzet. pfändlich, allj.et s6 v. in Gestalt eines Pfandes, als ein Pfand; wofür doch unterpfändlich üblicher ist. Die pfandsöfuny, plur. die — en, nur noch in den Gerichten rilliger Gegenden, die Ein oder Auslösung eines Pfandes. Das Pfandrecht, des — es, füur. inul. das Recht, eine Sache als ein Pfand oder Unterpfand zu besitzen. Die pfändsache, xlur. die — en, eine Sache/ welche ein Pfand oder Unterpfand betrifft. Der pfändsäß,dcs —ssen plur. die - ssen in einigen Gegen- dem der Pfandesinhaber eines unbeweglichen Gutes, welcher dasselbe unterpfändlich besitzet. S. Saß. Die Pfandschaft, p ur. die — eni i) Die Eigenschaft eines Dinges, krast welcher es ein Pfand oder Unterpfand ist; ohne Plural. 2) Ein Pfand oder Unterpfand selbst, es sey nun rin be, wegliches odee unbewegliches. Y y Der D'eL pfanö'jAMrfty/ des— es, plur. doch nnr von Mehrern Summen, die—e. i) Diejeuige Summe Geldes, welche man -auf ein Pfand bekommen, oder gegen cinUiuerpfand anfgenommen hat, von Schilling, eme Summe Geldes4 in einigen Gegenden dee.psTndpsennlg. 2) Auch dasreniqe Geld, welches für eine abgep.fändele.Süche zur Strafe, oder zue Ersetzung des Schadens von dem Gepfändeten erleget wird. Z) In einigen Gegenden ist .es auch dasjenige Geld, welches der Richrer für die Emwllllgimg in ein verschriebenes' Unterpfand bekommt. Der pfandseyulchner, des—s, piur. ut llOln. lmZ.FLmitt. die pfandschuldnerrnn, derjenige, welcher-gegeuciu Pfand Geld ausgenommen Hac; un Gegensätze des pfarrdesinhabers, welchen man auch den pfand.gläubigor nennen könnte. Das pfanSspiel., des—es, plur. die—e, eine An gesellschaftlicher Spiele, wo zurVer.sichcruug derVollziehung einer Verbindlichkeit, die spielenden Personen em Pfand erlegen; das Pfänderspiel, von der A. A, Pfänder, d. t. um Pfänder, spielen. -Der pfanbstaÜ, des — es,plur. die—ställe, auf dem Lande, ein obrigkeitlicher Srall, in welchem das gepfändete Bich so lange aufbehalten wird, bis der Eigeruhumer den dadurch verursachten Schaden vergütet hat; Meders. der Schuttstall. Die pfan-veLscyrs;b-; U, pkur. die—i-n, S.Pfandbrief. Die pfanduny, xlur. dre—en,-S. pfänden. PjfandMLtss, in Gestalt eines Pfandes, als ein Pfand oder Untecofand. Lin Gut pfandweise besitzen, miterpfäaLtich. ^ Der pfa-nH, ein im gemeinen Leben inancher Gegenden üblicher Nähme so wohl des Fenches als desFenchels, S. diese Wörter. Die Pfanne, plur. die — n, Diwinut. das pfännchen, Oderd. -,pfännlein. i. Usecdaupt..elne jede flach etngebogene oder vertiefte Fläche, und ein mit einer solchen eingebogenen Fläche berse- henes Ding; in welcher weitesten Bedeutung es doch nur in einigen Fälleirniblich ist. Diejenige Vertiefung, worin sich derZapfen Liner horizontalen Welle beweget, heißt so wohl im Bergbau?,als Mühlenbaue undchey den Uhrmachern cinepfanne, und bcstimm- . -Lee die Zapfenpfanne , zuweilen aber auchLas Zapfenloch. Besonders führen diesen Nahmen mit einer eingebogenen Fläche versehene Dinge, vertiefte Räume und Gefäße. Die Hohlziegel oder hohlenDachziegel heißen noch an vielen Deren Dachpfannen oder nur Pfannen schlechthin, ja im Niederdeutschen und den damit verwandten Sprachen werden alle, auch unsere gewöhnlichsten flachenDachzicgelpfannen genannt, im mittlernLat.^nnoet^n- pistrs; entweder, so fern die hohlen Ziegel die erste und älteste Art sind,welche ihrenRahMen denn auch auf die bequemer» flachen Ziegel fortgepfianjet haben, oder auch von r^nem andern , aber doch verwandten Worte, welches eine ebene Fläche bedeutet hat, und wohin das Eirgl, eine viereckte Scheibe, das ^innländ. -knurr, eine Schindel, gehören. Bey demAurgreunen war sre Pfanne, dem Frisch zu Folge, eine schwebend aufgehsngte hohlr sScheibe, nach welcher mau als nach einem Ringe rcnncte. Dor viereckte eingefaßte flach vertiefte Der, in welchem die Maurer Heu Mörtel zudereiten, ist bey ihnen unter dem Nahrnen der Mor- telpfaune und der Pfanne schlechthin bekannt. Oie-Braupfanne äst in den Brauhäusern ein längliches vjereckres flach vcrrreftes kupfernes Gefäß, in welchem das Bier stakt desBraukeffels gebranrt wird« Von ähnlichcr Acr sind die flache» viereckigen blechernen Pfannen in den Salzwerken, worin die Sohle zubercitet wird, und wohin die SieLepfannen oderGradierpsannen, dir Wärm- ,pfannen und Sog- oder Goekpfgnnen gehören. Die - Siedes Pfannen haben gemeiniglich > eise bestimmte Größe. So hält m hem Salz'.verks zu Halle eine Pfanne 5 ZoberSohIe, jeden Zober Zu 8 Tuner und den Eimer zu 12 Kannen gerechnet. Von ganz Ärrden'r Art sind unsere heutige,iLohr - oderLkucrpfMNen, weich s auch Äohl-mck ZeurrbeSen genannt werben, nnd zur Aufbchak- tuug drr Köhlen zum Gebrauche in den Zimmern d euen. In der Reichsstadt Aachen ist die Pfanne eine Abgabe, welche von dem Getreide, den Kohlen u. s. f. zum Behuf der Armen m den Tho- reu der Stadt abgegeben wird, und cheeuNahiuen vermuthlich von einem bestimmten Maße dieses NahMlNs erbailen har. 2.In eugeerr Bedeutung ist die Pfanne in manchenFällen eins halb kügclrge Vertiefung. So sichrer die Vertiefung dieser Art, worin uck der Zapfen einer stehenden Welle beweget, worin sich die Angel eines Thocweaes umdrcher,r. f. f. den Rahmen der Pfanne. Ore Zündpfanne. oder nur Pfanne schlechthin, ist eine ähnliche Vertiefung an dem Schlosse der kleinenSchießgewchre dasZünd- kraut aufziurehmen. Im Niedcrsächfischen wird die Hirnschale die Brege^panne, d. l. die Geyirnpfanue, genannt, von welchem Gebrauche- Frisch die im gemeinen Leben übliche A. A. sein'enFeind in die Pfanne hauen, ableiter, als wenn sie eigentlich von des Tödiuiig eines fluchenden Feindes gebraucht würde. Da sie aber in alle» Fallen gebraucht wird, wo einer oder mehrere niederge- Hauen werden, so wird sie mir mehr Wahrscheinlichkeit als eine von den inden Küchen äblichcnPfannen entlehnte Figur angesehen. Zu der Anatomie werden die halb kugeligen Vertiefungen in den Knochen zu den Gelenken dw Pfannen genannt. Besonders kennet man unter diesen Nahmen die tiefe Höhle dieser Art rn dem Husrbeine,welchi's die Rugeloder 0as.Haupr des Schenkelbeinetf - ausilinmlt; Lai. Bcekabuium. Z. Zm engsten Verstände ist die Pfanne ein zuweilen halb kugeliges, allemllh'l aber flaches v?rrjesles Gefäß. Von dieser Art ist die Pfanne n den Schmelzhürtci,, weiche eigentlich eine große eiserne Schüsse! ist, i,1 welcher derLest geschlagen wird. Die Pfanne der Papiermachcr Franz fttlloiLt, ist ein Gefäß, ws- Nlll der Zeug in der AcdeitSdülte erwärmet wir^ Die Bert- pfanue oder Wärmpfanne, das Bert vermittelst darein oechanek glührnddr Kohlen zu erwärmen, hat einen langen Snel, und unterscheidet sich dadurch von der Bekk- oder Wärmflasche, worein «ur siedendes Wasser zur Erwärmung des Beites gechan wird« Die -Lenchtpfannen sind tiefe Becken, brennbare Sachen znrEr- lenchtung eines Ortes in der Nacht darin anznzünden. In den Küchen hat man Pfannen manchcrley Arr, welche bald rund, bald länglich sind, bald Füße haben, bald aber auch nicht, bald mit einen! langen Stiele versehen sind, bald aber auch nicht, gemeiniglich aus dünnem Eisen geschlagen sind, vfr abcrauch'nur au§ -Thonhcstchen. Allemahl aber sind sie flach, d. i. von einer geringen Tiefe, in Ansehung ihres Umfanges. Dahin gehöret die «Bratpfastne, Biichenpfanne, Tortcnpfanne u. s. s. Anm. Bep dem Notker IftstÄnou, im Nieders. Panne, im Vngels. kao»s, 1 ^ouue, im Engl. Schy>ed.?-Äaor»,im nstrtlern Lat. iin Pohln. und Böhm. psnerv, bev den Krainerischen Wenden ftonuv. Es bedenket überhartpl eine Ver^ tiesnng und ein vertieftes Gefäß, daher imWallisifchen auchj^unw einenBecher bedeutet, und gehöret zu dem Geschlechts der Wörter Banse, Bohnert, Wanne, Wanst u. s. f. Jar Niedersächs. tvrrd eine Pfanne auch Schapen und im Obelrdeutscheu auch ein Rein genauut. Das pfannelftüch, des — e«, piur. die--e, in deu Schmelz- Hütten, dasjenige Werk, weichest» das pfannel oder PfLunlein gegossen wird. ' ^ Das pfannelsen, des—s, plus-, doch nur von Mehrern Acten, ut noiu. UuA. in den Blechhämmern^der Nähme eures starken eisernen Bleches, woraus die Salz- und andern P sann e u verfertiget werden. Der' pfauner-haum, des — es, plur. die — battme, in bm Salzwerkeri, d,eM.ge u Baume, lvorau örkSalzpsauttelt hangen. .- . Das Das pfannerMch, des —es, plur. die—e, diejenigen SLcke eisernen Bleches, woraus die Salzpfannen zusammen gesetzet Der PfannenboE, des—es, plur. -re — b'örke, ebendaselbst, ein Bock oder Gestell, woeauf dle aus ihrem Lager genommenen Salzpfannen gesetzet werden, wenn der Bodensatz mit untergeleg- icm Strohe ausgebrannt werden soll. > Das Nfannenbtet, des—es,piur. die —er, eben daselbst, Breier, welche vor die Salzpfannen gesetzet werden, den Zugang -er Luft von denselben abzuhalten. ^ , Der Pfannendeckel, des-s, plur» nt nom. 603. der Deckel auf einer Pfanne. Am gewöhnlichsten, der stählerne Deckel aus der Zündpfanne der kleinen Schießgewehre, an welche zugleich der in dein Hahne befindliche Feuerstein schlägt, daher er auch mit einem ans dem Französischen entlehnten Kunstworte die Batterie aenannt wird. Das Pfannenersen, des—s,plur. ur nom.nnZ. >) ^cy den Büchsenmacher,1, eine kleine eiserne Schranbenzwinge, e,e Ziindpfanne desSchloffes darin in denSchraubenstvck zu spannen, wenn ste mit der Feile bearbeitet werden soll. 2) S. pfanneisen. Der pfannenflick'er, des— s, plur.utuom. Nug. ein Nähme, welchen an einigen Orten die Kesselflicker führen. Das pfannengebd, des —es, plur. doch nur von Mehrern Summen, die —er, dasjenige Geld, welches man für die Ausübung der Braugerechtigkeit, eigentlich für den Gebrauch der Brauvfaune, an die Obrigkeit entrichtet. Der pfannenyaren, des — s , plnr. ut nom. flnA. in den Salzwerken, Haken, worin die Salzpfanne hanget, und welche in die Pfannenhäspcn eingreifen. Der pfannenrnecl)t, -es — cs, plur. die— e, m drnKnchen, ein Werkzeug, worin der lange Snel der. Kochpfanne als in einer Gabel ruhet. ^ Der pfannenkolben, des — s, p!ur. ur vom. stn§. bev den Büchfeninachern , ein Kolben, womit die Vertiefung der Zünd- pfanne ausgeriebei,, wird. Der Pfannenlä'tfer, des—s, s>iur. ur. nom. 6n^. in -en Salzwerken, Stücke S»!z, welche kleiner gerarhen sind, als gewöhnlich, weil die Pfanne alt oder löcherig war, und daher viele Sohle unter dem Sieden austzelanfen ist. Das Pfännenloch, des —es , silur. die —löcher, eben da. selbst, das Ofenloch unter der Salzpfanne. Der pfannenmerster, des—s, plur. ut neun. stn^.in einiger, Salzwerken, z. B. zu Altorf, ein geschworner Aufseher, welcher die Gebrechen der Pfannen und Salzgcbäirde besichtiget. Dcr pfannenschinrd, des —s, p!ur. die—schmiede, ein Handwerker, welcher Pfannen und andere ähnliche Gerüche aus starken eisernen Blechen schmiedet und daher auch zuweilen der Blechschmid Airannt. wird. Der Pfannenstern, des—^es,.plur. doch nur von mehrern Ar, len, die—e. >) Das erd- und falkartige, welches sich bey dem Sieden des Salzes von der Sohle in Gestalt eines Steines in den Pfannen ansetzet, nnd mit Hämmern abgeschlagen werden muß; -er Salzsteiw Schopp. 2) Eine Art Schiefer, welche zu Goß- lar gebrochen wird, und womit.man die Braupfannen zu pflastern pflegt. Der pfannenstregl'tz, des—es , xkur. die—e, siehe, das folgende. , l. Der Pfannensttel, des — es, plur. die — e. 1) Eigentlich, -er lange Stiel, mit welchem zuweilen die in den Küchen üblichen Pfannen versehen find. s) Figürlich führet eine Art Meisen mit einem weißen Schei,el,dcrcü laiigerSchwanz, weicher den ganzen Körper an. Lange überlrisskeinige Ähnlichkeit mit einem jolchen Stiele hat, ?Lrus c-au6LlusKVs//r. den Nahmen des Pfannen« ^ stielrs, oder verderbt despfannenstieglitzes. In andernGegerrden-. wird sie Zagclmeise, zusammen gezogen Zahlmeise, Schwanzmeise, Schneemeise, Mchlmeise, Bergmeise, Aschmeise, Mshr- meise, Rietmeise, und im Niederst Steertmeeske und Schapensteel genannt; das letztere von Schapen, eine Pfanne. Der -pfarmenzteyer, des—s, p!ur. ut nom. stnx. eine Art? Dachziegel, welche die Gestalt eines großen Lateinischen 8 habem Daß auch alle Hohlziegel, ja auch alle flache Dachziegel zuweilen unter dem Nahmen der Dachpfannen bekannt -sind, ist schon Hey dem Worte Pfanne bemerket worden. Der Pfänner, des—s, plur.utriorn. llnF. Fämim diepfän-4 nevinn, in den Salzwcrkcn, eine Person-welche Salzgüter, entweder an Korhen, oder an einer gewissen Onantilät Sohle, od.cr auch au beydcn zugleich besitzet. Zu engerer un-gewöhnlicherer Bedeutung wird nur derjenige ein Pfänner genannt, welcher ein Korb, folglich anch die dazu gehörige Salzpfanne besitzet, und drs- Soblr anderer durch Meister in demselben versiedcn lasset; zntn Unterschiede von den Gütsherren, welche kein Kolb, aber einem Aruheil an der Sohle besitzen, oder, wie man es nennt, ans ihre Ausläüfte sitzen. An andern Orten werden die Pfänner Salz- jnnkern , in Lüneburg Sülfmeister, Selbstmcister, genannt. Sind es Personen von Stande, sapflegt man sie auch wohl pfarrn- hrrrcn zu nennen. ' ^ Die Pfännerschaft, plur. die—en. 1) Die Eigenschaft, die Würde eines Pfänners; ohne Plural. 2) Die ssmrmlichcrr- Pfänner eines Ottes, als er» Ganzes, als eine verbundene Gesellschaft betrachtet. Der Pfannkuchen, bes-s, plur-ut nom /mx. ein Nähme,, der in den Küchen verschiedenen Arten von Kuchen, welche man in Pfannen zn backen pflegt, beygeleget wird. So-kennet, man den bloßen Eyerkuchen an manchenOrten, besonders Nioder-- sachscns, nur Mer dem Nahm/? des pfannkuchensz Engl, ^nncsice. In Obersachsen ist dev Pfannkuchen ein Kuchen, welcher aus einem feinen wohl gearbeiteten Teige, entweder bloß im, dünnen rundeiroder viereckten Stücken, oder mit einerFülle, in einer Pfanne mit Bntt.r oderSchmalz gebacken wird, und welcher, wennrr ungefüllt ist, in Nürnberg ein Hefenkuchen, irr Ober-- dcntschland pfänze!,iil Niedersachscnplinze, plinse, heißt. Das PfännwerP des —- es, st>!ur. iuul. in den Salzwerrem, der Besitz eines Salzkotbes als ein Gewerbe betracktekr- Da man denn auch wohl das Zeitwort pfannwerk.cn hat, ein Salzkoth als. ein Gewerbe besitzen und nutzen. Der pfärch, n. s.f. S. pferch. Der pfarracksr, des—s, plur.die—ackcr, -er zn-einer Pfarre gehörige, zinn Unterhalte des-Pfarrcrs. bestimmte Acker. Der. psarrdicnst, des — es, plur. die — c , der Dienst , d. ». die Stelle nnd damit verbundene Obliegenheit eines Pfarrers; die Pfarre, das Pfarramt. Euren Pfarrdienst. bekommen, eine Pfarre. Das pf-rrrdorf, des—esj-plur. die-— hörfer. ») Ein Dorp in welchem ssch ein Pfarrsr wohnhaft befindet. 2) Ein Dorf,.welches einer Pfarrkirche eigenthnmlich gchöreü Die Pfarre, pinr. die—n. 1) Die der geistlichen Aufsicht und Führung eines Pfarrers anvertrantc Geweindr, und die in dieser Aufsicht aearündetc Würde. Die Gradtpfarre, im Gegensätze der Land- oder Lorfpfarre. Eine Pfarre bekommen, einer- folcheti Gemeinde als Pfarrer vvrgcsetzet werden. Line einksag^ liche, gute, schlechte Pfarre. 2) Dir Wohnung des Pfarrers.. Zsnm. In den gemeinen Oberdeutschen Ämrdartrn in örydsK', Bedeutungen die Pfarrer, im Niederst Parre, iln Engk. im Pohln. ssarw,. Es ist schon sehr frühe aus denrG.rioch-;Haw D h -- ^ 71 r Pfcr Mid Latein.^Äroeliia, oder vielmehr karoeclu, von entlehnetuird in Pfarre verkürzet worden, denn Kero gedrauchr Barruuesao schon für eine Diöces, für einen Kirchsprengcl. Im Oberdeutschen wird ein Kirchspiel auch die Rirchfahrt genannt, wo dieletzte Hälfte doch wobl nur eine zufällige Ähnlichkeit des Klanges mit Pfarre hat. Pfarren, verd. reA. neulr. mit dem Hülfsworte habeit, in eine Pfarre gehören. Das Dorf N. Pfarrer nach 6 -gehöret Z" der Pfarre H. ist dahin eingepfarret. S. auch Einpfarren. Der Pfarrer, des — s, plur. ut nom. lluZ. ein Geistlicher oder Priester, welchem die geistliche Aufsicht über, eine Gemeinde, und die Verrichtung des öffentlichen Gottesdienstes anvertranet ist. Wenn mehrere Geistliche einer und eben derselben Gemeinde vor« stehen, so heißt der erste und vornehmste der Pfarrer, zum Un- Lerschiede von dem Oiacono, da denn jener in manchen Fälle« auch wohl der Vbcrpfarrer genannt wird. Pfarrer werden. Ein Stadtpfarrer, -Landpfarrer oder Oorfpfarrcr. Dessen Gattin« die pfarrerinn, die 5 rau pfarrcrinn, im gemeinen Leben die pfarrfrau. Im Oberdeutschen wird es auch als ein Ehrenwort eines solchen Pfarrers gebraucht, Herr-Pfarrer; wofür in den Ober - und Niedersächsischen Gegenden das Lateinische Pastor üblicher ist. Wenn man mit Achtung von einem Pfarrer spricht, so pflegt man statt der Ableitungssylbe—er auch wohl das Wort Herr anzuhängeu ; der pfarrherr. Siehe auch Prediger -nid Priester. Anm. Zm Schwabenspiegel kliarrer, im Niederst parrer And zusammen gezogen Parr, auch im gemeinen Leben der Hoch- uud Oberdeutsche» zusammen gezogen pfarr, im Finnin, Pfar- rinn, im Böhm. Istarar, im Pohl», k'ararr, im Krainerischen Bar. Es ist nicht, wie Frisch will, aus pfarrherr zusammen gezogen, sondern vermittelst der Ableitungssylbe—er aus Pfarre gebildet. Im Schwabensüpgel ist romilcue kstar, collecnve die Römische Geistlichkeit. M Diepfarrey, plur. die — en, S. Pfarre. Die pfarrfrau, plur. die — en, S. Pfarrer. Die pfarrfuhre, plur. die —n, Frohufuhren, welche die Pfarr- genoffen zum Behuf des Pfarrers oder der Pfarrkirche zu thun ge- halten sind. Die pfarrgehuhren, llnA. iuus. Einnahmen au Gelde, welche der Pfarrer zn nehmen und zu fordern berechtigt ist. Der PfarrAensß, des—ssen, plur. die—ssen, ein Einwohner, welcher zu einer Pfarre gehöret, in dieselbe eingepfarret ist; das pfarrkmd, der Rirchgenoß, im Plural die Pfarrleute. Das pfarrgut, des — es, plur. die —guter, Güter, d. i. liegende Gründe, welche zu einer Pfarre gehören, zum Unterhatte des Pfarrers bestimmt sind. Das Pfarrhaus, des — es, plur. die —Hauser, das Wohnhaus des Pfarrers; die pfarrwohnung. Derpfarrherr, des—en, plur.die — en, S.Pfarrer. Der pfarrhof, des — es, plur. die—-Hofe, der Hof an einem Pfarrhause. Auch ein ansehnliches weitläufiges Pfarrhaus pflegt mau einen pfarrhofzu nennen. Die pfarrhufe, plur. die — N, eine Hufe Ackers, so fern sie zur Pfarre gehöret, zum Unterhalte des Pfarrers bestimmt ist. Das pfarrkind, des — es, plur. die — er, S. pfavrgensss. Die Pfarrkirche, plur. die—n, die Hauptkirche in einer Pfarre, nn welcher sich der Pfarrer befindet; die Mutterkirche, im Gegensätze der Bcvkirche, Tochterkirche oder des Ziliales. Das pfarrss-des—s, plur. laust di^s Recht und die Gewalt, einen Pfarrer zu berufen ; der pfarrsatz, die pfarrverlei- hung, das pfarrecht, das Rirchlehen, der Rirchensag, mit eisern Kat. Worte, das Parx-nat - Recht/ ^us katrovalus. Pfa 712 Die pfarrleute, laust. (S.pfarrgenoß.) In engerer Bedeutung sind an einigen Orten pfarrleute diejenigen, welche dem Pfarrer einige nnentgeldliche Dienste zu leisten verbunden sind. Der pfarrsatz, des — es, plur. iuust S. pfarrlehen. Die pfarrwodnun§, plur. die — en, S. Pfarrhaus. Der pfarrzehnte, des—n, plur. die — n, der Zehnte, welcher dem Pfarrer von den Eingepfarrteu gebühret. 1. Der Pfau, des — es, plur. iuust ein im gemeinen Leben einiger Gegenden ans Eppich, verderbtes stcoet. So wird der Mauereppich oft nyrMauerpfau genannt. 2. Der Pfau, des—es, plur. die—e, noch häufiger aber die — en, eine Art großer Hühner mit nackten Füßen, einem Fedcrbusche aufdem Kopfe,und einem langen, schön gefärbten, und mit Augen bcmahlten Schwänze, welchen er, wenn er im Affecte ist, auseinander breitet, welches ein Rad schlagen genannt wird; kavoet So stolz wie ein Pfau. Der Nähme Pfau schließet beydc Geschlechter i« sich ; will man sie näher bezeichnen, so heißt das männliche der Pfauhahn, und das weibliche die Pfauhenne oder die psauinn. Er ist in Ceylon und Persien einheimisch, und wegen feines schönen Ansehens schon sehr frühe nach Europa gebracht worden, wo ihn anfänglich nur Könige zu ihrem Vergnüge.1 hielten. Anm. Im Schwabensp. kstuu, im Niederst pageluhn, paul- rrhn; im Angelst k>awa, im Engl, keecock, (von Lock, ein Hahn,) im Schweb. pakoFul, im Dän. paa, im Böhm, und Pohln.kZvv, im Lat.^avopm Jtal ?avooe,im Franz baon, im Span. ?avou ; welche insgesammt eine Nachahmung seines natürlichenGeschreyes sind, welches, besonders bey derPfauheime, sehr deutlich pfa - u lautet. Die altern Griechen nannten ih^ und Das Pfauenauge, des —s, plur. die — n, eigentlich das Auge eines Pfaues. Figürlich führet diesen Nahmen in dcrMineralo« giecine Art alten Marmors, welcher in grauem Grunde röche und braune augenförmige Flecken hat ;Jtal. Occüa cli kavone sntico. ttnrer den Jnsecten ist das Pfauenauge eine Art Nachtvögel, welche sich anfdenBrolubeersträuchena»shält; Lomb/x pavouia!>. Die Pfauenfeder, plur. die—n, eigentlich die Feder von einem Pfanc. Figürlich wird an den Perlenmuscheln ein Slück des knorpeligen Thejlcs des Gewindes, welches, wenn es trocken ist uni» poliret worden, fthr genau einer Pfauenfeder gleicht, die Pfauenfeder, ingleichen der Pfanenstein genannt. Die Holländische» Schiffer bringen sie aus Ostindien mit, da man sie denn in Ringe zu fassen pflegt. Der Pfauenschwanz, des — es,plur. die—schwänze, oder in der anständigen Sprechart der Pfauenschweif, des—es, plur. die—e,eigentlich derSchwanz oderSchweif eines Pfaues. Figürlich führe» diesenNahmen verschiedeueKörper, welche wegen ihrer farbigen Spiegel einem Pfauenschweife ähnlich sehen. 1) In der Mineralogie ist cs ein verwittertes Kupfererz, oder ein Kupfcrla- sur, welcher roth, blau, Violet und grünlich spielet,und mit schwarzem Flusse ein schönes Kupfer nebst einer darüber stehenden hoch- rorhen Schlacke gibt. 2) Eine Art Stahlwasser, welches aufseiner Oberfläche eine dünne mit einem zarten martialischen faröigen Wesen versehene Haut hat, heißt gleichfalls pfaueuschweifvder pfauenschwanz. z) Eine Art Indianischen Seaudengewächses, welches sechs bis acht Fuß hoch an Hecken und Zäunen wachset, Blätter wie Tamarinden und Blüthen wie derRitrersvoen hat, und den schwarzbräunlichen Samen in Schoten, wie unsere Felderbsen - rrägt, lv ed bey den Gärtnern Pfauenschwan; genannt. 4) Ein duukelrother brauner Papilion, welcher aus einer stacheligen Neft selranpe erzeuget wird, und auf einem jeden Flügel hiuten ein gro« 7 ^ Pfa Pfe 714 ßes buntfarbiges Auge hat, ist gleichfalls unter diesem Nahmen bekannt, z) Auch die pfauentauben führen in manchen Gegenden den Nahmen der pfauenschwänze. Derpfauenspreyel, des—s, plur. must. einNahmedes drey Mahl getheiltenZwey>ahnes oder Wasserdostes, ^losus tri- pM MiA l.- welcher auch Wasserhanf und wassersternkrant genannt wird, und dessen Krailt hochgelb färbet. Der Pfauenstein, des-es, plur. die— e, S.psaiwnfeder. Derpfänfasän, des — es, plur. die — ^ rure Art H-asane uüt himmelblauen angenförmigen FleckenansderBedeckungeer Flügel und grüttenFlecken aufdemSchwanzeMaliLnus kuvo- nius ^ Der Pfauhahn, des—cs, s>!ur. die—Hahne, e mul a l- weil ste mit dem Halse zittert. Vfauyen, von den Katzen, S.pfuchzen. Drepfebe, u!ur. die—n, eine Art Äürbse mit lappigen Blattern «nhebenerFrucht,eucurdil 3 L' 6 Pol..wovondieeineArtlang. lichc Früchte trägt. Die Melonenpfcbe ist e,ne anrcre Alt, . welche einen anfrechten Stamm, lappige Blätter und eure eingedruckte knotige Frucht hat; Cucurbita ^opepo Im Oberdeutschen werden oft nicht nur alleArten der Kurbse, sondern auch der Melonen pfeben genannt, in welchem letztern Verstande- es auch 4 Mos. r 1,5 vorkommt, wo Michaelis das Wort Melone ^ Anm^Dieses Wort, welches im Oberdeutschen am gangbarsten ist, lautet daselbst im gemeine« Leben auch Babe, Bädene; im Lat. I'epo, im Griech. Im Schwed, heißt die Gurke mit dem eingeschalteten m?umps,imEngl.pompron. I,nMalli,. ist ?omuu ein großer Apfel. Es ist kein Zweifel, daß mitciesem Worte nicht anfdie runde oft längliche Gestalt der Frucht Zeichen werden sollte, daher es ein Geschlechtsverwandter von i Pfaff, Seifeh V'aks, Wiepe, kaprila u. s. f.ist, S. 1 Pfaff und das folgende. Der Pfeffer, des— s, plur. doch nur von mchrern Arten, ur 00m. stmZ. einNahme der rmrden oder rundlichen Samenkörner verschiedener ausländischen Gewächse, welche einen brennend scharfen Geschmack haben, und daher als ein Gewürz gebraucht werden. 1) Eigentlich und am häufigsten bekommt diesen Nahmen der schwarze Pfeffer, welcher gemeiniglich nur Pfeffer schlechthin gelaunt wird, und die beerartige Frucht einerOstindischen sehr hoch steigende» Rebcupflauzc ist, welche gleichfalls Pfeffer genannt wird; kiper niZrum l-. Pfeffer stoßen. Mit Pfeffer wiirzen. Ganzer Pfeffer,»«gestoßener. Wäre er doch, wo.der Pfeffer wachst! d. i. weit von hier. Ich wollte, daß er mit seuwir Geheimnissen wäre, wo der Pfeffer wächst, Schleg. Pfeffer ist ein Collectivum ; einzelne Köencr oder Beeren zu bezeichnen gebraucht man das Wort Pfefferkorn. Im Oberdeutschen wie auch eine stark mit Pfeffer gewürzte Brühe, eine Pfeffcrbrühe, der Pfeffer genannt. Einen Hasen in Pfeffer einmachen, ihn «"t einer Pfcffecbrühe zurichlen. Daher die figürliche R. A. da liegt der Hase im Pfeffer, d. i. das ist der wahre Grund des Übels, daran liegt es, daran fehlt es. (S. Hasenschwarz.) I" »o-ch weiterer Bedeutung pflegte man ehedem ein jedes Gewürz Pfeffer zu nennen, (S. Brotpfeffer.) 2 Der lange Pfeffer, die unreifem nut kleinen grauen unvollkommenen Köl ner» besetzten Fruchtäyrcu einer andern Pflanze , welche eine heftige brennende Schärfe und einen bittern Geschmack haben ; k'iper louZum b,- 3 ) Der Indianische oder Spanische Pfeffer ist die beeramge Frucht einer in dem mittägigen Amerika einheimischen Pflanzern einem ganz andern Geschlechtc, Oplicum l>. Die Frucht stehet anfänglich grün, hernach gelb, nnd wenn sie reif ist, glänzend roch aus, hat aber eine unerträglich brennende Scharfe. 4) Der falsche Zn^ dianische Pfeffer ist eine Art des Nachtschattens, welcher «,§ der Insel Madera einheimisch ist ; 8 o!auum ksteuckoDuptt- cum l!,. Z) Der Zamaischepfeffer ist die rundliche glatte schwarze aewürzhafte Beere eines Baumes, welcher in Ostindien wachst und zu den Myrten gehöret ; iVl^rtus kimLNta l^. 6 >Auch voy unfern einheimischen Gewächsen werden viele wegen ihrer bren» . nendeu Schärfe Pfeffer genannt. (S.Zroschpfeffer, Manerpfes. fer. Schotenpfeffer, wasserpfeffer, Steinpfeffer u. s. f.) Besonders ist der Abrahamsbanm oder Veuschbaum, dessen schwarte Beeren einen scharfen brennenden Geschmack haben, auch unter dem Nahmen des Deutschen Pfefferg bekannt. Anm. Im Niederst Pep er, im Engl. ?spper, :m Dan. pee ber, im Franz, i^oivre, im Jtal. ksvsro, im Böhm. ^ep i- im Lateitt.H'i Psr, im Griech. »-*-§»; alle aus dem Pets. kilstil, oder keloel. Im Arabischen heißt der P-ejftr ^ulstul. u,ld imJndostanischen ein Pfefferkorn ktpuel-Zirck. Man könnte . die runde Beschaffenheit für den Grund der Benennung hatten, und sie als einen Verwandten von dem vorigen pfebe ansehen, ius dem?sp,^ab, in allen Sprachen etwas Rundes, Erhaben.« und Spitziges bedeutet, wenn nicht wahrscheinlicher wäre, caß der brennende Geschmack zu der Benennung dieses Gewürzes An. laß gegeben. Wenigstens verbindet man diesen Begriff un Deut, schen alle Mahl mit dem Worte Pfeffer. . « Der pfefferbaum, des —-s, plur. die —bDrme, em Baum, ^ deffdn Feucht unter dein Nahmen des Pfeffers bekannt ist. A'ißer. dem wird auch derlkellerhals, vnpkus Nerereum ^.welcher scharlachfarbene Beeren trägt, pfefferbaum genaiUitAS Reller-- hals) Jngleichen führet diesen Nahmen eine Amerikanische Art Wemstöcke, welche die Gestalt eines Baumes hat; Viiis urdo- rea Ls. Engl.kepper rree. Lerwilde-Pfefferbaum, l>nu 5 comiüia ist eine Art des Sumachs, welcher m Ostindien em- heimisch ist, aber mit der eigentlichen Pfefferpflanze nicht die geringste Ähnlichkeit hat. ..- Ar DorOkcsserfräß, des—es, plur. die —e, S. Pfeffer vogel. Die Pfeffergurke, plur. die—u, kleine Giirken, welche mit Fenchel und grob gestoßenem Pfeffer in Essig eingemacht werden, und auch Essiggurken und Zenchelgurken heißen; zum Unterschiede von den mitSalzwasser eingemachten größer» Salzgurken. -DusOstöfferhoU, des—es, plur.inust. eine Benennung de- SpGdclbaumes, welche unstreitig aus psaffenholz verderbt lst, (S Pfaffenbaum.)' Jil andern Gegenden lautet d,e,er Nähme eben so verderbt Pfefferreisel für pfaffenroslern. Uuchder Le..schbanmodcrMsnchspfeffcr,Vitex uZnus cuku^.wrr» in emigeu Gegenden vfefferholz gEnut, S. ^euschbaum. Das Pfefferkorn, des—es, plur. die-korner, S. Pfeffer l. Das Pfefferkraut, des —cs, plur. inu^ ,) Erne Art der Kresse, welche in den schattigen und feuchten Gegenden Engländer und Frankreichs wohnet, nnd deren Blätter einen scharfen n,ch brennendenGeschmack wiePfeffer haben, daher man sich 'h' er auch ehedem statt dieses Gewürzes bedienete;~I-epi6ium lutirplt- um!-. Bey den altern Kräuterkennern heißt sie kiperiUS. 2) Auch dic Samrey, welche gleichfalls ein flüchtiges gewuezbaf- teä scharfes Wesen hat, ist umer dem Nahmen des Pfefferkrautt« bekannt 8awrsiu Korb.nlisl-. In Niedeesachsen heißt sie Völle, Völlen, welches mir ihrem Nahmen bcy dem P uunL Lumla genau überein kommt. Weil man sie mit unter die Wurst hacket, so heißt sie im^gcmeinen Leben auch Wurstkraut, - arr andern Orten aber wilder Ajspp» ^ Y P r Der Der Pfefferkuchen, des—s, p 1 ui-.ur oom.6nA.eirr Gebacke- n s, welches aus Mehl, Honig, Pfeffer und auch wohl andern Gewürzen bereitet wird, und im Oberdeutschen Lebkuchen, Lebzeltern 'm Hochdeutschen aber auch Honigkuchen genannt wird. " Der Pfefferling S. Pftfferschwamin. Die pfeffermichle, plur. die — N, eine kleine Handmühlc, den Pfeffer znm Behufe der Küchen damit klein zu mahlen. Die pf.'ffermünze, plur. must, eine Ar: her Münze, welche in England einheimisch ist, und einen scharfeit brennenden Geschmack hat; !V!ent!iu kiperila k,. pfeffern, verb.refi. welches in doppelter Gestalt üblich ist. -. Als ein Neutrum, niil dem Hülssworte haben, wie Pfiffer brennen, so wohl eigentlich,'von dein Geschmacks. Es pfeffert auf der Zunge. Als auch figürlich im gemeinen Leben von dem Gefühle. Die Ruthe pfeffert. 2. Als ein Accivum, mit Pfeffer würzen. ,) Eigentlich. Eine Speise pfeffern. 2) Figürlich, mit unän- genehmenEmpfiiiSung''tt, mit vielen Beschwerlichkeiten verbinden. Gepfefferte Worte, beißende, anzügliche. Das iS gepfeffert, sagt man, wenn eine Sache mit vielen Beschwerden verbunden ist^ ingleichen, wenn ein hoher Preis darauf gesetzt wird. Die Pfeffernuß, plur. die—nasse, Diminüt. das Pftffernüß- chen, Obero. pfeffern üßlein, eine An Gebackenes in Gestalt der Haselnüsse ans eben dem Teige,, woraus die Pfefferkuchen bereitet werden. Die Pfefferpflanze, plur. die —n, diejenige Pflanze, welche den Pfeffer trägt, und welche auch nur Pfeffer schlechthin genannt wird, S. dieses Wort. -" Das PfcffeLLosHen, des-—s,pl.ur. ut.norn. fiuZ. S. Pfifi fcrholz. Der pfefferschwamnr, des —es, ^plur. die —schwämme. r) EineArtt'dbaker'VlLtterschwättime, welche einenStcunk, einen ' platten milchige,! Hut mit incaruat-rochen Blättern und einen abwärts gcbogenenRand hat; ^.Aarieus pipersluüfi.BiEling, Milchschwamm. Er wohnt auf den Trisren und in den Wäldern, und ist voll von einem milchigen Safte, welcher so scharf alsPfif- fcr auf der Zunge beißt. Im gemeinen Leben wird er daher auch pnsftrling und Pfifferling genannt. An andern Orken Heißt er Brrsselingfim mchfirr>?at.k'jpjo..(S.auchRehl!ng!) 2)Noch eine ander e goldgeldeelrt^jütterschwämme mit einem Strunke und auf solchen anflaufindcn ästigen Blättern, ^A.rriLus LfiLLtLrel- ' Ius l..heißt in cimgenGegenden gleichsast'spfiffcrling. Er wächst sehr häufig anfde» Miesen und in den Wäldern,,und wird von ge. meinen Leuten gegessen, ist aber doch verdächtig. Ohne Zweifel ist kv dieser Sam amm,. welchen man im gemeinen Lehen zu Bcneu. nung ejnevSachevon geringen» oder gar keinemMerchc gebraucht. Ich gebe nicht einen Pfifferling darum, nicht das geringste. Die pfeffeLstaude, pfiir., die —eine Slatzde, deren Feucht unter dem Nahmen des Pfeffers bekannt ist. In weiterer Bedeutung wird auch der Beller-Hals in einigen Gegenden pfcfftrstandir und Pfefferstrauch genannt. S. Bellerhals. Der p, effervogel, des — s, plur. die — vögel,. ein Vogel,, mit einem langen unterwärts gebogenen hohlen Schnabel, welcher sägeförmiz und eben so dick ist,, als der Kopf. Er wohnet in Brasilien,hat die Größe eines Spechtes und nähret sich von den Früchten des Vfcfferbaumes; Nalutus, ?jperi vsrus X/sfir. Beo andern ptcRVrsfil.aLÄ, Hoh!schnäbler,pfefforfraß Im geu.i nren ^.eveu wird auch der Seidenschwanz, dessen Fleisch ge- ^ würchüft schmeckt, pfiffevvogel genannt. D te pfeffcknte, plur. die—n, eine Art wilder Änten mit einem bramrenKupfi nnd weißbuntrn Flügeln, welche im Aufstiegen und m. Fallen euren Hellen Ton, wie eine Pfeife,,von. sich gibt; tVüas Sxcckänke», Die pferfö-roM, plur. die —N, eine Art Drosseln, welche größer ist, als die Sangdroffcl, mit welcher fie gemeiniglich verwechselt wird; "Uräus HiscuLL-tvrB.WeißdroffehZiepdrossel, weil sie nicht singt, sondern nur den pfeifenden Laut, zip , zip, von sich gibt. Unter den Flügeln ist fie ein wenig roch und gelb, oder weiß, der obere Thcil des Schnabels ist braunröth, der untere gelblich. Die Brust ist bunt und Heller als bcy der Sang, -drossel, wie denn auch der Rucken nicht so braunroch ist. 1. Die Pfeife, plur. die —n, Diminnt. das Pfeifchen, Oberd. Pfilstem, ein noch im gemeinen Leben übliches Wort, die Fächser und Schößlinge an den Gewächsen zu bezeichnen. In dem Hopfen- baue sind die Hopfenfächser gleichfalls unter demNahmen derpfti- fin bekannt. Es ist nicht glaublich, daß das Wort in dieser ganzen Bedeutung eine Figur von pfeift, Muts, seyn sollte, weil die Ähnlichkeit zu gesucht und zu gezwungen seyn würde. Es scheinet vielmehr-, daß damit auf die sprossende, anfschießende und fort- wucherndc Bewegung gesehen werde, welche auch durch die Nahmen Zachfi-r, Schößling, Reis, Sprößling u. s. s. ausgedrucket wird,so daß pfeift in dieser Bedeutung ein Geschlechtsverwandles von weifen, schweifen, schweben, Wipfel u.f.f. ist. 2. Die pfeife, plur. dre-r-n, Diminnt. das Pfeifchen, Oberd^ pftifiein, ein noch in vielen Fällen des gemeinen Lebens übliches ' Wort, einen hohlen Raum, eine Röhre , und mit einer Röhre vrrsehenesDlttg zu bezeichnen. So werden dicZellcn in denWachs- scheibcn der Bienen häufig pfeifen genannt. (S. Honigzelle und Mntterpftift.) Die Dulle oderRöhrc im Leuchter heißt im gemeinen Leben die pfeift, Niederst pixe, und diesen Nahmen führen inNiedersachscn auch dleBrunnenröhren und andcreAöhren,durch welche Wasser geleitet wird- Zn den Marschländern find dieGrä- bemnnd Kanäle, durch welche das innerhalb eines Deiches oder Dammes eingedruiigrnc Wasser abgeleitet wird, unter dem Nahmen der pfeifen. Niederst Pipen, bekannt. Die Nöhrbeine oder großen Rshrknochcn an den Menschen und Thieren heißen im ge- meinen Leben häufig pfeifen. Bey den Gärtner;! ist die pfeift die r;ut einem Ange versehene und in Gestalt eines breiten Ringes von einem Schößlinge abgestreifle Rinde, welche anfein anderes seiner Rinde vorher beraubtes Reis gezogen wird. (S. - pfeifen.) Die pfeife der Weber, ist ein kleines Röhrchen in dem Schütze» oder der Spuhle, welches aufeinem eisernen Drahte steckt. Am bekanntesten ist unter diesem Nahmen eine am Ende Mil einem ? Kopse versehene Röhre, wodurch man den Rauch des angezüiidctcn , Tobaks an fiel» ziehet; die Tobakspftift oder nur pfeift schlechthin. Line thönerne, hornernepfeife. Eine pfeife Tobak rau» chen, so vielen Tobak raucken,a'ls fich anfein Mghl in den Kopf der Pfeife füllen lasset. Die pfeife stopfen, an'ziinden, ausran« chen u.f.f. Inder Bedeutung eines Fasses ist das Niederdeutsche Pipe üblicher, (S dasselbe.) Es kann seyn, daß in einigen dieserFäl- le auf die Ähnlichkeit mit der folgenden pfeift gesehen worden. Aber im Ganzen scheinet dieses. Wort eben so wenig eine Figur davon zu seyn, als das vorige, sondern überhaupt denBegriff des hohlen Raumes auszudrucken, da es denn ein naher Verwandler von dem Lat. kB ven seyn würde. S. 1 Pfeifer.. z. Die pfeife, plur. die — B,. Dituinut. das Pfeifchen,Oberd. pftifiein, eine hohleRöbre, welche vermittelst dereiugeblasenen- Lust einen Hellen pfeifenden Ton von fich gibt. Sie jauchzen mit Pauken und Harfen und find fröhlich mit pfeifen, Hiob 21,12. Und haben Harfen, Psalter, pauken, pfeifen und Wein, Es. 5, 12.. Der häufige Gebrauch, welchrn der große Haufe von dieser Art Werkzeuge von je her gemacht bat, hat dasselbe zugleich verächtlich gemacht,daher man dasWortpfeift von einem musikalischen Werkzeuge in anständigemVcrsiandc nicht mehr gebraucht, mdem dafürandereNahmen, besonders aber äiöte üblich geworden friid-O > 7^7 P find, über hieß sind die eigentlich pfeifenden Werkzeuge öleferArt inder heilen Musik nicht mehr gebräuchlich. In dem einzigen Ornelpftlsc hat es sich noch in dcrehcmahsigen a.-rständigenBedeu- tl!ng erhanen, wo es auch von den großen Röhren gebraucht wird, deren Tsnmail sonst eben nicht ein Pfeifen nennen würde. Die Gackpfeife, Halmpfeise, Rokrpselfe, Schnurrpfctfe, Querpfeife u. s.f. Nach irmandcs P?elfe ranzen, sich nach dessen Willen bequemen. Die pfeife einziehen, m seiner H che, in seinem Eiser Nachlasse», pfeifen schneiden, weil man im Rohre , die Gelegenheit nutzen, indem sie da ist. Sprichw. Wer im Rohre sitzt, har gut pfeifen schneiden. Die Liebe ist schlauer als die Freundschaft, ihr frkßes Pfeifchen schläfert wohl einen Argus ein, Weiße. Figur sich ist in der Tortur die pfeife ein ausgeschnittener Kurbel mir einem Luftloche, weicher des» Jnqutsiren an einigen Orten in das Maul gesteckt wird, das Schrryeu zu verhindern. Anm. Im Nreders. und Angels. Pipe, im Engl. Pipe, im Gchwed.prpu, imJtai. pivu.jmWallis. Pik. (S. 2 pfeifen,) mit welchem eS eine Nachahmung des pfeifenden Klanges selbst ist. Im Chaldäischen undSneilchen heißt cineHalmpfeife mit dem Vorgesetzten a 2138 und 83138. r . pfeifen, vLvb. re^. uot.. welches nurbey den Gärtnern üblich ist, wo cs einc Art des Oculirenä ist, wenn die Rmde mrt einem Auge in Gestalt einesRinges oder ernesRöhrchens von einemRerfe abgezogen und auf ein anderes vorher seiner Rinde beraubtes Reis gesetzet wird. Im Oberdeutschen wird es auch rohrlen und tci- cheln genannt, vonRöhre und Telche, welches letztere so wie pfeife gleichfalls eme Röhre bedeutet. G. 2 pfeife. L pfeifen, verb. irreZ. Zmprrf.ckch pfiff, Partie, gepfiffen. Es ist iu doppelter Gestalt üblich. '.Als ern Neutrum, mit dem Hülfsworre haben. ») Deujeuigen Hellen Laut von sich geben, welchen dieses Zeitwort «achahmet und ausdrncket, wo es in allen den Fällen gebraucht wird, m welchen sichern solcher Lanr hören läßt. Oer Wind pfeift, wenn er sich durch enge Öffnungen drängt. Die Äugeln pfeifen in der Luft. Der Äugeln Saar Pfeift, da die Flamme heult,'Kleist. Der Degen flog pfeifend jn die Luft. Die ähnliche Stimme der. kleinen Vögel und des junge.» Federviehes druckt man gleichfalls durch pfeifen ans, Nre- dersächs. pipen, jipen,Lar.pipire,Griech Iral.p!pLre. DerLaut derFifchottrr ist gleichfalls eiilpferfen, so wie dieScrmme der Pferfänte, der Pfeifdroffel und anderer Vögel. Figürlich heißt pfeifen müfeiner klarerSrimme reden,und inNiederfachsen pfeift man auch, wenn man sich mit schwacher feinerMtimme beklagt. -r) Diesen Laut hervor bringen. Mit demMnnde pfeifen, ohne ein Anderes Werkzclig als den zngespitzten Muicd dazu zu gebrauchen. Einem äunde pfeifen, ihn auf solche Art zu sich rufen. Auf einem Blakte pfeifen. Zn engerer Bedeutung, solchen Laut vermittelst einer Pfeife hervor bringen, wie kann man wissen, was gepfiffen oder geharfer ist ,-1 Cor. »4,7. Das Volk pfiff mit pfeifen, aufPfelfen, » Kön. », 40 . Wir haben euch gepfiffen und lhr wolle nicht tanzen, Matth, »i, »7- Sprichw. wer gern tanzet, dem ist bald gepfiffen. Da die chemahlige» Pfeifen aus der-heuttgenMusik verbannet find baftir dLeFlöten und andere Werkzeuge'von einem angenehmeren nnd männlichcrn Kmnge ringeführct ivorden, so wird dieses Wort auch nur noch von den sin gemeinen Leben hin und wieder üblichen Pfeifen gebraucht, Auf dem letzten Loche pfeifen, in de» letzten Zügen liegen, ist in der niedrigen Sprcchart einheimisch, r, En» Activum, durch Pfeifen andcuten oder ausörucken. EmLied,emeMe!odle pfnfen. So auch das Pfeifen.^ Zlnm. JmR eders.pipen, imSchwed. pip3, imEngl. to Pips, Es ist eine genaue Nachuhrrmns deSpfeisendenLaukeS« Pft 7^Z Der pfetfenbo'hrev, des—s, plur. ar vom. Kvfl. bey ör« Drechslern, ein langer dünner Bohrer, die hölzernen c der hörncr- ncnRöhren z,r den Tobakspfeifen damit auszubohren. Das Pfeifenvret, des — es, plur. die—»er, in den Orgel»,' eilt durchbohrtes Bret , worin die Pfe fen stecken. Der Pferfendeckel, des—s, plur.utnom. tiriß. ein meffins . gener Deckel auf einer Tabakspfeife; Ruders. Pipendop» Das pfeifeufucter, des—e, plur. ut liour. ftuZ. oder das pfcrfenfntteral, des—es, plur. -re — e, ein Futter ödes Futteral, die Todakspfeiftn darin zu verwahren. Der pfeifenFlaser, des—s, plur. ui vom. bey berr Pfeifenmachcrn, derjenige, welcher die thöncrncn Tabakspfeife» glasiret. Die pfeifenFlcrsür, plur. doch nur von mchrcrn Arten,die—e»^ eine Glasur ans Seift-, Gummi und weißem Wachse, womit die thönernen Tabakspfeifen glasiret werden. Das Pfeifenholz, des — es, plur. laus, in einigen Gegenden, ein Nähme der Gahlweide, Palmweide oder Buschweide, 8 u- lix enpreLft.vermi'.thlich weil sie gemeiniglich hohl ist, daher sie auch äohlweide genannt wird, Ä. 2 pfeife. Der pfeifenknöchen, des—s, plur. ut nom. linZ. im ge- meinenLebeil, ein Nsh-ue der großen hohlenRöhrkuocheii beyMeu- schen und Zhieren, welche a,lch unr pfeifen schlechthin zenaunt werden, S. 2 pfeife. Ncederf. Bnnkenknaken. Der pfeifenkoyf, des—es, plur. die —köpfe, der Kopf a» einer TobakSpfeife. - Der pfcifen.mä'.yer, des—. s, plur, ut nc,m. fin?. derjenige, welcher Tobakspfeifcn macht, desorrders, de.r sie aus weißemThoire verfertiget. Der p fei fen in Tr Feh, des — s, plur. doch nur von mehrern Ar. len, ub noui. ling. eine Art des.Närgels, welche aufrecht siegend in Gestalt der Orgelpfeifen gefunden wird. Die pfeifenmüschel, plur. die—n, einschakigeungeVnndrkir Sämecken in Gestalt e in ec Pfeift-; lu'uulus. Bey andern werden sie Meerrohren genannt, dageg-cn.einige die Nagelmuschel- Holen, pferfenmuschel neiinen. Der Pfeifeuraumer, des—s, plur. ut nom. linZ.RnWcrks zeug, die Lobaksvfeifen damit auszucänmen , so wohl ein kleines spitziges Werkzeug zur Ansränrrmng des Kopfes, a s auch ei» Draht mit einer kleinen Bürste, zur Reinigung des Rotzres selbst. Dcrs Pfeifenrohr, des -—es, plur. die — c, ein Rohr, 0 . ,r. eine Röhre, so fern solche ein Theil einer Tobakspfeise ist, zuirr Unterschiede von dem Kopfe und Mundstücke. Der pfeifenstock, des— es, plur. die —stocke, in den Orgeln, ein mit Löchern versehenes Holz unter dem Pfeift-nbrere, worin deo eigentliche Fuß derPftifen steht. ' ^ Der Pfeifenstopfer, des —s, plur.utnom. 6 vZ. ein Werkzeug, den brennenden Tobak in der Tobakspfeise nschzustopsen^ d.i. fest zu drllcken. Der Pfeifenstrauch, des—-es, plur. die—sträuche, meirtt- gen Gegenden, ein Nähme des Spanischen Hohlnnders, weil-ma» sich dessen gern zu Vfeiftnrohren zu bediencu pflegt. 'Der pfeifenrhonz. des—es, plur. doch nur von Mi-hrern Arterr, die—x, xin weißer mit brennbaren Theilen vermischter Thor^ welcher fettig anzufühlert ist, und ans welchem die Tabakspfeife» gebrannt werden. u. Oer Pfeifer, des—s, plur. ut norn. flnZ. eine im gemeinen Leben übliche Benennung der Raupen des Rüsselkäfers, Our« eulio ft. welche dieSamenschoten desRübsens leer ansfrcffen und anshöhtrn; ohne Zweifel voii 2 pftrfe, ein hohler Raum, eine Röhre. Im gemeinen Leben einiger Gegenden heißen alle Som- mervöge! »dsr Schmeltcrlinge pfttshoiter, vielleicht Pfeilfalter. Z. DE ?l9 Pfe s.Der pferfev/des— s, plur. ut vom. stuZ. derjenige, welcher die Pfeife geschickt zu spielen weiß. Von Inbai sind die Pfeifer kommen, i Mos. 4, 21. Aäg ex in des Obersten Zaus kam und sähe die Pfeifer und das Getümmel des Volks, Matth. 9, 2z. Oer Sackpfeifer der Ouerpfeifer. Da die eigeiillichenPfeifen in derMusik veraltet und verächtlich geworden sind, so hat auch das Wort Pfeifer an diesem Schicksale Antheil genommen ; nur bey den Soldaten habu: sie sich noch erhalten. Im gemeinen Leben nennt man die Musikamen oder Spicllcute von den ehedem üblichen Pfeifen noch Runirpfestcr, und wenn sie in einer Stadt angenommen sind, Stadtpfeifer. Niederst Piper, Angelst kchere. Das pfeiferFericht, des — es, plur. die — e, ein altes Gericht in Frankfurt am Main, welches nur noch kurz vor der Herbstmesse gehalten wird, da denn zugleich die drcy Sl ädte, Worms, Nürnberg und Bamberg die Bestätigung ihrer Zoll - und anderer Frey- heitcn auf der Messe erhalten. Es hat seinen Nahmen von den Pfeifern, d. i. Musikanten, unter deren Begleitung die Abgeordneten der jetztLenannten Städte vor demselben erscheinen. Der pfeifholter, des—s, plur. ut uo:u. stnZ. S. 1. Pfeifer. Die pferflerche, plur. die—n, eine Art Lerchen,^luucluilliu- lans welche doch von der gewöhnlichen Heide- odcrwald- lerche in nichts verschieden ist. Der Pfeil, des—>es , piur. die —c, Drminut. das Pfeilchen, ein an dem eine» Ende zugespitzter und an dem andern gemeiniglich mit Federn versehener leichter Stab, welchen man vor Erfindung der Fr ncrgewehre von dem Bogen schoß, und welcher noch von vielen Völkern in dieser Absicht gebraucht wird. Er ist von den schweren: Bolzen, welche von Armbrüsten geschossen werden, sehr verschieden. Mit Pfeilen schießen. Einen Pfeil abschießen. So schnell wie ein Pfeil, sehr schnell. Er kam wie ein Pfeil geschossen, sehr geschwinde. Ein Wort ist ja kein Pfeil, es verwundet nicht, rauscht ohne zu verletzen vorüber. Er hat seine Pfeile verschossen, er weiß nichts mehr Zusagen, ingleichcn, er ist entkräftet. An einem Gradbogen heißt das vornehmste in Grade ringetheilte Stück, auf welchem der Hammer oder dasKnic beweglich ist, der Pfeil, und in der Mathematik wird derjenige Theil von dem halben Durchmesser eines Zirkels, welcher zwischen dem Bogen und seinem Liou liegt, Linus verlus, von einigen der Pfeil genannt. Anm. Bey dem Stryker klleil, im Niederst piel, im Schweb, kil, im Griech.sieXotz. Cs gehöret zu den Wörtern Beil, B>lle, Pfahl, Beizen und andern, in welchen der Begriff der Spitze oder der Schärfe der herrschende ist. Zm Lat. piluin, ein Wurf, spieß und im Wallist Lil^w, eine Lanze. Die zarten Kiele der noch in der Haut liegenden Feder,:heißen in Nicdcrsachsei, Pl,len, und auch im Hochdeutschen mit dem Vorgesetzten Zischlaute im gemeinen Leben Spielen. Ehedem wurde auch Strahl häufig für einen Pfeil gebraucht, in welchem Verstände es von Notkers Zeiten an bis auf den Verfasser des Theuerdankcs vorkommt. Das pferleifen, des—s, piur.-ut vom. ltNA. die eiserne zu- weilenmit Widerhaken versehene Spitze an einem Pfeile. Der Pfeiler, des — s, plur. ut uom.striZ. Diminut. das Pfeilerchen, Oberd. pfeilerlein, eine eckige steinerne Stütze, sie mag uun frey stehen, oder in eine Wand zum Theil eingemauert sein:, in welchem letzter:: Falle sie ein wandpfeiier heißt. Pfeiler stun- -en unten an den Erkern, Ezech. 40, 49. Dw Pfeiler trugen die Gange am Zause, Kap. 4 c, 9. Auch öcr schmale linem Pfeiler ähnliche Theil der Mauer zwischen zivcnen Fenstern heißt ei» Pfeiler. Zm Bergbaue wird dasjenige Gestein, welches man Zur Unterstützung desHanaenden in den Gängen stehen lasset, und weiches auch die Bergfeste hrißt, ein Pfeiler genannt. Im wei- - Pse , 720 testen Verstände heißt In der Baukunst die eigentliche Säule, im Geg-matze des postementes und des Gebälkes, der Pfeiler. Anm- In: Niederst prler, im Engl. pillar, imlZtal. sichre, im Franz. Malier, im Span, l^ilur, in: Schweb. ?elare, im Wallst, p, I er, in: Böhm. tchlir, im Pohl::. k'jlar,:m Lat. l?ila, im Griech.ckwXy. Derpfeilfifctst des— es, plur. die — e, eine Art Hechte mit einem pfriemenförw.lgen spitzigen Maule ii: Gestalt eines Schna- ^ bels; Lisox kellons Schneffel, (Schnabel,) Zornsisch, Mecrnadel. Er hält sich im Meere auf und hat grüne Gräten, welche bey der Nacht leuchten. Dre pferlhohle, piur. die— n, in der Anatomie, eine Höhle i» dem Hirnhäutchen, welche durch den Rücken der Sichel unter der Pfeilnaht, von welcher sic dei: Nahmen hat, bis zu dem kleinen Gehirne läuft; Linus lÄZiNulis. Das Pfeilkraut, des — es, plur. inuk. eiu Nähme verschiedener Pflanzen, wegen der Ähnlichkeit ihrer Blätter mit einem mit Widerhaken versehenen Pfeile. 1) Einer Art des Wegetrittes, l'o> 1 /ßonum umpliiliium ik,. Eine andere Art, welche gleichfalls vielförmige Blätter hat, ko'^onum la^iNatum, wächst in Virginien und Maryland. 2) Noch häufiger aber einer Pflanze, welche in den thonigen Flüssen und Seen wächst; LÄZitlariu l.. Es gibt verschiedene Arten desselben, wohin das gemeine, das kleine, das große und das bunte Pfeilkraut gehöre,:. Die Pfeilmotte, piur. die—n, eine Art Motten, l^Llaena Noclua l>ll. l,. Die pfeilmüfchel, plur. die—n, eine fast cylinderförmige viel- schalige Muschel ohneScharnier uiit dünnen zart gestreiften Schalen; k'lrolus, lange Gpitzmuschel. Die pfrilnaht, piur. die — nähre, >» der Anatomie, eine der drei) Nähte in der Hirnschale, ivelche sich aus der Ecke der Winkelnaht durch den Wirbel bis zu der Mitte der Kronualit erstreckt, und die Beine des Vorderhauptes mit einander verbindet; Lu- iurLlÄAit'Zlis. Der Pfeilstein, des—es, plur. die — e, S.Belemnit. Die pfe'lwurz, piur. mul. eiire Pflanze, welche in dem mittägigen Amerika wohiret, und von den Einwohnern als ein sicheres Mittel aufdie von vergifteten Pfeilen verursachte Wunden gelegt , wird; Iluiliu L, Die pfeilwurzel, plur. die — n, in dem Weinbaue, ein Nähme - der gerade hinab stciqrttldeu und vornehmsten Wurzel des Wei»- stockes, zum Unt rschiede vo,:den Than - und Wasserwurzeln. Anden Bäumen wird siedle Spießwurzel, Pfahlwurzel und Zerzwurzel geimnitt. , Die Pfelle, plur. die— n, ein Nähme, welchen in einigen Oberdeutschen Gegenden die Elritze, L^-prinus j?lioxillus l,, führet, Weil dieser Fisch eine sehr bittere Galle hat, und selbst bitter schmeckt, so leitet man den Nahmen gemeiniglich von dem Lat. k'sl, die Galle, her, wie er denn auch wohl Felle geschrieben und gesprochen wird. Der pfennich, oder pfennrA, der Oberdeutsche Nähme des Fuchsschwanzes, S. Fench. Der Pfennig, des—es, plur. die—-e. 1. Ein Nähme einer Münze und eines Gewichtes. >) Einer Münze. Ehedem wurde eine jede Münze zuweilen ein Pfennig genannt, und noch jetzt kommt zuweilen eine Schaumünze, eine Gnadenmiinze, eine Denkmünze u. s.s. unter dem Nahmen eines Gchaupsenniges. Gnadenpfennigcs und' Denkpfenniges vor. Auch die Bractcaten oderBlechmünzen wurden vor diesem sehr häufig Blechpfennige genannt. Die Albus oder halber: Batzen hießen ehedem wciß- pfenni'ge, und kommen noch jetzt zuweilen unter diesem Nahmen vor. Lmhcr nennt Joh. 6, 7, und Marc. 6, z 7 die Denare Pfennige, 4- e 72^ vfennia- wofür er doch in andern Stellen richtiger das Wort Groschen gebraucht. Hentzu Tageift der Pfennig eine Art der kleinsten Scheidemünzen, welche doch auch nicht übeea.- von eunr- !r»Merth ist. Zm'Mecklenbnrgischen werden dieHäüerpfennige aenamlt. In Döerdentschland har inan leichte Pfennige, deren mE auf einen Kaisergroschen gehen, und schwerepfennige, deren zwölfeincn guten Groschen machen. Die letzter» werden rn Ober- und Niedersachfen und in einem groffenTheile Oberdeulstpiandes- mir vftnnige schlechthin genannt. Drey Pfennige, sechspftn- nige u. s. s. nicht Pfennig, wiewohl bey andern Mni'^rten mtt Zahlwörtern üblich ist. Er hat mich bep Saller uno Pfennig bezahlt, völlig. Ich gebe keinen pfennigmchr, nichts mehr. In Schlesien halt ein Denar oder Pfennig, denn bepde sind daselbst gleichbedeutend, i z Haller, dagegen in andern Ländern L Höller auf einen Pfennig gehen. Figürlich werden ungemeinen Leben die versteinertenHelicitcn, welche zu den vielkammccigen um den Mittelpunct gewundenen Schnecken gehören, wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt, versteinerte Pfennige oder Pfennigsteine genannt. Auch die kleinen versteinerten Chamiten, welche Ley Brattenbnrg sehr hänsig gefunden werden, find aus eben dieser Ursache bey dem gemeinen Manne unter dem Nahmen der Brat- renburgischen Pfennige bekannt. 2) Ein Gewicht, (a) In dem Handelsgewicht ist der Pfennig durch ganz Deutschland der vierte 2 heil eines Quenkes, nnb zwcy Häller machen auch hier einen Pfennig, so daß ein Quent 4 Pfennige, oder ö Häller hat. (b) In einigen Gegenden ist es in den Gold- und Silbergewichten >. er zwölfte Lheil einer Mark, da denn der Pfennig i^Lolh ist, nnd wiederum 24 Groschen oder Grän halt, c) Im Hüttenbaucist das Pfenniggewicht eine besondere Art dcsProbiergewichtcs,wo die Mark in"iL6 Theile getheilct wird, zum Unterschiede von dem Ecntnergervichte , Markgewlchtr unv Äaratgewichre. Dav Brandsilber und die Pagamente werderi nach diesem Gewichte probieret. s. In weiterer Bedeutung wird dieses Wort oft für Geld über, Haupt gebraucht, wo es denn bald im Singular allein, bald aber auch im Plural allein stehet. Ehedem war es in dieser Bedeutung- überaus gangbar; jetzt kommt sie nur noch in dcnZnsammensetznn- gcn Beichtpfcnnig, Päthenpfennig, Nochpfennig, Ehrenpfennig', F-Hrpfcnnig, Saftpfennig, Miethpfennig, Reise- Pfennig n. ft ft und im Plural in Nutterpfennigr vor. S. auch viele der folgenden Bedeutungen.- ^ z.* In noch weitererBedentung wurde es ehedem von erner jeden Waare^ von dem Vermögen, und kurz von allem, was Gel- des wceth war, gebraucht. Zii diesem-Verstande ifles gleichfalls veraltet, man müßte denn die noch ben Stenern und Auflagen übliche R. A. der fünfte, vierte u. s. s. Pfennig, dahin rechnen, worunter man bald den so vielsten Thcil des sämmlichcn Vermögens, bald nur denselben Theil von dem Wcrthe der liegenden Gründe verstehet. Ihre bewerfet, daß diese Bcdentnüg ehedem auch inSchweden gangbar gewesen. So heißt es z. B. in dem al- tenHelstttgischenGesetzbnche: 8Üler msn jorZ i LclrlLurn Lore Icoro LellsrsrftrrL peni»^s,wo dasKornmitunter die Pfennige, d. i. Geld, gerechnet wird. Und i» dem Wcstgothrfchen Gesetzbuche: 6ivc'er mLtllier lcovo linni AsrU til liivciru- ZZx Ziöftmecl LllumpLsuninZum tssem^isseri äru,wenn rin Mann seiner Frau zum Heirathsgute ein Landgut mit allen dazu gehörigen Pfennigen (d. i. beweglichen Gütern) gibt; wo im folgenden das Wort6o6r, Güter, gebrauchswird. In dem Mittlern Lat. wurde Heeunis, so wie imDentschen ehedem Geld, auf ähnliche Art von einem jeden beweglicheil oder unbeweglichenGnte gebraucht. So veraltet auch diese Bedeutung ist, so wichtig ist ste doch bey-'Erforschuna der.ALflammiutg-diefts Wortes.. Adel.W.B. z.TH. s.Aussi Anni. Biests alte Wort lautet bey dem Ottftied, der es schon-, für Geld überhairpt gebraucht, ftfr-oinA, oder vielmehr, wie in: dcnHandschriften nachSchrllerSVerstchcnyrg in denAnmerk,rügen zum ztenB. Kap. 14 gelesenwird, kenäin^^ecilüinZ.^ftell.- tjrrc; bey dem W-Tcrarn klrenrrirrA, im Tatran, wo es für Silberling stchk,psssrnrjuZO, noch imDentschen bey vielenpftn-L nlng, im Angels, ftenr^rlnd keninA, im Engl. kLNN^ und im Plural Pence, im Schwed. pennioZ, imJsländ.penoinvur, im Slavon. pener, im Ungar. pen>2, im Pohln. PieuiLc?. Die Abstammung diescsWones ist noch nichts weniger al- ausgemacht. Die letzte Sylbe ist unstreitig die Ableituugsfylbe —rng oder—r'g, welche ein Ding, einSnbject bedeutet, von welchem etwas gesagt wird. Nur die erste Hälfte, welche das PrädicaL enthält, ist noch, dunkel. Die Wvrtforscher, welche sich mit diesem Worte beschäftiget haben, theilen sich vornehmlich in zwey - Elasten, wovon die eine die erste Bedeutung einer geprägtenSchei- demnnze, und die andere die letzte Bedeutung einer Waare, eines Enkes, für die erste und ursprüngliche hält, und darauf ihre Etymologien gründet. Um hier nur einige der vornehmsten an-ufiih, re», so ließ Sktnner es von dem Lat. k^scuniL durch eine Versetzung der Buchstaben abstammen. Goldast leitet es sehr seltsam von behändig ab, und behauptete, das Geld wäre wegen seiner Bequemlichkeit im Handel und Wandel so genannt worden. Viele unter denDemschemlaffen cs von Pfanne abstammen, und setzen voraus, daß. die Hohlmünzen, welche man im gemeinen Leben auch wohl Schüffelvfennige zu nennen pflegt, zuerstund eigentlich 'diesenNaßlnen geführct. Verelius legte das alterpchwe- dische pLena, ansdehncn, prägen, zum Grande, welches mit unserrn Pein verwandt ist, S. dasselbe. Wachtee läßt es von dem alten und noch jetzt im Wallisischen-nblichen Pen, eiil Köpft adstammen, weilaufdie ersten mDentschland bekannt gewordenen- Münzen der Kopf des Kaisers gcpräget war. Was diese Ableitung wahrscheinlich macht, ist theils, daß auch Münze seinen Nahmen von dem Gepräge hat, theils aber auch, daß in dec Schweiz ein Pfennig Angster genannt wird, d. i. Angesichter., gleichfalls von dem darauf geprägtenKopfe oderAngcsichte. Frifch ist für das Latein.penäo, Schiller aber, der sich anfQttfriedS SchreibartpentltinZ und pfeotloc, und arlfdasDänifchepen- dig fücpftning gründet/ leitet es von Pfand, piZnus, ab, und erkläret es, der letzten Bedeutung zu Folge, durch ein bewegliches Gut, welches die Stelle eines Pfandes vertreten kann. Und dieser Ableitung pflichtet anchJhre bey,welcher mit mehrecnStel- len beweiset, daß Pfennig ehedem ein jedes beweglichesGnt bedeutet habe. Ja noch jetzt bedeutet penninZ im Isländischen das' Viel», daher es in der JsländischenBibel Joel i heißt : O ssuerlu peninZuren It/ner ! 0 wie stöhnet das Bich! Das Pfennigcrz, des—cs, plur.inuf. in einigen Gegenden, eine Art Eisenerzes, welches in den Sümpfe» in unförmlichen flachen Stücken gefunden wird, und eine Art des Sumpferzes aus- machü Vermnthlich von Pfanne, so fern dasselbe auch, wie »och jetzt i?nneim Englischen, eine flache Scheibe bedeutet har.. Der Pfennigfuchser, des — s, plur. ut nom. 6 nZ. in der/ niedrigen Sprcchart, ein Mensch, welcher ans Geitz auch heu- geringsten Pfennig zu ersparen und zu erwuchern sucht; Niedcrft. Siipennig^ von hüen, hüthcn, im mittlcrttLat.pjvcsmeäLllju,, Franz. Pincemuille. Das pfenniyyervicht) des—es, plur. die—e, im Bergbaue, eine Art des Probiergewichtrs, ohne Plural;, ingleichen einzelne: Gewichte dieser Art, S.Pfennig. Das Pfennigkraut, des—es, plur. inuft i) Eine Art drM Weiderichs, welches eincnlangendünnen an derErde hinkriechen-- den Stängel hat, der zu beyden Seiten mit kleine» runden fttten: Zz^ Blatt--- 72Z Pfe Wlättchen kn Gestalt eines Pfenniges besetzt ist; l^stMnchiL ^urrimulnriu ^.wieftngeld.Wieftnkraut, Engelkraut,Dän. pengurt pengeblad. 2) Die Feldtasche, '^cklaspi campeüre, und derBauernftnf, lülLspi Lrvenls I-. werden wegen ihrer munden stachenSamenschoten zuweilen anchpfennigkraut genannt .Die pfenniylmfe, plur. die—n, eine Act der gewöhnlichen Feldlinsen mit platt gedruckten in der Mitte ein wenig erhabenen Samen; Französische Linsen. Die pfennigmcrrk, plur. doch nur von ruehrecn Arten, die—en, in dem Hüttenbims, die in dem Pftnniggewichte übliche Mark, wo sie in iLü Lheilc g-ctheilet wird. ' Der pfennigmeifter, des—s, x»Iur. ut nona. lrn§. eine alte, noch hin, und wieder übliche Benennung eures CassiererS oder Schatzmeisters, welcher gewisse Gelder in seiner Aufsicht hat, und die Ausgaben und Einnahmen davon berechnet. Daher die pfen- nrgmerstercy, dessen Amt und Wohnung, iugleichen ein ganzes zu den Einnahmeu gewisser Art verordnetes Collegium, und der Orr, wo sich dasselbe versammelt; der pftnmgschrciber, der Schreiber bey einem solchen Collegio, u.s. f. Der pfemnystein, des—es, plur. die—e, ein Nähme, wel« cher im gemeinen Leben denjenigen Versteinerungen gegeben wird, welche auch unter dem Nahmen der versteinerten Pfennige bekannt sind, S. Pfennig. Der pferch, des — es, plur. doch nur von rrreßrepn Arten, die—e, in derLandwirthschafr, der Koch der vierfüßigcn Thiere, besonders der zahmen, ss fern derselbe als Dünger gebraucht wird; daher auch der Dünger überhaupt in manchen Gegenden pferch heißt. In weiterer Bedeutung wird oft ein jeder Thier« oder Menschenkoch Pferch genannt. S. i pferchen. Die pferche, plur. die—n,gleichfalls nur in der Landwirthschaft. r) Der mit Hürden eingeschlosscnc Raum, worein die Schafe «uf den Brachfeldern über Nacht getrieben werden. 2) Die Art und Weise, die Schafe äufdicse Art unter freyem Himmel übernachten Zu lassen; ohne Plural. Die Pferche gehörig zu fuhren wissen. Die pferche thut auf ebenem Lande bessere Dienste als auf abschüssigen äelderu. Anm. In beyden Bedeutungen in einigen Gegenden auch im männlichen Geschlechts, der pferch. Es gehöretin dieser Bedeutung ohne Zweifel zu dem mittler» Lat. fccrcus, ein cingcschlosse- ucr OrtFranz. und Engl, karc, im Jtal.^sreo, ohne doch unmittelbar von denselben abzustammen. Im Hollsteiuischcn ist die Berge gleichfalls eine Hütte, so wie karcum u u d kur ri c um im Aipuarischen Gesetze euren Stall, in den alten Bäurischen Gesetzen aber ein Kornhaus bedeuten. Das Srammwvrt ist entweder Barre, ein Riegel, eine Stange, oder auch das Zeitwort bergen. S. 2 pferchen. L- Pferchen, verb. reZ. welches m'doppelter Gestalt üblich ist. 1) Als ein Vleutrum, mit dem Hülfsworte haben, seinen Koch, die Überbleibsel der verdauten Speisen von sich lassen, raem re, wo es in der Landwirthschaft als ein anständiger Ausdruck für andere niedrigere gebraucht wird. 2) Als eimA'cttvum, mit solchem Kokhe düngen, und in weiterer Bedeutung, düngen überhaupt. Den Acker pferchen. So auch Käs pferchen. Anm. Gemeiniglich hält man pferch, Koch, und pferche,^ der mir Hürden eingcschlossene Raum, für ein und eben dasselbe Wort-weil doch die Schafe hauptsächlich um ihres Pferches willen in der Pferche sind. Allein daman pferch und pferchen aufdem Tande von allen Thieren so wohl als Menschen gebraucht, so ist es wahrscheinlicher, daß es eine Nachahmungdes mir rein Pferchen gemeiniglich ve rbundenen Lautes ist, und zu den niedrigen farzen, Oirzerr gehöret,welche vermittelst des Harrern z einen stärkernLspt MsK Dicken, Pfe 724 S. pferchen, vsrd. rs§. aeb. von Pferche, ein mit Hürden ein- gefchlossener Raum, mir Pferchen beziehen,Pfcrchen aufdemAcker schlagen und die Schaft darin übernachten lassen. Anfängen zu pferchen. Einen Acker pferchen, ihn auf solche Art überziehen und dünger». Daher das pferchen. Z. pferchen, vsrb. reZ. act. mehrere Dinge in einen engenRanrn zusamluen drängen, stopfen,pfropfen. Die Schulstube, wo ein ehrlich altes Weib unsre Rindheit zusammengepfercht hatte, Göthe. Zeugnisse der Vater ohne Observationen zusammen- pferchen, Franks, ge!. Zeit. So auch das pferchen. Anm. Dieses Zeitwort ist von den beyden vorigen völlig vr-k- schieden. Es hat eine sehr sichtbare Übereinstimmung mit dem Lat. kareirs, ohne doch von demselben entlehnet zu seyu. Beyde scheinen zu dem Geschlechte unsers wirken zu gehören, oder vielleicht auch Jntenfiva von fahren iu dessen weitesten Bedeutung zu feyn. Die Pferchhütte, plur. die —n, eine kleine von Bretcrn zuftm« men geschlagene und auf einem dreyrädorigen Karren befestigte Hütte, worin der Schäfer bey den in dcrPferche befindlichetzScha- fen über Nacht bleibet; der pfcrchkarren, der Schäferkarren, die Schäferhütte. Das pferchler^er, des—s, plur. nt aom. die in der Pferche gelagerten Schaft, und in weitcccrBedeuLung, die särnmt-- lichc bcy einem Gute befindliche Anzahl von Schafen. Das Gut hat ein Pferchlager von 400 Stück, ba» so viele Schaft. Dcrs pferchrecht, des—es, plur. inus. das Recht, aufftmem Acker Hürden zu schlagen, und die Schafe zi» Düngung der Felder in denselben übernachten zu lassen ; der pferchschbag, der §ür- denschlag, das Feldlager, die Buchrschlagung. Der pferchfchlüF, des—es, plur. inus. das Aufschlagen der Hürden und Einsperrcn der Schaft in dieselben. Jngleichen das Recht, Hürden in dieser Absicht zu schlagen. das vorige. Das Pferd, des—es, plur. die—e, Dimiuut. das Pferdchen, Oberd. das pferdlein, ein vierfiißiges cinhusigesThier mit auf- gerichteten Ohren und langen Schwauzhaaren, welches eines der vornehmsten zahmen Thiere ist, und vornehmlich zum Ziehen und Lasttragen gebraucht wird, i) Eigentlich. Ein zugeritteiies, noch nicht zugerit-tenes Pferd. Pferde halten. Mit vier Pferden fahren. Die Pferde anspannen, ansspanncn. Die Pferde wechseln, frische Pferde nehmen. Mit untergelegten (8, i. frischen) Pferden reisen, Ern schönes Pferd reiten. Gut;» Pferde sitzen. Zu Pferde kommen, geritten. Sich zu Pferde setzen, auf das Pferd steigen. Zn Pferde dienen, unter der Rei« terey. Zu Pferde fechten, von dem Pferde steigen, absttzcn. Das Pferd satteln. Dahin auch die im gemeinen Leben üblichen sprichwörtlichen R. A. Sich von dem Pferde aufden Esel setzen, sich oder seinen Zustand verschlimmern. Die Pferde hinter den wagen spannen, eine Sache verkehrt anfangcn. Einem geschenkten Pferde muß man nicht in das Mau! sehen, dessen Alter zu erforschen, d. i. ein Geschenk muß man nicht zn genau untersuchen. Pferde, die den Laser verdienen, bekommen ihn nicht. Tvauwohl ritt das Pferd weg, sagt man, wenn man von jemanden, in welchen man ein zu großes Vertrauen gesetzt hatte, h-tttergangen wird. Auf dem fahlen Pferde betroffen werden, über einer.Lügen, in einem Zrrthume betroffen werden, seine Schwäche verrsthen; eine R. A. welche einige, obgleich mit gcriugcrWahrscheinlichkcit, auSOffeub.6, andere eben ss gizwmr« gen von Belisario herttiteu, welcher in den Schlachten ein fahles Pferd geritten, und daher leicht von den F inden erkannt worden. Jngleichen die Zusammensetzungen, ein Ackrrpferd, Lienstpftrd, Lehenpferd, Rutschpferd, Reitpferd, Zugpferd, Postpftrd, sandpftxd, Sattelpftrd, Aagdpferd Drquerpferd, Zreuden- / e 72L «fttd u. s.f. s) Figürlich verstehet man unkikrpferd zuwetten ein berittenes Pferd, d. i. das Pferd und seinen Reiter. Ein Tom- mando von hundert Pferden ausschiLeu, von hundert Reitern. Mtt zehen Pferden kommen, mit zehen zu Pferde sitzenden Personen. ^ ^ Anm.Bey dem Königshofen Pferit, im Niederst peerd. DerRahme ist alt,ob er sich gleich in unsern ältesten Denkmähler« nicht findet. Das Lat. Vereäus, ein Postpferd, ist genau damit verwandt, obgleich Festus glaubte, daß es diesen Nahmen daher habe, vechit. Auch im Arabischen bedeutet VLi-LL ein Pferd, und selbst Persien, welches in der gelehrten Sprache von Jndostan phariö oder pharistan heißt, soll seinen Nahmen daher haben, und so viel als das Land der Pferde bedeuten. Wachter und andere leiten diesen Nahmen von b ä'ren, tragen, oder fahren her, weil man doch die Pferde von den ältesten Zeiten an zu diesen beydenBerrichtungcu gebraucht hat. Allein es scheinet vielmehr die diesem Thicre, besonders in seinem wilde» Zustande eigentümliche Schnelligkeit der Grund seiner Benennung zu sepn, da denn daSWort gleichfalls von fahren absiammen würde, doch nur, sofern es sich schnell bewegen bedeutet. Die gleichbedeutenden Wärterin der Deutschen und andern Sprachen leiden eine ähnliche Ableitung ; wie Roß von reisen, reißen, das Schwed, biuest von hast, hastig, daSEngl. iiorfe von hurtig, das Schwed. 5 kjut von dem Island. stLiotr, schnell, und rmserm schießen, dasLat. Kquus, Island. Likur,Schwed.chk, Dän. Mg, alle in der Bcdenlung eines Pferdes, von dem Griech. «LP 4 , schnell, hurtig, das Griech. Schwed. biox)s>s, von hupfen u. s. f. Das e ist in diesem Worte gedehnt, obgleich ei» doppelter Mitlautce folgt, welchen Umstand es mit zart, (Quarz, Merth, Vogt, Trost, Mets, Schwert, und hundert andern gemein hat; woraus zugleich erhellcc , daß die Wurzel fahren, oder ein ähnliches Wort mit einem gedehnten Vocale, das d aber ein bloßer alter AbleitungSlaut ist. In vielen der folgenden Zn-- sammensetziuizen bedeutet das mit Pferd — zusammen gesetzte Wort, ein schlechtes gcr-.rrgeres Ding seiner Arr, weiches nur für Pferde brauchbar ist, zum Unterschiede des bessern, dessen stch auch die Menschen bedienen. In andern hingegen bedeutet es auch das größte seiner Art, (S. Pferdeameise, pferdcnnß u. s.f.) welches die Ableitung derer wahrscheinlich macht, welche Pferd, Bär, Farr u. s. f» für allgemeine Benennungen eines jeden großcnThie- reS Hallen. Anm. 2. Pferd ist in ganz Deutschland der allgemeine Nähme diesesThiereS, welcher dessen Alter, Geschlecht nnd übrige Beschaffenheit unentschieden läßt, für welche die Deutsche Sprache eine Menze eigener Nahmen hat. Ich will die vornehmsten, veralteten so wohl als noch gangbaren, so wie sie mir entfallen, hier hersetzen, ohne mich doch Hey den eigentlichenZusammcirsetzunsen wie Zugpferd, Reitpferd n. s. f. anfzuhalten. Diejenigen, welche von drmReichchume terArabifchen und anderer fremdenSprachcn a,rs einem so hohen Tone reden, mögen sehen, ob sie den Reich- thnm der Deutschen aufrvregen rönnen. Statt des allgemeinen Rahmens Pferd find in einigcnGegenden auch Mähre, Gaul und Roß üblich, ob sie gleich im Hochdeutschen zuweilen andereBcstim- muugen bekommen- JmScherze gebraucht mail auch zuwestcn das aus dem Französischen oder püttlern Latrine entlehnte Läball. Für Roß sagte man ehedem auch Des, und in einigenNieder- sächsischeu Gegenden , z. B. im Saterlande und in Mecklenburg, heißt ciu jedes Pferd Lest und Langst, welches mit dem Schwed, iknsli, Jsliind. ttültr, ein Pferd, überein kommt. In andern Ncedersächsischen Gegenden, z.B. im Bremischen, ist Page die allgemeine Benennung eines Pferdes. Eben so zahlreich sind die L^chnuuk für besondere Umstände. Pfe 726 ') Zn Ansehung des Alters. Ein junges noch nicht ausgewachsenes Pferd heißt im Hoch- und Oberdeutschen ein Füllrn^- in Niederdentschland einFohlen, inFranken ein 6 ai.kcrlein, m andern Gegenden Bickartlern, Lemsel, Zerßerle, Lnßchen, Lutschela, Bude!, Morschele, Starke, Matte, Muschel. 2) In Ansehung des Geschlechtes. Ein ungeschnitttnes Pferd männlichen Geschlechtes heißt sengst, und wenn er zur Fortpfia». Ktlng seines Geschlechtes bestimmt ist, Bescheler, Zuchthengst, Reithcngst n. s. f. in Niederfachsen Stotter, Stößer, ehedem in Baiern auch Maiden. EmPferd weiblichen Geschlechtes, Sture, Mutterpferd, Milde, Gurre, lRobbel, Mähre, Morsche, Gtrenz, Streike, Tote. Ein geschnittener Hengst, Wallach, Meiden, Letter, Rune, Renß. 3 ) Zn Ansehung der Größe. Bey desn Dasypodius heißt eis kleines Pferd Bick artlern; irimairchenGegcudc» ist dafür NiEcl, Grämlern, Schnack, Rnuker üblich. >4) In Ansehung der Farbe. Rapp , ein schwarzes Pferd; Schimmel, ein weißes, mit seinen Abänderungen, Schwarz- schimmej,RorhschimmcI, 8 l!e§cnschiwme!,Apfelschimmel,Spiegelschimmel u. s.f. Fuchs, ein röthliches Pferd, mit seinen Unterarten, Rechtfuchs, Lichtfuchs,Schweißfuchs, Rolhfuchs; Falbe, ein fahles, und Schecke, ein geschecktes Pferd. Ein rötliches Pferd, welches aber noch nicht den Nahmen eines Fuchses verdienet, heißt in Niedersachftn Räntke, von rank, roch. L) Der Güte nach. Ein schlechtes, elendes Pferd heißt im gemeinen Leben eine Gurre, (bey. den Schwäbischen Dichtern (aurru,) eine Bracke, eine Mähre, im Niederst Zore, anderwärts Page, Roller, Zaxge. Graman kommt im > 6 teu Jahr» huuderrc in Dberdeutschland von einem alten magern Pferde vor, und im Mittlern Lat. ist iVIunllus ein jedes Pferd. Mähre, welches jetzt nur noch von einem schlechten Pferde gebraucht wird, war ehedem, wo es March lautete, der Nähme eines KriegS- vnd Paradepfrrdes, (S. Marschall.) Roller »»d Srrenz find im Oberdeutschen noch hin und wieder gangbare Nahmen eines alten elenden Pferdes, so wie Tscheker oder Schcker in Li stand. Ein Pferd von der schlechtesten Art heißt in den alten Bail-rischen Gesetzen ":>d "11 mittelmäßiges Vulr. Horiiegk gebrauchtRunczin, Fran K ancin, in einigen Oberdeutschen Gegenden noch jetzlRung, von einem gewöhnlichen mittelmäßigen Pferde. 6 ) Dem Gebrauche nach. Ein nicht zugorittencs Pferd, welches zum gewöhnlichen schnellen Reiten gebraucht wird, heißt im Hochdeutschen einBlcpper, im Obcrd.Rung, imNieders. Ridder. Ein gewöhnliches Reitpferd im Niederst Rittiing, im Salischen- Gcsctzc Lttsuco. Ein Paradcpfrrd oder parabeur bey demHor- riegk pranczel, von prangen. Ein Turnier- und Kriegspferd im dreyzehnten und vierzehnten Jahrhunderte Raveit, Rnnczin, Orz, Grs, Roß, Schwed, ttors. Ein Pferd, welches zum Lastwagen gebraucht wird,im Oberd. ein Säumer, Sa,impferd. Saumroß. Ein Pferd, welches den Zelt oder Paß gehet, Zeltep, Paßgänger. 7) Noch pon einigen andern Umständen. RammeLnäse,Ram- meskopp sind Niedersächsische Benennungen eines Pferdes mit einer krumm gebogenenLvcksnase,Engs.^im 8 ksLä,vonRamm, ein Bock. Einer der Schwäbischen Dichter nennet ein dummes Pferd Mustör, lVkurer, vielleicht Matz, Mutz. Mildfang ist cüc in der Wildniß aufcrzogenes noch nicht gezähmtes Pferd, und ein noch nicht zum Reiten oderFahren abgerichtctes zahmesPfcdd, heißt iyeinigen Oberdeutschen Gegenden Gtrretze. Mengelmzp ffst im Niederd. '.n Pferd, welches von verschiedenen Raffen gefallen ist. Rrippenbeißer, Ropper, Barngrolzer, vollerer u.s. f. sind mit gewissen Untugenden behaftete Pferde, wie Gpeckhals^ Zz » Schw»- .727 .P/k Schwanenhals u.s.f. Eigenschaften in dem Baue des-Körpcrs bezeichnen. Wer Lust hat, kann mit ein wenig Mühe dieses Ver- ^ zeichniß leicht verdoppeln. L er pferdeacker, des —s, plur. die—ackcr, in der Grafschaft Schwarzenberg, dem Frisch zu Folge, ein Banergut, welches nach Absterben des Besitzers das beste Pferd als Hauptfall geben muff, S. Hanptfall. Die pferdeameise, plur. dre—n, die größteArtAmeisi-n, welche sich i» den verfaulten Stämmen der Bäume aushäi- ; Fvun iuL lierLuleauu b,. Roßamerse. Etwa,von einiger Ähnlichkeit mit - einem Pferde? Oder auch so fern Pferd ehedem ein allgemeiner Nähme eines großen Thieces war ? S. Bär und Farr. Die pferöeardeit, plur. die — en. i) LmeArdeit, welche mit P,erden verrichtet wird oder verrichtet werden muff. 2) Im ge- meinen Leben, figürlich, eine sehr schwere, mühsame Arbeit, -wozu gleichsam Pferdekräfte erfordert werden. Der pferdeärzt, des— es, plur.die—ärzte, derjenige, welcher die Krankheiten der Pferde kenliet.und zu heilen weiß, besonders wenn er daraus fiin voritehmstes und eigentliches Geschäft macht; im gemeinen Leben, cinpferdedoc.tor. Der pfer-bebauer, des — s, plur. die — u, ein Bauer, welcher Pferde hält, feinen Acker mit P,reden bestellet; imGegensatze eines Ochsenbauers. In engerer Bedeutung ist der pferdebauev in Obecsachfen ein Bauer, welcher so viel Land besitzet, saß er zu dessen Bestellung wenigstens einPaar Pferde halten muff. S. Anspänner und pferdner. Die pferdodlume, prur. die— n, S. Ruhwcl'tzen. Die Pferdebohne, plur. die—n, ein Nähme der großen Bohnen, ivelche auch Roßbohnen, Feldbohnen, 8 ritterbohn.cn, Feigbohnen, Buffbohnen oder Puffbohnen genannt werden, Viria b,. und voll welchen dieSaubohncn eineAbart sind. Sie sind am Kaspischen Morre einheimisch, und werden an viele« Orten zinn Futter für die Pferde gebraucht. Die Pferdedecke, plur. die—- n, eine Decke, womit die Pferde bedecket werden. Man hat ihrer von verschiedener Art und Güte, je nachdem sie im Stalle, oder auf der Reise oder auch zum Staate gebraucht werden. Der Pferdedieb , des — es, plur, die — e, cm Dieb, welcher Pferde gestohlen hat. Der pferdedienst, des — es, plur. die — e, ein Dienst, welcher mit einem oder m hrern Pferden geleistet wird. In engerer und der gewöhnlichsten Bedeutung sind die pfcrdedienste Fcvhn- Lienste, welche mit Pferden geleistet werden müssen, ps'crde- frohncn, Spanndienste; zum Unterschiede von den äand-oder Fußdiensten. Die Pfer.dedille,plur° inuk. eine schlechtere Art der Dille, mit besonder.'! Hüllen, deren Blättchen unter einander znEinemLlatte zusammen gewachsen sind; äeleli blippsinurÄllirum b,. Roßdrll. . Der pferdeegep S. Roßegel. Derpferdefsnchel,des—s, plur. irruf. S.Wasscrfenchell. Die Pferdestiege, plur. die —n, eine Art Fliegen mit kurzen dünnen borstenähnlicher! Fühlhörnern, einem walzcnähnlichen Saugern sftl und einem HinLerleibe, welcher mit dem Brustfchilde von gleicher Dicke ist; lüppobosett l,. Sie plaget die Pferde rmd lgfft sich daher gern bcy ihnen antreffeu. Die pferöefrohne, plur. die—n, Frohndienfie, welche mit Pferden verrichtet werden, S.pftrdedienst. Das Pferdefutter, des —L, plur.doch nur von Mehrern Arten, ut nom. dasjenige, was den Pferden»'!,» Futter, oder zur gewöhnliche» Nahrung dienet, womit sie gefittttt werden. D KS Pferdegericht, des— es, plur. die — e,anrjn!grn Orten, Pfe 728 -ein besonderes Gericht, welches über die bey dem Pfcrdehandes vorsällendeu Strettigkeiten gehalten wird, dergleichen zum Betz, spiele zu Göln ist. Das Pferdegeschirr, des — es, plur. die—e, das Geschirr, womit die Pferde, und besonders die Zugpferde bekie o.t werden, und wohin nrchrnur das gewöhnliche wage'igefchirr, das Rut- s^engeschirr und Rlppcngcschur, ,onbern a ich das älNkcrge- schirr, Mrt'etgelchirr und v.oroecgescylrr gehören. DüS pfecdegrst, des — es, plur. von mehrern Arten, die —e, alles, was oen Pserden em G-ft ist. Zn engerer Bedeutung ist das pferd-gift oder orepferdcmtt; ein platter halb runder dünner wercyer Körper in Gestatt emer tieinen Milz, welchen die Füllen aus der Zunge mit auf ow Welt bringen, aber auch sogleich verschlucken soltta. Man suche ihnen den,elbenzu benehmen, weil sie alsdann besser gerachen sollen, gebraucht cs aber auch als em Hril- Mstttl wider allerlep Krantheneu der Pferde. Bey den Alten hieß es bl ppoinunes. Der ferdegopel,des—s, plur. ut nom. linß. imBergba«e, ein Göpel, welcher von Pferden gezogen wird, S. Göpel. Das pferdegut, des—es, plur.die—guter, em Banergut, zu dessen Bestellung wenigstens ein Paar Pferde gehaltert werden müssen, S. Pferdebauer und Pferdner. Das Pferdehaar, des — es, plur. die—e, Haare von einem Pferde. In engerer Bedeutung pstegtmandie langen Schwanz- haaee von einem Pferde Pferdehaare, die kurzem Haare des Leibes aber Roßhaare zu neunen. D c2 pferdehandel, des—s,plur. inuf. der Handel mitPferdcn. Der Pferdehändler, des—s, plur. utaom. lin». derjenige, welcher mit Pferden handelt; der Roßkamm, Roßtäuscher, S. diese Wörter. Der Pferdehuf/des — es, plur. die —e, eigentlich der Huf von einem Pferde. Figürlich wird von einigen eine Ostindische Art des Wassernabels, ll^ckrocot^le -Vlittttca I-,, wegen dst Ähnlichkeit ihrer Blätter pferdehufgenanut. Der Pferdeigel, S. Roßegel. Der pferdejunge, des —n, plur. die — n, in der Landwirth- schaft, ein Knabe, welchem die Aufsicht über die. auf der Werde befindlichen Pferde auoertrauel ist. Die pferdekastänie, plur. die — n, dieFrucht des pferdekasta- nienbaumes, welcher im mitternächtigenAfien einheimrjch ist, von wannen er 1550 nachDeurfchlandgebracht worden, wo man ihn wegen seines Schattens und wegen seiner schönen Brüche schätzet; Aesculus p. wilde Rastanie, Roßkastanie. Er Halden Nahmen bloß wegen der Ähnlichkeit seiner herben und bitter» Frucht mit den eßbaren Kastanien. In der Türkey pfiegt man seine Früchte zu stoßen und sie den Pferden, wenn sic einen heftigen Husten oder schweren Athem gekommen, mner das Furier zu mengen. Die pferöeklaue, plur. Inuli S. Huflattich. Der Pferdeknecht, des—es, plur. die — e, rin Knecht, wel. eher zunächst und hauptsächlich zur Wartung der Pferde, oder zur geringen Arbeit mit den Pferden bestimmt ist; zum Unterschiede von einem Hausknechtes Ochsenknechte u.s.f. Zu engerer Bedeutung wird der Ackerknecht, welcher eigentlich dtcBcstcllung des Feldes zu besorgen hat, der Pferdeknecht genannt; zum Unterschiede von dem auf große» Gittern zuweilen befindliche» Bauklicchte. Der Pferdekspf, des — es, plur. die — köpfe. eigentlich der Kopf eines Pferdes. Figürlich auch eine An Strohhitte geringer Personen, welche den Kopf von hinten bis in den Nacken ganz bedecken, am Gesichte aber weit hervor gehen, und demselben die Gestalt eines P-ndeiopfes geben ; zum Unter,chicde von einem Schattbhltteund Lipoier - 6 ure, Die pferdelrms, xlur. die —Kufe, bey ein-ßen Schftststellern des Naturreiches, eiu Nähme der pferdeflicge, S. dieses Wort. Die ^feroeletne, xlur. L>le—n,^uf dem Lande, eine Leine oder eilt düultcs Seil, die Pferde vor dem Wagen oder dem Pfluge da- mit zu lenken. Der PsierdLMttrkt, des— es, xlur. die—-markte,emMarkt oder Jahrmarkt, auf welchem nur Pferde verkauft werden ; in- glerchcn der dazu deiiimmte Play. In bepden Fällen auch der Roßmarkt. . . Die pferSemilz, xlur. die — en. i) Eigentlich die Milz von einem Pferde, r) Figürlich, S. pfcrdegift. Derpferdemift, -cs—es, xlur. mul'. der Koch von einem Pferde. Jngleichen der mrt Stroh vermengte Pferdekoth. Die pferdemchbe, xlur. dle—n, eine Miihle, welche von Pferden m Bewegung gesetzelwird; am häufigsten die Rößmühle. Die pferdemünze, xlur. mul. eine Art wilder Münze, mit länglichen Blumenähren und länglichen, filzigen, sägeförmig gezähnten Blättern, welche in den Graden und Morästen wohnet; MelUdLlUvLttri.-.>. Roßmünze^ Rieders, pagemmte, von Page, ein Pferd, Angelstlttorsmmk, Engl. ttorlemmr, Dän. Die pferdenüß, xlur. die—nässe, die größte ArtWälfcherNnss-, welche oft dieGröße einer Kindersünst erreiche», aber gemeiniglich mehr in die Schalen als in den Kern wachsen. Sie werden auch Roßnüsse, Schafnüsse und polrernüsse genannt. Die Pferderaupe, xlur. die-meinJnftct, welches sich imWas- fer aufhält, einer Raupte gleicht, und start des Maules euren röhr- förmigcn Rn,ftl hat, der ihm einiger Maßen die Gestalt eures Pferdes gibt. - Der pferdesanren,des —s, xlur.muf.eine, besonders rn Rie- dersttchftn übliche Benennung des Wasserfcnchcts, ^jiLÜLnttri- uni u^utttttcurn L,. welcher für ein gej ährilches Gift oec Pferde gehauen wird, deffcnSchädllchkeit aber, liachLmnee Beobachtung, bloß von der sehr häufig in dem hohlen Stängel, dufte Pflanze befindlichen Larve eines Rüsselkäfers herrührel; pferbesaat. Der Pferdesatteft des — s, xlur. drc — satter, eigeritlich, ein Sattek, ein Pferd damit zu satteln. In der Anatvmre führen die. ftn Nahuren an dem siebförmigen Beine-die Lift,wen inwendig befindUchcil Forifätze mtt der dazwischen befindlichen Höhle; 8eUn s^uiun. Der pferdeschöß, des-sses, xlur. dir —sse, ein Schoß oder Geschoß, wercher von den Pferden gegeben wird, die mau hält. Ju der Mark Brandenburg ist es ein Geschoß, welchen die Magistrate in den Städten zur Tilgung der üoernommencn alten Lchidesschnlden von ihren Einwohnern heben. Der Pferdeschwanz, des - es , xlur. die—schwänze, eigentlich, der mit langen Haaren versehene Schwanz eines Pferdes; in der anstäudigecsi Svrechart, der pftr-eschweis, der Schweif. Figürlich sichrer diesen Nahmen auch bas Lai-nenkrant, oder der Schachtelhalm, Lciuilekum h,, welches auch R o p schwänz genannt wir d, Niederst Duwocken; ivegen der vielen Nebenäfle, die es aus dem Hauptaste treibe. Der Pferd r schwofe l, des —s, xlur. doch n?tr von mehreru Ar- ten, ut uour. tiQZ.der miccmfle "»d grösste Schwsfcl, welcher sich beydrr Reinigung besAohschwefels ans dru Boderr setzt, urrd zur Arzeuen lüc ön Pferde gebraucht wird; Roßchwefe., Rotz- schwefei, wett e> besonders wider den Roy der Pferde dienlich ist. Der pfsrdeschweef, -es—es, xlur. die— e, S.pfcrdeschwanz, ikigtelchtii R ß schweif. Die Pferdeschwemme, xlur. die — n, ein Ort, wo die Pferde geHwrmm.er weiden. Pfi 7Z0 Die pferbefllye,xlur. muss eine der Tilge ähnliche Pflanze mit dreyfachen sägeförmig gezähnten, gestielten Stanunblätteen, welche in Schottland, Frankreich, Spam'rn und deu-Niederlan. denhäufig wächst; 8mlruium OlussLkrum Der pfer-estall , des — es, xlur. die—stalle, ein Stall für Pferde , die Pferde darin zu behalten. Der pferdesiecher, des—s, xlur. uk vom. stuZ. ein den Fliegen sehr ähnliches Jnsect mit einem hervor stehenden gelenkigen Rüffel, welches die Pferde mit seinen Stiche» plagt; Donops I,. Der pferdesiem, des — es, xlur. die — e, ein talkartiger Stein, welcher sich zuweilen in dem Magen und den Gedärmen der Pferde erzeuget. Die pferdestrietzeL, xlur.uk vorn. lmZ. ein Striegel, die Pfer- de damit zu reinigen. Der pferdetay,-cs—es , xlur. die — e, auf dem Lande, derjenige Tag, an welchem ein Unterchan mit Pferden zu fröhnen oder Pferdefrohnen zu leisten verbunden ist; im Gegensätze der Landtage und Znßrage. Der Pferdeverleiher, des — s, xlur. uk vorn. linF. derjenige, welcher ein Geschäft daraus macht, andern Pferde, und besonders Reitpferde, für Geld zu leihen; im Oberdeutschen der Lehen- r oß l er. Das pfer-ezeUF, des—>s, xlur. die — e, das Zeug,d.i. Geschirr, welches den Pferden aller Art, sie ftyn nun Zugpferde oder Reitpferde, zur Erleichterung des Ziehens oder Tragens aufge- leaet wird; 'das Pferdegeschirr. Die pferdezucht, xlur. cur. die Zucht, d.i. ErziehungderPferde ans Füllen. Jngleichen die Vervielfältlgnng der Pferde durch Fortpflanzung und deren Erziehung, alsein Nahrungsgeschäft be- trachtet. sollstkin h«t eine vortreffliche Pferdezucht, ziehet viele Pferde. Der pferöner, des—s, xlur. m vorn. knZ.ein in Obcrsachsen vorzüglich übliches Wort, einen Anspanner oder Pferdebauer zu bezeichnen, d. i. ein Bauer, welcher zu Bestellung seinesAckers wenigstens ein Paar Pferde halten muß, der äüfetter, Großbauer, im Braunschweigischen der Ackermann; im Gegensätze desRorh- sassen, smtersättlers »der äan-frohners. S. Anspänner. Der pfersltz, des — es, xlur. die — e, S. Pfirsiche. *pfetzen, verb. reZ. nck. welches nur in der Deutschen Bibel für das im Hochdeutschen gewöhnlichere fetzen vorkommt. Ihr sollt keinMaal_an eurem Leibe reißen, noch Buchstaben «K euch pfetzen, Z Most iL, 2 8; Kap. 2 1, z. S.Hetzen. Der pfiff,des —es, xlur.die—-e, der durch Pfeifen hervor ge- - brachte Ton. i) Eigentlich, wo es besonders von demjenigen eintönigen Laute gebraucht wird, welchen man mit dem AZunde oder vermittelst einer Pfeife hervor bringt, jemanden damit zu ^nfen. Nichts auf den Pfiffgeben, nicht folgen, wenn man durch Pfeifen gerufen wird. Der^ännd versteht den Pfiff. -) Figürlich, eine Handlung, welche einen andern Endzweck hat, als sie dem äußern Anscheinenach zu haben scheinet, besonders wenn sie aufdenScha- den des andern gerichtet ist. Das sind pfiffe. Deine pfiffe werden mich nicht berücken- Er verstehet den pfiff. Es scheinet, daß es in diesem Verstände, in welchem es, so wie das ganze Wort, nur im gemeinen Leben gebraucht wird, von der; Taschenspielern entlehnet worden, welche, wenn sie den Zuschauern einen Hand- glttffvcrberg?n,ulid ihreAufmerksamkeit theiftn wollen, dabey mit dem Munde zu pfeifen pflegen. Indessen kann es auch sepn,daß cs eitt von pfeifen ganz verschiedenes Wort ist, desscnGrundbegriff die Geschwindigkeit ist, da es denn zu weben, weifen u. s- f. gehören, und eigentlich eine auf die Berufung des andkkn abgezirlte Geschwindigkeit bedeuten würde» Si r - 7ZT Der pfiffevtrnN, öes—rs, plur.die—e, S.pfesserschwamm« Im Oberdeutschen werden diese Schwämme auch Pfiffer genannt. P E F —er,—sie, aäj.sl Lcko.von der fiZürlichenBedenlUng des Wsnes pfiff, Fertigkeit besitzend, seinen Handlungen und Endzweck?» von außen eine andere Gestalt zu gebru, als sie wirklich hüben, Fertigkeit besitz nd, seine wahren Absichten zu verbergen, und da-in gerundet. Eiy pfiffiger Mensch. Er ist sehr pfiffig. Ein pfiffiger Streich. Der psiitzstabend, des—-es, plur. die—e, der Abend vor dem Pfingstfeste. - Der psitttzffsnyer, des— s, plur. utuorn.ssuZ. S.Pfingstweide. Das.pfinystbier, des — es, pl ur. die - e, eine gewisse Quantität Bier, welche die Einwohner eines Ortes oder die Glieder einer Zunft um Pfingsten gemeinschaftlich vertrinken, und diese Zusammenkunft selbst; dergleichen pfiugstbier e noch hin und wieder auf dem Laude und in kleinen Städten üblich sind. Die pfingstblume, plur. die —n, ein Nähme verschiedenerGe- wächse, welche um Pfingsten blühen. 1) Der Päonie, welche aber rwch häufiger Pfingstrose genannt wird, sS Päonie.) 2) Der Ge niste, 8pnrüum scopnrium k-,. S. dieses Wort. Die Pfingsten, stiuZ.inut. ein hohes Fest, welches in denchr ist- lichen Kirchen am fünfzigsten Tage nach Ostern zum Andenken der ehemahls geschehenen Ausgießung des heil. Geistes gefeiert wird. Ais der Tag der Pfingsten erfüllet war, herbep gekommen Par, ^Apostg. 2,1, Man hatte in diesem Jahre sehr kalte Pfingsten Die Pfingsten fallen in diesem Jahre spater wie gewöhu- jich. W^man es iM gemeinen Lebe», wenn es ohne Artikel stehet, so wie Ostern Uttd Weihnachten auch wohl als ein Wort der einfachen Zahl zu gebrauchen pflegt. Pfingsten fallt in diescmIahre spat. Am Häufigsten gebraucht man es ohne Artikel und mit Vorwörtern. Auf Pfingsten. Bis Pfingsten. Nach Pfingsten. Um Pfingsten. Anni. Im Schwabeuspiegelpchiußlrsu, im Nieders.pingsten, rni Schweb. ?crZeli. Es ist sehr frühe ans drin Griech. ft'sut.s- der fünfzigste, nähmlich Tag,irachOstertt,eirt- tchiiet, oder doch nach demselben gemodelt worden; denn schon Lew nennet dieses Fest ffiiukcftuAin,/wo wenigstens die erste Sylbe.unser firnfe ist, die letzte Hälfte überaus dem Griech. entlehnet worden, indem der fünfzigste bey ihmftmfruFoffv heißt. Eigentlich ist dieses Wort, so wie die Nahmen der übrigen hohen F ste, welche mehrere Tage gefeyert werden, nur allem in der Mehrheit üblich. Zm gemeinen Leben aber werden sie auch oft, wie schon gedacht worden, in der einfachen Zahl gebraucht, besonders, wenn sie ohne Artikel stehen. Da? Pfingstfest, des—es, plur. die—e, Pfingsten als cinFest betrachtet. Der pfingstfeyertag, des—es, plur. die — e> einer von den drey Feyertagen des Pfingstfestes. Das pfmgsthuhn, des — es, plur. die —Hühner, an vielen Orten auf demLa!lde,ejnZinshuhn, welches dein Grundherrn zur Erkcnntniß der Oberherrschaft jährlich umPfingsteu gegeben werden muß. Die Pfingstrose, plur. die—n, S. Päonie. L- Der Pfingsttag, des—es, plur. die—e, einer von den drey Feyertagen des Pfingstfestes ; derpft'ngstfeycrtag. Der erste- zwepte, dritte Pfingsttag. 2>Der pfingsttag, des—es, plur. die—e,.einenur im Oberdeutschen NblicheBenennunffdesDonnerstages, welcher der wahr« fchcinlichsteir Meinung zu Folge gleichfalls von fiinfe abstammet, den fünften Tag in der Woche anzudeuteu, und richüger pfinsrag geschrieben wird, im Oberdeutschen aber auch Pssnzraglauter. S. Donnerstag. Der pfingstvogel, des— s, plur. die—Vogel, eine in Meißen übliche Benennung der Goldamsel, weil sie sich mit ihrem Gr» schrrpe um Pfingste« hören Lasset, S. Goldamsel. Die Pfingstweide, plur. die—-n, in der Landwirthschaft, eine gemeine Weide, welche bis Pfingsten gcheget wird, und nicht eher als nach Pfingsten mit dem Virhe betrieben werden darf. Lsr pftngstanger, ein solcher Gemeinanger, die Pfingstw-Left, eine solche Wiese. ^ Die Pftngstwöche, plur. die — n, diejenige Wsche, in welchÄ das Pfingstfest fällt. Die pfinne, S. Zinne. l Der pfinstag, S. - pfingsttag. Der Pfipps, des— es, plur. ious. in der Landwirthschaft, eine Krankheit des Federviehes und besonders der Hühner, welchem der Verstopfung der Nasenlöcher und der damit verbrmdenenVer- häriung derZiu'.genspitzc bestehet, auf welcher sich eine kleine harte weiße Haut erzeuget, welche eigentlich der Pfipps genannt wird. Einem s"hne den Pfipps reißen, diese Haut abziehen. Den Pfipps haben. Anni. Im Niederst und im gemeinen Leben der Hochdeutschen Zippe, Pipp und Pipps, im Oberdeutschen auch der Zipf, im Schwed, kipp, im Engl, kip, im Frariz.?epie, imSpai-i.kt-p- pcha, ini Mittlern Lat. ^lpits, imJtal. kipids. Die Pfirsich, plur. die—en , die rundliche, auswendig ein wenig gespaltene, sehr fleischige, saftigeund schmackhafleFruchtdesPstr- fichbaumes,welche Voit außen gemsiniglich mit einer wolltgenHaut umgeben ist, inwendig aber einen angenehm bittern Kern in einer festen stcinharten Schale hat. Im Oberdeutschen auch därpferfig, pferfing, im gemeinen Leben der Hochdeutschen aber pfirsche., Der Nähme ist aus dem Jtal. ksräus , rkldem wir diese Frucht und ihren Baum aus Italien bekommen haben; daher auch die Schreibart pfersich-richtiger ist, als die gewöhnlichere Pfirsich. Der Nähme ft Ä so viel als eine Persische Frucht bedeuten, aus . welchem Lande dieser Baum zuerst nach Europa gtkommrn scyn soll. Im Jtal. heißt diese Frucht auch l?esc:L, und daher haben dieNicdersachseil ihr päbks, die Engländer ihr keucft, und die Franzosen ihr keeft.L, ein Pfirsich, entlehnet. Der Pfirsrchbaum, des^—es, plur. die—bäume, nach demLin- nee, eine Art des Mandelbanmes, welche sich durch dw spitzigen sägeförmigen Einschnitte der Blätter von demselben unterscheidet, und dessen Frucht die Pfirsich ist ; ^m^ZciLlus kcrssüL L,, im Oberdeutschen der pferfichbanm, pfersingbarln», im gemeinen Leben der Hochdeutschen der pfirschenbaum, oder pfirschbaum. Er ist ausJralieir in unsere Gärten gekommen; sein eigentliches Vaterland aber ist unbekannt. S. pfirsich. Die pfi'rsrchbbütche, plur. die—n, die lichtrothe Vlürhe des Pfiefichbanmcs; iin gcnwinen Leben pfirschblUthe oderpfirschen-. bliithe. Daher'die pfirffchblüt-hfarbe, die lichtrothe ans car-> mestn und hellweiß gemischte Farbe dieser Blüthe; pfirfichblüch- farben, oder—farbig, a clj. et 26 v. diese Farbe habend, wofür auch wohl pfirfichblüth, oder pfirschblüth, als ein Nebenwort gebraucht wird. Der PfirsrchbLanntwem, des — es , plur. doch nur von mch- rerrr Arten, die—e, ein über Pfirsichkerne abgezogener Branntwein, welchen man doch am häufigsten mit d.eniJialiLni scheu Nah? men persieo nennet. Der pfirfichkern, des—es, plur. die —e, der angenehm bittere Kern der Pfirsichim Lemeinen^ Leben dev pfirscherffarim Das pfirsich?rüvk, des «-rs, plur. ivusi ein Nähme einiger Arten des Wogetpittrs, deren Blätter den Blättern des Pfir- sichbaumcs ähnlich sind. So wird dcrs fleckitzr Zlohkraut, xo1vAc>num?erlicLrig.I^« sehr häufig auch pfirstchkra^t ge- rranilt. A» andern Orten heißt es Lurrkraut, Dürrwurz, Rot- tich, Rotschel. An noch andern Orten ist der Wasserpfcsser, kol^gonumlk^ckroxlper I>. unter dem Nahmen desPfirfich- krarttes bekannt. z Der Pfirsici-ssern, des — es, plur. die — e, das siernbarte Samengehäuse m der Pfirsich; im gemeincn'Lebcu der Pfirschen- siern. In der MincraloAie führet auch eine Art Naturspiele, welche diesen Steinen ähnlich stehet, diesen Nahmen; Lat. ^ erst - cires. Pfispern, S. Zispern. Die Pflanze, plur. die — n, Dimm. daspflänzchen, Oberd. das pstänzlein, ein Wort, welches im gemeinen Leben in einem andern Verstände gebraucht wird, als i» der Naturgeschichte. r. Zm gemeinen Leben pstegt man , r) überhaupt alle Erdgewächse, welche eigentlich so genannte Blätter oder Kraut haben, Pflanzen zu nennen, da denn dieses Wort mit Kraut gleichbedeutend ist, und alle Gewächse in sich begreift, welche nicht Bäume, Sträuche, Moose und Schwämme sind. Zuweilen werden auch noch die Grasarteu von den Pflanzen ausgeschlossen. 2) In der engsten und gewöhnlichsten Bedeutung ist die Pflanze ein junges Gewächs dieser Art, doch auch oft mit Einschluß der ganz jungen und kleinen aus der Erde hervor sprossenden Bäumchen, besonders so fernste verpflanzet werden sollen. Rohlpstauzen, Salatpflanzen. Pflanzen stecken. Eine Pflanze versetzen. Die Pflanze bekleibt nicht. (S. Pflänzling.) Figürlich pflegt man auch wohl KinderEhepflanzen, Ehepflänzchen und Ehepfläuz- lein zu nennen. 2. In der Naturgeschichte nimmt man dieses Wort in dem weiteste!! Umfange der Bedeutung, ifidem man alle natürliche organi- firte Körper, welche ein Leben ohne Empfindung , oder doch ohne eine mit Bewußtsiyu verbundene Empfindung haben, Pflanzen zu neunen pstegt, so daß allrBäume, Sträuche, Moose undSchwäm- me dahin gerechnet werden. Anm. Dieses Wort lautet in der engsten Bedeutung eines jungen-Erdg-wächses in den Monseclschen Glossen im Schwed, klsms, im Franzos. I?lsnke, im Engl. '?!nnk,imLat. ?1n cAL, von welchem letzten: es doch nur ein Scitenverwandter zu flyn scheinet. Dis Abstammung ist nicht leicht, weil der erste ursprüngliche Begriff dieses Wortes noch dunkel ist. So fern cs ünfänglichFrüchte tragende Gewächse, und in engerer Bedeutung Getreide bedeutet hat, könnte man es zu dem alten Blat, Angels. LlnüZ, im Mittlern Lat. Llaclum, Französ. LIsci, Ille, rechnen; denn das n ist in viechm Fallen ein müßiger Nasenlaut. Wäre aber, wie es fast scheinet, der Begriff der Kleinheit, oder, welches nicht minder Wahrscheinlichkeit hat,der Begriff des organischen Lebens der erste, so müßte man den Stamm freylich wo anders auffnchen, (S auch das folgende.) Zm N i e der s. heißt eine Pflanze, so fern es ein jüngesGewächs, oder ein jungesBäumchen, welch-.s verpflanzt werden soll,bedeutet,Pate, und patcn pflanzen, welches mit dem Grrech. «yvrog und sehr nahe verwandt ist, (S.Zmpfcn,) welche» daraus zusammen gezogen ist, nicht aber, wie Wacher will, von den Niedersachsen in puren verderbt worden. Das Lat. sofern es die Fußsohle bedeutet, ist ein von Pflanze, ganz verschiedenes Wort, und gehöret augenscheinlich zu unserm Blatt und platt. Pflünze;r, vsrsi. reZ. nck. >. Im engsten Verstände, Pflanzen, d, r. junge Ecdgewächse, aus einem Orte in den andern versetzen ^ welches durch Befestigung in der Erde geschieheff. ,) Eigentlich, Bäume pflan;en,wo man vonerwachfensuBsumek lieber das Wort versetzen gebraucht. Kohl, Salat, Gewächse» Blumen pflanzen. Juglerchen, auf solche Art anlegen oder hervor bringen. Einen Garten, einen Weinberg pflanzen. Der Herr pflanzte einen Garten in Eden, r Mos. 2,8; wo e» doch nur in einem sehr uneigcntlichen Sinne genommen werden kann. Bauet Hauser, pflanzet Garten, Zer. 29, z. r) Figürlich, den Grund zu einer bleibenden Wirkung legen. Das Thrisienthum in einem Lands pflanzen. Gute Gesinnungen, Empfindungen der Tugend in jemandes Her; pflanzen. Nehmet das Wort an mit Sanftmuth, das in euch gepflanzet ift, Jac. -,21. g. In weiterer Bedeutung, senkrecht und fest an einem Orte ausncllen; doch nur in einigen Fällen. Die 5ahne auf den wall pflanzen, sie mit dem untern Lheil in die Erde stecken. Die Kanonen auf die Wälle pflanzen, die Kanonen aufpffanzen, sie zum Gebrauche auf die Wälle führen. In noch wei-erec und figürlicher Bedeutung, auf eine daucrhafteArt an emenOrt versttzeuchgselbst befestigen? Das Ohr hatGott gspssanzet, Ps. 9 4, 9. Einc-Eo- lsnje pflanzen. EmsZamilie an sincn Ort pflanzen. Sich an eins» Orte hinpflanzen, im Scherze, sich hinsotzon, oder hin- stellen, in der Absicht, nicht sobald wieder aufzusichcn. Er pflanze sich bey dem Kranken, Canitz. S. auch verpflanzen. Daher die Pflanzung, S. solches hernach besonders. Anni. Ben dem Norkcr flönxoa, 3 r, iro link t! rnrcv oü äu. 51?; ben dem Willcram psilnn/L. im Niederst planten und Paten, im Angels, plar-tna, im Franz, planter, imLat.plLnPrrs. Auch dieses Worc ist seiner Abstammung nach noch dunkel. Es scheinet nicht so w.Pl von Pflanze hcrzukommen, als vielmehr vermittelst des zufälligen Nasenlautes von Platz, die Stelle, abzu- stammen. Pflanze, ein junges zum Versetzen bestimmtes E' dge- wächs, würde alsdann von diesem Zeitworte Herkommen, und ein von Pflanze, ein jedes Erdgewächs, ganz verschiedenes Wort ftyli. Das Pflanzenbset, des —es, plur. die—e, ei« für junge Pflanzen bestimmtes Beet. Der Pflanzenfloh, des—es, plur.bie—flöhe, ein n„g stiigeltes Jnsect, mck einem ziveyspitzigen umgcbogeuen Schivanze, mit wri- chem es sich, wie ein Floh in die Höhe schnellen kann, dem c» auch in drr'Größe gleich lst; ?oäura l,. Es lebt aus einigen !. stanzen und an feüchreuOrten, daher es im gemeinen Leben auch deeWas? serfloh genannt wird. Das Pflanzenreich, des—es, plur. inus. i-n der Naturge- schichtr, das Reich der Pflanzen, d. i. der ganze Inbegriff aller or- -gauisirtcn Ecdgewächse, in dei weitesten Bedeutung des Wortes Pflanze; das Gewächsreich, bey andern nicht so bestimmt da» Kräuterreich. Der Pflanzer, des—s, plur. ub vom. stllZ. 1) EineP rfon,welche pflanzet, Fämin. die pflanzerinn. 2) EinWcrkzeugchicLo her zu den jungen Pflanzen, welche versitzt werden sollen, damit in die Erde zu machen; der Pflanzstock, das Pflanzholz, der ÄrauL- stickel. In engerer Bedemung ist es eine Art Rechens, mehrere Löcher damitaufEin Mahl zu machen, da es denn von dem bloß einfachen Pflanzhalze oder pflanzstscke »och verschieden ist. Der pflanzgarten, des — s, piur. die — g^ren, ein Garten oder abgesonderter Theil eines Gartens, so fern derselbe vorm bm- ' lich fürjnnge Pflanzen bestimmt ist worin junge Gewächse und junge Bäume gezogen werden. S. Pflanzschule. Das Pflanzholz, des —-es, plur. die—Hölzer, S.Pflanzer. Der pflanrssmN, des—es, prur. die—e, in einigen Gütenden, ^junge ans dem Samen gezogene Bäume, welche verpflanzet werden sollen; Pstanzrciser. Das 7SL P fl Das pflanzreks, des — es, plur. die — er, S. das vorige. Die pflanzschule, plur. die—n, ein Platz, auf welchem junge Pflanzen,ingleicheujungeBLume gezogen werden, welche hernach an den Ort ihrer Bestimmung verpflanzet werden; der pssanz- garten, Niederst (Queckfchole, flluekerrje. Jngleichen figürlich, ein Ort, wo junge Leute zu ihrer künftigen Bestimmung zubereitet und geschickt gemacht werden. Die pflanzstaöt, plur. die—-städte, eine Stadt, so fern fie aus neuen aus einem andernOrle dahin verpflanzten Einwohirern entstanden ist, und daraus bestehet; mit einem ausländischen Worte eine Lolonie. (S. Pflanzung.) Daher man auch die Einwohner einer auffolche Art angelegtenStadt, die Lolonisten, pflanzstad- tev nennen könnte, wofür andere das Wort Ambauer gebrauchen, / weicht doch den Begriff nicht erschöpfet. Der pflanzstock, des — es, xlur. die—stocke, i) S. Pflanzer. 2) Zn einigen Gegenden auch ein zur Fortpflanzung feines Geschlechtes bestimmter Bienenstock; der Mrttterstock,Leibstc>ck, Ständer. Die Pflanzung, plur. die —en. i) Die Handlung des Pflan, zens.; ohnePlural. 2) Ein gepflanzter oder angepflanzter Ortt So wohl eigentlich, wo ein jeder Ort, welchen man ur- ünd wohnbar gemacht,und mitGewächsen bepflanzet hat, so genannt werden kann; als auch figürlich, ein Ort, welcher durch fremde, dahin verpflanzte Einwohner angebauct worden, eine Kolonie ^ wo dieses Wort als ein allgemeiner Ausdruck gebraucht werden kann, von welchem die Pflanzftadt eine Art ist. Bey dem Notker k'lanruvZa, in den Monfeeifchen Glossen BblauLun- xo, wo es doch nur von einem Pflanzgarten, klautarlum, gebraucht wird. L. Das Pflaster, des—s, plur. utnom.lruA.Dimin. das pflä- stercheu, Obexd. das pflasterlein, ein zäher Teig, womit man einen andern Körper überziehet; doch nur in einer doppelten Bedeutung. r. Ein zäher ans allerlei» Heilmitteln, gemeiniglich von harziger oder fettiger Art, bereiteter Teig, welchen man ans einer biegsamen ebenen Fläche ansdehnet, um ihn über einen schadhaften Lheil zu legen, i) Eigentlich, von der Materie, welche man auf solche Art ansdehnet. Las Pflaster ausstreichcn. DasWachs- pflastcr, Vlascnpflaster, wundpflaster, Brustpflastcr u. s. f. Pflaster unterscheidet sich von der Salbe durch die größere Con- ststenz oder Festigkeit. 2 )Anch das auf ein Stück Leinwand, Leder "-st s. gestrichene Pflaster dieser Art. Ein Pflaster auf eine Wunde legen. Das Pflaster auflegcn, adnehmen. Zwep Pflaster schmieren oder streichen. Das Schonpflasterchcn. 2. In einigen Gegenden >sird auch der Mörtel, oderGyps, womit die Maurer die Wände und Decken der Zimmer überziehen, das Pflaster genannt, womit auch das Engl. pluitlsr, das Holland, plaslrerund BIszckisr, und das Franz. Biätre, welches Gyps überhaupt bedeutet, überein sonimt. Uum. Inder ersten Bedeutung ini Niederst Pflaster, im An- gels. ?Iastcr,,im Schwcd.BläÜer, im Böhm. (ZZ wohl durch Weglassung der ersten Sylke aus dem Griech. und Lat, K m ^1'all rum, entlehnet, wofür die Franzosen voll- . ständiger Umplatrs sagen. S. auch das folgende. 2. Das Pflaster, des—s,plur. utuom.linA. der mitSteinen belegte Fußboden, zunächst wohl, ein mit ebenen, flachenStcinen be, legier Fußboden, hernach aber auch einjeder auch mit Feldstemen ausgefttztcr Dode». Das Gassenpflaster. Las Pflaster eines Hofes, eines Vorsaales. D^s Pflaster machen, oder legen. Das Pflaster ausbcssern. Das Pflaster Aufheben, die Steine, woraus es blsiehet, heraus ucbmen. Es ist in dieser Stadt ein heißes, ein hartes, ein theures Pflaster, sagt man im gemellten P fl 7Z6 Leben, werln an einem Orte die Lebensmittel theuer flud. Das Pflaster treten, müßig ans den Gaffen herum gehen. Der wie ums Tagelohn das Pflaster pflegt zu treten, Canitz. (S. Pflastertreter.)Im Obcrdnttschen wird auch ein Ästclchboden ein Pflaster genannt, da cs denn zn der zweyten Bedenknng des vorigen Wortes gehöret. Anm. Jni Niederst Piaster. Es N mit Flog, platt, Platte, ^ Platz, und andern diesesGeschlechtes, in welcherr derBe» griff der Breite und Ebene herrschet, gelulu verwandt, wovon im Grunde auch das vorige und dessen Griechisches Original abstammet. Im Jtal. heißt Biatlra ein Pflasterstein. Da das b und p vor den flüssigen Mitlautern l und r sehr oft nur ein müßiger Vorschlag ist, so gehören auch das Jtal.Ballro, und mittlere Lat. Galira, ein Pflasterstein, und das mittlere Lat. l>altrum, dis Grundfläche, der Fuß einer Säule, so wie da's Lat. latus, breit, und Batus, die Seite, mit hierher. Der Pflasterer, des — s, prlur.ut nom. lmg. von dem Zeit« »vorte pflastern, derjenige, welcher pflastert, und in engerer Be.- dentuug, welcher ein Geschäft daraus macht, die Gassen nndWege um Lohn zu pflastern; welchen ma» doch im Hochdcutscheil am häufigsten einen Steinsetzer,Pflastersetzer, oder Oammsctzer.zu nennen pflegt. Das pflastergelö, des — es, plur. doch nur von mehrernArten,. die — er, an einigen Orten, dasjenige Wegegeld, welches voll den Reisenden für die gepflasterte Straße, auf welcher sie reisen, ent» richtet wird; das pflastergeleit. Der pflasterkafer, des — s, plur. uL vom. lm§. S. Span», sche Fliege in Fliege. Der pflastermeister, des—s, pIur.utaom.lruA. an einigen Orten, z. V. Zn Wien, der erste und vornehmste Meister unter den Pflasterern oder Steinsetzern eines Ortes. pflastern, verb.reA.aer. von 2 Pflaster, mit Steinen belegen. Eine Straße, einen Weg, einen Hof pflastern. Ein gepflasterter weg. Mit Rieselsteinen, mit . Die- niehrcre Arten von verschiedener Gestalt und Größe gibt. In wci- Handlung des Psiegens, ohne Plural; wo cs doch nur in einiger» lerer Bedeutung, welche besonders im Hochdeutschen üblich ist, be. Bedeutungen üblich ist. i) D re Aufficht und Vorsorge; wo es kommen alle diese Arten den Nahmen der Pflaumen. Im gemci- wiederum in verschiedeuenEinschränkungen gebraucht wird. (a)Die „en Leben hingegen hat mau für dieselben eigene Nahmen. Best,l- Verwaltung einer Sache, die Aufsicht über dieselbe; in welchem, ders nennet man im gemeinen Leben Ober - und Niederdeutschen- Verstände es besonders im Oberdeutschen vorkommt, da cs denn des dü gemeinsten kleinen länglichenPflaumen, welche Violet,roch- wiederum so viele Arten der Pflege gibt, als die Aufsicht oder lich oder dunkelblau von Farbe sind, Zwetschchcn, Oberd. Zrves- Verwaltung Abteilungen leidet. Ein Kammeramt ist der Pflege xen Niederst Äuetschen, die grSßern aber, welche bald eyruud des Amtmannes befohlen, die Carantinn der Pflege ihres Lu- üud bald aber sich mehr der Kugelrimde nähern, in engerer Be- rarors, wo es im Oberdeutschen für das Lük. Luratcl üblich ist. Lcutung Pflaumen, wohiudenn die Damasccner-Pflanmen, die So auch ein Hospüal, eine Lasse, eine verpachtete Sache u. s. f. Ungarischen Pflaumen, die Lacharinen - Pflaumen, die Mpra- der Pflege desjenigen, welcher derselben vorstchet, die Einnahmen bellen die Roßpflaumen, die Eperpflaumen und noch andere und Ausgaben verwaltet, oder sie in Pacht hat, da es derru , so wie gehören. Dic Damafcener-pflaumen stammen ursprünglich aus Aufsicht, Verwaltung und andere ähnlicheWörter die Erhaltung der fruchtbaren Ebene um Damascns in Syrien her, und sind ver- derselben inihrem guten und uutzbaren Zustande zugleich mit eiru mulhlich durch die Kreuzzüge zu uns gebracht worden. Die Rrr'e- schließet. (S. pfleglich.) (b) In engerer Bedeutung - die Erzie- chcn Spillings, Maronken sind besondere Arten Pflaumen. hung nndEchaltung oderVersorgung einerPerson, welche sich selbst Anm?Im Niederst plumme, im Angelst und Engl. klum, im zu erziehen oder zu erhalten unfähig ist. Mit zärtlicher Sorg- Schwed^k1ommov,im Jsländ.k 1 ummur, im Dän.Blommc. falt scherten sie, wer mehr den frommen Alten erfreuen , mehr Alle mir der nicht ungewöhnlichen Veränderung des rin laus dem die pflege der Zugend chm vergelten könne, Gcßn. Besonders Lat. krunuin, Griech. welches r nicht nur die Franz»- von solchen Personen, welche dazu keine natürliche Verbindlichkeit stn in ihrem ?cune behalten haben , sondern auch noch in den im haben. Ein Rind in der puege haben, zur Erzicyung und Er- aemeinc-n Leben Oberdeutschlandes üblichen prumesür Pflaume, Haltung. Ein der Pflege eines andern anbefohlenes , anver- -ey demApherdian pfraume, vorhanden ist. Auch im Osnabrücks- trautes Rind. (S.Pflegealrern Pflegekind, Pflegesohn, Pflege- scheu sagt man für plumme noch vrpme. Trader Pflanmenbamu tochter, Pflegling ) (c) Zu wcittrec Bedeutung verstehet man in Europa nicht einheimisch ist , indem man noch zu des Cato Zci- unter der Pflege oft weiter nichts, als die zur Bequemlichkeit Noten in Italien keine andern als die gedorrten, durch die Handlung thigc Handreichung und Entfernung allerünangrilehmell Empfiu- dahiu gebrachten Pflaumen kannte, sondern in demsüdlichenAsten, düngen ; Niederst Plicht, Pflicht. Einem Rranken alle pflege demVaterlandeunftrermeisiettGartenfrüchtennd GarLengewäch. leisten. Reine pflege haben. Es mangelt dem guten Alten se, zu Haust gehöret, so ist auch der Nähme dort aufzufuchen. Die an der nöthigen Pflege. Die Bienenpflege, (d) Die Aus- Asiaten solle» diese Frucht auch noch wirklich krunaon nennen. Übung oder Handhabung ; doch wohl nur noch i:; den Zusammen-, Der pflaumenbaum, des--es, plur. die—bäume, derjenige sttzungenRechtspffegeundZirstitz pflege, die gchörigeHandhabun- Baum , dessen Frucht bep uns unter dem Nahmen der Pflaume oder Ausübung der Gerechtigkeit, der Justiz, bekannt ist, kiunusL. Indessen gebraucht dieser Gelehrte das 2. Eine Gegend, und zwar, i) eine der Aufsicht und Verwak Wort in einem sehr weiten, im gemeinen Lehen ganz nngewöhn- tung eines andern anvertrante Gegend, wo es besonders im Oberlichen Umfange, indem er auch die Vogelkirschen, die Gartenkir-- deutscheir üblich ist, ein Amt oder Kammeramt zu bezeichnen; -in scheu, die Aprikosen und die Schlehen mit zu dsuPflaumeu rechnet, Pflegamt.) 2) In noch weiterer Bedeutung wird es so wohl in und die letzter« durch die cinzeluen Blumenstiele, en- und lanzctt- Ober - als Niederdeutschlaud sehr häufig von einer jeden Gegend förmigen aufgcrvllten Blätter und kurze Fruchtstiele von denübri- gebraucht, ohne Rücksicht aufden Vorgesetzten derselben, wohl aber gen Arten unterscheidet; krunu 8 clorneüics. In einem alten allemahl in Beziehung auf den Ertrag, aufdic Nutzbarkeit; wo es gegen da§ Ende des i Ztcn Jahrh. in Oberdeutschland gedruckten denn unmittelbar vouLage herzukommen scheinet, (S. die Anm. zu Vocabnlario heißt er Prupnboem. Pflegen.) Die Acker pflege, Ror'.pflege, Bienenpflege, eine Ge- Dcrs pfläumenmüß, des—erst plur. inust. in den Küchen, ein geud inAnschung ihresAckerbaues, ihresKornbaues, ihrerBienen- aus Pflaumen gekochtes Muß; in Frauken 6 onig. ^ Zucht. Ein in der besten Gerveidepflege gelegenes Gut. Im D er pflaunrenschmetterliny, des—es, j^iur. die — e, eine Oberd. ist dafür auch Pflicht üblich. Arl Schmetterlinge, welche sich gern auf den Pflaumenbäumen Die pfleyeä'ltern, ssuA. inust. Personen bcyderley Geschlechtes, anfhält; kupiflio ^mptiulispoI^cliloruL L. welche dieErhaltnug undErzichung eines fremdenKrndes nberneh» Die pflaumfeöer, S. Flaumfeder. - mcn, welche Altern- Stelle Hey einem fremden Kindist vertreten» Dis pflcrrrmpalme, piur. die—n, eine Art der Palmen, welche Der Pflegevater, eine solche Person männlichen, die pflegemuk- inOstindien einheimisch ist, und eine eyförmige,dcuPflaumen ahn- ter, eine solche Person weiblichen Geschlechtes, lichc Frucht trägt; Linke L. Das pflestsFericht, des — es, xlur. die—e, ein nur im Ober- Das psie§amt, des—es , xlur. die— ämter, ein Kammeramt, deutschen übliches Wort, ein der pflege, d. i. der Verwaltung, st fern cs der pflege, d. i. der Verwaltung und Aufsicht,' eines an- Handhabung eines andern anvenrautes Gericht; zum Unterschiede dern anvertrauet ist, die Pflege ; eine besonders in einigen Ober- von einem Gerichte, welches man erb- und eigembümlich besitzet, deutschen Gegenden übliche Benennung, wofür mau in Ober-und In engerer Bedeutung ist ein Pflegegericht, ein Gericht in einer Piederiachsen dasfreylich zweydeutige WortAmt gebraucht. Da- Pflege oder m einem Pflegamte, dessen Verwalter oder Gerichts- Her der Pflegamtmann, welcher oft auch nur der Pfleger schlecht- Haller daselbst zuweilen der Pflege- Lommissarins genannt wird, hin heißt, (S. dieses Won ) dxr Amtmann. Das pfleyekind, des—es, plur.die-^ er, ein der Pflege, d. i. A)flegbt fohlen, seij welches eigentlich das Mittelwort der R. A. Aussicht, und in engerer Bedeutung, der Erziehung und E haltnnz eines pflege befehlen ist, jemandem pflege, d. i. Aufsicht, anver- rines andern anvertrantes Kind; ein Pflegling. Der Pflegest trauer. Mein pflegbefo' lner, derjenige, welcher meiner Aussicht ei» solches Kind männlichen, dlc Pflegetochter, weiblicher! Grund Erzuh,u,q anvertrauet ist. schlechtes. ALr!.W.B.Z.TH.2.Aufl. . Aaa . Dr- 7ZD Pki Die Pflegemutter, plur. die — mutter, S. pssegeältern. Zn- gleichen figürlich. Athen war diepflegemukter der Rünsteund Wissenschaften,e§ Hat flegrschiiHet, gehegct,undzurVollkomMen- heit gebracht. pflegen,verb. rsZ. et irreZ. welches im letztcrnFalle imAmpcrf. ichpflog, (bep einigen ich pflag,) und im Mittelw. gepflogen,, hat. ES ist in doppelter Gestalt üblich. l. AlSLin Activum, wo es im Oberdeutschen gemeiniglich irregulär abgewandelr wird ; ichpflege, dupflichst, erpflichr; Ampers, ich pflag oder pflog ; Mittelw. gepflogen. Im Hochdeutschen gehet es regulär, eine einzige Bedeutung ausgenommen. i. *Befeh!en, anordnen^ eineimHochdeutschen vecalreleBe- Sentnng^ in welcher eS im Sachsenspiegel vorkommt. Es ist in dieser Bedeutung mieden Geschlechtsverwandten auflegen, anle- gen und dem veraltetenLage, einGesetz,verwandt,so wie denn auch unser Pflicht von dieser Bedeutung abzrtstammenscheinet. Siehe dasselbe. s. *Jnne haben,besitzen; eine gleichfalls langst veraltete Be« deutung, vo« welcher Frisch einige Beyspiele anführet. Las Land — des de Christen plagen e, welches die Christen vorher imBesttze hatten,in den Lcriptor.Lrunauic. Th. z. S. 64. x>ep des Glaubens pfligt, wer Glauben hLt,Zcroschin bey dem Frisch. WUru geflgen ^ Duldinpflig , willst d» siegen, so Habe Geduld, rbend. Bey dem Notker ist der Besitz. Z. ^Verwalten, vorgcsrtzet seyn, die Aufsicht über etwas Haben; so wie die vorigen gleichfalls mit der zweyten Endung, vis PÜeZint bereit, die die Welt regieren, in dem alten Gedichte ans den heil. Anno. Die Knappen, 6 ie 6 er Äluile xüeZea, rnderParän. Tirol. 8 rt rclr von ersten Uules pstax, seitdem ich zuerst dem Hauswesen Vorstand, Wmsbeck. Lieazar aber und Ithamar pflegten des prieffcramts, 4 , Mos. 3, 4 - Des Amts ssllenfie(dieLeviten) nicht pflegen, 4 , Mos.8,26. sie sollen das Priest-ramt nicht verwalten. Die des Altars pflegen^ genießen des Altars, Cor. 9, 'Z. wir haben einen Altar, davon nichtMachthaben zu essen, die der ^lttte pflegen, Ebr. iz,ro. Doch auch diese Bedeutung ist imHochdeutschen veralteten welcher seines Amtes pflegen im Oberdeutschen auch dasselbe jn einzelnen Fällen ausüben, bedeutet. 4 . *Sorge für etrva-S tragen, auch mit der zweyten Endung; in welcher es im Hochdeutschen gleichfalls unter die veraltete« gehöret. Gott der 6 epr wolle Ewr pflegen And euch halten in seiner 6 >rt, Theuerd. Kap. r c> 6 . Durch dich bin ich ans Licht gezogen Aufdich allein, du,'.dir hast mich gepflogen, Opitz. Sie sollen dre Wohnung tragen mit allem Gerä'kh, und sollen sein pflegen, 4 Mos. r, L v. Z. *Jn engerer Bedeutung, jemandes Ehre und Bestes,befördern; gleichfalls mit derzweyrcrr Endung. 8usr ües öiäerben leliwacke psliAet Dchdi stes bösen rvol, Ditmar von Ast. Pflege du des Volks vor Gott, 2 Mos. r 8 , »9; diene du dem Volk in-dem, was es mit Gott zu handeln hat, Michael. 6 . * An noch engerer Bedeutung, uöthige Handreichung leisten, und zugleich alle uirangehme Empfindungen von jemanden zu entfernen suchen. Im Oberdeutschen bekommt es auch hier die ^ ,zweyteEndung,in welcher-es auch wohl imHochdeutschen gebrauch« wird, besonders in der poetischen und höheruSchceibart. Zugleich wird es in diesecBedeutung imHochdeutschen regulär abgewandelt, ich pflegte, habe gepflegt, dagegen es im Oberdeutschen, wie in den vorigen Bedeutungen, irregulär gehet. Lasset meinem äerrn Könige eine Jungfrau suchen^die sein pflege,» Köu.i, s. Und PlL 740 sie war eine sehr schone Dirne und pflegte des Boniges, V. 4. pflege deines Vaters im Alter, Sir. 3, 14. Seiner Gesundheit pflege^ allsSsorgfältig vermeiden, was derselben nachtheilig seyn könnte; in welcher R. B. es auch im Hochdeutschen nur allein in der zweyten Endung üblich ist. Und muß des kranken Weibes pflegen, Gell. Indessen wird cS in diesem Verstände im Hochdeutschen auch sehr häufig mit der viecten Enduug gebraucht. Ein Rind pflegen und warten. Einen Rranken pflegen. Ein Thier pflegen, als wenn es ein Mensch wäre. Gleichwie eine Amme ihre Binder pfleget, »Thcss. 2, 7. Er (Bott) der mich nicht bedarf, und mich so sorgfältig pflegt, als wäre ich sein Bind allein, Gell. Ach kann mich nicht pflegen, kann nicht alle unangenehme Empfindungen vsn meinem Körper abweuden. Seinen Leib pflegen, alles unangenehme von demselben entfernen. In dem zusammen gesetzten verpflegen hat eS besonders deuBegriff derNeichung des nöthigen Unterhaltes, welcher in dem ciusacheuZeitworte in manchen Fällen nur dunkel hervor sticht. 7. Sich einer angenehmenNeiguug mitBequemlichkcit überlassen, auch im Hochdeutschen mit der zweyten Endung, aber mit regulärer Abwandelung, ich pflegte, habe gepflegt. Indessen ist es hier nur noch in einigen Redensarten üblich. Orr Ruhe pflegen, sich derselben überlassen. Seiner Gelegenheit pflegen, seinem Hange zur Bequemlichkeit folgen. (pft denkt, wenn wir der Stille pflegen, Das 6 erz im Stillen tugendhaft, Gell. Die biblische N. A- der Liebe, der Wollust pflegen, den Bcy- schlaf ausüben, r. Mos. 1 8 ,12, Sprichrv. 7, > 8 kommen auch im Hochdeutschen noch zuweilen vor,ob ste gleich im gemeinenSprachr gebrauche veraltet sind. Inder RA. seinen Lüsten pflegen, sich ihnen ohneWidcrstand überlassen,wird es, wider den ganzen übrigen Gebrauch,.mit der dritten Endung verbunden; statt, seiner Lustepflegen. ^ Z. Endlich wird es in einigen aus der Oberdeutschen Muild- art bcybchalteue« Redensarten für üben, anSübcn, handhaben, gebraucht, wo man zugleich die Oberdeutsche irregulLreAbwaude- lung ich.pflog, bey eitrigen auch wohl pssag, habe gepflogen, mit hepbehalten hat, obgleich das Nennwort bald in der zweyten, bald in der vierten Endung gesetzt wird. Zunächst gehören dahin die im Hochdeutschen veralteten biblischen R. A. priefteramrs pflegen, Luc. i, 8 , dasselbe auSüben, ineiuzelnerr Fällen verwalte«. Sie pflegen Gottesdienst, der nicht zn sagen ist, Weish. 1 4 , -Z. Vornehmlich aber, die noch gangbaren: Rarhes mit jemanden pflegen, mit ihm rach schlage«. Nach lange gepflogenem Rach-^ .Unterhandlung pflegen, unterhandeln. Es wurden Unterhandlungen gepflogen. Nach lange gepflogenen Unterhandlungen. Der Freundschaft mit jemanden pflegen,oderuoch häufiger ohne Artikel, Freundschaft mit jemanden pflegen, Freundschaft mit -chmunterhalten. Unsere so lange gepflogene Freundschaft. Auf Ähnliche Art wird das' Lat. colrinekcers und cotrlüstuäo gebraucht. Umgang mit jemanden pflegen, mit ihm umgehe». Er pflog Umgang mit mir. Der Güte pflegen, m dxn Rech-» Len, gütlich unterhandeln, den Weg der Güte versuchen. Die Gläubiger zu Pflegling der Gifle ernladen, welches auch bey- nahe der einzige Fall ist, iu welchemdas Hauptwort die Pflegmig gebraucht wird, indem in andern Fällen pflege üblicher ist. Zn - noch weiterm Verstände öedeutete-ss ehedem auch gebrauchen. Der Hitzigenertzney er pflag Und nam dieselben alle Tag, Theuerd. Kap. 70. II. Als ein Neutrum, welches das Hülssworr haben erfordert und den Infinitiv eines andern Zeitwortes mit dem Wörtchen zu nach sich hat; eirwlmd eben dieftlbs Handlung in allen oder den " «reiste» meist-» vorkommenben Fällen undGelegenheKrrr thull uni» getSan haben. Die Conjugacion ist im Hochdeutschen regulär.Er pflegt nach Tasch- zu schlafen. Er pflegt zu sagen u. s. f. Das pflegt er sonst nicht zu chun. Alsdann pflegt es gemeimgltch zu resnm. So pflegt es zu geschehen, w-e es zu gehen pfleat. Thue, wie du pflegest, nähmlich zu thmr. wer leidet, muß verzeihen, wer unrecht khm, pflegt selten zu vergebe«. Da diejenigen Zeitwörter, welche den Infinitiv eines andern Zeitwortes nach sich haben, m den zusammen gesetzten Zeiten oft selbst in den Infinitiv treten; ich habe ihn kommen sehen, für gesehen, ich habe es sagen Horen, süc gehöret: ,owird auch dieses Zeitwort von vielen aufeben dieselbe Art gebraucht. Er hae zu sagen pflegen, für gepflegt. ' Auf grünen Grafe hat man dir zu opfern pflegen, Opitz, Indessen findet man auch häufige Beispiele des GegentheileS. ^abe :ch auch je gepflegt dir alsozurhun? 4 Mos. 22, zo. Drum hat man. vor der Jett gepflegt, auf den Altären Der Griechen weit berühmt, mit Venus dich zu paaren, Opitz. Dabeyde Formen das Ohr beleidigen, so gehet man am sichersten, wenn man sie ganz vermeidet, und dafür pflegen, im Jmperfeet gebraucht, welches in den meisten Fällen ohne einigen Nachcheil des Verstandes wird geschehen können. Dieses Zeitwort gehet in allen Bedeutnngen, sie mögen actio oder neutral seyn, im Oberdeutschen irregulär; ich pflege, du pflichst, er Pflicht; Jmperf. ich pflog, und in einigen Gegenden, ich pflüg; Mitkelw. gepflogen. Sogar das zusammen gesetzte verpflegen hat irr der Schweiz verpflog, verpflogen. Es ist daher keiu Wunder,daß auch dasNeutrum im Oberdeutschen irregulär gehet. Den der Fimmel pflag zu lieben, Opitz. Den, der sie zu sch« stets pflag, Flemm. Und was das falsche Maul vorhin zu denken pflsg, Nach. Gottsched gab sogar, um dieses Neutrum von dem vorigen Aetivo zu unterscheiden, die Regel, daß es beständig irregulär conjugirt werden müsse, dagegen jenes regulär gehe; wir pflagen die Zeit mir nützlichen Gesprächen zuzubringen. Allein, zu geschweige», daß diese Conjugation wider die ganze Hochdeutsche Analogie ist, so hatGottfched dabcy nicht an die achte activeBedentung gedacht, in welche r die irreguläreForm imHochdeutschen überall beobachtet wird, obgleich die Bedeutung augenscheinlich thatig ist. Über dieß - schrieb Gottsched selbst nur selten so, ohne Zweifel, weil er, seines stuft sehr, harten Gehöres ungeachtet, hier den Mclklang fühlen mußte. Vor Alters pflegten auch — so gebraucht zw werden, heißt es in Mehrern Stellen seiner größer» Sprachkunst. Anm. In den meisten der vorigen Bedeutungen bey dem Ott- fried xrleßno, bep später» Oberdeutschen Schriftsteller» pllle- KLN, »m Niedcrs. plkgcn, im Angels. pleZZLO, im Schweb. im Island, rm Dän. plepe. Dü der Blaselaut vor dem l und r in allen Fällen entweder em müßiger Vorschlag, oder eine Verstärkung,einNachdruck,eineZn» tenfi-s» ist, welchen Btastlaut die Oberdeutsche Mundart in den stärkste» Blastr pf verwandelt, st stammet unser pflegen ohne Zweifel von logen und liegen her, welches nicht nur die Oberdeutsche irreguläreEviijugarion, sondern auch die verwandten Bedeutungen Auflegen , für anbefehlen, einer Sa^-e obliegen, », s. f. bestätigen. Dir heutigruBedeutungru dieses Wortes find nur noch wenige llkechleibsel vvll deir ehemahli-gcn, daher di-e Leiter der Be- dentiiuge« ruld ihrer Folge aus einander mangelhaft z« seyn scheinet. Zu de» imHochdeutschen veralteten Bedeutungen gehöret noch die Niederflchsische ro pflegen, Handlanger seyn, zMaugen, vom welcher die achte unsersAct-ivi eirw blvßeFigur ist. Ehedem bcdeu- P fl 74s tete es im Riederstarrch verpflichtet,schuldig seyn,von welcher, und drr ersten thäiigen des Befehlens unser Pflicht ein Überbleibsel ist. (S. dasselbe.) Im Schweb, ist l-sZ und Gewohnheit, Gebrauch, und Lage bedeutete ehedem durch ganz Norden ein Gesetz. Ferner gehöret hierher das Rieders, flijen, ordentlich legcu, in Ordnung legen, welches seine Abkunft von legen am wertigsten verläugnen kann. Der Pfleger, des — s. plur. ui. vom. KvZ. Fämitt. die Pflegerin«, von demvorigenZeitworte, in dessen thätigen Bedeutungen. i) Zu dessen dritten Bedeutung, derjenige, welcher einer Sache oder Gegend vorgefttzt ist, dieselbe zu verwalten hat, die - Aufsicht über dieselbe führet; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, in welcher es im Oberdeutschen noch völlig gangbar ist, wo es st viele Acten von Pfleger« gibt, als die pflege, d. i. dse Aufsicht und Verwaltung, Abteilungen leidet. Setze Richter und Pfleger, die alles Volk richten, Efta 7, 2z. Daß deine Vorsteher Friede lehren sollen, und deine Pfleger Gerechtigkeit predigen, Es. 60, 17. Lhusa, der pfleger s-rodis, Lue. 8, s. Christus ist ein Pfleger der heiligen Güter, Sbr. 8, 2. Zn Luthers Bibelübersetzung wird der Gouverneur oder Statthalter einer Provinz häufig ein Landpfleger genannt.JmOberdeutschen find die Pfleger bald Amtleute, bald Schloßvögte, baldGerichts- verwalter, bald auch nur Cassierer oder andere Aufseher. Ein Kirchenvorsteher heißt daselbst Lirchenpfleger. Jur Mittlern Lal. kflsZnriuZ. 2) Es» Vormuud und Curatovist iin Oberdeutschen sehr häufig unter dem Nähmet! des Pflegers und pflegevogtes bekannt; eine Bedeutung, welcheftatt des Lat.Curatsr auch im Hochdeutschen cmgefühcctzii Werder: verdiente. Cs kommt in dieser Bedeutung schon im Schwabenspiegcl v-r. Sr ist unter de» Vormünder« und Pflegern, Gal. 4,2. Wie rühmlich ists, von feinen Schätzen Ein Pfleger der Bedrängten sepn l Gell. Wo es aber auch die folgende Bedeutung leitzct. z)- Inder sech^ stenBedcutung des Activi, eine Person, welche einer andern alle zur Nothdnrft undBequemlichkeit nöthigeHandreichung thur, und alle unangenehme Empfindungen von derselben zu entfernen sucht ; in welchem Verstände es doch nur zuweilen in der höher« und dichterischen Schreibart gebraucht wird. Der Pfleyefchreiber, des—s, plur. urnciin.-llnZ. im Oberdeutschen; der Schreiber in einer pflege, d. i. in einem der Verwalturig rurdAufficht eines andern ünverlrautcnOrte oderGegeud, der Amtschreiber, Gerichisschreiöer u. s. f. Der pflsgesohn, des — es, plur. die—sohne, S.Pflegekind. Die Pflegetochter, plur. die — tochcer, S. ebeu daselbst. Der Pflegevater, des —s, plur. die—Vater, S.pflegsältern. Der Pflegcvögt, des—es, plur. die— vogte, S. Pfleger 2. *P^flegh>Ksit/ nöj. et LÜv. welches rrur in einigen Gegenden üblich ist,uud von der vcralletenBcdeuLungdesWortes pflcgen,verpsiich- tkt scvn, abstammct. Besonders werde« in cnilgciiGegendcn leider- genellnterthanen,weil sie demGrundherrn verpflichtet sind,pfleg- haften genannt, gleichsam verpflichtete oder pflichtige Leute. Pfleglich, sch. et aü v. von pflege, so fern es kluge VecwaltunK bedeutet. Die Wälder pfleglich nutzen, einen Teich pfleglich fischen, ein Haus pfleglich bewohnen, eine fremde Sache pfleglich gebrauchen, der vernünftigen Absicht gemäß, wie es einer;: gewissenhaften Verwalter einer fremden Sache zukomrst, wie es bis klugeHaushalrung erfordert, mir weiftrSparsamkcit. Im Niederst ist pflegeük gewöhnlich. Der Pflegling, des—es, xlur. die—e, eins der pflege, d. r. der Aufsicht, der Erhaltung und Erziehung eiucs andern anvertraute Person hepderlepGeschlechtes. Besonders ein solches Kind. S. Pflegekind- A a a s- D5s 1 K, - 74Z P fl Die Pflegschaft, xlur.dr'e—en. i) Die Pflege, als ein Abflrae- 4um und ohnePlural, so wohl so fern dasselbeVenvaltung,Handhabung bedeutet, als auch so fern es Erziehung und Unterhaltung bezeichnet. 2 ) Eine der Pflege, d. i. Aufsicht eines andern, auvpr- traute Gegend; die pflege. In beyden Bedeutungen kommt es nur im Oberdeutschen vor. L. Die Pflicht, plur. die—en, ein nur in der Schifffahrt und dem Schiffbaus übliches Wort, ein Halbvcrdeck zu bezeichnen, welches sich über den Oberlauferhebt. Die vorpflicht oder Vor- derpflichr, die Erhöhung auf dem Vordercheilr; das vorder- Castell. Die Änterpflicht oder Seeuerpflich^, das Halbverdcck am Hintertheile; das 6inter:Castell, die Hinterschanze, das Hiuter- verdcck. AufeirügenSchiffen in Niedersachsen heißt das Halbvcrdeck am Hintertheile in engerer Bedeutung die Pflicht, das am Vordertheile aber die Ducht. Nieder,'. Plicht, Holland, klezt. Vielleicht auch von legen, wenn es nicht vielmehr von dem alten nordischen luka, schließen, einschließeu,llll>siammet, von welchem Z?j!c>li bep dem Kerv die Elansur ist, da es denn mir Castell gleich- bedeutend sevn würde. S.pflichtanker. S. Die Pflicht, plur. die—en, von dem Zeitworte pflegen, nach dessen Oberdeutschen irregulären Abwandlung. nach welcher es in der zweyten und dritten Person des Präscntis , du pflichst, er pflicht, hat. 1 . Von der veralteten Bedeutung des Activi, befehlen, und des Nentrius, verpflichtet, verbunden ftyn. - r) Ein Befehl, in welchem Verstände fchonNotker dieBe- fehle stillte nennet. In dieser Bedeutung ist cs veraltet, dagegen pflegt man noch eine befohlnc Sache, in weiterer Bedenrnua, ein durch ein Gesetz bestimmtes Verhalten, und in noch weiterm Verstände, ein jedes der Bestimmung, der Natur der Sache und AnsermVerbältuiffe gegen dieselbe gemäßesVcrhalten, einepflichc zu nennen, da sie denn nach einer noch weitern Figur zuweilen auch den Zustand bedeutet, in welchem eine moralische Nochwendigkcit vorhanden ist. Natürliche, geofflnbarte, bürgerliche, menschliche Pflichten, welche durch das Naturgesetz, durch dasgeoffen- I harte Gesetz, durch bürgerliche, durch menschliche Gesetze bestimmet werden. Es ist deine Pflicht, mir zu gehorchen. Seiner Pflicht, oder seinen Pflichten eine Genüge thun, sie erfüllen, in Acht nehmen, beobachten, ihnen oder ihr Nachkommen, nach- lcben ; im gemeine» Leben auch seine Pflicht rhun, sie abiratten. Seiner Pflicht Nachkommen. Meine Pflicht erfordert es. Nach seiner Pflicht handeln. Sich einer Pflicht entledigen, dieselbe erfüllen. Die Pflichten gegen Gort, gegen andere, xegen sich selbst. Seine pflicht versäumen, unterlassen, aus den Augen setzen. Wider seine Pflicht handeln. Das beste Her; hat seine kleinen Zahler der Erziehung und des Temperamentes ; wie es Pflicht der Zreundschaft ist, sie zu mindern, so ist cs auch Pflicht, sie zu dulden, Gell. Ich habe mir cs immer zur Pflicht gemacht, so und nicht anders zu handeln. Die wichtige Pflicht, die (welche) uns obliegt, die Arafre unsers Geistes auszubrldcn, Gell. Was lehrt das Auge se ne Pflicht? edcnd. dasjenige, wozu es vermöge seiner Bestimmung verbunden ist. Einem verstorbenen die letzte Pflicht abstattcn, ihn begraben, seinem Begräbnisse folgen. Zu engerer Bedeutung werden zuweilen besondere Arten der Obliegenheiten nur Pflichten schlechthin genannt. Die eheliche Pflicht, die eheliche Bepwohnnng. DieLchenspflicht, die dem Lehensherren schuldige Treue. Die Stenern und Abgaben, weiche Unterihanen an ihrcObern zu entrichten haben, heißen in manchen Gegenden Pflichten. Auch diejenigen Gaben, welche die Geistlicher: au manchen Orten von ihren Pfarckindern heben, führen zuweilen düsen Nahmen. Der Pfarrer sammelt seine Pflicht t . ^ ' -- - ^ P s l 744 ein, wenn er diese Gaben eiusammelt. Pflichtiger, Pflichtkorn n. s. f. eine solche Abgabe an Epern, Korn. S. auch Un pflicht. 2 ) Ein feyerliches Versprechen, wodurch man sich zu etwas verpflichtet, eiu Gelübde; wo besonders das eidliche Versprechen der Treue unter dem Nahmen der Pflicht, zuweilen auch im Plural der Pflichten bekannt ist, ohne doch die darin gegründeten Ob, liegenheiten auszuschließen. Jemanden m Pflicht nehmen, ihn den Eid derTreue akllegen lassen. Jemanden die Pflicht leisten, ablegen. In Pflicht oder Pflichten stehen, vermöge eines CidcS verpflichtet seyn. Das ist wider meine Pflicht. Jemanden sei: -, ncr Pflicht entlassen. Besonders mit dem Worte Eid. In Eid und Pflicht nehmen. In Eid und Pflicht stehen. Wider Eid und Pflicht handeln. Dasmittl. Lat.^IeAiumundpIsAiare, gur sagen, das Augets. pliorav,, gut sagen, verpfänden, und andere gehören gleichfalls hierher. S, auch verpflichten. 2 . Von andern Bedeutungen des Verdi war es ehedem auch in verschiedenen andernBedcutungen üblich, welche aber «»Hochdeutschen insgefamntt veraltet sind. So hieß die Pflege, Sorge, Vorsorge , im Oberd. Pflicht und im Niedcrf. Plicht. Die Gewohnheit, Art und Weife, kam ehedem häufig unter diesem Nahmen vor. Von beyden Bedeutungen hat Frisch einige Beyspiele gesammelt. DieWinsbcckinn gebraucht es für Umgang, von der R. A. . Umgang mit jemanden pflegen. JmObcrdeutfchen wird eS auch noch häufig für pflege, d. i. Gegend,, im weitesten Verstände gebraucht. In dieser Pflicht wächst guter Wein, in dieser Pflege oder Gegend. Der pflrchtcrnker, des—s, plur. ul oom.flllZ. auf deuSchif-- fen, der vornehmste Anker oder Hauptanker eines Schiffes, well er auf der Pflicht lieget, damit er immer bep der Hand ftp, S. 1 Pflicht. pflichrbar, a6j.ela6v. welches nur in einigen Gegenden fite pflichtig üblich ist. pflichtbare Güter, welche dem Gutsherren zu gewissen Diensten und Obliegenheiten verpflichtet sind; in« Gegensätze der frcyen Güter. S. pfleghaft. pflrchtbrüchiy,—er,—ste, a6j. et a6v. seine Pflicht brechend ^ und darin gegründet; besonders sofern Pflicht dqs eidliche Verspreche« bedeutet, für eidbrüchig. Ein pflichrbriichiger Beamter. Ein pflichtbruchigcs Betragen. Das Hauptwort der Pflichtbruch kömmt seltener vor. Das Pflichtey, des — cs, p!ur. die—er, S. 2 Pflicht i i). Pfllchtfrey, a6j. eta6v. von derPflicht befreyct, besonders in der engcrn Bedeutung, von gewissen DienKen, Abgaben u.s.f. be- freyet; im Gegensätze des pflichtbar und pflichtig. pflrchtiy, a6j.el.a6v. eine Pflicht auf sich habend, zu gewissen Pflichten verbunden, und darin gegründet. Daß er sich dessen bep Strafe zu enthalten pflichtig sey, d. i. verpflichtet, verbunden , in den Kauzelleyen. Sich gegen jemand pflichtig machen, verbindlich, verpflichtet. Ich schreibe Sinngedichte; die dürfen nicht viel Weile, (Mein andres Thun ist pflichtig) sind Tochter freper Eile, Loga». Pflichtige Unterchanen, welche zu gewissen Diensten, Abgaben u. s. f. verpflichtet sind, pfleghafte, pflichtbare; imGegenfttzS der freyen. Im Hochdeutschen ist es iy den Zusammensetzungen dienstpflichtig, steuerpflichtig, frohnpflichtig, zehpntpflichtig V u. s. f. am üblichsten, zu Diensten, Steuern, Frohnen, zum Zehenten verpflichtet. ^ Das pflnPtkorn, des—es, plur. inuf. ein in einigen Gegenden für Zinskorn übliches Wyrt, S. 2 Pflicht r -). Der 745 P fl Pfl 74S Die pflichtleLstiMF, xlur. di- —en, die Leistung der Pflicht. Besonders die Leistung oder Ableglrng des Eides der Treue und der Verbindlichkeit. ... Nfltchtlos, —er, — este, ach. et a6v. der Pflicht beraubt, teure ^ Pflicht auf sich habend; imGegensatze des pflichtbar oder pflichtig. In engerer Bedeutung, der Pflicht zuwider handelnd oder laufend, pflich-briichig. Ein pflichklojes Betragen. So auch die Pflrcht- loflgkeit. , . NflichtmäßiF, —er,—fle, Lckj.etaäv. derPflrcht gemäß, m derselben gegründet. Ein pflichtmaßiges Betragen, Verhalten. So auch die Pflichtmäßigkeit. Der pflichtschenr, des — es, plur. die—e, ein schrtstlic.-es Zeugniß des gehörig abgelegten Pflichteides? DfltchtscyuldiF, —er,—ste, ach.etnäv. ei» besonders m den Kanzelleyen üblicher Pleonasmus, durch eine Pflicht zu etwa» verbunden und darin gegründet. Döe pflichtschuldige Treue, die schuldige. - ^ ^ Der pflichttherl, des—es, plur.dre^-e, mden Rechten, der- jenigeTheil der Güter, welchen ein Erblasser gewissen Personen aus Pflicht hinterlassen muß, worüber er nicht nach Gutdünken schalten kann, wenn fein Testament nicht für ungültig gehalten werden soll; im Oberdeutschen auch die Nocherb. fchaft, das Erbrecht. Es bekommen ihn so wohl die Kinder von den Altern, als dirse von den Kindern. Pflichtvergessen, —er, —ste, 3.6). et ackv. seine Pflicht vor- setzlich vergessend, aus den Augen setzend , und in diesem Vechal, teu gegründet. Lin pflichtvergessener Mensch. Ein pflichtvergessenes Betragen. pflichtvergessen handeln. So auch die Pflichtvergessenheit, welches zuweilen auch von einer pflichtvergessenen Handlung gebraucht wird. Einepflichtvergessenheit begehen. Der pflinz, eine Gtemart, S,8lin;. r. Der pflock, des—cs, plus. die pflocke, oder die Pflocks, ' plur. die —n, eine Art Fischer,retze, S. Zlake. S. Der pflock, des—es, plur. die pflöcke, im gemeinen Leben auch woht pflöcker, ein kleiner kurzer Pfahl, ein hölzerner Nagel, etwas daran oder damit zu.befestigen, oder denselben fest in ein Loch hinein zu schlagen. Die kleinen Pfähle, womit man dis Leinwand auf der Bleiche, und die Leinen zu dcn Gezelten in des Erde befestiget, heißen Pflocke. Ein. kurzes spitziges Holz, welches man in das Mauenverk treibt, einen Nagel u. flf. daran zu befestigen, heißt ein pflock, oft aber auch ein Döb-l. Das ch . ein Gestein, welches man sprengen will, gebphrte Loch, wird, nachdem es geladen worden, oft wieder Mit einem pflocke ausge- ' füllet, stattdessen man an den meisten Orten jetzt Lehm gebraucht. Die kleinen hölzernen Nägel derSchuster heißen gleichfallspflöcke ' mrd im Nicders. plüggen. Anm. In Niederst pflück undplügge, imEngl.?IuZ, nnd misdemZischlaute 8p!uZ, im Schweb.?luZZ, im Island.chlsl- Fur, im Fiiinländ. mit vorgesetzrein l kulcka. Es stammet ent« weder von dem noch im Niederst üblichen placken , heften , kleben, her, so fern ein Pflock zur Befestigung dienet, oderauch von dem allen fligen, Schwed.tleiZa, Lat. fixere, schlagen s weil c'« Pflock gemeiniglich eingeschlägen wird. Von eben diesem Zeit- Worte ist lstleiAr im Island, und PUZZ im Schweb, ein Keil. Das Niederst pflück bedeutet über dieß noch lheiss einen Block, thcilsrinen Scöpsel, so wie das Holland, und Engl. kluZ , inbcm selbst ein papierner Pfropf oder Stöpsel daselbst ein plnck genannt wird. Der pflockhohr-r, des — s, plur. ut vom. lio^« W» Mandic in ds^s Gestrin -um Sprengen gebohrten Löcher noch mit hölzernen Pflöcken znznschließen pflegt, ein Bohrer, bas Zündloch Lurch drre pflöcken," verb. ree. acl. mit einem Pflocke befestigen, bessnders ^ in dem zusammen gesetzten anpflocken. In derunscmemen Leben üblichen R. A. stocken und pflocken , m das Gefang .rß setzen, scheinet es für blocken zu stehen, 'A st. an den Blockschließen, so wie im Niederst Plnck so wohl Block ar» de--c-, plur. die—-,-m- ^ mit einem großenHöcker nach dem Schwänze zu mr -re ^ - telifinncn mitten an dem Leibe, welcher in Neu- Engiailv ec-w- Nlisch ist; VulnevNQOVNL ^vAlise Vermüthlicu wegen te<« ses Höckers, von dem Niederst plnck, ein Block und Pflock. Der pflöckort , des —es, plur. die —e, bey den -r-cyustern, ein Ort, d. i. länglich viereckiges spitziges Werkzeug mtt eu.e breiten Hefte , die Löcher zu den Pflöcken damit in dce Absätze zu machen. . . pflücken, verd. reA. acl. ,) Mit Len Spitzen der zwep oordern Finger auszichen, wo man es bcsoitders im Oberdeutst.-etz, und nicht Men auch im Hochdeutschen für rupfen ge0'.a.t> vonel pflücken, sie rupfen , ihnen die Federn auszreE. pflückte Vögel, gerupfte, äuhner, Ganse Mucken W r haben noch ein Hühnchen mit einander zu Mucken Mgnruch, wir haben noch eine nnangenehmeSache mtt einander auc,nma^uc. Nach einer noch weitern Figur wird man im gememen Leoen gepflückt, wenn man nach u nd nach von dem andern lst-ws Permv- qens beraubt wird, wofür das Zeitwort rupfen nocy üblicher -,r. 2) Milden Spitzen der zwey vorder« Finger ausleseir, .landen , wo es besonders im Oberdeutschen üblich ist. Lue wolle, dc-nc Salat, die Petersilie pflücken, lesen, klauben, das Unreine nu den Fingerspitzen wegnehnun. s) Mit den Spitzen der rwcy » der» Finger abbrechen. Brot in die Milch pflücken, an ^ Kücken. Gepflückte Semmeln. Ein gepflückter Hecht, m c-n Küchen, ein in kleine Bissen gebrochener gesottener und von oe.r Gräten befreyeter Hecht, welcher in ciner Schussel mtt .^apcrn, Citconcn u. s. f. gedämpfet wird. Besonders m d^n R. A- Hopfen Mücken, Nüsse pflücken, Erdbeeren pflücken u. s. l. sic mit den vorder« Folgern abreißen. In weiterer gebraucht man es auch, doch nur in einigen Fallen, für aobrechm, besonder^ von den Blumen und dem Obfte. Eme Bi nme Mucken. Bltrmen pflücken. Obst pflücken. Ap^l, Birnen, Rachen pflücken u. st st S. auch ^lbpfluckeu. So auch das pflücken. Anm. Zm Niederst plii'cken, imAngelj. plucelun . im^ngl. 10 nluck^ im Irak, von Vögeln oelcrrv, und von Wemtrauben piluceur e, im Schwed, plo-cka. Es ist sehr. rvahrscveinltcy, daß cs vermittelst des starkenBlaselantes von dem noch ünN.edcrs. üblichen luken, ziehen, zupfen . Angels, lurrnn, Schwed. >u«.n, gebildet äst. Im Schlved. ist auchftLeM, iniJsläird. l!ei!>M theilen, zerreißen, welches zunächst zu unscrnr cin Stück, cin,Thcil, zu gehören scheinet, zu welchem auch pflr.ckcn gerechnet werden kann. S. ar'ch 2 Pflug. ... . i. Der pfluy, dos-es, stlur.die Pfluge, e.n nurtm Nnder. sächsischen, wo es plog lautet, übliches Wort, eme G?iclllcpast mehrerer zu einer gemeinschaftlichen Arbeit, nndin wcnterm verstände , zu einer gemeinschaftlichen Absicht verbundener P rsonen zu bezeichnen ; eine Laude. So wird bey dem Torfgräber, -me Ges. llschaft von Personen, welche erfordert werden, em Tagewerk Tsrf in einer gewkssen Zeit zu beschicken, ein Pflug genannt, wozu wenigstens sieben Personen erfordert werden. Auch l cy den Dcicharbeiten heißen diejenigen Arbeiter, welche bcy e uer Arbut zugleich und in einer gewissen Ordnung beschäst'Ze- sind,e.npiilig, Holländ.kloeA. Da denn in weiterer Bedeutung ein jeder ve-c- biindener Hasfeir, eine Partes Faction, Rotte u. s. f. mit diesem Nahmen beleget wird. DieÜbercinkunst mit dem fokgendeuWorte scheinet mir zufällig zn ftpn, indem Pflug -n dieser Bedeutung, aller Wahrscheinlichkeit nach, zu unserm Ge-lag und Gelichter gehöret, und statt des Hauches der letztern den oft gleichZirltrZerr Blaselaut vordemStammworte lag, Licht, angenommen hat. Wenigstens ist der Begriff der Verbindung allem Ansehen nach in diesem Worte der herrschende. -. Der Pflug, des —es, plur. die Pfluge, ein bekanntes Werkzeug des Ackerbaues,.damit Furchen in den Erdboden zu ziehen und ihn zur Aufnahme des Samens locker und geschickt zu machen. Es ist mitRadern versehen und unterscheidet sich unter andern auch dadurch von dem äa?en. i. Eigentlich. Die Pferde hinter den Pflug spannen, eine Sache verkehrt.anfangen, die Pferde hinter Len Wagen spannen. Das ist sein Acker und Pflug, oder, das iS sein Wagen und Pflug, das ist sein ganzes und einziges Ge. werbe, das einzige Erwerbnngsmittel seines Unterhaltes. 2. Figürlich. ,) Ein Lheil des Pfluges. Der Unterpflug, ddrunters Theil desselben, zum Unterschiede von dem Vderpfiuge. 2) Ein bespannter Pflug. Ein Gut Hac an ständigen Spanndiensten jährlich 97 Pfluge, wenn so viele UntertHanen demselben jährlich zur Frohne pflügen müssen. Z) In vielen, besonders Niederdeutschen Gegenden, ist der Pflug so vielAcker,als eiuLandmann mit Einem Pfluge das Jahr über bestreiten kann ; in welchemVerstände es mit den gleichbedeutenden sakcn, Zoch, Tagewerk n. s. fl überein kommt, und ungefähr so vrel ist, als in andern Gegenden eine Hufe. Im Erderflädtischen, wo 6a Bemal auf eimn Pflug gehen, hält derselbe r 2560, ein Demat aber 216 Quadrat. Ruthen. Anm.Bey dem Qttfried k!ua§, im Zatiau kflrluc>^, im Rieders. Angcls. und Schwed. im Engl. Lflon und im Albarrischenmi: einem andern Endlaute kliu»r, und mit noch einem andern im Longobardifchcn Gesetze !?!ourn. Es ist wvhl kern Zweifel, daß mit diesem Worte aufdas Ausreißer: und Aer- schneidendes Erdbodens gesehen wird, so daß es ein Geschlechts- Verwandter von pflücken, Zleck, und andern dieser Art ist, und vermittelst des Vorgesetzten Blaseläutes von dem alten, noch Nie- ders. luken, ziehen, zupfen, reißen, Angelf. lucari, Schweb. IukZ. unflrm lachen, hauen, Loch u. flfl abflammet. Der pflugb^läen, des — s, p!ur. ut oonp. frnZ. ein drcy bis vierEllrn langes,mit vieleuLöchern durchbohrtes,starkes Holz an dem Pfluge, welches der Dnckftl an einem Mager, gleichet, und VaSPflugeisen trägt; der pflugdanm, in den zemfluenSprech- arteu der Grendel, S. diefts Wort. Das pflu-Fbeil, des— es, plur. die—e, ein kleines an dom Pfluge Hangendes Beil, sich dessen im NothflSe dey dem Pfluge bedienen M können; üuBberd. das Pflug Hackel. *D er p'flUIbüryec. des—'v, plur. u t ckvm. ssckF. eine khe- mahlige Benennung der Pfahlbürger, S. dieses Wort. Der pflvgöi-enst, dss—es , piur. die—e, aus dem Laube, Frohndirnste, welche der Unterthan demGrunLhcrrrnüü! dem Pfluge zr: leisten virbundsri ist,. Froh.'chienfle, so fern selbige im uuenHeMichen Pflügen beßchect; die pflngfrohne. In weiterer Bedeutung werden auch wohl alle Spann-Leuste, wsbep der Fröhuer mit Pferd und Wagen erscheinen muß, Pflug dienst e genannt. Das pflttgersen,Sos —s,ptur. ul no-m. Kux;, sin langes, vorn gekrümmtes fttzncrdendes Eisen, welchcs.n dev: Pflugbalkeu st .-r?, recht befestiget ist .hart vor der Pflugschar Sergehst, und öasErd. reichzerschr.-Ket, welches hernach die Schar heraus hebet; das A ckermesse^flugwefferflu de» aemeinenSprecha-rterr --^sSech, Las PflUZscch, and in der 'Mark Lran.den.bueg das Locher. '- ' -. - Bey», Kornegk heißt es Arttn, welches Wort noch jetzt m Stcicr, mark üblich ist, von ähren, Lrar?. (G. Sech und Lotter.) Von einigen wird a«ch die Pflugschar das pflugeiftn genannt. pflflFen, veed.reA.acr. eine Art des Ackerns, da die Erde mit dem Pfluge aufgerisseu und zur Ausnahure drs Samern locker mch geschickt gemacht wird; zum Unterschiede von dem 6 aken.welches mit dcrri 6 aken gcschrehrt, und m einigt u Gegenden anstatt des Pflügcns üblich ist ; ären, in einigen Gegcndcu fahren. Der Landniann pflüget. Zur Zrohne pflügen. Einen Acker, ein Feld pflügen. Mit Pferden, mit Mchsen pflügen. Da der Acker mehrmahls gepflüget werden muß, che er den Samen empfangen kann, so haben Lieft Arten in der Landwicthschaft wieder ihre besondere Nahmen, und alsdann ist pflügen in engerer Bedeutung, denAcker unmittelbar vor derSaat,also zum letztenMah, le pflügen, welches auch Saatfurchen o^er zur Saat furchen genannt wird; zum Unterschiede von dem Streichen, Zeigen, Stürzen oder Brachen,von dem wenden und von demRühren, (Schiefe Wörter.) In der Seefahrt pflüget der Anker,wenn er nicht fest hält, sonderndem Schiffe folget, und dabep mit seinen Schaufeln drrr Grund des Meeres aufeelßer. - - So auch das pflügen. Anm. Im Niederf. plögen, Schwed, plöjck, Zsländ.plLeZia, Emfl.to plow» Es druckt, so wie ackern und ären, eigentlich das Ausreißer: des Erdbodens ans, S. 2 Pflug. Der pflutzer, des—s, plur. utnom.Uv^. derjenige, welcher pflügt; doch mehr in der höhern uud dichterischen Schreibart, als im gemeinen Sprachgebrauch, ob eS gleich Ps. i - 9, z von einem Ackeenumne überhaupt vorkommt. DLepfluFfcohne,pIur. dre-n, S. pflugdic-nfi. Das pfluggeld, des—es, ^>1ur. doch nur vor: mehrernSummen, d-ie—er, S. pflugschatz. Der Pflttgchücen, des— L, pttir. ut vom. llckZ» n: einigen Gr» Senden, ein Nähme des saken pfluges, S. diefts Wort. Der psttttzchalter, des —s, zilur. ul Qvrn. ÜrrZ. in einigen Gegenden, derjenige, welcher die Pflugsterze im Pflügen hält und leitet; zum Unterschiede von demjenigen,welcher diePftrdc lenket, welcher letztere in Frauken der kUahnjunge genannt wird, von dem alten mahnen, meinen, führen, Franz, merrer. Dan Pflttg'hairpt, des— es, xflur.die— Häupter, das Haupt des Pfluges, d. i. das unterste Holz desselben, worauf gewisser s Maßen der ganze Pflug gcbaue: ist; das saupt, m den gemeinen Mundarten das pflugheut, pflughvt. Die pfluFkehre, ?lur. die — u, die Kehre, d. r. die Umweudung mir dem Pfluge am Ende des Ackers oder eines Zheilcs desselben, nnd der Del, wo der Ackermann mi: dem Pfluge umwendet: die -Pflirgwende« D«s pfluAmesser, des-s, xlur. ur nom. ÜNtz. S. pfl«s- eiscn. Die pfluynaso, plvr. die—N, derjenige Theil eines Pfluges, wo das Srretchbrer und dieGriechfäule vorn aneinandergestastru werden. Der pflu§ock)s, des—en, plur. die—en, ein zum Pflügen beliimmter Qchs; zum Unterschiede von einen: Maßochsen. D^spstttgpferd, des—es, p!ur. die—e, rill solches Pferd, eu» Ackerpferd, zmnUnterschke-e von eineniReit-undWagenpseckst. Dsspflirgrirh, des -—es, picke» die — rüder, eines von Lru zwep Rädern an einem Pfluge. Das pfluFvrchw^ des^—es, p!ur. die —e. 1) Das Recht, welches die Grfttzgsber dam Pfluge ercheikel haben, da z. B. dessen Cnrwen.dung von dem Feidc scharfervefliaft wird, a-'s ei« anderer Dieb stahl. 2) In einigen G-gendonwied auch die EincheilichK P^s Ack^s in P'itz Arien, Pflugrkcht get;«rrrrt. Ein Stück Md 749 P fl - Zi-ld nach pflugr/cht übernehmen,. heißt alsdann sc> viel, als es ausdrey Zabrs übernehmen, so lauge bis die dre» Arten herunt sind. S. - Art. 3) 3 " andern wird der Rain das pstugrecht genannt, wie z. B. in dem Preuss. Gesetzbuch!'. Dis pflugreikte, plur.die—n, ein langer und dicker «Stecken, welcher vorn mit einem breiten und scharfen Eisen beschlagen ist, die fette Erde, welche sich im Pflügen an den Pflug und an da» Streichbret setzet, damit abzustoßen ; die Reute, das Pflugrödel, die Pflugscharre, dcrpflugschorrer. - Das pflugrödes, des—s, piur. M uom. liaZ.S.daZvorige. Die pflirrNäFe, plur. die —tt, ein Nähme, welchen einige Hochdeutsche Schriftsteller in Schriften dem Seche oder pflugseche geben, welches in den gemeinen Sprecharten das Sech lautet, und mit Sage freylich Eines Geschlechtes ist, ob es gleich von demjenigen Werkzeuge, welches wir heut zu Tage eine Sage neunen , gar sehr avweicht, S. Pflugeisen, Säge und Sech. Dir Pflugschar, x»Iur. die—en, ein vorn spitziges und hinten breit zuläufendes Eisen, in Gestalt einer 4 , welches vorn an das Haupt des Pfluges befestiget wird, und die Erde, welche das pflugeisen senkrecht abgeschnitten, horizontal heraus hebet und auf die S-nre legt; die Schar, bey einigen auch das pflugeisen. In derAnatomie wird das dreyzehnteBeiudes oberttKinnbackeus, in der Mitte der Nase, welche es in zwey gleich- Höhlen ab- theilct, wegen seiner Ähnlichkeit die Pflugschar, oder das Pflug- . scharbern genannt; Vomür. Anm. im Engl.8liÄrs,im Ztal. Lureitn, welchem nur der Zischlaut fehlet. Zn Schriften komme dieses Wort in allen drey Geschlechtern vor, obgleich das weibliche, selbst im gemeinen Sprachgebrauchs, das gewöhnlichste ist. Luther gebraucht es im sächlichen, wenn jemand hatte cm Pflugschar zu scharfen, ^ Mos. »z, 20. Inden Ausdrücken, die Schwerter zu Pflugscharen und die Spieße;» Sicheln machen, Es. 2, 4, Micha 4 «Z, und Zock Z, -L wollen einige nicht Pflugscharen,sondernpfing- scharrenverstehen. Notker nennet die Pflugschar welches Wort noch in einigen Gegenden üblich sepn muß, weil Frisch aus demDasypodius und andcrnOberdeutschenSchriftstel- !ern Wagpß, Wegense uud wegenese für Pflugschar auführet. Er erkläret es durch Weckeneisen, weil dieses Eisen die Gestalt -eines Weckes habe. Allein Wag scheinet hier vielmehr unser wagen in feiner weitesten Bedeutung zu sepn, in tyiü Her es qarch den Pflug mit »nter sich begriffen hat und gar wohl begreifen ksnn. Dü? pstttgscharre, xlur. die —N, S. pflugreute. Der pflugschLtz, des—es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Summen, die —schätze, in einigen Gegenden, eineAbgabe auf dem Lande, welche der Landmann nach den Pflügen geben must, welche er hält und zu Bearbeitung seines Ackers nöchig hat; besonders in denjenigen Gegenden , wo mandcn Acker in pflüge einzuchcilen oder nach pflügen zu berechnen pflegt, (S. Pflug,) da den» der Pflugschatz mit dem äufenschssse anderer Gegenden überein kommt; der pflugschoß, das pfluggeld. Jn nranchcn Gegenden wird der Pflugschatz auch von solchim Landleuten entrichtet, welche keilten Acker haben,und alsdann werden derer sechs, achtund noch mehrere für einen Pflug gerechnet. Daspsiugsech, des — es, plur^die—e, S. Pflugeisen und Sech. Die Pflugsterze, plur. die—n, die zwey langen krummen Sterze», welche oben an dem Hintertheile des Pfluges hinaus gehen, und a» welche der Ackermann die Hände legt, den Pflug vermittelst derselben z» regieren; die Sterzen, von Sterze, em langer dünner hinten hervor ragender Lheil,(S. dieses Wort.) Rieders, plogsteert, im Oberdeutschen auch die Geige, im mittlere Lat. Pfo 7L0 TcsiaU s. Zn sm'rgen Gege-td.A wirb die rechte Pflugsterze die Streichbretrüster, die linke aber, womit der Pflug eigentlich gewendet wird, die Laderüster, oder Pflugsterze in engerer Bedeutung, und verderbt pflugstürze grnannt, S. Rüster-, und pstugssürzc. Das pflugstöEchen, des—s, plur. ul vom. lruF. dasjenige Hol; an dem Pfluget; das Wetter, ingleichen die Leyer, bcydes von der zitternden Bewegung, in welcher cs sich im Pflügen befindet, S. diese Wörter, ^pfneischen, verb. re», neutr. mit dem Hülfswortc haben, welches nur in den gemeinen Sprecharten einiger Gegenderi für schnauben üblich ist, und zugleich das dadurch mir der Nase verursachte Geräusch nachahmet, wie das Griech. verwandte von welchem es ein Zntcnsivum ist, wie aus der Endung schen, erhellet. In einigen Gegenden lautet cs fnausen, pfuausenf pfnäusen. Besonders gebrauchen die Jäger dieses Zeitwort i« thätiger Gestalt, theils für anködern, locken, ein Thier durch den Geruch der Speise anlocken, kheils aber auch für füttern, zu essen geben, doch nur in engerer Bedeutung, von demjenigen mtt dem Schweiße oder Blute benetzten Fleische, welches denJagdhundeir von dem ersten auf der Jagd gestillten Wilde, als ihr Anthcil gegeben wird, welcher Antheil auch die p s,irische und das Gepfneische heißt. Die Hunde pfneischen, wofür die Jäger auch sagen, ihnen das Genieß geben, oder sie genossen Wachen: Mir einem noch andernWorte wird dasselbe bey den Jägern auch passen genannt, welches mit dem Lat. pnlci eine sichtbare Übereinkunft hat, (S. auch pfosch.) Indessen kann es sepn. daß pfneischen in dieser thätigeir Bedeutung zunächst von naschen abstammet, welchem vermittelst des starken Oberdeutschen Blaselautcs eine Gärige Bedeutung gegeben worden. Die pfortcrösr, piur. die — n, in DrAuatomie, eine der drey großen Blutadern, welche das Blut ans den Thcilen des Unterleibes in die L-ber führet; Venn?ort.Le, vermuthlich wegen ihrer weiten ÖffnunL. Die Pforte, xlur. die —n, Dlminut. das pförtchen, Öberd. pförtlein, die Öffnung, durch welche inan ans- oder cingchec. 1) Im engsten Verstände, die Öffnilirg an einem Gebäude,durch welche man aus - und eingehet, wo cs eigentlich eine allgemeine Benennung ist, welche alle besondere Arten unter sich, begreift. A n Niederrheinr und in einigen Oberdeutschen Gegenden werden auch noch jetzt alle Thore und Ehüren, mit dem Nahmen der Pforten belegt. Gehet ein durch die enge Pforte, denn die Pforte ist weit und der Weg'.st breit, der zur verdammniß führet, Matth. 7" ' 3 - Im Hochdeutschen hingegen führen in dem gemeinen Sprachgehrauchc nur kleinere Thore oder Thüceu mben den Lt^ßrrn, Nebenihore oder Nebenthüren, den Nahmen Pfv der Pforten oder pfortchen. So ist in den Städter: dir' Pforte oder das pfortchen ein kleineres Nebenthor für Fußgänger. Auch ja den Gästen, neben den Thorwegen, in den Haussen u- f f. Hat man zuweilen solche Pforten. In der höher» und dichterischen Schreibart hingegen wird es noch häufig auch von großen und prächtigen Thore» oder Thüren gebraucht, welche Bedeutung auch indem zusammen gesetzten^Lhrenpforte Statt findet. Drepforten ÄM pallaste, Nchem. 2,8. 2) I» weiterer Bedeutung, cju ßedec Ort, durch welchen man zu einem andern gelanget. So wurden die Pässe oder Clausen, d. i. die engen nnd hohlen Wege aus einem Lande in das andere, ehedem häufig pforten'genannt. Ein Hafen hieß ehedem eine Meerpforte. In der Deutschen Bibel kommen auch die figürlichen Ausdrucke die Pforte des Grabes, des Himmels, der Hölle vor. Jetzt ist cs i» dieser weitern Bedeutung noch in dem zusammen gesetzten Guickpfortc oder Geschützpforte am üblichste», die mit einer Kappe verschlossenen Öffnungen am Schiffe zu bezeichnen, in welchen die Kanonen mit ^hrcn Mündungen liegen. (S. Pfortader.) Z) Figürlich, doch rrur in dem Ausdrucke die Mtkomannischc Pforte, worunter ri- gentlichtter Pallast des Türkisch. Kaisers, dann dessen Hof, oder der Türkische Kaiser mit seinen vornehmsten Hof-un dStaatsbedieuten, und endlich auch das ganze Türkische Reich verstanden wird, und wofür man auch nur schlechthin die Pforte sagt. Die Grsß-Sul« Sane legeusich und ihrem Hofe diese Benennung m allen ihren Ansfertigungen.mit allerlei» schwülstigen Heywörtern, z. B. der glänzenden, der ekhabcnen Pforte u. s. f. selbst bey , worauf ste such in den meisten Europäischen Sprachen beybehalten worden. Der U 'chrnng ist noch ungew.ß Herbclot behauptet zwar, Pforte bedem e b. y alle« Morgenländern den Hof eines Fürsten, welches Loch andere nur allein von Persten zngeben, von welchem Reiche es schon im Daniel nnd Kenophon vorkommt. Indessen ist es wohl gewiß, haß die Kgur von der Pforte oder dem Thore des Pallafies entlehnxt worden-, zmnahl da in den altern Zeit-.n in den Morgenländern alle wichtige Staats- undGerichtsgeschäfte öffenl- Lich in den Thoren verhandelt wurden / wie in einigen Gegenden Koch üblich ist. Anm. Dieses Wort lautet schon im Isidor korta, rmTatian und bcy dem Notker korlo , im Niederst poovte, im Schwed. ko t, im Franz, korbe. Es kommt mit dem Lat. korta genau überein, ohne eben von demselben abznsiammen, indem es entweder den allgemeinen Begriff der Öffnung hat, und alsdann ein Verwandter von bohren, Börse, Lpvrta u.st f. ist, oder Knch von fahren, in dessen weitesten Bedeutung, absiammct, nnd einen Ort bezeichnet, durch welchen man fahret, d. i. sich beweget. We-m es, dem Krisch zu Folge, an einigen Orten das Gefängniß bedeutet, so wird damit wohl auf den noch in vielen Städten Lichichen Gebrauch gesehen, die Gefängnisse über denStadtpforren «der Thoren «uzulegen. Das pforten§eL:chr, des-—es, plur. die—-e, an einigen Orten, eine Art des Gerichtes, welches in den Klöstern vor den Pforten) ' d. r. Thoren, gehalten wird. Datz pfortentau , des—es, plur. die—e, cuf den Schiffen, bejoudere Taue womit die Srückpforren vcrschloffen werden. Der Pförtner, des — s, jolui.utuom.iinx. derjenige, welcher «n oder an der Pforte, d. i. dem Thvre eines Pallastes, Klosters n. s. f. anfdie Aus und Eingehenden Acht hat, dergleichen Pförtner besonders in den Klöstern üblich find; der Tho> Wärter, Therwächcer, Niederst peirrrner, Böhmisch, ko rln^r^ Figürlich rvird in der Anatonüe das rechte Mundloch des Magens von einigen hrr Pförtner 'genannt; O rkcium rlsxtrum. des—es, p!ur. doch n.r von Mehrern Arten, die—e, sin nur b.p de« Zägrni übliches Wort, wo es alles Futter der ' ' . ^ ^ / Pfv f 7^2 wilden Thiere, einen jeden Fraß derselben bezeichnet. So wird dasjenige Kirrer, welches den wilden Sauen an Hafer, Gerste, Eicheln u. s. f. im Winter in den Wäldern vorgeschüttet wird, pfosch genannt. Auch dasjenige, womit man die wilden Sauen und andere Thiere ankörnet, ist unter diesem Nahmen bekannt.. Daher wird auch eine Art Vogelherde, welche auf dem bloßen Aasen angeleget werden, und mit keinem Gebüsche besetzt sind, Pfoschherde genannt; ohneZweifcl, weil die Vögel durch pfosch, d. r. gestreutes Futter, dahin gelockt werden, im Gegensätze der Bufchherde. Es Hat mit dem Lat. vsl'ci und Galeere eine unlaugbäre Ähnlichkeit, und beweiset den gemeinschaftlichen Ursprung bcyder Sprachen. Frisch schränket dieses Wort zu enge ein, wenn er es bloß von dem Aase gestorbener Thiere erkläret, ungeachtet auch dieses eine Art des Pfssches ist. Die pfoste, piur. die—n, Diminut. das pfostchen, ein senkrecht stehendes , starkes, gemeiniglich viereckiges Holz, welches etwas trägt oder stützet. Die Brückenpfähle, welche das Joch dev Brücke trägen, werden in vielen Gegenden Pfosten genannt. Besonders heißen in derZimmermannskunst, die senkrecht stehenden starkeil Hölzer, welche eine Thür- oder Fensteröffnung zu bey- den Selten rinfaffen, Pfosten, Fenftcrpfosten, Thrirpfosten, dagegen daselbst andere senkrecht stehende Bauhölzer gemeiniglich Säulen genannt werben. So halte ihn sein Herr an die Thur oder Pfosten, (Pfoste,) 2 Mos. 21,6. Und sollt sie über deines Hauses Pfosten schreiben und an die Thore, Z Mos. 6, 9. LU saß an der Pfosten (Pfoste) des Tempels, l Sam. 1, 9, In welchen so wie in mehrernSrellen Luther es auf eine sonst ungewöhnliche Art für die Thür selbst gebraucht. Auch das senkrechte starke Holz i» der Mitte eines Fensters heißt eine pfoste, so wie verschiedene andere Arten starker senkrechter Hölzer, welche etwas tragen; wohin die Bettpfostcn, welche die Seitenbreter des Bettestragen, die Gangpfosten, welche einen Gang tragen, u. s.f. gehören. In weiterer Bedeutung werden bey den Tischlern, Am- mcrlkuten u. s. s. starke Bohlen, welche drey bis vier Zoll dick sind, so lange sie noch unverarbeitet sind, Pfosten genannt. Am Oberdeutschen führen auch schwächere Stützen, z, B. die dünnen Stangen, welche zu den Bohnen, Erbsen u. s. f. gesteckt werden , damit sie sich daran hinauf ranken, den Nahmen der Pfosten , Bohnenpfosten, Erbscnpfosten u. s. f. Ja im Jtal. ist postars stäbeln, siängchil, solche Scangen zu den Gartengewächsen stecken. Anm. Im Engl. und Schwed, kok, im Wallifischenkost, im Franz kvksund koteau, im Lat. ko üi;. Es scheinet zunächst den Begriff der Höhe oder doch d er senkrechten Richtung zu haben, da es dettn mit dem Holland, ksas , in einigen gemeinen Mundarten Feste, die Firste, der Gibel, dem Latein. kcrliixium, kekuca, u. a. m. Eines Geschlechtes seyn würde. Indessen kann auch der Begriffdes Tragens der herrschende seyn, da es denn zu demGciech. und zu uiisekm baren, tragen, gehören würde, indem r uns s sehr häufig mit einander verwechselt werden. In einigen Gegenden ist es männlichen Geschlechtes, der pfost oder Pfosten. Die Pfote, plur. die—n, Diminut. das Pfötchen, Oberdeutsch psötlein, ein Wort, welches in einer doppelten Bedeutung üblich ist. 1) Der vordere und äußere Theil dcr-Hand, oder des Fußes an den Thiercn, so fern er dazu dienet etwas damit zu fassen, oder z» halten. Von Menschen wird es nur noch im verächtlichen Verstände, oder doch höchstens nur im vertraulichen Scherze gebraucht, die Hände und Finger zu bezeichnen. Sich die pfdreu verbrennen. Jemanden auf die Pfoten klopfen. -Pfötchen ^ halten, eine in den nieder» Schulen für Kutter übliche Strafe, da sie die Finger der Hand zusammen gelegt -erhalten müsse«, uw 1M1 auf die Spitzen elne Anzahl Schlage zu bekommen. Oft behütet ein Pfötchen auch so viel, als man mit den Spitzen der sämmtlichcn Finger einerHand fassen kann; kuZrlluL. VonLhie- ren wird es von dein äußersten Theile der Aiße aller Thiere ge. braucht, so fernste ihnen dazu dienen, etwas damit zu halten, da es denn auch wohl von den Vögeln vorkommt, ungeachtet Vlarre und Rralle von denselben üblicher find. In engererBedeu- tnng heißen nur die vorder» Theile der vordern Fuße an den vier, füßigen Thiercn so fern ste ihnen dienen, etwas damit zu halten/ Oer Bär sangt an den Pfoten. Dez: Hund gibt die Pfote, oder gibt ein Pfötchen. Das Eichhörnchen haltseinen 5 raß mir den Pfoten, die Maus mit den Pfötchen. Bey den Bären heißt dieser Thcilkunstmäßiger die Tatze, »Md bcy andern großen Raubthjeren die Alaue. 2) Eben dieser Theil an dun Ende derFüße, so fern er düs Werkzeug des Gehens ist, oder so fern man daraufgehet. Von Menschen gleichfalls nur im verächtlichen Verstände, von Thieren hingegen im gemeiner» Leben fast wiederum von allen Thiercn, besonders aber von den mit Zehen versehenen vierfüßigen Thiercn; denn ob man gleich zuweilen sagt Ochsenpfoten, Hammelpfoten , so ist doch von den mit einem gespaltenen Hufe versehenen Thieren das Wort Alane üblicher, (S. dasselbe.) Die Jäger nennen diesen untern Theil des Fußes an allen mit Zehen versehenen Thieren die Tatze. Oie Vorderpfote, die Hinterpfote. Anni. In beyden Bedeutungen im Rieders. Potc, im Holland, koste, im Franz, kalte, im Engl, mit einem andern Ablei- turrgslante karv. Beyde Bedeutungen find in der Abstammung augenscheinlich verschieden. In der ersten gehöret das Wort zu fassen, Rieders, faten. Schweb, katta; in der zweyten aber zu dem veralteten paten, pfaten, gehen, Rieders, pcdden , Griech. n«>ret>, und Psrrlle, p!ur. dieu, der Oberdeutsche Rahme der Elritze, S. dieses Wort. *Der Pfropf, des—es, plur. die —e, das Pfropfreis; ein im Hochdeutschen ungewöhliches Wort, welches bcy dem Opitz vorkommt. S. 2 Pfropfen, das Zeitwort. Der Pfropfen, des — s, plur. ui nom. lirrZ. Diminut. das pfröpfchen, ei n Stück von einer gemeiniglich »reichern Materie/ welches fest in eine Öffnung hinein gedrückt, gedrchet oder geschlagen wird, dieselbe damit zu verstopfen. Oer Pfropfen auf einer Vonreille oder 5!asche, er sey nun von Kork, oder von Papier, oder von Lumpen; ein Stöpsel oder Stöpsel, im Oberdeutschen ' ein Zapfen. EruStöpsel kann aber auch von Glas seyn, welchen man nicht leicht einen Pfropfen nennen wird. Ans die Ladring eines Schießgeivehreswird einpfropfcn von Werk, Papier,Gras u. s-s. gesetzt, d. i. fest in das Gewehr hinein gedrückt. Die Mündungen der Kanonen werden, wenn sie nicht gebraucht wer, den, mit einem hölzernen Pfropfen verstopft, damit nichts Unreines hinein komme. In der Seefahrt werden auch die eisernen, blvyernen und kupfernen Platten, womit man die Löcher oder schadhaftenStellen in einem Schiffe auszubessern pflegt,Pfropfe» genannt. Rieders. Propp, Engl. krop».Schwcd.kropp,ärich im Deutsch m bcy einigen Pfropf, obgleich die Endrurg hier nicht ein bloßes müßiges Anhängsel zn seyn, sondern rin Werkzeug zu bezeichnen scheinet. S. das folgende», r.. Pfropfen, verb. rsA. act. ,) ÄUt Gewalt in eine Öffnung hinein drehen, zwingen oder stopfen. Blüthen, Rosendlattes in eine Bouteille pfropfen, sie mit Heftigkeit hinein stopfen^ Die Blutgefäße waren mit Blut voll gepfropft. Gepfeopfe voll, ff voll, daß auch mit Gewalt nichts mehr hinein zu bringerL ist. Sich voll pfropfen, sich- mit Speise überladen. Das Asinödien-äans war gepfropft voll/vouMcnscheii. Im Ober- B b b . de.utÄ2 K 7ZL - Pfc ' Hcntschen pferchen. r) Mit einem Psrofett verstopfen ; doch nur 4 n den zusammen gesetzten zupfropfen. So auch die Pfropfung. Anm. Im Rieders, proppen. im Schweb, proppa, im Sriech. kn der zweyten Bedeutung Boston». Es scheinet vermittelst des Harten Blaselautes von reiben adzustammen, von welchem auch vermittelst eines andern Vorschlages treiben herkommt, welches in ähnlicher Bedeutung vorkommt. Bey dem Kero ist kluab eine Zahl. Zm Niedersächs.isi in eben dieser Bedeutung auch xram- men üblich, welches mit dem Lat. premere sichtbar überein kommt, und von welchem das im gemeinen Leben derHochdeutschen übliche bremsen und premsen in eben diesem Verstände ein bloßes Zntcusioumist. S. pfropfen, verb. reg. acr. i) Eigentlich, ein Reis eines Baumes in einen in den Stamm eines andern gemachten Spalt setzen, damit bcyde zusammen wachsen, welches besonders von den Gärtnern zur Veredlung schlechterer Stämme geschiehet. Auf «inen wilden Stamm pfropfen. Ein Reis von einem Apfelbaume auf den Stamm eines Birnbaumes pfropfen. In den Spalt pfropfen, wenn ein junger Stamm oben ganz abgeschirit- ken, und das Pfropfreis in den darein oben auf dem Schnitte geinachten Spalt gesitzet wird. In die Rinde pfropfen, wenn das Pfropfreis in einen in die Rinde eines siärkern Stammes gemachten Spalt gesitzet wird. In den Verb pfropfen, wenn das Pfropfreis in eine durch dieRinde m das Holz eines alten Baumes gehauene Kerbe gesitzet wird. Statt dieses Zeitwortes ist inNie- dersachscn riscn üblich, von Ris, ein Reis. Gottsched behauptete impfensey , einen einzigen Knospen in die Rinde ein«s andern Baumes sitzen, und pfropfen, wenn statt des Knospeus nn RciZ oder kleiner Zweig genommen würde. All. in, er irrete sich, denn jenes heißt nicht so wohl impfen, als vielmehr äugeln und oculircn. Impfen ist, so wie pelzen, mehr im Oberdeutschen üblich, und kann vermöge seiner Abstammung so wohl äugeln, als pfropfen, als auch pfeifen bedeuten, wird aber daselbst am häusig- sten für pfropfen gebraucht. (S. auch Pfeifen, welches eine an- - -ere Art des Jmpfens ist.) 2) Figürlich pfropfen auch die Zimmerleute, wenn sie an ein schadhaft gewordenes Zimmerholz ein ! frisches Stück ansitzen, und beyde dergestalt verbinden, daß sie an -allen Seiten gleiche Stärke haben, und unrein einziges Stück zm feyn scheinen. Daher das Pfropfen. Anm. Ob es gleich sehr füglich angehet, Idiefes Zeitwort als eine bloße Figur des vorigen anzusehen , und es durch einsetzen, rinpstanzen überhaupt zu erklären, so kann cs doch auch als eins eigenes Wort angesehen werden, welches von dem bey dem Opitz befindlichen Pfropf, ein Pfropfreis, absianimet, mit dem Angels. alten noch im Engl. üblichen Zrorv, wachsen, und andern ähnlichen Wörtern Eines Geschlechtes ist, und eigentlich, ein Reis, eine» Schößling bedeutet, zumahl da auch' das Wort Trieb in eben diesem Verstände gebraucht wird, und das Rieders, riscn gleichfalls v.on Ris, ein Reis, absiammet. Das Pfropfmesser, des — s, pliir. ur nom. ün». bey den Gärtnern, ein breites Messer ohne Spitze mir einem dickenRücken, Leu Spalt in denjenigen Baum, auf welchen gepfropft werden soll, " damit zu machen; das Spaltmesser. Das Pfropfreis, des — es, plur. die-—er, ein Reis, d. r. jähriger Zweig mit Knospess welcher aufvder in den Stamm eines andern gepfropfte wird ; bey dem Opitz der Pfropf. Die Pfropfsätze, p!ur. die—- n, eine eigene Säge der Gärtner, die Stämme derjenigen Bäume, auf welche gepfropft werden soll, O-mit abrnsLgek^ Pfu 7LS Dre Pfropfschule, plur. die — n, eine Baumschule von jungen gcpftopftenStämmen, oder auf welche doch gepfropft werden sill; zum Unterschiede von einer Gamenschule. DasPfropfwcrchs, des—es, plur. inuf.dasjenige zuberei- tete Wachs , womit die durch Pfropfen entblößte Stelle eines Scammes verstrichen und dadurch vor der Nasse verwahret wird; Baumwachs. Der Pfropfzieher, des — s, plur. ut norm liaZ. ein Werkzeug , die Korkpfropfen damit aus den Bouteillen zu ziehen; der Korkzieher, Rieders. Buttelworm, von Buttel, eine Bou« teille, weil er aus zwey schlaugenförmig gekrümmten starken Drahten besteht. Die Pfründe, plur. die—n, ein Wort, welches in der Römischen Kirche am üblichsten ist, den Unterhalt zu bezeichnen, welche» jemand, auf Lebenszeit aus einer geistlichen Stiftung genießet; ingleichen ein Theil der Kirchengüter, ein geistliches Amt. ei» mit Einkünften begleiteter Titel, sofern sie jemanden den Notlügen Unterhalt gewähren. So werden die Bisthiimer, Abteyen, Priöreyen, Pfarren, Canonsiateu.st f. in Ansehung des Unter, Haltes, welchen sie ihren Besitzern gewähren, Pfründen genannt. Eben diesen Nahmen bekommt eine Stelle in einem Hospitale oder einer andern ähnlichen Stiftung, welche jemand durch Kauf oder auf andere Art erhält, iu Ansehung des Unterhaltes, welchen ihm dieselbe gewähret; in welchem Verstände es auch in der evange, lischen Kirche üblich ist. Im mittler« Lateine l^ruebenüü und Lenelicium. Daher der Pfründner, derjenige, welcher eine Pfründe besitzet, welcher seinen Unterhalt aus einer geistlichen Stiftung hat, besonders so fern er zu keinen Amtsverrichtungen verbunden ist ; die Pfründ - Lollatur, im Oberdeutschen, das Patronat-Recht, der Kirchensatz. Anm. Bey dermNotkrr schon küruvllöZ,im Schwabenfpiegel kkrunüe. Man leitet cs gemeiniglich von dem schon gedachten Latein, kraebeociaher, von welchem auch das Holland. Pro- vanäs, das alt Franz. I^rou venüe, und das ehcmahlige Deutsche Proven abstammen. Allein unser Pfründe scheitlet einen echt Deutschen Ursprung zu haben. Bey dem Ottfried ist B. 2, Kap. 4, V. 97 kruLntÄ Unterhalt, und V. 64 prusnreu unterhalten, ernähren, und das Zeitwort Pfründen kommt in eben diesem Verstände noch jetzt im gemeinen Leben OberdentschlandeS vor. Pfründe scheinet 'dlso eigentlich einen jeden Unterhalt zu bedeuten, und kann zu dem alten frommen, Nutzen, Frucht bringen , gehören. Pfuchzen, verb. reZ. neutr.welchesdasHülfsworthabenerfor- derL, und den Laut nachahmet, welchen die Katzen machen, wenn sie sich gegen eilten Hund vertheidigen, und welcher dem Niesen gleichet. Die Katze pfuchzet. Im Oberdcutj'chell, wo es auch niesen bedeutet, pfuchezen, im Jtal.lcuLfetrs. Im Niederst ist prusten so wohl pfuchzen als nieseil. Im Hochdeutschen lautet es auch pfutzen und pfautzen. Daher jemanden anpfuchzen oder an- pfutzen, ihn ungestüm anfahren. r. Der Pfuhl, des — es, plur. die Pfühle, in der Baukunst, S. Pfühl. 2. Der Pfuhl, des — es, plur. die Pfühle, Diminut. das Pfühl- chcn, eine Sammlung Wasser von geringem Umfange, welches, keinen Abfluß hat. Ein Regcnpfnhl, eine solche Sammlung von zusammen gelaufenem Regenwaffer. I» engerer Bedeutung, eine solche Sammlung unreinen oder stinkenden Wassers. Der Mist- pfühl, das auf dem Hose von dem Miste zusammen gelaufene Wasser. In der Deutschen Bibel wird die Hölle der feurige Pfuhl genannt. S. Pfütze, welches mit diesem Worte oft gleich- kkdeutmd gebraucht wird. Anm. 7L7 Anm. BeydemStcyker im Niederst Pötzl, im Angelst ?ul im Engl. ?ooI, im Jrränd. im Schwed. ?ö!, im Waürs. , l?ou 1 , im mittlernLat.IHnlulum, imLar.i^ Entivedee von W ü- dem alten allgemeineil Numworte des Wassers (S. Quelle und Welle,) ad. r auch besonders iil Ansehung der unreinen und stinkenden Beschaff check als ein Geschlecht, vec, kvandter von faul, Nlld dem Ä. i ch. Koll); wenn e-? rucht, so wie p säge, ursprünglich eirie jeee Beerie,rulg bedeutet hat, S. pfuhibanm. Lee Pfühl, des—cs, plur. die—e, Dmunut, das pfuhlchen, welches eigentlich ein j.des aufgesch-vollenes, hervorragendes, erhabenes Ding bedeutet, aber nur noch in einem doppelten Verstände gebraucht wird. i) Z» der Ba'-kniist wird von einigen, z. B. dem Goldmann, ein jedes rundes Glied, welches einen halben Zirkel ausmacht, der Pfühl, oder nach Oberdeutscher Mundart der Pfuhl genannt, wofür doch das Wort Stab üblicher ist. - Bey dem Vilruv heißt ein solches Glied Hus. Der Wulst ist eine Arr desselben, und wird auch der Viertclstab genannt. 2) Ein Bett oder Küsten, darauf zu ruhen, wo es ehedem in der weitesten Bedeutung dieser Wörter ichlich war. Daher ist in . dem Heergewctte der Heerpfühl ein wohl bereitetes Bett nach dem besten. Besonders wird es im Oberdeutschen von einem jeden Küssen oder Polster gebraucht. Der Bankpfühl. Zenster- pfühl, G.uhipfühl u. s. f. Z-n Hochdeutschen »st der Pfühl das Mittel zwischen dem größer» Belte und dem kleinern Russen , und dasjenige Stück eures Gebcttes, welches die Breite eines Kepfküssms hat, aber weit länger ist, und so wohl unter den Kopf, als auch unter die Füße gelegt wird; der Ropfpfü hl, Anm. Im Tatianküululrn, im Niederst Pohl, im Angelst im Engl.kiliovv, im Holland, kerü un. Aus der Art, wie im Tatiail dieses Wort geschrieben wird, sollte es fast wahrscheinlich werden, daß es zunächst aus dcmLat. ?ulvinu 8 und kulviuo.r entlchnetworden; indessen gehören auch diese zu Polster Wulst, Gewölbe und andern ähnlichen Wörtern, welche ein aufgeschwollencs, aufgeqnollenes, rundes, hervor ragendes Ding bedeuten. Im Oberd. ist dieses Wort auch sachlichen Geschlechtes, das Pfühl. Eben daselbst lautet es aber auch sehr häufig der oder das Pfülb, die pfülbe, das Pfü'f, der oder das Pflüg, Pfülk oder pfui;, der pfilm u. st f. Haft du doch so sanft mir zur Pfülbe gedienet, sagt der Wanderer zu seiner Bürde in Gcßners Idyllen. Dssr pfuhbbaum, des—es, plur. die—bäume, im Verzogne. i) Der Baum, woran sich der Korb eines Göpels befindet. 2) Diejenigen horizontalen Balken, worin die Haspelstützen ein- zezapftt find. Entweder von Pfuhl, eine jede Vertiefung, indem sich die Pfuhlbämne allcmahl über und neben einem Schachte befinden z oderauch in der ersten Bedeutung von Welle, indem der Pfuhlbaum eines Göpels eine wahre senkrechte Welle ist, und in der zwcyten von Schwelle, weil diese Pfnhlbänme wahre Schwcl- lensind, welche hier nur ihren zufälligen Zischlaut verloren haben. S. auch das folgende. Das pfrchlrisen, des —s, süur. ui noiu.fltnß. ebendaselbst, dasjenige Eisen, worin die Wille oder der Nnndbaum gehet; gleichfalls von W. lle. gleichsam das Wclleisen. Von andern wird es das pfadciskN genannt. Der Pfuhlfisch, des—es, vlur. die—-e, Fische, welche sich in Pfühlen aufhalten, in Pfühlen gefangen werden. pfui licht-—er, — sie, ÄÜj. et uckv. einem unreinen Pfuhle ähnlich. Das Wasser riecht oder schmeckt pfnhlicht. Die Pfuhlschnepfe, U^ur. die—uf eineBenen-umg derjenigen Schnepsest, welche sich gern an Pfühlen und Sünipftn aufhalten, Ps» 7L8 - und welche auch Riethschnepfeu genannt werben; bähcr bald die große Doppelschnepfe, bald die kleinere Heerschnepfe oder Him- melszieze, bald auch die kleinste Haarschnepfe unter dieftmNah- nien vorkommt. Pfuj ! ein Empfindungswort, seinen Abscheu, seinen Ekel, und kurz einen jeden heftigen Widerwillen gegen eine Sache an den Tag zu legen, pfuj, schäme dich! pfuj l das hatte ich dir nicht zuge- trarr et. Da es denn auch ein Hauptwort in der zweyten Endung neben sich leidet, pfuj, der Schande! pfuj, des garstigen Menschen! pfuj dich an! ist nur iu ben niedrigen Sprecharsen üblich, seinen höchsten mit Verachtung verbundenen Widerwillen gegen eine Person auszudrucken ; Niederst futikan. Als einen Ausdruck des Hohnes, der Verspottung, ist zwar in der vertraulichen Sprechart zuweilen fi üblich, alleinpfuj wird imHochdcut- schenanf diese Art nicht gebraucht. Indessen heißt es noch Mare. i L, 2 9 : pftrp dich, wie fein zerbrichst dn den Tempel! Anni - Im Oberd. pfey, pfuch. beo dem Hörncgk^phwi, phech, affoy, im Niederst fi, im gemeinen Leben der Hochdeutschen gleichfalls fi, im Schwed, ü und tcvi, im Dänische»! fy, iitr Franz. 1 i,^p 0 uk, im Engl. stuuZK, puvv^, imZtal. puk. bey den Krainerischen Wenden stej, im Isländische» busi, im Latein. vak, im Griech. »e»». Es ist der natürliche Ausdruck deS Ekeks, des Widerwillens, der sich gleichsam von selbst durch ein Wegblastn äußert, daher dieser Laut auch in allen Sprachen ange- troffen wird, und nicht für einen Abkömmling von dem Latein. ausgegeben werden sollte, wie gemeiniglich geschiehet. Die gewöhnlichste Schreibart dieses Wortes ist pfup und pfui. Die erste hat nichts als die Gewohnheit für sich. Die zweyte konnte leicht zu einer zwepsylbigeu Aussprache verführen, da doch das L mit dem u zusammen schmilzt, welches am besten durch das j aus- gedruckt werden kau». r. Das Pfund, des — es, plur. die — e, ein nur im Berg- Haue übliches Wort, wo e-ein gewisses Holz an dem Bläuel ist, worin der krumme Zapfen herum gehet. Die nähere Kenntniß dieses Stückes muß es ausweiset», ob es in dieser Bedeutung zu dem folgenden Worte gehöret, oder ob der Begriff der Bewegung, ' oder auch der Vertiefung der herrschende ist. Im letzten Falle würde es zu Pfanne, Wanne, wgnst, Banse u. s. f. im zweyten aber zu schwanken. Schwänz und andern Wörtern dcrBewe. gung gebören. Übrigens bedeutet pnnt im Niederst auch eine Spitze, worin es mit dem Engl. und Franz, koint und dem Latein, punctum überein kommt. S. auch pfnndholz. 2. Das Pfund, des—e», s>lui-. die—e, ein Schlag; ein nur noch in der Iägerey übliches Wort, wo diejenigen Streiche mit - dem Weidemesser, mit welchen die Fehler widrr die Weidr spräche bestraft^ werden, und deren gemeiniglich drey sind, Pfunde heißen. Die Pfunde bekommen. Jemanden die Pfunde geben. Das folgende Pfund wird so wie Malter und Schilling zwar zuweilen such von einer- gewisse» Zahl) und folglich auch von einer bestimmten Anzahl Streiche gebraucht, S. das folgende; allein hier schei- Mt cs doch ein eigenes dahin nicht gehöriges Wort zu scym, wel- wes zu dem noch im Schwed, üblichen Kunz, schlagen, gehöret, und wovon miser bamsen und wamsen Jnti-nstva sind. Zur Nie- ^drrsächstschen ist pa- ter eiir breites Werkzeug zum Schlagen, eine Handpatfche, wouut ungezogene Kinder in den Schulen auf die .. flache Hand geschlagemwerden. Z. Das Pfund, des—es< plur. die—e, ein Wort, welches ehedem die Schwere und ein schweres Ding überhaupt bedeutet haben mag,, j.Hr aber nur noch eigentlich von eurem bestimmte» Gewicht gebraucht wird, figürlich aber auch eine Art Münzen, eine Zahl und ein Maß bedeutet. Bdb 2 s, Em 7S9 > P fu ». EinGcivi'cßst, eine bestimmte Schwere zu bezeichnen,wo es wiederum mehrere Acren von Pfunden gibt, i) Die größte Art dieses Gewichtes ist das so genannte schwere Pfund, wonach die Frachten so wohl zu Wasser als zu Lande berechnet werden, daher es auch das Schiffpfund genannt wird. Es halt ungefähr drey Zentner, ist sich aber doch auch nicht an allen Orten gleich. Zn Zelle hat ein Pfund schwer, oder ein schweres Pfund 320, in Osnabrück und HildrsheiMZoc,, an andern Orten aber nur 280 gewöhnliche Pfund, in der folgenden Bedeutung. (S. Gchiff- pfund, welcher Nähme in den meisten Gegenden üblicher ist.) s) Das gewöhnliche Pfund oder Aramerpfund, welches im Handel und Wandel durch ganz Deutschland üblich ist, und allemahl unter dem Worte pfund schlechthin verstanden wird, ist ein weit kleineres Gewicht, aus welchem alle größere Gewichte zusammen . gesetzet sind. Es wird gemeiniglich in r 6 Unzen oder 32 Loth getheilet, ist sich aber auch nicht an allen Orten in der Schwere gleich. Es bleibt so wie in der vorigen und allen folgenden Bedeutungen, wenn es ein Zahlwort vor sich hat, im Plural unverändert, welches es mit allen auderuWörterrl, welche ein Gewicht, rm Maß, eine Zahl u. s.s. bedeuten, gemein hat. Zwcy Pfund,' nicht Pfunde. Die Sache wäget sechs Pfund. Myrrhen und Aloen bey hundert Pfunden, Joh. 19,39, besser, bey hundert Pfund. Anderthalb Pfund, ein halbes Pfund, ein viertel Pfund- Ein Pfund Brot, 8lcisch u. s.f. Ein Pfund schwer, rm Oberd. eines Pfundes schwer, wie viel gehet davon auf ein Pfund? von diesen Lichtern gehen ihrer vier auf cm Pfund. Etwas nach dem Pfunde kaufen. Wenn kein Zahlwort vorher gehet, hat es seinen ordentlichen Plural. Bey oder Nach Pfunden verkaufen. Rechte Pfunde sollen bey euch seyn, z Mos. 19, A»;d. i. Pfnudgewichte. Gewichte,.welche ein Pfund vorstellen. Alle Pfunde im Sach sind seine Merke, Sprichw. r 6,11. Wenn man ein Pfund als eine Kleinigkeit Vorstellen will, so pflegt man es auch wohl ein pfündchen zu nennen. 3) Da« Apotheker-Pfund, oder Pfund nach Apotheker- Gewicht, welches in den Apotheken üblich ist, ist um 4 Unzen kleiner, und hält nur 12 Unzen oder 24 Loth. 4) Ehedem pflegte''man auch eine Mark, d. i. ein halbes Pfund oder 8 Unze«, ein Pfund zu nennen, in welchem Verstände es besonders bey dem Golde und Sil- her üblich war, und an einigen Orten noch fetzt als gleichbedeutend mit Mark gebraucht wird. 2. Eine bestimmte Art gemünztes Gold oder Silber zu berechnen. 1- Eigentlich. Ehedem , da man die Münzsorten, besonders die kleinern, zu wägen pflegte, waren die Ausdrücke ein Pfund Schillinge, ein Pfund Pfennige, ein Pfund Zäller sehr gangbar, so viel Schillinge, Pfennige und Häller zu bezeichnen, als auf ein Pfund, besonders in der letzten Bedeutung einer Mark, gingen. Die Zahl der Schillinge, Pfennige oder Häller, war nach ihrer Schwere veränderlich. Gemeiniglich rechnete man 20 Schillinge, jeden zu 12 Pfennige, folglich 240 Pfennige auf einpfund. Und in diesem Verstände ist das Wort Pfund noch irr vielen Ländern eine Rechnungsmünze, welche doch sehr vrrschic- den ist, je nachdem eine verschiedene Münzart dabe» zum Grunde liegt, welches doch gemeiniglich Schillinge sind. Im Wnrtemver- gischenist ein Pfund 20 Schillinge oder 120 Pfennige. Ein Pfund Flämisch bälr in Hamburg 20 Schillinge Flämisch, oder rav Schillinge Liibifch, d. i. 2^ Thaler. Ern Pfund schwarzer Münze, wonach inBaiern dicGrundzinscn und gerichtlichenStra- ftn berechnet werden, hat 41 Schilling, 164 Groschen, 492 Re- gensbu^-r, oder 1 -za Pfennige schwarzer Münze, d. i. 5« Gulden weißer Münze. Hingegen Hac ein Pfund Pfennige in eben dieser schwarzen Münze ^Schilling, ^Groschen, 96 Regensburger, 240 Pfennige, oder 1 f Gulden weißer Münze. Dre ju Ber- Pfu 760 litt errichtete Bank rechnet nach Pfunden Vanro, jedes z« 30 Groschen. Das größte Pfund dieser Art ist ein Engl. Pfund Sterling, welches gleichfalls nur eine Nechnungsmünze ist, 20 Engl. Schillinge zu 7^ bis H Groschen hält, und 6 Thaler 4^Gro- scheu, bis 6 Thaler 8 Groschen nach unserm Gelde macht. Die Französischen i^i vwLL und Jtaliänischcn welche man im Deutschen osl auch Pfunde zu übersetzen pflegt, gehören vermuth- lich zur folgenden dritten Bedeutung. 2) Figürlich bedeutet es, nach dem Muster des Griechischen Talent, das einem jeden mit- gethcilte bestimmte Maß natürlicher Fähigkeiten; doch nur in den ans Luc. 19, 2 z entlehnten R. A. mit seinem Pfunde wuchern, sein Pfund §ur anlcgen, ftineGaben zu seinem und andrcrNutzen pstichtnläßlg auwendcn; sein Pfund in einem Schweißtuche vergraben , den pfllchtmäßigen Gebrauch seiner Gaben vorschlich unterlassen. Unser verstand ist ein kostbares Pfund, das uns der Allmächtige zum Wucher anvertrauet hat. Gell. z. Da das Pfund in den beyden vorigen Bedeutungen allemahl eine bestimmte Anzahl Unzen und Münzsorten in sich begriff, s» wurde dieses Wort ehedem auch sehr häufig gebraucht, eine gewisse bestimmte Anzahl zu bezeichnen. So ist im Mittlern Lat. l,ibra ar-uvrum und k,ibra teüium eine Zahl von 72 Jahren oder Zeugen, nach der IIbra occickus, oder der spätern^ibrs Luri, zu undmach Valentinians Zeiten, welche von diesem Kaiser auf 72 8o1iclos gesetzt wurde. Auch im Deutschen ist ein Pfund oft eine Zahl von 240, wo dos ehemahlige Pfund Pfennige zum Grunde liegt, welches 240 Pfennige, oder 8 Schillinge, jeden zu 3 0 Pfennige, hatte. In einigen Österreichisch. Chroniken kommen drey Pfund Menschen, und eilf Schilling Städte und Flecken vor, wo die drey Pfund 720 Seelen und die eilf Schillinge 330 Städte und Flecken machen. Noch jetzt ist in Nürnberg cm Pfund Krautköpfe oder Nüsse eine Zahl von 240 Stück. Zuwei- len liegt die Zahl der acht in einem Pfunde begriffenen Schillinge Zum Grunde, und alsdann ist em Pfund eine Zahl von 8. So wird in den Schriften der vorigen Jahrhunderte zuweilen eines Pfundes Schläge oder Streiche gedacht, welches sSchläge sind, so wie ein Schilling ihrer 12 hat, von den r- Häller»-, welche auf einen Schilling gingen. Vermrlhlich gehören hierher auch die Französ. Livres und Jtaliänischen I^ire, wrlches Nechnungs- rnüuzrn, obgleich von sehr verschiedenem Gehalte sind, ürdern das Französische Pfund 6 Groschen, das Jtaliänische abbr oft nur 2 ; Groschen beträgt, wo es gleichfalls eine Zahl von 8 kleinern Münzen zu bezeichnen scheinet. Wenigstens machen 8 leichte Groschen oder Kaisergroschen gerade ein Franzofis.Pfund oder einen Livre. Dir Venetiauische Lira macht 12 Kreuzer Reichsgeld, dagegen die Toscanische Lira 20 Gold«' hält. S. Malter undGchilling, welche gleichfalls von einerZahl gebraucht werden. 4. Zuweilen, obgleich seltener, ist Pfund auch der Nähme eines körperlichen nnd Flächenmaßes; ohneZweifcl auch als ciueAnspie- luug ans das Gewicht dieses Nahmens und die Zahl seiner Theilr. So hält inRegensburg einpfun-Sasz dSchilling oder 2 ^Scheiben. Im Österreichischen werden die Weingärten nach Pfunden, so wie die Äcker nach Jochen und die Wirsen nach Tagewerken, berechnet, wo vielleicht der nach Pfunden in der zwcyten Bedeutung geschätzte Merth zu verstehen ist, wenn anders hier nicht auch die dritte Bedeutung einer gewissen Zahl eines kleinern Flächenmaßes zum Grunde liegt. Anm. Scho»n bey dem Kero bey dem' Notker im Nreders. pnnd, imEiigl. kounci, im Angelst und schon bey dem Ulphilas I?iin6, im Pohln. kunck, im Lat. stBi-clo, mit welchem es zu t^oaclus, das Gewicht, die Schwere, gehöret. Hornegkgebraucht Pcmdep und Popnder auch figürlich sürMach- druck, Gewalt. 76t . Pfll Die pfunbbirn, plur. die—en, eine Art sehr großer Birnen, welche auch Saustbirnen genannt wird, und schon bey demPlinius Z?irum librals heißt. Die Volemn des Cato und Virgils, welche gemeiniglich für unsere pfundbirn gehalten wird, ist, nach dem was PliniuS davon sagt, vielmehr die LonLssreüsu 6 'Lrs . Der Nahmepfundbirn, welchen man gemeiniglich durch pfundige Bien erkläret, wegen ihrer Größe und Schwere, kann auch aus dem Oberd. 8 unst und Pfünz, die Faust, verderbt seyn, da er denn mit Zaustbirn gleichbedeutend seyn würde. Die pfundbude, plur. die— n, S. pfundzoll. Der Pfänder, des—s, plur. ut vom. liciA. ein Ding, welches Ein Pfund schwer ist. So nennt mail einen einpfündigcn, zweypfündigen u. s. f. Fisch, oft einen Pfänder odcrEinpfunder, Zweypfündcr, u.s.f. Auch eine Kanone, welche zwey, drey, zehen Pfund u. s. f. schießt, heißt m dieser Betrachtung ein Zwey- pfünder, Dreypfündcr, Zehnpfundcr u.s.f. Das pfundgeld, des — es, plur. doch nur von mehrern Summen, die—er, ein besonders im Österreichischen übliches Won, wo die Kauf-und Annehmelchen von erkauften oder ererbten unfreyen Grundstücken das Pfundgeld genannt wird, (S.Lehcn- rvaare.) ES ist in dieser Bedeutung ohne Zweifel aus dem Lat. lffuuclus entlehnet, so daß Pfundgeld nach der Oberdeutschen Aussprache für Zundgeld stehet. Die Deutschen Provinzen jenseit derDonau, welche so lange unter der Römischen Herrschaft gestanden sind, haben mehrere Lateinische Wörter angenommen, welche in den übrigen Provinzen unbekannt sind. S. auch äundschoß. Das Pfund gewicht, des—es, plur. die —e. -) Ein Gewicht, welches Ein Pfund wäget, und Ein Pfund verstellet, einpfund- stein; zum Unterschiede von einem Zentnergewrchte, Lothge- wichte u. s. f. 2) Die Art und Weise, dieSchchere der Körper nach Pfunden und deren kleinern Theilen zu bsDmmen, wo Oer Plural nur von mehrern Arten üblich ist ; zum Unterschiede von dem Markgewichte, Raratgewlchre u. s. s. Das Pfundhaus, des — es , plur. die—Häuser, S.pflindzoll. L. Das Pfundholz, des—es, plur. doch nur von mehrern Arten, die—Holzer, im Handel und Wandel, ausländische seltene Hölzer oder Holzarten, welche nach Pfunden verkauft werden. L» Das Pfundholz, des—es, plur. die — Holzer, im Bergbaue, Holzer, welche m die Halbgerimie gelegt werde», und dem Fluder die gehörige Weite geben. Etwa,auch mit pfundgeld aus dem Lat. ksunck us, oder doch mit demselben auS einer gemeinschaftlichen ältcrn Quelle, so daß eS eigentlichBsdenholzer bedeutet? Oder gehöret es vielmehr zil i Pfund ? S. dasselbe. pfünötg, uclj.etnclv. ») Ein Pfund haltend oder wägend. Ein pfundiger Aarpfen. Ein zweypfundiger secht. Ein zchn- pfimdigcr Stem. 2) Bey den Zinngießern ist pfiindigesZinn, oder Pfundzinn, solches Zinn, welches die bestimmte Anzahl Pfunde Bley in dem Zentner hält; zum Unterschiede von dem reinen Englischen Zinne, welches ohne alles Bley ist. Dreypfim- chiges, sechzehnpfundiges,dreyßigpfundiges Zinn, welches drey, sechzehn, dreyßig Pfund Lley in dein Zentner hält. Auf ähnliche Art wird bey den Silberarbeirern das Wort löchtg gebraucht, (S. dasselbe.) Z) pfundige pfennigcnvaren ehedem solche Pfennige, deren die bestimmte Anzahl ein völliges Pfund auSmachte, also wichtige Pfennige, zum Unterschiede von den unwichtigen. Zngleichen solche.welche pfundweise gerechnet wnrden,zmn Unterschiede von de,l geringer« und leichten, welche nach Schillingen gezählec wurden. Die pfundküinmer, plur. dit^i—N, S. pfundzoll. Das pfundbedrr, des -— s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut. uotv. siiiA. dickes, starkes anS Ochseuhautei! hcreiteteSSohl» leder, welches rrach Pfunden verkauft wird. Pfll -äs Das pfünöschösi, S. Zundschoß. Der pfundschreiber, des —s, plur. ut nom.liv§. Siehs pfundzoll. Die pfundsohle, plur. die—n,eineSchuhsohle von dickem star- ken Pfnndleder. Der pfunöstem, des—es , plur. die—e, S. pfundgewicht. pfundweise, ackv. nach Pfunden, pfundweise verkaufen. Das Pfundzinn, des — es, plur. doch nur von mehrern Arten, die—e, S. pfundig 2). Der pfundzoll, des — es, plur. die — Zolle, ein nur in den Preußischen Seestädten übliches Wort, den Zoll zu bezeichnen, welcher von den Schiffsfrachten entrichtet wird; ohne Zweifel, weil die Maaren oder Güter dabey nach schweren Pfunden, oder Schiffspfunden, in Betrachtung kommen. Daher ist die Pfundbude, oder das pfundhaus, daselbst ein Haus oder Gebäude, im» dieser Zoll entrichtet wird, die pfunökammcr, das zu Einhebunz und Berechnung dieses Zolles verorduetc Collegium, der Pfund- schreiber, der Schreiber oder Einnehmer bey einem solchen Zolle», s. f. * Die pfusche, plur. die — n, ern nur im gemeinen Leben, besonders Thüringens, übliches Wort, ein Kohlhanpt znbez.-ichneir, welches sich nicht gehörig schließen will. Ohne Zweifel von soff, Rieders, fnssig, locker. pfuschen, verb. reZ. usutr. welches dasHülfSwort haben erfor- - dert, und eigentlich eine Nachahmung eines zischenden Schalles ist, diesen Schall von sich geben und verursachen. ».Lockeres Schießpulver pfuscht, wenn es augczüudct wird. Wenn daher das Pulver von der Pfanne eines Feuergewehres unwirksam äbbreimt, so sagt man, es pfusche ab, und dieser zifchendeLaut und die Handlung der Hervocbringimg desselben nennt man daselbst einen Pfuscher. Pulver auf die Pfanne schütten, um einem Pfuscher zu machen. Figürlich wird daher auch wohl ein jeder Fehler, ein jedes Versehen ein Pfuscher genannt, den man nach ähnlichen Figuren auch einenplacker und Pudel zu neunen pflegt. 2. Eilfertig und obenhin arbeiten und handeln. ») Eigentlich, w» pfuschen überhaupt, eine Handlung mit nachteiliger Eilfertigkeit verrichten ist, so daß sie dadurch schlecht und untauglich wwd. 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist pfuschen eine Arbeit verrichten,von welcher man nicht die gehörigeKenntniß hat? und 3) in der engsten, und besonders bey den Handwerkern und Künstlern üblichen Bedeutung, eine Arbeit verrichten, welche man nicht anfdie eingcfiihrteAri erlernethat,oder zu welcher man nicht den gehörigenBeruf hat, zu welcher man nicht aufdie einmahl eingeführte Art berechtiget ist. Derjenige pfuscht, welcher Arbeiten verrichtet,zu welchen die einmahl zunftmäßig eingeführten Kunst- ler und Handwerker nur allein berechtiget seyn wollen. In eine Bunst, in eine Wissenschaft, in ein sandwerk pfuschen, sich damit abgeben, nnzeachcet man selbige nicht aufdie gehörige Aet erlernet har, oder dazu gehörig berufen und berechtiget ist. Oer Lehrling pfuschet hinter dem ll icken seines Meisters, wenn er ohne deffenWiffeil Arbeiten übernimmt, die dieser verrichten sollte. Anm. Zm gemeinen Leben auch pfuschern, im Ogn. suske. ES ist in der zweyten Bedeutung gleichfalls eine Nachahmung des zischenden LanteS,welchen eine Art geßhwiilder Bewegung hervor bringet, da cs dennzn wischen und wuschen, fuseln, faseln, dem Angets. kvllr, eilen, und andern Wörtern hwfeS Geschlechtes gehöret. Schlechte, ungeschickte Arbeit verrichten heißt im Nicders. funstcrn, und gewisse schnelle Bewegungen mit den Händen machen , funseln. 1. Der Pfuscher, des—s, pIur.nt n arn.liuZ. S. das vorige. 2. Der Pfuscher- des —s, plur. ut ao n. liuz. Hämin, die pfuseyerrnn, von dem vorigen Zeitworte, in dessenzwepcen Hedeu- Bdv z tung. 76Z Pf» lung. i) Eine Person welche ihre Arbeit nur in der Eike und va- h.r auch nur schlecht und obenhin verrichtet. 2 ) In engerer und gen öhnlicherec Bedeutung, eine Pcesoii, welche eure Arbeit od.r Handlung v«'» richtet, von welcher sie nicht die gehörige Kenntrüß hat. El>. Pfuscher scpn, von dernj. nigen, was man zu th»n über- nimn t, nicht die gehörige Kennrniß haben. Eine solche P cson pflegt man auch einen Stümper, Zumpler Sudler, Pendler u s. s. zn iienn.ett. z) In dem engsten Verstände, - ine P cson, di Ardliten und Handlungen verrichte^ welche sie nicht auf die gcl.örige u-d vrdnungsmcßigeArt erlernet hat, oder wozu sie nicht auf die cjnrnahl cinaesnbrte Art berechtiget ist. Es -st keincwis- seuschaft in der Welt, in welcher es so viele Pfuscher gare, als in der Arzeneykunst. Die Handwerker nennen alle diejenigen Pfuscher, welche ein Handwerk ausüben, ohne es' ausdie gehörige A.t erlernet, oder ohne das Meisterrecht auf die gehörige Art. erlangt zu habe«, welche bry ihnen auch Störer, Hnmplcr, Stümpler, Fretter, äanflvcr u. s s. heißen. Manche Handio-er- kerhaben besondere Nahmen, die Pfuscher in ihrem Handwerke zu henennen. So neunen die Schneider die ihrigen Böhnhasen,die Färber Fretter, dieRaschmacher Lschrverhen,dieTuchtt»acheiLud- ler und Ludelmacher, die Buchdrucker Sudler, die Kürschner Zu- nahter, die Bäcker Wctschelbacker, die Freischer Lästerer und Buhlen, die Weiß^ärbcr Felluappor, Schottere u. s.f. Anm. Jm Dän. Fnsker. Wachtet leitet eS von böse, nnd dem m-ttlern Lat. buustare ab, Frisch von pusch, weil sich die Pfuscher der letzten Bedeutung immer vor den Handwerkern verstecken müssen. Allein es ist wohl fein Zweifel, daß es von pfuschen, sich schnell bewegen, und in engerer Bedeutung , eilfertig und fehlerhaft arbeiten, abstammet, wvraufeS denn von denHaud- wcrkern nnd zünftigen Künstlern ganz natürlich in der dritten Bedeutung ciugeführel worden. Die pfüscherey, >>s»>r. dis—en. 1 ) Das Pfuschen irr derzlvey- ten Bkdentniig des Zeitwortes,mnd ohne Plural. 2 ) Dergleichen obenhin, in der Eile und fehlerhaft verfertigte Arbeit. Pfuschern, S. pfuschen. Die Pfütze, die— n, Dimin. das pfützchen, Dberd. das - pfl tzlein. r) * Ein Brunne» ; eine im Hochdeutschen veraltete Bedcmnng, in welcher es aber bey allen allen Oberdeutschen Schriftstellern vorkommt,und bey dem Ottfricd k-'urTi, bey dem Notker kZurru, und bey dem Willecani kulrue lautet Im Nie- ders. ist Putte noch jetzt ein Brunnen, uird zwar so ivöhl ejnZieh- kruuricii, als auch eine Pumpe. Eben daselbst ist Putte auch ein Stück Morast, ans welchem der Torf hcrairs gegraben worden, welches sich hernach mit Wasser angefüllel hat. Im Engl, ist ? t, im Franz, kuits, im Albanischen k'us, und im Lat. Yukons gleichfalls ein Brunnen. 2 ) Ein stehendes Wasser von einem nicht gar großen Umfange,welches sich an einem tiefenOrte gesammelt hat. So werden alle kleinere Sammlungen von Wasser dieser Art auf den Feldern, in den Wegen und Straßen, ans den Höft" u. s. f. Pfützen genannt. Die Miflpfutze, las von dem Mistern einer Vertiefung aufdem Hofe zusammen gelaufencWas- ser. Zn emepfntze treten. Aus einer Pfütze trinken. Zn engerer Bedeutung verbindet man mit rincrPfttze zugleich den Begriff des trüben nnd unreinen Wassers. Im Bergbau? werden dieSammlungenWassers in dcnBerggrbäuden gleichfalls Pfützen und Sümpfe genannt. Anm. In dieser zweyten Bedeutung im Rieders, gleichfalls piitte, im Angels. im Engl. ?it, im Schwed pul-, im Irland s'v.t, im Hebe. welches rächt allein eineP; ütze, sondern auch Koch bedeutet. Auch das Lat. teus bedrückte, dem Nonius zu Folge, ehedem ein stehendes Wasser. Man sicher bald, daß brydr Bedeutungen i« der Tiefe'zusammen kommen, und PH 764 ^ daß pfutze.eigentk'ch erneu tiefer» oder vertieften Ort bedeutet, arr welchen Orlen sich das Wasser ganz natürlich sammelt, so daß die-^ ses Woxt einGeschlechlsverivandter von beißen, in dieT'efe lassen, dem Franz, bus, dem Deuti'cheii Boden, Island, Köln, die Tiefe, dem Griech. DvZ«,; nrro dem H.br. 7»5-S, öffnen, dcrn Lat. kotiere und andern me^r tst Pfütze. Pfuhl, Lache, inSchlesicnLusche, Golleodcr Rö ke, Pendel, S,röel, Guhllache, Dimpfel oder Tümpfek, Gunipf, und andere niedr sind iilsgesammt Wörter, welche klernereSamm- lungerr vorr W. sser ohne Abfluß bezeichnen, lim hier nur Hey dem beyden ersten stehen zu bleiben, denn die übrigen sind an ihrem Orte erkläret, so sctzt.HerrSwsch den Unterschied derselbe!» darin, daß ein Pfuhl niemahls oder doch nur selten anstrockne, dicpfutze aberannndrigcnOrten bald entstehe, baldabcr auch wieder aus- trockcre. Der Unterschied hat seine Richtigkeit, nur muß er, wie mich däricht, ein wenig anders bestimmt werden. Pfütze wird nur von solchen kleinern Sammlungen vvn Wasser gebraucht, welche keinen erheblichen Umfang haben, und daher eben so leicht wieder vergehen, als sie entstehen; Pfuhl zwar von diesen auch, zugleich aber auch von gr ößer« Sammlungen stehenden Wassers, welche einem natürlichen oder Voit selbst entstandenen Teiche schon nahe komm.,,. Über dieß kommt Pfuhl im Nieders. und bey denHoch- deutsch redende» Nicdersachscn an, häufigsten vor; wenigstens wird von kleinern Wassern dieser Art im Hochdeutschen häufiger Pfütze als Pfuhl, gebraucht. Selbst die Etymologie kann diese Bestnn- »nuiig bestätigen, denn obgleich bey dem Worrc Pfuhl eine andere , Ableitungangegeben »vorder», so.können doch Pfuhl und Pfütze auch füglich als Wörter Eines^ Ursprunges angesehen werden. Das Stammwort heißt, »vie aus de,u vorigen erhellet, Bat, Puk,, oder mit dem Oberdeutschen starken Blaser pfut, und bedemet eine Tiefe, und figürlich, eine Sammlung Wasser an einen» tiefenOrte- Eine solche kleine Sammlung heißt mit dem starken Zischlaute, welcher in mehrern Fällen eine Verkleinerung macht, Pfütze; eine größere aber, mit einem neuen Ableitnngslante pfutcl, oder pfu- del, und Coler und andere schreiben und sprechen es wirklich pfnr del. Bey den Niedersachsen ist nichts gewöhnlicher, als die Ausstoßung des d in der Mitte des Wortes, und so entstehet daraus Pfuhl, Nicdcrs.pool; welcheAbkunft den»» auch dadurch bestätiget wird, daß dieses Wort im Niederdeutschen am gangbarsten ist. Pfützen, vevb.reA.uet. welches nur im gemeinen Leben einiger Gegenden, z. B. im Berg6aue,für schöpfen und plumpen üblich ist. Eine Grube Pfützen, das Wasser aus derselben'schöpfen oder plümpen. Daher der Pfritzeimer, womit solches geschiehet. Das Nieders. pütten, das Franz. Linker, haben gleiche Bedeiitnug. Das Pfützenwasser, des —L, plur. doch nur von mehrcrnArten, nt vom. Wasser ans Pfützen. Die pfützmaöe, plrrr. die — n, im gemeinen Leben, Würmer, welche sich unrer dem Misthaufen an der» Mistpfützeu auj halten, unk zum Köder im Fischfänge gebraucht werdend pfützNt'st, Aclj. et ü6v. welches nur im gemeinen Lebenüblich ist, naß, durch«,iS naß, vllllignaß, so naß, als »venu es aus einer Pfütze gezogen »vorbei»; pfützennast. Die pfützschale, plur. die — n, im. Bergbaue, blecherne Scha- len, das Wasser, welches sich in Beftzgebäuden sammelt, damit «uszupfützen, d. i. anszuschopfen; dic pfützschüffel. pfuy, S; pfuj. PH, der mit der»! starken Blaselaute ausgesprochene Hauch, ein Laut, welcher demLaute des f gleich kommt, aber unter diesem Zeichen in derDculschenSprache fremd ist. Wir haben ihn nur in einigen aus demGriechischen l>erstainmendenWörtern,wo inan das r- dcrGrie- chen nach hem Vorgänge der Lateiner durch denselberr arrszridrn- ckeu pflegt. In pielerrWörreru, welche bereits eineA'rk von Bürger- ^ recht 7§L P HS P Hy 766 recht erhalten haben, kann man ihm füglich ein Deutsches f unttk- schieben, daher auch die ehemahligen Phantasie, phantaflren, Phantast, phasan, undphasele, oder phaseole, in diesem Wörterbuch,: mit einem 8 geschrieben worden. Viele haben duchs auch auf Philosophie, Phantom, und andere ausdehnen wollen; sie haben aber bisher noch immer den größten Theil wider sich gehabt. In einigen eigenthiimlicheu Nahmen, Zittphen,Aöolph, Rudolph, Wcstphalen, hat es auch einmahl den langen Gebrauch für sich, ungeachtet diese Wörter keines Wegs ans dem Griech. Herkommen. Ebenso Verhaltes sich mit Epheu, wo das pH das p in dem Lat. Aplum ausdruckt. Das Phänomen, des—es)plur. die—-e, aus dem Griech. und Lat. ftÜLsnomsuou, eigentlich, eine merkliche Veränderung m der Atmosphäre der Erde, eine Lnfterschcinung. In weiterer Bedeutung auch wohl eine jede seltene und merkwürdige Veränderung jeder Act. Die Phantasie, Phantasien, Phantast,», s. f. Siehe m 8. Dipharaönis: Maus, plur. die Mäuse, l) Em Nähme, welchen einige, obgleich sehr unbillig , dem Meerschweinchen, Mus porcslius L,, bcylrgen, (S. dieses Wort.) 2 ) Bey alrdecn führet der Ichnevmon, Viverra lolmevmon l,. MulielL ^e-ypliucu Li. welcher die Größeeinec Katze hat, und sich in ÄgiMi u undJndien aufhält, denNahmeu der Pharaonis-Maus, oder pharaonis - Ratze. . Der Pharisäer, des—s,p!ur. utnom. 6nß. dre Glie^-r eluer Secte unter den ehemahligen Juden,.welche sich durch eine äußere strenge Beobachtung des GesetzesMosis vor andern hervor lhoten. Heut zu Tage pflegt ryan daher noch einen Heuchler oder Werfheiligen einen Pharisäer zu nennen. Daher phariianch, indessen Art zu denken und zu handeln gegründet. Weil das Wort imHe- bräischen einen Abgesonderten bedeutet, von absondcrn, so LbersetzkNotker daff-lbednrch 8auciir^uote und 8uncksrmua, gleichsam einen Sonderling. Der phasän, S. 8asan. Die phasele, S.Zasele. Philrpp, Gen. Philipps, ein aus dem Griech. entlehnter Taufnah- Me des männlichen Geschb-ch es, welcher eigentlich einen Pferdeliebhaber bedeutet, von q>»Xo; rrch »wo- Jil den gemeinen Mundarten wird derselbe oftinLipps und unoimm.Lippchcn verkürzet. Dor Philipps: Thaler, des —s, plur. utnorn. lin^. eine Art Spanischer Thaler, welche ihren Nahmen von dem Könige Philipps haben, und jetzt 1 Thl. 1 2 Gr. gelten, wenn der Louis d'or zuzThl. gerechnet wird. Der Philister, des—s, piur. ut 00 m. lruZ. ciu noch iu vielen Städten im gemeinen Leben üblicher Nähme, womit diejenigen, welche keine Bürger sind, die Bürger, und besonderste gemeinen Bürger aus Verachtung zu belegen pflegen. Oer Pferde Philister, ein Pferdeverleiher. Man ir?tt sich, wenn man glaubt,^daß dieser Nahmenur allein aufUniversitäteu in dem Mn.nde der Studenten üblich sey, da man denn wohl ällerley Ähnlichkeiten zu erzwingen pflegt, um ihn von den ehemahligen Philistern Mn der Gränze des Jüdischen Landes abzuleiten. In Wien werden die Stadcsoldaten im gemeinen Leben sehr gewöhnlich Philister genannt. Es ist vielmehr erweislich, daß dieses Wort-aus dem Mittlern Lat.kali ckuri!, kecki staei, verderbt worden, womit man ehedem die Stadtsvldaten und gemeinen Bürger benannte, weil sic mit L-Lliliis oder Armbrüsten schossen. Bey Veeäudenmg der Kriegsart ist decNähme iin gemeinenLebeir geblieben, nnd in verächtlicher Bedeutung auf alle Bürger ausgedehnct worden. Ans Kaprinai istunZuriu 6 iolom. S. 3»2 erhellet, daß die ftuiiUL- rii oder Ar»rchrustschützeu in den Mittlern Zeiten in Ungarn wirklich l?hi1i1läüigeuüttnl und geschrieben worden. Wenn Hey den Böttchern rin Reifzu weit ist, so daß ein Stück dazwischen ge- schlagen werden muß, fo wird dieses Stück in Schwaben eilt. Philister, außerhalb Schwaben aber ein Schwabe genannt. Der Philosoph, des —en, xlur.dic—en, Fämin. die Philo« sophinn, ans dem Lat. und Griech. ^llilosouiius. engerer Bedeutung, wo es nnr im männlichen Gechlechte üblich ifl, ein Mann, welcher die Philosophie in engerer Bedeutung verstehet undlehret. 2 ) In weiterer Bedeutung, eine jede Prion, wmcye deutliche Begriffe sucht, sich deutlicher Begriffe befleißiget. Ein Philosoph, oder wie ich mich lieber ohne alles Gepränge ansdrücke, ein 8rennd der Wahrheit und der Tugend, Zunmetm. ' Ihr wollt Lucinden gern zur Philosophinn machen, Gell. z).Wegen des Mißbrauches, welcher von manchen unter demVor- wande des Anfsuch-ns deutlicher Begriffe begangen wird, pflegt man auch oft eine Person, welche sich nicht allein über wirkliche Vorurtheile, sondern auch über Pflichte» und Obliegenheiten hin- aus sitzt, einen Philosophen zu nennen. S.Wcltweiser, uud das folgende. ^ . Raban Maurus übersetzte im 8ten Jahrhunderte das -oort kkilolopkus durch Odurwirro, vermurhlich so fern ein Philosoph mehr weiß, als andere Menschen. Die Philosophie, piur.inul. aus dem Griech. und Lat. d'ncko- looiiia, dieSammlung solcher Wahrheiten, worin d'.eNatur uii» Eigenschaften der Dinge vermittelst der Vernunft untersucht wer- den, und deren wissenschaftliche Erkenntniß. In diesem Verstände ist die Philosophie nach Errichtung der Universitäten ein Gegen- stand eurer eigenere,iltät geworden, welche den untersten Rang bekommen hat,'sie philosophische genannt wird, und ben drey obern oder höhern entgegen geseset ist. Oie theoretische Philosophie, die Sammlung derjenigen Vermmftwahrheiten dieser Art, welche bloß znAufklärnng dcsVerstandes dienen, zumUitterschledo von der praktischen, welche zunächst anfdieVerdeff-rung desWil- lens abzielcr. Im Deutschen ist das Wort Weltwershett gangbar, welches bcy wüten nicht so bescheiden ist, als der Griechische Ausdruck, welcher Liebe zur Weisheit oder Gelehrsamkeit bedeutet, aber dafür auch desto unbestimmter, und dem heutigen Gebrauche dieses Wortes nicht angemessen ist, S. Weltwershett. Philosophien, vs,-d. rsg. nsut,i> mir dem pnifswone haben, deutliche Begriffe zu erhalten suchen, der Art und W >.si,n w ein Dina ist, und den Ursachen, warum cs so ist, nach,or,chen. vk-loföObisck),—er, - te, ach. et Läc'. zur Philosoph gey»- ^ig, in derselben gegründet. Jngleichen, so fern Philosophie auch subjektive die wissenschaftliche Erkenntniß bedeutet, Ferlrgkert besitzend, deutliche Begriffe aufzusuchen und zu finden, und darur gegründet. Ein philosophischer Aopf. . ^ -, Die phiöle, piue.die-^ausdemLat.pürolu, eure Flasch- nut eirrem langen Halse und runden Bauche. ^ - Das phUttnra, ?iur. inul. aus dem Griech. und Lat. pkleAMA. wässerigeFeuchtigkeit, besonders imGeblüce. Dayer phieg'nemch,. viele solche wässerige Feuchtigrerten habend, und sigurilch, ^agc. D>-evbonir, des— es, ?lur. di- —e,ausdemGrrech,und Lat. g-otvch, ein erdichteter Vogel der Alten, selbst der alten Morgenländer, von welchem man sagte, daß nur immer Einer in der Welt sey , daß er einige hundert Jahre alt werde, sich ..>er- «ach irr Arabien auf einem Berge in einem agls wohl riechen, en. Kräutern und Hölzern bereiteten Neste verbrenne, worauf ans sec- ner Asche ein neuer Vogel erwache u. s. f. In den schöllen Künsten ist er daher das Sinnbild der unvergänglicyesi Dauer.. Dir Vhpsik, plur. inus. außer wenn mehrere Lehrbücher dieser W ssenschast gemeiner werden, plur. die —- en, (ms dem Griech. und Lat ?üvstsA, derjenige Lhell derPhilosophie oder Wettwclr- heit, welcher sich uriLdenVe.Lnderttttgsrcästtn dcrKörper brschaft trget, die Lehre von den Ursachen der Veränderungen in der) Korper,velt; die Naturlehre, Naturkunde, Natnrkenntniß, uild, wenn sie wissenschaftlich vorgctragen wird, die Naturwissenschaft. Daher der phyflcns oder Physiker, der-dieser Wissenschaft kundig ist; der Naturkcnner, Naturkundige. Die phyfiognomre, (fünfsylbig,) plur. die — n, (sechsfylbig,) ans dem Griechischen, dieGcsichtsbildung, dreGestchtszüge, besonders so fern sich daraus aufdie moralische Beschaffenheit schließen saßt. Daher die Physiognomik, die Lehre von dei, Gesichtszngen, alsErkenntnißquellen des moralischeuCharakters, dieGesichtsdeu- tung; der Physiognomrst, der dieser Lehre kundig zu seyn glaubt. Ah>'5isch, 2tij. et-rü v. zur Physik gehörigen derselbe» gegründet^ statt des minder gebräuchlichen und ohne Noth verlängerten physikalisch. Ungleichen in der Natur der Dinge, in ihrer Verän- Kerungskraft gegründet, natürlich; im Gegensätze des moralisch oder sittlich. pichen, verk. rex. act. von dem Hauptworts Pech. -) Mit Pech beschmieren, mit Pech überziehen. Die Fässer pichen, sie inwendig mir geschmolzenem Peche überziehen. Niederst peken. (S. Auspichen, Verpichen.) 2) Im Forstwesen eitriger Gegenden werden auch die Bäume gepicht, wenn Locher hinein gehauen werden, damit das Pech oderHarz heraus rinne, welches doch am häufigsten harzen genannt wird. (S.pechcn.) Z)Jn Erpicht, (S. dasselbe.) 4) Opitz gebraucht dieses Wort in einer sehr ungewöhnlichen Figur: So wird der fromme -Loth von Sodoma gedruckt. Eh Gott auf dieses Volk gepichte Wolken schickt^ d. r. mit Pech angefüllte. Daher das pichen. Das Prchwcrchs, des — es, plur. inust. in der Bienenzucht einiger Gegenden, dasjenige grobe Wachs, womit die Bienen die Slitzcn und L-ss-mngcn der Stöcke verschmieren und gleichsam verpichen ; das Stoxfwachs, das vorwachs, der Vorstoß, der -Eeim, Beulenlerixi,' Propolis. , D er p rckcrvt, des -— es, ^>lur. die — e, in einigen Gegenden, ein Nähme der Rohrdommel, weil sie Menschen und Lhieren nach den Augen picket oder vielmehr dicket. Der Pickel, in dcru zusammen gesetzten Mrßpickel, S. öiesesWort. Der Pickel, er» Werkzeug zum Bicken, S. Bickel. Derpickelharing oderpickelheriny, des-^es, plur. die—e, die lustige Person auf derSchaubühne, nnd in weiterer Bedeutung ein jeder Possenmacher. Der Ursprung dieses Rahmens, ist so, . wie bey den meisten gleich bedeutenden Hanswurst „.ff. „„bekannt und dunkel. Wachter leitete ihn von dem Niederst Pickeln, scherzen, Possen machen, und gering, ZreAArius, her, so dass es einen Posscnmacher aus dep Herde der Schauspieler bedeutete. Allein die letzteHälste scheinet vielmehrein eigenthümlicherNahme emes merkwürdigen Possenmachers dieser Art gewesen zu si-yn welchen man um dcßwillen de» Pickel - Sering, d. i. den Possen! Hering genannt, welcher dann seinen Nahmen aufalte seine nachfolgenden Kunstverwandten vererbt hat. An einen pockelhäring, d. i. eingesalzenen oder eingepöckeltcn Häring, ist hier wenigstens nicht zu gedenken. Übrigens lautet dieses Wort im Engl, gleichfalls kickle - lierriox, und im Schweb, pickelüerins. Lke Pickelhaube, S. Bickelhaube, Picken, S. Bicken. " Las picket, des —es, plur. ioust. aus demFranzos piciuet. P Em gewisses Spiel in der Karte, wo man auf hundert pics d. r. Augen, spielet; das Picket - Spiel. Picker spielen. 2) Im Kriegswesen, die Feldwache; vermutlich sofern sie ehedem mit Prcken bewaffnet war. Die pieke, plur. die—n, gleichfalls ans dem Franz. picius, ein ^ pieß m.t einem langenCchafte, womit ehedem die Fußgänger im Kriege bewaffnet waren. Jetzt ist diesi-sGewehr nicht mehr üblich, denn was dieUnter-Officicr und Officierbey den Fußvölkerir noch davon übrig haben, wird jetzt bey jenen dasRurzgewehr, bey diesen aber das Sponton genannt. In einigen Gegenden, doch am häufigsten außer Deutschland, ist die picke zugleich ein Längenmaß, welches ungefähr zwcp Klafter beträgt, und ohne Zweifel von der Länge der ehemahligen prcken entlehnet ist. Anm. Im Theuerdanke pickhe, im Niederst Peck, im Engl. Pike, im Franz. ki^ue, im Jtal.pjcca, im Schweb, kick. Der Stammbegriffist die Spitze und das Stechen. Im Engl. ist keuk die Spitze, und im Schweb. kiZZ, der Stachel; so daß dieses Wort ein Geschlcchtsverwaiidtcr von dicken, dem Griech. -»'ttktti', stechen, dem Lat. L^iculum, und hundert andern ist. Aiifden Franz. Kartenist piek eine Art der Farbe, welche das Eisen einer pieke vorstellet- Eine preke auf jemanden haben, einen Groll, ist gleichfalls aus dem Franz, piczue entlehnet. Im Niedersächsis. gebraucht man cs in diesem Verstände rm männlichen Gcschlechte ein Pik,-daher Frisches auch ans dem Plc im Picketspiele herleitet. Der piekenrer, des — s,p1ur. utuom. üvA. eine ehemahligr Art der Soldaten zu Fuß, welche mit Pieken bewaffnet waren; der piekentrager. Die pielketcrfel, S. Veilketafel. piff, S.paff. Ptynole, S. Pinie. Die pikötte, plur. die —n, aus dem Franz. Picots, bey den Blumenliebhabern, eine Art Nelken, welche entweder um den Rand herum eingefaßt sind, oder deren lange Striche doch nicht durch das ganze Blatt, sondern nur bis zur Hälfte gehen. Gelbe pikotten, wenn der Grund gelb ist, weiße, wenn er weiß ist. Der Pilaster, des—-s,p!ur. uruorn.linZ. aus dem Franzos, kilulirs, ein Pfeiler. Der pilyer, des—s, plur. ut vom.llnZ. Fämin. die pilgerinn, oder der Pilgrim, welches von beyden Geschlechtern gebraucht wird, des—s, plur.die—e. i)*Ein Fremder, ein Ausländer, im Gegensätze eines Einheimischen, Inländers oder Bürgers; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung. Es habe der Burger gesundigst oder.der Bllgere, heißt es 3 Mos. 24, 16 in einer alren handschriftlichen Übersetzung der Bibel bey dem Frisch, wo, fürLuthcr hat: wie der Fremdling, so soll auch derEinheimische seyn. Indessen gebraucht Luther in andern Stellen dasWort auch m diesem Verstände. Denn ich bin bcyde dein Pilgrim und dein Bürger, wie alle meine Vater, Pst 30, 13. Ich ermahne euch als die Fremdlingen (Fremdlinge) und Pilgrim, (Pilgrime) r Pet. 2, 11. kauften einen Topfcrsacker zum Begrab- niß der Pilger, Matth. 27,7^ 2) Zu engerer Bedeutung , ein auf der Reise zu Friß begriffener Ausländer, und in weiterm Verstände, ein jeder Reisender zu Fuß, ein Wanderer, bey dem Heinr. von Osierdingen, einWaller; in welchem Verstände es nur noch in der Hähern und dichterischen Schreibart üblich ist. Len Pilgram, welchen dn sichst ausser Weges wallen Und irrig gehn Wald ein, Opitz. 3) In der engsten nnd üblichsten Bedeutung ist ein Pilger oder Pilgrim, besonders in der Römischen Kirche, derjenige, welcher ansAndacht zu entfernten gottesdiensilichenOrten reiset,oder wallfahrtet; im Oberdeutschen ein Wallbrnder, eine Wallschwester: Anm. Schon bey demKcroin dererstenBedeutung Pilgrim, im Schwabensp. Lj!»erili, bey demStrykerpriAsrein, imSchwcd. pele§rim, im Island. piiluZrimur, in, Engl. pü^rim, im Franz, pelerin, imJtal. pelle^rino, p<5re§rino; alle ans dewLat. psregririus undxereZlinuri, n»it der sehr gewöhn- Uchen Verwechselung des rund l. Pilgrim h« seine Lctztc Si-lbe . . ' ans aus —grm verderbt; in der anständigern Sprechart gebraucht man statt dessen lieber Pilger. Die viltterfahrt, plur. die—en, m der dnttenBedeutung des vorigen Wortes, die Fahrt oder Reise an einenemfcrnten hetlrgen Die ptlyerfläsche, plur. die —n, eine gemermglich ause.nem Kiirbiß bereitete Flasche, welche die gemeinen P-lger ln der Römischen Kwche auf ihrer Pilgerfahrt zmtragen pflegen. ' Der pilyerhut, dev—es, plur. die-hiite, ein besonderer bretter H"t der Pilger in der Römischen Kirche. Das pilgeLkbeid, des-es, plur. die—er, eine besondere Kleidung dieser Pilger. . . Die pilyerschaft, plur. ivul'.d'erZustand, da lemand cm Pilger oder eine Pilgerinn ist, in allen Bedeutungen dieses Wortes ; bey einigen auch dicpilgrimschaft. In den beiden erstenBedcutungen nur noch i" der höher» dichterischen Sch.eibart. Die Eintracht treuer äerzen, die jede Rauhigkeit Der Pilgrimschaft des Lebens mit Blumen überstreut, Dusch. ' Um diese pilgrimschaft genüglich zu vollenden, Die mich von der Geburt bis zur Verwesung bringt, Haged. Wo es zuglcichchgurlich von der kurzen,vergänglichenDauer dieses Lebens, im Gegensätze jenes dauerhafter» Lebens, gebraucht wird. Der pilyerstah. des—es, plur. die— stäbe, ein besondrer Stab, welcher oben zwepKnöpfe hat, dergleichen dtePilger der Ro- mischenKirche aufchren Pilgerfahrten zu führen pflegen; dcrpil- geimstab, der Jacobs - Stab, so ferner besonders auf den ehedem sehr haufigenWallfahrten nach dem h-il. Jacob zuCompostell Üblich war. Zm Schwedischen h ißt ein jeder Stab oder Stecken k>alm daher wird ein Pilger von diesem Stecken im Island, kal- mare', im Engl, Lnimer, und im Alt-Franz. Lalmiour gl uannt, wenn diese Wörter uichr vielmehr von unserm wallen, wandern, abstammen. Die pilsettäfche, plur. die—n, eine bewegliche Tasche in Gestalt einer Jagdtasche welche die Pilger der Römischen Kirche auf ihrcnPilgerfahrten nm sich hangen haben. Die pilretafel, S. Beitketafel. ^ . Die Pille, plur. die—n, cineArzeney in Gestalt klemer runder Kügelchen. Pillen machen, einnehmen. Zlußpillcn, Magen- pMcn , Laxlr - Pillen ri. s. f. Jemanden eine Pille zu verschlucken geben, auch figürlich, ihm einen bittern Verweis geben. Das waren bittre P.llen, unangenehme, empfindliche Verweise, Vorwürfe n, s f. . - » Anm. Im Engl. kill, im Mittlern Lat. killula, im Lat. kiiuiu, als das Dänin. von Lila, ein Ball. Pillen, bey den Müllern, den Mühlstein schärfen, S. Bille und Billen. Der Pillenfarn, des-es, plur. lauf eine Art des Farns oder Farnkrautes, dessen männliche Blürhe an der Seite des Blattes, die weibliche runde F: iiclisteation aber in G stall kleiner Ptllell an derWurz.l sitzet; Lllulniin l,. Die PMennesseL. plur. iaus. eine Art der Re fiel, welche kleine kugelrunde fruchttragende Kätzchen irr Gestalt der Pillen ! ar, und in dem mittägigen Europa euch jiwich ist; Or iou p-lultfci L L. Der pilöt, des —en, p ur die -en, ein St» :ermann oder Sä^ffs-Off^cier, we'chcedtti Lausd.s Sch'ffes regiert, irnd am häufigsten derStcu.rmann gcna.nt wird. Auch ein Stenermann, welcher der Anssrhrt um eiiw Hase,: kundig ist, und die ein- und ^ abfahrendin Schiffe rin - und anszufühi.en pflegt; im gemeinen Leben ein L>t')sc oderL thsmann- RLet.w.H.L. Ty. Anm. Im Holland, kiloot, im Jtal. kiloto, imFranz.ki- loke, aus welcher Sprache es zunächst entlehnet wordenem müt- ^ lern Lat. l'ilotus. Gemeiniglich leitet man es von dem Niederdeutschen pilen, den Grund messen, und Loth her, weil eine der vornehmsten Verrichtungen der Piloten in der Erforschung der Tiefe mit dem Lothe oder Senkblcye bestehet. D»V Pilz, des—cs, plur. die—e, Dimin. Pilzchen, ein Nähme, welchen man im gemeinen Leben theils allen Schwämmen , theils nur den eßbaren Arten derselben, welche frisch oder grün zubereitet werden, im Gegensätze der Morcheln, beyzulegen pflegt; dagegen in der Naturgeschichte nur allein der Löcherfchwamm, Lolek us L. diesen Nahmen führet. Dieses Unbcflandes ungeachtet, ist wohl gewiß, daß Pilz, odec Bilz, wie manche weiche Mundarten schreiben und sprechen, mit Lolelus genau verwandt ist, und von dem alten bol, pol, rund, abstammet, weil doch die meisten Schwämme mit einem erhabenen runden Hute gezieret find. Es gchet in die Pilze, es gehet verloren, wird verdorben, wäre nicht die ganze Tragödie darüber in die Bilze gegangen, Leff. Die pinrpelmeise, plur.'die—n.m einigcn Getzenden,eineBc- nennung der kleinsten Art Mci/sen, welche unter dem Nahmen der Blaumeise oder Mehlmeise am bekannteste»ist ; karugöLLru- leusLl. (S.Aschmeise.) VermitthUch vondem «och imEnglischen üblichenst^im p est, ein kleines verächtliches Ding, weil diese Meise die kleinste unter allen ist; es rliüßte denn dieser Nähme eilte Nachahmung ihrer Stimme seyn. Im gemeinen Leben der Hochdeutschen ist pimpeln, so wohl mit kchinenGlockcn läuten, als auch, sich mitschwacher Stimme beklagen; daher die Wehmutter auch daselbst die Pimpelmutter genannt wird. Diep^mpernüß, plur. die—nusse, erneBenennung verschiedener einer Nuß ähnlichen-Früchte. ») Die Frucht der echten Pistazie, kikacia vera L. welche in Persien, Arabien nndJlidien wächst, und durch die Handlung zu uns gebracht wird, ist im gemeinen Leben unter dem Nahmen der Pimpernuß oder des Piinper- nusschens bekannt. a) DieFruchl^dcs pimpernußbaumeL , welcher in dem mitlägizen Europa einheim sch ist, und scinekligelrun- denSamenkerne in l^rey aufgeblasenen zusammen gewachfenenKap- feln trägt; ditLpk^len L. Rlappernust Indenulrß, wilde Pistazie, Todtcnkopfbaum. Z)'Jn Nieder sachiewstnd auch die genieinen kleinen Haselnüsse, deren Kerne in den Schalen klappern, unter dcm Nahmen derpimperniisse bekannt. Anm. Da in allen dreien Arten von Früchten der lockere K rn klappert, wenn man sie schüttelt, so ist sehr wahrscheinlich, daß mit der ersten Hälfte dieses Wortes auf diese Eigenschaft aefthen wird, zumcchi da pimpeln im gemeinen Leben auch einen Hellen scharfen Klang, z. B. mit kleinen Glocken, verursachen, bedeutet. Die pimpinelle, plur. inull i) Eine Pflanze, welche eine eyför- mige längliche Frucht, und eine hitzige Wurzel von scharfen brennenden Geschmacks hat; LimploelluL,. von welcher die Stein- plmpinclle,Limpioe1lÄsLxjfrLAL, nndBo auch pignsle, piniole, und der Baum pignolenbaum. Z«n Wallisser Lande wird er Arb, der Zapfen, worin er befindlich ist, der Arb-oder Ardzapfen, und der Baum die Arbe genannt; (S. Sichre Anm.) Am Dö^rdcutschen wird ein Fichtenzapfen, «nd in einigen Gegenden auch die Fichte selbst der Pin genannt, daher auch die Erdkiefer daselbst Erdstin heißt; alles in Verwandtschaft mit dem Lat. Ricius, welchen Nahmen dieser Baum vermuthlich wegen seiner spitzigen Langeln oder Nadeln bat, (S. 2 Zinne und Pinne. Die pinke, plur. dre—-n, in Nieder-Deutschland und den »er- wandtenSprachen,eineArt schnel!erLastschiffe,mit ssachemBode» und einem langen hohen Hintertheile. Niederst pinke, Engst p«nk, Franz. Rinque. Schon bey den altenScairdinaviern kommen Schiffe uklter dem Nahmen der kinksr vor. An Lübeck ist Espink ein kleines Schiff, ein Kahn. Entweder von dem langen, hohenHintertheile, alseinGeschlechtsverwandter von psinneund Zinne, Niederst Pinne, oder auch mit pinge, als eine allgemeine Benennung eines hohlenGrfLßes,welcherBegriff in mehreruNah. inen der Fahrzeuge und Schiffarten herrschet. Das Franz. Ri- nalls scheirret davon gebildet zu ftyn, und eü«e große Pinke zu bc. heuten. Pin 772 Die Pinne, plur. die—n, Di«nin. das pinnchen, ein in den Zclneittc!rSprecharten,bcsolldersNiedersachse«ls,fürZinnc übliche Wort. 1) Bey denJäg'.-r-, werden die starken Schwungfedern a» den Flügeln dcc Falken pii.ncn genannr,lvo es mit dem Lat. Ren- va zu 4 Zinne gehöret. 2 )Ein kleiner spitzigerNagel, eine Ztvccke, ist im gemeinen Leben unter dem Nahmen der p:nne bekannt, (S. 2 Zinne Z ;) welchen Nahmu« z) auch die dünnste Seite eines Hammers, im Gegensätze des Kopfes bekommt. (S. 2 Zinne 2.) Bey den Drechslern ist die Pinno, besser Zinne, der eiserne spitzige Zapfen iu den Pfeilern oder Docken der Drehbank, um deren Spitzen sich oie Sache, welche gedrehet wird, umdrchet, 4) In demThicrreicheist die Pinne, Pinna st,, eine Art langer spitziger Muscheln, bey welcher beydeSchalen an einander gewachsen sind, und welche oft zwey Fuß lang wird ; die Steckmuschel. Euie Art kleiner Krebse kriecht zu ihr in dieSchale und vcrtheidigt sie gegen eineArt vonScckatze, daher derselbe der pinnenrvachter genannt wird. Versteinert heißt diese Muschel der pmnrt. Derpürnebaum, des — cs, p!ur. die—bäume, derBrustbanm an den Stühlen der Sammtweber, weil seine hölzerne Welle mit spitzigen Pinnen oder Zinnen beschlagen ist. Der Pinnenwächter,des—s, plnr. ul. nom. sinZ. S. Pinne 4 . DerPinnhammer,S. Zinnhammer. Das pinnholz, des —es, nlur, inul. ün gemeinen Leben, besonders Niedersachsens, ein Nähme des Zauibaumes, Rllamnur srangula R. weil dessen Holz vou den Schustern zu Pinnen oder Finnen gebraucht wird. Der Pmnit, des —en, plur. die —en, S. Pinne 4. Der pinsbeck, eine Ar« Metall, S. Blndspeck. Der Pinsel, des — s, plur. ut nom. linZ. D-rnin. daspin- selchen, Dberd. pinselein. ». Em mir bey den Jägern übliches Wort, das männliche Glied an den wilden Schweinen und Reh- bocken zu bezeichnen, welches im Niederst bey allen Thieeen Pc^el, Pint, Engl. pinlls, genannt wird. 2. Am üblichsten bedeutet cs einen Büschel zusammen gebundener Haare an einemStiele, eiecn flüssigen Körper damitaufzntragcn.. r) Eigentlich. Der Tüncher- Pinsel,Leimpinsel,und andere sind vonSchweinsborsten,und wer. den daher auch Borstenpinsel genannt. Der Pinsel der Mablee ist vonferner«« Haaren, «nd wird auch oft von der ganze«« Behandlungsart des Mahlers gesagt. Ein fetter, markiger, geistreicher Pinsel, eine fette,markige und geistreiche Behandlungsart. Len Pinsel gut zu führen wissen, gut mahlen. 2) Figürlich, ein einfälligcc Mensch,welcher, so Ivic der Pinsel, das llnthätige Werkzeug!» der Hand eines andern ist; der Einfaltspinsel. Im Niederst bedeutet Pinsel eine» Knauser. Anm. In der ersten Bedeutung kommt es mit dem Lai. Renis, . überein. An der zweyten lanret cs im Schwed. penlschimEngs. keneil, imPohln. penrel, im Franz. plneeau, im Atal. !?«> oello, pennollo; entweder unmittelbar ans demLat. Reuteil- lum und penieulus, oder doch mit denselben von Pinne, rin spitziges Werkzeug, ohne Zweifel in Rücksicht auf die spitzigen zars ten Haare, woraus der Pinsel bestehet. Pinseln, verh. irreZ. neutr.welchesdasHülfswort haben erfsr- dert. > )Mahlen,doch gemeiniglich n«lr ir««Scherze,wo es auch arti- ve gebraucht werden kann 2) Sich mit Heller tollender Stimmet klagen, besonders im verächllichen Verstände. Lver wird auch immer pinseln? Gotrfch. Am Niederst pinsen. Es ahmethicr de«» hohen klagendenTou nach so wie das nahe verwandte winseln. Im Niederst «st pinseln auch knausern, ingleich- n zaudern, wo es aber zu einem andern Stamme gerechnet werden muß. Der pinseltrog, des — es, j>Iur. die — trüge, ein kleiner kupferner, mit Dhl augefülltkr Trog der Mahler, h:e Pinsel darin r» reimge.«., ' ^ 772 Pin Die Vinte, pkur.die-n, in einigenGegendetteinMast flüssiger Dinge, welches ungefähr eine Kanne betrogt. Am üblichsten ist cs in den auswärtigen Ländern. EineFranzösischepmte halt 48 Pariser Cubic- Zoll , oder eine Dresdner Kanne. Ein Pint m Bödmen, wo es ein Weinmast ist, hält 4 Seidel. Engl.kint, Angels. kvnt, Franz, kinte, Jtal.kints. L-Le vipe, plur. die —n,dasHoch. und Oberdeutsche pfe.fe, nach der Mundart des Niederdeutschen. Wir gebrauche» ^ uoch M der Bedeutung einer Art langerSpanischcrWein - und Olufa,,er, in welchem Verstände cs durch die Handlung auch rn >)och - und Oberdeutschland bekannt geworden, und zugleich ein bestimmtes Mast einiger flüssigen Körper ist, welches gememlguch^E-mer oder Z°° Maß hält. So hält in Danzig eme Pipe Spa s^>ru Weines ^ Ahm, eine Pipe Sect aber Z AlM, oder " erster, oder 6o Viertel. Im Span.k:ps,mr Jtal.krpPÄ. lern Lat. isi kixa,und im Engl, em Canal, eine Rohre. L»Pip°nst«b. d»-die-NSbk,t°d-rH°ndlm„ „ttdim Forstwesen, gespaltenes Eichenholz,woran- dleDauben zu den Pipen, und in weiterer Bedeutung anch zu sneernFafie n gemacht werden; Rieders. Piepstave, Plepenstave, (S. Stab . In eiuigeu Oberdeutschen Gegenden wird solches Holzpseifhol; genannt ungeachtet pfeift in dieser Bedeutung emes Fasses sonst nicht gebräuchlich ist. Der Pipps, S. Pfipps. Pique, S. pieke. L^vir«^."d»---. xlur. b-rR» s» ftr„ -r r»m Ködcr siir d,r Fische °vf «cfteckt wird. Nach dem Frisch von dem Holland. Pu, Prer, ern Regenwurm, und Aß, Köder, Lockspeise. In Pommern w.rd ' dic'kleineBrut der Schmeißfliegen p-crken genannt. Der Virolt, des — es, ptur. die—e,'S. Goldamsel. -»-Die Visse, plur. doch nur von mehrern Acten, die—n, ein nur in den niedrigsten Sprecharten übliches Wort,denHarn o>.crUrm von Menschen und Thieren zu bezeichnen -, in ewigen Mundarten, diepls ye, im Iral. kilci^kilLiu, kiÜLw, im Franz, kisse, im Engl, k iss. S. das folgende. st vissen verb. res. sct. et ueutr. welches im letzten Halle das Hülfswon haben bekommt, und gleichfalls nur in dm mcdrigen Sprechartcn gebraucht wird, ungeachtet es einige meahl in der DentschenBibcl vorkommt, harnen, sein Wasser lassen, oder ' abschla .rn. In einten Gegenden pischen, im N-ederp gleichfalls pissen, im Wallis, pilc, im Franz, piller, un Irak, st sssre, pilcisre, im Schweb. x-lstL, un Engl. W xils. Ohne Zweifel als eine Nachahmuug des damit verbundenen Lautes, so wie. die meisten ähnlichen Wörter. Ebenso n.edrig sind das Meißnische schollen, (im. mütlern-Lat. ist hllcolitila die Elsa?, der Abfluß,) die Hochdemschen serchen und brunn- gen, und das Rieders, migen, Lat. m.ejere und mindere, Gele l . oouvs--. Ein wenig feiner, für die anständige Sprech- arc ai>eran.7uoch zuniedria, sind die Oberdeutschen brnnnlen, brfianlen, pullen, und dre Niederst pölken, rulken, pinkeln Dft piSgurrc, p1ur. die— n, der Oberdeutsche Nähme eurer Art Weißfische, S. Beißkev. ^ . Liep:stäzie, (vierstMg,) plur. die—n, der fette oblrge und wohlschttieuende Kern der lfin lichen, eckigen Nuß des Pistazien, bauaikü , welcher in Persien, Arabien, Syrien >rnd ^.iindien e.n- hcinusch i,i, aber auch in den südlichen Gegenden Znaln.»- un Spaniens gebauet wird; l'rstscrs vrrs V. Dre ganze suhlst bey uns auch miwr dernNahmen perPimpernnss bekannt,(S.die- ses Wort.) Der Nähme ist morgenländifch, und lautet im Per- fischen kettecsti,im Türkischen kittrcti, imArabischenkftiüale. p rsten, pst, pst, rufen, S. Bisten. 1. Die Pistole, p!ur. die—n, ein kurzes Schießgewehr, welches mit einer Hand gehalten und abgefeuert wird, und das Mittel zwischen der Flinte und dem Tcrzerole ist. Jemanden auf ein paar Pistolen heraus fordern. Sich auf Pistolen oder mit Pistolen schlagen. Zm Oberdeutschen die Zaustbuchse. Im Engl. killol, im Franz. kiÜo1s,kitioIet, im Jtal. kistvls, aus welchen Heyden letzternSpracheu es von denDe,rischen entlehnet worden. Fürctier leitet den Nahmen von der Stadt pistoza in Italien her, wo dieses Gewehr erfunden seyn soll, von welcher Stadt Ferrarius anch das JtaliänischeWortkilioleke, ein Pallasch, ableitet. Allein, es ist noch unenviesen, daß die Pistolen in dieser Stadt erfunden worden, daher andere dei- Nahmen von dem Lat. ssilwls, abstammen lassen. Von vielen wird es im sächlichen Gescblechte gebraucht,das Pistol; indessen ist das Weibliche das üblichste. 2 . Die Pistole, p!ur. die—n, eine gleichfalls aus dem Franzo- sischenkilftrls entlehnte Benennung cinerFranzösischen undSpa. Nischen Goldmünze, welchefünfRcichsthaler gilt, wofür doch in Ansehung der erster« das Wort Louis d'or üblicher ist. Das gleichbedeutende pistolette, welches anch noch zuweilen vorkommt, ist glcichfalls ans dem Franz, kiswlette. Nach dem Frisch soll auch dieses Wort von dem Nahmen der Stadl pistoja in Italien entlehnet seyn,wo dieseMünze zuerst geschlagen sei)il soll; welches doch noch einer nähern Untersuchung bedarf. ^ Die pistölenholfter, plur.die—n, Holstern oder Futterale zu beyden Seiten des Sattels, die Pistolen darein zu stecken, nm sie im Reiten sogleich bey der Hand zu haben. S. r Pistole. Qie Pistölenkappe, plur. die—n, Kappen von Luch oder Leder anden Piflosenholftern,denSchas t derPistolen damit zu bedecken; der plstolcnmantel. Das pitschaft, pitschier, S. Petschaft und petschier. Düsplacät, des—es, xlur. die-e, in einigen , besonders Niederdeutschen und nordischen Gegenden , ein obrigkeitlicher öffentlicher Befehl, ein Mandat oder Edict. Man leitet dieses Wort gemeiniglich von dem Rieders, placken, .kleben , heften, her, weil es gemeiniglich an ösftnilichetiOrten angehcftct wird, da es denn mit Anschlag gleichbedeutend seyn würde. Allein um der Endung wNen scheinet cs vielmehr zu dem mittlernLat. p) 3 cs re, setzen, heften, befestigen, zu gehören, welches denn freyüch wiederum vore dem jetzt gedachten placken abstammct.^ Iscsre nZii' lum hieß dasSieäe! anfdriicken; Placat würde also eigentlich ein mit dem öffentlichen Siegel versehener obrigkeitlicher Befehl senn. Die pläche, plur. die—n, ein nur in einigen Gegenden, oder nur in einigen Fällen übliches Wort. In den genuinen Mundarten einiger Gegenden, besonders Oberdcntschlandesssst cS für Flüche üblich ; enen flachen ebenen Platz zu bezeichnen. Siehe Flache. 2 ) Grobes Tuch oder grobe Leinwand, so wie bcydcS zum Einpacken,oder andern germg?i'Bkdnrfins,en gebraucht wird, heißt in manchen Gegenden plache,,m Oberdeutschen Plahe, im Schwed. trlsZß. Bey dem Frischlin ist Blähe nudwachsptabe, Wachsleinwand. Besonders ist dieses Wort Hey denJägern üblich, wo die znni Jagen nöchigen Tücher von grober Leinwand plahen, planen oder plachcn genannt werden. Die Plachcnpartey, bey der Jägerey am kaiserlichen Hofe zu Wien, besiehe: ans einem Geschin Meister, einem Lpbcr-Ptachenknechre, und zehen pla- chenkncchren. Ohne Zweifel auch von flach, eben, breit. Sckon im Lat.ist klsxs ein Jägergarn, oder'Netz, und klsZuis ein Vorhang, eine Decke. Wenn im Isidor isse Leinen oder Archon, womit die Tücher gespanuer werden, heißen, so hat det (5, e c 2 gn-e 77L P la. gute Mann aus Utckuride der Jägercy sich vermuthlich geirrel. Im Albanischenist L!a!cu ein Netz. S. auch 8lake, welches gleichfalls von einem Netze üblich ist, und Plane, welches im Berg-, baue eine Plache bedeutet. Die plückbuckel, xiur. die—n, bey den Perrückenmachern, verschiedene Reihen Locken von einer Tresse , welche man über den sbern Theil der großen Locke nähet, welche an den Knoten - und Qnarree-Pccriickcn imNacken dcrLänge nach herunter hänget. Die letzte Hälfte ist das Franz. Loucle, eine Locke, und die erste das" gleichfalls Franz, kla^ue, das gerade, stäche Haar an dem hintern Theile einiger Pcrrücken, welches bey den Deutschen Haarkünstlern gleichfalls die placke heißt. r. placken, verb. reA. veutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und vornehmlich bey dem Excrciren der Soldaten üblich ist, einzelne unordentlicheSchüsse thun, da denn ein solcherSchuß airch ein placker genannt wird, so wie man für placken auch das Fre- quentativum plackern gebraucht. Es ist hier ohne Zweifel eine Nachahmung desSchalles, welchen dergleichen einzelne fehlerhafte Schüsse in einiger Ferne machen. S.*placken, verb. reZ. actt. et veutr. welches nur in einigen gemeinen Mundarten, besonders Niedcrdeutschlandcs, üblich ist. r. Als einActivum. l) Anheften, ankleben, befestigen. Ein Mandat, ein Bild an die wand placken, d. i. kleben. 2) Flecken machen, doch nur im Niederst von plack , placken, ein Flecken. Schwarze Hirschen placken, stecken. 2. Als ein Neutrum , mit öemHülfsworte haben, Flecken bekommen; gleichfalls nur imNie- öersächstfchen. Anni. Es ist in dieser Bedeutung ein Abkömmling von Lack, Lacken, welches in diesem Worte den starken Blaselaut angenommen hat, so wie es in Rlecks, Necken, klicken, den Gaumenlaut hat. Bepde stnd indessen Nachahmungen des mit dem Klecken und Placken verbundenen Lautes. Z. 'placken, verb.reA. ucl. welches das Jntenstvum von dem folgenden plagenist. ») Sofern dasselbe als ein Geschlcchtsver- ' wandter von dem Lat. LU^ere ehedem schlagen bedeutete, ist placken noch iu einigen Fällen des gemeinen Lebens ftir fest schlagen, derb schlagen, üblich ist. So ist das Placken i» dem Wasserbaue eine Art, Damme und Deiche zu errichten, da die über einander geführte Erde mit Wasser begossen , fest gestampfet, und endlich an der Böschung mit dem plackschcite fest geschlagen wird. Einen solchen Damm oder Deich pflegt man auch ein plackwerk zu nennen. In den Gärten werden die Gänge auf diese Art zuweilen gleichfalls geplacket. 2) Figürlich , einen hohen Grad der Unlust und Beschwerde verursachen, sehr plagen. Jemanden placken und plagen. Jemanden mit einer Bitte placken. Sich mit etwas placken. Ich habe mich schon lange mit dieser Sache geplacket. Jemanden um etwas placken, auf eine sehr . beschwerliche und anhaltende Art um etwas bitten. DieUnter^ thanen placken, ihnen durchErprcssungcn beschwerlich fallen. Ich habe noch einige Groschen von ihm heraus geplackt, durch beschwerliche Mühe von ihm erpresset. Daher das placken. r. Der placker, des—s, plur. utuorn. ÜQZ. ein fehlerhafter Schuß, S. » placken. 8. Der placker, des—s, xlur. tft nom. linZ. ein Flecken, ein Klecks; von dem Niederst plack, Placken. Der Placker bey den Kupferstechern ist, wenn man anstatt der Schraffierungen einen schwarze« Fleck stehet; Franz. klAque. Figürlich pflegt man im gemeinen Leben auch wohl einen Fehler, ein jedes Versehen ei- nen placker zu nennen. S. 2 Placken. Der Placker, des—s, xlur. rat norn. derjenige, -w'lchee imcK andcrn placket, in der figürlichen Bedeutung Pls 776 von z placken. Lev Lauernplacker, dxr derr Bauern durch allerlep Erpressungen lästig wird. Die plackerey, plur. die—en, eine mit vieler Beschwerde und Unlust verbundene Bemühung , besonders in engerer Bedeutung von beschwerlichen und unbefugten Erpressungen. S. 3 placken. Das plackwerk, des —cs, plur. die—e, S. 3 Placken ,. Die Plage, plur. die—n, dasjenige, was uns plagt, und in einigen Fällen auch dessen Empfindung. 1. * Ein Schlag, ein Streich, ein Hieb, und figürlich auch die dadurch verursachte Wunde; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, in weicheres schon im Griech. vXq'/q, und im Lat. kluZu lautete. Von der Bedeutung einer Wunde führet Frisch ein Beyspiel an, auS einer alten handschriftlichen Übersetzung der Bibel: seiner Plagen Blut floß aus. Das Franz, klu/s bedeutet noch jetzt eine Wunde. 2. Ein äußeres beschwerliches Übel. ») Zu engerer Bedeutung, ein solches Übel, so fern es die natürliche oder sittliche Folge vorher gegangener Handlungen ist; in welchem Verstände es in der Deutschen Bibel mehrmahls von den Strafübekn und Strafgerichten Gottes gebraucht wird. Aber der äerr plagte den Pharao mit großen Plagen, » Mos. »2, 17. So wird der äcrr wunderlich mit dir umgehen, mit Plagen auf dich und deinen Samen, mit großen und langwierigen Plagen, Z Mos. 2 8,29. Der Gottlose hat viel Plage, Ps. zs, 10. Landplagen find dergleichen allgemeine Strafübel, welche ein ganzes Land betreffen, und in einigen Gegenden ist die Plage in engerer Bedeutung die Pest; welche Bedeutung auch das EnglischekiuZue und das Walisische 1 'lu haben. 2) In weiterer Bedeutung, ein jedes äußeres beschwerliches Übel, auch so fern es ohne Verschulden von andern herruhret. Hiobs Plage war ein böses Weib. Das ist mein- großte Plage. Einem alle Plage anchun. Ich glaube, du bist nur mir zur Plage da. Seine Plage mit etwas haben. 6at man nicht seine Plage mit den ungezogenen Rindern! Nun geht meine Plage an. Ist das nicht eine Plage! Anm. Im Schwed. , im Island. klauZa, im Pohl,,. klaZL.im Jtal.kiLZu. S. Plagen. Der Plagegeist, des — es, pluk. die — er, eine Person, welche uns plagt, uns zur Plage da ist-, welche, wenn sie mit der Plage einen hohen Grad derBSsheit verbindet, auch wohl ein plagetcu- fel genannt wird. Plagen, verb. re§. uct.rbelches i. * eigentlich und ursprünglich, geißeln, schlagen, bedeutete, in welcher nunmehr verasieten Bedeutung, wo das Jntenstvum placken noch zuweilen gebraucht wird, es ein Geschlechtsverwandtcr von dem Griech. und - dem alten Lat. plazare» und dem neuern Latein, üi^ere , dem Schwed. plaZZa, und unserm Blauen und Flkgel ist; (S. diese Wörter.) 2. Ein beschwerliches äußeres Übelverursachen. ») *Jn engerer Bedeutung, ein beschwerliches äußeres Übel um vorher gegangener Vergehungen willen veranstalten; in welchem verasietenVerstande es in derDentschenBibel mehrmahls von Gott gebraucht wird. Erfreue uns nun wieder, nachdem du uns so lange plagest, Ps. 90, »L, d. i. strafest, züchtigest. 2) Ein unverschuldetes, äußeres, beschwerliches Übel verursachen, «nd in noch weiterm Verstände, ein beschwerliches, äußeres Übel überhaupt verursachen. Die Vorgesetzten plagen die Untercha- nen, wenn fie dieselben ohne Befugniß beschweren, oder auch die Befugiliß übertreiben. Mit einer Rrankhett, mit einem bösen Weibe geplaget sepn. Ein Vater war, wie viele Vater, Mit einem wilden Sohn geplagt, Gell. Jemand mit etwas plagen. Er plaget mich mit seinem Lobe. Er hat mich schon lange u,n eine Antwort geplagt. Einen um Geld plagen, von seinen Gläubigern geplagt werden. // t «erden. Sich mir einer beschwerlichen Arbeit planen, der Husten, der Durst plaget mich. Oer Geig, die Neugier plaget ihn. von seinem bösen Gewissen geplager werden. Sich mit Sorgen plagen. S. auch z placken. Daher das Plagen. Anm. JuderzweyteuHauptbedeutung auch imSchwed. im Engl. to plaZus. Im gemeinenLeben derNiedersachsen ist dafür pisaEcn üblich, welches gleichfalls eigentlich schlagen und prügeln bedeutet. Der Platzer, der—s, plur. M aom. liaZ. Fämin. die plagerinn, eine Person, welche uns plagt, uns zur Plage da ist;-, doch nur in der höhern und poetischen Schreibart. In der ver- traulichen ist dafür Plagegeist, und im harten Verstände Plagereufel üblich. Der platzeteufel, des--s, plur. ut vom. kuZ. S. das vorige und Plagegeist.. Dre platztze, plur. die — n, ein nur auf dem Lande, am häufigsten aber in Niedersachsen übliches Wort, ausgestocheuesiache Stücke Rasen zu bezeichnen. Plaggen mähen oder hauen, dergleichen Rasenstücke mit einer Qnerhacke aushauen. Plaggen ßcchen, ste mildem Grabscheiteausstechen. Grasplaggen, dergleichen mit Gras bewachsene Rasenstücke, Aeideplaggen, welche mit Heide bewachsen find. Man hat daselbst auch das Zeitwort plaggen, solche Plaggen hauen. Ohne Zweifel von FleE, Flecken, und mit demselben zugleich von plagen, so fern es ursprünglich hauen, schlagen u. s. f. bedeutete. Das Plakat, S. Placat. Dre Plampe, piur. die—n, im gemeinen Leben, ein kurzer Degen mit einer breiten Klinge; entweder als eine Nachahmung des LamcS, welchen cinSchlag mit einem solchenDegeu verursacht, oder auch mit dem Vorgesetzten Blaselaute von dem Niederst Lümmel, eine Messerklinge, Lat. welches indessen am Ende doch auch anfdon vorigen Laut zurück geführet werden muß. Niederst Plampe. (S. auch plaute.) Mau hat im gemeinen Leben noch mehrere diesem gleich lautende Wörter. Z. B. plam- -Hen, bey dem Matthesius, für plaudern, wovon unser verpläm- pern das Diminut. oder Frequent, ist, S. dasselbe. ^ plan, — er, —ste, ackst et uciv. welches ehel^erneigentlich eben bedeutete, im planen Felde, Brotuff; in welcher Bedeutung öS aber veraltet ist. Man gebraucht es nur noch zuweilen im figürlichen Verstände, für, der gemeineir Vorstelluugsart angemessen, allgemein,verständlich, 'im Gegensätze des erhaben. Sich sehr plan ausdrulken. Eine plane Schreibart. S. das folgende. Der plan, des—cs, plnr. die—e, ein Wort, welches ehedem i. eigentlich einen ebenen Platz, einen ebenen Thcil der Erdfläche bedentcle. In diesem Verstände kommt es bey den Schriftstellern der vorigen Jahrhunderte häufig vor. Bis zu dem plan der Weinberge, Nicht. 11, Zz, bis zu der Ebene, in welcher die Weinberge liegen. Der plan Mchola, - Kön. 4, 12. Ein grüner plan heißt noch jetzt im gemeinen Leben ein ebener mit Gras bewachsener Platz. Auf einem grünen plane, Opitz. Daher der Bleichplan, der ebene grüne Bleichplatz.- In dem Forstwesen ist der plan zuweilen ein ebener mit Bäumen bewachsener Platz. Das Aol; planweise verkaufen, nach Plätzen oder Flächen von bestimmter Größe. Bey den Jägern heißt ein ebener Platz ans einer Anhöhe die Blohme, welches mit plan sehr nahe verwandt ist, wenn es nicht gar daraus verderbt worden. 2. In engerer Bedeutung. 1) *Dcr Fußboden, hie Erdstriche, doch n,.r «och im Oberdeutschen. Auf dem plane liegen , auf der Erde. 2) Ein zu einer gewissen Verrichtung bestimmter ebener oder geebneter Platz ; wofür man das Wort Platz gebrauche Oer SchirA- plsu, Fechtplan, Tanzplan, Rampfplan u. st f-der Schieß. platz, Fechtplatz, Lanzplatz, Kampfplatz. Besonders wurde dev Kampf-oder SchlachtplaS ehedem häufig der Plan genannt, wovon Frisch einige Beyfpieleauführet. Gleich aufdein plane sepm- gleich auf dem Kampfplatze, gleich bey der Hand scyn, gleichauf dem Platze styn. z) In noch engerer Bedeutung, der ebene Platz, auf welchem ein Gebäude aufgeführet werden soll, eine gleichfalls veraltete Bedeutung, von welcher es nur noch in figürlichem Ber- stände üblich ist, den Grundriß eines Gebäudes, einer Sradt oder einer beöaueten und angebaueten Fläche, ja einer jedenFIäche überhaupt zu bezeichnen, nach demMnster des Französijchen Ein geometrischer plan, ein geometrischer Grundriß. De» plan eines Gebäudes, dessen Grundriß. Nach einer noch wei^ teru Figur heißt eine jehe nach einer bestimmten Abficht gemachte Vertheilung der Hauptthrile eines Ganzen, auch wenn sie nur m Gedanke« geschiehet, der plan. 4 ) Bey den altern Geometern wurde auch der Flächeninhalt einer Figur der plan derselben genannt. Anm. Inder ersten Bedeutung im Franz, kiarns, im Jtal. ? 1 artu. ES ist mitdem Lat. plLuus sehr genau verwandt, ohne doch von demselben abzustammen, plan, blach, stach , platt und Platz sind nur in den Ableitung-lauten verschieden , und kommen daher auch iu der Hauptbedeutung mit einander überein. S. planer. Die Pläne, plur. die—n, ein in den neuern Zeiten aus dem Franz, bluirre entlehntes Wort, das veraltete plan ju ersetzen, und einen ebenen Lheil der Erdfläche von einem beträchtliche» Umfange zu bezeichnen. Die Stadt liege in einer angenehme« plane, Ebene. Die plane, xlur. die— n, ein nur noch in einigen Gegmde» und Fällen übliches Wort, eine ebene einfache Decke, ein grobes Luch, grobe Leinwand zu bezeichnen. Coler läßt im Hausbuche den Hopfen mit planen oder Tüchern bedecken, und FlemminK nennet im DeutfchenZäger die Decken über dieJagdwägenplanen. Die leinenen Tücher, womit bey einer Jagd ein Wald umstellet wird, heißen bey den Jägern gleichfalls planen, noch häufiger > aber plachcn und plahen, (S. dasersierc.) Im Becgbauc find dieplancn grobe Tücher vonZwillich, worauf der gepochte Schlich mit Wasser geläutert oder gestauct wird; daher,der. planc-nherd daselbst das abhängig gemachte Täfelwerk ist, woraufdie Planen gelegt werden. Ohne Zweifel mit plan gleichfalls in Rücksicht .auf die eHerre Fläche. Im Mittlern Lat. ist ^lunsns puanuZ ein eiufacheS. aus einfachen Fäden bestehendes Gewebe. Der planer , des — s, plNr. die Pläner, in einigen Gege:»de», z. B. in Meißen, breite stäche Steine, welche am häufigsten unter dem Nahmen der Platten bekannt sind, von welchen sie sich nur im Endlaute unterscheiden. Den Fußboden mit Planern belegen, mit Platten, sie mögen nun gebrannte Steine oder Bruchsteine feyn. Der planet, —en, plur. die—en, aus dem Lar. klausta, und Gricch.irXctt'q 7 ->i-, ein Stern, welcher feinen Stand gegen andere SteriH beständig verändert, im Gegensätze der Fixsterne, welche ihren Staud am Himmel dem Ansthen nach nicht merklich verändern, oder vielmehr, ein Stern, welcher feine eigene Bewegung voil Abend gegen Morgen um die Sonne hat; ein Jrrsicrn, welches doch einen falschen Begriff gewähret, daher daF poetische, aber nicht so übliche, Wandelstern richtiger ist. Die Planeten lesen, ans den Planeten wahrsagen, den Einfluß der Planeten und ihrer Stellung in die menschlichen Schicksale erklären; dahecman einen Astrologen auch einen planctenlescr, und so fern er sich mit demNativilLr Stellenabglbt,eineilplancteuA.'llerjil neunen pflege Die altern Astronomen rechneten auch die Sounc ui» ihrer schrin- Cks I > karr« 779 baren Bewegung willen mit purer die planeren, von welchen sie , aber in der neuern Astronomie ausgeschlossen worden. Die Monde sind eine.besondere Art Planeten. Die Planeten-Bahn, plur. die—en, in der Astronomie,, diejenige Bahn, welche ein Planet um die Sonne durchläuft, d. i. diejenige Linie, welche sein Mitrelpuncr ln der eigenen Bewegung von Abend gegen Morgen beschreibt. Das Planeten-Jahr, des—es, plur. die—e, ein Jahr, so fern dessen Dauer durch denUmlaufelüesPlan-.-len um die Sonne bestimmt wird, dahindenn das Garurnrsche Jahr, das Jupl- tcrs-Jahr, das Mars-Jahr, das Venus-Jahr und Mer- curialische Jahr gehören. Unser Erdenjahr ist gleichfalls ein Planeten'Jahr, wird aber um der scheinbaren Bewegung der Sonne willen gemeiniglich ein Sonnrnjahr genannt. Die planeten-Stunöe.plur. die—n, in der Astronomie, der zwölfte Theil eines natürlichen Tages, so fern derselbe die Zeit von dem Aufgange derSonne bis zu ihremUutergauge in sich begreift; vecmuthlich so fern sie von der Sonne, dem »ornehmstenPlaneren, der ehemahligen Art zu reden nach, bestimmt werden, oderauch, weil nach den Astrologen, welche diese Art der stunden von den älter» Morgenländern annahmen, jede derselben einem gewissen Planeren unterworfen und gewidmet war. Weil die ältcrnJuden den Tag und die Nacht auf diese Art einzutheilen pflegten, so werben diese Stunden auch Jüdische Stunden genannt. Der planhiesck), des—es, plur. die—e, ben den Jägern, ein Hirsch, welcher bey einem Kampfe mir andern Hirschen den plan, d. i. den Kampfplatz, behauptet ; der Platzhirsch. Siehe Pian 2 2). r. planieren, verb. rsx. actt. welches aus dem m-ttlecn Lat. plnnare und dem Franz, planer, entlehnet, und im gemeinen Leben für gleich, eben machen, üblich ist, besonders von der Oberfläche der Erdbodens. Linen Platz r» einem Haufe, zu einem Garten planieren. Verschiedene Metallarbeiter planieren ein Metall, wenn sie es glatt und eben schlagen. Daher das planieren. ».Planieren, verb. rez. act. besten Buchbiudern, Druckpapier durch ein mit Alaun gesottenes Leimwasscr ziehen, um ihm dadurch mehr Festigkeitzu geben. Ein Buch planieren. Es schei, net, daß es in dieser Bedeutung von einem veralteten Mittlern Lateinischen Worte herkomme, welches waschen bedeutet hat und mit ruiscrm planschcnttmd dem Griech. vXvvriv, waschen, verwandt gewesen. Der planier-Kammer, des—s, plur. die—.Hammer, bey den Goldarbeitern und Kupferschmieden , ein Hammer mit einer glatten Bahn, ein flach geschlagenes Metall damit völlig glatt nutz eben zu schlagen, S. i plaincren. Das Planier-Rreuz, des — es, plur. die—e, bey den Buch- bindern, ein Stab mit einem flachen Ouerholze in Gestalt eines Lateinischen I', die piamrten Bogen damit zum Trocknen auf die Schnüre zu hängen. Di-'p'anier-presse, plur. die—n, eben daselbst, eine Presse, das übersiüssigsWaffer aus dem planicrtenDruK papicc heraus zu pressen. Das planier-Wasser, des —s, sckur. Loch nur von mehrern 2tt t n, ut nom. eben daselbst, mit Alaun gesottenes Leim- wass r, womit das Druckpapier planier a wird. r.*Die Planke, pinr. die—n, ein nur in einigen, besonders N c erdeutschenGegendr'n übl-chesWorstein kleinesMaß ssiissger D Nge zu bezeichnen, welches im Dithmarstschcn, wo es im maeMichen Grschlechte derplänk lauret.ein halbes Nößel hält. In Lübeck st eine Planke Mettr die Hälfte eines Onanier s, drr vierte Theil einer Kanne, und der achte eines Stübchens. P la 780 Eine Planke hat daselbst zweyDrre.Jn dem altenAugsburgischm Sladteechte bev deul Schitter ist ain Liske ein gewisses Salzmaß. Es hat hier die Bedeutung der Vertiefung, so wie in der Schweiz, wo die Vorhügcl an den Bergen, welche wie Pfeiler zu ihrer Befestigung dienen, Planken genannt werden, den nahe verwandtem Begrissber Hervorragung. Jir der Bedeutung eines Gefäßes ist es mir Engel, Loch,Luke, u. st s verwand,. 2.D>ie Planke, süur. die—n. *) Ei" dickes starkes Bret, eine Bohle. MachtBlanken(Plailken) in den Zaun, schnitztFlegel, stielt die Hauen, Opitz. Ben den Damastwcbern wird das hölzerne durchlöcherte Bret, durch welches der Harnisch oder die Garnschnüre gehen, und welches auch das Harnischbret heißt, die Planke genannt. 2) Eine von solchen starken Bretern. oder auch nur vonBretern überhaupt verfertigte Wand, welche mit einem andern sehr nahe verwand» tcn Endlante ui d ohne den zufälligen Nasenlaut ui Meißen die plciche oder Bleiche heißt. Die Planke um einen Garten, um einen Hof. Des Menschen Leben ist umzaunt mit engenBlankm, Opitz; wo es in der ungewöhnlichen Figur der Schranken überhaupt gebraucht wird. Anm. In der ersten Bedeutung eines dicken Breies und eines Breies überhaupt, im Niederst gleichfalls Planke, im Schwed, klaueka , im Engl. Llauk, im Frauz.Llsncke, im Wallis, klänge, imJtal. Liancaund -rna, im Lat. Lianeauud im Griech. ohne Nastnlantm'X«^. Auch hier ist der Begriff der Ebene der herrschende, als ein Berwaudter von Blech DIache, und mit andern Eildlanten von Blart, Platte u. s. f. In einer handschriftlichen Übersetzung derSwüch-Salomo aus demAnfail- gedcs l zteu Jahrhundertes heißt ein Halsband ein Plank; und ain Plank deinem Hals, Kap. - 9, S. plansche. < Dasplankenyelö, des—cs. plrir. doch nur von mehrernSnm- men, die—er, in einigen Oberdeutschen Gegenden, z. B in Österreich, eine Abgabe von den Weinbergen an andere, welche dafür die Planken im bauliche» St nde erhalten. Dcrsplankwerk, des—cs, plur. die^—e, ei,r ans Planken bestehendes Werk; ingleichen eine Planke in der zweytcn Bedeutung des Wortes. planlos, —er,—cste, ackj. etackv. keinen vernünftigen Pian habend, des Planes beraubt. Ein planloses Verfahren. So , auch die Planlosigkeit. S. plan 23). Die plansche oder plantsch v?>ur.dle—n, im gemeimmLeben, ein breites und nachBrrhälruiß oünnesStück gegoffenenM» tolles, auch wenn es unförmlich ist, eine Platte. So werden in denMiiu, ze» und bey andern Metallarbeitern die gegossenen Stücke Gold, Silber, Kupfer u. s. f. planschen genannt. Eine Goldpiansche, Gilberplanschc, Äupferplansche u.s. f. Entweder aus dem gleichbedeutenden Fraiiz.ftiaucke, oder mit demselben aus einer Litern Quelle, welche das folgende Zeitwort ist. planschen oder plantschen, vei d. reZ.actt welches eiqeittlich den Schall Nachahmer, welchen manche, gemeiniglich stüssigeKör- pec im herunter Fallen oder Hamü-ren verursachen; wo cs doch nur in den niedr gen Sprecharten üblich ist. Lsregnet, dafi es plantscht, als ein Neutrum. In dem Wasser plantschen, mit dem Wasser plantschen, im Dimimir. plautschern, in demselben hantieren, und zugleich vieles dabcv verschütten; wofür auch pant- schen. mantschen, pladdern, u.s. f. übttck, stnd. Nieders.pla.s- ken, Schweb, pluslea, Engl, to stoluili. ImGriech. ist daher «-Xvvrt» waschen, wohin auch unser flauen, fließen u. stf.gcho- xrt, ungeachtet ste schwächer« Schälle dieser Arl üusdruckeitt Im 78 ' P la Bla 78T Käm M fsrill-nb-«rrmifch-n. G»f»n »vchw-ick-K-k, pcc im Fallen oder Schlagen eine» ähnlichen Schall verursachen, gehler auch das vorigrpiansche hierher. Der Dlönscheneittgüß, des—sscs, p!ur. die — güsse, bcy den Gold - und Silberarbrilern, eine eiserne Form, worein das Vilvee zu viereckte,l Planschen oder Platten gegossen wird ; der Taschen- cmguß. S. plansche. Der PLanschenhamnrer, des—s, plur. dre—Hammer, ev.n daselbst, ein schwerer Hamm er von zehen bis zwanzig Pfund, dre Silberplanschen damit dünner zu schlagen. Der Plapperer, des— s , plur. ul NOIN. tmA. eine Person, welche gern plappert; das Plappermaul , die Plapperrasche, und in der niedrigen Sprechart derplappermatz." Die Plapperey, plur.dtt—en, das Plappern, plappernd vor. gebrachie nnckhebliche Sachen. Plapperhaft, —er, —cste, ackj.etackv. Fertigkeit besitzend zu plappern, zum Plappern geneigt. Di - Plapperhaftigkeit, plur. inut. die Neigung, Fertigkeit zu Plappern, verk. reZl neulr. mit demHülfsworte haben, Worte mit schneller gedankenloscr Bewegung der Lippen hervor bringen. Kleine Binder plappern, wenn meine Hand des plappernden Rindes wankenden Zußk'ütt leitete, Geßn. Wenn chr hethet / sollt che nicht viel plappern, Math. 6,7. Zuglsichen als e-n Aet-vum. Etwas daher plappern, gedankenlos und schnell bersagen. Daher das Plappern. Anm. Z-n Rieders, vlabbcrn, flubbern und blubbern, im Engl. lo blub. Es ist vermöge der vielen in diesem Worte befind«.. kichellL'vpenlaute uud stüffigeirBuchsrabeneine namrlicheNachah- muiig des von plappernden Lippen verursachten Schalles, von welchem plaudren, Lat. blatt-rare, klaffen, klatschen, waschen, das niedrige labbern , das gemeine p-rpern, papeln , und hundert andere ähnliche, aber doch noch unterschiedene Schälle aus- drucken, (Ä.plaudern.) Im Franz, ist babiller gleichfalls plappern,.Labil das Geplapper, und Labillarc! ein Schwätzer. N,cod leitet es von derSprachenverwicrnng zuBabel her, Menage aber von dem Jtal. barnbinars, dieß von Lambino, dem Dimlnnt. von Larnbo, und dieß wiederum von dem Syrischen Labivn, ein Kind. Aber mit solchen ungereimten Ableitungen straft die Naiur mehrere Etymologen, wenn sie ihren Weg verlassen und anfschwankende Ähnlichkeiten bauen. Zn einigen Oberdeutschen Gegenden ist plappern auch für klappern üblich, und da bedeutet es besonders eitle Art Kinderspiele mit kleinen platten Steinen. Der plappert, eine Münze, S. Blässere. Die pläp)pertäsche, xlur. die—n, S. Plapperer. Das plärrauge, des — s , xlur. die — n, im gemeinen Leben, ein rothes triefendes Auge, und eine Person mit solchen Augen; Niederst Blarroge, Bleeroge, Zlirroge, wo plieren auch mit den Augen blinzeln ist, Schwed. blira. Im gemeinen Leben einiger, besonders Oberdeutschen Gegenden ist blarren, plärren, mit trüben, rnglcichcir mit bliitzelnden Augen sehen, und die Blärre, - plärre, die Dunkelheit,-triefende Beschaffenheit der Augen, Franz. la Lerlue. plärräutziy, allster ackv.Plärraugen, d.i. triefende, blinzelnde Augen habend; Engl, b lear- e/eck. Die plärre, plur.die—n, im gemeinen'Leben, die Blatter, besonders eine große Blatter. So ist die plärre oder Blatter auf dem Lande der Nähme einer Krankheit des Rindviehes, welche mit einer großen weißenBlatter unter der Zunge oder auch am Mastdarme verbunden ist, und eigentlich zu den eranthemattichen Fiebern gehöret. Es tst vermittelst der m de» gemeines, besonders NiederlachfischcnMrttldartetr gewöhnlichen Ausstoßung des d, dö tundtt.aus Blatter entstanden. Die plärre, plur. die — n, in den niedrigen Sprecharten, dar Maul, besonders ein großes Maul, das Weckzeugches Mcttrrns oder gcdaukenloscn Geschreyes, daher diesem Worte allemahl enr verächtlicher Nebenbegriff anklebet; das plärrmaul. S. das folgende. / ^ Plärren, verb. reZ.nsutr. mit demHülfsworte haben, welches eine Nachahmung desjenigen widrigen und lauten Geschreyes ist, welches cs ansdruckt. Das Ralb plärret. Iügleichen vonMen-. scheu, ein widriges wildes und kunstloses Geschcey machen; in.^ gleichen auf eine widrige schreyende und wilde Art fingen, Jtal. baläre. Im Engl. ist to blars blöken, von dem Rindvieh?, un^ im Lat. balare blöken, von den Schafen. Auch wird es znwei-- len im Hochdeutschen für heulen, mit lauter widriger Stimme weinen, gebraucht; Niederst blarren, blaren, womit auch das Franz, plsursr, und Lat. srlorars verwandt find, alle.als Nach» ahmungen des eigeuthünilichen Schalles. (S. auch Geplärr.) Da-? her das plärren. Das plarrmaul, des —er, ?lar. die—mänler, ein großes gierchsa'n plärrendes Maul, in den niedrigen Spcccharten. Dr"e Vlätma, plur. car. eine Art eines sehr schweren und ftuer- beständiaen Merallcs, welches weißbläulich von Farbe, für sich Unschmelzbar ist, aber in Europa wenig bekannt wird, weil dessen Gewinnung, um der Verfälschung des Goldes willen ^verbothew worden. Man findet es an dem Rio 'di Pinto in dem Spanischen; . Amerika, wo Ant. de Ulloa es r 748 zuerst entdeckte und beschrieb. Die Platine, plur. die—n, ausdem Franz. Llatüne, eine klein- Platte, einPlattchen, in verschiedene» Fällen des gcmeinenLebenS. So sind an den Stühlen der Strumpfwirker die Platinen lange dünne messingene Plättchen, welche in der Mitte ausgeschweift, und der Länge nach gespalten sind. Daher die platinenstanze, diejenige Stange, von welcher die ober» Platinen herab Hange», plätschern, verb.reA.aLi.et neutr. welches im letzter» Falle ^ das Hülfswort haben bekommt, und das Diminut. des in einige» Gegenden noch üblichen platschen ist. Es ahmet den Laut nach, welchen das Wasser, wenn es in Bewegung ist, macht, oder welchen ein anderer in dem Wasser befindlicher Körper durch feine Bewegung macht, und ist auch in der edler» Schreibart für die niedrigem plantschen und pladdern, Niederst plaeken, plastern und palskrn, üblich. Ich höre ein plätschern, wie wenn die Wellen wider den Nachen schlagen, Goß:,. Wollt ihr mich noch oft betrieben, ihr plätschernden Wetten? ebend. wieder Lach vor uns nieb-rplätscheri , ebend. Die jur,genanten scherzen plätschernd im Äaässer. Daher das plätschern. p^tt/ — er, —este,Leistetaäv. r.'Zigr.-rLUch, öreir und ohne ^ Erhabenheit, im Gegensätze des erhaben. Es ist im gemeinen Leben am üblichsten, dagegen in der anständigcrn Sprechart flach dafür gebraucht-wird. Das platte Land, wofür doch flaches Land bepnahe üblicher ist. Ein erhabenes Blech platt schlagen. Ein Platter Stein. Ein platter Spiegel, im Gegensätze eines erhabenen oder hohle». Jnzlejchen weniger Erhaben- heit habend als gewöhnlich. Ein plattes Dach. Eine platte Nase. Im Oberdeutschen bedeutet es auch wenig tief; flach, Eine platte Schüssel, So platt wie ein Teller. 2) Figürlich. r) Was wenig Erhabenheit und Runde zu haben scheinet, in der^ Mahlercy, wofür auchflach üblich isti 2, plattes Deutsch, im Gegensätze des hohen, oder Hochdeutschen, platt sprechen. Niederdeutsch. (S.plattdeursch.) ZnNiederfachseu ist dafür auch breit üblich, z) Wenig moralische Erhabenheit habend, der erste Grad des Niedrigen. Ein plarttv Ausdruck. Eine Platte Ztgux, iu der Mahlnep, eine Figur von unedlem Charakter, ode? »der gemeiner Wahl. 4) Ohne Umschweife, geradezu. Zeman- Len die platte Wahrheit sagen. Einem etwas platt abschla- gen. Er ist sehr platt, macht nicht viele Umstände. 5) Gänzlich, wie das Lat. plane,Schweb, gleichfalls platt; doch am häufigsten nur in Niedersachsen. Der Ropf ist platt ab, gänzlich «b. S. platterdings. Anni ZmNüders. platt, im Schweb, xlaltund Änd, im Dan. Ä .6, im Engl.Äat.im Franz.pI.lt, imItal. piaNo Es ist ein naher Verwandter von Blatt, breit, Grieck.»>.«7-1,-, Fladen, Blech, plante, plan u. s. s. (S. Platz,) mit welchem es den Schall ausdrnckt, welchen platte Körper im Schlagen oder Fallen machen. Ohne den Blaselaut gehöret auch das Lat. Katus hierher. Bey den altern Lateinern warklauws und klolus, der einen platten Fuß hat. Der psattbaum, des—es, xlur. die—bäume, bey den Vogel« stellern , ein Baum in oder nahe an einem Walde, welchen man in den Gipfel feiner Äste beraubt, und die Lcimrittben daran befcstiget; entweder weil er durch das Abhauen der Äste gewisser Maßeil platt gemacht wird, oder auch, weil er ans einer Platte, d. i. einem freyen , von Baumen entblößten Platze stehen muß, Laher er auch der Feldbaum heißt. Daher das Zeitwort platt/- rien, die Vögel vermittelst eines solchen Baumes saugen; das plattnetz oder Plattgarn, womit der Baum unten umflllct wird, damit die mit den Spindeln herunter gefallenenVögcl nicht entlaufen können ; die Plattzeit, wenn die Vögel auf solche Art gefangen werden. Der plärtchenkolben, des—e, plur-utOOw. liNF. bep den Glasern, ein Kolben in Gestalt eines viercckten Hammers, die " . messingenen Plättchen damit anzulöthen. Die plattdecke, plur. die — n, in d-r Dankunst, die platte, ebene Decke eines Zimmers; zum Unterschiede von einer Feldcp- decke oder Gpiegcldecke. Plattdeutsch, a6j.et.ack v. plattes Deutsch, Niederdeutsch; im Gegensätze des Hoch - und Oberdeutsch. Plattdeutsch reden, Die Plattdeutsche Sprache. ^ . ».Die Platte, plur. die—n, von dem Zeitwerte platten, ein Werkzeug zum Platten ; m welchem Verstände besonders Hey den Wäscherinnen die Platte oder das platteiscn ein messingenes Werkzeug ist, die Wäsche damit zu platten, d. i. eben und glatt zu machen. L-Dieplatte, plur. die'—n, Diminut. das Plättchen, Obcrd. plä'ttlein, von dem Be»worte platt. ,. Eine platte, d. l. flache, ebene Fläche, A7, Dbcrdeutschen scheinet es in allen Fällen üblichzu wo dieser Begriff Sstatr findet, da es denn auch --'üh! die Platte lautet. So ist die Plätte eines Degens daselbst dessen Fläche, die Oberplätte eines Dinges dessen Oberfläche. Eben daselbst ist die Platte, oder nach einer andern Mundart die Plaste, Blasse, Blöße, der kahle von Baumen beraubte Gipfel eines Berges, oder Felsens, zuweilen auch die kahle jähe Seite desselben. Fueg dich Von stund an Und on allen Verzug Auf die hohen platten un.'d lug (stehe) We m der heldTcwrdank knmbr dapaus, Theuerb.Aap.47. Nil folt ir warlich gelauben mir Das-dahin ist ein pöwr weg Stuke! und gar wenig anleg Dazu auch ganz schmal und ein plat, rheud. Thcurdank ging mit sorgsamkcit Aus her platten das poß gelept, ß'ap. 20. Zu Kiefer Bedeutung eines kablen Berggipfels, wo es auch von hloß übstattimktt t'ann, kommt es in den gemeinen Speecharten noch h äufig vor. In Zurch ist ein Platz, welcher auf der Bl akten, oder vielmehr auf der Platten heißt, wo ehedem der Rabenstein war. Bermurhlich war es eigentlich ein kahler Hügel. Im Hoch, deutschen ist es nur noch in einigen Fällen üblich. An einer Art heißt der flache ebene Hintercheil d/s Ohres die Platte. Am häufigsten gebraucht man es non der kahlen, von Haaren cm. bläßten Stelle auf dem Wirbel des Hauptes, welche auch die O.'atzs genannt wird. Eine Platte haben, bekommen, eine solche S^lle. Besonders so fern srlbige in der Römischen Kirche das Merkmahlder Priester ist. Sich eine Platte scheren lassen. Er soll auch keine Platte auf stinem äaupk haben, z Mos. 21,5. Und die Priester scherenden Bart ab, und tragen Platten und sitzen da mit bloßen Rcpfen, Bar. 6, zo. Schon bep dem Notker Klattü. One! allen ckie man blatten Klier, in der Paran. T rol. Be»', dem Hornegk he.ßt eine Platte der Geist, lichen pan, vrrm'u-.hlich von Bahn. In dcw niedrigen Sprechart bedruttl Platte auch zuweilen den Kopf selbst. In einigen Obre- Mulldartcn ist die Plaste, Blaffe, Blässe, das Vor- htMäupt, die Stirn. Irr dieser und der zanzr» vorigen Brdriv tiirig einer kableit Stelle kaun es auch zu bloß und Bloße gehöre», wer! nichts g', wohnlicher ist, als die Verwechselung des s und k» S. auch Blatt 4. 2. Ein platter, d. i. breiter und ebener Körper, ein Körper, von welchem nichts weiter merkwürdig ist, oder von welchem man nichts weiter bezeichnen will, als daß er platt, d. i. breit mid ehe», ist , wo es von allen Körpern dieser Art , wenn sie zugleich vo« eitler festen Materre, h. i. von Stein oder Metall, sind, gebraucht wird. Ein? Platte von Eisen, Blep , Zinn, Rupfer, Gold, Sstber, oder eine Eisenplatte, Blepplatte u. s. f. Ein Gold- Plättchen tl. s. f. Die Platte fttzk allemal»! eine gewisse beträchtliche Dicke voraus; fehlt diese, so ist es Blech. Die Oi'enplätte, Herdplatte u. s. s. eiserne Platten , woraus ein Ofen zusammen gesetzt wird, welche auf den Herd gelegt werden. Ehe die herettge Arl zu münzen eingrführet wurde, waren in manchen Ländern, metallene Platten von einem gewissen Gewichte nnd Zeichen anstatt des Geldes üblich. Sv batte man in Schweden noch vor nicht gar langer Zeit Kupfcrplatten, welche sechs Kirpferthaler galten. Auch in Spanien war die lVkoneta cks a ehedem solches Geld in Platten, und die heutigen Piaster sind ihrer Worrbedeu- tung nach auch nichts anders als Platten. Die Rupftrplatte der Kupferstecher gleicht oft nur einem starken Bleche. Figürlich werden auch die ähnlichen hölzernen Breter, worauf die Holz - und Formschneider ihre Figuren schneiden, wenn sie eine beträchtliche Fläche haben, und nicht bloße Stocke sind, Platten genannt, ungeachtet dieses Wort sonst von dem Holze nicht gebraucht wird, EbM so werden auch platte, d. i. ebene breite Steine, welche um ein beträchtliches länger und breiter als dick sind, Platten genannt. Daher sind unter diesemNabmen Mich die gebranittenPflastersteine bekannt, welche eine beträchtliche Größe' in Ansehung ihrer Dicke haben, und womit man die Fußböden zu p fl astccn pflegt. Kleinere dünne Steine dieser Art heißen Flieftn. Besonders gehauene Sreine dieser Art. DieSchiefcrplatte, Marmorplattc u. s. s. Den Fußboden mit Platten belegen. Die Tischplatte, ein steinernes Tischblatt, welches, wenn es von Holz ist , nur das Blatt heißt. Bonden steinernen Platten rühret auch die in der Baukunst übliche Bedeutung dieses Wortes her, wo so wohl das obere platte Glied in den Capitälen, als das unterste größte platte Glied des Fußgestmses , die Platte genannt wird, weil es eine steinerne Platte vorstellet. Eben daselbst werden oft alle kleine entweder erhabene oder auch ausgedöhlteGliedcrplärtchen odrrplätt- lein genannt. Auch der gemeiniglich plartcKopfeines Nagels heißt häufig die Platte, weil er kitte kleine Platte vorstellet, wenn es 78Z P la anders hier nicht eine von der Platte aufdem menfchlichenHanpte cilllehiite Figur ist. Ein Nagel mit einer Platte, mit einem Kopfe. Den Nagel auf die Platte schlagen.' 3. Ein aus metallenen Platten verfertigtes Ding; in welchem Verstände ehedem das Bruststück eines Harnisches, weites ans einer Platte geschlagen oder geschmiedet wurde, die Brustplatte, oder auch nur die Platte schlechthin, im Mittlern Lat. k'luta hieß. (S; Plattner.) I n den Papiermühlen heißen die schalenförmigen runden Eisen, womit die Löcher in dem Löcherbanme ansgcle- get strrd, gleichfalls Platten. 4. Sofern platt in vielen Gegenden noch für flach, d. i. wenig tief, üblich ist, lommt die Platte noch in einem doppelten Ber. stände vor. t) In Baien: ist die Platte oder Platte eine Art . flacher Fahrzeuge auf Flüssen. Die Postplatte ist daselbst eine Art Jachtschiffe, welche sehr geschwinde gehen. Bey den Jta- liänischen Schriftstellern der Mittlern Zeiten stich klattre und plnttne ähnliche flache Schiffe. Ja im Oberd. wird oft eine jede Fähre wegen ihrer flachen Beschaffenheit eine Platte genannt. ?) Line flache Schüssel heißt in Ober - und Niederdeutfchland häufig eine Platte, im Jtal. kiatto, Franz. ?lut, Engl. ?lut- rsr, Nieder,'. Platte. Eine 8 ischplatte, eine Fischschüffel; Oola- renplMe, der Oblatentcller. Du sollst bev mir wohnen, und aus Gold trinken, und die köstlichsten Speisen aus silbernen Platten essen, Geßn. Anm. Ju der zweyten Bedeutung im Engl. ?lats, im Schwed, klar, im Mittlern Lat.klala, im Angel,'.klatuvZ. Im Wallach, ist kiltkars, und im Albanisch, klitüar, einAegelstein,Italer, welches Lateinische Wort selbst hierher gehöret, so wie Fliese» Blatt, plansche, und die meisten vorher gegangenen; auch das Niederst Leiden, eine Schieferplatte. Platte druckt den Schall ans, welchen ein platter schwerer Körper im Fallen macht, (S. i plag.) Das Mieders. Plate bedeutet noch, theils eine Weiberschürze, theils auch eine Sandbank. Dasplatteisen,odcr plätteisen, des—s,plur. utnom.llllA. eigentlich der eiserne Bolzen, welcher glühend gemacht und in die Platte gesteckt wird, wenn man Wäsche platten oder platten will. In weiterer Bedeutung bekommt die Platte selbst diesen Nahmen.. Die platterße, plur. die—n, eine Art Schollen in der weitern Bedeutung, deren Augen auf der rechten Seite befindlich sind ; kleuroueetesk^lateilul,,. Sie haben einen glatten, platt gedrückten Körper, ni,d einen mit sechs Höckern versehenen Kopf, und werden auch Plattfische, Schollen in engerer Bedeutung, und Zalbfische genannt. Man sängt sie häufig in Holland und verschickt sie getrocknet. Die Rigaischen Butten find auch nichts anders als geräucherte Platteiße, obgleich die Butte eigentlich ein anderer, aber doch verwandter Fisch ist. Anm. JmNieders. platteißke, plattflsk, im PohlmklnsceLku- im Böhm. kllute/s, ?late)>lek, und im Lat. bey dem Ansonius klLlesla. Dieser Fisch hat denNahmen von seiner platten, breit- gedrückten Gestalt, obgleich die letzte Hälfte, welche Frisch ans dem Griech.-v-.ee-r«ß herleitet, noch dunkel ist. Um eben dieses platten Körpers willen heißt die Platteiße im Engl, kluius und klnil's, im Franz, klu^s, ?lu§s, lu ?lis, und im Mittlern Lat. I?luclu. Kleine Platteiße heißen in Nieder- Deutschland pli- ten. Plattciße, Flunder und Butten werden im geineinen Leben häufig mit e'u'mderverwechselt, ungeachtet fie verschieden genug find. Aber die gemeine Scholle und die plattciße find nur ein und eben derselbe Fisch. Judas Geschlecht und die Schreibart dieses Wortes haben sich viele Hochdeutsche Schriftsteller nicht zn finden gewußt. Selbst Sprachlehrer geben ihm das männliche Geschlecht, der plattepß, da ihm doch dem Gebrauche so wohl, als der Analogie anderer Sprachen nach düs weibliche zu komm t» Adel. M. H». Z» Th. 2. U,A. Pl» 786 Platten, ober Platten, verb. rr>x. uct. platt machen, i) Di? Erhabenheit vermindern, der platteuBeschaffenheit naher bringen.. In diesem Verstand sagt man, die Erde sey an den Polen gs-^ plärret, so fern sie sich daselbst von der Kugelcünde entfernet» und sich der platten Gestalt n ähert. 2) Völlig platt drücken. In dieser Bedeutung ist es vorzüglich in den Gold-und Silbersabriken üblich wo der Draht geplättet wird, wenn maü ihn zwischen den zwcy Walzen der Plättmühle zu einem platten glänzenden Lahne quetschet, wo cs auch zuweilen platten lautet. Die Wäscherinnen platten dieWäsche, wenn sie selbige vermittelst des heißen in der Platte befindlichen Platteisens glatt drücken, wo es in einigen. Mundarten auch platten lautet. Andere nennen dieses Plätten der Wäsche bügeln, die Niedersachscn sichten und sinken, ob sie gleich auch platten und pletten sagen. 3) Die Zimmerlente pichten auch, wenn fie zwey Balken platt oder stach aufeinander legen und vernageln. So auch das Plätten. Die plattenfeile, plur. die — n, bey den Schlössern, eine Art Feilen, rvelche einen feiner» Hieb haben, als die Vvrfeile. Die Platten - Tour, plur. die—en, bey den Perriickenmachern- die runde Öffnung in den Abbee. Perrücken, welche der Platte der Römischen Geistlichen gleicht. Der Plätter, des—s, plur.mnvm. kuZ. Fämin. die plät- tcrinn, eine Person, welche plättet oder plattet. Besonders in den Gold-und Silbersabriken, welche den Draht zu Lahn plattet;, bey einigen auch der Plattner. Die Platterbse, plur. die — m, eine Pflanze, welche ihren plat- len den Erbsen übrigens ähnlichen Samen in Hülsen trägt; l^a» Lb^rus I,. Richer. Besonders diejenige Art, welche bey uns auf dm Wiesen einheimisch ist, I-utb^rus prutSusts Ö. so wie diejenigen Arten, welche man in der Schweiz und in Schwa- ben auf den Feldern bauet, I-ulli^rus stutivus I-,, und I^alb^rus eicers Aa//. Platterdings, aclv.welches mir im gemeinen Leben für schlechterdings, durchaus, üblich ist. Ich will es platterdings haben». Es ist platterdings unmöglich. S. platt. Der Plattfisch, des — es , plur. die—e, S.plattcisse. Der Plattfuß, des — es, plur. die — fuße. 1) Der unter? platte Lheil des Fußes, worauf man gehet p die Sohle, das Zußbret, lVletuiarsus. 2) Eine mir einem platten, d., i. breiten Fuße versehene Perfon; bey den altern Lateinern kluM us» Niederst Plattfoot, Schweb.Utfot. S. platt.. Das Plattgarn, des— es, plur. die — e, S. Plattbaum. Die Plattheit, plur. die — en. 1) Die Eigenschaft, da etwas' platt ist, besonders iin dritten figürlichen Verstände; ohne Plural. Die Plattheit des Ausdruckes. 2) Ein platter, der nöthigen Erhabenheit beraubter Ausdruck. Das plattküffen, des — s, plur. ui vorn. 6 u§. ein besonderes Küssen auf einem Brcte , worauf die Wäscherinnen mancher Gegenden die Wäsche zu plätten pflegen.. Der plattlack, des — cs , plur. doch nur von Mehrern Arten-, dir—c, eine Art des Gummi-Lackes, welches geschmolzen ruck- aufeinen Marmorstein platt geschlagen worden. Die plattlaus, plur. chic—lause, S. Filzlaus. Die Plättmühle, oderplattmühle, plur. die — n, eine Maschine mitzwöy stählernen Walzen, zwischen welchen der Draht in den Gold - und Silbersabriken zu Lahn geplättet wird.. Die; Plattnase, plur. die — n, eine Platte Nase, welche platter M als gewöhnlich, und eine mit einer solchen Rase versehene Person. plattnen, verb. reA act. die Vögel mit den Leimsplndeln auf dem Plattbaume fangen, (S. plattbanm.) In einigen Gegenden wird auch wohl das Platten oder Plätten des Gold - und Silber- drahte- plattnen genannt. D d d Dse 787 Pl« Der Plattner, des—s, plur. m nom. 6 n^. r) Der Platter oder Plätter in den Gold» oder Silberfabriken, (S. Plätter und das vorige.) 2) Ehedem da dir Platten, d. i. aus eisernen Platten geschlagene Brustharnische, noch üblicher waren, als setzt, waren die Plattner eigene Handwerker, welche vornehmlich dergleichen Brustplatten, ingleichey die Arm - und Beinschienen verfertigten, nnd auch Harnischmacher genannt wurden. Man findet sie unter beyden Nahmen noch jetzt in -einigen Städten. Das plattnetz,-es— es, ^ilur. die—e, S. plattbanm. Der plattreif, -es—es, plur.-Le— e, 'öey den Böttchern, ein plattes, d. i. breites, eisernes Faßband, welches man imNoch- falle um ein angefüllles Faß schraubt, wenn die ordentlichen Reife zerspringen. Die plattvose, plur. die — n, in einigen Gegenden, ein Nähme des Mauerpfeffers, S. dieses Wort. Der plattschlrcH , -es—es, plur. doch nur von mehrern Arten, die — e, im Hitttenbaue, eine Anart in Gestalt eines Sinters, welche bey den Goldproben durch den Schwefel des Goldkieses erzeuget wird. » Der Plattstampfer, des—s, plur. m vom. ffuZ. bry den Hutmachern, eine viereckige messingene Platte, die Runzeln damit aus dem angefsrmlen Hute zu streichen, ihn platt, d. i. gleich und -eben, .damit zu drücken-, zum Unterschiede von dem Rrummstampfer. Das plattstück, des — es, p!ur. -Le — e, bey den Tuchbcrei- Lern, die obere Scheide an dem Rahmen. Der Plattteller, oder plattteller, -es—s, plur. utrrOTN. liuZ. ein platter Fuß von Thon oder Metall der Wäscherinnen, die heiße Platte, wen» sie nicht gebraucht wird, daraufzu sitzen. Der Platttopf, ^der Platttopf, -es—es, plur. die—ttepfe, ein in rinigell Gegenden üblicher besonderer eiserner Topf, die eisernen Bolzes zu den Platten darin mit Vortheil heiß zn machen. Die Plattwäsche, öder plffttw asch e,plu r. r u vl,be y d en Wäscherinnen, Wäsche, welche geplattet oder geplättet werden muß ; zum Unterschiede von der Rollwäsche. Die Plattzeit, plur.die— en, S. Plattbaum. L. Der Platz, -es—es, plur.die—e, und Plätze, ein Wort, welches eine nnmittelbrrre Nachahmung desjenigen Schalles ist, -welchen ein platter schwerer Körper macht, wenn er auf denBoden fällt, wenn ein Körper platzet, d. i. durch innere Gewalt zersprenget wicd,wenn die mit Heftigkeit eingepreßte Lufreinen plötzlichen Ausgang gewinnet,.und in andern Fällen mthr ; welchen Schall mau anch als eine bloße Inlerjection auszudruckes pflegt. Platz! La lag es. Platz! -a sprang es von einander. Noch häufiger aber in Gestalt eines Hauptwortes; Plur. Platze. Das Gewehr xins-los und that einen heftigen Platz. Mit einem Platze zerspringen. Das gab einen Platz. Ich horte einen Platz. (S. Platzen.) Figürlich bedeutet es auch, theils einen Schlag mit eineM platten, d. i. breite» Werkzeuge, einem einen.Platz auf -en Hintern geben, wo es im Plural auch die Plätze hat,ttheils die Geschwindigkeit, weil der Schall dieser Artfllbige allemahl voraus setzt; doch nur in der im genwine« Leben üblichen R.A. auf dem Platze, d. i. den Augenblick,. wofür auch auf den Plotz, auf dem plutz üblich find, S. das erste. Nach einer noch weitern Figur ist im Forstwesen, der.Platz, plur. die Plätze, diejenige ^ Stelle an einem Baume, wo die Rinde und zugleich etwas Holz von demselben ausgehauen worden, zum Zeichen, daß der Baum veckaufUst,oder daß er gefallet werden soll; wo.zunächst gleichfalls aus den -schall gesehen wird, welchen dieser Hieb mit der Axt verpflicht, S. Abplätzen und Anplätzen. P!« 7ZZ Anin. Für Platz, so wohl wenn es einen Schall, als a«H wenn es einen Schlag bedeutet, ist auch Platzer, und von einem kleinern nnd schwächernSchalle vderSchlagc auch Platzer üblich (S. dasselbe.) Im Niederst lautet dieses Wort Plast, und da be! -eiltet cs auch einen Fall, selbst m den figürlichen R. A. zu Piaffe kommen, zu Falle kommen, übet aulaufcn, zu plasse bringen, zu Falle bringen, striezen, plautz, plotz, Platz, find auch in den gemeinen Sprecharren gangbar, gröbere Platze auszndruckeii, so wie plitz zuweilen gebraucht wird, einen schwächer« zu bezeich. .wen. Dieses unmittelbar von der Natur copirte Wort ist übrigens das Stammwort von Blatt, platt, Platte, dem folgenden Platz, und allen übrigen diese- Geschlechtes, ws cs solche Dinge bezeichnet, welche wegen ihrer eigenthnmllchen Beschaffenheit fähig sind, diese Art des Schalles hervor zu bringen. S. Der Platz, des—es, plur. die Plätze, Diminut. das Platz: chen. Oberd. plätzlein, ein platter, d. i. breiter, ebener und dünner Körper, und ein breiterund ebener Theil der Erdfläche. ».Ein platter, d. i. breiter, ebener und dünner Körper; in welchem Falle es doch nur noch in Einem Falle gebraucht wird, da in andernplakke und Blatt üblicher find. Ein platter, d. i. bresi rer und ebener Kuchen, heißt in vielen Gegenden ein Platz, und iu andern ein Fladen. Ein Eperplatz, ein Everknchcn, Mstcr- platz, Osterkuchen oderOfierfladen. Die Zuckerplatzchen odcr Zuckerplatzlein find kleine dünne Kuchen dieser Art von Zucker, Mehl und Eywciß. Im Böhmischen placek, im Mittlern Lat. kluilis. Es ist mit Fladen nnd dem Lak. Eines Geschlechtes, ohne eben von dem letzter» abznstaniincn. 2. Ein platter, d. i. breiter, ebener Theil der Erbstücke. r) Eigentlich, ein breiter, ebener oder geebneter Thttl der Erdfiäche,so fern gewiffeHandluugen daraufvorgenommen werden sollen, und welcher ehedem auch der plan genannt wurde. Ein freyer Platz, welcher mit nichts besitzt ist, inglcichen, welcher durch nichts emgeschräickt wird. Ein schöner ebener Platz. Ein grüner Platz. Mffenrliche Plätze, dergleichen z. B. die Marktplätze sind. Ein bedeckter plag vor einem Hause. Ein Gar- renplatz, so fern einGarten auf demselben angelegct werden soll. Der Marktplatz. Spielplatz. Richtplatz, Mnsterplatz, Sammelplatz, Schauplatz, Schießplatz, Tanzplatz, Fechtplatz, Airchplatz, Tummelplatz, Rampftilatz, Wahlplatz, S.st« achtplatz, u. s. s. welche letztem zmveilrn auch nur schlechthin Platz genannt werden. Aufdemplatze bleiben, auf dem Kampfplatze, isn Gefechte, in einem Handgemenge gctödtet werden. Gleich auf dem Platze seyn, eigentlich, gleich auf dem Kampfplatze, und ^gürlich, gleich zu etwas bereit simr. (S. auch plan.) Im Forstwesen einiger Gegenden ist der Plag ein bestimmter Theil der Erdstäche mit dem darauf befindlichen geschlagenen Holze. Fünfzehn Schock Scheite machen alsdann einen Platz und vier Plätze einen Sechzig, -, i. sechzig Schock. 2)Ein von Menschen bewohnter Theil der Erdfiäche.wo die- sesWsrt vonSchlössern,Städtcn und zuweilen auch vonDörfcrn, -sch nur in Rücksicht theils auf die Befestigimß oder Festigkeit, theils auch auf die Handlung, gebraucht wird; im Franz.^Iace, im Mittlern Lat. Glaces, (a) In Ansehung der Befestigung. Ein fester Platz. Ein offener Platz. Das Wort Mrt wild auf eben diese Art gebraucht, (b) I» Ansehung der Handlung. Ei» Handelsplatz, eincStadt, cinFlcckcn, einDo-rf, woHaudlu.ng getrieben wird. In einem Handelsplätze, welcher eine blühende Großhandlung und xin beträchtliches Wechselgeschäft hat, pflegen die daselbfl befindlichen Kanflence diesen Ort um der Kürze willen ' nur schlechthin dey Platz z,r nennen. Es sind keine Laffehboö- nen aufdemplatze, d. i. in dieser Stadt. Es sind jetzt viele . Englische Briefe auf dem Platze. Jede Maare, welche in dieser ) Stadt Sicdt selbst verfertiget wird, heißt alsdann eine Maare vom Platze, um sie von auswärtigen zu unterscheiden. Das Leder vom Platze gilt so viel, d.i..das hiesige Leder. z) DerjrnigeRaum, welchen ein Körper mit seiner Grund; stäche ein nimmt, weil dFrsclbc gemeiniglich als eine platte, d. i. breite und ebene Fläche voraus gesetzrt wird, das besiiznmte Ver- hältniß i» der Reihe und Folge der aufuird nebeneinander kommenden Dinge. (a) Eigentlich, vielen Platz cinnchmen, eine Fläche von bctrachtllchcmUmsange einnehmen. Das ist meinplay. Sich an seinem Platze s-tzcn, stellen. Jemanden von seinem plage vertreiben. Nehmen sie Platz, sagt man in der höflichen Sprechart, filr das niedrigere, setzen sie sich nieder. Als dr> Zuschauerplatz genommen hatten, sich jeder auf seine» Play gefttzct Hatle. Von seinem Plage aufstehen. In andern Fällen ist Stelle, und von leblosen Dingen das sich weiter erstreckendeiprt' üblicher. Dev Stuhl steht nicht an seinem rechten One, für ausseniem rechten Platze. Stolz tritt an die Stelle der Demuth und 5uhlloflgkei> nimmt den Platz der Menschenliebe ein.. (b) Figürlich, die Würde, das Amt, welches jemarrd bekleidet, die ihm anfgctragene Verrichtung; doch nur in einigen Fällen, in welchenin der anständigen Sprechart doch auch Stelle üblicher ist. Lines andern Platz einnehmen, dessen Verrichtungen, dessen Amt übernehmen. An eines Platz kommen, an dessen Stell-'., Jemanden von seinem Platze vertreiben, aus fernem Amte. Ware ich an deinem Plage gewesen , besser, an deiner Stelle. Daher man für Platzhalter auch lieber Statthalter oderStcll- vertrcter sagt. 4 ) In weiterer Bedeutung, derjenige Theil des Raumes,, welchen ein Körper mit seiner Grundfläche cinnchmen kann oder ftll, und in werterer Bedeutung, derjenige Raum, welchen ein Ding einnehmen kann, oder einrrehmen soll, (a) Eigentlich. Ls ist hier nur für zwep Personen Platz. Es ist kern Platz mehr' La. A^e Platze sind besetzt. Einem Platz machen, so wohl — überhaupt, ihm so vielen Raum verschaffen, als er bedarf, als- auch ihm welchen, piatz gemacht l Die vorige Welt, die nun der Unsrigcn Platz macht. plcrtzzu etwas lassen. In einem Briefe, in einer Schrift zu etwas Platz lassen. Ern leerer Platz, sofern er von einem andern Dinge eingenommen werden' kann oder soll. Jemanden einen Platz bestellen, einen Ort, wohin er sich setzen oder stellen könne.. Das nimmt mir zu vielen Platz weg. (b) Figürlich, doch nur in einigen N. Ä. Eines Bitte Platz geben, sie bewilligen. Der Gnade Gottes Platz geben, sich ihren Wirkungen überlassen. Sss auch, der Billigkeit, der Wahrheit, eines vMellungen u, s. s. Platz geben.. Die Wahrheit sinder selten Platze wird selten angenommen und befolget . Eines Bitte Platz finden lassen, sie bewilligen. Die Wahrheit, die Vorstellungen, eines Bitte u. s,s. Platz greifen lassen, in den Kanzellepen, Die Wörhrr Raum und Statt werden auf eben diese Art gebraucht. Anm. Im Niederst Plass, im Holland, klaats, im Schwed, klsls, im Engl. im Franz,kluce, im Ztal. klares, im Pohln. und Böhm, l^luc. Es ist, wie schon oben bemerkt worden, eine bloße Figur von » Platz, unddrucktzunächst den Begriff der Fläche und der Grundfläche aus. Das Lat. ketten, dee Gasse, im Augeist l'stnut8, ist genau damit verwandt. S. auch Platt, Platte, P flaster, Bi c?: e, ^ Breit, 5!otz u,st s. Dev platz-2l-juräi-.r, des —en, plur. die—en, der Adjutant des Platz-Majors / S. das letztere. Der Platzbacr'er, des—s, plur, ul na m. flnZ, ein Bacher, welcherreücorde! 'liebes Backhaus hat, keine Vursche'üalteu, auch kein weißes, so ui ern nur schwarzesBeor backen darf; vermuthlich »eil er eigentlich nur Platz. zn hackm befugt ist. Die platzbüchfe, xlur. die — n, S. Rlarfchbüchse. Die Plätze- plur.die — n, im Forstwesen einiger Gegenden, die vordersten Schlägel einer wilden Sau, entweder wegen ihrer platten Form, oderauch als ein gleichbedeutendes Wort von Hammer/ Schlägel , Leule , welche Nahmen in diesen Fällen gleichfalls üblich sind, und von platzen, schlagen, abstammen, In den Kü» chen ist die Plätze ein starkes breites Messer, welches mehr zum Hauen als zum Schneiden bestimmt ist, Platzen, vsrb.reZ.neuir. welches, i . eigentlich- den Schall nachahmet, welcher entstehet, wenn z. B. ein breiter platter Körper auf einen andern geschlagen wird, wenn ein heftiges und starker Regen schnell ans harte Körper fällst wenn ein Körper durch eine innere Gewalt heftig ausgedehnet und plötzlich zersprenget wird, wenn die in einen engen Raum zusammen gepreßte Luft auf eiu- mahl eine völlige Öffnung gewinnet u. s. s. diesen Schall von sich geben, verursachen, da es denn das Hülfswort habcnr bekommt-, Ich höre etwas platzen. Es regnet, daß es platzt; Rieders. Piastern, (S. Platzregen.) Das Holz platzt im 8encr, wenn cs im Brennen diesen Schalstvon sich gibt. Pulver, welches nicht plagt, nicht knallt, r. Figürlich, da es zugleich das HAssrvo'. t feyn bekommt, i) Durch innere Gewalt ausgedehnet Werd, u und» plötzlich zerspringen oder zerreißen.; springen, atrstspringen. 'Es sind drey Douteillen geplatzt. Die starken Ncifenbiumen pflegen im Aufblähen gern zu platzen, wo man es auch prassen trennet. Die Blaste platzt, weis» sie zu sehr ausgedehnet wird. Die Bastanicn platzen auf den Lvhien , wenn sir inchr ringe- kerbet worden. So viel essen, daß man platzen mochte, im gemeinen Leben, 2 ) Mit ei,am den, Platzen ähnlichen Schalle inodes auf etwas treten, fallen, und nach einer noch weitern Figur, plötzlich und ungestüm zum Vorschein kommen, dem Dreck platzen. Er plagte hin , so lang er war. Er platzte,, ohne sich amneldcn zu lassen, in das Zimmer herein. Zu- gleichen unbesonnen mit etwas heraus fahren. Mit etwas heraus platzen, es plötzlich heraus sagen. Es harre nicht viel gefehicr, daß ich losgeplatzt wäre- Weiße, g) In einigen Gegenden ist platzen prahle«, und ein Plager ein Prahler, So mich das Platzen, An m. Im Niederst p lassen, im Engl, io plustst, im Pohln, Ps ulk. S. 1 Platz und plötzlich, Platzens verb. reZ.act. welches das Bctivum des vorigen iss, platzen machen, denjenigen Schall, welchen man nur plag ausdruckst hervor bringen, > Wenn man mir einem Fcnergewehre schießet, nicht so wohl nm zu treffen, als vielmehr inn djesenKnall hervor zu bringen, ftt platzet man,;, in welchem Falle manche platzen sagen, welches doch wider die Analogie der u eisten Aeti- vorum dieser Art ist. Mir der 5lintc unuöthig platzen. Ein Lind auf den Hintern Plätzen, es mit der flachen Hand , ober einem breiten Werkzeuge aufdvm Hintern zstchtigen, gleichfalls wegen des damit verbundenen Schalles. S. Platzer. Der Platzer, des—s, pj.ur,M vorn.IIuZ. ein oft für 1 Platz übliches Wort, S. dasselbe. Der Platzer, des —s, xlur, M asm. flnZ. von dem Festwerte platzen, ein Schlag mit der stachen Hand, noch mehr aber mit einem platten, d. i. breiten und flachen Werkzeuge, Einem Linde Platzer geben, cs mit einem solchen Werkzeuge, welches in Nie- dersachsi'ir die Handpatsche heißt, auf die flache xmch jchlagcri. S. auesi 1 Platz. Das plcktzfäß, des—sses, plur. die fässer, ein Zaß,wori»r dn- Kupferschmiede das Kupfer avpla gen, d. l. abwscheu. Das plütztzolH, des — cs, ^Iur,i Lr. S. Lnasstzold, Das platztzras, des—cs, x'ur, inul. S. Berügras, Der Platzhalter, des—s,- ^lur. Muuru, üuZ. S. 2 plag ^ Ddd -- D e x- Der platzlnrsch, des — es, plur. die — e, S. Planhirsch. P5atzis, aäj. et ack v. welches nur im Forstwesen üblich ist, worin plätz'ger: sau ein solcher Hau ist, in welchem hin und wieder nur kleine Striche oder Plätze abgcholzet werden. Der platzknecht, des—es, plur. dw—e, in einigen Gegenden unter dem gemeinen Volke, derjenige, welcher unter den Tanzenden auf dcm Lüuzplatze den ersten Reihen führet; der vorränzer, bey andern such der Platzmeister. Das plcrtzkraut, des — es, plur. inust. S. Brrstgras. Die platzkugel, plur. die —n, in der Physik, eine wohl verwahrte mit Luft angesüllte gläserne Kugel, welche mit einem heftigen Knalle zerplatzet, wenn man,sie auf Kohlen legt, und dadurch die innere Luft ansdehnet. Der Platz-Majör, des— s , plur. die—e, in Festungen, ein Major, welcher die Wachen verrhestet und besichtiget; der Platz- Adjutant, deffeu Adjutant. Bermuthlich von Platz, so fern es zuweilen eine Festung bedeutet. Der Platzmeister, des—s, plur. ut uorn. stvA. S. platzknecht. Das Platzpulver, des — s, plur. doch mir von Mehrern Arten, ur°uo:n. liuZ. S.Rnallpulver. Das Platzrechtz, des—es, plur. iuus. S. Grundrecht. Der Platzregen, des — e, plur. ut nom. 6n§. ein heftiger Regen, welcher in grasten Tropfen in großerihlengeuud mit großer Geschwindigkeit fällt, von dem platzenden Geräusche, welches er erreget; der Schlagregen, Gußregen, Niederst plasregcn. Der Plauderer, des—s, plur. ut uorn. linZ. Fämin. die plaudrerinn oder plauderinn, eine Person, welche plaudert, und in engerer Bedeutung, tvelche eilte Fertigkeit zu plaitdern besitzet; im gemeinen Leben ein plaudermaul, eine Plauderrasche, ein plaudermatz. Von dcm Fäminino S. —Inn. Dieplauderey, plur. die—en, das Plaudern; ohne Plural. Zngleichen eine unbedeutende schnell vorgebrachte Rede. In enge, ecr Bedeutung, eine solche Rede, so fern sie Zum Nachtheil and» rer gereicht, andere Personen veruneiniget. Plaudereien an- richten ; im gemeinen Leben "Klatschereien. Plauderhaft, —er, —effe, ackj. et uäv. statt des minder nb- lichenplaudcrhaftig, geneigt, und Fertigkeit besitzend zu plan, bcrn. Lin plauderhafrer Mensch. Jngleichen, geneigt und Fertigkeit besitzend, die Heimlichkeiten anderer ohne Noch bekannt zumachen, schwatzhaft waschhaflig. plauderhast seyn. Die plauderhaftigkeit, plur. eur. dieFertigkeitzu plaudern, m Heyden Bedeutungendes vorigen Wortes, die Unmäßigkeit im Gebrauche der Znnge; die Schwatzhaftigkeit, Waschhaftigkcit. Der plaudsrmarkt, des — es, plur. die —markte, ein Ort, wo mehrere zusammen plaudern, im verächtlichen Verstände; eine von den Marktplätzen, dem gewöhnlichen Sammelplätze der g» meinen Plauderer, entlehnte Figur; der Blatschmarkt, Waschmarkt. Der plaudermatz, des —es, plur. die — matze, S. Plauderer und Matz. Das plaudermaul, des—es, plur. die — Mauler, S. Plauderer. Blaudern, verb.reA. ueutr. welches daSHülfSwort haben erfordert, viele unbedeutende Worte mit einer gewissen Geschwindigkeit Vorbringen, viel, schnell und unbedeutend reden. L>en ganzen Dag plaudern. Er hörte nicht auf;» plaudern. In der vertrau, lichen Sprechart wird es auch sowie schwatzen von einem jeden vertraulichen Gespräche gebraucht, wir plauderten die ganze xlcrcht mit einander. Dagegen es auch im verächtlichen Verstände zuweilen von dem Reden an Unrechten Orten gebraucht wird- )n -er Kirche sitzen und plaudern. Dft bedeutet es auch in engerm Verstände die Heimlichkeiten anderer ohne Noth bekannt machen, besonders in dem zusammen gesetzten ausplaudecn. Daher das plaudern. Ann?. Im Mieders, pludern , pladdern, plätern, ssatern, im Schwed. lftsIcira, pluclclrL, »li Latein, bluterare, im Griechischen . Es druckt vermittelst der Zungenbnch, staben l, h, r uno des Kehllautes au, eigentlich die Beschiss, tigung der Zunge un-) der Kehee rin Plaudern aus, so wie plappern mehr auf die Bewegung der Lippen sichet. Die gcinei« neu Spr echarteil Deutschlandes sind überaus reich an nachahmen- den Ausdrücken , das Plaudern und dessen verschiedene Acten zu bez ichneit; wohin oas rnaucielclioleu desNolkcr, die Oberdeitt, schenplampen, plampern, guderschen, rätschen, klaffen, die Hochdeutschen waschen klatschen, schwatzen, schnatern, labern, die Niedersächsischen slabbern, schaleir, kaueln, kakeln, haspeln, piterpaterni praren, prallen, (Engl. W prate, praltle, Gciech. raüern, sludcrn,.tlccltateln, zaustern, ssubbern, tca.ir, relskcn u. s. f. gehören, welche doch bäld diesen, bald jenen Nebeubegriff bey sich haben. S. Plappern, Klatschen, Reden u. s. f. wo oeren mehrere Vorkommen. Die pläudertäscl-e, plur. die — n, Diminut. das Plaudertäschchen, eine plauderhafte Person, besonders weiblichen Geschlechtes, eincPerson, welche gern und viel plaudert, (S.Tascpc.) Rieders. Gnaterraske, Räteltaske, plätcrraske, Geschcwaske, paukeraske u. s. f. Die plaure, plur. die — n, im gemeinen Leben einiger Gegen- den, ein kurzer und breiter Degen, und im verächtlichenVerstande, ein jeder großer unförmlicher Degen ; in einigen Gegenden die Plötze, plime. Von platt, breit und flach, als eine Nachahmung des Schalles, welchen ein Schlag mit einem solchen Degen verursacht, den man auch wohl eine Plämpe, Pampe und Pratze zu nennen pflegt. Die Plcrutze, plur. doch nur von mehrcrn Arten, die — n, im Bergbaue, eine Art Zwitter, welche auf dem Zinnwalde im sandi- gen Gesteine bricht, plautz! ist ein unabänderlicher Laut, womit man eine Art eines Schalles nachahmet, S. i Platz. Die pleiHe, plur. die — n, in einigen Gegenden, besonders in Meißen, eine aus Planken oder Breteru bestehende Wand ; eine Planke, mir welchem Worte es Eines Geschlechtes ist, (S. das. selbe.) Von vielen wird es Bleiche geschrieben und gesprochen, S. 2 Bleiche. plerren, S. plärren. Das pletzfaß, S.Bletzfaß. plinsten, mit halb geschlossenen Angen sehen, S. Blinken. Die plinse, plur. die—n, eineArtdünnerPfannkuchen ans einem mit Milch.und Eyern angemachtenTeige. Im Churkreise und m der Nieder-Lausitz werden diese Plinsen von den gemeinen Leuten auch ausBuchweitzenmeM gebacken. Daher dasplinseneiftn oder plinscnblech, eine Art eiserner flacher Pfannen, die Plinsen darin zu backen, an deren Statt man an andern Orten irdene Plinsentiegel ohne Füße hat. ES ftammcr vermittelst der AbleitungS- sylbe—se von plan, platt, ab, und bedeutet eigentlich ein platt tes dünnes Ding, so daß es mit 2 Platz, ein platter Kuchen, Fliese, Planke, und andern dieser Art Eine» Geschlechtes ist. plinsen, oder plinzen, mit halb geschlossenen Augen sehen, siche Blinzem Der plott, des—es, plur. die—e, ein Ding mit einem brettern Fuße als gewöhnlich ist. Es kommt nur bey einigen neuern Schriftstellern des^h>erreiches,z.B. bev dem Klein, vor, diejeni- ' gen Vögel zu bezeichnen, deren Vorderzessen mit einer starken pcrgamentartlgen Haut verbunden werden, die zum Schwimmen geschictt macht, und welche bep auderu parscysußc heißen. Es rsi 7§Z Plo aus dem? 1 otu 8unb ^lautus der altern Lat-elner entlehnet, welches einen breitfüßigen Menschen bedeutete. Der plotz, des-es,plur.inus. ein Wort, welches den Schall Nachahmer, welchen ein schwerer platterKörperdnrch einen schnellen Fall macht, und zwar einen Schall gröberer Art, als man sonst durch Platz ausdruckt. Am häufigsten gebraucht man cs von einer großen Geschwindigkeit, doch nur in der R.A. auf denplotz, d. i. den Augenblick, sogleich, alsobald, welche aber nur in den gemeinen Sprecharten gangbar ist. Auf den Plotz kann ich es nicht schaffen. In einigen Gegenden sagt man auch auf den Plutz, in Niedersachsen auf den Stütz. S.» Platz und plötzlich, welches letztere davon abstammet. Die Plötze, plur. die — n, eine Art Weißfische, welche sich in Flüssen, Seen und Teichen aufhalten, ungefähr eine Spanne lang werden, einen platten, breiten Leib, weiß glänzende Schuppen nnd hellrothe Floßfedern haben, daher sie mich Rorhfedern genannt werden. Sie haben ein grärhiges und weiches Fleisch. In einigen Gegenden.ist es männlichen Geschlechtes, der Plotz. des—es, plur. die —e, in andern lautet es Bletz und Blötz, im Mittlern Lat. k^lota. Der Nähme rühret vermuthlich von der platten Beschaffenheit des Körpers her, daher er zu 2 Platz, ein platter Kuchen, Flötz, Platte, platt u. s. f. gehöret. plötzlich, -—rr, — fte, ach. st aäv. was auf dem Plötze ist oder geschieht, d. i. was unvermmhet und ans einmahl ist oder gcschiehct. plötzlich müssen die Leute sterben, H«ob 34 , 20. Ich willfle plötzlich vertilgen, 4 Mos. »6, 44. Um und um wird ihn schrecken plötzliche Furcht, Hiob l 8, i >. Eni plötzlicher Fall, plötzlicher Schrecken, plötzlicher Anall, plötzlicher Sturm. Die plötzliche Errothung ihrer Wangen. S. auch Urplötzlich. . , Anm. Im Schweb. plöl-slIZ, im Holland, plotlsl^lv. Es ist von dem vorigen plotz, und druckt eigentlich etwas aus, was mit einem Platze oder Pmtze, d. i. einem schnellen unvcrmuthet und aufeinmahl ausbrechenden heftigen Schalle ist oder geschichet, und daher kommt es auch, daß es häufiger von unangenehmen und gleichgüttigen, als von angenehmen Veränderungen gebraucht wird, ungeachtet die letzter,! dieses Wort keines Wegs ausschlie- ßen. Nun aber ist ein wenig und plötzlich Gnade von dem .Herrn geschehen, Esr. 9, 8 . Eine plötzliche Freude. In dein »52z zu Basel gedruckten neuen Testamente Luthers wird blotz- !ing durch gehlin g , schnelliglich erkläret. Im Niederst ist dafür murz üblich, S. Morsch. Die Pluderhosen, linZ. inust. im gemeinen Leben, weite, lange, gemeiniglich bis asfdie Fersen herab reichende Beinkleider. Im, Pohln. Von dem noch in Baicrn üblichen plodern, weit, locker scyn, welches ein Geschlechtsverwandter von flattern, Lotter, schlottern u. s. f. ist. S. Pomphosen. Die plumunte, plur. die—n, eine Art Amerikanischer Wilder Ämen, welche anfdem Kopfe zwcy lange an beyden Seilen glerch- sam haarige, blaugrnne und purpurfarbene Federn herab hangen haben, von welchen auch ihr Nähme herrührt t; cmtiara ^mericauali/s/zr. Im Rieders, ist plume, im Engl, klucne, im Französ. l?lume, und im Lat. t'iuma, die Flaumfeder, S. d lest s Wort. Der plümenschrvänzes, des — s, plur.utnom. lln!;. eine Art in Brasilien einheimischer Drosseln, I^urcius crtiiarus welche eine,t wolligen Ri cken und Schwanz, nnd einen Haangen Kamm hat. Müdem vorigen aus Einer Quelle. Plump, sme Jntccjcction, welche den Schall nnchabmet, den ein großer dicker und schwerer Körpermmcht, wenn er piötzl.ch in ein tiefes Wasser fällt. Plump l da siel er m das Wasser. P l» 794 Pllmp l da lag kr. wenn der Stein in das Wasser fällt, so macht er plump l S. Plumpen. Plump, — er, — este, ackj. et aäv. ein unmittelbar von dem vorigen gebildetes Wort, oder vielmehr, dasvorigein Gestalt eines Bey - und Nebeuworres. r) Eigentlich, eine unförmliche, schwere, ungebildete Masse habend, deraleichenKörper den vorigen Schall im Fallen,nnd zuweilen auch in ihrer Bewegung zu machen pflegen, da es denn von allen Körpern nnd deren Thcilen gebraucht wird, welche nicht die verhältnißmäßigeFeinhcit undZier- lichkeit haben. Ein plumper Äorpcr. Plumpe 6ände und Füße haben. Eine plumpe Figur. Ein plumpes Gesicht. ^ Figürlich, dieser körperlichen Beschaffenheit ähnlich, derFeinhcit, Artigkeit, Leichtigkeit und des gutenGeschmackes in einem sehr hohen Grade beraubt. Ein plumper Gang. Ein plumper Scherz. Plrunp zu fahren. Plump zugreifen. Etwas plump angreifen. Plump mit etwas umgehen. Ein plumper Geschmack. Ein plumper Mensch, im Niedersachs.pü.5 perjaan. Anni. Im Niederst und Engl. gleichfalls plump, im Holland« plomp. (S. das vorige.) Von Rlumpe ist es nur in dem Vorschläge unterschieden. Die Plumpe, S. Pumpe. Plumpen, vsrl>. reZ.ueutr. welches das Hülfsworthaben erkor» dert, und von der Jnkerjection plump gebildet ist. i) Den Schall von sich gehen, welchen man durch plump ausdruckt. Es fiel indasWasser, daß es plumpte. Ich horte es plumpen« a) Figürlich, zunächst Handlungen begehen, welche diesen Schaff verursachen, mit demselben verbunden sind. So ist in das Wasser plumpen, m das Wasser fallen, so daß dadurch dieser Schaff verursacht werde. Bey dem Fischen plumper man gleichfalls m das Wasser, wenn man mit'großeil schweren Stangen in dasselbe schlägt, um die Fische in das Netz zu jagen, welche Stange die Plnmpkäule und der Plumpstück genannt wird. Nach einer noch weitern Figur ist in das Zimmer plumpen, plötzlich, plump und» ungeschickt hinein treten; mit etwas heraus plumpen, es aus eine rulbedachtsame nnd ungeschickte Art plötzlich heraus sagen. (S. auch Zuplumpen.) Von einer andern activen Bedeutung« S. Pumpen. Daher das Plumpen. Im Schwed, plumpa,im Englische« to plump. . Die Plumpheit, plur. die — en,b-e Eigenschaft eines Dinges, dü4s plump ist, in borden Bedeutungen dieses Wortes, und ohne Plural. Jngleichen, ein plumpes Betragen, plumpe Reden nutz Handlungen. Die plumpkssule, plur. die —n, S. Plumpen. Der plumpftock, des — cs, plur. die —stocke, S. eben daselbst. Lerplunder, des—s, plur. ca r. eigentlich, untaugliche und abgetragene Kleidungsstücke und bereit Thcile, Lumpen. In weiterer Bedeutung, untaugliches und abgenutztes Gcräth, und figürlich, eine jede schlechte, verächtliche und unerkeblicheSache. Das ist nur Pulndcr. weg mit dem Plunder! Leute, die allen Plunder wissen wollen, Lest. Anni. Bey dem Hornegk plundrech. Es ist mit Leinen und LumpeEinesGeschlechtes, uud scheinet ehedemZeng mrdKleidung überhaupt bedeutet zu haben, wenigstens wird die Wäsche in der Schweiz ncch im amen Verstände Plunder genannt, und bey dem Spangenberg kommt geplündertes Hausgeräth noch untrr dem Nahmen des Plunders vor. Im Niederst sind plunnen, plunn- ken, ehedem plunden, Lumpen, Holländ.kluvje. Es druckt so wie seine Verwandten eigentlich die weiche schlotternde Beschaffenheit aus, daher wird auch dicke geronnene Milch in Nredersachs. plun- dcrmllch,uttd verderbtplumpermilch genannt.ZmEngl. isti«uiN- ber abgeni,tztcrHauc.rath,k 1 ull 6 er aber die Beute,S.plündcrn« Vd- s Der > '-''- 79L Pl» Der plunöerev, Les—s, xIur»uloom.fluZ. Personen, Leute^ welche plündern. Die plunöerkammer, xlur. die—n, eine Kammer, in welcher mail den Plunder, d. i. den untauglich gewordenen oder abgenutzten Hausralh, zu verwahren pflegt; die plunderkrste oder der Plunderkasten, eine solche Kiste, ein solcher Kasten. Der pbunderkrünr, des— es, plur-.inus. der Kram, d. i. Handel mit Plunder, oder abgetragenen Kleidern und abgenutztem Hansrathe; der Trödelkram. Auch der Plunder selbst, so fern er ein Gegenstand des Handels ist,wird zuwrilen.PIunder.Pram genannt. Der plamörrmanir, des — es, plur. die — Manner, oder —lenke, irr eichgen Gegenden, ein Rahme des Lumpensammlers, der die Lumpen zum Gebrauche der Papiermühlen sammelt; von Plunder-, Lumpe». Die plimöermilct?, plur. cnr.S.Plunder Anm. Plünöern, verb. re,H acr. von Plunder, t) Bey den Taschnern wird ein Stuhl abgeplündert, wenn dasjenige, womit er beschlagen ist, abgenöwmen wird. 2) Am häufigsten bedeutetes, nach dem Rechte des Krieges, des Hausgeräthes und dev beweglichen Güter mit Gewalt berauben. So plündern die Soldaten «uns Stadt, wenn ste die beweglichen Girierter Einwohner mit Gewalt aus den Häpsern tragen und sich zucignen. DenSolda» sen das plündern »erstatten. Die anfrührischen Unterthanen plünderten die Birchen und Mauser, so fern der Aufruhr als eine Art des Krieges angesehen wird. Daher das Plündern und displünderung. Anm.JmSchwcd. pluadrs, imCngl.Lo ptvnäer, im Böhmischen pluodrotvati. Wachter leitete es von demin dcirLon- gobardischenGesetzen befindlichen fpäternLat-dlutLre^ansleeren, berauben, her, woraus durch das eingeschalteten leicht plündern werden. kyuirLN, und welches wiederum vonkbloß, ehedem blot, abflammen soll. Allein man kann mitmehrererWahrscheinlichkeit bcy dem Worte Plunder stehen bleiben, welches ehedcm Hausge- xäth, beweglichesGut überhaupt bedeutete, da dieses doch nur- ein Gegenstand der Plünderung ist. Plunder bedeutete daher ehedem auch geplündertes Gut, Beute; in welchem Verstände das Engl» Wunder noch setzt gebraucht wird. Ehedem war dafür auch ppchen, und imNiederst pilligen üblich, Franz-. piUsr, Engl. io pi!lLZe,Lat.expi!are. DasHauptwortplünderey fürPkün- derung ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. Er ward mit plünderey berankt von jedermann, Opitz. Der pliinöerstock, des—es, x!ur. die—stocke, in der Bienenzucht, ein Stock, welcher von Raubbienen bewohnet wird. Der p!üftch, des — es, xd or. doch nur von mcyrern Arten, die — e,, ein dem Sammtähnliches Gewebe, welches einen leinenen Boden hat, wo aber der Einwag Seide oder Kämehkhaare ist; in dem ersten Falle heißt er- pliischftrmmt, oder halber Sammt, - in dem letzten Falle aber kamehlhaarcncr Plüsch, oder auch nur Plüsch schlechthin. Der Rahme ist aus dem Französtkelucke,. Zral. I'tduceüOrbeluLRo, welche beyden letzter» Diminut. von L^elo, das Haar, und figürlich der Sammt, find. Der plutz, des—es, plur. car.S.plotzund i Platz. Der Plutzer, des — s, xrltir. ui vorn. floß, eine nur in einigen Oberdeutscher» Gegenden übliche Benennung derKürbisse, welche arrch »»r eiuigeuGegendeu plotzsr genannt werden. Auch ein irdener Becher wü einem großer» weiten Bsnche ist daselbst unter diesem Nahmen beka»»nt. Mau stehet bald, daß die ausgedehnte , MifgedunseneFigurderGrund der BsuennunK m beydcn Fällen ist. S. das folgende. PLutzkA,. —er,—ste, ach. et ndv. aufgeblasen, aufaednusen, m den gemeine»» Sprecharlen, besonders Niedersachftrls. Eii» Poch 796 plritziges Gesicht, plutzige Finger. Niederst plntzig, plÜffig, und plüß. Es gehöret zu dem Geschlechte der Wörter Blatter, Blase, blasen, vrXko?» plsnus u. s. s. Zm Schwed. istxlirlL KZ sich anfüllen, voll pfropfen. ^ Der Pöbel, des—s, piur. inul. I. Das gememeVokk, der größte und niedrigste Haufe in einem Staate, der große Hanfe. Ehedem war dieses Wort ohne allen verächtlichen Ncbenöcariff üblich, so wie man jetzt das Won Volk gebraucht, nnd in diesem Verstände komrrttes auch noch mehrmahls in derDeutschen Bibel vor. Tellern heut zu Tage klebt ihm fast in aller» Fallen der Begriff der bürgerlichen so wohl als fittlichcnRiedrigkekt an, daher man dieses Wort selten anders als mit einem verächtlichen Neberr- begriffe gebraucht, r. Figürlich, i) Persenen ohne Tugend und vorzügliche Denkungsart, Personen, welche in ihrer Art zu denken ulld zu handeln dcmPöbel in der vorigenBedeutnng gleich find, da man demszulveileir wohl von dem pöbfl in allcrley Standen spricht. 2) Die größte und geringste Anzahl von Dingen Einer Art-. Der Tod sieht keinen Vorzug an, Und stellt den allergrößten^Mann Zum Pöbel der gemeinen Schatten, Haged. Der Mond und der ganze Pöbel des Gestirnes haben ihre Wanderschaft, Opitz. Anm. Bey den ObcrdeutfchenSchriftstellern der vorigenJahr- Hunderte Sebnvel, Popel, Pepe! und das Bofcl. Es «st, fo wie das Engl, keoxrle und Franz. I?eup!s, aus demLat.kopuIus - entlehnet. Sehr unnöchig, und wider die ganz entschiedene Aussprache der Hochdeutschen ist es, das harte p irrher letzten Sylbe wieder herzustellen, und dieses Wort, wie einige Sprachlehrer verlangt haben, Popel zu schreiben. Sollte die Schreibart Ser Lateiner dir Richtschnur für die Deutschen seyn, so könnte cs leicht einem Dritten einfallen, dieses Wort Populzu schreiben, und der hätte denn eben so viel Rech t als der vorige. In Boxhorns Glossen heißt das gemeine Volk kch'rifl», bey demHornegk Theo- reu, im Hochdeutschen ist im Scherze auch äans Gmnis, m Mcißeit sotklch, in Rieders. Jahn Zagel, Dlattjenvolk, u. s. s. «blich, welche größten Theits auch den verächtlichen Ncbenbcgtiff der Niedrigkeit bey sich haben. pöbelhaft, -—er,—este adj. el adv. dem Pöbel, d. i. dem niedrigsten Haufen in einem Staate, an Sitten nnd Dkiunngsart - gleich und ähnlich,mit dom ganzen harten nnd vcrächtlichenNcben- bcgriffe, welcher diesem Hanplworte anklebt. Ein pöbelhaftes BcttMen. Lin pöbelhafter Schor;. Das ^Welvolk, des— cs, xdur. laus. Volk ans dem Pöbel, Pöbel; gleichfalls nur im harten und verächtlichen Verstände. Es kommt einige Mahl in der Deutschen Bibel vor. So auch drepobelsprache, dieSprache dcs Döbels, d.». die Art und Weise des niedrigsten Hansens, sich auszndruckerr., Derpoeäl, S^ Pokal. Das pöcheijon, des—s, plur. ut nom. flog. in einem Pochwerke ^ die schwerer vicreckiami an den Pochstämpelrr befind- lichkn Eisen, vermittelst deren, das Erz klein gepocht wird. Pochen, verü.reZ. neulr. welches das Hülfswort haben erfordert, und eigentlich in doppelter Gestalt gebraucht wird. 1. Denjenigen dunkeln vdcr dumpfigen Schall von sich geben ode hören kaffen, welchen diesesZeitwc eigenrbümlich ausdrnckt. Es poche.'Ich höre es pochsu. Bey tenÄvaliier.Wenden r. Diesen diunvstgen Schall hervor bringen, besonders von dcn- steurgen Arten des Schlagens, mli welchen dieser Schall verbundm ist. r) Eigentlich, wo > s von verschiedenen Arien des 'L .lstsgrus, Klopfens oder Stoßens gebraucht wird, welche dies.a Sch- il verursachen. Air die Thür pochen, stark auflopseii. (S.Änpschcn.) _ - - .Es 797 Poch Es wird gepocht, d. i. an die Thür. Vier pocht? wer klopft an? Aufden Universitäten pochen die Studenten, wenn sie mit den Absätzen odcr Stöcken auf die Erde stoßen, (S. 2 luspochen.) In den Bergwerken wird das Er; gepocht, wenn esin den Pochwerken klein gestoßen wird , welches in andern Anstalten dieser Art stampfen heißt. Las Herz pocht, wenn cs heftig klopft. Das Zerz, das in dieser Brust oft so empörend pocht. Die Angst nnd Beschämung pochte in meinem Blute. Es pocht,-mein 6er; nicht mehr von feurigem Entzücken, Ccvn. In andern Fallen sind klopfen, stoßen, stampfen, schlagen u. s. f. üblicher. 2) Figürlich, a) ^Ungestüm und mit großem Lärmen zanken; eine veraltete Bedeutung, wofür jetzt das ähn- lichevoltern gebraucht wird. Betrug, Untreu, pochen, Meineid , WeiSh. 14, 2z. Ehe du mit deinem Nächsten pochest, ,Sir. >9,17. Der Narr trotzt und pocht, bis er wohl gebläuet wird, Kap. Z-, Z 8 . Ein Bischof soll nicht pochen, Tim. z, z. Bey den Schwäbische.'! Dichter« ist bochen eifern, b) jemanden pochen, als ein Activum, nnd nutder vierten Endung, ihm mit Ungestüm allerley Drangsale znsügen, ist iin Hochdeutschen gleichfalls veraltet. Alle beiden fingen an, das Volk zu pochen U!?d zu plagen, 1 Macc. 12, Die Unrerchanen pochen, Esth. 6, z. Wenn mich mein Hasser pock. , Ps. zz, -Z. e) Einem pochen, mir der dritten Endung, ih.,r reotzig und mit Ungestlirn drohen. Die uns mit großem Pochen alle Schande airlegen, 2 Macc. 1,28. Im Niederst puch.en, im Schwed, zxr.cktr. d) Auf etwas pochen, ein übertriebenes Vertrauen auf tine Person oder Sache mir Ungestüm, an den Tag lrzen. Auf feiu Sliick, auf seinen Rcichchum, auf seine Zreundc pochen. Daher das Pochen. Anm. In der eigentlichen Bedeutung des Schlagens, Stoßens, »m Niederst puckcir und bokcn, im Holland, beuloev, im Echwed. bolrs, im Franz, bur^uLr, im Jtal. xiccliiare, buk- lckre, im Pohln.pukau. Im Böhmischen istl'icli ein Stämpel, nirL Ünucli ein Schlag. Es ist pauFc, bakern, Lnoulus, Bock, pauschen, peitschen, dem alten batten u. s. f. nahe ver-» -wandt, und druckt eigentlich den hohlen dumpstgen Schall aus, den das Pochen verursacht. Die figürlichen Bedeutungen folgrm sehr natürlich daraus, zumahl da das Poltern, Trotzen u. s. f. Hey niedrigen Personen, denen wir doch die Spräche zu danken haben, gemeiniglich mit einem Pochen, Stumpfen oder Schlagen aufdcu Tischodcr die Erde verbunden ist. Der Pöch er, des—3, ftlur.ul vom. 6vZ. derjenige, welcher pochet, besonders im Bergbaue, wo die Arbeiter in einem Pochwerke Pocher genannt werden. Figürlich, ein trotziger Prahler. Das Pocherz, des— cs, xrlur. doch nur von mehrera Arten oder Quantitäten, die — e, im Bergbaus, Erze, welche gepochet,H. i. zerstampfet, werde» müssen. Das pochgermne, des — s, plur. m vom. livZ. eben daftlöst, dasjenige Gerinne, durch welches das zu dem Pochwerke üöthige Wasser aufdeu Pochkastm geleitet wird; der pochgraben. Derpochgeschworne, des—n, xrlur. die-—m, eben daselbst, elltgeschrvorncr Aufseher bey einem-Pochwerke. Der Pochgraben, des—-s, xlur. die—-graben, stehe poch- gerinne. Der pöchherb, des — es, plur. die — e, eben'düselLff, der geebnete und eingefaßte Platz, aufwelchem das gepochte Erz ge- 'vaschen wird, und welcher am häufigsten derplanenherd heisst. Die Pochbep'e, plur. die — n, ein hölzerner Schlägel. S. Heye. Der pochkaften, des—-s, plur. m, vom. livg. imBergbaue, die längliche Vierung in demPochwrrke,worein das^Erz geschüttet «rrd daselbst durchgepocht wird. Dttpochkerck, des -—es, plur. doch nur von Mehrern Arten, die — e, eben daselbst, kleine Steine, welche zir Verfertigung des Gestübes mit den Kohlen klein gepocht werden sollen, bey dem Dncchwurfe aber zurück bleiben. Derpochkrel, des —es, plur. die—-e, der länglich gevierte Kick . oben an dem Pocheisen, vermittelst dessen es in dem aufgeschlitzten Pochstämpel befestiget wird. Derpochkrrecht, des — es, plur. die — e, eben daselbst, ein geringer Arbeiter, welcher die gebrannten .Edelsteine aufdie Poch- schalc führet, und, wenn sie zerpocht sinö , sie durch den Durchwurf wirft.- Z)te pöchlasche, plur. tzse—n, eben daselbst, Breter an den Seiten der Pochtröge, damit im Poche» nichts aus dem Troge springe. S. Lasche. Die pochleituny, plur. die — en, eben daselbst, Querhölzer an den Pochfäulen, welche die Stämpel in ihrem Gange erhalten. Das pochmehl, des—es, plur. doch nur von Mehrern Arten, Hie — e, eben daselbst, das zu einem Mehle gepochte Erz oder Gestern. Das letztere wird auch Zelsenwerk genannt. Bey den Zwittern ist das pochmehl die zweyte Art der gepochten Zwitter, wclchenuchFasenwerk genannt wird; zum Unterschiede von dem bessern Gerinnsteinc und geringer« Sumpfwerke oder Schlamm. Bey andern Erzen heißt es auch Nittelschlamm. Die pochmrihle, xlrrr. die — n, eben daselbst, eine Mühle, in welcher die Erze gepocht werden; doch nur in de« Zinnwerken, wo sie auch wohl das Uhrwerk genannt wird. Bey andern ist der Ausdruck Pochwerk üblich. Das pochrcrö, des—es, xlur. die — räder, das Wasserrad an .einem Pochwerke, welches das ganze Werk treibet. — s, plur. ur vom. 60Z. eben daselbst, Holzer zwischen deuPochstänipeln,worin diePochleitungen befindlich find, welche das a» einander Fahren der Stämpel verhindern. Derpochprng, des-—cs, plur. die — e, eben daselbst, eiserne Ringe, vermittelst deren das Pocheisen in dem Stämpel befestiget wird. Die Pochsäule,Plur. die—m, eben daselbst, hölzerne Säulen, zwischen welchen sich die Pochstämpel bewegen. Die pochschale, plur. die — v, eben daselbst , eine gegossene eiserne Platte mit einer kleinen runden Grube m der Mitte, worauf das Erz gepocht wird. Der Pochschießer, des—s,x> 1 ur.utllvm.sinZ. Siche Poch- Kamps!. Diepochschlaye, plur. die— n,ebendaselbst,ein großer Hammer, womit die Erze aus freyer Hand gepocht werden. Der Pochschlamm, des—cs, xlur.boch nur von mchrcrn Acten, die—e, eben dasclbst,bas klein gepochte Erz, wenn es aus dem Pochrroge in den Schlammgraben gelaufen ist. Diepochsohle,xlur. die — n, ebendaselbst, die eisernen oder Aeiuernen UnterlagenimPvchtroge, woraufdas Erz gepocht wird. Der.pochstämpel, des —s, plur. ur vom. knZ. eben daselbst, bie Hölzer,m welchcn die Pocheisen befestiget sind; der Pochschi eßcr. -Der pochsteitzek, des — s, plur. ut vom. ÜvA. eben daselbst, ,riu Steiger,welcher die Aufsicht über die Arbeiter an einem Pochwerke hat. Der pochtrog, des—es, plur. die — tröge, eben daselbst, derjenige Trog, worin das Erz von den Pochstämpel» gepocht wird. Die pochwanö, plur. die — wände, r) Die Wand, d. i. der harte Felsstein imeen in dem Pochtroge; die Pochsohle. 2) Dasjenige Erz oder Gestein, was gepocht werden soll; wo der Plural nur von mehrern Arten Üblich ist. (G. wand.) Z) Die Wände, d. i. Seiten, des Pochkastens. . > - . Das 8oo 799 Poch Das Pochwasser, des—s, plur. doch nur vvtt mehrern B'äche» vdcr Gräben dieser Art, ut asm. Kux. das zum Pochen des Erzes nöthige Wasser, welches durch das Pochgerinne auf die Poch- - kästen geleitet wird. Dre pschwelle, plur. die—n, ebendaselbst, die Wesse an dem Pochrade, welche die Pochstämpel hebet. Das Pochwerk, des — es, plur. die — e. i) In dem Bergbaue, eine Anstalt, wo das Erz vermittelst eiserner von dem Wasser getriebener Stämpel gepocht, d. i. klein gestoßen wird ; stehe pochmiihle. Andere Anstalten dieser Art, wo andere Körper gestampft werden, stild unter dem Nahmen der Stampfmühlen bekannt. 2) Auch dasjenige Erz, welches gepocht werden soll; wo der Plural nur von Mehrern Arten üblich ist. Der pochzins, des — es, plur. doch nur von mehrern Summen, die — e, eben daselbst, derjenige Zins, welcher dem Eigenthümer eines Pochwerkes für das Pochen derErze entrichtet wird. Die Pocke, plur. die — n, der im gemeinen Lebe», besonders Niedersachsens, übliche Nähme derBlattern, vornehmlich aber der Kinderblattern, da er denn, wenn er diese Krankheit überhaupt bedeutet, so wie Blattern, nur im Plural gebrauche wird. Die Pocken haben, bekommen, besser, die Blattern. Eben so verhält rs stch auch mit den Zusammensetzungen Pockenfieber, pocken- holz, Pockenstcin, Pockenwurzel, u. s. f. welche in der reinern Hochdeutschen Sprechart mit Blattern — gemacht werden, (S. dieses Wort.) Im Engl. gleichfalls ?oek. Der Grund der Benennung liegt in der Erhöhung, S. Buckel, womit es nahe verwandt ist. *Die Pockes, plur. die—rr, Diminut. das Pocklein, eine im Hochdeutschen veraltete Form des Wortes Buckel, welche noch einige Mahl in der Deutschen Bibel vorkommt, wie r Kon. 7,3 *, Hohel. r, i r. S. Buckel. Pocken, verb. reZ. neuir. mit haben, die Pocken oder Blattern bekommen; am häufigstenmNicdersachsen. Die Schafe fangen an zu pockcn. Das Podagra, plur. car. aus dem Griech. und Lat.koclLAra, eine Krankheit der Füße, welche von talkartigen Unreinigkeiten an den Nerven ihren Ursprung hat, und sich zu manchen Zeiten durch empfindliche Schmerzen in den untern Theilen des Fußes äußert. Das Podagra chabcn. Mit dem Podagra behaftet sepn. Man kann dieses ausländische Wortgar wohl entbehren, indem man mehrere einheimische Ausdrücke hat, unter welchen man nur zu wählen braucht. Zipperlein ist noch lange nicht veraltet. In den Monseeischen Glossen heißt dieseKrankhcit die lftiorlucltftiu Holland Voeteuvö 1 ,Nieders.^oor-OsveI, das Fußübel, Hey Hochdeutschen Schriftstellern die Fußgicht, ehedem die Gleichsucht, von Gleich, das Gelenk. Ein gewisser neuer Schriftsteller nennt cs das Ballenfiebcr, weil es stch vornehmlich in den Ballen der Füße äußert. Die Poesie, (dreysylbig,) plur. die Poesien, (viersylbig,) aus dem Gkiech. und Lat.l^oelis. 1) Die Fertigkeit, ein Gedicht zu vcr-, fertigen, ohne Plural; die Dichtkunst/ welches jetzt in der anständiger» Sprechart üblicher ist. 2) Ein Gedicht; auch nur noch im gemeinen Leben. Der Poet, des --en, plur. die—en, FäMin. die Poetinn, aus dem Griech. und Lat. der Dichter, die Dichterin», ein ehedem sehr gangbares Wort, welches durch den Mißbrauch nun« mehr etwas verächtliches an sich genommen hat, daher in der anständiger» Schreib - und Sprechart die ohnehin einheimischen Dichter und Dichrerinn üblicher sind. S. Dichter. Der poetcnkassen,-ee—s, plur. utuom.liug. im gemeinen Scherze, der Hintenheil des Kopses, besonders wenn er eine vor-, zügltchc Erhöhung hat» Pok *Dre Poeterey^plur. die— cn,ein jetzt im Hochdeutschen völlig veraltetes Wort. Die Schriftsteller des vorigen Jahrhundcrtes gebrauchten es, so wie das gleichfalls veraltete Dichrerep, thrils von der Fertigkeit, Verse und Gedichte zu machen, thcils von dem Inbegriffe aller dazu nöthigcu Regeln, für Poetik, theils endlich auch von Gedichten selbst; in den Heyden erste» Fällen ohne,Plural. Es bringt Poeterep zwar nicht viel Brod ins Haus, was aber drinnen ist, wirft sie auch nicht hinaus, Logam Die Poetik, plur. iuul. außer von mehrern Lehrbüchern dieser Art, die—en, aus dem Griech. und Lat.k'oeUcu, die Anweisung zur Dichtkunst, der Jnbegciffasserzur Dichtkunst gehörigen Regeln und de^eu Vortrag; die Dichtkunst, objektive betrachtet, die Dichtkunde. Poetisch, er, —te, nckj. et aä v. ans dem Griech. und Latein, poetieus, in der Porste, oder der Dichtkunst, der Dichtung gegründet, derselben gemäß, ähnlich, im Gegensätze des prosaisch; dichterisch, welches sich doch nicht in allen Fällen gebrauche» läßt. Die poetische Schreibart. Poetische Bilder. Der Pofel, des — s, plur. car. im gemeine» Lebe», schlechte verdorbene, oder u»tangllche Waare, Ausschuß, Brack; m den gemeinen Sprecharteu Bavel und Pasel. Der Pohl, des—7.es, plur. doch nur von mehrern Arten, die — e, bcy den Sammtwebern, das Haar des Sauumes, welches bcy einigen auch der Flor genannt wird. Es ist unstreitig aus dem Franz, lftoil, weil doch die Sammtwcbercy aus Frankreich zn uns gekommen ist. Noch mehr verderbt lautet es bey einigen Voll. S. Pöhlen. Der pohlarm, des — es, plur. die — e, eben daselbst, zwey hölzerne Arme über dem Hinlerbaume, welche die Pohle tragen, wodurch der Pohl gemacht wird. Dle Pohle, plur. die — n, eben daselbst, die obere Kette an dem Stuhle, welche den Flor, d. i. das Haar, des Sammtcs macht. Ans dem Franz. ?ole. Pöhlen, verli. reA. uct. welches nur bey den Gärbern üblich ist, besonders i» dem zusammen gesetzten abpohlcn, abhaaren. Ein Fell pöhlen oder abpohlcn, die Haare abstoßen. Es gehöret zu dem Fanz. koil, Haar. ^ - Pohlen, Genit. Pohlens, der eigentliche Nähme ejncs bekannten Deutschland gegen Morgen gelegenen Landes; aus dem Lat.l^olo- via. Diesem Worte zu Folge schreibt man es auch im Deutschen gemeiniglich Polen, ungeachtet die flüssigen Buchstaben im Deutschen so gern ein h vor sich haben, für welches das vorher gehende gedehnte 0 noch ein Grund mehr ist. Daher der Pohle, des — n, plur. die—n, Fänu'n.die pohllnn, eine aus diesem Lande gebiwtige Person; im gemeinen Leben ein Polak, die Po- läkinn, welches doch etwas Niedriges und Verächtliches bey stch hat, ungeachtet es ans dem Pohln. polsc^ entlehnet ist. Das Beywert polnisch, wie es gemeiniglich geschrieben und mit einem geschärften 0 gesprochen wird, lautet, der Analogie mit Pohlen zu Folge, richtiger pohlnisch, mit einem gedehnten -. Im gemeinen Leben ist dafür pohlisch, pohlsch üblich. Der polsse,des — n, plur. die — n,im gemeinen Leben einiger Gegenden, ein im Alter geschnittener Stammochs, S. Ochs. Der pokäl, des — es, plur. die— e, ein großer Becher von Gold, Silberoder Glas; von dem Franz. Locsl, kocnll, und dem Jtal. Loccnls, und diese entweder von demLat.poculum, oder auch mit demselben von dem asten Bak/ ein tiefes Gefäß. Es stamme nun, woher es wylle, so ist doch das p im Hochdeutsche» beynahe allgemein üblich. Im Lawine der Mittlern Zeiten lautet dieses Wort öuuln und kaueulls; (S. den Du Feesrie.) Das Zr»ttL,öoeü 1 bedeutet eigentlich eine runde Bouteille mir einem enM 8 oi Ps P v l s'-cl' " enKkU Halft. JmAraö. isi Laues! e.itt Gefast »h«e pavdhaoe. S Bocher MdB ak. ^ ^.s_ des—s, plur. cur. Salzwasscr, besonders das Salz- .vaffcr über dem eRSesalzeycn Fleische oder Fische... Sleisch ln den V/kel legen, b> i-es einft.lzcn. ^ . '" . Anrn Zn. Rieders, und Kolland, lautet diesK Wort Pake/ rm ' - Ll-rd. Vieches, im.Engl. t»jökL«. Für das Zeitwort pökein ist imKochdentschcir einpö?eln üblicher. Allem im Nieder,. g--brm-a-t pökeln nicht nur thätiger Weift, svn-en, auch als einZtMarr- sirionm, i» Pökel verwandelt werden. Las Sal) pökelt p.^on, d. i. es schmilzt schon auf dem Fleische. G-meimgl.ch lcnet man dieftsWort von ciuem gewissen Wilhelm Bökel ooer Bein-ns- zconvonAiervlsethkr, der die Kunst , Fie.sch »»d Häringe em- ft.-en, tun dasZahr 1357, oder nach andern 'AS^rfnudrn haben soll Ähre hat dieser schon von R'chep verlachten Adee.timg neues Ansehen zu geben gesucht. Allem sein Beweis gemftet sich- doch aufnichts weittw, als auf das sehr späte Zeugu-st eures Nach- lömmN^zs dieses Wilhelm Böckels, der auch darum mcht der Krfindrr diesbr Kunst se-U'kann/well sie nnsirerng wert a-ter-s-. Richtiaer rechnet man daher dss Wort pokei euerer zu ^.em Grieche »^04,. Salz, oder auch zu dem alten Bl>ch, Bi-?,Sntzs. Luck, Lanae, oder eineftdc scharfe, becheude ^ench-rgskit, von rvelchem Worte unser Pökel das Dimiunnvum ftpu kann. ^ieoe Beuchen. Im genuine,r Lebe» wird der Pökel, oder das Salzwaft ftr, auch Lake genannt. S. dieses Wort. . Das pök-lfletsch, des-es, ?'n-r. Lär. erngesalzcnes oder rm- .gepökeltes Fleisch; Niederf.Pökelfleisch. - ^ ^ Der pökelhärrny, des —cs , xlur. die-e, clu eMge,m,e.lcr K 8 ri»g , znm Unrcrschi^e von den an der Luft getrockneten 01 er geränchertmKLringcn,welche gemeiniglichBücklinge genannt werden. S. dieses Wort. . . ^ ^ Dsr pokelhechr, des —es, p'lur. die —e, ein emgrpoi-stex oder emLesalzeucrHecht; Salzhecht, iLonnrn^ech'» ^ ^ Der Pol, des — es, pjur. di?—e, aus demOnr^. mw^-rk. kolus, die bcpden Punete, um welche sich eine rum s Luge: um sich selbst herum drehet. Daheb der Erdpol, einer dftftr Pruute all der Etdknekche von einem Pole zum arrd"rrr geh-'t, hnßt di? Achse , drwrtt änstorste Pnneiedie Pole sind. (Ä- polhöhe.) ^ einem Magnet werden auch die zwei» einander entgegen Leuchten Pvnetr, 'r e ms die anziehende Kraft gegen das Giftn am stärbftrn ze-acn , d-fien Pole genannt, weil sie sich, wenn der Magnet srev Langt, nach dr a beyden Erdpoftn zu wenden pflegen, daher mau an einer-: Magnet so wohl einen Srchr als Nordpol ha^. D-/L Polak, des—en, plur. di?—en,/S.pebl?n.) -.nch e^r grschnittrnes Huhn wird häufig ein po'^kaeuonnl; DnLnKt wc.» ^ die Kmrft Hübner zu schneiden, aus Poblen zu yns gekommen ist. Der Dolarn.L, ei«e An Zeuges, S. Polpm.t. ^ Die Dolä?-^?nte, ^lur di? — n, elnr ArtParsck)sutze, mit ^res Zehe», welche einen Schnabel wie ein Papügey, rorhe Fiche, e ne» schwarze Kopf, weif? Backen und Uvtcrlkft , schwarzen Rücken Md Flügel hat, und sich „m Spchbergrn, nnd and k re nahe um den Nordpol gelegene bi-egeick-n aufbs't. Die Holländer rreau.cn fte Paxarep- Lnyker, di? Engländer kütiin oder Eulterneo. De? Polär-Bär, des—?»>, plur. dir—e», eine besondere ArtAäe^tr, welche ausdcmEiftder nordlichfienLänderrim denPot KLi . der Nö- Bär. zum Unterschied? von dem Land-Buren, Le.r Polar-Gten», dkL —es, piur. dir —e, in der.Slrro- uomie, herMigeStE- .welcher einem drrWcltpoleüM u sch !reu .ft. Vd.l.W.BiZ.TH. 2 . 7 fufl. Aus nnftkrc nördlichen Halbkugel führet der kcht^Stcru in dem Sck wa«zn dom Wasser überhaupt gebraucht wird, oder von Holl, erhaben, hoch, erköheteS Land zn bezeichne». Die polderschlatze, x!ur. die—n, Polterhammer. Der pölöraE, des—es, xlur. die—e, der Pohlnische Nähme eiuer Pohlsischen Münze, welche i« Danzig , wo sie auch M'om- mrr heißt, »4 Groschen gilt. Dre Pole, S. Pohle. / Polen, S. Pohlen. De-: pole^, des — es, x^ur. talls. eine Art Ser MiiuP mir «slwtlförmig stehenden Blumen, eysormigen, finmxfc»^ ein wenig geferbtmBlättern;^6ntt,ÄpuIeswin l,.8!öhkraut, rmil?< die Alshe vertreiben soll, Wässerpolep, weil es rn den seuchl?» Gegenden Frankreichs, Italiens und der Schweiz emheimtsch ist. ' ' D'?8cldmrm;e,i>lsviliL srvLnllsl-. heißt zuweilen auch wil-W- Pol??, per Nähme kautet im Dänischen gleichfalls Polep, im ELal.?o!v, im BöHm.koleZ. iwAtal.puiexg-o; alle aus dem Lat.puIe^ium, nnd diep vo„l?u!ex . ein Floh, weil es wegen seiner Wirkung wider öse Flöhe schon brp den Alten berühmt war. - ^ Die polhöhe, p!vr. die—st, in der Astrovomle ui-d mathematischen Erdbeschreibung, dir Höbe des WkltpolkS über dcm Horr- zonte eines Ortes, d. l. der Bogen des MittagszirkclS zwischen dem Pole nnd Lev- Horizonte, besonders so fern derselbe nach Graden beüimntt wird. G. auch Breite. . ^ Polreven , verd.reß. sct. aus dem Lateinischen xvlrrs , einen festen Körper durch Reibe» glatt und glanzend mach-n. Die Pfeile polrsrrm, Zero«,. L*,' r. Linen Spiegelpolftren, Sir. s-, 'i. M^oe reucka l_,. Polstern, verb. re^ ckel. m-t Haaren, Federn oder eiurm andern weichen und ekastischi u Körper ausflopftn und gleichsam zu er. »cm Polster machen. Emen Sttchi polstern. Ein §-polsrerter Sruhl, Eine 8 po.sterre Bank. Daherdas Polstern. Siehe Polster. , Der ^olteraftlttd, des—es, pftir. die — e, der Abend vor c:mer / Hochzeit, da indem Hochzej, Hause alles ausgeräumet wird, wobey es denn ohne Gepolter nicht abgehr:; der Brorrtabend. Zn vie- lcu Gegenden wir d an diesem Abend zugleich mit den nächsten Verwandten gcschmanset, und weil an demselben auf dem Lande auch die Hühner zu dem moraendeu Schmaust gefangen werden, so heißt er auch der 6-ilncrabeüd, das äiibne; fangen, in Frankreich iu den Mittlern Zeiten e^ooliLlus, von OoLlleck, ein junges Huhn. Der Polterer, des—s, plur. ut vom. st NA. in der figürlichen Bedeutung des Verdi poltern, ein Mensch, welcher leicht in einen u» gestumeu Zorn gerätst. Derpolteryeist, des—es, plur. die—er, in der Geifierlehre des großen Hausens, ein bösartiger Geist, welcher stch iu dem Hause m-t Poltern und Lärnwuhöreu läßt; Niederst Rnmpclgeest. Auch eine Person, welche ihre Handlungen mit vielem Lärmen und Poltern verrichtet, bekommt denNahmen einespolrergeistes. Der poltechammekt des s, plur. die — Hämmer, auf den Kupferhämmern und bey denKupferschmiedeu, ein hölzernerHam- mer, dep Kesseln die rechte runde Weite zu geben, und die Buckeln daran gleich zu schlagen; der polrerfchlage!, die polterschiage. Dre Polterkammer, plur. die — n, eine Kammer, in welcher inst,i altes,abgenutztespausgeräth verwahr t, von dem polternden Schalle, mit welchem das Hantieren in derselben verbunden ist; die Rumpelkammer, plunverkammer, Dr-eßkamwer. Ein solcher Kasten wird der Polterkasten, Rumpelkasten u. s s. genannt. Die Poltermesse, pftir. die—n, in der kachollschcii Kirche einiger Gegenden, diejenige Messe, welche am grünen Donnerstage und Charfrcytage gelesen wird. S. pumpermette. Poltern, verb. reA. neudi. welches das Hülsswock haben erfordert, und eigentlich den Schallnachahmct, welchen ein schwerer fesstr Körper macht wenn er stch mit Heftigkeit ans einen andern hohlen oder hohl liegenden festen Körper beweget. >. Eigentlich. Ich Kare es poltern. Wer poltert so k An die Thur poltern, ungestüm daran schlagen, Steine fielen mit einem erschrecklichen poltern herunter. Der große Haufe höret nur zu oft die Gespenster und Poltergeister psltkrn. Vor dem poltern ihrer Räder, Irr. 47, Z; wofür mau doch lieber rasseln sagt. Die in Holvfernis Gezclt waren, richteten ein Poltern an vor seiner Rammer, davon er sollte aissevachen, Judith '4, 8. 2 . In engerer und figürlichrrBedcutursg. >) In den Kupferhämmern Und bey den Kupferschmieden hrißr polrern, die anst-ekiefteu Kessel rmd andere Geschirre mit dem hölzernen polttrhammrr gleich «»d zur gehörigen Geststlr schlagen, weil der Schass, wckchcn solches mache, dem Polt'.rn khnl.ch ist. ^Ungestüm und bast-g hinter einander reden, besonders wenn es im Zorne und mu hohlen Bücken geschieh, t. Immer polrern und lärmen. Ehedem sagte Man dafür pochen. Na 1 - einer noch weitern Figur, ist her uis poltern oder mit erw-a^ heraus poltern, es ungestüm und urbe- somuni straus sagen,-wofür auch heraus platzen üblich ist. -oro ' auch das pdltcrn. Amn. Ja, N'.rdcrs. pultern. DasLat. pultnre ,;nd p I: >^6 drucken einenWal:chenSchall aus. DieNirberf. baldern, ballern und bullern bezeichnen rin geiittdertzs Gepoltes un- werden auch Pom 806 von einem stark rauschenden Wasser gebraucht, von welchem WM polrern nicht gebrauchen würde. . Die Polternonne, plur. die— N, eine BenennungHerehe,nah- ligen Beginen, unter welcher sie z. B. auch in Frey^rg bekannt waren. Da sich dieseNvnnen unter andern auch mit Beschickung der Leichen beschäftigten, so glaubt man, daß dieser Rahme aus Gepultur - Nonnen verderbt worden. Die Pösteri üß, plur. die — nüsse, ein Nähme der großen Wälscheu Nüsse, welche die Größe einer kleinen Faust erreichölr, abcr m hr Schale als Kern haben ; vermuchlich, weil sie wegen ihrer Größe im Hantieren polrern. Sie werden auch Gchafruisse, pferdenüssr und Reßniisse genannt. Die Polterschlage, plur. die—n, oder der Polterschlttyel, des -s, ptur. ui. vom. üaZ.'S. polterhammer. Die Polygamie, sviersylbig,) plor. die—n, (fünfsylbig,) aus rem Griech.ttndLat.l'o!)rZÄlniu, dirVervielfältigung derGlieder der ehelichen Gesellschaft, wovon Polyandrie oder viclmännerey, wenn ein Weib Mehrern Männern gemein ist, und die poly- gynie. die vielweibcrry, da ein Mann mehrecn Weibern gemein ist, Arten sind. " Das Polygon, des—es, plur. die — e, aus demGriech-nutz Lat.kol/Zonum, in der Mathematik, eine Figur, welche mehr als vier Seiten l)Lt; ein Vieleck. Daher der Polygon-Winkel, der W-nkel, "welchen zwep Seiten eines regulären Vieleckes mit einander machen; die Polygon-Linie, eine Seite an einemViel- ecke, welche im Fesiungsbaue, nach dem Muster des Franz.ko!)>-- Zone, auch wohl im weiblichen Geschlechts die Polygons genannt wird. Der Polymrt, des —es, ylur. doch nur von Mehrern Arten, die—§ ein gemeiner wollener glatter und buntfarbiger Zeu.t, welcher einen starken gedrehten Faden hat, und von dem andernGe» schlechte zuschlechten Hauskieidetn getragen wird. Er heißt auch- Loncent; eine ganz schmale Art aber ist unter dem Nahmen (Quill? tte bekannt. Im gemeinen Leben lautet dieses Wort polamit, polemit. Allein es stammet wohl unstreitig von dem miltlernLak. und Gricch-kol/inftus her, welches ans voXv, viel, un' pUT-c-G» ein Faden, zusammen, gesetzt ist, und m den Mittlern Zeiten dcp Nähme eines weit schöner» bunten oder fignrlrten Zeuges war, wovon man des Du Fresne Wörterbuch.nachsehm kann. Der Polyp, des—en, plur. die—en, aus dem Griech. und Lat. kol^^us, welches eigentlich einmikvieleuFüßen versehenesLhier bedeutet. . 1 ) Inder Naturgeschichte find die Polypen eine Art Thierpflanzen, welche stch in dem AZasscr aufhalten, und einen weichen und schleimigenStamm haben; k,. Das merkwürdigste an ihnen ist, daß, wenn man das Thier zerschneidet, aus jedem abgeschuittenen Stücke ein eignes Thier dieser Art wird. 2 ) Bey den Ärzten ist-er Polyp ein Fteischgewächs, welches stch in und an verschiedenen Lheilcn des Körpers erzeugt, und mit seinen vielt n Füßen sich weit umher verbreitet, auch nach Art der vorige» Polypen wieder nachwächst, wenn etwas von demselben zurück bleibt. Der Pölz oder Polzen, S. Bolzen. Die Ponrä-e, plur" doch nur von mekrern Arten, die^-n, aus dem Franz konrucks, Jtal. komcklL, eine ans Schlveiufttt, Hammeltalg und zuweilen auch verschiedenen wohlriechenden D' 'gen bereitete Salbe, die Haare oder Haut damit zu schmieren. Zcra^po'made/Z'iu! U-rtt-rschiede von der Mtmo-Psmade. Weil mau sie ehedem nm Äpfel »ineZilronen-Schn-tren bereitete, wie wob- noch jetzt gesch ehrt, so bat sie vermnthttch auch dahirden . Nahmen bekommen, von kommo, Jtal.konrcr. ein Apfel, Lat. kolrium. WÜ- e dieseAbieitung uichs uderw.egendwahrscheinttch, so könnte lssan cs mir Bämme und dem Böhm. ^omÄrnti, ein E e e 2 ' tveurg 807 Pow 808 wenig' ^cstrercherr, zs dem veralkrrerr bame«, psmetz, salben, bcstroiche», rechnen. S. Burterbamirre. Die Pomeranze, plur. dir—n, öL goldgelbe Frucht des pome- ranzenbau^eö, welcher cincArc desZikconeubaumrs ist, von wachem er sich durch die geb r äm Leu Bi arl st 1 e r e ru! d zugespitzken Liällsr unterscheidet; Sltrus HursmLuml^. Der Rahme ist c^rrs deulMül.1^omc>ä'^rLQeio, wofür dvch jetzt in Italien ^rärreio, Vls.rsuL0. Ästeiui-L^o üblich sind. Der pomsrMiczstt-.A'äcbiß. des—sscs. plur. sie—ffe, eine Art kleiner Kürdiss-, welche die Gestalt einer Pomeranze Habens Der pomeranzen-SchnäbLer, des—s, plur.utriE.linZ. ^ eine Tsrt Drosseln mit einem pomeranzenfarbigen Schnabel, an dessen Suds sich ein schwarzer Fleck befindet; Ductus kuleus L/. braue Amsel. Die Bomefme, plur. die—u, ein Nähme der ApfelMeir ; nach dem Franz, k 0 mrn e 6 e 81 eis. D^r Pommer, des—-s, pIur.urnym.Av-. 1) Decar.sPom- Uiern gebürtig ist, Fämln. die pommerinn. 2) Eine Art gelehriger Hunde mit einem spitzigen Kopfe, Milche auch unter dem Nahmen d§? Spitze bekannt sind, und aus Pommern herstäm- mcu sollen. Der pomoLhes, des— s, plur. ur vom. klnZ. der besonders l« Preußen übliche Nähme des Dorsches, Ouflus G.cklLrius!^. pomnchel, welcher vermuthlich Siavonischen Ursprunges ist. . Der Pomp, des—es, plur. laus, ein aus dem Lüt.I^olNpu cnt- , lehntes Wort/ein ftpcrliches Gepränge zu bezeichnen, l^iue Leiche mit pielem Pompe zur Erde bestatten. Und er (der Morgen) fahrt im GSen herauf im Pomps des Sieges, Welchen er über die Schatten erstreckt, Zach. - Gottsched war sehr unrecht daran, wenn er mit der i h nt eigenen Art dos Witzes behauptete, ^Psmp sey ein neues Aspimsches Geschöpf, vom ZürcherSee gebürtig, welches sernWesen vermuch- lich dcnSchweizerjschrupowphssen zu danken habe. Es kommt bey - den Dichtern des vorigen Jahchunderres häufig genug vor, uad. ' das Nieders.pnmp ist m eben diefemVLrstande inNieöer-Dentsch- Land allcmÄusehen nach schon lange gangbar gewesen. Wenigstens sagt schon Hümelmann bey dem Krisch r Sr iß mit §roßerpomp begraben worden. S. Pomphoftn.. Die Pompe, S. Pumpe- 2. Dre ponr 1 )e, plur. dis—N, in einigen Gegenden, ein Rahme der Eselsgurken, vielleicht wett sie, wenn sie rrifsind, mit Heftigkeit aufzuplatzen pflegen, mckdabey einen Schall machen, welcher , dem Klange dieses Wortes ähnlich ist, S. Pumpen. Die poMpebmus, plur. die'—e, eine Art Apfelsinen, welche in Dstmdien häufig »vachsen, und die Grosse eines Menschrnkopfes bekommen; Oltrus äecurriLNusI--. Engl, pumplsuoss. Die Schale ist fleckig, das Fleisch rvthlich, und der Saft iveinfanerund -tz sehr erfrischend. Der Nähme rühret von den Holländern her, welche ihr denselben ohrreZweifel wegen ihrer dicken rundellGssts.s! gegeben haben, S. Pomphosen. . Die psnrpermsrts, S. Pnmpermette. Der S.pumpcrnickri. L6.s'pomvhö(p^, des— -es, plur. Lauf, in der Chynne, em NahAedesgrarwuNichle^S. i Nicht, welcher aus dem Sriech. »0^4, Schams, gebildet ist. Di» Ponrpchosen, Kvß.irruk. oder wie m eutigerrGegLLden üblich ^ ist, dkepompboft, plürk'dis —n , lange wE Hoftn, welch? . bis auf die Fersen hinunter hangen, sro sie zugeb nuderr worden, und alsdann rvcgrur ihxerWrito sehr Luförattsen, dergiLlchru Hosen vornehmlich noch die Schisser zn tragen pflegen; piuberhoftn.. Rieders. Pumphose. Wohl nicht, wrk Fkrjch «l?- Erbere ibellen. von Pomp, pyttrpÄ , als wenn sie ch-.'dettl unr z'Ntt Pompe oder Gcaare waren getragen ward-, r;, sondern so seti- p -n p der natiiv. liche Ausdruck einer aufbrausenden , lockern und wein «Sache ist, ueKchcr Begriff auch in dem Lat. ftornpu der herrschende ist. Das 'eben. Krachte Grit H. , Schaum, Wasserblase, gchöret gleichfalls dahin. / Der: PöMrE, des —es, plur. d-sch nur von Mehrern Arten, die—e, ein Französischer Wem von dunkler rothcr Farbe und einem anziehenden herben Grschmacke, welcher in Guieunewächsi. Dr» poome, S. Päonie. Der ipöPMrz. des—es, plur. die-—e, eigentlich, ein Schreckbild,womit Man dieKinderzuft'icchte« macht,besonders zu manche- feperlicben Zeiten, daher es auch wohl überhaupt, von einem jrde- Schrecköilde ohne Wesen gebraucht wird. Zuweilen verstehet man unter diesem Wvrte auch den Teuft s. Matz doch Peter ;nm Popau; §ehen , Weiße. Däß dich der Popanz! In einigen Gegenden ist dafür Popel und Popelinann üblich. Die AbsiaM.- rmurg ist ungewiß. Beprtahe sollte es scheinen, daß der Laut Hau, bau, womit der verkleidete Popanz dicKinder Zu schrecke» pflxgt-, auch an dessen Nahmen Schuld sey, um weßwillen er aach in Lirfland Budbul Heißt, (S. Mumme!, ws mehr von diesem Schrcckbilde gesagt ivorden. Da indessen in einigen Dlrrdeutschen Gegendenr»'v Popel noch jetzt cineuSchleyer, eine Kappe, rv>mit man sich dnsGcsichl verhüllet, Popelm ritze, eine solche Mutze oder Kappe, und stch vcrpepcln sich vermummen, bedeute/, wobey man notwendig an das Lateinische psjilus, einSchlcyer, denken muß r so stehet cs dahin, ob mcht die Verkleidung zu diesem Nahmen Anlaß gegeben. Zaus wird im gemeinen Leben mehrmahlS von einer jeden Per sin im verächtlichen Verstände gebraucht, mW kann gar wohl au Verletzten SylbeZheil haben, so daß Popanz für Pöpelhalls stehe» würde. Populsrd, 7^ er, —-ße, ackj. stnckv. ein von cinigen neuern Schriftstellern ohne Noth auS dem Franz, p ovul air« entlehntes Wort, dem größte» H. ufen, den. niedren Classen der Glieder cims Staates verständlich ; alltzemein verständlich. Ein populärer Vortrag. Lin populärer Schriftsteller. Auch für , ben Niedern Classen der Weltbürger nützlich , haben cS einige einsuhrnr wollen, .als wenn wir nicht schon das gute, eben das sagende DcM« sche Wort gemeinnützig Hallen. Bey audrrn bedeutet cs, der Art zu denken und sich auezudrucken des große» Hauferrs gemäß. Porcellan, S. Porzellan. Die potkrrHe, plur. die—n, S.Emyorkirche und Empok. De? Povphpe , des — s, plur. doch nur von mehreen Altem die — e, besser Porphyrarre» , ein rocher mit Quarz, zurvette» ' aber auch mitSchörlfbettcrnnttdHor8b'rnde vccn-.»!chterZaspiß, von welchen die weißen Flecken Herrichten, welche ihn vp» dei« rei- nenJaspisse unterscheiden. Wegen seiner Feinheit und Harte habe» die daraus gearbeiteten Dinge eine» vorzüglichen Werch. Der. Rahme ist ans deur.Grrech. und Lat. bvrplr^ rus. Aber auch im Pess. heißt diese Gwuiarr V'^rfnrtus. Der Porres, (zwepftttbig,) des—s, (dreysylbig,) plur. muß. bey-denGatttzeru, ein Nähme des zahmen, oder auch so genannte» Spanischen Hauches, /rlläura borrum weicher in des Gärten gebanet, und i» den Kuchen gebraucht wird. Er ist etwas kleiner als die gewöhnliche Zwiebel, am. Kiele aber schärfer, «mb har ein großes Kraut und große Blätter, fast wir die Tn'pcrr. A» Riedersachsen Dürres. Der Nähme ist an--' dem Franz, k^or? rss, Ztal.k'vrrs, Lrttein. k^orrum. Jn eiu^. n L)b rberitiche» Gegenden heißt elu jeder Lauch porn, in Schwsdei» pf^rrcn- iovfth, des—es, plur. irrus. ein Nähme verschndener Pslauzen, welche gemeiniglich einen starken betäubenden Gkruch haben. ^ÄriterPflanze, welche in bk» Sumpfen des mittK- . -tächkiz« 309 Pss 8'6 uächriKen Vmopa wohu-tt, einen widrigen stinkeuöen Geruch hak, r'kd znwsilen statt desHopftnszum Biere gebraucht wird, welches sv^e alsdann rauscht und h-ftigeKopfsch merzen verurfacht^ecium p^uttrsl-. in Niedersachssn Post, Schwernepost, ru andern Uszsnden Riihnpoß, Ärihnrost, Sumpfpost, Post, Porst, Wilder Rosmarin, weiße Heide, Mottenkraut, weil cs dre Morren vertreibt, Mutterkraut. s) Einer Pflanze, roerche gleichfalls in den feuchten Gegenden dös mitternächtigen Eurspa wachst, einen starken den Kopf einnehmenden Geruch hat, und m den nördlichen Gegenden gleichfalls statt des Hopfens zum Hieregenomnren wird, welches aber davon widrig bitter wird und Kopfschmerzen zurück läßt; KI/ricA Galü I.. pLpst, Norw« pors, Engl. Osls, Lasest 6 a 1 e. Z) Einer Pflanze, welch-m dm Europäischen Hainen wachst, und unter dem Nahmen der Bärenklau und Bärwurz am bekanntesten ist; üeracieunr > Lniaon6v)iunaI^. Porst, in Preußen Dartich. Bey Einigen Schriftstellern kommt 4) auch der Jellerhals, OLptius IvIeLe- reum l^. welcher bey den altern Kränterk-nnern^u/mLlLSL Keißt, untccdieftm Nahmen vor. __ Anm. Es stehet dahin, ob die Gestalt der Blätter . . . perschüssitz, sä), ei ack v. welches nur im Bergbaus nbüch ist. Em Krz liext daselbst porschUssiö, wenn es auf der Oberfläche der Erde emgeschossen ist, wen« es am Tage liegt. Von por ftir empor, S. das letztere. Der Porst , eine Pflanze, G. Porsch. poLsix>Lfer, G. Borsdorfer. . » ^ . Der Dort, des — es, plus. die—e, ein ans dem Franz. ! ori, sdcr Lat.?orw8> entlehntes Wort, einen Hafen an der See zu bezeichnen, welches jetzt unter dir veralteten Wörter gehören würde, Venn nicht die Drchtrr es noch znu^eiterr im Andenken erhielten. In der Deutsch?» Bibel kommt es einige Mahl vor. Ein anderes und zu einem andern Stamme gehöriges Work ist das !n Franke« ublicheport, welches eine Art eines Kopfzeuges des andern Geschlechtes ist. ^ Das portäb, des —es, xlur. die — e, ans dem Franz, L^or- tsU, in der Baukunst, die an rwd über her 5-üuptchür oder dem Happtthaxe eines großen Gebäudes angebrachten Bauzisrath-n, und eine mit solchen Zisrach-st versehene Hanxtthirr selbst^ Ems Rirche mit einem prächLi^en Portale. Die Porte, p!ur. die —rr. r) *Eine jede Töne; eine n« Hoch- hen-schon veraltete Ledentnttg, in welcher s-tz-Pforte übUch-ist, - (S. dasselbn.) Fcrnz ?orts, Lat. ^orlL. r) D?r E ngang za einer gewissen Art Fischeraarn, wo es zunächst aus dem Franz, körte entlehnst ist, S. §lmfps. kk. Das Porträt, des-—es, jck^r. die—,e, (oder Las Portrait, st^r-ch Porer», des—s, x!u,r. die---s.,) Ms dorn Kranz.choc- Lrair., öasgemchlle oder gezeichnete Bildniß e-n's Menschen m-t Beybchaltunz seiiisrchacakterrstischeuZnsie-, das Bildniff. ehcdear das Lonrerfät. Daher der Porträt - Mahler,, der Bildniß- . Mahler. Der portE, des-es - plnr. iaull eine Pflanze , welche bo-- nns in den Gärten gebauet, und als SM esalat gez ssen wrr.; ^orlu-'neLs,. bey andern ^arcilLc-r., besonders drr ?2> b-rluc. r OlerLcsa woraus auch der Deutsche Nähme entlehnet ist. mancheuGegendeuheißt es Burzelkraut, Btirzclkra'.rr und Bu«^ gelkraut, ^ital. koreslIaNÄ und^rrrLulLLN, und lm Ooeco. «u-.- Grensel. Das Porzellan, des -es, xlur. doch n«r von Mehrern Arteu> Hie-.^,'eine im Feuer halb verglaftte Masse, welche dura- >.ro Zusammensetzungen zweper einander enbscgen gesetzter Erden entstehet , wovon die eine zu Glas wird, die andere aber nicht, nru> die daraus bereitete Arbeit. Tassen von Porzellan.^ Thme- stsches Porzellan. Meißner oder Sächsisches Porzellan. Porzellan ist eine feine Töpferarbeit, welche ans einer glasartigere rmdthonartigen Erde bestehet, wovonsenein dem Feuer zu Glas ' wird, diese aber nicht, aus welcher Mischung denn die halb dkwch- sichtige Masse entstehet, welche unter diesem Nahmen bekannt >;r, und der inner» Beschaffenheit nach das Mittel zwischen der g^met» nen Töpferarbeit und dem völligen Glast rst. Der N ahme >st .ms demZtal. ^orceULQ 3 ,Franz.korLsllLiu, weildasersicPor< Man, we/ches man in Europa kennen lernte, aus China uns Japan durch die Handlung über Italien z» uns gebracht wuroe. Woher aber dieser Nähme rühret, ist so ausgemacht noch ntckr. Die wahrscheinlichste Vermuthnttg ist noch, daß eS von einer u-rrer. diesem Nahmerk bekannten Art Gchnecken benannt worden , deren milchweißem Glanze die Masse des PorzeLanes ähnlich E, daher man wohl ehedem glaubte, dasChmeflfche undJapLnische^okzsllun werde arrs solchen Schnecken bereitet. S. Porzellan-Schnecke. ' Vorzellanen, im gemeinen Leben povzellaneon, st ac-t'. an» Porzellan bestehend. Eine lrorzellanene Dose. Die porrellän-W-öe, plur. doch »urvon mehrernAtten, ö-'e— eine Erde, woraus Porzellan verfertiget wird, und wozu so wohl eine feine glasartige, als auch eine ferne rhonartige Erde g-horec. ' Die legte wird ru engerer Bedeutung Porzellan- Erde, bestimmter aber Porzellan - Thon genannt. Der PsrzellKNlt, des—-en, plür. die rn, S. Porzellan- Schnecke. M - Die Porzellan-Muschel/ ?1ur. dke-n, S. ebendrstlbst. Die Porzellan - Schecke, plvr. die—n , eine Art Scheck««, welche» auf einem ganz weißen Grunde bläuliche oder rbryrrtpe Flecken haben , nndsehr hoch geschähet werden. . Die VorzelläN-Schnrche, ?Iur.dLe—u, eineUrt gewundenn- ^ kinfacheciger Schnecken, welche eyrund find, und rn der Mtttc e., ue mrtZLHnen ve-ftheueÖffaung I>abr--^V2Lsro.t, Lr^tkrae-L. weil die Öffnung c:n»g? Ähnlichkeit mit den wetd'iÄen Aeburtschciwn hat,wovon auch decNah- rrie ^orec/llLvn herrüHren soll, wenn anders desftlbe n'cht sine Offllitng überhaupt bedeutet, (S. Pforre.) ImDechschen wird sie auch Porzellan-Muschel, und, wmn sie verstrinert gefunden wird, porrell.intt genarurt. BleHolläuder heiß N sie Zt-pkoüsse, Ä!tp- hovrn. Vousthr soll das Psrzess.'.n den Nahmen haben, w-ge« ferner Ähnlichkeit mit ihr«: milchweißen halb durchfichtigen^sse. Der porrvisch, S.Borwisch. Das Pofamerät. des--es, silur. die—e, Borten, ^^»ure and arröere künstliche Urbeitsrr tzoa gkst-omrmeM ^old urd Silber Ce e L Ei-che, 8" - Pos Seide, Wolle ober Kameblhaar, womitöle Klejött noch zuweilen besetzet werden, und ehedem noch häufiger besetzet wurden. De>' Feinde 'ori-cs B'nt Srehr besser über Meid u <- )keuterrsck gemahlet, Als kest rchs Posament. d s 'heu->r wrd bezahlet, Opitz. Bey > inw, n auck passement Es ist aus dem Franz. Ztlieineick, J:al. pullA riAuo, welches eben diese Bedeutung har, und vom Lat. l-oneee, p- st>um abstammen sisil. gleichsam ZcsumeN- t- m, weil es aufdie Kleider gesetzt wird J.tzt kommt eS wenig mehr vor, indt ssen haben doch die folgenden Handwerker noch den Ras-mdm davon. Der Pofamentcrer, des—s, plur ul nom- ein Handwerker, welcher Posamente, d. i. goldene, silberne, seidene oder wollene Borten, Schnüre und ähnliche künstliche Arbeiten verfertiget, und auch der Borrenwirker.Borrenmacher genannt wird. Jtal. ?AflarnLuaro, Franz. putiemetitrer. Die Posaune p!ur. die-—n,em musikalisches Instrument, welches geblasen wird, und einer Trompete ähnlich sieh-'t, nur daß es länger ist, und durch bewegliche Theile, welche im Blasen auf - und nieder gefchoben werden, die Höhe und Tiefe des Tones gewähret. Ts kommt schon sehr früh in der Deutschen Bibel vor, aber nach Luthers Übersetzung in der alten Ostdeutschen Declin a- tion, Gcnit. der Posaunen, für der Posaune. Die Posaune blasen, siie das ungewöhnliche ans der Posaune blasen. Luthers mir Posaunen spielen, r Chrom 14, L, ist gleichfalls nicht üblich- , Anni. Im Niedersächs. Basnne, im Holland, Zarum, im Schwed. Zulun, im Island. 6 .rotem, im alt Franz. Luiline, im Böhm. pA/iaun, im Latein. Zuccins, anS welchen-eS vielleicht verderbt worden,weil wir doch cinmahl unsere meisten must, kalischcn Werkzeuge von Ausländern haben, DgS Latein. L.uo cina wird gemeiniglich von Zuccw und OZnere abgeleitet, . weil die Posaune wir anfgeblaftnen Lacken geblaftn wird. Gudm. Andrea lasset Posaune von baß, Jtol. v?.sko, t. s abstammen, weil dieses Instrument einen tiefen Klang hat- Allein die fremde Endung crune und un leistet für den auslandlschenr Ursprung hinlängliche Gewähr. Posaunen, vur b. reg. act. sr neutr. im letzterrr Falle mit dem HülfSworte haben , die Posaune blasxn, doch nur im gemeinen Leben, ob cS gleich in der Dentschen B-b.elmehrmahls vorkom?nt, z.BiOsfcnb. 8 , 6 ;Kap. 9,','Z. Jugleichsn figürlich, mir star- f ker, lauter Stimme reden, und nach einer noch weitern Figur, mit lantex Stimme bekannt machen, besonders in dem zusammen gesetzten ansposanmn. , DerposaunenbLäsor, des — s, u t noiss. im-r. der die Posaune bisst; zuweilen auch wohl der Posannifu Luthers posau'er, Offen b. - L, 22, jst ungewöhnlich. Das posrunenrey-isiev, des - s, plur. ui nom üo.^. ,« den Orgeln, ein Register, welches den Ton der P »sänne nachahmxt. Die Posaupenschnccke, xlur. die — n, eine Art gewundener einfächeriger Schnecken, Mit mehreren G. winden, wovon das erste sehr we-t und dickbäuchig ist, rnd ihr die Gestalt einer Posaune gibt; Kricrina. Ükeerdorn, N? m-rr'mpete, See- rrompete, bey den Holländern Rinkhot m Versteinert wird sie Brrccinit genannt. -' Der PosilU-rer, des —s, xlur.utvvm. tinZ. S. posauney- blascr. Der^posalm cst. des — en, plur. die — en, S. eben daselbst. DaK.possrstv, d-s — es, plur. die — e, eine Aerklerncr Orgeln, welche man aus einem Orte in den andern tragen kann. Aus dem- Mittlern Laterne ^oütivus, und dicß von ^onor s, jaolllus. Pss ZlI Die Posstür, pkur. die—en, aus dem Franz, kusttur?, Polin- re, Ztal. Positur^ d e S.-ll^ug des Leibes, am häufigste un gemeinen Leben; die Stellung. Die Posse, p!r,r. die - n, Diminut. das Postchen, Oberdeutsch PößleLn, eine scherzhaft G berde, oder R/de, welche bloß zur niedri wn.Belu Auing dienet; daher dies S Wwl fitzt alleniahl in ein-.ni nachtlu iliget: V stand-' gebraucht wied, dagegen eS ehedem auch für Spaß und Schee; überhaupt nbl-ch war. Possen machen, Possen t'-eibei,Possen reißen, (S.Reißen,) zunächst vpn Geb rdeii.hcrnach a'e> auch von Reden. A berne, grobe Possen. Das sind p- ss>Jemanden Possen vormachcn. Erne un- gefähre Posse, L, ss. Drmn tummle sich im Tbal der Posse, Wer sich nicht Höher schwingen kann, Gotisch. Anm. Im Oeerdeurscheil auch der Bost, in den Monsseischeir Glossen im Plural Gitrol:, iur Niedres, wo es auch in gelindcrm Vo rstände gebraucht wird, B-rtze, putze, im Irak. pALxie. Die Aüstanlmnüg ist uilgewiß. Unser Spaß, das alte sagen, das U'philanischebsuck, närrisch, Böhm, polletil^, und das Jtal. parro, ein Narr, Böhm. Posse,.loli, die Narrheit, sind ach m Ansehen nach damit verwandt. Da die meisten gl»ichbedeü-u-ndelr Wörter von der Bewegung hergenommen sind, wie.Gankeler Schwank, das Lat. ^oou-i, n. s.f. und zunächsi possenhafte Bewegungen und Stellungen bedeuten, so leidet auch dieses eine ähnliche Ableitung, da eS denn mit wetzen, Witz, wachsen, Niederst wassen, faseln, den, Dan. passe, chun, yandeln, verrichten, dem veraltet.,1 sagen u. s s. Eines Geschlechtes ftyn ivu.de. Im Griech. ist gleichfalls spielen »nd scherzen. AnS dem Frisch erhellet,daß c-e Geberdeir enedem Bossen geiianilt wurden, daher ttlich iVIiln !s ru Golii Ouomast. durch B ssicrer übersetzt wird, (S. der poch-n Possierlich und Spast. Jur Franz, ist pasls- paü'e Gaukeley. Derpossöfel filur.die—n, bey den Husschmieden/Stellmachcrir N. t- fi der Nähme öineS großen schivcren HauimerS. So wird bep den Hufschmieden der größte Schmied.Hammer Possekel genannt. Dielltz-e Häl/le dieses Wortes'ist dunkel, die erste aber unstreitig das alre b-.-sscn, schlagen, stoßen, wovon noch die Franzosen ihk poulk-r haben, S.putschen. Der Possen, des —s, psur. ut vom. ltNA. .) Der einem andern aufeine bcknstigende Art, ans eine lustige Weise zugesuate Schade; Niederst rin Schabernack. Jemanden einen Pass n spielen. Len pssse-, merken. 2) Jemanden etlvasznm Pässen thun, cs-hm zum Trotze thnn, etlvaS wider seinen Wissen thun, und in der Absicht, ihm damit zu wetzen. A'nm. In der letzten Bederrtung könnte man eS zu böse, dem Angelst Lsot, Drohung, bootiem, drohen, rechnen. In de? ersten Bedeutung, in welcher.es im Schwed. pul's lautet, ist es unstreitig eine Frgnr von Pass-. Jemanden einen Possen spielen, Hecht im Franz, souer uue xfiace assuelHuim, und auch im Denischerr gebraucht man das Worr Stuck oder Stückchen auf ähnliche Art. Bey einigen Oberdeutschen Schriftstellern ist dep Rriegsöoß eine Kriegslist, «nd der Juristen - Boß eine Chr. cane, Finte. Bey den Oberdeutschen Schriftstellern des --vten Jahrhunderts kommt Boß häufig von der Stellung, Positur, eines Menschen oder LhicrcS, und in weiterer Bedeutung a-.-ch von einer jeden Figur vor, sic ftp nun gewählt, aczeichntt od- r erhaben. In diesem Verstände findet man es besonders in den Zeichenbüchern des jetzt gedachten JahrhnnderteS. Auch die Schild. Halter eines WapcnS, die Figuren von Bildhauerarbeit ans Brun« nen n. s. s. sie jenen von welcher Art sie wollen, selbst die so genannten Fratzmaefichter, führen daselbst den Nahmen der Bossen. Frisch rechnetauch dieses Wort Zu dem vorigen Posse; allem es scheinet ZlZ Pos schemrt davon verschieden zu ftyn, und mit Positur entweder zu pouers, polltus, gestellt, oder auch zu dem alten boß, erhaben, zu gehören, und eigentlich eine erhabene Figur zu bedeuten, S. Boffiren und Boßeln. possenhaft, —er,—este, aäj. er aäv. r) Einer Posse, oder den Possen ähnlich, zur unordentlichen Belustigung bewegend. Possenhafte Bewegungen, Stellungen, Reden. Das ist possenhaft. 2) Fertigkeit besitzend, Possen zu machen,d. i. andere auf eise niedrige oder ungeordnete Artzu belustigen. Ein possenhafter Mensch. S. Posse. Der pössenmächer, des — s, plur. ul NOM. liriA. FäMlN. die possenmacherinn, eine Person, welche die Fertigkeit besitzt, oder ein Geschäft daraus macht, andere aufeine niedrige oder ungeordnete Art zu belustigen, ihnen Possen vorz,imachen; Lustigmacher, - Niederst Putzenmaker. S. Posse. Der Possenreißer, des- s, plur. ut vorn. stnZ. Fämin. die posscnreißerinn, welches ans der R. A. Possen reißen gebildet ist, r-ud in der vorigen Bedeutung gebraucht wird, S. auch Reißen. Das 'Possenspies, des—es, plur. die — e, eine Art Lustspiele, welche lustige Auftritte aus dem niedrigen Leben schildert, meiner etwas gelinder» Bedeutung des Wortes Posse. Die komische Oper ist eine Art davon. Possierlich, — er, — ste, ach. et aäv. durch das Ungereimte in einem 'merklichen Grade belustigend, besonders durch ungereimte Grberdcn,. Stellungen und Ausdrucke, wo zugleich ein Theildcs gehässigen Nebenbegriffes des Wortes Posse wcgfällt, daher es ben weiten nicht so hart und verächtlich ist, als possen-^ Haft. Em possierlicher Mensch. Ein possierlicher Einfall. Possierlich seyn. Eine possierliche Stellung. Anm. Niederst putzig, Böhm, pölletile. Es ist von dein ' weraltcten possieren, bossteren, welches, wie aus demFxisch erhellet, ehedem lustige aber belustigende Bewegungen machen, bedeutete, und, seiner ausländischen Endung ungeachtet, doch von Posse absiaminct,indem wir mehr ähnlicheZcitwörtcr haben,welche vermittelst der Endung — iren aus echten Deutschen Wörtern gebildet worden, S. Iren. Die Hochdeutschen spaßhaft, kurzwei- lig, lustig, neckisch, schnakisch, schnurrig, das Österreich. pack- schierig und die Niederdeutschen klüftig, kobdig, u. st f. drucken eben denselben, oder doch behnahe eben denselben Begriff aus. Die Possierlichkeit, plur. inusi. die Eigenschaft einer Person oder Sache, nach welcher sie possierlich ist, andere belustiget. L. Der Post, ein Kraut, S. Porsch- s. Die Post, plur. die — en, Diminut. das Postchen, Oberd. Postlern, im Handel und Wandel, eine Summe Geldes, besonders so fern sie zu etwas ausgesetzt oder bestimmt ist. Eine Geldpost, oder nur Post schlechthin. - Eine große Post verlieren. Bey einem Loncurse ansehnliche Posten einbußen. Eine Post in die Rechnung tragen. Eine Schuldpost, eine Summe Gel- , des, wekhe man schuldig ist, oder von einem andern zu fordern hat. Auch in weitererBedeutting zuweilen von einerjeden bestimmten Zahl oder Masse anderer bey einander befindlicher Dinge. (S. postbley, posterz ) Es ist aus dem Irak. koÜL durch die Handlung eingeführet worden, welches wiederum von dem Lat. ponero, possiur- abstammet. H. Die Post, plur. die — en. r) Diejenige Anstalt, da Güter, Briefe undPersoneu durch gewisse in bestimmten EntferinrnFeu in Bereitschaft gehaltene Personen und Pferde weiter gefchasset norden, und einzelne Fuhrwerke oder reitende und gehende Botheu dieser Art. Die fahrende Post, zum Unterschiede von der reitenden Post. Au einigen Orten hat man auch Fußposten. Die ordinäre Post, welche allemahl zu bestimmten Zeiten an einen Ort gehet, zum Unterschiede von der extraordinären oder Extrs- r --- ' p u Pol 814 Post. Die Post geht ab, kommt an, bleibt ans. Die Posten gehen jetzt sehr unordentlich. Die Post eppediren, abferaigen. Mit der Pvst reiftn oder gehen. Srch der Post bedienen. Die Post nehmen, mit der Postreseu. Extra-Post nehmen- - Mit der ersten Post schreien mit der ersten abgehenden Post. Mit jeder Post schreiben. Die Post versäumen. Die posi bezahlen. Weil die Posten geschwinder als anderes F-ibrwerk gehen, so wird die R. A. aufder post zuweilen für eilfertig gebraucht. Es gehet bey ihm alles auf der Post Auf der Post arbeiten, eilfertig. Etwas auf der Post machen. -) Ene Post-Station, der Ort, wo die Pferde gewechsi lt werden, und die Entfernung eines solchen Orte^ von dem andern. Ital. t^osta« Drey Posten von hier, drep Post-Stationen. z) Das Posthms. Auf der Post wohnen. Auf die Post gehen. Briefe auf die Post tragen, von der Post hohlen. Einen Sricfau -- e Post geben. 4) Eine mit der Post erhaltene Nachricht, und in weiterer Bedeutung, eine jede Nachricht oder Bothschaft; doch nur im gemeinen Leben. Post bekommen, Nachricht. Einem eine gute Post bringen. Einem Post thun, Nachricht geben, in der niedrigen Sprechart. Posten tragen , Nachrichten, Neuigkeiten bringen, gemeiniglich im verächtlichen Verstände. Anm. Im Engl. und Schweb, gleichfalls ?oL Es ist so wie die Sache selbst aus dem Franz, koste entlehnet, im Mittlern Lat. kosta, welches wiederum von dem Lat. politus abstammet, L postfts eciurs zur Fortschaffung der Briefe und Personen,indem schon die Römer eine ähnliche Anstalt hatten. Die öffentliche» Posten kamen in Frankreich im 1 ztenJahrhunderte auf, und wur* den in Deutschland ein Jahrhundert später nachgcahmot. Zndessc« ' legteschon Ludwig XI in Frankreich Stationen von reitenden Bo* then an, um von allen Schritten seines Erbfeindes Carls des Kühnen Nachricht zu erlangen,undchlesLhießen schon damahlskostss. Das Postamt, des — es, plur. die —. ämter. 1) Ein Amt bey dem Postwefen; die postbedicmmg. 2) Ein zur Aufsicht und Verwaltung des Posiweseirs in einem Lande oder in einer großen ^ Stadt uiedergesctztes Collegium; da es beim auch Overpostämter, Hofpostämter u. s. s. gibt. Z) Das Amt und die Würde eines Postmeisters. Daher das Erbpostamt, äofpostamt, Obcr- postamt u.s.f. ... ,, Der Postbeamte,des—,n, plur. die —st, dcrismge, welcher ein' Amt bey dem Postwefen bekleidet. Der Postbeölente, des—-n, plur. drs—-n, in eben dieser Bedeutung, doch am häufigsten von geringen Personen dieser Art, dagegen das vorige mehr von wichtiger» Personen gebraucht wird. Die postbediemmtz, plur. die—. en, eine Bedienung bey dem Postwesen, am häustgsteu^uchvouden geriugern Bedienungen dieser Art. Der postbericht, bes—- es, plur. die —e, ein Verzeichnrß, wre die Posten in einer Sradt ankommen und abgehe«. Das postblep, des —es,plur. iuul. im HütLcnbaue, so vier Bley-ais in einer Schicht auf Ein Mahl aus ge schmelzet wird, - S. 2 Post. Der Postbotbe, des—n, plur. die — n, ein Botbe, welchor die mit der Post gekommenen Briefe und Packete zu bestimmten Zeiten abhohlet, uud an entferntere Orte traget. Auch ein Vothe, welcher wie die Post zu bestimmten Zeiten voueinemOrtc zum andern gehet, oder reitet, um Briefe und Pack-ets zuüberbringen. DüS postement, des—es, plur. die — e, der untere abgesonderte Theil eines künstlichen Körpers, worauf derselbe sichet, und welcher demselben gleichsam zum Fuße dienet ; das Lußgrstell. Das Postement einer Bildsäule. An den Säulcnist das puste- ment oder der Säulenstuhl.der unterste Therl der Ordnung, welcher / u 8rZ Post PO fl ^10 racher -nr Erhöhmig der Säule dieuet, L r-d öet eigcutsichen Säule oder dem Pfeiler, und dem sauprzesimse entgegen gesetzet ist. Fran;. ?iLck Vermuthlich von einem in dem Mittlern Laterne üblich gewfmcn TVÜcmeotum, und dieß von ponere, politus, das Geste,!!. Der Kosten, des —s, plur. ul vom. ssvZ. welches gleichfalls ' aus dem Franz. ?okL und Ztal. ?oÜv entlehnet worden , und vornehmlich in einer doppelten ^Bedeutung üblich ist- Dry den Jäger» ist der Posten ein Zeichen mit dem Aagdhorne, wo es vermuchlich eine Anzahl mehrerer zusammen gehöriger Töne bedeutet, und alsdann zu r Post gehören würde, (S. ^Zagdpoßen.) s. Der Ort, wöhin jemand aesiellet wird, eine Hand'kmg daselbst zu verrichten, r) Eigentlich. Einen Nebeiter an seinen postcn stellen. Besonders im Kriegswesen, wo ein jeder Ort, wohin einer oder mehxereSoldaten gestehet werden, denselben zu verthci- digen zu beobachten, oder! andere Handlungen daselbst zu verrichten, der Posten genannt wird. Die Schildwache darf nicht 4"sn ihrem Posten gehen. Seinen Posten verlassen. Auf seinem Posten bleiben. Seinen Posten verrhcidrgen. Von seinem Posten getrieben werden. I«, Irak, koüc», welches m dieserFormauch indrrR. A postofassen, sich fest setzen, üblich ist, wpfur man nicht sagt, Posten fassen. 2 ) Figürlich, eine Bedienung, ein Amt, eine Würde', so fern sie nicht ein bloßer ' Titel ist, und in welcher man zu gewissen pfiHhtmäßizcn Geschäften, wie man im Oberdeutschen sagt, «ntzeßellet ist. Es ist i» diesem Verstände von allen Wirtes der VcdienrmgLn und mir Pflicht- mäßigen Geschäften verbundener Will de» üblich. Ein ansehnlicher, einträglicher, hoher, geringer Posten. Linen Posten Lekleiden. Bey der Römischen Konigswahk von 16 z 8 lhat der Chur» Brandenburgrsche Gesandte die sonderbare Erinnerung: „Es befänden sich in einem gewissen Pcojecte eiues Artikels die „Worte Rang und Posten, welche weder Lateinisch noch Deutsch „roaren, und weil die Kaiser nur auf die Lateinische und Deutschs „Sprache schwören mußten, so müßten diese Worte geändert wer- ,,den.^ Sic wurde» aus dieser Ursache auch wirklich weggelasscn, und man fttzw dafür dar Wort Grelle. Das Posterz, des — cs, plur. doch nur vo» Uehrern Arten, / di«.—.r', imHüttenbave, eine Post Erz, d. seine gewisse Menge Erz von einerlei Gehalt, welches der Schichtmeister in die Hütte liefert. S.? Post. Das Pystgeld/des—es, p!vr. doch nur von Mehrern Summe«, die—er, dasjenige, was mau für die Fortschaffung der Briefe '' und Packete mit der Post bezahlet: mit einem Ztaliänischen Worte das Porro. Dasjenige, was Personen für ihre ZortschasirMg auf der Psst erlogen, ist unter dcmRahmen des Passagier - Geldes am bekanntesten. > " Derposihalrer, des—s,pjur.utr,om.llv^. eigentlich, derjenige, der die Pferde zur Fortschafftmg der Posten halt und hergibt, und von dem Postmeister noch verschieden ist. An einigen Orten werden auch die postwarrcr, welche einer Post a» einem kleinen ab?r nicht gangbare« Orte Vorsteher», und gcmeirntzlich dem Postmeister eines benachbarten größer« nntergeordnct sind, post- halrrr genannt. Daher die poShaleerey, das Amt und die Be- dirnuAg eines Pofihaltcrs, ingleichcn die Post.'Station, welcher ein Post Halter rorgesrtzt ist, und dessen Wohnung. Das Posthaus, des — cs, p!vr. die— Hauser, kirr zum Aufenthalte der Post', und zur Verrichtung der dazu gehörigen Geschäfte bestimmtes Haus. Posthorn, des—es, plur. die-Lörner, rin klelves mcs- cines klcme» MaldHorncs, l.fiihrct! berechtiget sind. Die PostUe, plur. die—n, ein Buch, welches Predigtet, Über die Evangelien und Episteln enthält-, ein prrdigtbuch. Die Nirchen- Postille, n enn es Predigten enthält, welche dcrEemeirre in der Kirche vorgeleseu werde», sollen,zum Unterschiede von einer Laus-PoAlle, weiche bloß zur häuslichen Andacht bestimmt ist. Daher der psstillem Reiier. eine verächtliche Benennung eines Predigers, welcher seine Predigten aasPoflillen entlehnet Das. Wort ist ans dem Wicklern Lar. koMla, welches eigrutlrch von de»?fortlaufenden Randglossen über dirBibel gebraucht wurde, und wiede-rnM von Vcn Wonen poli rUs verbL herrührcs soll, mit welchen die Lehrer, welche ihren Zuhörern solche Randglossen m dir Feber dictirten, serbigc begleiteten. Der Postillion, des —es, piur. die —e, aus dem Franz. krMIorr, der Fuhrmann der fahrenden und der Reiter der reitenden Post. Der erste wird auch der posikn echt genannt. Die pösiPaleschc, pluT-i die-n, ein leichter unbedeckter Wage«, so ivie er bey den fahrenden Posten üblich ist. Das pöstkamssl, des— es, plur. die—e, bey einigen Schrift, stellcrn dcsNatucreichrS, eineBeneunung der geschwindenKamch- kr, welche einen fthr flüchtigen Gang haben, und daher auch Dro- enedare genannt rserdc». Die Postkarre, p!ur. die—tt. ') Ans den Posten, die Liste derjenigen Briefe, welche mit einer Post abgeben odtw ankcnuue«. s) Eine Landkarte, auf weicher die Postwege und Post-Stationen , abgebildctsind. Der postkneche, des—es,plur. die—e, G.pssiilll'on. Die Postkutsche, piur.die—n, G. Landkursche. Der Postmeister, des —s, plu r. ur vom. KvZ. der Vorgesetzte . des Postwesens, so webl in hohen« Verstände, des'Postwesens eines ganzen Landes i» den zusammen gesttztsn Erbposimcister, General, poflmetirev u. s.f. als auch des Posiweftns ai» einem Orte, wo derjenige Postmeister heißt, welcher die Posten expedirtt oder expedwen läßt^ und onimttelbar dcm Pofiau.te des Landesherren unterworftn ist. An geringernOrten gibt.es statt dieser nur Postverwalter und postwavter , welche gemeiniglich dem Postmeister eines benachbartes geößern untergeordnet Knd. Dt§ postorönun§, plvri die—en, eine landesherrliche Verordnung in Asfthnns des Postweftus. Das Postpapier, des—es, plur. doch nur von mehren, Arten, " hie—e, feines S-chreibepapier, welches sich wegen feiner Feinheit und LrichtkZe^thojcmders K» solchen Briefen schickt, welche mit der Post gehen sollen. Das Pöstpferö, des—es, plur. dre — e, Pferde, welche zur Fortschaffung der fahrenden mrd reitenden Posten gebraucht werden. . Der poftrach^des— es, plur.die-rathe,einlündesfiüstucher Rath in Postsachen. Das posirc chr, des—es, plur. die —e, das Recht, Posten zu» halten, ohne Plural; welches, wenn es als ein Regale betrachtet wird, das Pest-Regal heißt. > Die postsausk', piur. die—n, eine Säule, welche die Poflßraßm mrd Entfernungen von einem Orte zum andern auzeiget. Der PcchsHrM, des—es, plur. hie—e, ein von den Posi- brdirnwn turkg^flklltcr Schelm «der das auf die Post gegebene Geld. . Das P-tstschlfs, des — es, plur. die — e, ein Schiff, welche wie eine Post zu gewissen bestimmten Zcitrs von einem Orte zum andern segelt, rmd Personen, Priese und Waaren überbringt; Las pa^etborh,,wie cs am HLv.sigficn genannt wird. Der Postschrerbe-r, des—s, piur. ui vom. der Schrribcr brp einer Pofi-Expcdvion oder einem Postamte; mit eurem anst^'»-' dtzernAusdrncke derpost-Seerergr, 8 »7 Der'Poststall-des —' es, pkur. die — stalle, der Stall fün die Postpftvde^ Air eitrigen Drtrn auch wohl die Wohnung des Post- Halters mit den dazu gehörige« Ställen nnd andern Gebäuden. - Die Post - Gtanön xr'ur. die — en, derjenige Drt, wo die Posten die Pferde wechseln; die Post. D:e poßstraße, xlen. die — n, die Straße,' welche von den Postelt befahren wird. DerPosttatt, des—es, plur. die — e, ocrjemge Tag, an welchem aneinem Orte Posten abgehen oder aukommen. Jngleichen ein Tag, an welchen, eine gewisse Post abgehet, besonders irr Ansehung der Briefe, welche man zu schreibe» hast Daspostulät, des — es, plur. die — e, ein ans dem Latein, poüulsre entlehntes und besonders bep den Buchdruckern übliches Wort, diejenige Handlung zu bezeichnen, da ein Cornutanf sein Verlangen zu einem eigentliche» Gesellen erkläret wird; vo« welcher Handl,rng auch das Zeitwort postuliren üblich ist. posttcklren, vsrk. reZ. aus dem Latein. ^slbuzZrs. i) Bey den Buchdrucker,», als ei» Neutrum, mit dem Hülfsmorte haben. Gesell werden, ftyerlichzum Gesellen gemacht werden, (S. das vorige.) s)Als ein Uctrvum. Inder Römischen Kirche wird ei» Bischofpoittllirstweutt.beydeinCandidateu sich solche Umstände finden,daß er dem canonistchenRechte nach nicht eigentlich gewäh- let werden kann, und daher von den mit dem Wahlrechte begaot^n Personen unter Begünstigung der Oberu begehret wird. Ghcdem bedeutete es eilrstim'Nlg, einmüthig zruu Bischofs wählen, besonders wenn der Candidat schon an rinemandernDcle Bischof war» Daher die posiulattön. Der postverwalter, des — s, p!ur. ut vom. llnZ. derjenige^ weicher das Postwese» an einem Orte in Ermangelung des Post- st meisterA verwaltet. S. Postmeister. ' Der poftwayen, des —3, plur. ut nom. ku§. ein Wage», dessen sich die fahrenden Posten bedienen. Der postwechset, des—s, p!ur. M nom. linZ. ») Der Wechsel oder dir Abwechselung der Pferde vor einem Postwagen. 2)Dse Drt, wo dieses gewöhnlich geschiehst; dieStariM. Der postwetz, des—.cs , p!ur. die—c, ein Weg, besten sich- , mir die Posten bedienen dürfen, und'welcher vor» der Poststpaße- «och verschieden ist. Das psstwefen, des— s, plur. cLr. die Anstalt der Posten m riaem Lande oder au einem Orte, mit allem waschazu gehöret» potätze, (sprich Potäsche, ttüt einem gelinde» sch,) p!ur» die —n, aus dem Franz. kotLZe, ein au^ Fleisch oder Fischen l» rin.r langen BrühemitRciß, Graupen, Kräntcruoder Wurzeln, Klößchen u. s. s. gekochtes Gericht, welches bey einer Mahlzeit gelveiniglich zuerst anf-etragen und im Deutschen ein Allerlev genannt wird. Daher der potagen - Lessel, ein kupferner Kessel in Form einer Wanne mit Henkeln, die Porage darin zukochen^ der Aotngen - Lostest ein großer Löffel mit einem, langen Stiele,, sie damit oo: zulcgen , der vorlegeloffel; die Potagen-Gchüffel, sine größeSchüffel mit einem hohen Nande, sie darin aufzutragen» Derpotentät, des—en, plur. die — en, ein nur noch im gemeinen Leben übliches Wort, eür gekröntes Haupt zu bezeichnen« Ein großer Pottmat. Es ist aus dem ^ckitlern Last kotenbL- tus Franz, k'ateur.ar. Das Deutsche Macht wird auf ähnliche Art gebraucht. ' -^'re potentlüe, ^)!ur. ruus. aus dem Lat. ^oleatiHn, ei« Nähme, unter welchem bey den Schriftsiellern des Pflanzenreiches verschiedene P stanzen wegen ihrer Heilkräfte Vorkommen. Bey' den altern sichere die Torniemill? diesen Nahmen. Bey andern,, und selbst Hey-dem Armee, ist es ein Geschlechtsnahme, der de» Gänserich, das Fünfffirgerkvaiit. und verschrcdsite-ausländische Wanzen, unter sich begreift.. Nde.i- W. B'. L. Th..2. Aust». Polt, des-—es, plur. die —e, ein nur m Nieder-Deutschland übliche-Wort, welches einenToPfbedrutest und daselbst auch als em bestimmtes Maß flüssiger Dirrge üblrch ist, welches w.tt unserm Maße oder Ranne überein kommt. Indessen koir nu es als ein Maß auch m Basel vor, wo dir Ahm Wein z 2 alte oder ->.0 neue Pott halt. Im Engl. Franz, und Holland. !>or, i n Dam Potte, im Schweb. Und Island. ?crNL- im Irland. , im Urban. kor6F^. Es ist mit Butte, Butts- dem GeieH-. »or-qfto», und andern dieser Art Eines Geschlechtes, «nd bedeutest überhaupt ein tiefes Gefäß. S. Topf- ^ Die Pottasche, sckua-. !nu 5 . rin weißes, gemeiniglich bläuliches, calcinirteS alkalisches Salz, welches aus gemeiner Holz - oder Pflanzeuaschk auszelcmget wird. Die gemeinste Wird aus d>.r Asche des verbrannten Eichenholzes bereitet. Daher der Pottaschenfieder, der ein Geschäft daraus macht, st^zu bereiten. D-n Nahmen hat sie von dem Niederst Port, ein Topf, ein eiserner Grapen, weil man dis Lange, woraus dieses Salz bereitet wirb, in solchen Grapen oderKesseln «brauchen läßt, daher ßc bcy ci- NtZen auch Resselafche heißt. In andern Gegenden kennet man sie unter dem Nahmen §!oß. Die Lrukenafche ist ein solches aut dem getrockneten Weinheftn anSgelaugkes Salz, welches, weil es häufig von den wsidfärbern gebraucht wird, auch Waidasche oder Weidasche, Franz. VsckLÜL, heißt« Im Lat. n'enncst man dis Pottasche 6illtLe!LVÄ.Msmtd cIsv6l!nruZ,tvrrk sie anfäng- ltch, wie man will, aus den Dauben alter Weinfässer verfertigt wurde, sb sich gleich LlLvus und OkLvefta in der Bedeutung einer Faßdaube noch nicht haben wollen finden lassem Wachter lei- tct^ die erste Hälfte des Deutschen Rahmens, aber höchst gezwungen und unwahrscheinlich, von Laube her, und glaubte, daß vermittelst eines Versetzung der Sylbeu daraus PSrt entstände» sty. Fraitz. heißt sie Lsnckrs Fr'LveleL«. Der poLtftfch, des—es, pLrrr. die^- e, eins der größte». Art Fische mit horizsuralem Schwänze, welcher keine Fiake,voneinzelnen WohUhatcn aus einer geiftlv chcit Stiftung, und in weittrer LedeultUig vvu rimm jeden be- sttmniten Ldeilc gebraucht wird. Fßß *L-iE i , 8^9 Pra «Der prachee, des-—s, xiur. ut vom. ffoZ. Famin. d,e pracherinn, ein vornehmlich in Niedersachsen übliches Wort, einen Bettler zu bezeichnen , welches auch Opitz einige Mahl gebraucht. Daher pracherey, Betteley, Armseligkeit, Prachern , betteln, anhaltend bitten u. s. f. welche im Hochdeutschen insgesammt fremd sind. Wachter leitete.es von brechen, gebrechen her, allein , das Zeitwort, welches als das Stamm, wort angesehen werden muß, ist ohne Zweifel eine Nachahmung des mit dem wiederhohlten Bitten verbundenen Lautes, da es denn mit dem Lat. precari genau überein kommt, und eigentlich das Frcquentativum oder Jntensivum von einem veralteten brachen, reden, sagen, ist, wovon vermittelst des Zischlautes auch unser sprechen, das Lat. krasco, das Franzos, xrrecüer u. a. m. abstammen. Im Schwed. ist krackars ein Bettler. S. auch das folgende. Die Pracht, xlur. ear. welches ehedem in einem weitern Umfange der Bedeutung üblich war, als setzt. i . * Eigentlich, Geschrey, Lärmen, Getöse; eine veraltete Bedeutung. Bey dem Pictorius ist Pracht großes Geschrey, und prächten laut schreyen. Du tveriü rvoi an alles breclil. Mit einem pkeoivZ uiberkomen,derB»rggr.v.Riedenburg. Ärs voeZelmit Aspraecllte li lunZev XViclerlirit, ebend. Plicht lanng darnach er das schrein Hort Her gegen im mit grossem Pracht, Thcuerd.Kap. ZZ. Theurdank höret den lauten Pracht, Kap. 36. - Alspald sye den Held vernamen Schlugen fle von 6 und zusammen Mit einem ubergrossen Pracht, Kap. 87. Die Stein Huben an zu fallen Mit großem Geprecht und schallen, Kap. 69. Zm mittler» Lat. ist brsZare schreyen. Es ist hier eine Nachahmung des eintönigen Geschreyes, und in weiterer Bedeutung des Getöses undLärmens überhaupt, daher auch dasLat.kraZor mit einem andern Vorlaute auch unser krachen hierher gehören. Sprechen, welches eigentlich einen Schall hervor brin- Zen bedeutet, ist vermittelst des Vorgesetzten Zischlautes gleichfalls daraus gebildet, und in Scherzens t-vomol. Ms. kommt auch breiten für sprechen vor: Wer uibel von 6em anäern breit Lg vvurt Im rrvurvet als vil geleit. Siehe auch das vorige, ingleichen predigen und prahlen. 2. Figürlich, i) Der Glanz, Helle Schein; eine im Ganzen genommen gleichfalls veraltete Bedeutung, deren Zusammenhang mit dem vorigen niemanden befremden darf, indem die meisten Wörter, welche jetzt Licht, Glanz u. s. s. bedeuten, eigentlich einen Schall ansdrucken, (S. Hell.) Schon im Isidor ist Lsrabtnillt Glanz. Brechen war ehedem für glänzen sehr üblich, und hat diese Bedeutung noch in anbrechen erhalten, (S. dasselbe, WS mehrere Beyspieledavon angeführet worden.) Schon im Hebr. ist glänzen. Noch jetzt kommt Pracht zuweilen von einem Glanze vor, wo sich aber allemahl der folgende Begriff des feper- lichen, des vorzüglichen mit einmischet. wie süß und freundlich lacht Der Mondes stille Pracht! Weiße. 2) Glanzende und kostbare äußereHülfsmittel im gesellschaftlichen Leben, so fern man dadurch seine Meinung voll seinen eigenen hohen Vorzügen an den Tag legt; wo die Figur zunächst von dem Glanze, auf entferntere Art aber auch von dem Geräusche herge- nommen ist. (a) Eigentlich, wo die Pracht vornehmlich in kostbaren Kleidern, kostbaren und cheuren Hausgerät!), kostbare« und vielen Speisen, vielen Bedienten u. s s. bestehet; wo es zugleich, wie alle Wörter dieser Art, ein relativer Begriff ist, welcher sich s Pea . ZLo auf die Umstande des Redenden ober auch dessen, von dem die Pracht gesagt wird, beziehet, und einen nachtheiligen Begriff bekommt, so bald die Meinung von seinen Vorzügen, welche man -durch dergleichen äußere Hülfsmittcl an den Tag legen will, übertrieben ist. Pracht führen. Viele Pracht zeigen. In diesem Hause, an diesem Hofe herrscht viele Pracht, viel Geld auf die Pracht wenden. In seiner Pracht erscheinen. Das Bep- lager wurde' mit vieler Pracht vollzogen. Rleiderprachk, Pracht im Hausgerarhe, im Essen und Trinken. Mit königlicher Pracht. Seine Pracht sehen lassen. Die R. A. Pracht treiben kommt selten mehr vor, hat aber, wenn sie gebraucht wird, allemahl den Nebenbegriff der unbefugten, übertriebene» Pracht. - (S. auchStaat) welches einen geringer,,Grad der Pracht bezeichnet. (b) Die Neigung und Fertigkeit, seine Meinung von seinen eigenen Vorzügen durch glänzende und kostbare äußere Hülfsmit- tel im gesellschaftlichenLeben an denTag zu legen. Sich der Pracht ergehen. Die Pracht ist das verderben der Staaten. Wo es von einigen zugleich für das Lat. I,uxus gebraucht worden, dessen Begriffes doch bcy weiten nicht erschöpfet, indem die Pracht nur eine Art, nur ein hoher Grad des Luxus ist, S. Üppigkeit, welches dasselbe in manchen Beziehungen besser ausdruckt. Anni. In der zweyten figürlichen Bedeutung lautet es auch im Schwed. ?rakt. Im Mittlern Lat. ist bragare Pracht führen, alt Franz braZuer, daherLraZarck im Franz, noch jetzt einen Menschen bedeutet, welcher eine übertriebene Pracht führet. Mit -einem andern Endlaute, oder vielmehr mit ausgelassenem Hauch- laute, lautet dieses Wort bey dem Hornegk parat, womittdas Franz, karacie, das Jtastkarata, und das Engl. kricke überein kommen. Ehedem war dafür auch die H?hr üblich, und im Nie-> dersächs. gebraucht man dafür Grootskheit und Swier, welches letztere vermutlich zu schwirren gehöret. (S. auch prangen.) Im Oberdeutschen ist dieses Wort fast beständig männlichen Ge, schlechtes, der Pracht, in welchem es auch einige Mahl in der Deutschen Bibel vorkommt. Der kostlichepracht seiner Majestät, Efth. 1,4. Daß er schwächte allen Pracht der lustigen Stadt, Es. 23, 9. Er wird ihren Pracht niedrige», Kap. 25, 12.- Dagegen in weit mehrern Stellen das weibliche, welches auch im Hochdeutschen nur allein üblich ist, beybehalten wird. Gottsched nahm von diesem doppelten Geschlechte Anlaß, in seinen Beobachtungen zu behaupten,diepracht bedeute die äußerlichen feyerlichm Umstände selbst, der Pracht aber die übertriebe,re Neigung dazu, den Luxus. Allein zu geschweige», daß Pracht als ein gleichbedeutender Ausdruck für Luxus sehr ungeschickt ist, so hat diese Art,die Bedeutungen der Wörter zu unterscheiden, bey niemanden Bcp- fall gefunden, zumahl da Gottsched selbst im Schreiben und Sprechen seine eigenen Regeln am meisten selbst übertrat. Das prachbett, des—es, plur. die — e, ein zur Pracht veranstaltetes Bett; doch am häufigsten nur von einem zierlich aufge« baueten Gerüste, worauf die Leichen vornehmer Personen zue Schau ausgestcllet werden, wofür doch auch Parade-Bett üblicher ist. Niederst prunkbedds, auch wohl bey einige,, Hochdeutscher, Schriftstellern, obgleich auf eine ungewöhnlichere Art, prunkbett, S. Prunk. Der prachthimmel, des —s, plur. utttom.linZ. S. Himmel. Prächtig, —er,.— ffe, arlj.et aöv. 1) Mit Pracht, in der noch übliche» figürlichen Bedeutung dieses Wortes, feyerlichen Glanz, Kostbarkeit und kostbare Zierde enthaltend. Ein prächtiges Rleid. Prächtig gekleidet scyn. Ein prächtiger Hof, ein prächtiger Schmaus, prächtige Gebäude, prächtig leben. 2) Geneigt und Fertigkeit besitzend, Pracht sichen zu lassen, prächtig zu leben, prächtig seyrr, Schwed. p-rMtiZ. Ehedem bedeutete i bedeutete es auch laut, laut schallend, ingleichen glanzend; in welchen beyden Bedeutungen es aber veraltet ist» Der pracytcketzol, des —g, p!ur. ut NOM. linZ. ein von einigen Neuern für Obelisk -n Verschlag gebrachtes Wort, welches aber noch nicht gangbar genug geworden ist. S. Obelisk. Die pracytlilie, p m. die—n, eine der L ue ähnliche sehr schöne Blume, welche in Malabar und am Senegal einheimisch ist » Lloriol'a, 1 ^. Besonders meMalabarischeOIoriotuiuperlou, welche auch Siegerkrcne genannt wird. Das pratt)tzimmer, des—G, plur.ur vorn. sivZ. ein prächtig airsgeschmücktcs und zur Pracht bestimmtes Zimmer; das para- de-Zimmer, bey».iiiigen, obgleich seltener, das PLunkzimmer. Das Präclpitär- des—es, plur. die—e, und dasZeitwort präcipitiren, ausdemLat. pruecipirure, S. Niederschlag und Niederschlagen. Practicieren, verd. reZ.tzcl. welches aus dem mittler» Latein, pracllicare entlehnet ist, aber nur im gemeinen Leben gebraucht wird, ausübeil. Das laßt sich nicht pracricreren, in Ausübung bringen. In engerer Bedeutung sagt'man von Advocatcn und Ärzten, daß sie practicieren, wenn sie ihre Wissenschaft wirklich ausüben daher auch practicierendc Ärzte, welche keine Dvctores sind, practicäntcn genannt werden; welchen Nahmen zuweilen auch diejenigen bekommen, welche das Advociren erlernen, aber noch nicht wirkliche Advocaten sind. Nach einer andernEinschräu- kung ist practicieren, mit List in das Werk richten. Jemanden etwas in die Tasche practicieren. Sich in ein Amt practicic- ren. S. practike. Die practik, plur. inuf. aus dem mittl-'rnLat. lftructica, und dicß aus dem Griech. und , die Ausübung, im Gegensätze der Theorie oder der bloßen Regeln; wofür doch das mehr Griechische Praxis üblicher ist. Das erste kommt am häufigsten in einigen einzelnen Fällen vor. So war praetik ehedem - die Astrologie, practiken-Schreiber ein Astrologe oder Stern, scher, und practicieren aus den Sternen weißagen. Die Malschs practik ist bey den Rechenmeistern die Anweisung zu Anwendung gewisser Vortheile im Rechnen. Die Bauern - Practik, zufällige und in der Naturlehre nicht gegründete Zeichen künftiger Witterungen, deren sich dic Landlente zu bedienen pflegen. Die Practik eines Arztes, wofür im Hochdeutschen Praxis üblicher ist. - Dle practike, plur. die— N, gleichfalls von dem vorigen Worte, aber nur im gemeinen Leben, Ränke, listige und andere schädliche Streiche, practiken machen. Praktiken anrichten, z Macc. H 22. (S. auch partite und Practicieren,) Schweb. k>rukrü k, welches einige Schwedische Wortforscher von demAngels.?rLeN, List, abstammeu lassen. pracdisch, —er, —te, a 6 j. et uclv. ausübend, in der Ausübung gegründet; im Gegensätze des theoretisch. Eine praktische Lehre. Die praktische Wsttweisheit, welche unser Verhalten oder die Einrichtung unserer Veränderungen bestimmet. Eine practischeSchrift, worin die Zm Ausübung bequemsten Wahrheiten vorgetragen werden. Die Prädestination, plur. ivuf. aus dem mittlrrnLat. ?rus- tftssu, tio, in d r Theoloste, besonders derReformirten Kirche, ver Nathschlnß Gottes über die Seligkeit und Verdammnrß der Menschen ; die Vorherbestimmung. des — en/plur. die—en, aus dem Lat. prus- rltcnns, ritt Prediger; in ivelchcm Verstände es auch ehedem sehr häufig war. Jetzt ist es vorzüglich in der katholischen Kirche von protestantischen Gastlichen iibiich, welche man zwar fürPrcdr- Ser, aber nicht für wahrcPriester und Geistliche gelten läßt. Das prädkcäk, des — es, plur die — e, aus dem Lat. kr-Le- ckcutum, dasjenige, was von einem Dinge gesagt wird, rmGe- gensatze des Gubjectes, oder desjenigen Dinges, von welchem es gesagt wird. Besonders in der Logik, wo dasjenige Wort des Unheils, welches andeutet, was dem Dinge zukommt, das prä'- dicat, Deutsch aber auch das Zinterglied genannt wird. Prag, der eigenthllmliche Nähme der Hauptstadt Böhmens. Eine Art goldgelber Renetten heißen von dieser Stadt Prager Äpfel, und im Niedrrsächstschen verderbt Pracher Apfel. Der Prager Stoin, bey den Goldschmieden, ein gelbgrauer Stein von der Länge eines Fußes, welcher aber nur ^ Zoll dick und vorn Zugespitzt ist, womit das Silber vor dem Policen, besonders an de» krausen Stellen, glatt geschliffen wird. Das prätzeeisen, des—s, plur. udvom.üvß. ein stählerner Stämpel in den Klippwerken, in weichender Revers der Münze geschnitten ist, und womit die Scheidemünzen gcpräget werden. S. Prägestock. Pratzen, verb. reZ. act. welches, 1) überhaupt drucken bedeutet; in welcher weitern Bedeutung cs nur noch im figürlichen Verstände üblich ,st. Sich etwas in das Gedächtniß prägen, es wohl fassen, um es nicht wieder zu vergesst«. Einem etwas in -das äer; prägen, in eben diesem Verstände, doch mit derNeben- bedeu.ung des bleibenden Einflusses auf den Willen. Wie oft läßt man uns Lehrsätze ins Gedächtniß prägen, die für uns mit Finsternis umgeben sind, Gell (S. auch Einprägen.) 2) In engerer Bedeutung, durch Drücken hervor bringen; doch auch nur von den Münzen, durch Aufdcürkung der Figur ober des Bi-.wis-. ses hervor bringen. Geld prägen, Münzen prächen. Geprägtee Silber, Geld, im Gegensätze des unseprirgte-r. (S. euch Am-.-, prägen, Nmpragen.) I,»gleichen figürlich? Neue Worte prägen, machen. Jede böse Lust ist eine Empörung geg, a den, der hernach auf jede Vorstellung des geäi gst-'gten G wissenk das Bild seiner erschrecklichen Größe prägen kann, Herm^'. Daher das prägen und die Prägung. 1 Anm. Jin Böhmischen preZorruU, Schweb, xru-lct. Frisch leitete cS von Pl acht her, wegen des Glanzes der neu gepr ägten Münzen. Allein es ist wohl unläugbar, daß der herrschende Begriff in diesem Worte das Drücken ist. In den alttn Oberdeutschen Mundarten ist mit dem eingeschalteten Nasenlaute, dem gewöhnlichenBeglciter derGaumenbuchstabempkrevKev, und im Holland, und Niederst prangen, drücken. Das Lat. preivers und unser pressen sind nur im Eudlaute verschieden. v Der Präger, des—s, plur. m vom. ünA. derjenige welcher präget. In den Münzen führet diesen Nahmen derjenige Arbei- ter, welcher das Prägen der Scheidemünzen mit dem Prägeeisen verrichtet. Der prätzestock, des— es, plur. die — stocke, an einem Klipp, werke in den Münzen, ein kurzer dicker Stä-npcl, welcher sich unten in dem Klippwerke befindet, und die Rückseite der Münze bildet. S. Prägeeisen. Der prahl, des — es, plur. ivust. S. Prahlsalar. prahlen, Verb. röx. verirr. welches das Hülsswort haben erfor- de- t, und so wir Pracht, eigentlich eine dreyfache Bedeutung hat. -* Mit lauter und ungestümer Stimme reden eineimHochdeur- schcn veralteteBcdciituttgftn welcher es aber in Niedcrsachscn noch - völlig gangbar ist. Da^ranz brillier bedeutet gleichfalls viel und laut reden, und kustturrj einen solchen Schreyer. Es ist in dieser Bedeutung aus der Natur selbst entlehnet, und ahmet denSchall einer solchen ungestümenStimme genau nach. 2. Figjjr- lich Glänzen, durch einen äußern Glanz, durch schöne brm're FarWr leine Vorzüge an den Tag legen; eine noch im gemeinen Lebe,, gangbare Bedeutung. Die Tresse prahlt, wenn sie ei» sehr ^ schönes . ' schönes äußsres Ansehe«.hLt. (S.prahlsalat.j ZnwsirererBe- deutnng wird es zuweilen auch von einem jeden prächtigen viel versprechenden äußern Au scheu gebraucht, wo cs von einigen neuern Dichtern such wohläctive gebraucht wird. Im weißen Strumpfe prahlt die dicke Wade Rraft/Zachar. Wenn feine Zeder strahlt Und hoher Stand und Geld die goldne Weste prahlt, ebend. Im Schwed, ist ?r^i» nud im Island, Rrrs! illerchfalls Glanz, und in der ecstcrn Sprache prala stolz, prächtig einher gchen. Dkc Figur von dem Schalle ans den Glanz kann hier so wenig befremden, als in Hell, Pracht rmd andern ähnlichen Wörtern. 2) Unerhebliche Dinge als Beweise eigener Vorzüge zur Schau airslegen, besonders in engerer Bedeuruug, wenn dasselbe mit Worten geschiehet, .sich unbegründeter oder doch übertriebener Vorzüge avf eine ungebührliche Art rühmen, wo die Figur so wohl von dem Glanze als auch der lauten Stimme herg- uommen ist. Ein Mensch prahlt, so wohl wen» er sich Vorzüge beyleget, welche er rücht hat, als auch, wenv er diejenigen, welche er besitzet, , aufeine ungebührliche Art vergrößert. Mit etwas prahlen. Nit seinem Gelbe, mit seinen Rlcidern prahlen, sie als Merkmahle seiner Vorzüge ungebührlich zur Schau auslegen. Ein Arzt- der sich zum Dsctor prahlt, So auch das prahlen. i 2 fnm. Im Niederst gkeichfalls pralen. Frisch laßt es von dem schon angeführten Franz, brillier, Wachter aber von pürier abstammen. Allein, die Endsplbe zeiget uns, daß dieses Zeitwort ein Frcqnerttcttivum oder Znteufivum ist, welches von einem jetzt veralteten prahcn, oder mit dem HLrtcrn Oberdeutschen Hanche prägen, ahstammet, von welchem «och Spuren gering vorhanden find. Horncgk gebraucht progen wirklich für prahlen, und im Engl. ist LraZ noch jetzt Prahlcrey. Dieses progen und pra« gen aber ist mir prachen und prochm, dem Stammworle von Pracht, ein und eben daffelbeWort, und daher kommt es auch, daß prahley so wohl als Pracht, zunächst von der Stimme, hernach aber auch von dem Glanze gebraucht werden, prahlen stehet also für pragelen; woraus Zugleich erhellet, daß man dieses Wort bisher mit dem besten Grunde mit einem h geschrieben, um den snsgestoßenen Hauchlaut dadurch snzudeuten. Nur einige neuere Sprachlehrer haben aus Unkundeder Abstammung dashanssio- ßen, und dieses Wort pralen schreiben wollen. Zn dicker intensiven oder srequentativen Form liegt zugleich die Ursache, warum prahlen allemahl den Nebeubegriffdes Ungebührlichen und Übertriebenen bey sich Har, dagegen dessenGeschlechksverwandtcpracht rmd prangen in einem sehr unschuldigen Verstände gebraucht wer- - den. S. Prangen. Der Prahler, des — s, xlur.utvom. kng. Fämin.-ieprah« lerinn, eine Person, welche prahlt, in der letzten Bedeutung des vorigen Zeitwortes, welche sich ungegründeler Vorzüge rühmet, oder wirkliche Vorzüge auf eine ungebührliche Art vergrößert; der Großprahler, ich gemeinen Leben der Prahlhans, Niederst Vraaschker, Braaschkesaar, von braaschen, mit ungestümer schrependcr Stimme reden. Die prahlerizo, piur. die — en. r) Das Prahlen, und fn enge- ^ rer Kedentsng, die Neigung ober Fertigkeit, sich erdichteter Vorzüge zu rlchmen, oder wirkliche aufcine ungebührliche Art zu vergrößern; ohne Plural. 2) Dieses Betragen in einzelnen Fällen, Worte und Handlungen, worin At.n prahlt. Bep denr Notker DoboAsrni. Prahlerisch, — er, —te, a 6 j. et nüv. einem Prahler, oder einer Prahlerei) ähnlich, in derselben gegründet.; wo doch für die anständige Sprechart prahlhaft schicklicher iß. Zolgen d-ennEhre And Ansehen so gewiß der Tugend nach, als man uns m unfern nMern Jahren prahlerisch verheißt r' Gell. Lu Lstnre Viole, dn stlchä bescheiden niedrig im Gras, und streuest Gerüche umher, indeß daß geruchlose Blumen hoch über da« Gras empor stehen und prahlerisch winken,-Geßn. » pLahlbcrft, —er, —este, ach. er ackv. geneigt, F-rtigkeit besitzend, zu prahlen, und darin gegründet, der Prahlerep ähnlich. Ein prahlhafter Mensch. PrahlhafteVersprechungen. Immer ist Glax auf den prahlhasten Ton gestimmt. Die Prahlhaftigkeit, plur. inust. die Neigung odrv Fertigkeit zu prahlen, für das niedrigere prahlerey. Der Prahlhans, des—es, plur. die—e, im gemeinen Leben, ein Prahler. Der prcrhlsalat, des—es, plnr. doch nur von Mehrern Arten, -re — e,bey den Gärtnern, eine Art des Kopfsalates mit großen, angenehm in die Augen fallenden, gleichsam prahlenden Köpfen, wovon man so wohl grünen als gelben und rothen hak, welche man auch wohl prahlgelben, prahlgrimen und prahlrochen zu nennen pflegt. Zu andern Gegenden Heißt dieser Salat der Prahl, und in noch andern der Prahler. S. prahlen 21). Die Prühlsuchr.plur. ear. die Sucht, d. i. heftige, ungeordnete Begierde zu prahlen, sich unzegriindeter Vorzüge auf eine ungebührliche Art zu rühmen. Der Prahm, des—es, xlur. -re—e. i) Cm plattes Fahrzeug ohne Kiel,Lasten, Wagen undMenschcn über Flüsse zu setzen. Oft wird auch eine jede Fähre, wenn sie einen Rand hat, ein Prahm genannt. Auch die Pontons der Franzosen, welche oft sehr groß find, drey Masten haben, zur Vertheidigong an des Lüften gebraucht werden, und oft mit sechzigKanoncn besetzet find, aber gleichfalls nur stach und ohne Kiel gebanet werden, find unter Hem Nahmen der Prahme bekannt. Niederst praam, Engl. k'iLtvru,HollLnd.krsnm.Fcisch leitet es von dem Lat. prems- ra her, weil ein solches Fahrzeug, wegen seiner stachen Banart sehr leicht in das Wasser gedrückt werde; eine fraulich sehr weit hergehshltt; Ableitung. Zn Baiern, wo man sich dieser Fahrzeuge gleichfalls bedienet, heißen sie Zarme; daher eS beynahe scheint» sollte, daßprahm durch die sehr gewöhnliche Versetzung des r aus Zähre entstanden ftp, weil der Prahm doch eigentlich nur zum Übersetze« oder Überfahren bestimmt ist. In einige« Gegenden lautet cs der Prahmen, des — s, plur. ut »om..sinZ. Zn ander« ist cs weiblichen Geschlechtes, die Prahme. 2) In einigen Provinzen, z. B. in der Mark Brandenburg, rin Ma>ß der ii-lk- steine, wo es einen Hanfe« solcher Steine bezeichnet, welcher 2, Fußlang, 7 Kuß breit, und 2 Fußhoch ist; ohne Zweifel soviel, als man auf einen Prahm in der vorigen Ledentung laden kann. Die Prahme, plur. die—n, ein nur in einigen Gegenden übliches Wort, einen Ranken zu bezeichnen; in welchem Verstände es besonders im Hopftnkaue üblich ist. Lcr Hopfen muß in dem zweyren Jahre vonden übrigen Reimen gereinigt, und ihm nicht mehr als eine Prahme zum anfwachseii gelassen werden. Im dritten und dem folgenden Jahre lasset man ihm zwep bis -rcy Prahmen zum Wachsthnme, weiche richtig angewiesen, geblattet rmd mit mehr Stangen versehen werden müssen. Frisch hat dasWort Prarye auch in der Bedeutungeines gemeinen Schäferstockes gefunden,ist aber wieder schrunrichtigdaran,weun er es awch von prernere herlcitct, weil ein solcher Stock dazu dienet, die Schafe beysammen zu erhalten. Es ist vielmehr ein Seitenoerwandter von dem Latein. Ramus, welches mrDkut- scheu rmr den müßrgen'Blaftlaut angenonuuen hat, welcher vor dem l und r aus tausend Fallen erweislich ist. Jm Hannöv. ist prMge ein großer Stock. S. auch Riemen. Derprälstt, des—en,j)In-> die—-en, ans dem mittleenLat.RcKe- iatn?, ein vornehmer Getstiichcr, besonders in der Rörrüsche« Kirche, 82 Z Kirche, wv man Bischöfe nnb-infulierft Äbte, und äus Achtung zuweilen alle vornehme Äbte Prälaten zu nelllwu pflegt. Daher Lieprälarür, piur. die—. en, die Wurdet die Stelle siueS Prälawn. Das mittlere Lat. keaelÄru 5 bedo»reteeilkeit Vorgesetzten, u wohl weltlicheuals geistliche« Standes, wurde abK- bald anfdie geistlichen Vorgesetzten eiugefchrärrket, da denn auch wohl die gemeinen Pfarrer unter diesem Nahmen Vorkommen, bis derselbe endlich nur den jetzt gedachten geistlichen Vorgesetzten höherer Art zu Theil gelvorden. Es lautet schon im Schwabens)), krelnt. / Prall,— —oste, Läj. et aäv.scharfgcftannt, oder ausgc- flopft, so daß cs zum Prallen geschickt ist, oder andere Körper- Prallen machen kann. Das Seil ist z« prall, wenn es zu scharf gespaurutt ist. Ein praller Ball, wenn er sehr dicht ausgestopfet ist. pralle Waden, ein praller Bauch. Rieders, gleichfalls prall. Figürlich, für jähe, ist prallig üblicher, S. dcflselbe. Der prall, des—cs, plur. die—e, eigentlich, der Schall, welchen ein Körper im Prallen Pracht, und in weiterer Bedeutung die Handlung des Pralleus. Böse Pferde, wenn sie den Reiter ab- wcrfcn wollen, machen den ganzen vorderschenkel so steif als möglich, damit im Springen der prall oder Gegenprall wider den Reiter gehe und ihn aus dem Sattel hebe. S. das folgende, jngleichen prell. Prallen, Verb. reA. neutr. welches mit beyden HUfswörtern gebraucht wird. r) Mit dem Hülfswortr haben, dcxjenigen Schall von sich geben und hervor bringe», welchen ein scharfgespannter elastischer Körper macht, wenn er mit Heftigkeit gegen einen andern elastischen oder auch festen Körper getrieben wird. Ich höre etwas prallen. Es har geprallt. -) Mit de« Hülfsworte sepn, ans diese Art zurück gestoßen werden, so wohl von elastischen Körpern,wenn sie müHeftigkeit gegen einander getrieben werden, Als auch von einem elastischen Körper, wenn er gegen einen festen, und von einem feste«, wenn er gegen einen elastischen Körper ge« trieben wird, wenn der Ball gegen die Wand geworfen wird,, so prallt er zurück. An etwas prallen, auf solche Art an einen andern Körper getrieben werden. Figürlich gebraucht man cs auch wohl zuweilen von Körpern, welche picht elastisch sind, wenigstens nicht merklich oder sichtbar elastisch find. So übersetzen siele das Resiectiren der Lichtstrahlen, wenn sie auf eine glatte Fläche stoßen und alsdann unter einem schiefen Winkel wieder zurück geworfen «erden, durch zurück prallen, und die Reflexion durch Zurückprallung, zum Unterschiede von her Refraktion oder Strahlenbrechung. Daher das prallen. Anm. Zm Rieders, gleichfalls prallen. Es ist das Neutrum Hon prellen, prallen machen, welches oft, aber unrichtig, statt dieses Neutrias gebraucht wird, S. dasselbe. PrallLy, — er, ste, -»ckj. et ac!v. von dem Hauptworte prall. r) Wie das Bey- undNsbeurvoet prall, (S. dasselbe.) 2) Figürlich, jähe, steil, besonders im Bergbaue, wo ein pralkrges, d. t. jähes, steiles, Gebirge, dem sanften, abhängigen, entgegen gcsctzet wird. Der Fels ist sehr prallig. In welchem Verstände man auch wohl das Hauprwort die pralligkert findet. 'Der pralltriller, des—s, plur. ut LSW. ÜNA. in der Musik, ein Triller, welcherkurz und schnell geschlagen wird, wo die zwei) abwechselnden Töne gleichsam zurück prallen» Die Pramme, im Bergbaue, S. pxonns. Pr«',-.gen, verb.reA. uöut.r. welches das Külfswort haben erfordert, «nd in einer doppelten Hauptbedeutung gebraucht wird. r. ^Sprechen, redcir, WoxrS machen; eure im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, in welcher prLüKLQ noch bey dem Koro für bitten verkommt. Es isthier mit fragen, sprechen, dem Schweb, nräku, erzahllu - dem Lat. rv.ALre, bitten, ftrsseo u. s. f. sensu ?erkSSubt, von welchen es sich lhells mik zufMzxu vorgefttztcnBlaftlautt, Herls auch durch den eben ftzufäll-geu Nasenlaut, dem freundschaftlichen Begleiter der Gaumenlaute, ri.nerschcidet. Vermittelst ebenhiefts n ist es unmittelbar aus dem veralteten brechen, progen, prägen, dem Stammrvorte von Pracht und prahlen, gebildet, daher es auch m den Hanptbede«- Lungert mit demftlbeu überein kommt. Ein Überbleibsel dieser Bedeutung scheinet noch der im gemeinen Leben vieler Gegenden übliche Gebrauch dieses Wortes zu setz u, wo prangen, airS höflicher Schüchternheit vieleWorre und Umstände mache«, bedeutet, prangen wie eine Äraut, welches hier nicht die folgende Bedeutung des äußrrrk festlichen Putzes, .sondern des feyerlichen Gepränges in Worte» undGeberdenhat,Franz. kLire clasfaeoas. Bey Tische und im Bette muß man nicht prangen, nicht viele Umstände machen. 2. Figürlich,glänzen, m,d iu weiterer Bedeutung, durch vorzügliche äußere Reitze, festlichen Putz, kostbare Zierachen, u. s. f. die Augen anderer auf sich ziehen; welche Figur es mit brechen in anbrechen, Pracht und prahlen gemein Hat. i)Eigentlrch. Meinest du, du wollest Rönig sepn, weil du mir Ledern prangest e Zer.22,iZ. Im ewigen Äranze prangen , Weish. 4, 2 . D« weißt, Laß ich nicht achte den herrlichen Schmuck, wenn ich prangen muß, St. Eflh.L, r r. I« prächtigen Rleiderneinher prangen. So schön kann nic- Die Zlur im Lenze prangen, Weiße. Znglcichen durch vorzügliche, glänzende Eigenschaften die Augen anderer auf sich ziehen, wie viele Tugendhelden prangen nrcht Ln der GeschichteIm wertesten Verstände bedeutet es zuweilen überhaupt die Augen anderer auf sich ziehen, es" ftp wodurch es, wolle. So sagt man, der übelthater prange am Zalseifen, wenn er hier andern zur Schau ausgefttzet ist. 2) Ist engerer und figürlicher Bedeutung, (a) Durch glänzende äußere Lmständ? die Augen anderer auf sich zu ziehen suchen, und in engerer Bedeutung, durch glänzcrtde äußere Umstälidevrn seinen Vorzüsen zu überzeugen suche»; wo es auch eine nachtheilige Bedeutung bekommen kann, wenn dreft Absicht ungeordnet und übertrieben ist. ob cS'gleich den verächtlichen Rebenbegc'issdeS Wortes prahlen nie bey sich hat. Sie prangen von eurem Almosen, 2 Pet. s; i.;, prange nicht vor dem llom'ge, Sprichw. 2^, 6 , wer ftdr pranget, dev verdirbt darüber, Sir. 20, i r. Mit seinem Reichthume, mit seinem Stande, mit schönen Lleidern prangen. (b) Andere durch Worte von feilten Vorzügen zrr überzeugen suchen, um sich dadurch bey ihnen Auftheu zu erwerben, sich feiner Vorzüge rühmen; wo es gleichfalls in einem weit gelinder» Versiandc gebraucht wird, als prahlen. Ach Herr siehe an mein Elend, denn mein Feind pranget sehr, Klage!, i, 9, rühmet sich seiner Übermacht. Mt fernen V erdie: ä> n, mit seiner Gelehrsamkeit prangen, sie gsruLMM zur Schau auslegerr. So auch das prangen. S. auch das Gepränge. Anm. Zm Engl. ro prunk, im Rieders, prunken, wovon auch im Hochdeutschen das Wort Prunk üblich ist, im Holland, p ron- keu. Ohne Naserrlaut gehören auch das Engl. W drsZ und das Franz, brszusr hierher. (S. auch Pracht und prahlen.) In den neuern Zeiten haben viele angcfangen, solche Dinge, welche man gemeiniglich mit dem Franz. Parade zrr denen,reu pflegt, mit Prang —auszudrucken; das prangbett, oder vielMhr Prangebett, Prangepferd, pranzezimmer u. ff. Fillern sie haben noch wenig Nachahmer gefunden, ft wring als eie, welche --dazuPrunk in Vorschlag gebracht haben, prangen ist wegen der Zweydeutigkert der letzten Bedeutungen dazu am unbequemsten. Pracht wäre dazn noch am schicklich sie». S. Lach Staat. Fff -.Der ». Derpranyer, des — s, plur. ut vom. !^nZ. Famin. die prangcrinn, eine Person, welche pranget, besonders in den letzten figürlich n Bedeutungen und ini nachtheiliqenV^rstanoe. D rs Schlemmen der Pranger,Amos 6, 7. Im Hochdeutschen kommt es wenig m. hr vor. e. Der Pranger, des—s, plur. ut vom. tinF. ein Pfahl, eine Säule oder auch ein jeder Ort, an welchem die Misset!) äier zur öffentlichen Schau und Schande ausgesiellel werden. Am Pranger,stehen. An den Pranger gesteller werden. Weil der Verbrecher gemeiniglich vermittelst eines eisernen Bandes um den Hals daselbst befestiget wird, so wird er auch das Halseisen genannt. In andern Gegenden heißt er der Schaudpfahl, im Niederst der Raak. Anm. Bey dem Pictorius der Brangen, im Pohln. kruvAs. Entweder von dem Niederst prange,ein großer Stock, ein Pfahl, welches sich von Prügel nur durch den Nasenlaut, Voit Range aber nur durch deu vorgefttztcnBlaser unterscheidet, oder auch von öem vorigen Zeüwvrte prangen, so fern es überhaupt zur Schau susstelleu bedeutet, da es denn den Orr bedeuten würde, wo solches geschichet. Das Niederst Raak oder Rak wird von vielen gleichfalls vondem Niederst kiken^sehen, abgeleitet. Die Pranke, S. Brante. Die Präpositiöst, plur. die—en, S. Vorwort. Das Präsent, des—es, plur. die —-e, imgememettLeben — er,ein nur im gemeinenSprachgebrguchefürGeschenk übliches Wort; von dem Frauzös. l^esovt, oder Mittlern Lateirr. ?rue- tsutiu. Der Prasek, des—s, plur. ut vom. linZ. aus dem Latein. L?5Llius und Griech.irpoes'tos, ein weicher glasartiger Edelstein, welcher eine gelbgrünlia-e dem Porree ähulicheFarbe hat,von welcher er auch den Nahmett hat, von dem Griech. Porree- Lauch. Man halt ihn für eine Abänderung des Cyrysoliches. In eltllgen Zusammeufttzuilgl'n lautet dieses Wort rrur Präs; -er Smaragdpras, ein grasgrüner, dem Schmaragd ähnlicher Prüfte ; der Chrysopras, ein gelblicher Praftr, welcher zuweilen weiß, roch und schwarz gefleckt ist. Der Präsident, des — en, plur. die —en, aus dem Latein. , xr^elickere, den Vorsitz haben, derjenige, welcher in einem Col- legio den Vorsitz hat, das Haupt eines Coüegü, welcher die Geschäfte anordnet und vertheilet, und m manche» Fällen auch entscheidet; Franz, krelicienl. Dessen Gattinn bie präfldcntinn. Ehedem gebrauchte müu das gute Deutsche Wort Stabhalter dafür, so fern der Stab das Ehrenzeichen der Vorsitzenden Person in einem jeden, besonders Rechts- Collcgio war. Der präsi, S. Braß. Daö Prasse lyold, des—es, xilur.inust. S. Rnallgold. Prasseln, verb.reZ. neu.:r. mit dem Hnlssworte haben, welches das Frequentativum von dem größten Thcils veralteten brassen, brechen, ist, und einen mehrmahligen brassenden oder brechcn- dcnSchall nachahmet und ausdruckt; diesenSchall von sich geben oder verursachen. So prasselt das Feuer, wenn cs Stroh, dürres Reisig und andere dürre und lockere Körper ergreift, wovon das im oemeincn Leben übliche spxatzeln einen kleinern Schall ans, druckt. Wenn sich mehrere Lheile eines festen Körpers zugleich los reißen, so entsteht ein Prasseln. Ein bis zur Schweißhiße Klühendcs Eisen prasselt, weil sich verschiedene Eiftmhcilchen von demselben los reißen. Es gibt auch Arten von Donnerschlägen, welche prasseln. So auch das prasseln. ' Anm.Jn den gemeinen Oberdeutschen Mundarten prasseln, im Angels. krvki2v,.im Engl. to bruÜiechmSchwed. prslsiu. prasseln, prazcln und spratzeln, sind hin und wieder im gerriei- neu Lphrn üblich, und bezeichnen kleinere odrk schwächere Schälle bicftr Art. Die Endung — eln beweiset, daß es ein Frequenz» tivum von prassen ist, welches den Schall eines brechenden Körpers nachalunet und thcdem für brecheit^stPr'übllch war. Noch jetzt sagt man, die Nelken prassen, wenn sie platzen. Im Hehr, ist -leichsalls reißen, platzen. Von dem Feuer, wenn es trockne Sachen ergreift, sagt man im Schweb. st,ak r. (S. prass »An»,.) Der Vorgesetzte L lüfelaut, welcher zugleich einen l-Lrtern Schall ausdruckt, uuterfcheldet es von dem lockerernRasseln S. dasselbe. Pressen, verb reA neulr. welches daS Hülfswort haben erfordert, ein ausschweifendes üppigrsLeben führen, besonders im verschwenderischen Genüsse der Speise und des Trankes, prasse nicht nur chr, S,r. 9, 'Z. Die Heiden schwelgeten und prassele» im Tempest 2 Marc 6, 4 Der verlorne Sohn brachte sei» Gut um mit prassen, Luc. 1 L, ' z. Sie prangen von eurem Almosen und prassen mir dem Euren, 2 Per. 2, iz. Daher das Prassen. S. auch Verprassen. An.n. Im Dän. brase, >m Schweb, draska, wo Krask das Geräusch ist. -- Es scheinet zunächst das Geräusch auszudrncke», welches mit einem solchen ausschweifenden Genüsse der Verguss, gnngen verbunden ist, da es denn das bcy dem vorigen Worte gedachte prassen, platzen, toben, lärmen, seon würde. Die gleichbedeutenden schwärmen, im Gause und Brause leben,dämmen, Nieders.deumen, sehen insgefammt zunächst aufdasGeiöft. Auch das Lat. üeluari (vielleicht richtiger tielluam) läßt sich aufHall, Schall, Getöse, zurück führen. Der Prasser, des—s, plur. m vom. livF. derjenige, welcher prasset, sich den Vergnügungen, besonders dem Genüsse derSpeift und des Trankes auf eine ausschweifende, brausende Art überläßt. Gey nicht ein Prasser, Sir. 18,32. Die Pratze, plur die—n, S. plante. Der predlcänt, S. prädicant. Preöigen, verd. rsZ. ucl. eigentlich, dieWahrhejten derRcli'gion öffentlich und Mttiidllch vortrageu. Alle Sonntage predigen. Die Buße, den Glauben predigen. Der Gemeine predigen, wofür doch vor der Gemeine predigen, üblicher ist. Figürlich, mit lauter Stimme verkündigt», bekannt machen, und nach einer noch weitcrnFigur, mit Nachdruck ermahnen oder bekannt machen überhaupt. Die Tugend predigen, andere nachdrücklich zur Tugend ermahnen, es geschehe nun mündlich oder schriftlich; m welcher figürlichen Bedeutung die dritte Endung der Person üblicher ist, als in der vorigen eigentlichen. Einem predigen. Der mein Thun zu meistern denkt, predigt tauben Mhren, Haged. Die Bibel predigt nicht bloß für den Verstand. Wunderbare Führungen und Errettungen, was predigen sie anders, als eine über alles wachende vorsehung?Grll. So auch daspredigen, und zuweilen auch die predigung. Anm. Schon im Isidor prscliZov, Hey demOtlfried kreüi- Avv, im Schwed, praeckiku, im Engl. ko pres ck, im Franzos, ^reeller. Es ist ohne Zweifel aushcmLat. ^raeüicÄrs entlehnet, welches sogleich mit dem Christenthume rn Deutschland bekannt geworden. Viele, welche aufeinc übertriebene Art für die Ehre der Deutschen Sprache besorgt gewesen, haben es für ein altes echtes Deutsches Wort ausgcgebeu, welches von dem noch hin und wieder üblichen präten, prärchen, pratschen, pratschen, mit lauter, gemeiniglich Heller und eintöniger Stimme reden, absiam- " me; Wörter, welche den damit verbundenen Schall genau nachahmen. Im Schwed.ist prska reden,sprechen,Griech.am Ende scheinet iii.A bloß um des Wohlilauges willen da zu seyn, pudern dir P r e 8Z» Abstammung von öemLat.prasöieLÜo zu bezeichnen, daher dieses Wort ehedem auch predigate geschrieben wurde. Das preöltztamt, des—es, plur. iüus. das Amt eines Predigers, besonders iu den protestantischen Kirchen, wo es den ganzen Umfang der Obliegenheiten einer zur Verwaltung des öffentlichen Gottesdienstes bestelltenPerson mit in stch fasset. Fnmpre- digtamte berufen werden, zum Prediger. Das predigtamk verwalten, demselben vsrstchen, Prediger seyn. Das preöiytbttch, des—-es,.plur. die— bücher, ein Buch, welches Predigten enthält. S. Postille. Der Predigtstuhl, des—es, plur. hie — stichle, der erhohete Ort in den Kirchen, von welchem die Predigten gehalten werden, und welcher unter demNahmen derAanzel am bekanntesten ist. Im Niederst wo dieses Wort am häufigsten vorkommt, Pre- digtstool. r. Der Preis, des — es, plur. die—e, Dimimdae preischcn, - im gemeinen Leben auch prieschen, ein nur hin und »Meder übliches Wort, einen Saum, einen Riemen, und wasdem ähnlicy ist, zu bezeichnen. So wird der mit Haaren bewachseneSrreif an einem Pferdefuße zwischen dem Hörne und Fleische der Preis genannt; in andern Gegenden heißt er der Saum, dieRrone. Bey den Nähtcrinnen werden die breiten Säume oder die Einfassungen eines Hemdes oben am Halse so wohl, als-vorn an den - Ärmeln, welche auch unter dem^lahmcn derOuadern,Besetzchen, Bindchcn, bekannt stnd,preise,Prei3chenMdprieschen genannt, wo man das Wort auch wohl im weiblichey Geschlechte höret, die Preise. Frischlin nennt eiuenSchnttrricmenpreisriem, Alteustieg einen mit Riemer« gebundenen Schuh Preisschuh, und aus dem Frisch erhellet, daß auch die pergamentenen Streifen, woran die Siegel der Urkunden befindlich find, ehedem Presselen, preißelen genannt worden. Das Wort Presse, welches der Spate von dem viereckten StückchenPaprer gebraucht, welches aufdas wächserne Siege! in^en Kanzelleycn gelegt wird, scheinet nicht hierher, sondern zu unserm presss-zu gehören, weil das Siegel darauf gedrückt wird. Indessen ist auch im Schweb, ket eine jede sirreckte Fläche, wohin auch unser Raute gehöret. Anm. Preis vereiniget in dieser Bedeutung den Begriff der Länge mit dem Begriffe der Breite, und scheinet vermittelst des Vorgesetzten Blaselautes aus Reis, Griech ein Reis zum Binden^ oder einem ähnlichen Stamme entstanden zu seyn, wohin auch das Lat. keMs gehöret. In Ansehung der Brette ist es auch mit unserm breit verwandt, weil t und s beständig abrvech-- seln. ZmSchwedischcilistLräääderRand, (S.preis;iegel,)und das in der Baukunst übliche Wort Zries, so fern es ein langes brer- teSGlied an dcnSänlenordnungen bedeittet,könnte gleichfalls hicc- her gercchirelwerden. Juden gemeinenSprechneteneinigerGegen- den nennet mau dieBrnstdrüsen von denKälbern gleichfüllspreis- chen; allein alsdann ist es aus Broschen verderbt, stehe dasselbe. 2. Der Preis, des — es, plur. die — e. -. Überhaupt eine Sache, welche der.Willkühr eines jeden überlassen ist;apo es aber nur noch indeclinabel und ohne Artikel in verschiedenenRedensar- Leu üblich ist, in denen cs allesAnsehen eiuesNebeiiwortes hat. Etwas Preis geben, cs derWillkuhr eiircs jeden überlassen. Eine Stadt Preis geben, ste den Soldaten zur Plünderung überlassen. Sich den Lastern Preis geben, fich ihnen ohne Widerstand überlassen. Wenn esniemand wagen will sich demSturme Preis zu geben, so will ich es thun, Gell. Sich der Gefahr Preis geben, fich in dieselbe wagen. Etwas Preis machen, es Beute machen, als eine der Willkühr eines jeden überlassene Sache sich zueiancn; ingleichen, so »vie Preis geben, der Wlükiihr andere überlassen. Es ging alles Preis, was La war. 2. In engerer dentung, eine öemWcrteifer anderer ausgestellte oder ilberlaffeneSachc.eiue Beloh- 8§r P re AüoHnung, so fern sie m einem Wettstreite dem WürdtMaznev. ?annt wird. t). Eigerrtlich. Linen Peels aufenvas setzen, einen prers ansfttzen, aufstellen. Die Akademien und gelehrten Ge* sellschaftcupflegr« jährlich gelviffe Preise ausznsetzcn. Den Preis davon tragen, ephalren, bekommen. Jemanden den Preis zucrkenncn, zusprechrn, erthcilen, geben. Daher die Preisfrage, diejenige Krage, auf deren beste Auflösung ein Preis gefttzet wird; die preisschrift, diejenige Schrift, welche denPccis erhalten har, mir dempreisc gekroner worden; zuweilen auch in weiterer Bedeutung, eine Schrift, welche sich mit um den Preis bewirbt. Die R. A. einen Preis aufiemsndes Aopf setzen, gehöret gleichfalls hierher, kann aber auch zu dem folgenden Worte deS bestimmten Welches gerechnet werden. Pep den Ritterfyielen,. TiN'uiereu, Kanepsspielen rurd andern dem Wetteifer anderes bestimmten slbungon rverden gleichfalls Preise ausgesctzt und erhqlte«-. 2) Figürlich, eine chde VslohururK; m welcher Beden«.- eirng es doch nur noch zuweilen in der dichterischenSchrcibartvor- kommt, außer derselben aber veraltet ist.. Der Tugend Preis. Anm. Da dieses Wort in der ersten Bedeut«.".g nie anders als adverbisch gebraucht wird, so könnte mau es hier füglich auch als^ ein Nebenwort. betrachten, und folglich mit einem ileinenBuchsta» den schreiben. Astern es scheinet ursprünglich ein wahres Hauptwort zu seyn,welches ein Seitcnvenvaudrer von dem Frünz.krilL (siehe pvise) urrddem Lat. l?käeclList, rrnd Airdenselben.von denr veralteten reisen, nehmen, in den Monsieischen Glossen rur-K-n, wovon unser reißeu das Zutensivum ist, abstammet. Jn FanftS Linlburgischer Lhrsuik be-KcpreiLschiffcin erbentewsSchiff, eine Prise. Im Holland, ist ruiten plündern. Sagt- »och auch jeder-» mann adverdisch, etwas Beute machen, und nicht selten hört man Mich, eine Suche Benke geben, für, sie Preis geben. Inder zweytcn Bedeutung, wo es sch.m öcp dem Stnfler und seinen Zeitgeuoffen k°ris, im Schweb, gleichfalls lstris» lautet, wird cS gemeiniglich dem folgenden.Worte gevechnet, -voll welchem es sich auch ohne großen Zwang würde ablcite» lasten, ivetrit nicht die hier angegebene Abstammung mehr Wahrscheinlichkeit für sich hätte, indem der Begriff des Wetteifers hier allerdings der herrschende zu sehn scheinet. Über Kieß bestätiget die verschiedene Schreibart in den verwandten Sprachen di- Verschiedenheit in der Abstammung. Der Preis in düster Bedeutung heißt im Engl». Z?t ire-z der bezahlwMerch priee, rrnd bas Lob fraise. Das Lat. kouk-m-unü und Griech. stKLsikw>» ffnd von Preis i« der zwep-- tcn Bedeutung nur r«; Endlaluc unterschiede«. "Z. Devpreid, des— es- plur. die— e, ein Wort, welches eigentlich die laute Rede,, die laute Seinunc, bedeutet, welches aber mW noch in engererBe-rnrung üblich ist, dasLob, den Ruhm, bas durch WortLüuSL?dr-ucktL Urthsil vDrr den Vorzügen anderer zu bezeichnen.. . , i..EiseirLlrch, wo ss keinen Plnral hat,, rmo r)mr engstem - Verstände das ll-rcheü von den erhabcuenBorzügen a «derer bedru» Lrr, als eine Figur der lauten Sr-nunr, welche divirsWort zunächst bezeichnet.. Es saget in diesem Verstände mehr als Lob m«K- Archm- und ist in dcv biblischen und erhabenen Schreibart am üb- Lchffsn. äerr,.du bin rsü'rdlg zu nennen Preis und Ehre rm-> Nrast-.Dff.^, Mit Preis «uoEhpe hast du ihn gckröner> Eör., r,- 7". Da- er empfing von Gott dem Vater Ehre «nd Preis , 2. Petr. u, r- 7 ; obgleich dir R. A. Preis empfangen,, und die. m andern Stellen vorkommendLa Preis gebim, Preis opfern, außer der biblischen Schreibart, veraltet find.. Laß m?is , »LwMnnd deines Ruhms unb deü;es Preises voll sepn tä'glj-H.. Ps T-r,.«.-. Unm-Pveis (Preist) deines Volks Israel, Lue. r,.z2.^ rvsiwrev'Bc-e»tung> das Lob überhanpt, ein jedes ans- Vßp:.lrchLttkKMchell.pM.drs.Vorz.tt^n. andor^i« mr.lcheW.Vk>» P r e ZZ -r stände es im Hochdeutschen veraltet ist. Ehedem mar davon auch der Gegensatz Unpreis für Verleumdung, Spott, üblich. 2. Figürlich, derVorzng, die Ursachonud der Bewegrngsgruud des Preises in der vorigen Bedeutung, i ) Überhaupt,, der Vorzug, drr Werch, im Gegensätze des veralteten Unprriscs; gleich, falls ohne Plural. Ir Istls so üs're iiciellsrr Vuci Vuxrris Lo §sr versnZea u. s. f. Burkhard vv» Hohenfels. Lufdaß ich erzähle allen deinen Preis, Ps. 9 / 'L. Im Hochdeutschen ist dvse Bedeutung größten Thcils veraltet, welche noch bep den Dichtern der vorigen Seiten häufig vorfommt.' 2) J„ engerer Bedeutung, a) "Der äußere Vorzugs und besonders der Zieratb- der Schmuck; eine im Hochdeutschen gleichfalls veraltete Bedeutung , in welcher es noch im Oberdeutschen von allan zur Zierde usd zumSchmncke gereicheudenDittgen, und von dceZierde selbst üblich ist. Im Augels. ist ?rÜte der Schmack, «ad bcp de» altern Schweden x>r^cka schmücken. Ss fließt in dieser Bedeutung mit deiu ohnehin verivandten prachtznfammen,(S.dÄsselbe.) Ehedem wurde die Sakristey öep den Kirchen die Preiskammer genannt, ohne Zweifel , wer! der Kirchcnschmuck darin yepDah- rer wird, daher ße auch die Dreßkammer: oder Treßkammer hieß, b) Der Wertst, welchen ein Ding im Handel und Wandel hat, der geforderte oder bezahlte Werth; i« welchem Verstände allein im Hochdeutsche« auch der Plural gebraucht wird. Nach dem Preise einer wnare fragen. Sage« sie mir den genauesten, d.ru nächsten Prers^ Der Preis ist mir zu hoch. Ein hoher, cheu» rer, nlcdrrxcr, geringer, billiger Pucis. Den Preis setzen, machen, bestimmen, von dem Preise etwas ab-oder herunter lassen. Etwas für eüven billigen Preis kaufen. Für den Peers mag ich es nicht. Die Sache stehet jetzt hoch im Preise, sie Sehet in einem hohen, in einem niedrigen Preise. Der Preis der Maare steigt, fallt;dieWaare steige, fallt Lmprerss. Le» Preis einer Maare erhöhen, steigern. Ich gebe es um oder für einen gnren (billigen) Preis. Etwas an dem Preise abbrechen. Anm. In der ersten Bedeutusg des Lobes kantet dieses Wort nnSchwed. Iftis, und imEngl. kraiss; in der zweyteu Bedeutung des geforderte» oder bczahÜM Werrhes im Schweb, gleichfalls kftrs, im Franz.Iftix, im Engl. Ift'iLL, im Jtal. ?reFio undkrerro, und im Lat. kredium. Allen Gründen eiilergefan- den Elpmologie nach druckt es ursprünglich dcnSchall desAodon- den ans, so daß es mi! Rede selbst auf das genaueste verwandt ist, rpelches hier nur dclt gcwöhrüichru Blaselaut Zu ftiner Bcgleittmg (Wtirommen,vnd sei« d in das verwandtes verwandelt hat. Z in Schwed.ift rosa, im Island, irrosa, bey den nördliche« Engl Ändern reole, imSchvttlandischeu ruße, loben. Mit dem Vorgesetzten Blasistaute war öreitstt,pxaten, ehedem sprechen überhaupt. (S. dir Nuinerlung zu predige«,) Unser grüßen gehöret auch z» diesem Stamme, und ist nur r« dem Verschlage nüd intensiven ß- statt des s verschieden, so wie brarisen urid das Rieders, prusten, niesen, eisen ähnlichen Schall bedeuten. Luther scheinet Hlvb 39 , so mü demMortePreis den Begriffemes ähnlichen Schalles verbunden zu habe«, wenn er Gott von dem Rosse sage« läsffu Nanust-d« es schrecke«, wie die Heuschrecken L Das ist Preis feiner Nickenwas schrecklich ist ; wo cs bep Michaelis heißt: befiehlst du rhu-, den ^erlsqrrecken gleich zu springen? Ser« prächtiges Michern'A Schrecke«. HaKprerschen, hes-»» s,^ ^lur.-utntrm. kuA. G.». Preis. Die Preiss, pftir. die — r„ Serben daselbst.. , Die preiftlbLetze, spur, -k — n, v i« Rahme eincb doppelten Art Bc-ce« u r, d der Ärrw-dr, wesche sie tragt, t) Der rochen rnehl- Aäreutrazche. oder. Garch-Fexf- welche i« simd-ges uusnwht- 8ZZ - P" «nftuchtbarcn Wäldern wächst, und auch Mehlbeere, bey Zelte Moorbcere, von dem Niederst mör, mürbe, genannt wird; ^idulusl^vaurü 1 >. Die Blätter dieser Stande haben einen herben zusammen ziehenden Geschmack. Noch mehr aber, 2) einer Art Heidelbeeren, welche auf ganz niedrigen Ständchen in den Wäldern des kältern Europa wachsen, roch von Farbe sind, und einen zwar herben, aber zugleich auch angenehmen, säuerlichen und erfrischenden Geschmack haben, und daher in Zucker eingemacht und zum Braten gegessen werden; Vnceiviurn Vttis Itten f,. röche Heidelbeere, aufdem Harze Bronbeere, m Körnchen Gran- ten, in Franke» Moßjocken, um Nürnberg Steinbeere, weil sie gnt wider den Stein sind, im Thüringer Walde Hölpsrlebeere, < in andern Gegenden Brausbeere, Mehlbeere^Bocksbecre, Grift felbeere, Rreubeere, Rausch, in Norwegen Tranebeere. Weil das erste Gewächs herbe Blätter, das letzte aber herbeBeeren hat, so scheinet diese Eigenschaft auch zu dem Nahmen Preiselbeere, , welcher bald preißelsbeere, bald auch prenßelbeere gesprochen wird, Anlaß gegeben zu haben. In Baiecnund andern OberdcuL- scheu Gegenden ist raß herbe, woraus mit Vorgesetztem Blase- laute leicht Preis und Preise! werden können. Der Nähme Rausch, vielleicht auchBransbeere, leidet ebendieselbe Ableitung, so wie die Nahmen Bronbeere und Grauten mit Gran, dem Oberdeutschen Nahmen des Meerretriges, von dem Wendischen und Slavonischen Zrsnak, herbe, bitter, abstammen können. Preisen, verb. reZ. et IrreA. scl. welches im letzter» Falle, ich preise, du preisest; Zmperf. ich pries; Mittelw. gepriesen; Jm-^ pcrat. preise,i hat. Es bedeutete ehedem mit lauter Stimme reden, sprechen, wie aus der Anmerkung zu z Preis erhellet, wird aber jetzt nur noch in der ersten Bedeutung dieses Hauptwortes gebraucht, jemandes erhabene Vorzüge bekannt machen; da es denn,so wiedasHaupttvortpreis,mehr sagt,als die ähnlichen Is- hen und rühmen, und besonders mehr Feperlichleit, mehr Schmuck in den Worten vorarrs setzt, daher es auch in der Hähern und feyerlichen Schreibart arp üblichsten ist. Gott loben und preisen. Wer kann die großen Thaten des Herrn ausreden- und alle feine löblichen Werkpreisen ? Ps. - « 6 , 2. Fernanden glücklich preisen, mit vielen feyerlichen Worten für glücklich erklären. Ein gepriesener, hoch gepriesener 'Mann, dessen Vor-- znge von jedermann erkannt irnd bekannt gemacht werden. Ein jeder Br a me r preiset seine V)aare. Siehe auch Anpreisen, wo es inwejtererBedeutmrg für loben, doch mit Einschluß deSWort- gepränges, gebraucht wird. Daher das Preisen. ,Aum.Bsy den Schwäbischen Dichtern pril'eu, bey dem Skry- ?er schon preisen. Ehedem war es auch für schätzen üblich, von der zwevten engern Bedeutung des Hauptwortes Preis, von welcher Bedeutung auch das Franz, inepr-ilex, mißp reisen, verachten, hecrühret. So fern Preis auch Zier, Schmuck bedeutete, ist preisen noch jetzt im Oberdeutschen zieren, schmücken. (S. g Preis Anun) Bey vielenSchriftfiesterll kommtdiesesWort in der regulären Form vor, ich prcr'sete, gepreiset. So gebrauchen es Luther in der Deutschen Bibel, Opitz, Gryphins und selbst viele Hochdeutsche Schriftsteller. Aus daß sie von den Leuten geprei- stt werden, Matth. 6 , 2. Daß Christus hoch gepreiset werde; Phil, r, 6 . Indessen ist doch im Hochdeutschen dis irreguläre Form emmchl die gebräuchlichste, welche durch sinzelne Beyspiele d s GegtMheiles ulch - aosigehoben werdenkann.und einen geprieseneix Man -. wird ».ichl leicht-jsrnaitd einen gcprkisctrn nennen. Este prersfttttze, piuc. die—n, S. 2 Preis 2. preislick), —er, —sie, nttj. edatt^. von dem Hauptworte Preise, so fern es erhabenen Vorzirg bedeutet, im hohen Grade vorzügliche oder auch von dem Zeitworte preisen für preis würdig. Dein preislichesVerdienst. macht unsernMnnd Zlt enge,GütttH, Ldel.W.V.z..Th.L.?LuL Pre 854 Im Hochdeutschen wird es nur noch im Scherze gebraucht. Da die Bekanntschaft schon recht preislich angegangen, Hacwd, Ein preislicher Schmaus. Sich preislich belustigen. Zn einigen Gegenden ist preislich und hschpreisttch ein T,trl, welL chen gewisse Collegia zu bekommen pflegen. So heißt das EHnr- fürstlich Mainzische Regrerunas - Collegium zu Erfurt die hoch- preisliche Regierung. Löblich, wohllövlich und hochlöblich, werden aufähnliche Art, aber von geringer» Collegiis gebraucht. Die Preiöfchrrft, plur. die—en, S. 2 Preis 2. Prerswürörg,— er,—sie, nttj. er sttv. 1) Von Z Preis, der im Handel und Wandel bestimmteWerth, des Preises würdig; wo es doch nur in einigen Gegenden üblich ist. prer'swürdige llVaaren liefern. 2) Von dem Zeitworte preisen, werth gepriesen zu werden. Eine preiswurdige Thar. Nichts preiswürdigcs verrichten. Ein preiswürdrger Mann. So auch die prois- würdigkeit. Der PreiszieFeL, des—s, xlür. ustnom. knZ. kleine Forstziegel, welche an dem einen Ende breiter und tiefes.sind , als am andern, die Walmsparrew damit zu decken ; von r Preis, der Rand, die Ecke, daher fle auch Grtziegel, bcp andern-aber auch Walmziegel heißen. Die Precstelsbeepe, S. Preiselbeere. 2. Der Prell, des — es, plur. inus. ein nur im gemeinen Leben übliches Wort, die Fläche eines prall gespannten Körpers zubezeich, neu. So wird dieses Work im Jagdwesen gebraucht, dir Längs der ausgespannten Jägdleinen, Tücher und Netze zn bczeichncu^^ Ein Netz, welches auf dem prell oder im prelle 6 o Blaftac lang ist, wenn cs ansgespannet worden. Die prelle, plnr. die — n, ein starkes Tuch, womit in der Jäge» rey die Füchse geprellet werden. Einen Fuchs auf Hie prelle laufen lassen. Wenn es ein Netz ist, wird es auch das strelluet; genannt. Prellen, vsrb. reZ.Äck. prallen machen, vevnu'ltelst der Schnellkraft, durch seine elastische Kraftfoctkreiden, sowohl von einem vlastischen Körper^wenn er einen nnelastischen forttreibet,ach auch von einem nnelastischen, wenn er einen ans ihn fallenden oder stoßenden elastischen forttreibt. i)Eigemlich. Der Ball flog: an die Wand, aber erwurde.zurück geprellet. Füchse prellen, eine Art der Jagdlustbarkeit, da man einen Fuchs ans ein ans dev Erde liegendes Tuch oder'Netz laufen läßt, welches, so bald des Fuchs däranfist, mitbeydcnEndcn prall angezvoerr wird, und die-- sen ihm ttllvermichet einige Ellen hoch in die-Lnst wirft. In weiterer Bedenttm g bedeutet es auch zuweilen plötzlich treiben. Den Feind zurück prellen. Gotthat mich zurück geprellet. Klaget» r, IZ; Wo doch der Ausdruck, von Gott gebraucht, zu niedrig ist. 2) Figürlich, nütList anführen, bintergchen ; doch nur im gemeinen Leben, wo die Bedeutung ohne Zweifel von den Universitäten, herstammer, wo die neuen Ankömmlinge Füchse heissen, von welchen die Figur allem Ansehen nach entlehnet ist, weil l-cyds Arten des Prellcns einen rrnvermnthetcn Nachrheil gewähreir.- Femandcn prellen, zunächst, ihn unter eurem scheinbaren Vorwände um das Geld bringen; i»r weiterer Bedeutung, chn attfich- ren, hii'.tergcheu; und in noch weiterm Verstände, siiicc Erwartung, seirw Hoffnung'vereiteln. Sonst spielte ich immer solche Histörchen, um meinen Vater ums Geld zu prellen, Weiße. EinGchulfnchs hofft, mit dürren Gründen Den Beyfall-aller Welr zu finden. Allein er wird geprellt, Haged, Daher das prellen. Aitm.Jtal. dric oUnre, Franz, bricoller. prellen ist dis chäu'ge Form von prallen, darfdahermchtsür dieses gebraucht G g.g'- werden» x . t Ivccden, obgleich solche-häufig geschiehet.^ Einige Bey spiele stirb boy Anpvollen an ge s u h r et worden. ^er Preller, des — s, plur. ul nom. linp. e n prellender S(^ß oder Schlag, So heißt derjenige prellend- R :ck mir der Prelle, welcher den Fuchs in die Luft schleudert, der Preller. I al. tör.- coUo, Franz. LriLoile. Jngl-icheu ein Schlag ans euren prall Hespannten Körper; in iMchemVecstande die SchlägeaufdenH n- tcrn zuweilen Preller heißen. In der Geschützlnnst werden eine Art Geschütz, welche 16 Caliber lang sind, 28PfiludEllon sch-eßen und z 7 Zentner schwer find, Preller genannt) wo der Grund der Bencunungznnächst in dem prallenden Knalle zu liegen scheinet, -daher es eigentlich praller heißen sollte. Lao prellnetz, des — es, plur. die—e,(S. prellet Bey^m Sa.ijagcn gibt es noch eine andere Art prellneF", w lch oor den Lanflüchcrn auf die Erde gelegt, nnd wenn die wilde» Sch-we ne auf die Tücher Zuläufen , plötzlich aufgezogen wcrdetl, da dorm diese zurück prallen. ^ Der prellfL^fi, des— sss, plur. die—schliss, inderGssPutz- kunst, ein Schuß aus einer Kanone, wobcy diese so gerichtet w:rd, - baß die Kugel unt^ einem spitzigen Winkel auf den Boden stößt, ha sie denn unter eben diesem Wuckel abvrallt, und dem Feinde nnvermuthetenSchadenzufugt; Franz, l^ieociret« Bon prellen, so fern es oft, obgleich deßwegen nichtrichtiger, für prallen gebraucht wird. - ^ Dremsen, ver'o. reZ.net. welches nur im gemeinen Leben für stark zusammen drücken,ingteichen für heftig stopfen und pfropfen üblich ist. Es ist dasJntensivum von dein noch imNiedersächfischen gaitg- baren prammen, pfropfen, stopfen, welches -seine Verwandtschaft mit dem Lat. premere nicht ve>läugncu kann. S. auch Bramse. present, President, S. in Prä— . —ffer,—sseste, ackj.et. 26 v. welches nurrm sememerrLebe» ^ gehört wird, fest angrdrückt, fest. Es liegt preß an, von einem Kleidungsstücke oder andern Dinge. Der preßdäntzel, des—s, plur. ul rrom.NnZ.be» den Buchbindern, ein Langel, d. r. ein kurzes starkes in der Mitte mit einem Loche versehenes Holz, die hölzernen Schraubenmutter an der Presse damit scharf auzuziehen. Di-spLeßbanr, vlur. die — banke, bey den Papiermachern, ein starkes Bretin der großen Presse, welches zwischen den Pfeilern auf- nnd niedersieigt, und den Buscht eigentlich zusammen drückt. Bey den Kartenmachern ist es eine Bank, auf welcher die Karten Zwischen den Preßsiahlcn gepresset «erden, ehe man sie beschneidet. Der preßbaum, des—es, plur. die—bäume. der Baum, d. i. starke lange Hebel an einer großen Presse, dieselbe damit an- und zuzuziehen; z.B.an den Weinpressen, oder Kelter», wo er auch der Rellerbaum genannt wird. An den Windmühlen ist der preßbaum derjenigeBaum, worauf die Presse ruher, wenn die Müble geht. Die PLeß-Äoy, plur. inussfeiueBoy,welche zuletzt gepreßt wirb. Das prestdret, des —es, plur. die —er, Breier, zwischen welchen diqenlgeSache, welche gepresset werden soll, in derPres- fe lieget; dergleichen z. B. öey den Buchbindern üblich find. Bey den Tuchbercitern heißen sie preßthiiren. Die Presse, plur. die —n. >) Ein Körper, welcher auf einen andern druckt; doch nur in einigen Fallen. S» ist die Presse an den Windmühlen ein großer hölzerner schwerer Bogen, über dem Döcrtb-.ilc der glatten Peripherie desÄammradcsj weicher auf dieselbe drückt, weiui die Mühle stille stehen soll. Bei» den Strumpfwirkern ist es eine eiserne Stange quer über dem Register d^r Platine^ welche die Nadeln zusammen drückt, bis die neue Manche fertig genEen ist. Am häufigsten, 2) ein Werkzeug, einen atz- her» Körper entweder durch einen einfachen oder durch Schrauben verstärkten Druck darin zusammen zu brück-en, im b ihm dadurch ei- e gewiss-Artvon Zurichtung geben. Die Bricfpross, Bnchr b>nde> press. Beschneidepresse, Serviettenpress, Obnpreffe, (sch presse, Wemprcsse, welche auch Deller beißt,1. s. f Zu engerer Bedeutung verstehet mau unter der Presse schlechthin oft nur die Buchdruckerpresse. Ein Buch unter die Presse geben, es drucken lassen; es unter die Presse nehmen, aufangen daran zu drucken. Las Buch kommt aus der Presse, ist in der Druckeecy fertig. So wie es in andern Fällen von dem Glanze g braucht wird, welchen ein Zeug durch die Presse erhalt. Die Presse ist nicht m dem Zeuge, der Zeug hat die Press- verloren, wen» er i jrseu Elan; verloren hat. Anm. BeydemNotkerkrella, im Niederst mit versetztem r Pqrße, und mit ansacstoßenem r, Pass, Holland, kurs, t>er8, im Engll und Schwed, kressi, imPohln. l^rala. (S. dasfolgen« de.) Notker gebraucht-prollo auch figürlich für Bedrückung und noch jetzt sagt mau im gemeinen Leben, m der Presse sefn, rüde» Enge ftyu, bedrückt werden. Pressen, vorb. rsZ. not. in einem hoheuGradc drücken,und bessilf derszusammen driickcn. 1. Eigentlich. Das Dleid, die Schuhe pressen uns, wpnn sie die Theilc des Leibes sehr zusammen drücken. Etwas in einen engen R>rum zusammen pressen. Mein 6er; ist gepreßt, ich will versuchen, ob ich ihm Luft machen kann. Rastlose Seufzer preßt seiner SohneZwist aus feinem Kerzen, Schleg. In engerer Bedeutung, vermittelst eiiu-r Presse zusammen drücken , up.d dadurch eine Art von Zubereitung geben. Leu Saft aus den Zitronen, aus dem Gbstc pressen. Weinpressen, die Weürtrüttben, wofür auch keltern üblich ist, (S. dieses Wort.) Ahlpressen, vermittelst der Presse ans denDhlbeeren drücken. Einen Brief, ein Buch pressen u. s. f. 2. Figürlich. 1) Sehr dringen. Gepresst werden, in der Enge, in dringender Verlegenheit sepv. Die Noth presst mich, pressende Geschäfte, besser dringende. 2) Matrosen pressen, eine nur in England rmd Holland übliche Gewohnheit, sic zum Dienst der Kriegsschiffe mit Gewalt wegnehmen. Soldaten pressen, eben daselbst, Leute mit Gewalt zn Soldaten anwerben. Zn Holland presst man auch die Schiffe, wenn man sie in Beschlag nimmt, und dem Staate Dienste zu thun zwingt. Daher das Pressen nnd die Pressung. Anm. Bey dem Notker brell'en, im Niederst varßen, passen, im Holland, parken, patkou, im Schwed, prätla, imEnglischen to preis, im Lat pressure. Der Presser, des—s, plur. ut som. linZ.Fäm. die pressrinn, eine Person, welche presset. Der pressorlobn, des — es, plur. ruusi. der Lohn, welchen man dem Presser für seine Arbeit bezahlt, besonders bey dem Pressen der Weintrauben. Der preßglanz, des —es, plur. car. der Glanz, welchen ein« Sache unter der Presse, d. i. durch das Pressen, erhält. preßhaft, —er; —ess, ackj. et ackv. mit einem Gebrechen des Leibes oder der Seele behaftet; S. Bresthaft, aus welchem Wort das Hochdeutsche prrßhaft verderbt worden. Der preßhaspel, des-e, plur. ut uotn.6vZ.bcy den Papier- machcrn, ein Haspel, d. i. eine Welle mit vierQnersiangen, vee» mittelst dorcn die große Presse zngezogen wird. Der Preßkopf, des—es, plur. dle—köpfe. l) Zndeil Köchen,'das von den Rinds nnd Schlveiusköpftm abgelöpte Fleisch, vochdem rs klein gehackt, gekocht, und in eine Form oder in e!» Tuch gclhn, und gepresset, d. i. mit Gewichten beschweret worden, damit alles Wasser davon ablauseu möge. 2) An den Pressen der Papier Macher hi iss der untere Th.-il der Schraube, wodurch d!« - 'Preßstange gesteckt wird, der Preßkopf. 8Z7 Pre Der pr-Hmnster, drs—ut°om. knZ.de» de»Bu». Lrlicker», derjenige voll den Druckern welcher den Bogen IN dm Dcckeleinstrcht, den Karreit Niitcr dcnTngrl .vindtt, und die Presse mit dem Bängel zuziehet. Der Preßmost, des—es. piur. doch nur von mchrcrn Acten. di-—e, der ausÄpsAu, Birnen , Quitten und andern Fruchten qepreßteMost; zum UnLersch ede von dem Weinmoste. Die preßschrarwe, p!ur. die—n, die Schraube an einer Preise. Die V^eßthür, x«lur. die —en, bey denTnchbereitern, vioneckte Bretrr, welche zwischen die Tücher, die man preßt, gelegt wsre rir. Die preußelbeere, S. Preiselbeere 2 . Dre prezel, S. Brezel. - vrlEeln, vsrB.rez. act. welches nur im gemeinen Leben »buch mehrere Stiche, besonders mehrere kleine Stiche geben oi er machen. Es ist das Freqnentativnm und zugleich Dimimitwnm von dem Nieders. pricken, stechen, Angels prtckL», Eugt. to prick. wo auch prokeln stochern, der Peickel ein Stachel,und die Pricke eine Aalgabel ist. . . Der VLiefler, des —s, plur. ut vom. kmZ. Fanun. dw vricsterinn, eine zur Verwaltung des äußern Gouesmenstcs bcstrllre Person, wo es von solchen Pprsoueu in allen Religionen uu^ R'ligionsparteven gebraucht wird, da denn das Fanuninum weils eine weibliche Person dieser Art, Heils auch die Ehegattmn eines Priesters bezeichnet. - In engerer Bedeutung führet es den Begriff des Opfers bey sich; daher sind auch in der Ronnschcn und Griechischen Kirche die Priester gottesdienstliche P-rfonen, welche die ftyerlicheBefugniß erhalten haben, dieSacramente, nrw besonders das'SacramenrdesAltars zu handhaben, daher sie auch Meßpriester genannt werden, von dem Lesen der Messe, einer ihrer vornehmsten Befugnisse und Verrichtungen. (S. Priesterweihe.) Inden-protestantischen Kirchen werden die Prediger nur in der niedrigen Sprechart Priester genannt, besonders in Weder- demschland, wo es von den Geistlichen und Predigern üblicher rst, als in andern Gegenden.? - , Anm. In den MonseeischenGlossenpriLMrÄ, imSchwabeich- spiege! krielier, im Nieders. Prester, im Angels off , iin Schweb. k>rak, im Island, kreüur, im Engl. LrieÜ, im- Fcanz.?r6t.re,im Ztal.?r6ts. Es bleibt immer noch amuvabr- schciulichffen, daß dieses Wort aus dem Lar. und Griech. kres- dvrer verderbt worden, welches eigentlich einen Messen bedeutet, und in den Mittlern Zeiten sehr häufig von Geistlichen, Pfarrern und Priestern gebraucht wird, nicht so wohl nm ihr vorzügliches Alter zu bezeichnen, als vielmehr als ein Ehrenwort, weil man ehedem mehrere Titel von dem Älter zu entlehnen pflegte, der- gleichenz.V.Pfaff. das Franz.ldejxveur, ein Herr, vouSevior, und andere mehr sind. Bey unfern ältesten Schriftstellern kommt- das Mort Priester nicht vor, sondern Kero, Ottfried und Notkw gebrauchen dafür das veraltete Luuvrt. von Le, das Gesi-y, die Religion,einenDiener desGesi'tzes oder derReiigionzu bezeichnen». Das priefteramt, des-es, plur. ivusi. das Amt, d. i. dör ganze Jnbegriffdcr Obliegenheiten . und die damit verbundene Wurde eines Priesters. L^s Priester«,nt verwalten, dazu berufen werden. Die biblischen Ausdrücke, das Priesteramt chnn, fuhren, desselben pflegen, sind veraltet. priesterLtch, ach. et nstv. in der Würde eines Priesters gegrun» det. Las priestrrliche A'nr. Die priesserlicheMeidN'.y. Der priesterroE, des — es, Plur. die —rocke, yinRock, so wie ihn die Priester zu trogen pflegen. Die priesterschaft, vlur. die —en, die sämmtlichen Pnesier einer Kirche, ernes Landes, oder eines Ortes. Der priesterstan^des—es, xlur.ivuk. der Stand der Priester^ l»er grisiUche Stand.. Las priesterchum, des —es, plur. ivns. die Würde Peresters ; ein Wort, welches ausser der Bibel und b'.buichcn Schreibart wenig mehrgebraucht-wicd, wenigstens von der prre- sterlichen Würde in den christlichen Kirchen mir ,'eltcu vorlommt. Die Priesterweihe , plur., die—n, in der Aömi,L,eu- und Griechischen Kirche, die feyerliche Eimveihuna zum Pticstcramte unter allerlcy äußern stitttbildlichen Gebräucheir. In den protestantischen Kirchen ist dafür die Ordination üblich. Der Primas, Gen. des Primas, oder des Primaten, Plnr. dw Primaten, ans dem Mittlern Lat. I>rim33, der oberste nud vor. liebnisteErzbischof in einem Reiche. So ist der Erzbrschofzu- Mainz als solcherzugleich Primas in und von Deurichland. In einigen Städten, besonders Böhmens, wird such die vornehmste Person in der bürgerlichen Regierung der Primas oder Primate genannt. ^ - ^ — r. Das Primat, des—es, p!me. die—e, die Würde und Grelle' eines Primas. , ... Die Prime, plur. die — u, ein aus dcmLat. m umgen Füllen auch aus dem Franz.?! I me, entlehntes Wort, welches im verschiedenen Fallen gebraucht nurd. In der Fechckiuist ist es die- jenigcLage derHaud und des Degens, welche sie haben, wenn man den Degen von der linken Hälfte ausziehet, wobey der Daumen gegen die Erde, die Spitze des Degens aber gegen den Feind gerichtet ist ;-zum Unterschiede von der Gicnnde, Tcrtie, Ouar>e u.ff. In der Musik ist cs der tiefer^ To«, wcvon man die Zu» .tervalleu zu zählen anfängt. Bey den Buchdruckern heißtchis erste Seite eines jeden Bogens die Prime. In dcrDceimal-Rechmmg und bey den Markscheidern ist die Prime der zehnte Lh>>! M s Zolles, welcher wieder zehuSccuuden, dw SecruidezehenTerk>ei.- u. s s. hält. Lev der Eiuchcilnug der Stunden ist für primedaS Wort Minute üblicher. . . . r. Der Principal, des — es, Mir. die—e, Fämm. dw prrnr-- pasinn,einim gemeinen Lebenaus dem Lat.priuorxaus übliches Wert, welches man von einem solchen Obern gebraucht, welchen: man nicht ,^rn seinen 6err n nenucu will, ob er cs gleich genststc Massen wirklich ist. So^pfiegen z. B. Kaufmannsdumer, Hofmeister u. s. fl diejenigen, bey welchen sie in Dienste» oder Be.re- nuug stehen, ihre principale zu nennen. S. Prinz r - r. Das Principal, dcs^—cs, plur. die—- e, von eoeu dlsftln Worte, m den Orgeln, das vornehmste Pftifeuwerk, welches ooen offen ist, und gemeiniglich vorn im Gesichte stehet. Es g'-br deren' im Manuale reu 16 , 8,4 und 2 Fuß Lvu, von welchen auc>) denn die ganze Orgel' 6 füßig. 8 füß-g u. s. f. genannt wird. Der prin^, des —!N,?itjr.dis—cn,DiMnmt. das prrnzchery FLmiu. die Prmzessinn. ») Im weitesten Verstände, eine jede der andern Vorgesetzte Person; eine nur noch bey denIägern übliche Bedeutung , wo der Äst ister Jäger in Ans hung ocr Lehrlinge, welchr die Zäacrey unter chm erlernen, der Lehrprinz geua-utt wird. ES kommt in dieser Bedeutung m't Principal überein, so wie das Wort in einigen Gegenden auch wirklich Lehv-Principal lautet. 2 ) Inenaerer Bcdentmrg,oiuejedefürstlichePerson, sie' fty übrigens von welchem Range sie wolle; in welchem Verstands rs nach demMusier deMranzösifchcn ^rmce von eimgeuSchrift- st^klenr anch von regierenden Fürsten und gekrönten Häuptern- xebraucht wirchaber allemalst widr ig klinget und daher lieber vermieden wird.. Das Deutsche Zinst und Fürstin» sind irr diesem Vrrstaiidciu'nrek bequemer, wenn mün ja ein solches Wort gebrauchen will. -Z) An der engsten und geivlchuiichsten Bedeutung werden nur die Kinder »ud Verwandte eines regierenden Herrn- fürsilichen Standes Prinzen und Prinzessinnen genannt. E:w k'r,iscr!-cher, könig!ichcr, churfürstlicher, fürstlicher Prinz- Der' Erbprinz, Ironxp.nz, die Ephxnnzessinn, Lrsnprinzesir m Auck die apanagiertenBecwandten regierender Herren fürstlichen Standes sind unter dem Rahmender Prinzen bekannt. Bey den Schriftstellern des Insecrem Reiches sind -erpe inz und die Pein- zcffinndie Nahmen ziveyec Schmetterlinge, wovon jener b e» dem Linnce b>Lpilio i^mpffnlis Lupffrol/rre, diese aber?Apl- lio h?/uipkulis I^LlkomÄ heißt. Anm. Schon bey dem Horneak princz, im Engl. Prince; entweder aus dem Franz. lPinos, ^riuceilP, oder auch unmittel- har aus dem Lat. kruieeps. Die Prittzenffarbe, plur.ir-us. ein Nähme, welcher bey denFar- bern der wahren goldgelben Farbe deygeleßt wird, nach dem Franz. 60uleur de kernce; Ronigsfärbe. Die prinzenflcryUe, plur. die—n, i» den vereinigten Niederlanden, eine Flagge auf dem Hintercheile der Schiffe, welche nur gewisse Schiffe zu führen berechtigt sind. Etwa weil sie das Wa- pen des Prinzen Statthalters hat? DerPrinzenropf, des — es, plur. ivul. in einigen Gegenden, eine Art schönen Kopfsalates. Die Prinzessinnbohne, plur. die — n, eine Art Türkischer Bohnen oder Jafeolen, welche nickt steigen, und also auch nicht gestsngelt werden dürfen; birasLolus usnus l^. Zranzbohnen, Eyerbohnen, Zwergbohnen. Die Prinzeffipnsteuer, piur. die — n, eine Steuer, welche zur Ausstattung einer Prinzessiun von dem Lande gegeben wird; die Fräuleinstener. Prrnzlich, ndj. et ndv. einem Prinzen gehörig, ähnlich, gemäß, in besten Würde gegründet, in dix dritten Bedeutung des Hauptwortes. Die prinzlichen Gitter. Mik pvrnzlicher Begegnung, Schlcg. Das prmzmetäll, des — es, plur. inus. eine Art vermischten Metalles, welches eine rolhgelbe Farbe hat, und aus einem Theile Zink und drey Theilcn Kupfer bereitet wird. Man glanbt gemei- «iglich, es habe den Nahmen von demPfälzifchen PrinzcnNobert, der es zu London erfunden haben soll, daher «ran cs anfänglich ^ Prinz Roberts Metall und hernach verkürziprinzmerall genannt habe. Henkel hingegen behauptet, der Nähme fey aus Lronce- Aletall verderbt. Der Prior, des — s, plur. die priores oder priören, Fämin. die prr.orinn, aus dem Lat. prior, eigentlich, ein jeder Vorgesetzter oder Oberer; wo es doch nur in einigen einzelnen Fällen üblich ist. Bey einigen gastlichen Ritterorden ist der Groß-Prior der erste und vornehmste Vorgesetzte des Ordeus nach dem Groß. Meister, welcher wiederum verschiedene priores in den Provinzen unter sich hat. In den Mönchsklöstern ist der Prior und in den Monnenklöstertt dieprjorinn, die nächste Vorgesetzte Person über die Mönche oder Nonnen nach dem Abte, welche in dessen Abwesenheit dessen Stelle vertritt. Za in vielen, besonders geringen Klöstern, wo kein Vorgesetzter unter dem Nahmen eines Abtes befindlich ist, ist der Prior der erste Vorgesetzte des Klosters. Daherdas Priorat, des —es, plur. die— e, aus dem mitt. lern Lat.krioratus, dieWürde, die Stelle, dasAmt eines Priors oder einer Vriorinn; ingleichen deren Gebiets) und Wohnung, wofürauch priorey aus dem Mittlern Lat. krioria gebraucht wird. Die Prise, plur. die—n, aus dem Franz, krile, und dieß von prenckre, nehmen. i) So viel als man zu einem gewissen Ge» brauche von einem Dinge auf Ein Mahl nimmt; in welchem Verstände es in verschiedenen.Fällen des gemeinen Lebens .gebraucht wird. Besonders ist eine Prise Schnupftobak, eine Prise Tobak, oder auch nur eineprise schlechthin, so viekSchnupfrobak, als man zwischen zwxy Fingern hält und in die Nase zu schimpfen pflegt. 2) Ein von dem Feinde erbeutetes Schjff. Prisen machen, Schiffe erbeuten. Ein Schiff für eine gute Prise erklären, für eine . rechtmäßige Beute. Ehedem nannte man ei,r solchesSchiff Preis- schiff, von 2 Preis, eine Preis gemachte Sache, S. dasselbe. Pritsche, Pritschen, u.s. f. S. in Br. Prwfft, ein aus dem Lat. pri vntu-» entlehntes und in verschiedenen Zusammensetzungen übliches Wort, solche Dinge zu bezeichne«, ^ welche den öffentlichen eben dieser Art entgegen gesrtzet werben, und wofürchch mÄanzen noch kein schicklicherDeutscherAusdruck hat wollen finden lassen, indem gebeim in den meiff n Fällen zu viel saget. Indessen hat man doch iil vielen einzelnen Fällen gute Deutsche Wörter, die man dafür gebrauchen kamt. Die privat- Beicht, die geheime Beicht, von welcher die Ohrcnbeichl der Rö° 'mischen Kirche eine Untrrart ist. -der Privat - Gottesdienst, ein Gottesdienst, welcher sich von dcr^ öffentlichen Gortesdienßc durch den Mangel des Geläutes und der öffentlichen Aufzüge auf den Gassen unterscheidet, von dem Zausgortesdienffe aber noch verschieden ist, (S. Gottesdienst.) Der privat-Pfützen, der eigene, besondere Nutzen, im Gegensätze des allgemeinen Nutzens oder des Nutzens des gemeinen Wesens. Die privat-'Mirth- schaft, die Wirrhschaft oder Haushaltung einzelner Glieder einet gemeinen Wesens, zum Unterschiede von der Staatswirthschafe, Lre Privat-Stunde, eine Stunde oder ein nach Stunden einge- thcilter Unterricht anfSchnlen, welcher besonders bezahlt,^uub ben öffentlichen Lehrstunden entgegen gesetzet wird. Die Privatperson, eigentlich eine in keinen, öffentlichen Amte stehende Per, son; als eine privat - Person leben, welches «an auch pxiva- tisiren nennet. Nach einer andern Einschränkung ist die Privatperson der befehlenden Person in einem gemeinen Wesen entgegen gejetzt, und da sind alle zum Gehorche« verbundene Glieder eines Staates in dieser Rücksicht privat - Personen. Das pbivet, des — es, plur. die—e, aus dem Mittlern Lat. 1 'ri vLla, ein abgesonderter geheimer, zur Verrichtung der Nvih- durft bestimmter Ort; ein Secret. Bey de Benennungen waren anfänglich nur für die anständige Sprechakt bestimmt, bis sie durch den langen Gebrauch veru,ncdelt und durch den Ausdruck das heimliche Gemach aus der anstandiM» Sprechart verdrängt worden. (S. auch Ab tritt.) Es lautet schon im Schwabenspiegel k'rivet, bey dem Hornegk privat, bey später« Oberdeutschen Schriftstellern Private, prophetlss profey, in demLübeckischor, Stadtrechtc die privat: Sernrlrchkeit. Dcrs Privilegium , des — legii, plur. die —-legia; im gcimi- nenLeben — legten, aus den» Lat. Privilegium, (S.Zrepbeit Il und Zreyhettsbrief.) Nadan Maurus übersetzt dieses Wort durch 8 elduva 1 lida, die Monseeische Glosse durch 8untrigj. Die Probe, piur. die—n, Diminut. das Pröbchen, Oberd. Problem. ,) Ein Versuch, welchen mananstellrt, um dieEc- schaffeuheit eines Dinges daraus zu erkennen. Eine Probe manchen, anstellcn. Eine Probe mit etwas machen. Ich thne er nur zur Probe. Zur Probe singen, spielen u. s. f. wofür man auch sagt, dieprobe fingen oder spielen, da es denn zur folgenden Bedeutung gehöret. Die Probe hakten oder aushalren, in einem solchen Versuche gut befunden werden. DieFarbe hält die Probe nicht. Sie wird diese Probe gewiß nicht aushaltcn. Zn- gleicheu der Zustand, da-mit einem Dinge ein solcher Versuch gewacht wird, dessen Beschaffenheit zu erkennen; ohne Plural. Jemanden auf die Probe stellen, ihn in Umstände versetzen, worin er zeigen muß, wie er beschaffen ist. Einen Bedienten ans die Probe nehmen, um zu erfahren, wie er geartet ist. Probe geht, wie Stosch ganz richtig anmerket, bloß ans die Beschaffenheit einer Sache, dazsgen Persuch auch die Möglichkeit -mit einschließet. Das Zeitwort probieren aber ist auch in weiteem Versiaudesür versuchen überhaupt üblich. 2) Dasjenige, wor- > aus man dir Beschaffenheit eines Dinges erkennet. So wohl ei» " Zheil ro 84^ P Lheil eines Ganzen, woraus inan aufdie Beschäffenheit des Ganzen schließt. So ßibr der Kaufmann Zengproben, der Wein- Händler Wemproben, um daraus die Beschasirnöeit seiner Zeüge und Weine erfokruen zu können, welche Peob^r, besonders von Zeuge», in A.'edersachsenStaalund in Baiern Sk-zhel genannt werden. Zur Vergönne sind die Probe«: kleine Quantitäten Trzes, aus deren Gehalte nran den Gchali der ganzen Masse beurcheilrt. Jemanden eine Probe von etwas geben, ihm echen ^heil eines körperlichen Ganzen geben, das letztere daraus zuöeucryeilen. Als auch von Handlange!., so fern sie Erken ntntßquefleu der ' Beschaffenheit der Handelnden Person sind. Erne Probe able- gen. Proben seines 8!eißeie. seiner Geschicklichkeit ablegen. Sie haben mir schlechte Proben von ihrem Andenken gegeben. Da es denn auch oft von einem jeden thätigen Beweise, und im Oberdeutschen, so wie das Franz. ?rsuvs, sogar von einem jeden Beweise überhaupt gebraucht wird, in welcher-Bedeutung es unter andern auch in dem zusammen gesctztenAhnenprobe'vorkommt« Im Handel und Wandrl werde«: auch bieAeichcu, woraus die Güte cinec Waace erkannt «vird, Proben genannt. So führet das den Tüchern angehangte und gestampelte Stück Bley oft den Nahmen der Probe; Niederst gleichfalls Staal, Holland. Zdasl- . !oar. An dem verarbeitete» Silber ist es das Zeichen, woraus die Beschaffenheit des Silbers erkannt wird, (S. prsbefflber, probezlnn.) Z) Zuweilen führet auch ein Merkzeug, womit man die Beschaffenheit eines Dinges untersucht, den Nähme» -er Probe. (S. Rugelprobe.) So wie es in andern von einem Muster gebraucht wird, nach welchen! die Beschaffenheit eines andern Dinges eingerichtet wird, (S. das folgende, ingleichen probe- wW.) 4) Beychen Drahtziehern wird eine besondere Ars, Drahtes, welche sonst auch mir Num. 4, z und 6 bezeichnet wird, und woraus die schönen Glanz- Ccm/illen und Perl- Cantillen verfertiget werden, grobe Proben genannt; wo der Grund der Benennung dunkel ist. Anm. Im Niederst prove, im Engl, kroosss, im Jtal. ?raova, im Schwed. Z?rost, und im Franz, kreu ve. -S. prr'i- fen und probieren. Das prodeband, des—es, plur. die— bänder, bey den. Böttchern, ein starkes Band, nach welchem den Fasser« die gehörige Weite gegeben «vird, S. Probe Z. Das probecckatt, des—es, pl^r.die — blätter,eru Blatt, so fern es eine Probe von der Beschaffenheit eines Dmges ist. Go ' werden Hel) den Kupftrdruckern das erste, zweytc und dritte Blatt des Abdruckes einer Kupfervlatte, prsbeblmrer genannt, so fern man daraus die Beschaffenheit des Stiches und Abdruckes benr- thcilet. Von dem Probeblatte wird die Gegenprobe abgedruckt. ^ Der probebogen, des—s, plur. ut vona.llvA. i« ben Buch- druckcrcyeu. Bozen,, welche von einer gesetzten Form abgezogen werden, um die Beschaffeicheitrmd Nichtigkeit desDruckcs daraus zu beurtheilen; ^orrccrur: Bogen, so fern die brrnerkteu Fehler daranfangernerkctmnd darnach verbessert werden. Der probehentzst, S. probier - sengst. . Das probejaFett,L.es—s.xlur.urnom. llvA.inder Jägerei)., eine Jagd', welche ein junger Jager nach ausgestandener Lehrzeit anorlmet, um dadurch einen Beweis seiner Geschicklichkeit abzulegen. Das probejübr, des—es, pitir. die— e, in den Klöstern, das'emgeJühr, j„ welchem der Candidat des Klosteclebens sich zur Probe i» dein Kloster aufhält, ehe er völlig eingekleidet wird; die proberc-it, mit eincin Latein. Ausd'k.ckedas Novrstat. Das ff robenpaßf des — es, ^kur. die—e, in einige» Gegenden, im österreichischen, Hannoverischen u. s. st cm Nähme des Pro 842 4,^4 ' , 4/,?)^^ t» Eichmaßes, iS. dieses Wort.) Daher.der probescheffel, e:u solcher Gchefffl. Proben, re§. Lct. auf die Probe stellen , versuchen ; ein größten Tycils veraltetes Wort, welches durch das ausländische probieren verdränget worden. Inden Küchen wird das Essen ^ geprober, wenn es gekostet wird. Der Probenstößer, des-s, plur. ut nom. livZe im Hütten- bane, derjenige, welcher von den eingeliefrrten Erzen eine Probe nimmt, selbige stößt, einreibet und abwärmet, worauf sie von dem Probierer probiert wird. Die Probeprediyt, plur. die — en, eure Predigt, welche ei» Candidat des PrediMmles in der protestantischen Kirche zur Probe seiner Geschicklichkeit ablegöt. Das probesrlber, des — s, plur.doch nur von mehrern Arten, ur vorn. kinZ. vermischtes Silber, «velches nach der obrigkeitliche» Verordnung in einem Lande oder.in einer Stadt verarbeitet, und mit der Probe, d.i. demSeadtwapen oder einem andern bestimmten Zeichen, zum Beweise seiner echten Beschaffenheit be- ^ zeichnet wird. So verarbeitet Augsburg i zlvthiges, Berlin 12 lß- thiges, Sachsen beyrrahe irlöthiges Silber, welches alsdann in diesen Landern oder Städten PxobejMer genannt wird. S.- Probe. Der Probestern, S. probier - Stein. Dasp robcstück, des—es,plur. die—e, Dimittnt. das pro- bcstückchen Oberd. probesiücklein, eine P^robe in der zweyt-en Bedeutungdisscs Wortes, ein Lheil eines Ganzen, die Beschaffenheit des letzter«! daraus zu erkennen. Ingleichen eine Handlung, so fern man daraus die Beschaffenheit der handelnden Persou erkennet. - Die Probezeit, plvr. ivuf. die Zeit, da jemand in der Probe ist, -oder geprufct wird, (S. Probejahr.) Wrr können dieses ^cben nicht anders als eine Probezeit für die Ewigkeit betrachten. Das Probezinn, des—es, plur. doch nur von mehren Arten, die—e, wie probesiiber, mit Bley vermischtes Zinn, so wie es nach den obrigkeitlichen Verordnungen an einem Orte oder in einem Lande verarbeitet, imd zum Zeichen dieser Beschaffenheit mit de> pro bebezeichnet wird ; im Gegensätze des ganz reinen und nnvermischien 6utten5inn.es oder Bergzümes. Das probier-B!ep- des-es, plvr. doch nur von mehrertc. Arten, die — e, im Hnttimbaue, ein silberhaltiges Bley- so wie es ZAM Probieren der Erze gebraucht wird. Das probier - Büch, des —es, plur. die Bücher« l) Eben daselbst, dasjenige Luch, worein der Probierer alle geruachtePro- ben allen ihren Umständen nach verzeichnet« s) Ein Buch, worin die Probier - Kunst gclehret wird. probieren, verb. roZ. Lol. weiches aus dem Lat. probLre ent- lehnet ist, und nur im gemeinen Leben gebraucht wird. P Die Möglichkeit und Beschaffenheit einer Sache aus Erfahrung oder eigner Empfindung zu erkennen suche«; wo es sich weiter erstreckt, als das Hauptwort Probe, indem eS auch von der Möglichkeit gebrauchtwird: Inder reinern und anfiändigern Sprcchart ge. braucht man dafür lieber versuchen, außer in denjenigen Fällen, ws probieren als ein Kunstwort einmahl eingcfuhret ist, wie z. B- im Hüttenbaue, bey den Gold-und Silberarbeikern u. s.f. Ich will es probieren, versuchen, ob die Sache möglich, oder rhurr- llich ist. probiere es nur. Einen Vein, eine Speise probieren , sie kosten. Eine Feder, ein Gewehr, ein Messer, ein Pferd probieren, sie versuche». Das Erz probieren, im Hütten- baue, drffrn Gehalt durch die Schurrlzung im Kleinen erforschen. Gold, Silber probieren, vermittelst des Probiersteines. Im moralischen Verstände, jemandes Fleiß, Gemuthsarr, Zähigkeit u. s. f. probieren, wird es wenig mehr gebrauch«, indem ' Ggg Z ^-sUr dafür die R. A. auf die Probe stylten , eine Probe machen , üblicher sind. 2 ) Beweisen; eine nur im Qoecdcutsche^udliche Bedeutung, in welcher es im Hochdeutschen fremd ist. «so auch das probieren. ^ . Der Probierer, des —s, plur. M vom.kaZ. im Berg- mW Hüttenbaue, ein verpflichteter Beamter, welcher die Erz- und Aergartenprobieret, d. i. ihrenGehalt vermittelst der Schmelzung aus kleinen Proben zu erforschen sucht; der Wardein. Im Böhm. krübvr, welches aus dem Deutschen entlehnet ist. Das Probier-Gehäuse, des — s, plur. utuom. knZ. eben daselbst, ein Gehäuse, worein die Probier-Wage gesetzt wird, um sie vor dem Staube und dec Luft zu verwahren. Das Probier-Gewicht, des —es, plur. die—e, dasjenige ' Geivicht und die Art des Gewichtes, wonach der Probierer den Gehalt der Erzproben erforschet, und welches die im Großen üblichen Gewichte im Kleinen vorstellig. Daher der Ppobier-Zent- ner, die Probier-Mark, dasprobier-pfund u. s.f. Der Probier-Hammer, des — s, plur. die Lämmer, eben daselbst, ein Hammer, die Proben damit klein zu machen. Der Vrobier-Henyst, des — cs, plur. die—e, in den Stute« ^ye-». ein Hengst geringerer Art, welcher den Stuten vsrgeführet wird, um daraus zu ersehen, ob sie nach der Befruchtung verlau« gen; der probehrngst. D'-e Probier-Rluft, plur. die—Rliifte, S.probrer-Zang^. Die Vrobier-Runst, plur. laus, im Hüttenbane, die Kunst, den Gehalt der Erz. und Vergärten vermittelst des Feuers zu erforschen. „ , - Der probier-Lo-ffel, des - s, plur. ut vom. 6n§. eben darbst, ein eiserner Löffel mit einem langen Stiele, den mr Heuer befindlichen Proben damit etwas zuznfttzen. Das Probier-Mehl, des —es, plur. doch nur von mehrern Arien oder Quantitäten, die — e, eben daselbst , die zu einem feinen Mehle gestoßene Er;- oder Brcgart, womit der Peobic« rer die Proben anstelle!. Die Probier-Radel, plur.die—;,, bey ds» Gold-und Silber- arbeilern, silberne Nadeln von allen Graden der Feinheit, vcc« mittelst derselben und des Probiersteines die Feinheit eines jeden andern Silbers zu probieren; die Streichnadelu, weil sie auf den Probierstein gestrichen werden. Das Probier-Näpfchen, des —s, plur.ut vom. lmx. un Hüttenbane, tbönernr Näpfchen, in welchen die Erzproben angesotten und gerostet werden; derpvobier-Scherben. Der Probier-Vfen, des—s, plur. die—(vfen, eben dkselost, eine besondere Art Schmelzöfen, worin die Erze und Bergarte» probieret werden. Die probier-platte, plur. die —n, bey den Zmngießern, euw messingene Platte, deren sie sich statt des Probiersteines bediene», die Güteund Feinheit des Zinnes zuprobicren. Die Probier-Schale, plur. die — n, im Hüttenbaue, kftme kupferne Schüffelchen , worin das abgewogene Probier - Mehl zum Probieren aufbehältcn wird. Der Probier-Gcherben, des—s, plur. ut vom. linZ. siehe Peobier-Näpfchen./ j '. . Die Probier-Stantze, plur. die — u, im Hüttenbaue, dieMi« ge Srauge, woran dieProbier-Wage hängt; der Aufzug. Der Probirr-Gtein, des—es, plur. die—e. -)Ein schwar- --r Stein, dessen sich die Gold- und Silberarbeiter bedienen, die Feiicheil desSilbers L ndGoldes vermittelst desStriches darauf zu probieren-und ivelcher eigentlich eine hartefeinkörnigeSchieferart- ist. welche im Feuer fließt; Dspis D/61us, bey dem PUnius der Srreichstem. Die Zinngießer bedienen sich dessen der Yrobierslrrr!-. Zttgleichen figürlich, dasjenige -urch dessen Mittel die Beschaffenheit einer Sache erkannt wird. Shastsbury sagte, das Lächerliche sey der Probierstein der Wahrheit. 2 ) In den Zinmverken ist der Probier-Gtern oder Sicherstein, ein großer viereckter Stein, worauf die Zwitter oder Zinnsieine klein gerieben und hernach gesichert werden, z) Bey' den Zmngießern, steinerne Formen, dieProbiergewrchtezudem Zinne darein zu gießen. Die Probier-Wage, plur. die—n, eine accurateWage, auf welcher im Hüttenbaue die Erz - und Bergproben abgewogen werden. Die Probier-Zanye, plur. die —n, bey den Probierern, eine lange Zange, die Probier-Scherbcn und Kapellen damit in den Ofen zu setzen und wieder heraus zu nehmen ; die Probier-Mift. Der Probier-Zentner, des—s, plur. ur uom.lmZ.S.Pt^ bier-Gewicht. Der probst, S. Propß. Der proceß, S. Prozeß. . Die proceffiön, plur. die —en, die Reihe mehrerer m ftyer- sicher Qrdnung gehender Persollen; ans dem mittler» Lat. lfto> .Lelsio. Eine proeeffion halten, anstelle», einen Umgang, welchesWort sich wenigstens in vielen Fällen gebrauchen läßt? Z» proeeffion gehen, in ftyerlichcr Qrdnung. Die Leichen-Pro- eesswn, das Lcicherrgefolge. Die Handwerker nennen diejenige Proeeffion, in welcher sie die Ladezn dem neu erwählten Obermeister tragen, den Auszug. Der procurätor, des— L, oder—töri^plur.dieprocurato- res oderprocuratören,aus demLat.'kroeurÄwr, derjenige, wcl« chem dieBesorgungemerSache, oder dieSorge für eine Sache von einem andern aufgetragen ist, wo dieses Wort noch in vielen Fallen gebraucht wird. In den Klöstern heißt derjenige Conventuch welchem die Besorgung der Ökonomie desKlosterS aufgctt ageu ist, der procurätor. Dec Fiscal, oder derjenige, welcher über die - Rechte des Fisci wacht, heißt in manchen Gegenden der procura- tor. Am hänstgsten ist es in vielen Ländern von einem Anwälte oder Sachwalter, der eines andern Sache vor Gericht besorgt, wo man es als einen anständiger» Ausdruck für das gcrnemer gtt wordene Advocak gebraucht. ^ , r.Der Product, des—es, plur. die—e, in den Schulen, feyerliche Züchtigung unzezogenee Schüler vor dem Hintern. Einem Rinde emenproduct geben. Bermitthlich von dem uiittleeir Lat. proäueere, proäuctu8, mit Gewalt hervor führe», weil dieses gemeiniglich mit einemSchul-Producte verbunden ist, da es denn eigentlich die zurZüchtiguttg bestimmte Person mag bedeu- tet haben. . . 2 . Dcrs pvoÄäct, des—es,plur. die—e, gleichfalls aus demrar. proätreere. r) Die Früchte oder Güter eines Landes, so wie >ir durch die Hand des ersten Besitzers von der Natur gewonnen wett den, pflegt man gemeiniglich die prodiretc eines solchen Lande-, die Landes-Prodücrc zu nennen^ Das mehr Deutsche Erzeug- niß, plur. Erzeugnisse, dnrckt sie eben so gut ans- 2 ) In r c Rechenkunst ist das Product, diejenige Zahl, welche entst> -e, wenn eme Zahl mit der andern multiplicirt wird, und welche au - das Zactum heHt. Z) Eine jede hervor gebrachte Substanz- profan, -er, —ste, uüj.er uäv. aus dem Lat. p^kamiA . unheilig, gemein, e ) Eine Person, in so fern sie kem Glied mitt Gesellschaft ist,'welche Gcheimnisse zu besitzen behaupt", «nd-a wl itercr Bedeutung,ein jeder, »velcher keinGlied einer gewissen r- Eschaft ist, heißt bald im Ernste, bald aber anch im Scherze, »r- Änsehung der Glieder einer solchen Gesellschaft, ein.Prosamtt 2 ) Weltlich,l dkinDcurschen StaalArchteAderje.ilZe Berten?, Welcher > 495 Mische dem Kaiser und deiiStan^sn des Deutsches Reichs zu Abstellung des Faustrechtes und debBefthd.mgcn auf ewige Zeiten, errichtet wurde, unter dem Nahmen desprofan- Lriedens, oder des Friedens m profan-und weltlichen Sachen bekannt. Anfänglich hieß er der Landfriede; nach gefchloffenem Religions-Frieden aber ward der Nähme profan - Friede üblich, um ihn von jenem zu unterscheiden. Z) RuchloS, d. i. Fertigkeit besitzend, alles was der menschlichen Gesellschaft heilig ist, geringe zu schätzen; in welchem Verstände schonLactanriusdaS Nebenwort profane gebraucht. Em profaner Mensch, profan reden. L)re vrofeß, plur.inull aus dem Mittlern Lat. krokettio, et» besonders in der Römischen Kirche übliches Wort, diefeyerliche Ableaung der Klostergelübdc zu bezeichnen, weil man sich dadurch zugleich feyerlich und auf immer zu demjenigen Orden beken. net, dessen Gelübde man ablegt. Profeß thun, diese Gelübde L'^professrön, pluv. dir —en, ein gleichfalls aus dem Lat« '^rotelNu entlehntes Wort, welches doch nur in engerer Bedeutung gebraucht wird. Profession von etwas machen, es als sein voriiehmsiesGeschäft,als das vornchmstrErwcrbungsmittel seiner Nahrung üben,eigentlich,sich förmlich dazu bekennen. Profession vom Tanzen, vom Singen, vom Stehlen u. f. f. machen. Zn noch weiterer Bedeut» -g, öffentlich und ungescheut ausüben. Profession vom Saufen, vom Fluchen machen. In engerer Bedeutung werden die Handwerke Professionen und dieHandwer- iker professionisicn oder proftssions verwandte genaiurt. Auch dicLchrämter auf Universitäten pflegt man zuweilenprofessronen zu ncnuen, wofür doch Professur üblicher ist. Der Professor, des --s, piur. die Professöres, oder Pro? "fessoren, ein öffentlicher Lehrer auf einer Universität, beyriner Akademie, oder einem akademischen Gymuasio; aus dem Lat.?ro- tellor nud dieß von prolllori, welches in den Mittlern Zeiten häufig für lehren gebraucht wurde, daher im Oberdeutschen pro- ^ fitieren noch jetzt für lehren üblich ist. Ein. ordentlicher, außerordentlicher Professor. Professor der Theologie, der MedL- cin u. s. s. ein öffentlicher Lehrer der Gottesgelchrsamkeit, des Arz-mrywissenfchaft. Die Professur, plur. die—en/üusdem fpäternLai.kroksüurs, das Amt nild die Würde eines Professors, das öffentliche Lehramt« D.e philosophische Professur, das öffeutliche Lehramt der Welt« weisbcit. . Das Profil, des—es, nlur. die—e, ans dem Franz. krolli, die Aboildnng eines Körvers, .so wie er sich dem Auge darstelleu würde,wenn ersenkrecht durchschnitten worden; derdurchschuitt. Das Proft! eines Hauses. Von menschlichen Figuren bedeutet es die Abbildung derselben von der Seite. Jemanden im Profile mahlen. Der Profit, des—cs, plur.Invll aus de»! Franz, prollt, ehedem Groller, und dieß von dcmLat.kroÜLuum, der Gewinn, besonders der zufällige Gewinn. Profit bep einer Sache haben, Gewinn. Labey ist kein Profit, kein Nutzen, kein Gewinn. Las profitchen, ein kleiner Gewinn, im gemeinen Leben, wo man auch das Zeitwort profitiren hat, Gewinn bey einer Sache haben, und in weiterer Bedeutung, Nutzen von etwas haben. Der profi.ter, des—e, plur.ur nom.llnZ. im gemeinen Leben, besonders NiedersachftnS , ein Werkzeug mit d re v Stacheln, wl- ches man in die Dille des Leuchters setzt, die Stümpfchsn Licht darauf rein ausbrcnncn zu lassen; der Lichtknecht, Llchrtlrchcr, Rieders, auch Smmpelknccht^ Vermutlich auch von dem vari- gen Worte, ^ > Der proföfi, des — es, plur. die—e, oder des—>en?p!u-. die—en, aus dem Franz. ?rsvoll, krevot, und dü'ßvon kx-Ls- xolllüS, sott Welchem auch unser Propst gebildet ist. r) Em jeder Vorgeseöter, ingleichen, derjenige, welchem smGeschLsL anvertrauet ist, welcher einem Geschäfte vorgesctzet worden; e-.n- seraltete Bedeutung, in welcher dieses Wort aber ehedem üblich war. Im Theuerdanke kommt der RuniZinn provoß im Hof-, geeichte vor,welches vermutlich ihrAttwalt oöcrSachwaltec war.^ s)* In engerer Bedeutung warkraepolltus ein Untercichter auss Len Dörfern, in welchem Verstände auch das Franz. ?re voll üb^ sich ist, Bey dcrFran-ösischcnArmee ist der GrLncl-k're voll der Aeldrichter, welcher irnFeld unumschränkte Gewalt hat, die Ausreißer, Marodeurs und andereübcrtreter der Kriegsgefi tze auf der Stelle zu bestrafen. Bey den Deutschen Kriegsherren kennet man ihn unter dem Nahmen des Gencral-Gewaltigers. 3) Jn^noch engerer und geringercrBedeutung, wird in vielen Fallen derVrsck« Meister, welcher die Übertreter in Verhaft nimmt, die Aufsicht Mer fie hat, uud zuweil-n auch die Strafen an ihnen vollziehe^ der Profoß genannt. In diesem Verstände hat man an dcuHöfen einen Hof-profoß, welcher bey dem Marschall - Amte dieuct, ' und die diesem unterworfenen Übertreter in Verhaft nimmt, verwahret, und zuweilen auch bestrafet. Ihm ist der Prsfoß-Nnecht untergeordnet. Der Stockmeister auf den Schiffen führet gleichfalls den Nahmen des profoßee, und m her Schwei; belegt man so wohl den Bettelvogt, als auch den Büttel mit diesem Nahmen. Am üblichsten ist dieser Ausdruck bey den Armeen« wo jedes Regiment seinen Siockmeister unter dem Nahurrn des Pro- foßcs hat« - Anm. Mau spricht und schreibt dieses Wort auch oft prevor oder Prevsß, welches Zwar dem Französischen nLher kommt, aber doch der häufigsten Aussprache, nach welcher cs profoß lautet, nicht so angemessen ist. S. auch Propst. Die prohne, oder prone, der mit Laubholz bewachsene Rand eines Feldes , S. 2 Bram-. Die Pronne,,piur. die —n, ein nur im Bergbaus üblichesWort, " denjenigen Ritz zu bezeichnen, welcher bey Gewinnung der Erze mit dem Bergeisen in das Gestein gehauen wird. Eine schotte pronne führen, die Pronnen gleich und gerade machen. Eben ' daselbst hat man auch dasZeitwort pronnen, solche R .tzen machen, und in weiterer Bedeutung, das Gestein durch solche R tzen gewinnen. In manchen Gegenden wird cs auch pramme geschrieben und gesprochen« Es ist ohne Zweifel vermittelst des voegssetz- ten Blaselautes aus Rinne, Nieder;'. Rönne, gebildet, oder' doch mit demselben Eines Geschlechtes, wohuuauch das Lat. kirn» und unser Brunnen gehören. Der Prophet, des—en,p1ur. die —en, Fkimin. die Prophe- tinn, aus dem Griech. und Lat. kropllsln, «-gapy-ry-. , -* J-rr weitesten, aberjetzt ungewöhnlichen Verstandc.clnePcrjon, welche andern unbekannte Sachen bekannt macht, von dem Griech. »§»- tz»ikLr> ich verkündige, mache bekannt; in welcher veralteten Bedeutung Paulus Lit.^r s die heidnischen Dichter Propheten nennet. r) In engerer Bedeutung, ein gottesdienstlicher Lchrer, eine Person, welche andern unbekannte Neligions< Wahrheiten bekannt macht; eine gleichfalls veralteteBedeutnng, in welcher dieses Wort noch oft in der Deutschen Bibel des alten Testamentes vorkommtt 3 ) In noch engerer, aber auch nur m derDcutschen Bibel üblichen Bedeutung ist ein Prophet, ein zur Bekanntmachung unb/kanntsr Sachen unmittelbar von Gott verordncter Bythe; wo es wiederum unter verschiedenen Einschränkungen vorkvmmt. Im weiteste« Verstände werden auch solche unmittelbar vonGott vecordnetePkr«- foncn im neuen Testamente Propheten genannt, Ephes. z, L. Zu engerer und gewöhnlichcrer Bedeutung bekommen diesn Rah» m?u nur solche Personen des alten Testamentes, da denn auch alle B-vfasscr der Schriften des altem Bundes mit diesem Nähme» L47 P" belegt werden. Nach einer ar.^eru Einschränkung heißen ben den Juden nur die Verfasser der biblischen Bücher außer dem Gesetze-. oder den Büchern MosiS, und den ZagisZraphis, oder den Verfassern der poetischen Bücher, dem Daniel, Nehcmia, Esra und den Verfassern der Chronik, Propheten. 4) In der engsten Bedeutung ist ein Prophet derjenige.welcher unbekannte zukünftige Dinge vorher sagt; in welchem Verstände nicht nur die vier großen und-zwölf kleinen Propheten des alten Testamentes bekannt sind, sondern das Wort auch noch jetzt üblich ist. Es ist »inneuer Prophet aufgcstanden. Ein Wetter-Prophet, der da» künftige Wetter vorher sagt, ein Unglücks-Prophet, der künftiges Unglück verkündigt; wo cs doch in den meisten Fälle» etwas verächtttcheS bcy sich hat, weil die Gabe, künftige zufällige Ding-vorher zu sagen, heut zu Tage in den meisten Fällen auf Schwärmer'ey 'oder Betrug gegründet ist. Anni. Dieses ans dem Vorworteund ich sage. Lütt fturi, zusammen gesetzte Wort, kommt seiner letzten Hälfte noch mit dew.Lat. V ukes, der letzten Hälfte von prolftsrl, und dem alten Lettischen k^jckll,clilProphet, genau überein. Schon bey Lem UlphilaS lautet eS ^rauketss. Im Deutschen wurde eS später eingeführet. Im Isidor heisst ein Prophet ^or-rlftZo, bep dem Kcro k'orLfuftus, bey dem Ottfried d'arssiLZo , VuiL- xuzo, bey dem Notker VuiL^sAo, mr Schwabens. Vuirftr^e^ im »LtekrJahrhiinderte dev Weißacre, und noch jetzt zuweileu Weissager, (S. dieses Wort,) ungleichen Seher, welches von einigen neuern Dichtern gebraucht worden^ Die Propheten - Guräe> plur. die — n, eine Art kugelrilndett stacheliger Gurken, welche in Arabien einheimisch ist, und herzförmige, klein gezähnte stumpsvBlätter hat; Oucumft; kftopfte- turunr Der Propheten-Rüchen, drs— e-,, plur. ut vom. Im Z. i» einigen Gegenden, z. B. in Meißen nrld Thüringen, eine Art großer sehr dünner und hart gebackener-Kuche». vonMehl, Milche Eycrn und Butter, welche anfder Oberfläche gemeiniglich aufgelaufen sind. Der Grund der BenennnnKist unbekannt. Prophetisch, sch. stack v. in der Eigenschaft und Würde eines Propheten gegründet. Das-prophetische Amt Christi, in der Theologie, wohitl die Bekanntmachung der geschehenen Versöhnung gcrechyetwird. Besonders in der vierten cngcrn Bedeutung, zufällige kiinftigte Dinge verkündigend und darin gegründet. Em prophetischer Traum. *Die Vrophezey, plu-r. die—en, ein veraltetes Wort für Pro- phezeyuilg, welches noch 2 Cbron. 9 - 2 ? vorkommt: La« ist ge^ schrieoen in den Prophezeien Asta von Silo. Cs ist anS dem Lat. oftropllei.iL gebildet, und ftuder sich auch bey dem Opitz 7 Dnrch-Prophezey der Dunst wird dir nur hieß gesagt. Prophezeien, verft.re^.sct. von Sem vorigenHauptworte, künftige zufälligrDinge vorher sagen, solche zufällige riurftigs Din- gx verkündige», welche ans keiner nothwendigen Folge des Vorhergehenden und Nachfolgenden emgesehen werden können, und in weiterer Bedeutung, überhaupt lunftige Dinge vorher sagen. Man prophezep-l uns nichts Gutes. Böses Wetter pro- . phezepen. S. auch Weißugerr. Die prophezeyrmA, xlup. die—-en, von dem vorigen-Zeitwort?^ die Bekanntmachung künftiger zufälliger Dinge. Bey ben älter» Schriftstellern Isorakpel, V'orssiuFu. S. auch Weissagung» Der Propst, des — es, plur. die Pröpste,Fämrn. die Propstinn, eür aus dem Lat. okt,i8 verkürztes Wort, welches über» Haupt einew Vorgesetzte» bedeutet, aber nur in einigen einzelnetr Dillen Mich:>.ss. Safiihret der Vorgesetzte eines LchenShoftS »r mauchen.Gegenden Srir Nahuw» eines Lehens - Propstes. Anv NvstgsspKist es VM,ri.NLWVorU^tztLr. über geistliche PcrstncR, Pro L4Z und in Kirchensachen. Zn der Römischen Kirche haben manche KlösterunsiattderÄöLe undÄbtlssurncn pröbste und pröbsftnnen, welche zuweilen die fürstliche Würde bekleiden, wie der gefürstete Propst zu Ellwangen. Der Vorgesetzte eines Äachedral-Stiftes rst unter dein Nahmen desDom-propftrs bekannt. Auch in den evangelischen Kirchen hat man Pröpste, oder Birchen : Pröpste, welchedrn Geistlichen eines gewiffenBczirkes vorgefttzet stnd,nnler dem Superintendenten oderGeiieral-Superintendcilten stehen,und in manche,» Ländern Jnspectores, und mit dem mehr Lateinischen Ausdrucke Präpostti heißen. In einigen Ländern sind sie von den Jnspectorev noch verschieden, und düsind sie demGeneral-Su. perintendentcn untergeordnet,und denJirsprctoren vorgesetzt,und vertreten alsdann die Stelle der Superintendenten. In den Preußi schen Landen wird derjenige Vorgesetzte, unter welchem die Zeldprediger bey der ganzen Armee stehen, der 8rld - Propst genannt, da er denn deo General-Superintendenten bey der Armee verstellet. Aunn Es ist schon frühe aus dem Lat. entlehnet worden, denn fchonNotker übersetzt krae p oft l.u.8 durch i^robilia JnrSchwa« benspiegel lautet dieses Wort örobli, im Niederst praweff, prawst, iur Äugelst krostslt, i?rauali, ck'ruvos, im Schwed, kroftk, imJSländ.i?rofaliur, im E»gl. !?ravoft, im Fran;, kre voll. (S. auch profoß, welches gleichfalls davon abstaiftmet.) Man schrieb eS ehedem gemeiniglich probst, die Dehnung des 0 zu bezeichnen, welches aber so wohl wider die Abstammung als allgemeine Hochdeutsche Aussprache streitet. S. auch papiftAnin. Die Propste')), plur. die—en, der der Aufsicht eines .Propstes, besonders eines Kircheii-PropsteS anvectrauete Bezirk. Intim« genLandern, z.B. in Pvmmern,wo dis Pröpste Prapositi heißen, P dafür Prä'posttnr üblich. Jngleichen die Wohnung eines Propstes. Bey der Universität Leipzig, wo der Vorgesetzte de- der Universität gehörigen Dorfschaften ftr»epofttu5 heisst, ist die Propstep ein Gericht, welches sich aus dem Recwre und denDeea- uis der vier Facultäten bestehet, und welchem die fimfneuenDorf« fchasten unterworfen sind. Die Dorf Propstey ist eben daselbst ein anderes Gericht, welches sich über die drey alten Dörfer erstreckt. und allein von dem b'rLSpoti r.o maZno und st inen vier Bey si tzcrrr ab hängt, Daher propstepllch,zuei«erPropstey gehörig. Das Propste)?-Gcricht, oder PröpstrGericht, des— es, plur. die — e, ein Gericht, in welchem ei» Propst den Vorsitz hat. So befindet sich z. B. in dem Herzogchume Schleswig in jeder Propstey ein solches Gericht, welchem die Prediger derselben ix Rechtssachen, welche ihr Amt, ihre Lehee und ihren Wandel be. treffen, unterworfen sind. Die ptchsa, oder Prose/plur. 63?. auS dem Lat. kft'vla, die ungebundene Rede, im Gegensätze der psesio-odev gebundenen Rede. In Prosa-schreiben. Gereimte Prosa. Daher prosaisch, in.Peofa abgefassct, ingleichen der ungebundenen Rede gemäß, ähnlich , im Gegensatz?'deS poetisch. Die Prosodie, (dreysylbig,) plur. doch nur von mehrern Lcbr- büchern dieser Art, die Prosodien. , (viersylbig.) anS dem Lat. und Griech. iftroLockiu, die durch denGebrauch eingeführlcLänge uud^Kürze der Sylben einer Sprache, und in engerer Bedeutung, die Lehre von der Länge und Kürze der Sythen einer Sprache; die Tor/fprechnng, die Tonwessnng-, welches doch den ausländischen Ausdruck nicht erschöpft, auch zweydeutig ist, indem der riarntlichc Ton von der Lange und Kürze dcr Sylben ganz mlab- hängig ist, sb er gleich von den meisten Sprachlehrrrn damit verwechselt wird» . ^ Der prosyöcp, des—-es, plur. die —s, au S dem Latein. spsLiuL und Tranz. si'rolfteet. r)- Alles dasjenige, was man erblickt« irr Ansehung der angenehmen, oder uua»gtnchmcnEmpfin- Z49 " duira, welche es 5 ey dem Anblicke macht; der Anblick. 2) Was man in einiger Ferne erblickt, und die Aussicht in die Ferne; die Aussicht. Jemanden denProspsce verbauen. Ein angenehmer Prospekt. Besonders ein Theil der Erdflüche, so wie ec sich dem Auge in der Entfernung darstellet; die Ansicht. Daher der Prospect - Mahler, welcher vornehmlich solche Prosprcte Derprotßst, des— es,plur. die—s, aus dem Ital. piotelin, im mittler:, Lat. krotelium, Widerspruch, Protestatton, welches durch die Handlung in Wechselsachen eingeführet worden, wo es die Änsierung bedeutet, daß man einen Wcchsrlbrief nicht bezahlen könne oder wolle, besonders sofern diese Äußerung von einem Notacio schriftlich aufgefttzet wird. Einen Wechsel mit proresi zurück schicken. S. auch protcstirsm Der Protestant, des — en, ^lur. die —en, Fämin. die Pror rcstantinn, eigentlich, eine Person', welche wider etwas protestiert. Zn engerer und gewöhnlicherer Bedeutung führen inDcutfchland die Glieder der Lutherischen und reformirten Kirche, im Gegen- se.se der katholischen, den Nahmen der Protestanten. Anfänglich legte man denselben nur allein den Lutheranern bey, weil der Chnrfürst von Sachsen, Johann der Standhafte, und der Landgraf von Hessen, in ihrem Nahmeu auf dem Reichstage zu Speyer r 529 wider die von dem katholischen Lheile gegen sic beschlossene Reichsacht prorestireten ; allein nachmahls begriff man unter dieser Benennung nach die Reformirten. protestantisch, nckj. etackv. in der engern Bedeutung des vorigen Wortes, dem Lchrbegriffe derProtestanten zugethan, in demselben gegründet. Die .protestantischen Reichssrände, rm Gegensatz? der katholischen. . Die protestarrön, plur. die—en, aus dem Latein, kroleckmi o,. in dessen m den Mittlern Zeiten üblich gewordenen Bedeutung, die Verwahrung seiner Gerechtsamen durch einen förmlichen Widerspruch, und die Schrift, worin dieser Widerspruch befindlich ist; die Verwahrung. Eine prorsffatisn ernlcgen. Ehedem gebrauchte man dafür die Ausdrücke Einrede, Sonderung, Meldung u. s. s. welche doch insgesavimt den Begriff nur halb cmsdrucken, so wie auch das noch hin midwiederüblichc Verwahrung ihn nicht völlig erschöpft. Protestirsn, verb. welches aus dem Lat. protestari entlehnet ist, und in doppelter Bedeutung gebraucht wird. 1) Als ein Neutrum, mit dem HiilfZwortc haben, einer Verlctzung.scmee Befugnisse widersprechen, seine Gerechtsamen durch einen Widerspruch verwahren. Wider etwasprorestiren. 2) Als rin Aeri- Vum, doch l'.ur in Wechselgeschäften. Einen Wechsel protestr- vrn, die Weigerung der Zahlung von Geilem dessen, welcher ihn bezahlen sollte, niederschreiben, welches allemahl von einem Notario geschehen muß^ Einen Wechselbrief protestr'ren lassen.- Das Protokoll, des — es, plur. die—e, aus dem Mittlern Lat. j?rotoLo 1 lum, er« Buch oder eine Schrift, worein öffentliche, und besonders gerichtliche Verhandlungen verzeichncttwer- dcn. Das Protokoll führen, diese Verhandlungen niedcrschrei- öen. Etwas zum Protokoll geben. Düs Wort stammet aus dem Griechischen her, und kommt schon in der kosten Novelle Jn- stinians vor, wo es über die kurze Nota bezeichnet, welche auf das Zu öffentlichen Verhandlungen bestimmte Papier gesetzt werden Mußte, und m welcher zu Verhüthung alles Betrugs bemerkt wurde,wenn/ von wein und lmier was für einrm Oorrrite I-uv^- Zttionulli es verfertiget-wokdeu : diese Note vertrat die Stelle brr heutigen Papierzeichen. (S. des Du FreslnuGlossar.) Daher protokollier», öffentliche Verhandlungen iiiedcrschrciben. L. protzen, vsrb. rex. rremr. welches das Hülfswork haben erfordert, seinen Unwillen durch ein mürr-sches mchkvidtrspeuftigesr P rv AM Stillschweigen an den Tag legen; trotzen, von welchem WorteeS'- uur in deui Vorschläge verschieden ist. S. Protzig. 2 , Protzen, verd.reZ. act. welches besonders in der Gcschntzkrmst üblich ist, nw es von Kanonen und andern schweren Körpern ge, braucht wird, wenn man sie mit Muhe vvn einem Orte zum am dern bewegt. Am häufigsten gebraucht man es in den Zusammensetzungen abprotzen und aiifprotz.cn. Eine Lanone aufprötzen, ste auf den Prvtzwagen heben, sic abprotzen, sie von demselben abheben. Es scheinet, daß der Begriff der mühsamen Fonbewegung i-.! diesem Worte- der herrschende ist, und daß es sich von dem in andern Fällen üblichen schroten nur in dem Vorschläge und in dem tz, dem Zeichen der Intensiv'.!, unterscheidet. Bey dem Den;« lcr ist freuen mühsam arbeiten, mühsam bewegen. Wenn nicht der Begriff der Reise der Grundbegriff ist, S. Reiten und die folgenden. Protzig,—er,—stc/ucft. stttäv. I) Stare, steif, uubiegsam ;:, in welchem Vcrsiandees besonders in der Lausitz, von dem Kraute und andern Feldfrüchten gebrascht wird, wenn sie steif aufgerichtet und starr stehen. Das Wendische xroüre, chcdeutcL gleichfalls starr. Mit Vorgesetztem Zischlaute stammet unser sprechen davon ab. 2) Figürlich, trotzig, ubermüthig , Niederst- pratzig. Protzig thun. Em protziger Mensch. Die Prötzkette, xlur. die —n, in der Gcschützkunst, diejenige Kette, mit.wclcher die Kanone auf dem Protzwagen befestiget wird. Der protznageb, des — s, xlur. die— nägel, eben daselbst, ein starker eiserner Nägel, welcher durch den Schwanzriegel der Kanone und der Achse dss Protzwagens gesteckt wird, jene auf dies fem zu bchestigcn. Der protzwatzen, des — s , plur. ub vom. ünZ. eben daselbst^ eine Achse nüt zwey Rädern, woraufdie Kanone mit ihrer Lasset? befestiget wird, ste auf diese Art desto bequemer fortzusühren. Der provicrnt, des—es, plur. onr. Leoeusmiriel, besonders für Kricgsvölkcr, und andere in zahlreichen Haufen versammelteMen» scheu. Einer-Armee den Proviant Zufuhren, Lebensmittel- Einer Stadt den Proviant abschneiden. Es'stammet aus dem Franz. Proviant, und Jtal.kroviuoclL her, welche vermuth- Uch aus dem Lat.krLebenclsgebildetworden, wenn ste nichtmiL uuserm Pfründe Eines Ursprunges sind. Auf dem Lande in Meißen wird dasjenige, was ben Fröhnern oder Diensilenten zur Beköstigung gereicht wird, die Proven genannt.. (S. Pfründe.) Daher vcvprovrqntiren, mit Lebrnssütteln versehen. Das Proviant - Amt, des—cs, pcur. die Ämter, an einigen Orten, z. B. zu Wien, ein obrigkeitliches Collegium, welches dafür zu sorgen hat, daß'es den Einwohnern nichtan Proviante oder Lebensmitteln fehle. . Der Proviant - Lommifsär, drs-^-es, xlur. die—c, ein Corn- missar, welcher für die Hcrbeyschaffung des Proviantes zu sorgen., hat, besonders bey einem Krlcgsheere. Das Proviant - ^aus , des—es, plür» die ää'ufer, ein Gebäude, in welchem der Proviant in Menge verwahret u ird, der-- gleichen cs unter, andern auch an den Höfen zum Bchufc des- - Hofes gibt, welchem gemeiniglich ein Proviant- Verwaltest > vorgesetzt ist.' Der Proviant-Meister, des -—s, p>ur. ur vom. anvcrB schiedenen Orten, derjenige, welcher für die Hcrbepschassung, odep- Aufbewahrung des Proviantes zu sorgen hat. Der Proviant- Matzen, des — s, ptur. ut vom. llvA. ein Wagen, so fern er einem Kriegsheere den PkovraUL zu - vÄesr uächführet.. Die Prov inz, plur. die—en, ein in seine Gränzrn rircgcfthköjM- nor und mit feiner eigenen obrigkeitlichen Verfassung veeschcrur Lürchekbxzirk; wo es eine gÜUrmius. Bedruturlg welche die - . A-ffKy - besonder» Benennnrigsn Herzogthum, Fürstenchnnr, Grafschaft u. s. s. unter stch begreift, aber doch nur von Landesbezirken von einem gewissen beträchtlichen Umfange gebraucht wird. So sind Österreich, Steyermark, Körnchen, Kram, Tirol, so viel besondere, dem Hanse-Österreich gehörige Provinzen. Notker gebraucht dafür daslängst veraltetest kilanU, wo er es aber in der ben den Römern üblichen Bedeutung eines unterworfenen oder unterwürfigen Landes gebraucht, von Pflicht, Huldigung. Die Provrnz-Rose, plur. die — u, ein Nähme der gemeinen rochen Gartenrssen, welcher vermuthlich aus dem Französi« sch en übersetzt ist. Die provisrön, plur. die — en, ans dem.Lat.?ravilio,derzu einem Behufs nöchigc Vorrath ; ohne Plural. Besonders fichret der Lebensunterhalt , die Lebensmittel, zuweilen den Nahmen der Provision,daher man auch dieLohnsoldaten oder besolöetcnKribgs- ieute ehedem provifloner zn nennen pflegte. ^ Der Provisor, des—s, plur. dieprovifores oder Provisoren, aris dem mirrlernLat. Provisor, dem die Aufsicht-über, oder die Sorge für etwas aufgotragen ist; eimbesonders in den Apotheken übliches Wort, wo der erste Gesell, welcher nächst dem Apotheker die Aufstcht über die Apotheke führet, diesen Nahmen bekommt, provoß, S. Profoß.- Der Prozeß, dks — sses, plur. die—sse, ans dem Krittlern Lat. proeeiiüs. i. Die Art und Weise, wie eine Sache behändst wird; in welcher Bedeutung es besonders in der Chymie und After- Chymie üblich ist, wo man die vorgcfthriebene Art und Weise, ein chemisches Product zur Wirklichkeit zu bringen, echen Prozeß zu neltnen pflegt. 2. In engerer Bedeutung, die Art und Weife, nach welcher die vorkommenden Fälle vorGericht abgchandelt werden. 1) Eigentlich, wo es die in den Gesetzen vorgeschriebene Ordnung ist, nach welcher die Rechtssachen verhandelt und zu Ende gebracht werden; der Rechtsgang. Lev summarische Prozeß, der Tivil-Prozeß, der Crimmal-Prozeß, der Schuld-Prozeß, der Wechsel-Prozeß u. s. s. Einem den Prozeß machen, ihn vernrtheilen. 2) Figürlich , ein Streit vor Gericht sechste ein Rechtsstreit, Rechtöhandel. Einen Prozeß haben, mit jemanden haben. Einen Prozeß mit jemanden bekommen. Einen Prozeß anfangen, mit jemanden anftmgen. E-nen Prozeß gewinnen, verlieren. Anm. Dieses fremde Wort ist zugleich mit dem Römischen Blechte in Deutschland eingeführet worden. Vorher hatte man eigene Deutsche Ausdrücke-dafür, besonderst» der letzten Bedeutung, welche noch lange gangbar gewesen stnd,^ und es zum Theil in einigen Gegenden noch sind. Dahin gehören die in dieser Bedeutung veralteten Ausdrikile Rechtfertigung und Krieg, und düs noch Niederf. pleit, Franz. Engl.kiea, wo auch pleiten vor Gerichte streiten, proZessSren, ist, Holland, plu^cken, Franz. piLicisr. - Spelmann leitete es von dem Angelf.plss, Gefahr, Verlust, ab; allein schon bey dcm Kero istssl^ Zank, Streit, welches so wie alle ähnlichen Wörter ursprünglich das mit dem Zanken und Streiten vcrursachteGeräusch ausdrnckt, und zu laut, plaudern, und andern dieser Art gehöret. Da Prozeß durch den / langen und häufigen Gebrauch nunmehr schon eine Art von Bur- gerrecht erhaltet», hat, so kann man das Latem, c in demselben auch füglich mit dem mehr Deutschen z vertauschen. , prozessiren, verb. reZ. asutr. mit dem Hülfsworte haben, in der letzten Bedeutung des vorigen Wortes, einen Prozeß, oder Rechtsstreit, alsPartey mit jemanoen haben Uird führen. Mit jemanden prszessiren. Daher dae^ prozessiren. Prozeß-Rosten, lmZ. inusi diejenigen Kosten, welche das - Wrozejsiren -verursacht. Dre prozeß-GednnnF, plur. die — en, bieerngefnhrte oder von dem Landesherren vorgeschriebe-,e Ordnung nach welcher die- Rechtssachen vorGericht verhandelt werden sollen. Der prüdes, des—ö, plur. Utoom/ÜNA. I) Der dicke sichtbare Dampf, welcher von rinem Körper aufsteiget, b-ffonders von siedendem ZWasser, wie Brodem, und ohne Plural. Bey den Müllern führet der Dampf, der von dem Sterne anfsteigct, besonders wenn geringes Getreide aufgeschnttet wird, den Nahmen des prudels. 2) Ein mir einem Geräusche hervor quellendes Wasser. So heißt z. B. in dem Carlsbade die warme Hauptquclle mitten in der Stadt der prndel. 3) Bey den Jägern ist der pr-rrdel soviel l als ein Sumpfoder eine Pfütze, worin Hirsche und wilde Schwei, ne sich abzukühlen pflegen; eine Suhle, Suhlache, ein Bad. Anm. In den beyden ersten Bedeutungen ist cs eineNachah. mung desSchalles,welchen lochende und dampferrdcKörper gemej- «:glich von sich geben, ui>!> da gehöret es zu brauen, Brühe, Brydem und sprudeln. In der dritten Bedeutung scheinet es zunächst zu Brühl zu gehören, (S. dieses Worr;) und da würde es ein Abkömmling von Lru^ seyn, welches noch im Wendischen ei. rien Morast bedeutet, oder von Brod, im Mittlern Latrine Lro- äiurn, im Jtal. Lrockr», Lroüo, Brühe. Einige Mundarten sprechen es auch Probe!, prodel ans. S. auch Aschenbrödel, .pruöeln, verb. reZ. 1) Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte .haben, mit einem Geräuscheausrvallcn, von flüssigen Körpern. So prtldelt das siedende Wasser in einen, Topfe , und dar hervor dringende Wasser einer Gnelle. (S. das vorige, i„- glcichcn Sprudeln.) 2) Als ein Actrvnm, da es vorzüglich in Niedersachsen üblich ist, und eine Sache leicht und obenhin machen bedeutet, und besonders in den Küchen von der unreinlichen Zubereitung des Essens gebraucht wird. S. Aschenbrödel, prüfen, verb. reZ. set. dessen heutiger Gebrauch nur noch ei« geringer Überrest seiner ehem-ahligen Bedeutungen ist, wovon man .die meisten, vermuthlich um dcrZwcydcntjgkcir willen, zu welcher sie Anlaß gaben, veralten lassen. Es bedeutete, -) * billigen, -gut beißen, wie dasLat.probLrs; ein längst veralteter Gebrauch, wovon aber in den ältermSchriften noch hin „nd wieder Spuren Vorkommen. 2) "Beweisen ; einegleichfaüs veraltete Bedeutung, welche noch bey denDichtcrr, desSchipäbischen Zeitalters gangbar rst. Schwed. pröllva, Franz, prouvsr, Lat.probare. ^"Empfinden, erfahren, gewahr werden, soüren; Angrls. proünn, 'Schwed-prokvÄ, Franz, epivuv'er. Du magst sein Zartheit priesen daran. Buch der Natur r 483. Go scind die Luft'in der Strlle und priifft man wenig Wind , ebend. Im Hochdeutschen ist auch diese Bedeutung veraltet, indessen ist sic noch im Oberderrtschen, wenigstens in einigen Gegenden, gallgbar. Ich habe die Kälte geprüfte, ist daselbst so viel, als ich habe sie erfahren, empfunden. 4 ) "Betrachten,erwegen. Zssst snir kele rvis uuä pruiveut ir rnuricl, Heinrich von Llohrunge. pruivs er xvol ftver tilllen kuone, wLs klLlerie liet an üein vvalüeu. s. f. Schenk Ulrich von Winterstetten. Auch diese Bedeutung ist veraltet. 5) Die Beschaffenheit eines Dinges zu erkennen suchen, so wohl überhaupt, für untersuchen; eine noch gangbare Bedeninng. Ich habe diesen Vorschlag lange geprüft, prüfet alles, und das Gute behaltet, » Thqss. 5,21. Sich selbst, fein Gewissen prüfen, seine Beschaffenheit, ingleichen die Rechtmäßigkeet oderUnrechtmäßigkeit seiner begangenenHandluit- .gen untersuchen. Ais auch, 6) in engerer Bedeutung, die Beschaffenheit einer Sache durch puren angestelllenBrrsttch, durch eine ausdrücklich dazu vorgenommeneHandlung untersuchen,solcheUm- stände verursachen, worin sich dlc Beschaffenheit eines Dinges,»»!» der Grad derselben äußern muß ; wo es von körperlichen Ilncerfu- chungen dieser Art nur noch zuweilen in der edlern Schreioart ge- > braucht braE wird. -Lin en W cm prüfen, ihn rosten', ich, probieren. Las Gold prüfen, Weish. 3, 6, cs probieren. Am üblichsten ist es noch von uttkörpcrlichcn Untersuchungen dieser Art. Einen Zreimd prüfen, ihn in Umstände versetzen, worin er zeigen muß, ob er wirklich unser Freund ist. Lines Freundschaft,. Gelehrsamkeit, Fähigkeit prüfen. Besonders in der Deutschen Bibel und biblischen Schreibart. Daran will, ich euch prüfen, n Mos. 42,, ,z. prüfe mich sc-rr, und versuche mich, Ps. 26, s. Und so m andern Stellen mehr. S. auch das folgende. Ämn. Iin Rieders, ist pröven kosten, schmecken , versuchen,, probieren. Es scheint nicht ans dem Lat. probaro entlehnet zu scyn, rme gemeiniglich geglaubt wird, und wie von probieren erweislich ist. Es ist vi«lmchr allem Ansehen nach ein Seiten»«-- - Wandrer desselben, ob sich gleich die erste und eigentliche Bedeutung' nur «rachen läßt. Es kann vermittelst des Vorgesetzten Blaselau- trs von rufen, in dessen weitern Bedeutung, einen vernehmlichen Laut von sich geben, abstammen, und alsdann würde die Bedeutung deSBllligens, des Bcwcisens die erste seyn. Es kann aber auch zuerst essen, genießen, kosten bedeutet haben, da cs denn von Pfründe nur im Endlautc unterschieben seyn, und unter andern auch zu reiben gehören würde, so fern dieses im weitesten Verstände auch kauen und essen bedeutet hat. S. auch Aostenfwel- ches in der Abstammung und Bedeutung vieles mit diesem Worts gemein hat, ingleichcn probieren und versuchen. *Ler Prüfesiern, des — es, xrlur. die — e, ein ungewöhnliches Wort, einen Probierstein zu bczrichneu, welches nur Sir. 6, 22 vorkommt. ' " ^ Die Prüfung, ptür. die — en, von dem vorigen Antworte, irr dessen noch gangbaren Bedeutungen, die Untersuchung der Beschaffenheit eines Dinges, besonders durch einen augestellten Versuch. In engerer Bedeutung find m der Theologie Prüfungen solche von Gott veranstaltete Umstände, in welchen jemandes sittliche Beschaffenheit offenbar werden muß, besonders wenn W unangenehme Umstände dieser Art sind, welche zu Entdeckung und Offenbarung des Guten gereichen. D§L Prügel, des— s,plur. ur vorn. linZ. ,) Ein dicker unförmlicher Stock, besonders so fern er bestimmt ist, damit zu schlagen. Mit einem Prügel schlagen. Jemanden mit dem Prügel bewillkommem In weiterer Bedeutung, wird es zuweilen von einem jeden dicken runden aber unförmlichen Holze gebrauche So werden die Knüttel, welche man zuweilen irr die morastigen Wege legt, um eine Art Dämme oder Brücken daraus zu machen,, in manchen Gegengen Prügel genannt. 2)Em Schlag mit einem Prügel od« ähnlichen Werkzeuge, und in den niedrigen Sprcch- aeren ein Schlag mit einem jedcuStocke, nach einer nicht ungewöhnlichen Vergrößerung. Jemanden Prügel geben. Prügel austheilen, bekommen^ Jemanden zwanzig. Prügel geben lassen, zwanzig Stockschläge aus dem Rücken. Eine Tracht prü- Zrhbekommen, so vjel-als mawsrtrageu kann. Die Prügelsuppe, auch nur in den niedrigen Sprccharten , eine Tracht Prügel. Anm. Die Spkbe—el bezeichnet in der ersten Bedeutung ein Werkzeug, und in-, der zweyten eiil Din ), eiil Snbjcct. Prügel setzt also ein Zeitwort vorans, welches prügen, brügcn gelauteft und schlagen bederwet har, von welchem das solgaude peügein d^s Jnrensivum oderFreqncmakivum ist. (S.dasselbe.^ AwWendsscheu ist pru gleichfalls prügeln, welches aber aus xer et zusammen gezogen ist, welches mit dem uock in vielen Gegenden üblichen baren, bshrsn, pehrcn, heftig schlagen, Lädein. kerrrs, überein kommt, daher es dahinstehet, ob nicht unser prügeln gleichfalls aus pehr- geln zuftmmen gezogen oder vielmehr durch Versetzung des r daraus entstanden, isü. P c a. . LL4 prügeln, v erb. rsZ. sei. heftig schlagrn, sehr schlügen, doch nur wenn der Gegenstand der heftigen Schläge ein Mensch oder Thier ist. Jemanden prügeln oder prügeln lassen. In einigen Gegenden prügelt man auch die sunde, wenn man ihnen einen Prügel oder Knüttel an den Hals Hänger, welches sonst auch hangeln, kniitteln und knüppeln heißt. Daher-das prügeln. Anm. Entweder alsbasZntensivnm oder FrequentakivuM von dem bry dem vorigen Worte gedachten veralteten prugen, schlagen, oder auch unmittelbar von Prnrgel, so wie die Rieders, tageln und knüppelwbeyde in der Bedeutung des heftigen Schlagens von Tage! undNnüppel abstammen. Lieprügeley für Schläger«, und Prügclsuppe, eine Tracht Prügel, sind in'den gemeine» Sprccharten bekannt. Eben diese Sprecharten sind überaus reich, das Schlagen oder Prügeftl nach allen Schattirnngen und Ne- henbegriffen auszudrncken. (S. Schlagen, wo einige derselben werden angeführet werden. Die Prunelle/ S. Brunese. Der Prunk, des —es, plur. inus. ein Wort, welches mit Pracht und prangen Eines Geschlechtes ist, und auch mit-drufttbcn einer- - ley Bedeutung hat. Es bedeutete ehedem Geräusch, Gelöst, in weichem Verstände es aber veraltetisi. Nachher schon bry diesen Wörtern bemerkten Figur gebrauchte mau es hernach für Hellen, feperlich.en Glauzin welchem Verstände es noch zuweilen in der höher» Schreibart üblich ist. Der Prunk der plnssen, der Sonne. Nach einer noch welternFigue ist derprunk die Kosibarkeift ftye'r- liche Zierlichkeit iuKleidern.Hartsgcräthe und allen äußeruMlfs- mitteln des gesellschafttrchen Lebens, besonders so fern sie Merkmahle der Vorzüge ihres Besitzers seyn sollen. Der Stammbaum ünrcr- dem Spisgel vermehr« den Prunk, Hermes. Einige Schriftsteller haben daher di.ftsWort sirr disjenigenFällrn'. Vorschlag gebracht, wo wir uns der ausländischen Wörter Parade, Starr, Galla u. s. s. Kcdiene», und daher^von Prunkpferden,, prunkbetten,prlwkzimmern, prunktagen,prunMeidern u.s.f. gesprochen, welche aber in der ernsthaften Schreibart noch wenig. Weyfüll gefunden haben. . Nach einer noch weitern Figur ist der Prunk i» Niederfachscu auch das feyerliche Gepränge in Worten uudGcberdeu, in welchemBerstandr es auch von crniaenHvchdeut- schenSchriftstellsru ausgenommen worden. Ein Mädchen ohne vermögen und ohne Rang , mit ein wenig Larve , aber mid vielem Prunke vowTugend und Gefühl und Witz, Less. für Gepränge. Wenn jemand bcp Tische aus höflicher Schüchternheit nicht iffet, ft sagt man in Niedersachstn, er prunke, «.prangen, welches auf eben diese Art gebraucht wird. Anm. ZmHollärid. kroak..' Es ist eigentlich ein Niederdeutsches, den Oberdeutschen unbekanntes Wort, welches von einigen-. Hochdeutschen in die feyerliche Schreibart ausgenommen worden; denn in der Sprache des täglichen Umganges kommt es auch hier nicht vor. S. das folgende!, prunken-, verft. reZ. sot. welches für prange^in Niederdeutsche laud üblich ist, und für eben dasselbe auch von einigen Hochdeutschen Schriftstellern, obgleich ohw Noth gebraucht Worten; glänzen- und figürlich, durchäußern Glanz, durch äußere Zierlichkeift Kostbarkeit u. s. f. die Augen anderer auf sich zu-ft u.. Das wird recht prunken l Gottsch. Sie prunken ja heute wie eine Brant, ebrud. '3 - .-rs - Corres kom- ttien will. Läßt man dieses hier weg, so bleibt Z.ülnus übrig, welches mit nnsirm schallen, und, werur man die Abwechselung der Hauch - und Zischlaute als bekannt voraus sitzt, auch mit Hallen Eines Geschlechtes ist, und alss eigentlich ein Lied bedeutet. Das Hebr. kommt damit genau überein. Mark hat daher das p auch ehedem in sehr vielen Sprachen weggelaffen , als mau das Wprr Psalm mit der Deutschen Vwel anliahm. Wey dem Kero, Qrkscsid und Notier heißt ciu Psalm beständig 8alm, und die Msidersachsin kennen kein anderes als Salm. Vermurhlich hat erst die neuere Qberde,usche Mu.".darr das p wieder vorgesrtzt. Die Italiener sagen gleichfalls Zwirrrs. Im Rieders, bedeutet Salm tziigleich einen jeden Kirchrngesang, in welcher Bedeutung auch Psalm ehedem üblich war, vermuthNch weil man ehedem in den Kirchen am häufigsten die^iblischen Psalmen zil singen pflegte. Notker gebraucht dafür auch 8ca1lL0K,Schallgesaiig. Das psälmbüch, des—-es, plur. die — büchev, dasjenige biblische Buch, welches die Psalmen Davids und anderer in sich enthält und auch-der Psalter genannt wird, in welcher Bedeutimg rs Snc. 20, 4», Aposig. i, 20 vockommt. Zn weiterer Bedeutung ist S akmöuch in Niedecdeutschland ein Gesangbuch. Der Psalm t st, des — en, plur. die — en, der Verfasser eines biblischen in dem Psalmbuche befindlichen Psalines. So werden David, Assaph und andercPsalmendichker oft psalmtstcn geieanut. > S.— Ist. ^Das psalmlted, des — es plur. die —er,ein ungewöhnliches, aber mehrmahls in der Delttschen Bibel befindliches Won, einen Psalm zsi bezeichnen; z. B. das Psalmlied der Rinder Rorah, Ps. 48, r. Der Psalter, des — s, sslur. ut rxrm. stuF. aus dem Griech. und Lat. Psalter!um. z) Ein sehr altes musikalisches Saiteu- Jnstrument, mit welchem Kau den Gesang zu begleiten pflegte, und dessen scholl in den BllchernGamuels und der Chronik gedacht wird, von welchem man aber wenig mehr weiß, als daß es nach Ps. 33, 2 und andern Stellen zehen Saiten hatte, und eine Art pon Haese war. Der heil.Anguftin.sagt bey diescrStelle 6-ch/rc^« eü UZvuln iIIalüe'oocavum,tLvssuu.m l^mpsoum, pen- ciettlü teliuäjns, eui ItAno cborüas juuitunlur, ut ta- ctLsreloneM. blori plectrum üico ^uo vunAuntur, li^num illuc! ciixi ccrncavum, cui su^srjneeut, «u! HuoclllmmostoiueumkuM, ul ex i1!.o cum luu^unlur " tremeiLLlLL, et ex illL coucuvilLde louum couci^tca- Dub 836 tss, MÄZig cLnoras re66aulur. b?oe ergo IIZnum rL iuleriore parle c/lfturu. tinbel, in luperiu- re. Woraus erhellet, dass der Psalter, wenigstens zu seiner Zeit, del! Resonanzboden oben gehabt hat. Notier übersetzt iN'altc-i. um in dieser BedclU'>wrdurch8 alt rläUA und setzt hinzu, daß er zu seiner Zeit im Häuschen Kolla geheißen, u ft-no vooeL— M Nullnuctbulum el cloccu. Au einer andern Stelle nenriL er-hn l^otturi, und Ottfried sitzet B. z, Kap. 2z, V. 397 die tlurptzLund Kolm nebeneinander. In einem alten 1482 gedruckten Vocabelbuche konmu die Rotte noch als ein Saitenspiel vor, wo sie durch Decucsiorttum und ^nuplium erkläret wird. (S. des Du Feesnr Gloss. v. Ikultta.) Wenn der Verfasser des Mamotrecri bey dem Du Fresnesagk; clicitur cLurriL c^tburu ciecem c!aor6crrum coaptulL, csuas cum plsctru psrcutttur; vsro 6uo,-22, Amos 3, 23. Das pfillieukraut, des — es, plur. ivul. in einigen Gegenden, ein Nähme des Nohsanzens, pjLtttÄAO kPtjUlim aus dessen Lat. nird Griech. Nahmen er auch entlehnet ist, und daher richtiger Pfpllienkraut geschrieben wird. S. sslöhsame. Die Pttsäue, plur. doch uur von mehreru Arien, dre— n, irr den Apotheken, ein kühlender Trank, welcher ans einem Thcjlc geschälter Gerste und zwanzig Tbeilen Wasser gekocht, und m-t Annmet, Zitronenschalen, kleinen Rosinen n. ff. angenehm gemacht wird; Gerstentrank. Ans dem Griech. -«--r'ts's'avli,. Veit Weglassung des p wird cs von einigen auch wohl Tisane geschrieben und gesprochen« Das publicum, des pnblici oder, wie einige chollcrr, des pnbli- eums, Plur. bey einigen die Publikums , ein ans dem Latein, publicum gangbar gewordenes Wort. Es bedeutet, Peigeutlich eine an einem os'ent ichen Qrte versammelleMeuge Vleirschen. In diesetti erstell ünd nächsten Verstände haben niw die Schauspieler, die Verfasser der Schauspiele, die öffentlichen Redner, »ikld andere vor einer Menge Menschen an einem öffentlichen Qrte handeliide Personen ein publicum; und in dieser Bedeutuilg haben wir u» Deutscheil ftcylich kein fchickUchcs Wort, dasselbe in allen Fällen auszudrucken, obgleich der Ausdruck Zuschauer für viele §ä>le hegver» N?. Das-richttndo publicum. "-VJ-! w'.'iteccr Bcv'cn- tm^wecse» oft di? Leser eitle»' Schriftstellers dessen Pnblitum ' gcuaiurt, ob sie gleich nirgends un Ganzen vrrsamurclt sind, ihr Ausspruch auch nirgends im Ganzen gehöret wird. 3) 3 m wei- testen Verstände verstehet man unter diesem Ausdrucke alle mit «ns zugleich lebende Personen; m welchem Falle das Deutsche Wort Welt oresen Begriff eben so gm ansdruckt, denRebenbegriff aogerechnet, welcher den Latein.Ausdruck Publicum nie verläßt, «ach welchemmansich diese mit uns zugleich lebenden Personen - an einem öffentlichen Orte veriarmnelt drntt. Etwas vor den Angen t.es Public! rhun, vor den Augen der Welt, öffentlich. Die vucht, plur. die — en, einln den Salzwercken übliches Wort, woes einen Boden bedeutet, besonderselnen solchen, worauf das Salz getrocknet wird, einen Trockenboden. Daher die pucht- -treppe, cche Treppe, welche ans diese Böden führet, und auS starken Bretern bestehet, welche statt der Stufen um Latten benagelt sind. Es ist hier das noch im Nttdersächsistöen vöÜig gangbare Bucht, ein Verschlag. Zn einem andern Verstände kommt dieses Work in dem Forstwesen vor, wo die zu puchten dienlichen Eichbäume iinDnrchmeffer 40 bis zo Zoll dick, und 20 bis »zEl- len lang seyn müssen. Vielleicht bedeutet eS hrrr solche Erch-Nx welche zu Pochstämpeln tauglich sind, iveil nian irn Bergdaue jür pochen gemeuuglich puchen spricht. Indessen scheinet auch Puch oder pncht in manchen Gegenden daszn bedeut en, was man jonst einen Bl ock nennet. In der Lausitz werden dies- mgen Wagen, arr welchen sich kein Eastn außer den Radschienen besiuoet, puchrva- gen genannt; an andern Orten heißen sie Blockwagen. Der pttddinF, des—es , plur. die —e, ein aus dem Englischen und Niederdeutschen entlehntes Wo^, einen in eine Servierte gesthlagenen und so in Wasser gekochten groß?« dicken Kloß zu bezeichnen, einen Englischen Aloß. Engl. ?uückin^, Niederst gleichfalls Pudding, im Dithmars. Budden und Mehlviidel, Holland. pockttiog. ScrGrund dcrB-nennung ttegtin derDicke« Zm Nieocrs. ist puddlg dick, butt grob, stumpf, und Pudde- vvurft eine kurze dicke Wurst, Franz. Louäiu, Lugl.auch ^c!° Holland. ZeutiuA. Der pu-dek, des — s, piur. ut vom. lmZ. ein nurtn einigen Gegenden übliches Wort, welches den Begriff der Tiefe, der Verkiesung und folglich auch des hohlen Raumes bat. >) In manchen Gegenden bedeutet dieses Wort soviel als Pfuhl oder Pfütze, von welchen es Mich abstammet, indem für das erste in einigen Mundarten auch pfudel üblich ist, von welchem hrer nur das Oöer- deutiche r wetzgctassen worden. Daher wird auch diejenige Art Schnepfen, welche sonst unter den: Rahmen der Wasserschnepfe, Sumpfschnepfe, Riethschnepfe, Pfuhlschnepfe bekannt ist, in einigen Gegenden Pudelschnepse genannt. 2) In Nl-dersachsen ist der Pudel ttn kurzes Stück-oder Lagerfaß zum Weine; entweder von c-cm Niederst butt, buddlg, furz und dick, oder auch als ein Geschlechlsoerwandter von Butte, Bottich,Beute iu der Zic« «lenzucht, Beutel n. st f. in der allgemeinen Bedeutung eines .Gesäßes. Lm Licständ. ist Pudel eine Schachtel aus Baumrin-., - den, und im Mittlern Lar. kommt Luttellüs gleichfalls' von einem Gefäße sor. , s.DerOuchel, des—s, plur. ut vorn.' ÜLA-ein in Ohcr-nnd Niedeesachsen üblichrsWott, einen Fehler, eiuBessehen zu bezeich- uen. E-- rst in dieser Bedeutung un Kegelspiele am üblichsten, wo derjenige Fehler, wenn die Kugel duechgcher.etn Pudel h ißt. Da placker, Pfirschcr and Bock gleichfalls von dem Schalle her- genommeck sind, welchen gewisse nußlungenc Handlungen verur- fachen, so scheinet derftiöe auch hrer zum Grunde zu liegen, und dawürde Pudel den Laut ausdrucken, welche» die Kugel macht, wennste ohrre eucm Kegel zu treffen an das Ende der Kegelbahn P»d 858 anschlagt, welches gemrmrglrch mit einem attsststopften Sacke bekleidet ist, da denn d-r dnülpfigc Schall erfolget, welchen Pud-, ' Batt ausdruckk. Bußl ist im gemeinen Leben sehr üblich, rin.-r solchen intrnftvenSchall nachznahmea; daher batten, botten eh- dem auch farstoßenüblich war und es in vielen Sprachen noch -st» Jm Jtal. ist Lolta ein Stoß. (G. die verwandten Patschen, -Peuschen u. s.f.) Die Endsylbe — c-l bedeutet ein Ding, rrtt Subject. Im Mecklenburgischen sagt man dafür Puden. Von einem Fehler imKegelspiele ist es vermnthlich aufeinea jeden Fehler ilbergetkagsn worden. Daher pudeln, einen Fehler, ein Versehen begehen» Z. Der pu-ell, des—s, piur. üt vom. kvZ. «m Wort, in welch-:» der Begriff des Rauchen, des Zotigen der herrschende ist. i) Eine Art kurzer untersetzter zotiger Hunde mit krausen Haaren, welche sehr gelehrig sind, und ans Ungarn Hersiammett sollen, stad -unter dem Rahmender Pudel oder pndelhunde bekannt genug» Franz. Lardst. 2) Bey dem andern Geschlecht« wac der Pudel oder Pndeikopf eine ehenrahlige Art der Frisur, da die Haare .im Nacken adges-chnitteir, und der ganze Kopfwieeine Scutz-Perriicks i r» Locken gelegt wurde. Anm. Der Grund dee Benennung liegt hier obn? Zweifel m der zitteniden flatternden Bewegung, so daß dieses Wort mit 2 Pudeln, Wedel, dem in den gemeinen Sprecharttir übliche»; wildeln, und andern dieser Art genau verwandt ist. Im Niederst ist fuddeln nachlässig arbeiten. G. auch Pudelmütze. Der pu-elhurr-, des —es, plur. die —e, S. das vorige. Der Puöelkopf, des es, piur. die — köpfe, S. eben daselbst. Die Pudelmütze, piur. die —n, eine krause rauche Miitzc des ^ männlichen Geschlechtes, welche von außen ganz mir krausen Läm--c . merfelleu überzogen ist. L. Pudeln, verboreZ. usutr.mitdem Hülfsworte haben, eium Pudel, d.i. Fehler macheu, S. 2 Pudel. 2. Pudeln, verb.reZ. neutr., welches das Hülfswort haben «fordert, aber nur im geniernen Leben Ober - und NiederftchsenS - üblich ist, mit kurzen Schritten geben, und dabey von einer Seite zur andern wanken, wie die Anten, fette Personen u. s. s. zu churr Pflegen; im Oberdeutschen watscheln. Beyde drucken, so wie das -irr andern Gegenden übliche wudeln, die wankende nnd dabey Mühsame Bewegung ans. (S.L Pudel.) Wenn jemand so sehe -betrunken ist, daß er im Gehen wanket, so sagt man in Nieder- , sachftn, er fty-pudeldick. .pndelwärrrsch, wäj. etaäv. im gemeinen Leben Ober- und Nie- dersachsens, im höchsten Grade närrisch, d.i. lustig, spaßhaft. E iw pudelnarrischer Mensch. Etwa von den Hunden dieses Rahmens, .weil sie vor andern Arcen Hunden zu Spaßen und Possen abzurich- tcn sind ? Oder wo» dem Niederst putzig, spaßhaft, Putz , cm Posseu? Die pudelschnepfth piur. die — n, S. 1 pnbel». DöLpudkL, des—ö, piur. Lur. aus dem Franzos, welches eigentlich cinemzu Pulver, zu einem zarten Mehle, klein gemachten K örper bedeutet. Ehedem nannte man fein gestoßenes G-würz in Niedersachftn Puder, und eine gepuderte Suppe war alsdann eine gewürzteSupps. Zu einem ftiuen Mehls gestoßener Zucker heißt noch jetzt in der Harchattnng Puderzucker- Am üblichsten ist dieses Wort, von einem feinen zubereiteten W-itzen- M'.hle,nvomtt man die Hanpchaare zur Zierde zu bestreuen pflegt» und welches mau znm llntsrschiede von de» vorigen Arten auch HaarpuLer nennt. Niederst gleichfalls Puder, Enal. !?orvc!er. Wir haben das Wort mit ver Sache selbst aus Frankreich, ws L'ouckrs aus dem Lat. b'uivis verderbpast- Der pu-evbeutLb,deS^- 6 , Plur. ut nom. üng. ein ledernob " Beutel, den Pnderdari» zu verwahren und bep sich zu sichrem HhhL 8L9 P -- d Der.Pzrderblafer, ,drs—s, x?u^..rl-rvsm..ssüg».eln ähnliches, aber verschlossener Beutel, aus welchem der Prüfer durch ein vor, gespanntes Sich vermittelst desZusammendrückens heraus gesto» steil wird ; der-puderpüster, von dem Nieders. pusten, blasen. Duderitz, Lckj.vt ackv. mit Puder bestäubt. Sich pudcrig machen. Pudern, verb. reZ. Lei. mit Puder bestreue.;. Die Haare pudern- Eine Perücke pudern. Daher das Pudern». Dor PudexqUirst, des — VS, olur. die — e , rin-Alias? aus wollenen, leinenen oder seidenen Fäden, den Puder damit aufzustreuen. Die Püdersch achtel, plur. die—n, eine Schachtel, den Puder darin zu verwahren,. Puff, ein unabänderliches Wörtchen, ivelches den dnmpstgen Laut u ach chm et,. welchen manche Körper, besonders im Stoßen und Fallen verursachen, und weicher gröber »nd dumpfiger ist, als diejenigen, welche man durch Piff und paff ausdruckt. Siche diese Wörter, piff, Puff, paff, Puff, geht sein Gewehr, Weiße,. Husch l zog ich einen Apfel vor, Puff!: hart ex einen.-an das (Dhr, prrff! wieder einen auf den Rucken, elend, Puff, puff w;rd es auf deinen Bücket gehen , lax, tux, errt tsoZo luo; wo das Lü.t. lux zugleich das'Stammwort von dem Niederst tageln, prügeln, und vielleicht auch von unserm Stock ist. Wie sehr sich die Natur in 3 ha ch a Hüning derSchälle uird ' Laute, und folglich auch in Erfindung mid Bildung der Worte, getreu bleibt, erhellet unter andern auch daraus, daß die Negern in Afrika ein Europäisches Feuergewehr nicht anders a!s Puff zu nennen wissen ; ein Wort, welches eigentlich den Knall desselben uachahmet u»d ausdruckt. S. Puffer. Der Puff, des — es^plur.. die Püffe, e^entlichder porige Laut,, in Gestalt eines Hauptwortes^ -) Es gab einen Puff, einen dumpfigen Laut. Nochhäufiger, cin mit einem solchen buntpfige« 'Laut; verbuildencr Stoß; besonders ein Stoß oder Schlag.m t zusammen geballter.Faust.' -Jemanden einen heimlichen Puff geben. Püffe auscheilen,Stöße. Püffe bekommen. Es wird hier nicht ohne Püffe abgehen. Einen guten Puff vertragen; können, eigentlich einen derben Dtost, figürlich, auch einen derben- Verweis, ja einejede heftige Veränderung. Im Schweb, ist Pulk gleichfalls em solcher Srost oder Schlag, im Engl. Lu§ket, im Franz.Dulsts, im Jtal. LvkßEo, und im Span. LoserLf?u, rineMapkschelle. 2) In Halle wird das gemeine Stadtbier Puff, rmd im Engl. eiw,gewisses starkes Bier Lub genannt,. Z) Lilie Art des Spieles, S^puffspicl. Die Puffbohne,, piur. die—n, cine Art großer Bohnen, mit einem aufrecht wachsen l n Stamme undBlattstreleu bhneGabeln, welche ihre großenFrüchLin einer dickenaufgeblaftireu fleischigen - Hülse tragen^ ViciuV'LbL L,. gvöße Bohnen, Feldbohnen, Feigbohncn. Dis San- oder Pferdebohnen sind eine Art davon. S. das folgends. Dab Puffbret, des—es, plur. die— er, das innere Dambret,. so fern Puff darauf gcspielet wird. S. Puffspiel. Puffen, verb. rvß. welches gleichfalls von den Heyden vorigen W örtern abstammer, und in doppelter Gestalt vorkommt. 1. Als ein Neutrum, mitdemHülfsworte haben, diesen Schall von sich geben, verursachen. 1) Eigentlich. Darauf schlagen, daß es pufft. Ich hcn> es puffen, Im Irak. buffure und dokkare. iS. auch verpuffen.) 2) Figürlich. a)*Aufblasi'n, aufschwellen, in. E u gl. i. o s»n!k, kmFrarcz.boussir., weilaufgeblasene,oder auf» geschwollene Körper diesen Laut von sich geben, wenn man darauf floßt oder schlägt. Im Deutschen ist hsisi -Bedeutung veraltet, «der.das vorige Puffbohne stammet noch davon her. b) Las 'Pui 860 pufft, ist ein m Leu niedrigen Sprech arten üblicher Ausdruck welcher so viel sagen soll, das läßt sich hören, das hat. ein Ansehen- wo die Figur von dem Schalle hergenommen ist, so wie bey Pracht. Hundert Thaler, das pufft. Da der selige Papa mit ihnen hier durch ging, blieben stc etwa einen lumpigen ' Tag, das puffte,'Weiße; wo cs ironisch steht. Puff machen, ist in den niedrigen Sprccharrcn einiger Gegenden so viel als Staat macht», c) Puffspielen, (E. Puffspielst 2. Als ein Activum, puffen wachen, d.i. stlche Schlüge oder Stöße geben, welche diesen Laut hervor bringen. Jemanden puffen, ihn fl.it geballter Faust flößen oder schlagen. (S. aflch A, puffen.) Rieders.puffen «nd buffen, Engl. w'pugf, Franz, bouLßer. So auch das Puffen. Der Puffer, des — L, plur. ut 20m. liüZ. Diminlit. das pufferchcn, ein kleines kurzes Schießgewehr, welches man in der Tasche bep sich tragen ka,ru; eme Sackpistole, Taschenpistsle, mit einem fremden Worte das Terzevsl. Von dem dumpfigen Knalle , welchen es im Abschießen macht. S. Puff. Das Puffspiel, des—.es, xl-ur. dic^—e, eine Art des Spieles, welches in dein Dambrete mir zwep Würfeln und dreißig Steinen gespielt, und auch nur der P»ff genannt wird. Der lange Puff, diejenige Art dieses Spieles; wenn beyhe Theilr ihreSteine in Ein Quartier einsetzen; der Tontrcr-Puff, wenn jeder Lheil seinr Steine in ein besonderes Quarncr setzt, und deüi andern entgegen spielet. Qhne Zweifel von dem Geräusche, welches dreSteineim Spielen machen. Die Pulle, plur. die —n, Dimin. das PÜklchen, ein nur iin Niederdeutschen übliches Wort, eine Flasche met einem dicken Bauche, eineBouteille, zuchezoichnen,S. dieses Wort. Das Pttlpet, des — es, xchr. dre-—e, ein erchöhetes Gerüst mit einem gemeiniglich ß.lhängigen Tische, davor zu lesen, zu schreiben, oder zu singen;, das Pult, (S. dasselbe.) rwr dem Puft pete stehen. Es ist ausdem Lat. kulpiwm rmlchuet. Ehedem nannte mau ein zum Lesen oder Singen bestimmtes Pulpet die Lesebank, Singebar-k, den Leczner, Lettner, aus dein mittler» Lar. Lectiorr^rium. Der Puls, des—es, plur.dre— e, ein Wort, welches eigentlich eine» Schlag bedeutet, aber «ur noch in zwey Fällen üblich ist. r) Bey dem Läuten der Glocken ist in Qber-und Niedersachscn ein puls das Läuten der Glocken von einer Pause bis zur andern. Einen Puls lauten, zwey Pulse u. s. s. Der erste puls, brr z.wepte, der dritte. 2) Bey den Ärzten ist der Puls-das Schlagen der Pulsader in der Gegend der Handwurzel unter demBallm des Daumens, oder der Druck, welchen man mit der Hand rsn außen fühlet, wenn das-Blut von dcmHerzen in die Pulsadern gestoßen wird; ingleichen'die Pulsadern in der Gegen^ derHand- wurzcl in Ansehung dieser schlagenden Bewegung. Es wird hier 'collectivc gebraucht, folglich ist auch der Plural nicht üblich, außer , etwa von dieser Bewegung der Pulsadern in mehrern Menschen. Einem an den puls fühlen bdrr greifen. Einem den puls fühlen. Der puls geht oder schlagt geschwinde, ungleich, . schwach u. s. s. Einen heftigen, schwachen, ungleichen Puls haben. Äesneü puls haben, wenn die Bewegung der Pulsadern unmerMch schwach ist» Anm. In der ersten Bedeutung lautet es im Mittlern Lat. puitio- In der zwepten ist es unstreitig aus dem Lat. Julius entlehnet. Im Ganzen aber ist es doch ein altes Europäisches Wort, welches in allen alttn.Sprachen einheimisch ist. Im Nie- , ders. wird Büls noch sitzt für Schläge gehraucht, und im Dich- marfischenist bulß^> prügeln, schlagen. S. r pelzen, Magen, welches genau damit verwandt ist» Die Pulsader, plur. die— N, diejenigen Adern in den menschlichen und thierischenKörperu, in welche das Blut aus dem Herzen . . - / Zestvße« 86 1 Pul gestoßen wird, und welche dasBlut aus dem Herzen durch ben gan- zeuLeid leikcn, ^rdLriLe, Schlagadern, weil der Druck desBlu- tcs aus dem Herzen ihnen eine schlagende Bewegung gibt; im Gegensätze der Blutadern, VeuLL, welche es zum Herzen fuhren. Bey de« älter» Ärzten heilen sie -Luftadern, weil dir in der Lunge befindliche Luft ihre Bewegung befördert. Der PulsschlüF, des — es, plur. .die—schlage, einzeln? S '»läge oder Drucke der Pulsader an der Handwurzel, deren ganzer Znbegriffdeu puls ausmacht. Das Pult, des — es, plur. die—e, Dimin. das pultchen, Oberd. Pultlein, ein wie Pulpet gleichfalls aus dem Lat. I^ul- pilum gebildetes Wort, welches aber in weiterer Bedeutung üblich ist,indem es nicht allein von einer abhängigen ebenenFläche auf Linem eigsnenerhöheten Gestelle, fondern auch von einer jeden abhängigen Fläche gebraucht wird, vor welcher man eme gewisse Verrichtung vornimntt. Daher das Biicherpult, das Lesepult, das Schreibepult, das Srngepult, das Nähpulk, dar Rlop- pelpult u. s. f. In einigen Gegenden ist es männlichen Geschlechtes, der Pult, obgleich das sächliche theils gewöhnlicher, theils auch dem Lateinischen Originale angemessener ist. Das Pultdach, des — es, plur.die—dächer, in der Baukunst, ein Dach, welches, wie ein Pult, nur aufEiner Seite abhängig ist; ein einhängiges Dach, bey einigen auch ein Taschendach. Das Pulver, des — s, p!ur. ut vom. linZ. ansdem Lat. k'ul- vis. -. Überhaupt, ein trockner und in sehr kleine Theile verwandelter Körper; wo dcrPlural nur von mehreruArten gebraucht wird. Räucherpulver, welches,^ wie es heut zu Tage beschaffen ist, aus gröbecn Theilen bestehet, als mau jetzt gemeiniglich Pulver zu nennen pflegt, worunter man einen in so feine Theile verwandelten trocknen Körper verstehet,daß fie dem bloßen Auge nicht mehr fichtbar sind. Sind sie so fein, daß sie auch unfühlbar sind, so bekommen sieden Nahmen drs Standes und in einigen Fallen deSMehles. Etwas zu Pulver schlagen, stoßen, rerbey, brennen. 2.Jn engerer Bedeutung, i) Eine solche in sehr kleine Theile verwandelte trockene Arzeuep. So wohl überhsvipt, wo der Pinral auch nur von m'chrernArten gebraucht wird. Flußpulver, Magenpulver, Niesepulver,- Larierpuloer, Goldpulver u. s. f. Als auch so viel eines solchen Pulvers, als auf Ein Mahl eingenommen wird, wo der Plural auch oou solchen Quantitäten gebraucht wird. Zwey Pulver einnehmen. JncbendieftrBes deutung wlrd.zuweileu auch das Dimin. das pulverchen, Oberd. Pulverlein gebraucht. 2) Das Schießpulver ist sehr häufig nur unter dem Nahmen des Pulvers schlechthin bekannt, ob cs gleich heut zu Tage gröbere Körner hat, als man sonst mil dern Nähmen des Pulvers zu belegen pflegt. Berinuthltch war eS ehedem einem eigentlichen Pulver ähnlicher. Pulver und Blep, wofür man auch Braut und Loch gebraucht, (S. diese Wörter.) Ein Schuß Pulver. Er ist keinen Schuß Pulver wer tu , sagt man von eenem nichcswucdigen Menschen oderThieee. Rein Pulver riechen können, feige, des Krieges ungewohnt ftvn. Ditz pülverstäsche, plur. die —n. eine Flasche, Pulver darin zu verwahren. Besonders ein krummes hölzernes oder hörnernes Gefäß der Zöger, das Schießpulver darin dop sich zu tragen, welches, weil es dieGestalt eines Hornes hat, auch wohl aus einem -Horstebereitet wrrd,-auch das Pulverhorn heißt. Dstrs pulvtzrhodz, des—es, plur. jaus, ein Nähme verschiedener Ständen, deren Holz, wenn es zu Kohlen gebrannt worden; gutes Schießpulver gibt, und ehedem auch dazu gebraucht wurde; besonders des Zuulbaumes oder Llsedeerflrauches, kuLmaus ffrua- , ßrÜal,. S. Llsrdeece. L)as pulverhorrr, des—-es. plur. die—Horner, S. Pulverstasche. Pu m 6Z2 Die Pulverkammer, plur. die —N, eine Kammer, worin Pulver, und besonders Schießpulver, Verwahrer wird. Zu der Ge, schützkuust kommt dieses Wort noch im einigen euzeru Lcdeutun- gen vor. Einstn die Erde gegrabenes Behältniß hinter den Batterien und Bombenkesseln, worin das Schießpulver und andere zum Feuern nörhigeBedürfnisse aufbewahre-werden, he^ßr daselbst die Pulverkammer. Auch derj. nigeOrt einer Mine, wo das Pulver in Tonnen oder Sacken hingesetzck und hernach durch ein Leitseuec augez'üudet wird, führet diesen Nahmen. Bey den Feuermöesenr und Haubitzen ist die Pulverkammer oder Rammer schlechthin , die hinterste Höhle, woreiu das Pulver geladen wird, S. Aam- merstück. DckS pulvockorn, des — cs, plur. die-7--köruer, ein einzelnes Korn eines zu Pulver verwandelten Körpers. Besonders via einzelnes Korn Schießpulvers. Das PÄvev-Mla.gazl»:, des — cs, plur. die —e, ein verwahrter, feuerfester Ort, wo Schießpulver irr Menge aufbehalten wird; der pulverthurm, wen» er die Gestalt eines Thurmes Hst. Das pülvermäß, des^—es, pluv. die—e, ein körperliches Maß, das-Pulver und besonders das Schießpulver damit zu messen. So haben die Jäger und Schützen ein solches Maß jn Gestalt eines kleinen hohlen Cylinders, die Schüsse Pulver zu den Feucrgcwehreu damit zu bestimmen. Die pubvermühse, plur. die—N, eine Mühle, wo die zum Schießpulver gehörigen Dinge gestampfet und unter einander gemenget werden, deren Vorgesetzter der pulvermiiiler genannt wird. pulvern, verd. rech nck. in Pulver verwandeln, mit der vierten Endung. Einen trocknen Roper piilvern. . Im gemeinen Leben ist dafür auch pulveriflren üblich; aus dem Mittlern Lat. pulverilare, Franz, pulverilär. Die Pulverprobe, plur. die—u, in derGeschützkunst,ein Werkzeug, die Stärke des Schießpulvers damit zu probieren. Der pulversack, des—es, plur.die—säck'e. ij.EiuSackzur Aufbewahrung des Pulvers, und besonders des Schießpulvers. Zugleichra, ein mit Schießpulver gefüllter Sack. 2) Figürlich, au den Feuerrohren, die Stelle hinten aucher Schwauzschraubc, wo das Pulver die größte Ge.vact ausübt. Der pulverrhucm, des —es, plur. die—ehurme, ein Thurm, das Schießpulver daselbst in Menge zu verwahren. Die Pwevertonne, plur. die—-n, eine Tonne, das Schießpulver ^ darin aufzubehalten. Zngleichen eine mit Schießpulver gefüllte Tonne. D/e pubvire, des — s, plur. ut nom. ffriZ. in einigeitGegenden, einNahme des grünen Kybitzes, O^vravirtckis Ll. welcher aus dem Franz, kluvisr, Lat. kluhiulis, En fl. ?lovsr, verderbt ist. In andern Gegenden wird er pulros genannt, welches aus dem Nahmen pavde! verunstaltet zu seyu scheinet , untre ' welchkin^Ln ihn in andern Gegenden kennet. Schott bey dem D.rista?rles heißt er Die Pumpe, plur.die— N, eine Maschine, einen flüffigenKör- per durch Auf. und Niederdrücken, d. i. durch die Bewegung eines Kolbens in einer Röhre, damit aus einem Orte zu bringen. Die Luftpumpe, eine solche Maschine, die Luft damit aus einem Orte zu bringen. Die IDasserpumpe, das Wasser damit aussoer Tiefe zu heben, welche auch nur die Pumpe schlechthin genannt wicd,und nach ihrer verschiedenen Einrichtung-verschiedene Nahmen bekommt, (S. Druckpumpe oder Druckelpumpe, Lruck'enpumpe, Schwengelpumpe,Ziehpumpe u.s.f.) Eine zusammen gesetzreMa- schine dieser Art, besonders well» sie nicht mehr durch'Menschenhände bewegt,sondern von demWasser getrieben tvrrd,ist unter dem Nahmen der Wasserknn-K oder der Runst hsranut. Die Schiff- .pumpc zöZ P u m pumpe ist aufden Schiffe,r-üblich, das Wasser ans den untern Lheileu des Schiffes i» die Höhe zu bringen und fortzuschassen. Anm. Im Rieders, gleichfalls Pumpe, im Engl, und Schwed.. kump,imJtal. iin Franz. 1?ompe, im Böhm. kum- im Span, kombu, im Finnlands ^unrpu. Es ist von dem. Schalle gebildet, welchen dasWafftr macht, wenn es aufsolche Art: gchoben ; und da dieser auch dem Plumpen ähnlich ist, so wird eine P-unpe auch schr häufig Plumpe gcuaiuit. Ju einigen Oberdeutschen Gegenden istdafiir prumbe, so wie im Ical. auch 'I rornku, üblich. Pomvvfür Pumpe ist eine gezierte , nach dem Franz, körnte gemodelte Aussprache- Da Pump eilt Wort, ist, welches unmittelbar den so lautenden Schall nachahmet- dieser Schall aber iu mehreru Fallen vorhanden ist, so kommt auch das Wort pumpe von mehrern dem Auschen nach sehr verschiedenen Dingen vor» Am gemeinen Leben heißt ein gewisser Vogel von seiner Stürnue die Pumpe, noch häufiger aber Gpitzpumpe, (siehe? dieses Wort.) Im Rieders, ist der Pump, Pümpel und Pumpstock ein Stößel,Siampfer oderSuimpel, ingleichen figürlich, ein dicker: ungeschickter Mensch, und pump ein im Mörser stoßen; gleichfalls vsndem ähnlichen dumpfigen Schalle, welchen das Großen iu> großen Mörsern verursacht. Im Hannöverischcn ist Pump eine: Pfütze; schmutziger »ich niedriger Ausdrücke dieser Art zu geschwei-- H« n. Siche auch Pomp, Pomphoftu, PlumpenBamftn Bombe ll. s. s. . - Mrmpelinus, stehe Pompelmus- P>umpen, verb. reZ.Lct. die Pumpe bewegen, ingleich'en durch Bewegung der Pumpe einen flüfligenKörper ans einem Orte bruti- geu. Den ganzen Tag stehen und pumpen. Die Luft aus einem Raume pumpen. Das Wasser aus dem Nester, aus- dem Schiffe u. ft ft pumpen.. Im gemeinen Lebe» plumpen. Daher das Pumpen. Der Pumpenbohrer, des — s, xlur. M vom.bvZ.'ein Bohrer, die hölzernen Röhren zu deu Wasserpumpen damit zu bohren. Am Nieders.wird derPumpcnmacher odevBrunnenmeifter pum- pe-chohrer genannt, weil er zugleich die zudeu Pnmperr uölhigea Röhren bahret- Düb'prrmpeNVesenk, des — cs, xlur. die — e, im Bergbaus- ein Gesenk zum Behuf einer Pumpe, eine senkrechte Grube für rine Pumpe, welche nur eine oder zwry Fahrten tief ist. Ast sie tiefer, so daß mehrere Pumpen über einander angebracht werden müssen, so heißt sie .-in pumpenschachr. . Der.. Pümpenm.'tcher, des — s,p1ur. utoom.ftoF. derjenige, welcher die Wastlrpumpen macht und fttzet, uiid,. so fern er auch die Wasserlki-ungen macht und besorgt, auch der Rohrmeisier oenanu-t wird.. Dar p-umpenscha.cht-.drs. — es,, plure die-—schachte, stehe Pnmpcngeftnk. Der Puwpenschuh, des—es, plur.die— e, dasHolzaudem P^rpprnschwengrl, besonders iur .Bergbaus-, Nach, andern ist es das Veiüil-Lrder a.-r cimr Wasserpuuipe. Der purnpenschwenZel, des^—s, plur. ui vom. sso^. der- Schwengel, d. i. die lauge bewegliche Handhabe an einer gemeinen Wasserpumpe.. Der Purnpenstock', des—es, plür. die — stocke, ein kurzes onsgcbohrtes Holz,.durch welches eine Wasserpumpe das gehobene Wasser ausgießet.. Das Pumpenwerk, des —es, plur.die-—e,- eine Art Wasser, kimste, welche am gewöhulichsieu ein Gäugcwerkgrnauntwird« S. dieses Wort. . Der Prmrper- des — s, plur. ui nona. stvZ. derjenige, welcher pumpet, besonders, welcher durch Pumpen das Wasser aus einem . Lrte schaffeft. P u n §64 Die Pumpermette, plur. die—n, irr der katholischen Kirche, einNahme dcrjenigcnMelte, welche am grünenDonnecstageNach« mittags gesungen wird. Vermuthlich, weil man an diesem Tage keine Glocken läutet, sondern statt derselben mit hölzernen Klöp- pelu ans ein Bre! stößt, die. Zeit des Anfanges der Messe damit bekannt zu machen; von dem Niederst Pump, ein Stößel, (S. Pumpe Aum.) Aus eben dieser Ursache wird auch eine an die«, ftm Tage gelesene Messe die poltermessc genannt. Der Pumpernickel, des—s, plur. ious. eine Benennung des großen Brotes derWestphälinger,welches ans zweyMahl geschro«. tevem und nicht gestabtem Rocken, der also seineKleyebey sich behält, bereitet wird. Indessen ist diese Benennung iu Westphalm selbst nicht üblich, wo mau dieses Brot grobes Brot zu nenne» pflegt, sondern sie »st nur bey den Nachbarn und Ausländern im Gange. Um dieses Umstandes willen kann es ftyn, daß diese Benennung einen scherzhaften Ursprung hat, und die gemeinste Meinu ng ist,daß sie von einem dnrchreiscndeuFranzoftn herrühre, welcher in Westphaleu Brot gefordert, Hey dessen Erblickung aber gesagt habe, daß es b ou pour Nickel sey, da denn einige Hinzu setzen, daß sein Bedienter Nickel geheißen habe, andere aber nute» dem Worte Nickel ein kleines Pferd verstehen, (S. dieses Wort.) Doch die ganze Ableitung flehet einem Mährchon schr ähnlich, ob sie gleich manchen wichtig genug geschienen, um ihretwillen die ganze Schreibart des Wortes, der gewöhnlichsten Aussprachr'zu- widec, zu ändern und Bompkrnickel zu schreiben. Brauchte ma» ja eine possierliche anfMuthmaßung gegründeteAbleitnng.so könnte man auf das in-den niedrigen Sppecharten übliche pmnpen, ps- ckere, Punrper und Pumps, kestnum, Grspitus V6ntri8, ra- then,weil dieses grobeBrot, wegen der noch bey sich habendenKleye einem ungewohnten Magen leicht Blähungen verursachen kann. Nickel ist in den gememenGprecharten oft kirre verachtlicheBenew »ung eines jeden Dinges. Zn dem Diest'amscßen Marktflecken Nercha bxpGrimmawird ein starkesBicr gebrauer, welches glrich- falls Pumpernickel heißt. An Baier» sagt man avfdem Lande; wo es gebräuchlich ist, da legt man wohl eine Nuh in dar Belt, und singt den Pumpernickel dazu, d. i. ländlich, sittlich ; wo cs aber ans Pumpermette verderbt zu sepn scheinet. Die Pumphosen, S. Pomphoftn. Dre Pumpkeule, plur. die — n, bey den Wei'ßgä'röcrn, hölzern-, Keulen, womit die Kelle gewalker werden; gleichfalls von dem Laute, welchen sie im Walken verursachen. S. Pumpe Anm. Der punct, des —es, plur.^e—e, Diminut. daspunctchen, Obcrd. Piincrlein. i. Eigentlich, die uumerklich subtile Spitz» eures spißlZen Dinges, noch häufiger aber"oer Stich mit einer solchen Spitze. Ein punct von einem Zirkel. Einen punct machen. Es trifft auf einen punct zu, sehr genau. 2 . Figürlich. r) Elli solcher mit dcvKeder, eiuem seinen Pinsel, oder einem andern ähnlichen Werkzeuge gemachter sehr kleiner Fleck von einer andern Färbe; ein Tüpflein, Rieders. Stippe, S.auch Titel- Der punct über dem i. Einen punct machen- Thrar schont die Pünctchen auf dem i, Um Tinte zu ersparen. Der puncr am Ende einer Periode, welcher auch der Schluß- punct genamtt wird. An der Hebräischen Sprache werden dir Vocalzeicheu, so fern sie noch von den eigeutlichen Couftnanierr unterschieden find, puncte genannt, weil die meisten derselben aus wirklichen Punkten bestehen. Mit Punkten mahlen , wie dit Mignatvr-Mahler. So fern dieses Wort-im ^chreibeu gebrauchi' wird, ist es zunächst ein Überbleibsel der ehemahligeu Art auf Wachsraseln zu schreiben, wo der Puncttvirkiich nül demGriffck eingedrückt oder einzestocheu wurde. 2 ) Derjenige Theil einer Arde,welcher ümLichEilriru-mPumte hezeichurt wirdzemGag. 86z P u II Am häufigsten aber, nach einer fortgesetzten Figur, ein bestimmter Theil, Abschnitt oder Umstand einer Schrift, und in noch weiterer Bedeutung einer jeden Sache.' Die Haupt-PUncte des christlichen Glaubens, die Haupt - Artikel. Ein Neben - punct. Einen Vertrag nach allen Puncten erfüllen, nach allen seinen bestimmten Theilen und Umständen, über diesen puncrfind wir noch streitig, über diese bestimmte Sache. Was diesen punct betrifft, diesen Umstand, diese bestimmte Sache. Die streitigen puncte. Ich kann ihr diesen punct schon übersehen. Diesen punct wollen wir unberührt lassen. Diesen punct wollen wir unmaßgeblich gleich in Richtigkeit bringen, Gell. DerZeit- puncftem genau bestimmterTheil der Zeit. A.) Auf dem puncte seyn oder stehen, etwas zu thun, im Begriffe; eine aus dem Französischen entlehnte R. A. Und fle sind auf dem Puncte, ihn zu heirathen Weiße. 4 ) Ein sehr kleiner, kaum den äußern Sinnen merklicher Theil. Die Erde ist nur ein pünctchen in dem unermeßlichen Raume des Simmels. In der Geometrie ist der punct, nach einer forchefttzten Figur, die kleinste Größe, welche man sich ohne alle Ausdehnung und Theile denkt, der An, fang und das Ende einer matheckatifchen Linie. Anm. Dieses Wort scheint sehr früh ans dem Lat. kuaetuin entlehnet zu ftyn, welches wieder von punZere, stechen, abstammet. Das Niederst pnnr, die Spitze, Franz. ?oint » ist ein Seitenverwandtervon demselben. Für unser punct in der ersten eigentlichen Bedeutung gebrauchen die Niedersachsen prick, die Schweden ?rick, Angelst ^rikka, gleichfalls von pricken, stechen ; in der ersten figürlichen Bedeutung aber Stippe. Einige gebrauchen es im sächlichen Gefchlechte, das punct, welches frep- lich dem Lat. Originale gemäßer ist, aber doch wider den einmahl angenommenen Hochdeutschen Gebrauch streitet. punctieren, verb. reZ.uct. aus dem Mittlern Lat. punctars, mit Puncten bezeichnen, in der ersten figürlichen Bedeutung des Hauptwortes. Eine punctierre Hebräische Schrift, welche mit denVocal- Puncten bezeichnet ist. In der Astrologie ist punctie- ren, verborgene Dinge durch gemachte Puncte erforschen, (S. Auspunctiren;) bey den Ärzte» aber, einem Wassersüchtigen Löcher in die Haut machen, das Wasser abzuzapfcn. Das punctieL: Rcrd, des — es, piur. die Räder, in der Geometrie, ein mit zarten Spitzen versehenes Rädchen an einem Stiele, die Puncte aufden blinden Linien damit zu machen. pünctlich,— er,— sie, säst et ackv. eigentlich, einem Puncte ähnlich, gemäß, in welchemVcrstaude es doch nicht üblich ist. Man gebraucht es nur in figürlicher Bedeutung, für sehr genau. Es trifft pünctlich zu, vollkommen, gleichsam aufden Punct. Ich halte pünctlich Wort. Ein pünetlichcr Mann, welcher Fertigkeit besitzet, sich genau an eine gewisse Ordnung zu binden. Gehr pünctlich seyn. Daher dio Pünctlichkeit, die Fertigkeit, eine gewisse Ordnung genau und ohne Ausnahme zu befolgen. Derpunctsiein, des — es,piur. die—e, ein Nähme, welchen einige dem Granite beylegeiz, wegen der farbigen Puncte, welche er hat. Die puncrür, piur. die — en>, ans dem Lat. ?uncturL, bey den Buchdruckern, zwey angsschrobene gabelförmige Stacheln von Eise» an dem Deckel der Presse, welche den zum Druck bestimmten Bogen fest halten. Jngleichen die dadurch in einen gedruckten Bogen gestochenen Löcher. Franz. kBinturs. Der Punsch, des — es, piur. doch nur von mchrern Arten, di? — e, ein Getränk, welches ans Branntwein, sauren Säften, Zucker und Wasst r bereitet und so wohl kalt als warm getrunken third. Punsch trinken. Wir haben das Wort von den Engländern bekommen, bey welchen es aber auch nicht einheimisch ist, sondern mit dem Getränke selbst aus Ostindien hersiammet. Der Adel.W. B. Z. Th. 2.Aust» Pup 866 Nähme soll von dem Malabarischen Worte ?Lvscirkt, fünft, aö- fiammcn, mell dieses Getränk aus fünf Ingredienzien berei. tet wird. Diepünte, piur. die—n, ein Niederdeutsches Wort, welches die Spitze bedeutet, und mit dem Franzos. Pointe und Latein, kunelum vorwandtist. Es ist nur imFestungsbaue üblich, wo die Bollwerksspitze, nach dem Musterder Niederländischen Schriftsteller von demFcstungsbaue, von einigen diepünte genannt wird. Der Punzen, S. Bunzcn. Der Pupill, des — en, piur. dft— en, Fämin. die Puptlle, piur. die — n, aus dem Lat. kupiiius, ?upi!I-a, eine der Aufsicht eines Vormundes anvertraute minderjährige Pevson; 'wofür wir doch das gute Deutsche Wort Mündel haben. Daher das Pupillen-Collegium,rin obrigkeitliches Collegium, welches die Aussicht über die Vormünder eines Landes oder einer Stadt führet, und welches in andern Gegenden das Vormrmdschaftsamr, in Breslau das Waiscnamt genanntwird. Der Pupin, des — es, piur. die — e, eine Art Mewen Ml L rothen Patschfüßen, welche sich auf der Insel Marr in den Höhlen der Kaninchen aufhält, und daher auch Erdmewe genannt wird ; Ikarus piZer ivi. Der Nähme ist aus dem Engl. ?ustüo, wo er denselben vvn seiner Stimme bekommen hat. i. Die Puppe, piur. die — n, Dinnn. das Püppchen, Oberd», Püpplein, eine cylinderförmige, zusammen gebundeneoder zusammen gewickelte Masse, und was der ähnlich ist; ein nur noch in einigen Fällen übliches Wort, i) In einigen Gegenden werden die walzenförmigen Rohr - oder Schilffolben Puppen genannt. 2) Bey den Fischern ist die Puppe ein senkrecht auf dem Wasser schwimmendes walzenförmiges Holz, oder auch ein Büschel Binsen, woran man den Köder zu binden pflegt. (S. Aachlippe.) Daher dasZeitwort puppen, auf solchrArtanködern uud fangen. Die Zische puppen. Z)Bey den Jnsectcn ist die Puppe das Insert in seinem zwcyten Zustande, wo es einem leblosen cylindreförniigen Körper gleicht; die Nymphe, in der Pfalz die Dattel. Ans dem Eye kriecht die Raupe, diese verwandelt sich, wenn sie ihre völlige Größe erhalten hat, in eine Puppe, und ans dieser wird hernach das Insert. Bey den Seidenwürmern pflegen einige auch das Gespinst oder Gehäuse der Puppe, den Cocorr, 'die Puppe zu nennen. , Anm. Die ey-oder walzenförmige Gestalt ist hier ohne Zwei-el der Grund der Benennung, so daß dieses Wort als einGeicklecht <- verwandter von dem Niederst wicpe, Hagebutte, pftbe, Auge!!, kopu^^, Zeiftl, dem Lat. kaka, dw Bohne, und andern dieses' Geschlechtes betrachtet werden muß, (S. die jetzt gedachten Wörter.) Indessen kann es in allen obigen Bedeutungen auch eiueF.guc des folgenden stcyn. S.Die Puppe, piur. die —n, Dimiu..das Püppchen, Oberd. Püpplein, ein kleines Kind, i) Eigentlich, wo es nur noch ein liebreicher, schmeichelhafter Ausdruck ist, ciu Kind, besonders weiblichen Geschlechtes, Zu bezeichnen. Es ist ein allerliebstes Püppchen. Geliebte auch erwachsene Personen des andern Geschlechtes pflegt man in vertraulicher Zärtlichkeit gleichfalls mit diesen Nahmen zu belegen, s) Die rrachgcmachte Fignr, das körperliche Bild eines Kindes; im Oberd. die Docke. Mit der Puppe spielen. Das Arnd liebt diepnppen. Anm. Im Schwed, l^uppa, im Engl. puppet, im Jtal. iftipa,?vppu, imFranz. l?oupee, im Lat. lftrps. Es ist ohne Zweifel ein Wort, Hey welcheryder Begriff der Kleinheit derherrschende ist, sodaß eF ein naher Verwandter von Bub? ist, S. dieses Wort. r« Puppen, verd.reF. äct. von Puppe, ein längliches Bündel, (S. - Pupp? --.) Sofern Pupp« emZnsect iu seiuemzweyten Zu-- Zij ,Zb/ P UP ftande bedeutet, ist es nur indem zirsammeir gesetzten verpuppen üblich, S. dasselbe. -K. Puppen, verb. reg. n«E. mit beyr Hülfswortc haben, Pup- pechmachen, rm't der Puppvchirlen; im Dbcrd. decken. Das Lind puppet. Daher das Puppen. S. 2 Puppe 2. Der Puppenccam, des—-es, plur. iuul. der Handel mit Puppert und dahin gehörigen Spielsachen; der DoEenkram. In» gleichrirPnppcnunddazu gehörigeSpielsachen ftlbst;puppenzeug. Daherder Pnppenkrämer, diepuppenkrämerinn^ eine Person, welche nur Puppen und dazu gehörigen Sprcliachen handelt. Das Puppenspiel, des—es, plur. die-7-e, das Spiel mit Puppen. Jnzleichen ein Schanspicl, wo statt der handelndcuPer. soneil bewegliche Puppen auftretem; das Marionetten-Spiel. Daher der Puppenspieler, der Eigenthümec und Unternehmer eines solchen Spieles; der Marionetten-Gpieler. Figürlich bekommroft eine jede unerbeblicheBeschäfngung ohne we>enilichen Nutzen den Nahmen eines Puppenfpieles. Sie entziehen sich allmählich dem eitlen Gelärme und dem Pnppensprcic derwelt. Zimmerm. Der puppenftanö, des—es, plur. inus. derjenige Zustand eines Jusertcs, da es eine leblose, wenigstens unbewegliche Puppe ist, derjenige Stantz, welcher aufdeuRauperistand folgt, undmn. mittelbar vor dem Stande des vollkommenen Znsecres vorher gehet; der Nymphen-Stand. — ste, aäj. et uckv. welches nur im gemeinen Leben üblich ist, wo es wie lauter gebrauchtwird. 1) Unverniijchl- unverfälscht. pures Gold, lcmtres, rriurs Gold. purer Mein. Fures, klares Wasser. 2) Figürlich, nichts als. pures Wasser trinken, nichts als Wasser ; wo es auch als ein Nebemvort gebraucht wird, pur Wasser trinken^ Nicht selten gebraucht man «s im gemeinenLeben als eine Verstärkung des Wortes lauter. Es ist die pur lautere Wahrheit. -Es ist pur lauter nichts. Im Niedersächsifchen, wo dieses Won vorzüglich gäuge und gebe ist, wird es auch für genau, ganz und gar, durchaus, gebraucht. Ls ist pur aus, ganz und gar aus. Um^dicses hänfigeu.Gebrauches in den gemeinen besonders Niederdeutschen Sprech. - arterl willen, scheinet es nicht so wohl aus dein Lat. purus herzu, siammen, als vielmehr ein, gleichzeitiger Seiteirverwandter des. selben zu seyn. , Der PÜL-el, des—s, plur. ul nom. linZ. in einigen Gegen, den, der Schmiedehammer, S. Biirde Anm. Die PULFÜ.NZ, plur. die—en, ans dem Lat. purZ-nns, eine purgierende Arzeney; ehedem die purgation. Einr-Pnrganz einnehmen. Brnem Kranken einepurgan; verordnen. ^urFteren, verb. rsz. welches aus dem Lack pur^-zee, reinigen, ciltlchnet'ist, aber nur von ztvryen Arren des Reimgens gebraucht wird, wo es zugleich in doppelter Gestalt üblich ist.^. r. Als ein Neutrum, mildem Hülfsworte hrrben, nach eurer eingenomme. .rlenPurganz,einewdnnneil flüssigenStuhlgaug haben,nud zuweilen auch überhaupt, einen diillnewflüffigen Sluhtganghabea, so wie -kaxieren. 2. Als ein Aetiv-um. ,) Linen dünnen flüssigen Stuhlgang verursachen. Die Senes-Blmrer, die Rhabarber purgieren. Purgierende Arzene-en, purgier Mittel. Jn- gleichen von dem Arzte, eine solche Arzeney verordnen. Einen Kranken purgieren. 2) In den Rechten iststch pirrgieren, stch »ermittelst eines Lides von einer Beschuldigung reinigen; sich eio- !ich r-elnigen. Daher-der Purgatrsnö-Eid, der Remiglittgsrid. So auch das purgieren. 'D-er pur§ier-Flachs, des—es, plur. inüs. eine Art des Flachses oder Leines, welcher auf den Wiesen des mittägigen .Europa einheimisch ist, und sehr heftig purgieret; Lchuueu La- ,LlLLLk.tLuur Purgier- Lrirr, kirilres Leinkraut, Par 869 Die Purgier-Kirsche, xlur. die — n, eine Art den Kirsche« ähnlicher Früchte, we-che eine purgierende Kraft haben, und die Stande, ivelchr sie trägt. 1) Eine Art Kreuzdornes, welche ans < den hohenGebirKen des mittägigen Europa wächst kbamnäg s I- pinus D. Lxlrurrrvus tuerwiü bst.eii. Marr stndct sie in Dster- reich, um Regensburg und in Elsaß. 2) Eine Arp der Heckenkirschen, mit punctierten rotben Beeren, welche auf den Alpen in Österreich urrd der Schweiz einheimisch ist; ck,ovicern ulp 1 --snn D. z) Eine Art Gartenkirschen, welche schmale Blätter, wie die Nejnweiden, haben, von keinem angenehmen Geschmack«.' sind, §ber den Leib mehr als andere Kirschen öffnen. Die purxievkRö'rner, lin^. inui. die oyrunden glatten, grauen Körner eines Ostiudischen Baumes, welcher eine Art des Lroron ist,,ii,d dieser Baum selbst; Ooton ^^AItuvr^^. So wohl die Körner alsauch das Holz dieses Baumes, welches unter dem Nah. meu I^jvnuiniVIoiucc -rnurn oder bekannt ist, gehören unter die gewaltsamsten Purgier-Mutel. Das Purgier-Rrrrut, des —c», xlur. ioul. siehe purgier» Winde, Der Puryier-Lein, des—es, plur. inufl. S. Plirgier-Flachs. Das Purgier-Mittel, des—s, plur. ul vom. lrnA. ein purgierendes Mittel, eine purgierende Arzeney. Die Purglev-Nüß, plui'. dir — Niisse, die schwarze, glatte, -. . einer N,iß ähnliche Frucht, eilies in dem mittägigen Amerika eur« cheinüscheuBaumes, «velche einett weißen, fetten, ShligcuKcrii.hat, der ein übermäßiges.Erbrechcn nnd Purgieren erwecket, daher er auch lssieus iut'ernulis, so ww die Nnß auch Brechnuß genannt wird. Jngleiche» der Baum, welcher diese Nuß cragr, lutrozissa . 1 ^. dessen cs mehrere Arren gibt. Die purgier-pille, plur. die—n, ein Purgier - Mittel in Ge. .sialtderPillen. So auch purgeer - Pulver, purgier-Trank und so ferner. . Die puryier-LVinöe, plur. rnuL eine Art der Winde,mit pfeil« förrnigen, hinten abgcstirmpftcnBlätrerii, welche, in Sriricii und Kappadocieu einheimisch ist, deren ulcrer den Nahmen des Scam- -monium bekannter erhärtete Haezsaft eine purgierende Kraft hat; Gonvulvulris d>cLmmoaiu ib,. Puigicr-Äraut. Die p-urgier-Wurzel, plckr. die — n,' ein Rahme, welchen dis altern Ärzte der Rhabarber wegen ihrer, purgierenden Kraft gaben, S, dieses Wort. Der purhafer, S. Rauchhafer. Der Purpur, des — s, piur. ut vom. lm§. 1) Eine hoch- roibe, nahe an das Violette gränzende, kostbare Farbe, welche borden Alten in sehr hohem Werthe war, deren Zubereitung aber mrs jetzt unbekannt ist, ob wir gleich so v,el wissen, daß sie am'Kdem Blute einer geivisscn.Art Schnecken bereiter wurde, (S. Purpur- schuecke.) - Unser heuriger Pur pur, oder Purpurfarbe, wird aus Cocceirille und Kerrues-Beerru bereuet, und kommt derjenigrit Art Noth nahe, welche rnan a>rch blurror!) zu irennen pfleget. In , der daher» Schreibart pflegt nun: oft eine jede hvchrothe oder trennende rorde Farbe Purpur zu lieunrn. Morgen- ttud Abend- rorh mit ihrem hkUesten Purpur. .In dieser Bedeutung ist der Plural ungewöhnlich. 2)Eiir pr»ep!!-. sarbi'.esGcwond,itlld in euge- rcrBc-deutung, ein r -! i r r u efa r b l > e rVt 01 > t e l, der seit den ältesteiiZei- tcn das Sümöüd der voezüglichct', Gewalt rurd der festlichste» Go- pränaes ist ; aru häusigsten in d er höher» Schreibart. Sich in Purpur kle'dt". Den Purpur an,legen, oblegen, dcu Piupuk- r. .iurel. Das Haar aut dernem Haupt ist wie der Purpur des Lomges in Fairen gektinden, Hohel. 7, L. Anm. Scholl bey dem Duselei) i'u i ^uri n, Hey densWisseraM Purpur. Der letzte gebraucht es »och im werblicheuGefckleü-te, tvklches demLüt. aus dem es enirrhuet ist, ,- iiü>ch geNiü^cr 869 Pur -kmäS-r ist. Zndessm Ist doch jcht Im D-uisch-n das männlich- allgemein. Das Wort scheinet mir »v- uuo 8euer verwandt -u sem», und die brennende Röche arrszudrucken. r- - p»-p«MNM^r. plur.di«-», -in-ArlAmm-n,. »'-ich- -j'nu xurpi-riarbru-n KSrprr, ,i-gclfarbcnc» Aopfund ,chwinz. bunte Flügelhaben, mrdinÄdexico angereoffenwerde".Lmderi- ru b>Iexrcun^ K!. - - - Die Vurpurdohle, plur. die—n, eine Ar t Doh.en nnt einem schwarzen Schnabel undschwarzcnFnßen. von welcher daSMann» che" ganz purpnr^aebia, das Weibchen aber dunkelbraun ist; üvlo- nreckilapurpureL K1> , .. Die purpckrfurbe, plur. doch nur von mehrern Arten, dre—n, die hochrvthe Farbe, welche man auch nur den Purxur schlechthin nennet I,gleichen ein Farbenkörper, welcherdieftFarbe gewähret. vurpurfarben, °dc- Purpurfarbig,Farbe habend; purpnrroth. Ein purpurfarbenes Tuch. Ern purpurfarbiges Aleid. In der höhern Schreibart purpurn. ' *D re purourhaube, plur. die—n, eine aus Purpur versertlgte Bedeckung des Hauptes ^ ein ungewöhnliches Wort, welcher- nur Sir. 6, z i vorkommt. . Der VMPurhM, des-es, plur. die —Hütern purpurfterbe- ncr Hut, dergleichen noch jetzt die Kardinale in der Komr;chen Kirche tragen. « Der Purpucit, des—en,p!ur. dre—en, S. pnrpurscpnecke. Las pucvu-n-id, plur.dir-«. °m»»rpur,arb-- neS, ans Purpur verfertigtes Kleid. Die Arregsknechre legten Christa ein purpnrkleid an, Joh. ' 9 , 2, L. . Der 0urpucklepp-r,. des — s/plur. ut vom. nutz. eure Art Dickschnäbler mit purpurfarbigem Körper; LoccolchrL alles puro ires kl. Die PurpurkleLte, plur. die —N. eine Art Virginischer Banm- klerten mit einem pnrvurfarbencn Körper; kulcinellus ^ckos- niLeus kl. der Purpurvogel. Im Lande selbst wird eS Arorotl genannt. Las purpurkopfchen, des-s, plnp.ut nom.llnF. i) ^-ine andere Art Banmkletten, welche in Indien einheimisch ist, den unsrigcn ähnlich stehet, außer daß ste -insn purpurfarbenen Kopf har,uiid wie eineNachkigall singt; ssuleinelluZ colore pulferrtz Nilounici KI. Im Lande heißt sie Nschtotötl. 2) Eine Art wilder Änten mit einem purpurfarbencnÄopfe und weißenBacken, welche auf dem ganze Kopfe weiche Federn hat; iniaor cnpite purpureo kl. . Der Purpurkrämev, des—s, plur. utnom.nnF. Famm. die purptirkrämerinn, bey den Alten, eine Person, welche mit Pur» pur handelt, dergleichen Lydia Apostg. 6, r 4 war. Der Purpurmantel, des—s , plur. die—mantel, ein Mantel von purpurfarbenem Gewände, welcher ehedem das Zeichen der höchsten Ehre und des feyerlichllen Gepränges war, und cS zum Therl noch ist; in der höhern Schreibart der Purpuv. Mardachai war mit einem Purpnrmantel angethan, Esth. 8, 15. Die Purpurmotte, plur. die —n, eine Art purpurfarbener Nachtfalter; tHiuluenA OeometrA muricsls Purpurn, sckj. etLclv.inder höhernSchrerbartfürpurpurfarbur, ingleichen aus purpurfarbenem Gewände bestehend. Purpurne 8leald auch Lu^cioum geuannL- 'wird. Neuere Versuche haben gezeigt, daß es mehrere Artete Schnecken undMuscheln gibt- welche eine weißeAder haben,worim ein Saft befindlich ist, der, wenn er aufeinweißeS Tuch gestrichen- ^ wird, dasselbe anfänglich schön grün färbet, aber endlich purpur- rvth wird. Im mitternächtigen Amerika gibt cs eine Art sehr klei-. ner pnrpurfchueckenMit dünner Schale, mit deren Blute dieJs-» diauer die Baumwolle schön purpurfarben färben, welche Zards- durch daS Waschen immer schöner wird. Der Purpurvogel, des —s, xlur. die—Vögel. 1) (S.pur- purr lette.) 2) Eine Art vierzehiger Vögel, deren unterer Theil des FußeS ohne Federn ist, mit einem konischen., seitwärts zusammen gedrückten Schnabel, und einer kahlen Stirn ; korpli^rics- L-s/'/i. Die kahle Stirn ist purpnrroth, der Hals und Kopf violett, unten aber schwärzlich und die Schwanzfedern grün. Er ist- so groß wie ein Huhn, und hält sich in Ostindien und Amerika-auf,. Der Europäische Reinvogel ist eine Art davon. Die pürsch, Pürschen- u.s.f. S.Bürsch., Lsr Purzel, Purzeln, u.s.f. S. i»B> pus, ein Wort, womit man im gemeinen Leben, besonders Nieder- sachsenS, die Katzen ruft, da dennanch wohl die Katze selbst di- puseoder die pusekatze genannt wird. Niederst puus, puus- katte, punswau, Holland. I^ves^^Engl. Luis^. pussieren, S. Bossicrcn. > Der Puster, des—>s, tzlur. ut uorn. ssnF. ein eigentliches Niederdeutsches Wort, welches von dem gleichfalls Niederdeutsche» misten, blasen, abstämmet, und eigentlich eine Person odcrLache bedeutet, welche bläst. So wird ein kleiner Blasebalg daselbst Puster genannt. Denplrderviister.kcinien auchdie Hochdeutschen,, od.steähn gleich-billig Puderbtäser nennen sMeu. Der Bovist, der, wenn er angerühret wird, Staub Von sich bläst, heißt in Nie- d'ersachftn gleichfalls Puster.. Put, ein im gemeinen Lebenmblichkä.Wort, die Hülm er, besonders ^ aber die Truchühncr und deren Junge zu locken, welches von der Stimme der letztem entlehnet ist, die vS nachahmet. Daher pflegt man auch ein WälscheS Huhn die pme, daspurhuhn, und eimn Wälschen Hahn einen Puter, puchahn oder Puterhahn zu ncn-- nen. ^S. Laleont.) Imgemeinen-Leben einiger Gegenden, besonders in der Kindcrsprache, werden alle Hühner, besemdcrs jttnge- Hühner, Putte!, Puttchen, Putthichnch^ u. s. f.genannt. Dre putsche, xlur. die — n, in einigen Oberdemschert Salzwer- ken, ein Salzmaß, welches a»S einem kleinen, gemeiniglich kurzen Fasse bestchet. Im Salzbnrgischen gehen 40 Putschen auf ch,e - Asche oder ein Salzschiff- und 80 Pritschen machen daselbst 60 Scheiben. S. Butte, mit welchem eS Eines Geschlechtes ist. Der Putz, des—es, sckur. vnr. ,) Ein Coüectivum, gewisse Nebrnzicrathcn aufdenKleidnttgSstucken z,r bezeichnen, welche znv Verschönerung dcrstlbeu dienen. So pflegt man Spitzen,Bänder,. ' Schttüre,Schleife.r, und was die Mode alles' will, zudem Putze zn rechnen- da es,denn auch wohl st> viel Dinge Einer Art bedeutet, alS zu eiiunrAnznge nothig sinh. Ein Pritz Spieen. Ein Putz: Bänder. 2) Dev Zustand, d.gman geputzt ist, und zuweilen auch) ' die Handltmg- da man putzet. Im fthcknstenf Putze erfcheinem. l^»n gehet der Putz an. S', putzen. Dt" Putze, plur. die — n, ein Werkzeug znm Pützen; doch nur. in dem zusammen gesetzten -Lichtputze, S, dasselbe. - L i i »- / 87i Putz Dasputzeisen,des —8, plur. uluom. üug.bey den Maurern, ein gebogenes Eist», dessen Eine Spitze wie ein Blart aussichet, - die andere aber viereckt ist, die Erken im Abputzen damit auszu- sireichen. Der Pützen, Lin hervor ragendes Ding, S. Butzen. putzen, verb. reZ.Lct. einem Dinge ein zierliches, ein angenehmes Ansehen von aussen geben, r) Überhaupt und eigentlich, durch Wegnchmung dessen, was dem Auge unangenehm ist, und zwar zunächst durchWegschncidung dessen, was demAuge missfäM oder demselben überflüssig zu seyn scheinet. In diesem Verstände putzt der Gärtner die Bäume, wenn er die untauglichen, verdorbenen oder überflüssigen Zweige wegschneidet. Das Licht putzen, durch Wegnchmung des überflüssigen ausgebrannten Dochtes. Den Bare putzen, ihn scheren, mit dem Schermesser wegneh. men. Daher die besonders im Niedersächsischen üblichen Wörter das Putzbecken, das Barbierbecken, das Putzmesser, das Barbier- ruesser, u. s.f. Vermutlich rühren davon auch die im gemeinen Leben üblichen Ausdrücke her jemanden putzen, ihm einen derben Verweis geben, (S. Ausputzer.) Der Feind ist rechtschaffen ge- putztM-rden, geschlagen. Nicht als eine Figur von putzen, barbieren, sondern so fern dieses Wort ehedem überhaupt schneiden, schlagen u. s. f. bedeutet hat. 2 ) Zu noch weiterer Bedeutung, das Ansehen eines Dinges durch Wegschaffung alles dessen, was das Auge beleidiget, verschönern, diese Wegschaffung bestehe nun i« einem Reiben, oder in einer andern Handlung. Die Schuhe putz-m. Sich die Nase putzen, sich schnäutzen. Das Gewehr putzen, cs glänzend reiben. Lupfergeschirr, Silbergeschirr u. s. f. putzen, wenn man es glänzend reibet. Die Schuster putzen die Absätze durch Glätten. Die Maurer putzen ein 6aus, eine Wand ab, durch Obenung des Mörtels oder Gypses u. s. f. S) Figürlich und in engerer Bedeutung putzet man, theils, wenn man die Theile eines Ganzen in eine dem Auge angenehme Lage bringet, theils auch, wenn man das Äussere eines Dinges durch - hinzu gesetzte Zierathen verschönert. Es hupfen die Sänger des Waldes Fröhlich empor und putzen die Schwingen, Zachar. Zn dem letzten Falle ist es besonders von Kleidungsstücken üblich, und La putzt man'sich, wenn man zierliche Kleider anlegt, und iste durch äussere dem Auge angenehme Nebendinge verschönert. Ein geputztes Frauenzimmer. Sie sind ja heute recht festlich Geputzt. Daber das putzen. Anm. Im Rieders, gleichfalls putzen, im Schweb, putla. Das y zeiget schon, dass dieses Wort einJntensivum oder Frequen- eativum ist, dessen Stammwort puren lauten würde, und, wie ans den crstenBedeutttngen erhellet, schneiden bedeutet haben muss« Wir haben wirklich«'u Zeitwort, welches ehedem beiten, batten, lautete,schneiden, stechen-rrnd schlagen bedeutete, und Mit dem V - Pyr 872 Franz. dErö, dem Lat. battuore und pul^re in ampu- . turs^ genau verwandt ist, (S. z, 4 Beutel, Beißen, Bat« kaille, peitschen u. s.f.) Von diesem ist unser putzen ohne Zweifel das Jntensivum. Da - veraltete mutzen, für putzen, . ist auf ähnliche Art das Jntensivum von dem ehcmahligcn meiden, schneiden, so wie unser schnäutzen, welches nur noch von dem Lichte und der Nase gebraucht wird, das Jntensivum von schneiden seyn kann, wenigstens so fern es von dem Lichte üblich ist. Im Niederst ist peik sauber und nett gekleidet, welches mit dem Lat. putus genau überein kommt. DüS Putzholz, des—es, plur. dw—Hölzer, ein Holz , einen andern Körper damit zu putzen; besonders bey den Schustern, ein Holz, die Absätze damit zu glätten. Dor Putzkopf, des — es, plur. die — köpfe, ein hölzerner Kopf, worauf die Putzmacherinnen die Hauben undKopfzeuge zu stecken pflegen; der sanbenkopf, 6-rubenstock. Dlepützmcrcherinn, plur. die — en, eine Person weiblichen Geschlechtes, welche Putz, d. i. zierliche Hauben, Palatine u. s. f., für das andere Geschlecht verfertiget; Mieders prunkmakerske, Upstekersche, Anssteckerinn, von den Hauben, welche sie steckt, 'Flegemakersche, von fligen, in Ordnung legen, Upssigerske, im Hochdeutschen auch wohl äaubenmacherinn, Zaubensteckerinn, von den Hauben, dem vornehmsten Stücke des Putzes. Die putzfchere, plur. die —n. r) Im gemeinen Leben, besonders Nicdersachsens, die Lichtpntze, die Lichtschere. 2 ) Bey Len Geidenwebern ist es eine eigentliche Schere, die Fasern ander Kette damit abzuputzcn, d. i. wegzuschneiden. Die pntzzanye, plur. die—n, bey den Seidenweberei, eine Zange, das Fasemvsrk an den fertigen Zeugen damit wegzu- kneipen. Die Pyramide, plur. die — n, ans dem Griech. und Latein. — k^ramis, eigentlich ein grobes steinernes viereckiges Gebäude, welches oben ganz spitz znläuft, von welcher Art besonders die berühmten Pyramiden Ägyptens sind. In weiterer Bedeutung, ein jeder Körper, dessen Grundfläche eine geradlinige Figur, die Serkrnflächen aber geradlinige Triangel sind; die Spitzsäule. Man bat dieses Wort lange, aber freylich seltsam genug, von dem Griech. »u-, Feuer, abgeleitet, weil eine Pyramide einige Ähnlichkeit mit einer Feucrstamme haben sollte. Allein pyr, pir, ist rin altes allgemeines Mort, welches etwas hohes und spitziges bedeutet, wovon «Lu-, Feuer, nur eine Figur ist, welches zu unferm baren, heben, empor u. s.f. gehöret, und wovon auch die Pyrenäen ihren Nahmen haben; so dass man der Ableitung des Jablo?rski von dem alten Ägyptischen klromis, ei» Mensch, gar . wohl entbehren kann. Der pyrslk, ein Vogel, S. Goldamsel. 87Z - 874 Q der siekzehente Buchfiab des Deutschen Alphabetes und der dreyzehente unter den Consoilattten, welcher . ^ dem k in seinem Laute völlig gleich ist, nur daß er alle- ^ mahl einw nach sich hat, welches in diesem Falle aber Lurch ein uausgedruckl wird. (Qual, quer, (Qllitte, wie Awal, kwer, Bwitte. Sonderbar istesfreylich, daß es in unserer Sprache einmahl, eingeführet ist, den Laut Rw durchQu auszudcucken, und es wäre so wohl um der Gleichförmigkeit willen, als zur Erleichterung der Abstammung zu wünschen, daß dafür kw eingeführet werden könnte, wir schon von mchrern, obgleich ohne Erfolg, versucht worden. Die Lateiner, welche in ihrem Alphabete weder ein k noch ein w hatten, druckten das kw durch y u aus , und als die Deutschen das Lateinische Alphabet annahmen, so behielten sie diesen Arrsdruck bey, ungeachtet sie sehr früh auch das k aus dem Griechischen entlchneten, und nach und nach auch das w, welches sie anfänglich durch ein uu ausdruckten, einführeten. DasLatci- «ischc tz aber ist allem Ansehen nach ein Überbleibsel des Phöni- zischcn nnd Hebräischen p, Luk, oder vielmehr richtiger yuk, welches schon seinenBlaftlaut bey sich sichrere, welchen die Lateiner zum Überflüsse noch besonders «Ulsdruckteii, t) V und in der kleinern Schriften ; da sie gar füglich auch qe, hin, hätten schreiben und dennoch kwe, kwin, kcvot sprechen können. Man hat ehedem gestritten, ob der Buchflab, welcher dem D folget, der Selbstlaut u oder der Mitlaut v sey. Gottsched behauptete das erstere, und einige seiner Gegner das letzte. Beyde Theile hatten aber Unrecht; denn der Aussprache nach ist es ein w, obgleich die Figur theils nach dem Vorgänge der älter« Lateiner, welche das v und w in der kleinern Schrift durch u ausdrucktcn, theils aber auch der älter« Deutschen, welche statt des w ein doppeltes u schrieben, ein» ist. So heißt die Gurgel bey dem Rabatt tzuusrcu, Schwed. ^varka. Aus demjenigen, was sogleich von der Etymologie gesagt werden wird, wird noch deutlicher erhellen, daß das u nach dem q nichts anders ist, als der gelinde Blastlaut w. Im Deutschen findet sich das qu, oder, wie ich auf einen Angen- - blick um der Deutlichkeit willen schreiben will, kw , nur zy. An- fange der Wörter, und wenn man dem Ursprünge dieser Wörter nachgehet, so wird man mehrmahls finden, daß einer von Heyden Buchstaben ein müßig»».' oder höchstens verstockenderVorschlag ist, ob es gleich auch Fälle gibt, wo das kw wesentlich ist, weil cs zur genauen Bezeichnung des Schalles unentbehrlich ist, wie in quetschen, quietschen n. s. s. In andern hingegen muß man entweder das k oder das w wegwerfen, wenn man ans den wahren Ursprung des Wortes kommen will; theils, weil manche Mundarten dem l, v und w überaus gern einen Hauch - oder Gaumenlaut vorsetzen, wie kkbluckouieus, btvsr, bvvns, theils aber auch, weilin andecnMundarten der Gaumenlaut gern eine» Bla- selam nach sich hat. Beyspi-.-le werden sogleich folgen. So sind das Lat. HULrtu8 und unser vierte sehr genau mit einander verwandt, indem jenes bloß das k oder q vor den Blasclant gesetzt hat. So auch Dualis und welcher, ciui5, csuem, yuock und wer, wem, was,Miedexs>wat, ehedem üvval, c^uancko und wenn, ehedem ürvLvns, und andere mehr. - Das alte quick, Qua lebendig, mit feinen Ableitungen erquicken, (Quecksilber u. s. f. stammet von wegen, wecken, wackeln ab, und bey dem Ulphilas ist huivnn leben, Lat. vi vers, weben, in der alten Bedeutung. Für (Qualm sagen die Holländer mur ^Vnlm, und quabbeln ist von wabbeln gebildet. Statt dieses unwesentlichen q haben andere Mundarten in manchen Wörtern ein d oder s. Für quer sagen einige Niederdeutsche dwer, Engl, tbvvnrr, Angels, und einige Hochdeutsche zwerch; qualmen heißt im Schwed., ck valn, (Qualm im Niederst Dwalm, (Quehle in andern Mundarten Dwehle und Zwehle. In andrrn hat der Gaumenlaut den Blaselaut an sich genommen. So stammet das Lat. Ill^uilinusvon colere, Loctio und Loeulurn von coczusl-s, ab, und Huserers und c^üeri sind angenscheiuiich mit unfern» alten gören, kohren, verwandt. Für kommen sagte man ehedem Husrnan, daher unser bequem. (Qual heißt bry dem Notker ohne Blaser nur Oknls. Aabans <)uuereÄ, das Schwed. ^ vnrkn, das Finnische Ourcku, und Island. Luerkur, ist unser Gurgel. Für daS veraltete queden, sprechen, sagte« die ältesten Lateiner zu Emm und Pacuvii Zeiten ceckere (sprich keckere, denn das Lat. e lautete wie ein k.) Unser Quendel ist von dem Lat. Luaila, das alte noch Niederdeutsche (Quen' Engl. Huesn, Schwed. Oviuua, ist mit dem Griech. verwandt, anderer zu geschweigen. Die heutigen Franzosen sprechen das Hu gleichfalls nur wie ein einfaches k aus. Übrigens schrieben dielten Gothen unser heutiges qu ohne u mit einem bloßen h, und die Angelsachsen mit ev oder cu. Die heutigen Schweden, den die altern gebrauchten dafür ein bloßes k, schreiben yv, die Isländer in vielen Fällen kv, und die Walliser c'k>v. - - <^uacrk, S. (Qual. G.uabbe, S. Quappe. sEluabbekn, vsrb.reA.usutr. mit dem Hnlfsworte haben, welches nur i» den niedrigen Sprecharken, besonders Nieder- Deutschlandes üblich ist, wegen seinecfetten oder feuchten Beschaffenheit leicht in eine zitternde Bewegung gerachen. vom 5ct-, quabbeln, sagt man von fetten Personen und Thieren. Ein morastiger Boden quabbelt, wenn er bey dem geringsten Tritte in eine zitternde Bewegung geräth. Daher heißt in Niedersachsen die Wamme oder herab Hangende fleischige Haut an der Kehle des Rindviehes die Quaböe oder Quabbel, Holland, tzuab, ein sumpfiger Ort aber im Mccklenb. eine Quabbe. (Quabbelig ist eben daselbst von Fette oder Feuchtigkeit zitternd, Engl, mit Vorgesetztem Z-schlautekhunk; Quapp, ein Beutel,Schlauch »der Hangender Bauch; quappig, was allein Bauch herab hänget u.s.s. Anm. Da dieses Wort in vielen Niederdeutschen Gegenden nur wabbeln lautet, so erhellet daraus, baß es mit zu denen gehöret, in welchen das q oder- nur ein Vorgesetzter müßiger oder höchstens verstärkender Vorschlag ist. Wabbeln aber ist das Niederdeutsche Intensiv»«» von weben, bewegen. S. dasselbe, »«gleich«!», Quappe, welches gleichfalls hiervon abstammet. sO.uückeln, verb. r«F. neutr. welches das Hülfswort haben zu sich nimmt, aber gleichfalls nur in der niedrigen Sprechart, besonders. Rieder-Deutschlandes, vorkommt, i) Wackeln, hin und her hkwegen und bewegetwerden; Schwed.1» veka, Engl. to yuske, Ajj z welche L7S Qua welche vermittelst des Vorgesetzten Gaumenlautesso nste das Deutsche, von wackeln nud wegen gebildet sind. 2) Figürlich, in seinen Entschließungen und Handlungen leichtsinnig und unbeständig feyn. Daher ist quackelhafttg eben daselbst wankel- müthig, unbeständig, und Quackler ein ilnbesiändiger, leichtsiu»- maer Mensch, zj Leichtsinnig und unnütz verchnnz doch nur in dem znssinmen g-.-fttzteu verquacketn^ Sein Geld verquackeln,. es vertändeln. Sich verquackeln ist eben daselbst, sich auf eine leichtsinnige Art m ein Ekevers,'rechen entlassen.' 2 lnm. Eitl airde.res hierher nicht gehöriges Wort ist das gleichfalls Niederdeutsche quackeln, oder richtiger quakeln, viel und unnütz reden, welches das Jntensivum von quaken ist, oder auch unmittelbar von dem Rieders, kakeln, gakerir, abstammet. Im Holland, ist Quackel eine Wachtel. S. das folgende, ingleichen Quaken^. Der cQuacksälber, des—s, plur.ut nom. stn^.Fämin.die Quacksalberrnm 1) Jir engerer und, wie es scheint, eigentlicher Bedeutung, eine der Wundarzenenkunst unkundige Person, welche ihre äußeren Salben und andern Heilmittel andern anpreiset; in welcher Bedeutung vornehmlich die Markschreycr zu den Quack- Albern gehören. 2) In weiterer Bedeutung, eine jede derArzeney- wissenschaft ruckundigePerson,welche sich mitHeilcrug äußerer oder- innerer Krankheiten abgibt, im verächtlichen.Verstände; ein Pfn- scher in der Wnndarzeneykunst oder in der Arzeneylvissenschäft. Anm. Im Rieders. Quacksalber, im Engl. ^uLLkl'alver, ingleichen nur tzusck, imSchwed.^unckisIkvAre. Die letzte Hälfte stammet ohneZweifel vonSalbeab, indemI?i^mentLrj u§> schon in den llMuseeischen Glossen durch Hnlbari übersetzt wird,. DlL erste Hälfte ist so ausgemacht noch nicht. Wachter und Frisch leiten es von dem Rieders, quacken, schreyen, kreischen, ab, und erklären es von dem lauten Anpreisen unechter Heilmittel. (S.. Quaken.) Allein da dieses Wort im Englischen nnc Ounck, und Las folgende Zeitwort in Preußen nur quackeln lautet, so scheinet der Hauplbegriffin der ersten Hälfte zu liegen, daher eine bessere Ableitung immer willkommen seyn wird. S.Quackeln, ingleichew Galhader. Die AuaEsalberey, s,!ur. die—en. r) Das Quacksalbern, der- unverständige Gebrauch unechter Arzenevniittel, bcy.sich oder andern ohne Plural. 2) Solche unechte Heilniigsuilttel selbst, besonders gegen äußere Schäden,, und in weiterer Bedeutung auch gegen innere« ^ O.uach'salbern> verb.reA. nsubr. mit dem Hnlfsivortc haben,, unechte Heilmittel bey sich"u,rd andern auwenden. Rieders Quack- snlven,. in Preußen nur quackeln. . Der Qbuaöer, des — s ,^ 1 ur.ut riorn.stn^. noch häufiger abeo der Quaderstein, des— cs , plur. die — e, ein viereckt ;»gc- Harlener-Brnchsteiir; ein Quaderstück, oder Werkstück. Diele schreiben dieses Wort wider die Aussprache Qnater, Quakersttün,. Quaterstück, und leiten es unmittelbar von c^untuorher. Allein rs scheinet vielmehr aus Quadrat, Quadrat-Stein zusammen gezogen zu seyn, indem dergleichen Steine indem tLi4 gedruckten Deutschen Livius wirklich Quadrategenannt werden. (S. Qua- Lrat-Stein.) Ein anderes Wort ist das Rieders. Quader, Quar- deu, Qrierder, Quartier, welches den Quersaum an einem Kleidungsstücke, z. B. das Band vorn an den Hemdärmeln, bedeutet, welches inQbersachsen das Preischcn genannt wird. Siehe Quartier. Der M.uadränt, des— en, plur: die—en, ans demLatein. sIuZcl 5 LN 5 ,. der »irrte Thell eines Ganzen, und in engerer Bedeutung, d. x wcrre Theil einesZirkels'; in welchem Verstände cs besonders m ve.schicdet'ei! emzelnenFällen vorkvmmt. In der Wgthematib siitd die Quadranrm Werkzeuge,, welche aus.dem. , 7 - ' (°,.i ' s's ü" - '.si. ' ä^ Qua . §76 vierten Theile eines Zirkels, oder arrs einemBogen von YoGraden bestehen, die Winkel so wohl in der Geometrie, als in der Astronomie damit zu messen. Die letzteen werden auch Gradbogen und Höhenmesser genannt, weil sie in Grade getheiltsind, und besonders zur Messung der Polhöhe gebraucht werden. Key den Steinschleifern ist dev Quadrant ein länglich gebogenes Holz, welches den Kittflock mit dem darauf gekitteten Steine in seiner langen Rinne aufmm'nrt. Dt?6 O-uadrät, des—-es, plur. die—e, arrs dem Lat. tu,n„ eine geradlinige vierseitige reguläre Fign.p, welche lauter gleiche Seiten und lauter rechte Winke! hat. Ins Quadrat, in Gestalt inner solchen Figur, in das Gevierte.. Bey den Buch- drnckei l> sind die Quadrate und im Dimiimt.Quadrätchen, kleine metallene viereckie Körper, den Ansaang einer Zeile damit weiß zu lassen. In der Rechenkunst ist das Quadrat oder die Quadrat- Zahl, das Product ei,rer Zahl, weiche mit sich' telbst multip-Uciet worden, welche Zahl in Ansehung dieses Quadrates die Quadratwurzel genarrnt wird. Z. B. Z mit sich selbst muliiplicn tgibt 9, welche 9 also das Quadrat oder die Quadrat-Zahl von jr^er, so wie z die Quadrat wurzel von dieser ist. Die Quadratwurzel ausziehen, diejenige. Zahl finden, welche uüt sich selbst multiplicirt die gegebene Zahl hervor bringt. Der Rahme ist voll den Quadraten in der Geonn trje entlehnet, welche ans der Mul- tiplieatiou der Gtundlitrie nül sich sclhst cnlfiehcn. Die Q-ttaörät-Perrücke, plyrr. die—n, eine Perrücke mit drey Zöpfen, wovon zwey über die Schultern geworfen werden, der dritte aber sich auf den Rücken niedersenkt, eine dreytheilige Perrncke. Die.QbUttörchtrNnthe,. plür. die—n, in der Geometrie, ein Quadrat, dessen Seite eine Rutlie lang ist. So auch die Quadrat-Elle, der Quadrat-Schuh oder Quadrat- 5 nß, der Quadrat-Zoll, die Quadrat-Linie, die Quadrat-Meile u. s. f. wofür auch dreAusdrücke Fiachenruthe, Zlächcnelle u. s. s..und bey den Werklenten, Vreuzrurhe, Areuzelle n.s. s. üblich sind. Die Art und Werse, die Fläche nach solchen Quadraten zu messen,, wird das Quadrat-Maß genannt, welches denn dem bloßen Längenmaße so wohl^ als auch dem Schach-tmaße und Lnbik» Maße entgegen gesetzet ist.. Der Muradrät-Gchiein, des--es, plur. di?—e, m der Asteo-- logie, derjenige Stand zweyer Planeten gegeneinander, da sie 9.0 Grad oder um den vierten Theil eines Zirkels von einander entfernet sind ;. der gevierte.Schein.. Der Mgtak>rckrrSketN, des — es- plur. die—e, ein Stein, welcher ein Quadrat- d. i. em rechtwittkeliges 'gleichftitigesViereck vorstellet, seine Höhe mag minder Länge und Breite gleich seyn oder nicht; ein Quader-, oder Quaderstein- In den Tirolischen Bergrvcrken werden die größernKieswürfeiQuadrat-SteitleodeV gelbe Berg-Granaten genannt. Die (Qua-rtttür, plür. die —en, ausdemLat. ^uastraturn,. in der Geometrie, die Erfindung eines Quadrates, so wohl in . Linien, als j,l Zahlen, welches einer gegebenen andern Figur gleich -ist, die Vierung ; in welchem Verstände besonders dieQuadra- knr des Zirkels berühmt ist, worunter man die Erfindung eines Quadrates, verstehet, welches genan so groß ist , als der Inhalt eines Zirkels. Qp.itz gebraucht in diesem Verstände das Zeitwort ein vieren: Wie daß ein Zirkel wohl sep e Licht esnzuvicren. ^ Die (fIütrörär-Murzel,. plur. die—n, S. Quadrat. Die M.uerdrät-Zcrhl, plur. dft — en, S. eben daselbst. Der Quaörät-Zoll, des — es, vlu r. die —e, wenn ein Zahl«- wortdabep ist,ut ootn.lwZ. S-Quadrat-Authe. (Uuaörie- §77 '2^ a E.Uüörteret^ ^srb.rsA. welches aus dem Latertt.c»ULätu7e:gekss- det ist/ rilld in einer doppelten Gestalt gebraucht wirb. >. Als e-n Activnm. -) Vicrccktmachen; abvieren. Einen Stein .quadrieren. 2 ) In dec Rechenkunst, eine Zahl quadrieren, sie mit sich selbst mulliplicirerr, um das Quaduatcherseloen zu dekonurrcn. z) In der Geometrie quadriert man eine Zlä'che, weil» mau ihren Inhalt »ermittelst des Quadrat-Maßes sstchet rlnd bestimmet, (S. Quadrat-Ruthe.) -. Ltrsein KeurruM/Nüt demHnlfs- worlehaben, sich sch-.cken, dem Raume, ingleichen der Sache selbst, den U mstanden der Zeit und des Ortes angemessen sepn ; im., gemeinen Leben. Das quadriert nicht, das schickt sich nicht. Der Quadcüpel, des— s, plur. ui. nom. linZ.'aus dem Lat. shu^ckruplrim, oder Franz.^uaclru^ls, eine Zahl oder.Größe, welche vier Mahl ss groß ist, als eine andere. Besonders in einigen Spielen, wo der (Quadrupel, ober als ein Beyworl, der (Quadrupel-Matsch, ein vierfacher Matsch ist, in welchen derjenige verfallt, welcher gar nichts zähle» kann ; zum Unterschiede von dem Tripel und einfachen Matsche. Auch eine Goldmünze, welcher vier Pistolen oder 2oThlr. gilt, ist.unter dem Nahmen eines Quadrupels bekannt. Oucrkeln, verlr. reZ.meutr. mit dem Hrilfsworte haben, welches das Diminnt. oder Intensivnm des folgenden ist, aber nur lu den gemeinen Sprecharten, für plaudern, und in engerer Bedeutung, -viel und unnütz plaudern, gebraucht wird. Daher heißt die Wachtel im Niederdeutschen Quakel, und das Quakelchen im gemei- men Leben einiger Gegenden eiilplauderhaftes Lind. Sein jüngster Bube, das Quakelchen seines Alters, .Göche.' ^ Ockcrken, verk. re^. nc^utr. u'elches das Hülsswsrt haben erfordert, und eine unmittelbare Nachahmung desSchallcs rst, welchen es i!ttsdrnckt,/dett Lant quak von sich geben oder verursachen« r) Das Sch: e,n n der Frösche druckt man durch qu aken ans, Lat. coaxetr^Eugl.i.o uuokchvofiir imNiedevdeutschencuich quarren, und in einigeii Ooerdeurschen Gegenden auch rschzen üblich ist. Quakseir ist eur Jntensivnm, ivelches i:n gemeinen Leben noch hänsig vorkonum. 2 ) Auch das ähnlicheSchreycn derÄnien wird in vielen Gegenden durch Engl. tö ejunLk, welches auch von dem.Geschrey der Raben ge-- braucht Wied. q)Anch einen gewissen schallender: Laut, welche» z. B. ein schwerer nicht ganz fester, mit Feuchtigkeiten angefülller Körper im Fallen macht, druckt man mit diesem Zertworte aus. Er siel aufdie Erde, daß es quakte. Ich schlug rhn, daß es quakte. ajKreischeil, laut schnpen, besonders unNtederdeurschen, wo es auch ächzen und stöhnen bedeutet; daherQuakebrookdaseibst ein schwächlicher, stöhnender Mensch ist.In allen diesenBedentrm- gcn ist das Wort unmittelbar nach der Natur gebildet. Das folgende quaken ist, so wie quieken, genau damit verwandt, une baß bende hellere Arten.dieses Schalles an-dcucken. S. auch Quacksalber. ' Omaren, verd.reZ. neutr. mit dem Hulfswone haben, welches einen dem vorigen sehr ähnlichen, nur ein wenig Hellern Schall auSdrnckt, und besonders von dec Stimme der Füchse bey den Jägern, und von dem Geschreye der Hasen im gemeineir Leben geortwchl wird, indem die Jäger in dem letzten Falle lieber ratzen sagen. r. DerQustkep, des—s , s»Iur. ut nom. st v g. ein Thier, welches quäkt. , Besonders ist eine Art Finken, welche einen gelbe» Gchnadel mit schwarzen Spitzen undSchneiden, und bunte stabe- aerigr Farben auf dem Kopse und Rücken haben, wegen ihres quäkenden Gcschreyes inner dem Nahmen der Quäker bekannt. Im Oierdeilljchen heißen sie Goglkw, lil andern Gegenden aber Berg- -sinken, winterftörken, Sehueesinken, Zahrlinge', Waldstnren, Tanrrcnsinken.b riOZtllAsttdsrQÄ -- l. Qua 873 s. Der M.ua?er, ober Ouaker, des—s, psur. ut nvm. stn§, > .F8min..die Quä'kerinu odcr.Quakerinn, eine Person, welche sich zu dernLehrbegriffe des Johann Fox , des ersten Stifters dieser Scetc, bekennet, welche im vorigen Jahrhunderte in England entstand, und deren Glieder sich unter andern besonder» Lehren auch göttlicherEittgebungcu rühmen, bev welchen sie in ein heftiges con- villsivischcs Zittern gerachen. Engl. Quaker, welcher Rahme .ihnen vonebendiesemZilteril gegeben ist,indem to cju au s,Angels, erverciull, Schwed. ftveku, zittern, beben, bcdentet, welches mit dem Nieders. qciackein, ivackeln, und diesem wackeln selbst .genau verwandt ist. Um eben dieser Ursache nullen heißen sie im Englischen auch 'l"rellublor^ und b> y Deutschen Schriststpllerir Tremulanten. Daher quakerisch, dein Lehrdegriffc der Quäkek gemäß oder ähnlich, die Quakerep, dieLedreder Quäkern, s. s. -Die M.uab, pltir. die — en, ein hoher Grad anhaltender Schmerzen, zirnächst des Leibes, dann aber auch der Unlust des Gemü- thes. Qual empfinden, leiden, ailsstehcn. Jemanden alle Qual anthun, ihm einen hohen Grad der Unlust, so wohl des Leibes als des Gemüthes verursachen. Seine Qual mit jemanden haben, einen hohe« Grad der anhaltenden Unlust seinetwegen empfinden. Die Hollenqual, der hohe Grad der Schmerze» und der Unlust: Entschlage dichxmes Andenkens, weiches drr nur zu deiner Qual begünstigen würdest. ÄerPlural wirdnur in dec Hähern Schreibart gebraucht, und zwar am häufigsten von mchrern Arten. Er sähe Qualen auf Qualen gehäuft in die Ewigkeit erngehen, Klopst« S- sicher vor Verfolgung, als Qualen spater Reu,-- Dusch. Die richtende Natur legt durch gemäße Qualen Dem HUllenZüge! an, und bändigtLannibalen/cbenb, Änm. Im- Nieders. und Holland. Q«al, im Schweb. Oval, im Island. (Iuöl. (S. das folgende.) Gemeiniglich schreibt ma» - es Nlic eulem doppelten a, Quaal. Allein, da der einfache End» Consonanr die Dehnung scholl hinlängllch bezeichnet, soist es air Euum a genug. Die ^Jck^le, im Bergbaue, S. l Qnehle. M-uälen, vsrft. reZ. Lst. Qual, d. r. einen sehr hohen Grab s» wohl körperlicher Schmerzen, ^äls auch der Unlust des GerniitheL verursachen, mit der vierten Endung der Person. von der GichS :geqnalet werden. Sich mit Sorgen quälen. Quälende Gedanken. Traurige Ahndungen verfolgen mich, und die Nächte quälen mich mit fürchterlichen Träumen, Weiße. Ich quäle mich unaufhörlich mit den nagenden Vorwürfen , dich unglücklich gemacht zu Haben, Dusch. Die Farben quälen,- .nach dem Franz.tourmsriter, bey denMahlern, stc unacbiihr» lich ans einaudcc streichen. Das Hauptwort die Qualiing ist nichL ..gebräuchlich. Anm. Bey dem Ottfried csualen und bey dem Wil- leram c^ueien, im-Schlved.^valja. Die ersteeigrntl.cheBedeu- cknng dieses Morres und dessen Abstammung ist so ausgemacht noch nicht. Bald scheinet es, daß das u oder vielmehr w nach dem q em bloßer Zusatz,fty,-a es denn zu dem Nieders. Äöie, Pein, -Schmerz, killen, heftig schmerzen, und zu Notkers Efterla, Leihen, Schmerz, Peürignng, undm!r-llsliejic», ängstlich, gehören würbe. (S. auch Ralt.) Basd aber fcheinel das r» zum Gramme zu gehören und d!»t,cheu Aalraupe, im Oberdeutschen aber Ruppe genannt wird; 6n6u8^ota L>. lS. Aalrauye.) Holland, tzuub, Engl. yu«b. Er hat denNah- men wegen ftines dicken- Hangenden Bauches, von dem N-eders. ÄLiiapv! ein Schlauch, und Quabbe, Wamme, (S. Quabbeln.) Ein anderer Fisch eben dieses Geschlechtes, 6uckus IViuttela lv. wird um eben dreftr Ursache willen Mohrquappe, Däm Rroll- quabde, Moerquabbe genannt. Wenn bcy einigen Schriftstellern auch der Raulhaupt, 6ot)io LLpitttluK, Quappe genannt wird, so ist es qlsdann allem Ansehen nach aus Ropf oder Oobio verderbt. DickePasternaken heißenimOsnabrüchPalstcrqnabben. Die Quacantäine, piur. die—n,ausdemFranz.^uL-r«rrlLille, eine Zahl von vierzig. Besonders eine Zeit von vierzig Tagen, welche Sch-ffe und Reisende, die aus Orten, welche wegen derPest verdächtig stild, kommen, an einem stchern Orte zur Verhinderung «ller weitern Ansteckung, zubvingen muffen. Die Quarantaine halicrr; wofür man auch wohl das eben so fremde Wort Lontu- ma; gebraucht. ^ D?L Qnartzräso, des—s, plur. ul nom.««A>>,eittk Benennung der cinheiunschen aus gelabter Kuhmilch bereiteten Käse,, welche auch Rühkäse und Bauernkäse genannt werden. Gemeiniglich leitet man dieses Wort von dem folgenden Quark,.gelabte Milch, -b , und schreibet cs alsdann Quarkkäse. Allein, da alle Kiste, sie seven von welcher Art sic wollen, aus Quarke bereitet werden, so würdees emeallgemeine-Benenttung aller Käse, undkein unterscheidender Nähme der inländischen kleinern Kühkäse sepn. Da nun diese Käse an vielen Orten wirklich Zrvergkäse und Zwerge genannt werden, um sie von de« größern airsländischen Arten Zu unterscheiden , so ist glaublicher, daß durch eine nicht ungewöhnliche Vertauschung des Q und Z hieraus Quargkäse geworden. Pflegt man doch eine ungewöhnlich kleine Person oder Sache im verächtlichen Verstände und im gemeinen Leben sehr häufig einen Quarg, im Plural Guärge zu nennen, wslches.g'ewiß nicht von Quark, Korh, sondern von Zwerg abstammet, sowie man für Quehle auch Zwehle, für quer auch zwerch sagt. (S. Q.) Bey dem Königshoven heißt ein Zwerg ausdrücklich Querh, in den MonseeischenGlossen,im Angels. vrverZ, und im Nieders. Dwarg. Der Quark, des— es,, plur. doch nur von mehrern Arten, die —e. Der dicke zusammen geronnene Theil der Milch nach den davon geschiedene« Molken , welcher an einige« Orten auch Mse, Rafequark, in Baicrn Topfen-und in der Schweiz Buldern genannt wird, und woraus man unter andern die Käse bereitet. Wenn man ihn nicht z« Käse verhärten läßt, sondern ihn auf Brot statt der Butter streicht, so heißt er in Obersachscn Streichkäse, in den niedrigen Sprecharten aber steifer Matz, in Niedersachsen Räse-butter», 2) Weicher Koth, und in weiterer Bedeutung, ein jeder Koch, eine jede Unreinigkeit , wird häufig Quark genannt, und in noch weiterer Bedeutung pfleget man oft rine jede geringschätzige Sache ausVerachtung mit diesen,Nahmen zu belegen, da es denn als ein anständigerer Ausdruck für das niedrigere Dreck gebraucht wird. Wenn man ein ungewöhnlich klei- «es Ding Zuweilen einen Quark nennet,-so gehöret es mit mehren« Rechte zu Zwerg; S. das vorige. Anm. Im Nieders. gleichfalls Quark. Es scheinet, daß die- wejchx Beschaffenheit in Heyden Fällen der Grund der Benennung lst, so daß dieses Wort vermittelst des Gauiunstantes von wirken, so fern es noch bey den Bäckern für kneten üblich ist, gr bfldck worben.. Bey unsern allen Schriststellern-liat es sich bishernoch-nicht Kefi-uiden .- so wLiug als in den verwandten Sprachen. Dalte dev dem Raba-n Maurus bcfltrdliche.OllrtLeLU.uullur, g-horet Adel. W. B. z. Th. Lu» ZLL hierher nicht, sondern zu Gurgel, welche auch im Schwed, tz vnr- kn und im Island. Luerkur heißt. Das Quarkfäß, des—sses, plur. die—fässer, mderHauchal-- tung ein hölzernes Faß, worein der im Ouarksacke trocken gewordene und Zum Käse bestimmte Ouark geschüttet wird. Die Quar.hänge, plur. die—n, eben daselbst, ein hangendes- Gerüst, den Quark so wohl, als die frisch geformten Käse darm abzutrockncn.. Der Qunrkkuse, S. Quargkäse. Der Quärkklöß, des —es, plur. die —kloße^ aus Käfequark,. MehlEycri, und Butter bereitete Klöße. Der Quarkkorb, des—es, plur. die — korbe, in der Haus-. Haltung, ein vierecktes von hölzernen Sprossen zusammen gefotztes Behältniß, den Ouarksack hinein zu legen, damit die Molken von dem Käsequarke abtropfen können. An andern Orten bcdienetma»- sich dazu eines andern Gerüstes auf Füßen, welches die Quark» trage genannt wird. Die Quarknudel, plur. die—n, aus Käfequark, Mehl und- Eyern bereitete Nudeln;, in Baiern Topfnudeln, von Topfen^ Käsequark.. Der Quarksack,, dss—es, plur. die—säcke, ein unten spitziger Sack in der Haushaltung, worein der Käsequark geschüttet wird«. damirdie Molken von demselben abtropfen können. Die Quarktraye, plur». die—n,. S. Quarkkorb.. Die Quarre, plur. die—N, em nur im gemeinen Lrlftr, Michel Wort, ein quarrendes , d., i. unzufriedenes aus Unzufriedenheit murrendes oder weinendes Kind, und in weiterer Bedeutung eine mürrische Person zu bezeichnen. Eben diese Bedeutung hat es auch- jn der sprichwörtlichen R. A. die Pfarre mit der Quorre bekommen, zugleich mit der Pfarre odereiner jeden andern Bedienung auch eine Frau bekommen, unter derBedingung eine Pfarre bekom-- men, daß matt eine gewisse Person heirathe ; wo Quarre nicht, wie es in dem Bremisch - Niedersächstschen WörterbucheerkLäret- wird, dos Heiralhen oder Freyer, überhaupt bedeutet, ssnderneiue theure mürrische Hälfte, welche im Scherze auch wohl ein Haus- »der Ehegcmurre genannt wird. S. das folgende. Quarren, verb. rs^. veutr. mit dem Hülfsworte haben, welches unmittelbar den Laut nachahmct, den es bezeichnet, und von welcher Art z. B. derjenige ist, den Kinder von sich geben, wenn sic aus Unzufriedenheit weinen , ohne, ebe« eigentlich z„ schreycn. Es ist nur im gemeinenLcben, besonders Niedcrsachsens,. üblich. F„ weiterer Bedeutung stehet es oft für murren über-- hanpt. Auch der Laut der Winde in den Gedärmen, welchen man sonst auch das Gnurrrn nennet, heißt im Nieders. ein. Quarren, wo auch die Frösche quarren, wenn sie im Hochdeutsche» quaken oder quaken.. Das Quarr, des—es,-plur. die-—5, aus dem Lat. Huartu«, der vierte Tb> il eines Gänzen. So ist das Quart in Bremen und ander« Niedersächsischen Gegenden en, Gctrcidcmaß, welches der vierte Theil einer Last ist, und i o Scheffel, oder 40 Viertel, oder , 60 Spint hält. Noch häufiger ist so wohl in Niedersachsen, als i,r einigen Oberdeutschen Gegenden, das Quart ein Maff flüssiger Dinge, wo es der vierte Theil eines Stübchens isti, zuweilen auch Quartier lautet , und mit dem Hochdeutschen Naß oder der kleinen Ranne überein kommt. So wird in Breme» das Stübchen m vier Quart oder Quartier, cin Ouart aber wie-- der il, vier Mengel getheilet. JnSchüsteu hält ein Topf (d. i», ein Stübchen) vier Quart, ein Quart aber vier Quartier., s o Topf oder 8» Quarr machen daselbst einen Eimer Wein. I«. Zürch ist ein Quartli der vierte Theil eines Ropfrs, welches' gleichfalls einemStübchen nahe zu kommen scheinet,indem Z2Kopf' einen Eimer machen. In ündem Oberdeutschen Gegend-m ich - K s L da«.. Qua 883 i>as «Quart öder «Quävtleder vierte Theikeines Maßes, oder die Hälfte eines Nößels; wie z. B. in Augsburg, wo das Maß 2 Seidel, das Seidel aber zwey bris HU3rtsllL, ein Fieber, welches um den vierten Tag wieder kommt; das viertägige Fieber. Der (Quartant, des —en, plur. die — en, ein Buch in Quart; ein «Quart-Band. Die (Quarte, plur. die — n, ans dem Latein. czuarts. 1) Der vierte Theil eines Ganzen ; für das «Quart. So ist z. B. die (Quarte indem Salzwerke zu Halle, der vierte Theil der Salzsohle, welcher an den Landesherren abgegeben werden muß; anderer Fälle zu geschweige«. 2) Eine Reihe von vier auf einander folgenden Dingen einer Art. So ist dieQuarte im Picket-Spiele «ineReihe von vier aufeinander folge,rdenBlättern in EinerFarbe. z) Ein Ding, welches um vier Stufen von dem andern entfernet ist; wohin die «Quarte in der Musik gehöret, einen Ton zu be. zeichnen, welcher um vier Töne von dem andern entfernet ist. 4) Ein Ding, welches das vierte in der Folge mehrerer ist; bon welcher Art die «Quarte in der Fechtkuust ist, eine gcwisseLage mit der iilneru Hand zu bezeichnen,. wobey das Degengefäß auf. wärts gehalten wird. Das (Quartett, des — es, plur. die —e, aus dem Jtal.tzuar- tetto, in der Musik, eine Arie von vier Singestimmen. ». Das (Quartier, des—es, plur. die—e, aus dem Mittlern Lat. tzuarterium. 1. Der vierte Theil eines Ganzen, oder gdößern Dinges. 1) Alsein bestimmtesMaßtrockner, noch häufiger aber flüssiger Dinge, wo das «Quartier in vielen Gegenden für «Quart üblich ist, dagegen in andern «Quart, «Quartier und (Quarierchen noch unterschieden werden. In vielen Niederdeutschen Gegenden, z. B. in Danzig, im Hannoverischen, in Lübeck, in Bcaunschweig, in Hamburg, ist (Quartier soviel wie «Quark, d. i. der vierte Theil eines Stoffes oder Grübchens, und also so Viel als ein Maß oder eine kleine Kanne der Hochdeutschen. Zn andern Gegenden, z. B. in Schlesien, ist das «Quaxtierchen der vierte Theil eines Quartes, und folglich der sechzehnte Theil eines Stübchens oder Topfes. In Qberfachfen ist es ein noch kleineres Maß, denn da ist das «Quartier der achteTheil einerKanne, oder der vierte Theil eines Nößels. Im Hannöverischeu wird auch der vierte Theil einer Elle ein «Quartier genannt. 2) Auf deuSchif- fen wird die Zeit von 24 Stunden in Absicht der Wichen in vier Lheile getheilet, deren jeder denn gleichfalls ein «Quartier genannt. Lua 884 wird, welchen Nahmen auch diejenigen Nationen beybehalten haben, welche auf ihren Schiffen fünf und sechs solcher Theilc eingeführt haben'; da denn auch die zu einer jeden Wache bestimmteAn- zahl desSchiffsvolkes ein«Quartier genannt wird. 3) In den Gär- ten werde« die Abheilungen in den Luststücken oder Parterres (Quartiere genannt, entweder so fern das ganzeLuststück dabey zunächst in vierThile getheilet wird,oder auch in der folgenden zwey. ten Hauptbedeutung eines viereckteilThiles eines Ganzen. 4 )Der vierte Theil einer Stadt und ihrer Bürgerschaft, ingleichcn einer Gegend, odereines Bezirkes; in welchem Verstände doch das Deutsche Wort viertel in den meisten Gegenden üblicher ist. Zu weiterer Bedeutung werden oft auch die Ausdrücke «Quartier und viertel beybehalten, wenn gleich eine Stadt oderGegend zu einem gewissen Behufs in mehr als vier Theile getheilet worden, und da bedeuten beyde Ausdrücke einenThil einerGegeud überhaupt, toste sich denn zugleich der folgenden Bedeutung nähern. r.Ein vier, eckter Theil eines Ganzen. In diefem.Verstande scheinen di« Schuster die hintern Theile erucs Schuhes, welche die Ferse umgeben,die ämkev:«Quarriere, oder auch nur schlechthin die «Quartiere zu nennen. Vermuthlich gehöret auch dahin die bep drn Näherinnen übliche Bedeutung, welche gewisse breite vierrckre Quersäume, z. B. an dem Halse und Ärmeln der Hemden, welche letzter« in Qberfachfen Befetzchen, Preischen, in Niedersachsei, aberLintels, ingleichentQuader und«Quarder heißen, «Quartiere und im Dimiuut. «Quartierchen nennen, wenn sie nicht diese Benennung vielmehr daher haben,weil man zu dergleichen Quersäumen , um der Dauer Willen, anfänglich die Leinwand vierfach genommen. «. Das (Quartier, des — es, plur. die—e, Diminnt. das (Quarierchen, Qberd. (Quartierlein, der Qrt, wo man sich eine Zeit lang aufhält, i) Zunächst bey den Soldaten, welche jedes Gebäude, wo sie sich eine Zeit lang aufhalten, im Gegensätze des Aufenthaltes imLager unter denGeze!teir,ein«Quartier zu neunen pflegen. Die Truppen in die Winter - «Quartiere, in die Er- frischungs- «Quartiere legen, sie den Winter über, oder zur Erfrischung in dieHäufcr einesQctes oder einerLandschaft vrrrhilen. Die Armee ist in die Winter-«Quartiere gegangen, hat die wintcr-«Quarticre bezogen. Bey jemanden im«Quartierc stehen oder liegen, in dessen Hanse einquartieret seyn. Sein (Quartier an einem Ortehaben. Ju einigen Fällen gebraucht man es auch von einem oder mehrern Gezelten. So ist das üaupt-«Quar- uer derjenige Qrt in einem Lager, wo sich der commandirende General aufhält. 2) In weiterer Bedeutung wird,besonders im gemeinen Leben, eine jede Wohnung, eiu jedes Logis, man mag solche nun auf immer, oder nur auf emeZeit bewohnen,ein«Quar- tier genannt. Ein gutes (Quartier haben. Gehe in mein «Quartier , in meine Wohnung, in mein Zimmer. Jemanden ein (Quartier bestellen. Machen sie uns bey ihr ein «Quartier aus, Gell. Vas «Quartier eines Gesandten, das gesandt- schaftliche «Quartier. Z) Figürlich ist imKriegsweftn,um«Quar- ticr bitten, um Verschonung seines Lebens bitte»; einem Gefangenen «Quartier geben, ihm das Leben schenken ; kein «Quartier geben, alles niedermachen. Anm. Das Wort ist mit der Verfassung uNscrsKriegswesens, welches größten Theils ausFrankreich h.erstammet,a»s demFranz. (Quartier entlehnet worden. Die Figur würde überaus hart und ungewöhnlich seyn, wenn dieses Wort von dem vorigen, sofern es den pisrken Theil einer Stadt oder Gegend bedeutet, abstammen sollte. Es ist daher wahrscheinlicher, daß das Französische Wort rou warten, in der allgemeiner» Bedeutung des Aushaltens,abstammet,wovon mit vorgesctztemG auch 6 n,'' 6 e, 6 uÄr 6 s» und im Franz. und Ical. gebildet worden; oder auch 7 von Qua L8L Du a von wahren, bleiben, bauet«, von welchem 6ikuLre schon bey dem Qttfcied ein Haus bedeutet. Quartieren, verb. rrZ.act. Quartier verschaffen, anwejsen,von dem vorigen Worte, vornehmlich in denZusammensetznngen eln- quartieren und auequartieren. Die Quartier- Freyheit, plur. die—en, die jemandes Quartiere oder Wohnung anklebeckde Freyheit. So gehöret z. B. zu der Quartier - Zreyheit der Gesandten, daß ohne ihren Willen keine Gerichrsdiener in ihre Wohnung kommen dürfen. Der Quartier-Meister, des—s, plur. ul nom. 6ns. dessen Gattin» die Quartier - Meisterrnn, eine Person, welche dazu best.mmtist, für das Quartier, d. i. die Wohnung anderer, zu sorgen. Besonders im Kriegswesen, wo der General- Quartier- mriäcr mit seinen Untergeordneten biS aufdeu Regimentö-Quar- tier.neistor für dieAnordiliuig und Sicherheit des Lagers der ihnen angewiesenen Truppen z sorgen hat. In Pohlen ist der Genc- ral-LroN' Qnarticrmeiffcr und in Litthauen der General-Quar- tiermeister ein vornehmer Reichsbeamter. So fern Quartier auf den Schiffen eine bestinrmteZeit desTages in Ansehung dcrWachen bedeutet, ist der Quartier - Meister ein Unter - Qfficier, welcher dem Schiffer nachgeordnet ist, und vornehmlich aufdie Besetzung der Quartiere, d. i. der Wachen, Acht hat. Im Holland, wird er 8c!riemau genannt. S. i Quarti-r. Die Quartier-Schlange, xlur. die —n, eine Art des groben Geschützes, welches vier bis sechs Pfund Eisen schießet, z6 bis 40 Caliber lang ist, und auch Falkanne genannt wird. Nach andern schießet die Quartier- Schlange 1,0 , die doppelte Quartier- Schlange aber 70 Pfund. Das Wort bedeutet eigentlich eine V,enels Schlange, weil dieses Geschütz den vierten Tbeil weijiger schoß, als die große eigentliche Schlange. S. r Quartier. Die Quartier-S ta-t, plur., die — Städte, die erste und vornehmste Statt u: jedem der vier Quartiere oder Classen der ehemahliß. n Hansestädte, welches Lübeck, Cour, Brannschweig und Danzig waren. Der Quarz, des^—es, p!ur. doch nur von mehrern Arten, die—e, beu den Bergleuten im P ural Quarze, im Bergbaus und in der Miueraloaie, eine qlasarc-ge, sehr harte, Halo durchsichtige Stein- art, welche am ihren Qoerflächeu, wenn kein Htnderniß da geioe- sru, krvstallinisch angcscdoffeu il!. Gemeiniglich ist sie weiß oder wasserfarbig,aber es kommen auch gesärbrcArteu vor, (S.Quarz- sinß.j Im Böhmischen nach.dem Must r der Deutschen glerchsalls c, im Engl. Güerl. Matthcsius erkläret den Nahmen dieser Steinart durch Quad - Er;, d. i. schlechtes, rauhes Erz. Allein es ist weit wahrscheinlicher, daß sic, wie schon Frisch ver- muthct, von den gemerniglich auf ihrer Qbcrfläche befindlichen Warzen oderkrystallinischeu Erhöhungen den Nahmen habe, welches Wort hier nur den Gaumenlaut vor sich genommen hat. Aus dem gedehnten a in Quarz so wohl als Warze erhellet, daß das z ein bloßer Ableitungslaut ist , der erst später an den gedehnten Wnrzellaut gcsetzet worden. .- Are Quärzöruse, plur. die—n, ctndrnsigcsStirckQuarz, d. i. ein mit krystallintschen Erhöhungen auf seiner Qberfläche angeflogenes Glück Quarz. Der Qnärzflüß, des—sses, xlur. doch nur von mehrern Arten, die — stilsse, ein farbiger oder gefärbter Quarz. Einzelne Stücke solches farbigen Quarzes pflegt man auch wohl unechte Edelsteine zu nennen, weil sie den echten ähnlich sehen. Qu^rzicht, a6j. et sckv. dem Quarz l ähnlich. Quärzrg, nckj. et. ack v. Quarz enthaltend. Der Quärz-Arysiäll, des—es, plur. doch nur von mehrern Arten, die—e, ein Nähme, welchen einige dem Ber§ - Lppstalle 886 geben, um ihn von dem Rrystall-Glase, welches auch nur Ley- stall schlechthin gena'.rnt wird, zu unterscheiden. Der Qwirs, des—-es, plur. inus. ein nur noch im Niederst übliches Wort, welches ursprünglich einGaftmahl, einenEchmaus bedeutet, aber nur noch im verächtlichen Verstände für Zraß gebraucht wird , so wohl eine überflüssige Mahlzeit, als auch ein unreinliches ober unmäßiges Essen zp bezeichnen; in welchemVer- stande man auch das Zeitwort quasen und quaßen hat, welches so wohl unmäßig und unreinlich essen, als auch schmauscnund schlemmen bedeutet, Zca!. sc^usrrLre. Im Quas und 5 raße leben. Auch im Slavvnischen isk Kvvufis ein Schmaus. Frisch leitet es mit dem Deutschen wüsten von demJtal. Zuastar« ab; alstia es scheinet vielmehr ein Geschlechtsverwandter von unstrnr Roßezu seyn, zumahl da Quas im Niederdeutschen auch Quast, und quasen, schmausen, auch quosen lautet. Dagegen gehören die gleichfalls Niederdeutschen Quist, Schaden, Nachtheil, Verlust , bey denl Qltfrjed gleichfalls tzuifl, quisten, verquisten/ verrhun, durchbringen, und andere dieses Geschlechtes zu nnftrm wüsten, vLÜare, Franz. Zäler, ehedem gualier. S. Quas« wurm. Die Quassra, plur. car. S. Bitterhslz. Der Quast, des —es, plur. die—e, oder die Quaste, plur. die—n , Diminut.Quästchen, mehrere an einem Ende znsant- rnen gebundene lockere Fäden, oder zusammen gerollte Fransen, welche als Zierathen so wohl an Kleidungsstücken, als auch an anderm Hausgeräthe angebracht werden. Von dieser Art sind die Quasten an den Vorhängeschrrüren und so genannten Wolken, die Quasten, welche man den Pferden in drcMähncn zu flechten pflegt, dieQuasten an den Trompeten u. s.f. welchcQuaflcn zurZicrde in vielen Fällen auch Troddeln genannt werden. (S. auch Bettquast und pudcrqnast.) Der Pinsel der Tüncher heißt in vielen Gegenden, besonders Niedersachsens, der Quast, wo auch ein kleiner Besen von Heidekraut, das Kuchengeräch damit zu reinigen, der öeidequast, und der Weih - oder Sprengwedel in der Römischen Kirche der Weihquast genannt wird. Bey den Fischern werden die Puppen oder Reisbündcl oft gleichfalls Quasten genannt. Anni. Im Niederst Queff, im Schwed. tzvaK, im Dan* Docst, welche beyde l. tztern aber auch einen Besen und eine Ruthe bedeuten. Frisch leitet es bey dem Worte Besen von diesem Worte und vouwasen, wachsen, ab, Ihre aber von dem Schwed. tzviLi, ein Zweig, dieß aber von dem Island, tzvvis!, Kurs!, Theilnng. Allein , da Quast, wie aus dem Frisch erhellet, ehedem auch eine Schürze, oder einen Vorhang vor der Blöße des Unterleibes bedeutete, so scheinet der Begriff des Hangens, der schwingenden Bewegung, in demselben der herrschende zu sevn, da eS denn mit wetzen, bewegen, wischen , sich schnell bewegen, Wiesel, Wedel, und andern dieses Geschlechtes verwandt sepn würde, wenn es nicht vielmehr zu kUieia und fassen gehöret, und auf die Verbindung mehrerer Fäden zielet. Das Holland. HuLst, ein Ast, Knoten, und Nieders. Quese, ein Bläschen auf der Haut, d Itten sicherlich eine erhabene oder verbundene Masse an. Zu vielen Gegenden ist es weiblicheuGeschlechkes, die Quast e, u>E dann hat es in, Plural ohne Widerspruch die Quasten. Im Hochdeutschen ist das männlicheGeschlecht, de, Quast, das gewöhnlichste, und dann sollte es der Regel nach die Quaste Habert; allein gemeiniglich sagt man die Quastes vulU ichr aus Derlei, tnng des vorigen weiblich- u Wortes. Der Quasrmurm, des—es, plur. die — Würmer, ein fressendes Geschwür im Schwänze des Rindviehes, wovon derselbe end- lich absaulet, und welches auch derGchwanzwurm genannt wird. Vermuthlich von quasrn, fressen, S. Quas. Kkk - Der Lira Des Quatember. des — s, xlur. ut r. - . iikLt- ^lern. Lrrt. l^uuternpora, und dieß von Hu . - , die -vier Zeireu des Jahres, r) Der vierte L<>. , eine Zeit von drey Monathen, oder dreyzehrn Woch rÄ; in welcher Bedeutung es besonders b e y den Steuer. . >e:gkeir- bichen Abgaben gebraucht wird. Es ist null elnmadi ..^es.u-ret, daß diesesWott im Deiuschen auch iu der einfachen Zahl gebraucht wird, so sehr solches auch wider dessen Zusammenseyung streitet. 2) Der Tag, mit welchem sich ein solcher Quatember anfängt, die, was die Stenern und öffenlichen Abgaben berrrfft, in Sach» sen und einigen andern Ländern die Lage Reminiscere, Trinitatis, Lrueis und Luciä, in aildern Länderil aber Lichtmeß, wal- purgiö, Laurentii und Allerheiligen sind, nach welchen Tagen denn auch der Quatember selbst benannt wird; -z. B. der Quatember Trucis. z) Eine Abgabe, welche an diefenTagen, oder um diese Zeit entrichtet werden muß, und auch das Quatember- Geld, oft aber auch nur schlechihir der Quatember genannt wird. Zn dem Sächsischen Bergbane ist das (Quatember - Geld eine Abgabe, welche die Gewerken gemeinschaftlich für das Feld, welches ihnen zum Bergbaue überlassen worden, an den Landes» Herren bezahlen, und wovon die Unterbergämter besoldet werden. In mÄ '.chen Gegenden , z. P. in Sachsen, ist die Quatember- Steuer eine Gewerbesteuer, oder Abgabe, welche diejenigen, welche ein Gewerbe oder eine Hantierung treiben, jährlich auf vier Mahl in diesen Quatembern an die Qbrigkeit bezahlen. Auch dieSnmme, welche an Einem Quatember nach dem Steueran- "schlage im ganzen Jahre auf diese Art einkommt, heißt ein (Quatember. Das Land bezahlt -o, zo, Zo Quatember, wenn es diese Summe so oft von den Gewerbetreibenden Untcrlhanen an Hen bestimmten Quatembern aufbringt. 4) In der katholischen Kirche sind die (Qnarember vier strenge Fasten, welche am ersten Fceyrage jeden Vierteljahres beobachtet werden müssen, und welche ehedem auch die Weihfasien, die Zrohnfasien, die Goldfastcn, genannt wurden. Anm. Ehedem auch Rottember, Rottemer, im Nieders. nur Tamper, im Schwed. lumperckLAs und ^nloruelelZs. - Das (Qttatember-Geld, des—cs, jftur. vonmchrerilSummen, die—er , S. das vorige. Das «Quatember-Gericht, des—es, plur. die — e, ein Gericht, welches alle Quatember, d. i. alle drey Monathe, gehalten, und zuweilen auch nur der (Quatember, oder das (Quatember, nähmlich Gericht, genannt wird ; das Quartal-Gericht. Die (Quatember-Steuer, plur. die — n, S. (Quatember z. Die (Quaternkp plur. d e — n, ansdemLat. ^uuternio, bcy den Buchdruckern, ein Heft von vier in einander gesteckten und mit einem und eben demselben Buchstaben bezeichnet!-» Boden. ^Quatschen, verir. reA. neutr. mitdem Hülfsworte haben, welches nur in den niedrigen Sprecharten vorkommt, wo es den Laut nrchahmet, welchen eine wttche, fette und schlüpfrige, oder auch eine z äh. Materie von sich gibt, wenn man mit derselben haittie- ret. z. -B. weim man nach gefallenem Regen in einem lehmigen Boden gehet. (Quatscheln ist das Jntensivnm davon. Quatsch- iicht, wo.s fttt, weich und saftig anzufühleu ist, ist airch nur in deil niedrigen Sprecharten einheimisch. Auch ein fetter schwerer Körper, wenn er auf einen harten , oder ein Hütter, wenn er auf einen zähen, fttlen oder schlüpfrigen fällt, quatscht, da es denn Lngteich das Neutrum von dem Acttvv quetschen ist. Nieders. quatsken, Jtal.siHUÄslckre, sksunsleiäre, Die (Que-vbe, die—n, im Niedersächsischen , ein morastiger, oben mit einer ft-st^rn Grasrinde bedeckter Grund, welcher zittert, wenn man darauf tritt, S. (Quabbeln. Gaeck, lebendig, munter, S. Quick. Lllt 8L8 Die (Queckbeere, plur. die—n, in einigen Gegenden, ein Nähme der Ederäschenbeere odcr Qilikscnbecre; vielleicht wegen ihrer zahl- reiepen Menge, von quecken, sich vermehren. S. das folgende. Die Quecke, plur. die—n. >) Bey den Landleutcn werden die Wurzeln aller Gcasarten, welche in der Erde Halmen treiben, die sich durch Aste vel vielfältigen, Quecken genannt, welcher Nähme denn auch wohl denGraspflanzen selbst gegeben wird. JmNieders. heißen sie so wohl «Quecken, als Queckcnwurrel und paden, von Pate, ein Reis. 2) In engerer Bedeutung sind es die überaus schnell und weit um sich her wucherndeuWurzelu dcsQuecken- grases, IHticum repens I-. welche Wurzeln auch unter die büttreinigcnden Getränke in ben Apotheken gebraucht werden. Anm. Im Dithmars. (Quitsch, in-r Angelsäckss. L vice, im Englischen Loucss- Zrassund ^uitcli-AralZ, im Schwedlschrn tzvickrot, vonbem noch im Nieders. gangbaren quecken, sich vernichten, sich fottpflanzen, Holland. Hvüellen, leben, sich bewegen, weil sich kein Gewächs zumVerdrusse des Landmaniies schneller und häufiger fortpflanzet, als eben dieses. DasStamm» wort dieses Zeitwortes ist das veraltete queck, lebendig , munter, welches zu dem Gcschlechte des Wortes wegen, wackeln, wacker gehöret, S. (Quick. Das (Qu ecken g ras, des — cs,p1ur« inus. eine Grasart, welche eine Art desWcitzens istz I riticum reH>enL I,. Hundsgras. Seine Wurzeln sind unter dem Nahmen der Quecken bekannt. Der (Queckenchaken, des—s, ^bur. ut nolii.liutz. ein eigener Hakenpflug in manchen Gegenden mit zwe-Haken, die Quecken damit aus dem Acker zu reißen. Das (Quecksilber, des—s, prlur. doch nur von Mehrern Arten oder Quantitäten, ut nom. ssuZ. ein weißes dem Silber älinli» chcs, von Natur flüssiges HalbrnetaÜ, welches in der Schwere dein Golde am nächsten kommt - und im Feuer, wie alle Halbmctalle, im Rauche verfliegt. Anm. Im Niedersächs.Qrlicksslver,Angelsächs.0'lVlLs6oIvLr, Schwed.^viclikillver, Engl. (lulclelilver, so wohl wegen seines dem Silber ähnlichen Glanzes, als such wegen seiner beweglich"! Flüssigkeit, daher es auch im Lat./VrZenturn vivum ge» normt wird. (S. Quick.) Zu Anfänge-es 'Lien Jahrhunderte» kommt es in denLbcrdeutscheu Schriften unter dl m Nahmen Zoch- silber vor, wo die Sylbe hoch mit queck gleichbedeutend zu ftyn schenket.. Das (Quecksilbererz, des—es, plur. die— e, eine jede Erdoder Steinart, welche Quecksilber iu sich enthält; imBergbaue Quckerz.s Das (Qurcksilberöhl, des — es, plur. doch nur von Mehrern Arten, die — e, in de« Chynüe, ein mit Quecksilber durchritte mchrmahlige Destillation überhäufte Vitriolsaure. Das (Quecksilberpssaster, des — s, plur. ut nom. linZ-bey den Wundärzten, ein mit Terpenthin abgcriebcncs Quecksilber, so fern es als ein Pflaster gebraucht wird; Lm^lslirum mer- cuii^!e. Die (QuecktreSpe, plur. von mehrcrn Arten, die—u, eine dem Wiesenschwingtt sehr ähnlicheGrasarr, welche auf den Triften und all den Lckcrräuderil wächst, und deren Wurzeln der gemeinen Quecke vollkommen ähnlich sind; Liomus inermm 1. Die (Quehle, ^lur. die — n, ein nur im Bergbane übliches Wort, lvv es eme R nne zur Ableirung des Wassers in den Strossen bedeutet; ohne Zweiftl nur als eine verdorbene Aussprache von Reble, S. dasselbe. 2. Die (Qttehsie, p'"tt dir — u, ein schmales langes Tuch von Leinwand, die gewaschcuem-Theile des Leibes damit abzurrockuen. Die ^andqnehle, so fern dieses Tuch vornehmlich zucAbtrocknimg -erHäitte bestiu'.mt,ist; das Handtuch. Die Rnchenqueblk', zum Que 889 znm B-bnfb-r Züch-narb-ttc». die Puzqurbl., .i». frl»c zi-c. ljcheQiteble, welche man ehedem zur Zierde iir deu Zimmern auf- zubängen und ste auch ivvhl über eine Nolle zu ziehen pflegte, da sie denn im Rieders. Rikdwehle genannt wird. Die Rollquchle -ist einlänglichesTuch vonLeinwand, dieWäsche darein zu schlagen, und, wenn sie geraster werden soll, darin um das Mandelholz zu winde». I» einigen Oberdeutschen Gegenden wird es auch noch von einem Tischmche gebraucht, welches dessen älteste Bedeutung ist, entweder auch so fern es zunächst ein langes schmales Tischtuch bedeutet, oder auch so fern es zugleich zum Abwischen der Hände bestimmt ist. Amm. Dieses Wort ist ein merkwürdigerBeweis von dem Uber, 'gange der verwandtenConsonanten in einander, indem es im Hochdeutschen Qnchle, im Niederdeutschen und vielen fremden Sprachen Dwehle, in den zischenden Oberdeutschen Mundarten aber Zwchle lautet. Schon bey dem Kero istOuuaüila ein Tischtuch, iVlapnuIa, bey dem Hagen Zandtowehle, (welches d:e vollständigste und der Abstammung gemäßeste Schreibart ist,) im Mittlern Lateine Luullia, ein leinen Tuch zur Bedeckung desAltars, und ^oacula,^öaZIa,^oaiUia,^oal!iL/roalia, 1 okLlL;L. lokale, I'oeUa, ^oxilla,'I'uakola, luaUa u.s.f- ein Handtuch, Franz.'louaiile, Jtal. I^ovLAlia, impan. lo» alla, im Engl.lorvel. Die Niedcrsachsen sagen noch Dwehle, wie die Oberdeutschen Zwehle. Vossills sah es als das Dnnin. von loZa au, wozu ihn das loZilia bey demZohann vouGenua verleitete. Frisch leitet cs von dem Franz, louaills her, ^chilter ÄUd andere voil dem alten tualou, waschen, (S. Zwagen.) und dem Niederdeutschen dwaideln, dweueln, abwischen. Allein die letzter» scheinen vielmehr Seiteirverwaudte von Quehle zu ftyn, und in einer drittrn Bedeutung mit demselben uberein zu kommen, welches allem Ansehen nach der Begriff der Bewegung ist. Das schon gedachte Rieders, dwaideln bedeutet eigentlich hin und her bewegen, wedeln, welches wiederum ein Jntensivum von wehen ist. Der Vorschlag vor dem Blaselaut ist bloß zufällig, und wenn mau diesen absoudert, so kommt Quehle oder Dwehle mit dem Tat. Velurn überein. Das Franz. I'oils und Tat. lslairri scheinen selbst hierher zu gehören. Sowie Velum von seiner flatternden Beschaffenheit benannt worden, so kann auch das lange und schmale Hand.- oder Tischtuch, und in weiterer Bedeutung ein jedes leinenes Gewebe, daher seinen Nahmen haben. Zu dem Geschlechts dieses Wortes gehöret unter andern auch das Niederst dwalen, in der Jrre gehen, eigentlich wallen. Die O-Uella-er, plur. die-N, die Wasserader einer Quelle. Der M.ae!lbotticy, S. Quellstock« Der tQuellbrumren, des —s, plur. ut rrom.linZ. ein Brunnen, welcher seinWasser von einer lebendigen, oder sehr merklichen Quelle hat. / Die (Quelle, plur. die—n, Dimin. das Quellchen. ». Eigent. lich , das ans derErdc sichtbar hervor spriilgeirde Wasser, und der Ort, wo Wasser aus der Erde hervor springt. Nach einer Quelle graben. Eine Quelle finden. Eine lebendige Quelle, wo das Wasser ans eine sehr merkliche Art aus der Erbe hervor springet. Ach, es stehet nicht bey mir, die Quelle des Stromes zu verstopfen, der sich über mich ergossen hat. 2. Figürlich, r) Das ausderOnelle heefiießende Wasser, der ans cinecQuellc entspringende Bach, doch nur nahe nm seine Quelle betrachtet; wo es viele im männlichen Geschlechte gebrauchen. Wo der murmelnoe Quell durchs Gras und Blumen sich windet, Zach. d. i. der Bach. *- Er schöpft den sichern Quell und trinket zufrieden, ebcud. d. r. dasQncllwaffer. — Sie schminkt der spiegelnde Q^ell, ebend. der Bach. Que 890 r) In bee hoher« Schreibart werben öie Augen oft die Quellen der Thranen genannt. Zerem. 9, r. Z) Alles, was den GcunL des Dascyns oder der Erkenntniß eines andern Dinges enthält, krineipjurn exiKeaäi et eoZnolceuäi. Gott ist die Quelle des Guten, die Quelle alles Lebens, aller Weisheit, dieQuelle des Seils. Indien ist die Quelle alles Reichthums von den ältesten Zeiten her. Aller Geschmack und alles Vergnügen konnte sehr wohl aus einer gemeinschaftlichen und sehr einfachen Quelle hcrfließen, Sulz. Alle glaubwürdige Nachrichten merkwürdiger Begebenheiten sind Quellen der Geschichte. Au» trüben Quellen schöpfen, sich verdächtiger Nachrichten bedienen. Anm. i. In einigen Niederdeutschen Gegenden nur Welle, im Angels. Weal, Wael, im Engl. Well, im Dän. Quäl und Rielde, im Schwed. Lalla, in einigen gemeinen Deutschen Mundarten Rie!, in welcher Gestalt es noch bey dem Matthesius vorkommt, (S. das folgende.) Kero gebraucht dafür kecpruaoo» Queck- oderQuickbrunn, Notker Okekpruano, und im Niederst ist noch Qnickborn in eben dieser Bedeutung üblich, (S. Quick.) Sonst kommen bey dem Notker noch die Ausdrücke Lrurrllaeks. und lffrlp riuZa für Quelle vor, so wie man im gemeinen Lebe« noch Spring und Born in diesem Verstände gebraucht. Opi? nennt eine Quelle Springader. In einigen alten Bibel - Übersetzungen aus dem rzteu Jahrhunderte findet sich auch Gsltscheym uud Goldschim der Bach, für Quelle, welches zu Gölle, in -e« gemeinen Sprecharten Göltsche, und mit demselben gleichfalls z« Quelle gehöret. Anm. 2. Viele, selbst Hochdeutsche Schriftsteller, besonders Niedersächstscher Herkunft, gebrauchen diesesWort im männliche« Geschlechte, der Quell, in welchem es unter andern auch bey Le« Dichtern verkommt. Eiuigc haben daraus den Unterschied berge- leiret, daß dieses Wort in der ersten eigentlichen Bedeutung weiblichen, iu derfigürlichen des Quellwaffers oder Baches aber män-m lichenGeschlechtes sey. Allein, daß dergleichenUnterschiedeeiues und eben desselbenWortes sehr unschicklich und willkührlich sind, ist schon bey mehrern Gelegenheiten gczeiget worden. Diejenige« Mundarten, welche der Quell sagen, gebrauchen es ohne alle« Unterschied als ein männliches Wort. Quellen, verk. welches in doppelter Gestalt üblich ist. I. Als em Neurrum, mit irregulärer Abwandlung, ich quelle, du quillst, er quillt; Jmperf. ich quoll, Conj. ich quölle; Mittelw.gequollenz Jmperat. quill. Es erfordert das Hülfswort seyn, wenn aber ei« thätiger adverbischerBeysatz gegenwärtig ist>dasHülfs oort haben. Es kommt in einer doppelten Hauptbedeutung vor. i. In Gestalt einer Quelle hervor kommen, von flüssige» Körpern, mit einer Wallenden oder wellenförmigen Bewegung aus einem Orte entspringen. 1) Eigentlich. Das Wasser quillt aus der Erde» Das Wasser ist aus der Erde gequollen. Ist ein adoerbischer Beysatz da, so stehet haben. Das Wasser hat dev ganzen Ta- gequollen. Mit Wasser quellen, wieSprichw. 8 , 24: Da die Brunnen noch nicht mit Wasser quollen, ist im Hochdeutichcn ungewöhnlich, obgleich auch Haller figürlich mgt: Ganz Deutschland quillt mit nüchtern Schreyen. In weiterer Bedeutung gebraucht man es in der dichterische« Schreibart auch von den Tliränen, dem Blute u. s. f. Es quollen ihm Thränen aus den Augen. Dem Rnaben quollen Thra- nen die Wangen herunter, Geßu. , In deinem Auge quillt die sanfte Zähre, Schleg« Sieh , wie sem Leben jetzt Aus dieser Wunde quillt, Weiße. s) Figürlich, seinen Gruud in einem andern'Dinae habe«, aus einem anderuDinge als seinem Grunde Herkommen, mit dem Ne- hkllbcg iffe des Reichrhumes, der FM z wie fließen. Aus Gott LkkZ q-E xyr. Que quillt Licht undLeben. Zevs sprach das Q)srt derGchöpfunq, da quoll Lcbcn in den Staub, Leff. Ein reitzendes Vergnü- gen quillt aus dem Umga- g, unserer Mugeschöpfe, Zimmerm. 2. Voit der Feuchtigkeit ansgedehnet werden. Das Brot qlrillet jn der Suppe, die Erbsen, der Stockfisch u. s. f. quellen im w-sser. das Hol; ist q.-quollen, hat sich von der Feuchtigkeit ausgcdebnet. S.anch ve> quellen. Und wce ein Teig uns must von wenig Hefen quellen. Dpi?. II. Als rin Activum, wo es billig die regelmäßige Conjugation erfordert, ich quelle du quellst, er quellt; ich quellece; gequellet. a) «Einen flüssig. nKörpee i.'.Gestalt eiiiceQieellc von sich g-ben; eine imHochde,uscheil uig ivödliUcheBedeilruilg. Denn gleichwie ein Born sein Wasser quillt (quelle,) also quiller auch ihre Bosheit, Irrem. 6 , z. 2) Quellen machen, durch Feuchtigkeit ausd hneil. Die Erbsen, den Stochfisch quellen, sic im Wasser anfqucllerr lassen. Die Rschum har den SroLfisch gequellet. Im Qberdeütschen gebraucht man rs für brühen. Den Bohl quellen lassen,vielleicht ihn aufwallen lassen. JneinigenGegen- den bedeutet das Wasser quellen, quallen oder verquollen, auch dasselbe durch Hemmung des Abflusses aufschwellen lassen, es schützen, oder stauen; wovon Frisch einige Bcyspicle anführet. Anm. Dieses Wort ist mit wallen Eines Geschlechtes,welches benLaut des aus einerQffnung mit wellenförmigerBewegung hervor kommenden, ingleichen des durch di Femrih ilchen in Bewegung gesetzten flüssigen Körpers nachahmet. (Siehe (Qiall, wall und Wallen.) DieBedeutung derAusdehnnng ist,allem Ansehen nach, eine Figur daoon, indem dergleichen Ausdehnung in manchen Fällen mit einem ähnlichen Laute verbunden ist, ja das (Quellen und Wallen eines flüssigen Körpers selbst nichts anders als eine Art dieser Ausdehnung ist. Mit einem andern Vorschläge ist für quellen auch schwellen üblich. Im Niedcrd. laut t dieses Wort quillen, Zmpcrf.Hinrll gequirlten, und daher scheinet das i in unsrem Präsenri zu sevn.du quillst,er quillt. In rinigenMund-' arten hat kus Jinvcrst ich qnall. Das (Quellenstück, des—es , x>Iur. die — e, in den Gärten, ci« Lnststiick.welches ciire mitQ rellen versehene Gegend vorstcllet. Der M-uellgrund, des—es, plur. die —gründe, eine mit verborgenen Quellen versehene sumpfige niedrige Gegend ; ingler- chen der wegen solcher Quell n snmpfiae Grirnd oder Boden einer Gegend ; im Magdeburgischen eine Springfiage, in andern Gegenden eine Galle, S. dieses Wort. Der M.nellfand, des—es, plur. iaus. mit Wasser durchflossener dcw glichcr Gand, sowie er oft an den Quellen angetroffen wird, in welchen man hinein sinkt, wenn man darauf tritt; Triebsand, Nicders (Qnlcksand,'Gluupsand,vonslmipen, schlüpfe». Die (Q'.rollsönrse, plur. inulä eiileArc Gemse, welche an den Quellen ang tr-sserrwird; Lorrpiis acieularis ll,. Der (Quollflock. des—es, plur. die—stocke, in den Malchau» fern, ein Scgzf, d. i. großer Trog, in welchem die Gerste zum Keimen eiilgeqnellet wird. Ist cs ein Bottich, so heißt er (Qucll- boliich, Weichbottich. Das M-nellwasse-, des — e, plur.doch nur von mehrernArtrn. ut N'-rrr. iin^. Wasser,welches von stch selbst ausderQbcrflachc der Erde qnilll t; zum Unterschiede von dem Brunnenwasser, Zlusiwasser, Teichwaffer n.s.f. Z Der (Quendel, bep den Kohle,ibrennern, S. Auandel. - ».Der (Quendel, des—s, piur. illulleinePsianze, welche einen angenehn'.en gewürzhaftcnGcrnch hat,und von welcher es mehrere Arten gibt. Unser gemeiner (Quendel, H^mus LerpiUum l^. welcher arrfden dürren Heiden und offenen Gegenden wachst, und VS« welchem der Curonen.' Elucndel eine Abart «st, wird auch Que 892 Hühnerkohl, Saturey, 5 eldpoley, Feldthymian, ingleichen, ob- gleich sehr unbillig, Feldkümmel, genannt, welches eine ganz andere Pflanze ist. Der Römische oder WalschetQuendestlfli^inuz vulgaris ^.welcherinSpanieil undLangucdoc einheinusch ist,ist Hey uns unter dem Nähme» des Thymians am bekanntesten. S. auch Gnndclkraut. Anm. Der Nähme wird in den gemeinen Sprecharten gar sehr verderbt, indem er bald (Qnindel, bald Gundel, Gundling, Rundling. Rienlern, in Qsterreich Rundelkraut u. s. s. kämet. Es stammet verinnthlich von demLat. Luuila, LunU.r^c, ab, wofür im Mittlern Lat. auch Huc nu'a üblich war, und da dieses G wachs im Qsterrerchischen auch Ruttelkraut genannt wird, so schcj!letes,daß man dreLateinischenNahmeu vonLuuuus.tulva, Rntte, aogeleitet habe. (Quengeln, v«;rb. re^. neulr.mit demHülfswortr haben, welches nur in den genrs.neii Sprecharten, besonders Niederdencschlaildes, u flich ist, und m:teiner klaren, gedehnteik, weichlichen weibischen Summe reden, bedeutet. Ihre Frömmigkeit batte jenen quengelnden Ton, der in einigen Gegenden Deutschlander herrscht, Hermes. Es ist ohne Zweifel eine Nachahmung dieses Lautes se bst, und vermittelst der Endsolbe —eln, das Int.nsivum von quenen, wovon qninen im Niederst noch jetzt ächzen, stöhnen bedcucet. Es wird in einigen Gegenden, z. B. m der Mark Brandenburg, auch figürlich fürrändelngebraucht,eigentlich wohl, sich aufeine weichliche, unbeständige, kindische Art betragen zwo es vonSlosch sehr unwahrscheinlich von dem'alten (Qncn, eure Fra», abgeleitet wird. DüStQllpnt, des—es,'plur. die — e,Dim!n.das (Quentchen, Qberd. (Quentlein, der Nähme eines kleinen Gewichtes, welches der vierte Theil eines Lothes st, und i n Handelsgewichte in Nie- deriachsen wiederum in vier Qrt oder Pfennige, in andern Gegenden in vier Denare oder ach! H ll r, im Apotheker-Gewichte aber in drep Sccupel gethnlet wwd. I n Näders. (Quentin,im Qberd. (Qtrinkcl, auch bey euiigen Hochdeutschen (Quint, Q"tntlein, im Mittlern Lat. ljuuu Es stanum t ohne .Zweifel von dem Lateinischen Worte c^uu,t.u 8 ab, weil es ehedem verinnthlich der fünfte Theil eines grö^ern Gewichtes war. Wenn es ein Zahlwort vor sich har, j» bleibt es nach dem Muster so vieler anderer Wörter dieser Art unverändert. Zwey, dreo (Quent, nicht (Luenft. (Quer, aclj. «-t -rflv. weiches doch nGeflall eines Nebemvortes am üblichsten ist. , Es bedcirtet, l. eigentlich , der Richtung in der Breite nach, nach einer Linie oder Richtung, welche mit eurer andern j ür dieLäiige angeiiommeircuRichtuttg oder Lime einen rechten Winkel macht. Einer quere'.-Hand breit so breit, als du Hand der Breite nach beträgt. Eines queren Fingers breit. Le.ßcn einer queren Handbreit, Ez-ch. 40, 4z. Außer diesen und vielleicht einigen wenigen andern Fällen ist es m der -G stall eines Beywories im Hochdeutschen veraltet, indem Er quere Lime,queres Hol; u. s. f. dw Zusammensetzungen (Querlinie. (Querholz u. s. s. gebraucht werden. Es ist daher >ii Genalt eine- Ncbeu- wortts 'am üblichste«, die Länge nach.einem rechten.oder ungefähr rechten Winkel durchschneidend. (Quer über den Q)eg gehen» (Quer über das Feld reiten. Ein Holz quer au datz andere befest gen. Eine Lime über die andere ziehen. (Qukv durch den Fluß waten. Mir dem Balken quer durch die Tiua> quer in das Haus wollen. (Quer Feld e n kommen, lu cht, wie einige zu schreiben pflegen, querseid ein. Du kommst mw querfeld ein.Rost, indrm das(Qucrfeid ganz etwas and rs bedeuten würde,) quer über das Feld kommen; ingleichen figürlich, nwas nicht zur Sache gehöriges Vorbringen, etwas verkehrt vor- traocü.Für dasQbcrdeulsche überquer, ist in,Hochdeutschen über- zwerch üblich.(S. Zwerch. 2.) «Figürlich, wo rs ehedem in nah- rera 89A Du e Due 894 rern urieigentlichen Bebrütungen üblich war,welche aber imHoch- deutschen veraltet find. ') Verkehrt. 5o lilit mnns mcker perlte Werkes ttenüe, Reinmar der Alte. Im Angels, ist Ikrveor.rk^r, im Engl, tkwart, und im Nieders. dwars, dwas, gleichfalls verkehrt, widersinnig, s) Erzürnet, bö,e; schon Hey dem Ulphilastl, vairiis, im Schwed, tvar. 80 vvir6eick Mit tr^erftev ouAev loliiljtevcl uvAeleüeo, Hermann von -er Vogelweide. , Anm. Auch dieses Wort ist so wie (Quehle en, merkwürdiger -Beweis von dem Übergange der Conjonanten in einander. Die Niederdeutschen sagen zwar auch quer, wie die Hochdeutschen,doch ist Hey ibnen dwcer, drvars und dwas üblicher. Im Qberd. lau- tetdiesesWort mit angehängtemHauchlaute querich.noch häufiger aber zwerch,welches in einigenFüllen auch imHochdeutschen gang, har ist, bry den Schwäbischen Dichtern trverii, bep dem Ulphilas tkväirü, im Angels, lkweor, im Schweb, tvar, im Engl. queer und tü^art. im Jsländ. tuer. Wachter leitet es von dcm Ccllischcn krumm,Lat. curvus, her,und erkläret es überhaupt, von der geraden Linie abweichend. Es kann seyn, -aß cs mit diesem Worte verwandt rst, allein alsdann stammet es mit demselben von einem älter» gemeinschaftlichen Stamme her, welcher das alte queren, drehen. (S. welche quer über den Gang streichet; die Lreuzkluft. Der(Querl, des — s, plur. die—e, in den Küchen, ein abge- schältcs Holz, an welchem die kurz abgeschnittenen Äste am Ende in einem Kranze herum sichen, fiiissigcKörper durchUmdrehr« des Stieles zwischen den Händen damit in Bewegung zu setzen. Weil man dieses Werkzeug aus den oberstenGipfcln der jungenFichten- bäume zu bereiten pflegt, so wird im Forstwesen auch der Gipfel alles Taugelbolzes der (Querl genannt. Ein Schlag Eangelh lz stehet im dritten, fünften u. s. f. (Quer! wenn er so viele Jahre alt ist, wofür man auch von dem Laubholze das Wort Laub gebraucht. Nieders.(Quirl, im Qberd. Zwirbel. S. das folgende. Querlen, verk. reZ. welches überhaupt schnell im Kreise herum "drehen bedeutet, aber nurftroch in einigen Fällen, und zwar in dop. pelter Gestalt üblich ist. i) Als ein Activum, vermittelst eines Qucrls inBtwcgnng setzen, besonders von flüssige,iKörpern.Eyer querlen, sic durch solche Umdrehung des Querls verdünnen Eyee in die Brühe'querlen. 2 ) Als rin Neutrum, mit d^m Hiüss, worteseyn, sich schnell hin und her bewegen, besonders sich v nle UMvthigk Lue Lur ruinöthigeBewegrrng machen; doch nur in eilrigcrl gemeinenSprech- arteil. Im Zause herum queplcn. Zu andern Gegenden sagt man dafür qncstern. Anm. Im Niederf. quirlen, in einigen QberdcutschenGegeiiden Zwirlrn, Zwirbeln, im Engl, to tvviri, welches schnell nmdrehen überhaupt bedeutet. DieEndsylbe—len zeiget schon, daß cs ein Jntensivum ist. Das Sta,umwort ist das veraltete queren, um» drehen, kehren, verters. S. «Quer »nd (Quer n. Die (Querlrnre, plur. dre—n, eine in die Quere gehende Linie. *Dre (Querne, oder (lauern, plur. die — n, oder —en, ein im Hochdeutschen veralicies Wort, eine Mühle zu bezeichnen; in der Monseeischen Gloste Ouiru, bey andern allen Schriftstellern Lstuirc». Es ist noch im Niederst und den verwandten Sprachen gangbar, wo «Quern. Engl,Ariern., Angels.Gvveorn^ Ovvenrn, bey dem Ulphilas ^unirn, im Schweb. st)varn , im Island. Aiuern, eine Handmühlc bedeuten. Es stammet gleichfalls von den: veraltete» queren, nmdrehen, kehren, wirren, verlern, her», (Querlen und Auer-) Ehedem war daher (Querner auch ein Müller. *Die (Querttckcht, plur. die—nachte, ein nn Hochdeutschen veralteter, noch im Niederst üblicher Ausdruck, eine Zeit von zwey Nächten und einein Tage, oderauch von zwey Tagen und einer Nacht, zu bezeichnen, indem man ehedem die Tage nur nach den Nächten zu zählen pflegte, ffber die (Quernacht, innerhalh 48 Stunden. Man macht allerley gezivnngene Auslegungen von diesem Worte, welches im Nieders.Dwernacht lautet; allein es scheinet, daß quer, oder Niederst dwcr, hier von zwier, zwey, Niederst twe, abstammet, eine Zeit von zwey Nachteil zu bezeichnen. S. (Querapr und (Quersack.. Die (QuexpfeLfe, plur. die—u, Dimin. das (Querpfeifchen, eine Pfeife, welche im Blasen quer an den Mund gesetzet wird, eine kleine aus einem Stücke bestehende Querstöte, dergleichen noch bey LenSoldaten zuFuß üblich siud^ Franz, k'lute Hllemnucle Daher der (Querpfeifer, des—s, plur. ut nom.linA. derjenige, welcher selbige bey den Truppen zn Fuß bläst. Der (Quersack, des — es, plur. die—sacke, ein langer Sack sder Beutel, welcher feine Qffnung in der Mitte hat, und eigentlich aus zwey Säcken bestehet, deren einer im Tragen vor der Brust, der andere aber auf dem Rücken herunter hänget; Niederst Dwersack, Dwerbndel, Qberd. Zwerchsack. Man leitet die Benennung daher, weil eui solcher Sack auch in die Quere über das Pferd gchänget tverde. Allein, ein jeder qe üllterSack muß, wenn «r von einem Pferde getragen werden soll, demselben in die Quere aufgelegt werden; daher quer, zwerch und dwrr auch hiev ans ^wey, zwier, Niederst twe, gebildet zu seyn scheinet, weil ein folchercSack wirklich gedoppelt ist, in (Queraxt und (Quernacht auch eben diese Abstammung wahrscheinlich wird. Der (Quersattes, des s, plur, die — sattel> ein mit einer rund ausgebogenen Rücklehne verfthener Sattel zunr Reiten, auf welchen man stch in die Quere setzet, anstatt die Füße überdas Pferd zu hängen; der Wribersattel, weil stch das andereGeschlecht derselben gemeiniglich zu bedienen pflegt. Der (Querftrum, des—es, p! a r. die—säume, ein in die Quere, d.i. derBreite nach gehender Saum, dergleichen z.B.diePreis- chen oder Quader an den Hemdärmeln sind. Der (Querschlay, des—es, plur. die—schlage, im Bergbaus, ein Schlag, d.i. eine Qffnung, welche durch das Qücrgestein quer zwischen zwey Gruben getrieben wirkst Ist er von einer beträchtlichen Länge, so wird er eine Strecke genannt. Der (Querschnitt, des—es, plur. die-e, ernSchnitt in dir Quere. Der (Querstrich , -es— es, plur. die—e, ein in die Quere gehender Etrich, ein Strich, der mit der gewöhnlichsten Richtung anderer Striche eine« rechten Winkel macht. Das (Querstück, des — es, plur. die—e, ein jedes m die Quere gehendes Stück. Ju den Mühlen ist das (Qucrstück rin abgelösctes Stück Stein, welches auf die Kante gesetzt, und so zum Mühlsteine bearbeitet wird ; zum Unterschiede von einem Bauk- stuckc, welches so zum Mühlsteine ausgehauen-wird, wie es im Bruche liegt. Da? (Quertüch, des—es, plur. die— tücher, ein jedes in die Quere sehendes Tuch. Im Jagdwesen führen auch die Lauf- Nicher diesen Nahmen, weil sie iu die Quere zwischen dem Jagen und dem Lause stehen. ? Die G.uerwand, p!ur. die—wände, eine in die Quere gehende Wand. Bey den Jägern find es z. B. die kurzen i« die Quere gehenden Wände an einem Lerchenfange. Der (Querwey, des — es, plur. die — e, ei« in die Quer, gehender Weg. Der (Querwmö, des — es, plur. die—e, ein in die Quere, d.i. von der Seite, kommender Wind. Niederst Dwerwind, welches aber, so wie dasHollälid.Qvvsrvvillcl, auch einenWirbel- wind bedeutet, und alsdann unmittelbar von dem veralteten queren, dwcren, drehen,, abstammct. S. (Quere und (Quer!. Der (Querzwickel.,, des —s, plur. ut nom. lin^. bey den Strumpfwirkern undStrickern,eilnÄrtZwtckel in dcnSllümpftii, deren Maschen quer über die andern Maschen des Strumpfes gehen. *r (Quick, des— es, plur. ivul. rin nur im gemeinen Leben "Ä "bliches Wort, das Quecksilber zu bezeichnen. So '.st im Bergbaue Jungfern quick gediegenes, in beweglicher Gestalt m-?! den Gürtlern und andern Metallar- Adel.W.B.Z.TH.LAust. l - - Qui 8^3 heitern ist der (Quick das inScheidelvasser getödtete Quecksilber^ womit der Grund zur Vergoldung auf dem Messing gelegt wird. In einer andern Bedeutung kommt das Hauptwort (Quick oder (Queck im Niederst vor, wo es Vieh überhaupt, cs sey nun kleines oder großesVieh, Hede,Net, alsdann aber sächljchenGeschlechtes ist, das (Quick, und so wohl collective, wie Vieh, als auch individuali- ter, ein (Quick oder (Queck, gebraucht wird. Zornqueck, Hornvieh. Auch hier gehöret es zu dem vorigen quick, lebendig, indenr es eigentlich lebendige Habe zu bedeuten scheinet, so wie Vieh eben diese Ableitung leidet, da es denn mit vivere und weben verwandt seyn würde. Das (Quickerz, des — es, plur. doch nur von mehrern Arten, die—e, Quecksilbererz, im Bergbaue, S. das vorige. Die (Qmckmühle, plur. die—n, imHütteubaue, eine Mühle von gegossenem Eisen, das Silber durch die Amalgamation mir Quecksilber aus seinem Erze zu scheiden , oder es abzuqiricken. Das Silbererz wird mit dem Quecksilber auf dieser Mühle zu einem Schlamme gerieben, woraufdas beygemischteQuecksilber durch Leder gedrückt, der Überrest aber in der Retorte überge- tricben wird. Der Murcksanö, des—es, plur.ivus. Sand, welcher unter den Füßen ausweicht, besonders imNiederftichsischen, lebendigerSand; Triebsand, S. dieses Wort. (Quieken, verb. reA. ueulr. mit deni Hülssworte haben, welches das Helle Geschrey mancher Thiere nachahnret, dieses Geschrey von sich geben. Das Ferkel quieket, wenn es geklemmet wird. Engl, to st^uLulr. (Quaken und quaken bezeichnen ähnliche aber nicht so belle Schälle. (Quieksen, vc-rb. reZ. nsulr. auch mit dem Hülfsworte haben. Es ist das Jntensivum dcS vorigen, und wird, wie dieses, nur in gemeiuen Sprecharten gebraucht. (Quiecen, verb. reZ. uLt. welches nur in der Landwirthschaft einiger Gegenden, z. B. Meißens, üblich ist , wo es diejenige Art zu pflügen bezeichnet, da man den gebrachten Acker in die Qm re pflüget ;welcheArt zu pflügen auch hakenpflugen, hocken, weil cs mit demHakcnpfluge geschieht, inglcichen'balkenstreifen genannt wird. Eben daselbst wird anch das Egen quer über den Acker girieren genannt. Es stammet von quer ab und stehet für queren. Im Schweb, heißt diese Art zu pflügen tivars; von tu ür, quer. (Quietschen, verb. re^. neutr. mit demHülfsworte haben, Plt einer durchdringend Hellen aber widerwärtigen Stimme schreyeu, welchen Schall es genau nachahinet. JmPohlnischenkMlcrs, ich quietsche. Das (Quint, S. (Quent. Die (Quintanne, plur. die — n, S. Ringremien. Die G.ninte, xlur. die—n, aus dem Lat. (Zujmus. i) Das fünfte unter mchrtrn Dingen EirrerArt; doch nur irr einigenFällem So ist in der Mrrsik die (Quinte der fünfte Ton von einem Clavi an. Auf den Seiten- Jnstrirmeittcu ist die (Quinte die fichfte, folglich die dünnste und klarste Saite, welchen Nahmen die schwächste und klarste Seite auch alsdann behält, wennpin Instrument nur vier Saiten hat. Im Fechten ist es eine Art des Stoßes. JmPicketspiel ist die (Quinte fünfauf einander folgende Blätter in Einer Farbe. 2 ) Figürlich werden Ränke, listige Streiche, Finten, sehr häufig (Quinten genannt. (Quinten im Röpke haben, rank- voll seyn. Ein (Qnintenmacher ist daher ein solcher ränkvoller Mensch; im Osnabrück. (Qmntenfänger. Im Niederst gleichfalls (Quinte, ingleichen (Quinkslag. Vermuchlich als eine Anspielung auf die feineQninte unter den Darmsaiten. Der (Quinten-Zirkel, des—s, plur.ut nom. in der Musik,ein Zukel, welcher entstehet, wenn man von c aus in auf- ' Ll! steitzett- §99 Qrrr steigendril Quinten forlgeht, bis man wieder in das c zurück kommt. Die Gminterne, plur. die — n, aus dem mirtsern Lat. <)uiu- teina, bcy den Buchdruckern, eine Lage von fünf ineinander gesteckten und nur mit Einer Signatur versehenen Bozen. ZmN' Unterschiede von einer Gmaterne, Tarne, Duevne. Die (QwrNtessenz, plur. die — en,aus dem Lat. Quinta eilen- kia, eigentlich in der Chpmie, die beste durch chymische Kunst susgezogene Kraft eines Dinges, und figürlich, die in das Enge gebrachte beste Kraft eines jeden andern Dinges. Das G-Mntött, des —es, plur. die —e, in der Musik, ^eitte Arie von fünf Singestimmen ; aus dem Jtal. s^urvteltc». Die (Qumtstötte, S. äolMote. G.uiren, S. (Quirren. Der (Quirl, S. (Qucrl. Die ^luitse oder LQlitze, plur. örH-n, der in den gemeinen Sprecharren Qber-und Rieder - Sachsens übliche Nahmeder Vogelbeeren oder Beeren der Eberäfche, Lcorftus aucu» p-iria Q. welche daselbst auch (Quirsenberren, (Quitzcnbee- ren, O.ultschenbeeren, so wie der Baum (Quitsenhaum, (Quitschenbaum, genannt-wird. , (S. Eberaschc und Vogelbeere.) Vielleicht wegen ihres herben Geschmackes entweder von dem alten noch Rieders., quad, böse, oder auch von quct- - scheu, so fern cs überhaupt zusammen ziehen bedeuten kann, ireil sie den Hals zusammcuziehen, daher sie von einigen auch Speperlinge genannt werden. In einigen Nieder-sächsischen 'Gegenden heißen sic tQncckbeererr, und der Baum im Engl, tzuiekevtree, vielleicht weil sie sich sehr häufig fvrtpflan- zen, S. (Quecke und (Quick. Nuitt, uckv. scey, los, ledig, so wohl im physischen als moralischen Verstände. Es kommt in der anständigen Schreib-und Sprcchart wenig mehr vor, wohl aber noch zuweilen in den gemeinen Sprccharten, wo es mit der zweyten Ekdnng verbunden wird. Des Eides quitt ftpn, r Mos. 24, 8, 41, zu der eidlich augelobte» Sache nicht mehr verbunden seyn. Jemanden quitt und los zahlen, Gryph., viel Veiber (siird) ihrer Ehr und Männer quitt gemacht, Opitz. d.i. beraubet worden. Aller Sopgen, aller Plage quitt sepn- davon bofreyrt ftsn. Rurz von der Sache ;n kommen, meiner zrelMdschaft sind sic quitt, Leff verlustig. Aura. Im Rieders, gleichfalls quitt, quiet, im Holland. im Engl, ciuir, im Frartz. zuckte, im Schwed, ^vitt, im Island, qwitterr. Zm B.retagnischcnift verlassen, und ^u^Leb frey machen. Frisch, Ihre und die meisten Wori- forschcr leiten es von dem Lat. cquiews, ruhig, her; allein wie gezwungen und wenig treffend diese Ableitung ist, fällt einem stden in die Augen, zu geschweigen, daß es sehr unwahrscheinlich ist, daß ein so weit ansgebreitetes Wort, welches allem Ansehen nach sehr alt ist, aus dem Lateinischen entlehnt seyn sollte. Wachter fiel auf das Lat. viäuus. Er hätte Recht gehabt, wenn er sich bestimmter ausgedruckt und - gesagt hätte, baß unser quitt und das Lat. viäuus Seitenver- wandtr, Abkömmlinge von einem gemeinschaftlichen Stamme sind. Vit war ein altes Stammwort, welches abgesondert, los,, frey bedeutete/ Lat. vistrirr? und ickuus, und wovon so wohl unscrWitwe, als vermnchlich auch' das Niedersächsische weben, Men, ansaäten, ingleichcn weit, als auch mit Vorgesetztem Gaumenlaute unser quitt, eigentlich kwitt, abstammen. Im Wallistschen heißt ein Wikiver gleichfalls mit Vorgesetztem g GvpLäilnv S. auch iQnittiren und Quittung. ' ^ .l Dur 900 Die (Amtes, plur. öl'e —N, die Frucht des (Qttsttenbaumek/ i?^rus L^cloniA k,, welche einem Apfel gleicht, nabelför- nug, von außen wollig, rrnd inwendig fleischig ist. Sie ist gelb von Farbe, hat einen angenehmen Geruch, aber ungekocht einen sehr herben und säuern Geschmack. Ju ihren fünf Fächern enthält ftc viele längliche und klebcrigc Samen, wel- che nntcr dem Nahmen der (Quittenkerne bekannt find. Man hat ihrer ziveyerley Arten, deren eine rundliche Fruchte, die andere über längliche trägt. Die erster» werden Upfelqnitten, die letzter» aber Vr'rnqnitten genannt, welche indessen mit den (Quittenapfeln und (Qnitrenbirncn nicht verwechselt werden müssen. Go gelb wie eine (Quitte, wegen der goldgelben Farbe, welche die reife Frucht hat. Amu. In den gemeinen Dberdeutschen Mundarten (Quecke, Vütte, Rcttte, im Nieders.llQue, im Holland, gleichfalls O nee , im Böhm. Kiutva; alle ans den. Lat. O/ckouiL oder Na- !urn Gotoveurn^ Griech. «AAsrp«v§, weil die Grieche» und Römer, ehe ste diesen Baun: gelbst anpflanztcn, dessen Früchte ans Tpdon, einer Stadt auf der Insel Creta, bekamen. Hieraus find auch die Mittlern Lat. Lotonum, Gutog, vum , GoctÄliumLoduvuvr, und das Jtal. LotLxua, u. s. s. verderbt. Der (Quittevapfel, des— s, plur. die—«pfel, eine Art großer und gelber Apfel, welche so wohl in der Gestalt ,als auch i» der Farbe den Äpftlquitten gleichen. Der (Quittenbaum, des —es, plur. die—bäume, S. (Quitte. Die (Q-ttittenbirn, plur. die—en, eine Art Birnen, welche de« Dienquirten an Farbe uüd Gestalt ähnlich sind. Das (Qttittenbrot, des — es, plur. ivul. ein mit Zucker eings. . svttcnes und getrocknetes Quitlenmuß. M-uittentzüLb, aclj. et aä v. so gekb wie Quitte, sehr gelb. Der (QuittenhänstinF, des-—es, plur, die— e, eineArtgel- ber Hänflinge mit gelben Schnabel, welche in der Farbe den Quitten ähnlich sehen. Im gemeinen Leben auch der (Quitter. Der (Quittenkern, des—cs, plur. die—e, S.(Quitte. Die (Auttten-Latwerge, plur. inull der bis zur Dicke einer Latwerge eingcsottene Saft der Quitten. Die (QuiLtenpsirsche, plur. die—n, eine Art gelber, den Quitten ähnlichen Pstrschrn. Der (Quittenwein, des—'es, plur. ivull eine Art Obstweines, welcher aus dem gegohrnen Safte der Quitten bestehet. Auch in den Apotheken hat man einen (Qyittcnrvein, welcher ans geläutertem Quittensafte bereitet wird, der mit weißem Zucker gcgoh- ren hat. Der (Quitter, des — s, plur. ui vom. kvZ. S. (Qnittcn- hänsftng. (Quittiren, vsrb. reZ. aett 1) Ein schriftliches Zeugniß einer bezahlten Geldsumme geben. Jemanden qniktiren, ihm ein solches Zeugniß ertheilcn. Jemanden über eine Summe quittirrn, ihm ein Zeugniß kvegen dieser bezahlten Summe ertheilen. Eine Summe quittirrn, den Empfang derselben bescheinigen. 2) Verlassen ; doch nur im gemeinen Leben. Etwas qnirtiren. Anm. In der letzten Bedeutung ist es zunächst aus dem Franz, cpittier, verfassen, entlehnet,welches wieder von quitt abstammet. In der ersten. Bedeutung leiten es Wachter, Schifter und aridere sehr wahrscheinlich von dem im Hochdeutschen veralteten qnrden, reden, und in engerer Bedeutung, bezeugen, Zengniß geben, her, ^ von, welchen: im Tatian schon von einem Zeugnisse vor- kommt. (Quitten, und mit der ausländischen Endung quittirrn, wurde HOL Lut würde also bezeugen, bescheinigen, überhaupt keoeuttu, und in -n^ a,rer Bedeut,mg deuEmpfaug einer schuldigen Summe be,ch-nu- Ion Allein, daman imNiedcrsnsch das Zeitwort gurren har, welches unstreitig von quitt,abstammet,und ehedem für frey erklären, von aller Verbindlichkeit lss sprechen,bedeutete,jetzt aber nur noch al,- -i» R--ipr°-n°,. »ch guitlen, fichM» Pst-ch- -».'-d>scn, «ran,, - »cqu k-msnlk, gch»nn-t w--d i s» ist-s,°ki!glanbljchsr, daß gni»ir-n M!« drr auch inainmiInl- Irn üblichen ausländische» Endung inen an« diesem W-r» geb,l- Let worden. S.-_Iren. Da man im Mittlern Laterne aus qrmren gurerare und Huistum reääsre, für PÜtLiren, machte,so hat solches Arischen und andere verleitet, unser quitt von riuieröL abstammen zu lassen. S. das folgende. Die p!ur. die—en, ein schriftliches Bekenntniß über eine emvfangene Zahlm,g. Jemanden eine «QuSttnng geben. Eine «Quittung ausstellen. Es ist das Verbale von dem im Hochdeutschen veralteten quitten, quittircn, wofür ehedem auch ^ Die G-uitze , S. Nuitse» r r r « R, der der achtzehnte Buchstab des Deutschen Alphabetes und der vierzehnte unter den Consonanten, welcher mit ^ einer zitterndenBewegung decZungenspitze an demGau- ^ men ausgesprochen wird, daher er auch zn de« Zungenbuchstaben gehöret. Man rechnet ihm zugleich zu den flüssigen Mitlautern, weil er so wohl vor als hinter den meisten andern Mitlautern sehr leicht auszusprechen seyn soll. Dieses leidet indessen seine Ausnahmen. Denn da das r der schwerste Buchstab in der Sprache ist, so nimmt diese Schwierigkeit in der Aussprache Roch zu , wenn ein b, oder w vorher gehet, obgleich das d und r nicht so viele Schwierigkeiten haben. Der Einwohner von Otaheite in der Südfee konnte das pr, bc u. s. f. niemahls aussprechen lernen, ob er gleich das r, wenn es zwischen zwey Boca- len stand, sehr leicht aussprach. Die Ursache der schweren Aussprache des r liegt in der zitternden Bewegung der Zunge , welche sine mehrere Anstrengung erfordert, als die übrigen Buchstaben, daher auch die Kinder dasselbe am letzten und schwersten, und wenn die Zunge zu sehr mit dem untern Gaumen verwachsen ist, oft gar nicht aussprcchen lernen. Ja cs gibt ganze Nationen, in deren Sprache dieser Buchstab nicht befindlich ist, und denen-daher auch die Aussprache desselben unmöglich fällt. Aber auch da, wo man ihn hat und ausspricht, veranlasset der mangelhafte Bau der Sprachwerkzcuge oder Nachlässigkeit in der Erziehung einen doppelten Fehler in der Aussprache dieses Buchstabens, nähmlich das Lallen und das Schnarren. Das erste bestehet darin, wenn man statt des r ein l hören laßt, und der zweyte, welchen man in Baiern rätschen nennet, wenn zwar das r gehöret, dasselbe aber zu tiefiu dem Gaumen, oder durch die Nase ausgesprochen wird. Den haucheudeuSprachen und Mundarten, zu welchen auch die Alemannische und noch zum Theil die hemiae Oberdeutsche gehöret, ist es sehr gewöhnlich, diesen schon an fichschwcreilBnchstabclk noch durch einen Hauchlaut zu verstärken; krau Ke, rauben, ftrir- 2 Lv, reißen. Andere lassen den Hauch nachschleichcn, Rhein, Rtreaus. Im Hochdeutschen kennet man beyde Arten nicht; denn ob man gleich in fremden Wörtern das Ro beybehält, so schreibt man doch in ursprünglich Deutschen, z. B. Reede oder Rehde lieber cinbloßesr. Der einzige Rhernstrom macht hier eine Ausnahme, obgleich sein Nähme von dem veralteten reinen, stießen, abstamrnet, wovon rinnen und rennen Intensiv» find; indem man hier noch das h zum Andenken der Griechischen und Römischen Schriftsteller, die seinen Nahmen zuerst geschrieben haben, bey- Sshält. Ält-re Deutsche schrieben auch 6rein. Das'r ahmet vermöge seiner Natur eine sede zitternde Bewegung nach , worauf cs denn figürlich auch gebraucht wird, eine kreisförmige, ja eine jede heftige und "plötzliche Bewegung, eine schnelle Wiedcrhoblung, eine Jntension/s'eflige Gemüthsbewe- gungu.s.f.anszl.'deucken. Bevspjelr find tremeoe rasch, irren, die intensive und freguentativeEndrulg —crn, Rreis, drehen, Ira, und tausend andere. ^ Die zitternde Bewegung der Zunge, m't welcher dieser Buchflab ausgesprochen wird, macht, daß seineStelle inAnsebmig des Bocals, von welchem er begleitet wird, nicht alleinahl bestimmt genug ist, indem dieser, oft in einer und eben derselben Sprache, hald psrn bald hinten sieht. Für Brunn sag! man auch Born, für brennen, bernen, Engl.to Kur» , daher Bernstein. Für das alte Byrn, ein Berg, findet man auch Brynn. Für pressen sagen die Niedersachsen perssen, für Rechen Zarke. äarm und Gram sind vermuthlich Eines Ursprunaes, so wre Dorf und Trupp, dreist und das alte dürsten, begierig seyn, drehen »nd lcrroare. Auch die Lateiner sagen acer und aorm, ceruo und orevu, O.scrimen, Kurare und k'ruuAecmea und6ea- mes, Lracüuln, Griech. u. s. f. Sehr gewöhnlich ist, nicht allem in der Deutschen, sondern fast in allen Sprachen, die Verwechselung des r'mit s, und noch na he mit dem verwandten l. Beyspiele von der ersten Art find Beere, und das Nieders. Besing, ber- dei» Ulphilas Hal'i; verlieren, ehedem verliefen und Verlust; köyrcn und kiesen; Hase, Schweb. undEngl.klare; befahren, fürchten, Schwed. kal'a; frreren, ehedem sriesen, Zrostnnd Zriesel: ich war, Nieders. was, gewesen , so wie die Lateiner für ero ehedem elo sagten ; wer und yuis; Rohr,Key dcm Uiphilas klar 8, Franz.^olsau; ^es und /^eriL; Verena, bey den ältcrnLateinern ^bena; /^ra, ehedem ^fia u. s. s. Von der zwepten Art, Marouke und Malonke, Pilgrim und kereZririUZ, das Schweizerische Ailchc für Lieche, Blocksbergnud Brocksberg, Pflaume und ?ruuum,Lcrbe!ge und das mittlere Lat. ^i bsr^a, und bey den Lateinern klares, ehedem k'ulca , anderer zu geschweige» ^ S. auch die Endungen — El und — Er,. —Ein und — Em. Seltener ist die Vgpwandelung des d und t in r, obfie gleich KenMcklenbiirgern sehr geläufig ist. Denn dort sag, man varer für Vater, Maurer für Mutter, Zur? für Jude, Lüre für Lüde, Leute , mpn Lere für mein Lebetage. Die Aas , dic SegMaiig?, S. Rahe. Der Rakätk, des — es, p!ur. inul aus demJtafi. kkakikstto, Franz. 6. ibat.und diese von radaNere und r^bait. e, bei-den Kaufleulen, der Nachlaß an dein bestimmten Preise einer Waare. Jemanden drey proceur Rabatt geben. Die s>lur.die —n, gleichfalls a»is dem Franz. Ikukat. ,) Ein Umschlag, umgeschlagener Saum oder Theil eines Kleidungsstückes; besonders der Ans-und Umschlag am Halse >lnd an den Ärmeln. . Ein hellgrüner Ruck mit rochen Rabatten. 2 ) Fj üirüch werden dal>er bey der» Gärtner» die mit Bnchsbaum oder andern Garrengewächseu eingefaßten Gartenbeete, so fern sie wiederum zucEulfastuna einesrrii:Kücher»ge»vächfen besetztcnOnar- tieres dienen, alrichfall Rabatten gcnairnt. Wachter leitet es hier schr tmivabrscheinlich von den»Böhmischen !irai>udi, graben, ab^ welches wiederum von Krake, ein Karst, Grabscheit, ab« starnmei. Der Rabe, des — n, plur. die —n, eine An Vögel mit drcp nackten Vsrderzchen, EinerHinterzehe, und - inen» langen konischen Schriabel; 6or> u- l,. In weiterer Bedeutung pssgi man auch die nahe verwandle» Arahe.» mit z«l den Raben zu rechnen, und in manchen Gegenden hat mau, für beyde-nur den Na men Rabe. Jin engstenBerstandc find disRaben eine große und völlig schwarze Art Krähen , daaeqe^ bey de» eigentlichen A-äben der Rücken in das Blaue fällt. Go schwarz wie en Rabe. Er -stiehlt wie ein Rabe, weil alleThicre dieses Geschlechtes einen natürlichen Trieb haben, glänzende Körper megzutragen. Am». HOL Rab Rach 906 Anm. In der härtelm Oberdeutsche» Mundart ohne e euphoni- enm,Rab, Rapp, beydemW:lleramK.aban, bey dem Notker mit einem andern aber verwandte» E.ndlaute kamrno, noch in einigen Oberdeutschen Gegenden Rahm , im Niederf. Rave, im Angels.kaekn ul:dkrs.mm,im Engl.kavsu. imSchwrd.kasu und Kama, selbst im Hebr. 215k, Orsb , und im Arab.'6oura- bon. Diese große Übereinstimmung beweiset schon, daß der Bog l seincll Nahmen von einer sehr in die Sinne fastende» Eigenschaft haben muffe. Wachter fiel aus das alle Kümo. Aas, weil fich der Nabe unter andern auch davon nähret; Iuaius und andere auf das Rauben; Frisch auf die schwarze Farbe, wett Rahm auch Ruß bedeutet, und eiu schwarzes Pferd auch ein Rappe genannt wird, (S. dieses Wort.) Allein es gibt auch, obgleich seltener, weiße Raben, und der Indianische Rab? oder Wasstrrabe ist oben gelb. Es ist daher weit wahrscheinlicher, daß dieser Vogel den Nahmen von seinem lauten widerwärtigen Geschreye hat wel- chem auchchie nahe verwandten Ärähe 1 ihren Nahmen zu danken haben. In der Schweiz druckt man das Geschrey der Raben wirklich durch grappen ans. Daspro ünzlells rayinen, Angels, kirsman, da- Finnländ.raavviin, bedeuten insgesamm: schreyen, und find mit unserm rufen, Niederst ropen, verwandt.' Die morgenländischenOrsb und6ourabou, welche bloß eiilenHanch- «ildGanmenlaut voran schicken,machen es wahrscheinlich,daß auch das Lac. Oorvus mit hierher gehöret; so wie Oor-tX mit der Rrahe und ihren: Rrachzen verwandt ist. Der ^dunkelgrüne Wald- oder Sleinrabe, der Nachtrabe , der See - oder Wasserrabe, welche alle Vögel verschiedener Geschlechter sind, haben mit , unfern Raben nichts als das laute widerwärtige Geschrey gemein, obgleich auch einige darunter zufälliger Weife schwarz sind, die meisten aber andere Farben habeti. S. r Racker. ffDas Rttbeuaas, des—es, plur. die—äser, ein nur in den niedrigen Gprecharten übliches Schimpfwort, einer höchst strafbaren oder lasterhaften Person, welche gleichsam verdienet, den Raben zur Speise zu werden. Dr: Räbenärt, p!ur. ear. eine den Raben natürliche Act. Besonders gebraucht mau dieses Wort in sehr hartein Verstände von dem unuattirlich harten Betragen mancher Äicern gegen ihre Kinder, ob sich gleich dieser Ausdruck auf die in den neuern Zeitem als e n Mährchen befundene Erzählung g- ündet, daß die Aaöcu ihre Jirngey verlassen sollen. Solche gegen ihre Kinder auf eine unua- türl'che Arr harte und grausame Älteru pflegt man auch Raben- alrer^, Rabenväter und Rabenmutter zu nennen. Der Rcrbenbtttzen, des—s, plur. utuom. üriL. S. Rabenhaller. Der Raben- Duccrten , des-—s, psur. utnom stnZ. eins Art UilgarifcherDneaten, welche König Matthias Hunniades zum Andenken eines voit ihm im Fluge geschossenen Raben, der ihm einen Nuig entwandt barte, schlagen lassen. Man stehet darauf einen Raben, der einen Ring in: Schnabel führet. Die seltensten find die von r 499 , wo der Rabe in dein Schilde sichet. Ungelehrte Münzliebhaber pflegen oft auch die Arabischen Dncateu, verderbt Raben Ducaten zu nennen. ^ rhenfüst , des—>cs, piur.'die—fuße, eigentlich der T»ß von- einem Raben. Figürlich, wegen einiger Ähnlichkeit in der G, stalt der Blatter, auch ein Nähme des Strand-- oder Was- serwegernyL, kiarcka^o maritima lh,. welchen aildece Rra'hen- fuß in-»».-!. Der Rrvenhäüer, des —s, piur. ut uüm. iirr^. eine Arr ^ Hw. :Z racher Haller, mit einem darauf geprägten Rabenkopfe. B.ellrichr aus dem Cantor: Frey bürg, der einer» Ruben im Wape.n führet. Man hat auch dergleichen RabenpfenniZe, Rabeuvwrep, und Rabendatzm mit eben dem Gepräge. Die Rabenhütte, plur. die—n, bep den Jagern, eine Hütte im freyen Felde, die Raben und Krähen aus ders.lben zu schießen; die Rrähenhmte. Der Rabenkiel, des — es, xrlur. die — e, ein Kick ans den Schwungfedern der Raben; Rabenfeder, Rabenspule, Rieders. Rabenpose. Die Rabenkrähe, plur. die—n, eine Art ganz schwarzer Krähen- welche dei: Raben sehr ähnlich sehen, aber nicht so groß und stark find; (>ornrx oiZra A/srn. Die Rabenmutter. plur. die —mutter, S. R rbenark. Der Rabenvfenmg, des—es, plur. die—c. S. RabenhäLer» Der Rabeasa-nabel, des—s, plar. die—schnabcl. eigenr'. ch der Schnabel eines Raben. Ben den Wunvärzttn rst es eine Zange mit einer lang?» gekrümmten Spitze, die Sp icker aus denWande» damit z,l ziehen. . Rabens^s) Ncrrz , aäj. st a6v. so schwarz wie eic: Rabe, sthk schwarz, kohlschwarz. Die Rabenfpule, plus-. die—n, S. Rabenkiel. Der Ravenstein, des — es, plur. die—e. 1) *EinStcinhaufe, ans welchen fich die Raben gemeiniglich zu s Heu pflegen ; eine im Hochdeutschen ungewöhnliche Äedentnna, ii: ivrlcher es Sprichlö. 26, z vorkomnrt: Wer einem Narren Eore anlegt, darrst, als wenn srner.einen Edelstein austdei: Raveustem würfe. 2) Ein echabener gemanerier Platz, auf welchem mau die M sscthärer zn enthaupten pflegt, vermuthlich auch, so seru sich dieRaoenger» daselbst versammeln, zumahl da ein soicherRichtplatz gemeiniglich nicht weit von dem Galgen zn seyu pfiegt; oder vielleicht noch besser von dem alten klrerv, eine Leichü, Anzels ki av/» ein Aas, todter Körper. Im Nieders. heißt er Roppelbarg, in einigen Schweizerischen Gegenden die Blatte, in andern Oberdeutsche» Gegenden die Hauptstadt. Z) Ja einigen Gegenden wird der^ schwarze Velemnit, Wege,: seiner schwarzen, dem Aabenähnliche» Farbe, Rabenstein genannt. Der Rttbenvatsr, des—s, plur. die—Vater,S. Rabenart. Der Rabenvierer, des —s, plur. ut uom.liu^. S. Raöen- h aller. Der Rabiscl), des—es, plur. die—e, ein indem Meißnische» Bergbalte ehedem sehr übliches Wort, ein Kerbholz zu bezeichnen, worauf dir Rechnungen an - und abgeschnilteu wurden , welches aber mit der Sache selbst veröltet. Nicht von herab wischen, wie Frisch will, sondern ohne Zweifel a,cs dem Wendischen , welches ehedem in Meißen die Landessprache war,an:d wo Wrub ei» Einschnitt, Kabuls« aber so wohl das Anfchnejden aus das Kerbholz , als das Kerbholz selbst ist. Der Rabulist, des—en plur. die—en ein geschwätziger und dabey ränkvollec Sachwalter, welcher den Sinn desGeseyes nach seiirem Vortheile zu drehen weiß; ein Zungendrescher. Daher die Rabulisterey, ränkoolle Geschwätzigkeit. Es ist aus dem milt- lcrnLat. rabrilars, viel leercsGeschrry vor'bedicht machen, welches wieder von dem Lat. kabiüa, en: Z,m amdrescher, Rabulist, abstam.mct. Vosslus bemerkte schon, daß dieser Lateinische Ausdruck mit dem Nieders. vabbeln, Holland, -abbelen. gesch ojude und unverständlich reden, verwand: sty. Im mittler:: Lateiick wird ein Rabulist auch geuannt. Der Rabzahlt, S. Raff; ihn. Oie Rache, p!ur ear. ») Ja engerer Bedeutung, die Begwrde, das ulls an.grthane Unrecht an dem Beleidiger zu ahnden oder geabndetzil s.chu, dessn: Zufügung, und das Übel selbst, waches ihm auf solche Art zngefüg!t wird. vor Rache glühen. Auf Rache bedacht stpn, aitfenü'Gcaciibclew-gunaf'ireiuelNpsattge- ,:es Unrecht. AufRachc denken oder st neu. Ra.he an ieinan- den nehmen, fich aii ihm rächen. Die gleichbedeutende R A. Lll z Rache Rache an jemanden üben, kommt ve;ug mehr vor, ff nne uro h-bsische R. Ä. einem Rache geben, Hn rächen, ungewöhnlich ist. Etwas aus Rache rbun. . ' So lange loderte der Rache schwarzes Feuer In keines Gorres kSrnst, Raml. Zn der engsten Bedeutung i6 es die Begierde, eine Beleidigung riAedmächttg zu ahnden,und oieff Ahndung oderGegcndeleidigung selbst; so wie eS 2) im weitsten Verstände auch von einer Ahndung des Gcfftzgebsrs, d. L von der Strafe, uild dem Verlanzen- zn ftrafeu, gebraucht wird, in welchem Verstände e- in der Deutschen Bibel sehr häufig, selbst von Gott vorf-mmt. Die Rache ist mein , ich will vergelten, 5 Wos. ze, 25. Außer derselben wird es in dieseMVerstandö nur noch zuweile» in derhöhernSchretbarL Kefunden. Anm. Bey dem Kero bey dein Ottfried Kuk,k»re?ib» bey demNolkerniit vorgesetztemGaumensaute oderPräfixoGe—^ 6trricsto, l^ericlr,, LricsnistÄt Nrederoeutschen mit Vorgesetztem Blasclautc wrake, bey dem UIphilas Vllr.ikL^ in'. Angelst VVrLLL^Mr-r-ieL, im Errgl. VVrswk. (S. das folgende.) Ehedemwar auch Rachsal für Rache üblichk Wie Rächest srtur. die—n, ein besonders m Meißen übliches Wort, eine Furche, oder einen Riß in dem Acker zn bezeichnen» Das Gaffer har viele Racheln tn dem Boden gemacht. Rächen/ verb. rs^. et irreg. L6t. welches im letzteru Fasse, im Mittelw. gerochen, im Jmperal. aber räche bat, ein begangenes Unrecht an dem deres begangen hat, ahnde» vierten Endung der Sache.; 1) Im weitesten Verstände, da es auch von der Ahndung des Gesetzgebers, für strafen, gchrauchtivird^welche Bedeutung doch außer derDeutschenBibel und der höheriiDchrcib- art nicht üblich ist. Die Person, a» wel cher das Unrecht geahndet wird, bekommt hier, sowie in der folgenden Bedeutung, daSVor- wort an. Denn ich will des Menschen Leben rsschen an einem geglichen Menschen, r Mos. 9, 5, d. i. den Mord bestrafen. Denke nicht, wer wist mirs wehren? Denn der §err , der »berste Rächer, wirds rächen, Sir. L, Z. 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, mit Ausschließung derStrafe, so daß rS bloß die mit einer Art des Vergnügens verbundene Gcgendelei- dtgunK auSdruckt. Es ist nicht Verdruß, nicht niedrige Be- x-ierde, meinen Schimpf an dir;u"rä'chen, was mich so kühn macht, Dusch. Nun bin ich gerochen, nun ist das mir zugefügte Mnrechtdem Beleidiger vergolten. Sich an jemanden rächen. Gott wird mich rächen an asten meinen Feinden. Wer rächt die Feldherr», die nach Ehre dursten. An diesem wunderbaren Fürsten, Der seine Schlachten selbst gewinnt ? Nams, Die §wry!> Endung der Sache, anstatt der vierte»/ kommt nur im Dberdeutschen vor. —>Der verretterey er rach (roch) ( >- De,.mast,das mancher sein leyd sach,Theuerd.Kap. 91. Die wsllrc durch das Schwert sich rächen ihrer Nochen, Opitz. Im engsten Verstände schließt eßguch hier- den Begriff der unerlaubten Eigeiimöchligkeit mit in sich. Das Hauptwort dicRä- chnng ist nicht üblich, weil Rache dessen Stelle vertritt. Anm.Scboniil dem atteuLobgedichte aufdenKönigLudwig aus 7 7' dem yteuJahrb. rr»66s»,ffür strafcn/Hoy dem Ortfricd reckn r^ jmRiedcrs. räken,noch banfiger aber wraken,uud imDsnabrück. gar freckcn, bey demUlphilas vrlkau, im Angelst-pppnecun, iu: Engl. to vprsttk, im Schwed. wrLeka, im Island. rnLkier. Wenn man bedenket, daß die Wörter zu cinerIeit entstanden find, da die Menschen noch in dem rohen Stande der sich selbst überlasst,,en Natur lebten,ff wird es sehr wahrscheinlich, daß diesesWiM eigentlich daS ungestümeBetragen eines aufgebrachten beleidigten Menschen auMuckt. Bey dem Ulphilas bedeutet cvr i k^cn, und im Island, rekcr,wirklich yexfsigenffrp demOtlfried ist 53663» tadeln, schelten, im Niederst wraketff streiten, zanken, racker» -schimpfe!,, im Holland. kVrok Groll, und im Persischen racii^ zornig. (S. auch Richter, Rügen und Verrucht.) Bey in,fern ülrern Schriftch Lern kommt eS immer irregulär vor. Vm^e- rociror,, Notker. Ich Host hervt werden gerocyen an scm Mann Theuerd. Kap. 88. Ja bey dem Ottsr-rd lauter cs im Jnlperativ gar/ili, and bey andern LRn-rdeukschen Schrj'tstel. lern im Imperf. rach. Erst in dru ncncrnZciten hat man ang'-fan- gen, rS regulär zu gebrauchen, um die Zweyd-utiqkmt mit dem Zeitworke riechen, we lches gleichfalls roch gerochen, hat, zu vermeiden. Wie grausam war ich an ihnen ge' achet! Raben. In Luthers DemschenBibel kommtbcydes vor. Tain soll stehenmahl gerochen werden, »Mos. 4, 24. Bis stch-das Volk an seinen Feinden rächere, Jos. l 0, 1 z ; wo aber d.e letztere Zorin von neuern Corrccroren hcrzurührc« scheinet. Ich roch, für rächete, ist ganzweraltet, indem nur noch das einzige gerochen für ge- rächet gebraucht wird. Der Rächen, des—s, pkur.nl norn. 6 llZ. 1) Eigentlich, der untere THeil des geöffneten SchluudeS bey dem Anfangs der Luft- und Speiseröhre, und in weiterer Bedeutung der Schlund selbst; doch gemeiniglich nur von dem geöffneten Schlunde der größer» Th irre,besonders so fern sie oenMenschen gefährlich sind'. Der Rachen ^es Löwen. Den Rachen aufsperren. Das Lamm den, VEe aus dem Rachen reiße». Einem Pferde den Rachen stechen, ihm die in der dritten und vierten Furche dcS Gamvens liegende Ader öffnen. Rachen hat in alle» diese,rFässe« den Ncbenbegriff, tbeils der großen, theilS auch der fürchterlichen, schädlichen Dstitung des Maules, daher mau es in noch weiterer Bedeutung für den Mund überhaupt nie anders als in Harrer und verächlttchsr Bedeutung gebraucht. Den Rachen auf- spexren, den Mund. Jemanden den Rachen füllen, ihn sättigen. Em em alles in den Rachen stecken, alles an ihn wenden. Indessen muß es doch in einigen Gegenden in anständiger.und unschuldiger Bedeutung üblich seyn, sonst würdeDpitz wvhl nicht gesungen Hab. a: Was Arimmh har mir deine Red erregt l Wie lieblich ist sie doch in meinem Rachen! Ps. "K. Lird im 1 Z 7 sten Psälme -. Go müsse mir die Jung am Rachenklebcn. 2) Figürlich, sin fürchterlicher, schrecklicher Abgrund, mit dem Bevsavs des Dinges, dem er zngehöret. Der Rachen der äölle, in dkc DeutscherpDibel. Dem Tode im Rachen stecken, in augens schernlicher LcbensgefaHr seyn. Wenn dann vielleicht der Wellen schwarzer Rachen Den Frachten droht und Mast und Liel ereilt, Haged. Anm. Schon brv dem Raban Maurus kl rscllo, im Angels. KALL, im Holland, und selbst imArab.klurLl-.oo sder NsrrÄcttoo. Frisch läßt eS von dem Lat.^ictusabstammen, welches wieder von rinZere,ehedem r,Z 6 >re, ohueAweifel eigeM- lich den Rachen aufsperren, hcrkommt. Wachter fällt auf das Hebr. , der Himmel, weil die Kriechen den Himmel und Gaumen o-/^ss- nannten, mrd dcr heil. Augustin sagt, csuock Hiatus QoÜsr^cum 03 «perimus rwuncko 6 m-lr; ollö vi- ckeatur; eine sonderbare Ähnlichkeit, die wohl nur dem heil. Au- gustincinfallci! konnte. Sollen diescAbleitungcn erträglichst)!!, ff muß man in Rachen und den« Hebr, Rakis einen drittenStamm- begriffannehmeu, welcher die große weite Höhlung oder Dssinrng ftvn würde, und da könnte es leicktseyn, öaßRachcn, dasSkauun ' wo« wäre, weil es dettLsutsehrLena»»üchahMt, welcher m »t 909 Rach Rad 910 IWWWWMWWWWWW^ -er Aussperrung des Rachens großer zorniger Thiere verbuir-- den z» seyn Pflegt. ^ ^.. . .. Der Racher, des—s,plur. ut nom. iinZ. ^amin. dre La; cherinn, eine Person, welche das begangene Unrecht zu ahnden sucht; besonders in der weitern Bedeutung und Hähern Schreibart, wo es denn vornehmlich von einer das Unrecht bestrafenden Person gebraucht wird, und in der Bibel mehrmahls sonGott vor- kommt, der daselbst der oberste Racher, so wie die Obrigkeit die Racherinn zur Strafe über den der Böses thut, heißt« Bey dem Notker Rsestars. In der gewöhnlichsten Bedeutung der Wörter Rache und rachen ist es in dem zusammen gesetzten Vlurrächer am üblichsten. Die Rächyidr, plur. enr. die Gier, vder heftige ungeordnete Begierde, sich zu rächen, d. i. eine empfangene Beleidigung durch Gegenbeleidignugeu zu vergelten. Rachgierig, —er, —ste, erckj. et säv. Rachgier habend, an den Lag legend, und in derselben gegründet. Ein rachgieriger Mensch. Ein rachgieriges Betragen. Ehedem auch rachselig. Die Rächgierigkett, plur. car. die Fertigkeit sich der Gegenbeleidigungen zu befleißigen, eine zur Fertigkeit gewordene Rachgier. ' . Der Rächsrimm, des—es , plur. oar. eure mit Grimm verbundene Rachgier. Daher rachgrim,mg,Aachgrimm empfindend, darin gegründet. ^ Das Rachschwert, des —es, plun. die-er , ein zur Rache, h. i. zur Befirasulig des Verbrechens, bestimmtes Schwert. Figürlich werden in der Deutschen Bibel alle Strafgerichte Gottes sein Rachschwcrt genannt. Die Rächsucht, p!ur. ear. die Sucht, d. i. eine lange anhaltende heftige Begierde, sich zu rächen, die Rachgier, als eine anhaltende Leidenschaft betrachtet. Daher rachsüchtig, Rachsucht habend, ^nd darin gegründet. DerRack, des—es, plur.die —e, S. dasfolgende. z.Ler RuLer, des—s, plur. Muow.^uA. in einigen Gegenden, ein Nähme der Mandelkrähe, oder Goldkrähe, welche in Andern blaue Rake, Galgcnrekel, Galskregl genannt wird. Zu andern Gegenden wrrd die Dohle Raykennd Ruchert genannt« In Oberdeutschland hejßt der blanc Holzdähcr Ruch, in andern Gegenden Rak, in Niederdeutschland Racker. Am häufigsten bezeichnen die Nahmen Racker, Ruch , Roo k, R a rech e!, Rrrcken- rabe, Engl. Rook, eine Art ganz schwarzer Krähen, mit einem weißen hornigen Wesen an derWurzel desGchnabels, welche sich von demGetreide nähren, und auch Grindrabcn genannt werden, Oornix siAra , sruAileZa. Im Reineke Fuchs heißt dieKrähe Aarak,und im Rieders, sind Rook rtnd Roke oftNahmen der Raben. In allen diesen Fällen ist es eine Nachahmung ^dcs Geschropcs dieser Vögel, welches sehr deutlich rak, rak lautet. s. -s Der Racker, des —s, plur. ul norti. linx. in den niedrigen Sprrcharren, ein Hund im verächtlichen Verstände. Entweder als Ein Wort mit dem folgend«», da es denn eigentlich einen Hund, der dem abgedeckteu Viehe nachgehet, bedeuten würde, oder auch vondem altcnAngels. Schottland, Raabe, Norniand. KncLbsr, ein Jagdhund. Im Mittlern Lat. ist knacks, und im Schweb, noch jetzt Raekn, eine Petze, Hündinn. Alle von dem »och im Schweb, üblichen rnctcn, laufen. Mit vorgesctztcmB ist daraus vermuthlich Brack, Bracken, in der Bedeutung eines Hundes mit Herabchangenden Ohren geworden. S.» Brach. Z« f Der Racker, des—s, p!ur. ut r-om. I10Z. 1) Zu den niedrigen Sprecharten, besonders Nieder-Deutschlandes,der Abdecker oder Schinder, und in weiterer Bedcntung avch der Henker oder Henkersknecht, ingleichen derClvak»Räumer ; bcpdes im ver- ächrlichotz Verstände. 2) In eben dieftn niedrigen Sprechartcn ist es oft ein Schimpfwort auf eine im höchsten Grade verächtliche oder hassenswürdige Person, da es denn zugleich ungeandrrt vo» beuden Geschlechtern gebraucht wird. Ss stammet hier ivohl nicht, wie einige wollen, von dem Rechen aufderFoltcrbank her, sondern mit mehrerer Wahrscheinlichkeit von dem noch im Nieder- Deut» sichen sehr gangbaren rachen, unflärhige Arbeit verrichten, racke-» r^ig. unflithig, Rackerije, Uirfläthigkeit, welche so wohl mrt dem Island. KÜLS, Aas, reka, wcgwerfen, als mit dem Schwed. Vrak, Auswnrf, Ausschuß, und vielleicht auch mit Brach und Wrack verwandt sind, (S. diese Wörter.) Das Island. RnZr, Schwed. RnZzLN, Litthauisch RaZZina, Lettisch der Kobold, Teufel, gehöret nicht hierher, sondern vermuthlich mit dem alten Rechen, ein Riese, zu einem andern Stamme. ^ Rackerig, aäj. et aäv. auch nur in den niedrigen Sprecharten^ für zornig, böse, mürrisch. Vermuthlich von 2 Racker. Das Racket, des — es , xlur. die—e, richtiger die Rackete, plur. die—u, aus dem Jtal. Racbeprs, und Franz.klnHüette, Hey denr Ballspielen,ein kleines Netz zwischen einem ruudmBügel mit einem Handgriffe, den Ball damit zu schlagen; das Schlageten Vermuthlich vondemLar. Rete, gleichjam Reüciuetts. Die Rackste, plur. die—N, in der Feuerw.eckskunst, emThech eines Lustfeuerwrrkes,welches ans einem mitPulversatze gefüllte,« Eylinder bestehet, der, wenn «r angezündel wird, m die Höhe steiget, und daselbst mit einem starken Knalle erlischt. Man har. auch Wasser-Racketen, welche aufdem Wasser schwimmen und .brennen. Man schreibt es gemeiniglich Raquete, als wenn cs aus dem Französischen herstammete, ungeachtet die Französiich- Gprache, wenigstrns.die heutige, dieses Wort nicht kennet. Im Ztal. heißt eine Rackere RaMv, RagZstw von Racklus» ein Strahl, weil sie wirklich ein Strahlfeuer vorstellet, und daraus ist unser Deutsches Wort gebildet. Der Rackeren-Satz, des-es, plur. doch nur von mehrern Arten oder QuanttrLtrn,chte---Sage, dasjenige Pulver, womrr die Rackete gefüllet wird. Der Rackeren-Stab, des-es , plur. die—Stäbe, der lange Stab oder Stock, woran die Rackete befestiget wird, oamtt pe gleichförmig steige; der Racketen-Stockl Dsr Racksen-Stock, des - es , plur.^die—Stöcke. ') S. das vorige. 2) Der Stock oder die hölzerne Form, worin dre Aack-re gebildet wird. DasRad, des —es. plur. die Räber, Dimmut. das Radch^ (Plur. Räderchen,') Obcrd. Radlein, ein überaus alcev Wort, welches cheilseinen Kreis, cheils einen um einen M'ttelp-inct beweglichen körperlichen Kreis, ode-.Zirkel bedeutet. r. In der weitesten Bedeutung eines Kreises, oder eurer - n>.ch die Bewegung eines andern Körpers beschriebenen Zirkellinie, ist es nur noch in einigen Fällen üblich. So sagt man noch -m Lanzen , ein Rädchen, und im Oberdeutschen, eln Radlern machen, wenn mehrere in einem Kreise herum tanzen, (S- Rädelsführer.) ähnliche Art macht man mit einem Schlitten oder mit einem Wagen ein Rädchen, wenn man mit denselben im Kreise herum führet. Lin Rad schlagen, eine bey Knaben und Gauklern übliche Bewegung, da man den Körper vermittelst der Hände und Fuße schnell forrbeweger, so daß bald die Hände, ?ald aber auch die Füße oben kommen. , - Er (Cotill) ging, und schlug im Geyen oft em Rad. O, schrie man, seht den jungen Lassen, Der den Verstand verloren hat, Gell. Der Pfau schlägt ein Rrd, wenn er die Schwanzfedern.!« die Höhe richtet, so daß die in demselben befindlichen Augen einen Kreis vorsiellelr.sochmnthig schlug ein Pfau feinRad, Schleg. 2. Z« <,ci Rad 2 ) In engerer und gewöhnlicherer Bedeu-tung, ist esei'N beweglicher körperlicher Kreis, d. i. ein um seine Achse beweglicherZirkel. ^ i) Eigentlich, wo es eine Menge von Nädern gibt, welche ihren Nahmen gemeiniglich von ihrer Bestimmung bekommen; das Wagenrad, Brunnenrad, Wasserrad, welches von dem Wasser „mgetriebeinvird, Mühlrad, Pflugrad, Spinnrad, Spulraö, Uhrrad, Schwungrad u s. s. Oft auch von ihrer Gestalt, wie Lammrad, Stirnrad u. s. s. In vielen Fällen bekommt das Rad andere Nahmen, wie denn die Rollen, Scheiben u. s. f. oft im Grunde wahre Räder sind, so wie die zirkelförmigenSchleif- steine, Mühlsteine u. s. s. obgleich diese niemahls den Nahmen Lee Räder führen. Im gemeinen Leben verstehet man unter Rad schlechthin am häufigsten ein Wagenrad, welches ans der Nabe, , den Speichen und den Felgen bestehet. Die Räder schmieren, eigentlich die Achse, nm die kreisförmige Bewegung herRädl?'zu erleichtern. Unter das Rad kommen. Sprichw. Das schlimmste Rad kn-arrt am meisten. Er ist wie das fünfte Rad am Wagen , d. i. völlig überstüssg. 2) Figürlich ist das Rad eine der schmerzhaftesten Lebcnsstrafen, da dem Verbrecher vermittelst eines einem Wagenrad,' ähnlichen Rades alle Gebeine oder Glieder zerschlagen werden, (S. Rädern.) Zum Rade verur- rheilet rverdm. Mit dem Rade vom -Leben zum Tode brin- §en, d. i. rädern. Ein verbrechen, auf welches Galgen und Rad stehet. Ein gutes Rad spielen, das Rad gut zu führen wissen, m der Kunstsprache der Henker, geschickt zu rädern wissen. E neu Verbrecher auf das Rad flechten , auf das Rad legen, Nachdem er gerädert, oder rnchauptet worden. Anm. Schon bcy den ältesten Galliern Kat, bep dcmOttfrikd Nnd Notker k 3.6, im Nieders. gleichfalls Rad? im Bretagmschen Ke.t, im Wallis. Klios, imJrländ. Kit, imLatein. Kola, im Z,al.kuotn, und im Franz, mit der auch im Niederdeutschen «blichen Ausstoßung des d und t, Kone. Es ist ein sehr altes Giammwort, welches eigentlich öte schnelle schnurrendeBewegung Lches sich im Kreise bewegenden Körpers ausdrnckt, welcher Ausdruck zunächst in drm p liegt. Mit andern EndlauLen gehören auch R^'f, Schraube, rund, Leone, Rranz, kraus, Lreis, RsAe, drehen u. a. m. zu diesem Geschlechte. Im Oberdeutschen bedeutete raid ehedem wirklich kraus, (S. dieses Wort.) Dadiv ^kreisförmige Bewegung, besonders so fern sie durch das Wort Rad bezeichnet wird, sehr schnell ist, so wird diesesWort auch gebraucht, «ine jede schnelle Bewegung und einen sich schnell bewegenden Körper zu bezeichnen, wie in dem Nieders. rad, drad, schnell, dem Latein. Kirschu, ein Wagen, u. s. s. (S Reiten, wo von die- serBedeutuirg mehr Vorkommen wird.) Wenn Rad in den Zusammensetzungen voran stehet, so pflegen viele gemeine, besonders Mrederdemsche Mundarte,r gern ein e euphonicum anzuhängen, Meiches aberlseiueu triftigen Grund für sich hat. So sagt man gemeinrgl ch, eine Radebärge, Radebrechen, Radehaue, Radspeiche,'Radesperre u. s. s. für Radbärge, radbrechen, Radspeiche. Radspcrre. In vielen ist es freylich der alte Plural Rade, für Räder, der aber im Hochdeutschen nie gangbar gewesen ist, daher man infolchenZusamrmnsetzuugen billig Räder — sagt. In manchen, aber sm Hochdeutschen nur wenigen Fällen, ist Rade — Nicht von demHauptworre Rad , sondern von dem Nie- ^rdeurschen Zettworre vadcn , reuten, ansrotten, wie in Rabe- Haue, welches alshanu aber im Hochdeutschen billigReuthaue oder RouthaLe heißt. Dev Raöarm, des—-es, p 1 die — e, in den gemeinen Sprecharten Radearm, der Arm an einem Rade, besonders an riRgrn'Miiht- Kunst - und Wftfforrade, d. i. das gerade Holz, Welches den M'.relpmrct des Rades mit dem Umkreise verbindet. Rah H 912 An den Fuhr- und Wagenrädern werden diese Arme die Speichen genannt. Die Radachse, plur. die—n, die Achse eines Rades, welche an Kunst - nnd Heberädern unter dem Nahmen der Welle bekannt ist. Die Radbarge, plur. die—n, im gemeinen Leben vieler Gegenden, eine Bärge, d. i. Trage mit einem Rade, welche ein Mann vorn fahret, hinten aber schiebet und trägt; ein Schiebekarren oder Schubkarren. In den gemeinen Sprccharten lautet dieses Wort bald Radeberge, bald Radbern, Radeber, Radbare, Radwern, Radewerse, Radewclle u. s. s. Die letzte Hälfte des Wortes ist in den meisten Fallen das noch Nieders. Barge, oder Hochdeutsche Bahre, eine Trage, welches von baren, tragen, abstammet, dahcr das ä dem e vvrzuziehen ist. , Gemeiniglich versteht man unter einer Radbarge einen Schubkarren irr der eigentlichsten Bedeutung, d. i. einen Kasten mir einem Rade, welche hinten getragev wird; zum Unterschiede von einem Schiebebocke, den man wohl nicht leicht eine Radebärge nennen wird. In einigen Gegenden ist dafür auch der Nähme Aastcnkarrn üblich. Der Radbohrer, im gemeinen Leben Radebohrer, des — s, plur. ut vom. stoß, cm Bohrer, womitdie Naben der Wagen» räder ausgebohrct werden. Der Radbrünnen, des—s, plur. ut vom. llvA. ein Brunnen, wo das Wasser vermittelst eines Schöpfrades aus der Tiefe gezogen wird. Radbrs-cheN/ im gemeinen Leben radebrechen, verb. re§. sei. mit dem Rade zerbrechen, d. i. rädern. Einen Misserharcr radbrechen. Jiigleichcn figürlich, die Wörter radbrcchen, sie verstümmelt anssprechen. Er radebrechte so was daher, sagte cs verstümmelt her. In bcydcu Fällen ist es nur im gemeinen Leben üblich, verdient auch nicht weiter zu kommen, weil die Znsamnien-- setzling sehr elliptisch nnd nngewöhnlich ist. Im Nieders. lautet es radcbrakcn , und mit ausgestoßenein d raebraken, im Holland. rLcllirnvIcen, im Schwed. rAbra^a. Am üblichsten ist es im Infinitiv; doch kommt es auch außer demselben vor, da es beim in den zusammen gesetzten Zeiten das Augmeittum voran setzet, geradbrechek. Da brechen irregulär gehet, sollte cs freylich ge- radbrochen heißen; indessen ist doch die reguläre Form einmahk die gewöhnlichste. Die Niedcrsachsen sagen gcradbrakct, nnd Bluntschli, ein echter Oberdeutscher, geradbrechct. Übrigens kommt ruZbrecbevfiir rädern schon im Schwabenspiegelvor. Die Rabdtstel, S. Rrausdistel. Die Radehaue, plur. die—n, in einigen Gegenden, eine Hane oder Hacke zum Raden, d. i. Reuten oder Ausrotten, daher sie im Hochdeutschen richtiger Renchaue heißt; ein Barst, Radehacke» S. Radhaue, welche noch davon verschieden ist. Das Radel, S. Rädcn. r. Das Rades, des—s, plur. m vom. kvA. das in den gemeinen Sprccharten, besonders Nirderdentschlandes, übliche Diminutiv,rm von Rad , für Rädlein. 2. Der Rades, des — s, plur. ul. vom. llv§. ein Sieb, siehe Rlider. §» Der Rades/ des — s, plur.m vom. lmZ. im Hnttenbaue, ein starker viercckter Baum, welcher etwa sechsEllen lang undE ne Elle ins Gevierte stark ist, an welchen der Pochstämpel, wenn er von der Welle des Rades in die Höhe gehoben wird, prall, t, damit er desto stärker ans die Pochschale zurück falle. Vermulblich wegen eben dieser rmtgetheiltrn stärkernBewegung, mit Räder , ein Sieb, und rütteln aus Einer Quelle; oder auch von Reitel, eiu lurzer,. starker Stoch,.. (S. dässrlbe.) Daher die Rädclsäule, eine stark» Säule mit einem viereckten Loche, durch welche der Rädel geschoben und mit dem andern Ende in der D r am säuft befestiget wird Rad Rad 9'Z DerRädelrreuzer,des —s, xlur. m NOM. kinx. Im Ober- demscht-n, ein Nähme der von Ferdinand L geschlagenen Ke-uz r, aufwelchen zwey über emander liegende Kreuze ge. rä et sind, der.n acht Enden eine kreisförmige Rundung, me ein Rad, mache«. G. i Radel. . Rrdeln, verb. rr^. nct. welches nur m einigen Gegenden üblich ist, im Kreise herum drehen. Sich in Ser Luft wie ein Geyer räd'-ln. Jtgl. rorolure. (S. Rad i unL Änm) An andern Gigenden wird.es für sieben gebraucht,'S. 2 Rasern. Der RädelpstenMy. des—es, p!ur. dre— e, ein Nähme der Mainzischeu mit di m Rade, als dem Wapen des Stiftes, bezerch, «eteilPfeiittige, welche auch wohl Räderpfcnnigc genannt U indci:. Ehedem gab es auch dergleichen Radel - oder RaserschiÜinge, Rädelgroschen u. s.f. Die Rüdelsäule, plur. die — n, S. z Rädeft Der Rädelsführer, des— s, vluc. ut vom. üvZ. eigentlich der Anführer eines aufrülstischen paüfens, rind in weiterer Beden- rung, der Urheber oder Anstifter einer jeden bösen Sache im ge- hässigen Verstände. Im Osnabrück. Reifs e d er, im Sch-.ved. Roeiefucksr, von R.oci, ein Kreuz, wo es eigentlich deu Kreuz« rrögerbey Prozesnonen m der Römischen Kirche bedeuten würde. Die eigentliche Abstammung des Deutschen Wortes ist noch ungewiß, weil mehrere Begriffe mü gleichem Rechte darauf Anspruch machen können. Viele leiten es aus dem Barrernkriege her, wo die anfrührischen Bguern einiger Gegenden statt der Fahne ein Pfluzrad vor sich her trugen ; eine Ableitung, welche aller» Beyfall verdienen würde, zumahl da ein Rädelsführer im Rieders, auch ein Fahnkeforer, Fahnenträger, genannt wird, wenn nicht erweislich wäre, daß das Wort wen älter ist. Halt- «us läßt es von Reitel, Oberd. Raitel, ein kurzer Licker Stock abstammen, da es denn zunächst den Dorfrichter bedeuten würde, der noch jetzt aufeinigen Dörfern die Gemeine mit einem solchen Stabe zusammen beruft. Das Schwedische kloäekvüer könme auch die Abstammung von dem auch Angels, Kocle, R.aä, ein Kreuz, welches Wort Rrcu; selbst daher stammet, wahrscheinlich machen. Allein öS scheint noch immer, daß Frischens Ableitung die wahrscheinlichste ist, der es von dem Rade, d. i. Kreise, im Tanzen ableitrt, da denn Rädelsführer eigentlich den Vortänzer in einem Reihtnranze, der bcy unfern Vorfah, ren üblicher war als jetzt , bedeuten würde. Ein solcher Rethen heißt auch im Jtal. kiclckü, und von einem solchen Vortänzer sagt man noch jetzt auf dem Lande, daß er sas Rädlein führe. Indessen verdient das schon gedachte Osnabrückjsche Rctfördee eine besondere Aufmerksamkeit. Der Rädenracher, des —s, sit'ir. ulvom. stnx.einHüttdweri- kcr, welcher die Rade, d. i. die RLder zu den Wagen verfert-get; -in etilixe» Gegenden Rädker, der Stellmacher, LVaZner, jo fern er gemeiniglich auch das Gestell und die übrigen Th. »m eines Wagens verfertiget. Raden, ein Niederd. Zeitwort, S. Reuten und Retten. Der Raden, des — s , ^)lvr. car. eine Pstanze, welche tveißez fleischfarbene, airch wohl purpurrorhe Blumen, und einen runden, schwarzen, bitrern Samen trägt, und als ein Unkraut in großer Menge nnlcr dem Getreide, besonders unter dein Rocken und- Wiitzcn wächst; ^Aroliemu Ottbutzo ft.. Radenkorn, Vornraden, im Oberd. Ratte, Ratten, wo es auch oft Unkraut überhaupt bedeutet, in einigen Gegenden Radel, Rädels, in Meißen Rälhftft im Niederst Rade, Rae, Raten, Rsel, n. st ft In andern Gegenden kennet »ran diefes Uit, rairt unter dem Nahmen dklTrespe, des Lolcyes, desTwalches, der Asrnrsse, der Dernnagelein u. s. s. (S. d.esc Wörter.) Woher der Nähme Rade» stamme, ist ungewiß. Etwa von raden, radeln, räderest. lKcl.w.S.z.Tb.-.A»»!. Klch anssioben, weil es vermittelst des Sftbes von dem Getreide abgit- so idere werden m^.ß? Odecu-on raden, reuten, weil man es alK ein Urckrautauszurotten pflegt? - - Raden, sieben , S. 2 Rädern. Dae Rad^-sieÄ, des — es , plur. di« — e, in der Lanbwirch- schaft, ei a großes Sieb, de» Raden von dem.ausgrdroschencn Getreide adzusonderu. Der Rüder, des — s, plur. ut nom. livZ. r) Ein Sich; sin nur in einigen Gegenden übliches Wort. So werden die Siebe, womit man des Getreide siebet, die Siebe im Bergbane für die g.'- ZiZ Rad Das Raö§arn, des—es, plur.-doch nur von Mehrern Arten und Quantitäten, die — e, bey den Tuchmachern einiger Gegenden, ein grobes wollenes Gespinst, welches auf einem großen Rade gesponnen worden, und woraus z.B.das Futtertuch gernacht wird; Radegarn, Radcgespinst. Ein daraus bereitetes Tuch wird alsdann ein Radefunfzigcr genannt. Das Raöier^Eisen, des — s, plur. ut nom.liliZ. ein Werkzeug der Wundärzte, die Stelle der Hirnschale vor dem Trepanieren damit zu radieren, d. i.' die zarte Haut davon abzuschaben. Radieren, verd.reZ. act. aus demLateitt. rackers. l) Schaben, in welchem Falle es besonders in einigen Fällen üblich ist. Wenn in einer Schrift radieret worden, d. i. etwas mit dem Messer ausgeschabet, oder ausgekratzet worden. (S. das vorige, ingleichcn Ausradieren.) 2) Ätzen, in welchem Falle es vornehmlich bey den Kupferstechern üblich ist, eine Art des Kupferstechens zu bezeichnen, da man die Platte mit einem dünnen Überzüge von Wachs», s.f. bekleidet, in diesen Überzug die Figuren mit der Nadel zeichnet, die Platte hieraufmit Schcidewasser bedecket und von demselben die gezeichneten Figuren in das Kupfer einätzen lässt. Ein Porträt radieren. Ein radierter Rupferstich, im Gegensätze des eigentlich gestochenen. Der Radier-Zirniß, des — ffes, plur. doch nur von Mehrer« Arten, die—sse, eine aus Mastix, Jndenpech und Wachs bereitete Masse, womit die Kupferstecher eine Platte, welche radiert werden soll, überziehen; der Radier-Grund. Die Raörer-Aunst, plur. cur. die Kunst, geschickt zuradiercn, d. i. gewisse Figuren iu Kupfer zu ätzen. Das Raöier-Messer/des—s, plur. ut vom. lin§. ein befbn- deres Messer mit einer runden Klinge, falsch geschriebene Worte oder Zuge damit auszuradieren. Die Radler-Nadel, plur. die— N, eine spitzige Nadel an einem Hefte, womit die Kupferstecher die Figuren in den Radier-Fir- niss zeichnen, und welche auch nur die Nadel schlechthin genannt wird. Das Radler-Masser, des — s, plur. doch nur von mehrcrn Arten, ut nom.iinZ. ebendaselbst, das mit Wasser geschwächte . Schcidewasser, womit die Kupftrplatte nach derZeichnung über- goffen wird. Der Radreß, des —es, plur. die—e, noch häufiger imDiminut. das Radießchen, ein Nähme der kleinsten süßen Rettige mit einer zarten Schale, einem zartenFleische und angenehmen Gcschmacke, welche eine Abänderung des Kapliauus lativus I,, sind. In einigen Gegenden nennet man ste auch süße Rettige. Im Nieders. Reddies, Radies, im Schwed. Kacklia, welches aber Nettig überhaupt bezeichnet. Es ist aus dem Jtal. Kaclics, S. Rettig. Der Rädker, des—s, plur. ut nom. llu^. im gemeinen Leben einiger Gegenden, ein Nähme, so wohl des Rademachcrs als des Rädermachers, S. diese Wörter. Der Radlitz, des —cs, plur. die — e, in einigen Gegenden, z. B. in Meißen, der Nähme eines Hakcnpstuges oder Riihr- hakens, womit der gebrachte Acker nach der Quere überfahren wird.. Die Endung —litz zeiget schon, dass dieses Wort aus dem Wendischem der rhemahligen Landessprache in Meißen, her- siammet. Jndcssenscheinet es doch auch hier zu dem Geschlechte der Wörter reuten, reißen, Nieders. rücn, zu gehören, deren Verwandte in mehrern Sprachen angatroffen werden. Der RadnaFel, im gemeinen Leben Radenggel, des—s , plur. die —Nagel , Nägel mit grossen starken Kuppen, womit die eisernen Schienen auf den Wagenrädern befestiget werden; Rade- . kuppen. " . Raff zi6 Dre Raöscheibe, plur. die — n, auf den Schiffen, ein Rad in Gestalt einer Scheibe, welches in dem Blocke eingcfasset ist, vermittelst des darüber gehenden Seiles Lasten auf- uud uiederzu- lassen. Die Radschiene, im gemeinen Leben Radeschiene, p!ur. die—N, eiserne Schienen, welche um die äußere Fläche der Felgen an den Wagenrädern befestiget werden; Niedres. Rood, Rode, Rse, Roon, Ruthe. Die Radspeiche, im gemeinen Leben Radespe-ch-', plur. die—n, die Speichen in einem Rade, besonders in einem Wagenrads. Die Radsperre, plur. die — n, eine Kette mit einem Haken, dasUmlaufen einesWagenrades an jähen Qrten damit zu hiiidern; die wagcnsperre, äemmkette. Die Radspur, plur. die—en, in einigen Gegenden, das Geleis i eines Rades auf der Erde, S. Geleis. Der RadstoE, im gemeinen Leben RadestsE, des — es, plur. die — stocke, bey de» Wagnern, ein auSgetäfeües Loch in derErde Niit zwcy gckrünlmten Hölzeerr, das Rad, dessenNade ansgcboh- ret werden soll, darin zu befestigen. Der Radstößer, igi gemeinen Leben Radcstößer, des—s, plur. ut noru. liuA. 1) Nach dem Frisch, eine Art Bohrer, vielleicht für die Wagner, die Naben der Räder damit ansznbohren. 2 )Auch die an die Ecken der Mauern und Wände gefetzten Steche, die Wagenräder von diesen Ecken abzuhalten, werden im gemeinen Leben Radstoßer genannt. Die Radstuche, plur.die — n, die Stube, d. i.derRanm, der Qet, worin ein Kunst- oder Wasserrad hangt, besonders im Bergbaue. Der Radthecr, des—cs, plur. car. derjenige Theer, welcher zum Schmieren der Wagenräder gebraucht wird und körnig ist; zum Unterschiede so wohl von dem fiüssigern, welcher einem Qhle gleicht, als auch von dem dicker» Schifftheere. Die RadroeNe, plur. die—n. 1) (S. Radbärge.) 2) Die Welle an einem Rade, d ie lange Achse desselben. Der Radzapfen, des—s, plur. ut norn. linA. der in dem Mittelpunctc eines Rades befestigte Zapfen, um welchen sich dasselbe beweget. Der Raff, des—cs, plur. inus. in den Seestädten und in der Handlung, die aus dem Rücken mit dem Fette tiefausgeschnitte-- ncn, eingesalzenen und getrockneten Floßscdcrn der Hillbuttcn, liippoFlvlfus s,. Der Rckel bestehet ans den aus der Haut und dem Fette des Fisches vomSchwanze nach dem Rücken zu ausgeschnittenen Streifen von eben diesem Fische. Raff und Rekel ist der ganze aufdiese Weise in Streifen zerschnittene Fisch, doch so, daß die Stücken noch zusammen hangen. Raff ist ein altes noch nicht ganz veraltetes Wort, welches einen Streifen, einen Balken, ja einen jeden langen und schmalen Körper bezeichnet, und mit Rippe, Reif und andern Eines Geschlechtes ist. In den Dchnsecischcn Glossen ist Kavo ein Sparren, Balken, und aus dem Frisch erhellet, daßRaff, Rase, Rasen, noch in verschiedenen Gegenden einen Sparren bedeuten, so wie im Schwed. Rüch imJsländ.Kaeir, imAngels. Kilos und im Engl. Koos, in kben dieser Bedeutung üblich stnd. DasLat.^srads unterscheidet sich bloß durch das Präfixum. S. auch Reff und Rippe. Das Raff, S. Reff. DieRaffef, plur. die — n, ein Werkzeug zum Raffen. 1) Die großen hölzernen Kämme, womit die Samenknospe!,i des Flachses von den Stängeln abgcrasset oder abgerissen werden, sind in vielen Gegenden unter dem Nahmen der Raff ln bekannt. 2) Bey den Fischern ist es eine Art rnndceFischaariic, welche alles mit fort paffen, woraufste nurfallen ; Franz. Ka^sle^ Kalle. z) Nach dem Frisch führet der obere Kinnbacke» der Hirsche, der vorn statt ü > des yi7 Raff d-sZchnfleifchesein siarkesGewächs hak, gleichfalls ben Nahmett -7r R-ffel S. Raffzahn. ' - ^ra^en, vc-rb.le^.aui.. eilfertig nnd folglich ohne Ordnung mit ^ den Finger« zu sich reißen» Alles u,'eine ä aiftn zusammen raffen. Seine Sachn zusammen raffen, eilftrt g und ohne Ordnung. Alles zu flch oder an fley raffen, auch fi ui'-lich, sich dessen eilfertig und mit einerArt vonGavaltthätigkeit bemächtigen. Zusammengeraffte Beweisstellen, ohne Wahl und Ordnung zusammen getragene. Der Tod raffet zu flch alle seiden, Habac. 2 - ( S. auch 2 tufraffen, Einraffrn, wegraffen u. s.f.) Für reißen überhaupt gebraucht man es nur in einigen Gegenden, wo man auch Gras raffet, d. i. abrauftt. Daher das Raffen, statt »es ungewöhnlichen Raffung. Anm. Schon im Salischen Gesetze ist radav raffen, rauben. Im Mieders, lautetdieses Wort rapen und rappen, im Engl. W renv und to rakk, bey dem Ulphilas raupjan, imSchwed.rap- pa. raplu, rifva.im Jtal. arrakkare, und selbstiiuArad, ra- kuu. Er druckt den Schall aus, welcher mit dem Raffen verbnn- den ist, und ist ein sehr naher Verwandter von greisen, grapsen, rauben, raufen, rupfen, riffeln, Rappnse, dem Mieders, schrapp, dem Latein, rapere, corripsre, kapina, und hnudert andern, welche sich nur durch Neörnbegriffe unterscheiden. Da der Begriff der Geschwindigkeit davon unzertrennlich ist, so ist rep im Nä ders, auch schnell, ra p ick u s, raptim, Schweb, rapp, und sich reppen, sich schnell fort bewegen, so wie im Schweb, rapa. schnell zu Boden fallen ist. S. Repphuhn. *Das Raffgut, des—es, plur. die—guter, ein im Hochdeutschen wenig gebräuchliches Wort für geraubtes Gut. Das Raffholz, deses. plur. car. H-lz, welches im Walde auf- oder zusammen gerastet wird, d< i. abgefallene dürre Zweige derBänmeund dergleichen; Lagerholz, Leseholz. Dre Raffinäbe, plur. doch nur von MehrernArlen. die— n, in den Znckecstedcrenen und in dcrHandlimg, eine Ar! Zuck-r.welche durch ein nochmahligcs Sieden ans dem Melis - Zucker erhallen wird, und aus welchem man durch neues Sieden den feinen Zucker, und aus diesem wiederum deu Lanaricn-Zuck'er erhält. L?, das folgende. . Raffinieren, verd.reF. aus dem Franz, rafff ner. i) Als erw Activum, feiner machen, in verschiedenen Fällen des gemeinen Lebens. So wird der Zucker raffinieret, wenn er durch Sieden geläutert oder gereinigeiwird. 2 ) Als einNentrum mit dein Hüll sworte haben, im gemeinen Leben. Auf etwas raffinieren, ^ nachsliincn. es anszukliigcln suchen. Raffinieret sexn, verschlagen, gschickt, Mittel und Wege ausfündig zu machen. Der Räffzahn, des —es, p^r. die —zähne, ein Nähme, welchen im oemeinen Leben die vorder» Schncidezähne der Tbiere, besonders aber der Pferde führen, die deren sechs oben und eben so viele unten haben; die Schneidezähne. In weiterer Bedeutung psteak man auch wohl lange hervor raaende Zähne bep Menschen Raffzähne zu nennen. Daher raffzähnig, solche Zähne habend. ^ Anm. Die Unflätigkeit her Anssprache und Unwissenheit der Abstammung machen, Laß dieses Wort bald Rabzahn, bald Ra- bcnzahn, bald Rappzahn geschrieben wird. Allein es stammt unstreitig von raffen her, entweder weil die Thiere mit diesen vor« dcrn Zähnen das Futter zu sich raffen, oder auch fv fern raffen ehedem schneiden bedeutet hat, in welcher Bedeutung rikvs im Schwed. r,u5a im Island, und bo rip im Eügl. noch üblich sind. In der Bedeutung eines hervor ragenden Zahnes kann es auch zu Raff, ein Balken, geboren, S. dieses Wort. Rayen, vseb. reZ. neullr. welches das Hülsswort haben erfordert, un» nur rwch mit den Ncbenwörteril heraus und hervor Rah 91F gebraucht wirb, ohne doch Zusammensetzungen mit denselben M ^machen. Ans etwas heraus ragen , oder nur heraus ragen schlechthin, aus demselben heraus stehen, außer derFläwe sichtbar ftym So auch hervor ragen. Eine hervor ragende EFe» Die Balkenköpfe ragen e'nen halben Fuß hervor. Der 5!ü- gelmann raget vor dem ganzen Regimente vor oder hervor» Luther gebraucht es ans eine u.u-ew ähnliche Art auch ohne Nebenwort: Esra raget über alles Voik, Nehem. 8, A. So auH dieHerausragung undHervorragung. Im Oberdeutschen scheint es auch figürlich herstammeu, Herkommen, zu bezeichnen. Wenigstens sagt Opitz, wenn er von der Verklärung der Leiber sprichtr , Der Leib Soll führen solches Licht, als aus dem Himmel rage» Nach einer andern Figur bedeutete es im Oberdeutschen auch harr und steif seyn, Lat. rigere, in welcher Bedeutung geragen beK dem.Kaiftrsberg, und Key andern das Ncbenwort rag, für starr, steif, ribiclu^, vorkommt. (S.FrischensWörterb. und im folgenden Rehe, das Beywort.) Anm. Die Niederdeutschen und verwandten Sprrcharten kennen dieses Wort allem Ansehen nach nicht, welches im Oberdeutschen einheimisch zu styn scheinet, daher es auch ilnHochdeutscherr nur von einem so eingeschränkten Gebrauche ist. Indessen werdet; doch dessen Verwandte überall angetroffen. Die nächsten sind unser Rragstein, das Zeitwort reichen, Ottfrieds irrecken, aufstehen machen, das folgende Rahe, und andere mehr. S. dis beyd.cn ersten. Das Ragout, (sprichRagü,) plur. die Ragouts, (sptich Ragi1s,jt aus-dem Franz. welches eigentlich em jedes schmackhaftes Gericht bedeutet, in den Küchen, klein geschnittenes Fleisch mit einer schmackhaften und kräftigen Brühe; im Mieders.pc-r pcrpannc, Pfeiftrpfanne. Die Rahe, plur. die —n, auf den Schissen, die lange rnnös Stange, auf welche das negel gespannet wird, und welche an dem Maste hanget; die Segelsiange. Die Rahen bekommen denNah- men von dem Segel, welches daran befestiget ist; die große Rahe oder Hauptrahe, die 8ockerahe, dieBefanrahe, Bramrahe, n. f.f. Im engsten Verstände wird die Stange des große» HanprsegelS die Rahe schlechthin genannt. Anm. Das Wort ist nur im Niederdeutschen und den damit verwandten Sprecharten üblich. Kaltaus wolltet bep demWoeta Rahrecht von einem alten SächsischenWorke Ra oder Rah herlei» ten, welches ausqespaimt bedeutet haben sollte; allein alsdaim würde Rahe eigentlich das Segel bedeuten müssen. ' Ra ist ei» altes Stammwort, welches im Schweb. lcn tot, und eine jede körperliche Ausdehnung in die Länge ohne beträchtliche Breite und Dicke bedeutet, und wozu auch Reihe, und mit andern Endlamen ragen, reichen, Ruthe klackiu , Raff, und hundert andere mehr gehören. Das Schwed, ka bedeutet so wohl einen Pfahl, als auch ein Gränzzeichcinund das Finnische Kaja ist di'e GrällZe» D-r Rahe bedeutet also eigentlich eine jede Stange. Gemeiniglich schreibt man dieses'Wort Raa; allein die Verdoppelung desSelbst-» lautes ist in den meisten Fällen, wo nicht triftige Gründe ein anderes wollen, verdächtig. Schon Chvträus schr ibt es Rah. Das Rahban-.'sdes —es- plur. die — bänder, eben daselbst, Seile, mit welchen die Segel an die Rahen befestiget werden. Rähe, von den Pferden, steif, S. Rehe. !.Der Rahm, des -es, p!ur. die—e, S. derRahmcn. 2 .Der Rahm, dee-^-es, plur. car. ein Wort, welches befou- decs in einer doppelten Bedeutung gebraucht wird. 1 ) Der fetteste Lheil der Milch, welcher sich oben auf setzet, und woraus die Butter bereitet wird, .heißt in vielen Gegenden Demschlandes der Rahm, Milchrahm. Zn der Schweiz Hecht ex Niedel, i» M mm r Böhm?» 9 ! 9 ' K a h -Bobinen Schmetten,- von dem Slavorr. Kmetava, in Schlesien -Saum, in NredersackfenFlott, i« Lnft>u ,0 und Ludern Gegenden Schmante, in Meißen Sahne, worirnttr man doch gemeiniglich rrnr den süßen frischen Rasim vrrftrh-t, der in Nürnberg Rnn heißt, zum Unterschiede von dem Milchrahm, worunter man in Nürnberg allrmahl sauren Rahni verstehet. jDen Rahm von der Milch nehmen, ihn abrahmen, die Milch rabmen. In weiterer Bedeutung ist es znrvcckcn eilte jede dickliche Substanz, welche sich von einen', flüssigen Körper scheidet, und sich ans besten Obrstäche sammelt; Weinsieinrahm.Lrsmorl'Lri.Lri, Äaikrahm n. s. f. ssiDerRuß, eine besonders in Nicdersachscn übliche Bedeutung, wo auch der Rauchfang, welchen man in dcnBanc^hänftrn anstatt des Schorsicincs hat. Rahm genannt wird. In Franz, ist kvnrnoneur ein Schorstcinfegcr. Indessen ist diese Bedeutung auch im Oberdeutschen nicht unbekannt, wo Rahm in weiterer Bedeutung auch Schmutz, Unsauberkeit bedeutet, in welchemVer- stande es schon im Hocuegk vorkommt. Daher ist daselbst rahmig rußig, und in weiterer Bedeutung, beschmutzt, ramlicht im Österr, unsauber, berahmenmtt Ruß schwärzen, und in weiterer Bedeutung beschmutzen u. s. f. Anm. In der ersten Bedeutung lautet es in Riedersachsen Room, in Franken Raum, im Angcls. ksam, im Island. Ki Oirie, und mit Vorgesetztem Gaumenlaute im Engl. Lream, im Franz. Oreme, km Ztal.Grerna, und im Lat. Lremor, welches seine Verwandtschaft mit dein Deutschen gewiß nicht ver- lärigneu kann. Zur zweyteuBedeutung schritten auch der Wolfrahm und Elsenrahm der Bergleute zu gehören, welches schwarze Vergärten sind, entweder wegen ihrer Schwärze, als eine Figur von Rahm, Ruß, oder, welches iwch wahrscheinlicher ist, wegen ihrer lockern, blätterigen Gestalt, daher der Wolfrahm auch Lat. L^umalu p i genannt wird. Marr hat daselbst auch einen Goldrahm, welcher aus kleinen Blättchen gediegenen Goldes bestehet, aber sehr selten ist. Ju diesem Faste, wenn Rahm eigentlich ein Blättchen bedeutete, würde es zu Rahmen, Riemen u. s. f. gehören. Beyde Bedeutungen, so wohl der Sahne, als des Rußes, ließen sich füglich von Rahmen, die Einfassung, der Rand, ablei- Leu, znmahl, da der Milchrahm in Schlesien wirklich der Saum genannt wird. Allein es ist wahrscheinlicher, daß der Begriff der Höhe der herrschende ist. Rahm oder Ram ist ein sehr altes Wort, welches hoch und Höhe bedeutet, und mit dem Hebr. 211 , rum, hock seyu, und Kama, die Höhe, emerley ist. Daher bedeutete Rahm ehedem auch ein Krriiz, und Liram-ao ist bey dem Ulphilas krenzigen, bey dem Ottfried iiockav, d. i. erhöhen. Im Niede< ist sich rähmerz sich bäumen, d. i. auf den Hinter, fußen in die Höhe heben, von Thieren. -Der Milchrrhnr schwim- rnetobcn anfder Milch, und der Ruß steigt wegen seiner leichten Beschaffenheit gleichfalls in die Höhe. Verwandte dieser Bedeutung sind, das Schwed. ram, stark, das Eriech. Starke, unssrr Raum, Ausdehnung, das Niederst Rahm, Znl, rahmen, zielen, bey dem Ottfrred ramsn, und andere mehr. Das im Hochdeutschen veraltete rahmen, schießen, bey dem Otifr. ram- man, Hebr. rammst, scheinetmehr den Begriff der Beivegunz zu haben, und zu Rammeln zu gehören. In Pommern gibt es ein altes adeliges Geschlecht, Nahmrns Ramr'n, welchs daher einen Schutzen bedeuten kann,so wie Kamin im Arabischen gleichfalls eine» Schützen bedeutet. Eine Figur von rahmen, sich bewegen, ist das Niedersächstsche rahmen, narahmen, nachsin- iren, auf etwas denken oder sinnen- Rahm, ein Gedanke- Wahn, Mr-ithmaßung, Unrahm, Argwohn, Jrrchum, Verrückung u. s. f. Mestrere gleichlautende, der Abstammung nach «der verschiedene Wörter werden gelegentlich im felgenden Vorkommen. Rah 920 Der Rahmavfes, des—«, piur. die .-opfel eine Art der Annona, welche in dem mittägigen Amerika r nhrimisck st und bereu eyrnnde, netzförmig gegitterte, einem Apfel ähnliche Frucht, roh gegessen ivird; sVnnona reliruluta ist,. Der Rcrhmbaum, des —es, plur. die — bäume, m einigen Gegenden,besonbersNicdersachsens, Bäu - e, d.i starke runde Hölzer, welche quer durch die Feuermauern gehen, das Fleisch,wel, ches man räuchern will, daran zu hangen. Von 2 Rahm 2, Nüß. Ju auderuGegendeu wird ein solcher Baum de Wiemcn genannt. Die Rcrhmbeere, plur. die — n, in ei «igen Gegenden, z. B.in Schlesien, ein Nähme der Brombeeren, kuttus k> ulicojus st,, entweder wegen ihrer Schwärze, von Rahm, Ruß, oder welches noch wahrscheinlicher ist, als ein gleichbedeutendes Wort mit Brombeere, welches nur das B vor sich genommen hat, die Stacheln, womit dieses Gewächs besetzt ist, zu bezeichnen, S. Brombeere. Das Rahmersen, des — s, plur. ui vom. livZ. bey den Buchdruckern, ein eiserner Rahmen, die gesetzten Buchstaben heysam- men zu halten. r.Der Rahmest, des — s, plur. ut vorn. llvZ. i) Ja den gememeü Sprccharrcu, besonders Oberdcutschlandes, dasjenige, was sich von Speisen in den Kochgeschirren ansetzet; Jtal. Komma, Oromma. Von Rahmen, der Rand, weil es die Geschirre als ein Rand umgibt. 2) In andern Gegenden ein schmaler Strich Landes in einem Gehölze. 2. Der Rahmest, des--s, plur. ut vom. lmZ. ein nur im Niederst übliches Wort, wo es ein Bündel Flachs von 20 Pfund bezeichnet. Entweder von dem veralteten Rahme, ein R emcn, Band, womit es gebunden wird, oder auch von dem gleichfalls veralteten rahmen, vereinigen, verbinden, (S. Rammeln.) In andern Gegenden ist der Rahmel ein dickes unförmliches Stück Brennholz, im Oberd. ein Trumm, im Niederd.ein Lromel. Der Rahmen, des—s, plur. ut vom. tmß. Diminut. das Rähmchen, Oberd. Rehmlcr'n. 1) Eine j.dc körperliche Ausdehnung in die Länge ohne beträchtliche Breite und Dicke; in welchem Verstände es doch nur in einigen wenigen Fällen üblich ist. Ein Bret bekommt zuweilen noch den Nahmen eines Rahmes oder vielmehr Rahmens. Daher sind im Niederst Rahmen die Seitcn- breter eines Schiffes. Eben daselbst ist der Rahm oder Rahmen ein anfgehangenes Drei in den Kellern und Speisekammern, aller- ley Eßwaaren darauf zu stellen. Ein Bücherbret wird auch noch in manchen Gegenden ein Buchcrrahm genannt. Am Nheiustronie werden da' geschwefelten Streifen Leinwand, welche man als eine« Einschlag in den Wein hängt, Rähmchen genannt. In einige« Nicrcrsüchsischcn Gegenden ist die Rahme ein Gürtel. (S. Riemen,) welches genau damit verwandt ist, und unter andern auch ein Ruder bedeutet. 2) Ein aus solchen Rahmen bestehendes Werk, ein Gestell; doch auch nur noch in einigen Gegenden und Fällen. An einigen Orten mimet man ein jedes Gestell ein Ge- rähincks oder Gerahms. DcS Bncherrahms ist schon gedacht werden. In einigen Gegenden nennen auch die Schuster ihr aus älmttchcn Tbesten bestehendes Maß einen Rahm oder Rahmen. 3) In der enzsten Bedentttttg, die ans Rahmen in der ersten Bedeutung bestehende Einfassung eines Dinges. Daher der Sxkegcl- rabmen, Fensterrahmen, Bildrrrahmen, Nährahmen, Stickrahmen, Tnchrahmen, Scherrahmen n. s. f. Etwas mit einem Rahmeneinfassen. Las Rähmchen der Buchen,ick c ist ein eifern! r mit Papier nbcrzogeru r Rahmen, den Bogur m drin Deckel fest zu halten; Franz, la kri.-^uei e. Bey di«t Schustern sind die Rahmen Streifen von Nindsleder, welche um di^ Brandsohle nird den Absatz, und anfbeyden Selten bis an das Obrrleder gehe». Bey den Tischlern sind die Rahmen dir p.ppendiculären Entsahnn ()L1 Rah Rat 922 Einfassungen der Füllungen, die Rahmstücke aber öie horizontalen. Der Rahmen an den Stühlen der Seidenweber sichet oben an der Decke des Zimmers als eine Art einer Kette aus, die aus laurer Bindfäden bestehet, welche über zwey Rahmstöcke augeschleifet sind. - Anm. Im Rieders, gleichfalls Rahm, im Äugelst Rima, rm Engl. Kim, und mit Vorgesetztem Llasclauc Rrame, im Pohlir. Auma, von welchen auch einige einen Rand überhaupt bedeuten. (S. Brame, Rrampe, Rand, Rain, Granze u. s. f. welche iusaesammr damit verwandt sind. In Ansehung dererste» eigentlichen Bedeutung scheinet es zu Rahm, hoch, Höhe, zu gehören, indem der Begriffder Ausdehnung in die Lange in mehrern Fällen eine Figur vyn dem Begriffe der Hohe ist. (S. Riemen.) Allem Ansehen nach gehöret hierher auch das imHochdeulschen veraltete Rahm, ein Zweig, im Schwed, kam, welches mit dem Lat. Ramus genau überein kommt, ohne eben ans demselben entlehnet zu sinn. Im Wcnd. stk kamen der Arm. Bey den Winzern einig r Gegenden werden die Reben auch Rahmen genannt. Daher ist das Rahmen-Lesen eben dieselbe Arbeit in dem Weinberge, welche auch das Reben-Lesen genannt wird. Indem Geschlechts und der DecliuBion diesesWortes sind die Mundarten nicht einig. In einigen Gegenden ist es weiblichen Geschlechtes, die« Rahme oder Rahme, und alsdann nimmt es im Plural ein bloßes n an, - die Rahmen oder Rahmen. Andere decliniken es der Rahm, des —es, plur. die—e. Im Hochdeutschen ist die obenauge- zcigtc Form, der Rahmen, die üblichste.' t Rahmen, verb. reZ. act. et oeutr. welches im letzter» Falle ' das Hülfswort haben erfordert, zielen; in welcher Bedeutung cs aber uur in einigen Sprechartcu, besonders Nieder - Deutschlandes, üblich ist. Nach etwas rahmen, zielen. Es kommtauch bey unser» alten OberdeutscheuSchriftstellern vor, die es auch mit der zweyteu Endung verbinden. Lmer VoZels ramen, im Schwa- brnspicgel. In der Nothwälscheu Diebessprache bedeutet rahmen sehen, welches auch die rrsteBedeutung von jenerseyn kann. Von der Bedeutung i» Anberahmen, (S. dieses Wort,) ingleichen 2 Rahm Aum. r. Rahmen, verd. reZ. von Rahm, Milchrahm oder Sahne. Man gebraucht es so wohl als ein Neutrum mit dem Hülssworre haben, die Milch rahmet, setzt Rahm an; als auch als ein Activum, die MUch rahmen, den Rahm von der Milch abnch- men, sie abrahmen. Niederst rosmey. S. 2 Rahm r.- Z.Rahmen, voib.reZ. aot. welches bey den Jägern am üblich, sien ist. Die Elende rahmen einen äasen, wenn sie ihn einhohlen, und ihn dadurch nölhigen, eine Wendung oder einen Adsprung zu machen, damit die Hunde bey ihm vorvcy schießen. Zuweilen wird es auch für fangen gebraucht, und da wird der Hase fferahmet, wenn er von den Hunden gefangen wird. Vielleicht als ein Verwandter von krumm. Ä'.nmpe, rümpfen u. s. s. sofern der Begriff des Wendens der herrschende ist , oder auch von rahm, hoch, lang u. ff. sofern der Begriff des Eiu- hehlens vsrsticht. Der Rühmenschuh, des — es, plur. die —c, ein Schuh, an welchem die Sohle um einen Rahmen genährt wird; im Gegensätze eines »ungewandten, oder dren Mahl genäbereu Schrchrs. Da?Rahmenstrick, des — es, pk,r. die—-stücke. i)Dcpdett Fleischern, der Nähme eines Stückes Fleisch von dem unter.iBuze eiiiesRiudes. 2) Ley den Schiöffarn, die oberste und unterste Qacrstange a»» einem eisernen Geländer, welche gleichsam den Rahmen desselben ausmacht. In b/ydeu Falle» muß es mit einem Rahmstl'ickc nicht verwechselr werden. s' 8) er Rahmhobel, des—- s, ut nom. stinß. bey derr T.sch^ lern eru Hobel, ziemliche Rahmen damit z«t vkrsert:Hen. Das Rahmholz, des — es, plur. ivust. in Niedcrstachsi-n, Nutz, bolz zu allerley Tischlerarbeit, weil die Bauern es über dem Rahme, d.i. demRauchfange, zu trocknen pflegen, (S. - Rahm 2.) Ju einem andern Verstände ist nach dem Frisch das Rähmholz, im Holzkaufe „nd bey den Zimmerleuten, Querbalken in den äußern untern Theilen eines Gebäudes; da es denn zu dem Hauptworte Rahmen gehören würde. LerRahmlöffel.dev— s.xlur.ut nom. lmß. m der Haushaltung, ein großer eisernet verzinnter Löffel, den Rahm oder die Sahne damitvon der Milch abzunehmen. . Dre Rahmnahterey, plur. die — en, bey den Nal-terinnen. i) Die Art und Weise, das in einen Rahmen gespannte Zenz auszunähcn; ohne Plural. -) Auf solche Art genähete oder cms- genähete Sachen. Der Rahmsack, des — es, xlur. die — sacke, in der Haushaltung, ein dreyeckiger Sack von dünner Leinwand, irr welcher der gesammelte Milchrahm geschüttet, und durch denselben in das Butterfaß gezwänget wird, damit alle Unreinigkeit zurück bleibe. Die Rahmschnur, plur. die— schnüre, bey den Seidcnwebern, schnüre an dem Rahmen, welche überSchichteu und Rollen senkrecht herab steigen und eine Elle von dem Register der Rollen Ar- eaden genannt werden. An den Stühlen der Sammttveber »Verden sie auch Gchwanzschnüre genannt. Die Rahmstatt, plur. hie —statte, bey den Tuchmachern, der Qrt, wo sich ihre Tuchrähmen befinden. DerRahmstock, des —es, plur. die— -stocke, eben daselbst, gewisse Stöcke oder Hölzer an dem Rahmen, welche an Stricken an derWand fest hangen, und die Rahmschnüre »u einem gewissell Grade vsii Spannung erhalte«. Das Rahmstück, des —cs, xkir. die —stücke, ein Stück oder Lheil eines Rahmens. Im Bergbane sind es die Querhölzer oder Balken, worauf in der Radfiube die Welle mit dem Rade lieget. Bey den Tischlern sind die Rahmsttöcke, (von Rahmen, für Nahmen,) die Querstücke an der Einfassung der Thürffügvl, S. Rahmens. Rahn, , ach. et aä v. S. Rahnig. DieRahne.plur. die —n, ein im Forstwesen ewiger Gegenden übliches Wort, wo es mit windbruch gleichbedeutend ist, und einen von dem Winde ausgcriffeneu oder zerbrochenen Baum bedeutet. Der Begriffder gewaltsamen Bewegui g scheinet hier der herrschende zu seyn, da cs denn eiuVerwandter von dem Jmensivs rennen, ringen, trennen, welches nur das Prästxum airgeiwrn- men hat, dem alten Runs, eine Wnudc, und andern mehr siyu würde. In einem andern Verstände, und zwar von rahn, rahmig, ist imQberdcutschcn dre Rahne, ohne Plural, die schlanke Beschaffenheit eines Körpers. S. das folgende. *Rahnitz, —er, —sie, ackj. et a 6 v. welches nur imOberdetttschc» für schlank, d. i. lang, dünn und biegsam, üblich i'i, und ohueEnd- sylhe auch rahnlautrt. Ein rahner oder rahniger lkeib, ein ichlan- ker. Rahn öder rahnig seyn, schlank. Daher^ic Rah'..e oderRah- nigker't. ebendaselbst die schlanke Beschaffenheit. Im Holland, ist ran, rank, und iiuEnsl. rank,dünne, schlank, imN-eder?. pa- k, oder rang, schlank, und Range, ei» langer dünner Mensch, »t-d im Äsihttlschen ram, schwach. Es ist das Scammwort von ring in dem heutigen geringe und von Ranken, S. diese Wörter. Das Rahsegel, des- L sülir.ut NOM linZ. i« der Sch fffahrt, ein viereckt geschnittenes,w.d an einer^Rahe befestig-cs Seg?l; zum Unterschöbe vor» andern Aelen der Segel., Jii-ergersr BedeürnriA »vird das große vicr-^kige Hanptsegel arc cMMattMe das R chsegel genannt. S. die Rahe. DerRaiger, S.Reiher. LasH-MyraL, S. Reihgras. M. IN m L D.U' Der Rain, -es—es, plur.die—e, Dmunuk.-asRamcheir, ekn noch auf dem Lande vieler Gegenden, besonders Obersachsens, übliches Wort, welches in verschiedenen Bedeutungen vorkommt. z) EinHnzel, wovonFrisch einige Beispiele anführet, aus welchen diese Bedeutung aber noch nicht erweislich ist, indem entweder der Be-riff der mir Gras bewachsen, n grünen Fläche, oder auch der G' ä.-lze darin d r h ersehende zu ftvn scheinet. 2 ) Ein mit Gras -eivachsenerchiiner Plan; ei A I ',-. So ist der Gemein-era.'ir ein solcher Play, welcher z ,lc Wecke dienet. Oer Schießrain, rin grünerPlatz, worauf sich d cBürg rschast imSchiesien zu üben pfl 'gk. Da aber auch n di scn Fallen der Begriff der Länge und Heringen Brette Statt findet/ so scheinet es auch h er zu der folgenden Bedentuna z, l gehören. 3) 'Am häufigsten tst in der Land- wirchsch-ft der Rain ein schmaler Strich Landes, welcher zwischen zwepÄckern ungcpfiügt liegen bleibet, mid mit Gras bewachsen ist, da er denn di: s n Äckern so wohl zur Gränze dienet, als mich als eine Weide und zur Grcserey g nutzt wird; der Rasenrain, Gränzrain, Zeldrain, Gchiedrain. Den Rain abpfl «gen, oder, wie man in einigerr Gegenden sagt, absacken, etwas davon zu seinem Ack- r pflügen. Zn weiterer Bedeutung wird auch dnGränze einer Dorfflur, sofern sie aus einem »»gepflügten mir Gras bewachsenen Lande bestehet, ein Rain genannt, welches Wort denn auch wohl in noch weiterer Bedeutung von einigen von einer jeden Gränze überhaupt gebraucht wird. Anm. Im Niederst. Reen. Wer den Begriff der grünen mit Gras bewachsenen Beschaffenheit für den herrschenden in diesem Worte hält, wird es ohne großenZwang von griin ablciten können, welches nur den Ganmenlmtt vor sich genommen hat. Alleines fchcinetder Hanptbegriff in der langen schmalen Beschaffenheit der Feldraine der dritten Bedeutung zu liegen, so daß Rain eigentlich einen langen schmalen Körper, und in weiterer Bedeutung, das äußerste dieser Ari an einem Körper bedeuten würde? Rain ist slso ein naher Verwandter von rahn, rcchnig, Rand, Ranft, Rinde, wovon mit atlerley Vor- und Nachtanken auch Brink, Franse, Braune in Augerckraunc, Gränze, Strand u. s. f. sbftammen. Im Schweb, ist Ken so wohl ein Pfahl, als die Gränze. Ottfrieds rinun,berühren, und figürlich gränzen, gehöret auch dahim (S. Rainen.) Da die meisten Verwandten dieses Wortes ein a haben, so schreibt man cs auch gemeiniglich mir einem at, so fremd und widrig dieser Oberdeutsche Doppellaut drn Hochdeutschen auch klingt. Indessen schrecken und sprechen die Niederdeutschen und alle ihre Sprachverwandien Reen ; und wer wollte es den Hochdeutschen verargen, wenn sie Rem schrieben, da sie wirtlich so sprechen? Eine Zweideutigkeit mit rein, siur »5, ist rucht zu befürchten, daderZall wohl nicht leichi Vorkommen dürfte. Das Oberdeutsche Rain, ein Tiegel, gehöret zu einem eigenen Stamme, Der Rainbalken, des—s, p)ur. ttt vom.fiNA. im Feldbaue, fehlerhafte Streifen odcrRv-ne,welche man im Pflügen dcsAckers ans Ungeschicklichkeit liegen läßt. ' - Der RüMvamn, des—es,, p ur.die—bäume, ein auf einem Name flehender Baum. Zngftichen ein Baum, so fern er die Grenze eines Feldes oder einer Flirr macht. Die Reinbeer?, die -n, in einigen Gegenden, ein Nähme der Beeten desKceuz- oder Wegedornes, und dieses Getränk selbst, KbnMNU8 c)LtbLrticus k. ohne Zweifel, weil er gern in den Hecken auf Den FcDrainen wachst. Dftr Rarnblums, plur.die—N, Dimimit. das Rainblumchen, Oberd.R rnblUinle'n. r) EineArt derRtthrpffanze,welche eiriem kkermnStrauchc gleicht, grauewolligeStängel, aschfarbene Vlat- - ter, und goldgelbe wchiriechcnde Blumen hat, die ihre Farbe und Gnu Glanz viele Jahre behalten; OvuxkLlittlv LtoecUns L,, Kai Gtreichblumt'. Sie wächst auf den sandigen Hügeln irnd diff. rcn Rainen, daher sir vermurhlich auch den Nahmen hat, und alsdann irrig Rhernblume geschrieben wird. 2 ) st» -. iiugrnGegenden wird auch das Angerblumchen oder die M ßi even, Kolli« nft. vor k. Rainöliimchen genannt, weites gle ich! alls anfden Rainen einheimischeist. Rainen, vvrb.reZ. nsiztr mit dem Hülfsworte haben, welches nur noch in der Land» i thschäft einrgrr Gegenden für gränze«üblich ist, wo es doch nur r-oal F-ldern und anderrt Grundstücken gebraucht wird. Der Acker ramet an das Holz. So auch in den Zusammensetzungen anramen, angränzrn , adrainen, mit Gränzen absondern, verrainen, mit Grauzen bezeichnen u.s.f. In weiterer Bedeutung kommt r,von bey demOttfricd und seinen Zeilgenoffen für herührcit häufig vor, wo es von reichen sich nur im Endlanle unterscheidet, aber auch zunächst den Begriff drrAns- dehnmig in die Länge hat S Rain. Der Ramfarren oder Rainfarn, des — s, p!»r. cur. eine Pflanze, welche dem Farnkrauts gleicht, und anfden Rainen und Dämmen wächst^Lciucstuw-k. besonders dessen'kariLcetum vtiIZLrc>, besten Samen von einigen auch Wurmfarnen genannt wird, obghich der eigentliche Wurmsameu der Samen einerAtt Beyfußesist, ^rtemisin stuckuicv k. Die Pflanze selbst heißt auch Wurmkrant, weil alle ihre Thejle die Würmer ans dem menschlichen Körper vertreiben, Revier - Rnam f Waldfarn, Hexenkraut, »eil es von dem Aberglauben zurH xercy gciniß- braucht nurd. Jni Niederf. heißt fuReinfaam, im Holländ.ka/. oe vaur. Sie bat unstreitig den Nahmen von den Rainen und Graswegen, auf welchen sie gemeiniglich angctroffen wird, daher die so gewöhnliche Schreibart Rheinfarn unrichtig ist. Der Rainherr, des — en, pl ur. die—en, in einigen Städten, Rati-sheeren, welche die Aufsicht über die Raine, d. i. Gränzcu, der in der Stad.flirr gelegenen Äcker führen, ruck mit den Rheinherren in andern am Rheine gelegenen Städten nicht zu verwechseln sind. Der Rainkohl, des —es, plur. inuf. eine Pflanze, welche in den Gartenländern ruck auf den Rainen einheimisch ist; kaplnnaft. bep den altern Schriftstellern dcs Pflanzenreiches Ol t- lilvoftri >. Die R-rmschwalbe, S. Rheinschwalbe. Der Rainschroamm, des—es, sckur. die—schwämme,cme Art kleiner blätteriger, hellbrauner- eßbarer Schwämme, welche nach einem Regen auf den Rainen und V ehw jdcn in Gtenge auf- schü-ßen; an manchen Orten RresUnIe, RpeiskOge, Atthlecken. Der Ramstsrn , des—es, s) t u r. die — e, auf dom Lande einiger Gegenden , ein Gränzstein, besonders so fern er den Rain, d. i. die Gränze eines Ackers oder einer Flur, bez-'ichuet. . Die Ramvveide, plen. die —n, rin Strauch, welcher schwane, btttecl.ch süße Beeren rräat. welche im gemeinen Leben Hnndebee- ren genanntwcr'elt;OichnKr!im vul^uteHartriegel wegen feines harren Holzes, daher er auch Beinholz und verderbt Bein- hlllsen. und Lisc-tbeerbeum, in andern Gegenden, aber Mund- Holz, Rehlhol; beißt, weil es witerdieMnndfänlc gebraucht wird. In noc^ ander» Gegi irden hat er den Nahmen Geisthülfen, zrii- ner 8anlbaum und Grießholz, vermuthlich wegen jcincr aschfarbenen Riilde. Erwächst aufgrobchandigcn Hügeln, in den Hecken und an den Rainen, d. i. Geänzcn. der Felder, welchem Umstande er verm,üblich die erste Hälfte, so wie der zähen biegsamen Beschaffenheit seines Holzes die letzte Hallte seines Nahmen- zu den-, ken hat. Im Französischen heißt erst', oevo, welches gleichfalls damit verwandt zu senn scheinet. Die Rheinweide gehöret nicht hierher, S. dieses Wort. Der Raitel, S. Reircl. ' , 1. Ra*- L. Raiten, vsrd. reF. Lol. welches nur im Oberdeutsches üblich ist, wo es rechnen bedeutet, S. Reiten. e. Raiten, verb. reZ. ser. sieben, S. 2 Rädern. iDerRaiterRechnungsfuhrer,Schaffer,Aufseher u.s.f.S.Reiter. 2 '. Der Raiter, ein Sieb, S. Räder. Raitern, sieben, S. 2 Rädern. ^ . < Die Rairkammer, öerRait-Offtcrer, ir.s.f. S.Reitcn, rechnen. Dcr^Rak, des — es, plur. die — e , auf den Schiffen, cinKranz, ioelchec ans kugelförmigen auf ein Tau gerciheten Stücken He z bestehet, den Mast und die Mitte der Rahe umgibt, und sie beyde zusammen hält. Daher das Racktau, dasjenige Tau,wor- arrf-diese Kugeln, welche man Stängel heißt, gereibct sind. Allem Ansehen nach mit Reihe, Ring, Iranen, RragAem u. s. s. aus Einer Quelle, welche Heyden letztern sich nur durch den vorzesetz- Leu Gaumenlaut' unterscheiden. Die Rake, eine Art Krähen oder Rüben, S. > Racker. Der Rakel, S. Rckel. ^ - . Das Racket, die Rakete, S. Racket, Racket?^ Das Raktau, des — es, xlur. die — e, S. Rak. Die Ralle, plur.die—n, in eckigen Gegenden, ein Nähme des Gras- oderwicsenlaufers, RaUusLU. welcher einem Wasserhuhne sehr ähnlich ist, und von vielen auch dahin gerechnetwied. Im Lat. Kr,11u5,6ra11us, im Engl.Ruil, in müllchenGegcnden auch Wachtelkönig, Schecke und Schricke. Der Nähme Ralle, welcher bey einigen auch im männlichen Geschlechts der Rall lautet, hat seinen Grund entweder in dem diesem Worte ähnlichenGc-- schrer-e dieses Vogels oder auch in seinen weiten, schnellen Schritten, welche er macht. Um der letzten Ursache willen ist vermuth- lich auch eine Art großer Feldmäuse unter dem Nahmen der Ralle »de» Rallmaus bekannt, Holl.Relltnu^s. JmSchlved. siudRal- 1er Lügen, albernes Geschwätz, imHoll.rLl!ev,reI1en,plaudern, scherzen,wohin auch dasEngl.to rn!?/ undFrauz.räiUergehören. Der Ramm, des—es, plur.die—e,dcrSchafl'ock,S.Rammbock. Der Rammblock, des — cs, pll.ur. die—blocke, eigentlich der große Block oder Klotz in einer Ramme, welcher eigentlich das Rammen verrichtet, und auch der Rammklotz, der Rammel, die Rammel, dcrÄnecht, der Bär, und in einigen Gegenden, z. B. in der Lausitz, auch das Handwerk genannt wird. Man hat auch kleinere Rammblocke, welche mit der blvßenHand regieret werden, 'und Handrammen, bei- den Pflasterern und Steinsetzern aber Jungfern genannt werden. S. Ramme und Rammeln. Der Rammbock, des — cs, plur. die—bocke, in vielen Gegenden, ein Nähme des Widders oder Schafbockes, der im Niederst Engl, und Holland, nur der Ramm, in andern Gegenden aber der Rammcr^dcr Rammclheißt. JmOsnabrückischen wird auch der Kater der Ramm genannt. S. Rammeln u ad Rammler. Die Ramme, plur.di'e-— n, ein Werkzeug, welches gemeiniglich aus einem schweren Klotze iu Gestalt eines abgeschnittenen Kegels bestehet, Pfähle damit iu die Erde zu rammen, Sterne, Erde u. s. s. damit fest zu stoßen ,' dieser Klotz werde mm mit der bloßen Hand gefiihrct, da er auch Handramme, Rammklotz, Jungfer u. s. f. heißt, oder befinde sich in und, an einem besondeeuGerüste, wo er mit Stricken in die Höhe gezogen, und alsdann seiner eigenen Schwere überlassen wird. Da denn bald dieses ganze Werk, zeug, bald auch nur der Rammblock oder Rammklotz allem diesen Nahmen führet. Bey dem Golinssühret die Ramme denNahmeu desLmiischlägels .Stoßblockes,bcy andern denNahmcndesBarcn oderBätzes, von baren, pären, besten, batten, »urschen,schlügen, flößen, der Hofe, He^e. Engl. Rammer. S. Rammen. > L. Dor Rammel, des—g, plur. M nom. linZ. i) Der Schafbock, lS. Rammbock.) 2 ) Im Bergbaue wird eine ArtZwitter oder Zim,stein Rammel genannt, welches doch zunächst deuOrt R am 926 bedeutet, wo viele Zwittergänge zusammen kommen, oder m dbe Bergsprache, sich rammeln, S?dasselbe. 2 . Die Rammel, plur. die — n, S. Rammblock. Rammeln, verb. rsA. welches in doppelter Gestalt üblich ist« I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworts haben, r. * Eigentlich, ein lautes Geräusch, ein G-töse machen, lärmen; Schwed, ramln, Griech. Es ist im Hochdeutschen in dieser Bedeutung veraltet. 2. 1» weiterer Bedeutung, solche lm- gcstüme Bewegungen machen, welche in vieleit Fallen mit diesem Getöse verbunden sind. 1 ) So gebraucht man im gemeinen Lebe« das Wort rammeln sehr oft von allerlei) unordentlichen und heftigen Bewegungen mitHänden und Füßen. Auf dem Strohe her-, um rammeln. Wo es auch acuve üblich ist. Las Rind hat das Bett zu Schanden gerammelt. In den niedrigen Speechs arten sind dafür auch die Wörter rankern und ranzen üblich. 2) Sich begatten; sich belaufen; wo man es doch nur von de« Hasen, Kallinchen, Katzen und Böcken gebraucht. In der Lausitz und andern Gegenden sagt nm'. es auch von Sem Nindviehe, da. denn derZuchtochs auch derRammelochs genannt wird. Zunächst wird es nur von dem männlichen Geschlechts der Thiere gesagt, der Bock rammelt; iu weiterer Bedeutung aber gebraucht man eS auch von beyden Geschlechtern. Die Hasen rammeln, wenn ick sich begatten. Viele andere gleichbedeutende Wörter, west' von andern Thieren gebraucht werden, z B. bru ften r . ranzen, balzen, rollen n. s. f. sind gleichfalls vcm « hcrgcnommen, welches manche Thicec dabey zu machen pjl oem (S. Rammbock und Rammler.) Nicdcrs. gleichfalls rammeln. In Boxhorns Glossen ist Rarninalonck schon Loitus. II. AlscinAetivum. r) Mchrmahls stoßen; auch als eine Anspielung auf das damit verbundene Geräusch, pfähle m di? Erberammeln. Inder anständigen Sprechart ist dafür rammen üblich, S. dasselbe. 2) Versammeln; eine gleichfalls von dem Getöse mehrerer sich versammelnder Dinge hergenomme,re Figur. In diesem Verstände ist es nur noch im Bergbaue als cm-Aecwro- cum üblich, wo sich die Gange rammeln, wenn sie so zusammen kommen,daß sie sich völlig mit einander vermischen, so daß man ihr Streichen und ihr Salband nicht mehr erkennen kann; worin cs von dem sich scharen der Gange verschieden ist. Im Wend. ist R ems die Versammlung, und im Niederst Ramp, Rammel, die Menge, Franz. RsMas. Daher das Rammeln. Anm. Rammeln ist das Jntensivum oder Frequentativum von rammen, oder, da auch dieses wegen des doppelten m ein Intensi- vum zu scyn scheinet, vou dem veralteten racken, welches schreyen, lärmen», s. s. bedeutet haben mag, und wovon Ruhm rumoren, rummeln, brummen, Trommel, stromere, u. ä. m. übstammen. Im Hebräischen ist crzt-> Ser Donner, im Schwed. r^ma brüllen, Augels. Iireumnn, im Island, r^min. Rähmsken bedeutet im Hannöv. wiehern. S. Rühmen und Rammen. Die Rammelzeit, plur. di?— en^ diejenige Zeit, da sich die Thiere zu begatten pflegen; doch nur von denjenigen Thieren, von welchen das Zeitwort rammeln üblich ist. Die Ramckelzeitcker Hasen, Kaninchen, Ratzen u. s. st Rammen, verb. reZ.ÄCt. welches eigentlich stoßen bedeutet, aber nur nach von dem senkrechten Stoßen oder Schlage» vermsttttst eines schwerenKlotzes gebraucht wird, pfähle in die Erde rammen/ Die Erd? fest ramm?n, stoßen oder schlagen. Daher das Rammen? Siauch Einrammcnündverrammcn. Anni. Im Niederst gleichfalls rammen, im Engl. ko rum, im gemcincr.Lebeil auch rammeln. DasH>°lländ.rAN'-nren wird auch für rammeln, begatten, gebraucht. Es druckt zuuachst das mit dein Stoßen verbundene Getöse ans. Wegen dieserstößigcnEj- geuschaft hftßL der Mann der Ziegen und Schaft so wohl Bock, (stehe Ram 927 Pochen,) als Ramm und Rammbock, obgleich auch bannt ans tun wollüstigen Trieb dieses Thieres zur Begattung gesehen werden kam,, von rammeln, begatten. Das Lat. ^ris.<; leidet eine ähnliche Ableitung, indem es mit unfern, alten hirrcn, stoßen, Arieturs, (S. sirsch,) von einem gemeinschaftlichen Gramme herkommt. Da nun eine horizontale Ramme oder ein Mauerbrecher um ebxn dieses Stoßens willen, wozu er bestimmt war, bcy den Römern glerchftlls /lries streß, so ist daraus die Fabel cmstaudeu, daß die ^rietss, oder Mauerbrecher, vorn mit eisernen Widderköpfen versehen gewesen. Gerade als wen» unsere Rammen deßwegen, weil sie Rammen heißen, die Figup eines Ramms- oder Widderkopses baden müßten^ Der Rammklotz, des — es, pner. die—klotze, S. Ramwblock. DerRammler, des—s plur. urnom. l,nZ. dasmänuliche Individuum derjenigen Thierc, von welchen das Acilworl rain^ mein gebraucht wird. Besonders führet der männliche Hass den Nahmen desRammlcrs, znmUnterschiede von derääsrnn oder dem Satz odcrMurrerHasen. Jilftm^n Gegenden wird auch derWid- der, Slähr odcrSchafbock, Rammler genannt, S. Rammbrck. Die Rampe, p ur. die — u, aus dem Franz. Kampe, im Fefinngsvsue, ein gelinde abschüssiger Weg nach und vor einem Malle; der Walllauf, mit einem andern Französischen Worte die Davon heißt eine Gasse in Dresden die Rampische (v u i A. Rammische) Gasse. Der Ramsel, des — s, plur. ivust. >)Eiue Art wilden Knoblauches, welcher in den feuchten finstern Wäldern wächst, und einen sehr widerwärtigen Geruch hat; urliaum Waldlnoblauch, Ramsenrvurz. 2 ) In einigen Gegenden w:rd Mich das Rnoblauchskrant, Lrvlimum Ram- schenwurz , Ramscnwurz und Ramsel genannt. Anm. Der Rahme lautet in den gemeinen Sprecharten bald Ramsel, bald Rampen, bald Germsel. Im Lauensteinischen lauter er Remse, im Schweizerischen und Wendischen Ramseren, rm Rorweg.kums 6oclL,ÄM8. Es ist sehr wahrscheinlich, daß bepde Gewächse ben Nahmen von ihrem widerwärtigen Gerüche haben. Rähmein bedeutet in einigen Oberdeutschen Mundarten ranzig riechen und schmecken. Der Rammskopf, des — es, pftrr. die — köpfe, eigentlich ein Widderkopf der Kopf eines Schafbockes ; von Ramm, ein Widder. Figürlich auch ein einem Widderkopft ähnlicher Kopf, beson- - ders an den Zugpferde«, an welchen man die Rammsköpfe liebt, welche von den Schafsköpfen noch verschieden sind. Ran, Ranitz, schlank, S.Rahnig. Der Rand, des—es,plur. die Ränder, Dirninut. das Rändchen, Ober-. Rändlein, die äußerste Fläche eures Dinges, diejenige schmale Fläche, welche den äußersten Umfang eines Körpers ansmacht. ,) Eigentlich Der Rand eines Grabens, eines Brennens, eincr G ube. Am Rande des Brunnens stehen. Der Rand envcs Flusses; indessen ist von Flüssen und andern großen Wassern das Wort Ufer üblicher. Der Rand des Schiffes, wofür doch das Nit derd. Bort emgeführet ist. Die Wie»e-ränder vermiekyen. Der Rand eines Glases, Bechers Topfes, Gefäßes" ff. Der Rand dcs Tisches Der Rand eines Buches, die ler r gelassene, lange und schmale Fläche ander äußersten Seile der Blätter., Lin Buch mit einem breiten Rande. Emen Rand brechen, einen Bug in das Papier machen, die Gcänzen des Randes zu bezeichnen. Etwas auf den Rand schreiben Das Versteht fich am Rande, das verstehet sich vom selbst, ist außer allem Zweifel; eine vermuthlich von den chemahligcn Randglossen entlehnte Figur. Am Rand? des Abgrundes stehen, figürlich, »n der äußersten Gefahr des Lebens und des Unterganges sepn. r) Argirrlich, das Ende eines Dinges oder einer Sache; doch nur Ran ' 928 noch m einigen R. A. wo das Wort nur im Singular allein üblich ist. Mir einer Sache zu Rande kommen, sie zu Ende bringen, inglerchm sich darein zu find: n wissen. Mtt jemanden zu Rande kommen, m.t ihm auseinander kommen, mit ihm einig werde«, wofür man in einigen Fallen auch sagt, mit ihm anss Reine i.-,n- men. Eine Sache zu Rande bringen, oder auch, sie ms Reine bringen, sie in Oi-önnna bring, n, ihr das rechte Geschick aebem. S c müssen mit ihrem Gewissen schon vortrefflich Zu Rande seyn, daß es ihnen nicht gleich bcpfällt, Loss. Man könnte glauben, daß Rand in diesen Fällen ans rein ents-amen sep, welches in eben diesem Verstände gebraucht wird. Allein es ist wahrscheinlicher , daß cs eine aus der Schisssahrt entlehnte Figur ist, und daß zu Rande kommen, eigentlich, das Ufer erreichen, bc, deutet. Opitz gebraucht dies.' R. A. mehrmahls im eigentliche» Verstau e r Ich walle wie ein Schiff, das durch das wilde Mrep von Wellen umgejagt, nicht kannztt-Ran-e finden. Und air einem andern Orte: Ein stiller Port der Noth, An dein der Rümmer rühr und gibet sich Zn Rand,. Anm. Bey dem L-lryicr und seinen Zeitgenossen Kant, siu Rieders. Schwed, und Engl, gleichfalls knncj, im Island. Knurre) und Komi. Rand, Rain, Ranft, Rahm, Reif, Braun in Augenbraunen, und allem Ansehen nach auch Strand n.s.f. find alle Wörter Eines Geschlechtes, welche eigentlich überhaupt eine jede Ausdehnung in dieLängeohne beträchtliche Breite und Dicke, und in engerer Bedeutung die äußerste Fläche eines Körpers von dieser Arl bezeichnen, ob sie gleich durch den Gebrauch auf verschiedene Weise eingeschränkt worden. Diese erste Bedeutung erhellet noch aus dem Schwedischen, wo kuncl auch eine 'Linie bedeutet. Im Niederst bedeutet daher noch anranden, eigentlich, an cineSache reichen, und figürlich, sich an etwas machen, es augreifcn, simanden ansallen, ihn anreden, anrnsen u. s. s. w.l- cbcs an Ottfrieds reinen, berühren, erinnert. (S. Rain und Rauft.) Einige Sprachlehrer behaupten, der Plural laute Rande, und Ränder sey eine Meißmsche Provinzial - Form. Alleilt der letzte Plural ist doch wenigstens ün Hochkentschr» allgemein, und Rande scheint vielmehr nnr^einigen Provinze» eigen zu seyn. Der Randboden, des—s, plur. die—boden, inder Landwirth- schast, ein Werkzeug mit einem Rande, vermittelst desselben die Biene» in den Korb zu fassen. Das Randdorf, des—es,^>'lur. die — dörfer, eine in der Mit» telmark Brandenburg übliche Benennung derjenigen Dörfer, welche am Rande der dastqen Moräste liegen, und wiederum entweder Brnchdörfcr oder-(and- und Ackerdörfcr find. Rändern, vcrb. rex. Lct. mit finen'. Nande versehen. Eine Pastete rändern. Geränderte Ducaten, welchr.mit einem befou- ders bezeichnetenRande versehen find, zum Unterschiede von den tmgeränderten. Im gemeinen Leben auch wohl randen um rändeln. Daher das Rändern. Das Rändfach), des— es, pwr. die—e, bey den Hnrmachecn, diejenigen Fache, d. i. Stücke des gefachten Überzuges, woraus der Rand des Hutes verfertiget wird; zum Untcrschiech: voit dem Ropsfachen. < - - Die Rand-Glosse, p?»r. die— n, eine ans dd» Rand eures Buches oder einer Schrift geschriebene Glosse oder Anmerkung; Rieders. Rantteken, Raudzvicherr. , DasRandholz. des —es, plu.. die—Holzer, im Schiffsbauc, zrvep krnmme Hol,er, welche mit ihre» untern Luden an den Hm- terstesen, und oben ar.zwcy ch ist. ^ Di ' Ra'ömotte, pürn die—n, bey den neuern Schriftstellern des Inf ctcn-R' ches, eine Arr Nachtmotten, welche sich aufden Eichbäumen amhält; ck't al ec>3 aoctua ec>inpl. 3 Q 3 Das Randmuster, des —s. plur. ut NOM. kinZ. bey den Schustern, ein Stückchen Leder, etwa eines Zolles breit, welches zwilchen die Brandsohle und die andere Sohle'am Rande herum gelegt wird, damit die Stiche desto besser halten ; der Rahmen. Die Ranöfcherbe, plur. die—n, in den Goslarischen Kupfer- bergwerken, ttütauglicheScheiben ausgeschmelztenKupfcrs, welche keine Kaufmannswaare sind; zumUnterschiede von den besscrnWä- gescheiben. Vermuthlich weil sie als Ausschuß aufden Rand geworfen oder gesetzt werden. Die Ranöschrift, plwr. die — en, eine auf dem Rande eines Dinges befindliche Schrift. Besonders die Umschrift auf dem ^ änßern'Rande einer Münze. Die Randschüssel, plur. die —n, eine Schussel mit einem gerade in die Höhe stehenden Nande ; eine porigen- Schussel. Der.Randstreifen, des—s, piur. ut rro,n. lülZ. ein Streifen, welcher den Rand eines Dinges ausmacht, demselben zumRande dienet. Aufden Schiffen führet der oberste Barlhalter, oder das oberste Barkbolz, diesen Nahmen. Das Randstüch, des — es, plur. die—e, ein Stück von dem Rande eines Dinges, ein Stück, weiches denRand an einem Dinge aus,nacht oder ausmachen Hilft. Dergleichen Randstücke sind z. B. dieTheile der Einfassmrg eines aus Steinen gehauenen Brunnenbeckens. Der Ranft, des-es, plur. djs Rauste, D min. das Ranft- chcn, Oberd. das Ränftlein, zusammen gezogen Ränftle, der Rand eines Dinges, und in weiterer Bedeutung, dasÄußerste eines Dinges ; ein nur im Oberdeutschen übliches Wort, wo es oft von einem jeden Nande gebraucht wird. Lei Ranft an einer pastete,- an einem Glase u. s.f. Besonders gebraucht man es von der Rinde des Brotes, und im engsten und gewöhnlichsten Verstände, Voit einem größten Theils ans Rinde bestehenden Snickc Brot, dergleichen z. B. dasjenige ist, welches zuerst von einem ganzen, Brote abgescbuitten wird, und welches m Bmerii auch der Scherzel, in Nlederoemschlaud abcr der Nnuft genannt wird. Zu diesem engsten Verstände ist es auch imHochdenrschen, wenigstens mObersachsen, gangbar. Ebendaselbst ist cs auch in der Landwirchschafc üblich, wo der Acker einen Ranft bekommt, wenn er durch anhaltendes Regeinvetler oben eine feste Rinde bekommt. Anm. Ranft, Rand und Rmde sind Eines Geschlechtes, ob sie gleich durch den Gebrauch ans verschiedene Arr eingeschränkt sind. In denMonfeeischenGlossen wirt Knmkl vNkffort durch Werkes erkläret; wo für?rort vielleicht IZorck oder?or- zu !es u ist. r. Der Rany, eine Krankheit der Schweine, S. Rantkorn. 2 . Der Ran§, des—es, ^lur. die—e. i. Eigentlich, eine Reihe, d. i. mehrere in einer Linie neben einander befindliche Dinge Enger Art, und die Linie, welche daraus entstehet; in welch er Bedeiunug es doch Nur in einigen Fällen gebraucht wird. So sind die Range oder Reihen ben den Perrückenmachern diejenigen Tressen, welche nach der Reihe über einander gcnähet werden;Franz. I-ui kvnvZs. In den Schauspielhäusern find gemeiniglich brey Range -Logen über einander. Im ersten Range, im zweiten Range. In weiterer Bedeutung bedeutet daherRang den Grad der Größe der Kriegsschiffe, weil sic in einemSneu esstu nach ihrerG. öße gesicllet werden. Die Franzosen haben unter ihren Kriegsschiffen fünf Range, die Holländer sieben, die Engländer sechs. Em Schiss vom ersten Ra.-ge ist in Frankreich i7obi.S »Lo F,?ß lang, und E.W. B. Z. Th. 2 Russ, Ra n 9Z0 führet bis 120 Kanonen; ein Schiff vom zw-eplen Range ist ' 5s bis , LZ Fuß lang, und trägt 80 bis 90 Kanonen; ein Schiff vom» -ritten Range ist > zz bis > 45 Fuß lang, und har 60 bis / «Kauo- nen; eins vom vierten Range hat Ivo Fuß Kiel und führet Zo bis 40 Kanonen; der fünfte und letzte Rang endlich enthält Schiffe von 80 Fuß Kiel und z bis 2 0 Kanonen. Die sechs Range derEngländer bestehen aus Schiffen von 100,90, zo bis?», 6o- bis 50, 40 bis Zo und 20 Kanonen. 2. Figürlich, der Grad der- Würde, welche stmand in der bürgerlichen Gesellschaft bekleidet, welcher auch wohl derStand genannt wird; in welcher Bedeutung der Plural ungewöhnlich ist. 1) Überhaupt. Ein Mann von hohem Range. Seine Verdienste geben dir ein gegründetes Recht aus einen hohem Rang. Den ersten Rang haben. Iir welchem Range auch der Mensch geboren wird , so richtet sich die öffentliche AchtMg doch allemahl nach den Diensten, welche er dem vaterlande leistet. 2) In engcrm Verstände, a) Ein vorzüglicher Rang von dieser Art. Ein Mädchen ohne vermögen und ohne Rang,Luss. b) Die obere Stelle im gesell» schaftlichen Leben, als ein Beweis dieses vorzüglichenRanges in dev bürgerlichen Gesellschaft. Jemanden den Rang geben, die obere . Stelle, ihn sich zur rechten Hand gehen lassen. Jemanden den Rang ablauftn, figürlich, einen Vortheil über ihn gewinnen- welche N. A. aber auch zu dem folgenden Rank gehören kann, da es denn mit einem k geschrieben werden müßte. Anm. Im Engl. und Kaak, imHolländ.kvanZ. BeySe sind so wie das Deutsche erst in den später« Zeiten ans dein Franz. Rung entlehnet worden, welches wiederum mir Ranken Rain, . Rand, Reihe u. s. s. Eines Geschlechtes ist , und eigentlich eine Ausdehnung in dieLänge bezeichnet. Was aufdemWahltage - 6 z z von demChur- BrandenbnrgischenGesandten wegen dieses ausländischeil Wortes erinnert worden, ist schon ben dem Worte Posten angeführet worden. Der Plural, welcher doch nicht oft vorlommt, macht Vielen Schwierigkeit. Die meisten machen ihn wie imFranz. kv3«Z8, Rangs. Allein , da man im Singular das Wort schon völlig dccliniret, des Ranges, dem Range, so kann auch der Plural die Range fein Bedenken machen. Der Range, des—n, plur. die—n, ein lang aufgeschossener junger Mensch, im verächtlichenVerstände, nnd besonders in Nie« dersachsen. Ein Gassenrange, ein großer Gassenbube. Jngleichen,. ein mulhwilliger und bösartiger Bube, doch auch mir dem Neben, begriffe der Länge. Ein gottloser Range,, ein böser Bube. Ins Zuchthaus mit solchen ungerachenen Rangen , Gell. * Anm- Im Niedcrsächstschen, wo dieses Wsrt eigentlich einheimisch ist, gleichfalls Range. Eben daselbst ist Rengel gleichfalls ein mulhwilliger Bube. So fern der Begriff der Länge der Herr- schende isi, g'höret es zu rang, schlang, Oberd.wahnig, Ranken und andern dieses Geschlechtes, (S. diese Wörter.) So fern abep derBegriff des Muihwillens Hervorst cht,ist es ein Verwandter von dem Niederj. rangen, lärmen, roden, (S. Ringen) dem Engl, to rauZs, lansen,und r3uIr,Mttthw>Üig, böse,S.auch 2 derRank, 1. Die Range, p lur. die—n, ein mir in einigen Provinzen, z.B. in Schlesien übliches Wort, eine Sau, ein Schwein werblichen Geschl'-chies zu bczeichnen; wo es allein Ansehen nach dienarür- ljche St mrrie dieserThiere nachahmet, nnd davon entlehnet ist. S. Ranze und Grunzen. 2. DreRM'ye. ffüur. die—n auch nur in einigen Gegenden, für R in od,fi G"än;e. Das Ram- und Rangenrecht, das Recht, die Feld: und Für- aränz n z» bestimmen. Es ist ein naher Verwandler von der R nge, Ra,-k, besonders über von Ran», und der daraus gebildeten Gränze, weil auch hier der Begriff der Lang'', und besonders der äußerster» Länge hervorsticht. Nun Z' Die X - HAi Rak! 3. Die Rallye, plur. die—ir, eine Art Mangold, welche eine Bastardart von dem gerneincnMangold und dem rochen Mangold, ödender Beete ist, und auch Ranrnbe, Mangsldrübe genannt wird. Sie scheinet die Lsta rubra rnclice rapae Zott/ 4 . zuc seyn. Der Nähme Range wird in deij gemeinen Sprecharten in Rangers, Raunschen, Rohne, Rande, Runkelrübe u. s. f. verderbt. Ja in einigen Oberdeutschen Gegenden wird die Beete, oder der rothe Mangold, Rahne,Rohne undRande genannt. Eine nähere Kenntniß der Wurzel dieses Gewächses mnß entscheiden, ob sie nicht etwa wegen ihrer ranken, rahnigen, d. i. langen und dünnen Gestalt, den Nahmen habe. In andern Gegeyden ist das Flachskraut, LugculaD. unrer demNahmen derRange bekannt. S. das Bepwort Rank. s. Der Rangen, des—s, plur. car. S. Rankkorn» r. Der Rangen, des—S, plur. ut nom. nur in einigen Gegenden, ein abhängigerBerg,der nicht jähe ist,sondern sanft an- und abgehet, und welcher rn andern Gegenden eine Leite genannt wird. Vielleicht auch wegen des sanfter» und folglich länger» Ab. Hanges, von rank, lang, und der Range. Dre Ranstor-nung, plur. die—en,die Verordnung einesHöhern in . »-/s 'ol.Uii.es and'erer. Der Rangstreit, des--cs, p kur. i aus. oder die Rangsirettigkeit, ^sl'ir. Lio—en,derStreü über denRang.oder den äichecnVorzug. D ie Rangsrtcht, ;-lur car. die Sucht, d. i. anhalieiide »urgeord- «ete Begierde, nach Rang,oder äußern Vorzug u, der bürgerlichen Gesestschast. Daher rangfüchtig.mit drrRangsucht behaftet, und in derselben gegründet; die Ranas-ichtigkeu, die zur Fertigkeit gewordene Rangsucht. Rank?—er ,—esre, et ackv. ein nur im gemeinen Leben derObersachsen übliches und eigentlich inNledcrdeutschland einhci- misches Wort, welches geschlank, S. i. lang und dünne, bedeutet, zvofiir im Oberdeutschen rahn und rahnig üblich ist. Lin ranker Mensch. Eine ranke Ruthe. Im Holland, ran, rsue und rank, im Engl, und Schweb.gleichfalls rank. Es hat so wohl den Begriff der Länge, als der Biegsamkeit. S. Geringe, Rah- nig, und die folgendenWörter. 2 . Der Rank, des—es, zräur. car. eine Krankheit der Schweine, S. Rankkorn. > 2. Der Rank, des — es, plur. die Ranke, t. *Eigentlich, die Krümmung ; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, welche- aber noch in einigen Oberdeutschen Gegenden üblich zu seyn scheinet. Bey dem Pictorins ist der Rank einerGasse ihreKrümmung, ^ und Stumpf, ein Schweizer, gebraucht Rank von der Krümmung eines Flusses. 2. Figürlich, r) '*Ausffucht, Ausstuchte, verschlagene, aber ungegründete Entschuldigungen, in welchem Verstände man auch sagt, sich drehen und winden, welchenBegriffdasWort-, Rank gleichfalls gewähret. Es ist auch m dieser Bedeutung im * Hochdeutschen veraltet. Sie wollten ihr Thun mit langenRän- ken schmucken, Faust iu der LnHeckischenChronik bcy dem Frisch. 2) * Ein jeder Kunstgriff, in der weitesten und folglich auch guten Bedeutung, eine andern unbekannte und cmfFcrtigkeit gegründete , Art seine Absicht zu erreichen; wo zunächst gleichfalls ans die Geschwindigkeit,oder aeschlankc,geschmeidigeBewegung gesehen wird. Auch hier ist es im Hochdeutschen veraltet. Ein kluger Rank. Ich wil euch lern ein sondern Rank, Theuerd. Kap. 63.' Sprrchw. Rank überwindet den Klang, d. i. Verschlagenheit, i oder auch Geschicklichkeit, uberwicidet die Beredsamkeit. A) Im engsten Verstände,, ein solcher Kunstgriff, zur Erreichung einer unerlaubten Absicht, oder zum Nachrheilanderer. Jemanden einen Rank spielen. Jemanden denRank ablaufen, ihn überlisten, seinen Kunstgriffen zuvor kommen, selbige vereueln; wo viele das , Wort Rang schreiben. (S.daffelbe.) Allein es ist wahrscheinlicher. -,' R lN! j HA 2 baßes baS gegenwärtige Wprt ist. Ihr lebhafter Witz verleitet sie oft, ihre Geschwister zu necken, und ihnen kleine Ränke ab- zulaufeii, Weiße. WelcherPlnral nichtStatt fände, lpeirnesdas Wort Rang wäre. Im Oberdeutschen ist die einfache Z ahl in die. ser Bedeutung völlig gangbar; allrin imHochdentschen ist nur allein der Plural üblich, weil man daselbst die einfache Zahl aus einer blossen Unterlassungssünde hat veralten lassen. Mik Ränken umgehen. Ränke brauchen, spielen. Voller Ranke seyn.Jemandes Ränke entdecken. Die Bosen sind verschlagen, und haben geschwinde Ränke, Ps. 64,7. Anni. Inder letzten figürlichen Bedeutung im Holland, sanken, im Schwed, im Plural käoksr,imJsländ. mit dem vorge- setzten Hauchlaute und ohne Nasenlaut üreckior.imAngels. mit Vorgesetztem Blaselaute Vrenc,VrLnca, im Engl. Selbst im Türkischen und Persischen ist Reu k der Betrug. Der erste und ursprüngliche Begriffin diesem Worte ist der Begriff der schnellen Bewegung, und in engerer Bedeutung,der schwankenden oder schlättgclttdcnBewegung.Noch imSchwed.ist ranka schwanken, und in der Schwäbischen Mundart ranken den Leib hin und her bewegen,so wie in den gemeinenSprecharten einigerGegcnden rankcrn nngestümeBewegungen machen ist. Der Begriff der Länge ist mit diesem Begriffe der Bewegung genau verbunden , so daß man sich über die Verwandtschaft der Wörter rennen, rinnen, , Ring, ringen, Rang,Range, rank, Rank.en u. s. s. nicht verwundern darf. Von den Ranken in der letzten figürlichen Bedeutung hat auch der Nähme Reineke- welchen der Fuchs bey den Dichtern führet, seu'.en Ursptung, S. dieses Wort. Der Ranken, —g, plur. u» a,-m. lznsi. bey einigen auch die R«nks- p: ur. die—n. t) Schnursörmige Bänder an manchen Pstauzen, welche sich gemeiniglich in Schraudengängen winden, und sich um andere Körper schlingen. .Dergleichen Ranken finden sich an dem Weinstocke, dem Hopfen, den Bohnen, Erbsen, dem Epheull.s. f. Auch die ähnlichen schnncföemigen,langen und dünnen Stängel mancher Gewachst, z. B. des Hopfens, der Erbsen,der Bohnert u. s.f. bekomiN'n um dieserUrsache willen denNcch- Uien der Ranken. Zopfeitranken, Lrbsenranken u. s. f. 2) Ein langer, d'ünner, jungerZw^ig; eine nur in einigen Fällen übliche Bedeutung. 2 Kö«. 4, Z 9 werden die Reben auf eine im Hochdeutschen nngewöhnliche Arl Ranken genannt; und fand wilde Ranken, und las dnvon Tolochynten, wilde Weinreben. Doch pflegt man in demWeinbauc einigerGegenden noch die im vorigen Jahre verkürzten Reben an dem WeinsiockeRankenzn nennen; in andern Gegenden heißensie Rnoren, Schenkel und Sturze!. Anm. Im Niederst gleichfalls Ranke. In der ersten Bedeutung ist der Begriff der schlängelnden Bewegung, in der zweyteiiaber der LängeundDünne der herrschende. Das Engl. LrauLÜ uub Franz. Kran ehe, ein Zweig, stammen gleichfalls dahier, und haben nur den Blaselaut angenommen. Siehe das vorige nn> folgende. sanken, verb. reA. act. welches im Hochdeutschen nur als ein RLciprocnm in eirrgeschränktcr Bedentung üblich ist, wo es von langen, dünnen, schwailkenKörperil, besonders aber von denRan- ken in der vorigen ersten Bedeutung, gebraucht wird,wenn sie sich in schraubenförmiger oder schlängelnder Richtung fortbewegen. Die Bohnen ranken sich an der Stange in die 6dhe. Zuweilen, obgleich ftltener, kommt es auch als ein Nerrtrum vor. Die Gurken ranken auf der Erde fort. Änm. In weiterer, aber im Hochdeutschen ungewöhnlichen Bedeutung ist ranken in einigen Oberdeutschen Gey-, »den, den Leib hin und her bewegen, und das Jntensiviim rankern, wofür man in andern Gegenden ranzen und rammeltz sagt, hesrige-ungezogene Bewegungen der Glieder machen« S. 2 der Rank. ' . ' ' Der -? SZZ Ran Ran 924 Der Rankenbaum, des —es, plur. die--bäume, bey de» Gärtnern, cinNahme derjenigenBäume,welche anSpalieren und Geländern gezogen werden, an welchen sie sich gleichsam in dre §>öhe ranken, urld welche am häufigsten Spalierbäume, genannt werden. Im Schwedischen ist kavk eine lange, dünne Stange. Rankern, verb. reZ. uct. et. veubr. S. Ranken, Anm. Das Rankett, des—es, plur. dre — e, ,n den Orgeln, mte Art eines angenehmen, gedackten Schnarrwerkes, dessen Pferferrklein sind, und in sich andere Pfeifen, wie die Surdinen haben. Das Wort ist, allem Ansehen nach , ans einer fremden, verruuthnch aus der Französischen Sprache entlehnet. , Das Rankkorn, des — cs, plur.die —korner. l) Em Gewächs, in Gestalt einer weißcnErbft oder rundenBlatter,welches die Schweine zuweilen >in großer Hitze oben am Gaumen in der dritten Staffel bekommen, und woben sie taumelnd und matt werden , und endlich gar sterben ; ohnePlural. Einem Schweine das Rankkorn nehmen, ihm dieses Gewächs ausschnciden.d^nLli- c!ie i?Lras>'ttNlic be, In einigen Gegenden der Rang, der Rank, der Rangen, der Rtamm, die Rlämme, das Gerstenkorn. Bey dem Nindviehe heißt diese Krankheit die Blatter, oder Blarre. 2) In einigen Gegenden wird auch das Mutterkorn Rankkorn genannt. ^ Anm. In der ersten Bedeutung scheinet es von dem Nieders. rank, Oberd. vahnig dünn, gcschlang, mager abzustammen, weil die Auszehrung mit dieser ansteckenden Krankheit verbunden ist. Aridere leite« es von dem Wendischen kavra, eine San, und Iiorn,, krank seyn, ab. In der zweyten Bedeutung findet eben diese AbleitungStatt, weil dergleichenKörner länger als gewöhnlich zu sevn pflsgen, obgleich auch die Bedeutung des Geringern oder Schlechten, in Betrachtung gezogen werden kanr,,S.Ring in Geringe und Rrank. ^ Rankvoll, —-er,-—este, 26). er aäv. voll Ranke. Em rank- voller Mann. S. 2, der Rank Z). Die R^rnne, xlur. die—n, eine Art Mangold S. 3 Range. Die Ranrübe, S. eben daselbst. Rantrieren, S. Rentricren. , . Der Ranunkel, des — s, plur. ul. vom. llnZ. noch häufiger rm weiblichen Geschlechts, die Ranunkel, plur. die—n.cmauS dem Lat. RÄlluncuIus entlehtttccNahmedesjclligellGewach,es, welches wegen der Gestalt seiner Blätter im Deutschen Hahnenfuß gcnauut wird ; klu-nuneulus k. Am häufigsten begreift man unter diesemNahmen diejenige Art, welche als eine schöue,okg!eich geruchlose Blume, von mancherlry Farben in unfern Gärten gezogen wird. ... cv - Die Ranze, plur. die—n, nur in einigen Gegenden, z. B. in Schlesien, eine San, ein Schwein weiblichen Geschlechtes.- > Die RanzeIärrft»der Magd mit ihren 8erklein nach, Opitz. Im Wendischen gleichfalls kLnru; ohne Zweifel mit dem an andern Orten, üblichen, gleichbedeutendenRangeaus EinerOnclle, nähmlich als Nachahmung des eigenrhümlichenLautesdieserLhie- re, welchen man mit Vorgesetztem Gaumenlaute auch durch grunzen, und in einigen Fällen durch brähnen ausdruckt, S. Ranzen, das Zeitwort. Zm Schweb, ist daher Kone der Eber. DerRä^sl,des-^s, plur. ul vom. ürrZ. S. das folgende. Der Ranzen, des—s, plur. M vom. üvF. Dimin. dasRäii;- chen, Oberd. Ränzlein, und zusammen gezogen Ranzel, cinWort, welches übcrhcnrpt den Begriff der Versammlung, der Masse hat, aber nur noch in zwey Fällen üblich ist. 1) Der Reisebüildel eines Wanderers zuFuße, dcrSack, worin derselbe enthalten ist, er sey nun von Fellen, wie ihn die Soldaten haben, oder aus einer andern - Materie; der Reisebrindel, der Rrisesack. In diesem Verstände ist im Hochdeutschen so wohlRanzcn als auch,urtd zwar »och häufiger, Ranzel üblich, doch hat dieses meisten Thesis Le« Begriff ei- nes kleinen Ranzen. Seinen Ranzel aufden Buckel nehmen.Ein großer mit einem Schlosse verwahrter Ränzel, welchen man auch zuPferde und Wagen gebrauchtest unter dem Nahmen eines Felleisens bekannt. (S. auch Schnapp sack.) 2) Der Leib, derKörpec eines Menschen oder Thieres ; doch nur im niedrigen und verächtlichen Verstände, und mit dem Ncbenbegriffe der Größe und Ungestaltheit,La denn im Hochdeutschen Ranzen, im Niederd. aber Ranzel am üblichsten ist. Es war ihm ungelegen, daß kr seinen Ranzen aus dem Bette heben sollte. In manchen Hallen verstehet man darunter in engerer Bedeutung den Bauch. Seinen Ranzen füllen. Zn andern aber den Rücken. Iem anden etwas aufden Ranzen oder Ränzel geben, aufden Buckel. Anm. In der ersten Bedeutung im Nieders. Renrsel, Renzel, im Holland, keniksr, im Schweb, kckvlel, im Wend. konr, und selbst im Chaldäischen karvrel, und im Arabischen kvrv- inov. In Ranzel ist die Endsylbe—el nicht allcmahl ein Zeichen . eines Diminutivi, sondern mit —en,und —er oft gleichbedeutend, eiuSubject, ein Ding zu bezeichnen. DasWort hat überhaupt den Begriffder Verbindung, der Masse, welcher BegriffeiueFignr von der schnellenBewegung ist.sS.Rennen. Rinnen und das folgende). Wachter leitet es von dem Grieck. ^1-04, ein Fell, ab; allein ein Ränzel darf nicht eben immer aus Fellen bestehen. Zn vielen Gegenden ist Ranne, Rone noch ein Stamm, 1 ruvcu 8 , welches Wort selbst zu der Verwandtschaft gehöret.und mit demDcutschen gleichfalls dem Begriff der Masse, der Verbindung har. In den MonseeischenGlossen ist 6 r 3 Nb ein gcronnenerKörper. DaeNie- dees. Ranzel, Randsel, ein Kothsaum an den Kleidern, gehöret nicht hierher, sondern zu Rand. Ranzen, verb. rex. ucb. et neubr. welches im letzternFalle das Hülfswort haben bekommt. Es ist nur in den gemciir n c rrech-. arten üblich , wo es in drcyfachcr Bedeutung vorcomn r ') w armen, viele ungeordnete mit einem lautrnGctösc verbinidive- gungenmacheic; alsein Neutrum. Den ganzen crag - herum ranzen, d. i. lausen, springen, lärmen. Im Bette herum . ranzen, heftige und mun'itze Bewegungen mack en. Zugleichen als ein Acrivitin das Bett zu Schanden ranzen, es rurch lolche wrgungen ans seiner Lage briuacw, verderben. (S. auch verrau- zen.) 2) Sich ranzen, sich aufeinc ungeVchicktc, dem Wohlstände zuwider laufende Art dehnen, sich recken Heine besonders im Oberdeutschen üblicheBedeutung, wo dieses Wort auch firanr.en tautet. Z)Voil viclcttThieken,wentt sie sich begatten,oder ungesiümm nach der Begattung verlangen, sagt man, daß sie ranzen. Die Jäger gebrauchen dieses Wort so wohl von den Hunden, als von allen vierfüßigcn Raubthiercn. Auch hier sticht der Begriff des Geräusches und besonders des Geschrcyes merklich hcrvor.wic denn auch die gleichbedeutenden, aber von andern Thicrcn üblichen rammeln, rollen , brauschen, brunftcnn. s. fnebeu daraus abzieleu. Wenn die Schweine läusisch sind, so sagt man, daß sie brähnen, stehe dieses Wort. Anm. Schon die Endsylbe-zen zeiget, daß dieses Wort ein Jntcnsivum ist , welches von einem veralteten rahnen abstammct, welches überhaupt ein lautes Getöse oder Gcschrey machen bedeutethat, und dieses Getöse selbst nachahmet. Noch im Arabischen ist rvnu tönen, und im Island, kreiov, Schwed, vrena, wiehern. (S. auch Drohnen, Grunzen, Vrahnich,Brähnen p. s. f.) welche insgcsammt dahin gehören,und sich nur durch die Vorlaute unterscheiden. Von dem Begriffe Ks Getöses ist der Begriff der heftigen Bewegung eure sehr natürlicheFigur.Für ran.Zen in der ersten Bedeutung ist in manchen Fällen auch rasen, und iu den gemeinen Sprechartcn auch rammeln, rankcrn, ranken üblich, welche sich nur durch dieEndlaute unterscheide». Im Holländischen ist run- N u u 2 , , . . 9 ZL Rar; und rantsn miteiirem Getöse herum rennen, und in Fran» keil und Schlesien, dem Frisch zu Folge, der Rant ein Lärm, Getöse. Zu der Rothwälschen Diebessprache ist der Ranzen eine Katze. RttNzty, —er, —6e, aäj. ekaäv. welches nur von demFette und fetten Dingen gebraucht wird, wenn sie verderben, nn d einen widerwärtigen und ekelhaften Geruch und Geschmack bekommen. Ranziger Speck. Die Butter, das chhl ist ranzig. Im Nie- derd. baök, von dem Specke galstrig. Amin. Im Holland, rauck, rnnliiZK , im Franz, raucs, im Lat. ravcickus, im Schwed, mit Vorgesetztem Blaselaute kran, im Wallis, braen. Die Ranziön, plur. doch nur von mehrern Arten, die—en, dasjenige Geld, wodurch Man sich von einem Übel los kauft oder befrepet; in welcher weitern Bedeutung es ehedem auch von der Brandschatzung und demjenigenGelde,womitdiePliittderuttg abgetanst wird, gebraucht wurde. In engerer Bedeutung , in welcher es im Hochdeutschen am üblichsten ist, wird es von demjenigen Gelde gebraucht, vermittelst dessen man sich oder andere von der Kriegsgefangenschaft undSclaverey los kauft; das Lösegeld. Ranzion fordern. LicRanzion bezahlen. Im Nieders. Ran;uun, im Schwed. Kaulon, im Engl. kvaalom; alle ans dem Franz, kaneon aus welcher Sprache es mit mehreru zum Kriegswesen gehörigen Wörter n in die nördlichen Gegenden gekommen. Das Französische soll nach dem Wachter aus dem alten Ran, Nanb, .rind Sühne, Lsskanfung, zusammengesetzt, nach andern aber aus dem Lat. k-ckemräo verdcrbtsepn. RMzionieren,vsrb.rsZ. aet. aus demFranz.ran^onver, durch ein Ächüvalent an Gelde von einem Übel, und im engsten und gewöhnlichsten Verstände, von der Sclaverey undKriegsgefangen« schüft los kaufen. Sich ranzionieren. Die Rriegsgefangenen ranzionieren. Ehedem sagte man auch jemanden ranzionieren, d. i. ihn zwingen, Ranziml zu erlegen. Im Nieder,", ranzuuncn, im Oberd. nur ranzen, im Engl, ro rauloin. Die Ranzzeit, plur.chie—en, diejenige Zeit im Jahre, da die Hunde und vicrfüßigenRaubthiere zu ranzen, d, i. sich zu begatten, pflegen. S. Ranzen. Rapier, S. Rappier. Rapontica, S. Rhabarber. *RapP, ttckv. welches nur im Niederdeutschen üblich ist, wo es schnell, geschwinde bedentett Rapp auf den Füßen sepn, schnell L« Fuße. Im Schweb, rapp, im Holland, rap. Es ist ein altes Stümmwort, welches eigentlich eineJitterjcctionist, denLaut der geschwinden Bewegung in vielen Fällen nachahmet, und der Stammvater eines zahlreichen Geschlechtes ist, wohin die. Lat. rapi6u5, raplim, rapere, die Deutschen raffen, rappen, traben, reiben und hundert andere gehören. (S. such einige der folgenden.) Ripps rapps ist eine im Nieders. übliche JnLerjection, eine schnelle Eile,besonders im Raffen und Greifen, nachzuahmen. Eben daselbst ist reppcn sich schnell bewegen, stch hurtig fortmachen, (S. Repphnhn,) Repp, Bewegung, Geschäftigkeit, repplik, beweglich u. s. s. r. Der Rapp, des—cs, plur. jaus. Bcerwcin, S. Rapps. L. *Der Rapp, des — en, plur. die — en, ein nur im Oberdeutschen übliches Wort, die Stiele an den Meinbeeren zu bezeichnen, welche man am häufigsten Ramme zu nennen pflegt. Im mittler» Lat. mit Vorgesetztem GaumenlautetZrajopus, im Franz. 6rappLundk tfts. Vermuthlich wegen der Ähnlichkeit in der Gestalt eurer Raffel, R ffel oder Rappe, d. i.Reibeisen , (S. die Rappe;) so wie sie wegen einer andern Ähnlichkeit auch Ramme heißen. Rap 9Z6 r. Der Rapps , des—n, plur, die—tt, eine Art Raubfische, welche stch iu süßen Wassern anfhält, oft über eine Elle lang wird stark nnd fleischig ist, breite, dichte nnd durchsichtige Schuppen und lange Zähne hat. Er ist auf dem Rücken dunkelblau, an den iibri. gen Theilen seines Leibes aber silberfarben, und Hst ein gräthiges, übrigens aber schmackhaftes Fleisch. L)rpk-inusrapaxl>.Rapp.- flsch, Rapen, Rapsen. Daß dieser Fisch nicht von der schwärzlichen Farbe seines Rückens den Nahmen habe, sondern von seiner Raubgier, erhellet unter andern auch daraus, weil er in einige,, OberdeutschenGegeirden ausdrücklichRaubaland,Rauba!et heißt. Im Nieders. ist Rebbes und Ribbes der Raub, (S. Rappnse.) A» ander« Orten wird dieser Fisch auch Schicdtund Zope genannt. 2. Der Rappe, des—n, plur. die — n, in einigen Oberdeutschen Gegenden, ein Nähme einer Münze, worauf ein Nabenkopf gepräget ist, von dem Oberd. Rapp, ein Nabe , (S.'Rabenpftn- rüg.) In Basel ist eine Scheidemünze dieser Art gangbar, welch« zwcy Pfennige gilt. Sechs Rappen machen daselbst einen Blasiert oder Schilling. Z. Der Rappe, des—n, plur. die—n, ein schwarzes Pferd. Einen Rappen reiten. Ohne Zweifel auch von dem Obexdeut- scheniRapp, einNabe, wegen derAhnlichkejt in der Farbe, s» wie ein Pferd von einer röthlichen Farbe ein Fuchs genannt wird; wenn es nicht vielmehr das Schwed kapp, schwärzlich gelb, ist, welches mit dem Lat. rnvus überein kommt, und wovon Ihre auch das Schweb. Kak, Pers. koubab, Finnland, kepo, Ks- pon, Jslätrd. kekr, ein Fuchs, ablritet. > ^ r. DieRappe, plur. die—n, in d u Tobaksfabciken, rin Werkzeug, welches ans drcyßig Sägeblättern bestehet, die Tobaks- Karotten daraus Zu rappieren, d. i. zu Schnupftabak zu reiben; Franz, kspe. Es ist das ZÜederd. Rappe, welches cinechcde Reibe bedeutet. S. Rappeh, und 2 Rappieren. 2. Die Rappe, plur. iuus. eine Kcüllkheit der Pferde, da von einer Stockung der Safte die Knie, besonders an den Hinttrfiißeil, aiischwellen, die'Haut hart und feucht, und oft grindig wird,und zuweilen gar Nisse bekommt, wobey zugleich die Haare steif nnd «lufgebürstet stehen. Franz. lakape^labiolanllre.J-al.kapsts. Mit oder von der Rappe befallen oder angegriffen werden. Die Rappe haben. In einigen Gegenden auch hie Raspe, Raspe, Raupe. Ohne Zweifel mit.dem vorigen ans Einer Onelle, die äußere harte und einer Rappe oder Reibe nicht ungleiche Beschaffenheit der Haut an den von dieser Krankheit befallenen Theilen zu bezeichnen. Im gemeinen Leben ist der Rus, Holland. kook, Koss, die harte rauhe Haut über einer Wnude, der Grind, Nieders. der Schorf. Das Jtal. Kappa bedeutet theils eine jede Runzel, theils die natürlichen rauhenWarzen an den Knien der Pferde; S. Reiben. Der Rappöh, des — es, plur. doch nur von mehrrrn Arten, die —c, eigentlich, ein jeder auf der Rappe oder Reibe ans den Tobaks- Karotten gröblich geriebener Schuupftobak. Vermutlich ans dem Franz, kape, vonraper, reiben. Diegewöhmiche Schreibart Rappec hat mehrere Unbequemlichkeiten, besonders M Ansehung der Declination. Rappelköppisch, ackj.et aäv.welches nur in den gemeinenSprech» arren , besondcvs Ober - und Niedersachseits, üblich , aufgebracht, ungestüm, zornig, wo es in Obersachsen auch wohl rap- p?lk"pfisch la,uet. Er ist auf einmahl rappelkopsisch geworden, Weiße. Eben daselbst bedeutet es "auch unsinnig, »»d ein rappelköpsisches Hferd ist ein Pferd, welches den Koller hal. (S. das folgende.) Die letzteHälste ist von Ropf, Niedersächsisch Ropp. Rappeln, Vt-rb. neutr. mit dem Hülfsworte haben. ') geittlich, klappern oder rasseln, von harten lockern Körpern, wenn sie AZ7 N a p sie mit einem dem Worte rappeln gemäßen Schalle heftig beweget werden; in welchemVerstande es doch imOberdeutschen am üblich' steil ist. Mir dem Gclde rappeln. Sprichw, Eine Nuß allein rappelt nicht im Sacke. Jtal. rsppolnre. 2) Figürlich sagt man in den gemeinen SprecharFKu, daß jemand rappele, oder daß es ihm in dem Hopfe rappele, wenn er nicht bey gesundem Verstände ist, wofür eben daselbst auch cinenRäpps Haber, üblich ist. Anni. ES ist das Z uenstvnm von dem noch Niederst reppen, rühren, schnell bewegen , welches so wie rapp, schnell, gleichfalls auf eine Önomatopöie gegründet ist. Verwandt sind damit daS Di-thmars. radbeln, sich emsig bemühen, und das Lübeck, raban- deln ui-d Bremische xabakken, lärmen, ein klapperndes oder rappelndes Getöse machen. Aappen, verb. re^. not. welches eigentlich das Zeitwort raffen nach Niederdeutscher Mnndart ist, aber auch zuweilen im gemeinen Leben der Hochdeutschen vorkommr. In Meißen wird der in der Ernte gehauene Wcitzen gcrapper, gebunden und gewandelt, d. i zrsammen geruffe». Die Maurer-berappen eine Wand wenn sie selbige mir Kalk bewerfen, womit zunächst auf daS Ab- oder Gleichraffen desüingeworfenen Kalkes gesehen wird. ES müßte denn von 2 die Rappe, die Rinde, abstammen. Die Schweden sagen in eben dnsim Verstände fAppn.und die Franzosen mit Vorgesetztem Gaumenlaute sr e^ir. S. Rappsen und Rappuse. . M : Der Küpper, des—s, plur. uk NONI. ffnA. Fäniin. die Rap- perinn, eure Person, welche rafft; eigentlich im Niedcrsächstschcn, dsch aber a >.ch in einig"'! Fällen des gemeinen Lebens der Hochdeutschen. So ist in der Landwirthschast'ObersachsenS derRapper derjenige, welcher in der Ernte hinter dem Mähder her gehet uud das' abgeschnittene Getrcidegnsämmen raffet. In den Mahlmüh- len einiger Gegenden wird auch der vereidigte Metzner, welcher die gesetzte Mahlnu tze von dem gemahlnett Getreide für den Landesherren einnimnit, der Rapper g^iänut. Der Rappstns, des—en, plur. die— en, in einigen Gegenden, ein Naluue des Grünstnken ; vermuthlich als eine Nachahmung seiner Stimme, wodurch er sich von andern Finken unterscheidet. S. Grünfink und Rabe. Der Räppst'lsch, des—es, p!ur. die—e, S. r der Rappe. Das Rappier, des—es, plur. die—e, ein Degen ohne Spitze, und statt derselben gemeiniglich mit einem ledernen Balle» versehen, zum Fechten; ein 5 echldegen, bey einigen auch ein Zleuret, (sprich Hlorett,) aus dem Franz, fflsuret. Rappier stammet gleichfalls zunächst auS dcm Feauz. lxnpiers her, welches gleichfalls einenFechtdegen zurÜbuüg, aber auch einen fchlechtenNaufde- gen zum Ernste bedeutet, und im Grunde ein sehr altes nordisches Wort ist. Im Schweb, ist Rnperodcr ein Kriegs-oder Nirterschwert, uich schon im Griech. und Lat. war mit eingeschaltetem m, welches sich auch in andern Fällen so gern an daspan- hängt, svprpii po^pset, Rffompftaea, ein Schwert. Im mitt- lerttLatelue iikK.-.^^eriL, und vielleicht auch I^Lpum,ciirDegen, kknpium aber eine Nadel, Griech. Jn.der im Hochdeutschen veralteten Bedeutung eiueS Schwertes kommt eS noch bey demOstitzvor: Go manches Blutrapier, so mancher stolzer Muth, Der brennend durstig ist auf seines Nachbars Gur. -Da im Deutschen das p sehr deutlich doppelt gehöret wird, so schreibt man cs auch hier richtiger mit einem doppelten alSein- fachen p , zumalff da dieses Wort am Ende doch zu rappen, raffen, in Ser weitesten Bedeutung des Stechens, Erstechens n. s. f. gebäret, wovon auch das Holland, ^rieveu, stechen, bohre», und Fttftr Griffel, graben, treffen u. st f. abstammen. Rap 9Z8 r. Rcrppleren, verb reg.rsciproL. sich vappieren, mit Rap- pieren fechten, für fechten. 2. Rappieren, vsrb.r?Z. aet. welches aus dem Franz, raper, reiben, entlehnet ist, und nur noch von dem Reiben der Tobaks- Karotten auf der Rappe, dem Rappier-oder Reibeisen, gebrauche wird. S. Rappeh. Der Trapps, des — es, plur. Ivust. l) Bey den Müllern, das- j-nige Getreide, welches um und zwischen den Mühlsteinen sitzen bleibt, und von ihnen ungebührlich abgeraffet wird; der Abrafk, (S. Abraffen.) 2) In den gemeinen Mnn'darteir, üble Laune. Len Rapps haben. ' Der Rapps, des—cs, plur. doch nur von Mehrern Arten, di?—x, ein nnr in einigen Gegenden, besonders am Ober-Rheine, üblichesWnrt, einen Beerwein zu bezeichnen, d. i. einen solchen Wein, der zur Verstärkung auf frischeTrauben gozoffen ivorden, ,ind mit denselben nochmahls gegohren hat. Zn einigen Gegenden - Rapp, Rappes, Rappis, im Franz. k^nstps, , im Zcal. RnlpLto, Ornfpsn, OrustpsudL, LFakpabo, im mittler« Lat. K.nl'pstum, mit welchen man es gemeiniglich von den Rappen, d. i. den Kämmen an den.Tcauben, ableitet, Franz. Orappes- Zndeffen bedeutet doch dieses, so wie daS Ztül. , und m.tt- lcre Lat. kkcifpL , auch dicTraube selbst, von welcher Bedeutung Rapps am wahrscheinlichsten abstammet. Übrigens wird ein solcher Wein im mittl. Lawine auch vinum rocenlawrn genannt Rappsen, vsrb. rsz.LLt. welches das Inten,sivum von rappen, raffen, ist, und für raffien auch im Hochdeutschen gebraucht wird, in nilgestümerEile an sich raffen. Rppsrappö, ist eine in den niedrigellSprecharten üblicheJnte. leckion, ein solcher, gewaltsanre» Raffen z» bezeichnen, Jial. ruli r rnkku. Es gehet alles ripps- rapps in seinen Sack- S. das folgende. Die Rappüse, plur car. ein nur noch in den gemeinen Sprecharten übliches Wort für Raub , d. i. die gewaltsame und eilfertige Bemächtigung fremdenGutes, in welchecBcdeutung es noch einige Mahl in der Deutschen Bibel vorkommt. ckch will zuvor euer Gur und Schatze in die Rappusc geben, Zer. -L, -L. Ich will dein? Hohen — sammt deiner Habe — in die Rappuse geben, Kap. z. ^lihre einen großen Haufen über sie her- - auf und gib fle in die Rappuse und Raub, Ezech. 2z , 46. I» welchen Stellen eS fürpceis geben, zum Raube geben, stehet. Noch jetzt sagt man, in die Rappuse kommen, oder gerathen, in eine äewaltsame ungestüme Verwirrung, wo ein jeder nach einer Sache greifet oder raffet; etwas in die Rappuse geben, es Preis geben, so daß jeder darnach rappsen kann. Zm «Schwed, sknüftus. Es stammet durch Verlängerung von dem Niederst Rappse, Rebbes, Ribbes, her, welches wieder von rappsen, rappen, herkommt, und Raub, laspiuL, k ^ Der Rapunzek, des — s, plur.iuul. auch im Dimmut. das R rpünzchen, Oberd. Rapunzlcin; aus dem Lar. kapuncu'-us, ein Nähme verschiedener Pflanzen , deren Blätter und Wurzeln gemeiniglich als ein Salat gegessen werden. !) Eurer Act der Glockenblume mit ivelleikförpugen am RandesiebogenenBlätt-.rn, welche in der Schweiz, England und Frankreich cucheimisch 'st; Lp d deren weiße längliche Wurzel als ein Salat gegeben w cd. Nun Z ' Lampanuls Ranunculus l--. Er wird zum Unterschiede vo» den folgendeuArteu auchRiibcnrapunzel gerrannt.Der kleine wilde Rapunzel,OamjJLllula sratula 1 ^. und der wilde Rapunzel mit großen Blumen, GamjzanulaperKtfts'c'lia l^,. sind Acren davon. 2) Einer Pflanze, welche auch bey uns wild wächst, und daher auch Feld- und Winterrapunzel heißt, aber doch auch in den Gärten gezogen wird; kti/leuma ill,. Areuzwurz, Feldsalat, Nä'useohrchen. Sie wird gemeiniglich nur schlechthin Rapunzel genannt, besonders in den Küchen, wo ihr Kraut als einSalar zu- gerichtet wird. z>DeS Lämmersalates oderAckersalates; Va- ieriaoa L,ocucksL,. ^ Anm. In vielen Gegenden gebraucht man eS als cm weibliches Wort, die Rapunzel. Die Rapunzelrvubzel, plur. die—n, ein Nähme, welchen einige auch der zweijährigen Nachtkerze, Osaaurliera bien- ni 3 , beylegeu,welche audereRapunzel-Selleri tteliucuzohneZwei- fcl wegen der Ähnlichkeit ihrer eßbaren Wurzel mit dem Rapunzel und Selleri. Sie ist in Virgmien einheimisch. Die Raquete, S. Rackere. Rar,—er,—este, allj. etaciv. i) *Weit aus einander stehend ; eine in: Hochdeutschen veralteteBedeutung, iic welcher cS nur noch zuweilen rn dein folgenden rarjaulig vorkomnrt. 2) Selten, besonders inr gemciiien Leben. Ein rares Buch, ein seltenes. Dxrs Geld ist hier zu Lande sehr rar. Das ist etwas Rares, etwas Seltenes, z) Schön, artig, vorzüglich, in den gemeinen Sprecharten, besonders Niedersachsens. Das flehet rar aus, schön, artig. Sich rar kleiden, kostbar. Das ist etwas Rares, etwa- vorzüglich schönes. Das ist nichts Rares, nichts Vorzügliches. Anm. Im Niederst raar, im Franz, und Engl. rare, im Lat. rarus. ES scheinet erst in den später» Zeiten aus dem Französischen entlehnet zu seyn; wenigstens kommt es in unfern allen Schriftstellern Nicht vor. Die Veränderung des Locales in der Lomparation, rarer, rarste,, ist nur einigen gemeinen Sprech« arcen eigen. DieRüNtüt, plur. die—en, ans dem Latein. Karitas, oder Franz. kürst ich. i) Die Seltenheit, d. i. Eigenschaft eines Dinges, da cS nur selten als gegenwärtig empfunden wird; chhne Plural und im gesellschaftlichen Umgänge. Die Rarität eines Buches, die Seltenheit. 2) Ein seltenes Ding, im gemeinen Leben. Rarsäulig, ackj. et ackv. diejenige Eigenschaft eines Gebäudes zu bezeichnen, da die Säulen weiter als gewöhnlich,d. i. zchrnModel, von einander entfernet werden, fernsäullg ; im Gegensätze deS feinsäulig, nahesäulig oder schönsäulig. S. Rar 1. Rüsch, —er, —este, acij. et aclv. t )Ergenllich, schnell, von der Bewegung. Gyistresch, mocht euch entrinnen, Thcueed. -- Kap. 61 ; von einer wilden San. Eile risch und stehe nicht-sttll,^ r Sam. 20, z 8 ; wofür in derHallftchenAuSgabe das Wort frisch gesetzt worden. Rasch mit dem Munde scpn, schnell in Antwort ien. Ein rascher Sinn, der sich schnell zu etwas entschließt, ingleicheu, der schnell aufgebracht wird. , Ein rasches Pferd, ein schnelles, flüchtiges. 2) Figürlich, mit dem Nebenbegriffe der innrrnStärke und des darauf gegrüudetenMstcheS,welcherNeben- hkgrjff auch in der vorigen Bedeutung, obgleich nicht so merklich, vorhanden ist. Er ist so stink und rasch als ich, Weiße. Ein rasches Pferd, ein Muthiges, hitziges. Die Hunde sind rasch, wenn sie das Wild so wohl schnell als auch muthia verfolgen. Da eS denn in manchen Fällen auch yach einer noch werternFigur von einem gewissen Grade der inner» Starke, so bald derselbe mu einer . Bewegung verbunden ist, gebraucht wirdi Ein rascher Wind, der schnell und stark bläst, aber noch nicht den Nahmen eines heftigen Windes verdienet. Em rasches Feuer anmachen,wel. cheS schnell und Helle brennet. Anni. Bey dem Notker rolclae, in den Monsceischen Glosse» rsl'co, in der Parän. Tirol, istlhll, noch jetzt in Allgemeine« Oberdeutschen Mundarten , rösch, resch, risch, raas, „n Nieders. rask llnd risk, im Schwed, rask, im Engl, raz!,, im Pohlu. racr^ und rreftrst, bey den Krainerischcn Wenden ror:ftve ; alle iit der Bedeutung des schnell , eilend. Selbstim Arab. ist raascftaa schnell einher geb ^r. Es ist eine Nachah. mung des mit. der Geschwindigkeit in^. vielen Fällen verbundenen eigcnthnmlichen Schalles, welchen man im gemeinen Leben oft noch jetzt mit rr! hurr ! ritschl ratsch! u. s. s. anSdruckt, (S. auch Hurtig, Roß, Rasen, das Zeitivort,Rreis, Frisch von der Bewegung, Rauschen u. s. s. welche von eben diesem Begriffe herstam- men.--- Das Franz, kisyue und rischer gehören gleichfalls hierher. Da keine Buchstaben leichter ineinander übergehen als s und e, so können auch Rad , reiten, das Nieders. drad, hurtig, geschwinde, bey dem Ottfried tkratcr, das Griech. H«Sio§ das Jtal. catto und prelio, hurtig, das Engl, rskfter, und hundert andere mehr nicht von dieser Verwandtschaft ausgeschlossen werden. - In einigen Gegenden ist Raschel eine vorschnelle Person, welche in ihren Handlungen eilfertig und unbesonnen ist, raschiich und ruschlich ans solche Art zur Unzeit eilfertig. Luthers risch ist im Hochdeutschen veraltet, nicht aber im Niederdeutschen. Rüsch,—er,—este, ackj. staclv. welches im Oberdeutschen am üblichsten ist, wo eS in doppeltem Verstands' vorkommt. -) Von harten Körpern, welche einen solchen Grad der Härte haben, daß sie im Zerbrechen oder Zermalmen rauschen oder knirrschen, sagt man, daß sie räsch seyn. Las Brot ist räsch, oder ist rasch gebacken, wenn die Rinde unter den Zähnen knirrschet. Ein Braten ist räsch gebraten, wenn die äußere Haut hart ist. Rasches Papier, im Gegensätze des weichcrn. In einigen Oberdeutschen Gegenden pflegt man daher auch daS Colophouium rasches harz zu nennen, weil eS räschek, d. i. härter ist, als die weicher» oder zähern Arten desHarzcs. ES ist auch hier von demSchal- le hergenommeu,welchen solche Körper imZeebrechc» verursachen, (S. Harsch und Hart, welche sich aufebeu denselben Schall gründen.) 2) Von Dingen, welche einen scharfen Geschmack haben, sagt mauimOberdeutschen gleichfalls,daß sie räsch seyn oder rasch schmecken, wo cS auch wohl raß, ressig lautet; bey dem Horn.'gk rar. Ein rascher oder rässer Wern, welcher ans der Zunge gleichsam reißet oder kratzet. Rasches oder rasses Obst, herbes, scharfes Obst. Rasse Vrauter, dergleichen das Löffelkraut und die Rresse sind, welche letztere vcrmnthlich auch daher ihren Nahmen hat, (S. dasselbe.) Im Jtal. druckt man dieses rasch oder räß durch ratpanle und ssrirranle aus. Rassen, scharfschmecken. Jtal. rajftare, frirrare, und raßlicht, räschlicht, ein wenig scharf, sind auch yur im Oberdeutschen gangbar. Unser frisch, von der Kälte, scheinet auch daher zu stammen. Übrigens ist es in dieser Bedeutung eine von dem Gehöre oder Gefühle auf den Geschmack übertragene Figur. Der Rüsch, des—es, xlur. doch nur von mehrern Arten oder Ouantitäken, die—e; ein leichtes und geringes Gewebe aus Wolle, welches locker ist, und besonders von gemellten Leuten getragen wird. Ob dieses Gewebe ein Zeug oder ein Tuch zu nen«. neu fty, ist unter den Zeug-und Tuchmachern sehr oft gestritten worden, indessen haben an den meisten Orten die ersten Recht behalte»'. Rronrasch, R-r am p.-Ira sch, Tuchrasch, oder Walkrasch. Gakin-Rafth u. s. s. sind Arten dieses Zeuges. ^Anm. Der Nähme dieses Zeuges, welcher im Niederdeutschen Raß, im Franz. Käs, im Engl. Kalft, und im Jtal. Kalcsta lautet, ist von vielen von ralft-, und dem Franz, ralor abgeleitet worden 941 Ras worden, weil man keine Haare oder Wolle ans demselben flehet. Allein er stammet ohne allen Zweifel von dem Nahmen der Stadt Arraö in der Grafschaft Artois her, wo dieser Zeug zuerst verfertiget,vordem, indem derselbe in den vorigen Jahrhunderten beständig Arras, Arrasch, Harras lautet, woraus Rasch nur verkitt- zet worden, so wie man aus Hospital Spital, ans Lrnjftuürüm. Pflaster u. s.f. gemacht hat. Geschnittene Hosen mit Arrasch durchzogen, heißt es in der Rostock. Kleiderordnung von iz8z Hey dem Frisch, und eben daselbst, in der Nachricht von Nürnberg, von,Jahre 1707 : Anno 1530 kamen die Arasweker erstlich nach Nürnberg, das Gewebe desselben aber war schon bekannt. Auch im Mittlern Lat. ist Rrr28 und RrraLium eine Art wollenen Gewebes.Rasch bedeutet also eigentlich ein zuArras verfertig- tes.oder erfundenes Gewebe. Da man in dieser Stadt die Niederländischen Tapeten sehr früh zu einer besoudernVollkommenheit brachte- so werden dergleichen mit Figuren gewirkte Zeuge und Tapeten im Irak, noch jetzt Rra-ri genannt, und die Rtrubäli- ene veüe5 RtrabalicusLZL, RlradLÜci birri, best dem rpollio, Snidas und andern, sind vermuthlich auch nichts andres, von dem alten Nahmen der Stadt Arras ^trebalum. Ja^noch in einigen Oberdeutschen Gegenden werden .mit Gold und Silber Zewjrtte Zeuge und Tapeten Goldrasch undGilberrasch genannt. Jg, Bremischen ist RaßmeroE eine besondere Art Zeuges- welche! halb wollen und halb seiden ist. Wäschen, verk. re§. oeutr. mit dem Hülftrvorte haben, welches von dem Bey. und Nebenworte rasch abstammet, und eigent- lich eilen bedeutet hat, wie das Schwed, rasks. Es ist für sich allein veraltet, und nur noch m dem zusammen gesetzten überraschen "blich. S. dasselbe. Die Raschheit, plur. cur. die Eigenschaft einesDinges, da es rasch ist; Jtal. RnNs-ra. ' - Der Räschmächer, des—s, plur. u-t vom. finF. an einigen Orten, z. B. zu Erfurt, eine besondere Art Zeugmacher- welche vornehmlich allerley Arten von Rasch verfertigen. Der Rasen, oes— s, plur. utvorn. tioZ. i) Dichtes, kurz, halmiges Gras; als ein Collecüvum, und ohne Plural. Ein mit Rasen bewachsener Platz. Sich auf den Rasen setzen. (S. auch Rasenrain.) 2) Ein mit solchem Grase bewachsener Platz, ein Anger sin welcher Bedeutung es doch seltener ist. Am häufigsten gebraucht man es, Z) von einzelnen Stücken solches mit der Erde ansgestocheuen Grases, so wie mau fle im Gartenbaue, bey den Dämmen und Deichen u> s. f. gebraucht. Rasen stechen, solche Stücken mit Gras bewachsener Erde ausgrabeu. Mit Rasen dünr gen, mit solchen getrockneten Rasen. Anm. Im Rieders, mit Vorgesetzten Gaumen - und Blafelauteir Wessen und Gruse. Es ist.mit unserm Gras Eines Geschlechtes und Einer Bedeutung, ob es gleich nur ans das kurzhalmige Gras durch denGcbrauch eingeschränket worden,(S. daffelbe.)MitGras bewachsen werden, wird noch sehr häusig durch berasen ausgs- druckt. So wie Rasen und Gras vvndem veralteten riesen, wachse», (S.Riese,) abstammet, so ist im Hoch - und Oberdeutschen für Rasen auch Wasen üblich, allem Ansehen nach gleichfalls von wachsen, Nieders. wasscn. Im Niederst heiße ein Aasen in der dritten Bedeutung auch Ssde, Gotte, Sutte, EnA. Lock, und Au platter Raseu Plagge. Übrigens ist dieses Wort in einigen Sprccharten weiblichen Geschlechtes, die Rase, welche Form aber den Hochdeutschen fremd ist. - ' Rasen, verb. reg. nautr. mit dem Hülfswortc haben. ») Einen lauten ungestümen. Lärm machen. Im Hause herum rasen. Auf der Gasse rasen und schreien. Mein Gott l ww rasen nicht die Dichter ! Canitz. Der rasende Pöbel. Lev Wind raset um die Dächer. 2) In engerer und figürlicher Bedeutung, (a) In Ras 942 einer heftigen Leidenschaft ftyn, und selbige durch äußere nage, stüme Handlungen vcrrücheu. vor Zorn rasen. Za dinget nur die halbe Welt zusammen blnd raset wider einen Mann, Ramml. (b) Sich brausenden Ausschweifungen überlassen. So sagt man von jungen Leuten, welche sich den gewöhnlich«: Ausschweifungen der Jugend auf eine ungestüme Art überlassen, daß fle rasen. Zeder Mensch muß m seinem Leben Ein Mahl rasen; ein sehr irriger Grundsatz, (c) Auf eine grobe Art wider die Vernuuft handeln, im harren Verstände, in welchem man auch das Mittelwort rasend gebraucht. Ein rasender Mensch, der im höchsten Grade wider dieVeeunnft handelt. Selbst in passivem Verstände, doch nur im gemeinen Leben. Glauben sie solch rasendes Zeug nicht, solch unsinniges Zeug. Ein rasender (im höchsten Grade vernunftwidriger) Einfall. Rasend gehöret alsdann zu deujenl- gen Wörtern, welche derForm nach Artiva, der Bedeutung nach aber Passiva sind-, und deren Zahl im Deutschen und in andern Sprachcilttichtklein lst,(S.Bedlentce.) (d) Der Vernunft völ- lig beraubt seyn, doch nur sofern dieser Zustand mit ungestümen äußern Handlungen verbunden ist; für toll, unsinnig. Man gebrauchtes so wohl von diesem vorüber gehenden Zustande in hitzigen Krankheiten,doch um des hartenNebeubegriffes willen nur im geme.inen Leben , so wie auch das Mittelwort rasend nicht von einem solchen Kranken gebraucht wird. Der Rranke rafft. Als auch von einer beständigen Beraubung des Bewußrseyns und den damit verbundenen ungestümen Handlungen. Em rasender Mensch. Lin rasender Hund. Rasend seyn, rasend werden. Ein toller Mensch raset. Daher das Rasen. Das Mittelwort rasend wird, weil ihm die ganze Härte des Zeitwortes auklebet, nur im härtesten Verstände gebraucht. Anm. Rasen ist ein natürlicher Ausdruck des brausenden Getöses, welches diejenige Sache erreget, welche raset, und womit der Begriff so wohl der Geschwindigkeit, als auch der Heftigkeit, des Ungestümes genau verbunden ist- wie aus den nahe verwand- ten reisen, reißen, rasseln, raich u. s. s. erhellet. (S. diele Wörter.) Daher wird rasen in andern Sprachen auch von > andern ähnlichen heftigen Bewegungen gebraucht. Das Schwedische raftt bedeutet theils schnell lausen, theils uieder- stürzen, plötzlich fallen, theils sich verirren, theils unsinnig seyn, theils endlich auch lärmen und schwärmen. Im Hebr. ist VN, ruL, gleichfalls taufen, und im Griech. HsÄtv, mit hem verwandten k, cum kcrri, (S. Rad und Reiten.) Das Schottländische rcl'e kommt mit dem Deutschen rasen in der Bedeutung überein. Eben daselbst ist klses Wach, Raserey, welche Bedeutung auch sogar das Syrische . Rulck hat. Mit andern Endlaucen gehören auch das Franz. LnZs und das Lat. Rabis- hierher, welches letztere mit dem Niederst reven, in einer hitzigen Krankheit rasen, Franz, re- -^er, Reverrje, Raserey, Franz. Rsverie, Engl? RaviuZ, ?iba gaan, ausschweifeir, schwärmen u. s. s. sehr genau überein kommt. Die Rasenbank, plur. die—banke,inden Garten und andern freyen Plätzen, ein mit Rasen belegter Sitz, so wohl mir ach ol-nk Rückenlehne; die Grasbank. Die Raseneiche, 'plur. die—n° 1) Ei» Nähme derjenigen Eichen, welche einzeln aufdem Felde und anfRasenvlatzen wachsen, Ranmereyen; im Gegensätze der W aldftchen. 2) In andern Gegenden sind die Rasenerchen den Sremerchen entgegen geseütt Die Raft'nhir'Te, plur. die—N, in der Landwttthschaft, eine rurleu breite Hacke, die Aasen damit zu Hanen. Das x 943 D»rö Rasenhaupt, des —es,0^11°. bis-—Häupter, b!e erste und unterste aas Rase» bestehende Schicht an einem Deiche oder Erddamme. Der Rasenhopfen, des—s , plur. inuff eine Art geringern Hopfens, welchen man in Grasgärten an die Zäune pflanzet, und «> ßer ei-, wenigDüna,uig ohne alleVearbeitung läßtzGrashopfen, W.idrnhopfen, ^eckenhopfe», Staudenbopfkn, Weiler sich an die W.idcu, Hi ckenuud Stauden raiflen muß, zmn Uilterschiede von dcm Garrcnhopfen oder äackkopfcn. Der Rasen. UL, des—es, plur. die-—e, im B'-'.robane, ein Lux, d. i. Anchril, an einem iwch nngcbaneten Bergwelke, dessen Oberfläche noch m>t Nasen bewachsen ist. Der Rasenmeester, des—e, plur.ut nom. kns. eine anflän- drge Benennung des Abdeckers oder Schinders, weil er seine Arbeit auf den Angern und Rasen verrichtet; im Oberdeutschen Wasenmeister. . ^ Der Rasenram, des—cs, plur. die—c, cm mit Nasen, d. i. Gras, bewachsener Rain, oder Rand an und zwischen denFeldern, welcher auch nur der Rain schlechthin genannt wird. Die Rasenscmse, p!ur. die—n, eine Art Gemsen, welche ans Rasenplätzen und Zorfmcoren-wächset; cel^itotus ld». Torfscmse. Der Räsenstecher, des—s, plur. ut nom. derjenige^ welcher Nasen sticht, d. i. sie aus der Oberfläche der Erde gräbt. Der Rasenflem, des—es, plur. die—e, im Bergbaue,Eisen» steine, d. i. Eisenerz in Gestalt rundlicher Dr, ine, welche sich oft unter dem Rasen auf Wiesen und in andern feuchten Gegenden als ein Geschiebe befinden; Eiscnklöße, Wrekensteine, Lescsteine, ' weil stc ohne eigentlichen bergmännischerl Van nur austzeleffu werden dürfen. Wenn Wasser darüber sicher, werden sie Morast- steinc oder Suyrpfcrz genannt. Das Rasenstück, des — es, plur. die—stucke, in den Gärten, einLusistück, welches ans verschiedenen Figuren von zic < ch ausgeschnittenen grünen Rasen bestehet; das Rascn-Parrcrre, Grasstück. Auch ganze mir Nasen belegte ebene Flächen in den Gärten führen diesen Nahmen. S.-Luststnck. Der Rasentorf, des — es, puac. doch nur vo« mehrernArten, die —e, eine Art Torfess welche gleich unter dem Rasen angetroffen wird, und aus einen. Gemenge von Wurzeln , Stängeln, Blättern u, s. s. bestehet, welche mit einem Erdharze dti. chdrun- gcn sind ; zum Unterschiede von dem Pech- und Sumpftorfe. - Dre Rüsewtreppr, plur. die—n, eben daselbst, eine Treppe, > deren Stufen aus Nafeu bestehen, oder doch mit Nasen bekleidet sind.' , Der Rasenrvälzer, dee—s, p!ur. ut nom.ssnfl.ben denBerq- lcntcit, ein Faullenzer. welcher , anstatt pflichlmäßig zu aebei- ten, sich gleichsam auf dem Nasen Walzer. Der Rasenrvech, des - es, plur. die—e, ein aus Rasen besteh, nder, mit kurzem dichten Grase bewachsener Weg. Dre Raserep, plur. dir—en, von dem Zeitwerte rasen, doch nur in dessen härusteni Verstände. r) Der Zustand, da man ra,et, ohne Plural; so wohl von der mit »ngrstümenHandlungen begleiteten völligen Adwcsenhkit der Vernunft, als auch von dem mit ähnlichen Hsndlnugeu beglsiteteit nnterlassenen Gebrauch derselben. InRaftrcp Zcratbcn. Etwas aus Rasxrep, in der Raserei rhrm. 2) Solche Handlungen selbst; mir dem Plural. S D re Raspe, eine Krankheit der Pferde, S. 2 die Rappe. r» -I r Raspe an den Ectreideäbren, S. Raspe, Dre Raspel, plur. die—n, ein stählernes WerkzcitgZuNiRaspesn, welches eieu-r Feile gleicht, nur daß sic statt der gehauenen Züge mü Einern scharfen Meißel änsgehaucne Punete oder Löcher hat, Vslche zusammen genommen das Gekröppre genannt w.rdeu, und Ras 9^ den Gegenstand, welcher damit bearbeite! wird, stärker angreffn. Die äolzraspel, äornraspel, äüschhornraspel, u. s. s. I,u Engl. und Schwed. Kulp, im'Jral. lialps, im Franz. Knpe^ im Böhm. kallple, inr Pohln. kaffpla. S. t Raspeln. Das Raspelbrot, des — es, plur. die,- e, hart gebackenes Weitzenbrot, woran die Rinde mit einer Raspe! abgerieben worden; Zranzbror. Das Raspelhaus, des — es, plur. die—Hauser, ein öffentliches Haus,, in welchem allerlei, Verbrecher zur Strafe dasBra- silienholz raspeln und andere schwere Arbeiten verrichten müssen; das Arbeitshaus, Zuchthaus. Der Raspelmeifiel, des—s, plur. ut. nom. llur;. bcy den Fest lenhanerir, ein schmaler Meißel, die Löcher damit in die Oberfläche der Raspeln zu schlagen. r. Raspeln, verb. rez. act. mit der Raspel arbeiten. ffl; rai'pcln, es mit der Raspel in kleine Späne verwandeln. 60m raspeln. Zur Strafe raspeln müssen. Daher das Raspeln, statt des ungewöhnlichen Raspclnng. Ztnm. Iln-Nieders. gleichfalls raspeln. Es ist dasJntensiviiiir von dem veralteten raspen, welches noch i,; dem Engl. to ra'-p, dem Franz, rulper, dem Jial. ralpars, und Schwed. ralpn, zum Grunde liegt-welche alle raspeln bedeuten. Es ist ein naher Verwandter von reißen , rappen, rasen u. s. s. ngd ahmet, s» wie diese, den mit dein Raspeln verbundenen eigeruhümlichcn Laut nach. Im Itai. ist dafür auch raicare und rulciure üblich, welches sich uitserm reißen nahet. 2. Raspels., verb. reZ. aol. welches nur in den gemciuenSprech- arten eiiliger Gegenden für raffen, rappen, üblich ist, von welchen es das Jnteusivum ist; raspeln durch Versetzung des s für rapsen, rapseln. Alles zusammen raspeln, zusammen raffen. Der Raspelspan, des—es, plur. die —.spane, ein von der Raspel gemachter, mit der Raspel abgenontMener Span. Raß, vom Geschmacke, S. Rasch 2. Die Rassel, plur. die—n. ei» Werkzeug damit zu raff ln. So werderr an einigen Orundrc Werkzeuge dceNachr-und Fetdwiich- ter, womit sie ein rasselndes oder schnarrendes Getöse machen, Rasseln , und die Wächter selb?! Rajffwächter genannt Alt einigen OrS u, bejondees Nirderdcntichlandes nenn t man ciu so ln, e s Werkzeug eine Rattel, und an noch andern eine Schnarre, Schnurre. Rasseln, vurb. nkZ. neutr. mit dem Hülfsworte Habert , eine Art eines fortda.wri'den heftigen Schalles Zu bezeichnen, welcher durch eine schnelle u -d z-.ücrttde^ewcgnng Hac,er klingcnderMas- seil verursacht wirk,diksti,Schall von sich gehen und h>. rvor bringen. Isch höre es rasseln Eiserne Ret-en raffln , wenn sic geschüttelt merdrn. Die beschlagenen Wagenräder raffln aus dem Steinpflaster, wenn schnell gefahren wird, vor dem Raffln ihrer wagen, Jer. 47, A. Da wird man Horen die Räder raffln, Nahum. Z, 2. Ich hörte schon das Rad Ixians rast sein, Ramml. Die Rnochen eines bewegten KnochengeripoeS raffln oder verursachen ein Rasseln. Mit dem Gelde raffln, wenn man vieles Geld schnell bewegt; von wenigem Gelde sagt man klimpern. Da rasselten der Pferde Zrißc vor dcm F rgl'n ihrer mächtigen Reuter, Nicht, z, 22; wo doch dieses Zeitwort nicht an dem rechten Orte stehet. An einigen Orten haben die Wächter eine Rassel, mit welcher sie ein rasselndesGetose machen. Jil verschiedenen Gegenden ist es auch für rüffln und rütteln als eiu Activnm üblich, in wclcherGestalt es doch den Hochdeutschen fremd ist. S. verraffln. Daher das Raffln, Anni. Im Swwed. raffln, im Angelst lcrilllan, im Engl. lo rulilsund rüttle, im Niederst mit dem verwandten t, rattcln, räkeln, räkeln , m einigen Gegenden auch rastern. Es ist eine uuMittel- w - 945 Rast Rast 946 „»mittelbare Nachahmung des Schalles, welchen es bezeichnet, »nd eilt Verwandter voit rasen, rauschen, prasseln, rütteln u.s.f. Der Fvrni nach ist es ein Jntt-nsivum oder Frequentatwum von einem veralteten ZciLworte raffen, welches mit reißen und rasen verwandtest, und sich noch in dem Griech.-«a^ero, «-ss'S'r-r» collicü, und in dem Chald. iwd Pers. rsLSL, stoßen, befindet. Rieseln und riiffeln bezeichnenl^incre und schwächere Arten des Raffelns. ^ - , Der Rast, des — -s, plur. i au s. ein nur in dem Kriegswesen ' in einigen Gegenden übliches Wort, wo es den Aufbruch des Kriegsheeres, odervielmehr das vorletzte Zeichen zum Anbruche mit der Trommel bedeutet. Den Ran schlagen, worauf sich alles rum Aufbruche aus dem Lager fertig macht; Franz. liaNre ie cksrnieroder la l'ortie. Wenn es hier nicht aus Rest verderbt worden, welches der erste Französische Ausdruck vermuchen laßt, so gehöret es unstreitig zu Reis?, so fern dieses ehedem auch den Marsch der Truppen bedeutete, S. dasselbe. ^ ^ 2 Die Rast, plur. die — en. I) Die Ruhe, so wohl überhaupt, als auch, und zwar am häufigsten, die Ruhe nach einer vorher gegangenen Bewegung; ohne Plural. Es kommt m dteftr Bedeutung in dem gemeinrn Sprachgebpanche der Hochdeutschen nur selten vor, nnd auch hier nur mir verneinenden Beysätzen, wo man es denn gemeiniglich mit dem Worte Ruhe zu verbinden pflegt, weder Rast noch Ruhe haben, jemanden kelne Rast und Ruhe lassen. Desto häufiger gebraucht mau es m der Hähern un« dichterischen Schreibart. Unter eines Dirschbaume Schatten Zielten zwey Raninchen Rast, Lichtw. was schlummerst du ? Die träge Rast Schicke sich für Helden sticht, Gleim. Die Sonne geht zu Rast, war eine ehedem sehr übliche A. A. für, die Sonne gehet unter. Indem woll die liechte Sun Gehn zu Rast mit irem wagen, Lhcuerd. Kap. r 7. Wofür noch jetzt in einigen Provinzen zu Rust? gehen üblich ist» Muß doch zu Rüste gehen, , - So oft es Abend wird, der schöne Himmels Schild,DpiS. r) *Eine bestimmte Arbeit, nach welcher man der Ruhe genießen kann, ein Rsnl'urn -, eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, mit welcher das Wort Reise in einigen Fällen noch etwas ähnliches hat, (S.dasselbe.) Besonders wurde es ehedem sehr häufig von einem Maße der Längen und Entfernungen gebraucht, da es örm» eigentlich so vielen Raum in die Lange bezeichucte, as ein Kriegsmann zurück leget, ehe er,.Ein Mahl ausrichet. In diesem Verstände war es ehedem durch ganz Deutschland für das heutige Meile üblich, und lautere alsdann gemeiniglich die Rasto. Lss- yuaeHueZsus certa viLruin tpLNs luis KppeUsl svini- vivus; nslN Ratini vscsst, etLslIi er verlas et unrverls Oermsuis, ist die bekannte, schon von mehrern angeführteStelle des heil. Hieronymus. Auch Ulphilas gebraucht Match. 5, 4» das Wort Rusts, wo Luther Meile setzet. Die eigentliche Größe dieses Maßes war, weil es auf einem so unbestimmten Grunde beruhete, sich rhedcm eben so ivenig gleich, als es noch jetzt in den meisten Gegen- , den dir Meilen sind. Zn einer Rrkmrde des K önigs Ludwig des Frommen heißt cs: luter csmpum et h'lvsua RsuAss c'.uus, ist est K-7/ta uys; wrlchc Reu^Ä, ob sie gleich auch verschieden war, gemeiniglich 2000 Schritt enthielt. Der Veru8 ^^rimen'or be» dem Du Fresnc bestimmt bevde so t iVIiüiu- ritis st stimistiu5 spust Lustlos Rsuccnm kucit, lisbefi- tern sislkus Mil'eesuinALUlos. IsiussReuecse iive Ilstli- «arir tres Lrrmsnos ussm Rssisur eliicruQt, (S. Adel. W.H.2.TH,2.Auss. / bes Du Fresne Gloss.) Es scheinet in dieser Bedeutung noch jetzt in einigen Gegenden nicht ganz veraltet zu seyn, ob es gleich in öffentlichen Messungen durch die Römische Meile verdränget worden. Wenigstens hat noch ein altes Bocabnlarium von 1482 bey dem Frisch : Eine Rast Weg2 oder Zwo Meil Wegs. Stirn- hielm, Wachter und Frisch leiten dasÄlnssische Werste, obgleich dasselbe ein weit kleinerss Maß ist, daher, indem es durch setzung des r und Vorsetzung des Blaselautes daraus entscante!; seyn soll, Werste für Wreste. Die altern Schweden gebrauchte» Rust und Rost gleichfalls von der Entfernung der Drter. 3) Ern Werkzeug oder Theil eines Werkzeuges, woran ein anderer Tberl rastet ol c ruhet, d. r. wodurch er in seiner Bewegung aufgehalten wird. Zu diesem Verstaube ist es besonders noch bey den Büchsenmachern üblich, welche an der Nuß eines Gewehrschlosses drey Rasten haben, dre vorderrast, Mittelrastund Hintrrrast, welche bey andern dis drey Rrrhen heißeil. Die Vorderrast isi ci'.'.Arm an der Nuß, worauf die Spitze der Schlagfeder ruhet Die Heyden übrigen Aasten sind zwey Einschnitte in der Nuß, in welchen dw Stangenfeder ruhet. Anm. In der ersten VrdeMung der Ruhe kommt dieses Wort bey unfern ältesten Schriftstellern häufig genug vor. Vey xcm Dttfricd lautet es Rests, ^bey andern aber Rast, Rusts, im Rieders. Rust,wo auch Unrust Unruhe ist, im Fries. Rost, im Angel,. und Engl. Rest, im Schweb. Rsst. Das Mieders. R-urs, Weile, Zwischenzeit, das ist eine artige Runs, das ist eine geraunte Zeit her, ist eben dasselbe Wort. Rast ist hiev von Ruh? bloß in dem Endlanre unterschieden, und in cruer artenÜbersttzims Ker Sprüche Salomonis von 14^0 kouunt ausdrücklich ra^vten für ruhen vor. Auch die dem Anscheine nach von der Deutschen ganz entfernten Sprachen haben ähnliche Wörter, welche sicv am diesen Begriff münden; dahin gehören das Gricch Ruhr des Gemüthes ^«?cv»everv, müßig seyn, das Ungar. rest, fam, das Alban, retkl, zaudern, dasArab. rslss, fest, dauerhaft jern.- das Frau;, zerret, rester, Rest, und andere mehr. Ereilst uuseril Deutschen Frist, Fried?,.Trost, Entrüsten u. s f. schenrt der Begriff den Rast oder Ruhe der erste und herrschende zn seyn. In der zwcytcu Bedeutung eines Maßes der Entfernung kann auch der der Ruhe eittgegen gesetzte Begriff der Reis? der erste und herrschende senn, zu^ahl da auch Pictorrus da- Wm t Rast, für Meile, durch Reifete erkläret; obgleich auch der Begriff der Ruhe nach der bestimmte» Reise dieser Bedeutung völlig angemessen ist. ^ , Rasten, v erd. rsZ. neutr. mit dem HAfsworte haben , welches mit ruhen gleichbedeutend ist, aber so wie das Haupttvort im Hochdeutschen in der dichterischen und Hähern Schreibart am üblichsten ist. 6a l ihr rastet, ihr Grausame, vom Raub Enryr dleens ß Ramml. So auch das Rasten. Anm. Schon im Isidor mit der Borsyrbe ge— cirirsttis» bey dcm Kero, der es so wohl für paufire» als für ruhe?, gebraucht- iciresiso, im Rieders, rüsten, im Engl. bo rech im Griech. und §«-r«v-uerv. Im Niedprs. hat man auch die Lenwörtes rüstig uildZtrusilg für ruhig, und rmrustig fnr unruhig. S. das vorrae. ^ ^ Rastlos, — er, — este, aäj. et aclv. ohne Rast oche Ruße, der Rnhe beraubt; gleichfalls nur in der edler» und höher? Schreibart. Matt und rastlos vok den Zerstreuungen desTages. Ein rastloser Geist und unternehmender Mann. Rauche Seufzer preßt seiner Sc-Hne Zwist ans feinem Herzen, Schleg. So auch die Rastlosigkeit, ^ . ch Der Rcrstrnm, silur. csr. der eizenthümlichc Rahme des gemeinen Sradtbreres zu Leipzig. Da fast an sichern Drte das daystbst Lirch.imisife Bier seine» ergeurhirmitchen Nahmen hat, unv l.esir Doo ' vft x '947 Rast oft snfeinen Scherz gegründet ist, so glaitl e Frisch, daß eittssl- cher äach hier zum Grunde liege. RcrUruin d. deutet im Latein, crnen Karst oder Rechen; vielleicht glaubt? Frisch, daß der Nähme des Bieres eine Anspielung aufdcsse» schlechte, imHalse krauende Eigenschaft sey, welche es doch nicht hat, ob es gleich übrigens ein dickes und schweres Bier ist. Allein es hat seinen Nahmen allem Ansehen nach einer ernsthafter» Figur zu danken. Das Zeichen solcher Hauser, wo Rastrum oder Stadtöirr geschenkt wird, war vor Alters ei» eiserner Rechen (Rnltrum) mit einem darauf gesetzten langen Glase oder Topfe , daher der alte Deutsche Übersetzer des Pantagruels von Rabelais schon des Leipzigrschen Archenbieres gedenket. Noch jetzt hat das Kreuzl-olz, welches solchen Häusern zum Zeichen dienet, einige Ähnlichkeit mit einem Rechen, obgleich das darauf stehende Glasoder die Kanne die Gestalt einesKegelS bekommen hat. ÜbrigenskommtLurZsrnÜrum^ LorALrastrs, Lov^eralü, LorAernlkrum, OrZerukro, HurZacen u. s. f. Hey dem Du Fresnc und Carpentier häufig von Liner Art eines bey den Mönchen in den Mittlern Zeiten üblichen ^ sehr süßenGetränkes vor, welches noch von denEigmeutum verschieden war, aber mit nnferm Rastrnm uichk die geringste Verwandtschaft hat, man müßte denn erweisen können, daß Rastvum ehedem ei» allgcmrinerNahmc echessnßlichcnGrtränkes gewesen, welchen man hernach dem süßlichen Stadtdiere gegeben, und aus Unkunde der Bedeutung cS von einem Rechen erkläret, der dorr» aus dieser falschen Etymologie das Zeichen eines solchen Bieees geworden. , Der Rasi^crF/ des — es, plur. die—e, eil! zur Rast, d. I. zur Ruhe, bestimmter Tag; ein Ruhetag. Es lft besonders-au drn Höftu und bey den Kriegsherren übstch. . An den erster» wird dcy großen, mehrere Tage dauernden Feyerlichkeiten ein dazwischen befindlicher Ruhetag, wo keine Lustbarkeiten.sind, noch zuweilen der Rasttag genannt; und bey d.n letzter-! ist es ein Tag, da ein Kriegsherr auf seinem Zuge stille lieget, und ausruhet. Den Soldaten einen Rastrag geben. Der plur. eur. aus dem Ital. und Fran;, Ratäkm, eins Art eines mir allerhand .Früchten , Gewürzen u. s. s. abgezogenen Branntweines. Die RerteL, S. Rattel. -t.. Der Rath, des — es , plur. die Rath?,, ein für sich allein großen Tbeils veraltetes Wort,welches i) * ehedem die Versammlung, Menge, und figürlich den Reichthum, ingleichen dieMacht, den Vorzug bedeutete. In der Bedeutung der Menge scheinet es noch in unftrinH^rach zum Grunde zu liegen, wofür Hornegk noch das einfache Rät gebraucht. Auch Z Rath, so fern cs von einer Versammlung mehrerer in allgemeinen Angelegenheiten gebraucht wird, könnte hierher gerechnet werden , wenn nicht die Bedeutung desüberiegel-ts undRathgebens natürlicher wäre. Das Schwed.kssü und Irland. biacl bedeutet noch jetzt so ivvhl Menge, als auchVermögen, Vdacht, und eben daselbst rst rLstu vorstehen, regieren. Unser reich, vielleicht auch richten, in der ungemeinen Bedeutung des R!gicrens, .Vorstehens, scheinen nur in, Endlante davon unterschieden zu scyn, so wie Rotte, Rudel und andere unstreitig zu dessen Verwandtschaft gehören. Der erste Beariss, von welchem alle diese Bedeutungen nur Figuren find, ist ohne Zweifel der Begriff des Geräusches, (S. Rad. ) welcher mit der Versammlung mehrerer unzertrennlich verbunden ist, und wovon Menge, Größe, Macht, sehr natürliche Figuren find. s) Vermilchttch gehöret hierher auch die noch im gemeinen Leben Tind -u der vertraulichenÄprecharr völlig gangbare R.A. erwas Zu .Rache haften, sparsam, wir,hschasrlich damit.irmqebemeigcnllich wohl , es bensam.nen zn erhallen suchen, jo daß Rarh hier den Begriff drr Menge hat. Das Semige zu Rath? halten, spar- R a t 94Z sam damit umgehen, Niederst to Raöe, oder eo Rae hegen, von Hagen, sparen. Sein Geld übel oder schlecht zu Rache halten, es unnütz ansgcbeu, nickt klüglich damit umgehen. Wer ein geringes nicht zu Rache Kalt, der nimmt für und für ab, Sir. r y, o. iDer chr vorwirft, daß sie das Ihrige nicht z» Rache hält, der kann diese Verleumdung in Ewigkeit nicht verbcthen, Gell. Außer dieser einzigen Redensart ist das Hauptwort rn diesem Verstände nicht mehr üblich, daher die Stelle Sir. z6, 2 b, wer eine Hausfrau har, der briizget ein Gut in Rath, der erhall und vermehret sein Vermögen, nicht nackzz. abnien ist. Frisch leitet es in diesem Verstände von reit, bereit, purubus, her; allein, der Begriff der Menge, der ausder ersten Bedeutung er,versuch ist, ist natürlicher und wahrscheinlicher., S. Rath sam, R ächlich und Vorrath. s.Der Rath, des—cs, plur. die Rath?, ein auch nur noch in einigen.Fällen übliches Wort, i. *XLin körperliches Werkzeug,rin anderes Ding damit zu bereiten oder zw verfertigen; in welchem Verstände es für sich allein imHvchdeutschen veraltet ist,aber noch, obgleich in weitcrm Verstände, in nnferm Gcrarh, Gerade, ^ansrarh und Unralh zum Grunde liegt, wovo^rdie erstcrn körperliche Hülfsnuuel der Bequemlichleit, das letztere aber deren Gegensatz bezeichnen. ZmSchwed. bedeutet Reste noch eiilWerk» ze g, und das Niebrrs.-Collecuvum Rceoschup, Reeschup, bedeutet sv wohl Werkzeuge als Gerarh. r. In weiterer und figürlicher Bedeutung, die Art und Weise, iugleicken ein Mittel, eine Absicht zu erreichen, r) Zrn weitesten Verstände, wo es nur im Singular allein,und auch hier nur ohne Artikel M uch ist. Rommt Zeit, kommt Rath, mit der Zeit wird man schon ein Mittel finden. Ich will schon Rath schaffen, ein Mittel ansfüiidig machen, die Absicht zu erreichen, oder das Übel wegznschasfin. Es kann Rath werden, oder dazu kann Rath werden, es wird sich eilt Mittel ansfündig machen lassen, es kann möglich gemacht werden. Ich sehe keinen andern Rath, als das Aans zu verkaufen, kern anderes Mittel. Ich weiß mrr kernen Raih mehr, weiß kein Mittel mehr, wo nun Raths ^ lrv fikde ich liun ciir Mittel? Ich habe alle Möglichkeiten mir zu helfen oi-rchgs- dacht und verworfen; ich muß Rath haben. Scireu kommt es mir dem Artikel vor, wo es aber auch ein Lcywort sor sich haben muß. Leo azisgelaßne Sohn ward also ein Soldat, Und Ließ war auch der beste Rath, Gell. " Wo es aber auch das folgende Rath, Lcmlümm, in z Rath seyn kaun. r) Im engern Verstände, (a) Ein Gegenmittel zue Wegschaffung eines Übels; gleichfalls adverbialitce und ohne Artikel, besonders mit den Zeitwörtern sepn und wcrdcn. Es wäre wobl noch Rath, wenn du nur folgen wolltest , es wäre dir noch zu helfen. Dafür ist noch Rath. Suche dich vor der That, der-Cügen ist oderwivd woyl Rath, hülhe dich vor der That, den Lügen ist schon abzuhelfen. Mms eines wurste liechte rat, Reinmar der Alte. Mm wurste rut wolle li mir lcninsten ltLÜiu mere, ebeud. d. i. mir würde geholfen- . ^Vie ist! kroisteloser ta^s Mir uust lenster iuren iemer wersten rät, Heinrich von Moruuge. min ! l s) nn.stsm 7, wivel üut Dus mien ü^cler niemer üun werden rst., Ulrich von Guotenbnrg. Wo es denn riech weitern Figuren rhstum auch lhttiS Lie Wohl« fahrt selbst bedeutete, welche Bedeutung auch das Island. Rest- rue.str Hac, cheils derr Nutzen, in wetcheni letztcru Verstaride maa nvch Rat »ock zuwettni sagt, es ist nicht Rath das Zir thun, es ist S, m-y-i-l-, «I»' »Hk«». A!^v,rb>aUttr.sa»I scho. O,tk->-d, so irno rat rilunkir. wem» es ihm rathsam, nützlich scheinet. d) Ei', von einem andern „ns vorgeschlagenes Mittels M welcher Bedeutung es ober mehr zu dem solgerrden Worte zu gcho.cn ^ Anm. In der Vedentuna eines körverlichen Merszenges lieget allem Ans'bcn nach wiederum der Begriff des Geräusches zum Grunde, so wie in reiten, bereiten, welches hernach fiaml.ch auf verschiedene Arten solcher mit einem ähnlichen Gerau scye verbuu- Lencr Handlungen, eingeschränket worden. In der wettern Bedeutung eines jeden zur Nothwendigkeir und Bequemllch.eu gchvngeu körpcrUchenDinqrs scheinet auch das Lat. k es hierher z» gehören, Elches mit rauschen, rasen, rasseln, allem Arischen nach Eines . D^er Ärch^deö —es, piur. die Rache, em Wort, welches 'ursprünglich ypn reden abstammet und die Rede bedeuttr har, so wie in der Monfteischen Glossckallr wirklickdnrch ^ermo erkläret wird. Es ist in dieser allc^mttnen Bedeutung vera.tet, ttidem es ryrr noch in eilügcn rngern mrd. ßgürlichen Ledeutung-n »BRon verschiedenen Wirkungen des Geistes, so fern sich Diesel-. ben durch die Rede äußern und an den Tag legen, ohne doch die letztere ausdrücklich nochweudig zu machen. r) Die Überlegung, die Uberdenkung der Grunde undM.ttcl einer künftigen Handlung, eigentlich, so ftrir cs vermittelst der Rede unter mehrern aeschiehct, figürlich al^-r mlchcho ftrn es ..i der Stille durch bloßes Erwägen bey sich selbst gesch chet; die Rath-, schlagung, Berachschlagung. Im Rieders. Raad. Es wir hier nur im Singular, und ohne Artikel gebraucht. Mit lema - den '.u Rache u eh en, eine Sache mit ihm überlegen. B ^ sich' selbst oder mit sich selbst zu Rache gehen, bey sich selbst über, legen, ob eine Sache zu tbun sey, oder wie sie zu Lhun fty». Rath halten, mit andern überlegen; Rach schlagen, m eben diesem Verstände, (S. Rathschlagen.) Jemanden zu Rath-zle- ben, zur Überlegung, die Sache mit ihm überlegen. Alles nne Rath, nach gepflogener Überlegung. Raths pflegen, überlegen;, rine im Hochdeutschen grössten Theils veraltete Redensart. 2) * Das Vermögen, die Gründe und Gegengrnnde gehörig einzusehen , inglrichcn die besten Mittel zur Erreichung einerAb- sicht anzugeben, Klugheit, Vernunft, das Vermögen zu rächen; eine -m Hochdeutschen veraltete Wdeittung-in welcher dieftoWorr »Hedem ynr im Singular allein üblich war. Es kommt darin mit dem Lar. kutio überein. Auch imJsliind. ist keätta die Ver-. ttunft, und Notker gebraucht in eben diesemVerstanoe. In der Deutschen Bibel kommt diese veraltete Bedeutung noch nielwmahl vofi. Der Geist des Raths, Es. r r, r. Denn es m -in Volk, da kein Rath in ist, zMos.33,28; sic find em Volk, das sich durch seine Anschläge selbst m Unglück bringt, Michael.. Es wird weder Gesetz bey den Priestern, noch Rath be>r den Alten mehr sepn, Ezech.,7,26. GroßvonRath, Z)*Die Folge der Überlegung, der Entschluss, auch ohne Plural ; eine im Hochdeutschen gleichfalls veraltete Bedeutung» Im Oberdeutschen sagt man noch, Raths werden, einen Entschlich fassen; andern Raths werden, seinen Entschluß ändern;. ei> en Rach fassen, einen Entschluß. In der Dcutichcn Bibel ch auch diese Bedeutung noch sehr h iuflg. Gott stürzet der verkehrten Rach, Hiob z, , z. Beschließet einen Rath und werde nichrs daraus, Cs. 8 , i o. Der Herr macht zu nicht der selben Rath, Vs. 33 , 8 ; Nehenr. 4 , r 5. Besonders von Gott, m. mehrern Stellen, nach deren Vorgänge man es auch nock:n der Theologie gebraucht, wo dex. ^ach Gottes vsn her Menschen Rat Seligkeit, dessen Entschluss ist, in gewisser Ordumig jedermann selig zu macken. Den Rath Gottes verkündigen. (S. Rach-- schlu^) Auch im Näders, sagt man, ich bin best zu Rath--- worben, habe es Hey mir beschlossen, wo Vorraad auch der- Vorsatz ist. ^ ^ 4) * Der Wisse; eine im Hochdeutschen gleichfAsss vcraltcts: Bedeutung, Seines eigenen Raths leben, »ach seiucm cigenecs. Willen, im Oberdeutschen. Du leitest mich nach deinem Rath, Ps. 73- 24-. Und so in andern Stellen mehr. 5) Die Meinung, d. i.das Urtheil über eine Sache au^ wahrscheinlichen Gründen; doch nur noch in engerer Bedeutung-, so fern mau einem andern seine Meinung über dessen Absichten und Mittel bloß bekannt macht, ohne ihn zu verbinden, diese Meinung.zu befolgen, eine bloß als nützlich erthrilte Regel des Verhaltens. Jemanden einen Rath geben, ertheilen, ihm seine; Meinung bekannt machen, ob und wie er eine Sacht thun muffe.. DasM mein Rath in dieser Sache, meine Meinurg, von einer- Sache, welche erst noch geschehe» soll. Jemanden mit Rath und That bestehen, ihm mir Rath und Thar an die Sand gehen. Rach bey jemanden suchen. Eines Rach folgen, befolgen, ihn annehmen. Allen guten Rath verachten, den tDind schlagen. Hier ist guter Rath rheuer. ^emand^w.- um Rath fragen, (S. Rachfragen.) Sich bey jemanden Raths erhohlen, ihn um seinen Rath fragen, ingleichen m weiterek Bedeutung, Belehrung bey ihm suchen. Jemanden zu Rache ziehen , ihm um seinen Rath, um seine Meinung fraget!. . Lichts ohne Rach anfangen. Ich Hab«' es auf deinen Rath gccham In dieser Bedeutung lautet es schon im Isu or GüiiZti, vey' dcmOltfti.d 6irat und Rttt, im Rieders. Raab , im Angelst, kuecl, im Schweb. ^°6,.im Jssänd.R^e, im Slavou. im Ruff. kuüs. Ob sich gleich diese Bedeutung auch sehr füglich- von 2 Rath, Mittel, herlejten liysse, so scheinet doch die Bedeutung der Rede und der Meinnirg näher damit verwandt zu fcyn». Au der letzten gehöret auch das Lareru. rsor, rst us lum, re; i, basiir halten, dessen Mittelwort raws auch beschlossen bedeutet,, und alsdann d!e vorige dritteBedcutung desEntschlusscs hat. Da indessen fast alle Wörter, welche eine Fähigkeit oder Wirkung d Geistes bezeichnen, Figuren der Bervegung fmd, so leidet auch- Rarh in allen obigen 'fünf Bedeutungen eben dieselbe Aolettung -, woes denn ein naher Verwandter Voit Rad, bcOtet , reiten, l!t^. wertesten Verstände, n. f.f. seyn würde. . In allen vorigen Bedeutungen hat dieses Wort keinen plurak, ungeachtet die dritte, des Entschlusses, desselben gar wohl fähig wäre. Die gegenwärtige leidet ihn, der Sache nach, eben ss willig, und doch klingt er im Hochdeutschen fremd und nnge^ wohnt, so oft er vvn einigen gebraucht wird. Dein Alrertvnme scheinet er geläufiger gewesen zu sevn. Ben dem Notker beiße er äie bey dem Wmsbeck ciis Lebe, und imHeldenbuchs- dir Rare: -AltcbrMit der alte, Mann,. Der da viel weiser Rate/ kann.. - Wahr ist ss, daß der Plurall-est mit dem folgenden Bedeutungen), in welchen er ohne Schwierigkeit gebraucht wirdwineZweydeutig- keit venrrsachen kann; aber diese Zweydeutigkeir findet auch um Singular Statt;, Vielleicht vertreibet das Beyspicl derer,, nelchL ohne Bedenken Rache schreiben, mir der Zeit das Fremde, wem^es deiu Plurakttn dieser Bedeutung anklebr ^wc-a aber dasselbe uner-. tcäglichist, depkann-dafür, wie von den meisten ge schic her, Rath« schlage gebrauchen. 6) * Einwilligung,Vovwisson, Bevflimwmia;. ernr rmHoch» deutschen gleichfalls veraltete Bedeutung, in welcher ec ehe d i u, im Nicderftsihe gangbar tvar. S. dasBremisch-NjLders.Wörrerbnch.. Lso L " ' 9LL Rat a. Eru^Versammlrrng rNehrerer. eine Sache zu überlegen und Zu beschießen, und ein Collegium dazu verordnercr Personen. 1) Im weitesten Verstände ein? Verfannnlung mehrerer, gemeinschaftliche Angelegenheiten zu überlegen und z,l beschließen, ohne Plural; in welchem Verstände es nur noch in einigen Fällen gebraucht wird. Rach halten. Einen Büttrach halten, eine Versammlung, einen oder mehrere zum Tode zu verurtheilen; am häufigsten von einer „stöefngtcn Versammlung dieser Art. Zu Rache gehen, in.eine solche Versammlung; eine im Hochdeut, scheu sehr wenig mehr gebräuchliche R. A. Meine Seele komme nicht rn ihren Rath,» Mos. 49, 6. Mohl dem, der nicht wandelt im Rache der Gottlosen, Ps. t, i. Ich danke dem Herrn von -gansem Kerzen im Rach der Frommen, Ps. 111, r. Welche und andere biblischeStellea, in deren einigen es auch eine jede Versammlung bedeutet, doch nicht nachzuahmen sind. Schon bey dem Kero ist IVsraLe eine Versammlung. 2) In engerer Bedeutung, ein Collegium solcher Personen, . welche dazu verordnet sind, öffentliche Angelegenheiten zn überlegen und zn entscheiden. Ehedem wurde es von allen Collegiis die- ser Art gebraucht, wovon.unter andern auch in der DeutschenBibel Lausige Beyspiele vorkpmmen. Jetzt, da dergleichen Collegia sehr Vervielfältiget worden, haben sie theils eigene Nahmen bekommen, »Heils ist der allgemeine Nähme Rach durch allcrlep Beysiitze näher bestimmet worden. Der geheime Rach, das höchste Collegium der zur Besorgung der öffentlichen Angelegenheiten verordneten Personen, welches doch in manchen Staaten noch dem Labinetts- Rarhc nachgeordnet ist. Der Staatsrach, Rriegsrach, Bir- cheurath, GesundheitS- oderGanitä'ts-Rath n. s. s. Den geheimen Rath versammeln, die dazu gehörigen Personen. Da e-S denn auch oft von der Versammlung der Glieder eines solchen Col- kegii gebraucht wird. Inden geheimen Rach, in den Staatsrath, in den Rirchenrach gehen. In Schleswig werden die Land - und Kirchspielsgerichte zuweilen Räche genannt, da denn dieBeysttzer in denselben auch den Rahmen derRathleute führen. Die K ota, das päpstliche Kanmiergericht zuRom, hatgewiß auch daher feinen Nahmen; obg^rch Ferrarius.und andere denselben von kota, ein Rad, herleiten, weil die Glieder dieses Rathes in einemLreise fitzen sollen, welches doch ungegründet ist. Es ist daher auch unrichtig, wenn einige dieses Collegium im Deutschen das Radgericht nennen; richtiger könnte man cs den Barvmers rach oder das Bammergericht nennen. 3) In der engsten Bedeutung ist der Rath, oder zum Unter-, schiede von der vorigen Bedeutung, der Stadtrath, ein Collegium solcher Personen, dem in Reichs-und freyen Städten die höchste Verwaltung der öffentlichen Angelegenheiten der Stadt und ihres Zngehöces, in Municipal - Städten aber gemeiniglich nur die HandhabungderPolizey zustchet. Den Rath zusammen rufen, versammeln. In den Rath kommen, Sitz und Stimme in diesem Collegio erhalten. Line Sache Hey dem Rache anbringc-n. jemanden bey dem Rache verklagen. Bey dem Rach um §twas anhaüen. Einer aus dem Rache., ein Rathsherr, Rachsglied, in derfeyerlichen Sprechart ein vornehmer des Raths. Der Rath sitzt, wenn sich derselbe versammelt. Im sitzenden Rache, im versammelten. Ost bedeutet es auch die Versammlung dieses Collegii. Rach halten, sich versammeln. Dor Rath erscheinen. Eine Sache im Rache vortragen. Der Plural findet, wie in der vorigen Bedeutung, nicht nur von meh, vorn Colleges mehrere? Städte ohne Bedenken Statt, obgleich Frisch das Gegentheil behauptet, sondern auch in den Fällen, wo irr einer und eben derselben Stadt das Collegium der sämmllichcn Mathsglieder in mehrere Theile abgesondert ist; z. B. wo der Msammte Nach in drey Räche getheiltt ist, welche alle Jahre m Rat 9 H2 der Regierung abwcchseln, oder auch, wo der innere, kleinere oder engere Rath, von dem äußern , größern oder weitern Ra>üc unterschieden wird. z. Eine Person, welche andern guten Nach evthcilet, d. r. nützliche Regeln des Verhaltens bekannt macht. -) Im weitesten Verstände, von einem jeden, der andern einen Rath erthcilet, ist es nicht gewöhnlich, weil dafür Rathgeber eingeführet ist. , ' z, 2) Im cngcrn Verstände, derjenige, der dazu verordnet ist, der Landcsobrigkeit in öffentlichen Angelegenheiten guten Rath zu ertheilen, oder die öffentlichen Angelegenheiten mit derselben zu überlegen und zu entscheiden. In diesem Verstände pflegte mau ehedem alle höhere Bediente des gemeinen Wesens, welche berech, Ligt und verbunden sind, dem Landesherrn ihre Meinung in öffentlichen Angelegenheiten zu sagen, nur schlechthin Rache zu nenne», in welchem Verstände es noch jetzt zuweilen vorkommt. 2 Sam. - 5 ,12 heißt Ahitophcl Davids Rath. Und die Zerren, Fürsten, Vögte und Rache des Bönigs kamen zusammen, Dan. z, 27. Olebucadnezar forderte alle seine Räche, Fürsten und Haupt« lenke, Judith 2, 2. 2) Danach der Vervielfältigung solcher Personen Und genauerer Verthri lang der öffentlichen Angelegenheiten sich die Anzahl dieserRäthe garsehr vermehret?, so bekamen selbige theils andere Nahmen, theils behielten sie den Äahmen der Räche, welscher alsdann aber mit allerlei) Beysätzen näher bestimmt wurde, ^und oft auch n,»r ein bloßer Titel ist, der zu keinen weitern Oblie, genheiten verbindet. Und so entstanden geheime Räche, (nicht -Geheimeräche, well es alsdann Geheimräkhc heißen müßte, >(S. Geheim,) ehedem, wie noch in der Deutschen Bibel, heimliche Räche, (kabinttts-Räche, Gtaatsräche, Hofräche,Briegg- rä'che, Justiz - Räche, Finanz-Rache, Lommerzien - Räche, Aammerrä'the, Iagdräche, Bcrgräthe u. s. f. Ein Rath schlechthin, ohne allen Bepsatz, ist alsdann die erste und niedrigste Würde dieser Art, welche au den meisten Höfen ein bloßer Tire! ist. Ein kurzweiliger oder lustiger Rath, eine scherzhafte Be- «ennung eines Hofnarren. Anm. In dieser letzten Bedeutung ist schon im Isidor Obirasts- eine zum Rathgeben verpflichtete Pcrsou. Es gibt theils iu den Lusammensctzungcn, theils in den genieincn Sprechartcn noch mehrere gleichlautende, aber in der Bedeutung verschiedene Wörter, welche theils Figuren von rad, r Ach, sind, so fern es ein Äus- s druck eines gewissen Schalles und dessen Ursache, der Bewegung, ist, theils aber auch zu Andern Stämmen gehören können, ^ines derselben ist das Oberdeutsche Nebenwort rach, beraubt;'etwa» rath seyn, es entbehren, wovon unser emrachen abznstammen «scheinet, wofür im Oberdeutschengerathen üblich ist. Ferner das -.rach seyn, welches Hornegk theils für geschehen, theils aber auch i für selig werden gebraucht. (S. auch die folgenden Zeitwörter.) 3 » den folgenden Zusammensetzungen lautet dieses Wort allemahl Raths—, so oftein NachS-CollegiilM darunter verstanden wird. In den andern Bedeutungen pflegt es das s nur selten a»zw nehmen. (Rathen, vsrb. irr-e§. act. ich rache, du rächst, er rä ch; Im« .perf. ich riech; Mittelw. gorachen; Jmperat. rache; ein Zeitwort, wclchesaußer der Zusammensetzung noch m einer doppelten -Hauptbedeutung üblich ist. 1. Ohne Grund, durchs bloße Ungefähr urtheilen, oder-z« -urtheilen sich bemühen, t) Eigentlich, wo es als ein Neutrum am üblichsten ist, welches aber doch das Hüifswort haben erfordert. Rathen sie cinrkahl, wie viel es gekostet bat. Rache, .was ist das k Man wußte den Thater nicht.gewiß, alle aber «riechen aufLajum, hielten Cajum aufs bloße Ungefähr für den ,2Mee. 93 4 9.B R a t Tüatcr. Ich raehs Hinlund her, und kann es nicht cvrachen. Man must eine Sache wissen, und nicht bisst rachen. Du schließt dieses Wert alle auch bloß wahrscheinliche Gründe ans -, oft aber räch man auch, wenn mau einige wahrscheinliche Gründe vor sich hat, und alsdann nähert es sich in seiner Bedeutung dem Marte muchmaßen. Es scheint eigentlich das Hin-nnd Hers-ywei- fen der Gedanken bey dem Rathen zu bezeichnen, da es denn ewe unmittelbare Figur von der ursprünglichen Bedeutung d:eiesWor- ies sepn chürde, nach welcher es dem Begriffder Bewegung hat. Ehedem bedeutete Rach auch die Muthmaßung. Das Näders. radcn>raen,das Angelst araeclan^rild Holland. raacien, kom- men mit-unserm rathen überein. Bey dem Ulphilas ist so wohl rtUchchn als raknan. schätzen, zählen, woraus zugleich du Verwandtschaft mit rechnen erhellet. (S. z Rach r s) und Rarhsel.) 2) In engerer Bedeutung, vermittelst solches Rathen» die Wayr- hciterrrichen, recht rathen, fiir'frrachen. Du hasts gerarhen> Das kann ich nicht rachen. ^ ^ ^ 2. Linen Rach geben, d. i. eine nützliche Regel des Verhalten» ectheileL, mit der dritten Endung der Person und der vierten der Sache, r) Eigentlich. Einem etwas ratben, es ihm als eins nützlichkRegcl des Verhaltens bekannt machen, es ihm als nützlich »der heilsam empfehlen. Einem Gutes rachen. Einem Vran- ken cinArxeneymi'ttel rachen. Einer rächtest, der andere jenes. Was rachen sie mir? Er laßt sich nicht rachen, mmmt keinen Rath an. Wem nicht zu rachen ist, dem ist auch nicht zu helfen. Ich riech ihm, daß er nicht hingehen sollte. Rachen sic mir, daß sch rs thunsoll ? Ich rache dir, daß du Geld kaufet!, Dsftnb. 3^ - L. Oft auch mit dem Vorworte ziu Dazu kann ich ihnen nacht rachen. Zum Trieben rathen. Zuweilen druckt es ein Verbuch oder einen Befehl ans. Das wollte ich dir nicht rachM. - Ich rache dir, daß du folgest. ?) Figiirlich. (a) Helfen, besiuiders im gemeinen Leben und c-en vertraulichen Sprccharteru wollte dem Lande in dieser Sache rachen und helfen, r Marc. 14, 9. Er weiß sich nicht zu rachen. Damit ist mir tücht gerachen, nicht geholfen. Geschehenen Dingen ist nicht zu rachen, Less. ihnen ist nicht abzubelfen, sie sind nicht zu ändern. Schon Dttfried gebraucht xisten, für helfen urld OirLri ftir Hülfe. Astch unser Rath hat noch zuweilen diese Bedeutung. (S. 2 Rath 2 2) und Bcrathen.) (b) Nützlich seyn; in welchem Verstände doch nur das Mutelwort Kerachcn alsein Nebenwort für llützlich und heilsam gebraucht wird. Ittar tttuukit miU Zinaki, sagt schon Dttfried. Ich hafte es für gerathen, daß hu hingehest. Dreß scheinet mir in diesem Talle das gerathenste zu feyn. Ich finde es gerache- n?r, daß dn es nicht thuest. Im Oberdeutschen ist es in diesem Verstände am üblichsten. v Das Hauptwort die Rachungvist in keikerder vorigen Beden- trmgen üblich, ob es gleich in den Zusamnuntsetznugen gangbar ist. Man gekraucht dafür das Rathen. Anm. In der zweyten Hauptbedeutung lautet es im Niederst raden, raen, im Angelst raeck, im W - Engl. W read, im Schwed, im Island, racka, nndftlbst im Syrischen rata. Dttfried gebraucht ratan auch für cathschlagen, in welchem Verstände es aber veraltet ist. Rathen ist ursprünglich eine Nachahmung des Schalles, so wohl der Rede und des Redenden, als auch einer schnellen, besonders kreisförmigen, Bewegung. Daher rühret es denn, daß es ehedem, und zum Theil nochfttzt in deu-ver- wandten Sprachen, in so vielen Vedeutnngen vorkonun^ welche sehr verschieden zu ftyn scheinen, aber am Ende doch insgesammt Figuren einer von beyden Arten des Schalles sind- Figuren von dem Schalle der Rede, welches Wort selbst hierher gehöret, sind ») rächen, evaluiere; 2) pathen, äivluLre; Rat Z) des NlpMas rAikjsn, schätzen, rechnen, und das Dberdeutschr raiten, reitest, rechnen; 4) das Engl, to rea6, i ettu; 5) da» r>L- ien, in derMonfte-schcn Glosse, für tröste«, und dieses trösten selbst; 6) das Schweb. r^L, prockere, wofür wir Verratheu sagen; 7)das Schweb. lZda> befehlen, herrschet, imHcor. n'»';» (S. 3 Rach Z;) wovon d ic im Deutschen veraltete Bedeutung des Könnens, Vermögens, eine Figur iw, welche aber such zu rathen, reichen, gehören kann; 8) das Schweb, schelten, strafen, züchtigen; 9) das gleichfalls Schwed. rcLda,ec§lärnr, ausftgsa, und andere mehr. -. Figuren von dem durch eine schnelle Bewegung verm ischten Schalle und von dftftr Bewegung selbst, stnS ^ t) das Isländische hin und wieder gehen, das Schweb. komnaen, n.'w unser gerathen, von ungefähr kommen; 2) unser: reiten, e<^ui- lare ; Z) das veraltete ratuon, wofür wir jetzt intensive reitzen sagen; 4) das veraltete raten, Ziehen, re'.ßeu» Rieders, riren, wo voll Koro untrntan für entziehen gebraucht, und wovon vieft leicht unser entrathen und das Dberd. rath fepn, mangeul, entbehren, abstLMmcn; z) das gleichfalls veraltete rathen, reichen, womit unser recht und gerade verwandt sind; (S. Gerade und Gerecht, Gerathen und Gereichen;) 6) das eyemahüge rarhen, geben, welches eine Figur der vorigen Bedeutung ist, Schweb. Lat. mit vo-rgesetziem t, trauere, wovon »och unser Herathen in einigen Bedeutungen gbstammet; 7) dos veraltete rathen, auftchießen, in die Höhe wachsen, welch es nur Riese, ^.eis und andern verwandt ist, und welches in geeacheir mißratheu noch figürlich übrig ist, wohin auch das Schwed, ruda, .erziehen, Aufziehen, gehöret; 8) das Schwed, rada; Lobten, umbrmgen, und andere mehr. Aus allem erhellet zugleich die LerwüMlschaft mir Rad, Rede, Rasen u. st s. Nachfragen, verii. reA. Lot. welches aus der R. I. um Rae§ fragen zusammen gezogen ist. Und er rachfrLgetk den Herrn, r Sa«r. 28, 6.' Daß wir d^n Herrn durch ihn rathfragen, 2 Kön. Z, 1». Und der Tankt Rehabeam rathfragete die Öftesten, 2 Chron.r o, 6. Im Hochdeutschen ist es veraltet, außer daß es im Infinitiv noch Meilen im gemeinen^Leben voekommt. Bey dem Willeram ratLraxsn, Schweb.radkrsZL, Pohln. D-erRathAebev, des—s, pliZr.ut uom. knZ. Fämin. die Rach- - soherinn, von derR. A. Rach geben, eine Person, welche andern guten Rath gibt, d. i. nützliche Regeln des Verhaltens bekannt macht. Wer hat des Herren Sinn erkannt, oder wer ist sein Rathgeber gewesen? Röm. r 1, Z4- Wo viel Rachgeber sind, da bestehen die Anschläge, Sprich. .5,22. Bey dem Strykcr nur Rat^ebs, in dem alten Fragmente von Carla dem Großen bey iem Schitter liakZeve, iirr weiblichen Gefchlechte Katechin, im Oberdeutsche» noch jetzt Rachgcb, im Angelst kaed^ka, im « Schweb. kvadZitvare. Zn dem alten Angsburgischen Sradt- z-echte aus dem r ztcn Jahrhunderte bedeutet es einenNachsherren. ZO ao Rathhaus, des — es, piue. die —härrser, ein öffentliches -Gebäude in den Städten, in welchem sich die Rachsherrcn versammeln, die allgemeinen Angelegenheiten der Stadt daselbst in Überlcauna zu ziehen; das Stadthaus. Es gibt dergleichen Aathh auser auch in einigen Dörfern, da es denn zur Versamm. lu»g der Schöppen, Ältesten ober Nachleute dienet. Ans das R tchhaus gehen. Etwas auf dem Rachhause anznkringen habcuu von dem Rachhaufe kommen. Da Rath ehedem auch Rede bedeutete, so scheinet Rathhaus eigentlich ein solches Gebäude zu bezeichnen, wo man sich über allgemeine Angelegenheiten unterredet. Dttfried und die Monfteische Glosse neunen daher 'das Rathhaus ein Sprachhaus undüm Niederst bedeutet Sprache nrch jetzt eine jede Versammlung il, allgemeinen Angelegenheiten. 9FZ Rat Übr-geirs hieß rin Rathhaus ehedem auch das Bürgerhaus, si> fern sich die Büxger in allgemeinen Angelegenheiten daselbst versammeln, in Elsaß heißt es die Pfalz, von knlnrinni, insFtanz» 1 e l^ttisis, in Schwaden an einigen Orten die Gurk, van dem Mittlern Lat. Ourris, in Niedcrsachsen ehedem das Weichhaus , oder wichhaus, (S. W-Lchbild,) im Hennebergischen das Schnoidhaus, Rathhaus und Rathshaus rmissen nicht verwes» selt weedeir. Räthig, ucij. st ä6v. welches nur in einigen Fusammenfttzunaeu, Z. B. beyräthig, üblich 'st, (S. dasselbe.) Von dem veralteten Rath, Entschluß, ist rärhig werden im Oberin beschließen. Die Rathkwrnnper, plur. die—u, auf den großen Kriegsschiffen^ eine geräumtzche Kammer, worin sich die Officiecs zum Kriegs- rakbe versammelnd Die R ttthleute, ünx. car. an einigen Orten, ein Nähme dcrBep- sitzer -er Dorfgerichte oder Ältesten auf den Dörfern, welche in allgemeinen Angelegenheit» des Dorfes ihren Rath zu ertheileu verbunden un-berechtigt sind. In einigen Städten werden a,ich die RathsherrenRarhIeure genannt. In-er einfachen Zahl lautet es gemeiniglich Rachmann. S.Rachsleuts. Rä'thlich, —er, — sie, ach. st aüv. ,) Von i Rath, m der A. A. das Seins zu Rache halten, sparsam, und in der Sparsamkeit gegründet; doch nur im gemeinen Leben. Enr rächlichcr Mann, der das Seine zu Rache hält, mit Klugheit sparsam ist.. Rächüch »Mt einer Sache umgehen. Rachlich von etwas, essen. D-e Speisen rachlich vorlegen. Daher di.eRächlichkeit,. welches doch nicht so üblich ist. (S.auch Rachsam.) 2) Bo« Rath,' Oonüliuw, was ayzurathen ist, und in weiterer Bedeutung snu nützlich, iss «s nur in Änigen Sprecharten üblich» S. Rachsam- welches i< dieser Bedervuug gangbarer ist. Ratlos, — er, —efte, Lilj. et sstv. dos Raches, d. i. so wohl -evMtzlichon Regel des Verholens von Seiten anderer, als auch der Mittel, sich zu helfen, bei'P'.bt, und darin gegründet; HÜlf- !os. Ein rathloser Mensch. Der rathlosests Zustand. Daher die Rarhlostgreit. , Dor Ratchmann, des—es, plrip. dl'eRachmä'ntter,nttd in einigen Fällen Rarhleute. >) Ein Rarsigr-ber, welcher uns gntenRath ertbeitet;eine veraltete Bedeutung. (S.Rachsleute.) JmSchivcd. ist ein Nach, OcrEluktus. 2) Ein Rarhsherr; eine noch in einigen NiedersächsischeuStäöten gangbare Bedeutung,da der Plural Rachmänner, und nach -er alten Mundart auch wohl noch Rath manne lautet. Z) Aufeinigen Dörfern,selbst in Obcr- sachscn, ist der Rachmann der Bep sitzer eures Land- eder Dorf- " gerichtrs, der Älteste, Schöppe u. fff. da es denn im Plural gemeiniglich Rachloute hat. S. Z Rath Z. Z). Rathsam, —er, — ße, ZÜft et 26v. -) Von r Rath„ bemühet, eine Sache zu Rathe zu halten, d. i. solange als möglich zum künftigenGcbrauche beysammen zu halten, und darin gegrurs dct. Zirgleichen in weiterer Bedeutung für sparsam. Ein rach- samer Mensch. Rachsam mit einer Sache umgehen. Bey Tische rachsam vorlegen. Das Licht brennt rachsam. Im gemeinen Leben auch rachlich. 2) Von Z Rach -> 1)2). Überlegung, Klugheit, kommt es in einigen Gegenden für bedachrlich weislich vor. ^ — Wer gedenkt die sprach auszuschlagen, Die ihm von Helena wird rachsam angetragen ^ Opitz. Zn Welcher Bedeutung es aber im Hochdeutschen völlig unbekannt ist. Z) Von Z Rach l Z), was anzuraihen ist, als eine nützliche Sache angcrachen zu werden verdienet; und in wenererBedeutung für heilsam, nützlich. Ein rathsames Mittel. Es ist nicht rachsam, daß wir hingehen. Es wäre rachsamer, wir blie- Sm zu Hause. Das rachsamste wir- feyn, -aß wir Rat y§6 als sahen wir es nicht. Im gemeinen Lebe» einiger Gegenden auch rachlich, im Oberdeutschen gerachen, S. dieses Wort in Rathen 2. D Le R athsgmkeit, pliir. car. dieEigenschaft eines Dinges, nach welcher cs rachsam ist, im Hochdeutschen nur in der ersten und letzten Bedeittung des vorigen Wortes. Rathsbe-Ürftlg, —er,-sie, nclj. et astv. des guten RatbeS anderer bedürftig, von 5 Rach » L). So auch die Rachsbtdmf-. tigkeit. Der Rathsbothe, des — n, plur. die—n, ein Boche, welch*? dt 11 Willen oder die Briefe eines Narhs-Eollegii, noch hänfi -er llbereinesStadtraches, überbrinaet, der in eines Stadtrgißcs Eid und Pflichten stehet. S. z Rath z. 2)z). Das Räthsbüch, des —es, plur. die — buchen, em einen» Rakhs.'Lolloaiy, ingleichcn einem Stadtrathe gehöriges Blich. Zn engerer Bedeutung, ein Buch, in welches die Aiiqelegeichtiicl» »md Verhandlungen eines Nachs-Collegii, und besmlders eiins Stadtrathcs, verzeichnet »verdcn. Der Rarchschlag, des —-es, plur.dle—.schlüge, eigentlich,ein nach gepflogener Überlegung so wohl mit andern, als mit sich selbst gefundener Rath, und in weiterer Bedeutung, ein jeder Rath, d. i. eine jede als nützlich empfohlene Regel des Verhaltens. Herr, »nach? den Rachschlag Ahitophels zur Narrheit, 2Sam., L,Z,, A 4 . Daß die Syrer wider dich einen Hosen Rathschlag gemacht haben, Es. 7, L. So höret nun -en Rachschlag des Herrn, den er Liber Edom hat, Zer. 49-. 20. Wo es auch den nach Überlegung gefaßten Entschluß, dmr Anschlag, bedeutet. (Siehe Z Rath i Z). Am häufigsten wird es von vielen im Plural gebraucht, den ungewöhnlichern Plural Rathe zu vermeiden, jemanden allerley nützliche Rathfchlage crcheilen. jemandes Rachschlägen folgen^ S. das folgende» Rtrtyschlagen, vekb.i-ex.riEr. mit-dem Hulfsworte haben, überlegen, ob und wie eine Sache zu chun ftp, nützliche Regel» des Verhaltens durch Erwägung der Gründe und Gegengründe ausfruldig zu machen suchen. Mir jemanden rachschlagen, über etwas rachschlagen-. Er verließ, den Rath der Ältesten und rarhschlug (besser rathschlägte) mit-en jungen, 2 Sam. r 0,8. So komrm mm und laß uns.mit einander rachschlagen, Ne- hem. 6, 7. Die Herren rachschlügen mit einander wider den Herrn, h)s. 2,2. von dem Tage an rachschlagken sie, wie sie ihn todteten, Joh. 11, LA. Zu der höhern Schreibart wird es a»zch zuweilen als ein Activum mit Auslassung des Vorwortes über gebraucht. And Raufbold und sein Herr rachfchlagt indeß verbrechen, Zach» Auf ähnliche Art heißt es im Theuerdauke p Meine fraw die wil Die Sache nach notturfft rathschlagen, d. i. überlegen; in welcher Bedeutung es doch stetzt seltener ist So auch die Rathschlagung.. Anm. ZmSchweb, rsiüslss, im Jsländ. arstllnxs, (S.Schlas gen.) Obgleich dieses Zeitwort für sich allein irregulär gehet, so wird es doch in dieser Zusammensetzung regulär abgcwandelt, welches es mit mehrern dieser Art gemein hat. (S. Radbrecheir.) Das AugmenLum tritt auch hier vor das ganze Wort; gerach« fchlaget, nicht rathgeschlaget, wie von vielen,..aber unrichtig, geschrieben und gesprochen »vir-.. Der Räthschlüß, des — sses, plur. die— schlÜsse, ein nach gepflogenem Rathe oder Überlegung gefaßter Entschluß; in welchem Verstände es doch nur noch zuweilen in der höher« Schreibart von denEutschlttssen rcgierendrrHerren gebraucht wird. Am üblichsten ist es in figürlichem Verstände m del Theologie, wo die Rach- schlusse NaL , schliisse Gottes, die göttliche» Entschließungen Mer die Wirklichkeit und Veränderungen der Dinge, die Bestimmungen der göttlichen Entschließungen sind. Die willige Ergebung in die Rach- schlüffe Gottes ohne geheime Ansiiahmen. Alle besondere Absichten der Rarhschlirsse und Verhängnisse Gottes einschen wollen, iS unsinnige Begehrlichkeit, Gell. Der Rathfchluß Gottes von unserer Seligkeit, dessen Einschluß in einer gewiffm Ordnung jedermann selig zu machen. S. z Lach i z). Das Rachs-Lollegium, des—gir, plur. d-c—gia, ein E-l- legium solcher Personen, welche verpflichtet sind,öffentlicheArze, legeiiheiren zu überlegen mch zu beschließen, und welches auch nur der Lach schlechthin genannt wird. (S.zRath 2, s).) Jn enzerer Bedeuuing werden auch die sämmtlichen Rarhsherren einer Stadt und deren Versammlung das Raths-Collegium genannt. Der Ratchsdierreü, des —s, ^>lur. uroom. liuZ. ein germger Bedienter, welcher dazu bestellt ist, die Befehle eines Raths-Col- legii, und iu eugeree Bedeutuiig, eines ScadtrLlbes, auszurichteu, t. Das Räthsel, des—e, plur. ui uom. linZ. Diminut. dat Rath,eichen, ^berd. Räthselem. 1) Ein Mäycchen, eine Fabel, eine erdichtete Erzählung; eine im Hochdeutschen veraltete noch im gemeinen Leben Oberdeurschlandes übllcheBedeutung. Jemanden ein Läkhsel erzählen, cm -Erchen. Aüfähnliche Arr wird im Latian ein Gleichiüß Raulla genannt. 2) Eine Aufgabe, welche nur durch Rathen aufgelöset werden, oder ecrarhenwerden kann, uiid ans solche Art aufgelöset werden soll. Jemanden ein Räthsel vsrlegen, anfgeben. Ein Räthsel anflösen, errathen.^ Die Äöniginn aus Arabien verinchte den ^salomo mit Rathseln, 1 Köu. c 0, 1. Ich will euch ein Räthsel aufgeben; wenn ihr nrir das Räthsel errathet und treffet u. s. s. Riflu. 14, 12. z) Figürlich, eine dunkele, unbegreifl che Sache. Dag iS mir ein Räthsel. Ich hoffe, daß sich das Räthsel in wenig Tagen auf- Llären wird. Pie Räthsel des menschlichen Herzens entfalten. Anm Zu der ersten Bedeutung scheinet cs vermittelst des Endlautes— sal oder ---sei aus Rede gebildet zu seyn. In der zweyten Bedeururrg lauter es im Angels. kiLeciüI.<;, im Engl, kulclls, von to rrcl, erklären, imNieders.Afraels, fücAfradels, und in einigen Oberdeutschen Gegenden Rccdelsen. Mit dem selt- nern und großen Tbctls veralteten Endlaurr —iß, —isch, ist im Notker, in der Monserischen Glossen, s. s. kakilea Ratilla, RLtufl'Ä, theils eine jede Aufgabe, theils ein Gicichniß, thells eiu Satz, cheilS cndllch auch eme Mnthmaßung. Zu den spätern Zeiten wurde es iu der heutigen Bedeutung bald iir Letsche, bald in Redersch und Lärrersche, bald aber auch in Rächerle verderbt. Es stammet ohneallenZweifei von rathcn,cjivinLrs, ab, welches ehedem auch anslegen, erklären bedeutete, wovon es vermittelst des -Endlanrcs —-sal oder—sei gebildet worden; daher die Schreibart Rätzel auch ans diesem Grunde fehlerhaft ist. 2. Der Räthsel, ur einigen Gegenden, der Raden, siehe dieses Wort.' Rarhselhaft, —er, —effe, ast). et ^6 v. einem Räthsel ähnlich, unerklärbar, unbegreiflich. Eine räthseihafte Sache, Zugleichen bedenklich, eine unbekannte geheime Bedeutung habend. Der Großen Gunst und Haß Und rächselhaster Blick macht auch vertraute blaß,Hag. Die Rarhse^ge, schür. die — n, in eim-en Slädken, z. B. in Leio^ig, der engere Ausschuß des Skadtraches, der engere Rath. Räthsfähig, —er,—stiVuc!j. Ll ast v. fähig, ein Mitglied emrs Ra-Hs Loliegü, uiid besoilders emesStadtrathes, zu werden. Daher die Lathöfähigkeit. Die RatchsfluFFe, p!ur. die — n, auf den Flotten, diejenige Flagge, vermittelst deren die SchiMCapttäiiezum Schiffrüche . Aar 9Z8 imf das Abmirak-Schiff berufen werden, vnb welche bald weiff^ bald blau ist. Der Rachsfreund, des — es, xlur. die — e. ') Mn Freund des Stadtrathes; im Gegensatzerines Rachsfeindes. r) An eml- §en Orten werden auch die Rachsglieder, oder die Glieder des StadcralhesRathsfrcunde genannt, so wieste auf ähnliche Art auch Lathsverwandte heißen. S. dieses Wort. Das RachsgUed, des-es, chur. die — er, ein Mitglied e,nes Marhs-Cvllegii. Jnrngerer Bedeutung, ein Mitglied des Siaot- rachrs. . - Das Rachöhaus, des—eg,plur. die—Häuser, eindemStadt- ralhe gehöriges, oder auch nur dessen Gerichlbarkeit unterwerfe« ues Haus; welches mit einem Rathhause nicht verwechselt wer« den darf. . Der Rachscherr, des — en, plur. die —en. 2 . Ein perr> d. i. vornehmes Mitglied, eines RathS'Eollrgii; ein in dieser wettern Bedeutung im Hochdeutschenungewöhultches Wort, welches indessen doch mehrmahls in der Demschen Bibel vorkvmmt. Un^ hat zu mir Barmherzigkeit geneigkt vor dem Röntge un^ seinen Rathsherren, Esr. 7, 28, seinen Ministern, vom Röntge und den sieben Rathsherren gesandt, V. r 4. Fwey hundeyk und fünfzig vornehmsten m der Gemeine, Rathsherren und .ehrliche Leute, 4 Mos. 16,2. Und so in andern Grellen mehr. 2. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, ein Mitglied des Sradtrachcs. r) Eigentlich. Lin Rathsherr sepnwerden» Zu der feverlichen Sprechart, ein Herr des Raths, ein vornehmer des Raths. Zn dem Augsbargischen Skadtrechte aus deW i zten Jahrhunderte Rathgcb , in einigt Städten Ratymann? Rathsfreund, Rachsv^rwandter, in dem alten Gedicht? auf dcrr heil. Anno Altherr , nach dem Lat. Lenator, und dem Frrfch zur Folge wird eittRachsherczuNördllirgennoch j-tzEcherr genannt. .2) FjgürlHch hat eine Art pa'schfiißigerWasservözrl,welche sich nmr Spitzbergen herum aufhält, drev Vorderzchenundtriiie -Hrnter- zehe hat , am ganzen Leibe weiß, an den Augen und ^uZeu abee schwarz, und kleiner als der Bürgermeister ist, von den Hollandi-» sche» Matrosen den Nahmen des Rachsherren bekoumten; tus Lsnator l^. 1 . , Der Rathskeller, des —s , chvr. ut vom. l:n^. ein oe-rr Stadtrache eines Ortes eigenthümlich gehöriger Wem- oder Bierkeller. Das Rachsküssen, des —s, chM.utvom. lin^. an Orten, dielenigen Küssen, worauf die Nathsherren in der Raths" finde sitzen; daher die R. A. jemanden das Rarhskussen nach sauseschiLen/ alsdann soviel ist, aksihnaus dem Rache ausschließ en. Die RachsLeute, livZ. earceinim HochdeutschenvcraltetcsWor^ welches nur noch in der Deutschen Bibel vorkommk, Ivo es Rathgeber bedeutet. Deine ZeuZNissc sind meine Rathsleute, Ps. '119, 24. Ehedem wurden, wie aus dem Frisch erhellet, auch gemeime Räche, Minister und Gesandte mit diesem Rahmen belegt. S. auch Rarhleute. Der Rachsmeister, des —s, plur.ut ricim. 6 aZ.dessen Gat« tiun, die Rathsmeisterinn, in einigen Städten, z.B- s" Erfurts der erste ulch vornehmste unter dcnGliedern des Stss.dtrarhes, welcher noch den B ürgermeistern Vorgesetzer ist, und mit dem Städte« -Meister in einigen Oberrheinischen Städten eineBey Würde und Obliegenheit zu haben scheinet. Die Räthsperson, piur.dic—en, ci«>e Person, so fernste eiir Mitglied eines Stadtrarhes ist; ein RathöglieS. Der Raths-Präsrntcher, des—s, plur. sr rrpm. dere .Nähme einer Stldermüttje m Aachen, welche 32 Mark hält; obns Zweifel DL9 . Rat ZweifeSl, weil der bastgd Siadkrath sie als Präsente oder Geschenke auSzucheilen pflegt. Der Räthsschlüff, des'—ffcs,)r!rir. die — schlüsse, der Schluff, Bcf^luff, oder feyerliche, förmlich entworfene Eiüschluff eines RachS- Collegii, oder eines Stadtrathes, RerrstuL Gousul- tum, an einigen Orten der R-rthsrerlaff; welches mit einem . Rarhschlusse nicht verwechselt werden darf. Der Rathvscyreibcr, des —s, x!ur. ur nom. ÜoZ. dessen Gattilln, die Rathsschreiberin^, der Schreiber imeinem Aachs- Collegio, besonders bey einem Stadtrathe. Die Rathsstelle, plur. die — n. r) Eine Stelle, welche einem RathS- Collcgio, und besonders einem Stadrrarhe, gehöret oder zuständig ist. 2 ) Diejenige Stelle, welche jemand in einem NathS- Collegio, und besonders iu dem Stadrrarhe, bekleidet. Die Stelle im Rache. DLe Rathsstübe,p1nr. die — n, diejenige Stube, worin sich ein Rachs-Collegium, inglcichen der Stablrarh, versammelt; das , Rachszimmer. Der Rathsstuhl, des—-es, plur. die—stichle, Stühle, welche für die Glieder eines Rachr - Colleaii, iugleichen des SradtracheS, bestimmt find; z. V. indem Kirchen. Der Rathstag, des — cs, zstur. die — e, derjenige Tag, an wcl, chem sich rin Raths»Collegium öffentlich versammelt, rve'cheS man auch zu Rache gehen nennet. So führen diesen Nahmen zu Rege,rSbmg diejenigen Tage in der Woche, an welchen sich die RLichSl6gSgcsandtkM öffentlich zu versammeln pflegen. Auch ei» Lag, an welchem hie Glieder des SradlratheS gewöhnlich auf dem Nachhause zußrmrven kommen. Die Rathsverfamml.unF, xlür. die — en, die Versammlung eincs9ll.ths-Cvllegii, oder eines Stadtrathes. Zngleichen die . auf solche Art versammelten RathSglicdcr selbst.' Der RaHsverwandte, des — n, stjur. die — ein Mitglied eines SkadwacheS, welches man an einigen Orten einen Raths- freund' zu neunen pflegt. In engetm Verstände führen nur die Glieder des äußern oder weitetn RathcS, so fern dazu an einigen Orten auchHündtuecker genommen werden, diese beydenNahmen, La denn die Glieder deS inner» oder enger» RatheS vozüglich Ralhsherrcn heißen. DieRathswage, xlur. die—n, eine dem Stadtrathc gehörige, dkffcu Eerichtbaekeit unterworfene öffentliche Wage; dis SradtwaZe. Die Rathswahl, x!ur. die — en, die feyerliche Wahl der neuen Mitglreder eures RathS- Collegii, und bestnderS des Srad'trathes. L as Raths/ttnrrrer, des — s, piur. ur nvlu.siuZ. wie Rachsstube, doch ruber anständiger« Sx-mech.art. Aufdenr Reichstage zu Rsgensburg führet-auch dasjenige Zimmer, iu welchem die fürstlichen Gesandte» öffentlich zu Rache gehen, d. i, vcrsam- ua.ln, Liefert Nahmen,'da es denn von der Ncbcnstude umerschie- den wird, worin sich die GesaUdm: insgeheim ohne Sceretarien Versammeln. DieRat'chir, pi.Or. dle —en, anslemsiFsänz. Nation nrrd Mittlern Lai. Kniin. i) Auf den Schiffen ist es das Maß und Gewicht an Speise, welches dem Schiffsvolke täglich'auSgctheilet wird, und welches bey den Ls^dtrrpxendrc porlroschrifft. s)Be^ den Laridtom'peu üingeKell führet nur das Maß an Futter, welches zum Bchnf der Pferde anSgetsi^lek wird, den Rahmen der Ranen; zum Unterschiede von der sl'vrnon. DtLRäts^chrrte,pNer. die—n,ei-; Nab-me, welcher imgemc'k- mu Ledru errtger GrZonreu den Kcmrim u wilden Äntbu bevAelc- - Her wird, wegen chrrr heiser» rllrscheüdcn Sriv:me. An andern Orten, z. B. um T m-rig, siechen mich die zahmen Anle» uru eben dieser Ursachen willen Ratschen, m:ö «»rwch andern -harschen.' Ratz 969 DieRätsche, xkur. die—n, im gemeinen Leben einiger Gegenden, ein Werkzeug zum Ratschen ; ein Werkzeug, welches ratschet. So wird die Schnarre, welche die Nacht-und Feldwächrer an ei.' nigcn Orten führen, die Rätsche, an andern aber mit verwandten Nahmen dieRaffel und Rattel genannt. In den katholischen Provinzen OberdeutschlandeS führet diejenige Klapper, womit in der Charwoche anstatt der Glocken zur Kirche gerufen wird, den Nab- Minder Ratsche, ungeachtet ihr der Nähme der Rlapper ,yjt mehrcrm Rechte gcbührete. ^ Bey dem PictoriuS heißt auch die Hanf- oder Flachsbreche die Ratsche. S. auch das vorige. Rä-kscheN/Verb. reZ. v e u tr. welches das'HülfSwort haben erfordert, aber nur im gemeinen Leben üblich ist, einen heisern, schnar- vrnden, widerwärtigen Ton von sich geben. So sagt man von den Anten,daß sie ratschen. In Österreich ratschet man auch, wenn wau im Reden schnarret. DeS Rätschens der Feld, und Nachtwächter in einigen Gegenden ist schon im vorigen Artikel gedacht worden. PictoriuS nennt auch das Klatschen plauderhafter Wer. her ein Rätschen. ES ist eine genaue Nachahmung deS Schalles, und mir Rasseln, Ratteln, dem Lat. rwucus und 6 raculu 5 , dem Mittlern Lat. 6rsci1i8 u. s. s. verwandt. L. Die Ratte, die — N, ein Nähme, welchen an einigen Orten derjenige Fisch führet, welcher unter dem Nahmen des Rochen am bekanntesten ist, S. dieses Wort. s. Die Ratte, plur. die— n, S. Ratze. Die Rattel, plwr. die—n. i)S.RatsHe. 2) S. Reitel. Ratteln, verb. rsx. wcl. et ueulr. tvclcheS in den gemeinen Sprecharten theilS für ratschen, theilS für rädern oder sieben, theils endlich auch für rerteln üblich ist, S. diese Wörter. DasRüttelscheit, des — es, p!ur. die — e, S.Reitel. Rattern, verb reZ. ueutr. mit dem Hülf^ivorte haben, welches nnr in den niedrigen Sprecharten üblich ist, und den heftigen, zitternden und erschütternden Schall nachahmet, welchen feste Körper zrtt^eiken aufeinander machen. Wenn ein beschlagener Wagen schnell über ein Steinpflaster dahin rollt, so sagt man, das' eS rattere. Eben so gebraucht man es von einem ähnlichen zitternden Schalle des Donners. ES ist das von der Natur selbst gebildete Jntensivum und Freqnentativum von ratten, raten, welches m so sielen Wörtern als ein Ausdruck eines gewissen Schalles zum Grunde liegt. Der Ratz, des—cs, plur. die—r, ein Rahme, welcher in den gemeinen Sprecharten verschiedcncnNagechieref: beygeleget wird. 1 ) Dem Murmelrhiere, welches in einigen Gegenden der Bergratz, Alpenratz genannt wird, und bcy einigen auch im weiblichen Geschlrchte die Ratze heißt. 2 ) Der Haselmaus, besonders der eßbaren Art derselben , «wlche im Oberdeutschen die LÜchmaus genannt wird, und bey den älter» Nönnwn^Lllis hieß. Von diesem Thiere, welches seines langen Winterschlafes wegen eben so be« künltt, als das Mnrmeühier, nrid daher bcy einigen auch der Siebenschläfer heißt, stammet unstreitig die im gemeinen Leben übliche A. A. her, wie ein Ratz schlafen, d. i. sehr »i; l und fest schlafen, daher man auch einen solchen Menschen einen Schlsfratz zu neunen pflegt, so wie dieNZmer Olire 1oQ»uojeotiorem uänn- ten. Inder Monfteischeu Gloffe wird 6Iis- durch Grjor irber- sctzr, welches auch dieses Ratz mit Vorgesetztem Gäurucularite ist. Zj DemZltiffe, welcher besonders in Meißen undObersachsen unter dem Nahmen des Ratzes bekannt ist. 4 ) Einer großen Art Hausmäuse, im Oberdeutschen', S. das folgende. . Die Ratze, pluN die — n, das vorige Wort, welches im Hoch- de^tschcn nnc im wriblichen Geschlechle üblich ist, - i eine große Art Mäuse zu b, zeichne«, welch e einen sehr langen Schwanz und auf den inner» Zehen oder Daumen d-r V coersuße einer: kleinen' Nagel habe:,,»eicherden Mausi u fehlet; NuL jwüUus O. Nach« dem Ratz Rau §6s' dem sie sich in den Häusern, sder im Wasser, oder auf dem Felde anfhalten, werden sie Zausraycn, Wasserratzcn und Zeldratzen genannt. Die BcutelratzS, di? graue Norwegische Ratz?, die waldratzc, die Buschratze, nnd andere mehr sin-d Arten davon. In weiterer Bedeutung pflegen einige auch wohl die Mäuse mit unter dem Nahmen der Ratzen zu begreifen. 2) Bey einigen Hochdeutschen Schriftstellern werden auch die in dem vorigen Artikel angeführten Nagelhiere Ratzen genannt. Dahin gehöret z. B. eine ArlWicsel, welchem Ägypten angemessen und die Ägyptische Ratze, ingleichen die Pharaons-Ratze, dreHharaons- Maus, das Spurwi'eselchcn genannt, und für den Jchnevmon der Alten sehalten wird; Icssvevmon Ivl U 8 ^ssarLOnis l^. Anni. Im Oberdeutschen auch in der Bedeutung der großem Art Mäuse im männlichen Geschlechte, der Ratz, in den gemeinen. Sprechartcn der Hochdeutschen die Ratte, im Niederdeutschen und Dänischen die Rotte, im Angels. Kast, im Holland, kkattä, im Schweb. Kalls, im Jtal. kallo, ini Franz, und Engl. Kal,,im Span.katon,imBretagiiischen Käs, im Mittlern Lat. kalus,. kalurus. Da alle Thiere, welche man Ratze und Ratzen zu nennen pflegt, wegen ihrer nagenden Eigenschaft bekannt sind, daher auch einige Schriftsteller des Naturreiches alle Nagelhiere unter dem allgemeinen Nahmen der Ratzen begreifen, so ist sehr wahr. scheinlich,daß sie davon auch ihrenNahmen haben, der alsdann mit dem Lat. rockere und rackere, mit demDeutschen ratten, rotten, Rieders, raden, mit Grütze, kratzen, schroten, u. s. f. Eines Geschachtes seyn würde, /?crt/r/ira bedeutet imHehräischei^urchboh. ren, und im Arabischen zermalmen , und in der erstnr Sprache ist eilt Kornwiirui. So fern auch der Jlüß rv atz heißt, so kann damit auch zunächst auf seine reißende Eigenschaft gesehen werden, welche ihn dem Fcderviehe so furchtbar macht. 2 . Die Ratze, plur. die —u, eilt vielleicht nur im Hcunebcrgi. scheu bekanntes Wort, wo es eine Art Kannen mit Handhaben bezeichnet, , ^ Das Ratzel, S.Rathsel. - Ratzen, 'vei b.reZ.LLt. et nentr. welches im letztern ^alle das- Hüllwort habcn^erfordcrt, und nur ben den Jägern üblich ist, wo es von demuamrlichen Geschreye des Hasen gebraucht wird, dessen Schall es zugleich uachahmet. Der sase ratzeti Linen tzaftN' ratzen, ihn durch Nachahmung seiner Stimme locken. Das Ratzen-Lonfect/ des — cs, plur. doch nur von mehrere Arten, in den Apo.heken,.vie - e, sine Art Ratzengis-cs , welches zwar den Ratzen und Mäusen tödtlich, aber andern Thicren und- den Menschen unschädlich ist. . ^ . . Die Rattenfalle, piur. di?—n, eineFalle,- drc ^-.atzen darin zu fangen , welche sich von einer Mäusefalle nur durch ihre mehrere Größe unterscheidet. L -r Ratzenfimtz-er, des —s,- plur. ul. nom. linZ.ein Mensch,, welcher ein Geschäft daraus macht, die Mäuse und Ratzen aus den Häusern wegzufangen, odsr sie doch durch gelegtes Gift zu vcrtrei- ^ den, und welcher auch ein Rammcrjager geilaurtt wird. T. W Ratzentzift, des —es, plur.-doch nur vonmehrern Arten, d,'? —^ ein Gift, so fern dasselbe, besonders zur Ausrottung der Nutzen und Mause gebraucht wird, und welches,wenn es gepulvert ist, Ratzcnpulver, Ratzenkraut genannt wird. In engerer Bedeutung pflegt man den Arsenik im gemeinen Leben nur schlechthin Ratz?,ng:ft zu neunen, Der Ratzenkönitz, des —es, plur. die—e, in der Naturgeschichte des grossen Hansens, ein Monstrum, welches ans mehrern ec.it d en.Schwänzen verwachsene!! vder doch verschlungenen Ratzen Lesichcn soll, welches an einem abgesonderten Orte von den andern Ratzen unterhalten wird'. Adrl.W.B.Z.TH. 2 .Auff. Das Ratzenkraut, des—es, plur.inus. (S. Ratzen gift.) Die letzte Hälfteist das alre Rraut, Pulver. Der Rätzsnkücheii, des — s, plur. ul nom. llnZ. kleine mit« Gift vermengte Kuchen, welche man den Ratzerr leget, sie dadurch zu vertreiben. Der Ratzenpfeffer', des—s, plur.inuf. im gemeinen Leben- ein Nähme des Speichelkrautes oder Bienensauges , Llacssvs l^lvatica l,, welches eine Art der Roßpoley ist, und einen übe!» widerwärtigen Geruch hat. Eswird auch Wäusepfcfferund-Läu- sekraut genannt. Das Rützsnpulver, des—s, plur. doch nur von mehrern Arten, ul vom. kivZ. gcpülvcrteS-Ratzengift, und in engerer Bedeutung auch im gemeinen Leben, gepulverter Arsenik, weil mau denselben gemeiniglich zur Vertreibung der Mäuse und Ratzen zu gebrauchen pflegt. Der Ratzenschwanz, des —es, xlur. die—schwänze. i.Ei-- geutlich, der Schwanz einer Ratze. 2.Figürlich. 1) Ein demsil-- ben ähnlicher Schwanz, ein langer, dünner Schwanz. So pflegt man denjenigen unvollkommenen Schweif an einem Pferde, der nicht die gehörige Menge Haare hat, einen Ratzcnschwan; oder Ratzenschweif zu nennen, da denn auch ein mit einem solchen Schweife begabtes Pferd selbst diesenNahmen zu bekommen pflegt. Auch eine Krankheit des Pftrdeschweifcs, da aus demselben eine' scharfeFcuchtigkeit hervor dringt,welche dieHaare ausfallen macht,, wird im gemeinen Leben der Ratzenschwan; genannt, Franz.- tzueue cke Kal, welchen Nahmen in weiterer Bedeutung auch.- wohl dir Grä'thc bekommt, welche in einem ähnlichen flachen Ge- schwüre an den Hinterfüßen bestehet. 2) Die Tuchfrisirer pflegen- diefchlerhaften Falten oder Runzeln, welche das Tuch zuweilen il»'- Frisircn bekommt, gleichfallsRatzenschwänzezu nenmn. Z) Jrm gemeinen Leben einiger Gegenden führet auch das Zrvcvblatt oder Vogelnest, Opbr )'8 k. den Nahmen des Ratzenschwanzes, vielleicht wegen der ähnlichen Zasern an der Zwiebel. Der Raul), des—es, plur. car. i. Eigentlich und zunächst, eins' fchnelleGeschwindigkeit; eineBedenLnug, welche nur noch in der im gemeinen Leben auf den Raub üblichen R. A. gangbar ist, d. i. iir- allevEile, in aller Geschwindigkeit. Etwas nur auf den Raubt thun, sehr eilfertig. Aufden Raub essen, eilfertig. Ich komme-' nur auf den Raub zu rhnen, eilfertig und ans sehr kurze Zeit.. Aiif den Raub bauen, im Bergbaue, sehr eilfertig , und folglich.' leicht und obenhin bauen, welches man auch räuberisch baueiv nennet. 2. In figürlicher und engererBedeutung druckt es so wohl- die Handlung aus, da man eine Sache in der Geschwindigkeit und- folglich mit Gewalt an sich reißet , als auch die auf solche A« am sich gebissene Sache. 1) Von der Handlung und als ein Abstraktum; wo es nur noch zuweilen von der gewaltsamen Bemächtiguugc des Eiaeuthumes anderer gebraucht wird, ohne die Rechtmäss-gR-iL- zu bestimmen, da es denn auch in solchen Fällen gebraucht wird, wo' diese Bemächtigung für rechtmäßig gehalten wird. Ihr habt mit- meinen Banden Mttleiden gehabt und denRanb errrer Gutem-- mit Freuden erduldet, Ebr. 10, 34. 7 m den Raub geben, Esr». 9, 7. 3 Esr. 8, 78 ; für welche veraltete R. A. man jetzt, doch» nur im gemeinen Leben, sagt, in die Rapuse geben. Besonders- gehören hierher die Fälle, wo man von Fleisch fressenden Thiere,;: sagt-, daßsie vom Raube leben, weil dieses die ihnen von der Na-- tnr bestimmte Nahrung ist, so daß mit diesem Worte bloß auf die' schnelle und gewaltsame Bemächtigung gesehen wird. Ein zum? Raube gerüsteter oder geschickter Löwe, rüder Wapcnknnst, ein: Löwe mit-anfgehabenem Vorderleibe und aus dem Rachen geschla^- gence Zunge. Und so müssen auch die Zusammensetzungen Raub-- fisch, Raubthier, Raubvogel' u s.f.orflärcr werden.'- 2) Bonder ans solche Art an sich ge r i ssenr n'Ssche, al S. c i uCo mr etum, doch? Rau 96 z .ohne Plurak. So wird e- in der Dentsch-n Bib.-l noch ft h r afk für Brüte gwiaucht, so rcchtrnäßig dieser Raub auch nach de« Gesetzen des Krieges, besonders nach de» ebemahligen, ist. Das Vieh uns den Raub der Stadt rkeilete Israel aus unrer sich, Zor 8, 2 8, vre! Raubes wegfiibren , 2 Sam. 12, 20 -, und so in vielen andern Grollen mehr. Um des'sich gemeiniglich rmt ein- rnischenden harte,! Neben begriffes der folqeüdcnBcdi'ütnng K'ill.n gebraucht man es in diesem Verstände der Beure nicht leicht mehr, 6>ußer iveun man zugleich die Unrechtmäßigkeit derselben andeitten will. Wohl aber gebraucht man es noch zuweilen staurlich von einer jeden mit Gewalt an sich gerissenen Sache. Ein Raub des Todes sepn oder werden. Unsterblich, doch des Todes Raub, ' Sind wir halb Engel und halb Staub, Cron. K:'n Raub der Sunde werden, sich den -Lastern zum Raube geben, sich von ihnen ohne Widerstand beherrschen lassen. Er ward ein Raub der äußersten Unruhe, die äußerste Unruhe .brmächcigre sich seiner. Besonders auch von solchen Tbiereil, deren sich andere Thiere als der ihnen von derNa.'ur angewiesencnNah- rung bemächtigen. AufdenRaub lauern. Der Löwe brüllet nach Raub. Den Raub fressen. Z. Im engsten Verstünde bezeichnet es das Verbrechen, da man sich des' Eigeuthumcs eines andern öffentlich und mit widerrechtlicher Gewalt bemächtiget, und die Sache, deren man sich auf solche Art bemächtiget. r) Von dem Verbrechen, als ein Abstractum. Aus den Raubausgehen. Euren'Raub begehen. Sich einfs Raubes schuldig machen, von dem Raube leben. Der Rix- chenraub, Straßenraub, Menschenraub, viehraub u. s. f. ħs -Öffentliche und Gewallsame, welches mit dem Raube verbunden ist, unterscheidet denselben hinlänglich von einen! Diebstahle. 2) Die ans solche Art geraubte Sache, als eiuCoucce- tum; aber gleichfalls ohne Plural. Den Raubermden 9aub^ wieder abjagen. Den Raub rheiien. Eine Sache als einen Raub dahin nehmen. Anm- Bey denDttsried alseiuEoncretum Oirouki,beydem Notker Geroube, Koukl, im Niederst Roof, im Angels, Keoi', keok, imEngl. koviu, koffi us, im Lat. kojlino, im Pohln. Anbisr, Key den Kraiuerische.l Wenden Es gehöret mit rauben zu raffen, ropere,mid bedeutet zunächst dre eilfertige und gewaltthäckge an stch Raffung eines Dinges, und da dieses wwder- »m eine Nachahmung des Schalles schnell stch bewegender Dinge ist, wohin auch das N-ieders. reppeu, schnell forcgehen, unser reiben u. a. m. gehören, iS. Rapp,) so erhellet daraus, wie dieses Wort inder ersten Bedeutung auch von der Geschwindigkeit gebraucht werden könne. (S. Nappuse und Rauben.) Das im Hochdeutschen veraltete Rob, ein Kleid, in den alten Baicrischen Gesetzen Koupo, im Angels. Reost, im Franz, kobo, im Jtal. Kooo, im mittler»Lat..koupa,und selbst »mArab. kok koa, ein weiches, seidenes Kie.d, gehöret nicht hierher, sondcru zu einem andern Stamme, wenigstens zu einer andren Hauptbedeutung des ersten ursprünglichen Scammwobtes, welche der Begriff der Bedeckung ist. Jur Niederst ist Roos die Boqen- decke über dem Hüitectheile eines großen Schiffes, und imAugels. Istroff im Engl. Roos, und im Holland, koek, ein Dach. DerRaubälünt, oder Rcmöalet,ein Fisch, S. t der Rappe. DieRau-bbegrerÄe, p!wr. in ul. die Begierde zu rauben, d. i. sich des Eigeuthumes anderer aufeiue gewaltsame und widerrechtliche Art zu bemhichtigeu ; lu noch HLrterm Verstände, die Raub- begier. S. Raub z. Aaubbegrerig, —er, —ste- Olij. et ast v. Raubbegierde habend und darin gegründet im gehässigsten Verstände, rarrbgie! .g. Rau 964 Die Raltboiene, p.!ur. ^,'e—N, Bienen, welche, anstatt ihr Honig von oen G-uvächstu riuzurraeeu, dasselbe uut Gewalt aus andern Bienenstöcken rauben; Zeerbienen. Rauben, verd. reZ. Ol'-!. niitEilserligkcü und Gewalt an sich re-ßenund ziehen. r. Im weitesten Vc-rstande. >) Eigentlich, Ivo es nur noch von den so üenaiuilen Aaiibthicren üblich ist, wenn sie sich andererzu ihr. r Nahrung bestimmtcrThiere mit Geschwindigkeit und Gewalt bemächtigen ; in welchem Verstände es besonders bep den Jäg-u u ilblich ist. Der Adler, der Falke, der Fuchs u. s. f. rauben, wenn sie andere Tbicre zu ihrer Nahrung langen. 2) Figürlich, a) Entziehen überhaupt, so daß die Begriffe so wohl der Geschwindigkeit als auch dcrGewalt größtenTheils verschwinden. Einem das Herz rauben, dessen Gunst auf eine imwider- stehuche Art an sich ziehen. Laß diesen Gedanken nie deine Ruhe rauben. Wenn Schneegestöber dw ganze Aussicht rauben, Geßu. Wie viel Anmuth des Lebens rauben sich diejenigen, die sich aus Eigensinn;» einem ehelosen Stande verdammen ! Gell. Gott seme Ehre rauben, b) Die Bergleute sagen von gewissen schädlichen Vergärten, daß sie rauben, wen» sie die i-dleru Metalle im Schmelzen verzehren, d. r. mit sich in die Lust nehmen. (S. Räuberisch.) 2. I» der engsten und härtesten Bedeutung ist rauben ein fremdes Gut mit öffentlicher Gewalt nehmen und stch zucignen. Auf den Landstraßen, auf öffentlicher See rauben. Geraubtes Gur. Den Schatz aus der Rirche rauben. Menschen rauben, Vieh rauben. Daher dasRauben. Anm. Bey dem Ulphilas rauboa, bey dem -Ottfried und Notker roubon, im Niederst rofen, im Angelst reafull, im Engl, bo rob und to rsove, im Franz, roher in ckerober, und ro- vir, im Jtal. robbare, im Schwed.. öikvo, im Island, rika, bey den KrainerijchenWeiidcn rop, im Pohln.ro iiorvac.imLat. ehedem ri vors, wie aus jori vore erhellet,ingleicheu rohere, im Griech. n.it versetztem r, ay-ira^sti', und selbst im Arab. roks», und im Persischen rubuckell. (S. Raub und Raffen.) Ehedem wurde es auch für berauben gebraucht. 8i roubet micti cier 8iuue mio, Ditmar von Ast. Der Räuber, des—s, plur. ut nom. liuZ. Fämin. die Rau- berinn, eine Person, welche raubet, in allen Bedeutungen des -. Hauptwortes. Der Räuber deiner Rtche. Inder zweyten weitern Bedeutung ist der Räuber an einem Lichte, den man auch woh.l einen Dieb zu nennen pflegt, ein Stück herab Hangenden Dochtes, welches den L ckq an dem Lichte schmelzt und herab rinnen macht. Auch ein überflüssiges und unnützes Reis an den Bäume:!, welches an dem Stamme und den Ästen ausschlägt, und de» nüölicherl! Ästen den Saft entziehet, wird häustz ein Räuber genannt. Er liest den Räuber weg, der bep der Wurzel sitzt, Günth. Im engsten und härtesten Verstände ist der Räuber eine Pusson, welche d.cm andern sein Eigenkhum mit öffentlicher Gewalt entziehet und stch zueignet. Ein Seeräuber, Birchenrauber,Straßenraub er u.s. f. Anni. Bey dein Notker Kondor, im Niederst Röver, im Angelst keoi'ore, im Schwed, kostvor^, im Perst Kilo». Das Fälpin. die Rauber! n wird besonders gebraucht wenn die Bezeichnung des Geschlechtes unentbehrlich ist. Außer diesem Falle sogt mau der Räuber gemeinig-ich von bryden Geschlechtern- Die Rau-berey, plur. die— en, eine raub-rische Handlung, ei« Verbrechen, welches in einem Rauhe besteh! t, in.der engsten und härtesten Bedeutung der Wörter Raub und Rauben; am böu- sigsten im gemeinen Leben, und in, Plural, uw das Wort Raub nicht gebraucht werden kann Räubcpepen begehen. Wehe der mörderischen Stadt, Hw voll Räubcrcy.st! NtihumZ,». W» es, y6Z Na u Nau 9615 .. wie i'.: andernFLllen, doch chne-Klnras, auch v on derFertigkeit ' ».no Gewohnheit zu rauben gcbrau!u nurd. Da d-eses ^orr zunächst von Rauber obsiammet, so i^ Rinberey ncht'gtr, ^.-gl ich manche MuuLarlcn ohneBegenkc R-nibereg,ag u. ^>0 auch S -eräuberc? , Gtraßenväuberey "- s- f- ^ . Rauh crs^Mclj. etnä . .) Eumm Rauber u, dem Harth eu Becstaudc gemäß, einemRaube ähnlich und m demselben g-örnn- dot ein Wort, welches nur noch daun und wann ungemeinen Lcb'en vorkommt. Eine räuberische ä mdlung. Raubenlchs ?z,'and «"er, Es. 6 1 , 8, d. i. welche an- einem Raube bestcheu, ist ungewöhnlich. 2 ) Ra-ber-schc Vergärten, im Bergbaue, solche, welche im Schmelzen die guten Erze rauben, d. u ge verehren, mit sich in di Luft fuhren, dergleichen d:e Blemcn, Ko- baltcu.s.f. sind. Z) Räuberrsch bauen, auch nur-m Ber-baue, eilfertig-, leicht und obenhin bauen, von Raub , Ells-rtigkert, auf d>>ki Raub baueil. s . . Der Räuhfrsch, des —es, xlur. di? —e, ein Fisch, welcher am crs Fische zu seiner Nahrung gebraucht; zum Unterschiede vou den Weide- oder Zutterfischen und Schlammfischen.S. Raue. Sdil RaubMese, plur. die—n, eine Art Fliegen, mu eurem ^ geraden hornigen Rüssel, welche sich gemeiniglich,n der Erde auf- häil, und sich von Fliegen und ander nJasecien nähret; R situ sD. Das Rarrhnebäude, des—s, plue. ub nom. sinZ. rm - rg- ^ bau-, ein Berggebände, welches nicht mit nöthrger Schonung ge- bam't wird, s-nder» wo mau nur so viel Erz, als Möglich,-hn- Rncksicht auf die Nachkommen zu gewrnnen sucht. DusRMlbgefiügel,deö—s, ffur. rnusi oder d,e R n-bgess!-- ael sine lnulkeinCollbccivum, allcRaubvogel, odervonau- dern Vögeln rurd Thieren lebende Vogc! zu bezeichnen. S. R nw. DLeRauvwinr, ^lur. nur. eine heftige Begierde, zu rmmem d. r. fremdes Eigeirthum mit Gewalt an sich zu reißen um. sich zuzustg- R«bsi?rlgi--^—»-, »äj. «t «N. R-ubgl-r besitz-«». in LUrrÄimMt. plur. ---. di-M Z-r,!»k-i! g-w°rd-n- Di^Äaubhöhle. pW-' die-N, eine Hshle, s-f-rnsi- z»r D-r- bergung des R.mbeS dienet; die Räuberhöhle, so fern sie Räubern zum Aufenthalte dienet. «-.v» DerR-'uhkäser, des—s, plur. ud vom. sin^. crne Art Kaser mitzwryBläschenaufdcmSchwänze und großen starken -F.-ß- zaugc,>, welche einen Weingcruch haben, von sehr verschneerrer Größe sind, und sich von Inserten nähren ; dbaxluluius D. S. De^Räubkobalt, des — cs , ptur. doch nur von Mehrern Arten, die—e, S. Robaltnapf. Die Rarchkrähe, vlur. die —n, eine nr M ußen ubllchc Bci.en- nung einer ganz schwarzen Art Krähen mit völlig schwarzen- LasRMbne-, d-----, ?wr. Dm, m. das ssaub- ,,.«ch-n. -in M», d. i. st,'-- Austn,b°>, d-rRnnb--, lichcnVersiande; dergleichen ehedem so viele Schlosser mDcmsch- land waren. S. Raubschloß. - < Der Raubpfchl, des—es, ftiu-. die -pfähle, cm .nähme, welchen derGrundpfahl ben denjestigen ^chchmmn'ru f'u'-rt.n - - che mit ihrer Schiffmühle ans dem Flusse auf und meser eur rn ; vermuchlich von Raub ,, weil er mir auf dcmRau?, d. l. m E,l- und aufkurze Zeit, ciugrschlagcn wird. ^ Das Raubschiff, des — es, piur. die — e, das Scu-ff - re- ränbcrs, ein Schiff, welches zum Seeraube gebraucht wird, l him Mrs Recht und Bcfuguiß auf der See raubet, von emrm Aapor »och verschieden ist, und such ein Scesch äurHer geuanm w ir . Das Räubkchlöß, des—sses, t^ur. d-e—ichrosser. cw Schloff welches zur Berandung der Srraßeu undNachoarn geimporaucht wird dech-u Besiöer sicv des Raubes im härresten Verstände schuldig machen; von welcher Arr viele adelige Schlösser M den Mittlern Zcil.n waren.- . , Der Raubschutt, des- — en, plur. die — en, ein Schatz, >ve - chcr fremdes W-ldbret ohne Vcfugniß schießt; ein wst-dieb. Dag Raubsearl, des-s, plur. ut uom sili?. ans ocn Elb- schiffen, dasjenige Segel, welches Pier vor dem Mastbaum-auf- erzogen wird; z-iM Unterschiede von dem Schwengsegel. Dauert die Raubstange, woran cs befestiget wird. . - Der Raubstollen, des-s. plur.ut r.oru. sin A. im ^rgMue, ein Stollen, welcher darauf übzjelet, auccru ohne ^-efugniss e.r. Anbrüche zu eirtziehen. ^ , Die Ra'ubsucht, plur. cLr. eine anhaltende, z,.r Sucht gewordene Raubgier. . ^ . Ein Lome, dessen Grimm und Raubchchr nrchts verschont?, - Haged. ?r^ch^bier des —-es, plur. die — e,ein Thier, welche^ Ä-- r!- s-i-'-r °»» d-- m-,u- ihm bestimm,-N Nchrmig g-b-auch«, -LFl-isch Ui.-; i» d-r w-.t°ru L-d°mm,z des Wortes rauben, init schneller Gewalt saugen. S. Rand. DerRaubvouel.des — s, plur. die—Vogel, em solcher Vo. qel, ein Individuum des Raubgeflüsels ; zum Unterschleoe von denWaidvöIeln,w.!sscrvogeln,Gumpfvosc!n, fiuhnern, und Gesanavogeln. Die Gtoßvogel sind enne Art derselben Rcrucb -er —efte,- u6i. et aäv. nnt Wolle, Federn oderHaa- ' ren bewachsen, im G-8. nfftzc des glatt. Ein raucher Barr.- Ein raucher Muff ein raucher Pelz. Esau war ganz rauch, wie ein Fell, - Mos. 2 z, 25. Seine sände waren rauch w.e Esaus sande,2/, 25. Das Rauche heraus rchren, fignr. lich, Ernst gebrauchen,Ernst zeigen; eine vermuthlch vor: der eh..- nwhligen äl-esten Art, sich in Felle zu kleiden, herae-wmmene Figur; wenn es hier nicht vielmehr das Wort rauh ist. "^uche^ Lutter, in der Laudwirthschaft, besser rauhes, (S. Rauh). -Zur Forsiweseu pflegt mau auch figürlich alles stehende, uut ftunm Laube und Blättern noch versehene Holz , vauches sllz ooer Rauchhol; zn nennen. 1 . Anm. Bey dem Willeram rolcli, bep dem Kero ruk, roy dem Ulphllas risi, im Angels, rill und ruft, rm Nun crs. und Dän. rüg- Im Wallis, ist daher Rsiwz dw Wolle, u,-0 im Island, i^uu das Haupthaar. Rauh und rauch sind ßrey-.-ch ein und eben dasselbe Wort, und nur in der stärker» oder gelm.c eru Anssprache des Hauches verschieden; indessen unterscheidet man sie im Hochdeutschen doch sehr genau, und gebraucht rauh im ae.ge- mcinen Verstände, rauch aber nur von dem,was haarrg ocer wollig jft.In den Mundarten werden hingegen beyhe sehr häufig verwoey- seft.DicBaicrn sprechen für rauh beständig rauch,und eliuge Nie- d-rstchstsch-G-g-nd-»-„»g. And-r° Ld-rd-utsch° h-b-n «».«KI» '«s r°,.h , »»d !mSs°-br«ck,sch-n u«d Niederdeutschen Gegenden gebraucht man nrw so wohl sur rauch als auch für rauh. S. auch Rauh. Der Rauch, des-es, plur. iuusi die vierte figurnche Bedeutung ausgenommen, in welcher er Raueye lautet; der troun Dampf, welcher vvn brenuendc>tKörpern,khiie entzündet zinver- den, in die Höbe steigt, und gemeiniglich aus den durch das Feuer los gerissenen wässerigen und schwefeftgenThellen besteht. >. -!- genrlich. E-fien Rauch geben, von sich geben. Es gehet ein Rauch guf, der Rauch steigt in die 6eh?-^ Fleisch m den Rauch Hannen. Zu Rauch werden. Im Raueye ausgchen,, verbrcr-kicu. besonders ovuGebäud. n und andern großen Massen.- Nach Ranch schmecken, räucherig z, im Dverd. parnh.",-e". Ppp 2. tzvpr.ch^ 967 R a u Sprich'.v. Wer das Jener genießen will, muß auch den Ranch -vertragen können. Aus den, Rauche in das Jener kommen. Bein Rauch ist ohne Jener, kein Jener ohne Rauch. Ein kleiner Rauch beißt nicht. 2. Figürlich, r) * Ein wohlriechender Rauch ; eine nur im Dberderuschen übliche Bedeutung. Einen Rauch machen,-räuchern. 2) *Waseineu wohlriechenden Rauch im Verbrennen gibt, Nanchwerk; ein gleichfalls nur .Oberdeutscher Gebrauch. Doch gebraucht man es in diesem Verstände auch in -en ZusainmenseSuttgen Flußranch und Weihrauch. 3) Was sich von dem Rauche in der Feucrmaurr und in demRanchfange ansetzet, Ruß; nur in deii Zusamnleilfetzungett Züttenrauch und Zechenrauch. 4) Eine Feuerstätte, -ein Wohnhaus ; sinne nur in einigen Gegenden übliche Bedeutung, in welcher auch drr Plural Rauche üblich ist. Seinen eigenen Rauch haben, sein eigenes Wohnhaus'. Rauch und Brot haben, ein eigenes Haus und Nahrung. In engerer Bedeutung ist Rauch in einigen Gegenden der Rauchfailg, die Feuermauer. So werden in der Lausitz die Abgaben nach Rauchen, d. i. nach den Fenermauern, bestimmet. EmEdelmann bezahlt vier Rauche, ein Anspanner zrvep, und ein Kochsasse Einen. Ein Rauch Land hält iu der Herrschaft Mns- kau r 8 Scheffel Korn Aussaat. Zur Sradt Muskali gehören 52^. Rauche Land. In welchen beyden Fällen es auch ein bestimmtes Feldmaß zu ftyn scheinet. Anm. Bey dem Willeram und Notker l^ucli, im Niederst Rook, im Fries. Reek, im Dan. Rog, im Angels. Kec, im Engl. kleeir, im Island. Re/lc. Es scheinet, daß die langsame, wallende Bewegung des Rauches zu dessen BenennungAulaß gegeben, wenn nicht vielmehr die Reitzung der Gcruchsnerven der Gruild der Benennung ist, da es denn zunächst zu rauh, rauch, scharf, gehören würde. Allein, da die der Sache nach verwandten Jaum, Lat. V'umus, Dampf, Schmauch, Dunst insgesammt von der Bewe- §ung hergenommen sind, fo scheinet die erste Ableitung denVvrzug zu verdienen, zumahl da Surren vorhanden find, daß Rauch ehedem einen jeden auch noch fo fernen Äirnst bedeutet hat. (Siche Rauchen, verrauchen und Geruch.) Wenigstens bedeutet r-riccriL in allen morgenländifchea Sprachen, einen flüchtigen Körper verdünnen. Am Ende kommt es auch mit diesem Worte auf eine Nachahmung des mit einer solchen Bewegung verbundenen Lautes hinaus, da denn Rauch, rauch, reichen, recken, kriechen n. a. m. Verwandle sind. Zu dem letzten Worte kann auch die letzte Hälfte dcsNahmens Erdrauch gerechnet werden, ein niedriges, kriechendes Gewächs zu bezeichnen. Wenn in einigen Gegenden die Krähe Rauch, Rak, Racke m, f.f. heißt, so ist dieß eine Nachahmung ihres' Geschreyes. (S. Zaferricke und Racker.) Übrigens, sind Rauch und Riechen sehr nahe verwandtj S. dasletztere. Der Raücherrtär, des —es, plur. die—altäre, ein Aliar, darauf zu räuchern, oder Rauchwerk darauf airzuzünden, besonders in dem Gottesdienste der ehemahligen Juden. Der Rauchspfel, des—s, plur. die—ä'pfel, ein Nähme, welchen an einrgenDrwn der Stechapfel oder die Scachelnnß. Ondu- x-L I., führet; ohne Zweifel, wegen der rauhen oder rauchen, d. i. mit Stacheln besetzten, Samen - Kapseln. Das Rauchbaö, des — es, plur. die—bäder, ben den Ärzten, eine uneigentliche Art eines Bades, da man den Rauch von rerbrannten Heilmitteln an einen Theil des Leibes gehen läßt. Die Rcruchcheere, oder Rcruhvöere, plur. die— n, eine Art rancher Stachelbeeren, deren äußere Fläche mit kleinen steifen - Haaren »der Borsten besetzt ist, zum tt-nerschiede von den glat. Len Stachelbeeren im engsten Verstände; kides Zroilulnria kv. Die RerüchLuche, plu.--. die — ,,, besser die Raühbuche, in .KuigLu Gegenden, cur Nähme, drr Hagebuche/ ober wenigstens der- Ran 963 fettigen zufällig-en Abänderung,welche eine rauhe Rinde hat. Siehe Hagebuche. 1. Rauchen, verb.rs§. ncl. von dem Bey - und Nebenworle rauch rauch machen. S. Rauhen. 2. Rauchen, verto. reg. von dem Hauptworte Rauch ; welches m doppelter Gestalt üblich ist. 1. Als ein Zentrum, mit dem Hülfsworte haben. -) In Ge, statt erlies Dunstes aufwärts steigen; eine nur noch in dem zusammen gesetzten verrauchen übliche Bedeutung. (Siehe dasselbe, jnglcichen Riechen und Geruch.) 2) In engerer Bedeutung, einen warmen Dunst pon sich geben; doch nur noch in einigen Fällen. So sagt man, warme Speisen rauchen, wenn sie einen Dampf auf- sielgen lassen. Irisches Brot raucht, wenn es angeschinucu wird. Dahin gehöret auch die im gemeinen Leben übliche R. A. lernen, studieren, arbeiten u. s. f. daß der Ropf raucht, d. i. daß der Schweiß iu Gestalt eines Dunstes in die Höhe steigt. Es lernte üost-ohn Unterlaß, Daß ihm der Ropf fast rauchte, Haged. In einem andern Verstände sagt man in Niedersachsen, seht, wie ihm der Ropf raucht, d. r.-er macht Wind, redet Unwahr-Hrnem Z) In noch engerer und geivöhttlichererBedeutirng, Rauch von sich geben. Brennendes sol; raucht. Die Jeuermauer raucht. Die L»chkputze raucht. Ein rauchender Brand. Der gan>e Berg Sinai rauchte. Jnzleicheu unpersönlich, es raucht, es ist Rauch vorhanden. Es raucht in der Stube. In der engsten Bedeutung bedeutet rauchen, dcnRauchan einen nnbeguemenDrt gcyeu lassen. So raucht der Vfcn , ^enn er den Rauch in die Stnbe-gehen läßr. Mine Rüche raucht, wenn sich der Rauch in Lwr Küche verbreitet. Da raucht es im Zause, bedeutet im gemeinen Leben figürlich, der Manu hat eine böse Frau. Die Geschichte, weiche zu dieser Figur Anlaß gegeben haben soll, erzählt Stosch in den kleinen Betragen, Th. Z, S. 1.8. 2. Als ein Aerivum. >) In Dunst oder zarte Dämpfe verwandeln ; eine nur noch in dem zusammen gesetzten abrauchen übliche Bedeutung. 2) In engerer Bedeutung, den Rauch von einem brennendenKörper in den Mund ziehen und wieder von fich blasen. Tobak rauchen. Rnaster, Suizent n. s. f. rauchen. Eme Pfeife rauchen. In ansranchen und berauchen rst es gleichfalls irr thätiger Gestalt üblich. S diese Wörter. Daher das Rauchen, anstatt des ungewöhnlichen Rauchung. Änm. Bey dem Notker rouclieu, im Niederst roken, im Friesischen recken, im Angelst rsLLp, im Engl. tc> rsek, im Schweb, r/trs, im Island, riulcn, im Lettischen rukrnU. Ehedem bedeutete es auch räuchern, wofür noch im Taiian rioüliLn stehet, und welche Bedeutung noch in ansranchen und berauchen übrig ist. S. der Ranch Anm. und Riechen. Dev Raucher, des —s, plur. ul NOM. llnA. der da raucht, in der zwenten thärrgen Bedeutung des Zeitwortes; ein nur in dem zusammen gesetzten Tobaksraucher übliches Wobt, ein Mensch, welcher . gewisser Zeit im Jahre entricht! n müssen.Die Wortsorschor so wohl als sie Rechis- lehrerhaben sich nill der buchstädi chen Bttt litu gdiesesW ries viel zu schaffen gemacht, und einst c ihrer Ableitungen sind lächerlich Heimg um hier übergangen zu worden. Ich will daher nur die zwey wahrscheinlichsten ansübrcn. ,) Einige leiten dieses Wort von dem Hauptworte Rauch ab, so fern dasselbe in vielen Gegen- dennoch einen Rauchfang, oder eine Fenermancr, und in weiterer Bedeutung eine Feuerstätte bedeutet, (Ä. -er Rauch 2 4).Und diesen kommt das znStatten, daß dieRauchhustner wirklich in vielen Gegenden von den Feuerstätten gegeben werden, ja wohl überall ein Zins stnd, der allein auf der Feuerstätte, d. i. auf dem Wohn- Hanse, haftet. So muß zu Oberstadt im Heuncbergischeu jedes Haus dem Pfarrer jährlich ein Rauchduhn zinsen, und zu dieser Abgabe ist auch derjenige verpflichtet, welcher ein neues Haus auf einer vorher wüsten Stelle bauet, indem ervon derZeit an, da der erste Rauch von seinem Herde in die Höhe steiget, das Ranch» Huhn geben muß. Und in so fern scheinet dasHanpttvort Rauch, für Feuerstätte, hier allerdings zum Grunde zu liegen ; zumahl da es auch in einer Urkunde von 1360 ju Gerckens Diplomat. Th. 1, S. ZZ 8 durch Julius Uomekieus übersetzt wird. 2) Andere leiten es von rauch , befiedert, ab, und behaupten, daß es eigentlich ein lebendiges, noch ungeschlachtetes und nngerupftes Hlihn bedeute, und einem geschlachteten entgegen gesetzt werde. Auch dieftAbleitnng har ihi eWahrscheinlichkeit-indem LieRemch- hiibnerrvirklich in lebendigen Hühnern bestehen, und daher auch in den Lateinischen Urkunden der Mittlern Zeiten Oalliuae sstlu- molae, ^iuweae, oder iv plumis, zum Unterschiede von den t-L Ü rLls nuäischcißen.Aufden letzrenBewcis darf man indessen nicht zu viel banen, indem er eigentlich nur die etymologischen Kenntnisse des Concipienten derUrkunde beweiset, weil man eben so viele Bepspielc anfübrcn kann, da diese Hühner Galliuae juwostae genannt werden. Es ist indessen möglich , daß nach Maßgebung der verschiedenen Gegenden undUmstände,wclcheda- dep in Betrachtung gezogen werden müssen, beyde Ableitungen Statt finden könnet!. Niederst Rookhohn und verderbt Rokum, (S.auch Rauchpfcmug.) Übrigens werden diese Zinshühner nach Beschaffenheit der Zeie, zu welcher sic entrichtet werden müssen, «uch Zerbsihuhner, Pfingffhühner, Sommerhrihner und 5 aft- nachtshühncrgenannt. Sofern sie zur Erkenntniß des Oberei» geiuhumsrcchtcs gegeben werden, heißen stean einigenOrteu anch ^aupthuhner und -Leibhuhner, und verderbt -Laubcrhrihner. Rauch-itz, —cr,—ste, a 6 j. et aäv. unangenehmen , widerwärtigen Rauch enthaltend. Eine rauchige Ruche, in welcher es raucht. Zngleichen für räucherig. Ein rauchiges Zimmer. Die Rauchkammer, S. Räucherkammer. Die Rauchkerze, S. Räucherkerze und Rauchfaß. Der Rauchknecht, des—cs, plur. die —e, S. Rauchmeister. Die Rauchkohle, plur. die— n, unausgcbrannte Kohlen, welche noch rauchen; Bränder. Der Rauchkopf, des — cs, plur. die—köpfe. -) Im gemeinen Leben, von dem Bey - und Ncbenwortc rauch, eine runde hölzerne, mit Borsten besetzte Kugel an einem langen Stiele, Len Staub und die Spinneweben damit von denWänden abzuneh- rnen, ein Borstwrsch in Gestalt einer Kugel. 2) Eine ArtKönigs- fischcr mit einem großen rauchen Kopfe und kurzen Schwänze; rllorivv, jssurum yuairolum ni^rum I». Astertopas, Franztopas. *DerRauchtopf, des — es, plur. die-—töpfe, ein ungewöhnliches Wort, eine Rauchpfanne zu bezeichnen, welches nur Jer. 52, 19 vorkommt. i. Das Rauchwerk, des — es, silur. doch imrstvon mehrern Arteu, die—e, vo n dem Bey- und Nebenworte rauch , ein Eol- lrciivntn. 1) Boy den Jägern werden L,e vierfüßigen mit Haaren bewachsenen Aat.blhiere mit einer allaemeittcttBcncruittnaRaiich- werk genannt. Es gibt in diesem Reviere vieles Rauchweek. s-) Mit Haaren perseheue und gar gowschte Felle;,pelzwerk. 97S Rnrr u Ein ME von Rauch ^erk. Ein Rleid mit Rauchwer? futtern. Niederst Rugwark. Z) S.auch Rauchwerken. 2 . Das Raucywerr, des—es, plur. doch nur von mc.'rern Nxtl-N, —e, von den; Z^vorte rauchen, für räuchern, Dinge, welche einen ivohlriecyeuden Rauch geben-, Ränchwerk, sv fern für rauchen auch räuchern üblich war, S. Rauchfaß^ m einige» Gegenden auch Raucherwerk. Gpezerey zum Rauch- werk, 4 Mos-4, ^6. *R.ruchwerke>l, verb. ress, act.welches nur im Forstwesen eml- gcr G-gendcn üblich ist. Einen gefällten Baumrauchwerken, d i. alle Zweige und Äste von demselben abschlagen lallen.^ Eln aerauchwerkre'r Stamm, der seiner Zweige und Aste beraubt worden. Es scheinet, daß daselbst auch Rauchwerk von eben diesen, aus abgehauenen Zweigen und Asten bestehenden Abfalle Arblich sey. Es stammet von dem Beyworte rauch ab, so fern .a;- selbc auch mit Laub und Zweigen versehen bedeutet, S. Rauch, aclj. » undRauchholz. - -» r DLeRanchwurz, plur. car. in einigen Gegenden, em Nähme der Braunwurz, S.dasselbe. DerRcruchzshent?, des —m plur. die — n, auf dem Lande einiger Gegenden, der in rauchen,, d.behaartem, ^nrhe bestehende Zehente, der Zehente von oiecfüßiZen Thieren. V. Rauh- Dft Rande, plur. die—n, die rauhe Haut, besonders über einer rittruden oder nässenden Wunde; die harte rauheRuide ans einer solchen Wunde; im gemeinen Leben auch der Schöpft «s-wurf. Dw Wunde bekommt eine Rande. Inden gemeinen Gprecyar- ten mit verändertem Ableirungslante, der Ruf im stuederf. Roof, Rave, Robe, im Holland. Kuppe. Es druckt die rauche Beschaffenheit der Haut ans, und ist so wohl mir diesem Worte, als auch mit-Rinde, RossRruste, Grind u. s. 5 genau verwandt, welche insgesammt nur im Eudlartte verschieden sine. S. das folgende. Die Räude, plur. doch nur von mehrern Arten, die—n, eure Krankheit der Haut, da ste vou den scharfen darunter veroorgenen Feuchrigkeiteu durchfreffen und rauch wird,und auf den duechsref, scnen Stellen eineRaude oder rauheRmde bekommt;^die Rrä'tze, in einigen Fällen auch der Grind, in den gernern.m Dprecharren die Schabe oder Schabe, Lar. Scabies. Die Rande haben. Man gebraucht es von dieser Krankheit so wohl bcyMenschen als Thieren. Aber auch die Bäume bekommen die Räude, wenn dre Rinde rauh wird und abspringt, und der ganze Baum erstirbt. Bey den Blumenfreunden ist die Räude oder Räude auch eine Krankheit an den Nelken, welche m einem um sich fressenden Flecken an den Blumenblättern bestehet, und von dem Roste noch unterschieden wird. Anm. In OberfchwaSen der Randen. E.s istem un> eben dasselbe Wort itzit dem vorigen, und w;rd von vielen auch Räude geschrieben und gesprochen, obgleich im Hochdeutschen Räude üblicher ist. Es druckt entweder auch die Räude oder rauhe Rinde aus, welche ans dieser' Krankheit entstehet, daher sie m einigen Fällen auch der G''i,d genannt wird, oder anch^as damit verbundene Rauhen oder Reiben, daher sie anu) die RräPp «nh Schabe heißt. Um eben d,ß villru wird diese Krankheit n,.ch ir» Holland, tue K >^p ', iut Ängels. rkrsulla. genannt, Im Tatran ist Kuk dw Aussatz, und bey dem Nocker rin Geschwür. .. Räudig, —er, —fte, allj. et. sä v. mit der Rande behaftet; kratzig in den niedrigen Serechanen schab,rg. Ern räud-z>.r H»nd. Ein rän.diges Schaf steckt einen ganzen G^all an, Bey dem Notker rucktss, in Schwaben rnfiZ--im Osnübrücklschm t'össssch- Die Randiykett, plur. oar. der Zustand, da ein Ding räudig ist mir der Räude behaftet ist. Der Raufbold, des-es , plur. die—e, ein Mensch, der sich durch seine herrschende Neigung, sich mit andern zu raufen und zu schlagen, auszeichnet. S. Bold. Die Raufbuße, S. Raufhandel. Der Rauf-egen, des—s, plur. mnom.llnss. em großer langer Degen mit einem großen Stichblatte, sich damit zu raufen, d. i. im Ernste zu fechten; ein Raufer, Schläger. Die Raufe, plur. die—n. ») Ein Werkzeug zum Raufen, besonders in der Landwirthschaft, ein großer fest stehender Kamm,, die Samenkapseln von dem Flachse vermittelst desselben abzuratp. fen - in einigen Gegenden die RisscftRaufcl, Ressel, Niederst Rege, Reppe, Rcpcl, Reppel, im Holland, kepe. Zm Schwed, ist Kalla ein Rechen. -) In der Viehzucht ist die Raufe cme nach einem spitzigen Winkel horizontal befestigte Leiter, hinter welche Heu, Stroh und anderes rauhes Futter gesteckt wird, damit es das Vieh mit dem Maule zwischen den Sprossen heraus raufen könye. Rieders. Repe, Ropc. Jngleichen dieZeit, wenn den Gänsen die Federn ausgeraufetwerden; die Raufzeit. S.Raufen. DieRaufel, plur. die —n, ein in einigen Gegenden für Raufe r übliches Wort, welches in andern Riffel lautet. Räufeln, verb. ress, act.welches gleichfalls nur in eimgenGegen- den von dem «brausen der Samenkapseln des Flachses vermittelst der Raufe oder der Raufe! üblich ist, wofür man in andern Gegenden riffeln sagt. Den Flachs räufeln. S. das folgende, dessen Jterativum es ist. Raufen, vsrb. ress. act. welches eigentlich ziehen bedeutet, aber nur von derjenigen Art gebraucht wird, da man mehrere dünne oder faserige Körper ziehet oder auszichtt. Jemanden Haare aus dem Ropfe, aus dem Barte raufen. Jemanden bey den Haaren raufen. Sich vor verzweifelung die Haare aus dem Ropfe raufen. Da stund Hiob auf, und zerriß sein Rleid, und raufte sein Haupt, Hiob 20 ; welche Wortfügung doch ungewöhnlich ist. Ein Ramm rauft, weim eraufeineempstnd- liche Art mehrere einzelne Haare ziehet oder ausziehet. DenFlachs raufen, so wohl, wenn man die Flachsstängel aus der Erde ziehet. Niederst repen, Franz. rallcr; als auch, wenn man dirSamen- kapftln vermittelst der Raufe abstreiftt, welche Arbeit auch mit dem Iterativs räufeln und riffeln genannt wird, Niederst rep p en, repeln,schräpen. Einem Schaft diewolle ausraufen. Der Gans, dem Huhne die Federn ausraufen; eine Gans, ein Huhn raufen, im Oberdeutschen, wofür man im Hochdeutschen lieber rupfen sagt. Gras raufen, es ausreißen, oder abreißen, Ähren raufen oder ausraufen. K.güclich ist, sich mit jemanden raufen, sich mit ihm balgen, und in weiterer Bedeutung, auch sich mit ihm imErnste schlagen, (S. Raufdegen und Raufer;) zunächst wohl, sich in einer ernst, hafteu Balgerey bey druHaareu raufen oder ziehen. Wenn sich die Herren raufen, müssen die Unterthanen. die Haare lassen; welches Sprichwort diese Srftäcung bestätiget. Indessen ist schorr im Hebr. so wohl ftcht-n, streiten, als zanken, und im Jtal. ist ÜLl-ullL ein Geraus, eine Schlägerey. Ich hielt meine Wangcn bar, denen die mich rauften, Es. 50, 6. Ich schlug etliche Manner und raufte sie, Nehem. 1 z, 2Z;woesabec in der imHochteutschen veraltet nAedctttnng für schlagen überhaupt stehet. So such das Raufen. Anm. Schon bcy dt n Oklsried rouköw. und in, Schwabemsp. wo es bey den Haaren ziehen bedeutet, raukksa, bey dem Ulphillas raupssan, welches ober nnferm rupfen näher kouunr, im Niederst rrpen, tm Angelst ripan, im Schund. rcpa. Es ist Mit raffen, rauben, u. s. f. genau verwandt. Das F'eg'i -rn- -75 Rau Ralr 976 tivilM davon ist räufeln, riffeln, rirffeln, und bas Jttteusivum rupfen«. Dar Raufer,, des -—s, xlur. ur nona. fluZ. i) Ein Werkzeug zum Raufen, d. i. zum Schlagen oder Fechten, in welchem Verstände man einen zuSchlägereyen bestimmten großrnDe.geu, eiuerr Raufdegen, einen Raufer zu nsnneu pflegt.. Er springt vom Lager auf, steckt seinen Raufer an, Zach«. 2) Ein Mensch, welcher sich gern mit andern rauft und schlägt. Der Raufhan-ef, des —3, p!ur. die — Handel, eine Balge- rey, Schlägcrey, besonders wenn sie klagbar angebracht wird. .Ehedem pflegte man auch die darauf gesetzte Geldstrafe die Rauf- buße zu nennen. Das Raufholz, des — es, plur. die —Holzer, bcy den Weiß- gärbern, ein Werkzeug von.Holz, die Haare damit von den Fellen zu raufen. - ^ Dre Raufwolle, xrlur. cam. -'r) Diejenige Wolle, welche dir Weißgärber nach der abgeschornen Wolle oder Schurwolle noch aus deil Fellen raufen.. 2) In den Schäfeceycir und derHaudl.iug. auch diejeuigeWolle, welche denSchafen lebendig ausgerauft wird, oder welche ihnen von selbst entgeht, und flockeumeisc entfällt;, auch im Gegensätze der Schurwolle Die Raufzanye, p!ur. sie— N, auf den EisenhämmeLn, eins starkeZange, oben mit gegen einander gekehrten Zacken, womit ,das Eisen eingezängelt und dainit vor den Hammer getragen wird.;, in einigen Gegenden auch die Roffzange. Die Raufzeit. plur. die—en, S. Raufe«. Der Äau§raf, des —en, p!ur. die—en,. Fämitt. die Rau-' grasinn, eine ehemahlige Benennung eines längst ausgestorbeneu gräflichen Geschlechtes an dem Ober« Rheine, wo besonders die eine Linie,der altern Wild-uird Rheingrafen, welche aber längst, ausgestorben ist, den Nahmen "der Raugrafen fiihrete.. Erst im. vorigen Jahrhunderte erhob Cbursirrst Carl Ludwig von der Pfalz die von Degenfeld mit- ihren Kindern zu Raugrsfe-n; allein auch, hier ist der Nähme mit der Familie selbst wieder abgestorben- Ju der Lateinischen Schreibart der Mittlern Zeiten werden sie. aus Unwissenheit der wahren Abstammung ans mue seltsame Art LsrO)lNits 5 pftoflodorchirl'uist genannt,welches dennunchmahls zu eben so seltsamen' Ableituugeu Anlaß gegeben hat. Allein da die diesen Grasen gehörige Grafschaftiu den 'waldigenGeeirgeu an dem Ober-Rheine lag, daher sie auch Wild - und Rheingrafem genannt wcrdcir, so haöeir-andsre mit mehrerm Rechte dafür gehalten, daß mir ihrer Beueunung auf die rauhe und wilde Beschaffenheit der Bezirke gesehen worden, welchen sie vorgcsetzet wurden, als welche aus gebirgigenmud waldigert Wilditissenbestanden,. die unter ihrer Aufsicht ausgereutet und urbar gemacht werden sollten.. Sie heißen daher im Latein, der Mittlern Zeiten auchTomitss fl!* velii es, Gvnnftes fllvLe, Lomilss Novsllstorum st em- chk 5 ?.eu seQS;.in welcher Rücksicht auch das'Wort reuten mit m BetrachtmrK.komme» kaum Hatke-dK'ft Ableitung um deoglerch- bedeiUeudeu Benemrung Wildgraf (S. dieses. Wort) nicht eine- überwiegeude Wahrscheinlichkeit, so könnte man in Bersuchung Kerachen, die erste Hälfte dieses Wortes, wiellvirklich von einigen Kekchohen.- von dem. Worte rir.gen herzuleitsn, uird es von einem. -Riigegrafeird. i,.obersten kaiserlichen Richter eines-gewiffeir Bezirkes , zu erklären. Arruh,—er-, — e stk, ckckj. -t Qckv. welches'in einer doppelter; Hauptbedeutung üblich ist, iverche beyds NachabmunZeu eines derw Gehöre nach ähnlichen Lames bezeichnst)-, r, .Wenn die Stimme- von einem zufälligen Fehlender Luftröhre heiser ist, so sagt man> baß man eine rauhe Stimme, amen rauhen Aals habe.. Kalte feuchte-Luft macht den Hals rauh. Nieders. - sch re Kr DjeLarei»Morrxr.rÄuctts und rÄ-v us flud sehr genau Hau'-iLwept- wandt. 2 . In einem andern Verstände ist ein Körper im weitesten Verstände rauh, wenu dcffe - Oberflächsütts sehr merklich erhabenen Theilen bestehet, in welch-v Bedeutung man es in einigen' Gegenden auch für rauch gebraucht- welches mau in'.Hochdeutschen aber »och.davou unterscheidet; und alsdann ist ein Körper rauh, wenn deffeuObeefläche aus verhält,ttßmäßiZ kleinen, bald scharfen, bald stumpfen Erhöhungen bestehet, im Gegensätze des gsan. 1) Eigentlich. Ein rauher Holsen. Ein rrnrher Stein. Ein rauher Wog. Hfadlos und ratih ist der Boden. Eine rauhe Haut haben. Ein rauhes Land , ein ungebautes, wüstes, des- seuObcrfläche durch kriilLuAttbangeebnet worden. (S. Raugras.) Rauhes Hutter, m derLandwirihschaft, Heu, Gras und Stroh, im Gegensätze des glatten Getreides, so fern dasselbe auch als Futter betrachtet wird. 2) Figürlich, (a) "Von dem Geschmacke, für herbe; eine im Hochdeutschen ungewöhnliche Bedeutung, in welcher es doch im Oberdeutschen gangbar zu seyn scheinet. Ein rauher Wern. (b).Voudem Gefühle, schmerzhaft unangenehm; doch nur von der Luft und deren Wirkung- Ein rauher Wind. Dein rauhes Lüftchen vertragen können. Rauhe Witterung. Ein rauhes Land , welches eine rauhe Witterung hat. Island liegt, unter einem rauhen Himmel, (c) Im moralischen Verstände , von sittlicher Verfeinerung und Ausbesserung entfernet; wo es oft ein gelinder Ausdruck für das härtere grob ist. Ein Mann von rauhen Sitten. Ein rauhes Gemüth. Ein rauher Mann. Rauh mir jemanden umgehen. Jemanden rauhe Worte geben, (d) Ein Held ans rauher Wurzel, aus ausgeremeten Waldrmgen. Anm. Bey den Schwäbischen Dichtern ruft, im Nieders. rüg, ruwe, rowe, in der Schweiz rag, im Baieru noppet, im Hol- lärrd. rnuuw, euch, im Angels. reosti> im Engl.rougfl. Seiest im Arabischen bedeutet Raiirvori einen rauhen, steinigen Boden. Rauh, rauch, ro,h, schroff, Räude, Rande, Ruf, Rinde, Grob, dasNiedeef. struf, für rauh, Rost-, die Launu. ruckis, rnucus, rervus, eruckus , dir Irak, roco , ravicko ,. rüste, r<)2/.o, ivelche iusgesammt rauh bedeuten, sind sehr genau damit verwandt, ob sie sich gleich in den Ableiiunaskauteu unterscheiden, und durch den Gebrauch in Nebeub deiuimgcu abgcäudert worden. Der Grund der Benennung rst ohueZ-weift.l iu drmLanre z» suchen, welchen die Bewegung auf einem rauhen Körper hervor bringet. S. auch Schroff- Dre R a uh bank, ftlrir. die—Hanke, bey den Tischleru, der Nähme eines langen Hobels. Die Rauhbeers-, jolur.. die'—n, S. Rauchbeers- Die Räuhbüche, plur. die — u. S. Rauchbüche und Hage, Huche. Die Rauhe, p!ur..im.ck. r) Bey-eimgen-- das Hauptwort von dem Vepwortc rauh , die raube Beschaffenheit eines Dinges- zu bezeichnen; wofür andere die Rauhe, die meisten aber mit meh- xcrm Erfolge öleRauhigkere sagen. 2) Bey den Vögeln nennet man denftnigeuZustand, da sie die alten Federn mit ncuen vertauschen, und ivelcher am häufigsten die Mause heißt, iu'ftclcir Gegenden auch die Rauhe, und mit eiirem siärkeru Hauche die Rauche, weil die Vögel alsoann ein ra:iches/.rau.hes oder struppiges Ansehen bekommen.. S.das folgende«.. Rauhen, vsrt). reZ.LLl.. rauh machen, wo es auch' IN einnstn Fällen für rauch machen Mich ist ,. anstatt des ungewöhnlichen rauchen. So hat.das Rauchleder oder rarrchschwarze-Ledev seinen Rühmen daher, weil es auf dcrIkrifthseite gcrauhet 'worden. Bep.den Tuchber eitern wird da-r Tuch gcrauhet, wenn die kurzen, in der Walke locker gemachtonHaare voc dein Scheren heraus gekratzet werden, ivelches eigentlich aus den Haaren rauhen, aensmut Erd„ Voudeu Vögeln sagt mail in einigen Gegrudcü, - -- u i da S Laß sie sich rauhen , wenn sie in der Rauhe sind, oder sich mausen; wo es auch als ein Neutrum gebraucht wird, die Vogel rauhen, werden rauh oder rauch. . Dev Rsuhfvost, des — es, plur. die — froste, S. Rauhreif. Das R-ruhfuttev, des—s, plur. raus. in der Hauswirthschast, rauhes Ämter , d.i. Heu, Gras und Stroh, im Gegensätze des «latteu, ausKörncrn bestehenden Futters; bey einigen auchRauch- futtör. ^ ^ -7--.^ Der Raichhobel, des—s, plur. ul, nom. lmZ. ben den Tischlern, ein Hobel, das Gröbste oder Rauheste von dem Holze wegzu- bringen, der Schropphobel, Scharfhobrftzum Unterschiede von dem Schlichthobel, welcher das Holz völftg glatt und eben macht. Das RauhhEF, des—es, plur. doch nur Voit mchrern Arten oder Quantitäten, die — e, im Honrahandel, rauhes Honig, d. i. solches, welches sowie es ans den Stöcken gebrochen wird, rn?L de» Wachsscheiben in Tonnen gesiampfet, und daher auch Tonnenhorrig genannt wird; zum Unterschiede von dem Seim- honige. Gemeiniglich ivird es, vbgleich nicht so richtig, Rauchhonig geschrieben und gesprochen. Nach andern ist Rauchhonig dasjenige Hönig, welches im obersten des Korbes angcrroffen wird, das rcinste.ifi, und zugleich eingctragene^Blumenmehr enthält. Die Rauhttz^ert, plur. ioull die rauhe Beschaffenheit eines Dm- ges, in allen Bedenttingen dcsBeywortes. Die Railhigkoit des Bodens, des Halses, der Sitten u. s. f. ' Die Eintracht treuer Kerzen, die jede Rauhigkeit Der Pilgrimschaft des Lebens mit Blumen überstreut, Dusch. Dev Rauhpelf, des—es, stlur.die —e, ein Neif, welcher sich bey dicker Lust und unbeständigem Frosiwetter hänstg ausetzet, und dis Gegenstände rauh macht; in einigen Gegenden auch der Rauh- frost, Ranchfrost, Niederst Rugeriep, Rueriep , Rshricp. Im gemeinen Leben kennet inan auch das unpersönlicheZeitwort rauhreifen ; cs ranhrcifet, es fällt ein Nauhreif. Der Rauhschlerfer, des — s , plur. ut nom. lins, ein Schlei. fer, welcher ii'.ir grobe nnd gro^e Sachen sch-leist, alo Ä/'te, Beire, große M-.sser u. s. f. Schleifer dieser Art sitzen gemeiniglich über dem Steine. Die Rauhwake, s.l;rr. die—N, der so wohl im gemeinen Leben als in der Mtuerklogie übliche Nähme eines kalrartigen, sehr porösen , folglich auch rauhen Swines, welcher gemeiniglich viele versteinerte Ubecblr bfel vou'Schalthieren, Wasserkcänteru und zuweilen auch Knochen enthält. Er wird auchToph oder o^of, - undCopdstcm, T ffst-stmgenannt, und findet sich von verschiedener Karbe so wohl als Deftigkeit. S. Wake. - - «per R^ruchweitzen, des — s, ^I>>r. inust. eine Art Wintzens, wacher an seinen Ähren eben solche Stacheln, als die Gerste hat. Aev Rcruhgehente, des — n, sftur. die — n, derjenige Zehente,^ welcher ans dem Felde in nngcdroschenen Garben gegeben wird, derGarbenzehenke; zum Unterschiede von dem Sackzehenten. Er must m-t dem Rauchaehenten nicht verwechselt werden. Die Rauhzeik, plur. die — en, die Z. jt, wenn sich die Vogel rauhen oder mausen, wenn sie in der Rauhe.sind; die Mau- sezeir. / > . ^ Die Rüuke, silur, inusi. der Nähme einer- Schotengewächser, diit^rniiriulN ist,, von welchem es mehrere Arten gibt. Das Zif/mheiunalß stnrtiu m desLinneerst ben uns unter demNap- men der Brunukresse am befanntesten. Die morgenjändische Rauke, nbräum orisMäle l., har filz-geBlättcr und einen ebnen Stamm, und .st im Qriente einheimisch. Eine^ andere A> t, dercnSchoten sen^iechtsteberr, 8 l/mlrrirrm ilräuttilrmumlh,. ist ans den rauhen Bergen der Schweiz und Italiens einheimisch. Die hochsteRanke.Hift^rnbrium wachstinAeme- Zldst.w.B.Z.TH.-.Auss. Nau §7Z N?en und Sibirien. Eine niedrige Art, welche, wenn sie zwischen den Fingern gerieben wird, wie Knoblauchstinket, deren Sanre scharfnnd bcißdnd ist,und wieSenfschrneckt, Lis^mdrium Lu^i- vum wächst in Frankreich und Spanien. Oie wilde Ranke, Lil^mbriuna l^lveffrsl,. hatlangliche, eyförmigeSchoten, und ist auf den Raine« in der Schweiz, Deutschlarrd und Frankreich zu Hause. Auch eine Art des Kohles, welche in der Schweiz einheimisch ist, deren Blätter unter andern Kräutern als ein Salat gegessen werden, Zr-alsrenCru-La ist unter dem Nahmen hee wilden Ranke bekannt. .S. auch Sumpfrauke, Landrauke, Narrerrauke und Gandranke. Im Franz. Koc^us, im Lat.Lruca; vielleicht von rauh, wegen des rauhen,scharfenGeschmackes so wohl dcsSamens al» derBlät- ter der meisten Arten. Zn Riedersachftn wird die Rohlrübe, sv. welche in einigerrGegelldenTörsche heißt, mit Vorgesetztem BlafelauteWnike genannt, welcherNahme gleichfalls hierher gehöret. In einigen Gegenden kennet man auch dieRcseda unter dem Nahmen der Spanischen Rauke. *Raum, —er, —sie, aclj. et näv. einen beträchtlichen Raum enthaltend, so wohl-in engerer,Bedeutung, den zu gewissen körperlichen Veränderungen nölhigcn Raum enthaltend , in der erstell Bedeutung des folgenden Hauptwortes. Ein raumes Zimmer. Las Haus jft mir nicht raum genug. Ern raumer Weg.^ Als auch überhaupt, einen großen Raum enthaltend.' Die rarime See, die weite. Im Hochdeutschen ist es veraltet, indem dafür geraum üblich ist. S. dasselbe, ingleichen Ranmig. Anna. Schon bey demQttfricd rum, der es als einNebrn- Wort für fern, weit, gebraucht, wohin auch das ehemahligc krnm gehöret; Ley dem Ulphilas rum, für gersumig, im Niederst runm, im Schwcd. rum, welches auch für draußen gebraucht wird, im Holland, ruim, im Engl. room)r. Das Niederst runm ist auch als ein Nebenwort für völlig, reichlich, üblich. Es ist raum ein Iahr- reichlich. Bey dem Kero ist kvna ru- msna und bey dem Qttfried tou r umeua von fern. S. das folgende. Der Raum, des—-es, plur. die Raume. I. Zm engsten und allem Ansehen nach eigentlichstcrt Verstände, derjenige Theil deS von sichtbaren Körpern leeren Lilsikreiscs , welchen ein Ding zur Ausfüllung oder zu gewissen körperlichen Veränderungen bi darf; ohne Plural.^ Reinen Raum haben Wir haben nicht Raum in dem Hause. DieFuh.orer hatten nicht alle Raum in der Rt'rche. NichtRaum genug haben zu arbeiten. Raum machen. Raum;« etwas machen. Ra mu gewinnen, bekommen. Oer Raum ist mir zu enge. Raum zu etwas lassen. Das Haus hat wenig Raum. Das nimmt zu viel Raum weg. Reinen großen Raum einnehmen. Jsteben diesem Verstände wird auch Platz gebraucht, obgleich bey demselben diese Bedeutung nur figürlich ist. Zn der Mechanik ist derRaum die geradeLinie, welche so wohl von der Last, als auch von der Kraft durchgangen wird. 2. Zn weiterer Bedeutung, ein jeder von Körpern leerer Qr^ des Lustkreises; da denn auch der Plural Statt findet. Die großen Raume des Himmels. Ein luftleerer Raum. Der Raum zwischen zwep Säulen. DerRaum eines Hasses- einer Bomeille. Zn einigen Fällen wird dieses Wort ohne allen Bevsatz von besoichern Arten eines solchen Raumes gebraucht. Ben den Kohlenbrennern siud die Räume kleine Öffnungen, welche der Luft den Zugang m den Meiler »erstatten. 'In Heu Schiffen ist der Raum, oder bestimmter der Schiffsraum / der Boden unter dem - lrkcen Verdecke, wo d e Wa»ren und Güter liegen. Das Engl. koom und Schwed. Num bedeuten auch ein Zimmer. Irr dem Bergbane sin) die Räume solche Qrter oder Plätze, welche zu Qqg Sturz- R su u Emrzplätzen, Wasserlänfen, Pochwerken, Waschen 11, s. f. ein« geraume! werden. Im strengsten metaphysischen Verstände ist der Raum das, Worin die Substanzen sich unserer Vorstellung nach bestnden, das Verhiiltniß der außer und neben einander sich befindlichen Dinge, «nd in diesem Verstände sagt man, daß kern Raum sep, wenn nicht Dinge vorhanden sind, die ihn ausfüllen. Der beere Raum, der von aller auch noch so feinen Materie leer ist. z. Figürlich. 1) Einer Neigung Raum geben, ihrnachhän« gen. Eines Bitte Raum geben, sie erfüllen. Diese Entschuldigung wird nichtRanm finden,wird nicht angenommen werden. Dem Zorne Raum geben. Solchen Gedanken muß man nicht Raum geben. In welchem Verstände auchdas Wort Platz gebraucht wird. 2) *Zeit und Gelegenheit; eine im Hochdeutschen größten Theils veraltete Bedeutung, welche indessen noch mehr-> mahls kl der Deutschen Bibel vorkommt. Nicht Raum haben zuessen, Gelegenheit, Bequemlichkeit, Marc. z, 20. Raum zur Buße lassen, Zeit, Weish. »2, io. Raum empfahen, sich dev Anklage zu verantworten, Apostelg. 2^, r6. Dem Zorne Gottes Raum geben, Röm. r 2, ,9. Anm. Bey dem Ulphilas Rum, bey dem Ottfried Kümo, im Niederst Schwed, Island. Dän. und Pohtn. kum. Der erste und nächste Begriff ist wohl der Begriff der Bewegung, (S. Räumen,) daher es al» ein naher Verwandter voirrahmen, dessen Zmettfiois rammeln und rammen,strömen,ruminnr6,Kemu?, Deutsch Riemen, remiZave, u, s. s. angesehen werde» muß. Auf ähnliche Art ist das Lat. spurium von spaUari gebildet, so wie r um u a noch bey demNotkerhin- und hecschweifen bedeutet. Aus diesem Begriffe folget ganz natürlich der .Begriff dec - Ausdehnung, daher denn auch das Heör. 211, hoch stpn, das alte Rahm, ein Kreuz, Riemen und Stpreme, Rahmen n. s.'s. als Verwandte angesehen werden müssen.Das Griech. Ler Zwlschenraum, pr/^4, die Gasse, das Lat. Kimn u. a. m. gehören gleichfalls zu tnsem Geschlechtc. Übrigens ist Rümte im Niederst ein leerer Plan. In dem zusammengesetzten Abraum bedeutet es auch den Körper, welcher weggeraumel wird, so wie im Böhm. Kurn der Schutt ist. Man vergleiche, was Hey den Wörtern Ork, Platz, Stelle u. st s. gesagt- worden, so wird deeUnterfchied zwischen ihnen undRaum sehr leicht bestimmt werden können. DsrRülMranker, des-s, plur.uk vom.stnZ. ein Nähme, welchen auf den Schiffen auch der Nothankerführet, weil er in Liem Raume oder Schrffsraume aufbewahrer wird. Bey einigen führet auch, aber allem Ansthen nach nicht so richtig, der äaup t- anker diestn Nahmen. Die Raumeiche, piur. die—n, in einigen Gegenden, besonders Niedersachsens, hin und wieder im Walde oder ans dem Felde zerstreuereEiche«,welche betcächtlicheZwischenräume zwischen sich haben, kein an einander hängendes Gehölz ausmachen. DasRäumeisen, des—s, piur. ut uom. ÜNA. ein eisernes Werkzeug, einen Orr oder eine Öffnung damit auszuräumen. So tu das Räumeisen der Bergleute ein Eisen, die zugcnasete Form damit aufznnasen und dieOfenbrüche damit A lösen. S. auch , Raumnadel rntd Raumer. Räumen, verd. dvZ. acl. Raum machen,LurchWegschaffung solcher Körper, welche denselben verengen, wo es noch anfeine doppelte Art gebraucht wird. 1. Mit der-vierten Endung derjenigen Sachs, welche ans dem Wege geschass t wird, mit ausdrücklicher Benennung des Ories. Las Holz pyn dem äofe, die Src-^ro aus den» Wege räumen. Jngleichen in einigen figürlichen R. A. Alle Hindernisse, Zweifel, Anstöße, Bedrnkli^keicerx u. s. s. aus dem Wege räuMen^ S80 sie fortschassen. Einen LRenschen aus dem Wege raumen, jh« Mit List oder heimlicher Gewalt aus derWelt schaffen. 2. Mit der vierten Endung des Orres, in welchem durchWeg» schaffnng der körperlichenHindernisseder nöthigeRaum gcschaffet wird, r) Eigentlich. Einen Platz von dem Schurre räumen. Eine Brandstelle räumen, den Schutt von derselben wegschaffen. Räumet den Weg, hebet die Anstöße aus dem Wege Es. ^7.14. Ich habe das 6ans (für dich) geräumt und für die Ramels auch Platz gemacht, r Mos.24, z z. Jngleichen absolute. Zu der Wurzel eines Baumes raumen, die Wurzel eines Baumes von der Erde entblößen. Zu den Flügeln raumen, im Jagdwesen, durch Fällung der Bäume Wege zu den Flügeln bannen. Zn dem Weinbaue ist das Räumen eine Arbeit, da man die Erde um die Wurzeln deS Weinsiockes auslockect, nnd zugleich dicWüs- scrwnrzeln abreißet. 2) In engerer Bedeutung räumet man einen Ort odereine Sache, wenn man das Unreine oder Unnütze ans dersclhen wegjchaffer. Einen Brunnen, einen Graben, einen Hafen, einen Teich räumen, durch Wegschaffung des ^ Schlammes oder hinderlichen Sandes. Die pfeife raumen. Das Zündloch eines Schießgewehres raumen u. s. f. z) Figürlich bedeutet einen Orr raumen, denselben verlassen. Ihm die Burg zu raumen und ernzugeben, » Macc. i», 4 ». Sonst müsset ihr die Welträumen, r Cor. L, r 0. Einem das Zimmer räumen, es verlassen und dem andern cingeben. Am häufigsten gebraucht man es noch von einer erzwungenen und zugleich schnelle» Verlassuug. Das Feld im Rriege raumen müssen. Das Land räumen, landflüchtig werden. Ern Haus räumen müssen, plötzlich auSziehen. Ehedem sggte man cruch, den Sattel räumen, aus den Sattel gehoben werden, und einem räumen, ihm ausweichen. Daher die Räumung in der ersten, und das Räumen in alle» Bedeutungen. Anm. Bey dem Ottfrird, Notker nnd andern ruinnn, w» es auch häufig für Verlasse» vorkommt, im Oberd. raumer^ im Niederst rümen, im Angelst ruminu, v)-miun, imSchwed. r^mms. Bey dem Notker kommt cs auch als ein Neun um für abwesend seyu vor, welche Bedeutung auch das Schweb. Volums, noch hat. Ottfried hingegen gebraucht es auch theils für öffnen, theils für abweudeu. Unser raumen scheinet zunächst von dem Hauptworrc Raum ahznsiammen. Ehedem war cs von weiten« Umfange, und bedeutete, eilte viel umfangende, weit schweifende Bewegung machen. So gebraucht Not, ker rulNLv vo» den herum schweifenden Vögeln, S. auch Rahmen, die Zeitwörter, welche noch davon abstammen, besonders z Rahmen, ingleicheu dir Intensiv« und Iteratrva Rammen und Rammeln. >- Der Raumer, des—s, plur. ut vom. ltNA. l) EinePcr- son,welche einenOrt oder eine Sache räumet, d. i. von den Unreinigkeiten reiniget; gemeffnglich nur in den Zusammensetzungen privet- Räumer) Hafenräumev. Grabenräumer u. s. s.. 2) Ei» Werkzeug, eineSache daiitit von den Unrein.gleiren zu reinigen. So ist der Räumer einWerkzeug, die Kanonen damit zu reinigen, Dahin auch die Zusammensetzungen pseisenräum er, Hafcnväu- me r U. s. f. gehören. Dre Rüumfeile, plur. die — n, eine Art Feilen, deren sich die Schlösser bedienen. T er Rnunryast, ^es — es, plur. die —gäste) im Wallsischfan» g , Arbeiter, welche dkl im Schiffsräume nöchigen Urbeuen verrichten. S. Gast. Räurniy. —er, —ste, n6j. et sä v. vielen oder beträchtliche« Raurn enthaltend ; rrur lttt gemeiuckl Leben einiger G-.gendrn, für das grwöhnltchcre ZeräumtZ. Lin räumffep Orr. Ränmig wohnen - R atr 98 « wchnm -r-rfltzen. ZmLb-rd-u«s«-tt rmmi,. s.auchrkou» das Beywsrt. So auch die Räümigkelt. ^ ^ ^ —er,—ste, s6j. et aciv. i) Wre das vorig, z- ^ wosü'r dmch auch geräumlich üblicher ist. So auch dje RäumUch- keit. Ore Räumlichkeit beobachten, bey den Mahles, den. - - Gcaenstättdcn ihren verhältnißmäßigenPlatz «ach der Perspecttve a.uveiscn. 2 ) Einen Raum einnehmend und auSfulleno , m ^er philosophischen Schreibart, wo es im engsten Verstände, in erneu Raum 'eingeschränkt,oder durch Ausdehnung inemenRarmiern- aeschloffen bedeutet, und alsdann noch von örtlich, so ch-e Ramu von Ort, unterschieden wird. So behauptet manin oer^o.ogee, daß'die Engel zwar einen Orr haben, aber keinen Raum eumeh- nren, und daher schreibt man ihnen zwar eins orrucye aber keme räumliche Gegenwart zu, welche letztere das Dasevn ar.der-r Körper aus,schließt. So auch die Räumlichkeit, dre ErgenschafL eirres Dinges, da es einen Raum einnimmt oder ausfuket. ^ LieRäumnabel, ?lur. die—m, eine starke Nadel, oder lang.r. spitziger Draht, die Schieß- und Zündlöcherdannt auszuramnen RäunannIsrecht, des—es, xlur. die—e, da-- ech einen Graben oder Canal zu räumen,welches auch das dcgerecyt, ingleichen b-e Schaufelschlag genannt wird r *Raunen, vsrb. rsZ. act. welches eigentlich schneiden beecuüt ' hat, aber im Hochdeutschen völlig veraltet ist. i Es rst noch un Niederdeutschen üblich,wo es für v-rschm".den,castrlren,gebrauch t wird; Niederst rnnen, ri'mkeu, Holland, ruiueu. Eben m.« selbst ist Rune, bey dem Apherdian Raun, ein Wallach. Cs l>! ohne Zweifel ein Gcschlechrsverwandter von trennen. Ab emLn- sehen nach fianmiet hiervon das nordische Rune, Bnchstab , her, obgleich die Ntsisten es von demfolgenden Raun, Grheimniß, -er- leiten; indell! auch schreiben, sterilere, VWtz-«, ««d amere hierher gehöriaenAusoriicke denBegriff desGeabcns sderSchnet- dens Haben. S. Rune. , 2. Raunen, vsrb. rsZ. nsutr. mit dem HülfsworLc haben,h-n und wieder lausen; ein Wort, welches nur bey den Jägern cstüger Orten üblich ist, wo es von dem hin und wieder Lauft» undSprul- gen der Hasen gebraucht wird. Die ^asen machen durch rielsä - tiges Raunen die Amide Milde und verdrossen, Hlcmming ey dein Frisch. Es ist hie? mit Z Rahmen allem Ansehen «ach cm . und eben dasselbe Wort, indem bevde nur imEndlaute verschieden sind, und zudem Geschlechte der Wörter rennen, rinnen u. st st gehören. - , §. Raunen, verstr.rsZ» act. st rr-Sukr. welches un letzter» Halle das Hülfswort haben hat. -) Eigentlich, leise reden, und leise sagen, iirs Ohr sagen, ffistern. Es ist so wohl im Ober« als Niederdeutschen üblich , wird aber rm Höchdeutschen arn meisten in der höher» und edler» Schreibart gebraucht für das vertraulichere stistern. Mit einem raunen. Einem etwas A das Ohr raunen. ^ Der Fr schirr Ältester, Visbrss, Lehrt heimlich, was er lehren will,. Noch gestern hat er ganz erstaunt, Mir, unter uns, ins Ohr geraunt u. st 5 Hagev.. r) ^Figürlich, heimliche Aathschläge und Anschläge erthe'lenmnd entwerfen, tmd in weiterer Bedeutung, rathschlagcn und Rarh geben überhaupt; Fine im Hochdeutschen veraltete BereuUurg.. Da? 6u mit runsn mielek misst , daß du mich durch geheune Erinnerungen abhaktest, die Winsbeckinn.. Alle die mich raunen mir einander wider mich, M. 4> , 8, machen heim,!che Anschläge, dergleichen das Hebr. bedeutet. Bey demlupu- !as ist daher Oaruni ein Nathschlaq. und im Angelst 6seuna ein Rach, Lonüliarius. ELnraunen war Lhedem für cingr^en Mich, Daß ein Göttin sin sollich Zroß we^iheir epnrunest in dem'Z»4 gedruFtenLivms,nnd Mathesius gebraucht dasLirl» raunen -es heil. Geistes von dessen Eingebung. So auch das Raunen. Anm. In -er ersten eigentlichen Bedeutung Ley dem Notker tzuueu, bey dem Horneg? rawnen,im Niesers. rnnenstmSchwed^ ruva, im Angels, runlau. im Engl. t v ronns. Jin Niederst ist ohrrunen ein OyrenölLser seyn, und Ohrrunev ein Ohrenbläser. Cs ist w wie stistern und wispern eine unmittelbareNachahnmiig- hes Lurch leise Reden verursachten Lautes. Verwandt- davon sind Ollfci- ds Grün, Klage, unser greinen, grunzen, ranzen u. st f. das ruucLuir in dec MonseeischenBlosse und bey dem Notker für murren, das Hebr. und Chald. raua>an, murmeln, Rinuunn^ das Gemurmel, und andere mehr,welche ähnlicheSchälle nachah- men. Figürliche, aber längst veraltete Bedeutungen von unserm raunen sind, das alte Oüiruni und 6 iruni rm Zsidor und Trr» tian,,ein Geheimniß,im AngelstGsr^nachsy dem rttphilaserull, und das Wallifischr rstiüiuK, zauberrr, Island. Kana» Zaude-- rey. S. Alraun und Rune. DieRaunsche, xlur. die—n, im gemeinen Ll-ben einiger Gegenden, ein Nähme der Mmrgoldrüben, S. 3 die Range und Runkelrübe. * - , -. DieRrupe^xlui-. die —n, m dem zusammen gesetzt^ Aal- ' raupe, ein von Raub und rauben abstammendes Wort. S. Aal- ranpe imd r Rappe. 2. Die 7 ^cnrpe, plur. ivulleinr Krankheit des Viehes, besonders des Rindviehes, welche m bösen Fiißen bestehet, welche triefend werden und einen rauhen Grind anfttzcn. Sie ist wohl nnt der Raupe bey den Pferden eincrlev. (S. 2 die Rappe), da denn iir beyden die rauhe Beschaffenheit der Haare und der Haut der Grnyd der Benennung ist. z. Die Rcrupe,plur. tzie—n, DrminuL. das Räupchcn, Oberd. Räüplem, ein Jnseet, oder vielmehr die Larve eines Jnsectes, welche die Gestalt einer mit vielen Fußen vcrfthcneu Made hat, aber grmeinjglich ranch^ saftig, weich, und unfähig'.st, da^Ge« schlecht fortzupfianzen. Ihrer vielen aber nur kurzen Füße ungeachtet hat ste einen sehr lrmgsameuGang und überhaupt eine träge Bewegung. Sic verwandelt sich in eine Puppe, und aus dieftr wird endlich das vollständige Jnfect.' (S. Larve.) D-e Raupelr sind so verschieben als die Znfteter,, von welche» sie Herkommen. Im gemeinen Leben kennet man besonders die Lstestraupen, Gtammxaupen und Ringeluaiipen , weil sie den Gewächsen dpu meisten Schaden zufngem Die Pfeifer sind au ch eine Art kleiner Raupen in den Schoren der Aübeftat. sS. diese Wörter.) In ritligen Gegenden kennet man die Raupen unter den Nahmen der Drant- unL Graswürmer. Raupen im R:pfe haben , figürlich , Grillen, seltsame Einfälle; in einem andern Verstände sind Raupen im gemeinen Leben lustige Einfälle, Schwänke. Anm. An Niedcvsächfischcn Rupe, im Hossändischsn Rups, R.upre, «u ^olharingischeu 6 oups. Allem ?lnfthe„ nach- liegt der Grund der Benennung in dem trägen kriechenden Gange -ieserThicre, da es denn rin naher Verwandter von demNüders. krnpen, Lat repere,ist, so wie der Lateinische Rahme Lrucn, Zral. R ucs, zu kriechen gehöret. Im Niederst nennet man daher ekn kleines Kind, welches noch nicht gehen , sondern nur kriechey! kann, eine Raupe von einem Rinde. D-as Rarrpeilen, des—s, p!ur. uk nom. 6 nZ. eine eiserne- Schere an eiuc? langen Stange, die Raupennester damit vou deK- Bän'nen Zu schneiden;, die Rauprnfchere.. Raupen, vsrb. NSA. nct. die Raupen von den Baumen und Gee wachsen absuchen. Daher das Raupen. Der Raupenklee, des—s, plur. inust ein Nähme der RreVs- h^-.ne oder des SesrxionrRxaureS/ 8 cor§i uruL D.wcgen sein?* ' L q ez ^ haacigen,- 983 Rau haarigen, gekrümmten Samcnhülfttt, welche hrn Raupen oder Seorpion- Schwänzen ähnlich scheu; Raripenkr.aut, Schnecken- kice, gleichfalls um der Ähulichkeit dieser Hülsen mit den Schneien willen. Das Raupennest, des—es, plur. die—er, ein Nest voller Raupen, mehrere beysammen befindliche Raupen. Die Raupenschere, plur. die-^n, S.Raupeiscn. Der Raupenschmeißer, des—s, plur. ut vom. linZ. imge- nieinen Leben, ein Nähme der Schmetterlinge, weil aus ihren Eyern die Raupen entstehen; in den groben SprechartenRaupen- scheißer. Der Raupenstanö, des — es, plur. ivut. der unvollkommene Zustand eines Jnsectes, so lange es noch eine träge Raupe ist. Figürlich in der edlern Schreibart, der unvollkommene Zustand des Menschen m diesem Leben, im Gegensätze des künftigen voll- kommnern. Mach deinen Raupenstand und eine Hand voll Feit, Len nicht zu deinem Zweck, die nicht zur Ewigkeit, Hall. Welche schöne Stelle, wie so viele andere, iu dem berüchtigten theologischenWörterbuche mit Unfinn beschüttet worden. DerRaupentö'dter, des—s, plur.m nom. linZ. ein der Wespe LhulichesJnsectmit pergamenteueilFliigeln,welches seineEycr den Raupen der Schmetterlinge i» den Leib sticht, da denn die daraus entstehenden Larven fich von ihnen nähren und sie verzehren, bis fie.fich selbst in ihnen verpuppt haben, und als Jnsecten heraus kommen; Iclirreurnoa I-. r. Der Rausch, des — es, plur. inus. ein Nähme, welchen an einigen Orten die Staude der Preiselbeeren oder rochen Heidelbeeren führet, S. Preiselbeere. 2. Der Rausch, des—es, plur. doch nur von mehrern Arten, die Rausche, im Bergbaue einiger Gegenden, z. B. in Tirol, das vollkommen klar gepochte und ausgefiebte Erz ; ohne Zweifel als ein Geschlechlsverwandter von Graus, Gries, Grütze u. s. s. welche vermittelst des Vorgesetzten Gaumenlautes davon hcr- siamwen. Z. Der Rausch, des — es,p1ur. car. in einigen Gegenden, de» Brand an den Gewächsen, besonders an den Blättern des Wcin- stockes, wo^r auch der Laubrausch genannt wird. Vermuthlich . aus Einer Quelle mit kraus, weil er die^Blätter zusammen schrumpfet. 4. Der Rausch, des—es, plur. die Räusche, Diminut. das Räuschchen, Oberd. Rauschlein, ein von dem folgenden Zeit- «vorte rauschen akstammendos Hanpttvort. Eigentlich, ein Geräusch; eine ungewöhnliche Bedeutung, in welcher es nur voll einigen neuern Dichtern versucht worden. Doch wenn im Rausch von Pflicht und vaterlande Mein Blld sich noch in deiner Seele mahlt, Gotting. Museu-Alm.i 776. s. Figürlich, verschiedene Harrdlungen, Zustände oder Veränderungen, welche mit einem merklichen Geräusche verbunden sind. . i) Ein schnelles, hell brennendes Feuer, besonders in einem Qsen, steift im geim incu Leben, besonders Ober-Deutschlandcs, ein Rausch oder Räuschchen. Einen Rausch oder ein Räuschchen in den Ofen machen. 2- *Em schneller Angriff oder Anfall ; eine veraltete Bedeutung, wovonFcisch einige Beyspiele anführer. Im - ersten Rausch?, im ersten Angriffe, in der ersten Hitze. 3) Derjenige Zustand , in welchen man durch gewisse Nahrungsmittel, besonders aber durch starkeGetränke versetzet wird,in welchem dieselben eine merkliche Wirkung auf das Gemüth und die Handlungen eines Mensche» haben ; ohne Bestimmung der Grade dieses Zustandes. Ern kleiner Rausch,ein halberRausch, einRausch- ch m, emIk'jmter: Rau sch, welchen man im gemein en Leber: auch Raü 984 ein Sputzchen, einen Hieb u. s. s. nennet, zum Unterschiede von einem derben oder dichten Rausche. Der heil. Auaufiimrs sagt in seinen Lonfels. c. 3 r, k. 47. sehr treuherzig zuGott: Lbris. tss purstem loaZe eliurns, crupuln nulem uonnuu-. quurnsstbrepnservo wo. Einen Rausch haben. Sicheinen Rausch trinken. Jemanden einen Rausch zutrinken. Etwas im Rausche thun. Einen Rausch bekommen. LenRausch ausfchla- fen. 4) In manchen Gegenden ist derRaufch der merklicheFall des Wassers, ein Wasscrfall.Eincm Strome mehrere Rauschever- schaffen, am Oder-Rheine. Anm.Jm Rieders, in der Bedeutung 2, z) Ruusk, im Engl. Rouste, im Schwtch. Rus, im Asländ. Ruls. Wachter leitet es seltsam genug von dem Griech. Schwere des Kopfes he.c, indem merklich genug ist, daß der u.W der Beneununtz in dem rauschenden oder brausenden Betragen, vielleicht auch in einer ähnlichen Empfindung eines Berauschten liegt. JaiUirgarische« ist resreß trunken. Das Niederst Ruse, Rüste, bedeutet rheils Geräusch, Lärm, Getümmel, Griech. jeuFs-, theils Zank,StreiL und Handgemenge. S. Rauschen. Die Rauschbeere, plur. die—n, ein Nähme der grossen Heidelbeeren, Vaeciuiuin uUßiuostum 1^. weil fie rar^chen, oder den Kopfeinnchme.n. S. Heidelbeere 2. Rauschen, verb. rex.neiZtr. welches das Hülfswort haben und in Einer Bedeutung sepn erfordert, und den Schall sehr natürlich nachahmet, welchen es ausdruckt. und welcher sich schwerlich mit andern Worten ausdrucken lasst; diesen Schall von fich geben und hervor bringen. 1. Eigentlich. Las Laub der Bäumerauscht, wenn es von dem Winde heftig bewegt wird. Sich vor einem rauschenden Blatte fürchten. Last sie soll ein rauschend Blatt jagen, 3 Most 26,36. Wenn du Horen wirst das Rauschen auf de« . Wipfeln der Maulbeerbäume, 2 Sam. z, 24. Eg rauschet als wollte es sehr regnen, 1 Kon. 18,42. Die Flügel der Thiere rauschen, Ezech. 1, 24. Die Fluchen rauschen daher, Ps. 42, 8. Seidene Rleider, seidene Zeuge rauschen,wenn sie bewegt werden. Nahe Bache lispelten durch das Gras oder rauschten in kleinen F allen sanft in das Getöse, Gessn. Ihr Wmde, wenn ihr mich kühlt, dann ists^als rauschte eine Gottheit unsichtbar «eben mir, ebend. Schon rauschet gesunkenes Laub unter des Wandelnden Fußen, ebend. Rausche sanft du rieselnde e se diesen Nahmen, (S. Wiesenraute, Geißraute, ALerrauth. Beerraute, sundsraute, äofraute, Maucrraute u. st st Anm. Im Niederst Rue, Rüde, im Angess. kucle, im GngL> und Franz. Kue,im Span, kucls, im Böhm. ki-rutn, im Lat. R utu, imGriech. Wäre nur allein die stark riechendeR-nte unter diesem Nahmen bekauiit, so konnte mm, vermuthen, daß ste wegen jhl>-s rauhen und passen Geschmackes so genatutt worden. Allein da sich alle Gewächse, welche diesen Nahmen führen, durch ihre rutbenartigen Stängel und Zweige sehr merklich unterscheiden, so ist es mehr als wahrscheinlich,daß dieser Nähme mitRuche Eines Geschlechtes iss. Die Aber oder Eberraute ist eben um deswillen auch unrer dem Nahmen der Gtabwur; bekannt. Am Wallis, heißt die Raute mit einem andernEndlaute welches mit dem Griech. eine Ruthe, überein kommt, und die Verwandtschaft mu.Rerf bestätiget. Z. Die Raute, plur.ch/e—n, ein Nähme, welchen mir noch der Laubkranz oder nach andern die Krone in dem Wapen des Hcrzog- lhnms Sachsen führet,außer welchcmFaüecs in dieserBedeMuuj veraltet ist. Man hat über die Bedeutung.und Abstammung dieses Wortes allcrlcy seltsame Meinungen vorgetragen, welche ich hier nicht wiederholten will. Allein, es ist sehr erweislich , daß Raute ehedem einen Kranz oder Kcqne bedeutet habe, und mit Rad Eines Geschlechtes ist, so fern beyde Wörter in der allgemeinen Bedeutung eines runden Reifes mit einander überein kom- ^ men. Die Schlösser nennen noch jetzt den rundenNrngpvelchec de» Griff der Schlüssel ausrnacht, mit einer unerheblichen Verände- rntlL die Raute, und der Rautenrichter ist bey ihnen ein Werkzeug, diesem Ruige seine gehörigeGestalk zu geben. Da r und s beständig in einander übergehen, unh der Gaumenlaut ein unwesentlicher Vorschlag ist,so erhellet daraus auch dieVc rlvandLschsst mit Lreie, Rreisel, kraus u. s. f. S. auch das folgende. .4- Die Raute, p i u r. die—u, Düninut. das Räutchen, ei« Wort, tvelches ehedem, r) überhaupt, einende viereckige Figur oderFläcke bedeutet hat;vou welcherBedeutnng aber imDeutsche» nur noch einigellberresie vorhanden sind. An ben gemeine,-Sprech- artrn, besonders Niedar - Dem M and es, merdemdie Fensterscheiben noch Rauten genannt. Da indessen die Lltestcn Fensterscheiben gcmeiuiHlich eilte runde Gestalt hoben, so scheinet es h'er viv!- mehr zu dem vorigen Raute, ein Kranz, und inweiterer Bedeutung, eine rundeFläche,zn gehören. In derDculsch-. »Karte füh e« die aufd,w Spitze stchrttdcr^Qttadrate, ohn- eben Rauten inder folgenden Bedeutung zu sepn, den Nahmeu der Rotten ; F'onz. Q qq - SLrieuu. Oarresu, eigentlich HuLrrsLu. Daher Ser R-rrrtenkonig,Ser Rautensber, das Raurenda,rs u. s. f. Auch die viereckigen Felder eines BrctspielcS heißen nsch im gemeinen Leben Rauten, daher raurenweise zuweilen auch noch für geschachtet, d. i. in sol- cheFelder getheilt, gebraucht wird. JmSchwed.ist k et undk^ut»» im Island. K.eitr, und im Finnland, kuutu, ein jedes Quadrat oder Viereck. 2)Zn engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist die Raute ein gleichseitiges Viereck, welches lauter schiefe Winkck hat; ein geschobenes Viereck, die Rautenvlerung, Lat. Rkarn- dus. Eine längliche Raute, Riiomdoi^es, ist eine solche Vierung, an welcher nur die gegenüber stehenden Seiten einander gleich sind. Anm. Rauke scheinet ursprünglich eine jede ebene Fläche, Scheibe, oder so etwas bedeutet zu haben, und mit dem Meißnischen Ratte oder Reste in Hofraitpder Hofplatz bep einem Land-^ gute, Eines Geschlechtes zu fipn, da es denn zu Rurhe, reiten, dem Angels, rietso, reichert, und alleuWörtern drcftcArt, welche eine Ausdebnimg bedeuten, gehören würde. Breit, Br, t u. a. m. haben sich nur durch die Vorlaute unterschieden,so wie dasGriech. und Lat.^liombus nur in. dein Endlaute unterschieden zu seyrr scheinet. Die Raute, plür. die—n, S. z Rauke- Der Rautenessiy, des— es, plur. doch nur von mehrern Acten, die—e, ein auf frisches Kraut von der stark riechenden Raute gegossener Weinessig, welcher drrFäulniß des GeblüreS widerstehet. S. r Raute. Der Rautenkranz, des—es, plur. die—-kenn;?, ein aus den stark riechenden Raute gewundener Kranz. Viele pflegen auch die Raute , d. i. den Kranz oder die Krone in demSächfischen Wapen, mit diesem Nahmen zu belegen, in der durch eine falsche Etymologie vsranlaßten Meinung, daß dieser ein wirklicher Rautenkranx fty. S. z Raute. ^ DerRautenrrchter, des — ß , pkur. ut vom. 6 vß. bey den Schlossern, ein eiscrnerS Prisma mit vier gleichenSeiken, welches an den Leyden Enden konisch ist, der Raute damit ihre längliche Gestalt zu geben. S. Z Raute. Der Rautenstich, des—es, plur. die-—e, eine Art der kirnst- lichen Stiche beiden Rähtcrinncu. Die RaMenv:eriMF, p!ur. die—en, S. 4 Raute. Rckutern, sieben. S. 2 Rädern und Reitern. DreRaUtzeule,plur. die—-u, im gemeinen Leben einiger Gegenden, ein Nähme der Mrch- oder Schleiereule,Olula Rlueo Xl., Ohne Zweifel wegen ihres GeschrepeS, so wie R-Iuco vort locken abgeleitet wird. DasRavel-in, des —es, sstur. die—e, ans dem Franz. velru, im F-stuugsbaue, ein Aiißenwerk, welches bloß guszwey Faßen bcsiehet, und über den Graben vor dieCorline gelcget wird. Der Reä!, des —en, plur. d 5 e—en, aus dem Spanischen Hesse, und dieß von dem Lat. IxeZaiis, der Nähme einer Sparrischen Si'vermünze- welche drey gute Groschen oöersechsHol- läksdische Stüver gilt- In weiterm Verstände wurden ehedem oft alle in Svanien anfkonigliche Veranstaltung geprägte Gold- und Silbccmünzen Realen genannt, da sich denn unter Carl V. auch §oldene Realen finden- welche ungefähr einen halben Ducaten machten. Arrch die Stücke von Achten, welche acht kleinere Realen zu z Gr. haltenund auch Philipps-Thaler heißen, kommen noch jetzt zuweilen'unter dem Nahmen der Realen vor. Wenn sich ein Zahlwort dabcy befindet, so bleibt es im Plural^nach dem Muster so vieler andcrnWörter dieserArt, »ft unverändert.Sechs Real, für sechs Realen.. Die Reale, p? „r. die—n, aus dem Jw.l. ^ewle, und Sieß gleich- ßalls aus dem Lattm.. in den Ztaliänischen Staaten, Ser Nähme Ser vornehmsten Galeere eines unabhängigen Staates. > Die ReA - Schule, plue. die—n, eine Schule, in welcher nicht bloß Worte und Sprachen, sondern zum bürgerl cheu Leben nöthige Künste und Wissenschaften gelehret werden. i Von dem mittkerir Lar. rea!is,Franz.rse 1 , so fernes bloßeuWvNenentgegen gesetzt ist. Der Rebacker, des —s, plur. die—-ä'cker, im Oberdeutschen ciu nnt Weinftöcken bepflanzter Acker; cm Weingarreu, Wein-- derg. S. Rebe. Die Rebäsche, S. Rebenasche. DaöRebauge, S. Rebenauge. *Rebben, verb. reZ. scr. er neuir^ wescheS im letzter» Falle dasHülfswrrt haben erfordert,aber nur in den gemeinenSprech- arten einiger Gegenden üblich ist, wo es für springe» oder brspriu- geu, d. i. zur Fortpflanzung befruchten, von dem männliche» Ge- schlechte einiger größer» Lhierc, z. B. den Hengsten und Zuchtoch. seit, gebraucht wird. Der sengst robbet, Eben daselbst bedeutetes auch, nach derFortpflanzung verlangen, brunfte»-. Niederstrepen, reppen. Im Wendischen ist das männliche Glied. Es ist so wie rammeln, ranzen und andere Wörter dieser Art, von des Bewegung herzenvmmen. S. Repphuhn. Rebbes, S. Rappuse. Die Rrbbrnöe, s>lur. die—N, in einigen, besonders Ober- demfthen Gegenden, em Nähme der Waldrebe. S. dieses Wort. .Die Rebe, p!ur. die — n, sehr hänsig auch im mämstichen Geschlechts, der Rebe, des—st, plur. sie—n. 1 . "Überhaupt, die Ranken und Ranken ähnlichen, d. i. langen, dünnen und schwanken Zweige an den Gewächsen. In dieser weitern Bedeutung ist es im Hochdeutschen veraltet, obgleich die Nah, « men Gundelrebe und Waldrebe noch dieselbe airfbchültcK haben,. Im Schweb- istRefva eine Hopfenrankt'.. 2. In cngec- r und gewöhnlicherer Bedrntung führen nur dir kangen schwanken Zweige des Weinfiockes,, die Weinreben, ben Nahmen der Reben,, dagegen bey andern Gewachsen das Wort Ranke üblicher ist. 1) Eigentlich. Die Reben anöindeu. volle Reben. Im engsten Verstände wwdrn nur diejungen diesjährigen Sprossen an benWeinstöckrn Reben genannt, welche entweder aus der Wurzel oder aus den im vorigen Jahre verkürzten Reben, welche MM in den Weinländern Stürzest Rnorcn,Schenkel ober Ranken heißt, aufwachsen. Junge Reben pflanzen. Die Rebm lesen, in denWeinbrrgen,die jungen diesjährigen Reben aufsucheir und anömden, welche Arbeit auch rahmen genannt wird. 2) Figürlich. a) Der Weinstock selbst; in welchem Verstände es in de» Wojuländern sehr häufig ist, und auch m vielen der folgenden Zusammensetzungen vorkommt. Im Oberdeutschen bedeutetes auch zuweilen den Weinber» Arbeiter in den Reben schicken, Kar- - sersb. b) Die Nachkömmlinge einer Familie odereines Geschlechtes, doch nur in der dichterischen Schreibart; in welcher Bedeutung es auch in der Deutschen Bibel mehrmahlsworkvmmt. A'nm. Be» dein Ottfried, Willeram und Norker kebo, im Bähmischen Es ist außer allem Zweifel, daß mit diesem Worte auf die lange, dünne, schlanke Beschaffenheit der Neben gesehen werde, daher es ein naher Verwandter von Reif, Rippe u. s f. ist. (S. diese Wörter.) Im Böhmischen bedeutet üauh einen jeden jungen Zweig oderSchößling,und »»Arabischen werden die von den Bäumen herab Hangenden Zweige kuefou genannt. Jir eitrigen Oberdeutschen Gegenden heißleinBindfaden Reb'chnur, und im Niederst wird auch eine Weinrebe Ranke genannt.. - , M, So wohl igi Hoch^ als Oberdeutschen wird dieses Wort ohne alle »Alter sch ir-d bgld immänttlichrmbalh imweibüchkuGeschlech- OZ9 Ä k ö te gebraucht. Ir,dessen scheinet das weibliche Geschlecht der Hochdeutschen Mundart angemesseneren seyn. In der Deutschen Bibel kommen gleichfalls beyde Geschlechter vor. In deu3usammenfetzurrgen,wo eS oft denWeinstock überhaupt bedeutet,verkürzet die Oberdeutsche Mundart es häußg ii^eb—; z. B. Rebland, Rebasche, Rebmesser u. s. f. Die Hochdeutsche spricht, wenn sie dieser Wörter nicht entrathen kann, lieber voll- ständig R/beniandu.s.f. zumahl wenn auf das dein Mitlauter folgt, da cs ohne-die Sylbe en den Laut eines p bekommen" würde. ^ Der Rebell, des —en, plur. die—en, Fämin. die Rebellinn, einePcrson,welche sich ihrer ordentlichen und rechtiNäßrgenObrig- keit mit öffentlicher Gewalt widerfttzt; ein Aufruhrer. Aus dem Lat. rebellis. Gemeiniglich gebraucht inan der Rebell von bey. den Geschlechtern; indessen finden sich auch Benspiele von Rebellinn. Che man dieses Wort aus dem Lateinischen cumahm, suchte man sich durch buchstäbliche Übersetzungen desselben zu helfen. Daher heißt einRebellim Isidor MäctrlZruüttc, und im Kero WliiarwiZo. Die Rebelle, plur. die—bey den Gärtnern, der aus dem Franz. i^irubLllc, oder Lar. iVIrrLbtils, verstümmelte Nähme der Wunderblume ziVlirabiUr; 6/cliotonrn b,. Die ^bebellron, plur. die —en, die gewaltsame Widersetzung mehrerer wider die rechttnäßrge obrigkeitliche Gewalt; der Aufruhr. Eine Rebellion erregen. Aus dem Lat. ksbellio. Nevellrren, verb. rsZ. usulr. mit dem Hülfsworte haben, eine ' Rebellion anfangeii,sich der rechrmäßizenObrigkeit mit offenbarer Gewalt widecsetzrn. Aus. dem Lat. rebsUnre. Nevellisch, —er, —te, n6j. et Lclv. sich dct rechtmäßigen Obrigkeit mir öffcntüchcrGewalt widerseSend , und darin gegründet. Rebellische Unterthanen. Jngieichen sigürlich. Das rebellische Herz, welches sich den Lchren der Vernunft widerseset. Eine kurzeZbrstreuung wird diese rebellischenvorurtheilc bald zum Schweigen dringen, von Brame. Die Rebenäscye,plur.enr. im gemeinen Leben, besonders Ober- dentschlandes die Rebasche , die aus Weinreben gebrannte Asche. Däö Rebencruye, im Oberd. Reöauge, plur. die—n, die Blüchknospe an des Weinreben oder Weinstöcken; von Rebe, der Weinstock. Das Rehenhlcrtt, Oberd. Rebblatt, des^—es, plur. die— blätter, ein Blatt von dem Weinstocke; das Weinblatt. Die Rebendolöe, plur. die—n, eine Pflanze, welche in den > Wassergräben uitd Sümpfen Europens wächst; Osuaulsse DerRehenhain, des—cs, plur. die —e, in der dichterischen Schreibart, ein aus Reben, d. i. Weinstöcken, bestehender Hain. . Wenn die Mädchen und die Jünglinge im Rebenhaln lachen, und die reifen Trauben sammeln, Geßn. Düs Rebenholz, des—es, plur. cur. das Holz der Weinreben, und in weiterer Bedeutung des Wemstockes überhaupt zimObecd. Reb Holz. Das Rebenlaub, Oberd. Reblaub, des — es, plur. csr. das , Laub des Weinstockcs ; Weinlaub. Las Reblaub, das von "sanften Morgenwinden bewegt am Fenster sich wölbte, Geßn. Das Rebenmesser, Oberd.Rebmesser, des—s, plur. ut vom. stnZ. ein Messer, wie es die Wurzer zum Beschneiden der Weinstöcke gebrauchen; das wcinn'.esser- Der Rebenpfahl, Oderd. Revpfahl, des— es, plur. die — pfähle, ein Pfahl, so fern er den Reben, d. i. dem Weinstocke, zu r Stütze dienet; der Weinpfahl. UebeNvei ch, —er, —ste, ucij. et Lckv. reich an Reben, d. i. Weutstöcken. -- - ^ Wo um den rebenreichen Rhein Sonst Bachus fröhlich ging, Opitz. Ree 99E Der Rebensaft, des—es, plur. doch nur von mehrern Arten, die —safte, der Wein, in der dichterischen Schreibart, wre strahlt das Feuer schöner Augen! Wie blinkt der Helle Rebensaft! Haged. Die Rebenspitze, Oberd. Rebsprtze, plur. dre—die beym Beschneiden des Weines abgrschnilrenen Spitzen der Reben; am Rheine Blindholz. Der Rebenstecher, des — s, plur. ut nurn. stnZ. ein kleine» Rüsselkäfer ve:: grüner,brauner oder biauerZtrcde,welcher die jun- ge»» Rebenschosse, und dieStiele derBlätter undTrauben abkneipt, daß sie verderben müssen; in einigen Gegenden Rebenstichep- wemsticher, in Österreich Hozsnstechrr. Der RebenftoE, Oberd. Rebstock, des—es, plur. die—stöckeM der Weiustock. - Die Rebenthräne, Oberd. Rebrhrane, plur. die — n, die Tropfen, we-che imFrühlinge aus den beschnittenen Weinreben'in Gestalt derThränen tröpfeln; die Welnrhräne,dasRcbenwasser, Oberd. Rebrvasser. Das Rebgewächs, des—es, plur. car. ein nur im Oöerd. für Weinwachs übliches Wort. Ein -Land hat gutes Rebge- wachs, wenn es guten Weimvachs hat. DasRebhuhn, S. Repphuhn. *Las Rcblanö, des —es, p ur. die — lä'nder, im Oberdeutschen, zum Wcinbaue bestimmtes, mit Wernstöcken bepflanz- tesf sür dcn Weinbau bequemes Land. So werden Weinberge, Weingärten u. ff. daselbst häufig Rebländer genannt. ^Der Rebmann, des — es, plur. die Rebleute, gleichfalls nur im Oberdeutschell,Leute,welche arrs derBearbeilvng und Behandlung des Wemstockes ihr Hauptgeschäft machen, und welche man am häufigsten Winzer nennet. *Rebrecht, —er, —este,nclj. et aäv. auch nur imOberdeutschen, fürrebcnrccht. Ein rebrechrer wein, ein unverfälschter, natürlicher Wein, so wie crvon der Rebe, d. i. vom Weinstocke, kommt« ^Der Rebscyöß, des—sses> plur. die—sse, eben daselbst, junge Schößlinge an der Rebe,d. i. dem Weinstocke,welche man auch im engsten Verstände Reben nennet. Das Rscept,des—es, plur. die—e,Dimin. das Receptcherr, ^ Oberd. das Rercptlein, die schriftliche Vorschrift, was und wie viel ymn von gewissen Dingen nehmen müsse, um einen dritten künstlich vermischten Körper hervor zu bringen. Besonders eine Vorschrift des Arztes, wie der Apotheker eine Arzeney zusammen setzen und verfertigen soll ; dieAvzeney- Formel. Esist aus dem Lateinischen Worte reoipe gebildet, welches die Ärzte schon seit langen Zeiten zu Anfänge ihrer Arzerftp - Formelkkzu schreibe« p fielen. DerReceß, des—sses, plnr. die—sse, aus demLat. l^eeelbus- 1 ) Ein schriftlicher Vergleich,worin sich zwcy oder mehrerePerso- nen über eine streitige Sache vergleichen; der vergleich,Vertrag. Der Haiipt-Receß, Neben-Reccß, Erb-Recess,"Gränz- Re- cest u. s. s. Daher receffiren, sich vermittelst eines Recesses vergleichen. 2 ) In den Gerichten einiger Gegenden wird der mündliche Voktrag eines Advocaten vor Gerichte der Receß genannt; welchen Nahmen denn auch ein kurzer, schriftlicher Aufsatz bekommt, welcher anstattdieses mündlichen Vorrcagcs bey Gerichte cingegeben wirb, und seine vorgeschciebene Lange und Form hat. Z) Auch derRuckstandch.i.die versaumteZahluntz einer schuldige« Summe,und dieseSumme selbst wird zuweueil derRec^ß genannt. Im Recesse seyn, im Rückstände. Im Bergbaue bauet eineZeche denReceß ab, wenn der ihrem Baue gechaue Vorschuß von rhreM Ertrage bezahlet werden kann. DasReceß: Lüey, des—es, plur. die—Bücher, im Berghaue, ein eigenes Buch, in welches dn vierteljährigM Rechirrtngen «her - Wl Re c Lbek die Koste«, Vorrathe, R.eeffe, oder Schrrlden erncrZeche ei«-» getragei: lverdcn. Der Rec^ß-Ächreibsr, des—s, plur.uk vom. stvF. cbm daselbst, tzcrjen!se, welcher alleViecleljabre nach gehaltener A-ius- rechuungdie Nechrrnngen einer Zeche in das Neckst Luch trägt. Die Receß-Schul-, plur. die—en , eben daselbst, Schulden einer Zeche, über welche ordentliche Rechnung gehalten worden, vermuchlich vonRecest, schriftliches Verfahren. Die R 'pyheera, plur. die— N, ein Nabme, W lcht'tt in delr-gcr-nei- nen Sprecharten verschiedene Beeren, und dieGeu-ächse, welche sie tragen, sichren, r) DrvRellerhals, OLplrnc'l>4uLereum 11,, welche eine nicdrigeStaiide mit scharlachrotbett Brererr ist. 2 ) Die wilde Johannis -Beere, b.rbe5 nlpmuui ll,. Der Rechen, des —s plur. ukvom.liub. 1. Eigentlich, ein Werkzeug derGärtuer nndLandwirrhe, welches ans einem müZäh- nen oder Zinken versehenen Holze an einem langen Stiele bestehet, die aufgegrabene Erde damit zu ebenen, abgehaucnes Gras oder Getreide damit zusammen zu bringen u. s. f. Der Nähme ist besonders der Hoch-nnd Oberdeutschen Mundarteigen, dagegen die Niederdeutsche dieses Werkzeug eine Harke nennet. Ehedem wurde auch die Ege im Oberd. ein Rechen genannt. 2. Figürlich, wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt. 2) An großen Leichen ist der Rechen ein drey - oder viereckiges hölzernes Wassergebände «n einem Damme, welches aus vielen enge an einander stehenden ruid oben und unten in fiarkeBalken eingezapftenSprossen bestehet, das Wasser dadurch abfließen zu lassen , dieFische aber zurück zu halten; der Teichrechen. Die Wassermühle« haben zuweilen kinen ähnlichen Rechen vor den Rädern , -zu verhindern, daß mit dem Wasser nichts Schädliches auf die Räder falle; der Mühl- reche«, Holzrechcn, dergleichen Vorrichtung quer übereinenFlnß, has auf demselben geflößte Holz zurück zu Hallen. 2) An den Gchlagenhren ist der Rechen oder Uhrrech en ein Werkzeug an dem Vorlegewerke, welches dem Rechen der Gärtner gleicht, nur daß es, einen bogigen Rand hat, und mit Sperrzähnen ausgeschnitten ist. Er dienet die zwölf Uhrschläge abzumessen, und wird auch derStel- Zer genannt. Franz. k-uieLu^ z) Bey den Papiermachern ist Her Rechen ein breterner Kasten, in welchen Wasser fallen kann, Düt einer Rührstange, den in der Holländerey gemahlncn Zcng Larin flüssiger zu machen. Er wird an einigen Orten daeButt- Zoch genannt, weil er sich neben der großen Butte befindet. Den Nahmen einesRechens führet er vermnthlich wegen seincl Ähnlichkeit mit einem Teichrechen. Anm. Im Angels. klucs, im Engl, klalce, im'LolharinZischen Rsclttel ^ '0 klekls , und mit andern Endlauw« im Franz. N.L1LLU, im Lat.Rülirum, ksüellurn., im Ztal ^LÜLljo. (Ä. leas folgende.) Das Niederst Harke kann durch Versetzung des r, ^ oder jene-s ares diesem, ciustandenseyn. -Reepen, ver 0 . reZ. ack. mit dom Rechen in der ersten eigentlichen Bedeutung bearbeiten. Das Heu ans dei: Wiesen rechen, oder zusammen rechen. die Gange in den Gärten rechen, mir den, Rechen ebetten.Die umgegrabenenLcete rechen.So auch dasRechen. An m. In den Niederfächfischen Mundarten ist dafür Harken Mich. Lende find unmittelbärr-Nochahnumgen besSchalles, wel. chen derGcbranch dieses mir Zähnen versehenen Werkzeuges ver- rt' ftchl, And da drsscr Schall sich auch bcp andern Arten vonBewe- jlA'.rgttt findet, w ist raten im Rieders, auch scharren, fegen u. s. s. Anden meisten der folgenden Zusammensetzungen gehöret die erste K alfre nicht he rber, sondern zwdcm Zeitwort- Rechnen, vde« viel- rL«Zrz» dessen alten Stammworts rechen, zählen. Dev Rechovbshrer, des—s, plur. ul vom. küß. ein Bohrer, Si-Löcher zu ben Zinken eines Feld- edcv Garten^cheils damit zu bohr en. § Rkch §92 D-rs Rechenbret, des —es, plur. die—er, ein Werkzeug, das Rechnen zu erleichtern, weiches ans einem hölzernen Lrete oder aus einer ander!-: ebenen Flache bestehet, die durch Linien , Fäden oder Rinnen, nachMüß rebung der Stellen der Ziffern, in gewjsse Classen oder Fächer setbcilct ist ; die Rechentafel, und wenn cs miteinem eigenen Fuße in Gestalt einesTisches versehen ist, der Rechcntisch, ehedein die Rechenbank. Das Rechenbuch, drS cs, plur. die—bücher. r. Ein Buch, in welchem dieRechcnkunst gellhrct wird, welches rechnen lehret. Jngleichen ein Brich, in welchem man zur Übung rechnet. 2) Ein Buch, in welches Rechnungen, b. «.Verzeichnisse der Ausgabe und Einnahme, eingetragen werde»; eine nur im Oberdeutschen übliche Bedeutung, wofür im Hochdeutschen Rcchnungsbuch gangbar ist. Die Rechenep, plur. die — en, in einigen, besonders Oberdeutschen Gegenden, eine Nechenkammer. So ist z. B. zu Frankfurt am Main ein Rechenepamt, ein aus Raths- Deputieren bestehendes Collegium, welches die Einkünfte derStadt überhaupt ver- waltetnuid berechnet. Der Rechenfehler, des—s, plur. uk vom. livZ. ein im Rechnen begangener Fehler, der von einem Rechnringöfehler noch verschieden ist. Die Rechenhcrut, plur. die—haute, eitle im Hochdeutschen ungewöhnlich gewordeiie^enennrulg einer ArtPergamenies, aufivcl- ches man schreiben und rechnen, und dasGeschciebene wieder weg- wischen kann, dergleichen z. B. das Pergament in den Schreib- tafeln ist. Der Rächeuherr, des -»en, plur. die—en, an einigen Ortel^ ein Nähme einer obriakeitljchcnPerson, welche dieRechmingcn aiv derer dnrchstehet , und zuweilen auch derjenigen, welche der Einnahme und Ausgabe vorgesetzt ist. Die Rechenkümmer, plur. die—n, an einigen Orten, ein Colle- giur«, welches die Rechnungen der untern Beamten nachrechnet. Zuweilen auch §in jedes Collegium,, welches der Einnahme und Ausgabe vorgefttztt ist; in Frankfurt am Main die Rechen?)'. S. Rechnungskammer. Der R^chensnea-t, des - es, plur. die — e, eine Erfindung, hie Aufgaben der Rechenkunst mechanisch, ohne Nachdenken auf- zulösen. Die R echenr-tmff, plur. cnr. dieKnilst zu rechnen, die Fertigkeit, Wissenschaft, aus gegebenen Zahlet: andere zu finden, ingleicheir vbj c/ivc, der Inbegriff der dazu gehörigen RegelNzRrnlimeriLS. S. Rechuunßskunst. Der Rechenmeister, des —s, plur. uk vom. linF. :) Derjenige,welcher andern didNechcnkunft lehret, imRechuenUüwreicht crtheilet. Zuiveilen auch, s) d-njrnige, welcher die Rechenkunst vollkommen verstehet, in derselben Meiste? ist. .?) In einigen Gegenden, z. B. zu Mainz, Cöln m s. f. ist der Rechenmeister der Vorgesetzte eines Rechenamtcs oder einer Recheirkarmi'.er. Der RechcttpfennrF, des — cs, plur. die—e, aus Messing, oder andern Metallen in Gestalt der Pfennige, H. i. des Geldes, geschlatzcne Marke.il, vermittelst dtt-selben ans dem Lccchenbrete zu ' rechnen; der ZahlpfcuniA. in einig-'« Oberdeutschen Gegenden auch nur dcr Rechen, im Rieders. Skigte, von schlicht, glatt, ver- mürhlich, so fern sie eheden: glatt und ohne alles Gepräge wariu. Daher der Rechenpfennigschläger, der solche schlägt, und sofern er auch Flittern oder Flintern verfertiget, auch Ziitrerschlager und Klinterschläger genannt wird. Die Rechenschaft, plur. ear. die pflichtmäßigr Anzeigs seiner Verhallens,mnd der Gründe desselben an einenObi rn. Jemand den Rechenschaft geben, oder a b legen ; ihm Rechenschaft von etwas geben. Jemanden zur Rechenschaft fordern, oder 'Zre- heu, oder Rechenschaft von ihm fordern, diese Anzeige von ihm /orderr;- s 99Z N cch fordern.. Am Ende eines jeden Tages Rechenschaft von sich selbst fordern, warum willst du mit ihm iGon) zanken, daß er dir nichr Rechenschaft gibt alles fernes Thuns, Hiob. >3,-3, besser von semem Thun, oder wegen seines Thuns. Die Menschen müssen Rechenschaft geben am jck gsten Gerichte von einem jeglichen unnütz n Wort, Mach >2 z6. Mit andern als den j»tzi angt zeigten Z itwörteru kommt cs im Hochdeutschen Nicht vor, daher di N. A Rechenschaft mit feinen Unechten Hallen, Math. 2 5, ' 9, mit ihnen abrechnen, si- zue Rechenschaft fordern, nicht nachznahmen ist. ,Anm Im Ruderst Rckenschup. Es hat alles Ansehen eines alten Wortes, ob es stch gleich bey unfern aüenScheiftstellern noch nicht hat wollen finden lassen. Kero gebraucht dafür Rcckuin, Aede,vermuchlich auf Anleitung des Lat. kutro. ES scheinet, daß recken oder rechnen hier noch in seiner längst veralteten ersten Be- ^ deutuilg, da es so viel als reden bedeutete, und der Grund von sprechen ist, gebraucht werde, so daß Rechenschaft hier eben das ist, was Rede in dem Ausdrucke ist, Rede und Antwort von etwas geben; man müßte denn erweisen können, daß Rechenschaft eigentlich und zunächst von Ablegung der Rechnungen gebraucht wobdeii. S. Rechnen Anm. Die Rechenschule, xlur. die—n eine Schule, in welcher im Rechnen Unterricht erlheilet wird. Der Rechenstsd, des — cs, plur. die—stabe, Dimin. das Rechenstäbchen, Dberd. Rechenstäblein, kleine viereckte Stäbchen, worauf entweder das Einmahl eins ,oder auch vier Stücke von dem Lanone liexncoMLckon geschrieben find, vermittelst derselben das Rechnen zu erleichtern. Oie NepcrischcnSrabchcn undSexa- gonal- Stäbchen find von dieser Art. Der Rechenftift, des —cs, plur. die — e, der Stift oder Griffel von Schiefer, womit man auf die Rechentafel schreibt. Die Rechentafel, plur. die—n, Dimin. das Rechentäfclchen, eine Tafel, daraufzn rechnen oder das Rechnen zu erleichtern. Be- ^ sonders r) das Rechenbret/ welches bey einigen gleichfalls diesen Nahmen führet. (Ä. dieses Wort.) 2) Eine Tafel von Schiefer, eure Schiefertafel, ist gleichfalls unter dein Nahmen derRecheyta- fel bekannt. 3) Auch das Linmahl eins wird von vielen mit diesem ' - Nahmen belegt. Der Rechentisch, des—es, plur. die—e, Dimin. d§s Rechen- ttschchen, D.berd. Rechcntischlein. S. Rechenbret. DerRöchlmy, des—es, piur. die—e, in einigest Gegenden, derjenige Fisch, welcher im Hochdeutschen unter dem Nahmen des Aörfts am bekanntesten ,si; Re en l.,. Ohne Zweifel wegen seiner Stacheln, wegen welcher er einem Rechen nicht unähnlich ist. Siehe Bars. Rechnen, verb.rsx act. etneulr. welches im ketztern Falle das Hülftwort haben erfordert. ') *Jm e-gcnrlichstcn und ursprünglichen Versiailde, sagen, reden, sprechen, nstd besonders erzählen; eine im Hochdeutschen längst veraltete Bedeutung, welche indessen doch der Grund aller folgrndett ist, daher sie hier eine Stelle verdienet. Bey dem Kero ist rLtlilloll erzählen, bey dem Ottfried rectrsn gleichfalls crzählen,undirresteu mitWorten auSdruckcn, , und bey dem Notker raclian erklären; von welchem rachen oder rechen unser rechnen das Jntensivum ist 2) Zählen ; eine nrlv ^ noch ür einigen Fällen übliche Bedenrung. Etwas an den Finge', n herrechnc-n. Litus zuin andern rechnen. Besonders der Zabl nach beftvnmeu. Die Zeit nach Jahren, yach Monatheu rechnen. Wttm ich mich legete, sprach ich, wenn werde ich auf- stehen t lind darnach rechnete ich , wenns Abend wollte werden, H.ob 7, 4. Nach dem Mond rechnet man die Feste, Sir. 43,7. 3) Ein Ding unter eine allgemeine Eigenschaft, untre ein allgemeines Prädicar bringe u; in welchem Verstand» auch das Uds!.w.B.,L,TH. 2.Allst. Rech 994 Wort zählen gebraucht wird. Er rechnet sich unter die ehrlichen Leute. Ich rechne mich auch dazu. Menschen, die sich selbst zum Geschlechte der Thier e rechnen. Er -ft unter die' sjbcith'äter gerechnet, Marc. - L, 2 8. 4) Mit in Rechnung, mir in Anschlag, mit in da? VerKeichniß einer Zahl oder Menge bringen. Die Unkosten will ich nicht einmahl rechnen. Len Wein nicht mit gerechnet. Seine Mühe wird garst nicht gerechnet. L as Silber war nicht gerechnet 2 Chrom 9, 20. z) Schätzen, d. i. die Zahl und den Werth eines Dinges muthrnaßlich bestimmen. Sie wurden gerechnet ins Heer zum Streit an ihrer Zahl 26000 Manner, ' Chrom 8, 40. Jetzt ist diese Wortfügung veraltet, und man gebraucht dafür, wenn von einerZahl oder Menge die Rede ist, das Vorwort auf: fle wurden nufaöooc» Ma- n gerechnet. Voit dem Wcrthe ohne Zahlwort, fängt cs an im Hochdeutschen zu veralten. Das Silber wurde wie Roth gerechnet, Wcish. 7,9. 6) In weiterer Bedeutung, ein nmth- maßiiches Ucrheil über die Beschaffenheit einer Sache fällen. Ein Narr wird auch weise gerechnet, Speichw. 17, 28 , -für weife gehalten. Eine veraltete Bedeutung, welche nur noch zuweilen mit dem Vorwärts für vvrkomlyt, ungeachtet stc auch hierzu veralten anfängt. Etwas für einen 5!uch rechnen, d. i. halten, Speichw. >7, ^ 4. Ihr Abschied wird für eine Pein gerechnet,Welsh 3,2. Etwas für gemein rechnen, Röm. 14,14. Um welches willen ich alles habe für Schaden gerechnet, Dhil. 3 , 8. Das rechnet er für nichts. 7) Auf etwas rechnen, erwas Gutes davon hoffen, sich daraufverlaffut. Rechnen ste auf meine Freundschaft, vergaffen sie sich darauf, wenn meine Zärtlichkeit auf Gegenliebe rechnen konnte. Ich rechne auf dich, verlasse mich auf dich. Darauf kann ich nicht rechnen. 8) Aus gegebenen Zahlen andere unbekannte finden ; eine unmittelbare Figur von der zweytcir Bedeutung desZHleiis. Mit Rechenpfennigen rechnen. Rechnen lernen. Falsch rechnen. Zwev Su mmen zusammen rechnen. §>) Mit jemanden rechnen, mir chm zusamuren rechnen, mit ihm abrechnen ; eine nur noch im gemeinen Leben übliche Bedeutung. Das Himmelreich ist gleich einem Ronige, der mit seinen Rttechten rechnen wollte, Match.' 8 , 2 z. Daher das Rechnen. S. auch die Rechnung. Anm. Schon bey demUlphilas rLslinLL, im Rieders, rekenen, im Schwed, r^kns, im Jsläno. rsic^un, im Dän. regna. Alls dcrEndsplke -, neu erhellet schon, daß es ein Jntensivum ist. Das jetzt im Hochdeutschen veraltete Slammwort rechen, dessen schoit bey der ersten Bedeutung gedacht worden , kommt noch im Tbenerdankefür rechnen vor, und im Niederst ist auch r eken noch völlig gangbar, so wie dasEngl. W rscston,das Angelst recenn, dasselbe auch noch haben. Im Pohln. ist gleichfalls rechnen, und im Arab. die Recheilknüst, und raeka schreiben, aufschreiben. Wachter leitet es von dem veralteten Rm- cUa, Ursache, her, weil doch das Rechnen ein Beweis einer Sache durch Zahlen sep; Junius und Ihre aber von dem Holland. Resst, Niederst Reege, die Reihe, welche durch die alte Art, vermittelst mehrerer auf Draht gereihcter Kügelchen zn rechnen , bestätiget wird. Indessen kann es auch sepn, daß dcrLegriffdcsZählens und d des Rechnens eine Figur von dem Begriffe der Rede ist, znmahl da fast alle gleichbedeutende Wörter im Deutschen und andern Sprachen ähnliche Figuren find. Von dem Griech. Xo-xog, das Wort, kommt'Xo'z-'r^Ssr, rechnen; das Döerd. rairen, Veiten, rechnen, Schweb.,re <1ä, zählen, gehöret zu reden; unser.z Wen ist das Angelst tLsIlLü, sagen, Holl, teilen. Engl, to Lei!, welches dieseBedentung noch in erzählen hat, nnd andere mehr. (S. - Reiten.) Dieses raiten und unser rechnen find nur im Ene laute unterschieden, so wjeKeroSRusua, dasAngclstRuev, dasFinuischeki- V' i, und Walks.LLrrE, rik.c Zahl. Übrigens ist in -eaZusammen- N r r setzungen Setzungen noch bas veraltete einfache rechen für rechnen üblich, wie Rechenbuch, Rechenkunst u. s. f. Der Rechner, des—s, plur. urvom.livZ. r) Eine Person, welche rechnet; eine ungewöhnliche Bedeutung. 2) Eure Person, welche die Rechenkunst verstehet; wo man es noch zuweilen gebraucht. Er ist ein guter Rechner. Z) In einigen Oberdeutschen Gegenden bedeutet es jemanden, welchem öffentlicheRechnungen, öffentliche Ausgaben und Einnahmen anverteauet sind,und da hat man auch (i)berrechner. Dessen Gattinn , die Rechnerinn. Die Rechnung, plur. die—>rn, von dem Zeitworte rechnen. i. * In der ersten veralteten Bedeutung des Zeitwortes wurde Rechnung ehedem für Rechenschaft gebraucht, in welchem Verstände es noch im Oberdeutschen, aber ohne Plural, vorkommt. Heiß aber mich auch nicht Üarneben , Dir vor Gerichte Rechnung geben. Beenge ja nicht deinen Rnecht, Opitz. Wo cs aber such eine Figur von der folgenden Bedeutung sepn kann. 2. So fern rechnen zählen, zusammen zählen,und figürlich,aus gegebenen Zahlen eure unbekannte finden bedeutet, ist Rechnung r) die Art und Weise zu rechnen, d. i. aus bekannten Zahlen eine unbekannte zu finden. Die Rechnung mit Zahlen,mit Buchstaben, mit Rechenpfennigen u. s. f. Die Differential-Rechnung, Integral-Rechnung u. s. f. 2) Mehrere unter einander gesetzte Zahlen, aus welchen eine unbekannt gewesene Zahl gefunden worden ; wo es doch nur in engerer Bedeutung von dem umständlichen Verzeichnisse der Ausgabe undEinnahme einer bcsiimmtenMenge Geldes oder Maaren gebraucht wird. Die Rechnung führen, die Ausgabe und Einnahme aufzeichnen. Etwas in Rechnung bringen, in das Verzeichniß der Einnahme und Ausgabe. Eine Rechnung schließen. Buch und Rechnung halten, bey den Kaufleu- tenl Jemandes Rechnung durchsehen. Besonders das Ver- Zeichnißher Ausgabe und Einnahme anvcrtrautenGeldes oder au- vertrauter beweglicher Dinge. Rechnung ablegen, von etwas Rechnung ablegen, ein richtiges Verzeichniß darüber eingcben. Mit der Rechnung nicht bestehen. Rechnung von jemanden fordern. Jemanden die Rechnung abnehmen, ihn solche ablegen lassen. Jnglcichen das Verhältniß, da man von anvertrautem fremden Gute Rechnung zu führen und abzulegen verbunden ist; ohne Plural. Auf Rechnung fltzen. Ein Gut auf Rechnung Verwalten lassen ; im Gegensätze der Verpachtung. 3) In engerer Bedeutung ist die Rechnung das umständliche oder nach cinzel- men Stücken eingerichtete Verzeichuiß empfangener Güter oder Maaren und der dafür schuldigen Summe. Eine Rechnung bezahlen. Schicken sie mir die Rechnung. "Einem die Rechnung machen. Etwas in Rechnung bringen, verzeichnen. Schreiben sie es auf meine Rechnung. Die Rechnung ohne den Wirth machen. Da es denn zuweilen auch, doch ohne Plural, für Credit gebraucht wird, und alsdann der baren Bezahlung entgegen gesetzt ist. Auf Rechnung kaufen, auf Credit, auf Borg. IemandeNwaaren aufRechmiug geben, sie ihm borgen. 3. In der sechsten Bedeutung des Zeitwortes, da es so viel als Dafürhalten bedenket, ist die Rechnung, doch ohne Plural, die muthmaßlrche Bestimmung einer Zahl, Zeit, Menge u. s.f. Nach meiner Rechnung muß er morgen kommen. Ihre Rechnung trifft nicht ein. Daher es denn figürlich und in der anständigen Sprechart in einigen Gegenden auch von der monachlichenReim- Kung des anhernGeschlechtes gebraucht wird, ohne Zweifel,so fern deren Zeit nur muthmeßlich bestimmt wird. Die Rechnung Haben. - Inder siebenten Bedeutung des Zeitwortes ist die Rech- MNA, gleichfalls ohne Plmal, die.wahrscheinliche Hoffnung, doch nurinöerR. A. sich auf etwas Rechnung machen. Aufmeine Freundschaft dürfen sie sich keine Rechnung mehr machen. Sich auf einen starken Gewinn Rechnung machen. Vermuth. lich gehöret hierher auch die R. A. seine Rechnung bey etwas finden,- Vorrheil, Nutzen, Gewinn dabcy haben, eigentlich wohl, seine Hoffnung dabey erfüllet finden. Anm. Im Niederst Rekenung, im Engl. ReckovivA. Es ist aus dem Zeitworte rechnen und der Endsvlbe—ing oder —ung zusammen gesetzet, welche nicht allemahl eineHandlung, sondern auch sehr oft ein Ding, ein Subject bedeutet, dessen Pea- dicatiu demZeitwortelieget. S. —Ing. Die Rechnungsart, plur. die—en, die Art und Weise zu rechnen. Besonders werden in der Rechenkunst die Arte« der Veräu- derung, welche mit den Zahlen vorgenommen werden können, Rechnungsarten- oder mit einem Lateinischen Kunstworte Spe- cics genannt. Jetzt zählet man deren vier,dasAddiren,Mulkiplici- ren,Subtrahiren nndDividjren.Ehcdem begriffmall auch dasNu- meriren oder Anssprechen derZahlen darunter, nicht so fern rech- nenZahlen verändern oder aus bekannten Zahlerl eine unbekannte finden,bedeutet,sondern so fernes auch für zählen ündaussprechc» überhaupt gebraucht wird. Der Rechnungsbeamte, des—u, plur. die— N, ein jeder Beamter, welcher einer Einnahme vorgesetzet ist,welche einem andern berechnet werden muß. Das Rechnunysbüch, des — es, plur. die—bücher, ein Buch, in welchesRechnungen, d.i.umftändlichcVcrzeichttiffedcrEinnah- mcn und Ausgaben, eingetragen werden, und welches von einem Rechenbuchs noch verschieden ist. DerRechnunysfehler, des—s, plur fiat vorn. ssvA. ein in einer Rechnung in dem vorigen Verstände begangener Fehler. Ein ' Rechenfehler würde der seyn , welcher im Rechnen begangen worden. Der RechnunFSführer, des—s, plur. ut vom. 6VF. derjenige, welcher eine Rechnung führet, d. i. die Einnahmen und Aus^ gaben aufzelchnet, und ste dem Eigeuthümer berechnet. Die Rechnunyskammer, die—n, eine Kämmer, d. i. ein Collegium solcher Personen, welches über die Einnahmen undAusga- ben gewisser Art Rechnung führet, und auch die Rcchenkammer, zuweilen auch nur die Rammer schlechthin genannt wird. Die kaiserlich - königliche Rechnungskammer zu Wien hat einen Präsidenten,verschiedene Hofräthe, Rechenkammerrc.'the u. s. f. Eben daselbst und in andern OberdeutschenPegenden führet sic anch den RahmenderRarrkammer. S. 1 Reiten. Die Rechnunyskunst, plur. ear. dieKunst oderGeschicklichkeit, Rechnungen, d. i. umständliche und richtige Verzeichnisse derEin- nahmen und Ausgaben,;» entwerfen,zu führen und zu beurtheilen, und welche mit der Rechenkunst nicht verwechselt werden muß. Die RechnunFSMimzs, plur. die---n, eine Münze, welche nicht wirklich geprägt vorhanden ist,sondern nur zurErleichterung der Rechnungen angenommen worden; dergleichen z. B. die Pfunde find. Das Rechnungswesen, des—s, plur. cur. alles, was zu« Rechnung, d. i. zum umständliche» Verzeichnisse der Einnahmen und Ausgaben, gehöret. Recht, ein Nebenwort, welches im Hochdeutschen nicht comparirt wird, und mit dem folgenden Beynwrte eigentlich ein und eben dasselbe Wort ausmacht, hier aber, weil beyde mehrere eigene Bedeutungen haben.'um der bessern Übersicht willen von demselben getrennet wird. Es bedeutet, ». ^Eigentlich, gerade, von der Richtung, so fern sie die kür- ^zcste Linie zwischen zwep Pnncten ist. Es ist inr-Hochdciitfchen i» 997 Rech sagt man noch, recht-stehen, gerade, aufrecht, (G. dasselbe,) und im Forstwesen ist ein gerechter Baum, ein gerade gewachsener. (S. Gerecht.) Zm Duhmarstschen ist ein Recht, undimPlural Rechter, eine Latte, welches Wort allem Ansehen nach auch noch diese ersteBetzeutmig znmGrundehat.Dasaltt-Gochische rackits, Engl. riZüt, und Schweb, ruk, bedeuten gleichfalls gerade, und mit ausgelassenem Hauchlaute gehören auch das Schweb rätt, dasZsländ. reilur, gerade, eben, und unser rad in gerade selbst hierher, S. daslltz'ers. 2. Figürlich, wo es von eine .i sehr weiten Umfange derBedeu- tung ist, dem Sudjecte, Objecte und Prädicate in verschiedenen Betrachtungen gemäß. 1) Der Achtung nach; vielleicht die erste und nächste Bedeutung, welche alle folgende figürlichen mit der vorigen eigentlichen verbindet. Man gebraucht es hier nur noch in denZusammen- setzungen senkrecht, scheirelrecht,wagerecht, wasserrecht,schnurrecht u. s. s. wo es zugleich als ein Beywort gebraucht wird. 2) Dem körperlicheuUmfange gemäß, paffend; wofür auch wohl gerecht gebraucht wird. Das Rlcid ist mir recht, passet. Die Rugel ist recht, wenn sie in den Lauf pasiet. In alle Sättel recht, oder gerecht scpn, sich in alles zu schicken wissen. z) Der Empfindung, dem Verlangen, der Absicht gemäß. So wohl den sinnlichen Empfindungen nach, wo man in der vertraulichen Sprechart sagt, mir ist nicht recht, so wohl wenn man unpaß ist, als auch, wenn man dunkele, unangenehme Empfindungen hat, deren Ursprung man sich nicht deutlich bewußt ist. Ich höre nunmehr wohl, Hast dir nicht recht ist. Du sahst so sauer aus, als wäre dir nicht recht, Rost. Einen Rranken, einen Ohnmächtigen wieder zu recht bringen, im gemeinen Leben, ihm zu seiner Gesundheit verhelfen, ihn wie- ' der z,l sich selbst bringen. Im Schwedischen ist daher die Gesundheit.Als auch in weiterer Bedeutung, dem Wunsche, dem Verlangen, der Absicht gemäß ; am häufigsten in der vertraulichen Sprechart. Mir rft alles recht, ich lasse mir alles gefallen. Und das war chm schon recht, war seinen Wünschen gemäß. Sie kommen Mir eben recht, eben zu gelegener Zeit. Du kommst mir eben recht, ich wollte so schon speisen, Haged. Nomm' ich vielleicht nicht recht, und bin ich dir zuwider r Rost. Jssdir vielleicht meine Gegenwart-beschwerlich ? Es war mir nicht recht, daß er wegging, es war miräinangenehm. d Man kann ihm nichts recht machen, nichts, damit er zufrieden wäre, nichts mDanke. Der must früh aufstchen, der es allen recht machen will. Das wäre mir recht! ironisch., Jngleichen als ein Zwischenwort, seinen Beyfall, seine Zufriedenheit arl dcnTag zu legen. Recht so! Go recht, mein Sohn! 4) Mit dcrSache selbst, mit demPrädicate übereinstimMig. a) Mit der Sache selbst übereinstimmig ; im Gegensätze d. s'falsch und unrecht. Wo mir recht ist, wenn ich mich nicht irre. Berich- ten fle mich recht, sagen sie mir die Wahrheit. Recht uctheilcn. Recht sehen, Horen, lesen u. s. s. Ein Wort nicht recht aus- sprcchcn- Sw haben rbcht geurtheiset.' Gagen sie mn s recht, im gemeinen Leben, für : sagemsie mir die Wahrheit. Recht rächen, recht zählen, recht rechnen«.s. s. Das haben sie nicht .recht vcrstan den.. Gagen w r nicht recht, daß du e n S rma- rrtep bist;' Job.. 8, 48. (S. anck Richtig.) b) In engerer Bedeutung,genatt,pünctlich,mir dem Peädioaie völlig überein stimmend, für genau, völlig u. s. f. Recht in die Mitte treffen. Dieser Anschlag kommt recht aus dem Innerster; ihres Zer;,ms. Gell. Ich warte recht mit Ungeduld. W-il ich kein Vergnügen Techt schmecke, welches ich nicht mir dir rhcile. Recht, 'wre sichs Rech 998 gehörst. Ich hake es ihm verziehen, aber nicht recht, nichr völlig. Ich weiß es selbst nicht recht. Ich weiß mich nichr recht in sie zu finden. Sie sind nicht recht einig. Du kommff ja recht in die Zitze. Das Befehlen kleidet dich doch nicht recht. Unh-vsn den Schäferinnen gefiel mir keine recht, Rost. Nicht recht bey Sinnen se^n, nicht pöllig. Recht, als ob es der Zimmel so hatte haben wollen. Da es denn c) nach einer noch weiter,; Figur auch zu einer itttenstvenPartikel wird, welche auch- anderuBcy-und Nebenwörtern vorgesctzet werden kann; für sehr» Ich habe recht viele Ursachen dazu. Er hatte mir recht viek Zusagen. Ich will mich mit ihnen heute recht vergnügen^ Gell. Er ist ein rechtfeincr Mensch, Wir hahen recht gelacht. Das kommt uns recht gut zu Statten. Machen fle ihn nur recht schamroth, Gell. Ich bin ihm recht herzlich gut, ebend» Recht sehr schon. Ich habe fie ja recht lange nicht geseh-i. Das ist mirjarechtlieb. Das ist ja recht gut. Recht gern. Es ist recht kalt, recht sehr kalt. Ihr seyd gelehrt, recht sehr gelehrt in allen Sachen, Gell. Die Schweden gebrauchen ihr i Llt anfeben diese Art ;die Engländer gebrauchen dafür vsr^. Wen» dieses Nebcnwort als eine Intensiv» einem Beyworte " vorgesetzet wird, so pflegen verschiedene Hochdeutsch-.Schriftstcllcr dasselbe gern als ein Beywort zu behandeln, welches aber ein Fehler ist. Er wird ein rechttr großer Zerr werdew. Du bist eines rechten frommen Mannes Sohn, Tob. 7, 7- Er hatte rechte feine Mienen, Gell. Ich bin ein rechter glücklicher Vater, ebend. Z) Dem Endzwecke,derBestimmpng gemäß,auch dcnGra- den nach ; für gehörig, wenn ich es recht bedenke. Das da ben sie nichtstecht überlegt. Das ist recht. Bomm' ich hier nicht recht? im gemeinen Leben, komm ich hier an den O; r, an welchen ich wollte ? .Ew. Schreiben ist uns zu recht worden, inr Oberd. ist uns richtig eingehändiget worden. S. auck^Zurecht. 6) Dem Gesetze, dem Rechte und der Billigkeit gemäß ; inr Gegensätze des unrecht. Thur recht, scheue niemand. Du hast., recht gethan. Von ihm ist« doch auch nicht recht, Weiße» Etwas recht sprechen, für recht erklären, welches von. Reepe sprechen noch unterschieden ist. (S. das HauvrwortRecht.) Jar eitlem andern Verstände kommt es Es. 50,8 vor : er ist nahe, der mich recht spricht, wo es dasveralrew Bcyworrrechkfirr gerecht -ist, der mich für gerecht erkläret. Ergehen lassen, was recht ist» Fordern, geben, was rechtest, wie es rechrund billig rst. K» ist nicht recht, daß ».s. s. Etwas für recht erkcimon. Isis recht, daß man dem Daiser Zmse gebe? Matth.22, 17. Ausgleichen mit dem Zeitworte geschehen. Es grschiehct ihm recht, wie er es durch sein Vergehen verdienet hat. Es gcschr'ehet dir gar recht. Dir, Flattergeist, istrecht geschehen, Gels. Anm. In den R. A. Recht haben, einem Recht geben. Recht behalten, einem Recht lassen "u. s. f. ist es das Hauptwort, (siede dasselbe.) Der Comparativ und Superlativ sind imHöchdentschelr ungewöhnlich, obgleich die meisten Bedeutungen dieselben wohk ' »erstatteten, auch gerecht die Comparation leidet. Einige Oberdeutsch e Mundarten comparircn es indessen ohne Bcdcnken. Rech-- ter zu sagen,-Lodeustein, für besser, richtiger. In Ansehung derr Etyniologie/ S. das Hauptwort Recht in der Anm. Recht, ael). welches so wie das vorige Nebenwort gleichfalls nicht comparieet ivird-Iuid in einer doppelrenHauptbedemung üblich ist» 1. Die rechte Zand,diejenige,welche.gemeiniglich am stärksten, zu den Verrichtungen am geschicktesten ist, und daher auch zu den Handarbeiten am meisten gebraucht wird ; im Gegensätze der linken Zand. Daher auch alles, was sich an dieser Seite des menschlich en L?ib"s, and figürlich auch an del^thierischku-Körperu befindet, R r r L ' 1000 999 Rech mit-biesem Beyworte bezeichnet wirb, die rechte Gelte, bas rechte Auge, der rechte Fuß. Zugleich,:» was sich auch außer hem menschlichen Körper auf dieser Seite befindet. Der rechte Angel einer Armee, im Gegensätze des linken. Rechter Zand, -, i. zue rechten Hand, aufdie Seite, nach der Richtung der rechten Hand. Sich rechter Zand wenden. Las L>orf liegt rechter Zand. Einen weg rechter Zand liegen lassen. Jemanden die rechte Zand lassen, ihn oben au, zur rechteil Hand gehen lassen. Jemandes rechte Zand seyn, figürlich, ihm mit Rath und Thal unentbehrliche Dienste leisten. Oie rechte Zand, oder Rechte Gottes, in der Deutschen Bibel, dessen unmittelbare Macht. Auch in des höher» Schreibart wird das Beywort in Gestalt eines Hauptwortes gebraucht, die Rechte für die rechte Zand. So bald der Speer der schrecklichen Minerva seine Rechte füllte, Ramml. Im Oberdeutschen ist auch dafür gerecht üblich. Und trat gleich darein mit dem gerechten Fueßlein sein, Theuerd.Kav. 6z. Das Nebenivort von recht in dieser Bedeutung lautet rechts, S. dasselbe. Es hat alles Ansehen, daß recht in dieser Bedeutung nicht unmittelbar von der folgenden Bedeutung des gerade, der Richtung nach, oder einer ihrer Figuren abstammet, sondern zu rechen , reichen, in der weitesten Bedeutung der Bewegung, oder auch des DarreichenS, an fichNehmens u. s. s. gehöret, weil die rechte Hand zu diesen und andern ähnliche« Handlungeu am häustgsteu gebraucht wird, Das Lat. cksxter leidet eine ähnliche Ableitung von Se/L-tv, Srittsvstv, zeigen, SetA-, dasZeichcn, derBewcis, und u«. sermJntrnsivo zeichne«, Niederst tekenen,Allgels.taevnll,bey dem Ulphilas taiküsii. In unfern altenOberd. Schriftstellern kommt für recht iu dieser Bedeutung beständig relun , resto, refwL, rslesrva, zeschwa u. s. f. vor, und es scheint in dieser Bedeutung i» einigen Oberdeutschen Gegenden noch üblich zu seyn. So viel ich weiß, hat noch niemand dessen Ableitung versucht; allein, wenn man erwäget, daß dieses Wort bey dem Ulphilas taiüsrvo lautet, uud daß s und t in den Mundarten beständig in einander übergehen, wie auch hier aus dem Hochd. zeichnen undNiederd. rekenen erhellet, so sichet man bald, daß es mit diesen Wörtern gleichfalls zu dexter, öe/xrtt, u. s. s. gehöret. Zu den gemeinen Sprecharten sagt inan für rechter Zand oder zur rechten Zand, von der Zand, von fich, im Gegensätze des zu der Zand, zu sich, d. i. linker Hand. S. auch Link. 2. Gerade , so wie das Nebenwort recht, Lat. rectus , Jtal. retto und mit Vorgesetztem d dritte», Franz. droit., Im Hochdeutschen ist es im eigentlichen Verstände auch hier veraltet; aber in einigen OberdeutschcnGegenden sagt mau noch eine rechtcLinie, für eine gerade. Indessen stammen von dieser eigentlichen Bedeutung noch verschiedene figürliche ab, von welchen einige auch zu der vorigen ersten Bedeutung gehören könuen. Überhaupt scheinen fich alle diese figürlichen Bedeutungen, so wie bey demRebenworte, auf den BegriffderGemäßheit, der Übereinstimmung, z„ gründen, und nur in Ansehung des Gegenstandes derselben verschieden zu seyn. Merkwürdig ist indessen, daß das Beymnd Nebenwort hier nicht allemahl in einerlei-Fällen gebraucht werden, ob sie gleich in einigen zusammen treffen. Ohne Zweifel ist hiervon noch derjenige Gebrauch ein Überbleibsel, da mail einer', von einer perpendiculären auf einer horizomalellLiure gemachten Winkel, oder einen Winkel von 90 Graden, einen rechten Winkel, anZulum rectum , zu Neunen pflegt, im Gegensätze eines schiefen Winkels. i) Zu Ansehung derBichtnng, so wie dasNebeuwort; doch hirr auch nur in den Zusammensetzungen schcitelrecht, wagerecht, senkrecht, wafferrecht m s. s. Wo es im Norhfalle auch die Csm- jpirraüo n leidet. Rech 2) Dem körperlichen Umfange nach; doch" nur in einigen gemcineuSprecharten, wofür im Hochdeutschen gerecht verkommt. Ein rechtes Riech , ein gerechtes. Ein in alle Sattel rechter', gerechter Mann. S. Gerecht. z) Mit der Sache selbst genau überein stimmend-- wie das Nebenwort recht 2. 4). (a) In mehr eigentlichem Verstaube, wo es für wahr, im Gegensätze des falsch, gebraucht wird, aber in dieserBedeutung doch nur im gemeinen Leben und in der vertraulichen Gprechart gangbarer ist , als in der edlen und anständigen Schreibart. Lev rechte Gott, besser der wahre, im Gegensätze falscher Gottheiten. Die rechte Bedeutung eines Wortes, die wahre. Es ist mein rechter Ernst. Der rechte Glaube, der wahre. Warum tadelt ihr die rechte Rede? Hiob. 6, 2z. Eine Sache aus dem rechten Geflchtspunete ansehen. Der rechte Erbe, im Gegensätze des falschen, angeblichen Erben. Rlugheit ist das rechte graue Zaar, Weish. 4, 9 ; welches ganz etwas andres ist als recht graues Zaar, (S. das Nebemvvrt Recht 2. 4) (c) Den rechten Grund wissen wollen. Da nennt man doch ein verbrechen bey seinem rechten Nahmen, Weiße. Eine Stelle im Zuchthanfe muß dagegen eine rechte Glückseligkeit feyn, Gell. Der rechte Vater, die rechte Mutter, der rechte Bruder, die rechte Schwester, im Gegensätze des Stiefvaters, der Stiefmutter», s. f. Rechte Rinder, leibliche Kinder, im Gegensätze der Stiefkinder. I» einem andern Verstände find rechte Rinder rechtmäßige, eheliche; da gehocktes aber zur folgenden sechste» Bedeutung. (b) Nach einer noch weitern Figur bekommt das Beywort, so wie das Nebenwort, sehr oft eilte intensive Bedeutung, für vorzüglich, groß u. s. f. in welchem Verstände es aber auch nur in der vertraulichen Sprechart üblich ist. Das ist eine rechte Plage, eine wahre, große Plage. Das ist ja eine rechte Zofsprache, Gell. Ich habe noch nicht rechte Lust zu geben. Ich habe eine »echte Freude darüber. Er ist ein rechter Narr. Er ist ein rechter Medicus, ein überaus geschickter. welche eine gräuliche und rechte Nacht war, Weish. 17, 14. Las war ein rechter Lärm. Nun geht erst die rechte Schwierigkeit an. Der Teufelseht, das warein rechtes Rad, Gell. Das war ein rechter Gtaar, ich hatt'jhn aufgezogen, ebcud. Da es denn im ironischen Verstände auch ohne Hauptwort gebraucht wird. Lu bist mir auch der rechte. Er ist der rechten einer. Da sind sie zum rechten gekommen. Ihr ftyd die rechten. Wenn os aber im ungewissen Geschlechts als ein Hauptwort gebraucht wird, so bedeutet es, doch immer noch im gemeinen Leben, etwas Vorzügliches, Wichtiges. Er hat was Rechtes gelernet. wir haben was Rechtes gelacht, gar sehr. Das wäre auch was Rechtes! Sie wissen doch nichts Rechtes mit dem Briefe anzirfangen. Es ist nichts Rechtes, niemand von Bedeutung. 4) Der Vollkommenheit gemäß; wo es nur iu einigen gemeinen Sprecharten für echt, im Gegensätze des falsch oder unecht, gebraucht wird. Rechte perlen, echte, wahre. Rechtes Gold, echtes. L) Dem Endzwecke, der Absicht, der Bestimmung, de» Umständen gemäß, im Gegensätze des unrecht. Das sind nicht die rechten Mittel. Len rechten Weg geben. Las ist nicht der rechte Schlüssel- LierechteSeite eines Tuches , im Gegen« satze dec Unrechten. Etwas an dem rechten Mete angreifen. Zur rechten Zeit kommen, vor die rechte Schmiede gehen. Die rechte Welte Große . Zöhe haben. Ein Ding liegt an seiner rechten Stelle, an seinem rechten (Urte, der ihm zukommt, iO0i ReH »der der unserer Absicht nach der bequemste ist. Der rechtz Gebrauch der Sache, der ihrem Zwecke gemäß 'ist. Ihm stehet Las Maul auf dem rechten Zlecke, in der niedrigen Sprechart. Die Wissenschaft zu rechter Zeit ein Thor zu seyn, ist noch die einträglichste unter allen. Ruh' etwas aus und iß dich satt, Und warte bis dein8nß die rechten Rrafte hak, Gell. 6) Dem Gesetze gemäß, für rechtmäßig doch in den meisten Fällen auch nur im gemeinen Leben. Die rechte Frau, die ehe- uche, im Gegensätze einer Bepschläftrinn. Rechte Rinder, eheliche, im Gegensätze unehelicher. Das gehet nicht mit rechten: Dingen;», nicht auf ejus rechtmäßige, erlaubte Art, nicht durch rechtmäßige Mittel. Rechte Wage, rechte Pfunde, rechte Scheffel, rechte Rannen sollen bcyeuch seyn, Z Mos. -9 , 36; im Gegensätze dev falschen. Zu rechter vormittagszeit vor Gerichte erscheinen, in der.Gerichtsspräche, zu der gehörigen, m den Rechten bestimmten. Zn noch weiterer Bedeutung wurde es ehedem auch für gerecht gebraucht, in welcher im Kochdeutschen veralteten Bedeutung es noch iu der Deutschen Bibel vorkomrnt. Ein rechtes Gericht, L Mos. r 6,18. Der rechte Richter, Ps. 7 , r-; Ps. 9, L. Eine rechte Sache, Nicht. >Z, 3. Siehe die Anmerkung zudem folgenden Kauptworte Recht. Das Recht, des — cs, plur. die—e, dev Zustand, da etwas recht ist, und dasjenige was recht ist, doch nur in einigen Bedeutungen dieses Bey- und Nebeuwortes. i. Der Zustand, als ein Abstractum. 1) Der Zustand, da jemandes Worte oder Handlungen mit der Sachcfelbst, mit der Wahrheit überein stimme» ; doch nur in einigen R. A. und ohne Plural so wohl als ohne Artikel. Sie haben Recht, sagt man, wenn man zu erkennen geben will, daß jemand die Wahrheit sage; bedeutetes aber so viel, daß jemandes Worte oder Handlungen dem G'.setzc, der Vorschrift, der Billigkeit u. s. s. gemäß seyn, so gehöret es zur folgenden sechsten Bedeutung. Einem Recht geben, gestehen, daß er die Wahrheit rede, und in engerer Bedeutung, gestehen, daß seine Worte, seine Handlungen mit den Gesetzen^ mit der Klugheit u. s. s. überein stimmen. Recht behalten, andern das Zeuginß abzwingen, daß man Recht-habe. Einem Recht lassen, zugeben, daß er Recht behalte. Tochter, Lu hast sehr Recht, Gell, du sagest vollkommen die Wahrheit. Sie haben Recht, wenn sie sagen, daß er ihrer Wohlthaten unwürdig ist. Viele schreiben es in diesen Fällen mit einem kleinen r, a-ls wenn cs das Neöenwoct wäre; allein das Hauptwort wied bey einer genauer» Untersuchung immer mehr Gründe für sich haben. , - 2) *.Die echte Beschaffenheit eines Dinges, im Gegensätze der verfälschten; eine v'öllig ungewöhnliche Bedeutung, Zu welcher nur das Licht und Recht, 2 Mos. 28, zo gehöret, worunter glänzende und echte Steine verstanden werden. S. das Beywort Recht 2. 4). 3) In gewöhnlicherer Bedeutung, das moralischeVermögen, etwas zu thnn, zu lassen, und von dem andern zu fordern ; wo auch der Plural State findet, so fern dieses Vermögen in Ansehung Mehrerer Gegenstände betrachtet wird. (ä) Im weitestelt Verstände, dieses Vermögen gründe sich worauf es welle. Du hast kein Recht, so mit mir umzugchen. Habe ich nicht das Recht,zu Zause bleiben? Sich sein - Recht nicht nehmen lasst«. Sein Rech^ vergeben, die Ausübung dieses Vermögens unterlassen, von Rechts wegen, Kraft eines Kefl'gnisses. Ich thue cö mit allem Rechte, mir gutem Zug und Recht Das Recht des Stärker 1, welches sich auf Merlegene physische Macht gründet, undbas allgemeine Recht der R e ch ' 100s Natur ist. Das Tonvenien; - Recht, bas Befugrriß, dasjenige zu thun, was uns am vortheilhaftesteu ist. Ein Req-t über etwas haben, dir Herrschaft und das Eigenthum über eine Sache, welche man wirklich besitzet. Ein Recht auf oder an etwa« haben, das Bcfugriiß deS Eigenthums über eine Sache, welche man nicht unmittelbar besitzet, ingleichen das Deftarüß, etwas vvn einem andern zu fordern, wenn ich mich jemahls wieder zue Liebe entschließe, so haben sie das ersteRecht anfmeinZerz, Gell. Bedenke was für Recht er durch feine IBohlthaten auf dei« Zer; hat. Die Rechte des Blutes , die in der Blutsfreündschaft gegründeten Befugnisse. Das Recht des Zerkommens , das i« einer langen Gewohnheit gegründete Befuzniß. Das Recht, pris vilegia zu ertheilen. S. auch Vorrecht. (b) Zu engerer Bedeutung, ein in den Gesetzen gegrüftde- tesBefugniß,einindenselbengegründeterÄnfpruch. Das schwäche dein Recht. Das Recht ist auf meiner Seite. Der Richte? beuget das Recht, wenn er dieses Befngnrß vorfttzlich verletzet. Jemanden zu seinem Rechte verhelfen. Die wildesten Volker halten das Recht der Ehe für ein heiliges Recht. Wider ReW und Billigkeit. Jemand bey seinem Rechte schützen. r. Als ein Concretum. r) Ein Gesetz, die Richtschnur merrschlicher Handlungen. (a) Eigentlich; eine nur noch in einigen Fällen üblich» Bedeutung. So werden die Gebothe oder Gesetze Gottes in de? Deutschen Bibel sehr oft die Rechte Gottes genannt. Zn den Rechten ist versehen, verordnet. Die Rechte bringen es so mit sich. Sich den Rechten widmen. Den Rechten obliege-!, von Rechts wegen, Kraft der Gesetze. lb) In weiterer Bedeutung. («) Dbjective, die Sammlung, der Inbegriff der Gesetze Einer Art; wo es als eiu Collccti- vrim , bald im Singular allein, bald aber auch im Plural allein gebraucht wird. Das göttliche Recht, der Inbegriff der göttlichen Gesetze. Das geistliche, päpstliche oder canor.ische Recht- Das bürgerliche Recht. Das Völkerrecht, das Naturrecht, das Staatsrecht, das Lehenrecht. Das gemeine oder Deutsche Recht, im Gegensätze des Römischen Rechtes. - Etwas mir Bestand Rechtens behaupten, so daß es aus den Gesetzen erwiesen werden kann, eg Rechtens ergreifen , das gerichtliche Verfahren, wo Rechtens der alte Oberdeutsche Genitiv ist, (S. die Anmch Etwas durchs Rechterhalten.. 4 ) Die pfitchttnäßige Handhabung der Gesetze; ohnePla- ral und nur noch in einigen Fällen. Es m ußte kein Recht mehr in der'Welt seyn. Das Recht verzögern. Jemanden dar Recht versagen. 'Nerz L) Das L00Z R e H LO04 Z) Das in den Gesetzen gegründete Unheil, öerAusspruch eines R chters oderGerichtes; auch nur noch in cinigenGegenden, und einigen Fällen. OcrRüchtersprrcht den parteyenRecht. Nach Urthcil und Recht. Las Recht scheidet wohl streitende Parteyen, aber cs stiftet keine Freundschaft. 6) Alles dasjenige, was man vermöge eines Gesetzes von andern zu fordern befugt ist, woranfman ein Recht, ein in den Gesetzen gegründetes Bef,rgniß hat. , (a) Eigentlich. Dieses Haushat das Recht, daß ihm niemand das -Licht verbauen darf. Jemanden zu seinem Rechte verhelfen. Ehedem wurden auch die Eintüizsie und Abgaben sehr häufig Rechte genannt. (b) In weiterer Bedeutung, alles was in den Gesetzen- Verordnet, in denselben gegründet ist ; ohne P nral. Jemanden sein Recht widerfahren lgssen, ihm sein Recht thun, gemeiniglich nur noch, ihm die in den Gesetzen verordueleStrafe widerfahren lasten. Es ist Rechtens, daß u. s. s. es ist in den Gesetzen verordnet, (S. dieAnm.) Gnade für Recht ergehen lassen, anstatt der in den Gesetzen verordnet«, Strafe. JmSchwedischcn ist Kurt die Lebei^strasc. Hier geht Gewalt für Recht. Jemanden Recht verschaffen. Anm. Schon bev dem Kcro, Ottfried und andern Kekt, im Niederdeutschen gleichfalls Recht, im Angcls. Killt, im Engl. Ki^llt im Schwed. KLtt. Das Lat. rectus ist mit seinem Geschlechts aufdas genaueste damit verwandt. Ehedem Hatle daS Hauptwort Recht ,m Deutschen noch weit mehrere Bedeutungen, welche zum Theil in einigen Sprechartcn, so wie in den Gerichten mancher Gegenden, noch nichtganz veraltet sind. Ottfried und Kero gebrauchen es sehr häufig für Gerechtigkeit, Billigkeit. Im Niedersächfischeu und Schwedischen,bedeutet es auch ben Eid. Da mehrere Zeitwörter, welche ursprünglich- Nachahmungen deS Schalles find, anfdieses Wort so wohl als aufdas Bey - und Nebenwort Anspruch machen können, so isi es schwer, den ersten ursprünglichen Begriff iu diesem so alten und so wenig veränderten Worte mit Gewißheit zu bestimmen. Wenn in dem Bey - und Nc- Henworte, wie es sehr wahrscheinlich ist, der Begriff der gerade» Richtung derherrschende ist, so stammet es ohne Zweifel von reichen ab, (S. Gerade, dessen letzte Hälfte gleichfalls hierher gehöret ;)äud von diesem Begriffe der geraden Richtung lassen sich die Meisten übrigen sehr bequem als Figuren herleitcn. Bey dem Kero MKelllunZ die Regel, Richtschnur,KeZuln. Sollte aber das Hauptwort, wie nicht unwahrscheinlich ist, zunächst von rechen, ileden/ sprechen, und dessen Jntensivis oderJterativis rechnen,und rechten abstammen, so würde die Bedeutung eincsUrrhcilsprnches, ^ «eines Rechtshandels u. s.f. eine der ersten feyn. Vielleicht stam« men auch einige Bedeutungen von diesem Zeitworte, und andere von reichen und dessen Inteirsivo richten ab. In dem Worte Rede, M,d dessen Zusammensetzungen, redlich u. s.f. kommen fast eben Kiese Bedeutungen vor , welche unser Recht hat, zum deutlichen Beweise, theils eines ähnlichen Ganges der Begriffe, theils aber such einer gemeinschaftlichen Abstammung. S. Rechten und Richten, s Die mittlere Oberdeutsche Mundart, welche noch jetzt in vielen GügelldettOberdcmschlandes üblich ist, hänget diesemWorte in der Declinatlon ein n an; des Rechtens, dem Rechten, u. s. f.M)a- Hee rühren denn auch die imHochdeutfchen auS dem Oberdeutschen hcyb oalleneu Forn,ei-,den ScheinRechtrns haben, des Rechtes, Ken Weg Rechtens ergreifen, das ist Rechtens, in den Gesetzen, Zu den Gebräuchen eines Gerichtes gegr ündet, heyder Rechten DcctS-r u. f. f» -' Rechteck, des—es, piur. die—e, in der Geometrie,^ine merßütige Figur, weiche lauter rechte Wiukel Hst. Zn engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, eine solche Figur dieser Art, wo zwar alle Winkel rechte Winkel, aber nur die entgegen stehenden Seiten einander gleich find, Ksctnngulum, OlllouZnm ; im ^ Gegensätze eines (Quadrates, welches in der erster,, weitern Be- dechung auch eii^ R'chtcck ftyn würde. S. das Bu-rvor, Recht 2» Rechten, verb. re» neutr. welches das Hülfswor, haben erfordert. 1) Mil Worten streiten, hadern ; eine außer dry edler» Schreibart im Hochdeutsche» ungewöhnliche Bedeutung, welche uoch mehrmahls in derDerrlschenBibel vo,kommt. Herr,wenn ich gleich mit dir rechten wollte,so behältst du dochRecht,Zer.,2,i. Und so in andern Süllen mchrv Sie wollen nun als Helden fechten, Unb nicht wie Uemc Hadrer rechten, Haged. 2) In engerer Bedeutung , vor Gericht streiten, d. i. einen Prozeß,Nechtohandel haben und führen; wo es durch das ausländische prozeffiren im Hochdeulschel, fast völlig verdränget worden. Am etwas rechten. Mit jemanden rechten. . Ist eure Sache gut, so scheettet zum vergleich, Und ist sie schlimm, so rechter, Hagch. Berechten ist im Oberdeutschen gerichtlich belangen. In dem zusammen gesetzten errechten bedeutet es, durch einen Prozeß erlangen, in wrlcherBedcntrmgFrisch auch das einfache rechten anfüh- ret. 2)*Nccht sprechen, lnthei/en, richten; eure völlig veraltete Bedeutung, in welcher cs noch Es. Z, , 2 zu stehen scheinet: aber der Herr stehetda zn recyten, und ist aufgetreten, die Volker zu richten; wo einige Ausgaben sehr unrichtig haben, der Herr stehet da zur rechten, sls werur das Hauptwort Hand verstanden werden müßte. ^ . So auch das Rechten. Anm. Ehedem auch rechtigen. Es scheinet, daß dieses Zeitwort nicht so wohl von dem Bey und Neben,vvrte recht, als vielmehr von den, veraltete» rechen reden, sprechen, schreyen, aö-> stamme, wovon rechnen ein Zterativnm, dieses rechten abrrcilr Jnti'nsivnm ist. S. Rechnen. "Rechtfertig, —-er, —ste, cräj. er affv. ein im Hochdeutschen veraltet-es Wort, r) Gerecht. Em Mensch mag nicht rechtfertig bestehen gegen Gott, Hiob 2, - . Im Holland, und Niederdeutschen wird rechtfeerdlg utld rechtfardrg noch in dieser Bedeutung gebraucht. -- R. Denn er mein treuer Rnecht, gerechtenWandels voll, Durch scinErkennt-niß viel rechtfertig machen soll, Opitz» 2) Rechtschaffen. Rechtfertige und frommeRathsherren,Nehl- maier bep d.em Frisch, z) Rechtmäßig, dem Rechte, dem Gesetze, der Verordnung gemäß, so wohl im Ober-als Niederdeutichen» Re htfertige 2 tnsprnche, lmOberdemschen.RechtfertigeSchwtl- ne, in der Tirol. Landesordn. fü/gesmide, so wie «nrechkfertige für ungesunde. Im Oberd. ist rechtfertiglich mit Recht. Anm- Im Schwed. raUkärciiZ. Ihre leitet die ketztcHMe von dem Angels. K^ertü, Gemiith, her. .Allein wahrscheinlicher läßt mau es mit Wachter,, von fertig, dem Jntenstvo oder Jtera- tivo von fahren abstammen, da es denn recht einher gehend, oder auch gerecht, rechtmäßig gemacht, bedeutet. Ob es gleich in allen seinen Bedeutungen in, Hochdeutschen veraltsi ist, so hat es „»s doch noch dasfblarnde Zeitwort zurück gelassen. - ^ - Rechtfcrtiyen, verb. reF. Lct.welches uachMaßgebiing der ocy- chen Wörter, ans welchen es zusammen gesetzer ist, verschiedene . Bedeutungen hat, welche aber irrfHochdeutschen zum Theil veraltet sind. r. "Recht, b. i. Spricht, halten; eine veraltete Bede,ltung. 1) Eigentlich. Herodes ließ die Hüter rechtfertigen, und hieß sie wegführen, Apost.lg. 12, 19 2) Figj.rlich. (tü Prüs"ü uutersüchen, examiniren, Emen. Reisenden rechtfertigen, Dir LooL Rech exaniinin'ki, Fritsch zum Besold bei) dem Frisch. (§) Tadel». Die Weisheit muß sich rechtfertigen lassen von ihren Lindern, Matth, i r, - 9 ; Luc. 7, 35 . 2. *Jemanöensein Recht thnn, d. r. ihn hinrichten; eine im Hochdeutschen gleichfalls veraltete Bede,Krmg,tvoRechtfcrtigung ehedem auch die Einrichtung war, In noch weiterer Bedeutung korrmrt cs in dem Schwabenspiegel auch siir strafen überhaupt vor. z.Recht machen, dem Gesetze, ingleichen den Absichten, ben Umstanden gemäß,übereillstimmigmachen. i)*Eigentlich; in welcher Bedeutung es gleichfalls veraltet ist. Dahin gehöret auch der ehemahlige Oberdeutsche Gebrauch, da es für reinigen gebraucht wurde. Do krimpt die pesiilentz so ist notturft den luft zurechtfertigen und im sein Bosheit zu benemen, indem Liber pestilenz. von 2§00. (S. auch die rechtfertigen, d. i. reinen, Schweine, in dem vorigen Worte.) 2) Figürlich, (a) Für recht, ö. u den Gesetzen und der Vollkommenheit übereinstimmig, erklären, von allem Verdachte und Argwohne des Unrechtes und der Unbilligkeit los sprechen; in welchem Verstände es im Gegensätze des verdammens ehedem in dem Gerichten sehr üblich war, und es in einigen, besonders Oberdeutschen Gegenden noch ist. Einen Angeklagten rechtfertigen, ihn frey, los sprechen. Daß du rechtfertigest den Gerechten, nnd gebest ihm nach seiner Gerechtigkeit, 2 Chron. 6, 2Z. Aus deinen Worten wirst du ge- rechtfertiget, Match, r 2, A 7. Und in andern Stellen mehr. Man gebraucht es nur noch theils in weiterer Bedeutung, und in der biblischen Schreibart, von allem Verdachte des Unrechtes los sprechen, ein auf richtige Erkenntuiß gegründetes Urtheil von jemandes unverbesserlichem Verhalten fällen, Gott bey andern rechtfertigen; theils auch in der Theologie, als cinKunsiwort, wo -er Sünder von Gott gerechtfertigt wird, wenn er von aller Schuld und Straft der Sünde los gesprochen, und vermittelst der jhmzugercchnetcn Genugthumig Christi für gerecht, d.i. den göttlichen Absichten gemäß, erkläret wird. (S. das folgende.) Notker gebraucht dafür rekte Zetuoo, rekt macken, rektkükti- Zen, kersktkakten, alle so wie unser rechtfertigen nach dem Latein, justikicsre. b) Für recht oder gerecht, d. i. den Gesetzen, der Billigkeit gemäß, zu erklären suchen, die rechtmäßige Beschaffenheit einer Person oderSäche zu beweisen suchen; eine noch völlig gangbare Bedeutung. Er aber wollte sich selbst rechtfertigen, und sprach zu Jesu : wer ist denn mein Nächster ? Luc. 10, 29. Sein Betragen rechtfertigen, wer getrauet sich, diesen Betrug vor derwelt und demRichterstuhlc desGewisscns zu recht- fertigen ? Gell. In diesem Verstände schon in dem Schwabenspiegel rektvertiASn. c) *Zn noch weiterer Bedeutung ge, brauchte Manes ehedem auch für rechten,prozessiren. Mit jemanden rechtfertigen, da denn Rechtfertigung auch ein Prozeß war. Anm. Im Niederst rechtfardigen, im Schweb. rätlkaräiZa. S. fertigen, welches hier noch in feiner weitern Bedeutung, für machen überhaupt, vorkommt. Die Rechtfertigung, plur,- die — en, das Hauptwort des vorigen Zeitwortes, welches ehedem iq dessen sammtlichen Bedeutungen üblich war, aber im Hochdeutschen jetzt nur noch in zweyen gebraucht wird. »)' In der Theologie ist die Rechtfertigung eines Menschen, ohne Plural, die von Gott für gültig erkannte Zurechnung der Versöhnung Christi und die daraus entstehende Aufhebung der Verbindlichkeit zur Strafe. Durch s eines Gerechtigkeit ist die Rechtfertigung des Lebens über alle Menschen kommen, Röm. 5 , >8. " In weiterer Bedeutung wird in der Theologie oft die gesammte Arrricktung einer rechtmäßigen Beschaffenheit des^ Menschen in Abstchr auf Gott unter diestm Worte begriffen. s) Das Bemüheri, eine Sache sdsr Handlung zu rechtfertigen, Rech 1006 ihre Übereinstimmung mit dem was recht und billig ist, begreiflich zu machen. Anm. Ehedem wurde es auch schr hö'ustg für Streik, Zank, und Prozeß in engerer Bedeutung gebraucht. Es entstanden zwischen ihnen schwere Rechtfertigungen. Sich mit jemanden in Rechtfertigung entlassen, in einen Prozeß. Wenn es in den Urtheilm der Apellations-Gerichtc, besonders in Sachsen, heißt: daß die eingewandte Appellation zu Recht bcffändig.und zr-r gebührender Rechtfertigung an uns erwachsen, so scheinet es daselbst für Untersuchung zu stehen; S. Rechtfertigen -. 2) (a). ' Der Rechtfuchs, des—es, plur. die —fuchse, ein Fuchs, d. i. röthliches Pferd, von der gewöhnlichsten oder gemeinsten Art, ein rechter, d. i. wahrer Fuchs; zum Unterschiede von einemLicht- fuchse, Rochfuchft und Schweißfnchse. Rechtgläubig,—er,—sie, a6j. et aci v. den rechten oder wahren Glau ben, d.i.dieErkeunlnißderHt'isswührheitcll,habendttnd darin gegründet; nach dem Griech,a§LsSo^o§. orthodox, und im Gegensätze des irrgläubig. Eine rechtgläubige Lehre. Ein Rechtgläubiger. Rechtgläubig sepn. Daher die Rechtgläubig- keit, die Eigenschaft u. s. f. ' Anm. Bey demNotker reUto ZeloudiZ, der statt dessen aber auch rektiolZsr, so wie Kers reklculickoiuo gebraucht. Die Rechthaberey, p!ur. die—en, das ungeordnete Bestreben, Recht zu haben oder Recht zu behalten, so wie man in ähnlichem -Verstände auch Mehrhabcrep sagt. Rechtläufig, sch. et s6v. welches nur in Her Astronomie üblich ist. Ein rechtläufiger planet, welcher von Morgen, gegen Abend läuft, und also die rechte oder gewöhnlicheRichtung der Planeten hat; Lat. clirectvs. Rechtlich, ach. et uäv. 1) Von dem Hauptworte Recht, den Rechten, d. i. den Gesetzen, gemäß, fürrechtmäßig; eine imHoch. deutschen veraltete Bedeutung, in welcher es noch in dem Gegensätze widerrechtlich vorkommt. ^Gerichtlichvon Recht, Gericht. Jemanden rfchtlr'ch belangen, vor Gericht. Eine Sache rechtlich ausmachen, gerichtlich. Die rechtlicheEntfcheidung einer Sache. Z) *Rechtund Billigkeit liebend, und darin gegründet; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, in welcher rechtlik noch im Niederdeutschen gangbar ist. 4 ) In noch weiterer Bedeutung, vermutlich von dem Nebenworte recht, ist rechtlich im Niederst anständig, ehrbar. Lin rechtliches Lftid, ei» ehrbares. Z) Jngleichen, in manchen Gegenden soviel als rechtschaffen. Ein rechtlicher Mann. Rechtlinig, aclj. et aäv. welches nur m der Geometrie üblich ist. Eine rechtlinige Figur, in welcher rechte Winkel angetroffes werden. Rechtlos, —er, —este, ach. et u6v. .) Des Rechtes beraubt, d. r. gesetzwidrig, unrechtmäßig; im Gegensätze des rechtmäßig. Ein rechtloses Verfahren. 2) Der Nechtswohlthaten beraubt der nirgends Recht finden kann und darf, vor keinem Gerichte gehöret und angenommen wird; eine ehedem schrgaitgbareBedm- tung, wo jemanden ehr-recht-und friedelos legen, oft auch so viel bedeutete,als ihn vogclfrey erklären, in dieObrracht erklären. Jetzt ist es mir der Sache selbst größten Theils veraltet. Ihre glaubt, daß es in dieser Bedeutung von Recht , so fern cs im Niederd.mnd Schwed, auch einenErd bedeutet, absiammet, so daß ein rechtloser M-ntch eigentlich ein solcher ist, der keinen Eid abzulegen fähig ist. Allein die allgemeinere Bcdemung ^es Wortes Recht findet hier noch bequemer Statt. Die Rechtlosigkeit, plurf imst. die Eigenschaft, da eine Sache rech.ttos ist, in bepden Bedeutungen. So fern cs auch von einem rechtlosen Betragen in der ersten Bedeutung gebraucht werden farm, kann auch der Plural Statt finden. ^ Rechtmäßig 7 Rech Rech looZ Rechtmäsily, —?r, —stk, a6j. er 3ckv. dem Rechte gemäß. i) I:» der weitesten Redcuwnck den Absichten und dklir Endzwecke cin»r Sache gemäß. Dev rechtmäßige Gebrauch der Geschöpfe Gottes^ Eine rechtmäßig''Neigung, weiche in richtiger Verstellung hinlänglicher Belmguogsgründe gegründet ijk. 2) I,r engerer B.dcn.'Ulig, den G setzen geiuäß, in einem G sesc gegründet ; auch nwhl iin Gesitze n-cl-t verdorben, erlaubt. Eine rechtmäßige Eke. Rechtmäßige, ans rechtmäßiger Ehe erzenere, Binder. Rechtmäßige Ursachen. E ne rechtmäßige 8orde- prrng, rechtmäßige Ansprüche. Einen rechtmäßigen Berufzu etwas haben. Ein rechtmäßiger Richter. Dse Strafe ist Nicht rechtmäßig. Ein rechtmäßiger Rrieg. Zn dem Isidor retUuurliA , imDberdeutschen auch rechtlich und rechtfertig. Die Rechtmässigkeit, xlur. tLuf. die Eigenschaft, da eine Sache rechtmäßig ist. AechtS, 3Üv. welches nur in der erst' » Bedeutung desBepwortes recht üblich ist, nach der rechten Hand, nach der rechten Seite Hin,; im Gegensätze des links. Sich rechts wenden, rechter Hand, zur rechten Hand. Rechts gehem Rechts um, auf der rechten Seite herum. Das Dorf blieb rechts liegen, auf der rechten Hand. Anni. 'Dttfried gebraucht reciQL überhaupt statt desNeber- Wortes recht. Auch in den DberdenlschcnKanzeÄrt-cir schreibt man noch, uns ist dero Schreiben rechts worden, richtig eilltzchündi-' get worden. > Das Rechtsamt, des—es, plur. die—ämter, ein zur Handhabung des Rechtes bestimmtes Amt. S. das Hauptwort Recht 2.4). Rechtöbesiän-tF, —er, —ste, säj. et aäv. so daß es nach den Rechte,,, »ngieichen vor Ger;ci>t bestehenkann. Ein vcchtbbestäir- -iger verglich. So auch die RechtöbeständiZkeit. Rechtschaffen, —er, — sie, 30j. Lt sstv. die rechte, richtige mild gehörige Beschaffenheit habend. 1, Zm weitern Verstände, völlig so beschaffen, wie die Regel, Sic Absicht, der Endzweck es erfordert. 1) Eigentlich. Ich hatte -ich gepstan-stt zu einem süßen Veinstock, einem ganz rechtschaffenen Samen, Irr. 2^, 2,. Thut rechtschaffene Leuchte SerBuße, Matth. Z, 8. Der rechtschaffene Glaube, der wahre Glaube. Eine rechtschaffene Tugend, im Gegensätze einer falschen oder Scheintugend. Ein rechtschaffener Sohn- Ein rechtschaffener Soldat. Der Gegensatz davon ist das Niederdeutsche wahnschapen, wahnschaffett, welches dieHochdcurschen in lhrex Mundart veralten lassep. 2) Figürlich wirdes, besonders in den gemein? u Sprecharten, häustg gebraucht, eine Intensiv,, zu bezeichnen, in einem hohen Grade so beschaffen, als dasPrädicat ^ Wckl. Rechtschaffen fromm, sehr fromm. Sich rechtschaffen wehren, bräv. Rechtschaffen arbeiten. Er ist ein rechtschaffener Ärdeiker. Rechtschaffen betrogen werden. Jemanden Rechtschaffen prügeln. Das Rechtschaffenes gelernt haben, was Gründliches. ck'- r. Ir, emerer Bedeutung ist rechtschaffen, Neigung nnd Fcr- rigki.it besitzend, daszurhun was recht ist, bloß weil es recht ist, -Und if, dieser Neigung gegründet. Lin rechtschaffener Mann. Rechtschaffen an jemanden handeln, mit jemanden umgehen. -Krn-rkchlschaffenes Gemüth. Es -st kein rechtschaffener Bluts- rrspfeff in errcho. Gell. Meine Absichten sind rechtschaffen. Ann,. Im Nieters, rechtfchapen- rui Schwed, räriüeati'evs« Die letzte Hälfte gehörcr wohl ohne Zweifel zu schaffen in beschaffen, obgleich Ihre sie lieber von ein Ucrhril sälleu , ehe- --m im Deutsche« schöpft», üblekcn mschtt, so-aß es rjgemlich für rrchr erklärt, ledeuttutdürde« Die Rechtschaffenheit. p!ur. iuus. die Eigenschaft, da eine Person oder Sache rechtschaffen ist. 1) In der ersten Bedeutung, die völlige Übereinstimmung eines Dinges mit seinem Zwecke, mit seiner Absicht. 2) I., engerer Bedeutung, die Neigung mrd Fertigkeit, das zu thnil, was recht ist , bloß weil es recht ist, linder darin gegündl teZustand. Die Rechtschaffenheit steht ihm aus den Augen. Die Rechtschaffenheit meiner Absicht. Die RschtschliessunF, xlur. die—en ein nur in den Gerichten einiger Gegenden, z. B. zn Hamburg, übliches Wort, dw Gtrichts- Feriei, zu bezeichnen , da das Recht, d. i. das Geeicht, geschlossen wird. Die Rechtschreibung, ftlur. die - en. ») Die Fertigkeit recht zu schreiben, d. i. die Wörter mir den g hörigen Schrifrzeichkn zu schttiben; mit einem Griechisch n Kunstworte die Orthographie. ^ - Sich der Rechtschreibung befleißigen. Zngleiche», die Anivei- su:-.g, W ffcnschast, auf diese Art rechr zu schreiben; in dieser ganzen Bedeutung ohuePtural. 2) In weüererBedeutuiig gebrauchen cs einige überhaupt von jeder Art und Weife zu schreiben, d. i, die Wörter mi» Scheistzeichrn dem Auge darzustellen, und diese sprechen denn aück) von einer falschen Rechtschreibung. Freylich gebraucht man das Griechische Orthographie auf ebeil diese ?lrt ohne Bedenken; allein hier ist der Widerspruch', welcher in dem ganzen Ausdrucke liegt, nicht so merklich , als in dem Deutschen, daher man es irr dieser Bedeutung lieber vermeidet, und dafür Schreibart sitzt, obgleich auch dieses in einem andern Verlande von dein Alple gebraucht wird. Der Rcchtüfall, des—es, plur. die—fälle, eilt 8äll, eine Begebenheit, welche das Recht, d. i. die Gesetze, betrifft, aus dei» Gesetzen bestimmt oder entschieden werden muß. Der RechLSNang, des — es, piur. die—gange. 1) Der Gang, welchen die Sachen vor Gerichte haben, die der- der» Gerichtenrin- geführre Ari, die anaebrach.-cn Sachen zu behandeln, der Prozeß; ohne Plural, s) *Kine vor Gericht klagbar angebrachre Sache selbst, ein Rechtshandcl, Prozeß; eine im Hochdeutschen ungewöhnliche Bedeutung. D i e R echtög' e l e h r sst m k 0 r t, ftlur.inuf di c Wissenschaft dr »'Rechte, d. i. derGeseye, dieWiffenschast dasVerhäluriß der inenschlichen Handlungen gegen die Gesetze zu bestimmerl; die 'Rechtswissenschaft, die Rechtslehre, mit einem großen Theils veralteten Ausdrucke die Rechtsgelahrüeit, Rechtggclchrtheit, mit einem Lateinischen Knüstworte die Jurisprudenz, zuwe,leg auch nnr schlechr- h n das Recht, oder im Plural die Rechte. Sich der Rechtü- gelehrsaw.keit beste ßigen. Recht3§ehe hrt, 3ckj. die Nechtögelehpsamkeit verstcheitd, d. i.Wissenschaft und Fertigkeit besitzend, das Verhältnißdcr menschlichen Handlungen gegen die Gesetze z il bestimmen; am häusigsten als ein Hauptwort. Ein Rechrsgelehrter. Die RechtsgeUhrtem Zar ' gemeinen Leben ist dafür das aus dem mittler:» Lat. entlehnte Juristsihrgewöhnlich. S.Rechtsverständig. Der Rechtshanhel, des — s, x>lur. die—Händel, ein vor Gericht klagbar angebrachter Handel; eine Rechtssache. Rechtshändig, 36h et 36 v. gleichfalls von Recht, Gericht, vor Gericht oder bey dern Gerichte anhängig. Eine rechrshängige Sache, ivclche bep dem Gerichte klagbar angebracht und noch nicht abfleurthciietjst. Die Recht^kosten, iuris, gerichtliche Kosten, Gerichlslostm. Rechtskräftig, —er,-—ste, acift Lt 3cLv. die Kraft eines Gesetzes, und in »rertcrcr Bedeutung eines Rechtes habend. Rechtskräftig werden, Ein rechtskräftiges Arrheil, welch :/ die verbindliche Kraft eines Gesetzes für dirParlepen har. Auch Hauptwort die Rechtskraft ist, doch ohne Plrrral, nicht siltt'n. Zur Rech? r kr a s: Sedeiheu, die Kraft eines Gesetzes erhalten. , MOZ K e H) Die Rechtslehre, plur. inuf. die Lehre des Rechtes, d. i. der Gesetze und des Vechältuisscs der menschliche» Handlungen ge. gen dieselben; mit einem andern Nebenbegriffe die RechtSW- lehrsamkelt, S. dieses Wort. Der Rechtslehrer, des —s, plur. ul vom. kog. ein Lehrer der Gesetze, derjenige, welcher die Rechtsgelehrsamkeit andcrn vorträgt. _ . . . Das Rechtsmittel, des-s, plur. ur nom.liuZ. em in dm Rechten oder Gesetzen gegründetes Mittel. Jir engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, ein in den Gesetzen verordntes Mittel, eine Rechtssache zu erlangen, dergleichen z. B. die Appellation ist. , ^ ^ Die Rechtspflege, plur. ioul. die Pflege, d. i. Handhabung, des Rechtes, oder der Gesetze; die Justiz-Pflege. Der Rechtsschlüß, des — ffes, plur^ die — schliisse, eine im Hochdeutscher, ungewöhnliche Benennung eines Gutächtens oder Bedenkens eines oder mehrerer Rechtslehrer, eines rechtlichen Gutachtens, Responk lLtorüm.. LerRechtösprecher, des—s, plur. ut nom. 6 nZ. eine ungewöhnlich gewordene Benennung einesBeysttzers in einem Schvp- penstuhle, eines Schoppen, welchen man ehedem auch einen Urtbeilsprecher nannte. ,st Die Rechtsprechung, plur. car. von dem Rebenworte recht, dw Fertigkeit, die Buchstaben und Wörter recht, vdcr gehörig ans- zusprechen; mit Griechischen Kunstwörtern, die Orthoepie, Orthophonie. Die Rechtssache, plur. die—n, eine lebe vor Recht, d. i. Gericht, angebrachte Sache, ein Rechtshandel; auch wohl in weiterer Bedeutung, eine vor Gericht gehörige Sache, welche nach den Gesetzen bestimmt werden muß. Der Rechtesten-, des — es, plur. die —stände, dasjenige Gericht, welchem jemand zu Recht zu stehen verbunden ist, dessen Gerichtbarkeit derselbe unterivorfen ist. , - AechtSstÜn-ig, ach. st uci v. einem Gerichte ständig, d. i. dessen Geeichlöarkcit unterworfen. DerRechtsstreit, des — es , plur. die—e, eine vor Gericht aichäug.'g gemachte streitige Sachr. Inglcichcn ein Streit über eine rechtliche , die Gesetze und das Verhältniß gegen dieselbe , betreffende Sache. Der Rrchtsfluhl, des —- es, plur. die — stichle, ein Collegium, welches Recht spricht-, das Verhalten der menschlichen Handlungen gegen die menschlichen Ges tze bcurtheiler, dergleichen dis Schcppenstuhle, Jacultäten u. s. s. sind, und welche sich von den Gerichten poch unterscheiden. S. Stuhl. Rechtsverständry, aclj. die Rechte, d. i. Gesetze, verstehend. Ein Rechitsverständr'ger, Iuris psritus. S. R'echts.zelehir. Die Rechtswissenschaft, plur.inustdie Wissenschaft des Rech-- tes, d. i. der Gesetz, und des Verhältnisses der menschlichen Handlungen gegen dieselben., Ingleichen subjectioe., die Fertigkeit, dieses Verhältniß aus uiigezweifelken-Gründen zu bestimmen. S. Rechtsgelehrsnmkeike - ' Dre Rechtöwohsthat, plur. die — en, ein in den hechten als- eine Gunst oder. Wohlthat versi attcres Rechtsmittel. Der Rechtszwanx, des—es, p1ur.,cs.r. der Geeichtszwang, d. ndas Befugnis f manden zu zwingen, von ihm sein. Recht zu ^ nehmen , seine Gerichlkackeit zu erkennen. Rechter inkel tF, aus. et «R v. en,en rechtem Winkel enthaltend, in der Geometrie. Ein rechtwinkliger lange!: im Gegensätze- eures schiefwinkeligen.- Hwev Linien durchschneiden sich recht- winkcttg, wenn sie stch nach rechten L i u kein dinchschneiden. Da.s Recibtv, des—es,- plur. die — e-, -ns.den, Lat. real-. «1 i v-,«, - ei» neuer Anfall von cruek bereits üheDaudeurn Kraul» R t U r-G i cL Heit; ein Rückfall, m der. Monsecischen Glosse rvn «der, wiederum. Dev Recrpient, des— en, plur. die — en, ads dem Lat. recr- pieus, in der Chymie, dasjenige Gefast, welches die in der Retorte, derDestillir^ Blase u. fl f. übergeirirbenen Körper aufnimmt ; die Vorlage. Dks Recrtütiv, des - es, plur. die — e, aus dinn Jtal. KecL- rsr 1 vo,-in der Musik, eine Rede in Form eines Gesanges in einem. Singcstücke, welche zur Verbindung der Arien und zur. . Fortführung dcrHandlnng dienet. Die Rrch'bank, p!ur. die — danke, die Folterbank in der Tortur, weil der Gefolterte auf derselben auch gerccket oder ausgedchnet werden kann, besonders in den Gerichten Nieder - Deutschland', s». r. Dick Recke, plur. die — n, in einigen besonders Niederdeutschen Gegenden, eine Art her Befriedigung, welche aus einer Reihe Pfähle mitDucrstangeri bestehet, die mit wridcuen Ruthen äuge-- bi'.ndcn werden; in einigen Gegenden auch das Rick. Ohne Zwei-' fei alsein Verwandter von Riegel und reichen. Im Näders, isk Rick eine lange hölzerne Stange, und bey den Färbern werden die langen Stangen, worauf die gefärbten Zeuge gehängt werden,- gleichfalls Rechen genannt. 2. DieRecke, plur. die—n, ein Werkzeug zum Recken; doch- nur in einigen Fällen. So wird bey den Riemern der lange Baum; zwischenzwcy Docken, womit das greßck Leder ausgedchnet wird,, so wohl die Recke, als auch die Strecke, genannt. S. Reckm. Z. Der Recke, des—Ir, plur. die —n, oder der Reck'en,. des i—s, plur.. u t norn.livx. ein im Hochdeutschen per, lretcs^ Wort, welches aber ehedem sehr gangba r war un.d noch im Niederdeutsche,i üblich ist, eine» Riesen, ungewöhnlich grosti « Menschen,, und figürlich auch einen Helden, Fürsten u. s. s. zu bezeichnen» lS. Frischensund Wächters Wörterbücher.) Im Niederst Reke, im Schwed. Rick, im Angelst Ricer.. Es ist ein naher Verwandter von dem fügenden recken und von reichen, und hat ursprünglich den Vegnff der Graste, der Höhe, uiid figürlich der Macht. Das Golhifche Kees, ein Fürst, das Lat. ki-ex, und andere mehr gehören, gleichfalls dahin, (S. Re-ch.) Im Niederst ist Reks cirs. /anger Mensch im verächtlichen Verstände. Recken, verk. reg. act. r) Aüsdehnen; dochgcmeiniKlich nur im gemeinen Leben. Da« Leder recken. Einen Verbrecher'auf' der Aslterbank recken. Sich recken, in der niedrigen Eprechact, für sich dehnen. 2) Für strecken, in welcher Bedruckung es auch zuweilen m der anständigen Schreibart ge braucht wird. Und Aa- - von reckt? seine Hand über die Wasser, 2 Dosts, 6. Und Nfs.se rcckre seine6«nd gen Fimmel, Kap. , 0, 22. Und der Äonig reckte den- güldnen Sceprer in seiner Zand gegen Esther^ Esth. 5, 2 ; wofür man jetzt doch lieber ein anderes Zeitwort, gebrauchen.würde. Gott rrcket seine Iur. inust. jnden g-meinen Speech, arten, i) Der gemeine->ohinnder, Kum'oueus n^rn welcher in manchen Gegenden, auch Resken heißt. r) Der gemeine Wachholder ,lluoi^srus eoknuiunls Daher der Kra.nsvo- gcl auch in einigen Gegenden Rcckholdervogel heiß'. Des RaEfeil, des — cs, plur. die— e. in einigen Gegenden, dasjenige Seil, womit die Verbrecher auf der Reck- oder Folterbank gerecket oder arrsgedehnet werden. Das RieckzeUF, des—es, plur. car. eben daselbst, alles zum Recken, und in weiterer Bedeutung, alles ;nm Foltern eines Miss serhätcrs gehörige Gcräth. Der Recrüt, des — en, s>lur. die—en, ans dem Franz, fte- crus, dem Jtal. keerutn, 'und den Zeitwörtern rel. rut.6r und reeruinrs, ein ncn arrgeivorbener Soldat, be;o'nders so lange er noch nicht zur Fahne geschworen hak. Daher das Zeitwort recru- tiren. neue Soldaten werden. Sich recrutiren sagt man von einem Kriegsheere, einem Regiments u.s. f. wenn es durch Amwerbung yeuer Soldaten sich vollzählig macht oder verstärkt. Aectissciren, veek. reZ.^ct- ans dem miltlecn Lat. rectikicnrs, in der Chymie, einen destillirtcn flüss-gen Körper durch eine neue Destillation ohne Zusatz reinigen. Rcctlstcirter Weingeist. Daher die Rectisication. Der R-cctor, des—s, plur. die Receören, aus dcinLat ft.s vor, der Vorgesetzte eincrLateinischen Schule, welcher in denDeurschen Schulen der Schulmeister gelaunt wird; der Gchul-Rector, zum Unterschiede von einemRector auf einerUniversirät, der,wenn der Landesherr selbst die Würde eines Rectors beileidet, auch Pro-Recror genannt wird. Daher das Rectorät, des —es, . plur. die—e, die Würde, ingleicken die Wohimng eines Rectors, so wohl auf Schulen, als aufÜniversirären. Ehedem wurden auch die Pfarrer Rcrrores genannt,.in welcher Bedeutung dieses Wort unter andern auch noch im Englischen üblich ist. In den Latej. riifchen Schulen führet der nächste nach dem Rector den Nahmen eines Conrcctors, und der nächste nach diesem, den Nahmen eines Subrecrors. Die A-eöärt, x!ur. die—- eck, S.Redensart. Die Rcööe, ein Hund männlichen Geschlechtes, S. Rette. Der Idrddreß, S. Radr'eß. r. Die Asöe, in der Schifffahrt, S. Rehde. L. Die R?de, plur.die—n, einWort, welchesjetzt nur noch ln einer doppelten Hauptbedeutung üblich ist, ,. Als ejn Absiractum und ohne Plural, t) Das Vermögen zu reden, d. i. seine Gedanken d-rrch vernehmliche Laute anszu- drucken; wo es , statt des in dieser BeHeutnng gewöhnlichr-n Sprache, doch nur noch i» einigen Fällm gebraucht rvird. Die Rede ist ihm vergangen. Oie Rede wieder bekommen. Mit der Rede nicht wohl fortkommcn können. Einen seltenen L ust der Rede besitzen. 2) Die Art und Weise dieses Vermögens; so wohl in B-'.selnmg des Klanges, des Lautes. Seine Rede war wie ein groß Geröne, Dan. - 0, 6. Eine vernehmliche undeutliche Rede haben. Ich renne ihn an der Rebe, an der Sprache, an der Stimme. sS. auch Ausrede.) Als auch mAa- fehnng der Abmessung. Die gebundene R.-de, die Poesie, iu Auseh«ng der ungebundenen oder der Prose. 2. Als ein Concrctum, was man redet, Laute rrnd Worte, »o fern sie Zeichen der Ge-anken stich, eineNeihe mir einander ver- , bundener Worte, ein durch^ze Rede oder das Vcrmogeu zu reden Gedanke. r) Überhaupt, von einer jeden Neiße verbundener Worte; wo esttueder auseine doppelte Art gebrauch« wird, (a) Z« Gestalt eines Colllcuvch wenigstens ohnePlural, «vo es besonders in euch gen einmahl attgeu« rnnlenen Arten der Ausdrücke üblich ist. Es ist der Rede n cht werth, nicht werth, daß inan davon speickK. Davon ist die Rede nicht, davon wird nicht geredet. Auf die Rede von eewas kommen, besser, auf etwas ;ü reden kommen. Die Rede siel bald auf oieß, bald auf jenes . das Gespräch. Das ist meine Rede jederzeit gewesen, das habe ich jederzeit gemgl. E. gibt nichts auf meine Rede, a.nfdas, was ich ihm sage. Vergessen sie ihre Rede nicht, vergessen sie nicht, wovon sie rch,u, o>ur mäs sic sagen wollten. Jemanden in die Rede fallen,, ilm im Reden unterbrechen, ihm in das Wort fallen. (b) In bi-ydeu Zahlen, von d m was man redet. Verschonen st- mich mit solchen Reden., Jemandes Reden auffangen. Jemanden unnütze Reden geben. Aurzweüige Reden führen, was habt ihr für Reden unter einander? Eine Rede gab die andere. Glaubet meinen Reden. N cht auf Liner Rede bestehen. GotleöiästerÜche Rtden ausstoßen. SolcheRcden kommen über meinen Mund nicht, Gell. Es wird in diesen und andern ähnlichen Ausdrücke» a», häufigsten von kurzen durch dieRede ausgedrucktenSatzen gebraucht, daher Maniu den meisten Fällen auch dafür Worte gebraucht. Da es ein sehr allgemeiner Ausdruck ist, so gebraucht Marr in den meisten Fällen dafür lieber die besiiinmtcrn Ausdrücke Vorstellung, Ermahnung, Warnung u. s. s. In der Denlschen Bidet kommt es so wohl im Siu^ gular allein, als auch in depden Zahlen sehr häufig vor, den bekannt gemachten Willen Gottes, die Lehren anderer u.s. s. zu bezeichne»; in welcher Bedeutung es aber ungewöhnlich, ist. S., auch Lig^Zusamrueufttznugen Abrede/ Anrede, Einrede, Gegenrede, Vorrede, Widerrede, Nachrede u.s.s. 2) In engerer Bederuu.-ig, von besonder« Arten der durch Worte ausgedruckten Gedanken, (a) Em Gerücht. Es gehet die Rede, er sey todt. Es gehen allericp seltsame Reden von ihm. Eine Rede aussprengen. In engerer Bedeutung ist die Rede, ohne Pl.ural, derjenigeZastand, da andere Leute Übels oder verdächtiges von uns reden. In dieser Bedeutung sagt man, in der Rede sepn, in die Rede kommen, jemanden in die Rede bringen. Ein ehrlicher Mensch kann oft unschuldig in die Rede kommen. Also hat er meine Tochter nur in die Rede bringen wollen ? Gell, (d) Rechenschaft, d. i. Anzeige der Be« weguugsgrüude seines Verhairer.s an einen Dbern: ohne Plural. Jemanden zur Rede setzen oder stellen , ihn fr.rgen, ^vas und warum er es gethan habe; chn wegen einer Sache zur Rede setzen. Jemanden Rede stehen; eine im Hochdeutschen ungewöhnliche Art des Ausdruckes. Ich werde mssDeutschem Muthe jedem Rede stehen, der u- s. f..Hermes. Jo.gkcichcu in Verbindung mit Antwort. Rede und Ar,cwo-r von etwas geben, Rechenschaft, ft sckw kommt in dieser Bedeutm'.A schon bep dem Kees vor, und ist hier noch ein Übrröle'lbsck ould Wohlredenheit üblich. Das son eini, gen gewagte Redekünstler, der vie Redekunst v-rstchct, ein Lchrer derselben, hak so wring hier als in andern ähnlichen Zusammensetzungen Bei-fallstndeu wollen. 7^-en, verb- rez. act.se osutr. welches im letztern Falle das Hülfswort haben erfordert. , IM weitesten Verstände, vernehmliche Laste hervor bringen, Laute, welche Zeichen der Gedanken sind, hervor bringen, wie sprechen, das Rmd lernt reden. Einen Papagep reden lehre». Oer Stahr rann redest. Laut reden. Leiss, herm- . lich reden. Durch die Nase reden. ^ ° 2 . I.» engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, feine Gedanken andern durch Worte, durch vernehmliche Töne bekannt machen. .) Im weitesten Verstände. Mit jemanden reden. Mir sich selbst reden- Von etwas reden, über etwas reden. Jerernla-nn redet von der Sache. Wir redeten eben von dir, jemanden zu nahe redenetwas zu seinem Nachrheilr reden. A les E i» von jemanden reden. Ich habe kein Wort mit ihm geredet. Das Reden fallt mir schwer. Unnütze Sachen reden. Rede mir nicht darein. Deutsch Französisch reden. R-ir; von der Sache zu reden. Vas Beste von einer Sache rehen. Ich habe ein Wort mtt.drr zu reden. Davon wäre viel z« reden. Thiere redend einnihren Davon ist ke-n Wort geredet worden. G , ZN wem w rllte ich davon redenl Gell. Auf jemanden reden, im gemeinen Leb.u. idni Böses Nachreden. Auf etwas ;n reden kommen- Lassen sie doch vernünftig Mir sich reden. Ich will mit ihm aus der Sache reden, besser, von der Sache. Die Wahrheit relen Man redet stark vomRriege, Aufrichtig von der Sache zu .reden. Die Sprache der Liebhaber'. odee.in der Sprache der Lebha- ber »eben. Sw reden sehr wahr. Im Schlafe reden. Lche ich als Vater ein Machtwort rede, Goll. Damit wir nicht eins in das andere reden. Di? verzw-nfstlung redet aus ihm. Jemanden etwas aus dem G nne rede». Inauichen nt orrschirdenen sigürl-chen Redensarten. Erlaßt mit sich reden, er nimmt vernünftige Vorstellungen an. jemanden n ich de n Munde, stm gemeinen Leb'u nach den; Manie,) reden, reden, >>' a er gern höret. Einem' das Wort reden, zu se'untN Vesten rede», sei 1 Bestes reden. Du hast gut rede«. In den Vchd reden, sergÄlich, ohne Wirkung he- «rrreru. Nk- Femandrst ins Herz, ins Gewissen rsden, ihn durch Vaestel- l,ingen zu rühre», fesi; Gewissen rege zu Machen suchen, und andere mehr. 2) In engerer Bedeutung, eine Rede in der dritten engsten ' Dedculiulg halten, durch einen mündlichen Vortrag Überredung zu wirke» suchen. Vor dem Volke reden. Vosi einer Wahtr- hcrr redey. Den ganzen Tag reden. Z) Figürlich, durch sichtbare Zeichen lebhafte Gedanken und Vorstellungen in andern erwecken. Ein redendes Wapen. in dev HerMdik, welches den Nahmen dessen ansdruckk, der oasscibe führet. Ein redendes Bild, welches' gleichsam zu reden scheinet, dem Original vollkommen ähnlich ist. Die Sache redet selbst. Ganfle Freude redet stets aus deinen Augen, Geßu-r- Die Unruhe und sein verbrechen redeten aus ihm, Gell. M, wie dankbar lehnt sic sich mit redenden Blicken an ihn an l Zachar, Daher das Reden, ftattdes ungewöhnlichen Rodung. obgleich solches in dcu Zusammensetzungen üblich ist. Jemanden das Reden verdierhen. viel Redens von einer Sache machen. Anni.». Bey dem Ottfrirdnuid Keeo vermittelst der intensiven Endung i—nen, recliuon, rebnen, wovon noch Redner abstailr- met, im Niedcrd. reden, im Schwed, reeiu, im Island. röcku, im Gciech. -»et». Es ist eine unmittelbare Nachahmung des durch Reden verursacht^ Lautes, daher es auch in andernSprachcn cklid Mrurdarten von einigen besonder« Artendes Redens gebraucht wird. Kero gebraucht reckinon für yerfagrn. oue A^g-kf. ckan nnd Engl. to reu ä bedeutet lesen, das Lchwcd. reck» zäh«- len, rechnen, ehedem rechen, welches nur im En-Raute verschieden ist, ingleicheu erklären. Auch unser Rath und Rathen gehör» rcn hierher, fo wie retten, essultnre und ^rucntn a-s, bereiten, Zhultche, obgleich dcrSache nach verschiedene Laute ausdrucken. S. auch Rath, Rechnen n.s. f. Lnm. 2. Reden und Sprechen haben in der Bedeutung vieketl , mit einander gemein, (S. das letztere, ingl- ichrn Gagen, söstan- dcvn, Schwatzen, Rlaffen, Matschen, Klappern, Schna- rern ». s. k. welche alle besondere Arten des Redens bezeichnen, s» lvu-'öir veralteten cnoien, Franz, cLuler; esisäun, rineclua. welches mit der letzten Hälfte in dcmLat.iriHuir und mit citar-^ reeiture, verwandt ist; und rscsion, wovon unser rechnen ao- siammet. In den gemeinen Sveecharten hat man noch eüwMenge Anderer Wörter, gewisse besonders in dasGehör fcllendeAeten der Reden zu bezeichnen. So heißt durch die Nase reden Nieseln, im Rieders, »riffeln und schnüffeln; durch die Zähne reden, im Rieders, slyren; verworrc« reden, wie ein Betrunkener, sollen, «übbelwrbbeln; langsam lmd zaudeehaft reden, kaneln; lang« sam und gedehnt reden, semmeln, dröhnen ; mit holler schreyen« der Stimme reden, quieken, quietschen ; mit feiner Stimme die Worte lau-ziehen, mirzngespiklem Munde reden, ziesken ; mit kknrch drin gen ocr Stimme reden, klonen ; unanständig laut reden, kklsken, schramm, nn Hochdeutschen sch rep en; schn ll und unnütz- reden, lassen, labbern, plappern, kören, praeen, prareln, sin Schwed, ist ^r-rtu reden überhaupt, Griech. ; im pfeifenden Tour rede,r, pauen ; rntt hohlem Miutde eetru, pauken;- heimlich, i ei sc reden, nusterü, mustern, muffeln, sussein, mumpe!->, munkeln , sin Hochdeutschen ssrstern und raunen; im einem klagenden gedehnt «Tone reden, fcprvözen; sehr geschwinde reden, hafpcsii; geschwinde und mivcrständllch reden, rabbeln^ und huudect andere mehr. §>le.Rrdensä'lft, plur. dir—en, ein aus mehrrrn Wvrtcü best-hender Ausdruck, welcher e n Pcädjrat mit dem Berbuidungs- > mu'te enthält; nach den- Crirch. und Lar. kkrLlls«. M.nkmuß' dieses Wort mir Redeärk oder Rrdarr nichtverwechftln, weiches zuweilen für Mundart,zrrweiir» aber auch so wm Sprecha- t uno' ^Schreibart von der Art und Weise sich m verschfeben-n Verhatt- missen ducch Worte anszudcucken gebraucht wird, Die Redcart des gemeinen Mannes. Im Oberdeutschen hingegen werden die Redensarten mehrmahls Redarren genannt. Neöescheu, — er,—este,Ltckj. et ackv. Scheu besitzend zu reden und in dieser Unart gegründet. Ein redeschener Mensch, der sich aus Mangel an Erziehung zu reden scheuet. Im Oberdeutschen auch redestüchtlg. Daher das Hauptwort dre Redescheu, plur. car. Der RedetHeib, des—es, plur. die— e, Dimiuut. das Rede- thcüchcn, der Theil einer Rede, doch nur am häufigsten nn weitesten Verstände, ein Wort, so fern cs ein Theil einer jeden Rede ist, und in Ansehung seiner Beugung und seines Standes in der- -selbencherrachtct wird ; bnrs OrÄtiovts. So zählet man in de» Sprachlehren gemeiniglich neun Redelhe-le, den Artikel, das Nennwort, das Fürwort, das Zeitwort, ^>as Mirtriwore, das Nebenwort, das Vorwort, das Bindewort und das Zwlschenwort. ' DieReöeübuny, plur. dl>—en, eine Anstalt, da junge Leute, in Haltung feyerlichcr Reden gcüber werden, besonders aus Schulen.; ^ctus orutorius. Kedllcy, —er,—stc, astj. etsckv. welches nach Maßgcbung des größten Thcils veralteten Red, Rede, ehedem m verfchieöerten BedetttUNMU-Übllch-WL^--urL_oU^urn noch lft. 1. ^Von dem veralteten Rede, Vernunft, eine figürliche Be- denrnng unscrs heutigen Rede, war redlich ehedem vernünftig. Zu diesem Verstände kommt so wohl restslicsto als reckillutst Hey dem Ottfried und Notker vor, und das Holland. rLÜenlik, raciaük, und Nicdcrs. redel-k hat noch eben die Bedeutung, und ist d/m redclos, unvermrnfng, entgegen gesetzct. Da denn auch Redelicheit, Redlichkeit, die Vernunft ist. Im Hochdeutschen ssi diese Bedeutung veraltet. 2 . *Von dem vcraltrtenRed, R ttb, istrecklic im Angelsächsischen, mit Ratb, mir Bedacht, uut Überlegung, behurhsam, im Gegensätze des rsckelüns, redcios, unbesonnen. Auch.tnese Bedeutung, kennen wir nicht mehr« - L. *Eine andere veraltete Vc-eittiing kommt bcp dem Kero vor, der reäLlitilln fiir ltreuue gebranchc, wv es zu Rad, reuen, in der,weitesten Bedeutung einer schnellen raschen Bewegung, zu ge- , Horen scheinet. S. Bereit. 4. Von dem veralteten Red, Schwed, kl L welches chedi'mfnr Recht ühlich war, (S. die Anmerkung zu diesem Worte,)kommt es außer einigen gleichfalls veralteten Bedeutungen noch in verschiedenen Fällen vor. n) Von Red, Recht, sofern es ein (Besetz und den Inbegriff mehrerer Geseke bezeichnet. (a) *Rotvrmä'ßlg; eine un Hochdeutschen veraltete Bedeutung. Redliche Linder/emeredH stiche Ehe, redliche Nachkommen u. s. f. für rechtmäßige, in den Schriften der vorigen Jahrhunderte« (b) In engerer und figürlicher Bedeutung ist es noch im Oberdeutschen für das Hochdeutsche ehrlich üblich, doch nur so fern cs den angenommenen Begriffen der äußern Ehre gcmäß bedeutet. Die Abdecher und senket .sind nicht redlich, d. i. mcht ehrlich. Sich redliey nähren, Ps. 3 7, 3- Ich will nicht redlich sepn, nicht ehrlich, (c) Er- laubt, durch ft-in Gesetz vorbothen, rechtmäßig; noch in einigen Fällen des gemeinen Lebens. Sich redlich nähren , ans eine erlaubte Art. Es gehet hier nicht redlich zu, nicht rechtmäßig. 2 ) Von Recht und folglich auch dem veralteten Red, Übereinstimmung mttdxr Pflicht, Absicht und dem Endzwecke, ist redlich noch jetzt, besonders i» der vertraulichen Sprechart, so wie' rechtschaffen, ferner Pflicht, seiner Absicht, seinem Endzwecke vsÄlommssn gemäß. Er-hat das scimZe redlich gecham Seine Mutter war eine redliche Gehulsinn ihres Mannes. Sich redlich wehren. Ein redlicher Mann. Ein redliches Ge- mnch. Redlich mit jemanden umgehen. Dein Verfahren gegen mich ist nicht redlich. Es gehet hier nicht redlich zu.. Ern redlicher Freund. Mik redlichen Leuten istgur handeln. Alles was die Vnnft ans den großen, hervor ragenden , stieren, Darren Augen der Gcäsinn Gutes machen kann, dar Haben fle redlich daraus gemacht. - - Redlich, sag' rchk--- . Nicht so redlich, wäre redlicher, Loss. i« der Emil. Galotti; wo es so viel sagen will, sie haben zwar alle Kräfte daran gewandt, alles daraus zu machen sie haben ihr aber auch dabey geschm.j» chelt, die Wahrheit überschatte». Juglcicheu dem Verspre. chen , der Zusage gemäß, wo es auch vo« Rede absiammen kann, seiner Rede gemäß. Jemanden redlich bezahlen. Er har fein Mörk redlich gehalten. Z) In engerer Bedeutung, geneigt und Fertigkeit besitzend, das was recht und billig ist, darum zu rhun, weil es recht, unbillig ist, für rechtschaffen; eine im Hochdeutsche« größten Theils - veraltete Bedeutung, ln weicher es im cugcrn lind theologische« Verstände «och mchrmahls m der Deutschen Bibel vorkomnit. Wer redlich ist, und auf die Götter traut, der wandelt nicht - auf kriegendem Sumpf, Geß». Die RedUcylett, piur. car. die Eigenschaft, derZustaud, da eine Person oder Sache, redlich ist, besonders iu der vorige« zweple« Bedeutung^ die Neigung und Fertigkeit, sein äußeres Bezei- gerr gegen andere ferner innern rechtmäßigen Beschaffenheit gemäß e-ttzucichle«; im Gegensätze der Falschheit. Der Redner, des — s, jiiur. m nom. üuZ. Fämin. die Red. nerinn, eine Person, welche die Gabe oder Fertigkeit besitzet, andere leicht zu überreden. Ein guter Redner sepn. In engerer Bedeutung, eriu'Persou, welche eine frcyerliche Rede an die Zuhö. rer hält. Ehedem -Eden auch die Sachwalter, Anwälte, Advo- caceu u. s. f. so ftru sie ihren Vortrag in feyerliche Reden ein- kieideten, Redner genannt. , Anm. Schon in dem alten Fragments auf Carin den Große« beydem'Lrchiitcrbveltisuaie. Es stammet vondem letzt veralteten I nreusioo redcnen fnc reden her, welches noch bey dem Ott- fried vorkoilutit. Von reden müßle es Reder heißen, welches noch bey deul Tschirdi angetroffen wird. Rednerisch, — er, — te, aclj. elLtckv. einem Redner und dcsse« Kunst, anoere zu überred«.'», geinäß. Rednerische Blumen, rednerische Limite. Das war sehr rednerisch. Eine rednerische Rundung der Perioden. - /' Drr Rednerkuast, plur. die — klinke, küustkiche, i» der Redekunst gezrirndete Mittel, beh andern UoerredungDl wirken. Der Rcdttörstuhl, des—cs, fllur. die—stühle, der Sllißs, d. u erhabner Ort, von welchem ein.Redner eine feyecliche Rede an dw Versammlung hält, und welcher in den Hirchen die Lanze!, der Predigtstnhl genannt wird. Die Redöute, x!ur. die—n, ans dem Franz, Rsckoule, und - dieß vom Lateirr. Reckuctus. i)In der Befesiigunskunsi, eine kleine Verschanzung jn der Gestalt eines Quadrates'oder eines länglichen Viereckes. 2 ) Ein öffentlicher mask-rter Ball,Alal, lilckuUo, kiillotto, weiches e-genklich einen Ort, in welchem Spieker,Tänzer u. s. f. zusammen kommen, bedeutet. RaösebkI, —er, — ste, uckj.-et sckv. nr «.incm vorzüglichen Grade gesprächig, geneigt und Fertigkeit besitzend, mit jedermann z« reden, und viel zu reden ; im Oberdeutschen auch redsprachig. So auch die Rrdsrftgkctt , Redsprachlgtett, für Gesprächlgreit. S_Selig. Die Ree, die Scgelstange, S.Rahe. Die Reede, Rehde. Res 'L.*DasReff, des — es, plur. die —e, ein Wort, welch es üb er- Haupt de» Begriff der Bedeckung, und figürlich, der Höhlung und eines hohlen Raumes, vielleicht auch der Ebene, der nach allen ' Seiten ausgedehnten ebenen Fläche, hat, S. Revier. Dahin gehören das Angels. Kassels, Kleider, bas mittlere Lar. kaupa, c- kanbaro'oa, das Engl, und Franz. Kobe, ein langes Frauen, tleid, das Arab. kak^kon, seidene Kleider, und andere mehr. Hier wirdes nur um des Niederdeutschen irr der Schifffahrt übli. lichcu Wortes Reff willen augeführet, womit man die kleine» Segel bezeichnet, welche bey schwachem Winde an die gewöhnlichen großen befestlgktwcrden, undwelchesgleichsam hierher zu gehören scheinet; im Hochdeutschen di? Bey fege!» Niedres, gleichfalls Reff,ingleichen Riff, im Engl. Kilt', im Holland, Kik, ksK, kssk. Im Angels, ist Kiki. ein jedes Segel Zm Niederdeutschen ist Reff und Ra in manchen Fallen ein Fell, die Haut überhaupt. Daher wird das Zwerchfell daselbst Mrddelreff, Engl. iVlickriit, genannt, und jemanden auf das Reffkommen, ist daselbst in den niedrigen Sprecharten, ihn ausprügeln. Zu dem verwaiidten Begriffe des hohlen Raumes gebäret das alte Obecdeuts. bicenrebs für Hirnschale, in dem alten Fragmente auf Cacln deuGroßeu bey dem Schuler, und dasHolläub. Koss, die Schiffskammer. L Das Reff, des — es, plur. die—e, ein Wvrt, welches eine Ausdehnnng n die Höhe ünd Länge, und ein aus langen, schmalen Körpern zusammen gesetztes Ding bezeichnet. >) *Eine Ausdeh- rmng in die Höhe und Läng- zugleich; eine im Hochdeutschen vec- «ltete Bedeutung, wohin noch oas Näders. Reff gehöret, wenn es so wohl eine lange Sandbank in der See, a-is auch eine in die Länge sich erstreckende Reihe Klwpei, bedeutet. Das Schwed. Kids, die Scekante, das Latein, ki oa, das Ufer, und der alte Nähme des Rlpharschen Gebirges find sehr nahe damit werwaudt. Das veraltete ksk, Angels, lstrss, der Bauch, das Nieders. Ra, der Körper Leib, Island. k.6. Angrls. blraarv, und. andere mehr, scheinen auch dah-n zu gehören. 2) *Erüe Ausdehnnng in die Länge allein, ohne beträchtliche Breite und Dicke; eine gleichfalls veraltete Bedeutung. Zit den alten Oberdeutschen Mundarten st Raff Rasen, ein Balken, in der Monsceischen Glosse kuvo, Lat. 'Krads. (S. auch Raff und Rippe.) Z) Ein aus solchen langen. aber schmalen und dünn'n Körpern bestehendes ^" 3 / ein solches Gestell; wo es wieder m verschiedenen Fällen vorlommt- (a) ,*Ein Skelett, daS Kuochengrbände eines Thieces oder Menschen, h.eß ehedem ein Reff, jetzt ist dafür Geripp üblich. (b) *Ein Sanmsatml, eir-e noch in, Oberdeutschen gangbare Bedeutung ; ein Sau.nreff. (c) Ast den Sensen der, Landlente ist das Reff eine mit der Sense parallel gehende Gabel, an welche sich die Halmen im Mchenlehnen, woraufste von derselben ohne Verwirrung auf die Seite geworfen werden, (d) Auf den Schiffen sind die Reffe, (Engl. Kiss, Holland. k«es,) gewisse Streik fen, welche querüber d,e Segel gehen, und deren jedes Segel mehrere Reihen hat. Jede Reihe bestehet aus doppelten Schnüre!, oder Reffvandern permöge welcher mak ben starkem Wmde,einen Thcil des Segelseinreffet, oder entbindet. In dieser röedrurung scheint es mit Reif, Geil, verwandt z-u sepn. (e) Lin aus dünnen, > schmalen Hölzern bestehendes Gestell, gehacktes Holz und andere Lasten dann auf dem Rucket, zu tragen, h; fit im gemeine» Leben vieler Gegenden ein Reff, und zum Unterschiede von den vorigen Arten, e n Tragcreff, ehedem ein Wandelrcff", dauut zu wandeln, d. i. zu gehen. Jpr Talian ist Kurclrsls eltt Mantclsack, Fclleiftn. Daher nenn' mau diejenigen Leute, welche Bücher, Arzeneycn und andere Waaren in einem solchen Reffe im Lai,de herum tragen, Refftrcger,im Renner Sr >9 ein Repffrräger. rs*Reffen, Verb. reZ. act. von » Reff, ein Levsegel, m der Schifffahrt, einNeff oderBepsegelan d,e ordentlrchrn^rZcl setzen» Reg^ l« i Z 2.*Refsen, verl,. re^. aot. welches gleichfalls m,r in der Nieders deutschen Schiffersprache üblich ist, besonders in dem zusammen gesetzten einrcffen. Die Segel emreffen, sie erndiuden, Engl«, to ritk. S.» Reff. Das Reßer, S. Revier. Reflectiren, verb. ceZ. act. st oeutr. mit dem Hülfsworte has ben, von dem Lar. rekisclere. i) Die Aufrneeksamkert ans eine Sache nach aller, ihren Theilen richten; im gemeinen Leben. Auf ptwas restectiren, Acht darauf haben. über etwas restecrirea, -Nachdenken. 2) Zurück werfen, besonders in der Katopteik von den Lichtstrahlen. Oer Spiegelund eine jede glatte Ft ich- restec- ?rirt die Lichtstrahlen, wiest sie zurück. Dle Rest^tön, plur. die — en, ans dem Lat. K26 exio. r) Die Richtung der Aufmerksamkeit auf einen Gegenstand und dessen ffä'mmtliche Tbeile, ingleichen das Vermögen, seine Aufmerffaui- kenätzfeinen Gegenstand und dessen sämmrlicheTheile zu rtchten; die Besonnenheit. In beyden Fällen ohne Plural, s) Ein du ch solche Reflexion hervor gebrachter Gedanke, im gemcinei; Leben; eine Betrachtung. Restexion über etwas anstellen , Betrachtungen. Z) Die Handlung, da ein Körper von einem andern zurück geworfelt wird, besonders in der Katoptrik , da die Lichtstrahlen von glätten Oberflächen zurück geiv^Hh, werden, die In- wückprallung; ohne Plural, und zum UnHffihicde von der Ins flexion und Refracrion. Daher die R-Acrions-Fläehe, die- -jenige Fläche, welche den Lichtstrahl reflecrirl oder zurück'v:rft; dir Resserions - Linie, der zurück geworfene Strahl, sofern er'als- eine gerade Linie vorgrstellet wird; der Resscrions - Pnnct, der Pnncr, ü!,s welchem der Strahl in das Anzitzurück geworfen ivird; ck>er Resterions-wmkrl, der Winkel, welchen der zurück ge,vor-, frne Strahl mir dem einfallendeumacht, u. ff. Die Refornratrön,plnr. d,e—en, ans dem Lat. KaformLtio, die Verbesserung einer Sachednrch AbsteLung und Wegschcfffnn- der Mißbräuche. So wurdeehedein dieAbstetlungder in den K:8- sterttriirgeschllchenen Mißbrauch'' die Reformation derselben genannt. Jnein-genStädren, z.B. zu Nürnberg, ist auch das Stadt-- recht, o.-i. der Inbegriff der oon der Stadrobrigkrit i- Verordnungen, unter diesem Rahmen bekannt, .'-fernes pm./rch in einer Verbesserung der ältern VrcordnUnäen i:nd >u eine stellung der unter denselben eingeschlichenerr -rr anchr sestR,er. Zrn Mittlern Lac. kommt refortNu^s, für verordnen, mehr-mm-A vor. Am üblichsten ist dieses Work von der durch Luch-nr und sei- ne Gedülfcn geschehenen Abstellung der in dieKirche nnd b - - Lchr- hegriff eingerissenen Mißbräuche und Irrthümer. welche einige im Deutschen die Gianbenöverdefferung, andere aber richtiger treffender dce Glaubensreinigung nenneil. llveformive-a, VSI O. re^:.sc.A. ausdem Lat. refurmars, durch Abstellung der Mißbrauche und Irrrhümek verbessern. Ein Kloster refsrmuen. .Luther und seine Gehn feu reformirten sc» wohl den Leh-begriff, als die Virche Verfassung. In engerer BcdeutnnH iteuncn sich nnter den Evangrllfchen. dic Nachfolger Calvins und seiner Gehülfen, welche»och mehrere, vonssntherrr und seineil Freunden in der Kirche bcybehalteue Jri tl.üiner und Mißbräuche absiellcten, Reformirte, oder die refornrrke Rirche. Di-Re'frcrdti-ön, piur. die — en, üus dem Lat. kst'ruc tjo <,r der Optik, die Abweichung der Lichtstrahlen von chnem vorig: « Wege, wenn sic eurch Körp. r oon verschiedener Dichtigkeit gehen; die Strahlenbrechung. Von welchem Brechen auch das Zutwoek refrmgiren, aus dem Lac. refein^sr;?, üblich ist. Regal, ein Bevwert, ans dem Lai. r nl-s, welches nur in einl- . gen Zusammensetzungen üblich ist, Din.gevon königlich r, d. ä vorzüglicher Größe zu bezcichneu. So ist Regal-Papier, Papier vou ungewöhnlicher Größe und Starke, die größte rnu-ee den Sss z gebrauch- LOS0 gebräuchlichen Arten-es Papieres, welches zu Landkarten, großen Russen u. s. f. gebraucht wird , und worauf das Median- Ptrp'er folget. Regal-5o!io, das größteprächtigste Foljo, noch größer als Median - Folio. Statt dieses Lateinischen Wottcs wird von vielen auch das Französische rojal gebraucht; Rojal^Papier, Rojol-Folio, Rojal-Format u.st. f. Das Rexerl, des—es, plur. die—e. i) Zn den Orgeln, ein Register, welches die M-nschensiiinnic nachahmet, und d a i, er auch Menschcnstimme geuanut wird. Grob:Regal, welches acht Fuß Lon hat; - Jungfern-Reg al; ?spfel-7iegai; Rncpfchen-Rega!. Franz. kleZuls. Eben daselbst führet auch einSchuarrwcrk, welches ans messingenen oder hölzernen Pfcifcu bestehet, m>t zrvey Blasebälgen versehen ist, «nd eine ArtPosirioe oder kleiner Orgeln ansmacht, gleichfalls den Nahmen eines RcgLles. Wenn es hier nicht auch eigentlich das vorige Wort ist, indem dieses Register eines der vornehmsten in einer Orgel ist, so scheinet es mit der folgenden Bedeutung aus Einer Onelle berzustammen, man müßte denn erweisen können, daß es von dem alten rufiiioo, sprechen, iu der Monseerschen Glesse reellen, herstamme, (S. Rechnen.) 2 ) Im gemeinen Leben pflegt man einBAcher- Lret, ein Rrpositorium, oder ein jedes anderes mit Fächern versehenes ähnliches Gestell, Maaren und Gcräth darin auf- zustellen, ein Regal zu nennen. Daher das Bucher-Regal, Alichen-Rega!, W.rarcn-Roga! u. s. s. Ans der Lateinischen Gestalt dieses Wortds wird wahrscheinlich, daß es von irgend einem Lateinischen Worte der Mittlern Zeiten entlehnet worden, welches sich bisher noch nicht hat wollen finden lassen, «der wiederum ans den gemeinen Landessprachen gebildet, und mit nnserm Reche,Mieders. Riege, im mittler» Lat. klsga, verwandt zu seyn scheinet. Im Rieders, wird ein solches Regal ei« Rak genannt, Holland. L üS Re§äle, des — s, plur. die Regalirn, s viersylbig, > das mittlere Lat. Ke^nle, und dnß wiederum von dem Lat, reKLlis, m-dem Staaksrcchte, das von dem Fürsten sich vcrbehaltene Eigcnthum über manche im Staate befindliche« be-^ rvcgljchen oder «nd-wegllchen Dinge, das Hoheitsrech.t; Zum Ilnterschiede von den Majestäts-Rechten, den wesentlichen Be- ssandtheilcn brr obersten Gewalt. In weirerer.Bedeutung pflegen einige auch diese mit unter die Regalien zu rechnen , und ttlsdan» die wesentlichen Majestäts, Rechte hohe und die aik- ßerwesentljcheu niedere Regalien zu nennen. An diesen, oder den Regalien im engsten Verstände gehören, z. B. das Post- Regale, Fall-Regale, 5orst:Regale, Jagd-Regale, Lehen-Re- §ale, Miinz-Rcgale u. s. s. Viele lassen auch hier das e weg, das Regal, da cs denn in der Zwcyterr Endung ein bloßes s bekommt, des Regals. Das Retzül-PSpier, des — es, plrw. doch nur von mehrcrn Arten oder Quantitäten, die—-e, S. das Beywort Regal. Aerze, —r, —Ke,nstj. er u6v. in Bewegung brfindttch, sich bewegend, sich regend. Rege seyn. Rege werden. Rege machen. Die Bwnen rege machen, machen, daß sic sich bewegen, in Bewegung gerochen. Das Viidpret rege machen, bey den Jägern, es aufiagen, es losbriichig machen. Zn den gemeinen Sprecharien ist es als ein Ncbcnwort amnbljchsten, indem das Bcywort m dcr Höh'.rgnnd dichterischen am meisirn gebraucht wird. was wirmlr regem Diel der Dunkelheit entziehen, Hag. Er blies die rege Glurh mit vollen Bachen an, Zack. S? auch, wenn dieses Wort im figürlichen Verstände gebraucht wird,seine Wirkungen auf eine lebhafte Art äußernd. Den ^orn, tzie Decke bey jemanden rege machen. Line Lrarckh,i:k rege Aizchen Em? langst vergessene Sache wieder rege machen. eände'cungcn, a»g;bt und vorschreibt; die Richtschnur. Line GprachrAhel, Lunstregel, Staatsrcgel, Bauernregel, Lebens- regel, Maßregel v. s. s. Jemanden Regeln geben oder vor- schreiben. Eine Regel beobachten, befolgen, ansuben. Sich an keine Regeln bmden. Das ist eine feste Regel meines Athens. D-rs kann ich mir nach den Regeln der Billigkeit von dir versprechen. I» einigen Fällen auch collective, der Inbegriff alllr Regeln oher Vorfchristen Einer Art. In diesem Verstände ist die Mrdens- oder Llsstk'regel der Inbegriff aller einem Orden von dessen Stifter vorgeschriebenen Regelte. Anm. Schon bey der W nsbeckinn^eZe!,im Niederst gleichfalls Regel, Es ist aus dem Lar. Ke-Aulu entlehnet, welches abe^ im Gründe wieder zu dem Geschlechte unsers recht, richten u. s. s. gehöret. Die Lat. Ei.dsylbe —rrlu ist so wie die Deutsche —elei- rrc Aoleitungslytbe. welche so wohl ein Werkzeug als auch einSnb- ject bedeutet. Das Niedres Regel bedeutet überdies auch einen Riegel, welches Wort gleichfalls hierher gehöret, (S. dasselbe.) Ehr man dieses Wort aus den» Lat. entlchnrte, hatte man andere Wörter, den Begriff desselben auszudrucken. Kceo nennt die Klosterregel 1?«kruuAÄ,dirMonseeifcheGlosse abrrnberfetzl klsßu- lä und^orm« durch dipraltu ^prsröL, welches nnsirSpriet, ein langes, gerades Holz, zu seyn scheinet. Regellos, — er, — esse s-ij St u6v. der Regel beraubt, alle Regeln ans den Augen fetzend, intzleichen objrctive, nicht nach den Regeln verfertigt; irregulär. Lin regelloser Mensch, welcher sich an keine vorgeschriebene oder eingefilbrteRegeln bindet. Eine regellose Domodie, welche n.cht nach den gewöhnlichen Regeln verfertiget ist. Ander weitern Bedeutung des Lat. irregulär, da es auch von Großen gebraucht wird, deren Theile einander nicht gleich sind, läßr sich das Deutsche regellos nicht gebrauchen, N'k.st Rege» bstiß die Vorschrift des Verhaltens ansdrsckt. Eben so w» nig laßt sich regulär in diesem Verstände von einer Größe, derea Zheilc Lirrer sich gleich find, durch regelmäßig übersetzen. Die Reglosigkeit, ^lur.hie — en- ») Die Eigenschaft, der Zustand, da riue Person oder Sache regellos ist, ohne Plural; dir Irregularität. 2 ) Ein wid-cr die Regel laufendes Verhalten. Retzelmä'fikv, <^-er, — sie, 26). et uZv. der Regel gemäß, kb- jecUvcz ji'.Zttichcnlubjecttve.Feuigk.l'l besitze,ch,die vorgeschricbe- 1021 R kg nen oder eingefuhrlen Regel» zu beobachte». Em regelmäßiger. Mensch. Ein regelmäßiges Schauspiel. Sich regelmäßig verhalten. Eine regelmäßige Aufführung. S. Regellos. DieRetzeLmaßtAkeit, plur. iaul'. dre Eigeuj'chLft,daem DlttS regelmäßig ist. Die Regelschwestev, -plur.die—n, in der katholischen Kirche, eine Art gottesdicustlichec Personen/ von: driltenOrden Francisci, welche nicht beysammen wohnen, vecheirathet oder ledig sepu können, und sich nurSonn- und Feyertags versammeln, übrigens aber klösterliche Gesetze und Ordenszeichen hsbem Mit einem Spitz- uahmen Stiefelnonnen. Regen, ver'li. reZ. acl. fvelches mit bewegen gleichbedeutend ist, im Hochdeutschen aber am häufigsten nur von einer geringen, schwachen Bewegung gebraucht wird. i. Eigentlich. Oh,ledernen Willen soll niemand seine Hand oder seinen 8nß regen , , Mos. 4,44. Weser Hand noch Fuß regen können. Den Mund regen. Die Zunge nicht regen können. Da niemand eine Feder reget, Es r °, >4. Jngleichen als ein Reciproeiun, sich regen, eine Bewegung machen. Man darf sich h-ier nicht regen. Es ist so enge, daß man sich hier nicht regen kann. So bald sich nur der Haushund, regt, Haged. Regt kein Leben ffch mehr in dir? Zachar. Sich regen, in der vertraulichen Sprechart, sich munter, lebhaft bewegen, lebhaft arbeite», wofür m a in auch sagt, sich rühren, außer welchem Falle es von einer lebhaften, heftigenBewcgung im Hochdeutschen wohl nicht gebraucht wird, ob es gleich m Lrr Deutschen Bibel in diesem Verstände vor. kommt. Regel euch auf Erden, i Mos. 9 , 7. Die Grundfeste des Himmels regeten sich und bebten, 2 Sam. 22 , z. Das Adders, rögen oder regen wird daselbst auch für jagen gebraucht. s. Figürlich' >) Entstehen, fein Daseyn durch schwache Wir«,»», tzerr merklich machen, am häufigsten von Empfindungen und Ge. kmthsbewegungrn; als ein Aeciprocum. Die Bosheit reger sich schon bereits heimlich, 2 Theff. 2,7. Die Liebe regetiflch bcp ihm. Es regten sich allerley Begierden in mir. 2 ) * Bewegen, indessen figürlichen Bedeutung z ein im Hochdeutschen unbekannter G< br auch. Was regre sie zum Lügen ? Opitz. 3 )* Er. wähmn, Meldung lhuu; auch nur im Oberdeutschen, wo dafür auch beregen üL-üch ist. Die oben geregte oder beregte Sache. Daher die Regung, S. solches an seinem Orte besonders. *Änm. DieMittelworrer sind von diesem Zeitwortcrm Hoch- deutscheu nicht üblich; doch gebraucht man dieses M'ttelwort der zegeuwärligen Zeit des Reciproei. Die sich regende Begierde. Bey dem Otlscied recli io, im Totiauund bey dem W lleram reZnn, im Niederst rögen, welche? aber auch anruhreu bedeutet, bep dem Hornegk recken, imArab. reZZ, roZZa, reZk, wo rszcl auch zittern ist. Es ahmet den Laut einer schwachen. Bewegung in vielen Fällen nach, und da dieser Laut auch mit den aus der Luft herab fallenden Wasftrftoyfen verbunden ist, so erhellet daraus, warnm.zwey ss verschiedensDinge einerlei) Nahmen haben. Reichen, regieren, i-LZsr«, das Niederst roien, rudern, ringen u. a. m. sind nahe damit verwandt, so wie rücken, recken, rühren, eigentlich rÜIeren, Zntcnsiva davon sind. Der Regen, des—s, plur. udaam. llnZ. diejenige Lnfte.rschei- nunz, dadieiu der Luft besindlichen wässerigen Dunste sich verdicken, und tropfenweise und in Menge nach und neben einander z herunter fallen; so wohl absolute und ohne Plural, als auch mit dem Plural in mehcern einzelnen Fällen. Der R'gen ergn-cket das Land, W r werden Regen bekommen. EZ fällt ein Regen,, Es kommt ein Regen. Es laßt sich zum Regen an. von dem Regen ergriffen, »verfallen werden. Ein anhaltender, sachter, starker Regem (S. cmch Platzregen, Landregen, Strichregen, Staubregen.) Ungewöhnliche Regen, m Plu- Reg rosr ral, Welsh. »6, - 6. Sprichw. Aus dem Regen in die Traufe kommen, einem kleinen Übel entgehen wollen und darüber ia ei- größeres gerathen, aus dem Rauche in das Feuer gecathen. Anm. BeydcrnUlphitasRrZu»imNiedecd. Regen, im An- gels.RaeZll, ttraeZu» Rew» im Engl. Rain, im Schweb. keZa, im Island, keß», sogar im Arab.LzsZon» wo Ras- Aston ein starker Regen ist. Es ahmet gleichfallsden Schall nach, welchen derRegea im Herunterfallen macht, welcher Laut oftjeder sanften Bewegung eigen ist, woher denn die Übereinstimmung mir dem vorigen Worte r-ühret. Im Griech. ist p«t!,szp befeuchten. Lat. riZare, und im Schwed. rA naß. Das Wasser und flüssige Körper überhaupt haben fast in allen Sprachen ihren Nahmen von ihrer charakterischenEigenschaft, der Beweglichkeit oder Flüssigkeit. S. Regnen. Der Regendach, des—es, plur. die—bache, ein Bach, welcher uur nach einem starken Regen von dem zusammen gelaufenen Regeuwasserentstehet, und hernach wieder verschwindet; einGuß- bach, Leldbach,- Scldwasse^, und so fern er aus einem Walde kommt, Waldbach, Waldwasser. Der Re§enbogerr/ des —s, plur.ut nom. lioZ. eine Lüfter- scheruung, weiche aus einem farbigen Bsgen »der Halbzirkel bestehet, und alsdann gesehen wird, wenn eine dunkleRegenwolke der Soune gegen über stehet, welches oft nach einem starken Regen, oft aber auch alsdann zu erfolgen pfleget, wenn die Sonne in Zeinen starken Regen scheinet. Er wird durch die Reflexion und Aefcaction der Sonnenstrahlen in den Regentrovsen erzeuget. Car» 1-2, 2 8 der Regierer m der Gemeinde gedacht wird. Im Hochdeutschen koinmp es rnir noch zuweilen in der höher« und dichterischen Schreibart, besonders von Gott, vor, der cuLdann der Re- Zrerep aller Dinge genannt wird» io2Z Reg Die Reyicrsucht, plur. car. die Sucht, d. i. anhaltende heftige und ungcoednete Legierte, zu regieren, dach nur in engerer Bedeutung, die Glieder eines SruaicSMregieren. Daher das Bey. undNebenwvrt regiersü^rig, regiersüchtiger, regiersuchtigste, Reglersucht habend, in derselben gegründet. v Die Regierung, piur. die—en, von dem Zeitworte regieren. i.Vou der Handlung des Regiercus; ohne Plural. So wohl im eigentlichsten Verstände, die Richtung einer Bewegung auf einen Endzweck. Die Regierung eines Wagens. Als auch im engern, der Bestimmung derjedesmahligen so wohl leideiitlichen als chäti- qcn Veränderungen eines Dinges. Die göttliche Regierung aller Dinge. Sich der göttlichen Regierung überlassen. An noch engerer Bedeutung, die Bestimmung des Verhaltens durch allge- meineVorschriften und mit denselben verknüpfteBewegungsgründe und Strafübel; wo es zuweilen auch von solchen gebraucht wird, welche diese Bestimmung im Nahmen anderer handhaben. So legt man in den Städten denBürgermeistern eine Regierung bey. Am üblichsten ist es im engsten Verstände von derAusübung der Macht und Gewalt, die gemeinschaftliche Wohlfahrt irr einem Staate zu erhalten, wenn der Prinz die Regierung antreten, erlangen wird. Die Regierung niederlegen. Nach der Regierung krachten. Sich die Regierung anmaßen. Jemand der Regierung entsetzen. Start der R. A. die Regierung sichren , gebraucht mau jetzt lieber das Zeitwort regieren. 2. Mir näherer Beziehung auf die Zeit, da und wielange eincPerson dieoberste und höchste Gewalt in einem Staate bekleidet; wo auch der Plural Statt findet. Unter der Regierung des Vaisers Otto , des Herzogs Heinrich, des Grafen Johann. Zwey Regierungen überleben, zwei) nach einander in einem und eben demselben Staate regierende Herren. Z. Ein zurHandhabung der obersten fürstlichen Gewalt in einem Lande oder in einer Provinz n eder- gesetztes Collegium, dieLandesrcgierung; welches inGrafschaftcn die Ranzelley genannt wird. Die churfürstl. Sächsische Regierung zu Dresden. Die Magdeburgische Regierung, u. s. s. Bey der Regierung klagen. Sich an die Regierung wenden. Daher der Regierungs-Advokat, Regierungs-Prafident u. s. f. Ehedem haudhabeken diese Collegia im Nahmen des Landesherren die ganze höchste Gewalt in einem Staate oder ftr einer Provinz. ' Seitdem aber nach und nach die Verwaltung der Geschäfte Mehr getheilet, und für manche Arten besondere und zumTheil höhere Collegia errichtet worden, so ist diesen größten Thecks nur die Verwaltung der Justiz übrig geblieben. 4. Der .Ort, wo und aus welchem andere Dinge regieret werden, r) So wird das Gebäude, das Zimmer-; i« welchem stch ein Rcigierilugs- Collegium versammelt und seine Sitzungen hält, sehr häufig gleichfalls die Regierung genannt. Auf die Regierung gehen. -) Bey den Glockenspielen führet derjenige Oet auf dem Thurme, wo die Drahte von eisernen Winkelhaken herum gcfüheet werden, bis ste weiter oben die Glocken auzieheu, den Nahmen so wohl der Regierung, als auch der Regierungskammer. Die Regierungsürt, s>lur. die — en, die Art und Weift der Ausübung der höchsten Gewalt in einem Staate, vornehmlich in Rücksicht auf die Zahl der Personen, welche dieselbe handhaben und deren Gewalt; die Regierungsform. Die monarchische, die deöpctlsche, die aristokratische, die republikanfsche.Regie- rungsart oder Regierungsform. Die Regierungsform, piur. die—en, S. das vorige. ^eV'.eruntzsi'ttmmer, ^lur. die—n, bey den Glockenspielen, S. Regierung 4. 2). DteRegleriyryskanzelley, plur. die—en, die zu einemRcgie- - urig^Collcgio gehörige KanzeÜey, derOrt, wo die dazu gehörn Adel.w.B.Z.TH.-.Aust. ^ Reg 1026 geu Schriften ausgefertiget und aufbehaliet» werden, nebst den dazu vcrordne.ten Personen. Der Regierungsrath, des—es, xlur. die—räche, ein mit dem Titel cinesRaches ausdrücklich bcgabterBeyfitzer eines Regierungs- Collegii, welcher von einem Regierungs-Assessor noch verschieden ist. Oft ist cs auch ein bloßer Titel, welcher in andern Bedienungen stehenden, oderauch ohne Bedienung lebenden Perse- uen von dem Landesherren crkheilet wird. In einigen Provinzen wird es auch collecttve von dem Regierungs-Collcgio gebraucht, welches ehedem auch wohl der Regierungs - Rach genannt wurde. Die Regierungssäche, plur. die—n, eine jede Sache, welche die Regierung eines Staates,, die Ausübung der höchsten Gewalt in demselben betrifft. In engerer Bedeutung,-eine Sache , welche ^unmittelbar die Beförderung des gemeinen Wesens betrifft. Im engsten Verstände, eine Sache, welche vor ein Regierungs - Collegium gehöret. Das Regiment, des —es, plur. die —er, aus dem Latein. jkeZimeo, ein ehedem für Regierung sehr gangbares und noch nicht ganz veraltes Wort. i.Als einÄbstractum und ohne Plural. i) Im weilesten Verstände, von der Bestimmung der Ver- andermrg anderer Dinge; !vo es im Hochdeutschen nur noch im gemeinen Leben gebraucht wird, obgleich noch i« der Demsihfn Bibel des Regiments Gottes für dessen Regierung gedacht wird. 2) Zn engerer Bedeutung, die Bestimmung des fteven Verhaltens anderer durch damit verknüpfteBewegungsgründe und Strafübel; auch nur im gemeinen Leben. Unter jemandes Regr- mente stehen, unterdessen Herrschaft, Gewalt. Gur Regiment halten,, gute Ordnung. Das Weiber - Regiment, deren Herrschaft. Z) In noch engerer Bedeutung, die Handhabung der höch- stenGervalt in einem Staate; eine im Hochdeutschen in der anständigen und edlen Sprechari gleichfalls veraltetet Bedeutung, welche aber noch in der Deutschen Bibel vorkommt. Das Regiment kam aufAntiochum, 2 Mos. 4, 7. Nach dem Rcgimente streben, stach der Regierung. Das Regiment führen, regieren. 4) In der engsten gleichfalls veralteten Bedeutung, wurde die .Lebensordnung, die Diät, bey den Ärzten ehedem sehr häufig das Regiment, Lat. kleZimen , genannt. 2. Ein zur Regierung eiltes Landes nieder-gesetztes Collegium, für Regierung; eine gleichfalls veraltete Bedeutung, in welcher ehedem auch das Wort Regiments- Rath üblich war. Kaiser Maximilian errichtete 1500 ein Reichs - Regiment, welches aus sechs Churfürstcn und zwölf Fürsten bestand, aber runter Kaiser Carln V. wieder ein- ging. Z. Im Kriegswesen ist das Regiment eine in mehrere Battallions, Compagnien oderSchwadronen gecheckte und der ' Anführung eines Obersten anvcrtraule Pchar Soldaten , wo es zunächst aus dem Französischen kleZimeuN entlehnt ist. Lin Regiment zu Fuß, zu Pferde. Die Regimenter vollzählig machen. Ein Regiment aufrichten , abdanken. Ein Regiment bekommen, demselben als Oberster vorgesietzt werde». Daher der Regiments-Auditeur; Regiments-.Feldscherer; das Regiments- Gericht; die Regiments-Leine, womit der Regiments-Nuar- tiermeister das Lager für ein Regiment absieckt, zum Unterschiede von einer Compagnie - Leine; der Regiments- Stab, der Stab eines Regimentes, d. i. die vornehmsten OfficrerS bey demselben (S. Stab); das Regiments-Stück, eine kleine Kanone, welche 2 8 Caliber lang ist ustd drey Pfund Eisen schießet, dergleichen die Regimenter auf ihrem Marsche bcv stch führen, ein Feldstück, zunl Unterschiede von den Bgttcrie - Stucken ; der Regiments- Tambour, Regiments-profoß u. s. f. Regiren, S-Regieren. Das Register, des—s, plur. ul vom. striZ. aus dem Mittlern Läleine ketzilirum, t) Lin Nahmenverzerchlüß mehrerer Dinge Ttt Einer 102/ Reg Einer Art. Ein Wanren-Register,Geschlechts^ Register,Schuld- Register, Sünden- Register. Ein Register machen, verfertigen. Im schwarzen Register stehen, im bösen Rufe, im bösen Andenken, von der ehedem üblichen Gewohnheit, die Nahmen der Geächteten oder aus eincrStadlVerbanneten an eine schwarze Ta» fel zu schreiben. Es ist am häufigsten nur noch in einigen einzelnen Fällen üblich, indem in andern die Wörter Liste, Matrikel, verzeichniß u. s. f. gebräuchlicher find. Besonders gebraucht man es noch von einem nach demAlphabete eingerichteten,Verzeichnisse der in einem Buche vorkommenden Wörter undSachen,mirNachwei- sung des Blattes oder Ortes; bey einigen ein Blattweiser, Blattzeiger. 2) In einigen Fällen werden auch mehrere Dinge Einer Art selbst ein Register genannt. So heißen in den Orgeln mehrere zu Einer Stimme gehörige Pfeifen ein Register; das Flöten - Register u. s. f. Bey den Drechslern ist das Register eine Stange mit kleinen Zapfen, die Rückenlehne daran nach Belieben nahe oder fern zu stecken, z) Zn noch andern Fällen führet ein Werkzeug, vermittelst dessen mehrere Dinge EinerArt beweget - werden, den Nahmen eines Registers, oder vielmehr, Dinge Einer Art, so fern fie vermittelst eines drittenDinges regieret oder bestimmet werden. So werden in den Orgeln, die dünnen beweglichen hölzernen Stangen unter dein Pfeifenstocke, durch deren Verschiebung ein jedes beliebiges Register in der vorigen Bedeutung, oder eine jede beliebigeStimme gespielet wird,gleichfalls das Register genannt. Alle Register aufziehcn, alle Stimmen spielen lassen. An den chymischen Öfen bestehet ein Register aus Mehrern Öffnungen, die man mit einer einzigen Bewegung nach Be. lieben öffnen und verschließen kann. Bey den Kunstdrechslern bestehet das Register aus mehrernzu-Einer Art Arbeit gehörigen Theilen. Das Schrauben - Register ist daselbst eine Art Docken, Schrauben zn drehen. Der Register-Stock, ein Stock, woran die dazu gehörigen Theile befestiget sind. Bey den Buchdruckern ist Register halten, dahin sehen, daß bey dem Widerdrucke der Bogen genau in die Puncturlöcher desSchöndruckes komme, damit die Columnen auf beyden Seiten mit einander überein treffen. Anm. Es ist aus dem Mittlern Lat. ReAiKrum entlehnet, welches auch die Franzosen in ihrem ketzUre, und die Jtaliäner in ihrem Relikt o beybehalten haben, Voß und andere leiten dieses keZilirucri von dem Latein. RLZekurn ab; allein diese kannten vermutlich keine andere Bedeutung, als die erste Bedeu- tung eines Verzeichnisses. Es ist vielmehr glaublicher, daß es von reZere, regieren, abstammet, welcher Begriff besonders in der dritten Bedeutung.deutlich genug hervorsticht, da denn die zweyte und endlich auch die dritteBedcutung bloße Figuren desselben seyn würden. In einem von Peter Selbeth übersetzten und zu Straßburg izzL gedruckten Valerius Maximus wird keAimea rnaris et terrae ausdrücklich durch Register der Erd und des Mors übersetzt. DkS ReFtstev-pcrpler, -es—es, Plur. doch nur von Mehrern Arten oder QuantitLen, die—e, eine Art großen und starken Schreibpapieres, so wie ehnder, Registern, d. i. Rechnungs- büchern, gebraucht wird. Das Register - Schiff, des—es, plur. die—e, das vornehm- ste Schiff bey einer SpanischenSilberflotte; entweder so fern sich die Register, d. i.Verzeichnisse von allen auf derFlotte befindlichen Maaren, auf demselben befinden, oder auch von der eigentlichsten Bedeutung des Wortes Register, Regierung, da es denn so viel als ein Admirals » Schiff seyn würde. In weiterer Bedeutung, werden inSpanien auch alleSchiffe.welche mitköuiglicherErlaub- niß nach Amerika fahren, ingleichen alle königliche Fregatten, Reg lorZ wenn sie Maaren oder Gold an Bott haben, Register-Schiffe geuännt. Der Register-Stock, des — es, plur. die— Stocke, S. Register z. Regnen, vsrb. rsz.neutr. welches bas Mfstvort haben erfor- dert, aber in der Gestalt eines unpersönlichen Zeitwortes am üblichsten ist. Es regnet, wenn die in der Luft befindlichen was. ferigen Dünste sich in Regen auflöfen, in Gestalt des Regens niederfallen. Es hat den ganzen Tag geregnet. Es wird bald regnen. Gott laßt regnen über Gerechte undUngerechee, Matth. Z, 4Z. Zn Sodom regnete es Feuer und Schwefel, es fiel Feuer und Schwefel mit dem Regen oder m Gestalt eines Regens vom Himmel. Ich will euch Brot vom Animel regnen lassen, 2 Mos. 16, 4. Aber einen sehr großen äagel regnen lassen, Kap. 9, 18, ist ungewöhnlich. ZnderhöhernSchreib- art wird es auch häufig in persönlicherGcstalt gebraucht. Ich will den Wolken gebierhen, daß ste nicht anf.den Weinberg regnen, Es. 5,6. Die Wolken regnen Gerechtigkeit, Kap. 4Z, Z. Ob der 6err gleich Sterne und Rlüfte vom Ammei regnet , s- werden sie uns nicht schaden, Opitz. Es sammelten sich Wolken über ihnen , und fingen an zu regnen, Geßn. Wer heißt die A'mmel regnen? Gell. Wo es auch für regnen lassen gebraucht wird, welche alte schon im Isidor und bey dem Notker befindliche Bedeutung im Oberdeutschen noch gangbar ist. Gott regnet, d. i. lasset regnen. Daher das Regnen. Anm. Schon im Isidor re^onon, bey dem Notker und Ott- frird reZenell, im Angrlf. renian, im Engl. io raio, im Rieders. gleichfalls regnen. Es ist, wie aus der Ableikungssylbe — nen erhellet, von regen gebildet, welches »och zuweilen in de« gemeinen Sprecharten gehöret wird ; es wird regen, es hat ge- reget. Regnen ist entweder das Zntenfivum von diesem alte» regen, oder auch das Factitivum, da denn die eben gedachteBedeu- tung des regnen lasscns, die eigentliche seyn würde. Das Zeitwort ahmet, so wie das Hauptwort Regen, denLaut nach, welchen der Regen im Herabfallen macht, und ist in so fern, als es einer- ley Laut ausdruckt, auch mit demZeitworte regen, movere, ei» und eben dasselbe Wort. Regnerisch, — er, —re, ackj.etackv. welches nur im gemeinen Leben üblich ist, zumRegen geneigt,wirklich regnend.Regnerische» Wetter. Es sieht regnerisch aus, als wenn es regnen wollte. Eben so niedrig ist das gleichbedeutende regnicht. RegnichteS Wetter. Regennichtes Wetter, Es. i o, r z. Anständiger ist für bey de rege uh a ft. Der Regreß, des—ssx«, plur. die—sse, aus dem mittler» Lat. ReZrellus, in den Rechten, ein Rechtsmittel, wider den hauptsächlich Verpflichteten in demFalle seineZuflncht zu nehmen, wenn man bey den Milverpflichteten seinen Zweck nicht erreichen kann. Seinen Regreß an jemanden nehmen, suchen. Regular, —er,—ste, ackj.elackv. ans dem Latein. reZuIa- Ös. r) Der Regel gemäß, regelmäßig; im Gegensätze des irregulär. Ein reguläres Verfahren, ein regelmäßiges. Regu- lareTruppen, im Kriege, welche auf einem gewissen regelmäßige» Fuße stehen, im Gegensätze der irregulären 2) Gleiche Theile habend; so wird es in der Baukunst oft für symmetrisch, und Regularirät für Symmetrie gebraucht. In engerer Bedeutung ist in der Geometrie ein Körper oder eine Figur regulär, wen» alle Seite» und Winkel einander gleich find. Ein reguläre» Viereck, im Gegsnsaße eines irregulären. Reguliren, verb.reZ. Lot. welches aus dem mittler« Lateins reguläre, nur im gemeine» Leben üblich ist. Etwas reguliren, es in Richtigkeit bringen, ingleschen anordnen. Sich nach jemanden reguliren, richten. ' Die 1029 Reg Die Retzuny, plur. die— en, vondem Z'itworie regen, r) Die Handlung des Regens; ohne Plural. Ohne alle Regung da liegen. 2) Der erste merkliche Anfang einer Gemüchsbcwegung, stc bestehe nun in einem Verlangen, oder in einem Abscheue. Gute Regungen bey jemanden Hervorbringen. Ihre Mutter hat alle diese guten Regungen zurück gehalten, Gell. Entdecke Sylvien die Regung deiner Triebe, ebend. Reh, acij. et «rciv. S. 2. Rehe. Das Reh. des — es, plur. die—e, Diminut. das Rehchen, Oberd. Rehlein. i) Im weitern Verstände, ein zweylmfigeS vier- fiißiges Thier, dessen männlichesGeschlecht kegelförmige,am Ende in zwey Spitzen getheilte Hörner hat, und kleiner ist, so wohl als der Hirsch, als auch der Damhirsch; Lapreolus 1 ,. In die. ser weitern Bedeutung gebraucht man es von diesem Thiere ohne Rücksicht aus das Geschlecht. Die Rehe halten sich nicht zusammen, wie die Hirsche, sondern gehen paarweise, ein Rehbock und eine R'cke bcpsammen. sS. Rehwildbret.) 2) In engerer Bedeutung führet das Weibchen dieser Thiere häufig dcnNahmen des Rehes, im Gegensätze des Rehbockes, dagegen die Jäger dieses Weibchen mit einem stärker» Gaumenlaute die Ricke ncn. nen. In einigen Oberdeutschen Gegenden heißt es auch die Geiß, und in andern die Rehgeiß, die Rehziegc. Im gemeinen Leben pflegt man auch wohl das Weibchen des Hirsches, die Hindinn, Hirschkuh, bey den Jägern das Thier, häufig, obgleich sehr unbequem ein Reh zu nennen. Anm. Bey demWilleram Reio,in den rauhernOberdeutschen Mundarten Rech, im Holland. Ree oder Rliee, im Angels. RZli, Raücleor, im Engl. Roe, im Schwed. R^, R^pjur, im Schdttländ. Rn^r, und selbst im Arab. Rseliin. Viele leiten rs von dem Wallis. Rin, Herr, her, und erklären es durch ckomi- vicum arrimal, weil es gemeiniglich zur hohen Jagd gehöret; Ihre aber von rupp, falb, fahl, von der Farbe der Haare, wovon ihm zu Folge auch da» Repphuhn, und imSchwed.derFuchs, seinen Nahmen haben soll. Allein es scheinet vielmehr, daß mit diesem Nahmen auf die diesem Thiere eigene Flüchtigkeit und Geschwindigkeit gesehen werde, welche das r überhaupt aus- druckc und nachahmet, und wovon mit allerhandEndlautcnRad, drehen, regen u. s. s. und mir Vorlauten froh, freuen, das alte schrecken, springen, und andere mehr abstammen. S. auch , Ricke und das folgende. DieRehader, plur. die—n, eine Ader an den Pferden, inner- halb der Dicke, welche die Roßärzte zu schlagen pflegen, wenn die Pferde rehe sind. S. 2 Rehe. Der Rehbaum, des — es, plur. die—bäume, ein Nähme, welchen imBergbaue auch der Rundbaum , d. i. die Welle eines Haspels,, führet; ohneZweifel auch so wie das vorige inBeziehung aufdie Bewegung, in welche er durch dasUmdrehen versetzt wird, und als ein Verwandter von drehen, welches sich nur durch den Vorlaut unterscheidet. Der Rehbock, des—es, plur. die— bocke, Dinir*. das Reh- . bockchen, OberL. das Rehböcklein, das männliche Geschlecht der Rehe oder des Rehwildbretes. Engl. Roebuck. Die Rehbvunft, plur. cur. bey den Jägern, der Zustand der Rche, da sie brnnften, d. i. sich nach der Begattung sehnen, und die Zeit, da solches gemeiniglich Zn geschehen pfleget. D eRehde, plur. die^—n, in der Seefahrt, eine nicht gar tiefe Gegend im Meerein einiger Entfernung von der Küste, wo die Schiffe vor denWinden und Stürmen sicher vor Anker liegen können. Auf der Re^>de liegen. Ein Schiff legt stchr auf die Rchde, menn es im Hafen beladen oder ausgerüstet worden, sich aufderRehde vor Anker legt, und hierauf bequemen Wind wsrtet. Reh ivZo Anm. Im Niederst und Holland. Reede, Rede, im Schwed, Recick, im Franz. Rucks, im Irak. Rucka, im Engl. Rouck. Menage leitete es von dem Lat. Oru her, Skinner von demEngl. to ricle, vor Anker liegen, Ihre vom Island. br/cla,üoerwjN' tern, andere von dem Niederst reden, Schwed. recka, Island, reicku, bereiten, rüsten, her, weil sich hier die Schiffe,nachdem sie im Hafen befrachtet worden, zur Abfahrt fertig machen. (S. das folgende.) Oft werden sie auch aufderRehde selbst befrachtet und ausgerüstet. Es istimNiederdeutschen einheimisch und durch Niederdeutsche und nordische Seefahrer vermurhlich in andere Sprachen gekommen. Figürlich ist im NiederdeutschenReede, dieRuhe, der Aufenthalt an einem Orte, nirgends Reede haben, Ruhe; wo es aber auch zu Ruhe, Rast gehören kann. In der Schreibart dieses Wortes sind die Hochdeutschen fthr unbeständig. Die meisten schreiben es Rhede, obgleich das Rh den Deutschen fremd ist; andere Reede, obgleich die Verdoppelung des Vokales das unschicklichste Mittel ist, das gedehnte hohe e von dem tiefern in Rede, lermo, zu unterscheiden. Daher die Schreibart Rehde dem Hochdeutschen Sprachgebrauche angemessener ist. Rehöelos,—er,—este, uckj.etuckv. ein Niederdeutsches nur in der Schifffahrt übliches Wort, der Rehdung, d. i. der Ausrüstung, der Masten und des Tauwerks, beraubt. Ein rehde- loses Schiff. Ein Schiffrehdelos machen. Rehden, verb. reg. ucr. welches gleichfalls nur im Niederdeutschen bereiten, fertig machen, bedeutet. Im Hochdeutschen kosnmt es mir in dem zusammen gesetzten Schifffahrtsworte ausrehden vor, ein Schiff auscüsten, es mit dem zu seiirer Abfahrt nöthigen Tam und Takelwerke versehen. DerRehöer, des—s, plur. utuom. ling. gleichfalls nur ii, der Niederdeutschen Schifffahrtssprachp, derjenige, welcher ein Schjffrntweder ganz oder doch zum Theil ausrüstet, der Schiffs- rehdcr, der Eigenthümer eines Schiffes, der Schiffsherr. Wenn . mehrere aufgemeinschaftlicheKosten ein Schiff bauen und ansrü» sten,so werden steMirrehder oder Schiffsfrennde genannt. In einigen Niederdeutschen Gegenden werden auch die Rathsherren, welche die Einkünfte der Stadt verwalten, z. B. zn Bremen, Rehder genannt. Gleichfalls von dem vorigen rehden, bereiten, ingleichen im Niederst bezahlen, wie das Schwed. recka. Die Rehöerey, plur. die— en, eben daselbst, sowohl die Ausrüstung eines Schiffes von den Rehdern, als auch die Gesellschaft der Rehder, welche ein Schiff auf gemeinschaftliche Kostenans- rehden oder ausrüsten. - ^ Die Rehöuny/plur. Lnus. von dem vorigen Zeitworte rehden, die Ausrüstung eines Schiffes; ingleichen das zu einem ausgerüsteten Schiffe nöthigeTau« und Takelwerk. ».*Rehe, uckj. eiuckv. welches nur in einigen Gegenden, z. B. in Westphalen, üblich ist, wo es für fertig, gar, gebraucht wird, wenn der Hanf in der Roche rehe ist, wenn er die gehörige Zeit in derselben gelegen hat. Es ist das Stammwort von unserm bereit, bereiten, Niederst .reden, und druckt, allem Ansehen nach, ursprünglich gleichfalls die mir der Bereitung gemeimglich verbundene Geschwindigkeit ans. 2. Rahe, Löst er uckv. steife Muskeln habend oder bekommend, doch nur von den Thiercn und besonders von den Pferden, und so fern dieser Zufall von einer plötzlich unterdrückten Ausdünstung herrühret; verfangen, verschlagkN. Ein rehes Pferd, welches nach einer plötzlich imttrdrückten Ausdünstung steif auf den Füßen geworden ist. Ein Pferd rchcreiten, oder tranken. Das Pferd ist rehe, wird rehe. Anm. In einigen Gegenden lautet das folaendeHanpIwort mit einem stärkcrn Gaumenlaute die Renge, in andern die Rohe, und m einem alten Voeübularjy von >482 bey dem Irisch stehet T t t s riech . Reh riech für starr überhaupt. Es erhellet daraus theils die Verwandtschaft mit dein Lat^riAicius, theils aber auch, daß mit dieser Benennung zunächst die starre, steife Beschaffenheit der Füße ansgedruckt wird. Dre Rehe, jilur. doch nur von mehrern Arten, die_n, das Hauptwort von dem vorigen Beyworre, die von einer plötzlichen Unterdrückung der Ausdünstung herrührende starre oder steife Beschaffenheit der Fuße mancher Thiere/befonders der Pferde.' Die Rehe haben. Mit der Rehe befallen, behaftet seyn. In den gemeinen Sprecharten die Rahe, Röhe, Rohe. (S. auch Zreß- rehe, Futterrehe, Mindrehe, Masserrehe.) In einer andern Bedeutung kommt es in dem Worte Wetterrehe vor. Die Rehfarbe, plur. doch nur von mehrcrn Arten, die—n, die den Rehen eigenthümliche falbe Farbe. Daher das Bep - und Nebenwovt rehfarben, oder xchfarbig. Der Rehfüß, des—es, plur. die—fuße, Diminut. das Rehfüßchen, Oberd. das Rehftjßlein, eigentlich der Fuß-eines Rehes. Figürlich,wegen rinigerÄhnlichkeit,künstliche nachHoaarthsSchöi - heitslinie gebogene oder einem flachen Lateinischen 5 ähnliche Füße Linkischen, Stühlen u. f. f. Bey-den Gärtnern wird auch das schräge abgeschnittene Ende eines Stammes, worauf gepfropfte werden soll, ein Rehfuß genannt, wegen der Ähnlichkeit mit dem schrägen Hufe der Rehe. Die Rehyeiß, plur. die — e, S. das Rehe. Ders RehchüKr, des cs, plur. die—e, die Haare von einem Rehe. I,lgle>chen als ein Collecttvnm und ohne Mural. D»rs Relftülh, des -es, plur. die — kalber, Diminut. das -^leytatbchen, Oberd, das Relikälblein, das Zmrge von einem Rehe, ohne Unterschied des Geschlechtes, so wie chirscht'aib das Junge von einer Hirschkuh. Im gemeinen Leben einiger Gegenden ist dafür auch die Rehkietze und das Rehkwtzel üblich. Der Rehküsten, des — s, plur. utvom. livA. ein Kasten, ein Reh oder einen Rehbock darin lebendig von einem Orte zum andern zubring-en. Die Reycäule, plur. die — n, die Käule von einem Rehe, besonders in den Küchen, die Kaule von einem gefällten Rehe, der Rehschlägel. i Dss Rehrraut, des—es -, plur. cvr. ein Nähme, welchen in einigen Gegenden die Geniste oder das pftremenkraut, d>par- tiumbcoparlum D. führet. Vielleicht wegen der rchen, d. i. starren, steifen, den Borsten ähnlichen Zweige. Der Rehltuy , des — es, plur. die—e, der Nähme einer Art eßbaren Schwämme von glänzender gelbenFarbe, welche in ftnch. ten Wäldern wachsen, iir .Steyermark Rcchlinge, um Danzig Dfeff. rlinge, wegen ihres milchigen Saftes in ObersachscuMilch- schwämme, wegen ihrer gelben Farbe in Schlehen Galluschel, in Neapel Oallucio, an andern Orten aber Lrüschlinge, ^änd? reinsschwämme genannt werden; 03preo1inu8 7>7t-s^.^mL' uiUr lutea oris contortis /)///. Er ist derR^aricus.pipera» fti8 l^,. derivegen feines beißenden Geschmackes im gemeinen Leben auch Pfifferling und Rresseling genannt wirdl (S. pftffer- fchrvamm.) Da er in einigeuGegeuden auch Ziegenbart heißt, ft ftwiiit auch derNahme Rehling auf irgend eine Ähnlichkeit in der Gestalt zu zielen, wenn er nicht, wie andere vermurhen, von Rohling und Röthlivg abstammet, die incarnatcothen Blätter zu bezeichnen. Rehnetz, oes es, plur. die —e, eine Art Netze, welche besonder? zur Reh - und Fuchsjagd gebraucht lv^rden, und gemeiniglich fünfzig Doppelschritte lang, und r6 bis - o Maschen jede von dren Zoll ins Gevierte, hoch sind. Der Rehsch-atzel, des-^-s, piur. ut vom. 6n». eine beson- ,-.'rs im Oberdeutschen «bliche Benennung einer Rehkä'ule. ! R e L 10^2 Das Rehschrot, des—es, plur. doch nnr von mehrern Arten die—e, eine grobe Art Schrotes, womit die Rehe geschossen we^ den, und welches auch Fuchsschrot und Wolfsschrot genau,u wird. ^ Das Rehwilöbret, -des —es, plur. ivus. -) Ein Collecti. vum, R. he beyderley Geschlechtes zu bezeichnen. Es gibt hier vieles Rchwildbret, viele Rehe. 2 ) Wildbret, d. i. Fleisch von Rehen. Die Rehziege, plur. die—n, das Weibchen des Rehgeschlechtcs welches im gemeinen Leben auch die Ricke, im Obert), aber auch die Rehgeiß genannt wird; im Gegensätze des Rehbock'es.' Das Reh^uckkeln, des - s, plur. ul vom. liv^. das Zunge von einem Rehe. S. Rehkalb. Der Rehpemer, des—s, plur. ut vom. kiv^. das Hinterrhcil von dem Rücken eines Rehes nach abgelSseten Käulen. S. Ziemer. Dle R-ttbahle, plur. die—n, ein Werkzeug, dessen sich'ft wöhl - die Drechsler als auch die Kupferschmiede bediener^und welches in einer Art starker Ahlen bestehet. Die letzter» neniten es verderbt zuweilen Reywalle, und in einigen Gegenden ist es auch mann, liche-n Geschlechtes, der Reibahi. Der Rribttsch, des—es, plur. die—asche, in den Küchen, ein Asa>, d. i. tiefes unken spitzig zulaitfendes rundes Gefäß, etwas dann mit einer hölzernen Reibekaule klar zu reiben. In Frauken Riedes, Riefus. Die Reibe, plur. die^-n, ein Werkzeug andere Körper darauf klein zu reiben. So wird z. B. das Reibeisen ott unr schlechchi» die Reibe genannt. Zn einigen Oberdeutschen Gegenden führet auch die Reibekaule diesen Nahmen. Zit einigen Gegenden, z. B. in Augsburg, scheintauch ein Schlitten unter dem Nahmen.eiiier Reibe bekannt zu se»n. Zu noch andern ist e§ der Wirbel, vcrmit- telst dessen die Fensterflügel geöffnet und verschlossen werden. Das Rerbebret, des—cs, plur. die—er, bcp den Mänrern ein vierseitiges Bret mit einem Riemen, die Faust dui chzusteckm und den auf die Mauer augewvrftnrir Kalk damit aus einander zu - reiben; der'Rcibefiock. Das Relbrlien, des s, plur. ut vom. stvA. eilt lisernes Werkzeug, andere Dmge damit oder daraus zu reiben. So wird in eiuigcn Gegenden, besonders Niedrrftchsens, das eiserne Werft zeug, Womit der Fmchs oder Haus nach dem Brrchelt und vor deiil Hecheln ans dLm Schooße gerieben wird -, damit er weich werde, das Reibeisen genannt. (S. Reibelappen.) In andern Gegenden wird derFlachs statt dieftsReibens geschivungen. (S.Schwingen.) Am ubüchstcn ist dieses Wort von einem durchlöcherten Bleche, andere Körper ans den hervor ragenden Spitzen dieser Löcher klein zu reiben, welches auch eine Reibe genannt wird. Dre Reioekaule, plur. die—-n, eine Käule, einen andern Körper damit zu zerreiben. S. Reibasch. ' ' " Der R^eibklappen, des —s, plur. ut vom. livA. ein Lappen, andere Körper damit zu reiben. Da wo der Flachs anstatt des ' Schwlngetis gerieben wird, ist es ein lederner Lappen, wie eine kleine Schfirze, welchen daS weibliche Geschlecht bcy dieser Arbeit auf dem Schvoße liegen hat/ Im Oberdeutschen, wo man säe scheuern auch reilftri sagt, führet auch der Scheuerlappen diesen Nahmen. Reibett, verb. rrreZ. actt. Jmpcrf. ich rieb , Mittelw. gerieben; die Fläche eines Körpers über die Fläche eines andern wegöewegcn, ft daß die Erhabenheiten des einen in die Verl esungen des andern eingreiftn, und solcher Gestalt der Bewegung widerstehen. r. Überhaupt. Eine f.and mit der andern reiben. Die Altgen reiben, sich die Augen reiben. Das'Fleisch mit Salz reiben. Las Salz in das Fleisch hinein reiben. Ern krankes Mlred mit warmen Tüchexn reiben, wofür man im gemeinen Leben i oZZ Rei Leben auch das üilsdemFranzöstsch. entlehnte frottiren gebraucht, von lrotter. Die Schweine reiben sich an die Baume, oder an den Baumen; daher die im gemeinen Leben übliche R. A. sich an einem reiben, ihn durch Anzüglichkeiten gleichsam heraus fordern, seinen Unmurh, Unwillen an ihm anslassen. Er will sich an Scribenten reiben, Nur weil er selbst kein Lob gewinnt, Haged. Jemanden/erwas unter die Nase reiben, nur irr den niedrigen Sprecharten, ihm «ne rinangenehmeSache mehrmahls wiederhoh- len, und in engerer Bedeutung, ihm etwas vorwcrfen , »Strücken, wofür man auch sagt, jemanden die Ohren mir etwas reiben. s. In engerer Bedeutung, i) Durch Reiben zubereiten, zurich- tcn. So pflegt man in einigen Gegenden, besonders Niedersach- sens , den Flachs anstatt des Schwingens nach dem Brechen und vor dem Hecheln zu reiben, Niederst ribbe, welches man an andern Orten schaben nennet. (S. Reibeisen.) Im Oberdeutschen wird reiben auch für scheuern gebraucht, deun dort wird das schmutzige Geschirr in de» Küche» gerieben. 2) Durch Reibe», klein machen, sowohl auf einem Reibeisen, auf welche Art der Käse, das Brot, der Meerrettig, der Rappeh, die Muskaten- nuß u. s. s. gerieben werden; als auch durch bloßes hin und her Bewegen einer Fläche über die andere, aufwelcheArt dwFarben bey den Mahlern auf dem Re-besteine, verschiedene Körper in den Küchen in dem Reibasche gerieben werden. Zu Pulver reiben. Z. *Zn weiterer Bedeutung wird cs im Oberdeutschen sehr häufig fürdrehen gebraucht. Ein ausgerenktes Glied wieder einret- den, eillrenken, einrichten. Den Zahn an eurem Fasse zureiben, zudrehen. Die nasse Wasche reiben , ringen oder winden. S. auch Reiber. Daher die Reibung, wofür doch das Rftben üblicher ist, sselbst wenn es in der Mechanik anstatt des ausländischen Friction gebraucht wird. , Anm. Im Niederst riven und mit dem dieser Mundart nicht seltenenVorlaute wriven, imHvlländrsch. vr^ven rrird vv r/ven, imEnglischen rorut), im Krainerischen ribam, ich reibe, im Schwed. rikvL. iin Franz, rcrpsr, im Wall:s. im Bre- tagnischen ria, und selbst im Hehr. Im Tarian ist riobo aussätzig, so wie krätzig und schäbig in ähiiliche» Bedeutungen Vorkommen. Es ist von dxm Laute entlehnet, der mit dem Reiben verbundenist, und da dirseb Laril niedrer« andern Bewegungen gemein ist, so ist es auch mit raffen verwandt, so wie das Schweb. rikvA auch schneiden und zerstören bedeutet, welche letztere Bedeutung unser reiben auch in dem zusammen gesetzten aufreiben har. Mit einem andern Endlaute gehöret zu diesem Gc- schlechte auch das Lat. rnckere, und mit auderl^Äbleitungsiautm unser schreiben, schrauben, kratzen, treiben, das Griech. die Lar. tero , ».mvi,. t'riure, fricaee, das Franz, tk oi ler, rriid andere mehr. Ein FrLqnentativum von reiben ist rissein, iu Laiern ripeln, so wie das Niederst ribben und unsek raspeln Jnrenfioa find. Der Relbepssuscyel, des—s, jüur. ut llvrn. ssaZ. S. Reibhamm er. Die Reibepfanne, die—n, Diminitt. das Reibepfann- chen, Obei d. Reibepsännlein, eine Pfanne, etwas darin zu reiben. In dem Hüttenbaiil' ist es eine runde tiefe eiserne Schüssel, das Erz darin klein zu reiben, da sie denn auch dio-Reibeplatte genannt wirb. Dr? Rcrbepresse, plur. die — n, bey den Papiermacheru, eine klciiie Preye, worin das Schrerbepapicr an dem Ende berieben oder bergsprlr uürd. Der Reiber, des—s-, plur. »r norn. liv^. i) Eine Person, welu-e reibet, Fämin. die Reiberinn, besonders -r» benZusanr- Äks > L0Z4 mensetzüngen, Zarbenreiber, Flachsreiber u. st f. 2) Ein ^ 7 e ss- zeug, damit zu reiben, Dimimtt. das Reib.wchen, .Oberd. Reiber-- lein. In der Landrvirrhschaft iss der Reiber ein Stro? seil, welches zwischen den Zähnen eines Uechens befestiget wird, die ansge-- droschene Frucht damit vgn einer Seite zur audenr aufzureiben.. In der weitesten Oberdeutschen Bedeururlg des Drehcns ist beo Reiber ein beweglicher eisernerTheil an den Fenstern, d;e Feil-- sterstügel damit durch llmdrehen zrr öffnen oder zu verschließen; der Wirbel. Bey dem Pictvrius wird auch die Kehrbürste Riberle genannt. Die Reibeschale, plur. die—n, eine Schale von Stein, Glas u. s. s. andere Körper vermittelst Liner Keule darin zu zerreiben. Das Reibefcheit, des— es , piur. die —e, in der LanbwirtH, schaft, das Querholz über den Deichftlarmen eines Wagens, weil stch der Langwageu darauf reibet; dasReibholz. Der Reibeftein, des —es, plur. die—e, eilt Stein, andere Körper daraufoder damit zu zerreiben. Bey den Mahlern ist es derjenige Stein, worauf die Farben vermittelst des Läufers zerrieben werden. Bey den Buchdruckern wird auch das harte Stück Holz, worauf die Farbe liegt, der Reibcstem oder Zarbcnsteiu genannt, ohne Zweifel, weil es ehedem-ben derselbe Stein war, worauf die Farbe gerieben wurde. Der Reibestock, des—es, plur. die—stocke, S. Reibebret. Der Reibhammer, des — s, plur. die — Hämmer, ein Ham. mer, eilten andern Körper damit zu zerreiben, dergleichen derjenige ist, woum i» den Schmelzhütten die Erze zum Probieren zerrieben werde». Das Rerbholz, des — es, plur. die—Holzer, walzenförmige Hölzer, welche die Dchiffer au dem Bauche der Schiffe hernitter Hangen lassen, damit ste von dem Reiben oder an einander Stoßen keinen Schaden nehmen. S. auch Rcibescheit. Reich, — er, —ste) ac!j. er sciv. i. In Menge, im Überflüsse vorhanden, da es als ein Beywort demjenigen Hauptworte bevgefüget wird, dessen Menge und Überfluß bezeichnet werden soll; in: Gegensätze des arm. Em reicher Trost, Ps. 6§, z. Ein reicher Segen, Sprichw. 24, 25. Ern reiches Opfer, Sir.ZL, r. Ein reiches Almosen geben. Ein reicher Geschenk. Eine reiche Ernre. Jngieichen als ein Nebcnwort. Das Geschenk, das Almosen, die Ernte ist sehr reich ausgefallen. Man gebraucht es nur von solchen Dinge», deren Menge als erir Gut angesehen wird, weil wohl niemand leicht eine reiche Strafe, ein reiches übel ul s. s. sage» wird. Reiche Reime nennt man in. her Poesie figürlich solche Reime, welche mehr sich reimende Buchstaben haben als nölhig sind, als wenn z. B. ein Wort mit stch selbst gereimet wird, wie in folgender Stelle Klopstocks r Des Vaters Friede sep mit euch, Le; Sohnes Friede sep mit euch , u. s. f. r. Eine Menge, einen Überfluß an riner Sache habend. 1) Überhauz-t, wo es als ein Nebenwort am üblichste» ist, da denn diejenige Sache, deren Menge angedeutet werde» soll, vermittelst des Vorwortes an ausgedruckt wird. Zunächst auch nur von solchen Dingen, deren Menge als ein Gut angesehen wird ; im Gegensätze des arm. Reich an Geld , an Einkünften, an Vieh, an Gütern, an verstand'u. s. f. Der Zeug ist sehr reich an Seide. Wie reich ist die Natur an Gegenständen, v deren Betrachtung einen denkendenRopf beschäftigen kann l Von Jahren alt, an Gütern reich, Gell. Freund, unsre Zeit von Eisen Ist sehr an Menschen arm, obgleich sehr reich an Wfifen, Gicsekc. Zuweilen auch , obgleich gemeiniglich nur im Scherze, an st von Dingen, welche als ein Übel angesehen werden. Reich an Feiern. Lrt z . ^ ' ' Mit Rei Rei »0ZL Mit dem Vorworte von, welches einige Mahl in der Deutschen Gib l volkoinm», reich von Barmherzigkeit, ist es in der anständigen Sprechart veraltet. Seltener als eui Adjectiv. Die an Gegenständen reiche N rtitp. 3" einigen Fällen gebraucht man es auch absolute mit Auslassung der r.'Mcnge vorhandenenSache. Eine reiche Srzader, welche eine Menge des gesuchten Erzes enthält. Eine reiche Sprache welche eine Menge vonWörtern hat, alle Begriffe mit allen ihren Schattierungen auszudruckeu. Ein reiches Gedächtniß, welches stch einer Menge von Sachen erinnert. Die reiche Natur, welche eine Menge von Gegenständen aller Art bat. Ein reiches Gemahlde, welches vicleFiguren hat. DiesesWort ist sehr bequem,Zusammensetzungen zu machen, indem es demjenigen Hanptworte angehänget wird, dessen Menge «nd Überfluß angedeutet werden soll. Eme volkreiche Stadt. Ein wasserreiches -Land. Der Fluß ist fischreich. So auch blutreich, kunstreich, lehrreich, liebreich, freudenreich trostreich, schiffreich, huldreich, hiilfreich, wortreich, zahlreich, geistreich, gnadenreich u. s. f. s) In engerer Bedeutung, (aj Eine Menge von einer kostbaren, schätzbaren Sache enthaltend. Ein reiches Bergwerk, welches eine Menge edlen Metalles enthält. Das Schrss hat eine reiche Ladung. Ein reich beladenes Schiff. Ein mit Gold reich besetztes Rlerd. Ein reiches Rlcid, welches mit vielem Golde oder Silber besetzt ist. Ein reicher Zeug, worin stch viel Gold oder Silber befindet. Dahin gehöret auch die biblischeBe- nennung das Reich Arabr'a,das so genannte glücklicheArabien zu bezeichnen, wo es eigentlich heißen sollte, das reicheArabien, indem es hier nicht das folgende Hauptwort Reich, Kalium, ist. (h) Nach dem Verhältnisse seines Standes einen Überfluß an zeitlichen Gütern habend. Ein reicher Mann. Reich seyn, reich werden. Ein reicher Erve. Eine reiche 5rau hcirarhen, oder reich heirarhen. Eine reiche Heirath rhun. Einereiche Erbr fchaft erwarten. Ein reiches Land, dessen Einwohner einen Überfluß au zeitlichem Vermögen besitzen. Eine reiche Pfarre, ein reiches Stift, ein reiches Rloster. Da es denn auch als ein Hauptwort gebraucht wird, ein Reicher, ein reicher Mann, die Reichen, reiche Personen. Anm. Bey dem Dtrfried rlcko, beydem Netker rickolftirn Niederst riek, im Angelst ries, im Schund, rik, im Island, rikur, im Engl, riek, im Franz, rieche, im Jlai. w cco, im Span. rico. L)er Begriff der? Menge ist hier allem Ansehen nach her erste und herrschende, und alsda-m erhellet sehr deutlich, daß es als einBerwandter von regen zunächst dasGeränsch ausdruckt, welches viele neben einander befindliche Dinge Einer Art gemeiniglich verursachen. Ehedem bedeutete dieses Wort auch mächtig, angesehen, vornehm, welche Bedeutung es im Niederdeutschen «nd de« nordischen Sprachen noch hat, und welche nicht so wohl eine Figur der vorigen, als vielmehr eine andereDnomatopöie ist, welche zu reichen und richten , in den veralteten Bedeutungen des R-gierens, des Lenkens, des Herrschen^ gehöret. S. das folgende Hauptwort, in welchem noch beyde Bedeutungen vorhanden find. Das Reich), des —es, xlur. die—e, ein Wort, welches die Heyden Bedeutungen der Menge und der Macht in stch vereiniget. Es kommt in doppelter Gestalt vor. i. Als ein Abstractum und ohne Plural, für Herrschaft,Regierung, d. r. Recht und Gewülr, das freyeVerhalten anderer, besonders einer ganzen bürgerlichen Gesellschaft , zu bestimmeu.Dcr Anfang seines Rekchs, feiner Regierung, Most rc>, io. Er harre dein Reich bestätiget, i Sam. i I, > z. Nun wird dein Reich nicht bestehen, V. r 4 . Dein Reich komme; dein ist das Rekch, im Vater U-rser. In dieser ehedem sehr üblichen BedeulunK ivzS ist es jetzt ?m Hochdeutschen veraltet, und nur noch im gemeinen Leben sagt man zuweilen , sein Reich hat nun ein Ende, seine Gewalt, seine Herrschaft. 2. Alsein Coneretum mrdmit dem Plural. i) Der ganze Umfang, der Inbegriff derjenigen Dinge,über welche jemanden die oberste Guvalt zukommt. (a) In weiterer Bedeutung, ein jedes Gebieth, eine jedr Provinz, ein Land, so fern cs jemandesHerrschaft unterworfen ist. So ner'nctDttfried Schwaben, oderSchwabenland, Luusko- rnk. In den eigenthümlichen Nahmen Österreich, Westerreich, hat es gleichfalls diese Bedeutung. DasGebieth der StädteAachen. und Ninnreaeu, wird daselbst noch gewöhnlich das Reich vonAa- chen, dakReich von Nimwegen genaiutt.da cs denn nichts anders als Gebieth oder em freyes Reichslehcn andeutet. Das Königreich, das einem Könige itttterworfene Land, und in engerer Bedeutung, dasjenige Land, worauf die königliche Würde haftet. Dttfried gebrauchtes häufig fürGegend; Niar in klicke, in dieser Gegend. Übrigens ist es außer den angezeigten Fällen in dieser Bedeutung veraltet, und nur noch im gemeinen Leben sagt man zuweilen, das gehöret in mein Reich, unter mein Gebieth, gehöret mir, kommt mir zu. (b) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist das Reich der ganze Umfang aller einem gekrönten Döerhaupre unterworfenen Provinzen ; ich sage einem gekrönten Dberhaupte, d. i. einem Könige oder Kaiser, denn von Herzogthümern u. s.f. ist es nicht üblich. l« Eigentlich. Das Assyrische Reich, das Perst-- sche Reich, das Römische Reich,das GriechischcReich, daeTur^ kische Reich.5rankreich,das Reich derFranken. Mit solchenBey- säßen ist es von großen, einem völligen unabhäugigcnOberhaupts unterworfenen Staaten am üblichsten, ödes gleich auch sehr bsu- fig von einem jeden Königreiche gebraucht wird. Der vornehmste im Reiche, imKönigreiche. Ein Erdreich, ein IVahIreich. Das Reich Juda, das Reich Israel, in der Deutschen Bibel, ob man gleich nicht gern sagt, das Reich Spanien, das Reich portugall, das Reich Preußen, sondern lieber Aönigreich, dagegen man absolute und ohne Bcusatz das Wort Reich ohne Bedenken ge- bhaucht.Ein Römg ohne Reich Ein Reich rinnehmen. DirGrs- ßen des Reichs. Figürlich ist in der Theologie das Reich Gsktes der Inbegriff aller Gott unterworfenen Dinge, da man denn nach den verschicdenenGraden dieftrUnt'.rwerfung ein dceufachesReich anriimmt: das Reich der Natur, oder Naturreich, d.rJnbegtnff aller Gort als dem Schöpfer und Erhalter unterworfenen Dinge; das Gnadenreich , oder Reich der Gnade, der Inbegriff alles näher mit Gqtt vereinigten Menschen; das Reich der Herrlichkeit, der Inbegriff aller vollendeten Unterthanen des Reiches de§ Gnade. In der Deutschen Bibeb kommen diese beyden letzter? Reiche auch unter demNahmcn des Himmelreiches vor. p Figürlich werden oft die sämmtlichen oder doch dis meisten Unterchanen eines Reiches oder Königreiches, und in andern Fällen die Stände desselben, schlechthin das Reich genannt, da es denn als ein Collectivum im Plural ungewöhnlich ist. Das Reich zusammen berufen. S. die folgende Bedeutung. (c) In noch engererB,cdeutnng verstehet mau unter dem Worte Reich schlechthin nur das Deutsche Reich, oder wie cs vollständig genannt wwe-, das heilige Römische Reich Deutscher Nation; wo es wieder in verschiedenen Verhältnisse» üblich ist. (i) Von dem ganzen Umfange der mit dem Kaiser als ihrem gemeinschaftlichen Dberhaupte verbundenen Provinze«. Zum Reiche gehören. Die Stä'ndodes Reichs oder Reichestände. DaeReich erschöpfen.EinRreis des Reichs odcrReichskrcis» S.auch dir folLrnderr Zusammensetzungen in Reichs —- Rei r«Z7 (2) In engerer Bedeutung werden die obecn Kreise des Reiches,welche zusammen Oberdeutschlaud ausmachen, mitAus- fchließung Ober- uudNiedersachsens, Westphalens undBöhmeus, häufig das Reich genannt, besonders in den jetzt genannten Pro» vinzcn, weil jene das alte Reich der ehemahligen Fränkischen Könige ausmachten,diese aber demselben später unterworfen wor- den. In das Reich reisen, nach Oberdeutschlaud. Briefe aus dem Reiche haben. In noch engerer Bedeutung fuhren zuweilen aus eben dieser Ursache die Gegenden am Rheine und Maine mit Ausschließung Baierns und Österreichs, den Nahmen des Reichs. (3) Figürlich, die Versammlung des Kaisers und der vornehmsten Reichsstände,oder ihrer Abgeordneten, und zuweilen auch nur die Reichsstände oder ihre Abgeordneten allein. Das zu Regensburg versammelte Reich. Etwas an das Reich bringen. (S.auch Reichsabschied, Reichstag u. s. f.) Ich übergehe andere ehedem übliche Bedeutungen, da man bald den Kaiser mit seinem Hofstaate, bald die Reichsarmee, bald die sämmtliche» Reichsstädte mit ihrem Gebiethe, bald den Reichsschatz, bald die htHrn Reichsgerichte u. s. f. nur das Reich schlechthin zu nenne« pflegte. In dieser ganzen engern Bedeutung ist der Plural ungewöhnlich, weil die Sache selbst die einzige ihrer Art ist. 2) Im weitesten Verstände ist Reich in vielen Fällen der Inbegriff aller Dinge EinerArt, da sich denn der Begriff der Herrschaft verlieret, der Begriff der Menge aber allein übrig bleibt. Das 5 eucrreich, der Inbegriff alles dcffen, was man unter dem Nahmen des Feuers begreift, und in engerer Bedeutung der Gegend, zuweilen auch derjenige Theil des Weltgebaudes, welcher einigen zu Folge ganz mit Feuer angefülftt seyu soll, wo Reich so viel als Region bedeutet, in welchem Verstände auch das Wort duftreich zuweilen gebraucht wird. DaslVasserreich, der Inbegriff aller zum Wasser gehörigen Körper. Das Erdreich, so wohl der Erdkörp- r selbst mit allen darauf bcsiudlichen Wesen, als auch im engern Verstände, die Erde, als ein von demWasser, dem Feuer uud der Luft verschiedener Körper betrachtet. Das Reich der Borper oderdasBörperreich, der Inbegriff aller Körper, im Gegensätze des Reichs der Geister oder des Geisterreiches. Das Naturreich oder das Reich der Natur, so wohl in weiterer Bedeutung, der Inbegriff aller vorhandenen Dinge, als auch in engerer, der Inbegriff aller auf und unter der Erde befindlichen Körper; in welcher letzternBedentung man dasNaturreich wieder in drey besondere Reiche einzutheilen pflegt, welche das Reich derThiere oder das Thierreich, das Reich der Pflanzen oder das Pflanzenreich, und das Steinreich oder Mineral-Reich genannt werden, den großen Reichthum der Natur aber bey weitem nicht erschöpfen, wie die Polypen, Thierpflanzen, Jnfustons. Thierchen u. s. f. beweisen. Anm. Im Isidor Ilirli, bey öem Kero kilik, bey demOtt- friedHicü, im Niederd. Riek, im Angels. Hice, im Isländischen Kiki, im Schwedischen kike, im Dänischen Rign. Es vereinigt den Begriff der Menge, welcher besonders in der letzten Bedeutung hervorflicht,(S. dasBeywortReich,)mit demBegrjffe der Macht, der Herrschaft. Bepde Bedeutungen gründen sich auf eine Nachahmung ähnlicher Laute. Zur letzten Bedeutung der Herrschaft gehören so wohl das veraltete reiche»,»«!) dessen gleichfalls veraltetes Zntenfivum reichsen, regieren, Lat. regsvL, als auch dasLhemahlige Recke, ein Held, Fürst, Regent, Lat. Hex, Goth. R.e^ks,im alt Preußischen Reckis S.auchdas folgende. Reichen, verb. reß. welches in doppelter Gestalt gebraucht wird. l. Als ein Neutrnm,mit dem Hülfsworte haben, stch der Ausdehnung nach erstrecken. R e i lozZ t. Eigentlich, da es denn so wohl vsn der Ausdehnung in die Höhe, als auch von der Ausdehnung in die Länge gebraucht wird, i) Im weitesten Verstände. Lasset uns einen Thurm bauen, dessen Spitze bis an den Zimmel reiche, i Mos. ", 4 . Das Wasser reichte mir bis an den Zals. Der Baum reicht bis an dasDach. Die Stange reicht nichts» weit. Daß sein (des Volkes) letztes reichte gegen den Abend der Stadt, bis an die westliche Seite, Jos. 8, iz. Die Mauer reicht bis an den Fluß, t'iber jemanden reichen, d. i. hervor ragen, ist nur im Oberdeutschen üblich. 2) Zu engerer Bedeutung, sich mit einem Theile seines Leibes bis sn etwas erstrecken, so wohl mit ausdrücklicher Meldung des Gliedes. Mit der Zand an etwasrerchen können. Grosser Zerren Arme reichen weit. Mit dem Fuße an etwas reichen können. Als auch absolute, da denn gemeiniglich die Hand darunter verstanden wird. Ich kann nicht so weit reichen. Zinauf reichen, hinan reichen. Ich kann bis dahin reichen. S. auch Erreichen. 2. Figürlich, i) Der Menge nach zu etwas hinlänglich seyn. Der Zeug reicht nicht zu dem Rleide. Das Geld reichte, hat gereicht, wird nicht reichen. Das reicht jährlich nicht füv den Raufmann und Schneider, Weiße. Jngleicheu mitetwas reichen, daran zu einer gewissen Absicht genug haben. Damit werde ich nicht reichen. Wir haben damit gereicht. (S.auch Ausreichen, Zinreichen, Zureichen.) 2) Sich der Wirkung nach bis zu etwas erstrecken. Dein Ruhm wird bis an die Nachwelt reichen. Meine Augen reichen nicht so weit, ihr Vermögen zu sehen erstreckt sich nicht so weit. Gottes Gute reicht so weit dev Zimmel ist, Ps. 108, Z. Die Religion treibt uns zur Liebe gegen die Menschen durch Bewegungsgründe an, die über alle Bewegnngsgründe der Vernunft hinaus reichen, Gell. Z) Sich der Dauer, der Zeit nach erstrecken; ein Gebrauch, welcher im Hochdeutschen zu veralten aufängt. Die Drefchzeit soll reichen bis zur Weinernte, und die Weinernte soll reichen bi» zur Zeit der Saat, Z Mos. 26, Z. L) *Für liegen, der Himmelsgegend nach; eine in: Hochdeutschen veraltete Bedeutung. Ein Stück von den Thcilcn, so vom Morgen bis gen Abend reichen, Ezech. 48, 8. 5) *Für gereichen; eine gleichfalls veraltete Bedeutung. Las wirr wärlich gar zu kleinen Eren reichen meiner ßrauen, Theuerd. Das mochte wo! zu schaden dir noch reichen in künftige Zeit, ebend. S. Gereichen. II. Als ein Arrivum, mit Ausstreckung, mit Ausdehnung m die Länge geben. r. Eigentlich. Jemanden die Zand reichen. Jemanden das Zandwasser reichen. Er reicht ihm das Wasser nicht, figürlich, er ist auf keine Art mit ihm zu vergleichen; eigentlich, er ist nicht werth ihm das Wasser zu reichen. Jemanden hüls- - liche Zand reichen, ihm beystehen. Jemanden ein Almosen reichen. Einem Rranken das Abendmahl reichen. Die Mutter reicht dem Binde die Brust. S. auch Daneichcn, Zin- reichen, Zerreichen, Zureichen, Überreichen, Erreichen u s. f. 2. Figürlich, i) Für geben überhaupt; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung. Im Oberdeutschen sagt man, Zoll, Steuern, Ilngcld reichen, für geben. Die Besten zu etwas reichen. Im Hochdeutschen gebraucht man es noch zuweilen in der A. A. jemanden die n'öthige Nahrung reichen, ihn verpflegen. Die Anzahl der Ziegel sollt ihr reichen, 2 Mos. §, ' 8, für liefern, abliefern. 2) Ehedem wurde es auch für hohlen und hohlen lassen gebraucht. Achem reichen. Athem hohlen. Jemande» reichen, ihn hohlen lassen. Daher die Reichnng, doch nur in der thatigenBedrutung. Anm. Bey dem Kero keroktiLn, bey dem Notkerreickev, hep -emWilleram rA Der Rerchs-Fiscäl, des—cs, plur. die— 5iscale, einFiscal, so fern er für die Gerechtsamen eines ganzen Reiches, besonders aber des Deutschen Reiches und dessen Oberhauptes wacht. Die Reichsfolge, plur. die—n, die Folge in der Beherrschung eines Reiches; die Thronfolge. Znr Reichsfolge gelangen, von derselben ausgeschlossen werden. Jngleichen die Art und Weise, wie der Thron eines Reiches nach dem Absterben des Beherrschers besetzet werden soll. Die Reichsfolge bestimmen DerReichsforst, des—es, plur. die — forste, ein Forst, welcher dem Kaiser und Reiche unmittelbar unterworfen ist. Reichsfrey, sch. et ackv. niemanden als dem Kaiser und dem Deutschen Reiche unterworfen; unmittelbar. ReichsfreyeBauern, Städte u. s. f. Besonders als ein Titel des unmittelbaren Reichsadels, welcher in Briefen Reichsfrey, Zochrvohlgebo- 7 ren. angeredet wird. Der Reichsfreyherr, des — en, plur. die — en, ein dem Kaiser und Reiche unmittelbar unterworfener Freyherr; ein Reichs- Baron. Der Reichsfürft, des — en, plur. die—en, Fämjn. die Reichs- fürstinn, ein Fürst des Reiches, in engerer Bedeutung, ein Fürst, so fern derselbe ein Glied des Deutschen Reiches ist, niemanden als dem Kaiser und Reiche unterworfen ist, und sein Fürstenlhnm von demselben allein zu Lehen trägt. Daher das Bey . und Nebenwort rcichsfnrstlich. Der Rejchsfüß, des — es, plur. die—fuße, das bestimmte Verhältnis des Gehaltes der Reichsmünzen zu ihrem Werihe, S.Zuß. DcrRe:chsgenöß,.des—ffen, plur. die—ssen, der Genoß eines Reiches, ein Uimrchan desselben, so fern er an allen Gerechtsamen und Vorzügen des Reiches Thcil hat. Das Reichsgericht, des—es,plur. die— e, ein höheres Gericht, welchem alle iindtre Gerichte eines Re'ches unterworfen sind. In engerer Bedeutung, besonders in dem Deutschen Staatsrechte, Del-W. B. 3. Th.-. UuA. rin Gericht, vor welchem besonders die Stände des Reiches Recht zu nehmen und zu geben verbunden sind, dergleichen Reichsgerichte so wohlderReichshofrath als das Reichökammergrricht zu Wetzlar sind. Das Reichsgesetz, des — es, plur. die —e, ein Gesetz, welches alle Glieder eines Reiches verbindet. Bestimmt cs zugleich die wesentliche Staatsverfassung eines Reiches, besonders des Deutschen Reiches, so wird es ein Reichsgrundgesetz genannt. In weiterer Bedcutnng werden zuweilen auch wohl Verordnungen des Reichs, welche bloß einzelne Glieder betreffen, Reichsgefetzk genannt. DasReichsglied, —es, plur. die — er, ein Glied eines Reiches, eine Person, welche einem Reiche unterworfen ist, und zugleich an dessen Schutz, Gerechtsamen und Vorzügen Theil hat. Der Reichsgraf, des — en, plur. die—en,Hämin. dieRcichg- grasinn, ein dem Deutschen Reiche und dessen Oberhaupte iglnrit- telbar unterworfener Graf. Daher die Reichsgrafschaft, er» solches Land, und das Bey - und Nebenwort rerchsgräflich. DasRerchsgrunögesetz, S.Reichsgeseg. Der Reichsgulden, des —s, plur. ul vom. Kug. eln in dem ganzen Reiche gültiger Gulden, ein Gulden, so fern dessen Werth und Gestalt von dem Reiche bestimmt worden. Das Reichsgutachten, des -— s, plur. ul vom. llvA. in dem Deutschen Staatsrechte, ein von den Ständen des Reiches dem Kaiser ertheiltes Gutachten. Der Rerchshanöel, des— s, plur. die — Händehein Handel, eine Sache, welche d§s ganze Reich betrifft; eine Reichssache. In engerer Bedeutung, eine solche streitige Sache. Das Reichshaupt, des—es, plur. die—Häupter, das höchste Oberhaupt eines Reiches, besonders des Deutschen Reiches, der Kaiser. Das Reichsherkommen, des— s, plur. ear. in dem Deutschen Staatscechtc, eine durch die Gewohnheit emgrführte Regel, nach" '-welcherin gewissen Staatssachen, wo keine geschriebene Gesetze und andere Verträge vorhanden sind, verfahren wird. Die Reichshistörie, plur. die—n, die Historie oder Geschichte drrStaatsveränderungen eines Reiches, und in engerer Bedeutung des Deutschen Reiches ; dieReichsgefchichte. Der Reichshofrath , des — es, plur. die — räche, in dem Deutschen Staatsrechte, i) Ein hohes Reichsgericht, welches sich an dem kaiserlichen Hoflager befindet, und den Neichsstän- ken so wohl Recht spricht, als auch die Reichslehcn crtbeilet; ohne Plural. Daher dieReichshofrachsordinmg, die demselben vorgeschriebene Ari des Verfahrens. 2)-Ein mit der Würde eines Mathes begabter Bepsitzer dieses Coll-gii. DieReichshülfe, plur. die — n, die von dem gesammten Reiche bewilligte Hülfe, sie bestehe nun in Truppen, oder in Gelde. Das Reichskammergericht, des — es, plur. die — e, in dem Deutschen Reiche, eines dcr zwey höchsten Reichsgerichte, welches den Ständen und deren Unkerlhanen in gewissen dazu fähigen Umständen Recht spricht, und älter ist, als der Neichshofrach. Daher der Reichskammerrl'chter,dcr Richter in diesem Gerichte. Die Reichskanzelley, plur. die—en, die Kanzelley eines Reiches, und besonders des Deutschen Reiches. Der Reichskanzler, des—s, plur. urvsm. 6vZ. der Kanz- ^ lcr eines Reiches, und besonders des Deutschen Reiches. Sieh? Ranzlcr. Das Reichskleino-, des — es, plur. .die^—e, oder—dien ein Kleinod, sofern es ein symbolisches Zeichen der höchsten Gewalt nnd Würde eines Reiches, und besonders des Deutschen Reiches, ist; z. B. Krone, Zepter, Reichsapfel u. s. s. Mit einem halb Lateinischen Ausdrucke Reichs - Insignien. Uuu - " Der L-SHK Rei > L . , . / ^ Der 7rerch6keeis, des — e^, plur. die — e, einer von den zehen Kreisen, worein das Deutsche Reich zur AufrechrhalttMg der öffentlichen Ruhe und Sicherheit gelhcilet ist. Der Reichskrieg, des—es, plur. die/—e, ein Krieg , wel. cher das ganze Deutsche Reich betrifft, in welchem dasselbe der angreifende oder angegriffene Theil ist. D«S Reichslün-, des—es, plu7. die— e, (der Plural die Aeichsländrr kommt seltener vor,) Länder, welche zu dem Deutschen R.iche gehören, dasselbe airsmachen. In engerer Bedeutung, rverden Länder irnd Districte, welche dem Deutschen Reiche unmittelbar unterworfen sind, sie seyen nun Lehen oder Allodia,Reichs- kande genannt. Nach einer noch andern Einschränkung werden die Reichslande den Virchenlanden oder Äirchenlanderü entgegen gesetzt, welche letzter» von Geistliche» besessen rverden, und in we chm die Päpste viele Gerechtsamen erworben Habert. R 'ichblehen, des—s, plur. ut vom. liv^. ein Grundstück, welches Voit dem Kaiser und Reiche in Lehen genommen werden muH. Zuweilen auch die Belehnung mit einem solchen Grundstücke; ohne Plural. Die Reichslchen empfangen. Die Retchsleute, linZ.cur. Leute, d.i. Personen geringern Standes, welche dem Reiche unmittelbar uuterworfeu sind, dergleichen cs z. B. auf der LeurkircherHeide gibt. Die Reichsbauern sind auch eine Art der Reichsleute. Die Reichs-Matrikel, plur. die — n, das Verzeicbniß der , sämmrlichen Reichsstäude und ihres bestimmten Beytrages zuden allgemeinen Bebürfnissen des Reiches. DerReichspfenrnFmeister, des—s, plur. ut vom. eine noch in dem Deutschen Reicher'ibliche Benennung desjenigen, welcher einer Reichs-Casse vorgesetzet ist, und die Rechnungen darüber /führet; für Reichs-Lassier. So hat das Kammergericht zuWetz» tar seinen Rcichspfcnmgmeister, welcher die Kammerzieler von den Ständen einnimmt und berechnet. Dis Reichspflexe, plur. die—n, eine Pflege, d. i. ein Gebieth, welches unmilMbar dem Kaiser und Reiche gehöret und ruderen Nahmen osn einem Reichspfleger verwaltet wird, dergleichen es Noch öep Donauwcrch und Wcißenbnrg gibt. Auch die Verwaltung eines solchen Gebiethes führet diesen Nahmen. S. pflege. Die ReiHspost, plur. die—en. r) Eine dem Kaiser u«,d Reiche unmittelbar unterworfene Post ; zum Ultterschiede von den «ländischen Posten, oder den Posten der Reichsstände. Daherdas Reichspoflamt, der Reichspostmeißer u. s. s. 2) Eine Post, welche in das Reich, d. i. nach Dberdeurschland, gehet, oder daher kommt. , '- Der Ristchs-(Ackartiermerster, des —s, plur. ut vom. flvA. ein Unterbeamter der Grafen von Pappcnbeim, als -Erbmarschal« keü, welcher bry feyerlrchen Versammlungen die Quartiere für die Gesandten der Reichsstände besorget. Der Retchscsth, des—es, plur. die—räthe. I) Ein mit diesem Nahmen begabtes hohes Collegium, welches die Regierung eines ganzen Reiches verwaltal, dergleichen z. B. in Schweden ist. I» dem Deutschen Reiche drangen unter dem Kaiser Maximilian die Reichsstäude darauf, daß zur Handhabung des Rechtes und des Friedens ein Reicherath niedcrgesetzt werden sollte. JmIahre »Lsa wurde wirklich ein solches Collegium ernannt, tvclches den Nahmen eines Rerchsregimcnres bekam, aber «502 schon wieder aufhörcte. Auch die drey Reichs-Collegia aufdemReichstage zu Megensburg pflegt mau zuweilen Reichsrarhe zu nenne». 2) Ein . einzelnes Gl-ed eines solch-m Collegii. Der Reichsritter, des—s, plur. utporn. lmF. ein dem Kaiser und.Reiche unmittelbar uilterworfencr Ritter. Daher die ' Reichsritterschaft, die stimmtlichen Reichsritter, der sämmtlich? frepe Reich^adkl als ein Ganzes betrachtet» S» Ritter» Rei .1-044 Die Reichsfäche, plur. die—n, eine Sache, «velche ein ganzer Reich,, besonders das gesummte Deutsche Reich, betrifft. Die ReLchssützuny, plur. die—en, in dem Deutschen Staatsrechte, in weiterer Bedeutung, ein jedes Reichsgesetz, mit Inbegriff der Reichsabschiede. In engerer Bedeutung führen nur diejenigen Reichsgesetze dieser, Nahmen, welche auf der« Reichstagen gemacht worden, und nach deren Endigung von den Kaisern bekannt gemacht wurden, welches bis auf Friedrich HI. geschähe, zu dessen Zeit die Rcichsabschiede .üblich wurden. Das Reichsscepter, S. Rcichozepter. , Der Reichsschlüß, des—ffes, plur. die — schliisse, ein von einemReiche und deffenRepräsentanten gemeinschaftlich gemachter Schluß. Ju eugererBedeutung, ein von den Deutschen ReichS- staudert auf einem Reichstage gemachter Schluß. Der Rcichsschultheiß, des—en, plur. die —en, emehemah- liger Beamter in den Deutschen Reichsstädte^ welcher die Gerechtigkeit, und besonders die peinliche Gerechtigkeit, in denselben im Nahmen des Kaisers und des Reiches haüdhabete, und auch dev Reichsvogt genannt wurde. Die Reichsstadt, plur. die—stä'dte, eine Stadt, sofern sie rin unmittelbares Glied eines Reiches ist. Im Deutschen Reiche ist eine Reichsstadt, oder freyc Reichsstadt, eine Sradt, welche dem Kaiser und Reiche unnuttelbar unterworfen ist;zum Unlerschick« vcnr einer landsassigen »der Municipal - Stadt. Daherdas Bey- und Nebrnwo^pt reichsstä dtisch, einer Reichsstadt gehörig. DerRsichsstanö, des—cs, plur. die —«rände, ein Stand, d. i. solches Glied eirres Reiches, welches Sitz und Stimme auf den Reichstagen hat. So werden m dein Deutschen StaarerechkS diejenigen Rerchsglieder, welcheSrtz und Stimme auf den Reichstagen haben, Rerchsstände genaruit. Reichsstä'nöisch, sckj.etaclv. einem Reichsstäude gehörig, m dessen Gerechtsamen gegründet. Die Reichsstanöschaft, plur. ivuk. die Gerechtsame und das Lefugniß eines Aeichsftandes, besonders das Recht, auf des Reichstagen S,H und Srimmozu haben. Die Reichvsteuer, plur. die — n, eine einem ganzen Reiche zu dessen Bedürfnissen aufgelegte Steuer. Der Reichstag, des —es, plur. dre—die Versammlung der Stände eines Reiches, um über dessen Angelegeuheiten zu- bcrath- schlagen; di^Rerchsversammlung. Derpohtnische,Schwediscpe, Derrtsche Reichstag. Der Reichstag zu Regensburg. S. Tag. Der Reichöthaler, des—s, plur. ut vom. livß. ein Thaler, so fern derselbe in einem gaujcu Reiche gange und gebe ist ; von welcher Art z. B. die Schwedischen Aeichsthalcr sind. Z m Deutschen Reiche wird ein Thaler rterhaler, Species - Thaler u.s. f. S. Thaler. Die RerchsversammlttvF, plur. die — en, die Versammluus der Stände eriees Reiches. Reichstag. Der Reichsverweser, des—s, plur. ut vom. üvZ. derjenige, welcher anstatt des höchsten Oberhauptes eines Reiches die Regierung desselben v-erwalter. Im Deutschen Reiche sind es diejenige« Churfürsteu, welche bep eines Erledigung des Thrones oder i« andern bestimmten Fällen einige Stücke der kaiserlichenAegicrung ausüben, und mu einem Latei«tffchcn Ausdrucke auch Reichs- vicarii gcitannt werdeu, DerRerchsvogt, des — es, plur. die — v^'gte, S. Reichs- fchultheiß. Daher dre Rcichsvogtep, dessen Amt und Wiieoe; ingleicheit dessen Gerichtbarkeit und der ihm airvcrtraute Bezirk. DerReichöwald, des—es, piur. die—Walder, kinflltt, Kaiser uno Reiche unmittelbar unterworselikr A^sld, uchei» es iwcp iuDberbeutschlalld Lss rO4F ' Das Rerchszepter, des — s, plur. ut nsm. 6aZ. das Aspicr^ so fern es Kn symbolftchcs Zeichen der höchsten Gewalt in einem Reiche ist. - . Der Reichthum, des-es, p^ur. die —rhumer, vondemBey- vnd Nebenworte reich. >) Als ein Abstracnrm, und ohne Plural, so wohl objecnve, der Zustand, da eine Sache im-Überflnsse vorhanden ist, als auch substetive, des Zustand, da jemand einen Überfluß an gewissen Dingen besitz!, in welchem letzter» Falle es das Vorwort an nach sich hat; im Gegensätze des Mangels und derArmnkch. Der Rerchthun an Gedanken, an Emfällen. LinGtroin, welchen sein Reichchnm ungestüm macht. Der Rcichihum ferner serrlichkere, Ephcs. Z,, . 6- seiner Gnade, Kap. r, 7; seiner Gute, Röm. 2, 4; iw welchen Stellen. cs ob- jrcrive flehet. Zn engetzer B-'deutnng ist es der Überflrrß an zeit- lichen Gütern. Rcichthum haben, suchen, g-nvinnen. Zn- gleichcn der Instand, da man solchen Überfluß besitzt. Sich auf seinen Reichrhum verlassen. 2).Als einLoncrerum, überflüssig vorhandene Dinge Einer Art; wo es als ein Eollecnomn jö wohl im Singulär als auch im Plural allein gebraucht wird, sllemastl aber nur von solchen Dingen ^ welche als ein Gut betrachtet werden. Pflanzen rmd Thiere, die auf der einen. Seite schädlich sind, sind auf der andern Seite 'emReich- thum medicinisch^r RraftoGell. Zn engerer Bedeutung ist es der überflüssige Vorrath an zeitlichen Gütern. Sorix Reichthum ist nicht zu schätzen, oder seine Reichchümer sind' mä)t zu schätzen. Nach einer noch andern Einschränkung psiM man nur in Menge vorhandene Kostbarkeiten, Juwelen u. s. f» R.lchthrimer zu nennen. Anm. Schon bey dem Ortfried Ik i üi6nLM>bey dem Nstkee- Kiiituo/n. Mit einer andern Ableirungsfulbe kommt bey den Schwäbischen Dichtern das jetzt veraltete ^Rkichhcit häufig für Rcichthnm vor. So feen reichehedem auch mächtig bedeutete, ich kiiltstistsrn ben dem Kero und Ottfried so wohl Herrschaft, Gewalt, als auch-das Reich, das jemandes Herrschaft unterworfene Land; welche Bedeutung aber im Hochdeutschen veraltet ist. Zw. manchen Oberdeutschen Gegenden ist dieses Wort, nach dem Muster so vieleranderer auf—thnm, ungewissen Geschlechtes. So sagt Opitz beständig das Rcichthnm. JmHochdeutschenistiallein das männliche üblich. S.—-Thum. Dar Reichweite-r, des—s, zilur. ca.r..i«rdek Landwrrthschaft einiger Gegenden, eine Art sehr ergiebigen Weetzens,, welcher auch Träubelweitzen genannt wird, weil die Ähre mit vielen kleinern Ähren umgeben ist,.welche eine Art einer Traube oorstellen. Dort dem Bey« und Nebenivorte reiche lRetf, —er, —fte, aAj. et. Lstv. 1) Eigentlich von Früchten und Gewächsen, keiner Nahrung von dem Stamme weiter bedürfend; im Gegensätze des nnrczf. ReifeS'Dbsi, reife Apfel, reife Trau- ben, reifes Getreide, reifer Genien. Reif sepn, reif werden». HS. anch8ruhreis und Ncechrcif.) Zuweilen auch von andernThei» lru der Gewächse. Die Rinde eines Baumes ist veif, wenn sie ihre gehörige Stärke hat. So auch von dem Holze, den Blättern u. stf. 2) In weiterer und sigürlicherBedeutnyg, durch die Länge der Zeit zu seiuerVollkommenheit gediehen. Ein Geschwür ist reif, wenn es aufbrechrn will. Ein reifes Geschwür. Reifes Sal;, in den Salzhütteil, welches lange genug auf den Salzböden gelegen har, fodaß es zum Verführen hinlänglich krochen ist. Ein Manu von reifem Alter. Das wird sich bey reifern Iahren. fchon ändern Ein reifer Verstand. Die Sache ist rech, wenn fir zur Ausführung geschickt ist. Reifes Nachstunem Ene reift- Gelehrsamkeit'. Ein reifes Urtheil fallet. Zum Ehestande reif seyn. Alles , alles glänzt iä reifer Schöndelts Geßn, Zu« Straße reif se.yn», S,.Re«fl;ch, Rctft und Reifen» Anm-. Schon bey dem Kero riisi, keh dem Mlleram rief, im Niederst riep, im Angelst und Engl. ripe. Die heutige Bednz- tun g dieses Wortes ist eincFigur, welche ursprünglich von einer iw das Gehör füllendenKigenschaft entlehnet seyn muß. Welches diese Eigenschaft ist, läßt sich nur muthmaßen. Frisch und andere: glauben, daß es von rasten abstamme, so fern es, wie das Angelst rip au, ehedem schneiden , ernten u. s. s. bedeutete, da es denw denjenigen Zustand derFrüchte bezeichnen würde, in welchem sie zur Einerntung, zum Abfalle, geschickt sind. Fast sollte es scheinen, daß der Begriff der Zeitdauer in diesem Worte der herrschende sey, und alsdann könnte es eine Figur von den folgeudew scyn, so fern diese eiue Ausdehnung in die Länge bedeuten. I. Der Reif, des—eö, plur. die—e, Diminur. das Reifchen^ Oberd. Reistern, ein Wort, welches zunächst eineAusdehnung in die Länge ohne beträchtliche Breite und Dicke bezeichnet/ aber nur noch in einigen Fällen üblich ist. 1. Ein Tau, ein Seil, ist im gemeinen Leben, besonders Nrs- der-Deutschlandes,. häufig unter dem Nahmen eines Reifes bekannt. Besonders kommt es auf den Schiffen vor, wo es dasjenige' Tau ist, welches in der Mitte einer Segelstange gegen den Raak befestiget ist, wodurch das Hauptgattobcn am Maste aufciner Rolle hinläuft. Untfn rst es an demFalle befestiget, und das Segel läuft: Ln demselben herunter ,md wird auch daran aufgehjssrt. In weiterer Bedeutung heißtim Niedersächsischeu ein jedes Seil, so bald- e§ stärker als eine Schnur ist, ein Reif, daher ein Seiler daselbst auch ein Reeper genannt wird, (S. Reifschläger.) Eben daselbst' ist es auch ein Längenmaß,, welches gemeiniglich so viel als eine Klafter istz.einReifsolz. ZnGoßlar istes, desnFrisch zuFolge^ ein Längenmaß von zehen Ellen. Es ist in dieser Bedeutung ein altes und weit ausgebreitcteK Wort. Jm Nieders. lautet es Reep und Reip, im Angcls. Hey dem Mphilas Kaiptz, im Dan.. Reib,, im Schweb, keß und- imA)allis.Kfta 1 f,im Island. Rvip, fteifarund Ro.fe^ im Engl. und sogar im Arab.. I^ullon , und im Perst Zikas, alle in der Bedeutung eines Seiles,.einige auch eines Riemens und eines Fadens. Raff, ein Ballen, Ress, Rübe, Ribbo» sder Rippe, Rebe) rr. a., m..bedeuten ähnliche lange Körper vor) unbeträchtlicher Breite und Dicke. Revier scheint gleichfalls damit verwandt zu seyn, eine Ausdehnuug in die Länge und Breite,, eine Gegend,, zuwezrichnerr, so wie unser Streif und Streifen: sich bloß durch denBorlaut unterscheiden. Mit andern Endlantew gehören auch Riemen, Reis, Ruthe, Reihe'und. andere Wörter- von verwandter Bedeutung h erher, welche am Ende alle ans den Stammbegriss der Bewegung zurück könuucn, deren-Laut reden ^ U. stf. nachahmen.. S. Repphnhn und 2 Reift. 2. Ein erhabener Rand. 1) Überhaupt -, eine nur noch in-eiin- - , c grn Fällen übliche Bedeutung. Bey den Schlössern wirVder Rand- - an dem Barte eines Schliiss'ls,. welcher mit dem deohre parallel ^ gehet, noch ein Reif genannt. Wenn der Hirsch mit dem hinterm Fuße-gerade in den vordern.eintritt,. so r-ntstehet in der Fährte ein. Rand, welchen dic.Zägor das Reifest neunen. Vermuthlich gehöret hierher auch der Gebrauch der Kürschner, da sie die Seite am einem Fuchsbaltzr den Reifneunen. Mit andern Endleruen gehö-- ren hierherdas alte Branolind Brft'hmo, der Rands (S. Angori-- branne) ja Rand and Ranft selbst,. inglo:chen das in einigem Gegende-n-übliche Ruf, diaRindo auf einer Wunde. (S. Rand.-i ' .s)" Zn engerer Bedeutung wird der gefrorncTöan oder Nebel aw. den Gegenständen der Reif gena: nt, weil er die Gegenständ»- gleichsam mir einem Rande verstehet, oder sie mit-,eurem mir einer Rinde, überziehet. ^ l 80 UÜs ieü bluocrieN 60 riss-M a Walcher so» der VoZehVeiö^ EH» > . v - . ' ^ ' U u w s' tv47 Re! Es fällt ein Reif. Wenn viele Reife fallen. Schon bey öcm NotkerKitko, imNieders. Riep, im Wallis. Kbevv. JmArab. ist kr.Lk/ 1 'oll ein bereifter Baum. Mit andern Eudlauten ist in ei« nigen gemeinen Sprecharten Riem, im Ungels. ttrim, im Engl. Kime, im Holland, Kvm, im Schwed. Kim, gleichfalls der Reif, im Lat. mit einem Präfixo kkuina, im Ztal. Lrina, welche beyden letzter« die Verwandtschaft mit Braune, der Rand, ja mit Rand und Rinde selbst, bestätigen. S. Rauhreif, Reifen und Wasserreif.. Z. Eine Vertiefung, welche sich in die Länge erstreckt; auch nur noch in einigen Fällen, besonders bey den Schlössern, wo LieReife solche Einstrichein den Bart einesSchlussels sind, welche ihre Öffnung aufden Seiten haben. Im Holland, ist KuM'el und im Engl. Kivel eine Runzel, und im NiFers. riefeln Furchen ziehen. Das Lat. Kivus ist gleichfalls damit verwandt. Anm. Daßiu allen diesenBedeutungb" der BegriffderBewegnng der herrschende ist, erhellet aus den ähnlichenWörtern Rand.Rin- de, Rinne, welche Eines Stammes sind undählilicheBedeukungen haben. Im Oberdeutschen hängt man diesem und dem folgenden Hauptivorte gern noch ein en an; des Reifen, den Reifen, oder wohl gar in der ersten Endung, der Reifen, welche Form auch in der Deutschen Bibel vorkommt. Welche sich vor dem Reifen scheuen, Hiob 6,16. Er streuet Reifen, wie Aschen, Ps. - 4 /, r 6. L. Der Reif, des — es , plur. die — e, Diminut. das Reifche.'t, Öberd. Reiflein, ein Wort, in welchem der Begriff der Runde der herrschende ist. Es bedeutet, i) überhaupt, einen jeden Ring oder ringförmigen Körper, in welcher Bedeutung cs ehedem sehr üblich war, da denn der Fingerring auch der Fingerre-f ge- nannt wurde. Aller Granatäpfel waren hundert, a« einem Reife ring? umher, Jerem. Z-, -z. I.yt ist cs nur noch in einigen einzelnen Fällen gangbar. So wird in der Verzierung der Säulen und anderer Körper ein erhabener halb runder Ring, welcher die Säule, eine Kanone u. s s. «".Sb/Reif genannt; bey andern heißt er das Stäblein. An den Kanonen bar man Mi'telrerfe Mundreife u. s. s. Der Re-f an emem P.eßglafe, ist ein ähnlicher erhabener Rmg. Der Sleaerc f, eme alte Benennung des Steigbügels, rernni.ll-lich w.i! der,e:be ehedem die Gestalt eines Ringes hatte. Bey den Schlössern ist der Reif em rundes Eisen in dem Eurgerichte eines Schlosses, um welches sich der Reif (d. i. der Rand, S. das vorige) des Schlüssels drehet» Pictorius nennt eine Käscsorin einen Reif, vielleicht auch wegen ihrer Runde. Wenigstens wird in den Küchen noch ein runder blecherner Rand, die ausgelaufenen Köche damit zu umfassen, wenn sie in dem Ofen gebacken werden sollen, ein Reif genannt. In der Fenerwerkskuiist ist der Reif ein Ernstfeuer, welches aus zwey Sturmkränzeu iil Gestalt eiuer Kugel zusammen gebunden und unter die Stürmenden geworfen wird. 2) J„ engerer Bedeutung werden die Ringe, welche die Dauben eines Fasses oder ähnlichen hölzernen Gefäßes Zusammenhalten, Reife, imdznn.Unter- schiedevoir den vorigen Arten, Faßrcsse genannt. Ein hölzerner, ein eiserner Reif. Der Blartreif, äauptreif, Schrauben^s, Spannreif, Fwiygereifn. s.f. Einen Reif um ein Faß legen. Durch einen Reif springen, wie die Gaukler. Anm. Im Pöbln. ist Keks gleichfalls der Fingerring, und im Arab. bedeutet ttaeKou einen Bogen, und jede in Gestellt eines Bogens gekrümmte Sache, so wie im Griech yL/sto- ein jedes ^ krummes.Ding ist. Reif ist in dieser Bedeutung mir c-em vorigen «in und eben dasselbe Wort, indem auch hier der Begriffder Bewe. gunader ursprüngliche ist, nur daß hier zunächst die kr-isförmige Bewegung zum Grunde liegt. (S. Reiben und Schraube.) Die verwaisten Rad, Ring, rund, Dreis u.s.s. haben alle einen Ähnlichen Ursprung und bedeuten daher in ihren Verwandten oft Net 104z auch so wie 1 Rerfeiuen langen dünnen Körper, wie das Latem, Kn6iu5, welches zu Rad, Koka, gehöret, geringe, eigentlich dun» mld schmächtig, ein Verwandter von Ring, Reis, 8ui> culus, ein Verwandter von Rreis u. s. f. Die Reifbahn, S. Reiferbahn. Die Rerfbeutze, p lur. die — n, ein Werkzeug 8er Faßbinder i« Gestalt eines starken oben rund geformten und wie eine Krücke an eine Säule befestigten Bretes, dieFaßreife darüber zu beugen; die Beuge, Gcheihcnkrücke. Die Reife, plur. inul. von dem Bey - und Nebenworte reif, der Zustand, da ein Ding reifist, so wohl im eigentlichen als figürlichen Verstände. Für Re-fc kommen, oder gelangen, reif werden. Die Sache ist noch nicht zu ihrer Reife gekommen, iß noch nicht zur Ausführung geschickt. Wenn sem verstand mehr Reife erhalten wird. Seinem Gefchmacke eine gewisse Reife geben. Jm Niedcrs. R'pe nnd Ripigkeit. Reifeln, verb. re Z. uct. Reife, d. i. kleine Furchen, ziehen, in verschiedenen Fällen des gemeinen Lebens, als das Diminnt. dcS folgenden 3 Reifen. E-ne geregelte oder gereifte Säule, deren Schaft mit langen vertieften Furchen versehen ist. Eine gereifelte Büchse, eine gezogene, deren Lauf inwendig mit schrauben« förmiaen Furchen versehen ist. Im Niedersächsischen rieseln. S.-Rftfz. 1. Reifen, verb. reZ. welches von dem Bey- und Nebenworte reif abstammct, und in doppelter Gestalt vorkornmt. 1) Als ein Neutrum, welches am häufigsten das Hülfswort haben bekommt, reifwcrdrn; zeitigen. Sowohl eigentlich, von Früchten. D e Trauben reifen, Sir. 5-/20. Das Rom reiset schon. M Anblick, der mich fröhlich macht, - Mein Weinstock reift, und Doris lacht, Haged. W Liebe, wie bald ist dein Same in die Hohe geschoßt, gereift.' Weiße. Als auch figürlich, durch o/Z./i z» ss,.-:er Voll- kommenheit gelangen. 6ier die reifende'Jugend, wie die Rose/ wenn sie aus der Rncspe' sich drängt, Ä.ßn. In meinem Grabe ncifessch nr me ner zweiten Ge urt, , Wer weiß, ob sein verstand, der jegr zu Weisheit reift, Das Gche ngut nicht verwirft und nach dem Bessern greift? Gisekc. Man könnte cs streitig machen, ob dieses Wort in der vergangenen Zeit mit sepn oder haben verbunden werden müsse. Da die eigentl che Bedeutung des Wortes ?eif und folglich auch des Zeitwortes reifen noch nicht gew ß brkanntist, so läßt sich auch nicht sagen, ob dieses Wort mehr eine thänge Mitwirkung oder mehr . ein leidendes Verholten bezeichne, welches die Frage sogleich entscheiden würde. Jndesse,nst haben im Hochdeutschen am gewöhnlichsten. 2) Als ein Activum, reif machen. Die Natur weckt die Seele gleichsam aus dem dunkeln Schlafe des Gefühls unb reifet sie zu noch femerer Sinnlichkeit, Herd. Ach, hat dich noch der Sommer nicht gereift ? Weiße. So auch das Resser. Anm. Im N.eders. als ein Neutrum ripen, im Angelsächsische« riptÄN. 2. Reifen, verb. re§z neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, nnd von 1 Reif 2. 2), geftorner Than , absta'ümer, abee^ rmr unpersml-ch gebraucht wird. Es reift, es fällt ein Reif, der Than oder Nebel frieret an den Gegenständen, ehe er in Tropfen zusammen stießen kann. Es hatgererft. Es wird reifen. S. auch Be' eifen." ' Z. Reifen, verb. re°. von > Reif, ein Rand, ingleichen eine Rinne. L) Von 1 Reif 2, xj« Rand, mit einem Rande versehen, i« T ckO-49 ?! in welchem es besonders dieSchlösser gebrauchen, welche ein Strick Arbeit reifen, wenn sie dem geschwärzten Eise» weiße Fußen, oder einen weißen Rand anfeilen. 2) Von i Reif z, eine Rinne, mit Rinnen versehen; auch nur in einigen Fällen. Die Büchsenmacher reifen ein Rohr, wenn sie schraubenförmige Rinnen in demselben machen, welches auch ausziehen, ingleichen reifeln genannt wird. Eine gereifte Säule, deren Schaft mißlangen N-nnen verzieret ist. (G. Reifeln.) So auch das Reifen und die Reifung. Der Reifer, des— L, ^lur. ut oorn.ling. von 'Reif l), einScil, ein Handwerker, welcherSeile verfertiget, der Rerfschlager; welche Benennungen im Niederst am üblichsten sind, dagegen imHoch- demsch. Seiler am gangbarsten ist. Näders. Reper, Repsläger. Dre Reiferberhn, plur. die—en, ei» langer, ebener und schmaler Platz, Ivo die Reifer oder Seiler ihre Reife verfertigen; bey einigen die Reifoahn. Bepde sind Lin Niedersachsijchen am üblichsten; im Hochdeutschen sagt man die Seilerbahn, und in Leipzig die weide. Das Rerfholz, des — es,plur.cnr. Holt, welches zu Faßreifen dienlich ist, und welches auch Reifstäbe, Rcifßangen, Reifstecken und Bandhsl; genannt wird. DerRerfklvbey, des —s, p'ur. ut ncxrn. liaZ. bep den Schlössern, Gürtlern und andern Metallarbeitern, ein Kloben mit einem schiefenSchnabel, welchen man in den großenSchraubestock eüispannet, und ihm Sachen zu halten gibt, welche man reifen, d. i. mit einem schrägen Nande versehen, oder die man überhaupt schräge befcilen will. S. Z Reifen r. Reiflich-, —er, — ste, u 6 j. et u 6 v. von dem Bey - und Neben- worte reif, auf eine reife Art, dem was reif ist ähnlich; hoch nur in figürlicher Bedeutung. Eine Sache reiflich überlegen, so wohl in Absicht ans die darauf gewandte gehörige Zeit, als auch mit dem gehörigen Grade der Einsicht, des Nachdenkens. Es ist als ei: Nebenwort amüblichsten. In Gestalt eines Beywortes kommt cs seltener vor. Der Reifling,'des— es, plur. die — e, ein nur irr einigen Ge, genden, z. B. im Rheingaue übliches Wort, die Nebenschößlinge an einem Baume zu bezeich ren^welche an demWcinsiocke Schleif- reben, sonst aber auch Wasserschostlinge, Räuber u s. f. genannt werden. Nicht, wie Frisch es erkläret, well sie zum Versetzen reif sind, sondern , so fern Reif einen jeden dünnen mnd langen Korper, folglich auch eine Rebe und ein Reis bedeutet; Reifling, gleichsam ein unechtes Reis, eine unechte Rebe, Das Reifmesser, des—s,^i!ur. ut. no:n. linZ. bey .den Böttchern und Faßbindern, das Schmttmesser mit zwi^y Handhaben, womit die Faßreife auf der Schniltbaizk geschnitten werden- Der Reifrock, des — es, xlur. die — rocke, ein Rock des andern Geschlechtes, welchem durch darin befestigte Reife ein weiter Umfang gegeben wird; ein steifer Rock, Fischbeinrock, so fern die Reife aus Fischbem bestehen, im Osnabrück, eine Zuke. Der Reifscyläger, des—s, plur. utnom. lin?. S.Reifer. In den Seestädten werden in engVrcr Bedeutung nur diejenigeri Seiler Reifschlqger genannt, welche für die Schiffe arbeiten, dagegen die andern Spitzarbeiter heißen. Der Reifstcrb, des — es, piur. die — stäbe, bey den Faßbindern, kleines Reifholz in Gestalt eines Stabes.; derReifstccken. DieReifstanye,silur. die -n, ebendaselbst, stärker^ Reifholz in Gestalt der Stangen zu größer» R-llfen. ^ Der Reifstecken,'deö — s, ^lur. ut uom. fin^. S.Reifstab. Die Re.rfzanAe, plur. die-—m, bey ben Faßbinder», ein Werkzeug in Gestalc einer Zange, woinit das Äußerste des Fasses zusammen gezogell wird, damrt man die R ise darüber bringen ^ könne ; die Reifziehe, bey einigen auch der Hund. Die Reifziehe, zrlur. die — n, S. das vorige- Rei roLk, DerReifzteher,öes—s, plur.ut nom. linZ. bey den GroS- schmieden,ein ciserner Haken an einem Holze, einen ganzen eisernen Reifen vermittelst desselben auf das Rad zu bringen. Der Reigen, S. der Reihen 2. DerReiger, S. Reiher. Das Reihbrot, des —es, plur. die —e, eine Art Brote vo» bestimmter Größe, welche an einigen Orten in Sachsen die Kirch- kinder dem Geistlichen nach der Reihe geben müssen, damit ^ deren nicht zu viel auf Ein Mahl einkommen. Die Reihe, plur. die —n, welches in einer doppelten Hauptbedeutung üblich ist. 1. AlseinCoricretunr. i) Mehrere in Einer Linie neben einander befindliche Dinge. Eine Reihe Zähne, Bäume-Soldas ten, Häulcr u.s. s. Len Weg an den Seiten mit zwep Reihen Bäumen bepflanzen. Eine lange Reihe. Eme gerade Reihe. Eine bunte Reihe, eine Reihe von Dingen verschiedener Art,nudln engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, eine Reihe Personen, wo Personen männlichen und weiblichen Geschlechtes miteinander abwechseln. Die Soldaten in eine Reihe stellen. Das Glas gehet in der Reihe herum, unter den neben einanderr befindlichen Personen. Dre Reihe schließen, das letzte Individuum iu einer Reihe seyn. Die Häuser stehen in Einer Rbihe neberr einander. In engerer Bedeutung werden mehrere nach Einer Linie neben einander befindliche Worte in manchen Mundarten eine Reihe^genannr, eine Reihe schreiben; die man doch im Hochdeutschen lieber eine Zeile nennt. 2) In weiterer Bedeutung wird es oft von einem jeden Ganzen mehrerer neben einander befindlicher oder aufeinander folgenderDinge Einer Art gebraucht. Ferne vonuns jene schreckliche Moral, welche die Begierde zu gefallen in die Reihe der Laster setzt! Das gehöret nicht mit in die Reihe der Dinge. Rann man mit Zufriedenheit in die Reihe guter Thaten zurück blicken, wenn man da eine Lücke sieht, die so leicht ausgefullt werden konnte k Hermes. ^ 2. Als ein Abstractum; ohne Plural. ,) Derjenige Zustand, da mehrere Dinge in Einer Linie neben einander befindlich sind» Nach der Reihe fitzen, gehen, trinken, stehen. Die Bäume nach der Reihe setzen. 2) Der Zustand, da mehrere Dinge nach einer bestimmten Ordnung aufeinander folgen. Die R erhe ist a»r mir, trifft mich, wenn die Reihe an dich kommen wird, wenn wird die Reihe in unserm Hause mich oder meine Tochter treffen? Gell. Anm. Jm Nieders. Riege, in der Baierischen Mundart mit einem noch härter:: Gaumenlaute Reck, im Schwed, kläcku, im Jtal. und Mittlern Lat.Riga, im Holländ. k/, k eck. (S. Rang,) imFrariz. Ku)'e, im Schotttänd. klluk, und selbst im Persischen Ley den Leucin. Feldm- ffern bedeutttk^or eine Linie. Es kann in diesem Wocre so wohl der Begriff d- Menge der herrschende seyn, da es denn das Geräusch, welches mehrere neben einanderbcsiudlicheD-ttge machen, Nachahmer: und ein naher Verwandter von regen und rechnen seyn würde; oder auch der Begriff der geraden Linie, da es denn zu Regel, recht, richten gehöre» würde. Bey dem K- ro isi Kusu» eine Zahl, womit das Angels. kaevvA, und das Engl. Ile vv und kocv, e.ne Reihe, überein loinmen. Mit einem noch andern Endlmite gehöret auch das veraltete noch in der Ub>.rftznng Jsidoes befindliche R.-6l'-u,das Engl. killte, das Hebr. das Schwed. Nuck, öaSSiavon. blacl, das Pohtn. bl/uck, das Wallis das L!ttdai!l!llnRe.c1 >s,das Russ b»c^,das Lappläick. IxUlclc', das 'Äsihnische Rillciu, das Albanische u s. f. hierher, welche alle tü. ils e.m gerade Linie, thcils eine R ihe.cheils 61 ck eine Ordnung überhanpt bedeuten, und Verwandte von Rat, Auch, Rede u.s-f. sind. Bey dem Kero ist Rudreiü und ln- cm Uuu 3 - bollee zvzr R r i ^ Notker gleichfalls die Ordnung, (S. auch r Reiten, für rechnen.) Das Ztal.k uxa und Franz, kiue,,eine Gasse, siammem gleichfalls daher. (S. auch das folgende.) Zn den gemcinenMund- arten ist für Reihe mir einem Gaumenlaute auch Reige üblich. Der Rechen, des—s, xlur. ut nom. liQ^. ein Wort, welches noch ui einer doppelten, dem Anscheine nach verschndsnen, aber doch genau verwandten Bedeutung vorkommt. i) Ein Gesang, ein Lied. De uns disscn Regen Aksank, der uns dieses L,ei» - sang, in ciiwm aln u Nü derdcutschen Liede, bev dem Fri,ch. Dem. Srosch zu§olge,hat dasL-ed, wenn mein Stlindlcin vorhanden ist. in einigen alten ÄrsaugLuchern noch einige Vcxse mchr> als in den neuen, worunter sich der letzte so anfängt r Wer ist, der uns diese Rechen sang- Ist alt nnd wohl bckagr ms. s» Auch bey den Schwäbischen Dichtern kommt das Wort Reuen irr dieser Bedeutung noch nwbrmo'hls vor. Jetzt est es in diesem Verstände nur noch hin uiü^wicdl r nnter deui Volke üblich; besonders pflegen die Bergleute ihre Lieder und Gesänge'noch Bergreihen zu nennen. (S. Reim und das Zeitwort i Reihen.) L > Eine Art einesTanzcs, wobey Mehrere itt einem Kreise, oder doch in einer Reihe tanzen und dazu singen, der Reihentanz; eine der ältesten Arten desTanzes, welche noch unter dem genrei» neu Volke üblich ist,, und schon in der Deutschen Bibel vorkommt-, rvoLutberilm härter« Mundarten zu Folge Reigen nennet. Alte Weiber folgten ihr mit Pauken am Reigen, 2 Mos. 1 L, zo» Als Mose das Rald und ben Reigen sähe, Kap. 32,, 0. Wenn ihr seher, daß.di,Tochter Silo heraüsmiEeigcn zum Tanze Zehen, Nicht. 21,2-. Daß er diesen stolczen Lapen vidlet den-nerven Rayen, Hornegk. Sie danntzren mit einander einRapen, Zheuerd. Käp. -os^ Ich will heute noch einen Reihen mn dir ranzen, Weiße. Und denkt mir süßer Lust an seinen ersten Reigen, Zach. , Pictarms erkläret das Wort Rolgentanzansdrücksich durch Lanz rn Ringsweis, wenn manchazzi st'ngtr Allein in weirerer Be- öentnng wird es unter dem Volke, wo dieses Wort noch am meisten gangbar ist, von einem jeden kreisförmigen Tanze mehrerer gebraucht, auch wenn er nicht mit Gesang begleitet wird. Len Reihen sichren , oder den Vorreihen haben, der erste im ri„em solchen Reihentanze ftyn, - -- R-'- i «. , M e k herum streichen. Zur ersten Bedeutung eines Gesanges gehöret auch uu,er Reim, S. dasselbe, ingleicheu das folgende. ^.Reihen, verb. rag. veutr. welches dasHülfswort haben erfordert, und so wie das vorige, eine unmittelbare Nachahmung des Lautes ist, welches aber nur >:, einigen eingeschränkten Fällen gebraucht wird. Das Lehen „des Schreyen der.Mch'e heißt m einigen Gegenden reihen. Der Luchs rechet. Daß dieses Mort ehedem m weiterer Bedeutung üblich gewesen ftpi: müsse, erhestet ans unfern schreyen, krähen, Mieders krr-.en-.)- m,d dessen I», tenstvo kerifchen, welche stch nur in den Vorlaut) u uiuer scheiden», Zu engerer Bedeutung rechen die Wasservöocl ec» den Jägern, wenn sie nach dir Begattung verlangen, welches bep andern Lhie- re» hrunfcen, ranzen, rollen n.s.f. beißt, welche Ausdrücke gleichfalls von dem damit verdnni cnen Ge,chreye entlehnet sind^ Das Lat. ruAire, das Franz, Leu.t, und arrdere mehr, sind ähilliche Nachahmungen des Schalles. Im Oberdeutschen hat man auch das Inten,ivum reichern, welches daselbst, so wie reihen, mnih. willig fty:>, nach dem Bcyschlafe verlangen n. s. f. bedeutet, und auch von Menschen gebraucht wird. 2. Reihen, verb.'reg. ack. welches zunächst von dem Hanptworte Reihe abstamnist, in eine Reihe stellen oder ordnen.. Die Soldaten, die Bäume reihen. perlen reihen, noch hänfiger aber anreihen, -nfreihen, sie auf eine Schnur ziehen, so daß eine neben die andere zu stehen komme. Gedanken, Begriffe reihen», figürlich, sie neben einander ordnen^ Daher das Rerhen. Der Reihenschurze, des—n, plur. die —n, auf den Dörfern einiger Gegenden, z. B. im Erzgebirge, ein Schulze, welcher diese Würde bekleidet, wenn ihn die Reihe trifft, wenn die Reihe an ihn kommt; im Gegensätze eines Erbschulz-m, der dieses Amt - beständig bekleidet. Män hat im gemeinen Leben mehrere ähnliche Zusammensetzungen solcher Dinge, welche nach der Arche herum, zehen z. z B. Reihcfichre, Feohnfuhren, welche nach der Reih» von der» Bauern geleistet werden«. Die ReihensämmeÜ, plur. die—Semmeln, deren mehrere sich in einer Reihe an einander brfiliden; GchichtsemmelTräa Iklsemmel, Feilsemmel, Ecksemmel, Grtsemmei. Der ReihendMrz, des - es, plur. die—eänze,. S. ber Reihen s-.. Der Reiher, des — s, plur. ut 00m. linv. eine Art Sumpfvögel, welche lang und gcschlank ist, lange Füße und Zehen, einen längen Hals und einen langen spitzigen Schnabel har, mit-welchem- er die Fische, welche seine Nahrung sind, ans dem Wasser höhlet und durchbohret ; /ir(lea cinerea L. der ihn mit dem Rraniche und Storchs zu Einem Geschlechte rechnet, welches be» deinKlein das Geschlecht der Angler ist.. Es gibt mehrere Arten von diesem Vogel, und bey dem Klein kommen deren vierzehen vor, wohin auch der Moosreiher oder dir Rohrdommel, der Nachtreihev oder Nachtrabe/u. a. m. gehören. Wegen einiger Ähnlichkeit in her Gestalt wird auch eine A-n Sand. oder Strandlänftr , das ReiherIein,Reigsriein, und zum Unterschiede von dem vorigem Sandreiher genannt; Matiicula l^Iareoia V. /s/ö/er. ?snm. Dieser Vogel heißt im Schivabenspiegel Laiz-er, nnd noch setzt in einigen gemeinen Mundarten Reigrr, welche Form unter aitdern auch in der Deutschen Bibel vorkonuiit> im Niederf.. Reier und Megger, imAngels. NraZra. Es gibt mehrere Wörter, welche aiif dil'Abstarhmuttg dieses Wortes, und wie es schei> mn mit gleichem Rechte, Anspruch machen können. Erkann seinem Nahmen von dem Reihen, d. i. Schreyen, haben, (S. 1 Reihen;)- wenigstens sind der Nachtrabe, die Rohrdommel und anders Reiheearten . so wie der verwandte Rranich , von ihrem eigen-- tbümlichen Gefchrepe benannt worden. Der Grund der Benennung kann aber auch in seinen langen Füßen, Halse und Schnabel . rieten,, da denn sein Nähme ein Verwandter von reichen ftvtt! würde» /,-ss Rei Würde, Da aber die Reiher gemeiniglich in Gesellschaft fliegen, und daher auch Zeergan se heißen, so kann auch dicß der Grund ihres Rahmens seyn, voll Reihe, so fern es überhaupt eine Menge bedeutet. Ein anderer Umstand, der hier in Betrachtung kommt, D der, .daß die Reiher gern irr langen Reihen, einer hinter den andern fliegen, wo denn das Wort Reihe m seiner heutigen Bedeutung das Stammwort seyn, und der Lateinische Nähme mit Oräo verwandt seyn würde. Im Dänischen heißt dieser Vogel Zerre, im Nonv-eg. Zeigre,im Schweb. l^nZer, im'Engl« lsteron, im Franz. i^Ll ro^, welche eimchsder zu Zeer oder ar, hoch, gehöcen.oder auch vermittelstdcr nicht ullgewchnlichenVer- sstzung des r mit Reiger Eines Ursprunges find, wie das Ital. r!VZliirolis, ^Aiisrous und ^iroos. JneinigeuOberdentschen Gegenden heißt er- dem Henisch zu Folge, Aigel. Weil dieser Vogel das Gegessene wieder von sich speyet, so heißt er im Malabarischen Kokku, von k.rlrkum, sprven, welches mit unfecm koken, koyen und kacken verwandt ist, um welches Umstandes willen vcrmnthlich auch der Storch im Ägyptischen Ivuküpcka, im Arab. ^l-Roko, und im Latein. LiLoui^ heißt. Dre Rerherbettze, plur. die — n, das Bertzen der Reiher, d. i. eine Art der Jagd, da mail die Reiher voll abgecichteten Raubvögeln fangen läßt. Der Rerherbüsey, des—es, piur. die — busche, ein kleiner Federbusch von denjenigen langen Federn, welche dem Reiher über den Nacken herab hangen, und der im Oriente für eine besondere Zierde gehalten wird; der Rciherstug, wenn er bey gewissen Fey- erlichkeiten getragen wird. Der Rsihermeister, des—s, p!u.r. u t norn. 6a;;. an den Höfen, ein Vorgesetzter der Aeiherbeitze, und der dazu gehörigen untern Bedien Len. Das Rerheröhl, der—es, plur.iNus. in einem Mörser gestoßenes R iherfle-sch, welches man in einer Flasche verfaulen läßt, da es denn die Flüssigkeit eines Ohles bekommt, und von den Fischern und Fischdieben gebraucht wird, die Fische damit anzulocken. - Das Reihenspiel, des — es, pl ul-. die—e, eine Art des Kartenspieles, welches aus z6 Blättern bestehet, diemitThierbilöern und Rö nischen Zahlen bezeichnet sind. Der Reiherstanö, des—es,p:ur. die—stände, bey den Jägern, der Ort, wo sich ein Reihernbst ans einem Baume befindet, wo der Reiber seinen Grand, d. i. seinen gewöhnlichen Aufenthalt, hat. ^ Der T^eiherstutz/des —-es, plur. die — e, S.Reiherbusch« Der RechsHank, der—es, plur. cur. diejenige Einrichtung, da an einem Oxte Bier oder Wein von den Hansdefitzecn nach der Reihe geschenket wird. Der Reim, des — es, p!ur. dre — e, Diminut. das Veimchen, Dberd. Reimlein. i )Zwey oder mehr ähnlich klingendr: Wörter, und als ein Abstcacruln zuweilen auch der Gleichklangzweyer oder Mehrerer Wörter. Gram undckam find ein Reim, oder machen «inen Reim aus, weil sie ähnlich klingende Wörter sind. Lam ist ein Reim ans Gram. In engerer Bedeutung ist der Reim in der Dichtkunst der ähnliche Klang der letzrenSylbenzweyer oder rneh- rerer Verse, und das Wort, welches diesen ähnlichen Klang enthält. Ein männlicher Reim, wo in jedem Worte nur Eine Svlbe gleichklingend ist, zum Unterschiede von einem werblichen Reime, wenn zwey Sylben gleichklingend find. Im engstenVer- stande find es solche ähnlich klingendeWörter, wo auf einen gleich-- iantenden Selbstlaut gleiche Mirlantcr folgen und verschiedene , vorher gehen, nimm, Grimm^ fehlen, stehlen; zumUntctschiede Von den so genannten reichen Rennen, wenn auch gleiche Mitlauten vorher gehen, wie in daraus und Herairs, Rarosse und Rosse. Linen Reim auf das Worr chrott suchen, ein Wort, welches sich roF4 auf dasselbe reimt. 2) Zwey oder mehrere sich reimende Zerles- ein Vers ; nur noch im gemeinen Leben, oder doch nur von solche« gereimten Zeilen dieser Art, welche außer dem Reime nichts Dichterisches enthalten, dergleichen z. B. die so genannten Leberreime gemeiniglich zu seyn pflegen. z).Zn noch weiterer Bedeutung, ein gereimtes Gedicht, cs sey nun ein Lied, ein G.sang, oder ein anderes Gedicht, wo es im Singular nur noch in den gemeinerr Sprecharten einiger Gegenden üblich ist. Einen Reim m a Heu, ein Gedicht. Ein Zirtenreim, ein Hirtengedicht, ein Zelden- reim, ein Heldengedicht u. s. f. In der anstöndigern SprecharL pflegt manein Gedicht-auch danngvohl im Plural Reime zu nennen, wenn es außer den Reimen nichts oder weuigPoeüsches mehr -enthält. Anm. Schon im Oltsvied kirn, im Rieders.Riem, im Engl» Rinne, im Franz. Kims, im Ztal RirnL, im Pöbln. R^rn. Weil Rim bG demOlrfrieb und im Angels. auch eine Zahl bedeutet, so hlLuben Wachter und andere, daß mir dem heutigen Reim auf die abgemessene Zahl der Sylben eines Gedichtes gesehen werde. Allein, es ist wahrscheinlicher, daß dieBcdcntung derZahl und des Reimes uur Seitcnverwandte find. Reimen und Reim ist ursprünglich ein Wort, welches einen gewissen Schall nachghmet, und zwar einen Schall, welchen so wohl abgesungene Wörter und Gedanken, als auch mehrere in Bewegung begriffene Dinge Mächen, daher Reim so wohl ein Lied, ein Gedicht, gleich klingende Wörter, als auch ein« Zahl bedeutet. Auf ähnliche Art ist rechen auch eine Nachahmung eines Schalles, und dann in ftinemInckn- sivo rechnen, ein Ausdruck des Zählens. Im Griechischen ist ? .HM« sowohl ein Gedicht, als auch ein Wort, eine Rede, und ein Reim, und «HvZsLoL, eine Zahl, gehören Lu unser« reoen, und dem Oberd. reuen, rechnen. Das Rieders. Riem , der Schaum, und riemen, schäumen, gründet sich aufeinc ähnliche Dnomaropöie. Bey den Melstersängera heißt der Reim das Bundwort. l Reimen, verb. welches anfdoppelte Art gebraucht wird. 1. Als ein Neürrum, mir haben, einen ähnllchen oder gleiche« Klang haben ; wo es doch nur als einReciproenm gebraucht wird, r j Eigentlich; Ivo es aber nur von Wörtern üblich ist, deren Salben gleichlautend find, und in engerer Bedeuuma, deren gleichlautende Selbstlanrer hinten cinerley, vorn aber verschiedene Mnlau- ter in einem und eben demselben Worte haben. Mannaind kann reimvir sich. Bahn reimt sich nicht ans Mann. 2) Figürlich, sich schicken, einem andern Dinge gmiäss seyn; eine «lte Figur, irr welcher schon Ortfrixd Zirimen fär sich schicken gebraucht. Dem Narren reimt sich seine Ehre nicht, Spricht^. 26, 1; eine vepal»- tete Wortfügung, wofür man jetzt sagt, die Ehre reimt si ch nicht zu dem Narren. Oer Lappe vom neuen reimt stch' nicht auf das alte. Lue. z, 36. Eine Rede, so zur Unzeit geschiehet, reimt sich eben, wie ein Saitenspiel, wenn einer traurig ist, Sir. 22,6. Das reimtKch, wie eine Zaust aufs Auge, im gp- lueinen Leben, das schickt sich ans krincWeise znsamw.cn. Esmag sich reimen oder nicht. Zn drin ähnlichen überein stimmen lugt -eben dieselbe Figur zum Grunde, sowie in dem im gemeinen Leben üblichen klappen; das klappt nicht, reimt sich nicht,, schickt sich nicht; lauter vagr drm Schalle hergerumimenc Figuren. Siehe Ungereimt.. -. 2. Als ein Activum. >) Eigentlich, a) Ein Wort finde« oder gebrauchen,welches sich nur einem andern rrnm-t oder reim 'N soll. Opitz reimet Bahn aufNann. b) In weitcr.rv Bedcu- tnng, mit Reimen versehene Verse oder Gedichte machen; wo es doch nur von solchen Versen und Gedichten gebraucht wird, derer« vorzüglichstes Verdienst der Reim ist. Bav reimt den ganzen Tag. 2) Figürlich, den Zusammerchang zwischen zwey Dürgen entdeckelt. Rei ioLL R e i rntdecken.Das kann ich nicht zusammen reimen, ich kann nicht eruschen^wie sich bepdes zu einander schicke, oder was solches für erneu Zusammenhang mit dem andern habe. Daher das Reimen. Anm.Jm Niederf. rimen, im Französ. rimer, im Jtalian. rnnure. Im Tatran ist rimav zählen. S. Reim. , Der Reimer, des — s, plur. ut vom. livZ. Fämin. die Rei- merinn, eine Person, welche Reime, d. i. gereimte Verse, macht, rin Dichter, dessen größtes oder einziges dichterischesTalent iu den Reimen bestehet. Ein schlechter Reimer. S. Reimschmid. Aeimfre)?, adj. et adv. frey von Reimen, keine Nstme habend; reimlos, für das zweydeutige ungereimt. Ein reimfreyes Gedicht, welches keine Reime hat. Der Reimfüller, des —-s, xlur. ut vom. llax. ein zuerst von Lessing gebrauchtes Wort, ein Flickwort in einem Gedichte zu bezeichnen, welches bloß um des Reimes willen da ist. "DasReimyesetz, des —es, xlur.die—e, ein veraltetes, bcy Len altern Dichtern übliches Wort, eine Strophe in einem Ge. Lichte zu bezeichnen, welche auch wohl ein Reimsatz und ein Reimschluß genannt wurde; welche Ausdrücke aber gleichfalls ungewöhnlich find. Die Reimkunst/ plur. inus. die Kunst z« reinien, Reime zu finden; ingleichenderjenigeTheil der Dichtkunst, welchervon den Keimen handelt. Reimlos, adj. et adv. wie Reimfrey, S. dasselbe. DerReimricyter, des—L, piur. ut vom. lillZ. in den altern Anweisungen zur Reimkunst, derjenige Mitlaut, welcher vor der Reirnsylbe hergehet. In fehlen ist f und in stehlen st der Reim- richrer. Bey eben denselben heißt der Selbstlaut mit dem folgen» Leu Stücke der Sylke der Rcimsetzer, welcher iu laben und gra- den, aben ist. Der Reimsatz, des— es, plur. die —sätz?,S. Reimgesctz. Der Reimschlüss, des — sses, xlur. die—schlösse, siehe eben daselbst. DerReimschrniö, des—s, xlur. die—schmiede, ein Reimer, ein Dichter, dessen Arbeiten kein anderes poetisches Verdienst als die Reime haben. Logau gebraucht das ungewöhnlichereRei- menschmiedc: < , - Leser, daß du nicht gedenkst, daß ich in der Rei-. menschmide Immer etwa Tag vor Tag, sonst in gar nrArts mich ermüde. Der Reimsetzer, des— S,x1ur. ut vom. üng. Siehe Reim- ^ richtcr. DieReimsylbe, plur. die—n, diejenige Sylke eines Wortes, welche den Reim enthalt. x Der Reimwetzser, des — s, ^lur. ut vom. kvZ. Hey den Meistersängern, ein Vers oder eine Strophe, deren Zeilen nicht nach den Regeln der Kunst gereimet find. Das Reimroort, des—es, ^lur. die — Wörter, dasjenige Mort in einem Verse, welches den Reim enthalt. r. Der Rein, ei» Rand, die Gränze, S. Rain. L. Der Rein, ein Fluß, S. Rhein. Rein, — er, — este, astj. et adv. r. Eigentlich, glänzend, hell poliert; eine größten Theils veraltete Bedeutung, in welcher man doch noch sagt, der Spiegel ist nicht rein, wenn er nicht den Kchvriaen Glanz hat. s. In weiterer Bedeutung, von allem Schmutze srey. r) Eigentlich, im Gegensätze des unrein. Reine (unbe- schmutzte) Wäsche. Das Glas ist nicht rein. Die Wäsche ist nicht rein gewaschen. Ein'Glas rein ausspillen. Em rei- UeLHemd^ein weißes, Ein reines Bert. Ein reiner Teller. roz6 die Schuhe rein machen. Die Stube ist nicht rein gckehree. Den Mund, die Hände rein halten, von allem Schmutze frey. Reisten Mund halten, figürlich, verschwiege« scyn, im msttlern Lat. booum os irabers. Die Hände sind nicht rein. Sy > rein, wie ein frisch gefallener Schnee. Jngleichen als ein Hauptwort. Einen Entwurf, einen Auft satz in das Reine bringen, in das Reine schreiben, ihn sauber abschreiben, so daß er von Schmutz, von Ausbesserungen u.s.f.ftey sey. Einen Riß, eine Zeichnung in das Reine bringen. Figürlich ist eine Sache in das Reine oder auf das Reine bringen, sie in Ordnung, zur Richtigkeit bringen, sie berichtigen, vielleicht wäre die Sache aufEin Mahl ins Reine gebracht, Weiße. Freund, bringe mir zuerst aufs Reine, Daß in den neuen Welten Weine, Wie in der, die wir kennen, find, Lcss. wir sind noch nicht mit einander auf das Reine, zur Richtigkeit, wir find darin noch nicht einig. 2 ) Figürlich, a) Von einer schmutzigen, unangenehmen Krankheit frey; im Gegensätze des unrein. Wenn jemand von der Krätzcn.s. s. geheilet worden, so sagt man, er ftp wieder rein. Reines Vieh, reine Schaft, im Gegensätze des unreinen Viehes, oder des Gchmierviches, d.i. solcher Schaft, welche gewöhnlich mit der Kratze behaftet find, und daher geschmierrt werden Muffen, b) In denjenigen gottesdienstlichen Lehrbegriffcn, !v» man durch Anruhrnng ekelhafter oder dafür gehaltener und verbo» thener Dinge eine Art von moralischer oder gottesdienstlicher Am rüchtigkeit oderUne-rlichreit bekommt, ist rein von solchcrAnriich- tigkcit frey, im Gegensätze des unrein. In der Deutschen Bibel kommt es in diesem Verstände, so wie bey den heutigen Juden, Türken», s. s. häufig vor. c) Eßbar, was gegessen werden kann und darf; eine in der Deutschen Bibel sehr häufige Bedeutung, welche auch noch bey den heutigen Juden gangbar ist. Reine Thiere. Der Esel war unrein, d. i. nicht eßbar, ob er gleich bey denMern Juden ohne Bedenken zrmt Reiten u. s.f. gebraucht werden konnte, d) Von Fehlern und Jrrthümern frey. Ein reiner Grabstichel, bey den Kupferstechern, dessen Stiche rein, d.i. frey von allen Fehlern, sind. Line reine Stimme, in der Musik, welche jeden Ton deutlich und genau-, weder zu hoch noch zu-tief angibt. Das TIavier ist nicht rein gestimmt, hat keinen reinen Ton. Ein Wort rein aussprechen, ohne allen fehlerhaften Zusatz. Eine Sprache rein schreiben, ohne Fehler und Unrichtigkeiten. Reines Deutsch, reines Lateinisch schreiben. Die reine Schreibart. So fern diese Ausdrucke aber frey von fremdenWör- tern undWortfügungeu bedeuten, gehören sie zur folgenden dritten weitesten Bedeutung. Eine reine Lehre, in der Theologie, welche von allen Jrrthümern und Ketzerryon frey ist. In der Lehre nicht rein seyn. e) Von Verbrechen und Vergehungen frey; eine inder Deutschen Bibelsehr häufige Bedeutung. Ein reines Herz u. s. s. Eine reine Liebe, eine reine Wollust, welche von allem strafbaren Zusatze, von sinnlichen Begierden frey ist. Sich rein wrfsen, frey von einem Vergehen. Jemanden rein sprechen, für unschuldig erkläret«. Sich rein brennen, im gemeinen Leben, sich für unschuldig auszugeben suchen. Ein reines Gewissen, welches sich keines Verbrechens oder Vergehens bewußt ist. Er ist in dieser Sache nicht rein, nicht ohne Schuld. Iu der engsten Bedeutung ist rein frey von aller. Vergehung wider die Gesetze der Keuschheit, und darin gegründet. Reine Gedanken, keusche. Eine reine Jungfer, eine unbesteckte, in welcher R. A. der Gegensatz unrein nicht üblich ist. Ein reines Leben, ein reiner Wandel. , . . z. In noch weiterer Bedeutung, von allem Zusätze, und m etwas kktgcrm Verstaube, von allem geringer« Zusatze fttpz lin ro.57 Rei Rei »«28 Gegeissatze des unrein. Reines Wasser. Reiner wem. Jemanden rei-en Wein cinschenkcn, figürlich, ihm die Wahrheit ohne allen fremden Zusatz sagen. Die reine Wahrheit sagen. Reines Silber, reines Gold, welches mir kein.m'anderu Metalle vermengt ist, und weiches man auch feines Sicher und feines Gold nennet. Ein Edelstein ist nicht rein, wenn sich fremde Körper darin befinden. Einereine Luft. Eine reine Stimme. Ein reiner Bogen Papier, welcher noch unbeschrieben ist. Die Sii'tc rein streichen, bey den Huimachern, alles Wasser und über, stiissige Farbe aus den gefärbten Hüten heraus streichen. Reiner wetzen, reines Getreide, welches mit keinen fremden Körpern vermischt ist. Ingleichen in verschiedenen besonder» Fällen. Die reine Mathematik, iVlattislrs pura, welche die Größen nur überhaupt betrachtet, ohne Anwendung auf wirkliche Körper, zum Unterschiede von der angewandten. Die Straße rein halten, frey von allen verdächtigen Personen. So auch, sein Zaus rein halten. Es ist hier nicht rein, es gibt hier verdächtige Personen oder Sachen. Eine reine Fährte, bey den Jägern, eine unverletzte. Ein reines Jagen, eben daselbst, wenn lauter Wildbret von einevley Gattung gejaget wird. Einen 6und rein arbeiten, eben daselbst, aufeinerley Wildbret. Eine Aindinn rein belegen, eben daselbst, sie von einem Hunde gleicher Art befruchte» kaffen. Und so m andern Fällen mehr. 4. Im weitesten Verstände, von allen Gegenständen frey, leer; eine größten Thcils veraltete Bedeutung, in welcher noch das Nebenwort zuweilen vorkommt. Rein ausgehen, leer, d. i. nichts bekommen. Etwas häufiger mit Bezeichnung der abwesenden Sache. Rein von Sünden, von Fehlern; wo es aber vielmehr zur vorigen zweyten Bedeutung zu gehören scheinet. Eine Figur davon ist der im gemeinen Leben, besonders Niederdeutschlandes, übliche Gebrauch des Nebenwortes rein, da es für völlig, gänzlich, ganz, gebrauchtwird. Ganz Juda ist rein weggeführet, Jer. 13 , t 9. Rein aufessen, rein austrinken, alles rein wegtragen. Rein todt, völlig todt.^Rein nichts, im Niederst im geringste,! nichts, gar nichts. Rein ab. Zuweilen auch im Beyworte. Reine Arbeit machen, alles ausarbeiten. Anni. Bey dem Ulphilas mit dem Hauchlaute ürains, ksy dem - Kero üreia, bey dem Willeram rein, im Niederst rein, recn, im Schwed, reo, im Island, ürei n, im Angels, re in..^Wächter leitet cs von rinnen her, und stehet es als eine von dem Hellen, rinnenden Wasser entlehnte Figur an, welche freylich sehr hart und ungewöhnlich ist. Analogischer nimmtman das veraltete Zeitwort reinen, wovon wir noch das Jutcnfivum reinigen haben, als das Stammwort an, welches unter andern auch scheuern bedeutete, und mit dern Gricch. polieren, einerley ist, daher auch die Bedeutung des glänzend, poliert, welche auch im Schwedischen ehedem sehr gangbar war, als die eigentlichste angesehen werdcn^muß. Auf ähnliche Art gebrauchen die Niedcrsachsen fchrer, Schwed. Ikir, Angelst scir, für rein, welches zu scheuern gehöret. Mit einem andern Endlaute sagen die Niederdeutschen für rein auch reggen und reken, welches gleichfalls von regen und deiu Niederst raten, scheuern, fegen, abstanunet. Im Arabischen ist r^jaon gleichfalls reinigen. Wenn rein ehedem auch so viel als dünn, fein, bedeutete, welcherGebrauch noch in einigeuMund- arten üblich zu seyn scheinet, so gehöret es ohne Zweifel zu dem rutschen rahn, rahnig, und uuserm ring in geringe, siehe dieselben. ^'ie Reinblume, S. Rainblume. Der Reinere, des — n, plur. die— n. i) Cm männliche» aufnahmc, welcher besonders in Niederdeurschland üblich ist, wo er auchRriner, Reimer, kautet, und mitRcinhard, allem Ansehen ^^^6^lchbeoeuteud (B. Frisch, v. Rein, wo mehrere, besonders alte Formen dieses Rahmens Vorkommen. Er kann von dem vorigen rein, oder auch von dem veralteten rein, listig, verschmitzt, klug, abstammen, (S. die folgende dritte Bedeutung.) 2 ) Der Storch; doch nur in cinigenGegeuden. Hier gehöret es ohneZwei- fel zu dem Nahmen des nahe verwandten Reihers, der nur im Eudlaute verschieden ist, da eS denn zunächst von dem alten reinen, rühren, berühren, seichen, abstammen würde, weil der Storch, so wie derReiher, vermöge seiner langen Beine,Halses und Schnabels weit reinen oderrcichen kann. Z) Der Fuchs; doch nur als ein eigenchümlicher Nähme desselben, besonders in der Fabel. Reineke verwirrte sich In die ihm gelegten Stricke, Haged. Das alte ans dem Französischen übersetzte Gedicht, Reineke der Fuchs, ist bekannt genug. Bey den Jägern heißt der männliche Fuchs in engerer Bedeutung Reineke, zum Unterschiede von der Füchftnn. Das Franz. Renarc! ist ein allgemeiner Nähme des- Fuchses. Da alleThiere ihren Nahmen von einem besonders in dieSinne fallenden Umstande an denselben haben, so muß auch dieser Nähme einen ähnlichen Ursprung haben, ob sich gleich der Umstand, der hier zum Grunde liegt, nur errathen läßt. Sehr wahrscheinlich ist es, daß dieses Thier von seiner schon längst bekannten List benennet worden, da denn dieses Wort zu Rank und Ränke, oder wie Wachter will, zudem alten nordischen rein, listig, verschmitzt, gehören wurde. Im Schwedischen heißt der Fuchs mit einem andernEndlante kaftpud eben daselbst find ReiiurNänke; obgleich Ihre dieses Kak lieber von rapp, fahl, ableiten will. Indessen kann auch der Begriff der Geschwindigkeit, der in Ränke ohnehin zumGrunde liegt, unmittelbar zu djeserBenennung Anlaß gegeben haben, indem die Jäger in einigen Gegenden noch jetzt das Wort reinen für traben, doch nur von dem Fuchse und Wolfe, gebrauchen. Der Fuchs reiner, trabet. Im Holländischen heißt so wohl das Reh, als das Rennthier, Reü, Ke/oZer, und im Lappländischen ist AninZo eimThier überhaupt, rrtrd besonders ein mit Geweihen versehenes Thier. 1. Reinen, verb. reA. neutr. mit dem Hulfsworte haben, traben. S. das vorige, ingleichen Rennen. 2 . Reinen, verb.reg. sct. berühren, S. Rainen. Der Reinfall, S. Rheinfall. Der Reinfarn, S. Rainfarren. Der ReinstaHs, des—es, plur. ear. in der Handlung, eine Art reinen Flachses, welcher von Parva kommt. Reinhard, ein männlicher eigenchümlicher Nähme, S. Reineke t. Die Reinheit, S. Reinigkeit. Reinigen, verb. reß. act. rein machen, m allen Bedeutungen des Beywortes. Für glänzend machen, polieren kommt es noch mehr- mahls vor, noch häufiger aber von der Befreyung von dem Schmutze und den Flecken, da es denn ein allgenmuerAusdruck ist, welcher die besonder« Arten des Waschens, Scheuerns, Putzens, Kehrens u. s. s. unter fich begreift, und in d»r anständigenSprech. art oft statt dieser gebraucht wird. Die Wasche r-inigen. Das Rüchcngeschirr, die Glaser, ein Zimmer, die Feuermauer, die Schuhe, eine Wunde u. s. s. reinigen. Ingleichen mit Bezeichnung derjenigen Sache, welche weggeschaffet wird, vermittelst des Vorwortes vpn. Die Wunde von dem Eiter, die Bücher vom dem Staube, die Schuhe von dem Rothe u. s. s. reinigen. So auch in den figürlichen Bedeutungen, in welchen eS befiM-ers in derDeutschenBibel und der theologischenSchreibart sehr hünsig ist. Sich von einem verbrechen reinigen, auch, sich von dem Verdachte desselben befrcpen. Ingleichen in der dritten weitern Bedeutung, von allem fremden Zusatze, besonders von einigem Stringern Zusätze befrepen, wo cs wieder ein allgemeiner Ausdruck ist, der eine Menge besonderer Akten unter fich begreift, welche Kxx gemei- KM Rei zemeimglich ihre Lefondern Benennungen haben. Das Silber reinigen, durch Wegichassung aller fremden Metalle, es lärrrern, fem brennen. Ernen strissrgenÄorper reinigen, durch Durchstechen. Das Getreue reinigen, durch Sieben oder Rädern u.s.f. So auch die Reinigung, von der Handlung des Reinigens in allen Bedeutungen des Zeitwortes und des Beywortcs rein. Anm. DiesesZeitwoct ist vermittelst dcrAbleitungsftlöe —jg das Jntensivum von dem ipr Hochdeutschen längst veralteten reinen, rein machen, welches Hey allen alten Oberdeutschen Schriftsteller» von dem Kero an, noch sehr häufig gefunden wird. Schon bcpdcmUlphrlas lautet cs iir ui u)au. Mit einer andern Absei» Luttgssylde, welche gleichfalls einr Jntension bezeichnet, und mit vnfirm—senodcr —ze» überein kommt, ist dafür i:n Schweb, rsula, im Island, ürvinsts, im Engl. lo reute und rinte, im Franz.rrr.^Lr, und im Drktagu.rjacetlüblich. ^Das Arab. rs- jüoa bedeutet gleichfalls reinigen. Die RelNt§kert, plur.iuuf. der Zustand eines Dinges, da es rein ist, in allen Bedeutungen des BeyworteS. Die Reinigkeit der Hände, Ps. t 8, s i. Die leibliche Reinigkeit, Eör. 9, 1 z. Die Reinigkeit eines Zimmers, eines Gefäßes, der Sprache, der Schreibart, der Stimme u. s. f. Die. Reinigkeit lreben. Die jungfräuliche Reinigkeit, die Keuschheit. Die Reinigkeit her-Lehre, der Gedanken, des Herzens u. s. f. Die Reinigkeit einer Absicht, die Abwesenheit aller fremden und unrichtige» Nebenabsichten, die Lauterkeit. Anm. Es ist uach der Analogie von Frömmigkeit, Süßigkeit, Mattigkeit, Gerechtigkeit und vielen andern vermittelst der Nb» Leitungssylöe —Lg von rein gebildet. S.—Zeit. Das von einigen dafür versuchte Reinheit hat zwar, grammatisch betrachtet, nichts wider sich, aber doch den Mangel des Gebrauchs. Mit andern Aöteitungssylben, welche aber fo wie —keir gleichfalls Aöstractä Hilden, kommen statt dieses Wortes bey dem Kero und Ottfried die veralteten Lrreimj, keim, undbepdem letzter» ReiLlÜL und Reiorüo vor. Dre RsmiZung, —en, die Handlung hes Reinigens, (S. Reinigen.) Daher der Reinig,mgseid, in den Rechten, ein Eid, vermittelst dessen sich jemand vor, einem ihm Schuld gegebenen Verbrechen zu reinigen sucht; i?urZLroriuin. Kernike, S. Reineke. Die RemkrüUte, x!ur. die — n, in den Weinbergen, siehe Beerhake. Reinlich, — er,>— ste, aclj. et n6v. welches von dem Bey- und Nebenworte rein vermittelst der Ableitungssylbe —lich gebildet ist. >) Dem was rein ist, ähnlich; wo cs in manchenFällen für daS Bey- und Nebeuwort rein selbst gebraucht wird, doch wohl nur so fern es vom Schmutze defrcyet, im eigentlichsten Verstände brdeu» tet. Ein peinliches Zimmer. ReinlichesGeschirr. Das Geschirr reinlich halten. Sich reinlich halte», peinlich gekleidet gehen. Allein es scheinet vielmehr , daß e- in btefen und andern Arte» des Ausdruckes vielmehr zur folgenden Bedeutung gehöret, vnd rigrntlich in der Liebe zur Reinigkeit gegründet, bedeutet. Denn für rein schlechthin, wie in folgende» biblischen Stellen, ist es im Hochdeutschen ungewöhnlich. Du bist ein reinlich Siegel voller Weisheit, Ezcch. 23, r r. Der Skammelnhen Zunge wird fertig und reinlich reden, Es. 32,4. Laß fle ein reinlich Muster darsn (von dem Tempel) nehmen, Ezcch. 4z, ro. «) Der Reinigkeit brfiissen, in der zwepren eigentlichen Bedeut,m g desBeywortes rem, geneigt und Fertigkeit besitzenchallenSchmutz und Uurathwegzuschasssn, und in diefir Kefiimuua gegründet. Ihr SchmuE ist, daß sie reinlich ist, Sprichw. z r, sz. Ein peinlicher Mensch. Eine reinliche Äschinn. Reinlich mit etwas umgehen. Sich reinUch halten, immer beflissen fiyrr, Rei r 060 allen Schmutz von sich abzuwerrden. In seinen Sachen dein, lich sepn. Anm. ImMieders, m-nligk, in bcu gemeinen Hochdeutschen Mundarten mit cinem eingeschalteten k, welches dem n auch ordentlich u. a. m. nachschleichk, (S N.)rentlrch, oderrendlich. Die ReittliH-Lch, p!ur. cwr. das Abstraktum des vorigen, dje-Ei- ßenschaft, da eine Person oder Sache reinlich ist. Die Reinlich« koit eines Zimmers. Die Reinzveide, S. Rainweid^und Rheinweide. Der Or^rn, S.Re^st. Das Reis, des-i—es, ^lur. die—er, Pimin. das Rerschen^ Oberd. Reislein, ein jeder dünner, schwanker Zweig eines Bau» mes, wo dieses Wort auf doppelte Ari gebraucht wird, i) Als ein Collectivum und ohnsPlural, mehrere solche dünne Reiser zu. stammen; doch nur i» einigen Fällen. Oie Birken geben vieles Reis. Am häufigsten m den zusammen gefitzten Birkenreis, Be« senreis u. s. s. Ruthen von Birkenreis. 2) Von einzelnen dim- neu Zweigen dieser Art, welche irr gewisser Betrachtung auch Ru« then genannt werde». Da Paulus einen Haufen Reiser ;us«!N- men raffelte, (raffle,) Apostg. «8, z. Dürre Reiser. Birkenreifer. In engerer Bedeutung, ist das Reis eia junger dünner Zweig einesBaumes, besonders so lange er noch nicht älter als ein Jahr ist; ein Sprosse, S'prößling, Schuß, Schößling. Ein Reis in einen andern Gramm pfropfen. (S. Pfropfreis.) Zm Forstwesen und bcp den Jägern werden auch ganze junge Bäume, iugleichen dünne, lange Stangen, Reiser und in einigen Mundarten auch Reitel genannt. So sind die Laß- oder Hagcreiser, Laßrritcl, Bannreirel, junge Stamme Lauböolzes, welche man auf den Gehauen zum neuen Anwüchse stehen läßt / und bey. de« Jägern sind die Lappreiscr dünne Stangen, mit welchen die Lappen gestellet werden. Anni. Bey den Schwäbischen Dichtern Kis, im NiederstRieZ, im Hanrwv. Riepe, in der Schwei; mit vorgefitztem Gaumenlaute Rees, im Äugelst Uris, im Schwed. Ris, im Island. Urijs, im Irland. R.Ä8, im Finnland. Kilu, im Griech. , im mittler» Lat. Rauleum; im Breragnischen mit dem nahe verwandten t k^Mund klet- woraus zugleich die Verwandtschaft mit unserm Ruthe, dem Oberd. Reirel, dem Lat. knäius u. s. f. erhellet. Es stammet von dem alten noch im Oberdeutschen üblichen Zeit» worre risen her, welches mit unscrm reisen ein und eben dasselbe Wort ist, aber ursprünglich den Laut einer Bewegung nachahmet, und im weitesten Verstände eine Bewegung nach allen Richtunge» susdruckt; veemuthlich so feen das Reis aus^em Baume hervor wächst oder schießet, daher es auch Schuß und Schößling heißt, so wie das Lat. Lureujus von furZere abstauumt. Auf ähnliche Mn stammen Sprosse, Rebe, Ranke rr. s.m. von ähillichewZeil« Wörtern der Beweqnttg ab. Übrigens heißt ein Reis im Nieder« deutschen auch rill Unasen und eure Lade, welches letztere zu unsrem-Latte gehöret. Ä Reisen, Riese, Rieseln und Ruthe. Das Arisbund, des —- es, ^rlur. die—blinde, oder das Reis» Grindel, de» — y, plur. nt aorn. ürr^. Dimur. das Reisbiind- chen, Oösrd. Reisöimdlein, eia aus Rejftrn bestehendes Buüd oder Bündel, mehrere i» ein Bund zusammen gebundene Reifir; in eüuzen aemeinerl.Äprecharren eine Reiswelle oder Welle, mit einem Franz. Kunstworte eine Faschine, im Niedersächfische» Wase. Wask. ss Dre Aeifche, e'-n Korb zum Tragen, S. Reuse. Dre Reife, p!-ur. dw— n, von dem Zeitworre reifen. ». Ä» dess-n jetzt veralteten weitestenBi-dentulkg, da es unter andern auch ein gewisses Geschäft verr ichten ist, wird dieses Wort, 1) eigentlich noch m einigen Fällen als rin gewisses Maß gebraucht, so siel zu bezeichnen, als mau auf Ein Mahr vo» einer gewissen Art verrichtet. 1061 Aei §!ki io6s richtet. Go ist in ben Salzkothenzu Halle eine Reise H-ckle so DaK^Rs!sebüH, -es -—es, plur. die buche», i) Eine Nell »icl Sohle, als auf Ein MM aus dem Brunnen gezogen wird. sebeschreibung; doch am häufigsten nur im g.-mein m Leben. -) Ein Eine kleine Reise bestehet daselbst ans acht Eimern ; eine große Buck, welches verschiedene auf Reisen riöthige Ke.nutnisse u. s. f. aber aus zwölf Timern. Bey den Webern ist eine Reise Lem- rv-nd, Zeug u. s. f. cm Gewirk von dem Kamme an bis zu dem Baume, so viel nähmlich gewirket wird , ehe man den Baum umdrehet. Im gemeinen Leben ist es m dieffr Bedeutung noch in mehrerir Fallen üblich. In einem etwas andern Verstände ist die R ff eine Reise Röhren zu einer Wasserleitung; die Wasserreiff. s) Figürlich ist daher Reise im Niederdeutschen und den verwand« ten Sprechanen soviel wie das Hoch» und Oberdeutsche Mahl. K ne Reise, Ein Mahl, zrvey Reisen, zwcp Mahl u. s. s. Im Schwed, gleichfalls R ela. - , 2. In engerer und gewöhnlicherer Bedentliklg, der Zustand oder auch die Handlung, da man sich von einem Orte zu einem enr- ferntern begibt, i) Eigentlich, wo es, so wie das Zeitwort, .nur von der Begebung nach einem entlegenen und eutstrnkern Orte gebraucht wird, sie geschehe übrigens curfckclche Art sie wolle. Line Spazierrcise , Lustreise u. f f- die Abreise, äinveiw, Herreise, Rückreise, Durchreise, Tagereise ». s.^ff Eine Reise thuu, und im gemeinen Leben machen. Li e Rsiff nach Berlin machen. Eine Reise Vorhaben- Er n^Reiff-n'n stellen, an- treten, untern-hmen. Sich auf die Reise machen, sie antre- ten. wir hattest eine schlechte, eine gute, eine glückliche Reise. Glückliche Reise.' der gewöhnliche vertrauliche Glückwunsch an einen Abreiftnden. Nun geht die Reffe fort. Wo geht die Rriff hin f wo reisen sie'chin? Sich auf oie Reise begeben. A-nf der Reise feyn. Etwas mit auf die Reffe nehmen, von der Reise kommen. Seine Reise ffreftgen. Eine Reise zurück legen. Eine Reise zu §uße, zu Pferde, im Wagen, zu Wasser, zu Lande. Von einer wcitrn und langwierigen Reise ist auch der Plural, doch ohne Artikel, üblich. Auf Reffen gehen, in entlegene Länder reisen, um die Welt kennen zu lernen. Auf Rechen seyn. Er ist erst von Reisen gekommen. 2) In einigen Fälle» wird cs auch hier als ein Maß gebraucht, so viel zu bezeichnen , als mit einer Veränderung des Orr^s foltgeschajffL »erden kann. Eine Reise Steine, Äalk u. s. f. eine Fuhre. An der Elbe ist eine Reise 6 olz eine Schiffsladung, oder 40 gemeine Fuder. Z. In der engsten Bedeutung war es ebedem sehr üblick, einen Feldzug zu bezeichnen, in welch r Bedeutung es aber veraltet ist; im Schwabenspiegel Raffe. Daher war reisbar ehedem so viel als fähig in den Krieg zu ziehen, Reisner ein Reiter, und in weiterer Bedeutung ein Soldat, ein Nitreiser Gomm t-äo, Reisegeld der Soldatensold, der Reisewagen bk»- Packwagen «. s.s. SiehrFkisch v. Reise, und im folgenden 2 Reisig. Anm. Bey dem Ortfried Rolla, inl Nred, rs. gleichfalls Reise, im Schwed. Res«, im Island. ffeffa. S. Reisen. Der Reiser Acktür, des—es, plilr. die — täre, bev den Katholiken, ein gcwecheter beweglicher Altar, sich desselben auf Reifem zu bedienen. Dte Reise- 2 tpothe?e, plur. die—n, ein Vorrath von ben no-- thigsten Arzenkyen, welche man aufdcr Reise dey sich führet, und das Behältniß, worin sie sich bcsiaden, - Die Reiseheschreibung, p!ur. die—en, die Beschreibung einergethsnktt Reise. S., au § Reisebuch. Das Reisebett, des — es. p!ur. die — e, ein leichtesBettgestcll, wr.^-es man auf Reisen bep sich führet; das Zeldbett, so fern es in kwem F.rdzng?'mit stch geführc: wird. Das Relsebe». ?)lur. die— e«, hinAeZW würdr die darchn gehörige« 'Zedcrdctte« KP-.chkNl. G enthält. DabReisebünöel, des—'S, ^lur. ul. 00m. stvZ. die m ei» Bündel gebundenen Bedürfnisse, welche ein Reisender Ley sich führet. S. auchRänzel. Die Reise - Capelle, plur. dis — n, anbenkathylischeuHöffn, das Kirchengcräch, so fern es zum Gebrauche einer vornehme» Perffon auf Reisen dienet, da es denn in den Eapell - Rasten gepackt und auf demLaxell -wagen fortgeschaft wird. Reisefertitz, —er, -—ste, all), et aär. fertig zur Reift; im Rieders. wegfarig, weg-fertig. Der Reisefreunö, des —es, plur. die — r, derjenige, mit welchem man in freundschaftlicher Gesellschaft reiset; stehe ReisÄ gefähxte. Dre Reisesrohne, plur. die—n, Frohnen, welche dir Unterrha- nen dem Gutsherrn zum Behuffe einer Reise durch Vorspans u. s. f. leisten müssen. / . Der Reise - Kurier, des —s, plur. ud rioru. Kux. ein Furier, welcher die Herberge und VecpstrguuZ eines Hofes auf Reise» besorget. S. Kurier. DieReiseyebuhr, p!ur. iaull noch häufiger aberim Plural die Reifcgebühren, kvx.ioul'. dasjenige Geld, welches jemanden zur Vergütung der aufgcwandten Reisekosten bezahlet wird, z. B- einem Richter, Advocateu, Arzte u. s. f. Der RsisegefährLs, des—p!ur. die—-n, Fämin. d'? Reiffaefahrtinn, derjenige, welcher uns auf der Reift Schell- schüft leistet, mit uns einen und ebendenselben Weg reiset; der Relsefreund. ' . . DasReisegelö, des—es, p!ur. doch nur von mehrcru Summen, die— er, das zu einer Reift, zum Behuf derselben bestimmte Geld. Bey den H-ndwrrkcrn^und Künstlern ist cs basje- nige Geld, welches einem von einem fremden Orte verschrieb-nes Geftllen für die Rcisebczahlt wird, und welches bcp eil'.igcT! anch Las Lanfgeld genannt wird. So fern Reise ehedem den Feldzug bedeut-te, war Reisegeld vor diesem Heils der Sold der Soldaten; Heils auch dasjenige Geld, welches diejenigen llnterrhanen.welche aufgeschehenr Aufforderung nicht mir im Felde erschienen waren, alseine Straff entrichten mußten; Heils endlich auch dasjenige Geld, welches die U»tcrlhancn dem Landesherr« zum Behuf der K riegskost en geben mußten , und welches auch die Nriegssteuer^ die H-rrsteuer der Heerbann hieß. Das RerseFrräth, des — es, pffir. iüüs. dasjenige Serärh, ivelches man auf Reisen bey sich führet. Rechotsere cht, — es, — este, acjj. et aäv. ein nur bey den Jägern übliches Wort, wd rill reisegerechter Jäger derjenige ist, ' welcher die nölhi-w Geschicklichkeit m der Ja^ks kleinen Weid. Werks besitzet, welches auch feldgerecht genannt wird; zum ttmee- sch-ede von dem Hirsch- und holzgerecht. Siehe Gerecht und Recheiäger. LieRsisegesellfthaft, p!ur. die — en, diejenigett Personen, welche nnt einander in Gesellschaft reisen. D»'S Reffegut, des— es, 'p i u r. die — guter, in einigen Gegenden, cii, Gut, welches, auch wenn männliche Erben da find, wider die Gewohnheit der Lehngüter, auf weibliche Erbe.", fällt, von reisen, fick fort bewegen, in der wcitcficnBcd-viuug: Tochterlkhen. Der Reffehut, des —- es, xlur. die — hüte, ein Hut, dessen man sich auf einer Reift bedienet. L-er Reisejä'-er, des — s,ff.ur. ul 00m. llox. H Em Jsgrr, welcher eim n vorsHmen Herrn auf Reisen b:gleilek. >)Bü y den Jägern werden auch dirgeurcineu Zager, welche sich nur mit dem , Lxx s kletnen 1v6Z Rei Rei 1064 kleinen Weidtverke akgeben, Reifes ä'ger, genannt, wohin denn öle Feldjäger, Flug-oder Federfchützen, äiihner - oder Wachtel- fänger, Windheger und Otterfänger gehören; vermnthtich, weil sie zur Ausübung ihrer Kunst mehr reisen, d. t. in der > Ferne herum gehen müssen, als ein hirfchgerechter Jäger. Die Reisejäyerey, plur. die — en. r) Die Jagd des kleinen Wildbretes, und dicGefchicklichkeit dasselbe gehörig zu fangen und zu erlegen; ohne Plural. 2) Die sämmtlichen. dazu gehörigen Personen. Jngleichen in der ersten Bedeutung des vorigen Wortes, die sämmtlichen Jäger, welche einen vornehmen Herrn auf Reisen begleiten. Die Reisekappe, xlur. die — n, eine Kappe, deren man sich auf Ressen bedienet. Der Reisekasten, des — s, plur.ut nom. 6o§. ein Kasten, verschiedene Bedürfnisse darin auf Reisen bey sich zu führen; der Rei- fekoffer, ein solcher Koffer. , Das Reisekleid, des — es , p!ur. die — er, ein Kleid, wel- ches man nur auf der Reise, oder auf Reisen trägt. Die Reisekosten, linx. iauf. die zur Bestreitung einer Reise nö- thigen, durch dieselbe verursachten Kosten. Die Reiselust, plur. car. die Luft, d. i. sinnliches Verlangen, zu reisen. Reiselust haben. Jngleichen, das Reisen als eine Lust, sinnlichesHZergniigen, betrachtet. Der Reisemantel, des — s, plur. die — mäntel, ein Mantel, dessen man sich nur auf Reisen bedienet. Der Reisemarschall, des—es, p!ur. die—schalle, ein Marschall, welcher sein Amt nur aufder Reise, oder auf den Reisen seines Herrn verrichtet. An den Höfen hat Mair eine Menge Hof- bcdisnre dieser Art, wohin der Resseh ofbäckcr, Rciftmundschenk, Reisemnndkoch, RessehosCassier, Resschof-Ppofoß, und hundert andere mehr gehören. Reisen, verb. reZ. dessen heutiger Gebrauch nur noch ein kleiner Überrest seines ehemahligen Umfanges ist. Es kommt noch in dop. pelter Gestalt vor. r. Als ein Neutrum, welches das Hülfswortseyn bekommt, den Ort verändern, sich fortbewegen; doch am häufigsten nur von Menschen, wenn sie sich nach einem entfernten, entlegenen Ort bewegen, wo es seiner Natur nach ein allgemeiner Ausdruck ist, welcher die Art und Weise unbestimmt läßt. Zu Pferde, zu Fuss, im Wagen, zu Schiffe, zu Lande, zu Wasser reisen. In die Fremde reisen. Nach Frankreich, nach Spanien, nach Italien reisen; ehedem in. Nach Berlin, nach Dresden, nach Paris reifen; ehedem gen. Durch einen Ort reisen, über einen Ort reisen, seinen Weg durch denselben nehmen, auf der Reise durch denselben kommen, über Straßburg nach Paris reisen, über Land, über Feld reisen, von einem Orte zu dem nächsten andern. In seinen eigenen Angelegenheiten reisen. Ein Reisender, Welcher aufReisen ist, welcher reiset. Tag und Nacht reisen. Von Soldaten und Kriegsheeren ist dafür das ausländische marschiren und von großen Haufen anderer zugleich reisender Personen auch ziehen üblich. Jngleichen absolut?. Ein junger Mensch muß reisen. Zuweilen gebraucht man dieses Wort auch von Thiecen, wenn sie sich in einen entlegenen Ort begeben, und figürlich auch von Pflanzen. Gereisete Pflanzen, welche aus einem entlegenen Lande zu uns gekommen sind. Der Raum, welchen man durchreiset, wird in die vierte En- düng gesetzt. Des Tages sechs Meilen reisen. Etliche Meilen reisen. Welches auch mit den Hauptwörtern Weg und Straße Statt findet. Diesen weg bin ich noch nicht gereiset. Die Straße, welche wir reiferen. Einen andern Weg reisen. Wo auch die zweyte Endung gebraucht werden kann, nach dem Muster derOberdeutschen. Ich bin dieses Weges schon öfter gereiset. Aber von andern leblosen Körpern, für sich foctbewegen, oder fortbewcget werden, ist es im Hochdeutschen jetzt veraltet- obgleich noch Opitz singt: Man wird dich, Herr, mit Ehrfurcht preisen, weit Sonn und Monde sind, Und durch den runden äimmel reifen, Opitz Ps. 7, b. i. sich im Brcrse bewegen. Außer im Scherze. Es reist mancher Groschen m den WÜrzladen für Makulatur, Weiße. In dcr Wabl des Hnsfsworles sind die Deutschen nicht einig. Zwar wenn das Ziel ode ein anderer Umstand der Reise mit aus^ gedruckt ist, so wird ohneAusnahine daspiilfsivortseyn gebraucht. Er ist nach Frankreich gereiset, sie sind nach Paris gereiset,' wir waren auf kurze Zeit über Land gereiset. Nur wenn cs absolute stehet, gebrauchen viele haben. Ich habe oft gereiset 2 Cor. n, -6. Er har viel gereiset, Heinz. Allein das Hälft! wort seyn scheint auch hier richiigcr und analogischer zu ,Lyn, zu. mahl, da es hier noch weniger eigene Lhätigkeit mit ansdruckt, als in dem vorigen Falle. Er ist viel und weit gereist. Trispur istgereist Logau. Ein gereister Mann, der weit gereiset ist. 2. Als ein Activum, da es denn auch die vierte Endung erfordert; doch nur in Gestalt ei,ws Reciprvct. Wir haben uns ganz müde gereiset. Daher das Reisen. Dag Reisen ist nützlich. Anni. Im Niederfach fl scheu, wo es doch eben nicht häufig vorkommt, resen, im Schweb, rel'a. Im Persisch, ist kllülü einer, der viel gereisit ist, und im Chaldäischen kein, 8«a. ckiurn, (siehe Rast.) Da s nnd t in den Mundarten und Sprachen immer in einander tzbergehen, so sind reisen und reiten eigentlich ein und eben dasselbe Wort, obgleich das letztere jetzt eure sehr eingeschränkte Bedeutung hat. Hornegk gebcaucht reiten noch für reisen, und ch.dem war auch Reire für Reise üblich. (S. Reisig und Reiten.) Es ist ursprünglich ein Wort, welches den Schall einer gewissen Bewegung Nachahmer, und mit rasen, rauschen und andern dieser Art genau verwandt ist. Mit allerlep Vorlaut.,, stammen Breis, kreisen, preisen u. a. m. davon ab. Besonders bedeutete es ehedem eine Bewegung nach allen Richtungen, und zwar ») in die Höhe, wohin theils das alte Gothische reilnn, aufstehen, das Schwedische rsür, auftichten, Angelst rifun, urifun, Engl. to rile, urifö, Jml. rir-ars, Niederst risen, unser Reis, Riese, Gras u. s. f. gehören. 2) J„ dje Tieft; daher ist bey dem Notker r.l'un fallen, sinken. Angelst kr^lan, bey dem Ulphilas äriuturi, Niederst risen, und unser rieseln. (S. Rüste.) 2) In die Runde, wohin mit Vorgesetztem Gaumenlaute unser Breis, kraus, und mit dem gleichlautenden - auch Rad ge- höret. 4 ) In die Länge, in die Ferne, welche Bedeutung in unserm ressen noch übrig ist. Ottfried gebraucht re-laa auch für bringen, daher es bey ihm im Passvo auch so viel als kommen ist; 2,t wart tüo Zereilet, da kam die Zeit. Das Hebr. Musen, Griech.,^-»/», das Griech, fließend^ das Angelst Ritli, ein Lach, Franz, kuist^u, das Engl. to rufü, striezen, unser rasch, und hundert andere gehöre» gleichfalls dahin. Übrigens ist von diesem Antworte reißen düs Jntenfivum, wie ans dem verdoppelten Mitlae-ter er- , hellet, rieseln aber das Diminutivum. Siche auch Gerade» Gerachen, Rede, 1 Reiten, rechnen, u. s f. Die Reiserkohle, piur. die -- n, S. Grubcnkohle. -i Reisern, bey den Jägern, S. Reißern. ' Der Reiserock, des — e-s, plue. die — röcke, ein Zlock, welcher auf der Ätelft getragen wird. Der Reiseftr^, des—cs, plur. die—sacke, ein Sack, verschle- - dene Bedürfnisse darin auf der Reise bey sich zu führe,.; im '- Keirreme» io6L Rei gemeinen Leben ein Ranzel, im Oberd. ein watsa«L, sonst auch das Felleisen. So will ich, meinen Durst zu stillen Den Reiscsack mit solchen Fruchten füllen, Gell. DerReisestab, des—es, plur. die — stabe, ein Stab, so fern er aufeiner Reise zu Fuße dienet; der Wanderstab. Die Reisetasche, plu r. die — n, eine räumliche Lasche, welchr an einem Riemen über der Schulter hängt, allerley Bedürfnisse darin auf Reisen bry sich zu führen. Der Reisewayen, des — s, piur. Maorn. ÜNA. ein Wagen, dessen man sich auf Reisen bedienet; zum Unterschiede von einem Stadt- und Gkaatswagen. Das Reisholz, des — es, x>!ur. die — Holzer: l) Reiser, so fern sie als Holz oder statt des Holzes gebraucht werden, ohne Plural, Reisig, Reistghol;, Bundholz, so fern es m Bündel gebunden wird, Wafenholz , von Wase, ein Reisbund. Reis- Holz brennen, r) Holz, d. i. Arten Bäume, weiche Reiser tragen oder geben, dergleichen Neisholz z. B. die Birke ist; gleichfalls ohne Plural, z) Eine mit solchem Rcisholze bewachsene Gegend. Das Reisig, des — es, p!ur. die —e, von Reis, lurculus. i) Reiser, als ein Collectivum und ohne Plural, Neisholz. Reisig brennen. Bündel-von Reisig verfertigen. 2) Reisholz, in der zweytcn Bedeutung, d. i. Bäume und Standen, welche Reiser tragenoder geben, wo es so viel als Buschhol; ist, und dem Stammholze entgegen gesetzet wird; auch ohne Plural, z) Eine mit solchem Holze bewachsene Gegend; doch nur in einigen Provinzen. *Reisiy, 26). et ackv. welches von dem Zeitworte reifen abstam- met, aber im Hochdeutschen völlig veraltet ist. 1) Von reisen, in der heutigen Bedeutung, scheinet es in einigen Gegenden für reisend oder auch wohl reisefertig üblich zu ftyn. Wenigstens Hecht es bey dem Opitz Ps. r 07, 25: Die so sich hin und her Zu Schiffe reisig machen, Und handeln über Neer ; welches Luther übersetzet: die mit Schiffen auf dem Meer fuhren u rd trieben ihren Handel in großen wassern. 2) Von reisen, so fern es ehedem mit reiten gleichbedeutend war, bedeutete reisig vor diesem zur Re terep gehörig, beritten, und da war ein reisiger Anecht ei« Soldat zu Pferde, ein Reiter, und der reisige Zeug die Reiterey, d i e. Ca v aller ie. Da sie nun sahen, daß die Feinde hatten einen starken reisigen Zeug, » ^N-cc. 4, 7. Mit großem reisigen Zeug und Wagen, ^ ^ Dewreistge Zeug war getheilt in zwöen Zausen, Kap. 9, ii. A, Spangenb. Henueh. heißt es noch: 1532 verordnet- der Baiser den PfaUgraf Friedrich zum obersten Feldherren wider die Türken , Fürst Wilhelm von Henneberg zum Obersten über den reisigen Zeug, Dietrich Spether zum Feld - Marschall u. s. s. Wenn es aber Hohel. r, 9 heißt: ich gleiche dich, meine Freundinn, meinem rei- siZen Zeuge an den Wagen Pharao, so scheinet es die Pferde und das Geschirr zu b zeichnen, wo Reise, Feldzug, wovon rm Reiterpferd, welches im Kriege gebraucht wurde, ehedem auch «n reisiges Pferd hieß. S. das folgende. OerRerfrge, des — n, xrlur. die —n, das Hauptwort des vorjgdl Bcywortes, welches ehedem in einer doppelten Bedeutung uvlich war. i) Von Reise, der Feldzug, warder Reisige ehedem rrn irder Soldat; in welchem Verstaube cs doch nur selten vorkommt. 2) Von reisen, reiten, war der Reisige ehedem so vü-k w e em rerstgcr Anccht,ein Reiter, ein Soldat;» Pferde. Und Zogen mrr ihm hinauf Wagen und Reisigen, i Mos §0, 9. R t! 1066 Salomo hatte 40000 Wagenpferde und 12000 Reisige, 1 Korr. 4, 26. Gorgias nahm 3000 z» Fuß und 1000 Reisigen, »Macc.4, r. Mit3000 Reisigen und mit einM große r Fußvolk, Kap. 10, 17. In der höher» und dichterischen Schreib-' art konuüt es in diesem Verstände noch zuweilen vor. Mb alle Reisigen aus euren Festen, Ob eine neue Zelene Euch alle Prinzen aus Luteti'ens palasten Zu Feldherr» sendete, Raml. Anm. Jm Schwed. Kes, KestA unö KslenLr, Dan. Reinere; alle von reisen, so fern es mit reiten gleichbedeutend ist, von welchem Zeitworts allem Ansehen nach auch unser Roß abstammet. Zu den ehemahligen weitern Bedeutungen des Wortes reisen gehöret das Niederst reisig, resig, Holländ. reltZ, lang gewachsen, schlank, ingleichen fließend, locker. Ein reisiger Junge, ein schlanker. Einen reisigen -Leib haben, einen flüssigen Stuhlgang. S. Reisen Anm. Die Reiswelse, ptur. die—n,S. Reisbündel und Welle. Der Reiß, des—es, xlur. car. eine sehr weiße, halb durchsichtige und nahrhafte Getreideart, welche in den wärmer» Ländern in großer Menge gebauet wird; ingleichen die Pflanze, welche diese Frucht traget, und welche zu den Grasarten gehöret; Or^ra D. Sr scheint in Äthiopien einheimisch zu seyn, und erfordert einen nassen sumpfigen Boden. Anm. Im Niederst Rus, im Jtal. Kilo, im Franz. Ais, im Engl, l^ies, im Böhm. ke/rs, alle mit Wegwersung des ersten Vocals aus dem Griech. und Latein. Or^ra, welchen Vocal die Spanier noch in ihrem Rrror bepbehalten haben. Das Griech. Oryra stammet wieder aus den Morgenländern her, wo der Reiß im Arab. Rru? und im Malab. heißt. Daß aber auch in diesem Worte eine allgemeinere Bedeutung zum Grunde liege, erhellet aus dem Finnischen kl.ui8, und Ungar. k.os, welche Rocken, Korn, bedeuten, und dem Böhmischen Beyworte reru^, von Korn. Vielleicht ist reißen, so fernes ehedem überhaupt zerknirschen, mahlen, bedeutete, iS. Gries und Graus,) das Stammwort, denn im Malaba- rischen heißt nur der gestoßene Reiß, dergleichen der ist, welcher zu uns kommt, dagegen er, so lange er noch im Felde stehet, ?air, wenn er gedroschen, aber noch nicht gemahlen ist, Nelch, und wenn er gekocht ist, Zorn genannt wird. Auf der Insel Maoagaskar heißt der Reiß Waru, welches mit dem vorigen kair zu dem Hebräischen 12, Getreide, und Angelst 6ers, Gerste, zu gehören scheinet. D re Reißammer, xlur. die — n, eine Art Nord - Amerikanischer Ammern, welche erdfarbig ist, aber einen goldgelben Racken und eine weiße Bedeckung der Flügel hat, und sich gern in den Reißfel--, dern anfhält; Cmberira Larylioealrs Das Reißaus, lubü. iuckeel.xlur. car. von dem Verbo aus- reißen, nur in der im gemeinen Leben üblichen R. A. das Reißaus nehmen, flüchtig werden, davon laufen. Das Rrußbley, des — es, plur. car. von demZeitworte reißen, zeichnen, Ble» dessen man sich zum Reiße» bedienet, und welches eigentlich ein thpnartiger, leichter, abfärbender Glimmerist, der mit dem Blepe nichts als die schrvarzgraue Farbe gemein hat; wasseebley, Bleyfchweif. Die Blepßifte werden daraus verfertiget. - - ^ DasReißbret, des —es, plur.-die — er, ein glatt gehobeltes Beet, dasjenige Papier, worauf man reißen, d. i. zeichnen will, daraus auszilspanuen. Der Reißarep, des — es, p!ur. iüuk. ein von Reiß gekochter Brey; das Reißmuß. Rxx z Das 1067 Rei Das Reißbrot, des— es, plur. die—-e, aus Reist gedscherres Brot, so wohl absolute mrd vhnePlural, als auch vom ciuzclttvrr solchen Broten mit dem Plural. D ie Reißbrühe, piur. die—- n, eine Brühe, in welcher der Reiß der vormhmste Bcstandtheilist. Jngleichen die Brühe, d. i. das Wasser, von gekochtem Reiße. Die Rerßelbeere, piur. die—n, ein in einigen Gegenden für Preiselbeere übliches Wort, mit welchem es auch zu einem und eben demselben Stamme gehöret. S. dasselbe. Reißen, verb. irre§. ich reiße, du reißest, er reißet oder reißt; Jmperf. ich riß; Mitrelw. gerissen; Jmprrar. reiß. Ein Woi t, welches eine unmittelbare Nachahmung eines gewissen Schalles ist, »ich daher von so verschiedenen Dingen gebraucht wird, welche aber insgesammt von einem und eben demselben oder doch sehr ähnlichen Schalle begleitet werden; eine Anmerkung, welche man nothwendig voraus setzen muß, wenn mau nicht in Versuchung gerachm miss, verschiedene Bedeutungen dieses Wortes als Figuren von einander anzusehen, da sie doch nur neben sin. ander geordnet, nicht aber einander untergeordnet find. Der Form nach ist es das Jntenstvmn von reisen, wie schon aus dem verdoppelten Mitlauter erhellet,und da dieses ursprünglich in einem so weiten Umfange der Bcdeutnng und unter andern Mich von einer Bewegung nach allen Richtungen gebraucht wurde, so gilt dieses und zwar noch mehr^ auch von unserm Reißen. Es ist iu doppelter Gestalt üblich. I. Als ein Neutrum, welches das Hülfswort sepn erfordert. . r.' Mit einem dieftmWorte cigenrhümlichen Schalle plötzlich getrcnnet werden, welcher eigenthümljche Schall das Reißen von dem Brechen, Springen, Bersten, Platzen u. s.f. unterscheidet. Man gebraucht es besonders von solchen Körpern, deren zähe Theile durch eine allzu heftige Ausdehnung plötzlich getrennet werden. Ein Zaden, ein Strich, ein Bsnd, ein Draht u.s.f. reißen, wenn sie stärker ausgedchner werden, als cs der Zustnn- menhang ihrer Theile verstauet. Wenn alle Striche reißen, figürlich, wenn alle übrigen Hülfsmittcl pcrgebeus find, im höchsten Nothfalle. Der Zeug reißt, wenn der Zusammenhang seiner Theile plötzlich getrennet wird. Zn engerer Bedeutung lvird es such zuweilen von fester» Körpern, für das Neutrum spalten ge* braucht. Die Selsen zerrissen, Matth. 27,25. Der ErdbodM» «wißt vor Atze. Das Eis reißt. Die Tenne ist gerissen. S. Riß und das folgende Activum. s. Sich mit schncllerGewalt und dem diesem Zeitworte eigen- tbümlichen Laute fortbewegen, als dasZuLenstvum von reisen, und als ein naher Verwandter von brausen, rauschen, rasen u.s.f. Die Helden rissen sich ins Lager, 2 Sam. 2z, ,6. Ein reißender Strom, der sich mit schneller Gewalt fortbewegt, wo mehr auf die Geschwindigkeit feines Laufes, als auf die rhatige Wirkung des mit sich Reißens, gesehen wird. In vielen Oberdeutschen Gegenden wird reißend und-das im Hochdeutschen Aanz fremde reißicht,sü^schr schnell, gebraucht. Reißend oder reißrcht laufen. Dahin gehöret auch die Hochdeutsche A. A. eine Maare gehet ' reißend ab, d. i. sehr schnell, welche alle Sprachlehrer für mrrich- tigeeklärcn, wcildieWaarcnicht reißen könne; ein Beweis, daß ihnen dies r neutrale Gebrauch des Zeitwortes völlig unbekannt , gewesen. Die Zusammensetzungen ausreißen, in schneller Eile fsül>en,rind einxeißrn, haben diese Bedeutung der schnellen Bewegung auch noch. Das Reciprocum sich reißen, sich schnell fortbe- weaen, gehöret eigentlich zu der überein stimmigen ^Bedeutung des felgenden Acliri. Z. Iu wetterer Bedeutung, wüthen, toben, als ein Jnteir- sivrrm von rasen , sofern es ehedem auch reisen gelautet Hab?» n;aa. i) Eigentlich, wo es doch nur noch in einigen Fällen üblich Rei 1063 ' v .Mii e- ^^ ^ '-' ' , ist. dre Plage rk'ß unter die Israeliten, Ps. 106, 2 9. Der Wind reißt, tobt, brauset. 2) Figürlich, woeS besonders von cimm heftigen mitZjcheo verbundenenSchmerzen gebraucht wird' eine Bedeutung, welche völlig thätig ist, und daher auch habe,/ bekommt. Ern rerßendcr Schmerz. Das Reißen im Leib'' das Reißen in den Gliedern haben. Es reißt, öderes reißt mich in den Gedärmen, ich fiilrle einen tobenden Schmerz i„ derselben. Das Lmd bekam ein Reißen. Die reißende G-cht. 11 . Als eitt-llcrivum, wo es wiederum in mehr, rn rcesch.eds« neu Bedeutungen voekommt, welche abcriusgesammt Mit rixrllkp oder doch ähnlichem Laute begleitet sind. r. Mit schneller Gelvait trennen. 1) Durch eine plötzliche stärkere Ausdehnung, als der Z«, sammenhairg der Theile es „erstattet. Einen Zaden, einen Brief, lein Papier, ein Stuck Feutzes enkzwep re ßen. In Sr iicke rerßcn. Besonders in den Zusammen sttzunge», abre-ßen, duechreißen, zerreißen. Sich an kinem Nagel reißen sich die Haut cm demselben v°rwünden; zu welcher Bedeutung der gemalt, sauren Lrenmmg in die Länge auch das ire-re Intensivuin ritzen gehöret. Zedern reißen, oder schleißen, d--.' bäarigen Tvcile von den Kielen reißen; gerissene Zedern. Linen M:sserhäter m» glühenden Zm gen reif en, eigentlich ihm rnir glühenden Zange« Stücke Fleisch von dem Leibe reißen. 2) DurcH Spalten; eine nur in einige» Fällen üblicheBec Leutuvtz. Im Forst!resen und bey verschiedenenHolzarbeitcrn ist reißen so viel als spalten. Latten reißen, d. i. spalten; ge^'ssene Larcen, im Gegensätze der geschnittenen. Holz reißen, spalten. > S) Durch Schneide», Graben, Hauen, Pflügen u. s. f. (a) Eigentlich, wo es auch mir noch in einigen Fällen gebraucht wird. Einen Ochsen, einen Hengsten reißen, ihn castrirem flir schneiden. Ein gerissenes Zullen, ein castrirtes, geschüttenes. Einen Rarpfen reißen, in den Küchen, ihn der Länge lrsch üirf- schneiden. Den wein reiß,n, in Franken, im dritten Jahre alles über der Erde bestndlicheHolz an den jungen Wciustöcken abschneiden. Einen Baum reißen oder lachen, im Forstwesen, das Holz an deu Harzbäumen aufhauen, damit das Harz heraus stieße. Ihr sollt keinMahl an eurem Leibe reißen,ZMos.,9,28, durch Ritzen. Einen Acker reißen, aufreißen oder umreisten, einen wüst gelegenen Boden zum ersten Mahle pflügen, und ih« dadurch zum Acker machen. Im Wend. ist r)'ju, graben, und rielu schneiden, stechen, und im Bergbaus kommen ressm und röschen noch in ähnlichem Verstände vor, u gleichfalls schreiben. DasSchwedische rrkn bedeutet auch mahlen, und unser schreiben und mahlen gründen sich auf ähnliche Bewegungen. Isstzt gebraucht man das Wort reißen nur «sch in engerer Bedeutung von der Verfertigung solcher Figuren, welche man nur nach den Hauxtzügen verstellet, als zwuilich glcichbcden- tend mir zeichnen. Reißen lernen. Eine Bttrure reißen. S. auch Riß, iugleichcn Abreißen und Aufrißen, Re-Me)', Reißbrett Reißschiene. . . 2. Mtt schiullec Gewalt von seinem Orte bewegerr. Jemanden etwas aus der Hand, das Lind aus den Armen, den 1069 ^ Rei ^ritvom Rspfe, dm Ro«k vsn dem -keibe reißen. Sich die Haars aus dem R?pfe reifen. Der Wind riß mir denäut von dem Ropfe jcr reißt die Ziegel von den Dächcrm Einen Bra d aus dem §euex reißen. Der Wolf reißt das Schaf niede". Reißende Thiere. ein Nähme der großen vierfüßigen Raubthiere, weil sie ihren Raub zur Erde reißen; doch kann hiev auch die vorige erste Bedeutung Start finden, so daß reißen hier das Stammwort von dem mit dem Blaftlaute verstärkten fressen seyu würde, jemanden nicdeereißen, zu Boden reißen, ihn mit schneller Gewalt auf dieEede ziehe!!. Sich um etwas reißen, raufen. Es wird sich niemand darum reißen, eifrig darum bewerben. Etwas zu sich reißen, an sich reißen, auch figürlich, es mit unbefügter Gewalt m seinen Besitz bringen. Jemand aus seiner Noch reißen, ihn plötzlich von seiner Noth bcftepeu. Von elner^eidenschafc schnell dahin gerissen werden. Mich reiße nie, was mir gefällt, Unprrifend dahin, Weiße. Dahin denn auch das Aeciprocum sich reißen gehöret, sich mit schneller Gewalt fsrtbewegen. Sich aus jemandes Armen reißen. Lleanth muß sich überfüllen, um sich aus seiner Uncrn- KfindUchkclt zu reißen, Gell. Durch das GErauH reißt sich das Roß Mit starkem Ungestüm, Weiße. Wie rin Blitz sich vom hohen Olymp in die Helder - hinab reißt. So riß^yper sich auch unter demGftn hervor,Zach ar. G. auch Adreißen, Entreißen, Fortrrißen u. s. f. z. Mit lamer Stimme sagen, sprechen ; eilt- nur noch mit Len bepden Hauvtwörtern Possen und Zoten übliche Bedeutung. Possen reißen, Zoten reißen, Vorbringen. In einigen Oder. deutschmGegeudeu sagt mau auch Reime reißen, sie aus öemSte- Kereife hcrsagett, Einem einen Possen reißen, ihm einen Possen spielen. Es ist auch hier eine unmittelbare Nachahmung des mit der Stimme^oerbundeneir Schalles, sowie sprechen aufähnliche ' Art durch Vorfttzuug des Zischlautes aus drechcn gebildet ist. Das Lat. riäers, lachen, rdch'u«. das Lachen, das Oberdeutsche reiten, rechnen, unser Reden, preisen n. a. m. sind gleichfalls damit verwandt. Daher das Reißen anstatt des ungewöhnlichenReißung. Siehe tttch Riß. Anm. Im Niederst in den meisten der setzt gedachten Bedeutungen mir dein verwandten t riren, im Angls, h r L 6 dz u, im Griech s>»^, r-'ehen, rechen, K^cco'»'sj--; welche alle Autensioa rum , ziehen, uns rm Lareiu. mir Vorgesetztem e Lrulrers, Nieder s. treten, sind. Selbst in den morgsnländischen Sprächeit sind die Spuren von diesem Worte sehr häufig. Im Chald. ist rss.ax, und im Arab. rastr, rutLu, .reiß-n, im Neu- teo; im Hebe ist KLÜstm, im Plural, große Risse! im Arad. Zel's eine zerrissene Sache, im Per s. kis eins Wunde., und KrrÄ zermalmet. (S. Reiß, Graus und Gries.) Mit dem Vorlaute d ist 'fall'N Hebe, er hat zerrissen, und im Deutschen, fagre man ehedem brosten für bersten, brechen; mit dem Vorlaute g:st im Hchr. hauen, und unsere Bergleute sage;: noch tzreiße» für spalten. Anderer Verwandtschaften zu geschweige?;. Zu Anfänge dieses Wortes ist schon gesagt worden, Laß es eine nüm ttelöare Nachahmung d- s Schalles ist: Diesen Schall pssegt man, so ferm cp mit einer plötzlichenTrennuug desZ nsamme:> Hanges verbu»deu ist, im gemeinen Leben auch durch die Jnterjecrionen rltsch und ratsch, und s^spM bloß eine schnelle Geschivlndigkeit ausgobru-Lr werden soll, durch risch und rasch äuszUdrucken. Rekten , Nt-ders. riteir. ist das Jirte.'tfivnm von reisen, Rieders, r rden, so wie von dem erst?r« ritzen ein neues Jntensiouru ist, Rei ^ 1070 welches zunächst von dem Niederdeutschen y: l en, reißen, abstsm" met. Von reicen, dem reiseln arcderer Mundarten, Hecht das Intenfivum rer'gen. -. Der Reißer, -es — s, plur. utnom.fivF. Fämin.-reReiße- rmn, eine Person oder ein Ding, welches reißt; doch nur in einigen Zusammensetzungen. Ein Possenreißer, Zotenreißer. Ein ^emwandreißer ist an einigen Drten einLeinwandhändler, weil manche Arten Leinwand im einzelnenVerkaufe nicht geschnitten, sondern gerissen werden. (S. auch Altreißer.) Einen schlechten Wein, wölcherKvpfschmerzen verursacht, pflegt man imScher- ze anch wohl einen Ropfrelßer zu nennen. Bey den Maurern ist der Reißer oder vorreißcr derjenige Pinsel, womit die scharfen Linien zu den Einfassungen gerissen oder gezeichnet werden. Reißern, Verb. rsZ.nsutr. mitbemHülfsworte haben, welches nur öey den Jägern üblich ist, wo ein Jagdhund reißc-rt. weiuc er alle Gegenstände, welche ihm Vorkommen, beschnauseltooec beriecht. Die Reißfeder, p!ur. die — u, eine Feder zum Reißen, oder Zeichnen, welche von Stahl, Eisen oder Messing ist, scharfe Li:? len damit zrr ziehen. Auch die lange metallene an Heyden Seiten gespaltene Hülse, schwarze Kohle, Nörhol, Kreide u. s. s. zum Reißen oder Zeichnen darein zu befestigen, führet den Rahmen der Reißfeder. ^ ' Dcrs Reißfssh, -es—-es, ^lur. die—-er, ei» mit Reiß Oa, besäetesAeld. Das Rerßyölb, S. Rauschgold. Die RerßZerste, xiur. eLr. einNahme, welcher in der Laubwietb- schaft einer doppelten Art Gerste deygelcget wird, vermnthlich wegen einiger Ähnlichkeit mit dem Reiße. -) Der nackten Gerste, welche zu den Arten dcc kleinen Gerste gehöret, sechs Zeilen hat, aber in Hülsen ringeschlossen ist, dagegen di? eigentliche kleine Gerste keine Hülsen hat. 2) Der Bartgerste, welche kurze zwey- zeilige Ähren mit langen Grannen hat, aber sehr reichlich trägt; Horcieurn rsocrituur l-,. Der Reißhakerr, des —s, p! ur. ut NOTu. kuZ. ein Meißel der Schlösser, welcher dicker ist, als breit, dieZapfenlöcher damit auf- Zureißeu oder anfzuhaucn. Auch ein rnSestalt eines ssüchen/"g?. krulnuuec Meißel, die zu dcu Fischbändern in den Thnren vorge- bohrrcn Löcher damit auszupuye-r. Der ReißcttTNnr, des — es , silur. die—kämme, die gröbste Art-Kämme der Tuchmacher und Wollarbeiter, die Wolle damit aus dem Groben zu bearbeiten, welcher auch der Bdechkamm genannt wird. Der Reißke, des—m, plur. die — der besonders in Meiße» und Schlesien übliche Nähme einer Axr Blatterschwämme, welche einen Strunk und einen Hnthat, der anFarbe dem Hause einer Gartenschneckc gleicht, und eiMt safrangelben Saft enthält, wel, chrn er, wenn er angestochen wird, als Thronen fallen lLßt^ ^ZL- ricusäisiiciosus!^-. InBaiernheißt eräerbstliug,»veilerim' Herbste zum Vorschein kommt; inDsterreich Brätling oderBrick- Ling, weil er gebraten lv.'rd, und Förchling, weil er gern in den Harz-und Fichtenwäldern wächst; im Niederst Rote, weil man ihn in Butter zu röten, d. i. zu braten, pflegt, dahex er auch in eitrigen Hochdeutschen Gegenden Röchling, Rehling heißt. Der Nähme Reißke lautet im gemeinen Leben Reitzke, ReitzHer, Reit« scher Ritschke, Rietling u. s f. Er stammet allem Ansehen nach aus dem W'mdlschcn her, dem, im Böhmischen heißt dieser Schwamm 8/266, und im Pohln-schen ^./6 r. Der Reißröch, des — es, p!up. die — koche,vpn Noch, Bcry, in den Küchen, eia? ausgelaufen? 2 lrr Torten vsü Reiß. G.-Loch. Die Reißkohbe, piur. die---u. Koh-len von Werden, Haftl« v. st st ft fern sic zum Rc.ßcn oder Zeichne» dienan. Das Reißkraut, des — es , plur. ivuf. ein Nähme des Gliedoder Eisenkrautes; 8tsck/8 Annua^,. Die Reißlatte, plur. die—n, gerissene Latten, zum Unter schiede von den geschnittenen. Jngleichen im Holzhandel, ein Stamm Nadelholz 2 oEllen hoch, und 5 Zoll imDnrchmesser, woraus Latten gerissen, d. i. gespalten, werden können. Der Rerßlmg, des — es, plur. die — e, ein Nachtvogel mit weißen, schwarz punctir ten Flügeln; kUulaenL belulai iu l,. Birkenspanner, Birkenvogel, Birkcnmesser. Vielleicht von seinem Wohnorte, den Birkcnreisern. Der Reißmäher, des—s, plur. udvom. llvZ. eine Art Dickschnäbler auf der Zuscl Java mit einem blauen Rücken, welcher sich gern in den Reißfeldern aufhält; Loccotliraulies cueru- lescens ^ Das Reißmehl, des — es, plur. ivufi. aus Reiß gcmahlnes Mehl. Die Reißschiene, plur. die— n,eine Schieue, b. i. langes,dünnes, schmales Brct, Linien damit zu reißen. So pflegen die Maurer dasjenige Lineal, womit sic dieLinicu zu denEinfassungen vorreißen, die Reißschiene zu «enttcn. Bey den Ingenieuren, Baumeistern «.s.s. ist cs ein Lineal, dessen man sich auf dem Reißbrett bedienet. Das Reißstroh, des —es, plur. car. Stroh von ausgedroschenem Neiße. Der Reißvoyel, des—s, plur. die—Vogel, ein Nähme, welchen auch die Reißammer führet, S. dieses Wort. Das Reißzeug, deses, plur. die — e, ein Colleetivum, die zu mathematischen Nissen gehörigen und in einem Futteral befind» lichcnWcrkzeuge zu bezeichnet«; ein mathemathischcs Besteck. Der Reißzrrö'el, des—> s, plur. u r vom. 6vZ. ein Zirkel, dessen man sich zum Reißen bedienet, und woran der eine Fuß weg» genommen werden kann, um denselben durch eine Reißfeder zu ersetzen. ' - Die Reiste, plur. die—n, in der Land- und Hauswirthschaft, ein kleines Bund gehechelten Flachses, welches derb zusammen gedrehet, und von oben zugeschlüngen ist, welches in andern Ge- genden eine Raute, in Niedersachftn überfeine Rnocke heißt. Dreyßig Reisten machen geineini.qlich einen Rloben Flachs. In Niedersachftn hinzeze , wird so viel lockerer rmd ungcdrehetcr Flachs oder Hanf, als man auf Ein Mahl durch die Hechel reißet, eine Risse oder Riste genannt, Holland. Ujst, und da machen drey bis vier solcher Reisten ciueReiße oder Raute in der ersten Bedeutung. Im letztern Falle kann es füglich von reißen abstammen, im erster« aber scheinet es von dcmA>rgels.evrZeliat>,Engl.lo wrest, -ev real k, drehen, abznstammen, weil eine Reiste Flachs stark zusammen gedrehet wird. Dasrv ist i» den Englischen und Angel. sächfischenZeitwörrern ein bloßer müßrgerVorschlag. In manchen Gegenden hat man such das Verbum risten, den Hanfnach dem Dreschen in Reisten oder kleine Bündchen drehen. Die Reitbahn, plur. die—en, eine Bahn, d. i. langer ebener Platz, auf welchem so wohl Pferde zugeritten, als auch unerfahrne Personen im Reiten unterrichtet werden. Die Reite, plur. die — n, ein nur in Obersachsen und eitrigen Gegenden Oberdeutschlandcs üblichesWort, einen ebenen Platz zu bezeichnen, welches doch nur noch in dem zusammen gesetzten Zof- reite üblich ist, dcr Hoframn, der Hof bey einem Landgute. Es ist mit den folgendenWörlern ursprünalichEinesGeschlcchtes und hat den Begriff der Ausdehnung so wohl, in die Länge, als in die Breite. S. Raute, mgleichen Breit und, Bret, welche beydea letztern vermittelst des Vorlautes b davon abstammeu. Der Rertek, des—e, plur. m vom. 62Z. ein nur in einigen Gegenden üblichesWort, einen kurzen starkettStock,einenKimttkh Prügel zu bezeichnen,dergleichen z. D. derjenige ist, mit welchem die Srrickc um einen Ballen Maare zusammen gezogen werden der daher in einigen Gegenden auch der packreite!, das Rarei- schert heißt, Niederst wrerl. In einigem Oberdeutschen Gegenden werden die jungen gerade aufgeschossenewBänme gleichfalls Reitel genannt, da denn diejenigen jungen BättMe, welche man ans den Gehauen zur Fortpflanzung stehen läßt, jo wohl Bannreitel als L-rßreißerheißen. EsistmitRcrs, demLat.Ruckius, und andern dieser Art Eines Geschlechtes, indem der Begriff der Ansdch. nung in die Länge hier der herrschendeist. Das Stammwort ist reifen, in andern Mundarten reiten, so fernes sich in die Länge erstrecken bedeutet. S. auch 1 Reiter. 1. Reiten, vLrb.reZ.sot. welches nur im Oberdeutschen üblich ist, wo es für rechnen gebraucht wird. Daher ist daselbst die Reit oder Reirnng die Rechnung, die Reirrammer die Rechnungs- kammer, der Reitbeamte der Nechnnngsbeamtd, der Galzrei- ter, änttenreitcr, LNunzreiter n. s. s. derNechnnngsführeroder Cass er bey einem Sülzwerke, Hüttenwerke, einer Münze u. s. s. von welchen einige auch im Hochdeutschen üblich sind. S. 6,'itt tenreitex. Aum. Im Oberdeutschen wird es gemeiniglich mit dem dieser Mundart eigenen Doppellaute raiten geschrieben und gesprochen. So fern dieses und die folgenden Zeitwörter ipsgesammt Nachahmungen eines und eben desselben Schalles sind, sind sie auch Eines Ursprunges, ob sie gleich sehr verschiedene Dinge bezeichnen. Anten, rechnen, druckt zunächst den Schall des Redens, und in engerer Bedeutung des Zählens aus, «nd ist mit Rede und reden ursprünglich Ein Wort. Schon Onfried gebraucht rLltNH für zählen, und im Schweb, ist r^el a erklären. Eben so bedeutete das veraltete rechen ehedem so viel als das davon abgeleitete sprechen, und in dem Jirtcnstvo rechnen ccilnputare. (S. dasselbe.) So fern man aber ehedem das Rechnen durch gezogene Striche zn erleichtern pflegte, könnte reiten auch von dem vorigen Reit, Reitel, sofern es jede Ausdehnung in die Länge, folglich auch eine ^ Linie bedeutet, abstammen. Die letzte Sylbe in hundert, ehedem hundaret, ist ohne Zweifel aus diesem Rad, Ret entstanden, man mag es nirn durch eine Zahl oder durch einen Strich erklären. 2 . Retten, verb. reZ. sch. in Ordnung bringen, zu einer gewissen Absicht fertig und geschickt machen, welches aber für sich allein veraltet, und nur noch in dem zusammen gefitzten bereiten üblich ist, (S. dasselbe.) Es ist auch hier eine Orwmatopöie, welche entweder von dem mit dem Bereiten verbundenen Geräusche, oder auch von derGeschwindigkeit hergenommen ist, in welchem letzter» Falle cs zu dem Schweb, ruck. Niederst drad, geschwinde, hurtig, und zu nnserm Rad gehören würde. Bey dem Kcro ist^mreiü die Ordnung, im Wend. liigZ. Hierher gehöret auch das noch in einigen Gegenden, z. B. in dem Kloster St.Michael in Lüneburg, übliche Ansreiter, welches einen vornehmen Beamten bedeutet, welcher die Aufsicht über die Ökonomie des Klosters führet, und so viel als ein Schaffner oder Großkeller in andern Klöstern ist,welchen man sehr irrig mit einem Ausreiter von dem folgende» Zeitworte verwechseln würde. Z. Reiten, verd. irreZ. ich reite, du reitest, (reitst,) er reitet; Jmperst ich ritt; Conj. ritte; Mitteln», geritten ; Jmperat. reit. Es ist ursprünglich mit reisen ein und eben dasselbe Wort, indem s und r in den Mundarten beständig mir einander abwechseln, und war, so wie dieses, ehedem in eiuem weit größer» Umfang« der Bedeutung üblich, als jetzt. Besonders bedeutete, es ehedem, i. Bewegen, treiben, als eine unmittelbare Nachahmung des mit der Bewegung verbundene» Schalles. Allem Ansehen nach gehören zu dieser jetzt veralteten Bedeutung noch dir im gemeinen Leben üblichenRedensarten, -er Teufel reitet ihn, das ist, treibt ihn L07Z Rei ihn an, beweget ihn, alles Unglück reitet mich, treibt mich herum; wo die Figur von reiten, ec^uo vslli, seltsam und possierlich seyn wurde. In engerer Bedeutung ist reiten sich begatten, doch nur von einigen größer» Thieren, besonders in den Zusammensetzungen Reilhengü und Reitochs, (S. dieselben.) Von diesem reiten, so fern es bewegen, treiben, überhaupt Bedeutete, ist reitzen das Jntensirum, so wie rercern, rädern, für sieben, und rütteln die Feequentalivadavon sind, S. Zeigen. s-. Den Ort verändern, als ein N» mrum, wo es ehedem theils »on einer jeden Beränderuuz des Ortes, rheilKaber anch von der Begebung nach einem entftrntenOrte üblich war,und so wie reisen als ein allgemeiner Ausdruck gebraucht wurde, der die Art und Weise unbestimmt ließ, welche denn vermittelst des Vorwortes auf ausgedruckt wurde. Aus einem Magen, aufeinem Schiffe reiten, d. i. fahren. So bedeutet riwu bey dem Notker auf einem Wagen fahren, und Hornsgk gebraucht reiten so wohl für gehen, als für fahren und reisen. Daher istkeitu und (Breite bey dem Notker ein Wagen, Schwed, keici, welches mit demKftsäa, ein Wagen, der alten Gallier und Römer ein und eben dasselbe Wort ist. Opitz sagt mehrmahls von Gott, §r reite auf den Wolken, anfdenrHimmel; welches eine sehr unanständigeFigur seyn würde, wenn hier nicht die allgemeinere Bedcntnng Statt finden sollte. Jetzt ist es bis auf einige wenige Redensarten in diesem Verstände veraltet. So sagt man noch derMaulwurf durchreite das Land, wen« eres im Fortkricchen durchwühlet, die Motten durchreiten die Bücher, wenn sic sie im Fortgehen durchfressen, wo zugleich der Begriff der Länge mit eintritt. Wenn sich die Hunde auf dem Hkmcru fortbewegen, so sagt Mair gleichfalls, der Hund reite auf dem Arsche, wo wieder kein Reiten indem folgenden Verstands Statt findst. S. auch Rad nnd Reisen. 3. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, aufeincmThiere sitzend den Ort verändern; ans ähnliche Art ist fahren, welches ursprünglich auch eine jede schnelle Bewegung bezeichnet, zunächst auf die Veränderung des Ortes vermittelst eines Wagens eiu- geschränket worden. Es ist in dieser Bedeutung/» doppelter Gestalt üblich. i) Als e'n Neutrum. (a) Eigentlich, auf einem Thiere sitzend, besonders mit über dasselbe geschlagenen Beinen auf demselben sitzend, den Ort verändern. Das Thier, auf welchem inan sitzet, bekommt sehr häufig das Vorwort auf. Aufeinem Esel, aufeinem Pferde, aufeinem Hengste, aufeinem -Schimmelreiten. Doch gebraucht man in der anständft.el, Sprechart hier lieber das folgende Acti- vum mit der vierten Endung, ohne Vorwort. Einen Esel reiten, sich desselben zur Veränderung des Ortes bedienen. So auch, ein Pferd, einen Mengst, einen Schimmel, ein gutes Pferd reiten. Ich habe ein wildes Pferd geritten. So sagt schon Rotfer : cku ciitriu ros riteck, der du deine Rvsft reitest. Wenn reiten absolute stehet ohne Meldung des Thieres, so wird allemahldasjenigeThier darunter verstauben, dessen man sich in cinemLande gewöhnlich znm Reue» bedienet, welches m den Meistnt Ländern das Pferd ist. Reiten lernen. Nicht reiten können. Ein reitender Boche, ein Votbe z»« Pferde. Die reitende Post, wo unter dem Worte Post der Postillion verstanden . wird. Das Reiten nicht vertragen können. Gut reiten, schlecht reiten. Langsam, geschwinde reiten. Mir müssen morgen reiten, d i. von hier «breiten. (Ohne Sattek reiten. Mir jemanden in Gesellschaft reiten. Der Bediente ist fehl Zoritten. , , Der Oct, welcher das Ziel oder der Gegenfia »d des Reitens ist, wird dirrch allcrley Vorwörter ausgedruckt. Nach Leipzig, nach Berlin, nach 5'/attkreich, nach flaust peilen» Auf die Jagd, Adel.rp.B.Z.TH.-.Airsi. Rei 1074 Süf die Messe, auf das Land, auf das Dorf reiten. In die Stadt reiten. Um die Stadt reiten. Durch einen Wald, durchchas Wasser reiten. Jemanden entgegen reiten, über Zeld, über Land reiten. In einigen, doch wenigen Fällen, wird die Absicht des RcitenS mit dem Jnsinitivo eines andern Zeitwortes ausgedruckt. W ir sind gestern spazieren geritten. Die Truppen werden foura- giercn reiten. Schmarotzen reiten. Wenn es mit dem Zeitworte kommen verbunden wird, so stehet es nach dem Muster so vieler andern Zeitwörter dieser Art im Suvuw. Er kam geritten, für reitend; so wie mau auch sagt; gegangen, gefahren, gesprungen, geflogen, geschwommen m s. s kommen. In einigen Fällen wird ein oder der andere Umstand auch vermittelst der vierten Endung des Hauptwortes ausgedrnckr, ohne daß reiten dadurch zu einem Aetiso würde. Einen Trab, einen Galopp reiten. Wir find beständig einen Schritt geritten» Einen Weg zum ersten Wahle reiten. Diesen Weg bin ich noch nie geritten. Wo man auch »ach dem Vorgänge der Oberdeutschen in der zweyten Endung sagt, des Weges bin ich noch nie geritten. Er magsseine Straße (oder seiner Straße) reiten. Zehen Meilen in Einem Tage reiten. Wir stnd heute nur fünf Meilen geritten. Dieses Neutrum nimmt, so lange es ein eigentliches Neutrum ist, der Regel nach allcmahi das Hülfswort seyn zu sich. Nur derNiederdeutschen Mundart gewohnte Schciftst.llcr machen hier oft eine Ausnahme, weil man im Niederdeutschen mehrereNentru Mil haben zu verbinden pflegt, welche im Hoch und Oberdeutschen das seyn bekommen. DeineEselinn, daraufdu geritten hast, 4 Mos. 2.2, zo, für bist. Hab'ich von Jugend aus nicht auf wilden Pferden geritten ? Zachar. (b) In weiterer Bedeutung, nur übergeschlagenen Beinen aufeinem leblosen Dinge sitzend den Ort verändern. Aufeinem Stecken reiten, wie die Kinder. Ans einem Besen, aus en er Ofengabel nach dem Blocksberge reiten. Auf derWursi hcv um reiten, im gemeinen Leben, schmarotzen reiten, wofür man i» Niederfachfcn sagt, auf der Garbe reiten, (S. Wurst.) Auch ohne Veränderung des Ortes, bloß in Rücksicht euf die Art und Weise des Sitzens. Die Soldaten müssen zur S - ras? auf einem hölzernen Esel reiten. In dieser ganzen Bedeutung, bekomm, das Werkzeug, worauf man reitet, allemahl das Vorwort auf. 2) Als ein Activklm, welches folglich das Hälft worr haben erfordert, und auch im Passwo gebraucht werden kann, mir verschiedenen thätigenBeysätzcn und Nebenbedeutungen. Ein Pferd reiten, sich dessen zur Veränderung des Or-es bedienen. Linen Schimmel, einen flenxst, ein scheues pftnd, einen Lse! reiten. Das Pferd ist noch nie geritten worden. Die Post reiten, sich reitend von einem Orte zum andern bringen. Ein Pferd zu Tode reiten, cs müde, steif, lahm reiten. Ein p-erd in Las Wasser, in den Stall, in die Schwemme, auf die Meide, in die freye Lust reiten, eS auf ben, sei ben sitzend dahin bringen. Einpfcrd zusammen reiten, bep den Bereitern, cs dahin dringen, daß es, m't. seinen Thkileu wohl vereinigt, den Kopf senkrecht trage. Im gemeinen Leben bedeutet es an h es im Retten abmatren. Jemanden zu Boden reiten. Dahin auch die reei» prolcn R. A. gehören. S'ch müde renen, sich einen Wolf reiten, sich aus dem Athem reiten u. s. f. Einen Schriftsteller reiten, figürlich, im gemeine" Leben, ihn ausschreibe», A. postii- len-Reiter, in Postille. ' Dahcs das Reiten, S. auch Ritt. Anm. In dieser dritten e,igern Bedeutung schon bep demOtt- fried ritKir, im Nieders. riden, und mitAusstoßnug des d. rien, im Augels. rj Reuen. Der ReitroE, des — es, plur. die — rocke, ein bequemer Rock, welchen mau anleget, wenn man reitet. Der Reitsattel, des —s, plur. die — satteh einSattelzum Reiten ; zum Unterschiede von einem Zuhrmannssattel, Trageoder Saumsattel u. s. s. Der Reitfchamel, des—s, xlur.utnom.lroZ. in den Sagemühlen, dasjenige Gerüst, worauf der Sägcblock lieget; von reiten, sich bewegen, weil der Block auf demselben vorwärts ge- rücket wird. Die Reitscheide, plur. die — n, an den Pferdegeschirren, hoble lederne Scheiden, wodurch die Stränge oder Zugstricke gehen, damit sie die Pferde nicstt beschädigen; gleichfalls von reiten, hin und her bewegen, reiben. Der Reitschmid, des —s, plur. die —schmiede, ein Huf- fchmid, so fern er bey einem Kriegsherr^ die Pferde der Rciterey zu beschlagen und zu curiren hat, und welcher am gewöhnlichsten der Zahnenschmid genannt wird. Der Reitschoß, des — sses, plur. die — sse, ineinigenGcgen- ^ den, dasjenige Geld, welches die Leibeigenen dem Genndherren für die Erlaubniß zu herrschen bezahlen muffen; ohneZweifel von reiten, sich begatten, zumahl da dieses Geld in andern Gegenden ähnliche Nahmen führet. Die Reitschule, plur. die—n, eine Anstalt, wo Unterricht inr Reiten gegeben wird, ingleichen, wo Pferde zngeritten werden auch das dazu bestimmte Gebäude. Der Reitstall, des — es, plur. die — stalle, ein Stall, in welchem sich Reitpferde befinden. Jngleichrn, an Höfen, die sämmtlichcn zu einem solchen Stalle gehörigen Bedienten und Knechte. Der Reitstiefel, des — s, plur. ut vom. livZ. große starke Stiefeln mit steifen Stulpen zum Reiten. Der Rertstock, des—es, plur. die — stocke, bey den Drechslern, die bewegliche Docke auf der Drechselbank, welche in der R. nne hin und her geschoben wird; von retten, sich hin und her bewegen. D!e Reittäsche, plur.die— n, eine lederneTasche, allerley Be. dürsn-ffcim Reiten, oder airf dem Pferde darin bey sich zu sül'een. Die Reittenne, plru-. die—n. in dcr Landwiechschasr, eineTen- ne, auf wetcher das Getreide ansgeritten. d. i. von Ochsen oder Pferden ausgetreten wjrktt zum Unterschiede von einer Dreschtenne oder Schcnntenne, Von reiten, so fern es ehedem auch für gehen gebraucht worden, von weicher Bedeutung vermittelst des vor- gesetzten r m scr treten abstammet. 2)? 9 r. Der rv7§ K ei L-rReitvögt-»»-«s, plur. ric —-i„!z-„G-gm. -en, z. B. im Schleswigischen, ein obrigkeitlicher Beamter, welcher die landesherrlichen Einkünfte an einem Orte oder in einem Bezirke einnimmt und berechnet; 'entweder von reiten, rechnen, oder auch von reiten, ordnen, verwalten. Daher die Reitvogtey, der Bezirk eines solchen Vogtes. I^er ReitwUrm, des — cs, plur. die — würmer, S. Reitkröte. Der Reitz, des-7-es, plur. die — e, von dem Zeitworte reitzen, dasjenige an einem Dinge, was sinnliche Begierden in nns er. wecket, wo es doch nur in engerer Bedeutung üblich ist, von dem- Zeitigen, was einen lebhaften Grad angenehmer Empfind,! «geu in Ans hervor bringet, da denn Reitz ein stärkerer Grad der Anmnch ist; ingleichen subjective, diese angenehme Empfindung selbst. Die sanften Reitze des Landes. O Einbildung, ou hast alle Reitze der Wirklichkeit Las hatfür mich nicht mehr den Reitz der Neuheit. Len Reitz der Liebe suhlen, wo es snbjective die leb- hafte angenehme Empfindung selbst bedeutet. Inder engste» Be. Leutung,-asjenige an Personen, was einen lebhafte» Grad des stnnl'chen Vergnügens erreget, und nicht bloß i» der körperliches Schönheit bestehet. Schönheit ist nicht allemahl Reitz, und Re-tz findet sftnnch ohne Schönheit Start. Gemeine Liebhaber meft scn ibr? Beständigkeit nach der Lauer der Reitze ihrer Geliebten ab. Es ist ein mißliches Ling um unsere Reitze. Im Herbste deines-Lebens, wenn jeder Reitz verblühet. Ann-, Dieses Wort scheinet neuern UrsprnngeSzu seyv, wenig.' Oens kommt es bcy den ZlternSchriftstellern nicht vor, wie es denn auch in dem Frisch fehlet. Lessing erkläret Reitz durch Schönheit «n der Bewegung, welches nicht nur mit der engern Bedeutung «herein kommt, sondern auch der Abstammung gemäß ist, so fern reitzen das Intensiv,rm von reiten, bewegen, ist. Was man in Leu schönen Künsten mit einem ausländischen Worte Grazie nennet, ist auch nichts anders als Reitz in der enger» Sft-deutung, und-aus denAnmerkttttgeuz« den bepdenZeitwörterureitzen wird erhellen, daß da-Lat, Or-Alin selbst mit Reitz und reitzen Eines Geschlechtes ist, Ae-'tzbar, —- er, —-ste, ückj. st sä v. was sich reitzen läßt, doch nur m der weitern Bedeutung, was der Empfindungen oder finu- sichen Eindrücke fähig ist. Die Nerven find reitzbare Fibern. In noch weilerm Verstände gebraucht man es auch von solchen Thei. Len, welche der Empfindung fähig zu seyn scheinen. So nennt mandiejenigen Theite an manchen Pstanzen, welche sich bey de» geriufien Berührung zusammen ziehen, reitzbar. Dre.RettzbKr?ett,x» 1 ur. inus. diejenige Eigeuschafteines Dinges» da es reitzbar ist, * ^ r. Reitzen, verb. reg. «er. et neutr. welches im letzter« Falle das Hülfswort haben erfordert,, aber nur Noch bep den Jäger« üblich ist, wo es von dem Locken gewisser Thierst durch Nachahmung ihrer Stimme gebraucht wird. So reitzet man die. Hasen, die Fuchse, die Vögel u. s. s. wenn man ihre Stimme nachahmet, sie dadurch zu locken. Der Hase. der Fuchs läuft auf das Reitzen, wenn er Hieser -Stimme .folgt. Lnm. Mau könnte diese Bedeutung mit zu dem folgende» Zeit- Worte rechnen, wenn man nicht Beweise genug hätte, daß reitzen und -esse« Stammwort reiten, dessen Jntensivum es ist, (S. das folgende,) nuter andern Arten der Laute, auch gewisse Arten der menschlichen und chierischen Stimme nachclbme, und folglich als rin sehr naherVerwandter von reiten, rechnen,reden, rarben u.ff. angesehen werden muss. Vermittelst der gewöhnlichen Berwech, senum des s und t und gewisser Vorlaute gehören auch preisen, das Zak. Dank, unser grüßen und andere mehr hierher; denn Notker gebraucht reit-ou noch ausdrücklich für grüßen' tK. auch das folgende. kt LOK) r. Reitzen, vsrk.rsK. act. welches ursprünglich theils körperlich bewegen, theils aber anch ritzen, steche», u. s. s. bedeutet hat, i» welchem Verstände es aber veraltet ist, so daß es nur noch einige figürliche Bedeutungen übrig gelassen hät. ». Smpfiudttngen, sinnliche Eindrücke hervor bringen, die Nerven flnd FiberL, welche gereitzet werden können, der Reihung fähig flnd, (S. Reitzbar.) Besonders, lebhafte sinnliche Empfindungen hervor bringen. Was ist der flüchtige Ritzes, womit alle gekünstelte Gerichte die Zunge reitzen k 2. Durch BcwegungSgründez« einer Veränderung bestimme«, «ls das Jntensivirm von rachen; eine größten Thetis veraltete Bedeutung, in welcher man ehedem auch sagte, jemanden zu einer guten Handlung reitzen, für bewegen, bereden. Lasset uns unter einander unserer selbst wahrnehmen, mit rechen zur Liebe und guten Werken, Eör. 10, 24. A. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, durch Erregung lebhafter sinnlicher Brgicrden-zu etwas bewegen. 1) Überhaupt» mit dem Vorworte zu. Jemanden zum Forste, zum Böses reitzen. Sie reitzen durch Unzucht zur fleischlichen Lu«, 2 Perr 2, 18. Zur Liebe, zum Unwillen, zum Hasse reche». Zngleicheu absolute. Ein jeglicher wird versucht, wenn er vsu ferner eigenen bösenLufl gereitzet und gclocket wird, Jac. 1, > 4. Zuweilen, obgleich ftkrner, auch mit der vierten Endung drr Begierde, welche erreget wird. Jemandes Zorn, jemandes Liebe rechen. Wer den Zorn rechet, zwmger Hader heraus, ^prlchw.so, ZZ. s) In einigen cugrrn Bedeutungen, (a) Zum Zorne, zum Unwille« reißt«. Ahas rechete den Herrn, seiner Vater Gott, - Chron. - 8, -L. In noch engerer Bedeutung ist lemanden reitzen, ih« ohne Noth, bloß zum Vergnügen, zum Unwissen bewegen, fiir^ die niedriger« ucL'en, foppen u. s. s. (b) jEiiiea lebhaften Grad angenehmer Empfindungen erwecken. Wie sehr reitzet mich die gliche Einsamkeit des schattige« Waldes - Wo besonders das Mittelwort rechend üblich ist, welches denn auch bäufig passive gebraucht wird,in eiuem vorzüglichen Grade«mnruchig. Siethat es mit einem rechenden Anstande. Rertzende Schönheiten, eigentlich, welche Begierden zum Genüsse erwecken, in weiterer Bedeutung aber auch ohne diesen Ncbcnb»- Kriff, für sehr anmuthig. Wie rechend wird dir Freundschaft nrcyt, wenn fleßch zugleich aufNatur und ans Tugend grüti- -et.- Ge-,. Lie Gruft wird mir ein rechenderer Aufenthalt, «le d,e goldnen Zimmer des Pallastes, Weiße. Ein rechen- stuillt aus dem Umgänge unserer Mitgeschöpfh Daher die Reitzung,-S. solches hernach besonders. Anm« Bcy dem Notker in der ersten engern Bedeutung reitre«, den Schwäbischen Dichtern rsisssn. In der zweyttn enger« Bedeutung von der Erweckung angenehmer Empfindungen scheinet es erst in den neuern Zeiteo gangbar geworden zu seyn, da es denn zugleich die auffallende Bedeutung der sinnlichen Lust rer- lrcrct. Die Endsylbe — zen zeiget schon, daß dieses Wort ein In* tenfivnnl ist, dcss-n Stammwort re, ten ist, theils so fern es ehedem fielen, anficchen, ritzen» theils aber auch, so fern es bewegen, an- trei en bedeutet hat, in welchem Verstände es noch in der niedrige« A. A. d-r Tektfel reitet ihn, vorkom-mt. In einem alten Niederdeutschen Gcdjchte in Leibnißens Scriptor. Lrunsu. heißt es noch, nach dem Frisch: Hierunter öme der hilghe Geist reit, dak u. ft ft hierin bewog ihn der heilige Geist. Im Schweb, ist auch noch das eimache Zeitwort re.'u, zum Zorne reißen, üblich, rvel- , che» auch in dem -ial. irrit.l^e zum Grunde liegt. Dir Eriche« hcwen beyde, , nnl Mit dem müßigeu, hoch- fien» rntenstveu ^-.rumensante geörauchl Notker auch sruorre« fürrelßen, und die Niedersachseiz sagte« in eben dieser Bedeutung ehedkS - ft oHedem grellen. DäS Latein. OrLtise, Grazien, gMrsiglerch- falls zue enger« Bedeutung der Anmurh, so wie schon im Arab. . gefällig, K/22, und im Hebe. Kara, Wohlgefallen ist. DerReitzke, eine Art Schwamme, G. Rcißke. Aertzlos, — er, — oste, scij. st ackv. des Reitzes yder der Reitze beraubt. Ein reitzlosex Der. Das reigloscste Gesicht. Daher dleReitzloftgkeit.' Der Reitzuy. des — es, plur^inus. ein Wort, welches man nur von einer Art eines gedehnte«, lang gezogenenSchlages desIiuke» gebraucht. Günther Straus nennt ihn in einem kleinen Gedichte von 1Z39 denReitherzn : der Link da sang sein Reither;«. Die ReitzUNg, plur. die — en, von dem Zemvocte ritzen. ,) Die Handlung des Reitzens; ohne Plural. 2) Dasjenige an einer Person oder Sache, was da rpitzet, in allen Bedeutungen des Zeitwortes. Der Herr war erzürnet arm alle der Reitznng willen, damit ihn Manajse gcrcitzet hatte, r Äon. 2z, 26. Auch ,in derzweyte« enger« Bedeutung, wieReitz; wo cs doch nur rin Mural für Reitze üblich ist. Deine Reihungen sind groß genug, einen unbeständigen Liebling getreu und beständig zu machen, D u sch.^ Ein aufblühendes Mädchen, das ihrer Reitzungen Bild ist, Zachar. ' 4 Wo doch Reitze edler sind. Im Siugnlar ift es i» dieser Bedeutung völlig ungewöhnlich, obgleich Hagedorn saug: Die Reihung freyer Felder Beschämt der Gärten Pracht. Reitzvoll, >— er, — este, aclj. et nck v. voll Reitz. Die Vers gnugungen des Verstandes blechen sich se> reihvoll nicht an, Zrmmerm. Die Reke,plur. die —n, ein wohl nur in der Mark Branden» LnrKüblichesWort, welches nur vvn der Leinwand gebraucht wird, und eine Zahl von 12, an manchen Drten auch von 16 Ellm bedeutet. Em Stück Leinwand hat fünf Reken, d. i. 60 Ellen. Vermnthlich luit 'dcm folgende» aus Einer Quelle. «. DerRereb, des — s, plur. ioust. ein Colleclivum, eingesal- zcne nud getrocknete lange Streifen, welche aus der Haut und dem Fette «stner Art Schollen, t^ippoxloll'us ll,. geschnitten werben. -(S. Raff,) welches die auf ähnliche Art zubereitctcu Floßfe- drrn sind. Es ist mit de« folgenden Eines Geschlechtes, doch so, daß hier bloß die Ausdehnung in die Länge zum Grunde liegt. Der Aekcl bestehet aus langen schmalen Streifen, und wird in einigen Gegenden auch Rekling genannt. K. Der R?kel, des — s, plur. uk vom. ffnA. em nur in den rnedrigen Sprecharten übliches Wort, welches neben dem Begriff der Größe zugleich den Begriffdrr Plumpheit, Grobheit usd Ver- Achtllchkcit hat. 1) Ein großer Hund, im verächtlichen Verstände. Em Bau-rrckel, ein solcher Bauerhrmd. Ls iß ein Rekel von einem Sunde. 2) Ein großer, grober, ungeschickter Mensch, im verächtlichsten Verstände und nur in de» niedrigsten Sprccharten, wo ancy d N' Wörter sich rekeln, sich auf eine äußerst ungestttrte Urt ausdchnen, auflegerr, Rekclrp grobes ungesittetLs Betra- Scn, rekelhaft einem R ekel ähnlich u. s. f. bedeuten. Anm. Am Schwed, in der letztenBedentnirg gleichfalls Rükel. Die Splbo—-el,».st die Ableitungssilbe, welche hier ein Ding,. ecn L^rbjcct, in andern Wörtern aber ein Werkzeug bedeutet. Die erste GplbeRck gehöret zu dem alten Reck, Riese, recken, sich' dehnen. J,n Fxanz. ist knia^Lille nledrigeL Pöbel im veracht, rchst. N verstände. Zn der ersten BedeuruuK eines großen Hundes, aun cs auch ein und En dasselbe Wert mit 2 REex, ein Hund im verächtlichen Verstände, stwn, S. dasselbe. >, Dre ^c^rgiön, plur. die—en,an» dem Lat. Religio , ««d Ließ von t-L^gnrv, bmdeu. ^ i Rei - r. In der Weltesten Bedeutung, in Lvekchek es im Lateinischs» mehrere Arten von Verbindlichkeit bedeutet, welche aber im Deutschen nicht gangbar sind. Doch gehöret dahin die in der Römische« Kirche üblicheBedektung, wo die kirchlichen Qrdenzuweilen Religionen genannt werden, welcher Gebrauch doch auch im Lateinische» und Italienischen Erblichsten ist. Indessen pstegt men den Mallheserorden in Deutschen Schriften wohl auch zuweilen die Religion von Naltha zu nennen, wo es einen durch gewisse Regel» und Gesetze eingeschränkten Stand bedeutet. Daher stammet dasauch im Deutschen übliche der Religiöse, eine Qrdensperson, statt des niedriger» Mönch. 2. Zn engerer Bedeutung , dasjenige, was die Menschen so wohl unter einander als auch zugleich mir Gottverbindet; wo es in doppelter Bedeutung gebraucht wird, i) Qbjecrive, die Art und Weise der Verehrung Gottes, der auf gewisse Wahrheiten von Gokt gegründeteDienst desselben. Die heidnische, die indische, die Muhomcdanische, die christliche Religion, welche man die vier Haupt - Religionen z» neonen pflegt. Auch besondere Arten dieser Haupt-Religionen bekommen zuweilen den Nahmen der Religion. Die katholische, dieLuehcrische- die reformirte Religion. von seiner Religion abfallen. Die Religion ändern. Einerley Religion haben. Sich zu keiner Religion bekennen. Eine andere Religion annehmen. Die wahre Religion, im Gegensätze einer falschen. Die natürliche Religion, im Gegensätze der geoffcnbarten. In engerer Bedeutung verstehet man unter der Religion schlechthin sft die geoffeubarte cöristlicheReligion. Man hat der Moral der Religion den Vorwurf gemacht, daß sie die Freundschaft nicht gLbierhe, Gell. 2) Subjektive, die dieser Art und Weise der Verehrung Gottes gemäße Gesinnung, das darin gegründete Verhalten ; ohne Plural und nur in einigen ^ R. A. Ein Mann ohne Religion, der sich zu keiner Religion bekennet, der sich von der Wahrheit keiner Religion überzeuge» kann. Viel Religion haben , die Religion, zu welcher man sich bekennet, eifrig ausühcn. Anm. Ehe rndn dieses Wort aus dem Lat. entlehnte, hatte man andere jetzt veraltete Ausdrücke, dieReligion zu bezeichnen Raban ManrnS nennet sie LÜLkti, vnd Notker Pttulli, von L, -das Gesetz, und haften, halten, verbinden; Notker lVoluuZ-a, und einer der Schwäbischen Dichter 6ockes RslN. Die Rellgions - Beschwerde, plur. die—n. t) Die Beschwerde oder Klage über gekränkte oder gehinderte Ausübnng der Religion. 2) Beschwerden oder Bedrückungen anderer um der 'Religion willen, und in deren Ausübung; öie Religions-Bedruckung. -. Das Relitziöns-Eöict, des —er, plur. die — e, ein die Religion betrefftndesEdict; in engerer Bedeutung, ein Edict, worin die Religion eines Landes bestimmt und ftsttzesetzet wird. Dar Reli^ions - Pitz, des— es, plur. die — e, ein Eidsver- mittelst dessen man sichzu einer Religion bekennet, sich dieselbe zu lehren und zu behaupten verbindet. Der ReltFtons - Eiser, des— s, plur. car. der Eiser in seiner Religion und für dieftlbe, ein starker und thätigertSifer, sich allem dem zn 'widersetzen, was der Religion, zu welcher man sich bekeir- «et, entgegen ist. Die ReltFtons-FrezcheiL, plur. lauf, die Freiheit sich zu einer Skeligiöuzs bekennen, zu welcher «an will. Zn engerer Bedeu- tnug, die Freyheit, dse Religion, zu welcher man sich bekenne^ öffentlich anszuübe». Der Religions-Friede, des — ns, plur. die—n, in den» Deutschen SraLtscechte, eia Friedensschluss oder Vertrag zwckcß-m dem Kaiser und den Ständen, worin die innere Ruhe im Reiche j» Ansehung der Religion festgesetzt wird; im Gegensätze des App - Profan profan Friedens- B'sonders ist der zu Au^bnrg iur Jahre »5ZL zwiichi n öeui kälholischeu und protrilünft ch-u Reichr'theile errichtete B-^crag Vieser Art «ulter diesem Nah-mn bekannt. Die RrltFtonö-Ges'ällsft-^ft, .pl -r. die—en, S. Rciigionö- partey. Der ReUtzionö-RereF, des— es, plur. die — es ein Krieg, welcher nur der Religion w.llttr gftühret wird. Die Refttzthns pirrtsy, p!ur. dw— en, eine Partey, d. r. ein Theil einer K cche, welcher in den Grundwahrheiten und dem dara-:f gegründeten Tattesdier.ste von irr selben unterschieden ist, und mit den übrigen in keiner Kirch- naemeittschüft stchct Sv sind die Katholisch-n, Lutheraner und Reformirlen RcligionZ-p irreren in d r christlichen Kirche. Leerrfft die Abweichung niw den Gottesdienst oder keine Grundwahrheiten, so pflegt inan sie eine V Rel-gions Gesellschaft zn nennen. So sind die Heere,chmher keine Religions Parrep, sondern nur eine Religions - Gesellschaft. Der Relirftons-Soötter, des—s, plur. ut ooin. üns;. Fä- min. die ReIlgftnS'Spottei.'lnn, eine Person, welche über eine Religion spottet; in engerer Bedeutung, theils welcher der Religion spottet, zu welcher er sich äußerlich bekennet, theils der aller Verehrung Gc-ttcs spottet. Daherhie Religions.Gpotterey. Der Reli^ions-Streit, des — es, plur. die — e, ein Streit in der Religion oder um derselben willen; die Religions-Streitigkeit. Die Religions sjblr?»F, plur. die — en. i) Die freve Ausübung der Religion, zu welcher man sich bekennet, der gemeinschaftliche Gottesdienst; ohne Plural. 2 ) Die Ausübung der Vorschriften eiilerRttiglon in einigen Fällen. Der Religions-Verwandte, des — n, plur. die—n,derjenige, welcher sich mit dem andern zu einer und eben derselben Religion bekennet. Der Religions-Zwang, des—es, plur. inus. der Zwang in der Ausübung der Religion; im Gegensätze der Religions- Freiheit. Religiös, —er,—este, ackj. et acl v. von dem Lat. reliAlolus, Ferligkeit besitzend, die zur Religion gehörigen Übungen öey sich' und andern zu unterhalten, und darin gegründet. Daher die Religiosität, piur.iuul'. die Fertigkeit selbst. Der Religiöse, des — n, plur. die — n, S. Religion Die Rolle, plur. die—n, «peinigen, besonders Oberdeutschen Gegen-en, ein Rahme der Haselmaus, (S. dieses Wocr,) wo dieselbe auch wohlRellmaus, (Holländ.Relitnu^s,)und nttt Vorgesetztem GaumcnlanteGrcul genannt wird. Der Remel, des —s, piur. ut uorn.lio^. ein nur in einigen gemeinen Mundarten übliches Wort. Am Oberdeutschen wird ein ruttörsst-ches, dickes Stück Holz, besonders ein solches mit einem Äste versrhettcSStllckBrettnho!z.welcher daher nichr kleiner gespalten werden kann, ein Remel genannt. Im Bremischen ist Remel ein Bündel Flachs von zwanzig Pfund, ein Stein; in Mecklenburg eine Reche Bäume; im Oldcnburg'schen aber werden die von der Pflugschar aufgeworfenen Erdschollen Remel genannt. Man sicher reicht, daß hier die Ausdehnung, besonders irr die Dicke, zum Grunde liest. In ander« Fällen sticht derBegriffderÄu-dchnutig ^ der Länge allein vor, und dann ist es nur Rahmen, R iemen, dem Lar. ll nur u n, dem Ooerd. Tram, eine Balte, Eines Geschlechtes. Zn einigen Niederdeutschen Gegenden ist daher Remel oder Ramel, nu Hauuüs.Remsche, auch eine Furche, Rinne. Die Rem-se, plur. die—n, das Franz, klemile, eia Schuppen. L!ne Wagen-Remise, ein Waginschupprn. t Die Remse, piur. mul in einigen Gegenden, ein Nähme des Waloknsblauches. S. Ramsel. ^ —'Ren. eineEndsylbevieler Zeitwörter, welchem manchen mit Ausstoßung des e nur "N und m andern mit Versetzung des r —ern lau,-et. Sie har vokweharilch c irren doppelten Ursprung. t) Viere solche Zeirmöcur stamareu unmittelbar von Nennwörtern oder Partikeln her, welche sich ans rur r endrgnr, da denn ei. geirt.'ich nur n oder-en dl- E s-lbc ist. Dergleichen sind ändern, anders machen, ankern, v en Anker, äußern, von außer- bildern, von dem Plural Lilder, bleiern, bittrcrn, docfren. empören» k-ave«, erweitern, erwidern federn, fledern, feuern oder feurcn, geifern, hindern n. s. s. G.—Ern. . 2 ) I.r andern hingegen «ft s - rne rrgeueAbleitungssylbe, welche manchen Zeitwörtern angeh-snget wird, Jntensiva und zuweilen auch Zteratwn dar, us zn brio,m,cha es denn oft geschehen ist, daß das einfache Zeitwort. crlorea gegangen ist, und nur das abgeleitete übng gelassen hat- Von l iesir Art sind mähren, von mähen, bewegen, stochern, von stacken, gchrcn ln begehren , von d«m veralteten gahen, iahen, sa-un; von gehren ist girren ein neues Jmcnfloum, Ferner wahren, währe;,, wehren, donnern, von tonen, Lar. loc-are, erinnern fordern, sichern, flattern, bohren, kehren, spuhrcn, von spähen, rühren u. f. f. Von welchen allen sich bep genauerer Untersuchung immer noch daS einfachere Z itwoct wird ausfinden lassen. Es ist so wenig als irgend eine andere Avleitungsfylbe ein bloßer leerer Schall, sondernällemAilse- Heu nach em Verwandter von rennen, rinnen, und dessenStamm- Worte, dem veralteten renen, einen, sofern es sich fortbewegen bedeutet, zumahl, da schon das r allein eine zitternde Bewegung ändertet, und also ein sehr natürliches Bild so wohl des erhöhten Grades der innern Stärke als auch der Wrederhohlung ist. Da I und r beständig in einander übergehen, so ist such die in andern Zeitwörtern eingeführtc Abttitungssplde —len mit demselben verwandt, nur nicht so fern dieses in manchen Wörtern eine verkleinernde Bedeutung hat. S.—Ern. Der Renegat, des — en, plur. die—en, aus dem Mittlern Lat. Reae^Ltus.reusAure, vcrläugnen, eine Person, welche ihrer Religion entsaget und zu einer andern außer der christlichen irver» gehet; wo es besonders vonChristen üblich «st, welche zu drrMaho- medanischenReligion übergehen, und welcheJeroschim,ejnSchrift- steller dcs »4ten Zahrhundertes, vernoigirre Leute nennet. Die Renette, plur. die—n, ans dem Franz, ksiusliw, von R?ine, Königinn, Apfel der Königin«, der Nähme einer schmackhaften Act Apfel, welche mit einem grauenRostc überzogen sind, auch Renntt'Hpfel genannt werden, und wovon die so genannten Prager-Apfel eine Ari sind. Engl. Rcooet. Dre Renke, plur. die—n, eine im Oberdeutschen übliche Ber nennung einer Art Weißfische, weiche sehr schmackhaft sind, ein überaus wcißcs Fleisch haben, aber denAugenblick sterben, so bald sie aus dem Wasser kommen ; der Gangsisch. Renken, veri), r?§. uct. welches eigentlich das Zntcnsivuin von ringen, und dessen Stammworte, de« veralteten reuen, reinem sich in die Länge fortbewegen ist. Es bedeutet eigentlich heftige L cwegunarn nach allen Seiten machen, ist aber im Hochdeutsche« nur iir denZusammensctzungcn ausrenken, cinrcnken und verrenken üblich. Im Oberdeutschen aber gebraucht Manes noch allein, theils für lenken, einen Wagen renken, d. i. lenken, theils aber auch für recken, sich renken, sich recken, dehnen; von welchem recken, vermittelst dcs eingeschalteten n, welches in mchrecnFälle» ein Begleiter derGaumenbuchstabe,r ist, cs auch unmittelbar gebildet ftvir kann. Iw Irak. ftirsuLsre, ausrcukerr, und rancarsH hinken. S. auch Rank. Die Rennbahn, plur, die—en, eine Bahn, d. i. er« langer, ebener Platz, darauf zu rennen, Nennspiele darauf zu halten; die Laufbahn. Im Bergbaue wird auch derjenige kreisförmige Platz m io8L Re» ln dem Tceibeg'o'pel, aufwelchem die Pferde im Kreise gehen^ die Rennbahn genannt. Der Rennberg, des—es, plur. car. oder die Rennberge, liuZ. ear. im Bergbaue, dasjenige, was von dem Erze abriefelt, wenn es durch die Renne oder durch das Gerinn von einer Höhe Hinab gerollet wird; von dem Collcctivo Berg oder Berge, jede Erd- oder Stemart. DteRenne, plur. die—n, ein nur im gemeinen Leben übliches Wort. In den Niederdeutschen Gegenden wird die Gosse auf den Gassen, in welcher das Wasser rinnet, die Renne, die Rönne, der Rennffein genannt. Im Bergbaue führet das Gerinne, wodurch man das Erz oder Gestein von einer Höhe hinab rollen läßt, den Nahmen der Renne. Das Rennoifen, des — s, plur. ui vorn. 6nZ. im Bergbaus, r) eine Katze mit einem langen Stiele, den Ofen damit von den Ofenbrüchcn zu reiulgeu; wo es für Reineifen zu stehen scheinet, oder vielmehr das Intensiv,im von dem veralteten reinen, für reinigen, ist. 2) Ebendaselbst wird auch eine Art gereinigten Eisens, welches mit hölzernen Hämmern so lange geschlagen worden, bis es völlig rein ist, collective Renneisen genannt, da es denn keinen Plural hat. Hennen, verb. irreZ. Jmperf. ich rannte; Mittelw. geranne; Jmperat. renne. Es ist in doppelter Gestalt üblich. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn. r) *Sich schnell bewege», besonders sich schnell um seine Achse bewegen; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, welche noch in einigen Zusammensetzungen übrig ist, (S. Rennberx, Rennspindel u. s. f.) Die Welle an einem Haspel Wirdum deßwilleu noch an einigen Orten der Rennbaum genannt. (T. die Anm.) 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, sich vermittelst der Füße sehr schnell fortbewegen, wo cs von der äußersten Geschwindigkeit der Menschen und Thiere gebraucht wird, und daher mehr sagt, als laufen. Errcnnt, als wenn ihm der Kopf brennte, im gemeinen Leben. Gerannt kommen, so wie man auch sagt, gegangen, gelaufen, gesprungen, getanzet kommen. Auf jemanden zurcnnen. Nach etwas rennen. Zum Zause hinaus rennen. Mit dem Kopfe wider die Wand rennen. Jngleichen mit größter Ge- schwindigkeit reiten oder fahren. Nach dem Ziele rennen, es ge, fchchenunzuFuße, zu Pferde, oder auch zu Wagen. Ein Reuter rennete (rannte) auf ihn zu, 2 Macc. 12/ zz. Sie sind gestaltet wie Rosse, und rennen wie Reuter, Joel. 2,4. Aber mit dem wagen, mit dem Pferde rennen, wie es in der Deutschen Bibel mehrmahls heißt, kommt es im Hochdeutschen wenig mehr vor. In der höhern Schreibart auch wohl in Gestalt eines Activi mit der vierten Endung. Wiehernd steigen die Pferde der Sonne mit dampfenden Nasen Aus den Zluthen herauf, die feurige-Laufbahn zu rennen, Zachar. Jngleichen figürlich. Nach etwas rennen, sich mit vieler Geschäftigkeit um etwas bewerben. In sein verderben, in das Unglück rennen, ohne Überlegung demselben entgegen eiten. 2. Als einActivum. 1) Inder vorigen l »gern Bedeutung, mit thätigen Nebenbegciffen. Jemanden zu Boden rennen. 2) In weiterer Bedeutung, schnell bewegend machen, von verschiedenen Arten der heftig schnellen Bewegung, a) Jemanden den Degen durch den Leib, das Messer in den Bauch rennen, für stoßen. Auch das ehemahlige Turnieren mitLanzen wurde Rennen genannt, entweder so fern man in demselben zu Pferde aufeinander rannte, oder auch von diesem rennen, stechen, b) Als das Act,'- vum von rinnen; doch nur noch in einigen Fällen des gemeinen Gebens. Der Wem wird von den Weinfälschern gerennet und ' Ren 10Z6 geschmreret, mit Wasser vermischt, gewässert, wie cs Frisch erkläret. In dem Hüttenbaue wird das Eisen gerennet, d. i. geschmel- zet, welches aufdem Rennherde geschiehst; wenn cs hier nicht vielmehr von rem abstammet und für reinigen stehet. Siehe Renneisen. Daher das Rennen. Anm. Indem alten Gedichte aufdem heil. Anno revnin, im Niederst rönnen, rönnen, welches aber auch rinnen bedeutet, im Schwed. ranuasimAngelst mit versetztem r aeruan, ^rnau, w» aber doch lliu der Lauf, und Denver einLäufer ist. DaS verdoppelte n zeiget schon, daß dieses Zeitwort ein Jute, sivum ist, dessen Stammwort renen oder reinen noch nicht veraltet ist. Die Jäger sagen noch jetzt von dem Fuchse, daß er reine, wenn er trabt, und bey dem Ottfried ist rivan kommen. Das Engl, to ruo, laufen, hat dieses einfachere Wort auch noch, und in Baier» ist rundr schnell. Es bedeutet ursprünglich eine schnelle Bewegunz nach allen Richtungen, und ist daher mir dem alten rainen, berühren, (S. Rain,) reinen für scheuern, polieren, reinigen, ringen^ Ranke, rund u. s. f. genau verwandt. Da es hier wiederum auf eine Ouomatopöie ankommt, einerleyLaut aber verschicdenenDin- gengemein seyn kann, so gehöret auch Ottfrieds veraltetes reo- nuu, erzählen, antworten, hierher, (S. Raunen ) so wie brennen und trennen vermittelst verschiedener Vorlaute von diesem Worte gebildet worden. Rennen und rinnen sind ursprünglich ein >und eben dasselbe Wort, obgleich das letztere durch den Gebrauch bloß auf flüssige Körper cmgeschränket worden. (S. das letztere.l Biele Hochdeutsche Schriftsteller, ruid unter andern auch Luther, wandeln cs regelmäßig ab, ich rennete, gerennet; indessen ist die irreguläre Dorm im Hochdeutschen doch immer die gewöhnlichste. Gut wäre es, wenn der Gebrauch es verstattete, das Activum allein regelmäßig zu gebrauchen, da denn die irreguläre Form dem Neutro eigen bleiben konnte. In Heynatzens Briefen über die Deutsche Sprache Th. 4, S. 248 heißt es, in Sachsen spreche man das n in gerannt einfach, und dieses müsse den übrigen deutscher; zur Regel dienen. Allein man spricht es so wohl in Odo,- als Nie- dersachsen doppelt, so wie die Etymologie cs erfordert; spräche» die Meißner, (welche der Verfasser hier unter den Sachsen zu verstehen scheinet,) wie doch nicht geschiehst, wirklich gerahnt, wir einige Schlesische Gegenden thun , so wäre das cin Peovürzial- Fchler, der nie zur Regel dienen könnte. - Der Renner, des — s, plur. ut NOM. ein jetzt ttttgewöhn-- licheS Wort, welches aber ehedem sehr üblich war, einen Läufer zu bezeichnen. Von Pferden, welche zum Wettrennen abgcrichtct sind, kommt es noch zuweilen vor. DerRennherö, des — es, plur. die—-e, in den E-ftnhäm- mern, ein Herd, aufwelchem das Eisen gerennet, d. r. geschmclzet wird, S. Rennen 2. 2). DaöRennjagen, des — s, plur. utuom.ssvA.oderdie Rennjagd, plur. die— en, ein e Art der Jagd, da man das Wild mit Jägern zn Pferde und mit Hunden so lange verfolget, bis es ermüdet ; die Laufjagd. Für beydc ist indessen das Französische parforße - Jagd üblicher. Der Rennkafer, des — s, plur. ul nom. linZ. eine Art schnellfüßiger Käfer, welcher sich bcsondUs, wenn in Gärtengespeiset wird, sehen läßt, wo er die vom Tische fallenden Brocken frißt; Oarrabus I-. in Thüringen Lneiphahn. Das Rennschiff, des — cs, plur-. die — e, eine besondere Art Leichter Schrffe, welche sehr geschwinde segeln, und auch Jagd: schiffe heißen. Ju engerer Bedeutung ist es eine besondere Art dieser Schiffe, welche lang von Gebäude sind, undzugleich segeln und rudern, um desto geschwinder sorrzukommen. iv 87 Ke» -. - '-, ' ^ ^ ^ - ^ ^ - Der Rennschlitten, des— s, plur. uk vom.knA. ei» leichter Schlitten, vermittelst desselben schnell von einem Orre zum ander» zu kommen ;zum Unterschiede von einem Fuhrsch litcen, arss welchem schwere Sachen fortgefchaffet werden. Ist das Geschirr eines Pferdes vor einem Rennschlitten mit einem Schellengeläute versehen, so wird er ein SchellenschUtten genannt. Die Remrse, pluw. rnustin einigen Gegenden, ein Rahme des Labes oder Käselabes, weil es die Milch rinnen oder gerinnen macht. S. Rinnen, daher es bey einigen auch Rinnsal heißt. Das Rennspiel, des — cs, p!ur. die — e, siue Art Spiele, worin man nach etwas rennet, es geschehe nun zu Fuße oder zu Pferde, oder auch zu Wagen.. Auch die ehemahligen Turniere wa^ reu unter diesem Nahmen bekannt; vielleicht von rönnen, stechen. Die Remrspindel, plur, dsc — n, bey den Schlössern, ein Bohrer, welcher vermittelst eines Riemens Zum Rennen, d. i. zur schnellen Bewegung um seine Achse, gebracht wird. Siehe Drillbohrer. Der Rennstein, des —es. p!ur. die—r, am häufigsten im Nie-, ders. eine steinerne, ingleichen eine gemauerte Rinne.. So wird die Gosse in dem Steinpflaster daselbst häufig rnit diesem Rahmen belegt; Schwed. k^L.NQlieo. Das Renntyier, des—es, p!ur. die — e, ein vierfüßiges, zwey- hufiges, mit einem dichten- ästigen Geweihe, versehenes Thier, welches zu dem Hirschgeschlechtc. gehöret, aber ein vorivärts gekrümmtes, und am Ende schanfrliges Geweih hat, in den nördlichste» Gegenden o»n Europa und Asten lebt, und sehr schnell taust ; chsttrwocius l,. LervusrallZiker Lt. Anne. Z:n Schwed, ksn, imAngelf. lltÄllsr, im Engs.klwia- ckee-r, rmFranz. llLllgisr,im Norweg.Reensdyr, ehedem srein- dyr, beiden Lappem deren einzigen Reichrhum diefts Thier aus- macht, Lln iwAo, welches aber b^y chnen auch ein jedes Thier be- bentet. Allem Ansehen nach ist der diesem Thiere eigenthümliche sch - eelle Lauf der Grund seiner Benennung, obgleich Stich sein äinaes rankenförmiges Geweih nebst andern Umstände» mit in Betrschtang kommen könnte. S Reinere und Reh» D i eRemrthrecbremse, plur. die -—n, die größte Art Bremsen, welch? haarig ist, und dic Rennthiere in Lappland auf das hqrö- uäckigste verfolget, um ihre E p er auf die Haut derselben fallen zu lassen ; Oekrus l». Der Renommist, des—-en, plur. die — en , ans dem Franz, rsnornrntz, rm gemeinen Leben, besonders anfUniverfitätes, ein Mensch, der wegen seiner Rauf- und Streitsucht berühmt ist, und in weiter,» Berfiandc, der sttnenRnhm in Beleidigung oes äußer» Wohlstandes und der guten Sitten-setzet. Das R mtamt, des— es, plur. die — innrer, ein Amt, welches stch mit der Einnahme und Berechnung der Renten eines andern, visondcrseines Landesherr,:, beschäftiget. Em Rentamt bekleiden. Jngleichen m manchen Gegenden, cm Landesbezirk, in welchem die Einnahme und Berechnung der laudrsfürstlichen Renten jemanden mwertraricr ist; Las Aa-mmeramt, und oft nur das Amt schlechthin, Zu Baiern führen auch die Landesregierungen, dercn-in dsmHerzogthumefiirchsind, den Rahmen der Rentämter, Vermutlich auch so fern sie zugleich um Einhebung der NEcn zu khnnhabm. ^ Die Re nte, ?! u r. i nuk. noch häufiger aber im Plural allein, die Re iten, ohüe Sürgular, die Einkünfte, dasjenige, was einkommt, besonders von Grundstücken und Capitalien. Getreide- Renten,- GckreiSeznifttk. Besonders m Gelde,wo es thrils von den obr g- ke-tlichen Einkünften in S^ltze gebraucht wird. Laß man aus des Rsnig-s Gute m von den Renten jenseit des Wassers nehme A,s,f,Eft. 6, 8. Daß che nicht Macht habt, Z- s, Zoll und ltchrttche Rente zu lkZen aus irgend einest Priester, Rap. 7, z 4. Reo ro 88 An welchem Verstände es doch nur noch m einigen Oberdeutschen Gegenden üblich ist. Theils auch vo« deu Zuistn eines Capitales- dochnurnoch iueinigen R. A. von seinen Renten leben, von seinen Interessen. Ein Capital-auf Renten legen. -Leib Renten, hohe Zinsen,von einem Capital, welche man nur ans Lebens. Zeit ziehet. In einigen Gegenden wird auch eine Anstalt, wo lau. desfrrrstüche Einkünfte eingenommen werden, die Ren t und Rente genannt. Don dieser Arr ist die Renk zu Lohnet, welch- «ch ' ChurmainzischesZottamt am Rheine ist welches ans einem Renr- prasideiiten, einem Directore, eiurm Rentmeister, sieben Rent- Mfflcianten, u. s. s. bestehet. Anm. Am Rieders, gleichfalls Rener, im Engl. Revt, im Wallis, Klient, im Schweb. Kumts? im Span. kentn ; ohne Zweifel iirsgesammt ans dem Franz. kenteund Jtal. kenci,!», welche wieder von renore imd renclere abstammen; wenn uichk vielmehr das noch bey dem Otlfried befindliche rinan, kommen, (S.Rennen Anm.) das Stammwort von allen ist, so daß es mit Einkünfte gleichbedeutend seyn würde. Das Rieders. Rente, Zer- brcchung, gehöret mir unfrm trennen zu dem Angelst renssun, schneiden, brechen. Renten, verb.rsg. neut^.mit dem Hülfsworte haben, an Renten einbringen'. Das Grit renterjahrlrch tausend Ehalcr,trüge so viel ein. In bereuten, mit Renten versehen, hat es eine thä« tige Bedeutung. Die Renteney, r»!ur, die —en, ciue Anstalt, in welcher obrigkeitliche Renten eingenommen werden, wo es zuweilen auch Rcnkey, Renkerey, Renenerey, Rentkammer, Rentamt, RcntnieiSeref u. s. f. lautet, und bald mit dem, was man sonst auch die Rammernennet, gleichbedeutend ist, bald auch noch von dcrselb.n unterschieden wird. Zu dem Churfürsienkhum Sachsen find die Rsntereyund dieRentkaminerzwey besondere,demKammer Col- lrgio nntergeordnete Collegia, woson die Reuter ey aus einem Jn- fpeeryre, eenem Land -Renkmeifier, einem vier- Land-Rrnk- . Meister, fünf Aent- Rechnungs- Secretaricn und verschiedeneir Renk - Caleularoren bestehet. Die Renrkammer hingegen ist mit eii-.eiu Obeckammermeistee, einem Rentkammermelstcr, zwey Lasflern, zwölf Rammerschreibern ». s f. besetzt. Brpde Col, legia haben verschiedene Arten von Rente,t einzunrhmen. DerRentenrerep, Rentrerer oder Rentner, des — s, plur. rit rrom. ti»A. öervon semeu Renten, d. i. Interessen, lebt; M» HLnfizsten im Niedersächsischen. Aras, kleuckitsrio. Die Rentevep, Rentep, S. Rcntenep. Die Rentkammer, plur. die —n, S. Remenep. Der Rentmeister, des — s, ptnr. ur nom. fin^. dessen Gattin», die Re'rtmcrßcrinn, derjenige, ivelcher die Renten eines andern ciarnmmt und berechnet. In engerer Bedeutung derjenige, welcher einer Nentkau-w-kr oder Rcnrry vorgesetzt ist. (S. Re>v- kencyss Daher die Rentmeisterey, dessen Amt und Bezirk. Der Rentner, S. Renceniercr. Rentrrrren, ver b. rex.sct. welches nur bey den Schneidern eiici« gcr Gegenden., besonders Nieder - Deutschlaiides, üblich ist. die Naht an einem Luchkleide voll außen mit feiner Seide benähen, welches inRiedc fachsen auch urern, äußern, genannt wird. Nicht, wie es in deiji Brem. Rieders. Wörterbuchc herßt, von Rand, fosdcrrr aus dem Franz. reMrsirs, welches eben diese Bedeutung hat, Der Rentschrerbev, des — s, plur. utnom. fiuK. der Schreiber den einem Rcntamte, oder bey einer mit den. Nahmen der Rente belegten Einnahme, wofür an einigen Orten auch Rente^ schreibet üblich ist« Der Rennet, S. Ranzel. . ' s Reoben, S. Riolcr^. - ' Repe- / Res icS9 Nep 1090 Repetiren, verb. re-ß. acl. welches aus dem Lat. repstsre, im gemeinen Leben M wwdcrhohlen üblich ist. Daher die R-petir- Uhr, eine Sch'ügnbr, welche nicht nur die Stunden schlägt, zu welcherZeitwan rvll,sondern welche auch noch djeVierLelstuiii.en schlägt; das Repttir W ck, die sämnul-chen dazu gehörigen Stücke iurinee s lchcuUhr; der Repetir-Stift, cür Zapfen in diesem R -pei-r-Werke, worauf sich dje zu demselben gehörige Feder der Auslösung, di Einsaüschnalle, der Schöpfer, derReche», und der Sperrkegel bewegen. Das Repphuhn, des cs. plur. die—Hühner, eine Art wilder Hühner, welche du G öße einer Taube hat, grau und schwarz von Farbe ist,nackte Füße,und einen nackten scharlachenenFlccken hinter den Augen hat, und sehr schlecht fliegt, aber desto schneller zu Fuße ist; t^erckix Iv. Es hält sich gern auf den Feldern und Äckern auf, daher es such in einigen Gegenden Ackekhuhn und Feldhuhn genannt wird. Ein Flug Repphühnev, ei» Haufe mehrerer zugleich auffiiegendcr Repphühner. Anw. Im Niedcrsächs. Rapphohn, imSchtved.RuppIiönÄ. Eine Arr rotherRepphühner ist in derSchweiz unter demNahmen pernise bekannt, welches aus dem Jtal.^e-'uics, Lat. h'crciix, gebildet ist, (S.Rothhnhn;) in andernGegenden heißt es Wäl- sches Repphuhn. Das weiße Repphuhn der Graubünduer ist unser Schneehuhn. (S. dasselbe.) Ihre leitet demNahmen dieses Vogels von rupp, grau, braun, her. Allein sein schneller Gang scheinet mehr Anspruch aufdie Abstammung zu haben. Im Rieders, ist rapp schnell, reppen, schnell bewegen, sich reppen, sich eilfertig fort machen, ReppGeschäftigkeit u. s. s. welche insge- sammtzu unserm raffen gehören, und Jntensioa von dernveralte- teii reden, sich in die Länge fort bewegen, sind, (D. Rebe.) Indessen stehet-es noch dahin, ob nicht auch das nakürlicheGeschrey dieses Vogels zu seiner Benennung Anlaß gegeben, da dem: dieselbe mit Rabe, rufen, Rieders, röchen, und andern Eines Geschlechtes schn würde. In den gemeinen Sprechartew ist reppen reppsen, rülpsen. Im Hebräischen wird es daher wirklich genannt, von rufen, welches aber auch den Begriff der Bewegung leidet, und alsdaün mitirnserm kehren, demJntensivo oon gehen,' verwandt ist. Mau wählc, welche Ableitung mau will, so wird man die Unrichtigkeit der oon vielen angenommener! Schreibart Rebhuhn erkennen müssen, welche noch über dieß ganz wider die Aussprache ist, welche das e scharf, den folgenden Mülamcr aber hart und doppelt hören läßt, daher man es billig Repphuhn schreibet. Das Repphühnerkraut, S. Glaskraut. DieRepressalreniüllb.ious. aus demLar.Rapre/f.iliaui'.d dieß von reprimnre, angewendet-Gewalt,ein von cmcern zugefügtcs Unrecht dadurch zu rächen, oder ihn zum .Ersätze zu nöchigeii; die Gegen^ewalt, Gegenbelcidigung, welches letztere doch nicht so bequem ist.- Repressalien gebrauchen. Der Repo, Beerwem,S.Räpps. Die Republik, p!ur. die—en, von dcm-Franz. Repudliczue, ,ind düß ans dem Lat. R.espubiics. 1) Im weitesten Verstände, eine jede bürgerliche, aus mehrcrn häuslichen GeftÜschafken zur Erhaltung änßererSicherheirznsammeügecktztrGescllschaft, welche auch cinStaar genannt wird. 2)Zn engerer und gewöhnlicherer Bedeutung istdicRcpub.'lkelncsolchcbürgerliche Gesellschaft, in welcher die höchsieGewalt mehrcrn anvertrauet oft. Daher der Rcxubükäüev, der Einwohner einer solchen Republik, Republikanisch, einer Republik gemäß, in ihrer Verfassung gegründet. Das Rescript, des—es, chlur. die—e, aus dem mittlernLat, KeRriptum, diejenige Schi ist einesLandeshcren, worin er sich auf das Bilkschrcibeu eines Unterthanen, auf die Anfrage eines Collegn n. s. s. erkläret. - . - Ldeüw.B.Z.-TH. 2 .Aust. ^ Das Reservat, des—es, plur. die—e, üus dem Lat. Ksser- vätum,!» demDeutschenStaatsrechte, Gerechtsame, welche der Kaistr allein, ohne Zuziehung der Rcrchsständc, auszuüben befugt ist, und wohin auch die Maicstätsrechregehoren. Der Resident, des — en, plur. die—en, aus dem Franz. Refl- ckent, derjenige, welcher sich au einem Orte beständig, oder doch geraumeZeit aushält, und daselbst dieAugelegenheiten einesStaa- tes oder regierenden Herrn besorget,und der Würdenach geringer ist, als ein Gesandter. Dessen Gattinn die Refidenrinn. Die Refl-enz, plur. die—en, aus dem Latein. Reü'cksrttrL. i) Der Zustand, da sich eine Person gewöhnlich an einem Orte aufhält; ohiu Plural. In welchem Verstände es vonfürst cherr und andern Personen von dem hohen Adel zuweilen gebraucht wird. Seine Residenz an einem Drte nehmen, seinen ordentlichen, gewöhnlichen Aufenthalt. In dem kanonischen Rechte dev NömischcnKirche ist es der ordentliche beftändigeAnfenthalt eines Geistlichen an dem Orte seinerPfründe, und dwVerbindlichkeit zu diesem Aufenthalt'. 2) Der Ort, an welchem sich eine fürstliche oder andeeePerson von hohemAdelgewöhnlich aufhält; dasZof- Inger,da denn so wohl dasSchloß dasResidenz: Schloß, als auch die Stadt die Residenz-Stadt oder Hofstadt, ostnur die Residenz schlechthin,genannt wird. Ehedem war dafür das vcraltcre 8 eckil- ko ve, Siedelhof üblich, welches in diesem Verstände noch in dem alten Gedichte aufden heil.Äuno vorkommt. Die Resonanz, xlür. die—cn,.aus dem Lat. RssonLntia, in der Musik, derjenige Klang, welcher entstehet, wenn die durch einen Klang erschütterte Luft gegen Körper stößt, deren Theilchen in dem Grade gespannt sind, daß sie diese Art von Schwingungen entnehmen und hörbar machen können^ Daher derResonanz-Bo- den, in musikalischen Jnstrulpenten, derjenige Boden, welcher diese Resonanz hervorbringt; das Resonan;-Loch,dasjcnige Loch in demselben, ans welchem dieselbe heraus gehet. Reß,scharfvonGeschmack,S. Rasch 2. Der Rcflbaurn, des —es, xlur. die —bäume, iu cinigerl Obcr- deutschenGegenden, ein fiarkerBalken,welcher andern schwächer» Balken zur Unterlage dienet; im Hochdeutschen einTwä'ger. Viel- leichtdieStärke uud Dicke zu bezeichnen, als das Stammwort von groß- (S. dasselbe und Riese.) Frisch sührrt folgende Stelle ans FronsbergsKeiegsrüfl. S.2v an : Ein Wastcu mit Zimmerholz, groß und klein, zu Setzbäumcn gcsiroben, Rester und anderer Norrurft; wo er das Rester für ganz veraltet hält, und cs unerklärt läßt. Ressen, verb. rez. aet. welches nur im Bergkaue üblich ist, wies hauen, graben bedeutet, aber auch nur in einigen Fällen vsr- kvmnrt. Ein Feld verresscn, es verhauen, verfahre»'. - Es gehöret hier zu reißen, so fern es ehedem auch bauen, graben, schnei- den, bokeutete. Eben daselbst ist auch der Ressen derjenige Fleß- oder Wassergraben, worin geseifet wird, und der Ressort die Weite des Feldes, so weit sich ein solcher Reffen erstrecket; ws auch das Reißen, sich schnell bewegen, von flüssigen Körpern, mit eimritt. Im Böhmische» ist r/erens schneiden, stechen, und rr> ctj fließen, im Wend. Racrka ein Bach. Siche Reißen uni Rosche. Der Refiort, des —si>s, plur.die —vrter, S. das vorige. Der Resi, des—cs, xlur, die—e, Dimin. das Restchen. Oberd. Rostlein, dasjenige, was von einer Sache übrig oder zurückgeblieben ist. Oer Rest von einem Stücke Tuch, von einem Gericht Essen 11, s. s. Das ist der ganze Rest. Besonders dasjenige, was man von einer zu beza hlenden Summe unbeMlt laßt. Einen'H-st abtragen, bezahlen. Wo es auch als ein Ab- , stsarmm gebrauch- wird, in R st bleiben, mir der Zahlung zurück dikibe-!, ingleichcü nicht ganz bezahlen. Jngleichen als ein Neben- Z§Z worr. 1091 R e- wort. Wenn man 24 von 2 6 «bziehet, so bleiben 2 Resi, b.-i» als ein Nest. (S. Überrest.) Figürlichssagk man im gemeinen Leben , jemanden den Rest geben, ihn völlig nmbrnrgeu, inglci- chcn ihn völlig zu Grunde richten, völlig unglücklich machen. Er hat seinen Rest, er ist völlig nmgebrachft völlig zu Grunde gerichtet ; iugleichen, er ist völlig trunken u. s. f. Anm. Es ist wohlzunächst aus dem Franz. kelis urü> Jtal. Refto entlehnet, welche man gemeiniglich als Znsammenzieh nn- gen aus dem Lat. Relickuum anzusehen pflegt, ob sie gleich auch mit unserm Rast verwandt seyn können. (S. dasselbe.) ZmDbcr- deutschen istfurRest i« der Bezahlung auch Restan; und Restant üblich,aus dem Mittlern Lat. k^eftaQtia DerRestänt, des—en, plur. die—en, aus dem Lat. rettans, derjenige , welcher mit seiner schuldigen Bezahlung entweder ganz oder doch zum Theil zurück ist, besonders in Bezahlung obrigkeitlicher Abgaben. Resten,verb. reZ. rreutr. mit demHülfsworts haben, zurück seyn, außen stehen,besonders vonGelder»,welche schon bezahlt seyn sollten. Es rosten noch einige Thaler. Wofür mail auch restiren gebraucht, aus dem Lat. reftars. Die Retirä-e, plur. die—n, aus dem Franz. Retiracke. i) Der Rückzug, besonders der eilfertige, einer Flucht ähnliche Rückzug eiues Kriegsheeres; der Rückzug. Zngleichen die .Begebung an einen Drt zu seiner Sicherheit; die Zuflucht. Seine Retirade wohin nehmen. 2) Der Drt, wohinayau sich in manchen Fällen begibt. So ist in dem Fcstungsbauc die Rcrirade das- jeuige Aetranchemeut bey einem Werke, welches einen einwärts gebogenen Winkel hat, um sich dahinter zu wehren , wenn man dem Feinde einen Posten überlassen muß. Auch der Abtritt oder Nachtstuhl wird in der Sprache der gesellschaftlichen Höflichkeit zuweilen dieRetirade genannt, so wie ein jedes Zimmer, in welches man siD*beZibt, wenn man allein seyn will. Die Retorte, pluw. die —N, aus dem Frauz.k^etorte, und Jtal« Ritorts, welches wiederum von ritorcere, zuxuck drehen oder biegen, aöstammet; in der Chymie, ein chymisches, irdenes oder gläsernes Gefäß, welches kugelförmig ist, und oben einen zurückgebogene» Hals oder Schnabel hat, welcher sich der Horizontal- " Lime mehr oder weniger näherftgeryisseTheile vermittelst des Feuers dann aus andern Körpern überzutreiben. Die Rette, plur. die—n, ein Hund männlichen Geschlechtes, doch nur so fern dieses sein Geschlecht dadurch angedcutet werden soll ; im Gegensätze einer Petze. Im Angelst lir^tiitfta,Ritft- tüu,imHolländ.kocke, Reucks. Entweder von reiten, sich begatten,(S. dieses Wort,^ oder auch, als ein Verwandter von Rüde, ein großer Hund, (S. dqsselbe.) Re tten, ver h. reZ.sct. schnell aus einer großen Gefahr heraus reißen, und in weiterer Bedeutung, schnell von dem Untergänge, von einer großen Gefahr besceyen. Müder vierten Endung der Sache. Jemanden retten, ihn von dem nahen Untergange, von einer drohenden Gefahr befreyen. Das Dorf brannte ab», so dast die Einwohner nichts retten konnten, doch wurde die Rirche noch gerettet. Retten helfen» Das Vaterland retten. Seinen guten Nahmen retten. Er ist nicht mehr zu retten. Jemanden das-Leben retten. Jngleicheii mit Vorwörtern. Sich durch die Flucht, vermittelst der Flucht retten. Jemanden aus der Gefahr , aus dem Unglücke retten. Das Seinige aus dem. Feuer, aus dem Wasser retten. Sich an einen Ort retten, feine Zuflucht in dringender Gefahr dahin nehmen, wohin soll ich mich retten ? O die Stille der Seele l wie allgewaltig retten sie in allen Gefahren! Hermes. Die-Verbindung mit des: Vorworte von, welche H der Deutschen Bibel sehr häufig ist, jemanden von dem Tode, von seinen Feinden retten, ist jetzt ' > - > " ' " R e tt 1092 mit dem zusammen gesetzten erretten üblicher, als mit der« einfachen. So auch das Retten. La ist an kein Retten mehr z« denken. Jngleicheu die Rettung. An keine Rettung denken. Rettung rhun, leisten. Die Ehrenrettung. Das Rettungen mittel, wodurch man sich rettet. Anm. Bey dem Ottftied rsttin und relsn, im Rieders, red« .den, im Äugelst ftreclckan, imSchwed. rftäckastm Engl.w rici. Es gehöret zu reißen, Niederst riten, von welchem es vermittelst des verdoppelten t ein Jstensivum seyn kaum Noch einfacher ist imJsländ. r/s,für retten üblich,welches mildem Griech überein kommt. Hornrgk gebraucht auch das jetzt veralttke Rath für Rettung, oder Stand der Sicherheit, welches sich unfern, Rath, Lonftüum, in manchen Bedeutungen nähert; da ist kein Rach mehr,keine Rettung, es wird wohl Rach werden, Hülfe, Rettung. Der Retter, des—s, plur. ut vr>m. 5 m§. Fämin. die Rer- tcrinn, eine Person, welche rettet. Da war kern Retter, 2 Sam. 14) 6 . Es sey kein Retter mehr da/Ps. 2 o, 22. Ohne Retter irr ich umher, Raml. So manches ^erz, das sich verirrte, hat an dem Freunde einen Retter gefunden, Gell. Bey ben Jagern ist der Retter ein Windspiel, welches besonders dazu ,übgerichtet ist-die andcrnHunde ab^urrciben, damit sie eine» grfai!- gencnHascn nicht zerreißen,und auch der Schirmer oderBeschrr- mer genannt wird. Niederst Redder, Griech.,/v2-y-. Der Rettix, des—cs, plur. die —e, der Nähme verschiedr- .«er, mit stärken, eßbarenWurzeln verscheuerPfiattzen und besonders ihrer Wurzeln. (S. Meerrettich) Besonders pflegt man eine Echoteil tragende Pflanze, welche eine starke,von außen gemeiniglich schwarze Wurzel hat, Uapftalms orZer 1 ,, nur Rettig schlechthin zu nennen,zum Unterschiede von den Radießon, einer Art kleiner Nettige, welche mau in einigen Gegenden gleichfalls Kcttige nennt. Anm. In der MonsceischerrGlosse Rnticft, Niederst Reddik« And zum Unterschiede von dem Meerrettige Robenreddik,Ruben- rettig, im Angelst k.-rockic, im Engl. Rsckilft, im Jtaliän. RLckiccirio,bey denKrainerischenMenden k^eft^ua, imPohln. Kroclkiewflm Böhm.klruiftew, 8 .stftev^; alle aus dem Latein. Racirx, wert wir dieses in China einheimische Gewächs aus den südlichen Ländern Enropcns bekommen Haben. Var- ro versichert ausdrücklich, daß die älter« Griechen dasselbe klackix, genannt hätten, weil es bloß seiner Wurzel wegen merkwürdig ist. Im Dsnabriickischcn heißt der schwarze Rettig Rammelaffe. Dcke Reue, plur. car. r) *Knmmer, Gram, Betrübuiß, und, deren Ausbruch ; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung. 0sr klickestLÜLftlüuctLr riuuuLckrut l^lit ereQ ftie clorcki riefte, Heinr. von Aeldig. Diu mir ckas ftul Asluu Dasieft von cker riurve ftsrs, 0 ju mieft vvilsltt irte stere , ebend. Ws es Kummer, Gram, bedeutet. Im Holland, ist Kourv nsch jetzt Betrübmß, daher man am Nieder-Rheine noch das Wort .Reue für Trauer, und Reukleider für Trauerkleider gebraucht. Auch im Island.ist Ur^ß)>ck Betrübuiß, und ür^Z^rbetrübt. jS. Reuen.) 2) Jnengerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist die Reue, die Unlust über ein vorher gefälltes Urtheil, oder über eine vorher begangene Handlung. Reue über etwas empfinden. Es -wird dich die Reue ankommen. Die Reue kommt nach der That. Besonders in der Theologie, die Unlust über begangene Sünden. Reu und Leid über etwas tragen, nur-in der biblischen Schreibarft An«. Anm. Schon im Isidor mildem gewöhnlichen Alemannischen Hauche ^lreuu, Hey dem Kero ^lriuun, bey dem Oltfticd Riu, welche es insgesamwt für Buße im theologischen Verstände gebrauchen, deren vornebmsi.s Stück die Rene ist, im Rieders. Rone, Rije', Beroue, im Angels. ttrscrev, im Schweb, b usile, Hey dem Ulph-lus RaiZo. S. das folgende, fetten »crb. reZ. neuer, welches dasHülfswort haben erfordert, und ehedem in einem weitern Umfange der Bedeutung üblich war, alsch'tzt. Es bedeutete, 1. *Wehklagen, ächzen, fchrepen, welches letztere vermittelst des Vorgesetzten Zischlautes davon abftammet. Mit mihilon riuuuon, Ottfr.mit großeut Geschrep, Wehklagen. Auch bey dem lllphilasist ttenivva^ubollo ein Paar Turteltauben, eigentlich, ein Paar ächzender Taubeu. Renen ist in dieser ersten eigentlichen aber langst veralterenBedeutung eii'.i-Ottrwato- pöie, welche de» Laut des Wehklagens selbst uachahmet. Siche Gchreyew. 2. Kummer, Schmerzen über etwas emvfinden, und solches an denTag lege»; eine gleichfalls veraltete Bedeutung, in welcher es auch ein Activnm war, nnd mit der vierten Endung i er Sache verbunden wurde. Ibis luUK riuuecrn, welche Kummer darüber empfanden, es beklagten, Ockfr. jr rr-^vel mid», thc dauert mich, Stryk. 'Rflie ckätr lie r/uuu, sie bedauerten die Tbat, Oktfr. Auch im Angels. ist chreovr-Lri traurig, betrübt ftnir, und unser Trauer, traurig, stammt verni ckelst des Vorgesetzten t davon ab, so wie auch granen damit verwandt P, rudern man in einigen Oberdeutschen Mundarten für reuen auch rauen sagt, kvnrui istbepdem Ottfried Widerwärtigkeit, dasjenige, was Kummer verursacht. L. In noch engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, r) Rene, d. r. Unlust, über eine begangene Handlung empfinden nnd an den Tag legen; in welchem Verstände es doch nur m dem zusammen gesetzten bereuen »blich ist. 2) Reue, d. i. Unlust, über eine begangene Handlung verursachen, mit der vierten Endung dev Person, und der ersten de? Sache. Die Sache rener mich. Sem verbrechen reuet ihn. 8 ast fängt mich meine Tteugrcr an zu reuen, Weiße. Mein Betragen hat mich nsch nicht gereuet» wird es sie bald reuen ö Gell. Also reuet? den Herrn das Übel, 2 Most zo, j 4. Damit mich auch reuen mochte das Übel, das u. stf. Jer. 26,2. Jngle-.chen als ein imversöutiches Neciprocum mit dem Vorworte daß. Es reuet mich, daß ich ihn beleidiget habe. Es reuetihnnoch nicht, daß er cs gecharr hat. Wird es dich bald reuen , daß u. s. s. Denn es reuet mich, daß ich sie gemacht habe, 1 Mos. 6, 7. Statt welcher Wortfügung auch zuweilen dieziveyte Endung des Nennwortes gebrauche werden kann. Du lassest dich des Übels reuen, Ion. 4 , 2. Es reuet mich derThat, fürrdie That reuet mich. Dieses Zeitwort erfordert allemahl die vierte Endung der Person. Es.isi also cm Fehler, wenn manche es mit der dritten verbinden, obgleich dieser Fehler nicht ne« ist. Onr ranuotn rnir, Notker. Da reuete es ihm, daß er die Menschen ge,wacht hatte, 1 Mos. 6, S. Da reuete dem Herrn das übel, Irrem. 26, , In welchen rind andernStellcn der Dativ vielleicht von der Unbeständigkeit der Herausgeber und Corrcctoren herrühret, indem in andern richtiger die vierte Endung stehet. Anm. In der letzter» engcrn Bedeutung schon bey demOttfried riuNn, im Rieders, reuen und rijsn, im Engl. io rue. Ehedem war cs auch ein irreguläres Zeitwort, denn ben dem Otisned lautet das Imperfektum einige Mahl rou für riuucls. Übrigens ist für reuen imHochdeutschen auch das verstärkte wrruen üblich, welches in allen Fällen für dasselbe gebraucht werden kann,Siehe dasselbe» Drs Reuerinn, plur. die—en, ein Nokmrn-Drdcn irr dor Mischen Kirche , welcher jetzt unter dem Nahmen des Magdalenen- Mrdens am bekanntesten ist, und dessen Glieder auch Büßerinnen heißem, Lat. Lorores poeuibentes, cke poeiütemiL» MonicilesZ. jV1aAflLl«rine. Das Reugeld, S. Rcukauf. Reuig, —er, —ste, sckj. et sckv. Reue emvsindend und an den Tag legend, und in diesem Zustande gegründet. Ein reuiger Sünder. So bald ich will, sollst du reuig wieder zu meinen Snßenliegen. Und reuig wird er dann, was er versagt, erstehn, Schleg, Em reuiges Sehnen, Gryph.wo es aber in der im Hochdeutschen ungewöhnlichen weitern Bedeutung für ängstlich, kummervoll, zu stehen scheint. Ben den Schwäbischen Dichtern 1 ükViA. Der Reukauf, des—es, plur. doch nur von Mehrern Summen dieser Art, die—kaufe, ein Stück Geldes, welches nach einem geschlossenen Kaufe derjenige Theil, welchen der Kauf oder Ver- kaufrenct, dem andern zur Schadloshaltung zu geben verbünde,r ist. Reukauf geben, verlange». In einigen Gegenden wird cS das Reugeld, und bey Landgütern der Reuhandlohn, genannt. Niederst Ronksop, Schwed. Rozerköp und Ickraköp, von Icker, Reue, Buße. DreReunrukch, plur. car. derjenige Zustand des Gemüthes, da man Rene empfindet. Daher reumüthig,chch in diesem Zustande befindend, und darin gegründet; reuig. Beyde Wörter kommen im Oberdeutschen häufiger vor als im Hochdeutschen. Dre Reuse, x> 1 ur. die—n. -)Im weitesten Verstände, ei« von Ruthen geflochtener Korb, welcher in Österreich eine Rerfthc genannt wird. ImHochdeutschen gebraucht man cs nur, 2 s in engerer Bedeutung, von einem geflochtenen Korbe mit einem engen Halse, Fische dareinzn fangen, welcher zum Unterschiede auch -je §ischreuse genannt wkd. (S. 5 achvense, Genkr^nse, Legerclt.se, Garnreuse, Rrebsreüfe u. s. s.) Zn eitrigen Gegenden nennt man eine solche Reuse auch einen Strsmkorb, und im Dirhmar- fischen Puckel» Anm. Im Niederst Risse, im Schweb. R^stsja, im Franz» Rucüe im Holland, ku^stclre, welches aber auch einen Bienenstock bedeutet, sowie das m einigen Oberdeutschen Gegenden übliche Rcusche, das Franz. Rucke^ das Finnland, küsste, das mittlere Lar. LroiiA,.ssrol!in?m Man leitet es gemein'gnch von Reis her, woraus ein solch,wKsrb geflochten wird-Allein cs scheinet überhaupt den Begriff des' hohlen Raumes zu haben, und mit demLat. Ziücus, ein Schrank,Koffer, Bienenstock, dein Rieders. Rroos, Ärcrns, einKrug, u. s.s. Eines Geschlechtes zu fepn. Das ReUk, des—es, plur. die—^ ein nur noch zuweilen und m einigeu Gegenden übliches Wort, einen durch Ausreutill g dpS Gehölzes urbar gemachten Acker zu bezeichnen, welcher auch das Gereut, Rentfeld, Remland, und nach der Niedcrdenlscherr Mundart Rode, Rodeland, ingleichcn Neubrnch genannt wird. Von dem folgenden Zeitwort? ucuren. Es gibt inDeurfchland eins große Meuge rigettlhümlicherNahmen vonDörfern,Flecken ,i. st st in rvelchen sich dieses Reut-und itwNiedcrd. Rode befindet, z. B» Nenreut, Raiwrsreuk,Abtsreut u. s. f.aris welchen denn erhellet, -daß dir Gegend,wo solche Örier liegen, ehedem ein Wald gewesen^ und erst durch dessen Ausreutmig urbar gemacht werben michen. In vielen solcher Nahmen ist dieses—-reur in — rrit, -— poe, —rr'ed, -—rieben, -—riech, —krcut u. s. s. übergrgangen,wl>- von Frisch eine Mewge von Bevsvirlen anführrt. Die Reute, plur. die—n, ein Werkzeug zum reuten oder aus- renten. So wird die Reuchaue oder Rrlwhack'e, eine starke, lange, eiserne Haue, die Bann^wurzeln damit ans der Erde zu reuren,in vielen Gegenden auch die Reute genannt; imLal. Ru- Szz- rruM, royz Neu tt' > ^ - . ^ rvurn. im Wallis. Besonders ist die Renke in der Land- wirthschaft, ein langer Stecken mit einem breiter, schärfen Eisen sn dem einen Ende,die Erde damit imPflügen von der Pflugschar abzu stoßen. Reuten, slzuo veüi, S. Z Reuen. s.Reuten, verb. re^.uel. welches eigentlich reißen bedeutet, aber nur noch von dem Reißen der Wurzeln und Baumstöcke aus der Erde gebraucht wird. Die Baumwurzeln aus der Erde reuten. Besonders in dem zusammen gesetzten ausrcuten. (S. dasselbe.) Im Oberdeutschen sagt man auch im figürlichen Verstände, Laster, Rezereyen auLreuten, wofür aber im Hochdeutschen aus- rotten üblich ist, ungeachtet dieses von jenem nur in der Mundart verschieden ist, (S. Rotten ) Daher das Reuten. Anm. Bey den altenObcrdeutschenSchrifcstellrrn riutun,voir welchem urriulau bey dem Kero ausrotten ist, im Niederst ra- den, raen, rüden, und mit Vorgesetztem w rvröten, Angelstvvro- rou, Engl.ro roor, Island. rota,r)' 6 ia,imSchwed. mit vor, gesetztem b br^ta, im Geiech. öj'vi'v»«', welches auch aufgraben bedeutet. Es iss mit relßcn, Niederst rtten, Einer Her, kuils't, ungeachtet es durch den Gebrauch nur aufeiue besondere Art des Reißens eingeschränkt worden. Siche auch Rotten und Rüssel. 1. Der Reuter, eyues, S. 2 Reiter. 2. Der Reuter, ein Sieb, S. Räder. Die Reutyahek, plur. die—n» eine eiserne Gabel, in den Sek, fenwerken, das Grobe damit hinaus zu werfen; von reuten in der weitesten Bedeutung einer jeden heftigen Bewegung und Absonderung. Die Rerrthalche, plur. die—n, eben daselbst, eine Halde, d. i. ein Hügel, der aus solchen groben mit der Reutgabel ausgeworfenen Theilen bestehet. S. auch Reithalde. Die Reuthaue, ptur. die —n, S. Reute und Radehane. Die Reutkratze, plur. die—n, indenZinnhütten, ein eisernes Werkzeug in Gestalt einer halb gebogenen Hand,mit einemStiele, ' die Schlacken damit aus dem Ofen zu rertten, d. i. zu reißen. Der Reutspaten, des --s, plur. ut nom. linZ. ein Spaten der Gärtner, das Unkraut damit auszureuten. Znaleichen ein großer, starker, eiserner Spaten, die Wurzeln und Stöcke der Bäume da- mit aus der Erde zu reuten. Der Reutzehnte, des —n/plur. die — n, ein Zehnte, welcher vEinem ausgereuteten, oder urbar gemachten Lande entrichtet wird; dev Rodezehnte. Reuvoll, —er, —esse, uäj. ekaäv. voll Reue, mit Reue erfül- let, und in dieser Gesinnung gegründet. Die Reverend e, plur.die—n, ein aus dem Mittlern Lat-Rs- verenclL, nur in einigen Gegenden übliches Wort, das lange Oberkleid eines protestantischen Geistlichen zu bezeichnen, welches man am gewöhnlichsten einen Chorvock nennet. Der Reverenz, des—es, plur. die—r, ans dem Franz. Re- verence, und dieß aus dcmLat.RsverelNia, die Beugung ober Neigung des Leibes aus Ehrcrbiechung; doch nur noch im gemei, nen Leben. Jemanden einkn Reverenz machen, sich vor ihm neigen. Bey demKaisersbecg. im Thcuecdanke und audcrnSchriften dieser Zeit kommt cs auch für Ehrerbiethuug überhaupt vor. ^ Der Revers, des—cs, plur. die—e.X l) Aus dem Franzos. Revers» die Rückseite einer Münze, die dem Brusibilde entgegen gesetzte Seite ; .dieRückscite, Gegenseite, und bey einigen, über sehr unschicklich, hieRchrseite. 2) Ans dem Lat. Raverstiles, nLhmlich,j^'tterae,eineSchrist,eincUckunde, worin sich jemand ausdrücklich zu seiner Verbindlichkeit bekennet; einRevcre-Brief. Jemanden einen Revers geben. Einen Revers von sich stelze«. Zu engerer Bedeutuilg ist es eine solche Schrift, welche sich N c H rv§6 scheine vorber gMngrrre Gefälligkeit eines andern gründet, i« welchem Falsett:, solcher Revers im Ob> rdeuttchen auch ein Ge- genbrüf, eiiw Gcgenversicherung, ein Gegenschein, einGcgen- bekenntniß eine Gcgenbcscheinigung, ein verstcherungsbrief, ein Rückschein u. s. s. genannt wird. Daher das Zeitwort, sich rcverflren, sich vermittelst einer solchen Urkunde ausdrücklich zu einer gewissen Verbindlichkeit bekennen. Das Revier, des—es, plur. die —e,Dimin.dasRevierchen, Obecd. R.'vrerleiit,ein inseine Gränzm eingeschlossener Theil der Ecbfiäche von unbestimmter Größe, ein Bezirk, eine Gegend. Das Stadt Revier, das Gcbrcrh der Stadt. Im Forstwesen lvwd der einemFörster zurAufstcht anvertraute Bezirk einRevier oder Forst-Revier genannt, so wie ein Jagdbezirk, ein Gehäge n. s. s. gleichfalls ein Revier oder Jagd - Revier heißt. Der Frepbergische Bergwetts-Distriet ist in vier Reviere getheilet, welche das Stadt-Revier oder Hohenbirkner Revier, dar Bränder Revier, das Halsbrückner Revier und -as auswärtige Revier heißen. Ju den Garten gebraucht man es auch von kleinern Bezirken, und da ist ein Lust - Revier so viel als ein LustftüS., Anm. In einigen, besonders Oberdeutschen Gegenden, ist es weiblichen Geschlechtes, die Reviere, da es denn im Plural die Revieren har ^welches Geschlecht der Abstammung freylich gemäßer ist. Denn die ausländische Endung ier zeiget schon, daß wir dieses Wort aus dem Franz. Revier,; und Jtal. Riviars entlehnet haben, welche nicht sowohl von Ripa, das Ufer, und Ri vus, ein Fluß, abstammen, wie Frisch und andere wollen, sondern den allgemeinen Begriff der Ausdehnung in die Länge und Breite haben, und daher nahe Geschlechtsverwandte von Reis, r Reffu. s. s. sind. (Siehe diese Wörter, ingleichen das folgende.) Daß dieses Wort schon früh aus dem Jtal. oder Franz, entlehnet worden, erhellet unter ander» auch aus dem Theuerdanke, und dem noch älter« Deutschen Dichter in Eccards Loriptor. Th.r, S. 1 48 ,. Revieren,verb. re§ neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches nur bey deirJägern von denHühnerhnnden undAaubvvgeln üblich / ist. Der Hühnerhund revreret, wenn er ans der Flur hin und wieder sucht. Der Falke revierer, wenn er in der Luft nach seinem Raube sucht. Erscheinet hier noch die erste eigentliche Bedeutung der Bewegung aufbchalren zu haben, Ha es denn ein Verwandter von reiben, traben, dem Niederst rappen, laufen u. s. s. seyn würde. Noch bey dem Ottfried ist üüriuuon sich umkch- ren. Indessen ist auch hier die ausländische Endung ein Beweis, daß es zunächst ays einer fremden Sprache entlehnet worden. Das Revier-Kraut, des—es, plur. cur. ein Nähme, welchen auch der Rainfarn in einigen Gegenden kührel, S. dieses Wort. Die Revolution, plur. die —en, eine gänzliche Veränderung in demLaufe oder derVerbindung der Dinge. So nennet man ungewöhnlich große Überschwemmungen,Erdbeben, welche große Erdstriche verändern, Revolutionen in der Natur, die Reformation, eine Revolution in dem menschlichen verstände. Besonders die gänzliche Veränderung in der Verfassung eines Reiches, wenn z. V. eine Monarchie in eine Republik, diese in eine Monarchie verwandelt, die Erbfolge auf eine gewaltthänge Art verändert wird. Die Englische, die Französische Revolution. Man hat dieses fremde Wort in den neuesten Zeiten mit einem Deutschen z» vertauschen aesucht.Das unglücklichste,woranfman fass« kor lUe, war wohl Umwälzung und Staatsumwälzung, weil es nicht den Begriff del Suche ausdruckt, sondern eine buchstäbliche Übersetzung des. fremden Wortes ist, und einen barten und u'-sserer Sprache fremden Tropen eiukalt. Wenn Veränderung, Umänderung, Umschassung,H>ulptvcränderung,Staatövekänderuns N. s. f. nicht genug sagt, ber behalte lieber in diesem, fs Wie in hun- bey ben RömernVi uum?ucinum. Die Alten schätzten ihn sehe Herr andern Fällen, das fremde Wort, wo die beleidigende Figur hoch, und Julia, Augusts Gemahunn, schrieb ihm ihr hohes Alter nicht so sehr hervorsticht/ als in dem Deutschen. von 8 2 Jahren zu. Die Rhabarber, plur. car. eine Pflanze, welche an den Grän- Der Rheinfarn, S. Rainfarren. ze,i zwischen China und derTartarey einheimisch ist, und deren Das Rheingolö, des —es, plur. car. Geld, welchesairsdem Wurzel in der Arzenepkuude sehr bekannt ist, daher auch diese ei- Saude des Rhemstromes in einigen Gegenden ObcrdeutschlandeS gentlich Rhabarber heißt; R.!ieum palmatum l^.cchteRha- gewaschen wird. ,, ^ ^ barber, zum Unterschiede von einigen andern Arten, wohin die Der Rheingraf, des—en, plnr. die —en, eigentlich ein R-ichs- krausblätterige Rhabarber, Rlieum üüadnrbarum l^.ge, höret, welche sehr lange für die echte Rhabarber gehalten worden, und inChina und Sibirien einheimisch ist. DerNahme ist so ausländisch als dasGcwächs selbst. Die erste Sylbe ist allemAnsehen nach von bUrii, dem alten Nahmen derWolga, zum Unterschiede vondcrMtL kontre-t. Die 7lheöe, S. Rehde. Der Rhein, des—es , plur. !vu5. der eigenthnmliche Nähme eines großen Flusses in Deutschland; der Rhcinstrom. In der Schreibart dieses Rahmens haben die Deutschen nun einmahl die Schreibart derGriechen undRömerRstienus beybehalten,Zumahl -a manche rauhe Oberdeutsche Mundarten dem r ohnehin gern eineuHauchlant zugcsellen,dah w mau diefenNahmeu in den altern Zeilen auch Hrein geschrieben findet. Indessen ist er echten Deutschen Ursprunges, und, als ein naher Abkömmling von dem Zeitworte rinnen, und dessen Stammworte reinen, fließen, Griech. eigentlich eine allgemeine Benennung eines jeden Baches ober Flusses. InGcanbünden,dem Vawrlaude unsers Nhemstro- mes- gibt es unzählige Bächrund kleine Flüsse, welche daselbst Rhein genannt werden', und in ber so genannten Romanischen Sprache heißt jeder Bach kxÜEN. Auch die drey Duellen des RheiiHlromes in Graubüudeu werden durch die Nahmenvorderrhein, Mittelrhein und Hinterrhein unterschieden. Übrigens muß mau diejenigen Wörter, welche mit Rhein zusammen gesctzer werden, nicht mit denjenigen verwechseln, welche Rain und Rein vor sich haben, obgleich solches sehr häufig gcschiehet. Die Rheinanke, plur. die—n, der Oberdeutsche Nähme eines cßöarenFifches,mjt gläuz.udcu silberweißen Schuppen,wclche ein wenig blau mit,iirterspwlen, einem we!ßen Bauche, und^auf dem Rücken zwey, unten aber drey Floßfedern. Er wird über zwey Spannen lang,und hält sich besonders imBodensee, vielleicht auch rn demRheinstrome, auf, wo er auch Rheinlanke oder Seeforelle genannt wird. Vermuchlich ist rr eben der Fisch, welcher im Mittlern Lateine unter demNahmLiiRlleüorL und/tncüorLZo vor- konunt. DLstirret car^amOLllubius,heißt es bey demSeua-t. B.»2,Br.4, a veoias L».cti viel als z,»bereiten, hervor bringen, bew^kstel- ligen. Etwas in das Werk oder ins Werk r chten, cs bewerkstelligen, ansrichten,wirklich rnachen. Jemanden zuGrunde richten, seinen Untergang bewirken. Die Arzenep auf jemandes Zun »nd richten. Besonders in den Zusamttu'nsctzungen abrichrcn, an- richten, ausrrchten, einrichren, verrichten u. s. s. Die Ausdrücke nichts richten, nichts bewerkstelligen, nrch-s ausrichte»», alles zu einem g»»ten Ende richten, bringen, crnrichten, n. s s. sind nur in einigen gemeinen Mundarten üblich. Bey den altern Oberdeutschen Schriftstellern ist ruLülre-r» besorge», ausrichmk, wovor» noch unser ruchlos qbstammct, und dieses scheinet das nächste Stammwort von richten in dieser Bedeutung zu seyn, welches vermittelst des intenstvcn t davon gebildet worden. Auch im Schwed.r'si so wohl als reks, im Angelst rsceär» , und reecau, i»n Island, r ökiü, iiuFiunländüchen i uoclcov, ansrichten, bechrgen. Vielleicht gehöret auch die bey den Jager,» üblrcheR. A. hierher, zu Holze richten, einen Hirsch, Thier oder wilde San mit demLeichunde im Holze arrfsuchen, den Ort im Holze ansfundig machen, wo sich dieselbe»» befiirder». Z. Eine BeweW.ng in gerader Linie nach einrm gewisscnPiincke bestimmen; daher die Richtung, die Bestiiumung dieses Punctes, und die gerade Linie, welche ein Körper in seiner Bewegung durchläuft. i) Eigentlich. Seinen Weg nach einem Orte oder wohin pichten. Die Augen auf etwas rechten. Die Augen gen Himmel richte»». Seinen Lauf wohin richten. Die Segel nach Hern Winde richten. ' DicBanonen aus die Stadt richte»». Und erblicher einen Schützen, Der sein Rohr aufihn gerich.t, Lichtw. MeineBbiEe durchliefen mit langsamer Richtung mein einsames Zimmer , Hermes. Indessen ist cs hier nicht in allen Fällen üblich, weil in andern andere Zeitwörter üblich sind. Man sagt nicht, die Hände gen Himmel richten, sondern heben, die Hand nach »ernanden richten, sondern ausstreckcn u. s. s. Zu engerer Bedeutung ist richten absolute, einer Bewegung und denThei- ken, von welchen dieselbe abhängt, die verlangte, der Absicht gemäße Richtung geben. Eine Uhr richten, sie stellen. Die Rationen richten. -- Figürlich. scvMitöeM Vorworte auf. Die Gedanken, sein Herz, seinen Ginn auf etwas richten. Sein Gebeth Zu Gott pichten. Die ganze Sache ist dararrfgerichtet. Seine Absicht ' 5 . Absicht, aufetwas richten. Ich muß mein Herz mehr aufsis richten, als auf ihn. Man kann den natürlichen Trieb zu gefallen nie genug ausbilden, so fern man ihm eine gute Richtung gibt, Dell. Die Umstande, worin wir uns in dem Laufe unsers Lebens befinden, geben der noch unbestimmtenRraft der Seele die Richtung, (b) Sich nach etwas oder nach einer Person richten, es oder sie zum Bestiminnngsgruttde seines Verhaltens nehmen. Sich nach eines Rath, nach dem Begriffe seiner Zuhörer richten. Ich kann mich nicht immer nach dir pichten. Unsere Empfindungen richten sich nach den Vorstellungen unsers Verstandes, Gsfi. DieoffentlicheAchtungrichtet sich atlemnhl nach den Diensten, welche man dem vater- landeleistet. Die R. A. mit dem Vorworte in, sich in jemanden richten, sich in ihn Zu schicken wissen, sich nach ihm richten, sich in die Zeit richten, für schicken, find im Hochdeutschen nicht so gewöhnlich. Schon bey dem Notker kommt reinen in diesem Verstände vor. 4 . Sprechen, urtheilen, streitige Sachen schlichten, gerichtliche Erthkile vollziehen ^ s. f. ,) *Sprechen; eine völlig veralteteBedeutung, wovon »och deutliche Spuren in den Zusammensetzungen berichten, Bericht, Nachricht und unterrichten Vorkommen, woraus' zugleich erhellet, daß richten in dieser ganzen vierten Hauptbedeutung ein naher Verwandter von dem alten rechen, sprechen, zählen, (S. Rechnen,) und von unserm sprechen ist, welches letztere vermittelst des Vorlautes sp daraus gebildet worden. 2) Urcherlen, ein Urrheilfällen ;sowohl überhaupt, wo es doch wenig Nehr vorkomrnt. Loch, richte selbst, was wäre sie, (die Tugend,) wenn sie nicht kämpfen miißre k Gell. Lied. Als auch in engerer Bedeutung, ein Urtheil über das Verhältniß Liner Person oder Handlung gegen das Gesetz fällen ; in welchem Verstände es noch in der Deutschen Bibel sehr häufig vorkommt» Die Sache wird Sott richten. In der Geschichte treten die Menschen auf, nicht um Schmeichele^ einznernten, sondern s gerichtet zu werden. Auch im gemeinen Leben ist es noch sehr üblich, das Falle» eines nachtheiligen Unheiles über das sittliche Verhalten anderer zu bezeichnen. AlleLeute richten>benrthcilcn, und in engerer Bedeutung, sie für schuldig, strafbar, tadelhaft erklären. Ich richte niemanden, v or der Zeit richten. Riche rer nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet, Matth. 7, Ws man im gemeinen Leben auch das Jntenfivum richtern hat. Da kugelt er sein Ohr mit richtenden Gewaschen, Günth. In noch eugererBedeutung war es ehedem sehr üblich,dio>gcricht- licheBeustheilung einerPerson sderHandlung-nach demGesetzezu bezeichnen, ein gerichtliches Urtheil fällen; welche Bedeutung in derDeutschei, Bibel sehe hänfig ist, aber in der Men Schreibart wenig mehr vorkommt. Er war erfahren gnug, die Rechte zu verstehn, Und hatte sich schon reich gerichtet, Giseke. G. Richtermnd Splitterrichter. Z) In noch engerer Bedeutung,eine streittgeGache schlichten, ein Urtheil über eineStreitsache fällen, es geschehe «»».gerichtlich oder außergerichtlich; eine Bedeutung, welche ehedem gleichfalls häufiger war, als jetzt. Einen Streit, einen Prozeß richten. Zwischen streitigen Partepen richten; eine fast ganz veraltete biblische R. A. Ehedem war richten und rächten auch einenBer- gleich, einen Vertrag schließen, und Richtung ein Vertrag. 4) Ein gerichtlich gefälltes Lodesnrtheil vollziehen. Jemanden mit dem Schwerte richten, ihn enthaupten. Ihn mit dem Strange richten, ihn henken. Mit dem Rade, mit dem 5euer gerichtet werden, gerädert., verbrannt werden. In engerer Brdeutung ist rächten mit dcmSchwerte enthüuplcn.Zr.n gemeinen Leben hat man das Mähcchen, daß ein Scharfrichter., wenn er eine gewisse Anzahl Missethäter enthauptet hat, sich srey oder zum Doctor richten könne. Richten gehöret in dieserBedeutung zu der N. A. jemanden sein Recht thun. Auch im-Schwed. ist Rätk die Lebensstrafe, Wenn es in dem znsammen gesetzten Hinsichten für tobten überhaupt gebraucht wird, so scheinet es alsdann eine Figur von dergerichtlichen Vollziehung eines To.dcS- nrthelles znseyn. So auch die Richtung in ben drcy ersten Hauptbedeutungen, und dasRichtcn inall n, besonders-in der vierten. Anm. Schon bey uilftrn ältesten DberdeutschenSchri'stftellern poildemKero an im Niederst gleichfalls richten, im Sch/ved. r/lrta. DieEndsylbe—ten ist hier ein Zeichen ciites Jlltensivi, dessen Stammwort das veraltete richen ist, welches zwar in dieser Form veraltet ist, aber in unftrm reichen, regen, rechnen, dem Latein. reZero, räZere u. s. s. noch zum Grunde liegt. Es ist mit diesem Worte, wie mit so vielen andern gegangen, welche unmittelbare Nachahmungen deS Schalles find, und daher mehrere dem Anscheine nach so sehr verschiedene Dinge bezeichnen , wenn sie sich den ersten Erfindern der Sprache unter ei- nerley Schall dargestellet haben. Die Schälle, welche in diesem Worte, oder viclmehr1>essen Skammworte reichen,richen, rechen, regen, deun diese find j>.n Gruirde alle Eins, zum Grunde liegen, sind vornehmlich: 1) Der Schall der Bewegung überhaupt, als ci» Verwandter von Rechen und regen, und dahin gehöret so wohl die zwcy re.als auch die veraltete Bedeutung desHerrschcns, Rc- gierens, in welcher ehedem so wohl reichen und reichsen, als richten «blich war, und worin es mit dem Latein, regsre überein kommt, (S. Reich und Regieren.«) DerAnsdehnung in dieLäuge, besonders, als ein Verwandrervon reichen, und den Latein, eri- Aerestckirixere u. s. s. wovon die erste und dritte Bedeutung Figuren sind, (S. auch Recht.- z) Der Rede, der Sprache, als ein Jittensivum von dem alten ratiÜLn,sagen,sprechen; von welchem Gebrauche unser richten in der ganzen viertenBedentung aö- zustammen scheinet, ungeachtet es hier gemeiniglich als eineFignr der dritten angesehen wird, von welcher sie doch nur ein Seiten- verwandter ist. S. Rechnen und Sprechen. Der Richter, des —s, plur.mnom. stuZ. von dem vorigen Zeitworte, t. EinWerkzeug oder Dir»g, die gehörige Ausdehnung ^iies Dinges, oder die Richtung seiner Bewegung zu bestimmen ; in welcher Bedeutung es doch nur in einigen Zusammensetzungen üblich ist. «- Sine Person, welche richtet, in den meisten Bedeutungen des Zeitwortes; Fämin. die Richterinn, so wohl eine werbliche Persen dieser Art, als auch die Gattinn eines Richters. i) An den drcy ersten Bedeutungen ; wo es doch gleichfalls nur i» einigenZusantmensetzlUlgenüblich ist, dergleichen Anrichker,Ausrichter u. s. f. sind. 2) In der vierten, eine Person männlichen G.schlechtes,welchedie Beschaffenheit andererPersonenttiidDinge beurtheilet. Vornehmlich auch nur in den zusammen gesetzten Bücherrichter, Ännstrichter, Gplitterrichter u. s. s. Z» engerer Bedeutung ist der Richter derjenige,welcher die Beschaffenheit der Personen und ihrer Handlungen nach dem Gesetze beurtheilet. Gott ist der höchste Richter. Ich erkenne dich nicht für meinen Richrsr. Im engsten Verstände ist es die obrigkeitliche Per- soi-i dieser Art, diejenige Person, welche in einem Gerichte Sitz und Grimme hat, besonders diejenize, welche darin den Vorsitz führet. Lin gerechter, ein bestochener R ichttr. Wo es zuweilen auch für das Gericht selbst stehet. Line Sache an den Richter gelangen lassen. (S. äofrichter, Bammerrichrer,Bergrichter , Blutriryter u. s. f.) Zu manchen Fällen bekommt der Richter,--, i. die Vorsitzende Person in einem Gerichte, andere Nahmen N chmen, drrglerÄendie Nahmenpeästdent, Gerichts D-rector, Gerichtsverwalrer, Gerichtsrögt, Vogt, Schuldheiß, Ge- richtsschuldheiß u. s. f. stiid. Der Dorf od. r B rurvrnvichter ist an manchen Orten auch unter dem Nahmen des Baue. Meisters, Hufenrichters, Schuld!,eisten u. s. f bekannt. An den Orten, wo das Lübische Recht gilt, heißt die vorfitzenbe-Person in eiu.M Unrergerichte der Gerichksvogt, dieSchöppenvderBepsttzcr aber Richter oder Ander. Nach einer andern E nscheänknng ist der Ri chter derjenige, welcher die Streitigkeiten anderer entscheidet, eS geschehe nun gerichtlich oder außergerichtlich. IndiesepSache kannst du nicht Richter fepn. (S. auch Schiedsrichter.) Ju der Bedeutung der Vollziehung eines Todesnrtheiles ist es nur in den Zusammensitzungen Nachrichtcnnw Scharfrichter üblich. Anni. Bey dem Notker im Böhmischen K^cillar. So ferirdie Sprechnng des Rechtes eine der ersten und vornehm» sten Obliegenheiten der höchsten Obrigkeit ist, war Richter in den frühesten Z-neu auch so viel als Regent, iu welchem Verstände die altern Juden Richter hatten, ehe die königliche Würde bep ihnen üblich wurde. DnöRichteramd des—es, plur. die—innrer, dasAmt,d.i. der ganze Umfang derObliegeuheneu, und dieWürde eiaeöRich» tecs in der zweyten enger« Bedeutung. Rr-yterUch, u.-.ij. et LÜV. einem vitchter ähnlich; noch häufiger aber, von dem Richter herkommend, in besten Amt und Gewalt gegründet. Dt? richterliche Gewalt, das Recht, den Werth der Handlungen nach dem Gesetze zu bestimmen. Eine Sache auf richterliches Ermessen ankommen lassen, auf den AuSspruch des Richters. Richtern, verd.r-eZ.Lct. welches das Jntenfivum von richten ist, aber nur im gemeinen Leben einiger Gegenden üblich ist, tadeln, berrrtheilemkritifiren. Alles richtern wollen. (S. Richten 4 s). Zu einem andern Verstände ist es im Würfelspiele üblich, wo zwey Personen richtern oder stechen, wenn sie, nachdem sie einerlei) Zahl geworfen haben, noch Em Mahl werfen. DerRichterstgthl, des—es, piur.di^—-.stichle, eigentlich, der Stuhl,woraufdcr Richrer luAuSübmkg feines AichteramteS fitzet, figürlich aber auch der Richkcr selbst, das Gericht, wer getrauet sich diesen Betrug vor der Welt und dem Rlcr-rer,irchle des Gewissens zu rechtfertigen? Gell. Ehedem auch Richtstuhl, welches noch in der Deutschen Bibel vorkommt, aber in der an- ständigern Sprechartzu veralten anfängt. Drrs Ricytejsen, des—s, plur. ut nom. lruA. im gemeinen Leben einiger Gegenden, eine Mahlzeit, welche den Zunmerleuten Hey Richtung einesGebäudeS von dem Bauherrn zurErgetzlichkcit gegeben wird ; im Niederst auch das Richtbier, in Meißen der Hebeschmaus, das Hebemcchl. DerRrchthttMnrer, des—s, plur. die—Hammer, eiu Hammer, einen auderu Körper damit zu richten, d. i. seiner Ausdehnung dletzehöeigeRichLNngznertheilen,mid in eugererKedentung, ihic gerade zu richten. So-lvird derjenige Hammerin den Kupferhämmern, womit das Kupfer gebreitet und ausgeschmiedet wird, der Richthammer genannt. Bey den Schleifet?« der Tnchscheren ist es eilt Hammer, womit die Blätter der Scheren gerichtet wrr- dcn, welches auf dem Richtstcinegeschiehet. Das Rick)thaU8, des—cs, plur. die—Hauser, eine im Hochdeutschen veraltete Benennung eines GcrichtShauses, welchem der Deutschen Bibel nuchrmahlS vorkommt. Ottfried nennet es das diprahkus, im Tatian aber heißt es das lülucüus, D i u r Haus. Düs Rrchtholiz, des —es, plur. die—Holzer, ein Bret Herr Naiver mir kurzen Stiften, den Draht zu den Nadeln dazwrschktr «.erade zu richten» Richtig, —er, —ste, a6j. et u 6 v. welches vermittelst 5er Ab- leicungssylbe —igvoit dem veraltete i Z itwpite Richt, Recht gerade und gehörige Beschaffenheit, oder auch von dem Zeil.vorie richten, abstammet, r)* Gerade- eben; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung. Was krumm ist, soll richtig werden, Luc. z, 7 .' Leite mich auf richtiger Bahn, Pst -- 7 , > r ; wofür itt andern Stellen ebene Bahn' stehet. 2 ) Das gehörige Maß, die gehörige Zahl habend.iilgtcichen die gehör ige Zeir beobachtend. Ein richtiges Mast. Das Mast ist nchtig. Die Uhr geht richtig. Die Posten gehen jetzt gar nicht richtig. Richtig bezahlen, zur gehörigen Zeit. Ein richtiger Bezahlet.-. Eine Summe ist richtig, wenn nichts daran fehlt. Eine richtige Rechnung, die Rechnung ist richtig. Das ist nicht richtig gezählt. Auch im Schweb, ist riktiA die gcbörigenTheile habend. 3 > DerOrdnung, der Einförmügkeit, der Übereinstimmung und Einigkeit gemäß. Alles in richtige Ordnung bringen.. Es ist alles richtig, in die g-, hörige Ordnung gebracht. Im Oberdeutschen sagt man auch ein richtiger Mensch, d. i. ein ordentlicher. Etwas richtig machen, in der vertraulichen Sprechavt, eS bezahlen. Es ist schon alles richtig gemacht, bezahlt. (S. Berichtigen.) Oer Brief ist richtig bestellt, an seinen gehörigcnOtt gebracht. Mit jemanden richtig werden, einig, mit ihm Eines SinueS und Willens werden. Lassen ste uns jetzt wegen dieser Sache richtig werden. Peter und Dorcheu sind mit einander richtig, Weiße. Ist denn die Sache schon völlig richtig? in . Orduuug zu Stande. Es ist minder Heirarh richtig. 4 ) Dem gehörigen Zustande gemäß, besonders in einigen R A. Es ist hier nicht richtig, sagt man im gemeinen Leben, wenn es an - einemOete vorDieben,Räubern u. s. f. nicht sicher ist, iuMchen, wenn derselbe wegen Gespenster verdächtig ist. Es gehet hier nicht richtig zu, nicht mit rechten DinFn. Nicht richtig im Ropfe seyn, verrückt s.yn. Es i»mit ihrem Herzen nicht richtig, Weiße. Ich dachte gleich, daß, es mit deinen Tollegpr nicht richtig zuginge, Schlcz. wenn cs in seinem Gehirne so richtig stunde, als in seinem Gewissen, so wollte ich gut für ihn" sepri, ebeild. z) Der Vorschrift, der Regel, dem Gosche gemäß. So kommt eS in der Deutschen Bibel mehemahlS für gerecht vor, so fern auch dieses dem göttlichen Gesetze gemäß bedeutet, iu welchen! Verstände eS aber im Hochdeutschen veraltcL ist, wo mau eS mir noch in einigen Fällen g.'deaucht, wenn eine Sache der Vorschriftcher Regel, der Kunst gemäß ist ; für regelmäßig. Ein richtiges Testament, ben welchem alle erforderlichen Umstände beobachtet worden. Richtig schreiben, recht, im Gegensätze de- falsch. Die richtige Schreibart, die wabre, rechte. Ein richtiges Verfahren, welches der Vorschrift gemäß ist. Es ist-dabep nicht richtig verfahren worden. Richtig^ Zeitwörter; in der Sprachkunst, welche nach den allgemeinen Regeln abgewan- delt werden; welche mau doch lieber regelmässige nennt. 6) Mit der Sache selbst übereinstimmend, der Wahrheit gemäß, und zuweilen auch Fertigkeit besitzend, der Sache gemäß zu urtüeilen. Ein richtiges Gewissen,dessenUrtheile hinlänglich wahr und nach dem Gesetze gegründet sind; im Gegensätze eines unrichtigen und irrigen. Der richtigste und besteverstand, ohne Anwendung auf das Herz, ist ein Schatz, der seinen Besitzer darben laßt. Gell. Richtig denken, urtheilen, schließen. - Die Natuv hlerbt das Hauptbuch, worin der neugierige Änabe lernen, und richtige Bilder inseinen verstand einsamnrelii muß, Gell. Es mag mit ihrer großen Frömmigkeit eben nicht so richtig fepn, als mir die Leute gesagt haben, ebeich. Titian war in feinen Zeichnungen nichtrichtig, weil er die Wahsheit verfehlte; Poussin und le Brün zeichneten richtiger. Auf eine richtige Frage gehöret ciire richtige Urrrwopt, welche der Sache gemäß. gehörig iioL Mich gehörig bestimmt ist. Richtig! eine im gemeinen Lebe» sehr übliche Jnterjection, die Wahrheit einer Erzählung zu bejahen. 7) Im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart wird es auch häufig als eine Art einer Versichernden Partikel gebraucht, stic zuverlässig u.s. f. da sieden» eine Figur der vorigen Bednu- tung zu si'yn scheinet. Er har es richtig wieder gesagt. Ach, ich höre cs klapsen l, — Fa das Rüchcnmadchcn hat richtig eine Ohrfeige von ihr weg i Hermes. Das habe ich richtig vergessen. Anni. ZmNiedersrichtich, undmit einem andern Endlaute, rcken, welches eigentlich rein bedeutet, im Schwed, rlktix, welches doch aber nur vollständig bedeutet, alle seine gehörigen Theile hübend. Ehedem wurde es im Deutschen auch für aufrichtig gebraucht, welche Bedeutung noch in einigen biblischen Stellen vorzukommen scheinet. Die Richtigkeit, xlur. ivus. der Zustand, die Eigenschaft, da . eine Sache richtig ist, in den meisten Bedemyngen des vorigen Beywortes. i) *Die gerade und ebene Beschaffenheit eines Dinges ; in welcher Bedeutung es aber gleichfalls veraltet ist. 2) Derjenige Zustand, da eine Sache ihr gehöriges Mast, ihre gehörige Zahl, ihre bestimmte Zeit hat. Die Richtigkeit einer Summe, einer Elle, z) Derjenige Zustand, da sie der Ordnung, der Einstimmigkeit, der Übereinstimmung gemäß ist. Seine Geschäfte, seine Sachen, seine Rechnungen in Richtigkeit bringen, in Ordnung. Meine Sachen sind noch gar nicht in Richtigkeit gebracht, Gell. Die Sache hat nunmehr ihre Richtigkeit, oder es hat mit der Sache seine (S. Sein) Richtigkeit, sie ist ausgemacht, richtig, in Ordnung gebracht, verglichen. Die Richtigkeit im Handel und Wandel lieben. Richtigkeit mit jemanden machen oder pflegen, in engerer Bedeutung, seine Rcchnnn- Zen mit ihm in Nichtigkeit bringen ; ingleichen, ihn bezahlen. Ich kann nicht mit ihm zur Richtigkcir kommen, kann nicht mit ihm einig werden, und in engerm Verstände, kann nicht mit ihm zum Abschluß der Rechnungen kommen. Heute müssen wir zur Richtigkeit kommen, Weiße, müssen wir in dieser Sache einig werden, sie ausmachen, beschließen. Dissen punct wollen wir un- . maßgeblich gleich in Richtigkeit bringen, Gell. 4) Derjenige Zustand, da eine Sache ihrer gehörigen Beschaffenheit gemäß ist; doch nur in einigen Fällen. Etwas in Richtigkeit bringen, es in einen Stand sitzen, der seinem Endzwecke gemäß ist. Es hat damit seine Richtigkeit. Die Richtigkeit einer Uhr. Ich möchte wohl wissen, ob es mir seinem verstände seine völlige Richtigkeit harre. 5) Der Zustand, da eine Sache der Regel,, der Vorschrift gemäß ist. Die Richtigkeit eines Verfahrens, der Schreibart, der Zeitwörter in der Sprachlehre. Die Richtigkeit einer Schuld, da sie liquide ist.. 6) Der Zustand, da eine Sache der Wahrheit gemäß ist, mit der Sache selbst übercin-- stimmet. Raphael wird wegen der Richtigkeit seiner Zeichnungen unendlich hoch geschätzt, wegen ihrergenauerr Übereinstimmung mit der Natur. Die logische Richtigkeit, wenn etwas Mit dem Gegenstände selbst genau überein kommt. Ingleichen für überzeugende Gewißheit. Die Sache hak ihre Richtigkeit , oder es hat damit seine Richtigkeit, sie ist überzeugend gewiß. Das hat seine Richtigkeit. Gesetzt, daß es mit der Sache seine Richtigkeit hakte, daß sie ausgemacht, wahr wäre. Richtkeib, des —es, plur. die— e, in der Geschützkünst. derjenige Keil, womit die Kanonen gerichtet werden. Der Richtklöppel, des — s, plur. ut nczm. linx. bey den Kohlenbrennern, welche dieses Wort RichMiebel sprechen, ein langes Holz an dem Quendel, dem Zimdlpche damit- sein Dasi'pn und sime Richtung zu geben.. Adel.V.R.Z.^h.2-.Auff,. Mich ' DE« Düs Rlchtkorn, des — es, plur. die—körner, an den Schieß; gew.-hren, ein messingenes Korn aufdcm Laufe nahe an der Mündung, sich im Zielen darnach zu richten; das Ropn. Der Richtleisten, des,— s,xiur. utvom. stuZ. ein gebroche. nee Leisten der Schuster, welcher in den Schuh gesteckt und durch Keile aus einander getrieben wird, die Schuhe darnach zu richten. Das Richtmahl, des—es, xlur. die — e, und —mähler, S. Richtesscn. Das Richtmaß, des — es, plur. die—e, in einigen Gegenden das Aichmaß, wornach sich alle andere Maße richten müsse». So auch Richtscheffel, Richrclle, Richikanne u. s. s. DerRichtpfeunig, des— es, plur. die—e, in den Münzen, ein Gewicht,welches den 6zzZ6ste„Theileiner Mark ansmacht, und wsrnach das Gewicht der Münzen eingerichtet, d. i. bc- siimmtwird. DerRrchtplatz, des — es, plur. die — Plätze. 1) Derjenige Platz, auf welchem ein Missethatcr gerichtet, d. i. hmgerichtet wird; dieRichtßatl, Richtstätte. «) *Dcr Gerichtsplatz, derjenige Ort, wo Gericht gehalten wird; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, welche Apost. 17, 19, 2 2 vorkommt. Der Richtschacht, des — es,, plur. die—schachte, im Bergbaue, ij einjeder Schacht, welcher senkrecht in die Tiefe gebet ^ von recht, richt, senkrecht. 2) Ein GrLnzschacht, vielleicht, 4 veis er die Gräuzcn richtet, d. i. bestimmt. Der Richtscheffel, des—s, x!ur. u t vom. stnx-S. Richtmaß. Die Richtscheite, vluv. die — n, bey den Schlössern , die Einschnitte in dem Gchluffelblatte zu Deutschen Schlössern, welche Hey Französischen Schlössern Mittklbrüchogenannt werden. Das Richtscheit, des —es, x>!ur. die — e. I) Ein Scheit, d. i. langes dünnes Holz, die richtige, d. i. gerade Beschaffenheit eines Körpers damit zu erforschen, ingleichen gerade Linie i damit zu ziehen; Niederst Richcholt. Solche Richtscheite haben die Maurer und Zimmerlrute. Ein kleineres Werkzeug dieser Art, dessen man sich auf dem Papiere bedienet, ist unter dem Nahmen eines-Lineales am bekanntestem 2) An der Drehlade der Zinn- ßießcr ist es eine ansgehohlte Stange, worauf der Arm ruhet, demselben vermittelst derselben die gehörige Richtung zu geben. Ein ähnliches seukrechte/Ersen andernDrchstuhle der Uhrmacher, welches hoch und niedrig geficllet werden kann, und im Drehen den Grabstichel trägt, wird gleichfalls das Richtscheit genannt. Die Richtschnur, plur. die-— schnüre- bey den Werklcute», eine Schnur, theils gerade Limen mit derselben zu machen, theils auch die gerade Beschaffenheit eines Dinges damit zu erforsche^; wo sie auch nur schlechthin die Schnur gcnamtt wird. Weißt du, wer über sie (die Erde) eine Richtschnur gezogen hat s Hiob Z 8, Z. So auch Klagel. 2, 8. Figürlich wird es, doch ohne Plural, sehe häufig von einer jeden Vorschrift, einem jeden Bestimmuttgsgrun- de des Verhaltens gebraucht. Nach der Richtschnur, der Gesetze leben. Der Eigennutz ist die Richtschnur aller seiner Gefin« nungen lind Handlungen. DasRrchtschrcert, des—es, plur. die — er, ein Schwert, so fern cs zur Hiurichtung eines Verbrechers gebraucht wird, das Schwert des Nach-oder Scharfrichters. DieRichtspille, oder Richtspmöel, plun. die — n> bey den Drahtziehern, ein Bohrer, welcher vermittelst eines Bogens in Bewegung gebracht wird, die Löcher damit in die Zicheisen zu boh« ren. Bey andern Handwerkern wird er die Rennspindel ,, der.' Drillbohrer u. s. s. genannt , S. das letztere.. Die Richtstange, plur. die — n, eine Stange, cm anderes Ding damit zu richten. In den Windmühlen ist es eine eiserne Stange über dem Mühlsteine, diesen damit. me.r'tkr. sdem enger zu stellen.: A-Ü.as: ZM' DreRichtstatt, plur. die—stätke. I)(S.Richtplatz.) 2) In dem Jagdwesen wird auch ein durch den Wald gehauener, Weg, den Jagdzeug daselbst zu richten, d. i.anfznskellen, und welcher auch der Richtweg, Stellweg, Flügel, Dnrchhieb und das Geräumte heißt, die Rtchtstatt genannt. Die Richtftätte, plur. die — n, S. Richtplatz. DerRtchtsteig, des—es, plur. die—F, im gemeinen Leben, besonders Zriedersachscns , ein FuMeig, so fern er in die R chre gehet, das ist, den gerader« und nähern Weg führet, als die ordentliche Straße; im Mittlern Lar. ^6rnl.t-ria. Ls (mein Gesicht) irret und vermag Den Richtstcig nicht zu gehen, -Opitz. Wo es in wciterm V- rstande einen ebenen, gebahnten Weg zn bezeichnen scheinet. Ji» den Rechten ist diejenige allgemeine Prozeß-Ordnung, welche Hermann von Oeßfeid und Jokann von Weck unter Carln /?". versertiglen, unter dem Nahmen des Richt- steigcs bekannt. Der Richtsiein, des — es, plur. die—e, S. R-chchammer. Der Richtstock, des —es, p!ur. die — stocke, dey dt»Z e>nur- leuten, ein Nähme des nach Fußen und Zoll-n eingechclUi r. - siockes. Bey den Büchsenmachern ist der Richtstock ein n-ernes Werkzeug mit cinctt Riitue, eiu Nohr, welches sich geworfen hat, darin gerade zu biegen. Der'Rrchtstrchl, des —es, plur. die —stichle, S. Richtcrstuhl. Auch der Stuhl, auf welchem ein Delinquent gerichtet, d. »..enthauptet wird, führet den Nahmen des Richtstuhles. Die Richtucktz, plur. die — c,n, S. in Richten. Der Richtwey, des—es,plur. die — e, S.Richtstatt. Die Ricke, plur. die — n. i) Bey den Jägern, ein Reh weiblichen Geschlechtes; die Rehhindinn, im Gegensätze des Rehbockes. Ja eruigenGegenden führet auch die Ziege den Nahmen einer Ricke. (S. Reh.) 2) Eine Art Krähen, welche auch Rate, Racker, Roche genannt wird, lauter Nahmen, welche Nachah, mungen ihres eigellchiimüchm Geschreyes sind, S. äafcrricke mld Racker. Die Riebsel, plur. die—n, in einigem Gegenden , besonders Oöcrdcmschlandes, sowohl die Stachelbeeren, als auch die Johannisbeeren, (S. diese Wörter,) welche auch wohl Riebftlbeeren genannt werden. Der Nähme ist mit dem Lac. lindes zu genau verwandt, als daß mau es sollte verkennen können, ob er gleich, gerviß nicht daher entlehnet ist, sondern mit demselben von einem gemeinschaftlichen altern Stamme herkommt. Riechbar, ackj. el aclv. fähig, durch den Geruch empfunden zu werden. So auch die Riechbarkeit. Der Riech Horn, des — es, plur. die — en, in einigen Gegenden, eine Art wilder Rosen mit wohl riechenden Blättern, welche aufdcr unrern Seite rostfarbig sind; Wichdorn, k.osn eAlants» rin Riechen, verb. irreZ. ich rieche, du riechst, (Oberd. reuchst,) er riecht, (Oberd. reucht;) Jmperf. röch; Mittelw. geröchen; Jmperat. rieche, (Obecd. reuch) Es ist in doppelter Bedeutung «blich. i. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, feine Ausdunstungen von sich gehen lassen, welche eilte Veränderung in den Nerven der Nase verursachen, oder vermittelst des Geruches empfunden werden. Gut oder wohl riechen, übel, schlecht riechen. Es riecht wie Rosen, oder nach Rosen. Nach Ambra, nach Zwiebeln u. s. f. riechen. Etwas riechend machen. In engerer Bedeutung faul, verdorben riechen, den Anfang der Fäulniß, oder desVecderbens durch denGernch an den Tag legen, für das niedrigere stinken. Der Todte riecht schon. Das Fletsch fängt an zu riechen. Riechendes Fleisch. 2. Als ein Actt'vum, diese feinen Aiisör'instüirgen in und mit der Rose empfinden, diejenigen Ausflüsse cmpsinden, welche eine Veränderung in der Nase hervor bringen, r) Eigentlich. Etwas riechen. Ich rieche nichts. DieThiere riechen den Menschen von weiten. Jemanden etwas zu riechen geben. Den Braten riechen, inKleichen Leute riechen, im gemeinen Leben, envaS merken, von weiten entdecken, vermuthen. Rem pulvcv riech?« rönnen, zaghaft, ft"'ge scyn. Jilgleichen mit dem Vorworte an. An etwas riechen, die Nase einen» Dinge nähren, um den Geruch zn lMpsinden. An den Blumenstrauß riechen. '-') Jiginlich. (a) Das konnte ich nicht riechen, in der niedrigen Sprecharl, nicht merken, nicht wisse», ch) An etwas rieeyen, auch nur im gemeinen Leben, demselben nahe rommen. wie eine ssächsene Schnur zerreißt, wenn sie ans Feuer reuest, Nicht. >6, 9. Er darf nicht in mein 6-uis riechen. Ich mag nicht riechen in eure Versammlungen , Auws 5, 2 -. Daöer das Riecher». S. auch Geruch, ingleichcu verrirchen Mld Beriechen. Ann». Im Niederst rucken und ruken, im Angelst, reue, und selbst »m Hcbr. und wo auch n>1, so wie im Arab. Ruliliu, der Geruch ist. Es ist von Rauch und rauchen nur in der Mundart verschieden. Notker gebraucht rleclren für rauchen, und noch in Schwaben sagt man der Dfen riecht für raucht; auch im Niederst ist xuken einen Geruch machen, wofür wir räuchern sagen. DecGrund dcrBcnennung liegt ursprünglich in einer lau- samcn leisen Bewegung, welche durch riech, reich, reg, ausge- druckt wird, und welche mchrebuDingeu gemein ist. (S.Rriechen, Reichen, Regen u. s. f.) Die Form du reuchst, er reucht, ist nurttinigen rauhenOberdeutscheu Mundarten eigen, ist aber, weil sie der» Mund mehr füllet, von einigen auch in die höhere Schreibart anfgeyommeu worden, ungeachtet dcrMißklang »uerkltch genug »st. Einige Oberdeutsche Gegenden, z. B. Baier«, kennen dieses Zeitwort fast gar nicht, wenigstens in den gemeinen Sprecharten nicht, sondern gebrauchen dafür schmecken; die Rose schmecket schön, ich schmecke nichts. Ob sie nun gleich die Nalurder Sache für sich haben, weil beyde Sinne nahe genug verwandt sind, daß inan sie sürEinen halten könnte, so werden sie doch von andrri» Provinzen dafür verspottet, und müssen sich Schuld geben lassen, daß sie nur vier Sinne Haber». Der Riecher, des—s, plur. ut nom. k»oF. die Nase, doch nur im gemeinen Scherze; in Baier» der Schmecker. Das Riechfläschchen, des — s, plur. ul nom. linZ. ein kleines mir einem stark riechcndenSpiritus angesülsttes Fläschchen, in Ohnmächten u. s. f. daran zu riechen. Das Riechsalz, des— es, plur. doch nur von mehreru Arten, die — e, ein aus Salmiak und Kreide fnblimirtes flüchtiges Salz, in Ohnmächten u. st f. daran zu rjechen, welches, weil es in England erfunden worden, auch Englisches Riechsalz heißt. Das Riechwafser, des—s, plur. doch nur von mchrern Arten, ut nom. linZ. ein stark riechendes abgezogenes Wasser, den Geruch davon m sich zu ziehen, dergleichen z. B. das Lavendetwas- ^ scr ist. Das Rie-, S. Riech. Die Riefe, plur. die — n, eine in die Länge sich erstreckende halb runde Rinne, tngleichen eine solche Erhöhung. Riefen in einer Säule. Daher die-Zeitwörter riefen und riefeln, mit solche» Riefen versehen. Es ist mi» Reif und Rippe Eines Geschlechtes. S. dieselben, ingleichen Riffeln. *Die Riege, plur. die n, das Hochdeutsche Reihe nach der NckderdrurscherlAussprache, welches iuLurher^ Übersetzung ir'.rhr- »nahls yorkommt, der Hochdeutichen Schrr»bart aber fremd »st. Und 1I0K Ri V Vnd sollt es stillen mit vier Riegen voll Steine, 2 Mos. 2 8 ,, 7. Und so in andern Stellen mehr. i. Der Rieyel, des—s, plur. ut nom. ün§. einnur bey den Jägern übliches Wort, welche denjenigen Der, wo das Wild gern hinzukommen pflegt, so wohl einen Riegel, als auch einen Wechsel nennen. Esscheinethier mit regen, reichen, kriechen, welches nnr den Gaumenlaut vor sich genommen hat, verwandt zu sryn, und den Begriff des Gehens, Versammelns u. s. s. zu haben. 2 Der Riegel, des —s, plur. ut vom. lioZ. Diminut. das Riegclchen, Oberd. Riegelein. i) Ein langes gemeiniglich vier- eSres Holz; doch nur in verschiedenen einzelnenFällen. So werden die langen Querhölzer, woran die Latten eines Stacketes und Gittcrwerkes und die Breter einer Planke genagelt werden, Rw- gel genannt, und die Tischler nennen alle auf der Sägemühle geschnittenen viereckigen Hölzer, so wie sie zu diese» Riegeln eines Gitterwerkes gebraucht werden, Riegel. Bey den Aimmerlculen heißen alle oft sehr kurze,Querhölzer, welchezwey seukrechleSröu- der oder Sänken mit einander verbinden, Riegelt Ein Riegel, die Kleider und anderes Gcräth daran zu hängen, ist ein horizo». tales Stück einer Latte, welches entweder mit Zapfen oder mit eisernen Haken versehen wird. JmForstweftuwird auch cinStück Holz, womit man ein anderes schwereres anfhebr, ein kurzer Hebe, bailln. ein Riegel genannt, wo es entweder mit Prügel verwandt ist, oder auch unmittelbar von regen, bewegen, absiammct. Figiirlich,vder auch eigentlich in Rücksicht des Begriffes dedVer- bindung, ist bcy den Nähterinneu und Schneidern der Riegel eins genährte Verwahrung zu Errde eines Schlitzes, Knopsioches u.i.f. damit sie nicht weiter reißen. 2) Zn engerer Bedeutung kst der Riegel ein längliches bewegliches Holz oder Eisen zwischen zwey Kloben, einö-Thür oder ähnliche Öffnung damit zu verschließen. Ein hölzerner, ein eiserner Riegel. Len Riegel vorschieben. Zernanden den Riegel vovschieben, figürlich, ihn nachdrücklich in einer Sache hindern, ihn darin clnschränken, hemmen. Den Lastern Riegel vorschieben, ihnen Gränzen setzen. Gott setzet dem Meere Riegel, Hiob z 8, >0. An einem Pfluge ist der Rre- gel ein breiter Nagel, der durch den Bolzen, welcher durch die Schar gehet, gestoßen wird; Hey den Seifensiedern eine Stange Seife, so wie sie zum Verkaufe bestimmt ist. , Anm. Bey dem Winsbeck kiZil, im Niederst Regel, im Schwed. keZel, im Engl. Krill. Die letzte Sylbe ist die Ablei. tungssvlbe —el, welche so wohl ein Werkzeug, als auch ein Ding, ein Subject bedeutet. Die erste Hälfte scheinet zu Reihe, Niederst Riege, Prügel n.st f. zu gehören, und den Begriff der Ausdehnung in die Länge zu haben, (S.auchprügcl,Regel und Reichen.) Indessen kann auch der verwandte Begriff der Verbindung , der eine Figur des vorigen ist, in Betrachtung kommen. Im Holland», ist r^Fen binden, verbinden, (S. Reihen.) , Qtlfried gebraucht, ri^ilon für bewahren, verwahren, und im Tatian kommt das^ einfachere i v triftan, iMriZao, für entriegeln, öffnen, vor. Das Riegelband, des — es, plur. die—Länder, im Schiffsbaue, Hölzer, welche zwischen zwey andere gesetzt werden, sie zu verbinden, oder zu verstärken. Der Riegebbohrer, des—-s, plur.Mvom. livA. bey denZim. mcrleuten, ein Bohrer, womit die Löcher zu den hölzernen Nägeln in die Riegel gebohret werden; der Bandbohrer. Das RteyelHolz, des—es, plur. die — Hölzer, Holz, woraus die Riegel zn den Stacketen, Planken und Gittern gemacht wer, den; so wohl colleative und ohne Plural, als von einzeln Hölzern- dieser Art. Das Rreyelschlöff, des— sses , plur. die—schlösset, sm mit Mehrern Riegeln und einem ungewöhnlichen Eingerichte ^-ersehenes. Schloß, zum Unterschiede von.dcn Lrwöhnltchen Schlöft- -" . X- Ris IIIA fern, obgleich such SN diesen der Riegel eines der wesentlichem Stücke ist. Das Riegelwer?, des — es, plur. die — e, in der Zimmer- mannskunff, ein aus Riegeln und dazu gehörigen Säulen bestehendes Werk, welches wegen der daraus entstcherldkrr Fache Kuchem Jachrvsrk genannt wird. Das Rregerlein, S. Reiher. Der Riehwirrm, des — es, plur. die—wiirmer, ein nur in den gemeinen Sprecharten übliches Wort. In der Bienenzucht ^ werden die weißen Raupen mit vierz-ehen Füßen, welche ans dem Eyern der Bieurnsaltec in den Bienenstöcken ansgek-rütet werden, und auch Motten, Schaben, oder noch besscrAfterschaben heißen, Rchwürmer genannt. Wenn sich viele solcher Würmer in einem Bienenstöcke befinden,so sagr man, dicBrenen Hallen den Wolf« Im Niederst wird auch der Kornwurm, der die Gestalt einerMade har, und die Körner durch sein Gespinst gleichsam an einander reihet, der Reihwrirm genannt, welchen Nahmen daselbst auch der Reirwurm, die Rcitkrö'te oder Erdgrille führet. Rieh ist> die Nieder-sächsische Aussprache des Hochdeutschen Reih, Reihe.. In der letzten Bedeutung der Erdgrille aber gehöret es zunächD zu unserm reiten. Der Riemen, des—s, xlur.nt vom. ffvZ. im gemeinen Leberr auch häufig, der Riem, des—ens, plur.die—en; ein Wort,, welches überhaupt eine Ausdehnung nach allen Seiten, besonders , aber nach der Länge bedeutet. r.* Eine Ausdehnung nach allen Seiten ;rins imHochde,ttschekk Ungewöhnliche Bedeutung, in welcher es nur noch im Niederst üblich ist, wo ein Riemen Papier so viel als ein Ballen, d. i» eine Zahl von - 0 Rieß, ist; Vngl.kearn. Qbglcich alle Wörter,, welche eine Ausdehnung in die Lange bezeichnen, auch eine Ausdehnung in die Höhe undDicke bedeuten können, und sehr oft wirklich bedeuten,i so kann doch Riemen in dieser Bedeutung auch füglich zu dem veralteten Riem, Reim, eine Zahl, gerechnet, oder auch als eine Figur von der folgenden Bedeutung angesehen wer-> den, etwa, weil man eine solche Quantität Papieres ehedem mit Riemen zusammen gebunden. S-aber auch Remel, ei» Bimdeh ^ Flachs. 2. Noch häufiger aber, eine Ausdehnung m die Länge, ohns beträchtliche ^eite und Dicke. 1) überhaupt, wo es noch in verschiedenen einzelnen Fällen vorkommt. In der Baukunst werden die kleinsten Glieder, welche vornehmlich zur Absonderung der audrr-u dienen, von einigen Riemen, von andern aber Plattlern genannt. Bitruv nennt sie' keZuIas. welches von Riemen nur im Endlaute verschieden ist., An den Wasserleichen werden die Riegel oder Querhölzer, welche die Pfähle verbinden,,Riemen genannt, und im Niederst ist Rimm ein jeder Riegel oder Qnerbslke, wo brydc Wörter auch nur am Endlaute verschieden sind. Mit Vorgesetztem T ist Trahm im. Qberd. ein Balken, Iraks, (S. auchTrummch Auch die Seiten- Vreter eines Schiffes heißen im.Niederst Rimmen. Bey den Fleischernwerben gewisse schmale ans einemRindegeZauencStrei-- fen Fleisch Riemen genannt, wohin der Vorderviemem, der- wurzelriemen, und der ausgek-örnte Riemen gehören. Ein- Riemen-Lachs istimNiederdentschen einhalbrrgeräucherterLachs,, wegen seiner Länge und geringen Breite. Bey den Werkleitten! einiger Gegenden wird der zehnte Theil des Quadrat- oder Krenz-- Niaßes und dessen Unterabtherümgen ein Rremen genannt, sind-) alsdamr ist das Riemenmaß so viel als das Kreuz- oder Qua?- drat-Maßdie Riemenrrrche eine Kreuz-oder Quadrat-Rnthe^, der Ri'emLnschuh- der Riemcnzoll,. em.solchkr Schuhwder Zo A? Besonders gehöret hierher, das Niederdeutsche Riemen oder Rie ns ein Ruder an den Galeeren und SchZktpp»r, entweder auch vv« - A a aa: L der laugen schmalen Gestalt, oder auch »nrnittelkge mit bem Stammbcgriffe der Bewegung, von welch-in jrme nur eine Kra.w -ist, so daß es von Ru'der »irr im Gndlaute verfthirden ist; Niederst Reem, Lat. keinus, Franz. Karns, Grirch. eyri-^oz, welches zunächst zu reiren, bewegen, gehöret. Daher Nieser;, ecemen, riemen, rudern, Lar. mit der intensiven AbleitnnZSsylbe — r§cn, Lem-Aars. Vermukhlich gehöret Mich das Acab. kumpi/mw im Plural Knuall, eine Lanze, ein Spieß, hierpn', so wohl wegen der Lange, als auch wegen der Bewegung, so f.ru er geworfen ivrrd, ^ , 2) In engerm Verstände mit dem Nebenbegriffe der Liegsam- keik und des daraus derfl-eßenden Begriffes des Bindrus und Ber- bindens. -6. In der Lausitz ist die Rwse oderFlachsrrese so viel als die Roste, derDrt in einem Bache, wo maa den Flachs rostet. Ein Bettriese war ehedem ein bettlägeriger Kranke, wo cs aber zu dem alten raufen, ruhen, liegen, gehör«, (S. Rast.) Bey den Schwäbischen Dichtern ist kiils eilt Hügel, voll rucken, sich erheben, und eben dahin gehöret auch das Rresongedirge in Schlesien, und das Rieß, ein Nähme eines Gebirges in andern Ge- genden. Aste Riesel, plur. icke— n. i) Einaewisses Kohlenmaß; doch nur im Forstwesen einiger Gegenden, wo es den Begriff der Vertiefung, der Höhlung zu haben scheinst-. z) Ein Gerüst, das Heiz von einem Berge hinunter glesten zu lassen, (S. Riese, Anmch 3 ) Ja cüligeu Gegenden werden auch die Sommersp-. offen nn Gesichte Rieseln genannt, wo cs misdeu» folgendeil Eines Geschlechtes ist ; rieselig, Sommerspcoff.'n habend. Rieseln, v^rb. reA. o«uir. welches das Hülfswort haben er, fordert, und den Schall derjenigen Verändern "gen genau nachahmet, welche es bezeichnet. Man gebraucht S, Z)oondem mit diesem Laute verbundenekr Fließen der Bäche, Quellen und kleinen Flüsse - besonders wenn sie ans einer abhängige-? Fläche foxtflwßen. Wie sanft rieselst du vorüber, klein? (Quelle, durch die wasscrkresse und durch die Tachbungen i Geßn. Rausche sagst, du rieselnde (Quelle, evrnd, 2) Kör- uerwrise, oder in Körnern herab fallen, welches in einigen gemeinen Mundarten auch rohren genannt wird. Deb Äalk rieselt von der Mauer, wenn er in kleinen Körnern herab colli-'. Wie e.n Riß an einer hohen Mauer, wenn es beginnet zrr rieseln, Es. zo, i Z. Rieders, gruseln. Es rieselt, sagt ma « auch, wenn'der gefcorrre Schnee in Gestalt kleiner Hagelkörner einzelu herunter fällt; Engl. i.o strirrls, Franz, ^elnk- Ikr. An andern Deren rieselt es, wenu es in einzelne» kleine» Tropfen regnet. Lauter von dem Schalle hergerwmmene Bedeutungen. Daher das Rieseln. Anm. Mit allerley Vorlauten stammen davon gruseln, bröseln, das schon gedachte FranzckZrLÜlkcr, und Oreln,der Hages, das Engl. t,o ckri^ls, und andere mehr her.. Rieseln ist das Dimi- nutivum und zugleich das Frequrntativum von dem im Hochdeutschen völlig veralteten riesen, adfallen, welches noch im Hoch- ilgd Niederdeutichell gaugbac ist , bey dem Notker rilcku ^ im Schweb, rala, einstürzen, clrolsa, bey dem Ulphilas str-usan. Im Rieders, ist daher Resi der Abfall vom Korne, und im Schweb. Käs das Bett eines - Flusses. Eine Sanduhr heißt um deßwil« len auch im Oberdeutschen eine Riesuhv, von riesen, rieseln. S. Gries, Graus und vornehmlich Reisen. Das Riesendstt, des —cs, olur. drc — e, im gemeinen Leben, ein Nähme der Grabhügel der ehemahsigrn heidnischen Einwohner Deurschlaudcs, welche auch Hünengräber , Hünenbctte genannt werden; wegen ihres beträchtlichen Umfanges, daher man geglaubt, die, deren Asche in denselben ruhet, wären lauter Riesen oder Hünen gewesen. S. Riesentspf. Das Rresenbild, des— es, plur. die—er, ein Bild von ungeheurer, rirfeuföruugee Größe. - Die Rresenerdheere, plur. die—n, bey den neuern Schriftstellern des Pflanzenreiches, eine Art in Chili einheimischer Epöbee- reu, welche wenig aber sehr große Fruchte trägt losnliL 1<. DasRiesenFehssls, des—es, ^lur-die—e, in der Baukunst, ein Gebälk vou ungeheurer, ungewöhnlicher Größe. Die Riesenmüschel, pkur. die — n, eine Art zweyschaliger Muscheln , welche eine ungeheuere Größe erlangen, und oft über 500 Pfund schwer werden ; Lllama Glenmuschel. Der Riefenschatten, des — s, pkur.ut nona. iin». ein S chatten vou ungederlrer Größe. Ganz besondere Riesenschatten der 5 rlseng>ebirge hatten sich über die Grabt gelagert, Zachar, Die Riesenfchildkröte, plur. die— n,die größte Art S^child- kröten; l^eltusto l>. DieRiefenfck-lanFe, piur. die—n, S. Bergschlang-. Der Riesentspf, des—es, pkur. die— topfe, im gemeinen Leben, cjn Rahme der Graburnen oder Aschenkrüge. welche man in den so geirannten Niesenbetten findet. In Schweden werden sie großen rnnden Höhle» in den Felsen, in welcheuchie ehemabligen E'mwohnec das Getreide gestamvfet, ffcittsZr^t^r, Aiesentövfe, genannt, und der große Haufe glaubt, daß d.e Riesen darin ihre Speise zubeceitrr haben. Das Rieß, des — es, plur. die — e, ein nur im Papierhandel übliches Warn, welches eine DuanlilLt Papier von 20 Buch oder 4öö B.'gen bezeichnet. Bey den Papiermachera hingegen hält ei» Nicß dcey Puscht, oder 546 Bogen. Weui^eru Zahlwortdabey stehet, so bleibt cs im -Plural, wie so viele andere Wörter dieser Art, unverändert; sechs Rieß, nicht Riefle. Aaa« z Anm? ' Anni. Zm Schwed, gleichfalls Ns, im Ilal. Nsrns. Wachter leitete es von dein Wallis. Rkes, Ordnung, Reihe, her, Frisch aber von Reise, so viel als auf Ein Mahlgearbeitet-wird. Allein es scheinet vielmehr, daß dieses Wort, wieso viele andere seiner Verwandten, ursprünglich einen Haufen, eine ansgedehute Masse bedeutet habe, und zu dem ehemahligen R.iele,^in Hügel, und »nt demselben, zu riesen, aufschießen,, gehöre, (S. Reis und Reisen.) Aiifühnliche Arr beißt ein RießPapier im Engl. keam, und im Franz. Rnrne, dagegen ein Riemen Papier,im Niederdeutschen, ein Ballen ist; von Riem, welches nicht nur eine Ausdehnung in die Länge, sondern auch in die Höhe und Dicke, bedeutet, (S. Riemen.) Eben um deßwillen wird auch derFichtclbcrg mit dem darauf befindlichen Walde, das Rieß genannt, S. auch Riese, Anm. ingleichen Riss. Die RreßhanZe, xlur. die—n/bey den Papiermachern, ein hölzernes Werkzeug, wie ein Lateinisches'I', die fertigen Bogen zum Trocknen damit aufzuhängen. Franz. Geriet. Der Rießlrny, des—-es, plur. die—e, eine in Franken übliche Benennung einer Art Weintrauben, welche dichte, saftreiche Beeren hat, die adeesauerlich sind. Vermnthlich von dem Oberdeutschen rcß, rasch, herbe, wovon auch unser Rrcsse abstammet. Der Riest, die Erhöhung des Fußes u. s. s. S. Rist. Der Riester, des—s, p!ur. ui u om. fing, ein nur im gemeinen Leben übliches Wort, r) Die Erhöhung der Hand oder des Fußes,. (S. Riss.) 2) An einem Pfluge werden die zwev krnmmcnHölzer,, womit derselbe regieret wird, in einigenGegenden Riester genannt; . dagegen führet in andern der Grendel oder Pflngbalken den Nahmen des Riesters, s) Im Niederdeutschen ist der Riester oder Rester ein Streifen von Leder, welcher ans eine schadhafte Stelle des Oberleders eines Schuhes gesetzet wird, ein lederner Flicken anfeinen Schuh. ' Anm. Auch dieses Wort gehöret zu Riese, Reis, Riest u. s. s. Und bezeichnet in der ersten Bedeutung die Ausdehnung in die Höhe, in den bepdcn folgenden aber die Ausdehnung in die Länge.. Die Riester, eine Be.umart, S. Rüster. Das Rieth, des — es, p>!ur. die-°-^e, Dinün. dasRiechchen, ein in verschiedene,r Bedeutungen übliches Wort, welche zwar zu verschiedenen nähern Stämmen gehören, aber an, Ende doch ans einer und eben derselben Onelle hcrflammen. i),Das Rohr, Schilfrohr, so wohl in Ober- als Niederdeuischland. Der Teich ist mit Rieth bewachsen, mit Rohr oder Schilf. Ein Hans mit .Rieth decken. Spanisches Riech, Spanisches Rohr ; wo es auch individuell, folglich auch im Plural gebraucht werden kann, zwep Spanische Rieche. 1 :4 Niederst Reit, Reet, Riet, im Engl. Rsest, im Angelst Ar c.-o 6, alle in der Bedeutung des Rohres.. Da s und t beständig ilstcmander übergehen, so gehören auch das V .ruL des Ulphilas, das Franz, koleau, und Mittlere Lat.Rau- !en, alle in der Led-entung des Rohres, hierher, ja unser Rohr selbst ist davon nur in. Endlaute verschieden. Schon Gellius nennt svlcheBäume und Gesträuche,.(ardores et virAiftta) welche ander,Ufern derFlüfse wachsen,kletLs,wodnrch er doch wohl zunächst das Nehr verstehen mag, weil velare bcy ihm einen Fluß von Rohr reinigen, ist, wenn dieses letztere nicht vielmehr nnser reuten ist. Man stehet bald, daß der Begriff der Ausdehnung in die Länge, vielleicht auch der Beweglichkeit, hier am meisten hcrvor- fiicl t, da denn dieses Wort als ein Abkömmling von reisen, reiten in ihren weitesten Bedeutungen angesehen werden muß. In Box- lierrs Glossen ist N l! 3, criimus, ein Halm. In einigen Gegen- 'deii ist cs^iu diestr Bedeutung männlichen Gesch lechtes; der Ried! ^chRn'l,)) lispelt, in oernenen Arria. 2) Bey den Tuchinacherm. und andern Arten der Weber wich der Lamm oder.das so genann- ijr.Blatft.dae Riech örnanrtt, entweder, weil cs ans Rohr verfertiget wird, oder so wie das gleichbedeutende Blatt von dem veraltetes Ret, dem Stammworle von Brct und breit, oder endlich auch wie Ramm, von reißen , Niederst rtten. Z) Ein Bach; eine nur in einigen Gegenden, besonders Niedersachscns, uhliche Bedeutung, da cs denn auch männlichen Geschlechtes ist, und in einigen andern Gegenden auch Rieß lautet; von riesen, ehedem für fließen, Griech. x,»«,, (S. Reisen, Anm. und Rieseln.) 4)Eiir Berg, und eine Reihe von Bergen, eine nur noch in einigen eigen- thümlichen Benennungen übliche Bedeutung. In Österreich ist Rieth noch letzt eine Weinbergsflur, tracilusVioearurn. Von riesen, riten, sich in die Höbe ausdehncn, daher ein Gebirge in einigen Gegenden auch das Rieß heißt, (S. Riese.) 5) Eincsini,- pfigc, moorige Gegend, eine Bedeutung, welche in vielen Gegen« den gangbar ist; in der Schweiz eine Riedachte». Der oairzsrrit Wald bewachsene niedrige Strich am Rheine heißt in Elsaß das Riech, iu welcher Bedeutung es auch in vielen cigenthümlichm Nahmen vorkomnrt,Dattenried im Sundgau u. st s. (S.Friscbeiis Wörterbuch, v. Ried.) ZmLappländischenist Releirnd imUngü. rischen klet eine Wiese. Selbst das'Lat. Dratum scheinet hierher zu gehören, weil man bev allen mit einemDoppelbuchstaben anfan, gendenWörtern, den erstell in derEtymvlogie als bloß zufällig an- sehen muß. Rhä'tjen hat entweder von diesen sumpstgenGegendcn, oder auch von seinen Bergen den Nahmen. (S. auch rchele der fol. gcndcn Znsammensetznngcn.) 6) I» anderir Provinzen hingegen, z. B. in Thüringen, wird eine unbebanete Gegend, welche nur zur Viehtrift gebraucht wird,wenn fie gleich hoch liegt, und nichts weniger als sumpfig ist, das Rieth genannt; so wie es .os, und zuweilen auch unser Lreis und Zirkel haben. Schon Ottfricd gebraucht IviUA in diesem Verstünde. Frischchat verschiedene Beyjpiele an» grfühcet, in welchen so wohl die Gcrichrsversammlung, als die Reichsversirulmlung, als auch endlich eine jede feyerliche Versammlung nur derRing gelaunt wird. Allein,wennHickes,Frisch und andere das Franz. ttLrunZue, eine feyerliche Rede, Jral. RriuZa, Span. und liarLNAuer, ftyerlich vor dem Volk reden, daher leiten, so scheinen sie zu irren, indem dieses richtiger alsein Ziuenfivum von unserm alten Haren, laut rufen und reden, angesehen wird. Zm Niederst bebrütet Ring noch jetzt eine Versammlung mehrerer. Ob cs, gleich sehe lmrurlich ist, diese Bedeutung von der kreisförmigen Gestalt einer solchenVersamm. lnng herznleiten, so verdienet doch die allgemeinere dritte Bedeutung der Masse, Menge und Versammlung dabey in Betrachtung zn kommen. Rnm. In der ganzen dritten Hauptbedeutung, welche jetzt im Deutschen die üblichste, aber deßwegen nicht die eigentlichste ist, schon bey unfern ältestenSchriftstcllern Hi NA, im AngelstundIs- länd. Uriux, im Engl. Schwed, und Rieders, gleichfalls Ring, im Pohln. kliuck, mtt Vorgesetztem Gaumenlaute im Schwod. ^XriuZ, üriuZIa, im Leders. Bring undRringel. Das g ist rin bloßer, vielleicht müßiger Vorlaut, es kommt also nur aus die Sylbe rin an, welche zu reinen/rinrn gehöret, welches ursprünglich dcnLauteiner gewlssenBeivcgrmg nacs>avmet,und wovon rennen und rinnen Zntensisü sind. Die mit diesem Laute begleitete, und folglich auch durch dieses Wort ausgedruckte Bewegung kann nun in gerader horizontaler Linie gehen, oder in die Höhe, oder in die Tiefe, oder endlich auch in die Krümme; und dieses ist die Ursache,warum dieses Wort und dessen Verwandte in so »rsnrng- faltigen Bedeutungen gebraucht werden, worin doch immer einer dieser Begriffe zum Gründe lieget. Rund, Rand, und nur allcr- lcy Vorlauten, Arone, Rranz, Prohne, Thron u. a. m. sind Kenau damit verwandt, so wie mit andern öndlanren, Reif, Reis, - /kreis, krnmm u. s. s. Siehe auch Ringel, Ringen und Rinken. Dle R-n^üinsel, oder Ringelamsrt, piur. die—n, ein Nähme, welchen auch die Stein-oder führet,, weil sie einen Ring von Meißen Federn um den H^.s hat. In andern Gegenden heißt ff Bergan,s?!, Sebirgämsel, Schwodrvssel. Siehe diese Wörter. , DerRniy.rch>r, des —s, plur.ulüom.üu^. "t der Schiff- Ädel. W. H. s. 'Tch. -, ' - Rin fahrt, ein Anker mit Einer Fliege oder Schaufel, dagegen dm gewöhnlichen Anker deren zwey haben. Etwa von ring, für geringe, ein geringerer Anker ? Dre Rmgänte, plur. die—n, eine Art wilder Äntcn mit einem weißen Ringe um den Hals; Taucher, Rnas OlLüLion R. DerRlngbolzen, des —s, plur. ut vorn llug. ein Bolzen, welcher an dem einen Ende einen Ring hat,dergleichen man besonders an den Stück-Batterien hak. Der RmAbürger, des—s, plur. M nom. llng. in einigen Städten Schlesiens und in Ungarn, Bürger, welche am Ringe, d. i. am Markte, wohnen, und in Ungarn besondre Frepheiterr genießen. S. Rh,g 4 Z). Die Rlntzdvossel, oder Ringeldrossel, plur. die—n, eine Art schwarzer Drosseln mit gelben Schnabel und einem weißen Ringe um den Hals; Schneedrosscl, Mecrdrossc!,1'urc!us tor^ua- ius Rl. st 1,. A Ringe, Lclj.st welches noch in Ober- und Riederdeutsch- land für geringe üblich ist. S. dasselbe. Die Rinyekunst, plur. i nul. die Kunst zu ringen. D«ö Rm§el, des—s, plur. ut vorn. lluß. das im gemeinen Leben, besonders Oberdeurschlandes, übliche Diminukivum von Ring, für Ringlein, ein kleiner Ring. Dec Ringel, des —s, plur. ut norn. ltLZ. eia in verschiedenen Fallen für Ring übliches Wort, es bedeute nun eine gewisse bestimmte Menge, oder einen Kreis. Ju der'Bedeutung einer Masse oder Menge ist Ringel im Bremisches ein HaufenTorfcS vo-t. 8 Sohden. Im Osnabrückischen -st es ein Korb, welcher zum Koyienmessen gebraucht wird, und H Scheffel hält, In der Be- deunurg eines Kreises, einer zirkelförmigetr Figur, kommt eS im gemeinen Leben hinmud wieder vor. Besonders psiegt man bey manchen Arten von Vögeln die Kreise um den Hals von einer andern Farbe Ringel zu nennen. (S. die folgendcnZusamMl'nsj.tzun- gen.) In der Bienenzucht pflegt man auch die jungen Bienen, so lange sie noch irr Gestalt kleiner Maden in einem runden Kreise liege», Ringel, Ringelbienen und Ringeljnngcn zu nenne-!. Die Endsylbe ist hier kein Zeichen eines Djminulivi, weil es sonst ungewissen Geschlechtes scps müßte, sondern die Ableirnngssylbe — el, welche hier ein Subject, ein Ding bezeichnet, so daß Ringel eigentlich werter sichtsals Ring bedeutet. Dle Rrnyelsmsel, plur. die—n, S. Ringamsel. Der RmgelbÜr, des — en, —en, eine Art gemeiner Bären, mit einem weißen Ringe am Halse. Die Rin§elbiene, plur. die,—n, S. Ringel. Die Ringelblume, plur. die—rr, eine Pflanze, wclcheaufdcn Brachäckern wohnet, n"d deren Same die Gestalt kleiner Ringe! oder Ringe hat; Oi-i.-a iultz 1-. Goldblume,Dotterblume,wc, gen der gelben Karbe der Blumen. Das Rinyelbrot, des —es, plwr. ious. ein Nähme, welchers-kn eitligen Orten die Brezeln führen, weil sie die Gestalt eines doppelten Ringes haben, daher sie im Nwdcrs. auch Rringel heißen. Die Ringeldrossel, S.Ringdrossel. DerRinyelfalf, des—en, plur. die—en, ein Rahme,^welchen das Männchen des Vleyfalken, V'ulco lor^uAiuL I,, führet, weil er einen Ring um den Hals hat, welcher lauter Diamanten gleichet. Die Rmtzel§ai>s,plur. die —gänse,einc Art w-ilder Gänse,welche in den nordjschcnGetzeridcn einheimisch ist,eii'.cr.Ringcl unssen Hais hat, und auchrLrdgans genannt wird; Rkiö^lacioruu I.,. Das RinyelVedreht, des—es, plur. die—e, rin im vorigen Jahrhunderte gemachtes Wort,das Französische Ilonuesu ans, zndrucken, welches eine Art kleiner Lieder von dreyzcheu er'ssplbi- Ki N Zeilen ist, wovrn eie fünf ersten und die fünf letzten einen bä" B h h h , ^ soube r.r ULZ Rill -- ' ' t -- sondern Verstand ausmächen, drey in der Mitte Lber..abgescht werden, und wieder ihren eigeiren Sinn haben; Ringelre-ime, S. Ringelode. Ringeltg, Ltij. et einen Ringel habend; hin und wieder im gemeinen Leben, wo auch ringelichk, einem Ringel ähnlich, vor- komint. Eben daselbst wird man auch ringelig, wenn man im ' Kopfe drehend oder schwindelig wird, wenn sich alles mir uns um- zndfehsir scheinet. Der Rrnzelkuckuch, des—es, plur. die-T—kleine Art Kuckum cke mit vergoldeten Flügeln und einem Ringel um den Hals ; culis nlis äenuratls Iv/s/cr. Drr RrnFrlmewe, plur. die —n, eine Art grauer Meiven mit weißem Kopfe und Bauche und einem schwarzen Ringe um den Hals; Karus li/liernus K/s/ Aeickuif, Dän. Ringeldue. DerRmgelweitzsn, des—- s, p!nr. rnul. ein Nähme, welchen in einigen Gegenden der Buhweigsn,Ilü1.am'z>^rum ss,. führet. r. A:nrxrw , verib.rsß. aor. welches unmittelbar von dem Haupt- worti! Ring abstammet, l) Mir einem oder mehrcru Ringen ver- ftl) i ; doch nur in eil,: ze l Fällen. Die Schweine,'die Scntsn ringen,(S. Ringeln, ungleichen Veringen.) 2) Einen Srnm ringen,,im Forstwesen, die Rinde rings um denselben adschälen. N i U L r 24 Z) Zu Umringen, in einem Kreise umgeben, ist es in noch wer- > terer Bedeutung üblich, S. dasselbe. So auch das Ringen. -.Ringen, vsrb. irrsZ. ich ringe, du ringess, oder ringst, er ringet/oder ringt; Jmperf. ich rang; Mittels.gerungen; Jmverat. ringe. Er stammet mit Ring aus einer nnd eben derselben Quelle her, unterscheidet sich aber außer der irregulären Form von dem vorigen auch in dem weitern Umfange der Beden- tnng, indem es so wohl eine heftige Bewegung nach allen Seiten, als auch einL solche im Kreise bezeichnet. Es ist irr doppelter Gestalt üblich. , I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte habe», heftige mit Bemühung, das Hindernißzn überwinden, verbundene Bewegungen nach asten Richtungen machen, c) Eigentlich. x Und wie sehr die Rr-re rar-g U-nd den Leib zu schwimmen zwang, Lichtw. Wo es besonders von derBemühung gebraucht wird, mit bloße» Händen, ohne ein anderes Gewehr oder Werkzeug, seinen Gegner zu überwältigen suchen, besonders so fern cs mir in .einander ge- schlnilgcrzeil Armen geschiehst, welches im Nieders. mit dem dieser Mundart vertraulichen Blaselaute wrangen genannt wird. Sie rangen mit einander; wo es von einigen ohne Noth als ein As. ciprocmn gebraucht wird, sich mit jemanden ringen. Da rang ^.ern Mann mir Jacob, ' Mos. zs, 24. Ju weiterer Bedeutung gebrauchen Ottfried. und Notker diesesZcitwort für streiten, eine Schlacht liefern; in welchem Verstände cS aber veraltet ist. ,2) Figürlich, sich mit Anstrengung aller Kräfte, mit Bemühung alle Hindernisse zu überwinden, bestrichen. Epaphras ringet ftir euch mit Gebcth, Col. 4, c 2 ; bcssrv'lm Geberhe. Ich seh es, daß dein Herz in meinem Arme ringt, Weiß?. Mit dem Tode ringen, in äußerster Gefahr des Todes seyn, und demseldvn mit allen Kräften zu entgehen suchen. Nit einer schweren Arbeit ringen. So viel Gefahren, mit welchen ihr ihn ringen saht, N am l. " Und wenn wir noch so sehr mit unsrer Npigitng ringen, Die Liebe laßt sich nicht, wie unser Herz, bezwingen, Weiße. Äuglcichen mildem Vorworte nach. Nach erwas ringen,dasselbe mit Anstrengung aller Kräfte zu erlangen suchen, lck w il null ir kuläe rinZen sile mi»LlledLnssen tuAS, Markgr. Otts vonBralrdenbnrg.WIe lis nuii lobs 0200, die WjnsbeckM. Nach Ehre, nach Lob ringen. S. auch Erringen,, in welchem der Begriff der heftigen Anstrengung der Kräfte in manchenFalf ben gemindert wird. ' II. Als ein Activum, im Kreise herum drehen ; doch nur von biegsamen Körpern und gleichfalls mit dem Rebeiibegriffe der an- gestrengten Kraft, wofür man 'auch winden gebraucht. Die .Wasche ringen, sie winden, sie zusammen drehen, damit das Wasser heraus laufe. Zm Nieders. mit dem Vorgesetzten Blase- laute wringen,AngelftvvrinALN, Englisch to rvriuZ, wovon auch die Franzosen ihr krinAULr, und die Färber ihr fringireii haben. (S. auch Ausringen.) Sich wie ein Murm ringen,krüm- ^.mcn und winden. Pie Hände ringen, als ein Zeichen der höchsten Angst. Sich den Vast von den Händen ringe», Vie Hapl. Seine Hände los ringen,wenn man von jemanden gehalten wird. Jemanden die Pistole ans der Hand ringen. In welchen lctz- .lern Fallen sich der Begriff der kreissör-nigenBewegnng verlieret, und nur dis Bestrebung nach allen Richtungen übrig bleibt. So - auch das Ringen. Anni. ^chon bcy demOttfrird.rinA.vi, in derNieder^ ittschen Mundart wringen, nud im Schwed, mit einem anderrl. Cndlante vriöcr, Angels.vritBsn. Die Endsploe gen scheinet hier ezn Jntensivum zu bezeichnen. ' Das Spamm-vort wäre also wieder Lernen, rine», welches.ehedem eine Bewegung so wohl in die Krümme, ri2L RlN . '' c. ^ s Krumme, als.auch nach einer jeden andernRichtung bedeutet hat. S.RingAnm. nndRund. DerRmger, des —s,xlur. ut nom. 6nZ. derjenige, welcher mit einem andern ringet, in der ersten eigentlichen Bedeutung des Neutritts. "Ringern, verb. reZ. act.welches von dem Comparativo des im Hochdeutschen veralreriU ringe, für geringe, gebildet ist, geringer machen. Den Rauf ringern. Z Mos. 25, 16. Des Vaters Erbtheilrintzern, 4 Mos. 36, 4. Im Hochdeutschenist es veraltet, indem dafür theils verringern, theils auch schmälern üblich ist. DerRmUsintzer, des—s, xiur.ut vom. sinZ. derjenige Finger, an welchem man gemeiniglich dcnRiug zu tragen pflegt, welches der nächste nach dem kleinen Finger ist. Ringförmig, —er,'—ste, aciss et aäv. die Form, d. i. Gestalt, eines Ringes habend. Das Rirtgfutter, des—s, xlur. ut vom. flnZ. einFutter oder Futteral, einen oder mehrere Fingerringe darin zu verwahren. DerRiirykragen, des—s, ptur. ut vom. KnZ. bey den heutigen Armeen, ein silbernes Schild, welches die Officier, wenn sie im Dienste sind, an einer Schnur vorn auf der Brust tragen. Er ist eku Überbleibsel des chemahligen Zusatzes oder Kragens an einem Harnische, welcher rings um den Hals ging und vorn die Brust deckte; ans welcher altern Form auch der heutige Nähme erkläret werden muß. ^ '- Dns Rmyrnäß, oder Ringenmaß, des—cs, plur. die—e, bey den Goldschmieden, meffiugene^Ringe von allerlei Größe an einem Bügel, goldene Ringe darnach zu machen. Die Ringmauer- x>Iur. die—n, eine Mauer, welche rings um etwas gebet, einen kreisförmigen Raum einschließet. Die Ringmauer einer Stadt, die Stadtmauer/ Las Rmyrennen, des-s, xlur.ut vom. kn§. ein Ritterspiel zu Pferde, wo mit der Lanze oder dem Wurfpfeile nach einem Rinne gerannt wird; das Ringelrennen, Rrngelffechen, .Franz. In tzuivtLnv e,welches auch wohlan denDeutschenHvftn üblich ist. Rennet man statt des Ringes nach einem Kopfe, so wird eS das Bopfrennen genannt. Rings, sc! v. im Ringe, d. i. im Kreise. Es ist mir in Gesellschaft mir dem Nebenworte herum, umher, und dem! Vorworte um üblich. Um die Stadt rings herum gehen. Rings um die Stadt gehen. Rings um mich her ist alles Stille. Rings umher kam alles auf^n ^u. ' Schlage mit dem Schwerte ringsumher, Ezech. 5, 2. Das noch in der Deutschen Bibel befindliche rintzsher oder rings her ist im Hochdeutschen veraltet, kommt aber noch bey dem Opitz vor. Wie Salem mit der Berge Spitzen ist ringshcr .verwahret. Im Oberdeutschen ist dafür auch gerings üblich. Gerings umsie, Thcucrd. Die RLnFspinöeL, plur. die—n,bep den Drechslern, eine hol. zerne Spindel mit einem Ringest« welchen derZapftn desSrückes, das man drehen will, befestiget wird. Die Ringuhr, s-lur. die—en, eine Uhr in einem Ringe. Der Rinden, des—s, xlur.ut vom. ein Vergrößerungswort von Ring, einen großen, breiten oder dicken Ring zu bezeichnen; cm nur im gemeinen Leben übliches Wort, wofür man in deranständigern Sprcchart doch lieber das allgemeinere Ring gebrauche So führen die breiten Ringe, womit die Achten, Naben, Deichseln M. s. s. an einem Wagen beschlagen werden, den Rahmender Rinken. 2 Mos. 2 5, - 2, s. wird derRinken an der Brilldeslade gedacht. Im Oberdeutschen führet auch eineSchnalle sehr hällsig den Nahmen eines Rinkens, wo denn auch rinkcn schnallen, aufrinken aufschnallon, der Schllhrinken die Schuhschnalle, und.der Rinkend-rn der Dorn in der Schnalle ist. Rin 1126 Schon in Boxhorns Glossen istUrivxA, ki-ula. Der Begriff der Größe liegt theils in dem verstärkten Gaumenlaute, theüs in der Endsylbe —en. Wenn einige dieses Wort Rink schreiben,so ist cs das einfachere Ring nach einer unrichngen Schreibart. Düs Rinkentüch, des—es, x!ur. die—rilchech im Jagdwesen, Tücher, welche oben keine Maschen, sondern statt derselben Ringe oder Rinken haben. ^ Rmnaugig, ä6j. et sckv. rinnende Augen hübend. r. Die Rinne, piur. die—n, im Jagdwesen, ein leichtes ausgestelltes Garn, mir einer Taube in dessen Mitte, die Raubvögel vermittelst desselben zr, fangen; das Rmnengarn, Sceffgarn. Ohne Zweifel mit dem folgenden von dem Zeitworw rinnen, in dessen weitern Bedeutung hes Stoßens, Silchallens,oder auch vielleicht wegen dessen Beweglichkeit. 2. Die Rinne, plur. die —N, Dimin. das Rlttnchen, Ooerd. Rinnlein, eine lange, schmale Vertiefung, besonders, sofern in derselben Wasser rinnet oder durch dieselbe al-rinnct. So werden die Furchen, welche das Regen'wüffer in dem Erdboden reiße: und in denselben abflicßct, Rinnen genannt. Auch lange, hölzerne oder blecherne Körper, welche in Gestalt eines halben Zirkels ans- gehöhlet sind, das Wasser abzuleitcn, führen diesen Rahmen ; dergleichen die Ablaßrinne an den Lc-rchrn, die Dachrinne oder Regenrinne u. s. s. ist. In der Söulenordnung ist die Rinne eins Vertiefung nahe an dem äußern Rande des Kranzleisiens, welche gleichsam eine Regenrinne vorsti llet. Die Gassenrinne,einMer-. tiefuug irr dein Gasseupflastcr. n Mrs 30, 4 '., vird 2 Mos. 2, 16 kommen Rinncnwor,. aus ivelchen das Bich getranket Morden. Im gemeinen Leben wird in weiter er Bedeutung oft eine jede in die Lang: sich erstreckende kleine Vertiefung, wenn man ihr remeir andern Nahmen zn geben weiß, eine-Rinire genannt. Anm. Indem alten Gedichlr auf den heil. Aunr i . Niederst Renne, Rönne, Ranne,im Schwed. RtivvÄ/m -s n.'n. R^vrr.3, und im Finnland. Rävvt. (S. das folgvnde.) uandern Endlauten gehören auch das Niederst R emel,R emsche, rwstc Ric-le, Rille u. s. s. und mit Vorlauten auch Lrinne undprönne hierher. Im Bergbaue wirdwine Rinne auch das Geranne genannt., DasRrnneisen, des—s, plur. ntDOtv. lrrrZ. ein starker eiserner Haken, ivclcher die Dachrinnen Lrägt^ st Rmnen, verb. irrsZ. neulr. ich rinne, durinnLst/ oder rinnst, er rinnet, oderrinnt; Jmyerf. ic^ rann; Mitteüv. geronnen ; Jmperat. rinne. Es wird ai:f doppelte Art gebraucht. r. Mit dem HMfsmorte fepn , wo es von einer gewissen Art einer schnellen Fortbewegung gebraucht wird. 1) Im weitesten Verstände, sich schnell sm tvcwegcu ; wo es doch nur in dem zusammen gesetzten entrinnen üblich ist, indem in andern Fällen dafür rennen gebraucht wird. 2) In eugsrerstind gcwöb'.ll'.chrrer Bedeutung wird es uur von ssüssixen «md flüssig gemachen Körpern gebraucht, wo es zwar mit ssu ßen gleichbedeutend ist, sich aber doch noch merklich davon nute scheidet. Großen ist ein allgemeiner Ausdruck, welcher theils die Menge des flüssigen Körpers, theils die Geschwnchigkeir, mit welcher er sich sortbewezt, unentschieden läßt; allein rinnen setzt eine klehre Menge und eine schwacheLw- wegung voraus. Eil' flüssiger Körper rinnt, wenn er sich in an einander hängenden, Ma-tvoneinander zu unterscheidenden Tropfen forlbewcget; ein Unterschied, welcher m:s der Onomatvxöie herrühret, welche beyden Wörtern das Daftyn geaeben hat. Jn.- dessen gebraucht man im Oberd, rinnen auchAvre fließen von größern FlWn undStrömen. Das Hlur riniirsaus derwunde. Die Thrane» ra'nnen ihm aus den Augen, ron den w'an^ey. Rleine Bäche, -kleine Eckelle.: rinnen, aboßerc fliesen. rinnendes Wasser, besser einfließendssS. Rmncn flehet zwischen V b b b 2 . ' deck L1Z7 Ritt Sem Tröpfeln unö Zlr'eßen in engerer Bebeuknng in Ser- Mitte. z) Ein flüssiger Korper rinnt, wenn er zu einer festern Masse wird, in eine festere Masse zusammen fliestet, ohne eben ganz zu erkürten, ungeachtet dieses zuweilen eine Folge davon ist. Die Milch ist geronnen. Geronnenes Blut. L>as 5 ett rinnet.^ Geschmolzen Blep rinnet, wenn es anfangt zu erkalten. Indessen ist dafür jetzt imHochderttschcu gerinnen üblicher. SchonRot- ker gebraucht rinnen in diesem Verstände, und im Schweb, ist ru-naa gleichfalls gerinnen Daher ist im Oberdeutschen Rennfe, Rinnfel, das Lab, welches die Milche gerinnen macht. 2. Mitdem Hülfsworte haben, einen flüssigen Körper rinnen oder fließen lassen. Ein Gefäß rinnt, wenn es nicht dicht ist, und den darin befindlichen stüssigeuKörper ailsrinM'ii läßt,wofnr man im gemeinen Leben auch lecken gebraucht? Qer NarrenZerz ist wie esu Topf, der da rinnt, Sir. 2 r, 43. Das Licht rinnt, wenn es den flüssig gewordenen Talg herunter fließen läßt. Die Augen rinnen, so wohl, wenn umvillkührliche Feuchtigkeiten Heraus rinnen, welches auch triefen genannt wird, rinnende Augen haben, triefende; als auch, wenn sieThräneu rinnen lassen, -m welcher letzter» Bedeutung es zuweilen in der dichterischen Schreibart vorkommt, auch wohl mit dem Vorworte von; das Auge rinnt von Thränen, obgleich sich wider diese Vcrbirrbung vieles einwendeu ließe, Der biblische Gebrauch, das Auge rinne , mir Thr'änen,istim Hochdeutschen völlig urrgewöbnlich: daß unsere Augen mit Thränen rinnen, und unsere Augenli,der mit Wasser fließen, Jer. 9, 2 8. Meine Augen rinnen mit Wasser- Lachen, Klagcl. Z, 48. Daher das Rinnen. Anm. In der erstenBedeutung von flüssigen Körpern schon bey dem Ulphilas rinnen, bey demOttfried rionsn, im Schwed, und Island. rinuL, im Rieders. romren, im Engl, to ruo. Es ist von rennen eigentlich nur inderMukdart»nterschiedeu, außer etwa, daß das i eine kleinere Masse und kleinere Geschwindigkeit ausdrückt, als das p. Daher bedeutet das Schwed, rlnnu, so wie das Rieders, rönnen, so wohl rinnen als rennen. Ehedem wurde eF auch für aufgehen, besonders von der Sonne und dem Lichte gebraucht,welcheBedeutung dasSchwed.rinuL noch orhal« Leu hat. Es ist ein Zntensivum von dem veralteten renen, reinen, desftn ehemahlige weite Bedeutung schon bey den Wörtern Rennen undRing angemerket worden. DssGriech fließen, erhält dieses Stammwort noch. Im Oberdeutschen ist Runs so wohl ein Bach, Fluß, als auch daS Bett eines Flußcs. S. auch Blutrünstig. Das Rinnengarn, des —es, plur. die—e, S. i Rinne. Der Rmnenknecht, des—cs, plur.chie—e, .in den Brauhäusern, ein Knecht, d i. ein hölzeruesWerkzeug, welches mit eisernen ' Haken an den Bottich gehäuget wird, die Rinnen daraufzu legen. Der RinnenHtLkel, des — s, p!ur. ul vorn. linA. bey den Böttchern, ein Bretcheu, durch welches eine Schraube mit einem hölzerne» Fuße in der Gestalt eines kleinen Beiles geht, dieRimre in den Böden der Fässer damit auszuhöhleu. Die Rinnberste, plur. die —n, in der Säulenordnung, ein großes Glied, welches von seinerVorstechung an bis aufdieHälfte der Höhe ausgehöhlct ist, uud sich hernach ausbaucht. ^Der Rinnsal, des-—ee, pjur. die—e, ein nur im Ober- demschen üblrches Wort, das Bett cinesFlusses zu bezeichnen, wofür daselbst auch Runs üblich ist. Einen Fluß in feinem Rinnsale erhalten, stn seinem Beite. (S. Gai.) Las Rinnse! oder Rinnsal hingegen, ist eben daselbst das Lab, welches die Milch gerinnen macht, und auch Rennse genannt wird. R'ölen, verb. r«F aal. welches nur in der Landivirchschaft nüd Hey den Gärmern üblich ist, wo es diejenige Arbeit bezeichnet, da «a« eitt Stück Landes surchcnweise umgräbt oder umpssüget, um Rip ULZ eulwebek brein der Tiefe befindliche kessere Erbe oben zu bringet oder auch die Erde durchznsiebeu, und von Steinen u. s. s. zu rer-, niaen. Einen Acker z,t riolcn, hat man einen eigenen Riolpstng welcher sehr ticfgchet, und die untere bessere Erde herauf bringet' Daher das Riolen. ^ Anm. Gemeiniglich "leitet man dieses Wort oon dem Franzöf. riZoler her, welches eben die Bedeutuag hat, und schreibt es daher auch bald rigolen, bald regolen, bald rpoley. Die im Deutschen ungewöhnliche Endung macht dieseMleitung nicht unwahrscheinlich. Indessen scheint doch riolen im Niederd. ältee uud gangbarer z,l seyn, als im Hochdeutschen; denn da ist Ri.ola einejede tiefe Rinne oder Furche, Holland, Riool, Wallis.khj. Zol, Franz. Rigole, im Mittlern LaL.RiZuIct, welches cheils zu Reihe, Rieders. Riege, das auch eine Vertiefung m die Länge bedeutet, und zu unfern: Strich, rheils aber auch zu Rille gehöret. Im Slavou. ist ruju furcheu, aufwühlem Das Rieders. Riole bedeut« auch ein Fach, iugleichcn ein Regal, ein aus Fächern be- stehendes Ding. Der Rrpel, S. Riepel. Die Rippe, p!ur. die — n, Dimm. das Rippchen, Oöerd.Ripp- lcin. 1) In der engsten und gewöhnlichsten Bedeutung, die bo- genfö-migen Seltenknochen au den menschliche:! und thierischen Körpern,welche dieSeitentheile derBrust bilden. Die obernRip- pen, die untern; die langen Rippen, die kurzen. Die falsche Rippe, bey den Fleischern, ein Stück Fleisch, welches zwischen zwey Rippen an der Voederbrust eines Rindes ausgehauen wird. 2) In weiterer zum Therl figürlicher Bedeutung werden in manchen Fällen sich in die Länge erstreckende rundliche Körper, besom ders wenn sie zugleich bogenförmig siud, Rippen genannt. Lüe Rippen an einem Blatte, sind die geraden Fortsätze des Stcin. gels in dem Blatte, welche sich m viele erhabene Adern zertheileir uud die Festigkeit des Blattes ausmachen. Au den krummen Schleusemhüren werden die wagcrechtcnHölzer,und au denSchis- fcn die krummen Hölzer, woran die Scitenbretec befestiget werden. Rippen genannt. Das Seil- und Bindwerk, womit man die Feuerkugeln einzuschuüren pflegt,heißt gleichfalls die Rippen, und andern Treibehute in deu Schmelzhütteu find die Rippen eiserne eochienen, welche die Bleche des Treibehutes zusammen halten, und so in andern Fällen mehr. ' Anm.In der ersten und engernBederttung schon bey demNakan Maurus Ribbi, im Nieders. Ribbe, im Engl. Rib. im Schweb, und Island. Res, bey den KrainerischenMendenRsbru. Viele Hochdeutsche schreiben und sprechen es mit den Niedcrsachsen Ribbe, woraus denn noch weichercMundarten garRrebe rnachen. Allein die unverderbte Aussprache ist für das pp. Dieser verdoppelte harte Selbstlaut ist zugleich das Zeichen eines Juteiisivi, dessen Stammwort Reif. Rebe, Reff u. s. s. sind, welche theils eine Ausdehnung in die Länge, theils auch m die Runde und Krümme bedeuten, S. diese Wörter. Rkppebn, vsrb. reg. erct. welches das Jntenstvum, Fcequentatl- vum und Diulittutlvum von dem Nicders.repprn, sich schnell fortbewegen , ist, und eigentlich wehrMadlige kleine Bewegungen machen bedeutet, aber nur lm gemeinen Leben, besonders als ein Recchrocum. gebraucht wird. Erdarfstch nichtrippeln, uicht rührery mcht regen. Ich rippelte mich und schüttelte mich, daß der ganze 6ni''chober ,.hern sausen fiel, Weiße. Sieh- Rebe, Reppen und T-.ippeln. ^ Rippen, verli. rLA-sok. mit Riopen versehen, doch nur in der zwcyten weltetn Vedcutimg, in welcher besoudcrs das Mittelwort gerippt üblich ist» Gerippte Arbeit, bey dpttKlemp. nern, welche erhabene Rippen hat. Zn andern Fällc-r find dafür gereist, gereifek, geriffelt u. s. s. übliche ^ Der 1129 Rip Der Rippenbraeen, d?s —s, ut nom. 6n^. Sitt gebe«: lenes Rippenstück von einem geschlachteten Thiece. Besonders gebratene Schweinsrippen, welche, wenn sie hohl zusammen ge- nähet, gefüllet, und dann an einem Spieße gebraten werden, in Nicdersachseu ein Rippspcer beißen, Schwed. HefbellüspjLU. Der Rippenbttnö, des—es, plur. die —blinde, in derFeu- enverkskriust, der Bund, d. j. die Art und Weise, die Feuerkugeln rippcnförnrig zn umwinden. Das Rippenfell, des —es, p!«r. die —c, S. Rippenhauk. DaLRippenysschirr, des—es, p!ur. die—e, eine Art eines Kutschgeschirres der Pferde, welches viele Rückenriemen hat, welche wie Rwpen über dem Pferde liegen. Die Rtppenhaut, p!ur. die-—häute, Dimiu. das. Rippenhäutchen,Oderd.Rippenhautlein,irr decAuatomiechieimigeHaut, welche die ganze Höhe des Mittlern Leibes inwendig umgibt, an den Rippen befestiget ist, und eigentlich aus zwey zarten Häutchen bestehet; kllsnrs, das Rippenfell. Der Rrppenküchen, des —s, plur. inull S. Herzgespann. Der Rippenstoß, des—es, piur. die—flöße, ein Stoß in die Rippen. Rippenstöße bekommen. Das Rippenstück, des —es, plur. die—e, ein Glück Fleisch aus denAippen und mit denselben voll einem gefchsachtetcnThiere. Das Rippspeer, des —es, xlur. die—e, S. Rippcnbraten. Rippsrapps, S. Rappsen. ^RrsH, ucij.er uckv. welches nur im gemeinen Leben einiger Gegenden für rasch üblich ist, und noch in der Deutschen Bibel vorkommt. Eile risch und stehe nicht stille, i Sam. 20, ZZ. Rieders risk, Schwed. S. Rasch. Der Risch, des —es, plur. die—e, ein gleichfalls nur im gemeinen Leben einiger Gegenden übliches Wort, den Abhang, das Gefälle zn bezeichnen. Der Boden, der Fluß hat drep Fuß Risch, Abhang, Gefo^. S. Rösche. Das Rischt, des — olur. die—e, in der Landmirthschast einiger Gegenden, z. 7^' m der Lausitz, ein Querholz an dem Vorderwagen, welches querüber den beydrn Armen befestiget ist, und die Deichsel erhöhet hält. Es sey nun ein Wendisches Wort ode» nicht, so scheinet der Begriff der Ausdehnung in die Länge der herrschende Begriff darin zu ftyn. S. Reifen, Rasch n. s. f. Die Rispe, plur. die—n, an den Pflanzen, ein^Art der Blumen, wenn dieselben an verlängerten Armen und Stielen, auf Stielchen von verschiedener Länge sichen, dergleichen z.B.derHa- fer, die Hirse u. ft f. haben, l^Luleula ft«. bey andern ein Strauß; zum Unterschiede von einer Ähre, wo dis Blumen in gewissen Reihen oderZeilen an dem verzahnten Hauptstiele sitzen, und eisterRolbe, wo sie an dem Hauptstiele anskurzen, dicht in einander gedrungenen und verdeckten Stielen fest stehen. In manchen Gegenden sind Rispe und zchre gleichbedeutend.. Anm. Im gemeinen Leben auch Raspe, «'.gleichen Riffe; ohne Zwe-fel auch von reifen, reiben, mit dem Begriffe der Menge, der Vielheit. S. Rieß Anm. un^ 2 Rausch, Das Rispengras, des —es, p!ur. die—gräfer,.cine jede Grasart, welche ihre Blumen und ihren Samen in Rispen trägt. So wird dasGchilfgras,8cirpus lvIvLtscu8,iil eiuigenGegenden Rcsper gras genannt. Am üblichsten ist dieser Rahme von der besonders von der ^02 cz^unajcZ, welche dem Viehe schädlich ist, und auch wässervsthgras, großer Miütz, und in -Niederdcutschland Segge genannl wird. r. Der R'ß, die Erhöhung der Hand oder des Fußes, S. Rist. 2 Der Rtß.des —sses, piur. die—sie, das Hauptwort von hem Zeilworle Reißen. >. So fern es den Zusammenhang der Theile eures' Dingds durch plötzliches Ziehen zertrennen bedeutet, ist der B-ß >) dm Handlung des Reißens. Einm Riß, zwey, drey Rist riA«> Risse thun, so oft reißen. 'Ein Riß mit einer'glühenden Zange. Sin derber Schlag mit einem Stocke, einer Peitsche u. s. f. herßt oft ein Riß. Risse bekommen, Schläge. 2) Die dadurch ver« nrsachte Qffnnng, oder Trennung der Theile. Einen Riß haben, bekommen. Der Regen hat viele Risse in den Acker gemacht Bey großer Hitze bekommt dex Erdboden Riss?. Las Glas> das Holz, die Haut, das Haus u. s. f. bekommt Risse. Bcp den Schustern ist der Riß ein länglicher, schräge gemachter Einschnitt in dasLeder, die Raht daran zu führen. Eine Rupferplatte bekommt Risse, bey den Kupferstechern, wenn im Radire« fehlerhafte Vertiefungen in derselben entstehen,, irreguläre Züge^ welche nicht da feyn sollten. Oer R,ß in einer Mauer; daher, denn vermutblich die figürliche R. A. vor den Riß treten, vor? dem Risse flehen, eigentlich die schadhafte Stelle in einer Mauer? mitGefahr seines Lebens verteidigen, und figürlich, einer Gefahr, einem Schaden anderer mit seiner eigenen Gefahr abzuwen-' den suchen. Wider den Riß flehen, Ezech. 2 2, zo, «l eben dieser Bedeutung, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. Figürlich ist zuweilen der Riß theils eine gänzliche Spaltung, eine TrennunK der Gemnther nnd Absichten. La reuete es das Volk über Benjamin, daß der Herr einen Riß gemacht hatte in den Stämmen Israel, Nicht. 2 ,, 1 Z. Lbeils auch ein hoher Grad des plötzlichen Verlustes, besonders so fern derselbe durch einen TodesfaT verursacht wird. La ward David betrübt, daß der Herr ei-' neu solchen Riß an Usa chäe, 2 Sam. 6, 8. Der-Tod der Fürsten hat einen Riß in dem Lande gemacht. Die Pest hat schreckliche Riße unter dem Volke gemacht. Wo es auch zunächst zu der Bedeutung desEntreißens gerechnet werden kaum s. Von reißen, zeichnen, ist der Riß einer mit der Feder gemachte Zeichnung, oder Abbildung eines Dinges; besonders in der Baukunst undFrldmeßk'.mst. Einen Riß von etwas machen. ' S. auch Abriß, Aufriß, Grundriß, Standriß u. s. s. Anm. Fm Rieders. Rete, welches aber nicht bloß einen Riß, sondern auch einen Ritz, ingleichen einen kleinen Fluß bedeutet. S. Reißen, ingleichen Ritz. D re Rifivanr, plnr. die—banke, an den Seeküsten, ein in die See gehender knnstlichcrDamm,dergleichen die Häfen zuMenrek, Calais und Dünkirchen haben; vcrnurchlich,so ftrn sie den reißenden Wellen Einhaltthnn. Rrssiy, —er, —fls, sclj. et aätt. Risse habend. Rissiges Holz. Die Mauer ist rissig geworden. Rissig laufen hingegen ist im Bergbaue, graben- oder rinnenweise laufen. DieRlßpbcrtte, plur. die —u, bey den Kammmachern, eine viereckige Hornplatte mit einem Drahte, eine gerade Linie ans dem Kamme zu reißen, wie weit die Zähne gehen sollen. Der Rist, des—cs, piur. die —e, ein in Mehrern Fällen übliches Wort, eine Erhöhung, einen erhohcten Tsieit einesDinges zu bezeichnen. So wird der erhabnere TheU d^sHalfts-an den Pferden zu Ende der Mähne über den Schultern so wohl derRifl, als auch der Wiederrifl, oder wiederriß genannt. An dem menschlichen Fuße ist der Rist der vordere erhabene Tbeil, zu dessen beyden Seiten sich die Knorren oder Knöchel befinden,und der bey den Schustern der Spann beißt. In eimgen Gegenden, besonders Niedersachsens, b.stßt auch der Theil des Armes gleich hinter dem Handgelenke, der Rist. Nach dein Sch vabenspicgel soll ein Jude, wenn er schwöret, dierechte Hand bis an den RH, d. i. bis an daS Gelenk, in das Bcf.y legen. Anm. Bey einigen R'ß, Rust, Riester, im Rieders, mit dem dieser Mundart eigenen Vorlaute Wrist, im Engl. VVrrll, im Alk-Fries Kiull und V/urll, im Angels. V^rli, im Schwed. V rist. Ihre und die Verfasser des Rieders Wörterbuches leiten es von dem Engl.to rviLÜ, drehen, winden,Schweb, vrickn,her, Bbbb r tvelche/ / 4 riZr Rist Rit nZs welches sich allenfalls von dem Niste an der Hand erklären ließe, gegen gesetzek, welche als die Lehrlinge der Ritterschaft angesehen aber auf die übrigen Fälle nicht paßt. Richtiger nimmt man den wurden. Jemanden zum Ritterschlags. An jemanden cum Begriff der Erhabenheit für den Stamnrbegriff an) und da zeiget Ritter werden wollen, ihn zu überwältigen suchen, ihn ftinx es sich als einttr nahen Verwandten von Riese, Rieß u. s. s. Das Überlegenheit fühlen lassen. Ein irrender Ritter, kühne, zuwch Angels. V vrÜLü bedeutet nicht allein das Gelenk an der Hand,. lcn auch arme Ritter, welche acis Abenteuer ehedem in der Welt sondern auch an dem Fuße »nd an den Hüften, weil selbige zu. herum reiseten. Arme Ritter, eine in Preußen und Nieder- gleich merklich erhöhet sind, und gehöret zunächst zu unser», Firste, deutschland übliche Benennung einer AnSpeise, welche ans Brot, der oberste Theil eines Daches. In und um Dombes ist Ikus, schnitten bestehet, worüber man Eyer schcaget, und sie in Butter I^alse, ein jeder Hotzhauftn. S. auch Rost. bäckt. Sie soll von einem verarmten Ritter den Nahmen haben, Die Reste, im Flachshandel, S. Reiste. , " der seine Freunde damit bewirchetc. Da die vorzügljchsie Eigen«' DerRitt, des—es, xlur. die—e, von dem Zeitworte reiten, schaft eines Ritters ehedem in der Tapferkeit und muthigrn Bein dessen engster Bedeutung, die Veränderung des Ortes zu Pfer- schütznng des andern Geschlechtes bestand,so nennet man nochjetzt de, oder reitend. Erneu .Ritt thun oder machen. Linen Ritt zuweilen den Führer, Begleiter oder auchLiebhader eines Frauen« wagen. Der Spazierritt. In weiterer Bedeutung bedeutet, cs zimmers ihren Ritter. bcy den Jägern zuweilen noch so viel als einen Gang, dcuu da ist 2) Als die ganze Kriegsverfassung im r Ltcu und - 6tcn Jahr.' der Ritt mit Spur-ganF gleichbedeutend, einen Gang zu bezeich. Hunderte eine andere Gestalt bekam, so kamen auch die vorigen neu, vermittelst dessen man die Sauen odorWolfe in einem Holze »nd eigentlichen Ritter «ach und nach aus der Mode, und der oder Fuigel ausznmachen sucht. Niederst gleichfalls Ritt, wo es Nähme ist nur noch in folgenden Fällen üblich geblieben, (a) Die aber auch einen Zank, einen Kampf bedeutet, rucht als eine Figur Mitglieder eines adeligen wcltlicheuOrdcns werden jetzt gemeiiiig» der vorigen Bedeutung, sondern so fern reiten ehedem nicht allein ljch Ritter genannt. Lin Ritter des Maltheser-Ordeno, des eine heftige Bewegung, sondern auch eine Art des SchreyenS, des Ordens vom goldenen Fließe, des blauen syftnbandee, des Lärmens öczeichirete, (S. das folgende.) Ritt ist von reiten, wel. Llephanten - Ordens u. s. f. Ans einem Mißbrauche werde,, ches ehedem irgendwo auch ritten gelautet haben muß , wie aus auch diejenigen, welche das heil. Grab zu Jerusalem besuchen, dessen Imperfecta ritte, und Mittelwort geritten erhellet. von dem Guardian des dasigen Franciscancroröens durch ein Di« Der Rtttekxeyer, des—s, plur.utkoin. üwZ. eincArtGepcr, plom zu Rittern des heil. Grabes gemacht, ungeachtet diese Wiir« welche sich bloß vo nMänsen und jungenVögeln nähret, aufÄirch- de nicht die geringstenBorzüge in der bürgerlichen Gesellschaftge- thnrmen oder in altem Gemäuer horstet, und seinenNachbaru mit währet, ch) In einigen Fällen werden alle adelige Personell ftlnettlmnangenehmen und widerwärtigen Geschehe lästig fällt, mörinlichenGeschlechtcS Ritter genannt, welches besonders msol- von welchem Gcschreye ervermuthlich auch seinen Nahmen hat, che« gefchirhct, wo der heutige Adel an die Stelle, der ehemahligen wenn nicht derselbe soD^cs alsRöthelgeper bedeutet,indem er roch- Ritter getreten ist. Wenn die Landfiände zu den Landtagen berii« und schwarzstreifio, vonFarbeist. fenwerden, so werden in manchen Provinzen berufen: Prälaten, D:e Mitteln, S. Röcheln. Grafen, Herren, Ritter rind Städte, wo unter Ritter der nie- des—-s, p!ur. doch nur von Mehrern Arten, »t drigc laudragsfohige Adel verstanden ivicd. Indessen istes nicht uo m. linZ. eine im Oberdeutschen übliche Benennung des kalten üblich, einzelne Adelige dieser Art Ritttr zu nennen. Wohl aber Fiebers, von rütten, rütteln, weil es den Patienten in dem An- wird Ritterschaft mehrmahls von dem ganzen Adel eines Landes falle des.Frostes gleichsam rüttelt. oder ^mer Provinz gebraucht. (S. dasselbe,) und einige andere der Der Ritter, des -s,plur, ut 00m. 6rr§. welches gleichfalls von folgendenZufainmenscLiirlgen, wo es gleichfalls einen Edelmann demZcirworte reiten absiammet, undzwar in dessen engerer Be- überhaupt bedeutet. Im Ächwed. ist l>i6cksr?MLu ein jeder dcutung den Ort zu Pferde sitzend verändern. Adeliger. ,. *Jm weitesten Verstände, ein Reiter ; eine jetzt veraltete Ann,. Das Fämin. Rr'tterinn ist nicht üblich, auch nicht bch Bedeutung, in welcher man noch zuweilen im Scherze jemanden weiblichen adeligen Orden, deren weibliche Mitglieder statt dessen einen schlechten Ritter nennet, wenn er schlecht reitet. In erwas gemeiniglich Ordens- Damen heißen, rnaerer Bedeutung war Ritter ehedem ein jeder Soldat zuPferde, Die Ritter-Maöem'ie, xilur.d-,"—en, eine Schule unter dem welche Bedeutung auch das Schwed. Kicici-rre hat. In diesem Nahmen einer Akademie, auf welcher Junge von Adel nicht nur Verstände hatte Inan in der Römischen Kirche ehedem das Fest in rittcslichcn Übungen- sondern auch in allen ihnen nöthigr« d?x 1000 Rrtter, welches die Soldaten von der Thebanischen Le. Kenntnissen unterrichtet werden. ^on umerdem Mguritio ftvu sollen. DieRrtterhank, plur. dje — bäuke, diejer-lge Bank, worauf 2. In engerer und gewöhllüchcrerBcdktttungist der Ritter von dieRitter, und in weiterer Bedeutung, die Personen vom niedren Alters her ein adeliger Reiter, wo das Wort doch auch wieder in Adel bep gewissen fenerlichenGelesenheitcn sitzen; da es denn auch einem verschiedenen Umfange derBcheutung vorkomvtt. zuweilen als ein Collecrivum gebraucht wird,diese Personen selbst z) Eigentlich waren dieRitter bcy d?m ehemahlizenKriegswe. 'zu bezeichnen. So hat nicht nur der Reichshofrath, sondern auch sen, adelige Reiter, Personen vom hohen oder nieder« Adel, wel. das Apveklarions- Tribunal in Böhmen, das Schlesische Ritter. ' che in den Kriegen zu Pferde und zwar mit der Lanze und dem und Ehrengericht u. s. s. seine eigene Ritterbank, welche denn von Schwerte dieueten; da denn derStand grnes Ritters zugleich eine der Kerrrubauk gemeiniglich noch verschieden ist, und die adeligen Würde war, z«, welcher man nur durch Tapferkeit und rühmliche Besitzer vom nieder« Adel in sich fasset. Heldenrhatea gelangen konnte. EinRitter wurde niemühls'gcbo- DreRitterbirn, p!ur. die-v en, S. Mänsobrrn. ren, sondern gemacht, er mochte vom hohen oder modern Adel Die Ritterblume, plur. die—u, S. Rittersporn, feyn. Im Französischen hieß er (ttr.evalter, iinEngi. RitterhurtüsA, aci). «r sckv. von ritterlicher,d. i. altadeligcr,Hett -m mittler» Lat, ^Iile8 in engerer'Bedeutung, und hernach knnft. L«jvss;semeWssrde war überaus ansehnlich und derböchsieBrad Der Rtttar-OSntött, dos —-e, plur. die —s, S. Ritterkrris. der kriegerischen Ehre. Jh:n warim bto wchridtragor, Änappon, Der Ritterdienst, dcL—es, j^iur.-ie— e, eigentlich, cün Edelknechte, Hranz. Leu^srL,Enst. ü,s^uirer., Üc^rttro^, eiu- Dü'tist, welchen ein Ritter jemanden leistet oder zu leisten verbua« - ' - den LZZZ - Leit ist. Besonders Dienste zu Pferde, Welche ein Ritter vsn fernem Rittergilledem Lehensheccn im Kriege zu leisten verbunden ist. In der vertraulichen Sprkchart wird es zuweilen von einem jeden auch freundschaftlichen Dienste von einiger Wichtigkeit gebraucht. Dss Rittev-or f, des—es, plur. die— dö'rftr, ein der Ge- cichtbarkeit eines Rittergutes unterworfenes Dorf; zum Unterschiede von einem Amtsdorfe. DüsRitterfeld, des — es, plur. die—er, die zu einem Rtt- tergute gehörigenFelder; znmUnterfchiedc von den^auerfeldern. DirsRrtterFerrcht, des— es, plur. die—e, ein aus Rittern, d. i.adeligen Personen, bestehendes Gericht, besonders so fernes .sich mit denAngelegenheiten und Streitigkeiten der Rittceschafr.ci- ner Provinz beschäftiget. So wird in Esthland das Land- oder Hofgeeicht das Ritkergcricht genannt Auch i» Schlesien ist ein so genanntes Ritter- und Ehrengericht. - Das Rittergut, des—-es, plur. die — grircr, ein Gut, dessen Besitzer dem Lehensherrn zu Ritterdiensten verbunden, und außer denselben von allen Beschwerden befreyet ist; zum Unterschiede so wohlchon einem LrepIirte,als auch, uird zwar noch mehr, von einem Äauergrtte. Der Rrtterhof, des—-s, plur. die —Höfe, der Hof, d. i. das Wohnhaus mir den dazu gehörigen Gebäuden und Hoftaume, auf einem Rittergnte ; der Ritterfltz. DreRttterhufe, plur. die—n, eine Hufe, so fern ste zu einem Mttcrgnke gehöret, oder außer demRltterdienste von allen übrigen Beschwerden frey ist; zum Unterschiede von einer Bauerhnfe. Der Rittarra-sten, des—s, plur. ul. norn. üvx. in einigen Provinzen, eine Laste mit den dazu gehörigen Personen, welche die Beystener^es Adels nimmt und berechnet. DerRrtterköch, des—es, plur. die—koche, an großen Höfen, ein eigener Koch, welcher djeRitter- odecMarschallstafel mit .Speisen verstehet; zum Unterschiede so wohl von demMundkoche, als auch von dem Unrerkoche. Der Ritterkrdrs, deSv—es, plur. die—e, einer von denjenigen Kreisen, worein die Ritterschaft einerGegend oder Provinz gethei- , ^ rler ist. So wird dieSchwäbischeRitterfchaft in fiinfRilterkreise gctheilct. In andern Provinztnist dafür dasWortRitter-Eau- esn oder Rittersrk üblich. Die FränkischeAeichsritterschaft z. B. in sechs Ritterörter oder Eankons getherlet. Das Rsttterletzen, des—s, plur, 4it nom. ffuA. ein Lchen, welches dessen Besser zn Ritterdiensten verbindet, ihn aber dagegen von allen andern Beschwerden befreiet. Ritterlich, —er, —ste- aclj. et a6v. einem Ritter, in der engsten Bedeichung, gemäße in dessen Würde und der ihm eigenen Tapferkeit gegründet. Das ist nicht ritterlich, einem Ritter nicht gemäß. Ritterliche' ssönngen. Personen ritterlichen Standes, von Adel, besonders von altem Adel. Besonders wird rs noch figürlich sehr häufig für tapfer gebraucht, der wesentlichsten Eigenschaft der ehemahiigen.Ritter. Sie stritten ritre'ckrch, r?>?tsce. 6, Z r. Er und seine Bruder haben sich ritterlich gehalten, Kap. > L, - 6. Es kommt in diesem Verstände schon dey dem Srryker vor. Doch gebraucht dafür das/ingewöhichichece rit- kermäßrg; dem Coderittermaßigenegegen gehen. - ^ .DeL^lrtavmst'N7s, des—es, plur. die—leute, imLhurfnrsten- thlmi Sachsen, Tagelöhner, welche aufdc-n Grunde und Boden eines Rittergutes, ein daran'erbautes FrshnerhLuschen bestSen, und dein Riltergnte zn qeivisten Frohnen verbunden sind. Der RteterorHeri, des—s, j-1ur. ur.notn. ünz. t)Der 9 r- ben, d. ii Sxand, der Ritter, ohne Plural ;i wofür oo-Ä Rrrter- ' stand üblich.'.-ist. 2) Nn den Höftn, ein L>rden, welchee nur Personen Rttterjranhss, d.-i. von Asel ertheiler tslrd.« una desten / RiLch r.iZ4 Gttrdev Ritter genannt werden; eine Veranstaltung, welche ein Überbleibsel der ehemahligelt Ritter ist. DerRsttterött,. des—es, plur. die—örter, S. Ritterkreis. Das Rttterpferd,'des—es, plur. die—e, im engern Verstands, ein zum Kriege gerüstetes Pferd, mit welchem ein Ritter im engsten Verstände von seinem Ritterlichen dem Lehensherrn in den Krieg zu folgen verbunden ist; welche Benennung auch noch jetzt öeybehalten wird, da nach Abschaffung der eigentlichen Ritterdienste in den meisten Provinzen dafür eine verhältnismäßige Summe Geldes eingeführet worden. Figürlich wird im gemeinen Leben einiger Gegenden auch ein gewisses großes geflügeltes Jnsect das Ritterpferd genannt, S.-äenpserd und' Jungfer. DerRitterrarh, des—es, plur. die — rache, ein ans Perfo neu ritterlichen Standes, d. i. Adeligen, bestchen-es Naths-Col- Legium, besonders, wenn bs sich vorzüglich mit den Angelegenheiten der Ritterschaft einer Provinz oder Gegend beschäftiget. Das Rrtterrecht, des—es, plur. inuf. ein Lollectivnm, das Recht, welchem dieRitterschaft einerProvinz unterworfeil ist, zu bezeichnen; m welchem Verstände es unter andern auch m Schlesien üblich ist, wo es zuweilen auch das Ritter- oderEhrengericht, welches dieses Recht handhabet, bezeichnet. Der Ritter r Roman, des—es, plur. die—e, eine Art Romane, worin die Thaten tapferer und verliebter Ritter erzählet werden, welche in den vorigen Zeiten gangbarer waren als jetzt, da mit den ehemahligcn Rittern auch derÄeschmaek an ihrenTha- tenaufgehöcet hat. Der Rittersaal, des-—es, plur. die — sale, ein Saal, in welchem sich die Ritter, und in weiterer Bedeutung, der Adel,bey feierlichen Gelegenheiten versammelt. Die Ritterschaft, plur. laut. ») Der Stand, die Würde eines chemahligen Ritters in der engsten Bedeutung; in welchem Verstände es doch jetzt am häufigsten nur im Scherze gebraucht wird. Die irrende Ritterschaft, der Stand eines irrenden Ritters. In her Deutsche«! Bibel kommt cs noch in einigen ungewöhnlichen figürlichen Bedeutungen vor. Oie geistliche Ritterschaft, ist daselbst der Stand des beständigen Kampfes wider die geistlichen Feinde, und dessen Ausübung. Die 'Massen unsrer Ritterschaft, 2 Cor. >o, 4 . Eine gute Ritterschaft ansnben, r Tim. 1, 18. Hingegen Es. 40, 2 : redet mit Jerusalem freundlich und predigt ihr, daß ihre Ritterschaft ein Ende hät, scheinet auf den beschwerlichen Stand eines Ritters gezirlet zu seyn. 2) Noch hä'n« siftt bezeichnet es,Als ein Collectionm, diesämmtlichen männlichen Personen Rltterstarrdes) d. i. von altem Adel, einer Gegend oder Provinz. DitZrankische, die Schwäbische Ritterschaft. Des heil. Röm. Reichs Ritterschaft. Die Ritterschaft znsamm en berufen. Schon in dem atteu Fragmente auf Carla den Großen bey dem Schitter ist RttsrlcLfteine Menge versammelter Ritter. Es. z4,,21: zu der Zeit wird der Herr heimsnchen die hohe Ritterschaft, so in der Höhe sind, scheinet es die Vornehmsten in einem Staate überhaupt zu bezeichnen. Mtttrschaftlrch,uclj. st ackv. derRitt?rschaft in der zweytcn Bedeutung gehörig, von derselben abhängig. 'Der Ritterschlag, des—es, plur. die -schlage, ein Schlag mit dem flachen Schwerte auf dem Rücken, vermittelst dessen jemand nach altem Gebrauche zum Rttter geschlagen wird. Der Rittersftz, des—es, plur. die—e, erze.ritli'.h dbr Bitz. -d. i. 'Wohnort, eines Ritters. Zn weiterer Bedeutung ist iierRtt- terfitz das Wohnhaus, nebst den dazu gehörigere Ger auden, autei- «e n Rittergnte,' Dadertn auch wo Hs da- Riicergut selbst unter diesem Nahmen vorkommt. D-V Rttterspisl, des—es, plur. die—r, ein aus rrtterlich.-n Übungen, z. B. Reiten, Fechrrn n. s f. bestehendes Spiel, wohin L/l ' 11ZZ Mir ^ie Turniere, das Ringrennen und andere mehrere dieser Art gehören. Der R ttersporn, des—es, plur. die —e, eine Blume, wovon die eine Art am unfern Feldern einheimisch ist, andere Acten aber, welche in den Gärten acz wget werden, ansRomanien und Sibirien zu uns gekommen sind; lXIplüniiün Ritterblume/ Spornb'ume, sahnen sporn, wegen -er Ähnlichkeit der Blumen «nL einem Sporne, besonders der alten Art, sowie di,'Ritter ihn ehedem trugen. Der gemeine ode- wüde Rittersporn, Feid- riitersporn, Rornrittersporn ist in einigen Gegenden auch unter dem Nahmen -eS äafergiftes bekannt. In andern ist auch die Indianische Rresse, R-nstueN^m lnciicum, unter dem Nahmen des gelben Ritterspornes gangbar. Der Rlttorstttntz, des —es, plur. evr. r) Ein Abstractum, ' den Stand, die Würde eines RitrerS, so wohl in der engsten Bedeutung, als auch in weiterer, der Stand de- alten Adels, von Personen männlichen Geschlechtes. Eine Person Rl'tterstandcs, oder vom Ritterftande. 2 ) Ein Collectivum, die ssmmrlichcn Ritter, und in weiterer Bedeutung, die sämmtlichcn männlichen Pcrsvne» von altem Adel in einem Lande oder in einer Provinz, besonders so fern dieselben^nfReichs-und Landtagen Sitz und Stimme haben, dagegen im werreru Verstände Ritterschaft üblicher ist. ' . Die Rittersteuer, plur. die —u, in einigen Provinzen, eine Steuer, welche die Besitzer der Rittergüter anstatt des ehernahli- gcn NitterpferdeSdem Landes-und Lehensherrn entrichten. Der Ritterstutz, des—es, plur. die—eine erhabene Kopfzierde, welche die ehemaligen Ritter bey ftyerlichcn Gelegenher- ren auf ihren Helmen trugen, und wohin unter andern auch die Feder-Hirsche gehören. S. Stütz. Die Rittertafel, plur.die — n, eine Tafel, so fern Ritter, oder P, rsonen von altem Adel daran sitzen. So wird an einigen Ho- - ferr die Marschallsrafel auch die Rittertafel genannt. Auch in einen! mit adeligen Personen besetzten Gerichte ist die Rittertafel zuweilen so viel als Rltrerbank, die sämmtiichen BeysitzerRitter- stsndeS eines solchen Collegii zu bezeichnen. Der RittertLtz, des—es, plur. die—e, die feycrliche Versammlung dcrNkttcrfchaft einer Provinz; dergleichen Ritteetage z B. bev der Schwäbischen und.Fräns-schen Reichs-Ritterschaft nöUch sind. Verstümmelt sich nun die Ritterschaft eines Nitter- kreiseS, so wird es einvierte!öta§"genannt. Die Rrtterzehruntz, plur. die—en, eigentlich dasjenige, was man einem verscmtcn oder auf Abenteuer ausgehenden irrenden Ritter ans stiller Reise ebedem zn seinem Unterhalte reichte, und welches von demselben nicht selren erpreßt wurde. Figürlich auch wohl jetzt ein Almosen, welches mau einem Bettler vornehmerer "Ar t reich L. Der Ritterzutz, des—es, plur. die—züge, ein ans rhcmah- ligeu Rittern bestcheudcrKrirgSzug,vo« ivelcher Art auch die « he» mahligen Krenzznge war«», weil der Kern der Armeen ans Rittern b'stand. Die heutigen Malchcstr halten zuw ileu noch solche Ritterzüge wider die Türken, Auch -k Reist eines irrenden Ritters, so fern sie ritterliche Aber«teuer znm Grunde hat, ist unter dem Nabmeu eines Rlttorznges bekannt. Rrttbmtzs, uäv, S, Reitlings. D?rRit5.nrr>ister, des —s, plur. ut vom. stn^. -er Vorgesetzte M-w Ekeadrou oder Schwadron. Reiter- welcher b y der Rcitercy dasjenige ist, was ein äanprman., bey dem Fußvolke ist ; dessen Gattin«. dleRittlNk'-steril n. Bernulthlich vo nRitter, entweder so fers eS »Hedem eine« jeden Reiter bezech nett,, .oder auch, s» Lern die eim-ntliche Reitwey bey der R -mahligeuKen'gSrecfassung auS Ärittkn, im engsten Villsrande, bestand. Rob 11Z6 DasRittstroch, S. R ütt6 r oh. Der Ritz, des—es, plur. die—e, oder die Ritze, plur. die —n, Dimilk. das Ritzchen, Dbcrd. Ritzlcin, ein Wort, welches Mil Riß Eines Ursprunges ist,, aber im Gebrauche von demselben noch nliterschiedki-l wird, i) Ein schmaler, in die Länge sich er. stc> ckrndcr fehlerhafter Spalt in Hartel! Körpern; wo Ritze cheils eine kleinere Spalte bezeichnet als R-ß, theilS auch härtere Körper voraussttzet. Eine R-ye in der Lhirr, in der Wand. Lurch din R tz oder - urch die Ritze gucken. Laß die 6i-ust r R tze gewinnen,Auros 6, 11 ; wofür man doch lieber R:sse sagen wur. de. Lie Stein-oder Fclsenritzen, Klüfte. Überhaupt ist R,g in diesem Verstände ein wenig unedel, und man wird dafiirgröß. ten Tm'.ss lieber Spalte gebrauchen. 2 ) Ein langer, schmaler, mit einem spitzigen Werkzeuge gemachter R ß arlch in weichereKörper. Ein R y auf -erbaut von einer Stecknadel. Niedersächfisch Gchramme, i»: Bergbaue Hranune. Im Bergbauc wird auch diejenige Schramme oder Rinne, welchern das Gcsteii« gehauen wird, die Keile darein zu setzen, ein R tz genannt. , Anm. Jin Niedcrs Rere, welches aber auch einen Riß bedeutet ingleichen Recte und Reitze, im Pohln. (S. Reißen.) ZM Hochdeutschen ist daS männliche Geschlecht fast eben so gewöhnlich als das weibliche, obgleich das erstere doch am häufig' sten vorkommt. Das Ritzeisen, des—s, plur. ut vorn, slasi. inl Bcrgbaue, eiu Eisen, womit die Ritze in das Gestein geschlagen werden. Ritzen, verb. reß. ser. mit einem spitzigen Dmge Ritze nlackeu. Die äaue ritzen. Üstit der Nadel ritzen. Sich mit der Nadel, an einem Nagel ritzen. Die Laalspfaffen ritzten sich mit Messern, 1 Kön. r 8, 2 z. Zur Bergbaue ist rrtzen auch, mit dem Rltzejstu arbeiten, Ritze in das Gestern hauen. Daher das Ritzen. Wogender Harkern Mitlauter scheinet dieses Zeitwort ei» Jntensivum, und wegen des,i, dem natürlichen Ausdrucke kleiner Dinge, daS Diminutioum von reißen zu stvn. Im weitern Verstände ist im Rergbaue ein ilnverritztes Feld, wo noch anfMine- ralien gearbeitet worden, welches noch nicht durch Schächte u. s. st geöffnet worden. Die Ritzfeder, plur. die—n, imBergbaue, kleineBlechc, welche mau in die gehauenen Ritzen legt, damit die dazwischen Zesctz- ten Keile desto starker angreisen. S. Feder. Ritzitz, —er, —ße, ttckj. ei. a6v. Ritze habend. Die Röhath, plur. die—en, rin nur in einigen Dbcrdentschm, von Wenden ehedem bewohnten, oder an Slavonische Mundarten gräuzendcu Gegenden, übliches Wort, einc! Frohne, oder einen Frohndicust zu bezeich,ee«c. Zu diesem Verstände ist rS in Baiern, Österreich und Böhmen sehr gangbar Laher das Zeitwort roba- rhen, fröhnen, der Robacher, der Frohner, öandrobather, Fnßrobati er, Zngrobather u s.f. Das Wort ist Slaoonischen Ursprunges, denn im Pohln. bedeutet klo b okcr eine jede Arbeit. Indessen scheinet es mit unsrem Arbeit ursprünglich eiu und eben dasselbe Wort zu stylst iu-e»i brydc bloß durch die auch irr ander« ^ F (i steil sehr gewöhnliche Ve-'si Sun g de» r verschieden sind. Auch daS in dem Late'ne cher Mittlern Zeiten in Ercglanb vorkvnnneudr iknÜLtipes^Rec!repium >rbcth n.Fr»bndipnste,V!rrfrodnen, zn bezeichnen, scheinet in Ansehung sernerstMen Hälsredcst)il» z» gehören, so Ivic daS gleichbedeutende Engl. üerjerons sein.-r letz- tern Hälfte nach mit nnscrm Zrohne überein kommt. Der Rodde, des—N, plur. hie l—N, der Nahizze des Seehmides in den mitternächtlichen Sprachen, welcher durch die SchWahtt auch in die Niederdeutsch Mundart ringefnhret worden; l^üocu vilul na l,. Nn'ders Rnbbe, Holl. Äob, (Siehe Seehund.) Daher das R.öbenfell-, das Fell von einem Seehunde, das Stthttrtdssell, w-mik mau die Koffer zu überziehen p?egr; Röck iiZ7 R ob -i-r Robtcnschläger, Personen und Schiffe, welche jährlich aus Niederdcntschland auf den Fang der Seehunde auslaufen, weil man diese unbehülflichen Thiere nur auf dem Eise todt schlagen darf; der Robbenspeck, der Speck von den Seehunden, woraus der Robbcnthran, oder Seehundsthran, gekocht wird, u. s. s. Robert, ein alter Deutscher männlicher Taufnahme, welcher fast in allen, mit der Deutjchen verwandten Sprachen angetroffen wird, und unter andern Gestalten auch nicht selten Ruprecht lautet, siehe dasselbe. Da in den altern Zeiten, besonders in den Niederdeutschen Urkunden, das' allgemeine Nennwort Ruh«art, Rug- wart, mehrmahls vorkommt, einen Beschützer der Gerechtsamen kines andern und der Gerechtigkeit zu bezeichnen, (S. Ruge,) welches denn so viel als ein Vogt in den Mittlern Zeiten, vielleicht auch ein Richter seyn würde: so ist sehr wahrscheinlich, dass dieser eigenthümliche Nähme daraus zusammen gezogen worden; stehe auch Rr'igegvaf. Das Roberts - Araut, des — es, plur. ivus. eine Art des Storchschnabels, welche ans den Felsen und an den Zäunen des mitternächtigen Europa wohnet; Ruprcchts-Rraut, Blutkraut, weil es zuweilen eine blutrothe Farbe hat, 66 MiaoaR.ob 6 rl.ia- NUMI-. Man hatte ehedem eine Krankheit, welche unter dem Nahmen der S. Ruprechts-Plage bekannt war, und es unter dem großen Haufen vielleicht noch ist. Wider diese sollte diese Art Storchschnabel ein kräftiges Hülfsmittel seyn, daher fie denn auch dcnNahmeiAekommen hat. Die Rocamböle, plur. die—n, eine Art des Graslauches/best sen Schaft vor der Reife der Frucht zusammen gedrehet ist; RUiuin leorockopralümk,. Schlangenknoblauch. DerNah- me ist Französisch,Rocambole, daher derselbe imDeutschen von einigen irrig Rockenbole geschrieben und gesprochen wird. Indessen ist doch diese Art Lauches auf der Insel Irland und in Dänemark einheimisch, ob cs gleich scheinet, daß unsere Köche sie aus Frankreich kennen gelernet. Die letzte Hälfte ist das Niederdeutsche Bolle, Zwiebel. I. Der Röche, des—n, plur. ut vom. lloZ. eine Art Krähen, welche diesen Nahmen in einigen Gegenden wegen ihres rauhen, widerwärtigen Geschreyes haben, S. Saferricke, Rarechel und Racker. r. Der Röche, des —n, plur. die —n, ein Nähme, welchen im Schachspiele der fünfte und äußerste Stein unter denOfficicren führet, und deren iuledem Spiele zwey sind. Der Nähme dieses Steines ist im Deutschen so alt, als das Spiel selbst, und da dieses aus den wärmern Morgenländer» zu uns gekommen, so muß bcr Nähme auch dort ausgesucht werden, dah/r die meisten Erklärungen desselben theils erweislich unrichtig, theils aber auch sehr gewagt sind. Heut zu Tage stellet inan den Rochen unter dem Bilde eines ThurmeS vor und da hat man freylich Spuren genug, daß Roch ehedem nicht nur einen Thurm, sondern anch eine jede Masse von beträchtlicher Höhe bedeutet habe, wohin auch das Angels. Rocca, einSchloß, das Franz. Rocke, ein Felsen, gehören, (S. i Rocken.) Vermuchlich find die Jtsliäner und Franzosen durch das Wort Roche verleitet worden, einen Thurm daraus zu bilden, so wie die Deutschen ans ähnlicher Verleitung einen Elephanten, die Russen aber einen Nachen, und die Engländer eine Krähe, Rook, (S. das vorige) daraus gemacht haben. Allein , dä das Schachspiel ein Bild der ältesten Süd-Asiatischen Kriegskirnst ist, so ist weit glaublicher, daß dieser Stein entweder de-! Elephanren, wie er auch bep einigen in diesem Spiele wirklich heißt, oder, wie Hyde will, das Dromedar bezeichne, indem der Lauser in nnserm Schachspiele eigentlich der Eiephant der Morgenländer seyn soll. Indessen finden sich doch auch Beweise, daß der Elepham ehedem imDeutschen der Roche genannt wor- Ade!. W. B. 3.Th. 2. Ar,st. HZ3 den, wovon Frisch eine Stelle aus Liters Schwäbischen Chronik anführet. Z. Der Roche, des—n, plur. die — n, eine Art Seefische, die mit fünf Luftlöchern am Halse versehen ist, einen platt gedrückten breiten Körper, und einen gemeiniglich mit Stacheln versehe-, nen Schwanz hat; Rajak-. besonders dessen Raja clavara. Siehe auch Giftroche, Nagelroche, Stachelroche. Zn einigen Gegenden heißt dieser Fisch auch Ratte, im Niederst Ruche, im Dänischen Rokke, Rokkel, im Engl. Roacb und Ra^, welche so wie das Lat. Raja, insgesammt in de» Stacheln, womit dieser Fisch versehen ist, ihren Grund zu haben scheinen, S. Rauch und Rechen. Röcheln, verb. rsZ. vsutr. mit dem Hülfsworte haben, mit voller, mit Blut oder Schleim ungefüllter Brust oder Luftröhre, athmen, dergleichen nicht nur bey Sterbenden zu geschehen pflegt, sondern auch zuweilen bey sonst gesunden, wenn die Luftröhre oder Brust stark mit Schleim angefüller ist. Daher das Röcheln. Anm. Am Schwed, rolsla, im Bretagnischm rovksl, im Franz, raler, ehedem racler, imLat. rovcbiü'ars, imGriech. prg-'xr/i,, go'/xoeAtt,, im Niederdeutschen mit einem andernEnd- laute des Drammwortes rotteln, im Engl, to rottle, to rüttle. Es ist eine genaue Nachahmung des röchelnden Schalles selbst,der Form nach aber ein Zntenstvum von dem noch im Nieders.üblichcn raken, miteinem Geräusche auswerfen. Im Island, ist dieses kracka für röcheln üblich. Ehedem gebrauchte man es im Deutschen such von dem ähnlichcnLaute derSchweme, Pferde und Esel, wovon Frisch Beyspiele anführet, und wo es auch rucheln, rüheln, rincheln lautete. An einigen Orten rochzen die Frösche, wenn sie im Hochdeutschen röcheln. Der Röck, des—es, plur. die Röck^, Dimin. das Röckchen, Oberd. Röcklein, ein Nähme eines Kleidungsstückes. I) Bey dem männlichen Geschlechts wird zuweilen die ganze obere Kleidung, mit Jnbegrlffder Weste, der Rock genannt, in welchem Falle es aber nur im gemeinen Leben üblich ist, dagegen in der an- ständigernSprechart dafür Rleid gebraucht wird. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist der Rock ein langes Oberkleid, so fern es von dem noch länger» und weitern Mantel verschieden ist. (S. Thorrock, priesterrsck. Reitrock, Überrock, Rcgcnrock, Schlafrock u. s. s) Da denn auch die langenOberklcider dcrMor- genländer und anderer fremden Völkerschaften Rocke genannt werden. Im engsten Verstände ist der Röck das obere oder äußere Kleidungsstück eines Deutschen oder vielmehr Französischen Kleides, im Gegensätze der Veste. 2) Bey dem weiblichenGeschlechte ist der Rock ein jedes Kleidungsstück, welches sich von den Hüften bis aus die Füße erstrecket und den ganzen Leib umgibt. Der Unterrock, der Überrock. DerReifrock, steift Rock, oder Zisch« beinrock. S. Reefrock. Anm. BeydemWilleramRocoke, bey dem Notker Rokk,- im Niedersachsischen gleichfalls Rock, im Angels. Rocc^ im Schwed. Röck, im Wallis. Rkuckeo, im BretagnischenKoket, im Slavon. Raucbo, Ruub, alle in der Bedeutung eines Oberkleides oder Kleides schlechthin, welche Bedeutung auch das Gnech. und Syrische und Samaritanische Rakua hat. Das Engl. und Franz. Rocket, das Jtal. Rocketto, 'und Spanische Ro^uetlo, sind Diminutiva davon. Die wahrscheinlichste Ableitung dieses alten und weit ansgebreireten Wortes ist immer noch die, welche es von rauch, rauh abstammen läßt, da es eigentlich ein Oberkleid von Rauchwerk, einen Pelz, bedeuten würde, indem dieß doch die erste und älteste Art der Kleidung, zumahl bey den nördlicher» Völkerschaften ist. Im Finnland, bedeutet Rou^ka und im Ungar. Rukka wirklich euren Pelz. S. auch Zrack. Lccc ' ' D§r Rvck Röck "S9 1L4V Der Rockessör, des—eg, plur. die—e, aus dem Franz. ks- <;u6laure, eine Art weiten Reise- und Regenrockes mit Ärmeln. r. Der Rocken, des —s, pIur.ut llorn.ljoA. ein im Spinnen und bey dem Spinnen übliches Wort. >) Ein Werkzeug,Flachs, Hanfund Wolle daran zu spinnen, weiches aus einem langen, gedrechselten Stocke mit einem Fußtritte bestehet, und auch ein Spinnrocken genannt wird. Dreß ist eines der ältesten Werkzeuge dieser Art, an dessen Sratt in den meisten Provinzen die bequemer» Spinnräder aufgekomme» find. Ehedem hieß es eine Runkel, und im Niederst nennet man cs auch einen wock n. Ein fleißiges Weib strecket ihre Zand nach dem Rocken, Sprjchw. 3 r, ry. (S. auch Spindel.) 2) Der zum Spinnen be- stimmte Flachs , Hanf oder Wolle, welche ausgedehnet nnd hernach nm den Hockenjlock gewunden wird, heißt gleichfalls der Rocken, auch da, wo man flch statt der Spinnrocken der Spinnräder bedienet. Einen Rocken anlegen, de» zum Spinnen be, stimmten Flachs, Hanf oder Wolle ausbreiten und ihn nm den Aockenstock wickeln. Den Rocken abspinnen. In Baiern heißt dieser Rocken die Rupfe, in Westphalen Ließe, in andern Niedersächsischen Gegenden aber gleichfalls der Wocken. Anni. Auch dieses Wort ist sehr alt, und weit ansgebreitet. Im Engl. lautet eS Kuck, Kock , im Jtal. koccu, im Spanischen kuccu; iinSchwed.imd Island. Kock, im Ungar.kok. Ks, im Finnland, kucki, im Lappland, kokkul. Die Wortforscher haben anfdiezrvey verschiedenenBcdcntungen nichtgeach- tet, und daher sehr unwahrscheinliche Ableitungen gewagt. Die meisten sehen die zwcyte Bedeutung als die erste und eigentlichste an, und leiten es daher mit Wächtern und Frischen von rauch, mit Helwich von ausdehnen, oder, wie Ihre, von dem Holland. Kock, ein Haufe, ab. Allein, es ist weitwghrschein- lichcr, daß die erste Bedeutung eines Werkzeuges zum Spinnen die ursprüngliche ist, da denn der Begriff entweder des Ziehens, oder auch des Drchens und Bcwcgens, der Stammbegriff seyn wurde. JnAnsehung desZiehens gehören unser rucken und recken, so fern es ehedem ziehen überhaupt bedeutete, Niederst trecken, in Ansehung des Drehen« und der Bewegung aber, so wohl unser regen, drehen, drechseln, Griech. ein Rad , als das Engl, ro rock,Franz.rocHusr, heftig bewegen,und anderemehe dahin. Das Niederst Wocke, welches in beydcn Bedeutungen üblich ist, und welches Wachter sehr unwahrscheinlich von wagen abstammen läßt, weil der zum Abspinnen bestimmte Flachs zuweilen gewogen wird, leidet eben dieselbe Ableitung von wegen, wecken. > 2. Der Rocken, des — s, plur. doch nur von inehrern Arten, ur llon-i. tillA. ein Nähme einer Gctrcrdcnrt, welche braune oder bräunliche ovalrnndeKörncr trägt,nnd ein schwärzeres und gröberes Mehl gibt^als der Weitzen, in der Botanik aber, durch die ans zwey gegen einander über ftehendcnBlättchen bestehendeHnlle, welche zwey Blüthcn einschlicßt, von den übrigen Getreidearten unterschieden wird; 8scule Der Nähme Rocken, oder in ekligen GegendcnRockenkorn, rst in der südlichen HälfteDemsch- lands am gangbarsten, in der nördlicher« nennt man dieses Getreide auch Rsrn, so wie man es in einigen OberbeutschenGegen- den nur Rern und Frucht nennet. Weil diese Pflanze in Creta oder Candia wild wächst, so glaubt man, daß sie von dort in dem übrigen Europa verbreitet worden. Zu Plinii Zeiten war der Nocken nochschlechtund bitter, Heculeljeterrimuln ettuntum uck arcellcium kumem. Roch jetzt verachten dieBewohner wärmerer Lander das Rockenbrot, als ein grobes und sprödes Brot. Plinius gedenkt dessen als einer Getreideart, welche von den Tau- rinern an dem Fuße der Alpen gebauet worden , von wannen es vielleicht in die iibrigenSuropäischenLänder gekommen. In einem alten, in Okeröenkschlanö gedruckten, Vveabiflarko wird der cken auch Senkel genannt, welches mit dem Art. 8ecu!s genau überein kommt. st ?lnm. Der Nähme ist so als und ansgebreitet, als die Frucht selbst. Ben den ältesten Oberdeutschen Schriftstellern heißt sie koAZo, im Niederst Roggch im Holländ koAkc, im Angelst K^Zc, im Engl. k^e, im Da». Rügen, im m ttlern Lateins k SAAL, im Wall. s. K ll)-A, im Wend. Kock, im Schweb. kuA, im Esthländ. kuckit, Kock, im Dalmat. Kuux, und mit andern Endlanten bey den altern Dänen Rooff, bey den Finneir Kuvis, bey de,l Ungarn Kos. Skieter leitet csvckn Rein, durch Verfetznng,Frisch aber von rauh her,weil cs ein gröberes Brot gebe als der Weitzer,. Wachter, Ihre und anderewagen »ichrs. In- dessen scheinet es doch, daß dieses Wort, so altes auch ist, kein an. dcres ist, als unser Rogen, welches ehedem Frucht überhaupt bc« denccre, nnd ivovon unser Frucht selbst abstam.net, (S. Rogen,) und wohin so wohl die letzte Hälfte des Lat. i^urruzo, als auch vielleicht das Finnland. Knciio, eine Pflanze, gehöret. Wird doch derRockeu in vielen Gegenden nur schlechthin Frucht genannt. Ans ähnliche Artist dasSchwed.komm,Fischrogen,mir dcmLat. k rumcMuin verwandt. Indessen könnte auch derBegciffeiiies Rornes in der weitesten Bedeutung in Betrachtung kommen, in« dem das Wrnd. Kock Rocken, dessen Dimin.kockku, ko^ka, übereil'. jedes Körnchen bedeutet. Bey' dem Pimigs kommt auch der Nähme ^rinc.ufür Rocken vor, welch es gleichfalls mir Rocken verwandt ist, indem das u in vielenLateittt scheu Wörtern ein Müßiger Vorsatz, das u aber überall oft ein bloßer Begleiter der Gaumenlaute ist. VieleHvchdeutsche Sprachlehrer,wohin auchGottsched e chörch haben sich durch die weichere Niederdeutsche Sprechart verleiten lassen, die Schreibart Roggen für die einzige wahre anszugebe,k, ungeachtet alle Hoch- und Oberdeutsche Zungen sehr deutlich Rocken sprechen. Es istderNckderdeiltschenMundarteiacuchrilHoch- UndOberdcutschen hartenMitlauteru in vielen Fällen die weichem unterzuschiebcn, und rvas wollte ans der Hochdeutschen Sprech- und Schreibart werden, wenn ihr diese Weichlichkeit als eine Ae- gcl anfgedrungen werden sollte? Dann müßte man auch Riiggeu für Rucken, Brügge für Brücke, dxoge für trocken, dod füe todt u. s. ^schreiben und sprechen. Das Rockenblatt, des —es, plur. die—blä'tter, bey den Spill' »erinnert, ein Blatt Papier, womit der Rocken umwunden wird, damit er sich nicht verwirre; Niederst wockenblo.d, Ooberken' blad, von Mdberken, der Aockenstock. S. r. Rocken. Die Rockenhöle, S. Rocambole. Der Rockenbrep, des-.es, plur. die — e, ein Brey aus Nockenmehl. Rockenbrot, des —es, plur. die—e, ausRockenmehlge- -ackenes Brot; so wohl collective und ohne Plural, als auch von einzelnen Broten. S. Rockling. Das Rockenmehl, des—es, plur. cur. Mehl, welches aus der unter demNahmen des Rockens bekannten Getreideartgemab- ilcu worden. Zm engsten Verstände wird dasjenige Mehl, welches fünfMahlanfgeschüttet worden, be» den Müllern und Bäckern Rockcnmehl genannt, 411m Unterschiede von dem schwarzen Mehle, welches aus dem sechsten und letzten Gange kommt. Die Rockenmutter, plur. inus. in einigen Gegenden-ein Rahme des Mutterkornes, S. dasselbe. Der Rockenstock, des — es, plur. die—flocke, an einem Spinurocken oder Spiuurade, ein rundes, gedrechseltes Holz, m» welches der Rochen gewickelt wird ; Niederst Wockcnflock, ipb- öerkem Die i 1142 Röck Roh Dre RoekeMrespe, plur. car. eine Art Trespe, welche sich am Häufigsiei' unter demNocken finden läßt; Rromus fecalivus Iv, Der Rockling, des —es, plur. die — e, m einigen Gegenden, besonders Nledersachsens,cin feines, kleines Rockenbrot,so wie es von den Stadlbäckern gebacken wird. Der Roöaue, e-n§isch, S. Rochauge. ^ ^ ^^ . *Die Rode, plur. die —n, ein in den Niederdeutschen Mund. a. ten für Reut und Reute übliches Wort, S. dasselbe. Der Rödel, des-s, plur. ul vom. linA. im gemeinen Leben einiger Gege,iden. i) Ein kurzer, dicker Stock; ein Reitel, siehe dasselbe. 2 ) In einigen Hegenden führet dev Zahnenkamm, eine bekannte Pflanze, Rlrivanelius (örilla E-all 1,. diesen Nah- / nun. (S. Rödelkraut.) Z) In den Rechten ist Rodel aus dem Latein. Rol-ulus entlehnet, ein Register zu bezeichnen, S. Rotel. .. . . *Das Rodeland, des—es, plur. die blander, m der Nieder, sächsischen Mundart, ausgerodetes ^ d. i. ansgereutetes, aus Waldung zu tragbarem Äcker gemachtes Land; Remland, Neubruch, Ncureur, Neuland, S. Reuten. Das Rödelkraut, des—cs, plur. inufi. in elnigen Gegenden , ein Nahrne des Läusekrautes, Reclicularisl^. welches auch wohl Rödel und Fistelkrant genannt wird. Rodeln, verb.reZ not. welches im gemeinen Leben ciniger Ge« genden üblich ist, cheils für rütteln, (S. dasselbe,) theils auch für reitcln, mir dem Reitel fest zusammen rütteln oder ziehen. So röbeln die Fuhrleute, die auf einem Frachrwagen geladenen Rasten mit dem Rodel an oder zusammen, S.Reitel. * Roden, vsrk. roz. ack. welches in den Niederdeutschen Mund. aru'n für reuten und rotten üblich ist, S. diescloeu. Der Roden, des—s, plur. ut aorn. liriF. in einigen Gegenden der vierte Magen des Rindviehes, welcher auch derFctt- magen-genannt wird, S. dasselbe und Magen. Der Rodezebente, S.Reutzchente. Der Rof, des—es, plur. die— e, im Schiffsbane NicderdeutM- " landcs, die Bogcndecke über dem Hintertheile eines grossen Schiffes; Holland. Roes Ursprünglich bedeutet es ein jedes Dach, eine jede Decke. Jm Angelf. ist llrok, im Engl. Rook, und ml Holländ.Roes ein Dach, wohin denn auch das Deutsche Ruf, die Rinde cinerWunde, und das alle Rauba, Franz. Rob- ba, eiitRock, Kleid, gehören. * Röckel, —er, — sie, aclj.er aclv. welches nur im Oberdeutschen üblich^ft, wo es locker bedeutet. Oer Zahn ist rogcl, locker. Rogeles Erdreich, lockeres. Eben daselbst Hat man auch das Zeitwort rogeln für wackeln. Es rogelk dem Pferde ein Eisen. Es stammet voir regen ab, S. dasselbe. Der Rogen, des— s, plur. doch nur von mchrern Arten, ut NOm.linZ. -) * Die Frucht, in der weitesten Bedeutung dieses WorteS; eine im Hochdeutschen völlig veraltete Bedeutung. In einer handschriftlichen Übersetzung derSprüchcSalonwnis aus dem Anfänge des / zten Jahrhunderts Heissl es noch, Kap. 8, '9, vnd mein rogcn ssnd pesscr dann crrvelts stlber; mein Einkommen ist besser, den« auserlesen Silber, Luth. Und Kap. r8, 20 : von der feucht des mannes wird sein pauch erfüllet, vnd dp ragen seiner lebs werdent in sattent; einem Mann wir d v gölten darnach sein Mund qcredk hat, und wird gesattrgct von der Frucht seiner Lippen, Luth. Wir gebrauchen es, 2 ) nur noch in cnaercr Bedentmig, von den Ehern derFiiche, so lange sie sich ncny im Leibe der Fische befinden ; denn so bald sie ausgelassen wororn, heissrn sie Leich. Auch Fischrogen, beydc als ein Collectivum. Ein Fisch har vielen Rogen, wenn er viele Eher in sich hat. Äum. In der uv-yten engern Bedeutung im Nieder- sächsischen Rögen, imIsländ. ttro^n, mit andern Endlauten im Engl. Ros, und im Schwed. Romm, Wachter leitet es von dem Sriech. ö-cj/hit,, aufschwellen. Frisch aber von dem Slavon. roä,ro6iti, gebären, her. Beyden war die erste Bedeutung der Frucht unbekannt, in welcher es nicht nur mit 2 Rocken, leoale, sondern auch mit unserm Frucht und dem Lat. kckuZ68, k'ruclusu. s.f. genau verwandt ist, indem die letzter« nur den Vorlaut Z vor sich genommen haben. In der Bedeutung der Feucht scheinet der Begriff der Bewegung ^>er herrschende zu sepn, da es dem» zu regen gehören würde. Um eben deßwillen wird das Lab, welches in einigen Gegenden Renne und Rinnsel heisst, in andern Rogcn genannt. S. 2 Rochen. Der Royener, des—s, plur. ur vom. liuZ. ein Fisch, welcher Rogen in sich hat, ein Fisch weiblichen Geschlechtes, zum Unterschiede von einem Milcher oder Milchener ; im Oberd. Rögling. S. —Er. I Der Rogenftein, des — es, plur. die — e, in der Mineralogie, eine Art Tropfsteine, welche aus kleinen,dem Fischrogen ähnlichen Körnern bestehen, und daher auch wohl ehedem für verst einerten Fischrogen gehalten worden; Oolilchus. Sind die Körner grosser, wie Erbsen,so wird ein solcherStkinErbsenßein,Rifo1itche§, genannt. Roh, —er, —este,a6j.et a6v. welches i) mit rauh eigentlich ein und eben dasselbe Wort ist, und in einigen Oberdeutschen Gc? tzrnden noch wirklich für dasselbe gebraucht wird ; ein roher Boden, rohe Witterung, für rauh. Im Hochdeutschen kennet man rs 2 ) nur in figürlicher Bedeutung, da es denn von Körpern gebraucht wird,welche keine andereZurichtung bekommen haben,als die Natur ihnen ertheilet. Rohe Producte, so wie sie ans den Händen derNatur kommen, und noch nicht Verarbeiter sinh. Rohe Gerde, welche noch nicht gesponnen und nicht gefärbt ist. Es bildet? die Runst den rohen Marmor aus, Gell. Oft werden unter diesem Worte besondere Arten der Zubereitung oder Zurichtung verstanden. Von Dingen, welche zur Nahrung dienen, ist eS dem gekocht oder gebraten entgegen gefetzt. Rohes Fleisch, rohe bische, ein rohes Ep, welche nicht gekocht sind. Das Fleisch ist noch ganz roh, bey weilen noch nicht gar gekocht oder gebraten; wo'nian im Oberdeutschen auch das im Hochdeutschen unbekannte röhlich, ein wenig roh, hat. Daher roh in den gemeinen Sprecharlen auch für wund gebraucht wird. Sich roh liegen, wund. Rohe Leinwand ist im Leinwandhandel un- gebleichte; ein rohes Tuch, bey den Tuchmachern, ein unge, walktes; rohe Erze, im Hüttenbanc, uugeröstete Erze; ein rohes Buch, ein ungebundenes, so wie es aus der Druckerei) oder aus dem Buchladen kommt. Nach einer noch weitern Figur ist roh aller sittlichen Verfeinerung oder Ausbildung beraubt. Ein roher Mensch. Rohe Sitten haben. Ein rohes Leben führen, ein ungesittetes, ausschweifendes. Ein gesunder aber roher verstand. Anni. Im Niedecf. rau,- im Angels. Irreavv-im Engl. ravv^ im Schwed, ra,im Island, rlia, im Finnland, raaoa, imWend. mit dem Vorgesetzten Zischlaute krovv, (S. Schroff,),im Latein, ruckisund cri-chus. (S. Rauch, Rauh und Grob.) In einigen . Gegenden gebraucht man es auch für rehe von den Pferden, für verfangen, S. dasselbe. Die Rohftrbeit, plur. die — en, im Hüttenbaue, diejenige Arbeit, da die Erze mit aller anckebenden Unart und ungcröstct aus- geschmelzet werden, da denn das dadurch gewonnene und noch sehr unreine Product der Rohstem genannt wird. D ekarum l.,. ein in beyden Indien einheimisches Gewächs, welches nnserm gemeinen Bohre gleicht, und aus welchem der Zucker gesotten wird. Unser gewöhnliches Rohr, welches im gemeinen Leben auch Rietb, mgleichen auch Schilf gcncyutt wird, wächst in allen Seen, Teichen und Flüssen. Ern Zaus mit Rohr decken. Sprichm. Im Rohre ist gut pfeifen schneiden. Roh 1144 Der Plural die Rohre, welchen Haller gekraucht, ist im Hoch, deutschen ungewöhnlich: So laßt der Frösche Volk sein (Quaken in den Rohre» So wohl bey Sonnenschein, als wenn es wittert, hören. -) Als ein Individuum, von einzelnen Stücken Rohres. Zwey Zuckerrohre, zwey Stücke Zuckerrohr. Besonders von einem Spanischen Rohre, d. r. einem aus Spanischem Rohre zum Gehen bereiteten Stabe. Drey Spanische Rohre. WelcheBedcn, tung vielleicht auch der einzige Fall ist, wo das oben bemerkte Diminutivum üblich ist. Amm. Zn der letzt-nBedeittung eines Gewächses schon bey dem Kero Korriu, bey dein Notker kor. im Island, ke^r, im Arabischen mitVerdoppclung Kasarau, eine Art großen Rohres. Da dieses Wort eines von denen ist, welche von regen, Rad, reisen, Reif u. s. f. nur im Endlaute verschieden sind, und diese alle eine Bewegung nach allen Richtungeil bezeichnen, so kann so wohl die Höhe, als die gerade Länge, als endlich auch der hohle Raum, eine gewöhnliche Figur der kreisförmigen Bewegung, zu der Be. ncnnung Anlaß gegeben haben. Daher heißt das Rohr bey dem Ulphilas k aus, im Franz, koseau , und im Deutschen auch Rieth, (S. dasselbe.) Das Lat. /^rupclo gehöret gleichfalls dahin, indem das L in dieser Sprache sehr oft ein müßiger Vorsak ist,imd die letzte Hafte zunächst mN rund verwandt ist. Bey d'em.Ge- wächse diescsNahmcns kann auch zunächst auf dessenBeweglichkeit bey dem geringstenLüftchen,und das dadurch verursachreRanschcn, Riesen rurd Reden, in der weiteste» Bedeutung, gesehen sey». Die Rohrammer, plur. die— N, S. Rohrsperling. Das Rohrbein, des — es, plur. die — e, von Röhre, der Bemknochen , das starke, hohle B» in des Schenkels, welches einer Röhre gleicht; der Rohrknochen, Nieder,'. Pipenknaken. DüS Rohvhlcrtt, des—es, plur. die-—blatter,bey den Webern, das aus gespaltenem Rohre verfertigte Blart, welches auch der Lamm und das Rieth genannt wird/ S. das letztere. Dttö Röhrblech, des—es, plur. doch nur von mehrern Arten, die—e, eine ArtBlech, ans welchem vornehmlich die Rohre zu den Stnbenöfen verfertiget werden. Der Röhrbrunnen, des—g, plur. ut NOM. lwF. vsn Röhre, ein Brunnen, ans welchem dasWasser vermittelst der Röhren ivei« ter geleitet wird, oder auch dessen Wasser durch Röhren in die Höhe steigt; in welchem letzter» Falle er doch lieber ein Springbrunnen genannt wird. Zugleich«.'», undzwaramhäusigsten, ein Brunnen, dem sein Wässer vermittelst gelegter Röhren zugc- führet wird, zürn Unterschiede von einem (Quellbrun,icn. Die Rohrbüchse, plur. die—m, breite, eiserne Ringe, zwey Wasserrohren vermittelst derselben zu verbinden. Der Röyrbüsch, des —es, plur. die — bi'ische, ein ans Rohr oder Schilf bestehender Busch. Jngleichen vieles anfeinemHau- fen bcysammcn stehendes Rohr. Das Rohrdickig, des— es, plur. die — e, ein mit vielem Rohre dick bewachsener Platz ; im Oberdeutschen das Rohrdickct, an andern Orten das Gerohre, Gcröhrig. Die Rohrdommel, plur. die— N, eineAlt Reiher mit einem glatten Kopfe, von gelblicher Farbe mir braunen Flecken; üelluris I-. et l^l. Er halt sich am Wasser und im Schlämme auf, wo er sich von Fröschen und Fischen nähret, den Schnabel in den Schlamm stecket, und alsdann ein dumpstges Gebrüll macht, welches mit einem düstern Znhnmp oft über eine halbe Meile gehöret wird. In einigen Gegenden heißt er Moosrerher, Rohrreiher, Erdbill, und wegen seiner Stimme Moosknh, Moos- ochs, Mecrrind, in den gemeinen Oberdeutschen Mundarten Muspel - in andern Lorrind und Urrind, ohne Zweifel von löh- ri4L Roh ' - / ren, schreyen; in andern Rropfgans,Rropfvsgel, weil er den Kropf im Schrcyen ausdehnet; in noch andern Pickart, weiter Menschen und Vieh nach den Augen picket; im Nieders. Ippump und Ikrum, als eine Nachahmung ftir»er Stimme; im Mittlern Lat. öuiaurus, Lulor, gleichsamLo 8 -tnuru 8 ,oder auch von bu, zur Nachahmung seiner Stimme, wovon auch das bey dem Heucer befindliche Pittauer absiammet; im Franz. Lubor, im Engl. Littern, Lutter - bump, halb v'vn Lutor, und halb als eine Nachahmung seiner Stimme. Anm. DerNahme Rohrdommel, welcher auchRohrdrommel und Rohrdrum lautes stammet der ersten Hälfte nach von Rohr ab, well fich dieser Vogel gern im Rohre aushält, oder ist auch aus den altern Hordommel verderbt, von Hör, Koch, weil er den Schnabel im Schreyen in den Schlamm stecket. Denn bey demRabanMaurusheißter iiorottrbil,bey demNotkerlioro- tumbel, in der Monseeischen Glosse LlorÄtupil. Dir letzte Hälfte ist entweder auch eine Nachahmung seines dnmpstgcn Ge- schreyes, oberste stammet auch von dem noch im Holländischen «blichen clomplev, untertauchen, ab, weil er den Kopf im Schreyen in den Schlamm stecket. Das Geschlecht ist zweifelhaft, oder vielmehr, es ist dieses Wort in beyden Geschlechtern gleich üblich. Luther gebraucht beyde. Die Rohrdommel, Z Mos. 11, -8 ; 5 Mos r 4 , 17. Rohrdommeln und Igel Werdens inne haben, Es. 34 , »r;Zeph. 2, 14. Hingegen kommt Ps. 102, 7 das männliche vor : ich bin wie ein Rohrdommel in der Wü- sten; welche Ungleichheit doch vermuthlich von den Herausgebern und Corrcctoren hcrrühret. Dtt Rohrdrossel, plur. die —N, eine Art Drosseln, welche die Gcsangdrossel im Singe« nachahmet, aber nicht irr die Höhe steigt, sondern sich in sumpfigen mit Rohr und Moos bewachsenen Gegenden aufhält; luräus mulleus pululirls, Lruvclinum Bruchdrosscl, Werdendrösscl. Die Röhre, plur. die — n, Dimin.^as Röhrchen, Oberd. Röhr- lein. r) Z» mehr eigentlichem Verstände, von rühren , ehedem wühlen, werden noch die langen Höhlungen unter der Erde, welche sich gewisse Thiere wühlen, Rohren genannt, die Röhren eines Maulwurfes, welche auch Fahrten heißen. Besonders pflegen die Jäger die langen, unter der Erde gegrabenen Höhlen der Füchse, Dachse und Hamster, welche zu dem eigentlichen Baue führen, Röhren zu nennen. Eine Fuchsrohre, Dachsröhve, Ham- sterröhre. 2) In weiterer Bedeutung, eiu jeder hohler Cylinder, er sey nun gerade oder krumm. Die Röhre am Leuchter, 2 Mos. sZ, 32, weiche im gemeinen Leber» die Dille heißt. Die Luftröhre, Harnröhre, Gaftrohre in dem Holze u. s. s. In vielen Fällen bekommen die Röhren andere Nahmen, in manchen werden sie aber auch Rohre genannt. Die Wasserröhrett, d. i. diejenigen Röhren, dusch welche das Wasser unter der Erde fortgeleitet wird, heißen im Oberdeutschen Teuchel, im Wefiphälischcn Gotten, und im Mecklenb. Piepen. Oft werden auch hohle cylin- dersörmige Körper, besonderer Art, nur schlechthin Röhren genannt. So führen diesen Nahmen die großen, langen und hohlen Knochen an Menschen und Thieren, welche auch Röhrbeinc und Rohrknochcn genannt werden, (S. bas letztere.) Daher die Armröhre, Beenrohre, Narksröhre u. s. s. Die Röhren der Drechsler find flache Hohlmeißel, das Holz anfänglich damit ans dem Groben zu arbeiten , wo die Höhlung nicht einmahl geschlossen ist. Gemeiniglich ist eine Röhre rund; aber es gibt in manchen Fällen auch viereckte Röhren, dergleichen z. B. die Mfenröhre ist, der lange viereckte Raum m einem Kachelofen, und die Bratröhre in den Küchenherden entfernet fich noch mehr von der gewöhnlichen Gestalt einer Röhre, daher es hier bloß die Bedeutung sines hohlen Raumes zu haben scheinet. Ro'h 1146 Anni. Dieses Wort ist mit Rohr Eines Geschlechtes. Es ist vermittelst des Endigutes e von einem veralteten Zeitworte rohren, rohren, gebildet, in die Länge, ingleichen in die Runde bewegen, welches vermittelst der intensiven Eudung reu von rehen in uns ferm drehen abstammet. DerRshreif, S. Rauhröif. DasRohreisen, des—s, plur. M vom, lmZ. im Hüttenbaue, eine Art Krücken, die Steinkohlen und das Feuer damit aufzulüf- Leu; von rohrc r, für rühren. Rohren, verd.rsZ. LLt. I) Das Rphe eittsammeln. Die Baus ern müssen heute rohren. Einen Teich rohren, das Rohr in demselben einsammeln. 2) Mit Rohr benageln; berobren. Eine Wand, eine Decke rohren, damit der Kalk oder Gyps desto best? fer hafte. Röhren, verb. reg. veutr. mit dem Hülfsworte haben, welches eine unmittelbare Onomatopoie ist, aber nur noch zuweilen im gemeinen Leben vorkommt, i) Für rieseln, von trockne» Körpern, (S. Rieseln.) Da es denn in noch weiterer Bedeutung in eilugen Gegenden für das verwandte rinnen üblich ist. Geblitte röhrt an allen Enden, Scultet. Röhren, rinnen, riesen und riefeln u. s. f. find nur in den Endlauten unterschieden. 2) Laut schreyen, wo es in den gemeinen Mundarten noch sehr gangbar ist, und im Niederdeutschen rahren lautet. Die Jäger gebrauchen es besonders von dem Schreyen der Hirsche. Oer Hirsch rohret. Das Röhrenblech, des— es, plur. doch nur von mehrern Arten, die—e, eine Art Bleches, welches schwächer als das Psan- neublech ist, und woraus die Wärm - und Sohlröhren in den Salzwecken gemacht werden. Es kann von dem Rohrbleche noch unterschieden werden. Der Röhrenbohrer, des—s, plur. ut vom. llvA. ein Bohrer, womit die Wasserrohren ausgebohret werden. Die Röhrenbüchse, plur. die — y, eine Büchse, d. i. ein breiter eiserner Ring, zwey Wasserrohren vermittelst desselben zu verbinden; die Rohrbi'lchse. Die Röhrenfahrt, plur. die—en, in den Wasserleitungen, eine Reihe mehrerer, auf einander folgender, und miteinander verbundener Wasserrohren. Eine Röhrenfahrt von drep hundert Stuck Röhren. Der Röhrenmeister, des — s, plur. ut vom. linZ. derjenige, welcher einer Wasserleitung durch Röhren vor-uchtzot ist, und dieselben im guten Stande erhalten muß; der Röhr-tieister, und wenn er zugleich eine Wasserkunst mit unter seiner Aufsicht hat, derRunstmeister, oder so fern er zugleich den Brunnen vorge- setzetist, der Brunnenmerster. DerRohrferler, des— s, plur. ut vom. llv^. in den Gewehr- Fabriken, ein Arbeiter, welcher die Feuer-oder G.weherohre mit der Schlichtfelle polieret, die Schwanzschraube verfertiget und dce Haften nebst dem Richtkorne aufsetzet, ^ Die Rohrstote, plur. die — n, eine aus Rohr geschnittene Flöte. DcrsRohrtzeschwür, des—es, plur. die—e, eill aus langen und harten Röhren bestehendes Geschwür ; das Hohlgeschwür, und noch häufiger die Fistel. Das Rohrgras, des—cs, plur. doch nur von mehrern Al ten, die — graser, ein dem Rohre ähnliches Gras. So mied das Schilf- oder Riethgras, Gnröx L. in einigen Gegenden 'Rohrgras geiranni. Am bekanntesten ist unter diesem N.chmen ein dem Grase ähnliches Rohr,welches in denEuropäischen grasigen Süln- pfenwächsi; Rruncko OuiumoZroüis L. Die Rohrhirse, plur. lvus. eine Art Hirse, welche den höchsten und dicksten Halm treibet, welcher dem R chce gleicht, und einen theils weißlichen, tlstils rothschwarzen Samen trägt, Fuctcryirse, wäische Hirse, weil sie häufig in Italien gebauet wird. Cccc Z Der ii47 .Roh Der Rohrhobel, des — s, plur. «r vom. lrm;.' öcp den Biichze««schäftern, ein Hob- l, die Rinne damit glätten,, in welche das Rohr zu lieg n iominr. DasRö'brbolz des—es, plur. die—Hölzer, gerades und von Ästc:! beü« petes Holz, so wie es zu Röhren, und besonders - zu LL'asserrH'-en, ranglich ist; so wohl collective und ohne Plural, als auch orr^ einzeUr Snickelt und mit dem Plural. Besonders r iezi man imFcrsirvesen StärnmeNadelholzcs, welche »«Zoll im Duechuuster Hallen, und zo Ellen laug sind, Rohrhol; zu nennen. Duv Rohrhuhn, eine Art Wöss. rhühner, S.LIäßhuhir. Rohr g, —er, — -re, ackj. et äckv. im gemeinen Leben, mit vielem Robbe bewachsen. Ein rohriger Teich. Dus Rohriy, oder Röhricht, des — es, plur. must im gemei« neu Leben, dasjenige, was von andern Dingen abröhret, h. i. ab.ieselt, abfällt. So pflegen die Müller einiger Gegenden das. jeniae M- hl, welches durch die Spalten der Beeter fällt, das Röhricht-zic nennen, S. Röhren r. DieRöhröanne, plur. die — n,eine hölzerne, mit einer Röhre versehene Kanne. Der öhrkästen, des—s, plur. ut vom. 6n§« ein großer, starker, viereckiger Kasten oder Trog, worin sich das Nöhrwasser sammelt, worein Nöhrwasser geleitet wird. Der Röhrknöchen, des— s; plur. ut NOM. stu§. ein langer, hohler, gerader Knochen, dergleichen die Knochen des Armes und derFüßesind, und welche auch Röhrbeine, mgleiche» Röhren schlechthin, genannt werden. DieRohrrolbe^, plur. die — n, oder der Rohrkolben, des—s, plur. ut uom.ling. rin rohranigesGewächs, welches seineBln- men in Gestalt einer brannen Kolbe, oddr eines langen rauchen Cyliuders trägt;l_>. Wasscrkolbe, Teichkolbe, Narrenkolbe, Turtelkolbe, Nicoers. Hulsk, Olerkule, Durkule. DüS Röhrkraut, des—es, plur. raut, ein iir einigru Gegenden üblicher Nähme desLowenzahnes, welches auchpfaffenrohrlcin, Apostem - Röhrlein, und Röhrleinkraut genannt wird. Siehe Löwenzahn. Der Rohrleiter, des— s, plur. ut vom. stv^. in einigen Städten, z. B. zu Hamburg, gewisse bestellte Leute, welche bep einer Feuersbrunst das Rohr der Schlairgenspritze leiten, und sich zunächst an das Feuer wagen müssen. Röhrlen, verb. reZ. uct. welches nur im Gartenbaue üblich ist, wo es eine Art des Augelns ist, da man einen mit einem Auge versehenen Ring, oder eine solche kleine Röhre von der Rinde eines Zweiges auf einen andern Zweig setzet, welches auch pfeifen, von pfeife, eine Röhre,um Oberd. rcichcln, von Teichel, eine Röhre, ' genannt wird. ^ Die Rohrmeise, plur. die —N, ein der Meise-ähnlicher Sang- vsgel, welcher sich gern im Schilfe und Rohre anfhält; Rieders. Rectweskcn, Riethmeise, in einigen Gegenden Rcmitz. Der Röhhmerster, S. Röhrcnmeistcr. DieRohrmeve, plur. die—n, eine Art kleiner, aschgrauer Me. ven,welche sich gern im Rohrs aufhält; Imrus Minor cive- reus Rl. Rshrschwalm. DerRohrnatzel,des —s,plur. dienagel, eine Art Nägel, welche § Zoll lang sind, düS Rohr bep dem Verehren der Wände fest zu naget». Die Rohrpfeife, plur. die—n, eine aus Rohr geschnittene Pfeife. Auch in den Orgeln, eine Art Pfeifen, welche oben mii einer culindrischen Büchse verschlossen werden, so daß nur ein enges Röhrchen hinaufsteigt. Sie klingen schärfer, als völlig gedackte Pfeifen. Rohrreiher, des — s, xlur. ut vom. stv^. S. Rohrdommel, Roh 1148 Der Rohrsänger, des —s, plur. ut vom. 6o§. Siehe Grasmücke. DerRohrschmid, des — es. plur. die — schmiede, in den Ge- wehe-Fabeiken, deejen'ge Arbeiter, welcher die Roher zu denFe,.er, gewehreil aus den Platinen verfertiget. Die Rohrschnepfe, plur. die—n, eine Art Schnepfen, welche sich gern im Rohre aufhält und- voll der Moorschnepfc noch verschieden ist ; (-ZÜinnZO mioor L/r/p DerRohrschwcrlm,des —es, plur. die — c, S. Rohrmeve un.d Schwalm. Der Rohrfparren, des— s, plur. ut vom. lmZ. eine besondere Art Sparren zu denjenigen Dächern, welche mit Rohr gedeckt wer, den sollen. Der Rohrsperling, des — cs,, plur. die — e. >) Eine Art Nenntödter, welcher nichtzu den Sperlingen gehöret?- ob er Mch so bunr wie ein Sperling ist ; Imrilus t^runcklnum Rl. RW- wrangel. Er hält sich gern-im Rohre auf, wo er angenehm singt. 2) Noch ein anderer Vogel, der mehr eine Sperljngsart ist, „ich sich gern im Rohre durch Schreyer', und Zwitschern hören läßt; Lmderira Hcvoeniolus 1 ,. Er schimpft wie ein Rohrsperling, eine im gemeinen Leben übliche Redensart. Dieser wird auch Riethsperling - Rohrammer, Moosämmerling, Rohrspatz, Moosspcrling, imOberd. Mutschelsperling, Nu? schelnischcl, genannt. Der Rohrftrrb, des — es, plur. die — stabe, ein Gkab von Rohr, sich im Gehen darauf zu stützen; das Rohr. Auch nach einer aus der Bibel entlchutcn Figur, eine schwache, unwirksame Hülfe. Es. z6, 6; Ezech. 29, 6. DerRohrsmhl, des — es, plur. die—stichle, ein Stuhl, an welchem der Sitz und die Lehne aus Rohr gestochten sind. Der Röhrtrog, des— es, plur. die—tröge, ein Trog, das Nöhrwasser darin zu sammeln, oder darein zu leiten, welcher sich voncinem Röhrkasten uur inder Gestalt unterscheidet. 1. Der Rohrvoxel, S. Rnhrvogel. 2. Der Rohrvogel, des—s, plur.die — vögel, eine in Sachsen übliche Benennung eiges Raubvogels, von welchem man den gelben und den schwarzen Rohrvogel hat, und welcher in dem Rohre horstet. Im ersten Sommer ist er schwarz, mit einer gelben, runden Platte über dem Schnabel; im folgenden Svm- mer wird er ganz gelb. Er gleicht dem Habicht, nur daß er längere Flügel hat, und stößt ausAepphühner, Fasanen und junge Hasen. Er ist sowohl von dem Fischahr als von dem lMlqn unterschieden. Das Röhrwasser, des — s, plur. doch nur von Mehrern Arten, ut vom. Im-;. Wasser, welches in und durch Röhren an einen Ori geleitet wird; zum Unterschiede vorl den, Brunnenwasser. Der Rohrwrangel, des — s, plur. ul vom. I10F. S. Rohrsperling und wrangcl. - DerRohezirkel, des — s, plur. ut vc m. stvZ. ein Zirkel der Büchsenmacher, die äußer» unebenen Stellen eines Feuerrohres damit zu entdecken. Die Rohschlercke, plur. die — n, im Hüttcubaue, Schlacken, welche bey der Roharbeir oder bcy dem Rohschmelzen fallen. D«6 Rohschmölzen, des — s, plur. ut nom. trug. ein imM- tenbaue anchfür Rohardeit übliches Wort. In iveittrer Bedeutung begreift es auch das auf die eigentliche Rccharbeir folgende Frischen mit in sich. Der Rohschwefsl,Hes —s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. st NZ. roher, ungeläucerter Schwefel, so wie er oey dcin Rösten aus den Schwefelkiesen rinnet. Der Rohstem, des — es, plur. die — e, im Hnttenbaue, dasjenige Product, welches in der Näharbeit crhauen wird, und mcl, chcs - 1 i r 49 Roll ches eine ans Stein - unb Erzarten zusammen geschmelzte fieinar- rige Masse ist. Der Rollapfel, des —s, xckur. die — äpfel, eine Art langer, walzenförmiger, nsiißücher Äpfel, deren lockere Kerne klappern ; Bernapfel, Btapperapfel, Schio ttcravfel, Schmelzling. DerAoMaunr , des — es, plur. die— bäume, ein Nähme, welchen ini Pergbaur auch der Haspelbaum führet, der sonst auch der Rennbaum heißt; von vollen, so fern es auch dis Bewegung um seine Achse ausdrnckt. Zu Niederfachsen wird.daher au h das horizontale und um einen Nagel bewegliche Kreuz, vermittelst des. sin man die Fußsteige den Pferden und Wagen versperret, das Drehkreuz, der Rollbaum genannt. Das Lvollbrec, des — es, plur. die — er, ein starkes Beet, die um einen hölzerne/l Cylinder gewickelte Wäsche dainic aus fteyer Hand zu rollen; das Mangelholz, Mangelbret. Ein ähnliches Bret in den Pfeifen - Manufaetnren, den Thon damit zn rollen, führet gleichfalls den Nahmen eines Rollbretes. Die RollbrüLe, piur. die — n, eine Brücke, welchcaufeiftrnea Rollen sichet, und sich seitwärts von einander thnt; inglcichen, eine Brücke, welche auf hölzernen Walzen ruhet, und sich vorwärts über den Graben schieben läßt. DieRolle, plur. die —n, Dimin. das Röllchen, von dem folgenden Zeitworte. >. Eine Person, welche rollet, d. i. lärmend hin und wieder läuft; ein nur in den genleinrn Spre harten einiger Gegenden übliches Wort, wo man in engerer Bedeutung auch wohl ein liederliches Weibsbild, welches deu Wollüsten auf eine ausschweifende Art nachkänft, eine Rolle, Bubenrolle, und mit Vorarsetzkcm t, eine Trolle zu nennen pflegt. 2. Ein Ding, welches rollet, d. i. sich um seine Achse bewegt, rs mag nun bey dieser Bewegung den Ort verändern oder nicht; - wo es in verschiedenen Fällen vorkommt. ^ ) Eine runde Scheibe, welche um ihren Mrttelpunct beweglich ist, beißt eine Rolle. Sie dienrtso wohl verrnitttlst einer darüber gezogenen Schnur, anders Körper zu heben und zu bewege.!, Zugrolle, Niederst Batrolle, Ztal. OireliA, liurrola, O^rrucola; als auch schwere Körper, au denen sie befindlich ist, desto leichter foeLzuschaffcn. Ein Belt mit Rollen, unten an denFüßen, welches daher auch einRsll- .bett heißt; ein Stuhl oder Sessel mit Rollen, ein Rollstuhl, Rollskffesi (Siehe auch Rollwagen.) DieIagdzeuge laufen in Rollen, weist sie msi Schnüren, welche über Rollen gehen, aufgezogen und gestellet werden. Ist riirc solche Rolle in einem in dek Mitte durchbrochenen Holze befestiget, so heißt das ganze Werkzeug einBloben, und wenn cs zur Verstärkung der Kraft aus .mehrern Rollen bestehet, ein Zlaschenzng, (S. diese Wörter.) An der Spohle eines Spinnrades ist die Rolle eine scheibe, um welche die Schnur auf das Rad gehet. Niederst Sülle. ?) Eine Walze, Jtal. kstuolo, kuotolo, Engl. und Holland. Rolf, Franz. Haussen; in welcher Bedeutung dieses Wort in manchen Gegenden üblich ist ; hölzerne Cyliiidrr zn bezeichnen, schwere Lasten auf dei! selben fortzubringcn, die man doch lieber ysakzen nennet. Einey Stein auf Rollensiortwalzeii. Ein Schiffauf .Rollen vom Stapestlassem Zn den Sglzkothen hat man solche Rollen, die schweren Pfannen fortzuschaffen. Zn manchen Fallen ist dieses Wort auch üblich, wenn eine solche Walze nicht bloß zur Überwindung einer Last dienet, wenn sie sich nur im Gebrauch um ihre Achse dreh.t. Zn Niedersachsenziehet Mandic langen Hand- qnrblen über eine solche Rolle, und alsdaun wird auch diese Oneh- le selbst eine Rolle oder Zandrolle genannt. Die kleinen/länglichen, runden, in der Mitte ansgrdrehetrn Walzen, Seile, Saiten, Drabt, Goldfäden u. s. f. darauf zu winden, heißen Rollen oder Rö-lchen. Ein Röllchen Seide. Eine Maschine, deren vornehmster Lheil in runden, hölzernen Walzen oder so genannte.» Roll i izo Rollhölzern bestehet, die darum gewickelte Wäsche oder Zerre- glatt zn rollen, ist sehr häufig unrer dem Nahmen einer Rotte bekannt; im gemeinen Leben mancher Gegenden heißt sie eine Mange, Mangel oder Mandel. 3. Em zusammen gerolltes, d. i. um fernen Mittelpunkt oder um seine Achse znsammeu gebogenes Ding ; gleichfalls in verschiedenen Fällen. i) Eine Haarlocke, heißt in einigen Oberdeutschen Gegenden häufig eine Rolle, im Niederst mit Vorgesetztem k, Brülle. L) Verschiedene Arten zusammen gerollter Waacen sind unter dem Nahmen der Rollen bekannt; Zial. l^uoio^ kmololo. Eine Rolle Tobak, in Gestalt einer Walze anfgerollter, gesponnener Tobak. Eine Rolle fruchten, Zeug. Tuch, Leinwand, welche letztere in Obersacksen eine webe heißttZn dem Swckftsch- haudel ist ein Roll, oder vielmehr eine Rolle Stock- oder Rund- stsch, so wohl in Ober- als Niederdeutschland, eine Zahl von t 8c> Fischen; vielleicht, weil stein Gestalt einer runde» Walze zusammen gebunden sind. z.) Im Oberdeutschen wird eine Tüte häufig cme Rolle, und in manchen Gegenden, eine Rogel, genannt; daher führet eine Art gewundener, emfächeriger Schnecken, wegen ihrer Ähnlichkeit mit einer solchen Tüte, den Nähme« der Rolle; bey andern Heißt sieBegolschnecke,Teukc-nschnecke,Wcllenschncck'e, Volute Eine andere Art einfächeriger, gewundener Schnecken, welche aber einer Walze ähnlich ist, bekommt in andern Gegenden um eben dieser Ähnlichkeit willen den Nahmen der Rolle, ob sie gleich am häufigsten lHalzenschnccke heißt. 4) Ein zusammen gerolltes Papier oder Pergament, (a) In der weitesten Bedeutung, da ehedem alle anfeinem langen Smcke Pergament geschriebene Bücher, Schriften, Urkunden u.s.f. wenn sie zur Aufbewahrung zusammen gerollet wurden, Rollen hießen; Franz. Kols, im Mittlern Lat. koluia, im Wallis. kLttol, im Irland, tvolucktt. Daher werden noch in vielen Städten Niedersachsens dirGtakutcil,Pollzey-Gesetze,Stiftnngsbriefc derZirnnn- gen u. s. f. Rollen, kündige Rollen, Stadtrollen, A,ntsrollen u. ff. genannt. Auch im Hochdeutschen ist dieses Wort noch in manchen Fällen bekanns, ein Vcrzeichniß, eine Liste zu bezeichnen; dahinunter andern die Bürgerrolle, Musterrolle u. s. s. gehören. Er'stehet nicht auf meiner Rolle, ans meiner Liste, (b) Z» engerer Bedeutung, ist cs dasjenige Papier, worauf dasjenige, was ein Schauspieler aufder Bühne zn sagen hat, geschrieben ist, weil die Schauspieler dieses Papier ehedem zusammen gerollt in der 'Hand hatten. Seine Rolle auswendig lernen. Da es denn auch figürlich von der ganzen Person und deren Handlungen, welche ein Schauspieler ans der Bühne vorstellt, gebraucht wird. Die Rolle Lasars haben oder spielen, den Cäsar auf der Bühne vor- siellcn. Seine Rolle gut spielen oder vorstellen, (e)-Nach einer noch weitern Figur, ist es überhaupt die Person, welche man in einzelnen Fällen vorstclletchasBetragen eines Menschen iir cinzel- men Fällen. Sie haben ihre Rolle in dieser Sache vortrefflich gespiclet. Diese Rolle kleidet dich nicht. Diese Rolle wird mir sehr sauer werden. Sie spielten die Rolle der Gleichgültigkeit mit überaus vieler Wahrheit. Eine Person, welche ohne Reue empfindet, daß sie strafbar ist, und sich doch fürchtet zu trotzen, spielt eine Rolle, die unmöglich,dcmüthi§ender ftpn kann, Hermes. z) In der Baukunst führet eine Art Krag- und Schlußsteine, welche an den Seiten mit Schnl^rcln verzieret wird, wegen der Ähnlichkeit dieserSchnörkel mir einem zusammen gerollten Papiere, denNabmen eincrRolle; von welcher Art besonders dft Bogenrolle und Seitenrolle ist, wovon die erste ein mit Schnörkeln versehener Roll XlLI > fehl-ner Schlußstein eines Bogens ober Gewölbes, der letzte über ein an den Seiten mit Schnörkeln versehener Kragstein ist. 4. Ein Werkzeug, andere Körper darüber oder dadurch rollen Zu lassen; in welcher Bedentmig es besonders in zwey Fällen vsr- kommt. i) Ein stehendes Sieb, Getreide, Erde u. s. f. darüber rollen zu lassen, damit das feinere durchfalle, ist überall unter dem Nahmen einer Rolle bekannt. Die Bornrolle, zum Korne, oder Getreide. Die Erdrolle oder Gartenrolle,zur Erdeinden Gärten u. s. f. In manchen Gegenden führet ein solches Sieb den ähnlichen Nahmen eines Radcrs, (S dieses Wort.) 2) Ein aus Beeteen zusammen geschlagenes, oder aus starken Hölzern verfertigtes Gerinne, Holz, Steine, Erbe, Erz u. s.f. von einer Anhöhe in die T esc rollen zu lassen, heißt im Vergönne eine Rolle. So fern siegebrauchc wird, Holz von den Bergen hinab gleiten znlas- fen, wird sie im Oberdeutschen eine Riese, und in andern Gegenden, eine Rutsche, Zolzrutschc genannt. 5. In einigen Gegenden, besonders Oberdeutschlandes, führen die Glocken oder großen Schellen, welche man den Mauleseln und Fnhrmanuspserdcu an den Hals hängt, den Nahmen der Rollen, oder zum Unterschiede von den vorigen Arten, der Rlingrollen, wo es, allem Ans Heu nach, eine unmittelbare Nachahmung des dumpfigen Klanges dieser Glocken ist. Im Niederst ist rallen ein großes Getöse machen. 6. Eine lange Höhle unter der Erde; eine nur in einigen Gegenden übliche Bedeutung. In den Ouecksilberbergwerken zu Zdria scheinet cs eine Art eines Stollens oder Gesenkes zu sepn. In Scopol: Beschreibung dieses Bergwerkes kommt es auf diese Artmehrmahls vor; z. B. der G. Zosephi Stollen, nebst einer Dnrchfahrtsroll und einem Gesenke; -er Graf Artemisische Ro:ll mit vier Absagen und 282 steinernen Stufen; S.THe- rcsta Schacht mir drep Gesenken und zwo Rollen u. st f. Im Niederdeutschen werden kleine fehlerhafte Öffnungen durch einen Damnr oder Deich, welche aus den Gängen der Maulwürfe, Fischottern u. s. s. entstehen, Rullen, d.i. Rollen, genannt. Es gehöret hier zunächst zu Ritts und Riole, ohne sich doch von dem Zei Worte rollen zu entfernen, welches,so wie regen, rennen, rinnen, Rad u. s. f. ehedem von einer Bewegung nach allen Richtungen, folglich auch in die Länge und Tiefe gebraucht wurde. Anm. Im Niederst Rulle, im Schweb. lkullck, im Wallist k üol, im Mittlern Lat. kollus. S.Rollen. ' Köllen, vcrb. reZ. neutr. et act. welches eine unmittelbare Nachahmung des hohlen, dumpfigen Schalles ist, den es bezeichnet. Es ist in doppelter Gestalt üblich. I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte sepn, diesen Schall Von sich geben oder verursachen. Von großen Schellen oder Glocken sagt man in einigen Gegenden, fic rollen; in welcher Bedeutung es doch im Hochdeutschen unbekannt ist. S. Rolle L. 2. Am üblichsten und bestimmtesten ist es von demjenigen Hohlen, dumpfigen Schalle, welchen ein ruydec Körper hervor bringt, wenn er sich in Bewegung um seine Achse zugleich schnell «uf einer Fläche fortbcwcgt, besonders wenn diese Fläche hohl ist. 1) Eigentlich. Der Wagen rollt aufdem Pflaster, wenn er ans demselben schnell fährt, welches man in manchen Fällen auch raffeln nennt. Die Wagen rollen auf den Gassen und rasseln «uf den Straßen, Nehem. s, Z. Da wird man hören die Räder rasseln und die Wagen rollen, Kap. Z, 2. Dann rollt die rasselnde Butsche glanzender Fremden in den Hof, Zachar. Da wo sein goldner Wagen durch gedrängte Reihen entzückter Augen rollt, Rains. Ein runder Körper rollt, wenn er sich in der Brwcgung'um seine Achse zugleich fortbewegt; Niederst kullern, kuppeln. Die Bügel pckllt den Berg hinunter. Roll LILL Einen Stein Len Berg hinunter rollen lassen. Jngleicheri von dem hohlen, dumpfigen Getöse des Donners, welches dem^ Rollen einer Kugel auf einer hohlen Fläche gleicht; besonders in der dich, terischen Schreibart. Ferne Donner rollen von weiten. Schon Höre ich den Donner rollen. 2) In weitererund figürlicher Bedeutung, wo der Begriff des mit dieser kreisförmigenBewegung verbundencnSchalles mehr oder weniger verschwindet, und nur den Begriff dieser Bewegung übrig läßt. So gebraucht man dieses Wort la) von kleinen, rundlichen, festen Körpern, wenn sie auf einer schiefen Fläche herunter fallen, wo die Onomatopöie doch nicht ganz verschwindet. Der Ralk, der Sand rollet von der wand; besonders wenn es in Menge geschiehet, indem sonst die Wörter röhren und rieseln üblicher find. Die Erde von dem Berge hinab rollen lassen. Das auf die Rornfcge geworfene Getreide rollet daran herab; daher denn auch eine Kvrnfege selbst eine Rolle genannt wird. Bein Goldsand rollt hinein, in den Fluß, Naml. (b) Von flüssigen Körpern, wenn sie sich in rundlicher, wellenförmiger Gestalt fortbewegen, ohne Rücksicht auf die Menge, ob es gleich eine größere Menge und eine stärkere Bewegung voraussetzt, als rinnen. Eine glänzendeThräne rollt über die Wangen hinab. Zuweilen auch von einem Flusse, in der dichterischen Schreibart. La wo die stolze Donau an Wiens Mauern vorüber rollt. (c) In der dichterischen Schreibart von jedem runden Körper, wenn er sich schnell fortbewegt, so fern damit die Bewegung um seine Achse verbunden ist; eine Figur der ersten eigentlichsten Bedeutung. Die Augen rollen ihm im Bopfc umher. Mein Auge rollt verwirrt und sieht ihn schüchtern Schleg. (d) Endlich bedeutet es im gemeinen Leben einiger Gegenden,, besonders Oberdentschlandes, auch, sich in gerader Nicht,mg schnell fortbewegen; laufen. Ans den Gassen herum rollen. Einem nachrollen, nachlaufen. In das Zaus hinein rollen. Unser trollen ist daher entstanden, (S.dasselbe.) Nach einer noch weitern Fignristrollen bey den Jägern von den vierfiißtgen Naubthieren üblich, sowohl wenn sie sich begatten, als auch wenn sie nach der Begattung verlangen, welches in andern Fällen laufen, brunften, ranzen, veppen u. s. s. Heißt; lauter von der schnellen Bewegung oder dem Geschrepe hergenommene Figuren. 11 . Als ein Activum. 1) Um seinen Mittelpunkt drehend fort« bewegen, rollen machen; Niederst kullern, kuppeln, und von kleinern Körpern, trundcln, von rund. Steine, Erde von dem Berge hinab rollen. Ein Faß auf-und abrollen. Jngleichen figürlich, in der dichterischen Schreibart. Dunkel glanzend rollt der Strom die ruhigen Wogen Durch das rauchende Land, Zachar. für wälzen. Die Augen im Ropfe herum rollen, wälzen. Den Teig zwischen den fanden rollen, um seine Achse bewegen; im gemeinen Leben walgcrn. Aufähnliche Art wird in den Pfeifen - Manufac- turen der Thon mit dem Rollbrete gerollt. 2) Durch solches Rollen oder Wälzen zubereiten. So wird die Wäsche gerollt, wenn sie um eine hölzerne Welle gewickelt, und durch deren Fortwälzung, vermittelst einerdaraufgelegten Last, geebnet wird, welches auch mangen, mangeln und mandcln heißt, z) Jngleichen für sieben, doch nur so fern cs vermittelst eines schräge stehendst! Siebes geschiehet, an welchem die gröbern, schwerer« Theile herab rollen, die kleinern und leichtern aber durchfallen. Getreide, Erde rollen. (S.Rolle.) 4)Um seinenMittelpunct biege», imKreise zusammen wickeln. Die äaare rollen sich, wenn sie sich in Rollen, d. i. Locken, biegen. Em Blatt Papier zusammen rollen. Ein Stück Tastet anftollen, abrollen, zusammen rollen. So auch das Rotten. Anm. Noll Rom »'LZ Anni. Im Niederdeutschen rullm, im Schwed, rttlla, im Engl. ' W roll, imFranz. route, ,imLretagiuschenruiIa, im Irland, rolam, im Mittlern Lat. Zrollare. Es ist eine unmittelbare Nachahmung des Schalles. Das Rieders, riillen bedeutet auch prügeln ; eben daselbst ist rallen auch ein lärmendes Getöse machen. Das Rollenband, des — es, plur. von mehreen Arten und Quantitäten, die — bänber, Band, welches in Rollen verkauft wird, besonders Zwirnband dieser Art. Der Röllentöbak, des — es, plur. doch nur von mehrern Arten, die—e, Tobak, welcher in Rollen verkauft wird. Der Roller, des—s, plur. nt nom. lmZ. von dem Zeitworte rollen, r) In den Pfeifen - Manufakturen ist der Roller derjenige Arbeiter, welcher den Thonmit dem Rollbrete rollet. *2) Zn einigen Gegenden wird auch der Kater Roller genannt; von rollen, sich begatten, so wie er um eben deswillen i» andern Gegenden auch Rispel beißt. Z) Ein altes, untüchtiges Pferd, welches dem Abdecker übergeben werden stll, wird in manchen Gegenden gleichfalls ein Roller genannt, wo decGrund der Benennung noch dunkel ist. / Die Rollcröe, plur. doch nur von mehrern Arten, die--n. i) Durchgerollte, d. i. durch eine Rolle, oder stehendes Sieb, geworfene Erde. 2) Auch lockere Erde, welche in den Gruben und Berggebäuden immer nachrollt, oder rieselt. Eben daselbst wird ein lockeres Gestein, welches immer nachrollet oder riachbröckelt, gerölliges Geilem, Gerülle, oder Rollert genannt, M welchem letzter» die Eudsplöe die Ableitungssylbe — ert, oder —hard ist. Das RöLfäß, des—sses, plur. die—fässer, bey den Nadlern, ein an einer Achse bewegliches Faß, die Nadeln darin mit Kleye abzutrocknen. bey welcher Arbeit es gerollt, d. i. um seine Achse gedrehet wird. Das.RollhoLz, des es, plur. die —Hölzer, ein hölzerner Cy- linder, die Wäsche, welche gerollt werden soll, darum zu wickeln; das Mandclholz. Die Rollkanrmer, plur. die — n, eine Kammer, worin die Wäsche gerollt wird, worin die Wäschrolle stehet. Der Rollraften, des — s, plur. m NOM. 6n§. isf-den Pochwerken, ein Hölzerncr-Kasten, wie der Rumpf in einer Mühle, ans welchem das Erz unter die Pochstämpel rollet. Der Röllküchen, des — s, plur. m nom. linZ. eine Art dünner zusammen gerollter Kuchen; ingleichen eine solche Art Zuckergebackenes. DasRollmeffiny, des—es, plur. inu 5 . das' dünnste Messing, welches in Rollen zusammen gebogen, und von den Gürtlern und Kiwpsmachern verarbeitet wird; zum Unterschiede von dem Ta- sklmessing. ^ Der Rollofen, des — s, plur. die—ofen, eine Art beweglicher, aufRollen oder Rollwagen stehender Backöfen, für die Aruvcn im Felde. . Düs Rollpochwerß, des —es, plur. die—e, im Hüttenbane, eine Art Pochwerkes, wo das zu pochende Erz durch einen Roll- kasten unter die Pochstämpel rollt. DieRollquehle, plur. die — n, in der Haushaltung, Queblrn oder lange Tücher, welche um die auf das Rollholz gewickelte Wäsche geschlagen werden; Rollkncher. Der Röllstl'ch, des — es, plur. von mehrern Arten, die—e, in der Nähtcrey, ein Stich, d. i. Art zu nähen, welche kleine Röllchen bildet. Der Zollstock, des — es, plur. die —stäche, ein rundes, ge- Srehctes Pölz der Hutmacher, über welches der Filz mit den Händen g wMet wird. Abel. W. B. z. Th. 2. Aust. ^ 1 ^4 Der Rdllstubl,plur. die—-stühle ein Stuhl mit zwey Rädern und hinten mit einem beweglichen Gelenkrade, sich j» einem Zimmer selbst darin hin und her zu führenFranz. RoiteNe. D^s Rölltüch, des — es, plur. die — tucher. i) Siehe Roll- qnehle. r) Im Jagdwesen sind die Rolltücher, bewegliche Jagd- tucher an Ringe», welche, vermittelst angebrachter Rollen, wie Vorhänge, schnell auf - und zugezogcn werden können, und auch Lauftücher heißen. Der Rollwagen, des — s, plur. M nom. linZ. r) Ein niedri- . ger, statt der Räder aufRollen, b. i. Scheiben , stehender Wagen. 2) Ein leichter Leiterwagen, Reisende darauf schnell vor» einem Dorfe zum andern zu bringen, weil er leicht dahin rollt; dergleichen Wagen zur Zeit der Messen von den Bauern für solche Reisende, welche die Posten nicht bezahlen können und wollen, gehalten, und von ihnen von Dorft zu Dorfe fortgeschaffet werden. In einigen Gegenden, und selbst in Meiß«n, heißen sie Zauderer; in Österreich Zeiseiwagen, z) Ein leichtes , unten mit Rollen versehenes Gestell, welches kleine Kinder, indem sie darin stehen, fortschieben, damit sie dadurch gehen lernen ; der Lauf- wagen, die Laufbank, der Gängelwagcn. DieRöllwasche, plur.lauf, m der Hauswirthschaft, Wäsche, welche gerollt werden soll; zum Unterschiede von der Plattwäsche. Die Rollzeit/plur. die—en, bey den Jägern , diejenige Zeit, da die vierfiißigen Naubthiece zu rollen, d. i. sich zu begatten^ pflegen. Der Roman, des—es, plur. die — e, im weitesten Verstände, eine jede erdichtete, wunderbare Geschichte, da denn auch erdichtete wunderbare Reiseöeschreibungen u. s. f. diesen Nahmen führen. Ein politischer, ein historischer, ein philosophischer, ein saty- rischer Roman. Ein moralischer Roman, dessen vornehmste Absicht die Besserung der Sittenist? Im engsten Verstände ist der Roman, eine wunderbare, oder mit Verwirrungen durchwehte Liebesgeschichte; welche Verwirrungen, oder welches Wunderbare einen Roman in allen Bedeutungen, so Wohl von einer Erzählung, als auch von einer andern erdichteten Geschichte unterscheiden. Anni. Im gemeinen Leben lautet dieses Wort sehr häufig, obgleich ohne allen Grund, im weiblichen Geschlechte die Romane. Wir haben dieses Wort zunächst aus dem Franz, kv omnn entlehnet, welches eben dieselbe Bedeutung hat. Der Ursprung dieserBe- nennung ist nicht mehr ungewiß. In den Mittlern Zeilen wurde in dem ganzen westlichen, von den Römern ehedem unterjochten Europa, die aus dem gemeinen Lat. entstandene Landessprache, Romana UnZua, und im Franz.Romance, Romans, Roman, genannt, da sie denn der eigentlichen Lateinischen Sprache, welche die Sprache der Geistlichen, Gelehrten undGerichtshöfe war, entgegen gefttzct wurde, wovon sich so wohl bey dem Du Fresne v. Romanus, als auch in denftoelies 6u Roi ckst>iavarre, Th. 1.S. 78. s. häustgeBeyftüele finden. Aus Majansti 8pecim. Ribl. Rilp. S. 40, 48, 67,69, 70, ».s.f. erhellet, daß i,r Spanien »och in der letzten Hälfte des > 6. Jahrbund, die gemeine Landessprache, im Gegensätze der Latein, komance genannt" worden, ja noch jetzt heißt dieziexliche Spanische Mundart daselbst Romanze ealiUlallo; anderer Beyspiclezu aeschweiaen. Als nnn im i iten Jahrhunderte in Frankreich, und onllcickt anch in den angrä'nzenden Spanischen Provinzen, die Troubadours, wider die Gewohnheit allerübrigen damahligen Schriftsteller an- fingen, in dieser gemeinen Landessprache zu dichten und zu schreiben, so wurde anfänglich rin jedes solches Gedicht Roman, Ra- mans, und komanxs genannt. Folquet de Lunel ein solcher Troubadour des - -teiiJahrlrundertes, schrieb unter andern ein satirisches Gedicht aus die Sitten seiner Zeit, und nennet dass-lbe Dddd M dem Schlüsse zwey Mahl einen Rom-m, S.krissttirs Iltts- ^-aire äes lrouba^ours, TH.2. S.> 4 L. Wer, mm die wunderbaren Helden- undLrebesgeschrchten dieser Lcoubadours und ihrer Nachahmer, sowohl in den übrigen Provinzen Frankreichs,als auch in den übrigen Lheilen Europens, ihre vornehmsten Arbeiten waren, welche damahls daS meiste Aufsehen machten, so geschah es, daß der Rahme rstncs Romanes dieser Art einer erdichteleiiGe- schichte vorzüglich eigen blieb, l?ra liuo 6 ninkiornnno rcliZna- et pro Mliorio 6 e k.onc«vttux, xx 8 ol. heißt cs in einer handschriftlichen Rechnung von 1245 Hey demEarpentier v. lsti- Korrum- So ungezwungen und erweislich nun diese Ableitung des Wortes Roman such ist, so war doch Wachter nicht damit zu- frieden, weil, wieer sagt, diekomauL linZun die allgemeine Sprache gewesen, worin damahls alle bürgerliche und ttrchlieoe Sachen geschrieben worden,daher die Benennung ;u allgemein sey. Allein,man stehet bald, daß er die wahre Bedeutung des Ansdru-. ckechkomLNL UnZua,verfehlet, und selbige für das damahls üb. lichc Latein gehalten, welches zu allm bürgerlichen ui^kirchlichen Schriften gebraucht wurde; welche^prache ovchieoerzeir t^utlnu genannt, und derb^ornuu^ rultiLunud dendaran» eucstaudeiteu Laudessprachen entgegen gcsetzet wurde; daher denn auch die von ihm vorgeschlageneAbleitung von Renn und reimen entbehret werden kann, zumahl da sie nicht den geringsten Beweis für sich hat. Der Aomänendichter, des—s., xlur. u!, noni. iinZ. derjenige, welcher einen Roman dich-, et oder verfertiget; der Roma- nenschreiber. - ^ Romänenhaft, — er, — este, uerz. et ttäf, einem Romane, er. nee wunderbaren Erdichtung ähnlich. Eine romanhafte Erzählung. Romanhafte Begriffe von der Liebe haben. ^ Romantisch, —er, —te, n.ij- Lt nrlo. ans dem Franz, ro- rnnotssc^ne,welches gleichfalls vonRom airaonamme^aber nur in engerer Bedeutung von vorzüglich angenehmen und gleichsam bezaubernden GegendenM-ch ist, so wie-sir in den Romanen und Ritterbüchern beschrieben werden, die Gradl liegt sehr romantisch auf einem Selsen über der See. Erne romantische Gegend. Der romantischrSlpI, in der Mahlerey, die Vorstellung einer Gc-aeud mit Ruinen. Es Hasen einige dafür romanenhaft gebraucht welches aber wegen seiner Zweydeultgkeü zu dk-semBe- griffe unbequem ist. - .. Die Romän-zs, plur. die — n, ein mit Roman ursprünglich gleichbedeutendes Wort, welches aber setzt nur noch ist engererBe- deutnng gebraut wird, eine kleinere singbare abenteuerliche Geschichte im Volkstöne zu bezeichnen. ... r. Der Römer, des —s, plur. ub uom. liriF. Famirr. die Rö- merinrv cine'aus der Stadt Rom gebürtige Person. 2. Der Römer, des— -s, plur. c^r. der Nähme des Rathhaufts ' zu Frankfurt am Main, welches aufeinerAnhöhe. sichet, die da. her der Römer-Berg heißt. Es soll den Nahmen von einer Fa. milie, die Römer genannt, habe«, welche es ehedem besessen 2 Der Römer, des—s, plur. ut nova, sing. Dimin. das R§- merchen, ein bauchiges Weinglas, und zuweilen, besonders in ' Niedersachscn, ein jedes Weinglas. Niederst Römer, Holland. Roomer, Engl. Kummer, Schwed, kemmars; ohne Zweifel mir Raum von einem gemeinschaftlichen Gramme, nach welchem es ursprünglich cin jcdes Gefäß, einen jeden hohlen Raum bedeutet hat, man müßte denn erweisen rönnen, daß diese Art Weingläser eine Römische Erfindung sey. Zm Ital.ist komnluolo ein Kochlöffel. S. auch Rumpf. Der Römer-Monatch, des—es, plur. die— e. indem Deutschen Staatsrechte, diejenige Steuer, welche die Acichsstände zu einem Reichskriege oder auch zu andern Bedürfnis 11, nach dem Fuße dieser Lnegssteuer bewilligen. Sie hat den Nahmen von Ros LiL6 ben ehemahssgen Römer-Zügen, d. i.-von den Zügen der erwähl« ten Römischen Könige nach Nom, zu deren Behuf die Neichsstgude monathlich eine bestiminreSteuer erlegten,welche nachmahls auch m andern Fällen zum Muster und Maßstabe behalten worden. Römisch, ackj. s: ackv. ausder Stadt Rom herksmmend, in dieser Stadt gegrürrdet,, dcrsei-ben, ihren Einwohnern, Sitten u. s. s. ähnlich. Das Römische Reich. Der Römische Laiser, der Deutsche. Das Römische Recht. Die Römische, oder Römisch- katholische Lieche, bereu Oberhaupt in Rom restdiret; schon Key dem Kcro äamnnuüZn Kumisktt'u. Oer Römische Wermueh, Rrtsmilia ponlicLD. Oer Römische Lümmel, der gemeine Gartenkiimmel, Luminum k-. Das Römische Roth, bey den Materialisten, eine ArtrothcnEisenochrrs, welcher im Fnicrzu einer schwarzem, harten Eisenschlacke schmilzt, die mit dem Stahle Feuer gibt. Der Rommer, des — s, plur. ut vom. 6 n§. bey den Schäfern einiger Gegenden, ein an den Füßen gezeichnetes Schaf. Dcrs Ronöel, des—e«, plur. die—e, aus dem alten Franzos, koncksft rin rundes Ding. So wurden die runden Schilde oder Tartschen, wie aus dem Frisch erhellet, ehedem auch Rondeleodcr Rundete, iugleichc-nRondatschcn genannt, letzteres von dcmItal, koriclurrn. Am üblichsten ist cs noch von einem starken, runden Thurme, welcher in der ehemahligen Befcstigunsskunst statt einer Basiere dienetc; ingleichen von andern Acten runder Außenwerke, Auch rine Rundung, welche von mehrern in die Runde gebaue« ten Häusern cingeschlvssen wird, ist noch hin und wieder unter die« s m Nahmen bekannt. Im gemeinen Leben auch Runde!. Gemeiniglich lener mau es unmittelbar.von nnserrn rund ab; allein der Sraud des Tones auf der Endsylbc zeigst, daß es zunächst aus einer fremden Sprache entlehnet worden, obgleich das Franzos. Rouckcl von roucl, rund, abstammet. Das Rooß, des — es, plur. inus. in dem Honigbaue einiger Gegenden, die Wachsschelbcn in einem Bienenstöcke, als ein Col- lecrivum, welche in andern das Gewirk, die Waben, Wesel, Luchen, Tafeln, Gebren, und in Niederdeutschland dieNahr- ten, heißen. Das Zonigroost, sotchemiiHonig gefüllte Wachs, scheiden. Inden gemeinen Sprecharten lautet dieses Wort Rose, Rost, Rast, Rust, im Niederdeutschen Rar, Rath. Frisch hält den Begriff der Länge für den herrschenden in diesem Worte, weil die Bienenstöcke ehedem sehr laug, und dem Püniiis zu Folge, an dir ncht Friß lang waren, da es denn mit Rah, Reitel, Ruthe rr. a. m. Eines Geschlechtes sep u würde. Es kann aber auch der Begr iff des krausen, zclligen Gewebes der Stammbegriff seyn, da es denn zuRasen, kraus, Lrcssc u. s. s. gehören wurde. (S. » und 2 Rost, r und 2 Rausch, Geräusch und Rose.) Im mitt. lern Lat. ist kulcn und imFranz. kucke eiuZienenstock, (S.das folgende.) Am richtigsten und der Analogie gemäßesten würde man dieses Wort Rohst schreiben. Die Rosche, plur. die — n, ein nur in einigen Fällen alsein Kunstwort übliches Wort. 1) Als ein Absiractum und vhncPiii- ral ist cs, besonders ini Wasser» und Mühlcnbaue, die Ncigling einer Fläche oder eines Flusses gegen den Horizont; der Fall, das Gefälle, und von der Neigung des Erdbodens, der Abhang. ^L>er Mühlgraben hat zwep Fuß Rosche. Der Müller Halden Flußarm zwepEllen aufgedammet und ihm so viel von seiner Rosche entzogen. Wo es im geineiieen Leben auch die Riesche, das Rwst, ingleichendasRösch^ lautet. 2) Em Waffcrgrebeu; eine besonders im Bergbaue übliche Bedeutung, wo die inner der Dammerde zur Abführung der Tagewasser gezogenen Graben Röschen genauut werden. In cin.gbnMuirdarlen auch'Ressc.. Anm. Es ist mit riesen, stießen, ivovon wirnochdasDimiuutl- vum rieseln habeuMrarr verwandt. ImBöh.isikLcLllu^irrBach, 11Z7 «nd Rorlior ein Wassergraben. Al der BederrLung eines Gr»- bcnska-ul auch reißen, so fern es ehedem auch graben bedeutete, mit in Betrachtung kommen. S. diese Wörter. Röschen, vesb.r6Z.LLt. welches nur im Bergbaue üblich rsi,e,ne Rosche' d. i. einen Wassergraben, führen; in einigen Gegenden auch ressen. In den gemeinen Mundarten mancher Gegenden wird es auch für rosten gebraucht, S. dasselbe. Der Rcscherschlamm, des—es, xlur.tvus.imHüttenbaue, denenige Schlamm, d. i. klar gepochtes Erz, welches aus der ersten und andern Rösche, oder aus dem ersten und andern Graben gehoben, und auf dem Planenherde verwaschen wird. Das RoschyeSüchs, des — cs, xlur. doch nur von Mehrern Ar. leil/die —e, im Bergbane, eine Art Silbererzes, welches em null Arsenik, etwas Eisen mrd Kupfer vercrztes Silber ist , hin und wieder gelb cmgclaufeue Silberblättchen hat, und an verschiedenen Stellen weißgrau, schwarzgrau und bräunlich aussiehet. ^ Vielleicht von rösch, welches im Oberdeutschen auch für ra'lH, hart, üblich ist, weil dieses Erz sehr fest ist. S. Rasch. Die Rose. S.Röste. > . r. Die Rose. plur. cerr. eine Entzündung auf der Oberflüche oes ' menschlichen Körpers, welche von dem daselbst stockenden Blute, oder auch von der gehemmte» Ausdünstung entstehet, ganz flach und eben ist, sich in die Breite erstrecket, und eine gelblich rotbe und glänzende Farbe hat; L'rvlipelLS, im gemeinen Leben der Roch- lauf, das Rochlaufcn, das heilige Ding, das heilige Feuer, dasAmonins-Feuer, (S. dieses Wort.) im Oberd. das Frar- schel, im mittleril Lat. auch b Ivs. Die Rose im Gesichte, am Fuße haben. , Anm. Im Niederdeutschen gleichfalls Rose, rm Schwedischen Iloten. Hier stammet der Nähme unstreitig von dem noch nicht ganz veralteten roß, ros, roch, her, weiches noch im Niederdeutschen gangbar ist, so wie imJtal. roflo, im Franz, ronx, im Lar.ruffus, und im Gciech. gleichfalls roch bedemm» S. das folgende, ingleichen Roth. 2. Die Rose, plur. die —n, Dimin. das Rosche«, Oberd. Roslein, ein Wort, welches den Begriff so wohl der Rothe, als der krausen Beschaffenheit in sich vereiniget, ohne daß man eben genau sagen könnte, welcher der erste und ursprüngliche ist. i . Im engsten und gewöhnlichsten Verstände ist die Rose die Blume eines dorncutigcn Staudengewächses, kosia I>. und vorr welcher es sehr viele Acren gibt. Die gemeine, wilde Rose, 6a- gerose, sundsrsse u. s. f. Rota caninn l», wächst bey uns wild, (S. Feldroft) S. auch Brsamvose. Zimmtrose, Monathrose, Weinrose, prsvinzrose. Mayrose- Zuckerrose, Sammetrose u. s. s.) Die gewöhnlichste Faxbe der Rosen ist eine mit Violett vermischte, hcllrothe Farbe, ob es gleich auch weiße, gelbe und bunte Arlen gibt. Unsere gewöhnlichen gefüllten Gactenrosen gehören zu mehrern der jetzt genanntenArten. Diese prächtige,schür in die Augen fallende und überaus angenehm riechende Blume war in den ältesten Zeiten der Venus heilig, und noch jetzt ist sie beiden Dichtem ein Sinnbild, theils der jugendlichen Lebhaftigkeit, rbeils des Vergnügens, theils aber auch der üppigen Gemächlich, keit. 6ier die reifende Jugend, wie die Rose, wenn sie aus der Knospe sich drängt, dort die vollen Jahre der Jugend, «ric die'offene Rose- Geßn. Brecht die Rosen eurer Jugend, Brecht sie, eh der Frühling weicht, Beruh. Ich will durch die FreundschaftgUicklich fefir,. hier ssndeich Rosen ohne Dornen,. Weiße. Es schlummre sorgenlos aufRosen dein Gewissen. Die Schlange Werd ich seilst noch zu erregen wissen-. Weiße,. Ros Jemandem etwasunter der Rose anvevevomn. im Vntrauern, unter der Bedingung der Verschwiegenheit, wofür doch der Laim» nische Ausdruck l ud Kola üblicher ist; eine aus den Klöstern her- stammende R. A. wo an der Decke der Speise- und Conventsäls gemeiniglich dasBildeinepNose ausBpps geformet ist, unter wel. cher der Speiselisch dcrConvcntnalen stehet. Etwas ungewöhnlich ist ut diestm Falle der Plural: Sie vertrauen mir unter den Rosen der Freundschaft ein Werk ihrer Einbildungskraft und ihres 6erzcns an, Wiel. Nach einer ben den Dichtern üblichen Figur wird dieses Wort auch Häufig im Plural von. der jugendlichen lebhaften Farbe des Gesichtes gebrarecht» DieRosen verbleichen auf rhrcm schönen Gesichte, Weiße. Ernstlich ist sie bemüht, auf ihren verblühenden Wangen Künstliche Rosen zu schaffen, Zach. Da es den» in der dichterischen Schreibart auch in allerlevZusam- mcrrfttznngen für roftnfarben gebraucht wird. Aurorens Rosen» stnger. Wenn der Morgen ans Rosenwolken bricht,Dusch. s. In weiterer und figürlicher Bedeutung, r) Verschiedene den Rosen in der vorigen Bedeutung ähnliche Blumen bekommen gleichfalls den Nahmen der Rose. Die Chinesische Rose, blilrr» 1'c.us kolnRinensjs l-. ist eine Art Eibisch mit prächtigen rolher» Blumen. "Die Päonie wird in vielen Gegenden Pfingstrose, dcN Mauerpfeffer Plattrose, derKornmohn Klaxperrose, Rornrose und Feldrosc u. s. f., genannt; (S auch Sammetrose, Amnitsts- rose u. s. f.) Das Geißblatt oder die Speffliiie, ü.orftcerLLa- prisoüuink,.heißt bey einigen, obgleich sehr uucigerulich, dir-Ros se von Jericho, a) Jnglercheu verschiedene, einer Rose ähnliche-, künstliche Figuren. Eine Rose ven Bändern, eine Art runder- krauser Schleifen. In den bogenförmigen Fenstern der öffentlichen, Gebäude der voriger, Zeiten wurden die Glasscheiben oben in Ge» sialt einer Rose zusammen gesetzt, da denn cm solcher Theil eines Fensters die Rose hieß. Die Rose der Juweliercr ist aus Edelsteinen in Gestalt einer Rose zusammen gesetzt. Die Windrose auf den See- und Landkarten zeigt die Winde. Der Henker bildet sich- rtw as darauf em, wenn er eine schöne Rose knüpft, d. i. wenw er den Knoten, der dem Miffethäter die Pulsader am Hals« zu^ drückt, an dem rechten Orte des Strickes zu machen weiß. Z. In einigen Fällen scheinet dieses Wort nicht so wohl eine Fi» gur der ersten Bedeutung z.» seyn, als vielmehr den Begriff dee krausen Beschaffenheit zu gewähren. So pflegen die Jäger der» krausen Kranz an dem untern Thcile eines Hirschgeweihes die- Rose zu nennen. DieDornrosen, Eichtnrosen, W-cidenrose-n, n. s. f. welche bey dem großen Hansen Wundeoroson heißen, find- nichts als Murmnester, ivelchc ausz'.esammen geformten blumich» tenAuswüchsett ans denBlscrern undBlülflknospen mancherBän» we bestehen, und von dem Stiche eines Gallinseetes herrühren-, welches seine Encr hinein legt. sS. Gallinsect und Wridenrofe,> Die Rose von Jericho ist keine Blume, sondern ein eigenes Ge» wachs, welches nicht um Jericho, sondern an den Ufern des rolberr Meeres einheimisch ist, und in trocknor, zusammen gerollter Gr- sialrzu uns gebracht wird, sich aber wie ein Moos aus einander breitet, so bald man es in das Wasser legt; ^nnffstieL D. Anm. JmNicders. gleichfallsRose,nmEngl. nndAngels.fiüfl?^ im Wallls.stssys, imSchwed. Rss,im Prhln. kor g-,, imBöhnr> - Kure,.im Lar..kofs.> Es ist nick)! glaublich, daß gerade ,doL letz» terv der eigentliche Stamm -er übrigen ist, indem so viele Ancrtz der Rosen in allen Europäischen Ländern einheimisch find., In de« ersten eigentlichsten Bedeutung scheint LcrBegriff der rülhenFarbs Zu der Be.nennuitg An'aß gegeben zu haben da es denn ein nnb» eben, dass, kde Wort mit dein vorigen sty n würde^. welches zu drur Nieder sächsischen roß. rorhl'ch, rorb, gehöret, so wseHerBvfkchi» fche Nähme dieser Blume sich mehr unserm rsch «Or-v-:. D d d d s . LrdLft- 11 M iiZ9 Rof Indessen hat auch der Begriff der Rraufe ferne Ansprüche, da eS denn zu kraus. Rooß u. s. f. gehören würde. Die Schwäbischen Dichter gebrauchen dieses Wart zmoeilen im männlichen Gc- fchlechte, der Rose. Die Rosenaber, plur. die—n, ein Ast der untern Hohlader, welcher an der inwendigen Seite des Schenkels bis MM inwendigen Schenkel hinab gehet, und auch die Zraucnader, Mutterader heißt, weil man sie ehedem in den Krankheiten der Mutter, vielleicht auch bey der Rose, zu öffnen pflegte; 8LpliLeua. Siehe r Rose. Die Rosen-Äloe, plur.inus. ein Nähme der gemeinen Aloe,so fern sie in den Apotheken mit Rosen znbereitet worden; ^.los rolala. Der Rosenbaum,-des — es. plur. die—bäume. ») Ein hochstämmiger, zu einem Baums-gezogener Rosenftock. 2)Jueini- gen, besonders Oberdeutschen Gegenden, heißt der Oleander, Zerium I-. wegen seincrrosenfarbenenBlüthen so wohl Rosenbaum, als auch -Lorberrose. z) Ein baumartiges Gewächs, wovon eine Art auf den Alpen einheimisch ist;Rtrc>6o6sll6ron I-. Rosenlorber, Alprose, Bewgrose. Das Rosenbett, des-7-es, plur. die—e, ein aus Rosen bereitetes Bett. Jngleichen figürlich. Anfdem Rosenbette der weichlichen Muße ruhen, in üppiger Unthätigkeit. Die Rosenbrrn, plur. die — en, eine Art gelblich grüner und röthlichcr Birnen, mit einem langen, dünnen Stiele, welche im August reift; kolfe 6s rose. Das Rosenblatt, des — es,plur. die—blä'tter, Blätter von den Blumen der Rosen. Der Rösenbüsch, des —es, plur. die—dusche, eine dick gewachsene Rosenstaude, ein aus vielen Stämmen und Zweigen bestehender Rosenstock; besonders im gemeinen Leben. Die R^fen-Oonserve, plur. doch nur von mehrern Arten, die — n, in den Apotheken, eine ays Rosenblättern bereitete Con- serve, welche entstehet, wenn man frische Rosen zu einen Brey ößt, und diesen mit Zucker vermischt, welcher im Rosenwasser ufgelöset worden. Der Rosenöorrr, des — es, plur. die — en, ein Nähme des wilden Rosensiockes, oder der gemeinen Hunds- und Feldrose,Ko- sn LLniuL s,, deren Blume eine weißliche, einfache Rose ist, und deren Samenkapseln uyter dem Nahmen der Hagebutten bekannt sind. Die Rosenerbse, plur. die — n, eine Act Erbsen, deren Blumen doldenweise zusammen stehen und gleich sam eine Rose bilden; Doldenerbse, klsu m unibsllatum I,. Sie sind eine Abänderung der gewöhnlichen zahmen Erbsen. Der Roseneffig-, des —es, plur. doch nur von mehrern Arten, die — e , ein Weinessig, welcher auf getrocknete Nosenblätter gegossen worden und den Extracr davon an sich genommen hat. Die Roser^farbe. plur. doch nur von mehrern Arten, die — N, die gewöhnlicheFarbe der rochen Rosen, d. i. eine hellrothe, ein wenig in das Blasse oder Violette spielende Farbe. Der jugendlichen Gesundheit Rssenfarbe gliihctt auf seinen Wangen, Geßn. Rosenfarben, a6j. et s 6v. diese Farbe habend ; rosenroih, im gemeinen Leben auch rosenfarbig. Auf rosenfarbenem Zittig rauschet die Morgenrochs vsrbey, Zachar. Das rosicht einiger neuern Dichrer beleidigt Gehör und Geschmack; das von andern dafür gebrauchte rosig aber verräth Unkunde der wahren Bedeutung der Ableitungssylbe—ig. Im Oberdeutschen ist dafür auch röselig, roselicht üblich,welches schon bey denSchwäbischen Dichter« vorkommt- Rof Das Rsfenfeff, §es—es, plur. die —e, ein in einigen Gegenden Frankreichs und nunmehr auchDeutschlandesübiichesländ- liches Fest, da das tugendhafteste Mädchen eines Dorfes jährlich unter gewissen Feyerlichkeiten öffentlich mit einemRosenkranze gr. schmücket, und alsdann das Rosenmä'dchen genannt wird. Nach bem Muster des Rosenfestes zu Salencp hat der Schwarzburgische geheime Rath von Ketelhodt »769 auf seinem Gute Lichstädt ein solches Rosenfest gestiftet. Der Rosengarten, des—s, plur. die — parken, ein Garten, welcher vornehmlich aus Rosenstöcken bestehet. Das Rosenyut, des — es, plur. ear. eine Art gediegenen Zink. vitriolcs, welcher ans Schuppen oder Blättern bestehet, welche j» die Rundung ausgebreitet find, und eine Art einer Rose bilden. Der Rofenhä'yer, des—s, plur. ut uom. üuA. in einigen Gegenden, eine Art Äpfel, welche zum Kochen und Backen gebraucht werden. Die Rosenhecke, plur. die—n, eine aus Rosenstöcken oder Ro» senbüschcn bestehende Hecke. Der Rofenholder, des —s, plur. lnul'. eine Art Hohl,Inders oder «Schlingbaumes, dessen doldenförmige Blumen eine Ärt einer weißen Rose bilden ; Vib urnum roseum 1 ,, Holderrose, Gcl- derrose,Wasserhohlunder, S.Hohlunder 2 z). Das Rosenholz, des —es, plur. iuus. eine Art ausländischen Holzes, welches wie Rosen riecht, und von der Insel Cnperu z« uns gebracht wird; l-ignum rliossmum, von dein Griech. -«ro», woraus einige geschloffen, daß es von der Insel Rhodur komme, und es daher Rhodiser-Hol; genannt Haberl. Indessen ist der Baum, welcher es liefert, noch unbekannt. Das Rosenhomy, des — es, plur. iuus. in den Apotheken, ein mit Honig zu einer gewissen Dicke eingekochter Rosenaufguß. Der Rosenkafer, des—s, plur. ut vom. iinZ. eine Art kleinek Käfer, welche kleiner als die Goldkäfer sind, deren Hals und Kopf eine grüneGoldfarbe hat, und welche sich imFrühlinge häufig auf den Rose« antreffen lassen. Der Rosenkranz, des — es, plur. die—kränze, i) Ein Kranz von Rosen. 2) I» her Römischen Kirche, aufeine Schnur gc- reihete kleine Kugeln, die gewöhnlichen Gedeihe daran und darnach herzusagen; das Paternoster, in Baiern der Becher, in Augsburg Petter, im Mittlern Lat. 8srtluu rosaceum. Seinen Rosenkranz bethcn, die gewöhnlichen Gebethe nach Maßgebung des Rosenkranzes hcrsagen. Schon die Winsbe- cklnrr gebrauchtes zu Anfänge des izten Jahrhundertes indie- sem Verstände: uo6 kui 6ie kolsuerLUr 6ir eben. Vielleicht hatten die daran befindlichen Knöpfe, oder doch einige derselben, ehedem die Gestalt der Rosen. Ehedem hieß er auch der Schapel, rvelches einen Kranz überhaupt bedeutete, und wovon noch die Franzosen ihr Okapelet für Rosenkranz haben, (S. Schapel.) Figürlich, wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt, pflegt man in der Naturgeschichte auch eine Art Thier- pflanzen Rosenkränze zu nennen, 8ertulariae 1 -. welche andere Neer-Granaten-Flechren nennen. Dcrs Rosenkupfer, S. Feinkrrpfer. Der Rosenlorber. S. Rsftnbanm. Das RosenmadHen, des—s, plur. ut uom. lin§. Siehe Rosenfest. Die Rofenmelde, plur. iuus. eine Art Melde mit einem krauSar- lrgen Stamme, welche in dem mittägigen Europa zn Hause ist; ^triplex rosen 1,. Der Rofennronach, des — es, plur. die—e, ein Nähme, welchen einige, besonders in der dichterischen Schreibart, dem May, andere aber dem Junius beyzuleqen pfl-gen, wegen der in diesen Heyden Manschen einfallenden Rosenblüthe. Des -l l 6i Ros Roß r i6r Die Rösen-pli>«. di, —n,ein«Art g-Ker, pfnlkt« Narzissen, deren Blume die Gestatt einer Rose hat, und wovon es in den Gärten so wohl eine größere als kleinere Art gibt. Der Rösenöbel,,richtiger Rosen - Nobel, des — s, plur. ut vom. lmA. eine ehemahligeEnglandischeGoldmünze, welche nach dem Tenzel 2 Ducaten t 4 Grän wog, nach einer von Frisch angeführten Valvation des Niedersächsis- Kreises aber 4 Thlr. 4 Gr. 4 Ps. Meißnisch galt;Lat. Nobills rolotus, Franz. Noblsa laRole. Eduard lll.svllfie t Z 4 Z zuerst haben schlagen lassen. Sie haben den Nahmen von einer auf der einen Seite geprägten Rose, welche doch nicht aufallen befindlich gewesen zu seyn scheinet. S. Nobel. Das Rosenohl, des — es, plur. doch nur von mehrcrn Arten oder Quantitäten, die — e, das aus frischen Rosenblättern gepreßte Qhl. DieRssenpappel, plur. die — n, in einigen Gegenden, ein Mjthmc der Stockrose, Rices, rolea l-,, welche bey andern Zerbstrose heißt, S. Stockrose. Rosenroth, aclj. er aäv. so roch wie eine gewöhnliche Gar. tenrose; rofenfarben. Der Rosenschwamm, des—es, plur. die —schwämme, S. Gchlafapfel. Der Rosensonntay, des — es, plur. die — e, in der Römischen Kirche, zuweilen ein Nähme desSonntages Lätare, weil diePäpste an demselben die zu Geschenken bestimmten goldenen Rosen zu weihen pflegen; Dominica io rolis. *Der Rosensprm, des — es, plur. car. ein unverständliches Wort, welches Luther in der Überschrift des 6osten Psalmes gebraucht: ein gülden Rleinod Davids vorzusingsn von einem gülden Rofenspan; wofür er Ps. 8» das eben so dunkle Span? rose gebraucht: ein Psalm Assaph von den Spanrosen vorzu- singen. An bevden Qrten stehet im Hebr. , welches von den meisten für den Nahmen eines musikalischen Instrumentes mit sechs Saiten erkläret wird. Nach andern war es der eigenthum- liche Nähme des Vorgesetzten der Sänger. Der Rosenstein, des — es, plur. die — c. i) Eine Art Dendriten, auf wclchen die Züge einer Rose gleichen. 2) Im Juwelen- Handel ist der Rosenstein ein auf eine besondere Art geschliffener Diamant, wo der untere Theil platt und ohne Faßctten ist, der obere Theil aber enge zusammen läuft und einige Reihen Faßetten über einander hat; zum Unterschiede von den Tafelstei« neu und Brillanten. Indessen ist bei- nusern Deutschen Juwelieren! dafür das aus dem Französischen entlehnte Rosette stblicher. Der Rösenstrch, oder Röschenstich, des — cs, plur. von Mehrern Arten, die — e, in der Nähterep, ein Stich, d. i. Art zu nähen, welche kleine Rosen bildet. Der Rosenstock, des — es, plur. die — stocke. t) Derjenige Strauch, dessen Blumen unter dem Nahmen der Rosen bekannt find; im gemeinen Leben der Rosenstrauch, und wenn er buschig gewachsen ist, der Rosenbnsch. Besonders pflegt man die mit Sorgfalt gezogenen ett^elnenRosensträuche in den Gärte» Rssen- stocke zu nennen. 2) Bey den Jägern wird der unter der so genannten Rose befindliche Theil eines Hirschgeweihes, zunächst am Kopfe, der das ganze Geweih trägt, der Rosenstock genannt. Die Rosenwcrnge, plur. die — n, inder dichterischen Schreibart, rosenfarbene Wangen. Das Rosenwasscr, des — s, p!ur. doch nur von mehrern Arten, ui. vom. livZ. ein aus Rosenblättern dcstillirtes Wasser. Der Rosenweyerich, des —es, plur. car. eine Arr Wegeriche-, welcher in den Gärten gezogen wird, und dessen grüne Blätter so artig zusammen gesetzt sind, daß sie gleichsam eine grüne Rose vyrstellerr. Dre NofechWelöe, plur. die —N, eine Art Weiden, deren in Büscheln, wie Rosen, stehen; welche aber kerne eizerrtlichS Art, sondern nur eine zufällige Abänderung zu seyn scheinet. Die Rosenwurz.plur.ivuf. eine Pflanze, welche auf den hohe» Gebirgen in Lappland und der Schweiz einheimisch ist, bey unL aber in den Gärten gehalten wird, und deren Wurzel einen angenehmen roftnartigen Geruch hat; Rbockiola D. Das Rosenzinn, des—es, plur. inus,eine Art Zinnes, welches besonders in Pohlen und Preußen verarbeitet wird, und auS einem Pfunde Blep zu »5 Pfund Zinn bestehet. Qhne Zweisek von dem Zeichen einer Rose, mit welchem das daraus gearbeitete Geschirr bezeichnet wird. - - Die Rosette, plur. die—n, aus dem Französischen Rosette, (S. Rosenstein.) Bey manchen Künstlern werden alle in Gestalt eines Rose ausgetriebene Verzierungen Rosetten genannt, daher bey einigen Metallarbeiter» der Rosetten - Gtämpel ein solcher Stäm- pel ist, womit diese Verzierungen aufeiner Blepplatte ausgekrie- ben werden. Rosrcht, RoslF, ach. et adv. S. Roser,färben. Die Rosine, plur. die — n, getrocknete Beeren des gemeine» Weinstockes, wozu doch nur diese Beeren in den wärmernLänder» genommen werden, wo sie eine größere Süßigkeit haben. Engl. Railin, Böhm. Ror/va/. Das Wort ist aus dem Franz. Rai- lin, Weinbeere, welches wiederum von dem Lat. Racernus hergeleitet wird. Ehedem schrieb man auch Restne, und im gemein nen Leben einiger Gegenden spricht man noch so. Die größte Art Rosinen werden Libeben oder Zibeben und die kleinste Rormthe» genannt. Das Rosinenbad, des—es, plur. dir—bäder, in der Arze. neykunde,ein Bad/welches aus dem Marke der Rosinen gemacht tvirö, das kranke Glied hinein zu stecken. Der Rosinenmech, res— rs.xlur. doch ^ von mehrern Arten, die—e, eine Art Msthes oder künstlichen Weines, welcher aus Rosinen, Honig und Wasser durch die Gährung bereiter wird. *LreRosmfarbe, plur. laus. Rosmfarben, und Rosrnroth, ackj. et aclv. drey Wörter, welche nnr in Lnthexs Bibel-Überset- zmrg Vorkommen, eine hochrothe Farbe zu bezeichnen, wofür Michaelis theilshochroth, thcils auch Tochenille gebranchr. Vielleicht wegen der Hochrothen Farbe der morgenländrsch en Rosinen- obgleichFrisch vernutthet, daß dafür Rosenfarbe, rosenrorh gelesen werden müss^ welches doch nur aus der Bedeutung der i» Grundtexte gebrauchten Wörter entschieden werden kann. Der Rosmarin, oder Roßmarin, des — es, plur. ivus. eine Pflanze, deren Blätter und Blumen einen scharfen, bittern Geschmack und einen gewürzartigen Geruch haben; Rosmarinur D. Sie ist auf den Hügeln des südlichen Europa einheimisch^ woher sie mit ihrem Nahmen in unsere Gärten gekommen ist. Wegen einiger Ähnlichkeit in dem Gerüche werden so wohl dar Murrerkraut oder Post, l^clum paluüre D. als der Bergla- vendeloder Berggamander, leucrium nioutanurn D. als endlich auch die in den mitternächtigen Gegenden einheimische HackromeclL pol/folia 1 ^. wilder Rosmarin genannt: Der Rosmavin - Geist, des — es, plur. i nus ein aus Rosmarin - Bliithe mit Weingeist deftillwker Geist, welcher unter dem Nahmen des Ungarischen Wassers am bekanntesten ist. Die Rosmarrn-lVei-r, plur. die — n, eine Art Weid.n, deren Blätter den Rosmarin. Blättern gleichen, und welche auf niedrigen Feldern wächst; 8uliX rosmarillikolla l-. Rrebswkide, kleine Zaarweide. 1. Das Roß, die Wachsscheibcn in einem Bienenstöcke, S. Rosst. 2. DasRöß, des—sses, plur. die—sse, ein noch im gkM.ineu Leben hin und wieder übliches Wort, welches gemeiniglich eine Art D d d d 2 der Li6z Rost -er Erhöhung, zuweilen aber auch eine Ausdehnung in die Tiefe und Länge bezeichnet. Zu den Ungarischen Bergwerken ist es eine Art eines Kohlenmaßes, deren vier aufeinFudcr gerechnet werden. Wenn es hier nicht zunächst ein Ungarisches Wort ist, so scheinet es mit dem Niederfächstschcn Rröß. ein Krug, verwandt zu sev», welches nur den Gaumenlaut vor sich genommen hat. In der Baukunst werden zivey ans einander gekämmte Träger, eine großeLast zu tragen, ein gespanntes Roß genannt. Bey den Riemern ist das Roß eine Schutzbank, an welche man die Riemen, die man mit weißem Garne bunt nähen will, einklrmmet. An den Strnmpfwirkerstühlen ist das Roß ein dreyeckiges Eisen, das mit seinen Schenkeln auf der Roßstange an einer Schnur hin nnd her gezogen wird, «nd die unten hestildlichen Theile nach einander irr die Höhe hebt und wieder fallen läßt In den Oberdeutschen Bergwerken ist das 5ahrrroß ein kurzer kriickeiifönnigerBergstub, welchen man denen in die Hand gibt, die in einen Stollen einfa'hren.. Anm. Es ist in liefen und vielleicht noch ander» Fällenkerne Figur des folgenden Wortes, sondern nach Maßgebnng des in jedem Falle zum Grunde l iegenden Hauptbegriffrs, ein Verwandter entweder von R;eß, Rost, eiiffHanfe, Erhöhung, oder von reisen, reißen, hin mrd her bewegen oder eiidlich auch von riesen, auf- steigen, sich erheben, und figürlich, tragen, so daß es in manchen Fällen eiiiemTrägcr bedeuten kann. Siehe auch das folgende irr der Anmerkung. Z. Dao Roß, des —sses, pinr.die— sso,Dimin. das Roßchen, Oberd. Roßlein, ein Wort, weiches überhaupt ein Pferd bedeutet, aber doch in verschiedenen Einschräufimgen vorkommt. i) Im engcrn, und, wie cs scheint, cigentlichsten Verstände ist das Roß riii Pferd edlerer Are, welches besonders zum. schnellen Reiten gebraucht wird, ein Läufer. Daß mau diesen Begriff ehedem sehr oft mit dieftm Worte verbunden habe, erhellet airs verschiedenen, Schon Voit Frischen angeführten Stellen. An den Braunschweigischen Statuten,. in den d5crip!.Lrunl'«'. Th. Z, heißt es r chs dem Hcrwede Hort dar beste Grs (welches nrit Rost gleichbedeutend ist,) isdas dar nicht, so schäl me ghevcn dar beste pcrd. Ungleichen r Redet epn Man nicht wanne cm de Radi'riden Heer, 7>e soolde vor dar st>rs A'of/ck unde vor dak perd ^o/ff/gheven; d. i. sitzet ein Mann nicht auf, erscheint er nicht zu Pferde, wenn der Rath ihn anssitzen Hecht u. s. s. In dein Sachsenspiegel werden folgende Arten von Pferden o.ngesichert: Vechpcrde, (Ackerpferde,) Ridcpcr, (ein Reitpferd, womit man dem Lkheilshcrrrn im Krie'ge dienen mnß:e ,) Riddcrpcpd, (Rittcrpferd,) fpfcrd,> TelLern, (Aster,) rdunrziden, welches, nach dem Frisch,Lesui mUitum find. (S» Du Fresne v. Ich-,t;Linu5, Kunointi8 , bev dem Hornegk aber «'ich ein schlechtes, elendes Pferd bedeutet, Franz. kLvestn» viel, ke chr-in ausaedientesSosdatenpferdstZn LmhersDeutscher Bibel kommen die Rossonoch sehr häufig vor, aber allemahl in solchen Stellen, wo mnthige, schnelle und kpiegerksche Pferde verstanden werden muffen.Im Hochdeutschen kommt es mit diesen Nebenbc- Krissen nur noch m der dichterischen Schreibart vor. Gleich einem »«gezähmten Rosse, das noch kein Gebiß des Retters gelehrcr bat, seine Schritte mttvorflcht abzumessen, Dusch. Die wiehernden Rosse tragen ihn hoch ans Leichnamen, her, Zach» Durch das Gesträuch reißtssch.das Roß Mit starkem Ungestüm, Weiße» ArrfGaten , die des Rosses Hufzertreten, Raust. s)*Zn der cntaeäen gesetzten engen, Bedeutung ist das Roß m einigen Gegenden eine verächtliche Benennung xines schlechten, unbrauchbaren Pferdes, wo es vielleicht eigentlich rin abgrtriebe- rres, Lilsiredlenr- s Laff-odcrKriegespferd bedeutet. Jur Franz, ist Lo.Cs, und im Atal. gleichfalls kür solches schlechtes Roß 1164 Pferd, eine Mahre. Im Hochdeutschen ist diese Bedeutung nicht üblich. A) Am weitesten Verstände, in welchem es doch nur im Oberdeutschen üdlrch ist, ist Roß ein jedes Pferd. Die Rosse oder Rösser anspännen. Mit Roß und wagen. Ein Nutschroß,Rcit- roß, ein Ackerroßu.ff f. Am Hochdeutschen ist es für sich allein in dieser Bedeutung seiten, wohl aber gebraucht man es in derselben in vielen der sslaenden Zusammensetzungen, wo Roß—so viel als Pferd— bedeutet, da denn auch manche dieser Znsammenset» zumgen mit bepden Wörtern, manche aber nur mit einem von bey, den üblich find; z. B. Roßschwefel und Pferdeschwefel. Siche Pferd Alim. 2, wo mehrere Nahmen dieses Thierrs angeführct werden. A'nm. Schon be» dem Notker Ross» Holländisch Ros. Die Größe dieses Thiercs könnte sehr bequem als der Grund seiner Benennung angesehen werden, da denn dieselbe ein Verwandter ron Rieke,Rieß, Groß u. s. s. seyn würde; wenn nicht wahrschcin- l-cher wäre, daß dessen Geschwindigkeit, besonders der zunächst zum Laufen und Reiten bestimmten Art, der Haupt - und Stamm- bcgriff wäre, da denn dieses Wort ein Verwandter von rasch, reifen, reißen n. s.ff ist. Im Hrbr. ist rur laufen, und R 02 ein Laust r. (S. Pferd Amn. i,) wo gezeigt worden, daß die meisten gleichbedeutenden Nahmen einen ähnlichen Stamrnbegrjff haben. Indessen scheint in manchen der folgenden Zusammensetzungen, z. B. Roßamcise, der Begriff der Größe der herrschende zu seyn, so - wie tu manchen Fällen derBcgr-ffdrr schlechten, gcöbern Beschaf- fenheitheroorstichL. WennOttfried eine Eselinn Ros nennt, so .scheinet er damit überhaupt dcnBeariff eines zum Reisen oderRri- kcn geschickten Thieres zu verbinden. Ehedem war für Roß jin Deutschen srrchHors und E) r L üblich, und imEngl. ist lckorlenoch jetzt ein jedes Pferd, Angels. blors,im Schwed. Rlors nnd Ors ritt edles, ninthiges Pferd, und im Böhm. Os ein Gaul; nicht bloß allein durch Versetzung des r aus Roß enrstandcnes Wort, sondermznuächst als ein Verwandter von hurtig, Hirsch, so fern auch das letztere eigentlich den Bcgriffder Geschwindigkeit hat. Die Röß-zfloe, plur. es.r. die geringste, unreine Art Aloe, welche nur in der Roßarzencv gebraucht wird ; Rloe LLballillL. DieRofiameise, S,- Pferdeameise. Der Rößampfer, des — s, P>Iur. i »uff in einiaen Gegekideii, ein Nähme des wasserampfers, wegen seiner Größe, indem er wohl zwev Ellen hochavird; Hey den ältcru Kräulerkennern kli^po- S.Wasserampfer. Der Roßapfel, des—s, pffir. die — apfel. 1 ) Derrundliche Kotb der Pferde, in der anständigen Sprcchart. 2 ) Eine Ostin- dische Frucht, welche ein schwammigcsMarkhat, nndderenBaum, der Roßapfelbaum, bey dem Linnce DilleoiL heißt. DioRößarzenep, plur. die — en. r) Eine für Rosse, das ist, Pferde, bestimmte Arzrncy, ein Körper, welcher eine Arzeney Me die Pferde ist. 2 ) Die Kunst, die Krankheiten der Pferde zu öe- urtheilen und zu heilen; chie Roßarzenepkunde oder Roßarze- nepku'ff» ' »-r. Der 7 ; öß'aczff des — es, plur. die — arzte, derjenige, welcher die Krankheiten der Pferde Pt bcnrtheilen nnd zu heilen weiß. S» auch pferdeargt- welches doch nicht so üblich ist. D>6b-Röff-Ballet, des—cs, plur. dt'e-^-e, ein Ballet, d. k» ein Tanz, welcher von abgcrichteten Pferden gctanzct wird. Die Roßbeere, plur, die— n, ein Nehme der gemeinen Heidelbeeren, Vnecinium iVI^'rUllus b,. Vielleicht von Ruß, wegen ihrer schwarzen Farbe, oder auch von Rieß, ein gebirgiger Wald, weil sieinsolchen Walderiz am hätlstg-sten wachsen. Die Roßbokme, plur. die — n, S. Pf rdebohne. DetRoßbienst, des — cs, plur. die — e, ein ans einem Gült haHrnder Dienst, welchen man dem Lehensherren im Kriege zu Rosse. iiA v Roß Roß n66 Rosse leisten must; derRi'tterdicnst. Ingleichen, ein Zeder, auch ein Frondienst, welchen man mit einem oder Mehrer» Pferden leisten muß, (S. Pferdedienst.) Daher das Roßdienstgeld, welches an dessen Statt erleget wird. Die Rössdill, S. Pferdedill. Der Rößeyess des— s, plur. ul nom. lmZ. eine Art großer Blutegel, von roß, groß, (S. Z Roß Anm.) nicht aber, wie der große Haufe glaubt, weil ihrer neun eiu Pferd lödten können. gossen, verb. reZ. ueutr. mit dcm Hülfsworte haben, welches nur im gemeinen Leben von den Stuten üblich ist, wenn sie zu dem Rosse, d. i. Hengste, wollen, wenn sie nach der Begattung verlangen; so wie von andern Thieren bocken, stieren, ochsen, rindern u. s. s. üblich.sind. S. Rossig. Der Roßfenchel, S. Wasserfenchel. Die Rössflieye, S. pferdestlege. Rösiyelb, S. Rauschgelb. Der Rößyeyer, S. A'asgeper. Das Rößgras, des — es, plur. doch nur von mehrern Arten, die— graser, ein Gras, welches in allen Europäischen Ländern wächst, durchaus eine grau grüne Farbe har, und eines der besten Futtergräser ist; liolcus l^. Pferdegras, Honiggras, wegen seines süßen Geschmackes und seiner saftigen Srängcl. Wolliges Roßgras/istolcus InnLkun I,. kriechendes Roßgras, llolouL moilisl.. Das Roßhaar, des —es, plur. die —e, die kürzern Haare von einem Pferde, zum Unterschiede von den laugen Schwa u.; h amen, welche in engerer Bedeutung pferdchaare heißen, siche dieses Wort. Der Rößhanöel , des —s , plur. raus, der Handel mir Pferden; der Pferdehandel. Der Roßhändler, des —s. plur. ul nom. sing, derjenige, welcher mit Pferden handelt; der Pferdehändler, S. Roßkamm. Der Roßhuf, des ^-ss, plur. die — §. r) Eigentlich, der Huf von einem Pferde; der pferdebuf. 2 ) Figürlich, in einigen Ge- gcnden, wegen einigerÄhnlichkeir der Blätter auch einRahme bes Huflattiches, S. dieses Wort. Rossig, —er, — ste- 36). et ac) v. welches im gemeinen Leben nur von den Stuten üblich ist, wen» sie rossen, d. i. nach dem Hengste verlangen. Daher die Rossigkeit, plur. ear. Der Rößkafer, des — s, plur. nt nvm.ünZ. em Nahmedes Mistkäfers, weil er sich gern imRoßmiste aufhält, (S. Mistkäfer.) Im Niederst Scharnbulle, Sch^rnwewel, Angelst ^curnüfel, Engl. Lirarnsbucke, von dem Niederst Scharn, Mist. Roßkäfer kann gleichfalls aus Horskäser, d.i. Mistkäfer, von Hör,Gor, Miss Koth versetzt sc y 11. Der Rößkamm, des —es. plur. die—kämme. r)EinKamm, die Pferde damic zu kämmen, e n Pferdekamm ; ingleichen, eine Striegel für die Pferde, eine pferdestrcegel; doch nur in einigen Gegenden. 2) Eine im gemeinen Leben sehr übliche Benennung einesRoßhändlers, besonders sofern derselbe seinen Haudeldurch Vertauschung seiner Vfecoe gegen andere treibet, da er denn auch ein Roßtäuscher, und in euiigeu Gegenden auch Roßmange, Roß» menge aenanirt wird , von dem veralteteil Mangen, mengen, tauschen, bandeln, u-rgeachtct Frischen die gleich folgende bessere Abteilung bekannt war, so wollte er dieses Wort doch lieber von RomM, pL6t.su, ablenen, weil die^Aoßhändler die zum Verkaufe bestlü.mteii Pferde vorher zu kämmen oder zn schmücken pflegten, da er denn cinenRoßfamm durch dasGrech,lflippoc:omu^ erkläret, von «co/L-L», schmücken. Allein, cs ist bey dem allen doch wabr- scheinlicher, daß die letzte H ätfre dieses Wortes zu dem Mittlern Lar.Lumdium, Tau,cyhandel, earnbiÄre, rauschen, gebückt, welches allem Ansehen nach davon gebildet ist, ss daß Roßkami» und Roßtäuscher im eigentlichstcnVerstande gleichbedeutend sind. Die Roßkastanie, S. pfcrdekastanie. Die Rößklctte, plur. die—n, eine Art großer Kletten, welche auch Bergklette heißt, und eine Art des Hrccicurn UappL^.ist; zrim Unterschiede von der kleinen oder Spitzklette. Verwuchs -lich von Roß, groß, S. z Roß Anm. Die RößkrüEe, plur. die—n,eine große, von Pferden gezogen- Krücke, Gräben und Canäle damit zu reinigen; die Schiamm- krncke. Daher roßkriicken, im gemeinen Leben, einen Fü-ß oder Canal mit dieser Krücke reinigen, und derRoßkrücker, der dazu gebraucht wird. Der Roßkümmel, des—s,plur. inuf. eine dem Küttrmel sehe ähnliche Art des Laserkrautes, welche in dem mittägigen Deut, eh- land wohnet, und dessen Samen in den Apotheken gebraucht wird; I^Llerpirium 8 ilsr l^« In ander» Gegenden führet der Silaw oder Bärwurz, i?s.uosÜLoum äiluusch,. diesen Nahmen, und in noch andern der Schierling. Die Rösskunst, plur. die — künste, eine Kunst, d. i. eine Maschine, ein Göpel, der statt des Wassers von Pferden getriebne wird. Der Rössler, des—-s, plur. M nom. llnZ. ein nur unter der» Wcißgärbern übliches Wort, eine gewisse Secre unter rhucn z>r bezeichnen, welche statt der Schabeisen mit Messern arbeiten, und die Felle an die Wand hängen, anstatt sie über den Sn-ck zu-ziehen. Die übrigen Weißgärber halten sie für Ketzer uni» Pfuscher. DecGrnnd der Benennung ist, wie in mehrere ähnlichen Fällen, dunkel. Vielleicht ist es mit rasseln und. rüsscln gleichbedeutend, das Geräusch auszudrucken, welches sie -er» ihrer Arbeit machen. - s ch, - ' M - Der Rössmarin, S. Rosmarin. - Der Rössmarkt, S. pferoemarkt. Die Rößmühle, plur. die—n, eine Mühle, welche statt des Wassers od»r.Wiudes von Pferden in Bewegung geietzl wikd. Da» - Her der Roßmuller, der Eizenchümer oder Vorgesetzte einer solchen Mühle. Die Rössmünze, S. pferdemünze. Die Rössttüss, plur. dre— nirsse, S. Pferdennff. Dre Röss^Ppel, plur. die-'-n, emo Art großer, den Pappekr ähnlicher Gewächse; von Roß, groß, D. z Roß Anm. 1) Eins Arc des Huflattiches, welche äuchpestclenzwurzpl und Schweiß- wurzel genannt wird ; l uliilu^o j?elntiks 8 l,. 2) Eine Art Malva, cVInloa l,, welche auch Hauspappel genannt wird. Der Rößpfahl, des — es, plur. dre—pfähle, diejenigen Pfähle in einem Lager, woran die Pferde gebunden werden. Die Rößpflaume, plur. die —n, die größte Art PflaEn, de- ren es von rother und von gelber Farce gibt; chcyde werdcii für us» gesimd gehalten, und daher nicht gern in den Gärre» geduldet. Voit Roß, groß, S. Z Roß Anm. ^ Die Rösspoley, plur. »null ein der Pole») .ähnliches Gewcür-S, welches dieselbe aber an Größe.übcrtrifft, und von weichem es mehrere Arten gibt; 8 t nol »/8 il,. Besonders diejenige Art, welche in den schaktigcu Hainen einheimisch ist, und, weil sie vvrt den Bienen fleißig besucht wird, auch B.'enen>aug heißt. Der Rsssfcywanz, des—es, plur. die—-scywänze, eigentlich, der Schwanz eines Pferdes , welchen mau doch lwver den Roßschweif oder pfcrdeschweif nennet. Figürlich und ohne Plural führet wegen einer Ähnlichkeit in oer Gestalt auch der Schachtelhalm, sscjuüetum D diesen Nahmen ; ingleichen der Sadel» baum,^uu 1 perus 8 ubtua 1 -., und der Metrwegctrttt, Mecr- tritt, tüpt>s 6 ra li,. Der Rößsch-wefel, S. Pferdeschwefel» . - Der . Nvß Der Rößschweif, des— es, plur. die — e, der Schweif - d. r. Schwanz, eines Pferdes, in der anständiger!, Sprechart. Bey den Türkischen Kriegesheercn ist der Roßschwe-fdas, was bey andern Armeen die Standarte ist, und alsdann ist es ein an einer Stange befestigter und reichlich verzierter, kunstlicherPferdeschweif. Anch sn Pohlen führet die Leibwache statt der Standarte einen Roßschweif. In dieser Bedcntnng sind die sonst gleichbedeutenden Pferdeschwanz, pserdefchweif, Roßschwanz, mewahls üblich. In dcrNatnrgeschichtc drrNencrn wird auch ein gewissrSeefisch, der zu dem G. schlechte der Meerhusen, Schiffsauger, u.s.f. gehöret, aber von besendercr Schönheit ist, Cr^oiletus der Roßschweifgenannt, so wir im Pflanzenreiche die unter demNah- men des Roßschwanzes bekannten Pflanzen in manchen Gegenden auch unter diesem Vorkommen. ^ DteRößssanye, plur. die — u, an den Stühlen der Strumpfwirker, S. 2 Roß. DerRößftein, des —es, plur. die—e, S. Pferdestein. Der Rößtckuscher, des — s, züor. ut vom. lrnZ. von tauschen, und nicht, wie Gottsched will, von tauschen, betragen, ein Pferdehändler, dessen Handel vornehmlich im Tausche, der ältesten Art des Handels, bestehet, und in weiterer Bedeutung, ein jeder Pferdehändler, S.Roßkainm. DieRoßwerde, piu.r.die—n, eine Art Weiden, welche ein , sehr brüchiges Hsiz hat, und daher auch Bruchweide,Glasweide, Sprolkweide, Rnacki-rwcLdegenalM wird ; 6sirx trsgilis s,. Cs scheinet, daß die erste Hälfte hier zu reißen gehöret, um eben diese brüchige Eigenschaft gleichfalls suszndrucken. r. Der Rost, des—es, jüur.inus. ein in einigen Gegenden für Rooß übliches Wort, die Wachsscheiben oder das Gewirkin einem Bienenstockes bezeichne«. Die wir (Birnen) stets mit Runst beschäftigt sind, Laß unser Rost von 6snig rinnt, Gell. S. Rooß. Z. Der Rost, des — es, plur. die Röste, ein nur noch in wenig Fällen übliches Wort, welches den Begriffdec Höhlung, des hoh- ilen, sich m die Länge erstreckenden Raumes zu haben scheinet. Nach dem Frisch war der Rost vor Alters ein Waffergebände in «inem Flusse, das Wasser einen andernGang zu leiten, in welchem' Verstände auch da» mittlere Lat. RoÜn bey dem Du Fr.esne vor- Esmmr. Im Bergbaue scheinet es noch in ähnlicher Bedeutung üblich zu ftyn. Nach MinerophiliBergwerks- Lcxicon heiße einen Rost treiben, „einen Stollen treiben, der z oder 6 Lachter ein- g,kommt, oder tiefer als auf, z oder 18 Lacht/r;" aus welcher Unvollständigen Erklärung doch nicht zu ersehen ist, woraufes hier «rgeutlich aykommt. Jndeffu ist die Bedeutung eines Canalcs U.s.f. dem Worte völlig angemessen, welche es als ein Ablömm- Ling von dem noch irü Oberdeutschen üblichen Rießj ein Fluß, riesen, stießen, u. s. s. gar wohl leidet. S. Riese, Rieseln , Reuse und 5 Rost. Z. Der Rost, des—es, plur. die Röste, ein Gitterwerk X doch nur noch in einigen eizelnen Fällen, es bestehe nun ein solches Gitter bloß aus einfachen, parallellaufenden Stäben, oder auch aus -"solchen, welche einander kreuzweise durchscbneiden. So wurde ehedem das Gitter oder Fenster vor einem Helme der äelmrost oder nur Rost schlechthin genannt. In manchen Gegenden pflegt man rn de« ^ssenen Thüren der Kirchhöfe Gruben zu graben, und einen «eisernen, aus lreuzweisen Stäben bestehenden Rost darüber zu decken, dgmit zwar Menschen .aberkein ViehHarüb-r gehen könne. Im Bauwesen rfl der Rost ein lwlzerner Grund auf weichen vder sl achten Boden, welcher aus mehreru kr euzweise gesch Lnk- Lry und fest mit einander verbundenen Schwellen oezimme! t wird, uitd oft aufeinZcjchlHZkttrii^ulchpsählen ruhet. Aus einen solche» Rost 1163 Rost wirb alsdann das ganze Gebäude gefttzet. Auf den Fenether, den, in der- Ölen und allen Anstalten, wo man Feuer breni-t, hat mau gleichfalls Rost? welche entweder aus bloß einfachen parallelen, oder anch ans kreuzweise gelegten eisernen Stäben bestehen, woraus das Holz gelegt wird, damit dreAschc und oft auch die Koh. len im Verbrennen durch den Rost in d. n unter demselben befindlichen hohlen Raum fallen. In den Küchen ist der Rost oderBrat- rost ein bewegliches, eisernes Gitter auf Fußen mit einem Stiele, aücrlry Speisen über Kühlen darauf zu rosten. Und so vielleicht noch in andern Fällen mehr. Anw. Jur Niederst R. ste, im Schwed. Rost, im Pohluischc» Rol^t, im Böhm. Rollt. Gemeiniglich hält man die Bedeutung eines Bratrostes für die erste und ursprüngliche, leitet selbige von rosten ab, und stehet alle übrige Fälle als Figuren derselben an. Das Osnabruck.Röster undHoÜänd.Roolier, cinBrarrost, starn« men ohne Zweifel von diesem Zeüworte ab, und bedeuten, vermöge der Ablcitungssylbe—er, rin Werkzeug zum Rösten. Allein unser Rost hat zuverlässig einen höher« Ursprung, und ist ein Abkömmling von dem Zeitworte reisen, welches unter andern auch eine Bewegung in die Länge bedeutet, so daß es ein naher Verwandter von Reis, Sprosse u. st s. ist, und zunächst die taugen - Stäbe bezeichnet, woraus eilt Rost bestehet. Da s und t immer mit einander abwcchseln, und für seifen auch reiten üblich war, so stehet man bald, baß das Lat. Rnckius, unser Ruche, Reitel, das Lat. Rete, und mit Vorgesetztem Gaumenlaute auch Lrntes und Grsticuln, ein Rost, riebst hundert andern mehr zu dieser Verwandtschaft gehören. Überhaupt ist das Zeitwort reisen, welches ehedem eine Bewegung nach allen Richtungen be-zeichm.tr, das Stammwoct von allen diesen Wörtern, welche Rost lauten, so ver, schicdenc Dinge sie auch dem ersten Anscheine nach bezeichnen. S. , Reisen 2l«m. ^ H. Der Ross, des-7-es, Plur. doch nur zuweilen von mchrern Arten, die-—e. ?) An den Metallen iss der Rost eine rauhe Erde, welche durch die Wixkung der Luft und des Wassers aus ihrer Mischung gcsetzet wird, und sich als ein rauher, zuweilen lockerer Körper außen an die Metalle ansetzet. Alle Metalle, welche einer solchen Auflösung fähig sind, fetzen daher auch einen Rost an. Lcr Rupferrost, welcher von grüner Farbe ist, und am häufigsten Grünspan heißt. Der Vlcprost, welcher eine weiße Farbe hat, und von welchem das Bleprveiß eine Art ist. Am bekanntesten und hänstgsteir ist der Eisenrost, welcher nur der Rost schlechthin genannt wird, weil das Ersen dieser Auflösung am meisten ausge- setzet iss, und eine braukie oder bräunlich rothe Farbe hat. der Rost zerfrißt das Eisen, obgleich solches nicht physisch richtig ist, indem der Rosi bloß die Wirkung der von der Luft oder demWaffer bewirkten Zerfressnng oder Auflösung ist. Dem Roste ausgesetzet fcpn. Rost setzen oder ansetzen, Rost bekommen. 2 ) Zu weiterer Bedeutung ist der Rost zuweilen ein gemeiniglich schwärzlicher oder bräunlicher Staub, welcher sich in manchen Fällen von außen an die Körper ansetzet. So ist im Bergbaue der Rost eine im Wasser aufgelösete Steinaxt, so fern sie mit dem Wasser ans den Gängen läuft, und sich als eine Rinde an das Gestein ansetzet; erzeugt sie sich aus herab tröpfelndem, mit Kslktheilcheii gcschwän- gerten Wasser, so heißt sie Sinter. In demGewächsreiche ist der Rost ein Nähme verschiedener fehlerhafter Zufälle. Bey dem Ge« treib - ist es ein gelbrother, kleberiger Staub, der sich an den Halm und Balg hängt, und das Korn austrocknet. An einigen Orten uennet man ihn den Mehirhau, vermuthljch weil man ihn von demselbcmherleiter, und an noch andern den Brand, ungeachtet er eigentlich der erstcGrund des eigentlichcnBraudes zu seyn scheinet. Im Französ. heißt er kouijls, im Ztal. RoobttZs, und im Engl. iVliläevv, Dch. Blumisten uilrerscheidkn an den N lls« L 169 N H A hen selben Rost von dem weißen. Der letztere ist ein weißer Flecken au den Blattern der Nelken, welcher immer weiter um sich frißt, unb der Mauze endlich den Tod bringt. Der gelbe Rost betrifft zunächst die Wurzel, und ist eigentlich der erste Grad der Fälllniß, wobey sie eine gelbe Färbebekommt. Oft zeiget sich auf den Blättern der Baume ein braunes Pulver, welches man gleichfalls den Rost nennt z und so vielleicht noch in andern Fällen mehr. Anm. In der ersten Bedeutung bcy dem Kero kolomon, im Tatran schon Kott, im Niederst Angelst Engl, kutt, im Dan. und Schwed. Kott,im Ungar, koscka, imFiuul. kuoüe, im Pohl», kckra, im Böhm. ker. Mit andern zum Theil verwandten Cnd- lautcu im Island. Kick, im Wallis. Kttrvck, kiLr^ckni, im Latein. Kubixo, im Jtal. kubrzille, kußAioe, im Franz. Kouille, imAugelstksZu; wohin auch dieLar.^eruZo und llerruZo gehören, und im Griech. kyua'a'rsti,» wo gu- die Stammsilbe ist. Der gemeinsten Meinung nach hat der Rosi feinen Nahmen von der rothlichcn, rothbraunen Farbe des Eifenrostes,als der häufigsten Art; und diese Ableitung har üllerdiuzS vieles für sich. Noch wahrscheinlicher ist die Ableitung von rauh und xauch, der wesentlichen Eigenschaft aller von dem Roste angegriffenen Körper, welcherBegriff sich mit veränderten Endlauten auch m Räude, §ruße, Ärätze u. s. s. befindet. Allein cs gibt der Begriff der Auflösung, der Zerfressuug einen noch weit bequemer« Stammbegriff ab, da es denn mit dem Niederdeutschen Neutro rotten, verwesen, Holland, roettea, Eines Stammes seyn würde. Siehe Reißen, Pressen, 2 Rösten, Rosten und Rotten. ^. Der Rosi, des—es, plur. die Röste, ein Wort, welches ursprünglich eine Erhöhung, einen Haufen bedeutet, aber nur noch in einigen Fallen üblich ist. Wenn attf den Hamburgrfchen Kolz- göllen die Eaiüte der Rost genannt wird, so .schsinest damit auf die^rhöheteLage derselben gezieltt zu ftyn, wenn nicht vielmehr der hohle, bedeckte Raum der Stammbegriff ist, da cs denn zu 1 Rost gehören würde. Am üblichsten ist es im Bergbane, wo der ->d Rost ein aus wechselsweise geschichtetem Erze, Holz und Kshlen zubeceiteter Haufen ist,nach angezündetemHolze denSchwefel und andere räuberischen Unarten aus den Erzen zu vertreiben, welche Arbeit röste" genannt wird, (S. dasselbe.) Einen Rost betten^ ihn aus Erz und Holz zubereiten. Den Rost abziehen , das genug gebrannte Erz.heraus ziehen. Figürlich istdaselost -er Rost theils das auf diese Art geröstete Erz, Len Rost aufsetzen, das geröstete Erz in den Schmelzofen trügen; cheils auch diejenige Quantität Erz, Holz und Kohlen, welche gemeiniglich zu emem Roste genommen wird. Ern Rost Zwitter ist in dem Meißnischen Erzgebirge eine Quantität von 60 Fudern, jedes Fuder zu Z Karren gerechnet. Ein Rost Schlich hält Zo Zentner, wo der Begriff des' Röstens gar nicht Statt findet, indem her Schlick nicht geröstet wird, so daß hier bloß der Begriff der Menge in Betrachtung kommen kann. Auch bcp dem Brennen des Kalkes ist der Rost.ein von Kalksteinen und Holz aufgefnbrtcr Haufen, dreer- ßcru is Ermangelung eines KalkoftnS Zu brennen, da denn diejenige Quantität Kalksteine, welche auf cm Mahl gebrennrt wird, gleichfalls ein Rost, Äalkroff und im Lüneburg, die Riese heißt. Anm. Auch hier leitet man das Wort unmittelbar von dem Zeitwerte rösten her, obgleich die Ähnlichkeit beyder nur zufällig juftyn scheinet. Rost ist viel,ml-r ein altes Wort, welches unter den gewöhnlichen zufäll gen Veränderungen überall vorkommt, und eine Erhöhung, inen Haufen, eine Menge u. f. f. bedeutet. I» vielen Französ. Provinzen ist Kea/ls, llKrstte, ein Holz- Hausen, m welchen! Verstände im mittler nLat. auch ffareM» und Isurvci u m Vorkommen. (S. Riefe, Rieß, R istj in welchen aller» ein ähnlicher Begriff herrscht.) DasStammwori ist wieder reifen, Adei.w.L.Z.TH. 2,Auff. Rost oder rresen, fs fern es zunächst eine Bewegung in dirHöhe bezeichnet, S. Reisen Anm. Das Rostbett, des—es, plur. die—en, im Hüttenbaue, dee Platz, auf welchem ein Rost zubereitet wird, und zuweilen such der Rost selbst, S. das vorige. Der Rosibrenner, des — s, xlur. iztnom. stox. eben daselbst- derjenige Arbeiter, der das Rösten der Erze verrichtet. Die Roftöörner, ttnA.iüus. eben daseibst, Dorner, d. t. kleine Abgänge, Abfälle, welche imRöften-des Erzes von demselben ab- fasten, und allemahl besonders ausgeschmelzet werden. Die Roste, pttir. die — n, ein theils mit Z Rost gleichbedeutendes, »Heils unmittelbar von rosten abgeleitetes Wort. 1) Zm Huttenbaue ist die Röste-der zubereitete Platz, in welchem sich das .Rostbett mit dem Roste befindet, die Rsststatte; da denn auch der Rost selbst zuweilen diesen Nahmen führet. In eimgenGegen- Hen wird auch derRalkrost, (S. z Rost,) die Röste, und rttrch einer verderbten Aussprache die Riese genannt. 2) Zn der Land- wirchschaft ist die Röste derjenige Ott in einem Flusse oder Teiche, worin Flachs und Hanf geröstet wird ; im Niederfdie R ö'ke, Rate, Rode, (S. Rösten.) Wenn aber auch der ganze Haufen F achs, welcher auf Ein Mahl in die Röste gelegt wird, diesen Nahmen führet, fo scheinet es zunächst zu 5 Rost, ein Haufen, zu gehören. 3) In dem Grappbaue und Grapphandcl ist die Röste derjenige Grapp, der aus der Rinde und den kleinen Wurzeln zubereitct wird, zum Unterschiede von dem Grapp in engerer Bedeutung, der aus dem Marke der Wurzel bestehet. Zn dieser Bedeutung scheinet noch ein anderer Begriff der herkschende und ursprüngliche zu seyn. S. Rothe 2. Rosten, ver b.reA. neutr. welches dasHülfswort haben bekommt. 1) In der weitesten, und allein Ansehen nach ersten Bedeutung, verwesen, durch innere Auflösung der Theile zerstöret werden. Es ist in dieser Bedeutung im Hochdeutschen zwar veraltet; allein die sprichwörtliche A. A. alte-Liebe rostet nicht, höret so leicht nicht auf, ist gewiß noch ein Überbleibsel davon, weil sic zu ungewöhnlich und seltsam seyn würde, wenn sic bloß eine Figur der folgenden Bedeutungsepn sollte. s)Zm enger» und gewöhulichern Verstände ist rosten nur noch von de« Metallen üblich, wenn sie von den in d^rLuft und in dem Wasser hesindlichenSatzthrilchenaufge- lö'ct und zerstöret werden, da sich denn die zurück gebliebene gröbere Erde als eine rauhe Rinde ansetzet. Das Erken rostet, s» wie alle unedle Metalle. Gold rostet nicht, weil die Salzcheil- cheu keine Gewalt über dasselbe haben. So auch das Rosten. Anm. In dieser enger« Bedeutung im Niedcrs. rüsten, und intensive rustern. Die ehemahlige erflere Bedeutung ist aus Mehrern Gründen erweislich. Bep dem Norker heißt es Kap.»5: inin I/iottäino as kulet, oott nö rorsst, mein Leichnam fau- krt und Verweser nicht, aber nicht, wie es Schitter übersetze^ rne- um crrrsius nov putrelLit vL^uetooter, we,lHieBede«tuns des Stiurens unerwcislich ist. Am Holland, ist roetten noch jetzt verwesen, verfaulen, wofür die Niederdeutschen mir dem ihnen ge- x wohnlichen r rotten, und von dem Klachft röchen, sagen. In diesem weiter» Verstände ist rosten oasMcmrum vou dem folgenden Activo ^lösten, verwesen machen. Da dpr Begriff der Verwesung aber nur eine Figur von einem mehr in -as Gehör-fallenden Stammbegriff ist, so Meinet reißen, das Jurensivun: von rei: sen, das Stamnuvort zu kenn, da denn das Zerrinnen, das aus einander Fließen verwesender Körper, oder das Zernagen, das Zerfressen derselben qngedentet werden würde. r. Rosten, verk. reZ. not. welches das Factitivum des vorigen ist, und eigentlich das verwesen machen bedeutet,, aber nur von hem geringsten Grade der Verwesung, der mehr in einem mürbe werden bestehet, in der Laudwirthfchaft übttch ist. MM röstet Las Eeee LI/*- Rvst sbgehaueneoderabgeschukttene Getreide, wenn man es emigrTa- ge auf dem Schwaden liegen läßt, damit es von demLhaue oder Regen befeuchtet werde, und fich hernach desto besser dreschen lasse, wo das Wort in Meißen auch r eschen lautet. Noch häufiger röstet man den Flachs, wenn mau ihn, nachdem er gerauft worden, so langein der Feuchtigkeit liegen läßt, bis der äußere Bast mürbe wird, und sich gewisser Maßen zerreiben läßt. Dieses Rösten ge- fchiehet entweder so, daß mau ihn verschiedene Nächte auf einer Wiese ausbreitet, damit er von dem Thaue benetzet und gedeihet Werde, oderauch dadurch, daß man ihn in Haufen in einen Fmß oder Teich leget, und oben mit schweren Körpern beleget. Flachs rosten, äanf rÄen. Oer Flachs ist ^enug geröstet. So anch das Rösten. Anm. Im Niedres, besonders in besetzten Bedeutung, röchen uud raten. Da die Wirkung, welche das Rösten hervor bringet, der erste Grad der Verwesung ist, so ist wohl überwiegend wahrscheinlich, daß dieser Begriffhier der herrschende ist, daher auch völlig verwesen, im Niederst inten^ve, mit dem verdoppelten t, rotten heißt. ^ "Rosten, verb. rsZ. act. Lt neechr. welches im letzter« Falle da- " Hülfsmort haben bekommt, und zunächst ei«e Oilomatopöie ist. r) Eigentlich, über einem raschen Kohtfeuec auf einem Roste oder in einer Pfanne braten; wo es eine unmittelbare Nachahmung, de- Lautes ist, mit welchem dieses Rösten, besonders fetter Körper, gemeiniglich verbunden ist, obgleich in manchen Fällen dafür braten und im gemeinen Leben kreischen üblicher find. Brot in Butter rosten. Ist dein Speisopfer etwas auf dem Roste gerostet, Z Mos. 2, 7. 2) I» weiterer Bedeutung, vermittelst eines mäßigen Feuer-schnell aüstrockuen, ohne doch den Körper zu verbrennen; welches ein höherer Grad desDörrens, und bey manchen Körpern ein geringerer Grad desBratens ist, und wofnrma» in vielen Fällen auch das allgemeinere brennen gebraucht. Raffch rösten, ihn brennen. Mehl rösten, in der Pfanne. Brot rösten. Geröstetes Brok. Gerostete Luchen, Z Mos. 7, r», z) Ja noch weiterer Bedeutung ist das Rösten im Hkittenbaue die erste Bearbeitung der Erze vermittelst de- JencrS, da die räuberischen wilden Unarten vermittelst des Kohlen- oder Holzfeuers aus den Erzen getrieben werden, worauf das erste eigentliche Schmelzen vorgenommen werden kann. (S.5R08,) welches einen solchen zum Rösten bestimmten Erzhausen bedeutet, wo aber der Gleichlaut in bepden bloß zufällig ist. Diese Arbeit heißt rösten, entweder in der Bedeutung des vorigen Zeitwortes, so fern es mürbe machen überhaupt bedeutet, weil die Erze durch das Rösten wirklich mürber und schmelzbarer werden, oder auch nach eben der Figur, nach welcher das Darren oder Dorren im Hikrenbane auch von einer Art des Schmelzens gebraucht wird. Die Verkleinerung ist bey verschiedenen Arbeitern eineeben so häufige Figur, als in andern Fällen dieVergrößerimg; jene sagt weniger, diese aber mehr, als man wirklich sagen will. So anch das Rösten und zuweilen auch die Röstung. Anm. In der ersten und zweyttn Bedeutung bey dem Notker -nd im Tatian schon roÜLN, im Schwed, rostn, im Wallis. rkoÜtr.im Bretagn.rkoll, im Engl. to roll, im Irak, rottirs, im Franz, rolir, ehedem roliir, im Böhmischen rortLli, welche aber ittSgesammt auch braten bedeuten, welches vermittelst der gewöhnlichen Verwechselung des s und e, und dem Vorgesetzten, hier vermuthlich intensiven Blaselaure, selbst davon absiammet. Der Röster, des — s, xlur. ur norn. im Bergbaue, ein Arbeiter, welcher das Rösten besorgt; der Roftbrenner. Das Rostholz, des-—es, plur. inuf. eben daselbst, das zum Rösten der Erze dienliche und bestimmte Holz, welches in Scheue zu fünf Ellen lang geschlagen wird. . - . Rok L172 Rostig, -— er, — ste, a 6 j. er aöv. von 4 Rost, r) Rost ha. beud, mir Rost bedeckt. Ein rostiges Eisen. Rostig ftpn, werden. Im gemeinen Leben, besonders NiederstchsenS, rosterig, rusterig. s) Rost, d. i. aufgelöster metallische Erde, enthaltend. So pflegen dieLandleute einiger Gegenden die eisenhaltigen Wasser rostige Wasser zu nennen, weil sie die bey sich führenden Eisen, theile zuweilen in Gestalt eines Rostes fallen lassen. Der Rostläufer, des—s, xlur. ut nom. üv§. im Hiittenbarre, ein Arbeiter, der das geröstete Erz aus denRösten in denSchmelz, ofen läuft, d. i. trägt oder fahrt. Der Rostofen, des—s, xtur. die— öfen, eben daselbst, ein Ofen von drey niedrigcrrMauern, worin die Erze geröstet werdenz die Röststätte. Der Rostpfahl , des — es , xlur. die — pfähle , S. Roßschwelle. Die Röstpfanne, xlur. die — n, in den Küchen, eine eiserne Pfanne, Mehl u. s. f. darin zu rösten. I« weiterer Bedeutung führöt in einigen Gegenden auch die Bratpfanne diesen Nahmen. Die RostfchlaEe, xlur. die—n, in denjenigen Gegenden, w, man das Kupferblech zu rösten pflegt, diejcnigenSchlacken, welch« bey diesem Rösten entstehen. Die Roststchwelle, xlur. die—n, im Bauwesen ^ diejenigen Schwellen,oder starken Zimmerhölzer, welche einen Rost im Bauwesen ausmachen, und welche aufden Rost. oder Grundpfählen ruhen. G. Z Rost. Der Roststab, des — es, xlur. die—stäbe, eiserne Stäbe, woraus der Rost eineS Herdes, Ofens u. s. f. bestehet, S. z Rost. Die Röststätte, xlur. die — n, S. Röste und Röstofen. Der Rostwender, des — s, xlur.ut vo«n. kvZ. im Hüttenbaue, ein Arbeiter, der deu Rost wendet, d. i. das untenliegende Erz heraus ziehet und es oben anfstürzet, damit alles gleich durch- gcröstct werde. Roth, rother, röcheste, a 6 j.et aä v. welches der Nähme einer lebhaften Farbe, und einer Eigenschaft der Körper ist, nach welcher sie diese Farbe an sich haben, wo doch nicht einerley Farbe mit diesem Worte bezeichnet wird. So bedeutet es zuweilen, »)* Hochgelb, so wie die Farbe des Goldes ist. Vonrotüem »ßoläs, indem alten Fragmente auf Carln den Großen bey dem Schiller, wo es in dieser Bedeutung mchrmahls vopksmmt. So wollt er in viel guldein rot geben, Theuerd. Kap. 87 , viele goldene Gulden, oder Gsldgulden. Im Hochdeutschen ist es in dieser Bedeutung veraltet, aber im Niedxrs. nennet man de« Branntwein noch roß, d. i. roll), wenn er hochgelb ist. 2) Braun, besonders gelblich braun, ingleichen röthlich braun. Dahin gehöret die röche Luh bey dem Muses, eigentlich eine gelbbraune Kuh, und Esaus rothes^lnsengencht, ' Mos. 2z. Zo. Das rorhe Wildbret oder Rochwrldbret der Jäger, d. i. Hirsche und Hiesch- . kübe, zum Unterschiede so wohl von dem Damwildbrete als auch von dem schwarzen Wildbrete. Im gemeinen Leben wird es noch / sehr häufig für brau» und röthlich braun gebraucht. 3) Am gewöhnlichsten ist roth decNahme einer einfachen hohenHauptfarbe, welche in der Ordnung die siebente ist, rmd sich nach den ihr beyge- mischten andern Farben unter sehr vielerlcy Abänderungen zeigt, die man durch fcharlqchrorh, blutroth,Iupferroch, carminroth, carmestnreth, sseischroth, braunroth, hochroth, rosenroth,^ hellroth u. s.f. ansdrucht, welche Stufen im gemeinen Lebe«, wenn auf ihre genaue Bestimmung nichts ankommt, n«r roth schlechthin nennet. Em vorher Lspf, roehcs 6 aar. Rother Wein. Ei n roch es Tuch. Ein rother Mund. Roche ÄP- pen, röche Wangen. Roch werden, roch sepn. Man wird roth, ws,m die Gesichtsfarbe rörher wird, weiches so wohl durch ben mechanischen Trieb des Blutes uach dem Kopfe, als auch in allerltip "73 Rot R o-t r r/4 glkrley Empfindungen geschiehet. Sie wollen gewiß schm, ob rch bep einer Lobeserhebung noch roch werde, Gell. Dieß «ües sagst du mix und wirst nicht einmahl roch? eöend. Vor Scham roch werden, druckt Maniu der edleru Schreibart durch -rrörhen aus. Die röche Ruhr, eine Krankheit, (S. Ruhr.) Las wahre Roche Tobte, im Bergbaue, die röthliche Laube Lrdart, welche die unterste Schicht in allen Flötzgebirgen ans» macht, und von allen metallischen Theilen leer ist. In eimaen Gegenden, wo der große Hanfe in der Einbildung strbet, daß sich die Wanzen vermehren, wenn man sie Hey ihrem rechten Nahmen nennt, gebraucht derselbe dafür den Ausdruck das Rothe. Sehr häufig wird auch das Adverbium in Gestalt eines Hauptwortes gebraucht, so wohl die röche Beschaffenheit eines Dinges, als auch einen rochen Farbenkörper zu bezeichnen, da es denn, wie alle Adverbia, in diesem Falle indeklinabel ist, im Plural aber gar nicht gebraucht werden kann; für dir Rothe. Das feinste Rorh hob so schnell die Weiße ihrer Laut. Das Abendroth, Mor- genrorh. Ein glühend Roth umfärbte seine Wangen, Ha;ed» Anm. Schon bey dem Dttfried rot, im Niederst rood, in den gröber« Mundarten raut, im Schweb, rück, im Island, ruuckur, im Angelst reust, im Engl. reck, im Wallis, rkirckst, im Lat. rutüus, imGeiech »§,vAox. Im Arabisch, ist irueststos gleichfalls roth ftyn, und liostou die Blntspuv. Mit andern Endlauten heißt roth un Niederst auch roß, im Holland. rv 5 , im Lat. rullus, im Jtal. rollo, im Franz, roux und rouIe, im Engl, rüstet, im Griech. (S. » und 2 Rose,^ und im Pohln. ru miaute. Da dre Bedeutung einer Art Farbe nur eine figürliche ist, so ist cs schwer auszumachcn, welches die erste und eigentliche ist. Vermnthlich ist cs der Begriff der schnellen Bewc- gung, weil doch die röche Farbe eine der lebhaftesten ist, welche die Gesichtsnerven am stärksten rühret; und alsdann würde dieses Wort zu den Abkömmlingen der Zeitwörter reiten und reifen gehören. Die Rothä'nke, plur. die —n, G.Rsrhhals. D«s Rothauge, der — s, plur.die — n, eine Art Weißfischs welche demPwtze ähnlich ist, außer daß ihre Schuppen eine merkliche Röche spiölcn, dagegen jene silberweiß ist; L^prinus ruti- lual-. in der Mark Brandenburg Rsdaun, in andern Gegenden Rorhlmg. Sie hat den Nähme» von dem rochen Ringe um die Augen, und ist im gemeinen Leben bald männlichen, bald auch weiblichen Geschlechtes, der Rochauge, dir Rothaug?. In einigen Gegenden, besonders in Dbersachss» , ist auch die Roth- feder unter diesem Nahmen bekannt. RothbaErA, -— er, — ste, ach. etackv. röche Backen habend» Der Rothbart, des— es, plur: die—barte, i>Eine Person männlichen Geschlechtes mit einem rochen Barte; doch jetzt nur noch im gemeinen Leben und im verächtlichen Verstände. 2) In einigen Gegenden führet auch die Barbe, ein bekanttcerFlußfisch, Ov^riuusbarhu''I,, wegen feiner rochen Bartfäden den Nahmen Rothbart. 3) Unter dem Vogelgeschlechre ist der Rothbart eine Art grauer wilder Auren mit einer wellenförmigen Brust, einem blntrothen Schnabel und einem zinuoberrsthen Kinne und Halse; ksrs Arifco eolore etc. k/o^r. Jngleichen das Rothkehlcheu. Rothbartig, —er, —ste, a 6 ). er ackv» einen rochen Bart habend. -- Der RothbaueH, des—es, plur. die—bäuche. ») Eine Art Spechte mit ganz rothem l undNacken einem bunterrRücken mir weißen »nd schwarzen Streifen, »nd emem grauen Bauche, der aber mit rochen Flecken gezleret ist; ?icus venire rubrc» 2)Ejn Nähme des Blattkehlchcns; ^lodscillL oicurus b,. Der Rothbaum, des — es, plvNt dic—bäume, in einigen Gegrüben, ein Nähme des Lärchcnbaumes; k^inus^rix Das Rothdein, des —es, plur. dw — e, eine Art Strand» läufcr rnic rochen Beine»; Roihfrißel. Das RoLhveinholz, de« — es, plur. i nul'. in einigen Gegenden, em RaMe des Hartriegels; Oornus LsvgujveL L-. Der Rothbmöer, des —s, xlur. ut vorn. linß. eiu Nähme, welchen in einigen Gegenden diejenigen Faßbinder oderBötticker führcn, welche gr oße Besäße aus dem Harkern und röthlichen Eichen- und Büchenholze verfertigen, und auch Gchwarzblnder, Großkinder und Riifner heißen; alles zum lluterschiede von de» Weißbindern. Die Rothbirke, plur. dir—N, eine Abänderung der gemeine» weißen Birke mit röchlich'er Rinde; Wafferbirkr. Die Rothbinr, plur. die — en, eine Art fartröther, bauchiges Birnen, an einem langen Skiele; ßrankfurter Birn. Rothbraun, astj. et ust v. eine in das Rothe fallende brauneFarbe, ein mit Roth vermischtes Braun. Lin rochbraunes Pferd. RöthbrüchiZ,H- er, — ße, sstj. 6 t sstv. 1) Rothbrüchiges Eisen, bey den Eisenarbeitern und im Hüttenbaue, ein Eisen, welches, wenn es rothglvhend ist, leicht ukter dem Hammer zerbricht, kalt aber zäher und dehnbarer ist; zum Unterschiede vo« dem kaltbruchigen Eisen. Schwed, röckbraekt. 2) Im Forst- wchen heißt ein Baum rothbrüchig, wenn er nach dem Kunc z» schadhaft, spröde und röchlich wird, welches auch xochfaol, rorl-s» seitig und rohmig oder rohmicht heißt. Das Rothbrüstchen,RothbrMem,Rothbriistel, S.Roth» kehlchen. Die Röthbuche, plur. die — n, eine Art Buchen, deren Holl eine dunklere und röthecc Farbe hat, als die Weißbuche; ^^.us kylv-itics l,. Mastbuche, Tragebnche. (S. Buche.) Daher das Bey, und Nebcuwort rorhbüchen. Rorhbucheues äc>lz. Die Roth-ocke, S. Birkenpilz. Die Rothöryssel, xiur. die-—n, ein Nähme derWeindrosse! i» einige« Gegenden , weil sie unterden Klügeln roth ist, S. wein- droffel. Die Rothe, plur. raus. 1. Das Abffraetnm von Lew Bsp- und- Rebenwocte roth, die rethe Farbe eines Körpers; wo cs doch nicht ohne alle Einschränkung Mich ist. Für, das ist eine schone Rothe, sagt man lieber ein schönes Roth. Am üblichsten ist es von der cothenDarbe des menschlichen Körpers und besonders deS Gesichts. Die Rothe der Augen, einer Geschwulst. Das trieb mir die Rothe in das Erficht. Wie schön die Rothe fie Neidet i Daher die Schamvöche. (S. auch Abendröche und Mor- genröthc.) 2^ Ein rother Farbenkörver und in noch weitn-cp B'deutimg ein rothcs Ding; wo es doch nnr in emigen Füllen «blich ist. > ^ Oer G rapp, eine bekannte Pflanze zum Färben, wird häufig Röche und Färberröthe genannt, besonders nachdem sie gehörig zubereitet worden. Die Breslauer Röche ist eins solche Art zubcrcikctrnGrappes, welcher in Schlesien gebausi-u-ch aus Breslau verführet wird. In engerer Bedeutung hrißt die aus der Wurzel zuerst bereitete Art Rothe, und die zweyte aus dem Kerne bereitete Arl Trapp. (S. Roste.) Auch eine Art Wald- m ister, ^spsruls tiueloria L,. welche auch zum Färben gebraucht wird, ist unter dem Nahmen der wilden Rothe oder des? Bergröche bekannt. 2) Im gemeinen Leben Heißt das Herzgespann in einigen Gegenden die Rothe, S. Herzgespann. Anm. Das Niedcrsüchfische und auch iu einigen Oberdeutsche,* Spenden übliche Roche, vo« eitlrx Art -er Bchandluuz des Eeec - Flachses,. r ii/L Rot Flachses, gehöret nicht hierher, sonder« zu dem Riederf. raten, roten, faulen. S.Röße, welches der eigentliche Hochdeutsche Ausdruck ist. DieRstheiche, plur. die—n, die gemeine Loh- oder änsel- ceiche, welche auch vicreiche und Wintereiche heißt, und ein dunkleres Holz hat, als die ihr entgegen gesetzte Sommereiche, Stein- riche.LriHriche oder Franeneichr. Linuee begreift öepdc Arten Witter dem Nahmen tzuercus klodur. UnserrRokheiche wird in der Schweiz Zarteiche und Grüneiche, uitscre Steiueiche aber Wahleiche genannt. DerRöthel, des — s, plur. doch nur von mehrern A^ten, ut zaom. LruZ.ein Wort, welches vermöge der Ableit,rngssylbe^—el, ^incn rothen Körper, ein rothes Ding bezeichnet, aber nur von Liner rothbraunen eisenschüssigen und abfärbenden Art Gpeckstci« «es üblich ist, welcher von-rnMahlcru^Zimmecleuten und Künstlern zum Zeichnen gebrar wird ; K ubrica, Rörhclstein, im Kemcrnen Leven auch Rochnein, und in einem alten Vocabularis von r 482 Trutsteln, Engl. klyckckle. Das Röthebem, dxs—s, plur. ut nom. 6r,Z. S. r Rothfohre. DerRöthelyepeL, des—s, plur. ul, nom. eine Art Geyer, welche sich aufKirchthiirmen und in altem Mauerwcrke aufhält «nd sich von Mansen und jungen Vögeln nähret. Oie erste Hälfte Lieses Nahmetts gehöret nicht zu roch, sondern zunächst z» rüt- reln/ als eine Nachahmung feines unangenehmen Geschreyes, daher eranchRttkeigcper, im Franz. Orecerelle, in der Provence kAtie r, und im Latejn. (^rscella, liQvuvculus heißt. Die ZtaliLnprnennen ihn k'oitlveatr. DreRöthefn, ssnZ. raus, eine in einigen Gegenden übliche Benennung derjenigen Krankheit, welche im Hochdeutschen.unter Leur Nahmen der Masern am bekanntesten ist, wegen der mit denselben verbundenen rothen Flecke aufder Haut. (G. Majer.) Im Nie- dcrfichsischcn heißen sie die Rirteln, im Ital.Koüelle, k.osolie, llolkole. DerRöthelstem, des — es, plur. laus. S. Rö'thel. r. Röthen, verb-reZ act. welches is den Nivderdeutschen Mundo arten für r osten üblich ist, S.» Tosten- s. Röthen, verb. reZ. welches von roch abstammet, und in dop, pelter Gestalt üblich ist. ,) Als ein Neutrum, roch werden z wo es doch nur selten vorkommt. Die Apfel rochen schon, in eini- gen Gegenden. Am üblichsten ist es in dem zusammen gefetzte« «-rr-chen, (S. dasselbe.) s) Als ein Actlvum, roch mache«, he. sonders in der dichterischen Schreibart. Siehe, wie schön dev Abend die Berge röchet, Gsßn. Und ein GotEs, der der Bergs Spitzen Rother mit Blitzen, Hall. Zwar schien von Scham ein kleiner Überrest Ihn noch zu röchen, Schleg. Ungleichen als ein Reciprocum. wenn in den Strahlen -es Sommers sich die Ebene röchet, Giescke. Bey einigen Metallarbeitern röchet das Zeuer den Vfen oder das Eisen, wenn es selbig« roch glühend macht. Daher das Röthen. Dts Rsrherle, pl>rr. die—,r. ein Nähme unserer gemeinen Erle, wegen ihres rötblichen Holzes, zum Unterschiede von den weißer» ausländischen Arten. Rothfcml, ach. et.aäv. im Forstwesen, S: Rothbr.üchig. Dte Rothfeder, plur. die—n, ein Nähme verschiedener Fische, welch- sich durch ihre rochen Floßfebern oderSchwänze vor andern auszcichnen. i) Eines Flußfisches, welcher nicht über erneu halben Schuh lang wird, einen dicken Kopf, große Augen, gelbe und blaue Schuppen, und einen roseucothmSchwanz hat. SeinFleisch M ein wenig bitter. Franz. K«§'s, klsliers.. Im gemeinen KeheuHälr mau diesen Fisch für eine Art Plötze, wo man-denn Not 1:76 such wohl alle Plötze wegen ihrer rochen Floßfebern Rschftdern zu nennen pflegt. 2) Einer vermuthlich noch verschiedenen Art Weißfische, welche den Plötzen gleichfalls nahe kommt, aber eine« kleinen stumpfen Kopf und gleichfalls rothc Floßsedern hat; pnuusLr^tkroplitkalmusI,. In Obersachsen wird er w-ge« fernes rorhen Ringes um die Augen auch Rochauge genannt Z) Auch einer Act Seefische mitrothen Floßfedern, IrlZla^vrs I>. welcher im Französischen KouZet heißt. Die Rothfichte, plur. die — n, eine Art Lichten oder Tanne« welche eine röchere Rinde hat, als die ihr entgegen gefetzte Weiß: sichte öder Weißtanne; ^iousäbisskleeal-. Sie wird auch Rothtanue genannt. S. Fichte. Der Rothsink, des — en, plur. die —en, G. Dompfaff. Rothsteckitz, er, stc, ackj. et aclv. rotheFlccken habend ».DieRothfohre, plur. die —n, eine Art Fohren, welche i« Twolund aufden Alpen wächst, das bekannte Rrummholzohl liefert, rmd auch Rrummholzbaum heißt; Vinur Mvsllö k S. Lichte Anm. 2. Die Rothfohre, oder Rothforelle, plur. die — n, eine Art Aische, welche den Forellen ähnlich ist, und wovon man zivev «rrlen hat. Die große Rothfohre, welche in dem Genfer - und andern Seen dieser Gegenden sehr häufig ist, hat einen breiter« Bauch als die Forelle, der unten ganz weiß ist, sehr kleine und aufdem Nucken breite, blaue, mit Roth undGrün vermengteFloß- federn. Die kleine Rothfohre ist gleichfalls in d r Schwei; einheimisch, wo sie auch Rö'chclein heißt. Sie hat erneu rötblichei, Rücken und Schwanz, einen weißen Bauch, und scharfe Zähne rn dem Munde. Drr Rothfuchs, des — es, plur. die—fuchse, ein Fuchs, d. i. Ehliches Pferd, dessen Farbe schein das Rothe fallt; zum Un. terschiede von den Licht - und Schweißfüchsen. Der Röthfüß, des — es, plur. die — fuße, im gemeinen Leben auch das Rochfüßel, S. Rsrhbcin. Die Rothgans, plur.-re — gänse, eine Art wildxr Gänse, welche sich in den nördlichen Lä >dcrn anfhält und bey den Seefahrern verderbt auch Rotges, Rorjes, übrigens aber auch Baumgans und Brentgans genannt wird; ^ossr Lreats lr/sL«r. Der Rothtzärber/des — 6, plur.utQom.lioZ. eine Art Girr- t ber, welche die Häute mit Lohe gärben, wovon sie denn eine röth- gliche Farbe bekommen, und daher auch Lohgarber heißen »zum Enterfchiede von den Weißgä'rbern. Der Rothyrester, des — s, plur. ut vom. lruZ. ein Handwev- v , ker, welcher allerley Geräthschaften aus Kupfer gießet, wegen der vieochltchen Farbe dieses Metall.F. Da eben diese Handwerker auch ^ allerley Dinge aus dem gelbern Messinge gießen, so werden sie > auch Gelbgießer genannt. Luther übersetzte Weish. - 5, 9 das durch Rochgießer. Der Rothgimpel, des — «, plur. ut vom. lrax. itt eiifige» Gegenden, ein Nähme des Dompfaffen, wegen seiner röche» Brust, S. dieses Wort. .R^lchtzlühenö, aclj. et Arlv. derjenige Zustand eines glühende» Körpers, und befouders des Eisens, da es im Glühen eine rechtliche Farbe har; zum Unterschiede von dem weißglühend, dem höchsten Grade des glühenden Zustandes. RothtzÄ-en, astj. et ack v. welches nur imBergbaus üblich ist, w» es auch rochgüldisch lautet. Roehgüldencs Srlbererz, ein reichhaltiges Silbererz, welches eine hoch - und oft duukelrothe Farbe hat, und ein mit Sch-^ftl und Arsenik vererztes Silber ist; zum Unterschiede von dem weißgiilden. ^liuera arZeati eubtl, bey den Spaniern in Pmofi lioücker. Gülden bedeutet in beyden Zusammensetzungen vrrmuthl ch gültig oder reichhaltig; es inüßtt denn seytt, daß solche Erze oft auch goldhaltig wären, da denn .SergMche« ) Rö! hergleichetz Goldhaltige Silbererze zu der B c ne u u u n g A al aß gegeben haben wurden. W-r,n e» in dem alten Frag'NkNtc auf Carl« Len Großen bey dern Schilter heiße, tbiu lills (die Leiste des Helms) v^as rok Zulciin, so bedeutet es hier bloß goldcu, indem r.oth ehedem ruchrmahls von der hohe» Farbe des Goldes gebraucht wurde. DerRothhals, des'—es, plur. die—Hälse, Dimürut. das Rothhälscheu, Obcrd. Rethhälslein. i) Eine Art Sand-oder Gtrandläufer mit einemgelben Schnabel, schwarzen Füßen und rolhem Halse; Otnreoln ^eZncSpbwius/k/sr>. Gelbnase. s) Eine Art wilder Äuten mit rothem Halse; (^uerHus- ciula L/sr'/r. Rothäute. 3 ) Auch die wilde braune Ante, fers fufiea welche gleichfalls einen rothen oder braunen Kopf oder Hals hat, ist unter dem Rahmen des Rochhalfts und Rothkopfes bekannt. Der RothhunflinA, des — cs, xlvr. die — e, eine Art Hänflinge, welcher am Vordcrhaupte und an der Brust bluthroch ist, und auch Bluthänfling, Rrauthänfling und ßtachsftnk genannt wird; I^ianrin. ^ochhart, Läj.srnä v. welches nur im Forstwesen üblich ist, WS ein Baum rorhhart oder rothser'tl'g beißt, wenn er auf der einen Seite einen rochen brüchigen Estrich Holzes har ; weicher Kehler daher entstehet, wenn der Baum eine kleine Krumme hat, uud hernach Wucher gerade ausgewachsen ist. Der Rothbirfch, des — es, ^)lur. "die-—e, der gewöhnliche Hirsch, wegen seiner rothbraunen Farbe, zum Unterschiede von dem Damhirsche. Der Hirsch und die Hirschkuh zusammen wer«! den m diesem Falle Rsthwildbret genannt. Das Rothholz, des — es, p!ur. doch nur von mehrern Arten, die—Hölzer, ein jedes artsländisches rochcs Holz, welches in der Färberey zum rech färben gebrauchrwicd, wohin denn so woh! das BrafiUen-Holz, als Lampeche-Holz nndZernarnbuck-Holz Kehörcn. .DasRotHhorn, des—es, plur. die—Horner, eine Art Nachtvögel mit einem rorhen Harne; ?b«IaeuL.^oc1.uL rulicorais Ä«/>rsA'. Das Rothhuhn, des — es, psur. die-—Hühner, ein Rahme der grrneineü Haselhühner in einigen Gegenden, (G. Haselhuhn.) Besonders die in den Schweizerischen Alpen befindliche Art, welche von Farbe aschgrau ist, und einen rochen Kopfhat, und daselbst auch Wqlsches Repphuhn und pernife, parniffr, genannt wird; letzteres nach dem Pal. keraiLs. Es ist die kerrlix majott der Alten. DkS Rothkehbcchen, des -—s, plur. uk norn. stnA. eine sehr bekannte Art BrnSwenzel mit einer gewölbten ziege rochen Brust und einer Kehle von eben dieser Farbe, welche sich in Leu Gärten und Wäldern anfhAt; LloLLeiNa kl.ubscuiL L,. Rschbrr'ift- chcn, Rothbrüstlein, Waldröthleiu, Rochkröpfchen. Oas Gchwarzkchlchen, Blaukehlchen, Graukehlchen, äle>kkchlchen u. f . unterscheiden sich durch andere Farben. Zu manchen Gegenden wird auch das Rothschwanzchen, das große Rochkehi- chen genannt. Der Rotyknusses, des — s, plur. ut rrorn. üsZ. eine in einigere Gegenden, verruuthlich Oderdeptschlandes, übliche Beneammg einer Art Sandwdee Strandläufer, von welcher Klein auch nichts weiter als die Nahmen anführet, Llarsols, 6aUiuulL, 2che- lam^us. Der RorhkoHs, des — es, plur. rauf, eine Art Kohles mit kirchlichen Blättern, S. Blattkohl. Der RothLopf, des —es, plur. die— köpfe, Diminut. das Rochkopfchen, eine Person oder ein Thier wit einem rochen Kopse, h, i. mitrochen Haaren oder Federn» Unter den Vögeln Rot rr?8 ist eine Art Wilder brauner Osten mit einem rochen Kopf? im» Halft unter diesem Nahmen »sksirttt, (S. Rochhals.) Ein An Spechte mit einem rothen KopseundHärft/we-ßcnBauche, schwarzen Flügeln und Schwänze wird gleichsalls^Rothkopf genannt; kieuseLvite collo^usrubrrs^/ek». Sowie emeArtNeun- todter mit einer weißen Brust, Kehle und Bauche und einem rostfarbenen röchlichen Kopfe,. I-suius ?eciore, Lulsel. Veu- rre vrveäK L/sHt. . DerRothkauf, des — es, plur. car. eine im gemerne« Lebe« «bliche Benennung derjenigerr Krankheit, welche in der anständi« gsrrt Sprechart die Rose und in Baierndas A-aMfcuer genannt wird, (S. » Rose,) wo sie auch wohl das Rochlaufett heißt. Am Mieders, hingegen wird dir rothe Ruhr der röche Lauf, rooöe Loop, genannt. ^Bcy den Thieren find verschiedene Krankherte« unter dem Rahmendes Rochlaitfes bekannt. Der Rothlanf brr Pferde bestehet in großen Bculrn an den Schenkeln, welche voller Eiter find, und viele kleine Blattern nm sich her haben ; er wird gleichfalls das St. Antonias - Leuer genannt. Der Rschlauf odcr bas heilige §euer Ley den Schafen ist eine Art eines hitzigen Fiebers, welches mit dem Brande verknüpft ist, drr das Fleisch und die Haut verzehret, und gemeiniglich an dem Kopfe seinen Anfang nimmt. DleRorhlKufkitFeli, plur. die—n,mne Art Kugeln, welche aus Alaun, Salmiak, Kreide, Blcpwciß und Kampfer bereitet, und wider den Rothlaufbey den Menschen, oder wider die Rose gebraucht wrrdcn. RokhUcy, —er, — ste, «oöj. et aäv. ein wenig roth, der rothen Karbe ähnlich, sich derselben lrähsrnd; im Oberdeutschen röthler, »m Niederst roß. Der Röthling, des —es, p!ur. die — e, ein roches Ding, ,59,—Ling.) Esist nnr von einigen Arten rocherDinge üblich. So wird has Rochange,) eine Art Weißfische, im Oberdeutschen häufig Röchling genannt. Das Rothschwanzchen ist auch in Obersachsen unter dem Nahmen des Xöchurigeg bekannt, (S. Rochschwanz.) Line Art rothlicher eßbarer Schwamme, welche den Heidcrlingcn gleicht, nur daß er blässer von Farbe ist, heißt gleichfalls Röchling, ingleichsn Rochschwamm- «nd weil er im Lugustmonach znm Vorschein kommt, AuguSschwamm. Er scheint von dem Reißke der Obersachsen noch verschieden zu seyn, welcher gleichfalls Röchling, Rietling, und im Niederst Röte Heißt; emweder auch wegen seines rothlichenHutes,odec weil man Hn gemeiniglich in Butter zu röchen, d. i. zu rösten, und zu braten Hficzt, daher er auch Bratschwamm genannt wird, S. Reißke. Die Röthnüß, plur. die — misse, eine Art Haselnüsse, deren innerer Kern mit einer blutrsthen Haut überzogen ist. Der Rsthpilz, des — es, plur. die—- e,'G. Birkenpilz. D)ie Röthrüfter, plur. die — n, eine Art Rüstern, welche aus Amerika zu uns gebracht worden, und ein gelbes hartes uu» ^sehr zähes Holz hat. Sie scheint die Minus RmaricLUL l-, zu seyn. DerRochschar, des —es, plur. die—-e, S.Alippflsch. DerRothfchrmnrel,des—e, xlur.ut Qcrm.knA. einSchim- mel, d. i. weites Pferd , dessen Weiß mit Noth gesättiget ist; zum Unterschiede von einem Schwarzschimmel, Grauschimmel 8, st f» Der Rothschchatz, des—e?,plur. illuk. einelmBcrzbane übliche Benennung einerArr röthlich braunen Blende; 8lsri le rubrum. S. Schlag. Der Rothschlägel, des—s, plur. ut vom. 6uZ. m einige» G.genden, einRahme des Gimpels oder Aochvogels, (G. Dompfaff.) Die letzte Halfterst entweder mirSchlag in dem vorigen Worte gleichbedeutend, »der gchSret auch zu schlafen, sing n. E e e e z Ns t "79 DerRothschmrö, des — s, plur. die —schmiede ^ in einigen Gegenden, ein Nähme des Kupferschmids, wegen der rötblichcn Farbe dieses Metalles. Auch die Mefsingdreher werden an einigen Drten Rothschmidd-echslep genannt, weil sie auch in Kupfer arbeiten. DerRothschnabel, des — s, plur. die — schnabel. r) Eine Art Brasilianischer Sperlinge mit rothem Schnabel und Füßen, einemgelben Kamme und purpurfarbenenKörper; Kuller critiL- eu 8 , roliro rudro 2) Eine Art Metuen mit einem braunen Kopfe, weißenZirkel um die Atrgeu und rothen Schnabel; Ikarus miuorcspite oißro, roüro rubro X/seVr. Dre Rorhschnur, plur. die — schnüre, bey den Zimmerleuten, die mitNörhelgefärbte Schnur, Linien damit aufdem Zimmer« -' Holze zu bezeichnen. DerRoths^)Lvcrmm, des — es, plur. die — schwämme, siehe Röthling. Der Rorhschwanz, des—es, plur. die—schwänze, Diminut. das Rorhschwänzchen. r) Eine Art Brustwenzel, welcher der» Rothkehlchen sehr ähnlich ist, nur daß er eiue silberfarbene roth gesprengte Brust, und einen rochen Schwanz hat; itic»- rsce urZeulnta k/o//r. Zleckkehlchen. Der im gemeinen Leben sehr bekannte Rorhschwanz, Rothzagcl, welcher auch Schwarzerle heißt, sich gern n:n die Dörfer aufhält, und als ein gelb« rothes, von andern aber als eingraneS Vögelchen beschrieben wird, ist vermuthlich dieser Vogel. In dem sonnichren vorholz lauscht der schimmernde Rorhschwanz Und schießt nach dem bunten Insect, Zachar. 2) Eine andere Art Brustweuzel mit schwarzer Kehle, grauem Körper und rothem Schwänze wird gleichfalls Rorhschwanz oder Rochschwanzchen genannt, z) Eine Art rocher Amseln mit einem blauen Kopfe, heißt gleichfalls Rothfchw«nz, rnglcichen das große Rothkehlchen , mgleichcn der große Rorhwiistlrng. 4) Bey den ncneflen Schriftstellern des Jasecten. Reiches wird auch eure Art Nachtvögel, welche stch^aus Dbstbäumen anfhält, kliLlse- na puöidunZa 1 ^. Rorhschwanz genannt. Rothscitiy, — er, — ste, s 6 j. et uäv. im Forstwesen, (S. Roch- fanl.) Eden daselbst wird eS zuweilen für rothhari gebraucht, S. dasselbe. Der Rothspecht, des — es, plur. die — e, ein Nähme der go. wohnlichen Buntspechte, wegen des rochen Scheitels, mit wel. chem sie gemeiniglich versehen sind. Es gibt ihrer mehrere Arten. DerRothstein, des—es, plur. niul'. S. Rothe!. Rothstreifig, acl).et ackv. röche Streifen habend. Rochstreisigo Leinwand. Die Rothtänne, plur. die — n, S. Rothstchte und Sichre. Dyr Rotkdotzel, des—s, plur. die — vögel, ein Nähme ver« schiedencr Vögel von rocher Farbe. 1) Einer Art Nachtigallen, welche eine röchere Farbe har, als der so genannte Sprosser. ,)Des Gimpels oder Blntfinken, welcher von einigen auch, obgleich unrichtig Rottvogel genannt wird, (S. Dompfaff.) z) DeS gewöhnlichen Stieglitzes oder Distelfinken. DasRochwälsch, plur. csr. ein Rahme, womit man zunächst diejenige gemischte Sprache verstehet, welche die Europäischen Zigeuner, Spitzbuben und verdächtige Bettler unter sich reden, um von andern nicht verstanden zu werden, und kvelche ein Mischmasch von gemeinen Dberdeurschen, JLdischdeutschen, und selbst gemachte« Wörtern ist. Da die Kcnnlnrß dieser Sprache den Gericktspersonen sehr nothwendig ist, so kam schon t 601 eine Lothwrlsche Grammaticheraus,das iß vom Barion der Wanderschaft dsrdurch den Weißhnlmen gevopt, die Heutzin bese-- H^ik, und die Zorrken vermonet, damit man StprinZer 4 i«h l Not ' iizo Spetlmg überkompt, im Gchrefen Boß Iohan zn schochkn und mit Riblingcii zurüren; d.i. „eine Auleiumg und Bel'iilt ,,derLandfah er-und Bettlersprache, dadurch die einfältigen Leun „belogen-und die Ba,lern betrogen werden, damit man Gulden „und Hüller überkömmt, und im Wirchshanse W, in zu trinken „und mit Würfeln zu spielen hübe;" welcher Titel zugleich zu einen Probe dieser Sprache bienen kann, welche von der Sprache brr wahren Zigeuner himmelweit verschieden ist. Die zu Frankfurt am Main 2 7§z auf L Bogen in 8 , heraus gekomm-mr Roch- wälsche Grammatik, oder Sprachkunst, d. i. Anleitung u.s. f. ist nur eine Sammlung von einzelnen Wörtern, und einigen i,, dieser Sprache verfaßten Aufsätzen. Anm. Gottsched, der in feinen Ableitungen immer unglücklich undnicht selten beleidigend war, leitete cs von dem kaiserlichen Kammergerichte zu Rothweil her, „weil dasselbe so schönes „Deutsch'chreibe, das kaum zu verstehen*sey." Wälsch bedeutet im Deutschen fremd, und ausländisch überhaupt, daher cs hier nur auf die dunkelere erste Sylbe aniiommt. Frisch hielt sie für düs Jtal.ivtto, gebrochen , so daß es eine gebrochene Wälscheoder ausländische Sprache bedeuten würde. Allein am besten erkläret man dieses Wort aus der Rochwalschen Sprache selbst, und d« bedeutet Rot einen Bettler, und Rotbos eine Bcrrlerhervigl.^out,imFinnlänb.kr.oMu, im Ungar, und Böhm. Rota, im Jtal. im verächtlichen Verstände Crotta, im Wallis. im Zrlätch. Rota, im Arad. Rowovv,, Rataon und Rotlaoa, alle Luder Bedeutung einer größer,, oder geringeruMenge bey einander befindlichenVolkes. ZnderSchweiz ist die Roode ein abgetheilter pause der Einwohner eines Can- tons, ein einzelner Bezirk, und das auch im Hochdeutschen üblich« Rudel bedeutet gleichfalls eine Menge mehrerer Dinge Liner Art. S. das folgende. Rotten, vsrb. rsZ. «et. welches eigentlich versammeln, verbinden bedeutet har, aber nur „och in der zweyren Bedeutung des vorigen Wortes und zwar gleichfalls nur im härtesten und verächtlichsten Verstände als ein Reeiprocum üblich isi. Such zu jemanden rotten, sich in Höfer Absicht zu ihm gesellen, mir ihm verbinden. Die Zeinde rotten stch zu Hause, Es. 9, i l. viele Heiden werden sich wider dich rotten. Mich. 4 ,»»; wo man doch jetzt das Rebenwsrtzusammen nicht gern auszulrssen pflegt. Die Propheten haben sich gerottet, die Seelen zu fressen, Ezech. 22, 2z ; besser zusammen gerottet. Daher das Rotten« Anm. Z-u gemeinen Lebe» ist statt dessen auch mit der aus« - läirdlschenEndung rsttieren üblich. Das in diesem Worte befindliche doppelte t ist schon ein Merkmahl eines Inter, fivi, und es N mehr als wahrscheinlich, daß diemit ej^er ungestümen Dersamm« lung verbundene heftige Bewegung der ursprüngliche Begriff tu diesem Worte ist, so daß es als er« Jnterrsivum v»« roden,.reiten u. s. s. so fern diese oft eine jede Bewegung bezeichnen, äuge, sehen werden muß. JmArab.ist rutaa. gleichfalls sich versammeln. Und diese mit dem Worte genau verbundene heftige ungestüme Bewegung scheinet such die Ursache zu septt^. warum es jetzr uuk noch im harten und verächtlichen Verstände gebraucht wird. S. , auch das folgende. 2. Rotten, vsri». reA. «et. welches dasZntenstvum von reuten^ und dem „och imNiedeksöchstschen üblichen reiten, reißen, ist, und ehedem heftig, mit Mühe reißen, bedeutete, aber nur noch in dem zusammen gesetzten ausrotten üblich ist. In der Deutschen Bibel kommt es noch einige Mahl mit dem Vorworte aas vor. Ich will ihn mitten aus seinem Volke rotten, Z Mos. 17, r 0. Auch hier ist der Begriff der heftigen Bewegung der herrschende. S. Ausritten, ingleichen Reuten, welches das einfach, re Zeirwort davon ist. ^ - » * Rotten, vsrsii. roA. osutr. welches nur im Niederdeutschen für faulen, verwesen, üblich ist, aber im Hochdeutschen gar N'.chr vorkommt, außeretwain den niedrigen Spcecharten. Rieders, rotten, als das Iutensivum von dein eben daselbst übliche» raren, faulen, Angelst rotan.roüaü, Engl. lc> rot.Griech. im Holland, roeltso, G. Rosten, und » Rosten. Der Rottenyeist, des—es, x>lur. die —er. Die lasier« hafte Gesinnung, Rotten, d. i. unerlaubte Parteven, Spaltungen. Factionen u.s. f. hervor zu bringen. 2) Lin Mensch, welker diese Gesinnung heget. Oie Propheten sind Narren und die Rottengeistev sind wahnsinnig,Host 9.7. . Der Röttenmächer, des—s, plur. ut aorn. knZ.Famln. dw Rottenmacherinn, eine Person, welche Rotten, d. ^lasterhafte^ schädliche Verbindungen errichtet, andere dazu verführet. Rottenweise, aäv. S. Lotte ». ^ ^ Der Rotttteseü, des-en, xlur. dre — en, S. Rotte ». Jetzt gebrauch, man es nur noch zuweilen im verächtlichen Verende von dei, Gliedern einer Rotte , eines in lasterhafter Absicht ver- sammelten oder verbundenen Haufens. RottiereN) ^srb. reg.aet. welches nur als elnNeciproeum lM gemeinen Leben für ' Rotten üblich ist.^ Sich zusammen ror- tieren, sich m schädlicher Abfichtverfammeln oder verblnden. Daher die Rottiernng, Rieders. Rotterije. . ^ Der Rottierer, des —Z, pstur. MttOlir.kaF. r) R tenmachec, welcher andere zusammen rottet. r> Dre Glieder 'einer Rotte, oder lasterhaften Versammlung, Rotlgesellen. Das Rottland, dös-es, plur. die-!änder,in einigeuGeg-^ den, ausgeceutttes, d. i. aus Waldung urbar und zu Acker gemachtes, Land; Reutland, Gereut, im Rieders. Rodelands Der Rottmeifter, des —s, plur. ut nom. tinz. derVorge- setzte einer Rotte Hey Soldaten und den nach-Art der Soldaten einLecheilte« Bürger-Compagnien, welcher jetzt am häufigsten der Lapsral oder Corpora! heißt. (S- Rotte r.) Bey den ka.- serlicheu Leibgarden zu Wien ist dieses Wort noch üblich. Im Mittlern Lat. iVIsAiker RotLS. Der Rottvozel, S. Rothvogsl. ... « Der Rsttzehente, des—-n, plur. die—n, in cimgeu Gegenden, der Zehente, welcher von ansgerottetem oder auSgerenle- tem Lande cnrrichtet wird z der R-nkzehente, im Rieders. Rsde- Der^Rott, des—es, plur. cerr. Eigentlich, die zähe schleim mige Feuchtigkeit,welchesich ans den Drüsen in der innernNa,cu- hant absouderr, besonders in der niedrigen Gprechart; Niederst. - Snapp, Suotte, Snoddev, Angelst und Engl. 8aot, Sao ve^ . ' Zai vsl. 2) Eine Krankheit der Pferde und der Schafe, welche mit dem Ansfluffe der Feuchtigkeit aus der Rase verbunden ist. Betz den Schafen ist es eigentlich ein schwerer Schnupfen; de» den Pferden aber eine gemeiniglich unheilbare verschlimmerte Druse; die Steindl use. Den Rotg haben, bekommen. Anm. In deu Monseeischen Glossen Rar, im Mittlern Lat. L.OMLL, Es scheinet zu riesen, fließen, (2. Rieseln,) zu gehö- Rud "83 Notz , ren, wo in der Ableitung durch den verhärteten Mitlauter zugleich die zähe Beschaffenheit angedeutet worden. Das ähnliche Druse, welches eine ähnliche Krankheit bedeutet, hat einen ähnlichen Ursprung, und unterscheidet sich, den weicher» Mitlauter abgerechnet, nur durch das Vorgesetzte d. Im Holl. istkuet, kuet- L'ul, Fettigkeit, und im SyrischenKucira so wohl der Schmutz, als auch der Schnupfen. Ottfrieds kor, Klage, Lrauer, rvrsv, klagen, roLeZ, traurig, gehören nicht hierher, obgleich Schiller sie durch das niedrige Rotz und Wasser weinen, sehr weinen, erkläret; sonder« als eine unmittelbare Onomatopöie zu kreißen, grüßen u. s. f. Rotzen, verl). reZ.ueutr.mt dem Hülfsworke haben, den Notz mit einem lauten Geräusche aufziehen; wo es doch, so wie diese Handlung selbst, nur in die niedrige Sprcchart gehöret. Entweder von dem vorigen Hauptworte, oder auch als eine eigene Onomatopöic. In einigen gemeinen Sprecharren ist ratzen mit küumi eigcnthümlichrn Geräusche ausspeyerr. des — es, plur. die—e, ineilttgen Gegenden, ciu Nähme desRanlhauptes, wegen seiner schleimigen schlnpseri- öf" Beschaffenheit, so wre er lvegs» seiaeS großen und dicken Kopses auch Rotzkolbe genannt wird. Rotzig, — er, — sie, LÜj. et wclv. z) Mit Notz beschmutzt, besudelt; in den niedrigen Sprecharten. s) Deu Rotz habend, in . der zweyten Bedeutung dieses Wortes. Ern rotziges Pferd., Rotzige Schafe. Daher die Rotzigkert, der Zustand, die Eigenschaft) da ein Thier rotzig ist. Die Rotzkolbe, plur. die — N, S. Rotzfisch. Der Rotzlö'ssel, des— s, plur. ul vom. ImZ. in den niedrigen Sprecharten, ein junger unbärtrger Mensch, im verächrlichenVer- stande, der gleichsam noch nicht den Notz zurück halten kann. Löffel ist hier nicht Goelrlssr, sondern gehöret zu Lasse, S. dasselbe. Die Rotznase, piur. die —n. i) Eine von Rotz triefende Nase, in der niedrigen Sprechart. und ein Kind, welches eine solche Nase hat. 2) Wie das vorige in einer etwas gelindern Bedeutung. Der Rotzichwe? est des —— 3, plur. iuust. die gröbste unreineste Art des Schwefels, dex wider bei» Roy der Pferde gebraucht, und «u^> Roßlchwefel, jngleichen pferdeschwefek genartntwird. Die Rübe, plur. die— n, Diminut. das Rübchen, Obcrd. Riiblein. t) Irr engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, ein Nähme der dicken runden spitzig zulauftnden fleischigen. Wurzeln mancher Gewächse. Mohrrübe oder gelbe Rübe, (A. Mohre.) Rothe Rübe, welche auch Becke und Mangold genannt wird, iS. diese Wörter.) I» einigen Gegenden heißt auch der Rettig Retkigrilbe »ydin Medorsachsen Rübcnretrr'g, zum Unterschiede von dem Meerrettige. OreRohlvübe, ÜlapobrAssicsund andere «nt solchen Wurzeln versehene Gewächse Mehr. Dasjenige Gewächs, welches bey uns am häufigsten nur Rübe schlechthin, »der zum Unterschiede von den vorigen Arcen, weißeRube genannt wird, ist eine Arc des Kohles mrtcinor zirkelsörmrgen eingedruckten, fleischigen und essbaren Wurzel, krcrssicn kupa wovon es wiederum mehrere Arten gibt, ^ B. Steckrübe , serbßriibe, wasserrcibe, lange Rübe oder Guckrübc u. s. s. welche doch nur zufällige Avälchecnilgen-sind. Eine sehr grosse Art, wovon neun bis zehen Stück oft einen Zentner wiegen, deren Wurzel aber nur für das Vieh taugt, wird große weiße Rübe, Futterrübe, Runkelrübe und Tnrnrpse genannt. Alles untereinander mengen, wie Lraut ruch Ruben, unordentlich. Jemanden ein Rübchen schaben, eine im genuinen Leben, bewndees'unter.Kindern gewöhnlich - Ari seine Schadenfrendc an den Tag zu legen, da man den Zeigefinger der lmkenHa,'d müdem Zeigefinger der rech- tkn so str eicht, welin.man eine Rübe ^chghct, 2) In weiterer "84 Bedeutung wird auch der in den Schwanz KeS Pferdes hinunter tretende Thcil des Rückgrathes, welcher einer langen Rübe nicht unähnlich ist, die Rüde, und zum Unterschiede, die Schwauzrübe oder Schwcifrübe genannt. Anm. In der ersten Bedeutung im Niederst Rose, im Obrrd. Rübe, im Schweb. kokvL, im Engl. Küpe. im Franz. Kave, im Ztal.karca und Kaps, imBöhm.kjpa. im Ungar. l?epu, im Slavon.kl ippa, im Lat. k upa, imGrreck. und Die zwepte weitere Bedeutung ist wohl nicht bloß eure Figur oon der ersten, sondern vielmehr eilt Überbleibsel der ersten allgemeinem, nach welcher dieses Wort einen jeden langen Körper bezeichnet hat, und um desswillen als ein Verwandter von Rippe, Rebe u. s. st angesehen werden muss, zumahl da so wohl die Rippe, als auch , die Schweifrübe eines Pferdes, m manche» Mundarten Riebe laurer. In Zaunrübe stehet es unstreitig für Zaunrebe. (S. dieses Wort.) Der Rubel, des — s, plur. ul vom. linZ. der Nähme eines Russischen Gilbermunze, welche 100 Kopeken, oder nach unserm Gelde - Thl. 4 bis 8 Gr. gilt. Es stammet von dem Russischen., rubiti, abhauen, her, und bedeutet ein abgehauenes Stück Silber von gewisser Schwere. Eüe zu Ende des siebzehenten Jahrh die geprägte Münze in Russland üblich ward, nannte man solche abgeschrotenen StückeSilbers Kubist die kleinern aberkopekst von kopitst zusammen häufen, weilman ihrer viele gebrauchte, einen Rubelairfzuwiegen. Peter I. soll statt disser Stücke Silber die erste« Rubel haben schlagen lassen. Die Ruvelle, plur. die—n,iu den Schmclzhütten, ein eisci ms Blech, worauf die Erze zum Probieren klein gerieben werden. So ausländisch dieses Wort auch klingt, so scheinet es doch v.nr reiben abzustammcn. Der R üb enterbest des—s, plur.iuust eine Art Kälberkropfes, mit einer runden knolliaerr rübenartigen Wurzel, welche in Österreich gegessen wird, ob sie gleich schädlich ist und Kopfweh verursacht; Oüueropli^l lom bu-bolürn Erdkaganie, im Oster- reichischcn Beperle, Pepcrle - Salat, in der Mark Brandenburg Ropkensalat, weil die Wurzel Luch als ciu Salat gegessen wird. Der Rübenkohl, des —-, es, plur. iuust. S. Bohlrabi. OerRübenrapunzel,des — s, plur. ioust. eine Art Rapunzel mit einer weißen rübcuartigen essbaren Wurzel, welche so wohl wild wächst, als auch in den Gärten gebauet wird. Der Rübenrettttz, des — es, plur. inust. in einigen Gegenden, der gewöhnliche schwarze Nettig; zum Unterschiede von dein Meerrettige. Dev Rübensümrn, des — s, pl«r. !nu5. der Samen der essbaren Rüben, welcher mit dem folgenden nicht verwechselt werden muss; Niederst Röfsaat. DerRübestzmen, des-?- s, plur. esr. eine Art Kohles, mit einer,spindelförmigen rübcsarügcn Wurzel, welcher nur um des Samenswillen gebaurt wird, indem derselbe ein häufiges Ohl gibt; krallicL blapus l.,. Rül-esaat, im gemeinen Leben Ober- sachsens Rübsen, Rrebsen, im Oberd. Reps, im Rirderd. Rapsaat, Raösaat, Holland. KunprLcl, Engl. kapeleecl, Ztal. kwvirrons, kÄVLTLoue, welche alle eigentlich den Sarnen dieses Gewächses, in werterer Bedeutung aber auch das ganze Gewächs bedeuten. In einigen Gegenden heisst dieses auch Napok inid Ncrrot, nach dem Lat. Man hat zweperiey Münde- rangen davon, den Sommcrrubejamen und Winterrühesaiurn. Dev Spanische Rübesamerr, Gram b lk-Lülcs D. ist » ine Ruck 1,§L Rud Ar t Meerkohl. Da- aus unserm Rübefamen gepreßte Hhl, das Rübesamcnohl, ist im gemeinen Leben unter dem Nahmen des Rttbsciiöhleö/Riiböhles, bekannt genug, so wie das junge Kram der Pflanze unter dem Rahmen des Rubensalatcs als ein Salat gegessen wird. Der Rübezahl, des —es, plur. die —e, der Nähme eines Gespenstes in menschlicher Gestalt, welches sein Wesen auf dem R'.e- sengebirge haben soll. Die Bedeut,rng des Wortes ist unbekannt. Vermnchlich ist sie im Slavonischen zu suchen, wo klob einen Knecht bedeutet. Der Rubrcell, des —es, plur. die —e, aus dem Latein, Rubi- ceUus^ ein rochgclber Rubin; zum Unterschiede von dem eigentlichen Rubine, dem Rubin-Balaffe, dem Spinell u. s. f.' Dpr Rubin, des —es, p!ur. die—e, der Rahme eines sehr durchsichtigen rochen Edelsteines, welcher dem Diamante in der Härte und Seltenheit am nächsten kommt, und daher von einigen auch vorher Diamant genannt wird. Der Nähme ift auS dem Latein. Rudinus, vonrukus, roch, so wie er im Hebr.Olltr, von MU, roch seyn, heißt. DerRubrn-Bällaß, des—sses, xlur. die—sse, eins Art blasser Rubine, S. Ballast. Der Rubiner, des—s, ^lur.utvorn. 6vZ. in einigen Gegem den,gewisse rothe Äpfel, welche auch Rubiuapfel genannt werden. Drr Rubinfie'rß, des —sses,plur. die—ffüsse, ein unechter Rubin, er sey nun durch die Kunst nachgemacht, oder er bestehe auS einem rochen Krpstalle. S. Fluß. DerRubiützlanz, oder Rubmenglanz, des—es, plur. dib —e, bey den neuern Schriftstellern des Thierrelches, eine Brast- lianische Art Brachvögel,welche wie ein Rubin glänzet; Lruüüenlis R/sr'^. Das Rüböhl, des — es, xlür. doch nur von mehrcrn Arten, die —e, S. Rribcsamenöhl in Rübesamen. Die Rubrik, plur. die —en, die Überschrift einer Schrift, und in den Rechten, die Überschrift eines Gesetzes in dem Römischen Rechte. u«d nach einer noch weitern Figur auch das ganz? Gefttz, der ganze unter einer Aufschrift begriffene Abschnitt. Von dem Titel eines Buches kommt cs im Hochdeutschen wenig michv vor. E-ist aus dem Lat. Rud rica, weil die Aufschriften, beso-chersm dem Römischen Gesetzbuche in den Mittlern Zeiten gemeiniglich mit rother Farbe geschrieben wurden. Im gemeinen Leben bat man auch das Zeitwort rnbriciren, mit einer Rubrik oder Überschrift versehen. ?.*DerRüch, des—es, plur. die Rüche, ei« im Hochdeutschen völlig veraltetes Wort, welches für Geruch noch in einigen Oberdeutschen Gegenden üblich ist. JnLuthcrs Deutscher Bibel kommt es noch mehrmah's vor. Mein Narde gab seinen Ruch, Hvhel. ', '2. Die lVeinstecke geben ihren Ruch, Kap. 2, «z. Deiner Nasen Ruch, Kap.,, 8. S. Geruch. Der Rruh, oder Rüchert, des —es, vlur. die —e, eine Art Krähen, S. i Racher. Das Ruchgras, des —es, plu r. inus. eine Art Grases, welches am liebsten auf den Wiesen wohnet, und sich von andern Gräsern durch seinen angenehmen Geruch unterscheidet, welcher an der Wurzel sehr stark bisamarrig und widerlich, an dem Kcaute aber ^ gelinder und angenehmer ist; Rn t k oxirmb u in R. Ruchlos, —er, —este, uüft et nciv. i) * Sorglos, nachlässig, Iinbedüchtjam. unbesonnen; eine der e>. stellBedeutttiigen, in welcher dieses Wort noch in den gemeincuSprecharten so wohl Obcr- akv Niedersachsens üblich ist. In seinen Sachen rrkchlvs scpn- nachlässg. Ruchlos reden, unbesonnen. Im Hochdeutschen kennet man diese Bedeutung nicht, wo es 2) nur in engcrm Verstände die schuldige Achtung gegen die Befehle eines Hähern ans' Adel.w.B.Z.TH. 2.Zs„st. schließet,die Befehle eines Höhern vorsetzlich undaus Verachtung übertretend, und in dieser Denkungsart gegründet; besonders u, Ansehung der görlüchen Gesetze. Ein ruchloser Mensch. Ein ruchloses Leben führen. Die Ruchlosen verachten Weisheit und Hrrcht, Spricht». 1,7. Wie lange wollen die Ruchlosen die Lehre hassen? V. 22. Anni. Schon bey dem Kero in der ersten gelinder» Bedeutung ,ruatiiislo5, der auch das Zeitwort ruakdalolen, verwahrlosen; vernachlässigen, hat, «m Niederst rökelos, in Heyden Bedeutungen, wo auch rökelossn verwahrlosen ist. Es stammet nicht von Gerücht her, wie Stosch und Heynatz wollen, so daß es zu- ^ nächst einen übel berüchtigten Menschen bedeute, sondern von dem bey unser» alten Schriftstellern so häufigen Rusdün, Sorge, Achtung,ruLÜbn.n,sorgen, ruaüdlid,sorgfältig, birusdÜLN, besorgt seyn. Im Niederst ist rochen, für sorgen, Acht habeil,noch üblich, so wie im Schwed, und Island, reka in eben diesem Ver-, siande. Auch das Angelst rscLn hatte diese Bedeutung. Die Bedeutung der Sorge ist indessen nur eine Figur der Bewegung, daher dieses rusliden mit unserm rechen, regen, reichen u. s. f. Eines Ursprunges ist. Auch im Hebr.ist Ruack so wohl der Wind, als der Geist, und die Klugheit. S. auch Geruhen und verrucht, welches letztere schon, vermöge seiner Ableitung, einen höhern Grad dieser lasterhaften Sorglosigkeit bedeutet, als ruchlos.^ Die Ruchlosigkeit, plur. die —en. 1) Die Eigenschaft einer Person oder Handlung, da sie ruchlos ist, in der zweyten enger« Bedeutung, und ohne Plural, An engerer Bedeutung, die Fertigkeit, ruchlos zu seyn. 2 ) Eine in dieser Gesinnung gegründete Handlung, eine ruchlose Thar. Ruchlosigkeiten begehen. Ruchtbnr, —er, —ste, aüj. et AÜV. I) Durch das Gerücht allgemein bekannt. Ruchkbar werden, ruchrbar seyn. Eine ruchr- bareThat. Sie gingen aus und machten ihn ruchtbar m selbigem ganzen Lande, Matth. 9, z -. Es ward ruchrbar, daß-er Lmäausewar, Marc. 2, 2)* Berühmt, eine im Hochdeutschen unbekannte Bedeutung. Die Laut ist aufgehangen, Die Art ist nun dahin, vonderichruchtbarbin, Opitz. Es stammet von dem veralteten Ruche her, wofür jetztRuf und Gerücht üblich sind, S. das letztere. Die Ruchtbarkeit, plu r. in u!, die Eigenschaft einer Sache, nach welcher sie rn chtbar ist. Der Ruck, des—es, plur. di? —e, von dem Zeitworte rücken, im Oberdeutschen rucken, ein schnell gethanee Zug,. welcher ebLn so schnell wieder nachlaßt; mgleichen eine solche schnelle über, gleich wieder nachlassende VeräuderungdesOrtes, sowohlactive als in der neutraler! Form. Einen Ruck thun. In einem Ruckes ^ * Das Rück, des—es, plur. die—e, ein nur noch in einigen Fällen als ein eigenchümlichsr Rahme übliches Wort, eine Gegend, einen Landesstrich zu bezeichnen, in welchem Verstände es noch in dem Nahmen des Zunder,'ickes, blunnoruw lr^ctur, vorkommt, ws es aber auch zunächst diehoch liegende Gegend,den Bergrücken, bedenterr kann, ( S. Rücken.) Im Engl. Rack und im Holland. Ruck, wo es noch als ein allgemeines Nennwort be- . kannt ist. In, Arab. ist Rukk, ein ausgedehntes Land. Es hat auch hier ursprünglich die Bedeutung der Bewegung, und figürlich der Ausdehnung in die Länge und Breite. Mit'Vorgesetztem t und st gehören auch das Lar. 'IrLetuL und unser Strich dahiui S. auch Reich. Die Rückbank, plur. die—banke, ein nur bey den Jägern übliches Wort, dasjenige Holz zu bezeichnen, worüber die großen Zagdkn-tze von dünnen Seilen gestrickt werden; das Strickhslz. §fff - , Bepde Ruck Ruck »8 BeydcHälften sind wegen ihrer außerdem selten gewordenen erste« Bedeutung merkwürdig. Die Sylbe ruck ist dasSrammwort von stricken, und Bank bedeutet hier ein dickes, etwas laugesHolz, S. Bangel. Das Rückbleibsel,des—s, plur. von mehrern Arten, ut vom. tivZ. dasjeirige, was nach einer chymc,chen Handlung von einem Körper zurück bleibt; das keückuum, der Reil. DerRückbürge, des—n, plur. dre—n. r) Zn den Rech- te«, ein Bürge, welcher im Nochfalle in die Stelle des Hr.uplbür« gen tritt, welcher nur alsdann als Bürge angegangen wird, wenn der Hauptbürge seineBerbindüchtett nicht erfüllet; imOber- deutschen der Afterhürge, Schadbürge. 2) In einer andern 4nnd noch üblicher» Bedeutung istderRückbürge ein solcherBürge, an welchem sich derHanplbürge imNothfalle schadlos ha ten kann, der dem wahren Bürgen wieder als Bürge verpflichtet ist; Nie, ders. Ruggeborge. Bepdes von dem veralteten Nebenworte rück, fürzuritck. Die Rücke, plur. die—n. -) Eine Art Kräben oder Raben, als eine Nachahmung ihres Geschreyes, (S. c Racker.) r) Bey den Jägerndas weibliche Individuum des Rehwildbretes. S. Reh. Rücken, verb. reg. welches in doppelter Gestalt üblich ist« i. Als ein Neurrum , mit dem Hülfsworle se-pn, den Drt vermittelst einer kurzen vorüber gehenden Bewegung verändern, wo rs nur von einer geringen Verändcrun, desOrtes auf Ein Mahl, welche in EineqtDder mehrern Absätze» geschiehst,gebraucht wird. 1. Eigentlich. Der Hase rückr zu Holze, bey den Jägern, wenn er auf denHintecläuftengleichsam ruLsckelid in kleinen Absätzen zu Holze gehet, welchesanch fahren genannt wird. Der Zeiger an der E rückt immer weiter, so fern es dem Anscheine nach -ruckweise geschiehst. Mit dem Stuhle naher rücken. Rücken sie näh^f, müdem Stuhle. Freund rücke hinauf, Luc. 14, »0. Zusammen rücken. -. Figürlich, von verschiedenen Arten langsamer Bewegungen, r) Mit dem Gelde heraus rücken muffen, bezahlen müssen. Er muß heraus rücken, bezahlen. 2) Sich Langsam forlbewegen; wo der Begriff der Bewegung in unterbrochenen Absätzen verschwindet, und nur der Begriff der Lang, samkeü übrig bleibt. Die Sonne rückt immer hoher. Die Zeit ruckt heran. Die Baume rücken, im gemeinen Leben, schlagen aus, rücken heraus, im Oberdeutschen drucken. Be, sonders von den langsamen Bewegungen cine< Krieg-Heeres oder -eines zahlreichen Haufens lebendiger Geschöpfe. Gorgias nahm Looo zu Fuß und rückre bey Nacht heimlich an der Juden Lager, > Macc. 4, 1. Nit der Armee in ein Land, vor die Stadt rücken. Die Truppen rücken aus dem Lager, rücken in das Feld. Mit den Außenwerten in das Feld rücken, sie in das Feld hinein ausdehnen. Mit Vorgesetzten t oderch sind im Oberdeutschen dafür drucken und trucken sehr üblich. Das ersah. sein geselschaft rverd Trückten ihm nach mit allerMacht,Theuerd. Kap. 8-. Go will ich mir dem andern Zeug Nachdrucken, Kap. 9». 3) Höher rücken, höher befördert werden, einen Hähern Grab der Würde erhalten. II. AlseinActivum , auf solche Art fortbewegcn, mit einem kurzen, vorüber gehenden Zuge oderSioße von scinemOrte bewegen. r) Eigentlich. Den Stuhl von seiner Stelle rücken. Den Tisch an die Wand rücken. Einem den Tisch rücken, mit mehrern bey ihm nngebethen zu Gaste kommen. Besonders ü sagt man es an einigen Orten von demjenigen Schmause, welcher «ach bezogener neuenWohnung gehalten wird, wo jeder von den Gästen sein Gericht Essen mübringt. Den Hut m die Augen, r 188 aus dem Gesichte rücken. Den Topf näher zum Feuer rücken. Die Garne aufdem Vogelherde rucken, sie schnell in die Hohe ziehen. Das Pferd thar einen Satz und rückte mich aus dem Sattel. Oie Pferde rückten den Wägers auf einen abge- hauenen Stamm. 2) Zn weiterer Bedeutung gebrauchte Manes ehedem gern für ziehen, reißen u. s. f. überhaupt. Der Geist des Herrn rückte Philippum hinweg, Apostelg. 8, 39. Er ^rücket sie aus dem Feuer, Br. Jud. 25. Der uns aus der Noth geruckt, Opitz. Wahr istg er (der Messias) ward verdruckt, Und aus dem Lande noch derLebenden geruckt, ebenb. Ich weiß, daß mich derTod ins Freudenleben rückt,Can. Jetzt kommt es in dieftr^Bedeutung wenig mehr vor. So auch das Rückxn. Anm. Im Oberdeutschen mit dem brsitsrn u rucken, im Rieders. gleichfalls rücken, im Schwad, r^ecka, welches so wohlzie- hen als auch rücken bedeutet, im Island, krovkvn. Das verdoppelte k verräth ein Jntensivum, wie es denn solches auch wirk- lichist, und zwar von regen, ehedem auch rucüen, bewegen, ^welches in einer noch gelmdern Form mit dem bloßen Hauche auch in eruere und trückere zum Grunde liegt, so wie mit ebendiesem Vorgesetzten d von rücken unser drücken und das Rieders, „trecken, ziehen, abstanunen. Ein anderes,aber nahe verwand. Lcs Woe^. ist das Niederst wricken, fricken, hin und her drehen, wohin auch das Arab. rL«krakL,was sich hin und her beweget, gehöret. Beyde Zeitwörter, so wohl das Neutrum alsdas Activlnn, lauten im Oberd. und Niederst rucken, im Hochdeutschen aber rücken, obgleich auch einige hier zuweilen der Oberdeutschen Form folgen. Freylich wäre es gut, und auch der Analogie nicht ganz zuwider, wenn man im Nrutrorucken und im Aclivo rücken sagte. Allein da 'dieser Unterschied im Hochdeutschen nicht eingeführetist, so wird er auch wohl nicht leicht allgemein werden können. Der Rücken, des—s, plur.utuo1n.6nZ. Diminut. das Rücklein. r. Überhaupt, der sich in die Länge erstreckende erhabene Lheil eines Dinges, in welchem Verstände dieses Wort noch in mehrern Fällen üblich ist. Der -Rücken der Nase, ist der erhabene Theil derselben, welcher sich in die Länge erstrecket. Der Rücken eines Gebirges, der Bergrücken, der sich in dieLänge erstreckende erhabene Theil eines Gebirges oder Berges. Dort, ,wo waldige Hohe dcn blauen Rücken verbreitet, Zachar. Wer hat allhier der Vorgebirge Rücken Zn Tempeln und pallasien ausgchehlt ? Raml. DcrRück-m eines Ackers, der mittler e sich in drcLängr erstreckende erhabeneTheistda denn auch wohl ein ganzer zwischen zwey§»r« chen eingeschlossener Acker ein Rucken genannt wird. In der Landivirthschafl wird das abgemähere Heu, wenn es trocken ist, a» einigen Orlen in Rucken gelegt, d. i. in lange Haufen, welche um Stade Rucken heißen. 2. In engerer Bedeutung ist der Rücken an dem menschlicheu Körper der breite etwas erhabene Theil hinter der Brust, im gemeinen Leben der Buckel oder Puckel, dessen obere Thüle die Schultern sind, i) Eigentlich. Einen breiten Rückenhabcn. Einen krummen Rücken machen. Die Hände auf den Rucken legen. Jemanden auf den Rücken nehmen. AndenThiercn ist der Rücken der ganze erhabene Theil des Körpers, von dem Halft bis a« den Schweif. Ein Rehrücken, dieser Theil von einem Rehe. Zubern menschlichen Nucken gehören anch folgende figürliche R A. Jemanden den Rücken kehren, sich von ihm eilkf cnen, und nach e.»er noch weit-cn Figur, chm seine Hülfe und Ncrgnng versagen. Die Rinder müssen ,Hren Feindenden Rücken kehren, Jost 7, r 2, müssen vor ihnen .fliehen. lVir habe» Kaken falscheZreunde gefüttert, die ,ms vepächtlich den Rücken kehren, Weiße.. Den Ri cken wenden, sich umdrehen, sich eur wenig entfernen. Ich darf nur den Rücken wenden, so cst er wieder fort. Jemanden den Rücken kalten, il)" unterstützen, js,n vcrthe-digcn, lS. Rückenhalt.) Etwas mit dem Rucken an-^ sehen müssen, es versa sie n müssen. Sein Vaterland mit dem Rücken ansehen müssen. Etwas hinter jemandes Rucken thun, wider dessen Wissen und Willen. Den 8 eind in dem Rucken haben, hinter sich. Den Zeind in dem Rücken angreifen, von hinten. 2)Verbreitere, znweilen erhabene hinicieTkeileines Dinges. Der Rücken eines Messers, der Messerrücken^ im Gegensätze der Schneide. Oer Rücken eines Hirschfängers, einer Axt. Be» dei» Jägern werden die kleinen hornigen Theile, welche den Hunden und allem Wildbrete zu beyden Seiten unten an den Lausten gleich über den Ballen heraus gewachsen sind,, die Rucken und Oberrücken genannt; Hey andern heißen sie dre Afterklauen, das Geäster, die Spornen. Das Rücktein, oder die Rikkcndrüse, in der Anatomie, ist eine zusammen gesetzte Drüse an dem ersten Lendenwirbel unten am himerstkn Theile des Magens; kuocreäs. Anm. Inder cugern Bedeutung im Isidor ckirucea, ben dem Kero Urucki,bey dcm Ottfrred bey dem Notker Ruk- Ks, bey den heutigen Oberdeutschen Ruck und Ruggen, im Niederst Rugge, Rügge, im Angels. ikrecZ, kiZL, im Engl. Ri"e,?v>siCe,.lM Schottland, bl i?, im Schwed. i>/ 88 ' J-läiid. k-i^Lu r, i n Kriech- welches so wohl emeliBerg- rückcii, als auch den Aiickgraih bereutet. Es ist mit dem vorigen Eines Geschlechtes.und eine Fignc von rucken, so fern cs das Jiitcnsivuni von rechen, regen ist, und sowie dieses urjvcitt'.gl. ) viile Bewegungnrach allen Richtungen bcdentet hat. Daoer kommt es denn auch , daß in diesem Worte bald der Begriff der Höhe, bald der Länge, bald der Breite der herrschende ist. Als e,ue Figur von dem menschlicheuMcken, istdas ehemahligeNebenworL rück anzusehen, wofür wir jetzt zurück sagen, welches noch r« einigen der folgenden Zusammensetzungen voekommt. Dir ^cu-ke, eine Stange, welches Frisch bey diesem Worte hat, ist Nieder^ deutsch undcheißt eigentlich die Ricke oder das Rick, gehöret auch zunächst zu Reihe, Niederst Riege,obgleich auch diejes mitRücken Eines Geschlechts ist. Das Rückenblut. des—es, plur. our. eine Krankheit so wohl des Rindviekws, als der Schafs , welche in geronnenem Bluis untet dem Rücken bestehen soll; aber eigentlich eineArt eines yitzi - gen Fiebers zu seyn scheinet. Das Rückenblnt brechen, mir der Hand in den Mastdarmsahren und dieses geronnene Blut heraus .hohlen. Die Rückenöcrvre p!ur. iQus. die Ab« oder Auszehrung, wenn sie mit einem Schmerzen im Rückdrarhe verbnirden ist; ckübes rucsiiuiAiou. Ohnediesen Schmerzen, aber mit einem Fieber verbunden, heißt sie Schwindsucht, Hektik, l aftss.. "" Die Rückenörüse, plur. die—n, S. d'er'Rücken. 22). Der Rückenhalt, des—cs, piur die— e. ») Elge„tlrch,im Kriegswesen, eine ehemablige Benennung des Corps de Reserve, welches im Rinken der Armee, d. i. hinter derselben, uns alle Notlüge Fälle hält. Halt hat auch in Hinterhalt eben dieselbe Bedeutung eines an einem Orte haltenden Hansens Trupoen. 2) Figürlich, eine Person oder Sache, auf die man sich verläßt und »erlassen kann, die,ins Hülfe, UnterstiiLinig und Veethsidi- gunggeivöhret; ben einigen von Personen auch Rückenhalter, Nichcrs. Ruageltarküng, wo ruggestarken auch steifen, unterstützen ist. Einen guten Rückenhalt haben. Jemandes Rückenhalt sepn. Man muß dieses Wort nichts wie wohl von virleuLe jch eh. r, mit Rückh Kt t.ver wc ch.st-ln.. Ruck - LiyM Dre Rückenhaut, plur. die - häute , Diminut. das Rückens- Häutchen, Oberd. Rückenhäntlein, inder Anatomie, eine Haut,,, welche den ganzen Oberleib inwendig bekleidet;, kleuru, bey einigen das Rückcnfcll. Die Rückenkltn^e 7 p!ür. die-—ns eine Degenklinge, welche i einen Anken, d. i. einen breiten Hintcrchsilfolglich auch nur E ne Schneide hat. Der Rückenkratzer, des—s, plnr.ut vom. sinß. ein gekrümmtes und mit Kerben versehenes Holz, an einem Stiele, ben jucken- den Rücken damit zu kratzen. Die Rückenlehne, plur. die —n, derjenige Thcil eines Stuhles u. s. s. woran man den Rücken lehnet. Das Rückenmark, des— es, plür. inust das i« dem Rückgrathe besittdliche Mark, welches eigentlich eine Fortsetzung desGehirncs ist, und ans dem Hinterhaupte durch den ganzen Nückgrath gehet; MeüuIlulchivLi-L. Der Rückenrabe, des—n, plur. die—n, S. 1 Racker. Der Rückenriemen, des—s, plur. ut nom. lin^. an e-nem Pferdegeschirre, ein Riemen, welcher über den Rücken des Pferdes gebet. Der Rückenschwimmer, des —e, pitm.. ut ein Nähme der kvasserwanze. L,, weil dieses Znsect auf dem Rücken liegend ans dem Wasser fortschicßt. Der Rückensirercher, des -— s, pjrw. ut l,orn. üuA. e'nNahme^ welchen man den gekrümmten Säbeln der Sächsischen Cavallcris zu geben pflegt. Der Rückenwind , des—es, plur. die—c, in der Schifffahrt, ein Wind, welcher gerade von hinten auf das Schiff gehet; zum Unterschiede von dem vorwinde, Beywinden. st s. Der Rückenwirbel, des — s, p!i,r. ut nom. ünss. eines von den Wirbelbeincn, woraus der Rückgrarh bestehet; das Rücken- gelenk. Die Riickftthrte, xlur. die— n, bey den Jägern, S. Hinterfährte. , Der Rückfall, des —es, piur. die—-fülle, der Zustand, da eine Person oder Sache wieder zurück fallt; doch nur in,einigen sigürlichen Bedeutungen. r) Der Zustand, da ein Ding wieder seinem vorigen Her. ,l anheim fällt. So ist in dem Leheurechte her Rückfall der Umstand, da ein Lehen an den Lehenslerre-r zurück fällt. 2) Beiden Äezcen issder Rückfall der Zustand, da eine Person wieder in diejenige Krankheit verfällt, von welcher sie erst vor k,u ;e>i genesen-war -, mit einem Lateinischen Kunst- Worte einRecidlve. Einen Rückfall bekommen. Z) In des' Sittenlehre undTheoloaie ist der Rückfall die Rückkehr aus denr Stande der Tugend in denSkand d.sLasters oder der herrsche,»derr. Sünde. Der Rückfall von der Tugend. Rückfällig, uüj. rtt uckv. in den Stand des Rückfallesgecaihend^ in allen obigen Bedeutungen. Die Rückfracht, p'ur. d'ie—en, diejenige Fracht, ivelche ciir. Schiffer oder Fuhrmann von demienigen Orte, wo er ausgclader; hät. wieder mit zurück ninum; die Rückladung... Die Rückfrage, virir.^die —n. ,) Eine Anfrage, die man i:r einer Sache gleichsam wieder züruck an seinen Ladern ibuk; eine- vornelunlich imOberdeuttchcn übliche-Bedenluilg. Das Besoblnp- ohne Rückfrage bewerkstelligen. 2) Eine weitere Nachfrage oder Nachforschung, da man von den; ersten Anssaaer a'e chsaM ztirückfraaet, dessen Äewährmänuerbefragt ; ohne Plural. Ems- Rückfrage kalten. D er R ückyang-, des —es, plur. die — rränge,- diejenige Hand--' Iiing, da zurück gebet; wofür doch >er Rückweg üblicher ist-. RüikFü.ny'F, ackj. et ttckv. 1) AukbemRückgänge begriffen 1 doch-» uue im Oberdeutschen., r) So ferm zurück auch für rückwärts Z,s f f L gehr.'.uchL Aiyi Ruck gebraucht wirb, ist rückgängig figürlich, tn der Volke,, bung öee Wirklichkeit gehindert; wo es doch als ei» Nebeuwort am üblichsten ist. Eine Sache rückgängig machen, machen, daß sie zurück gehe, nicht zu Stande komme. Oer vergleich, der Raufu. s. f. ist rückgängig geworden. Rückgehen, Verd.irreZ. neuir.(S. Gehen,) von welchem doch nur das Mittelwort rückgeyend für zurück gehend üblich ist. Mit der rückgehenden Post. Der Rückgrath, des—es, plckr. die—e, der scharfe erhabene Lheil, welcher in derMitte des Rückens der Menschen und Thiere der Länge nach hinunter gehet, und von den Rückenwirbeln gebildet wird, ingleichen diese an einander befestigten sämmtlichen Rückenwirbel selbst ; in dem um das Jahr 1490 gedruckten Gar- ten^der Gesundheit der Rugkmeyßel, im Schwed. Rückgrach druckt zunächst die vou außen sichtbare, sich iu die Länge erstreckende scharfe Erhöhung aus, welche von den hintern Fortsätzen der schmntlichen Wirbelbeine gebildet wird. S. Grath. Der Rückhalt, des—es, xrlur. Inus. ein für Zurückhaltung im figürlichen Verstände übliches Wort. Sich den Ausschweifungen ohne allen Rückhalt überlassen. Ein 8 rcund verschafft uns einen ungezwungenem Umgang, in welchem wir unserm Geschmacks ohne Rückhalt folgen können, Sulz. Rückenhalt hat einen ganz verschiedenen Begriff, S. dasselbe. Der Rückkauf, des—es, plur.die—kaufe, in einigen Gegen, den, für wiederkauf, wo auch rückkäuflich für wiederkäuflich gangbar ist. Die Rückkehr, xlur. lauf, die Zurückkehrung, die Handlung, da man sich wieder dahin zurück begibt, woher man gekommen ist. Auf der Rückkehr bey jemanden einsprechen, wofür man doch lieber Rückweg sagt. Die Rückkehr des Ziehers. Oie Rückkehr zu Gott, in der Theologie. Die Rückkunft, xlur. inust. die-Zurückkuilft. Ich hoffe ihn bey meiner Rückkunft zu sprechen. DieRückleine, piur. die—n, bey den Vogelstellern, eine Leiste oder Seil an dem Vogelgarne, womit dieses gerücket, d. i. schnell aufgezogen wird. RücklrntzS, ackv. von demHarrptworte Rücken. Rücklings gehen, so daß der Rücken, nicht aber das Gesicht nach dem Orte gekehcet ist, wohin man gehet; rückwärts, i Mos. 9, ' 3 . Auch zuwci. Leu, auf dem Rücken liegend. Rücklings schlafen. Der Rückenschwimmer schwimmt rücklings. Jugleichen imRücken, vou hinten. Jemanden rücklings angreifen, überfallen. Der Rückmarsch, des—es, plur. die—Märsche, der Zurück, marsch chres Kriegsheeres. Die Rückreise, psiur. die —n, dieZurückreise. Auf der Rückreise.bey jemanden einfprechen. Der Rückschein, des—es, p! uv. die —e, S. Revers. Die Rückseite, plur. die—n, die Hintere Seite, welche der rechten oder vorder» Seite entgegen gesetzet rstx Die Rückseite einer Münze, im Gegensätze der Hauptseite. (S. Revers.) Zuweilen auch diejenige Seite,welche sich im Rücken oder hinter dem Nucken befindet. Oie Rückseite eines Wagens. Die Rücksicht, plur. die—en, für das ungewöhnliche Zurückficht; doch nur im figürlichen Verstände. 1) Derjenige Zustand, da man bey einer Handlung auferwas zurück stehet, dasselbe in . Betrachtung ziehet, es zum Bewegungsgrund eines Urtheiles oder t' eurer Handlung gebraucht. Die Sache kann in gewisser Rücksicht neu scheinen, in gewissen Betrachtungen, wenn mau sie von gewissen Selten ansichet. Jemanden m Rücksicht seiner ehedem geleisteten Dienste vergeben. Rücksicht auf etwas nehmen, haben, es dabepmit in Betrachtung, i» Erwägung ziehen. Äüc? H9Z Hch habe bey meinen Diensten keine Rücksicht auf eine Vergeltung gehabt. Sich einem Eindrücke ohne weitere Rücksicht ganz überlassen, Less. Andere werden von den Gefahren der Rücksicht aufflch selbst gezwungen, von sich weg in die Welt zu fliehen, Zimmerm. Menschen leben shneRückficht, an den Tod wird nie gedacht, Log. Gottsched tadelte es in dieser Bedeutung ohne Noth, und glaubte, daß man Absicht dafür setzen müsse, welches doch unrichtig ist, indem beyde Wörter zwar Zuweilen, aber nicht in allen Fälle» gebraucht werden können, wovon der Grund iy den verschiedenes Bedeutungen der Partikeln rück, zurück, und ab, liegt. Über dieß ist auch da. wo beyde Seatt finden, Rücksicht edler, als das gemeiner gewordene Absicht. 2) Ehrerbiechnug, Achtung; eine Bedeutung, welche im Oberdeutschen am gangdarsten ist. Jemanden die schuldige Rücksicht versagen. Z) Nachsicht; auch nur im Oberdeutschen. Reine weitere Rücksicht gebrauchen. Das Rücksieyel, des—s, 11lur.ut u.orn. lia^. anfUrkimde», Ausfertigungen u. s. s. ein Nähme des Gegenstegels oder Contra- Stegels, weil es im Rücken oder an dein Rücken auf die ledige' Sene des v-ordecn halben Bogens gedruckt wird; im Gegensake des äauptsiegels. Der Rücksitz, des—es, plur. die—e, derjenige Sitz in einem Wagen, auf welchem man rückwärts siyct. Die Rücksprache, plur. die—n, von Sprache, Unterredung, die Unterredung mit einem Obern, oder mit solchen, welche in einer Sache etwas zu sagen haben, so fern st-:, vor dem völligen Beschlüsse der Sache angestellet wird. Rücksprache mit jemanden halten, ihm Bericht von einer aufgetragenen HamVuna abstat- tcn, mit ihm nach derselben und vor dem völligen Beschlüsse rath« schlagen. Es ist auch im Niedersächsischrn gangbar, wo cs Rng- gesprake lautet. Der Rückstand) des—cs, xlur. die —stäube, dasjenige, was von einer Abgabe, von einer schuldigen Geldsumme noch zurück ist, noch außen stehet, noch nicht entrichtet oder bezahlet ist; im Obcrd. auch der Asiterstckiid, der Außenstaud. Zs.cders. ehedem Overhore, weil es über die gehörige Zeit ausfiehct, im Mittlern Lat. /)ei rslAZiurn. Die Rückstände eintreiben. Den Rückstand bezahlen. Rückständig, uclj. elackv. von solchen Abgaben oder Geldsummen noch außen stehend. Rückständige Steuern. Im Oberd. auch hinterständig, rückstellig. Niederst ruggstellig. ruggsten-ig. Auch von Personen, rückständig seyu, noch Rückstände zu bezahlen haben. Rückstelltg, nckj.et ackv. welches nnk im Oberdeutschen gangbar ist. »)Für rückständig. Rückstellige Steuern. 2)Fürrück- gä'ngi'g. Eine Sache rücksiellig machen, rückgängig, siehur- tertreiben. Der Riuckstrich, des—es, plur. die—e, derjenige Strich der Zugvögel, da sie wieder zurückstreichen, der Rückzug; im Gegensätze des Anstrichs. Rückwärts, ackv. -) Mit dem Rücken dahin gerichtet, wohin gewöhnlicher Weise das Gesicht gerichtet ist ; rücklings. Rückwärts gehen. Rückwärts sitzen, fahren. .2) Zurück; doch nur zuweilen im gemeinen Lebru. Mennich wieder rückwärts kow- ^ me, zurück. DerRückwcchseb, des—s, plur. utnorn. lmZ. in derHand- lung. eine Art Wechsel ; LÄMüjum rscurrerrs. Der Rückweg, des—es, plur. die e, derjenige Weg, aufwe!- chem man zurück kommt, und der Rückgang, die Rückreise selbst. Sernen Rückweg nehmen, wieder zurück gehen, Zurück j . reift«- r 1 9Z Ruck RuS HY4 reisen. Auf dem Rückwege bey jemanden einsprechen. Atem' Rückweg führe» mich durch dieses Dorf. Der Rückzug, des—es, plur. die—züge, derjenige Zug, da man wieder zurück ziehet, von Kriegsherren und vielen in Gesellschaft ziehenden Perionen. S. auch Rückstrich. Der Rüde, des— N, p!ur. die— N. ') Das nüinnliche Jndivi- duum der Hunde, Füchse und Wölfe, im Gegensätze der Fähe; iu welchem Verstände es besonders bey den Jägern üblich ist, wo dieses Wort auch Rüdde lautet, dag-gcn mau einen solchen Hund im gemeine» Leben eine Rette nennet, (S. dieses Wort.) 2) Im weitern Verstaube wird es sehr häufig von einem großen, starken, oft zotigen Hunde gebraucht. Ein Schafrüde, oder Reede schlecht' Heu, dergleichen die Schäfer zur Abhaltung des Wolfes haben. Ein Saurüde, bey den Jägern, zur Jagd der wilden Schweine Anne. In der letzter» Bedeutung eines jeden großen Hundes schon bey dem Stryker Rucke, imAngelst Rotüullck,in erlügen Oberdeutschen Gegenden Räude, im Niederst Rodde. Frisch leitet es von rauh her, weil dergleichen Hunde'zuweilen zotig find; «me Ableitung, welche bald zu weit, bald aber auch zu enge .st. Wenn, wie es scheinet, die erste und euLere Bedeutung die ursprüngliche ist, so muß dieses Wort mit Rette zu reiren, begatten, gerechnet werden, indem die männlichen Jndiviona mehrerer Thicce so wohl von diesem als ähnlichen Zeitwörter» benannt worden. - " r.Das Rudel, des —s, pIur.ut.nom.linZ. ein nur bey den Vogelstellern üblichesWort, wo die Stangen an dem Vogelherde, welche auch das Gerege heißen, Rudel genannt werden. Es ist hier mit RuderEmes Geschlechtes, indem die Adleitnngssylben _et und —er immer mit einander abwechfeln, nnd bezeichnet so wohl eine Ausdehnung in dieLänge,eine Stange, als auch die Bewegung, wozu sie hier eigentlich bestimmt ist. 2.Das Rudel, des—-s, plur. ut. uom. ÜuZ. eine Menge mehrerer bey einander befindlichen Dinge einer An, ohne Bestimmung der Zahl. Dann hat der Mann ein Rudel clpflscher Freuden mehr, Wiel. Besonders ist esbey den Jägern üblich, wo es einen Haufen bey einauder befindlichen Wüdbretes, besonders von Hirschen und wilden Schweinen, bedeutet; einen Trupp, eine Herde, eine Schar. Es stehen zeben Arsche auf Einem Rudel, in Einem Haufen. Es ziehet ein starker Rudel wüd- bret zu Holze. Wo es in einigen Gegenden auch im männlichen Gcschlechre üblich ist, der Rüdes. Kühner leitet der Hirsch aus dicken Wäldern die Rudel Über die Heiden zur grünenden Flur. Zachar. Selber die Rudel liegen gestreckt im kühiesten Dickicht, cbond. ' Es ist mit Rotte Eines Geschlechtes, von welchem die Stamm- syibe Rot, Rud, hier nur die Endsylbe—el angenommen hat. S. Rotte. Rudeln, verb. reZ. net. welches nur in einigen Gegenden für rütteln üblich ist. Die Gandhorste in einem Flusse aufrudeln, ausrnhren; in Obersachsen. Das Rüdenhorn, des—cs, piur. die—Horner, bey den Jägern, ein Jagdhorn von Bein, Horn oder Holz, welches einen groben, li fenLant hat, die Saurüden damit bey einer Saujagd zu commandieen. Der Rüdenhund, des —es, p!ur. die—e, ein zuweilen für Rüde, ein großer, starker Hand, übllchcs.Wort. De.r Rüdenknecht, des— es, plur. die—e, bey den Jägern, ein Knecht, welcher zur Wartung nnd Aufsicht über die Saurüdefi bestellet ifl« DreRü-enpaktey, plur. die—en, bey großen Jägerepcrr, alle zur Wartung der Sanrüden bestellte Personen, worunter die Rüdcnknechte vorzüglich gehören. Das Ruder, des —s, plur. ut vorn. IrnZ. r) Ein langes Werkzeug, einen andern Körper damit umzurühren; eine nur in der» Brauhäusern übliche Bedeutung, wo die langen vorn breiten Stangen dieser Art Ruder heiße». In manchen Gegenden werden sie Wessel genannt. 2) In gewöhnlicherer Bedeutung ist das Ruder eine Art Hebel, welcher in einemlangcn, unten breiten Holze bestehet, einen schwimmenden Körper in dem Wasser s» wohl fonzutreiben,als auch zu regieren, von welcher letzter» Art auch das Steuerruder ist, welches ehedem länger war, als es jetzt gemeiniglich ist. Elh Schiff mit Rudern forttreiben. An dem Ruder ziehen. An dem Ruder sitzen, das Ruder führen, in engerer Bedeutung, das Steuerruder, und figürlich, die oberste Leitung oder Bestimmung gewisser Veränderungen haben. Am Ruder des Staates sitzen, den Staat regieren. Ley den Jägern werden die Füße des Wassergeflügels, wegen ihres ähnlich.,» Gebrauches, die Ruder genannt. In Meißen werden auf den kleinen Elbschiffen me Nudrr Rügen genannt. Anm. Schon dev dem Otlfried Ru 06er, im Niederst Roder, Roor, im Engl. Ruckcler, im Angels. Rrroler. in Boxhorns Glossen Rüockol, im Pohln. Rucke!. Der Begriffder hin und her gehenden mit Veränderung des Ortes verbundenen Bewegung ist der Srammbegriss, daher dieses Wort als ein Verwandler von rühren, rudeln, reiten u. s. s. angesehen werden mnß. Mit einer andern Endsylbe, aber ebendemselben Begriffe, ist im Niederst dafür auch Reem, Riem üblich, S. Riemen. Das Ruderbank, des—es, plur. die—e, in der Deutschen Bibel, die Bande, womit das Ruder befestiget ist. Apost. 2 7, 40. Die Ruderbank, plur. die —banke, der Sitz der Anderer auf einem Anderschiffe. Eine Galeere von fünfund zwanzig Ruderbänken, welche aufjederSeite 23, folglich.rnsammen zo Ruderbänke hat; auf jeder Banstbestuden sich vier bis sechs Mann, welche zusammen an Einem Ander ziehen. Der Ruderer, des—s, plur. ut uom.siuZ. derjenige, welcher rudert; ein Ruderknecht, wenn es eine gedungene Person von dem geringsten Stanke ist. . Der Ruderknecht, des —es, plur. die—e, S.bas vorige. Das Rüderlöch^ des—cs, plur. die —locher, dre Offnu-ng hurten im Schiffe, worin das Steuerruder gehet; Niederst Rodergat. . ^ DerRudermeifter, des—s, plur. ut nom. lmZ. anfdenGa- leeren, ein Befehlshaber, welcher die Aufsicht über Sie Ander- knechtehat; Jtal. RemcÜÄ. Rudern, verb. rep. neutr. mit dem Hülfsworte haben. r) Hin und her bewegen, um dadurch einen schweren Körper in einem flüssigen fortznschieben. So sagt man, cm Me-'sch rudere mit den Armen, wenn er die Arme im Geben hin nnd her bewegt, um sich dadurch gleichsam fortznschieben. Die Ä'ten und alle Schwimmvögel rudern mit ihren Fiisten, welches auch einige Vögel im Fliegen in der Luft thnn. 2) In engerer Bedeiumig lst rudern das Ander bewegen, um dadurch ein Fah- zeug fortzn- schieben. Rudern müssen/ das Ander züh'.m Auf einen Ort zu rudern, mit einem von Andern'gernebeiwnFahk zeuge. Von dem Steuerruder-gghraucht man dieses Zeitwort nicht, sondern steuern. So auch das Rudern. . -- Anm. Niederstrodern,nnd mit andern Endlauteu im ea chm- d. ' ro, im Angels, ro vr.cn, im Engl, tn ro w, im Watlu. hcv ;m Bretagn.rosnva, im Ni d rs rojen rinnen, im Ott e m. runü^Lre, im Gnech. k'§s-v nüd , in w-lchen ällm ^er Begriff des Rührens, der Bewegung, der herrschende st. We-n L M S Rud !I9S Ruf r 196 der eigeiithumliche LantdeS Birkhahnes, welcher auch durch ku- deru anSgedruckt wird , bey einigen Jägern rudern heißt, so ist es hier wie kudern eine unmittelbare Onomatopöie. DasRuderschtss^ des — es, plur, die—e, ein Schiff, welches mit Rudern fortgetriebcn wird, worunter die Galeeren die vor» nehmste Art sind. Der Ruöerschlay, des—es, pkur. die—schlage, ein Schlag mit dem Ruder, d. i. diejenige Handlung, da man im Rudern das Ruder aufhebt und es wieder in das Wasser fallen läßt. Ruöobph, ein alter Deittscher männlicher Vornahme, welcher in Niedeesachsen zusammen gezogen,. Rolf und Rulf, im Engl, kulxiit, lautet. Die erste Snlbe Rud, worauf es hier eigentlich aiikommt, ist izoch dunkel- so wie indem gleichfalls männlichen Rüdiger. Man erklärt es gemeiniglich durch RathrhÜlf. 2. Der Ruf, des —es^plur. die — e, die rauheHaut, siehe Rufe. s. Der Rus, des—es, plur. welcher doch nur ru einigen wenigen Fälle» üblich ist, die Rufe, von dem Zeitwort? rufen. 1. Die Handlung desRiifens, und der dadurch vecursachteLant' oder Schall, r) Im weitesten Verstände, ein jeder starker Laut der Stimme; wo es doch nur in einigen Fällen üblich ist. Ich- höre einen Ruf. Der Wiederruf, wo es für Rede überhaupt stehet. 2) In engereeBcdeukuiig ist der Ruf diejenigcHaiidlniig, da inan ein anderes Dingen sich rufet. So wohl von den Tlste. - reu, wo es von der Srinune der meisten Thieee gcbranchl wird, mit welcher ste einander rufen, oder znrufen, obgleich von den meisten Thicrcn oiich einzelne Ausdrücke üblich sind, welche ihr r eigenthüinrichen Stimme mehr angemessen sind. So heißt ce bey den Hafclhiihirerii das Pisten, bey den Blautaubcn oas Heulen-. Hey dem BrrkHahnechasHrollen u. s. f. Besonders von dee lam» ten meiifchlichen, so wohl künstlichen als nmürli^eu Stimme, so fern ste ein Zeichen der Herzunahnng jür andere ist. Zii dem Jagdwesen heisten verschiedeiir-Arlen der Stöße in das Hicfhorn ein Ruf: gemeiniglich besteht er aus drcv Hirsen,welche inEinom Aiheni scharf in da-.-Hiefhorn gestoßen werdetl. Den Ruf m das Horn stoßen, so wohl zum Zeichen, daß das Treiben angehen soll, als auch als ein Zeichen des Rnckzngcsi Mik dem Fürsten» rufe wüd der Herr der Zagd zum Aksangen des Hirsches herbey gernftn. H-er ist auch der sonst ungewöhnliche Pim-al üblich.. Dve? Rufe in darr Horn stoffen. Jngleichen von dein Rufen mir der natürlichen Stimme. Jemandes Ruf Horen, z) Figürlich. (a) Von gewissen Arten des innern Triebes. Der Ruf der mütterlichen Natur ziehet die jungen Unken in das Wasser. Da es denn auch zuweilen für Beruf gebraucht wird,, es mag N»» dieBerechtiäuiig zn gcwissenVerrichlungcil iu del Gesellschaft, oder-auch in der Theologie die Bekanntmachung des göttlichen Willens bcv einzelnen Personen bedeuten. In seiuemRufe bleiben, besser m feinem Berufe. Der uns berufen hat, mit einer» heiligen Ruf, r Trumo, 9. Dem göttlichen Rufe widerstehen. (b).Das Gerücht, die Wissenschaft mehrerer von einer geschehenen Sache und deren mündliche Fortpflanzung. Es gohet ein Ruf, daß der Papst gestorben sc?. Wenn dem Ruft zu trauen ist. Irr welcher weitern Bedeutung es doch im Hochdeutschen wenig mehr verkommt-. waGerucht dafür üblicher ist. Wehl aber gebraucht Mun os il'.i'engern Verstände von dem mündlich fongepflsüztcn Urcheiie vieler über die sittliche Beschaffenheit eines Menschen, wo cs die gute oder nachtheilige Art dieses Anheiles unei-uschreden -läßt. Einen gute!., einen bofsn Ruf haben. Jemanden in einen bösen oder üblen Ruf bringen. Im üblen, im guten Rufe seyn. Im Rufe der Wahrheit stoben. Wenn die Beschaffenhen des Lü-fts.dnrch reinen BeysaS best-mm; ist, so kann es so wohl riiien üblen,, als einen guten Ruf bedenken. In Ruf kommen. IinRufefeyn. Dft aber wird es auch allein von einem guten, rühmlichen Rufe gebraucht, für Ruhm. Der Brunnen kommt in Ruf. Die lange Abwesenheit ist dem Rufe eines jungen Mädchens nicht nin Üblich, 2. Eitt Weckzeilu zum Rufen; da auch der sonst iillgewöhiiliche Plural üblich ist. So wird der lebendigeLockvogel aus dem Vogel« Herde auch der Ruf genannt. Bcv den Jägern heißt eure jede Pfeife oder anderes Werkz-ua, ivonul man den Rus, d. i. die Stimme der Thiere, nachabmek, der Ruf, und nach Verschieden« heit des THieres, der Hirschruf, A"tenrrif, Wacyrelruf, Tau- benruf s. f. Anm. Bey dem Notker ist p.unßt das Eeschrey, sowie in der M.-nseeischcii Glosse das nur im Endlaure verschiedene Ruhm, auch Geschery bedeutet. S. Rufen: Die Rufe, s>!ur. die —n, eine rauhe Riiide. So wird in der» B.a-ufarbrnwerkendieN nde, welche sich unter dem blauen Glase in dem Hafen setzet, die Rufe genannr. Am Hbüchsti n ist es von der rauben harten Rinde auf einer Wunde^ welche imNirdtts. der Schorfhrißt. Anm. JniTatran heißt derAussatz Ruf, und ciir Ansfätzigcr I-lioftmnun, vernniihlichauch wegtn dieser damit verbnuttutn Rufe. Es ist ein Verwandter von ranh, roh, Rande, reiben u. s. f. und wird in manchen Gegenden im männlichen Ge» schlechte gebraucht,der Ruf. Im Arabischen ist rufuu,vo'. Wun« den, eine Rufe oder Riiide bekommen. Rufett, ve,b. irre^. ich rufe, dis rufst, erruft; Jmperf. ich ri. f; Miltelw. gerufen; Jmperat. x,rfe.. Es ist in doppelter Gestalt übliche h. Alsein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, eine laute Stimme von sich hören lassen,wo dock) rufen keine so laumSnlkme voraussetzt, als schreyen. t) Überhaupt. Er wird nicht schreyen noch rufen, Es. 42, 2. Rufet mit voller Grimmeund sprechet, Jer. 4 , 5. Der Honig rief überlaut, daß m s. ^ Dan.z,7. Zu Gottrufen, in der DeuischenBib l. Jndieser allgemejncnBedenliuig fäiigl es in>Hochdenrschen aii zu rerainn, ob es gleich noch in einigknFallen aongsar ist. Um Hülfe, um Rache Elisen. Feuer rufen. Ins Gewehr ri-sett Heine Thrane seiner Unterthancn ruft wider ihn um Rache. So auch in den Zusammensetzungen ausruscn, Nachrufen, zueusen, widerrufen u. s. f. 2) In engerer Bedeutung ist dieses rufen, durch laute Stimme einem ander» ein Zeichen gelStrmden.pufen,, wofür mamdoch lieber ab rufen sagt, ft wie Rüf überhaupt diese Bedeutung in den Zusammensetzungen abrnfen und ausrufen am üblichsten ist. 2) Mir lauter Stimme zu sich fordern, durch laute Stimme cinem andern ein Zeichen geben, daß er sich uns nähere, wo es mit der vierteil Endung der Person gebraucht wird, und im Hochdeutschen statt des vorigeuNcucrm» itt der cugern Bedeutung üblich ist. Jemanden rufen, wer hat mich gerufens Ich habe drch nicht gerufen. Sie kommen wie gerufen. Jemanden zumZeugen rufen. Jemanden heraus, - hinein, herauf, bey Seite, zu flchxufcn u. s. f. Auch wenn man Thiere durch Nachahmung ihrer Stimme oder durch andere Töne «aber zu bringen sucht. Jugleichen figürlich. Gehe, wohin die Ehre dich ruft. Die Gl-cke ruft uns. DieTrompete xuft die Rrieger zur Schlacht. Unter diesem für mich ewig fremden Himmel mochte ich noch Ein Mahl die Freuden meiner muntern Jugend zurück rufen, Zimmerm. So auch das Rufen. Anm. Bey dem Ottfned uudNotker ruokLN,ümJsido§ »reo- tun, bey dem Ulphilas tiropjanftttSchlvaboli noch jetzt riafun, im Rieders, ropen, im Schwed. ropn, im Fiuuläud. rnnvun, .und selbst im Arab. i Lfun. wo Rufnet eine taute Stimme bedeu- M. ES ist eine uumittelbarc Ouomatopöie des lauten Rufeirs, und da eben dieser Ton auch andern Acren des Geräusches eigen ist, so ist 211 >:u Hcdr. Zank. Einige Oberdeutsche Schriftsteller werseU deu Me sinern vor, daß sie dieses Zeitwort wider dasBey- fpiel desgrößreuLheilesDeutschlaudes regulär abwandelu. Den Meißnern gcschiehet damit zuviel, wohl aber findet mau es Hey , den meisten Schlesischen Dichtern häufig in der regulären Form. Gryphius und Günther gebrauchen mchrmabls geruft für gerufen- wir rüsten Pluto an, Opitz. Auch inBaieru gebraucht mau es fast durchgängig regulär. Der Rufenberg, des—es, plur. die—e, im Bergbaue, Berg oder Berge, d. i. eine Bergart, welche als eine Unart ben den Zwittern gefunden wird. Ohne Zweifel von Rufe, rauhe Rinde. Die Rufenbung, plur. die—en, bey einigen Lrprachiehrecn, derRahme der funftenEndung derNenuwörter, als eine iclavsiche Übersetzung des Lateinischen vocativus; bey ander» der Ruffall.. Der Rufer, des—s, plur. ut. nom. lin^. FLmin. die Rufe- rinn, eine Person, welche ruft; ein für stch allein im Hochdeutschen ungewöhnliches Wort, welches nur iu deuZusammeuietzuu- ßen Ausrufer, Stundcnruser u. s. f. üblich ist. Nur in dcmSalz« werkezu Halle wird derjenige, welcher dieBoruknechtezurArbeit ruft, der Rufer genannt. . Auch Hagedorn nennt den Kuckuck, den Rufer zwischen Rohr und Sträuchen. Der Ruffall, des—es, plur. die—fälle, S. Rufendung. Rüffelbaum, Ruffelkamm, Rüffeln, S. in Riffel— Rufferig, oder Ruffrig, Lüftet ackv. welches, nur im Bergbaue üblich ist. Ruffrige Gange, eisenschüssige, kalkige und stötzlge Gänge beyZwwrerKbäudeii. Vermuthlich auch von Rufe. Rüsig, —er, —sie, Lclft et nck v. eine Ruft habend, im gemei- . neu Leben. Die-Semmeln werden rüsig, bey den Bäckern, wenn sie eine allzu harte und rauhe Rinde bekommen. Die Ruge, plur. die—n, ein altes, im Hochdeutschen größten Theils veraltetes Wort, welches so wie alle folgende Ableitungen und Zusammensetzungen nur noch hin und wieder iy druGerichren And in der gerichtlichen Sprcchart vorkommt. ^Es bedeutete, t) die Beschuldigung eines Verbrechens, so wohl eine jede Beschuldigung im gesellschaftlichen Leben, als auch eine Anklage, die Anzeige der von einem andern begangenen Übertretung des Gesetzes an den Richter,in welchem lctztrrnVerstaude es durch das aus. lländischeDennnciation zwar sehr, aber doch nicht ganz verdränget worden. Die Rüge thnn, die Deuuuciation. Die Gewisiens- Nige kommt ovn der Anklage, von der Lejchmdiguug des eigenen Rüg 1198 Gewissens noch zuweilen vor. 2 ) Eine Übertretung des Gesetzes es sey nun ein eige, tliches Veebr.chen, oder eine geringere Vergehung, Ivo es noch hin und wieder iu denGccichren, besonders in .den Ulltergorichteu aufdemLande und irrüen Provinzen üblich ist. Feldrügen, Verbrechen wider die Feld-und Gränzordiiung. Mord, Diebstahl, Brand, und Nochzucht wurdpu ehedem die vier hohen Rügen Fder Hauptrügen genannt. In Meißen auf dem Lande ist die versäumte ystichtmäßige Begleitung einer Leiche unter dem Nahmen der Rüge bekannt, welche gemeiniglich mit i Gr. 4 Pf. Buße belegt wird. Z) Die gerichtliche Untersuchung eines Verbrechens, die Inquisition; auch nur noch in cüugen Gegenden. Eine Rüge anstellen. Die Rüge erkennen. 4) Die Ahndung eines Vergehens, es sey nun eine Ahndung im gesellschaftlichen Leben, odereine gerichtliche Bestrafung; wo es nur noch in dieser letzter» Bedeutung in einigen Gegenden üblich ist. Besonders wird dasNiedcrfächsische mit demBlüftlauLe verstärkte Wroge noch sehr häufig von einer Geldstrafe auf solche Vergehen gebraucht, weiche unter dem Nahmen der Rügen oder Wrogerr bekannt sind. Bey dem Nockr ist Vruoze Rache, und unser - Rache selbst scheint ein Zutenfivum davon zu ftyu. zMnGericht, ein zur Ahndung und Bestrafung der Übertretungen des Gesetzes Nlrdcrgesetztes Collegium c wo es noch an vielen Orren von gcwi> senUntergerichren üblichftftwelche allerleyVergehungcn wider dre Polizey nnd gute Ordnung ahnden und bestrafen, und wo es im Oberdeutschen auch die Rüg lautet. (S. Rügegericht.) 6) Eine Verordnung zur Aufrecht Haltung der äußern Ordnung und Poli- zey, einPolizey-Gesetz; gleichfalls nur in eiiligenGegcnden. Dorfrügen, Dorssordnui'gen. Dahin gehöret denn vermuthlich auch .die iioch im Niedersächsischen gangbare Bedeutung, wo Wroge das Eichen oder die Berichtigung des Maßes und Gewichtes ist, da. es denn auch wohl das obrigkeitliche Zeichen bedeutet, womit ^ die Maße und Gewichte bezeichnet worden. Anm. Bey den älter» Oberdeutschen Schriftstellern RouZs, im 'Niedersächsischen mit dem in mehrern Fällen üblichen Blaft-- laut wroge. (S. Rügen.) Auch im Pohlnischen ist RuZ di- Inquisition. .. Das Rügeamt, des — es, plur. die — amrer, m euugenGegen- den, ein Amt, d. i. em obrigkeitliches Lolleziauuein Umergericht, welches angebrachte Rügen oder Klagen untersucht, und die Vergehungen bestraft. So ist zu Nürnberg das Rügeamt, oder wie mau dort sagt, Rugsamt, eiu Collegium von sünsRathsherce^ welches alle Sachen der Handwerker, die Übertretungen ihrer Artikel u. s. f. rüget, oder bestrafet. S. Rügegericht. RüZebar, LÜft et LÜv. nur noch in einigen Gegenden, für klag, bar. Rügebar werden Klagbar, etwas klag-.n oder denunciiren. Znglcichen strafbar. Rligebare Handlungen. DasRÜgebüch, des— -es, plur. die —bücher, ein Gerichts- bnch ; doch nur in solchen Gerichten, welche unter dei» Nahmen der Rugegerichte, Rugeämter oder Rügen bekannt sind. Das Rügegertck-t, des—es, plur. die—e, eigentlich, cur Gericht, vor welches Rügen, d. i. Klagen? angebracht, und die Übertretungen der Gesetze gerüget, d. i. bestrafet werden; wo es doch nur noch in manchen Gegenden von gewissen Uutergerichten üblich ist, welche die Übertretungen der Pplizeygch-tze und andere geringe Vergehen untersuchen nnd bestrafen, und auch Rügeämter und Rügen, im Oberdeutschen Rügen genannt werden. So werden in Obersachftn die Feld- und Jahrgerichte, weicheiu Thüringen Hagemah!e heißen, aneinigen Ortt-n Rüge- gcrichte genannt-, (S. Feldgericht.) In manch.m Gegenden wurde das Landgericht dae Rügegericht gena-mt,i>nd an viele,-Orten ist es ein Uutcrgericht, welches Injurien, Frevel und andere geringe Verbrechen bestraft. . 1LYO ii§9 Rüg Der Rügegraf, des —en, piur. die —en, enreehernahllge Benennung eines Grafen,, k i. Vorsitzenden Richters, in einem Rü- gegcrichte, besonders so fern darunter ein Landgericht verstanden wurde, da er denn die angebrachten Rügen im Nahmen des Kaisers untersuchte und bestrafte. DerRüyehafer, des —s, plur. irrul. in einigen Oberdeutschen Gegenden, eine Abgabe in Hafer, welche zur Anerkennung der Zent, oder der Nügcgerichtbarkeit, von einem zentbaren Grund und Boden gegeben werden must. S. Zent. Der Rützemerster/des —s, siiur. ut nom. üuZ. an einigen Orten, der Richter in einem Rügegerichte von geringerer Art, besonders auf dem Lande, wo der Schuldheiß oder Bauermeister zuweilen diesen Nahmen führet. Rügen, verb. re^. scr. etnsutr. welches im letztem Falle das Hülfswvrt haben erfordert, und in verschiedenen Bedeutungen verkommt, r) Anfuhren, erwähnen, Mcldung'thttn ; eine noch hin uud wieder, besonders im Oberdeutschen, übliche Bedeutung. Der oben gerügte Cardinal, Grr-xh. der oben erwähnte. Die angerngten Blichcr, die angeführten, im Oberdeutschen. Ich rvrll es nicht weiter rügen, nicht weiter erwähnen. Es kommt hier mir regen anregen, Lereyen überein, welche im Oberdeut, fchen in ebl n deinftlben Verstände gebraucht werden. 2) Bekennen, doch nur in einigen Gegenden im engernVerstände, ein Be« fugniß durch ein feverliches Bekenntnist in seiner Kraft erhalten. Sic rügen seine Erbgexichte und Lehen, sie bekennen, hast sie ihm gehören; eine noch hin und wieder gangbare Formel. Im Schwed. ist röja. gleichfalls bekennen. Z) Beschuldigen, eines Verbrechens, eines Vergehens beschuldigen; so wohl von der Be- fchuldigung im gesellschaftlichen Leben, in welcher Bedeutung es im Hochdeutschen veraltet ist. Der Pfarrer bat ihn anfder Ranzel geruget, Wurst« en. Sünde auf einen rügen. Jcroschin. Besonders durch di? Beschuldigung rines Verbrechens in einen üblen Ruf bringen, in welchem Verstände Luther das vsegseLsr -- - Matth, r, - 9 durch rügen gibt: Iosephaber war . - fromm, und wollte Mariam nicht rügen ; wo cs in der Basel- scheu Ausgabe des N Lest, von - 52Z ur dem Verzeichnisse ränge- > wohnlicher Wörter durch schünden, Schand entdecken, erkläret wird. Ehedem war veprngen so viel wie verleumden. Als auch besonders von der gerichtl.chenBeschuldigung odcrAnklage, wo es ehedem für anklagen überhaupt gebraucht wurde, und noch jetzt nicht ganz veraltet ist, indem es in einigen Gerichten noch für de- riuncüren gebraucht wird,ein begangenes Verbrechen -emRichter Änzeigen. Daß fle ih» gerügten, Matth, r -, in einer alten handschriftlichen Übersetzung des N.Lest. bey dem Frisch. Ir sont nit «enenchaß ich uch rüge bey dem Vater, er ift.der uch rüget,Joh. L ebend. Em Ehemann kann seine Irarr rirgen um ihreuneh- lichc Sunde, im Schwabens. Denn es ist ein Eiferopfer und Rügeopfer,das Missethar rüget,4 Most-:, 1 L; wo es aber in Michaelis Übersetzung heistt: denn es ist ein Opfer der Eifersucht, eü Rügeopfer, das Sünden vor Gott in Andenken bringt; da es denn zunächst zu der nahe verwandten erstenBedeutung gehören würde, zumahl da auch die siebzig Dollmetscher hier das Wort gebrauchen. Mich rügt ein Boscwiche, Haged. er zieht mich vor Gericht, verklagt mich. 4) Tadeln, mit Worten bestrafen; ein noch im Hochdcutfcheu gangbarer Gebrauch. Ich null es nicht rügen- nicht tadeln, nicht ahnden. Richardson hat vrele Weiblichkeiten (Fehler des weiblichen Geschlechts) gerü- Aet, aber die'e verdienet eine neue Geißel, Hermes. Jnglerchen in engerer Bedeutung, gerichtlich ahnden, als Nichts bestrafen; wo es «och i« vielen Gegenden, so wohl von der Bestrafung «»erpanpt, als auch von her Bestrafung geringer, wider die güte -Tri-nnug und Polizep begangener Vergehungen, gebraucht tvird^ H Ruh und im Niederst wrogen lautet, wo es besonders von derBeste-i, fung an Gelds üblich ist. Ein vergehen rügen, mit Gelds bestrafen. Figürlich ist wrogen im Niederst ängstigen, quälen, Krimmer, Angst verursachen. L) Verordnen; eine veraltete Bedeutung, vsn welcher das Niederst wrogen noch ein Überbleibsel zu seyn scheinet, wenn es für eichen gebraucht wird, d. i. dem Maße und Gewichte seine gehörige Größe bestimmen. S. auch das Rügen und die Rügung. Anni. Bey dem Ottfried And im Tatian ruaZsn, ruo^en. für anklagcn, im Island. raeZs, im Schwed. röju, im Niederst mit dem dieser Mundart geläufigen Vorlaute w, wrogen. Wenn man die sämmtlichen Bedeutungen dieses alten Wortes zusammen nimmt, so wird man nicht längnen können, daß der Begriff des Redens, des Sprechens in demselben der herrschende «st, der denn hier anfbesonderc Arten eingeschränket worden. Es ist demnach als ein naher Verwandter von dem alte«« rechen , jetzt rechnen, reden, von recht, richten, unftrm sprechen, welches, sich nur durch den Vorlaut unterscheidet, ingleichen von rachen, Gerücht, den« Lat. roZure, und andern mehr, anzufthen. Im Pohln.ifi ruxorvae gleichfalls rügen, anklagen u,«d gerichtlich untersuchen. < x . .< DerRügenschreiber, des —s, plur. ul NOIN. ÜNA. in einigen Gegenden, ein Schreiber odeü Actuarius in einen« Ruge- geeichte. DasRützeopfer, des -s, pftir. ut riom. linZ. ein nur in der Deutschen Bibel, 4 Mos. §,'>§ befindliches Wort, dasjenige Opfer zu bezeichnen, welches bey den älter«« Juden ein Ehemann bringen mußte, wenn er seine Fran gerüget, d. i. sie einer Untreue wegen angeklagr hatte. S. Rügen z. Die RÜFeordnunF, plur. die—en, in einigen Gegenden, ft wohl die Ordnung, nach welcher ein Rügegericht verfährt, als eine Verordnung in Polizeysachcn. Der Rüger, des —s, p!ur. ut nom. liuZ. derjenige, welcher ein Verbrechen rüget, d. i. bey dem Richter anzeiget, in einigen Gegenden. Jrn Herzogtum Gotha find solche verordnete Personen, welche die Vergehungen ihrer Nachbarn bey der Obrigkeit anzei- gen müssen, und ehedem Rüger und Rügemerster hießen. DerRügerichter, des—s, xrlur. utlloin.iiuZ. derNichterm ei««e«n Rügegerichte. Die Rüyessst-e, s>Iur. die—n, eine Sache, welche für ein Rii- gegericht gehöret, daselbst angebracht worden. Der Rügetag, des—es,piur. die—e, in einigen Gegenden, der Tag, an welchem sich ei,« Rügegericht versammelt. Die Ruhe, plur. die —n, von dem Zeitworte ruhen. Es isi in er'-, ner doppelten Hauptbedeutungsirblich. I. Als ein Abstraktum, und ohne Plural, der Zustand, darin ,Ding ruhet. ^ «. I«: «veitercr Vedenttmg, der Zustand, da ein Ding sich nichtbeweget,si-inen Ort nicht verändert, die AbwcsenheitderBe- «vegung. ,) Eigentlich. Ein Rorper «st in Ruhe, wenn er seinen Ort nicht verändert, wen« er sich nicht beweget. Laß den Stein in seiner Ruhe, laß ihn liegen, wo und wie er liegt. Der Hahn steht in der Ruhe, an einem Feurraewehre, «renn er nicht gespannt ist, folglich sich nicht bestrebt, sich zu bewegen, s) I» weiterer Bedeutung wird die Ruhe oft nur heftigen Bewegungen, und in figürlichem Verstände lebhaften und besonders beschwerlichen Gemttchsbewegungen entgegen gefttzet. (a) Der Zustand, da ein Ding keine heftigen oder andern beschwerlichen Bewegungen macht. Er hat keine Ruhe, sagt man von einem Menschen, der immer in hcftigerBewegung des Lerbes ist. Gib Ruhe! im ge» meinen Leben, lärme nicht so. Reine Ruhe vor jemanden ha- hlü, wssnrr man immer in heftigen Bewegungen von ihm erhalten wird, < 120L 1 LOL Ruh - SdLH wird. Jemanden keine Ruhe lasset (b) Der Zustand, La man von beschwerlichen,Geschäften befreyet ist, die Entfernung von lästigen G schäft-n. Die Ruhelieben, suchen In Ruhe leben. Sich zur Ruhe setzen. Sich in Ruhe begeben, (c) Die Abwesen, heit alles Streites, Zankes und Krieges; wo es so viel als Friede ist, und oft mit diesem Worte verbunden wird. In Ruhe und Lrr'edc leben. Das Semige in Ruhe besitzen. Die Ruhe einer Familie stören.. Die öffentliche Ruhe stören, wieder Herstellen. Sich Ruhe schaffen. (d) Die Abwesenheit aller hefli- gen Gemiithsbewegmlgen. Sein Gemuth zur Ruhe bringen. Das störet die Ruhe des Golstes, des Gemuches. Die Gemüchs- ruhe, Geistesruhe, Seelenruhe, wenn ich innere Ruhe genug hätte, um mein Herz den Vergnügungen des Herzens zu offnen, Zimmerm. Deine Bestimmung fordert viel Eingezogenheit, viel Stille und Ruhe des Geistes, (e) Die Abwesenheit des Geräusches, ingleichen aller beschwerlichen und nnaiigcnchmci» Empfindungen. Ich habe keine Ruhe vor ihm. Nicht ein,nah! mit Ruhe essen können. Jemanden keine Ruhe lassen. Reine Ruhe vor jemanden haben. Sie sollen recht haben, lassen sie mich nur in Ruhe, Gell. Lassen sie mich damit in Ruhe. Lle Ruhe des Gewissens, die Gewiffensruhe. Ich sann dem Zweifel nach, der meine Ruhe stört, Gell. 2. In engerer Bedeutung ist es der Stand der Ruhe nach einer vorher gegangenen beschwerlichen Bewegung, besonders so fern sie zur Wiederherstellung der Kräfte dienet, i) Überhaupt. Jemanden keine Ruhe lassen. Der Ruhe pflegen. Da man denn in der Landwirchschaft auch den Zustand,da man einenAcker brach liegen läßt, die Ruhe desselben nennet. Jetzt kommt die Ruhe des Winters, ihr Baume, Geßu. 2) In engerer und figür. licher Bedeutung, (a) Der Schlaf, besonders in der edlern Schreibart. Reine Ruhe haben, nicht schlafen können. Sich zur Ruhe begeben oder legen. Mittagsruhe halten, nach dem Essen schlafen. Jemanden die Ruhe mitnehmen, im gemeinen Leben, wo man glaubt, daß ein Kind oder ein Kranker nicht werde schlafen können, wenn eine in das Zimmer kommende fremde Person sich nicht setzt, (b) Der Stand des Todes und des Grabes. Zur Ruhe kommen, in seine Ruhe eingehen, sterben. Jemanden zu seiner Ruhe bringen,, ihn feycrlich beerdigen. II. Alsein Loncrerum, der Ort, wo eine Person oder Sache ruhet; wo es doch nur in einigen einzelnen Fällen üblich ist, da denn zuweilen auch der Plural Statt findet. Dieß ist meine Ruhe ewiglich, hier will ich wohnen, Ps. z z 2,14. In der Mecha- rrik wird auch der Ruhepunct, der Ort, wo ein Hebel aufliegt, die Ruhe genannt. Bey den Jägern ist die Ruhe der Del in einem Gehölze, wo das Roth- oder Damwildbret gelegen hat; das Bett. In den Gewehrschlössern werden der Arm der Nuß und Lessen Einschnitte, worauf die Schlagfeder und die Stange ruhen, so wohl die Ruhen, als auch die Raflen genannt. Anm. Bey dem Willeram und Notker kuvtvo, Rttuuo, bey den Schwäbischen Dichtern Ruorvs, im Riedersächf. Rone, Rouwe, bey den ältern Engländern Rorv, bey Len Schweden Ro, im Finnländischen klauüa, im Js. länd. mit einem andern Endlcmte wohin auch das Nieders. Reidc, ein ruhiger Aufenthalt, und unser Friede gehören. S. Ruhen. Die Ruhebank, plur. die—banke, eine Bank, woranfman ruhet; am häufigsten in der Sentenz, Müßiggang ist des Teufels Ruhebank. Das Ruhebett, des —es, plur. die»—e, Dimin. das Ruhebctt- chen, Oberd. Ruhebettlein, eiu Bett bey -äge darauf anszuru- heu, zum Unterschiede von einem Bette, worin man des Nachts schläft; das Faulbett. Adel.w. S.Z.TH.-.Zlufl. Der RuheboE, des —es, x!ur. die —bocke, kcy den Vogelstellern, ein Bock oder Gerüst, worauf die Stangen mit denLcimru- then im Niedcrlegen ruhen. Die Ruhebühne, xlur. die—n, im Bergbaue, Absätze auf den Fahrtenund Sitze von Pfosten im Rücken der Fahrten, bev dem Ausfahren darauf anszuruhen; auf den Treppen der Ruheplatz. Das Ruhefeld, des—es, p!ur. die—er, ein in einigen Gegen, den für Brachfeld übliches Wort, ein Feld, welches dieses Iahe unbearbeitet bleibt, und gleichsam ruhet. Die Ruhekümmer, plur. die —N, Dimin. dasRtthekämmer- chen. Oberd. Rnhekämmerlein, eine figürliche Benennung des Grabes. Ruhen, verd. reZ. veutr. welches das Hülfswort haben erfordert, eigentlich der Bewegung entgegen gesetzet ist, und nicht beweget werden, den Ort nicht verändern, bedeutet. 1. Eigentlich, wo man von einem jede» Körper sagen kann, er ruhe, wenn er de» Ort nicht verändert, wenn er sich im Stande der Ruhe befindet, ob es gleich in diesem Verstände am häufigsten in der philosophischen Schreibart üblich ist. 2. In weiterer Bedeutung/ in welcher dieses Zeitwort am gangbarsten ist, ist es heftigen und ermüdende,» Bewegungen entgegen gesetzet, und da ruhet mau schon, wenn man aufhöcet, sich auf eine lebhafte, ermüdende Art zu bestreben. Gott ruhete am siebenten Tage, hörete auf, unmittelbar in der Bildung der Körperwelt zu wirken. Besonders, wenn es geschiehst, um die verlornen Kräfte wieder zu ersetzen. Nach ge- rhaner Arbeit ist gut ruhen, von ein er Arbeit ruhen. Die Pferde ruhen lassen. Er kann nicht ruhen, sagt man von jemanden, der immer in heftiger, zuweilen auch andern beschwerlicher Bewegung und Geschäftigkeit ist. Ich werde nicht eher ruhen, als bis ich meine Absicht erreicht habe, nicht eher aufhören, mich zu bestreben. Siewuhen nicht, sie haben denn Schaden gethan, Sprichw. 4, » 6 . Ruhe nicht bis er dirs gibt. M, Schwert des Herrn, ruhe! Dan. -2, -z. htzre anfzu verwüsten. Zn der Landwirchschaft ruhet ein Acker, wen» man ihn ein Jahr lang unbestellet läßt, damit er neue Kräfte gewinne. Auch die Teiche läßt man an manchen Orten alle sechs Jahre ruhen, wenn man sie austrocknen, pflügen und besäe» läßt. z. Figürlich. 1) Schlafen, besonders in der edlern Sprechart. Zu Mittage ruhen. Haben sie wohl geruhet? Ach wollt ihr nun schlafen und ruhen ? Matth. 6,4z. 2) Im Grabeliegen. Ehrfurcht erfüllt uns für den Redlichen, dessen Asche hier ruhet, Geßu. - 2 ) Von einem andern Dinge getragen, unterstützt werden. (a) Der Balken ruhet auf der Schwelle. Die Taube Noah fand nicht, da ihr Fuß ruhen konnt>, » Mos. 8 , 9, (b) Figürlich, auf eine bleibende, dauerhafte Art gegenwärtig seyn. Die Weisheit ruhet indem Herzen.eines verständigen, Sprichw. » 4 , 33 . Zorn ruhet in dem Herzen des Narren, Prcd. 7, »0. Lee Geist Gottes ruhet aufihm. Der Segen ruhet bey der Hütte des Redlichen und bey seiner Scheuer, Geßu. Bey dieser Hütte hat nie ein langwieriges Unglück geruhet, ebend. Sein Bückruhere unverwandt auf dem Greise, ebend. (Siehe auch Beruhen.) (c) Nach einer noch weitern Figur wird es in der chrerbiethigen Schreibart der Kanzelleyen zuweilen für seyn gebraucht. Lenenselben wird in hoher Erinnerung ruhen. Ew. Erccllen; ruhet ohne Zweifel noch in frischem Andenken u. s.f. So auch das Ruhen. Anm. Bey dem Willeram und Nstkernüt dem Blaselaute statt des Hauches, ruouuev, ruuuLn, im Niedersächs. rauen, im Schwed. ro, im Griech. nach dem Hcsychins uiid Scholiasten des Thcocrü s§«qc?,wo auch s-«yNrche -st,nnd selbst im Arab; ruffu, und mit veeflärktemHaucylauke reicunZ. Ehedem hatte man vermittelst des Ableitungslautt's — ftn hiervon auch dasJntcnsivnm GgSS raufen; raufen; öer aber rawfet indemfummer der ist der schänden s,m, in einer alten Übersetzung der Sprüche Salomonis, aus dem Anfänge des 'Lten Jahrhunderts. Und hiervon scheinet unser Raff und rasten ein Überbleibsel z,r ftyn. Mit einem noch andern Endlautc ist im Island. k.otü die Ruhe, und im Nieders. Reib rin Ort der Ruhe. Ruhen ist eine Figur einer mehr in das Gebär fallenden Veränderung, als die eigentliche Rübe. Da rahen, re-' hen, ruhen, Regen u. s. s., eigentliche und onomatopöietifche Ausdrücke der Bewegung sind, so könnte man leicht auf die Gedanken fallen,dach es in den Sprachen eine gewöhnliche Figur sey, daß ein Wort zwey einander entgegengesetzte Dinge bedeuten könne; welcher Satz doch so, wie er da stehet, der Philosophie der Sprachen völlig zuwider ist. Indessen ist ruhen, Huielcsre , w'rklich eine Figur von einem veralteten ruhen, stch bewegen; aber nicht unmittelbar, und als dessen Gegensatz, fonderu vermittelst mehrerer Zwischenbedeutungen. Die Lester möchte etwa so anssehen. 2) Ruben, bewegen, als eine Onomatovöie der Bewegung. 2) In die Krümme bewegen, Hohl machen; wovon Z) die Bedeutung eines Daches, der Bedeckung, des Schutzes sehr gewöhnliche Figuren stnd, rind von dieser Bedeutung stammet 4) die Figur der Abwesenheit der Beunruhigung, der beschwerlichen Bewegung her, welches'denn unser gegenwärtiges Wort ist. Man siebet hieraus zugleich,daß auch unserFciede hierher gerechnet werden kann. Voxr zwey Mitlanrern zu Anfänge eines Wortes ist allemablder erste ein zufälliger Vorlaut, und daß im Nicders.Rftd, und im Island. Rcrtk noch jetzt Ruhe bedeutetest schon vorhin bemerket worden. Ruhen inEeruhen gehöret nicht hierher,sondern zu dem veralteten ruchcn, sorgen, besorgen. Der Ruheplatz, des — es,p 1 ur.die— platze , rin Platz, wo man ruhet, oder ausfuhct. So wcrdc)l.die Absätze auf den Treppen, wo mau ansruhet, Ruheplätze und Ruhestcllen genannt. Anfdcn Fahrten im Bcrgöaüe heißen sie Ruhebiihnrn. Das Ruhepulyer, des—s, plur. ul nom. aug. im gemeftttn Leben, ein Pulver, welches in den Apotheke» aus Opium , A-nis- samen, Armenischem Bolus, Päonienwurzel u. s. s. bereitet, und den Kindern gegeben wird, wenn sie nicht schlafen können ; das Bindeppulver. Die so genannte Rmderruhe, Rs^uieL äblico- i ist eine ähnliche Masse oder Confection aus Opium. Der Ruhepunct, des — es, plur. die —e, derjenige Punct, auf welchem eine Last alistieget oder ruhet. So wird in der Mechanik deriemgePunck, woder Hebel aufliegt, die Ruhe oder der Ruhepunct genannt. So fern er auch zugleich der Punct ist, um welchen stch die Maschine bewegt, heißt er auch dev Bewe- gungspunct. ^ Die Ruyesaat, plur. ivus. in derLandwirthschaft ftnigerGegen. den, dasjenige Getreide, welches auf Ruhe, d. i. indieBrach- fcl,der, gesäet wirb. Der Ruhestab, des—es, pftir. die—stabe, bey den Mahlern, ein Stab, woraufdje rechte Hand im Mahlen rührt. Die Ruhestelle, plur. dre — n, eine Stelle, wo man auSruhet. (S. Ruheplatz.) In derMahlere» werden die starkenSchatten bey großen Lichtern Ruhestellen genannt, weil das Auge auf denselben von dem Hellen Lichte gleichsam ausruhet. DiöRuhestunde, plur. die —n, eine zur Ruhe, zum Ausruhen destiminte Stunde. DerRuhetatz, des—es, plur. dje—e, ein der Rirhe gewidme- terTag; in einigen Fällen auch der Rasttag. Ruhitz, —er, —ste, uclj. etuckv. Ruhe habend, und darin gegründet, in allen Bedeutungen des Abstracti Ruhe, besonders von der Abwesenheit lebhafter,iwmüdenderBelvegmlgen und beschwerlicher Empfindungen. Ruhig ftpn, stille, aufhöreu, rauschende, sich und andern beschwerlicheBcivegungenzu macheil.Ruhig schlafen, ohne heftige Bewegungen, unangenehme Traume, beschwerliche Sorgen. Ein ruhiges Leben, entfernt von beschwerlich«, Geschäften, inglcichen von Streitigkeiten mit andern, von»iästigc,r Sorgen u. s. f. Ein ruhiges Gewissen. Ein ruhiges After. Eine Sache ruhig besitzen. Sich ruhig verhalten, andern nicht beschwerlich sepn. Geyn sie ruhig, auch, machen si-> sich dcßwegenkeine Sorgen. Ruhig und gelassen sepn, ohnemerkliche Lebhaftigkeit des Gemuthes und der Empfindungen. Venn wird mein armes ^er; wieder ruhig werden k welchem Bäume entsinkt dann das sterbende Laub auf mein ruhiges Grab ? Geßn. Anm. Im Niedcrs. rauelik, rausam, gerausam, rüstig. (S. auch Geruhig.) Das Nebeuwort ruhiglich für ruhig, welches noch in der Deutschen Bibel vorkommt, ist im Hochdeutschen veraltet. Der Ruhm, des—?s,plur. inu 5 . von dem Zeftworte rühmen. 1) *Lantes Geschrey, laute Stimme, sie sey von welcher Arl sie wolle; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung. In den Mon, seeischen Glossen wird kuom noch ausdrücklich durch (R.imor übersetzt.Im Jsläud.ist komur dasGemurmel, und imSchwed. kl om der jauchzende Bepfall. Folgende Schriftstellen scheinen noch ein Überbleibsel dieser veraltetem Bedeuuing zu ftyu. Freue dich mir Ruhm und jauchze, Es. L 4 , >. Berge und 6"gel sollen vor euch her frohlocken mit Ruhm, Kap. 55, 12. Daß bevde ihr Ruhm und Freude ein Ende haben soll, Jer. 1 z, 9. Ich .will ihren Ruhm in Riage verwandeln, Bar. 4 Z4. 2) engerer Bedeutung war es ehedem auch für^Ruf, Gerücht üblich, die zu einer und eben derselben Zeit von vielen mündlich fortge- pflanzte Nachricht zu bezeichnen. Wenn dem Ruhme zu tränen - ist, dem Rufe, Gerüchte. Auch diese Bedeutung ist veraltet. 3) In der engsten und gewöhnlichsten Bedeutung ist es die laute Erzählung der Vollkommenheiten einer Person oder Sache ;w» der Ruhm eine Folge der Lyre ist, von Lob und Hefts aber nur in den Graden verschieden ist, indem er vorweg«: der in diesem Worte zum Grunde liegenden OnolnaLopöie Mehr sagt, d. i. eine lautere Erzählung bedeutet, als Lob, und etwas welliger, als Preis. Sich Ruhm mit etwas erwerben. Rühm von etwas haben. Nach Ruhm streben, .jemandes Rühm beneiden. Ich sage es zu seinem Ruhme. - Mhne Ruhm zu melden. Da es denn auch zuiveilewvon den Vorzügen , dein Gegenstände des Ruhmes gebraucht wird. Sich einen Ruhm aus etwas machen. Sich etwas zum Ruhme rechnen. Gott ist dein Ruhm, 2 Mos. 10, 2 1. Anm. Beychem Kero, Ottfried u. s. f. kku2m, im Nieders. Room. S. Rühmen. Die Ruhmbegierde plur. inus. die Begierde, das lebhafte Verlangen nach Ruhm, d. i. nach derlaurcn Erzählung anderer von nilsern Vorzügen. Das verkürzte Ruhmbegier kommt noch zuweilen bey den Dichtern vor Ruhmgicr hingegen ist eine heftige ungeordnete Begierde nach R -hm. Ruhmbegierig, —er,—ste, Lclj. et Ll'v. Ruhmbegierde habend, und darin gegründet. Ruhmgierig hingegen ist, eine heftige ungeordnete Begierde nach Ruhrn habend, und darin gegründet. Rühmen, verd. rssi. uct. dessen hcutigerG.brauch nur ein Überbleibsel s iner ehemahligen Bedentungen ist. Es bedeutete ehedem r) *Eine laute Stimme von sich hören lassen, laut-rufen, wie das Angelf. br> rufen, und das Schwed, rorna, Benfallzu« klatschen, zujauchzeü. Auch im Deutsche« kommt rahmenfök schrcyen noch zu"« lcu vor, (S.Rammeln,inelch es dasJntcvsivuM davon ist, und Rumor.) J,tzt ist es in dieser Bebeurung veraltet, obgleich, noch folgende Grellen zu derselben zu gehören schritten. r20F "Lüh Las ZcU sey fröhlich und lasset rühmen alle Baume im Walde, Ps. 96, 12. Leine Wachter rufen laut mit ihrer Stimme mrd rühmen mit einander, Es. L2, 8. Lassetfröhlich seyn und mit einander rühmen das wüste ;u Jerusalem, V. 9. Rühme du Unfruchtbare, freue dich mir Ruhm, Kap. L4, i. Wo es den lauten Ausbruch der Freude zu bezeichnen scheinet. 2) *Er- zählcn ; eine gleichfalls veraltete Bedeutung in welcher ZlruL- rnen bey-dem Dttfried mehrmahls vorkommt. 3) In engerer und xnvöhnlicherVedeutung, die Vollkommenheiten einer Person oder Sache mit lauter Stimme erzählen; wo es mehr sagt, d. i. eine stärkere Stimme Voraussicht, als lobe«, und vielleicht etwas we- rüger, als preisen. Jemanden rühmen. Er wird v^n jcder- ' mann gerühmt. Es will ihn niemand sehr rühmen. Jeder Rramer rühmet seine Waare. Diechiblischen Verbindungen frömm gerühmetwerden, Sprichrv. 20, 6, und für einen weisen Hdann gerühmet werden, Kap, r 6, s r, sind rmHochdeutschen ringewöhnlich, indem man statt deren lieber sagt, man rühmet ihn als fromm, als einen weisen Ueanii, oder, er wird wegen seiner 8rörckmigkcr't gernhmet. Jngleichen als ein Rccipro- c„m, sich rühmen. Die Sache, wegen welcher man sich rühmet, stehet alsdann in der zweyteu Endung. Sich seiner Starke, seiner Rlugheit rühmen. Da es denn noch häufiger in weiterm Verstände gebrancht wird, etwas als eine Vollkommenheit von sich behaupten. Reiner unserer Ginne kann sich so vieler Veränderungen rühmen, als unser Gesicht. Daher das Rühmen, viel Rühmens von etwas machen. Des Rühmens ist kein Ende. DpitzeuS Rühmung ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. Anni. Zn der letzter» Bedeutung bey den älternOöerdcutschen Schriftstellern rucuneo^ruarneo, im Niederst römen. LieRuhm8ter,plur.cur.S. Ruhmbegierde. RuhmtzirrlF. -er, — ste, aclj. er S. Ruhmbegierig. Daher dieRuhmgierigkeit, der Zustand, die Fertigkeit, da man rnhmgierig ist. Rühmlich, —er, —ste, n6j. el ackv. Ruhm bringend, Ruhm gewährend, mit Ruhm. Jemanden ein rühmliches Zeugniß geben. Rühmlich von jemanden sprechen. Eine rühmliche That. Sch rühmlich verhalten. Sein Amt rühmlich verwalten. Das ist nicht rühmlich. Die Rühmlichrert, plur. inus. die Eigenschaft einerPersoy oder Sache, nach welcher sie rühmlich ist. Der Rrchmneid, des— es, plur. esr. der Neid, so fern der Rnhm dessr-idern dessen -Gegenstand-istnach dem Muster des Wortes Brotneid. RuhmrsHtV- —er, —ste, aclj. et nclv. mit nugebührlichrm Rnhrne von sich selbst redend, und in dieser Gesinnung ge- gi üildet. Ein ruhmrediger Ukensch. Ruhmredig seyn. Lik Ruhmredigen bestehen nicht "vor deinen Augen, Pst L, 6. Ich sprach zu den Ruhmredigen, rühmet nicht so, Ps. 73, 5. Sehr häufig schreibt und spricht man dieses und das folgende Wort auch ruhmräthig, Ruhmrathigkett, und alsdann flammet es von rachen, dem Jntenstvo von reden her, so fern es ehedem auch reden bedeutete. Eine den Nieder- sachftn eigene R. A. ist ruum (d. i. raum, geräumig,) sprechen, theils mehr reden als man soll, theils aber auch, eine Sache vergrößern, das ist ;n ruum gegeben., zu milde berichtet; daher nennet mau daselbst einen Großsprecher, der alles vergrößert, Ruumschöttel, Raumschüssel. Stamu.e- te unser ruhmredig von diesem ruum, raum , geraum, ab, welches doch nicht erweislich ist, so würde es eine weitere Be- deuingg haben. Im Mecklenburgischen nennet man einen, der alles vergrößert wcidelaut, d. i. weitlaut. Ruh 1206 Dre R'-lhmre-rtzkelt, plur. iuus. die Eigenschaft,die Fertigkeit, da eine Person ruhmredig ist. Die Ruhmsucht, plur. var. die Sucht, d. i. ungeordnete, heftige und anhaltende Begierde uachRuhm, die Ruhmbegierde als eine Sucht betrachtet. Ruhmsüchtig,—-er,—-ste, Lch.etaäv. Ruhmsucht habend, m derselben gegründet. Ruhmwürdiy, —er, —ste, u6j. et u6v. des Ruhmes wilrdig. Die Ruhmwürdigkeit, plur. iuus.dieElgenschaft einesDinges, da es ruhmwürdig ist. DieRuhr, plur. die—en,von dem Zeitwerte rühren. 1) Die Handlung des Rührens; ohnePlurastnnd nur noch in einigen einzelnen Fällen. So wird das Stranden eines Schiffes, wen,t es den Grund berühret, aufden Grund stößt, in einigen Gegenden die Grundruhr genannt. In dem Landbaue ist die Ruhr die zweyte, und in einigen Gegenden die dritte Arbeit zur Wintersaat, (S. Rühren.) In den Weinbergen wird die letzte Hacke oder Behackung in einigen Gegenden die Ruhr genannt. (Siehe auch Aufruhr.) 2) Dasjenige, was gerühret wird; auch nur in einigen Fällen. So heißt an der Falkenbeitze der lebendigcVogel,welchen man in der Hand flattern oder sich rühren läßt, um dadurch den Falken an sich zu locken, die Ruhr- Auch bcy den Vogelstellern führet der Ruhrvogel diesen Nahmen, (S. dieses Wort.) Z) Eine Krankheit bcy Menschen und Thiercn, welche iil einem ungewöhnlich heftigen und dünnen Bauchfiusse bestehet, wo mau ehedem einen jeden Bauch stuß, und sogar das Laxiren die Ruhr nannte. Die weiße Ruhr, ein solcherBanchfluß von gewöhnlicher Farbe, wo die verbaueren Speisen dünn und wässerig fortgehen, und der Hey Menschen am. häufigsten der Durchfall, Durchlauf, die Diarrhee genannt wird. Die röche Ruhr, welche auch nur die Ruhr schlechthin genannt wird, trnnn unter empfindlichen Schmerzen Blut mit abgchel; die Dysenterie, vondemGrirch. und Lat. Anm. In dem letztenFalle gehöret es zunächst zu der veralteten Bedeumng desZ'itwortes rühren,da es auch für stießen gebraucht wurde, so daß Ruhr eigentlich den Fluß, und in cugerm Verstände den Bauchfiuß bedeutet. Das Rirhrersen, des—s, plur. ut vorn. ÜNZ. eiu Eisen, ei, «en andern Körper damit umzurnihren. In den Salzwerken ist das Rühr-oder Rohreisen ein horizontales eisernes Blatt an einem eisernen Stiele die Steinkohlen und das Feuer damit aufzu, lüfteu. Rühren, verb. reg. welches in doppelter Gestalt üblich ist. I Als eiu Neutrum, mit dem HülfSworte haben, sich bewegen, bewe. gct werden, wo es ehedem von verschiedenen Arten der Bewegung -so wohl im eigentlichen als fizürlichenVerstande gebraucht wurde. Daß es ehedem auch stießen bedeutet habe) erhellet noch ans Ruhr Z. Zm gemeinen Leben wird röhren, welches eben dieses Wort ist, voy dem Rieseln trockner Körper gebraucht. Besonders bedeutete es 1) entstehen, seinen Ursprung von etwas nehmen; wo eS denn mit dem Lat. oriri überein kommt. Es ist in dieser Bedeutung nur noch in einigem Fällen üblich, von jemanden zu Lehen rühren, im Lchenswesen, feinen Ursprung als ein Lehen von demselben haben. Außer welchem Falle es nur noch in dem zusammen gesetzten herrühren üblich ist. Alles dieses Unglück rühret von dir her. Der Verdruß rühret gemeiniglich daher-, weil die Begebenheiten unfern Ideen entgegen stehen, Sulz. 2) Sich in die Länge bewegen, sofern sich die Bewegung bis an ein gewisses Ziel erstrecket. Die Leiter rühretc mit der Spitze an den Himmel, , Mos. - 8 , 12. Das Schwert rührete bis in Himmel, Woish. 18, 16. Wofür man doch jetzt lieber das verwandte reichen gebraucht. Gggg - ' U. Als 1207 Ruh II. Als ein Aclivum oder vielmehr Factrtivum, bewegen machen. 1. Überhaupt, für bewegen, wo cs vermöge seiner Ableitung einen etwas stärkern Grad der Bewegung bezeichnet als regen. i) Eigentlich. Der Vogelsteller rühret den Lockvogel, wenn er ihn vermittelst eines Fadens anziehet, damit er flattere, (stehe Ruhrvogel.) Am häufigsten gebraucht man es reciproee und von den Gliedern des Leibes. Sich nicht riihren können. Dein Glied rühren können. Weder äand noch Fuß rühren können. Die Zunge nicht rühren können. Rühre dich, rühret euch, eine im gemeinen Leben übliche Antreibungsformel. 2)Fj, gürlich, sanfte Gemüthsbewegungen hervor bringen, wo es von sanften Gemüthsbewegungen aller Art gebraucht wird. Jemanden rühren, ihn zum Mitleiden, zur Traurigkeit, zur Liebe bewegen. Ihn rühret nichts. Einem das 6erz rühren. Das rühret mich nicht, bringt nicht die geringste Empfindung in meinem Gemüthe hervor. Wenn mein Bitten sein 6erz nicht rühren kann. Ich bin zu zärtlich gerührt, als daß ich viel reden könnte. Der Anblick gerührter Freunde richtet uns sehr auf. Ein rührender Anblick, rührende Ausdrücke, eine rührende predigt. Das war sehr rührend. Er schien über diese Güte so innig gerührt zu seyn, als über sein Unglück. Unser Geist hat einen norhwendigen äang, sich von jeder Art der Schönheit rühren zu lassen. Schon Qttfried gebraucht es in dieser Fi- gurmchrmahls. 2. Besonders von verschiedenen einzelnen Arten derBewe- gung. r) Von der thätigen Bewegung in gerader Richtung, so fern fie sich bis an ein gewisses Ziel erstrecket, und dasselbe gleich, sam in Bewegung setzet. Seine Hand hat uns nicht gerüh- ree, i Sam. 6,9. Die Zand Gottes hat mich gerühret, Hiob r 9, 21. So bald ihn der Dstwind rühren wird, Ezech. 17, r 0. Wofür man doch jetzt anrühren und berühren gebraucht. Nach einer noch weitern Figur ist es noch in einigen Fällen für treffen üblich, von dem Blitze, von dem Donner gerühret werden, von dem Schlage (Apoplexia) gerühret werden. Jnglei. chen für schlagen. Die Trommel, das Spiel rühren. 2) Von einer kreisförmigen Bewegung, doch nur fo fern sie alle Theile eines Körpers in Bewegung setzet. Den Brey rühren. Zwey Dinge unter einander rühren. In etwas rühren. Besonders in den Zusammensetzungen aufrühren, einrühren, umrühren. In einigen Gegenden wird auch das Buttern rühren genannt. Z) In der Laudwirthschaft ist das Rühren die dritte, oder bey einigen die zweyte Art des Pflügens zur Wintersaat, da der gebrachte oder gewendete Acker mit dem Rührhaken oder Hakenpfluge der Quere nach überfahren wird, welches an einigen Qr- teir auch hakenpflügen, balkenstreichen, quieren, und wenn man sich statt des Hakenpfluges des gewöhnlichen Pfluges bedienet, vierahren oder vierahrten genannt wird, (siehe diese Wörter.) Den Acker rühren. Es scheinet hier ehedem pflügen, wühlen, graben u. s. w. überhaupt bedeutet zu habe», und im Wend. ist ruju noch aufwühlcn. Daher das Rühren. S. auch Rührung. Anm. Im Jstdor cjiitiruornn,kriran,be>) demOttfried und Notker ruorLU,bcy demUlphilas reirauchey den heutigenQber- schwaben ruaren, im Rieders, rörey, im Schwed, röru, Jsländ. rsi rn, im Angels. kreoran, Griech. »yc-pri-. Auch im Arab. ist varna die Augen bewegen. Ausder Endsylbe—ren erhellet schon, daß es ein Jnteusivum oderFrequentativum von einem veralteten Zeitworte ruhen, rahen, rohen ist, bewegen und beweget werden, welches auch in unserm regen, Ruhe, nnd dem Rieders. raken, rühren, bewegen, zum Grunde liegt, und in dem Lat. ruc», rusrs, und dem Arab. rasa, sich bewegen, «och un- Serändert vorhanden ist. Mit veränderten Vndlanten in der Ruh 1868 Stammsylbe gehören auch reden, bewegen, reiten, rahmen, keinen, riesen, reisen u. s. s. zu dieser Verwandtschaft. 'DasRührep, des—es, plur.dic—er, im gemeinen Leben, besonders Niederdeutfchlandes, in einer Pfanne gar gemachte ausgeschlagene Eyer, wo das Weiße und Gelbe unter einander gerühret wird; in andern Gegenden das Eyerrühr, Schwed.LlZZrörs, Engl. HeareFA. Das Rührfäß, des —sses, plur. die —fässer, in einigen Gegenden ein Nähme des Butterfasses; vsn rühren, buttern. DieRuhryerte, plur. die—n, bey den Vogelstellern, dieGerte oder Ruthe, woran der Snhrvogel gebunden ist. Der Rührhäken, des —s, plur. ut vom. 6n§. r) I» der Landwirthschaft, ein besonderer Pstug mit einerzweyschneidigen Schar, den Acker damit zu rühren, d. i. der Quere nach zu zerreißen oder zn dnrchschneiden; der öakenpstng, in einigen Gegenden der Radlitz. 2) Im Hüttmbaue ist es ein Werkzeug m Gestalt eines Hakens, das im Flusse stehende Silber oder Kupfer > damit umznrühren. - Die Rührkelle, plur. die —n, in den Küchen, eine Kelle, Dinge, welche gekocht werden, damit umzurühren. Das Ruhrkraut, des—es, plur. doch nnrvon mehrern Arten, die—krauter. r) Eine Pflanze, Ousplialiurn L,. Ruhr- pffanze,wovon es mehrere Arten gibt,worunter besonders die eine, welche im engsten Verstände Ruhrkraut heißt) in den dürren un- beschatteten Gegenden wächst, und wegen ihrer trocknenden, zusammen ziehenden Kraft wider die rothe Ruhr gebraucht wird; 6 uapka!ium rlioicurn I-. Gelbes Ruhrkraut, OuapkiLli- um luteo-album I,. In einigen Gegenden wird das Ruhr« kraut äundsauge, sundsblüche, Katzenpfötchen, Lngelblume, Schimmelkraut, Wiesenrvolle genannt. 2) EineArthesAlantes,welche in den vertrockneten Wassergräben wächst, Inulaü/- leuterica I,, ist gleichfalls unter diesem Nahmen bekannt. Die Ruhrlerche, plur. die —n, S. Ruhrvogel. Der Rührlöffel, des—s, plur.ut uor». 6rrZ. ein Löffel, an, dere Dinge damitumzurühren. DerRührnatzel, des—s, plur. die—nägel, in den MHlen, ein Nagel, welcher mit dem einen Ende an dem Schuh des Rumpfes, mit dem andern Ende aber in dem Loche des Läufers befestigt ist. Er macht, daß der Schuh zittert, und das Getreidezwischen den Stcinensallen läßt. DieRührnüß,plur. die—nässe, ein Nähme, welchen an einigen Qrten die Lampertsm'iffe führen, weil sie wider die rothe Ruhr heilsam seyn sollen. Die Ruhrpflanze, S. Ruhrkraut. Das Ruhrrecht, des—es, plur. die—e, i» einigen, besonders Niederdeutschen Gegenden, ein Nähme des Stpandrechtes. S. dasselbe, ingleichen Ruhr i. DasRührscheit, des—es, plur. die—e, in den Brauhäusern, ein Schert oder starker Stock, womit der Meisch umgerühret wird; derRuhrsteckcu. Die Ruhrschnur, plur. die —schnüre, bey den Vogelstellern, die' Schrine, woran der Rnhrvogel befestiget ist. Die Rührstange, plur. die —n, eine Stange, einen andern Körper damit zu rühren oder umzurühren. Bey den Köhlern ist es eine Srünge, womit die Fülle eines Meilers aufgeschüret und arrsgerührer wird; die Füllstange. Bey den Papiermachernist die Ruhrstange in dem Rechen eine Art vonQuerl, den gemahl- neu Zeug damitumzurühren. . ^ , DerRührftecken, des —s, plur. ut vom. lluA. S.Rllhrscheik'. DieRiihruny, plur. die —en, nicht so wohl das Verbale von rühren, weil es von der Handlung des Rührens nicht gebraucht wird, sondern von rühren und der Ableimngsfyibe ins oder uns, lSIO 1209 Ruh die Wirkung des Rührens im figürlichen Verstände, d. i. eine jede sanfte Empfindung, besonders so fern fie von außen veranlasset wird, zu bezeichnen. Der Ruhrvoyel, des—s, plur. die—Vogel, bey den Vogelstellern, ein an eine Ruthe gebundener lebendiger Vogel, welcher vermittelst einer Schnur gerühret, d. i. aufund,nieder gezogen wird, damit er flattere, und andere Vögel auf die Anfälle locke. Ist es ein Lerche, so heißt sie die Ruhrlerche. Der Ruin, des —es, plur. die—en, aus dem Lat. Ruina. i) Der Untergang, die Verwüstung einer Person oder Sache; ohne Plural. Der Rum einer Stadt. Das wird deinen Ruin beschleunigen, deinen Untergang, dein zeitliches Verderben. s) DieÜberreste von zerstörten Dingen, besonders von verwüsteten Gebäude»; die Trummer. Jhr Gokter, prächtig aus Ruinen erhebt fich euer Pantheon, Raml. In einer Schrift des 16ten Jahrhunderts werden die Ruinen eines Schlosses des alten Schlosses Maurenschädel genannt. Der Rülps, des—es, plur. die^—e, ein Magenwind, welcher mit einem lauten, unhöflichen Tone ans dem Halse fährt,^Sls eine unmittelbare Nachahmung dieses läuten, ungesitteten Tones, daher auch dieses Wort nur in den niedrigen Sprecharten üblich ist, so wie das nahe verwandte Oberd. Grolz,Grolzer, Gorps u. s. f. (B. das folgende.) Figürlich M es, d^ch nur tncher niedrigen Sprechart, ein grober ungesitteter Mensch. Rülpsen, vsrb. rez.rieurr. mit dem Hülfsworte haben, einen Rülps lassen ; auch nur in den niedrigen Sprecharten, im Oberd. grol;en,gorpsen, garzeu, im Österreich, grepitzen, im Rieders, kslpen, koppen,reppen, rülpsen, im Engl. W rslp, imFranz. reuppsr, im Schwed, rspa, im Dä«. rabe, im Griech. e?,» im Lat. ructars; lauter Nachahmungen des Schalles. Der Rümmel, des —s, plur.ut uom.liuA. 1) Ein kurzes, dickes, unförmliches Stück Holz heißt im gemeinen Leben ein Rummel, im Oberd. ein Ramel, mit dem Vorgesetzten d im Rieders. Drümmel. (S. Trumm und Rumpf.) Im Forstwesen ist berRmumel ein SLgeblock. 2) Bey den Müllern werden die Rinnen oder Schläge, welche in die Mühlsteine gehauen werden, gleichfalls Rummel genannt. In beyde» Fällen ist die Ausdehnung rheils in die Länge, theils in die Dicke der Stammbegriff. S. Rahmen. Der Rummel, des —s, plur. Irrust. ein nur im gemeinen Leben in einigen Fällen übliches Wort. ,) Altes Eisei^eug und andere verlegene Sachen durch einander, welche, wenn man sie bewegt, einGerummel oder Gepolter machen, werden in manchen Gegen, den, besonders Niedersachsens, collective ein Rummel genannt. Im Hochdeutschen ist dafür Gerumpel üblicher. Holland. Rom- Meiers, koinrnelinZ. Im Mittlern Lat. ist kumbula ein Trödelweib, im Österreichischen Gremplerlnn. 2) Eine Menge mehrerer Dinge ohne Wahl, wo Schlechtes und Gutes unter einander ist, Holland. kommslro, im Niederst auch Ramp,Ram- rer, Franz. Ramus. Den ganzen Rummel kaufen, den ganzen Haufen schlechter und guter Dinge. Im Rummel kaufen, gutes und schlechtes unter einander, in Bansch und Bozen. Figürlich, ein Handel, eine Sache im verächtlichen Verstände. Er wird dir den ganzen Rummel erzählen. Z) Eine Zahl, eineMenge überhaupt ; in welchem Verstände es noch im Picket-Spicle üblich ist, wo es die Zahl der Augen, welche man in Einer Farbe hat, bedeutet. S Rummeln. DerRurnmeldeus, plur. cur. der elgertthümliche Nähme desjenigen Bieres, welches in Ratzebui g gebraurt wird. Rummeley, plur. die—en, von dem Zeitworte rummeln. r) Das Rummeln, ohne Plural; doch nur im Niedersachstschen. Der Rummel, d. i. alte verlegene Sachen. Besonders Z) ein Rum altes baufälliges weitläufiges Haus, wo es Überall rummelt' wenn man dariir gehet; Niederst Rummeilje. Rummeln, verb. reA.neulr. mit dem Hülfsworte haben, welches nur von einer Art eines hohlen dumpfig''« Schalles üblich ist, welchen z. B. die verschlossenen Winde im Magen, gewisse Arten des Donners, das Rollen einer Kugel ans einer hoble» weiten Fläche u. st f--verursachen, und wovon rumpeln das Jatenfivn!« ist. Niederst gleichfalls rummeln, Engl, to rumbie, Island, k/mker, das Gemurmel. Mit vorgesctz.em T stammet trommeln und rrummelndaher. Der Rumor, des —es, p!ur. die—e, ein unanständiges Ge- schrey, ein ungesitteter Lärm, lautes Geräusch. Es ward in dee Stadt ein sehr groß (großer) Rumor, 1 Sam. F, 9-r». DaK er ihn überantwortete ohne Rumor, Luc. 22.6. Ghn alle (allen) Rumor und Getümmel, Apost. 24,18. Einen Rnmoe aufangen, machen. Die Stelle des Tones beweiset, daß wiv es zunächst aus den: Jtal. kumors entlehnet haben, welches wieder von dem Lat. Kumar abstammet, und so wohl mit den vo- "rigen Wörtern, als auch mit Ruhm, rühmen, genau verwandt ist. Rumören, verb.reZ. usutr. mit dem Hülfsworte haben, einen Rumor machen, lärmen, toben. Sic werden trinken und rumoren als vom wein, Zach. 9, r 5 . Im Mittlern Lat. rumare, scirumare, im Niederst ramenren, rammeln. DorRumörer, des — L/plur. ut uom./mZ. derjenige, welcher rumoret. Das Rumörhaus, des—es, plur. die—Häuser, in Wien, ein öffentliches Haus, worin sich die Rumorwache aufhält, und in welches diejenige» gebracht werde», welche des Nachts auf de« Gassen Lärmen und Rumor anfangen. Die Rumörwäche, plur. die — n, an einigen Orten, z. B. zu Wien, Stadtsoldaten oder Gerichtsknechte, welche allen Rumor ans den Gassen verhindern, und auch Rr-morwachter heißen. Ihr Vorgesetzter wird der Rumorhauptmann, zuweilen auch der Rirmormeister genannt. Das Rumpelholz, des—es, plur. die—Hölzer, im Bergbarre, ein dickes rundes Holz, worauf die Fremden gerumpelt werden. S. Rumpeln. Der Rumpelkasten, des—s, plur. uluom. kmZ. ein Kasten, worin man altes abgenutztes eisernesGerächuird anderes Gerümpel verwahret. Die Rumpelmette,S.Pumpermette. Rumpeln^verb.reZ.act.et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort haben erfordert, und einen gewissem hohlen dumpfigen Schall nachahmct, der indessen doch härter ist, als das Rummeln, diesen Schall von sich geben und hervor bringen. D:e Winde in den Gedärmen rumpeln, altes Eiftngcräth rumpelt, wenn man darin kramet, ein schwerer ungeschickter Wagen rumpelt auf unebnem Wege, in welchem lctzternFalle es auch den Begriff des Stoßens und Schüttelns bey sich hat. .Im Vergbaue ist das Rumpeln eine Art des Häufelns derjenigen, welche in eine bergmännische Gesellschaft treten,da sie sich auf das Rumpelholz legen müsse», und auf demftlbeu hin und her gerollet werden. In bas Zimmer hinein rumpeln, ungestüm und schnell hinein poltern. (S.auch ftberrumpeln.) Weurrüber einander gestelltes hölzernes Geräth herunter fällr, so sagt man, es rumpele herunter. Engl, to rumbls. Vielleicht gehöret auch das rumpeln oder rümpeln der Kammmacher hierher, S Rimpeln. Der Rumpf, des —es, plur. die Rümpfe, welches itt einer doppelten Hauptbedeutung üblich ist. i) Mit dem herrschenden Begriffe des hohlbn Raumes ist der Rumpf in verschiedenen einzelnen Fällen ein hohler Raum, ein Gesäß. So werden die Rum Capfeln oder Gefäße, welche die Landleute «»^Baumrinden ma« ^ chcn,Erdbeeren u. s. s. darin zu sammeln,in vielenGegendenRüm- pfe genannt. Der Harzrumpfist hxy den Holzscharrern ein Gefäß, worein das Harz gegossen wird. Der Ziegerrumpf, im Oberdeutschen, einGefäß aus Baumrinden, worein der Zieger gegossen wird. Auch eineBtenemvohnung, welche aus einem Klotze gchaueu > in, und sonst auch eine Beute heißt, führet an einigen Ortenden Nahmen eines Rumpfes, und in manchenGegenden heiAt eine jede Bjenemvohnuilg, auch wenn ste arrs Stroh gestochten ist, ein Rumpf. In den Mühlen wird in einigen Gegenden die Einfassung des BemelS, welche in andern der Schuh heißt, der Rumpf genannt. Noch häufiger führet diesenNahmen der hölzerne vier- rekle Trichter, durch welchen das Getreide ans den Stein falls, und der in einigen Gegenden die Gosse, die Bahr, der Trichter, der Rorb, iru Niederst der Schuh, bey dem Pictorius die Trimälle, von dem Franz. 1 rsMai il«, heißt. 2) In andern Fällen herrscht der Begriffdrr Ausochnnng in dieDicke,bey einer geringen verhälliüßmäßigcnLängc. Sowird deiTheildes menschlichen Körpers zwischen dem Kopfe und den Füßen, der auch der Leib in enger», Verstände heißt, der Rumpf genannt, welchen Nahmen auch derjenige Theil eines Hemdes bekommt, welcher diesen Rumpf bedeckt. Im Niederst ist Rumpf auch ein Kamisol ohne Ärmel. Der Rumpf eines Stiefels, bey den Schustern, der Lheil zwischen der Stulpe und dem Schuhe. Der Rumpfeiues -Schiffes, das bloße Gebäude ohne Tau - und Takelwerk. Amm. Zu betzden Bedeutungen im Niederst Rump, Engl. Nump, in der zweyren im Schweb. Kump. Es stammet von rahmen ab, welches so wohl eine Bewegung in die Tiefe, in die Runde, als auch eine in die Dicke ausgedehnte Masse bedeutet, jsS. das folgende.) Zur ersten Bedeutung des hohlen Raumes gehören auch Raum und Strumpf, und zur zweyteu Bedeutung AnscrRünnnel, Rummel, Trumm, das Lat. chruucus, und unser Srrunk. Kumpfen, verb. reZ. ucl. welches eigentlich, theils krümmen, tbeils R,mzeln machen bedeutet, aber nur noch von dem Krümmendes Mundes und denRuuzeln dcrNase gebraucht wird,so fern Lcpde cin Zc chcn des verächtlichen oder'spottenden Hohnes sind. Das Maul über etwas rümpfen, zum Zeichen der Verachtung, Les Hohnes. Die Nase rümpfen. Daher das Rümpfen. Anm. Bey den Schwäbischen Dichtern rümpfen. JmOber- Leuffchen scheint cs noch in weiterer Bedeutung üblich zu seyn. _ Pictorius und Dasypvdius rümpfen auch die Stirn, wofür wir Käs verwandt- runzeln gebrauchen. Bey dem Kaisers K -rg. ist sich rümpfen, sich rrümmcn und-winden, und bey andern Oberdeutschen Schriftstellern kommt auch das Neutrum sich rümpfen vor, wofür wir mit dem Vorgesetzten Zischlaute schrumpfen, sagen. Das pf deutet aus ein Jntenfivum, so daß dieses Wort wieder zu Lern vorhin gedachten rahmen, rühmen, sich in die Länge und Krümme bewegen, gehöret, und mit krummen, dem krumpfen, Ler Schneider, schrumpfen n. st f. nahe verwandt ist. Im Niederst und Holland, ist Rimpel und im Engl. kumple eine Nun- ' Tel, Falte. Dss TvAMpfkcöer, des —s, plnr. doch nur von mehrern Arten, ut, om.liOg. bey den Schustern, das Leder von vier-bis fünf- möchentiichcu Kälbern,vielleicht weil es zu denNümpfen der Stie, genommen wird. DLs Rrrmpfböch, des—es, p!ur. die—lecher, in den Mühlen, ei« Loch an dem Beutelkasten. DreRum?fzcrn§e, pk'i. die—n, in den Eisenhämmern, eine Zange, womit der eingefchmelzte Teul unter dem Hammer gezän- get wird. L«LRmnpler, dk4—s, xlur. ut S. Rimpcln. RUN . 1212 Runö, —er, —este, sräj. ei. aäv. welches dem, was eckig ist, entgegen gesctzct wird. Im schärfsten Verstände ist eine Fläche rund, wenn alle Puneik der Oberfläche gleich weit von dem Mittelpunkte abstehen,und da findet freylich keineComparation Statt. Allein im gemeinen Leben ist auch ein Körper schon rund, wenn er sich dieser mathematischen Runde nur nähert, da denn aller, dings Grade möglich sind. Das bey diesem Bey- oder Neben- rrwrie befindliche Hauptwort muß es allemahl bestimmen,' in wie fern ein Körper rund ist, oder welche Flache an demselben rund ist. Eine runde Rugel, eine runde Malze, eine runde Scheibe u. st s. find alle rund, aber in verschiedenen Verhältnissen. r. Eigentlich. Ein runder Tisch. Lin runder Thurm. Die Dose ist rund. Rngelrund, zirkelrund, eirund, halbrund u. s. f. Etwas rund machen, es runden. Das Ncbenwort rnüd wird auch so wohl für sich allein, noch häufiger aber mit den Partikeln um und herum gebraucht, eine kreisförmige Bewegung zu bezeichnen, für rings. Die Haare rund abschneiden, noch häufiger, rund herum, oder rund um den Ropf. Um das Haus rund herum gehen, runo um das Zaus gehen. Le kommt, das Haupt mit Strahlen rund umwunden, Raml. Das Rund, als ein Hauptwort, ein runder Körper, jst une bey den Dichtern üblich, und leidet auch alsdann weder die Deklination, noch den Plural, Das große Rund der Erden, Opitz. Daß einer über uns dieß große Rund verwalte, cbend. -.Figürlich- -)Fett, fleischig, weil dergleichen Körper und ihre Theile sich der runden Gestalt mehr nähern, als magere. Ein junges Mädchen. Das sich von fetter Milch die Backen rund gegessen, Rost. 2) Aufrichtig, gerade heraus, ohne Umschweife und Rückhalt. Etwas rund heraus sagen, aufrichtig, ohne Umschweife» Mit einer Sache rund heraus gehen. Als ein Beywort gebraucht man es hier im Hochdeutschen nicht gern, ob es gleich in andern Mundarten üblich ist. Die runde wahrhertssagen, die reine» Ein rundes Bekenntniß, ein wahres, aufrichtiges. Das Schwedische »unck har eben diese Bedeutung, so wie das Franz, ron. ckernLltt, weil die runde Figur, wie Cicero sagt, ml kerbet in- elulüm emgulis , m! Silkiactibus. Zm Niederst istrundbnr- ftig frehmüchig, der alles rund von der Brust wegsagt Z)Eine runde Zahl, nach dem Lar. numerus rotunclus, eine auslauter Zehnern, Hundertern oder Tausendern bestehende Zahl, anstatt einer aus Einer» bestehenden. Z. B. 100, anstatt der .Zahl 99,98 u. s. f. 4 ) Das ist mir zu rund, ist über meinen Begriff. Än.m- - ) Der Comparativ und Superlativ lauten im gemeinen Leben häufig runder und rundeste, allein in der edlern Sprechart bleibt der Vocal lieber unverändert. Rund ist dem nrigegeu gesetzt, was merklich eckig ist, so wie krumm dem, was gerade ist. 2) Im Schwed, und Niederst gleichfalls rurrck, im Engl» rou nck, im Franz, roock, im Wallis, mit Vorgesetztem Gaumenlaute erwuu. Es stammet, so wie Ring, von rennen, rinnen, av, und bezeichnet zunächst die schnelle Bewegung eines runden Körpers nm seine Achse. Mit Vorgesetztem t ist davon im Niederst tründcln, rollen, wälzen. Das Lat. rotunckus gehöret zunächst zu unscrm Rad, wie teres zu drehen. Unsere ältesten Oberdeutschen Schriftsteller kennen dieses Wortinchr, sondern gebrauchen dafür sinwcll, Angelst lmevealt, Schwed, smrvülf, dessen letzte Hälfte zu Welle, wälzen gehöret. > Das Rundä/plur. rttuom. lmZ.bcy denSchmänfen und in den Lrinfgkftüschaften,ein Stück, welches mit allen Instrumenten zu dem Trünke, vermnthlich zunächst zu dem in die Runde, oder im Kreise herum gehenden Trünke, geblasen wird. * Der Rundtrnnk muß der Grimme Bund beleben, So schmeckt dcp Wejiz uvs hoppelt schon, Haged. Vermnthlich > '- 1214 1L1I RUN Vermuthlich vom Ital. Koucka, driucksZZlur illronäu, in die Runde trinken. Der Rundbaum, des—es, plur. die — bäume, ein Nähme ciner Welle, obereines Wellbaumes, d. i. eines starken runden Baumes a» einer Maschine, welcher umgeörehct wird, eine Last zn heben. So führet die Welle eines Haspels im Bergbaue den Nahmen des RltNdbanmes,Ronnebaumes und Rchbaumes,wel- che beydcnletztern nicht aus dem ersten verderbt stnd, indem das zwcyte zunächst zu rennen, rinnen, das letzte aber zu drehen gehöret, dessen Stammwort die erste SylbeReh ist; woraus denn auch e-hellet, daß Rrrndbaum nicht bloß die runde Beschaffenheit dieser Welle, sondern zunächst ihre Bewegung um ihreAch se bezeichnet. Die Runöe, plur. die—n. -) Die kreisförmige Bewegung, und der Umstand einer Bewegung, da sie eine kre-Sförnnge Richtung hat; ohne Plural- In die Runde gehen. Sich in die Runde drehen. In einer Runde neben einander stellen, in, einem Kreise. Fünfzig Meilen in die Runde. In die Runde tanzen, im Kreife. In die Runde trunken, rings herum. Ztal. Kontier, Franz. Koncie. 2) JmKriegswelcnrst dieRunde der Krcisgang der dazu bestellten Wache, besonders in der Nacht, die Postcnzu besichtigen ; die Runde thun oder gehen, da oenn auch di-e dazu bestellte Wache diesen Nahmen führet. Die äaupt- runde, Tagerunde, Visttierh Runde. Nach dem Franz. Koucks lautetes auchim Deutschen zuwetlen.die Ronde., DieRüüöe, plur. inul. das Abstracmm von rund, die runde Beschaffenheit eines Dinges; im guncinen LebeA die Rundheit. S. auch Rundung. Las Rundeisen, des—s, piur.ut uom. iivZ. eineArlDreh- ciftu brv den Zinnaießern. Das Runöel, S. Rondel. Runden, veru. r^L. uet.. rund machen. Daher die Rrindung, S. solches hernach besonders. Der Ri'mdfisch, des—cs, Flur. die —e, in der Handlung, eine Art getrockne-eu Dorsches, welcher am Mckgrathe nicht auf- gerissen wore en, sondern feine natürliche Runde behalten hat, und auch Stockfisch im engsten Verstände genannt wird. DerRundyescrnF, des—es, plur. die—gelänge, eine Art fröhlicher Lieder, welche von Mehrern in die Runde gesungen werden, dergleichen Rundgesang stch am , Ende der Liebe auf dem Lande von Herrn Werste befindet. Die Rundhaue, .plur. die—n, im Bergbaue, eine Art Hauen oder Hacken, womit der Rasen aufgehaueu wird, wenn man schürfen oder eiuschlagen will. Die Rundheit, plur. cur. S. Runde. Das Rundholz, des—cs, plur. die —Hölzer, ein rundesHolz, in verschiedenen Fällen. Jur Sch,ffsbaue werden dieMasteu und Segelstangeu wegen ihrer Rirude eollecrive Rundholz genannt. In den Küchen heißt das Brennholz von den Ästen der Bäume, welche nicht gespalten worden, gleichfalls collegtive und ohne Plural, Rundholz. Rundieren, vsrk. reZ. uet. welches im gemeinen Leben für runden, rund machen, üblich ist, und vermuthlich aus dem Franz, roncker entlehnet worden. DieDrgclbaüer ruudieren die Zinn- platten, wenn sie selbige auf eine hölzerne Form zu Pfeifen runden. Rundlich, -—er, —sie, uclp et ein wenig rund, stch der runden Gestalt nährend. Die Rundsäule, plur. die—n, ein von einigen im vorrgcnJahr- hundcrte versuchtes Mort, einen Lylttider zu bekennen, welche-' aber nie allgemein geworden. ' Rurr Das Rundschilö,des—es, plur. die —e, eine ehedem übliche Art runder Schilde, welche auchRnndatsche genannt wurde,nach dem Franz. KonäLoks und Ital. Konclar-u. Ley den n-mern SchrifkstellerndesPstanzenrelches ist der Rundschild,wegen einiger Ähnlichkeit, eine Art Pflanzen, welche in den südlichen Ländern Europens-angetroffen wird; OIppeolu l-. Die Rundschnur, plur. die — schnüre, eine runde Schnur, zum Unterschiede von einer breiten oder eckigen. DasRundftüE, des—es, xlur.die—e, eiu^rundliches Stück; doch nur in einigen Fällen. So werden die SchwedischenDhre, eine Kupfermünze, auch Rundstücke genannt-. Die Ruuduky, oder Rundung, plur. die—en. chD-eHandlung des Rundens von diesem Zeitwerte, nud ohne Plural; ws nur allein Rundung üblich ist. 2) Die runde Figur, die runde Gestalt, von rund u.-.dder Ableuungssylbe—ing oder— ung, auch ohne Plural; wo man so wohl Rundung als Rundung sagt. Ein Sch'ff erhält seine Rundung von den Rundhölzern. Einem Dinge die Ründung geben, die Müde. Etwas in die Ründunr, bringen. Z) Ein runder Kreis, ein rundes Ding; wo Rundung am üblichsten ist. Im Jagdwesen ist die Rundung ei«- ruuder Weg, welcher in das Holz gehauen wird. Eine halbe Rundung ist ein solcher Weg in Gestalt eineS halben Zirkels. Das Rundwerk, des — es, plur. die—e, ein rundes oder rundliches Werk. In den Mahler- und Zeichcnschulen werden die Figuren von Gyps, nach welchen gezeichnet wird, Rundwerke genannt. ? , - DieRune, plur. die—n, ein aus den nordischen, besonders der Schwedischen Sprache angenommenes Wort, diejenigen geradlinigen Buchstaben zu bezeichnen, deren sich die ältesten nordischen Völker bedieneten, ehe sie in den später« Zeiten die Lateinischen Figuren annahmen. Die ältern Schweden, Dänen, Z^orwegsr und Isländer schrieben mit Runen. Daher die Runenschrift, eine aus Runen bestehende Schrift. Der Rnne .stab, ein Stab, in welchem solcheRunen eingeschurtten stnd,der den ältcrnSchwc« den statt eines Kalenders dienete, uttd noch in einigen Provinzen unter dem gemeind« Manne üblich ist. Anm. Schwed. Kuna. Diemeisten, auch besten «Sprachforscher, z. B. Ihre, sind bey Ableitung dieses Wortes auf das auch im Deutschen übliche raunen, murmeln, ffistsrn und iu e ngerer Bedeutung, gehcimnißvölle, zauberische Formeln hermurmeln, gefallen, und erkläre» die Runen durch geheimuistvolle Zeichen, Zauberzeicheu. Allein bey t Raunen ist schon bemerkt worden, daß es aller überwiegenden Wahrscheinlichkeit nach von raunen, runen, schneiden, abstammc. In den alten Zeiten der Einfalt, wo Leibcsftärke alles galt, war des Schreibens sehr wenig, und wo mau ja eine Schrift gebrauchte, so schnitt man die Buchstaben, welche doch nur weuigeu bekannt waren, in hölzerne Tafeln oder Stäbe, und ein solcher mit Buchstaben beschnittener Stab hieß ein Runstab. Auch die gesittetsten Völker kannten in der Kindheit ihres Geistes und ihrer Wissenschaften reine andere Art zu schreiben. Von nnsern alten Deutschen finden stch gleichfalls Spuren davon. Fortunatus, ein Schriftsteller des sechsten Jahrh gedenkt ihrer, und bey demKero, unser;» äljesteu Schriftsteller, kommt das WortKunlffabu von einem Sendschreiben vor, d i. eigemlich von einem mitSchrist beschnittenen Stabe; woraus denn erhellet, daß auch unsere Vorfahren in deu ältesten Zeilen eine Art Veit Runen gehabt haben, die aber mir ihrem Nahmen sehr bald verloren gegangen, als man aufhörte, wenig 'Worte m.t plumpen geradlinigcn Zügc-N auf Holz oder Stein zu schneiden. S t Raunen, Runse und Buchstab. Die Runge , plur. die—n, ein Wort, welches eigentlich ein dickes, kurzes,körperlichesDiug brdemct, aber nur u« ch m e n aeu ' , l' - 1216 1L1Z Run Hallen Mich ist. ') An einigen Gegenden werden die starken eisernen Bolzen Rungen genannt, nrrd im Niedersächsischen sich» ren die Spiübolzcn, welche an dem spitzigen Ende gemeiniglich ringehaket werden, diestn Nahinen. Am üblichste» ist es, s) i» der Landwirthschaft, wo das starke kurze Holz an einem Leiterwagen, welches unten in der Achse oder in einer eigenen Rungschale steckt, und woran sich die Wagcnlritcr lehnet, die Runge, und zum Unterschiede von der vorigen Bedeutung, die Wagenrunge heißt. In einigen Hoch« und Oberdentjaien Gegenden nennt man sie die Leiste, die Gtämmleiste, in Österreich die Rupf. ' Anm. Im Niederst gleichfalls Runge. Nicht von ringen, ob- luctari, wie Frisch will, sondern mit dem herrschenden Begriffe der Ausdehnung in die Länge und Dicke. Bey dem Ulphilas ist liruZZ (sprich ^lrunA, wie das ^ der Griechen,) ein Stab. Raunen und Rune.) s) In einigen Oberdeutschen Gegenden ist die Runse oder Runse «in Bach, von rinnen, stießen. Eben daselbst ist der Lanfeines Flusses, ingleichcn dessen Bett, im mäimlichen Geschlechts, der Runs. Dre Runzel, plur. die—n, Diminut. das Runzelchen, Oöerd. Runzelein, eine fehlerhafte oder irreauläse Falte in einem biegsamen Körper. Runzeln in einem Zeuge machen. Oer Zeug, das Papier hat Runzeln. Die Runzeln ausbügeln, ausplat- Sen. Besonders in so fern ste durch Austrocknung entstehen. Ein Apfel bekommt Runzeln, wenn er austrocknet. Am häufigsten p»n den Falke» der Haut. Runzeln haben, bekommen. Run- Rus zeln im Gesichte, auf der Zand. Der Greis von Tejos, auf dessen heitern Stirn das Alter sparsame Runzeln gestreut. Mich empfangt die tröstende Freundschaft Und lächelt jegliche Runzel hinweg, Giseke. Anm. Bey drm Notker ftunru, im Aral, mit dem Gaume,,, laute 6rinra, Franz, kftotrcö. Es stammet mit dem folgenden Zeitworte, vermittelst der intensiven und zugleich verkleinernden Endung —sein,—zeln, von rinnen, rnnen her, so fern es eine Bewegung in die Krümme, in die Sänge und in die Tiefe bezeichnet. Mir andern Endlantrn heißt eine solche Runzel im Nie, derst Rruckel, Rrünkcl, im Schwed, k^n' er, —ste, ach. et ack v. welches nur im gemeinen Leben für das Oberdeutsche r bedeiuet, als auch im thätr'gen Verstände, des An - und Aus- reißeus. Mit dein gleichbedeutenden t ist im Engl, to rost. Niederst wroten, wühlen, Griech, ö^va's's.'v, ösvrrsrv, so daß der Rüffel bey den Schweinen, Dachen u. s. f. rin Werkzeug zum Wühlen, bey dem Elcphanten n. s. f. einen verlängerten Mund zum au sich reißen, fressen u. s. s. bedeutet. Die RüsselflieFe, plu^. die — n, eine Art Fliegen, welche kurze, kegelartige, gebrochene Fühlhörner, und einen langen ziveyschnei- digcn Saugerüssel hat; RomL^I.us Der Rüsselkäfer, des-s, plur. ut uom. linZ.eine Art Käfer mit kolbenarrigen Fühlhörnern,Und einem in einen Rüssel verlängerten Kopfe, der mit Freßzangen und Führspitzen versehen ist ; Lurculio B. Es gibt ihrer so viele Arten, wohin auch de? schwarze Rornwurm, Reiter, Glander oder Galander gehöret; ' Ourculio Granarius Iv. Die Rüsselmotte , chur. die— n, eine Art Motten üüt einem Rüssel; Rlralaena iLoctua ^alftiua Die Rust , p I u r. die — en, nach dem Frisch, schmale dicke Bre- ter auswendig an dem Schiffe, woran die Wände oder Haupttaue des Mastes befestiget werden» Vermurhlich voir dem Nieders, Rust, Aast, (S. 2 Rast Z,) welches bey den Büchsenmachern i» ähnlichem Verstände gebraucht wird, und 2 Rüste. Der Rüsibcrum, des—es, chur. die — bäume. 1) Ein Nähme der Rüster, (S. dieses Wort.) 2) Bey den Maurern, Zimmer» lenken,r. s. st starke senkrechte Bchuue »welche den vornehmsten Lheil eines Gerüstes ausmachen. Im Bergdaue sind xs lange Bäume, welche in dem Anfänge des Schachtes gelegt werden, und das Geviere wagen, S. Riesten» H h h h Der * .. L21-9 Rust DsL Riistbock, dsr — es, piur. die — borke, r"» hölzerner Bock, sofern er zur Unterlage eines Gerüstes dienet. Das Rüstbret, des — es, plur. die — er, Beetee, welche zu einem Gerüste gebraucht werden. r. Die Rüste, plur. car. ein nur noch in einigen gemeinen Sprech- arren ohne Artikel übliches Wort, den Untergang d,r > 2 onne zu bezeichnen. Die Sonne geht zu Rüste, gehct unter. Must doch zu Rüste gehen, So oft es Abend wird, der schone Ammelsschild, Opitz. So gehst du schon so früh zu Rüste, L>u angenehmes Sonnenkind k Günth. in einem Leichen« gedichte, wo es figürlich für Ruhe stehet. So fern es von der Sonne gebraucht wird, stammet es ohne Zweifel von dem ehe- Niahlizru Zeitworte vwsen her, welches noch im Niedersächstschcn gangbar ist, und unter andern auch untergehen, sinken, fallen bedeutet. Wenn die Sonne noch steiget, und nicht rieset, im Niederst wenn es noch Vormittag ist. (S. Riese und Rieseln.) Indessen kann es auch zunächst zu Rast, Ruhe, gehören, welches letztere zuweilen auch ein s annimmt, (S. Ruhe.) Auch von dem Uittcrgauze der Sonne ist Rast nicht selten, S. 2 Rast.. S. Die Rüste, plur. die — n, bey den Kohlenbrenner«, vier bis sechs Zoll dicke Klötzchen, welche nmbie Meiler herum gelegt werden. Vielleicht mit 2 Rast Z und Rust aus Einer Duelle. Indessen kann hier auch die Bedeutung eines Klotzes, eurer Ausdehnung in die Dicke Statt finden, S. Rist. Austen, v-rk.reZ.Act.welches, ».überhaupt, so wohl zuberei- tcn, als auch die uöthigeu Anstalten zu etwas machen , bedeutet, in welchem Verstände es bey den altern -Oberdeutschen Schriftstellern sehr häufig ist, und auch noch jetzt im Oberdeutschen gebrauchtwird. Zum Esten, zum Tische rüsten, so wohl die Speisen zubereicen, als auch den Tisch in Ordnung bringen. Vie Zimmer rüsten, die Meublen in Ordnung stellen, das Zimmer reinigen u. s.f. Zum 8 este rüsten, zu einem Schauspiele rüsten u. s. f. welches lauter im Oberdeutschen übliche R. A. sind. Var Erdreich rüsten, in der Schweiz, es pflügen, es zur Empfangung des Samens geschickt machen. Die wolle der serde zur Arbeit zu rüsten, zuzubereiten, Geßn. Im Hochdeutschen gebraucht man es am häufigsten, 2, in einigen engeren Bedeutungen, i Mit dem nörhlgen Gerüche zu etwas versehen. Er rüstete ihn mit köstlichem Geschmeide, Sir. 4L, r ; wofür man doch lieber das zusammengesetzte auerüsten gebraucht. Sich zur Reise rüsten. In noch engerer und gewöhnlicher Bedeutung, mit f en uölhigen Waffen, mit den nöthigen Vertheidigungsmitteln versehen. Im Oberdeutschen rüstet man einen Soldaten , wenn man ihn so wohl mit dem Gewehre, als mit der Montur verstehet. Im Hochdeutscheuist es als ein Reciproeum, von Staaten, Kriegsherren u. s.f. am üblichsten, die zu rinemKriege nöthigen Anstalten Vorkehren. Sich zum Briege, zum Treffen rüsten. Sich wider jemand rüsten. Sich zur See , zu Tande rüsten. Srankreich rüstet sich, aber man weist nicht, wider welche Macht, macht Anstalten zum Kriege. Jugleichen figürlich m der - höher» Schreibart. .Widrigen Schicksalen ein mit Geduld gerüstetes s"-z entgegen stellen. So groß ist nur ein äerz, was Lehren Gottes rüsten, Dusch. «) Bey den Werkleuten ist rüsten absolute und als ein Neutrum, ein Baugerüst machen. Morgen wird gerüstet. Wo man auch die Zusammensetzungen aufrüsten, ein Gerüst aufbauen, abrüsten, es abbrechen u. s.f. gebraucht. Im Vergbaue rüstet man, wenn das Gestell eines Haspels über den Schacht gesetzet Rust L2H0 wird, welches in Hieser Betrachtung auch überrüffen heißt. Im Oberdeutschen scheinet es in noch weiterer Bedeutung füe bauen überhaupt üblich zu seyn. Wenigstens heißt es bey dem Opitz: Zier pflegt in stiller Ruh der Sperling aufzurüsten. Daher das Rüsten und die Rüstung, S. das letztere hernach besonders. Anm. Bey demOttfried rukan imd glruüan, für zuberei. ten, bereiten überhaupt, im Schwed, rulia. Wachter sähe es sehr unwahrscheinlich als ein durch Versetzung des Buchstaben aus dem Latein, liruets gebildetes Wort a«, Frisch aber leitete es von riesen , in die Höhe steigen, sich erheben, her, welches in Ansehung der letzten enger« Bedeutung angenommen werden könnte, aber für die weitere zu enge ist. Das st vcrräth nicht undeutlich ein Jntenfivnm, da denn das Stammwort frevlich reisen odcr reuen ist, welches hier entweder eine Bewegung überhaupt, oder im engern und eigentlichen Ber. stände, eine mit Geräusch verbundene Bewegung bedeutet, welche mit dem Rüsten und Zurüsten gemeiniglich verbunden ist. Im Niedersächfischen ist Ruse so wohl Geräusch , als auch eine Menge mehrerer Dinge ohne Wahl und Ordnung, und das Schwed. ruÜL bedeutet nicht nur rüsten, sondern auch rin Geräusch machen, toben, brausen. Und hieraus läßt sich auch das zusammen gesetzte entrüsten erklären, wo die Partikel ent einen Anfang bezeichnet, wie in entbrennen, entstehen u. s.f. so daß sich entrüsten nichts anders ist, als anfangen zornig zu werden, zu brausen. Reiten in bereiten, und Gerach gehören, so wie richten in einigen Bedeutungen, gleichfalls zu unstrm rüsten, so wie das Arab. Kuli, eine Reihe, relsci, rült, ordnen, richten, zunächst von reisen, sich iu die Länge erstrecken, alzn- stammen scheinet. Der Rüster, des—-s, plur. ut nüm. lin^. in der Laodwirlh, schüft einiger Gegenden, ein Nähme derSrerze am P finge wo der Laderüstcr oder die eigentliche Pflugsterze die lull, Handhabe - ist, womit man den Pflug wendet, der Grreichbretriistcr aber die rechte Handhabe. In einigen Gegenden sti es weiblichen Geschlechtes, so wie das folgende, mit welchem cS gleichfalls z« reisen, riesen zu gehören scheinet, doch nur, so fern dasselbe eine Ausdehnung in die Länge bezeichnet. S. Riester, wie dieses Wort auch zuweilen geschrieben und gesprochen wird. D re Rüster, plur. die — N. >) Eine in vielen Gegenden übliche Benennung des gemeinen Mmbaumes, .illmuk cam- peliris Id,, wo der Nähme in manchen Gegenden auch Rustbaum, Rüst, Rüsche, Rüschbaum, Rnßbanm u. s. s. lauter, obgleich einige Schriftsteller behaupte», daß die Rüster eigentlich eine Ulme mit scharfen Blättern und rokhem Holze sey. 2) Die Lehn« oder der Leinbanm, eine Art des Ahornes, ^eer klutsnoi- cies wird in einigen Gegenden gleichfalls Rüster genannt; s» wie z) der Spindelbaun,, k/vou^rnusLuropLeusI-,. bep einigen kleine Rüster oder Bleinrüster. Anin. Die S.stbe —er ist die Ablcitungssylbe. Dle erste Sylbe scheinet, wie schon Frisch vcrmnthet, zu dem Zeitworte piesen zu gehören, und de« schnellen, starken und geraden Wachs- thurn dieser Gewächse zu bezeichnen, besonders des Ulmbaumesi. Im Böhmischen ist rülii gleichfalls wachsen. S. Riese, Rieseln, Rist und Reisen. Rüstern, aclj. et «6 v. von der Nüster. Rüstern Holz. JiiM' chen aus diesem Holze bereitet. R üsterne Breter. Der Rüsterspinner, des — e,plur. ul vom. flog, bey einigen ncuec« Schriftstellern des Jnsecchn-Neiches,, ein Nähme der Bärenmottc, KÜLlZt-nu kcmb^x vülica vermuihlich weil sie sich aus den Blättern der Rüster einspinnet. Die 1221 1222 Rust Die Rust-^rDani;e/ plur. die—n, eins Arl Baünnvauzen, wcl» che stch auf den Rüstern aafhält ^ Lickiex üriutusl^. Das Rüsthaus, des — es, plur. die —Hauser, ein noch hm und wieder üblicher Nähme eines Zeushauses, weil darin allerley Rüstungen und zum Kriege gehörige Geräthschaften aufbehauen werden. — er, — 6e, s6j. et »l Gesunde Kräfte habend, u'ld solches durch Stärke und H-.ri'gk it an den Tag legend, und in dieser Beschaffenheit gegründet. Ein junger rüstiger M nn. Wo San! sähe einen starken und rüstigen llkann den nahm erur flch, ' Sam. -4, g?. Rüstiges Da,irrvo'k. Ein Gchrrerr in rüstiger äans. Ich bin seit einigen Stunden rüstig darüber her, diesen (Sogen meines Lerzens zu zerstören. Rüstig, wie ein öcld, Logan. viele flogen rüstig «öS, . Mit dem Boae-s in der Rechten, U;. Er gcht ihm rüstig nach, Huqed. In welchen drei) letzte.iStclleu es den ans Leibesstärke herfließen« den Begriff des Muthes mit einfhiießt. Als Silpa, der Lea Magd, dem Iacob einen Sechu g.-bar, sagte Lea: riistia, und hieß ihn Gad, »Most Z«, " ; wo -S dey Michaelis heißt: zum guten Glück l, 2) * hurtig, schnell, überhaupt, doch uur im Oberdeutschen. Romm rüstig her, Und suche noch mit mir das Glück am rechten Orte, Günth. dich nur wieder ni umfangen, Will ich, wenn die Welt vergangen, Noch so rüstig aufcrstehn, cbend. Anm. Ungeachtet dieses Wort weder im Niedecsachsischen üblich ist, noch auch bey den alten Oberdeutschen Schriftstellern vorkommt, so scheinet es doch alt zuftyn, und »ermittelst der Ablenungssplbe —ig, von rüsten und Rust abzustammeu, so fern sie ehedem hurtig seyu, Hurtigkeit, Eile, bedcutklhaden, da denn das Stammwort wieder reisen und riesen ist, so wobl so fern cs sich schnell bewegen, als auch so fern es stch in die Länge, Breite und Dicke ausdehnen bedeutet. Auf ähnliche Art sagt man von jemanden, der seine gefunden Kräfte durch lebhafte und starke Bewegungen au den Tag legt, er könne sich rübren. Im Schwedischen ist rc>Ü unerschrocken, kühn, im Deutschen mit Vorgesetztem t, getrost, so wie das Ztal. ri slio, hurtig,,das p angenommen bat. ftmJsland.ist nruuil stark, gesund, lebhaft, im Kriech, ick» bin gemud, (auch von rennen, rinnen,) Hman- Geiuilöy»nt, Kräfte, s leoe wohl. S. Rasch. > Die Rüstigkeit, pIur.iQns. die Eigetlsshaft, der Zustand, da ei» Ding rüstig ist. Gib ihm ins Herz des Siegers Rüstigkeit, Weiße» Die Rüstkammer, plur.die— n, eine Kammer, ein Zimmer, in welchem Kriegsrüstungrn uitd Gewehr aufbchalten und verwahret wird. Die Rüstkiste, plur. die — n , oder der Rüstkasten, des — k, plur. u> Nom. in einigen Gegeirden, besonders Niftdcr- deu(sch!a -des, ein großer Sarg mit einem crbabenenDeckel; ohne Zweifel von dem Näders. Rrist, Ruhe, S. s Rast. Die Rüstkeine, piur. die—n, ein starkes Tau, welches an ben Krahnbalken oder nahedabcy bcftst'get ist, an das Bögtau ein- Kreist, tuch deil Anker an die Seite des Schiffes befestigt hält. Rust Die Rüstseiter, plur. die—n, die Leitern uufeluem Rüftivagcn». Oft werden auch alle gemeine LHagenlcitern Rüstleitern genannt, S. Rüstwagen. Das Rüsilöch, des—es, plur. die—Locher, Löcher in den Mauern, die Rüststailgen dadurch zu stecken. Der Rüstmeister, des —>s, xlur. ul nom. ünZ. r) Der Vorgesetzte einer Rüstkammer, oder eines Nüsthauses. 2) Ein Handwerker, welcher die ehedem statt des FeucrgewehreS üblichen Bozen mit ihrem Zugehör verfertiget, und auch ein Bogener genannt ' wird. S. Rüstung. - Die Rüststanne, plur. die — n, bey den Werkkcuten, starke Stangen, welche an die Aüsibämne eines Gerüstes horizontal - befestiget werden, die Rüstbrcter darauf zu legen. DerRüsttag, des — es, xüur. die—-e, ein nur in der Deutsche» Bibel befindliches Wort, den Tag vor drm Sabbarhe oder vor einem Feste zu bezeichnen, an welchem sich die altern Juden auf den folgenden Tag zu rüsten, d. i. zuzubcreiken, pffcgten; -er heilige Abend. Matth. 27, 6r; Joh. >9, , 4 , 4 >. Im Taiian heißt er der LarolaZ, von gahren, zubereiten, S. Garben. Die Rüstung, ^lur. die — en, von dem Zeitworte rüsten. ».Die Handlung des Rüsiens, besonders die Rüstung zum Kriege. Die Rüstung der Rosse,Zach. 1 4 , 20. Alle die zur Rüstung alt genug waren, 2K011. Z, 21. Dic Nriegsrustung, Seerustung. a.Dasjenige, womit ciue Person oder «Lache gerüstet wird, das ztr einer Absicht nöthige Gerälh. i) Überhaupt. «So pflegen dieVo- gelsteller alles zum Vogelstellen nöthigeGkräth anBslgcn, Ruhr, Stecken u. s. s. die Rüstung zu neunen. Die Einfassung eines bewaffneten Magneten heißt fthr oft dessen Rüstung. Ehedem pflegte mau auch eine jede Maschine, Lasten zu heben, eineR Üstung Zu nennen. 2) In einigen enger» Bedeutungen, (a) Ein Gerüst; eine nur noch in einigen Fällen übliche Bedeutung. So wird das Floßbctt oder stü ßuides Bett, welches auf dem Wasser vorwärts geschoben wird, eineRamuie daranfzu stellen, auch die bewegliche Rüstung genannt. (b) Alles zum Kriege nöthige Gerärü, Wagen, Rosse, feste Städte und Rüstung, 2 Kön. 10, 2. Die mancherlei Rüstung der Feinde, r Marc. iL, 2Heut zu Tagrmlrd - s en dieser Bedeutung wenig mehr gebraucht, (c) Alles ein-m Krie er oder Ritter uölbige Geräth an Waffen, Kleidern 11, s. f. als ein Collection,n. Die volle Rüstung eines Ritters bestand in dem Hclme,Harnisch, den Handschuhen, dem Schwerte, der Lanze, de» Spornen. In voller Rüstung erscheinen. Die Rüstung eines heutigen Soldaten bestehet außer der Montur hauptsächlich r- dem Ober- »ud llntergewehre, der Patromaiche u. s. s. Schon Otlfried gebrauch« das Wort kulii in dicsent Verstände. In noch engerer Bedeutung pflegt man auch wohl den Harnisch all-in die Rüstung zu nennen, (d) Der Schaft eines stählernen Bogen nebst der Maschine denselben zu spannen und dem übrigen Zuges öre, da man denn auch wohl figürlich eine gewisse Art von Armbrüsten die halbe und dle ganze Rüstung zu neunen pflegt. Der Rüsswatten, des— s., plur. ut nom. linZ. eigentlich ei» großer starker Wagen, woraufdie ehrruahligen Kriegs-Maschinen oder Rüstzeug,iügleichcn alles schwere Gepäck den Armeen nach. tz sühret wurde. In weiterer Bedeutung pflegt man Mt eine r jede!, großen und flar^enLeiterwagechWaaren und andereGeräth. schäfte» darauf zu führen, ernen Rn'stwagen zu nenne» ; zum üruerschüdc von den kleinern Feld- nnd Leiterwagen. Das Rüstzeug, des—cs, p!ur. die— -. 1) Eine Maschine, d. i, rin jrdrs zusammen gesetztes Werkzeug, eine vorrdeiihafte . Bewegung Vewegrrng hervsr zu bringen; in welchem Verstaube eine jede Maschine diesen Nahmen führen kann, und ihn zuweilen nach führet. I» engerer Bedeutung ist es diejenige Maschine an einer Armbrust, womit der stählerne Bogen gespaunet wird, und welche such die Rüstung helft. 2) *Eiu Werkzeugeine im Hochdeutschen ungewöhnliche Bedeutung , in welcherApost. 9, 15 Paulus figürlich ein anserwahltes Riistzeug Gottes heißt. Opitz gebraucht dieses Wort im männlichen Geschlechts, der Rüstzeug. S. Zeug. Die Ruthe, p!ur. die — n, Drminut. das Rüthchen, Oberd. Rüthlein, ein Wort, welches eigentlich einen jeden langen, dünnen und gemeiniglich schwanken oder biegsamen Körper bedeutet. 1. Überhaupt, wo es doch mir auf einige einzelne Fälle einge- schranket worden, ob man gleich einen jeden Körper dieser Art, wenn er keinen andern Nahmen hat, eiste Ruche nennen kann. So wird die lange Stange in der Landwirthschaft, an welcher man bas Dach über eincu Hen - oder Kornschober höher oder niedriger stellen kann, die Ruthe genannt. An einem Ziehbrunnen ist die Ruthe bald die Stange, woran der Eimer hängt, bald der lange bewegliche spitzig znlanfende und biegsame Baum, woran die Stange befindlich ist, und welcher sonst auch der Schwange! genannt wird. In vielen Fällen verlieret sich der Begriff der Biegsamkeit oder schwankenden Bewegung, so daß bloß der Be- oriff der Länge und verhälrnißmäßigen Dünne zurück bleibt. So wird die lange gerade eiserne Slangemn einem Anker die Ruche, oder zum Unterschiede die Ankerrnrhe genannt. Die visier Ruthe ist in einigen Oberdeutschen Gegenden der Visier-Stab, daher das Zeitwort ruchen daselbst auch für visiren gebraucht wird; ein Zaß rutheu. Bei) den Schlössern ist die Ruthe oder Essenklinge eine Hunne vorn gekrümmte eiserne Stange, dem Feuer damit in der Esse Luft zu machen. Air den Brücken werden die langen Zimmerhölzer, welche neben einander über die Hülben gelegt werden, und worauf man die Bohlen oder Breter nagelt, Ruthen oder Brückenruthen genannt. In Nicdersschsen führen auch die Rad- schienen den Rahmen der Ruthen. Die fiandruthe oder Ruthe an einem Dreschflegel ist der starke Stock, welcher im Dreschen in der Hand geführet wird. 2. In verschiedenen engern Bedeutungen, t) Ein langes dünnes biegsames Reis eines Baumes oder Gewächses ; eine Gerte. Birkeirvuthen, die langen dünnen schwanken Zweige der Birken. Die Leimrnthe, Wünschelruthe, Spießrnthe u.s. f. bezeichnen den Gebrauch solcher Ruthen näher. Die Rnrhe Aaron, Ebr. 9,4. Auch die Angelruthe ist ein solcher langer biegsamer Stab, woran der Theil, an welchem dieAngel befestiget ist, und welcher eigentlich eine solche Gerte ist, im engsten Verstände die Ruche oder Schwippe heißt. Die Ruche schlagen, mit der Wünschelruche Metalle und Erz ansfündig zu machen suchen. (S. Rüchen an- Her.) 2) Besonders mehrere solcher dünnen Zweige oder Reiser, sofern sie zusammen gebunden zur Züchtigung nicht nur der Kin- der, sondern auch erwachsener Verbrecher dienen; die Zuchtrnthe. Ein Rind mit der Ruche strafen, ihm die Ruche geben. Noch unter der Ruthe stehen, noch kindischen Züchtigungen unterworfen styn. Sein Rind unter der Ruche halten. Der Ruche entwachsen sepn. Mit Rüchen hauen oder aushaucn, einen erwachsenen Verbrechet. Sich selbst eine Ruche binden, figürlich, selbst Ursache an einem Übe! styn. Figürlich werden, besonders in der biblischen Schreibart, alle Strafgerichte Got,es Rüchen ge- nannst ,Z) Eine lauge biegsame Stange, so fern sie ein bestimmtes Längenmaß, besonders auf der Oberfläche des Erdbodens ist, und wieder in 10, 12 oder mehr Schuh getbeilet wird.; die Ueßruche. Die waldpuche, wsrnach-ie Wälder gemessen werden, ? . Unterschiebe von der Feldruche. Di», fts Maß ist sich nicht aller Orten gleich. Die Rheinlirndifche Ruche hält r2 Rheiuläudtsche Schuh. In Basel Hst die Ruthe »6, in Colmar >L, in Mompelgard io, im Durlachischen 16, z» Bern r 0, zu Schafhausen 12, zu Nürnbergs, in der' Mark Brandenburg 1 Z, in Thüringen »4 und -6, j« Chur- Sachsen 15 Schuh 2 Zoll Leipziger Maß u. s. f. da denn auch die Schuhe nicht überall gleich sind. Dieses Maß behalt den Nahmen einer Ruthe, auch wenn man' sich statt der Stange einer Schnur, Kette u. s. f. bedienet. In manchen Gegenden wird es die Gerte, ScoL, Rlafter, im Bergbaue Lachter, in Meklenburg der Staken, Landstaken u. s. f. genannt. Zn manchen Gegenden, z. B. in der Lausitz, ist die Ruthe der isteTheil einer Hufe, der Breite nach, d. i. wenn die Hufe 2096 Gangfchritte, jeden z» , z Elle lang, und rzz Schritte breit ist, so ist die Ruche ein Theil derselben, welcher gleich, fallsZ05>6 Schritte lang aber nur t ich Schritt breit ist; w» bl->ß der Begriff der Ausdehnung in die Länge Statt findet. 4 ) Bey den Jägern führet der lange dünne Schwanz der meisten vierfüßigen Thiere, z. B. des Fuchses, des Hundes, des Dachses, der wilden Katze, der Fischotter, des Marders, II, tisscs, Wiesels, Luchses, der Haselmaus, des Damwildbretes u. s. s. dei. Nahmen der Ruche. (S. Schwanz.) 2) Das männliche Glied bey Menschen, und Lhieren, besonders der längliche Theil desselben über den Hoden, heißt die Ruthe oder männliche Ruthe. Die weibliche Rucheist ein ähnlicher, aber viel kleinerer, läng- Üch runder Theil, weicher mit einem Griechischen Kunsiworte Oitvr-8 heißt. . , Anm.BeydemNotkerkuolLnndvoneinerMcßriilhckuvto, imNiederf. Rood, Rode, -m Engl. Nock, im Ungar. Kuck, im Finnischen kuocke, im Lar. Kuli», im Griech. im Ehal- rdäiscüeu Kit. Die Ausdehnung in die Länge und d-e schwankende Biegsamkeit ist d. r Starninbegriff, daher dieses Wort als ein Abkömmling von reiten, reisen und xi ken, und als ein naher Verwandter von dem Lat. knckins und Kickieu, von unfern Ruder, 2 Ranre, Riech, Rüster Reis n.s. f. dem Schweb. Kn, ei» Pfahl, und andern mehr angesehen werden muß. Ruthen, vsrd. reZ. «ct. visiren, S. Ruche,. Der Ruthen.sk scher, hes— s,, s-lur. us. nom. linZ. derjenige, welcher mit der Ruche oder Angel fischet; der Angelsischer. Da, cher dieRnthenstschcrep, der Fang der Fische mit der Ruche; dieAngelssscherep. ^ . DerRuthenAcmyer, des—-s, plur. utuom. im Berg» baue, ein Bergmann, welcher nut der Wünschelruthe umzugehex -weiß; der Ruthcnmann, Ruchenschlägcr. Dre Ruthen?üppe, süur. die—n, in der Landwirthschaft, eine lederne Kappe an der Handcnthe eines Dreschflegels, welche mit der Flegelkappe verbunden ist. / des — es, s>1ur. ünaf. ein ausländisches G -wachs, welches an vielen den siktthen ähnlichen Zweigen große zerschnittene Blauer, wie der'Fenchel, treibt; Ger- ! r en kr a u t. Der Ruthenmann, des — es, x»Iur. die— mDmer, S. Rm thenganger. D^r Rüthens HlaAeL, des — s, olur. ut nom. ssum S. eben daselbst. ^ Rutschen, verb.reZ.NLMf. welchesdasHülfswort feyn bekommt aber nur in bep niedrigen Sprechrrt üblich ist. 1) Für gleiten, i» allenFästsllwo oieses Ltattfindet. Oas Aolz von einein Berge hinunter rutschen lassen. Daher man den» auch eine solche Anstatt 722 .; Nllt Anstalt, wo MSN das auf einem Borge zefässte Holz hinunter gleiten läßt, so wohl emd Riefe, als auch eine Rutsche, eine Holzrutsche, Holzglttsche zu nennen pflegt. So auch in den Zusammensetzungen. Mit dem 5uße ausrutschen, ansgleiten. Abrutschen, abgleiten. Figürlich sazt man im gemeinen Leben, eine Sache wolle nicht rntschen, wenn fi§ nicht den erwünschten Fortgang hat. 2 ) In engerer Bedeutung, auf dorn Hintern fortglei-- ten, sich fitzend oder auf dem Hintern foctbewegen. Lio Hunde rutschen auf dem Hintern, welches man auch reiten nennet. Bey den Jägern rutschet der Hase zu Holze , wenn er langsam und gleichsam anfden Hinterläuften gleitend z« Holze gehet. S» auch das Rutsche«. Anm. Niederst rutsken. Es ist vermöge der Eudfylbe—schen das Jnteustvum von reiten, so fern es fich fortbewegen überhaupt bedeutet, und ahmet den Klang dieser Bewegung genau nach. Das Rutscherrecht, des — es, plur. die—e, in einigen Gegenden, ein Recht des Zins - oder Grundherren, nach welchem eine ihm schuldige Abgabe, wenn ste nicht an dem bestimmten Tage ertt- richtet wird, mit jedem Tage rutschet, d. i. um die schuldige Summe wachset. Z. B. weim iemand chien Zins von 8 Gr. zu bezahle» hat, und er bezahlet ihn nicht an dem gesetzten Tage, so hat er den folgenden Tag i6 Gr. de» dritten Tag r Tylr. u. s. fl zu bezahlen. Eine Abgabe nach Rutscherrechr zu bezahlen haben. In einigen Gegenden steigen solche Abgaben mit jeder säumigen Stunde. DerRutschrrzinI, des—es, plur. die — en, Zinsen, welche nach Nutschercecht bezahlet werden müssörr; in einigen Gegenden Rlt t !2L§ werchzms, weil sieirtimec umden ganzen Werth steigen, i,igle!- chen 8rohn;ms, Zahrzins, Naigassenzins, welches von ncrn^i- abstammen soll. Die Rutte, plur. die — n, der Oberdeutsche Nähme der Aäl- raupe, S. dieses Wort. Der Rüttel§eyer, des -, s, plur. ut noirr. kvZ. S. Wannenweher. Rütteln, verd. reZ. net. einen Körper oft und schnell hin und heb bewegen, jemanden rütteln und schütteln, um ihn aufzu- wecken, das Getreide in dem Scheffel, in dem Sacke rütteln, damit eS sich näher zusammen gebe. Ein gerütteltes Maß, wo mau die gemeffeneSache gerüttelt hat. In einigen Gegendeu wird es auch für reitern, sieben, gebraucht, so wie man in andere das Getreide rüttelt, wenn man es gegen den Wind wirft, damit derselbe die Spreu davon abssndere. Daher das Rütteln. Anm. Engl. to rattle. Es ist das Diminutivum oder Freqnen-- lkativumvon dem veralteten mitten, welches noch in zerrütte» gebraucht wird, und wiederum das Jntensivum von reiten, bewegen, ist. Im Oberdeutschen ist dafür auch regeln üblich, das Jte- rativum von regen. Das Rüttstroh, des —es, plur. car. in der Landwirthschaft, zerrüttetes Stroh, dessen Halme zerdrückt und zerrüttet sind., Brnmmstroh. wirrfiroh ; zum Unterschiede von dem Schittten- firoh, dessen Halme noch unverletzt stnd. In einigen Gegenden Rittstroh, welches aber die Abstammung von pütten (S. Zerrüe- Isch nicht verstattet. S- der i Hhhh Ä 122-7 1L2Z S Ler neunzehnte Buchstab des Deutschen Alphabetes und der fünfzehnte unter den Miltauteen, welcher durch die Zahne ausgesprochen wird, und daher auch / zu denZähnbuchstabengehöret. Nachdem dieserBnch- stab gelinde oder hart a,rsgesprochen wird, hat man für ihn die Figuren soder s, ß oder ff, und z, welches letztere doch immer als ein eigener Buchstab angesehen und an das Ende des Alphabetes verwiesen wird, nngeachler er weiter nichts, als das härteste s ist. Wenn dieses s aber mit einem vollen Zischen ausgesprochen wird, welches besonders manchen Mnndarten sehr gewöhnlich ist, so schreibt man es gemeiniglich sch- Ich will das vornehmste, was bey diescmBuchstaben anznmerken ist, auf deffeuAussprache, Schreib- art und etymologischen Gebrauch einschränkcu. r., Was die Aussprache betrifft, so wird das s oder s theils mit einem halben oder gelinden Zischlaute, theils aber auch mit einem vollen Zischcr ausgesprochen i) Mit einem halben oder gelinden Zischlaute, wie in rasen, dem Lat.rilux, mus u.f.f. Dieses s.wird entweder einfach oder gedoppelt ausgesprochen. Das letztere w-rd allemahl ff nnd in rinigenFallen mit einem ß geschrieben. Das einfache s oder s aber Hac wieder einen gedoppelten Lam, einen gelinden und einen scharfen. Gelinde lautet es am Anfänge einer Sylbc, wo es auch mit einem langen s geschrieben w«rd. Säuseln, Rose, Ameise, Lesebuch. Wohin auch d-e Fälle gehören, wo der daeauffolgcndeVo- cal weggrworsen worden, da denn das s an das Ende der vorher gehenden Sylbe zu stehen kommt, nnd alsdann oft auch s geschrie- ben wird; Röschen, Lieschen, Bläschen, er rast oder ras't für raset, er bläs't oder bläst für blaset, welche Zu,ammenzie- Hungen doch lieber vermieden werden. Eine Ausnahme machen diejenigen Wörter, in welchen ein d, t, ch, b, p, g, k nnd ch vorher gehet, wo das feinen scharfen Laut bekommt; Rr/bse, krebst,: Rebse, wachsen , Gewächse, drucksen, drechseln, klappst, des Gipses,', s. s. Daher die Endsylbe —sen oder —seln in vielen Zeitwörtern auch in das noch härtere—;en und —zeln verwandelt worden. Die Endsylbe sam behält ihr gelindes s, was für ein Miclamer auch vorher gehen mag.. Stehete» irr der Mute, so lautet es scharf. Last, Wust, Wüste. Eben so scharf lauter es auch am Ende der Snlbe oder eines Wortes, da es denn allemahl s geschrieben wird. Aus , weislich, gottlos, Beweis, Lies, Maus, Aas, Eis. Ist die Aussprache am Eude eines Wortes gelinder, so wird ein e eripbonicum angchängt, diesen gelindern Laut zu bezeichnen-, böse,steife, Rase, Marrose. Franzose, Ameise u. s. s. wofür härtere Oberdeutsche . Mundarten bös, leis, Ras, Makros, Franzos, Amcis schrei- brn und sprechen. Bon denü'i,-gen Fällen. wodiefts harte s durch rin ß aus ged ruck t wird, wird sogleich geredet werden. 2) Mit dem aeu-zrn oder rauschettden Zlscher, wie ein sch. Hier stich die Deutschen Mundarten gar sehr von einander unter, schied r.. Einige Oberdeutsche, besonders die Schwäbische, zischen- jedes s an, wenn es vor einem andern Miltantcr stehet, und oft yor'einem Local, ist, bist, hast, Wespe, wie ischt, blscht>, hascht, wcsch p e; dagegen die Niederdeutschen mit die,ein an und S für sich freylich unangenehmen Zischlaute wert sparsamer sind,das sinsp und st nremahls zischend anssvrecheu, und in den übrigen Fällen statt des sch entweder ein bloßes s oder etil sg hören lasten, welches letztere besonders den Vchsipbalen und Holländern eigen ist. Die Hochdeutsche Mundart, welche das Mittel zwischen Heyden halt, pflegt es felgender Gest alt zu Halten. Wenn das s zu Anfänge eines Wortes vor einem c, k, m, p und t stehet, so lautet es wie sch ; Skorpion Gclave, skeptisch, Smprna, Smaragd, ftraßcn, spinnen, Stand, sieben, Stern; welche Aussprache auch in denZirsaltimensetzungen bleibr,Gestmi, beständig, verstand. In der Mitte der Wör-er And aiy Eude bleibt der gewöhnlichere Laut deS s, gestern, Vesper, lispeln, wispel, Maske, fest, befestigen, erste, süßeste, Ast, Gaste, Bestie. Nach einem r wird das s, besonders aber in dem st, von den meisten Hochdeutschen in sehr vielen Wörtern wie ein sch ansge« sprächen; Mars, garstig, Durst, Fürst, erst, Borste, bersten u. s. s. wie Marsch, garschtig, Dnrscht u. s s. Nur Horst, warst, wirst, Vers, Börse, du fährst, und andere mehr lauten nur in den niedrigen Sprechartcn wie hörscht u.s.f. Diejenigen§älle,wo besonders zu Anfänge der Wörter statt dieses gezischten swirklich ein sch geschrieben wird, gehören nicht hierher. Übrigens wird von dem sch an seinem Orte noch etwas gesagt werden. ' 2. Was die Schreibart dieses Buchstabens betrifft, so herrscht darin eine nicht geringere Verschiedenheit, indem die vier Figuren s, s, ß und ss fast von einem jeden anders gebraucht werden, welche indessen doch alle darin einig sind, daß das s und s zur Bezelch' nung hes einfachen, das ff aber zur.Bezeichnung des doppelten s gebraucht werden muffe. Das st (Eßzet) ist-er Figur nach i eev- lich auch nichts anders, als ein doppeltes ff, weil das z, welches dessen letzte Hälfte ausissacht, ehedem sehr häufig die Stelle des s vertreten mußte. Es wurde vor diesem auch beständig mit dem ff fast ohne allen Unterschied Äs gleichgültig gebraucht, und erst m diesem Jahrhunderte hat man angefangen, es noch von demselben zu unterscheiden, und ihm seine eigenen Verrichtungen anzuweisen, weil die Figur einmal)! da war, und man cs, wie billig, für un- rwtdig hielt, zivey völlig gleichgültige Zeichen für einen rmdcbca denselben Laut zu haben. " - Man kann wirklich einen dreyfachen,sehr merklich verschieb, ema Laut in dem s unterscheiden, einen sehr gelinden, wie mRoie, blasen.sansen,Muse, Maser, einen flackern, wie -u ich la-- weislich, 6 aus, gottlos, Buße, Muße, das Rost, (im ^ ncnstocke,) das Maß, menl'uru, und den stä.ksten oker dadoppelte ss, wie in Roß, lassen, Schloß, müssen, w r) Das gelinde oder sanfte sstebct allemahl zu Anfänge eines Wortes und sehr oft auch in der Milte z,-Anfänge eintt SY>- be, uird wird oh in: Ausnahme durch ein langes s ansgcdruckt, Sal;, säumen, selig, seltsam, rasen, Blase, summsen- 2) DaS scharfe s findet sich in mehrern Fällen und w,n na einmahl bald durch s, bald durch s, bald aber auch durch ß aus- S S ILLY (a) Durch e. («) Am 'Ende eines Wortes' oder einer Gylbe, wenn es in dessen Verlängerung wieder in das vorige gelinde s übergehet, oder ans demselben entstanden ist; Zaus, Hauser, böslich von böse, weislich von weise, Röschen von Rose, ich las, lies von lesen, Ries, Riese, Graus, grausen. Daßman aus, das, was und andere einsplbige Wörter auch nur mit einem e schreibt, ob man gleich außen, dessen und wessen schreibt und spricht, ist als eine Ausnahme anzusehen. ' montags/ dienstags, nächstens, welche nicht selten eine unbestimmte Bedeutung haben , S.—mahls m 6 Mahl. In mauchen Wörtern gehet dieses s in st über; einst, dereinst, langst, immittelst, vermittelst. Es scheinet hier aus der End» splbe—isch zusammen gezogen zu ftyn, welche in vielen solcher Wörter in den gemeinen Sprecharren noch deutlich gehöret wird». Auch Dpitz sagt noch linkisch für links. Von dem sch und st wird noch an seinem Drte etwas gesagt werden.. Grr k ein zur Hurtigkeit, zur Freude aufmunterndes Enipfinbungs« wort. Sal lusttg! Sa, sa l geschmattset! Hrpsa! Hopsa! LL Lammt mil rem Franzos, ca überein,. ohne eberl daraus eut- Saa L2AK lehnet zu seyn, weil das s schon an sich ein Ausdruck der schnellen Bewegung ist. t. Der Saal, S. Sahl. «.Der Saal, des — es, pIur.die Gä'le,Dimin. das Sälchen, ein Wort, welches ehedem eine Wohnung, einen Pallast, ein Zimmer n. s. f. bedeutete. i) "EinBehältniß, eine Wohnung; eine jetzt veraltete Bedeutung. Indem 1 48 z zu Augspurg gedruckten Buche der Natur heißt es noch: die heilig jrinkfran was ein Arch und ein attßerwelter Saal des obersten Gottes. Der Übersetzer Tatians gebraucht das verwandte "LelickL von de» Nestern der Vögel, und ben dem Ulphilas ist IHjan wohnen, sich aufhalten. 2) * Ein Haus; eine gleichfalls veraltete Bedeutung, in welcher es in ,den Salischen uiid audecn alten Gesetzen vorkommt. Mit der Ableikungsshlbe de ist Lelicia in eben dieser Bedeutung bey dem Ottfried und andern alten Schriftstellern sehr häufig. Z) *Jir engerer Bedeutung, der Hof, der Pallast eines vornehmen Herren; eine gleichfalls ungangbar gewordene Bedeutung, in welcher die Pallaste dee Frank,fchenKönige ehedem häufig Säle genannt wurden. Oer Gaal zu Ingelheim, zu Goßlar. Amos 9, 6^ heißt es noch: Gott bauet seinen Saal im Himmel; und in einein alten Weihnachtslftde: und macht uns Erben m seinem Saal. Daher war Gaalmann ehedem ein'Hofmann, Saalmcister der Hoftnarschallu. s. s. Das Schweb. La! hat diese Bedeutung gleichfalls. Das Griech. «r-Xy und Lat. ^ula unterscheiden sich bloß durch den Mangel des oft zufälligen Zischlautes, (S. S. 3, und Halle.) Bey dem Ulphilas ist rin Tempel. 4) Ein geräumiger Platz vor einem Hanse, der Vorhof, ingleichen ein Platz vor denZimmern rines Harrfts oder eines Stockwerkes. Ehud ging den Saal hinaus, Nicht. Z, az; das Vorgemach , Michael. In Niederdcutschland nennet mau den Flur im Häuft, ehe man in die Zimmer tritt, die Diehle, welches gleichfalls hierher gehöret, weil d und simmcrablvechftln. In Meißen und einigen andern Gegenden heißt der Platz vor den Zimmern eines Stockwerkes, aus welchen man in die Zimmer tritt, der Vorsaal, er sey übrigens so klein er wolle. 5) Am gewöhnlichsten ist dieses Wort von einem großen geräumigen Zimmer, welches viele Personen fassen kann, und welches nach Verschiedenheit seiner Bestimmung allerlei) Beysä'tze bekommt. Der Eß - oder Gpeisesaal, der Tanzsaal, Vildersaal, Concert-Gaal,Hoch- zcitsaal, Rittersaal u. s. f. Franzos. Lule, Lalon, Jtal. Lala, Znlone, Lalctle, Span.Lala, Lsckou, Pohln. Lals. 6) Im weitesten Verstände wurde es ehedem von den Dichtern in allcrley Zusammensetzungen gebraucht, einen jeden Drt von einem be- trächllichen Umfange zu bezeichnen. Der Stepncnsaal, 8reu- densaal und so ferner. Anm. Die Bedeutung der Ausdehnung in die Weite, des bedeckten hohlenRaumes scheinet in diesemWorte die herrschende zu ftyn, obgleich in der ersten der Begriff der Sülle, der Ruhe vorzustechelt scheint/4» Chrom 29/11 lautet der Plural Saale, der aber im Hochdeutschen völlig ungewöhnlich ist. Ehedem schrieb man dieses Wort durchgängig Gal. Im vorigen Jahrhunderte, als mau ailsing, die gedehnten Selbstlauterill manchen Fällen durch Zeichen zu unterscheide», sing man an, es Saal zu schre-ben, und dui« Schreibarthat sich seitdem beständig erhalten, ungeachtet die Vtt- Koppelung des Vocäls das unschicktichsteZelchen der Dehnung ist; ^ dahkr man auch,wenn das a ina übergehet,diescs nie gern verdoppelt. *Ler Saalmann, des — es, sckur. die — männ'er, ein veraltetes, oder höchstens nnr noch in einigen Gegenden übliches Wor. v)Dou Saal, der Hof, Pallast, war Gaalmann ehedem nir Hofmann,^u! 1 cu 8 ,A?ie es jn einem alten Vocabulario ans "'M 1 zten Jahrhunderte ausdrücklich übersetzt wird. 2) Sv fern Saa das ÄLrichtshavs, Gepicht bedeurrt^ wurden ehedem in Emern r §AA S'a E Lic Vögte vderAdvocati Saalmanner gcnantrt, da derist oft. ein ji-der Sachwalter, ingleichkn ein jeder Bürge dikfen Nahmen- bekam. Anderer Bedeutungen zu geschweigen». Der Gaame, S. Same. Gerar, S. Sahp. ^ ^ Die Saat, plur.die —en, von dem Zeitworts säen- r) Die Handlung des Säens, Lat. 8aliv, besonders des Getreides; ohne Plural. D.e Zeit der Saat, z Moft 26, 5; die Saatzeit. Zur Saar ttckerwoderpflügen, einen Acker das IrtzttMahl vor dem Säen pflügen , (S. Saatftrrchcn.) Die Saar vornehmen. Die Saat ist geschehen. Wir sind in der Saar, wir sind m:t dem Säen des Getreides beschäftiget. Das Saatkorn, der Gaatrscken, die Gaatger.ste, die Saaterbsen, welche gesäet werden sollen; wofür man im Hochdeutschen und in der anstäridi- Hkrn Sprcchact auch sagt Samenkorn, Samenrockcn u. s. f. s) Derjenige Same, welcher gesäet wird, besonders voudem zum Säen brstimmteu Getreide; am häufigtlrn in den Zusammensetzungen Aussaat, Einsaat, 8rnhsaar, Sommersaat, Wintersaat r;, s. f. wo der Plural nrw von mehrern Arten gebraucht wird. Es isti'n dieser Bedeutung imNiedcrfächs. am üblichsten^ im Hochdeutschen gebraucht man auch hier das Wort Samen; hoffnungsvoll'verwes't die Saar Auf den Tag der Ernte; rin falscher Gedanke nach der 'übel »erstandenen Stelle, 1 Cor. r 5, 36, weil der anägeflreucteSame in der Erde nicht verweset, sondern nur entwickelt wird. Z) Das aus. dem Samen hervxr gewachsene und noch auf dem Halme flehende Getreide; Sai.8ätum» Das.Linkommen deiner Saar, L Mos, -4, 32. wenn du in die Saar deines Nächsten gehest , so magst du mit der Sand Aren abrupfen, Kap. 22, 25. von eurer Saar und wem- dergen wird er den Zehenten nehmen, r Sam. 8, 15. Im Hochdeutschen ist cs in dieser Bedeutung nicht üblich , wo man es in derLaudwirchschaft nur noch von dem jungeuGctrejdc gebraucht, ehe es schosset. Die ^aar stehet schön, schosset. Schön ists, wie die. grüne Saar dort über das 8cld hin die zarten Spitzen aus dem Schnee empor hebt , G?ßu. Auf Saaten, die des Rosses suf zertreten, Raml. Auch hier findet der Plu« ral nur von mehrern Arten Statt. 4) In einigen Gegenden ist es auch ein Feldmaß, vermuthlich so viel Land, als man auf Ein Mehl, oder in Einem Gange zu besäen pflegt. So ist im Eider- städtischen eine Saat ein Stück Feldes von z 6 Quadrat - Ruthen» Sechs Saat machen einDemar, und 360 Saar einen Pflug. Der PluraiHleibt hier, so wie Hey so vielen andern Wörtern dieser Art, unverändert. - Anm. Bey dcmOttfticd Zak,, im Tatran 8ati und Labs , im Niederst Saad und Saar, im Angelst 8ueck , im Engl. 8eeck, im Island. 8n6e, imSchwed. 8ück ; alle von einem jeden Samen; Niedri st Aehlsaat , Rübesaat n. f.f. Im Heck-deutschen gebraucht man es nur von dem Getreide, für das gleichfalls übliche Samen, (S. Säen.) Zn einigen Oberdeutschen Gegenden ist es weiblichen Geschlechtes, die Saate. Die Gaate gehet auf,Opitz. Die Gaate soll hernach', wo pergamus war, stehn, c ben d. Des (Ladmiu; Saate kaum dir meine Macht bewahren, Lolnnst. DieAlren schrieben in diesem Worte nur ein einfaches a- 82t, Ottfc.'Erst in den neuern Zerren hat man angcfangen, ein doppeltes zu schreiben, ob es g^jch besser gewesen wäre, man hotte ' hier nichrs geändert. Schreibt man doch Thar, Lav, Rath, Pfad' n. s. ft.ohne dass das a Gefahr liefe, kurz.ausZcsprochen zu werden. ^ chch Die SaatvoHne, plur. die— n, Bohnen, welche man säen oder pflanz u will ; Samenbohnen. So auch Saaterbsen, Saat- vlvste, Saatüafer, Saarkorn, Saal-Uuftn U. ft ft Sssö L'ZZK Das Ssarfelö/ öeS-°°eL,p1ur. die—er, in der Landwirthschaft^. bestelltes und besäeres Feld;, zum Unterschiede von einem Brachfelde. S.üütfurchen, verir» reZ» sci» ebendaselbst, dasletzteMahlpfliu- gen, worauf sogleich gesäet wird» Daher das Gaatfurchen , im Meklenburg. die Gaarfahre, wo jedes Pflügen eine Fahre heißt- S.Ack^ern. DieGaatAurke, xlur. die—n. r) Bey einigen, die gewöhn- lichen Gurken, welche in den Gärten gebanet iverden, tlucumi? sutivusl^» zum Unterschiede von den wilden Gurken. 2) IM gemeinen Leben.auch die Samengurken, ivelche man zum Samen reif werden laßt. Der Gaathünf, des —es, plur. oar. eine besonders im Niederst, übliche Benennung des weiblichen Hanfes, weil er nur allein Samen trägt, S Hanf. Das Saachrchn,. des—es, jilur. die—Hühner, S. Brach?- Vogel. Die (Saatkrähe-plwr. die—n, die gewöhnliche Krähe, welche. , sich gern auf den Saatfelder,l aufhält. Die Saatlerche, plur. die—u, die gewöhnliche Selb - oder- ' Sanglerche, weil sie sich gern auf Saatfeldern finden läßt. Die Gaatwicke, p!ür. die—n, in der Laudwwthschast, die ge- wöh-llichen zadrnen Wicken,welche aufdemFrlde gcbauet werden z- zun, Unterschiede vor: den wilden. Die Saatzeit, plur. die—en, in der LandwirtUckaft, die Zeit der Saar? die Zeit, da eine Getreidears gesäcc zu werden pfleget; Niederst Gadeltiet. . Der SäbVach, des —es, pckui-. die—e,, llep ben altern nnS- neuern Jude», der Hebräische Nähme dcS siebenten und letztenTa- Fes in derWoche, welcher bcv uns der Sonnabend heißt. von N3V?. ruhen, weil er zugleich der Ruhetag von aller Arbeit war. Figürlich pfleget man auch wobl beyden Christen zuweilen den Sonntag,so fern er der gewöhnlicheFeyer- und.Ruheragist,de-'.Sabbarh> zu nenucn. Den Sabbach entheiligen, an dem z»r Fryre be- stimmten Wochentage mmhwrllig wt-ltlicheArbeiien undGcsckäfte verrichten. Beh dem Notker heißt der Sabbach der Juden ^ir- rot.ük, k'irtAZ, Viroo, Fcprrtag,imAugclst8ubdsi.llurir nntz' ÄesteÜLeA» Rasttag» DerGäbbacher, des —s, plur.ut nsm. stdiZ.em nnrin Luthers Übersetzung des neuen Testamentes übliches Woet, eine,) Wochentag zu bezeichnen, weil die altern Anden sievondem Sab- bathc an zu zählen pflegten. Der erste.Gabbacher, der Sonntag, der zwepte, der Montag u. s. s. Die SaddütHLn-Sache- piur. di?—m aitzd'cm Kgmmcrge- richte zu Wetzlar, eine Sachs, welche Sonnabends vorgeiwmnnm zmwerden pflegt, wohin z. B. wichtige Znterlccutorien gehören^ welche einen Senat von vier Beysitzerrrrrfordern. Das Säbbath- Jahr, drs — es , fllur. die— e, auch bev del) illt.ru Juden, jedes siebente Jahr, airwelchem alle Felder u. s. fl,, ruben und brach liegen mußten; das 8eperjahr, Riihejahr. Die Säohaths-Frau, pl'ur. die — Weiber, Hey den heutigeii Inden, eit« christlicheFran, welche sie amSabbärhe bcdievrt, rveit. Jüdisches Gesinde an diesem Tage kein Geschäft-verrichten 5o.rft. LerG;ibbath6- Gchänösr, des—s, xU,r. ut. nom. sin?» Fämin. dic Säbbachs^Schanderinn, bey den Juden so wohl als? Christen, eine Person, welche den gcw öhlisichenFeyLrtag milVor^ satz und ans Verachtung entheiliget. . > Der Sä'bbaM Tay, des—es, rrlup. die—e, ein in der Deut> scheu Bibel für Sabbach gebräuchliches Wort». Der Südes, des—s, piur. utnorn. linA. sin langes, bnitrA und gekrümmtes Schwert, dergleichen unter andern auch die Tür-- Kn/ Ungarn und Husaren zu fiihren pflegl-m. iL. i i r . ÄKNr;. Saö 1235 Anm. Im Nicöers.Zabel, auch iir andern gemeknest Mundarten Sabel und Saber, im Schwed. 8 abe 1 , im Engl. 8ctbrs, imJtal.8ubru, 8Ldlc, im Böhm. 8 sa>v 1 s, im Finnländ. 8a- deÜ. Wachter leitete es von demArab. 8öik,ein Degen, Schwert, ab, vermuthlich ein krummes Schwert, denn daß der Begriff der Krümme in diesem Worte der herrschende ist, erhellet ans dem Neu-- Griech. krumm, und ein Sabel. Wir haben dieses Wort mit der Sache selbst vhneZweifel ans Ungarn und dcrTürkey erhalten,weil diekrummenSchwertcr bey unfern Vorfahre» nicht üblich waren. Die Ableitungssylbe—cl oder-er, bedeutet ein Werkzeug, ein Snbject. (S. Sabelholz.) Sichel ist nur im Endlame der Stammsylbe verschieden. Dre Säbebbohne, p!ur. die—n, eine Art langer und breiter Türkischer Bohnen oderSchminkbohnen, welche wie ein Säbel ge- krümmet sind. DerSäbelfüß. des —-es, plur. die—süße, krumme fehlerhafte Füße der Pferde, welche wie ein Säbel gckrümmet sind. Das Säbelholz, des—es, zolur. iuus. im Schiffsbaue, ans krummen Bäumen geschnittene Planken, welche die Figur eines Säbels haben, oder auf der hohen Kante gekrüpunet sind. Die Säbelklinge, xlur. die—n, die Klinge eines Säbels, eine breite und lange gekrümmte Degenklinge. Gabeln, vsrb. re§. act. mit dem Säbel hauen. Läßt Sophs- nisbe zu, daß man den Ehschatz sebelt? Lohenst. niedcrhauct. Wir gebrauchen es nur in herunter säbeln, und denZusammen- setzungen absäbeln und niedersäbeln. Der Säbelschnabler, plur. utuom. liuZ. eine ArtWögel mit einem gekrümmten Schnabel, S. Sichelschnäbler. Die Säbeltasche, plur. die—n, eine lederne, mit Tuch überzogene Tasche, welche die Husaren unter dem Säbel Hungen haben. Der Säbenbaum, des — es, s)Iur. die— bäume, eine Art des ' Wachholdcrs,der in Italien,Portugall und demMvrgcnlaude ein, heimisch ist; 7 ulljperus 8 LdinL l-. DicBlättcr haben einen starken widrigen Geruch und scharfen Geschmack. Der Nähme wird nicht nur in den gemeinen Sprecharten, sondern auch von den Schriftstellern gar sehr verderbt. Bald lautet er Sebenbaum, Sevenbaum, Giebenbaum, bald Sadebaum, Sadelbaum, Sadel, Gathebaum, bald gar Sagebaum und Segelbaum. Allein da alle diese Nahmen ans dem Lateinischen 8LbinL, ^r- bor 8adilla, verderbt sind, so kann die wahre Schreib - und Sprechart nicht mehr zweifelhaft seyn. Im Englisches heißt dieser Baum 8Lvin, im Französischen 8abiue, 8aviaier. Das Sach, am Pfluge, S. Sech. Die Sache, plur. die—n, Diminutivum, welches doch mir in einigen Fällen üblich ist, Sächlein, in der vertranlichenSprechart Sächelchen; ein sehr altesWort von weitemUmfange, dessen vornehmste Bedeutungen folgende sind, r) EinZank, lauter Wortstreit; eine veraltete Bedeutung, von welcher sich aber doch noch hin und wieder Spuren finden. Bey dem MphilaS ist kakLn.nnd Hey demKero kilLküan, zanken, streiten. In engerer Bedeutung , eine vor Gericht angebrachte Klage und deren Gegenstand, und in weiterm Umfange, ein jeder Prozeß, ein jeder Rcchtshan^ del; eine der ältesten Bedeutungen, welche noch nicht veraltet ist, obgleich diese Bedeutung sich in der folgenden der Angelegenheit, des Gegenstandes seiner Worte und Handlungen, zu verlieren scheinet. Eine Blagesache, Rechtssache, Streitsache. Wo einer den andern schuldiget — so sollen beydcr Sache vor die Götter kommen, 2 Mos. 22, 9. Du sollt den Geringen nicht schmücken in seiner Sache, Kap. 2z, z. In dem Munde z-weyer oder dreyerZeugen soll dicGache bcstehen,Kap. '9,15. Lind so iu ander» Stelle» mehr; wo aber die Ausdrücke, eine I Sach i2Z<5 G'.che an, ;n, mit, wider jemanden haben, an, zu und wi- derjemandenfinden, d. nKlage, und Ursache der Klage, veraltet sind ; wie es denn überhaupt fürKlage nicht mehr, wohl aber für den ganzen Prozeß oder Rechtsstreit üblich ist. Eine gerechte Sache haben. In seiner^eigenen Sache Richter seyn. In einer Sache sprechen. Geldsachen, Halssachen u. s. f. 2)Eme Angelegenheit, ein Geschäft, Haussachen. Staatssachev,Rrie- gessachen, Geldsachen. Eine große, wichtige und schwere Sachq. Unverrichteter Sache abzichen müssen, imDberd. nn- verrichtetcr Dinge. Ich kann nichts bey der Sache thun. Seiner Sache gewiß seyn. Seine Sachen mit Fleiß verrichten. Viele Sachen anfangen und keine ausfnhren. Des Sache ist nicht mehr zu helfen. Wie gehet die Sache? Sich einer Sache annchmen. Seine Sachen stehen schlecht. I» wichtigen Sachen gebraucht werden. Seine Sachen verstehen. Sich in fremde Sachen mengen. Mit jemanden gemeine Sachen machen, sich mit ihm in einer Angelegenheit, in einem Geschäfte vereinigen, mit ihm gemeinschaftlich eiucrlev Absicht zu erreichen suchen. Er hat seine Sache sehr schlecht gemacht, sein Geschäft schlecht ausgeführet. Die Sache Gottes, der Religion verthetdigen. Die Sache der Wahrheit führen, die Wahrbeit vertheidigen. Das ist Heine Sache, gehet dich an , ist deine Pflicht, kommt dir zu. Das ist meine Sache nicht, gehctmich nichts an, ich habe dazu weder Verbindlichkeit noch Fähigkeit. I,l der Geschwindigkeit eine gedeihliche Antwort zu finden, ist nicht seine Sache, er besitzt dazu nicht die nöthige Fähigkeit. Der Eigennutz ist nie seine Sachs gewesen, er hat sich demselben nie ergeben. In solchen Fällen ist das Reden nicht meine Sache, rede ich nicht gern. Ich weiß lange, daß die feine Lebensart nicht eure Sache ist, Weiße. - Es ist sonst nicht,meine Sache, Daß ich Lomplimente mache, Zachar. In der vertranlichenSprechart gebraucht man auch wohldas DK minutivum von geringen unerheblichen Angelegenheiten und Ge. schäften. Er dachte seine Sächelchen recht klug anznfaugen. Z) Eine geschehene Begebenheit, ein Vorgang, die Art uudWeise, wie eine Veränderung erfolget. Ich will ihnen die ganzeSache erzählen. Nach Gestalt der Sachen, der Umstände. Ich muß erst hinter die Sache kommen. Wie ist die Sache zugegan- gen ? Ich kann ihnen noch andre Sächelchen erzählen, Weiße. Es könnten bey ihr eben solche Sächelchen Vorgehen. 4) Ber. muthlich als eine Figur der vorigen Bedeutung, wi^ Sache, doch nur im Plural allein, oft leeren Worten entgegen gesetzt. Eine Rede muß Sachen und nicht bloß Worte enthalten. Z) Em jeder Gegenstand, wovon man spricht oder handelt, womit man sich beschäftiget; wo es in manchen Fällen nur imSingular allein > gebraucht wird. In allen Sachen Maße halten. Der Sache * zuviclthun. Das dient, gehört nichtzur Sache. Die Sache bestehet darin, von einer Sache handeln. Zur Sache schrei- ten. Die Hauptsache, im Gegensätze der Nebensachen. Sich mitlauter Nebensachen beschäftigen, vop .der Sckche abrvei- chen. Das beste zur Sache reden. 'Kurz von der Sache zu reden. Der Sache ein Ende machen. Das ist eine andere Sache. Einem tausend süße Sachen vorsagen. Du redest artige Sächelchen, wenn du allein bist, Weiße. Was ich ge- sagthabe, stießt aus der Natur der Sache, des Gegenstandes, wovon wirhandcln. Wir wollen zur Sache kommen. Das thut nichts zur Sache, bat in den Gegenstand, von welchem wir handeln, keinen Einfluß. Sagen fie mir, was bey der Sache anzufangen ist. 6) Sehr oft gebraucht man dieses Wort auch als einr allgemeine Benennung von körperlichen beweglichen Dingen, wenn man sie mit keinem andern allgemeinen Nahmen zu benen- 12Z7 Sach Sach 1LZ8 nenweif. Was sind das für Sachen? Spielsachen, Zucker- fachen, Zuckerwerk. Es fehlen mir noch die nöthigen Sachen r« dieser Arzeney. Allcrley schöne Sachen. Besonders Ge- rälhschaften, Kleidungsstücke u. s. f. Das sind nicht meine Sachen. Seine Sachen einpacken Unordentlich in seinen Sachen se> n. wem gehören diese Sachen? Wo es denn im Plural am häufigsten ist. 7) Oft wird die Sache der Person entgegen gesetzet, nndda bedeutetes ein jedes Ding im Gegensätze der Person. Das Zeitwort geben erfordert die vierte Endung der Sache, und die dritte der Person. Auch in den Rechten sind Sachen und Personen einander entgegen gesetzt) Im gemeinen Leben.und der vertraulichen Sprechart kommt es gleichfalls vor, ein jedes Ding, alles was ist, zu bezeichnen; wo es aber zunächst eine Figur der vorigen fünfte» Bedeutung eines Objectes zu seyn scheitlet. Ein Buch früh bey dem Theo ist eine gute Sache, Gell. Es ist doch eine verzweifelte Sache um die liebe Tugend, Weiße.- L) *Einc Ursache; eine veraltete Bedeutung. Er ist ohne Sache aufgeblasen in seinem fleischlichen Sinn, Coloss. 2, ,3. Um welcher Sache willen ich dich erinnere, 2 Timvth. 1, 6 . Um welcher Sache willen ich solches leide, V. r 2. Um der Sache willen strafe ich sie scharf, Tit. i, 13. Anm. Im Oberdeutschen wird: ist sach, noch jetzt häufig für wenn gebraucht. Ist fach das der 6cld sturmen thut, Go will ich ihn haben gewiß, Theucrd. Kap. 78. Ist sach das ihr solches nit irt, Kap. 9L, wenn ihr solches nicht hindert. Seine Sachen verrichten, ist im gemeineitLeben ein höflicherAnsdruckfiir, seincNothdurft verrichten, und in manchen Gegenden nennt man auch die monathlichk Reinigung des andern Geschlechtes die Sache; ws es eine Figur der zwcytcn Bedeutung zu seyn scheinet. Schon in dem Lmlischeir Gesetze ist 8?.ck Klage,Rechtsstreit. In der altewUrkunde der Könige Ludwigs und Lothars aus dem 9t'uZahrhuuderle bedeutet Luciru dingliches Eigemhum, im Isidor, Tatian und Oltfried ist 8eeüÜ3, 8ueka bald ein Rechtsstreit, bald eine Ursache, bald auch ein Geschäft, welche Bedeutungen auch das Rieders. Sake, das Schwed. 8ak, und das Angelst 8ue haben. Es ist dieses Wort die Klippe fast aller Wortforscher, auch der besten und gründlichsten, gewesen. Frisch leitet es von Zacke her, und erklärte es durch ein körperliches, handgreifliches Ding ; Ihre aber sichet es als eiil durch Versetzung der Buchstaben aus dem Lat. Luullcr gebildetes Wort an. Allein^ wenn man die Bedeutungen dieses Wortes aufmerksam erwäget, so wird man nicht in Abrede seyn können, daß cs das Jirtcnsivum von Sage und sagen ist, und ursprünglichWortgeräusch,streit,Zank,und in wcitermVerstan- dc eine jede Rede und deren Gegenstand bedeutet, ob es gleich durch die Länge der Zeit aufmaucherlcy Art bestimmet worden. Im Rieders. ist staken noch jetzt klagen. Die gleichbedentcndenWöfter im Deutschen so wohl als in andern Sprachen bestätigen diese Ableitung. Unser Ding, welches im weitesten Verstände allss bedeutet, was da ist, bezeichnet, ursprünglich auch'Wortftrcit, Wortgc- .räusch, und Rode überhaupt. Das Lat. OuullÄ. Ursache, stammet von cul'nre,klagen, in scoulare, ab, welches w'.e unser koren und kosen ehedem reden überhaupt bedeutet hat.DcssenTöch- ter, das Jtaliänische 6 o 1 n und Französische Okale, bedeuten eine jede Sache, ein jedes Ding. Das gleichfalls Lat. liss gehöret zudem Stamme unscrs Rede. Recht, rauchen n. s. f. und noch Kero übersetzt res durch lkacüono, weiches j.tzt veraltete ,Wo,rt zu rechen , reden, gehöret, wovon unser rechnen ab- stammrt. Das Schwed. 8u!c bedeutet auch Verbrechen und Strafe, und im Tatiarr ksmmt Laüüu gleichfalls von einem Verbrechen vor. Die GächeLkläruny,Plur. die—m,m berLogik, eine Erklärung oder Definition, welche den Begriff selbst aufkläret, und in engerer Bedeutung, diejenige, welche zugleich die Möglichkeit und Entstehuttgsart der Sache begreiflich macht; beydeS imGegensatze der Worterklarung S. Sache. 4 . Sächfallky, ackj. ekuckv. m den R chten. Sachfallig werden, seine Sache, d. i. seinen Prozeß, verlieren.' Jemanden fach- fällig erkennen. Niederst nedderfällig, im Oberd.gleichfalls nje- derfällig. S. Sache 1. Das Sachregister, des —s, xlur. ui vom. 605. ein Register über die in einem Buche vorkommenden Sachen ; zum Unterschiede von einem Wortregister. S. Sache 4 « * Das Sachs, des — es, plur. die—e, eine veraltete, noch in einigen gemeinen Mundarten übliche Benennung einesMesserZ und jedes schneidenden, stechenden und hauenden Werkzeuges. In dem alten Fragmente ans Carln den Großen bey den: Schiller 8u1i5. Im Tatian ist 8cr»bl'uc!i8 ein Schreibegriffel. Scharlachs war ehedem ein Schermesser, Blutsachs eine Lanzette zuin Aderlässen, Schramsachs ein kleiner Degen. Es ist mit sagen, Sech am Pfluge, Sichel, Sense Mieders. Seifte, bey dem Ott- fried 8ecfls, Eines Geschlechtes. Siehe diese Wörter. Es ist^ eine alte Meinung, daß die Sachsen von ihren langen Messern, deren sie sich bedienet, den Nahmen haben. Wenn dieses Vorgeben einigen Grund haben sollte, so müßte das Wort dabey mehr etymologische Veränderungen erlitten haben, als es erlitten hat. Wird man wohl ein Beyspiel anführcn können, daß ein Volk ohne alle Veränderungen des Wortes den Nahmen des Dinges k»'kom- men, dessen es sich bedienet ? Und dieSachstn sollten seyn Messer genannt worden, - weil sie sich langer Messer im Kriege bedienet? , Es ist mit der Ableitung der Nahmen ganzer Völkerschaften allemahl sehr mißlich, weil mau vorher wissen muß, ob ein Volk sich diesen Nähme» selbst gegeben, oder ob es solchen von seinen Nachbarn bekommen, von welchem Volke es denselben bekommen, uu^ bey was für einer Gelegenheit u. s. f. Indessen ist unter allen Ableitungen diejenige noch die erträglichste,die ihn von Saft ableiteft (S. dieses Wort.) Übrigens lautet Sachs, wenn es derVolksnah- meist, im Singular mit deinecnphouico, der Sachse, um die gelinde Aussprache des s zu sichern, und im weiblichen Geschlechts die Sachsin-n, nicht Sachflnn. Daher das Bey - und Nebenwort Sächsisch, nicht aber Sächsisch, wie die Niederdeutschen sprechen. Sacht, —er, —effe, uäj. et uäv. welches in allen seinen Be- deuiungen nur im gemeinen Leben, besonders Niedrrsachsens,üblich ist. 1) Leise, dem Gehöre nach. Sacht gehen, sacht reden. Ich cht'll es ihnen sachte sagen, Gell, leise, stille. Eine sachte Stimme haben. 2) Langsam. Gehe sachte. Sachte! sachtel eine gewöhnliche Formel, die Geschwindigkeit zu Konsilien. Ein Zeiger ander Uhr kann nicht so sachte gehen, Lichtw. Z) Gemach, sanft. Jemanden sacht angreifcn, sanft. Das thut sacht, sanft. 4) Leicht, nickt schwer zu bewerkstelligen; nur als ein Nebenwort. Das läßt sich sacht sagen, leicht. Das kannst du sacht thun, leickt. Anm. Dieses der anständigen Hochdeutschen Sprechartfremde Wyrt lautet im Niederst wo cS eigentlich eiicheimisch ist, sagt und sagte, im Schweb iakts, mit einem andernEndlante imAu- gelst unö Engl. loft, mit den'.Naftlilante imHochdenlscheu sanft, (S. das lctzLerc.)Fiirsanftmilrhig sagen dir Niederdeutschen,Holländer und Schweden sachtmüchig. De^ SächDerftan-, des—es, plur. car. in der Logik, derjenige Verstand, welcher vermittelst eines Verhältnisses der unmittelbar erzählten Sache g,egen andere entferntere bestimmt wird; zum Unterschiede von dem Wvptverstande oder buchstäblichen verstände. S. Sache 4 . ^ Z i i i 2 Der - N LAH Sach Der Sachve?stänö:k5s, des—N, plur. die—n, derjenige, Melcher die Sache, d. i. das jedesmahlige Geschäft, das Obje.cr der' Rede, verstehet. Em Sachverständiger. Der Särywalter, des—s, plur.utnom.stnZ. i) Von Sache i, eine Rechtssache, Prozeß , derjenige, welcher eines andern «RechtshandelvorGericht verwaltet oder besorget. Der Anwalt, Rechtsfreund, Advocat, im Oberdeutschen Sachführer, Niedres, Sakewolt, welches ehedem auch theils eine der streitenden Parteyen, theils aber auch die Hauptperson in einem Prozesse, besonders in einem Cruninal- Prozesse, bedeutete. Ehedem hatte . man davon auch das Zeitwort sachwalten, theils prozcssiren überhaupt, theils auch eines andern Sache vor Gericht führen, advo« ) Der Magen; doch nur im verächtlichen Verstände. (Jemen EaE füllen. ' 2 ) Ein liederliches Weibsbild ; doch nur Sark 'i2Hg in dem zusammen gesetzten Schleppsack. In Niederfachftn menitt man eine leichtfertige, verschnützteund muntere weibliche Person im Scherze einen kleinen oder losen Gack. Anm. Im Niederst gleichfalls Gack, bey dem Ulphilas 8 LKK, imEngl. im Schwed. 8 ac!r, im Ztal. 8 acco, 8 aceoc- ciu, im Franz. 820 , im Span. 8 ncco, im Pohln. 82 c, im Lapv.'Lud. 'plcikes, im Ungar.^tak, im Lar. 8 Lecus, imGrtech. »««itaz, im Hebr. pzr?. Weil die großeübereinstimmung fast aller Sprachen in diesem Worte die Wortforscher von je her befremdete, so behauptete Goropius Becanus im Scherze, als bey dem Babylonischen Tkurmbaue die Sprachen verwirret worden, so hätte,r die Bauleute in der Bestürzung sich doch an ihre Gchnappsäcke erinnert, hätten darnach gegriffen, und wären damit ihres Weges gegangen, und daher sey es denn gekommen, daß diefts Wort von der allgemeinen Sprachverwirrung verschont geblieben« In. dessen ist Suck nicht das einzige Wort dieser Art, indem man bey einer genauen Untersuchung jedes Slamnuvort in fast allen Eirro- s päischen und Astatischen Sprachen wieder finden wird. Sack bedeutet einen weiten, tiefen, an einem Ende verschlossenen hohlen Raum, entweder von einem veralteten suchen, fachen, (S. Suchen,) stch bewegen, und in engerer Bedeutung, sich im Kreise, in die Runde bewegen, oder ron sacken, stch finken, (S. dasselbe,), oder.auch als ein Verwandter von Lach jeweils und t oder d sehr oft gleichbedeutend find. Das Sackband, des—cs, plur. die — bänder, starke hänfene Schnüre, die Kornsäcke, Mchlsäcke u. s. f. damit zuznbinden. Der -Säckel, S.Seckel. Das Sackelkraut, S. Hirtentasche. t. Sacken, verb.reZ. welches nur im gemeinen Leben, besonders Niedccdrmschkandes, als ein Aeciprocum üblich ist, sich sacken, stch senken, sich aus Antrieb eigener Schwere nach und nach undulnvermerkt niederwärts bewegen. Ein Haus hat sich gesackt, wenn es sich gesenkt hat. Das Wasser rst im Sacken, im Fallen, im Abnehmern In deu Niederdeutschen Gegenden wird es auch als ein Neutrum gebraucht, mit einem Schiffe langsam den S:rom hinab treibe». Anm. Es ist dasI-ttensivllin von siegen, in versiegen, und ein naher Verwandter von senken und sinken, welche nur das n, den gewöhnlichen Begleiter der Gaumenlaute, zu sich genommen haben. S. dieselben. Sacken, verb.reZ. 20 t. et-neutr. welches zunächst von Sach abstammet. 1 ) In der Hauswirtyschaft ist sacken in Säcke füllen oder fassen. Äorn sacken, Mal; sacken. 2 ) Zu weiterer Bedeutung ist sacken, gierig cinfüllen, wie in erneu Sack, besonders in den Zusammensetzungen einsacken , besacken. Darauf wenn jedermann den Wanst recht v^ll gesackte, Opitz« Bey den Jägern sagt man von einem Hirsche, er sep gut gesackt, wenn er einen starken Unterleib hat. So auch das Sacken. 2 «Säcken, verb.reZ. uel. welches das vorige.Zeitwort ist, aber nur von derjenigen Are der Lebenssirafe gebraucht wird, da man eineir Verbrecher in einen ledernen Sack steckt und darin ersäuft. Eine Riudermörderlnn sacken. Daher die Sackung. Rieders, sacken. Der Gackerfalk, S. Sakerfalk. Die Sackstietze, plur. die—n, S. Sackwespe. Die Sackgarns, plur. die—gänse, bey ritt gen, ein Nähme der Kropigans, wegen des unter demSchnabel hättgendenSückes odec Kropfes. Das Gackyarn, des—es, plur die-c, ein länglich rundes Fischergacn, welches einen Sack oder Koffer vorstelltt, und daher auch Rofferggrn, Tk-mmel, genannt wird. Lle a T 5.41 Die Sarkgsitze, plne. die—n, die kleine Geige derZanzmeisiee, vermnthllch, weil sie selbige im Sacke, d. i. in der Tasche, bey sich tragen. Sie wird auch die Srockgeigc genannt. Die Sück§eschwulst, xlur.die—schwülste, eine Geschwulst unter der Haut, deren Eitsr inrrnec Art von Sacke befindlich ist. Arten davon sind dieSpeckgeschwulß und Honiggeschrvuist. Der Sackhase, des—n, p!ur. die—n. in decLandwinhschaft einiger Gegenden, eine figürliche Leiununng der fehlerhaften Stellen in einem gepflügtenAckcr, wenn deePflüger die Pflngficrie nicht überall gleich fest halt. An andern Orten herßeu sie Zaftn- nester, Gaunester, Schafböckinnen, äanföockinnen. Die SaElast, plur. die—en, in einigen Gegenden, eine Art Last, d. i. Getreidemaßes. Z. B. in Danzig bedienen sich die Bäcker der Sacklast, welche 5 Malter oder 8« Scheffel hält, dagegen eine gewöhnliche Last nur "3^ Malter oder 60 Schcf, ft! hält. . . Die Gückpfeife, plur. die—-n, ein altes musikalisches Justru- menl, welches jetzt nur noch unter dein großen Haufen üblich ist, .und aus einem ledernen tAchlauche, mit eurer daran befindlichen 'Pfeife bestehet; im gemeinen Leben auch der Dndelsack , ehedem die Lollepfeif, und in einem alten Vocabulano aus dem 1 Lien Jahrhunderte Äogelczppftl; Der Pohlnische Bock oder die Äockpfeife ist eine Art davon. Daher der Gackpfeifer, der die», selbe spielet. - - Die Gackpistöle, fllur. die—n, kleine Pistolen, welche mau im Sacke, d. i. in der Tasche, bey sich trägt; die Taschenpistole,, der Puffer, Niederst Sackpuffer. Die Sackpunrpe, plur. die^—n, im Bergbaus, eine Art Pumpen, welche emem ledernen Scüubsacke gleicht, und unten keinen Kolm , sondern einen Pumpenzug in Gestalt eines ledernen Sackes hat. - Der Sackrrä'yer, des — s, xlur. ut rrc»M. st.nZ. eine,Brt niedriger Arbeiter, deren Hauptgeschäft ist, mit Getreide gefüllte Säcke hin und wieder zu tragen. Figürlich nennt man auch wohl den Esel, wegen seiner ähnlichen Verrichtung, einen Sackträger. Die Sackuyr, xrlur. die—en, eure Oberdeutsche Benennung einer Taschen nhr; von Sack, die Tasche. Die GackwaFe, vlur. die—n, eine Art begnemerWagen, welche anS einer Röhre'bestehetin welcher eine Feder verborgen ist, welche durch die daran gehängte Last niedergedrückt wird , und.ihr Gewicht vermittelstrineS vierecktrn Stäbchens zeiget; weil man sie im Sacke, d. i. in der Tasche , bey sich tragen kaum In andern ^ Gegenden heißt sie die Zederwage. Die Gackwe spe, piur. die — n, eine Art Wespen, deren gelber Leih hinten die Gestalt eines schwarzen Säckchens hat; die Sackfliege. In Holland wird sie Spinnenrödter genannt, weil sie die größten Spinnen tödlet, sie in die Erde vergräbt und ihr Ey in dieselbe legt. Der Gackzehente, des-—n, plur. die—n, der Zehente, welcher von reinem ausgedroschenen in Säcken befindlichen Korne gegeben wird; der Scheffelzehente, Dorfzehentc, im Gegensätze des Garben-oder Mandelzchenten, ZuFZehencen. Jnglcichen dasjenige fest gesetzte reine Getreide, welches an einigenOrren ausialt des Garbcnzehenten gegeben wird. D§r Gackzrvilllch, des—cs, plur doch nur von mehrerN Acten, die—e, grober Zwillich, woraus die Getreidesäcke au einigen Orten verfertiget werden. Dns Sacrament, des—>es, xlur. die—e, ein ans dem Latein. Lncrgmeutl-Un enrlehntes, und durch die christlicheReligion a»ich in die Deutsche Sprache gekommenes Wort, welches einen ver. schiedeurn Umfang der Bedeutung hat.. r) Bey den heidl'.rv, im Schwed. sZund lAcia, imPohln.^ üeie, wo8ierv die Saar ist, im Böhm, l^ti, bey den Krai- ncrischen Wenden lejerri, bey den altern LarcinernLcho und seo, ich säe, wovon noch sevi in serere ist, daher 8eistr, die Göttinn der Saat. Es ahmet den Laut genau nach, welcher mit derAns- sirenung des Samens und ähnlicher Dinge verbunden ist, baher man sich nicht wundern darf, daß man diefesWort und ftineVer- tvai-dten fast in allen Sprachen wieder findet. Im Oberdeutschen ist dafür, wenigstens in vielen Fällen, auch saman üblich; besamen für besäen, und Lohenstein gebraucht einsamen für einsäen. Das Säetücy,dcs — cs, plur. die—tucher, ein vierecltes leinenes Tuch, in welchem der Säemann den Samen, welchen er säet, vor sich trägt., Sirsfera,ciil Mineral, S. 1 Safflor. Der Saffian, des — cs, plur. doch nnr von mchrern Arten, die —e, ein mit Sumach oderGalläpfcllangc gar gemachtes Kalb- Ziegen- oder Bockleder, welches hernach roch, gelb oder blau gefärbt, und mit dem Krispelholzc bearbeitet wird; Franz. Lluro-: huin, weil dessen viel in Marocco gemacht wird. DcpLsrduan gleicht dem Saffianc sehr, nur daß er mit Gärberlange zugerichtet wird. Der Nähme stammt, so Wiedas Leder selbst, aus der Turkey her, nnd ist vielleicht mit dem Nahmen des Saffranes verwandt, weil die Türken den gelben Saffian vor andern lieben. 2. Der Safflor, des—es, xlur.doch nur von Mehrern Arten, die—e, in dett Blaufarbenwerfcn, eine Art Kobaltkalk von einer graue» und etwasröthlichen Farbe, welcher entstehet, wenn alle- Mch'nrttb nndArflnik durch dasFeuer ans denKobalterzen geschieden ist ; besonders wenn er z,t einem feinen Mehle gemahlen und mit gewaschenen Kieseln oder geschlämmten Sande vermischet worden. Äusdiesem Safflore wird durch Schmelzung hernach die Schmälte bereitet. Der Nähme lautet bald Zafflör - bald Ziffer a Guffera und Saffra , Franz. 82^0«. Er ist so ausländisch am der ftlgende; l^arum aber diese Masse denselben erhalten, ist mir unbekannt. ' - 7 7 ^ '' . s. OerGrfflör, des—cs, plnr. ivus. eine Art der Bürsten- pflanze, welche zu dem Distelgewächsen gehöret, und deren Blu-' men eine sehr schöne hochgelbe Farbe wie der Saffran gcbeg; - (^Letün NUS linctoristis s>. bcy einigen, obgleich mit Unrecht, Wild. rG ffran weil deydcPflänzen sehr weit von einander unterschied"! find. Zu eiigercrBedeukung werden nur dieLlumenblät- Saf ° 1244 tcr in der Handlung Safflor, und abgekürzt Flor genannt, nnd von vielen sehr häufig mtt dem ähnlichen Saffran verwechsele. Dieses Gewächs ist in Ägypten einheimisch, wird aber jetzt sehr häufig selbst in Deutschland gebannt. ES hat eigentlich einen stacheligen SiLugel, welcher durch die Pflege glatt wird. Die > gepfl gtn, glatten Safflorstöcke nennt man Nonnen, die ansgear- teten ff.ch-.ligen aber Mönche. Der Nähme stammet, so wie das Gewächs selbst, aus den Morgenländern her, und ist vermuthlich mit dem folgenden verwandt. , ^ DerGäffran, h,-g—es, p!ur. doch nur von Mehrern Arten; die—e. c) Eigentlich, die rochgelben Blumenblätter oder viel, mehr die dreyNarbenderStaubwege von derBlnme eines gewissen Zwiebelgewächses, welche von den Färbern, Mahlern u.s.s. zu einer schöllen hochgelben Farbe gebraucht werden, und dieses Gewächs selbst; Grocus Zahmer Saffran, Lrocus fnti. vu8 lö,. welcher in Spanien, England, Frankreich, Italien, Ungarn nnd Österreich häufig gebauet, und in den Hcrbslkaffrair und Frühlingssaffran unter,chieden wird. Gelb wie Saffran, flaffrangelb. Wegen einiger Ähnlichkeit wird auch die gemeine Eberwurz, (sarlina vulgaris 1 ^. von einigen wilder Saffran genannt. 2) Figürlich pflegt man auch gewisse, gemeiniglich gelbe Arten des Kalkes mancher Metalle, in der Chymic Saffran und Latein. Lrocus, zu nennen. Ecsensaffran, Lrocus tnwrlis. Gpicßglassaffran.oder Metallkaffran, eine mit Wasser gewaschene nnd getrocknete Spießglasleber. Anm. Der Nähme dieses Gewächses lautet im Franz, und Engl. 6lrichfalls8Lfk.-3ll,imJcal. Zni'siüraQostmBöhm.^nk- krau. Er stammet, wie das Gewächs selbst, aus denMorgenläk- dcrn her, indem es im Arab. 8 Ltia 5 LrLN, im Persischen aber - > 2<>.fsieroli, LnkfarLnum heißt. Der Saft, des — cs, plur. doch nur von mehreru Arten/ die Säfte,Dinlinut welches dock nnr in der zweytcuBedeutung üblich ist, das Gäftchen, Oberd. Gaftlein. i) Die in einem Körper befindliche und mit dessen fester» Theilen vermengte Feuchtigkeit. Ein Apfel, eine Birn hat vielen Saft, wenn sie viele solche Feuchtigkeit enthalten. Der Braten har weder Saft noch Braft. Len Gast aus etwas drücken, saugen oder pressen. Im Ferch- linge, wenn der Saft in die Bäume tritt, ihn? Bäume stehen in vollen! Safte. Der Birkensaft, Rebensaft u. s. f. Der Nahrnngssaft,Lebenssaft.' Wenn alleSafre in dem menschlichen Borper verdorben sind, alle flüssigen Thenle. Ohne seine Flüchtigkeit wurde der Ü berfluß seiner Gäste die Gliedmaßen des Norpers für die Befehle der Seele ungelenkig werden lassen, Gell, verbluhere Mangen, welche nur durch reinere Safte wieder erfrischet werden können. 2) Zn engerer Bedeutung werden gewisse dickliche flüssige Körper, besonders die in den Apotheken bis zu einer gewissen Dicke eingesotteneu flüssigen Körper, Säfte genannt, d« man denn auch wohl das Dimirinü Säftchen gebraucht. Mohnsaft, Zohlundersaft, Machhol- chersaft, Möhrensaft u. s. fl Auch die dicklichen in der Erde befindlichen flüssigen Körper, z. B. Gteinöhl, Bergthccr u. fl f. heißen bey einigen auch nach ihrer Erhärtung Erd- oder Bergsäfte. Anm. Im Niederst Sapp, im Angels. 8earv, 8a'ex>s. im Engl. 82p, im Franz. im Latein. 82^2, Baumsast, im Griech. övo- ohne Zischlaut, S. G z. Das Sramnuvort ist das noch imNieoerdentschen übliche fiepen, langsam und tropfenweise fließen, wovon das Niederst fappcn, den Saft geben lassen, das Jntenfivumist. Das Niederst Sabbe, der Geifer, und mrftk Suppe gehöre» gleichfalls dabin. Mit einem andern Endlaute ist auch das Latein.8u ccu.s, und Pohln. 80k, der Saft, damit verwandt, welche zunächst von sau/en und siegen abstammen. Das , . - , v' - ^ - . ' ' / iS4Z Saf Das Scrstbehältmsi, des —sses, xlur. hie — sse, an ben Blu.^ men, S. Zonigkelch. Die Gaftfarbe, plur. die—n,bey den Mahlern,Farben, welche aus den Säften des Pflanzen - oder Thierreiches bereitet worden; zum Unterschiede von den mineralischen Farben. Das Saftgrün,lubli. in6scl. plur. oar. eine gruneSaftfarbe, welche unter andern auch aus den reifen Beeren des purgirenden Wegedornes, oder Kreuzdornes, Rchamnus caiftarticus H,. bereitet wird, und sich dem Olivengrün, oder Lauchgrün nähert. Eine andere Art des Saftgrün wird ans den Blumen des gemei» neu Schwertels bereitet; Franz. Ver6 ä'sris. Das Safthobz.des—es, xrlur. doch nur von Mehrern Arten, - die — Holzer, eine im Forstwesen übliche Benennung einer Art Holzes oder Bäume, wo man das lichte Holz in lebendiges oder Laubhol;, in Trieb - oder Safthol;, und hauiges, Schlag? oder Weißholz eintheilet. Saftig,—er,—ste, uüj. et v. Saft, und in engerer Bedeu» tung, vielen Saft enthaltend.. Saftiges Obst, saftige Birnen. Niederst sappig, welches auch kothig bedeutet. Figürlich ist saftig im gemeinen Leben, auf eine grobe Art unkeusch, schmutzig. Ein saftiges Gespräch. So auch die Saftigkeit. ' Saftlos,—er, —este, nüj. et scl v. des Saftes beraubt. Saftlose 8rüchre. Daher die Gaftloflgkcit. Die Gaftröhre, plur. die—u, i« den Gewächsen, gewisse zarte Röhrchen, welche ihnen den nöthigen Nahrungssaft zuführen und von den Luftröhren noch verschieden sind. DieGage, piur.die—n, vondem Zeirwortesagen, was gesagt wird, i) Zm weitesten Verstände alles, was jemand sagt, wo es doch nur noch im gemeinen Leben von den Worten, dem Ausspruche u. s. s. gebraucht wird. Nicht bey einerley Gagebleibsri, nicht einerley aussagen. Seiner Sage nach hätte er ihn nie gesehen, wenn es seiner Gage nachgchet, so wird das ikke geschehen, vernehmt mein sag, Theuerd. was ich sage. Du bist mein Vater selbst, (wird seine Sage seyn,) Opitz. 2 ) Zn engerer Bedeutung ist die Gage die mündliche Fortpflanzung einer geschehenen Begebenheit von mehrern, ohne Bestimmung ihrer Glaubwürdigkeit, bloß daß man ste sagt. Es gehet die Sage, daß der Zof verreiset sey. Es ist eine allgemeine Sage, daß hier ehedem ein SchlSß gestanden hat. Der Sage nach hat hierein Schloß gestanden. Die Gage kam je weiter ans von ihm, Luc. L, i Z. Es wird eine Gage und Sprichwort sepn,-ftabac. z, 6. wenn der Gage zu trauen ist. Sage setzet nicht so viele Mäuler boxaus, M Gerücht und Ruf, ohne sie doch eben anszuschließen. 2tnm. Bey dem Ottfriedund imTatian 8nZn, wo cs auch von einer Erzählung gebraucht wird, im Angelst 8aZa, im Nie- Lrerst Gagge, im Schweb. 8nZL, wo cs auch die Geschichte, die glaubwürdige Erzählung einer geschehenen Sache bedeutet. Zu Aussage, Zusage, Ansage, u. f. f. ist es von einem weitern Umfange. r. Die Sage, plu?. die'—n, eine in einigen Gegenden übliche Benennung eines kleinen, vernutthlich tiefen Fjschernetzes mit engen Maschen, besonders in dem zusammen gesetzten Rrautsä'ge,ein solches Uetz zu den Griihen, (S. dieses letztere Wort.) Im Holland. 8negbene, 8e^gbene, 8sZne, Franz. 8eine,Lat. 83 ^ 603 , ans welchem letzter« es, dem Frisch zu Folge, entlehnet seyn soll. Indessen gehöret doch auch dieses zu dem Geschlechts des Wortes GaE. 2 . Die Garte, plur. die—n, rin mit Zähnen versehenes Werk- zeug zuni Sägen. Mit der Gage zerschneiden. Die Bogensäge^ Zolziäge, Bandsäge, Baumsäge, Gartensäge, Riö- blmsägc,-Laubsäge u. s. s. Figürlich wird auch die kegelförmige i Sag 1246' Tellmuschel, wegen ihres, wie eine Sage gekerbten Randes, vo« einigen die Gage oder Sagemnschel genänut. Anm. In der Monseeischen Glosse 8aZn, im Angelst 8aZu, 8)^As, im Schwed. 8LZ, im Jtal. 8ega, im Franz. 8ci e, im Engl. 8arv. S. Sägen. DerSayebaum/S. Säbenbaum. Das SäFeblatt,oder SaFenblcrtt,8es—, eine Art Hayen, welche einen Rüssel Haft der sich in ein knochiges glattes Schwert endiget, welches an beydenSeiten wie eine Säge gezähnt ist z dcr^ Schwertfisch, kriüis L,. Der Sagemerster, des—s, plur. utvorn. ÜNF. derjenige, welcher die Aufsicht über die Lohnsäger in den Wäldern Haft oder über diejenigen Arbeiter, welche die Breier und Pfosten aus freyer Hand schneiden. Das Sayemehl, des—-es, plur. ear. S. die Sägespä'ne. Die Sagemühle, plur. die—n, eine Mühle, d. i. eine vsn dem Wasser oder Winde getriebene Anstalt, wo die Sägcblöcke zu Bretern, Pfosten oder Latten zersäget werden; die Schneidemühle, Bretmühle. Daher der Gäg^nüller, der Eigenthümee oder Vorgesetzte einer solchen Mühle. Sägen, verb. reZ. act. mit einer Säge, d. i. einem mit Zähnen versehenenWerkzengc durch Hin. und Herziehen schneiden. M», einer Säge sägen. Mit jemanden in Gesellschaft sägen. Angleichen aufsolche Art zerschneiden. äolz sägen, Rnochen, äorr. sägen. Wie auch aufsolche Art hervor bringen. Breter, Bohlen, Pfosten, Latten sägen. Daher das Sägen. Anm. Im Schweb. luZa, im Engl. mit einem andern Achlaute, W Lun, im Jtal. 1'eZare. Es ist mk demLat. lscLr?, schneiden, verwandt, und ahmet den mit dem Sägen und oft auch mit dem Schneiden verbundenen Laut genau nach. S.auchSachs, Sech, Sichel -u. st ft Sagen, verb. rsZ. not. welches im weiteste» Verstände einen gewissen Laut von sich geben bedeutet, dieser Laut oder S hall sey übrigens von welcher Art erwolle. Diese Bedeutung,iin welcher es zugleich ein Neutrum ist, ist noch unter dem gemeinen Volke üblich, wo es von allen Arten der Laute oder Schälle gebraucht wird. Er siel hin, das sagte Patsch l Er bekam eins hinter die Ohren, das sagte klapp'. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist sagen durch vernehmliche Töne, durch Worte zu erkennen geben, bekannt machen; wo es allemähl ein Activum ^st, welches dasjenige, was bekannt gemacht oder ausgedruckt wi- d, -entweder in der vierten Endung oder in anderer G statt bey sich Haft wodurch es sich zugleich von den Neutris reden und spreche» unterscheidet. Es kommen zwar einige Falle vor, wo es ein neutrales Ansehen Haft und für reden oder sprechen zn stehen scheinet , z. B. du hast gut sagen, da hilft kein singen noch sagen - allein diese Fälle find selten. ,. Eigentlich, was sagtest du? Ich habe es schon zwey Mahl gesagt. Sagen sie was ? Ich sage nichts. Er sagte, er.sev nicht hier gewesen. Ich sage, daß ich es thun will. Die Wahrheit sagen. Was sagen sie dazu, davon ? Dcwon wäre mel Zu sagen. Sage es nicht weiter. Zu allem ja sagen. 3H v LL47 Sag - Ich habe ihnen etwas zu sagen, ich habe ihnen sehr viel zu sagen. Was sagt man vonmip? Man sagt nicht viel Gutes von der Sache.. Gage niemanden ein Wort davon. Gage es rund heraus,, kurz und gut. Ich mochte doch wissen, was sie mir zu sagen hatte. Gell. sage es ihnen frcy heraus. Jemanden einegute Nacht, emenguten Morgen sagen- Ich hatte es nicht gewußt, wenn man mir es nicht gesagt Harke. Sage mir nur , wie bist du dem bösen Menschen in die Hände gefallen k Weiße. Nicht verliebt, zartlrch, wollen^ sie sagen, Gell. Gagen sie ihr noch nichts von der Erbschaft,. Sage es nur gerade heraus.. Wohin auch folgende besondere 9 k. A, gehören. Einem Lank sagen, ihm danken. Zur jemanden gut sagen, Bürge für ihn werden. Las iä genug gesagt. Was wollen sie damit- sagen, zu erkennen, zu versiehe» geberss? Wie gesagt, wie ich gesagt habe.. Ich hin ihm , wie.gesagt, nicht feind und auch nicht- gut, Gell. Unter uns- gesagt, wenn etwas eben nicht jedermann wissen soll-. Und , zu dir gesagt, er war auch nicht der Mann, u. s. ft. Weiße. Ichchabe mir sagen lassen, manhat mir gesagt. Ich- habe mir wohl sagen lassen, daß meine 5 rau Muhme sehr fromm ist, Gell. Wie, oder was ich ihnen sage, eine im gemeine,r Leben übliche Art der Versicherung, was ich ihnen, sage, er ist wirklich da., was ich ihnen sage, sie können die 8rau Muhme jetztnichtsprechen, Gell. Nein, was ich ihnen sage, cs ist mir unmöglich. Las will ich dir hiermit gesagt haben, eine Formel, jemanden etwas mir ausdrücklichem Ernste zu sagen. Du hast von Glück zu sagen, du kannst dich für glücklich halten. Sie haben von Glück zu sagen, daß sie cs -abey bewenden laßt, bloß Sylphen zu lieben. Mich daucht,- rr habe von Glück zu sagen, daß er noch so davon gekommen ist. Ich sagte nur so, im gemeinen Leben, für, ich sagte es nur im Scherze, cs war nichtmcin Ernst. Las lasse ich nicht von mir gesagt werden, das lasse ich mir nicht nachsagen. Gertz lasset nicht von euch gesagt werden, Ephes. z, Z. Jemanden rsLt.sagrn, sagen, das er gestorben sky». Es sagte ohne alle Gnade Die ganze Seadt Nigrinen tobt , Lcssi Einem etwas sagen, und zu einem etwas sagen 7, sind nicht- ganz einerlei). Die letzte R. A. gebraucht maikdesondcrs, wenn man dir Worte, welcho gesagt werden,.attführci. Er sagte zm mir , er wolle kommen. Wer will zu ihm sagen : was machst du k Hiob 9- r wer zu seinem-Bruder saget Äacha und Narr,,Müllh. 2, 22. 2.. Zu engerermck figürlicher Bedeutung-, r) Bedeutende und nicht bloß vernehmliche Morre sagen. Man muß wenig reden,., aber, viel, sagen. Er plaudert oder spricht den ganzen Tag und sagt doch nichts. 2) Befehlen. Ich sage dir, u. s. ft Jüngling, ich sage dir, stehe auf! Luc. 7, >4. Lasftrßdir gesagt seyn. In-ciner Sache nichts zu sagen haben. Er hat: hier nichts;» sagen.. Wcr hat mirwas zu sagen k -) Durch geschricdenr Worte bekannt machen. Moses sagt u. s. s. Was fagtdieSchrift? Röm. io-, 8. Man mag gern, wie Mon- ragne sagt,, große Manner bcy Mginigleiten belauschen- 4 ) Nach einer uoch weitern Figur, aufjcdc andere vernehmliche .Artchelcumt ruachen. Mein Her; hat es mir langst gesagt. Mein Gewisseg sagt mirs. Und doch sagt mir eine Ahndung, die ich lieb gewinne, daß ich ihn einmahl Wiedersehen werde, Hermes. Lre Eitelkeit, die dir sagt, daß deine Aeigungen groß, genug sind, einen unbeständigen Liebling getreu und Heßt-mhiA zu .machen, Dusch-. Las Siegel sa^tc mir, -aß -es Sah »L4Z Brief von meinem Zrermde kam. 5) Bedeuten. Was ML das sagen k Las will so viel sagen. Doch wenn ich die Natur Nur cinmahl recht verstehen sollte. Und was ein Irrlicht sagen wollte, Gell. Augen vom schönsten Braun, die nichts mehr sagen» Mid einem Gesichre, das nichts sagte. Ingleicheu, von Wichtigkeit sevn. Zehen Thaler wollen nicht viel sagen. Las will nichts sagen. Tausend Thaler wollen schonviel sagen. Es har nia-ts zu sagen, cs wird keine erhebliche Folgen habe». Las hat viel zu sagen. Daher das Gagen, besonders in der ersten eigentlichen Bedeutung. Die Sagung ist mir in einigen Zusammensetzungen üblich. Anm. Schon imIsidgr sagal,, bey dem Willeraw.^efaZan, im Niederst seggen, in den.genieinen Hoch - und Oberdeutschen SprecharLcn sahn, er sichte, für er sagte, er seit, er sagt, im Engl. W ln^, im Angels. lheALü, im Schweb, imJslaitd. sieiAN, nn Wallis. ch'Zeren. bey den ältesten Lat. 5öoo,lec;uoe, woraus vermittelst der gewöhnlichen Verwechselung des s und t nachmahis ftico geworden, im Hebe. Es ist eine Onoma- topöle, welche den Laut des Sagens nachahmet, und so fern die-- serSchäll anch andernBewegunger, gemein ist, gehören auch säen, sägen, zeigen m s. s. dahin ; so wie reden , sprechen, ft-ezui,. n. a. m. vrrschiebene mit.ähnllchen Schällen verbundeueVeram dcrungen bezeichnen, DreGügenfirLNe, piur. die—n, eine Art Fliegen, mit einem- messerartigen Saachel, welcher zwey vorstehende Blättchen i« Geftalr.zwever Sägen hat; lentürecko ^Lv/r. Der GächlMisrHt'Nld, des —es, plur. die—schmiede einSchnüd,. welcher vormhmlrch Sagen rmb andere schneidende Werkzeuge verfcrtigct.- Der GäxLr, des—s, plur. ut vom. siuZ. derjenige, Welcher säget. Auch eine Ar r Vögel, S. das folgende. Der Gchxlchchmävler, des—s, plur. ut. nom. liLF. eine Arl vierzehiger Patschfüße, deren Schnäbel an beyden Hälften lang und ausgezackt stad; b'lritus sarrutor Säger, Stuck- sägcr, wegen der Ähnlichkeit desSchnabcls.mic einer einsachcrr oder Stücks«ge, der Äueifrr. Die SäFefpäne, llaF. iuu^ kleine zarte - Spane,, welche durch das Sägen hervor gebracht werden-, Sägern eh!, im Oberd. Sä« gi-geist., in Österreich. Sagscharen, inBalern Scho.aren,Scheiten, im Niederst Gagespöne. DerSächetaucher. des s, plrur. ui. usin, liuZ. ein Nähme der Biberante, Lllerßus-GMop k.. Srftzbich, astj. et erst 0, von dem Zeitwortc sagen, was sich sage»;, d.ft anssrrcchm. läßt, welches aber nur in delu zirsanimen gesetzten unsäglich üblich ist. S. dasselhe. DasGago, lubü.ioclsLljtl.^Iur c^r. das znboreitktc Mark des Gago^ Baumes, rvclcher eine Art Pälme mir gefiederten Blätteu^ ist, und in Ostindien wohnet; I,. Der Nähme, welches, auch Sago und G>gs lautet, ist gleichfalls Ostindisch. Gahb, Gaab oder Scrl, ein Wort, welches in einem sehr weiten Urnfange der Bedentuüg,oder vielruehr in mehrern verschiedenc» Bedeutungen üblich ist, die aber doch insgesammtgewisse Ber- - enderungcn dezeichuen, welche mit einem ähnlichen und überein- stimmigen Laute oerbunden siird.nnd vor« denen ich hiecäiberhanpk etwas sägen iw'll, darnjt marr die Verwandtschaft derselben mir Einen, Blicke übersehen könne. Ich nehme dieses Wort hier in. seinem weiteste?! Umfange und mir den gewöhnlichen VeränderM!-- aen, Gabl, Sal, Gel, Siel, Sol, Schal n.s.-si Zahl, F'rft Nkl. u. s- f.lvv -Ks hürwre L MrrfaÜLZuteusioti bezeichnet,.. 1249 Sah Sah L2ZO- Tl'al TheLl, weil t und s-immer mit ein ander abwech-st-kn. in-- H'.^ichul mir den intrMven End.auren Sall, Gell, Svll, Schall, Toll u. s- f- ^ ^ - Sah! nnd das daza grhöoiae Ze-twort fahlen ist, so wie «rsprü- glich ave Worte» , t in..- u-,m ttelbüreNachal-rnmrg eines Lautes, und da dieftt Laut ,nit mehrern verschiedenen Verande- rii'ugcn vorbttü'. ett ist. seist dieses auch der erste-Grund der Ncr- schwdcichiN in der L-edeiUul'.g. Es vez-.-ichl-.ct oder ahmcr nach, Exrcu g.w jen estenihümlichen Laut überhaupt, wredie- Iiaenstea Sch.E, sch a Neu, scheuen. 2. Besonders, -) Den Laut der menschlichen Stimme und verschiedene Arten derselben ; daher das alte seÜAn^ sagen, sprechen, zahlen, erzählen, Psalm, Salm, chalen, schelten, da-Nredecs. sche- !m', zanken, schalen, plaudern, Skalde, ^ , bitten, vielleicht auch solch und selbst. s) Den Laut rinartieulicLer Bewegungen, und drese Bewegungen selbst. n) Gewisse starke heftige Bewegungen.. (a) Eigentlich, wir sn'ckre. saümrs, lalax, LünnuZ, der Springbrunnen, das Niederst sich-suhlen,ftas vereitere ln!, schnell, das in der MonsecischeuGlosse bcsindlicke Lellnn, weben, das Griech.o-«>sv«, ich bewege, das Schwed. lZ!!, ein Sieb, und sstlln, sieben, roll, das Holland, sollen, heftig hinweeftn, u. s. ft Daher denn, . ' (b) Folgende figürliche Bedcnkmlgen stammen, ft ) Des Lichts, wieäoft Silber, Lil, gelbe Erde, Lulpkur, Schwefel, vielleicht auchLLlwiocherSalm,wegen ftiner glänzendenSchiu'- prir, wenn er nicht wegen seiner heftigen Bcwrgungen,nnd besonders wegen seiner Gabe zu springen benannt worden. (2) Des SchenS, entweder als eine unrmttclbLr-e Figur des Lichies, oder Mich der Bewegung, wie zielen. (Z) Der Seele, derew Nähme rn allen Sprachen eine Figur des Windes, des Athems, der Bewegung ist. (4) Der Zeugung, wiezselen, erzielen. (5) Gervrf- ftr Ärceu scharl'er, heftiger Empsikdungen; daher Salz, 8ul, Salar, das alte ^nler, CK-fahp, das Pohln. 2 Ll, .Betrüömst, Schmerz, Zolicitucko, Belümmerniß, schal, abgeDnrackt. b) Besonders des fließenden Wassers z daher der Meißner schollen, sein Wasscr lassen,.das Niederst schalen, spulen, das Llw Europäische-.das Meer, Lat. 8->!um, das Meer, das Niederdeutsche Siel, ein Canal, das Malab. 8wlam, Wasser, Mld ss ferner. c) Jngleichen brr schlüpfrigen Bewegung, wie das Holland» lullen, auf dem Erst glciren. Daher die Figuren des Fettes, her Schlüpfrigkeit, des Koches ; wie Salbe, 8nlivn, das alte Oberdeutschesal,schmutzig, das Nlkders.sählen, sich beschmutzen. 6) Gewisser langsanwrBewegungen,wie dasDchived.8els, ein sanfter Fluß. Daher die Figuren selten-, stcckus, das Niederst fchelcn, fehlen, Friede, Ruhr, lilare. schweigen, l'nlurft trösten, wie rrssten von!vast, Ruhe, Schild; welche aberauch Figuren andererBedeutungensenn können. Jngleichen dcrBcgriss des Aufem Haltes, Isixsul, das alte §uft Wohnung, Aufenthalt, das Niederst schillern, warten. ch GewissecBewegungen, oh»? Rücksicht auf dicSiäl:e und Schwäche des damit vcrbundellkn Lautes, oder des Grades ihrer ' rigeueu Heftigkeit. (a) Überhaupt. Daher das alte falen, ftllan, übergeben, Sahl, Sal, slberaabe: das Hebr.Lft^ heraus ziehen. Schweb. s-ÜM tbcilen, und unser Theil und lheilen selbst, so!., vere, Nigers, schelen, »uuerschieden scr-n, Schwed. ein E'hei! an den Strasgcsälle«, und nach allerlei Figttteil Soßd- . Schuld. soll.-n, Foll. DcstW.^ E-- (L> Ius bestn-cre nach Verschiedenheit der Richtungrw»". ft) EineBewegnng undAnsdehttiing in dieLäugc,ohme -i'trachlliche Drehe und Dicke. Daher Geil, Sille, das Niederst Sichle, das Nftedegeschirx, Zeile, Suhl, das Äußerste eures Dinars, in Sahlband., Sähllciste, das Niederst Suhl, Sucu-l, eine Adle, Schilf, w elches aber auch eine unmittelbare Beziehung auf die rauschende Bewegung haben kann, Schwed. 8ol, Schuf. ( 2 ) Zn die Breite, wie dasRieders.Gchelsimd Drehle, ein Brest die Scholle. Daher der Begriff der Ebene; Loluns, der Boden. (z) Irr die Höhe, wie Säule, Söller, Schulter, hhlLt. erheben, 8-üedrä,oili holperiger Weg, LoLvx» grob, rauh, hioltum, Thron. (4) I r,.die Liefe, wie Sohle, KolkZ , Thal, Zolurrx, (z,)Nach alleuSciken,' daher dieFigur derBiegsamkeist wieZ-rlix, Weide, öfter,Lstlchweidc, Sahlweide. <6) Im dir Weite, mit den Bedeutungen des hohlem Zlaunies; daher Gaaft/iulu, ^alle, Zelle, Eella, Zille, ein Kahlst ein Karo, Schale, 8ttiso noch atldere mehr. ' . Der Gahl, -^uln, S. Gaal. Der Gahlbader, S. Salbader- Das Stchlvanb, des—es, plur. dir—b and er. -) Im Berg» bau-', diejenige Steinaxt, welche den Erzen aus den Gängen das Einfassung gwt, mir welcher sie am Rande gleichsam als mit einem Bande eingefasst! find; in der vordeebtenAussprache de», Bergleute Seilband, soust auch dem Saum , der Manteili- 2 ) Au den Zeugen, (S. Sa h l! c i sie.-) Z) In c inst en Gegendem, z-. B. in der Mark Braudeüburg, ist der Sahlband ein Ring, welcher locker um den Psiuabalkeu liegst an der Zunge; welche durch die Buchst gebest beftstiget ist, und zur Berbinduug deS' Nordertheiles des Pstuges mit dem Pslugbalkei, dienet. In deir. beyken ersten Bedrutungen ist drr-Bearissder Ausdeh«- nung in die Länge, und der nahe verwandte Bcgriffdes Randes, des Äußersten, der herrschende. S, Sah! nntstSahlieftik. Lftrn S'gh.lbüch, des—es, plur. die—b sicher, noch in vielern Kegelften, eirk öffentliches Schatzungs- und Skenerregister, im welchem elncs'jedeir Ünterrhünen lssegerrdes Vermögen an Haus,. Hof, Äckern u. s. s. mit allen Gr snzen, Rainen in s. s. Mld dem davon schuldigen Stenern, Frohndiei.-sien u.ch f. verzeichnet ist-,. das Erbbuch, Eebregister, ßlurbuch, Lagorbuch, Ontulirüm. Die erfleGvsbe kann üttfttiehrereBcdeutilngm des- Woetes Suhl Anspruch mache». Es kaun hier zunack-st denBcsitzp- dicWohnilnaö oder den Grund und Be-ien^ oder die Kranze rmkö Raine der Gnnrdstiirke, »der endlich such di«, dspsn. schssUdlZe.^ Abgaben bezeichnen; S. Stihft LL s-L DE- 12L«. Sah Das B'ahLyirt, des — es, xilur. die -—guter, ein Wort, welches noch «reinigen Gegenden auf dem Lande »blich sezm soll, gewisse freye Güter zu bezeichnen, wo die eigentliche Bsdeuumg des Wertes Sahl aus der nähernBeschaffenheit solcherGüter bestimmet werden muß. Ehedem war Gahlhof ein solcher freyer Ho/^ fS.Siedelhsfuud Sahlland,) ein solches freyeS, unziuSbarcS Land^srrs ßaliLa ; wo doch dieAuSlegcr noch bcy weiten nicht Einig sind, ob sich gleich der Begriff der Frepheit aus Sahl gar wohl herleiten läßt. „ Dte Gahllerste, plur. die — n, der äußerste Rand an gewebten Zeugen der Breite nach; das Sahlband, irr den gemeinen Gprcchacten das Sglbellde, in Dsterreichchas Tnchcnd, "N Anhält. die Tuchschroke. Von Sahl, so fern es eine Ausdehnung in die Länge und figürlich einen Rand bedeutet. Der Scrhlmgnn, S. Saalmarm. Die GahLweide, plur. die — n, eine Art Weiden mit eyformi- gen, runzeligen Blättern, welche aufder untern Fläche filzig und nach oben zu gezähnt sind; 8n!ix eaprea ss.palmwcidc,^u schwere, werftVeide,.6rhlwelde, Streichpalme, Niederst Sal- wied/im Hannöv. BeenwreL, Franz. 8L»!e, Engl, Lallorv. Das Mort Sahl leider hier mehrere Bedeutungen., Es kann zähe, biegsam, bedeuten', weil die Zweige dieser Art Weiden sehr zähe sind, und daher häufig zum Flechten gebraucht werden, bah. r sie im gemeinen Leben auch Seilwei sr heißt; es kann aber auch hie weißgrüiiliche Schale auSdrucken, von dem Niederst sahst schmutzig weiß. Indessen kann es auch ein Überbleibsel deS ältestenNah« - mens-cr Weide überhaupt seyn, wozu in den später» Zeiten, nur daS Wort weide zur Erklärung gesetzt worden; indem die Weide überhaupt im Äugelst Leni, im Engl. LaUocv, im Irland. Laich und LaUeog, im Schwed. L^Ig, im Finnlärrd. Lslncva, und in den Zloreiitinischen Glossen 8n!alra> im Lat. 8 a 1 ix, heißt; entweder ihre Biegsamkeit zum Binden, wie das glcichbrdeuteude Weide, anszudrucken,oder auch ihren Aufenthalt an den Gahlen, d. i. Flüssen. Die Sahne, plur. inust. in einigen Gegenden, besonders in Dbersilchsen, der Milchrahm, besonders der süße, frische, zum Unterschiede von dem sauer», welcher auch in Ööersachftn Rahm und Milchrahm heißt., (S. Rahm,, wo die in andern Gegenden übliche Benennungen angeführei worden.) JmHollünd.LLSii, m Schlesien Sohn. ES kommt in andern Sprachen nicht vor, scheint aber eine jede dickliche Feuchtigkeit überhaupt bedeutet zu haben, öaesdeimmitdemLat. Lavies^Eiter, Eines Geschlechtes ftyn würde, wen« eS nicht so wie Rahm zunächst die Erhebirrig ans-, Lcnckt. Frisch rechnet auch das Schweizerische Genne,Vrehherde, hierher, rvelches aber allemAnsehen nach zu einem andern Stam- ' me gehöret, S. dasselbe. Die Gahnerckrezel, plur. die—u, eine Art Brezeln,wo der Leig mir siche? Sahne augemacht wird. Der Gechnenkelfe, des —s, züur. u t vom. lin^. eirre ArtKLse, wo der süße» Milch, aus welcher sie verfertiget worden, ihre Sahne gelassen wird; Süßkäse. Die Gährhäche, p!ur. die —N, in einigenDbeedeutschettGegen- dr?: besonders m der Schweiz, der schwarze Pappclbaum oder diepappelweide, ssopulusuitzra ss. welche daselbst auchSar- backe- Sarbauchbaum, Gaare, H'aarbanm genannt wird. Gelb stehen die Sarbachen und die Weiden um die Teiche her, Gcßn. Die erste Hälfte kann mit Sahl in Gahl- weide verwandt seyu, weil dm Pappel der Werde sehr ähnlich ist, und l und r beständig mit einander abwcchfcl». Im Fran- zösi'schen heißt dieser Lchum ohne Zrschkaur Laeck. Zu inan- ch?n Gegenden heißt auch der weiße Pappeibaum Sahrbaum odex Särban-m Ca k s Sai-yer, SerlZe»?, «. s.f. S. in Gei. i. Die Garte, plur. die — n, ein nnr m sslnigen Gegenden- m dem zusammen gesetzten Rohlensaite übliches Worst rineu großen Korbwagenzu bezeichnen, worin die Kohlen verführet werden. ES hat den Begriff deS hehlen, tiefen Raumes, und ist mit dem Lateinischen Diryinut. Lieula, ein Eimer, nahe verwandt. Siebet man s und t als gleichbedeutend an, so gehöret auch Tute dahin. s. Die Saite, plur. die—n, ein altes Wort, welches, i) Ehedem einen jeden Faden, ein Seil, einen Strick u. s. f. bedeutete. Bey dein Kern ist Leick ein Strick, und in der Monseeischen Glosse das Haar. Das mittlere Lat. Letaund unser Seide gehöret nebst dem ben den Webern üblichen Zettel, die Fäden de» Aufzuges, gleichfalls dahin. 2) I» engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist die Saite entweder rin Draht, oder auch ein auS Gedärmen gedrehter Faden, so feenbepde zu Hervocbriugung der Töne auf musikalischen Instrumenten gebraucht werden; die Darmsaite, Drahtsaite. 6arfen von acht Saiten, Psalter von zehen Saiten, in der Deutschen Bibel. Ern Instrument mit Saiten beziehen. Neue Garten anfziehen. Die Garten spannen, stimmen u. s. s. Diese Saite muß man nicht berühren, figürlich diesen Puucr, diese Sache. Die Sa.rcn zu hoch spannen, seine Forderungen zu weil te-iben. Er wird bald gelindere Saiten gnfziehen , auch figürlich, er wird bald gelassener reden, von fernen Forderungen, von fernem Trotze Nachlassen. Air weiterer Bedeutung führen alle aus Därmen ged.rehetenSchnüre, dieman in manchen Fällen auch Sehnen neuuct, bcy den Hand, Werkern den Nahmen der Saiten, wenn sie gleich nicht zu musikalischen Jichr-nineuteu bestimmt sind. (G. Michaelis Anmerk, zu Nicht. 16, 7.) Luther gebraucht es auch einige Mahl fürGaitem Instrumcrit, in wachem Verstände es aber nicht gewöhnlich ist. Anni. Zn der zweyten BedeuLtlirg schon bey dem Dltfried Leito. Das Dberdentsche ai ist in diesem Worte älter als in ander n, und in den neuern Zeiten har man cs bepbchalten, um eS von Seite zu unterscheiden, indem wirklich Fälle Vorkommen können, wo eincrley SchreibartDunkelheit nud Mißverstandvcr- Ursachen könnte. Der Saitenhalterches— s, p!ur. ut nom. Ling.ein Stück an den Violinen, unter weichem die Saiten oben befestiget werden. DüöGäiten-Instrument, des - es, xlur. die—e, ein musikalisches Instrument, welches vermittelst der Saiten gespielte t wird. Das Gaitensorel, des—es, piur. die—e. i) Ein veraltetes mrc noch in der Deutschen Bibel, und zuweilen anchirochin der hoher» Schreibart übliches Wort, ein Saiten- Instrument zu bezeichnen. Bey dem Notker Lei lLfliele. 2) Das Spiel, die Musik auf Saiten-Jnfirnmeuren; chuc Plural. DerSc-ite^sp eler,dcs —s,ut nom. Fenrir», die» Saitenspielerinu, eine Person, welche auf Saiten-Justrumen- ttnspicler, besonders wenn sie daraus ein Geschäft macht; auch nur noch in der Deutschen Bibel und in der höher» Schreibart. Die schonenSesänge kitnstlicherGaitenspieleL entzücken da das Mhr, Geßn. Dev Gerkerfcrlk, des—en, plur. die—-en, eine Art Falken, welcher dem Gierfalken am nächsten kommt, nur daß er etwas kleiner ist. Er hat himmelblaue Füße, einen aschgrauen Kopf, und gefleckten Schwanz, ist sehr stark und hurtig, und wird vor- züalich zur Kranich - und Reiss rbeitze gebrauchp^ssaft o lacer /ss'e/zr.Nach d cm Fr: sch stammet dieserNahme »dDemNiissischen her, wo Luko'l einen jeden Falken bedeutet, da den« aus Unkunde dieser Sprache so wohl die Griech.sch-'Bent'Nirunr- «5-^ als auch die Lateinische ssalco laeov, und die Deutschen b-ckerfaik, Sockexfalk, »SL3 Sal Sal iSL4 Sockevfalk, Sllsckerftrlk u. s. f. entstarckcn siyn wurden. Bey andern heißt er Größfalk. —Sal, eine Ableirrnigssylbe für Hauptwörter, welche zu dem Hauptworte Suhl gehör, t, über doch nicht überall eincrlepBcdcn- tiiirg hat. ') Ä" dem Oberdeutschen Rinnsal, das Bett eines Flusses, ist es ohne Zweifel noch das alte Sah!, ein Fluß, Canal, Rinne. (S. Sahl.) 2) In dem veralteten ßluchtsal, welches in dem Sachsenspiegel verkommt, und die Strafe wegen einer pflichtwidrigen F acht bedeutet, gehöret es zu dem alten Saht, Gabe, fahlen, geben, zahlen, Gold u. s. f. zumahl da Kaln auch im Schwedischen noch die Strafe bedeutet. Das gleichfalls imSach- senspiege! befindliche Ursal, was die Fran nach des Mannes Tode zum voraus bekommt, gehöret gleichfalls zu der Bedeutung der Gabe und des Gebens. 3) In einigen noch gangbaren Hauptwörtern ist die Bedeutung hingegen nicht so klar; z. B. Labsal, Scheusal, Schicksal, Drangsal und Trübsal, wach: noch die veralteten Irrsal, Jrrchnm, Zwangfal und Achtsal, Elend, u. a. m. gehören. Wachter leitete es hier sehr gezwungen von dem veralteten 8n'., Gefahr, ab, Frisch aber und Schulter nicht viel besser von Sahl , Gabe, und fallen,' geben. Me drey kannten das Wort Sahl seinem ganzen Umfange nach nicht, und blieben daher an den ihnen bekannten Bedeutungen hängen. Es schemet, daß man hier eine doppelte Bedeutung an nehmen müsse, we'.^e uoch dazu durch das Geschlecht dieser Wörter unterstiitzet wird. In Labsal, Scheusal und Schicksal bedeutet es ein Snbjecr,, ein Ding, von welchem die erste Hälfte der Wörter etwas behauptet 5 Labsal, ein Ding, welches labet, Scheusal, ein Ding, welches Abscheu erwecket, Schicksal, was uns zugeschicket wird, und diese Wörter find gemeiniglich ungewissen, in einigen Gegenden über auch männlichen Geschlechtes. Diese Bedeutung fließt aus dem Worte Sahl, so fern es eine Masse, eine Ausdehnung nach allem Richtungen bedeutet. In Trübsal nudDrangsal hingegen scheinet es zunächst Abstracta zn bilden,und den Zustand zn bezeichnen, daher sie auch weiblichen Geschlechtes find. Nach einer sehr gewöhnlichen Figur können sie auch,wie alle Abstracta, wieder Con- crrta bezeichnen, da denn die vorigeBrdentnng einesDinges/^nb- jcctcs, wieder nnt rintritt. (S. Lic AbleituNKssylbe—selig, wo noch einiges davon Vorkommen wird.) Es könnte scheinen, daß diese Endsvlbc in manchen Wörtern in —ft! verändert worden; Mcngscl, Wechsel, Fegst!, Gchabftl, Überbleibsel, Rächsel, Einschiebsel, u. s. f. Allein, wenn man diese Endsylbe genauer untrrsncht, so scheinet sie nicht damit verwandt zu seyn. —Sal ifi allemahl lapg, - sel aber kurz. Über dieß lauten alle die Wörter, welche im Hochdeutschen — fel haben, im Niederdeutschen—eis, wie Mengels, Zegels, Schädels u. s. s. E- scheinet daher hier die Adlcitrmzssvlbe — el zu seyn, welche hier das s euphonrcum vor sich genommer.. Im Dänischen ist Drangsal. Wer unser—sal ebendaher leiten wollte, würde vielleicht auch nicht irren. Übrigens hat man diese Endsylde jederzeit —sal acschrstben, und die Neuerung, das gedehnte a durch «a oder ah zu schreiben, hm sich nicht bis auf dieselbe erstreckt. Der Salamätröer, des— -s, plur. u» vom. eine. Art Eidechsen, deren Körper viele kleine Löcher hat, aus welchen sie cinenSaft spritzen, weicher die Kohlen, welche auf sie geworfen »Verdin, ans eine Zeit lang auslöschet, daher denn die alte Fabel entstanden, daß der Salamander im Feuer lebe; s^ncerla l-Lln- rnnm'rs lb.. ehedem FeUerwurm. iS. auch illkylch ) Inder Dichten..st der N- uer,i rft-.ol man, nach dem Vorgänge des Äbts vonV'llar »n siinemLorrite c!e6aünll8,anch wokl euwArt er« dichtererFeirergeisterchep Salamander zu nennen, W w:c die Sps: phen, Lt.srgeister, Gnomen Erdgeister, und die ^lsmxhc» Müssergr-sier bezeichnen. Der Nähme ist aus dem Gri'eH. entikhi'.et, wo dse erste Hälfte o-«X« en rweder zu Saht, Wasser, Feuchtigkeit gehöret, weil dieft Eidechse im Feuer Wasser von sich spritzet, oder auch aus einer altern Sprache ßer- stammet, wo Sahl Feuer bedeutet hat, da es denn wieder eine Onomalopöie der zischenden Bewegung des Feuers seyn würde. Der Salamander-Baum, des.— cs, xlur. die — Baume, bey den Neuern, ein Qstindischcp Baum, dessen Dicke und saftige Rinde den Flammen des Feuers, so wie der Salamander , sehr lauge widerstehet s LrilsAv si,. Dre Salamander-Eidechse, plur. die—n, eine Art Eidechsen, welche noch von den Salamandern unterschieden wird ; I^L- eerl» 8n!nniLNijrin3 l,. Salamandrin. Zhr Kopf und Zunge gleicht dem Salamander, der Rumpf und Schwanz aber der , Eidechse. Das Salamander-Haar, des —-es,plur. inus.cincArtFcdic, genen Silbererzes, wo das Silber in Gestalt Zarter Faden od« Haareaufdem Gesteine befindlich ist; Federerz. Der Galat, des—es, plur. doch nur von mchrern Artcu, die—x.. 1) Eine jede Speise, welche mit darauf gegossnem Lhl und Essig genossen wird, besonders wenn sie kalt und ohne weitere Zubereitung gegessen wird. Daher Zaringssalat, Sar- dcllcnsalat, BrautsalaftAräutersalat, Gurkensalat, sopfen-^ falat, Rapünzetsalat u. s.f. Etwas als einen Galar essen, wie einen Salat Zürichtcn. 2) I» engerer Bedeutung nennt man den Lattich oder Lactuk, LaeMea l., weil er am häufigsten als Salat gegessen wird, nur schlechthin Salat. Gartensalat oder zahmerGalat,l-,3crucs lntivL I>. wohin der kraustSalar nn- Bopfsalat gehören; zum Unterschiede von dem wilden. Änm. Im Niederst zusammen gezogen Slaat, Glaük, Im Engl. 8LlIa6, im^ranz. 8a1u6e, imBöhm.LalLt. Essiam- met zunächst aus dem Jtal. 8LlÄt.Ä,Ir>!ü1atL, hrr, welches eigentlich ein Beywort ist, welches das Hauptwort tterbn voraus sitzt, micSalz und Essig zubereitete Kräuter oder Speisen, welche schon bey Columella 83IZLML heißen. Indessen kann das Ztal. 8aiata auch aus demmorgenländischkil hersiammen, wsil 8alüta im Albanischen, Wallachischen und Persischen gleichfalls einen Salat, eine als Salat zubepeitete Speise bedeutet. Der Salätbaum, des<—es, xlur. die — bäume, ben einigen Neuern, ein Rühme des Canadischen Judasbaumes,6ercis La.- QnäsoliL il,, weil dessen junge Blumen in Amerika als ein Salat gegessen werden. Das Galätkraut, des—es, plur. die —kränteb, ein jedes Kraut oder Gewächs, dessen Blattilr als ein Salat gegessen werden, wobm der Lattich, die Endivie, die Kresse u. s. s. gehören. Der Salätwurm, des—cs, plur. die —. würmev, gewisse weiße, graue und gelbliche Maden, welche die Wurzeln mancher Gewächse, besonders aber des Salates, abfreffen, und auch Warpen genannt werden.^ S. Werre. Der GälhaL>er,des—s, xlvr. ut vom. 60». r) Ern alltäglicher Schwätzer, welcher andern mitunerhebllchenErrählungen lästig wird. 2) Ein Quacksalber; wohl eigentlich ein unreinlicher Bader, der seine Kr anken mit Salben curiret. Daher die Sa!- badercp, plur. die — en, so wohl langweiliges ekelhaftes Geschwätz,als auch Quacksalbereyssaldadern,langweilig schwatzen; ingft'chen quacksalbern. Amn. Beyde Bedeutungen sind aervisser Maßen sehr von einander unterschieden, nnd doch sind sie üblich. Das Mort selbst ist feiner ersten Hälfte nach noch dunkel, wie die meisten unter dem großen Haufen üblichen verächtlichen Benennungen, weil oft von unbekannten individuellen Umständen hergenommen sind; denn Frischens Ableitung von einem schwatzhaften Bader, der zu K s k k - - An«' TLAL CA .Jena ander Gable gewöhnet, sichet einem Scherze fthrmhnlfth. Die erste Sylbc kann aus Salbe zusammen gezogen seyu, sie kam» Äöcr auch von dem Ober- und-Niederdeutschen sal, schmutzig, unreinlich, abstammcn. -Die Srrlbe, plur. doch nur von mehrern Arten, die—it, Dimi- nut. das Salbchen, Oberd. Salblein, ein fettes Wesen, welches die Consistenz der Butter oder eines dicklichen Ohles hat, besonders wenn cs durch die Kunst bereitet worden. Augensalbe, Brandsalbe, Haarsalbe, wundsalbe u. s. f. In der Deutschen Bibel wird es häufig von einer wohlriechenden Salbe gebraucht, deren sich die Morgenländer noch bedienen. Wagen - oder Schmier,albe ist in einigen Oberdeutschen Gegenden mich das WrZenschmier. Anni. Schon bey dem Kero, Ottfricd u. s. f. 8u!bu, 8a!do, Nieders.Salve, im Engl. 8nlve, im Angelf. Lsulk, im Schwed. Lalva. S. das folgende. kalben, verb. reZ. nct. i) * Im weitesten Verstände, mitcinem schlüpfrigen stüffigenKörper bestreichen oder beschmieren; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung. Ehedem gebrauchte man es theiks für mit Farben bestreichen, wovon Frisch ein Beyspiel aus dem Altensteig anführet, thxils auch für beschmieren, mir einem fettigen fchmierigenKörpecbesudeln,in welcherBedentmig esmoch im Niedersächsischcn üblich ist. Mir dem Eisten herum salben, sudeln, sich zusaiben, besalbcn, beschmieret:, besudeln, da denn auch Salberey Sndcley ist. Zm Hochdeutschen gebraucht man es nur noch, 2 ) in engerer Bedeutung, mit wohlriechenden Hhleu ober Salbet! bestreichen. Emen Stein salben, i Mos. z-, i Z. Einen tobten-Leichnam salben, wofür wir setzt balsamiren gebrauchen. Am häufigsten mit dem Salbvhle, dem symbolischen Zeichen der priesterlichen und königlichen Würde, »bestreichen, jemanden zum Priester, zum Röntge salben; ein sehr alter Gebrauch, der sich in die ersten Zeiten der wahren Geschichte verlieret, und noch beobachtet wird, daher man regierende Herren, besonders kömglichen .Standes, in der edlen Schreibartauch gesalbte Häupter, Gesalbte, Gesalbte Gottes zu nennen pstegt. Daher das Salben und die Salbung. So 'fern in bemalten Testament mit der Salbung oft auch die M-trherlunz übernatürlicher Gaben des Geistes verbunden war, ist die Salbung bey rinem theologischen Schriftsteller oft astch Inbrunst, hoher Grad der Einsicht und der eigenen Rührung. Mit vieler Salbung Lethen, predigen. ^Anm. Schon im Isidor stLlbsN) nn- auch das Hauptwort Kal- dunZn rrub das veraltete Abstractum 8,nldicftiu Vorkommen - Niederstsalven, Schwed, stalva. DerGcünd derBenennung liegt in der Schlüpfrigkeit, daher auch das Lat. 8.rUvs, Speichel, mit diesem Worte in dessen ersten weitesten Bedeutung verwandt ist. (S.Sahl.) Wenn man das s als einen oft zufälligenZischlaut betrachtet, so gehöret auch das Griech.«Xs-e.»> salben, mithierhrr. Der Galbenbaum, des—es, plur. du- —bäume, in einigen Gegenden, ein Nähme d^s schwarzen Pappelbaumes, b'ojinius viZru l,, weil dessenNnospen zu einer gewissen Act Salbe gebraucht werden. Die Salbev, plur. I NU s. eilt Staudeng?wachs,welches einen st§-. ken gewürzhaften Geruch und einen scharfen birtern Geschmack hat; 5ulv i3 ^.besonders dieZ.ftvin ofticinLiis,welch- in dem mittägigenEuropa einheimisch ist.DerNahme st a mm e r odneZivci, ftl aus demLat.undJtal.ZLlviL her, den dieses Gewächs mtt aus Italien zu u^s^-brachthat. Im Niederst lautet cs Salve, im Böhm. 8suft, vs/, imHollälid.mit einem andernEnbliNttedftft-fts, mnd i n Franz, ohne l Sckuzs, Engl.8aze. Die schmierige Be- stchüssenheit derBlätter scheint derGrund ihrrrBrnennung zu seyn, die denn zu rem vorigen Salbe gehörenwürde, wenn ste nicht-viela -Sal C2L6 mehr wegenlhres mcdicinischenNichens vonZnlus/uIvus,oder wegen der schmutzig weißen Farbe ihrer Blätter, von dem Ober, undNiederdeiitscheil fahl, blerch, schmutzig weiß, benannt worden. Es gibt derselben verschiedene Arten, wohin auch der Schafts, oder das Scharlachkrairt gehöret. Der Salvepdaum, des —ss, plur. die—bäume, bey.den Neuern, ein ftaudenarciges Gewächs der wärmern Länder, dessen Blätter den Blattern der Saldi/ gleichen; s,. DieGalbezoeveiöe, plur. die—n, eine Arc Weiden mit länglichen. dm-Salöey ähnlichen, weibiichenBlä-ttern; 83Uxauriln Rampfweide, Sandwersweide. Der GätVinF, oder Gälbüny, eine Art Fische, S. Sälmling. Das Galböhl, des —es, plur. doch nur von Mehrern Arten, die —e, ein mit 'besonder» Feyerlichkeiten zubereitetes Ohl, womit Priester und Könige bey Eccheiiung oder bep dem Antrilteih» rer Würde gesalbcrwerden. Sälr§, S. Geltch. Die Saline, plur. die—u, ans dem Lat. ZLUnss, 3ruw, ein hin und -wieder übliches Wort, ein Salzwerk zu bezeichnen, eine Anstalt, wo Salz aus Sohle gesotten wird. Luc Lhnrfächsischcn Salinen. DerGaliter, des—s,plur.inu5.elueim gemeinen Lebenübliche Benennung des Salpeters, wo es auch Salntter lautet, und aus Nfti-uni oerderbtzu seynschein-t. S. auch Haarsalz, welches gleichfalls Saliter genannt wird. Die Galle, .zrlur. die—n, in einigen Gegenöcn, ein Nähme der Sahlrveioe, S. dieses Wort. Der Salm, des—es, plur. die—e, ein Nähme, welchen der Lachs in vielenGegenden, besonders aber inOberdeutschlaiid sich- rct, und welcher aus dem Lat. Salmo entlehnet ist. Andere machen einen Unterschied unter Salm und Lachs, und nrnue» , einen noch nicht ansgewachsenen Lachs Salm, so wie andere alle Lachse:m Frühlinge und ^ommerSalme, imWintcr aber Lachse genannt wissen wollen. Engl, löul.-rion, Franz.diuumon. Dev Lateinische Nähme Znlmo bezeichnet entiveder seine glünzeiiden Schuppen, als ein Verwandter vonZol, Silber u. s. s. oder ist. diesem Fische auch wegen seiner Geschicklichkeit im Springen gegeben worden, da er denn zu lÄlire gehören würde. S. Sal-l und Sälmling. Düs GttlMFssrn, des —es, prlur. die —e, eine Art dreyinafch:- gcr Garne, welche auf dem Rheine zum Lachsfange gebraucht werden. Der Gftrlmrtt?, des—es, prlur. inuf. ein siüchriges Mittel,Äz, welches ans der cLänre des gemeinen Kochsalzes nild einem siiich- tigeu Alkali bestehet, irnd einen denr Kochsalze ähnlichen, über doch schärften und urin oft,»Geschmack har. Der natürlichekonniit >«tts dem Lande der Kalmncken, wo er an den Felsen ausschiagen soll. Der lünstlichc wird in Ägypten ansdemRußedes verbräun« teu Lyiermistes bereitet. Der Nah-ne ist aus dem Latein. zusammen gezogen. Dir Gälnnük-Blumen. tiu^. inuk. m der Chemie, sublimirter Salnst»ck. Eben daselbst psiegt man auch ivohl die Kevstallciiwoit aufgelöftten nud wieder angefchossencn Saliniak, Salmiak-Blumen zu nennen. Dsr Gälmlitty, des—es, p!ur. die—e, eine in Oberdentstch- lanöchehr bekannte-kleine Art Salme, welche sich ur den Flüssen und Seen anfhalten, sehr fett und sch.aackha-t sind, n id das.lbst halb SalbinZr, baläaber auchSaioli-'.ge. imBerchtoldsgadischen aderGchwar;reurer!cgenaiintw-rd».!;8ÄjlN3öaivüliuuLl/. Der Galn-ter, S.-dnliter und Salpeter. D^rs GalomsttS.'SieFel, des—g, jilnr. ul ncrm. 6u^ die Wmzel der Weißwurz, EemvuUcni-i, l., ans deren :L2F7 l chcren Änotell man verschiedene einem Siegel ähnliche Eindrücke stehet. Der Salpeter, des—s, plur. doch nur von mehr.'en Arten, ' ulnom.iiNA. eii» lajtgenarttgeL oderalrolisches ^a.z, welches §us einem Alkali und seiner eigenen Säure beireher, und »chm einer jeden selten, schleimigen und lehmiger, Erde erzeuget, ans der es mit Wasser ansgelänget, und durch Linkochung key>stal- lisirt wird, welches mail Salpeter sieden neuner; X ttrum, obgleich das Xitruttr oder Xert.ru rn derAUeu von audecerÄrt ivar. Zm gemcineir Lebsn Salirer, S'alnitcr, aus dem Latein. 8u1 Xilrum, imPohln. 8u!Llru, imBöhm.5un^lr. Der Rahme Salpeter ist aus dem Lat. 8u1 pelrue, ob cs gleich vou dem eigentlichen Stcinsalzegar sehr verschieden ist. Die Salpeterdkuse, plur. die —u, im Bergbaric, e:ne Art Quarzdrusen, deren Krystallen abgestumpft, uuglnch, winkelig und zusammen gedrückt sind, wie die KrystaKen des Lralpcrers. Die Salpetererde, plur. doch nur von mehrern vielen, die rr, eine Erde, welche Salpeter in sich cuthälr. Im genieinen Leben har man Mch eine Erde, welchemit einenc Kalke inGc'sialt eines weißeuMehles vermischet ist,und bey den SalpetersiedcrnGchalk heißt, aus Irrthum mit diesem Nahmen belegt. ' Der Salpetersrast, des — cs, Plus« doch nur von iney^ru solchen schadhaften Stellen, die—e, ein Fehler der Wände und Mauern, wo derKalk und die Steine in denselben brocklich werden, sich verzehren und absallen, welches man dem, dem Kalle irygemischteil, Salpeter znschreibt. Jngleichen solche schadhafte Stellen. D er Salpeteryeist, des —es, plur. inuss S. Salpeterftiure. -Die Salpetorhütte, plur. dre—n, eine Anstalt, wo Salpeter aus der dazu öi-ulichen Erde gesotten wird; die Salpeler- siederep. " Die SalpeterläuFe, plur. doch nilr von mehrern Arten, die—n, jii den Salperrrsiedeeepen, das mit arssgelösitem Salpeter ge- schwängerte Master, welches hernach eingekocht wird, damilder Sa-perer darin airschiefe. Die Salpeterkmitter, plur.illus. eben daselbst, die Lauge,nachdem aller darin befindlicher Salpeter inKtpstallcn angejchochen ist, da sie denn eine braunrothe Farbe hat. DieSalpetersäitre, plur. doch nur von mehrernArten, die —n, hiedurch die Hitze des Feuers in flüssiger Gestalt von dem Salpeter grfchiedcneSänre,welche einen starken nnangettehmenGerncy hat, und sich mit dem brennbaren Wesen entzündet; Salpeter« ycist, äpiritus Xckri, im gemeinen Leben Gcheidcwa.sser. Der SttlpeteLsiodor, des—s, pIur.4Nnotn.livZ. derjenige, welcher ein Geschäft darauVmacht, den Salpeter.;» sieden. Daher die Salpeterflederey, so wohl diese Verrichtung selbst, als auch diejenige Anstalt, wo Salpeter gesotten wird. Das Salpeterzeltlein, des—s, plur. ut nomr stnA in den Apotheken, mit Schwefclblnmen geschmolzener Salpeter, welche Maste hernach in Gestaltkleiner Zekrlcin oder Küchlein ans eine Platte gegossen wird; Galpercrkiichlci«, prunellsalz, Xitrucn pruepurLtum, l^apis i^runellus. SülpörstF,-—er, -sie, -rckj. et ackv. Salpeter enthaltend. Salpetricht, dem Salpeter ähnlich. Zur gemeinen Leben pflegt man ein jedes talkartiges Wasser ein salpetriges Wasser zu nennen. Die Sal so, plur die—n, ein imHochdeni scheu ungangbar gewordenes Wort, welches rüdesten noch im Qberceutschcn üblich rst, und eigentlich eine scharfe,- salzige oder saure Tunke zu den Speisen bedeutet. Line Anoblauchsalse, von gecstoßenem Knoblauch und Estig, eure Nr aut er »also, von zerstoßenen Kräutern und Essig, Brunnsreßsäise, Losisikratttsalft,Meexrettigsalse, Sal ' LLLg Lvernsalse, Johannisbeersalse, Airschsalse, äohlundersalf? u.sf. In einem.i zo » zu Rom gedruckten Deutsch-Jtaliänischen Bocabtil.wird ciiieSeufturnke Galsegenannt. 3lach 2-I)chs.> 2,8^» und 4 Mos. 9, -» mußte dasQsterlamm mit Sa lfen gegessen werden, welches eine solche Tunke,von bitter» Kräutern war, daher Michaelis hirr a,ich statt des im,Hochdeutschen unbckaiuttcrn Sache sie durch bittere Arm ilter umschreibet. Ich schmecke von der ersten Wiege Nichts als ein bittres Gaisenmahl, Gryph. A; dei'. Apotheken werden zuweilen verdickte FruchtsLfte, welche rmt dem 4tenvder öreuTheile Zucker Meinem weichen Brey oder zu einer Gallerts,gekocht werden, Sachen genannt; mit einem ausländischen Worte Ilo2. DaherAttichsalse, ein solcher verdickter Attichsaft u. s. s. Anm. Im Iial. 8ulstt^ worans es die DeNchchcn mit der Sache selbst entlehnet haben. DieZranzoftn haben vermittelst der ihnen gs-wöhnlichenAnsstoßnng des l daeac s ihr 8eiuce gemacht, eine jede Brühezubezcichnen. Galseun-8LllK stammen nnst.ci- lig von Salz her; entweder so fern in den altern ungekünstelten Zeiten das Salz der vormhmste Besiandchei! einer Tunke war. . oder auch so fernSalz einen jedenKörper von scharfen und bitlrrn Geschmack bedeuwt, S. Salat. .Der Gttlsendorn, des — cs, plur. dir—en, in einigen Gegenden ein Nähme der Levberisstande, wegen des säuerlichen Geschmackes ihrer Beeren, welche daher m Qbcrdeuchchland häufig , zu Sachen gebraucht werden; Lsrberis clulnetorurn D. Der Salter, im Niederdeutschen der Psalter, rngleicheu der erste Magen des Rindviehes, S.Psalter. .Salv§tell-Ader, S. äauptader. DieGttlve, plur.die — n, dieAbftnernng mehrerer Feuergewehre oder Kanonen aus Ein Mahl, so fern sie elneArt der Begrüßung ist.' Line Salve geben, d. L. schießen. Lrey Salven geben, In weiterer Ledeunmz auch eine stde Abfeuerung rnehrerer Gewehre oder Kanonen zugleich. Aus d'cr lateinischen Grußformel kcLlv'L ! daher dieses Wort im Hstexreichischeu auch ungewisse,! Geschlechtes ist, das Salve- )ttö Sulz, des —es, plur. doch nur von mehrsrnArten,die -^-e, in der weikeflen, aber nur in der Naturgeschichte Und Naiurlehre ckibttchln Bedculnng, ein jeder lrockner.Körper, welcher sich im Wässer auflösen läßt, und einen Geichmack hat, in welchem Ber- stände auch der Zucker ein Salz genaiutt wird. In engerer und gewöhnlicher Bedeutung ist das Sal; ein, mineralischer Körper, welcher sich im Wasser auflösen läßt, und feinen eigenen schärft» Geschmack hat, der sich nur empfinden, nicht aber beschreiben läßt. Man hat sehr viele Arten des Salzes, welche insgesammt unter die drey Elasten des aikallfchen oder laugenartigen Salzes, des? saurcnGatzcs und dcsMirtelsalzes gebracht werde» können. Im engiten und gewöhnlichsten Verstände verstehet man unter Salz schlechthin dasjenige Mittetsalz, dessen man sich zur Würzung der Speisen bedienet, und welches zum Unterschiede auch Kochsalz, Astchensalz, Sperfesalz und gemeines Salz genannt wird. r) Eigentlich, wo dieses Salz wiederum entweder Steinsalz, od Boj- und Scesalz, oder Muellensalz, Brunnensalz, gesottenes Sal; ist, da man denn diejenige Art, deren mau sich in einer Gegend oder zu einem Gebrauche gewöhnlich bedienet, nur Sal; schlechthin heißt. Sal; graben, das Steinsalz auf bergmännische Art aus der Erde gewinnen. Sal; sieden, aus der Sohle oder dem natürlichen Salzwasser das Salz durch Einkochuug und Abdunstung des Wassers und durch veranstaltete Krystallisation dee Salzthellcheu erhalten. Mit Sal; würzen. Sal; und Brot» eine Benennung der culfachsteu und spärlichsten Koll. 5leisch m das Sal; hauen, es in Stücke bauen, damit es eLiigesülzeu Kkkk r werde« -*. Sal 1260 i2L9 Sal l werden könnechabcr die im gcmeinenLeben übliche flgürkiche R.A, jemanden bey einem andern m das Salz hauen, ihn bey demselben verleumden. 2 ) Figürlich. Eure Rede sey mit Sal; ge- wrirzet, Col. 4 . 6, sic sey eindringend, damit sie die verlangte Wirkung thue. Ein sinnreicher und mitSalz gewürzter Scherz. In engerer Bedeutung ist Salz oft ein beißender Witz. Anm. Schon bey dem Ottfried 8ä!r. imNiederdcutschen mit dem r statt des z Golt, bey dem Ulphilas 8u1t, im Engl. 8slt, im Holland. 8out, im Schwed, und Island. 8a!t , in andern Sprachen ohne Endlaut, wie im Latein. 8al, im Engl. 8al und 8n1t, im Franz. 8e1, im Pohln. 8ol, im Böhm. 8ül, im Wallis, mit dem Hauchlaute statt dcsZischers k^slenümGriech. Nicht von dem nordischen 8äl, Kalt, das Meer, sondern wegen seines scharfen beißenden Geschmgckes, daher auch saure Dinge in manchen Sprachen Sal genannt werden. (S. Sahl, Salat, Galse, Sohle und Sülze. DreSabzaber, plur. die—n , eine Ader in der Erde, welche Salz enthält, sie enthalte nun Steinsalz oder auch Salzsihle. Das Salzamr, des—es, plur. die — ämter, indcnjenigenLän-> dern, wo der Salzhandel ein Regal des Landesherrn ist, ein Amt. d. i. Collegium dazu verordnetsr Personen, welches den Verkauf des Salzes besorget. Der Salzbereiter, des—s, plur. M norn. lin§. ein obrigkeitlicher Diener, welcher die Straßen bereitet, die Unterschleife der Salzfuhrlcnte zu hindern; von reiten, e^uitare. Der SalzberZ. des — es, xlur. die—r, ein Berg, welcher vieles Steinsalz enthält. , Die Galzblumen, 6uZ. inul. sublimirtesSalz. Auch zarteSalz- thcilchcn, welche sich in den Salzkothen mit den Dünsten abson- dern, und sich wie ein zartes Eis an die Fenster hängen. Die Galzbohne, plur. die—n, eingemachte und eingesalzene Schminkbohnen; sauere Bohnen. ^ Der Galzbroöem, des — s, plur. inust. in den Salzkotßen, der Dampf, welcher im Sieden der Salzsohle von derselben aufsteiqt. Die Salzbrühe, plur. die—N, eine'BrüHe, deren vornehmster- Bestandthril Salz ist. Die Salzbrühe von eingesalzencmFleische u. s. s. wird im gemeinen Leben auch Lake, Bökel oder pekel, und Sülze genannt, S. das letztere. Der Salzbrunnen, des--s, plur. ut nom. linZ. ein Brunnen, welcher Sal^sohle oder salziges Wasser enthält. ^Der Galzbunb, des—ex, plur. cur. eine ungewöhnliche,nur in der DeutschenBibel 2 Cbron. r z, L, befindliche Benennung ei« nes dauerhaften unvergänglichen Bundes; ohne Zweifel,weil das Salz die animalischen Körper und ihreTheile vor der Fäulnißche- wahret. Salzen,^srd.reZ.Aet. nur daß es imMi'ttelworte nicht gesalzet/ sondern gesalzen hat, mitSalz würzen, mitSalz bestreuen. Die Speisen salzen. Die Speise ist zu sehr gesalzen. Gesalzene Butter, im Gegensatzeder ungesalzenen. Steinsalz salzet besser als Brunnensalz. Figürlich ist gesalzen im gemernenLeben so viel wie sehr theuer. Daher das Salzen. Anm. Bey dem Ottfried tu l?Ln, im Tatian lULLN, imNie- Lers. solren, bey dem Ulphilas tültLN, im Schwed. LütlL, im Angels. fzrltAN.. Aus dem icregulärenMittelworte gesalzen erhellet, daß das Zeitwort selbst ehedem irregulär gewesen seyn müsse, wohin auch die jetzt gedachte Form lilran im Tatian und unferSulze und Sülze gehören. Die Galzerde, rrlur. boch nur von mchrern Arten, die —n, die" dem Salze bepgemischrc feine Erde. Inglcichen eine mit vielen Solztheilchen geschwängerte Erde. DasGalzfasi, des—fies, ptur. die—-fasser, Diminnt. das Salzfaßchey, OberL.Salzfaßlcin. 1 ) Ein Faß, h. i. großes, rundes, aus Danben verfertigtes hölzernes Gefäß. Salz darin aufzubchaltcn oder zu verführe,!. 2 ) Em kleines Gefäß vvnGlas, Metall n. s. s. von mancherley Gestalt, das zu den Mahlzeiten »öthige Sal; darin ans den Tisch zu sitzen; in Thüringen, der -Lausitz, u. s. s. die Galzmä'ste. Z) Auch ein vierrcktes mit einem Deckel versehenes Behaltniß, das in den K Uchcn nörhige Salz bey der Handzu haben, wird so wohl ein Salzfaß, als eine Salz- maste genannt. Der Sälzflr'rß, des—sses, plur. die—ssüssc, ein Ausschlag ans der Haut, welcher eine salzige Feuchtigkeit von sich gibt, und wenn er abtrocknet, eine weiße, dem Salze ähnliche Rinde bekommt. Der Salzgast, des — es, ptur. die—gaste, eine in den Salzwerken und Salzkothen übliche Benennung derjenigen, welche das Salz daselbst kaufen und abhohlen. S. Gast. Der Salzyeist, des—es, plur. inul. in der Chemie, derdurch das Feuer von dem Salze, besonders von dem Kochsalze in flüssiger Gestalt abgesonderte geistigste Thcil; 8pitürus Lnliz. Der Galzyraf, des—en, plur. die—en, in einigen Gegenden, der oberste Vorgesetzte eines Salzwerkes, welcher an manchen Drten auch der Salzgräfe heißt. S. Graf. Die Galznrube, plur. die—n, ein Ort, tvo Steinsalz aus der Erde gegraben wird ; bey dem Notker 8al7.cruobe, in einigen Oberdeutschen Gegenden die Sille, S. Sohle. Der Salzhanöel, des—s, plur. e^r. der Handel mit Salz; daher der Galzhä'ndler, Fcimin. die Galzhändlerinn. DasGalzhaus, des—es, plur. die—-Häuser, ein Gebäude, in welchem das Salz zum weitern Verkaufe anfbrwahret wird; die Salzmederlage. Der Salzhe'ch>t, des - es, plur. die—e, ein eingesalzener Hecht. Da man nur die großen Hechte einznsalzen pflegt, so werden zu- weilen Luch alle große Hechte Salzhechte, Bökelhechte und Tonnenhechte gmannt. Scrlzicht, —ex,—ste,^a6j. et sckv. dem Salze ähnlich, ein wenig salzig. Salziy, —er, —sie, aäj. et «Zv. Salz, und in engerer Bedeutung, vieles Salz enthaltend, und solches durch den Geschmack verrathenb. Salzig schmecken. Fu salzig seyn. Salziges Wasser. Von den Speisen gebraucht man diesesWort nicht gern, wohl aber gesalzen. Im Niederst nur solt. So auch die Salzigkeit. Der Gcrlzjunker, des —s, pIur.utnom.llnZ.ineinigen Salz« werken, diejenigen Patricii oder Adelige, welche einen eigenthnm- lichen Antheil an einem Sälzwerke haben, und welche mit einem allgemeinen Ausdrucke auch Pfänner heißen. Der Gälzklöß, des — cs, plur/die—?Iöße,in dcrLandwirth- schaft, Klöße von Salz, Osenlehm und allerlcy Gesäme, dir Tan« ben damit anznlocken. Der Scrlzkn echt, des—es,plur. die—e, geringe Arbeiter, welche in denSalzkothen den Wirkern als Knechte untergeordnet sind. Der Scsszkorb, des — es, plur. die— körbe, in denSalzkothen, zngespitzte gfioße Körbe, worein das gekörnteSalz geschlagen wird, damit-das übrige Wasser davon ablaufen könne. Das Ssbzkorn, des—es, srlui-. die— körner, Diminnt. das Salzkörnchen, Oberd. Salzkörnlein, ein kleinerfestcrThcil des Salzes, eines von denjenigen krystallinischcnKörnern,woraus das Salz bestehet. Die Salzkothe, x»Iur. dir—n, in den Salzwerken, eine Joche, d. i. Hütte, in welcher das gemeine Küchensalz aus der Salzsohle bereitet wird; bey einigen im ungewissen G> schlechte, dasGalzr kolh, in ciniaellOberdeutschenGegenden dasSülzhaus, in Fran- kenhausen die Sölde, in ejn-raltenKa'ltenbori'.ÜcheilKlosterttr- kundevoni t79^attÜLc1iio1,Psaunstädte,zuSalzunöcttdicl?^ -rZHi Sal welches vermuthlich zunächst diePfanne bedeutet, worin dasSalz qcsotteuwird,undzuunftrm Napf gehöret. Das Salzkraut, des—-es, p!ur. ivuk. ») Eine Pflanze, welche an demMecrnftrund andern salzigen Gegenden wachset, und aus deren Asche, das unter dem Nahmen der Pottasche nnd Soda bekannte alkalische Salz bereitet wird; 8ulloln, L,, besonders dessen 8nl!oln Lali und 8 u 1 l gleichfalls unter diesem Nahmen bekannt; so wie 3) einige Arten des Gänsefußes,Lbenopockium marinmum undliirlutum I,, welche gleichfalls viel Salz bry sich fuhren. Die Salz:Arz)stalle, plur. die— N. eine von dcnj.-nrgen Krystal- len, worin das Salz nach genngsamer Verdickung der Sohle anzuschießen, oder, wieman in den Salzkathcn sagt, sich zu kör, neu pflegt. ' ^ Der SÄzküchen, des--s, plur. vr nom. 60^.in einigen Gegenden, eine ArtKnchcn vom groben Weitzen- oder Rockensurhle, welche mit Salz bestreuet werden. Dre Salzlake, plur. doch nur von mehrern Arten, die —n, in einigen Gegenden, besonders Niedcrdeutschlandes,--die salzige Brühe von eingcsalzenem Fleische, Häringen u. s. f. welche auch nur die Lake schlechthin, ingleichen die Salzbrühe genannt^wird. S. Lake. - - ^ Dre Galzlecke, plur. die—u, m dem Jagdwesen un" der Lanö- winhschaft, der Ort, wo man dem zahmen Mehr oder dem Wild- breteSalz zu lecken gibt, und die Salzmasse, an welcher man sie zu ihrer Gesundheit lecken läßt; bey den Jägern auch die Sülze, dic Beitze. Oft ist die Sülze ein Stück Steinsalz, am häufigsten aber eine Masse aus altem Lehm, welcher mit Salz »der Härings» lake durchknetet ist. Der Salzmarkt, des—es, plur. die — markte, in einigen Städten, ein Marktplatz,, wo Salz verkaufet wird: Der Salzmarmor, des—s, plur. doch nur von mehreru Arten, ut nom. liuZ. rin klein gesteckter Marmor, welcher mit weißem Glimmer in Gestalt der Salzkörner durchsetzt ist. Die Salzmäste, plur. die — n, S. Salzfaß. DerSalzmesser, des—s, plur. ut vom. 6nx. im Salzhändrl, eine verpflichtete Person, welche den Käufern das Salz zumißt. Die Salzorörnmy, plur. dl?—en, eine obrigkeitliche Verordnung, in Ansehung der Verfertigung des Salzes, des Handels Mit demselben n. s. f. Die Salzpfanne, plur. die—n, eine vrercckte Pfanne, worin die Salzsohle bis zu einer gewissen Dicke eingekocht wird, damit V sich das darin befindliche Salz krystallisiren könne. Die Salzprobe, plur. die—- n, die Untersuchung des Salzgehal- ^ tcS einer Sohle oder eines fiüzigen Wassers. Ingleichen dasWerk- zeiig, womit dieser Gehalt erforschet wird. S. Salzwage. Die Salzquelle, plur. die—n, eine Quelle, welche Sohle, d. i. salziges Wasser, gibt. Die Salzsäule, plur. die—n, ein nur in der Deutschen Bibel befindliches Wort, wo Lotbs Weib nach i Mos. > 9, °6, wegen ihres Ungehorsams in eine Salzsäule verwandelt ward. In Mi- chäelis Übersetzung heißt diese Stelle begreiflicher: Lochs Frall aber sähe zuxii^, und ihr ist ein Salzhaufen zum Denkmahl aufgerichtet, weil das Salz in dieser Gegend in überaüs großer Menge befindlich ist. Drr Galtzschank, des—cs, plur. laut, der Verkauf desSaljes im Kleinen. Daher der Salz schenke, der es im Kleinen verkauft. Siehe Schenken. Sal 126s Die Salzscheibe, plur. dw—N, in dem Salz werke zu Halle, cm hölzernes Gefäß inGestalt eines halbenFasses vsnBöttcherarbeu, worin das Salz verführet wird. S. Scheibe. Der Salzschlatz, des—es, plur. doch nur von mehrern A-fen, die—schlage, ein von einigen Übersetzern Schwedischer Schriften ohne Noth aus dem Schwedischen bevb.haitenes Wort körnige Grsieinarten zu bezeichnen; Schwcd. 8 u 1 lftüA^wege.n ^.Ähnlichkeit mit den Salziörnern. ^ Der Galzschmautches — es plur. doch nur von mehrer „Arten, die—e, in den Salzwcrken, der Schmant, d. i. die Unreinigkeit in der Sohle, welche sich bey demKochen als ein Schaan» oben anfsctzet.' S. Schmant. DerSalzschopp, des —> es, plur. doch nur von mehrern Arten, die—e, S. Salzstein. Die Galzschrape, plur. dse— n, in den Salzwerken, Sehr ave n in Gestalt der Pferdestriegeln, deirSchmutz voil denSlückenSai;, wenn sie lange aufden Trockenböden gestanden, dainrt abznschar» reu. Vom Niederd. schrapeii, scharren. Der Salzschreiber, d-es — s , plur. ur nom. flnZ. derjenige' welcher bey einem Salzamte, oder einer Anstalt, wo Salz auf Rechnung derObrigkeit verkauft wird, das Amt eines Schrecke« s verwaltet./ DerSalzschwüöeü,d?s—s^rckur. doch nnrvon mebrrrnActen, ut 00m. lin^. ein in den Salzwerkcn auch ftir Salzbrodenr übliches Wort. Der Salzschweisi, des—es, plur. die—r, salziges oder mit Salzthejichen geschtvängertesWasser,welches nicht rvie eineQuet- le fließet, sondern nnrans denKliiftcn.Rltzenu. s. f.gleichsamausschwitzet, daher es auch nicht den Nähmen der Sohle verdienet. Der Salzsreöer, ^>es— s, plur. ut uorn. ÜUA. diejenigen, deren Geschäft es ist, das Kochsalz durch Sieden aus der Soble zu bereiten, und welche auch Wirker oder G'alzrvirker, m Lüueöurz Siilzer, in Halle Pastoren, genannt werden. DieSalzsteöepey, plur. die — en, eine Anstalt, w» Salz ans Sohle gesotten wird, welche doch am häufigsten ein Salzwcr? genannt wird. Die Salzsohle, plur. doch nur von mehrern Arten, die—n, Quellwasser, welches mit Salz geschwängert ist, und in engerer Bedeutung, welches so viel Salz bey sich führet, daß dieses miL Vortheil daraus gesotten werden kann. S. Sohle. Die Galzspinöel, plur. die—n,. S. Salzwage. Die Galzstätte, plur. die—m in den Salzwerken, ein erhöhe-» Ler Ort von der Erde bey der Salzpfanne,jaus welchem das Salj-- in Körben getrocknet wird. DerSalzstein, des —es, plur. doch nur von mehrern Arten, die—e, die derSalzfshle beygcmischte Kalkerde, welche sich im Sieden in Gestalt eines Steines an die Pfannen anlegt, und auch Schepp, Schopp »der Salzschopp, Pfannenstern ^genannt wird. Die Salzsteuer, plur.die—n, eine Steuer, welche von der Salziverken, so fern sic Privatpersonen gehören,? gegeben wird. Der Salzstrauch, des—es, plur. die-—strauche, S. Salzkraut. DasGalzstüL, des —es, plur. die — e, in den Salzwerken, so viel Salz als in einer Pfanne auf Ein Mahl gesotten wird, welches auch ein Rorb Salz heißt, aber nicht überall von einer und eben derselben Quantität ist. An einigen Orten hält ein solche Stück oderein Ropb zwey bis drey Scheffel, in SchSningea^bee nur Eine Metze. Di-e Salzwazze, plur. die—-n, ein Werkzeug, den Gehalt der Sohle damit zu erforschen, welches einer gewöhnlichen Birrwage gleicht; die Galzprsbe, Salzsp-indel, Sohlwage. Du» Sam- i L t)Z S a l D as Salzwasser, des—e, p!ur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. iir.Z. ein salziges, mit Saizihcitchsn geschwängertes Wasser, S. auch Sohle. Dav SäLzwcrk, des -—es, plur. die —e. i) Eine Anstalt, wo- das Swinjalz ans der Erde gefördert wird; das Salzbergwerk, dir Gaizgrirbe. 2) E ine Anstalt, wo Kochsalz aus der Satzsolstc g sotten tvird ; die Salzsiedorcv, in Lüneburg die Sülze. In beydeu Bodeukungeir gebraucht man auch wohl das ans dem Lat», entlehnte Saline. Der Salzwirker,,Si Ga l; sied en. Sam, ein sehr altes Wort, welches die Deutsche Sprache mit vielen r andern gemein hat, und welches voritehmlich in eu-.-.in doppelten, Haupt verstände vorkowmt. r. Mil dem Begriffe der Menge, der Vielheit, und deren Verbindung; ein si-tz-r in dieser Fprin völlig veraltetes Mort, wo-" von aber so wohl l'am- tugrndsam, ehrsam-muh »am- Heilsam, fried- sam, empfindsam, gleichsam,, gemmsam, langsam, seltsam,, sattsam, 5 r» welchen letzter», welche mit Partikeln zusammen ge--, sicht sind, es zunächst die Art und Weise bezeichnet, welche die a« und für sich alkeirr nichthättk.ausdkucken köunctl. Za 1264^ rinsäm ist es noch nicht ansgemach't, ob es hierher oder zu einem andern Stamme gehöre, S. dieses Wort. Ich sage, die Ableitungssylbe bedeute eigentlich und zunächst^ eine Ähnlichkeit; denn nach sehr bekannten Figuren, bekommt sie oft andere Bedeutungen. Denn ste bezeichnet zuweilen (>) 'eii:r Fertigkeit, dasjenige zu lbun, oder eine Fähigkeit, dasjeiiigezu leiden, was das Snbjrc: in der ersten Halste der Zusammensetzung ousdruchi. Arbeitsam, Fert-gkeit besttzcnd, zuarbcilcn, mühsam, Fertigkeit besitzend, keine Mühe zu achten, genügsam, Fertigkeit,besitzend, sich m-nügenzu lassen, erstudsam, gcssiictt rtwas zu crsinden, bieg sam, fähig sich biegen zu lassen u. s. s. (2) Dasjenige wirtlich habend, mir demselben verbunden) was die erste Hälfte der Zusammensetzung besaget. Mühsam, mit Muhe verbunden, Mühe verursachend, bedachtsam, Bedacht nehmend oder anwendcud, sorgsam, Sorge tragend, lugenbsam, Tugend besitzend, tiigend-basr u. s. s. Sam hat die Bede,ttmiigru mit der Stilbs—lich gemein, von welcher es in der Bedeutung nicht verschieden ist, daher cs auch häufig für dieselbe gefttzt wird.' friedsant und friedlich sind im Grunde doch einerlru, für dienlich sagt man auch d i en sam. für gemächlich in elulgen Bedeutu'ioeu geumchsam, für wunderlich il, seiner veralteten e-gemlichen Bedcitcuug ülich wundersam, für empfindlich^ so fern es Leichtigkeit im empfinden bedeu- tet, auch empsindsam, für nachdxür-lich ist im Oberdeutsche» nachdruch'sanl üblia-, für löblich sagte man ehedem lobsam, lobesan n. s. s. Herr Namler hattedieft Ucocecinstinunimgiu seiner Ausgabe des Battcnx bereits eingosebell; eilt Receiiseiu läug») liete dieselbe in der neuen Hamburger Zeitung,und führ-ne z. B. fürchterlich rrnb furchtsam, gräulich und grausirm,empfindlich und empfindsam, südlich und bildsam au. Allein irr den beydeit ersten.Beyspu'!en iss das Subject verschieden,- wie schon aus den verschiedenen Formen erhellet, iu dem dritte» iiberssehrt derselbe die erste eigentliche Bedeut,mg des Wortes empfindlich, welche, noch nicht verastetist, und im vierten findet wieder eine Verschiede rüwi c des Suvisetes Statt, deiru in bildlich ist die erste Hälfte das Hauptwort Bild, in bildsam eib r, welches doch wenig ge« braucht wird, ist-es- des Zeitwert bilden. Freylich hak der Ge- brauch die mit —l ich und —sam gebildete,«Wörter aufmancher- ley Ar: beftimrnt und eingescheänktzdaker mau nun nicht allemahk eines für das andere sitzen ksnn; allst» m der ersten eigentliche» Bedeutung kommen sie doch mit einander üb reim Eben uni deßwillen ist es auch nicht ohne alle Einschränkung erlaubt, neue Wörter vermittelst dieser Ableitungssulbe zu bilden, obgleich solches in einigen Fällen Statt finden kanit. So har das von einigen Neuern gebildete Wort überlegsam nichts, was die Analogie oder das Gehör beleidigte. Übrigens ist d e e Solbe i» der Prosodie lang. Die dadurch gebildeten Beywörler leiden die Comparation, und.lasseu in derselben das a unveräktdert; mühsamer, mribsamste. Ehedem bildere man von diesen Beywv'rtern vermittelst des an- gehängtm e sehr HLrtfiq Hauptwörter, das Abstractum, den ZU" stalld, zn bezeichnen, welche denn ganz natürlich weiblichen Geschlechtes waren. Die meisten davon sind veraltet, einige sind im Hochdeutschen nngangbor,aber noch im Oberdeutschen üblich.Vie Gerechtsame, die Gewahrsam e, das Oberdeutsche gewaltsame» Diese Hauptwörter kommen mit den auf — sch a ft übereilt, nnd da diese sigürlichuauch oft ein Cvncretum bedenken, G geschiebet solchss anch zuweilen mir jenen. Die Vauersamsist im Ober» d u rächen die Baucrschast, die siimmküchen Bauern rineSDorftS, einer Gegend, die Genossame, die Genossenschaft, wohin auch unser Gerechr-samefür Bcfugniß gehöret Der Gehvrtam macht hier jetzt eiucAusUühme vamderRegel z sllem chüderrr war es cich- isöL Sam Sam rs66 liacr Im iveiblichcn Geschlecht!, üblich, die Gehorsame, welches Geschacht den Abstractis ihrer Natur: nach zukommt. Das Dberd. t>er Genossam, für eirr Genoß, ein Glied einer Genossamc, würde eine noch merkwürdigere Ausnahme machen, wenn es nicht verdächtig wäre. Statt dieser Hauptwörter, welche, wie gesagt, größten Thesis veraltet sind, sind die vermittelst der Nachsvlde— kert gebildeten Hauptwörter üblicher, welche die meisten Bcywörtcrauf —sam annehmenkönnen. 2lchtsamkeir, Aufmerksamkeit, Bedachtsam- keit, Rathsamkeit, Biegsamkeit, 8olgfamkeit, Grausamkeit, Arbeitsamkeit, Sparsamkeit, Wachsamkeit, Erfindsamkeit Empfindsamkeit, Mühsamkeit, Heilsamkeit, Einsamkeit^ Langsamkeit. Seltsamkeit u. s. f. Einige wenige verstauen sei- dige nicht, besonders diejenigen, welche nur als Nedenwörter üb-- lich sind, wie g^ichsam, genugsam und sattsam. Von Gelehrsamkeit ist das Bcywort gelehrsam ungangbar geworden, es war aber ehedem üblich. Der Same, des — ns, plur. doch nur von Mehrern Arten, dir — n. r. Eigentlich, diejenigen Theile der Gewächse, welche nach der Bliithc zum Vorschein kommen, und woraus wieder andere Gewächse eben derselben ArtFrzeuget werden. Samen bringen, tragen« In der weitesten Bedeutung können allehiese Theile, sie haben übrigens eine Gestalt welche sie wollen . den Nahmen des Samens führen, und alsdann gehören auch die Nüsse^ und besonders ihre Kerne, mit dahin. Allein in engerer und ge- wöbttlichccer Bedeutung wird nur der aus eigentlichen Körnern bestehende Same mir diesem Nahmen belegt, obgleich bey den: eigentlichen Früchten und Beeren auch das Wort Rern üblich ifL r), Im eigentlichsten Verstände/. Der Hlachssame, Hanfsame, Rshlsame, Rübensame u. s. f. Das Senfkorn ist das kleinste' unter allen Samen, Matth, i Z, Z 2 . Einen Samen säen. Der' Game gehet auf. Von den Getceidearren gebraucht man dieses Wort nur in so fern, als sie zur Fortpflanzung ihres Geschlechtes bestimmt sind. Den Samen ansstrcuen, säen. Dbgleich auch hier die zusammen gesetzten Samenkorn, Gamengerste, Samen- erbscnu.s. f. üblicher sind, wofür man auch Saatkorn, Gaar- gevste u. s. s. sagt: Same ist ein Collectivum; soll ein einzelnes Korn bezeichnet werden , so setzet man das Wort Born daran, zrvep Samenkörner. 2) Figürlich, (a) In einigen Gegenden wird auch das grüne Getreide, ehe es schosset. Samen genannt^ wofür man in -Ober - und Niedersachsen Saat sagt. Der Same stehet schon, das junge Getreide, die Frucht, (b) Der Same des göttlichen Wortes/ der' Same gmer Lehren, so fern sie. nach ihrer Bekanntmachung Frucht bringen, d. ü heilsame Wirkungen habrmkönnen und solleil. Auch der erste Anfang zn sittlichen Veränderungen, die Fähigkeit dazu, die wirkende oder veranlassende Ursache derselben- wird oft ihr Game genannte Lrnder miMn den Samen einer frühen Tugend nicht unter dem Un- krante der falschen Meinungen — ersticken lassen , Gell. Der Same alles Bosen ist Zinsterniff, Herd, wo doch die Figur ein wenig hart ist. 2 . In weiterer Bedeutung, diejenige flüssige Materie, wodurch das Geschlecht der Menschen und Thiere fertgepfiaiizet wird. r) Eigentlich. Dev männliche Game, diejenige Flüssigkeit, womit ein männlicher Körper den weiblichen befruchtet. Der weibliche Game, eine ihm ähnliche Fluss gkeit in den weiblichen Körpern, welcher aber keine befruchtende Kraft hat. 2 ) Figürlich. (a) Die junge Brut der Fische und mancher Znsccten wird sehr häusig der Same genannt. Voit den Fischen gebraucht man dieses Wort bis sie zwey Fahr alt sind. (h) Jirder Deutschen Bibel bezeichnet diefts Wort sehr häufig die Nachkormn-en. AmDcut- scheu ist diese mörgenländische Figur ungewöhnlich, Ldrl. W,B. Z. Th.-.Aust. Anni« r-. Im Hüttenbyue kommt dieses Mort noch in einer doppelten Bedeutung vor, wo es aber noch ungewiß ist, ob es nicht vielmehr zu andern Stämmen gehöret. Bey den Seigern werde» diejenigen Schlacken, welche noch Metall enthalten, der Same genannt, wo es allenfalls eineFigur von der erstenBedeutung ftyn könnte. Eben daselbst heißt die flache Grube in den Pochwerken unter dem Planenhcrde, in welcher der abfallende S ck lich anfge- fangen wird, der Same, wo der Begriff eines hohlen Raumes der herrschende zu seyn scheinet, dessen dieses Wort, als ein ursprünglicher Ausdruck einer gewissen schnellen Bewegung, wie alle andere Wörter dieser Art, gar wohl fähig ist. 2 . Dieses Wort lautet schon im Zsidor Lsmi, bey dem Notker Zamo, im Lat. Lernen', im Böhm. L^rne, Lernenc , :m Pohl- nischen Liemie, imDalmatl LLirne, im Türkischen Lernbik, und selbst in der alten Ägyptischen Sprache Olorn und Lom. Es stammet von säen ab, welches den mit dieser Handlung verbundenen Laut nachahmet, daher auch ^».me ursprünglich das Geräusch, das Samen oder Gammen mehrerer bey einander befindlicher Aiwge gewisser Ärt ausdruckt. (S.Sam und Säen.) Mit einein andern Endlaute ist dafür im Niesers. und in den.verwandtem Sprachen Saat üblich, (S.dasselbe,) das doppelte a, welches einige Neuere in diesem Worte cmzuführen gesucht, har nichts zu feiner Vertheidigung. Bey vielen lauter dieses Wort in d, r ersten Endung Samen. Im Hochdeutschen ist dieses ungewöhnlich, obgleich die folgenden Endungen dieses n behalren. Die Gamenaöer, plur. die — n, in der Anatomie, diejenigen Adern, welche den männlichen Samen in die Samengcfäße. bringen, oder das Blut zu denselben sichren p in rru lchrm Falle sie wieder in Blut-und Pulsadern gethcilet werden. Der Samenbaum, des— es, plur. die — bäume, im Forst, wesen, diejenigen BLunie,welche zur Besamung oder zur Fortpflanzung ans denGehauen stehen bleiben, und auch Mutterbäume oderSchlaghürher genannt wcrdcm Das Samenblatt, des — es, plux. die — blätter,. ei sten Blätter, welche aus dem Kerne des vdgetabi ischer. Saunas hervor wachsen; bccklL leminsHa. Der G äm en.br ach, des—es, plur. die-—b Puch e i-! der Chirurgie, eine Art des Bruches; welche aus allzu fiaricr Anhäufung des männlich u Saniens eritstehrt. Der Gämenstüß, des — sses, plur. doch nur von Mehrern Arten, die—- ssüssc, der Abstoß des mciinlichen Samens. Zn engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist es eine Krankheit, bey welcher der Same wider Willen des Kranken beständig adstießer; Oonorrbem, im gemeinen Leben der Tripper. Das SämengefLß, des — es, phur. die —e, in der Anatomie, alle Gefüßeiil dem menschlichen und chierifchen Körper, welche den Samen in sich enthalten, und wovon einige auch Samen- behälrer und Samenbläschen,Ve6cu1us letniuÄle.'i, genannt werden. Das GameNFeharrfe, des—s, xlur. ut vom. an dem . Pflanzen und Gewächsen, dasjenige Gehäuse, welches den eigentlichen Samen in sich schließet, icarpium l«. m:d welches entweder eine Lapsel, Schote, Hülse, Muß, Beere, ärucht oder ein ßruchtbälg ist. Das Gam.enholz, des—cs, plur. doch nur von mehrern Arten, die — Hölzer. Zm Forstwesen, r) Holz, welches zur Besamung auf den Gehauen stehen bleibt; ohne Plural. 2 ) Jede Holzart, welche weder Frucht noch Mast, sondern Samen im engste» Verstände trägt. Der Samcnkelch, des — es, plur. die — e, an gewissen Pflanzen und Blumen, das äußerste Samengebäuse, wenn es die Gestalt eines Kelches hat, wip^. B. bey den Nelken» Llir Der Sani Sam 126/ Der Samsnknopf, öes—es, plur. die—knöpfe, ein Samen, gehäuse der Pflanzen, in Gestalt eines Knopfes. Das Samenkorn, des — es, plur. die—körner. .) Einzelne Körner des vegetabilischen Samens. -) Korn, d. i. Getreide, und in engerer Bedeutung, Rocken, welcher zum Säen bestimmt ' ist, ohne Plural, als ein Collectivum; Saatkorn. So auch Gamengerste, Gamenweitzen, Samenerbsen u. s. f. Das Samenkraut, des—es, plur. inuf. eine Pflanze, welche in den Seen, Flüssen und Wassergräben wächst, und auch Frosch- lactuk, Froschlattich genannt wird; ko rumoZetvu Sam- kraut. Die Samenkoöe, plur. die—n, im Forstwesen, Loden, d. i. junge Bäume, welche aus dem Samen ausgewachsen stnd; Samenreiser. S. Lode. Die Samenmilch, plur. car. in den Apotheken, ein der Milch ähnliches flüssiges Wesen, welches aus zerstoßenen öhligen Samen mit einem wässerigen PK'en bereitet wird, dergleichen z. B. die Mandelmilch ist; Lmullio. Die Samenmöhre, plur. die—n, bcy den Gärtnern, Möhren, welche man zur Fortpflanzung, zur Besamung, oder auch uln des Samens willen in der Erde stehen läßt. So auch Samcnrübcn, Samengurken, Samenzwiebeln, Samenkohl, Samennelken u. s. s. Die letzter« werden auch Nutternelken oder Gamenmüt- rex genannt. Das Samenreis, des — es, plur. die—er, S. Gamenlode. Die Samenschule, plur. die — n, bey den Gärtnern, eine Baumschule, in welcher man Obstbäume aus dem Samen ziehet; zum Unterschiede von einer Pfropfschnle. ^ Der Samenstängel, des—s, plur. ut vom. IlnZ. an den Gewächsen, derjenige Stängel, welcher den Samen trägt. Der Samenstaub, des — es, plur. cur. an den männlichen Blumen der Pflanzen, ein zarter, an den Staubfäden befindlicher Staub, welcher die Staubwcge der weiblichen Blumen befruchtet; kolleull,. Das Samenthierchen, des—s, plur.' ut vom. stnZ. kleine, dem bloßen Auge unsichtbare, lebendige Thierchen, woraus der männliche Same derMenschen und Lhiere bestehe» soll; ^uimal- eulä lpermuticLi Die Sämerey, plur. die — en, mehrere Arten vegetabilischen Samens; das Gesame. Mit Sämmereyen handeln, mitallerlep Arten von Samen. Samiy, ackj. er aclv. welches nur in einigen Zusammensetzungen üblich ist. Einsamige Beeren, welche nur Einen Kern, oder Ein Samenkorn enthalten. hämisch), ackj. er uäv. welches nur mit dem Hauptworte Leder üblich ist, oder doch dasselbe voraus setzet. Gainisches Leder, eine Art sehr weichen und geschmeidigen Leders, welches sich wie ein gewebter Zeug behandeln läßt, und aufder rauhen oder linken Sekte getragen wird. Es wird von den Weißgärbern mit Mehl, Alaun und Weinstein, so wohl aus Schaf- Ziegen- Gems- und Kalbfellen, als auch ans Ochsen- Hirsch- Reh- und Elendshäuten zubereitet, und zu Colletten,Beinkleidern,Gewehrgehenken, Handschuhen ». s- f. verarbeitet. Man nennet es auch fettgares Leder, weil es nach demBeitzen nnd Walken mitÖhl geschmieret und gewaltet wird. Man hat es von allerlcy Farben; doch ist die «veißgelbe die gewöhnlichste,und dirß hat vermurhlich Lnthern veranlasset, Ezech. r 6, i Q, scmische Schuhe zu setzen, wo beiden 70 Dolmetschern daSWor, ficht,welches zwar bey unS jetzt einen blaue» Edelstein bezeichnet, bey den Alten aber, dem Pliuius zuFolge, uureo colors luoeus pretiolus Ispis war. Anm. JmHolländ. 8sem unb8e^lrileck-r, rmSchwedischen Lumüli, im Franzos, als?in Hauptwort LkuoreLU, im Pohlu» 126z LLMekr, im Böhmischen als ein Hauptwort Tumis. Die Abstammung ist noch ungewiß. Jnnitts leitete es von Seim- seimig, her, und glaubte, daß die gctbe Farbe der herrschende Begriff wäre, daher es von dem Honigseim, wegen seinor Ähnlichkeit mit dessen Farbe, benannt worden, welcher Ableitung, so unwahrscheinlich ste auch ist, Frisch beypflichtet. Wahrscheinlicher nimmt man die sanfte, gelinde, weiche Beschaffenheit für den Stammbegriff an, indem Seim einen jeden schlüpfrigen, flüssigen Körper bedeutet. (S. auch Sammet.) Wenigstens eben ss wahrscheinlich ist die Ableitung von dem Französ. Lliumois, Gems, Irak La- mocciu, weil man ehedem nur das Gemsleder auf diese Art so zngerichtct, daher säruisches Leder im Franzos, überhaupt tülia- msLu, Jtal.Oumorru, heißt. Indessen kommt es noch darauf an, von welchem Volke die Deutschen dieses Leder und dessen Zu. bereitung empfangen haben. Viele Nahmen der Ledcrarten und ihrer Zubereitung find Morgenländisch oder Slavonisch, und cs könnte mit diesem Worte auch wohl so seyn. Der Sämischgärber, des—s, plur. ut 00m. lioZ. eine Art Weißgärber, welche sämifües Leder verfertigen; Französ. Lira, moislleur, Pohl». 2 nmsl'n,tiik. In Deutschland find.sie von den weißgärbern nicht verschieden. Dre Gamkost, plur. car. nur in einigen Gegenden, diejcnigeKost oder Speise, welche ein Eigenthümer ftlbstbauet, und damit feiiH Arbeiter ablohnct. Es scheinet hier von dem Wend- lsuin, eigen, selbst, abzustammen. - Die Gamkosten, 6 n^. car. auch nur in einigen Gegenden, ae- meinschaftliche Kosten, wozu mehrere ihren Antheil beytragen. So wird die Zubuße im Bergbane einiger Gegenden noch dir Samkosten, und verderbt, die Saumkossen, genannt. Von sam, zusammen, gemeinschaftlich , S. Sam und Gammt. Das Samkraut, S. Gamenkraue. ^ Der Sammelkassen, des—s, plur. ut vom. 5 inA. ein Kasten oder weites Behältiuß, worin fich das Wasser sammelt, die Lüsterne. Auch in den menschlichen und thierischen Köeperil, ein Behaltniß, in welches die großen Milchadern die Nahrungsmittel zusammen bringen; Oisterna luLleu, das Milchbehalkniß. Sammeln, verl>. r«Z. uct. mehrere Dinge EincrLlrt einzelnzn« samnien bringen. Oie Steine von dem A ker, die Mren von dem Felde sammeln, Phrases sammeln Steine auf einen Zausen sammeln. Oie Bienen sammeln Honig. Oer Mahler sammelt, wählt und ordnet. Oer Dichter sammelt alle Heldentttgenden und schafft daraus seincnHelden. Jligleichm in der dichterischenSchceibart: Hier kühl' ich meine Flügel im Ro- senthan und sammle liebliche Gerüche, Geßn. In engerer Bedeutung, mehrere Dinge Einer Art einzeln, oder nach und nach in seinen Besitz bringen. Geld sammeln, Schatze sammeln. Seltene Bücher, Mineralien, Rnpferstiche sammeln. Sammeln für ernten, wie Match. 2 Z, 24, ist ungewöhnlich. Von lebendigen Geschöpfen und Personen ist das intensive versammeln üblicher, obgleich das einfachere sammeln in dieser Bedeutung in der Deutschen Bibel sehr häufig ist, und auch noch außer derselben in der höher» und dichterischen Schreibart gebraucht wird. Ich will mcineRinder um mich her sammeln, Geßn. So auch das Recivrocum, sich sammeln, einzeln, und nach und nach an einem Orte zusammen kommen. Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an besondere girier, 1 Mps. r, 9 - Oie Unreinigkeit sammelt sich auf dem Boden. Es sammelt sich, sagt man, wenn aus kleinen Schuldpoflen nach nnd nach eine beträchtliche Summe wird. Jugleichen von Personen, einzeln, nach und nach zusammen kommen. Sammütench, ihrNindee Benjamin, Es. 43 , r 4. Sammler euch alle «in- höret, Ar. »2,z>. WoeiuA'asist, sammeln fich dreAdler. Wo die 12§9 Sam schone Weltbepm Spieltische sich sammelt, Geßn. Indessen ist doch auch hier das intensive versammeln üblicher,außer wennman ausdrücklich andeuten will, daß die Zusammenkunft nach und nach «nd in einzelnen Jndividnis geschehe, wo sich sammeln besser schickt, als versammeln. Es sammeln sich Leute auf dem Markte, wenn sie nach und nach und einzeln zusammen kommen; , sie versammeln sich, wenn sie in größerer Anzahl auf Ein Mahl "" zusammen kommen, von welchem Unterschiede der Grund in der intensiven Partikel ver liegt. Hiernach muß dasjenige berichtiget werden, was Gottsched von dem Unterschiede beyder Zeitwörter .behauptete, wenn er sammeln allein ans leblose und versammeln ' allein auflebendige Geschöpfe eiyschränkte. Figürlich ist sich sammeln , seine Gedanken sammeln, sich fassen, von einer Zerstreuung zu sich selbst kommen, sich seiner deutlich bewußt werden. So auch -re Sammlung, für das ungewöhnliche Sammclung, S. solches an seinem Orte besonders. Anm. Bey dem Willeram lameleu, im Schwed. lamis, im Franz. lsmbleriinatlelnblLr. Frisch kannte denMechanismus der abgeleiteten Zeitwörter sehr schlecht, wenn er glaubte, daß das l aus dem Lat. li mul herrührete. Gammeln, ist ein abgeleitetes Zeitwort. Das Stammwort, welches im Hochdeutschen veraltet ist, hieß ILMLN, welches noch im Isidor, bey dem Ulphilas und Ottfried vorkommt, und gleichfalls einzeln zusammen bringen be. deutete. In einigen Oberdeutschen Gegenden sagt man noch besamen für versammeln. Von diesem samen hatte mau des Jn- ttnsiviimsammen,in ebender Bedeutung, und von diesem stammet, vermittelst der Endsylbe—cln, unser Frequentativum sammeln her. Hieraus erhellet zugleich die Unrichtigkeit der Schreibart sammlen, obgleich das e vor dem l um desWohlklanges willen oft ausgestoßcn wird; ich sammle für sammele, die Sammlung für Gammelung. Aber du sammlest, ich sammiete, für sammelst, sammelte, beleidigt das Gehör. Müder gleichbedeutenden Endsylbe.—men sagte man für sammlen ehedem auch sammnen, bey dem Ottfried lamauou, im Angels. l'am«an, im Schwed, lckmuu. Das alte Stammwort samen ahmet den Laut nach, welchen mehrere sich versammelndeDingemachen. Das Lat. üu>u1, Lumina, das Griech. « 2 «, vpwr», u. s. s. sind nahe damit verwandt. S. Sam, Samen und Gammt. Der Sammelplatz, des —es, plur. die — platze, derjenige Platz, auf welchem sich mehrere lebendige Geschöpfe versammeln sollen; Franz, klencksr-vous. Der Sammet, zusammen gezogen Gammt, des — es, plur. doch nur von mehrrrn Arten, die — e, ein feinhaariges, seidenes Ge- webe, dessen linke Seite einen Gros de Tour Grund bildet. Der Sammet bestehet aus doppelten einzelnen Fäden, welche man im Weben über der Oberfläche hervor gehen läßt, und sie hernach auf- schueidet. Gerissener Sammet ist derjenige, woran die Fäden nicht ausgeschnitten sind. Geblümter oder geschorner Sammet, wo Blumen oder andere Figuren mit besonder» Scheren hinein geschoren worden. Pelzsammet ist sehr langhärjg, und wird zu Un- teesurtcr statt des Pelzes gebraucht. Plüsch-Sammet hat erneu leinenen Boden. ' -F? > Anni. Dieses Wort kommt in Deutschen Schriften schon seit Hein 1 4len Jahrhunderte vor, wo es GamitTuch heißt. In den folgenden Jahrhunderten schrieb man es Sammelt und Sa- mant. Jin Schwedischen lautet cs Lammet. Dietrich von Stade, Frisch und andere leiten es von sanft, ehedem samft, her, weil-der Sammet weich und sanft aiizufllhlen ist; eine Ableitung. welche scheinbar genug wäre, wenn man nicht Spuren hätte, daß der Nähme eben so ausländisch ist, als dieses üppige Gewebe selbst. Es istvermuthlich eine Gn'echische Erfindung, wenigstens habet! die übrigen Europäer dasselbe von den Griechen bekommen. Sam 12^0 Diese nannten ihn in den M'trlern Zeiten weil er mit sechs Fäden gewebet wurde, so wie em Gewebe mit drey Faden, Drillich, und-,ein Gewebe mit zwey Fäden, Zwillich, bedeutet. Hieraus wurde im Mittlern Lat. Lxametum, Lxami tum , und mit Abkürzung der ersten Sylbe, LLmüum, 8Zmmitu.8,8amis u. ftf. und unser Sammet. Siehe desDu Fresne Gloss. v. Exametum. Um deßwillen heißt der Sammet im Böhmischen noch vollständiger ^.xamit. Die Sammetblume, xlur. die—n, ein Nähme verschiedener Blumen, deren Blumenblätter einem Sammet gleichen, und sich so wie er anfühleu lassen, i) Einer in Mexico einheimischen Blume und Pflanze; lazete 81,. 2 )DesAmaramhes; tü us S. dieses Wort. Z) Der gelben Tunisblume, oder Türkischen Nägelein, Mo? ^.kricünus 2^/Ssr/r. welche zur Zeit Carls V. nach Eroberung derStadt Tunis in Europa bekannt wu»- de, und auch Gammetrsse genannt wird. Die Gammetbürste, plur. die — N, eine Bürste von feinen, weichen Haaren, den Sammet damit ausznbürsten. Sammeten, zusammen gezogen sammten, ackft vonSammct. Ein sammtenes Rlcid. Das Sammettzras, des—es, plur. inul. eine Art Grases, mit weichen, demSammet ähnlichen Blättern, welches in den wärmer» Ländern Europens cinheinch'ch ist; L,L§uiU7 lü,. Das Sammetmoos, des—cs, plur. inut. eine Art des Knoten- movses, welches auf allen Dächern aufdem Lande wächst, und einem Sammet gleichet; Lr/urn arZslNiuum l,. Die Sammetpappel, plur. die — n,einOstindisches, derPap- pel ähnliches Gewächs , dessen Blätter so weich wie ein Sammet sind; 8icla ^.durilou D. Die Sammetrose, plur.die—n. S. Sammetblume. Das Sammetschwarz, sublt. iuckecUn. plur.cur. eine dem schwarzen Sammet ähnliche, glänzende schwarze Farbe. Auch cm Farbenkörper dieser Art. So wird das Elfenbeinschwarz, welches aus gebranntem Elfenbeinebereilet wird, bey den Mähler» auch Sammetschwarz genanntFranz. Noir äs velours. Der Sammetweber, des — s, plur. ut vow. 6u§. ein Weber, welcher Sammet verfertiget. Der Sammler, für das ungewöhnliche Sammeler, des—-s, plur. ut vom. lmZ. Fämin. die Gammlerin», eine Person, welche sammelt, und in engerer Bedeutung, deren vornehmstes Geschäft i,n Sammeln bestehet. Die Gammluny, plur.die — en, anstatt -es ungewöhnlichen Gammelung, von demZeitworte sammeln, i) Die Handlung des Sammelns; ohne Plural. Die Sammlung seiner Gedanken. 2 ) Eine Menge mehrerer einzeln und nach und nach zufam- . men gebrachter Dinge. Die Sammlung der Wasser, r Mos. r, io. Eine Sammlung machen. Die Büchersammlung, Nupfersammlung, Münzsammlung, Naturalien- Sammlung, u. s. f. Eine Sammlung von Reisen, von Rupfern, von Münzen. Von mehreru zusammen gekommenen oder zusammen berufenen Personen kommt es zwar m der Deutschen Bibel noch rriehrmahls vor; die Sammlung der Heiligen, Ps. 89 , 8. wie man prediget in ihrer Sammlung, Hof. 7 , r 2 . Auch Opitz gebraucht es noch so. Allein im Hochdeutschen ist es in diesem Verstände veraltet, weil das intensive Versammlung dafür üblich geworden. Im Isidor, Ottfried u. s. f. kommt 8cHuanunZa,vo« dem veralteten samenen, samnen, in ebendiesem Verstands vor. SüMMt, eine Partikel, welche in doppelter Gestalt üblich ist. r. Als ein Nebenwort, r) Für alle, rnsgesammt;eine nur noch ' in den Kanzellcycn in der R. A. sammt und sonders, alle insge- sammt und jeder besonders, übliche Bedeutung. S. Allesammk, Znsgesammt und Gksammt, wo es in diesem Verstände Lill r üblicher Sam 127 r Sam üblicher ist. r)*Als ein vergleichendes N^be» - oder Bindewort, für wie, als; eine im Hochdeutschen völlig veraltete Bedeutung, In welcher es ehedem für das gleichfalls veraltete fam gebraucht Wurde« Vermaßen pflegt ihr hiep, ;u wehren euern Mann, Sammt alles, was ihr thm, euch selber sscp gethan, Scnltet. «s scheinet hier bloßdas schon gedachte sam mit dem angehängten 1 euphonicozilfeyn. . ^ 2. Als ein Vorwort, welches die dritte Endung des Hauptwor. kes erfordert, und so viel als mit bedeutet, wenn dasselbe eins Gesellschaft bezeichn-et, da es denn ehedem sehr oft für die bloße Verbindende Partikel und gebraucht wurde. Gott hat uns, da wirtodt waren m Sünden, famnn Christo lebendig gemache, »md hat uns sammt ihm aufrAvecket, und sammt ihm in das himmlische Wesen gesetzt, Ephcs. 2, L, 6. Iacob kam sammr alle dem Volk, das mit ihm war, r Mos. Zz, 5. Wer .Unrecht Hasser sammt dem Gerge, Es. 33, - L, Unrecht und Geiy. Laßt uns Unser 6crz sammr den fanden aufheben zu Gott, Klage!. 3, 41. Ihr könnet nicht Gott dienen sammt dem Mammon , Luc. 16, 17, .rmd dem Mammon. Ihr werdet sammr eurem Lerle das Brot noch vor den M-mcn suchen müssen, Gell. Es ist in dieser Bedeutung zwar nicht veraltet; über Marr gebraucht es im Hochdeutschen doch bey weiten nicht mehr so häufig, als ehedem, und scheinet sich dieses Vorwortes nur noch zu bedienen, um mit dem Vorworte mit abwechseln zu können, wenn dasselbe zu oft auf einander folgen sollte. Dft gebraucht man es auch, wenn man einer Rede mehr Nachdruck geben will, als ihr das bloße mit gewähret. Zn den gemeinen Sprechartcn, besonders Niederdcutschlaudes, pflegt man vor dem sammt gern noch ein müßiges mit vorher ge,' Heu zn lassen. Ein pyrin (Barinn) mit sambt iren welflein klein, Thcuerd. tzu solltest dich der Lust mit sammr dex Braut verzeihen, Günth. Welcher Pleonasmus aber der anständigen Speech arl fremd ist. Anm. Bey dem Ulphilas lamath, im Schweb, samt, bey dem Notkerssmertt, lament mir, bey den Schwäbischen Dichter» auch tätN: l-ieb urrcl 1 eit 6as leile icti saut cilr, der von Kin- renberg. Unser sammt ist von dem intensiven samm, stammen, mildem an g eh äugten t, so wie das ältere samt von dem ein- _ fächern sam und samen ist. (S. Sam und Sammeln.) Man ge- . brauchte diese Partikel ehedem sehr häufig in Zusammensetzungen, so wohl mit Zeitwörtern, lamLtk rin na«, Ulphilas, wofür jetzt zusammen üblich ist, zusammen laufen; cheils mit Hauptwörtern, «ine Handlung oder Sache zu bezeichnen, woran mehrere Theil haben, welche von mehrern gemeinschaftlich geschehet. Die erster« sind völlig veraltet; von de» letzter« aber sind noch manche in der Schreibart der Kanzelleyen üblich. Sammtamt, Gammrbeleh- nung, Sammtgcleit, Sammtguk, Sammrhandler, Sammt- kauf, Sammtlehcnu.s. s. wklche Wörter iusgesammt, und zwar am häufigsten, auch mit gesammt zusammen gesetzet werden, daher sie schon dort aufgeführct worden. DüS Sammtamt, m s. ft Siehe in Gesammt — Gämmtlich, st Äli v. alle zusammen genommen, alleins- gesammt, gesammt. Vie sammtlichen königlichen Bedienten. Sie kamen stämmtlich zu pilato, Matth. 27, 62. Das Bey- wort setzetso wie gesammt, seiner Bedeutung nach, entweder ein Collectioum im Singular, -der ein Hauptwort im Plural voraus; urdessen gebraucht mau im erster« Falle lieber gesammt, im letz. Lern aber lieber jammtlich; die Hesammte Familie, die sämmro kichen verwandten; die gesammte Armee, die sammtlichen Truppen. San 12/2 Anm. Im Dberdeutschen sammentlich , im Niederdeutsch.?, famentiik , im Schweb. stumtliZen. Es ist aus dem vorigen stammt und der Eudsylbe —lich zusammen gesetzet. Horneak ae- ' braucht dafür auch samhaft. ' ^ Die Sammtregieruny, Sammtstchrift, Gammtstimme, u. s. s. Siche iw Gesammt. * Der Gampel, S. Zampcl. Dar Gamstay', des — es, plur. die —e, eine vorzüglich i» Dberdeutschcn übliche Benennung des letzten Tages in der Woche , . ibos Sonnabends. -Bey dcm Dttfried 8ambar6aZ, in denfol.' gendeu Zeiten Sammesrag, im Franz, 8amecki. Es ist, wie schon Wachter,Friich und andere bemerket haben, ans Gabbaths- - tag verderbt worden, weil b und m sehr leicht in einander über^ sgehen. Gamues, ein aus dem Hebräischen entlehnter männlicher Tanfnah« .. Me, welcher einen von Gott erbethenen bedeutet, und in dcn ac« meinen Sprecharten .licht selten in Schmucl, Rieders. Smt,el. verkürzet wird. ^ Gsnct, ein aus dem Lat. sttzoctus entlehntes, und Im gemeinen Le- mir u. liches Wort, welches nur den eigenkhumlichen Nahmen drr Heiligcrrohnc Artikel vorgesetzet, undalsdann als ein unabiiuder- .Lrches Beywort behandelt wird. Sanct Paulus spricht. Las .Bild Sanct Pauli. Sanct Petersburg , die Burg des heil. Pettl. Rieders, sunt, sünte, Holland, lmr. Im Schreibcnwird dieses Mor. gemeiniglichmur mit S. Set. oder St. ausgcdruckr. Der Sand, des —es, p!ur. oar. ein Eolleclivum, eine glasar, ttgeErbc z,! bezeichnen, welche aus sehr kleineuKörucru ohne allen Zusammenhang bestehet, undauS zerriebenen Kieseln entstanden -zu seyn scheinet. Feiner, grober Sand, Streusand, Trübend, Flugjand, Uhrsand, Flußsand, Goldsand u.s.s. Sand graben. Sand streuen. Jemanden Sand in die Augen streuen ; eine von den ehemahUgen Ringern und Klopffechtern entlehnte Figur, ihn durch Täuschung hindern, eine Sache genas emzusehen, ihm Staub in die Augen streuen, siche Staub. So vtel wie Sand am Meer, eine große Menge zu bezeichnen, rst emeMorgeuländische Art der Vergleichung,welche in der Deut, ^cheri Bibel mehrmahlS vorkommt. Grobkörniger Sand ist uu- irr dem Nahmen Gries, Grant, Ries u. s. s. bekannt. Anm. Schon seitDttfriedsZeiteu 8ant, im Rieders.Schweb, und Envll. gleichfalls 8srjcl. Die rauschende Menge der kleinen Theilchen dieser Erdart ist ohne Zweifel der Grund ihrer Beim,' rrung, welche alsdann zudem Geschlcchte des Zeitwortes senden, und mit einem andern Endlüute, auch z« sam und dem alten samen gehören würde, von welchem auch die Griechische Benennung abstammet. Das Lat. >^reNL gehöret auf ähnliche Art zu uu>erm rinnen, weil das s im Lat. und Griech. oft ein müßt- ger Vorschlag ist. Die altern Lateiner sagten dafür /Ueuu, welches uuserm Sand naher kommt. Der Gandaas, des — es, plur. die-—e. ^1) Siehe Sander. »)Ni>ch häufiger, eine Art kleiner Aale, mit fast'unsichtbaren schuppen, welcher sich im Sande am User des Meeres .aufl'ält, wp er sich in einen Kreis z,isümmeu wickelt, und alsdann die Mitte desselben mit dem Kopfe durchbohret; ^mmoclitss Im ge« me,neu Leben wird er auch Sandig Lobiasftstch, Tobiescheistge- t^nnt, Franz. I«grrlou, Die letzte Hälfte in dem Nahrneu Gandilz ist mit Aal verwandt, die lange dünnr Gestalt dieses Fisches zu bezeichnen, wohin auch die Französischen Nahmen gehören. S. Aal, Ahle, Elle. Dre Sand-AAee, plur. die— n, in den Gärten, eine Allee, welch- mit Sand ansgcschültet ist. ti.. 6s Sändarach, des — s, piur. iruis.das blaßgelbe Harz ausländischer Wachholderbämue, Vachholderharz, welches aus den« 127Z San selben heraus stießet, wenn man ben Stamm ritzet. Figürlich Pflegt man mehrere Massen wegen einiger Ähnlichkeit mit diesem Nahmen zu belegen. Zm Bergbaue nennet man ein jedes gummöse Mineral Sandarach. Besonders führet eine Art des rochen, mit Schwefel verbundenen Arscnikcs, welcher einem Gummi gleicht,diesen Nahmen. Im Bienenbaue nennet man das mehlige, braune, weiße,gelbe oder röche Wesen, welches die Bienen in die Brotwaben eintragen, und welches ihre Speise ausmacht, in manchen Gegenden gleichfalls Sandarach. 2» andern heißt es Bie- rienbrot, S. dieses Wort. Im gemeinen Leben sehr häufig auch Gandarack, Gandrach. Es ist ein ausländisches,und vermurhlich Morgenländisches Wort, welches, allem Ansehen nach, durch den häufigen Gebrauch deS Sandarachs zum Räuchern in denKirchen unter dem großen Haufen so bekannt geworden. DieSandauster, plur. die—n, eine Art Auflern , welche sich anfSandgründen aufhält, und zwar von ansehnlicher Größe, aber von mittelmäßigem Geschmacke ist. Das Sandbad, des — es, plur. die—Kader. l) Inder Chirurgie, eine Art des Bades, wo das kranke Glied in warmen Sand gestecket wird. 2 ) In der Chemie ist es eine Art der Destillation, wo dasBefäß mit dem zu destillirendenKorper in Sand gcsetzet, und dieser,dnrch das darunter gemachte Feuer erhitzet wird. DerSandball, des — es, plur. die —balle, S. Sandkloß. Dle Sandbank, plur. die— banke, eine aus Sand bestehende Bank, d. i. Erhöhung des Bodens. Im Bergbaue nennet man alle die großen Lagen Sand, auf welche man im Adstnken zuweilen trifft, Gandbanke. Die Gandgebirge bestehen aus übereinander liegenden Sandbänken. Am häufigsten gebraucht man dieses Wort von einer aus Sand bestehenden Erhöhung des Bodens in dem Mecöe oder in einem Flusse, welche letztere man auch eine Rlinge nennet, so wie eine Sandbank im Meere, besonders wenn sie eine Untiefe macht, im Niederst auch eine Platte, -rin Reff heißt. S^Gandhorst. Die Sandbeere, plur. die—n, die Frucht einer Art der Erd- öeercnftaudc, welche nur i« dem kältesten Europa einheimisch ist, .wo sie in sandigen, unfruchtbaren Gegenden wächst, und einen unangenehmen Geschmack hat; .^rbutus 17va urli l^. Bärentraube. Franz. lu. Loullerolle. — cs, plur. die—e7 ein aus Sand bestehender Berg. Viele Berge dieser Ar» machen ein Gandgebirg«'. Der Sandboden, des—s, plur. die—bode-r. r) Ein Boden, auf welchem man Sand verwahret. 2 ) Die aus Sand.be- stehende Oberfläche, der Erde; ohne Plural. Der Bandbohrer, des—s, plur. ut n oin.sinZ. eine Art Bohrer der Brunnengräber, den überflüssigen Sand aus einem Brunnen heraus zu schaffen. Er bestehet aus einer langen hölzernen Stange, mit einem, wie eine Lichtp^tze geformten Eisen, und einem daran befindlichen Sacke. Der Gandbors, des — es, plur. die—e, S. Sander. Der Sändbrücy, des— es, plur-. die— bruche, eir^nur in einigen Gegenden, z. A. im Lüneburgischen, übliches Wort, einen mit Flugsand überschwemmten Platz zu bezeichnen; um Zelle eitle Sandschclle. Von Brüch, ein weicher, unhaltbare,.'Boden. Die Gandbüchse, plur. die-—n, eine Büchse, worin man feinen Sand zum Stremm aufbewahret; die Streubüchse. Der.Ganddöbek, des — L, plur. ul uorn. ÜQb. ein Rahme, welchcudü Löbel, eineArr Fische, G^priirus lboduiaL. in einigen Gegenden führen; vermuthlich, weil sic sich gern im Sande.der IlLsse.aushaltLn...S. Lsbel- Sak L274 Der Sanddorn, des — es, plur. die— en, m einige» Gegenden, ein Nähme des weidendornes oder Meerkreuzdornee, llippopliiLs L. weil er an dem sandigen Ufer des Meeres und der Ströme einheimisch ist. S. Saffdorn- Der Sandelndes—s, plur. inuk. r) Der Nähme eines blauen Holzes, welches in den Apotheken gebraucht wird, und von dem BeennußbaumoderBchnnußbaum, LuilaliclilläMorlo^a L. kvmmt,Melcherin Zeylon, Amerika und Ägypten einheimisch ist; Gricßhslz, Sandelholz, wahrer Sandel, zum Unterschiede von dem folgenden. 2 ) Las Brasilien- 6olz, welches vonriner Art der LaelulpinL L.kommt, ist in der Handlung und im gemeinen Leben gleichfalls unter dem Nahmen des Gandels und des Sam delholzes bekannt. Zum Unterschiede von dem vorigen wird es rother Sandel genannt. 3 ) Bey den rwnern Schriftstellern des Pflanzenreiches wird noch ein dritter, gleichfalls in Ostindien einheimischer, aber von den Heyden vorigen ganz verschiedener Baum, weißer Sandelbaunr genanrtt^ZLntulum alirum L. Im Mittlern Lat. Larttalunl , welches so wie das Deutsche, rin ausländisches, und vermmthlich in Ostindien einheimisches Wort ist. Sanöen, verb. reZ. act. Sand streuen, und mit Sand bestreuen; ein nur in einigen Fällen übliches -Wort. Die Leiche fanden, in den Niederdeutschen Marschländern, sie ans der Oberfläche mit Sand bestreuen. Die Schmiede fanden das Eisen, wenn es m der Schwcißhitze ist, damit es nicht verbrenne, welches auch befanden genannt -wird. S. auch Versanden. Der Sander, des—L, plur. ut aoin. 6nA. ein eßbarer Raubfisch, welcher sich in den großen Landseen mancher Gegenden sehr Häufig aufhält, und zu dem Geschlechte der Börse gehöret, welchen er auch in Ansehung seines Körpers gleicht, dagegen der Kopf dem Kopse eines Hechtes ähnlich stehet. Er erreicht die Größe einer Elle, und hat ein weißes und schmackhaftes Fleisch; k'erL«. LuciopercaL. Zander, Zindel, Sandaal, Gandbärs, Gee- bors, Schill, Kagemaul, Engl. 8ur>6el, Dän. Sandart, Gandar. Er hat den Nahmen von dem Sande, weil er sich am häufigsten aufdem Grunde der Seen in dem Sande aufhält. Die' letzte Sylke ist die Ablcitungssylbe —er. In dem Nahmen GanLaal ist die letzte Hälfte unstreitig auch die gleichbedeutende Sylke—el, indem er mit dem Aale keine Ähnlichkeit hat, daher man dieses Wort auch richtiger Sandel schreiben würde. Das Banderz,-des —es, plur. doch nur von Mehrern Arten, die—e, im Bergbaue, erzhaltiger Sand oder Sandstein, ein Erz, welches in Sandsteinen bricht. Las Sander; zn Ilmenau z. B. ist ein krrpftrhaltiger Sandstein. Zu Schiebran in Böhmen ist das Sander; ein blephalriger Sandstein. . Der Ganöfelck), des—es, plur. die — e, eine Art schmackhafter .Weißfische.; Xlbulanodills, S.Adelfisch. Das Sandfeld, des — es, plur. die— er,,ein sandiges Feld,. sandiger Äcker. > - > Die Sandfluhe, S. Flühe. Der SanöganH, des—es, plur. die — gange, in den Garten , ein mit Sand ausgefüllter Gang. -Das Sandgebirge, des —s , plur. ut vom. 6nZ. Siehe San d b erg. Der Gandgries, des — es, plur. doch nur von mehren» Arten, die— e, so wohl eine Art grobkörnigen Sandes, dessen Köruer doch noch nicht so grob find, daß sie den Nahmen des Grieses verdienen; als auch ein aus eigentlichem Sande, d. i. einer glasartigen Erde, bestehender Gries, zum Unterschiede von dem Äalk- griese, welcher aus kleinen Kalkkörncrn bestehet. ^Die Sandgrube, pluQ die — n, eine Grube, auswelchee man Sand grabet. Llll r Der !27F - ^ San Der Ganitzrund, r,«—«s, xlur. die—sriinho, ein aus Sand bestehender Grund. Der Sändgüß, des—sses, plur. die— güsse, das Gießen geschmolzener Metalle in Formen von San-; ohncPlural. Jnglei- chcn, Eisenwaaren, welche bey den hohen Öfen in Formen von Sand gegessen worden, z. B. Ofenplatten ; zum Unterschiede von einem Lrhmguffe. Das Gandgut, des—es, plur. inust. im Tobaksbaue, einNah- me der untersten Blätter an der Tobakspflanze, welche fahl werden, schlechter find- und weitste nahe an der Erde hängen, oft nur Sand beschmutzet find; Erdgur. Der Sanöhafer, des—s, plur. jaust. 1 )Eitt Nähme desSand- grascs, lst^cnus nreanrius 1^. weil es dcmHafer gleicht und in denr Sande an dem Strande wächst. 2 ) Auch eine Art des zahmen Kasers, welcher einen langen Bart, graue oder schwärzliche Schalen hat, und am liebsten an sandigen Orten wächst;Rauth- Hoser, Kuerhafer. Z) S. Gandrohr. Der Gatt-Häger, des—s, Plur. ur vom. llnA. S. Gand- horll und Hager. Der Gaudhase, des — n, plur. die— n, eine Art der Feld- hastn , lvclche fich aufden Alpen und in den nördlichen Ländern auf den Gebirgen und in sandigen Gegenden aushält, und imWin- tergenieiiiigllch weiß tvnd; Steinhase, Berghase, st 'iGat-d Haufen, des—s, plur. u r vom. liox. ein ans Gand ocnder Kaufen, ein Kaufen Sand. Bey dem Notker 8aat- o Der Gaud^rrsch, des — es, plur. die—t^die gewöhnlichen Kirsche, so sern fiefich indiirreik, sandigLn Gegenden anfhalten, da sie denn ein niedriges und schlechtes Geweih haben ; zum Unterschiede vo.r den Gcbirghirschcn, und Land- An- oder Wald- hnschen. D ie Gandhorst, plur.Lie—en, in einigen Gegenden, eineKorst, d. i. ein Kugel von Sand, er befinde sich nun in einem Flusse, oder «ns dem trocknen Lande; die Sandklinge, der Sandhagcp. S. Horst. . Sandig, —er, —ste, a6j. et nck v. vielen Sand enthaltend, aus Sand bestehend. Ein sandiges Land. Sandige Ufer, Felder u. s. f. Dor Sanötlz, des — es , plur. die — e, S. Gandaal. Die Sandclinge, plur. die —n, S. Sandhorst und Rlinge. Der Gändklöß, des — es, plur. die—kloße, bey den Ärzten, ein entzündeter, ansgeschwollener Testikel, welcher entweder von einem Stoße, einem heftigen Drucke, oder auch von unreinem Wcyschlafe herrühret; leüiculus veaereus^ Sandball. Der Sandknoblauch, des—-es, plur. laus, eine Art des Knoblauches, welcher in den sandigen Gegenden wächst; Milium arx- unrium L. > Das Sandkorn,,des —es, plur. die—körner, Diiuin. das Sandkornchen^Oöerd. Sandkornlem,eines von denjenigeit kleinen Körnchen , welche den Sand ansmachen. Collective ist es Korn oder Rocken, welcher auf Sandfeldern erbauet worden. Das Gandkraut, des — es, plur. laust. ?ine Pflanze, welche viel Salz bey sich führet; und deren Samen eine Sonne verstellen ; st^rena: i e 1.. Sic wächst an den sandigen Ufern des mitternächtigen Europa» Der G an d l«.' u fe r,, des—s, plur.ut nom. stnZ.cinc Art Vögel, welche den Schnepfen ähnlich sind, nur dass sie einen kürzern, kegelförmigen, engen Schnabel, hohe Füße, lauge Schenkel und stärkere Vorder; hen haben; LlsreolL K/e/u. Wasserschnepfe, Strandlänftr, Grieshuhn, weil man sie nur an den sandigen Ufern der Flüsse und Seen, und in sumpfigen Gegenden antrifft. Zn, gemeinen Leben werden ste häufig mit zu den Schnepfen - San 1276 -»»Hilft, «tzlelch ihr Arisch oft -i,m, wilden Fischg-schmack h«,. Von einigen werden auch die Wasserhühner, Sandiänfer genannt. Das Sandlieschgras, des—es, plur. jaust. eine Art des Liesch, grases, mit einer eyförmigen, mit Haarem eingefaßten Blüthen- kolbe, welches in den sandigen Gegenden wächst; kllleum nre- anrium l,. Der Sandmann, des—es, plur. die—lenke. i)EinMann, der Sand führet, Sand verkauft. Im Scherze sagt man auch zu den Kindern, wenn sie schläfrig werden, und sich die Augen reiben als wenn man ihnen Sand hinein gestrenet hätte, der Gand! mann komme; Niederst Gandsaier, Sandsäer. s) I ,,1 Hollsteinischen heißen diejenigen Bonden oderfreye Erbbauern, welche Beyfitzcrin den Feld- und Criminal.Gerichten sind, Sandlerne, wo die erste Hälfte zu Send oder Zent zu gehören scheinet, siehe diese Wörter. Die Gandmümie, plur. die —n, ein menschlicher oderthieri- scher Körper, welcher in den heißen Ländern unter dem Sande zu einer Mumie ausgelrocknet worden; zum Unterschiede von den durch Einbalsamirung entstandenen Mumien. Die Sandnelke, plur. die— n, eine Art wilder Nelken, welche in dem Flugfande des mitternächtigen Europa wächst; Oian-. tllus «renarjus Die Sandpfanne, plur.die—n, bey den Kürschnern, eine vier- eckige eiserne Pfanne, den Sand darin heiß zn machen, womit die Kaare der Felle getrocknet werden. Das Sandpulver, des—s, plur. ut aom.llaZ. in dessApo- theken, ein Pulver wider den Saud oder Gries in dem mensch« lichen Körper, welches ausAusterfchalen, und dem Krautedcr Sandbeerensiaude bereitet wird; Sreinpulver, so fernes auch wider den Stein gebraucht wird. Sandrach/ Gandrack, S. Gandarach. Die Ganörauke, plur. laust eine Art der Rauke, mit einem blätterigen, ästigen Stamme, und lcyerförmigen, mit Borste« besetzten Blättern,welche in den sandigen Gegenden Deutschlands und der Schweiz wächst; 8ist/mbrium arenostum I,. Die Sanörechnung, plur. raus, in der Rechenkunst, eine von dem Archimedes erfundene Rechnung, d. i. Art Und Weise, eine ungeheure Zahl, welche größer ist, als die Zahl aller Sandkörner, wenn auch der ganze Weltraum bis an dieFixfierne damit ausge- fullet wäre, mit einer außerordentlichen Leichtigkeit au--zu- sprechen. ^ Der Gandreiter, des—s, plur. utaom. liaZ. im Scherze, ein Reiter, welchen sein Pferd abgeworfen, und aufdenSand ge- setzet hat; der Gandritter, Niederst Gandrider. Das Ganörietchgras, des—es, plur. inust. eine Art des Rieth- ^ grases mit einer Zusammen gesetzten Blnthenähre, welches in den sandigenGegendenEuropens wächst, und zur Dämpfung des Flugsandes dienet; Lurex Lrenaria L. Das Ganörohr, des —cs, plur. jaust. eine Art desRohees, welches au den sandigen Meerusern wächst und den Flugstnid zurück hält; ^ruaclo areaarja I-. Sandschilf, Gandhafer, i« Holland ^elm, Halm. Die Gandschelle, plur. die—n, S. Sandbruch. Der Sanöschiefer, des —s, plur. doch nur von mehrerer Arien, ut nom. linA. ein aus verhärtetem Sande bestcheyder Schiefer, . Sandstein in Gestalt des Schiefers. Der Sandschilf, des — es - plur. laust. S. Gandrohr. Der Sandschimmel, des—s, plur. ut nom. llnZ. eine Art Schimmel, d. i. weißer Pferde, welche gleichsam mit Sand bestreuet zu feyrk scheinen. Die Sa« 1277 San Die San-schwalbe, plur. die—n, ein Nähme der Erd- oder Rhcinschwalbe, kftruucio riparia K/s/n. weil sie in denSaud- ^ »fern an den Flüssen zu überwintern pflegt. Der Sandstein, des—es, plur. die—-e. ft Eine Art glasartiger Steine, welche aus zusammen gebackenen Sandkörnern bestehet, und wie der Sand selbst von verschiedener Feinheit und Farbe ist. 2) Im Bernsteinhandel, wird die kleinste und schlechteste Sorte Bernsteines Sandstein genannt, vermnthlich, weil diese Sorte aus kleinen dem großen Sande ähnlichen Körnern bestehet. Hier ist der Plural ungewöhnlich. Der Sanötorf, des — es, plur. von Mehrern Quantitäten, die—e, ein mit Sand vermengter, bröcklicher Torf, welcher auf einem sandigen Grunde liegt. Die Sandtorte, plur. die — N, eine Art der Mandeltorten, welche wie Sand im Munde zerfällt. Die S-rnöuhr, p!ur. die—-en, eine Art gläserner Uhren, i« welchen der ausgelaufene Sand die Stunde und ihre Theile andeutet. Die S rn-weide, olur. die—n, eine Art Weiden, welche auf der oberst Seite ein wenig rauch , auf der untern aber filzig sind; 8alix Lrermria ft. Sie wächst an Sümpfen , und wird daher auch kleine Bruchweide genannt, weil sic klein bleibt. In einigen Gegenden führet auch die Buchweide, welche ailfden sandigen Ufern der Bäche wächst, 8 cdlixs 1 ölixft. den Nahmen dcrSand- weide; im gemeinen Leben Sandwichel. Die Ssridwitste, xlur. die—n, eine große wüste Gegend,welche aus dürrem unfruchtbaren Saude bestehet. Sanft, — — este, astj. et nckv. welches iu seinen meisten Bedeutungen dem rauh entgegen gesetzet ist, und so wie alle Wörter zunächst eine in das Gehör, fallende Eigenschaft ausdruckt. >. Im eigentlichsten Verstände, da es von dem Laute gebraucht wird, und die gelinde, leise, und doch dabev angenehme Eigenschaft eines Tones oder Lautes bezeichnet, diejenige Eigenschaft, da er nur schwach in das Gehör fällt; im Gegensätze des heftig, laut, stark. 1) In der engsten Bedeutung, für das niedrigere facht. Ein sanftes Sausen, 1 Köm r 9, »2. Sanft reden, sprechen, leise, schwach. Eine sanfte Stimme haben. Ich höre das sanfte Geschwätz eines nähen Baches. Das sanfte Murmeln der (Quelle. 2) Da Laut und Bewegung unzertrennlich verbunden sind,so wird es in weiterer Bedeutung auch sehr oft von einer angenrh, men gelinden Bewegung, im Gegensätze einer starken oder heftigen,' gebraucht, (a) Eigentlich, wo es in der auständigern Sprechart für das niedrigere sacht gebraucht wird. Machet Bahn dem der da sanft herfähret, Ps. 68, L. Sanft gehen, reiten; wofür doch theils leise, theils langsam üblicher sind. Sanft wandelnd, Klopst. Sanft spielt ein leichter wind auf dem vergoldtcn Teich, Willam. Wie sanft rieselst du vorüber, kleine (Quelle b Geßn. Ihr Wellen hüpfet sanft ums Schiff, cbeud. Nach dem Maße als die Donau sanfter floß. (b) Figürlich, wo es «) allen heftigen, starken, und im hohen Grade lebhaften, aber dabcy angenehmen Gemnthsbewegungen, Empfindungen und Eindrücken entgegen gesctzet ist, auf eine angenehme Art schwach. Ein sanftes Licht. Sanft wie das Morgenlicht, Das über frische Rosen gleitet, Uz. Laß uns den Glanz des Abendrothes und den sanften Schimmer des Mondes betrachten, Geßn. Sanfte und zärtliche Empfii,dünge», Dreß äerz, das so sanft schlägt. Sanfte -»278 . Entzückungen, ein sanftes Vergnügen, eine sanfte Zreude« Unschuld lächelt sanft auf ihren Wangen. Geßn. In deinen Augen quillt die sanfte Zähre, Schlea.^ Sanft-umfängt die Nacht ihn mit snße.m Schlummer, Goßm Sanft schlafen. Ein sanfter Tod. Besonders in Ansehung de- . Betragens gegen andere, alle lebhafte unangenehme Empfindungen gegen andere vermeidend. Sanft regieren, im Gegensätze des strenge. Sanfte Sitten haben, im Gegensätze der rauhen. Ein sanftes Betragen. Sanft mit jemanden umgehen. Wenn ungezahmte Bosheit der sanften Warnung lacht, Dusch. Jemanden einen sanften Verweis geben. Ein gutes und sanftes äerz. Sich nach und nach erhebend, sich in ftr»cm weilen Raume erhebend; im Gcgenfatze des jäh und prall.g. Ein sanftes Gebirge, im Bergbaue, welches sich nur nach uns nach erhebet. Eine sanfte Anhöhe. Im Bergbaue auch sanftig. 2. Nach einer noch weitern Figur wird dieses Wort bcsonder- von dem Gefühle gebraucht, wegen seiner Schwäche einen ange- nehmen Eindruck auf das Gefühl machend; wo es von mchrcrn erteil dieser Empfindung gebraucht wird. E ne sanfte Luft, welche einen schwachen aber dabcy angenehmen Eindruck macht» Sanfte sä'nde, eine sanfte Saut haben, eine weiche, gelinde, im Gegensätze der harten. Jemanden sanft «nrühren. Sanft liegen. Ein sanftes Bett, ein sanftes Nüssen, ein lauster Stuhl. Jemanden sanft streicheln. Ich will mein äaupt nicht eher sanft legen , bis ich meine Absicht erreiche. Dar fühlt sich sanft an, weich und gelinde. Anm. Dieses Wort hat in allen Bedeutungen den Nebenbegriff des Angenehmen bey sich. Es lautet schon bey dem Kero, Notker und Willcram sumst, semfte, die es theils für möglich, theils auch für leichtuird weich gebrauchen, und es demunlamft, entgegensetzen; bey der Winsbeckinn seuft, und noch in vielen gemeinen Sprecharteil samft. Da m und n oft nur müßige Begleiter der Blaselaute sind, so lau-r-r dieses Wort rin Engl, und Angels. soft, iM'Jtal. sokftcs, und selbst in einer Oberdeutsche» Urkunde von l 400 ftrvft, seuft- Junius leitete cs von Saft, succus,her, Wachter von -l,5o»oz, Frisch aber von ««--r-o.iet, berühren. Allein es ist erweislich genug, daß der Begriff der langsamen, gleitenden Bewegung in diesem Aftxrte der herrschende ist, in wclcherBetrachtrmg es denn allerdings mit Saft verwandt, ist, (S. dieses Wort.) Der Begriff der Stille, der Ruhe, fließt ganz natürlich daraus, daher das Gothische 8ss, das Augels.8id» beyde für Ruhe, und das Hebr. N 30 , ruhen, (S. Sabbarh,) gleichfalls mit hierher gehöre«. Mit einem andern Endlante hat das Niederdeutsche sacht vieles mit sanft gemein, ob cs gleich den Nebenbegriff des Angenehmen nicht bey sich führet. Die Sanfte, plur. die — n. ft *Das Abstrartnm des vorigen Zeitwortes, die sanfte Beschaffenheit zu beZeichncu, die Sanftheit; ohne Plural; eine veraltete Bedeutung. Ivlio 1is> in Zrolssr Zoufte lebt Des tuZes so li min ouZe likt> Reinmar der Alte. Im Bergbaue wird es noch zuweilen von der sanften.Erhebung der Erdfläche gebraucht; wofür aber doch auch Sänftitzkeit üblicher ist. 2) Ein verschlossener Stuhl, worin man von Menschen oder Thieren getragen wird;Franz.?Ol tL-cslLise.Sich in einerSanf- te tragen lassen. Eine von Pferden oder.Maulcseln getragene Sänfte, welche i» dem mittägigen Deutschlande ans Reisen gewöhnlich ist, heißt bey den altern Schriftstellern ein Rcitbarn, Reitbahre, von reiten, reisen, ein Roßbarn, in der Monseelscheu Blosse, kaeo, Bahre, ftrsAessuoIe. Die sanfte Bequcmlrch-- keit, welche derjenige empfindet,welcher sich in eimrSänfte tragen läßt, ist vermurhlichsder Grund ihrer BenemrunZ, ob sic gleich 1279 - San nicht sagen laßt, wenn oder wo diese Benennung aufgekonurren ist. Übrigens ist noch nicht jeder Tragsessel sogleich eine Sanfte, weil die letztere gemeiniglich verschlossen ist. Der Sänftenträger, des-— s, plur. utuom. llnZ. diejenigen, deren Geschäft oder Pflicht es ist, andere in Sänften zu kragen. Die Sanftheit, plur.iuuf. das Abstractum von sanft, die sanfte Beschaffenheit, in allen Bedeutungen, besonders in der moralischen, fiir die veralteten Sänfte und Sanftigkelt. , Sänftig, uckj. et ÄÜv. welches nur in einigen Fällen des gemeinen Lebens fiir sanft üblich ist. So nennen die Bergleute einGe- birge, welches sich sanft, -, i. nach und nach, erhebet, nicht jäh oder prallig ist, ein sänftiges Gebirge. Daher die Günstigkeit, auchftrur noch im Bergbau?, von der sänftigen Beschaffenheit eines Gebirges. Die Sanftmut!), plur.cLr. i) Ein sanfter Muth, eine von allen heftigen Leidenschaften oder Empfindnngen entfernte Stellung des Gemiirkü's. 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeu-. rung ist die Sanftmnth die tugendhafte Mäßigung des Zornes, und in noch enaerm Verstände, die Fertigkeit, den Zorn auf eine tugendhafte Weisezu mäßigen, anderer Beleidigungen nicht > cht zu empfinden, viele Ganftmuch haben, besitzen, zeigen. Jemanden mit aller Sanftmmh begegnen. Niederst Sacht- rndod- Sachrsinn. SanftMlithiy-, — er, — ste, ackj. et aäv. Sanftmnth besitzend, in derselben gegründet. Niederst sachtmodig, sacht^nig, stnnig, Schwed. luklmockiA, im Oberd. im r4tcn Jahrhunderte nur scwft, sanft. Die Sanftmiithitzkert, plur. iuuft die Fertigkeit, fanftmüthig zu seyn, und in engerer Bedeutung, nicht leicht Beleidigungen- zu e:r.p,luden; wie Sanftmmh in der engsten Bedeutung. Kür Sanftmuch in weiterm Verstände, d. i. vott der bloßen jedesmah- ligerk sanften Stellung des Vemüches, ist cs ungewöhnlich. *Der Gang, des— es, plur. die Sänge, ein für sich allein Lcraltetes Wort, wofür jev^ Gesang üblicher ist, welches aber noch in einigenZusammensitzm'.gen beybehalten wird, obgleich selbige auch mit Gesang—gebraucht werden. Bcp dem Ottfried 8unKo. Die Sangö-rofstch, S. Gesangdrossel. Die Sanye, plur. die—n, eine Act kleiner Fische, welche arrch Sänge!, Sanglein, Sengle geuaimt werden, S. Grütze und Gründling. *Die SanFen, ünF.ivus. ein im Hochdeutschen völlig unbekanntes Wort, welches mehrmahls m der Deutschen Bibel vorkommt, wo es gesengte oder geröstete Ähren bedeutet, willr du ein Spcifc^pfer dem ^eern thun von den ersten brächten, sollt du die Sangen, am Zeuer gedsrrct, klein zerstoben — opfern, z Mos. 2, ,4; und sollt kein neu.Brot, noch Gangen, noch Lorn zuvor ess?n, Kap. 23, 14. Sie affen am andern Tag» des paffäb ungesäuert Brot und Sangen, Jost 5, 11. Boas legte der Ruth Sangen vor,Ruth 2, »4. Eine Epha Sangen, r Sam. 1?, 17. In welchen Stellen Michaelis dafür gerostet Vorn setzt. Im Hebräischen befindet sich das Won von rösten, und Ludolf glaubte, daß es in diesen Stellen den Kaffeh bedeute, welchen man gemeiniglich für ein Getränk von weit jüngerer Erfindung hält. Das Wort Sangen ist so wohl im Ober- als Niederdeutschen selten, und cs scheint, daß Luther es bloß aus altern Übersetzungen entlehnet habe; denn nach dem Frisch heißt cs in der alten 1483 gedruckten Deutschen Bibel, Jos. 5, 11 : sie aßen von den Gangen der Erden, wo die Vulgata setzet: co- rusckeruM cke fruAjkus lerrse.Man teitercs gemeiniglich von sengen ab, weil die Sangen eigentlich ein Büschs Ähren find, hie man am Zrner abgeseuget, und die Körner auf dichArt gerostet, Sa p isZo hat. Allein, es scheinet, daß dieses Wort ein Bündel oder Büschel überhaupt bedeute. Frisch selbst führet aus Feilsch Vur. Iruer. die Stelle an: wenn jemand aus den öopfenbcrgen die Sam -grn wegtrüge oder sonst dem äopfen Schaden zufÜgere- wenn hier anders nicht durch einen Schreib-oder Druckfehler Sangen für Stangen gesetzct worden. Im Killians Holland Wönerbuchcwird 8 nnZkl, 8 .rn^L durch k'ulcicu^us ft.jca.' rurn erkläret, allein i» vau Hoogstratcns ^oorckboecli? findet sich dieses Wort nicht. Der Sänger, des — s, plur. ui vorn. linZ. Fämin. die San- gerinn, von dem Zeilivone singen, eine Person, welche singet, und in engerer Bedeutung, wclchenach den Regeln der Kunst z,I singen weiß, und diese Kunst ausübst. Ler Opern- Sänger, A-rchensanger, Vorsänger n.s.f. Wie sollt ich Horen, was die Sänger oder Sängerinnen singen? 2 Sam. 19, Z.;. Sex mir gegrüßt Mykon, du lieblicher Sänger' Geßn. In der dichterischen Schreibart führen auch die Sang - oder Gesangvö, gel diesen Nahmen. Ihr kleinen frohen Sarrger, wie lieblich tont euer Lied von hoher Bäume Wipfeln! Geßu. Es Hüpfen die Ganger des Waldes fröhlich empor und putzen ^^Schwingen,Zachar. So wie mau in eben dieser dichterischen Schreibart zuweilen auch einen Dichter eineuSä'nger zu klennen pflegt, wofür Opitz das veraltete Singer gebraucht. Im Isidor wird klal- miÜL, Psirlmcudichter, durch äÄUAÜers übersetzt, nndKer» nennet einen Cantor ^An^nri. Der Sängcherö, des—es, plur. die—e, bey dem Vogelstellern eine Act Vogelhcrde, auf welchen man nur die großen Sang- Vögel zu stellen pflegt. Dre SarryLLrche, plur. die — n, S. Zeldlerche. *Der Srrnymeistcr, des —s, plur. ul uorn. llu^. ein im Hochdeutschen veraltetes Wort, denjenigen zu bezeichnen, welcher im Singen Unterricht gibt, und die Vocal- Musik regieret. r Chron. r 6 , 22 heißtChcnanja, der Leviten Oberster, der Sang- - weistrr. Jetzt ist in manchen Fällen dafür das Wort Cantor üblich. Bey dem Notker bedeutet ZavAmeiüer einen Sänger, einen Meister in der Geschicklichkeit zu singen. Die Süngschwalbe, plur. die - n, S. Gesangschwalbe. DerScrnyvoFel, S. Gcsangvogel. Der G an rke l, des— s, plur. inus. eine Pflanze, welche eine» rauhen Samen inGeftalt kleinerKletren bringet, und cincu bittern Geschmack hat, auch eines der vornehmsten Wundkräuter ijkLa- oicula L,. Der Deutsche Nähme ist zunächst ans dem Latein, entlehnet. Wegen ihrer heilenden Kraft scheinet die erste Hälfte zu ÜLNU8 zu gehören, da dennieulu die Ableitukgssylbe seyn wurde. Der Saphrer, oder Sapphier, des —es, plur. die — e, ein Edelstein, welcher nach dem Rubin der härteste ist, dessen Farbe sich aber im Feuer verändert. Der hoch- und dunkelblaue ist der seltenste und thenerstc. DerLupsapphier ist eiu mit Flecken versehener Sapphier. Außer diesem Edelsteine wurde bey den Alien auch der Lasurstein mit diesem Nahmen belegt, welchen auch Michaelis, 2 Mos. 27, ,5 verstehet. Im Latein. 8.ippl,iru8, im Grrech. alles ans dem Hebr. -prjü, von schön seyn, weil uus sie Edelsteine aus den Morgenländern bekannt geworden sind, und sie daselbst «och jetzt am schönsten gefunden werden. , Die Sappe, plur. die-— N, zunächst aus dem Franz. 8 sppe, im Kriegswesen, ein in und durch die Erde gegrabener Weg, um durch die Contrescarpe in den Graben der Festung zu kommen. Daher sapprren, Franz, lckpper, einen solchen Weg graben; wofür man >uich, obgleich seltener, sarpcn gebraucht. Zunächst figm- Meu d:rse Wörter frevlich aus dem Francs, her; allein sa p p en ist doch kl« altes Europäisches Wort, weiches geaden, schneiden, ^ hü«c» 1281 Ear' hauen u. f. f. überhaupt bedeutet zu haben scheinet, und das In- tensivnm von einem veralteten saben ist, von welchem auch Gabel abgeleitet werden kann. Z n Heldenbuch? und bcy dem Kaisersberg kommt sappcn mehrmahls in verwandter Bedeutung , für raffen, reißen, vor, und im Ztal. ist eine Haue. Auch im Wallach, ist l-ipu ich grabe. Der Säräfi, oder S rrräß, des — sses, plur. die — sse, ein nur in den gemeinen Sprrcharten übliches Wort, einen Degen, beson^ ders größerer Art, einen Sabel zu bezeichnen. Das Wort ist ausländisch. Virlleichl ist e^das Pohl«. 2a rar, gleich, alsbald. Wenn sich Pohlen zum Zweykampfe ausforderu, pflegt der eine Theil, indem er den Säbel ziehet, dem andern rarrar! znzuru- ftn, um anzuzeigcn, daß er bereit sey. Das horten vielleicht Deutsche, und deuteten es auf den Säbel. Indessen war schon bey den Macedoniern und Beten. 8a: ilta eine Art langer Spieße. Die Gärbäche, S. Sahrbachp. ' Die Sardelle, plur. die — N, eine Art kleiner Häringe, welche im Mittelländischen Meere, besonders in der Gegend der Insel Sardinien, sehr häufig gefangen und eingesalzen zu uns gebrächt werden; LIu)ea8^rattu8 Iv. Besonders diejenigen, welche aus Italien zu uns kommen, dagegen die noch kleinern, welche aus Frankreich und Portugall gebracht werden, gemeiniglich Anscho- ven heißen, (S. dieses Wort.) Geräucherte Saydrllen sind unter dem Nahmen der Sprotten bekannt, (S. diesesWort.) In einigen Oberdeutschen Gegenden werden die Sardellen auch Gpicringe, Spierlinge, und im Norwegischen Breislinge genannt. Der Nähme Sardelle starmut aus dem Jtal. Z arciella her; im Franz, lautet dieses Wort 8arciine, Häher auch iu einigen Deutschen Gegenden Gardine üblich ist. Beyde Nahmen sind vor» der Zilsel Sardinien, wo diese Fische am häufigsten gefangen werden. Der Sarder.', des—s, plum. ut NOM. liNA. ein ungewöhnlich gewordener Nähme eines Edelsteines, der noch mehrmahls in der Deutschen Bibel vorkommt, und mit unserm heutigen Sardonyp, d.i. einem mit rochen Streifen vermischtem Onyx , verwandt zu seyn scheinet. Derjenige Stein, welchen Luther 2 Mos. 28 , 17 , und 29, 10 Sarder nennet, heißt bey Michaelis ssarniol. Der Gardonpp, welcher bey einigen auch Saroonier heißt, kommt auch Offenb. 21,20 vor, wo er Sardonich geschrieben wird. Das Wort Garderist aus dem Hebräischen Ino Der SarZ, des — es, pl.ur. die Särge, i) *Ein Kasten, ein längliches vicreckteS Behältniß; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung. In einigen Oberdeutschen Gegenden wird noch eine Cistcrne ein Sarg oder Regensarg genannt. Bey dem Dasypo- dius heißt ei» steinerner Waffertrog am Brunnen der Garch, und Faust nennt irr der Frankenb. Chronik bey dem Frisch , ein viceeckres gemauertes Behältniß in dem Boden eines Weinkellers, deii -Wcin aufzufangen, wenn etwa ein Faß springen sollte,' einen Sarg. Wir gebrauchen es, 2 ) mir noch in engerer Bedeutung, denjenigen Kasten zu bezeichnen, worin mau einen todten Körper zu begrabe» pflegt, und der in einigen Gegenden auch die Todten- ruhe, Todtenlade genannt wird, ehedem aber auch Leichkahr hieß, (S. r Rahr.) Ein hölzerner, zinnerner, steinerner Sarg. Die-Lerche in den Sarg legen. Anm. In der heutigen Bedeutung schon bey dem Stryker 8nrick, im Oberdeutschen in einigen Gegenden das Sarg, da es benn imPlnral auch die Garger öat. Frisch leitet es auf eine seltsame Arl so u dem Äriech. ab, da ihm doch, oie weitere eigentliche Bedeutung eines Kastens oder Behältnisses nicht unbekannt war. Zu derselben gehöret auch das Griech. ein Gefäß, das Lat. Zurrscum, ein Lastivggeu, uttd-8erj«»,em FLß, so lv e das Franz. Loreu ai!, ehedem 8Lrcusi!, ein Sarg, von ein m, veralteten Lat. iL-. UiUS, übzustbmmeu scheinet. De!.W.B.3.Th.r.Aull. ' > S a s isZs Siehet man das s als einen müßigen Zischlaut an, wie es den« solches oft ist, so gehören auch ^i-ca und Arche, Oicus u.s. f» dahin. S. auch Zarge, und 1 Sorge. DieS-rrge, S> Zarge. Der Gärräß, S. Garaß. Die Sarsaparille, p! ur. iuus. eine Art der Stechwinde, mit einem dornigen eckigen Stamme, welche so wohl im mittägigen als nördlichen Amerika einheimisch ist, und deren mehlige bittere Wurzel in der Medicin gebraucht wird; 8mi!ax ZarstspLriUL L,, im gemeinen Leben oft Gassaparille. Der Nähme ist so aus- ländisch als das Gewächs selbst. Die Barsche, plur. doch nur von mchrern Arten, die—n, eine Art wolligen Gewebes, wo die wollenen Fäden zuweilen mit leinenen, zuweilen auch mit seidenen vermischet werden. Aus dem Franz. 8srA?, Itäl. 8urZia, Engl. LerZe,Niederst Sarse, im Mittlern Lar. 8ur^iurn, welche wiederum von dem Lat. 8eri- cum„ Seide, absiammcn, weil die Sarsche ehedem vermuthlich ein seidenes Gewebe war. Man hatte ehedem mehrere Wörter im Deutschen, wo die Sylbc Gar von diesem 8ericum abstammet; z. B. das veraltete Sarge, eine gewirkte Decke, Tapete, Sar- tuch, eine unbekannte Art eines Zeuges, Sarervat, eine Art seidener Zeuge u.s. f. von welchen Frischens Wörterbuch nach- gesehen werden kann. Der Sarter, des —s, plur. ut nom.ünA. ein nur im Schiffs- baue übliches Wort, wo das Modell eines Schiffes, der schriftliche Entwurf dazu, die ganze Bauart, und das ganze Ver- hältniß aller Theike gegeneinander, der Sarter genannt werden» - Jede Nation hat ihren eigenen Sarter, die Russischen Rriegs- schiffe, welche in dem vorigen Nriege in das Mittelländische Meer kamen, waren nach dem alten Holländischen Sarrer gebauet. Ein erfahrner Seemann kennet jedes Schiff an seinem Sarter. Dieses Wort wird im Schiffsbaue und Seewesen sehr häufig gebraucht, und dennoch ist es in keinem Wörterbuchs weder in einem Deutschen noch in einem mir bekannten Wocter- buche einer fremden Sprache, zu finden. So fern cs eigentlich ein schriftliches Verzeichniß der Theile eines Schiffes, der dazu noch,'- gen Materialien und Kosten bedeutet, kann cs mit dem größten Theils veralteten Zerter, eine Art ausgezahnter Urkunden, ein und eben dasselbe Wort seyn, welches hernach in weiterer Bedeutung auch eine jede Urkunde, einen jeden Vertrag bedeutete, und denn besonders von dem Vertrage über den Ball eines Schiffes kann seyn gebraucht worden. Die Bedeutung der Bauart würde alsdann eine nicht ungewöhnliche Figur dieser Bedeutung seyn. Man findet für Sarter auch wirklich Zarter und Zerter geschrieben. S. das letztere. Der S äß,, des—sses, plur. 'die — ffen, von dem Zeitworte fitzen, der da sitzet, und figürlich in gewöhnlichen» Verstände, cm Einwohner, Besitzer. Es ist für sich allein veraltet, kommt aber noch in vielen Zusammensetzungen vor. (S. Amtssaß. Bevsaß, Nanzellepsaß, Erbsaß, Zrepsaß, Hinterfuß, Haussaß, Holzsaß, Nachlaß, -Landsaß, Schriftsaß, Untersaß u. stf.) wo die nähere Beschaffenheit des Einwohners oder Besitzers durch die erste Hälfte des Wortes bestimmet wird. Hm Niederst ist Säte, im Angelst 8^eiL, im Schwed. 8als, gleichfalls ein Einwohner. S. S'sse. Der Gässasräss, des — sses, plur. jaust, das lockere und schwammige Holz des Gassafraß - Baumes und feiner Wurzel, welches eine röche oder gelbgraue Farbe, einen starke», angenehme» und gcwürzhaften Geruch hat, und in der Medicin gebraucht wird. Oer Gassafraß - Baum ist eine Art bes Lorberbaumes, welcher dnnvlappigeuiigtcheilse Blätter har, und in Virgiirieir, Carolina und Florida einheimnch ist; Laurus 8allasrÄS ^.HcncheHoiz, M m nr M " weil Sar isZZ S a s «eil das'Holz nach Fenchel riecht, Anießhaum. Der Nähme iss ausländisch und mit dem Holze selbst aus Amerika gekommen. Nach dem Frisch hingegen stammet er von dem Lat. LaxikraZia «'S, weilhieses Holz den Stein im Leibe zermalmen soll, obgleich diese Wirkung von den Neuern nicht mit unter dessen Heilkräfte gesetzet wird. Die Gassaparrlle, S. Sarsaparilla. Die Süsse, plur. die—n, ein bey den Jägern für Sitz übliches Wort, wo es doch nur von den Hasen gebraucht wird, denjenigen Drr zu bezeichnen, wo ein Hase sitzt oder lieget. Der äkje drücket sich in seiner Sasse. Das GäßsaFen, des — s, plur« m aoin. linZ. in einigen Gegenden, ein Jagen, oder eine Jagd, welche nur aufThiere oder Wildbret geschiehet, und wobey keilt Hirsch geschossen wird. Die Saßjagen gehen nach der Hirschbrunst an, und werden, theils wie ein Laufjagen, theils wie ein Contra-Jagen, theils auch wie ein Schützcnjagcn angestellet. Der Satan, des — s, plur. die—e, der oberste unter den Teufeln, das Haupt unter den gefallenen Engeln, wo es auch als em eigenthiimlicher Nähme ohne Artikel gebraucht wird. Der Zerr .sprach zu dem Satan: wo kommest du her i? Satan antwortete u. s. f. Hiob L, 6 . In weiterer Bedeutung wird auch wohl ein jeder gefallener Engel, oder Teufel, ein Satan, oder auch als ein eigenthümliches Wowt Satan genannt. So denn ein Satan den andern austreiHeiss Match. » 2 , 26 . In Heyden Kalken ist djcsesWort auch mit der ausländischen Endung ae üblich, Garanas, so wohl mir als ohne Artikel. Zm^emeinen Leben ist Saran häufig ein Scheltwort eines boshaften,widerwärtigen oder verhaßten Dinges. Go einen Satan vom Pferde habe ich nie geritten, Her«. Anm. Schon Hey dem Ottfried 8 ütarrss, im gemeinen Lebe« Niedersachsevs auch Satrian. Es ist aus dem Hede. welches einen Feind oder Widerfacher überhaupt bedeutet. Satanisch, —er,—ke, aäj.staäv. dem Satan gehörig, des. sen boshaften Eigenschaften gemäß oder ähnlich, darin gegründet. Eine satanische Bosheit. Der Satin, (sprich Sarong,) der —- s, plur. die — S, aus dem Franz. Latin und Jtal. Latino, eine Art Halb seidener Zeuge, deren im Deutschen schon im r 6 ten Jahrhunderte gedacht wird. Es gehöret Kn dem Jtal. und mittler» Lat. 5eta und unsrem Seide. Gatt, — er, -—eße, a^äj. er a 6 v. dem Magen nach voll, so daß die Eßlust dnrch genossene Speise und Trank befriediget ist; denn die bloße Abwesenheit des Hungers macht noch nicht satt. r. Eigentlich. Srtte Gaste. Eiw satter (voller) Bauch, in der niedrigen Sprechart. Ein Satter weiß nicht, wie dem öungrigen zu Muthe ist. Am häufigsten als ein Ncbenwort. Satt seyn. Satt werden. Sich s-tt essen, sich satt trinken, sich nur halb satt essen. Jemanden satt machen. Nicht satt zu essenhaben, nicht sovielhabeu, daß man sich satt essen könne. In der anständigen Sprechart gebraucht mau für dieses, seines eigentlichen Bedeutung derFülle wegen, oft weniger edleWorh: lieber gesättigt, gesättigt seyn, für satt scyn, und sich sättigen, für sich satt essen. Ist ein Hauptwort dabey, so stehet solches in der edlern Sprechart nach dem Muster der Oberdeutschen gern in Lee zweyten, übrigens aber auch in der.vierten Endung. Ja bey- den Fällen kann satt vor oder hinter dem Hauptworts stehen. Brot satt zu essen haben, Klaget, z, 6; oder Brotes satt, satt Brotes zu essen haben. Sie werden des Brotes nicht satt haben , Hiob 27 , , 4 . S. die folgenden Bedeutungen, ws diese BrrbirrdMgsart häufiger vorkvmiut. 1284 2 . Figürlich, r) Durch hinlänglichen Genuß des Begierde nach befriediget, gefristet. Ein Satter, der seine Begierden sein Verlangen befriediget hat, und daher keine Begierde weiter empfindet. Am häufigsten auch hier als ein Nebenwort. Dar Auge stehet sich nimmer satt, das Ohr höret sich nimmer satt, Pred. - , 8. Sich an etwas nicht satt sehe« können. Sich satt lachen, schlafen, spielen u. s. s. seinen Trieb zum Lacheg, ftinVerlaugen zu schlafen. zuiKSpielen völlig befriedigen. Etwas satt werden, nach dem hinlänglichen Genüsse, nach vieler Übung einer Sache, sein Verlangen darnach befriediget haben. Er kann es nicht satt werden. Doch wurdet ihrs nicht satt, Gest. Auch hier mit der zwepten Sndung des Hauptwortes, welches aber vorher gehen muß. Des Reichthumes nicht satt werden, Pred. 4 , 8. 2 ) Durch häufigen Genuß oder Gebrauch Überdruß empfindend; nur als ein Ncbeuwort, welches hier gern ein Haupt, wort in der zweyten Endung vor fich hat. Seines Lebens satt sepn, überdrüssig. Hingegen alt und Lebens satt seyn, bedeu. tet auch nur, daß man sein Verlangen zu leben gestistet habe, kein lebhaftes Verlangen nach einem länger» Leben weiter Mipfinde. Ich bin des armen Lebens, So wie der Wünsche satt, G!'inth. -überdrüssig. Man wird seiner bald satt. Sie sind meiner sschon satt, Gell. Bey einigen auch mit der vierten Endung. Da würde ich meine Frau bald satt werden, Gell. Und wenn er alsdann das schöne Gesicht satt wäre, Less. z) Für genug; Lat.l'alis. Gatte Nahrung haben, Opitz, genug. JrnHoch- ' deutschen nur als eiaNebenwort. Ich habe nicht satt Zeug dazu. Sart zu 4hun haben. 4) Zuweilen wird es auch vou Farbe» gebraucht, und bedeutet alsdann dunkel, gleichsam eine Ei/ gesättigte Farbe. Lin sattes Gelb, sattgelb, dunkclaelb. Gatt- grün u. s. f. So wie cs Haller von dem Glanze gebraucht r Die unzählbaren Zeere, Die ungleich satt von Glanz des mitgecheilten Licht« In langer Ordnung stehn von Gott zum öden Nichts. Anm. Schon bey dem Notker und Ottfried lat, bey dem Ulphi, las lat, im Böhm. im Lat. lat, lat u r. Da diese- Wortdoch eigentlich die Empfindung des mit hinlänglicher Speise ungefüllte» Magens bedeutet, so scheinet cs zunächst zu schütten zu gehöre», so fern cs ehedem überhaupt füllen, anfüllcn bedeu. ^ tet hat. Der Sattel, des —s, plur. die Sättel, ein Ott, wo malt sitzet, ein Werkzeug ober Gestell, worauf eine Perpn oder ei» Ding fitzet. 1 . * In der eigentliche» und weiter» Bedeutung, wo es ehedem Hon einem jede» Stuhle üblich war; bey dem Uchhilas 8al, Angelst 8 all, Niederst Setel. (S. Sessel und Siedei.) Zu dieser Bedeutung ist es längst veraltet, und wir gebrauchen es, 2 . / Nur im engersVerstande, von einer Arteiues Stuhles oder Sitzes, vermittelst desselben bequem und sicher zu Pferde zu sitzen. Gattelund Zeug, wo unter dem letzten Worte das übrige zum Reiten gehörige Geschirr verstanden wird. Einem Pferde de» Sattel auflegen. Daspferd rhat einen Satz und rückte seinen Reiter aus dem Sattel, jemanden aus dein Sattel heben oder werfen, eine von den ehemahligea Turnieren cut- lehnte figürliche R.A.jhn mitGeschicklichleft,Geschwindigkeit oder List eines Vortheiles berauben. Fest im Sattel sitzen, fich seines Vortheiles nicht berauben lass », seiner Sache gewiß se»n. Sich in den Sattel schwingen, auch zuweilen figürlich, durch st'üie Gesch'.cklichkeir einen Borkhellerhalten. Jemanden in denSätt tel halfen, ihm zahmem Amte, zu einem Vsrcheile bchülfiich schm Sat In alle Sättel gerecht sepn, sich in alle Umstände zri fch'.cken wisse., Em Urtheil, das in alle Sättel gerecht ist, welches auf paßt. In dcrObcrlausitzischen Unterlhanenordnungisi, sich auf den Sattel legen, n ßig leben. Gemeinialich verstchet man unter Sattel schleatthin einen Reitstttrel, wie man diesen auch neuner, wenn man ihn von einem Saumsatte! unterscheiden will. Von jenem gibt es mehrere Arten. Die Englischen Sättel sind leicht und ganz glatt, die pohlnischen sind rleüi und llicht, die Deutschen schwer und tief. Zu den letzter,t gehören derTum- melsattel, der Rleppersattel u. s. f. Der Omer- oder Weibersattel ist für das weibliche Geschlecht. Z. Figürlich. ') Oft bekommen viele Dinge und Lheile anderer Werkzeuge den Nahmen eines Sattels, entweder wegen einiger Ähnlichkeit mit einem Reiisattei, oder auch so fern ein anderes Ding darauf sitzet oder ruhet; in welchem letzter-, Falle dem, das Wort zur erster« weilecn Bedeutung gehöret. Go wird an einer Malzdarre das Gewölbe, welches die Darre eigentlich ansmacht, und auf den Seitenmanern ruhet, wsgeir seiner Ähnlichkeit der Sattel genannt, um welcher Ähnlichkeit willen auch eine Art Austern diesen Nahmen führet, (S Gattelmuschel.) Bey bey Vogelstellern ist der Sattel eine Art des Vogelfanges, wo mit Schlingen von Pfcrdehaaren ans einer lebendigen Laube nach den Raubvögeln gestellct wird, welches man auf dem Sattei saugen nennet, wo aber der G, und der Benennung noch dunkel ist. Zn der Anatomie ist der Sattel oder das Gattelbein, 8el!L e^uius» einTheil des sirbförmigen Beines der Hirnschale, welches mit dev dazwischen gelegenen pöble einen Pferdesattel vvrstellet. In den Wälschen Nüssen wird die Scheidewand, welche den Kern m v-er Theile checket, im gemeines Leben der Sattel genannt, ohne Zweifel, weil er dem Kerne znmSpitzo und zur Befestigung dienet. Im Bergbauc ist der Sattel an denKunstgestängeuein Stück harte» Holzes mit einem Loche in der Mitte, wodurch man eine Svi«-- del steckt, damit sich derselbe mit dem darauf liegenden Kunstge- fiangc hin und wieder bewegen könne. AmKnechte der Lischlcrist der Sattel ein Klötzchen, welches bald hoch, bald niedrig gehäne get wird, und rvoraufdas Bret, welches man bearbeitet, mit der hohlen Kante ruhet. Der Sattel der Luchbereiter ist rin Galgen von Holz, der die Tnchsckere in ihrer Lage crMt. An den Presse» der Kupferdrucker sind die Satte! vier Büchsen, worin die bevde» Malzen mit ihren Zapftncnden ruhen, und deren ausgeschweifte Ecken mit Eisenblech überzogen sind. An den Gleß-Znst-mrienten der Schriftgießer ist es derjenige Theil, worauf die Matritze ruhet. Und so in andern Füllen mehr. 2 ) * Ein Sitz ans dem Lande, d. i. ein Wohnhaus mit den dazu gehörigen Grundstücken, ein Gut; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, wovon aber doch noch verschiedene Spuren Vorkommen. Ander Kärnthischca Gerichtsordnung bedeutet die R. A. dem Rläger in den Satel weisen, ihn m den Besitz des Gutes setzen. S. auch Siede! und einige der folgenden .Zusammensetzungen. Anni. Inder zweyten engernBedestrmg einesPferdcsattels, schon bey dem Sttpkcp und im Schwabens drLlift im Niederst und Schwed. Lucke!,imBngels.äetck!, 8Lckol,imEngl.Lsckck?s,, im Zsländ. 8ackuchim Wallis. Sacks!!, bey den KranrrrnLecklu, i»,Pohln.8iock!o.imBöhm.8Lck1o. Andere Sprachenstsßrn nach Art der Niedersachsen das d oder tt aus, wie das Larein. nnd Jtal. 8e!lL, das Franz. 3e!!e, das Span. Lilln. Die Euö- sylbe ist die Ablcitungssylbe —el, welche so wohl ein Werkzeug, als auch ein Subjekt, von welchem etwas gesagt wird, ein Ding, bedeuten kann. Die erste Hälfte gehöret ohne Zweifel zu sitzen, Rieders, sitten, welches in seinen verschiedenen Formen fast alle Selbstlaute durchläuft; Garrel bedeutet also rin Ding, worauf ein Metes sitzet, ob es gleich auch ein DMA bedeuten kann, welcheK Sar 1236 auf einem andern sitzet. Wenn es in einigen esgenthümlichkk Nahmen der Berge ehedem einen Berg überhaupt bedeutet zn hüben scheinet, so kann diese Benennung auch eine Figur der Ähnlichkeit mit einem Sattel scyn, obgleich auch der Begriff der Erhöhung überhaupt dem Worte gar wohl zukommen konnte. Der Sattelbaum, des — es, plur. die—bäume, an denReit- «nd Pferdrfätteln, zwey krumme Stücken Holz, welche aufden Rücken des Pferdes Püffen, und das Gecipp des Sattels aus- machrn, und auch Sattelbogen, bev den Sattlern in der Grafschaft Schönbnrg aber die After genannt werden. Das Sattelbein, des — es, plvr. bie-^-e, m der Anatomie, S. Sattel Z 1 ). Der Sattelbogen, des — s, plur. in vom. sinz. S. Sat- telbaum. Das Satteldach, des — es, plur. die—d'achcr, in der Baa-> uud Zimmermannskunst, ein Dach, welches zwey gerade in die Höhe gehende Grbel hat, und daher einem Sattel gleicht; cm zrvephängiges Dach, Giebeldach, zum Unterschiedevon einem ?mhän.gigen oder Hultdache, einem Zcltdache, Vuppeldache und so ferner. Die Satteldecke, plur. die — n, eine Decke, womit der Sattel auf der» Pferde bedeckt wird. Sareelfrey, Lckj. et ackv. welches nur alseinBeywortvon gewissen Landgütern in einigen Gegenden gebraucht wird. Ein saktcl- freyer Hof, ein freyer Hof, ein Sättelhof, zum Unterschiede von einem dienstbarer! oder untcrthLmgen. Ein Sartelfreper, der Besitzer eines solchen fattelfreyen Gutes, der im Niederdeutsche» auch ein Sattelhöfer heißt. Niederst fadelfrist Das Wart Sattel wird hier auf verschiedene Art erkläret. In demBremisch- Riederf. Wörterbuchs heißen sattelfrcpe Guter, welche von Ritterdiensten frep sind, ruid nach dieser Erklärung würde Sattel, figürlich das Reitpferd bedeuten. Allein die sattelfrepen Güter sind in Niedersschftn keine Ritter- sondern Vauergüter, welche ohnehin kein Rltterpfcrd geben, daher Sattel hier wohl unmir- telbar zu sitzen gehören muß, einen freperr Sitz zu bezeichnen. S. Gattelhof und Sattellehen. Doip Sattelgurt, des — es, plus, die—e, derjenige Gurt, womit der Sattel auf dem Pferde fest geschnallet wird. Das Gattelgut, des— es, plur. die — guter, S. Gattelhof. Der Sattelhammer, des—s,p!ur. die—'Hammer, ein langer schmaler Hammer der Sattler, die gelben Nagel damit einzu- schlagett; der Gattlerhammer. Der Sattelhof, des — es, plur. die — Hofe, r) Ein sattel- freyer Hof; Niederst Sadelhos, im Oberdeutschest auch Siedelhof. Ein Gut, welches eiuen sattelsreyen Hof hat, oder selbst von allen Diensten frey ist, wird daher auch ein Sattelgut oder satttlfreyes Gut genannt. (S. Satteiftey.) 2 ) Ei» Hof, dessen Besitzer in gewissen Fällen mit einem gesattelten Pferde Dienste leistet; das Sättelgut. ^ Die Gatttlkammer, plur. die—n, eine Kammer, ein Zimmer , m welchem die Sättel und anderes Reitzeug verwahret werben. Der Sattelkneckit, des—es, p!ur. die—e, ei» Knecht, welcher nur mjt Reitpferden zu thun hat, dieselben sattelt und ubsat- tclt. Irr de» Marställen hat der Sattelknecht die Sattelkam,»er unter seiner Aufsicht und ist des Herrn erster Reitknecht. Auwei» rveilen hat er noch den Lerbknechr vor sich. Der Sattelknopf, des—es, plur. die - knöpfe, der erhöhest ' Knopf vorn irr der Mitte des vordern Sattelbanrnes an echen-i Ncilsüttel, der bey einigen Sattlern der Afterknopf genannt wird. M m mm« Das rs87 Sat S»t iszz DasSattelkussen,bes—s, plur. vtnom. stv§. der mit Haäs ren in Gestalt eines^ Küssens ausgestspfte Theil eines Saitels. Jngleichen eine Art weicher Sättel, welche kein Holzwerk haben, sondern nur aus einem ausgesiopften Küsten bestehen. Das Sattellehen , des — s, plur. ut vom. linZ. in einigen Gegenden, ein Lehengut, welches statt der Dienste dem Lehcnsher- ren ein gesatteltes Pferd stellet, da denn ein solches Gut von einem Nittergute nicht sehr verschieden seyn würde. Nach andern ' ist es ein Lehengut, welches statt der Lehenwaare ein gesatteltes Pferd gibt. Die Gattelmüschel, plur. die —n, eine Art Austern, wegen ihrer Ähnlichkeit mit einem Sattel; Oürea Ljoiiiypium 1 ^. bey - einigen auch der Englische Sattel. ^Satteln, verb.reZ. act. dem Pferde denSattel anflegen und denselben an ihmbefestigcn. Ein Pferd satteln. Es ist noch nicht gesattelt. Niederst scrdelk, Schwed. Isdla, Engl, to tscickle. Das SättelpferH,deö — es, p!ur. die — e, unter den Wagcn- pferden, dasjenige Pferd, welches den Sattel traget, auf welchem der Fuhrmann reitet, und dem das Handpferd zur rechten Hand gehet. In der Monseeischen Glosse Heist 8^tairoUo ein Reitpferd, in welchem Verstände es aber veraltet ist. Der SatselrüEott, des — s, plur. ur nom. lin^. bey den Jägern, der erhabene Theil des Rückens eines wilden Schweines, der bey ihnen auch der Rrammenruck oder Rrammenriickcrr genannt wird. DerSattelstey, des — es, plur. die —e, an einem Reitsattel, der Steg, d. i. das lange Holz zu Heyden Seiten zwischen den Bäumen. Die Gätteltäsche, plur. die — n, Taschen an einem Sattel, allerley Bedürfnisse darin zu verwahren. Das Sattelzeyy, des — es, xrlur. ioirt. der Sattel und dessen sämmtliches Zugehör. Die SattelzwcEe, xlur. die — n, Zwecken, deren sich die Halt, ler bey Beschlagung eines Sattels bedienen. Die Sattheit, ylur. csr, von dem Bey - und Nebenworte satt, der Zustand, da man satt ist, sowohl eigentlich, als figürlich, das größte sjbel der Sattheit an allen Dingen, die erfreuen können, hat seine Seele ganz eingenommen. Bey dem Ker» mit einer andern Ableitungsfylbe Leti i. Sättiy, — er, — ste, ach. et aäv. ») Sättigend, was bald I und leicht satt macht; im gemeinen Leben. Ler Reiß ist sehr sättig. Die Mehlspeisen sind sättig. 2) ^Leicht zu sättigen; eine veraltete Bedeutung, in welcher Luther Sprichw. 2.7, 20 de« Gegensatz unsättig für unersättlich gebraucht. - Sättigen, verb. reZ. aol. satt machen, r. Eigentlich. Mehlspeisen sättigen sehr, find sehr sättig, machen bald satt. Einen Hungrigen sättigen. Er ist nicht zu sättigen. Sich sättigen, für das niedrigere sich sattesten; daher man auch das Mittelwort gesättigt iu der anständigen Sprcchart für das gemeinere satt gebraucht. Sich mir etwas sättigen. Sich an einem Gerichte sättigen. 2. Figürlich, r) Eine Begierde durch den Genuß befriedigen. Des Parpar Geig ist nicht zu sättigen. Die biblische Wortfügung mit derzwevten Endung, sich nicht des Gutes sättigen, Pred. 6, z, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich, so wie die R. A. seinen Eiser an jemanden sättigen, Ezech. 16, 42, und die Bedeutung für erquicken: die bekümmerte, Seele sättigen, Jerem. 31,25. 2) Zn der Chemie sättigt man einen Körper mit hem andern, wenn man von diesem so viel zu jerzem thut, als er nur annchmen kann. Ein mir Silber gesättigtes Gcheidewasse^ welches so viel Silber aufqelöset hat, als es nur anflösen kann. Master mit Sal;, Weinessig mit Silberglätte sättigen. Man - Keb.raucht cs auch wohl von den Farben, so viel vou einer Farbe zu einer andern thirn, als ste in einem gewissen Verhältnisse davon an sich nehmen kann. So auch die Sättigung. Anm. Die Endsylbc — igen zeiget schon an, daß dieses ein abgeleitetes Zeitwort ist, welches entweder von dem Bepwotte sättig gebildet worden, oder noch wahrscheinlicher das JntensivuM von dem veralteten satten ist, welches noch bey dem Hornegk Ottfried u. s. s. vorkommt; lstuv, Dttfriediatav, Notker. Auch im Rieders, sagt man so wohl faden als fähigen und sädigen. Latein. lLtiare und luturars. Die Sättitzkeit, plur. ivul'. r) Die Eigenschaft einer Speise, da sie sättig ist, leicht sättiget; im gemeinen Leben. 2) 'Die Eigenschaft einer Person^ da ste leicht zu sättigen ist; eine im Hochdeutschen ungewöhnliche Bedeutung. .Z) Der Zustand, da man satt ist; wofür doch, wenigstens in der anständigen Sprrch» art, Sattheit üblicher ist. Der Sattler, des — s, plur. ut vom. kvA. ein.Handwerke,, welcher vornehmlich Sattel verfertiget; dessen Gattinn, die Satt« lerinn. Niederst Sadelcr, Gadelmaker, Böhm. 8 er, — te, «äj. et. aäv. einer Satyre ähnlich, in derselben gegründet. Jngleichen Fertigkeit besitzend, die Thorhei- ten und Lasier anderer von der lächerlichen Seite vorzustellen. Der Satz, des — es, plur. die Sätze, Diminnt. das Sätzchen, Oberd. Gätzlem, welche Diminutiv« doch nur selten Vorkommen; von dem Zeitworte setzen. 1. Die Handlung des Setzens; doch nur in einigen Bedeutungen dieses Zeitwortes. So ist der Satz von vierfüßigcn Thieren und besonders von Pferden so viel als ein Sprung. Das Pferd macht Sätze. Mik dem Pferde einen Satz thun. Inder Musik pflegt man auch wohl die Composition und die Arl und Weise derselben den Satz zu nennen; wo der Plural allenfalls nur von mehrcrn Acten Statt findet-. Bachens Satz. Der Rirchensatz. 2. Was sich setzet, oder gesetzet wird. 1) Was sich setzet. Gröbere Theile, welche in einem flüssigen unterwärts sinken und sich aufden Boden setzen, werden häufig der Satz, der Bodensatz genannt. 2) Was gesetzet wird, (a) In der Logik heißt jvdes durch Worte ausgedrncktes Urtheil, jeder Gedanke, welcher aus einem Nenn-und Zeitwortc zusammen gesetzet ist, ein Satz. In engerer Bedeutung ist es eine aus zwey Ideen zusammen gesetzte Wahrheit, deren eine als das Peädicat, von der andern, als dem Subjecte, urtheilet. Der Grundsatz , Hauptsatz, Gegensatz, Vordersatz, Hintersatz, Lehrsatz u.s.s. Inden Gerichten wird zuweilen auch das rechtlicheEinbringen von Mund aus in die Feder der Satz genannt, (b) Im gemeinen Leben wird dieses Wort in sehr vielen Fällen gebraucht, Dinge zu bezeichnen, welche auf andere gesetzet werden, welche zusammen gesetzet werden. Bey den Jägern ist der Satz dasjenige, was anfdemHiefhorne ohne abzusetzen oder inne zu halten geblasen wird; welche Bedeutung der vorigen logischen am nächsten kommt. Drep Sätze blasen. In manchen Arten von Spielen wird dasjenige Geld, welches aus- oder eingesetzet wird, der Satz genannt. sS. auch Einsatz.) Junge dreyjährig e Karpfen, welche man auS den Screckteicheii fischet, und fie zum weitern Wachsthume in die Gasreiche setzet, heißen csllectivc und ohne Plural der Satz, und appellative Setzlinge oder Satzkarpfen. Bey den Feuerwerkern ist derkSatz ein jeder Zeug, womit die Feuerkugeln, Nacke- tenn.s.f. gefüllct werden. AlleGä'tzeder Zenerwerker bestehen ans Mchlpulver, Schwefel und Salpeter. Die Zieratheir von Bocks- oder Hammelhaaren an dem Hiefhorne dcr Jäger heißen der Satz oder Zornsatz. Im Bergbaus ist der Satz an einer Kunst, ein nach einer gewissen Höhe zusammen gesetztes Röhrenwerk , Wasser damit aus den Gruben zu heben. Ein niedriger Satz,dernicht über 5 Lachter hebet; zum Unterschiede von du«r hohen Satze, der bis 12 Lachter hebet, und aus vier Aufsatzröh- ren bestehet. Der Satz wird matt, wen» er kein Wasser mehr heben will. In engerer Bedeutung werden oft mehrere zu einander gehörige Dinge Einer Art ein Satz genannt. So werden im Bergbaue erir Keil nnd zwev Federn ein Satz Gezähe genannt. Eben daselbst heißen die drey Pochstämpel in einem Pochtroge ein Satz. Ein Satz Schachteln sind sechs, sieben oder mehr Schachteln von verschiedener Größe, wovon immer eine in Irie andere passet. Ein Satz waare bestehet oft ans Mehrern Stückelt -der Arten. Anm. S. das Zeitwort setzen. Ghebern keberrlete Sag auch die Versetzung, die Besatzung u. s. f. und alsdann war der Sa^-- bricf der Revers oder Gcgenbrief gegen ein empfangenes Pfand, dasGatzrecht,das Brsatznngsrechtu.s.f. welche aber jetzt veraltet find. Der Satzhase, des — n, xlur. die — n, bey den Jag-rrn, el« Hase weiblichen Geschlechtes, welcher Junge fetzet oder bringet-; der Setzhase, die Hastnn, der Mutterhase, zum Unterschiede von dem Rammler. . Der Satzmerfiel, des —s, xlur. irt vom. 6 nx. bey den Schlössern, ein Meißel, womit die Nietnägel angetrieben werden. Die Satzmobre,,p 1 ur. die—N, bey den Gärtnern, ZttM Samen bestimmte Möhrcn,.welche den Winterüber im Keller verwahret, und im Frühlinge wieder in den Garten ausgssetzet werden; die Samenmohre. SoanchdieSatzrube. ^ Der Satzstock, des — es, plur. die—st-che, im LambLiie, Weidensiäbe, welche zur Fortpflanzung in die Erde gesetzt werden. Das Satzstück, des —es, p!ur. die —e , in den Rechten einiger Gegenden, die Artikel einer gerichtlichen Schrift. Siche Satz 2 2) (a). . ,, - Der Satzteich, des —cs, xlur. die —e, Tercr-e, worein di« schon erwachsenen Fische gesetzet, und daselbst bis zum weitern Gebrauch ernähret werden ; Besctzteich Gewächsteich, Haupt- teich, zllM Unterschiede von den Streich-und Stretkteichen. Die Satzuntz, plur. die— en, von dem veralteten Zeüworke satzen für setzen, i. Die Handlung des Setzens ; doch nur i» einigen Fällenund am häufigsten auch nur in einigen Gegenden, besonders in einigen Zusammensetzungen. So ist im Oberdeutschen die Tagcsatzung die Bestimmung eines Tages, besonders z» einer öffentlichen Versammlung, die Fleischsatzung,Brotsatzung, Mehlsatzung, die obrigkeitliche Schätzung oder Taxation des Fleisches, Brotes, Mehles, ,md oft auch die Taxe selbst. -.Was gesetzet wird; doch nur in einigen Fällen. ') *Eiu versetztes Pfand hieß ehedem sehr häufig eine Satzung, welche Be«, rrilnng schon im Schwabensviegcl vorkommt, aber jetzt völlig.oerastet ist. 2) Ein Befehl, eine Verordnung, ein Gesetz. In der Deutschen Bibel kommt es m diesem Verstände von Befehlen und Gesetze« aller Art sehrhänfig vor. Nach meinen Rechten sollt ihrlhun, und meine Satzungen sollt ihr halten, 3 Mos. 18, 4 . Wan- delt nicht in den Satzungen der Heiden, Kap. 20, 2 z. Opitz gebrauchtes in den Psalmen beständig für Gesetz, und im Niedcr» deutschen sind Gerunge, Satunge. die Siatntcn. Doch auch in dieser Bedeutung ist es im Ganzen veraltet, und man gebraucht es nur noch in wenigen engcrn Fällen, (a) Von den Vorschriften des Lnßern Gottesdienstes bey den altern Juden, nach dem Vor. gange der Deutschen Bibel, (b) In dem zusammen gefetzten Reichssatzung, Landtagssatznng u. s. s. bedeutet es verbindliche Verordnungen, wodurch dieGlieder einer Gesellschaft sich und ihre Committcnten verbinden; da cs denn von den Gesetzen im cngern Verstände, so fern diese eigentliche Uttterchanen verpflichten, unterschieden wird. Menschensatzuugen sind solche Gesetze in Glaubens-und gottesdienstlichen Sachen, wodurchMcrischon sich selbst Die Satzweise, plur. die—n, in der Landlvirthschast, Weiden, welche zur Fortpflanzung in die Erde gesetzt werden ; Gatzssöst'e. Die Satzzeit, ^lur. die —en, bey den Jägern, die Zett, wenn das Wild zu setzen, d.i. Junge zu werfen, pflegt. Die Satzzelt der Hasen n. s. s. , Die Satzzwiebel, ?!ur. die — n, ben den Gärtnern, Zwiebeln, welche versetzet werden, und auch Srechzwicbeln genannt werden; zum Unterschiede von denen,' welche man da, wo sie gcsäet Worden, stehen läßt. W m m m - Hau r. Die Sckrr, piur.dieSä'u-, ein nur in einigen ive!!igen.Fällen, befondcrs imHütlenbaue übliches Wort, r) Eine MasseSchwarz- kupfer wird daselbst eine Sai^oderVtrpfersan genannt. Wen» über im Seigern und Kupferschmelzen dirjenigenSchlacken,welche noch viel Erz in sich enthalten, Saue genannt werden, so scheinet hier die figürliche Bedeutung des folgenden Wortes, eines Fehlers, zum Grunde zu liegen. Eine Tau machen oder das Silber in die Garr jagen, ist eben daselbst, wenn das Silber de» Treibeh.erd arsshcht, und uitterkriecht, da es sich denn in den Schlacken verlieret. 2) Ben den Planenhcrden ist die San eine stäche Grube unter dem Herde, in welcher der Schlich, der mit der Trübe aöfallt, aufgefaugeu wird.- Im ersten Falle bedeutet cs eine Masse, und im zweytcn eine Vertiefung, einen hohlen Raum, Die Übereinstimmung mit dem folgenden Worte ist gewiß nur zufällig. Allem Ansehen nach stammet es hier von einem Zeitworte her, welches cinegleichiautende schnelle Bewegung bedeutet hat, wovon unser säen rin Ast ist, und wovon mit verschiedene» Endlauten auch Same, sauber u. s. f. abstammen.. Nach sehr gewöhnlichen Figuren bedeuten alle diese Zeitwörter eine Bewegung tbsils in eine Masse, cheilsaber auch in die Tiefe. Das Lat. Ius in lushue, so wie die Splbr l u in super, l'uprs u. s. f. gehören gleichfalls dahin, so wie ür l'ue rs eigentlich auch der Bc- griffder Verbindung Statt findet, wovon der Begriff der Masse eine nahe Figur ist. L. Die Gcru, p dir. die Saue, und bsy den Jagern so wohl, als im Ob .rdeiitschen die Gauen, r.Ein erwachsenes Schwein überhaupt, ohne Unterschied deä Geschlechtes; zum Unterschiede von einem 5eekel und Frischlinge« Eigentlich, (a) Bey den Jä- Zecn wird ein jedes erwachsenes wildes Schwer» ohne Unterschied eine Sau und im Plural die Sauen genannt. Soll das Geschlecht näher bestimmtwerdcn, so helft clyeSau männlichenGeschlechics ein Sauschwein, ein. Schwein sau, ein hauend Schwein, ei» Sauer oder,Teiler, und eine Gau weiblichen Geschlechtes emo Bache, (b), Von den zahmen Schweinen wird es gleichfalls sehr häufig von veyden Geschlechtern, oder pjclmchr von dieser Ark Thiere gebraucht, wenn man ihr Geschlecht nicht näher bezeichne» will sdrr kann. Der Plural hat hier gemeiniglich die SaM, i» sielen gemeinen Sprechacten aber gleichfalls die Gamm. Die Gäue chüthen, die Schwei,re.. Eine Serbe Saue. Die Teufe! fuhren in die Saue, Matth. 8, i?2. Indessen ist es irr disser'all- gemeinen Bedeutung niedriger als das gleichbedeutende Schwein, daher man in der Mstänhigew Spreche et dieses jenem alle mahl vorzirhet. Zu den gemeinen Sprecharten aber gebraucht mau es Kati dcssen auch in den Zusammenftüungen Saubraten, Sau- , fleisch u. f. f. für Schwerrisbraten, Gchwemssseis-H. 2) Frgür- Uch. la) Eine unreinlichc, schmutzige Person, besonders weiß- UchrnTr schlechreäZdoch nrrb s»den niedrigsten Spttchartrn'und irn verächtlichen Verstände, von der bekannten unrelrssicherr Ergen- fchast dieser Th ere.- (S. L'nch Sinr-en und Säuisch.) (b) Girr Klecks, besondiDr ei» Tintenklecks, Hecht im qrmeinen Leben hä> fig so wohl eine Sau. als ein Schwer», welchen Nah men in den niedrigen Sprecharten such mohllwl'jeder Fchlcr bekommt. Lins Sau machen, Jtal. l?orco. 2. In eußreer Bedeutung, eine Sau oder ei» Schwei» weiblichenGeschl echtes. öestmders wenn sie xchsikgekNorftu hat.,dir nca« auch eine Lährmrrtter, ein Mutter- fchrvein, im Niedres, eins Mutte , m ander» Gegenden eine Mock'e, in der Schweiz eine Mohr, k» Österreich sin- Ga «Le, M Schlesien eine Tanze und Ranne zu nennen pstlegt, in u fix öe» Lber, Bär oder Sacksch entgegen zu seyi n. In dieser eirr- Hxfctzcüttkte» Bedeutung wird es nur von zahmen Schweine» gebraucht, den« eine wElche wilde Sau heißt am gewöhnlich- Kstt eine Bache oder L c euer S a« iLHL An m. Schon indem SalischenGesetzeistKuckeri ein Sch wc:»« stall. In dem alten Gedichte auf den heil. Anno lautet dieses Wort 8u, inrEngl. 8ow, im Schweb. 8o, und rmLat. 8us welches von dem Griech. üg abstammet, weil s und st immer i» einander übergehen. Mit Sem Endlaute g oder ch heißt eine Sau im Niederst Soge, im.Frirs. Siu§ge, im WcflphL!. Sange, im Dstcrr. Zaiicke, imAugels. 8u§u und 8/5S, im FinnlauHie» im Estnischen 8iAS, in der Lakonischen Mundart der Grieche» o»xql, mit dem Hanchc statt des s im Armenischen im Wallis, lst vvcji, imBrekagnischcu Ücrucd, im Engl. rioA; ms. hin auch unser Sack'sch, ein Eber, gehöret. ^Alle diese Wörter bedeuten thcils eilt Schwein überhaupt, theils aber auch ein weibliches Schwein. Ihre hält das alte Nordische 8aur, Koch, im Deutschen Zor und Gor, für das Stammwort, ohne zu erwägen, daß der Begriff der Unreinlichkeit erst eine von diesem unreinlichen Thiere entlehnteFigur ist» Wachter mrd die meisten übrigcnWort» forscher sthen den eingeschränkccnBegriff eines weiblichenSchwci, nes für den Gtammbezriff an, legen die Niederdeutsche Form Soge zum Grunde, und leiten es von ssugeu ab. Keinem istes eingefallen, daß dieses Wort eine Nachahmung des diesem Thiere, und besonders dem weiblichen Geschlechte desselben,' so eigenthmii- ^Eichen Lautes ist, welchen schon stammelnde Kucher durch hfig, hus, ausdruckeu, Wild so wie dir Griechen ihr »4 zu Benennung eines Schweincs gebrauchen. Eben darin liegt auch der Grund warum öicsesWort nur vo« erwüchsenenSchweinen gebrauch: wird. Das Niederdeutsche und verwandte Söge ist der durch sin Sriffwmn verstärke Ausdruck dieses Lautes, den auch die Lateiner in iMem Diminut. 8ucutL haben, so wie ihr Endlaut s in fusrius, sna- rim, luillus ganz megfällc, in lubsre und Lürirs aber in andere übergehet. S. auch Schwein. I» den folgenden Zuhrmmenfttzungeu öedentet es theils ei». Schwein überhaupt, wo es zuweilen, aber nicht immer, mit Schwein —vertauschet werde» kann, lheils aber auch ein wildes Schwein« Das SiNläss, des—es, p!ckr. §sr. von Aff, Speise, m eim- gen Gegenden, alles was den Säuen oder Schweinen zurNahrim- dienet. In engerer Bedeutung wird das (Geringste von dem ge- schrotenett Getreide, womit man die «Schweins zu füttern pflegt, öey den Müllern und Bäckern sowohl Gauaß als SchwMß genannt. Das Gauautzfe, des—s, plur. die—n, eine in einigen Gegenden übliche figürliche Benennung dev Lin- oder Wslfsbeere, ris 1 ^. E« diese Wörter. Der Gaubar, des—es, p!ur. die —e, in eiüstgen Gegenden, ein männliches Schwein oder Eber, derart manchen Orten auch Sauhatz genannt wird. Siehe Schwein, ingleichen Bär und Eber. Dre Gaubeeve, plnr. die—n, in einigen Gegenden, ein Nähme der Beere« des gemeinen Nachtschattens, und diese Pflanze selbst; Aoi.snum ni^ruM fst öintschkraue, Schlafkrank. Der Gauballer, des—s, x!ur. m nour. ÜLA. im Jagdwesc», eine Art übger ichteter zotiger Mrtrclhunde, welche nur allein auf ' Gauen, d. i..wilde Schweine, suchen, und eher keinen Laut von sich geben, als bis sie eines gefunden haben ; der Saufinder. Ga aber er, —ße, sckj. et ackv. rcin, von allem Schmutze, oder Uüreinlichfeit befreyet usd dabev zierlich, r) Eigemlich.Das Glas ist sehr sauber, kein. Line saubere Ä'eidung. Ein sauberes äemd-. Sich sauber und reinlich halten. Sauber gekleidet gehen. Man hat dich nicht mit Wasche gebadet, daß b» farrber würdest, Ezech. 16, 4. Im Hochdeutschen verbindet man mit Nl Begriffe der Relttlichkeit allemahl auch den Begriff btrZierlichleil; «Lein imDb^dkUischsu gebraucht man rs auch M xem 15 M Sau rein überhaupt. Saub-rewasche, ein fanbererTeller ist daselbst, iVritrr nichts, als ein reiner. Im Hochdeutschen ist der Gegensatz unsauber irr eben diesem Verstände üblich. 2.. Figürlich, i) ^Unverfälscht, unvermischt, ingleichen unbefleckt, immoralische» Verstünde ; eine nur im Niederdeutschen übliche Benennung, wo eins saubere Jungfer eine reine Jungfer, sauberes Gold, reines, un- veruuschtLs Gold ifi. 2) Zern und zierlich. Eine saubereÄrbeit. Ein saubercsührgehäuse. Las ist sehr sauber. Z)Behuthsam und vorsichtig ; im gemeinen Leben- Sauber mit etwas umgehen. Jemanden sehr sauber angreifen. (Siehe Särrberlich.) 4) Nach einer gewöhnlichen Ironie bezeichnet es zuweilen auch den Gegensatz, und wird alsdann ironisch überhaupt vonLüigenge- braucht, welche die^ehi-rige Beschaffenheit nicht habe». Lin san- berer Vogel, ein leichtfertiger, ausschweifender, lasterhafter . Mensch. Las ist mein sauberer Sohn, mein unZeratheirer. 2 tnm. Schon bey dem Kero für rein, lubro, iinTatian heißt die Reinigung Märiä Luburnells, imNieders. suver, imAngels. liker. Die sonst verwandten Sprachen haben dieses Worr nicht, man müßtadenn des Lat. kod ri us als eine figürliche Bedeutung davon ansehen, wie dennNotker dieses Wort wirklich durch luder .übersetzet. Die Endsylbe— er ist die gewöhnliche Ableitmtgssylbe ffo vieler Beywörter. Die Stammsylbe saub gehöret zu einem Zeitwerte, welchesmiit säen und stehen verwandt ist, und e'.ne hlftige, Hin luid her gehende Bewegung überhaupt, dergleichen mit chemNeinigennnd Säubern gemeiniglich verbunden ist, bske-.-tet hat. Rein und andere gleichbedeutende Wörter haben einen ähnlichen Ursprung. S. Säubern nnd das folgende. Der T a überlasten, des—s, plur. ut uoru. flog, in denMäh- len, ein Kasten, in welchen das gesiebte Mehl gethan wird; ws die VerwanötschLft mit sieben sehr dentlichäst. Die Sauberkeit, plur. iovk. der Zustand einer Sache, da sie sauber ist, in der ersten eigentlichen und zwepten sigürlicherr Bedeutung. säuberlich, LÜV. dem, was sauber ist, ähnlich, ans eine saubere Apt. 1) * In der ersten Bedeutung des Bcpwortes sauber, wo es für dieses Wort selbst stehet, aber im Hochdeutschen veraltetest. Der euch kleidete ftiuberlich, 2 Sam. 1,24. s) Irr dev drit- ,-ten figürlichen Bedeutung, behuthsam, vorsichtig, gelinde, sanft. Säuberlich mit etwas umgehen. Etwas sehr säuberlich angreifen, bchuthsam und sanft. Fahret mir säuberlich müdem Dnaben Abfalom, 2 Sam. 18, z. Darum strafest du säuberlich, die da fallen, Wcish. r r, 2. In der anständigen Schreibart fängt es asck in dieser Bedeutung an zu veralten. Anni. In deczweytenBedeutung im Schwedischen lakverlrA. Gauberund säuberlich scheinen in dreserBedestung der behuthsa- men, sanften Behandlung, von faüber, rem, noch verschieden zu ftyn; dieses setzt ein Zeitwort der Bewegung voraus, jenes aber der Ruhe. Zm Schwed, ist 8ek, Lnfe, Ruhe, keku beruhigen, . imAngelf.Lid, und Key unfern altenOberdeutschenSchrfftsteller» Libbu, gleichfalls die Ruhe, die Grille. Dieses ist allem Ansehen nach das Stammwort- von säuberlich in dieser Bedeutung, so wie auch sanft, welches sich nur durch das oft zufällige n v-L dem Angels, kokt, sanft, unterscheidet, damit verwandt ist. Der GäuberlmA, des---es, plur. die — e, ein gutes, aber nur in einigen Gegenden übliches Wort, einen Menschenzn bezeichnen, welcher sich'mit übertriebener Sorgfalt der Sauberkeit in der Kleidung befleißiget, und der ungefähr das ist, was mau im Feanzös. einen?et 1 t-LlLttrs und im Deutschen auch einen süßen Herren nennet. Säubern, ^srb. re^. nct. sauber machen, von allein Schmutze, von aller Unreinigkeit beftryen ; in der Oberdeutschen Mundart sWbepn. Das Ersen von dem Roste Iiürbern. Die Bäume Sau 1294 säubern, sie von ben dürren Asten und von dem Moose reinigen. Die Zahne- die Ohren säubern. Las Getreide säubern, durch Sieben ober Worfeln. Sich säubern, so wohl sich von dem Ungeziefer befreyen, als auch für sich rein-gen. Das Geschirr säubern, cs scheuern. Im Oberdeutschen säubert man auch ein Zimmer und die schwarze Wäsche,wenn die Hochdeutschen im ersten Falle lieber aiisckchren, und im Zwepten lieber waschen sagen. Überhaupt werden sauber und säubern im Oberdeutschen als gleichbedeutend mit rein nnd reinigen gebraucht, dagegen man im Hoch- dcutschen säubern am häufigsten von der An der Reinigung Ze> braucht., welche mit einem Reiben verbunden ist. Oie Bienen säubern sich, wenn sie an einem Hellen Tage vor dem Stocke auf und nieder fliegen, welches man auch sich au'Zwittern oder sich verwittern nennet. von böser Arr des Volkes will ich sorgen, Las ganze Land zu säubern alle Morgen, Opitz« Im Bergbaus säubere man, wenn man den Schutt vor Ort weg- raumet. So auch die Säuberung. Unm. Bey dem Notker keuusreo, ludern, ün Tatian kudl- rin, im Nieders.suvern. Entweder unmittelbar von sauber, oder auch als das Jntensivum eines veralteten Zeitwortes sauben, welches eigentlich hin und her bewegen, reiben, bederrtet hat, und wvmit sieben nahe verwandt ist. Das Sarrdersreb, des —es, plur. die—e, in den Mühlen, ein Sieb, womit das Mehl gesäubert, d. i. gesiebet, wird. Drs Saubohne, plur. die — n. 1) Eine Art der Feldbohnen, welche nicht so schreckhaft sind als Puffbohnen, und gemeiniglich nur als ein Futter für die Schweine gebraucht werden; VicinffL- äeigbchnen mit heißer Blüthe. 2) In einigen Gegenden ist auch das Bilsenkraut oder Tollkraut, tt/oLe/amus l-, mueröieftm Nahmerl bekannt. Der Sauborg, des — es, plur. die—e, vornehmlich im Nie- ders. ein verschnittenes Mutterschwein. S. Borg und Schwein- Dre Gsuborste, plur. die —n, Borsten, d. i. starke Ruckhaare, von einem Schweine; Schweinsborsten. Das Saubrot, des—-es,plür. lnus. in einigen Gegenden, ei» Nähme der Erd- oder Grnndbirnen; llsItLütbuL tuberoluL L,, welch.,- auch Schweinsbrok genannt werden. S. Erdapfel Z. Der SäubrstH, des — es, plur. die — brüche, bey den Jägern, ein Ort, welchen die Sauen, d. i. wilden Schweine, umgebrochen, oder umgewühlet haben. Die Gaudistel, plur. die —n, in einigen Gegenden, einNahme der Gansedistel oder- des Hasenkohles; Loaalrus oleruceus L.. Schweinsdistcl, Engl. 8 swrliiÜ 1 e, Nieders. Sögedistsl, weil sie eine angenehme Speise der Schweine ist. Sauen, verb.-reZ.ULUtr. mit dem HAfsworte haben, welches nur in.den harten und niedrigen Sprecharten üblich ist, unreinlich mit etwas umgehen, besonders mit flüssigen Körpern unbehnthsam ^umgehen, so daß man viel davon verschüttet. Entweder von Ga«, eine unreinliche Person, oder auch von dem alten See, Wasser. Daher versauen,durch Unceilüichkeit verderben, inglei- chen verschütten. ^ Sauer, - er, —sie, (nicht säurer, sauerste,) uckj. et säv. ein Wort, welches eine Art der Empfindung in Ansehung deS Gs- schmackes ausdcuckt, und dem, was süß ist, entgegen stehet. r. Eigentlich. Der Essig ist sauer. Sauer sepn, saue? schmecken, sauer werden. Saurer wein, saures Bier, saure Airschen, saure Milch. Geistige Körper werden sauer, wenn sie lisch der ersten geisiigenGLhrungin eine nochmahligeGähruttK gerochen, in welcher die Säure entwickelt wird. Wrn« ein saurer K örper zugleich den Mnnd zusammen zichkt, so heißt e§ herbe, eisigen Oberdeutschen Gegenden, z. B. m Baiern, wird es ' Sau IL9L auch fthr häufig für salzig gebraucht, in welchem Verstände es aber den Hochdeutsche» fremd ist. 2 . Figürlich -) In einem hohen Grade beschwerlich, viele Muhe kostend und verursachend. Saure Zlrbeik. Sich cs sauer werden lassen. Diese Arbeit ist mir überaus sauer, blutsauer geworden. Jemanden das Leben sauer machen, de- schwerlich. Diese Rolle wird mir sehr sauer werden, Gell. Sie wendet noch die letzte Bemühung an, der Liebe den Sieg Lauer zu machen, ebend. Das Stehen wird mir gar zu sauer werden, ebend. Das kommt mir sauer an, fällt mir zu thun beschwerlich. Mich bäucht, es kommt ihnen weit saurer (saurer) an, eine Sache zu verschweigen, als auszuschwatzcn, Gell, r) Unangenehm, im Gegensätze des gleichfalls figürlichen süß; in welcher Ledcmung es doch seltener ist. Geht cs gleich sauer ein, Opitz, geschehet es gleich mit Widerwillen, mit u,ran- genehmer Empfindung. Z) Mürrisch, .verdrießlich. Sauer sehen, sauer ansschen. Ein saures Gesicht, saure Mienen machen. Wenn ihr fastet, sollt ihr nicht sauer sehen, wie die Seuchler, Match. 6, »6. Du sahst so sauer aus) als wäre dixs nicht recht, Rost. Go sauer auch die l-ebc Mutter sah, Gell. Etwas Saures in seiner Gemürhsart haben, etwas Mürrisches, Verdrießliches. Anm.Bey dcm Ottfried luar, bey der Winsbeckinn für, im Niederst suur, im Angelst lur, im Engl, stour, im alt Franzos. rrudBretagni-chenlur, im Schweb, stur, im Perst lciur, -m Pohl». l'urorvx, -m Slavvn. sterou. Die Sylbe er ist hier entweder die gewöhuliche Ableitungsfylbe, da denn sau die Stamm- sylbeftyn würde, oder das r gehöret, wie noch wahrscheinlicher ist, zu dem Stamme, so daß das e vor demselben nur um des Wohllautes willen eingeschaltet worden. In diesem Falle würde es zu scharf, dem Hebr. rauch, uuscrm sehr, in verseh- rcn, z» borgen, stf. vielleicht auch zu dem Lat. 1everu5, gehö- ren, in welchen allen eine sehr lebhafte unangenehme Empfindung zum Grunde liegt, welche ällcmahl eine Figur einer heftigen Bewegung ist. Nach dem Pelletier bedeutet auch ^2 im Hebr. sauer; gewisser ist, daß in dieser Sprache den Sauerteig bedeutet. Zn Vannetois heißt büero sauer,welches n.it unserm kerb überein kommt, zumahl da h und s sehr oft irr einander übergehen. JnBoxhsrns Glossen heißt ohne sVirluü die Säure, und ur> luMittiro sauer. In den gemeinen Spr-charten ist für säuerlich auch scrblich üblich. Da das e vor di m x allem Ansehen nach um -cs Wohllautes willen eingeschaltet ist, so fällt dasselbe oft wieder weg, wenn M der Verlängerung des Wor res ein e auf das r folgt; ein saurer Wein, für sauerer, die Säure, für Säuere; aber für sauren sagt man lieber säuern. - Der Sauer, des — s, plur. doch nur von Mehrern Arten, ut nom.kttZ. ein nurim gemeinenLeben übliches Wort, einen ftu- rrn Körper zubezeichneu. Der Sauerteig hcißrben den Bäckern n-nr der Sauer schlechthin. In Mecklenburg heißt der Essig der Guer, d. i. der Sauer, und m einigen Gegenden führet das Sau- rrkraut diesen Nahmen. Der Sauerach, eine Pflanze, S. Saurach. T er Sauerampfer, des — s, plur. in ul. t ine Art des Ampfers, mstlänglichen, pftUförniige,l Blättern, welche einen sehr merkli- chen säuerlichen Geschmack haben, nnd daher sehr g,!t wider den ' Scharbock sind; ^umcx acewla 1^. Der WicsensauerampfeL und Lernsaturampfcr sind Arten davon. Zm gemeinen Leben abgekürzt Gauerampf. Zu mänchen Gegenden Hecht er Spitz- awpfer, Sät.c'I-ng, in. Nickers. Sinken, SÜring, im Den. und Norwcg.Syre, Guurkale, S. Ampfer. Sauet'hlau, au), et a«lv. Uelches nur iüFrüi'.kett von einer Art rvtjm Wrmlrüpheu üblich ist, welche nur allein um Mergentheim Sau 1296 üNgctkoffe'N werdest, sauerblauer Zeug genannt werden, und einest diilckelrothen , säuern Most geben. S-c werden auch Tauber- Schwarz genannt, weil sie an der Tauber wachsen, und an den meisten Orten als ein wilder Wein ausgerotier. Der Sauerbraten, des—L, plur. Ul uom./iuA. in den Küchen ein eine Aeit lang in Essig gelegtes, und hernach gcbrattnes Stück Flet ich; besonders ein auf solcheArt zngrrichletes StückRindfieisch, welches entweder am Spieße gebraten, oder auch als ein Loeuk aiar^ocie gcdampfet wird. Der Sauerbrunnen, des — s, plur. utvvm.lrnZ. ein Brunnen oder eine Quelle, deren Wasser cineu säuerlichen, zusammen ziehenden, vitriolischrn Geschmack hat, welcher die Gegenwart eines feinen EisemVitrioles verrätst. Auch das Wasser dieser Art, welches auch Eisenwasser, Gauerwasser und Grahlwasser genannt wird, führet gleichfalls diesen Nahmen ; i,l welchem Falle derPlural aber nur von mchrcrn Arten üblich ist. Daher das Gaucvbrunnensalz, welches daraus erhalten wird,und auch Bittersalz heißt. Das so genannte Englische Salz ist eine Art davon. DerSaueröorn, des —es, plur. die—en, ein in einigen Gegenden sehe üblicher Nähme der Berberis Staude, Kerbels vul^arrs D. wegen desangemhmcn säuerlichen Geschmackes ih. rer Beeren, daher sie an andern Orten auch Saurach und Sal- sendorn heißt. S. Berberis. ^ Die Säuere, S. Sichre, Dre Dauerey, p!ur. die — en, von dem Zeitworte sauen, in den niedrigen Sprccharten, die unreinliche Behandlungsart andere Dinge, besonders unvorsichtiges Verschütten flüssiger Körper. Eine Sauercp machen. Der Seruerhonig-, des — cs, plur. inust. in den Apotheken, Weinessig mit Hönig eingekocht; Der Srruerklee, des —e, plur. ivus. ein Nähme verschiedener, dem Klee ähnlicher Pflanzen, deren Blätter einen säuerlichen Ge- - schmack haben. 1 ) Des Schafampfers, k um ex ^celotella b-, welcher» auch Guckguckskloe genau nt wird. 2)Am vorzüglichsten, des Buchampfers oder sasenampfers, Oxalis B.cetole!)a b. dessen Blätter eine erfrischende, angenehme Säure haben. Siehe Buchampfer. Das Sauerkraut, des — es, plur. car. klein geschnittenes, und nm Essig, oder auch nur, wre am häufigsten geschiestet, mit Salz allein eingemachtes Meist - oder Kappiskraut; Zcttelkraut, im Nreders. sauerer Rohl, Sauerkohl. Säuerlich, — er, —sie, ach. et ackv. ein wenig sauer. Säuerlich schmecken. Ein säuerlicher Geschmack. Im Niederst an- suur, im Österr, an;tickt. S. Ähnlich. Der Säuerling, des — es, plur. die—e, ein hin und wieder übliches Wort, einen säuern Körper zu bezeichnen. Ein Sauerbrunnen wird in vielen Gegenden Säuerling genannt. Saurr Weintrauben, saure Äpfel find unter eben demselben Nahmen besannt, ohuedaß es eben einSpottnahme ftyn dürfe, wie Frisch " will. Auch der Sauerampfer heißt in manchen Gegenden Säuerling. S.— Liug. Säuern, verb. re§. veutr. wekches das Hnlfswort haben erfordert, satter werden. Der Sauerteig hat nicht hinlängliche Feit gehabt zu säuern. Es ist noch nicht in dem Sasse, worin es säuern muß, im gemeinen Leben figürlich, die Sache ist noch nicht zu Ende. Die Much säuert, wird sauer. Niederst suuren. Angelst mit der intensiven Endnng turixan. In dem zusammen gesetzten versauern, in einem Amte versauern, bedeutetes figürlich veralten und verderben. " , Suuern, verb.r'LA.ael. sauei macken, welches aber nur allein von hem zum Broch besttylMleii Teige gebraucht wird. Lkr Saucr- 1297 Satt Sau 1298 leig säuert gut, wenn er dem Teige die gehörige Säure mMei- let. Jugleicheu, den Ts'ig säuern, ihn mit Sauerteige vermengen und dadurch zum Bahre» bringen; einsauevn, in einigen Gegenden hedein, (S. Lebe!,) imTatian Meis-nun, vouss'lle.s- ms, Hfen, Sauerteig. Rieders, stier». Gesäuertes Beat, im Gegensätze des unFesauerten. De>- Sanecort, des —es, plur. die —örter, bep den Bauern, der von dem Mehle abzesonderteOrtim Backtröge,wo derS.mer, - -, i. der Sauerteig, mit Wasser emgewsrchet wird. ^ Gauecslck)tlF, —er, —ste, acij.et ackv. sauer, d. i. murrisu, verdrießlich. aussehend. ^Sauersichti§ seyn. Ein sauer sichrrgcv Mensch. S. Sauertopf. De-' Äa'rertetF, des—es, pftir.inuft ein durch die Ge.tMng sauer gemachter Teig, womit die übrige zum Brote bestimmte Masse Teiges zur GÄhnnig gebracht, und gesäuert wird ; bey c>eu Bäckern nur der Sauer, im Österr, vce!, ben dem DachpooMs Dussi>m, Hey dem Kcco Oeiärnin, im Tana» ss itsisna.i. joust such äefel, ehedem Urhad, wo die letzte Sylbe gleichfalls zu ue- fcl gehöret, bey den Krainerischeu Weuden O unn. Dsr'S-ru-Lt-spf, des — es, stlur. die —topfe, im gemeinen Sch -rze, einesauerstchtige, d. i. mürrische, verdrießliche Person, besoi'.ders, wenn diese Gemiithsart bey ihr zur Fertigkeit gewor- den ist. Schau an den Sanertopf, der sich so fromm kann;re-> ren, Opitz. Niedersi Snursnute, Suurpulle, Suurkruke. SausLtöpstftY, nstj.ot.-16 v. im gemeinen Lebelftftir saueruchtrg, mifteisch, verdrießlich. Niederst suurintklsk, iimrs titsk. , Las Sauerwasser, des—s, plur. doch nur von mehrcru ckr- ten, ut aom. stns. S. Sauerbrunnen. Der Sanfang, des—es, p!ur. die -fange. -) Das Ha.^en einer Sau, d. i. ciues wilden S fvveines ; ohne Plure... -- .'er Oet, wo man wilde Schweine lebendig fängt. 3) Oer Fang, d. r. Stich mit dem Fangeisen, welchen man einem wilden Schweme bcvbringet. ^ . L>er Saufaus, ludlst. rnäee!. plur. die—e, in den nie eigen Speech arten, ein Mensch, der dem Trünke aus eure ausshwei- ftilde Art ecgeb'en rst: von anssaufen. ^ ^ ^ Der Saufbruder, des—s, istur. die—briider, eben da>e'.0!ft eine dem Trünke auf eine lasterhafte Art eegebene Per ou männlichen Geschlechtes. Die Saufschwester, eine solche P-rftn werb- lichen Geschlechts. „ ft . Saufen, verk.irrsA.ael.et nsukr. welches im letzter» ^alle caS Hülfswort haben erfordert; ich saufe, du taufst, er läuft, (Ooerd. du säufst,' ersauft;) Impeef. ich sofft Mittelw. ge- soff.nrss Zmperat. saufoder saufe, l)Eiueir flüssigen Korperals einen Theil stinerRahrunz in sich zieh, n,eigentlich, denselben mtt - starken Zügen, mit einem merklichen Laute m sich ziehen ; daher es für trinken, besonders von solchen Thieren gebraucht w welche mit lautem Geräusche trinken. Dem Mehr zu sauf n geben. Das Vieh säuft Wasser. Bis der Löwe das Blut der Erschlagenen saufe, 4 Mos. 23,24. Von Menschen in duser allgemrinenBedeutung für trinken überhaupt ist es nur ,m harten und vevächtlichen Verstände üblich. Daß ste ihren eigenen Mist fressen und ihren Zavn saufen, Es. 36, 12. Lin M>">4ch der Unrecht säuft wie Wasser, Hiob -z, r6. Figürlich Mvellna m der dichterischen Schreibart von leblosen Dingen, einen fliijtzgen Körper reichlich m sich ziehen ; wofür aber auch das anständigere trinken üblich ist. 2) In engerer Bedeutung, ausestu an. schwer- sende Art lrink-m, mehr trinken, als die Natur zur Stillung des Durstes bedarf; auch nur im harten, verächilichen Verstände.^.» wohl absolute nnd als ein Neutrum, saufen, die lasterhafte L-el.wB.2.TH.2Auss. tigke't haben, mehr zu trinken, als die Natur bedarf, und als dev Verstand ertragen kann, als auch mir dem Aceusetivster Sache. Lrcssen und saufen. Die ganze Nacht durch sauftn. S'ch das G Ulfen angewohnen. Dem Saufen ergeben scpn. Sich coL und voll saufen. Mit jemanden saufen, wein, Bier u. s. ft fauftn. Lanlee im gemeine!'. Leben, oder doch nur im harten verächtlichen Verstände, übliche Redensarten. Man säuft sich von Verstand bloß ans ihr wohlergehn, Zachar., Daher das Saufen. S. auch der Soff. An m. Dr!) dem Krro luukftn, bey dem Notker louken, dev es auch für ersaufen, gebraucht, im den gemeinen Oberdeutschen Mundarten so affen, seefen u.s.f. im Angel s. supäv, ft p-an, im Nieder,', fupen, im Schwed, tun a. Selbst irr, Hedr. in l»2Lt- rnAur^itmvrt. Das Wort selbst ist eineOnEatvvme, und ahmet den mit dem lauten Einzichc-r eines flüssigen Becrankes verbundenen Laut genau nach. Und da dieser L u,r sich im Ganzer, immer ähnlich bleibt, wenn gleich die Nebeiinmstände verschieden sind, so wird es bey verschiedenen Völkerschaften auch mit alft-chey Nebeilbedrntttngcn gebraucht. Hornegk gebraucht sauft» nall' der veraltetenBcdenLv.".g für schlurfen, und zuweilen anchfürftn- terschlu-cken, welche Bedeutung auch das Angels, lstpü» und das Schived. tupa haken^und wovon unser Suppe abstamruet. Das Angelst. ftrpLU bedertlet auch kosten. Bep demUtphilas iststujacru würzen, welches aber zu einem andern, obgleich verwandten Stamme,zu gehören schrrtter.DasBremgnische iouda ist befeuchten, bcitzen, das Französ.touper und Zugt. to kup zu Abend speisen, nnd das Schweb, ftpu und Engl. rc> lup, iip, bedeutet auch mit kleinen Zügen trinken. Unser saufen druckt zunächst das Elirschlürfen mit starken Zügen aus, und hieß ist auch die Ursache, warum es Mit seinem ganzen Geschlechte für die anständige Speecharkin.de» meistenFaLen zu niedrig ist. DieBedentnng des unmäßigen Trinkens war denAlken nirbekannt. Die Dberdeuistche Mundart druckte diesellBegkiffim8tcnJah?hundrrtc durch ubot'- sternksn, übertrinken, aus. Die genirinen Sprecharten hadrsr von dieftm Worte noch alkerlcy abgeleitete Zeitwörter, weiche Mi Hochdeutschen fremd sind. Dergleichen sind das Oberdeutsche De- stderativum säuftrn für dursten, dasNieders.Jntenfivum sobbeu, immer sauftn, das Oberdcirtsche Inteustvum snpfen, mit lautem - Schalle in sich schlürfen, das Rieders. Diminnt. fipken, mit kleinen Zügen kosten, pitiMrs, und das gleichfallsNiederf.Aerivum föp^r, Zu saufen geben, tränken, wovon wir nur die Süscunmen- fetzungen ersäufen und besaufen haben. Dor Saufencheft des —s,plur.iQul'. einePflanzc; Englisch S.^aarstrang. ^ Der Säufer, des —s, plur. ut. nom.ästnx. Fämin. die Säuferin a, eine Person, welche die lastcrbafkc Fertigkeit besitzet, im Trinken unmäßla zu feyn; im gemeiner! Leben auch ein Saufaus, einc-Saufgurgel. Ruders. Sobbe, Gobber. »Die Gauferey, p!ur. oar. ein im Hochdentscheu unbekanntes Wort, die lasterhafte Fertigkeit deS unmäßigen Trinkens, und die Handlung des Saufcns zu bezeichnen; die vollere?. Es kommt nur 1 Petr. 4, 3 vor; in Sauftre? wandeln. Das Säuftzeläch, des—es, xlur. die —e, ein der Volleres gewidmetes Gelach. Das Saufhaus, des—es, plur. die—Häuser, ein Haus, in welchem aiifcine unmäßige Art getrunken wird, ein der Völlerey eewidmetcs Haus; im harten und verächtlichen Verstände. DK Gauffinns, plur.die—n, Finnen irü Gesichte, so fern sir von denz Sausen, d. i. unmäßigen Trinken, herrühreu. Der Gattsinder, des—s, xlur. ui. vorn; ünZ. S. Sau- beller. " . N n u r» - Sau 'DüöS^tfLieö, des— es, plur. die—er, ein Lid, welches in nnmäßigen Trinkgesillschasten gesungen wird. 'Die Süugttmme, plur. die—u, enie Amme, welche freurde Kinder sauget, besonders wenn sie selbige «nr Lohn sänget, und die man auch nnrdie Amme schlechthin nennet; zun: Unterschiede von einer Hebamme. In einigen Gegenden auch die-Scillamme. Das Saugacn, des — es, plur. die — e, IM Jagdwesen, Garne, weiche enden Jagden auf Sauen, d. i. wilde Vchweine, gebraucht werden ; Saunetze. Der Gaugarten, des—s, plur. die — gärten, eben daselbst, ein Garten, d. i. eingeschloffener Ott, in welchen die wilden Schweine zwar hinein, aber nicht wieder hinan- können, folglich daselbst lebendig gefangen werden; der Sanfang. Die Sange, p!ur. die— n, ein nur bey den Malzdarren übliches Wart, die ansgemanerre Röhre z-,i bezeichnen, welche ans dem hintern Tdeile des Ofens in die Höhe steiget; vielleicht weil siedle Luft an sich sangen muß, den Zug der Luft befinde, t. In Ni: derf, ist Sog die Zugluft. *Der SanVebruö-er, des — s, plur. die—bruder , eine veraltete Benennung eines, der mit eincin andern von einer lepMnt- ter gi sauget worden, wofür Nilchbruder üblicher und bequemer ist. Das Gem-geferkel, des—s, plur. ul. nonn. linA ein junges Ferkel, welchesnoch sauget; imgeme'nen Leben Soaferkel. DerSäugefiscy d s—cs, plur. die—c. r),Elite Arl Stichlinge. welche auch pilotftsch, Fran;. lfflokt'-i, genannt wird; O Ü- rolleus Ouctor 2) S. Sauger. Das Sa-tFehsrn, des—es, plur. die—Hörner, in einigen Gegenden, ein mit Milch gefülltes Horn, woran man die Kinder fangen läßt,wenn sie nicht vonMenschen gesanget werden können; irr den niedrigen Spcechartrn, eine Ludek. Ein solches Gefäß von Glas heißt rin Sangeglas, und voll Holz das Säugekännchen. Das Saugkalb, des—es, plur. dre—kätber, ernKald, welches noch saugt; im gemeinen Leben ein Sogkatb. Das Saugekamnr, des—es, plur. die—lämmcr, ein Lamm, welches noch fanget; im gemeinen Leben Goglamm. Das ÄäuHelöch, des—cs, plur. die—locher, das Loch, welches der Dachs zwischen dem Hintern und dem SchwanZ-r hat, und aus rvelchcmrr den Winter über das im Sonimer angelegte Ferk aus sich selbst heraus fanget, und sich damit nähret. Saugen, verb. irre», acr. et usukr. welches im letzteru Falle das Hülfsworthaben bckvlmnt ; ich fange, drrsangst, er- sangt; Zmperf. ich sog, Conjnnct. ich sog?; Millelw. gesogen; Jm- verat. sauge. Den Saft, die Flüssigkeit mit dem Munde lang, sam und nach und nach in sich ziehen; wo es so wohl als ein Neutrum, als auch active mit der vierten Endung der Flüstigkeit gebraucht wird. Den Honig ans dem Felsen saugen, z Mos. Z?, , z. Den Saft aus einemApfel fangen. DieBienen saugen Hönig aus den Blumen. Am Hnngcrtnche saugen; wofür doch am Hungerluche nagen üblicher ist. Der Bar saugt im Winter an seinen Brägen. Daher die figürliche, im gemeinen Leben übliche R.A. etwas auschen Fingern saugen, es von sich selbst her haben, und im engern Verstände., es erdichten. In engerer Bedeutung, von jungen Kindern und Thieren, die Muttermilch aus der Mutter Brust in sich saugen. Das Lind will saugen, hat schon gesogen. An der Brust saugen. Die Beust saugen, die darin befindliche Milch. Selig sind die Brüste, die du gesogen hast! Luc. 1», 27. Ein saugendes Arnd, wofür man.im gemeinen Leben unrichtig mir dem folgenden Factitivo sagt, ein saugendes Arnd. Ein saugendes Lamm, ein saufendes Bald u. s. s. im gemeinen Leben ein Soglamm, ein Sogkalb, für SauZclamm, Saugekalb, von dem Niederst S il lt 1ZOO Sog, das Saugen. In-weiterer Bedeutung auch von tc'slo.ca Dingen ; wenn sie eine», flüssiger, Körper verui . rstett.weRiihren langsam in sich ziehen. Der Schwamm sangr das Wasser m sich. Die Löbre har sich vollgcsoyen. (S. Saiigcrödec.) S» Much das Sangen , wofür im Niedres der Sog üblich ist. Anrn. Schsn im Isidor tauZnar», im Tnuan, Noikern.f.f. lsuZan, im Niederst fugen, im Ang-. lsächs. kuoaa, im Engl, to lück, im Wallisischen Mn der int.nisivi i: Elldirug —nen,luZnci, im Schwed. tuA-r, im Island. liuga, iin Jrländ. suglram, im Lat. lützsre, im Franz, luc-r, im Pohln. lüuck, im Böhm. cucatr. Es ahmet den mit dieser Handlung verbundenen Lnilt nach, und da dieser Laut mebrern Veränderungen gemein ist, st ge ,öc. der Schiffsanger, Gchlffhalter, ungeachtet cs eine Sabel ist, daß er ein Schiff sollte anhaltcn können. I» dem zusammen gefetzten Blutsauger ist cs in weiterer Bedeutung üblich. In der Landwirkhschaft wird eil: Lamm, welches noch sangt, ein Sänger , richtiger Sauger, genannt. Die Gst'UFerrnn, plur. die—en, eine Person weiblichen Ge- - schlechtes, welche säuget. Wehe den Schwängern und Saugern ^Sängerinnen) zu der Zeit! Math. 24, 19, Welche ungewöhnliche Ansammenziehung auch Marc. r 3, c 7,nnd lsiic.2 c,2z angctroffen wird. Die Gauyerohre, plur. die ->— n, eine jede Röhre, welche flüssige Körper in sich sauget, d. i. selbige nach und mach in sich ziehet, von welcher Art gewisse Röhren in ben Wasserkünsten, die Versa l^mpliatica oder irr d u la in den thicrischen Körpern, und Hie Saftröhrcn in dem Ge- lvächsrciche find. Der Serufc^üfsek, des—s, plur. ul nc>m. sinZ. ein. hohler Rüffel gewisser Jnfccten, den Saft dadurch Zn ihrer Nahrung an sich Zu ziehen. Las S a ll ^ GäULechrer, des-es, plur. die-e, in der Natnrge--, ^ schAc / ,u-l Brüsten oder Euwrnverstheue Thier-, welche ihre x5"sa«k, d-°-^xIur, di,-. °m° Ar.W°ffer. ?ii.M wo das Wasser vermittelst der in der Rohre verdmuttc» -'uft von derselben cittgesogeil, und dadurch ln d»e Hohe gebracht wird; »um Unterschiede von einem Druckwerke. Alle Pumpen, d solche Saugewerke. D r SüuyUny, des-es, plur. d-e-e, ein noch iauge-ckes Kinch in-er edlen Schreibart, und von Kmdern beyoerley Ge. schlechtes. Eine Amme verlegt ihren Säugling, 4c r-', 2 8. I,«gleichen figürlich. Ein Säugling am verstände. Nie-, er s. Sönltnn Es stammet entweder von säugen .-er, «.a e, eenn ein Kind. welches gesäugt wird, bedeuten würde, oder aucn von sannen, ein saugeudrs Kind, da denn der reine Vocal, um oer A'oleitungsfylbe willen,in das unreinere a venr.amcttwor^n,ww Mngling vo^jung, Günstling von Gunst. S. Ling. ^ Dte SEloEe,plur. die-n, ein figürlicher, nur ,n >.en harten und niedrigen Sprechanen üblicher Ausdruck. Mit derSau- nlocke läuten, Zoten, im höchste-, Grade grobe nndnngesttte-e Scherze, Vorbringen; von Gau, dem bekannten nncculuchcn Das Saugras, des—cs, plur. inus. in einigen Gegenoen, ein. Rühmedesporsches,Deäum paluttrs D.welcyer auch^cywei- ncvorsch, Schweinepost, ,lM Dr;sdcn aber Saugrenzc i/e-p,. Die Sauhatz, plur. die — en, im Jagdwesen, cli-e ttrr ott? Saujazd, wo Sauen oder wilde Schweine c-ufgehetzet r-itd von Kunden gefangen werde";, die Sauhcye. , Der Sauhirt, des—en, piur. die —en, rer;cmge, we^r^ -ahme Säue hustet; noch hänsiger der Gchwemvhnr. des.es, vlur. die—e, Hunde, welche auf Sau'n, d.'Ue Schweine, gearbeitet oder abgcrichtet und, wohin denn so wohl die Saubeller als Rüdenhunde gehören.^ engerer Bedeutung bekommen nur die allein zuSancn gewohl.tcn Lcilbunde diesen Rahmen.. im höchsten-Grade unrein- ^ Uckftm'harlen Verstände, als eine von der Sau, ei.wm äußerst unreinlichen Ediere, entlehnte Figur; fthwewlsch.. Sawsch mlt etwas iimnehen. E'.ue säliische Person-, Die Gümägd , pinr. die—en , eine Jagd ans Sauen, >.. -, ans wilde Schweine; dirwiide Schweinrjagd, bcy den Jagern das De^Äaukasten', des—s, plur. ud vom: l-vss.. ein Kasten,, wilde Schweine darin lebendig vonstinem Orte zum .andern zu dasSau?raue. d,--,-, plur.,r»uk.>>G«,»»«»,-,^lche m>fd-n W-stn u»d in d-n Wäld,rn Mid wachst; U)-pock»e- IÜ8 L,. 2 ) In einigen Gegenden, aucheittNahmtzdksNachts sck am'ns, S. dieses Wort. DieSäuläche, plur. die-n, -ine Lache, d.-. w°rm stchchie Sauen oder wilden Schweine abzukuhlcn pfiegen; ben een Jägern die Guhllache. . . Der Säulbaum- oder Saulenbaum des—es, P.ur^ d e -bäume, imForsiwesen, ein Baum, welcher Säulen f.w eie Zimmerlentk abgeben kaun. Ein einfacher Saul bäum mutz 16 bis ,8 8oll imDnrchmesser halten,und 85 l-s 40 Ellen iong fevii -, -em doppelter ist -. 9 bis- - Zoll dick, und'4o b-s.4L^Len lang. Die Gaule, plur. die —n, Dimir-.u!. dakSauIchen. 1 , wertesten Verstände, ein jeder fimkrecht stehenderKörper, der um eln belrächiiiches-läirger rst, als dick; in welchem wcnrsten V,r. «aude noch sehr viele Körper dieser Art, wem, sie leinen aml'rm Sau iZor Nahmen haben, Gäulen geliannt werden. Besonders gehören., dahin dieZusammenstNuilgen Bildsäule, Gpitzsäule, eine Pyramide, Zeuersäule, Wslkewsäule, Galzsaule u. s. f. Vornehm, lich werden gewisse zierliche, senkrecht stehende Pfähle noch mehr- mahls Säulen ge-lannt, dergleichen die-WegcsänIcn, säge- säiilcn, Gränzsänlen, Schandsäulen u. s. s- stnd. 2 , ^n engerer Bedeutung. ') Z» der Zimmermal,«skullst wird ein jedes aufrecht stehendes Zimmerholz, besonders so fern es etwas traget, eine Säule, in eilügen Gegenden auch ein Ständer, genüiult, Auch in kleinern Maschinen sind dreSänlcn od-rGaulchen solche senk- recht stehende Hötzcr, n>ie z. B. die Säulen a« einem Dettgefielle« Irr nra-ichen Fällen werden solche Säulen Pfosten undStndel genannt. 2 ) In der Baukunst ist die Säule ein zierlicher, senk- recht stehender, runder Pseüer oder Stütze, wo so wohl diese ganze Stütze mij ihrem Zugehör, als auch -u engerer Bedemrulg, nur der runde Schaft allein,mit diesem Nahmen belegt wird. Figürlich nennt man eine Person oder Sache eine Säule des Landes, der Rrrche, der 5amüie u. s. s. so fern die Erhaltung undSicher-' heit derselben anfihr beruhet. - Anm. Bey dem Notier 8iu!n, bey dem Willeram 8ule, bey dem Stryker im männlichen Geschlechtc clerSsut, in den gemeinen Sprecharten-die Säule, im Rieders. Güte, im Angelst 8/1, im Wallis. 8nii. Es hat hier die Bedeutung der Bewegung und Ausdehnung in die Höhe, und ist.vermirreift des Endlautes e von drnl veralteten sal, snl, hoch, gebildet, (stehe Sah!.) Im alt Schwed, bedeutete daher 8uln einen Berg, und im Lar. ist LstUre springen, und saltare tanzen. Da Gahi aber auch eiueAusdeh. nung m die Länge bedeutet, so ist8)lU im Schweb, und Süll im Niederst eine Schwelle, so wiedasBvhmische8ula, dieSrärke, oine Figur der Masse, der Ausdehnung nach allen Seiten ist, S-Kahl. ^ ^ ' L6s Gmaeöer,des—s, plur.uk vom. lmZ. i) Das Leder von einer San, wo. der Plural nur von mehrern Arten gebraucht wird: Schweinsledcr. 2 ) In den medrigstenSprecharten, das verächtlichste. Scheltwort auf eine unreinliche, grobe, nusesttteke und lasterhafte Person. - ' ^ - ^ Der Saulenfüß, des—es, xlur. dts—fuße, in der Baukunst,, der untere Lheil einer Säule über dem Untersatze, welcher umen allezeit virrcckt, übrigens aber rund ist, und auch das Schaftge- simse heißt. Von einigen wird auch, obgleich nicht so richtig, das Vostemenr oder her Säulenstnhl mit diesem Nahmen beleget^ S. das lctzwre. DerSaulenFM>F,i dcL—es, plur. die-gange, in der Bau-- knnst, mehrere unter einem Hanptgestmse neben einander gestellte; - Säulen, vornehmlich wenn sic durch keinr Bogen oben mit einander verbunden werden, in welcycm Falle ein soickor Gaug einBv^ gengang heißt sdie Gärtlenlaube, die SMenstellrrng, nach dem; Franzos, die Colonnadc. Drr GäulsnoröntMF- plur. die—en, in der.Bäukunfi , das Verhäkrniß der sämmtlichrn Theileeiner Säule,, so wohl gegen; einander ass gegrii'die Säule oder den Schaftselbstj welches auch - mir die Ordnung schlechthin genannt, wird. Die Toskanische, Dorische, Ionische, korinthische und Römische Ordnung oder Gäulenordnnng. DerSättlenfchafd, des—es, plur.>Le—schäftender, Schaft; einer Säule, der Theil zwischen demCaviralc und.demSäulenfuße,, welcher auch die Säule lm engstru Verstände aeuaunc wird. Der Tänlenspath, des—es, plur. doch nur von mehrern Arten,. . eine Art Spathes- welcher in, Gestalt vftleckiger Sar^ len brrcllt. Der Surulenstern, des—es,- plur. dtö-—e,'- ein, schwere^ dar- terund glänzender thonürtiger.Stei-y wrlchFrlln.,yjexHs.achttcklp. Nm n.n - . rreu -. gen Säulen, die iHFirßdick, und -2 bis >4Fuß hoch sind, ge» funden wird; Eisenmarmor, probic-stein. Er gleicht einer Eisenschlacke und ist von Farbe bald schwarz, bald brailn, bald grün. . VondeinUchiepischcirkasrrI,Elsen,wird er auch Nasaic genannt, weil man thil zuerst aus Ätt-iopiett zu un/brachre, ehe man entdeckte, daß er auch in Deutschland an vielen Orten gesunden wird. DteGäuleustellunF, vlur. die—en, S.G'äulenaan§. Der Särrlenstuhch, des—es, p!ur. die—stützle, i» der Baukunst, der zierliche viercckte Körper, worauf eine Säule mit ihrem Fuße stehet, und der ihr so wohl zur Erhöhung als zur Festigkeit dienet; das postemeut, öey einigen, obgleich irrig, der Säulenfuß. Die Gü'tüenwerte, piur. die—n, eben dafelbst, die Entfernung zweyer Säulen rmr einander, welche durch eine horizontale Linie von der Achse der einen bis' zu der Achse der andern Säule gemessen wird. I, Gaum, ein Wort, welches ursprünglich mit Sam einerlei) ist, und in einem eben so weiten ilmsange der Bedeutung gebraucht wird, als Suhl; von welchem hier etwas überhaupt bemerkr werde» muß, damit mau den Zusammeuhaug der folgenden Wörter und ihrer Verwandten desto besser übersehen könne. Ls ist so wie alle Wörter i. eigentlich eine Nachahmung eines gewissen cigen- thiimlichen Lautes, von welchem schon bey den verwandle» Sam, Same und Säen etwas gesagt worden. Summen und das Nie- i^cs.semmeln, ein langsames,alberl'.es Geschwätz Vorbringen,sind Anceusiva davon, wo doch in dem ersten das tiefe u den groben, dumpfigen Laut bezeichnet. 2. Au weiterer Bedeutung ist eS ein Ausdruck der Bewegung, besonders einer solchen, als der durch Sam undSaum ausgedruckre^aut voraussetzt; wo eS wieder sehr mancherlcy Acten der Bewegung bezeichnet, r)Überhaupt; wohin der Begriff deS Nehmens, a« sich Meißens gehöret, daher das Lat. L'eMsre, obgleich dieses auch zu sammeln, in einen Hausen vereinigen, gehören kann. Ferner der Begriff des Zermalmeus, daher das Lar. Ülrnila, Semmelmehl; der Begriff des Nachah- meus, lilnsti5, 8inaia, unser sam; der Begriff der schnellen Bewegung, wovon die Bedeutung des Lichts eine Figur ist, Engl. lesnr, scheinen,und unfcrSommcr; derBegriffder sich in Eine» Punct sammelnden Menge, daher Game, sammeln, Lum- rnau.s.f. derBegriffder glatte», gleitenden Bewegung, daher Seim, 8u:nen, Schmer, sanft, ehedem samft, Sumpf; der Begriff der Langsamkeit, der Nahe, daher saumen, Lornvus, zahm u. s. s. obgleich dieser Begriff auch eine Figur der Aushöhlung, des Daches, des Schutzes sevn kann. 2) Besonders in Ansehung der Richtungen, (a) Der Ausdehnung in die Lange, daher der Begriff des Randes, wie 2 Saum, Sims, Gesims, Lat. 8irnA, Ziemer, Und die Figur der Zeitdauer, seniler. (b) Zu die Höhe, wie lummus, das Schlesische Saum, Mrlch- rahrn. (c) Andie Krümme; daher der Begriff des Biegens, wie Z Saum, ein umgrbogener Rand, das Lat. iimure, umbiegen, limus ; vielleicht auch der Begriff des Verbindens, wie das Js- länd.lEmju,verbindeiu ^«peae. einGürtel, welches über auch zum Begriffder Länge gehören kann. Daher ferner der Begriff eines hohlen Raumes, eines Gefäßes, wie das Oberdeutsche Günmer, einFruchrmaß., unftrZimmer u. a. m. und die gewöhnlichenFlgu, ren der Ruhe, des Aufenthaltes u s. ff wie saumen, zahm, 8orn- vüs. (d) Die Ausdehnung nach allen Richtungen; daher die Figur der Masse, der Quantität, der Menge, wie 4 Saum, das Gcicch.s'MkL« der Leib, 8ucnma, und nach neuen Figuren viel- leichr auch das alte und noch jetzige Engl. !ome, jemand, etwas, das Lar. tum, ich bin, u. s. s. S. auch G.chl, welches nur im Endlaute von si.ftinWorte verschieden ist,daher sich jenes sämmt- liche B.steutMgm auch bcy diesem wieder fitzen, wo nicht inhU Deutschen, doch gewiß in anderil Sprachen. 2. Dar Gaurn, des —es, pl,»r. die Säume, Diruinut. das Saumchcn, Obero.das Gäirmlcin, ein Wort, welches zunächst den Begriff der Ausdehnung in die Länge gewähret, aber nur il, engerer Bedeutung von dem Rande, dem Ende der Ausdehnung eines Dinges gebraucht wird. Ehedem war es sehr üblich, in>„ äußersten Rand der Kleidungsstücke zu bezeichne-:, in welchem Verstände es in der Deut-scheu Bibel rmchrmahls verkommt; z^B. deine Gaume sind dir aufgedcck't, Jer. - Z, 22. Wenn es hier einen umgeschlageuen Rand bedeuten sollte, so würde es zunächst 'zu dein folgenden Morte gehören. Indessen wird e§ auch in an« deru Fällen noch k-uehrmahls von einem Nande gebraucht. Lrr Saum an einem gestrickten Garne ist eine Schnur, ein starlck Faden, welcher durch dir Maschen am Rande des Garnes gezoesr wirb. An den Segeln der Schiffe sind die Säume Seils oder Taue, welche zur Verstärkung der'Segel längs dem Segelenck befestiget werden. An cinem Pferdehnfe wird der Streisei!, welcher oben um den Huf zwischen dem Herne und dein Fleische herumgehet, so wohl der Saum, als auch der Preis und die Vroue genannt. Indessen ist Saum hier nur in rinigen Fälle,:, Rand aber fast in allen üblich. Nur-n der dichterischen Schreibart ist jenes vo» einem weitern Umfange. Ein goldncr Saum verliert sich am Ende der LU'rgel (des Schmetterlmges) ius Grüne, Geßn. Hier steh ich an dem Gaum einer Felsenwanb, und sch ins niedere-Thal, cbcud. Wolken, die Gebirgen gleich, am Gaume des Meeres ausstelgru, cbeud. Auf einem perlenhelleu Wagen Wird der Monarch der Wasscrwelt Hoch auf dem Gaum der Zlurh getragen, Raml. Anm. Zu dem Begriffe der Bewegung in die Länge überhaupt, gehören unser Sims, (welches aber auch den Begriffder Hervor, raguug leibet,) das G riech.cmGürtcl, das Rieders. Somer, rin langer schlanker Pfahl u. a. m. Das Schlesische Saum, Sahne, Milchrahm, gesichert gleichfalls Zu der.Bedeutung des Randes. S. das vorige. Z. Der Gaum, des—es, piur. die Saume, Dkminut. das Gäumcheu, Oöerd. Gäumlein, ein mit dem vorigen sehr »che serwandtesWort, welches vornehmlich den BegriffderBewegung ckn die Kriimwr hat, von welchem dirVcdeuluug dex Umbiegung eine gewöhnliche Figur ist. Ein umgebogcuer oder umgrschlageuer Rand, ss wohl an den Zeugen, als an andern nur einiger Maße« birgsamen Körpern, bekommt beständig de» Nahmen eines S.m- mcs. Die Nähterinnen machen einen Gaum, wenn sie den Rand eines Stückes Zeug Umschlagen und fest nähen; (S. c Säumen.) Bey den Hufschmieden ist der Saum der mngeschlagrne Rand air einem Pferdchufe. Einen solchen Rand machen heißt Hey ihnen, ein Hufeisen einsaumen oder einräumen, wo das letztere zu dem Geschlechte des Wortes Rand gehöret. Lsufden Blech hämmern ist der Saum die zusammen geschlagene Seite der Stürzlein oder gcschiniedeteii Eisenplatten, welche von dem Sarimanögleicher breiter geschmiedet wird. Anni. Im Rieders. Sdom, im Angriff und Engl. loa m, il» Schweb. 80m, welches aber auch eine jede Fuge bedeutet. Der Begriff der Verbindung ist eins nahe Figur davomund im Jsläitö. . ist daher lümja noch jetzt verbinde». S. i Scmm. A-Der Gaurn, des—cs, plur. die Säume, in manchen Gcgcn-- der, auch Saume, ein Wort, welches zunächst den Begriff der Masse, der Ausdehnung nach allen Seiten, der Last hat, aber imr noch im Handelund Wandel vielerGegenden als eirlRahuaeilws Maßes, eines' Gewicht> s gebraucht wird. Zunächst scheinet es wohl so viel von einer Waare zu bezeichnen, als man anfem gewiß rZOL Sa s Satl rZv§ ffsLastthier lüden kann; daher öieffs^LM auch im Obrcde,st- scheu am häufigste?', ist, wo mau fich wegen der gebirgigen Gegenden der Pferde, Maulsffr.uld Esel zum Lasttragen hänfigec bedienet, alsinNiedecdentschland. Pictorius erkläret Saum ausdrücklich durch so viel Last, als ein Roß trägt, nnd-in, Schweb, ist Lotne, orius IumstM. Zu weiterer Bedeutung wird es aber a,?ch überhaupt von einer gewissen bestimmtenMenge undSchwe- rezebraucht, inclchc ungefähr ff viel ist, als ein Lastchier tragen kann ; wo es aber auchmurin eüngenGegenden, und von einigen Maaren üblich ist. In einigenOberdeutschenGcgenden istSaum, „ich in Italien Sorna, 8al?ara, ein Maß flüssiger Dinge, welches zuweilen einen Hülben Eimer beträgt. Zn Gallipoli in Italien lst 8nUner cinDhlniaß,welches 2 yoPftmd wiegt. JuBascl hält ein Saumdrey Oynr oder Ahm, ein Ahm aber 32 alte, oder 40 neue Pott. In Zittch ist ein Saum 1 4 - Eimer, in Bern aber 4 Eimer vderBecnttn, welche zusammen 100 Maß machen. Vier Gaum machen in Bern ein Faß,, sechs Saum aber ein Landfaß. In Österreich ist Sauna ein Handlimgsgcwicht.welches 275 Pfund wieget; in Botzen aber wieget es 400 Pfund. Ain haustgtten werden die wollenenTücher sast durch ganzDentschland nachGäu- men gerechnet, und da halt ein Saum in W.cn, Nürnberg, Ulm, Frankfurt am Main, Sachsen, Schlesien, Berl'.n «.st ff allemahl 22 Tüche.roder Stücke Tuches, ffde^ von 32 ^ttlen. chm Brauuschwemischen heißt ein solcher Sarrm, ern Stuck. Wenn dttsea Wort eine Z all vor sich bat, so bleibt es rra«-dem -Vorgänge der meisten Wärter dieser Act im Plural unverändert; sechs Sa um. Aufdrm Harze ist G-hin ein Kohleu-naß, deren zwev ein Pferd tragen k^.nn. Anm Es ist in dieser Bedeutung ein überaus alresWert, weiches mit dem Geiech. und Lat. genau überein kommt. Scheu in der Kirchen.tzecsamrnkmg zü Metz vom Jahrs 753 kommen (la rri et 8 au m i vor. Im Ztcsi. lautet es 8olüs,:mKra,,z. 8ome, mr Mittlern Lat.8Luma,im Augr's. uudEngl.8sum,rm Schwed. 8oms,miBrerag. 8a»u. DasLat.Summs, das Brr.' tagnischc lamma,Niederdrücken,haben gleichfalls den Begriff der Menge, der Last, so wie in dein Gricch. -rcep«, der Leib, der. Begriff der Masse der herrschende ist. Wenn öey dem Kero ein Laflchier8oowL heißt,so muß dafürwoffBomw'a, oder vielleicht noch besser 8smar gcleffn werden. Lv. Säumer, Saumth-er und r Gaum. l. Säumen, verLi. reZ. sek. von Z Saum, der uiugrbogeus Rand, mit einem solchen Sanins versehen, «m k-änsigstcn bey den Nähtermncn, den Rääd cm-s Zeuges nmschlagen und fest nähen, damit cs sich nicht ausfase. E?n Schnupftuch säumen. Rieders. invördken. somen, von Bord, en Rand. In lveiterer Bedeutung von 2 Suttp, der Rand überhaupt, ist ein Baum, einen Brvtblock säumen, bey den Zimmerleuteu und im Forstwesen, ihn beschlagen, ihn viereckrg haneich oder die Schwarten auf allen vier Setten absägen. Daher gescnlmte Breter, welche aus einem solche« Blocke geschnitten werden, im Gegensätze der ungesäumten« ^ ^ , S. Säumen., verb. rs^. ivclches irr einer doppelten Gestalt üblich ist. . e. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, langsam iu einer Bewegung oder in einer Handlung seyn, und in engerer Bedeuuing fehlerhaft langsam ffyn, langsam fyn, d-a man eilen sollte, rvelches man auch mit größten Theils gleichbedeutenden Wörtern zögern und zaudern nennet; i>u Gegensätze des Eilens. Ich will esihun und nicht säumen, Eze h. 24 , ^4. der Tod säumet nicht, Sic. 14 , 12 . Saufet erNH und fänmek nicht, Jcr. -, 6. Ich habe nicht gestaumtt. Ich. furchst doch, daß -u säumen» möchtest. 2 . Als ein AittivE, säumell lltäch-u, in der L-W^ung, iL- einer Veränderung hindern, wo eö-ehedem für hindern überhavpr gebraucht wurde. Säume mich nicht mit dem Rttiken, 2 Kon. 2 , 24 . Im Hochdeutschen ist es in duffer thättgen Gestalt wemg mehr üblich, doch gebraucht man es noch reciprocc für das vorige Neutrum ; sich säumen,-säumen, zaudern, langsam ffyn. Asmm herab und säume dich nicht, 1 Mos. 45, 9- Des äerr säumet sich nicht, zu vergelten, 5 Mos. 7 , >o. Ihre Tage werden fich nicht säumen, Es. 2 z, 22 . Daher das Saumen, univ obgleich seltener, dieSänmtlng. ^ Anin. Bey demKcro suuman, bey de?;SchwäblschenDlcht^rn Lumen, in dem Buche Belial von 1 48Z samen, bey den heutigen- Oberdeutschen saumen, im Rieders, sumen, im Franz etto- insr, im Schwed, lurna, im Island, sorna, welche beyde« letztecn doch nur in dem zusammen gefetzten särluma und bor- suma, versäumen, üblich silld. Das Wort ist alt, MW schon m demSalischenGesetzcistSonnisffichtigerSocullis) Versäummß, Grund des Außeubleibens. Man sichet leicht, daß d?e heutlgr Ledeutung dieses Wortes eine Figur einer altern eigentlichern ?st. Aber welche diese ältere lst, läßt sich nicht mit Gew-ßhctt bestnn- men Es kann solches, wie Wachter will, der Begriff der Last, der Schwere, seyn, (S. 4 Saum.) E< kann aber auch von der Bedeutung der sanften, schleichenden, gleitenden Bewegung ab- stammrn, und rin Verwandter von sanft, Sciin u. s. f. ffyn. EudUch kann auch der Begriff der Ruhe, der Muße, decStättg» keit, der herrschende senn, welcher gemeiniglich eine Figur der Be- deck.tng, des hohlen Raumes ist. In den bcydcn letzten Fallen sind das Lat. äomnus, Schwed. 8ämn, der E)chlaf, somniA, sch'äferig, das Schtved.^om, Muße, das Säume,,, (west s und t oft mit einander abwechffln,) und unier zahm. Niederst taam, damit verwandt. Ehedem hatte man auch das Nebenwort sam, für trage, faul, langsam, wovon Frisch verschiedene Bespiele auführet. Das zusammen gesetzte versäumen hat^so wob! die neutrale, als die aerive Bedeutung. S. 4 Saum, Säumig- Gäumniß und Saumselig. Der Säumer, des—s, plur. ul vom. von 4 Saum, Last; ein nur im Oberdeutschen übliches Wort. ff Der Saumtbierc hält ff und selbige Lasten zu tragen vermietbet. ingleichen, der sie führet; im Österr. Samec, Jtal - 80 - iniere, 8 c>meAZino, 8 o,-nsZZi 2 ro. Eben daselbst hat man auch dasZeinvort säumen, mit Sainnthreren Maaren und Lasten verführen. Mit Eseln, mit Pferden säumen. 2 )Em Sammhier, besonders ein Saumroß; im Ital. 8 omaro, im Fran; 8 omier, im mittlerrr Lat. 8 omarius. WeildcrEsek vornehmlich zu dieser Verrichtung gebraucht wird, ff heißt,r im Jtal.äomLro, im Ungar. 8 LLrnur, und im Grjech. wenn er dieffNahmen nicht vielmehr wegen seiner Träghest ha^ vondem vorigen 2 Säumen. . ^ LcrSa»m-'s°c. des--, plur. kox. ,m Sb-rdmt. scheu, ein Esel, welcher zum Lasttcagen gebraucht wird; etnpaL- esel. S. 4 Saum und das vorige. Ssumhaft, —er, -aste, ackj. 6l ack v. säumig, ffumsel.g; etL im Hochdeutschen wenig mehr üblich.-s Work. SLumm, —er,—ste, ackstel ackv. von dem Zettwortc - Säumen, langsam in seinen Bewegungen und Verrichtungen, ,uw darin gegründet; ingleichen in engerer Bedeutung, unfeine fehlerhafte Art langsam, zaudernd, zögernd. Mit der BezahlunI säumig seyn. Ein säumiger Schuldner. Sich m Verrichtung ^ seiner Dienste säumig erweisen. Niederst fümig. S. Saum- Die SättMlgkeit, plur.iaus. der Zustand, dieEigenschast einer Person, daste säumig ist; die SaumseliZieik, N r, N tt r idmrrlatts, die— N, üll den Würbmrihlen, ött'j:'i!ige Larie, welche der Länge nach mitten durch jede Fläche desFlügels gehet. Vielleicht von Gaum, sofern es den Begriff der Ausdeh». nnnginbie Län >e h^t, S. i und 2 Saum. A re und öas Sanmntfi, plur. die — sie, von dem Zeitworkc 2 Säumen. >) Von dessen neutralen Bedeutung, die Säum,'.ng, dcrVerzng. Myn alle Särrmnisi eilen, Opitz. (G. anchpersäum- wss) 2) Von dessen acriven Bedeutung, bis Hinderung, und i as uns hindert, das Hindernisi; da cs zugleich ungewissen Ge» schlechtes iss, das Säumnist. In beyden Bedeutungen wird es rm Hochdeutschen wenig Inchr gebraucht. In der ersten lautet es schon in der-. Salischen und Ripusrischen Gesetzen. L uinni.8,. 8unniK. Das Aüumpferö,. des — cs, plur. die—e, oderdasSäum-. rc-ß, des — sses, p!ur. die—sie, ein Pferd oder Rosi, welches, nicht zum Ziehen, sondern Lasten zu tragen gebraucht wird; eine vorzüglich im Oberdeutschen übliche Lenennung. wofür man im Hochdeutschen den Ausdruck Packpferd gebraucht. Der Saumsttttel,. des —s, pinr» die—sättcl, ein hölzerner. Sattek, lSo.rauf.die Saumthiere.ihre Lasten tragen.. Die Saunrschrcht, plur. die — en, bcy den Maurern, diejenige Schicht oder ReiheZiegel aufeinemDache, welche über denSims -es Hanfes Heraus lieget, und gleichsam den Saum des Daches, ausmacht. SärumseUy, —er, — ste, astj. et. aä v. ein auch für.säumig übliches Wort, besonders in engerer Bedeutung, auf einc fehlerhafte Brt langsam, die pflichtmäßige Eilfertigkeit und den vflichtmäsii-», gen Gebrauch der Gelegenheit ans Trägheit unterlassend. Saumselig seyn. Ern saumseliger Schuldner. Das im Hochdeutschen, veraltete Hauptwort Saumsaffwovon djeftsBeywortaöstammct, .ist noch in Baicrn üblich,, so wie auch Logan cs noch gebraucht. Die Saumseligkeit, pl ur. doch nur vondicser Beschaffenheit in einzelnen Fällen, die — en, der Zustand, da eine Person oder Sache saumselig istchieNnterlassungderpflichtmäßigettGeschwitt- Ligkeit, besonders im Gebrauche der Gelegenheit; die Säumige kcit, ehedem der. Saumsal.. Dab Saumtau, des—es,, ulnr. die —e, aus den Schissen, diejenigen Taue, womit die Segeltücher, Hängematten.», s. s. am Rande eingefasset werden. Jngleichen ein solcher Tan,, womit die F.-scheruetze eingefasset werden. S. .2 Saum. Das Gaumthier, des-cs, plur.die—e, eine im Öberdent- schen übliche Benennung eines Thieres, welches zum Lafltragen: gebraucht wird, dergleichen der Sa^mesel, das Saumrost, und ilt einigen Gegenden auch der.Saumochs silid; das. Lastthier,, der Säumer,. . - Die Gaumutter, plur. die miitterv eine Sau weiblichen Ge--, schlechtes, wenn ste Junge hat, oder doch gehabt hat,S. 2 Sau 2.. D ab Gaimess, des cs, zainv.die—er, in derLandwirthschaft einiger Gegenden, ein im Pflügen aus Versehen oder Ungeschick-- lichkeit stehen gebliebenes Stück Erde, S. Gackhase. Das Saunetz , des—es, zrlur, die—c,rin Nctz, mitwelchem: ans Sauen, d. i. wilde Schweine, gestellt» wird; das. Saugarn.. Dor Gauräed,des—es, plur. eine in vielen Gegenden, besoaders Öoerdeutschkanbes, übliche Benennung der Berberis-- staub e, wegen der angenehmen Säure ihrer Beeren, dachrr ste auch Säuerling^Sar 1 eeb0rn, und in Österreich Weinschädling: genanitt wird. (S/-Berberie.> D.ie Endsylbe ach isibie. Ablcft- tungswlbe—ich.. Die G.auee, Ptur. die —n, das Abstractum desBey- und Neben- - Wortes für d.asichlepvende Sauere, die saure Beschaffenheit eines Dumes.' 1) Eigentlich, und ohne Pluraff außer von Mehrern Arten,. AreSäure des EssiZes, . des. Weines u. s. s, -dem Weine seine Saure benehmen.. 2) Ein saurer flüssige Körper, als ein allgemeiner Ausdruck. Di e-Salzsäure,Vitriol: saure u. s. s. Die Saure im Magen, sauer gewordene Säfte. Der Gaureistke, des — n, plur. die—n, eine Art Reißsen von schwarzer lliidbläirlicherFarbe.welche ciiie schlechteSpcift'oer Menschen, aber eine bessere der Säue sind. S. Reistkc- Säuren) S. Säuern. DerGaurüöe, des—n, xstnr. die —n, bey den Jägern, eine Art zotiger starker Hunde, welche ein wildes Ansehen haben und zu den Sauhatzen oder wildenSchiveinsjagdeu gebraucht werden; der Rüdenhund. S.,Rilde. DerSaurussel,. des—s, pl u r. ut vorn. der Rüssel einer Sau, oder eines Schweines.. DerSaus, des—cs, pl u r. i null von dkm Zeitworte saufen, ein sausendcrLaut, ein sausendes Getöse, i) "Eigentlich, wo >s - doch im Hochdeutschen veraltet ist, wo man dafür lieber dasGan- sen,oder Gesalisegeb!-aucht. Tbervrdank der. Held Hort den 'Saus, Theuerd.Iu eillem.ttiNeu 8u^(!e, Jeroschin. 2)Figür, lich, das Getöse mit wilder Freude schmausender oder zechender Personen. Im Sause leben, oder auch im Sause und Braust-, im Sause und Schmause leben.. Sic lebten all mit ihm in Gans, Theucrd. Kap. 75. Der reiche. Mann lebte alle Tag in dem Sust, Karftrsb. Sausen. Der Sausack, des—cs, plur. die—sacke, ein mir zerschnitte, ncm Specke, Schwartei?, Semmel und Schwcinsbkiit als eine Wurst gefüllter und hernach geräucherter Schweinsmagen; der Schrveinemagen, Schwarteumagen, die Magenwnrst. Der GaufchneiöFr, des —-s, ^lur. uluom.liriA. derSchwein- sch Neider,, Säuseln, verd. rsf;. Lel. et neubr. welches im letzter» Falle das Hüisswort haben erfordert.. Es ist das Dilnüint. des folgendeir sausen, ein gelindes sanftes. Sauft» von sich geben und hervor bringen.. Besonders von dem sanft?» Sanftn eines gelinden an? genehmen Windes. Der Weste Säuseln,. Der Lerche kräuseln, Weiße.. Laß mir säuselndem West den Abend den weltkreis erfrischen, Zachar. Wie säuselten die Lüfte so gelinde. Zu jener Ruh, Hagcd. Die Haine säuselten, Dusch. Jngleichrnvo» einem ähnlich lau. tendeir Tone der menschlichen Stimme, der .-ine Art eines leisen Süigens-ohne Worte ist. Ein Rind durchGäuscln in denGchlaf bringen, es einsäusein, welches man im Niederdemschril nach einer andern,, aber, ähnlichen Öilomatopöie,. hiissen, hnffekcn ncniiet. Sausen, vsrb. rer-, neulm welches dasHülfswort haben erfordert, und einen gewissen starke,1,mit einem Zischen verbundenen Laut Nachahmer, den ein starker Wind oder eine schnell und heftig bewegte Luft anu häufigsten von. sich gibt; diesen. Schall von stch geben und hervor bringen. Der wind sauset um die Dächer, Du hörest das Sausen des Windes wohl,. Joh. z. 8. Nach dem Feuer kam ein stilles , sanftes Sausten, (Sausen,) r-Köm. 19,, 12.. (S, Säuseln.) Das Meer sauset. Eilte Ranonenkugel sauseh wenn ste schnell durch die Luft führet, kleinere Kugeln pftifen. Das Gansemund Brausen der Mhe-en, diejenige Empfindung in den Ohren , als. wenn, man einen starken Wind sausen und brausen hörete.. Jngleichen figürlich , 'sich- ans eine wilde lärmende Art vergnügen. Es soll deute, alles irr Sausen und Schmausen bep mir gehen, Welpe. zS, Saus,) So.- Luch dasGausem. . ' Anw. 'rZog Sau Sch a iZic, Anm. B c» den Schwäbische ,i Dichtern 5 u 5 sn, im Niederst susen, (welches auch von einer Akt desSujgens ohne Worte gebraucht wird, wofür im Hochdeutschen säuseln üblicher ist,) in, Schioed. iusta. Es ist eine unmittelbare Nachahmung der Natur. , , Der Gausewmö, des—es, pttrr. die—e, eigentlich euftheft'. ger sauscudcr Wind. Man gebraucht eS nur iur sigürlrcheri Scherze, von einer wilden unruhigen Person,weiche che il s ihreGcschäfte mir einem lärmenden Geräusche verrichtet, rherls auch wilden lärmenden Vergnügungen ergebe» ist. S. Sans. LerSuusoieß, des—es, plur. die—e, bey den Jägern, ein starker Spiel) mit einem Knebel, die Sauen oder wilden Schweine daran anfiailfen zu lassen; das Fangeisen, die Schwemsfeder. Der SauftttU, des—es, ^)I.ur. die—sialle, ein Schwrinsiass. §?ie Sirttt,dttne, sslur. die —n , S. Barlapp. L ie Sauwurz, plur. mul. ein Nähme der großen oder knotigen Vraunwurz, Ütttoplttiluchu noäolü S. deren Wurzer nud Blätter emen widrigen Geruch uad durcrit Geschmack haben. Der Saveyer:Rohl, des -^es, plur. inul. in einigen Gegenden ein Nabme des weißen wivsinges oder Herschkshles, 6rul- lica vlernmen LttvuuckL S. ohne Zweifel, weil er auS Savoyen zunnsgerommni. , Das Scervulche, des—es, plur. die—e, rin nur noch m der Römisch-il Kirche übliches Wort, r) Das Srapuüer der Mönche ist ein kurzes Sderkteid, welches nur die Schnitten bedeckt, oder wie es gemeaw lich erkläret wird, ia armo-s ratttumLlttülL eil, daher < S nn niiltlcrn Lat. auch ^rurilLustt hieß. Hur ist cS -LiiS Vestis l(.'Ljiu1urt5,von Lcu^uin, das Schi-ilttctla.st, rnt- lehnet, und wurde im Mittlern Lar. LLttpuInrp genannt. -) Der Rosenkranz wird daselbst gleichfalls noch dasScapillier genannt; rhedem'der Sch a p ei, weiches auch einen Kranz überhaupt beoeu- tet, Freut;. Lüusoelel. S. Schapel. Die Scene, plur.dic—n, S. Auftritt. Scepter, S. Zepter. Sch, der volle oder grobe Zischlaut' welcher vornchmltw der Oberdeutschen Mundart, und auch hier mauchcnPi'ovmzen mehr a!S andern eigen ist, obgleich die Niede: deutschen ihn ümch nicht ganz vermissen. Indessen gebrauchen ihn diese nur vor cinen; Selbstlaute und vor dem r, dagegen sie sich vor dem l, m, n, und w, wie ihre Nachbarn, die weiter gegen Norden wohnenden Vöiler- sschaften, mir einem bloßen einfachen s begnügen, und um deßwil- !en in dem Wohlklange vieles vor den Doerdemschen voraus da- ben ; snreken für schmecken,swavt für schwarz, snlden f ;e schneiden. Auch da,wo dleOderdeurfchen daS ein ache s wie ein sch Höven lassen, besonders vor dem p und t, sprechen die Niederdeutschen nur ein einfaches s; ob eS gleich auch gröbere Mundarten unter ihnen gibt, welche sogar daS s vor der verkleinernden Endnng- chen, in ein sch verwandeln; Röschen für Röschen. (Suche G. wo von dieser Aussprache mehr gesagt worden. Die Westphalett haben nebst den Holländern und einigen nördlichen Mlrerschaslcn dieses Besondere, da sie auch da, wo sie ein sch Haben, eS doch nicht zischend aussprechen können, sondern das s und denGanmen- lanrbesonders hören lassen ;.Sgallfür Schall, FleisNfür Fleisch, Sinken für Schinken. Duftied und seine Zeitgenossen schreiben das sch gleichfalls häufig durch kränkis^r runZuo, Fränkische Sprache. Dieser Zischlaut ist sehr oft unmittelbar aus derNatnr entleh» net; rantthen ist ein anderer und stärker zischender Schall als pausen in brausen. In diesem Falle ist es srrylich sehr unbequem, daß wir diesen einfachen Laut durch drey Buchstaben s, c und h a sdruck n müssen, welches bep demBuchstabirrn sehr viele Unbe- quemlüpkert hat. Es haben daher schon mehrere ein eigenes Schriftztlchen für diesen Laut inVorsschlag gebracht,welches dests> mehr zu billigen wäre, da uns unter andern auch schon oicHebräek mir ihrem V, Lettin, darin vorgcgangcn sind. Allein, so nützlich ein solches eigenes Schriftzeichen für den setzt gedachten Fass ftpn würde, da dieser Laut wirtlich einfach und ans derNamr eru- lehnct ist,so würde es doch in einer andern Bett achtung weder ft-- ne Unbequemlichkeit haben. Denn in vielen Wörcern ist dieses sch wirklich aus zwey verschiedenen Lauten zusammen geschmolzen^ nähmlich auSdem Ganmcnlairte ch odcr g, und ans.dem Vorgesetzten Zischer s, welcher entweder die Dedenknng vcrsiäAer, od.r auch nur ein bloßes Eigenthum der Mundart ist. So ift S^alL allem Ansehen nach anS Gall, Fallen, und dem verstärteii« en s gebildet, schchen in geschehen aus gehen u. s. f. wovon j:n folgenden häufige Beispiele Vorkommen werden. In diesem Falls würde es die Ableikttttg erschweren, weil man alsdann das s Nicht sso leicht von dem Gaumenlaute würde absondern können. Dass unsere Nbleittmzssylbe —tsch auf eben dieft Art, nähmlich durch den Zusatz des Zischlautes aus —ig, oder — icht, cnrstanDen, ist schon an seinem Orte bemerket worden In der Lompararion solcher Bepwörter)welche sich auf sch usth isch endigen, wird im gemeinen Leben, und selbst bey vielen Spachlrhrern nicht genug für das.Ohegesoxgt; närrlschste, bübischste, keuschste, klingen überaus rauh und widrig. Die sich auf ein bloßes sch endigen, nehmen dahrw zu Milderung dieses ÜbelklüngeS ein c vor der Eudsylbe an, welches auch die auf ß, si und z thnn; keuscheste, gewisseste. - Aichinger Mid anders wollen dieses c auch bey denen aufrscy cingefudret wissen ; narr- schelle, hämlschene u. s. s. wo aber bloß ein Ubelklang durch den andern ersetzet wird. Am sichersten vermeidet man diese Superlativen; ist solches aber nicht möglich, so läßt sich der Übellant fthr- dadurch vermindern-, daß man von der Endungste daS s oer- hrchet; narplschre, bübischte, hämischte, parrepischte, schkl- miftyre, hohnrschte, knccht'.schie ul s. f. Schürf, Gchaam, Schaar, S. Schaf, Scham, Schar. Das Seyabaas, des—es, p!ur. inul. bey den Gärbecn-, ,daS- ^jenigeAas, d.r. Fleisch und Haut,waSvon der üiwendlgca Seite der Felle abgeschabt wirb. Das Gchavad, tttbü. iuäscl. plur. lauf. ein nur im gemcmeir -Lebrii einiger Gegenden übliches, von dem Zeitworce abschabew gebildetes Wort, daS Unnütze oder Uirreinc zu bezeichnen, was von einem andern Dinge abgeschabt, und in weiterer Bedeutung, abgesondert wirb ;.das SchabseftAdschabsel, Niederst Schädels» Dem Frisch zuFotge wird derRaden in einigenGegendenSchabab geilaitnr, weil er als nnt-änglrch von-dem Getreide abgesondert werden muß. Daher gebrauchte man eS ehedem auch figürlich für AuSwurf, Ausschuß, Scheusal n. s. k» Er mußte von jedermann dev der Pfassheit Gchabab sepn, Hedion mder Kicchenhist. dey dem Fi lsch. ^ ^ Ich zetlch dahin, du bist Schabab, Hans Sachs. Wo eS i«l unfern jetzigen Bibel - Ausgaben, i Cor. 4 , 13, heißt, und ein Frgopfer aller Leute, , d» hieß es in den Ausgaben von >524 und -y--/, und eyns ydermans seyabab. In dem alten Rermspruche hül- Hrgen, da man von einem Verstorbenen sagt: Ein Tuch ins Grab, damit schabab, scheinet eS auS abschieben,. -Niedets. abschnven, fich abführeu, fortmacheit, erllsta,iden za ftvn. Die Sll-ttöäite, piur. die —n, ein nur in den Kupferhämmern ^ üdl-ches Wort, wo das Gestell, worin ein Amboß stehet,- mit diesem Nahmen beleget wird. DaS Wort ist allem Ansehenüach ausländisch. , , Der S^llvvelschnttbel , eine Akt Vögel. S. Schapelschnaber. Die' / §Z71 Scha L Die Schabe,plur. die—N, von dem Zeitworts schaben. 1. Ein Ding welches schabet, ein Werkzeug zum Schaben, i) Eilt Ding welches schabet. So führen verschiedene Arten von Jnftcten, welche auderc Körper zerfressen oder zernagen, den Nahmen der Schaben. Dahin gehöret die Motte, ?LiLlZeuL User l-, die Milde, Lluttu 1 ^. die Assel, welcheuicht nur Nellerschabe, sondern such nurSchabeschlechlhin genannt wird, (S.Assel.)Die Bäckerschaben sind eineArt schwarzer, breitcrMehlwürmcr,weiche sich gern bey den Bäckern in dem Mehle'anfhaltt'ii. Auch der Riehwurm, welcher sich in den Bienenstöcken aufbält, wird so wohl Schabe als Motte genannt. In allen diesen Fällen laucet das Wort in vielcr^Gegenden Schwabe, (S. dasselbe.) 2) Ein Werkzeug zum Schaben. So heißt dieThonschneide der Töpfer ,bev ihnen auch die Schabe. Hierher scheinet auch das unter dem Rahmen der Schabe bckaniueFifchnetz z,l gehören,welches in den meisten Gegenden verbuchen ist, und der Rassel ähnlich zu ftyn scheinet.xS. dieses Wort.) Dar. Nachtfischen mit Schaben oder Schiefern, heißt es in der Sächsischen Fischercrönnng. Wenn es nicht vielmehr von schieben abstammet. 2. Der Zustand, da man sich schabet odrrschaben muß, ohne Plural; in wclchsmVerstniide die Krätze im gemeinen Leben häusig die Schabe genannt wird. Lat. Scabies, Jtal.SeäbbiQ, Engl. Scnb, Angels. Scaab. S. Schäbig. Die Schübe, plu^. die —m, ein nur in dem Salzwerke zu Halle, in dem zusammen gesetzten Borrschäbe übliches Wort, diejenigen Bleche zu bezeichnen, womit der Rand der Salzpfannen erhöhet wird. Vielleicht von schieben, weil diese Bleche gewisser Maße» angeschoben werden. Der Gchabebaum, des—es, plur. die—bäume, ein Baum, welcher vorn zwey Füße hat, hinten aber auf der Erde liegt, auf und über welchen die Garber, Pergamenter n. s. f. die Häute so wohl rern, als dünne schaben. S. Schabebock. Das Schäbebs ech, des —es, plur. die —e, bev den Schustern, eine spitzige stumpfe Messerklinge, daS überflüssige IWachs damit ans den weißen Nähten zn schaben; die Schabeklinge. Der Schabebock, des —es, ^lur. die —bocke, ein Bock oder Gestell der Kammmacher, welches dem Schabebaume der Garber vollkommen gleich ist, das behauene Horn darauf gleich zu schaden. Das Schabebret, des—es, plur. die—er, ein Brot der Lederarbeiter, das Leder daranfzu beschaben. Der Schsbeöeyen, des—s, plur.ut nc>m. llnZ. ein Werkzeug von Stahl der Zinngießer, in Gestalt eines flachen Dolches mit einem Hefte, ihre Arbeiten damit zn beschaben. Das Gchabeeifen, des—s. plur. ut vom. 6 nA. ein Eisen, oder eisernes Werkzeug, andere Dinge damit zu beschaben, dergleichen mehrere Künstler und Handwerker haben. Bey den Klämpeneru ist es ein Messer, dss Messing rein zu schaben; bey -en Schwertfegern ein,Eisen mit einem Hefte, die Metalle vor demPolierendamitzu beschaben, wo es auch der Schaber heißt; bey den Böttchern ein fcharftr Halözirkel mit zwcy Griffen, das Inwendige der Fässer gkartzu schaben; bey den Kupferstechern ein Werkzeug, in die zur fchwarzcnKunst anfgcackerte Platte dicAch- tcr einzuschaben, die Schabebriicke, der Schabrkrng; bev den Lohgärbrrn eine krumme Klinge mit zwey Griffen, die Haare und Las Fleisch damit von den Fellen zu schaben, das Zaareäsen, Grreicheifen u. s. f. . Der Schabehobel, des —s. plur. ut norn. 6 vsi. einHobel der Znfirumcntmacher, feste Materien damit zu schaben. Die Schabeklinye, plur. die —n, eine Klinge verschiedener Handwerker und Künstler, andere Dinge damit zu beschaben. S,Schfcheblkch.)Auch dikBrjudrrchslcr haben eine fvlcheKlirrge, SchaV iZi2 das Bem auf dem Boden glatt zu schaben, welche bey ihnen dH Gchabklingcr heißt. Die Gchabekrücke,plur. die—u, S. Gchabeeifen. Der Schabelruy, des—es, plur. -Le—krüg?,S. cbe-udaftlbss. Das Gchademesser, Los —L, plur. u- npM.'lrog. ein Mess-.' zum Schaben, dergleichen bossuders die Pergamenter unr-andere Handwerker haben. Schaben, verb. rs§. act. r) Stark, und mit einem diesem Zeitwort? eigeurhüuüicheri Geräusche reiben. DieThierc schaben sich, ivenn sic sich den Leib an Bäume, Wände u. s. s. reiben. Ziob schadete sich mir Scherben, Hiob 2, 8 . In den gemeinen Sprecharttn, besonders Nicderdcutschlandes, hat man in dieser Bedeutung auch die Jrftensiva schabbcn und schubben, welche im Gebrauche noch niedriger sind, als das einfachere Zeitwort; Schweb, fkubbs. 2)I» engerer und gewöhttlichererBedeutmig, mit einer scharfen schneidenden Fläche reiben, «m dadurch etwas wcgznschaffen, oder einem Dinge cineZiibercitung zu geben. Den Noth von etwas schaben. Den Nase schaben, das Äußere davon abschabcn. Möhren, Ruben schaben, durch Schaben reinigen« Jemanden ein Rübchen schaben, (S. Rübe.) Mit einem Messer, mit cinent.Stucke Glas u. s. s. schaben. Im Niederst bedeutet es auch die Flächen eines Deiches eben und glatt abstechen. Bey d-'n Fischern, ist das Schaden und Schiefern eine verdorbene Arl des Fischens, (S. Schabe.) Figürlich, doch nur in den niedrigen Sprecharten, ist schaben, Geld zusammen schaben, es durch den nckdrigsteu, ängstlichen Goltz zusamkrun bringen. Daher das Schaben. Anm. Bey dem Notker scabsn, im Niederst schaven, im Angelst l'caian, lcsuiuo, im Engl. to lbavc, ine Gchwcd. skufva, im Lat. stcabere, im Gricch. intensive Es ist eine Dnomatopöie, und bedeutet irr den verwandten Sprachen a>- scrley verwandte Handlungcit. So ist z. B. nu Holländischen lcbueven hobeln, uuddicbscve ein Hobel. Unser scheuern ist nahe damit verwandt, nur daß es vermöge der Endiylbe—ern, ein Jntenstvnm oder Jterativrim ist. S. auch Schieben, welches einen ähnlichen, aber wegen des gedehnter» ie langjainoru Laut ausdrnckt. Die Schaben, 6 n§. rnust. in der Landwcklhschaft, besoirders 3 ue- di-rdcutschlandeschieAgen odcrAchesn vowdem zcrb: öcheilcn'oojw des Flachses, welche im Brechen, Schwingen und Hecheln von demselben abgesondert werden. Niedersächs. Scheven. Entweder von schaben, weil der gebrochene Flachs.an vielen Drten wirklich geschadet wird; oder auch in lveitererBedenrnng,mit dem Begriffe kleiner zerbrochener Theile. Im Engl. isi 8 nioere:u Splitter, im Friesischen Schief, Kaff, Spreu, im Hebr. 222 ein Splitter, und 22^ zerbrechen. Im Salzwer-ke zu Halle wird die steinartigeRinde, welche von den Böden der Salzpfaniicna^- geschübktl wird, so wohl Schöpp als Schaben genannt. Siche Schopp und Galzßein. Das Schabengift, S. Gchrvabcnglft. Das Schabenkraut, des—cs, plur. inuf. eine Art dcrKvüigs» kcrzci welche im mittägigen Europa wächst; V r rbnlcum 6 -tt- ruriu l^ Mottenkraut; vielleicht weil es dieSchäben undMot- tcn vertreibt. Der Schaber, des—s, plur. ut nom. stnF. ^) E n Wort- zeug zum Schaben, (S, Gchabeeifen.) 2) Im gemeinen eine verächtliche Benennung eirvr geistigen, habsüchtigon P.rnm. Daher dw Gchahcrep. Der Schabernack, des—es, plur. die—e, in den gemeinen Sprecharten, ein arglistiger Possen, ein arglistiger Sl'.eich. Jemanden einen Schabernack thun, ihm etwas zum Schabet- nacke thun. Eben daselbst Hst man auch das Z-.ck.yort schavor- IZIZ Sch a nackm ; jemanden schabernacken, ihm solche'. Possen ipielen. Nkderf. Schavernack. Die Ableitungen, welche man von diesem dunkeln Worte versucht hat, sind größten Theils seltsam; z. B. Fris-Hcrrs, bey welchem cs so viel ist, als jemanden zum Schimpfe die Haare im Marken abschaben oder abscheren. Dis lekte Hälfte gehöret ohne Zweifel zu nech'en,wcil der Schabernack mehr'eine Art der Meckert als des Schimpfes ist ; nur die erste Hälfte ist noch dunkel. Der'Schäberüsch, des—es, plur. iouft in einigen Gegenden ein Nähme des Schachtelhalmes oder Kannenkrautes, weil Holz u, s. f. damit geschadet oder gerieben ttnd auf solche Art geglättet wird. Die letzte Sylbr ist das Wort Rusch, S. dasselbe. Die Schabewolle, xlur. car. diejenige Wolle, welche die Weif- garber von dru Schaft und Hammelfellen schaben. Schäbig, —er, —ste, ach. et ackv. von Schabe, die Krätze^ ein für krätzig in den niedrigen Sprecharten übliches Wort. Wenn ein Manu oder Weib auf demAaupt oder am Bart schädigt (schäbig) wird, z Mos. 13,29. Nieders. schämst, schäfsk^ Engl. llladft/. So auch die Schäbigkeit. Die Schabracke, piur. die—n, eine zierliche Decke vonZeng- oder^Leder. welche hinten amReitsattel befestiget wich, und das Kreuz des Pferdes bedecket. Das Wort ist ausländisch, vermnth. lich aus dem Türkischen eiapralr^lciiaprak, in eben der Bedeutung, Pohln.GrapraA. In einigen Gegenden heißt sie auch Waltrappe, Jial. Guulckrsxpa, Valstrappa, ohne Zweife! von Orappo, Tuch, und unserm wallen, eine Neisedecke zu de. zeichnen. > Das Schaftsel, des—s, piur. doch nur im gemeinen Leben, M nom. linK.dasjenige,wasabgeschsbetwird ; NiedersächsisH Gchavels. t. Der Schach, der Raub, S. Schächer. 2, tzer Schach, ein Viereck, S. Schacht. Z. Schach, ein in dem bekannten Schachspiele übliches Wort, lm«, ches daselbst m folgenden Bedeutungen vorkommt. 1) Der vor, nehmste Stein dieses Spielessühret bey den Morgenländern, wo dieses Spiel einheimisch ist, den Nahmen des Schaches, welches noch jetzt in den Morgenländern sehr bekannte Wort einen König oderFürstcn bedenket. Im Deutschen ist es in dieser Bedeutung unbekannt, weil dieser Stein bey uns der König genannt wird. 2) Von diesem Könige, dem vornehmsten Swine, wird dieses ^ Spiel selbst zuwoilenSchach genannt,wv cs doch nur ohne Artikel üblich ist. Schach spielen. Zn-ep Spiele Schach spielen. Au- weilen höret Manes alsdann auch mit dem ungewissen Artikel; das Schach ist ein scharfflnyigeb Spiel. 3) In der «Schweiz nennet man auch das Schachbret nur Schach schlechthin, und daher kommt die noch nicht ganz veraltete Redensart, rm Schach spielen,für Schach spielen. Endlich 4) ist es auch iudlesemSpwle ein sehr übliches Wort, den König zu neunen. Schach dem Könige!, Dem Könige Schach bierhen, ibn durch einen andern Stein nöthigen, seine Stelle zn verlassen. Den König schachmatt machen, (S. Schachmatt.) Wo es üblich ist, da hierher man auch der Käniginn Schach. In dieser Bedeutung ist es ein bloßer Mißbrauch, der ans UnklurdeLer wahren Bedeutung dieses Wortes entstanden. Wenn die Morgenländer den König durch einen Stein bedrohen, so rufen siez. B. 8cbacb llucb, das heißt, der König wird von dem Rochen bedrohet sdergcwar- r,el. Hie durch sind die Europäer verleitet worden, den Ausdruck in der jetzt gedachten Bedeutung emz'nfühc cn. Anm. Im Franz hicbse, im Ital. bcacco, im Engl.C'bels. Sehr viele Wortforscher l-abcn es von dem veralteten Schach, Raub, da§ Rauben, s S, Schacher) abletten wollen allein der nur bey ansiändischenWörtern übliche indeclinableGehrauch des Fhel.w/B.3.TH. -.Aust» Sch a 1Z14 Wortes Schach hatte sie schon belehren köimrn, daß das Wort ausländisch seyn müsse. DieEeschichte dieses Spieles wi-r-soft ches noch mehr erhärten. Dieses Spiel istin ganz Asien gewöhn, lich, und ist dem übereinstimmigen Zeugnisse aller Morgenländer zu Folge in ganz Indien, und wie diePerser behaupten, von einem gewissen Aezeh Eben Daher erfunden worden. Es ist ein Kriegs, spiel, und bildet die alte Indianische Art zu kriegen sehr deutlich ab. Die Römer lerncten es vermnthlich bey ihren Kriegen in Asien kennen,und nannten es Kuckum latwonurn oder latrun- cuIoruM, nicht vontatro, ein Räuber, sondern so fern dieses Wort ehedem einen Soldaten, einen Krieger, in gutem Verstände bedeutete. Nachmahls scheinet es in Europa in Bergl ffenheitge- rathcn zu seyn, bis es durch dieArabcr in Spanien wieder bekannt geworden, da es denm unter andern an Earls des Großen Hose sehr üblich war, wie denn auch die von chm gebrauchten Schach, steine noch zu St. Denis gezeigel werden. Die Perser und meisten Morgenländer nennen das Spiel 8evrenZe, d. i. tausend Sor« gen, wegen des dazu nöthigen Nachdenkens, (S. Angelt a S. Josephs 6aL0pk)elLn.Iinguae^erLS. Z7°,) wovon auch die nenern Griechen ihr 2«-r^r«to„ entlohnet haben; die Chinesi r Las Elephanrenspicl u. s. ft Bey alle» aber heißt der erste und vornehmste Stein, der die Seele desSpicles ist, Schach, Perl» Ofts, d. i. König oder Fürst; und diesen Nahmen haben die Europäer öeybehalten, ob sie ihm gleich manche ihm fremde Bedeutungen beygelegt haben. Dis Franzosen nennen auch alle Schachsteine les CckreL8. JnDevtschland sind nach und nach dreyerseyArtcndieftsSpie- les üblich gewesen; das große, das kleine, und dasjenige, wel- ches jetzt überall gespielet wird. Das große, welches dasjenige ist, von welchem die Schriftsteller des i2ten und i zien Jahrh. rsden, hat stch noch bis auf unsere Zeiten in dem Hälberstädtijchen: Dorfe Srröpke erhaiten, dessen Einwohner von undenklichen Zeiten her den Ruhm geschickler Schachspieler haben. Sie nennen es das Lourier-Spies, und sp-elen es anfeiner länglichen Tafel von 96 Feldern, wovon 12 aufderlangen und 8 auf der kurzen Seite sind. Zeder Spieler hat 24 Steige, näbmlich außer den 16 gewöhnlichen zweyEoitrier, einenNarhfürdenKön.g, welchen sie den Alten oder des Königs Mann nennen, einen Narren füc die Königinn, der den Nahmen Schleich.führet, und vier Bauern. Das kleine Schach' wird noch in eben diesem Dorfe be:>- behalten, nnd-mit i6 Seeinen in 64 Feldern eben wie das große gespieler. Sie ncirnen es das alte Sptel, dagegen ilirser gewöhnliches Schachspiel bey ihnen den Nahmen des wälscheir Schachs führet. Ein Mehrers würde Hier am Unrechten Orte stehen; d»ch ist Hey den Nahmen der Steine dieses Spieles noch manches hierher gehörige bemerket ivorden. S. Thsm. 6pde cks lurlis orirnt» Dxsord r 6g4ftn 8. Das Schachbret, des—es, piur. die—er, ein in viereckige Felder gerheiltcs Bret, woraufÄ'chach gefpmlet wird; im Oberd. auch nur der Schach, ingleichea die Schachtafel. Schachen, in Vierecke rheilen, S. Schachten« Der Schacher, des —s, plur. rck vom. ÜnA. ein im Hochdenft sch c:» veraltetes, aber noch in einigen Oberdeutschest Gegendeir übliches Wort, einen Rauher und Mörft r zu bezeichl-en. Mair gebraucht es mw noch zuweilen in der cheoiogischen Schreibart, wenn von den zwey mit Christo gekreuzigten frbelrhakrrl» die Rcds ist, welche Luther Hlorder ncnrreft Da - Wort ist alt und kommt schon beydcmOtksriedvor, der einen Räuber und Mörder mehr- mahls 8caber nciinet. 6caüe'ro bey ihm eine Aäub r- höhle oder Mördergrube. Sich legt an den Weg als ein fchacher, heißt es in einer alten Übersetzung der Sprüche Salomo O s 0 s y ^ von 0400, Kap. 2 Z, 2 8. Es stammet von dem veralteten Zeit- Worte schachen, Franz. saceaZer, her, welches überhaupt eine schnelle Bewegung machen, in eugerm Verstände aber rauben, tödten, «iedermache» bedeutet har, (S. Schachten,) und sich von jagen nur durch den Zischlaut unlerscheidet. Es ist noch im Niederdeutschen üblich, wo cs schaken lautet, und besonders von der Entführung eines Fra-urnzimmers gebraucht wird. Das Hauptwort Schach, im Mittlern Lat. LuucuZ, Holl. 8c!iLak, war für Raub, Aanbercy, ehedem gleichfalls sehr üblich, und kommt bey unsernalteu .ObcröeutfcheuSchriftstelleru h Lustg vor. Dre erste und ursprüngliche?Zcdeutung ist,wie inRaub und andern ähnlichen Wörtern,^ heftige Bewegung, daher die Verivandt- schaft mit Schäker, schicken, Schal, schaukeln, dem Angelst ienL.'-n, dem Engl, to schock, stoßen, schütteln, dem Franz, c'choccsiasr u. st f. leicht kenntlich ist. Wenn Schacher im.ver» Lranlichen Scherze zuweilen als ein Scheltwort gebraucht wird, ein armer Schächer, ein armer Mensch, so liares dieses mir Schelm und andernAusdrückengemein, ob cs gleich auch hierfür Schäker sichen kann. Dttö Schacheokreuz, des — es, plur. die—e, in der Wüpen.' kunst, ein wie ein großes ^ gebildetes Kreuz, werk die mit Christo Hingerichtete!! Schacher an eilt solches sollen seyn gche.nket worden ; däö Gtröelkren;. Andere belegen das Andreas: Aren;, welches einem X gleicht, mit diesem Nahmen. -HHächektt, vei-ir. rsz. «et. welches nur im gemeirrerrLeben üblich ist, wo es handeln, Kauf-oder Tauschhandel treiben , bedeutet, aber nur von einem gewinnfiichtigcnHandel imKleiuen gebraucht wird. Im Niederst gleichfalls schachern, imSchwed.i'ksrckru. Es .ist ohne Zweifel von den Anden entlehnet, welche diesesWort bey ihrem Handel beständig im Munde führen, daher es auch nur von einer Jüdischen, gewiilttjüchtigeu Art zu handeln gebraucht wird. DasJüdisch-Deutsche schachern ist aus den- Chald. 1NQ und Hebr. NIV, kaufen, handeln, entlehnet, wohin auch betrüglich handeln, lügen, gehöret. Aber auch diese morgenlau- duschen Wörter verrathen, daß sie vermittelst des rntenstven oder iterativen r, exn, von dem vorhin gedachten Zeitworte schachen, heftig bewegen, äbstammcn, stS. Schächer). Unser Handel und handeln haben einen ähulichenUrspruiig. DasNieders.schachern, laut nnd unanständig lachen, gehöret zu unserm schäkern. Das S Häch kraut, des ^—es, xlur. inul', m einigen Gegeudett, ein. 8?ahme des Pfricmenkrautc-s, 8^urlium scopuriuM k.. sS. Geniste) Ohne Zweifel von dem veralteten schachen, welches unter andern auch in eine scharfe Spike zuläufen, ingleichen stechen, bedeutet hat, wegen der spitzigen Ruthen und Blätter. S. Schächer und Schächten. Schachmatt, uckj. et uäv.welches eigentlich im Schachspiele üblich ist. Der Röntg ist schachmatt, wenn ihm alle Zugänge so besetz! sind, daß er keinen Zug thun kann, sondern sich ergeben muß. In weiterer Bedeutung wird es auch für völlig entkräftet und kraftlos gebraucht. Schachmatt seyn.Es ist als einNebimwort am üblichsten,wird aber doch auch zuweilen als einBeywort gebraucht. Ein schachmatter Rönig. , i Amm. Ztal. 8caLco-rnulto, Franz. Lekreet Mat,richtiger Lckec eff mul. So Deutsch dieses Wort ausstehet, so morgeulättdisch ist es doch. DicerstcHälfte ist das Arak.8effaeff, der König, und die letzte das morgenläudische rnut, todt, Hebr. N2- .Werrn der König im Schachspiele in diesem Zustande der Dhnmacht ist, der dem ganzen Spiele ein Ende macht, so sagen die Araber LcffiLeff-mul, die Perser alx r 8cia-rnch', d. i. der König ist todt, oder überwunden. Von diesen ist e- mir dem Schach spiele selbst nach Europa gekommen. G. Matt und tMyelrr. - s. ^ D^s Schachspiel, des —es, plur. die —e, das unter dem Nahmen des Schachs bekannte morgenländische Spiel,dasjenige Spiel, worin der Schach oder König der vornehmste Stein ist, das Äönigsspie!; ohne Plural. Ingleichen ein einzelnes Spiel in dieser Art zu spielen. S. Schach. DerSeyächsirin, des --es, plur. die—e, ein Stein, oder Körper m dem Schachspiele, womit dieses Spiel gespjelet wird. Dor Schacht, des —es, plur. die Schachte, ein Wort, welches besonders in einer drryfachen Hauptbedeutung gebraucht wird, welche dem Absehen nach sehr verschieden sind, aber doch darur überein kommen, daß sie insgcsammr ausgedehnte Näiuur oder Lnsgedehnte Körper bedeuten. r. Einen bloß in die Länge ausgedehnten Körper. In dreseui Verstände ist im Rieders. Schacht und Schecht eine hölzerln: Stange, Hopftnschächtc Hopfenstangen u. s. s. Auch der Schaft an einem Spieße heißt im Rieders, und Holland. Schachtend Schicht. Wir gebrauchen dafür in vielen Fällen Schaft, wel- . ches aufeben die Art von schaffen abstammer, wieGchachtvo« sch-r chen. 2. Einem die Länge und Breite ausgedehnte Fläche. 1) Über. Haupt; in welchem Verstände cs besonders im Forstwesen fiir Gegend üblich ist. Dress i- ein schöner Schacht Holz, en,e schöne mit Holz bestandeneGegeud, ein schönesDwl;,' 8eldschechte ^ silid daselbst die Feldhölzcr, oder kleinen ans dem Felde nur Holz bewachsenen Gegenden. 2) In engerer Bedeutung, (a) Ei-r . Körper, welcher bepuahesolang als breit, aber nach dem Vw- -hältniß der Länge und Breite sehr dünn ist, (S. Schicht.) Zn diesem Verstände ist cs in der Fcldmeßk,inst u. s. f. eme körxer- licheGröße,woran dreBreite und Länge einander gleich ist, dieDi- cke aber nur dx-n zehnten Theildep Länge beträgt. En: Schacht oder Gchiffschuh ist ein Körper, der z.B. eineRuthe lang und breit uud einen Fuß dick ist, welcher denn zur nähern Bestimmung ein Rurhenschachr genannt wird. Ein Schuhschacht isteimKörpcr, der einen Schuh lang und breit, aber nur emen Zoll dick ist. So auch Zollschacht, Linieüschacht u. s. s. Daher das Gchacht- mass, die Art und Weise, .die Körper auf diese Art zu messen, die Schachrruihe, eine solche Nurhe, der Schachtschuh ober Schachtftch, drr Gchachtzoll, die Schachtlinie u. s. s. (b) Ein jedes Quadrat, d. i. ein gleichseitiges Viereck, ohne den Neben- bogreff der Dicke. In dieser Bedeutung lautet es in einige» Gegenden auch Schach, Irak. Lcercco ; daher einige den Nahmen des Schachspieles daher leiten wollen , weil es auf einer in selche Schache oder Schachte getheilken Flache gespielet wird. Z. Ein in die Tiefe ausgedehnter Raum; m welchem Verstände es ehedem eine jede Grube bedeutete. Hornegk gebraucht es noch für eine Grube oder einen Graben, im Mittlern Lac. 8c trucüw; in GolilOnoinLli. heißt ein Abtritt der Schacht. Zu der Hochdeutschen Mundart kommt es wmig mchrvor, doch haben die Bergleute es noch ausbchalten, bcy welchen cs in einem doppelte« Verstände üblich ist. 1) Der obersteTheil der viereckten Höhlung eines hvhenOftns, durch welchen die Kohlen und Eiseustune mi- gestürzet werden,heißt der Schacht, iin Gegensätze des Herdes. 2) Ecu von der Dammerde gerade in die Tiefe gemachtes Loch, wodurch man in du Erzgruben ans- und einfälwet, Erz, Berge und Master hinauf schaffet u. s. s. Gemeiniglich geben duGchach' te scrckrccht, aber nachBcschaffenheikderttmstände werden sie auch nach einer schiefen Nichiuug geführet. Am häuft asten sind sir.vicr- eckt, obgleich auch dirß nicht wesentlich ist- Nach Maßgrbimg ihres Endzweckes bekommen sie verschiedene Nahmen; daher Hst m an 8 a h r sch a ch te, 8 ö rd ersch achte, N unst sch ach te u. s. s. E inen Schachtabteufen oder absinker;, ihn graben, verfertigen; ihn a-ustoiinen, mir Brcreril ausschlagen z ihu mnLwechseln, "vt ft-lchcm A"m. J-r dieser letzten Bedeutung im Schlycd. 31; c';t, im Hsacliis, im mittler» Lat. Xakstüs, nach einer:gewoh«» liche» Ber mechftlilüq der Hauch- und Blaftlauw, daht des iittkusiveu t unmittelbar von dem veralteten -schachen, her, -welch's eure schnelle Beweaurrg iiberhaupL, und «iukDew' gung nack) veeschiedeneuArren vouRchrungeubelouders ^deutet. Im Nreders. ist schechten schnell hin. und her taufen. Zu der «weyien Bcdeutunq der Tieft, der Höhlung, gehöret arrch unier Schachtel. S. dasselbe, jngleicheu Schacher. Die Scr-ätt)tafel, plur. die—n,eigentlich, ein, Tafel, auf welcher Schach gespi. lct w rd, wofür jetziSchachbrek üblicher ist. Ehed, m nannte man auch das Schachspiel seidstSchachtafel, und nach der Mundart einiger OderdeutschenG- grnhcn auch Schach- rabtl, in dem alten Fragmente auf Carin den Großen-bep dem Sckiltcr 8oA?.able, bey dem Hornegk Geschachczabel, Schwed» 8I(ü5t.tsakve!. Lie Gchcichtdichne, plur. die—n, im Bergbaue, Buhnen oder Absätze, welche in einem FuhrsckachLe angebracht werden, die Fahrten zu befestigen und denBerg euren das Ein-undAusfahrm zu erleichtern. Die Schachtel, plur. die—n, Dimlnut. das Schächtelchrm, Oderd. Schächtellein, ernBehälinisi v m dünnen Setkenwändcir, mit einem dariidee pasftudeu Deweft Gemeiniglich find die Schachteln aus dünnenBretern zusammen gebogen,aber mau hat sie auch von Pappe, Metall u. s. f. Die Figur und Tiefe ist gleichgültig; man hat runde, omücunde, vicreckte mitrund gebogenen Echm, ganz>ereck:e n s. f. Schachteln. Die dünuen Sei- teuivände und der darüber p »ffendeDeckel scheinen die weientlich- stcn Eigenschaften zu 'enu. Nach dem Unterschiede ihrrrBestim- ninna bekotnmkrr sie allerlei) Nahmen ; ^aubenschachtel, Puder- schachte!, perrnckenschachtcl, Latwergeirschachtc! u. s. s. Ein Satz Schachre'n oder ern Elnfttz, mehrere Schachteln von verschiedener Große, wovon immer eine in die andere passet. An m. Im Aal. 3cLtola. Die Endfylbe —clbezeichrret Hiersein Dimlnutisum, sondern :st die Ableirnngssylb^ —el oder —er, ciir D:ng, Sudjeet Die erste Sylbe gehöret ohne Zweifel zudem vor,aenWorte Schacht in dessen dritten Bedeutung, so daß Schachtel eigentlich ein hohles Ding, einen hohlen Raum bedeutet. Das Zral. ZenrcrlL bedeutekauch einen kleinen Schrank. ' Die G'ftachtelooxfle, plur. die—n, diejenigen Schweinsbor- steil, welche die Schuster, Sattler, Riemer m s. f. an ihren Draht m ach,en, damit ste solchen desto leichter durch die milder Ahle gemachten Löcher ziehen können;, weil man ste in Schachteln emmacht und verkauft. Der SchachfeldeEel, der—v, plur. u! vom. ssvA. der Decket ans einer Schachtel. Der Schachtelhalm, des —es, plur. lvuf. eine Act des Dagenschwamrs oder Nanneukrautes, Uhuilsturr, D. Lnlchrs zur Glättung allerlrv Holziverkxs gebraucht wird; Gchafthalm, Gchachtelbeu, Schafrhen, Nieders. Duwock. Der Nähme Schachtelhalm scheinet hier von Schacht l, ein langer dünner.Körper, abzustammen, und so Schafthalm, die gerade, lange, düizne Beschaffenheit der Srrele ft! b'-z-'ichucn, oder auch von Schacht Z , NM der hohlen Beschassu, heit der SräugxL willen. DcrSchachtclmahler, des — s, plur. ut vom. liv^.eine an einigen Orlen übliche Benennung einer Art geringerMahier,. welche die hölzernen Schachteln bemahlen und auch Brrefmahlev Zenannt werden. Schachteln, verb. reg. oct. mit Schachtelhalm reiben, polieren. Elfenbein schachteln. Der GchachtclsiocL, des—es, plvr. die—stocke, der hölzerne ^ Klotz, irber welchen die Schachteln geformt werden ; die Schach- ftftorm. ' "Dre Schachtelzarys, plur. die—n, die Scm'iuvände einep Schachtel; die Schachtclschieire. S. Zarge. Schachten, Verb. reZ. aek. vonSchacht, ein Quadrat, in gleichseitige Vierecke theilen. Ein geschachtetes 5elbin einem Wapen^ welches wie smSchachbret in lauter gleiche Quadrate gecheilet ist. Bey einigen auch schachen. ' S. Schacht 2 . Schächten,.vsrh.ruA. ZeNwelcheS nur bey denJudeu für schlach> Wn übiich,und augenscheinlich aus dcm-Hebräischrm schlsch- ten, cntlbh-wt l,k. Daher der Schächter, derjenige, der das Vieh schlachtet. Das im gemeinen Leben übliche jemanden schäch- ten, welches so wofst für bevortheilen, als auch für ansprügeiir gebraucht wird, ist keine Figur davon,sondern allemAnfther, nach ein Jntcnstvum von dem veralteten schachen, schnelle Bewegungen machen, rngleichen sagen, treiben. S. Schacher und Schacht. DerGchächtfüff, des — es, plur. die —fi.-sie, und wenn ein Zahlwort vorhcrgchet, plur. ut vorn. livg. S. Schacht 2 . Das Schichtholz, des — es, plur. -die —- Hefter, imLergbaue', cho ivohl diejenigen Hölzer,womit ein Schacht inwendig ausgez-m- mcrt wird,, als auch diejenigen, womit er zngedecket wird.. Der Schachthut, des—es, plur. d^-hme, Diminut. das Sch-achthntchen, Qberd. Schachthntlein, kleine Hüte vonFift ohne Rand, deren stch die Bergleute bedienen^besonders wenn sie. durch den Schacht in die Grube fahren. Das Gchachtkraut, deses, plur. ivull ein Nähme des Bchen, oder Gl-edkrantes, Lueudulüs Lsüev D. Die Schachtlatte, plur. die—n, im Bergbane, Lallrn, welche . senkrecht an dieSeiten desSchachtes befestiget werden, und tvoraw die Kübel aufund niedergeheii ;chic Schachtstangen. DerSchachtnrerstcr, des—s, plur. ur vom. iwA. in einigem Gegenden, der VorgesrHteuttdVsrnehir.ste unter denjenigen Arbei-- tern, welche einen Graben, Teichen, s. s. graben. ^ Bey einriw großen Graben, wo viele Arbeiter sind,'theilet man sie in kleine - Banden, d. i. Gesellschafken von H^rck-u, Ladern und Schubkärrnern. Der geschickteste Lader von jedrc Baude wird zum Gchachtmeister ernannt, der denn die übrigen seinerBande regieret. Qhne Zweifel von Schacht, so fern es eigsittlich einen jede» Graben, eine jede Grube bedeutet. - Dor Schachtnayel, des — s, plui-. —nage!, imBergbaue,-, große starke Nagel, womit die Schachrlntteu an die Seiten eines Schachtes befestiget werden. Die Schachtrnthe, plur. die—n, S. Schacht 2 . Die Gchachtschterre, plur. die—n, in, Bergbaue, starke eiserne Bleche, welche an den Stellen, wo zwey Schachrlatten zusammen stoßen, über dieselben geschlagen werden, aü^Hervorragung zw vermeiden. Der Schachtschuh, des — es, plur. die—e, S. Schacht 2 . Der Schachtstämpel, des— s, plur. ut vom. llnZ. im Bergbane, Mtsbeyden Seiten einqeschiiitteiic Hölzer, weiche zivischen die Wandrnchen und Anfälle eines Schachtes getrieben werden.. Q>o s 0 2 DtS 1Z17 Sch a frischem Holze anstatt des' faulen anszimmern ü. s. f. Der Plural lametim Hochdeutschen beständig Schachte, im Oberdeutschen aber auch Schachte. Du hast Der Schachten Erz aus Sand geschmelzt Hall. 0 ". . - Scha rZrE DerSchächtelmacher, des—s, plur. ut vom. llvF. des> ftnige, welcher vornehmlich hölzerne Schachteln auf den Kauf verfertiget. -)-V. Die Schachtstange, plur. die—n, S. Bchachtlatte. Die Gchcrchtstätte, plur. die—n, im Bergbaus, die Stätte, der Ort, wo sich ein Schacht befindet, oder wo er abgesnttken werden soll. Die SchcrchtsteueL, p!ur. die —n, eben daselbst, diejenige Steuer, welche dem Eigenthümer eines Schachtes vonfeemderr Gewerken en .richtet wird, wenn sie sich desselben zugleich mil be, dienen wollen. Der Schäcykstöß, des —es, plur. die —stoße, eben daselbst, der Scosi, d. i. die kurze Seire eines Schachtes, wenn derselbe keinem Quadrate, sondern einem länglichen Vierecke gleicht. S. Scoß. Die Gchachttsnne, plur. die—n, eben daselbst, diejenigen Tonnen, d. i. Lreter, womit ein Schacht ansgeschlagen wird. S- Tonne. , > Der SHcrchtzoll, des —es, plur. die— Zolle, und wenn ein Zahlwort vorher gehet, plur. ut uoru. liuZ. S. Schacht 2- Gchücke, Schä'ckitz, S. Schecke u. s. s. Schaöbcrr, —er, —ste, acij. etLäv. einen Schaden, eine Verletzung hübend, beschädiget; wofür doch schadhaft üblicher ist. Der Gcyaöbürge, des—n, plur. die—m, nur noch in einr- gen Gegenden, ein zweyter Bürge, welcher sich verbindet, den Hauptbürgen im Nochfalle schadlos zu halten; derSchadlos- bnrgc, A ück bür ge. Die Schade, plur. die—^-n, in einigen, besonders Oberdeutschen Gegenden, ein Nähme der Alose, Llupeu ^lc-lak,. welcheauch im Engl. 8iiÄctcke heißt. Der Schnöe, des —ns, plur. die Schäden, von dem Zeitworte schaden, r. Eigentlich, einende körperliche Verletzung, die Verletzung so wohl eines leblosem als lebendigen Körpers. Ein Glas hat einen Schaden, wenn es eilten Riß oder Sprung hat. Las Vieh thut den Zeldfruchten Schaden, wenn es dieselben zertritt , vderahfrißf. Feuerschade, Wcttcrfchade, Wasserschade, die -urch Feuer, Wetter oder Wasser geschehene Verletzung unsers Eigenchirnres. Am häufigsten von der Verletzung eines lebendigen Körpers. Einen Schaden am Auge, am Fuße haben. Em offener Schade. Ein innerer Schade. Ein Schade am Leibe, ein Lcibesschade., Ein frischer Schade heilet letchr. Schade ^ um Schade, Auge um Auge u. 's. s. 3 Mos. 24, 20. Es ist hier ein allgemeiner Ansdruck, welcher eigentlich alle körperliche Verletzungen und daraus entstehende Unvollkommenheiten in sich schließt, sie ftyn .nun Wunden oder Geschwüre u. s. f« Indessen hat der Gebrauch es anch hier in manchen Fällen eingeschränkt; besonders wird es nur mit gewissen eimnahl eingeführten Zeitwörtern gebraucht. Mair sagt nicht, jemanden ehren Schaden machen, ihm einen Schaden Zufügen, ihn an seinem Leibe oder an seiner Gesundheit verletzen; wohl aber Schaden nehmen, zn Schaden kommen, an seinem Leibe verletzet werden, besonders wenn es gewisser Maßen von ungefähr geschiehet. Es soll dir fein Schade geschehen, du sollst ans keine Weise an deiner Ge- sundherr verletzet werden,welche R. A. auch von leblosen Körpern gebraucht rprrd; es soll kein Schade daran geschehen. s. In weiterer und figürlicher Bedeutung. 1) Alles was denZustand so wohl eines Dinges als einer Person unvollkommen macht, und die Versetzung in diesen Zustand ; auch hier nur mit gewissen Zeitwörtern. (2) Im weitesten Verstände. Schaden an seiner Gesundheit, an seinem guten Nahmen, an seinem vermögen, an seiner'Seele leiden, wo vrau nicht Schaden nehmen oder zu Schaden kommen sagt, welche beyde N. A. nur von körperlichen Verletzungen^gebraucht werden. Durch Schaden wird man klug. Jemanden Schar -en chnn, chm Schaden zufugen. Das wird dir «m deiner Ehre Schaden rhun. Seiner Gesundheit Schaden ch,m. Seine Gewalt;» anderer Schaden mißbrauchen. Das wird deinSchade ftyn, wird deinen Zustand unoollkommner machen. Dem Feinde im Rriege Schaden chnn, Abbruch, (b) J„ enge-' rer Bedeutung, Verminderung des Eigenthmnes, so fern sieun- vollkommener macht, Verlust am Vermögen ; in welchem Ber. stände es öeynahe am üblichsten ist. Nach ihrem Munde sollen alle Schäden gehandelt werden, 5 Mos. 2 1, Z. Jemanden Schaden chnn, zufugen. Das thnt mir vielenSchaden. Schaden bey einer Sache leiden. Eine waarc mir Schaden verkaufen. Schaden bey etwas haben. Einen Schaden ersetzen. Jemanden in Schaden dringen, setzen. Ein unersetzlicher Schade. Es ist für mehr als tausend Thaler Schade geschehen. Andern mit seinem Schaden dienen. Daraus konnte mir ein Schade erwachsen. Durch Schaden wird man klug, aber nicht reich. In Schaden gerathen. Etwas mit seinem Schaden lernen. Ich diene gern, aber ohne meinen Schaden. Einen Schaden tragen, den Verlust über sich nehmen. Das verzcichniß der verursachten Schaden war zu hoch angerechnet. Daher es denn auch wohl überhaupt für knien jeden nachtheiligen Verlust gebraucht wird. Der Tod eines großen Mannes ist ein unersetzlicher Schade für ein Land. 2) OhneZweifel ist hieraus arrch der elliptische Gebrauch chicses Hauptwortes entstanden, da man es als ein Zwifchenwert .gebraucht, sein Bedauern über etwas an den Tag zu legen. Das ist Schade! das ist ein bedanerucher Verlust. Ist das nicht Schadek^Ey Schade! Schade.' Das ist ewig Schade, Mord Schade, Jammer Schade! im gemeinen Leben. Der Gegenstand, welchen man bedauert, bekommt, wenu er erir Hauptwort ist, das Vorwort um , sonst aber die Partikel daß, und von ,5iner künftigen «Sache wenn. Es ist Schade rim ihn! er ist zu bedauern, ingleichen, der Verlust seiner Person ist zu bedauern. Es ist kein Schade um ihn, an ihm ist nichts verloren. Es ist Schade um das Mädchen, daß sie nicht zu leben weiß, Gell. -Es ist Schade, daß ich nicht eher gekommen bin. Es war Schade, daß er nicht da war, es war zu bedauern. Es wäre Schade, wenn es mcht geschehen sollte. Nach einer noch weitern Ellipse wird auch das Zeitwort mit dem Artikel häufig cer- bissen. Schade, daß sie das Gedicht nicht vollendet haben. Schade, daß ich kein Gleichmß dazu finden kann, .Loss. -Schade, sprach er, solltest du Baum in dieß wilde Ulassrr stürzen! Geßn. d. i. es wäre Schade. Da es denn mit dem Vorworte für auch häufig ironisch gebraucht wird, ariziideucen, daß an einer Sache nichts gelegen ist. Schade für den Vrgnz l Schade für das Glück berühmt zu seyn, wenn es nicht beliebt >tmachr! Gell. Ey Schade für die Schafe, ' Mnd fiir-Tircnen rmt! Ich lobe mir das Band, Äost. Doch Schade, dacht er, für die Ehre, -Wenn ich kein zärtlich Wort aus ihrem Munde höre, ebend. Anm. >. In manchen Mundarten lautet dieses Wort in der ersten einfachen Endnug der Schaden. In der Hochdeutschen Mundart ist diese Form, welche auch einige Mahl inder Deutschen Bibel vorkommt, zwar nicht ganz ungewöhnlich, aber doch eben nicht die beliebteste, ob bas n gleich in allen übrigen Endnil-' gen bleibt. Da dieses Wort eigentlich ein Äbstractum ist, so ist es auch imSingillar allein am gewöhnlichsten .daher es deun äuch ft oft absolute und ohne Artikel gebraucht, wird. Den Plural gebraucht man zwar auch,aber doch wobl m.r allein m der zrveyn'u engern Bedeutung des Verlustes an zeitlichem Vermögen ; denn die Feuerschaden, Vettcrschaden u-s. s. beziehen sich zuuächß aus rzsr Scha k>uf den durch dar Feuer und Wetter verursachten nachthelligen Verlust des Vermögens. Indessen leidet es auch hier kein eigentliches Zahlwort vor sich. In. einigen Gegenden scheinet cs Man« gel, Unvollkommenheit überhaupt z» bedeuten. / ^ Darfkerne neue Welt mit tausend Schaden schauen, Spitz. Und Geyphius scheint cs für Streitigkeiten, Händel, zu ge» brauchen: wer sich mischt in fremde Schäden. Anm.2. In derFrättkischen Mundart schon im 8ten Jahrhmr- derre 8o2ckfte, bey dem Ottftied 80260, im Rieders. Schade, Gchae,imAngels.8c2i.lie, imEngl.8o2tft, im Schwed.8kct62- im Island. 8k.2äe, im Böhm, und Wend. 8K062, im Pvhln. 8rkoc1a. Wachter leitete es von dem Griech. «7^, Schade, her, welches allenfalls ein weitläufiger Seitenvermandter davon seyn kann. ftloch näher ist das Griech. as^Ly-, welches bey den» Scholiasten des Homer für unverletzt vorkommtchamit verwandt. D^r nächste Begriff ist der der körperlichen Verletzung, welcher wieder eine Fignr der ersten ursprünglichen Bedeutung der heftigen Bewegung ist. Im Zsläud. ist daher UaiMtaeä Toht- schlag, Menschenmord. S. Schaden. Das Schadegelö, des —es, plur. doch nur von Mehrern Summen, die—er, nur in einigen Gegenden, Geld, welches zur Ersetzung eines verursachten Schadens erleget wird; der Ersatz« Der Schadet S. Schedel. -Schaden, verb. reZ. llLutr. welches das Hülfstvort haben de, kvmmt,SchadenZt>fi'gen,in der weitesten Bedeutung,den Z,rstand eines Dinges oder einer Perftn unvottkommncr machen, mitdec dritten Enduitg der Person. Vieles Wachen schadet der Gesundheit. Das wird dir schaden, wird deiner Gesundhei.', deinem .guten Nahmen, deinem Wohlstände, deinem Vermögen nachthei. stig seyn. So sie etwas tödtliches trinken, wird es ihnen nicht schaden, Marc. 16,1 Z. Der Mund des Narren schadet ihm (sich) selbst, Sprichw. r 8,5. Wer ist der euch schaden konnte e r Petr, z, 1 z. Das kann meinem Glücke schaden. Ich würde mir auf immer bey ihm geschadet haben, würde seine nur nöthigr Gunst auf immer vermindert oder verloren haben, was -schadet es D was .kann cs für nachthrilige Folgen haben ? Das kann ihm nicht schaden, oder das schadet ihm nicht, M ge- -Wohnlicher Ausdruck, seinen Mangel des Bedauerns über eines andern Unfall an den Tag zu legen. Die Hauptwörter dqs Schaden und die Schädling sind nicht üblich. Anm. Bey dem Ulph-las mit der intensiven Eichung- die wir noch in beschädigen haben, lcaUtj2rr,bey dein Notker tc2äori, nn Augels l'enrftWN) im Engl.tol'L2lti,im Niedres, schaden,im -Schwed, th-262. Ursprünglich bedeutete» elnehcftigc Bewegung Machen, welche cs durch seinen Laut nachahmet, und figürlich durch solche heftige Bewegung verletzen-; daher es ein naher Verwandter von schießen, Niederst scheten, scheiden, Scheit, Schemel, in der Oberdeutschen Bedeutung der Trümmer, schütten, dcmHebr. verwüsten, dem Lat. 02s6sre, (der Römischen . Aussprache nach-k^clere.) dem nur der Zischlaut marigelt, dem allen Latein, loicksre, für lcinciei'L u. s. s. ist. Schaden ist nur in der weitesten Bedeutung üblich. In der eigentlichen engem, körperlich verletzen, ist das Zittensivnrtt beschädigen ein- geführet. Dis Schadenfreude,-plur. 62r. die Freude.über den Schaden anderer, das Vergnüget., welches man bey dem Schaden anderer empfindet. . ' Schadenfroh,—er,—-este, 26). et 26 Schadenfreude empfindend und darin aegruudct. Ein schadenfrohes Gcmrith. Ein schadenfrohes G'läcyter. Der Schadenfrohe,eine Person,welche üoer den Schaden anoercr ein Vergnügen empfindet. Scha LZ22 Schadhaft, —rr,—este, 26-. eb 2(lv. einen Schaden habend; doch nur in der Bkdeutttng einer körperlichen Verletzung. Ein schadhaftes Glas. Ein schadhaftes Lein, woran man einen Schaden hat. Schadhaft seyn, werden. Ein schadhaftes Gebäude. Das Dach ist schadhaft. Schott m dem alten Fragmente auf Carln den Großen beym Schiller, IcaBliLft. Schädigen, verb. rWZ. sct. welches das JnLensivum von schaden ist, aber nur noch in dem zusammen gesetzten beschädigen ge- braucht wird, S. dasselbe. Schädlich, —er, —ste, a6j. et aäv. Schaden brmgend, die Unvollkommenheit anderer Dinge befördernd,und in dieserEigerl- schaft gegründet; im Gegensätze des nützlich. Schädliche Brünier, eine schädliche Speise, ungesunde. Dsr ^ Bäumen, die Erkältung der Gesundheit schädlich. Ein schädlicher Nebel, eine schädliche Luft; wofür doch ungesund üblr- - cher ist. Schädliche Gewohnheiten, schädliche Rathschlage. Ein schädliches Thier. Ein schädlicher Mensch, in engerer Bedeutung, der Neigung und Fertigkeit besitzet, andern Schaden zu thun. Zn der Deutschen Bibel kommt es in diesen Verbindungen vor, wie man jetzt lieber gefährlich, boshaft u. s. f. sagt. Bey dem N»tkernurlc262l,bey den SchwäbischenDrchternloks- ckelioK, im Griech. ^xr«-A.ro§. ". -. Die Schädlichkeit, ptue. inuft die Eigenschaft eines Dmgss, da es schädlich ist. Schadlos, —er, —este, 26h et 26V. keinen Schaben wzsend, unbeschädigt. So wohl in Anfthnirg der unverletzten körperlichen Beschaffenheit, wo es in der dichterischen Schreibart zuweilen von Personen und Sachen gebraucht wird, (l), vertraun sie mir ihn, ich bring' ihn schadlos Mrncke, Zachar. ohne Schaden, nn- Lr schädig N ' Wenn er -. Die Geisel eurer Treu,euch schadlos wieder sendet,Schleg. Ms aitch, und zwar am üblichsten in der engern Bedeutung des Wortes Schade, so fern dasselbe Verlust an zeitlichem Vermöaen bedeutet ; wo cs doch N'w in engerm Verstände und als ein Nebenwort üblich ist, wegen eines erlittenen oder doch möolichen Schadens Ersatz habend, und bekommend. Ich bin -noch nicht schadlos, habe^noch nicht Ersatz meines Verlustes. Jemanden schadlos halten,'ihn vor ermm möglichen Verlust vsichcr stellen; mgleichen, wie entschädigen, ihm seinen Verlust ersetzen. Zngleichcn in weiterm Vcrstailde, von dem Ersätze eines jeden Verlustes. Die Vorsicht hält den ehrlichen Mann -immer schadlos, und öfters schon voraus, Less. Die Freundschaft, so vortrefflich ste ist, hält uns doch nie wegen der Liebe schadlos, Gell. DerSchadlosbärxe, S.Schadbürge. Die Gchadloshaltuny, plur. die —m, die Handlung, da man jemanden schadlos hält, rmDbecd. die Schadlosung. Die Schadlosigkeit, plur.OLr.öerZilstaick, da man schadlos ist, besonders in der cngern Bedeutung. r .Das Schaf, in cin-gsn Gegenden, ein Rahme eines Gefäßes, S. Schaff. . . 2.Das oder der Schaf.- des —es, plur.bie— -c, auch um m einigen Gegenden, cm Hobel, Hoüänd.cvollLeft 8olt2"se, wo es von schaben, Niederst schaven, indessen Weilern Bedeutung abstammet, (S. dieses Wort.) Bey dem Apherdiau kommt cs irr diesem Verstände vor. Z» Das Schaf, des — es, plur. die — e, Dimitt. das Schaft ' chen, Obeed.Schäftem, der Nakme eines vrerfüßigen, zwey- hufigen Thieres, weiches wegen seiner Wolle geschüttet mied, und wovon das mättnltche Geschlecht rückwärts gewnildenc-Hör- n§r hat. r) Im wertesten Verstände, wo r.tan, Lesondecs im L°°°Z iZ2Z Sch a Plural, und m vielen der folgenden Zusamtnenseßungen dieses Thier überhaupt, ohne Unterschied des Geschlechtes, ein Schaf > nennet. Schafe halten. vwle Schafe haben. Gchafvreh, so wohl weibliche Schafe, als Widder, Hammel und Lämmer. Besonders ein solches erwachsenes Thier; zum Unterschiede von einem Lamme. Line große Herde Schafe. Sprichw. Ein räudig Schaf steckt die ganze Herde an. Geduldiger Schafe gehen viele in einen Stall. Der Wolf frißt auch die gezählten Schafe. Er hat sein Schäfchen geschoren, hat dcu gehofften Nutzen, den verlangten Gewinn, reichlich erhalten. Sein Srpäfchen in das Trockne bringen, sich und das Seinige in Sicherheit bringen: Es kann in dieser R. A. auch aus Schiffchen verderbt srpn, gleichsam feinen Kahn aufdas Trockne ziehen und ihn auf solche Art in Sicherheit bringen; zumahl da man in Nie« dersachien in dieser R. A. das Wort Schepken gebraucht, von Schey, ein Schiff, dagegen einSchäfthen dctsrlbstSchäpken und Schap! en heißt. 2 ) I« engerer Bedeutung wird nur das werbliche tragbare Individuum dieser Thiere ein Schaf genannt, zum Unter schiede von dem Widder und Hammel; ein Mutterschaf oder Trageichaf. Schafe, Widder und Hammel. Sehr häufig wird dü-seS wehrlose und nnschädlicheThier als ein Sinnbild so wohl derSaustmuth iindGeduld,als auch der Einfalt undDumm» hr'it gebraucht. Ein.gutes , frommes, geduldiges Schaf, eine solche Person. Ern einfältiges , alberk.es , dummes Schaf. Das Schaf von einem Manne schwieg zu allen ihrem Unwesen still, der feige, einfältige Mann. z) Figürlich, wtaen einiger Ähnlichkeit m der dicken wolligen Gestalt, werden so wohl die Rätzchen oder Palmen an manchen Arten von Bäumen, als auch die Rcllerwürmer (S. Assel) im gemeinen Leben Schäfchen genannt. Anni. Im Isidor 8ca-w, ben deniOttftied 8c^5, bc-Y dem Notker 8c«tt, im Niederst Gchaav, iui Angelst 8cesp, im.Tn.gs. Es ist nicht leicht mit Gewißheit zu bestimmen, von welcher Eigenschaft dieses Thier seinen Nahmen bade. Vielleicht ist es sei» wolliges,iveichesFechstS.Gchopft; vielleicht sein eigen- tbiiml ichcs Gesckrey; vielleicht auch feine pagendrEigeuschasi, stehe Schabe und Scharen. Es ftp welchecs wolle, so ist Schopps, und wenn man denZstchlaut als zufällig ansiehet, auch daSLatein. Ovis und Gr-ech. damit verwandt. Im Niederst heißt rin Schaf weiblichen Geichlechtes auch Er,ve, Uewrve, Auwe, Angelst Lorvu, Engl. Lwe, welches dem Lat. Ovis noch nahes kommt, aber gewiß nicht darausentlehnet ist. Übrigens wird ein weibliches Schaf im Mecklenburgischen auchTajt'e.und in andern Gegenden Zade, Snucke genannt. Enterik ist im Niederst cm Mutterschaf, welches im ersten Jahre nicht träcktig wird,und Mvercntmik, welches auch im zweyten Jahre nicht Mlftlrchtbar bleibet. Eine Al t kleir-cr Schafe, welche auf der hohenHeide oder. G.est geweidet werden, heißen in Nieder,achten Heide,nach'en, Heidesmicken und Gcestknabben. In einigen Gegenden heißt ein Schaf mit einem andern Endlaute auch eine Schache, eineSchaf- herde ist als^ai-.n ein. Gchachenherde, und im Dkeklenburgische» nennen die Schäfer ihre Schafe nur.Dinger. so wie sie in Meißen , mit einer eben so allgemeinen Benennung auch Nv'ßcr und Sch aft noßerheißeu. s L er Schafampfor, des—s, pIur.inuL eine Act des Ampfers, welcher auf- d. u Wiesen und sandigen Feldern wächst.; ^ eloiLll^ ist, Sauerklee, Hasenklee, Guckgucksklee. D er Schafbaff, des —es, ,p!ur. inuü der Schaft:,ist, Schafdünger ; doch iu.c in denjemgcn Gegenden, wo Bau für Dünger od er.Mist üblich ist. Dü SchafRlattern. Lnx. inust. eine ansteckende Krankheit der Schaft, weiche Herr Kmdcrblatter«.gleicht, und eben solche Ver- Scha 1Z24 Wüstung unter denSchafen anrichtet, als diese unter denKindckn; im Niederst die Schafpocken, Franz. leOlLviu, !« Glsvenu.' Der Schafbock, des—es, plus, die — bocke, der Bock, das männlicheJndividuum unter deuSchafcn,bcsonders wenn er schon zur Zucht gebraucht wird; der Widder, in Obersachsei, der Gtahr. In der engsten Bedeutung eines zur Zucht tauglichen Widders wird er dem Bock - oder Hammellamme, dem Iahe- ltnge und Zestbocke entgegen gesetzet. Im Niedersächst hxjßt er Ramm, Angelst und Engl. kam, S. Rammeln. Die Schafbockrirn, xüur. die —en, S. Saunest und Hast-n- ncst. Schafen, u6j. et sckv. von einem Schafe; doch nur in einigen Fällen und m eü i.ien Gegend n, wo cs auch wohl sch äsen. lauter. Schafenes Pergament, Schafpergament. Schafenes Leder, Schafieder.. Schaftnev Zwilch, im Oberd. fürSchafteisch. 8cs- tiuL A. uricUä sind d»ydernO-tfeied Schaffstleider. Der Schäfer, des—s, pt>r. u,l nour. Fämin. die Scha- fermn, eine Person , welche die Schafe weidet, deren Geschäft es ist, d:e Schafe zu weiden; der Schafhirt, die Schafhirtinn. In engerer Bedeutung ist der Schäfer der vornehmste unter den Schafhirten einer Herde, dessen Untergebene der: Nahmen der Schafknechte oder Gchafecknechte führen. In der Dichtkunst, wo man das Schaferleben der ersten jugendlichen Welt, auS dichterischer Frephrit, überaus iirischuld-a', geistreich und vergnügt schildert, find die Schäfer und Schakerinren ine zärtlichsten,, fchuldlen'esten und rechen? st n G.schöpfe unter der Sonne; daher dicjh Ausdrücke denn auch vorr einem zärtlichen Liebhachr und einer zärtlichen Lirdha^erinn uberhäupt gebraucht werden. - Wenn in einigen Gegenden im Zehentwesen' diejenigen Hocken am Ende des Ackers, deren weniger als zeben.sitrd-, urrd wovon also der Zehente nicht gegeben werden kann, Schäfer haßen, s, ^ist es ohne Zweifel eine Figur, zumahl da man sie in ewigen Gegenden auch Rinder nennt. Mnrder figürlich heißen sie Frep- hocken, Endchöcken. Im Niederst Schacher, Schoper, im Österreich. Schaffer. )re Gchäferey., glur. die—en, eine Anstalt, wo Schafe in Menge gehalten und gewartet werden, ingleichen der Ort, wo sie gehaltenuverdcn, und zuweilen auch die ganze Herde Schaft mit den dazu gehörigen Personen. Opitz gebraucht es auch auf eine jetzt ungewöhnliche Art von einem Schäfergcdichtr, oderGchäfer« gesprächec DasSchafergeörcht, des—es, plur.die— e, in der Dichtkunst, eine poetische Nachahmung des mit allenReitzeu verschönerten Schäfer-oder Hirte,ilebens der alten Welt; das Hirtengedicht , mit fremden Wörtern drc Eklcge, die Idylle. Der Schäferhund», Le^— es, süuc. die — e, Hunde, deren sich die Schäfer zur Bewachung ihrer Herden zu bedienen pstegen, und welcheHiobZo, , Schafhunde heißem Die Gchäferkarre, ftlur. die—N, S. Schafhnttö. Der Schäferknecht, S. Scyasknechf. Das Gchäferlred, des — es, p Im r. die—er, rin Lieb, so fern es die Empskndmigcn der schuldlosen, zärtlichen Schäfer der Vor« Welt schildert.. Das Gwaferspük' des—es, pürb. die—e, ein Schauspiel, in 'welchem die handelndenPerwnl'n aus dieser erdichtcteuSchäftr- welt sind; mit einem fremden Ansdrucke eure Pastorelle.oder Pastorale.^ DieGchaferfiunbe, plirr. die—n , diejenige Stunde, derjenige Augenblick, welcher Verliebten günstig ist, die günstigeGesinNung. des geliebten Gegenstandes zur Befriedigung der Liebe; nach dem Franz. Ickerrre civ. LerZer. DKS iZ2Z Scha Das Schaff, des — es, plur. die — e, und im Oberdcukfchsn auch Schäffer, ein altes, sehr weitausgebreitetes, aber in dieser Gestalt nur noch im Oberdeutschen üblicheSWort,welches ursprünglich eineii jeden hohlen Raum, ein jedes Gefäß bedeutet, aber daselbst nur noch von gewissen hölzernen Gefäßen gebraucht rvird, die man in andern Gegenden Wannen, Tinen, Standen, Selten u. s. f. nennet. Ein Schusselschaffodec Gchener- fchaff, worin das Kncheugrschirr ausgewaschen wird, das Spül- schaff, worin es gespület wirb. Wegen dieser und anderer ähnliche» hölzernen Gefäße werden die Böttcher oder Faßbinder in einigen Gegenden auch Schäffler genannt. In engerer Bedeutung il! es ein Oberdeutsches Getreidemaß, welches mehr als unser Scheffel zu halten scheinet. Wenigstens ist ein Regensbnrgisches Schaff so viel wie ein Hamburgischer wiPel. In Augsburg hält das Schaff 8 Metzen, Z2 Vierlinge, 12 8 Virrtheile oder 512 Maßlc ;jnRegensburg aber 4Mäß,i 6 Vierlinge oder Z 2 Metzen. Anm. Zm Schwed, ist Zkäppn der sechste Lheil einer Tonne. , Zu der er'oßrn Familie dieses Wortes gehören unser Scheffel, Schiff, Schoppen, Schuppen, schöpfen, die Rieders. Schapp, '- rin Schrank, und Schapen, eine Pfanne, das Angel,'. 8ci - p, ein Gefäß, das Lat. LcnpUn, ein Kahn, das Gciech. rin Becher, fin Becken, und öhue Zischlaut unser Lufe, Roben, Raster, Zaffcn, das mittlere Lat. l^Lva, ein Gelreidemaß, das Lat. cavuL^ und hundert andere mehr. Siehe Scheffel. DerGa-üffel, S. Scheffel. Schaffen, verb. reZ. -et irreZ. sct. ec nsutr.welches im letzten Falle das Hülfswsrr haben bekommt , und der Form nach ein Jü- tensivum von einem veraltetenZeitworke schafcnisi, von noch das irreguläre icy schuf herstammet, sich aber doch wie dieses auf eine Onomatvpöie gründet, welche vornehmlich von doppelter Art ist. r. "Als eine Nachahmung und ein Ausdruck der menschlichen Stimme, wo es nur noch rn der Bedeutung des Befehlerls üblich ist, aber auch hier nur im Oberdeutschen bekannt ist , indem den Hochdeutschen dnseBedeutnng seltsam kling; t. Was schaffen sie? was befehlen sic? Tduc was ich dir schaffe. Er har mir nichts zu schaffen. Zähen sie etwas geschafft ? befohlen? Der darf so hoch nicht traben, Der solchen Feinden dient, die ihm zu schaffen hahen, Opitz. Es ist hier im Oberdeutscheil von regelmäßiger Conjugatwu, ehedem war es auch irregulär,und in malichcnGegendcn ist cs solches wohl noch. Wenigstens heißt es in diesem Verstände im Theuer, danke ich fchnff, für, ich schaffen-. Als crue Onomatopöreder menschlichen,besonders befehlenden Stimme, fehlt eS demselben,nicht an Verwandten in andernSpra» chcn, und im Deutschen ist ohne Zischlaut auch keifen von einer Art der Stimme üblich. Indessen laßt sich diese Bedeutung auch als eine Figur einer der folgenden ben achten,besonders der de»An- ordnens. Im Schweb, ist welches alle Bedeutungen mit mistrm schaffen gemein hat, deren aber noch mehrere besitzet,nicht nur befehlen, sondern auch richten,R-chr sprechen, so wie im Rieders. schippen, regieren,und im Hebe. vFA, richten ist. (S.Schöp- pe.)Man erinnere sich, daßrichrcn uno dessen allesSrammwort rechen eben'auch so wohl von derSummc, als von dem Laute einer uimrticulirten körperlichen Bewegung gebraucht wird 2. Als eine Nachahmung einer schnellen geschäftigenBewegnilg. e) Überbaupt, mit regulärer Conjugauon, wo - s doch nur im gemeinen Leben und auch hier nur r-m Jiffn-tiv üblich cst. Den ganzen Tag zu schaffen haben, immer ,n geschästtger Bewegung sehr». JmLemeincnLeben hat nran davon auch das neucJntenst- vum oder Jterativum schäften, wovon Geschäft und geschäfttg Scha 1 Z 26 abstammen, viel;» schäften haben, immerin geschäftiger Bewegung seyn. 2) In engerer Bedeutung von verschiedenen besondernArten der pstichtmaßigen, mit Bewegung verbundenen Wirkungen ;ws cs gleichfalls regulär abgewandelt wird, ehedem aber auch hier irregulär war, und es in einigen Oberdeutschen Gegenden noch ist. (a) "Arbeiten ; eine im Hochdeutschen unbekannteBedcu- tuilg, welche aber in Schwaben, in der Pfalz n. s. f. noch gangbar ist. An einem Baue schaffen. Bep einem Meister als Gesell schaffen. Jemanden zu schaffen geben. ^ (b) "Bilden ; eine gleichfalls im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, welche aber sehr alt ist. Bey dem Rnodebert im sten Jahrhunderte ist Lenkselosa Limbsrein ungebildeter Stoff in- kormis mnterin. Orrfried und Notker gebrauchen 5 c-rffe« gleichfalls in dieser Bedentltng.so wie in derselben auch das Jrttcn-- stvunl schöpfen üblich war. Im Niederst ist schippen, im Angelst leisen, im Engl. ro Oiape, urrd im Schweb, sksipn, gleichfalls formen, bilden, eine Gestalt geben. Unser schaffen irr der letzten engsten Bedeutung, Geschöpf, rechtschaffen, beschaffen, rmd die Abloitnngssylbe—schaft strch genau damit verwandt.Jm Oberö. ist geschaffenpvohl gebildet, ungesch affen, Nrederstwahnfchaffen, übel gebildet. (c) "In Ordnung bringen und erhalten, anordnen; ein mit der Bedeutung des Befchlens verwandterGebrauch, der aber im Hochdeutschen gleichfalls veraltet ist. Die Niederst schaffen und schippen haben indpffen diese Bedeutung noch, .so wie das Schweb, sillipa und tknsks. Im Niederst ist schaffen anch die Speisen snrichten und auftragen, und in der Pfalz heißt schaffen seinen letzten Willen bekannt machen , und j-mandrn etwas verschaffen, es ihm vermachen. Siehe auch Schaffer und Schaffner. - (d) "Ausrichten, besorgen, ein airfgetragencs Geschäft zur Wirklichkeit bringen ; auch nur in den gemeinen Sprecharten Ober- und Niederdcutschlandes. Daß die Walken schaffen,alles was er ihnen gebeut, Hiob Z 7, 12. Im Schweb, auch hier l'kipaunbffkÄji'n. (e) "Die verlangte Wirkung haben; eine de» Hochdeutschen gleichfalls fremde Bedeutung. Pilatus sähe, daß er nichts schaffte, Matth. 27, 24, nichts ansrlchlete. Das schafft nichts, hat keineWirkunh. Ungeschafft Weggehen, nnverrichremrSachen. Im,Schweb, siratku undUrnl-rn.' ^ (f) Machen, daß etwas gegenwärtig werde oder znrWirk- l'chkeit komme, zur Wirklichkeit bringen,so wohl als die wirkende Ursache, als auch, und zwar am häufigsten, als die Mittelsperson. Es ist hier zwar noch rm Oberdeutschen gangbar, aber nur in einig--» Fallen. Jemanden Geld schaffen. Ihm Aach, Zinse, Beistand schaffen. Er weiß sich kernen Rath zu schaffen. .Jemanden Ruhe, Friede schaffen. Schaffe uns Brot, i Moj. 47. «z. Schaffe mir Rrnder, Kap. Zo, r. Ich will es dir für ernen billigen Preis schaffen, machen, baß du es bckomuwst. Ich habe es ihm geschafft, habe gemache, daß ' er es bekommen hat. Das rst wohl noch zu schaffen. Etwas herbey schaffen, machen, daß es gegenwärtig werde. Z.-man- den sortschaffen, ihn aus dem Zause schaffen machen, daß er forrgehe, das Hans räume; wo es zunächst zu schieben gehöret, nud vielleicht gar das' Jutenstvum davbn ist. So üblich es in diesen und andern Fällen ist, so ist es doch nicht ohne Einschränkung. " Jemanden Bestes schaffen, 2 Macc. 1 rr 9, sagt man im Hoch» dcnrschen eben st ungern, als, ich will dir viel G.- .-me r zerr schaffen, ' Mos. Z, r 6. Ich zun-tfle, Saß nran davon ernr andere Ursache w> rde angcben kounen, a!S den Gevr ruch. Denn es erhellet aus alle» Umstanden, daß dieses Zerrwvrt im Hochd-nr- §lZ27 Sch a schen gewisser Maßen ein Deftetivum ist, zrrmahl da es in manchen Bedeutungen nur im Infinitiv allein gebraucht wird. In engerer Bedeutung, durch Mühe erwerben, und zuweilen auch für kaufen. Sich Rleider schaffen, sie erwerben und kaufe». Er kann sich nichts schaffen. Sich schöne Bücher schaffen» Sichern HguS/ einen Garten schaffen. , (g) Im weitesten Verstände, machen, khun, Veränderungen hervor bringen, wirken ; doch nur am häufigsten im Infinitiv allein. Was hast dmhier zu schaffen? zutbun. Ich habe -a nichts ;u schaffen. Be)' mir hat er nichts.;:, schaffen. Mit jemanden zu schaffen haben, zurhmi, in Verbindung mit ihm stehen, Geschäfte mir ihm haben. Ich' habemichts mit dir zu schaffen. In engerer Bedeutung, mir Mühe und vieler Bewegung und Anstrengung verbundene Veränderungen horuebnie», wo es sich der ersten Bedeutung des Arbetterrs wieder nähert; auch nur im Infinitiv. Sich viel zu schaffen machen, viel Geschäfte.. Das wird mir viel zu schaffen machen, viel Mühe. Irr den übrigen Modis ist es zwar im Oberdeutschen, aber nicht im Hochdeutschen, üblich.. Schaffe damit was du willt, Nicht, z, 4, d. i. thue, mache» Z) Im eirgsten Verstände ist schaffen etwas hervor bringen, welches vorher noch nicht da war ; wo rs doch nur im theologischen Verstände von G-»tt gebraucht, und alsdann n regulär abge- wandelt wird; Ampegft ich schuf, Conftich schüfe; Mitteliv. geschaffen; Jmperat. schaffe. Es ist in dieser Bedeutung kern anderes als das vorige Zeitwort, welches hier nur die auch in den vorigeuBedeututtgen imOberdeurschen ehedem übliche irreguläre Form behalten hat. Man gebrauchte vor diesem auch das Juten- fivum schöpfen irr eben diesem Verstände, bey demStrykevlelre- xffen, im Niederst schcppen, im Angelst j'ceppnn, welchesim Hochdeutschen zwar veraltet ist, aber uns doch sein Schöpfung, Schöpfer und Geschopfznrück gelassen hat. (a) Eigentlich und iur strengsten Verstände,/ein Ding seiner Substanz nach hervor bringen,, etwas hervor bringen, waS vorher ein Nichts war; in welchem Verstände cs denn freylich nuv von Gott gesagt werden kann. Gott hat die Welt goschaffen, so wohl, er hat die vorher nicht da gewesenen einfachen Dinge hervor gebracht, als auch, er hat aus diesen einfachen Dingen die Well zusammen geseßct. Schon bey dem Ulphilas skupsn, im Jfidpr kknLan.und im Jmperf. Zilcuuf, bey dem Will-ram scnisen, im Augelstftceopnn, im Schwed. unö Jsländ.skZr'L^ im Niederst schaffen und scheppen. (b) Figürlich. (-) Im theologischer, Verstände,und.gleich- falls nur von Gott gebraucht, zufällige Beschaffenheiten, einen Zustand und die dazu nothigeu Veränderungen hervor bringen. Schaffs in. mir Gott ein reines Herz. Es ist hier nuviu der vibUschenSchreibarr üblich, wo diese Bedeutung unmittelbar mit der vorigen sechsten e „gern zusammen hängt. HMr hervor bringen überhaupt; doch nur in der dichterischen Schreibart. Der epische Dichter sammelt alle Heldentugenden und schafft daraus seinen seiden. Meine Brust klopft mir voll Unmuth, daß mich die Natur nicht männlich schuf, Weife. Ernstlich ist sie bemühet, auf ihren verblichenen Wangen künstliche Rosen zu schaffen, Zach. Daher das Schaffen, und in der dritten engsten Bedeutung dis Schöpfung, von dem veralteten schöpfen für schaffen. Anm.Ehedem hätte dieses Wort noch weit mehrere Bedeutungen, welche aber veraltet, und nur noch in den verwandten Sprachen üblich find. Ott, rred gebraucht es für geben, einem Dinge einen Nahmenschaffen; riiglelcheu, erhallen/bekommen, üe Lsili tkar ioleuafun. Im Niederst rheilcn sich schaffen und schippen, und im Schwed. IcLÜL, l'kaxL und skixa, m die Sch. a iZsg Bedeutungen nnsers Zeitwortes, welche doch eigentlich nur verschiedene Mundarten find. Das mittelste bedeutet daselbst such Heilen, verändern, schicken, und mit einem Zaune einschließen welche letzlereBedentung sich unftrmGchaff, so fern es einen boh/ len Raum bezeichnet, näbeet. Ans allen erhellet, daß dieses Zeit. Wort ursprünglich der Ausdruck einer lebhafteriBewegnng-ist,ii:id in ft inenAbleitungen uudVerwandren durch alle die Bedeutungen und Figuren durch gehet, welche allen Wörtern dieser Art gemein sind, nud wobcy bey Sahlund i Saumeine,'lcineProbe gegeben worden. Zu deuBewegung iu die Krümme, in die Tiefe gehören unser Schaff, Scheffel, Schiff, Schoppen, mit allein^ rcn Verwandten; zu der Ausdehnung in die Länge aber unter andernauch Schaft, S.auch Schöpfen und dieAblcitungssylbe — Schaft. DerSchaffer, des—s, plur. utnom. in einigen Gegen, de», für das folgende Schaffner, unmittelbar von schaffen. So werden in Nürnberg die ältesten Diaconi an den bryden Hanpt- kirchen Schaffer genannt, weil sie alle PHrrverrichtungen in der Stahl anzuordnen haben. - , ft 1 DerGchaffner, des—s, plur.ut nom. linZ. im Oberd. auch , Schaffer, Fämin. die Schaffnevinn. Oberd. auch Schafferinn, von dem vorigen Zeitworte, eine Person, welche schafft; wo es Loch nur noch von der im Hochdeutsche,r veralteten Bedeutung des Veranstaltens, der Besorgung häuslicher Geschäfte gebraucht wird, und da ist der Schaffner derjenige, welcher die häuslichen wirrhfchaftlichen Geschäfte im Nahmen eines andern verwaltet, emerHuushaltung vovgesctzet ist. Auf dcrrOberdeutschen landesherrlichen Ämtern Hac man Amtsschaffner, welche am Rhciae Amtökeller heißen, und vermuthlich eben das find, was in Ober- sachsenAmtSverwalker find, diejenigen nähmlich,wclche die ökonomischen Angelegenheiten eines Amtes besorgen. Auch in großen Häusern Oberdeutschlandes ist der Schaffner derjenige, welcher die bäuslichenAngelcgenherten imNalmien desHerrn besorget,und vornehinlich die Aufsicht über die Küche und den Keller hat; dev Haushofmeister, Hofmeister. Da es Abend ward, sprach dev Herr des Weinberges zu feinem Schaffner, Marth. 20 , z. In den Oberdeutschen Klöstern wird der Pater Ökonomus häuffg Pater Schaffner genannt.' Auch ans den Landgütern ist dev Schaffner daselbst derjenige, welchen man in Obcrsachftn einen Verwalter, und in Meißen einen Hof,yeister, in Pommern aber auch einen Statthalter nennet, der seinen bestimmten Gehalt bekommt^ und dagegen die Einkünfte des Gutes dem Eigenst)inner berechnet,übrigens aber fr'iftdie gchörigeVerwaltung desselben sor. gct. In dei, Oberdeutschen Gafft undWeiichäufern ist der Schaff: ner ein Bedienter, welcher die Gäste besorget, und an andern Dr- ten der Äcllner oder.Rnper genannt lvird. In Niedcrdeüischland ist esderjenige,welchrr dieAnordnung undBesorgung einerMahs- zeit oder eines Schmauses hat; da denn auf den Laneröschzeiten auch derjenige diesen Rahmen führet, welcher den Tisch besorget und die Gäste bedienet, lind gemeiniglich der nächste Verwandle ist. Der Schaffertanz ist daselbst der erste Tanz, weil derselbe den Schaffe« u gebühret. Im Hochdeutschen ist dieses Wert nur in einigen Fällen üblich. So ist bey den Land- und Postkutschen der Schaffer derjenige, welcher mit der Kutsche an den bestimmten Ort fahret, die Aufsicht über dieselbe hat, und di?Mter Weges vocfalletidenKostenuildEinküllftedemEigeltthüMl^ berechnet. In Leipzig ist der Schaffner, der den Fuhrleuten Fracht verschaffet. In allen diesen Fällen sticht die Bedeutung der Besorgung, der Veranstaltung, der Anordnung des vorigen Zeitwortes merklich hervor. Das imOberdeutschen und Nicdelsachftn übliche Schaffer ist unmittelbar davon gebildet, so wiedasim pochdeitt- schen gangbare Schaffner ein ungewöhniichesiutenstvesZeitivott schaffneu 1Z29 Scha schaffnen voraus setzet. Retter und Rellner sind aufgleiche Art üblich. Inden Trrolischen Bergwerksurkunden bey dem Herrn vonSpcrgglautetdiesesWort 1203 im mlttlernLar 8 ^ui 6 utor. Zu der letzten engsten Bedeutung des Zeitwortes schaffen, für 6 reaior,gebrattcht man es zuweilen nur m dem zusammen ge, Atzten Erschaffer. Übrigens'ist dafür Schöpfereingeführet. DreSchcrffnerep, p! u r. die — en, das Amt eines Schaffners, ingleichsstt dessen Wohnung, wie auch, der einem Schaffner untergebene Disteictt, eine Gegend, ein Kammeramt, welches von einem Schaffner verwaltet wird; im Oberdeutschen auch die Gchafferey. < Die Schafgarbe, plur. ivuf. eine Art des Achillenkrantes, welches auf denW'iefen und Triften wohnet und ein heilsames Wnnd- krantist; s^ckillsu iVüliefolium Vermnthlich ist sie eine angenehme Speise der Schafe. Die letzte Hälfte des Rahmens bezeichnet die vielen geraden Stängel dieser Pflanze, lbelche mit, unzähligen kleinen steifen Blättern besetzt sind, daher sie auch Garbe genannt wird, in der Monfeeischcn Glosse 6 urvu. In andern Gegenden heißt sie Tausendblatt, Feldgarbe, Garbe, im Rieders. Rsleg, nm Hamb. Rehlke, im Hannöv. Rsicke, im Dän. und Norweg.Röttrker, vielleicht wegen der Risten oder Furchen an den Stängeln, oder auch wegen der hohlelkStängrl. In , weiterer Bedeutung führet auch wohl das ganze Geschlecht aller Achillenkrämer, diesenNahmcn. In einigen Gegenden wird auch die Wasser-Aloe, 8 trutiotes Schafgarbe genannt. Die Schafgarbe, plur.iuusi. ein Nahme der Akelep, siehe dieses Wort. Das Schafgras, des—es, plur. lauf, eine Art des Schwingels, init einer zusammen gezogenen, mit Grannen versehenen Rispe, deren Ährchen nach einer Seite gerichtet sind, mit einem viereckigen Halme und borstigen Blättern; ibsktucu oviuu f,. Schaf- schwinge!. Es wächst auf dürrenHügeln und wird von den Schafen allen andern Gräsern vorgezogen. Das Schafhautchen, des.—s, Obcrd. das Schafhärttlem, plur. ut uoiu. diejenige zarte Haut, welche im Mutter- lcibc die Frucht unmittelbar umgibt, ^iritiios; etwa wegen einiger Ähnlichkeit uütemcr Schafhaut? Der Schafhirt, des — en, xiur. die — en, der Hirt der Schafe, S. Schäfer. Die Schafhürde, plur. die—n, Hürden, fo fern sie den Schafen des Nachrs unter frcyem Himmel statt eines Stalles dienen. DerGchflfhüsten, des—s, plur. ut nom. ein trocknec aber doch nur schwacher Husten, dergleichen die Schafe gemeiniglich zu haben pflegen ; zum Unterschiede von dem ftärkern Reich- husien. Die Gchafhfftte, p!ur. die — n, eine kleine bretcrne Hütte auf einem Karren, worin der Schäfer über Rächt Key den Schafhürden bleibet; dic Sch«ferhutte, die Schäferkarre, Pferchhütte, cher Pferchkarren. , Das Gchaffamehl, des—cs, plur. die-—e, in der Naturge. schichte der Neuern, eine in Peru einheimische Art Kamehlc, welche am ganzen Leibe so wollig ist, wie ein Schaf; Vuco;. Der Schaffase, des—s, plur. ut vom. aus Schafmilch bereiteter Käse; zum Unterschieds von denRuh-und Ziegcnkaftn. L er Schafknecht, des —cs, p!ur. die —e, bis dem Schäfer' in der engsten Bedeutung in der Aufsicht über die Schüfe untergeordneten Knechte, welche wieder in Mcißerknechle, Lammcl- knechrc und Lämmerknechte gecheiler und auch Schäferfnechte genannt werden. Das Gchaflamm, des — <-§, jvlur. die—lämmer,.itt derLand- ^ wittb-chaft, r-kn weibliches Lamm, im Nichsrs. Arstamm, Zibbe Sdk!.W.S.r:TH.-.Äuir Scha iZZo vLcrRibbe; zum Unterschiede von einem Lämmel-oder Bocklamme. ^ Das Gchaflüub,des —es, xlur.car.eben daselbst, das eingesammelte und gsdorreke Laub der Baume, so ferst es im Winter zum Futter für die Schafe dieltet. - ' Die Schaflaus, plur. die —läuft, eine Art Läuse, welche beson- dersdie Schaseplaget; kecUculus ovis 1^. Die Schafzäcke ist davon ganz verschieden. Die Schaflecke, plur. die — n, in der Landwirthschgft, dasjenige, woran man die Schafe zu Erhaltung ihrer Gesundheit lecken läßt. So werden die Galzlecken, so fern sie für die Schafe bestimmt sind, auch Schaftecken genannt. Auch die Pulver vo» heilsamen Kräutern, welche man in Rinnen streuet, und die Schafe daran lecken läßt, führen diesen Nahmen. Die Gchaflinfe, plur. die—n, eine Art der Kronwicke, welche krautartig wächst, zahlreiche Hülsen und eine bunte Frucht rrägeft aber von dem Drehe nicht berühret wird, ob man sie gleich für em gutes Futter halten sollte; LorolliUu vuria j,,. Auch der Lin« ftnbaum, welcher in Italien Wild wächst, führet in einigen Gegenden diesen Nahmen , weil man mir seiner Frucht die Schafe mästen soll. Jngleichest der BlaftnbauM oder die falsche Seime, (üotuisu arborelLLUS l«. Die Schaflorbeere, p!ur. die—n, im Scherze, der Koch der Schafe, weil er in der Gestalt einige Ähnlichkeit mit den Lorbee- reir hat. Das Gchafmaul, des — es, plur. car. oder auch im Plural, die Gchafmä'uler, linZ. car. in einigen Gegenden, ein Nahrne deS "Feldlattiches odcrAckcrfalares, vermnchlich auch wegen einiger Ähnlichkeit, S. Feldlattich." Der Schafmeister, des — s, p!ur. ul nom. 6r»Z. der Schäfer^ als Meister, d. i. rechtmäßiger Vorgesetzter der Herde, betrachtet, besonders ben großen Schäfereyen. Die Schafmilbe, xlur. die — n, S. Schafzäcke. Der Gchüfmist, des —es, p!ur. illul. der Mist von den Schafen, die rmt Schafkoch vermengte Schafstreu; der Schafdünger, im Oberdeutschen der Schiffbau. DieGchafmühle, Schafmülbe, Schafmutte? plur. die — n, in einigen, besonders Oberdeutschen, Gegenden, ein Nähme des Neuschöaumes, S. dieses Wort. Die Schafmutter, plur. die — mutter, in der Landwirchschafk, ein weibliches Schafvom dritten bis zum ffechsten Jahre, da es Junge zu.tverftn pflegt, und zur Fortpflanzung tauglich ist. Es. 40, r 1. Jm Nieders. auch Snucke. S. Schaf. DasSchäfnöff, des—es, xlur. die —nößer, nur in einigen Gegenden, z. B. in Meißen, ein Jndivibunm des, Schafviehes, ohne Unterschied des Geschlechtes; ein Schaf, in dem weitesten Verstünde dieses Wortes. S. Noß. ' Die Gchäfnüß, xlur. die — nüsse, die größte Art Wätscher Nüsse, welche auch polrernüsse, pfcrdcnüsse und Roßnüsse genannt werden. Das Schafott, des—es, plur. die—e, aus dem Franz. Lclla- Fuufl, eine Bühne, ein Gerüst, worauf ein Bluturrheil vollzogen wird; die Bitttbühne, -as Blutgerüst, ehedem und noch 1596 in Meißen eine pvchcrte. Der Schafpelz- des—es, plur. die—e, ein Pelz von Schäffel- len, ein mit Schaffellen gesütter tcrRock; in Luthers DeutscherBi- bclein Schafskleid, welches doch außerdem nicht gewöhnlich ist. DerGchafpilz, S. Birkenpilz. Die Schafpocken/ liu^.iouf. S, Schafblattern. Die Schafrrbbe, plur, iuuL in einigen Gegenden , ein Rahme der Schafgarbe; vermutlich wegen der Riefen oder Furchen in ben Stängeln. Der'Schsfrüös, brs—»r, plur. die—n, ein Rüde, d. i. ein -großer, starker, zotiger Hund, welcher zurSicherheir dsr Schüft und. Schufherde gehalten wird; der Schafhnnd, in den niedrigen Sprechrrten der Schafrckel. Die Sä-afftrbbe, plur. doch nur von mehrern Arten, die—n, diejenige Salbe, womit die Schäfer die räudigen Schafe fchmw- rcn; die Schmiere, die Schnffcrsalbe. Der Schafscyatz, des-—es, plur. inuf. in einigen Gegenden, der Schatz, d. i. die Abgabe, welche von den Schafen,'die man hält, gegeben wird. Die Schcrfschere, p!ur. die--n, eine große Schere ohne N-erh, ^ deren Arme hrnreit.dnrch einen stählernen biegsamen Bügel, der die Stelle einer Feder vertritt, verbunden sind, den Schafen da- r.'.it die Wolle- a dz m: e h in. en. Der Schafscherer.-des — s, plur. ur uom. diejenigen, welche die Schafe scheren , ihnen die Wollt? mit der Schere ab» nehmen; gemeiniglich von bepden Geschlechtern, r Sam. 25, 7; 2 San,-1 z, 2z. f. Die Scyafsch)ur, plur. inuf. die Handlung, da die Schafe geschoren werden. Oie Schafschur vornehmen. Ingleichen die Zelt, wenn ihnen gewöhnlich die Wolle mit der Schere abgeuonr- inen wird?; dre LVollschirr. , Der SchafschwinFel, des — s, plur. inull S. Schafgras. Das Gchcrföklerd, des — es, piur. die —er, S. Schafpelz. Der Schassb'opf, des—es, plur. die—köpfe, eigentlich der Kopf eineL Schafes. Figürlich. >) Eine Art der Köpfe an best Pferden, welcher dem Kopfe eines Schafes ähnlich siehct, und vom hem Rammskopfe noch verschieden ist. Jiigleichen, ein Pferd mit meinem solchen Kopfe, r) In der niedrigen Speccharr ist Schafs- ,köpf oder Schafkopf ein Scheltwort, einen dumrMn, einfältige» Menschen zu bezeichnen. Dev Schafstall,des—es,plur.die—-stalle, ejnStall für dieScha« ft, ein Gebäude, worin dre Schafe gefüttert und gehalten werden. Der GchafstanH, des—-es, piur. iuuL'. das an einem Orte befindliche Schyfoieh. Ein Gilt hat einen beträchtlichen Gchaf- stand, wenn es viel Schafvieh halten kann. S. Stand. --—Schaft, eine Abieituiisssfylbe , welche Hauptwörter, so wohl -ans andern Hauptwörtern, als auch aus Veywörtern nirdMittel- röSrtern'dervergangenenZeit, iuldei,-welche insgesammt und ohne Ausnahme weiblichenGeschlechtes sind. SchonWachter nndFrisch haben es eingesehen,-daß diese Sylbe von schaffen herstammet, und daß besonders die Bedeutung des Bildes, der Einrichtung des Zufälligen i» einemDmge, in derselben zum Grunde lieget. ' Sie hat iu den Wörtern, in welchen sie vorkommt, eme doppelte ^Hauptbedeutung.' 1. Eine abstracte, denjenigen Zustand, diejenige Beschaffenheit zu bezeichnen, weiche die erste Hälftendes Wortes näher bestimmet ; wo der Plural, der Regel nach, nicht Statt findet, einige wenige Fälle ausgenommen. Von dieser Art sind z B. Bruderschaft, der Stand eines Bruders, dir Eigenschaft, nach welcher femaudeiii Bruder ist, hie Bereitschaft, Bürgschaft, Bekanntschaft, En-dschaft-Feindschaft, Zreundschaft, Gefangenschaft, Gemeinschaft, Gevatterschaft, Gesandtschaft, Handeischaft, 'Herrschaft, Iuygfeanschafc, Iunggescllenschaft, Rindschaft, Rundschaft, Rnechtschaft, Leibeigen schüft^Nachbarschaft,pil- gerschaft, Rechenschaft, Schwangerschaft, Sippschaft, Verwandtschaft, Wanderschaft, Wissenschaft u. s. f. In welchen > allen der Begriff der Beschaffenheit, des Zustandes, der eigene, liche und herrschende ist, wenn sich gleich in manchen allerley kler- ru? Nebenbedeittungen mit eindrängen. , ' 2. Eineconcrete, woes wieder in doppelter Gestalt üblich ist. Ms sin Csllcctjvum, die fämmtlichen mit einander verbundenen Dinge von einer nnd eben derselben Beschaffenheit oder Art zu bezeichnen. Die Barschaft, das sämmtliche bare Vermöge^ die Bürgerschaft, die sämmtlrchen Bürger eines Ortes, dff Bauerschaft, Brüderschaft, Bekanntschaft, Lorporalschaft, Dorfschaft, die sämmtlichen Eiuwohner eines Dorfes, Erbschaft, das sämmtliche gcerdre Vermögen, Gesellschaft, Gerarhschaft, Hanptmannschaft, Iudenftyaft, Ranfmastnschaft, Hinterlassenschaft tind Verlassenschaft, Landschaft, die sämnilichenLaiid- stände, mgleichen, eme Gegend, mir allen darin befindlichen Din. gen, Mannschaft, Nachkommenschaft, Gesandtschaft, die sämmtlichen zu einem Gesandten gehörigen Personen, die Eidgenossenschaft, die Völkerschaft u. f.f. Der Plural kann hier nvr von mehrern verbuirdencn Ganzen Stakt stirdeü, allein einige sind doch oon einem mid eben demselben Ganzen so wohl im Singular als i.n Plural üblich, wie Barschaft und Barschaften, Geriith- schaft nnoGer athschasten. Briefschaften ist nur allein imPlural gangbar. 2) Ais elu Individuum; doch «urin einigen weingen Fälleir, welche auch hier ursprünglich emwederColleettoa oder Ab» stracta find. Dre Buhlschaft, ehedem eine geliebte Person. Die Eigenschaft, eine Beschaffenheit, welche einem Dinge eigen ist. Wissenschaft, Herrschaft, Grafschaft find eigentlich auch CoKec- tiva, und bedeuten, soften fiehierher gehören, den Umfang aller Wahrheiten Einer Art, den Umfang aller einem Grafen oder Her. ren gehörigen liegenden Gründe. Anm. Diese Ableitungssvlbe ist sehr alt, bey dem Kero und Otlsried lauter fie sicak, leeFft imNieders. schnp Lind schap, im Schwed. Daß die letzte Sylbe in Herschaft nicht hierher -gehöre, ist schon bey diesem Morre'bemerket worden. Von eini,. gen wenigen Hauptwörtern dieser Art macht man vermittelst der Endsylbe—er neue Hauptwörter, eine Person männlichen Geschlechtes z» bezeichnen. Der Bothschafter, der Bothschaft brin, gct, der Gesellschafter, ein Glied einer Gesellschaft, der R»nd- schafter, Werthschafter. Diese Ableitungssplbe kommt in der Bedeutung sehr mit den Sylbcn —heit, -—.feit, —de und —thum überein. Indessen ist es nicht erlaubt, sie mit einander zu verwechseln, so wenig als inan vermittelst derselben ohne Unter« schied neue Hauptwörter bilden darf, welches nur u: wenig Fällen gewagt werden kann, auch kein großer Verlust ist, weil man andere Wörter genug hat, jeden verlangten Begriff auszndrucken. Z. B. das'iegendivo gewagte Hlrtenschaft wirb der Sache nach eben so gm, in Ansehung des Gehöres aber noch besser, durch Hir- tenstand ausgednickr. 'Der^ Schlaft, des — es, plur. die Schafte, ein von dem Zeit» worce schaffen in dessen weitesten Bedeutungen abstamniendes Wort, welches daher auch auf verschiedene Art gebraucht wird. * Mit dem herrschenden Begriffe des-hohlen Raumes ist Schaft in einigen Gegenden ein Behältniß, ein Schrank; Nieders. Schupp. Bücherschast, ein Bücherschrank oderBiicherbrct. Im Hochdeutschen ist cs in dieser Berwntnng ungewöhnlich, , nur daß bev den Jägern noch dasGebnrtsglied der Hündinnen und wcibli- chen Raubthicre der Schaft genannt wird. S. auch Schaff. 2, Mit demBegriffe der Ausdehnung in die Länge. >) Überhaupt, wo der lange, gerade und glatte Theil eines Dinges, in- ^ gleichen ein langes, gerades, dünnes Ding in sehr vielen Fällen ein Schaft, Nieders. nnt der gewöhnlichen Verwechselung der Hauch- und Blaselaute, ein Schacht oder Gchccht genannt wird. So ist im Nieders. Schacht eine Stange. Im Hebe, ist 1521 !? ein Stecken, die Ruche eines Baumes , ein Zepter. Im Schwed. Lksp, das männliche Glied an Menschen und größernLhieren, weiches auch wohl im Deutschen ein Schaft genannt wird. Die lange, gerade Stange an einem Spieße heißt noch hm und wieder ein Schaft, z. B.» Sam. r 7, 7;,daher dieses Wort ehedem auch wohl - - ' - " - > ' -'' wobl für öki Spieß selbst gebraucht wurde. Der Schaft des Leuchters, 2 Mos. 2 z, Z,, der gerade, auf dem Fuße senkrecht stcb'-nde Tbeil desselben Ein gerader langer Stamm eines Vau- M-s heißt im Forstwesen der Schaft, und ein Baum ist daselbst mit a-schäftcr, wenn er einen schönen geradeffStamm hat. Oft wird mich ein jeder Stamm im Reiche der Pflanzen und Bäume der Schaft genannt, Lat. Lcnpug. In engerer und in der Botanik üblicher Bedeutnng ist cs ein glatter Stamm, welcher nur Blumen aber keine Blätter trägt. Der Schaft einer Gaule, der gerade glatte Theil zwischen der« Fuße und Capital, hl-Sanle M. engsten Verstände. Der Schaft am Stiefel, der Öwil zwich^eir dem Fuße und den Stulpen. Bey den Jägern heißt ein Hund wohl geschäftet,wenn er einen langen, schlanken Leib hat.. An einem Federkiele wird der obere, mit Mark angefüttete Theil dev Schaft genannt. Bey den Nadlern ist der Schaft-einer Nadel dem Kopfe entgegen gesetzet, und die Schäfte sind daselbst die noch nicht mit Knöpfen versehenLn Stecknadeln. Anden Weberstühlen und die Schäfte die Stäbe an den Kämmen, da denn auch wohl das Ganze dazu gehörige Gerüst, Mit Einschluß rer Schemel, wo- durch sie auf - und nieder-gezogen werden, unter diesem Nahmen begriffen sind. Drey e vier-oder funsschäfug arbeiten, mit so' vielen Schämeln oder Schäften. Auch der Theil einer Mauer zwischen zwcy Öffnungen, oder auch zwischen der Ecke und einem: Fenster oder eincvThür, heißt eiwGchaft, ^ranzös. b'ru -u enu daher man einen Spiegel, m:t welchem eine solche Wand bekü wct wird, auch wohl einen Gchaftspregel heißt. 2) In engerer B.- dentung, so daß der Begriff des Schaffens. , d. i. des Handba- bens, mit eintritt,.wo Schaft in vieleil Fällen so viel als ^est. oder ääfr ist, welches nur durch den Mangel des Zischlautes von dem vorigen unterschieden wird. Im Schweb. und Island, ist ein jeder Heft, eine jede Handhabe. Der schon gedachte Schaft an einem Spieße kann auch hierher gerechnet werden. Au einem Schießgewehre ist der Schaft die ganze hölzerne Cinsagnug des Laufes und Schlosses, welche zur bequemer» Handhabung dienet. Der vordsrschaft, der Hintere dicke Theil desselben, welcher, anch der Anschlag, die Rolbe heißt, zum Unterschiede von dem langen Schafte unter dem Laufe. Ehedem nannte man auch dre Lasteten an den Kanoiftn-Schäfte- und eine Kanone schä'ftewwar- sie auf die Lastete legen. In einigen Oberdeutschen Gegenden rst rs in dieser Bedeutung noch üblich. Anm. Bey dem Strpkcr 8e1rafr, im Rieders. Schecht, im Angelk. 8ceaft,imEngl^ 8!taft,sim Schwed. 8knxmnd8kZ.ft,. rm Island. 8knxt, im Böhm. 5s^lft, im Latein. 8cu.xu8,.i,n Hi.-br.v2L'. Alle von schassen, so fern es überhaupt sich, schnell bewegen, und in engerer Bedeutung , sich m die Tiefe, Längs u. s. f. ausdehnen bedeutet. Siehe dasselbe, inglerchcn Schäften, In einigen, vielleicht nur wenigen Gegenden, rst es ungewissen Geschlechtes, das Schaft. Im Hochdeutschen kennet Man es nur allein im männlichen. Der Schaftöraht/ des — cs, xlur. doch nur von mehren, Arten oder Quantitäten-.die -—e, bey den Nadlern, Draht, woraus die Schäfte der Stecknadeln geschnitten werden. Schaßten, verli. rsA.Let. welches therls von Schaft herstammet,, theils .abcr auch ein unmittelbares Jutensivum von schaffen zu scnn scheinet. 1) Mit einem Schafte versehen. Lin Gewehr schäften, cs mit dem hölzernen Schafte bekleiden, in den gemeinen Sprccharten schiftennnd schuften- Daher ist der Buchten- - schäfte r ein eigener Handwerker, welcher dieLichäftezu den^euer- gewehren verfertiget.. Schwed, ikns,a. Jnei,eigen fällen ist nur allein das Mittelwort geschäftet üblich, (S.das vorigeGchaft- «'). -) I,« Jagdwesen, ist schäften, eine zersprungene Leine vhne.emcn Kuoren wiederum-usarnmen machen, welches durch. ' «ufdrehen, in einander stoßen und zusammen näberr beyder Theils geschiehet, wo so wohl der Begriff des Verbindens, als des in ei»-, ander Fügens der herrschende seyn kann. Eben diese Handlung- wird auch spießen genannt. Z) Im Schiffbaue sagt inan z. B. ein Schiss ist auf ftmfzchen Vansnen geschäftet, wenn es soviel Kanonen führet. Gleich stark geschäftete Schiffe sind die«, welche gleich viel Kanonen führen. Weil man in diesem Falle auch sagt, ein Schiff ist auf so viel Bananen gebohret, vermuthlich in Rücksicht aus die Stückpfvrteu, so scheinet auch hier die Bedeutung der Öffnung zum Grunde zu liegen«. Siehe Schaft 1, und Schaff. So auch die Schäftung. Das Schafteslmse, des—s, xlur. ur uom. stnss. das unterste Gesimse an demSchafteeiner Säule, worauf dieselbe ruhet,, unnlittckbar über dem Säulenfüße. Der Schafthalm, des—es,xlur. mul'. S. das folgende. Das Schäfchen, des — es, xlur. mul', ein Rahme des Schachtelhalmes, (S. dieses Wort,) welcher auch Ackerroßschwanz,. Jatzcnzahl, Schafthalm u. s s. genannt wird; L^ullslunL ftleumle nnd in den neuern Ausgaben desselben ^Ixxuris». Den Nahmen des Heues hat es wegen der Ähnlichkeit seiner harrten grangrünen Stängel nnt dem Hene; die-crste Hälfte aber be- . zeichnet entweder die gerade glatte, oder auch die hohle Beschaffen-- Heit dieser Stängel, und scheinet mit Schachtelhalm gleichbedeutend zn seyn, indem das Hochdeutsche Schaft im Niederdeutschen Schacht und Schecht lautet. Im Engl. heißt-cs Zlmvetzrsls. Daher Schaft — und Schachtel — hier auch ans schaben entstanden seyn können, zrunahl da es in einigen Gegenden auch Gchaberusch heißt. — es, xlur. mul: dasjenige Holz, wor»- atts die Biichsenschäftkr'die. L-chäfte zu den Feuergewehreu verfertigen,. ^ L. *SchäftlY, s6j.et nckv. welches- im Hochdeutschen veraltet ist, seitdem geschäftig dafür üblich geworden. Sprjchw. - 4, « kommt es noch in der ungeuvhnlichen Bedeutung für arbeitsam vor: der Ochse ist schäftig« 2:Gchaftlg, nckj. et ackv. welches unmittelbar von Schaft Hers- stammet, aber nur in einigen Zusammensetzungen üblich ist. Oreya schäftigii. s.s. S.Schaft? I). Der Schäftmödes, des—. s, xlur. ut rmm. llvA« bey den Nadlern, ein längliches Brötchen, die Schäfte zu den Stecknadeln vermittelst desselben alft gleich lang zu schroten. Das Schäftmodell, dcs^—cs, xiur.die— e, bev den Büchsen-- schästcrn, ein nach dem Umfange des Schaftes ausgeschmtleneA Beer, nm dem Schafte seine gehörige Form zn geben. Der Schaftrreb, des — es, xlur. iuut. das Recht, seine Schafs: auf und über die Felder und Grundstücke anderer zu treiben. D:e Schaftrift, xlur. die —en, diejenigc.Lrift,. worauf,Schafe- getricben werden. DsrG.chaftschneiöer,-dcs — öl xlur.ut nom./lln^.bey den-. Nadlern, derjenige Arbeiter, welcher ben zugespitzten Drahr M Schäften schrotet oder schneidet.. DerSchaftspieFel, des — s, xlur. utrmm. Il u Z. einlkru-- u.«ZU Spiegel- S. Schaft 2 1)., Das Scherfvieh, des—cs, xlur. ein Collecrivnm, Schafe- ' als Vieh betrachtet, Schaft ohne Unterschied des Geschlechtes unhb des-Alters. r.DleSchafweröe, xlur. die — n, S.Baumwollenweide:. 2. Dle S-Hüfrveiüe, xlur. die—-rr, ein Drr, wo die Schaft rver-^ den oder weiden können- ein zpr. Werde, für di? Schafe bequem««: oder bestimmter Ort.. Die SchapzäEe, xlur. dir— n, eine Art Mutzen oder Zacken;, welche sich in den Wäldern aufhält„und sich M an die Schaf«: P p. p p. r-' » Äti fauLerz; 'ZZL Sch a Lnsaugct ; ^earus reäuvius, kieiaus I,. Schafmilöe, S- Zäcke. Dis G^afzunge, ^lur.inul'. sine figürliche, in einigen Gegenden übliche Benennung des breiten Wetzeriches; vermuthlich wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt, S. Wegerich. Der Schäkel, des — s, plur. die—s, der Nähme eines in den Morgenländern sehr gewöhnlichen Thieres, welches einem Fuchse sehr ähnlich ist, und daher auch im Hebräischen mit dem Fuchse nur einen und eben denselben Nahmen hat. Indessen ist es nicht so beißig und gefährlich als der Fuchs, und hält sich oft in Herden von mehrern Hunderten zusammen. Simsons Füchse Nicht, r Z waren dem Hofr. Michaelis zu Folge solche Schakals. Niebuhc hat d^se Thierc infiincr Beschreibung von Arabien umständlich b.'schrieben. Der Nähme ist Morgenlärrdisch, besonders Persisch, und vermuthlich eine Nachahmung des ihm cigenthüm- lichen Laurcs, der eine Art des Bellens ist. lFm Hebräischen lauter er Schugal. Nachdem Vorgänge Französischer und Englän- drscher Schriftsteller wird dieses Wort von einigen in Jackal und Jackhals verderbt. Der Schakän, des—es, plur. die— e, oder der Schakaner, des—s, plus. ut vom. kaz. so wohl die Krücke, als auch der obere krumm gebogene Theil an einem Svazierstocke, und ein solcher oben mit einer Krücke oder einem krumnsgebogsnen Theile versehener Spazierstock selbst, dergleichen die Heiducken zu tragen pflegen. Das Wort ist ausländisch, rermnthlich Ungarisch. Die Schake, plur. die—n , ein vornehmlich bey ben Nadlern übliches Wort,, eine Art Ketten zu bezeichnen, woran ein jedes. "Gelenk ein einfacher, vn beyden, Enden umgebogener Draht ist, dergleichen mau zu den Wageschalen, an den Deckeln derTobaks- pfeifen, für die Affen und andere kleine Thiere u. s. s. gebraucht, und auch Schakenkette nennet. Vermuthlich bedeutet das Wort Schake eigentlich ein auf solche Art umgebogenes Glied der Kette. Das Schakenhol; ist bey den Nadlern ein Holz mit zwey Stiften, Lie Glieder zu solchen Ketten baraufzu verfertigen. Es jst allem 'Ansehen nach ein Niederdeutsches Wort. Im Niederst ist Schake einBern, Schenkel, Kehr.s.iw, Chald.fl ; viellcichtauch ein jedes Gelenk oder Glied. DsrSchäker, des — s, xlrrr. ul vom. liuZ. eine Person, welche schäkert, besonders muntere, aufeine lärmende Art scher, zende Kinder. (S. Schäkern.) Das in einigen Gegenden, z. B. in Meißen, übliche Schäker oder Schächer, ein untaugliches, ungesundes Pferd zü bezeichnen, ist von einem andern Stamme und vielleicht Schwedischen oder Slavonischen Ursprunges, welche Sprache« noch verschiedene Überbleibsel unter den Meißnischen Landleuten zurück gelassen haben. ZnLiefland isiTschuker eine Schindmähre. Die Schäkerez», plur. Lue— en, in der vertraulichen Sprechart, kin-LauLer, mit einem Geräusche verbundener Scherz, und in weiterer Bedeutung, ein jeder Scherz. Es war eine bloße Schä- kerey, ein bloßer Scherz. S. das folgende. Ich geb' ihm Brot, mit Schäkereyen . Mich, eh' ich schlafe, zu erfreuen, UZ. . Ochäkerhaft, — er, -—oste, Lch. stLckv. zur Schäkerey, d. i. lautem Scherze, geneigt und darin gegründet. So auch die Schä- kerhaftigkeit. Schäkern, Verb. rsZ.Qsu».r. welches das Hülfswort haben erfordert, laut scherzen und lachen, kurzweilen, i» einigen Mundarten schökern-. Daher das Schäkern. Es ist eine unmittel- ^ bare Nachahmung desLautes, und das Diminurivmn und zugleich Zntenfivmn des Niederst und Holland, schachen und schachern, welche wegen ihres breiten a laut und unanständig lachen bedeuten,und fich von demLat. cLLÜiruaari nurdurch öen Zischlaut un- Sch a iZzS terscheidpn,'der auch dem Niederst jachevn, Nttö im Lat. ioenrk fehlet, (S. Fächern uud Geck.) ZmEngs. ist Ioke der Scherr to joke schrrzen.^ Schal, — er,—>effe, aäj. er säv. welches besonders vongkisti. gen flüssigen Körperir gebraucht wird, wenn sie den gehörigen kräftigen Geruch und Geschmack verloren haben, geistlos, kraftlos wässerig. Schales Bier, schaler wem. Der Wein ist schal geworden^ Jngleichen figürlich, wie geistlos, kr,Mos. Ei« schaler Ropf, eingeistloser. Ein schaler Ausdruck, ein kraft, loser. Blendender Witz unsinniger schaler Romane, Zach. Romanen stiegen hier gechürmek in die äoh voll schaler Zärtlichkeit und süßem Lieb es weh, ebend. ^ Und leert den schalen Witz, den er bey manchem Schmaus Gesammelt hat, bey diesem Anlaß aus, Wiel. Anm. Zm Rieders, schaal, im Schweb. lkAI.. Kilian und andere lassen es von Schale abstammen, und erklären es, freylich so gezwungen als möglrch, vonWein oder Bier, welches durch langes Stehen in einer Schale unschmackhaft geworden. Erträglicher ist die Ableitung von dem Niederst schälen, spülen, ingleichen unachtsam, nachlässig gekleidet gehen- wovon fchälrg, unachtsam, nachlässig, ist. Schal würde alsdann der ersten Bedeutung zu Folge so viel wie wässerig bedeuten. Schäl, S. Schel. Die Schaläune, plus. die — n, ein kurzer Mantel, dergleichen z. B. die Schüler auf den Fürstonschulen in Meißen zu tragen pflegen; aus dem Lat. Lekolaua, nähmlich Vsüis. Die Scyälhe, plur. die—n, ein nur in einigen Gegenden in der Landwirthschaft übliches Wort, eine Kuh zu bezeichnen, lvelche noch nicht gekalbet hat, und die man ^rn andern Drten eine Färse und Aaibe nennet, arrs welchem lctztern es durch den Vorgesetzten Zischlaut entstanden zuseyuschcmet. Die Schä'lblüse, oder Schälblatter, s>1ur. die — n, S. Zitze blarrer. Das Schälblech, des —es, plur. die-,— e, ein eisernes plattes Beschläge, welches auf die Achsen eines Aust-oder Bauerwagcns gelegt, und auch ei«e Schale u«d Schwarte genannt wird. DasGchttlbret, des—es, ^>Iur. die—er, von den aus eine» Baume oder Blocke geschnittenen Breteru, das äußerste Bret an der Seite des Baumes, unmittelbar unter der Rinde, dessen eine Seite daher uneben und gemeiniglich halb rundlich ist; das Schalstück, die Schwarte, Niederst SchellLele, Schaaldele. Die Schale, plur. die — N, Diminui. das Schälchen, ein Wort, welches noch in mehr als Einer Hauptbedeutung gebraucht wird. r.Mitdemhercschsnden Begriffe der Höhlung, des hohlen, tiefen Raumes, scheint es ehedem eine» jeden hohlen Raum, und ? in engerer Bedeutung ein Gefäß bedeutet zu haben. ZM Griech. find o'LoeXXsog und Arten von Trinkgeschirren. Auf der Oder find gewisse Fahrzeuge unter dem Nahmen der Schalen bekannt, (S. auch Thaluppe.) Wir gebrauchen es nur noch i» engerer Bedeutung von gewissenGefäßen, deren hohler Raum eine Halbkugel vorstellet oder doch dieser Figur am nächsten kommt. Die pochschale ist mr Bergbane eine eiserne Platte einer halben Elle dick mit einer fast eben so tiefen runden Grube, das Erz darin zu pochen. Die Wageschalen sind halb kugelförmige dünne Gefäße an einer Wage. Bewuders ein solches Gefäß für Speise und Trank, ohne Rücksicht auf die Größe. Eine Theeschale.. Raffeh- schale, wofür das. ausländische Tasse in den meisten Gegenden üblicher ist. Eine Schale Theo, ein Schälchen Thee trinken. Eine Zuckerschale, Obstschale, punschschale, Tvinkschaleu.s.f. EineSchale Obst, wo es auch für Schüssel stehet, obgleich eine Schüssel gemeiniglich cheils größer, theils flacher ist, als eine ^ Schale. > iZZ7 Sch a Schalk. Goldene Äpfel in silbernen Schalen, die kalke Schalt/ eine figürliche Benennung einer kalten flüssige« Speise, Brot, Semmel u. s. s. in Bier, Wein, Milch u. s. s. gebrockt, welche aus einer Schale gegessen wird; Schweb, gleichfalls In dieser Bedeutung lautet es im Nieders. gleichfalls^ Schale, im Engl. Mell, im Schweb. im Wallis. VsZal» im Böhm. 8sa1 und 8sa1ek. Es ist in dem weitesten Verstände des hohlen Raumes ^rit Schilf, und wem: man den Zischlaut ab. rechnet, auch mit Kelch, Gölle, Hohl ». s.f. verwandt. s. Mit dem Begriffe der Bedeutuug, der gewöhnlichen Figur des hohlen Raumes. r) Im eugern Verstände, ein hohler Körper, welcher einen andern weicher« umgibt und bedecket, wo es am häufigsten yan solchen harten und fesien,zuweilen aber auch von weichen und biegsamen gebraucht wird, (a) Von harten und festen, wo es fast in allen Fallen üblich ist,wo kein andererNahmeeingeführet worden. Die Arnschale, die beinerüe hohle Bedeckung des Gehirnes; bey demStryker nurKLal, Schwed. 8 Kalls, Eng!.8ku ll. Die Nußschale, welchen Nahmen so wohl die weichere grüne und äußerste Bekleidung der Wälschen Nuß am Baume, als auch die harte Bedeckung desKernes so wohl an denWälschemals an denHaselnüffen bekommt. DieEyerschale, Mandelschale, Austerschale, Rrebs- schale, Gchildkrötcnschale u. s. s. Die horuartige Bekleidung des untersten Theile's der Füße an manchen Arten von Thieren heißt, besonders bey den mit gespaltenen Klauen, dieSchale. Bey denen Thieren, welche keine gespaltenenKlauen haben, heißt dieseBeklei- dung am häufigsten der Huf in manchen Gegenden aber doch auch die Schale. All deu Gießformen, besonders aufdeu hohen Dfen, beißt die äußere Form so wohl die Schale, als der Mantel, zur« Unterschiede von dem Verne oder der inner« Form. Die Schale eines Baumes, welche doch noch häufiger die Rinde genannt wird. Die Schale von einem Buche ist der Einband, nachdem dasBuch heraus geschnitten worden. So fern aber auch die steifen Scitentheile eines Bücherbandes die Schalen heißen, gehöret es zu derfolgeuden Bedeutung einer flachen ebenen Bedeckung. Die Schale an einem Messerhefte, find Bekleidungen des Heftes von Bein u. s. f. welche gemeiniglich eine halb runde Gestalt haben, oft aber auch stach find; Nieders. Schulpe. Zu dieser Bedeutung einer hohlen Bedeckung lautet es im Nieders. Schelle, An Angelf. Lesala, 8e^11, imEngl. Lirell, 8!ials, im Schwed. 8kalme. Rechnet man den Zischlaut ab, so sind auch Hülle, Hülse das mittlere Lat. Oulea, Helm u. a. m. damit verwandt, ch) Von hiegsameu, weichen und dünnen Bekleidungen; in welchem Falle es doch seltener gebraucht wird, weil dafür Haut und andere Benennungen üblicher sind. Äpfelschalen, Birnschalen, die äußere Bekleidung der Äpfel and Birnen, welche im gemeinen Leben auch Schelfe« genannt/werden. Im Grieche ist dir Haut, das Fell. . - 2 ) Im weitern Verstände, wo sich der Begriff des Höh- ümg verlieret und allein der Begriff der Bedeckung übrig bleibt, da denn diests Wort in vielen Fällen auch von ebenen, gemeiniglich aber dünnen undffesten Bedeckungen gebraucht wird. So werden die Schalbleche und Schalbreker auch nur Schalen genannt. Bey hem Ulphilas ist 8kLija ein Ziegel, nach demLatein. I'ezula. 3) In noch weiterm Verstände verlieret sich auch derBegrjff der Bedeckung, und da ist die Schale in vielen Fällen die Benennung eines in die Länge und Breite ausgedehnten festen aber dünne« Körpers. Die Rammschale ist der Nähme eines schwarzen harten Kupferschiefers. Die Eischale odereine Schale Er; ist im Bcrgbaue ein flaches aber durmesSrück Erz, welches fichwon Hem übrigen losLegeöen, ws aber auch der Begriff der Abfonde- Scha 1ZZ8 rung Statt findet. Vielleicht ist auch öieß der Grund, warum die Fleischer gewisse Stücken Fleisch von der Keule eines Rindes die Ober- und Unterschale nennen. Im Schweb, ist SkoUn Blech- S> auch Scholle. Anm. Der Begriffder Höhlung, und figürlich der Bedeckung, ist in den meisten Bedeutungen dieses Wortes der harschende, und da stammet es von dem noch im Schweb, üblichen tk) la» decken, bedecken, her, von welchem auch u sser Schild abgeleitet werden muß. Das Ettgl.8cals und Franz. Lcuil.e, Fischschuppe, gehöret gleichfalls dahin. S. das folgende. Schalen, verd. reZ. aet. mit Schalen versehen. Die Messer schalen, die Schalen an dem Hsfre befestigen. Das Ufer eine«! Deiches oder Dammes schalen, die Seit.n mit Bratern oder 'Bohlen bekleiden. In dem Jagdwesen heißt ein Husch hoch geschalt, wenn er hohe Schalen an den Läufteu hat. Anm. In dieser Bedeutung stammet es zunächst von Schale ab. Allein, chedeffen muß cs, wie aus den Abgeleiteten erhellet^ ein Zeitwort von einem sehr weiten Umfange gewesen sey n, welches ursprünglich eine Nachahmung eines gewissen Lautes war, und wovon unser schallen dasIntenßvum ist. Nach einer sehr gewöhnlichenFizur bedeutete es hernach auch assrleyBewegunge« und Veränderungen, welche mit diesen! Laute bekleidet find, noch das Nieders. schalen, welches nicht nur plaudern, sondern auch spülen, anspülen, ingleichen einen stüffgen Körper rütteln, wie auch unachtsam und nachlässig gekleidet gehen, bedeutet., Das verwandte schrien bedeutet in Niedersachsen zanken u. s. z. Naoy einer andern Figur bezeichnet es eine jede Bewegung oderAusdeh- nung, und zwar so wohl überhaupt, als auch nach vesondernRich» tungen, wohin denn auch der Begriffder Bewegung in die Runde, in die Tiefe gehöret, wovon die Bedeutung des hohlen Raumes, und der Bedeckung gewöhnliche Figuren find. Schalen, verlr. rsF. aet. der Schale berauben, wo es doch nur von weichen biegsamen Schalen gebraucht wird. Äpfel, Birnen schalen. Geschalte Äpfel- Die Baume schalen, die Rinde von denselben adziehen oder absondern. Iacob schälete Stäbe, r Mos.zo,z 7 . In einigen Gegenden schälet man einen Boden, welcher urbar gemacht werden soll, wenn man den Rasen mit der Schalhacke oder dem Schalpffuge absticht und Hernach verbrennet, welche Arbeit im Badenschen schorbcn genannt wird. Vvn harten Schalen gcbrancht man dieses Wort m'cht, außer vou den Eyerschalen; wohl aber ist es in manchen Fällen auch von solchen weichen und dünuenBedcckungcn üblich, welche unter d. mNah- men der Häute und Hussen bekannt find. Z B. Nüsse schalen, nicht der harten festen Schale berauben, sondern das weiche Häutchen von dem Kerne absondern. Daher eS auch als ein Rec pro- cum gebraucht wird, sich schalen, sich in G statt einer Schale oder Haut absondern. Die Haut im Gesichrc schalet flch^ oder das Gesicht schälet sich, wenn sich die Haar l« Gestalt einer trockne» biegsamen Schale absondert. So auch das Schälen. Anm. Im Nieders. schellen, im Schwed, tkala. Das Eng?, to l'cals bedeutet schuppen, abschuppen. Es kann scyn,daß dieses schälen nicht so wohlummttelbar von Schale abstammer, sondern eine eigene Dnomalopöie des Theilens, Schneidens ist, da cs denn nur eine einzelne Bedeutung des vorigen Wortes schalen seyn würde. Im Schwed, ist lÄaUa in dünne Blätter schuriden, und lkälja theilen, absondcrn. Daß bey dem vorigen Worte gedachte Nieders. schälen, spülen, und schälen, befeuchten, in beschälen, gründen sich auf ähnliche Dnomatopoien. Das Schalenmehl, des — es, ^lur. car. bey den Müllern, dasjenige Mehl, welches noch in den zermalmcten Schalen, d. i. in derKleye, sitzet, und davon gebeutelt wird.- Ppp p z Der rZZ9 S ch a Der Gchafenfchvö'kev, des—s- plur. ut vom. 6v§. in Serr Messer-Fabriken, derjenige Arbeiter, welcher die Schaler» zu de«. Messerheft'.-n vn-ferriger; von schroten,schneiden. Der G'chälftsch, des—es, plur. die—e, S. Schalthier: Der Schülfrsch, S. Schellfisch. Der GchälgüvF, des — es, plur. die—gä'uge, in den Mr'ck- len, ein Gang, worin das zu Graupen bestimmte Getreide ge» schälet, d i. seiner Hülsen,bcraubtwird; der Graupcngang. Das Gchaltzebir^e, des-s, plur. ur vom. livZ. im Vera» Laue, der Nähme chuer steinartigen Flöhlage, oder Schics» in erucNi Flötzgebirge, weil sie stch schälst, oder in dünne Blätter" absoudert. So ist m den Thüringischem Flötzgebirgeu das blaue Schalvwbirge ein SteinflöS, tvr-lches ans Lhv-r, Schiefer und. Kaik bestehet. Das darüber liegenderothe Schalgebirge ist eim rolher, eisemschirsstgsr, mreTövn imd Äuarz vermengter Marmor.. Darüber l»gr das weiße Schalgebrrge, weiches eine M i sch m i Z ans lhonartiaem Schiefer, Zaßpiß und Marmor ist. Die Gchälhacke, plur. die—n, S. Schälen«. Dr»? S»ycrbhcrttt, plur. die — hance, diejenige Haut, woniitdis Flügeldecken der Käfer überzogen sind.. Lek Schälhengst, des — es, plur. die—e, ineiniacnGegenden, ein Hengst, welcher zum Beschälen gehaltem.wird. S. dieses Wort., ^ Das'Schalholz,» des — esj plur. die—hchlzer- r) Ein auch für Schalbret übliches Wort, (S..dasselbc.) 2) Hölzer, wvmit- ein Deich oder Damm geschähet, d. i. an den Seilen bekleidet, wird. Z) Zu dem Bergbauc sind es gesvaltenc Bäume, welche im den Schachten hinter-die Geviere geleast werden.. Dkk Schall', des — es, plur. die Schälke; ein alles Wort, wek-- ches, 1. *ehedetu einen Diener, einen Bedienten, einen Knecht,, kurz enwjede Person bedeutete,. welche einem andern zu gewissem Dienstleistungen verbundenist. Es war in diesem Verftan.de ehe- -* dem sehr üblich, nick wurde nicht.rchr.von Knechten und Bedienten^ geringer, sondern mich voivDierrern höherer Ärr, von Vasallen und Hofbedütttri! gebraucht, und da sagte man auch im weiblichen Geschlechke, die-Gchälkinn. Es ist in dieser Bedeutung, »er- Aiurhlich uniderZweydentigkeit-mikderfolZendei! Willen, veraltet,, und nur noch in einigen Zusammensetzungen üblich; wohin der rio.enrhüinlichc Nabme Gottschall', und die Benennungen M«r- 1 schall, ehedemNrarschalk-uuddasFranz.8Lvec.hcuI, immirt-- lernLakriue8soenltu!eus, gehören. Zm Nieders. gebraucht u-am rs n:-ch zuweilen stgürl ch, eine Stütze, einen Träger, eine u leb?- lvsen Körper zu bezeichnen, worauf ein anderer ruhet, welcher!' man in? Hochdeutschen auch wohl einer: Rnecht zu nennen pfleget,. i 2. Eine Person, -wellte dieFerkigleit besitzet, andern der-einem unschuldig-scheiuerrderi Ver-halreu.zu schaden; wo es von Heyden -. G«'schlecklleru gebraucht wird, und ein so aenanntesMittelwoet ist,, welches so W e schein,,! a re ben arglistige!,Bettsteaer lvzeichnenkai!!',. als arich eine Person, welche andere durch eirr unschuldig sch e ine r i- des Betragen nur im Scherze zuhintergehen sucht. -) Eigentlich. Die Propheten sink Schalke- Zer. -F, 11-, Bekriege.-.. Halls deine Feptltggev Juda-—denn es wird der Schalk nicht? mehr über dich kommen ,, ir ist gar ausgerottck, 9 talium..s, 1,. Es ist mancher scharfsinnig, und ist doch ein Schälk, Sir.r 9,2 2'.. Der Schalk kann den Aopf hangen und ernst sehen, und ist doch ei? c l > B ekrü g, V, 2 z.. Lmweii her Bosen Maul im Lügr«, -Der Schack im Schmähen suchtScnügen, DpP Ps. , 09,u,. Am üblichsten rft es jent v^n Aeirrci! unbedeutenden ^Sintergehun» gen, eine Vers nz» bcn'ichüen-, welcheLeicklferngleich sch/rzhällr^ Arglist hinter eirr unschuldiges äußeres Betragen zu verbergen weist wenigstens hat es viel von dem ehemahliLen harten Begriffe S ch a 1^0' verkoren, welcher andern Wörter« dieser Art anklebet.; K,'j, durchtriebener, ein abgefäumtcr Schälk. Einen Schalk hin- terden Mhreu haben, ein Schalk ftvn. Er weist der Schalk fein zu bedecken, er weiß sich sehr unschuldig, sehr ernsthaft z» stellen. Je ärger Schalk, je besser Glück. Schale must man mit Schälken fangen. L) Figürlich., (ä) Boy den Salpeterfieder«. wird eine weiße Kalkerde, welche sich zuweilen unter der schwarze« Erde befindet, und von Unverständigen oftfürSalpelererdcgchak ten wird, Schalk genannt, (b) Z« der Laudwirrhschafk einig-r Gegenden stndckieSchälkc Kohlstöcke,welche einen guten Wuchs, aber doch dadep kern so gllrarrntes Herz haben. Zu bepderr Fälle« ohne Zweifel, weil diese Dings du, ch, ihr gutes äußrrcs Aussehen Allwissende hirrteraehrn. Anni. Zn der ersten, allem Ansehen nach ältesten Bedcutung, ltlliltt dieses Wbkt bey dem Ulphilas 8!culk8, bcy dem Kexo Lenirlru, ben demDttfried8ot;l6, der auch lcmlclill für kriecht-. Uch gebraucht, im NickersiSchälk, imSchu>ed.8hw!k. JmJfidsr wird es Senslrü geschrieben, woraus wahrscheinlich wird daß das k a,n Ende aus der Adlest,mgssylbe —rg oder —ich cntsian, den ist; Schalich, eine Person, kvelche die.net, zusammen gezo- gen Gchalch und Schalk. Es kommt also bey der Ableitung nur aufdieSylbeSchal an. Dckse gehöret allem Ansehen nach zu dem schon gedachten alten Gramm» orre schalen, ivchchcs uritek andern auch'allerlrv gescstänige Brwegungeri vorru huren, arbeiterr,. dienen, bedemcr haben rann. e zwcvrcBedeütung wird genicinig- lich alsrine Figur der evsirn angesehen, weil Knechte g: meiriiglich bctriegerisch find, und man an Dieb, dem Latein. ß"ur und ander« schon ähnliche Be«,viele so.cher Figuren hat. Allein diese Erllä- rungsatt wird l:iw urn deßwillen unwabrscheinftch, wcilGchalk. ehedem am häufigsten einen Diener höherer Art la deutele, bey welchem dergleichen Gestimung nicht immer vermulhet werde« kann. Es ist also wahrscheinlicher, daß dreseBedeutimg von einem andtpri, längst veraltekrr.Gebrauche desZeikwvrtes schalen abstam^ met; denn daß dieses ehedem alle dw vielenBederilungen gehabt haben müsse, ivelcheZeitwörrcr dieser Art gemeiniglich haben, e.rhellct ausdem Hanibirrg. Schalk, derMund, welches rnit Schale vo« schalcrr abstammel,,so fern es ehedem eine Richtung und Bewegung in und nach der Tiefe bedeutet hat. Eben dieser Begriff scheinet auch iii deuiBaü rischen Schälke!, ein Mejber-Corselohne Schöße, der herrschende zu seyn, wenn es nicht vielmehr »kennt- klss des Zischlautes aus Jacke gebildet worden. In dem Schwed» 8!ösc!li, das erste Stück von einem angeschnittenen Brote, welches i«! D verdeutschen kor Nanft, der Scharrel, und rrn Nie- - derdcurschen der Anuust heißt, scheinet der Begriff des Abschnsi- dens, vielleicht auch det Masse, zum Grunde zu liegen. Siehe Schalken. Im Pictorius ist Schalk Hader, Zank, und schel- ken, schalken, zarrfon, welches eine unmittelbare Dnoiriatopöie dos Zaukens ist^und zu unseeni schelten gehöret. Übrigens harte man ehedem auch dasZcinvort-schaiken für hintergebencheLriegeri^ rvrlchesaber, weuiasti'ns llii Hochdeutschen, veralrrt ist» - Dü? ^ ieb ist iederzcll Begäbt mir Zrcunblichket'r;: Laßt bösen Eifer blecken,. Die- Liebs schalker nicht,. Sie denkt an rbre pst ich t, Dprtz.. ZmSckweö.ist ikLtücrs gleichsalls vettiegcn.Eben so nttgewöhnlich find dieehemahüm-n Zrrsan ii rr sistunaen Sei a ksange, Schalls- knechr,, Gchälkspäth, Schalksshv, SchauLchrist., Schalks- llci'e- liebe u. s. f. geworden, arglistige, verstellte HetrügUHe Dinge zu bezeichnen. 'Schalken, verd. reg. act. welches nur im Schiffbane, besonders in dem zusammen gesetzten zuschalken, zundLeln, mit Nägeln zu« schlagen, üblich ist. S. das folgende. Schälken, verd.reg. aet. welches nur im gementen Leben einiger Gegenden, besonders Niedcrsachsens, üblich ist, und eigentlich schlagen, hauen bedeutet, aber m-r von dem Beschlagen oder Behauen der BLuine und des Bauholzes -gebrauch! wird. Einen Baum schälken, ihn behauen, beschlagen. So auch in dem zusammen gesetzten Anschälkcn. Schalkhaft, — er, — este, a 6 j. et ac!^. einem Schalke ähnlich, in dessen Gesinnung und Fertigkeit gegründet. Leine Misscchat lehret deinen Mund also, und haß erwählet eine schälkhaftige Zunge, Hiob t z, z; d. i. arglistig. In dieser harten Bedeutung ist es veraltet, und es bedeutet nur noch, Fertigkeit besitzend, unter einem unschuldigen äußeren Ansehen auf eine scherzhafte Art zu hintergehen, und darin gegründet. Schalkhaft seyn. Einige Neuere haben dafür ohne Noth das ungewöhnliche und das Ohr beleidigende schalkisch einzufüssren gesucht. So auch die Schalkhaftigkeit. - - - ^ , Dre Schalkheit, plur. die — en. r) Der Zustand, die Fertigkeit, da jemand ein Schalk ist, ohne Plural ; ehedem besonders im harten Verstände, für Arglist, betrügerische Gesinnung , in welcher Bedeutung es in der Deutschen Bibel mehrmahls vorkommt. Die Schlange verftrhreke Evam Mit.ihrer Schalkheit, 2 Cor. 11, z. Jetzt hat es auch hier den harten Neben, begriff verloren, und man gebraucht es am häufigsten von der Fertigkeit, andere unter einem unschuldigen Scheine auf eine scherzhafte Art zu hintergehen. voller Schalkheit stecken. 2 )Ein -nn dieser Fertigkeit gegründetes Betragen; auch nur in der letzrern gelinden Bedeutung. Jemanden eine Schalkheit erweisen. In allen Schalkheiten erfahren seyn. Notker gebraucht Lcal- cfteii noch für Dienstbarkeit, voir Schalk, ein Dtener. Das Gchalksauye, des — s, plur. die — N, ein nur in der Deutschen Bibel undbiblischen Schreibart übliches Wort, ermbc- triegerisches, arglistiges Auge zu bezeichnen, Mare. 7, 22. Der Schalksdeckel, des—s, plur. utrrom. eine scherzhafte figürliche Benennung des Hutes, so fern er den Schalk, d. i. schalkhafte, arglistige Fertigleit, bedecket. Der Gchalksfreund, des—-es, plur. die — e, sin falscher, arglistigem Freund, der uns unter dem Scheine der Freundschaft zu Hintergehen sucht; ein im Hochdeutschen wenig gebräuchliches Wort. Der Schalksfrennd, Filz und Menschenhasser, Haged. Der Schalksknecht, des — es, plur. dre— e, nur in der Deutschen Bibel, ein arglistiger, bctriegerischer Knecht; Matth. 18, Z 2. Der Schalksnarr, des—en, plur. die — en, ein Mensch, der sich aus List oder Argllsi als ein Narr stellet, sich als eineil Narren gebt auch u läßt, ohne es wirklich zu seyn; zum Unterschiede von einem gedornen Narren, einem von der Natur am geftlnden Verstände vccwahrloseten Menschen. Das Schalcsohr, des — es, plur. die — en, nnr in der Deutschen Bibel , das Ohr eines arglistigen, auf den Betrag anderer bedachten Menschen. Sir. 19, 24. Der'Gchalksrath, des — es. pl,r. die—rathe, auch nur in der DcutschenBibrl, ein betruglicher, arglistiger Rath. Nahum -, 1 t. DerSchall, des — es, vlur. die Schalle. 1) Überhaupt, die zitternde Bewegung d.r Luft, so fern sie sich dem Ohre nähert, und als solche von dem Ohre empfunden wird, wo man cs oft im weitesten Verstände, von eincrj den arlf solche Ari empfundenen Kvwegung'der Luft gebraucht, fie rühre mnr von 1 >er Stimme oder von andernVerändermlgen hcr, fie sepnuil schwach odec stark, tonend und klingend, oder anfandcre Art bestimmt. Man kens net disSchälle überhaupt unter dem Nahmen der Tone. Ein angenehmer Schall heißr ein Rlang. Papagey u. d Stahv haben genug menschliche Schälle gelernct, aber auch ein menschliches Wort gedacht e Herd. Rinder sprechen Schalle der Empfindung, wle die Tluere, ebrud. Oer-Wie-erschall, das Echo. 2) In engerer und gewöhnlicher Bedeutung, welche zugleich dem Laute, der Oaomatepöie dieses Wortes am angem-.i- feilsten ist, ist der Schall ein Heller Laut, eine sehr Hell eMpftrit- bene zitternde Bewegung der Luft. Der Schall der Glocken, der Trompeten, der Trommeln. Gott donsiert mit großem Schall, Hiob l 7, 4. Und in dieser engrrn Bedeutung wird der Plural seltener gebraucht. Anm. Bey dem Notker 8 Lull,imSchwed. 8 kLll. S.SHallen. Dre Scherffänte, plur.die—n, in einigen Gegeudeu ein Nähme der Lossclante, luti rolii a lL/c;ftr. Su-all scheinet hier ans Schale verderbt zu seyn, und den weiten und üefenSchnabeft welcher die Gestalt eines Lössels hat, zu bezeichnen, daher sie in einigen: Gegenden auch Schildänte genannt wird. Schallen, verb. rez. neutr. welches dasHülfswoct haben ecfor- del k, einen Schall von sich geben und verursachen, doch nur in der engrrn eigentlichern Bedeutung des Hauptwortes, einen Hellen lauten Schall von sich geben. Die Posaune wird schallen a Cor. a L, ^2, Der Zerr wird seine herrliche Stimme schall u lassen, Es. go, zo'. Der Wiederschall schallet curs den hohen 'Bergen, Weish. 17, - 9. Die Gesellschaft ging mit einem schallenden Gelächter aus einander. In weiterer, sonst rmgewöhn- sicher Bedeutung schallet bey den Jägern einThier, wenn es einen Laut von sich hören läßt, welches auch schalten, schelten und melden'genannt wird. Daher das Schallen. Anm. Bcy dem Notker ftftnllon, scfteftien und stellen, im Niederst gleichfalls schallen, im Schwed, skcrllu. Ehedem war es ein irreguläres Zeitwort, uitd bey dem Notker lautet das Jlnperfectum lcftull. Diese irreguläre' Fornr har sich noch in dem zusammen gesetzten erschallen erhalten, dagegen das eiiis-achc jetzt völlig regulär ist. Das Aetivum schallen, schallen rnacheit, wird am gewöhnlichsten mir einem e geschrieben,'sS.Schelle undGch-l- ftcn.) Übrigens ist dieses Zeitwort eine Onomatopöie eines Hellen, schallendett Lautes, der Form nach aber das Jntensivum des alten x Zeitwortes schallen, welches umer andern auch eut-.tr gewissen Laut von sich geben bedeutet that. 6 all, Hallen, Gallundg.il- len, das Gclech.»«?^tv, das Hcbr. , die Stimme, und andere unterscheiden sich bloß durch den Mängel des.oerllärkenden Zischlautes , daher sie auch geringere Arten von Schällen-bezeichnen. ^ Das Gchallhorn, des — es, plur. die—Horner, eineehemah- lige, jetzt veraltete Bkiiennung,-so wvbl einer Posaiiilr, als auch einer Schalmeye. Jetzt wird nur bey den Jägern noch der weite Theil des Hicfhorries, aus welchem der Schall heraus fahret, da« Gchallhorn^ noch häufiger aber das Schallsinck genaniir. Das Gchälllöch, des—es, plur. die—löcher, ein Loch, so fern es dazu da ist, dem Schalle einen Ausgang zn machen. So werden die Öffnungen in den Elockenthürmen, durch welche sich der Schall det Glocken verbreitet, Schalllöcher genannt.. Das Schallftück, des — cs, plur. die — e, eine weite Öffnung unten andcn Waldhörnern, Trompeten, Posaunen u. s. ft durch welche der Schall heraus fahret. An den Pauken ist es der Trichter übcrdem runden Loche an dem Paukenkessel, wo es auch dis Stimme genannt wird. - - . Dre SchallunI. plur. die—en, einnur in dcu Niederdcutschen Marschländern ilbliches_Wort,das mitSchilftahr bewachsene oder 'auf andere Art befestigte Ufer eines Deiches oder Dammes zu bezeichnen. bezeichnen. Es wird vor! vielen, und Wi^ cs scheinet, richilger, Schalung undSchals geschrieben und gesprochen, da es eigentlich die Bekleidung mit Schalen oder Beeter» bezeichnen wurde. Der Sehalm, des— es, plur. die — e, cm nur in einigen Gegenden übliches Wort, einen abgesonderten Th.il erneu Theil eines Gänzen zu bezeichnen. So ist in der Land - und Aorstwirth- sck>aft einigcrGegendeu, der Sehalm ein gewisser bestimmterTheil, so wohl eines Waches, als auch einer Weide. Es scheinet in dieser Äedemung besonders in derMürk Brandenburg üblich znftyn. S. das folgende. . ' S.ytrlmer-, verb. r?Z. not. welches gleichfalls nur in einigen Gegenden gehöret lrird, die Schale oder Rinde abhaueu. Einen Baum schalmen, ihn durch Abhanung eures Stückes der Rinde oder äußern Schale zeichnen, in welcher Bedeutung auch abschal- rnen und a'chchalmen gebraucht werden. Da man in den Wäldern die G 'änzen geusssser Bezirke auf solche Art zu bezeichnen pflegt, so wird fchaimcn. besonders im Forstwesen, zuweilen auch überhaupt für zeichnen, absondern, abrheilen gebraucht. So auch -ie Gchalmung. Anm. Es ist von dem Niederst schalken, Hanen, schlagen, nur im Errdlaute verschieden, und vermittelst der Eudsylbe —men,, entweder von Schale und schalen gebildet, oder stammet auch unmittelbar von khalen ab, den mit dem Hauen verbundene» Schall zu bezeichne n. Am. Mittlern Laterne ist LickalMÄiuvv'tus der ob-, re The il eines Baümes, wo er anfängt, sich in Äste zu schalmeu oder zu chrilen. > Die' Sck-alme^e, plur. die— u, der Nähme eines musikalischen Blase-Instrumentes, welches im Ganzen einer Röhre gleicht, wovon es aber mehrere Arten gibt. So wird die Pfeife an einem Dudelsacke auch die Schalmepe genannt. Am üblichsten ist es von einem Blaste - Instrumente, welches der saue. Bois gleicht, nur daß es größer ist, und noch hin und wieder auf dem Lande, von den Schäfern u. s. k. gebraucht wird. Zuweilen pflegt matt, such wohl diekleine-r'rr Hank- Bois Gchalnirpen zu neunen. Ehedem Aeß die Gchalmepe auch das Gchallhorn, und auf dem . Lande einiger Gegenden führet sie noch den Nahmen der Tarter, ^ vcrmnthlich wegen ihres schnarrenden Klanges. Ann». Im Schwed. Skarrn-vjK, im Böhm. SsulamsAS, im Engl. nur 8nnlin. Frisch bemerket, daß schon in einer A 43z gedruckten Deutschen Vtbrl Schalmei für Pfeife gesetzt worden. Das Wort ist ohneZwcifel ans dem Franz. OstiLiulneseu entleh- > net, welches wieder von Gu'amuä-abstamm-t, und nicht nur > einertHalm, eiire Nöhrevon Stroh oder Rohr, sondern auch eine daraus verfertigte Pfeife, und inengerer Bedeutung die ländliche Gchalrricye bedeutet,welche letztere anchLüttlklNte: genannt wird. Im Jtal. heißt sie ans ähnliche Art Gunnsmelu, GLunsunelZ, rüiL7ÄMsln. Indessen kö-lllie ihr Nähme auch ganz füglich von dem Gc-alle oder Galine abgeleitet werden. Die Schälmüftyel, p!ur.die---n, eine Art einschaliger Muscheln, deren Muschel oder Schale einem Napfe oder eis ex Schale in der - rrsiknBe^eutimg gleicht, daher sie auch Schiisselmnschel genannt wird; k^ntells. Das Schalochr, des — es, plur. die —en, ein fehlerhaftes weites Öhr eines Pferdes , welches einer Schale gleicht / daher üstch ein mit solchen Ohren begabtes Pferd selbst ein Schalohr genannt wird. Die Schalörtlv) p'nr. die —n, eine Art Lauches, welcher keinen fostrengenund widerwaerigen Geruch und Geschmack hat, als andere Arten des Lunches ; Milium Äldnlonlum D. Äschlauch, Eschlanch, Franz. LldaluUe, Jtal. ZcäloZnn, Span.lüienlrrnn,Engl. Alle von dem N chmen der Stadt Aökaloi» >n Palüstiuü, wo dieser Lauch sehr häufig wachset und auch ans diesen Gegenden zu uns gebracht worden. Scho«, Pimins nennet ihn und Gepa Monseeischen Glosse heißt dieser Lauch i-l^uujlLeo. Der Schütpflu^ des —es plur öle—pflüge, eine Art eines Pfluges, einen wrlden, noch nicht arrbar ssemachten Boden damit gleichsam abznschälcn und -u entrasen. S.Schälen. DttS S'chttlststch, des es, plur. die-—e, S. Schalbrett Schalten, Verb. rsZ.uct. et rieutr. welches im letztern Falle das Hülfsworr haben erfordert, ab r schon fit geraumer Zeit sehr' ungewöhnlich geworden ist. Es bedenket noch, k) Schieben; ü, welchem Verstände es nur noch in dem zusammen g.setzrcn ein- - schalten üblich ist, und das Latein, calare in iuiercalnre als seinen Verwandte» erkennet. 2 ) Hantiren, behandeln, und sigür- lichdie Verändernug-n eines Dinges nach Gutdünken bestimmen. Mit etwas nach eigenem Belieben schalken, nach eigenem Belieben e a-nit umgehen, verfahren. Schalte damit, wie du willst. Am hänsigsten gebraucht man es in Verbindung mit dein gleich» br», emenden walten. M't etwas jchalten und walten, die Veränderungen eines Dinges nach eigener Willkühr bestimmen. Die^ Hauptwörter das Schalten und die Schaltung sind im Hochdeutschen nicht gewöhnlich. An m. Diefts Zeitwort ist der Figur nach das Jntensioum von dem schon gedachten veralteten schalen, und bedeutet eiacnriick gewisse mit einem eizenthümlichen Schalle verbundene Handln!,--, gen vornehmen-. Daher wurde cs ehedem für stoßen gebraucht. 8oLlr rnLx 8!»estin liutkr, stoße das Sch ss ans die Hohe, im -Laliait. löu lLLltelllle 26 rvlr^e, du stoßest oder treibest sie zurück, Notker. Bey dem Dasppodjus unh Frischiin ist, dem Zu Folge, ein Schiff schalten, es forlsteuecn, die Schalte eine Stange, womit die Schiffe gehalten, vielleicht richtiger, womit sie gesteuert werden, und Schalter der Stenerma«», jemanden von sich schalten, heißt bry dem Kaisersbcrg, ihn von sich jagen , davon schalten, fortgrhen. Schalten in der zrveyten Bedeutung darf eben keine Figur davon ftyn, soildern kann auch als eine unmittelbare Onomatopoie des Hantirens niit körperlichen Dingen angesehen werden. Im Hebräischen ist v^V gleichfalls herrschen, beherrschen. Die von der ersten Bedeutung gebildeten Oberdeutschen Schaltfürst, Schaltkönig, Schalt- pfarVer u. s.f. einen Vice-K^önig, Vice-Pfarrer zu bezeichnen, sind im Hochdeutschen ungewöhnlich, auch wegen der Zwepdeu- tigkeit des darin herrschenden Begriffes der Einschiebung nicht anznrathen. Das Schalthiev, des— cs, plur. die—r, von Schale, m der Naturgeschichte, ein mitciner harten Schale bedecktes Thier; in welchen! Verstände auch die Schildkröte mit diesem Nahmen beleget werden könnte. Am üblichsten ist cs in engerer Bedeutung, von Gemurmen, welchem kalkartigenSchalen wohnen, da denn nur die Schnecken und Muscheln d^e Classe der Schalthicrr cms- machon. Diejenigen von ihnen, welche allein im Wasser leb^ü, pflegt man auch wohl Gchalftsche zu nennen. Das Schaltjahr, des — es, p! u r. die— e, in der Chronologie. ' und dem Kalendecwcs'n. 1 ) Ei» Jahr, welches.in die Reihe mehrerer Jahre über die gewöhnliche Zahl eingeschaltet wird. Am gewöhnlichsten- 2 ) ein Jahr, welches durch einen Schalttag um einenTag länger gemacht wird, in welches ein Tag eingeschaltet wird. Schwed. 8LoUnr, vonflsichMs, stoßen,schieben, schießen, schalten. ' - Der Gchaltmonath, des —es, plur. die—e, eben daselbst, ^ ein Monath, welcher über die gewöhnliche Zahl der Monathk eingeschaltet wird. So wird in einem'Mondenjahre der drey- zehnle Monach, welcher üb'gr die gewöhnliche Zahl ejng'ckückeL ksjsd^dMjt dxpAttfüns kimÖ Jahres immer L" ki»er»md eben berse-bcu ,Z4F . Sch a di '.-selbett Jahreszeit erhalten werde, der Nchaltmonach genannt; ' Münks embolilniicus, enadolittiLsus. Dor Schatttas, des —-es,sp!ur. die —e, eben daselbst, ein Tag, welcher über die gewöhnliche Anzahl der Lage in der Zeitrechnung eingeschaltet wird, damit das bürgerliche Jahr mit dem astronomischen überein komme; Dies ivkereulsris, biLse-xti- j>5. So ist nach unserer Zeitrechnung allevier Jahre der 24 ste Februar ein Schalttag da denn der Februar statt seiner gewöhnlieben 28 Tage, deren 29 hat. Die Schaluppe, S. Chaluppr. Das Gchalwerk, des—es,xlur. die —e, besonders m den Niederdeutschen Marschländern, eine wasserdicht geschlagene Wand von Pfählen oder dicken Bohlen; von Schale, die Bekleidung eines Deiches oder Dammes. Der Schälzahn, des — es, plun.chie —zähne, ein schadhafter Zahn, besonders bey den Pferden, welcher sich abschälet; ein Sckwferzahn, Blätterzahn. Die Scham, xrlur. ear. ein Wort, Welches in einer doppelten Hauptbedeutung üblich ist. -. Der Zustand, d« man sich schämet, 1) Eigentlich, die mit Schamröthe verbundene Unlust, oder unangenehme Empfindung ulnr dir Sichtbarkeit unserer Blöfie, ""d in weiteem Verstände, unserer Unvollkommenheit, vor Scham roch werden. Scham empfinden, vor Scham die Augen nicht aufschlezen können. -Sich in Scham verhüllen, i« der dichterischen «Schreibart. 2) In weiterer Bedeutung. (a)Dzs Vermögen, die Fähigkeit, Unlust überdie Sichtbarkeit unserer Blöße, unserer Unvollkommenheit, zu empfinden. Wofeine Scham ist, da ist keine Ehre. Weder. Scham noch Schande haben. Aller Scham den Dopf abgebissen haben, i-r der niedrigen Sprechart, die Fähigkeitch-p zu schämen verloren haben, (b) *Die Ker.'izkeit, alles zu vermeiden, was dm Blöße des Leibes zeigen, Lmd in weiterer Bsdelttung, Neigung zur Unkettschbett serrachett kann ;eiim iost oeralute Br, drutung> i,l welcher es ehedem sehr häufig für Zuchts-Z üchtigkeit, Gchamhaftigreit u. s. s. gebraucht wurde. 8 LÜLM iüejck ixronL Ois rieret-kro ve-en lcnove, Burkhard von H b - '-" OiuLekarn u!l'un ein rsttces krul in len-u ^or e- t i) ^ lcüe-t/.'rn : 8LÜLme rikiet reinili rvibuucl flicket ellulLN ins t; 8 e!i 4 nn 6 knn leisten v! 6 sn b an. Istavie ssabLnckelNrN kenn can, der Marner. Die Schwäbischen Dichter find m ll von Lob/prüchrndieserScham, besonders bey denrweiblichen Gejchlechte. Scham machet große Gunst, Sir. Z-r, 14. Dir Weiber sollen sich mit Scham und Zucht schmücken, 1 Tim. 2,9. 3) * Figürlich , dasjenige, dessen man sich zu schämen hat, dir Sichtbarkeit unserer Blöße, und mweircrm Verstände, unserer willkürlichen Unvollkommenheiten; eine gleichfalls veraltete Bebrutung, ru welcher es ehedem für Schande und das nahe verwandle Schimpf sehr üblich war. Ihre Scham war offenbar, Ezech. 2L, 18. Mit Scham be- k erdet werden, Ps. 35, 26. Du werßest meine Schmach, Schande und Scham, Ps. 69, 20. Mit Scham unten an sigen, Lnr. - 4, 9. 2. Die Blöße des Leibes, r) Überhaupt, wo man es nur noch in der kn gemeinen Loben üblichen R. A. gebraucht, seine Scham nichr bedecken können, seine Blöße, halb nackend gehen. 2) In engerer Bedeutung ist es eine ehrbare und anständige Benennung der Gebnrtstzl'cder bcvder Geschlechter, derjenigen Tbeilc des Leibes, welche die Schamhafrigkeil zu bedecken bestehlet, deren Blöße vornehmlich Scham erwecket,üäd welche man auch die Gcham- Slrcdrr, die Schamlheüe'zu uegnen pstcgt. In diesem Vek- ' Adel. W,R.Z.TH.2.Auß. Sch a ÜZss6 stände, in welchem es schon bey dem Winsbeck ckieZebume lautet, ist cs in der-Deutschcn Bibel und bev andern Schriftstellern schr gangbar, für Sie a-lständige Schreibart aber auch schon zu Unedel. In engerer, besonders in der Anatomie üblichen Bedeutung, ist die Scham, Lateümkubes, die unterste Gegend des untern Schmerbauches unmittelbar über den Geburtsglisdeen. In einer gegen das Ende des i zten Jahrhmrdertes gedruckten Deutschen Bibel, welcheSchelhorn im 8 tenBande der kritischen Beiträge (S. 1, s. beschreibt^) kommen dafür die Ausdrücke Gchnödrgkeir und Laster vor. ' ü ^ - Anm. In der ersten Hauptbedeutung schon bey dem Kero Lcnrnu, bey dein Notker Leama, im Nieders. Gchaam, und mit einem andern Endlaute Schämte, im Angels. Lcarns, im Engl. 8 üumL, im Schwed. 8 kaitt. (S. Schämen.) In der zweytcn Hauptbedeutung wird es gemeiniglich als eine Figur der ersten sngesehrn, und durch dasjenige erkläret, dessen man sich zn schämen hat. Allein es ist wahrscheinlicher, daß der Begrjff der Blöße hier der herrschende ist, der wirder cineFigur des Lichtes ist, daher es in dieser Bedeutung unmittelbar mit dem veralteten Schämen oder Schemen, das Bild, der Schatten, Schein, und ' den JuMrsivis Schimmel und Schimmer zusammen hängt. Auch die Scham, als eine Empfindung betrachtet, setzet im eigentlichsten Verstände die unanständige Blöße voraus. Das Wort Blöße selbst wird in der edeln Sprechart zuweilen von denjenigen Tbeilcn gebraucht, welche der Wohlstand zu entblößen verbiethet. Stehe Schämen. L)?.s,Schambein, des—es, plur. die — e, m der Anatomie, der kleinste Theil des uugenannren oder Hüftoeines, welches die Scham im engern anatomischeuVepstandc bilden hilft; Os pubis. Der Gchamel, des — s, plur. ut vorn. linZ. Dimiuut. das Gchämelchen, eilt Wort, i^h-ssen noch hin und wieder üblichen Bedeutungen m hrere Hanpcbegi iffe Vorst.chen. i)*Mit dem Bcgr-ffe der Masse, der Ausdehnung in die Länge, Breite und Dicke, ist der Schämel in einigen Oberdeutschen Gegenden ein K'ummui, ein Stück. So ist bey dem Wucstiftn em ELsschämel ein großes Stück Eis, eine Eisscholle. Es kann hier auch voq dem veralicttii, noch bey dem Kero b fiadlichen skemman, ab- kürmn, aestammeii ) so daß es ein abgesondertes Stück vcdeulen würde. (S. die Aameek. zu dem Zeitwerte Sch. men ) 2) In mauch.u Fällen ist der Schäme! ein Gerüst, ein G.stell welches etwas träger, wobey zuweilen der Begriff der Beweglichkeit mit eiiin -tt. Ein brceerner Stuhl heißt ein Schämel. Der Rsit- schamel ist in den Sagemühlen das Gestell, worauf der Sägeklotz li- get, und auf demselben gleichsam reitet, d. i. sich vorwärts beweget. I i der Artssleeic ist der Schämel eines Mörsers ein an den Mw s r gl-ich angegossener Fuß,-.(S Gchämelmorser.) In derLaudwlrlbschüft ist der Weudeschamel, Lenkschämel, Run- genschämei, ein auf der Achse b-wegliches Holz, worin die Rungen befestiget sind, und w-llchrs die Wendung des Wagens erleichtert, L>ie Schämel der Weber sind bewegliche Tritte unter den Füßen des Wchruden. z) In der engsten und gewöhnlichsten Bedeutung ist der Schä mel ein kleines niedriges Gestell, die Füße im Sitzen daranfzu stellen, daher er auch, zum Unterschiede von den vorigen Arten, der Zu^schämel genannt wird. Im gemeinen Lehen Dbersachsens und Dberdentschlanbes heißt er die Hutsche. Anm. In der letzten Bedeutung schon im Tatian 8 eLma!, im Dbcrdcutschen Schämel, und im Nieders. Gchemmel. Kero nennet alle Sitze oder Bänke 8 cuin^Iu. Das Lat. 8cumuum und 8cabeUum ist genau damit verwandt. Um des männlichen Ge- .schlechtes wAen kann die Eadsylbe hier nicht eine Verkleinerung bezeichnen, sondern sie muß die Ableicungssylbe—el seva, welches so wohl ein Werkzeug, als ein Sub-ect andkutet. Es kommt s Z47 Sch a hier also luiföie Sylke Scham — an, welche ihre Cruütterüng in der Anmerkung zu dem Worte Schämen finden wird. Das Scyamelersen, des —s, xiur. ul nom. lmZ. an den Wedersthhlen, diejenigen Eisen, i»r welchen sich die Weberschämel bewegen. Der Schämelmörscr, des —s, plur. ut nom. sinZ. in der Artillerie, ein mit einem Schäme!, d. i. angegossenen Fuße, versehener Mörser; ein Fnßmorscr. Der Schämen, der Schein, Schütten, S. Schemen. Schämen, verb. reA. net. welche/doch nur als ein Reciproeum gebraucht wird, sich schämen, r) Eigentlich, Scham empfinden; im eigentlichsten Verstände so wohl über die von andern entdeckte ' Blöße des Leibes crröthen, und in weiterer Bedeutung, Unlust checkdie von andern entdeckte Unanständigkeit und Unvollkommenheit a» uns empfinden. Adam und Eva warcu beyde nackck, und schameten sich nicht, - Mos. a, 2z. Ich sch a in e miches zu sagen. Sich vor jemanden schämen, Unlust empfinden, daß er unsere Unanständigkeiten entdecket habe, oder entdecken werde. Sich vor sich selbst schämen. pfui, schäme dich in dein Herz! im gemeinen Leben. In weiterer Bedeurung-uürd es auch zuweilen für scheiten, Scheu empfinden., gebraucht. Schäme dich nicht, das Recht;u bekennen, Sir. 4, 24. Besonders, wenn man wegen übler Erziehung bey rechtmäßigen oder unschuldigen Dingen Scheu oder Siham empfindet. Wenn die Sache, wegen welcher man sich schämet, durch ein Hauptwort ausgedruckt wird, so steht dasselbe auch wohl in der zweyten Endung. Sich eines Wortes schämen, sich.schämen, dasselbe.Zu sagen oder auszusprechen. Es ist eine elende Scham, wenn man sich einer hoher» Hülse schämet. Gell. Indessen ist diese Verbindung beider folgende» Bedeutung gewöhnlicher, als bey dieser. 2) In weiterer Bedeuiung, vielleicht von Scham, so fern es ehedem auch Schande bedeutete, sich für unanständig,siir Schande halten. Schäme dich nicht, deinen Freund ;n schützen, Sie. 22, .zo. Er schämet sich nicht, sie Brüder zu heißen, Ebr. 2, ,Die -Sache, welcheman seiner amanständig hält, stehet, wenn sie eiir Haupt- oder Fürwort ist, in der zweyten Person. Ich schäme mich-des Evangclii von Christo nicht, Röm. -, 16. Gott schämet sich ihrer nicht, Ebr. 11, 16. Ich muß mich deiner schämen. Ich schäme mich meiner Zärtlichkeit nicht einen Augenblick. Du hast ein Herz, dessen sich die Tugend selbst nicht schämen durfte, Gell. ' Ich schäme mich der süßen Schwachheit nicht, ebeird. Daher das Schämen. Anm. Schon im Isidor, kcy dem Oltfried und Willcram fcftamen, i,i.dcn gemeinen Sprecharten noch jetzt schämen, im Dngäist icssman, beydem Ulphilassstuma, im Schwed.l'KÜm- mas. Frisch hatte den sonderbaren Einfall, es von dem Jtal. lceruars, nehmen, abstammen zu lassen, weil Adam und Eva sich nicht eher zu schämen anfingen, als bis ihnen das göttliche Ebenbild genommen war. Scham und schämen sind Veränderungen, welche nicht in das Gehör fallen, und daher nochwendig Figuren einer sich unmittelbar auf das Gehör beziehenden Bedeutung seyn müssen. Schämen oder schämen ist von samen, (S. Sam- Gammeln und Saum.) mir indem stärkern Zischlaute unterschieden, und es sind noch Spuren genug vorhanden, daß es ehedem mehrere Arten einer mit einem gewissen Geräusche verbundencnBcwegung bedeutet habe. Dahin gehören theils unser schimpfen, welches einZnrensivum davon ist, theils das Island. Lkima, hin und wieder laufen, Schweb, fkstrn^a, Niederst schummeln, theils unser schäumen, Hcbr.L>vi, welches sowohl schäumen, als zürnen bedeutet, theils das veraltete noch bey dem Hero besiMtcheskemmLü,abkürzen,stutzen, Schwed.Lkämma, Sch a -ZS K'NoF Zlcemmi, bis Kürze, das Schwed. f!eam, kurz, welche von unseem alten Hammeln nur in demZischlaute verschieden sind, anderer zu geschweigen. Von der rauschenden Bewegung ist dcir Begriff der schnellen Bewegung eine sehr gewöhnliche Figur, und von diesen: lrckeder der Begriff ves.Llchkes, des Scheincs,^er Hellen lebhaften Farbe. Daherdas alte Schemen, ein Bild, der Schein, der Schatten, das Engl, to lesrn , scheinen, unser Schimmel, ein weißes Ding, Schimmer, blasser Schein u. s.f. Welche Bedeutung in unserm Scham und schämen zum Grunde liege, läßt sich mir muthmaßen. Ja der Bedeutung der Scham- theile scheinet es die Blöße z,: seyn, welche wieder von dem Lichte abstammet. Eine ähnliche Bedeutung scheinet ir>Gcham,pucior, zum Grunde zu liegen, indem dasselbe ursprünglich die mit dieser Empfindung verbundene Rothe des Gesichtes bedeutet haben kann, daher auch imLarein.sich schämen durch c- übeluere ausgedruckt wird. Die hochrochc Farbe Hac ihren Nahmen in mehrecnFciilen von dem Lichte entlehnet, wie Blut vor, tckühen, welches mit -Echt, bloß, Bl;g u. s. s. nahe oerwandt ist. Eine Art rv,h«r Äpsel herßr l,u gemeinen Leben einiger Gegenden wirklich S'cyÜm-- apsel, d. i. rother Apfel. Schamhaft- —er,-^este, nckj. et. ackv. eigentlich, Fertigkeit besitz! nd, über alle unanständige Entblößung vor andäen llniustzu enipfi.iden, und darin gegründet. Zn weiterer Bedeutung, Fertigkeit, über allen Sa-ein der Unfenschheit Unlust zu empfinden, und darin-gegründet. Schamhaft sepn. Ist deine Tochter nicht schamhaftig, so hakte sie hart, Sir. 26, 1 z. Welches ohne Noth verlängerte schamhaftig doch in Vergessenheit zu ge- rathen anfängt. In den gemeinen Sprrcharten ist dafür auch verschämt, im Oberdeutschen geschämig, im Niederst schäme- rch schamern üblich« Die Schamhaftigkeit, plur. inus die Eigenschaft^, da MM schamhaft ist; bey dem Loga,i verschämlrchkeit. Das GchamkLaut- des^-es, silur. iuui. in einige» Gegenden ein Nähme dcp stinkenden Melde oder Hundsmeldez Elleooho" ckiuin vuivaria l^. vonScham 2. Die Schamlefze, plur. di?—n, in der Anatomie, die Lefzen an der weiblichen Scham. Schamlos, —er, — este, allster all v. der pssichtmäßigenScham im hohen Grade beraubt, ohne Scham, und darin gegründet, in der ersten Bedeutung des Hauptwortes. Ein schamloses Betragen. Schamlose Morre, Geberden. Em schamloser Wollüstling. Niederst unschamlich. UriserUirverchämt hat noch eine weitere Bedeutung. Die Schamlosigkeit, plur. die — en. 1) Der Zustand, die Fertigkeit,-da eine Person-schamlos ist; ohne Plural. 2)SchE- lose Worte, Handlungen oderGcberde». Bey dem Notker in der ersten Bedeutung mit einer andern Endsylbe LLZmeloli. Scyamroth, ach. et allv. weiches nur im Positivo üblich ist, im Gesichte roth vor Scham. Gchamroth werden, sepn. In weiterer Bedeutung wird inan auch über ein erlheittes Lob schamcoch. Jemanden fchamroth machen, durch ein ertheilresLob. Die Gchamrothe, plur. iliust die Röche, röche Farbe im Gesteht, so fern sic von der Scham hereühret. Die Gchamrothe stieg ihm in das Gesicht. Jemanden eine Schamröche abjagen, ihii schamroch machen. Der Schamrörhe eines Gebrechlichen spotten. Gell« Die Schamseite, plur. die — n, die Seiten des menschlichen Leibes zu beyden Seiten der Schäm, weiche im gemeinen Leben auch die Weichen, die-Leisten genannr lverden. Die Schamtheile, liuA. inul. die Scham mit alleil dazu gehe- - rigeii Lheilen, die Geburlsgiieder Hey Heyden Geschlechtern; die Schamglic-ep. Der , -Ä-9 Kk.x Gchänöaltär, des—es, p!ur. ^ie —- äre , m - der Dem- ^ scheu Bibel, eiu Altar, auf welchem de» Götzen geopfert, uud folalich Schande darauf getrieben wird. Jer. > -' Z - Scrianstbaltk, des— es, xlur. die—balge, mderharten- ""spttch-r-, «« Balz, d, i, -in- l°st-rh°st-P«s°» weiblichen Geschlechtes Jugleicherl eru in Schande und Unehre» erzeugte!?, Kind; ein Vastard. , . - Schandbar,er-, -sie, a6j. et ackv. Schande örmgend, schändlich. Schandbare Worte, Ephef. L, 4. Em schandbar res Leben führen, ein schändliches, lasterhaftes Schandbare Dinge. Zuweilen auch für lasterhaft. Em schandbarer Mensch,, ein schändlicher,, lasterhafter. ^ ^ Die S'chandbarkeLt, xlnr.uauf. die Eigenschaft mies R inges, da es schandbar ist. . . ^ , Der Gchandbude, des —n, plur. die --n, m cer harten Sprechart, ei,n-schändlicher Bube, sine im höchsten Orcwe la,r>.r- hafte Person männlichen Geschlechtes. ' ^ Der Schanödecstel, des—s, stiur.uk nom. mZ. i) j-n!z-, was dio Sch-'Nd-, d, i, tzllM, b°d°ck-', in w-l°--n, L-r- stände der Hur in den gemeinen Sprecharte» zuweilen c u,en -^ay-- ,r.en führet. 2) Was die Schande, d. i. ein begangenes östent- lichcs Verbrechen, bedecket. So ist zuweilen die Copulanon, der Ehestand, ein Gchanddeckei einer vorher gegangenen Ent- Die Schünöe, p! u L. inust ein Wort/ welches vermittelst der Ab- leitungsnM—de von einem veralteten Zeitworte ichanen.scye- nen n.s.f. abstammet, welches uns noch eine zahlreiche Nachkommenschaft hinterlassen hat, daher hier etwas davon überhaupt- sesaat werden must, damit dir Verbindung der mancherlei) -^edeu. knnien des Wortes Schande und seiner Verwandten desto deutlicher werde. Gchanen und das sanftere sanen war, wie alle Z«,Wörter, eine unmilteloareNachahmung des Lautes, so wopl einer menschlichen Stimme, als auch einer gewissen Ari einer körperlichen Bewegung. Zur, menschlichem Stimme gehöret das Lat. , 8onu5, das Rieders, schünden, Heven, anrertzen , 'inser icyan- dm, so fern es im gemeinen Leben mit Worten beschimpfen bec cw- tet, und dasLatein.Znnnn, Berspotrnng, u. a. m. Znmmnaftl- knlirten Laute, so wohl das Latein. 8onu5, als auch figürlich mancherlen mit diesem Laute verbundene Bewegungen; eaher unser schenken,, geben, -schanzen, das Latein, sein 6 e ree, unser schinden, schänden und Schande, so,fern es körperliche .ocr- leyung bedeutet, das Angelst Ikunian, meiden, vermeiden, unser schonen, das Schived. fkenu, ansrcissen vom Pferden, kk)'N(is-. eilen , unser schon u. s. f. Von der schnellen Bewegung -st die Bedentnilg des Lichtes eine gewöhnliche Figur; daher schon, schönen, Schande, so fern es Blosse bedeutet, Sonne, zünden, 'Cuncieln, im Deutschen ehedem Schande! n. s. f. Besonders bedeutete es allerley Bewegungen nach verschiede^ nrn einzelnen Richtungen. ') In die Höhe; lyiefLsnckLre^, mi. unser Sahne, vielleicht auch Schanze. 2) In die Tiefe; eaher die Lat^8mus, rin Näpf und der Schass, 8eniinc,, die Grund- fnppe, das Schwed. Lkänk, eiuBecher, nnftr senftm, sinken, das veraltete Schande) eine Cloak, Schnndgrube. Bon der Tiefe, der Höhlung, ist die Bedeckung eine gewöhnliche Figur; ca- her das alteMedei s.Schin.dieHaut, Engl.8Kin, Schwcd.8kinn, vielleicht auch unser schänden, das Griech. cm Gezelt, unser Scheune. Z) In die Länge , wie Schiene, und-n 0,0 Svitze, wie das Latein. 8eri1Ü8, der Dorit. 4) Nach einer s-v'-e» fen Richtnug, wie das Niederstschuns, schief. 5) Ä" die Lange, Breite und Dicke, daher die Figuren der Masse) zuweilen auch der Verbindung, wie Schinken, S.shn,LÄUUL,ftigcm!ich Aan^ und unftr Aeftmd. Sch st' rZFb- - Wen^man erwägt, dass das u oft ein müßiger Laut ist, welcher sich'mänchen andern Mitlautern gern anhänget, und dass m urid n wegfti ihres geringelt Unterschiedes sehr oft mit einander verwechselt werden , ft wird man sich nicht befremden lassen, dass Schade, Schande.und Scham sich in ihren Bedeutungen mehr- mahls durchkreuzen, daher denn auch besonders die Heyden ictzreu sehr oft für einander gefttzct werden. Was nun besonders unser Schande betrifft, so bedeutet es, 1. Eine Tiefe, einen hohlen tiefen Nanni. Hierher gehören nur das noch in einigenDberdeulschen Gegenden übliche Schande,, eine Cloak, wofür im gemeinen Leben der Hochdentscheu Schundgrube üblich ist. S. Scheune. 2. Eine Bedeckung; ein nur noch in einigen Gegenden und in einigen Fällen übltcher Gebrauch. Der Lappen, welchen die Schneider um den Griff des heissen Bügeleisens wickeln, um die- Hand nicht;,! verbrennen, heisst in manchen Gegenden, besonders Niedersachsens, die Schande. Zn dom Salzwerke zu Halle ist die Schande ein rundes Tuch von Haaren oder Filz, welches die Arbeiter vor die Brust legen, wenn sie dievollen Salzkörbe tragen». In manchen Niedersächsiscbrn Gegenden ist die Schande odee- Schanne ein in der Mute ausgehohltes Holz, welches man auf' die Achseln legt, zwey Eimer, Fässir m s. f. daran zu tragen», wo aber auch der Begriff der Schiene Statt findet. In andttm Gegeitden ist es ein zwepFinger breites Bassist dessen beydpEndeir^ mit einem kleinen Stricke an der Sense befestiget werden, welches dem Mäher die Senft tragen Hilst. Ehedem bedeutete Schm im Deutschen auch die Haut, und das Schwed.Lkmu uudEngl.8k^ haben diese Bedeutung noch, S. Schinden. Z. Die Blösse; eine Figur der veralteten Bedeutung deS Lichts, wovon noch scheinen, schon n. a. m^zcngcn. In de^ weitesten Bedeutung ist es hier veraltet, und man gebrauchtes nur noch zuweilen im gemeinen Leben von einer unaiiständlgeir Blösse. Seine Schande nicht bedecken können, seine Blöße- keine Kleider haben. S. Gchanddeckel., , 4.: Die Scbämröthe; so wie bey Scham, eine Figur des Licy- tes. i) Eigentlich. Auch hier wird cs nur noch zuweilen im gemeinen Leben von der Fähigkeit zu erröthen, sich zn schämen, gebraucht. 2tller Schande de» Ropf abgebissen chaben, alle: Scham abgelegct haben,) sich nicht mehr schämen können, in wel». cher Bedeutung man auch wohl sagt, wederScham noch Schande mehr staben. Im Englischen bedeutet 8starns so wvhl Scham al§- Schande, uild das Grisch. «ea'^i-vr-,;bedeutet gleichfalls Scham». ^2.) Der Züstm-d da man schamrot!, wird , da man sich schämet,, welche aber auch zur folgrndemBedntung gehören kann. Mäir: gebraucht es hier nur noch im gemeinen Leben mit dem Vorworte! zu und in der alten Oberdeutsche; Form, Schanden fürSchande-. Zrmauden zu Schanden machen, machen, daß er schamrotst) werden muss, ihn einer Unvollkommenheit übrrsüstren, deren er sich- zn schämen Ursache hat. Im gemeinen Leben macht man auch- jemanden zu Schanden, wenn man ihn durch ein Lob schamroch- macht, da denn der Errothende alsdann zu Schanden wird» Z. Körperliche Verunstaltung und LtpstüMMetuuK, eius' Verletzung, wodurch ein Ding seine gehörige Gestalt aufeiuc sch? merkliche Art verlieret, und der Zustand, Lä rm Ding ans solche Art verunstaltet wird, wo es mit 1din6ei6 >md dem Schwed,. KkevL) die Wunde, genau verwandt ist. r) Eigentlich, wo es nur noch im gemeinen Leben m ZeK- vorigen Form mit dem Vorworts zu in weiterm Verstands, ge», braucht wird. Ein Ding zu Schande» machen , cs ver'-mstals. Len, verderben, unbrauchbar r .ssicn. Ein Pferd zrr Gchandem rrimu Sich,zu Schanden aröc-ltett, fallen, laufen. Zeman-'- den ganz zu Schanden- MZM. Ein Schiff' zzr. SchakröerW s- > schiefes. » ZZZr Sch a schießen. durch den Hagel ist für viel tausend Thaler z» > Schanden gegangen. Um das Vergnügen zu haben , einen armen Hasen ^ fangen, reiten sie mehr als fünfzig Hufen Leides zu Schande, Weiße. 2) Figürlich, wo es so wie Laster, welches auch eigentlich körperliche Verstümmelung ist, einen hohen Grad der moralischen Verunstaltung bedeutet, wo es denn wieder in verschiedenen Beziehungen üblich ist. (a) Hoher Grad der Unehre, das Urcheil anderer von»ns, so feru es mit Unehre und Erniedrigung in der bürgerlichen Gesellschaft verbunden ist und der Zustand, da man einem solche« Urtheilr unterworfen ist; wo es der Ehre entgegen stehet. Schande von etwas haben. Mit Schande, mit Schande und Spott bestehen, auch wohl in der Oberdeutschen Form, mit Schanden bestehen. Das ist dir eine Schande, gereicht dir zur Schande, pfui, der Schande i Sich etwas für eine Schande halten. Jemanden Schande machen, machen, daß er Schande mit uns einlege. Seine Schande an jemanden erziehen. Ttzue mir di? Schande nicht an. Sie ist elend, weil sie ihre Schande fühlet. Armuth bringt keine Schande. Zu Schanden werden, für in Schande gerarhen, welches in der Deutschen Bibel mehrmahls vorkommt, ist nur noch iu der vorigen Bedeutung der Beschämung üblich. In der engsten Bedeutung ist die Schande das gegründete Urtheil anderer von unserer lasterhaften Beschaffenheit, Uuehre wegen böser Thaten. sb) Die thätige Erweisung dieses Unheiles^, hie ^Beschimpfung. Jemanden alle Schande anthun, ihn thän'g beschimpfen. Im Lat. ist'8ukillÄ Verspottung, (e) Was dieses Urtheil wirkt, grobe, mit öffentlicher Unehre verbundene Verbrechen, wo es mit 8can6u!um, 5on4, und unserm Sunde verwandt ist. Der Plural ist auch hier nicht üblich , ungeachtet er-dem Anscheine nach Statt finden könnte. Schande und Laster begehen. Am üblichsten ist es von den mit öffentlicher Unehre verbundenen Verbrechen der Uakeuschheit. Wenn jemand bep seiner Schnur schlaft, so sollen siebepdedes Todes sterben, dennfte^aben eine Gcyan- de begangen, Z Mos. 20, 12. Sie haben Mann mir Mann Schande getrieben, Röm. 1,27. S auch Blutschande. Anm- Bey dem Otkfried 8cunku, im Niederf. gleichfalls Schande, im Angels. 8c-ancle, im Böhmischen nur welcher Zischlaut auch dem Franz. tioMe und unserm verwandten Hohn fehlet., Gs stammet vermittelst der Äbleitungssylbe —de, welckc Abstraeta bildet, von dem schon gedachten veralteten Zeitworte schanen her^ Die Gewohnheit, diesem Worte in manchen R. A. ein nanznhängen, rvcnndie Vorwörter mit nndizu vorher gehen, mit Schanden, zu Schanden, scheinet ans einigen Oberdeutschen Gegenden herzustammen, wo dieses Wort so wie Glk-ube, Erde und andere werbliche ausie- die Schanden heißt. Gott hat die Schanden der Christen kund gemacht sagt noch Opitz. Im Hochoeucschcn laßt man dieses n am richtigsten weg; mit Schande bestehen, zu Schande werden. Im geminen Leben wrrd es mrt vielen Wörtern zitsammcn gesetzer, nicht nur ihre Schändlichkeit sondern auch eine gewisser Masten entehrende niedrige Zahl zu bezeichnen. Ein Schandgeld, ein unerhörtes geringes Geld, welches mit dem Werche der Sache in keinem Verhältnisse stebet, ein Gchandgeborh, Schandpreis u. s. f. Schanden, verb.reZ. -»er. Schande zufügen, in der fünften Bedeutung dieses Hanprwoct.'s. 1. Eigentlich, so fecrr Schande ehedem körperliche Verletzung bedeutet, ist schänden verwtzrn überhaupt; in wc'lchrrBedeulttttg eS doch tmr ilt einigen Oberdeutschen Go^kndeu üblich ist. Die Rinde ernes Baumes schänden, verhetzen. Der Blitzstrahl fnud den Thupm hinunter und s^-an- - bete die Saeristey, Bluntschli, e,n Zürcher. Im Hochdeutsche» zchcauchrmiaueS nur im eugernVerstände, so verletzen, daß ^ . SH « ' IZL2 ' daraus eine völlige Verunstaltung erfolge. Wer sich die Nass abschneidek, der schändet se?n Gesicht. Ein Bstd, ein Ge- mahlde schänden. Einen Braten schänden, ihn auf eine unschickliche Art auschne'den. Im gemeinen Leben in allen diese» Fällen auch verschanden. 2. Figürlich. >) Schande, d. i. thii« tigc Beschimpfung zufüzeu ; wo es in engerer Bedentung häufig für schmähen, schimpfen gebraucht wird, und in der niedrigen Gprechart mit der ausländischen Endung auch iusirl schändiren lautet. Jemanden schänden, schmähen. Er Hac geschändet den Zeug des lebendigen Gottes, a Sam. - 7 , Z6., Eg lobe mich ins Gesicht, es schändet mich im Rüchen. Logau. (S. auch Ausschänden.) 2) In weiterer Bedeutung ist schänden oft grob« Unvollkommenheiten überhaupt andrchceu, zufüzcn ; entehren. Wie lange soll meine Ehre geschändet werden? Ps. 4, H. Wenn mich mein Feind schändete, Ps. 55, r 3". Der Gottlose schändet sich selbst, Sprichw. 1 Z, Z. Armuth schändet nicht, bringt keine wahre Schande oder Uyehre., Seine Familie schänden. ihr durch sein Betrageil Unchre, Schande bringen. Den Gabbach schänden, ihn vorsetzltch und auf eine grobe Art entheiligen. Go trotzen Freund und Feind und schänden die Gesetze, Weiße. z) In der engste» Bedeutung ist eine Person weiblichen Geschlechtes schänden, sie der weiblichen und juugfräulichenChre berauben; wo cs doch jetzt schon unter die barten und minder anständige» Ausdrücke gehöret, wofür entehren üblicher ist. Eine Jungfrau schänden, sie entehren. So fern Schande jedes grobe Verbuche» wider das sechste Ä-borh bedeutet, wird auch wohl schänden i» dies r Bedeutung gebraucht. Zu schänden ihre eigene Leiber cm ihnen selbst, Röm. 1. 24. Anaben schänden. ' . So auch das Schanden und die Schändung. An'm. S-choa bey drmKero l'csntun, deres aber für befcbä- nieugebrauchs, .bey dem Notker lchsucken, für zu Schauben machen, beschämen, im Niederf. scheunen. im Schweb, l!cü nüa, im Engl. 10 iftenck. Es stammet entweder unmittelbar von Schande her, oder es ist auch das Jntmisivum von dem veralteten Zeitworte, schanen; schänden für schämwn. (S. Schande.) Opitz gebraucht es Ein Mahl in einer sonst ganz ungewöhnlichen Bedeutung: - , Die Pein mft der ich mich bep Nacht und Tage schände. Wo cs für kränken zu stt Heu scheinet. Der Schänder, des — s, plur. ul nom. lniA. derjenige, welcher schändet. Ju der Deutschen Bibel wird es einige Mahl in der ungewöhnlichen, Bedeutung eines Verleumders gebraucht. Die Schänder muß ich Horen, Ps. 44, 17. Die Menschen werden feyn Schänder 2 Lim. Z, z. Am üblichste» ist es in den ZusiunmenfttznirgeuEhrenschänder, Gabbathsschander, Äaa- ben'chander «.s.s. Der Schandfleck, des — es,.plur. die—en, eiaeutlich ein Schmutzfleck, so fern er ein Ding entstellet, eine verunstaltende Stelle an einem Dinge. Figürlich, eine jede Person oder Sache, welche einer andern wahre Schande bringet oder macht. Die Lugen ist ein häßlicher Schandfleck, Sir. 2s, sz. Seine? Ehre einen Schandfleck anhängen, Kap. 4 /, 22. Schandflecken und nicht seine Ri -der, Z Mos 32, z. De? Schandfleck seiner Familie sepn, Schandfleck stehet hier für Schandflecken.- D-rsGchcrn-Fel)oth, des — es, plur. die—e, im gemeinen Leben, kin ungewöhulrches niedriges Geboch. welches wildem Werche der Sache, ans welche es gefchiehet, in keinem Verhalt- niste stehet ; in eiaigr» Gegenden das Schandboth. , DüS / '>5,53 Sch a Scha iZ54 Das Schanig-lb, dk«— --, p!ur. öoH nur »s» mchr-kn S«m> niüil, die — er. r) Ein durch schändliche Mittel erworbenes Geld. 2) Im gemeinen Leben, ein ungewöhnlich geringes Geld, welches mit dem Werthe der Sache in keinem Vcrhöltniffc stehet. DasGchan-yemählbe,des —s, plur. udnorn. s'iu.s. r)Ein " schändliches Gemähldc, welches schändlicheVorstcllungen enthält. - 2) Ein Gemähldc, so fernes jemairden grobe persönliche Ünvoll- kommenheiteu andichtet/ ein Pasquill in Gestalt cineä.Gemshlbrs. DieScliartöFlocke, plan, die — n,in einigen Gegerrden, eine Glocke, unter deren Lautung rin Verbrechendes Landes verwiesen wird. Die Schanöhure,x1ur. die —n, eine üssentlrche Hure von der ' niedrigsten, schändlichsten Art. , Schandiren, verd. reZ. nsutr. S. Schänden 2. DeLSchanökauf, des —es, plur. die -—kaufe, im gemeinen Leben, ein Kauf für einen ungewöhnlich niedrigen Preis, dessen - sich so wshl der Känfer, als der Verkäufer zu schämen hat. Schändlich, — er,— ste, ach. et ückv. von dem Hauptworte Schay.de z, und derAbleitnngssyjbe—lieh. -.Vernnstalret, durch Verletzung seiner Geftqlt nach verderbt; in welcher Bedeutung es doch nur im gemeinen Leberl üblich ist. Ein schändliches Erficht, ein verunstaltetes. Schändlich ansschen. Schändlich verstärkt werden, Dan. 2, z. 2. Figürlich, r) *Sofern Schande ehedemgnik Scham gleichbedeutend war/ ist schändlich, beschämt; in welchem Verstände cS doch nur noch m her Deutsche» B'del yorkoiumt. Wie schändlich hängen sie die i§ü'Ue, Irr. 48,59. 2) Mit Schande, d. i. Unehre ,.n der bnrgerl-cheit Gesellschaft, verbunden, Schande und Unehre habend. Ern schändlicher Mensch. Eine schändliche Lebensart. Nochmehr, z) Schande bringend; schandbar. Eine schändliche äanttrung. Schändlich leben. Schändliche Gewohnheiten. Ein Verleumder ist schändlicher als emdwb, Sir, 5/17. Ein schändlicher Tod. Da es denn im weitern Verstände im gemeinen Leben häufig von allem gebraucht wird, dessen man sich zu schämen har. 4) Inder engsten Bedeutung ist schändlich, im hohen Grade wrder die Ehrbarkeit und den Wohlstand lausend. Schändliche Reden fuhren. Sick-schändlich betragen. Ein schändlicher Mensch. Schon bey dem Willeram lcuntckik. Die Schändlichkeit, plur. die —en. ') Die Eigenschaft eines Dinges, da es schändlich ist; ohne Plural.. Da wo die'Schändlichkeit In menschlicher Gestalt letzt herrscht,- Weiße. 2) Schändliche Handlungen , Worte u. s. f. Die Gchandlützs, plur. die —n, eine grob«, schändliche Läge, dt reu .man sich im hohen Grade zu schämen hat. Das Schcrndmahl,des — es, plur. die — Mahler, einjema». den zur Schande, zur öffemlichen Beschimpfung vcrnrwchtes ' Mahl, dergleichen -z. B. Brand.markeu sind. Das Gchandnraul. des — es, plur. die— mäuler,im gemei. Men Leben, ein schändliches Maul, d. i. die Fertigkeit, so wohl an und für sich schändliche Sachen zu reden, als auch andere aufeine grobe Art mit Worten zu verunglimpfen. Lin Schandmaul haben. J.rgleichcn einemrt dieser Fertigkeit-begabte Person. Der GHandyfahl, des -es, xlur. die —pfähle, t) Ern Pfahl, an welchrmdie Verbrecher zur öffentlichen Beschimpfung ausge» stellet werden; der Pranger, das 6als,eisen, die Gchandsaule. 2)Ein zu jnuaiide-Schande errichteter Pfahl; die Gchandsaule. Der Schanhsäck, des—es , plur. die—sacke, im gemeinen Leben, eine im höchsten Grade schändliche oder unzüchtige Wei» bespersem. Ein Biederweib im Angesicht, ein Gchandsack in der ^aut Iß manche, Logau. Schrift, welche daraitfabzieler jemanden grobe personstchr Unvollkommenheiten anzudichten; eiupasqnlll, erneGchmah;cprttk» Der Gchandstein, des—es, plur. die — e, in em-gen Gegenden, zwey in Form einer Flasche ausgrhanene Sterne, welche gewisse Verbrecher ehedem auf eine gewisse Zeit, oder -.n eme gewisse Entfernung zur öffentlichen Schande wagen mußten, dm auch Lastersteine genannt wurden. An manchen Ort m wkrd.de-. ncn, welche am Pranger stehen, auch noch ein solcher Schandstein angehänget pdaher dieses Worrauch zuweilen für den Pranger selbst gebraucht wird. . DreGchandchütä p!ur. die — en, eine schändliche That, eme That, ryelche den, der sie begehet, der öffentlichen Unehre ans^etzct. Der Gst-anL, des — es, plur..iuust von dem Ze-rworte schenken, im Kleinen verkaufen, der Verkauf im Kleinen, und oüs Rechts gewisse Waareu im Kleinen verkaufen zu dürfen; wo es doch Nuri» denjenigen Fällen üblich -st, in welchen das Zeitwort schenken, aebraucht wird. Oer Bierschank , der Wernschank, der SalMank, der öffentliche Verkauf des Bieres, Weines oder Salzes im Kleinen, und das Rechtste verkaufen zu dürfen. Das Oberdeutsche Schank, einSchrank, gehöret zu einem andern, aber verwandten Stamme. Die Schanze, piur. die-^-n, ein Mort,^lvelchcs nach Maßge- bnng.des Zeitwortes schanzen und dessen -Vtammwortes schauen, in mrhrcrn, dem Anscheine nach sehr verschiedenen, aber doch genau verwandten Bedeutungen vorkommt. 1. *Eine j..-de heftige Bemühung, starke Bewegung; welche Bedeutung sich nur^nochin dem Zeitworts schanzen findet, und wovon die Bedeutung eines Wikrst-s in dem Würfelsviele allem Ansehen nach unmittelbar abstammet. -) Eigentlich. Zm Hochdeutschen ist es zwar in dieser Bedeutung, im Ganzen genommen, veraltet; allein es war doch ehedem in derselben sehr üblich. Beym Frischlin ist Schanz im Würfelspiel, ausdrücklich fo viel als Wurf, ^Lctus. Die Schanze glückte ihm wohl, es ist ihm eure Schanze misirathen, diese Schanze wolltrihm nicht gestrigen m s. f. in welchen bey dem Frisch befindliche A. A. cs überall w viel wie Wurf bederrtet, welche R. A. denn aber auch figü.l>ch gebraucht wurden, in seinem Unternehmen, in seinem Versuche, , glücklich seyn u. s. s. Ist nunsach das mir nicht gerat Gegen denäeld einmal ein schantz, Theuerb. Kap. 2§. Figürlich, ein Versuch, em Streich. Sie dürfen um den Rock die Schanze schlagen, übersetzt Opitz die Stelle Ps. 22, 19; sie werfen das Loos um mein Gewand, nach Luthes Übersetzung. OhneZ oeiftl rühren daher noch dir figürlichen R. A. etwas in die Schanze schlagen, es wagen, es auf gut Glück dahin geben, wie ein auf ein Spiel gesetztes Geld. 2) Figürlich, (a) Das Würfestpwl, und m weiterer Bedeutung, ein jedes Spiel und dessen Zustand; Hran;. Günnce, ohne Zsschlaut im Holland, und Rieders. Gaulle, im ' Schwed, l'knns; eine gleichfalls veraltete Bedeutung, wovon noch die in einigen Gegenden üblichen figürlichen R. A. abstammrn, aufseine Schanze sehen, aufsein Spiel, feiner Sache wahrneh- men; die Schanze versehen, das Spiel, und figürlich, binter- gangen werden, veknachlässigen; seine Schanze bewahren, sich l nicht in das Spiel fthIur. die—schnäbest. ciirs Art Wsffervögcl odcrPatschfüß'e, welche zu den Platten des Klein, gehöret, und den Nahmen von ihrem krummen, einer Iimgekehr» rcn Sichel oder einem kurzen Sabel ähnlichen Schnabel hat; ?Ic»i Lus rscurviroster von Gchapel, ein krummes Diiiz, Da aber dieser Nabme-in einigen GcgendenSch«chbelschnabel lo.» tet, so kann derselbe auch von Sabel abstanurren, und Säbelschnabel bedenken. Die Gchaffuerille, S. Caeearille.- r. S' .yar, ein uraltes Stammwort, welches unLvr den gewöhnst-- chen Verändcrturoen und mit dei! gewöhnlichenEndlanten scharb-. scherb, schirm,^schart- schürz n. s. f. im Deutschen und den »rr- wandten Sprachen in tausend Fällen vorkommt- daher hierrtwas davon überhaupt-gesagt werden nmß, damit man die Verbindung .. Scha rZL8 3. Zu Ansehung 'der Leichtigkeit der Bewegung, wo es in manchen Fällenein Ausdruck derFlüfsigkeit ist ; wie bas Lai. ru,n, vielleicht auch das alte Schor , Zor, Gohr, Kolb, Schwed. 8ÜLrn, Griech. und das Lac. Sorckes. Der Begech der weichen Beschaffenheit laßt sich als eine Figur der Flnsirgtea auje- chen z daher s-ctg -, das Fleisch, vielleicht auch Gro'uü, sildea. g. In Ansehung der Menge, der in Bewegung oesi'ldlichcn, Theile; wo es vornehmlich ein Ausdruck des sirmcmde» Lautes Vielerum u id lreben einander i» Bewegung befindlicher Lherle ist. Dahirr das Latein, lerere, säen, inglcichen, ordnen, zusammen sitzen, unser r Schar, und ohne Zischlaut das Hebräische lält, ver- samuwlii. Figuren davon stird die Begriffs des Gewinnens, Vereinigend -und Verdindens; wie lIrcire, uäheil, sticken, Soror, dm Schwester, das Schweb, lllüra, geriituen, vielleicht airch Sera, ecu Schloß, undlerurs, aufschlicßen. Jngleicheu der Begriff der Masse, wovon die Harre, Schwere, und vielleicht auch die Trockenheit neueFisureu find. Daher das Schwed, lv^r, schwer, welches aber auch zu der Bedeutung der unangenehmen Empfin, düng gehören kann. Skars, Harrer, fest gefrorr-.er Schnee, daS Niedersi-sor, trocken, Griech. trocknen. 4. In Ansehung der Richtung der Bewegung oder Ausdehnung. ») In die Länge; wie Series,.eine Reihe, Sarmeuvuln, d-e Rebe, Surus, ein Pfahl, 8orex, die Spitzmaus, Scirpus, die Binse, das veraltete Ser!?, ein langer Balken. 2) In die Höhe. Im Mittlern Lat. ist Lllckrum ein Damm, im Hebe, aufgchen, im Schweb. 8kür ein Felsen; Ivo aber auch die Be- deittnng der Majfi, inaleichen der senkrechten Richtung mit ein- tritt, wie in dem veralteten scharf, für schroff. Eine Figur davon ist das in so vielen Sprachen übliche Sir, ein Herr, Hebr.. DO, und O'W. ein Fnrsk. s) In die Länge und Breite, eins Fläche, Gssgend zu bezeichnen; w:e Schar in Oberschar, stehe dasselbe. 4) In die Runde; wicSerrurir, ein Kranz, und unser Schurz, so fern es auch eine Art des Kranzes ist. 5) 3 " die Tiefe; daher die Bedeutung eines hohlen Raumes, eines Gefäßes. Wie Sarg, Geschirr, Scherben, ein Gefäß, das Lat. Serla, ein Faß, und 8Arrucutn, ciii Lastwagen, welches aber auch mit dem Franzos. LliÄrrue und unsrem Narren zu der Bedeutung des Reifens, Gehens, gehören kann; die Zarge, der Scharren., für Schranne, das Griech. eine Höhle, 8irus, u. s. f. Die Decke, Bedeckung ist eine Z-wohnliche Figur des hohlen Raumes. Ehedem war Garge eine Tapete, Latein, ist SeorleL eine lederne Decke, Schweb. SÜ rk ein Weiberhemd, unser Schürze, Schaur oder Schauer u. s. f. Nach einer noch weitern Figur gehöret auch Schirm hierher. Im Hebr. ist "NO ein Schild. Und so noch airdere Bedeutungen mehr, welche in obige Harrptclaffert leicht einzuschalten sind. 2. Die Schar, piur. die — en, ein Collectivum, mehrere bep und neben einander bestndliche Dinge Einer Art; wo es doch nur von lebendigen Dingen gebraucht wird. Erne große Schar, eine kleine Schar. Der Herr glbr das Wort mit großen Scharen Evangelisten, Ps. 6d, 12. Sie, die Würmchen, stiegen.z,t Scharen empor, Geßn. Bey den Jägern find Schar, Trupp und Rudel gleichbedeutende Wörter. Die Schar drrWnsen, die Mlisenschar, bey den Dichtern. Gemeimgl-ch schleicht sich bep diesem Worte der Begriff der Menge, der Vielheit mir ein ; allein für Zahl oder Mcnze überhaupt, wie Apostg. 1, - 5 : die Schar der Nahmen war bey hundert und zwanzig, ist es im Hochdeutschen veraltet. In engerer Bedeutung war - - die Schar ehedem ein Hause Soldaten von einer bestimmten Anzahl. Die Rinder Israel sollen sich lagern, ein jeder bey ras panier seiner Schar,4Mcsi r,L2. Notker nennt eine Legion Sc-rra. Gott- X > LZL9 Echa schedkhat den Vorschlag, ein Regiment im Deutschen cinHSchar, und das Bartassion eine halbe Schar zu nennen. ^Ehedem wurde eS abet 2 ) auch von kleinen Hansen Soldaten, Wächtern u. s. f. gebraucht. Luc 2 -, 47 nahm die Schar Christum gefangen,wo es bloss einen abgeordneten Haufen bedeutet, (S.-Gcharwache.) In beyden Fellen ist es heut zu Tage veraltet. Astm. Bey dem Dttsric-d 8kara, im Schwed.8kare, imJtal. Liners. Es druckt das Geräusch aus, welches mehrere ben und neben einander b-finölichc IcbendigcDinge machen, welche Bedeutung auch iu dein Lat. Isrere, säen, zum Grunde liegt. (Siehe ^ Schar und Scharen.) ShucZisch laut gchörctauch rwser 6eer, die letzte Halste des' Lat. L.ckivi s und das Hebe, liz hierher. Gemeiniglich schreibt mau dieses Wort Schaar. Allem die Verdoppelung des Selbstlauiers ist das unschicklichste Mittel, welches man nur hat, eintn langen Selbstlaut zu bezeichnen, und da w.aw viele der folgenden Verwandten dieses Wortes von je her nur mit' einem a geschrieben, so ist dasselbe auch hier hinreichend. Z. Die Schar, plur. die — en, von Schar, rin schneidendes Werkzeug, und scheren, schneiden. -) Ein breites, vorn spitzig zulanftndes Eisen, welches die Gestalt einer umgekehrten 4 hat, und das vornehmste Sruck an einernPfluge ist, indem es die Furche von unten aus los schneidet und sie aufhebet, dsie Pflugschar, und wenn sie sich an einem Haken befindet, die äakenschar; zum Unterschiede von dem Seche, welches sie auf der Seite abschnridet. 2 )JmBcrgbaue wird d-erEinschnitt «meinem Schacht- oderTra- zrstämpcl die Schar genannt. Anm. Zn beyden Fällen ist die Bedeutung des Schneidens die her-fcheudc/iS. i Schar.) Dem Jtal. (Bretts, die Pflugschar, fihlek uur dcr Z schlaut. Auch das Lat. 8rcuriL scheuiet hierher zu gehören. Dass der Mäulwurf wegen seines Wühleris noch in einigen Gegcnd<-u Schar genannt werde, ist schon oben bemerket worden. Am Döer-Rhcine wird das Wort Schar noch in -einer andern Bedeutung gebraucht, welche gleichfalls hierher zu , zehLretr scheinet. So heissst.es z.B.ineinerNassauifchcnVcr. lvrdiiung: Linem jeden soll vergönnet seyn, die Schaar und Abnutzung der besamten Acker mit der Sensen einzusammeln, «nd nach ringebrachter Schaar dieselbe offen liegen Zu lassen^ »0 es das abgeschncklette oder abzuschueidende Getreide zu bezeichnen scheinet. * »tDie Scharbe», piun. die — 1 ^, ein nur im Bergbaue m dem zusammen gesetzten Lorbscharbe übliches Wort, einen der starken, senkrechten Stäbe zu bezeichnen, aus welchen der Korb am Göpel Kestehet. Die erste Hälfte gehöret vcrmuthlich zu Schar, so ferst die Ausdehnung i» die Länge der herrschende Begriff daselbst ist. (G. i Schar.) Das Lat. 8cirxus leider eben dieselbe Ableitung. -L. Die Scharbe, plur. die—n. >) Eine Art Pelikane,- welche in andernGegenden Wasserrabe genannt wirdrkLleeau us Sar- > bo jö, Franzos. Oormorav, in Norwegen Skarv. SchonNot- ker nennt ben Pelikan 8bari)3, der noch ältere Raban Maurus gebraucht 8csidL von einem Taucher, und in der Monsecrschcn Glosse wird Ibis durch8carida übersetzt. AuchSeßncr beschreibt unter dem Nahmen Gcharb eiuerstWasservogel,welchen erTauch- rrsther nennet. Dem Lateinischen Nahmen Gurbo fehlet nur der Zischlaut. 2 ) Eine Art rvlldcr Anten, welche auch Baumanke, Kisänre und ssoldauFiaeAnte genannt wwd,^OüL clsvAulLl^. führet in einigen Gegenden gleichfalls den Nahmen der Scharbe. Anm. 3« beyden Fassen ist es vermnthllch eine Nachahmung des natürlichen Geschrcyes dieser Vögel, um welches wissen auch »as Bläßhuhn, lssuiicA'alrL b,. in einige» Gegenden Rritsch- stcharöe zerrannt wird, es rniißre denn scyn, Lass die kohlschwarze Farbe nmk ydex des mchrm dixssr Vögel zu ihrer Benemtst ng ' -X- Sch a - ZZ60 Anlass gegeben, da denn Scharbe, Garbo und bas Franzos Obarborr zusammen gehören würden. S. r Schar. Scharben, verb. rsA.act. mehrere zusammen gefasste Dinge i,r schmale, lange Stückchen zerschneiden. Petersilie, Kohl n. s. s. werden in den Küchen gesHarbet. Niederst scharven, Holland. Icksrveri. Es ist hier eine unmittelbare Nachahmung des mit dieser Art des Schneidens verbundenen Lautes, mid ist mit kerben, dem nur der Zischlaut mangelt, genau verwandt. In Äugelst istfesarpanschneiden, imLat.Iarpers beschneitest!, im Franz, eebarper zerfetzen, und 8arpe, 8srpe, ein Schnitt, Messer, Slavon. 8ir^. S. i Schar und Scheren. Der S^charbock, des — es, plur. inul'. -) Der Nähme einer Krankheit, welche aus sehr verderbten, besonders salzigen, Säften des menschlichen Leibes entstehet, und sich durch vielcrlep sonder, bare Wirkungen und unter andern auch durch scharfe, salzige Ausschläge änssert; 8corbuius, der Gcsrbut. 2 ) Eine Art.de; Hahnenfußes, welche wegen ihres scharfen und bitternGeschmackes ein Heilmittel des Scharbockes ist, K.anuvLu!u3 käcariast. wird figürlich gleichfalls Gcharbock-genannt. Zu andern Gegenden heisst er Feigwarzenkraut. Ast m. Da die Einwohner der Seelüften , wegen ^er salzigeiz Seeluft, nnd-die Seefahrer, wegen dce vielen salzigen Speisen, dieser Krankheit am häufigsten und schrecklichsten ausgrsttzrt sind, so ist dieftsWort auch aus den nördlichen Gegenden zu uns gekommen, und die ältesten Beyfpiele, welche Frisch in dem inländischen Drutschlande gefunden, sind aus dem 1 Zteu Jahrhundert. Im Niedersächst heisst diese Krankheit Gcharbuk, im Holland. 8cbeurbuik,imSchwed.8korbjußA, imEngl. 8curv^, woraus denn auch das neuere Lat. 8corbuM8 gemacht worden. Man hat von diesem Worte mehrere Ableitungen. Wachter leitet cs von Scharfe her, weil die Schärfe des Geblütes die wirkende Ursache dieser Krankheit ist, andere von Schorf, der Rinde eines Ausschlages, Engl. 8Lurf, wovon im Englischen auch Icttrvv räudig, ist. Frisch, Ihre und andere leiten es aus dem Holland, her, von scheuern und Bauch, Holland. Luik, und erklären cs durch eine Krankheit, wobev besonders der Unterleib leidst. Diese Ableitung wird dadurch bestätiget, dass die H-lländer dich Krankheit, wenn sie sich vornehmlich im Munde änssert, und eine Art der Mundfäule ist, 8c!ieurmoclst, und wenn ste vvrandcr-r Theisten die Beine angreift, 8cjieurbseii nennen. Indessen kann dje letzte Hälfte auch aus der AbleitungSsylbe—ig oder—icht verderbt seyn. Der Scharbocksklee, des — s, plckr. ickust. S. Fieberklee. Das Scharbockskraut, des— es, plur. die—kränker, ein jedes Kraut, welches wegen seiner Bitterkeit ein gutes Heilmittel wider den Scharbock ist. Besonders, und vh«e Plural, führet das Löffelkraut in einigen Gegenden* diesen Nahmen, welches in andern auch wohl Scharbocksheil genannt wird. Die Scharbe, plur. die—n, in einigen Gegenden , nn Nabme einer ArtSchollen, mit scharfenEeitenkiiücn und kleinen Stacheln an den Wurzeln der Finnen, welche vcrmnthlich auch zu der Benennung Anlass gegeben. Im Niederst heisst dieser Fisch Flunder» kleurovectes k'lestus Ist,. st'all'cr storckicki coloris K/erst. Siehe 1 Schar und Scharbe. Die Schare, eine Klippe in der Sec, S. i Schere. Scharen, verb. 76A. uct. versammeln, sich scharen, sich versammeln , zusammen kommen. Di« Zeclanks min ü luket Die vii«tz«ritruo rir Zelelmrt, Burkhard v. Hohenfels Do sich die rnierforchten 6eden paidcnthalben geschart,Hornegk. d. i. versammelt. Isto steareten licii tstie liLirbeae, in dem SlW §s-SlM»tk Auf Carlu hru Grossen, Hey dem Sch'lttk. st . ^ l iZÜi Scha Eg ist im gemeinen Sprachgebrauche veraltet, und nur noch Gr Bergbaue üblich, wo sich zwep Gänge scharen, wem, sie sich mit einander vereinigen, und eine Zeit lang in dieser Vereinigung _ fortgehen. Lin Gang scharet dem andern zu, wenn er sich mit dem andern vereiniget. Daher denn auch diejenigen Gänge, wcl. che sich auf solche Art vereinigen, und besonders die Nebengänge, welche sich mit einem Hauptgange vereinigen, Schargange genannt werden. S. i und 2 Schar. Scharf, schärfer, schärfeste, ach. et aäv. welches vermittelfi des Endlautes s von scharen, scheren, abflammet, so fern es ehedem schneiden überhaupt bedeutete. 1. Eigentlich, schneidend; im Gegensätze des stumpf. Ein Messer ist scharf, wenn es gut oder gehörig schneidet. Ein scharfes Messer, ein scharfes Schwert, eine scharfe Axt, eins scharfe Sichel u. f. f. Ein scharfer Stein. Scharfe Ecken haben, gleichsam schneidende, im Gegensätze der stumpfen. Ein Messer, eine Art scharfmachen, sie schärfen. 2. In weiterer Bedeutung ist scharf oft dem runden entgegen gesetzt. Bey den Mahler» und Bildhauern müssen die Muskeln an männlichen Körpern scharf ftpn, dagegen sie an werblichen Figuren kaum merklich seyn müssen. Z. Figürlich, i) Auf eine wirklich verletzende Art. Ein Gewehr scharf laden, mit Kugeln, im Gegensätze des blind. Scharf feuern. Ein scharfer Schuß, Scharfschuß. Das Gcharfrennen, eine ernstliche Art des Turnier- mir scharfem Gewehre. Im Kriege gehet es schärfster. 2) Eine beißende Empfindung verursachend. Ein scharfer Wind, ein rauher, schneidender. Ein scharfes Geblüt, welches viele salzige und saure Theilchen hat. Eine scharfe Lange. Besonders irr Ansehung des Geschmackes. Das Bier ist scharf, tvenn dessen geistige Starke eine Art einer schneidenden Empfindung auf der Zunge macht; Niederst schrell, dergleichen etwas auch die Oberdeutschen durch hantig und raß ausdrucken. Ein scharfer Essig. Lee Senf,der Rettig,der Läse ist scharf. Z) Nach eimruoch weitern. Figur für strenge; im Gegensätze des gelinde. Jemanden in scharfer Zucht halten. Einem scharffepn. Ein scharfer Vater. Scharf ,nit jemanden verfahren. Alles aufdah. schärfste benrtheilen, untersuchen. Etwas auf das schärfste verbiethen- Ein scharfer Befehl. Jemanden scharf anreden, hart, auf eine empfindliche Art. Die scharfe Zrage, in den Rechten, die Tortur. Scharf an einander kommen, hitzig. 4 ) Für genau, enge. Jemanden scharf bewachen. Scharfgeschlossen sepn. Eine scharfe Nach frage halten. Das Gewehr scharf schultern, fest an die Schultern anlegen. Z) Mit genauer Bemerkung aller Umstände und Kleinigkeiten. Besonders von dem Sinne des Gehöres und Gesichtes. Einfcharfes Gehör haben, scharfhoren. Scharfsedcn, ein scharfes Gesicht haben. lS. Scharfsichtig.) Du Horst ft scharf als sie, Ha'ged. Jemanden scharfanfthen, starr,,als wenn mau alle Kleinigkeiten in seiucm Gesichrc beobachten wollte, haarscharf, im gemeinen Leben, überaus scharf, so daß man auch lein Haar nbersiehet. Jugleichen von gewissen Fähl'zftueii, des Geistes. Ein scharfes Gedachtniß, welches alle Kleinigkeiten fasset und behält. Eine scharfe Beurrheilungs- kraft, einen scharfen Verstand haben. Scharf auf etwas merken. Scharf denken, alle kleine Umstände an einer Sachs überdenken. Beg Leuten, die nicht scharf denken können, thun witzige Blendwerke oft §',tte Dienste, Gell. - 6 ) Von dem Schalle oder Tone ist sch arf zuweilen durchdringend und zugleich Hell; Rieders, schrell. Einen scharfen Ton haben. In einem envas andern Verstände-ist in dcrSprachkunst ein scharfer Ton, der uttgedehnte Ton, mit welchem eine Splbczwar kur; aber deutlich und mit merklicherErhebuugderStümne ausgesprochen wird. Adel. W. B. 2. Th. 2. Aust.' Scha LZ6s So haben die ersten Sylben von machen, sterben, Hölle, eine» scharfen, oder geschärften, ln leben, sichen, stießen aber einen gedehnten Ton. 7) In manchen Fällen, besonders des gemeinen Lebens, wird es für schnell, und figürlich von einem merklichen Grade der innern Stärke gebraucht. Scharfe Wasser, schnell fließende. Schars zugehen, scharfzufahren, schnell. Schürfarbeiten. Es gehet hier scharfher. Der Weihrauch dampfte scharf, Giinrl). Anm. Bey dem Kero lwrk, bey dem Ottfried sarpff, bcy dein Notker lark, in dem alten Gedichte auf dem heil. Anno lceirpd, im Niedcrs. scharp, im Angels, scsarx, im Engl. lkar^, im Holland. l'uk2rp,lLkkrp, wo es auch rauh bedeutet,imSchrved. ssswrp. Da Dinge, welche trocken sind, sich gemeiniglich scharf anfühlen lassen,so istskarp im Schwed.auch trocken, wohin auch das Nieders sor, das Hebr. 3 ^, austrockuen, und ohneZisch- laut dasGriech, austrockuen, gehören. Scharf stammet von i Schar her, und kann alle die Bedeutungen haben, deren dieses Wort fähig ist, daher die oben angeführten nicht eben alle Figuren der schneidenden Beschaffenheit seyn dürfen, obgleich einige es wirklich sind. Ehedem wurde eö auch für schroff, jäh, steil, gebraucht, iu welchem Verstände es noch im Thcuerdanke vorkommt. Opitzens schärflich für scharf, etwas schärflich gebrechen, ist «m Hochdeutschen ungewöhnlich. Die Scharfe, p!ur. die—n, von dem vorigen Beyworte. i.AlS ein Abstractum, und ohne Plural, die Eigenschaft, derZustand eines Dinars, da eS scharf ist, in allen Bedeutungen des Bcywor- tes. Die Schärfe eines Messers, eines Schwertes, des Geblütes, des Eisiges, des Meerrettiges, des Gesichtes, des Verstandes, des Gesetzes, eines Vaters u. s. f. Die Scharfe des Richters, wenn er alleUmstände auf das genaueste untersucht, und die Straft darnach bestimmt, ohne etwas zu übersehen oder nachzulasseu. Die Scharfe des Nachdruckes, des Verstandes, da mau alle Kleinigkeiten an einer Sache und ihr Derhälttüß gegen das Ganzegeivahr wird. Bey dem Willcram 8 cs rfe, Hey dem Ottfried mit einem andern Endlautc 8 wrp!nc!n. In messe eigentlichem Verstände ist bey den Müllern die Schärfe die Art . und Weise, die Mühlsteine zu schärfen. Die Märkische Schärfe, die Art, die Mühlsteine mit Heuschlägen zu schärfen. 2. Als ein Loncretum. r) Der scharfe, fchileidendeTheik ei. nes Dinges. Jemanden mit der Schärfe schlagen, des Degens, im Gegensätze der Fläche. In die Schärfe fallen, des Messers. Sich an der Schärfe eines Pfeilers stoßen, a« der schgrfen Ecke. 2) Eüi scharfes Verfahren, die Strenge. Scharfe gebrauchen, Scharfe anrvcuden. - Ernen Missethäter mit der Schärfe angreifeu, mit der Tortur. Z) Eine scharfe, ätzeiche Flüssigkeit. Die Scharfe im Gebliite, verdorbene, salzige oder saure Theile. 1. Schärfen, verd. rex. ack. welches nicht so wohl von scharf, als vielmehr init demselben und mit schärbcn von r Schar ab- stammet, und schneiden bedeutet, aber nur in einigen Fällen üblich ist. Die Jäger gebrauchen dieses Wort und dessen Zusammensetzungen abschärfen,aufschärfcn n.sf. durchgehend s für schneiden, und es wurde cinFehler wider die rveidemäunische Sprache seyn, dieses letztere Zeitwort zu gebrauchen. Bey den Buchbiu- deru wird das Leder geschärfte oder abgeschärfet, wenn cs svf dem Gchärfstcine am Rande dünner geschnitten oder vielmehr gescharbet wird. In einigen Gegenden 1 chät ftt man sich an etwas, schw'fet man sich, die Haut auf, wenn man sich ritzet, wund flößet, daran schneidet u. s. f. Wo es den u auch wohl für streifen ohne Verletzung gebraucht wird- Mir der Hand ein wenig an die Mauer anscharftn. S, auch- das Schärfen. Rrrr _ s. Schär- 1Z6Z Sch a r. Schärfen, verb. rcZ.net. welches unmittelbar vo-n scharf abftammet, scharfader schärfer machen. r) Eigentlich, wo-es in der anständigernGprechartals ein allgeineilrerAnsdruckfür die gemcinerrr scharfmau-cn und wetzen n. s. f. gebraucht wird. Ein Messerscharfen, wetz-n. Eie Art, ein Beil schärfen. Die Sensen und Sicheln schärfen, welches, so fern es durch Hammer» geschichrt,-angeln, und in Niedcrsachsen haaren genannt Wirb,welcheNetzteregleichfalls mir schärfen verwandt ist- Einen Mühlstein scharfen, des den Mäklern, schgrfe Fugen in denselben hauen. Einem Hfcrde die Hufeisen schärfen, auch wähl ein Pferd schärfen, die Stallen schärfen und spitziger machen, damit es auf dem Eise nicht ausgleite. In manchen Fällen wird es auch für spitzen gebraucht, obgleich scharffür spitzigem Hochdeutschen nicht üblich ist. Dre Bohnenstangen schärfen, sie zuspitzen. 2) Jngleichen im verschiedenen figürlichen Bedeutungen. Eine Strafe schärfen, sie schärfer, empfindlicher machen. Einen Befehl schärfen, ihn mit mehrerM Nachdruck, mit drohendeiMau« sein erchcjlen. Einem etwas scharfen, es ihm scharf, mit Nachdruck anbefeblen, oder auch nur empfehlen, du sollt-re Morre, die ich dir heute gebreche, -einen Vindern scharfen, L Mos. 6, 7 ; wofür doch jetzt im Hochdeutschen cinschärfcn üblicher ist. Einen Beweis schärfen, ihn bündiger machen, ihn aufalle einzelne Umstände der zu beweisenden Sache ausdehncn. Das Ge-- stcht,-as Gehör, -ie Aufmerksamkeit schärfen, sie schärfer machen, auf alle einzelne Merkmahle eines Dinges erstrecken. Seine Einsicht, seinen verstand schärfen, viel denken scharst den.Sinn, Dpitz. Da es denn zuweilen auch von der Erhöhung des Grades-erinnern Stärke gebraucht wird. Ihr schadenfrohes Gelächter schärfte den Schmerz, -en ich empfand. Mit -er Empfindsamkeit für das Schone schärft sich auch Ekelun- Miderwillen vor allem Schlechten. Eine Gplbe schärfen, in der Sprachlehre, fis mitemem scharfen, oder geschärften Tone aussprechen; im Gegensätze des Dehnens. So auch das Schärfen und die Schärfung. Im Niedecsächf. scharpcn,im Angcls. iLLarpua, imSchwed. Der Schärfhobet, des—r, xlur. m vorn. lluZ, bcy den Tischlern,, ein Hobel mit einem etwas bogenförmigen Eisen, welches tiefer in das Holz eingreifet, und die rauhe Fläche des Holzes für denSchkichthobel zubereitet; in arrdernGegenden derSchrot- yobel, Schrupphobel. Die Scharfkümmer, plur. die—n, aufdenPapiermühlen, diejenige Kammer, wo das fertige und gebundene. Papier beraspelt wird; Holland. 8cllerp»icammer. Daö Schcrrfkraut, des—es, plur. irruf. eine Pflanze, Mche üufdenfsttenEuropäischeiiRainenwächst; ^t^erugoL,, in einigen Gegenden auch Zräuenkrreg. Der Scharfrichtsr- des —s, plur. utuom. fia?. dessen Gat- tinn, dieGcharftichrerinn, der Nachrrchrer , welcher die zuer- kannten Leib - und Lebensstrafcn all den Verbrechern vollziehet, weil er scharf, d. i. an Lejb und Leben richtet ; eine Benennuno, welche vcrmntblich noch aus denjenigenZeüen herstainmet,da noch der jüngste Richter oderBcysitzer eines Gerichtes dieTodesurtheile «u den Verbrechern zu vollziehen pflegte. Schweb. Lk^prättL- r«. In einem andern Versisnde des Wortes scharf heißt iuGrau- bünden der Censsr Scharfrichter, dessen Vevfitzec aherGaumer, von dem veraltetet: Gaum, Sorge, Aufsicht. D ex Scharfschuß, -es—sses, plur.die^schusse, ein scharfer , d. i. mit einer Kugel geladener, Schuß. Der Scharfschütze, des—m, plur. die —n, ein Schütze, welcher scharf schießet. ») Ein Schütze, zuweilen auch einJLger, welcher imr allein mit gezogenem-Gewehre schießet, und daher in Sch a ?iZß4 üllen Fällen scharfer ober genauer trifft, als ein anderer. Die Scheibeuschützen sind gleichfalls solche Scharfschützen. 2) Schütze, oder Jäg-w, welcher ein Wild so wvhk im Fluge als im Laufe trifft. Z) Auch ein Gränzjäger, welcher alles über öje Gränze tretende Wild weg schießen darf. Scharfsichtig,—er,—ste, ach. et sck v. von dem für sich allein veraltete!! sichtig, fthend, scharf sehend, so wohl eigentlich, all- Melkmahle au eineln Dinge dcurlich erkeuneno, als auch und „och , mehr figürlich- von dem Verstände, Fertigkeit befftzend, die ci^ zelnen Merkmahle an einerSache mitDeutlichkeit und Richligteii zu erkennen und zu unterscheiden, und darin gegründet. Die Scharfsichtigkeit, plur. inusi am häufigsten im figiirli. chen Verstände, die Fertigkeit, auch die kleinsten Umstände, di- geringsten Merkmahkc an einer Sache deutlich und richiig z« erkennen. Der Scharfsinn, des — es, plur. cur. 1) Eigentlich, ein scharfer Sinn, in wrlchcm jetzt ungewöhnlichen Verstände ein scharfes Gesicht, ein scharfes Gehör u. s. f. ein Scharfsinn scyn würde. Man gebraucht cs 2) nur im figürlichen Verstände,und da ist Scharfsinn die Eigenschaft des Verstandes, die verbvrgkilk» ' Unterschiede der Dinge oder Verschiedenheiten an einerpDinge zu erkennen und zu entdecken, da es denn zuweilen auch für Scharf- sinnigkeit, d. i. die Fertigkeit Lieser Eigenschaft, gebraucht wird. Der Scharfsinn ist in diesem.Vecsiande eigentlich eine Ari der Scharfsichtigkeit. Indessen wird'doch diese mehr von denMerk. mahlen eines Dinges überhaupt, jener aber mehr von den Unterschieden nwhrercr Dinge gebraucht. Scharfsinnig, —er,—ste, ach. et n6v. Scharfsinn habend ,und darin gegründet. Es ist mancher scharfsinnig und doch ein Schalk, Srr. ' 9, 22 ; wo es in der veralteten Bedeutung für verständig überhaupt stehet. Die GcharfsinniTkeit, plur. inu.f. der Scharfsinn,als iiNlkFer« tigkeit betrachtet. Der Schchrfstein, des — es, plur. die—e, bep den Buchbindern, ciu Siern, worauf das Leder geschävftr, d. j. seiner schar- fen Ecken beraubt wird. S. - Schärfen. Der ScharyüNF, des—es, p!ur. die—g'änge, im Bcrgbaiie, >).e.nGang, welcher dein andern zuscharer, d. i. sichmit demselben vereiniget, (S. Scharen.) 2) Auch diejenigen Game, welche nicht gerade nach einer der vier Haupraegenden, nach Morgen, Mittag, Abend nnd Mitternacht, sondern nach einer Znffcheli- gegcnd streichen, werde« daselbst Schargange genannt. Aus dem Harze hingegen führen die Morgengangc diesen Nahmen. Der SchÜrtze, S. Scherge. Schärfen, S. Schergen. Der Schcrrhaufen, S. Ameisenhaufen. Drc Gchckrkluft, plur. die—ki iifte, im Bergkaue, eine Kluft, welche einer andern zuscharet, sich mit derselben vereinigek.Siche Scharen. Dr^Schcrrkrtrmnre/ plur. die — n, eine Kramme oder Krampe an dem untern Theile des Pfluges, woran die Pflugschar vermittelst eines eisernen Keiles befesiiget ist. ' Die S'cftcrrklche, S. Scherknfe. Der Scharlircl-, des —cs, p ur. doch irur von mchrern Atte» oder Quantitäten, die — e. l) Eine Pflanze, (S. S-.parr lex). 2) Ein hellrothcs, fernes Tuch, von einer br. nnende» Ao- Lhe, welche sich ein wenig in das Gelbe ziehet, u: t Carmoi- sinrorh unt etwas Zitronengelb gemischt zu seyn, schein t. Dar Weib war bekieidct mit Scharlacken (Scharlach) und Rosin- fapb, Dssenb. r 7, Der Scharlack-n, den Ae umhaben, wird von den Motte»! zerft essen werde», Bar. 6, 71. Sich in Scharlach kleiden. A:-m, . / i§6L Sch a Anm. Z» öer zweyken Bedeutung im Nieters, Scharlaken, im Schwed/8h-rr' lskan, im Irak. ScLrlsro, iwE»gl.8oAriet, im ^ FrarEjös. L-Lrr!Lrs,im Böhm. SsÄrtar., im Island. KksrLst.- ÜuscrDentfifiesScharlach würde sich leicht vonDeutscheuStäm- «icn ableiten lassen , indem Laken, Oberdeutsch Lachen, Tuch bedeutet, Schar aller, wie aus mehrern Spuren erhellet, auch tziirch hell, feuersarbkn , erkläret werden kann. Allein es ist wohl wahrscheinlicher, daß dieses WottM-rgenländischkn Ucsyranges ist, und uittdiesem kostvarenTuchezuzleich mit aus den Morgenländern , dem Vaterlande der Künste und derüpsigkelr, zu uns ge- brachtworden. J?n Arabischen heißt der Scharlach ^xtzuerlat, im Türkischen l.ek«rIet,imPcrstschen abcr8«rFÄ!ial; man müßte denn erweisen können, daß die Morgenländer dieses Wort von den Europäern entlehnet hatten. Indessen scheinet es eigentlich eine brennend rothe Farbe zu bezeichnen, und im Slav^nischeu ist «lcar^-so gleichfalls roch Voß bemerket, daß drefis Wort schon , » Z 4 Hey dem Matth. Paris, vorkomme. An einer alten, im'i zren Jahrhunderte gedruckten Deutschen Bibel, welche Gchelksrn in henBeyträgen ^.ir krit. Historie der Deutschen Sprüche D. iss. beschreibt, stehet sürScharlach allemahl Samatt rzwrr gedünkt, vielleicht zweymahleingedunktec öder gefä/btsr Sammet. DerGchärlchchsaum, des—es, plur. die—bäume, eins. Art des Eichbaumes, mit evförmigen, ungetheilren st.'.chrlig gezähnten Blättern, welcher in den 5Norgc.ilLn.dern und Sem südlichen Emopa einheimisch ist, und auf welchem sich die Scharlachbeeren erzeugen; Ouercus coecikerer l^. RexmeSdaum. » DtöSchär.chchdeere, piur die-ssn, kleine, runde, röche Beßren, oder vielmehr N^sti r,einer Art .Schildläuse, welche sich a»f der vorhin gedachrsaEiche aufh«!ien,ünd «»»mit der unechieSchar- lach gese'rb t w.rd; Scharlacpl -rner, G^Äermes. Schärlächen, ttckj. v., u Scharlach. Em fcharlachenes RleiL. Eine scharlachene Weste. In der Deutschest B«b l nach der Niederdeutschen Mundart fcharlacken oder vielmehr scharlaken. DreGchärlächschrbe,pluk. inulldie dcmScharlsch ähnliche hell-- rokhe, ein wenig in das Gelbe spielende Farbe. Das Schärlächsieber, des —a, u? uom. kng.eiu miL Ausschlägen verbundenes Fieber, besonders der Kinder w»bey des ganze Körper so roch wie ein Scharlach wird; äucirhchNüZ. das Schärlcrchkehlchen, des—s, plur. u« nomssir-A. eins ArtderRothkehlcherrmit einer scharlachrochcnKchle;8ij vtL AU' la ^linsniceZ. K/sr>r. De? Gchärlächkefsel, des—s, plirr. m ^c>m. sivF. eist zinurr- nw Kessel, woraus die Färber den Scharlach färben. DtibSchärst crchkorn, des— es , plur. die — körner, Körner, womit der Scharlach gefärbet wird ; welchen Nahmc^ daher zuweilen die Cochenille unddasJohau«:sdmt,amhäufixftett aber die Scharlachbeeren führen. S. -Rermes. ^>as Gchärsächkräut, des - es, za>ur. rmss. eirreArt der Sal- bey, welche in Griechenland und m Apulfiu wild wächst,und deren Blatter eine andere als grüne Forbe h ben; tz-rlKfia klormr- nium 1^. Gprrenscharlach, Römisch« Salbey : vielleicht weil sie »ft eine Scharlachfarbc haben Ä. auch Swai Ley. Pchärlächroth, ackj.el a«iv. roch wie de» Schüriach,der rochen Farbe des Scharlach? l gleich; zim-.oderrolh. ^re Schärläcyröthe, plur. iuiss. die Rothe des Scharlachs, die heÜrvthe, ein wenig in daS Gelbe svik ende Farbe. Die , pluy. die-^-n, die schönste unter allem Taubcnarten, welche sich in Ostindien aufbält, kienicr als unsere -Turteltaube ist, und mit den vorneh«.st n Farben, vornehmlich ober mit der schavlachrorhen spielet. Der Schorle)», des—es. j)lur. inuf. ein Nähme verschiedener Lsiüiizett. z.) Des Schariachkrautes, oder der R onnschen Sal- Scha ig66 k,y, §Llv!L saormiuiuin f-. welche KuchSchavlach,Garten«, scharlach genannt wird -, vcrn'.uthlrch wegen der.scharlüchrochen Blätter. 2 ) Einer Ärt des Alantes mit länglichen, ungeteiltem zorigene Blätteri! und einem haarigen Stamme, welcher.u Ösiec- re ch wild wächst; Wuis Ocuiws Güriüi Chviß«uge,wildsv Scharley. z) Der Borago, Lorngo 1^. 4) In einigen Gegenden auch der Scharte, oder des Schartenkrarueö, Lerrs- lula, D. Anm. Die Sylbe —ley ist die Ableitnngssplbc. In dem letzten Falle gehöret die Sylke Schar zu scheren, schneiden, theilcn, (S. Scharte.) Zu dem zrvcyteu und dritten Falle scheuet diessaorlge Beschaffenheit der Stängel und Blätter der Grund der Benennung zu ft'yn, indem Haar und Schar nur durch den Zischlaur verschieden sind, S. i Schar. i. Das Scharmützel, d.-s—s , ^»!ur. ut nom. liurr. ein nur im Oberdeutschen, besonders in Baicrrr, Österreich nnSBöhnren, übliches Wort, eine papierue Tüte Zu bezeichnest. In den Ober» sLchsischrr:Bergwerkerr,wo diesesWort gleichfalls üblich ist,lautet es Scavnitze!, in Nürnberg GchnariM, iu ewigen Nisdecsächs. Hegkliden Scharnute. Frisch leitet e< seltsam genug von dem Ztü«. Lcaranrucoiv, eiuPickelhärirrg, Her.weil sich diese zuweilen Halskrägen vonPapirrtritLil mache». Es scheinerSlavonischen Urssrunges zn seyn. , Dss Scharmützel, des—s, plur. wl 8SM. liuZ. ein Gefecht unter Mehrern als zweyen, wo es besonders im Kriege von Gefechten unter kleinen Kaufen üblich ist, welche man noch keine Schlacht oder kein Tressen nennen kann. Unter den leichten Truppensseleu häufige Scharmützelvor^ statt des ungewöhnlichen, ein Scharmützel halten, und liefern, wofür im Theuer- danre Kap.LiL das noch ungewöhnlichere Scharmützel pflegen Verkommt. - i . Anm. AmOöerderuschen auch ohne dieE:idsylöe-—el,derSchar 2 mutz, in der Schweiz Schalmütz, im Ztal. 8cnrttmuccuÄ und KcLrmiKÜL, im Franz. Llecu-mouelis. Wachter lettct es von dem Gricch. ein Gefecht, her, isch oou dem Böhm. Zserlnir, ein Fechter , Zuniusvnd Zhrr oou demoer- altsrenOberdeutschen schirmen, sechteu, Kranz, el'ci-irner, Ztal. kcrimare, im Schwed, ehedem llcirmw, welche doch insge- samntt Lmes Geschlechtes find,und vermittelst des EndlünteS m von i Schar, so fern es der nachahmeude Ausdruck einer hcftiaen Bewegung ist, abstammcu. A'sdsun wäre die Splde — ly ans der Cndsylbe —iß verderbt, welche in deM-Engl. 8kirnaits und Lstirmchti noch unverstellter vorhanden ist. Allein »m der Endsylbe — cl willen ist cs wahrscheinlicher, daß unser Scharmützel aus Schar- ein Haufen, und metz-ln zusammen gefitzt ist, und daher en: Gemetzel, ein Gefecht, unter Mehrern bedeutet, obgleich andere cs durchGchav und mischen erklären, da es denn ein Handgemenge unter mehrern bedeuten würde. In, einigen Gegenden rst es männliche« Geschlechtes , dev Scharmützel. Scharmützeln, verb.reA.veirtr. mit dem Hülftworte haben, ei»t-Scharmützel liefern, fechten, »ou kleiiu ku Haufen. Mtt ern- avder scharmützeln. Mit der fremden Endung—treu ist dafür auch scharmutziren üblich. Du'Gchärpe, plur. die—n, ein Mort, welches überhaupt eine Binde bedeutet, und bep den Wundärzttn, wenigstens einiger Gs- Siiidc», noch . ir denirnigenBindru üblich ist, wvr-n ein b c schädigt er Arm getragen wird. Am häufigsten gebraucht man es uech von der breiten, «was zusammrn gewickelten Brude, rvelche h>ie Officirr 'um den Unterleib tragen, und ch^lch - auch die Leibbinde genannt wird. Zm Rirdcrsächs. Scherf, im S-chwcd. Sk-Lrp, im Franz. Laffchj-xe, im Engl. Lcark. Vermittelst des Endlames h R r r r 2 fi vd-.w IZ6? Sch a «der p von » Schar, so fern cs eine Ausdehnung in dir Länge, oder auch eine Verbindung, ein Band, bedeut«. Die Scharre, plur. die —n, von dem Zeitworte scharren. i) Ein Werkzeug zum Scharren; das Scharreisen, in einigen Mundarten die Schorr, der Schorreri So ist die pssugscharre ein kleines scharfes Eisen an einem langen Stiele, die Erde damit »on der Pflugschar abzustoßem,welches auch der Reitel heisst. Die Pech- Zar;-oder solzscharre, das Harz damit von den Bäu- . men zu scharren. DieRußscharre der Schorsteinfeger m s. f. s) Was gcscharret wird. So ist im gemeinen Leben dasjenige, was sich von dem Breye und andern Speisen an die Töpfe an- hängt, die Scharre, welche in andern Gegenden das Schwänchen genannt wird, z) Die Oberdeutsche Benennung einer Art Krammcsvögel, S. Schnarre. Der Scharren, des—L, plur. ut vorn. stno. in einigen Gegenden, besonders NiederdentschlandeS, der beschränkte Ort in den Städten, wo Brot oder Fleisch verkaufet wird, im Oberdeutschen die Schranne.; der Brotscharren,der Fleischscharren,im Hochdeutschen die Brotbank,dieFleischoanftin Oberdeutschland die Brotschrannc, die Fleischschranne, in einigen Niederdeut- scheu Gegenden auch die Schränge. Es scheinet damit auf das Pfahl, oder Gitterwerk gesehen zu feyn, womit dergleichen öffentliche Plätze ehedem versehen waren, und es an einigen Orten noch sind. In den Niederdeutschen Marschländern sind die Scharren breite Pfähle, welche zur Abhaltung des Wassers vor den Deichen in die Erde geschlagen werden. S. r Schar, besonders so fern es eine Ausdehnung in die Länge bezeichnet. Scharren,verb. reZ. Lei. et aeutr. welches im letzten Falle das' Hülfswort haben erfordert, der Form nach das Zurmsivum von dem veralteten scharen, und eigentlich einemrimittelbare Nachahmung eines gewissen Lautes ist. Im grmeinen Leben ist das Scharren mit dem Halse eine Art des Nänsperns. Eine Ari Krammcsvögel, die wir unter dem Nahmen der Schnarre kennen, heißt daher im Oberdeutschen die Scharre. Besonders ahmet es den Lüru nach, welcher durch eine heftige Art des Reibens oder Kratzcns verursachet wird,da es denn auch diejenigen Hand-' lungrir ausdruckt, welche mit diesem Schalle verbunden sind. Mit Len Füßen scharren, mit den Fußsohlen ans einem festen, besonders mit Sande bestreuten Boden, stark hin und her fahren, wodurch Oieftr Laut hervor gebracht wird. Damm daß du mit deinen senden geklitschet, und mit den Fußen gcscharret und — so höhnisch dich gefrmet hast, Ezech. 25,6. (S. auch Aus- scharren.) Die Hühner scharren mit den Füßen in den Mist. Auch die Pferde scharren,wenn sie mit den Vorderfüssen die Erde aufkratzen. Das Roß tobet und scharret in die Erde, Hiob 59,2 4. (Siehe auch Ausscharren, Einscharren, Verscharren.) Das auf dem Tische liegende Geld zusammen scharren, zusammen raffen oder schieben. Figürlich ist Geld zusammen scharren, Geld aufjede nur mögliche Art, ohne Wahl der Mittel, mit ängstlicher Begier zusammen zu bringen suchen. Jngla-cheu mit gewissen Werkzeugen, wo es eine heftige Art des Reibens, Schadens, <>öer Kratzens ist. Das Harz von den Bäumen scharren, mit emer.Art eines Messers. Die Feuermäuerkehrcr scharren den Ruß aus den Schor-stemen. Im Oberdeutschen scharret man auch die Rüben, welche man in Ober, und Niedersachsen schabet. Daher das Scharren. r Anm. Schon bep dem Kero ist lkerrav auskratzen, und bey dem Oktfrred l'cskran ausreisseil, welches aber zunächst zu dem verwandten zerren gehöret. Scheuern^ schürfen, schurren, u. a. m. sind gleichfalls lx.mit verwand/, weil sie ähnliche Laute bezeichnen. Im Niederdeutschen ist für scharren schrägen üblich, und im Oberdeutschen hat man auch die Hauptwörter Scharrsal - Scha und Scharricht, was ab- oder ausgeschareet wird. In einigen b e. sonders Oberdeutschen Gegenden,gehet dieses Zeitwort irregulär. Diewerl du uns so arg mit Drohen angeregt, Durchschorren wir den Gand. Opitz; fürdurchscharreten. will mit der Aschen mich, wie er, verscharren seyn, ebenh In andern Stellen hat er dangen richtiger verscharrt und eina^ scharret. Im Hochdeutschen ist es ohne Ausnahme regulär. dessen sagt man doch in einigen Gegenden schoren für scharren S. Scharrerde. ' Der Scharrer, des —s, plur. ut vom. l>n§, derjenige welcher scharre/, besonders in den zusammengesetzten Harzscharrer oder Pechscharrer^ wofür auch nur Scharrer, Harzer und Pech er üblich sind. S. Harzscharrcr. LieScharrer-e, p!ur. doch nur von Mehrern Arten, die—N, Erde,^ welche aussen Wegen und Strassen zusammen gescharrrt, und als Dünger gebraucht wird ; in einigen Gegenden Schürer- de, Scho r er de, von dem provinziellen schoren, für scharren. Der StchaL-Rüetzes, des —s, plur. ut nom. livA. von Schar, Pflugschar, an einem Pfluge, einem Stückchen Eisen, welches i,,' den Bolzen gesteckt wird, die Pflugscharzu halten. Der Schürstock , des—es, plur. die—stocke, auf einigen Flussschiffen, Hölzer, welche unten zur Befestigung des Mastes dienen, denselben entschließen, und -rach dessn Rundung auegr. schnitten such Ohne Zweifel von Schar, Aushöhlung, oder mich Verbindung. S. i Schar. Scharte, v!ur. die—u, ein vermittelst des verstärkenden Endlautcs t von 1 Schar; und dem daselbst zum G-nnde liegen, den Zeitworte scharen, abstammendes Wort, welches daher auch aller dort bemerkten Bedeutungen fähig ist. Im Hochdeutschen kommen davon noch folgende vor. -. Mit dem Begriffe des hohlen Raumes, eines Gefäßes, ist die Scharte oder Schart, in einigen Gegenden, selbst Oftrsach, seus, ein großer runder kupferner Tiegel auf Füssen, mit einer kupfernenemschliessenden Decke, welche »ben mit glühenden Kohlen beleget wied^ Pasteten darin zu backen, oder andere Svenen darin zuznrichten. In einem von dem Frisch angeführten gltea Vocabmaris von t 48 2 ist Schart eine jede Pfanne. ' --. Mit dem Begriffe des Schneidens, Brechens, Theilriis u. s. s. der sich auf eine unmittelbare Onomatopöie gründet, ist dü Scharte, - r) * Ein abgebrochenes, abgeschnittenes, abgesprungenes Stück, ein Span, Splitter, eilt Stück; eine noch in den gemeinen Gprecharten, so wohl Ober, als Riederdeutfchlandes gangbare, im hochdeutschen aber unbekannte Bedeutung. So gebraucht Jcrofchtn Schart für einen Span. (S.auch Heftscharte.) - Im Rieders, ist Schaard m engerer Bedeutung einSri-ck eineS ^erorochenen Topfes; erne Scherbe, Angels. Zoeärst, Engl. .Ljiarck,8l,e6.r6, Ztrer-ck. 2) Ein Einschnitt, eine durch Schneiden, Reißen, Brechen u. st s. verursachte Öffnung. Ben dem Strvker konrmt lellarr für verwundet vor. Im Engl, ist suur eine Narbe, Franz. Maarns. L» den Alemannischett Gesetzes bedeutet lckcklcarti die Vrrstümrnelung eines Gliedes/ »lud Örlcaril die Verletziu-g de^. Ohres. Das Sch-ved. lkArcks bedeutet gleichfalls verletzen, oas Island, stlrorck vermilcherir, mrd unser kurz ist nur durch den Mangel des Zischlautes davon verschieden. Es kommt hier noch in fo-genden Fallen vor. (a) In dem zusammen gesetzten Hasenscharte bedeutet cs eine angcborne Spalte in der Lipve, der- gleüyen S.'eHasen habeu,(S. dieses Wort.) (b) An scharfen schneidenden Werkzeugen ist die Scharte em>. fthlerhasteÖchma» der Schärfe, 'welche durch ein ausgesprungeires Stück verursacht -pi-rdtt-; worden; Nicdersächsisch Schaard, Isländisch 8 kur 6 . Das Messer hat Scharten, bekommt Scharten. Eine Scharre answetzen, so wohl eigentlich als auch figürlich, einen Fehler .wieder gut machen, erneu Schaden ersetzen. Du hast sein scharfes Schwert mit Scharten stumpf gemacht, Opitz. (c) Ein Emschnittin die Ober fläche .der Mauern oder Brustwehren, dadurch,;» schießen, ist unter dem Rahmen einer Schießscharte besannt. Schwed. 8 lcurck, Franz. kfourrs. In den Niederdeutschen Marschländern wird auch die in die Oberfläche eines Dei- ches oder Dammes eingHschnitteire Durchfahrt eineGchartt genannt. OH-te.Zischla.ut ist im Niederst Hart eine Kerbe, (d) Eine gewisse Pflanze, wirst» wegen ihrer zackigen gekerbten Blätter so wohl Scharte,als Gcharkcnkraut, und mit einer andern Endiylbe Gcharley genannt; 8 srrLlu!u I-,, tvelcher Lateinische Äahnie - sich auf eben diesen Umstand beziehet, von 8 ^oru, eine Säge. Es gibt mehrere Arten derselben, worunter besonders diejenige die>en Nahmen führet,welchezum Färben gebraucht wird und eine mittelmäßige gelbe Farbe gibt; ^Lrrulula liuLboriu A. Färber- scharte. Im Niederst heißt fleurür Schar. Anm. (S. > Schar.) Das «wird im Hochdeutschen iit diesem Worte gemeiniglich gedehnt ausgesprochen, andere Mundarten brechen es kurz ab. cs, wenn Scharte die Lücke in einer Schneide bedeutet, laug, und wenn es der Einschnitt.in einer Brustwchre ist, kurz aussprechen, wie einige wollen, ist eine sehr willkührliche Regel. , Das Gchartenkrerr.'t, des—es, plur. irrufl. l) (S. das vorige.) 2) In einigen Gegenden auch ein Nähme des Storchschnabels ; Lornttinlit ch,. Der Gchärtenschnabler, des—s, plur. ut vom.lluß. eine Art Angler. (bi umjolu L/s/u.) welcher außer den sechs schwarzen R.n erfcdern ganz roch tn>u Farbe ist, und wenn er aufgcrich- ,ret wie ein Reiher steh-r, über fünf Englische Fuß hoch ist; ?kos- mjcoplurus .^ch- öd Er hat den Nahmen von seinem ssoilderbaren Schnabel, welcher an der Wurzel eine tiefe Scharte oder Höhle hat. In einigen Oberdeutschen Gegenden heißt er Zlam'oart, im Mittlern Lat. kllumiiurckuz, wo die letzte Sylde die Abrettuttgschlbe arl oder hard ist, die erste aber seine ftuerro- the Farbe bezeichnet; Franz. Flumuut. Schärtky, —er, —ste, uckj. et uckv. Scharten habend, doch E in der Bedeutung der Lucken in der Schärfe eines schneidende« Werkzeuges. E-n schartiges Messer. Sprichw-Allzu scharf macht schartig. Die Schärwache, piur. die—n, emeWache, so fern sie aus einer Schar, d. i. aus mehrern wachthabenden Personen, bestehet, im Gegensätze der einzelnen Schildwachen. So werden die in der Scharwache fliehen, Judith 14, 3. Da solches die in der Gcharwache sahen, V. , 8 . Wo es einen Vorposten, ^c»tzv)uLU 4 , bezeichnet; in welchem Verstände es doch, so wie von einerjeden aus mehrern Soldaten bestehenden Wache^ veraltet ist, und nur noch hin und wieder von einem Haufen bewaffneter bürgerlicher Wächter gebraucht wird, welchen die Erhaltung der öffentlichen Ruhe und Sicherheit anfdenGassen oblieget; wo cs aber auch eine herum gehende, patcullirende Wache bedeuten kann, von dein veralteten scheren, gehen, S. i Schar. Der Scharwä'chker, des—Z, plur. inlüom, Kuß. ein einzelnes Glied der Scharuoache. Die Gcharwütze, p, 1 ui-. die —n, im Frsimigsbaue, ein hölzernes Werkzeug in Gestalt eines rechten Winkels, woran fich ein vier- -rckiges Brct befindet, auf welchem die Böschungen abgetheilet find; das- Docier-Vret, richtiger Dossier-Bret. Ohne Zweifel ^on r Schar, so fern es ehedem auch eine Bewegung nach einer schiefen Richtung bedeuteie, daherS chargängeimBergbaue auch solche Gärige ssnb, welche nicht nach einer der vier Hauptzegen- -der, sondern nach einer schiefen Zwischengegend streifen. Ohne Zischlarit gehöret auch der Gehren h erher. Scyarweise, v. in Gestalt c-nerSchar, d. l. mehrerer einzelner lebendiger Geschöpfe. Gcharweise herbep eilen. DasGcharwerk, des —es, plur. die—e, und dasZ-itwort scharwerken, welches ein Neutrum ist,und das Hülfswort haben .erfordert, z»v^ey aus Schar und Werk zusammeugesetzter Wörter, welche noch im gemeineil Leben mancher Gegenden üblich find. 1) In einigen Oberdeutschen Gegenden, z. B. in Baiern, ist das Scharwerk ein jeder Frohndienst, eine Frohnarbeit, eine Fröhne, und scharwerkrn fröhucn. Es ist in dieser Bedeutung, sehr alr, noch früher aber kommt Schar, im Mittlern Lar. 8 ruru, in der Bedeutung der Frohne, und Zcurarius von einem Froh m r, Frohnbauer vor, wovon des Du Fl esneGlossarium -rachgesehen werden kann. Frisch und andere nehmen Schar hier in der Bedeutung eines Haufens von messrern, und erklären es durch Arbeiten, welche mehrere zugleich verrichten muffen. Allein für das einfache 8eura ist diese Figur viel zu hart und ungewöhnlich, daher hier vielmehr die erste eigentliche Bedeutung einer heftigen Bewegung zum Grunde zu liegen scheinet,so daß Schar und Scharwerkeine schwere Handarbeit bedeuten würde. In Baiern ist scharen noch- wirklich arbeiten. 'S. c Schar) obgleich selbiges auch die Bedeutung des Zwanges leidet, so daß Scharwerk eine Handarbeit, im Mittlern Lat.^nZuria, ist. Ohne Zischlaut kann auch das mittlere Larein. Lorbutu und heutige Franz. Ovurvee dahin gerechnet werden. Zu derBedeutimg der heftigen Bewegung gehöret auch das Mecklenburgische scharrvachen,-flch im Bette schlaflos herum wälzen. 2) Ley den Maurern, Zimmerleuteu und andern Handwerkern und Arbeitern ist Scharwerk, theils eine Nebenarbeit, theils aber Mich diejenige Arbeit, welche sie nach und außer den gewöhnlichen Arbeit verrichten,und fcharwerken solche Arbeit verrichten. Hier scheinet der Begriff der Kleinheit, der Verminderungder Verkürzung zum Grunde zu liegen, so daß Scharwerk hier eine jede kleine Handarbeit bedeutet. S. > Schar. Schutt, Schatten, ein Wort, welches ursprünglich eine Nachahmung eines gewisscu Lautes ist, und hernach die mit solchem Laute verbundenen Veränderungen bezeichnet, und zugleich in seinen Ableitungen und mit den gewöhnlichen Veränderungen durch alle die Figuren gehet, deren schon bey r Schar, Schaffen, i Gaum, Sahin. s.f. gedacht worden. (S. auch Satt, Schade, Scheinen, Schatz, Schotten, Schott, Schütten, Schütz u. s. f.) welche insgejlrmntt zu dieser Verwandtschaft gehören. Im Oberdeutschen, besonders im Österreichischen,werden die Sägesväne Sagschatten genannt,wo es zu scheiden in dessen weitester Bedeutung gehöret. Jn-einigen Gegenden wird auch die Scharte, das Für- bekraut, Zerralulu Schatt genannt, gleichfalls wegen der geschiedenen oder cingeierbten Blätter. JmLüneburaischeu ist Schatt ein Honigmaß, deren 32 aufeme Tonne gehen, we es den » Begriff des hohlen Raumes hat, und zum Niederst Schottel, eine Schüssel, Seidel n. a. m. gehöret. Wenn der Nachtrabe in er- nigenGegenden Nachtschatten heißt,so scheinet es hier fürNacht- schade zu stehen, welchen Nahmen er an einigen Orten wirklich führet, (S. Nachtrabe.) Ob das unter dem Nahmen des Nachtschattens bekannte Gewächs denselben gleichfalls wegen der Schädlichkeit deS Geruches seiner Blüthe bey der Nacht habe, oder ob sich der Nähme auf den nächtlichen Geruch beziehe,da denn Schatten, wie andere Nahmen des Geruches, eine Figur der - schnellen Bewegung seyn wurde, ist so ausgemacht noch nicht. Der Schatten, des—plur. ul oom. linZ. Eigentlich, das dunkele Bild eines Körpers, so fern dasselbe durch dicAuf- Rrrr 3 Haltung ZZ72- S ch a Haltung der Lichtstrahlen entstehet. Seinen Schatten im Wasser sehen, Nach einem Schalten greifen. Der Thurm wirft sei» nen Schatten gegen Abend. Du stehest die Schatten der l Baume für Leute an, Richr. 9, 36. Ls will Abend werden und die Schatten werden groß, Zer. 6, ch. Abends, wenn dieScyatten länger werden. Gegen den Mittag werden die Schatten kürzer. Sprichw. Lin krummer Sterken kann keinen geraden Schütten werfen. Seirierreigenen Schatten fliehen, figürlich, .sich ohne Ursache furchten.' Der Me-sch fleucht wie ein Schütten, Hiob i 4, 2. Unser Lebenistwie ein Scharren, r Cheon. 30, Ich fahr? dahin wie ein Schatten, ! Ps. > «9, 2Z. LanterMorgeulcio.stische, theils von der Vergänglichkeit, theils von der beständigen Bewegung des Schattens der» > genommelle Bilder. In einer andernRnckstcht istdex Schatten ein schr gewöhulichesBild einer eiukeäsreteil äußern Gestalt. Er ver» ^ gehet wie ein Schatten. Er stehet aus wie ein Schatten. Er ist einem Scharten ähnlicher als einem Menschen. In dieser Bedeutung des durch die Beraubung das Lichtes entstandenen i dunkeln Bildes, sagt man nicht, einen Schatten machen oder geben, welche N.TÜ. nur in der folgenden Bedeutung üblich find, sondern einen Scharten werfen. 2 . Figürlich). 1 ) Ein schwaches Bild, eiu einem andren nur auf eine unvollkommene Art ähnliches Ding. Die Physik der Alten ich kaum e n Schatten von der nguevn. Das Gesetz (das Cerenwttiab Gesetz des alten Testamentes) ist der Schatten von dem, das zukünftig war, Cos. 2 , e 7 , eine unvollkommene sinnbildliche Vorstellung ; daher man in dieser Rücksicht auch den ganzen Jüdi schenGöttcsdirnst des alrruTrstsmrntes erneuSchgt-- tendienst, eiii Gchattenwerkn. s. f. nennet. 2) Eine abgefchichcne Seele, der Geist eines verstorbenen Körpers, heißt in der die' tctifchen Schreibarthäusig ein Schatten, Lat. Ilmkra. Laß deinen Scharren mir erscheinen-. Der Tod sieht kein-n Vorzug an, Und stellt den allergrößten Mquir Zum Pöbel der genreinen Sparten, Hagrd. Dias Reich der Schatten, das Schattenreich, der Aufenthalt der abgeschiedenen Seelen. 3. Zn weiterer Bedeutung, der Mange! hcs ßichtes iu einem erleuchteten Orte, sofern derselbe durch die von Körpern auf- gehaltenen Lichtstrahlen verursacht wird; wo der Begriff des Bil. des verschwindet und nur der Begriffdcr Dunkelheit übrig bleibt. e) Eigentlich. Einen Schatten machen, durch feine körperliche Masse die Lichtstrahlen anshallen, welches in dieser Bedeutung üblicher ist, als Schatten gehen. Lin Dörper flehet jm Schauen, auf der Seite, welche kein Licht empfängt. -B-y den Mahlern ist der Schatten im Gegensätze des Lichtes, dunkele Partien und Züge, welche den natürlichen Schütten nachahmen, und zur Erhöhung der beleuchteten oder Hellen dienen. Grote Lichter erfordern große Schatten, weil sie die Archcstellcn für -«s Ange -sind. (S. Gcharlirnr Halbschatten und Schlagschatten.) In e-nigcn biblischen Stellen wird es auf eine sonst ungewöhnliche Ar t fürFinstcrmß überhaupt gebraucht. Die da ja-. - ßci. am Ln t und Schatten des To-desr, Matth. 4 , > 6 . 2) In engerer Bedeutung, Schart-'N vor den Son">-nst 't!h, ken, nijc dem Nebcnbegriffc der Kühle, (a) Eigentlich. Spanen gebe", oder einem Schatten geben, durch sejnekörperlicheM-fije di. heißen Sonnenstrahlen abhalten ; iniv'.lcher Bedeutung mau nicht gern Scharten machen,. Schatten- werfen aber gar nicht säet. Im Schatten sitzen. Sich in den Schatten setzen. In ben Sch uten treten. Laß uns einen krihlen Orr suchen, und Äl -en Schatten uns lagepn, Geßn. Busch? schließet uüch in herl'se Schatten rin, Eren.. / Sch a iZ7L (b) Figürlich, «l Ein Scharren gebendes Gewächs; doch nur in der dichterischen Schreibart, (kstr besucht d-c Muse bemooste Hutten) um di?-er Lanbwani-stille Schatten pflanzet, Geßn. wie wenn ich einen kühlen Schatten von fruchtbaren Bäumen hier pflanzte, ebeud. st. Schütz,. Schirm, Erquickung; eine besonders Movsieulaudr,che Figur , weder Schallen in der brerun llden Hitze des Tages eine größere Wohlthal ist, als in den gen.äßigtern Zonen. Beschirme mich unter semSchütten -einer Fli.gei, Pl'. ' 7 , 8. Dex Herr ist dem Schatten, Ps. > 21 , L. Es nähen sich hier zugleich demBearisse des verwandte!.Schutzes, wvl'iu ohne Zischiant auch Hütte un>. hiithen gedörcn? Anm. Bevdem Willer.em 8<ücke, bcy dem Notker 8cüko- Lc-ttue, bey dem Ulphilas 8K 4c!äu, im Angeis. 8esue'u, im Engl. 8kscke, 8ltt.eiow, im Holland. 8e!>a< u vv e, imWaüisi» scheu TÜZtzocl, imBreraZu sch-e« 8k.euk. Es scheinet, daß in diesem Worte zwev verschiedene H.mptöegriffe liegen , die aber doch aus.Einer gemeinschaftlicheu Quelle stießen, der Begriff eines Bildes, und derBegriffder Dimkelheit z jener ist eine Figur deS Lichtes, dieser aber des hohlen Raumes) beyde aber stammen von dnn B« griffe der Bewegung und chrer R ^tung her. Au der Vr- dcntung derDunkelh. ir gehöret besonders dasGriccks'xo^t«.,Finster« lß. Was die Bedemung eines Bildes verrifft, zo pöret eS hier zunächstzn schauen, scheinen, und allen Wörtern dieser Art, welche den Level ff -ln Lürbkes voraris setzen - denn daß - s ny, Ende nur auf die Evlbr Scha ankommt, r. -d daf- d as t oder tt nur der Endlant ist, erstelle! ans dem G ieckv dem Ick im-, hischen 8ka, demHolländ. 8kurve, dem euren Aiemanr-ifchenim Tätian bestndlichen 8cu Vsn, dem Schwedischen 8ku^;V't. de A Niederdeutscher.Schem en und Schemel,und demDsnabrrrchischen Schar, welche aller Veeschie'dcnheit der Ettd-Consonanten ungeachtet, ittsgesammt denSchqtten bedeuten besonders so fern ec ein dnnkeles Bild ist, aber auch alle ursprüngi-ch Licht bezeichnen. Der Schatte, für Schatten,-ist im Hochdeutschen ungi wöhmich. Schatten, ve-rb. reZ. .^ct. et neu lr. im letzten Falle mit dem Hülfsworte haben. 1 ) Einen Schälern werfen, Schatten geben,'Tchatren machen, doch nur in den Zusammensetzungen beschatten, umschatten uiid überschatten. 2 ) Für schartiren, in welcher Bedeutung es doch nur von eiuigenNeuertt versucht worden, welche aber ohne Nachfolger geblieben find. Das Schattenbild, des - es, xlur. -r?—er, die Abbildung eines Körpers nach dem Schattsn. Der Schattendie^st, des—es , plu?. i aus. Siebe Schatten 2 1). Die Schattenfaröe, plur.-re —n in der Mahlerey, diejenige Farbe, womit der Schatten in einem Gemählde und dessen Thei- leu a.'rgcdentcr wird. DerScherttengckny, des—es, ^lur. die—-JanFe, ein scharst« gecGang, in der dichterischen Schreidartt Die Schattenchvfe, plu r. sie —n , ein nur in der Mark Brau- den bürg übliches Woe«, eine eingebildete oder Scheinst»-«? zu bcrc'chnen. Um in den Coutributious- Anlagen eincrUg» Haupt, tin ! zn ttihrrn, werden auch andere G - undstücke als Äcker, r. B. ^ ^ fischreiche Wasser,, und die Artender Griverb? nach Hufen verstkuttt, da-denn.solche Scheirchufr»»-daselbst Schattenhuftn herßen, weil sie-wabtti Hufen abbU'o.-n s-er evi'ftellcn. DkL Gchkrtretth«c, des — es. pi-.r. di.» -— hitte. m. einigem Kberdeuischerr Gegenden ein Hifi des andern Geschlechtes, wrl^ chrrvse der Sonne Scharrer, gibt, ein Sonnerrhut,'Strohhut, ia. andern Geg-ndrn ein Schandhrtt. Die Gchattevzvvst"', plur. -re-—n, in brr Mahlerey, mehrere Schütten in einem Theile eiwes Gemähides,.als ein Ganzes be- ttschmz tNGrsenMe-er L.ichrmasse. ^ ^ ' ^ . ' X D Lp 1 iZ7Z Scha DevGchättenriß, des — sses, plur. die — sse, die Abbildung eines Körpers, und in engerec'Bcheittung eines Gesichtes, nach dem Scharten;Franz. 8i1ttc>uetks. Das ÄchüLtenspiel, des — es, plur. die—e,eine Art Panks- mime, woFiguren un-Handlnttgen durch dm au dieWand geworfenen Schatten vsrgesiellet werden. -. ^ Der Schirttenwetderrch, des — s, plur. inus. in eringen Gegenden ein Nähme so wohl des großen, als des kleinen Weiderichs, vielleicht röeil beyde gern an feuchten schattigen Detern wachsen. Das Gchattenwer?, des—es, plur. die—e, S. Schatten 21)., Der Schütter, S. Schetter. SchattrZ, — er, —sie, ach. St a.6 v. Schatten habend oder enthaltend, doch nur in dem zweyten engern Kalle der zwcyren Bedeutung des Hauptwortes, Schatten vor denSonncnstrahlett enthaltend. Ein schattiger Grt, ein schattiger Wald, ein schattiger Gang, eine schartige Gegend. Gchattiren, verd. rsZ.nct. welches vermittelst der ausländischen Endung iren fS. dieselbe) von Schatten gebildet worden, aber nur in dem ersten Falle der zweyten Bedeutung des Hauptwortes üblich ist, deu Schatten, d. i. die dunkeln Stellen, in einer Figur durch Züge oder dunkele Farben anzeigen und ausdrncken. Eine äigur, einen Umriß sch rttiren. Einige Neuere Haben starr dieses Worts das freylich bessere schatten und verschütten versucht, aber vermuthlrch wegen der Zweydeutigkeit des erster» Wortes wenig Nachfolger gefunden. Daher-ie Schattirung, nicht nur von der Hü-tdlttttg des Schattirens,sondern auch von den schatrir- ten Stellen einer Zeichnung, von dem Schauen. Figürlich ist die Scharnrung zuweilen die allmähliche stufenweise eingerichtete Abnahme -der- Veränderung der Dinge Einer Arttz Franz, ^uniree, die vcrstoßrrc g. Es gibt so vielcT^Mttirnngen der .Empstndu'-gen, als es Gesichter gibt. Nach einer andern Figur ist irr der MMerev eine Gchattirnng Stifte,Faxörnstifte vonEi- ner Farbe, doch nach verschiedenen GVas«t der Höhe derselben. Dre Gcharülle, plnr. die—n. ') Ein gemeiniglich kleiner Kasten, vorräthiges Geld darin zu orrwayrcn, und das dariu befindliche Geld. 2) Au den Hosen in die Schatulle das zu den zufälligen persönlichen Ausgaben des Fürsten bestimmte Geld. Daher das Schatullen : Gur, des —-es, )>Iur. die — guter, rin Gut, de sie. l Lün inrftt ftjr hie Schatulle bestimmt sind ; in- ßleicheu, ein aus d> r Schatulle erkauftes , und dem Fürsten unmittelbar unterworfenes Gut; zum Unterschiede von einemNam- mergute, Tafelgute u. s. s. Es ist aus dem Aal. LLanoIa, und dieß aus dem Lar. 3scrwla. Der Schütz, des—es, plur. die Schatze, ein'Wort, welches das Intenstvum eines veralteten Schab vder Schatist, und so wie diesessehr vieler Bedeutungen fähig ist, (S.Schutt,) von welchen noch folgende Vorkommen. . ,) *MiL dem Begriffe des hohlen oder ticken Raumes, -ist Schatz in einigen DberdeurschenGegeud n einMaß lrockner Dinge, welches vielleicht mir-dem Fränkische .Geschcid,der achte Thrjl einer Metze, überein kommt. Im Angel;' iit 8e«.k.l ein Behältnis, im Niederst Schart gleichfalls ein gewusis Maß, (S dasselbe.) Unser Scheide, riud öü'-'.e Z.'chlant 8 Nutze. (S. dafflbe.) Basten, und andere mehr geboren gleichfalls -, ahm. 2) *Mit dem Begriffe des Habens, Besitzers, Haltens, war Schatz ehedem soviel wie- ^abe, sie mochte nnii beweglich oder unbeweglich seyn V^r-aors- 8bedeutet in ' erMoirseeischen Glosie fahrende Habe, bewegliches Gut, und llcurn. 8ubÜLN> Isa,Vermögest. Das Schwad. 8kE bedeutet «ochjeytHadr. Im Hochdcutschcrinst es in Hieser BedeurunZ vcralttt. Scha - LZ 74 Z) Gins Menge mehrerer Dinge einer Art, ein Vorrath; eine sehr veraltete Bedeutung, welche Nur noch zuweilen im gemeinen Leben üblich ist. Ans seinem Schatze neues und altes hervor langen, aus feinem Vorrathe, Matth, r Z, 52. In einigen Oberdeutschen Gegenden ist es in dreserBedeutung gangbarer, denn da ist ein Runstschag eine Sammlung von Kunstsachen, ein Ge- mä'hldeschatz, eure Bilder, Gallerie, ein Bornfchatz ein Vorrath vonGetreide, ein Weinschatz, ein Vorrath von Wein. Der herrschende Begriff ist hier der Bcgriffder Verbindung, der Ber- sanunlung, daher auch ohneZischlaut auch gatten und 2Äatze damit verwandt sind. Daß Magazin seiner letzten Hälfte nach hiervon abstammet, ist schon bey diesem Worte bemerket wprdem 4) Mit dem Begriffe des Behülhens, Bewahrens, der sorgfäl» Ligen Aufsicht, ist Schatz ein jedes Ding, welches man mit vorzüglicher Sorgfalt bewahret.- Lein Gebots» ist ewiglich mein Schatz, Ps. 119, 98. Schaffet, daß euer Schatz nicht verlästert werde,. Röm. 14, r 6. In engerer Bedeutung Schatz ein schmeichelhaftes Anredewort geliebter Personen, wo auch das Dtminutivum Schätzchen üblich ist, da es destn auch wohl al? ein allgemeines Nennwort einer geliebtenPerson gebraucht wird. Ec- nenSatz haben.eineLiebste oder einen Liebsten. Indessen ifr es we. gen des häustgenGebrauches in der anständigen Sprechart in dieser Bedeutung veraltet, und dem großenHaufen überlassen geblieben. Es lauter in dieser Bedeutung schon bep den alten Alemannischen Schriftstellern 8cs2, im Nieders.Schatt,undohneZisch- lant M! Hebr. 1^,1, im Pers. im Griech. wovon im Hebr.'»IN, ern Schatzmeister, ist. Das Stammwort ist em ver- altetes scharen, bewahren, wovon noch unser Schutz aößammer,. so wie das schon gedachte Morgeulandische6.i23, ein Schatz, zu ^em Schwed, ßuta, bewahren, gehöret. Bep dem Ulphilas heißt der Schatz gleichfalls ohne Zischlaut Hur., welches augenscheinlich qoir unserm Huchen abstammet. ImNieders. istwerhutzen noch als einen Schatz deylegen. , . >> 5) In engerer Bedeutung nnd in Verbindung lnit der vorige» dritten Bedeutung der Menge, des Vorrathes, ist der Schatz ei» Vorrath kostbarer, oder für kostbar gehaltener Dinge, ein Vorrath von Dmgen, welche man mit besonderer Sorgfalt zu erhalten und zu bewahren bemühet ist. Etwas in den Schatz legen, zu dem Vorrath kostbarer Dinge. Schätze sammeln. Em vergrabenen Schatz. Einen Scpatz heben, einen vexgrabenen Schatz in seinen Besitz bekommen. Einen Seoatz sinden. Besonders ei» Vorrath von Geld, welches nicht zum täglichen Gebreche, so»? dern zum Aufheben bestimmt ist. Etwas in den S^yatz legen.. Schatze fämmeln, vieles Geld.^ Seinen Schatz angreiftn. Der rlchtigste nnd beste verstand ohne Anwendung auf das 6er;, ist em Schütz, der feiuen Besitzer darben läßt, Goll. Fraürl'ch bedeutet cs rollecrive einen Vorrath, einen R ichthu« kostbarer, achrnnzswcrkher Dinge undEigenschaften. DieVlume, die ihre Schätze der kommen Sonne entfaltet. > 6) *Ge!d, als ein Tollerrioiun.oh-e daß edr»» der Nebenörgriff der Menge nltb der Kostbarkeit'da ben Statt käudc; in welcher Be» deuuutz es doch veraltet ist. Be-, den! Ortfried ist 8carL Gelö,^ und das Schw d. 8k.sU h. 4 Liese Be ilt.ing noch. So lvch ehedem der Rlagschttz die Gerichtsspor eln, der Miethschag da- Mitthgeld, der Äaufschag dasKa.ifgrld, der Schlageschatz d-r Münz- odr - P'.ägrlohn u. s. s. Wi-haben cs nur noch i.: den Zusammensetzung a Braritschatz,Mit adc-, und Ma llschatz, i» welchem letz'.-r» doch auch der Begriff einer Kostbarkert Mit Antritt. In bryden findet auch die Boüentung sincr Gabe Start. Anck> war es ehedemchtdividnalitcr von emze.chenMünzsorlen ftsix üblich. Im Tm an find drevßigdrryßiq Sikberkinre. Ebendaselbst wird aber auch ein HLÜkr8e422gcnaiir.t. B -»>e n ' ttlphla- iZ7L Sch a Scha Ulphilas ist .nicht nur ein Groschen, Oevur'ius, fbnderw auch ein Gewicht, Mina, und daSPers. 6ara bedeutet gleichfalls Oenarium. Welches hier der eigentliche und herrschende Begriffist, ist nicht leicht zu bestimmen. Vielleicht ist es.der Kegriff des Werches, kndem das Schwed. Skutt noch den We?th, den Preis, bedeutet, (S. Schätzen.) Vielleichtist es der vorige zwepte Begriff der Habe, vielleicht aber auch der Begriff eines Stückes, eines The i los, well die älteste Art des Geldes in einzelnen Slüekcn Metall bestand. 7) Eine öffentliche Abgabe, sie sey nun von welcher Art sie wolle, Steuer, Zoll n. f.f. Nieder,'. Schalt, Schott, Angeks. 8ksal-.L!ieot. In dieser Bedeutung ist es zwar im Hochdeutschen ungangbar, aber in den Provinzen, besonders Oberdeutsch- landes, kommt es so wohl allein, als m vielenZusammeusetznu- Zcn, von einer jeden Abgabe an dir Obrigkeit häufig vor. Es ist in dieser Bedeutung mit Schoß und schießen, so fern dasselbe geben, zusammen schießen, zusammen legen, bedeutet, Eines Geschlechtes, so daß es hier so viel als eine Gabe zu bedeuten scheinet. S. auch Schatzung, Anm. Mau wird leicht einräurnenchaßdicse verschiedenen Bedeutungen von verschiedenen Stämmen abgeleitet werden müssen^ und nicht üllemahl als Figuren von einander angesehen werden kännen; obgleich alle diese verschiedenen Stämme wieder von der ersten Bedeutung des Lautes und der damit verbundenen Handlung oder Bewegung abgeleitet werden müssen. Schätzbar, aciffettackv. von Schatz 7, doch nur in einigen Gegenden, verpflichtet, Schatz, d. i. Steuern u. s. f. zu geben, wofür in einigen Gegenden auch schatzpflichng üblich ist. Schätzbare Güter, steuerbare. , Schätzbar, —er, —este, ach. Et ackv. von dem Zeitworts schätzen, was geschätzet, d. i. hoch geachtet zu werden verdienet» Schätzbare Eigenschaften. Er iß mir jetzt noch eben so schätzbar, als vor einem Jahre, Gell. In dem zusammen gsstzten unschätzbar hat es noch die sonst ungewöhnliche mehr eigentliche Bedeutung, was geschätzet werden kaun, d. r. dessen Preis oder Werth bestimmet werden kann» Die Schützbarkeit, pkur.dic —u, die Eigenschasteines Dinges, da es schätzbar ist, d. i. einen vorzüglichen Grad der Ächtung verdienet ; ohne Plural. Zuweilen auch- obgleich seltener, eins schätzbare Eigenschaft. Das Schätz - Lolleyrrmr, des—ii, plur. die—gia, in einigen Ländern, eiuColwgium, welches den öffentlichen Schatz, d. i. die Einnahmen und Ausgaben eines Reiches, verwaltet, welches m manchen von einer Schatz-Csmmiffion u. fff. geschiehet. In dem Herzogthum Braunschweig Wolfenönttel werden die zum - cngchn Ausschüsse verordnetcn Stände, welche sich mit den öffentlichen Einnahmen und Ausgaben beschäftigen, der Schatz-Convent genannt, S. Schatz L und 7. Schätzen, vss b. a et. r-) Schatze d. i, eine öffentliche Abgabe, eine Schatzung fordern,.mit Schatznug belegen; Rieders, schatten Schweb. lkabtL. Es ist im Hochdeutschen veraltet, »nd nur noch in den Zusammensetzungen beschützen und brandschatzen üblich. 2) Schatz oder Schatzung geben; Rieders, scharr ren uud schotten. Auch hier ist es nur in einigen Gegenden in dem zusammen g?setzten verschätzen gangbar. Daher die Schatzung. S. solches hernach besonders. Schützen, verb. r «^. sct. welches nicht mimitkclbar von Schatz abstammct, wohl aber ein Sertenverwandter von demselben ist. r-Dafür halten, aus wahrscheinliche«! Gründen nrtheileu. Erli: che, die uns schätzen, als wände!-en wir sse-schlich cm Weise, s Cor. - 0,2. Ich schätze mich selbst noch nicht,daß ich s ergriffen chabr, Phil.s,-Z, I» dieffe Veränderung ist esiin Höchstmischen veraltet. Mau sagt nur noch, ich schätze es mir für eine Ehre u. f.f. für ich halte; ob man gleich nicht gern mehr sagt, sich etwas für eine Schande schätzen. a. Im enger« Verstände, ein Ding seiner Zahl, seinem Gewichte, seinemMrrihe nach aus wahrscheinlichen Gründen bestimmen. 1) Überhaupt. Ich schätze ihn ungefähr fünfzig Jahre alt. Man schätzt es nicht so hoch. Man schätzt ihn auf Eine Tonne Goldes, mau, glaubt, daß er so reich ist. Ich schätze das Gur auf t 0000 Thaler, glaube, daß es so viel rverlh ist. Las ist dein nicht gleich zu schätzen. Etwas sehr hoch schätzen, cs werrh, geringe schätzen, einem Dinge einen hohen, eitlen geringen Werth beylegeu, und dieses Urrheik thätig erweisen» 2) In einigen eugern Bedeutungen, (a) Hoch schätzen, hoch halten, einem Dinge einen hoben Werth beylegeu, und solches chäliz erweisen. Er weiß den Merth des Gebens zu schätzet!, hach zu schätzen, oder auch nur, es seinem ganzen Wertste nach zu beur- theileu. Der hassenswürdige Charakter, da inan das Sine an niemanden als an sich schätzet, Gell. Das von einige!, Neuern in dieser Bedeutung gebrauchte Mittelwort geschätzt, z.B. geschätzter 5reund, für hoch oder wevth geschätzter, hat wegen der vorstechendcn Zweydeutigkcit mit der vorigen.Bedeutung wenig Bcyfall gefunden, ob es gleich in der dichterische» Schreibart mehrmahls vorkommt. Geschätztes Nichts der eitel» Ehre, Hall, (b) Den Werth, den Preis eines Dinges bestimmen, fo daß sich der Begriff der Muchmaßlichleitzdes wahrscheinlichen Grundes verlieret; taxlren,in einigen Gegenden schätzen. Das Fleisch schätzen, den Preis bestimmen, um welchen d>e Mischet dasselbe verkaufen sollen. Das Boot schätzen u. s. ff Jemande» schützen, drn Ehest bestimmen, welchen er nach Maßgabe seines Alters,seines Vermögens u. s. s. zu den öffentlichen Anlagen bep- zutragen hat; ihn schätzen. Lue. 2, ». Daher die Schätzung. Anm. Im Rieders, schatten, im Schweb, fkatts, wie das vorige. Bey unfern alten Odei deutschen Schriftstellern kommt es nicht vor, ob es gleich alles Anst'hen eines alten Wortes bar. Die erste Bedeutung ist entweder der Werth, der Preis, der im Schwed, noch jetzt i knrt. h- ißt, oder auch das Urtbeilcn, Meinen, dafür Halten, überhaupt. Im letzter« Falle ist es eine unmittelbare Figur der Bewegung, weil alle ähnliche, ähnliche Verande- rmigeu des Geistes bezeichnende Wörter sich auf dieselbe Figur gründen. DerSckffützok, des—s, ^lur.^ut nom. ffn». eine obrigkeitliche Person, deren Pflicht es ist, gewisse Waaren und Lebensmittel zu besichtige» und den Preis derselben zu bestimmen ; der Schatzmeister, /und wenn es ein Glied des Raches isff in einigen Gegenden der Schätzherr, inr Odcrdeutfchen der Gchatzherr. Der Fleischschätzer/Brorschätzer u, s. ff ScyLtzfrez), ackj. et nst v. nur in einigen Gegenden, frey von dem Schatze, d. i. von der Schatzung oder Steuer; im Gegensätze des ' schützbar. Gchatzfre^e Güter, S-Swatz 7. Das Gck-ützye sch, des — es, p!u r. doch nur von mehrern Glimmen , die —er. 1) Geld, so fern cs als ein Schätz oder eine Schatzung erleget wird oder erleget werde»; eincim Hochdeutsche» ungewöhnliche B- deurung. s S. Schatz 7.) ?) Geld, welches man als eine Kostbarkeit oder Seltenheit ansstebet, im Ge^ gensatze beste», welches man zu seinen gewöhnlichen Bedürfnisse» gebraucht. So pfleg! nutt, z. B. die Medaillen im gemeinen Leben Schatzgrld zn Nennen. S. Schatz F. Der S'chatzgrüber, des —s, p!ur. m QOM. sing, der ein Geschäft daraus macht, nach den tu der Erde verborgenen Schätze» zu graben. / iZ?7 Scha - Das SchatztzUt, des —es, plur. die —guter, in einigen Ge- genden, schatzbare, schatzpflichtige Güter, welche der Schatzung unterworfen sind; im Gegensätze der schatzfreycn. S. Schatz 7. *Das SchatzhauP, des—-es, plur. die — Häuser, ein Haus, ss fern es zur Aufbewahrung eines Schatzes dienet. (S. Schatz Z;) An weiterer Bedeutung, ein jedes Vorrathshaus, ein Magazin. In Leyden Fällen ist es im Hochdeutschen mngewöhulich, ob es gleich in der Deutschen Bibel noch in denselben vorkommt. Man baute Städte zu Schatzhäusern, 2 Mos.», n; und so in andern Stellen mehr. Der Schätzchen , in einigen Gegenden Schatzherr, des — en, plur. —en, S. Schätzer. Die Schatzkammer, plur. die—n, eine Kammer, d. i. ein Zimmer, und in weiterer Bedeutung, rin Gebäude, worin mau seinen Schatz verwahret. Die königliche Schatzkammer. In einigen Gegenden ist es auch dasjenige Collrgiuür, welches die öffentlichen Einkünfte verwaltet, und welches am häufigsten nur die Rammer schlechthin genannt wird. Der Schatzkasten, —s, plur. ut vom. lmZ. Diminut. das Schatzkästchen, Oberd. SchatzkHstlein. 1) Eigentlich, ei» Kasten, so fern er zur Aufbewahrung eines Schützes, d. i. so wohl des Geldes, als auch einer jeden kostbaren.Sache, bestimmt ist, In der Deutschen Bibel kommt es auch in der sonst ungewöhnlichen Bedeutung eines Vorrathskastens, 'ja eines Vorrarhshanfts vor. In der Bedeutung eines Ortes, wo die öffentlichen Einkünfte verwahretjverden, ingleichender zu ihrer Verwaltung verordne- ten Personen, ist es im Hochdeutschen gleichfalls veraltet. 2) Eine figürliche Benennung mehrerer entweder auf einzelne Blätter oder in Gestalt eines Buches zusammen gedruckter erbaulicher Stellen, wovon man durch das Ungefähr eine zu seiner Erbauung aufschläget oder ziehet; wo es doch nur im Diminutiv» allein üblich ist. Der Schatzmeister, S. Schätzer. Der Schatzmeister, des—s, plur. urrrom.linZ. Fämin. die Schatzmcisterinu, eine Person, welche einem Schatze, in den drey letzten Bedeutungen dieses Wortes, vorgesetzet ist, wo dieses Wort noch in vielen Fällen üblich ist, besonders diejenige Person zu bezeichnen,, welche dazu bestimmt ist, die Geldcümahmett in Empfang zu nehme» und selbige an die bestimmten Orte wieder auszuzahlen; da denn der Schatzmeister oft eben das ist, was in andern Fällen ein Rentmeister , Cassicr, Seckeimeister, pfen- nigmeister, Zahlmeister m s. f. ist, oft aber noch von demselben unterschieden wird. Gchützpstichtig,—er, — ste, ach. Stativ. nur in einigen Gegenden, verpflichtet, Schatz oder Schatzung zu geben, schatzbar; im Gegensätze des schatzfrcy. So auch die Schatzpstichtigkeit. S. Schatz 7. Der Schayrath, des —es, plur. die — räche, in einigen Provinzen, 1) ein Beisitzer eines Schatz-Collegii; ein R ammerrach. 2) Ein ganzes zur Verwaltung der öffentlichen Einkünfte nieder- gesetztes Raths . Collegium; die Rammer. Die Schätztkfek, plur. die ^— n, bey den Fleischern, Bäckern u.s.f. diejenige Tafel, worauf der von den Schätzern bestimmte Preis des Fleisches oder Brotes geschrieben wird. Die Schatzung, plur. d.ie— en, von dem Zeitworte schätzen, oder auch unmittelbar von dem Worte Schatz und dorAbleitungs- sylbe^jng oder ung, ein Schatz, öffentliche Abgabe, doch nur diejenige, welcheein Unterthan nach Maßgabe seines Vermögens, seiner Grundstücke , seines Alters, oder seines Standes zu den öffentlichen Bedürfnissen entrichtet; die Steuer, der Schoß, Tribut. Eine Schatzung ausschreiben. Schatzung entrichten. Nieders. Gchaening, im Mittlern Lat. LLlimum. Adel. W.T. 2. Th. 2. Rust. Scha 1Z7H In einigen Gegenden wird das Abzugsgeld in engerer Bedeutung die Schatzung genannt. S. auch Brandschatzung. I .Die Schatzung, plur. die—en, ein nur in derSeefahrt übliches Wort, wo diejenige Flagge, womit die Fahrzeuge vom Lande an tas Schiffgernfen werden, und welche man an dem Stocke hinauf und zusammen ziehet, die Gchait'gerranntwird. s. Die Schau, plur. luull von dem Zeitwerte schauen, r) Der Zustand, da mau gesehen wird ; wo es doch, als ein ursprünglich Oberdeutsches Wort, im Hochdeutschen nur in einigen Redensarten und ohne Artikel üblich ist. Etwas zur Schau ausstellen, daß es von jedermann gesehen und besehen werden kann. Die Leichen werden zur Schau ausgestellt, wenn man ste von jedermann sehen läßt. Die Missethäter werden am Pranger zur öffentlichen Schau ausgestellt. jemanden zur Schau herum fuhren. Der königliche Pfau Trägt seinen Schweif zur Schau, Haged. Nurzur Schau da stehen, nurum gesehen zu werden. 2)Die Handlung des Besehens oder Besichtigend, als ech ursprünglich Oberdeutsches Wort; gleichfalls nur m einigen Fällen. Ehedem war die Heerschau die Besichtigung eines Kriegsheeres, die Revue. Die Deichschau oder Deichschauung ist in den Nieder- deutschenMarschländerndicobrigkeitlicheBesichtigungderDeiche. Besonders die von gewissen vcrpflichtetenPersonenVorgenommene Besichtigung gewisser Maaren, ihre gehörige Güte zu erkennen; wo es gleichfalls zunächst aus dem Oberdeutschen herstammet. Die Schau halten oder vornehmen. Auf Schau und Probe arbeiten, seine Arbeit beschauen und probieren lassen. Figürlich werden an einigen Orten so wohl die zur Besichtigung gewisser Maaren verordnten Personen, welche auch wohl das Gchauamt heißen, als auch der Ort, das Gebäude, wo diese Besichtigung geschieht, die Schau genannt. In den Niederdeutschen Marschländern führet diesen Nahmen auch der ganze Distrit, welchen ein Deich- gräve zu beschauen oder zu besichtigen hat. S. Schauen. ^Scharr, ackv. auf eine jedermann sichtbare Art, und um von jedermann gesehen zu werden; ein sehr ungewöhnliches, nur noch in einigen wenigen Fällen gebräuchliches Wort. Christus hat die geistlichen äeinde öffentlich schau getragen, Col. 2, iz, sie zur Schau getragen. Das Schauamt, des —es, plur. die — ämter, in einigen Gegenden, i) Die Verbindlichkeit, gewisse Dinge und Wgaren zu beschauen, um ihre gesetzmäßige Güte zu erkennen. 2) Ein Collegium dazu verordnter Personen; in einigen Gegenden nur die Schau. Der Schaub, des —es, plur. die — e, ein nur im gemeinen Leben einiger Gegenden, besonders Oberdeutschlandes,übliches Wort, welches ein Bündel, in ein Bund zusammen gefaßte mehrere Dinge bedeutet. Man gebraucht es am häufigsten in der Landwirthschaft von einem kleinern Bunde glatten Strohes, welches man in Obersachsen mit einem andern Endlaute eine Schütte, im Nicdersächs. aber ein Schoof, in Meißen auch wohl einen Schob, im Plural Schöbe, nennet. Ein Schaub Stroh. Auch diejenigen Bündel Strohes, womit in einigen Gegenden dir Dächer gedeckt werden, heißen daselbsiGchaube, daherein Strohdach oft auch ein Schaubdach genannt wird. In einigen Gegenden heißt der aufden Wegen, den Feldern u. s. f. zur Warnung aufgest-eckle Strohwisch, der Zeuschaub. Anm. Im Niederst Schoos, im Angelst 8 ceak, im Engl. Lbsnf, im Holland. 8 cbookund 8 cboovs, allein der Bedeutung eines Strohbundes. Der Begriff der Verbindung, vielleicht auch der Masse, der Ausdehnung in djeLängo, Breite und Dicke, ist der herrschende Begriff, daher es mir Schober, ein Haufe, Ssss Franz. ^ ' ' . - - / -- - ^ IM9 Scha Kranz. la veile, und Schopf, zu dem Zeitworte schaffen gehöret, so fern es ehedem eine schnelle Bewegnug bezeichnece, von welcher die jetzt gedachte Bedeutung eine gewöhnliche Figur ist. Ohne Zischlaut gehören auch unser Bopf, das mittlere Latein. Covi5, Lava, emBiiudel, Schaub, das Lat. Jirtensivnm oder Frequcntativum copulare, kuppeln, u. a. m. dahin. S. auch Schaube. Schaubar, —er,—6e, ackj. et ackv. welches von dem Zeit- worte schauen nur in einigen Gegenden üblich ist, svas beschauet werden kann. In engererBedcutimg heißt in den Niederdeutschen Marschländern ein Deich schaudar , wenn er in solchem Stande ist, daß er von dem Dcichgräven beschauet oder besichtiget werden kann. Die Schaube, plur. die—n,Diminut. das Gchaubchen, gleichfalls nur in einigen Oberdeutschen Gegenden, ein Nähme eines langen Mantels, und eines demselben ähnlichen Kleides, welches den ganzenLeib bedeckt, und von b-ydenGeschlechtern getragen ' wird. Eine Schaube tragen. Die Regenschaube, der Regen- niantel, die Nachtschaube. derSchlasrockchi.- Doclor-Gchaube, LerDocior-Mautel, die Äinderschaube, ein langesKindeckleid; lauter nur allein im Oberdeutschen übliche Ausdrücke. Zu einigen Gegenden heißt auch der Nock ^es andern Geschlechts eine Schaube. Anni. Im Ztal. Oi.ubba, im Böhmischen Gruda. Hier ist die Bedeckung und der hohle ttefe Raum der herrschende Begriff, daher es mtt Schaff, Scheffel, Schoppen oder Schuppen, dem Schwed. L'^ölve, eine D cke, und hundert andern gleichfalls von schaffen indessen weitesten Bedeutung einer schnellen Bewegung . horstammtt. Ob ne Zischlaut gehören auch u nser Jope, Haube, das mustere Latein. Eupiia, ein Hut, u. a. m. dahin. Siehe Schaubhut. Der Schauber, des—s, plur. utnonr. sing, bey ben Fischern, ei:i Hamen, welcher vor sich hin geschoben wird, aber keine Gabel har; Franz. Lou leux. Hat er cine Gabel, so heißt er ein Setz- harne i, w-rd er aber nicht so wohl vorwärts geschoben, als vielmehr nach sich gezogen, ein Äraghamen. Cs stammet von dem Zeitwerte schieben ab. D er SMLubhut, des—es, plur. die— hüte, ein großerrun-- t-, i Sirohhul :n Gestalt eines Siebes mit einer Höylung für den Kopf in der Mille der Decke, welcher den ganzen Kopf vor der Sonne und den Leib vor dem Regen bedecket. Er ist bey dem weiblichen Gesch'echte anfdemLande sehr gewöhnlich. In einigen Gegenden Schobhut, Schaudert, Scheppert. Gleichfalls von dem veralteten schänden, schaffen, nch m die Tiefe bewegen und ' figürlich bedecken. DasGricch. s-xkvsrv bedeutet bedecken, und das Böhm. tcbovuali verbergen. S. Staube und Schaffen. D as Schaubrot, des —es, plur. die —e, nur in der Deutschen V'.bel und bey den altern Juden, Brote von feinem Mehle, welche in der Stiftshütte und in dem Temvel zur Schau vor dem Angesichte Gottes liegen mußten, und hernach von den Priestern gegessen wurden. Die Schcmbichne, plur. die—n, gleichfalls von dem Zeitworts schauen, cine Bühne, auf welcher ein Ding zur Schau ausgestes- let, oder eine Handlung zur Schau verrichtet wird; doch nur noch in engerer Bedeutung von derjenigen Bühne, auf welcher Schauspiele vorgestcllcr werden, und welche oft auch nur dieBüyne, mit einem Griechischen Ausdrucke aber das Theater genamct wird. S. Schauplatz und Schauspiel, Z)er Schauder, des—s, plur.uk vom. ein vermittelst des inrenstoen d von Schauer gebildetes Wort, kitten Hähern Grad deS Schauers, einen von strenger Kälte, von einem S ch a iZ§Q hohen Grade des Abschenes, des Grauens, gewirkten Schauer zu bezeichnen. Aber aufernmahl verjagt die tn'umxbirende Sonne Schatten undSchauder undSchiaf zum Niedergang? — zurück, Zachar. Der Schauder kommtmich an, wenn ich daran gedenke. Diese Morre, dieser Ton, die Werbung dieser grausenden Romanze drangen in unserer Lmdl,eit mit einem Heere von Nebenee- griffen des Schauders, der Fever, des Schreckens in unser? S eie, Herd. S. Schauer. Schauderhaft, —er, -—cße, aäj. et a6 v. fähig, Schänder zu enveck.noberzil vcrurjachen. So auch die Schauderhaftigkeil. Schaudern, verb. reZ. welches das Zntensivnm von schauern ist, und auf doppelte Art gebraucht wird, r) Als en, Acnvum, Schauder, einen hohen Grad des Schauers verursachen; wo es doch nur unp- esönlich gebraucht wird, und derRearl nach die vierte Endung der Person erfordert, weil es eigentlich für schütteln stehet. Es schaudert mich, wenn ich daran denke. Ls schaudert mich vor Äalre. Wenn aber, die Haut, der eigentliche Sitz desSchaudcrs und Schauers, ausdrücklich mit genannt ist, s» stehet die dritte Endung der Person. Es schaudert mir die Haut. Die Haut schauderte mix vor Labe. Hild dieses Hauptwort scheinet auch darumer verstanden zu werden, wenn dieses unper- sönlicheZeitwort, wie von den meiste,l geschiehet, ohne dasselbe mit der dritten Endung der Person verbunden wird. Es schaudert mir vor Lälte. Es schaudert mir, wenn ich daran denke. Es schaudert ihm vor dem Tode, er empfindet eineu hohen Grad der Furcht, des Abschenes vor dem Tode. Es schaudert der bangen Natur, Zach. Man kann nicht ohne Schaudern davon reden, s) Als ein Neutrum, mit dem Hnlssworte haben, Schauder empfinden ; in welcher Gestalt es doch nur im gemeinen Leben einiger Gegenden üblich ist. Ich schauderte vor Entsetzen. Lnm. Im Niederst schildern, schrudern, im Engl. to slmä- cker, und mit einem andern Endlaute to LAiv-er. >S. Schaum und Schauern. Schauen, verb. re», act. et neutr. welches das Hlllfswort haben erfordert, und mit sehen einerley Abstammung nndBedeutung Hai, nur daß es der Oberdeutschen Mundart, in welcher es eigentlich einheimisch ist, mehr airgemrssen ist, als den übrigen, welches so wohl aus dem stärker» Zischek, als auch aus dem hoben Doppellaute au erhellet, r) Mit scharfer Aufmerksamkeit sehen,genau sehen, inoleicken besichtigen; in welcher Bedeutung es eigentlich ein Intensivum von sehen ist, welche Jnrenston von dem stärker,! Zischlaute sch herrühret. In dieser Bedeutung ist es besonder» in cniiqen Fällen im Oberdeutschen üblich. Das Fleisch schäum, es besichtigen. Das Brot schauen, besichtigen. In den Niederdeutschen Marschländern halt man ein Schauen, wenn di^Deiche von der dazu gesetzten Obrigkeit besichtiget werden. (S. auch Schau.) 2 ) In weiterer Bederilung wird es im Oberdeutschen durchgehends für das Zeitwort sehen gebraucht, es sey nun ein Neutrum oder ein Activum. Ich habe es geschauet, gesehen. Schau, siehe. Abraham wandte sein Angesicht gegen Lom —i und schauere, und stehe, da ging ein Rauch auf, r Mos. »9, 28. Schaue gen H mmel, und siehe, und schaue an die Wolken, Hiob 3Z, 5. Schaut, dass ihr sie bewegt, Opitz; sehet zu. Die Allen wollten nicht verstehn Die Wunder im A'gppktniande, Softe geschaut durch dich ergehn, ebend.Pf. t00' iZ8i Sch a bc»d-l, B-d-ut,lNg-» üblich, wchiad--i» d-rd°h-r», d-f°,id-rs rv,lisch!», WS es sehr b-usig fiir sehe» gebrauch! wird. L Auf seinen Wangen ist zu schaun Anstatt der Jugend Milch, ein lebhaft inaniilrch Braun, Hagcd. Ki„e bloß biblische, vermutlich auf eine Morgcnläudische Figur gegründete Bedeutung isi es, wenn diese-Wort für vorher ,ehen mrd vorher verkündigen, wcißagen , gebraucht wtrd. Ihr sollt uns nicht schauen die rechte Lehre, Es. zo, , o Schauet uns Täuscherey, ebenda Daher Luther auch die ProphetenIo woh Schauer als Geher nennet, weil sie gleichsam in hie Zukunft schauen oder sehen. Daher das Schauen , und dre Schauung, welches letztere doch nur in Zusammensetzungen üblich ist. Anm. Schon bey dcm Kero, Ottfried u. s. f. Icormori, bcy dem Willeram lkou u ^v, im Rieders, doch nur in einigen aus dem Dberdeutscheu entlehnten Fällen, schauen, im Schwed. m.t -.nem intensiven Endlautc/K^, m- Hebe. NV^, 'M Gnech. mtt dem gleichbedeutenden rh, As«eto. Kero gebraucht.es noch m dcr erste, intensiven Bedeutung, denn bcy ihm ist lcsuuon forschen. Im Angelst ist ldeaviuo, und im Engl. to Urew, factitlvr, seh wachen, d. i. zeigen. Die Bedeutung dcsSehens ist nur eine von den vielen, Leiche dibstm Z-i!»°! t-, w-»n -s in s-in-r »rsprunglich-n ^-d-n!m,g ,md i» s-i»-m ganz-.» Umfange b-!-»ch!-! wird, znkommt. D» »«„---- nnd schwächer-SibilnS su„d sch sind in d--N°l,,r g-S-»»- d-,- A,.-drück- -in-s jischrnd-nLanI-s und d-r damit °--bu»d-n-», grmciniglich schnrllr» und g-lindm B-w-g»ng, uns o-rm,Il-ck 1 d» Endnn» -rn, rntstrhrn daraus dir Z-ilwört-r schäm , sch»» . fch-nrn, sar», s»" u.s.f. W-Iche n-sprüngli» g°w!ss° L-n» ncrbund-n- Brwcgnngrn bedeut-n, und!» all-» Sprach«. noch -in- groß-M-ug-Nachkommen hint-rlassr» haben. D-°°n stammen denn See, Schau, eine Flagge, so, schehen rn ge,ch.- htN u. a. M. her. Mit den gewöhnlichen intensiven und fteqnen- tariven Enduugen bezeichnen schauern, schaudern,scheuern, .chuts ten. schütteln u. s. f. allerlei) Abänderungen dieser Bewegung. Die Bedeutung des Lichtes ist in allen Sprachen eme S'gur ^ schnellen Bewegung, daher kommt bey de-tSchwablscheu Drch.srn noch 8 c!io wefür Gestalt, Aussehen, eigentlich Schein vor, welche letztere selb st hierher gehöret, indem es so w,c Sonne, Schemen, Schatten, sch-er n. s. f. sich nnr im Eudlante unterscheidet. Die Bedeutung des Schemens , LeuchtenS, gehet sehr leicht in die Bedeutung des Sehens über, welches doch mchts an, ders ist, als das Scheinen empfinden, und so bekommen w:r unser sehen und dessen Oberdeutsches Zntenfivum schauen, nebst dem Engl. Factitivotoskew. zeigen. , Alle Zeitwörter, welche eine schnelle Bewegung lledcutcn, bezeichnen sie auch in rngcrmVerstande nach verschiedenen Ncchtnn- gen. So fern schauen auch diese Bewegung m die Trefc, oder m einem hohlen Raume bedeutet, stammet daher die Bedeutung eures Behältnisses, Gefäßes, einer Bedeckung u. s. f. Daher ras veraltete Schauer, ein Becher, Schauer, ein bedeckter r. rt, unstr Scheuer oder Scheure, und mit verschiedenen Endlauten Schaube, Schütz, Schaff, Sch auffel u. s. f. > r. Der Schauer, des —s, plur. ut nom. nnZ. unmittc-bar von dem vorigen Zeitworle, derjenige welcher schauet oder stehet. Es ist nur in einigen Zusammensetzungen üblich, so wohl m uer intensiven Bedeutung des Bcfichtigcns, wie5lcischichauer.Br ot- fchauer, Deichschaucr u. s. f. als auch für scheu überhaupt, wie in Zuschauer. Luther gebraucht es auch nach eurer sonst ungewöhnlichen Morgenländischeu Figur von einem Propheten, e er eie Zukunft stehet und vorher verkündiget, welchen er itt-andern^te^en ^ ch u ritten ^>chse nennet. Gab der Schauer,' Chron.^rs, 9. DeLn» Schauer sollen zu Schanden werden, Mich. Z, 7. . Der Schauer, des —s, plur. utnom. finZ. welches vermit- ' telfi der Ableitungssylbe —er von schauen absiammet, so fern es ehedem sich in die Tiefe oder in die Runde bewegen bedeutete, und ciuen tiefen oder hohlen Raum, ein BekMmß,nnd figürlich einen bedeckten Ort, Bedeckung, Schutz, Sicherheit bedeutet. 1. "Einen hohlen Raum, eiu Behältniß. Im Gricch. ist sr,§o§ eine Höhle. Im Rieders, war Schauer ehedem ein großer Becher, ein Pokal, welches im Hochdeutschen ganz fremde Wort noch Sir. zo, 7 v vor- kommt,-ein güldener Schauer, wo es von vielen irrig von schauen, sehen, abgeleitet, und durch einen Schaubccher erkläret wird. Schirr in Geschirr ist aus das genaueste damit verwandt, —n, an einen: Pftröegebisse, die Kmnkette, weih sich der Schaum aus dem Munde des Pferdes am ersten daran setzet. Der Schaumlöffel, des — s, plttr, ut vom..floZ. Sichs Schaumkelle. Die Schaumünze, xlur, die —n, S, Schaugeld» 1^89 Sch a Der Schaumwuvm, des--es, plur. die—Würmer, die Larven elliecAr'ricadcn, welche sich ans den Zwergen dee Bäume unter eiuee Mruge vonSchaum sirshalten, welchen sie blasenwcise aus dem Hintern lassen, irnd daher auch Spepwurmcr genannt werden; LicackL s^u.tturiu ü,. Flohheuschrecke. Der SPaupfennitz, des —es, plur. die—e, S. Scharigeld. Der Schauplatz, des —cs, pchrr. die—platze, einjeder Platz, auf welchem eine Handlung vorgest-.llet wird, welche von jedem ' oder doch von vielen gesehen werden soll; in engerer Bedeutung , derjenige Platz,auf welchem von den Schauspielern einSchauspicl vorgesteller wird, welcher Platz auch dieSchaubiihne, das Theater Hecht. In noch weiterer Bedeutung, ein jeder Ort, auf welchem eine Handlung vsrgenommen wird. Die Demuth tritt mit Gefälligkeit undLeutseligkeit in das gesellschaftlicheLeb-n ein, so wie der Scolz mit Selbstliebe und Geringschätzung anderer ' anfdem Schauplatze erscheinet, Gell. Der große Schauplatz derzeit. Der S-yauprahm, des — es, plur. die — e, von Schau und Prahm, in der Schifffahrt einiger Gegenden', ein Prahm oder plattes Fahrzeug in Gestalt eines Floßes, welches so wohl zum Überfahren über schmale Wasser, als auch zum Kalfarern der Schiffe, zur Aushebung und Einsetzung der Masten u.ch. s. ge- branchtwird. Schau scheinet hier zu schieben oder einem ähnlichen Worte zu gehören. Das Schauspiel, des — es, plur.die—r. Eineje>Handlung, so fern sie zur Belustigung anderer znfchanender Personen unternommen wird ; in welchem Verstände ein Thiergefccht, das Spiel des Seiltänzers, des Taschenspielers u. s. s. ein Schauspiel genannt werden könnte. Indessen wird es doch in dieser weitern Bedeutung seltener gebraucht, als in der noch weitern eines Anblickes, einerSache, welche man mit besonderrrEmpsindung sichet. Ein erbärmliches Schauspiel, 3 Marc. L, 2 i. Em angenehmes Schauspiel. -. In engerm Verstände. >) Eine nach gewiß, sen Regeln eingerichtete N ich ab Mayg menschlicherHLndlungencho fern sie zur Belustigung anderer unternommen wird; in welchem gewöhnlichsten Verstände die-es Wort so wohl das Lustspiel als das Tra -.erspiel unter sich begreift, Daher dieSchauspielkunst, die Kunst, nicht so wohl Schauspiele zu verfertigen, als vielmehr, sie aus eine geschickte Art ooczustelleit. Das Schauspielhaus, das Aomodien-äaur. 2) * Ein Gegenstand des Hohnes, der Verspottung and. rer, vermuchlich als eineAirspielnng auf die erste und älteste A'-tSchauspiele, welche gemeiniglich persönliche Anzüglichkeiten enthüllen ; eine veraltete Bedeutung, welche noch einige Mahl in der Deutschen Bibel oorkommt. Ich will ein Schauspiel aus dir machen, Ezech. 28, 17. Wir sind em Schauspiel worden der Welt, » Cor. 4 , 9. Der Schauspieler, des—s, rck.rr. M nonn. linZ. Fämin. die Schauspielerin»», eine Person, welche die Schauspielkunst aus- übet; ein anständiger Ausdruck für das niedrigere Äsmodiant und Romodiantinn. Das Schaustück, des—-, es, plur. die—. e, S. Schaugeld. Die Gchaustufe, plur. die—n, eine Scufe, d. i. Su'rck Erz, so fern es nicht zum Verschmelzen, sondern zur Aufbewahrung in einem Kavmerte, bestimmet ist. Der Sch-autaU, des —es, plur. die — e, derjenige Tag, dr eine Sache feyerlich beschauet wird; doch nur in ewigen Gegenden. Z. B. der Tag, da gewisse Maaren, Arbeiten n. s. f. von den dazu gesetzten Schaumeistern odecSchauherrm bisschaneL werden. *Der Gchauteufel-, des—s, plur. ut uoin lrnZ. einein einen Teufel verkleidete Person. SchEtousel laufen, ein in Niederdeutschland ehedem seyr üblicher MiManch, da sich junge Leute r» den WethnachtSlageu in Teufel verkleidemr, und in die« Sch e iZyo dies, r Gestalt vielfachen Unfug trieben. Durch strenge Vcrbsthe ist Sache und Wort nunmehr veraltet. Die Schebe, S. Schepe. Die Scheheke, plur. die—n , ein besonders in der Mittelländischen See übliches Wort, ein Fahrzeug zn bezeichnen, welches mit Segeln-und Rudern getrieben wird; Franz, GUede^us, Span, und Portug. Xebetzwe. das Scyech, des — es , plur. die — e, im Schiffbaus einiger Gegenden,' das an den Vordersteven befestigte Holz, worauf das vordere Bild am Schisse ruhet. Es sichet vorn heraus, macht dis vordere Schneide des Bauches aus, und wird auch das Rriech, das Rrech, die Griechsäule geirannt. Schech ist ohne Zweifel -mit Schacht i verwandt, so fern es einen in die Länge ausgedehnten Körper bedeutet, daher Schechr im Niederst eine Stanze ist. S. Schacht. L. Die Schecke, xlur.. die—n, ein Nähme, welchen in einigen Gegenden derGras: oder Wiesenläufer, Julius rerrestrikOr- '-t^oysnedru führet. Da es nicht scheinet, daß diescrW.rst» servögel weiß geflecker ist, so scheinet er den Nahmen von seiner besonder»! Stimme zu haben, daher er in andern Gegenden auch Schrick genannt wird. 2 . Die Schecke, plur. die—n, ein mit weißen Flecken auf einem -gefärbten Grunde, oder mit farbigen Flecken auf einem weißen Grunde, versehenes Thier. So werden eilte Art wilderSchweine, -welche weiße Flecken haben, Hey den Zögern Schecken genanist. Besonders gebraucht man es von den Pferden, wenn sie viele farbige Flecken ans einem weiffen Grunde oder weiße Stellen auf ei- nem farbigen Grunde des Körpers haben, da inan sie denn wiederum in Achatschecken,Blau scheckvN/Braunschecken,Schwarzschecken, Fuchsschecken, Gelbschecken u. s. s. unterscheidet. Anm. Bey dem Pictorius Gchäggp, ein weiß geflecktes Roß/ im Schweb. 8 K.ÜK. Die meisten leiten es von Schach, Schacht, ein vierecktes Feld von mehrern Farben, her, siehe Schacht 2 - allein es scheint vielmehr mit dem Island, lkuckr, unährrlich,ungleich, äketcki, Ungleichheit, sksckiL, uirgleich mache»r, verwandt zu scyn, oder auch, da dieses Wort allemahl die Beimischung der weißen Farbe voraus setzet, den B-griff des Lichtes zu haben, einer gewöhnlichen Figur der schnellen Bewegung, welche Schach, Schacht,kGchak in mehrern Verwandten hat, siehe Schicken und Schaukeln- Schecken, vsrb. reg. acr. mitweißenFlscken a,»feinem farbige» Grunde, oder mit farbigen Flecken unfeinem weißenGrunde versehen ; von welchem doch das Mittelwort gescheckt für scheckig am üblichsten ist. Scheckig, —er, —sie, ackj. et uckv. mir weißen Flecken auf einem farbigenBrunde, oder mit farbigenFlecken auf einem weißen Grunde versehen. Ein scheckiges Pferd, ein geschecktes, eins Schecke. In weiterer Bedeutung, mit Flecken oder abwechchlnden Grellen von mehrern abstcchendrnFarben versehen, ohne daß eben der Begriff der weißen Farbe herrsche; besonders indem zusammen gesetzten buntscheckig. Dsr Schedel, des - s, xiur.ut vom. liaZ. ein Wort, welches vermittelst der .Ablcimngsfylbe —ei, ein Werkzeug, Sub- ftct, Ding, gon schad, schad abstammet, und vermöge dieses Ursprunges gar vieler Bedeutungen fähcg ist. Es kommt noch in einer gedoppelten Art vor, 1 > * Trümmer, zerbrochene Stücke; nur in einigen OberdrmschenG.genden, z. B. in der Schw ij, wo dieMauernschedel eines Schlosses dessen Trümmer, Ruinen, Überreste sind. Es gchörer in diesem Verstaube zunächst zu scha- dcn, so fern es übrrhanpt verletzen bedeutete, und de»! Hebr. v rwüstrn, (S Schaden.) -) Mrt dem Begriffe des doh- le.r Raumes wird die äw,,schale noch zuweilen, vorzüglich aber v. im QöMrrrifchen, der Schede! geaarrrrt, ob es gleich !mHochdeutschen in dieser Br-dc'tMmg auch nicht ganz fremd ist. Ein Weib warf ein Stück von einem Miihlneine Adrmelech auf den Zopf und zerbrach ihm den Schädel, Nicht. 9, zz. Da sie hmg-ngen, Iesebel zu begraben, fanden' sie nichts von ihr, denn den Schedel und die Lüste, 2 Köll. 9, 35 . Da cs denn such zuweil-n im verächtlichen Verstände für den ganzen Kopfge- hi aucht wird. 2 li m. In Ansehung der letzten Bedeutung sind die meisten Sprachforscher bey der Ähnlichkeit zwischen Schedel und Gchei- , rei stehen geblieben- Allein obgleich bende Wörter ursprünglich Eines Sranimrs sind, so sind sie doch in ihren nächsten Ahnherren gar s hr verschieden. Das erstarr hat ohne allen Zweifel den Begriff des hohlenNanmes, und gehöret zu Schart, Schatten, Scheide, Schatz 1, und andern dieser Art. Das Niederst Schedel, die kleine Eibogenröhre, stammet wieder von einem andern Begriffe sb, welcher vermntblich,d-e Ausdehnung in die Länge ist. Viele halten die Schreibart Schädel für die richtigste, wett viele Verwandte dieses Wortes' ein a haben; allein es gibt deren wenigstens rben so viele, welche ein e, ja einen jeden andern Vocat haben, und da das a und e in sowie! hundert andern Fällen beständig mit einander abwcchseln, so kommt es bloß auf den Gebrauch an, welcher Buchstab den Vorzug verdienet, und dieser spricht ohne Zweifel für das e. A er Schedelhohrer, des — s, plur. m nom. lioZ. ein chirur- Fffcher Bohrer, den Schedel, d. i. die Hirnschale, damit zu durchbohren ; der Hauprbohrcr, am häustgsten aber mit einem ausländischen Kunstworte, derTrepan. Aire Scheöelstätte, plur. die —n, ein nur von Lnthern in der Deutschen Bibel gebrauchtes Wort, den Berg Golgatha bey Jerusalem aiiez,-drucken, Lat. LalvLrio, Moos cal- uriae, ohne Zweifel, Weiler der gewöhnliche Richtplatz war, und daher viele Hirnschedel von den daselbst Hingerichteten Übelthätern ans demselben zerstreuet lagen. Und da sie an die Stätte kamen mit Nahmen Golgatha, das ist verdeutschet Gchedelstätte, Matth. 2 7, Z z. Notker nennet jhnLkLÜ'e 6 erO LttuiLllut und Oral o- LierZe, als eine buchstäbliche Übersetzung desLat. GalverriÄ, der Übersetzer Latians aber liaMalÜLt, von dem veralteten hamp mein, zerstümmeln, hauen n. s.f. da cs denn mit Richtplatz gleichbedeutend seyn würde, S.Hammel. Der Scheffe, S. Schöppe. Der.Scheffel,des—s, xlur. ut nom. ffüZ. ein Wort, welches ursprünglich einen hohlen Raum, ein Behältniß bedeutet, aber nur noch als ein gewisses Maß trockner Dinge gebraucht wird. s) Ein viereckiger Kasten ohne Boden, womit man in Obersachsi-n die Pflastersteine zu überschlagen und zu bezahle» pflegt, führet daselbst den Nahmen eines Scheffels. Er ist daselbst -z. Elle breit, - Ellen lang und Z-Elle hoch, so daß sein körperlicher Inhalt 12 Kubik. Schuh ausmacht. 2) Noch häufiger wird es so wohl in Ober - als Niederdeutschland von einem Getreidemaße gebraucht, welches Zwar nicht überall gleich, aber doch gemeiniglich der zw - sdcr 4 te Theil einer Tonne, der r-te Theil eines Malters, und der Z oste, 4 ->stebjs 6 oste Theil einer Last ist. In Obsrsachsen, Schlesien u.s. s. wird der Scheffel wieder in 4 Viertel und 16 Metzerrgecheilt; m Hamburg, Bremen u. s.f. hält der Scheffel 2 Faß, 4 Himten, oder i6Spint; in Thüringen 4 Metzen rder 16 Mäßchen; im GsnabrÜckischen 4 Viertel oder 16 Becher, in andernGegendenWcstphalens 4 Viertel oder 48 Kannen- m Ostfrieslan- 18 Kruß; in Lübeck 4 Fuß; im Würtcmbergi- schen-8 Simri, A- Unzen oder Vierlinge, oder r 2 8 Achtel; in Ba- fe!,ws er such M üb d e heißt, und ein kleineres Maß zu seyn schei- ms, ^ Kuxflem sdxr L Becher, acht Scheffel machen daselbst eines Sack ms/. In Westfalen rechnet man 4 Scheffel auf ein Mali r in Danzig -6 , in Thüringen, Obersachsew, Ostfrisslanö X u. s. s. »2. In Danzig hat eine Last 60 Scheffel, in Lübecks iu Bremen 4 «, m Hamburg zo u. s.f. In der LandwirthschM einiger Gegenden wird es mich als ein Feldmaß gebraucht, so vie? Acker z» bezeichueu, als man mit einem Scheffel Getreide beia?» kann; zwölf Scheffel Landes. ' " Anm. Im Mittlern Laterne als ein Getrcrdcmaß und zwar sckoa zu Carls desGroßen ZeitenLcapilus, Lcogellus, ZLupttuIa im Niederst Schepel, im Schwed. 8 eüpxa, welches daselbst der ftchsle Theil einer Tonne ist, imJtal. Llettsps, Scepon. Gemeiniglich stehet man es als ein Diminutivum von dem Obe'röeut! scheu Schaffan, welches unter andern auch ein größeres Maß trockner Dinge ist. Das Baierische das Schäffel kann, weil es ungewisse-- Geschlechtes ist, eher für ein Diminutivum davon gehalten werden; allein unser männliches Scheffel stammet vielmehr vermittelst depAölejtungssylbe —el, ein Werkzeug, Ding, Subjeck, mit Schaff aus Einer Quelle Her, und bezeichnet eigentlich ern Behältniß, ein hohles Ding, da es denn so wohl mit unserm Schiff, Schoppen, Schuppen, als auch mildem Griechischen o-xnw;, ein Gefäß, verwandt ist, und um dieser und anderrr Verwandtschaften willen eben so richtig Scheffel alsSchäffel geschrie. ' ben wirch zumahl da das crsicre den Gebrauch vor sich hat, auf welchen es hier allein aukommt. S. Schaff. Scheffeln, verb.reZ.neutr. mit hem Hülfsworte haben, weh ches mw im gemeinen Leben üblich ist. Das Getreide scheffelt gut, wenn es viele Körner gibt, den Scheffel reichlich füllet. Lee Weitzen har recht gut gewandelt und wird auch gut scheffeln. Der Sch,vffelfchüH, des —- cs, silur. iuul. in einigen Gegenden, besonders Niedersachsens, ein Schatz, d. i. eine Abgabe, eine'Steuer, welche der Herrschaft von jedem Scheffel Gerreide gegeben wirb ; die Scheffclstcner. Der Schfffelzehnte, des—- n,p!ur. die — n, in der Landwirts)- schüft, der Zehnte, so fern er nicht in Garben, sondern in ausge- droschenem Getreide gegeben wird; der Sackzehnte, Dsrfzchnte, im Gegensätze des Mandel - Garben - oder Zugzehnten. Die Scheibe, xlur. die —n, Dimin.das Scheibchen, OberS. Scheiblein, im gemeinen Leber, Scheibe!, ein Wort, welches voff' dem veralteten Zeitworte scheiben abstammet, welches eigentlich eine Nachahmung eines gewissenLautes ist, und vermöge einer sehr gewöhnlichen Figur mehrere Arten der mit diesem Laute verbundenen Bewegungen bedeutet hat, wohin denn auch schaben, schicbett, schaffen u. a. m. gehören. Dergleichen Bewegungen find z. B. die Bewegung in die Runde, und die damit verbundene Bewegung in dre Tiefe; noch im r 4 ten Jahrhunderte kommt scheiben häußg für drehen vor. Ferner die Bewegung des Schneidens oder Spal- tcns, (S. Gabel,) besonders in dünne Blätter, wie das Island. st!r vsts, in dünne Blätter schneiden; der Begriff der Ausdehnung in die Länge und Breite ohne Dicke, daher Scheibe und das Jir- tensivum Schiefer und schiefer», welche sich auch als Figuren von schieben anschen lassen,und andere sehr gcwöhnlicheFiguren mehr. Dießvoraus gesetzt, ist Scheibe r) ein um den Mittelpunkt beweglicher, flacher, dünner, runder Körper, der in manchen Fällen auch eine Rolle heißt. Von dieser Art sind z. B. die Scheiben in einem Kloben, welche an der äußern runden Fläche mit einer Rinne versehen sind, das Seil zu fassen; Niederst Schive. Ferner die Draht;ieherscheibe, die Töpferscheibe, die Radscheibe u. st s. 2) In vielen Fällen verlieret sich der Begriff der Beweglichkeit, und da ist die Scheibe ein runder oder rundlicher, anfbeyden Seiten ebener, dünner Körper. Bey den Markscheidernist die Scheibe derjenige Zirkel des Compaffes, auf welchem di«: SmrrdkN absczejchntt stnd. idieSonnenscheibe, die Mondscheibe, sckeibe, die Sonne und der Mond, so fern sie sich dem Auge als dünne, flache, runde Körper darstellen. Die Schießscheibe oder Scheibe schlechthin, ein kund geschnittenes Bret, nach welchem acschosscu wird. N.rch der Scheibe schießen, nach einem solchen Mete. (S. Gchcibenschießen.) Dw Salzscheibe, inchen Salz- Hütten, eine dünne, runde und flache Masse Salzes. (S. die fol- gendevicrte Bedeutung.) Im Bergbaus sind die Scheiben rund geschnittene Stücken Leders, so wie sie zu den Kunsizeugen gebraucht werden. Eincn Apfel, eine Wurst in Scheiben schnei« den. Ein Scheibchen von einem Apfel. Das Scheibchen oder Scheibe! ist bey den Jägern das dünne, flache, rundliche Stück Erde welches der Hirsch -m Gehen mit den Schälen auffasset und vonsich wirft. Zsin Niedcrsächsischerr heißt ein rnndes Tischblatt, und m weiterer Bedeutung, ein j-cder Tisch, eine Scheibe. Die Rniescheibs ist ein erhabenes, rundliches, flaches Benn, welches das Schenkelbein Mit dem Schienbeine verbinde:. Die Jäger nennen das Himertheil eines Hirsches so wohl die Scheibe, als auch den Schirm und den Schurz, wo aber auch ein anderer Begriff zum Grunde liegen kann. In ollen diesen Fällen lautet es im Niederst Gbive, im Engl. 8!üvv. Permuthlich von der Ausdeh, nung iit die Länge und Breite ohne Dicke, oder auch von theilen, schneiden. Im Schweb, ist skiFvn in dünne Blätter schneiden, und im Island, lk^la theilen; im Pohln. 8!iiba rin Stück. (S. auch Schiefer und Schiefern.) Z) In manchen, obgleich nicht so vielen Fällen, vcrl-ierer sich amh dep Begriff der Runde, und da ist die Scheibe ein flacher, dünner, in die Länge snd Breite ausgedehnterKörper. Oie Fensterscheibe oder Glasscheibe,Pshln. 8?/bL, welche so wohl rund als viereckr ftyukann, ob es gleich auch hier zu der vorigen Bedeutung gehören kamt,weil die runden Scheiben doch wohl die ältesten sind. Die flachen, taugen, breiten und dünnen, aus lauter Zellen bestehenden Korper von Wachs, ^ worein die Bienen das Honig sammeln, werden häufig Scheiben, ^onigscheibe n, und wenn sie von Honig leer find, wachsfchch- ben genannt. An ander» Orten heißen firwaben, Wesel, das Gewebe, die Mährten, die Tafeln, das Rosß, dre.Gehren u. s. f. Im Hüttcnbane heißt her obere erkaltete Theil des geschmolzenen Kupfers oder Steines nach abgehobenen Schlacken, der die GestalteinesKuchens hat, die Scheibe. Scheiben reißen, diese Masse abheben. Bey den Inchbereitern ist die Scheibe ein längliches Bretchen mit zivcy Griffen, welches mit Hauflicklass und Maucrsandc nbergoffen ist, womit die nach dem Scheren noch übrigen langen Haare völlig los gerissen werden. 4) In eini- tzcnFällcn tritt auch der Begriff der Tiefe, des hohlen Raumes mit ein, welcher unmittelbar aus der Runde fließet. So ist bey den Papiermachern die Scheibe ein Dieb von Pferdehaaren in dem Locherbanme, wodurch das Wasser und der Schmutz von den gestampften Lumpen abflirßen. Die Salzscheibe ist in den Salzhut- p7n ein hölzernes Gefäß von Döttcherarbeit, in Gestalt eines bal« ben Faffcs, wvmn das Salz verführet wird. Das Scheitel, des —§, plur. ut nvrn. Kux. S. Scheibe 2 . Der Scheiberrapfel, des —s, plur. die —apfel, eine Art 'Äpftl, welche man m Scheiben zn schneiden, und Küchlein daraus zu backe« pflegt. Die Gcheibettbirn, plur. die —en, eine Art schmackhafter, strohgelber und rother Birnen, welche platt wie eine Scheibe ist, mW im August reifet. Der Gcheibenhohrer, des—s, plur. ut irom. ein mit einer Scheibe verscheuer Drell- oder Drillbohrerp der Zugboh- rcr, weil «-r vermittelst einer um die Scheibe gehenden Schnur ge- . zogen wird. - - / ^ ^ ' ^ ^ l Die Gcheibewbüchse, pürr. die—n, eine Büchse, damit nach derSchcibe zu schießen ; das Schejbem'Shp. Del.w.B.Z.TH.2.^ufl. Das Scheibenhonig, des—es, plur. car. Honig in Scheibe«, S. Scheibe Z. Das Scherben-Instrument, des —es, plur. die —e, bey es. nigeu, em Nähme des Astrolabii, weil der vornehmste Theil des- selben aus einer runden Scheide bestehet. S. Winkelmesser. Die Gcheibenkeube, plur. die—n, m den Glashütten, dle durch das Rohr geblasenen Glaskeulen oberBallen, woraus die gemeinen Spiegelschüben ^formet werden. Der Gcheibsnkonitz, des—es, piur. die—e, derjenige, welcher bey einem Scheibenschießen König geworden. Der Scherbenkopf, des—es, plur. die — köpfe, bey den Per« rückenmachern, ein gespaltener Formkvpf, welcher vermittelst hölzerner Scheiben dicker und dünner gemacht werden kann. Die Gcherbenkrücke, plur. die—n, bey den Böttchern, siehe Rcifberige. Das Gchcibenpulver, des—s, plur. inu k. feines, kleinkörniges Schießpulver, dessen sich'die Schützen bey dem Schießen nach der Scheibe bedienen. Das Scheibenrohr, des -es, plur. die —c, rin Rohr, d. r. eine gezogene Büchse, mit welcher man nach der Scheibe schießet. Das Scheibenrennen, des —s, plur. ut vom. üog. eine ehe- mählige Art einer Lustbarkeit, wo nach einer aufgehängten Schei« be gerannt wukde. Ein Scheibenrennen halten. Das Scheibenschießen, des—s, plur. ul nom. KoZ. das feysrliche Schießen nach einer Scheibe, so wohl zur Übung, als auch zur Lust; zum Unterschiede vor» dem Vogelschießen. Der Plural wird in diesem und dem vorigen Worte nur von mehrer« feyerlichen Anstalten dieser Art gebraucht. DerGcherbenschütz,Äes—en,plur. die—en, sowohl in wei« Lerer Bedeutung, derjenige, welche? eine Fertigkeit im Schüßen ngch der Scheibe besitzet, als auch in engerer, ein Mitglied einer Gesellschaft, welche sich im Schießen nach der Scheibe übet. Der Schelbenzieher, des—s, plur.urvorn.lrnZ. ein Nah. me, welchen auch die so genannten Vlein-Messingdrahrziehev führen, well sie sich zu ihrer Arbeit einer Scheibe bedienen; zum Unterschiede von den Grob - Mejsmgdvahkziehern, welche auch Schieber genannt werden. Scheckig, a(lj. et Z.ckv. die Gestatt einer Scheibe habend. Etwas scheckig sch' 'den, zn Scheiben. Scheid, eu. L .ch allein im Hochdeutschen veraltetes Wort, welches in gescheid in Gestalt eines Brywortes, i» Bescheid, Entscheid,Erbscheid,äalbscheid und Unterscheid aber als ein Hauptwort vorksmmt, in vielen auch Schied lautet, z. B. in Abschied und Unterschied, und bald männlichen, bald weiblichen G-ffchlech- tes ist. Es stammet von dem Zeitwort? scheiden her. (S. die jetzt angeführten Wörter.) Da» Scheit, welches viele nm der Abstam- mung willen Scheid schreiben, sich aber dadurch an der Aussprache versündige«. S. an fciucm Orte. Scheiöbar, -er, —fte, uöj.er aäv. fahl- geschieben zu wer- den. So auch die Gcheidbar^elt. 1. Die Scheide, plur. die—n, ein Nähme, welchen im Oberdeutschen der Wels, ein bckamtter Gtrsmfisch, führet, wo er nach Oberdeutscher Art Schacke geschriebeü wird, und auch wohl im männlichen Gcschlechre derGchaiden lautet. K.-in Nähme scheirtt mit dem gleichfalls Oberdeutschen Worte Schade, welches ein ZWme der Alose ist, verwandt zu fly». 2. Ee Scheide, plur. die—n, vou dem Zeitworte scheiden, d,er Ort, wo sich zwey Dinge scheiden. Es ist in ben Zusamurensetztt«. genGränzscheide, Landscheide, weZscheide und Wetterscheide am üblichsten, für sich allein aber seltener. Z. Die Scheide, plur. die —u, ein Wort, welches nur in einige« Fällen von der hohlen, länglichen Bekleidung anderer Körper Lnr ubW LZ9L Sch, c Üblich ist. Besonders werden die langen, hohlen Futterale schneidender und stechender Werkzeuge mir diesem Napmen beleget. Die Scheide eines Degens, die Dcgenscherde. Den Degen aus .der Scheide ziehen, rhn in die Scheide stecken. Die Scheide einer Gabel, eines Messers, die Messerscheibe, einer Stvick- nade! u. s. f. Aber auch von der ähnlichen Bekleidung anderer Dinge ist es in manchen Fällen nicht ungewöhnlich. So befinden sich zwey Scheiden an einem Kutschkasten, die ledernen Tragerie- .men aufzunehmen nnd zu bekleiden. DieGeilscheiden an deuPfer- degeschieren find lederne Bekleidungen der Zngstränge, damit sie das Pferd am Bauche nicht reiben. Die Mmrerscherde, in der Anatomie, ist eure längliche,.häutige Rohre am Halse der Bär- rnutter, welche das männliche Glied aufnimmt. Anm. Borr der Scheide eines Schwertes schon bey dem Stry- cker äciiKiäe, im Rieders. Schede, Schee, imAngels. Lcwetks, im Engl. LIiLLttt, im Schwed. Lkicis, welches aber auch eine Hülfe bedeutet. Ihre und andere leiten es von schlitzen her, sofern es überhaupt bedecken, bekleiden, bedeutet. .Allein es scheinet hier überhaupt den Begriff des hohlen Raumes zu haben. Im Oberdeutschen ist das Gescheid einMaß trockn e Dinge, beiden Jägern das Gescheide, das Gedärm des Wildbrets, vermuthlich auch wegen der hohlen Röhren, woraus es bestehet, im Niederdeutschen die Schute eine Arl Fahrzeuge, und im Schweb. 8Keck ein Löffel. (S, auch Schedel, Schacht, - Schachtel u. s. f. Beyde Begriffe, so wohl des hohlen Raumes, als auch der Bekleidung, sind indessen sehr nahe vex- lvarldt, indem der letzte bloß eine Figur des ersten ist. Die Gcheiöebanr, plur. die—banke, im Bergbaue, dieBan? oder der Lisch, woranfdas aus den Gruben gezogene Erz geschieden, d. i. mit dem Gcheidefaustel zerschlagen, und das gute Erz von dem tauben abgesondert wird. ^Der SchetöebeLU, des—es, plur. die—e, em im Hochdeutschen ungewöhnliches Wort, einen BergwdecFels mit gespaltenen Spitzen zu bezeichnen, welches, nur Hohel, 2,1 7 vorkommt: Behre um, werde wie ein Rehe, mein Freund, oder wie ein sniiger pirsch azjsiden Gcheidcbergen. Dao Scheiöebockchen, des —s, plur. ut aom.üoZ. im Hut- tenögue, ein Böckchen oder kleines Gestell, worauf der Scheidekolben zu denGoldvroben gesetzet wird. . Der Scheiöebrref, des—es, plur. die—e^ey den altem Juden, eine Urkunde, durch welche ein Maun, wenn ersich von seiner Ehcgattinn scheiden wollte, sie von sich entlief, und ihr erlaubte einen andern zu Heimchen. Im Tatian kommt dafür der Ausdruck Luett tliauLtribes vor. Ehedem wurde auch das schriftliche Err-nrtheil des Richters, wodurch der Streit zwischen zwey Pärteyen entschieden wurde, der Scheidebrief genannt. Das ScyeLheeisen, des—s,.plur. utaom. lluz. im Bergbaue, der Hammer, womit das Erz auf der Scheidebarrk geschieden wird, und welcher auch der Scheidefaustel heißt. Das Gcherdeerz, des — es, plur. doch nur von Mehrern Arten - ,oder Quantitäten, die-—e, eben daselbst, das geschiedene, d. i. von dem tauben abgesonderte, gute Erz. LerTcheiLefättstcl/des—2, plur. ut uom. liuZ. S.Scher- deeisen« . - . Das Schsiöetzlas, des—es, plur. die—glä'ser, m der Chemie, ein gläsernes Gefäß in Gestalteirres Trichters, flüssige Körper vermittelst desselben von einander zu scheiden ; der Scheide- Trichter. Der Scheidehaken, des—s, plur. ut nom. liuZ. an der Dezenscheidc, derjenige Haken, vermittelst dessen.die Scheide an HkM Gehänge fest sitzet« Dsr Scheidechtttze, des —u, plur. die —n , im Bcrgbaue. Knaben, welche znni Scheiden des Erzes gebraucht werden. Der Schrrdekamm, des—es, plur. die—kämme, bep de» Kattunwebern, riir viereckiger, länglicher, hölzerner Rahmen, mit .engen, parallelen Sprossen, wodurch die Kette auf den Weberstnhl crufgebanmct wird; der Rierl-kamm. Der Scheidekolben, des—s, plur. utuom. lloZ. in drrChe- mie und im Hüttenbaue, ein Kolben, d. i. eimweitbauchiges, lästg- hälstges, gläsernes Gefäß, das Gold,darin von dem Silber vermittelst des'Schcidewassecs zu scheiden. Die Gcheidekunst, plur. laus, die Kunst, die nalürlich-n Körper durch Hülfe desFeuers oder andererAustösnngsmittel von einander zu scheiden, sie in ihre Bestandtheile aufznlösen, und sie mit einander zu Verbünden; die stlhymie, oder wie andere lieber wollen, die Chemie. .Allein Gchelderiiristler für Chpmicrrs isi noch nicht so üblich, noch ltzcniger aber das unschickliche scheid,»- künstlerisch für chemisch. Dis Scheidelatte, plur. die — n, im Brrgbane, Stangen oder Latte», welche in der Mitte eines Schachtes anf-dieTonneiibretcr geheftet werden, damit die Kübel im Auf- oder Niedcrgehen einander nicht hindern, weil sie dadurch von einander gleichsam g- schieden werden. ^Dev SHeröemarM, des—es, plur. die — Manner, ein ungewöhnliches Wort, welches für Schiedsrichter Hiob 9, ZZvor- kommt. G. Scheidemeister. DasSchel-cmehL, des—es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die—< im Bergbaue, dasjenige, was - bey dem Scheiden des Erzes in Gestalt eines Mehles oder Stlni- bes abgrhct. Der Scheidemeister, des—s, plur. ut 20m. lluZ. in de« Saljwerke zu Halle, derjenige, welcher die Lhalleutc, wen« sie bey ihren Ergetzlichkeiten in Streit gerathen, vertraget, rmd ihren Streit auf der Stelle entscheidet; der Schiedsrichter. Die Scheidemünze, plur. die — n, kleine Münze, im Gegensätze der harten, groben; vermuthlich weil sie erst ttachEmfiihrmig der letzter« geschlagen wurde, um den Käufer und Verkäufer im Handel und Wandel in Kleinigkeiten Zu scheiden. Es gehören dahin die kleinen Münzen von dem Haller an bis zu den Doppel- groschen, oder nach andern gar bis zu den ein Sechstel Stücken. Scheiden, verb. IrrsZ. act. et NLutr.Zmperf. ich schied ; Mit- telw. geschieden; Jmper. scheide.- Um die sämmtlichen, dem Anscheine nach sosehr verschiedenen Bedeutungen dieses Wortes und seiner Abkömmlinge begreiflich zu machen, muß man bis auf den ersten Ursprung zurück gehen, da cs, so wie alle Wörter, eine unmittelbare Nachahmung eines gewissen Lantes ist, der aber meh- rern ganz verschiedenen Handlungen zukommt. i)DemSprechen, Reden, Uxtheilen u.s. s. von welcher veralteten Bedeutung noch sehr viele ÜberresteLorhanden sind,wieatts rmsecm Bescheid,dem Zeitworte bescheiden, entscheiden u. a. m. erhellet. Bey dem Notker heißt einTraumdeuterlboum lceickerepuiddieTeaum- deutung Iroum sceilch. s) Des Laufens, des Rennens; eine im Hochdeutschen gleichfalls veraltete Bedeutung, von welcher im Schwed, noch Lkecke, und im Island. Llrsirtt, den Lauf, die Reise, bedeutet. Lkeicka war imSchwed. ehedem auf der Rennbahn laufen. Unser schießen, Rieders, schetcn, ist genau damit verwandt, und nnr das Jntensivum davon, z) Des Schneidens, Spaltens, TheilenS, Zerbrcchens u. s. f. in welcher es ehedrrnfiir spalten gebraucht wurde, welche Bedeutung noch in uusermScheit übrig ist. Das Grrech. und Lat. leiuck», lcickj, sind genau damit verwandt, so wre unser scheitern, welches das Fre- quentativum oder Jntensivum davon ist. Vermuthlich gehöretaiich schaden dahin. Vor l dieser letzten Bedeutung stammen, Machst ^Z97 Sch e die noch heutigen Arten des Gebrauches dieses Zeitwortes assEs ist aber I. Ein Neutrum, welches das Hnlfswort seyn erfordert, sich auflange oder doch geraume Zeit von jemanden entfernen; eine Bedeutung, welche in dem gemeinen Sprachgebranchc zu veralten airfäligt, und von dcnDichtern noch anrhanfigsten grbrauchtwird. Der Engel schied von ihr, Lue. r, 38. Da er sie segnete, schied er von ihnen, Luc. 24,51. Darnach schied Paulus von Athen, Apostelgcsch. 13, i. (S. 2tbschied.)7tns diesem Leben scheiden, hinnen scheiden, zwey noch in der feyerlichen Schreibart für sterben übliche Ausdrucke. (Siehe Abschcidcn und Vcricheidsn.) Man kann diese Bedeutung füglich als cineFigur der folgenden des Trennens, Absouderns, anschen; allein sic kann Mich von der vorhin gedachten veralteten Bedeutung des Laufens abstammcn, wovon der Begriff der Entfernung gleichfalls eine Figur seyn kann» Noch ein anderer neutralerGchrauch,welcherEinMahlin Luthers Bibel vorkommt, ist jetzt im Hochdeutschen ungewöhnlich-, das Loos scheidet zwischen den Mächtigen, Sprichw. 18,18 ; wo es für entscheiden zu sichen scheinet, und alsdann zu der »ben gedachten ersten Bedeutung gehören würde. H. ErnActivnm, zwey Dinge oder die Theile eines Dinge» dem Räume nach von einander entfernen. Da dieses auf verschiedene Art geschehen kann, so wird dieses Zeitwort auch in mehrere Fällen gebraucht. 1. Durch gewaltsameTrennung öesZusammenhangeseine jetzt veraltete Bedeutung,in welcher es aber ehedem für schneiden, spalten n. s. f. üblich gewesen seyn muß, welche Handlungen es durch Nachahmung des damit verbundenenSchalles ausgedrncket hat. Das alte Lat. scsclo für l'cinci o, wovon noch das Perfect» lcisii abstammet, das Griech, und unser schaden selbst, sind genau damit verwandt. Cs scheinet auch, daß ehedem eür. Jnkensivum scheiten gangbar gewesen seyn muß, wovon noch Scheit und das Frcguentarivum oder neue Intensivum scheitern übrig sind. 2. In jetzt gewöhnlicher»: Verstände scheidet man jetzt: 1) Was einem andern Dinge örtlich oder räumlich nahe ist. (a) Durch örtliche Entfernung. Dahin gehöret besonders das Reciprocnm sich scheiden, wenn sich zwey Personen auf geraunte Zeit,oder in einem weiten Raume von einander entfernen; wo es zunächst von dem vorigen Ncutrvübznstammen scheinet. Zreunde scheiden sich, wenn sie von einander reisen. Wir müssen uns scheiden. (S. Abschied.) In einigen wenigen Fällen auch als ..in Activum, wohin auch der figürliche Gebrauch gehöret; eure Untugenden scheiden euch und eucrnEort von einander, Ej. 59, -- (b) Durch Setzung einer Gränze, Bestimmung der Schranke» ^ mir nvchIrrwcrlen» Wie der 6crr Israel und Egypten scheide,. 2 Mos. 11,7. Hier scheidet sich das Land, hier has cs seine ' Granzen. Die Alpen scheiden Italien von Deutschland. Lichter an der §este des Fimmels, die da scheiden Tag und Nacht, 1 Mos. 1,14. Die Wand scheidet gnn Zimmer von dem andern» 2) Was'mit einem andern Dings verbunden ist; wo es doch nur im figürlichen Verstände gebraucht wird. Was Gott zusammen fügt, soll der Mensch r>icht scheinen, Matth. 19, 8». Der Tod must mich und dich scheiden, Ruch. >, 17. Da nun Loch sich von Abraham geschieden hatte, 1 Mössl 3, r-4; wo zugleich r.e, örtliche Entfernung mit eintritr. Zwey Eheleute voneinander scheiden, die eheliche Verbindung zu i sch. n ihnen aufüe- bcn. E'n Ehepaar von T i sch und Bett scheiden. ^Dahcr die Ehescheidung. Zwey Da'ufslerite scheiden sich, wenn sie vorher SLmchnschosilich gehandelt haben, und diese Verbindung aufhiben. Wir sind ZsschirdinsLeute. Wenn sich Leib und Seele scheidet. S ch e IM 3) Was nur eine und eben dieselbe Masse ansmachch (a) Durch bloße Trennung des Zusammenhanges; nur noch in einigen Fällen für trennen. Die dicken Wolken scheiden sich, daß cs Helle werde, Hiob 3 7, 1 r. Die Milch scheidet sich, sagt man in vielen Gegenden , wenn sie gerinnet, wofür manm andern das Jnkensivum sich schütten gebraucht, (b) Durch Trennung des Zusammenhanges und Absonderung der fremdartigen Theile; in welchem Verstände es am häufigsten gebraucht wird^ da man denn das scheidet, was vermischt war, welches wieder auf mancherlei, Arr geschehen kann. Gottscheidctefschied) das Licht von der 5insieruiß, 1 Mos. 1,4, > 8, Zu dem Bergbaus wird das Er; geschieden, wenn das gute Erz mit dem Hammer Voit dem tauben Gesteine oder geringhaltigen Erze abgeschlagen wird. Das Gold von dem Silber, das Bley von dem Tupfes scheiden, so wohl durch Schmelzung, als auch durch Scherde- rvasscr oder andere Auflösungsmirtel. (Siehe Scheidekunst.), (c) *Dürch Theilnng m mehrere Theile; eine v. raltcte Bedeutung. Du sollst die Gränze deines Landes in drey Kreise scheiden, L Mos. 1 3. Doch sagt ma-> noch, hier scheidet sich der Weg; wo aber zugleich der Begriff der räumlichen Entfernung mit eintritt. S. Scheideweg und Wegescheide. ^ 4) Was vorher nur einen und eben denselben Haufen, sine und eben dieselbe Menge ausmüchte, vvn fremdartigen, mit einander vermischten Dingen. Die Schafe von den Locken scheiden, Matth. 25, 52. Das Gute von dem Bösen scheiden. 5) *Was verworren war; eine imHochdeutschen gleichfalls veraltete Bedeutung, iu welcher ruan im Niedersäch fischen noch im figürlichen Verstände sagt, einen Streit scheiden,für entscheiden. Las Recht soll uns scheiden. S. Schiedsrichter^, So allch die Scheidung in den rhätigen Vcdentungeu,.dagegen das Hauptwort von dem Nentro und Reciproco das Scheiden Heißt. Anm.i. Luther gebraucht dieses ZeitworteinigeMahl regulär. Da scheidere Gott das Licht von der Zinsterniß, 1 Mos. 1, 4. Also scheidet? sich ein Bruder von dem andern, Kap. 1 z, r i. Daschcidete Iacob die Lammer, Kap. 30, 4. Stosch leitet daraus die Regel her, daß dieses Zeitwort, wenn es mi eigent- l ich en Bo r stände von körperliche» Dingen gebraucht wird,regulär, im figürlichen Verstände aber irregulär abgewandele werde. Allein diese Regel ist so wohl wider die An a lost e, als auch wider den Gebrauch. Luther sslbst beobachtet sie nicht. Da nun Loch sich von Abraham geschieden hakte, 1 Mos. 13, 14 ; in welchem Verstände er doch V. r 1, scheidet? gebraucht hatte. Wit meheerm Rechte könnte inan behaupten, daß das Activum regulär, das Neutrum aber irregulär gehe, welches öey mehrern andern Zeitwörtern Statt findet. Indessen ist doch der Gebrauch auch dawider, denn imHochdcntschen wird dieses ganze Zeitwort durchgängig irregulär abgewandelt. Anm. 2. Schon bry dem Kero kommtlrssirsielen für nnter- . scheiden vor/ Uttfer einfaches scheiden lautet Key dem Ulphilas fjeuistnv, bep dem Dttfried slleisten und srinstLitr, von welcher letzter» jetzt veralteten Form so wohl unser schied, geschieden, als auch die Ableitungen Abschied, Unterschied, Schiedsrichter ,1. s. s. übrig sind; im Rieders, schedrn und mir der dieserMnndart gewöhnlichen Ausstoßung des d scheenstm Angels. lcuciuvsitzeL' stett. Im Lettischen isilkaituu ich lese aus , wähle. )ie Gchesdepresss, plur. die—n, bey den Sch wertkergern,eine Presse, die schwarzen Degeüscheidcn Hamit bunt zu pressen. !er7 Gcheiöer, des—s, -plur. ut vom. Famin. die Scheiderinn, eine Person, welche scheidet. So werden im Berg. baue diejenigen Arbeiter, welche das Erz mit dem Schridcfeustel scheiden, Scheider genannt, In einigen Gegenden hat man auch Tttt 2. . - auf »Zyy S che Luf den MaMühlea Scheider, welche vetmuchlich das gemahlene Mehl'sieben. Gv auch die ZusammenftHrmgen Markscheider, Gränzscherder, Landscheider. Die Scheidestuhe, ?lur. die—n, im Bergbsue, eine Stube, worin das Scheiden des Erzes verrichtet wird. Der Scheröetrlchter, des —s, xlur.utnom. liv§. G. Schei- doglas. Die Scheiöervan-, plur. die—wände, eine Wand, welche zwey Zimmer von Einander scheidet. Im Bergbauc hingegen ist es ein großer flacher Stein, odereine eiserne Platte, auf welcher das Erz geschieden wird. Das Gcheiöewüsserches —s, plrrr. doch nur von Mehrern Arten oder Quantitäten, ut onin. ein Wasser, d. i. flüssiger Körper, zwey mit einander vermischte Metalle durch die Auflösung von einander zu scheiden. Im engste» und gewöhnlichsten Verstände führet ein aus der Vitriol-und Salpeter-Sänre zusam- men gesetzter Spiritus den Rahmen des Scheidewsssers, weil er sehr häufig zur Scheidung des Silbers von andern Metallen gts- brauchravird; Lat. sortis. < Der StcheiöeweA, des —es, plur. die —e, derQrt, wo sich zwey oder mehrere Wege scheiden, wo sich ein Weg in zwey oder mehrere auf verschiedene Qrte führende Wege Lheilet. In BoxhornS Glossen kivvicki. Das Scheidewerk, des —es, plur. inuss im Bergbaue, eine taube Stewart, welche in den Gängen mit rinbricht, und vvr- -nehmlich von dem Erze geschieden werden muß. Der Schein, des—es,p-ur.inus. von dem Zcitworte scheinen, r. Der Zustand des Schemens, doch nur zuweilen in engerer Bedeutung, von dem Zustande, da ein leuchtender Körper sichtbar ist. So sagt man z. B. wir haben Mondschein, Sonnenschein, wenn das Helle Licht dieser Himmelskörper ohne Hinderniß gesehen wird. Dahin gehöret den» auch die bey denÄstrologen übliche Bedeutung, wo der Schein der Stand eines Planeten im Ver- hällniß gegen andere ist, die Art und Weise, wie er mit und gegen andere gesehen wird; der Aspect. Der gedritte Schein, wenn - zwey Planeten 120 Gradwon einander stehen; der gevierte Schein, wenn die Entfernung 90 Grad beträgt; der gesechste Schein, wenn fie.60 Gr«d ist. (S. auch Gegenschein.) Zn wer- lerer und figürlicher Bedeutung sagte man ehedem Schein werden, fürentstehen, Schein thun, erzeigen, erweisen ; woraus die Verwandtschaft mit seyn und geschehen erhellet. S. auch Vorschein und Erscheinen. / 2 . Dasjenige, was an einem Körper gesehen wird; doch nur in einigen Fällen. i) Eigentlich. DaShelleLicht eines leuchtenden Körpers, so fern es durch das Gesicht empfunden wird. Einen Schein von sich geben. Sonne und Mond werden ihren Schein verlieren, Matth. 24, s 9. Oer Mondenschcin, Sonnenscheins Bey dem blaffen Scheine einer Lampe. Der Schein des 8euers, des LichOs. Das Licht gibt einen Hellen , einen schwachen Schein. Ein Schein amäimmel, ein leuchtendes, übrigens unbekanntes Wesen. Der Nordschcin, wiedcrschein. Juden meisten Fällen, die Zusammensetzungen ausgenommen, hat das Wort Schein etwas unedles an sich; wenigstens gebraucht man in den edler» Schreibarten dafür oft liebes Licht und Glanz, obgleich dieses letztere nur zuweilen mit Schein gleichbedeutend ist» Ehedem gebrauchte man aber Schein auch für Glanz von nicht leuchtenden Körpern. Oer Lluomen 82^10, einer der Schwäbischen Dichter. In engerer Bedeutung wird' die veränderliche Gestalt des Mondes in einigen Gegenden der Schein genannt, der in andern das Licht heißt. Der n^ue Schein, der Nennrond, Das neue Licht. So auch der alte Schein, der volle Schein. Sch e 1490 Zm engsten Verstände ist in der Astrologie Schern der Neumond, doch nur in den Zusammensetzungen Jannerschei,r, Zornschein, Märzschein u. s. f. der Neumond im Jänner, im Hornung, im März. 2) In weiterer Bedeutung, die Gestalt eines Dinges. (a) * Im eigentlichsten Verstände, die Figur eines Dinges, im Gegensätze seines Wesens; eine veraltete Bedeutung, in weicheres ehedem von dem Bilde,demSchatten der Körper gebraucht wurde. iVliriü ßslelreiiLll aO Sinem^kioclsüoe Das ünlciroöues 8i!äs in einem Zlasse Ael'aoli VlläeArLikciarrmett lm leides Lekine, " Heinr. vonMorungen. In einigen Gegenden sagt man noch, wie ein Schein einher gehen, wie ein Schatten, wie ein Bild ohne körperliches Wesen. Das alte Schemen, ein Schatten, ist genau damit verwandt. I» der noch im gemeinen Leben üblichen R. A. sich mit dem Scheine begnügen müssen, d. i. mit dem bloßen Ansehen, hat es die gleichfalls veraltete Bedeutung des Gehens, (b) Figürlich, das was von einem Dinge in die Sinne fällt, die Art und Weise, wie ein Ding empfunden wird, gemeiniglich, so fern diese Art von der wahren Veschastonheit noch unterschieden, oder derselben entgegen gesetzet ist. Die Sache hat einen guten, einen bösen Schein. Der äußere Schein gibt«. Allen bösen Gchejn meiden, sich hüthen, damit eine Handlung nicht böse scheine. Der Schein iß betrüglich. Sich von dem Scheine hinkergehen lassen. Etwas nurzrtm Scheine thun, bloß damit es von andern dafür gehalten werde, ohne daß es wirklich das fty, was es zu ftyu scheinet. Unter dem Scheine Rechtens. Unter dem Scheine der Guten. Der Schein ist sehr wider dich. sS. auch Anschein ) Eben diese Bedeutung findet auch in vielen Zusammensetzungen Statt, wo der Schein allemahl der wahren Beschaffenheit eiitgr, gen gesetzet ist. Lin Gcheingut, Scheinchrist, Schei'ngrunä u. s. s. was nur den Schein, dir äußere Gestalt eines Gutes, eines Christen, eines Grundes hat, es aber nicht wirklich ist. z. Dasjenige, was ein anderes Ding sichtbar macht, doch nur. in einem einzigen figürlichen Falle, von einem schriftlichen Zeugnisse einer geschehenen Sache, wo cs im gemeinen Leben von klei- »en, ohne Viele Formalitäten ausgcfertigten schriftlichen Zeugnis sen am üblichsten ist. Jemanden einen Schein geben, eine Quittung über eine bezahlte Geldpost. Einen Schein von sich geben« ausstcllen. Ei» Taufschein, ein schriftliches Zeugniß, daß ciir Kind getauft sey, mit Bestimmung der Zeit, wenn solches geschehen. Oer Trauschein, postsch-nn, Zollschein, Tödtenschem n. s. f. (S. diese Wörter.) Zuweilen ist der Schein im gemeinen Leben auch ein schriftliches Zeugniß des Wohlverhaltens, sowie bey den Kauflcuten auch ein schriftliches Verzeichniß abaelieftrtee Maaren zuweilen ein Schein heißt. In dieser ganzen Beden- > . tuug, in welcher Schein eigentlich einen Beweis bedeutet, ist im gemeine» Leben auch das Diminusivum Scheinehen üblich. S- auch Bescheinigen und Scheinen. Anm. Bey dem Qttfried woraus die Verwandtschaft mit Schimmer und Schemen erhallet, bey dem.Notker 8!runo, - im Engl. Lllirre, im Schwed. 8keo, im Hebe. Jm Pohln. ist Orin der Tag. S. Scheinen. Scheinbar, —er, —ste, aclj. et welches nach MaßgobiM des Hauptwortes Schein verschiedene Bedeutungen hat. l.* Was sehr merklich gesehen wird, für augenscheinlich; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, in welcher Lcunidör schon vey dem Notker voxkommt, Liebt nicht mü Morten nur allein Laßt eure Liebe scheinbar feyn, Durch wahrrn Mund und rechteThatcn,Dptß. 140 * i Sche 1402 gemeinen Leben einiger Gegenden ist bas verlängerte schell Irlich noch in diesem Verstände gangbar. Gott hat ihn schenr- barlich gestraft. Em schöinbarliches Wunder. Beydes für augenscheinlich. Ottfeied gebraucht dafür das gleichfalls * waltete seinüakr. 2. Was einen Schein, d. i. ein Helles Licht hat. - Eigentlich; wo es gleichfalls veraltetift. 2) figürlich, ein gutes äußeres Ansehen habend; in welchem Verstände es noch hin und wieder gcbranchtwird. Einewaare scheinbar machen, ihr ein gutes äußeres Ansehen geben- auch der Gegensatz unscheinbar. Nach einer noch weitern Figur gebraucht Notker jcinbnr fnr berühmt, z. Den Schein von etwas habend, ohne eS wirklich zu seyn,«nd in engerer Bedeutung, den Schein derWahr- heit habend. Die scheinbare Unschuld des Spieles verleitete rhn iur Sicherheit. Sie stand in einer scheinbaren Verlegenheit auf. Ein scheinbarer Vorwand, eine scheinbare Ennchuldi- auna, scheinbare Gründe. Eine scheinbare Tugend. Der scheinbare Ort eines Sternes, der Ort, wo der Srern gesehen wird aus welchem er uns in die Augen fällt; im Gegensätze des wahren Ortes, wo er wirklich befindlich ist. In allen diesen Fällen wird Schein, dem was die Sache wirklich ist, mehr oder wertiger entgegen gesetzet. ^ ^ ... ^ « Die Scheinbarksit, plur. inus. der Zustand, die Eigenschaft, ba ein Ding scheinbar ist, in allen obigen Bedeutungen. LerSchembeFriff, des—es, plur.die-e, em Laut, welcher einen Gedanken bey sich zu führen scheinet, aber nicht wirklich De^ Scheinbchelf, des—es. plur.die—e, eine Entschuldi- an,.-;, einer böstu Sache einen guten Schein zu geben. Der Sch«mbeweis,des—es,plur. die-e, e,nSatz, welche» den Schein eines richtigen Beweises hat, aber un Grunde das nicht beweiset, waS er beweisen soll. Jngleichen, ern Beweis, welcher nur zum Scheine geführet wird. -, Ler Gcheinchrist, des-en, piur. die-en, ein Mensch, wel- cher stch bloß im Äußernden Vorschriften des Christeuthumc- gemäß bezeiget; im Gegensätze des wahren Thrrsten. Das Gchein-rnF, des—es, xstur. die—e, was nur den Schein der Möglichkeit hat, in der Thal aber incht scyn kann. DieGcheinehre, vlur.inus. ein Vorzug, welcher den Schein einer Ehre hat. ohne es wirklich zu styn. ^ Schemen, verlo. irreg. osulr. Jmperf. ich schien; Mittelw. geschienen; Imperat. scheine. Es wird mit dem Hülssworle haben abg-wandelr, imd bedeiuet, . r. Ein Helles bleibendes Lichc um sich geben, oder m engerm Verstände, wegen seines Hellen ^leibenden Lichtes sichtbar;eyn. In diesem Verstände sagt man, der Mond tcheinet, wenn er mit hellem Lichte sichtbar ist; die Sonne kann vor dem Nebel - nicht scheinen. Gott machte Lichter, daß sie schienen auf Erden, 1 Mos 1,15, r 7. Oie Sonne scheinet warm. Die Sonne schien durch das.Glas. Das Mittelwort schemend, ein scheinend Licht,Joh. 1, 35, ist in dieser Bedeutung im Hochdeutschen ungewöhnlich. Das ganze Zeitwort wird jetzt mchr mehr rn dem Umfange gebraucht, in welchem es wohl ehedem üblich war. Von dem Feuer, von dem Blitze, von den Sternen, von einem Lichte wird es, einige gemeine Sprecharteil ausgenommen, nicht mehr gesagt, ob mau gleich das pguptwdrt Schein noch son denselben / gebraucht. Ehedem war es anders, la icti mearsrao Lhure, Ottfr. bey stammendem Feuer. Der Blitz scheinet vom Aufgang biszum Niedergang, Matth. 2 g, 17. für leuchceu. Sein Blitz schemet auf die Enden der Erden, Hiob 3 7 , 3 - Wohin auch d-e figürlichen Ausdrucke gehören, die Seligen werden Helle scheinen, Offenb. A, 7 ; meine Lehre scheinet ferne, 'chN'. 24, 44 ; für leuchten, glänzen« , 2. Figürlich, ch)*Deutlich, erweislich iseröett: eine veraltete Bedeutung, für welche jetzt erscheinen, noch mehr abeeevhell-ir üblich ,ft. wie aus den Büchern scheint, Opitz. 2) Auf eine gewisse Art unmittelbar empfunden werden, ohne daß eben hie Sache so sey, wie sie unmittelbar empfunden wird; ja oft wird dieses Scheinen oder diese unmittelbare Empfindung dem Sepn, der wahren Beschaffenheit, entgegen gesetzct. Es ist in dieser Bedeutuiig auf eine doppelte Art üblich; in brydeu stehet die Person, wenn solche ausgedrnckt wird, in der dritten Endung. (a) Als eüi persönliches Zeitwort. Die Sonne scheinet uns klein zu sepn, und ist doch sehr groß. Ein anders ist etwas scheinen, und ein anders etwas sepn. Die Hastete scheint guk zu sepn. Gelehrt scheinen wollen. Auf daß fie vör den Menschen scheinen, daß sie fasten, Matth. 6 , 16. Ein fromm scheinender Mensch. Zede Stunde scheint ihm eine traurige Wtn- ternacht, Geßn. Daß.lch einige Augenblicke ganz fühllos geschienenhabe, Gell. Die Freundschaft scheint mir in der That besser, t bcnd. Zu welcher persönlichen Form nur harte und unrichtige Verbirrdungen vermieden werden müssen. Z. B. Die Streitigkeiten scheinen noch so bald nicht bepgslegt zu werden; für: es scheinet, daß die Streitigkeiten noch so bald nicht werden bepgelegt werden, (b) Als ein unpersönliches Zeitwort. Es scheinet, daß cs regnen wolle, oder als wollce es regnen. Es scheinet, daß es nichts helfen werde, oder er werde, nichts helfen, als wenn es nichts helfen werde, als werde es nichts helfen. Es scheinet mir nicht so. Wie es scheinet, so befindet er sich noch wohl. Anm. In der ersten Bedeutung schon im Isidor, key dem Kern, Ottsried u. s. s. lckeioau, l'kinan, (von welcher letzter« Form x unserJmperfect und Mittelwort ist,) ben dem UlphilasskeiuLu, im Rieders. schinenstmEngl.ro skine, im Schwed.skstuA- Unser schön. Sonne, sehen, (im Schwed, istskönjs sehen,) schimmern, das Gricch. dasLat. l-ointiüu, das Ital.lem- diure, lenahrare, u. a. m. sind genau damit verwandt« Ehedem war es auch als ein Activnm üblich, welches eigentlich sichtbar machen, hernach zeigen, weisen und beweisen bedeutete, i» welchem Verstände es noch bey demOttfried und Willeram kommt. Das Island. I'kiuu bedeutet noch jetzt zeigen, und unser Schern, ein schriftliches Zeugniß, und bescheinigen, sind noch Überbleibsel davon; das letztereist vermöge der Endung —igen,^ ein Jntensivum von scheinen. Unser scheinen selbst ist nur eine, vermittelst der gewöhnlichen intensiven Endung—neu, abgelei- teteForm von einem veralteten scheren, scheen, schien, welches ursprünglich eine Nachahmung einer schnellen zischenden Bewegung war, und wovon unter andern auch unser geschehen und sepn abstammen. Mit dieser Bedeutung ist die dos Entstehens genau verwandt, daher das abgeleitete erscheinen auch gegenwärtig , werden bedeutet. Der Gegensatz verscheinen ist noch im Nieder- sächfischeil für vergehen, verschwinden üblich. Das Licht, der Glanz, ist m allen Sprachen eine Figur dpr schneuz, leichten Be- tvcgung. obgleich die ersten Erfinder der Sprachen wohl nicht gewußthaben daßdieZewegnngdesLichtcs die schuelleste in derNa- - tue ist. Daher stammet denn die Bedeutung des sichtbar Werdens, und besonders vermittelst eines eigenen Lichtes, her, welche auch in uuserm schön zum Grunde liegt. Uute^dcn Landlenten Meißens ist noch eine sonst ungewöhnliche Bedeutung im Gauge, nach Melcher mau vonchem Getreide sagt, -aß es scheine, wenn es vor der Zeit und ehe es noch kernet, zu Stroh wird, uud alsdann leer ist. Ohne Zweckel gehötet cs hierzu dem schon gedachten Nie- dersäch'fischtil Vorscheinen, vergehen, verschwinden. Die Gcheinfe-er. plur. die — n an den Deutschen Schlössern, das Gehäuse, welches die wahre Feder verbirgt. L t t t z Der Sch e DerGchernfreunö , des — cs, plur. die—e, derfenige, wel, chcr nur den schein eines Freundes he»», ohne es wirklich zu seyn. Uns spricht der Scheinfrennd , so wie du. Allein bey guten Tagen zu, Haaed^ Der Schernylcrufie, des—ns, plur. eur. in der Theologie, ein Vertrauen auf Gott, welches den Schein des wahren Glaubens hat, cS aber nicht ist. DeLGcherngrunH, des—es, plur. die—gründe, ein Grund in figürlichem Verstände, welcher bey dem ersten Anblicke gut zu fepn scheii!atz oder eine Handlung,welche einW.derspruch zu sepu, d.u. sich oder ein andcresDmg. aisszuheden scheinet, es aber im Zusaurmeil- hange irrchl ist. D as Sche-nw orch des — es, plur. die—e, nr-:d — worttr, t'S.Wort,) ein oder m.-hrere Laute, welche rin Wort zu ftpu jchc>ivr:»i, a„e! ocy genauerer llntcrfilchung keuirn vernüustigen Begriff enrhaltea. -fDreSchelßbsere.plur. die —n, in den niedrigrn Sprechartcn, cur Nähme sehr vieler s»rteu .Beeren, und der Stauden, welche sie tragen, welche letzter n alsdann auch wohl ScHeißheechslz cd»r tz heißbeerSaude genanntDerd-n.. Die vornchn.sten bkrsillun sind r r) Die Äpe.rzocece, ,oeren Staude -.ey Brenzdorn oder Sch e 1404 Megedsrn genannt wird, llllLmnus cutlvurkicus I,, aus wclchrn dasGastgrün bereitet wird. 2) Die verwandte Zaulbecre klhu^nus krnugulu I-. Z) Die Beeren des Hartriegels,Lor^ ttu- siuvZuinew 1 ^. w.elche in manchen Gegenden unter dernNüh« men der Horlskcn mrd Hcrnsken bekannt sind. 4) Die Zaim, oderHeckenfirschechouicerL X^lolleuru G.dcrenSrrüuch und Hestz auch Beinholz genannt wird. 5) Die Mehl- odrrGchlina- becr c, Viduruum l_.LvIuvn l,. und 6) der verwandte Lach- vdecwasserhohlnnder, Viduruus Opuluslfl. Anm. Wril das Holz rinigcr dieser Etaudenartmr gnte Kohlen für das Schießpulver gibt, so glauben viele, daß der Nähme aus Schreßbeere verderbt worden. Allein Hey vielen ist er gewiß älter, , .p- als die Erfindung des Schießpulvers. Es ist daher glaublicher, daß drr üble Geschmack einiger dieserVccren, und bey andern jh. re pnrgirende Kraft bey einem übermäßigen Gebrauche, zu ihrer Benennung Anlaß gegeben, welche indessen, wie schon gesagt wor, den, nur unter dem großen Haufen gangbar ist. chDre Scheiße, plur. cur. in den iiiedr.-gsteuSprecharteir, so wvhk Mensche» - und Thierkoch, besonders vsn dünnerer Art, und iu weiterm Verstände ein jeder Koch, als auch der Durchfall. s Scheißen,, verb. irroZ. uct. Jmperf. ich schiß, Mittelw. geschissen ; Jmperat. scheiße; den Uurath auS den Därmen in flüs-' siger Gestalt ^nd mit einem gewissen Schalle von sich geben, wel, chen dieses Wort nachahmet, und in weiterer Bedeutung, de» Überrest von verdauten Speisen durch gewöhnlichen Stuhlgang ^ von sich geben. Es ist nur noch den niedrigsten estib ungesittetsten Sprecharten eigen ; anständigere haben es wegen der schmutzigen Dnomatopöie längst veralten lassen. Eben dieß gilt auch von allen Ableitungen und Zusammensetzungen, z. B. schcißangst und fcheißbange, im hohen Grade angst und bange, Scheißer,Scher- ßorey, Gcheißhaus, Scheißmatz, Scheißdreck, Schiß u. s. s. welche daher auch hier keine weitere Stelle verdienen. Anm. Im Schwabensp. Icttrrrori, im Nieder,', schiten, im Schweb, llvita, iinEugl. vo sj-riresstui Franz, c liier, welches letztere nach Art der Niedersachsen mit Ausstoßung des t gebildet zu seyn scheinet. Da der Laut, welcher in diesem Worte zum Grunde liegt, mehecrn Handlungen eigen ist, so muß man auch schießen, schlitten und bas Nieders. scheuten, spritzen, als Verwandte ansehen, welche anständigere Handlungen bezeichnen, und daher auch ohne allen Anstoß gebraucht werden. >. Der Scherßfcrlk, des — en, plur. die—en, in den gemeinen Speecharte», eine Act Patschfüße in den nördlichsten Gegenden, welche einem Falken ähnlich ist, i-Ünut us ilernorarius A/stn. Der Koch der Rurgegef, einer anderuArt Patschfüße, ist sein größter Leckerbissen, daLer er diesen Vogel so lange in der Luft vre» - folgt und ängstiget, bis er denselben von sich gibt, da er ihn den» sehr geschickt in der Lust aüfzusangeir iveiß. Die Holländischen Schiffleute nennen ihn daher c.nch ^trorttjLeger^GtrlN.tjäger, d. i. Dreckjägcr. Du:s Gcchett, des — es, plur. die—e, in einigen Gegenden, die — er, Dimüutt. dns Schritchen , Dberd. Scheitlein, von dem Zeittvort-e scheiden, in seiner ältesten nnd weiicstcu Bedeutung, da es von allen Arrcn der Trennung des Zusammenhanges gebraucht wurde. -. *Ein Werkzeug, andere Körper damit zu scheiden, d. i., den Zusammenhang ihrer Thrile zu trennen ; eine im Hochdeu-sche-l veraltete Bedeutung, von wclchcr doch noch verschiedene Spuren übrig sind. In dcn'Locharmgischeichchrovinzial-Sprache ist(ühe:le ern Mit Ersen beschlagener Keil, im Schwed. Kn st .'U uv c! d-c Pflugschar,, nrr Irak. Zäüistorrs der Bratspieß, und unserCrab- schert bedeutet noch ein solches Werkzeug zum Graben. Indem" kann cs fl p n, d.aß mal. in den älrm;- einsaitiger! Zeiten sich hart r-n'j'rr -4VZ S chr e 1406 kleserWcrkzeuge eines geschürften oder zugespitztenGcheites in drS sistgendeirVedentung bedient hat, iir welchem Faktes denn auch dah'itt gerechnet werden mußte. > 4. Girr Stück eines Ganzen, eines von denTheilen, in welche kin fester Körper durch gewaltsame Trennung zerstückelt worden. r) Zm.weitesten Vsrstarrde, wo Scheit ehedem für Bruchstück, für ein Trumm gebraucht wurde, uud in einigen Gegenden noch dafür üblich ist. So sagt man irr einigen noch, ein Schiff gehe in Scheiter oder zu Scheitern, wenn es auf den Grund ge- r-äth und von den Wellen zertrümmert wird, wofür im Hochdeutschen das Zeitwort scheitern üblich ist,(S. dasselbe.) 2) In engerer Bedeutung, ein durch Schneiden oder Spalten hervor gebrachtes Stück, da cs denn in einigen Oberdeutschen Gegenden von einem jeden Spane gebraucht wird. Im Hochdeutschen ist es nur in engerer Bedeutung gangbar, wo man ein Stück gespaltcnenHolzes von einer beträchtlichenGröße einGcheü nennet,besonders solches grob gespalrenesHolz, woraus das Klastcrholz bestehet; Niederst Kluft, von klöven, spalten. Scheite schlagen, d. i. durch Spalten hervor bringen. Hol; zu Scheiten schlagen. Ein Brandscheit, ein solches zum Verbrennen bestimmtes Scheit, zum Unterschiede von den Böttcherscheiten. .(S. auch Ternfcheit, Alöppclscheik, Scock'schett, Scheiterhaufe u. s. st) Auch die kleinern für den Herd bestimmten Stücken Brennholzes, welche aus diesen größer». Scheitert gehauen und gespalten werdet;, werden in vielen Gegenden Scheuchen genannt. Z) Figürlich wird zuweilen ein gerades, dickes und mehrcntheils kurzes hölzernes Werkzeug gleichfalls ein Scheit genannt, da rs denn durch einen Vorsatz näher bestimmt werden muß. Das -Rattelscheit ist in einigen Gegenden der Knüttel der Ballenbinder, womit stc die Ballen und Packe zir-sammen ratteln ; das Rnetscheit, einHolz, womit die Bäcker das Kneten verrichten; das äügeschett, im Oberdeutschen, ein Werkzeug der Böttcher; das Richtscheit, ein starkes Lineal der Werkleute, und i» weiterer Bedeutung oft ein jedesLineal. Bey den Webern wird der untere dickere Theil der -Lade, welcher dem Zlmge derselben einen schweren Schwung mit- theilet, das Schelk genannt, und in der Schweiz hieß ehedem eine Muskete das Gchießscheik. Ohne Zweifel, weil mau sich anfänglich zu allen diesen Werkzeugen eines gespaltenen und gröblich bearbeitete» Stückes Holzes bediencte. Anni. In der zwevten enoern Bedeutung eines Stückes gespaltenen Holzes, im Angeist 6i, im Engl. Lckicke, im Schwed. 8!cick, im Island. 8lcicke, im Jtal. 8e!rexZia. DasGciech. , und die Latein. 8Ltiick!L llnd8cirrciu!.cr (S. Schindel) gepören gleichfalls dahin. Da diesesWort unstreitig von scheiden in seiner weitesten Bedeutung abstammet, so haben viele ans einer übertriebenen Gewissenhaftigkeit dasselbeScheid schreiben wollen, stch aber dadurch aufdas gröblichste an derallgemsinenAussprache versündiget. Ts ist ja nichts gewöhnlicher, als daß in den Ableitungen die verwandten Buchstaben mit einander verwechselt werden. Der Plural Scheiter für Scheue ist nur den gemeinen,besonders Niederdeutschen Mundarten eigen. A«'-' Scheitel, plur. die—n, der oberste Theil des Hauptes, zwischen der Scirn und dem Hinterhaupte, wo stch dirHaupthaa- rezn thellen pflegen, und wovon der Hintere Theil der Wirbel ge- nanittwird. von denänßsohlenbis auf die Scheitel,Hiob. 2, 7. Silbern war sein Haar auf seiner Scheitel und um sejrr R'nu, Geßrr. DieLocke, Die fünfzehn oder sechzehn Jahr , Die Zierde meiner Scheitel war, Rain!. Wo es in der höh-ru Schreibart figürlich für den ganzcnmitHaa- ren bekleidetea THeck des Hauptes gebraucht wird. In noch weiserer Bedeutung wwb?s zuweilen für-ben obersten, gemeink.-üch spitzigen oder runden Theil eines jede u Dutgcs, für den Gipse?, gebraucht, S. Scheitelpunct. Anm. Schon bei) dem Raban Maurus 8 ckeilrin,bep dem Notker Lelleiwia; Im Alieders. Schcdel. Gemeiniglich leitet man dieses Wort von scheiden her, weil stch die Haare daselbst zn scheiden pflegen; eine Ableitung,welche alleWahrscheinlichkeit für sich hat. (S. indessen auch Schedel.) Wenn das Niederst'Schedel auch die kleine Elbogenröhre.bcdeute?, welche im Alt - Fries. Zaiciel heißt, so gehöret es alsdann ohne Zweifel zu Scheide. JmHoch-und Oberdeutschen.ist dieses Wort fast durchgängig weiblichen Geschlechtes. So gebraucht cs auch Luther, 1 Most 49, «6, und in andern Stellen ; dagegen es in einigen in demnn- gewöhnlicheru männlichen vorkommt: sem§reve! wird auf senwn Scheitel fallen, Ps. 7,' 7 . LrrHerr wird denScheitel derToch- ter Zion kahl machen, Es. 3, t 7 - Das Scheitelbein, des—es, xlur. die—e, in dir Anatomie, diejenigen Beine oder Knochen, welche die Scheitel des Hauptes binden, und den ober,», Mittlern und Seitentheil der Beine der Hirnschale einnrhmel'. zGlsÄdreZMctriL^ verticis. Scheiteln, verd.re^. uct. welches nurvon den Haaren aufdcv Scheitel üblich ist. Die Haare scheiteln, sie arffbepden Seite» der Scheitel vermittelst des Kammes therlm. Gescheitelte Haare tragen. Niederst scheteln. Entweder von Scheitel, oder auch als das Jnkenfivum von scheiden ; in welchem Falle es.abervon der Lhcilung in mehrern Fällewüblich seyn müßte, welches mir doch nicht bekannt ist. Der Scheitelpunct, des—es, plur. die—e, in der Astrononrie, ein Punct, welchen man in der unbeweglichen Fläche der Weltkugel senkrecht über seinen Scheitel attnimmt, und welcher mir einem Arabischen Kunstworle auch das Zenich heißt, im Gegensätze des^Vladivs oder Sußpun-tes. In weiterer Bedeutung wird in der Algebra derjenige Punct einer krummen Linie der Scheitelpunct oder die Scheitel genannt,wo derDiameter oder die - Achse dieselbe durchschneidet, so wie mau in derGeometric,snch die Spike eines Winkels, welche derGrundfiäche entgegen gesetzt ist, oder wohl gar einen jeden Punct, wo zwey,Linien einander durck- schneiden, mit diesem Nahmen zu belegen pflegt, da es denn für ' Gipfel oder Spitze-stehet. Gcheitelrecht, ?ckj. et ?äv.rn dcrMathcmati?,aufdemschc»rr- baren Horizonte senkrecht siebend , so daß die gezogene.gerade Linie in den Schutelpunct trifft; mit einem Lateinischen Kunstworte vertical. Einen Mörser scheitelrecht richten. Scheitelrecht oder vertical, und senkrecht oder perpendicular, find zwar zuweilen, aber nicht allemahl einerlep. .Auf eben diese Art könnte man ech.e verticaUZlache, einen vertical- Zrrkel, einen ver^ eical-winkel». s.st eine Scheitelflache, einen Scheitelzirkest einen Scheitelwinkel nennen« Der Scheiterhaufen, des—s, plur. ut eigentlich einjeder aus Holzscheiten bestehender Haufen, wo es doch nur m eugerm Verstände von solchen Haufen dieser Art am üblichsten ist, auf welchen man ehedem die Leicheu verbrannte, jetzt aber «och gewisse Verbrecher zu verbrennen pflegt; der Holzstoß. -Scheitern, verir^A. neutr. welches das Hülfswort ftyn er- fordert, inStncken gehen, zertrümmert werden; am häufigsten vo» den Schiffen, Schifföruch leiden. Das Schiff ist gescheitert, cs scheirerte an einer Dlippe. Ingleichrnfigürlich. DerAnschlag, . das Vorhaben ist gescheitert. Daher das Scheitern. Anm. Im Jtal. scstiLAZisre. Es ist nnfirenig das intenftoe Frequeurativum von dem Neutro scheiden, wie so wohl aus der iterativen Endung — ern, als aus dem intenfiven t statt des weicher» d erhellet. In einigen gemeinen OberdeutschenMnnd- 1407 Sch e arten 'ft es auch als ein Actirum üblich, welches nicht nur zer- 1eLvunern. sondern auch Holz zu Scheiten schlagen, bedeutet. Die Schai/siofte, vlun. die —N, eine Anstalt, durch kvelche das z» Scheiten gichchlazene Brennholz von einem Orte zum andern g. stoßet wird; zum Unterschied-.' van einer Zimmerstcße. Der Gcherthauer, des —L, plttr.utnom. 6nx. ein Arbeiter, inelchee das Holz in den Wälder- zu Scheite« schlaget; der S ch e: r schl äg e v, 6' l) h a u c r, N la ftersch l i>ger. Das Scheitholz, d/ö - cs, jchur. inust das zu Scheiten geschlagene H.-lz; im Gegensätze der- Bauholzes, ganzer Stämme u.s.f. Ein Scheit äo!; hingegen bezeichnet ein Individuum solches Scheitholzes. DüsSchertmäß, des—-es, pi ur. doch nur von mehrern Arten, die—e, dasjenige Maß, welches die Zu Klafterholz bestimmte» Scheite haben müssen. Schel, —er,—este, aci i.et aciv. welches eigentlich schiefbedcutet, hernach aber auch für das verwandte schielend gebraucht wurde ; wenigstens scheint Luther Z Mos. 2 1, -r O es so genommen zu haben: der ein Zell aufdrm Auge hat oder scheel ist; wo es Key Michaelis heißt: in dessen Augen eine unregelmäßige Mischung des Augapfels mit dem Meißen im Auge ist. In dem zu Basel r 52 Z gedruckten N-. Test, wird scheel ausdrücklich durch fchylen,ginnen,übersichtig erkläret. In bcpden Bedeutungen ist es im Hochdeutschen veraltet, wo mau es nur noch im figürlichen Verstände gebraucht, seinen Unwillen durch schiefe und mürrische Blicke au den Tag legend. Schel zu etwas sehen, seine Unzufriedenheit darüber durch mürrische Blicke und Mienen offenbaren. Siehest du darum so scheel, haß ich so gütig bin? Matth.o o, i L. Ein scheler Blich. Die Stutzersahenihn mit schelenAugen an, Zacbar. Anni. Im Oberdeutschen schelch.lm Schweb. lHiß, Niederst schell, im Holland, sclleel, welches nicht nur schief und krumm bedeutet, schelles Zo!;, krummes, schief und schell, schief nud krumm, sondern auch schielend, und figürlich böse/mürrisch, verdrießlich. Im Griech. ist «-«oXtos gleichfalls schief.(S.Schiclen.) Das veraltcteHauptwort Gchele, Uneinigkeit,Zwietracht,Streit, welches noch im Nredersöchsischen üblich ist, scheinet zunächst von schallen abzustammen, (S.Schelten.) Zu einem von beydeu gehöret ver muthl-ch auch das Lat. Lceius. Wer stehet nicht, baß das Franz. Jako u Hs und Jtal. 6 e 1 osta damit überein kommt? Die Schreibart sch al, welche man zuweiletr findet, würde stch eher ver- rheidigen lassen, als die mitzwey e, scheel. Die Scheibe, eine junge Kuh, S. Sch albe. Der Gchelch, des—es, plur. die—e, eiu nur in einigen Oberdeutschen Gegenden, z. B. iu Baiern, übliches Wort, welches einen Kahn bedeutet, und ohne Zweifel zuderVerwandtschaftdes Wortes Schale gehöret; oder such'zunächst von Kelch, in der weitesten Bedeutung, vermittelst des Zischlautes gebildet ist. Die Schelfe, plur.die —n, in den gemeinen Sprrcharlcu einiger Gegenden, die Schale, besonders die weiche biegsame Schale, die Hülse. Wfelschelfcn, Apfelschalcn. Die Schelfen von Erbsen, Bohnen. Wälschen Nüssen u. s. s. Man tritt den wahren Kepn und sättigt sich mit Schelfen, Gümh. Anm, Niederst Schluwe, vermuthlich für Scheluwe. Es ist von Schale nur im Lndiaute uttterschieden,und hat mit demselben den Stammbegriff des hohlen Raumes und dcrVedeckung gemein. Im Nieder-sächsische» war Schelfehedem ein Bret, ein bretcrncs Gerüst, welche Bedeutung das Engl. LllelLmrd Angelst 8cM Zieichfalls har. Zm Schweb, ist 8kach und im Island. 8llal^>c- Lic Scheide. Ohne Zischlaut ist im Grl -H. die äußere LLMMstlde, welches zunächst von gpstM,Mt, H wch Sch e moZ Schale undSchelfe von dem veralteten schelen,bedecken,Schwed, sk^'la. Selbst im Chald. ist ^ und im Syrischen die Fischschuppe, Angels. 8c/Ile. Sch 'lfen,»ud das Intenstvum Schelfern, vsrb. rsZ. gor. m Scheiftn, d. r. dünne Blätter) theil-m ; ein nur in den gemeinen Sprecharten übliches Wort,wv es am häufigsten als ein Recipro- cum gebraucht wird sich schclfen oder schelfern, sich in Blätter oder Schalen absoude- n. Die äaut schelfert sich. Die G-hoUazch, die —arte, m einigen Gegenden, eine stumpft Axt, die. Bänke Steinsalzes damit zu zerschelle,r oder zu zerschlagen. Die S telle, plu r. d,e—n, Dnniirstt. das Schcllchcn, von dem Z-.-itworle schellen, i) Ein Ding, welches schallet, wo es auch unmittelbar von dem Neulro schallen abgeleitet werden kan». Es wird hier nur noch im gemeinen Leben so wohl allein, als auch m dem zusammen gesetzten Maulschelle, von einem Backeustreiche gebrauche, erneu schallenden Schlag an den Backen zu bezeichnen. Und gab chm eine derbe Schelle, Lichtiv. s) Ein Dittg, womit man schellet, ve« dem folgenden Zeitworte. Am weitesten Verstände, wo doch nur die Fessel an Hände« und Füßen zuweilen noch die 6and-8uß-oder Beinschellen genannt werdeu/weil sie in der Bewegung einen klingenden Schall von sich geben. In einigen Gegenden führet auch die Glocke einer Thurm- oder Schlaguhr den Nahmen der Schelle. Am üblichsten ist es ün engstenVerstande von kleinen dünnen,gemeiniglich rundeirGlöck- chen, welche einen schallenden Klang verursacheu. Dergleichen sind die Schlittenschellen, Narrenschellen u. st f. Der Nage die Schelle anhangen, eine gefährliche Sache unternehmen, welch? andere zu thun sich weigern; eine aus Äsops Fabeln herfiaMmei!- de sprichwörtliche Redensart. Die Schellen an den Rieidern, waren ehedem ein Zeichen der Pracht und finden sich von dem Priesterkleide Aarons an, bisticfindie Mittlern Jahrhunderte. Da wo die Schellen klingen, io keZis curia, in dem alten Liede In ckulci llukilc». Nachmühls war dieses Stück derehenrah- ligen Kleiderpracht Herr Hof- und öffentliche» Narren überlassen. Eine Schelle hak, wie schon gesagt worden, gemeiniglich eineku» gelrunde Gestalt mit einem Einschnitte, um dem Schalle Lust zu machen. Nähert sich ein solches Werkzeug mehr der Gestalt der gewöhnlichen Thurmglocken, so nennet man cs im Hochdeutsche» lieber eine Glocke oder ein Glöckchen als eine Schelle. In andern Gegenden heißt auch die kleine Glocke an denThüren eins Schelle, welche man im Hochdeutschen eine Klingel nennet, welches Wort aber nicht bloß die Glocke, sondern ihr ganzes Zugehör bezeichnet. Die Küchenschelle, eine Pflanze, und Schellen in der Deutschen Kärle haben ihren Nahmen ihrer Figur zu danken. Anm.Schon imSalischcn Gesetze ä^e-liastm AugelstLkeUu, im Schweb. 8kä!!,3, im Mittlern Lat. AfclrÄIachm Ztal.Lyuil- la. Im Niederst wird eine Schelle i« der engstem Bedeutung . Pingel und in Baisrn Roklel genannt. Schellen, verb. rex. welches Las Activumbey dem Neutro schallen ist, schallen machen, i) Im weitesten Verstände, wo es ehedem von verschiedenen Handlungen gebraucht wurde, welche mit einem stch merklich auszcichncnLen Schalle verbunden sind. Im Schwedischen ist fkoija aussplile» ; ebendaselbst wird es auch von dem Schlagen der Wellen an das Schiff oder an einen Felsen gebraucht. Wir habe» es in diesem wcitestcn Verstände noch in dem zusammen gesetzte» zerschellen, mit einem merklichen Schalle in Stücke zertrümmern, wohin auch das Niederst kuackschellig oder knäckschcllig, gebrechlich, entkräftet, gehöret. 2) Zu engerer Bedeutung ist schellen,mit Schellen einenSchall heroor bri»» gen. In manchen Gegenden gebraucht man es auch von kleinen M-Ar,. Es schellt jcm^h krr -er TdU, wofür Mir im.HoÄ- ' . ^ - ' dkurjW 4409 Sch e deutschen such klingeln gebraucht. Im gemeinen Leben hat msir däfürarich das Jterativum schellern, so wie schelten eigentlich das Jntenfivum ist. Daher das Schellen. Anni. JmJtal. thu-Nure. Es ist das Activum von schallen- ohnedaß es deswegen eben miteiuem a geschrieben werden mußte. Schwenken, wecken, n. a. m. haben auch ein e, obgleich ihre Neutra schwanken, wachen u. s. f. heißen. Der Schellenüüunr, des—es, plur. die—bäume, der Nähme eines Brasilischen nnd Ostindischen Baumes, dessen Frucht einer Kastanie oder Wassernuß gleicht, aber eine harte klingende Schale hat, daher sich die Brasilianer ihrer auch anstatt der Schellen bedienen; Orberu I>.der Ostindische äerzbaum, Gerbera iVlaa- Ftiss l.,, ist eine Art davon. Das Schellengeläut, des — es, plur. die — e, der Klang mehrerer Schellen; ohne Plural. Am häufigsten das mit Schellen versehene Geschirr, womit die Pferde vor einem Schellenschlitten beleget werden. Die Schellenpflanze, plur.die—n, eine Pflanze, Solana Ist. welche diesen Nahmen vermuthlich wegen der Gestalt ihrer Blrr- men hat. Der Schellenschlitten, des —s, plur. nt nom. lin^. ein Rennschlitten, so fern das davor gespanntcPferd mit einem Schellengeläute beleget wicd. Das Schellenwerst, des—ds, plur.die — c, ein aus Schellen bestehendes Werk. Der Schellfisch , des — es, plur. die —e, eine Art Kabliau oder Dorsch, welcher silberfarbig, und sehr schmackhaft ist, und häusig in derNordsee gefangen wird; Oackus ^ezlellous l-. Er hat den Nahmen ohne Zweifel von seinen zwar kleinen, aber sehr dichten Schuppen, von dem Niederst Schelle, die Schale, und Engl. 8cals, Fischschuppe, Franz. Leaille, Jtal. LeaZtia. Zm Dänischen heißt er Ruller. Der Schellhenyst, des—es, p!ur. die—e, ein zur Zucht, zur Fortpflanzung seines Geschlechtes bestimmter und gehaltener Hengst. Der Schellhengllfchrevet gegen alle Mähren, Sir, 35,6. Häufiger und zugleich richtiger wird dieses Wort Schel- hengir oder Schälhengst geschrieben und gesprochen, obgleich auch für dieses im Hochdeutschen Beschäler üblich ist. Es stammet ohne Zweifel von dem alten schälen oder schclen, decken, her. S, Beschälen und Schelfe. Das Schöllkraut, des — es, plur. i'vus. eine.Pflanze, welche 'einen safrausarbigen scharfen nnd .beißenden Saft gibt, und wovon man mehrere Arten hat; Gllelickonium 4 -. Das groß? Schcllkrant wird auch Maienkraut, großes Schwalbcn- kraut und Schellwurz, das kleine aber auch Heigwavzen- wurz genannt. Da dieses Gewächs auf den Europäischen Ruinen einheimisch ist, so könnte man dessen Nahmen von dem veralteten zerschellen, zertrümmern - herleiten, wenn es nicht wahrscheinlicher wäre, daß der Dcnlsche Nähme mit dem Geiech. und Latein. Gllelräoniuw verwandt ist, indem sich die Hanpr- und Stümmsplbe in bcydcn nur durch das oft zufällige s unterscheidet. Giwlickoniuni und Schwalbenwurz heißt es- weil cs im Frsshliugc blühet, wenn die Schwalben sich sehen lassen. Eine Schwalbe heißt, im Niedersächs. Gwal, woraus leicht Schell werden können. Di« Holländer nennen es 8cbeIZ- ^runt, welche Form jew'M noch ähnlicher ist. Die Nredcr- sachstn nennen es Gchjukrairt, weil cs eine geschundene, d..i.. Ztlchelltc oder verletzie Haut geschwinde heilet.. Frisch glaubt,, öaß es von den Schellen, s. i. keinen Hödlein, an der Wur- benannt worden, daher es in einigen Gegenden auch Bibcr- hodlein heiß/. Auch eincAer des Storchschnabels, Geranium wird in manchen Gegenden kleine Schellwurz nnd klei- Adel.W.B^.Ty.2.^ - ^ , st. " . ^ ^ ^ ^ ,st> . ries Schwalbenkraut genannt, weil es gleichfalls bey Ankmtfö der Schwalben blühet. Der GchelllstrE,des— es, plur. inull eine nur im Niedersäch- fischen übliche Benennung des inTafcln zu uns gebrachten Gummi- Lack; von dem Niederst Schelle, eine Schale, Bret. Die Schellwurz, oder Schellwurzel,plur. Loust. S. GcheL: kraut. r. *Der Schelm, des — es, (Obcrö.öes —en,) plup. die—e, (Oberd.— en,) ein im Hochdeutschen völlig unbekanntes Wort,, welches eigentlich ein abgezogenes todtes Vieh bedenket, in welchem Verstände es noch in Nicdersachscn hin und wieder gangbar, ist, wo seist Pferd zum Schelmen machen-lassen, so viel ist, als- es abdeckcn lassen. Zn weiterer Dedenrung wird es in manchen- Gegenden Oberdeutschlandes von einem jeden Lodten, an Krankheit verstorbenen Körper, auch in verächtllchem Verstände von einem Aase gebraucht. Ein Gchelmengefchnrack, ein AaSgeruch, Hans Sachs. Es stinkt als ein Schelm, Seo. Frank, bep dem Frisch. Der Rab, der aus Noa Arche flog fand viclle'cht einen Schelmen im Wasser streßen, Köntgshof. ebendaselbst. ^ Anrn. Das Zeitwort schelmen, schinden, auch IM figürlichen Verstände, und die Hauptwörter Schelmschrnder-der Abdecker, und Schelmerep, Schinderarbcit, sind im Hochdeutschen eben so fremd. Bedeutete dieses Wort, wie fehrwahrscheinlich ist, eigentlich eiu abgezognes todtes Thier, so würde cs mit schalmen, der Schate, Rinde oder Haut berauben, zu Schale, N.'eoerst Schelle, gehören. Indessen, da das m ein bloßer, seineevBederirrmg nach noch nicht genug bekannter Endlaut ist, Schal oder Gchcl ab>-r gar viele Bedeutungen leidet, worunter besonders die des Übeln Geruchs (S. Schal) oder auch des leblosen todren Zustandes (S. Schellen) in Betrachtung kommen, so sindet immer noch eme schicklichere Ableitung Statt. (S..das folgende.) Im Wallist ist Gelaia ohne Zischlaut gleichfalls ein Aas.. s. *DevGchetm, des — es, oder — en, pftrr. inul. ein auch mrrim gemeinen Leben einiger Gegenden übliches Wort, eine ansteckende tödtliche Seuche, die Pest,.das Viehstetbeu z»i bezeichnen« Schelm oder Sucht odevRcyb, ?slU5, in einem alten Vocabul. Von r 482 Hey dem Fnxh, welcher noch mehrere Bepftüle von dieser Bedeutung ansühoet. Es scheinet, daß sich dieses Wort am südlichsten von schellen, zerschellen, zertrümmern, vernichten, ab- leiten lasse, obgleich Frisch, Wachter und andere dieses und das folgende Worsthloß für figürliche Bedeutungen von Schelm, ein Aas, halten. Z. Der Schelm, des — es , plur. die — e, ein auch noch im Hochdeutschen gangbares Wort, welches daselbst in einem doppelten Verstände vorkommt, r) In einem sehr harten^ da man unter Schelm eigentlich einen seiner Verbrechen wegen ehrlos gemachten Menschen kerstrhct. Jemanden zum Schelm machen, ihn mit gewissen Feverlichreiteii ehrlos machen.. Ihn als einen Schelm wegjagen. Ley den Handwerkern ist der Mißbrauch eingeriffen, jeden, der seine wahre oder eingebildete Schuldigkeit nicht beobachtet,. für einen Schelm und äundsfort, für einen ehrlosen Menschen zu halten. Ein Schelm der weggeher! Indessen hat es im gemeinen Sprachgebrauch«: viel von seiner ersten Härte verloren, wenigstens wird es nicht mehr für so ehrenrührig gehalten als andere Wörter dieser Arr. In werterer Bedeutung ist Schelm ein Mensch, der sich solcher Vergehungen schuldig macht, Well che in der bürgerlichen Gesellschaft die Ehrlosigkeit mit sich führen , dosondors ein Dieb, und grober Bekrieget. Schcime werden , zum Betriege?; ingleichen irr der harten Sprechart ttltwrr für. s ... / r L4l!> Sche Echt !4tL für bankerott werben. Wie ein Schelm handeln, -davon gehen. Der Schelmen argerGriff, damit er uns will fangen, Opitz. Damit entfahrt der Geist dem losenMammonsknechte, Dem jeder um das Grab mit einem Schelmen ziert, Canitz. Diese Abänderung des Schelmen u. f f. ist in der Oberdeutschen Mundart üblicher als in der Hochdeutschen. 2) In gelinderer Bedeutung ist Schelm, so wie Schalk, eine Person, welche einem andern bey einem unschuldig scheinenden allster» Verhallen zu schaden sucht, und in noch gelinderer Bedeutung, welche leicht, fertige Absichten hinterrinem äust-'ru unschuldig scheinenden Betragen zu verbergen weist. Ein loser, leichtfertiger Schelm. Einen Schelm hinter den Ohren haben. Je arger Schelm, je besser Glück. Ein armer Schelm, i,l noch weiterer Bedeutung, cur armer mitleidswnrdiger Mensch. Anm. Im Schwed, und Island. 8leä1tti, imEngl.8ke!!um, Im Pohln 8relma. Frisch, Wachter, Diecerich vonStade, Ihre u. a. m. sehen diesesWort mitEckardten als eineFigiir von Schelm, Aas, an; allein, man wird wohl nicht leicht ein Beyspiel finden, hast in einem Worte von einer so bestimmten Bedeutung, wie Schelm ist, eine so unbestimmte Anspielung zum Grunde liegen sollte. Da es ausgemacht ist, daß von zweyEnd-Consonarlten der letzte allemahl ein En-laut ist, welcher das abgeleitete Wort näher bestimmt, so kommt es hier nur auf die Sylbe Schel an, welche, -a die Selbstlauten unaufhörlich abmechselu, mit Schal.gleichbe- demcnd ist. Schalk und Schelm sind also nur in den Eudlauten unterschieden, und stammen beyde von einer veraltetenBedentung des Zeitwortes schalen und schelen, schellen, ab. Welches diese Bedeutung unter den vielen ist, welche dieses Mort le ..-et, lastr sich nur murhnmßlich bestimmen, weil uns die Genealogie dieses Wortes fehlet. Es kann die geschwinde berrügliche Br-oegi-ing seyn, welche sich besonders zu der zweyten Bedeutung schickt, da sich die erste durch eine ehrlose Flucht erklären läßt. Bey den Krai,torischen Wenden ist lcstnlam ick scherze. Es können aber auch das Lat. Lcesus und Griech. mir urrsecm Schelm verwandt seyn, da denit auch schel und das alte sche.en, fehlen, mangeln, mit zur Verwandtschaft gezogen werden tön,reu. Noch im r 6len Zahrh. bedeutete scheimcn verstümmeln. So sagt der bekannte Dichter, PaulRephuhn, der Übersetzer habe sein Original nicht geschelmet und gcftimmelt. Daß diesesWort ehedem noch andere anständige Bedeutungen gehabt haben müsse, erhellet ans der che- mahligen adeligen Familie der Schelme. Vielleicht hat cs, so wie Schalk, ehedem auch einen Diener bedeutet. S-Gchalk. Schebmerey, plur. die—en, von z Schelm, r) DicFer- "tigkert, jemauden unter einem unschuldig scheinenden äusteru Att. sehen zu hinrergeben; besonders in der zwevten geliuderu Bedeutung, und ohne Plural. 2) Ein solches Betragen, eine solche Handlung selbst; auch nur in der zweytcu gelmdcrn Bedeutung, von dem Hintergehen im Scherze. Schelmisch, —er, —re, aäj. et ackv. von Z Schelm, m der Gesinnung und Fertigkeit eines Schelmes gegründet. , r) Im ersten und harten Ber stände. Ein schelmisches Betragen , im höchsten Grade öetrüzlickes. Schelmischer Weise davon gehen, als ein ehrloser, vorsetzlicher Bctricger. Ein schelmisches Vorhaben. 2) In der zwevten gelinder» Bedeutung,avo es doch nur zuweilen im gemeinen Leben vorkommt. Ver Schelmstreich, des — es, plur. die—e, em schelmischer, "vorsätzlich betriegerischer Streich ; am häufigsten im barten Verstände, zuweilen ober such im gslindern. Einen Schelmstreich he-chen. ' ^ " Das SchclmstüE, des — es, plur. die—e, Diminnt. das Schelmstiickchen, ein listiger Schelmstreich, und iu lveiterrn Verstände, eine jede mir List verbundene böse und boshafte Handlung. Em Gchclmstiick begehen. Zm gemeinen Leben yuch im gelin. der» Verstände, von leichtfertigen, scherzhaften mitListausge. führten Handlungen. Schwed. 8i^cke Lkälm, 8ka!ml^Llc, 8kalk8Ü/c!c. « Die Gchelsucht, plur.car. dieSucht,d.i. ungeordnete heftigeFer. Ligkeit, zu den Vorzügen anderer schel zu sehen; Neid, Eifersucht, Schelsucht, Ungeduld und Wahn, Heißt ihn , sich der Gegend nahn, ' WoElpin den Schritt gethan, Haaed. Auch Galliens vergnügter Sänger Herr den Nachhall nicht ohne Schelsucht, Raml. So auch das Bey. und Ncbenwort schelsricht-g, in dieser Gestn- uung gegründet. S. Schel. Spe lten, verb. irreZ. ael. et neutr. welches im letzter« Falle das Hülfswort haben erfordert; ich schelte, du schiist er schilt; Jmperf. ich schalt, Conj. ich schalte, (ehedeni scholt, scho n;) Mittelw. gescholten; Jmpcr. schilt- Es ist ein vermittelst der intensiven Endung —ten gebildetes Zntcnsioum von schallen und schellen, und bedeutet, 1. Eigentlich einen starken Schall, und in weiterer Bedeutung einen Schall von sich geben und hervor bringen. Diese Bedeutung ist zwar im Hock/dt urschen längst veraltet, indessen kommen doch noch manche Spuren davon vor. Wenn das weibliche Geschl-cht, des Noth- und Tannwildbreres'seine Stimme hören läßt, so Minnen die Jäger solches noch schelten und schalten. Das Schwed, sjcälla, welches mit unstrm schelten gleichbedeutend ist, heißt eigentlich bellen. ' . a. In engerer Bedeutung, nachdrückliche uud lauteWorte von sich hören lassen, mir starker larrrer Stimme sprechen oder reden, besonders voll einzelnen Arten der lauten Nede. 1) * Ernstlich befehlen ; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung Und er schalt das Schilfmeer, da ward cs trocken, Ps. 106, 9. Siehe mit meinem Schelten mache ich das Meer trocken, Es. 2. Vre das Meer schilt und treuge macht, Nahuni. »,4. ^Anklagen; eine gleichfalls veraltete Bedeutung, in welcher Schelte in den vorigen Jahrhunderten mehrmals für Klage verkommt. 3)* Rufen, nennen, welche Bedeutungen im Hochdeutschen auch nicht mehr üblich sind. Im gemeinen Leben einiger Gegenden sagt man noch, jemanden ernen gnädigen Herrn schelten, d.i. ritu- liren; sich Exzellenz schelten lassen, obne daß man dabep a» die folgende fünfte Bedeutung dächte. 4- * Fluchen; eine noch und wieder gangbare Bedeutung. 4 Mos. 2Z, 7, 8 heißt es noch: verstriche mir Iacob, komm schilt Israel. — Wie soll ich fluchen, dem Gott nicht fluchet 2 Ww soll ich schelten, den der Herr nicht schilrk Wo strichen und schelten gleichbedeutend z» seyu scheuien. z) Semen Unwillen durch heftige Wort, au den Tag legen ; so wohl absolute uud als ein Neutrum. Den ganzen Tag schelten. Als auch chätiger Weise mit der vierten Endung derSachc. Jemanden schelten. Christus schalt nicht wieder, da er geschoben ward, » Petr. 2, 2Z-- Jesus schalt ihren Unglauben , Marc. »6, 14. Jemanden einen Schelm schelten, ihn im Unwillen so neunen, wo zugleich die vorige dritte Bedeutung des Rennens mit eintritt. Statt der vierten Endungstudet auch das Neutrum mit dem Vorworte aufSratt. Auf jemanden schelten, seinen Unwillen über ihn durch heftige Worte aus- brechen lassen. In weiterer Bedeutung für tadeln, in welchem Verstände cs noch bin und wieder gehöret wirb. Ich kann e» weder loben noch schelten. Das ist nicht zu schelten. Ein unbescholtener Mann, dem mau nichts Nachtheiliges nachsagen kann. r4r4 i4'Z S ch e kann. Ehedem war ein Urrheil schelten von demselben appeck- reu; im Mittlern Lat. blachkeniarbsFranz. blumer. Z.* Figürlich, erklären; eiiie veraitele Bedeutung. Ehedem sagte man, jemanden quir schelte i, ihn für frey von seiner bis» herigenVcrbmdljchkejterklären! Jemanden unschuldig schelten,- jhn für unschuldig erklären. Im Nedersächfischeu ist diese Bedeu. lung noch gangbar. So auch das Schelten. Anm. In der vorigen fünften Bedeutuna schon bcy demOtt- frkd und Notker 1c fiel i en, ün Niedcrs. schrlden, schellen, im Angels, s^lclan, im Engl. W teolck, im Lotharmg. ckefte. Nach dem, was oben angeführet wordeit, bedarf Friichens und anderer Ableitung welche dieses Worr von Schuld abstammen la>- sen und es durch beschuldigen erklären, wohl keiner weitern Wi- derlegung. Die Svlbe —ren ist ein sehr gewöhnliches Zeichen ei» „er Jntenfiott, so düst schelten zunächst von schellen aostammet. Ohne diese Jntenston ist rm Schwed. sirü.1 n io wohl bellen als schelten. Siehe auch Schalten, welches sich aufeine ähulicheOuo- matopöie gründet. Da«- Scheltwort, des —es, plur. die —e, und — Wörter, (S. Wort,) Worte, welche im Schelten ausgesprochen werden, Worte,wodurch mau seinen hohenGrad des llnmill nis ausbrecherr läßt, wodurch mail im Unwillen Unvollkommenheiten oder Böses von jemanden behauptet, vergeltet nicht Gchcltwovtc mit Gcheltworten, i Petr. 3, 9. Daß dieseWorte ehrenrühc-g ftyn müssen, liegt in diHM Ausdrucke nicht, sondern nur der Ausbruch des Unwillens, daher auch Scheltwort für Jinurien, wie es ewige gebraucht haben, unschicklich ist. Bey demD.tfuedsolielluuc-rt. Der Geyemel, S. Schäme!. . Der Schemen, des —s, p.'ur. ut nom. lin?.. cm mi poch- deuticheu ungewöhnliches Wort, weftyrs uu'. in oen gemeinen Sprecharten Ober- und Nmderdcutschlandes üblich ist. Es de- d'.utet daselbst: i) das Bild eines Dinges, so fern .S durch Hemmung des Zuflusses des Licht-, s en:stehe,-, es geschehe nun im Was, fer oder auf einem festen Ko per,-ein Schattenbild. Wie der Schemen im Wasser ist gegen das Al gesicht, Sr r -Hw. - 7 , ^9. S>e gehen daher wie ein Schemen, P - ä 9. 7 - Wo man dafür im Hochdeutschen S patcen gebraucht. 2 ) Eine jene Figu- .Gestalt, wo es doch nur von einer erdichtetcil Gestatt des Gesichts für Larve, Maske in einigen Oberdeutsch-u Gegenden üblich ist, ehedem aber noch üblicher war. Verschiedene Bkyjpule hat Wlch angefüh-et. Anm. Im Nieders. Schem Scheme und Schemel. Es ist so wohl mit Schein als mit Schatten Eines Geschlechtes indem alle drey nur m den Endianten nntt" schieben sind. (S. die Anm. znSchatten n-idSchein.) Zu deciiächG nVerivaabtschaft unsecs Wortes aber g. hören so w, hl unser Schimmer, als ein Jnten- stvum, als auch dasSchwed.ä'-e^rnui,:g, die Dänrm rung, das Göth, HIreimtt,die Larerne, und das Geiech. die Gestalt. Luther gebrauchte es noch für Schein: Da Kain geboren war, machte ihm Eva einen heuig-n Schemen oder Rrone um den Aopf, als wenn fle den Messiam geboren hatte, Im Nie- dersächstfchen ist averschemen überschatten, und hevenichemig trübe, dunkel, von der Luft und Witterung, woraus zugleich erhel- let, daß Schemen und Schatten ursprünglich völlig gleichbedeutend sind, indem das erste hier auch von der Beraubung des Lich- tes überhaupt gebraucht wird. —Schen, eine Endsylbe vieler Zeitwörter, welche oftStammrvör- lern angehängel wird, neue Wörter, mit einem veränderten Be- griffe daraus zu bilden. Am häufigsten macht diese Ableitungs- sylbe Jntenfiva; forschen, klatschen, von einem veralteten klaren, wovon noch dasFranz. eclsler ist; knrrrschcn von kn'.rren; peitschen und patschen vou dom veralteten batten, »«-raa'o'r», S ch e dntusre; quetschen, von einem veralteten queren, yustere; herrschen, Notker fferresev, von dem alten Heren n. s. s. Die meisten dieser Wörter sind indessen nur den niedr genSprecharteir eigen, in welchen die Zahl dieser JmensivoruM sehr groß lst; z. B. feilschen, hutschen, glitschen, rutschen, knätschen, knikschclrr grätschen, latschen, ratschen, nutschcn, tatschen, watschen, wie eine Ante gehen, von waten u. s. f. Diese Sylbc findet sich nicht bloßanSlammwörrern, welche a'-f einen Mitlaut ansgehcn, sondern auch an solchen, deren Stammsylbe sich auf erneu Selbstlaut oder aufcin h endiget. So werden sich z.B.wischen,waschen, fischen, Haschen, huschen, kreischen, mischen, naschen u. s. f. Hey genauerer Untersuchung als Intensiv« von veralteten wehen, wihen, wahen u. s. s. darstcllen, obgleich in manchen der Zischlaut auch zu dem Gramme gehören kann, wie z. B. in zischen, welcherFall aber dessen ungeachtet zn dem vorher gehenden gehöret indem das sch der natürliche Ausdruck einer Intensiv« in sehr vielen Fällen ist Die Lateiner-Haben ähnliche abgeleitete Zeitwörter aus—lco , welche aber nicht so wohl Intensiv«, als vielmehr Inchoativ« sind, gemeiniglich von Nennwörtern herstammen, nnb ein Gerathen meinen gewissen Zustand bezeichnen; Lrelcere^lu- relcere, corneicsre, acelcers, nlbekesre, arborelcers u. s.f. Unser erharrschen, Hartwerden, hat diesen Begriffgleichfalls. Indessen finden sich auch bey ihnen Spuren der Julenston, in co^notcere. ^oteere, welches zu beihen und bitten gehöret, sueseere von sue-re. sciscere, von eeirr-, uprl'ci in mckipllci und lucki^isci, vom veralteten apio,welches zu unserm habe,, gehöret eompslcere, zudemOocrdeutscheii faschen, fatschen, ereicere, ehedem crere. zu uuserm grünen, ehedem griihen, Schwed. Zro; proüeilci u. s. f. Die Endsylbcn der Zeitwörter — s§,i und —zen i önnen übrigens als nahe Verwandte dieser Svlbe angesehen werden. Schenk, ein veraltetes Wort, wofür jetzt Geschenk üblich ist, S. dasselbe. ^ . Der Schenk, des—en, plur. die—en, Fämin. die Schenkinn, derjenige, welcher schenket, doch nur iu einigen Bedeutungen des Zeitwortes. H Z^rjenige, dessen Pflicht es ist, einem Höher:; das jedesmahlige Getränk zu reichen. Der Schenke, (Schenk) des Königes, 1 Mos. 4», 1 » LerSchrnk Salomonis, 1 Kön. ro, Z.. Noch jetzt har der Mundschenk ail den Höfen das Amt, dem Herrn bey der Tafel das Getränk zu reichen. In höherer Bedeutuna find die Schenken adeligeVasallen, welche demLehens- herrn bey feperlichen Gelegenheiten das Getränk darreichen. Daher Evzscyenk Erbschenk. Lat. ?jneernu, im Mittlern Lat. Llcanchu?, 8c. 2 ) Derjenige, welcher ein Dina im Kleinen verkauft. In den Chursächsischen Landen wird derjenige, welcher das Salz im Kleinen verkauft, derSalzschcnk genannt, so wie sein A-r.t und bas Besugniß ti -s s Verkaufes der Sal;- fchank heißt. Am häufigsten ist es derjenige, welcher dasGetränk a,isschenkct odcr verschenket, d i. in kleinen Maßen verkaufet, der zuweilen auch der Schenkwirt!) genannt wird. Der Bl'err schenk. W inschenk Raffehschenk, Bcamitweinschenk. Anm In der ersten höher» Bedeutung im Schwabenspiezcl Zcffel'ke. In dem Fragmente eines alten Gedichtes auf Carl» den Großen bep dem Schürer kommt 8cenke von einem jeden Bedienten vor, welche Bedeutung d.em Zeitworte schenken völlig angemessen ist. Diesem Worte ein e cuphonicnm anzuhängen,der Schenke, wie von vielen geschieht, ist unnöthig, weil das k des, sen nicht bedarf. Die Schenke, p 1 u r. die—n, gleichfalls von dem Zeitwort scheu» kcn. 1 ) ^Ein Trinkgeschirr, einrKanne, ein Becher u. s. f» Schweb. 8känk, Angels. 8curic. Jin Hochdeutschen ist diese Bedeutung nicht wehr üblich, außer daß die Sattlergeftllen nach Uuuu » L4lZ Sch t lLie Kanne oder den Krug, aus welchem sie bey ihren Zusaur- menkünften trinken, die Schenke nennen. Die Schenke anftrin- ken, heißt bey ihnen, bey ihren Zusammenkünften auf Gesundheit des Handwerks trinken. Bey dem Alberus ist Schank so viel als ein Schrank. 2) Ein Orsi ein Haus, wo gewisse Maaren im Kleinen verkauft werden. Die Galzschenke, in einigenGcgrndenOber- fachsens, wo Salz geschenket, d. i. im Kleinen verkauft wird. Am häufigsten ein Ort, wo Getränk im Kleinen verkauft wird. Die Bierschenke, wcinschenke, Raffch.schenke, Mrthschenke, Branntweinschenke. Den ganzen Tag in der Schenke sitzen. Am häufigsten ist die Schenke ein solches Haus, wo die Gäste das gereichteGetränk zugleich austrinke«, obgleich auch ein solches, wo dasselbe nuk über die Gasse verkauft wird, oft diesen Nahmen führet. Eine-solche Schenke heißt im Rieders, der Rrug, in Schlesien der Rretscham, und in einigen Oberdeutschen Gegenden die Laferrie, von dem Lat.'Ubernae. Da das Wort Schenke > etwas Unedles an sichhat, so wird es nur vousolchen Häusern dieser Art gebraucht, wo sich gemeine Leute zum Trünke versammeln. Anständigere Häuser heißen R affe h Häuser, Weinhauser u. s. s. Der Schenkel, des—s, plur. ut nom. linA. Diminut. das Schenkelchen. >.Jm weitesten Verstände, wo es in verschiedenen einzelnen Fällen ein in die Länge ausgedehntes Ding bedeutet, dessen Längedie Beeise und Dicke weit übertrifft. In hem Bergbaue werden an denFahrten die langen senkrecht stehenden Hölzer, worin sich dieSprossen befinden, die Schenkel genannt; an andern 'Leitern heiße» sie die Leiterbssume. Im Weinhau? ist der Schenkel das junge Holz, welches aus einem Sturze oder Knoten, d. i. einer abgefchnittencn Rebe, wieder nachwächset. Auch der Fuhr. MUMisfiS an de!« Göpel im Bergbaue führet gleichfalls den Nahmen des Schenkels, ob er gleich auch von andern der Schämel genannt wird. In der Schifffahrt ist der Schenkel rin Tau von mittlerer Länge, an dessen Ende eine Rolle hängt, worüber das Lauwerk gezogen wird^da man denn Brasseschenkel, Toppschenkel u. s. f. hat. Und so noch vielleicht in andern Fällen mehr, wo sich nicht füglich eine Figur der folgenden Bedeutung annehmen läßt. 2. In engerer Bedeutung, der Fuß, das.Bein, verlange Theil cines thierischeuKöppers,worauf derselbe ruhet, und vermit- / telst dessen er den Ort verändert. ») Der ganze Fuß, iu welchem Verstände man das Dickbein zuweilen den großen oder obern, «nd das Schienbein den kleinen oder untern Schenkel zu nennen pflegt. Den Widder sollt du zerlegen, und sein Eingeweide und Schenke! waschen, - Most 29, 17; seine Eingeweide und Süße, Michael. So auch 3 Mos. 8, 21. Indessen wird es in . dieser Bedeutung nur noch in der höhern Schreibart von den Füßen der Menschen und größer» Mere gebraucht. Deinen zur Rückkehr erhabenen Schenkel, Raml. Figürlich werden in der Geometrie so wohl die Linien, welche durch ihre Neigung einen Winkel machen, als auch die auf der Grundlinie steheuden Seiten §mes Triangels Schenkel,GrurL, genannt« 2) Im engsten und gewöhnlichsten Verstände ist der Schenkel der obere dickere Theil des Fußes zwischen dem Knie und der Hüfte, so wohl an Menschen als Thierrn, da es denn besonders der edlern Schreibart für "die niedrigem Lende und Dickber'n eigen ist. Bey den Pferden wird dieser Theil des Vorderfußes sowohl der Schenkel als der vorarm genannt. Anm. Es ist dieses Wort kein Diminutivum, wie Frisch will, weil es sonst ungewissen Geschlechtes seyn müßte; die Endung —el zeigt hier entweder ein Werkzeug, oder auch ein Subject an. Schenke! sagt also eigentlich eben das, was mit einem andern Endlaute oderauch ohne Eudlaut Schinken und dessen Verwandte bedeuten. In der Monseeischen Glosse wird 8c:!iiuebuin durch -- Lal'es et übiLs erkläret. Am Angels. ist Lcaneu das Bem, Sch e , 1416 der Fuß, das Gchienkern, welche letztere Bedeutung auch dar Italienische in der Lombardcy übliche Lckinea und das Schwed Kk.nok bat. Im Ungarischen ist Orono ein Knochen, Bein und im Finnischen ohne Zischlaut Konti der Fuß. Siehetma^ das n als einen oft müßigen Begleiter der Gaumenlaute an s» gehören auch das Rieders. Schake, der Schenkel, das Bein, dar Hebräisches?^ mrd Chaldäisches?Lt, das Schienbein, hierher. Aut allem ergibt sich, daß der Begriff der Bewegung in diesem Worte der herrschende sey, so daß in der ersten allgemeinsten Bedeutung die Ausdehnung in die Länge zum Grunde lieget, daher auch im nchwed, Hkakel die Deichsel heißt, wozu in der zweyten engern Bedeutung noch der Begriff des Gehens, und in der engsten des Dickbcines der Begriff' der Ausdehnung in die Dicke kommt S. Schake, Schacht, Schenken^ Schicken, Schielte u. s s welche alle zu dieser Verwandtschaft gehören. Die Schenkelader, ?1ur. die — N, in der Anatomie, die untere Hohlader, so fern sie sich über den Schenkel erstrecket. DasGchenkelbein, des—es, p!ur. die—e, das Bein, der Knochen des Schenkels, besonders in der engsten Bedeutung, der lange starke Knochen des DrckbeineS; der Schenkelknochen, oder auch nur der Schenke! schlechthin. Das Sch enkelblatt, des — es, plur. die—blatter, an einem Pferdegeschirre, der über den hintern Schenkel herab Hangende Theil. DerSchettkel-etch,d?s—es, plur. die— e, in den Niederdeutschen Marschländern, ein Deich in Gestalt eines Schenkels, d. i. ein Deich, welcher von einem neue« Hanptdeiche nach einein andern gezogen wird, und auch der Slügeldeich, der Arm- fchlag heißt. Der SHenkelknöckßen, des — s, plur. ut nom. iinZ. Siehe Schenkelbein. Die Schenkella-e,xrIur. die—n,bev den Nadlern, eine Art von Schraubstock, den Draht, welchen sie durch schneiden wollen, darin auf dem Schenkel zu befestigen; die Rnielade, Franzos. Oliuulle. Schenken, vertr.reF. act. welches noch in einer doppelten Haupt, .bedcutnng vorkommt. -. Des Gießens eines flüssigen Körpers ans einer BoutciLr, Flasche, Kanne u. s. s. in ein kleineres Gefäß. 1) Eigentlich, - wo es doch nur von eigentlichen Getränken gebraucht wird, ße aut -einem größer» Gefäße i,r das Trinkgefäß gießen. Wein aus der Ranne in den Becher schenken. Das Glas, den Becher, die >Tasse zu voll schenken. Besonders in dem zusammen gesetzten .einschenken. Im Schwed, lautet es in dieser Bedeutung gleichfalls rl'ksllkg,, im Franz, obincsuer. Es scheinet, daß es-ehedem gießen überhaupt bedeutet habe, denn bey dem Notker ist IcuuZaa pergicßen, und iu der Monseeischen Glosse I'cuncÜAll gießen. s) In weiterer und figürlicher Bedeutung, (a) Das Getränk barreichen. So schenkte ehedem derjenige, welcher einem andern , bas Getränk in das Trinkgcschicr goß und es demselben darreichte, (S. Schenk.) Trinket des Weins, den ich schenke, Speichw. ' 9, L. Der serr hat einen Becher in der Zand —und schenket aur demsclben,Ps. 7L, 9. Ietztrstesm dieser Bedeutung nur noch unter dem großen Haufen üblich, wo man einem schenket, oder ihmernes schenket, wenn man ihm zur Bewill- ommung oder aus Freundjchaft uuentgeldlich eiuru Trunk darrerchet. In dem alten Siegesliedeaufden König Ludwig schon sl.unlcttll, im Angel!» , leencau. Im Nieders. ist daher beschenken und im Dänischen heskianka berauschen, (b) Das Getränk im Kleinen verlaufen. Wein, Bier, Branntwein, Raffeh, Lhocoläte, Meth u. s. f- schenken. Aer schenkt man guten Wern. In einig«, Gegenden Obepsachsens schenket man auch Salz, wenn man dasselbe in ^ ! kleinen s i4l7 Sch e Flirren Ouantitälen verkaufet. Derjenige, welcher auf solche Ar! Getränk im Kleinen verkauft, heißt -er Schenk, -er Ort, wo ftlöige-geschiehet, die Schenke, und der Verkauf selbst und das Befilgnißchazu, -er Schank, S. diese Wörter. s. Uneurgeldlich geben, das Eigenchum einer Sache umsonst übertragen, mit der dritten Endung der Person, und der vierten der Sache, r) Eigentlich. Einem etwas schenken. Ich habe es ihm geschenkt. Es ist mir geschenket worden. Jngleichen in weiterer Bedeutung, jemanden sein Herz, seine Huld schenken. Schenken fle mir einen gütigen Birch. Die Sache, welche geschenket wird, heißt ein Geschenk, in einigen Gegenden such ein Schank, eine Schenkung oder Schankrrng, welche ober im Hochdeutschen ungewöhnlich sind. Dqhin gehören auch unter den Handwerkern die geschenkten Handwerke, worunter man im weitern Verstände diejenigen Handwerke verstehet, deren Gesellen sufihren Wanderschaften von ihren Handwerksgenossen rin Geschenk erhalten. Im engsten und gewöhnlichsten Verstände ist ein geschenktes Handwerk ein altes,.freycs, im ganzen Römischen Reiche privilegirtes Handwerk, dessen Gesellen aller Orten entweder Arbeit oder doch ein freyes Geschenk erhalten. Bepdes im Gegensätze der ungeschenkren. Der Gebrauch des Mittelwortes ist hier freylich hart und ungewöhnlich. 2) Frey« gebig erlassen. Jemanden das Leben schenken, ihm das Leben, welches man ihm nehmen konnte, aus wahrer oder vorgegebener Großmuch lassen. Jemanden eine Schuld schenken , ihm die Strafe schenken, unemgeldlich erlasse». Ls soll dir geschenkt sepn, die Ahndung, die Strafe soll drr erlassen seyn. So auch das Schenken und die Schenkung, besonders in der zwcpte« Hauptbedeutung. Anm.Jn einigen gemeinen Sprecharten lautet dieses Zeitwert im Jmperf. und im Mittelworte, schenkte, geschonken , in andern schankre, geschankt. Beyde rühren von einer veraltete» Form des ganzen Zeitwortes her. Bey den ältesten Oberdeutschen Schriftstellern lautet?s beständig schanken für schenken. Wächter, bemerket mit Recht, daß die zweyre Hauptbedeutung bcy unfern altcnSchriftstellern nicht vorkomme; woraus aber »och nicht folgt, daß sie neuern Ur sprunges ist, und noch weniger, daß sie eine Figur der ersten ist, wie er, Frisch und andere behaupten, weil eine solche Figur zu hart und ungewöhnlich seyn wurde. Schenken kaun vielmehr ehedem geben Überhaupt bedeutet haben, und da können alle heurige Bedeutungen als besondere Acren derselben angesehen werdcn.Öder, da alle Ztttwörrec eigentlich Onomatopöien sind, und daher ein Worr sehr häufig ganzverschicdeneHandlrrngen bedeutet, wenn nur der Laut, unter welchem sie in das Gehör fallen, eiuerley oder doch ähnlich ist, so kann in drr ersten Bedeutung der Laut des Gießens, und in der zweyten, der mit dem Geben verbundenen Bewegung, zum Grunde liegen. Auch in Ansehung der Form dieses Zeitwortes-findet ein doppelter Fall Statt. Das n kann der nicht ungewöhnliche müßige Begleiter der Gaumenlaute seyn, und alsdann würde der Stamm Schach, Schak heißen; oder das — ken kann auch die nicht ungewöhnliche intensive Ableitungssylbe seyn, und alsdann hätte man nur aufdie Syibe Schau, Schen zu sehen. Die älteste Spur von diesem Worte sinder sich bey demOttfcied, wo stcuneac» einschenkeu ist. Kervs ststanZLmes, laßt urrs fortfahren, ist ohne Zweifel daS mir dem Oovrdeiuschsn Zjschworte verstärkte gehen, für ZÄUAarnes. Das Schenkencrmt, des ^—es, plur. die—amter, daS Amt eines Schenken, in der ersten edlern Bedeutung, d. i. desjenigen, welcher eruem Obern das Getränk darreichet; » Mos. 4a, 2 r auf ki^uiigewöhnliche Art das Schcnkamt, Niederst das.püttke- .ß nichts aus denselben heraus falle. An deMhiir» tern Gestelle eines Feld- und Leiterwagens ist die Schere das, was an dem vorder» Wagen die Arme sind, nur daß ft ne sich mit ihren Heyden Armen in der hinter n Achse endiget; in Niederfachscn wich diese Schere, das Spreir oder Gpriet genannt, von sprechen. Auch die Töpfer haben eine Schere welches gleichfalls ein gespaltenes Holz ist, über welchem sich die Scheibe mit dem Thone umdrehet, damit sie horizontal bleibe. Die Schere der Maurer bestehet in zwey über das Kreuz zusammen gebundenen Bretcrii, die Aüstbäume dadurch in dir Höbe zu richten. Und so in andern Fällen mehr, wohin allem Ansehen uach auch die Krebsscheren gehören , obgleich hier auch der Begriff des Schneidens oder Zwickens miteimritt. Z) Besonders wird ein ans zwey aneinander befestigten, aber zugleich beweglichen Armen bestehendes, schneidendes Werkzeug die Schere genanm da es denu >ehr viele Arten derselben gibt; z. B. die Schneiderscher e, Papierschere, Blechschere, Tuchschere, Gchafschcre, Licht: oder puyschcre u. s. f. Eine solche Schere heißt schon mrSchwabcnspiegel2in8estner. Da dieses Werkzeug gleichfalls aus zweyArmen bestehet, so scheinet dessen Benennung ebenfalls daher zu rühren, obgleich auch der Begriff des Schneidens mit in Betrachtung kommen kann. Im Wendischen heißt eine Scherr im Plural 8kasje, und da wird ein Armoder eine Hälfte derselben 8 k ar genannt, wo der Begriffdes Schneidens augenscheinlich der herrschende ist. Im Schweb. ff 8käl-, die Sichel. S. 3 Schar-. Anm. Gottsched wollte dieses Wort in der ersten Bedeutung Schäre »nd in der dritten Scheere geschrieben wissen. Diez vcyte war ihm vermnchlich vyhekannr, sonst würde er ihr sermulhlich die Schreibart Schere oder Schehre eingeräumet haben. Wie unetymologisch dieses ist, darf nicht erst erinnert werden. Selbst die Schreibart Scheereist neu, aber eben so unnöchig. Man Hai dieses Wort mit allen seinen Verwandten von je her Schere und scheren geschrieben. Wäre ja eine Veränderung nökhig, so könnte man Schare und scharen empfehlen, weil diese Schreibart der Aussprache am nächsten kommt. S. - Schar und Scheren. Das Gst-ereisen, des— s plur. Muom. stnZ. eineArt eines Hufeisens, welches wie eine Schere aus zwey bewegliche» Jhe.len bestehet, so daß es vermittelst einer Schraube zu großeir und tlei> neu Hufen gebraucht werden kann« Schere» e 1422 L 42 L SH Scheren, vsrk. irreZ. acd. et neutr^ welches im letzter» Falle das Hülfswort haben bekommt; ich schere, du scherest, vuIZ. schierst, er scheret, vulZ. schiert; Jmperf. ich schor, Conj.ich schöre; Mitteln,, geschoren; Jmperat. schere, vulZ. schier. Es ist m vielen dem Anscheine nach sehr verschiedenen Bedeutungen üblich, welche doch insgcsammt darin überein kommen, daß sie Handlungen bezeichnen, welche ursprünglich mit eitlem und eben demselben Laute oder Schalle begleitet waren. Das Stammwort, -der vielmehr der Stammlaut ist wie bey allen Wörtern eine In. Lerstction, hier aber der Laut schar oder scher, woraus vermittelst der gewöhnlichen Endsylben deeZeiten und Personen das Zeitwort scheren gebildet ist. Bey > Schar ist bereits das nöthigste von -en manchecley Bedeutungen diesesWortes und ihrer Verbindung „nter sich gesagt worden-daher ich hier desto kürzer seyn, und nur dasjenige anführen darf, was das Zeitwort unmittelbar beirifft. Scheren ist eine unmittelbare Nachahrnung eines gewissen Lau- ' tes, daher es ehedem auch von der Stimme, Sprache und ihren Urten gebraucht wurde. Bey dem Notker ist 8csronne das Geschrei,, Jubelgesch« ey. Der Lat.Lzweyschnr:ge wiesen, welche des Jahres Ein Mahl oder zwey Mahl gemähet werden können. Im Schwed. ist 5ka--Ä gleichfalls mähen, 8kssrL die Sichel, und 8ksrcj die Ernte. Z) Mit einem Messer horizontal über eine Fläch; wegfahren. um die her- vorstehenden Haare, Wolle u. s.f. wegzunehmen; wo dic-Onoma- tovöie unläuabar ist. Mit dem Schermesser scheren. Sich den Ropf kahl scheren lassen. Vom Barte, den Bart scheren, ist es nur in den niedrigen Spcecharten üblich, so wie die meiste^ davon hcrrllhrendcttZnsammensetz,ingeuund Ableitungen, z. B. Bartscherer>Schcrbecken «. s. s. In den anständigernSprechar- tcn geb auchi man dafür die ausländischen barbieren und rasteren. Sich eine Platte scheren.lassen. Figürlich doch auch nur in den niedrigen Sprrchanen: ich weiß nicht wie ich da geschore . bin, wie ich in diesem Falle daran tun ; der Wia rh schert oder schiert ferne Gaste, weuit er ste zu viel bezahlen läßt. Ju dieser Bedeutung. Sche Sch e 1424 - KrugftHorrkey dem Kero intensive fkörrnn, wo Zkurt auch die Tonsur ist, bep dem Strpker kellern, im Engl, tc> ttrear, im Niedres, gleichfalls scheren. 4) Mit der Schere auf ähnliche Art horizontal über eine Fläche fahren, um alle hervor stehende wer', .chereTheile an derselben ivegzunehmcm Sich den Ropfkcrhl scheren, wenn es aufdiese Art mit der Schere geschieht. Jemanden über den Damm scheren, bedeutete ehedem, wie es in den alten Deutschen Sprichwörtern erkläret wird, jemanden unter dem Scheine der Liebkosung, derSchmeicheley, zu schaden suchen. Aber> alle riber Einen Ramm scheren ist noch jrtzt im gemeinen Leben, alleaufeinerley Art behandeln, einem wie dem andern begegne»»«. Einen Hund scheren, ihm mit der Schere die Haare nahe an der Haut wcgnehmeu. So auch, die Schafe scheren. Er hat sein Schäfchen geschoren, sagt man von jemanden, der bcv einer Sache seinen Vortheil gemacht hat. Auch das Beschneiden der Hecken mit einer großen Schere wird das Scheren genannt^ wenigstens sagt man im Mittelwerte geschorne Decken. Wenn die wollenen Tücher von dem Stuhle des Webers kommen,, so werden sie von der»,Tuchscherer mit der großen Tuchschcce geschoren, wozu eigentlich eine dreyfache Arbeit gehöret, deren jede ihren besonder» Nahmen hat. Das erste Mahl, da sic geschoren werden, heißt bärtcln oder zu halben Haaren scheren. Hierauf weicht derTuchmacher sie wieder ein, und kartet sie mit scharfem Karren, damit sie dicke Haare bekommen^ worauf sie denn zum zwevren Mahledem Znchschcrer in die Hände kommen, nm sie im engsten Verstände zu scheren. Hierauf werden sie gefärbt, an dem Rahmen getrocknet, und endlich ausgeschoren. 5) "Theilen, einen Unterschied machen, ausnxhmen ; lauter im Hochdeutschen Veraltete Bedeutungen, welche aber nochin curiaenProvittzen Vorkommen. Im mittler» Lat. ist carrire theiieu, und im Lettischen tkirru absoudern, wohin obne Zischlaut airch das Lat» Jntensivum tLesruers gehöret. Wer da rvollde scheren, einen Unterschied machen, in einer alren Reim-Chronik in den Lrie o su. nach dem Frisch. D ar gnomrn gegen de Mb er Heren Unde beganden sek dar scheren, sich zu checken, ebend. Anssche- ren ist daselbst eine Ausnahme macken. Im Ried^sächsischen ist scheren und schoren noch jetzt scheiden, absöndern . durch eine Zwischenwand checken, daher Gchorelsdaselbsieine solche brsterne Zwischenwand, und Schorten abgecheilte Fächer bedeutet. Eben daselbst ist scheren und schieren auch znchecken, und Schierung rin zugctheiltes Ding, ein znerkannter Theil, besonders das jemanden zur Unterhaltung zugotheilte Stück eines Deiches. Unser bescheren hat diese Bedeutung gleichfalls noch. 4. Ausspannen, besonders von Seilen, Fäden u. s. s. welche Bedeutung von d^m Begriffe der Bewegung irrst» Ausdehnung irr die Länge abstammet, und womit das Latein. Lerrss verwandt ist, (S. r Schar). Eine -Linie, ein Seil scheren, heißt noch durch ganz Niedersachscn, ein Seil ansspaiu,en. wo es in manchen Ge» g-'ndcn auch schieren lautet. Die Kattunweber scheren daher, wenn sie von jeder Spule einen einzigen langen Faden oder eine Strähne anfdrn Scherrahmen aufhaspeln,, und in manchen Ge. gendenwck'd das Airfziehen des Parnes bey allen Arten der Weder scheren genannt, da denn die A u sch er e «der Scherung Niederst Scher.ng,, so viel als der Aufzug ist. Ein Tuch ist auf Z L geschoren, sNiederst geschiert.) wenn der Aufzug so lang war. Manche Sprachforscher, denen diese allgemeine Bedeutung des Ausspauukns unbekanntwar, haben diesen Hey den Webern üblichen Gebrauch alseine Figur pon scheren, checken, angesehen. S.anch einige der folgenden Zusammensetzungen. Daher das Scheren m allen obigen Fällt ». Das in einigen Gegenden übliche Scherung, ein bcschiedenes, zugemessenes Theil, ingchckchen deL Aufzug kmes Gewebes, ist nicht das Verbale, sondern ein eigenes vernüchckst der Aölcilntigssylbe —ing oder — ung gebildetes Hauptwort. Anm. Dieß sind noch nicht alle die Fälle, in welchen dieses Zeitwort gebraucht wird; in den Mundarten gibt cs derer noch mehrere. Dahin gehöret z. B. das Dithmarsischc scheren, den Koch von sich geben, und Schor, Kord, und das Österreichische scheren für schaben, daher die kleinen Steckrüben daselbstS^er- rübel genannt werden. Unser scharren ist das Jntensivum davon, so wie auch scheuern damit verwandt ist. Im Schwed, ist Läru gleichfalls reinigen. Die Form du schierst, er sch-ert, für scherst, schert, ist nur den gemeinen Sprccharten eigen. Überhaupt ist dieses eines van denjenigen Zeitwörtern, welche in ihren Veränderungen und Verwandten durch alle Selbstlaute durchgehen, zu einem deutlichen Beweise, daß diese in sehr vielen Fällen für völlig gleichbedeutend gehalten werden; die Schar, scheren, scheuern, -u fchisrst, Niederst schieren, geschoren, Schur; Feuer schüre»». Von der Schreibart scheeren ist schon bey Schere etwas gesagt worden. DleSck)erewckjsek,p!ur. die—n, eure Art Asseln, welche an beir Füßen n.ü Scheren versehen sind; Leolopewckra korücatu l,. Der Scherenschleifer , des — s , plur. ut nom. llnZ. ein Handwerker, welcher die stumpf gewordenen Scheren, Messer u. s. f. schleift., DerGcherer, des — s, plur. ut nom. stvA. Fämin. die Gches rerinn, eine Person, welche scheret, doch nur in dem dritten und vierten Falle der dritten Bedeutung des Zeitwortes scheren. Ein Schaf das verstummet für (vor) seinem Scherer, Es. zz, 7. Fleisch, das ich für meine Scherer geschlachtet habe, > Sam. 2Z, r -. Ju dem gewöhnlichen Sprachgebrauche ist es nur in den Zusammensetzungen Tuchscherer, Gchaffcherer, Feldscherer u. s. s. üblich. D'ck Gck-errrep, plur. die— en, von Scheren 2 2)dochnurm .den gemeinen Sprccharten, so wohl für Plackcrey, nmchw'.llige Bedrückung, als auch verdrießliche Mühe, und eine Sache, welche uns unnütze und verdrießliche Mühe macht, viele Schercrep mit etwas haben, viele verdrießliche Mühe. Das macht viele Schererey.» Las ist eine wahre Schererey. DerScyerf, des — es, s)Iur. die— e, Diminut. das Scherfs chen, Oberd. Scherflein, eine noch in einigen Gegenden übliche Münzsorte, welche die kleinste unter allen Münzen ist, und zuweilen für einen Häller genommen wird, an manchen Orten aber noch weniger als ein Häller ist. Luther übersetzte Marc, »2,42, und Luc. 12, zy, Kap. 2 i, 2, das Gricch. Tc-rval' durch Scherf; lein. Es ist diese Münze noch im Lüneburgischen üblich, wo 2 Z- Scherf einen Pfennig, 8 einen Witten, 788 aber einen Thaler wachen. Z», Machest» Zeit machten zehn- Scherf im Erzgebirge «inen Kreuzer» Anm. Es scheinet ursprünglich ei,r jedes Stück- bedeutet z» haben, und mir Scherbe gleichbedeutci'.d gewesen zu ftyn, ver- mutlckich, weil diese Scherfe anfänglich nur kleine unförmliche Stücke eines dünn-beschlagenen Ddetalles waren. Das Schwed. Lkü.-k bedeutet gleichfalls so wohl ein Stück, einen Splitter, als auch die kleinste Mürrzsorte. Das Griech. , auch eine Art der kleinstem Münze, stammet gleichfalls von rr.5i§?,r, schneiden , her. Noch wahrscheinlicher wird diese Ableitung ans Hickesir Beobachtung, welcher versichert, daß die Angelsächsischen Münzen so eingerichtet gewesen, daß man sie sichtlich in vier Thrile habe brechen können, da denn vermnchl^ch ein solcher Tbeil eigentlich ein Scherf geheißen. S. Ihre 6!olsZr. v. Die ScherstoEe, ^lur. hier- n, S.,Scherwolle. - - ' Dre i4-L Sch e Die Scheryabel, plur. die —n, bcy den Tuchmachern, eine hölzerne Gakn-l, deren sie sich bey dem Scheren oder Aufziehen bedienen. S. Scheren 4 . Der Schergany, des—es, plur. die—gänge, aufdenSchis, fen, der äußere Gang um das Schiff; ingleichen die langen Balkan, welche dem Schiffe oben seine gehörige Gestalt geben helfen. In beydrn Fällen vielleicht voil scheren, iheilen, abtheilen, oder auch von dem veralteten scheren, sich in die Länge erstrecken. S. Scheren 4 , und i Schar. Das Schergarn, des—es, plur. doch nur von Mehrern Arten oder Quantitäten, die—e, b-y verschiedenen Arten der Weber, dasjenige Garn, welches den Auszug eines Gewebes avsmacht; die Scherung, Anschere, der Aufzug, die Lette, das Werft, der Zettel. Der Scherge, des —n, plur. die—n, ein jeder obrigkeitlicher Bedienter, welcher die ihm Untergebenen zu ihrer Pflicht anhält; in welchem Verstände es ehedem von Amtleuten, Vögten, und an« drrn Finanz-Bedienten, selbst über ganze Provinzen, gebraucht , wurde, welche die landesfürstlichen Einkünfte von den Einwohnern eintricben. Philopator wird in königlichen Ehren sitzen, wie ein Scherge, Dan. 11,20. Frisch führet mehrere Beyspiele ' von diese»? jetzt veralteten Bedeutung an, indem das Wort gegenwärtig nur noch von den niedrigsten Bedienten dec Polizey und der Gerechtigkeit, d. i. von den Gerrchtsknechten, Stadtknechten, Häschern, ja auch wohl von den Henkersknechten gebraucht wird,. im Hochdeutschen aber mehr iu Schriften, als in der Sprache des täglichen Umgangs üblich ist. In diesem Verstände kommt es schon im Schwabenspiegel Kap. 149 vor. Go haben ihn des Satans Schergen Mit schweren Fesseln eingeschränkt, Grvph. Anm. Vcrmmhlich gehören auch °das Engl. 8 !»erif, bas Franz. 8 erZeut, und das mittlere Lat.Lireu, die Ronde,Nachtwache und ein Wachter dahin, obgleich das letztere gemeiniglrch von dem Lat. circa und circumirs, (S. Schar nnd Scharwache,) das mittlere aber von l'^rvicus hergeleitet wird. Unser Scherge stammet von dem noch in den gemeinen Sprecharten Dbersachsens,Schlesiens, und anderer Provinzen sehr bekannten scherzen, scheuchen, schirgcn u. s. s. her, welches daS Jnlen-sivum von scheren ist, um so wohl im Nentro heftige Bewegungen machen, als auch active, heftig bewegen bedeutet, (S.» Schar und Scheren). Nach einer sehr gewöhnlichen Figur wird cs hernach von verschiedenen Handlungen gebraucht, welche mit einer heftigen Bewegung verbunden sind. Bey einigen altenQberdeutschen Schriftstellern istlcurßan schieben,stoßen. Sp scchinynen intgegen schurgin Die Lut von denen drepen Bürgin, Jeroschin. )ey dem Frisch. Den Tisch an die wand schergen, schieben. Figürlich ist schergen, fcherchen, schirgen, anschergen, noch in den gemeinen Sprecharten Meißens antreiben, durch Aufmunterung nrch Zuspruch befördern. Da war ich ein (Uchsc, daß ich nicht genug schob und schergcte, Weiße. Anschergen, antreiben, in Schlesien anschirgen, wo auch schirgen, schiirgen, sich fördern, eilen ist. Von dieser Bedemnng des Antreibens und EiutreibenS stammet das Hauptwort Scherge in beyden Bedeutungen her. Dem Lat. u r^er« fehlet nur der Zischlaut. Das Gcherglied, des—es, plur. die—er, im Bergbaue, ein eiserner an beyden Seiten gekrümmter Hakel», die eisernen Kette», Wenn sie etwa springen, in der Geschwindigkeit aneinander zu hängen; der Seilhaken. Ohne Zweifel, weil dieses Glied ge- spalten ist, damit es in der Geschrvindiekeir eingehängt werden kann, daher es auch der Rlodcn, das Blohcnglied,-er Llobcn- ring genannt wird. S Scheren 2 2). Adel. W. B. z. Th.-. Aust. Sch e 1426 D!e Scherhaare, üvg. ivuk. abgeschorne Haare. Besonder- werden bey den Tuchscherern die ersten Abschnittlinge des geschor- ncn Tuchs Scherhaare genannt. Der Scherhaken, des—s, plur.ul vom. Kux. ein krummer Haken, womit die Tuchscherer das Tuch aufdem Schertische befestigen, damit'eS unter dem Scheren fest liege. Das Scherhorn, des —es, plur. die—Hörner, ein Nähme,welchen in einigen Gegenden das Ammons-Zorn führet; vermvth- lich von scheren, theilen, weil es in viele Fächer getheilet ist. Der Scherkasten,des —s, xlur. ut vom. livZ. bey einigen Webern, ein Kasten, worin die zur Anschere bestimmten Spulen irr verschiedenen Reihen über einander befestiget sind. S. Scheren 4 , und Scherkiife. Die Schecke, plur. die—n, in einigen Niedersächstschen Gegenden, eine Art kleiner Meven, welche einen langsamen, schwebenden Flug hat. S. Scheren r, und Meve, Anm. Das 'Scherkind, des —es, plur. die —er, ein Nähme, welchen bey den Tuchscherern ihre Gesellen führen. Die Scherküfe, plur. die—n, bey den Tuchmachern, das, was der Schcrkasten bey den Kattunwebern ist. Verderbt lautet dieses Wort bey ihnen auch Scharkube. Diese Scherküfe oder Scherkufe har vier Scherlatten, deren mittelste sich in dem Scherklötzchen drehet. Alles von scheren, anfziehen, ausspan- nen, S. Scheren 4 . DieScherleine/ plur. die—n, aufden Schiffen, kleine Leinen, welche sich in zwey oder mehr Enden theilen. Von scheren, spalten, theilen. Der Scherm, des —es, plur. die—e, im Bergbaue, die Fläche, Lines Ganges, und zwar so wohl die Hangende als liegende, d. i. die obere und untere. Vermuthlich verderbt für Schirm, sofern es in der weitesten Bedeutung eine Decke, und statt des Dache- dienende Fläche bedeutet. Die Schermaus, plur. die -—mause, im Oberdeutschen, besonders in Österreich, der Nähme des Maulwurfes, der daselbst auch wohl Schar genannt wird; ohne Zweifel von scheren, so fern eS ehedem auch wühlen bedeutete. S. Scheren Z, und 1 Schar. Das Schermesser, des-s, plur. ut vom. im§. ein Messer, damit zu scheren; dasBarbiermesser,bey dem Notker 8 carlalrs, 5. Scheren z Z). Dre Schermühle, plur. die—n, bey den Seiöenwebern, eine Mühle, woraufdie zur Anschere, d. i. zu dem Aufzuge, bestimmte Seide, geschoren, oder ausgespannt wird. S. Scheren 4 , und Scherrahmcn. DieScherpcho, Scherpe, Scherpke, ein Nähme,welchen in einigen gemeinen Mundarten verschiedene Beeren,und die Stauden, auf welchen sie wachsen, fuhren. 1) Die Vogelkirsche, kru- vus ka 6 us l^. welche auch Patscherpe, Scherpchenpapst und Gcherkenhol; genannt wird. Engl. Lirä 2) L>ie Zaul- beere, Klramvu 5 kraogula k,. 3) Die Mehl-oder Schlingbeere, Vifturnum I^avtava 1 ^,. welche gleichfalls Scherpke, Patscherpe, Petscherpc,Schergenpapst heißt. Wenn dieses Wort nicht Wendischen Ursprunges ist, wie es das Ansehen hat, so scheinet es mit 8 orbus verwandt zu seyn, obgleich dieses jetzt eine andere Ar t von Beeren bezeichnet. 1. Die Scherpe, eine Binde, S. Schärpe. 2. Die Scherpe, oder öer Gcherpen, des—s, plur. car. in einigen Gegenden der Lausitz und Odersachsens, ein Nähme eines Halbbieres,welches aus dern andern Aufgüsse auf die übrig gebliebenen Trebern bereitet wird. Frisch leitet cs seltsam genug von Scherf her, weil es sich gegen das stärkere Bier wie der Scherf gegen gröbere Münzsorten verhalt. Es scheinet vielmehr Wendischen Ursprunges zu seyn, vielleicht von crerparn, schöpfen. Xxpx Der * L 42 / Sch L Der Gcherrahmen, des —-s, plur. ur vom- !,«§« bey de« Kattunweberu, ein großer Haspel, die Anschere daraufvon den Spulen zu haspeln. Bey den Seidenwebern heißt er die Scher- mrihle, S« dieses Mort. Der SchersHwanz, des — es, ^rlu r. die—schwänze, Dimin. das Scherschwänzchen, Qherd. das Scherschwänzlein, eineArt Falken mit lehmgelben Füßen, einem schwarzen Schnabel, und einem geschornen, d. i. getheilten Schwänze,; k'-Llco caucks S. Scheren Z.L). Der SchertLNZ, des —-es, plur. die--—tanze, im Niedersächsischen, eine Art Tänze, bey welchem die Tanzenden in das Kreuz und in die Quere durch einander gehen, von scheren, sich langsam hin und her bewegen. S. Scheren r. Der Gchertiscy, des — es, plur. die-^e, Hey den Tuchscherern, ein Tisch, auf welchem die TücherLeschoren wrrden« Dre Scherung, plur. die—n, S. Scheren. Der Scherwenzel, des — s, plur. ntuom.-linZ. in einem noch auf dem Lande inDeutschland,Pohlen, Schlesie«,Böhmenu.f.f. üblichen Kartknspiele, der Untere in allen Farben, welcher zu sehr vielerley Verrichtungen gebraucht wird, d-chpr Luch das ganze Spiel Scherwenzel, und dasselbe spielen scherwenzeln heißt. Die Lhnlichen Spicle Trischak, und auf d.m Lande in Sachsen Grob- chauser, sind noch davon verschieden. A»ch ein. geschäftiger und zugleich willfährigerMensch,welcher sich zu allem gebrauchen laßt, wird im gemeinen Leben häufig ein Scherwenzel genannt, daher auch eine Arzeney , oder ein jedes anderes. Ding,, dessen man sich aus Bewobcheir in mehreru verschiedenen Fällen bedienet, diesen Nahmen fuhr«. DieLetzte Hälfte dieses in all^nWörterbijcherr, übergangenen, obgleich sehr bekannten Wortes, scheinet der eigen- rhümliche Nähme Denzel zu.seyn, oder auch von wenden in der weitern Bedeutung, herzufiammen. .Die erste Hälfte gehöret unstreitig zu Schar m Scharwerk-oder zu scheren, in der ersten »eralteten Bedeutung der schnellen Pewegung, indem man unter Scherwenzel doch eigentlich eine ausrichrige, geschäftige Person verstehet, welche sich in allen vorkommendcu Fällen zu wendsn und zu drehen weiß. S. Wenzel. Die Scherwolle, stlur. car.ubgeschornL Wolle. So könnte man diejenige Wolle, welche ssn lehendigenSchasen geschoren worden, Scherwolle nennen, imGegensatzc der Raufwolle» Am üblichsten aber ist es von derjenigen Wolle, welche die Tuchscherer von den gewebten Tüchern scheren, und welche auch Scherstocken ge- nannt wird. Der Scherz, des — es, xlur. die— e, eine Rede oder Hand- , lung.welche andern zu anstärtdigeuBelustigungen dienet, wodurch '.sich der Scherz von der Posse u. s. s. Unterscheidet. Ehedem .wurde dieses Wort von allen zur Belustigung feiner und an erer vorgenonnuenen Handlungen gebraucht, und da war der Scherz- -hof eine zuRirterspielen veranstalteteZusammenkunft,einScherz- feuer ein Lusifeuer u. f.f. Jetzt ist es,wenigstens, im Hochdeutschen, von einer witzigen Rede am üblichsten, welche andern zur anständigen Beluftigunghienen, andere zum Lachen bewegen soll. Lin glücklicher, feuriger, frostiger, matter Scherz. Linen Scherz Vorbringen, sagen, machen« Er'hat vielleicht einen Scher; machen wollen, den dp. übel-verstanden hast. Gell, Einen Scherz aus etwas .machen, es als einen Scherz erklären« -SeinenScherzamtlemandeir haben, ihn zum Gegenstände des Scherzes gebrauchen. Sich aufden Scherz verstehen, die Kunst .geschickt zu scherzen verstehen; aber Scherz versteh;n heißt einen Scherz als Schecz ausnchmen. Wer andre necken kann,, muß wieder Scherz verstehn, Gell. Scherz treiben, für scherzen, ist nur im gemeinen Leben üblich, süßer m der .figürlichen R. A. srine^Scherz mit etwas treiben. Sch e 142z «s für einen Scherz halten, es so behandeln, als wenn es bloß «ne zur Belustigung bestimmte Sache wäre. Alle Festungen werden ihnen ein Scherz, Hab. i, 10. Scher; si tz« eine anständige Belustigung voraus, Posse eine unanständige, F-te eine unzüchtige, Spaß läßt den Werrh unentschieden, wird daher am häufigsten im gemeinen Leben gebraucht. Qft wird der Scheiden, Ernste entgegen gefegt, und da ist es eine Rede oder Handlung, welche,uichr,v gemeinet ist^-als sie dem ersten Anblicke nach scheinet, sondern nur zu eigener Belustigung dienet. Es ist kein Scherz, sondern Ernst. Oft wird aus -dem Scherze Ernst. Scherz bey Seite, ohneScherz. Anm. Im Jtal. Lctrerro, im Böhm. 2 «rl. S. Scherzen. Dsv Sicherzel, des.—s, l>lur. inul. rine im Qberdeutschen übliche Be,»ermuugches Alpes, vermmhlrch von scheren, plagen, G. Alp. Sterzen, verd. re§. welches in doppelter Gestalt vorkommt. L. Als ein Neutrum, welches das Hülfswort haben erfordert, da es dennlrberhaupt solcheHandlungen undBewegungon vornehmen bedeutet, welche keine weitere Absicht haben, als sein Vergnügen, seineLustigkcit a» den Tagzu legen. In diesem Verstaube scher- ^zen die Aälber, die Zünde u. s. f., wenn sie sich crlnstigen. Die -Walisische scherzen im Meere, Ps. ,04, 26. Btp den Dichtern -scherzen, die Weste um das Laub, u m sch er; en die Blumen. ,In engerer Bedeutung scherzet man, wenn man Reden, und in .noch engermVersiande witzigeR^den vorbringk.welche zur erlaubten Belustigung unserer und anderer dienen, auderezu einem anständigen Lachen bewegen. Mit einer Person odrrSache scherzen, sie zum Gegenstände seines Scherzes mache». Nicht m't -sich scherzen lassen. Damit ist nicht zu scherzen, sibcr etwas --scherzen. Mre einer scherzenden Miene, besser, init einer scherz« chaften. Zu bcyden Fällen oft im Gegensätze des Ernstes. Es war nicht mein Ernst, ich habe nur -gescherzet. Ein falscher »Mensch geht mit seinem Nächsten berrügNch um, undfpricht Darnach : ich habe gescherzt, Sprichw. 26, 19. II.. ^Als ein Activum, für verspotten, verhöhnen. Qp tz sagt .^ron einem buhlerische,, Frauenzimmer; wie sie durch ihr tägliches Aufnshmen und tägliches verstoßen andere scherzet/ -§lso wird sie von andern wieder gescherzet- Scherzt ja den Zimmc! nicht und die Geduld der Gottek- ebcud. Wenn hier ein Eselskopf mich den Poeten nennt, And scherzt mich, wie er mevnt, ebend. b« i. schimpft, so wieunser heuriges Schimpf ehedem gleichfalls Scherz bedeutete. U)er nicht würdig trinkt.und isset, Der scherzt des Zerren Leib und Blut, ebend» Im Hochdeutschen ist diese. Lhätige Bedeutung völlig unbekannt, -obgleich noch Gleim singt; Da stehen sie die Schönen .Um mich und sehn mich an. Und scherzen mich und sagen: ^ Du bist ein alter Mann! Wo auch das Scherzen. Anm. Es kommt dieses Wort, so viel ich gefutiöen habe, weder - in unser» ältesten Schriften nochin den sonst verwandten Sprachen vor, anßerdaß die Jtaliäuec ihr seUerrare daher entlehnet haben. Indessen hat es doch das Ansehen eines sehr alten Wortes. Die Adleituil.gsfylbe —--zey ist bey vieler, Zeitwörter» ein Zeichen einksJlttensivhu nch allemA.ssehen nach ist scherzen ein solchesZir- tensivum von scheren,entweder so fern es überhaupt, hurtige, lustige Bewegungen machen, oder auch so fern csaufziehe», verspottest hedemet, welche Bedeutung wenigsteus in dem Activo scherzen Mtäugbae 1429 e unlaugbarist. Merkwürdig ist nur, daß das Jntcnstvum in der anständigsten Bedeutung üblich ist, dagegen scheren bis zum großen Haufen hinab gesunken ist. S. Scheren 2. Das Scherzgedicht, des — es,sslur. die—e, ei» scherzhaftes, Scherze enthaltendes Gedicht, ein Gedicht, welches andere Zum erlaubten Lachen bewegen sollst Scherzhaft, —er, —eile, ackj. er Lckv. r) Einem Scherze ähnlich, in einem Scherze gegründet, zuweilen auch einen Scherz enthaltend. Ein scherzha^es Gedicht. Ein scherzhafter Ausdruck- Eine scherzhafte Miene. 2) Neigung und Fertigkeit besitzend zu scherzen. Scherzhaft scyn- Ein scherzhafter Mensch. Die Scherzhaftigkeit, piur. inust dieEigenschäft einer Person oder Sache da sie scherzhaft ist; besonders inderzweptcn Be- deulung. 1 Dte Scherzreöe, xlur. die-—n, eine Rede, welche einen Scherz enthält,eine scherzhafte Rede, ejrr inWortcn vorgetragenerScherz. Der Gchetter, des—s, plur. doch nur von Mehrern Arten oder Ouarrtitäten, ut nvm. ÜNA. in einigen Gegenden, z. B. in Nürnberg, ein Nähme eines jeden steif gemachten Zeuges, besonders der so genannten steifen Leinwand. Im 16rcriJahrhrmderte kommen, nach Frischens Bemerkung, Schcchter und Scherter m eben derselben Bcdculung eines gesteiften Zeuges vor, er bestehe nun aus Leinwand oder Seide. Frisch vermuthet nicht unwahre scheimich, daß der Nähme vsn dem Geräusche herrühre, welchen ein solcher gesteifter Zeug verursacht; und wirklich ist schottern noch Hill uild wieder in deil gemeinen Gprecharten, ein solches Ge» rausch machen und von sich geben. Im Englischen ist um deßwil- len ilocker, dünne. S. Glanzschetter. Scheu, — xx/ —este, ^äj. et ackv. einen Gegenstand ans dunkeln und verworrenen Begriffen stiebend, bemüht, sich von einem Gegenstände aus einer verworrenen Vorstellung eines Übels zu entfernen. In diesem ersten und eigentlichen Verstände wird ein Pferd scheu, wenn es vor einem ungewohnten Gegenstände erschrickt und die Flucht ergreift, da es denn in engerer BedentunZ die Fertigkeit oder Gewohnheit bezeichnet, vor jedem ungewöhnlichen Gegenstände zu fliehen. Ein scheuespferd.Einpferd scher? machen. So auch in den Zusammensetzungen menschenscheu, leuteschen, lichtscheu, wasserscheu, feuerscheu u. f.f. Neigung und Fertigkeit habend, die Menscher» u. s. f.ans einer auf verworrene Vorstellungen gegründeten Furcht zu fliehen. Ein Eber fragt den Hirsch, was macht dich hundescheu? Haged. Dopfschen ist eigentlich ein Thier, wenn es sich nicht an den Kopf aiigreifen läßt, sich scheuet, d. i. sich mit dem Kopfe zu entfernen sticht, sa bald mau es daran angreifen will. In engerer Bedeutung ist jcmandsscheu, wenn er aus übler Erziehung, verworrener Vorstellung, die Gemeinschaft anderer , ihren Unterricht u. s. f. zu fliehen sucht.Ihrväter erbittert eureDindep nicht,auf daß sie nicht schemwerdcn, Col. 3, r 1. Zuweilen wird es auch in weiterer Bedeutung für schüchtern und furchtsam überhaupt gebraucht- — Er schleicht mit scheuem Blicke Und mehr als dieb'scher Furcht zuriicke, Haged. Laß in dein Hei! >chum dresche«? Musesehen, Zach. Anm.. Im Niedersächf. schsu, im Engl. im Schwed. im J»al. mit einem andern Endlaute sLbisto, sctiivo, scbivoso. Ohne Zischlaut ist im Engl, cozr spröde. Die fchnelleFlucht ist in diesem und den folgendenWorre der herrschende Begriff, S. Scheuen. Die Scheu, plur. cur.welches indoppelterGestalt gebraucht wird. 1. Als emAbstraeium. r ) Eigentlich, die schnelle EKtferirung von einem Gegenstände aus verworrener Vorstellung eines Übels, noch mehr und häufiger aber dir Gewohnheit, Neigung und Fee- l rigkeit ernenGegenstandaus vermskrenre Vorfft-llung eines Übels zu flichen. Dein Pferde die Scheu benehmen. Besonders iw d,en Zusammensetzungen die Wasserscheu,Menschenscheu, Lcute- fcheu. 2) In weiterer und zum Theil figürlicher Bedeutung ist die Scheu, (a) eine jede Entfernung von einem alsein Übel erkannten Gegenstände. Die zärtliche Gemächlichkeit des Gemisches iß allcmahl mir einer Scheu und Flucht aller unangenehmen Empfindungen verknüpft, (b) *Ein hoher Grad des sinnlichen, d. i. aufdunkelc Begriffe gegründeten Widerwillens gegen gewisse Gegenstände; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung für Ekel und Abscheu, in welcheres doch noch in einigen Oberdeutschen Gegenden üblich ist^ Eine Scheu gegen etwas tragen, (c) ^Furcht überhaupt; eine im Hochdeutschen ungewöhnlich gewordene Bedeutung. Ohne Scheu unter seinem Weinstocke wohnen, Micha 4 , 4, ohne Furcht, (d- Abneigung, in jemandes Gegenwart oder mit dessen Wissen etwas ihm Mißfälliges oder etwas Unanständiges zu begehen. Sie thün mir Unrecht ohne Gcheu,Ps. 27, 12. Scheu vor jemanden tragen. Deine Scheu empfinden Gott zu beleidigen. Die Einwohner iy Otaheiti begatten sich öffentlich ohne Scheu, (r) In noch weiterer Bedeutung wurde es daher ehedem auch für Ehrfurcht überhaupt gebraucht, welche Bedeutung aber im Hochdeutschen veraltet ist, obgleich einige neuere Dichter dieselbe wieder zu errrerwr» gesucht haben- wahr ists, ich hä'tt' es sonst vielleicht vor dir verstecket, " Die Scheu befahl mir dieß,Schleg. . Und stund Mit ehrfurchtvoller Scheu, Uz- * 2. *Als ei» Tsncretum, cm Gegenstand des sinnlichen, d. i. Änfdmchle Begriffe gegründeten Widerwillens; eine irnHochdeur- schcn veraltete Bedeutung, wofür jetzt Abscheu üblich.ist. Alles was Floßfedern und Schuppen hat, soll euch eine Scheu seyn, 3 Mos. i, »0.. Ich bin ein (eine) Scheu meiner verwandten, Ps- Ai, - i° Die Freunde, deren Scheu ich bin. Stehn alle gegen über, Opitz. Anm- Im Niederst Gchou, im Engl. im Schwed. (S. Scheuen.) Im Oberdeutschen ist dieses Wort männlichen Geschlechtes, der Scheu,-welches auch einige Mahl in LurhersDcut- scher Bibel vorkommt. Dar Volk hatte einen Scheu sich in das Wasser zu begeben, - Macc. r6, 6. In dem zusammen gesetzten Abscheu haben wir dieses männlicheGeschlccht noch behalten. Scheuchen, verb. re^Z. aast scheuen machen, d. i. durch Erregung dunkler Begriffe von einem Übel in die Flucht treiben ; arn häusigstcn von Thieren. Abraham scheuchte das Gevögel da- von, - Nlos. i L,. 1 r. Daß Werden daselbst weiden, die niemand scheuche. Es. 17, 2. Hier stiebet dem gescheuchten Rehe, der aufgejagten Gemse gleich, die königliche Tochter Rad- mus,Rainl. Zngleichenfür vertreiben, verjagen überhaupt. Was scheucht dieRüh aus deinem Herzen ? Irr einigen Gegenden wirb es auch für scheu und schüchtern machen gebraucht. Die Binder in der Jugend mir dem Nnecht Ruprecht scheuchen. So auch das Schcuchkn. Anm. Im Jtastmit einem andern Endlante ebikare,im Franz, ehedem slbbever. Es ist unnöthig, es mitFrischen von dernZisch- laute sch ! sch! womit man im gemeinen Leben das Geflügel z» scheuchen pflegt, abzulciten. Es ist vielmehr das Jmcirstoiim und Activum von scheuen, znmahl da dieses Zeitivortehedenpauch als ein Neutrum für fliehen, meiden gebrancht wurde- LottZÜeckie verwaffs Durckis icü scüuictrsQ mucrs rr vriplicb xartss blicke, Graf.Wermr von Honherg. Lxxx N Z« »4Zr Sche In einigen Oberdeutsche» Gegenden gehet es irregulär,ich fchoch, geschochen. Das Franz. eiinlker, das niedrige schechten, jagen, u. a. m. und genau damit verwandt. Eilt Schreckbild, die Vögel aus den Gärreir und dem Getreide damit zu verjagen, wird daher in manchen Gegenden eine Scheuche genannt. *Der Gcheuel, des —s, xlur. ut nom. lio§. ein im Hochdeutschen veraltetes Wort für Scheusal. Sie haben aus ihren edlen Kleinodien — Bilder ihrer Greuel und Scheuel gemacht, Hcsek. Bildnisse der Wurme und Thiere, eitel Scheue!, Kap. 8,i o. Denen, so nach ihres Herzens Scheueln und Greueln wandeln- Kap. r i, -i. Es ist von scheuen gebildet, wie Gräuel von grauen, und bedeutet eine der Scheu oder des Ab- scheues würdige Sache. Scheuen,verb. rez. aet.et rsoiproe. welches eigentlich fliehen bedeutet hat, von welchem jetzt veralteter» Gebrauche noch hin und wieder Spuren Vorkommen. Bey dem Notker ist das abgeleitete skiZtiA liu fliehen. Jetzt ist cs nur noch in verschiedenen figürlichen Arien des Gebrauches üblich, i) Eine auf dunkele Vorstellungen gegründeleFnrcht vor eincmDinge empfindet und sich von demselben zu entfernen suchen; als einReeiprocum. Las Pferd scheuet sich vor einer Windmühle,das Kind vordem Ruprecht. In weiterer Bedeutung ist sich scheuen, einen gewissen Grad des Widerwillens, des Ekels, inglcichen der Furcht vor etwas empfin- Len. Sich scheuen, mit einem andern aus einem Glase zu trinken. Sich vor den Blattern scheuen. Sie scheut sich nicht vor der-Liebe, sondern nur vor dem Nahmen derselben. Gell. 2) Als ein Übel zu vermelden suche» ; als ein Activum mit der vierten Endung der Person. Ein gebranntes Kind scheuet das Leuer. Die Kälte, die Arbeit scheuen. Jemandes Umgang scheuen. Das Lichtscheuen. Wo in manchen Fällen auch das Recivrocum gebrauch: werden kann. Sich vor der Kälte, vor der Arbeit scheuen. Aber für sich hiirhen ist cs im Hochdeutschen ungewöhnlich, obgleich Luther es mehrmahls so gebraucht. Sich vor der Abgotterey scheuen, Sir. IL, iZ. Daß sich auch die Höhen fürchten und scheuen auf dem Wege, Pred. i -, Z. Daß ihr vor ihrem Aase euch scheuet, Z Mos. i',n. Z) Aus Achtung Bedenken tragen, etwas jemanden mißfälliges zu begehen, oder den Wohlstand zu verletzen; als ein Ncciprocum. Sich vor niemanden scheuen. Ich scheue mich- es zu sagen, vor wem sollt ich mich scheuen? Sich scheuen jemanden unter die Augen zu kommen. Zuweilen, obgleich seltener, auch mit der vierten Endung. Thue Recht, scheue niemand. Zuweilen gebraucht man es auch mit der zweyten Endung der Sache: wenn ihr euch auch der Sünde nicht scheuet, so solltet ihr euch der Schande fürchten, Hermes; d. i. wennihr euch auch nicht scheuet, die Sünde zu begehen. Daher das Scheuen, noch mehr aber die Scheu. Amn. Schon bcy dem Ottfried Leiukan, der cs nicht nur für meiden und vermeiden, sondern auch für fürchten und befürchten gebraucht; rko er nav teiuken ßilaü, da erihn sich fürchten sähe. Bey dem Notker lkien, von welcher Form es vermuthlich noch herrühret, daß dieses Zeitwort in einigen Oberdeutschen Gegenden, z. B. im Salzburgifchen, irregulär gehet, Jmperf. ich schieh, Mittelw. geschiehen. Im Niederst schouen, schuwcn, im Engl. to elcksw, im Schwed, im Jtal. kckivars, im Span, estk^ui vLr. Ohne Zweifel ist der Begriffdes Fliehens, der schnellen Bewegung, der erste und herrschende in diesem Worte, der auch in geschehen,scheinen und andernVerwandten mehr zum Grunde liegt. Ehedem hatte man davon das Jntensivum scheut- zen, scheusten,sich sehr scheuen, welches mit schießen verwandt ist, und wovon auch unser scheußlich abstammet. S. auch Scheusal. Der Scheuer, ein Becher, S. 2 Schauer. Sche L^jZs Die Scheuer, in härtcrnSprechartcn die Scheure,p!ur.die—n, ein bedecktes Gebäude, etwas darin vor der äußern Wutcriuig zu verwahren. In diesem Verstände ist noch die Ziegelscheuer ein leichtes Gebäude, worin die Ziegel gestrichen und getrocknet werden. In andern Fällen ist dafür im Hochdeutschen Schauer üblicher ; z. B. der Wagenschauep. Ju engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist die Scheuer eiu landwirtbschastliches Gebäude, worin das vom Felde abgebrachte Getreide verwahret und ansge- droschen wird. Die Vogel unter dem Himmel sammeln nicht in -icScheuren,Matth.6,2. Das Getreide in dieSchcuer bringen. Anm. Schon im Salischen Gesetz,. Leuria, bey dem Otifried 8üiura, bey dem Tatian8kiura, im Niederst in der ersteinvei- tern Bedeutung Schur. Der Begriff der Bedeckung und der damit nahe verwandte Begriff des hohlen Raumes ist in diesem Worte der herrschende, daher es mit 2 Schauer und Geschirr zu einem und eben demselben Geschlechts gehöret. Das Franz. LXcu- rie stammet davon ab, sowiedemLateiu.üorreum undArab. üorjou nur der Zischlaut mangelt. Die Endsylbe kann biege» wöhnlicheAbleitungssplbe —er seyn, und alsdann ist dicSchreib- art Gcheure unrichtig; wenn aber auch das r zum Stamme gchö- reu sollte, so hat doch der Wohlklang schon in den meisten Wörtern dieser Art dem r das e vorgesetzt, die sonst unvermeidliche Härte zu mildern. So spricht man gelinder Dauer, .dauern, Mauer, mauern, lauern, scheuern u. s. s. als Daure, dauren, Maure, mauren, lauren, scheuren. Ju den Lettinnen, besonders Niedersächstschen Mundarten, ist für das höhere und edlere Scheuer das nur im Endlaute unterschiedene Scheune üblich, so wie man dieSchcuer in einigen Oberdeutschen Gegenden auch den Stadel nennet. Scheuern, verb. reA. uct. 1) Mit einem diesem Worte eigenen Laute reiben,heftig oder stark reiben. So scheuern sich dieSchwci- ne an den Bäumen, Steinen u. s. s. Im Niederst ist sich scheuern auch sich die Haut aufreiben. 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung scheuert man einen Korper, wenn mau ihn mitSand oder einem andern grobkörnigen Körper heftig reibet, um ihn rein oder glänzend zu machen. Las Rüchengeschirr scheuern. Die Stube scheuern, d. i. den Fußboden der Stube. Daher Scheuere faß, Scheuerlappen, Scheuerwisch,Scheuersand,Scheuerfrau «. s. s. In den Münzstätten scheuertman die geprägten Silber- Münze», indem man sie in einem Sacke mit einem dazu gethanen angreifenden Reinigungsmittel hin und her schüttelt. Der Grund der Benennung liegt wieder in der Onomatopöie, daher man ähnliche Aeinigungsarten, die aber nicht mit diesem Laute verbunden sind, auch nicht scheuern nennet. Das Gewehr, das Silbergeschirr u. s. s. wird nicht gescheuert, sondern geputzet, polieret u. st s. ob man sich gleich dabey eines ähnlichen Reinigungsmittels und eines ähnlichen Reibens bedienet. Jemanden den Kopf scheuern, figürlich, ihm einen derben Verweis geben. So auch das Scheuern. Anm. Bey dem Ulphilas skauran, im Niederst schüren, im Schwed. skärn,lHra und skura, im Eugl.ro leour, imJr- läud. soiursm, im Mittlern Laterne elcurars, und ohneAscher eurare, im Jtal.tcururs, curare, imFranz. elcurer, cu- rer; welche größten Thesis auch reinigen überhaupt bedeuten, obgleich im.Deutscheu dicseFigur nicht mehr üblich ist. DerGnmd der Benennung liegt in der Onomatopöie, so wie scheren, schier u. a. m. damit verwandt sind. Der Form nach kann dieses Wort ein Jntenstvlun von scheuen in der veralteten Bedeutung einer jeden schnellen oder gelinden Bewegung seyn. Härtere Mundarten sprechen und schreiben auch hier scheuren für scheuern. Der Gcheuertay, des —es, plur. die—e, ein noch in einigen OberdeutschenGegenden übliche Benennung derAschcrirrilltvoche, i43Z Sch s von scheuern, itt der veralteten Bedeutung des Reinigen-. Im Schwed, hingegen ist ZkartorsäsZ der grüne Donnerstag, der Donnerstag m der Charwoche, vermnthlich so viel wie Thar- Donnerstag, so wie wir noch Lharfteptag sagen, S.diesesWort. Das Scheuleöer,des—s, plur. utnom.linZ. lederne Klappen, an den Zäumen der Kutsch-und Zugpferde, in der Gegend der Augen, damit fie nicht auf die Seite scheu, und scheu werden können; das Augenleder, Blendleder, die Blende. Die Scheune, plur. die—n, in den gemeinen Sprechartcn, be. sonders Niederdeurschlandes, eben das, was in der edlern Sprcch. azst Scheuer ist. Die Ziegelscheune. Besonders ein Gebäude, das vom Felde gebrachte Getreide darin zu verwahren und aüszn- dreschem Luther gebraucht es in der Deutschen Bibel mehr- mahls, dagegen er in andern Stellen auch Scheuer hat. Anm. Rieders. Schune. Frisch leitet es seltsam genug von schon und schonen ab, weil das Getreide in der Scheuer schön erhalten und grschonet wird. Es ist von Scheuer nur im Endlaute verschieden, und bedeutet, sowie dieses eigentlich auch einen bedeckten Ort, oder hohlen eingeschloffenen Raum. Das alte Oberdeutsche Schank, ein Schrank, das noch bey den Handwerkern übliche Schenke, ein Krug, eine Kanne, das Griech.o-xivq, ein Gezelt, das alte Schm, Skin, die Haut, Engl. 8kin (S. Schinden) und andere mehr sind genau damit verwandt. Der Scheunknecht, des—es, xlur. die —e, in der Landwirth- schaft einiger Gegenden, der vornehmste unter den Drescher», welcher den übrigen vorgesetzet ist, und in andern Gegenden mit einem edlern Ausdrucke der Tennmeistcr heißt. Die Scheuntenne, ^> 1 ur. die—n, die Tenne in der Scheune; die Schenerkenne, und am häufigsten die Tenne schlechthin. Das Scheusal,-es—es, plur.die—e. -) Ein Schreckbild, andere Geschöpfe dadurch zu verscheuchen, dergleichen dasjenige ist, welches man in den Gärten und Feldern zur Verscheuchuiig der Vögel aufzustellen pflegt. Wie ein Scheusal im Garten nichts verwahren kann u. s. s. Bar. 6, 69. In einigen Gegenden eine Scheuche, ein Scheue!. 2) Ein Ding, welches durch feine Beschaffenheit AbschlU, den höchsten Grad des Widerwillens erreget. . Machet eure Seele nicht zum Scheusal, Z Mos. 11, 43. Eine im höchsten Grade boshafte und lasterhafte Person wird daher mehrmabls ein Scheusal genannt. Anm. Esist eben nicht nöthig, die letzte Sylbe in diesem Worte füc die AbleitUttgssylöe—sal zu halten, indem cs auch aus dem veralteten scheutzen, scheußen, für scheuen, und der Eudsylbe —el, ein Ding, Snbjcct, Werkzeug gebildet seyn kann. In den gemeinen Sprecharten lautet es auch wirklich Gcheußel. (S. das folgende.) Das ungewöhnliche Vepwortscheusälig, welchesZa- churiä Ein Mahl gebraucht: Scheusaligstes Gesicht im Zimmelund auf Erden, ist daher in dieser Rücksicht zugleich unrichtig, rüdem das Beywort von Gcheußel, scheußlich lautet, wie von Gräuel, gräulich wird. Luther gebraucht dieses Wort auch in dem ungewöhnlichen männ- licheu Geschlechts. 3 ch will einen Scheusal aus dir machen, Nah. z,6. Scheuslich, oder vielmehr Scheußlich-, — er, — ste, ackj. ek ack v. sv wohl Scheu, d. i. mit Begierde zur Flucht verbundene Furcht, als auch Abscheu, den höchsten Grad der Abneigung und des Widerwillens eiuflößeud. Scheußlich ausschen, so wohl, daß mau davor entfliehe» möchte, als auch so, daß mau de» höchsten Grad des sinnlichen und geistigen Widerwillens dagegen empfindet. Scheußliche -Larven erschienen, davon (davor) sie sich entsetzten, Weish. 17, 4 . .L Mos. 2 Z, 2, z, wird verordnet, rinem Verbrecher nicht mehr als vierzig Schläge zu geben, damit Lein Bruder nicht scheuslrch vor deinen Äm§cn sey, -durch seine Schl 1434 vertvlillöetcGestalt nicht Ekel und Abscheu elnflöße. Sich scheußlich stellen. Ein scheußliches verbrechen, ein abscheuliches. Anm. Im Rieders, schuslik. Es ist von dem veralteten scheuv en, scheußen, welches das Jntensivnm von scheuen ist, und einen hohen Grad der Scheu empfinden bedeutete. Ihr scheuezete vor Stechen und Turnieren, ihr grauete davor, Hagen bey dem Petz. Die Scheußlichkeit, plur. iaus. die Eigenschaft eines Dinges, nach welcher es scheußlich ist. Die Scheue, oder Schebe, plur. inul. oder im Plural die Scheven, Schoben, linS. ivusi. ein nur im Niederdeutschen übliches Wort, welches die Splitter der Hanf und Flachsstängelbezeichnet, welche im Brechen, Schwingen und Hecheln aöfallen, und in einigen Oberdeutschen Gegenden die Agen genannt werden. Im Fries, ist Schief Kaff, Spreu, und im Hebr. ein Splitter, Brocken. S. Schiefer und Schaben. 1. * Die Schicht, ein veraltetes, noch im Niederdeutschen übliches Wortfür Geschichte, S. dasselbe. 2. Die Schicht, —en, ein Wort, welches wie schichten ursprünglich das Jiitensivum von schehcn, schechen u ft f. ist, und eigentlich den Laut einer schnellen gelinden Bewegung nachah- mct, wozu auch scheuen, scheuchen und schüchtern mit ihren Verwandten gehören. Notker gebraucht lki^tiZ noch für fliehend. . Die Bewegung eines andern Dinges beschleunigen; wo es zu bcmGeschlechtc der Wörter scheuchen, schachen im gemeinen Leben für jagen, Jtal. caceiare, dem Griech. kommen, und andern ähnlichen Wörtern mehr gehöret. Es ist hier noch in einem doppelten Falle üblich, i) Für eilen, als ein Reciproeum. Schickt euch, eilet, macht fort. Ich will mich schicken, eilen. DasBepivort geschickt nsird noch oft für behende,schnell und leicht in seinen Bewegungen gebraucht. 2) Zn weiterer Bedeutung, machen, daß ein Ding an einem andern Orte gegenwärtig werden wo cs doch nur noch in einigen Fällen gebraucht wird, weil die yieisieuÄrLeu dieser Handlung ihre eigenen Rah-yenchaben, wohin z B. werfen, tragen, fahren u. s. f. gehören. Zn engerer Bedeutungn chicht man so wohl Personen alsSacheu. Personen Werden geschickt) wenn man ihnen Befehl oder Auftrag ertbeilet, fi b an einen Öetzu begeben. Der Ort, wohin man fchickr, bekommt die Vorwörter zu, in, nach, an u. s. f. Linen Bothen nach der. Grabt, in sie Grabt schicken. Schicke deinen Bedienten;,, mir. Eine Armee in des 5eindes Land schicken. Au jemanden ichicken. Seinen Sohn auf Reisen schicken, jemanden in das Elend schicken, ihn verweisen. Zuweilrm stehet auch die dritte Endung der Person. Schicks mir deinen Bruder, oder schicke ihn zu mir. Die Sache, welche der tzeickickte hohlen soll, bekommt das Vorwort nach. NachBrot, uach Wein, nach dem Docror schicken. Ich will nach der »vache jchicken.Jur Oberdeutschen gebraucht nianhafür dasVor- wort um;-um Bror, um den Docror schicken. Die Sache, welche der geschickte thn,, soll, kann zuweilen durch den bloßen ^M'iitiv ausgedruckt werden. Ein Rind schlafen schicken. Dr ttsts Zeitwort, wenn cs von Personen gebraucht wird, eiuen Befehl, oder doch einen vertraulichen Auftrag voraus setzt, so verstehet es sich v,on selbst, daß man dieses Wort iftcht gebrauchen ^rnn, wenn man nur zu bitten hat, und sich mit Anstand und Bebmih,amkeit ausdrucken will. Einen Hähern schickt man nicht. Aachen werden geschickt, wenn man ste dur H eilten dritten an ei- nenOrt bringen, oder daselbst gegenwärtig lverdeuiäßt. Ieman- tchicken. Mas hat dir dein Freund ge» o)lckt i' Ich will es dir durch deinen Bedienten schicken. Einen riefaufdie Post-, Maaren mir der Host schicken. Güter nach ^'ipzig, nach London schicken, es geschehe nun zu Wasser oder s» r.andc, auf welche Art cs wolle. Z-r beydeu Fällen ist dieses or , wie schon Stosch bemerket, im gemeinen Leben und der vertkü'ullchen Sprechsrk am üblichsten; in ber hohem gebraucht man dafür senden, besonders wenn von wichtigen Dingen und Personen die Rede äst. Eben dieses gii-t auch von öenZusanimett- setzuugen abschlcken, verschicken, einschicken, wegschickenm. s. f. Zn weirerm Verstände sagc.man, jemanden dre andere Weit schicken, Mittelbarer oder unmittelbarer Weise-die Ursache seines Todes seyn. Ein Buch in die Meir schicken, cs heraus geben. Z) Figürlich, in der Reihe der zufälli-en Dinge wirklich werde» lassen, besonders von der Einrichtung der menschlichen Beräude- ^rungen, welche ohne unser Zuthun erfolgen,; fugen. Der ^.err schickes also, 2 Sam. »7, >4, füget, ordnet, verhängt es so. Gott schickt dem Mensche« Rrankhei?, Leiden u.-s. f. Sprichw. Gott muß es schicken, wenn es soll glücken. Znaleichen als em Reciproeum, so fern ma,l solche Veränderungen einem Zufalls .öder .Ungefähr zuschreibt. Es kann sich noch wunderlich schicken. Mas seyn soll, schickt sich gleichwohl. Es mußte sich schicken,"daß ich ihn nicht-zu Hause amraf. Man weiß oft nicht, wie sich etwas schicken soll. Es kann hier als das Factitivum von schehen iugeschehen angesehen werden, geschehen mischen.; indessen findet auch die folgendeBedeutuna desOrdneus, Anordnens, Statt. S. auch Schicksal, Schickung rind Geschick. s. Geschäfte verrichten; eine gleichfalls von der Bewegu ng entlehnte Figur, wovon schäften, geschäftig und Geschäft nur im Endlaureverschieden find. Es ist hier als ein Neutrum üblich, wird aber nur noch hin und wieder im gemeinen Leben-gebraucht- Er hat immer was zu schicken, ist immer geschäftig. Ich mag nichts mehr mit ihm zu schicken haben, zu thnn. Sie sollen m't ihm nichts schicken und tauschen, und der Schick soll .Lichts gelten, bey einem Schweizerischen Schriftsteller, wo zu- -gleich das im hochdeutschen unbekannte Schick zu bemerken ist. z. In engerer BedeulunK werden verschiedene besondere Arten der Geschäftigkeit durch dieses Zeitwort ausgedruckt. - ) Rüsten, Fch rüsten. Schicket euch, und sie schickten sich, t Köu.20, 12- Sich zur Arbeit, zur Reise, zum Tode, zum Sterben schicken. - Es schickt sich alles zum Mutter. Der Himmel schickt sich zum Regen. Figürlich auch sich gefaßt halten. Schicke dich zur Anfechtung, Sir. 2, .i. Als eine Figur kann auch der sonst ungewöhnliche biblische Gcbrauchangesehen werden. Er schickte fein Herzruche, daß er den Herrn suchte, 2 Chrom »2, u 4. Dir ihr Herz schicken , Gott zu suchen, Kap. 30, 9. Schicke dich Zsraei, begegne deinem Gott, Hof. 4, 1-. Frühe will ich mich zu dir schicken, Ps. 5, 4. 2) Die nöchigeOrdnimg, Ge- Oalt und Fähigkeit zu etwas ertheilem Im Schwedischen ist iLHeka ordnen, in Ordnung bringen. Im Oberdeutschen sagt -man noch, eine Materie zu einer Gestalt schicken, d.,i. bilden, ii.hr eine GcKaltsrthrilen. Daher das Ober- lsnd Niederdeutsche Schicken, die Gestalt. Er schickt sich albern dazu, sagt mau von jemanden, dse sich bey einer Handlung oder Verrichtung auf eine ungewöhnliche Art ünstellet. Zm Hochdeutschen wird eS nur als eiy Reeiprocrun im figürlichen Verstände gebraucht, sich schicken, das nöthige Verhälkniß, die »öthig^Gestaltt, die uöthige Fähigkeit, kurz, jede nöthige Beschaffenheit im Verhältnisse gegrrreiu anderes Ding haben. Der Rock schickt sich nicht zur Weste, .»ss sey mm in Ansehung der Größe, oder^dec Farbe, oder sonst eigner andern Rücksicht. Die Antwort schickt sich nicht zu der Frage. Lajus schickt sich gar nicht zu dem Amte, hat nicht die nölhigen Eigenschaften dazu. Vas schickt sich nicht zur Sache. §wey Personen schicken sich gut zusammen, wenn ste beyde die zu einer.Absicht erforderlichenEigeuschaften haben. (S. auch Geschickt.) Aber, sich in etwas schicken heißt die uöthigeFähigkeit, Willigkeitund Einsicht zu etwas erlangen. Er weiß sich gut in die Sache zu schicken. Sich in fein Eiend schicken, dasselbe mit Gelassen- i-IZy Schi Gelassenheit ertragen. Sich in jedermann zu schicken wissen, srch nach jedes Gemiithsart richten. Sich in die Zeit schicken, sich nach' den Umständen derselben betragen. Jugleichsn, eine Sache nach ihren Gründen einfthen; ich kann mich in seine Schmeicheleien gar nicht schicken, wofür doch sich finden üblicher ist. Z) Im engsten Verstände schickt sich ein Ding, wenn cs dem Wohlstände gemäß ist. Das schickt sich nicht für dich, ist deiner Würde nicht angemessen. Schmeicheleien schicken sich für keinen gesetzten Mann. Es schickt sich nicht, daß man zur Zeit der Trauer bunt/ Rleider trage. Das'würde sich nicht schicken. Daher das Schicken, welches doch in den rcciproken Bedeutungen ungewöhnlich ist. Das Hauptwort die Schickung stehe «n seinem Orte besonders. Anm. Frisch und andere haben schon bemerket,daß dieftsWort Ley unfern ältesten Oberdeutschen Schriftstellern nicht angctrof- fen wird, ob es gleich alles Ansehen eines allen Wortes hat. Es scheinet zunächst ans der Niederdeutschen Mundart herzustammen,in welcher es gleichfalls schicken,so wie im Schwed, l'kicka, lautet. Es ist allem Ansehen nach das Jntensivum, und in manchen Fällen das Factitioum, von schoben in geschehen, so wie schichten dessen Jntenstvum in andern Rücksichten ist. Mit der ältesten Bedeutung der heftigen Bewegung sind auch schaukeln, das veraltete schaken, stoßen, Franz, ellocc^uer, u. a. m. vcr- ^ wandt. Provinzielle Bedeutungen sind noch das Ober- und Niederdeutsche aufschicken, aufputzen, eigentlich in die Ordnung stellen, d-^s bey den Jägern übliche beschicken, befruchten, dasOberd. Schick, Anlaß, Gelegenheit, Ursache u. s. s. Schicklich, —er, —Ile, sch. et säv. was sich schickt, in-der drit- . ten Bedeutung des Zeitwortes, der Sache und ihre-stttmständen gemäß; im Gegensätze des unschicklich. Eine schickliche Antwort geben. Jeder Sinn hat seine eigene schickliche Materie, welche die Nerven in das erforderliche Spiel setzt. Sie hielt es noch nicht für schicklich, sich zu erklären. Sich m allen Umständen auf die schicklichste Art zu betragen wissen. Im Österreich, ist dafür schicksam üblich, und im gemeinen Leben wird geschickuch auch für geschickt gebraucht. Die Schicklichkeit, plur. inul. die Eigenschaft, da eine Sache schicklich, d. i. den Umständen'gemäß ist; im Gegensätze der Unschicklichkeit. In Geschicklrchkeit hat es noch eine andere Bedeutung, S. dasselbe. Das Schicksal, des—es, plur. die—e, ein Wort, von welchem sich weder in den alten Denkmählcrn der Deutschen Sprache, noch in den heutigen mit den Deutschen verwandten Sprachen einige Spuren finden. Es ist von demZcitworte schicken, m der Bedeutung des Vcrordnens, Veranstaltens, und der Ableitungssilbe —sal gebildet, und wird m einem doppelten Hauptverstande gebraucht, i) Von Begebenheiten und Veränderungen einesDi». ges, welche nicht in dessen Willkühr stehen, welche ohne dessen Zuthun in einer unbekannten Ursache außer ihm gegründet sind, wo man es besonders von unwillkührlichen menschlichenVerändernn- gen,und selbst von solchen gebraucht,derenGrnnd in dem vorher ge- hendenVerhalten d?sMenschen man nicht einsiehet.wenn sie gleich wirklich in demselben gegründet sind. Ein Mensch hat sonderbare Schicksale, wenn er ohne seine unmittelbare Mitwirkung sonderbaren Veränderungen ausaeictzt ist; wo es auch collective von der ganzen Reihe solcher Veränderungen gebraucht wird. Der groß" Gedanke, Gott regieret und ordnet die allgemeinen und besonnen Schicksale der Menschen — ist göttliche Beruhigung des Herzens in Unfällen und Leiden, Gell. Ihr Schicksal (die ganze Rühe der Veränderungen) ist wunderbar; es ist aus kleinen Schicksalen vieler an einander gekettet, Jaev» Schi 1440 bi. Sich in guten und bösen Schicksalen gleich fepn. -) Dasjenige We^n, in welchem diejenigen Veränderungen in.derWelt gegründet sind, deren Zusammenhang ans dem vorhergehenden Zustande nicht begreiflich ist. Nach der christlichen Philosophie ist dieses Wesen rein anderes als Gott; allein man gebraucht das Wort Schicksal nur noch in dem Verstände der ehemahligen heidnischen Philosophen, welche noch ein gewisses unbekanntes Wesen außer Gott annahmen, von welchem die Veränderungen in der Welt und den menschlichen Begebenheiten abhängen sollten; es sey dieses nun ein Ohngefähr, oder eine unbedingte Nothwondig- keit u. s. s. Der Unglaube macht das blinde Schicksal zu einer gesetzgebenden Person. Gesundheit, Schätze, Ansehen, alles was der Thor anberhet, hat das lachende Schicksal über ihn ausgeschüttet, Dusch. Wo man denn oft weiter nichts', als die Veranstaltung und Verbindung der menschlichen Begebenheiten verstehet, so fern sie nicht unmittelbar von ihm selbst herrühren. S. auch Geschick. S. Schicken r Z), von welcher Bedeutung dieftsWort herstammet. Die SchtckunF, plur. die—en, welches hier nichtzunächstdas Verbale voir schicken, sondern ein aus demselben und der End« sylbe—ing oder—ring zusammen gesetztes Wort ist, welches so wie das vorige,aber in einer dem christlichen Lehrbegrisse mehr gemäßen Bedeutung gebraucht wird. 1) Menschliche Begebenheiten, so fern sie zunächst i n der Vorsehung oder Veranstaltung Gottes gegründet sind. Sich in alle Schickungen Gottes ergeben. Es war eine besondere Schickung, daß u. f. ,f. 2) Die Vorsehung Gottes, so fern sie sich b eso u Vers in Anordnung und Veranstaltung der rnenschllchen Begebenheiten und der Veränderungen in der Welt äußert. Sich auf die Schickung Gottes verlassen. Anm. Im Niederst bedeutet G-pickungeine jede Einrichtung und Anordnung. In seinem Hauswesen eine ander/ Schickung machen, eine andere Einrichtung. Schiebchen, in einigen Gegenden ein Nähme des Hshlunders, S. dieftsWort. Die Schiebebank, plur. die—banke, eine Bank der Drahtzieher, an welcher die metallnen Zaine durch Menschenhände zu groben Drahte gearbeitet werden, welche Arbeit eine Art des Schiebens ist, daher diese Drahtzieher auch Schieber genannt werden; zum Unterschiede ko wohl von der Ziehbank in den Drahtmühlen, als auch von den Ziehbänken der ferner« Drahtzieher. Der Schiebebock, des —es, plur. die —bocke, S. Schieb- karren. Der Schieberolben, des—s,plur. M vorn. sing, ein Nähme, welchen bey den Schlössern eine Art Zange führet; vcrmuth- lich auch eine solche, bereit sie sich bey dem Ziehen deS groben Drahtes bedienen. Schieden, verv. irreZ. ich schiebe, du sch lebst, (Oberd. scheubss) er schiebt, (Overd.scheubt;) Jmperf. ich schob ; Mitttllv. geschoben; Jmperar. schieb (Oberd. schenk). Es ist in doppelter Gestalt üblich. I. Als ein Activum, auf einer horizontalen oder fast horizontalen Fläche einen andern Körper nach und nach so vor sich her fortdrücken, daß man allcmahl dessen Stelle cinnehmc; wodurch sich das Schieben von dem Ziehen,Drucken Heben, Stoßen u.stst untcrsch, idet. Einen Aalleiisovtschieben. DenTrschandw Wand schieben. Den Vagen in den Schuppen schie..eu- Gchieben helfen. Den R.egel verschieb'^. Etwas nncigeat- / licher schiebt der Ochs in der Landwirrh chaft, wenn er oen Wagen oder Pflilg vermittelst der Stien ziehet. (S. Schiebochs.) Bror in den Ofen schieben, wie die Bäcker chun. Etwas auf die lanZe Bank schieben, figürlich eine Sache auf erm r44r x- Schi, stimmte künftige Zeit anssrHen. Zm Obcrbcutschrn schiebt man auch den Bissen in den rNund , man schiebt etwas m die Tasche, wo man im Hoch-c,ttschen das Zeitwort fteckcn gebraucht. Sich schieben, das Rrciprocum, aus seiner horizontalen Lage seitwärts verrücket werden. Das Papier hat sich geschoben. In -er R. A. Hegel schieben wird es für rollen oder schießen gc- braückt, indem es sich hier clgcMch auf die Kugel beziehet. Es ist hier ohne Zweifel ein Überrest einer Oberdeutsche« Bedeutung; wenigstens fagt man daselbst noch im Diminutivs schiebeln von dem Rollen kleiner Körper. Figürliche Arten des Ausdrucks sind: einem etwas in das Gewissen schieben, es ihm vor Gott und Menschen zn verantworten überlassen, es seinem Gewissen heim stellen. Die Schuld auf jemanden schieben. Einen Antrag von sich schieben, ablehncn. Ehedem wurde es auch für beför, -ern gebraucht, wovon unser Vorschub noch ein Überbleibsel ist. An ciuigenOberdeutschcn Gegenden wird es auch noch für schicken, senden, gebraucht. Jemanden zu etwas schieben und ordnen, senden und abordnen, Tschudi Hey dem Frisch. Daher ist noch zu Wien der Schub der TranSpoprdes liederlichen Gesindels auföer Donau nach Ungarn. v U. Ais ein Neutrum, mit dem Hklfslvorte haben ; doch nur in einigen Fällen des gemeinen Lebens. -) In der Landwirth« schaft schiebt einThier oder cs schiebt Zähne, wenn es die Ju- gimdzähno verlieret, wer! die neuen Zähne die alten gleichsam vor sich her schieben. 2) Auch das Wachsen der Gewächse wird zuweilen schieben genannt. Die Pflanzen haben gut geschoben, sind merklich in die Höhe gewachsen, z) Im Gehen schieben, mit voraus gestrecktem Kopfe rrägenmd schwerfällig gehen, als wenn man etwas schöbe. So auch das Schieben. Anm. Bey dem Ottfcied im Jmpcrf. lcoub, im Schwabenspiegel icklubs», im Niedres, schi'rven, im Angels, scukan, im / Englischen W Üio ve, im Schwedischen skukvA. Es ist, wie alle Zeitwörter, eine Duomatopöre, welche den mit dem Schieben verbundenen Laut Nachahmer ; und da dieser Laut mehrrrn sonst verschiedenen Handlungen gemein ist, so wird sich auch nickt leicht eine Beschreibung dieses Wortes achen lassen, welche genau auf alle Fälle passte. Die obige istaufdie meisten gerichtet, denn es gibt freylich auch Fälle, wo man ei» Ding senkrecht in die Höhe und niederwärts schiebet, wie z. B. einen Schieber, obgleich für diese Richtungen drücken, heben u. s. s. in andern Fällen üblicher sind. Das Hebr. sich umwcndc/« scheint damit verwandt zu ftyn. Das Intensthum von »nftrm schieben ist schuppen, mit einem Slaße schieben, Franz/ekfixper. Die im Hochdeutschen irreguläre Form des Präsens kommt unter andern snch bey dem Opitz vor: Scheuö nur aufGott dein Thun und alle Sachen. Der Schieber, des — s, ^lur.ut nom. linZ. von dem vorigen Zeuworte. ») Eine Person, welche sck-irbbt. I« dem Kcgelspielc -wird derjenige, welcher zu schieben hat, der Schieber genannt. . Jn ber Landwirthschaft iff derSchieber oderSchicbochs ein Ochs, welcher mit der Stirn ziehet. Bey den Drahtziehern ist derSchie^ ber derjenige, welcher drn groben Draht auf der Gchiebebank ans frever Hand ziehet. 2) Ein Werkzeug, woniit rnarr schiebet, in welchem Verstände die Bäcker Brorschieller, Rohlcuschwber, äolzschieber, Ärrchenschieber haben, das Brot u. s. s. in den Ofen und die Kohlen ans dem ch>fen^iu die Kvhlentonne zu schieben, welches Arten flacher Schaufeln sind, z) Ein Ding, welches geschoben wird, in welchem Sinne Arten von Deckeln, welche meiner Nicht auf-und zugeschobrn werden können, Schieber heißen, Zn manchen Gegenden, z.B. in Nredersacksin , führet auch ein jeder Riegel diesen Nahmen. 4) Ein Ding, welches fchwben macht. Dahin gehöpet diejerüge conprllsivischc Krankheit Schi 1442 . > > ' ' . Pferde, welche in manchen Gegendöwnrtterb-m N-Hmen des Schiebers bekannt ist, wobey das Pferd dumm ist, nicht frisst, mit dem Kopfe gcgM die Krippe drängt, und immer vor sich hi« ^ schiebet, bis es stirbt. Der GchieLkarren, oder Gchiebekarren, des —s, xlur.ut nons . liUZ. ein Kasten mir einem Rade, welchen eine Person vor sich her schiebet; in einigen Gegenden der Schubkarren, die Ra- dcberge, der Lastenkarren. Hat dieses Werkzeug statt des Kastens ein Gestelle, so heisst es ein Schisbebock. Der Ächnebochs, des — en, plur. die — en, in der Lanbwirrh- schaft, ei» Ochs, welcher mit der Stirn ziehet, der Schieber; zrim Unterschiede von einem Zugochsen, weicher dasZoch am Haü se trägt. Der SchrebsüE,oder SchubsaE, des — es, xlur.dic—sacke, eine im Oberdeutschen übliche Benennung einer Tasche. S ehe Schieben. Die Gchlebstange, plur. die—n, eine Stange, womit man etwas schiebet. Dergleichen Schiebstangcn haben die Strom- schiffer, dre Schiffe damit fortzuschieben. In den Schneidemüh, len ist es eine Stange, welche in den Zahnring eingreift und den Sägeblock vorwärts schiebet.' i.DsvSchieö, des—es, plur.'die —e, in einigen Gegenden, der Nähme eines Fisches, der in andern Rappe heisst, (S. r Rappe.) Vermuthlich wegen seiner Raukchcr, von schaden, verletzen überhaupt, obgleich die Schade eine andere ArtFrsche ist» 3» De? Gchreö, des — es, xlur. die — c,- das Hanprwort.von dem .Zeitworte scheiden, welches für sich allein im Hochdeutschen veraltet ick, aber noch in Abschied, Unterschied und den folgenden Zusammensetzungen bepdehalten ist. In andern Fallen lautet ' es Scheid. Der Gcyiedeschcrchf, des — es, x>lur. die— fchachte / im Bsrgbaue, ein Schacht, so ferner zur Bestimmung der Gränzen, der Zechen u.^d Massen dienet; vielleicht besser Scheideschacht. Schiedlich), LÜH et uckv. was sich scheiden lässt; in wi'Lchem Verstände es doch nr-irin figürlicher Bedeutung in unterschiedlich üb« Lich ist, (S. dasselbe.) Nacsseirrer andern Figur ist schiedlich noch hin und wieder so viel als verträglich, Neigung und Fertigkeit de, sitzend, sich durch Nachgeben in streitigen Sachen leicht von dem andern zu scheiden. Schiedlich und friedlich leben. DieSch-reömauer, oder Gch-ieösmaner, plur. die — n, eine Mauer, welche zwey Dinge, besonders zwey'Häust'r, von einan- dccfcheidet;. vielleicht besser Scheidemaner,. wie Scheidewand. Der Schieörajn, des — es , plur. die — e, in der Landwirth- schaft, ein Rain, so fern er mehrere Äcker von einander scheidet. In engerer Bedeutung ist der Schiedrain ein solcher Rain, der die Äcker einer Flur von einander scheidet / zrun Unterschiede'»?»! den Gränz - oder 5 lurrainen. - Der Gchredsrnünn, des — es, xlur. die — männer, oder —leure, eine Person, welche erneu Streit entscheidet, sie mag nuri dazu erwählet oder auf andere Art berechtigt seyn, und weiche man in einem etwas höher» Verstände auch einen Schiedsrichter, und wenn sie von beyden Parteyrn frcywillrg erwählet worden, sinen Schredsfrennd nennet. Gchtecsmann kann im Singular von beyden Geschlechtern gebraucht werden, so wie Schiedsleute ' im Pldral, welches letztere über djeß nur von Personen geringer« Standes gesagt wird; Schiedsmänner setzt Personen männlichen Geschlechtes voraus. (S. Mann.) Luther gebraucht Hiob 9, Z Z das unge'.vöbnliche Scheidemann. D i e S'chi' 0 d s p roh e, plur. die — n , im Hüttenbaue, die dritte Probe des Erzes, welche vsrgenvmrrr'en wird, wenn die Proben des Hnttenschreibcrs und des Gewcrkpn-Probiorins nicht mit einander Übereinkommen, tzud welche auch di? Gegenprobe gcncumt ir-rd!. N p p Y > D-e 1 L44Z Schl Dev Schiedsrichter, des—s, x»!ur. ut vom. 6nZ. Fauum die Schiedsyichterinn, wie SchiedSmann, doch m einem hvhern Becsianveuud in deransiändigernSchreibart.Feepwillig erwählte freundschaftliche Schiedsrichter wurden ehedem auchAusträge, Suhnleute, Obleute, Tageleute, Tagesherren, Sprecher, Gvruchleute, Theidinger, Theidmgsleute u. s. f. genannt, so wie sie in Niedersachsen Mittelmänner oder Mittelsleute heißen. Der Schiedsspruch, des — es,?lur. dre-spruche, ein Ans. svruch, s» ftrn derselbe einen Streit zweier Parteyen entscheidet, besonders so fern er von einem freywillig erwählten Schredsrrch- DttS-dstem, -es-es,'xlür. di--e, in einigen Gegen. ^ eUr Nähme eines GräuzstcineS, besonders so fern er d.e Äcker einer und -ben derselben Flur scheidet; wie Gchredrarn. «ck-üedE, plur.inut. ein im Hochdeutschen ungewohu. ^che^Wort für Scheidung. Ehedem wurde so wohl das Anden- des Todes Christi, als such die Himmelfahrt Man» dle Schi-dun- genannt. Zu Halle in Schwaben sind Sch'edungs- lE-en gewisse Rathsherren, welche über Frevel,Maul,chelle« nnd .^kleine Verbrechen richten, und auch Bmtgilngsherren bSen well sie auch die Streitigkeiten über Linigunsen, d. i. Verträge, von geringem Werche entscheiden. Dr>Schwö«an^ -a»ist, von der sdrr Perpendieular-Linie abweichend, und in weiterer L L °°°. °d-°R,ch.°ag abw-ich-ud. 7 G. atltch. w-w-" -'»- j-d- g-r.>d°-Lm,-, w-m, fi- »°u d» ^»k. oder -uass-rr-cht-n Mchiuug, und im w-it-rn B-chand-, °-n senk- oder » N seicht, schief nennet; daher cs den« ^ daß dieses Wort oft den Begriff des Fehlerhaften Ley fchi-f. --an ^ nich. ,-n-n s-,.-, »ckt st-b-I L« Tisch »-h-- schi-5 «n„ -r mcht»°ll,s bo-ij-n- und im umter« D-rsinnch-, w-nn -r -uch! milchen W-ind n d',S Z>mm-rt! «m schi-f-° W",k,l,,» ^ dessen Schenkel von der horizontalen und perpen- N Richtung qÄ im S-g°nsttz- -in.- --ch.-u; m», tz n dmn s°w°di di-spigig-n -l- stunixf-n Wink-l g-r°--n. «..c» .s-8l--d-, welch- °°n b--d°-iz°nlnl-n abn>-lch,. L,i,m Luis b-b-n, wenn » nichl ,-rp-ndicular ,fl. Schi-f sch - bm wagen hiing. schi-f- Lin schi-f-- Maul machen d°S R»,.l v-qi-d«»- Einen schl.s-n S-.--nbl,-k aus tbun ihn von der Seite ansehen. Die Perrucke fitzt fanden h r , S Ärumm und schief find sehr W-s s»i-fP' kann -N und fiir sich selbst, s-in-n ^l?5"»°-r-d°stnn da-Schi-f- d°ii-h°- st« bloß «u, da- D°ch 0 tni^d»R-chwug«g-na,,der-K°r°». Ll-d-ss-ns-br-uch« mand°ch schi-f in d°n g.m-in-nSp-.ch----».n-lnch°°S-s-nd°., "sch .Lumm i!> B. schi-f- B-.n- d-«»' « Schrat- 7 aber doch mehr proyrnzrelle» Wort, für lchref, ind ss"n d-uckl l- di- °°° der senk, oder w-ss-»°ch.-nAich,llng-b. . 7« ^„.„^-.klaemein nnd überhaupt aus, ohne denNe-- weichend-R 4M" LLänfich',n b-b-n, welch-- S 5d kB»" -. FiB-lich. -'-in, SaL. u-b!l schief wknn st- nicht s- gebet, wie st- s°ll nnd ,m° m»*°ünfch-^ ->Schi-f denken, schi-f u-ch-tl-n, «-.chtig. «lckt s, w - mS-, s°ll. und wl- di- Sach- -- --,«rd-tt. Leu,ch>-- f küktheil, ein sch.-se- Ged.nse. «m w--k -u,- „nem s-,.-- s-nS-ffch--"un-,-b-n«heil-n, „ich- au-d°mge»°e>g-n, ^ Anm In den zemrinenSpr-chart-n schuf, schef- Aepp, sch-,5 i'M'-'b schiebicht, im Niedecs. scheev, im Engl. alkew, skue, im Schwed, skek, im Drirch. link eigentlich Mf bedrutvie, em lchrefts 3.^^-, b.p r444 dem Scholiafien des Sophokles; im Lqt. spLsvus. Es stammet von schieben, verschieben her, wie aus dem Oberd. schiebicht für schieferhellet. MitandernEndlauten gehören auch dasOber- und Niederdeutsche schäl, schell, schelch, (S. Schel und Schielen,) und das Oberd. fchech, scheg, scheck, schief, hierher. Die Schiefe, x»!ur. die — n, das Abstractum des vorigen, die Eigenschaft eines Körpers, da er schief ist, in den niedrigen Sprecharten die Schiefigkeit; ohne Plural. Zuweilen, obgleich seltener, auch eine schiefe Flache, d. i. eine Fläche, welche von der HorizotaLinie abweicht. ».Der Schiefer, des — s, plur. ut vom. 6nA.eine.Art eines in den meisten Gegenden verbothenen Fischergarnes, welches auch eine Schabe genannt wird. Ohne Zweifel als das Jntenfivum vo» - schieben oder schaben. Mit einem solchen Garne fischen wird da. her schiefern genannt. -. Der Schiefer, des -—s, plur. ut vom. 6vg. i) * Überhaupt, ein jedesDing, welches in dünnen Blättern von einander gehet, oder sich in solcher Gestalt theilen läßt, in welchem im Hochdeutschen ungewöhnlichen Verstände, dieses Wort noch im Oberdeutschen üblich ist. Z. B. der Schiefer auf dem Ropfe, Unreinigkeit, welche sich in Gestalt der Schuppen absondert. Siehe dieses serwandteSchuppe. In weiterer Bedeutung wird ein jederSplit: ter, d.i. ein dünnes, langes, spitziges Bruchstück eures Ganzen, im Oberdeutschen einSchiefer, und in manchenGegenden im weiblichen Geschlechts, eine Schiefer genannt. Sich einen Schiefer Ln den Zufi treten. Daher die eben daselbst üblichen figürlichen R. A. einen Schiefer auf jemanden hab«i, einen Groll, mttir Unwillen. Einen Schiefer im äerzen haben, gleichsam eine» Splitter, d. i. ein heimliches, kränkendes Anliegen, ein berwun- östes Herz habe». In allen diesen Fällen ist es im Hvchdemschk» ungewöhnlich. Das Niederdeutsche Scheue gehöret gleichfalls dahin. (S. Schieferzahn.) 2 ) An engerrrund gewöhnlicherer Bedeutung ist der Schiefer eine Steinart, welche aus groben Blätter» bestehet, mrd sich leicht in Blatter spalten läßt, wo dcr Plural nur von niehrern Arten oder Quantitäten üblich ist; der Schieferstkin. So wird bey Lüneburg ein harter, schwarzgraurr Alabaster, welcher inBlättern bricht, .aber keine Politur annimntt, daselbst Schiefer genannt. Der thonartige Schiefer, der aus einem 'Verhärteten Thone bestehet, Ralkschiefer, dessen Beflünd» Heile Kalk sind. Schwarzer, weißer, blauer, wvcher, brauner Schiefer, welcher auch nnr Schiefer schlechthin, und lvegc» seines Gebrauches Dachschiefer genannt wird, ist ein verhärteter Moder. Rttvfsrschieft-r, welcher Kupfererz bey sich führet.. ^ Anm. Zm Nieders. Gchevel, weil dir Endsylben —-el un» —er gleichbedeutend find, im Engl. 86iver, im Schwedischen Zkikvsr, und selbst im Hobr. 22 V. Das Griech. und Lai. LoLMus, Schiefer, find gleichfalls nur im Endlaute vcc, schieden. ES stammet von dem noch im Schweb, «blicheg l'kiktL, spalten, her. Im Zral. heißt dcr Schiefer in der letzten Bedeutung 8cuAliu, welches zu Schale gehöret, und 8LL8' In einigen Ober- und Niederdeutschen Gegenden wieder Schiefer äbepe und Eeiden geimnuZ, welches allem Änst- hell nach von Lage abstammet. Das Schreferbbau, 5ub6. inäeLNv. plur. car. eine feine M Bergblau, welche wie eirr Sand an dem Schiefer hanget. ^ Der Gchieferbrüch, des—-es, plvr. die—brüche,^ bruch, in welchem Schiefer gebrochen wird. . Das Schreferdäch, des —es, p!ur. die—dacher, ein mu Schiefer gedecktes Dach. . Der Schteferöelker, des —s, plur. ut nom. 6nss. k Ult eigene Art Dachdecker, welche mit Schiefer d ekeu ; Rieders. Lcr- - »md-L-r. v,, r44§ Schl Düs ScklttfekAeI)rrtzb, des —s,plur. ut vom. liriA. e>na»s Schiefer bestehendes Gebirge, auch in bergmännischerBedeutung, wo eine jede beträchtliche Erd- oder Steinmasse unter der Erde ein ' .Gebirge genannt wird. Der Schreferyeschworne, des — n, plur. dw—n, beeidrßte Bergbediente , welche gewisse Zechen in ihrer Aufsicht haben, nnd auch Schaulwvren. Ginkler und Gcschworne schlechthin gntaiurt »veeden. Der Nähme Schiefergeschworne scheinet nur rn den Gegenden üblich zn seyn, wo auf Kupferschiefern gearoeuet Das Gchrefertzestein, des —-cs, plur. dochMrwon mehrern Arten, die —e, eine aus Schiefer bestehende Stewart, mglc,- chen eine solche Steinmasse. Gchieferstein hingegen bedeutet w wohl colleetive gleichfalls eine solche Masse, als auch individuell,, einzelne Steine dieser Masse. . Das Sch' efcr§rün, tubli.inäecl. plur.ear. eine Art Berg. grün, welches sich an manchen Schiefern befindet, und ein verwittertes oder aufgelöstes Kupfererz ist». Auch der Vorap w.rd - von einigen Schirfcrgrun genannt. Der Gchrsfergyps, des—es, plnr. inul'. Gyps,welcherauL dünnen Scheiben und Blattern bestehet. Der SchiefeichaTNmev, des—s, plur. die—Hämmer , eine " Art Hämmer, deren sich die Schieferdecker zum Annageln der- ' Schiefer auf den Dächern bedienen. , . Der Schieferhauer, des — s, plur. m vom. ssoZ. ein Arber, ter, welcher in einem Schieferbrnche arbeitet. Im Bergbane hingegen ist der Gchiefcrhäuer ein Bergmann- welcher auf Kupferschiefern arbeitet. Gchiefericht, — er, — esse, säj. et aclv. dem Schiefer ähnlich, d. i. sich wie der Schiefer in dünne Blätter absondernd. Schieferig, aclj. et aclv. ans Schiefer, d. i. dünnen Blättern,> bestehend. Im Hochdeutschen am häufigsten in der zweytenBeden- Lung des Hauptwortes. Ein schieferigeL Gestein. Im Oberdeutschen wird esüuch für spUlterig gebraucht. Eben daselbst ist es auch figürlich, so viel wie mürrisch, immer unwrllig und,Verweise gebend. S. 2-Schiefer r, und 2 Schiefern.. Der Gchieferknoten,des —s, plur.utuom. siv^.imBcrg-- baue, ein festes, in rundlicher Gestalt unter den Schiefe"N zuwei-^ Kn vorkommendes Gestein,. womit in den Schmelzöfen die Futter.- mauert! gemacht werden. Die Gchieferkohlf, plckr. die—n, r rie Art schlechter, spröder- und schieferiger 'Lftinkohlen, welche im Bergbaue Lachkohlen genannt werden- weil sie über den bessern Pechkohlen liegen und ihr Dach ausmachen. Sie bestehen aus einem mit Erdpeche ärm- lich durchdruugcnen Schiefer., Der Schieferkopf, des—es, plur. iou 5 im Bsrgbaue, dieje- mge Erdschicht, worin der erzhaltige Schiefer befindlich ist. r. Schiefern, vsrb. re§. act. mit dem unter dem Nahmen des Schiefe s bekannten Netze fischen. S. 1 Schiefer. 2. ^Schiefern, verl). re^. ULUtr. mit dem Hülfsworte haben, welches nur in einigen Oberdeutfchell Gegenden üblich ist, kleinen Unwillen durch kleine Verwerft auebrechen lassen; wo es so wie die im gemeinen Leben anderer Gegenden üblichen n örgeln, mergeln, b.remmeln, u. s. f. eine Nachahmung des Lautes za ftyn scheinet., S.sindessen 2 Schiefer r. Z. Schiefern, verk.rsZ. act. von? Schiefer, in Schiefer, d. i. dünne Blätter,, theilen, woes doch nur als ein Reciprocnm üblich ist, sich schiefern, sich irr solchen dünnen Blättern ablvftn; sich blättern, im geu,ehren Leben, sich schelfen, sich schalen. Die Laut schiefere sich. Daher das Schiefern. Der Schstefernützek, des — s, plur. die— -Nagel, eine Art- , womit der Schiefer auf h'rnDkchcrn hefestiZrt wird-. Die StHieferniere, plur. die— N, im Bergbaue, Nieren eZk!chne.'r soll. Dp p p - . S- 1447 S ch! Go auch bas Schielen. Es ist von dem Bey- und Nebenworke -schiel, sehel, schief, Niedersächst schell, Oberd. schclch, Schwed. tkLII, Peiech. o--LsXts;. S. Schiel und Schel. Der Schieler, des—6, plur. m UMM. ÜUA. ,) Eine Person männlichen Geschlechtes, welche schielet, s) Inder ersten figürlichen Bedeutung des Zeitwortes, ein Lina, welches in eine andere Karbe spielt; nur in manchen besondern Fällen. So wird der Bleiryer, d. l. ein bläßrothcr, ein weißer, in das Rothe spielender Wein, in manchenGegcnden auch Schieler, Schiller genannt, welche letzte Form auch in Schillertaffet die üblichste ist, stehe dasselbe. t Das Schienbein, des—es, plur. die—e, der untere Schenkel, das lange, starke, vordere Bein des Fußes zwischen dem Knie und dein Gelenkbeine, hinter welchem sich die Wade befindet; oft auch nur die Schiene schlechthin. Niederst Scheune/ Angelst Hc/ue, Engl. Lkin, Schwed^8keabsn. WeilSchin i» de» alten Mundarten anchHant bedeutet, (S. Schinden) und dieses Beirr unmittelbar nnter der äußern Haut befindlich ist, so glauben Frisch und andere, daß es so viel als Hautbeitl bedeute. Allein alsdann könnte dieses Bern nicht auch dcit'Nahmen der Schiene schlechthin führen. Es ist vielmehr das folgende Schiene, ein Bem in Gestalt einer Schiene, weil es das'größte unter allen Beinen jst, welche von außen durch das Gesicht und Gefühl em- 'pfundcn werden, dessen äußere Fläche auch wirklich einer Schiene gleicht. Schinken und Schenkel find, nahe damit verwandt.' Die Schiene, plur. die — n, Diminut. dasSchienchen, Oberd. Schienlein, ein langes, dünnes, gemeiniglich schmales Werkzeug oder Ding r doch nur in einigen einzelnen Fällen. Die Schiene der Töpfer ist ein kleines, flaches Brct, die.Töpfe damit von außen'und innen zn ebnen. Der Schiene, so fern sie im gemei- «enLeben das Schienbein bedeutet, ist schon Hey dem vorigen Worte gedacht worden. Die langen, biegsamen, dünnen, hölzernen Riemen, woraus die Siebe gestochte» werden, führen gleichfalls den Nahmen der Schienen oder der 5 lcchtschienen. Besonders, sofern ein solches Ding z,,r Bekleidung, Bedeckung ober zur Befestigung eines archern dienet. So find die Arinschienm und Beinschienen TheiledeS Harnisches, welche ans halb rundcn,- langcn eisernen BlLttsrn bestehen, die Arme und Füße damttzn bekleiden. An den eisernen Öfen heißen die beyden Stücke Eisen, welche an den Ecken der Vordecstücke eines eisernen Ofens ange- -schranbet werde», und welche den Ofen zusammen halten, die Schienen. Die platte, lauge eiserneStünge, lvelche auf die Wa- , genachfe befestiget wird, wird die Achsschiene, so wie die ähnlichen Eisen, womit die Radek auf der Stirn beschlagen werden, Rad- schienen genannt. Die Schienen der Wundärzte, welche auch Schindeln heißen, sind schmale hölzerne BreLcr, einen zcrbroche- -nenArm oder Fuß-hüdurch in seiner gehörigen Lage z» erhalten, und so in andern Fällen mehr. Unin.Zm Niederst Schenk/Scheune, im Schwed. Lksrru, im Pohl. Entweder von dem veralteten fchinen, spalten, wovon nochSchindel abstammet, oder unmittelbar von dessen weitesten Bedeutung, nach welcher es-ehedem der uachahmcnde Ausdruck einer schnellen Bewegung, und unter andern auch einer Bewegung und Ausdehnung in die Länge war. (S. Schemen, Gchin, Sehne, welche alle besoudereArten dieser Bewegung und Richtung .bezeichnen.) Der Begriff des hohlenRaumes, der Bedeckung, ist eine gewöhnliche Figur des Begriffs der Bewegung in die Tiefe, daher denn die Verwandtschaft des veralteten Gchin, die Haut, begreiflich wird. S. auch Schinden und Scheune. Das Gchieneisen, des — s, plttr. ur vorn. üa§. im Eisenhandel, so wohl collective, zu Schienen, und im engern Verstände, zu Radschienell-rschmiLdetts Eisen, als auck von einzelnei» Schie- Schi «en, welche letztere man doch lieber Schienet und Aabschienetr zu neuen pflegt. Schienen, verb. rsZ. acst. von dem Hauptworts Schiene, mit Schienen versehen. Die Wundärzte schienen ein gebrochenes Bein, die Schmiede die Naber u. s. s. Niederst scheunen. S» auch das Schienen. Las Schienenfuß, oder Gchienfüfi, des — sses, plur. die — fässer, im Bergbaus, eine aus starken hölzeraen'Schienen geflochtene Mslde, mit welcher die Kohlen auf den Ose» getragen werden. Die Schrenenruthe, plur. die-—ir, an den Weberstnhlen, Ruthen in Gestalt der Schiene«, welche hinter den Kammblättern quer durch die Kette gehen, die Fäden der Kette in zwey Hälften theile«, und sie zum Durchschießen hohl machen. Der GchLenhtrken,des—s , plur. ur uom. üu^. indem Hüt. tcnbaue, eine eiserne Schiene mit einem Haken, welche unten den Schäme! oben aber den Hängehakcn des ober« Balgenbretes an dem Blasebalge iM einander verknüpfet. Ler Schiennagel, des—s, plur. die—-nägel, starke Nägcl mit dicken großen Köpfen, die Aadschiene damit auf die Felge» z» befestigen; der.Radnagel. Lle Gchienzanye, plur. die —n,aufden Eisenhämmern, eigene Zangen, das Schieneiscn damit zu handhaben. Schlar, -er, — ste, ucls. ot sclv. ein noch i» den gemeinen Spi ccharten Ober-rind Niederdeutschlandes sehr gangbaresWcrt, welches aber iu deranständigen Schreib- und SprrcharcdecHoch. deutschen wenig mehr gebraucht wird/Es kommt!» einkr dopprltt» Hauptbedeutung vor. r. Schnell, plötzlich, hurtig, wo cs als ein Nebcmvort am häufigsten ist. i) Eigentlich. Es wird ihre Ernte gar schier kommen, Jcr. 5 - , zz. Aufs schierste kommen, Apoff. 17, - 5 . Ebr. r 3719. 2) Figürlich, (a) Bald, mit nächsten; im Böhm. -- Ll^eiro. pmehas Meib war schwanger, und sollte schier gellegen, 1 Sani. 4 , r 9. Zrither, sstdie Nacht schier hink Es. 21,11. Daher schierstkl'mftig, in den Oberdeutschen Kanzelleyen. (b) Beynshe; schonbeydemOttfriedlcioro. Ich harre äuchschier so gesagt, Ps. 119, iz. Sie haben mich schier umbracht, B. 87. Ich habe schier meine Augen ausgeweinet, Klage!. 2, 11. Ich wäre schier gefallen. Ich hätte es schier vergessen. Noch iri den vertraulichen Svrecharten? ' - '- 2. *Giänze»d hell, in welchem Verstände rs im Niederdeutsche« am häufigsten ist, und auch als ein Beywort gebraucht wird. ») Eigentlich, im Niederst schier, Angelst lcir. Schweb, sticür und kictr» Island. H)5r; eine selbst im Niederdentschen wenig Mehr übliche Bedcuttmg. 2) Figürlich, (s) Weiß; in welchem Verstände es nur noch hin und .wieder vorkommt, (b) Lauter, rein, unvermischt, im Eitgl.sjieer. Line schiere äaut/imNiederd. sowohl rein und glänzend, als auch rein von Flecken. Schierer Rorn, welches mit keinern andern vermischt ist. Schiere Lutter essen, lauter Butter. SchieresFleisch, welches keine Knochen hat. Den Pferden schieren Zkfer geben, lauter Hafer. Alles im Niederdeutschen, wo es nach einer noch weitern Figur auch für gänzlich gebraucht wird, (c) Glatt, eben. Eine schirre ä-tttt. Schier von Gesicht se'yn, xlatt/ Anm. Schier gehöret zu , Schar und Scheren, deren erste Bedeutung gleichfalls eine schnelle Bewegung ist. Der Begriff des Lichtcs ist in allen Sprachen eine Figur der schnellen Bewe>? gnng, daher der'Zusammerchang der beyden Bcdlnrungen dieses Wortes leicht begreiflich wird. Unser Zier ist mit der ziveyicn > nahe verwandt. In den gemeinen Sprecharte» werden Gcher- , , kästen, Scherbottich u. st s, häufig wie Schirr -— ausgesprochen. Siehe auch das folgende. Achieren, Gchreren, vsr-k. rsZ. Act. welches auch Nur m Len gemeine» Gprechartcir üblich ist. ,) 2lls ein Factittvrrm von dem Neuer» scheren, den Ort schnell verändern, ist schieren, so wieschiiren, fchrrchen und schirchen, in den gemeinen Sprcchartcn, die Bewegung eines andern Dinges beschleunigen, uird stgiirlich, aufhctzen, anhetzen, aufmuntecn. Ich will hingehen und ein Bißchen schieren, Weiße. (S. Schuren.) In Hamburg ist Milch, Butter, Brühen.s.f. schieren,sie durchrühren. 2) I» Rkcderdentsch- land, genau betrachten, um zu sehen, ob ein Ding lauter und snvermischt fty. So schierer man -ie Eper, wenn man sie gegen die Sonne hält, um zu schon, ob sie noch klar oder trübe und verdorben sind. Durchschieren ist daselbst genau betrachten, ruid in weiterer Bedeutung durchmustern, verschicren durch eines Blick bezaubern. S. Schier 2. Der Schierling, des —es, plur. inullekne sehr giftige Pflanze, welche in den G arten,Feldern und aufden Ruinen Enropens wisd wachset, und der Petersilie gleicht, stchaberdurch ihren häßlichen Geruch gar bald verrät!); Loniuml,. fonstLicutu, im gemeinen Leben wuthscherlmg, eigentlich Wuthschierling, weil es oft würhend macht, Wütherich, Wollkraut, Zunds - Petersilie. Weil diese Pflanze ebenso eingekerbte Blätter hat, wie die Petersilie, so hat sie vermuthlich auch daher ihren Nahmen, von scheren, kerben, thciftn. Ing oder Ling ist die Endsylbe. Der Nie- dersächs. Nähme Schaxnpipe, welches eigentlich den Schierling mit langen hohlen Stängeln bedeutet, Nvrwcg. ZjcLroi^cls, scheinet mehr von dem Nicderd. Scharn, Mist, abzustammen, weil diese Art des Schierlinges gern aufden Misthauftnwächff. Die Schießheere, plur. die — n, S. Scheißbeeve. Das Schreßblech, des -— cs, plur. die— c, bsy dem Sprengen der Steine und des Gesteines mit Pulver, ein zwey Hände breites Eisen, welches zwischen die Spreche und den Schießpflock gelegt wird, damit die erstere Nicht von dem leStern gespalten werde. Der Schießbolzen, des — s, plur. ut norn. ling. in den: Seekriege, eiserne Bolzen, welche aus Kanonen geschossen werden, da- Tauwerk der feindlichen Schiffe damit zu zerreißen. Die Schieße, plur.die— n, bep dcn Bäckern, ein flaches Bret an einer Stange, das Brot damit in den Ofen zu schießen, d. i. zu schieben ; der Schieber. Das Schießeisen, des—s, plur. M vom. 6vZ. im Bergbaue, >) ein Eisen in Gestalt eines Fäustels, welches öey dem Schießen, d. i. Sprengen des Gesteines mit Pulver, über dem Schießloche indaSGcstein gehauen nud auf das Schreßblech getrieben wird. 2) Eiserne Bolzen an den Kunsizengen, welche quer durch den Aug gesteckt werden, damit der Zug nicht hinunter schieße. Schießen, ver-b. rrreZ. ich schieße, du schießest, (in einigen Oberdeutschen Gegenden fcheußest-) er schießt, (Oberd. scheußt;) Jmperf ich schoß; Mittelw. geschossen; Jmpcrat. schieße oder schieß, (Db-erd. scheuß.) Es ist m einer doppe,!teu..Gestalt üblich. I. Als ein Neutrum, mit dem Hjilfswscte feyu, wo es der Form nach das Zutcnsivirm vonschchen, schieben, scheuen, ist, sich aufdas schnellsteforrbervegen; es wird von einer solchen Bewegung nach allen Richtungen gebraucht, und ist eine unmittelbare Nachahmnttg des damit verbundenen Lautes, welchen man auch noch jetzt durch kbm Zischlaut auszudrucken pflegt. ».Eigentlich, schnell dahin, daher fahren, so wohl von lebendigen als leblosen Dingen. Ein Bach schießet dahin von den Leuten, Hiob 2 L, 4. Die Schlange schoß nach dem Weibe im Wasser, Offenb. 2, 15, 16. Die Stoßvögel schießen von der Höhe herab au s ihren Raub. Sehr häusig fagt man in der vcrträulichen Sprechart, es sep jemand, vor nu^ vorbe.y geschossen. er komme geschossen, für gerannt. Die Erde schießt spn emem Bergist ein Stein von dem Dache, wenn sie plötzlich ßernntcr fassen. Das Blut schießt ans der Wunde, wenn rS mit Ungestüm und haufenweise heraus quillt. Endlich schossen ihr die Thranen in die Augen. Seine Augen überall hcrunr schießen lassen, schnell und ungestüm herum fahren. Las Blättchen schoß mir, (S.Blatt.) Es. schießt uns etwas MS dee Land/wenn es uns durch seine eigene Schwere plötzlich entfallt. 2. Figürlich, wo der BegrrffdesRng-stüm^s und der schnellen Eile sich verlieret oder doch sehr vermindert wird. 1) Ein Seil schießen lassen, es fahren lassen. Den Leichnnd schießen lassen, bep ben Jägern, ihmrnehrHängeseil geben, das Hängefell Nachlassen. Einem Pferde den Zügel schießen lassen. 2) Fim sufwachsen. Eine Pflanze schießet in den Samen, wenwsie Blüthe und Samen ansetzet. In die Hohe schießen, schnell in die Höhe wachsen. Besonders in den Zusammensetzungen auft- schießen, anschießen, von Krystallen gebraucht, erschießen, en der Oberdeutschen Figur des Ergebens, Nutzens, und in de» Ableitungen schossen, Schößling, Schuß. 'Im Oberdeutschen ist Schießling ein junger aufgeschossener Mensch, S. Schößling. !L. Als ein Activum, oder vielmehr Zackitivum, schufen machen, einem Dinge eine schießende, d. i. fast unmccklich schnelle Bewegung mittherlen. 1. Eigentlich, wo es mehr als werfen, stoßen u. s. f. sagt, und eine solche schUelleZeiveguug vdranssetzt, deren einzelncTheile den Augcnkanm merklich sind. Die Sonneschießt ihre Gtrahe len. Jupiter schießt seine Blitze aus den Wolken. Einen Zornigen Blick auf jemanden ffchreßen. Zebus ovnlüsr bircks niebtrsvrl, dw Winsbeckinn. Za l welche 5lammenströme schoß die Zpder nach seinem Leben l Raml. Saul schoß de l Spieß näch dem David, » Sam. 20, zz. Den Dolch in seiner Zand, schoß er mit blinder Wirth Bey mir vorbep, Weiße. Dahi.. scheinet a^-ch die schießende Salleder Schlösser zu gehören, welche ein rechtwinkelig gebogenes Eisen in den Schlössern ist, a« dessen hinteres Ende die Schloßftder anschießet. 2. Zu engerer Bedeutung, vermittelst eines Schießgewehres, es ftp von welcher ArL cs.wolle, fortschnellcn, wo es wieder unter verschiedenen Einschränkungen gebraucht wird. ») Bonder Per-' sou, welche sich eines solchen Geschosses bedienet. Mik einer §linkc, 'mrt einer Buchse, mit einer Pistole, mit einer Kanone, mir einer Armbrust schießen. Mit Bügeln,,mit Schror schießen. Mit Pfeilen, .mit Bolzen nach dem Ziele schießen. Nach jemanden schießen. Vlach einem Vogel, nach der Scheibe schießen. Jemanden schießen, ihn mit einem solchen Schüsse -treffen, wenn er gleich nicht ts d k geschossen ist. Aber einen Vogel, einen Zasen, einen Zirsch schießen, ist so viel als ihn durch Schießen erlegen. Die Jäger gebrauchen das Zeitwort -schießen nur, wenn sie sich der Flinte oder der Pistole bedienen; voneiner Kugelbüchft ist bey ihnen burschen üblich, (S. dasselbe.) Scharfschießen, mit einer Kugel, mit Schrot u üf. im Gegensätze des blind schießen, wenn bas Gewehr nirr altern mit Pulver geladen ist. Jemanden über den Zausen schießen, ihn vor den Kopf schießen, in den Arm, in den Leib schi-ffem Kehl schießen. Aus einer Zlirtte^ aus Kanonen schießen. Von einem possierlichen Menschen, ingleichcn von einem dev aus Mangel des Verstandes Zhorheiten begehet, sagt man in der vkrtrau- lichen Sprechart, er sey geschossen, oder habe einen Schuß, wo es für angeschossen zu stehen scheinet.. Ju engerer Bedeutung ist im Bergbarre schießen, mit Schießpulver sprengen, welches man Außerdem Bergbaue nur sprengen nennet. Erze und Berge Herein schießen, das Gestein durch Sprengen mit Pulver gewäl- tigen. «) Voneiner« Schießgewehre. Ein Gewehr schießt gut, wenn es ohne Fehler ist. Line Kanone spießt 2 v Pfund, wenn P P P L ' eine rme Kugelvsu so Pfund aus derselben geschossen wird. S. auch Schuß. z. Figürlich verlieret sich auch hier der Äegriffder grossen Geschwindigkeit,, so dass-schiessen oft nur für werfen stehet. In- manchen Gegenden schieße man einen Graben, oder man schießt ihn aus- wenn man ihn geübt, ihn durch Auswerfung der Erde verfertiget. JnNiederöerttschiand werden die Steine geschossen,, xkvenn rinersiedem andern znwirft. Brot in den Mfen schießen, bry den Bäckern, welches eine mit Werfen verbundene Art des Schiebens ist. Ausschü ßen wird häufig.für auswerfen gebraucht; so auch durchschießen. Zu manchen Fällen verliert sich auch der mit dem Werfen verbundene Begriff der Heftigkeit, und da bedeutet schießen nach einer nicht ungewöhnlichen Vergrößerung nichts mehr, als legen, ordnen u. f. f. Geld zusammen schießen, zusammen legen. (S. auch Schoß.) Daher die Zusammensetzungen, Vorschüßen, herschießen, Überschüßen, znschießen, Vorschuß, Zuschuß. Überschuß. Bey den Schneidern ist«nschüfen so viel als aussen. So auch dasSchüßeu, welches auch von einer feverlichenVcr- famuilung gebraucht wird, wo man zur Übung oder zum Bergungen schießet. Ein Schießen halten. So auch das Scheiben-. schießen, Vogelschießen, Geftllenschüßen u. s. s. Siehe auch Schuss, welches!» ciulgenFälleu gleichfalls von der Handlung des Schießens gebraucht wird, auch in der ersten neutralen Gattung-. Anm. Dieses Zeitwort lautet schon bey deiüNotkcr lcierrLU,., und im Jmperf. lcor, lcu^L-in. Es ist das Znteustvum v nc scheuen, sausen und andern ähnlichen, so fern sie sich insgesamt»? ans eine Onomatopöü Aründen. Das veraltete scheusten, (siehe Scheußlich,) das niedrige scheißm, unser schossen, dasinden gemeinen Sprechartrn übliche schüßeln, unvorsichtig und flüchtig hin und her laufen, ein Schuß, eine flüchtige nrrvorflchtige Person,, das Franz, eünller, das Jtal. scülL^nre, spritzen , Niedres, scheuten, das mittlere Lat. 6ullL,6urL, 6uLiL, eine alte Art eines kriegerischen Werkzeuges, (S. Z Ratze,) u. a. m. sind genau damit verwandt^ Die Nicdrrdeutsche Mundart und die mit ihr. verivandtknSprachcnhaben statt desZischlarttes ihr gewöhnliches t, wie das Niederst scheren, das Angelst kdeotuv, se^tarr, das, Engl. tv süoot, das Schweb..l'kjuts, das Holland, scliicton, das Lettische strauti, das Wallifische saelüu, wohin auch das alte Franz.jvuster, das heutigeFranz.jsltLr.und dasJtal.jetlLrs,. "werfen, vielleicht auch das Lat. LuZiNs, gehören. Es ist dieses Zeitwort eines von den vielen, welche in ihren Formen durch sllr Selbstlaute durchgehen; cüu/ler; scheußlich, scheißen, N übers., scheten, Mittelw. scharen, schießen, schoß, schossen, Schuss,, Schütze u. s. s. Die irreguläre Form unserS heutigen Zeitwortes rühret auch von nichts anders Her,, als weil einige Zeiten von dem in dieser weitesten Bedeutung veralteten schossen entlehnet sind, wozu indem in cinlgenOberdeutschenGegeudcn üblichen scheußefr, scheuste, noch das veraltete scheusten kommt, welches in manchen rauher» Provinzen noch wirklich gangbar ist, (S. Scheußlich.) Opitz und einige andere Oberdeutsche Dichter haben dieses scherißt auch zuweilen in Gedichten gebraucht-bloss weil es denMund mehr füllet, und daher von ihnen für erhabener gehalten wurde. Das GchicßAeld, des—es , plur. doch nur von Mehrern Sum-- men,, die,—er, dasjenige Geld, welches dem Jäger für jedes Stück Wild,.welches von ihm geschossen worden, von seiner Herr-- schaftcrleget wird; das Schußgeld, und bey großen: Wildbret,, welches gebiirschct wird, Bürschgeld. Im Bergbaue ist es dasjenige Geld, welches der Steiger für jeden Schuß in der Grube hei omu't. - Die Schrc'ßtzoLecht,'tz?ei't). plur. !nuÜ. die Gerechtigkeit, d..j.„ , Las Recht, dir Besugniß, auf eines andern. Pruud und Badru «ach Wildbret zu schiessen ;, das Schiessrechk, welches von brr Jagdgerechrigkeit noch unterschieden ist. Das Schießgewehr, des —es, plur. die---e, ein Gewehr, damit zu schicssen; zum Unterschiede von dem Seitengewehr,. Rurzgewehr u. s. s. Der Gchießgrcchen, des — s, plur. die—graben- derjenige Zheil eines trocknen Stadtgrabens, in welchem die Bürger nach der Scherbe u. st s. schießen. Das Gchießhaus, des —es,plur. die —Häuser, ein dernftper, ljchen Scheiben« Vogel- und andern Schießen gewidmetes Haus. Der Schreßherö, des — es, plur. die —e- ein Vo^elherd,»» dieBögel durch abgeschossenc Pfeile in die aufgestclüenGarne oder Netze getrieben werben., Der Schießhund- des—- es, plur. die—e, eine Art abgerich- tttcrJagdhmide,welche das angeschossene und nicht gleich gefallciie MildbpA ausftichen, und wenn cs Fcderwrldbret ist, zugleich bringen., Große Hunde dieser Art, welche bey den Burschen auf großes Wild gebraucht werden, heißen auch B iirschhunde, so wie die kleinern, welche aickWassergeflüselabgerichtct sind, auchwas- serhrinde heißen. Wie ein Schießhund aufmerken, ungemeinen Leben, sehr genau. In manche!: Gegenden verstehet man unter Schießhund auch einen jeden Jagdhund. Die Schrcßhütte, plur. die — n," eine Hütte, in derselben auf Wildbret und Raubthicre zu lauern, und dieselben zu schießen. Der Schießkarrcn, des — s, plur.ut vom. sinx. ein Karren, auf welchemdiesi) genannte Darrenöiichse, woraus manaufTrap« per: und wilde Gänse zu schießen pflegt, befestiget wird; der Schüstwsgem. Die Schießklintze, plür.dü— n, bey den Nadlern, eine stählerne Platte mit Öffnungen '«n beyden Seiten, die Dicke eines Drahtes damit zu messen ; das Drahtmaß. Warum dieses Maß die Schießklinge chrißt, ist mir unbekannt. Etwa von Ausschüßen.. . . - " Das Gchießlöch, des—es, plur. die—locher, imBergbane, die Löcher, chelche in dasGestein gebohret und hernach nütSchieß« pulver geladen werden, wenn geschossen, d. i. gesprenget, werden soll.. Auch die Locher in den Stadtmauern, aus denselben aufden Feind zu schießen, führen diesen Nahmen. S. Schießscharte. Dcrs Schießmahl, des—es, plur. die — e, im genieinen Leben, plur. die — Mahler, ein Mahl, abgcstccktes Zeichen, nach welchen-man mit einem Gewehrs oder Geschsitze schießet. Das Schießpferd, des — es, plur. die—e, ein znr Ja§d ak- gerichtetes Pferd, hinter denselben und vermittelst desselben das Wild zu-beschleichen und zu schießendas Schußpferd, Treibe» Pferd. . s Der Schießplan, des-—es, plur. die — e, ein Plan, d. i. langer ebener Platz, auf demselben zur Lust oder zur Übung zu schießem Der Schießplatz, des—es , plur. die^—Plätze, ein jeder Platz, auf welchemSchießen gehalten werden, aufwelchem zur Lust oder zur Übung geschossen wird; im Oberdeutschen dü.Gchießsiatt. Das Schießpulver, des — s , plur. ivus.die allgemeine Benennung des aus Schwefel,,Kohlen und Salpeter bereitttcu Pulvers, dessen man sich zum Schießen bedienet, und^welches oft auch - nur Pulver schlechthin genannt, und wieder in Rartaunen-Büchr sen- Bursch- Scheibeupnlver u. s. st. eingetheilet wird. Das Schießrecht, des — es,p1ur. ivuü S. SchiessgerechüK' kcit.. , Die Schießrohre, plur. die —n, Dimi'nuti das Gchüstrch»» chen, im Bergbarw, eure Röhre von Hohlnnderholz, welche mit Pulvcpgefüllct und als eiu Zünder hep dem Schikßm oder Spreu« geu gkbraucht wird». . 1-4LZ Schl Dr'e GchteßschckLke, psiur.die—n, Scharten, H. i. Einschnitte in den ober» Theil der Mauern undBrustwehren, um dadurch mit groben und kleinen Geschütz aufden Frind zu schießen. An weiterer Bedeutung werden auch wohl die Schießlöcher in den Mauern Schießscharten genannt. Die Schießscheibe, xlur. die —11, eine Scheibe, darnach zu schießen. Die SchießschlüNFe, xlur. dw—»n, eine Art ansländischcr Schlangen, welche wie ein Pfeil aufihren Raub zu schießen pff-gt; (üoIuber^urora^s A'ttgenschlange, Angslfchlange. Die Schießspreitzs, plur. die — n, im Bergbaus, Spreitzen, welche Hey dem Schießen oder Sprengen des Gesteines auf die Pflöcke gesetzet werden, damit dieselben nicht zurück springen. Die Schießspuse, plur. die—n, bey den Webern ein Rahme des Schiffes, welches mit derdarin befindlichen Spule durch tue Kette geschossen, d. i. geworfen, und auch der Schütz?, in- gleichen das Schiff genannt wir?, S. diese Wörter» Der Schießstand, des-—es, plur. die—stände, derjenige Stand oder abgetheilte Raum, aus welchem die Schutzen nach der Scheibe schießen. Der SchiesisteiFer, des —s, plur. ul norri. striZ. im Berg, baue, derjenige Steiger, welcher das Schießen, d. i. das Sprengen des Gesteines mit Pulver, besorget und verrichtet. Das Schießstück, des—es, plur. die—-e, eben daselbst,, ein Nähme des Schießbleches, S. dieses Wort» Die Schiefitsfel, plur. die— n, in einigen Gegenden ein Nähme der Druck- oder Beilketafel, S. das letztere. Die Gchreßtäsche, plur. die—n, eine große an einemRiemen über der Schulter Hangende Tasche der Zazer undSchützen, Pul, «ex, Bley u. s. f. nebst hem geschossenen kleinen Wildbret dariK bey sich zu führen; bey den Jägern auch die Weidtasche« Der GchießWagen, des —s, plur.döe— wägen, S. Schießkarren.. Die GchießwtMö, plu^. die—wände, eine hohe Mauer hinter der Schießscheibe, damit die Kugel keinen Schaden thue. Das Schiff, des — es, plur. die — e, Diminut. das Schiffchen, Dberd. Schifflein, ein Wort, in welchem der Begriffde» hohlen Raumes, der Vertiefung, der herrschende ist, daher es ehedem so viel als ein hohles Gefäß bedeutete. i) Überhaupt,;» welcher weitern Bedeutung unser Schaff und Scheffel, das Griech, ein Gefäß, s'x.uPo-, ein Schiff und ein Becher, u. a. m. gehören. Im Deutschen kommt es in dieser weitern Bedeutung noch in verschiedenen einzelnen Fällen vor,am häufigsten aber von gewissen hohlenGcfäßeu ehne-Füße undHenkell Zu den Brauhäusern werden die hölzernen Gefäße, in welchen das Bier sich aökühlen muß, so wohl Kühlschiffe als Rühlst'öcke gesaunt. Bey deu Mahlern find die Schiffchen kleüte runde Gefäße ohne Henkel, das Dhl und die Farben hinein zu thun,welche auch Näpfchen heißen. Das Schiff der Weber ist ein in der Mitte auSgehöhlteS an beydcuEnden spitziges Werkzeug, den darin auf derSpule befindlichen Eintrag mit demselben durch dieKette zu schießen; wo aber auch der Begriff des Schiebens mit in Be, teachtung kommen kann, zumahl da cs auch die Schießspule und dev Schütze, von schießen, genannt wird. JmDarmflabtifchen heißt es der Scheffel. Im Mittlern Lateins heißt eS gleichfalls Rrrvicula. Ähnliche aber weit kleinere und vonElfenb>.'n bereitete Schiffchen hatdasFrauenzimmer, die Knötchen damit-zu schlingen. Das Schiff der Buchdrucker, Franz la 6 aUes, ist ein längliches vjerecktes Bret mit einem Nande, ans dessen Falze sich ein schmaleres Bret, die S^iffzunge, heraus ziehen läßt, in welchem die Columnen aus den Zeilen formiret werden. Das Wiff einer Kirche, im Mittlern Lat. idlavis, ist der mittlere / -? - Schl ?4A4 größte ThUcher Kirche, im Gegensätze der Z alle und l^s Lhsvs. Zn der tA g eurem en Leben sehr üblichen Redens-! er Schiff und Geschirr, bedeutet Schiff alle zu einer gewissen Absicht nöthigen - Gefäße, Äeschivr aber alles übrige Geriikh. Dem Pachter eines Landgutes das JnscnrarLum über Schiff und Geschirr einhändigen, über alles Zur Landwirthschaft gehörige Gsräch. Jn- > dessen kann es seyn, daß es hier besonders die zum Feldbau nörhrs gen Wagen bedemet; wenigstens wird bey dem Fuhr- und Poli- wesen, wenn von Schiff und Geschirr die Rede ist, unter Schiff zunächst der Wagt» verstanden. Jeder Bürger mag mir seinem eigenen Schiff und Geschirr zu seinem Hausgebrauch? fischen, heißt es in einer DüerdeutscheuFischerordnung, wo unter Schiff zunächst wohl das Fahrzeug ans dem Wasser verstanden wird. 4) In engerer und der gewöhnlichsten Bedeutung jst das Schiff ein hohles Fahrzeug ans dem Wasser mit einem vertieften Bodso, ein Fahrzeug, welches sich vermittelst der-Borte auf fernen: Kiele oder Boden erhebet ; Zum Unterschiede von einer Prahme, einer Zähre, und einem Zloße. Man könnte es hier sehr wahrscheinlich mit Wächtern von schieben, in der weitern ehemahügen Bedeutung der schnellen leichten Verä'ltdecung des Drtes, ableüeu, wenn nicht glaublicher wäre, baß auch hier der Begriffder Vertiefung, des hohlen Raumes, der herrschende ist, wie unter andern auch auS den gleichbedeutenden Wörtern erhellet. Die Flußschiffe werden in vielen Gegenden nur Gefäße genannt; das Lat. Claris gehöret zu Napf, so wie das Griech. und «rL«Po§, ein Kahn, Schiff zu sxevo; und mit demselben zu o'-ro^r-ip, ans- höhlen. Ehedem, da unsere heutigen großen Schiffe noch unbekannt waren, hießcinieder kleiner Kahn oder Nachen schon ein Schiff; bey dem Ulphilas 5 kipa, im Schweb. 8 kepp, im Rieders. Schipp, im Bretagnifchen Lciraks, im Wallis. VsZakr» im Franz. Ls^uisi, im Ztal. 8 cüiff'o , im Griech. , im Latein. 8 eapka; alle in dec.Bedeütung eines Kahnes. Macro- hius erzähltes sey eine alteSage,b 1 srculL!n sc^ Auf dem Ort verändern,, doch nur von eurem Schiffe;,eine im. Kochdeulfchek nnzewHnliche Bedeutung. Dasclbg fand der Untkrbauptmann ein Schiff, das schiffete in welschland, Avost. Ly, 6. Segeln, gehen n. s.f. sind jetzt dafür üblicher. 2) Aufdcm Schiffe,' mit dem Schiffe fahre«; welche Bedeutung zwar noch gangbar ist, aber doch auch seltener wird. Von Hoch, dorten ist auch hier segeln üblichen'. Da es nunmehr gefährlich war zu schiffen, Apost. 27, 9. Da wir aber langsam schiffe, ren, V. 7, wir schiffetcn unter Lypern hin, B. 4. kl. Als ein Acnvum, mit dem Schiffe fonfchaffen. Waaren nach Zrank- reich schiffen. In den Zusammenfttznugeu ausschiffen und ein- schiffen bedeutet es, aus dem Schiffe und m das Schiff bringe». So auch das Schiffen. Der Schiffer, des — s, xlur. ut vom. lwsi. dessen Gattin» die Sch'fferinn, derjenige, welcher auf dem Schiffe die Aufsicht über dasselbe und überdie Ladung hat, und aufderMittellänbischen See der Schiffs- Patron oder Patron heißt. Auch im Deutschen nennet man ihn, wenn man chm Achtung erweisen will, den Gchiffherren,, Schiffsherren, obgleich dieses letztere eigeutlich dcn Eigsnthümer dcs.Schiffes bezeichntt. Gin Schiffer, welcher nicht Eigeuthiimer des Schiffes ist, wird zum Unterschiede Setz- schiffcr genannt. Anfden Handelsschiffe«, wo sich kein Schiffs- Tapitan besirrdet, ist er der Oberste des Schiffes, der den Steuer- Mann, welcher auch wohl zuweikerr der Schiffmann genannt wird, unter sich hat. Auf ansehnlichen Kansfaheernpffegtmair im gemeiueu Lebe« auch wohl den Schiffer Schiffs- Lapitim z» nennen. Schwed. Lksp^nre. Der Gchifferkfforen, des — s, pürr. ub vorn. 6nZ. ein a» beyden Enden zusammen gebundenes und in der Mitte zusammen gezogenes starkes Z-an in Gestalt einer 8, Lasten, besonders aber zwcy Toimen anfEu; Mahl damit in das Schjffzu heben. Dir Schrffdrmuze. S. Gchiffmüge. Der GHi-fferZcrkek, des—s, p!ur. ulnom. ffriZ. ein Werkzeug des Scknfstrs und Steuermannes in Gestalt eines Zirkels, aus der gegebenen Breite emes Ortes zur See dessen Länge zn finden. Der Gchifffcrhrer, des — s, plur. ut nom. ffnZ. derjenige, welcher zn Schiffe fahret, noch mehr aber, welcher mchrmahls z» Schiffe gefahren ist, Fertigkeit und Übung in Seereisen besitzet; der Seefahrer. Die Schifffahrt, xlur. die — en. r) Die Fahrt auf einem .Gch'ffe, die Reise zu Schiffe. Eine glückliche Schifffahrt haben. So lange die Schifffahrt dauert. 2) Die Kunst zu Schiffe zu fahren und deren Ausübung; ohne Plural. Die Schifffahrt verstehen. In einem Lande blühet dft Schifffahrt, wenn viele Schlffr mit Nutze« in demselben ab - und zufahren. In engerer Bedeutung begreift Schifffahrt nur die Fahbt auf dem Meere, zum UsLerfchiehe von der Wasserfahrt, auf.Strömen, 2) Ei« . schiffbarer Strom im Meere oder i« den Flüssen, zum Unterschiede von den Untiefen u. s. f. d^ Fahrwasser. Das Schiff stieß an die mitten in die Schifffahrt geschlagenen Pfähle a«. Die Gchrffflotte, S. Schlffsflotte. DieGchifffracht, plur. die — en, diejenige Fracht, welche von Waaren, die Zu Schiffe gehen, bezahlet wird; zum Unterschiede »sn der Landfracht. Schiffsfracht würde sich auf ein gewisses bestimmtes Schiff beziehen. Der Gchiffhalter, d?s — s, xiur. ut vom. kwZ. der Nahm eines Fisches, S- Sänger-. Der Sch-iffhärr, S. Gchiffsherr. Der SMkffjuntze, des— n,jttur. die— n, auf den Schiffe», junge Leute, welche den Matrosendienst erlernen. Schiffsjunge- beziehet sich auf ein bestimmtes Schiff. Der Schiffknech-t, des—es, plur. die—e, Pcrsoneir niedem Stüiides, welche auf Schiffe« die geringste und schwerste Arbeit serrichre^ i4L7 Echt »errichten, und welche ma» rm gemeinen Leben Matrosen und Bothsknechte zu nennen pflegt, Ezech. 2 7, - 9 . Schiffsknecht beziehet sich auf ein bestimmtes Schiff. Die Schlffkunst, plur. LvuL die Kunst zu schiffen, die Fertigkeit, ein Schiff geschickt zu regieren, welche doch am häufigsten die Steuermannskunst genannt wird. Der Schiff?Uttel, oder Schiffkuttel, des —s, plur. ul vom. üvß. eine ausdem Holländischen entlehnte Benennung einer Art emschaliger, rund gewundener und in viele Kammern gecheiüer, auch mit einer Nervenröhre versehener Seeschnecken, welche auch Schiffmuschel, Segler, Lat. I^ÄUtili, genannt werden. Sie unterscheiden sich von den Ammons-Hörnern theilL durch dicNer- »enröhresthkils durch ihre größere Dick e,besonders an dem äußersten Gewinde. Im gemeinen Leben pflegt man auch wohl den Ammons-äoenern diesen Nahmen beyzulegen. DieSchiffl-rMde, plur. die—n, derjenige Ort, wo die Schiffe sicher und bequem anländen können; am HLufigsteu rn der Was- strfahrt aus Flüssen. DieGchrfflcrff, plur. die —en, und wenn ein Zahlwort dabeyist, ul vorn. livA. ein gew-sses körperliches Maß, den inuern ko.per» lichenRaum derSchrffezil bestimmen, welches zwcy Tonnen hält. Gchiffslast, wie einige unrichtig schreiben und sprechen, würde sich aufein bestimmtes Schifföezichen. Gch.fflsute, tivA. ivui.Perssueu, welche zur Regierung und Führung eines Schiffes gehören, ohne Unterschied ihres Ranges. Ziram sandte seine Rnechre im Schiff, die gute Schiffleute und auf dem Meer erfahren waren, r Kön. 9, 27. Der Gchiffmlrmr, des —es, plur. die —Manner, derjenige, welch -r das Schiff regieret, und jetzt am HLufigsteu der Steuermann genannt wird. Der Unterhauptmann glaubte den» Schiffmann, Apost. 27, i,. S. Schiffer. Das Gchrffmäß, des —es, plur. ivul'.S. Schiffschtty. Dre Gst-tffmühls, plur. die—n, eine auf einem platten Schiffe erbauetc Wassermühle auf einem Flusse. Daher der Schiffmül- Icr,dsr Eigenrhümersdep Vorgesetzte derselben. Die Gchrffmumme, plur. cnr. in Braunschweig, die beste Art Mumme, oder des dafigcn Bieres dieses Rahmens, weil es sich zu Schiffe verführen läßt; zum Unterschiede von der Gtadrmnmme. Die Gchiffmützs, plur. die—u, eine Mütze mit zwey spitzigen Schnäbeln an der Seite, in Gestalteines Schiffes; eine Schiffer- mritze hingegen würde eine Mütze scyn, wie die Schiffer sie tragen. Der Schiff Nobel, des —s, plur. ul vom. lin^ eine ehemah- lrge Art Englischer Goldmünzen, auf welcher ein Schiff gepra- get war, S. Nobel. . Das Schiffpech, des —es, plur. iuul. eine Mischung aus Pech, Theer, Harz und Unschlitt, welche irr die Fugen der Schiffe gegossen wird, das Holz vor der FLulniß zu bewahren. Das Gchrffpftm-, des—es, plur, die—e, und wenn ein Zahl- woktbabey ist/Mvorn. lru^. eine Art großen Gewichtes, welche auf den Schiffen am üblichsten ist, und gemeiniglich 2^. Zentner oder 2Z0 gewöhnliche Pfund wieget. Zuvielen Gegenden werden auch die Landsrachten nach Schiffpfunden gerechnet, und da hält dasselbe in manchen Gegenden, z. B. zu Hamburg, Z 20 Pfund. Dis Gchlffpumpe, plur. die—n, eine Art Pumpen, wodurch das Wasser aus den Schiffen gcpumpet wird. Schiffspumpe würde sich auf ein bestimmtes Schiff beziehen. ^d Gchiffrecht, S. Seerecht. ^chrffreich,—er,—ste,ach.el sckv. reich anSchiffen. Ein schiff- reicher 5 lu§, auf welchem viele Schiffe hin und wieder fahren. Einschiffreiches-Landstn welchem dieSchifffahrt blühet. Manche Schriftsteller verwechseln dieses Wort sehr unschicklich mir schiff- oar. -Adel.w.L.Z.TH.-.Nuss. Schi i4L8 DieSchtffrose, plur. die—N, diejenige ejuer Rose nicht unähnliche Figur, welche die 32 Winde und ihre Gegenden vorstrket z die Windrose. Die Schiffrmffe, plur. die —n, S. Schiffschuh. Der Schiffsan-, plur. cnr. derjenige Sand, welcher in manche» Fällen unten in das Schiff geladen wird, um dasselbe im Gleich, gewichte zu erhalten, und welcher unter dem Nahmen des Ballastes am bekanntesten ist. Der Schiffsbaumeister, S. Gchiffbanmeisier. Die Gchiffsbeklerduny, plur. die—en, die innere und äußere Bekleidung eines Schiffes, welche vermittelst der Zutterdielen ge- schiehet. Der Schjffsbo-en, des—s, plur. die—bö'den, derBodenei- nes Schiffes, oder in einem Schiffe,der zwischen zwey Decken eingeschloffene Raum in demselben. D «- Seprffs-Sapitän, des—es, plur.die—e, der erste und vornehmste Befehlshaber aufeinem zum Kriege oder zur Verthci- d-gnng ausgerüsteten Schiffe. DerGchlffschuh, des—es, plur. die—c, und wenn ein Zahlwort dabcy ist, ut vom.lrvZ. bey einigen Meßkünstlcrrffder Rahme des Maßes eines Körpers, welches Eine Ruthe lang und breit nnd Einen Fuß dick ist, und welches auch ein Schachtschich genannt wird. So auch Schiffrnthe, Gchiffzoll u. s. s. Das Schiffmaß, die Art und Weise die Ausdehnung der Körper auf diese Art zu messen; das Gchachtmaß. (S. Schacht 2.) Schiff gehöret hier nur aufeine sehr entfernte Art zu Schiff, nuvis, und ist mit Schacht gleichbedeutend, so daß es zunächst zu Schaft und Schiften gerechnet werden muß. DreSchiffsflotte, plur. die—n, ein bey vielen sehr gewöhnliches Wort für Zlotte, welches aber theils überflüssig, cheils unrichtigist ; überflüssig, weil Zlotte im Hochdeutschen schon allein von einer Sammlung mehrerer mit einander in Verbindung fahrender Schiffe üblich ist, und keine nähere Bestimmung nöchig hat; unrichtig, weil Schiffgflotte, die Flotte eines gewissen ve» stimmten Schiffes bedeuten würde, und das Wort Unfällen Fall Schiffflottc heißen müßte. Die Schiffsform, plur. die—en, in der Schifföaukunst, dieje, rügen Hölzer,welche bey Erbauung eines Schiffes demselben sein« Gestalt geben; Franz. Luloire.-;. Der Schiffsfrsunö,des—es, plur. die—e, in den Seestädten, ein Rahme, welchen sich diejenigen geben, welche ein Schiff auf gemeinschaftliche Kosten ansrnficn, und welche auch Rehder, Mitrehdcr und Schiffs-Partener genannt werden. Das Gchiffösebüuöe, des—s,plur.utvom.stvA. der Rumpf eines Schiffes, der eigentlich dessen Haupttheil arismacht, zum Unterschiede von den Masten, dem Tam und Lakelwerkeu. s. s. DerSchiffsherr, des—en, plur. die—en, der Herr, d.i.Ei- gltzirhümer ein.s Schiffes, welcher irr den Seestädten gemeiniglich ein Rebdcr genannt wird. S. auch Schiffer. Der Schtffsl)olm,des —es,plur. die —e, ein aus den nordischen Sprachen eingesuhrres Wort, denjenigen Platz zu bezeichnen, wo Schiffe gebauet werdemnnd welcher am gewöhnlichsten ein Werft oder Schiffwexfc genannt wird. Eigentlich sollte es Schiffholm heißen. DieGchiffskrone, plur. die—n, ein von einigen Neuern ge- brauchtcs Wvrt, die Eorouurn uavslem oder rollraiam der - ehem-chligen Römer zu bezeichnen, welche derjenige zur Beloh- nung erhielt, welcher zuerst ein feindliches Schifferstieg. Die Gchiffslaft, S. Schifflast. Der Schiffs-Officier, des—s, plur. ut vom. Lio§. ein jeder, welcher anfeinem Schiffe zu befehleu hat, ein Amt auf demselben y.rrraltet, welche denn wieder i« Ober- und Unterofficier gerheüet § i S K werden. , 4 W Schi werden. Auf ben Kriegsschiffen ist diese Benennung am üblichsten, wo die Generals - Personen auch Flaggen-Offie-er genannt werden. Schiff-Officier würde überhaupt einen Off.cier bedeuten, der zu Schiffe oder zur Sce4ienet, und welchen man auch einen See-Gfficier nennet. Der Schiffs-Part, des — es, plur. die —e, in den Niederdeutschen Seestädten der Part, d. i.Ancheil, an einem Schiffe; daher die Rehder oder Nitrehdcr, welche ein Schiff aus-gemeinschaftliche Kosten ausrüsicn, und den Gewinn unter sich theilen, daselbst auch Gchiffs-Partener genannt werden. ^ Part oder Schiffs-Part, d. i. der 12 Theil von der ganzen Ausrüstung eines "' Schiffes. S. Part. Der Schiffs-Patron, des—es, plur. die—e, aufdenFracht- und Handelsschiffen, ein Nähme des Schiffers oder Schiffherren. (S. Schiffer.) Jngleichen in der Römischen Kirche, derjenige Heilige, welcher dcrjedesmahlige Patron oder Schutzheilige eines Schiffes ist. Der Schiffsrath, des—cs, plur.die—räche, die Versammlung der Officwr auf einem Schiffe zur Berathschlagung über ge. meinschaftliche Angelegenheiten. Einen Schiffsrath halten, den Schiffsrath zusammen berufen. Der Schiffsraum, des—es, plur. die—räume, der Raum oder Boden iu einem Schiffe unter dem letzten Verdecke, welcher für die Maaren und Vorräche bestimmt ist, und auch nur der Raum schlechthin genannt wird. Der Schiffsrehöer,S. Rehder. Die Stt)iffsrose,S. Schiffrose. Der Schiffsschnabel, des —s, plur. die—fchnäbel, an den Kriegsschiffen der Griechen und Römer ein hervor ragender znge- spitzter Theil an dem Vorderchcile, die feindlichen Schiffe damit zn durchstoßen; klolirum. Statt dessen haben die heutigen Schiffe das Gallion. Der Schiffssolöat, des —en, plur. die—en, ein Soldat auf einem Schiffe. Für Schiffsoldat, welches nur den Stand über. Haupt ohne Beziehung auf ein gewisses Schiff andeutet, ist Seesoldat üblicher. , Der Schiffsspieyel, des —s, plur.ut nom. lluZ. der Hintere mit Schnitzwerk und Mahlerey gezierte Theil einesSchiffcs, welcher von dem Hinterstcven bis an die Kajüte gehet. S. Spiegel.-' Das Gchlffsvobk, des—es, plur. inus. ein Collectivum,alle zur Regicriing.oder Vertheidigung eincsSchiffes gehörigen Personen. Gchiffvolk bedeutet dergleichen Personen überhaupt, ohne Beziehung ans ein bestimmtes Schiff. Das Schiffswerft, (besser Schisswerft,) des —es, plu^. die _v, derjenige Ort, wo die Schiffe gebanet und gezimmert werden, nnd welches auch nur das werft schlechthin genannt wird, (S. dieses Wort); in den nordischen Ländern der Schiffsholm. DreSchiffszunue,plur.die—n,S.Schiff l. Der Schrffwurm,des—es, plur. die—würmer,ein einem Faden ähnlicher Wurm, mit halb kugelrunden steinartigen Kinnbacken, welcher sich an die Schiffe hängt, und das Holzwerk an denselben zernaget; lerecko !ä,. Der Schiffzoll, des—es, plur. die—z'ölle, der Zoll, welcher von den Schiffen und ihren Maaren gegeben wird, ingleichen der Ort, wo solches geschiehst; der Seezoll, wasserzoll. SchrfteN/Verb re^.aet. ein nur in einigen Fällen übliches Wort. ,) Ein Gewehr schiften, in .einigen Gegenden, es mit einem Schafte versehen ; wofür doch schäften gangbarer ist, (S. dasselbe.) »)Bry den Falkenieren wird ein Habicht geschiftet,wenn ihm frische Schwingfedern ünfgesetzet werden. Z) Einen Sparren schiften ist in der Zimmermannsknnst, einen Sparren der Länge nach an und auf den andern verbinden, daher diejenigen Schi ^1460 Sparren, welche an einem andern Sparren auf solche A« anlau- feii, daselbst Schiftsparren genannt werden. So auch das Schiften und die Schiftung. Anm. Es ist mit schäften cm und eben dasselbe Wort und von demselben nur in der Mundart verschieden. (S. dasselbe.) Das Niedersächsische schiften, theilen, ist von schichten nur im End- laute verschieden. Schild, ein Hauptwort, welches in einer doppelten Gestalt gk- - braucht wird. i. Im männlichen Geschlechts, der Schild, des—cs, plur. die—e. -) Eigentlich, einem der heutigen Europäischen Kriegskunst veraltete Art Schußwaffen, den Leib damit gegen die feindlichen Pfeile nnd Hiebe zu bedecken und zu beschützen, d» denn die Schilde ehedem von verschiedener Materie, Größe und Gestalt waren. Schild und Bogen führen. Den Schild Vorhalten. Güldene Schilde, » Kön. 14,27. Zwey hundert Schilde, Kap. 1 a, 16. Aller Schilde Pracht, Opitz. Gelehntauf ihre goldne Schilde, Raml. 2) Figürlich, (a) Dasjenige, was »ns einen kräftigen und sichern Schutz gewähret. Der äerr ist mein Schild, Ps. 28,7. Seine Wahrheit ist Schirm und Schild, Ps. 9«, 4. (b) Diejenige Figur,worein ciuWavenmit sei,len Theilen verzeichnet wird, welche noch jetzt die Gestalt der ehemahligen Schilde hat, weil die Wapcn ehedem auf die Schilde gemahlet wurden; der Warnschild. Einen Adler im Schilde führen, zum Wapen haben. Daher die figürliche Redensart, sehen was jemand im Schilde führet, was er für geheime Absichten hat; vielleicht eigentlich, zu welcher Partey er gehöret. Nichts Gutes im Schilde fuhren, mit etwas Bösen umgehen. Weil ehedem nur adelige Personen Wapenschiüde führen durften, so wird nach einer noch weiter» Figur auch die adelige Würde noch irr einigen Redensarten der Schild genannt. Zum Schilde geboren ftpn, von adeliger Herkunft seyn. Nach einer noch andern Figur bedeutet Schilde zuweilen die Ahnen. Dann Schilde sind das mi dste von dem was Tugend heisst,Opitz. Der bloß auf Schilder (Schilde) pocht, Günth. Zugleinen Personen von hoher Geburt und Würde; welche Figur doch jetzt veraltetest. Gott ist sehr erhöht bep den Schilden aufErdcn, Ps. 47, io. Gott, der Ew. Majestät gross gemacht und unter den Schilden dieser Erde erhöhet hat, Mosheim, (c)* Eine Münze, aufwelche einWapenschild mit seinem Wapcn gepräget ist; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, in welcher Schild chcdem für Thaler gebraucht wurde, wie im mittler» Lat. 8cu- tum, noch jetzt im Ztal. 8cuclo und im Franz. Leu. Frisch führet verschiedene Beyspiele von dieser Bedeutung an, welche in einigen Oberdeutschen Gegenden noch jetzt üblich zu seyn scheinet. Daher war Schildfrank ehedem einDucateu. Eine gewisse Fra»- zöstsche Goldmünze, welche unfern ^Carolinen ziemlich gleich kommt,wird noch jetzt Schild d'or, eigentlich ein goldner Schild, ' genannt, (d) Bey denJägern wird das arlfLeinwandgemahlte und in einem Rahmen befindliche Bild eines Thieres ein Schild genannt; vermnthlich,weil sie dasselbe wie einen Schild vor sich hal- , ten, wenn sie das Gcfiügcl beschleichen wollen; wenn cS hier nicht vielmehr ein Überrest einer alten Bedeutung eines Gcmähldrsift, (S.Schildern.) (c) Eine schwache Wand zwischen zwey stärker» Pfeilern, besonders an den Garrenmaucrn, führet gleichfalls den Nahmen eines Schildes ; vielleicht auch wegen einiger sich dabey gedachten Ähnlichkeit mir einem Schilde. Manche gebrauchen es hier im ungewiffenGeschlcchke dasGchild. (f)Endlich wirdes »och in vielen einzelnen Fällen gebraucht, ein Ding zu bezeichnen, wc - chcs rinemSchilde im ersienDerstande ähnlich ist,besonders wenn 1461 , Schi ks zugleich zur Bedeckung eines andern Dinges oder eines Theiles desselben dienet. So ist die harte hohle Schale, welche den ganzen Korper der Schildkröte bedecket, unter dem Nahmen des Schildes bekannt,(S.Schildkröle;)ja unter den Insecten gibt cS meh- rere Arten, welchen man einen Schild zuznschrciben pfleget, (S. Gchitdkafer.), Das Amt- oder Brnstschil^lein Aarons ist aus den Jüdischen Älterthnmern bkkannt.DiePvstillioiic, Herolde u.s. f. haben metallene Schilde an der Brust, wo aber auch zunächst dieBedeutung einesWapenschildeSStatt finden kann. Ern breiter dicker Knorpel auf dem Rücken der wilden Schweine heißt bey den Jägern der Schild, und bey den Schlössern ist es das Blech,welches das Schlüsselloch bedeckt, im Mittlern Lat. Lscv- ckovetus. Die Feld- undHaftlhühnee haben an derBrustFederu von einer andern Farbe, welche bey denJLzern dcrSchild heißen; welchen Nahmen oft die Brust eines jeden Geflügels führet. Bey den Fleischern ist der Schild ein gewisser Theil von dem Buge eines Rindes, und bey den Schustern eine gewisse Stelle an der Hüfte des Pfundleders, wo es am dicksten ist, weil derOchs auf dieser Stelle allemahl liegt. Bey den Gärtnern ist das Ocnliren mit dem Schilde oder anschilden, dei,iGeulireu mit demRinge entgegen gefttzet. Und so i» andern Fällen mehr. 2 . Indem ungewissen Geschlechte, das Schild, des—es, plur. die—- er, werden in Ober - und Niedersachsen nur die Wapenbilder oder Zeichen derHänser, ingleichen die aushängenden und auf ein Bret gemahltenZeichen decHandwerker nndBewcrbe das Schild genannt; gleichfalls als eine Anspielung uns einen Wapenschrld. Das Schild einziehen, sein Handwerk, sein Gewerbe Niederlagen. Ann,. >. Der Unterschied in dem Geschlechte und der Declina- tion dieses Wortes ist im Grunde provinziell und daher nicht zu billigen,obgleich alleObersächscfche Sprachlehrer denselben zu einer grammatischenRegel gemacht Haben.JmOberdeutschen istdre- ftsWort ohne Unterschied männlichen Geschlechts, und hat daher im Plural auch ohne Ausnahme die Schelde, In Ober-und Nie- dersachsen hingegen, besonders im gemeinen Leben, sagt man fast in allen obigen Bedeutungen des männlichenGefchle hts dieSchil- drr; dieses fttztaberein Wort ungewissenGeschlechts voraus,und wirklich wird es daselbst sehr häufig in allen Bedeutungen als ein Neutrum gebraucht. Indessen hat das Masculinnm alle nur erforderlichen Gründe für sich, und es ist der Analogie gemäßes uuch in der letzten Bedeutung einesZeichens eines Handwerkers oder Gewerbes männlich zu gebrauchen, und folglich auch-m Plural die Schilde zu sagen, weil keinGrund vorhanden ist. warum ein Wort in der cinenBedeutung anders gcformet werden soll,als in der andern. Aichinger sagt in seiner Sprachkunst ausdrücklich, der Plural, die Schilder, sep ein Eigenthum der Meißner. Anm. 2 . Schon bey dem Ottfried und Notker imNie- ders. gleichfalls Schild, im Engl. 8ftie16, im Angelf. 8cv!t,inr Schwed. 8KÖI6, im Hebr. 8csii!lck- Es ist von dein veralteten schalen, schrien, schilen, decken, bedecken. Schweb, flegln, wovon auch unser Schale abstammet. Auf ähnliche Art stammetdas Schwed. ^lift ein Schild, Lat. Gli^eus, von likn, decken, bedecken, und das Lat. 8culuin, ir, den Slavvnischcit Mundarten 8clnt, Pohl-n. 8cr^1, Böhm. 8lift, von dem veralteten schüren, bedecken, Her, wovon wir noch das Jntensivnm schützen haben. Tie Schildamses, plur. die—n, eine Art Amseln, in der Größe eines Krammetsvogcls von schwarzgraner mit weiß gesprengter Farbe, welche vor her Brust einen weißen Fleck in Gestalt eines Schildes hat; die Meeramsel. T ie Gchil-ttnte, plur. die — n, in einigen Gegenden ein Nähme der^vffelMte, welche quch Schallante und von einigen, im S ch i 1462 Latein. LelisHuriL genannt wird. Einer von beydenNahmen ist ve.muthlich aus dem andern verderbt. Der Scyildbauer, des— s, plur. die—- n, in Tirol, eineArt freyer Buucrn, w lche nicht leibeigen sind, sondern mit zum Adel steuern, daher sie vermnrhlich auch den Nahmen haben. Ihre Höft werden Schildhofe genannt. . Der Schild ö'or, des — s, plur. ut vom. livA. wo die letzte Hälfte das Franz, ck'or lst, S. Schild 2 ) (c). Die Schilddrofsel, plur. die— n, eine Art Drosseln, mit einem Schilde vor der Brust. *Der Schilder, des—s, plur. ut vom. 6n§. eine im Hochdeutscher» ungewöhnliche Benennung eines Mahlers. Die Schilder - Innung zu Magdeburg, in den 8crjpr. Lruul'vv: E» ist von Schild lind der Ettdsylbe —er, dagegen Schilderet, welches doch euch wenig gebraucht wird,von schildern und dieserEndsnlbe ist. S. Schildern.' DLeSlchilderey, plur. die—en, ein Gemählde, ohne daß es eben in einen Auhnien eingefaßt scyn dürft, wieStosch will, oder ein eigentliches Porträt ftyn müßte, wie Gottsched behauptet. Am üblichsten ist es im Plural Schildcrepen, künstliche, allen ihren Theilen nach fleißig ansgearbeittte Gemählde. Im Niedersächs. Schilleraatft Schilleratfle. S. Schildern und Schilderung. Dstö Schilderhaus, des —es, plur. die—Hauser, Diminut. das Schilderhäuschen, Oberd. Schilderhauslein, ein kleines Gehäuft von Breccrn oder Steinen, worin die auf ihrem Posten stehende Schildwache sich bey üblem Wetter verbcr-:u kann. Von 2 Schildern, S. dasselbe. ».Schildern, verb. reg. act. von dem Hanptworte Schild. i) Mit eincm.Schilde verfthenstn verschiedenen einzelnen Fällen. So nennen die Jäger diejenigen Feld- und Wasserhühner, welche einen Schild auf der Brust haben, geschildert. In weiterm Verstände istcrn Geflügel bey ihncn^loohl geschildert, wennes anfder Brust reichlich mit Federn bedeckt ist. 2 ) Die Feldhühner schildern, eben, daselbst, sie mit dem Schilde, d. i. dem c emahlten Bilde eines Thieres vor sich her treiben. Z) Mahlen, Figuren mit Farben entwerfen; imNieders. schillern,im Schweb, sleilclrn. So wird das Schildern bey den Kattundrnckern dem Drucken entgegen gesetzt. Farben einschildern, sie auf den Kattun mahlen. Geschilderte Nattune, gemahlte, im Gegensätze der gedruckten. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist schildern von mahlen noch unterschieden,und da bedeutet es,die einzelnen Theile eines Gemähldes durch Farben,Licht und Schatten, gehörig ausarbeiten. Eine Schlacht schildern, sie nach allen ihren Theilen kunstmäßig abbilden. Figürlich schildert auch dee Bedner,der Dichter, wenn er eine sehr lebhafte Beschreibung eines Dinges macht, ein Ding nach allen seinen Lheilen der Einbildungskraft durchWortegegenwärtig macht. So schildert dee Dichter eine schöne Gegend, die Schrecken einer Schlacht, den Sturm auf der See u. s. s. Sv auch das Schildern. S. auch die Schilderung. Die gewöhnlichste Ableitung desWertes schildern in dieser Bedeutung, welche auch Wachter, Frisch, Ihre und andere angenom. men haben, ist von Schild in der ersten eigentlichsten Bedenrung, weildie Bemahlung der Schilde.einedcr ersten und. vornehmsten Beschäftigungen derMahier war,und sich die altenDentschen schon zu Laciti Zeiten der bemahltt-n Schilde bedienten. Es har diese Ableitung sehr viele Wahrscheinlichkeit für sich, und da würde von Schild mit derAbleitungssylbe—er dasHanptworl Schilder, ein Mahler, und von diesem das Zeitwort schildern gebildet, sen». Allein es ist doch dieFrgnrein wenig hart und ungewöhnlich.Nach l er Analogie ft vieler andern Wörter müßte Schilder eigenttich jemanden bedeuten, welcher Schilde perfectiM, und nicht, der »>Lss " verfertigte 146Z - Schi verfertigte Schilde bemahlet. Die drey leeren Schilde, welche dle Mahler in ihren: Mapen führen, können, hier nichts bewerfen, indem sie ohne Zweisxl sehr späten Ursprunges sind, und durch eine unrichtige Ableilung entsianden seyn können. Es käme daher darauf an. ob man nicht eine geschicktere und weniger gezwungene Abstammung ausmachen könnte, und diese biethet das veraltete Zeitwort schillc,1, schellen, theilen, unterscheiden, an, Schwed. LkUjÄ.Angels. ld^lanchon welchem schrldern,Nieders.schillern, -asJnteusivnm seyn kann; zumahl da derBegriffdes Uuterschci- dens, der Bearbeitung aller einzelnen Theile,in dem Worte schillern so deutlich hervorsticht. 2. Schildern, vsrb.rsZ. seutr. mit dem Hülfsworte haben. r) Stehen und warten, stehen und einem Dinge, welches kommen soll, lange entgegen sehen; ein vornehmlich inchen Niedexdeut- scheu Mundarten üblicher Gebrauch, wo es schillern lautet. s) In engerer, auch im Hochdeutschen nicht ganz unbekannte» Bedeutung, Schildwache stehen. Schildern müssen. Der Spanier schildert oft ganz^Stnnden unter dem 5 enster seiner Geliebten. So such das Schilder». Anm. Frisch leitet diesesWori geradezu von dem Lat.lculta.ri her, andere von Schild, weil die Schildwachcn ihre Wachen mit dem Schilde am Arme verrichten müssen. Erträglicher würde die letzte Ableitung seyn, wenn Mansie durch eine Wache erklarcte, welche bey den Schilden des übrigen Haufens stand, so wie man noch jetzt die Gewehrwachen hat, von welcher besonder» Bedeutung es dünn die allgemeinere bekommen haben könnte. Allein man muß den Ursprung dieses Wortes wohl ein wenig weiter suchen. Die Form zeiget schon, daß es ein intensives Dimiriuüvnm, oder auch bloß ein doppeltes Jntensivum ist,ws rheils das doppelte ll, rheils das r die Intensiv» bezeichnet. Das Stammwort würde also schielen, seitwärts sehen, zielen, genau aufetwas sehen, seyn, welche Bedeutung schillern, Hochdeutsch schildern, nur verstärkt. Das Latein, lcultari, wovon »xovXi-« im mittler» Griech. eMe Schildwache bedeutete, kann genau damit verwandt, und bloß eine Figur von einem Sinncanfden andern seyn. Die Nahmen der Schildwachen in andern Sprachen haben einen ähnlichen Ursprung; z. B. dasFranz. Levtlvslle, von lentire, das gleichfalls Franz.etre uüx ecoutes, Schildwache stehen, von 6cöu- 1er, hören, horchen. S. Schilderhaus und Schildwache. Die Schilderung, plur. die—en, von schildern, mahlen, doch nur in dessen figürlichen Bedeutung, eine lebhafte Beschreibung eines Dinges nach allen seinen Theilen, ein rednerisches oder poetisches Bild. In der mehr eigentlichen eines Gemahldes ist Schildere^ üblich. Das Schilöferkel, des —s, plur. ul vorn. ÜVA. bey den neuern Schriftstellern des Lhierreiches eine Art Armadille oder Panzerthiere, dessen länglicher Kopf einem Schwcinskopfe ähnlich ist. Der vordere und Hintere Theil des Körpers ist mit zweyen Schildern versehen, zwischen welchen sich zehn kleinere befinden. Es ist aufden Ostindischen Inseln einheimisch. laiu porcinus /llu6o l-. Rieders. Schild- padde,vonpadde, eineKröte. Daher die Sch'ldkrötenschale, welche zu allerley säubern Arbeiten verarbeitet wird, und deren Masse alsdann im gemeinen Leben auch Sch-Uckrot, Rieders. Gchüdpadd, genannt wird. Figürlich wird auch eine Nörd-Am^ rikanische Pflanze,deren Helm an der Blnm-nki one der Schale einer Schildiröte gleicpt, Elision-: E. ingleiche:r ein rorher Schmetterling, dessen Flkigrl wie die Farben der Schildkröten, schale ausscherr, Schildkröte genannt. Die Schilölaus, plur. die—lause, einJnsect, mit halb harten , Flügeldecken,welches sich häufig auf den Weinreben, Weide,1,und an den Orangerien tu den Gewächshäusern aufhätt, und dessen uugeflügeltes Weibchen miteinem Schilde bedeckt ist, welcher einer Muschel gleicht; Eoceus I-. das Musch el-Insecr. Die ttochenille, und das Johannis-Blut oder der Pohlm'sche Itt- mes sind Arten desselben. Das Gchrlölehen, des—s, plur. ul uom. lluA. ein Lehen,wel, chcs mit Kriegsdiensten verdienet werden muß; ein adeliges Lehen, im Gegensätze eines bürgerlichen oder Bauerlchens. Die Schilbmauer, plur. die— N, in den Weinbergen, niedrige Mauern an den Bergen, das Wasser anfzuhalten,damit cs nicht so viele Erde mit sch führe; weil sie den Weinbergen gleichsam zu einem Schilde gegen das Wasser dienen. Die Schildmotte, plur. die—n, eine Art Motten, welcheM einem Schilde bedeckt ist, und sich auf der Nochbüche aushäit.; kliLluenu Lomv^x 1 lm«cocle 5 ^tt/>re?S-. Del' Schildlcrve, des —n, plur. die —u, eine Art granerRabca mit einem schwarzen Schilde. Del Schilörerher,des —s,plur. m vom. 6r>§. ein Rahme dcs Nachtraben, vielleicht wegen seiner weißen Brust, oder auch m« gen seines schwärzlich grünen Rückens; ^.rckea varm L/ei/r. S. 2 Focke. Der Schildträger, des —s, plur. ul uom. llvZ. bep derche- mahligen Art zu kriegen, derjenige, welcher einem Ritter odervor- nehmen Krieger den Schild Nachträgen mußte, und welcher ehedem auch Schildknappe, und wenn er von dem geringsten Stande war, Schildknecht genannt wurde. Goliaths Schildträger, 1 Sam. 17,7^' Die Schrldwäche, plur. die—n. 1) Die Wache, d. i. die Verrichtung, da jemand an einem Orte stehet, um ans dasjenige Acht zu geben, was daselbst vorgehet; wo es nur in einigen besonder« Redensarten ühlich ist. Schildwachk stehen,ans solcheArt stehen und Acht haben. vonder Schildwache gehen, von seinem Posten, ^onathas verordnet?-Leute ums Lager rrmherindie Gchildwache, > Marc. -2,27. 2) Diejenige Person, welche auf solche Ar ran einen Ort geftellet wird, um auf alles Achczn haben, was daselbst »ergehet. Die Gchildwache aölöserr. Schildwachen stellen. Die Schildwachen besuchen. Die verlorne Gchildwache, im Kriege, welche an dem gesährl.chstm Orte sichet. Anni. Ohne Zweifel von dem veralteten schilden, jetzt, schi^ dckn, warten u. welche dem Hornviehe sehr schädlich ist, und i^-Niedersachseir Segge, und vermnthlich auch Diimmel genannt wird. 2) Dem Wasserrifpengrase, kss. S^ULlicn I^. welches dem Rindviehe eben so schädlich ist, und auch Wasserviehgras, großer Militz, im Niedcrsächfischenaber M'chfalls SegFe genannt wird. S. auch ÄicthZras. Kchk »466 Dre Schtlfkfmye, plür. die—n, öeeyeckige Degenklingen, deren jede Seite Hohl ausgeschliffen ist ; entweder wegen dec Ähnlichkeit mit den Blättern mancher Schilfarten, oder auch unmittelbar von Schilf, ein hohles Ding; die Hshlklmge. Das Schilfmeer, des—es, plur. inuss ein mir Schilf häufig bewachsenes Meer; in welchem Verstände das rothe Meer odev der Arabische Meerbusen in der Deutschen Bibel diesen Nahmen führet, nach dem Hebt. PO von PO, Schilf, d. i. Rohr oder Binsen, Dän. Sif, Schwed, 83.5. Indessen bedeutet das Hebräische Wort nach des Ritter Michaelis Beobachtung hier keines von unfern gewöhnlichen Schilfgräser«, sondern das Meergrar, oder Gargasso^ncus -""'- Das Schilfrohr, des —es, plur.inuf. S. Schilf. Der Schill, des—es, piur. die—s, in einigen Gegenden, ei» Nähme desjenigenFisches, welcher am häufigsten Zander genannt wird. Etwa wegen seiner schielenden oder schillernden Farbe? Der Schillel)old,des —es, x>lur. die —e, in der Mark Brandenburg, der Nähme desjenigen Jnsectes, rvelchesunter dem Nahmen derIungfer, des Heupferdes, am bekanntesten ist, sS. diese Wörter.) Vonschielen, schillern, mit verschiedenen Farben spielen, und Bold, Bolzen, wegen seiner langen, cylindrischen Figur. Der Schillerfpath, des—es, plur, von mehrern Arten,die—e, am Harze, ein lauchgrüner Serpentinstein, mit eingesprengtem Goldglimmer, welcher übrigens nichts spathartiges enthält. Der Schillertaffet, des —s, plur. von mehrern Arten, die —e, ein mit mehrern Farben spielender Tastet; Franz.LiiäoZeavr. Von dem noch im gemeinen Leben üblichen schillern, dcm Jn- thnsivo von schielen, mit verschiedenen Farben spielen. Siehe Schielen. Der Schillervoyel, des—s, plur. die —üögel, ein Tagefalter, welcher auf einer schwärzlichen, braunen oder ockergelben Grundfarbe in ein schönes Blau spielet; D^rripkLlis Zein- rnaüeus Iris s,. > , Der Schilling, des—es, xlur. die—e, ein Wort, welches im Deutschen noch in verschiedenen Bedeutungen gebraucht wird. 1. Am häufigsten als ein Nähme einer Münze, welche doch nach Beschaffenheit der Zeiten und Drre von einer sehr verschiedenen Wäprungist; Augels. 8 e^ 1 iinA,Engl. 8 tiiUinZ,Schwed. 8 K 11 - !ir>b, im Mittlern Lat. LüialonZia, 8 L!te 1 IrnZus. Man findet Spuren, daß ein Schilling ehedem so viel alsein jetziger Gulden gewesen. Der Englische Schilling, oder LliillmA, macht nach unserm Gelde beynahe eine» halben Gulden. In Aachen find noch Schillinge, vielleicht nur als eine Rechnungsmüuze) gangbar, de- ren vier einen Reichsgulden machen^ In verschiedenen Provinzen am Niederrheineist der Schilling eine Münze, welche ungefähr drey gute Groschen ausmachr, daher deren bald acht, bald auch neun aufeineu Aeichsthaler gerechnet werden ; so hält der Schilling in KVesrphalcn Z gute Groschen oder 74 Stüver, in Oslfriesland 2 Flinderke, 6 Stüver, L Grot, 12 Sieferts, 24 Drtchens oder 60 Witten, so daß deren neun einen Reichsthalcr machen, im (kölnischen, wo ihrer vier einen Herrengulden machen, oz-Blafferts, 6 Gößchen, 7^ Clevische Stüver, 10 Albus oder 12 Haller. Der GchillingFlamisch, woruach in verschiedenen Gegenden Niederdeutschlandes gerechnet wird, macht gleich, falls 3 Gr. denn a oSchMmg Flämisch machen daselbst emPsuud Flämisch, d. i. 2j- Rrhlr. JnDsterreich und einigen andernOber- deutschenGegenden ist der Schilling eine Nechnungsmünze,dere» Z einen Gulden machen, daher einer so viel als einZweygroschen- siück ist. Im Münfferschcn hingegen machon 2Z Schillinge eine» Töaler, so daß 1 Schilling i S-Mariengroschen ist. Am üblichste» ist cs als der Nähme einer Scheidemünze, welche sich aber doch Luch nicht gleich ist, sondern bald 9 , bald 6, bald aber auch nur Z i LZ L ^ l Pik».» r Pfennig hält. l) Irr Regensburg, Franken und andern Ges genden sind Raisergroschcn und Schilling gleichbedeutend,indem beyde zKreuzer halten. 2)Durch ganzNiedersach en ist derSchrl- ling das, was man in Oberfachsen einen Sechser nenne-, d. r. 6 Pfennige. Einzelne Gegenden machen indessen auch hier eine Ausnahme ; ft- hat man z. B. in Stettin zwey Rechnungsmünzen dieses Rahmens,wovon der Schilling schlechthin 8 Pf. derSchil- !ing Sundisch aber nur vier Pfcnniae gilt. Man findet es in ähnlicher Währung auch in einigen Oberdeutschen Gegenden. Zn Basel ist ein Schilling so viel wie ein Blassem, denn beyde halten 6 Rappen oder i sPsermige, und ^Schillinge machen emenTha- ler.Jn Zürch gilt ein SchM-ng Kreuzer, z) In Preußen ijnd Pohlen endlich ist einSchilling, oder nach der Schlesischen Anssprache einSchillcher,nicht mehr als einMeißnischerPfennig. Nach einersehr gewöhnliche-g Figur wird Schilling noch in einigen Zusammensetzungen für Münze oder Geld überhaupt gebraucht; z. B.Aaufschilling, pfandschillmg. s. Zn manchenGegenden ist der Schilling eine bestimmte Zahl gewisser Dinge. Bey den Wörtern Pfund und Malter ist schon bemerket worden, daß diese Art zu zählen in den Mittlern Zeiten sehr gemein war. Die gewöhnlichste Art dicSchillinge einzuthei- !en war nachPftnnigen oderHällern,welche letzten: oft auchPfen- nige genannt wurde»; da aber der Schilling in einigen Gegenden Groschen, und in andern nur ^Groschen galt, so bedeutet Schilling bald eine Zahl von Zo, d. i. Pfennigen, bald nur eine Zahl von i s,d. i. Hallern. So sind in einer ÖstcrreichischenChre- nik r r Schillinge Städte und Flecken so viel als Z z v, siche Pfund. Irr diesem Verstände ist es als ein Zahlwort, welches Z ü bedeutet, noch jetzt in Österreich gangbür. In Schlesien hingegen ist ein Schilling oder Schillcher Vögel eine Zahl von zwölfen. Z. Hierher gehört noch eine doppelte Art des Gebrauches, welche noch hin und wieder gangbar ist, und als eine Figur der vorigen Bedeutung angesehen werden kann, t) Zn manchen Gegenden ist es ein Maß körperlicher Dinge. So ist in den Löh. mischen Bergwerken der Schilling, Böhm. 81 iljulc, ein Maß Crz von L Schubkarren. Mau könnte es hier füglich von Schale Meilen, so daß es überhaupt den Begriff eines hohlen Maßes und Raumes hätte, wen» nicht wahrscheinlicher wäre, daß hier ehen die vorige Art zu zählen zum Grunde liege. Denn in eben den jetzt gedachten Böhmischen Bergwerken ist ein SchillingWas- scr cinoZahl vonzwölfledernenSchläuchen oder480 PragerP n- ten; i LGchillmge machen daselbst eineLosungWässer. In Re- gensburg hingegen hat ein Schilling Salz Zo Scheuben, und r Schillinge machen daselbst ein Pfund Salz. 2) Oft bedeutet Schilling auch eineZüchtignng, welche einem Verbrecher mir hem Stscke, dev Peitsche oder mit Ruthen gegeben wird. In einigen Oberdeutschen Gegenden wird es daher für den Stanpbescn gebraucht. Der Gtockschilling ist in den Gerichten noch jetzt eine Züchtigung von demGtockmeister in dcmSteck'eoderGefängnisse. Auch die Züchtigung ungezogener Knaben in denSchnlen auf den Hintern führet daselbst denNahmen des Gchillinges. Da Platzer von platzen in ähnlichemVerstande vorkommt,so könnte man auch Schilling in dieser Bedcntllng von schallen Meilen, wenn es nicht wahrscheinlicher wäre, daß es auch hier von der vorigen Bedeutung entlehnet worden, und ursprünglich eine bestimmte Zahl S-reichr, etwa r? oder zo , bedeutet habe. S. Pfund. Anm. Die letzte Sylbe an diesem Worte il! die Vbleirriügsivlbe —-mgoder—ling, welche ein Ding, eilt Sudject bedeutet. Es formt also bcy der Ableitung nur aus die erste Sylbe an, denn «Lci sie Bedeutung aber hier noch nicht völlig ausgemacht ist, zu, gtM Hs -re unter UmNahmen her Schillinge.bekannte« Mimzarten von einem so verschiedenen Werthe und Gehalte sind. Ich will die vornehmsten und wahrscheinlichsten Ableitungen - hier kürzlich anführen. 1) Freher c!« relVIolletLrra leitet es von dem Latein. 8t1ic^uaher, welches bcy den Römern den vierten Theil einer Ui.ze bedeutete. Er beruft sich dabey auf ein altes Deursch- Lateiui.chcs Glossarium, iu welchem Hu ml Im a durch L////k/ur übersctztwird: Oboium ckimidiumIdriptuli, Huocl k-rLck siiiHuus tres,^«/// (Stück) ^«//>/af//-t<-/«^ck«2 tot L////r- /r«,r t,/; 8t.Ltkr eü uummus ut ^uickLiri ttUirmnuk, uu- eiamuu 3 m,Lure 055 ex, a§«///ch////r/?o.'ro,2a- «/rce «/««/r, Le////«ß s /ilÄ und LLLvstuIa; alle von schinden, so fern es ehedem auch spalten bedeutete. Lat. s'cinstere, indem das Wort Schindel doch nur von gespaltenen Bretern g 'braucht wird. Oder auch von Lcm alten Schin, Schind , die Haut, iipd eine jede Decke oder Bedeckung, weil die Schindeln am häufigsten zu den Dächern gebraucht werden. (S. Schinden und Schiene.) Die Eadsytbe ist die Endsylbe—-el, ein Ding, Subject, ein gespaltenes Ding oder ein deckendes Ding zu bezckchuen. Das Schindeldach, des —es, plur. die—Lacher, ein mit Schindeln gedecktes Dach. DerSchindeldecher, dss — s, prur. ul vorn. sin?. cmDach- Wecker, welcher ein Dach mit Schindeln zn decken verstehet. Düo Schindeleisen, des —c, plur. ul üom. ilnZ. ein eisernes Werkzeug der Schindelhauer, die Fugen damit in die Schindeln,zu hauen. DerSchmdelhauer, oder Gchindelmacher, des — s, plur. ut uom. iinK. derjenige, welcher in den Wäldern die Schindeln verfertiget oder schlaget. Schindeln, verb. re^. uct. mit Schindeln versehen. In der Wa- penkunst wird das Mittelwort geschindelt von einer den Schin- deln ähnlichen Art Figuren gebraucht. Der Gchindelnatzel, des — s , p!ur. die — Nagel, eine besondere Art Nägel mit halben Köpfen zu den Schindeldächern. Auch die Schuster bedienen sich solcher Nag, l zu den Mannsschuhem Der Schmdetsparren, des—s, plur. ut uom. linx. die Sparren eine« Schindeldaches, weiche nichts» stark scyn dürfen, als Hey einem Ziegeldachs. Der Schindelstamm. des—es, plur. die—stamme, einBaum oder Stamm, woraus Schindeln geschlagen werden können. Schinden, verb. irrex. acr. Jmperfect. ich schund; Miktely>ort geschunden; Jmperat. schinde, r) Eigentlich, die Haut eines Dinges nach und nach ablösen oder abziehen; eine ehedem und noch in manchen Gegenden in allen den Fällen übliche Bedeutung, wo dnser Begriff Stack findet. In einigen Oberdeutschen Gegenden schindet der Metzger ein Ralb, wenn er cs au-arbeitct; wo man den Ausdruck schinden in Oöersachsen als eineBeschimpfnuz anse- henwürde. Eben daselbst schindet man auch einen Hasen u.-.s. wenn man ihn abstrcifr. Lp schünde eine Eons um des Balgs Willen, sagt man auch noch im Hochdeutschen im gemeinen Leben von einem kargen Geitzigen. Einen Verbrecher lebendig schinden, eine:« den Morgenländern ehedem sehr übliche Lebensstrafe. Der Abdecker schindet ein umgefallencs vkeh, wofür dach auch «drl, W, Z. z. Th.-. Aug. Schi »474 üödecken, abschlagen, rrnd in den niedrigern Sprecharten ab- puffen und abludcrn üblicher sind, (S. Schinder.)' Einen Baum schinden, ihn auf eine mrgeschickteAct der Rinde berauben. Überhaupt hat dieses Wort in den wenigen Fällen, in welchen es im Hochdeutschen noch im eigentlichen Verstände gebraucht wird, entweder den Begriff des Ungeschickten, oder doch sonst einen verächtlichen Nebenbcgriffbey sich. In; gemeinen Leben schindet man sich auch, wenn man sich dieHaut an einem Theile des Leibes ab- reibct oder abstößrt. 2) Figürlich, in dem Nießbrauchs und im Handel und Wandel da^ Maß der Billigkeit auf eine grobe Art überschreiten ; im gemeinen Leben, und allemahl mit einem ver- schtUchen Nebenbegriffe. Der Fuhrmann schindet sein Vieh, wem, eres übertreibt, es zu Schande treibet, der Landmann seinen Acker, wenn er ihn ausmärgelt, ein Herr seine Unterthanen,werm er ihnen übertriebene Lasten aufleget, welche sie zu Grunde richten, oder wenn er ihnen, wie man gleichfalls in den niedrigen Sprech- ar:cn sagt, das 8 cll über die Ohren ziehet, der Verkäufer den K ülft r, oder dieser jenen, wenn einer von ihnen die Billigkeit zum merklichen Nachtheil des andern verletzet. Der Gertzige schindet und schabet, wenn er ohne Rücksicht auf Billigkeit und Wohlstand z,z erwerben sucht, wo er kann. Und so in andern Fällen mehr. So auch das Schinden. A 'm. Im Mieders. schinneu/im Schwed.skinns. Daßesche- dem ein Zeitwort dieses Lautes gegeben, welches schneiden überhaupt bedeutet hat, und wozu auch das Lat. lcinstet's, in gewisser Betrachtung auch schänden, uich vielleicht auch Schindel, gehöret, ist gewiß. Allein unser schinden stammet wohl zunächst von dem im Hochdeutschen veralteten Schin, die Haut, her, Niederst Schin, Engl. 8 !riü, Schwed.Licinn, Dän. Skind, im Wallist ohne Zischlaut Oenn, und im Bretagn. Ken, wohin auch in der weitern Bedeutung einer Decke das Griech. o^vo-, ein Gezelt, gehöret. AnfähnlicheArrsind schälen von Schale, fillen, schinden, von Fell, Hülsen von Hülse, Hauken von Haut, u. a. m. gebildet. Schinden bedeutet also der Haut berauben, und da, diese zur völligen Gestalt eines Dinges nothwendig ist, so wird*dar- aus zugleich der Nebenbegriff begreiflich, der diesem Worte gemeiniglich anklebt. Indessen sind dieses schinden, und schinden, schneiden, dem Ursprünge nach nur ein und eben dasselbe Wore. Siehe auch Schiene. Der Gchinöer, des — s, xlur. ul nom. iivZ. Fämin. die Gchindcrinn, von dem vorigen Zeilwortc. i) In dessen eigcnt- liehen Bedeutung; wo doch nur der Abdecker, oder, wie er sich selbst nennt, der 8 reymann, im gemeinen Leben und der niedrigere Sprechart unter dem Nahmen des Schinders bekannt ist, der sonst Rafiller, Wasenmeister) Lallmeister, Flurer, in Baiern Bornschlegl, Aaltschlager, Niederst 5 >ll r, Schinner, Racker genannt wird. JmSchwcd. hingegenist Lkinonre, und im Engl. Lkirmer, der Kürschner, von Lkin , das Fell, die Haut. s) Zu der figürlichen Bedeutung ist Schinder, in der harten und verächtlichen Sprechart, ein jeder, der in dem Nießbrauchs oder Handel und Wandel die Gränzen der Billigkeit aufeine grobe Art überschreite!. Ich will deine Schinder speisen mit ihrem eigenen 8 lcische, Es. 49, 26. Ich will den Relch meines Grimmes deinen Schindern in die Hand geben, Kap. 5-, 2 z, denen, die dich unterdrücken und plagen. So nennet man auch einen harten Wucherer u. s. f. einen Schinder- Dre Schinderei, plur. —en. ». In der ersten eigentlichen Bedeutung. ») Die Wohnung des Schinders; in dex anständigen Sprechart die Nafillerey, dre Abdeckerei 2) Die Arbeit, Verrichtung desSchinders, düs Abdccken des gestorbenenVi-hes, und in weitererBedenturrg, eine jede ungefchickteBeraiibuug der Haut, ja eine jede ekelhafte Arbeit; doch alles nur in der niedrigen A a a a », Sprich . X ^ ,'-Ü '' - 47Z Schi Schi 1476 Ssrcchart. -. Zn bccstgui-'Uchen Bedeutung, jede grobe Uder- schreituug der Billigkeit imNießbrauche und Handel und Wandel; auch nur in der harten und niedrigen Schreibart. Gott stürzt tzer Gottlosen Gchindcrey, Sprichw. 10, z. Das Volk wird Schuldere? treiben, Es. Z, 5. Er wartet aufs Recht, flehe, so ists'Schinderex, Kap. L, 7. Die Gchinderyrube, S. Schindanger. Der Schmderc'arren, des —-s, plur. ut vom. kvZ. derjenige Karren, worauf der Abdecker das gestorbene Vieh auf den Schindanger führet. . V < Der Schinöerknecht, des-es, plur. dls —e, der Knecht des Scharfrichters, welcher zum Abdecken gebraucht wird, in der niedrigen Sprechakt; der Rafiller, der Abdecker. Die Schinögrube, plur. die— n, S. Schindanger, Schund- grube hingegen ist noch davon unterschieden, S. dasselbe. Der Stinken, des—s, plur. uv vorn. üvZ. Dimin. das Schinkchcn, Oberd. Schinklein. r) "Das dicke Bein mit dem Gesäß ; eine veraltete Bedeutung, in welcher es nur noch zuwei. len im Scherze gebraucht wird, doch mit Anspielung aufdie folgende Bedeutung Ehedem war es aber gangbarer, nicht bloß für das Dickbein, sondern auch für Schenkel und Schienbein, (S. Schenkels JmNiedersächstschen ist Schünke noch drrSchcn- kel, und in engerer Bedeutung, ein plumper, ungeschickter Schenkel. 2) In engerer Bedeutung ist cs nur noch von eingesalz-ucn und geräucherten Dickbeinen oder Keulen der Schweine üblich. Der vordcrschinken, der Zinterschmken. Im engsten Verstaube verstehet mau unter Schinken schlechthin allemahl die geräucherte Hintere Keule einesSchwcines, dagegen man die Vorder, keule in manchen Gegenden auch Zämme zu nennen pflegt. Ein roher Schinken, ein gekochter Schinken. Anm. In der zweyten engern Bedeutung im Niederst Gchinke, im Schwed. 8kinka, im Angels. 8cev6. S. Schenkel. Das Schinkenbein, des —es, pl-ur. die —e, das Bein in ül- e von einem Schinken, das Schenkelbein eines Schweines; im Oberd. das Zammenbein. Der Schinkenkessel, des — s, plur. ut vom. üvZ. ein läng, licher Kessel in Gestalt einer Wanne, die Schinken darin abzu- kocherl; Niederst Schulderketel. Das Gchinkenmesser, des —s, plur. ut vom.linZ. ein langes Messer mit einer breiten, dünnen Klinge, den Schinken damit in dünne Scheiben zu zerschneiden. Die Schippe, plur. dis—n, ein eigentlich Niederdeutsches Wort, welches mit demSochdeutschen Schaufel gleichbedeutend ist,und in einigen gröber» Mundarten auchSchnppe lautet. Daher schippen oder schuppen, schaufeln, dev Schipper, der da schaufelt u.s.f. Es hat einerley Abstammung mit Schaufel, nur daß es statt der Endsylbe —?! die Endsilbe—? hat. Wo man im Hoch- und Oberdeutschen sagt, einen Aorb bekommen, da sagt man im Niederdeutschen, die Schippe bekommen, (S. Rorb.) Wenn aber eben daselbst di? Schippe kriegen oder bekommen auch bedeutet, seines Amtes entsetzt werden, so scheint es alsdann unmittelbar von schieben, Schub, Schupp abzuflammcn, einen Schupp bekommen. Im Schleswigischen scheinet der Schipp auch ein Getreidemaß zu seyn ; wenigsiens hält ein Schipp Landes 2 4O!iadraEuchen, jede zu 16 Quadrat-Fuß, wo es denn zunächst zu Schaff, Scheffel gehL-cn würde. Das S-nippscheren, des—s, plur. eur. bey den Tuchscherern, das Scheren der schwarzen Tücher zum zweyten und dritten Madle. Der Schirbel, des—s, pIur.vtvom.livZ. ein in den gemeinen Svrecharten füe Scherbe oder Scherben übliches Wort, >0 wohl in de? Bedeutung eines Stückes, als auch eines Gesäßes. So ist auf ben Eisenhämmern der Schirbel ein Glück angefrrsch, tes Eisen, welches auf den Zagel gehauen worden. Der Schirben, des—s, plur. ut vom. livZ'. auch eine in des gemeinen Sprecharten fürScherbe übliche Form, besonders in der Bedeutung^iner Art Gefäße, für der Scherben. Auf dem Harze ist der Schieben ein körperliches Maß, nach welchen! in dem Käfigen Bergbaus alles gemessen wird. Es ist ein Faß, welches ^ Ellen lang, ^ breit und H Elle hoch ist, und 2 Karren halt, usb 32 bis ZH Zentner wiegt. 70 bis 90 Schieben gehen daselbst auf ein Treiben. S. Scherbe. Der Gcyirbenkobalt, S. Scherbenkobalt. GcHirken, vsrb. reZ. veutr. welches mit haben, vondemFIn« ken üblich ist, wenn er seinen eintönigen Laut von sich hören läßt, welchen diesesZeittvoct genau nachahmet. Der Jink schirkt. Von dem ähnlichen eintönigen Laute anderer Vögel sind fchirpen unb zirken üblich. Der Schirl, im Bergbaus, S. Schor!. Der Schirling, S. Schierling. Der Schirm, des —es, plur. die— e, von dem Zeitwerte schirmen. 1. * Ein Gefecht; eine längst veraltete Bedeukunz, (S. Schirmen.) 2. In der Bedeutung einer ebenen Fläche ist et noch in einigen Fällen des gemeinen Lebens üblich. So wird im Bergbaue die Fläche des Ganges, es sey nun das Hangende oder das Liegende, d. i. die obere oder untere Fläche, der Schirm genannt. Bey den Jägern heißt der flache Hintere Theil der Hirsche, Tbiere und Rehe so wohl der Schirm, als der Schur; und die Scherbe. 3. Ein Kärpcc, (er sey übrigens flach oder Hohl,) welcher etwas Unangenehmes von uns abhält, sich zwischcniiiisund einem andern Dinge befindet,dessen Annäherung oder Einwirkung zu hindern. 1) Eigentlich. So wurde der Schild ehedem sehr häufig der Schirm genannt; ben dein Notker 8krerm, im Rieders. Scherm. Stnrmdächer- Wetterdächer u. s. s. waren ehedem unter dem Nahmen der Schirme bekannt, (S. Schirmdach.) Im Jagdwesen heißt eine jede Hütte, ein jedes Gczclt, ja ein jedes leichtes hölzernes Gebäude, ein Schirm, es mag nun dieÄitr terung abhaltcn, oder auch Sicherheit vor dem Anblicke des Mb des gewähren; daher man daselbst Lcidschirme, Jagdschirme, Anstandfchirme, Zatzschirme, Anschleichschirme u. s. f. hat. Der Z?rb ist ein Schirm wider die Zitze, eine Ziitte wider den heißen Mittag, Sir. 34, »9. Was man in den meisten Gegenden eine Spanische Wand nennet, heißt in Niederdeutsch« la'nd nur ein Schirm schlechthin. Am üblichsten ist es in denZu- sammensetznngen Lichtschirm, Regenschirm, Sonnenschirm, Feuerschirm, Bratschu m, Ofenschirm u. s. s. In manchen Ge« gcnden wird auch dcr Fliegenwedel Fliegenschirm genannt, weil er gleichfalls zu Abhaltung der Fliegen dienet. Bey den Büchsenmachern werden die äußern Stäbe unter derPfaune einesGcwehr- schlosses der Schirm genannt; ob aus eben derselben Ursache, ist mir unbekannt, s) Figürlich, die Abhaltung oder Abwehrung des Übels von einem andern Dinge, und die Person oder Sache, welche diese Abhaltung bewirket; ohne Plural. Mer unter dem Schirm des Zcchsten sitzet, Ps. 91, >. Du bist mein Schirm, Ps- 32, 7. Seine Wahrheit ist Schirm und Schild, Ps. 9',^- Liebes Moab, sey du ihr Schirm vor dem verstohrer, Es. 16, 4. Indem gewöhnlichen Sprachgebrauchs dcrHochdeutsche" sängt eS an zu veralten, außer daß man es noch zuweilen in Verbindung mit Schütz gebraucht; Schirm und Schutz. Sich jemandes Schirm und Gchirtz begehen. Jemanden m seinen Schutz und Schirm nehmen. Anm. Schon bey dem Ottfricd 8eirmu, bey dem Willcram 8 hirrv, im Schweb. 8karm, im Jtal. Zeliermo, im Engl. äcreLv, welches nicht sowohl durch Versetzung der Buchst«"« 1477 Schi ausSchirm entstanden,als vielmehr auf ähnlicheArt vonGchrein, ein hohler Raum, gebildet worden. S. Schirmen. Der Ächrrmhrief, des — cs, plur. die— e, ein im Hochdeutschen veraltetes Wort, i) Ein Schutzbrief, eine jede Urkunde, worin man jemanden in seinen Schuß und Schirm nimmt. 2 )Bey dem RothweilischenGerichte ist der Schirmbricfcine Bittschrift, woriir der Kläger um die Executiou in die Güter des Schuldners ansucht. Die Schirmbüchse, plur.die —n, dem Frisch zu Folge, noch in eiuigeu Gegenden, ein Nähme der Feuerbüchftn, womit sich die Bürgerschaft im Falle der Noth gegen einen Feind vertheidigct, und sich daher nochjährlich im Schießen mit denselben übet. Das SchtLMöäch , des — es, p!ur. die — dächer, ein bloßes Dach, sofern es die Witterung oder ein anderes Ding abzuhalten bestimmt ist. So werden noch die Wetterdächer an den Häusern in manchen Gegenden Gchirmdacher genannt. Ehedemfnhreten diesen Nahmen auch die Stnrmdächer der Belagerer. Schirmen, vvrb. l e^.acr. welches ursprünglich von scharen vermittelst des hier vielleicht intensiven Endlautcs m abstammer, und daher auch aller der verschiedenen Bedeutungen fähig ist, welche jenes hat und haben kann, r. * Als eine unmittelbare Nachahmung desSchalles, bedeutete cs ehedem als ein Neutrum schreyen, wehklagen. Diese imHochdeutscheu ungewöhnliche Bedeutung hat das Schwed.skärrna noch, und im Wallis, ist ^SZ.'rrrn das Ge- schrey, und im Bretagmschen scarini rufen. (Siehe i Schar). a.*Nach einender gewöhnlichsten Figuren bezeichnetees nach- mahlS verschiedene mit diesem Laute oder Getöse verbundeneHand- lungen. Dahin gehöret dasFinnländische, dcsZischlantes beraubte kirmuv, spielen, und unser jetzt veraltetes schirmen, schermen, fechten, streiten, und zwar nicht bloß zur Vertheidignng fechten, wie Frisch und andere wollen, die solches aus der folgenden Bedeutung deeAbwehrens nur gemnlhmaßet haben, sondern fechten überhaupt; Schmed. lku.rniL, Jtal.st'crirnurL, Franz, elcri- msr, Böhm. I'nsrmir. (S. auch Gcharmiitzell) z. Nach einer fortgesetzten Figur wurde es oft derAusdruck verschiedener mit diesem oder eiuem ähnlichen Laute verbundener Bewegungen. -) * In die Länge und Breite; daher der figürliche Gebrauch des Hauptwortes Schirm in der Bedeutung einer Fläche. (S. r Schar 4.) 2 ) In die Tiefe; eine im eigentlichen Verstände veraltete Beden« tung, (S. r Schar 4 Z) von welcher aber die noch jetzt übliche der Abhaltung, Abwehrung, als eine Figur angesehen werden kann, indem der Begriff der Beschirmung, B e schlimm g, Bedeckung, in mehrern Fällen eine Figur des hohlen Raumes ist. 'Schirmen bedenket dieser Figur zu Folge, die Annäherung eines andern als ein Übel betrachteten Dinges, oder besten Einstuß abhalten. So sagte man ehedem sich vor der Aalte, vor dem Regen, vor der Atze schirmen, eine Stadt vor dem Feinde schirmen u. s. s. Indessen ist es in dem gemrinenSprachgcbrauche sehr in Abgang gekommen, indem chcils beschirmen, theils andere Zeitwörter dafür üblicher geworden sind. Eben dieß gilt auch von de»Zusammeusetzrmgen Schirmbrief, Schirmgott, Gchirmgeld, Schirmherr u. s. f. welche man jetzt mit Schutz verbindet. Zn dieser Bedeutung des Abhaltens und figürlich der Vrrtheidigung sagt schon Drtfried laii nasrz. Das Irak. 1'ck srm i re,-beschirmen, ist ohne Zweifel an» dem Deutschen entlehnet, so wie auch das Griech, ein Schirm,Schauer, damit verwandt ist. Schirmen druck: mehr die Abhaltung des Übels aus, schlitzen sichet mehr auf besten Wirkung, auf die dadurch gewährte Sicherheit. Eben so sind Schirm und Schutz verschieden. Der Grund davon liegt ohne Zweifel in der mehrmahls verstärkten Zntension der Wörter Schütz und s hiiaencherenStammivorthiitben gleichfalls nur bedecken bedeutet, Schauer ist ililt Schirm nahe verwandt, Sch i 147Z und wurde auch ehedem dafür gebraucht. In einer Urkunde vo» iZ8z wirdderLaiidgrafvonLhüringen durch sonderliches Nu» tzis, Schur es —Willen, erwählet, zu unftrm und des Stiftis Schürer, Schirmer und Vorrveser. Der Schirmer, des—-'s, piur. ul oom. linZ. Fämin. die Schirn-erinn , eine Person, welche schirmet, in der letzte» Bedeutung des vorigcnZeitwortes; wofür doch auch Beschirmer üb- - lichcr ist. Ched-.m gebrauchte man cs von einem jeden Beschützer oder Schutzherrn. Bey den Jägern ist der Schirmer oder Retter ein abgerichtetes Windspiel, welches den gefangenen Hasen beschirmet, damit er nicht von den andern Jagdhunden zerrissen werde. Bey dem Notker Lcermsre. Das Schirmgeld, des— es, plur. doch nur von mchrernSum- me;r, die—er, ein ehedem für Gchntzgeld übliches Wort. Die Gchirmgerechtigkeit, xlur. inus. welches gleichfalls ehedem für GchutzgerechtigkeiL üblich war. Der Schirmherr, des—en, ptur. die — en, ein ehedem sehr gangbares Wort, wofürjetzt Schutzherr üblicher ist. Die Schirmmauer, plur.dr^—n, in den Glashütten, mannshohe Mauern um den Glasofen, die Arbeiter vor der allzu großen Hchc zu beschirmen. Das Schirmmoos, des—es, piur. doch nur von mehrernAr. ten, die —e, bep den neuern Schriftstellern des Pflanzenreiches, eine Art Mooses mit einem zirkclförmigen Schirme oder Boden, welches in de» nördlichsten Gegenden einheimisch ist; Spieres nurn I,. Die Gchirmpalme, piur. die—n, bey eben denselben, eine Act Palmen, deren Blätter die Gestalt eines Schirmes haden; Lorvpüuü,- Der Schirmvögt, des —es, plur. die — vogte, ein rhelcm übliches Wort, den Schutzherr» eines Stiftes oder Ortes zn be- zeichnen. In einigen Gegenden Oberdeutschlandes wird es noch für Vormund gebraucht. Das Schirr, des—es, piur. die—c, ein jetzt veraltetes Wort, wofür im Hochdeutschen Geschirr üblicher ist, (S. dasselbe - und - Schar 4.) Es ist noch in einigen Zusammensetzungen gangbar. Das Schirrheil, des — es, piur. die— e, in der Landwirth- schaft, ein Beil, das hölzerne Geschirr damit auszuarbeitcn. Schirren, 7erb. reZ. act. welches auch nur noch in den Zusammensetzung^ abschirren, anschirren, ausschirren undgeschirren üblich ist, S. dieselben. Das Schirrholz, des—es, piur. car. ein Cvllcctivum, Holz, aus welchem man allerlei) hölzernes Geschirr, d. i. Gerülh,verfer. tigenkann; Geschirrholz,Nutzholz, im Gegensätze des Brennholzes. Die Schirrkammer, plur. die—n,in der Landwicthschaft,eine Kammer, das Pferde- und Ackergeschirr darin zu verwahren; d>e Geschirrrammer. Der Schirrmeister, des—g, plur. itt, nom. linZ. i) In vic. len Fällen, derjenige, welcher die Aufsicht über das Pferde- und , Ackerge ch-rr hat; der Geschirrmeistcr. So ist dcrSchirrmeisier auf den Landgütern der erste und vornehmste Knecht, dessen Auf- sicht L as Geschirr anvcrtrauet ist. Bey fürstlichen Stallen ist der Schirrnieigcr ein Srallbedienrer, der dem wa§cn- und Baga- §---Meister untergeordnet ist,aber denwanr-lchajter unter sich hat. Bey einem weitläufigen Fuhrwesen, zl B. bey den Armeen, hat der Schirrmeister oft zugleich die Aufsicht über eine gewisseAnzahl Fuhrknechtc und Wagen. 2 ) Bey den Schmieden wird derjenige, welcher im Schmieden den kleinen Hammer führet, und die Stel- lru zeigt, wohin die andern schlagen sollen, der Schirrmeister Lruaiutt; sonst heißt er auch der Vorschlages. Asaaa 2 - ssDer / / M L479 Schl Der Schik des — ss-s, xlur. die — sse, ein von dem Zeiüvorte scheißen nur in den niedrigsten Sprccharten übliches Wort, so wohl die Handlung als auch den Auswurf zu bezeichnen, f Schlabben, Schlappe» und Schlabbern, drey nur in den mcdrigenSprecharten MicheZeitwörter, welche eigentlich von den Hunden gebraucht werden, wenn ste flüssige Dinge mit dem diesen Wörtern eigentümlichen Laute leckend hinein schlingen. Niederst flabörn,slabbern, welches letztere daselbst auch, im Essen und Trinken Tropfen verschütten bedeutet, wie die Hunde zu thun pflegen. Im Engl. ist W Ilabber naß machen. Nach einer andern Dnomatopöie ist schlabber, doch auch nur in den niedrigen Sprech- arten, ein langweiliges geschwindes und albernes Geschwätz machen, oft auch nur geschwinde her plaudern. Schlappen ist das Zntensiv«m,md.schlabberndas JcerativuNDvon schlabben, die- , jes aber ein Intensiv um von labben, dessen Jrerauvum labbern auch eine Art des Plauderns bezeichnet. S. diese Wörter. Die Schlacht,p!ur. die —en, von dem Zeitworte schlagen, da- —- her dasselbe noch i« mehrern verschiedenen Bedeutungeirgcbraucht wird, r) In den Niederdeutschen Marschländern ist die Schlacht rin von Buschwerk und Nasen von dem llscr ab in dao Wasser geschlagener Damm, dasselbe dadurch von dem Lande und von den Deichen abzuhalten , brauch eine Schlechte und Schlcnge genannt wird. Line Schlacht schlagen, einen solchenDamm machen. Zn weiterer Bedeutung wird ein jedes Bollwerk, welches am ' nnd im Wasser ausgeführet wird, auch wenn es aus Pfählen oder Steinen bestehet, eine Schlacht genannt. (S. einige der folgenden Zusammensetzungen,,'ingleichen Senkschlacht.) 2) «Die Töd- tnng, Hinrichtung, der Tod, vielleicht zunächst von schlachten; «ine im Deutschen veraltete Bedeutung, in welcher es aber schon - Lest dem Kero und Notker SlalrtL lautet. In engerer Bedeutung gebraucht Dttftied es für. Niederlage, für Tödtung mehrerer. Z) Ein Gefecht, es scy unterzwe:. n, oder unter meiern. Nach etlichen Strpten und Schlachen, in dem iLi 4 zu -Or-ainz gedruckten Deutschen'Lwius. Auch irr dieser Bedeutung ist es im Deutschen veraltet, wo man es nur in engerm Verstände von einem blutigen Gefechts sehr zahlreicher Hansen, besonders zweyer Kriegsheers gebraucht, von welchen man auch sagt, daß sie schlagen. Die Zel^schlacht, eine jetzt unnöthige Zusammensetzung, da Schlachtvon einzelnen Gefechten nicht mehr gebraucht wird, man inü-ßte es denn einer Seeschlacht entgegen setzen. Es kam zur ' Schlacht. Eine Schlacht gewinnen, verlieren. Eine Schlacht wagen.In derSchlachr bleiben, in derselben getödtet werden. Zur Schlacht apsrücken. Dem Leinde eine Schlacht anbi'cthen. Eine Schlacht liefern, statt der.veralteten Redensarten, eine Schlacht halten, und eine Schlacht thun, welche letztere in Luthers Deutscher Bibel sehr oft vorkommt. Schlacht und Treffen bedeutenGcfechte zwischen ganzenKriegshceren oder doch zahlreichen Haufen, Scharmützel und Gefecht setzen kleinere Haufen voraus. Indessen fängt das Wort Schlacht in dieser ganzen Be. dentung an seltener zu werden, indem man dafür lieber Treffen gebraucht. Schon Dttfried nennt ein Gefecht 8 !a!ils, im Engl. 8l3uZ!ir6r, im Schwed. LluZ. Es ist von schlagen, wie das Franz-LLttLiIlr: von buttro. Ehedem gebrauchte man dafür auch die Ausdrücke Vslkswig, Leldftreit. 4 ) * Das Geschlecht, bie Gattung, Art, auch vom den Zeitwörtern schlagen und schlachten, in den Redensarten, nach jemanden schlachten, d. i. arten, aus dev Art schlagen; eine gleichfalls veraltete Bedeutrmg, in welcher es bey dem Dttfried Llaebla lautet. Wann schon ein gutes Hferd aus Varbarep nicht komm-n, Wgnnftiffe Schlacht schon nicht von Napels ist genommen, Opitz. Sch! 1480 Mancher Schlacht, aller Schlacht, waren daher für mancher,, tey, allerley, üblich. Jetzt wi^d noch in manchen Fällen Schlag dafür gebraucht, S. dasselbe. Anm. (S. Schlachten und Schlagen.) Wenn in Boxhocns "Glossen LlLktL durch IuAulurn,die Gurgel, erkläret wird, so scheinet es daselbst zu Schlucht und Schluchter zu gehören. Die Schlachtbank, plur. dje—bänke, von dem Zeitworts schlachten, eigentlich, diejenige Bank, woranfbas Vieh geschlachtet wird. Figürlich ist, zur Schlachtbank führen, auf die Schlachtbank liefern, ohne. Nutzen, und ohne daß eine Gegenwehr Statt fände, lödren und umbringen lassen. Die beste Mannschaft muß zur Schlachtbank gehen, Jer. 48, 15. Und wie man bnndsverwandte Nationen. Bequem zur Schlachtbank schickt, R.unl. Schlachtbar, —er,— ste, sckj.rt uäv. von dem ZMvorte schlachten, was mit Nutzen geschlachtet werden kann. Schlacht- bares Vieh. Das Schlachtbeilh des—es, plur. die— e, gleichfalls von dem Zeitworte schlachten, dasjenige Bül, dess u sich die Fleischer zum Schlachten bedienen. Schlachten, verk. rs§. welches das Zitt msivnm von schlagen ist, Und in doppelter Gestalt und Bedeutüng^ebcaucht wird. I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, die Abkunst, das Geschlecht, die Art durch seine Beschaffenheit verrathcn, in welchem Verstände es noch hin und wieder im gemeinen Leben, besonders Nrederdentschlandes üblich ist. Nach jemanden schlachten oder ihm nachschlachtcn, nach ihm arten, ihm nacharten. Schapi'ens schlachten na de Lammen, Un de Twige na den Stammen, in einem Ditümarfischeu Volkslieds. Im Schweb. NsZkL, schon bey dem Dttfried ZiHaZtan. Im Hochdeutschen ist es ungewöhnlich, doch wird in einigen Fallen noch das einfachere schlagen m diesem Verstände gebraucht. S. dasselbe und Geschlecht. II. Als eimActivnm, tödten, umbringen. -) Überhaupt, fne nicdermachen, bcsondersso fern es mit einem hauenden oder schneidenden Werkzeuge geschiehst. Bey dem Notker I! u b b u a, ehedem schlagen, erschlagen. Der Herr halt ein Schlachten, Es. Z4, 6. Daß sie chie Gottlosen) fällen den Elenden und schlachten dieLrommen, Ps- 37 ,1 4 . Im Hochdeutschen ist es in dieser weitern Bedeutung veraltet, außer daß man es noch zuweilen im Scherze und in Anspielung aufdie folgende gebraucht, 2^Jn engerer und gewöhnlicherer^Bedeutung schlachtet mau »ne lebendige Geschöpfe, so fern sie zum Dpftr, oder auch zum Verspeisen bestimmet sind. Abraham sollte seinen Sohn schlachten, r Mos. 22,10^ tödten und opfern. (Ä. Schlachtopfer.) Maß- vieh schlachten. Einen Ochsen, ein Schaf, ein Schwein, ein Huhn, eine Gans schlachten. Im engsten Verstands dr-ucktman mit diesem Worte bloß das Tödten oder Abkehlsn aus, in lveuerm gehöret dahin auch die Zubereitung des Fleisches zum Kochen, in welchem Verstände besonders ausschlachten bey den Fleischern üblich ist. Figürlich ist schlachten znwerlen auch ohne Nutzen und ohne Gegenwehr tödten. So auch das Schlachten. Denn da- Hauptwort die Schlachtung, welches Apost. 8, Z^'orkommt, ist nur in Zusammensetzungen gangbar. Anm. Bey dem Notker ÜmbkLN, im Schwed. fluZla, im Engl. ro släu^bto'r und to lla/. Daß das einfachere schlagen ehedem auch für kodiert und umbringen gebraucht werde«, wird an seinem Drre erhellen. Schlachten ist nach eben der Analogie von schlagen gebildet, wie Tracht und trachten von tragen, Macht von mögen , ehedem mägen, u. s. f. wo um des Überganges des gedehnten Voeales willen in de» geschärften auch der weicher Gaumenlaut g in das härtere ch verwandeltwird. 14ZL Schl Der Schlachtenmahler, des—-s, ^ar. ut vom. Kux. ein Mahler, welcher sich eine vorzügliche Fertigkeit erwerben, Schlachten zu mahlen; der BattaMen- Mahler, aber nicht Tref- feninahler, welches ungewöhnlich ist. Der Schlachter, des—s,p 1 ur. ud vom. kvZ. ein Nähme einer Art Falken, welcher größer ist, als der edle Falk, und schönere Flecken hat, als decSakerfalk; L'aleo Dsvarius L/srrr. Franz, sanier, Engl. laueret; ohne Zweifel wegen der Art, wie rr seinen Raub behandelt. Der Schlächter, des — s, plur. ur vom. 6 u». Famch. die Schlächterinn, eine besonders in den Niederdeutschen Gegenden nblicheBencnnung eines Fleischers oderMetzgcrs. Man gebraucht es auch in einigen Hochdeutschen Gegenden, allein dann bezeichnet es nur gewisse unzünftize Leute, welche das Schlachtvieh in den Hausern anderer um Lehn sch achten, und am häufigsten Zaus- fchlachter genannt werden. Daher das SMa'chkerhandwcrk, die Schlächterzunft u. s. f. lauter in Niederdemschland übliche Zusammensetzungen. Das Schlachtessen, des — s, plur.ud vom. linZ. in den Nie- dersächsischen Gegenden, ein Schmarls, welcher bey dem jährlichen Hausschlachten im Herbste gegeben wird. DasGchlachtfelö,des—cs, plur. die—er, der Ort, wo eine Schlacht oder ein Treffen geliefert wird, oder geliefert worden; der Mahlplatz. Las Schlachtyeld, des —es, plur. doch nur von mehrern Summen, hie—er. r )Von Schlacht r, ein Bollwerk am Wasser, in den Niederdeutschen Handelsstädten, dasjenige Geld, welches von den Kaufmanilsgütern zum Unterhalt der Schlacht, d. i. des Dammes oder Bollwerkes, derSch'fflände, gegeben wird. 2) Von dem Zeitworte schlachte,r konnte cs den Gchlächterlohn bedeuten, oder dasjenige Geld, welches man dem Hausschlächter für das Schlachten bezahlet. * DerGchlachthaufen,des — s, plur. ut vom. livZ. i) Von Schlacht 3 , ein Hgufen in die Schlacht geführter Soldaten; doch nur im.Oberdeutschen, indem dafür im Hochdeutschen Treffen "üblicher ist. Der mittlcreSchlachrhaufen ist daselbst das Mittel- treffrn, der vordere Gchlachthaufen das Vordertrcffen u. s. f. 2) Vom dem Zeitworte schlachten ist der Schlachthaufen ein Haufen zum Schlachten bestimmten Viehes. Las Schlachthaus, des—cs, plur. die — Häuser, an eini- gen Orten, ein öffemliches Gebäude, worin die Fleischer das Vieh schlachten. Der Schlachtherr, des — en, plur. die — en, von Schlacht 1 in einigen Niederdeutschen Seestädten, diejenigen Aathsherrcn, welchen die Aufsicht über die Schlacht, d. i. über ein am Wasser aufg-ssührtes Bollwerk, über die Schiffländc, anvertrauet ist. Bch!ächtitz,u 6 j. stuckv. von dem Zeitworte schlasen , welches nur in den Zusammensetzungen oberschlächrig und unter,Mächtig üblich ist, S. dieselben. Der Bchlachtmeister, des —s, plur. ut vom. stnA. in den Niederdcsttschen Marschländern, derjenige, welcher Schlachten geschickt, zu machen weiß, der den Wasserbau verstehet. S. Schlacht,. LasSchlachtmssser, des—s, plur. uduom. llriZ. das große Messer der Fleischer, womit sie das Schlachtvieh schlachten. Der Schlachtmonath, des—^es, plur. die —e, S. November. Der Schlachtochs, des.— en, plur. die—en, ein zum Sch ach« , teu bestimmtet Ochs; zum Unterschiede von einem Zucht - und Zugochsen. . Lag Schlachtopfer, des — s, plur. M vom. linv. elirlebendiges Geschspf, welches als ein Opfer oderzumOpfer geschlachtet Melden soll;znm Unterschiede von Opfepn sicherer Ars- Schk r48s Die SchlachtorömrnF, plur. die — en. r) Von Schlacht r, diejenige Ordnung, in welcher ein Kriegsheer in die Schlacht rücket. Ein Reiegsheer in Schlachtordnung stellen, r) Von dem Zeitworteschlachten ist es in eikigenGegendendiejemge Ordnung, nach welcher die Fleischer das Vieh schlachten und verkaufen. Das Schlächtpferd, des — es, plur. die — e. s) Von Schlacht r, in einigen Niedersächfischen Gegenden, diejenigen Pferde, welche die Maaren von und zu der Schlacht, d. i. der Schisstände führen. So auch der Schlachtwagen , der Wagen, womit solches geschiehet. 2) Von Schlacht z, ist das Schlacht- ^pferd ein starkes und geschwindes Pferd, welches ein Ofsiciee i« der Schlacht reitet; das Battaillen-Olerd. DerGchlachtfchreiher, des — s, plur» ut vorn- vou Schlacht r, in einigen Niederdeutschen Seestädten, eine beeidigte Person, welche dieLadungen der Schiffe aufzeichnet und die Rechnung über die Schlachtgelderführet. Schlächtschwert, des — es, plur. die—-er, eine veraltete Art großer Schwerter, welche man nicht an der L>eike, sondern in den Händen aufder Schulter trug, und sich deren besonders in dLrr Schlachten bedienece, wovon man noch m den Rüstkammern ungeheure Stücke zumHätrgen Beweise der nervigen Starke unserer Vorfahreufindet. Der Schlachttay, des— es, plur. die — e, von dem Zeitworts schlachten, ein Tag, an welchem geschlachtet wird. Das Schlachtvieh, des—es, plur. Lauf, das zum Schlachten bestimmte Vieh, welches bey den Fleischern auch das Stcchvich genannt wird. , Der Schlächtvsgt, des—es, plur. die—vögte, von Schlacht r, in einigen Niederdeutschen Seestädten, derjenige, welcher die Aussicht über die Schlacht, d. i. Schifflände, und über die an derselben liegenden Schiffe führet. Der Schlachtwa§sv, des — s, xlur. die — wagen, siche Schlächtpferd. Der Schlachtzettel, des —s, plur. ut vom. üvF. r) Von Schlacht -, m einigen Niederdeutschen Seestädten, das Vcrzeich- mß von der Ladung einesSchiffes, nach welcher dasGchlachrgeld entrichtet wird. 2) Von dem Zeitworte schlachten, ist es ein Zettel, welcher dem Fleischer zur Bescheinigung dienet, daß er die sürjedesStück Schlachtvieh bestimmten obrigkeitlichen Gebühren abgetragen hat, und mmmehb schlachten darf. -. Schlack, uclj. et uclv. S. Schlackig. Der Schlack, des — es, plur. doch nur von mehrern Arten, die — e, ein nur bey den Salpeter-Siedtru übliches Wort, den Bodensatz der Salpeter- Lauge auf dem Böden des Kessels zu bezeichnen, der ans calciiiirtcm Kochsalze bestehet; ein ohne Zweifel zu Schlacke gehöriges Wort. S. dasselbe. Der Schlackdarm, des — cs, plur. die—därme, in einigen Gegenden/der große dicke Darm derthierischeirKörper,welcher unter dem Nahmen des Mastdarmes am bekanntesten ist. Ohne Zweifel von Schlack, so fern es ehedem auch ben Begriff der Weite hatte. S.Schlacke und Schlackwurst. 1. Die Schlacke, plur. die — n, ein nur inLinigen Niedrrsach- ' fischen Gegenden, z. B. im Vraunschweizischen, übliches Word, den Mafidann, oder Schlackdarm, noch häufiger aber, eine aus diesem Darme bestcheudeWurst, eine Schlackwnrstzn bezeichnen. Vermuthlich wegen der Weile dieses Darmes, als ein Verwandter - von Schlucht, oder auch, weil der Unrath und Koth durch denselben abgeführct wsrd, da es denn mit dem folgenden zu dem - Holländ. 8 llk, Schlamm, und unfern Schlich, Gch'rrtz u.s.f. gehören würde. 2. Die Schlacke, plur. die — n, dieUnremigkeit, welche sich bey .derBcarbeitung derMincralien im Jener pou denselben absondert, H.a aa a z r4?Z Schl Schl 1484 rinö nach ihrer Erkältung eine glasartige Gestalt hat. Ve» dem Schmelzen der Erze setzt ste sich in Gestalt eines flüssiger! Schaumes obenauf. Eisenschlacken, Rupferschlacken, Blepschlacken, Garfchlacken, Zinnschlacken, Rohschlacken u. s. f. Gemeiniglich spricht man in den Sprachlehren diesem Worte den Singular «d; allein er ist gangbar genug, theils collcctive, z.B. das Rupfer xibteme rothlrche Schlacke; theils aber und noch häufiger distributive, eine schöne Rnpferschlacke. Indessen mied es auch sehr häufig im Plural als ein Colleccivum gebraucht. Die Schlacken abheben, im Hüttenbaue, sie mit dem Sticheisen von dem Erze übsondern. . Anm. Im Niederst Stacke, im Schweb. 8la^F, im Engl. LISA, imBöhm.8tIak)r. Daß dieses Wort ursprünglich von schlagen herstammet, ist wohl gewiß, ob sich gleich dessen nächste Bedeutung bep dem großen Umsange dieses Zeitwortes nurmuth- maßen laßt. Es kann der Begriff der Gerinnung der herrschende feyn, weil die Schlacken gleich ich Erkalten zu einer festen Masse werden. Zn einigen Oberdeutschen Gegenden wird die geronnene Milch Schlecker» genannt. Man kann es alsdann als ein Znten- fivum von Schlich ansehen, welches eine flüssigere Masse bezeich, net. Der Begriff der Unreinigkeit ist nahe damit verwandt, und das Latein. 8coriu, Schlacke, scheint zu dem Niederd. Schor, Loch, Unreinigkeit, 'zu gehören. Im Hütlcnbaue werden die Schlacken noch jetzt zuweilen das Gesch iire genannt. Es kann «berauch der Begriff der Erhebung hervorsiechen, weil sich die Schlacke brvm Schmelzen der Erz-, als ein Schaum erhebet,daher l sie auch im Kranz. Lcuine heißt. Notker gedrcnicht das jetzt veraltete Öller für Schlacke. Unmittelbar von schlagen ist im Niederst Zammerschlacke der Hammerschlag. Schlackten, veri). reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, Schlacken geben. Ein Erz schlacket sehr, wenn cs vieleSchlacken gibt. In dem zusammen gesetzten verschlacken hat es eine thätige Bedeutung. Das Gchlachenbaö, des —cs , plur. die—Hader, ein künstliches Bad, welches mit den heißen Schlacken von dem Roh- und Schwarzkupfer bereitet und m verschiedene» Krankheiten gebraucht wird. Das Gchlackenerz, des—es, plur. doch nur von mehrsrn Arten, di?—e, ein Erz, welches die Gestalt einer Schlacke hat; besonders ein gewisses l lepfarblges Silbererz. Die Schlückenyrube, plur. die — n, in den Schmelzhütten, eine Grube am Vorherde des hohen Ofens, worein die Schlacken gezogen werden. Der Schlackenhaken, des—s, plur. ut vom. lluA. ebenda, selbst, ein eiserner Haken, die Schlacken damit von dem Vorherde in die Schlackengrube zu ziehen. Die Schlackenhalöe, plur. die—G eben daselbst, eine Halde, d. i. ein Hügel, von zusammen gestürzten Schlacken. Das GchlaEonklein, fubss. inclccl. p!r»r. cur. ebendaselbst, der Abgang von den Schlacken, in kleine Stücken zerbrochene Schlacke«. Der Schlackenkobalt, des — es, plur. dock nur von mehrern Artel-, da--—e, im Berabaue, eine Art des Kobaltes, welcher einer schwammigen Schlacke gleicht. Der ^chlackenlä'ufsr, des— s, plur. m nom.linA.eben daselbst, derjenige Arbeiter, welcher die tauben Schlacken auf die Halde läuft, d. r. auf einen Haufeu führet. Der Schlackenstotn, des—es, plur. die — e, eben daselbst, eine steinarn'ge Masse, welche sich voä derrSchlacken absondert, vnd das Silber an sich ziehet« Das Gchlackenzmu, des— es, plur. lnust Zinn, welches aus den Zinnschlacken geschmelzet wird, und das beste und geschmeidigste Zinn gibt. r. Schlackig, —er,—sie, ach. sckv. Schlacken, und 1« enge, rer Bedeutung, vieleSchkacken enthaltend euch gebend. Schlack», ges Erz. Schlackicht würde Schlacken ähnlich bedeuten. 2. Schlackig, —er,.— fle, uckj. et Lcl v. welche- besonders i» Niederdeutschland üblich ist,wo man ein anhaltendesNegeirivetler, ein schlackiges oder schlickeriges Vetter zu nennen pflegt. Eben daselbst ist schlackern nicht nur langennd anhaltend regnen, svn« dern auch flüssige Dinge verschütten, sehr und viel klccken, in- gleichen den Koch im Gehen milden Füßen auf die Kleider werfen ; lauter Onomatvpöien, wohin a,ich unser klecken gehöret,von wuchern schlackern ciu iteratives Zntcusivum ist., (S. auch Schlecken.) Ebendaselbst ist schlack figürlich schlaff, Angels. fleak, E,lgl. slack, Schweb, sluk, Lat. ohne Zischlaut laxus, wohin auch unser locker gehöret. Die Schlackwurst, plur. die—wurste, in einigen Niederdeutschen Gegenden, eine aus dem Schlackdarmc bereitete Wurst; die Schlacke, S. dieses Wort. ».Der Schlaf, des—es, plur. die Schläfe, die Mittlern Sei. Lentheile des Hauptes neben den Augen, wo die Hirnschale am dünnsten ist, und wo man den Schlag der Pulsader gewahr wird. Zael schlug dem Sissera einen Nagel in den Schlaf, Nicht. 4,2 >. Sie durchbohrete seinen Schlaf, Kap. 5. 26. verflucht sep dieser Schmeichler, sey diese Sclavenhand, Die um den Schlaf der Ruhmsucht den ersten Lorber wand, Tusch. Sich beyde Schlafe verbinden. Eiiugc Sprachlehrer sprechen diesem Worte den Singular ab; ich weiß nicht, was sie dazu verleitet haben mag, indem so wohl die Sache selbst, als der beständige Gebrauch das Gegemheil lehren. Anm. Dieses Wort kommt weder in unfern alten Denkmahlcn, noch in den verwandten Sprachen vor, wohl aber das gleichbedeutende Niederdeutsche Dünne, Dimning, welches auch in einigen gemeinen Oberdeutschen Mundarten gangbar ist; bey dem Radau Maurus im 8ten Jahrhunderte ^liuusvenAÄ. bei) dem Notker 1ouunZc>,imSchwcd.Humutz. Es ist sehr wahrscheinlich, daß dieses Wort von Schlag nur im Endlaute verschieden ist, und eigentlich die Stelle am Haupte bedeutet) wo man die Pulsader schlagen sichet, um weßwillrn der Schlaf im Französischen auch Lutunl genannt wird. Das Lat. ^!?6Lnpu3, ^srnpcru leidet eine ähnliche Ableitung. Daß für schlagen auch irgendwo schlafen üblich gewesen ftyn muß, erhellet unter andern auch ans dem Schwedischen 8!ek. rin Schlägel, und aus unserm Jntenstvo Schlappe, S dafflbe. 2. D er Schlaf, des — es, plur. cnr. diejenige Ruhe der thie- rischru N atur, woben sich dic Seele.in einem Zustande dunkler und undenklicher Empfindungen bcfindit. i. Eigentlich. In den Schlaf fallen, in einen süßen Schlaf gcrachcn. Der Schlaf nbcrfällt mich. Reinen Schlaf haben, nicht schlafen können. Einen festen Schlaf haben , fest schlafen. Lin tiefer Schlaf. Ein harter Schlaf, von welchen! man schwer zu erwrckenist, im Gegensätze eines leisen. Es kommt rein Schlaf in meine Auge», vom Schlafe erwachen. Nicht in den Schlaf kommen können. Sich des Schlafes nicht erwehren können. Seinen ordentlichen Schlaf haben. Ein Rind in den Schlaf singen. Voller Schlaf oder voll Schlafes icyn. Einen Schlaf machen oder thnn, fü schlafen, ist nur in den gemeinen Sprecharten üblich,so wie man in der vertraulichen auch wohl im Dnimnmviim-sagt, ein Schläfchen machen, ein wen i a schlafen. 2. Figürlich. Stand der Bttänbung mauchrr Lhierp im Winter, z. ^ I48L , Schl Hamsters, des Murmelthieres u. s. f. welcher kein eigentlicher Schlaf ist. -) Noch mieigentlicher legt man ben Pflanzen einen Schlaf bey, der in einer Unthätigkeit ihrer vegetabilischen Natur bestehet. Z) Der Schlaf eines Gliedes am menschlichen Körper ist gleichfalls ein Zustand der Betäubung. 4) Der Schlgf dcs Gewissens, der Stand des' unterlassenen Gebrauches desselben zur Beurtheilnng der Handlungen. Z) Der Schlaf der Sunde, irr der biblischen Schreibart, da man ohne lebendiges Bewußtseyn seines Zustandes in der Sünde beharret. Anm. Bey dem Kero und Willeram Fiats, bey dem Ulphilas 81ep, bey demOttfried 81ak,-im Niederst Slap, im Angelst 81asp,imEugl.8Ieep. Ohne Zweifel von schlaff, weil doch der Schlafäußeclich in einer Erschlaffung des ganzen Körpers bestehet. Einige Oberdeutsche Mundarten schreiben und sprechen noch wirklich Schlaff. Die Schweden gebrauchen dafür 8ömv , Island. 8ueto, Böhm. 8ev, welche mit dem Lat. 8omflus auf das genaueste verwandt sind. S. Schlafen. Die Gchlcrfcröer, plur. die— n, derjenige Ast der Pulsader, welcher an den Schläfen sichtbar ist. S. i Schlaf. Der Schlttfapfel, des — s,ch»Iur.hie—äpfel, ein röthlich grüner Schwamm ln Gestalt eines Apfels, welcher ans den Zweigen des wilden Rosenstockes oder derHeckenrose wüchset, und durch den Stich eines Gallinsectes verursacht wird; Rosenschwamm, Schlafkunz, Runz, (S.Aunz;) weil er den Schlafbefördern soll, wenn man ihn unter das Kopfküssen legt. Die Schlafbank, plur. die — banke, ein Behältniß, welches, wenn es zusammen geschlagen ist, znrBank oder znmTische dienet, ans einander gelegt aber ein Bettgcstell abgibt. Die Schlafbeere, plur. die—n, ein Nähme der Wolfski'rscken oder' Tollbeeren, /ZtropaZellackonva il,. weil sie einen gefährlichen betäubenden Schlaf verursachen. Das Gchlafbein, des—es, olur. die—e, diejenigen Beine der Hirnschale,welche die Schläfe bilden und den mittler» Seiten» thcil des Kopfes einnehmen. Bey einigen Zergliederern werden sie Felsenbeine^oder Steinbrink genannt. Die Schläfe, S. i Schlaf. Schlafen, Verb. irreA. vevtr. mit dem Hiilfswortc haben; ich schlafe, du schläfst, er schläft; Jmperf. ich schlief; Mittclw. geschlafen; Jmper. schlafe, schlaf. Sichln einem solchen Stande der thierischen Ruhe befinden, in welchem die Seele sich ihrer nur auf eine dunkele oder verworrene Art bewußt ist; im Gegensätze des Wachens, i. Eigentlich, wo man schlafen theils überhaupt von diesem Zustande gebraucht, thcils in engerer Bedeutung im Gegensätze des Schlummers, von einer tiefenRnhc, wobey man sich gar nichts bcwußt ist. Fest, ruhig, unruhig, leise, sanft schlafen. Bis an den Hellen Morgen schlafen. Jemanden schlafend finden. Einen Schlafenden aufwecken. Mir einigen wenigen Zeitwörtern wird dieses Wort im Infinitiv ohne zu ge» braucht. Schlafengehen. Sich bey dem Schlafengehen an etwas erinnern. Sich schlafen legen. Die Rinder schlafen ffchickcn. 'Mil andern wird es auf diese Art wohl nicht leicht Vorkommen. 2. In weiterer und figürlicher Bedeutung. i) Bey einer Person schlafen,ein anständiger Ausdruck für sich fleischlich nur ihr vermische,i. 2) Bey jemanöenschlafen, an einem Orte schlafen, daselbst übernachten, z) Sich in einem Stande der Betäubung, und nach einer noch weitern Figur, sich im Stande der schlaffen Uutbätigkcit befinden. Der Fuß schläft oder schläft ein, wenn man einen betänbendenKrampfin demselben empfindet. Gewisse Thwiw schlafen den Winter durch, wenn sic sich in einer betäubenden Unempfindlichkeit befinden. Die Pflanzen schlafen, wenn sich ihre vegetabilischen Kräfte in einer Art von unrhätjaer ^cuhebefinden, scxr, warum schläfst du s Pst44, «4. Ihre Schl i486 Vevdammniß schlaft nicht, 2 Petr. r, z. Das Gewissen schlaft, wenn es nicht zur Beurtheiluug der Handlungen nach dem Gesetz gebraucht wird. Man muß die Freundschaft nicht länge schlafen lassen, unthätig seyn lassen. In der Hähern Schreibart auch von Dingen, welche noch nicht ihrDascyu, ihre gehörige Entwickelung haben. Die Funken der Tugend erwecken, welche in unserer Brust schlafen. warum er unsre Welt vor tausend andern rief, Als alles in der Nacht der Möglichkeit noch schlief,Gieseks. 4) Sich imStandebes Todes befinden; besonders in der biblischen Schreibart. Wir, die wir leben, werden denen nicht Vorkommen, die da schlafen, r Thess. 4, i Z. Daher das Schlafen. Anm. Bey dem Ulphilas sle^an, bey dem Ottfried i-alea, in einigen Oberdeutschen Gegenden schlaffen, bey demStryker flausten, im Niederst slapen, im Angels» stlae^av, im Engl, to f1ee^>. S. Schlafund Schlaff. Der Schläfer, des,— s, plur. u t vom. lin§. Fämin. die Schläferinn, eine Person, welche schläft; besonders in der dichterischen und höher-n Schreibart. Im Thal umhüllt mit Nacht wohnt Morpheus, der so oft die Schläfer glücklich macht, Zach. Erwachs, schone Schläferinn. Falls dieser Ruß nicht zu bestrafen, Haged. Im gemeinen Leben ist es in den Zusammensetzungen Beyschläfer» Langschläfer, Siebenschläfer u.st f. am üblichstem Schläfers, Schläfrry, — er, —ste, ach', er a6v. Von dem Hanptworte Schläfer ohne Comparation ist ein einschläferiges, ein zweyschläferiges Bekk, im gemeinen Leben mancher Gegenden ein Bett für Eine Person, fürzwey Personen, wofür i» ande^ einmännisch und zweymännisch, einspännig und zwey- spännig üblich sind. In der anständigen Schreib» und Sprecdart bedienet man sich statt aller dieser Ausdrücke lieber einer Umschreibung. Hier ist die Zusammenziehung ungewöhnlich. 2. Von dem Zeitworte schläfern ist schläferig, und noch häufiger schläftig, Neigung, Trieb zumSchlafen empfindend. ,) Eigentlich. Schläfrig seyn. Die zehen Jungfrauen wurden alle schläfrig, Matth, 2L, 5. Ein schläfriges Rind. 2) Figürlich, einen fehlerhafter» Mangel des Triebes zur Bewegung empfindend, und darin ge, gründet; im Gegensätze des munter. Ein schläfriger Mensch.- Schläfrig arbeiten. Ein schläfriges Pferd. Nach einer noch weitern Figur, einen fehlerhaften Manges der Fertigkeit empfin« dend, die Wirkungen des Geistes schnell und mit Deutlichkeit z« vollbringen, und darin gegründet; auch imGegensatzc des munter. Ern schläfriger Vortrag. Eine schläfrige Schreibart. Bey dem Kero ftakstaZa, eigentlich schläfig, unirutteibar von schlafen, im Niederst steperig. DreSchläferÜFkeit, noch häufiger Schläfrigkeit, p!ur. inuk, die Eigenschaft einerPerson oder Sache, da sie schläfrig ist, irr allen Bedeutungen von schläferig 2. > Schläfern, VLro. re^. vsutr. mit dem Hjilfsworte haben, Neigung, Trieb zum Schlafe empfinden. ') Als ein persönliches Zeitwokt, ich schläfere, ich empfinde Neigung zum Schläft, ist es mir in einigen Oberdeutschen Gegenden gangbar. 2) ZmHoch- deutschen kennet mau es nur als ein unpersönliches Zeitwort, welches die vierte Endung der Person erfordert. Es schläfert mich/ mich schläfert, es hat uns geschläfert. Anw. Es ist vermittelst der defiderativen Endung —ern vor» schlafen gebildet,und ohne Anstoß auch in der anfiäiidigcnSprech- art gangbar, obgleich die meisten Desideratum dieser Art niedrig find. Notker sagt dafür mift ftasikolm, welches ein veraltetes Inkensivum von schlafen zu seyn scheinet. -In dem zusammen gesetzte- 1487 l z-litziraclnfchlaf«kn?at'S clnrfactlllvcWcbeiituiig, wofür bcy dem Opitz mchrmahls einschläfern vorkommt. Gchlaff,_er, —este, uäj. et Läv. Mangel an der Spannung, mr der Steife habend; im Gegensätze dessen wks straff und steif ist. ,) Eigentlich. Eine schlaffe Sehne. Ein Seil ist schlaff, wenn es nichtgehörig gescannt ist. Ein Pferd hat schlaffe Ohren, wenn es krank ist. Schlaffe Wasche, welche durch den Gebrauch ihreSteift verloren. In manchenFällenisi dafür auch welk »blich. s) Figürlich, im Gegensätze dessen, was in figürlichem Verstände gespannt ist, besonders von dem Geiste und dessen Fähigkeiten, träge, Mangel an einem merklichen Grade der Aufmer ksamkeit, LerBegicrde, der inner« Stärke leidend, und darin gegründet. Lin System laßt sich nicht zur Belustigung noch mit ein erschlaffen Seele lesen, womit man etwa einen Roman liefet. Zwar kann er Menschen leiden, Loch lässig, unbemüht, und nur bey schlaffen Lrcuden, Haged. Nichts rührt sein schlaffes serz, als kluge Münzgesetze, ebcnd. Anm. Im Rieders, slapp, daher auch einige gemeine Hoch- deutschcSprccharten schlapp sagen, im Schwcd.sMpp,imPohln. mrd Wend. flak^, im Engl. klack, im Angels. 5lavv, welches ober auch träge und stumpf bedeutet, so wie das Schweb. 1'Mpp auch für leer gebraucht wird. Es stammet entweder von der wel, ken, herab hängenden Beschaffenheit her, da cs denn vermittelst Les intensiven Zischlautes von lass, lapp, Lappe, gebildet scyn würde, (S. Schlappen,) oder auch von der schleifenden, schleichenden Bewegung, indem im Niederd. slapp und si-ack, um. im Schwed. Napp nnd'ssMek, gleichbedeutend find. Im Angels, ist flixan lösen, locker machen, und bey dem ttlvhilüs ssluvau arlss hören, eigentlich schlaff werden. (S. auch Schlaf.) Bey unser» älteste» Schriftsteller» kommt dieses Wort im eigentliche» Verstände nicht vor; ohne Zweifel nur aus Mangel der Gelegenheit, denn Kero gebraucht Hafffigürlich für unlustig, Widerwillen, Ekel empfindend, und 8 !all^ für Unlust; eine sehr schickliche Figur, weil Unlust doch nichts anders ist, .als ein Mangel der Spannung in den begehrenden Kräften. '«Schlaffen, verb.reA. tieudr. schlaff werden, welches aber nurin dem zusammen gesetzten erschlaffen üblich ist, S. dasselbe. Die Schlaffheit, plur. Muss die Eigenschaft, der Zustand eines Dinges, da es schlaff ist, so wohl.im eigentlichen, als figürlichen . Verstände. Schon Willeramgebraucht 8 luiffLft für.Trägheit, und Kero für Unlust. Das Schlaffieber, des —7 s, plur. von mehrern Arten, ut uom. lMZ. ein Fieber, welches mit einer abwechselnden unnatürlichen Neigung zum Schlafe verbunden ist; b'ekris loporola. Der Gchlaf 8 änyer,dcs—s, xlur.ut uom.linZ. FLmm. die Gchlafgängerinn, eine Person, welche im Schlafe herum gehet, und aüerlcy Handlungen verrichtet; wofür doch das Wort Nacht- a Wanderer üblicher ist. Das Schlafyelö, des — es, plur. doch nur von mehrern Snm, »nen,ble —er, dasjenige Geld, welches man für die Übernachtung an einem Orte bezahlet, besonders in den Herbergen. Das Schlaftzemäch, des—es, plur. die — gemacher, dasjenige Gemach, worin man schlafet; das Schlafzimmer. Der Schlafgesell, des — en, plur, die — en, in der vertraulichen Sprechart, eine Persorr, welche uut einer ander» in einem und eben demselben Bette schläft, von beyden Geschlechtern; dev Schlaf- Lamerad. D-e Schlafhaube, plur. die-—n, eine Haube des weiblichen Ge- Dlechls, darin zu schlafen. »488 Das GchlafhaÜS, des es, plur. die Häuser, ln einige» Oberdeutschen Gegenden, eine Art Herbergen, in welchen Reisende für Bezahlung übernachten können. Die Gchlafkammer, plur. die — n, eine Kammer, worin man schläft. Die Schlafkrankheit, plur. doch nur von mehrern Arten, die —en, S. Schlafsucht. Das Gchlafkraut,des — es, plur. Muss in einigen Gegenden, eru Nähme des schwarzen Nachtschattens, 8 oMuuin nij-rum iss. In andern führet das Bilsenkraut, ichvoMvaruus nj^er I, und in noch andern die Tollkirsche, Atropa ÜLllaclomis lss. deren Beeren auch unter dem Nahmen der-Schiafbceren bekannt fiird, diesen Nahmen; alle wegen ihrer betäubenden, Schlaf machenden Kraft. Der Gchlafkunz, des— es, plur. die— e, S. Gchlafapfel. Die Gchläflrlte, (viersylbig,) plur. die—n, ein Nähme derAs- phodill- Lilicn, deren GeruchNeignng zrim S'hlaferwecken soll. Schlaflos, — er,— este, acij. et ackv. des Schlafes beraubt, Mange! an der nöthigen Neigung zum Schlafe habend, die Nachc schlaflos zuöringcn. viele schlaflose Nachte haben. Scheu bey dem Wclleram lstallLloIö. Die Schlaflositzkoic, plur. Muss der Zustand, da man nicht schlafen rann, die Nacht schlaflos Zubringer. Der Schlaf-Methrrdat,'des—es, plur. doch nur von mehrern Arten, die — e, in einigen Gegenden, ein al sarbirendcs Kinder- Pulver »nit Mohnsprup und Kornblumen- Conserve zu einer Latwerge vermischt, den Schlaf der Kinder zn befördern; Binder- Latwerge. Das Schlafmittel, des — s, plur. ut uorn. lluZ. ein jedes Mittel, den Schlaf zu befördern. Die Schlafmütze, plur. die -— u, eine Mütze des männlichen Geschlechtes, darin zn schlafen ; die Nachtmütze. Figürlich, eine träge, schläferize Person. Der Schlafratz, des — es, plur. die—--e, ein Nähme des Mnr- melthieres, oder wohl auch der Haselmaus, welche beyde Thiere wegen ihres langen Winterschlafes bekannt find; daher man auch wohl einen Menschen, der eine ungewöhnliche B-girrdezum Schlafen hat, mit diesem Nahmen zu belegen pstegt. Siehe der Ray. Schläfrig-, S. Gchlaferig. Der Gchlafrock, des — cs, plur. die—rocke, eine Art langer, weitrr abcr leichter Kleidung in Gestalt eines Mantels mit Äc- mein, deren sich das männliche Geschlecht bey dem Schlafengehen zur Bequemlichkeit bedienet; der Schiafpclz) besonders wenn er mit Pelzwerk oder aufähnliche Art zur Wärme gefüttert ist.. Der Schlafseffel, des—s, plur. ut vom. ssttA. ein bequemer Sessel, bey Tage darauf z.u schlafen; der Schlafstuhl. Auch der Gopha ist von einigen Schlafsessel genannt worden. Die Schlafstelle, plur. die —n, die Stelle, der Platz, wo ma« schläft. Die Schlafstube^ plur. die —n, eine Stube, worin man schläft. Die Schlafsucht, plur.car. die ungeordnete und anbaltenedcBe- gierdeunanfhörljch zp schlafen, besonders so fern fic dieFolge eiiter körperlichen Krankheit ist. Auch wohl figürlich von einem hoben und anhaltender! Grade der Trägheit des Geistes, von einem ho-> Heu Grade des Mangels der Thätigkeit in dem Erreruu.'Ngs-odck Begebrrmasverilrögen. . Gchlaffüchtly, — er, — ste, aöj.et aäv. mit der Schlafsucht behaftet, darin gegründet; so wohl eigentlich als figürlich. Der G ylafttrank, des-— es , plur. die— tränke,ein Schlafmittel in Gestalt eines Trankes, e.» Trank, welcher S-p ai ° ' ' L--' i489 Schl Der Schlaftrunk, des —es,p!ur. die —tränke,ein Trunk,welchen inan vor dem Schlafengehen thut, und das dazu bestimmte Getränk. Dieses und das vorige Wort werden im gemeinen Leben häufig mit einander verwechselt. Schlaftrunken, —er, —ste, uch.er u6v. vom Schlafe gleichsam betrunken, vor Neigung zum Schlafe sich feiner und anderer Dinge nicht deutlich bewußt. Die Schlafzeit, plur. itiusi. die Zeit, da man gewöhnlich schlafen zu gehen pflegt. Das Schlafzimmer, des—s, pIur.utuom. 6riZ. ein Zimmer, in welchem man schläft. Der Schlag, des—es, plur. die Schläge, von dem Zeitworte , schlagen, i. Zunächst der mit dem Schlagen verbundene eigen- thiimliche Laut oder Schall. 1) Eigentlich. Es that einey Schlag, sagt man noch sehrhau- sig von gewissen schnellen und heftigen Arten des Schalles, dergleichen z. B. des Donners, der Knall einer Büchse ist. (S.Don- nerschlag.) Ern kalter Schlag, im gemeinen Leben, ein Blitz, welcher schmettert oder knallet, aber nicht zündet, zum Unterschiede von einem heißen Schlage. Eine Buchse hat einen guten Schlag, wenn ste gut knallet. Von einer andern Art ist dev Schlag gewisser Sangvögel, d. i. ihr Gesang, und die Art und Weise, wie ste singen; wo doch fingen und schlagen nicht einer- ley sind, so wenig als die dadurchGezeichneten Zöne einerlcy find. Der Schlag der Wachtel, der Nachtigall, der Lerche, des Finken n. s. s. ihre Art und Weise zu schlagen; wo der Plural ungewöhnlich ist. Dahin gehöret auch in der Mufik der Vorschlag und Nachschflag. S. diese Wörter. 2 ) In weiterer Bedeutung, oder vielmehr in der ersten und nächsten Figur des Schalles, ist der Schlag die Handlung des Schlagens. (a) Von dem Neutro schlagen, a) In dessen mehr eigentli- chen Bedeutungen. Der Schlag einer Uhr, das Anzeigen der Zritthcilc durch Schlagen an eine Glocke. Mit dem Schlage sechs da scyn, gerade in dem Augenblicke, wenn es sechs schlaget», Er kam gleich nach dem Schlage, nachdem cs geschlagen hatte» Ls ist auf dem Schlage vier, es wird den Augenblick vier schlagen. Wenn bloß die Handlung als ein Abstractum bezeichnet wird, so ist der Plural ungewöhnlich; nicht aber von einzelnen Schlägen. Die Ubr rhut in der Nacht eils Schläge, Lichtw. sie schlägt eilf. Der Schlag des Herzens, des Pulses. Der puls- rhut in einer Minute fünfzig Schläge. JngleichMein heftiger mit dem diesem Worte eigenthümlichen Laute verbundener Fall. Einen Schlag thun, hinschlagcn. st) Figürlich, von schlagen, so fern es das Eeratbcn in einen Zustand bedeutet, ist Schlag noch sehr häufig die Art, Gattung eines Dinges, und in weiterer Bedeutung, dessen Beschaffenheit, wo der Plural ungewöhnlich ist ; Niederst Slag, Schwed. Leute von Einem Schlage, von einer Art oder Beschaffenheit. Dle Mohrm sind ein ganz anderer Schlag von Menschen, als die Europäer. Er kommt wieder auf den alten Schlag, anfdie alte Art und Weise zu handeln» Meirichen von diesem Schlage scheint die Abneigung gegen die Gesellschaft eine Thorheit zu sryn,Ziw.merm. Die Fürsten sind ein Schlag von Leuten, Der selten kaum erträglich fällt, Göcking. Das ist auf den Schlag, wie sie es gern höret. DerMitkel- schlag, die Mittelgattuiig. (S. Geschlecht ) Das ben den Mahlern übliche Laumschlag scheinet gleichfalls hierher zu gehören, indem dieses doch nichts and?rs bedeutet, als die Art und Weise, dieBäume, und besonturs .das Laubwerk derselben auszudrnckeu. nnd zu mahlen, wo jeder Mahler seine eigene Manier hat. Da- -'-u gehören vermmhlich auch eisige Zujainme»t'ctzuirgen>>' «e r- Schl figürlich ein Conerctum bedeutet, was etwas von einer gewissen Art an sich hat. Lin gewisser röthlicher Eisenstein heißt in den Kupfcrgruben so wohl Lederer; als Lrberschlag. Eine röthlrch braune Blende wird daselbst Rorhschlag genannt. ^Andere Bedeutungen nach andern Figuren hat es in denZusämmensetznn- grn Anschlag, Rathschlag, Daufschlag, her Ausschlag einer Sache, die Arr und Weise, wie sie sich endiget u. s. s. S. diese Wörter, ingleichen Schlagen. (b) Von dem Activo schlagen. «) Diejenige heftige und schnelle Bewegung eines Körpers wider den andern, welche durch das Zeitwort ausgrdruckt und nachgeahmet wird. Ein Schlag mit dem Kammer, mit dem Stocke, mit der Zand. Drcy Schlage mit dem Hammer thun. Schlag auf Schlag. Im Plural bedeutet es sehr häufig dergleichen Schläge zur Züchtigung. Je- manden Schläge geben, Schläge verdienen. Nach Schlägen ringen. Wiederhohlte Schläge des Schicksals, figürlich, wieder höhlte Unglücksfälle. Im Schwabenfpicgel ist 8!ü k ein Unglück. Zn einigen Fällen bedeutet es figürlich die Tödtnng ver- mittelst eines Schlages; besonders in ben Zusammensetzungen Geyerschlag und Hundeschlag, st) Die auch unter dem Nahmen des Gchlagssusses bekannte gefährliche Krankheit, wird häufig nur der Schlag schlechthin genannt, wo zugleich der Plural un- gewöhnlich ist. von dem Schlage gerichtet, getroffen werden. Der halbe Schlag, die Lähmung auf Einer Seite; bLoo-ipl e. xis. (S. Schlagfluß.) Jm Pohln.undBöhw. 8rluk,8lük» Der Grund der Benennung scheinet in demplötzlicht.» und heftigen Anfälle dieser Krankheit zu liegen, nach den, Muster dcS Griech.Apoplexia, welches gleichfalls vonschla, gen,herstammet; Jial. b'ereolljci. Sofern schlagen ehedem auch für tödten gebraucht wurde, kann Schlag auch eine» plötzlichen Tod überhaupt bedeuten,wenigstens wird in d. m Schwabcn- spicgcl von der Pest gebraucht. Ehedem nannte man diese Krankheir den Tropf, ohne Zweifel ron treffen, ingleichen di- Perft. Im Niedersäch fischen heißt sie die Röhringe und Popel sie, weiches letztere ans Apoplexia verderbt ist. Die Lähmung ist > nur eine gelindere Art desSchlaaes. In derSecsahrt wird der kauf eines Schiffes von riner Wendung zur andern im Laviren ein Schlag genannt, von schlagen, sich schnell wenden. Nurze Schläge, lange Schläge machen. Mit Schlägen laufen, lsvi- reu, d. r. bey widrigem Winde nach Richtungen laufen, welche den §ahrtstrjch nach Winkeln dnrchschnciden, anstatt geradeaus zu gehen, in einem Zickzack mit spitzigen Winkeln fahren. 2 . Ein Werkzeug, womit man schlägt. So wird wenigstens bey den Fischern der Schwanz der Fische der Schlag genannt. Z. Was geschlagen wird, ingleichen was durch Schlagen her. vor gebracht wird, in verschiedenen einzelnen Fällen. r) Was geschlagen wird. Dahin gehöret der Einschlag der Weber, oder dasjenige Garn, welches vermittelst des Schlages mir dem Aufzuge verbunden wird ; der Einschlag der Mcinhänd- ler, was in den Wein zu dessen Verbesserung geschlagen oder ge, than wird, und andere Zusammensetzungen mehr. In den Nieder» deutscheuMarschländermist der Leichschlag oderSchlag schlechthin, derjenige Theil eines Deiches, welcher jemanden zur Unterhaltung zugeschlagen oder angewiesen ist, welchen er im baulichen Stande erhallen muß. S. Deichschlag. 2 ) Wasdurch Schlagen hervor gebracht wird. Lev Hammerschlag odcr Liftnschlag, was im Sch mieden des Eisens von demselben abspringen DasLrpröge ein, r Münze wird noch häufig der Schlag genannt; wo der Pl»rakungcwöh,?lich ist. Geld vom einerlcy Schlage, Gcprage. Auch das Zeichen, welches manche Arbeiter auf ihre Maaren zu schlagen pflegen, ist unter diesem Nahmen bekannt. Zu-der Witsch ist -e; Schlag das vermittelst Bbhhk' eines Schlages mit der Hand angedeukeke Zeitmaß; der Tßct. Ein.ganzrr Schlag, ein gan^r Taet. (S. Doppelschlag.) jher Zufscylag ist die Spur eines Hufes in der Erde, die Fußsiapfen eines Paedes, und inr Niedersächsischen wird das Geleise dev pickerftag genannt, van Picker, ein Zrachtwagen. Bey den Müllern sind Schlage dw Rinnen, welche in den Mühlstein ge- ^ hauen werden. Liefe Wunden, welche ein wildes Schwein schlaget, sind bey den Jagern unter demNahmen derSchlage bekannt. Za eS werden allcrley Gräben, Öffnungen u. s. f. in vielen Fällen Schlags genannt. In Franken heißen die breiten Gräben am Ende der Weinberge, worin man das abschießende Wasser auf- fängt, Schlage. Zm Bergbaue ist der (Unerschlag eine Öffnung, welche in die Quere gesr'ihret wird. Schlacht in BoxhornsGloffe» fürGurgel, und unser Schlucht sind damit nahe verwandt. Dahin -scheint auch das NiedsrdeutscheWort Schlag zu gehören, wenn es Ley dernTorfgraöcn inMorästcueinMaß des aitsgestochcnen Torfes bezeichnet,wo es eine Fläche von Z 2 Fuß lang und 8 Fuß breit bezeichnet, so daßdieTorffiücken zwar aufrecht, aber doch schräge gegen einander gelehnt, zu sichen kommen, weiches in Schlags setzen genannt wird. Acht Schlage machen sin Tagewerk, welches-also 2048 Quadrat- Fuß oder 81 y-Torfe sderStückenTor- fcs enthält. Indessen kann hier auch die folgende Bedeutung einer Fläche Statt finden, z) Der Ort, wo geschlagen wird, oder wo geschlagen worden. So wird im Forstwesen ein abgeholzter Platz,auf welchem das Holz ansgeschlagcn worden, ein Schlag genannt. Eben daselbst ist der Schlag auch derjenige TheileinesWaldes, in welchemHolz geschlagen wird, oder geschlagen werden soll, und der auch das Gehart, dev 6an, der sslzschlag genannt wird. ' 4) Dasjenige waS schlägt, in mchrern eigentlichen und figürlichen Bedeutungen des Ncutrius schlagen. Von schlagen, knallen, ist m der Fenerwerktzkunft der Schlag derjenige Satz an den Racketen u. s.f. welcher bey seiner Entzündung den Schlag oder Knall verursacht. Von schlagen, plötzlich niederfallen, wird ein Schlagbaum, ingleichen ein Q uerbaum vor den Wegen, eineFall- thür vor den Taubenhäusern u. s. f. noch häufig ein Schlag genannt, welcheBcnennung denn auch ein mit einem solchenSchlage versehenes Behältniß bekommt. In Dresden Huben die Vorstädte keine Thors, sondern nur Schläge. Der Taubenschlag, eine mit einer Fallchüc versehene Wohnung der Tauben; der Meisen- fchlag, ein mit einer Fallthür versehener kleiner Kasten,Meisen dar in zu fangen u. s.f. Die Thür in den Kutschen, besonders in den großen Landkutschen führet auch noch den Nahmen eines Schlages ; in demSchlage sitzen. Vermnthlich,weil sie ehedem LieGestalt einerFallthür hatte. Indessen findet in den meisten dieser Fälle auch die vorige zweyte Bedeutung einer Öffnung Glatt. Von schlagen, hervor sprossen, ist der Ausschlag bekannt, stehe dasselbe. 5) Jn dee Landwirthschaft wird eine Reihe mehrerer neben einander liegender Äcker häufig ein Schlag genannt. Die besten Schläge. In Niedsrsachsen sind die Bienenschlage, Außenschläge, Loppelschläge u. s. f. bekannt. Der Acker liegt m dvep Schlägen. - Vielleicht verstehet man hierunter zunächst dasjcni- ge, was man indem Hochdeutschen Feldbaus die Ahrrodee Art nennet,in welchcmFalle es zu dem obigenSchlag,Geschlecht,Gattung, Art und Weise, gehören würde. Allein eS kann auch die Bedeutung einer ebenen ausgedehnten Fläche Starr finden, weil schlagen auch sich in die Länge und Breite ausdehnen bedeuten kann. Ohne Zischlaut ist im Lettischen I^uuk-is das Feld, im Esthnischen und im Finnischen einThal,wovon die Heyden letzter« ;u Schlag, ein Graben, und Schlucht, das erste aber zu -Lage und Hessen Familie gehören. Schl 1492 Nnm. Bey dem Mphilas 8laba, key dem Oltftied 8Iag, im Schwed. und Niederst Slag, im Angelst 8lLeZe. S. Schlagen. Die Schlagader, xlur. die —n, S. Pulsader. Der Gchlagbalsam,dee—es.plur.doch nur von mehrernArten, die—e, ein Arzcnepmittel wider den Schlag in Gestalt eincs BalsameS, welcher in viner Vermischung von Muskatennußöhl, Zimmetöhl, NelkrnShl, Majoranöhl, Rosmarinöhl, Raute,,, öhl und Berristcindhl bestehet, wozn,wenn er vollkommen heißen soll, noch Bisam, Zibeth und Ambra gesetzt wird ; Lullumum spo^lectleum. Schlagbar, —er, —sie, u6j. et aäv. was.geschlagen werben kann, doch nur in einigenFällen des Zeitwortes. So ist im Forst, wesen ein schlagbares Holz, eine mit Holz bewachsene Gegend, welche mit Nutzen geschlagen werden kann ;hanbar. Einschlag- barer Baum, welcher mit Nutzen gefallet werden kann. Der Gchlayvauer,des—S, plur. ut riom. ssvI. ein Bauer, d. i. Vogelhaus, mit einer oder mehrern Schlag- sder Fallthiiren, Vögel darin zu fangen. Der Schlagbaum, des—es, plur. die -^-bäume. r) Eigent, lich, ein Baum oder starkes Holz an dcnFallcncher Ranbthicre, welcher bey der geringsten Berührung dem Thiere auf den Hals schlägt und dasselbe fängt. 2) Ein um einen Pnnct beweglicher Baum oder Balken, Wege, Thore u. s. f. damit für Pferde und Wagen zu versperren; der Spcrrbanm. Erwirb, wenn er sperren soll, entweder von oben nieder gezogen, oder auch in horizontaler Richtung gedrehet, welche letztere man an den Feldwegen an- zubringen und auch nur Schlage schlechthin zu nennen pflegt. Der Schlagbohrer, des—s, p!ur. ut,vom. lindem Eisei, inGestatt eines Hammers mit einer langen versiäbttenSpitze, auf welches man mit einem Hammer schlaget, die Löcher zu den Haspen und Haken der Thüren damit zu machen. Die G^lagbrucke, pwr. die—n, in einigen Gegenden ein Nähme der Zugbrücken , welche man auf und nieder lassen kann. Der SchlaZbrunnen, -es — s, ur vom. linx. S.Lon- tancll 2. Die Schlage, plur, die — n, ein Werkzeug zum Schlagen, s» wie Schlägel, welches nur im Endlame unterschieden ist. So werden die großen Hämmer der Schlösser, welche mit Heyden Hauben gcfiihrel werden, Schlagen genannt, wohin die Vorschläge ,jmd Rrenzschlage gehören. Die äolzschlage, ein großer hölzerner Hammer, die Keile bey dem Holzspaltcndamit einznlrciben u. st f. der Schlägl, Schwed. 8ILZga. Schlagebäuchiy, ackj« et ackv. 1) Ein niedriges,nur in einigen Gegenden übliches Wort, welches indessen Opitz in einem sehe ernsthaften Zusammenhänge gebraucht: Man wird nun nicht mehr schauen Der Tochter Zion Schmuck, wie Midder nach den Auen Ganz matt und hungrig sehn und schlägebanchig Zieh»; mit eingeschlagenen, d. i. eingefallenen, oder auch vor Hunger schlagenden Bäuchen. 2) Von den Pferden, S. öerzschlachng. ScHläAefaul, nckj. et gegen die Schläge abgehärtet; ein nicht überall bekanntes Wort. Ein Mensch, der öfters wird mit prügeln übergangen, Wird endlich schlägefan!, Opitz. S. §«nl. . Das Gcftsayeisen, des—s, plür.ut vorn. bnZ. i)Eme>- -ferncsWerkzeug, damit zu schlagen, oder darauf zu schlagen; ^ nur in einigen einzelnen Fällen. So wird der Waldhammer, mit die Förster die Bäume zeichnen, welche gefallet werden so ur- in einigen Gegenden das Schlageiscn genannt. Das Schlags sen der Maurer bienet zum Zerrühren desAalkes.Bey wetzen ist eS ein eiserner Meißel mit einer breiten geraoen de. Auch die Seiler hüherkkirr eisernes Werkzeug, -welch^ ^ 1493 Schl S chl 1494 Nahmen führet, r) An den Kutschen ist das Schlageisen ein Stuck Eisen, welches in die Zähne der Näder, worauf die Riemen gehen, schlagt oder fällt, um fiesest zu halten. Der Schlägel, des—s, plur. M nom. üvZ. von dem Zeitwerte schlagen und der Ablcitungssolbe—el, ein Snbject, in- «leichen ein Werkzeug. 1) Ein schlagendes Ding, m welchem Bei stände der Blutfink oder Dompfaff in cinigenGegendenRoth- schlagel genannt wird; wo Schlägel für Schlager stehet, von schlagen, eine Art des Singens. 2) Der Ort, wo geschlagen wird ; eine seltene, nur im Bergbaue übliche Bedeutung, wo der Ort in der Grude, wo der Bergmann auf dem Gestein arbeitet, der Schlage! genannt wird. Den Schlägel behauen oder auf dem Schlägel arbeiten, vor Ort auf dem Gesteine arbeiten, der Schlägel ist bauwürdig, wenn gute Anbrüche vor Ort vorhanden sind. Der Schlägelgcsell, welcher mit einem Bergmanne an einem und eben demselben Orte in der Grube arbeitet. Z) Was geschlagen wird; nur in einigen wenigen Fällen. So wird der Zapfen in den Frschteichen, vermittelst dessen das Wasser abgelassen wird, derSchlagel genannt. VermuthlichLehöret hierher auch der Saubenschlägel, d. i. ein Streifen Barchent an den Kopfzeu- gcn, auf welchem dasVordergcsteck angebracht wird,vielleicht weil er ein-oder umgeschlagen wird , wenn hier nicht die Bedeutung eines Streifens, oder der Ausdehnung in die Länge zum Grunde liegt. 4 ) Ein Werkzeug zum Schlagen, wo es in manchen Fällen für Sammer gebraucht wird, in manchen Fällen, aber noch ein verschiedenes, obgleich ähnlichesWerkzeng ist. JmBcrgbanc wer- den so wohl der Sandfaustcl als der größere päuschel, Schlägel genannt. Hölzerne Hämmer von verschiedener Größe führen bcrp mvhrcrn Arten von Arbeiten den Nahmen der Schlage!, der auch der Pochheye oder Haudkenle der Böttcher eigen ist. Winsbcck nennt auch den Dreschflegel SleZel. L) Die Hintere Keule eines geschlachteten vierfnßigen Thiercs. Ein Ralböschlägel,.Reh- fchlagei, Gchäpsenschlagcl u. s. f. Entweder, wie die gleichbedeutenden ^amme, Sammer, Neule n. 1, s. wegen einer Ähnlichkeit mit einem Schlägel oder einer Haudkenle, oder auch so wie Schenkel unmittelbar voll der Ausdehnung in die Dicke. Ohne Zischlaut und Endsylbe ist im Englischen L^eZ. der Schenkel. L?as Gchlägele sen, des—s, plur ut norn. ünZ 7 imHüttenbaue, ciil drcy Ellen langes, vorn z,»gespitztes Eisen,, die Bübnen, Stühle und Ofenbrüche damit losznbrechen. Etwa von schlagen, schlägeln, so fern es auch stoßen und brechen bedeutet ? Dcr Gchläyelfksch, des —es, plur. ^ie—e, ein Nabmedes- iemgen Seefisches, welcher noch häufiacr Sammerstsch genannt wird,Z^mrlu!; ch,.wegen derÄhnlichkeit seines Kopfes witcinem Schlägel oder Hammer. S. Sammerfisch. D ec Schlägel ge soll, des —en, plur. die —en, S.Schlägel r.. Die Schlagelgrube, plur. die —n, der tiefste Ort in einem . Fischteiche, wo sich der Schlägel, d. i. der Zapfen und Ablaß, befindet; das Zischlvch, der Vessel. Die Schlägelnrilch, plur. our.in einigen Oberde,itschenGegen- den, ein Nabme der Buttermilch, weil die Butter durchSchlagen von derselben geschieden worden. Schlägeln,, verl)).reZ. welches dasI'terativum von schlagen ist, und in einer doppelten Gestalt.vorkomint. r. Als ein Actirnnn,. von drm Activo schlagen, ä» welcher Gestalt es doch mrr hin und wieder incinigenFällen, besonders in eilügenZusanimensetzungen, vorkommt. So ist bey den Steinschleifern einen Stein ausschla- geln, ihn Hohl schleifen, wo es von schlagen, sich im Kccift, in die Tieft bewegen, gebildet zu sey» scheinet. 2. Als ein Neutrum, mit. dem Hülfsworte haben, hinken, lahm gehen, i.) Eigentlich,in welchemVerstande es noch bey-deu Lagern üblich ist,wo dev Arsch MäZelhwsnn er. tnit.d.em hinter» Schenkel lahm gehet, wenn er .schlä'gellahm- geschossen worden«. Es stammet hier wohl nicht von dem Hauptwortc Schlägel ab, sondern scheinet vielmehr von schlagen, stark wanken, dasZtcra- tivum zu seyn, stark hin und her wanken, wackeln. (.S. Schlaks.) 2) Figürlich, im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart, aus Unvorsichtigkeit oderUnbesontteiiheit fehlen,einen grobcnFeh- ler begehen; vermuthlich von schlagen, plump hinfallen, so daß schlägeln eigentlich aus Unbesonnenheit mchrmahls fallen bedeuten wurdc.Auf ähnlicheArt sind für schlägeln in dr>.'srmVcrsiande-> auch stolpern, pudeln u. s. s. üblich. So auch das Schlägeln. Schlügen, verd. irreZ. ich schlage, du schlägst, er schlägt;. Jmperf. ich schlug. Conj. fchuige; M-ttclw. geschlagen;. Am- pcrat. schlage, schlag. Es ist seiner Natur nach eine unmit- telbareOnomatopöie,welche einenLaul,der ans einer schnellen und heftigen Bewegung ernstebet, genau nachahmet, und mallen den Fallen gebraucht wird, welche mit einen» solchen Laute verbunden find, oder doch zuerst damit verbunden waren, und unter demsel--. ben gedacht werden; daher denn die vielfachen, deinAiischeine nach so verschiedenen Bedeutungen rühren. DerForm nach ist es ein Jntenstvum von lagen, legen, welches die meistenVerändernngett dieses Zeitwortes, doch in einem schwächeruGrade ansdruckt, wo dieJntcnfion durch den vorgesetztenZiMaut anLedeutet wird. ES ist in doppelter Gestalt üblich, I. Als ein Neutrum, den dem Worte schlagen eigenthüm- lichen Laut aus sich hervor bringe»», oder von sich gebe,». Da ba- bcy verschiedene Grade der eigenen Thängkeit oder des leiden-en Verhaltens Start finden, so wird es hier bald m r dem Hülssworte fepn, bald auch mit dem Hüifswm-re haben gebraucht. 1. Mit dem Hülfsworte ftp n, wo die. Veränderung mehr leidend ist. 1) Heftig und schnell fallen,mir einerHeftigkeit iriidSchuell- frakt an ein anderes Ding beweget werden ; wo irnmr auf den eigenrhümlichen Laut gesehen wird, der es von fallen, stoßen, .springe!', u. s. s. unterscheidet, daher schlagen nw. von Körpern von gewisser beträchtlicher Länge undEeeite g-'beaucht wird, ivcrur sie plötzlich und mir Heftigkeit gegen einen andern Kür;nr beweget werden, so daß der damit verbundene Laut drrnSTerlr Schlag gleich kommt. Anschlägen, nwdcrschlagen, p ötzlich zu Boden fallen. Das Bind rstmwde-u Ropfe auf einen Stein, an di-> Wand geschlagen. Der Baum .st zur ück geschlagen, wenn er durch seine eigene Schwere od.ett-.chuellkra;l plötzlich und milGe- Walt zurück getrieben wirb». 2) Au weiterer Bedeutung mit Heftigkeit undGewalt bewe- getwerdeji. Das Wasser schlug ihm über den Ropf zusams ' men. DiMc-he, die Z-lan,me ft-lärt in die Sähe.. Wnd über die ehernen Säulen Schlug cm schweflichrer Dampf mit blauen Zlammen vermischet, Zachar. Der Wind schlägt in die Segel, wo aber auG, wenn man sich mehr eigene Thällgkcit dabry gedenkt, das Hülfswort haben Statt siitdet. Die Wellen schlagen in das Schiff. Man hat Spuren, Laß es ehedem auch von einer schnellen Bewegung oder Ausdehnung iu die Länge undBreitb gebraucht worden, von welcher Bedeutung ohne Zweifel noch das Hauptwort Schlag abstammet, wenn es von einer an einander Hangenden Fläche gebraucht wirb» (S. dasselbe.) Vermuthlich gehöret dahin auch die im gemeinen. Leben übliche R. A. den ganzen geschlagenen Tag, d. i. den ganzen Tag seiner völligen Dauer und Ausdehnung nach. Zngleichen von eurer Bewegung in die Rimdp. Daher ist bey den: Frischlin Schlägeln! ein Kranz, Ring, und bey dem Pictorins Schlage! eine Gasierey, welche im Kreiseherum gehet; ein Apä'nzchen, B b b, b b 2 Wie 145>L Sch l Wie auch in die Tiefe, wovon Schlag, ein Graben, Schlucht u. a. m. abstammen. Z) Oft verliert sich der Begriff der Heftigkeit, und da wird dieses Zeitwort figürlich sehr häufig von gewissen schnellen Veränderungen gebraucht, deren Mechanismum man nicht einfirhet, oder doch damahls nicht einsahe, als man fie durch dieses Zeitwort auszudrucken anfing. Die Tinte schlägt durch, wenn fie schnell auf der andern Seite des Papieres sichtbar wird. Die Bäume schlagen aus, die Blattern schlagen cm, mit Schimmel beschlagen, das Bier schlagt um, die Arzeney schlagt an, und so in andern Zusammensetzungen mehr. Das Rorn schlägt in die Hohe, ist in die Höhe geschlagen, steigt plötzlich im Preise; der Gegensatz ist fallen. Die Sache ist fehlgeschlagen, nicht hat, wie von vielen geschiehst. Eine Person ist aus der Art geschlagen, wenn ste ihre natürliche oder gehörige Beschaffenheit plötzlich verloren hat. (S. Schlag, Schlachten, Geschlecht, welche beyden letzten In- tenstva davon sind.) Dreß schlägt nicht in mein Zach, gehört nicht Hinein. Der Dampf ist mir auf die Brust geschlagen, wo man auch fallen gebraucht. Der Frost schlagt mir in die Glieder. Es ist ein Fieber dazu geschlagen. Der kalte Brand ist dazu geschlagen. Es könnte noch ein anderes Unglück dazu schlagen. 2. Mit dem Hülfsworte haben, in solchen Fällen, wo mehr eigene Thätigkeit und Mitwirkung Statt findet, welche Form denn die Verbindung mit dem folgenden Activo ausmacht. Es bedeutet hier eigentlich, den diesem Zeitworts eigenthümlichen Laut hervor bringen, und nach der ersten und nächsten Figur solche Handlungen vollbringen, welche mit diesem Laute verbunden sind. Es wird hier von mehrern Arten der Laute gebraucht. i) Als ein mitRnallen gleichbedeutendes Wort. Eine Buchse schlägt stark, oder führt einen guten Schlag, wenn ste gut knallt. Es that einen heftigen Schlag, sagt man von einem heftigen Knall des Donners, oder Oonnerschlage. Der Donner schlägt in ein Haus, wenn der Blitzstrahl mit einem Schlage in dasselbe fahret. So auch in den Zusammensetzungen cinschlagen und erschlagen, so fern sie von dem Donner oder Blitze gebraucht werden. r) Von anderer Art ist der Schlag oder das Schlagender Vögel, welches eine Art des Gesanges ist, der doch von dem Singen, Schmettern u. s. f. noch unterschieden werden muß. Dir Wachtel, die Nachtigall, der Zink, die Lerche, der Canariens vogel schlagen. Im innersten dicken Gehölze Schlagt der schmetternde Fink aus Hangenden Buchen, Zachar. Die Taube lacht ünd girret, die Wachtel schlägt,Haged. - z) Auch die Hunde schlagen, wenn fie bellen, wenigstens wird es in dem bey den Jägern üblichen anschlagen von dem laut werden der Jagdhunde in diesem Verstände gebraucht. Ja man hat Spuren, daß es ehedemauch von gewissen Arten der mensch. ' lichen Stimme gebraucht worden, wenigstens leiden das veraltete kaufschlagen, durch Worte handeln, und rathschlagen diese Erklärung. 4)Wenn sich einKörper plötzlich und heftig gegen den andern bewegt, so daß der Laut entstehet, welcher diesem Zeitworte eigen ssi,so schlägt er. (a) Eigentlich. Das Hämmern schlägt ihm die Ohrenvoll, Sir.z8, 30; welche Stelle ein deutlicher Beweis ist, daß mit diesem Worte zunächst aufden Schall gesehen wird. Die Wellenschlägen an das Schiff. Der wind schlägt in die - Segel, (b) Figürlich. «) Durch Schlagen andeuten. Die Uhr schlagt, deutet durch ihren Schlag die Zeit an. Es hat sechs geschlagen. Es wird b-ld nenn schlagen. Wie viel hat e« Schl 1496 geschlagen ? Es nähert sich hier sehr dem Activo; indessen wird es doch uiemahls im Passiva gebraucht, st) Sich heftig bewegen, wo sich die Onomatöpöie nach und nach verlieret uich der bloße Begriff der Bewegung übrig bleibt. In diesem Verstände sagt man, der puls schlagt, das Herz schlägt. O wie fing nunmehr ihr Her; an zu schlagen l Ja suhle, wie mir bey fernem Nah. men das Herz schlägt, Weiße. Dreß Herz, das so sanft schlägt. Er, dessen edle Brust für mich voll Liebe schlug, Weiße. Nach einer noch weitern Figuft Das Herz schlug David, 2 San» 24, 10 ; vor Unruhe, Gewissensangst. Das Gewissen schlägt ihm, wenn es erwacht; wo viele cs unrichtig mit-er vierten En. düng verbinden, in welchem Falle es das folgende Activum seyn würde, welches es doch nicht seyn kann, weil man nicht sagt, von dem Gewissen geschlagen werden. >x) Nach noch weitern Figii. ren wird es in verschiedenen besonder» Redensarten gebraucht,»'» zunächst auch nur eine schnelle Bewegung angedcutet werde» soll. In sich schlagen, seinen Zustand, und besonders sein Unrecht lebhaft erkennen, eigentlich schnell in sich zurück kehren; wo aber auch wohl das Hülfswort seyn Statt finden könnte, je nachdem man mehr oder weniger eigene Thätigkeit dabey voraus setzt. Da David den Zipfel Sauls hatte abgeschnitten, schlug er in sich, r Sam. 24, 6. Den Blick zur Erde schlagen, schnell zur Erde richten; wo cs zwar die vierte Endung Hey fich hat, aber als ein Neutrum angesehen werden kann, weil man nicht sagen wird, der Blick wird zur Erde geschlagen. Allein das Reciprocum sich schlagen für wenden, richten, wird mit mchrerm Rechte zum Activo gerechnet, (S. dasselbe.) Wurzeln schlagen, treiben, bekommen. O Liebe, wie tief hat dein Same Wurzel geschlagen ! Weiße. Im Niedersächfischcn bedeutet schlagen auch sch. ten, anfmerken, nach einer sehr gewöhnlichen Figur, nach welcher die meisten Wirkungen des Geistes von der Bewegung entlehnet find. Nicht aufeine Sache schlagen, d. i. achten. UnserAm schlag und überschlagen, überrechnen, überdeicken, scheinen noch davon herzustammen. H. Als ein Activum. i. Einen Körper von einer gewissen Länge und Breite mit solcher Geschwindigkeit und Heftigkeit ge. gen den andern bewegen, daß der dem Worte schlagen eigenthünN liche Schall entstehe. i) Eigentlich. Mit dem Hammer an die Thür schlagen. Nit dem Stabe in das Wasser schlagen. Die Hände über dem Dopfe zusammen schlagen. Die Arme, die Hände in einander schlagen. Sich an die Brust schlagen. An die Glocke schlagen. In Stücke schlagen. Nit dem Schwerte darein schlagew. Etwas zu Boden schlagen. Und so von sehr vielen Handlungen,welche Mit einem Schlagen verbunden sind. Einen Schuh über denLcisten, einen Pfahl in die Erde, einen Nagel in die wand schlagen. Der Buchbinder schlägt die Bücher,-der Weber das Tuch im Weben, der Wollkämmer die .wolle, der Ballspieler den Ball. In einigen Oberdeutschen Gegenden schlägt man auch die Regel, welche man imHochdeut- scheu schiebt. Einem etwas aus der Hand schlagen. Nachei- ner sehr gewöhnlichen Figur bedeutet es fthr häufig einem Dinge durch Schlagen eine gewisse Zubereitung geben, es durch Schlagen hervor bringen u. s. s. Den Tack schlagen, durch Schläge mit der Hayd andeuten. Die Uhr schlagt die Stunden, wenn sie selbige durch Schläge auf die Glocke andentet, (S. das vorige Neutrum.) Holz schlagen, so wohl es fällen, als es auch zu gröber» Scheiten, in Klafterfcheiten hauen. All schlagen, es durch Stampfen aus gewissen Samenkörnern heraus bringen. Feuer schlagen. Münzen, Geld schlagen. Gold schlagen, es zu dünnen Blättern schlage». Geschlagenes-Gold. Ans Rreu; schlagen, für nageln. Eines Nahmen an den Galgen schlagen, nageln. nageln. Em Pflaster schlagen, eS verfertigen, weil solches vermittelst des Schlagens oder Stoßens geschichet. Wobin denn vermuchlich auch die Redensarten gehören,eine Brücke schlagen, das Lager schlagen oder anfschlagen, weildcpde Handlungen ei» häufiges Schlagen erfordern. Die Trommel, die pauken, die Orgel schlagen. Lärm schlagen, Marsch schlagen, den Zapfenstreich schlagen, aufdcp.Trotmnel. Jemanden zum Ritter schlagen. Ressel schlagen, stc durch Schlagen hervor bringen. Eyer in die Suppe schlagen. Eine Ader schlagen, sie mit dem Schnepper öffnen. Der Arsch schlagt sein Geweih, wenn er es an den Bäumen abstreift. Und fo in tausend andern Fällen mehr. 2) In engerer Bedeutung, ans Rache oder zur Züchtigung schlagen, wo dieses Zeitwort entweder die bloße flache Hand, oder einen Stock oder doch ähnliches Werkzeug voraus setzt-. (a) Eigentlich. -Jemanden schlagen. Nach jemanden schlagen. Jemanden in das Gesicht, auf den Backen schlagen. Jemanden auf das Maul, hinter die Ohren schlagen, in der niedrigen Sprechet. Jemanden mit dem Stocke, mit dem Prügel schlagen. Zuweilen, besonders in der anständiger» Eprechart, wird es als ein allgemeiner Ausdruck gebraucht, die meisten Arten der Auslassung seines Unwillens an dem Leibe des andern zu bezeichnen, sie geschehe mit welchem Werkzeuae siewol- le. Allein die gesellschaftlichen, noch mehr aber die niedrigen Sprecharten sind ungemein reich an Ausdrücken, diesen Begriff nach allen nur möglichen Schactirnngen zu bezeichnen. Der Aus. drücke peitschen, geißeln, prügeln«, s. s. zu geschweige«, welche eine Peitsche oder Ruthe, eine Geißel, einen Prügel voraus setzen, hat man in den gemeinen Sprecharten die Ausdrücke waminsen, laschen, Hallaschen, kallaschen, dreschaken, pelzen, koranzen, karnjiffeln, karbatschen, huschen, dessen, wicksen, weifen, schmieren, abschmieren, fuchteln, gärben, keilen, lausen, ledern, pauken, zudecken, walken, uird hundert andere mehr, wozu noch dir Niederdeutschen knuffeln, tageln, knüppeln, kranzhei- flern, wollen, klabastern, kastervrolen, bumfasen, bummsen, Holstern, gallern, bosten, dolwen,fitjen, knirrfitjen, kurwach- rein, pisacken, fchrallen u. s. s. gehören. (b) Figürlich. «) Züchtigen, strafen, plagen; besonders in der biblischen Schreibart. Mik Blindheit schlagen, i Mos. » 9 ,r*. Das Volk mit Pestilenz schlagen, 2 Mos 9, i Z. Ein geschlagener Mann, theils ein geplagter,theils auch ein zu Grün. de gerichteter; in dieser letzten Bedeutung vermuchlich von der R. A. zu Boden schlagen. -' Verwunden ; eine in den gewöhnli. chen Sprecharten veraliete Bedeutung, welche noch häufig in der Deutschen Bibel vorkommt. Ich kann schlagen und kann heilen, 5 Mos. 32, Ah. Die Jäger gebrauchen esrroch von den wilden Schweinen, wenn sie mit ihren Hauzähnen verwunden, von einer Sau geschlagen werden, verwundet. Tödten; eine gleichfalls veraltete Bedeutung,welche noch zum Lbeil in erschlagen üblich ist. Schon bey dem Kero und Oltfticd ÜätiLn, im Engl. to im Angels. slLLn. I« der Deutschen Bibel kommt sie gleichfalls noch vor. Ich will hinfort nicht mehr schlagen alles was da lebet, r Mos. 8, 2,. Gott schlug den Ufa um scmes Frevels willen, daß er starb, 2 Sam. 14,6. Das Jnten- sivmn schlachten ist noch in einigen Fällen dafür gebräuchlich. Auch sagt man noch im gemeinen Leben jemanden tobt schlagen, suc ihn tödten, es geschehe aufwelche Art es wolle, (S. Todt- schlag.) Bey den Jagern schlägt auch der Raubvogel seinen . ^ ihn fängt und tödtet. S) Sich schlagen, mit eitt- ^ ksmupfcn, ev geschehe nun mit der bloßen Hand oder mit wel- st)en Waffen es wolle. Sich aufLeib und Leben schlagen. Sich M-r Pistolen, mit dem Degen schlagen. Mo es auch wohl das , Schl ,498 Zeitwort schlagen absolute und ohne Rceiproeatlon gebraucht wird; fle wollen schlagen, d. i. sich schlagen. Es wird auf diese Art nicht nur von Zweykämpfen einzeluer Personen gebraucht, sondern auch von den Gefechten ganzer Haufen und Knegshee- re. Zwey Armeen haben sich geschlagen, wenn sie sich erne Schlacht geliefert haben, (S. dieses Wort.) Wo es doch absolute und ohne Neciprocation beynahe noch üblicher ist. QieArmee will morgen schlagen,macht sich zumSchlagen fertig. Mit demFein- de schlagen. Das Dorftbey welchem der General Weißmann so glücklich geschlagen har. Hingegen in mehr artiver Form, und folglich auch mit der vierten Endung, ist, den Feind schlagen, den Sieg über ihn erfechten, wo es von allen Kriegshaufcn, ohne Rücksicht ans ihre Stärke, d. i. fo wohl von kleinern Hansen als von ganzen Kriegsheeren, ingleichcn so wohl von dem Kriege zu Lande, als zur See gebraucht wird. In die Flucht geschlagen werden. Den Feind aus dem Felde schlagen. Bey Tschesme wurde die Türkische Flotte geschlagen. Von Z'neykämpfen einzelner Personen ist es in dieser Bedeutung nicht üblich. a.Fernec wirb dieses Wort von sehr vielen Arten schneller und Mit Heftigkeit verbundener thätiger Bewegungen gebraucht, welche mit diesem Schalle verbunden find, oder doch unter demselbev gedacht werden. Das Pferd schlagt hinten aus. Der Vogel schlägt mit den Flügeln, das wilde Schwein mit dem Lopfe und den sauzähnen. Ley Raubvogel schlägt seine Mauen m den Raub. Der Vogel Jupiters schlägt so die mächt'gemRrallen In ein geputztes Lamm zum Wettlauspreis bestimmt, Zachar. wo nur das Wort Rralle für die erhabene Schreibart zu niedrig ist. Einen Verbrecher in Fesseln schlagen, intensive für 'legen. Wohin auch die figürlichen Redensarten gehören, sich etwas aus den Gedanken schlagen, es zu vergessen suchen. Ich will mir Sylvia aus den Gedanken schlagen, Gell. Schlagen fle sich das Mädchen ans dem Ropfe. Schlage von dir die Traurigkeit, Sir. z 8 , 21. rine ungewöhnliche Wortfügung. (S. auch Entschlagen.) Etwas in die Schanze schlagen, es der Gefahr des Verlustes ausseöcn, (S. Schanze.) Etwas in den wind schlagen, es nicht achten. Eines Ermahnungen in den Wind schlagen. Die Liebe schätzt nur die Gemüther Undschlagt den Reichthum in den wind, Rost. Dft vermindert oder verliert sich der Begriff der Heftigkeit, so baß nur der Begriff der Geschwindigkeit übrig bleibt, der doch Huch oft geschwächt wird,wenn nur dieÄhnlichkeit des Lacttes oder des Schalles bleibt. Die Fuße über einander, die Arme in einander schlagen. Er hatte seinen Arm um meinen Nacken geschlagen. Das Salz in Rorbe schlagen, mit der Schaufel in die Körbe schaufeln. Das Bier in Fässer schlagen, füllen. Den Mantel um das Gesicht schlagen. Ein Blatt Papier um etwas schlagen. (S-Umschlag.) Ein Buchaufschlagen. Die.Äupftr «us einem Buche heraus schlagen. Ein Löwe mit ausgeschla- gener oder vorgeschlagener Zunge. Etwas durch ein Sieb, durch einen Durchschlag schlagen, treiben. Ein Radschlagen. Zochmüthig schlug ein pfausein Rad, Schleg. (S. Rad.)- Einen Rüsten schlagen. Sich Zusammen schlagen, sich versammeln und verbinden. Die Schweine in die Mast schlagen, treiben. Besonders für wenden, richten, doch immer miteiner Intensiv». Die Augen, das Angesicht zur Erde schlagen. (S. auch Niederschlagen.) Die Augen in die äohe schlagen. Besonders als ein Reciprocum. Sich linker Land, sich rechter Land schla- Bbbdb ge«. r499 Schl xrm, wende«. (S. Legen , besonders wenn es von Schiffen ge- braucht wird, wovon schlagen das Jntenstvum ist.) Sich zu dem Lemde schlagen. Sich ins Mittel schlagen, wofür man auch legen gebraucht. , - Dst verliert sich auch alleSpnr dcr Geschwindigkeit, nnd da bleibt schlagen ein bloßes Jntensivum von legen,vielleicht nur um des Nachdrucks willen, Foll auf etwas schlagen, legen. Der D aufm aun schlagt die Ansosten ans seine lDaaren. Etwas zum Lapitale schlagen. S. auch Unterschlagen? Schlagt auf cwer Armbrost ein Ps!;, Zhenerd. Kap. 7', für legen. Und so in vielen andern einzelnen Fällen mehr. Daherdas Schlagen, mgleichen die Schlagring, doch letzteres nur in einigen Bedeutungen des Activi. Anni. Bey dem Mphjsas llsliLU, im Isidor, Kero u. s. ft. si."rAAn, slnllcün, im Nieder . slaan,im Angils. sleALti, slsn, im Schwed. slA, welches auch noch in weirorerBedcntung liegen, senden u. s. f. bedeutet. .Es ist ein in dem verstärkten Laute gegründetes Jüteusivurn von legen,wo die JnteNsivn durch den Vorgesetzten Zischlautangedentet wird ^ so wie schlachten, schlacken u. s. ft wieder Jnteusiva von schlagen siird. In einigen DberdLnt- schen Gegenden ^ z. B. im Dsierreichischen, gehet es rcgnlLr./ch fchla^ete, für ich schlug. Unsere irreguläre Form rühret, wenigstens im Zmperfeeto,. von einem veralteten Zeitwerte schlagen, her, welches noch bep dem Ottfried vorkommt. Der Schlacker, des—s, plur. nt norn. üoZ. -) Derjenige^ welcher schlägt; doch nur in den Zusammensetzungen Tod t sch laxer, Ballschläger, chchlschläger,Aufschläger, Ausschläger u s.s. Für sich allein gebraucht man es nur in engerer Bedeutung , von einer Person, welche eine Fertigkeit im Raufen, Balgen,S chkageil und Dn^lllren besitzet. 2 ) Ein Werkzeug zum Schlagen,, für Schlägel; doch nur in einigen Fällen. So wird der hölzerne Knüttel, womit die Stricke von den Landlenten gedrehet werden, in einigen Gegenden der Schläger genannt,welchenNahmen auch wohl ein Naufdegen führet. Die Gchlayerey,plur. die—en, diejenige--Handlung, da sich zwcy odek mehrere Personell c-^re Besngniß schlagen, es gefcklehe lU'tt mit der bloßen Hand oder mit all-rley Werkzeugen. Es entstehet eine Schlägexey. LerSchlägeschatz, des—es, plur. rnus. von schlagen, besonders in der R. A. Geld schlagen, Münze schlagen , und Schatz, Abgabe, Geld, r) Der Pacht odpr Zins, welchen der Münzpächtec oder Mstnzmeistcr dem Münzherren von dem Ertrage der Münze geben muß, iu welchem Verstände es besonders ehedem sehr gangbar war; Nieders/Glcgeschatt, Glct- schare. 2 ) Die Münzgebühr, die Abgabe an einen Höhern für das Recht münzen zu dürfen; eine gleichfalls ehedem sehr gangbare Bedeutung, wo verschiedene Landstädte dom Landesherren, und Reichssiändc dem Kaiser Schlägeschatz gaben. z) Eine Abgabe der Unterrhanon an den Münz-und Landesherren, die Unkosten der Münze zu bestreiten, dagegen derselbe verpflichtet war, den Gehalt der Münzen nicht zu verringern. In diesem Verstände wird noch m mehrern Ländern Schlage- schätz als Zoll von Waaren, als eine Abgabe von dem Getränke u..s. f. gegeben, welche von den Unterthaucn anfänglich gleichfalls zumAnterhalte der Münze, und zur Beykehalmug des guten Schrotes und Kornes der Münzen bewilliget wurden. Im Mittlern Lat. Äloueckaojum» DieGchlagsstampfe, plur. die—n, bey den Papiermachern, ein eiserner Hammer,, welcher von dem Wasser getrieben wird, und das Papier glatt und eben schlägt. T ie Schlag ouhr, oder, obgleich nicht so richtig,Schlaguhr,plur. -ic-cli, eine Uhr, welche schlagt, die Zeittheile durch den Schl IL00 Schlag an eine kleine Glocke andeutet z znmUnterschiede von einer Uhr, welche die Zeit bloß zeiget. Das Gchlayewerk, des — es, plur. die —e, dasjenige Räderwerk in einer Uhr, welches das Schlagen verursacht; zum Unterschiede von dem Gehwcrke. Das Schbäysafi, des — sses, plur. die—fcisser, ein großes Faß, sofern Maaren in dasselbe gepackt und versendet werden; vorrnuthlich, weil es nach geschehener Einpackung zugeschlagen wird^ Die Gchlayfeöer, plur. die — n. r) Die stärksten Federn in den Flügeln der Vögel,.mit welchen sie schlagen, und welche auch die Schwungfedern genannt werden. 2 ) Eine Art stählerner Federn, welche das'Schlagen eines andern Stückes wirken ; z. B. in den Gewehrschlössern, diejenige Feder, welche das Schlagen des Hahnes befördert. Der Gchlätzflüß, des—sses, plur. die—ssüsse, ein plötzlicher und oft tödrlichec Verlust der inncrn und äußern Sinne und der rvillkührlichen Bewegung der Muskeln, woben, wenn der Kranke nicht sogleich todr bleibt, der Puls stark und oft ungleich, das Athrmhohlen aber mit einem Geräusche vor sich gehet; Apoplexia, der Schlag. Einen Schlagfluß bekommen. Fluß heißt diese Krankheit, entweder wegen ihres plötzlichen Anfalles, vderonch, «veil sie eigentlich ans einer Ergießung der flüssigen Theile des Körpers herrührct. Die erste Hälfte ist, wie.schon bey Schlag bemerket worden,eineNachähmnng des GriechischenNah- mens, der seinen Grund gleichfalls in dem plötzlichen und tödt« liehen Anfälle Hac. Ehedem hieß diese Krankheit der Gächtsdt, der Tropf, b.ey dem Notker 6uNe. Scylatzgrg/ S. Schlackig.. Das Schlatzyold, des—cs, plur.car. von schlatzen, knallen, ein mit sauren Geistern verbundenes gepulvertes Gold, welches, wenn man cs über das Feuer bringt, einen starken Knall verursacht; Schlagpulver, Anallgold, Platzgold, praffelgold, -Vurutn kulmlusus. Das Gchlatzhäftlein, zusammen gezogen, Schlagbaftcl, des —s, plur. ui vOrn.llnZ. kleine Pflöcke- anfeinem Vogelheede, welche eingeschlagen werden, die Hauptleincn daran zu biildcn. Das Schlagholz, des— es, plur.. die—Holzer, r) Ein Holz oder hölzerncsWerkzeug zumSchlagcn; bcsserSchlageloch. Dergleichen ist das Schlagholz der Hutmacher, Französ luOocsiie, womit der Fachbodcn in-Bewegung gesetzt wird; das Schlagholz der Seiler, welches auch der Schlager genannt wird. 2 ) Am Forstwesen? Holz, welches mit Nutzen geschlagen werden kann: wofür doch schlagbares 60!; gangbarer ist. Noch häufiger nennet man Z) das Buschholz, oder Unterholz daselbst Schlagholz, weil es, wenn es abgehauen worden, nicht gesäet werden darf, sondern am Gramme wieder ansschlägt, wo denn derPlural mir von mehrern Arten gebraucht wird ; zum Unterschiede von dem Gberholze oder Gtammholze. 4) Eilte mit solchem Holze bewachsene Geg-nd. Der Gchlatzhüther, des—s, plur. ul uom. 6ÜZ. im Forstwesen, ein Baum, welcher aufeinem Schlage zu dessen AcssNiM stehen bleibt; Samenbaum, Mntterbaum. Das Gchlagkraut, des—es, plur. iuu5. eine Art des Gamanders, welche ansdenBrgchfeldeen des wärnieonEuropa wohnet,und wider dcirSchlagsinß,,Löhn!nttg derGlieherund rh--o>na- tische Schmerzen gebraucht wird ;1euerum Oiamaepilü)^, Erdpln,Erdkiefer, weil es wie Fichtcnharz riechet, Feld-Typresst. Die Schlag-Lauwine, S.Lanwme. Das Gchlaylicht, des — es /plur. die— ex, in der Maolerey, ein lebhafter, geschickt angebrachter Lichtstrahl, um Mich-/" TM einer Figur hervor treten zu lassen, welcher dem » !A0l Schl - Sonnenlichte am stärksten ansgesetzet ist; 6 oup 6 s ssour. Ver- mulhlich von Schlag, eine plötzliche, schnelle Bewegung. Siehe mich Schlagschatten. Das Schlagloch, des—es, plur. von mehrerir Arten, die -—e, bey den Gold-und Silberarbeitern, diejenige Masse, womit ge- lothc-k >vird, weil sie selbige erst zu dünnen Blechen schlagen; bey andern Metallarbeitern heißt sie nur das Loch schlechthin. DerSchlaFnayel, des—s, plur. die—nagel, in den Schlage- uhren und deren Schlag-Werk, senkrechte Stifte an dem Heberade, welche den Hammer aufheben und wieder falten lassen. DasGchla§rretz, des—es, plur. die—o. -) In dem Ballspiele, ein in einem Bügel eingefaßtes Netz mit einem Stiele, den Ball damit Zuschlägen, wo es billigGchlagenetz-heißen sollte; mit einem Französischen Abdrucke die Raqucte oder Rackete. 2) Ein ausgestelltes Netz, welches, wenn es berühret wird, nieder schlagt oder fällt, und das Thier fangt; das Zallnctz. Der Schl-ktzp fahl, des—es, plu . die—pfähle, an den Gat- ... terthüren der Hecken, Zäune u. s. f. der vordere Pfahl, woran die Thür anschlägt', und an welchem sie geschlossen wird; znm Unterschiede von dem Zangepfahle oder Zcck'pfahle. Das Schlaypulver, des—s, plur.doch nur von mehrend Arten, ul nom. sin». i) (S. Gchlaggold.) 2) Ein Pulver wider den Schlag oder Schlagffuß. Der Schlagregen, des—s, plur. ul nom. flu». ein heftiger Regen, wobcy große Tropfen mit großer Hefugkei-t und in großer Menge niederfallen; der Platzregen, beydes, wegen des schlagenden und platzenden Geräusches, welches ein solcher Regen macht. Der Schlagschatten, des—s, plur. ut nomi ün». in der Mahlecey, der stärkere Schatten eines Körpers, welcher in dem schwachem Schatten eines andern stehet, der ihn unmittelbar vor dem Sonnenscheine bedecket; Franz. l'Oinbr«Zs. Zn kinemWal- de z. B. stehen die Bäume im Schatten, der Rasen aber, welchen wir betreuen, im Schlagschatten. Etwa so, wie Schlaglicht. S. dasselbe. Der Gchlagschatz, oder Gchlayschatz, S. Schlägeschatz. Die Gchlayfcheibe, plur. die—n, in dem Schlagewerke der Schlageuhrcn, diejenige Scheibe, welche die Anzahl der Schläge jeder Stünde bestimmt. Der Schlagschieber, des—s, plur.ut vom. linA. bey den Bäckern, ein langer Schieber, woraufdie Semmeln in den Ose« geschobeir werden. DerSchlayschlussel, des—s, plur. ütuolnchu». der Schlüssel zu einem Schlage oder Schlagbaume. Der Gchlagschreiber, des— s,p 1 ur. ul uoru. kiuA.derSchrei- ber an eiieem Schlage oder Schlagbaume. Die GchlaApttröLl, plur. die — n, bey denDrechslern, eine hölzums Spindel irnr einem Loche, in welches der Zapfen des Stückes, welches man drehen will, geschhrgen wird. DieSchhayspnle, plur. die — n, die stärksten Spulen an ci- nem Gänseflügel; die Schlagfedern der Gans. Die Schla§taube, plur. die—n, zahme Tauben, welche in Schlägen oder Tauöenschlägm gehalten werden,zumUuterschie- de von den wilden Tauben. Die Schlaguhr, S. Gchlagcuhr. Die SchlcrFwand, plur. die -—wände, bey den Jagern und Vogelstellern, ein jedes Garn oder Netz, welches auf und nieder gezogen werden kann; von schlagen- fallen. Das Schlagwasser, des—s, plur. doch nur von mehrern Arten, ul nom. liu^. ein geistiges Wasser wider den Schlagstuß, welches ans RosmarilMilheu destilliert, und auch Ungarih-es Schl 1L02 Wasser genannt wird, weil eine Königin» von Ungarn,Nahmen? Elisabeth,.eS erfundelt haben soll. Die Schlagwerke, plur. die—n, in der Physik, die Weite, in welcher der elektrische Funken zu einem andern Körper übergehet. Die Schhayw olle, plur. die—n, inder Seefahrt, Wellen,wcl. .che das stürmische Meer gegen einander und in die Höhe gegen das Schiss schlägt. i Der Schlaks, des — es, plur. die—e, ein niedriges, nur in einigen gemeinen Sprechartcu, Z. B. in Pommern, übliches Wo/t, einen tragen, groben und dabey in seiner Kleidung und in seinem Betragen nachlässigen Menschen zu bezeichnen, den man auch wohl einen Schlingel zu nennen pflegt. Vermuthlich von schlägeln, lahm gehen, oder von dem Niederst slaE, schlaff, träge, indem die Trägheit und darin gegründete Nachlässigkeit der herrschende Begriffin diesem Worte ist. Dem Bremischen fast gleichbedeutenden Lä'ks scheinet nur der intensive Zischlaut zu mangeln,, ob es gleich Voit Laie und luieus abgeleitet wird. Der Schlamm,des—es ,-plur. doch nur von mehrern "Arten, und auch hier nur im Bergbaue, die Schlämme. 1. Eine jede gepulverte und mit einem flüssigen Körper vermischte feste Substanz. In diesem Verstände wird besonders im Bergbaus das.klein, gepochte und aus den Pkanen gewaschene Erz so wohl Schlamm als Schlich, iugleichen Sumpfwerk genannt. 2) Zu engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist der- Schlamm ein aus zarten The:- len eines festen Körpers mit einem flüssigen. Körper vermischter Bodensatz, besonders eine mit Wasser vermischte Erde; dergleichen der.Bodensatz der Flusse, Teiche, Seen u. s. s. ist, und den man auch, besonders Lin Niederst Moder, Modder nennet. Anni, Zu eiingeu Oberdeutsche» Gegenden ist dafür auch Glumm üblich, welchem -weder Zischlaut mangelt, (S.dasseibe.) Schlamm, Schleim, Lehm, Immun, u. s. s. sind genau verwandt, und drucken insgcsammt die weiche, dicklich ßissstge Beschaffenheit aus. Der Schlammbeißker, bester Schlammbeißer, des—s, plur. ut uom. linA.eine ArtderBe-ßker,welche sich in denSchlamm der Teiche und Flüsse hinein wühlet, und daselbst ihren Aufenthalt hat; zum Unterschiede von dem Steinbeißer. Schlammen,verb. rvß.neutr. mit haben,Schlamm gebe« oder verursachen. ».Schlämmen, verb.re». act. ») Von einem gepulverten Körper das zarte Pulver durch öfters aufgegossenes und abgcseihetes Wasser von dem gröber» absondern. Asche, Sand schlämmen. Geschlämmter Sand , die auf solche Art erhaltenen kleinsten Theile des Saudes. Auch das Schlämmen der Bergleute ist davon nicht unterschieden. Erz schlämmen, von den gepochtenGäne gen das gute Erz durchWasser von dem täubenGeste-nr absondern. Elltwederzuilächst von Schlamm, weil der gepülverteKörprr hier mitWassec i-t einen wahrcnSchlamm verwandelt wird ; oder auch überhaupt, als eine Onomatopöie, mit Wasser hantieren, da denn Schlamm von diesem Zeitworte abstammen würde. Wenn die Maurer eine Wand zum ersten Mahle weißen, jo 'nennen sie eS schlämmen. 2) Don dem Schlamme reinigen, befrepen. Einen Teich schlämmen. In den Zusammensetzungen anschlämmen, verschlammen, bedeutet es mit Schlamme anfüllen. Daher da» Schlämmen, und, obgleich seltener, die Schlämmung. 2. Schlämmen, verb. re», neutr. mit dem Hülssworte haben, im,Genüsse der Speise und des Getränkes die Gränzen der Nokh- dnrst a--f eine grobe Art überschreircn,' im Genuß der Speise und des Trankes im hohen Grade unmäßig und üppig seyn. Sep nicht ein Prasser und Zcwohne -ich nicht zum Schirmten (Schläm- , Lmen^ ILVZ Schl u:en,>Sir.18, z-. Das Schlemmen der Pranger soll aufhö- rcneAmos ö, 7. Ein berühmter äeld im Fressen, - Den das Schlammen aufgeschwellt, Haged. So auch das Schlammen. Anm. Im Niederst siommen,im Schweb.slernma,imPohln. slarnnrowsc. D.hne Zweifel als eine Dnomatopöie des Schlingels, welches sowie Schlund nur im Endlaute verschieden ist. Im gemeinen Leben einiger Gegenden ist auch das intensive schlampen, und im Niedersächstschen das durch Verdoppelung noch mehr verstärkte schlampampen üblich. S. Schlampen. Z. Der Schlä'mmer, des—s, xlur. ur vom. lioZ. von - -schlämmen, derjenige, welcher schlämmet; besonders im Hütten- baue, wo diejenigen. Knabe« diesen Nahmen führen, welche da- Schlämmen des Erzes verrichren. L. Der Gchlänamer, des —s, xlur. ut vom. linZ. Fömin. die Schlämmcrrnn, vo:»2 schlämmen,-eine Person, welche schlämmet, bey welcher das Schlämmen zur Fertigkeit geworden ist. Nieders. Slomer, Schlampampcr. Die Schlüminerey, plur. die —en, von » schlämmen, da- Schlämmen, ein hohcrGrad der Un.ick'ßigkeit uudllppigreit im Genuß der Speise und des Getränkes. Weil er in Schlämmerey viel Geld und Gur verpraßt, Lanis. Schwed. Llemmeri, Island. 8Iaembi. Der Schlammfisch, des—es, phur. bie—e, eine allgemeine Benennung aller derjenigen Fische, welche sich gewöhnlich in dem Schlamme dev Teiche und Bache aufhalten ; zum Unterschiede von den Raubfischen und Weide- oder Futterfischen. Der Gchläinmtzraben, des—s,plur. die —gräben, im Bergbane, ein fast vierecktec hölzerner Kasten, worin das Erz ge- schlämmetwird. Der Schlammherö, des—es,pkur. die—e, eben daselbst, der H-.rd bey den Zwitterwerken, worauf der Schlammstein ge- fcklämmet wird. SchlammtF, —er, —sie, sch. et ackv. Schlamm enthaltend,. Schlammiges Wasser. Ein schlammiger Fluß. Schlammicht würde nur dem Schlamme ähnlich bedeuten. Die Schlammrrucke, plur. die —n, eine Krücke, den Schlamm damit weaznschasten. Zn den Salzkothen hat man dergleichen kleine Krücken von Blech mit einem Stiele, der: Schlamin damit aus der Salzpfanne zu krückrn. Teiche und Flüsse reiniget man mir weit größt rn Krücken, welche von Pferden gezogen, und auch Roßkrücken gemannt tverden. Die Schlammküste, plur. die—n, cm Nähme der Scklamm- krücke im Lergbane, so fern damit der Schlamm aus den Planher-» den und in den Schlammgrüben auf und nieder gerühret wird. S, z Küste., Die Schlammpfanne, plvr. die— N, Dimin. dasSchlamm- pfännchen, in ben Salzkothen, kleine, stäche Pfannen, welche in die großen gesetzt werden, wenn das Salz ansänzr zu körnen, damit der Schlamm sich hirrün setze. Dem Schlämmsck l ich- des^-es,, pivr. doch nur von mebrcrm Arroo, die—e, im Hergbane,. dasgepockue:md reiugcwaschene Erz, der aus dem Schlämmen erhaltene Schüch. Dsr Gchlammsscin, des —es, chur. auch nur von mebrern Arten, d re—e, eben daftlbst, die geschlämmte», oder zum Schlämmen' bestimmten Zinnzwittcr. Das Schlammvoerß, des —-s, plur. die—e, in einigen Ge» f'Snden , ein Nähme derjenige» Anstalt, wo man die in dem, Schlarr;Stecher Flühe enthaltenen,Eüldköruer d^rch SchlLtümea- Schl - , 1L04 oder Maschen zu erhalten sucht; das Scifenwerk, die Goldwäsche. Schlampen, veid.reZ.act. et neutr. welches im letztern Fasse das Hülfswort haben bekommt, und eine Dnvmatopöie ist, wodurch eine doppelte Haudlnug mit ihrem eigenthnmljchen Laute ansgedruckt wird. 1) Flüssige Dinge mit vollem Munde und aus- geschlagener Zunge hinein schlingen,in welchem Verstände es vor. uehmlich von den Hunden gebraucht wird. Daher die Schlampe oder das Geschlampe, eine Brühe für die Hunde, welche man sie ausschlampen läßt, und im verächtlichen Verstände, eine unreinlich zubereitete oder kraftlose, wässerige Speise für Menschen. Der Form nach ist es das Jniensivum von 2 schlämmen, und das Stammwort von dem schon dort angeführten Niedersöch.schlam- pampen, figürlich, schlämmen, prassen. Dem Latein, lambsre fehlet nur das intensive sch. 2) Herab hängen und dabep schlotterig scyn,. und aufeine solche Art, mit zerrissenen, beschmutztet» Kleidern einher gehen; auch nur in den niedrigen Sprecharten. Schwedisch Nam^a. Daher die Schlampe, in den niedrigen Sprecharten, ein in ihrer Kleidung und Betragen liederliches Weibsbild, welches man mit einem andern Vocal auch eins Schlumpe nennet. Unser-Lumpe und das Franzos. I^amkeau sind nahe damit verwandt. Nach einer andern Figur ist im gemeinen Leben schlampig Wetter kothiges, da man sich leicht beschlampet, oder im hoho» Grade beschmutzet. S. Schlamm. Die Schlange, xlur. die —N. >. Ein Amphibium, welches weder Füße »roch Floßfedern hat, sondern sich vermittelst einer wellenförmigen Bewegung und der Schuppe», Schilde oder Ringe, womit es bedeckt ist/aufdrr Erde fortbewegt. Mau hat deren verschiedene Arten, wohin die Wasserschlangen, Zausschlangen, Feldschlangen, Klapperschlangen, Schreßschlangen, Nattern, Vipern u. s. s. gehören. Sich krümmen und wenden wie eine Schlange. So listig wie eine Schlange. Eine Schlange in seinem Busen nähren, einen Feind unter der äußern Gestalt eines Freundes begünst'gen. 2.Figürlich, wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt, i) Eine kupferneNöhrc in dein Kühlfasse der Branntweinbrenner, welche sich mehrere Mahle in dem Fasse herum schlängelt, den Branntwein abznkiihlen, 2) Eine Arides schweren Geschützes, entweder von dem ehedem darauf gegossenen Bilde einer Schlange, oder von der in Gestalt eines Schlangenkopfes geformten Mündung,oder auch von dem im Deutschen veralteten, aber noch im Englischen üblichen ko schläudcrn, Schwed, stla, j'lüvira, (S. schlenkern,st-weil dieses Geschütz an die S.elle der ehemahligen großen Schläudcrn getreten ist. (Siche Feldschlange.) z) Inder biblischen Schreibart ist diealtt Schlange eine Benennung des Teufels. Anm. Im Niederst Glange. Dieses Thier hat seinen Nähme» von seiner wellenförmigen Pewcgung und der großen Birasain-" keit und Geschmeidigkeit seines langen und dünnen Körpers, da. her derselbe a!s ein naher Verwandler von dem folgenden schiangeln, von schlank, sich schlingen, lenken u. s- s. anznseben ist.Zm Niedersächstschen wird eine Schlange auch Schnake oder Snake genannt, welches von dem veralteten schnaken, kriechen, Angelst kniean, h er stamme t. Schlangeln, verb. reZ. act. welches das Dinn'nuti'vüm oder Zterativnm des veralteten schlangen, jetzt schlingen ist, und so tvkcd.'eses als ein Recip^oeum gebraucht wird; sich schlängeln, sich in mchrcrn und kleinen Schlangenlinien fortbewegen. Die Blitze schlängeln sich nicht durchs schwarze Gewölk, Eeßn» Quellen, die durch blumige Wiesen sich schlangeln, ebend. Daher das Schlängeln. Dao Schlangenart^?-, des —s, pwr. die—n, eine unten ausgehöhue, obra «her rmide, oder länglich runde, unb mu einem. 4M S ch l nmden Flecken in Ge ;7 alt eines A>Ms, a-ezcichnete BersteinckunZ, ftvelche mau irrig für versteinerte Schiangenaugen gehalten hat. Andere nentren sieGchlangeneycr, Froschfteine und Rrotensteine, ^ rmd leiten sic von diesen Thiereu her. Dem Iiissicu zu Folge sind cs die versteinerten Zähne des Brasilianischen Seefisches le 6 rov- ckeur,nach andern die Zahne desMeerwolfes und einiger Drachs- men, u^d nach noch andern eine besondere Art Schiniten. Die kleinste Art derselben werden Schwalbcnstcmc genannt. Der Schlangenbalg, des—es, p!ur. die— bälge, die abgc- streiftc Haut einer Schlange; d ie Schlangenhaut. Das Gchlangeney, des — es, piur. die —er. i)DieEper der Schlangen. 2) S. Schlangenauge. Der Schlangengang, des — es, plur. die— gange, in den Säften, hin und wieder, nach einkr Schlangenlinie gekrümmte Hlckcngänge. DasSchlangengras, des — es, plur. inust cin^Älahme des wilden Nrahenfußes, welcher a,ts den Wiesen u.'ld ungebau leir Deren wächst, und wider den Bist der Schlangen gelobt wird, daher es auch Schlangenzwang Heist. Die Schlanyengurke, plur. die — n, eine Art Gurken, welche vier bis fünf Fuß lang wird, vorn einen Kopf wie eine Schlange hat, und mit dem einem Schwänze ähnlichen Ende an den Rebe» hangt. DasSchlangenhaar, des— es,p>fur. raus, oder die Schlangenhaare, ÜNA. imch aus Schlangen bestehende Haare, mit welchen trran in der Fabel den Kopf der Medusa und die Furien vorstellet. Tobt, Eumem'den, schlingt das Gchlangenhaar Lest um mein Zer;, Wc ße, Der R-reg und die Zwir'rachk Mit dem Schla-ge,chaar hauieten hier, Zach. Das Schlanyenhaupt, des —cs, ft nur. die — Häupter- r) Das Haupt einer Schlange; der Schlangenkopf. 2) Figürlich und ohncPlura!, ein Nähme der wilden Ochsenzunge, wegen einiger Ähnlichkeit >n der Gestalt des Samens, daher sie auch Nattcrkraut genannt wird. Das Schlangenholz, des — es, plur. t'vul. r) Das Holz eines Gewächs s auf der Insel Ceylon, welches bitter ist, eine den Schweiß treibende Kral, hat, und daher wider den Biß giftiger Threre g-brancht wird; Opbioxvlov il,. 2) Das Holz eines andern Dstrlidischcn Baumes, we - eine Art der Rrähenaugen ist; 6 rr/chno 8 OolubrivL Seine Wurzel wird gleichfalls wider alle Arten des Giftes gebraucht, und in den Apotheken anstatt des folgenden wahren Gchlangenholzes gegeben, z) Die» ses wahre Schlangrnholz, welches doch unter dem Nahmen der Gchlangenwurzel am bekanntesten ist, ist die holzige Wurzel eines Dstindischen Gewächses, welche als das kräftigste Murrt wider den Biß der Brillenschlange gebraucht wird; OpbiorkirL lVluvAOS il,. Der Gchlangönknoblauch, des — cs, plur. inust in einigen .Gegenden,ein Rahme des Graslauches, oder der Rocamdole, Milium Zcorscloprulum 1 /. Das Schlangenkraut, des — es, plur. inust 1) Eine Art des Aruw.s, welches diesen Nahmen wegen des gescheckten , mit grünlichen oder dunkrlrothcn Flecken besetzten Stängels hat, welcher dem Rücken einer gesprengten Schlange gleicht ; ^crum Dracuneulus ist. Es ist irr dem mittägigen Europa einheimisch. -) Ein Nähme desDraguns; ^lrtemistu OracunculuZ ist. Z) Auch des Bärlappens ; st,^copo 6 ium cluvatumäst. ^le Gchlangenkrone, plur. die — n, vorgegebene beinerne Kronen einer Art von Schlangen, welche aber bloß die hintersten, der Wurzel beraubten, vielspitzigeu,Zähne einer Kuh sind, die vo» «del. W. B. Z. Th. 2. Aust. s, - , Schl izo6 dem großen Haufen für Schlangenkroncn gehalten, und zu aller ley Aberglauben gebraucht werden. Die Schlangenlinie, (siiufchldig) plur. die — n, eine Linie, welche der wellenförmigen Biegung einer Schlange im Kriechen gleicht, d. r. eine aus mehrecn Halbzirkeln oder krummen Linien bestehende Linie, wovon wechselsweise der erhabene Theil bald nach oben, bald nach unten zu gerichtet ist. Der Schlangenmann, des —es, plur. die—Manner, der Nähme eine-» Sternbildes, welches eine männliche Figur ist, die eine Schlange in den Händen hält; der Schlangenträgcr. Der Schlangenmord, des — es, plur. cur. ein Nähme der Gcorzonera, weil sie dem Gifte widerstehet, und ihr Saft in Würmern Ländern den Schlangen tödtlich seyn soll. - Die Schlangenmotte, plur. die—n,eine Motte, welche sich aufden Fichtenbämnen aushält; kstalsevaldloctua piota st,. Das Schlangenpulver, des — s, plur. doch mir von Mehrern Arten, ut vorn. ÜNA. bey dem großen Hansen, ein aus gedörrten Schlangen bereiretes Pulver, welches für eine bewährte Ar- zcncy in' verschiedenen Krankheiten des Viehes gehalten wird. Die Schlangenröhre, plur. die — u, eine schlangeriförmige, geschlängelte Röhre, dergleichen die schlangen weise gewundene Röhre indem Kühlfaffe der Branntweinbrenner ist, welche auch nur die Schlangle genannt wird. Die Gchlangenspritze, plur.die—meine Feuerspritze mit einem langen, biegsamen, ledernen Schlauche, welcher, wegen der Gestalt, die er imSpritzen anuimmt, auchdieSchlange genannt wird. Der Schlangenstein, des — es, plur. die—e, ein kleiner, schwarzer Stein, mit einem schmutzig weißen Fleck anfbeydenSei- ten, von welchem man irrig glaubt, daß er i» den Schlangen gefunden werde, und das Gift an sich ziehe. Oft ist es ein Stück Hirschhorn, welches im Feuer geröstet worden. Der Schlängenstrch, des — es, plur. die — e. 1) Der Stich von einer Schlange. 2) Eine Art des Stiches oder des Stickens bey den Nähterinen. Der Schlangenträger, des —s, plur. ut vom. 6 nZ. Siehe Schlangenmann. Die Gchlangenwurz, plur. ioust ein Nähme der Scorzonera, S.Schlangenmsrd. DieSchlangenwurzel, plur. die — n. t) Die Wurzel des Schlangenhslzes, (S. dieses Wort.) 2) Die Wurzel einer Art dev Osterlncey, und die Pflanze selbst, welche in Virginien cinhci- misch ist, und als ein schweißtreibendes Mittel dem Gifte und der Fäulnis widerstehet; - 4 r 1 lloIoclij.i Lorpentnria L,. Zer- psntaria VirxiviLvL in den Apotheken, virginische Gchlan- genrvurzel. Die Gchlangenzunge,plur. die—N. 1.Eigentlich, die spitzige Zunge der Schlange. 2. Figürlich, i) Eine Pflanz, wegen der gelben gekerbten Spitze an den Stielen, woran sich die Blüthen und Fruchtknopfchen befinden; OpkioZIollum st,. Nacterzun- ge, Natterzüngleig. 2) Eilte Versteinerung, welche ehedem für versteinerte Schlangenzungen gehalten worden, aber vermmblich versteinerte Zähne des Hayfisches oder Carcharias sind; 6 ioL'- stopetrve, OöootopLtrue, Natterziinglein. Der Schlangenzwang, des — cs, plur. laust S. Schlan» gengrase Schlank, — er, — esie, sch. et väv. lang, dünn und biegftm ^ geschlank. Schlank von Gliedern. Schlanke Arme/ Füße u s. f. Schlanke Bräuter durchirren das Gras mit zarten Men, Gcßn. G-eh, wie die große Eiche die schlanken M- umher trägt, und kühlen Schatten,§ttsffrertt, ebend. Niederst ftank; es gehöret zu schlingen und Schlange, und druckt die mit~der Länge verbundene Biegsamkeit aus. C«-- ' Schicke IL 07 Schl Gchlänkern, S. Schlenkern. »Schlapp, — er, — este, aclj. er a6v. welches ans der Nie, derdcutschen Mundart herstammet, und nur in den gemeinen Sprecharten für schlaff üblich ist, S. dasselbe: Die Schlappe, piur. die—n, ein Wort, welches eigentlich einen laut schallenden Schlag bedeutet, welche Bedeutung das Englische 8lap noch hat. Im Niederdeutschen druckt man den klatschenden Schall eines Schlages noch mit Schlapp aus, und eben daselbst ist Schlappe auch eine Maulschelle. Dem Lateinischen ^lapa fehlet nur derZischlant, so wie auch klappen damit verwandt ist. (Siehe i Schlaf.) Im Hochdeutschen ist es in der eigentlichenBedeutung veraltet, man gebraucht es nur noch zuweilen figürlich von einem empfindlichen Verluste. Line Schlappe bekommen, einen em. pfindlichenVerlufi leiden. Len feindlichenTruppcn eineSchlap- pc verseyen oder beybringen. Sich von einer Schlappe erhöhen. Die Schlappe, in einige» Gegenden eine Art der Kopftracht, S. in Schleppe. s Schlappen, Verb. röA. neukr. mit dem Httlfsworte hüben, welche eine unmittelbare Onomatopöie ist, aber nur in den niedrigen Sprcckarten gebraucht wird, theils als ein Jntenfivnm von schlabben, schlabbern, mit ausgeschlagenerZunge unge, hickt hinein schlürfen, wie schlampen; ohneZifchlaut, Engl.to Franz, labber, Griech.>«v 7 -sr»; theils aber auch von einer Art des nachlässigen Ganges mit Pantoffeln,,so daß man diese im Gehen gleichsam unter und hinter sich her schleifet. * Die Schlappheit, Schlappitzkeit, plur. lauf, der Zustand, da ein Ding schlapp ist; wofür doch Schlaffheit der anständiger» Sprechärten angemessener ist. Der Schlaräffe, des —rr, plur. die —n, einePerson, welche ihr Leben in einem hohen Grade des trägen Müßigganges zubrin- get, welche sich einer wollüstigen und üppigen Muße lvidnret;m welchem Verstände es noch hin und wieder üblich ist, und von oey- den Geschlechtern gebraucht wird. Pictorius erkläret Schlanraff durch einen sehr schläfrigen Menschen, und Gabler im Rechls- fpiegel durch einen müßigen Menschen i» einer Stadt. Daher Schlaraffenland, ein erdichtetes Land, dessen Einwohner ihr Leben iu der wollüstigsten und trägesten Muße zubringen, welcher Ausdruck durch Brands Narrenschiffu'id Mori Vwpiam vorzüglich gangbar gemacht worden. HansSachs schreibt schon iZZo unter dem Nahmen Schlauraffenland ein Gedicht, welches sich mit diesen Worten endiget: Wer also lebt wre obgenandt. Der ist gut ins Schlauraffenland, Das von den Alten ist erdicht, Zur Straff der Jugend zugericht, Die gcwönlich faul ist und gefreßig. Ungeschickt, heiloß und nachleßrg u.s.f. In weiterer Bedeutung verstehet man unter einem Schlaraffen eine Person, welche iu einem hohen Grade das Gegentheil von demjenigen ist und thut, was andere vernünftige Menschen sind und thnu. Wann her, wann her, (woher?) ihr Schlauraffen, Das ir das Hinter kert herfur? Hans Sachs. Die letzte Hälfte dieses dunkel scheinenden Wortes ist, nach Frischcns Vermuthnng, unser Affe, welches in mehrern Zusammensetzungen eine Art eines Scheltnahmens ist, wie Maulaffe, Zieraffe u.s.f. Die erste Hälfte Schlar, ehedem Schlaue, scheinet von dem Niederst sturen abzustammcn, welches liederlich verschleißen, nachlässig mit seinen Sachen umgehen, schlottern, bedeutet. Die Schlcrvfe, p'ur. die—-m im gemeinen Leben, rin Nähme dichter, weiter Pantoffeln, ohne Hintersiücke, welche nur den vor- Schl izc-8 der» Tyei'ldes Fußes bedecken, von dem schlürfenden Laute, welchen sie im Gehen machen. Niederst Slurre, Starre, Gluske. S. auch Latsche. , SHbarfen, vero. re^. neulr. mit dem Hülfsworte haben, auch nur im gemeinen Leben, als eine unmittelbare Nachahmung des Laules, von welcher Art der ist, wenn man Pantoffeln ohne Hinterstücke, oder ei!lgetretcne.Schuhe im nachlässigen Gange auf dem Boden gleichsam unter sich her schleifet; in einigen Gegenden schlurfen. Im Gehen schlarfen, die Füße nicht recht aufheben. Niederst starren,Hurren, slusken. Schbau, —er,—este, aäj. et »6v. Fertigkeit besitzend, verborgene Mittel schnell zu seinen Absichten zn gebrauchen, und darin gegründet; verschlagen. Ein schlauer Gast, ein schlauer Ropf, ein schlauer Einfall. .Schlau auf etwas seyn. Eine Sache sehr schlau anfangen. Die Liebe ist schlauer als die 8reund- schaft; ihr süßes Pfeifchen schläfert wohl einen Argus ein, Weiße. ^ Anm. Im Niedersächs. sloir, im Osnabrück, flüw, im Engl. im Island. flasAur, im Schwed.wo Mich ftöß künstlich iss. Schlau setzet eine größere Geschwindigkeit und eure mehrere Verbergung seiner Absichten und Mittel voraus als lr'stigunb klug, wovon die Ursache in dem Vorgesetzten intensiven Zischlaute liegt, der zugleich ein Ausdruck einer schnellen Bewegung ist. Ohne Zischlaut gebraucht Kero claulict», und Ottfried Ainu, für klug, weise,Angelst ßlearv. Schlau ist in Ansehung derSitt- lichkeit eben so gleichgültig als listig ursprünglich ist, d. i. es wird so wohl im guten als bösen Verstände gebraucht; geschiehst es im letzter,: häufiger, so rühret solches daher, weil die Verbergung sei: rrer Absichten und Mittel bey schädlichen und böse» Handlungen nothwendiger ist, als bev guten und nützlichen. (S. Schlauheit.) Die ursprüngliche Bedeutung dieses Wortes ist, wie bey seinen Verwandten, allem Ansehen näch'dir Geschwindigkeit in den Bewegungen, und der darin gegründete Begriff des Lichtes und des Sehens, und m so fern ist es auch mit schlagen verwandt, welches im Schwed, nur sjA und im Niederst slaan lautet. Frisch und Wächter sahen diese Verwandtschaft schon ein, irreten aber in derVerbindung beyder Bedeutungen, indem sie schlau von einer Person erkläreten, die durch Schläge klug geworden. Die Gchbaube, plur. inus. ein im Hochdeutschen unbekanntes, nur in einigen Gegenden gangbares Wort, die Hülse, Schale;« bezeichnen. S. Schlaue. Der Schlauch, des — es, plur. die Schlauche, ein Wort, welches überhaupt deuBegriff des hohlen oder vertieftenRaumes hat. i) Im weitesten Verstände, in welchem bey dem Matthestns die Sümpfe und Schläuche des Meeres die Schlünde, Abgrunde, tiefsten Stellen desselben sind. Bey dem Kaisersberg und ander« altern Oberdeutschen Schriftstellern ist Schlauch, Schlug, der Schlund, die Gurgel, (S. auch Schlacht Anm.) Noch häufiger s) im enger» Verstände, mit dem Begriffe des Biegsamen, wo dieses Wort noch irr vielen Fällen gebraucht wird, aus einer biegsamen Marerie bestehende hohle Räume zu bezeichnen. In de» warmen Ländern werden der Wein und andere stnffige Korper irr ledernen Schläuchen aufbehalten und verführet. Lederne oder lrin» wandcne Röhren oder Canäle fiUssge Körper darin von einem Orte zum andern zu leiten, heiße» fast i» allen Fällen Schläuche oder Schlauchrohrcn. Dergleichen sind die Schläuche an de» Schlangenspritzeu, dieweinfchläuche Bierschläncheu-s- s-mit wrlchen.letzteru Wein oder Bier i» die Keller und Fässer geleitet wird. Das Zeugungsglied mancher großen männliche» Thiere, besonders der Pferde und Esel, heißt der Schlauch. A» dem Lauche, Zwiebeln u. s. s. sind die hohlen, aufgeblastuen Stängel unter dem Nahmen der Schläuche bekannt, und in manchen Gegen- 1L0H S H l Gegenden wird auch ein herab Hangender Bauch, ingleichen die herab Hangende Haut am Halse, der Schlauch genannt. Anm- Im Böhm, äslauclr. Es stammet m der weitestenBe- deutung von schlagen her, so fern es ehedem auch fich in die Tiefe bewegen indeutete, daher auch Schlag von Gräben und andern Arten der hohlen Räume gebraucht wird. (S. auch Schluche.) In der zwryt.n Bedeutung kommt noch der Begriff der Schlaffheit, des Gchloiterns, der Biegsamkeit hinzu , indem im Angelsächs. Lleak, im Schweb, klak, und im Niederdeutschen schlack, so viel wie schlaff »fl, (S. Schlackig.) Sehr nahe ist mit unserm Schlauch das Niederdeutsche Glu, Sluwe, uneinigen Oberdeutschen Gegenden Gchlaube, Schlaue, verwandtere Hülse, Schale grwiffer Früchte zu bezeichnen, Holland. ÄOLller. Ohne Zischlaut gehöret auch Loch mit seinen Verwandten dahin. Der Schlauch b oh re r, des —s, plur. utoorn. linZ. eincArt Bohrer, den Wein vermittelst, derselben durch die Schläuche aus den Fässern zu ziehe»; in einigen Gegenden der Gchlauchnäbex. Schlauchen, vsrd. rsA. acr. welches nur in den zusammengesetzten ausschlauchen vorkommt, den Schlauch, d. i. das Innere einer Röhre, auch wenn sic asts fester Materie bestehet, reinigen. Die Nöhreu der Wasserlcituttgeu muffen von Zeit zu Zeit ansge- schlaucht werden, welches vermittelst eichener, sechs Ellen langer Gchlauchruchen geschiehet., welche von einem Spunde zum andern reichen. Die Schlauöer, plur. die—n, in der Baukunst und bcy den Eisenarbeitern, ein Nähme, welchen auch die Schließ- und Sie- belanker der Gebäude und alle ähnliche große Verbindungen führen. Da diese,Schlaudcrn aus starken Glänzen bestehen, welche mit starken Schließen oder Riechen an einander befestiget sind, so kann so wohl der Begriffdes Schließens, als auch des Schlau- derns und Schlotterns, darin zum Grunde liegen. Siehe Schlaudern. Die Schläuder, plur. die —n, ein Werkzeug, damit zu schlau« dern, cs bestehe nus in einem bloßen ledernen Riemen, Steine, Kugeln u. s. s. damit ans freper Hand zu schlaudern, oder in einem Gerüste, große Lasten damit fortzufchl audecn, dergleichen Werkzeuge man ehedem vor Erfindung des groben Geschützes im Kriege gebrauchte. Zn weiterer Bedeutung ist die Schlünder bey den Landleuten, ein starkes Band oder lederner Riemen, womit der Mähder die Sense an dem rechten Arme befestiget, damit er sie desto sicherer und gewisser führen könne. . Anm. Im Niederst Slenkcr,Eugl. LlirrZ, Schwed.ZIjuüga, von schlenkern, S. dasselbe. Der Schläuderer, des—L, plur. ut crom. klug. der mit der Schläuder geschickt umzngehen weiß. In der.ältesten Kricgsver- fassung wurden diejenigen Soldaten, deren vornehmstes Gewehr in der Schläuder bestand, Sch!anderer genannt. Schlaudern, verb. reZ. ueutr. mit dem Hülfsworte Haben, welches das Neutrum des folgenden Activi ist, aber nichtüberall gehöret wird, sich schnell und mit einem Schwünge hin und her . bewegen. EincSpulc schlaudcrt, wenn sie in der Bewegung vm ihre Achse sich zugleich seitwärts, hin und her beweget. So schlaudcrt auch das Zol; auf der Drehbank- Der Schlitten schiaudert, wenn er im Fahren mir emesn Schwünge seitwärts gleitet. In fielen Gegenden ist dafür auch schlaudern üblich. Das Stammwort ist ein veraltetes schlauden, schlauen, wovon noch nus.r Schlitten und schleunig abstammen; dieSykbecrn zeiget die Iteration an. Das Zntensivum davon ist schlottern. Schlaudern, vorb. reA. welches in gedoppelter Gestalt üblich ist. r. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, statt des vo. rigcn schlau: ern,in welchcrCestalt cs auch imHochdcutschen nicht mthekaunlist. r) Eigentlich, Die Spule schläudert, (S. das Schl iFlo vorige ) -) Figürlich, nachlässig, obenhin etwas verrichten. So sagt man von einem Arbeiter, der seine Arbeit nur so obenhin verfertiget, daß er schländei-e. Ein Baufmann schlaudcrt, wenn er seine Maare, um sie nur los zu werden, unter dem gewöhnle- cheu Preise verkauft. Mit seiner Maare schlaudern. Seine Maaren verschleudern. Die Niedersachsen sagen in diesem Falle flackern, welches auch eigentlich wackeln, von einer Seite zur andern schlage», bedeutet. 2. Als ein Activum, mit einem Schwünge, und einer gleichsam zitterndenBuvc'guilg werfen. Steine schlaudern, mit der Schläuder werfen., Sic find immer wie ein Jupiter, der stets den Blitz in der Hand trägt, ohne zu bedenken, daß er in der Atze, womit er ihn schläuder», auch einen Unschuldigen treffen könne, Weiße. Gleich Zügel vom Sturme geschleudert zerschlagt er die nährenden Zalmen, Kleist. Menn Mögen Zimmel an vom Sturm geschleudert fliegen, Dusch. So auch das. Gchländern. Anm. (S. Schlaudern.) Gemeiniglich schreibt man diese Wörter Schleuder und schleudern, welche Schreibart sich auch vertheidigen läßt. Hier hat man um des Zusammenhanges mit dem Neutro schlaudern willen, die mit au vorgezogeu. Der Schlauöerftein, des—es, plur. die—e, ein Stein, welcher nur der Schläuder geworfen werden soll, geschickt ist mit der Schläuder geworfen zu werden. Die Schlaue, plur. die — n, nur in einigen Gegenden, die Hülse, Schale, wie Schlanbe. z. B. die grüne Schale dec Märschen Nüsse. Daher die Nüsse ausschlauen, sie aus diesen Schale» -nehmest. Die Schlauheit, plur. inus. das Abstractum von dem Bey., und Nebenworte schlau, der Zustand, die Eigenschaft, da ein Ding schlau ist; wie Alugheir von klug. Schlauigkeit, wie auch nicht ungewöhnlich ist, iffniedriger. Der Schlaukopf, des — cs, plur. die —köpfe, eine schlaue Person, in der vertraulichen Sprechart; nach dem Muster von Dummkopf. SchlaumF, S. Schleunig. Das Schlecht, S. Geschlecht. . Schlecht, —er, —cste, ach. et a6 v. welches von dem Zeitwerte schlggcn abstammet, und vornehmlich in folgenden Hauptbedeutungen üblich ist. i. Von schlagen, sich in die Länge ausdehnen, ist schlecht gerade; Niederst fügt, in Baiern schlekt, schlätz, Schweb, ssttt. i ^Eigentlich; welche Bedeutung jetzt im Hochdeutschen veraltet ist, ehedem aber sehr gangbar war, da es denn dem krumm entgegen gesttzerwurde. Was krumm ist, kann nicht schlecht werden, ^Pred. >, i L. Mer kann das krumme schlecht machen? Kap. 7, ' 4 . Den Leviathan, der eine schlechte Schlange, und den Leviathan, der eine krumme Schlange ist, Es. 27, i. Sprichw. Geld macht krumme Sachen schlecht , gerade. Lief den nächsten auf den Zeld schlecht, Theuerd. - Kap. i7,llcf gcrade auf ihn zu. Auf schlechter ebner Bahn ist gut und sicher wallen, Logau. S. auch Schlicht. 2) Figürlich, (a) Redlich, rechtschaffen, der Billigkeit und dem Gesetze gemäß, im Gegensätze der krummen, unlamcrn Gesinnung ; in welchem Verstände es nur noch zuweilen als ein Ne- benwort und in Verbindung mit dem recht gebraucht wird, besonders in der biblischen Schreibart. Ziob ist schlecht und recht, gottksfürchtig, und meidet das Böse, Hiob ,, 8 . Siehe, dei- ^ ne Sache ist recht und schlecht, aber du hast keinen verhör vom Vönige, 2 Sam. 15, z. Bey c em Ottfried -ist Dessl ar billig. In recht, rechtschaffen, richtig, aufrichtig liegt eben Ccccc 2 dieselbs r L l. r. Sth l dieselbe Figur zum Grunde, (b) * Einfältig , b. t. Mangel am Verstände leidend; eine im Hochdeutschen fremde Bedeutung, in welcher es aber auch eine Figur der letzten Hauptbedeutung seyn könnte. Er ist seit einiger Zeit schlecht geworden, für erirfäl. tig, in einigen Oberdeutschen Gegenden. Auch das Niederfächs. sligt ist in eben der Bedeutung üblich, (c) Wird es als eine Partikel in verschiedenen Verbindungen für unbedingt, ohne Bedingung und Einschränkung, und nach einer noch weitern Figur für völlig, -gänzlich, gebraucht. Ern Hurenkind soll schlecht nicht in die Gemeine des Herrn kommen, 5 Mof.23,2, das ist, durchaus nicht. Doch so für sich allein ist es in dieser Bedeutung veraltet, nicht aber in den Verbindungen schlecht hin, oder schlechthin und schlechterdings, Oberdeutsch schlechter Dingen, (S. Ding.) Sie wollen schlechthin, daß ich ihn für einen ehrlichen Mann ernennen soll. d. i. durchaus, ohne Bedingung und Einschränkung. Noch üblicher ist in diesem Verstände das schlechterdings. Was kann man nicht durchsetzen, wenn man cs schlechterdings will? Gott handelt hierin nicht schlechterdings, auf unbedingte Art, mit unumschränkter Macht. Zirgieichen für durchaus, völlig, ganz« !ich, als eine mit Nachdruck bekräftigende »der'verneinende Par. rikel. Er konnte vor Weinen schlechterdings nichts sagen. Die -lange Angst hat mich schlechterdings unkenntlich gemacht, völ. lig. Er hat es schlechterdings gethan- Auf eben die Art ist in der vertraulichen Sprechart auch platterdings üblich. DerStand Luder-Loft die Bedeutung. Es ist-nicht schlechterdings wahr, nicht ohne alle Bedingung und Einschränkung ; es ist schlechterdings nichtwahr, durchaus nicht. 2. So fern schlagen mVerwandtschaft mit schleichen der nach- geahmtc Laut einer schnellen, leichten, einförmigen Bewegung ist, äst schlecht sowohl eben, als glatt und leicht. r) *Eben, Niederst sligt, Schwed, stlät, Key den Schwär bischen Dichtern llekt; cineim Hochdeutschen veraltete Bedeutung. Was höckerrcht ist, soll schlecht werden. Es. 40. s) Glatt, welches so wie gleiten selbst mit diesem Wokte verwandt ist. (a) * Eigentlich; Schwed, flat, Niederst sligt, auch der Grund ihrer Beneirnuitg ist. In einigen Dberdsktsch-m Gegenden hat man wirklich das Bey - und Rebenwort schlehe, fchlahe, herbe, was die Zähne'stumpf macht; ein schleher Geschmack, die Fahne werden schlehe. Jirgleichen das Zeitwort fchlehen, die Zähne stumpf machen, Jtal. ohne Zischlaut, ls.tzues, alleZuro, Irrrare. Im Niederst ist flee und im Schweb. s!s stumpfüberhaupt. In einigenDoerdeutscheu Gegenden he ßt diese Frucht pinserlwg. welches Frisch vo.n Pinne heeleiret, wegen der Dorueu, iromir ihre Staude besetzt ist. Drc Schlehonblüthe, plur. die—n, die Blüthe oder Blumen des Schltchendornes; im gemeinen Leben Schlehblüthe. Der Schlehenöorn, des— es , plur. die-—en, im gemeinen Leben Schlehdorn, derjenige docnartige oder cnit Dornen versehene Sreauch, welcher die Schlehen traget, welcher nach dem Li,meezudem GoschlechtrderPstaumen gehöret; kerruus ss)i- volck k,. Gchwarzdorn. Grhlehenrokh, Lctj. etuclv. ein in dem Wcinbaue übliches Wort, wo der schlchenrsthe Wein eine Art schlechter rother Weintrauben ist, welcher saure und herbe Beeren, glaich deu Schlehen hat. Der Schlehenro ern, des — es, plur. doch nur von mchreru Arten, die — e, ein aus dem Safte der S chlehen bereiteter Wein. Der Gchlerchbrief, des — c-s, s>!ur. die — e, ein noch m de« Rechten einiger Gegrüben übliches Wort, eine Urkunde zu bezeich, neu, welche über die geschehene Vertauschung zweyerDinge ausge- fertiget wird; besonders eine Urkunde über die Vertauschuirg eines Leibeigenerr mit dem andern. Und so ist es auch wohl bey dem Wehnerzu verstehen, wenn er in Ödster v. i?racl. Schlcichbrief durch hrterLS MÄUumrsstoriLS, live stu^or murlumilstions erkläret. Wenn diese Vertauschung (wie ich doch nicht gewißweiß) etwas Unrechtmäßiges und Heimliches voraus sttzr, s» ist die Erklärung dieses Wortes leicht zu machen. Der SchleLchörucker, des—s, plur. ut. nom, KuZ. wie Schleichhändler, ein Buchdrucker, welcher insgeheim verborheue Bücher druckt, oder die Bucher anderer aus unrechrmä.ßige Aerim Verborgenen nachdrnckt. Schleichen, verb. irreA. Jmperst ich schlich; M«telw. geschlichen; Jmper. schleiche, schleich.Es ist eine ttumittelbareNach- ahmung des langsamen, leisen, kaum in das Gehör fallenden Ganges, und in weiterer Bedrucung einer solchen Bewegung, und ist in doppelter Gestalt üblich. I. Als ein Neutrum, welches das Hülfswort sepn erfordert, sich aufsolche Art fortbewegcn. r. Für kriechen, doch zunächst nur von solchen Thiercn, x welche ohne alle Füße sich LurchBeweauna des Leibes fortbewegen, dagegen kriechen sehr kurze Füße voraus setzet. Die Schlange« schleichen. Was auf Erden schleicht, soll euch unrein feyn, Z Most l r,4r f. Im Hochdeutschen ist es in dieser Bedeutung wenig gangbar, weil man ' rfüc kriechen gebraucht, selbst von solchen Gemurmen, welche aller Fuße beraubt sind. S. Blindschleiche. 2,, Einen leisen und dabe.y langsamen Gang haben, leise und langsam gehen, besonders so fern man dadurch seilten Gang zu verheimlichen sucht, und m weiterer Dedeuuu'g, sich auf solche Art unbemerkt bewegen. ') Eigentlich.' Er fcyieicht wir eine Ratze,^ wie ein Fuchs. Er ist davon geschlichen. Ein alter Bauer, der mit seinem Bnotcnstocke an der Hecke schlich, Jacobi. Gleich schlich zu seinem Gli.cke ein siecher Älter vor ihr Haus, Gell. Und schleicht mit scheuem Blicke . U: d mehr als died'schcr Furcht zuriicke, Hage d. Ecccc r IL IL Schl Schl 5Li6^ Lio Pest, die im Zinste! n schleicht,, Pl' 9 l, 6. Schleichend kommen, wofür doch, wie Heiden meisten übrigen Zeitwörtern der eigenen Bewegung, das Mutelworr der vergangenen Zeit, Seschlrchen kommen, üblicher ist. Las Blut, das so träge in - deinen Adern schleicht. 6«, wenn ein solcher Wunsch in meine See e schlich, Weiße. Jngleichen in Gestalt eines Reciprvci, wo es aber eigentlich, das folgende Acrrvum ist, daher es alsdann auch wie alle Nceiproca das Hü'.sswore haben bekommt. Jetzt schlich ich leise zu ihrem Bette mich hin, Geßn. Sich in das 6ans schleichen. Er schlich sich ganz leise wieder nach seinemZimmer. DieseThbane, die sich aus ihremAuge schleicht,Less. Zn ineine Spiele schleicht sich,nicht späteÄlage, Weiße. 2) Figürlich, (a) Ein schiei- .chendes Lieber, welches den Kranken langsam und unbemerkt aus- zchret. (b) Ein Stück Butter zcrschleichen lassen, in de» Küchen, es langst»! und bey gelinder Wärme zergehert lassen. (c) Air seinem Betragen mit merklicher Verheimlichung seiner Absichten und Mittel verfahren. Von einem solchen Menschen sagt man, er schleiche. Ein schleichendes Wesen haben. Siehe Schleicher. 11 . Als ein Activum, aus eine leise und langsame Art fortbewegen; wo es doch nicht so gangbar ist, als das vorige Neutrum. Hier chlr'ch sie ihre 6and in die seinige. verbothene Waarcn in eine Sradt schleichen, heimlich bringen, wofür doch schleifen üblicher ist. So auch das Schleichen. Anm. Bcp dem Ottfried lleikLN, bey dem noch altern Kero sjiütiLO, von welcher Form das JmperfcctundMittelwort unserS schleichen hcrstammen, im Niederst sliken, im Schwed, sstissa,- sslenüv, im Angelst mit dem Naselame sslincLv, im Lettischen sslenüu. Es ist eine unmittelbare Nachahmung des Lames, und daher init Schlick und Schlich, Schleiche n. st f. in ivelchen der Begriff des Schleimigen nndGlatten der herrschende ist, nahe verwandt. S. auch Schleifen, welches diesem Zeilworte nahe an« gehöret. Der: Schleicher, des—s, plur. m vom. 60Z. ein Ding, eine Person, welche schleicht. In dem Thierreiche ist der Schleicher eine den Vipern ähnliche Art Eidechsen mit kurzen Füßen, d)e^,s L. welcher auch Aurzbein genannt wird. Jngleichen Voit Menschen, eine Person, welche schleicht; auch figürlich, welche ihre Absichten auf eine unbemcrkteArt zu erreichen sucht, wovon weiblichen Personen auch das weibliche Geschlecht, die Schleicherinn, üblich ist. Niederst Slikcr, Lieskentrcder, Leisetreter. Der Schleichhandel, des — s, plur. muss ein heimlicher Handel mit verbothencn, oder vcrstohlner Weise eingeführten erlaub- , ten Waarcn; Niederst Sluuphandel, von sluppcn, schliefen, schlüpfen, schlupfen, auch im Hochdeutschen wohl Schleifhandel. Der Goyleichhändler, des — s, plur. ut vom. livZ. Fä- rmu. die Schlcichhändlcrinn, eine Person, welche einen Schleich, Handel treibt, mir veröothenen Waarcn handelt, oder erlaubte Wac-rrn ans eine verbothcne lind verstohlene Art einführetodec verhandelt; der Schleifhändler. Im gemeinen Lebert hat mau verschiedene besondere Nahmen für solche Schlercphäudler, ivo- hch die Niederst Lorrendreiher, Snuggeler, Etrgl. Zvruo^, Ist-, das Oberdeutsche Schwarzer, Pascher u. stf. gehören, mit ihren Zeitwörtern souggcln, schwärzen, paschen u. s. s. Schleichhandel treiben. Dir Gchlerei-trep^e, plur. die—n, eine verborgene, nichtjedee- mann bekannte Treppe ttr ei-ieniHause, mit niedrigen Stufen, vermittelst derselben m die ober» Zimmer zu schleichen, d.i. unbemerkt zu kommen z -ie S'chletstpeppe. Der Schlcichwey, des —es, plur. die—e. r) Ein Fußsteig in einem Gehölze, das Wild zu beschleichen; der VÜrichsüig. 2) El» heimlicher verdorbener Weg, welcher nur verstohtner Weise befahren wird; der Schleifweg. Der Schleier, S. Gu-leper. Der Scyle f, ein nur in derZusammensetzung Unterschleif übliches Wort, S. dasselbe. Die Schleifdirnk,' ^ilur. die — Hanke, eine Bank, d. i. ein Gestell, auf und vor derselben zu schleifen, dergleichen die Glasschlci, fer, Edelsteinschmidcr u. s. s. haben. Der Schleifoaum, des — es, plur. die — bäume, bey ben Webern, ein Baum, an welchem das Werst herunter schleifet oder schleichet, damit sie straff anhalte. Die Schleife, ^tur. die—n, von dem regiilären Zeitworte schleifen. 1. Was geschleifct wird. ,) Bey den Jög^en wird jede stark riechende Lockspeise, welche an eiueSchnur gebunden und vor dem Holze her geschleppct wird, so wohl Schleife,- als Schleppe und das Geschlepp genannt. In einigen DberbeulschenGegendeit führet auch die Schleppe cincsKlcides deu Nahmen einerSchleife. 2) Eine Schlinge, sie besiehe nun aus Fäden, Haaren oder Draht, ist sehr häufig unter dem Nahmen der Schleife bekannt, Niederst Slepe; ob man gleich bey den Jägern und Vogelstellern mir» Unterschied macht, und ein solches Werkzeug, wenn sich dasFeder- wild darin au dem Halse fängt, eine Schlinge,wenn cs sich aber an den Füßen sängt, eine Schleife nennet. Ferner sind die Schleifen das, was man sonst auch (j>kre, im Nredces. Mm nennet, sie bestehen nun aus einer biegsamen oder sistenMalerik. Die Schleifen an der Leinwand, womit sie im Bleichen an die Pflöcke befestiget wird, bestehen aus Band. Die kleinen Dhrevon Draht, das Häkchen auszuiichmen, heißen in vielen Gegenden Schleifen, und in andern hat man auch ans biegsamen Holze gebogene Schleifen, dergleichen z. B. die an den Schlclfkanium find, (S. dieses Wort.) Von noch anderer Art sind die aus Wand gemachten Schleifen zur Zierde, welche aus Einer oder mehret» Schleifen der vorigen ^lrr bestehen und auch Waschen gttuuuit werden. Lie äutschleife, Zalsschlcife u. s. s. Len weißen Hals umgab ein schwarzes seidues Band, Das sich bep seinem Vinn in eine Schleife wand, Zachar. z) Auf den Gränz-und Marksteinen werden die wiLWrllchc» Zeichen, welche auf dieselben eingehanen werden, sie bestehen nun aus Kerben und Linien oder aus andern Figuren, Schleifen genannt. Vermurhljchyoil-dem Niederst Jntensivo Glopp, cm tiefer Einschnitt, eine Fleischwunde, welches ein Zeitwort schleifen voraus feget, welches schneiden bedeutet hat, und zu welchem ohne Zischlaut das'ÄVaÜis.Issüo, seilen, gehöret. 2. Ern Werkzeug, daraufoder damit zu schleifen, in welchem Verstände besonders ein kleiner plumper Schlitten, Lasten darauf foctznschleisen, eine Schleife genannt wird. Steine, Maaren auf der Schleife fort fey affen. Die Sturmfässer stehen gleichfalls auf solchen Schleifen. Niederst Glöxe, im Dsterrcichische» die Schlupfen. Schleifen, ein Zeitwort, welches so, wie alle, eine nnmittclvaee Nachahmung eines eigenchümlicken Lautes ist, und hernach zu Be- zeich »ung aller derjenigen Handln ngen gebraucht wird, welche »ui diesem Laure verbunden find, oder doch zuerst unter demselben gedacht wurden. Daher kommt es denn, daß es in nuhrern, dem A u,eherne nach so verschiedenen Bedencungen gebraucht wird, ist in doppelter Gestatt üblich. I. Als ein reguläres Zeitwort, welches wiederum in einer zwiefachen Form vorrommi. " > . Als ein Neutrum, welches das Hnlsswort haben M - den, eigentlich einen schlerfettdeu Laut yyn sich geben, und u>we>- V IA17 Schl kerer Bedeutung, sich mit diesem Laute fortbewegen; wo es noch i« manchen Gegenden für schleichen und das' sehr nahe vcrwandre schliefen, dessen Inteusivum schlupfen und schlüpftrig ist, gebraucht wird. Rieders, slipen, Engl.to tupft, Angelst siipsn, Schwed, ftäpa, slips, Griechen, ingleichen heimlich entfliehen. Daher ist für Schleichhandel auch Schleifhandel, für Schleichweg auch Gchleifweg, für Schleichtreppe auch Gchleift'xeppe üblich. . Zm Hochdeutschen kommt es in dieserBedeutung nur fel- len vor. 2. Als ein Artivum, einen schlcifendenLaut hervor bringen, und in weiterer Bedeutung diejenige Veränderung mit einemDin- ge vornehmen, welche mit diesem Laute verbunden ist. 4 ) Einen Buchstaben schleifen, ihn ohne Stoß aussprechen. So wird das f gefchleifet, dagegen das v gestoßen wird. In einem anderil Verstände wird ein Buchstab gefchleifet, wenn er gelinde und ohne Stoß mit dem folgenden Selbstlaute verbunden wird; z. B. -Ecibes, wo das b sanft in das e übergehet. Eben so werden in der Musik zwev Noten geschleifte, wenn sie ohne Stoß mit einander verbunden werden, daher zwcy oder mehrere auf solche Art verbundene Noten auch wohl ein Schleifer genannt werden. 2) Einen Rüsten schleifen, ihn vermittelst einerSchleife, eines um sich selbst geschlungenen Bandes oder Fadens, hervor bringen. 3 ) Einen auf einer Fläche ausgedehnten Korper unmittelbar auf derselben fortziehen. (a) Eigentlich, wo man cs >'n eini- genGegenden in allen denFällen gebraucht,wo dieserBcgriffStatt ßlldet. Z. B. ein Rleid schleifen, nach sich schleifen , einen Theil desselben auf der Erde nach sich ziehen; ein Rlerd schleifen lassen; der Mantel schleift, als ein Neutrum, wird auf der Erde fortgczogen. Ich will.Gamaria zum Steinhaufen machen, und will ihre Steine ins Thal schleifen, Micha i, 6. Die Juden schleiftten den Jason und etliche Bruder vor die Obersten der Stadt, Apost. 17,6. . In welchen s -mnttlichen Fällen im Hochdeutschen schleppen üblicher ist, indem man daselbst schleifen nur von größcrn Körpern gebraucht, wenn sie auf die obige Art fortgezogen werden. Ein Stück Bauholz aus dem Walde schleifen-. es ganz oder zum Theil auf der Erde liegend, aus dem Walde fortziehen lassen. ' Emen Missethärer ans einer Zant zumRicht- plage schleifen. Die Juden steinigten Paulum u,nd schleiften ihn zur Stadt hinaus,mepmen, er wäre gestorben, Apoft. 14, r 9. Das Pferd schlecfte seinen Reiter. Im Fischfänge schleifet man, wenn man mit einem Garne hart auf dem Grunde herfähret, (S. Schleifhamen.) Man sichet hieraus, daß schleifen im Hochdeutschen gerade nur in denFällen üblich ist, wo der damit verbundene Laut diesem Worte angemessen ist. Schleppen ist zwar gewisser Maßen das Inteusivum davon, allein es tritt in demselben auch der Begriff deS schlapp mit ein, daher dasselbe in mehrcrn Fällen üblich ist als schleifen. Wenn aber die Oberdeutschen das letzterein allen Fällen für schleppen gebrauchen, so scheinet sich alsdann d?r Begriff des schlaff damir zu verbinden. In noch engerer Bedeutung schleifet man Maaren, Guter, Lasten u. s. s. wenn man sie anfciner Schleife von einem Orte zum andern schaffet. (b)Figürlich. Eine Feuermauer schleifen, sie nach einer schiefen Richtung führen, anstatt sie senkrechtgehen zu lasten. Eine geschleifte Feuermauer. S. auch Schlerflade. 4 ) Entreißen, zerstören. Im Nredersächsischen ist ein Schiff siopen, cs, wenn es baufällig ist, aus einander nehmen oder entreißen. Im Hochdeutschen gebraucht man es nur vonStädten und Schlöjjern, seltener von Gebäuden und Martern, wenn sie mit ^Gewalt zerstöret und gleichsam dem Erdboden gleich gemache werden, wir müssen das M t Schlelßcn vexseüen; Niederst fiesen. Zrvey Breier spleißen, ihre Fugen mit Schleißen verstopfen. So auch das Schleißen. Anni. Das Schwed. Hirn bat alle Bedeutungen mit unserm schleißen und dem Niedersächsischen stillen gemein,, und bedeutet Schl IL2S über dieß auch leiden, vcrmnthlich als ein durch den intenffvm Zilchlaut aus leiden gebildetes Wort. Unser Schlitten und schlitzen sind Ziuensiva von schleißen, welches überhaupt den Laut einer schnellen einförmigen Bewegung auf einer Fläche Nachahmer. Im Hochdeutschen sagt man fast häufiger schließen, ich schloß und geschlossen, als schleißen, schliß und geschlissen. (Siehe auch , Schließen.) Zn manchen Gegenden gehet es regulär; ich schieißetc, geschlcißet. Die Schleifienkrefer, piur. die—n, S. Schleißenbaum. DerSchleifienschnitzer,des—s,p 1 ur. ut vom.floZ. einem der Lp-tze gekrümmtes Messer mit einem dicken Rücken, die Schleißen oder Leuchrspäne damit zu schleißen, d. i. zu spalten. DerSck-iwißenstamm, des —e«, plur. die—stamme, ein zu Schleißen dienlicher, zu Schleiße» bestimmter Stamm. Der Scyleissenstock, des— es, sckur. die—stocke, in den Ge- gendeu, wo sich die gemeinen Leute der Schleißen zum Leuchten bedienen, rin an einem Ende mit Eisen beschlagener Stock, die Schleißeil darein zu stecken. Die Schleißfeder, xlur. die — n, die stärkcrn Federn, welche geschlissen werden müssen, wenn man sie in den Federbetten gebrauchen will; zum Unterschiebe von den Flaumfedern. DttsGchleißholz,des— es, xlur. Mul. zu Schleißen dienliche- Holz. Besonders ist das Holz des Kienbaumes in einigen Gegenden unter diesem Nahmen bekannt. Die Schleißzvoiebel, xckur. die — n, in einigen Gegenden ein Nahmeder Wmtcrzwiebeln, weil sie sich oben zu schleißen oder zu spalten pflegen; Spaltzwiebel. Schlemmen, S. Schlämmen. Der Schlender, des—s, plur. ut vom. linZ. von dem Zeit, trorte schlendern. 1) Ein schlendernder Gang; wo es doch eigentlich nicht gewöhnlich ist, wohl aberzuweilen figürlich für Schien» drian, d.i. die Fertigkeit zu Handlungen einer Art ohne Bewnßt- feyn derBesiimmiinßsgriliide, das Herkommen; Niederst Elender, am Nicderrhcine der Schlaun. ' Man lasse ihn nach dem Schlenker (Schlender) so vieler beliebter Rünstler nach der Mode zeichnen, Geßn. 2) I» einigen Oberdeutschen Gegenden, z. A. zu Wien, auch im Niedersächsischen, ist Schlender, so wie Schlumper, ein Schleppkleid des weiblichen Geschlechtes. DerSchlender-gany/ des — es, xlur.mul'. 1) Ein schlen- derhafter, schlendernder Gang. Seinen Schlcndergang gehen. 2) Wie Schlender r und'Schlendrian. Lern alten Schlcnocr- gange folgen. S. Schlendrian. Schlendern, vsrb.reZ. ueutr. mit dem Hülfsworke seyn, bey einigen mit haben, langsam, träge und gedankenlos einher gehen; Nieders. slcndern, in einigen Oberdeutschen Gegenden schlenzen, im Mecklenb. sleusen, im Osnabrück, stluren, im Brem. kepcrn. Allein ich schlcntre tschlendre) mir, Haged. Sie waren ohn- gefähr eine Meile fortgeschlenderr. Indessen mager (der Pegasus) doch um deine Tafe! schlendern, Günth. wenn mit Bacchus oder Lchpria Ich den Scherz im Nachrrock sch-icndern sah, Gotting. Musen - Almau. 1776. So auch das Schlendern. Anm. Im Schweb, Neutra, welches aber auch überhaupt müßig seyii und müßig gehen bedeutet, wo auch llevs müßig ist, im Franz, iameruer, ohne Zischlaut. Es ist das Jterativum odee Jittenstvum von einem veralteten slenden, welches ein Ausdruck der -ragen, gedankenlosen ewrgung ist,und wohin, wenn man den Zi chlaut wegnimmt, auch das La. lentus gehörer. Z-n Holland, lst tttuciv'N kriechen. Die Schreibart schlllndern läßt sich mit Nichtsvkrtheidige!-, sowie seylcnrern rvider die allgemeine Aus- DdddS (peache LL2Z Schl 1L24 spräche streitet, zu geschweige!,, daß 'das k auch der Sache selbst nicht augemessen ist. Der Schlendrian, öes-—s , plur. die—e, im figürlichen Berit stände, die Fertigkeit Handlungen einer Art aufeine gedankenlose Art zu verrichten, ohne Plural; ingleichen, Handlungen, welche man nach gewissen Vorschriften auf eine gedankenlose Art, d. i. ohueBcwußrftyn derBestimmungsgründe, verrichtet.DenSchlen- Lrian verstehen, die hergebrachte Gewohnheit. Dem alrenSchlen- örian folgen. So-wollen sie auch der Väter ihren Schlen- drran mirmachen, und ihrer Tochter einen Mann wählen L Sckleg. ^ - . Anm. Schon im Narrenschiffe Schlendrianus, im Schwed» . 81 eatsrjLll, im Niederst Slenderjäan. Ihre Und Stosch glauben, daß es aus Schlendergang verderbt worden; allein die letzte Hälfte kann auch bloß die Lateinische Endung ianus ftyn, welche man dem Worte Schlender im Scherze angehänzt, um demselben dadurch ei» Lateinisches Ansehen zu geves, so wie Grobian oder Srobranus , und andere auf eben dieselbe Art gebildet find. Das Rieders. Slenderjaan bedeutet auch einen müßigen nachlässigen Menschen, bey welchem das Schlendern zur Fertigkeit geworden ist. Die Schlenge, xlur. die —n, ein nur m den Niederdeutschen Marschländern übliches Wort, ein in dasWasser gebauetesFlccht- werk zur Abhaltung des Wassers zu bezeichnen, welches daselbst auch eine Schlacht genannt wird. DieZluthschlenge, ein solcher aus Flechtwerk und Faschinen bestehender Dämm, das Wasser zur Zeit der Fluch abzuhalten. Die Schcrschlenge, eine auf Ebbe und Fluch angelegte Schleuse in Gestalt einer Krebsschere. Daher das Schleusengeld, der Schlengenmeiffer u. st f. in eben den Bedeutungen, in welchen daselbst auch Schlachtgeld, Schichtmeister u. st s. üblich sind. Es ist vou dem Niederd. schlengen, schlingen, winden, flechten. schlenkern, verb. rez. welches in doppelter Gestalt üblich ist. i. Als ein Neutrum, mit dem Hüifsworte haben, i) Für schlendern; wo es doch nur in einigen gemeinen Sprecharten üblich ist. 2) Sich nachlässig hin und her bewegen, von schlanken biegsamen Körpern. Die Arme schlenkern lassen. 2. Als ein Actrvum, mit einer zitterndcil.sder mit einem mehcmahligenStoße verbundenen Bewegung werfen. Paulus schlenkerte die Orrer ins Leuer, Apost. 2 8 , Z. Jemanden Noth an die Äleider schlenkern, so wohl im Gehen mit den Füße«, als auch von den Rädern eines Wagens. Mit den Armen im Gehen schlenkern, sie nachlässig hin und her werfen. Im Ober- und Niederdeutschen ist es auch für schlaudcrn üblich, wo auch Schlenker cineSchläuderist. So auch das Schlenkern. Anm. Im Niederstslenkern/slingern, flunkern, im Holland. tlinAeren. EsistdgsJntensivumoderFrequcntativum von dem im Hochdeutschen veralteten schlenken, wovon schlank abstammet, und welches wiederum ein Jntenstvum von schiengen, schlingen «st. Im Engl. ist daher lo tlillA, uitd im Schwed, slan^ia, für unser schlenkern üblich. Bey dem PictSriuS ist der Schlenker ein Schlender, Schlumper oder weibliches Schleppkleid. Die Schleppe, plur.die—n, Diurinut. das Gchleppchen,Oberd. Gchlepplein, von dem Zeitworte schleppen. i) Bey dem andern Geschlechte in vielen Gegenden ist die Schleppe, in Baieru Schlappe, eine Art der Bekleidung des Kopfes, welche mit einer drspeckigen Spitze die Stirn bedecket. I« weiterer Bedeutung ist es eine leinwandene,1, s. s. Bekleidung des Kopfes, welche mehr aus einem Überschläge bestehet, der hinten zugezogen,.und oft auch nur eineMütze genannt wird. Vermuthlich weil eine solcheBeklei« düng den Kopfnuc schlaffbedecket, oder doch anfänglich eine nnr schlaffe Bekleidung war.' Zm Niederst ist Schlippe die Schürze. r) Ein schleppendes Ding, besonders derjenige Theil eines Klch, des, welcher auf der Erde nachschleppet. Die Schleppe eines Mantels, eines Zrauenzimmerkleides, stche Gchleppkleid. Jemanden die Schleppe tragen, die Schleppe des Kleides odr» Mantels,daher derjenige,welcher vornebmenPersopen divSchfep. pe nachtragt, derSchleppentrager genannt wird. JmNicderssch. Aschen heißt die Schleppe eines Kleides Gleep, Slepe, sonst auch im Hochdeutschen der Schweif, bey den Schwäbischen Dichtem der Gehren, der Pfeil, in einigen Oberdeutschen Gegenden die Fesche, von ziehen. Z) Tin Werkzeug zum Schleppen; in welchem Verstände im Bcrgbaue die zwey Stangen, worauf der Schlepprrogfortgcschleppet wird, Schleppen heißen. 4) Bep den Papiermachern ist die Schleppe ein dünnes schmales Brei mit wollenem Beureltuche überzogen, welches auf die aus der Presse genommenen noch nassen Papierbogen gelegt, und auch der Schlitten genannt wird; vielleicht wegen einiger Ähnlichkeit, da den« Schleppe so viel als Schleif? ftyn würde. Schleppen, verb. reg. welches cheils von schlaff, schlapp «k- stammet, theils auch das Jntcnfwum von schleifen ist. Es ist i» doppelter Gestalt üblich. I. Als ein Neutrum, mit demHülfsworte haben, sch lass auf der Erde nachschlcifen, wo der Begriff des Schlaffen-der herrschende ist. Das Äleid, der Mantel schleppt. Das Rlest schleppen lassen. Der Anker schleppt in der Schifffahrt,wen» er aus dem Grunde weicht und auf dem Boden des Meere- nach- -schleifet. Figürlich gebraucht man es auch von der Schreibart und der Art des Vortrages. Eine schleppende Schreibart, welche mit uirnöthigen Wiederhohlungeu und Nebenbegriffen überlk den ist. II. Als ein Activum, wo cs zunächst das Jntenstvum von schleifen ist, und den verstärkten Laut nachahmet, welchen ei» schwerer Körper macht, wenn er geschleiftt wird. -. Eigentlich, wo es überhaupt von dem langsamen Ziehen schwerer oder wider, stehender Dinge gebraucht wird. Die Pferde können den Wagen kaum aus dem Äsche schleppen. Jemanden fsrtschlcppen, der Widerstand leistet. In gleichen vor« dem Tragen schwerer Lasten, weil dieses dem äußern Anscheine nach mit einer A« deS Ziehens verbunden ist. Etwas kaum fortschleppen können, kaum fortrra-eu. Sich mit etwas schleppen, eine schwere Last tragen. 2. Figürlich. >) Eine lästige unangenehme Sache, iit- gleiche« eine verächtliche Sache bey sich führen, und in noch weite- rerBedeutung, mit solchenPersonen oder Sachen verbunden sey»; da eS denn als ein Reciprocum üblich ist. Sich mit jemanden schleppen, mit einer verächtlichen Person genau verbunden ftyn, oder doch auf eine verächtliche Art mit derselben verbunden ftvn. Sich mir Grillen., mit einer Ärankheit schleppen, als^mit einer lästigen, unaugenehlnen Sache. 2) Sehr häufig wird eSim Hochdeutschen für das mehrOberdeutsche schleifen gebraucht, aD von leichten Dingen, da den» wieder der Begriff der Schlaffheit der herrschende wird. Ein Band, einen Strick Kinter sich her schleppen. Wo man doch in der anständigern Sprechart lieber schleifen gebraucht. So auch das Schleppen. Anm. Im Niederftslepen, im Schweb, slwppa» welches aber eigentlich Nachlassen, schlaff machen bedeutet, im Böhm. wutä, zi'her:. S. Schleifen, Schlaff undSch-app. Den Schleppenträger, des—s, plur. ut. nom. ImF. Siche Schleppe. Der Schlepper, —s, p.lur. ut nom. liuß.m ciiliaenGe- genden, z. B. in der Lausitz, große b, eite und schwere Rechen, welche von Pferden gcschlrppet werden, die m der Ernte verloren gegangenen Halmen damit zusammen M rechen, S- äun-> Sprechen. - . Sch! Der Schlepphaken, -es—s-, plur. uk nom. llnZ. imVerg, bgne, der Haken an der Schlepplctte, Zimmerholz u. s.f. damit fortzuschleppen; die Schleppklammer. Der Schleppkcrsten, des — s, plur. ul vom. sioZ. eben da- selbst, rin Kasten, Erz und Gestein darin aus den jStollen zu schleppen, wenn man den Karren nicht ar-.briugcn kann. Die Schleppkette, plur. die — n, eben daselbst, eine Kette, Lasten v rmittelst derselbe« fortzuschleppen. Zlie Gchleppklamtner, plur. die—-n, S. Schlepphaken. Das Schlepptleid, des — es, plur. die—er, ein hinten mit einer Schleppe versehenes, hinten nachschleifendes Kleid, besonders bey dein weiblichen Geschlechte, wo es in manchen Gegenden auch e-.n Schlender und Schlumper, und im Franz ^nckrieous genannt wird. Der Gchleppkübel, des—-s, plur. ut vorn. lloZ. eine Art Kübel im Bergbaue, welche auf stachen aber nicht senkrecht gehenden Schächten gebraucht wird, weil er auf der einen Fläche de S Schachtes gleichsam schleppet. Das Schleppnetz, des—es, plur. die — e, ein Netz der Fischer, welches im Ziehen auf dem Grunde des Wassers hin- schlcppet. S. Gchleppsack. Der Gchleppriegel, des —s, plur, ut vom. lwA. an den Deutsche» Casseu-Schlössern, der große Riegel, welcher die übrigen in Bewegung setzet. Der Schlepps^E, des—es, plur. die—sacke, i. Eigentlich, ein schleppender Sackchesonders bey ben Fischern, wo es ein Fischnetz in Gestalt eines Sackes ist, welches auf dem Grunde fortgezogen wird, dicTk'fen auszusischen; Franz, lu VrgAue, von dem Nieders. trecken, ziehen, s. Figürlich, i) Eine trage, nachlässig und schmutzig gekleidete weibliche Person, welcher die Röcke aus Nachlässigkeit gleichsam ans der Erde schleppen; in welcher Bedeutung cs besonders im Niedersachstschen üblich ist. 2) Eine verächtliche weibliche Person, mit welcher sich jemand schleppet, d. i. in einer verächtlichen Verbindung mit derftlben.lebet. Das Schleppseil, des — es, plur. die — e, in der Seefahrt, dasjenige Tan, womit ein Schiff in manchenFällen durch dieScha- luppe fortgeschiepper- oder gezogen wird. Der Gchleppstrang, des —es, plur. die—stränge, im Bergbaus, Stränge oder Seile, Lasten damit fortzuschleppen. Das Schlepptau, des—es, p!ur. die—e, in dem Wallstsch- fange, dasjenige Tau, womit der getödtete Wallfisch an dasSchiff geschleppet oder gezogen wird. Der Gchlepptrog, —es, plur. die—tröge, im Bergbaue, ein Schleppkahn in Gestalt eines Troges. Die Schleuder, Schleudern, S. Schlünder u. s. s. SchleUen, verd.reZ. uctt. ein vorzüglich bey den Fleischern übliches Wort, besonders in dem zusammen gesetzten ausschlcucn; die Darme aus schienen oder schienen, sie mit Wasser ansspülen ; wohl ausgeschleute Därme. Es ist eine unmittelbare Nachahmung des Lautes, und mir schlauchen und ausschlauchen, welches in ander» Fallen in ähnlichem Verstände gebraucht wird, verwandt. Schleunig, —er, —ffe, ucli.s^uckv. welches eine Eigenschaft dcrLew gung ausdruckt, daste inknrz rZeit einen großcnRanm zurück leget so wie schnell und geschwinde. 1) * Eirestlich, von einer geschwinden oder schnellen Bewegung, in welchem Verstände es d^ch im Hochdeutschen ungewöhnüch ist; aber in ernigen Oberdeutschen Gegenden sagt man, schleunig gehen, für geschwinde, hurrig, die schtenffige P>^st, die geschlriude. 2) In weiterer und gewöhnlicherer Bedeeckmig, eine E grnschast solcher Handlungen, welche ohne Merklichen Zwischenraum di s Zeit, d. i. ohne Aufschub, vorgenommeu werde» z wo es doch de» Begriff des Uner- ^ Sch! 1^26 rvartsken nicht bey sich hat, der mit plötzlich Verbunden ist. Meine Freundschaft verbindet mich, ihnen schleunig Nachricht davon ;u geben, ohne Aufschub, sobald als möglich, jemanden auf das schleunigste antworten, zu Hülfe kommen, ihm eine schleunige Antwort ercheilen. Einen Bothen schleunig ab- fcrtigen. Ein schleuniger Tod. Sich schleunig aus dem Staube machen. Jemanden schleunig aufden Hals kommen. Anm. Im Nieders.- sinnig. Die letzte Sylbe ist die Abler- tungssylbe —jg; es kommt hier also nur auf das Wort Gchleun oder Schlannau. Frisch sagt, daß das Daseyu dieses Wortes noch nicht erwiesen sey. Allein in Baier« und der Oberpfalz ist das Zeitwort schlaunen noch völlig gangbar, wo es fortrücken, fortgehen bedeutet, und zugleich das Stammwort von schlendern ist. Die Sache schlauner nicht, ist daselbst figürlich, es will nicht mit ihr fort, sie kommt nicht von der Stelle; es schlaunt nicht, nach einer andern Figur, es häuft sich nicht, in Obersachsen, es steckt nicht. Ohne Ablcitungssylbe ist bey dem Ottfried mit dem verwandten m sliumcr schleunig. Es ist eine unmittelbare Nach« .ahmung des Lauies einer geschwinden gleichförmigen Bewegung und mir Schleim,schlau und andern nahe verwandt. Das Hauptwort die Schleunigkeit ist im Hochdeutschen unbekannt, indem dafür Geschwindigkeit üblich ist. , Die Schleuse, plur die—n. ') Ein Canal, welcher mitFall- oder Flügelihiiren verschlossen werden kann, das Wasser darin nach Gefallen einzuschlicsten oderabzulosseu, derglcichenSchleu- scn in der Schifffahrt, in dem Miihlenwesen, bei) de.n Deichen und Dämmen u.sif. von großem Nutzen sind. Eine Schleuse offnen, zumachen.. In weiterer Bedeutung werden auch die verdeckten Canäle unter den Gaffen in den Städten, die Unreinigkeiten abzuführen, an vielen Osten Schleusen genannt; vi.ll.:cht weil sic von oben her verschlossen find. 2) Bey denBüchseiimacherw ist die Schleuse ein Theil der Ziehbank, und da bestehet sie aus zwey senkrechten eisernen Säulen, zwischen welchen sich in eii-.ee Falze zwey starke Blätter, die Schleusenblätter genauer, befinden, die ein rundes Loch haben, den Zapfen des Mundcohres, wesn es gezogen werden soll, anfzunchmen; vielleicht auch, weil sich dieser Theil zur Festhaltung des Rohres vermittelst eines auf- tzeschranbten Riegels verschließen läßr. Bey den Orgelbauer» wird auch die Gieß: oder Zinnbrücke die Schleuse genannt; ver- muthlich, weil sie durch zwey bewegliche Querbreter verschlossen werden kann. Anm. In der ersten Bedeutung im Schwed. 8lu?5, im Engl. Lluiae, im Pohln. 8I02U, im Frqnz. Lclule, imJcal. Oüiuls, im Mittlern Lat. Lxcluls, luclukura, (louclulio, 8clufL, Oiul'L ; woraus aber nicht folgt, das »nscr Schleuse aus dem Lateinischen entlehnet ist, indem es, wie aus,den beyden letzter» Bedeutungen erhellet, eben so gut von dem Zeitwerte schließen gebil- dctscynkann, al/die Latein, von cluuclere und ulucksrs. Im Niederdeutschen wird eine Schleuse in der ersten Bedeutung ein Siel und Schütt, genannt. Das Schleusenblcrtt, -es — es, plur. die—blatter, S. das vorige. - Das Schleusengeld, -es—-es , plur. doch nur vonmehrern Summen, die —er, dasjenige Geld, welches zur Unterhaltung eincrSchleusc vonden durchfahrendenSchiffen, oder andernTheil- nrhmeru, gefordert und putrichtet wird; der Schlcusenzoll , im Mittlern Lat. LxclulüZium. Der Schleusenmeister, des—r, plur. ut nom. 6u^. derjenige, welcher einer Schleuse vvrgesctzet ist, die Aufsicht über dieselbe führet. Der Schleusenrä'umer, -es—s, plur. u! uom. 6u», an denjenigen Örren, wo die Abznchte der Unreinigkeiten aus den Harr- -Ddddd 2 sru 1 F 27 Schl fern oder unter dem Gassenpflaster Schleusen heißen, Personen, welche das Räumen oder die Reinigung derselben besorgen. DieGchleye, S. Schlecht. Der Schleyer, des—s, plur. ut vom. lloZ. i) Eigentlich, eine Art der Tracht, besonders des andern Geschlechtes, welche aus einem locker gewebten Zeuge bestehet, welcher ans rnancherley Art über den Kopf geschlagen wird, entweder das Gesicht allein, oder auch den Oberleib, ja oft den ganzen Leib zu verhüllen. In den Morgenländern ist der Schleyer eine gewöhnliche Tracht des andern Geschlechtesin den Abendländern ist er sehr ans dem Ge« brauche gekommen, und nur noch in einigen FLllen, besonders bereuter tiefenTrauer üblich, wo aber der Nähme im gemeinen Leben schon ungangbar zu werden anfängt, indem man einen solchen Trauerschleyer häufig einen Flor nennet. Dich rufen junge lVittwen an, im hochbctrnbten Schleyer, Naml. Figürlich, dasjenige, was^uns eine Sache verbirgt. Der Wahrheit den . Schleyer entreißen. 2 ) Ein lockeres und leichtes Gewebe, aus klarem Garne, durch welches man sehen kann; vielleicht weil es ehedem am häufigsten zu Schleyern gebraucht worden, und wovon man so wohl Schleyerstor, als Schleyerleinwand hat. Anni. Im Niederst Slijer, SIlgger,im Schweb. 8lo^a, im Böhm. ZsloZjr. Die letzte Sylbe ist die Ableitungssylbe—er, welche ein Werkzeug, ein Subject bedeutet. Die erste Sylbe scheinet die Bedeutung des Bedeckens, des Verhüllens, zu haben, und würde alsdann zu schlagen gehören, welches unter seinen vie. len Bedeutungen auch diese gar wohl »erstattet, wir unter andern LuS der Bedeutung des hohlen Raumes in Schlauch, Schlucht «.s. s. erhellet. (S. auch Schleyern 2 .) Indessen kann auch die lockere, herab Hangende, schlaffe Beschaffenheit des Schleyers der Grund seiner Benennung seyn, (S. Schlackig.) In einigen Ober- undNiederdentschenGegenden heißt der Schleyer weiler,Rieders. Feyle, welches zu dem Lat. Velurn und unserm Fell gehöret. DieSckrleyereule, plur. die — n, ein Nähme der gemeinen Rirchenle, weil sie einen sehr merklichen weißen Strich um die Augen in Gestalt eines Schleyers hat; Mula -Uueo k/sr'n. Die Schleyerfreru, plur. die — en, an denjenigen Orten, wo die Schleper noch häufiger getragen werden, eine Art Putzmacherinnen, welche die Schleyer aller Art verfertigen. Die Schleyerkappe, plur. die — n, eine Kappe des andern Geschlechtes, welche das ganze Gesicht, wie ein Schleyer verhüllet. Auch wohl eine Kappe vonSchleyer, der so genannten ArtZenges. Das Schleyerlehen, des — s, plur, ut vom. livZ. ein Lehen, welches auch auf den Schleyer, d. i. das weibliche Geschlecht, fällt; das Ärmkcllchen, Weiberlehen. ^ Die Schleyermeise, plur. die — n, eine Art Meisen mit einer weißen Platte aus ^em Kopfe in Gestalt eines Schleyers; vielleicht eben die, welche auch Haubenmeise oder Häubelmeise genannt wird. Schleyern, verd. reZ. net. r) Im Bergbane und bey den Was- serkünsten wird der Kolm oder Kolben geschleyert, wenn er mit Lumpen umwunden wird, damit er desto genauer in die Röhre passe und die Luft abhalte; wo die erste eigentliche Bedeutung des Bedecken-, Beklcidens sehr merklich hervorsticht. 2 ) In engerer Bedeutung, mit einem Schleyer verhüllen. Eine Braut schleyern. tythere schlcycrt sich in eine schwarze Binde, Günth. .Jemanden einen Affen schleyern, ihm etwas anfheften. ^ , r. Der Schlich, des—-es, plur. die—e, von dem Zeitworte schleichen, ein verborgener, geheimer Weg, in weiterer Bedeutung., ein verborgener, geheimer Ort, und figürlich, geheime Kunstgriffe, verborgene Art und Weise zum Schaden anderer zu handeln; in welchen sämmtlichen Fällen es im Plural am üblichsten ist, obgleich die Natur der Sache den Singular gar wohl ver- Schl LF2Z stattet. Diebsschliche, Hnrenschliche, verborgene Wege riad Gänge der Diebe und Huren Alle Schlichs in einem Waide wissen, alle geheime Wege und Örter. Jemanden hinter seine Schliche, hinter die Schliche kommen, seine Kunstgriffe, seine heimliche Absicht und versteckte Art und Weise zu handeln entdecken. Er weiß die rechten Schliche, die Art und Weises wie die Sache geschickt anzufangen ist. Recht, als ob es der Ammel hatte haben wollen, daß ich hinter ihre Schlichekommen sollte. Gell. Anm. Nicders. Gieke. Der Singular ist noch im Oberdeutschen völlig üblich, wo cs auch den Gang, die Handlung des Ge- - Heils, und in weiterer Bedeutung die Bewegung bezeichnet. In den Schlich kommen, in den Gang. Eben daselbst ist es figürlich auch das, was wir den Schlendrian nennen, die eingefiihrte Art und Weift zn bandeln, das Herkommen. Den Schlich verstehen. Im alten Schliche bleiben. Ja überhaupt die Art und Weift, wie eine Sache behandelt werden muß. Den Schlich von etwas haben. 2.Der Schlich, des—es, plur. doch nur von mehreen Arten, die — e im Hüttcnbarre und gemeinen Leben, ein klein gepochter oder gepulverter und mit Wasser vermischter fester Körper; dicker Schlamm. So nennet man den mir Wasser vermischten Sand, > der im Schleifen vondem Schleifsteine abgehct, den Schlich. Im Hiirteubane ist Schlich ober Schlamm das klar gepochte, gewaschene und mit Wasser noch vermischte Erz. Eben daselbst wird aber auch trocken gepochtes, und folglich mit keinem Wasser vermischtes Erz Schlich genannt, weil der Grund der Benennung, der die glatte, weiche und zähe Beschaffenheit ist, auch hier bleibet. S. auch Schlick, welches von Schlich nur in der Mundart verschieden ist. Das Schlich faß, des — sses, plur. die—fässer, von dem vorigen, im Hüttenbane, diejenigen Fasser, worin die Planen gewaschen werden, damit nichts von dem Schliche verloren gehe. DerSchlichkübe.l, des-—s, plur. ut llom. IioZ. eben dar selbst, ein Kübel, worin der zum Rösten bestimmte Schlich gewo^ gen wird. Schlicht,— er, —este, acZj. et n6v. welches mit schlecht i« dessen eigentlichen Bedeutungen ein und eben dasselbe Wort ist, eigentlich gerade, eben und figürlich, ungekünstelt bcdeuter, aber nur im gemeinen Leben üblich ist, obgleich einige Neuere es ohne ^ Noth in -die edlere Schreibart einzuführen versucht habe». Schlichte Haare, im Gegensätze der.krausen oder gekräuselten. Eine schlichte Fläche, eine ebene, gerade, glatte. Der schlichte Menschenverstand, der natürliche, durch Schulgclehrsamkeik noch nicht verdorbene Verstand. S. Schlecht, nnd die folgende» Zusammensetzungen und Ableitungen. Die Schlichters, plur. die — arte, bey den Zimmerleuten, ei» breites dünnes Beil mit einem kurzen Helme, das Zimmerholz damit zu schlichten, d. i. glatt und eben zn hauen; das Schlicht' beil) Breitbeil, Dimnbcil. Ders Schlichthier, des —es, plur. inus. bey den Kleibern einiger Gegenden, eine Ergetzlichkcit an Biere, welche sie fordern und bekommen, wenn sie eine gcileibte Wand schlichten^ das ist, glatt streichen. Die Schlichte, plur. die-—- n, bey den Webern, ein ans Mehl und Fett gekochter Breh, womit der Aufzug oder die Kette geschlichtet wird, um den Fäden eine gelenke Steifigkeit zu erthü« len ; im Oberd. die Schmeiche. Bey den Stückgießern ist die Schlichte ein ähnlicher Brey ans Asche, Kreide und Milch, womit deraufdie Kerustange getragene Kernlehm abgeschlichtet wird. In beydei, Fällen entweder von schlichten, glatt, eben machen, oder auch von Schlich, dicker Schlamm, Brey» Schlichten, ZF2A - Schl Schlichten, vsrd. reZ. aot. i) Eigentlich. yGerade machen; eine nur noch in einigen Gegenden übliche Bedentung. was krumm ist, schlichten. 2) Eben und glatt machen. Der Zimmermann schlichtet das behauene Zolz, wenn er es mit der Schlichtart glatt und eben hauet. Welsh. »Z, 11. L>er Weber schlichtet den Aufzug, wenn er ihm mit der Schlichte eine glatte Sreiflgkeit eetheilet; im Oberd. schmeichen. Bey den Stiick- gießern wird der Bernlehm geschlichtet, wenn er mit der Schlichte glatt und eben gemacht wird. DieDrahtzieherschlich- ren den Silberstab, wenn sie ihn die ersten Mahle durch dieZK-h- platte ziehen, nicht so wohl ihn zu verdünnen, als vielmehr ihm überall eine gleiche und ebene Rundung zu ertheilen. Die Lohgär. her schlichten die Zelle/ wenn sie selbige auf der Fleischseite mir dem Schlichtmonde glatt und eben schaben. Und so in andern Fällen mehr, 2. In weiterer Bedeutung, inOrdnuug legen, besonders von Dingen, welche ordentlich auf und neben einander gelegt werden; eine besonders im Oberdeutschen übliche Bedeutung. Gehacktes Zslz, Mauersteine aufeinander schlichten, die Haare schlichten, stein Ordnung legen, so daß eines neben dem andern zu liegen komme. Nach einer noch.weitern, aber im Hochdeutschen ganz unbekannten Figur gebraucht Opitz es für schirnickeu: Laß schlichten ääupt und Zaar durch die geschickte Hand. Z. Figürlich, einen Streit, eine streitige Sache beylegen, besonders so fern es durchBewirkung eines Vergleiches geschehet; nach eben der Figur, welche in vergleichen zum Grunde liegt. Einen Streit schlichten. Er schlichtere ihre (der Kinder) Zwiste, und lehrete fle gütig seyn, Geßn. Vre ganze Zehde wgrd geschlichtet, Haged. Seltener von einem richterlichen Ausspruche. Wenn jemand wider einen Menschen sündiget, so kanns der Richter schlichten, i Sam. 2,2z. Daher das Schlichten, und, obgleich seltener und. nur in de» letzren dritten Bedeutung, die Schlichtung. Anni. Schon bcy dem Ottfried ist stlilitav eben, und in Boxhorns flössen tlitt len glatt machen, im Niederst sligten, wel. ches aber auch niederreißen, schleifen, bedeutet. Das Niederst, fliten, Schwed, llitu, endigen, zu Ende bringen, kann so Wohl zu schließen als zu schlichten gehören. Dep Schlichter, des — a, plur. ut vom. livZ. Fämm. die Schlichterinn, eine Person, welche schlicktet, besonders in des jweyten Bedentung, welche etwas in Ordnung leget. Die Schlichtster le, plur. die — n. Feilen der Schlösser mit einem feinen Hiebe, die feine Arbeit damit bis zum Polieren glatt zu 'feilen. Der Schlichthcrmmer, des --—s, plur. die—Hämmer, bey den Klempenern, ein Hammer, ebene Sachen damit zu übcrfchlichten, d. i. glatt zu schlagen. Der Schlichthobel, des —s, plur. ul vom. kmz. bey den Tischlern, ein Hobelmiteinergeraden Klinge, die mit dem Rauhhobel aus dem Grobe» bearbeitete Flächt damit zu schlichten oder glattzu hobeln; der Glatthobel. Oer Schlichtmönö, des— cs, plur. die—e, bey den Lohgär. bcrn, eine runde eiserne tterstählte Scheibe mit einem Loche in der Mitte, die Felle aufder Fleischseite damit zu schlichten, d. i. glatt z» schaben: nach Oberdeutscher Art bey ihnen auch wohl der Gchlichtmonden. S. Mond 21). des —s, plur. ut vom. llvZ. bep den Mahlern, ein Pinsel, die dick aufgetragene Farbe damit aus ein? anderzu treibe». Der Schlichtrcrhmen, des—s, plur. ut vom. lmg. bey den Lohgärbera, ein Rahmen, d. i. eine horizontale Latte auf zwey Stützen, worauf das Fell befestiget wird, wenn es mit dem schlichtmonde geschlichtet werden soll. Schl »LZv Ser Schlichtstahl, des —es, plur. öft-—stähle, key dm Drechslern in Bein u. s. f. ein Stahl, d. i. stählernes Werkz-nz mit einer breiten Klinge, das Bein damit zu schlichten, d. i. glatt zu drehen. Der Schlick, des— es, plur. doch nur von mehrern Arten, die — e, ein besonders im Niederdeutschen übliches Wort, fetten, fthrzähen Schlamm zu bezeichnen. Daher Schlickgrund, der aus solchemSchlamme bestehendeGcund desMeeres,Schlickland, ein niedriges, aus dem Schlamme, welchen das Meer zur Zeit der Fluth zurück läßt, entstandenes Land , der Schlickfänger, ein kleiner Damm außerhalb des Deiches, den Schlick oder Schlamm zur Zeit der Fluch damit aufzufaugen, und dadurch Land zu gewinnen, der Schlichzaun, ein Zaun zu eben dieser Absicht n. s. f. Anm. Es ist von dem mehr Hochdeutschen Schlich nur in der Mundart verschieden, und gehöret mit demselben zu Schlack in schlackig. Der Schlicken - Thaler , des —s, plur. ut vom. livZ. eine Art Thaler, welche die Grafen von Schlick in der ersten Hälfte des i 6 (en Zahrhundertes in dem BergwerkezumJoachims-Thale in Böhmen prägen ließen. Die Schlickermilch, S.Schlotkermilch. Der Schlickkrapfen, des—e, plur. ut aom. kog. Diminuk. das Gchlickkräpfchen, in den Küchen, eine Art Krapfen, welche aus einem weichen Gehecke bestehen, welches in einen ansgetne» denen Teig geschlagen, inWasser gekocht und hernach aus Schmalz gebacken wird; mit einem Französischen Kunstworte Raviolen. Der Schlief, des—-es, plur. ivus. ein in einigen Gegenden übliches Wort, welches von Schlich nur im Endlautc verschieden ist, und besonders von den nassen kloßartigen, nicht genug auSgeöa- ckcnen Stellen des Brotes gebraucht wird. Das Brot hatSchlief, wenn es solche Stellen hat. Daher schliefig, kloßartig, nicht genug ausgebacken. ES gehöret zunächst zu schliefen und dessen Jntenfivo schlüpferig. Schliefen, vsrb. irre», neutr. welches dasHülfswort seyn erfordert; ich schliefe, du schliefst, (Oberd. schleufst,) er schlieft, (Oberd. schleust;) Jmperf. ich schloff; Mittelw. geschloffen; Jmperat. schliefe, (Oberd. schleus.) Es bedeutet sich schleifend oder kriechend in einem engen Raume bewegen, kriechen, wird aber im Hochdeutschen nur selten, häufiger imOberdeulschen g höret. Lurch einen Faun .schliefen, vor Angst in ein Mauseloch schliefen wollen. Die Dachshunde schliefen in die Vachslächer. Die Büchlein sind aus dem Eye geschloffen. Wie das Wasser in die Erde vcrschleuft, (verschlieft,) 2 Sam. > 4 ,1 4 . So auch das Schliefen. Anm. Bey demNotkertliulkull, im Niederst slupen und sli- pen, im Angelst slipLv, im Engl. toslip, im Schweb. tläp». In Schwaben ist einschliefen und ausschliefen sich an- und anS- kleiden, und schon Willeram sagt, ili biv ure mivsmo roccke Aeslotstav, ich Habs mich ausgcklcidet. Es ist so wie das nahe verwandte schleifen, und das nur im Endlautc verschiedene schleichen, eine Onomatopöie des mit dem Schliefen verbundenen Lautes. Das Jutensivum davon ist schlüpfen, S. dasselbe. Der Schliefer, des —s, plur. ut vom. livA. 1) Ein Ding, welches schliefet. In der Jägerey werden die Dachshunde, weil sie in dieDachSröhren schliefen, auch Vachsschlieftr genannt. 2) Im Oberdeutschen, besonders in Schwaben, ist der Schliefer ein enger Muff, weil man mit den Händen in denselben schliefet, S. Muff. Schliefig, —er, — ste, aäj.etaclv. kloßartig, S. Sch'ef. Der Gchlreßbaum, des —es, plur. die — bäume, derjenige Baum, mit welchem ein Hafen, dder sonst ein anderer Ort verschlossen wird. Bdddd z Der Schl Der Schließbolzen, des— r, xlur. M v e »i. ein mit einer Schließe versehener Bolzen; der Rlingbolzen, im Rieders. Splintbolzen. Die Schließe, piur. die—n, dasjenige, was ein anderes Ding schließet, beschließet oder verbindet, wo es in verschiedenen einzelnen Fällen üblich ist. Ein zusammen gebogenes Blech, welches durch die schmale Öffnung eines Bolzens gesteckt, und hernach an den bepdeu Enden umgebeuget wird, damit derBolzen nicht zurück gehen könne, heißt eine Schließe; Rieders, der Splint. Bey den Schlössern wird auch eine gerade Stange, welche in den'Eat- terwerken zwcy Schnörkel zusammen hält, eine Schließe genannt. Auch eine Art von Anker in Gestalt eines viereckten Rahmens, schadhafte Zeuermauern zusammen zu halten,- werde» so wohl Schließen als Gchließanker, Vorpasse genannt. !. Schließen, vorb. irreZ. sct. welches in der Conjngation mit dem folgenden überein kommt, und im Hochdeutschen für das mehr Oberdeutsche schleißen gebraucht wird; besonders von den Federn. Zedern schließen, schleißen. Geschlossene Federn, geschliffene. S. Schließen, verd. irrsA. ich schließe, du schließest, (Oberd. schleustest,) erschließt, (Oberd. schleußt;) Jmperf.'ich schloß, Conj. schlosse; Mittelw.^eschlossen; Jmperar. schließe, schließ, (Oöerd. schleuß.) Es ist ursprünglich eine Ouomatopöie, welche unter andern auch den Schall eines Schlosses, wenn es abgelassen wird, ja den ,Laut sehr vieler Dinge, womit eine Öffnung fest zu- gemacht wird, nachahmet, ob sich gleich dieser erste nachgeahmte Begriff m denjenigen, in welchen es heut zu Tage üblich ist, gar sehr verloren hat. Es ist in doppelter Gestalt üblich. I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, eigentlich den Laut von sich geben, verursachen, welchen diesesZeitwort nachahmet. Es ist in dieser Gestalt nur in einigen wenigen Fällen üblich, i. Ein Schlüssel schließet nicht, wenn e.r das Schloß nicht öffnet. 2. Eine Öffnung genau decken oder ausfüllen. So sagt mau, eine Thür schließe nicht, wenn sie nicht genau auf demThürfutter anlieger,sondern beträchtlicheZwischenräumc läßt. Der Reiter schließt, wenn er im Reiten die Schenkel fest an das Pferd anlegt. Geschlossen reiten, dieSchenkel fest an das Pferd «nlegen. (S. Schluß, ingleichen sich schließen bey dem folgenden Actioo.) Z. Sick endigen. Darfich bitten, daß die Unterredung hier schließe? wo doch das folgende Activum in Gestalt eures Recrproci üblicher ist, (S. dasselbe.) 4. Das schließt nicht, sagt man, wenn ein Satz nicht auS einem andern erkannt werden kann, wofür das Zeitwort folgen üblicher ist. S. das folgende hlctivum. II. Als ein Acrivum, eigentlich ßie mit diesem dem Zeitworte eigenthümlichen Laute verbundene Veränderung mit einem Dinge vornehmem 1. Von Schlössern und den mit Schlössern versehenen Öffnungen, besonders in dc'n Zusammensetzvngen abschließen, auf- fchließen, znschließen, verschließen, einfchließen u. s. s. In einigen Fällen wird auch das einfache schließen anstatt des znsam- rueu gesetzten zuschließen oder verschließen, gebraucht; die Thore schließen. Nach einer andern Figur schließet man einen Verbrecher, wenn mari ihm Fessel anleget, weil selbige mit einem Schlosse wers.Heu sind. Jemanden schließen lassen. Scharf geschlcssi'n sepn. Einen Dieb in Retten und Banden schließen. S. auch Schlftßer. 2. In weiterer Bedeutung ist schließen dem offnen entgegen gesetzt, und wird alsdann als ein edlerer Ausdruck für das ruedri- Lere zumachcn gebraucht. I) Eigentlich, was körperlich offen ist; wo es doch nicht irr «llen den Fällen üblich iss, in welchen der Begriff des Zumachsns Sta^sind-LinenSchrvibbogen schließen, wenn er -ben mir dein Schl IAZ2 Schlußsteine zsgetrracht wird. Die Augen schließen, so wohl für schlafen, als auch für sterben. Ich habe die Nacht kein '^uge geschlossert. Die Nachte, wo du deine Augen nicht schlossrff, waren auch für mich schlaflos, Dusch. Und wenn der Tod mein Auge schließt. Einen Winkel schließen, bcyde Schenkel desselben vermittelst einer Linie verbinden. So auch das Rwipro- cum sich schließen. Eins Blume schließt sich, weine sie sich zu- thut. Die Muschel schließt sich. Die Wunde wird sich bach schließen. Ern Pferd heißt in der Sprache der Pftrdckemier geschlossen, wenn die Flanken ausgefüllet sind und die Runde des Bauches aiunhmen, welches auch gut abgerippt genannt wird, weil es ans den Bau der Rippen ankommr. Die Soldaten schließen sich, wenn sie nahe an einander treten, so daß tun Zwischenraum bleibt. Fest geschloffen aufmarschirsn. 2) Figürlich, (a) Von allen Geilen umgeben, und da, durch gleichsam überall zumachen. Einen Rreis schließen, von Personell, wenn sie sich nahe an einander in einen Kreis stellet. Line geschlossene Jagd, wenn das.Aeoier, wo gcjaget wird, mit Zeug umstellet ist. Ein geschlossenes Land, welches auf allen Seiten gegen einen Feind verwahret ist. Nach einer noch weitern Figur ist rin geschlossenes Land, lerritoriuln eluuluin, i» welchent-alle Einwohner zugleich Vasallen und Unterthaucn des Landesherren sind, im Gegensätze eines ungeschlossenen, welches auch Güter enthält, die dem Landesherren nicht unterworfen stad. Dahin gehöret nach einer neuen Figur auch die N. A. etwas in sich schließen, in sich fassen, in sich enthalten. Die Freundschaft ist oft ein Werk der Natur und des Umgangs, das gegenseitige Neigungen und Dienstleistungen in sich schließt. Mit einem schwachen Nebenbegriffe des Drückens schließet man jemanden insscine Arme, wenn man ihn aus Liebe odcrFceundschaft mit den Aeme,r umfass t. Die Hände in einander schließen. Bald schlossen alle Hand in Hand, Ein Reihentan; ward «»gefangen, llz; wo es eine in diesem Verstände sonst ungewöhnliche neutrale Gestalt hat. (b) Der Zeit, Zahl oder andern Umständen nach ei», schränken ; wo es doch auch nur m einigen Fällen üblich ist, bescn- dcrs in dein Mirtclworte geschlossen. Eine geschlossene Jagd, wo nicht jedermann, sondern nur der Eigeuthüiner jagen darf. Die geschlossene Zeit, in welcher eine gewisse Handlung verkochen ist ; so werden in der Römischen Kirche die Fastenzeit, wo das Fleischessen verbothen ist, die Advents. Zeit, wo das Heirathe» verb.öthen ist, u. s. f. geschlossene Zeiten genannt. Ein geschlossenes Handwerk, von welchem an einem Orte nur eine gewiss: Anzahl Meister seyn dürfen. Eine geschlossene lViese, aufwcl» eher nicht gehüchct werden darf. Eine geschloffene Gesellschaft, theils,welche nur aus einer bestimmten AnzahlMitglieder bestehet, thcils aber auch überhaupt, in welche ohne Einwilligung dcrGüe» der kein anderer Zutritt haben kann, (c) Zu Stande bringen, von allen Arten derVertcägc, wenn sie auf eine rechtsbestäudige bündige Art zu Stande gebracht werden. Einen Vergleich, einen Handel, Frieden, einen Vertrag, ein Brindniß, einen Rauf u. s. s. schließen. Die Ehen werden im Himmel geschlossen. Personen, die auf das Geheiß ihrer Herzen unter der Bült« gung der Blugheit das Bündniß der Ehe schlossen, Gell. Der Handel ist geschlossen. Er wrrd noch heute kommen, diese Sache mit.lhrzu schließen- In einigen Fällen auch absolute. -Der Gesandte hat Vollmacht zu unterhandeln, aber nicht zu schließen, (d) Endigen, zu Ende brmgeil; doch «ne in einigen Fällen. Einen Brchf, eine Rede, eine predigt, ein Gedeth schließen. Das Jahr schließ; sich. Eine Rechnung schließcn. Drn Reichstag schließen. Eine Reihe schließen, boi- letzte in derselben sepn; der Bedeutung nach als ein Neutrum, obgle-ch LZZi Schl Sch k 1A4 »bgleich der Form nach ein Ackivirm^ Es scheinet, baßes hier mit letzt verwandt ist, wo die Intrusion stäkt des Vorgesetzten sch durch Verhärtung des Mittlern Zischlautes ausgedruckt worden. Im Schwcdischrn ist Nits rmd im Mieders, ftiten zu Ende bringen, endigen, dagegen schließen in den übrigen Bedeutungen daselbst ' Suten nnd slutL heißt. Z. Aus Einem oder mehrern Vordersätzen herleiten, einen Satz «ns der Wahrheit Eines oder mehrerer anderer erkennen; erneu Schluß machen. DieUnßerblichkeit der Seele aus ihrem einfachen Wesen schließen, oder, aus dem einfachen Wesen der Seele auf rhre Unsterblichkeit schließen. Falsch schließen, richtig schließen. Da Casus nicht gekommen ist, so ist daraus zu schließen, daß er nicht wohl seprt muffe. Da in der gegenwärtigen Welt fast alles nur Anlage ist, so läßt sich daraus «uf die Gewißheit einer künftigen Einrichtung der Welt schließen. Wenn es jemand sähe, so würde er gewiß auf eine starke Vertraulichkeit schließen , Gell. (S. auch Schluß.) Es ist hier ohne Zweifel nach dem Lat. eoaeluci^rs gebildet. Alle Wörter, welche Wirkungen des Geistes bezeichnen, sind Figuren körperlicher Handlungen. Welche Figur hier zum Grunde liege, läßt sich Nickl mit Gewißheit bestimmen, indem schließen, wenn man es in seinem ganzen Umfange nimmt, so daß auch schleißen, Schloße u. s f. mit dahin gehören, sehr vieldeutig ist, und sHließen auch von Mehrern Wirkungen desGeistes gebraucht wird, wie aus den Zusammensetzungen beschließen und entschließen erhellet. In Boxhorns Glossen bedeutetes U einen Schluß. Daher das Schließen, und in einigen wenigen Fällen der ersten eigentlichsten Bedeutung die Schließung. S. auch Schluß. Anm. Bey dem Ottfried sliar«» , im Niederst sliten, «nd wenn e's'zu Ende und zu Stande bringen bedeutet, fluten, im Schwed, l'i u tu ; ohne Zischlaut, der hier entweder eine Intrusion bezeichnet, oder auch ein bloßes Eigertthnm der Mundartist, jm Lat. clwuclers, clucksrL, claulus, (ckulüs, im Griech. »Xet- Zorp and Daß aber auch der Gaumenlaut hier nichc wesentlich i,r erh.uec aus dem Schwed. Island. I^ns, eia Schloß, i osiz und Iwto,, schließen; woraus denn erhellet, daß im weitesten Umfange auch unser lassen mit zu dem Gefchlechte dieses Wortes gehöre. Mit einem andern Endlaute ist imEngl.to locic, schließen, (S. i Lütke.) Das Hebr.^I, ein Schlüssel, scheint sich der Griechischen und Lateinische» Form zu nähern. S. übrr- geris auch Schloß und Schluß. Schließer, de»—s, x>1ur. ut nona. FLmin. die Schließerin», eine Person, welcheschließt.vecschließtodcrcin- schließt; ein nur in einigen Fällen übliches Wort. So wird in Manchen Gegendencine Person, welche in großen Haushaltungen das Essen und Trinken in ihrem Beschlüsse hat, Schließer und Gchließcrinn genannt. Auf dem Packhofe zu Berlin ist der Schließer derjenige, welcher die Waarcn in seinem Beschlüsse hat. Ja vielen Gegenden verstehet man unter Schließer denGefangeu- wärteroderStockmetster, welcher dir Gefangenen schließet und los schließet, Niederft-Glüter, daher in manchen ^egeNum auch das Gcfäugniß die Schließerey genannt wird. ^ Dre Gchließfeber, plur. die—n, eine Feder, etwas unmittelbar damit zuzuschließen, dergleichen die Feder an dem ZiffAcklatte einer Taschenuhr ist, um dasselbe mit dem Rädergehänse wieder in Las Uhrgehäuse zu drücken. v.rs G.yltüßFel-, des —es, plur. doch rrl.'von mehrern Sum- w-u, die—er, Geld, welches man für das Schließen bezahlet; vcch nur in einigen einzelnen Fällen. Ei i Krftuisieirer, welcher ftiner Haft entlassen wird, bezahlet dem Schließer oder Stockmei- Mr eju gewisses SchiftßIelr.. Der Echlreßd«hn, des— es, plur. die— Hahne, ein Hah» an den Bier-oder Weinfässern, wo der Dreher mit einem eigene» dazu gehörigen Schlüssel umgedeehet wird; zum Unterschiede vo» einem gemeine« Hahne. Der Schließhaken, des —s, plur. ur vom. ein eiserner Haken in Gestalt eiues halben Keiles an den Küsten und Laden welcher in das Schloß eingreisi. Ingfeichen an den Tbüren, ei« «ihnlicher Haken, worein der Riezeldes Schlosses schnappt, wen« die Thur kein sersenktes Schloß hat. In bcpden Fallen cmch die Drampe. , Die Schtteßkappe, piur. die—n, ein Stuck Eisen an den Fran. zöstsche,l Schlösser^ in Gestalt eines vierseitigen Kastens, der an der Thürpfoste befestigt ist, und in dessen Löcher der Riegel des Schloffsschällt. Die Gchließkette, "xlur. die—n, eine Kette, womit etwas verschlossen wird. Schließlich, ackv. zum Schluffe, zum Beschlüsse ; von schließen, beschließen. Im Oberdeutschen ist cs auch als ein Beywort gang- bar. Sie wurden ohne schließlichen Bescheid fsrtgeschickt. Der Schließ-Llkuökel, -xg— s / ^lur. die—m, oder da» Gchließmäuslein, des—s, p!ur. ut vom./ing. in der Anatomie, einMuskcl oder Mäuslein, welches die Gestalt eines Ringes hat, uild zur Verschließung des Mastdarmes dienet; 8^)incter. Der Schließnügel, des—-s, p!ur. die—nagcl, eineiscrner Nagel oder Bolzen, große Riegel an den Thoren, Schließbäume u. s. f. damit zu verschließen. Bey Heu Buchdruckern schließet man die Formen damit zu. ^ Das Schlteß-N>uLöLütchen,'des—s, plur. ur vom. linZ. bey den Buchdrucker«, der vierte Theil eines Onadrsres oder Geviertes, die Zeilen damit auszuschlicßen. Die Gchlirßsä'ge, plur. die- u, bey den Tischlern, eine gemeine Säge von niit»lerrr Größe, solche Stücke damit zu sägegr, welche genau schließen Fder passen sollen; S. Schlußsäge. Schlimm^ —er, —sie, ach. et ackv. i. * Schics , -von der geraden Horizontal- oder Perpcnticular-Linie abweichend; eine im Hochdeutschen unbekannte, aber in den gemeinen Ober- und Nie-- derdeutfchcnSprechartcn sehr gaNgbarcBedeutung;Oberd.schläm, schliem, und mit einem andern Endlaute schläh, Niederd. flimm. im Fries, ttom, im Lat. ohneZischlaut üwius. Einen schlimmen sals haben, einen schiefen. Schlimm schreiben, schief, ^e schlimmer, je dümmer, ein Oberdeutsches Sprichwort. 2 .Fi- gürlrch. -) Sich nicht wohl befindend, und zwar so wohl Neigung zum Erbrechen empfindend, für übel, als auch Neigung zur Ohnmacht n. s. s. empfindend^ im gemeinen Leben und der ver. traulichen Sprechart, und zwar nur als ein Nebenwort. Es ist mir recht sehr schlimm. Wonn sie langer verziehen,' so wird ihre Mama glauben, daß sie sehr schlimm sind, Weiße. E» muß ihr wohl recht sehr schlimm seyn, Goll. 2 ) Fertigkeit be»., fitzend, alles mitMetricbener Schärft und Püncil-chrcit zu verlangen ; auch nur im gemeinen Leben, wofür man auch böse, arg, . gebraucht. Ein schlimmer äausherr, eine schlimme Frau. Sehr schlimm sey,r. Die Männer sind nicht alle so schlimm, als sie ausgeschrien werden, z) Neigung und Fertigkeit besitzend, Schaden, oder Böses zu thun, und in weiterer Bedeutung auch zuweilen für schädlich, von Sachen; in bendcn Fällen auch nur im gemeinen Leben. Lin schlimmer Hu-chf cm schlimmer Rnabe. Dor Müßiggang, der schlimmjls Zemb der Irlgcnd,..Gell. 4) Der Absicht, dem Endzwecke, der gehörioi uBeschaffeuhnt z», wider; in der vertraulichen Sprechart, für Übel, b oft, wo es doch im Hochdeutschen nur in einigen.Fällen -Lckich ist, in mai'.cheu Mundarten aber ohne all^Eiiischränkung gebraucht wird. Ls iß ihm fthr sch Um m gegangen, sehr übel, sehr schlecht. Das iss nun. IFZ4 -Schl -,un freylr'ch ein schlimmer Umstand, ein übler. Schlimm g?- nug,daß man den Neid an so viel hundert albernen, Menschen gewahr werden muß. Ich wurde am schlimmsten da- bcy zu recht kommen. Sie sagte, sie wäre unruhig, und das war eben schlimm, Gell. Es stehet sehr schlimm mrt chm. Es sind schlimme Zeiten. Die Sache konnte nicht schlimmer sepn. Ein schlimmer Weg. Schlimmes Wetter. Da es denn m manchen gemeinen Sprecharten für schlecht überhaupt, d. i. dem Verlangen,der Absicht, nicht gemäß, (ohne daß es eben derselben zuwider sty,) gebraucht wird. Schlimme Augen haben, schlechte, welche nicht mehr gut sehen. Anni. Die jetzt angeführten figürlichen Bedeutungen müssen eben nicht alle Figuren der schiefen Richtung seyii, indem schlimm, oder ohne Intensiv» schlem, schirm, wenn es in seinem Umfange und m Verwandtschaft mu Schleim, lahm u. s. f. betrachtet wird, noch mehrerer eigentlicher Bedeusungcn fähig ist. Im Schwer, ist tlem schändlich, und im Deutschen wurve "chlimm ehedem auch für geringe, bloß ungekünstelt gebraucht; ein schlimmer Edelmann, der weiter nichts als ein bloßer Edelmann ist. Das Niederst stimm bedeutet auch schlau, verschlage», selbst im guten, wenigstens im gleichgültigen Verstände; er war mir zu schlimm, zu schlau. DerGchlmgbaum, des — es, plur. die — bäume. l) Der Gumach; R.bus coriariL D. (S. Fä'rbcrbaum.) 2) Oer Mehlbeerdaum, Viburnum ll,nrttnua D. wird iu vielenGegendeu so wohl Gchlingbaum, Schlungbaum, als auch Schlinge, Doth- schlinge, wegschlinge genannt; vhneZwcifel wegen feiner schlanken Zweige, wenn es anders nicht mit dem Slavonjschen Nahnu n des sehr nahe verwandten Wasser hohtunders, knüuu, verwandt ist, der daher auch in vielen, ehedem von Wenden bewohnten Provinzen Dalinke, Dalinkenbaum, Galingenbaum genannt wird. - ^ - r. Die Schlinye, plur. die — n, S. das vorige. L. Die Schlinge, plur. die — n, von dem Zeitworte schlingen. ,)*Ein Werkzeug zumSchlingen, d. i. Schländern; eine im Hochdeutschs« veraltete Bedeutung. 2) Ein mit dem einen Ende locker durch das andere Ende geschlungenes Band, oder ähnlicher biegsa- wer Körper, besonders so fern eine solche Schlinge zum Fangen gebraucht wird, da sie denn auch eine Schleife, eine Masche, und im Oberd. ein Lä'ufel genannt wird. (S. Schleife.) Schlingen legen. In die Schlinge gerathcn. Den Dopf aus der Schlinge ziehen, figürlich, der Gefahr klüglich entgehet'. Der Schlinge entgehen, der von einem andern zubereimen Gefahr. Englisch äliriA. S. 2 Schlingen. Der Schlingel, des — s, plur. utuom. linA. ein im höchsten Grade träger und ungesitteter Mensch; nur von Personen männlichen Geschlechtes. Ein fauler Schlingel. Ein grober Schlingel. Anm. Im Schwed. 8l^n^el, in Aaiern mit einem andern En-laure H chlissl'l, im Niederst. Schleef, Sleef , Glunkersleef. Die Endsylbe ist die Ableiiungssylbe —el, einSubject zu bezcich. nen. Es scheinet, daß mit diesem Worte der schlendernde, oder vielmehr von einer Seite zur andern wankende Gang angcdeutet werde, welcher so wohl eine Folge der Trägheit, als auch der Ungezogenheit ist, daher beyde Begriffe diesem Worte ankleben. Im Niedcrsächs. ist stinkfüsten müßig herum gehen, eigentlich die Fäuste oder Hände im trägen Gange hin und her schlenkern. Siehe auch Schlaks. Die Schlmgeley, plur. die — en, ein grobes, ungesittetes Betragen. Schlingelhaft, —er, — este, ach. etastv. grob, ungesittet; Niederst steefhaftig. S ch l »LZ6 1. Hchlistgen, vsib. irre^. sei. et ueutr. welches im letzten Fälle das Hülfswoet haben bekommt. Jmpccst ich schlang, sim gemeinen Leben ich schlung;) Mitrelw. geschlungen. Heslig und in großen Muffen hinunter schlucken.Ein Heißhungriger schlingt die Speisen ungekauct hinunter. Zuweilen auch für schlucken überhaupt. Nicht schlingen können, Nicht schlucken. Daher das Schlingen. Anni. Bey dem Notker und spätern Oberdeutschen Schriftstel« lernlüusten, (S. Schlund,)im Niederst flmgen, im Bretagni- schcn ohne Zischlaut louu^ua. Es ist eine Onomatopöie desda- niit verbundenen Laules. 2 . Schlingen, verb. irrez. welches mitdem vorigen auf einerley Art cvnZugnet wird. Es kommt in doppelter Eestalt vor. 1. *Alscin Nentvum, dacs ehedem, und vielleicht noch jetzt in einigen Oberdeutschen Gegenden, für kriechen gebraucht wurde, in welchem Falle es mit schleichen verwandt ist, welches?ben die. selbe Bedeutung hat; Angelst slincau. Alle tiep so gern oder schlingen auf der Erden, indem 148z zu Augsburg gedruckten Buche der Natur. 2. Als ein Activum. r) *Mit einem Schwünge werfen, schlä'udcrn, eine gleichfalls imHochdeulscheir veralteteBedeutunz; Niederst slingcn. 2) I« einer Schraubenlinie umgeben. Sich um etwas schlingen, wie gewisseGewächse thun, in welchemFalle auch ranken und winden üblich sind. Die Arme in einander schlingen. Jngleichen in einer Schlangenlinie fortbewegen. Ein Bach der sich durch die wiesen schlinget; wofür doch daSDimi. nutivnm schlängeln üblicher ist. So auch das Schlingen. Anm. Im Niederst slengen, welches auch flechten bedeutet, (S. Schlenge,) im Schwed. sliuZa. Schlank, Schlange, schlängeln, schlenkern, Geschlinge u. st f. sind insgefsrmnlGe. schwister Eines Stammes, und drucken die sich jeder Krümme überlassende Biegsamkeit aus. Der Schlingrabe, des —n, plur. die — n, eine Art Patsch, süße, welche dem Raben gleicht, im Fischfänge sehr geschickt ist, und die gefangenen Fische gierig hinunter schlinget ; der Schlucker, Gcerabe, großer schwarzer Taucher, klaucus, Eorvur laculiris /k/sr>r. Die Schlippe,plur. die— n, ein mir im gemeinen Leben Mi. ches Wort, einen engen Weg oder Ort zu bezeichnen, durch wrl. chen mau gleichsam schlüpfen muß. Besonders nennet man so de» engen Raum zwischen zwepHäusern, der, sofern er zur Abhal. tuug des Feuers angeleget ist, auch die Brandgasse heißt. S. Schluff. Anm. Es ist vermuthlich von schlupfen, sS. dasselbe.) Von schleppen aber im Niederst die Schlippe die Schürze, und der Schlipp der Zipfel an einem Kleide. S. Schleppe. Der Schlitten, des — s , plur. ur vom. IinZ. ein Fuhrwerk ohne Räder, welches aufzwey Kufen oder vorn gekrümmten Balken stehet, im Winter auf dem Schnee oder Eise darin schnell fort» zugleiten. Ans dem Schlitten fahren. Ein Rennschlitten, Gchellrnschlttten u. s. f. A r» . Im Niederst Schiede, und mit Ausstoßung des d im Osnabrück. Sipe, im Schwed. 8lästa, im Island. 8lecke, im Engst 8!ech 8lest^k, im Irak. 8cstrlit,t3, im Lothar. Llllüts. Es stammet von dem veralteten schlitten, Engst ko lüste, Augols. llistnu.her, welches ein doppeltes Iiuensivlim von gleiten ist- ffber den Rhein schlittete man mit Lasten, Tschudi bey dcm Frisch. I,, Rwdersachsen har man davon das JutensivuM schliddern, anfdem Eise zur Lust gleiten oder schleifen. In einige» Oberdeutschen Gegenden wird ein Schlitten eine Reibe.genannt. Die Schlittenbahn, plur. die—en, ein Weg, welcher mit Schlitten befahren werden kann, ingleichen die Beschaffenheit der 1ZZ7 Schl Oberfläche, so daß sie bequem mit Schlitten befahren werden kann. Es ist Schlittenbahn. Schlittenbahn machen. DerSchlittenbüUm, des —es, plur. die—bäume, die vorn gekrümmten Hauplhölzer, welche auf der Erde fortgleiten, und worauf das ganze übrige Gebäude eines Schlittens ruhet; in Obersachscn die Rufen, Schlittenkufen, iuOberdeutschlaud die Läufe, in Nicders. die Glirrern. Die Schlittenfahrt, p!ur. die—en, dieFahrt, d. i.Neiseaufei- nem Schlitten. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, das Fahren mehrerer zur Lust mit Schlitten. Eine Schlittenfahrt anstcllen. Die Schlittenkufe, x!ur. die —-n, S. Schlittenbaum und Rufe. DerSchlittfchuh, des—-es, plur. die—e, eine Bekleidung der Fußsohlen, welche unten mit laugen glatten Eisen versehen ist, damit auf dem Eise schnell fortzugleiteu. Auf Schlittschuhen fahren, im gemeinen Leben nur Schlittschuh laufen. Anm. Die erste Hälfte ist von dem veralteten Zeitwerte schlitten, auf dem Eise.gleitcnd fahren. (S. der Schlitten Anni.) In vielen Gegenden ist dafür Gchrittschuh, Rieders. Striedschöe, üblich, von strieden, weit ausschreiten, weil solches zu dieser Art des Fahrens nothwendig ist. Der Schlitz, des—es, plur.die—e, ein Wort, welches ehedem einen jeden Riß, Bruch, Schnitt oder Spalt bedeutete. Bey dem Notker ist 8I12 der Brüch, im Tatian Giflrr der Riß in einem Kleide. Im Bergbaue ist Geschütz noch jetzt ein Einschnitt, eine Kerbe, und im Oberdeutschen nennet man noch den Spalt einer Feder einen Schlitz. Im Hochdeutschen ist es nur noch in einigen Fällen üblich, i) Ein langer schneller Schnitt in einen elastische« Körper, so daß dadurch eine von einander stehende Öffnung entstehet. Einem Pferde einen Schlitz in das Mbr machen. Ein Schlitz in der Nase, in demBacken. 2) Gewisse längliche Öffnungen in den Kleidungsstücken, besonders wenn sie durch einen Schnitt entstanden sind, oder doch auf solche Art entstanden zu seyn scheinen. Der Schlitz am Aemde,die lange Öffnung desselben auf der Brust oder auf dem Rücken. Der Schlitz an demAmkl eines Hemdes, an den lVeiberröcken u. s. s. JmEngl.ZIit. S» Schlitzen. Das Gchlitzeifen, des—s, plur. utvom. lro§. an den Stühlen der Sammctweber, eine cingeniethete Messerklinge, womit die Fäden drr Kette aufgeschlitzet werden. Schlitzen, vcrb. reZ. act. einen Schnitt der Länge nach in einen weichen, besonders elastischen, Körper machen, wo es oft für auf- schl'.tzen gebranchr wird. In perflen schlitzet man den Verbrechern den Bauch. Einen Fisch schlitzen. Einem pferde.dre Ohren, die Nasen schlitzen. Zn weiterer Bedeutung) gebraucht man es im Oberdeutschen oft auch für spalten. Erne Feder schlitzen. So auch das Schlitzen. Anm. Esist das Jntenflvum von schleißen, und wurde daherr ehedem in dessen sämmrlichcn Bedeutungen gebraucht. In der Bedeutung der schnellen eigenen Bewegung oder Entfernung war ^erisür ehedem die bösliche Verlassnng des Kricgsbeeces, wo M nach einer ähnlichen Figur ansreißen üblich ist. Anr häufigsten war cs von allen gewaltsamen Verletzungen eines Dinges, für reißen, brechen, spalten, schneiden u.f. s. 8!eirer w 8iuuLtti,Ottfr.erz-rriß sein Geivaud, Im Rieders. istSlitse ki» abgerissener Lappe. Nach einer gewöhnlichen Figur wurde es tun auch für thestcu überhaupt gebraucht; rt nom. uu§- lc) Schlußbein. . ^ Der Schlösimächer, des—s, plur. ut no-n. l>uZ. m i G-webrfadvi!en, d-ejenigeil Arbeiter, welche die Schlösser zu">r kleinenFeuecgeivehren verfertigen. .. Der SchLößnatzel, dcs—s, plur. die —uägel. ') welche etwas über rincnZoll lang sind,« >>d ivomi.t gememig^- Tbürschlösscrangenagelrwerden. 2 ) Sin stacker, runder Rag-, welcher den hintern Wagen an den v rderu beftst get, denSss^i!-/ d. i. die Verbindung , zwisÄxm Herden ausmacht; der SpariN>»a gel, Stellnagel , anden Laffet.n auch der protzuaget. Der Schlösssiein, S. Schlußstein. ^ 1L41 Sch! DerS'hlößttr^e S.S hlußtritt und Schloß ,. Schloß veist, ^ Gchloowe-.ß. D-r G chlse, des cs, p i u'-, die Schlote, cir» nur m den geme!- mn SvrechtzrLen manch"r G^rnden übl.ches Wort, wo es einen jede!' Car«', r ine jede R 3 brc von einer beträchtlichen Weite be- dcurer. r) Einen Canal. So wird in Niederdeutsch.'«»!» ein Graben zum Abzüge des Wassers sehr häufig ein Schlot genannt; Nieders Süost, Holland. 8 l ot. 2) Ein viercckter Canal, den Rauch ans den Häusern u. s. f adz .sich en, der Rauchfg g, heißt jin geweuren Leben vieler G gendeii ein Schlot, wo dieses Wort doch mehr den innen» weiten, hohlen Raum bedeutet, dagegen Zeuermauer, Sworsteiv n s f. andere Umstände daran bezeichnt:,. Den Gcylgt ke! ren. Daher, >st daselbst der Gchlotkehrcr der Feuermanerkebrer. Der Schlot des Ramines gehet in die Zenermauer. In einigen Gegenden die Schlotte, besonders in den Niederdeutschen Hiitteinverken. Auch in den Brauhäusern pflegt man die Rauchfänge in manchen Gegenden Schlotten zu nennen. . Amm. Es scheinet gleichfalls von schließen, Rieders, sleten und slnten hecznsta»nmen,nnd überhaupt einen erngcschlosscnenRauin zu bezeichnen. Zu der Niederdeutschen Bedeutung einesGrabens gehöret auch das Ostfriestsche Gchlott,ein ciiigeschloffenes, inner- halb des Landes befindliches stehendes Wasser. Eben daselbst ist schlomn und schlotrn einen Graben reinigen, abschloten durch einenGraben absondern,beschloten mit cinemGraben einschließen. Der Schlotthaken ist auch in Schlesien ein Werkzeug zur Reinigung der Gräben. Zur zweyten Bedeutung eines Rauchfanges ge- höret auch das in den Bergwerken übliche und nur des Zischlautes beraubte Lotte, ein Canal zur Einbringung frischer Lust in die Stellen. In mancheuGegenden wird ein Schlot zurAbführung des Rauches auch ein Schlund genannt, woraus zugleich die Ver- tvgiidlschaft beydec Wörter erhellet. Die Schlote, chur. die — N, oder der Schloten, des — s, plur. ut nom. linZ. in einigen Gegenden, ein Rahme der Rshrkolbe, Ichpssuch,. Die S^lottenblume, plur.die—n, in einigen Gegenden, ein Nähme der Küchenschelle r^ksmoae kuIlalMn D. Der Schlotter, des —s, plur. doch nur von^/mchrern Arten, m lionr. ÜQF. ein »nr in einigen Gegenden, besonders in den Salzsiedcreycn, übliches Wort,den dickenSchlamm zu bezeichnen, welcher übrig bleibt, wenn man das in den Herd ans der abgetropften Sohle gerochene Salz ausgekocht hat. In andernGegen- dcn das Geschlsttev. Es druckt dir schlotternde, schlottrige Be- schaffrulM eures solchen dicken Schlammes ans. S. (Schlottermilch.) In einem Lirdcrn Verstände wird eine Klapper in einigen Oberdeutschen Gegenden im weiblichen Geschlechce dicGchlotter genannt. der Schlotterapfel, des—s, plur. die — avfel, in einigen -Gegenden,ein Nahmedcr Glocken-Vern- vderRIapperäpfel, deren lockere Kerne schlottern oder klappern, wenn man sie schüttelt. Das Schlotterfaß, des — sses, p!u.'.dic—fasser, bey den La. -- leuten in der Ernte, ein längliches Behalmiß, worin der Mähder bcy dein Mähen den Wetzstein mit ein wenig Wasser bey sich führet, weil es vermittelst eines Riemens a«h dem Leibe schlotternd hängt; dicWctzkiste. Schlotterig,—er, —sie, s 6 j. et nckv. schlotternd; Rieders flatterig, slodderi'g, sluddcrig, zusammen gezogen s!uri>. Schlotterig gekleidet gehen, äußerst »achläßig. Ein schlotteriger Mensch, der in seiner Kleidung und in seinem Betragen im höchsten Grade nachlässig ist. Der Schlotterr'asten, des — s, plur. ul nom.siriZ.m den Salzwerkeu, ein Aasten, worin sich der Schlotter befindet. Schl ,F4§ DteSchlottermllch, plur. car. in einigen Gegenden, Milch, wö> che von sich leibst , ohne Feuer oder Lab gerinnet. In andern Gegenden wird auch die sauer gewordene dicke Milch nach abge- rtvmmencuRahme, inglcichen die durch das Lab verdickte Milch,, Schlottermilch genannt, wofür in andern Gegenden Schlickermilch üblich ist. Schlottern, verb.reA.vsutr. welches das Hülfswort habenerfordert, sich zitternd und heftig hin nnd her bewegen. Daß ihr Herz muß verzagen, dreVnie schlottern, Nahnm 2, t 1. In- gleichen sich aus nachlässiger Schlaffheit hin und her bewegen, nachlässig schlassscyn. Die Rlcider schlottern um den Leib,wenn sie nicht gehörig befestiget sind. So auch das Schlottern. Anim. Jm Niedersächs. sloddern, sluddern,, wo auch Slatte, Slsdde, ein Lumpen, Lappen ist. Es ist das Jntenstvum von schlaudern. DhneZischlant ist im Holland, lotersu schlottern, und in manchen gemeinen Sprechartcn der Loden, ein Lappen, Lumpen. S. auch Lotterbube. Schloweiß, S. Schlohweiß. Die Schlucht, plur. die en, im gemeinen Leben vieler Gegenden, ein schmales, tiefes Thal zwischen zwey Bergen, ingleichen eine von demWasser an einerAnhöhc ausgewaschcneHohlupg,söer Wafferriß, im Dberd. die Bachfahrk, - die, wenn ein Weg . ^ dadurch gehet, einen hohlen weg oder Hohlweg macht. In manchen Gegenden die Schluchter, und mit einem andern Endlante die Schlaft, Schlichte, Schlufter. Das Nieders. Glugter bedeutet nicht nur in noch wcjtermVerstaude einenGraben, sondern wie alle Wörter, welche eine Vertiefung bezeichne»,auch von einer Erhöhung gebraucht werden, so bedeutet es daselbst auch einen Häufen, da denn slugtern iuHaufen legen, iugleichen als eiuNeu- trmn, schnell in die Höhe schießen» ist. In unftrm Schlucht herrschet die Bedeutung des hohlen, in die Länge sich erstreckenden Raumes, da e-denn mit sciuen-Verwandten Schlauch, Schlot, drm unr der Hauchlaut mangelt. Schlacht für Schlund u. s. f. ein Abkömmling des Zeitwortes schlagen ist. Im Englischen bedeutet 8 louAÜ eine-Höhle und einen Sumpf. Übrigens wird eine solche in dieLängc gehendeVertiefung an einemBerge oder zwischen zwey Bergen in einigen Gegenden eine Rlinge, im Hollstein, ein Red- der und in noch andern Gegenden ein Rachen genannt, welchem letztem; das Lat. Püiuces in eben dieser Dedeutimg ähnlich ist. Schluchzen, verb. reZ. neukr. welches mkt dem Hülfswortc haben verbunden wird. 1) Eigentlich, denjenigen unwillkiihrlichett Laut von sich hören lassen,welcher mit dein krampfartigen Zusammenziehender Luftröhre verbunden ist, nnd wofür auch das einfachere Zeitwort schlucken üblich ist. 2) Da dieser Laut oft auch einhestiges lautes Weinet» bedeutet, jo wird schluchzen auch oft von einem solchen heftigen Weinen, welches man zu unterdrücke»» sucht, gebraucht. S:e>konnte vor Schluchzen schlechthin nichts sagen, Hermes. G »nein Geliebte/, sofchftlchzete sie, 0 wie bin ich glücklich! Gcßn. So auch das Schluchzen. Anm. Es istein vermittelst der Endsilbe— ;en gebildetes Jir-- tensioum von schlucken, wo das ck nu> des Wobllautts willen in das weichere ch übergehet. Häetcwe Mundarten sprechen schluchzen. Es ist so wie schlucken eine unmittelbare Nachahmung dcS Lautes, so wie alle übrige gleichbedöutendeWörter; Niedersächs. slucken snucken, snichen, im Oberd. ohne Z-schlaut glucksen, kluck,en, iugleichen schnüpsen, hicksen, hatschen, Engl, to Schweb, ftiekttt Island. kixtL, W '-llis. »k. s. s. Der Schluchzen, des — s, p!ur. cur. derjenige Krampf der Luftröhre, der das Schluchzen in der ersten Bedeunmg verursacht. Den Schluchzen baden. I n gemeine,» Leben nur der Schlucken, am Niedres, der Gluckup Gnuchup, Huckup, irr Baieru Zer Schnakeler, in aitderu Oberdeutschen Gegeude»r der HäkfHon, Eee ee 2 die 'L4Z Schl die fesche, der äeschrtz, der Zick, der Kicksen, der Glucks, der Nosch, im Engl. Backup, blicket, im Angels. 6eoxn, im Dän. und Holland, blick, im Wallis. lg, im Franz, lstoccinst, blouc^ust, im Spanisch, blipo, im Bretagn. blix, im Griech. ; lauter unlättgbare Onomatopöien. DerSeyluck, des —es, plur. die —e, von dem Zeitworts schlucken. i) Die Handlung des Schluckens, ohne Plural; doch nur in einigen wenigen Fällen. In einem Schluck. Noch häufiger 2) soviel von einem flüssigen Korper, als man auf Ein Mahl hinunter schluckt, wo mau im gemeinen Leben auch das Diminu- tivum Schlückchen hat. Ein Schluck Wasser. Ein Schluckten Branntwein. Einen Schluck rhun. Im Nieders. ohne Zischlaut Rluck. Im Pohlnischen ist gac ohne Gaumenlaut I>^k ein Bissen, ein Münd voll, welches zunächst zu unserm lecken zu gehören scheinet. 'Schlucken, verb. reZ. welches in doppelter Gestalt üblich ist. 1) Als ein Neutrum, mit dem Hülfsivorte haben,durch die Kehle in den Magen bringen, wo es den mit dieser Handlung verbundenen Laut nachahmet. Nicht schlucken können. Jngl ichen figürlich für gierig essen. Weidlich schlucken können. (S. Schlucker.) Da dieser Lam eben derselbeist,welcher mit dem von einem Krampfe der Luftröhre heerührenden Ausstößen verbunden ist, so wird Schlucken auch wohl für das Jntenfivum schluchzen gebraucht. 2) Als ein Activnm, ein, Ding durch die Kehle in den Mage» bringen,es ftp nun ein fester oder ein flüssiger Körper. EineGpeise hinunter schlucken, im gemeinen Leben hinter schlucken. Der Behemoth schlucket in sich den Strom. Jngleichen figürlich von leblosen Körpern, wenn sie einen nassen häufig und schnell in fich ziehen, weil solches in manchen Fällen gleichfalls mit diesem Laute verbunden ist, auf welche Onomatopöie fich auch die Benennung eines Schlauches gründet, so wie Schlund von schlingen, ehedem schlinden, abstammet. , Ein stummer Boden wird gierig ihr Blut schlucken. Hiob 5,s, nach Michaelis Übersetzung.. So auch has Schlucken. Anm. Im Niedcrs.slinken.im Holland, flocken, im Schwed, fluka, im Nieders. auch ohne Zischlaut klucken. Eben daselbst ist Slok, Slöke, das Vermögen zu schlucken, der Schlund, inglei- chen ein Schmaus, und Sinke der Schlund. Schlucken ist ein Jntenstvum von einem veralteten schlugen, welches noch in dem Dänische» sluge, schlucken, übrig ist, und wovon unser Schlauch abstammet. S. auch Schlingen. Der Schlucken, des—s,plur. car. ein fürder Schluchzen übliches Wort. Den Schlucken haben, den Schluchzen. Es ist Micht dec Infinitiv des vorigen Zeitwortes, weil es sonst ungewissen Geschlechts seyn müßte, sondern eine unmittelbar aus dem Stammlaute schluck und der Ableitungssilbe —en gebildetes Hauptwort. S. Schluchzen. Der Schlucker, des —s, plur.utmom. 6nZ. von dem Zeitworts schlucken, gierig essen,/eigentlich ein Mensch, welcher viel und gierig ißt, besonders der es sich auf anderer Unkosten wohl schmecken läßt, ein Schmarotzer; in welchen Bedeutungen noch das Nieders. Slucker gangbar ist. Im Hochdeutschen gebraucht man es nur in der R. A. ein armer Schlucker, einen armen, ans- gehungertenMenschen zu bezeichnen, der seinen Hunger an fremden Tafeln zu stillen sucht. Da geht er, dev barmherzige Schlucker, Lest. Im Nieders. bedeutet auch Sloks, Sluks, ei- ncn Fresser, Vielfraß. In der Naturgeschichte wird auch der Schlingrabc von einigen Schlucker genannt, S. jenes Wort. Das Schüuckfi ober, oder Sch luchzenfieber, des -s, .plur, doch nur von mehrern Arten, ut noin. linn-. ein Fieber- mit welchem ein Schluchzen oder Schlucken verbunden ist z IHbris oder üb'Aull.uofL° S. Schluchzen. Schl 1544 Der Gchluff,des—es, plur.die—.e. ,) Bey den Jägern, ein enger Ort, durch welchen ein Thier seinen gewöhnlichen Ganü nimmt; wo es von schliefen abstaimnet, und mit dem folgenden Schlnft eiucrley ist. 2) Bey den Töpfer» wird ein gelber Thon welcher vielen Sand bey fich führet, Schluffgenannt; wo es ver^ mitthlich zn Schliefnnd dessen Verwandten gehöret, und de:rBe- griff der zähen schmierigen Beschaffenheit zu haben scheint. Die Gchluft, plur. die Schliifte, von dem Zeitworte schliefen ein enger, schmaler Ort, durch welchen man gleichsam nur schliefen kann, wo es doch nur in einigen Fällen üblich ist. Ern enges Thal zwischen zwey Bergen, ein tiefer Wasserriß an einem Berge, ein hohlerWeg wird in vielen Gegenden eineSchluft genannt. (S. Schlucht.) In den Ziegelöfen ist die Schlucht der leere Raum zwischen zwey Bänken, das Feuer darin anzumachen, da denn auch die vor jeder Schluss in der Stirnmaner des Ziegelofens angebrachten Löcher, durch welche das Holz in die Schlisst geworfen wird, Schluftlocher heißen. Der Schlug, des —es, plur.inuf.ini Bernstelrchandefteiii Col- lectivum, eine gewisse Art des Bernsteines zu bezeichnen, welcher nach dem Sandstein der Größe nach der geringste ist, indem die Körner oder Stückchen dieser Sorte zwar größer find als die Körner des Sandsteines, aber kleiner als die so genannten Rnöbcl. Da der Bernfieinhandel inPrenßen einheimisch ist,so leitet Frisch das Wort von dem Slavonischen Ho, schlimm, schlecht, her. S. indessen auch Schlacke. Der Schlummer, des —s, plur. car. ein leiser, leichter Schlaf, wobey die Seele sich der Dinge außer fich noch dunkel bewußt ist. In den Schlummer gerathcn, fallen, von dem Schlummer überfallen werden. In einem sanften Schlummer liegen. S. Schlummern. Das Schlummerfieber, des — s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut vorn. linZ. ein mit einem beständigen oder doch häufigen Schlummer verbundenes Fieber. Schlummern, verb. reA. uentr. welches das Hülfswort haben erfordert, leise und leicht schlafen, so daß man noch ein dunkles Bewußtftyii seiner und anderer Dinge hat, worin es von dem schlafen unterschieden ist. Der siither Israel schläft noch schlummert nicht, Ps. 121,4/ Reiner schlummert noch schläft, Es. 5, 27. Die biblische R. A. die Augen oder Allgenlieder schlummern, Ps. 132, 4, Matth, iz, iz, ist nur in der dichterischen Schreibart erlaubt; allein, mit den Angen schlummern, Apost. 28, 27, ist ganz ungewöhnlich. Jngleichen figürlich, besonders in der höher» Schreibart. Go viel Gattungen von Fühlbarkeit in imserer Natur schlummern, so viel auch Tonarten (gibt es,) Herd. - M Es schlummre sorgenlos ans Rosen dein Gewissen, DieSchlange werd ich selbst noch zu erregen wissen, Weiße. Als sie in die Gefilde desFricdens hinüber schlummerte,Klopst. Anm. Im Engl, to flumbcr, im Angcls. flurneran, im Schweb, flumrn, im Holland, fiu/mereo, und ohne Zischlaut lummeren. DieEndung —ern zeiget schon,daß dieses Wort ein Jtecativum oder Jntenstvum ist, dessen Srammwort schlämmen noch in einem altenBoeab. von 1482 für schlummern vorkoinmt. Der Stammbegriffisi auch hier die lahmesschlaffe Beschaffenheit eines schlummernden Körpers, nur daß das weiche und sanftem einen schwächernGrad ausdruckt,als das härtere finSchlaf. 3 " den gemeinen Mundarten und verwandten Sprachen gibt cs noch viele andere Wörter, den Schlummer und das Schlummern aus- zudruckcn, welche sich größten Theils auf einen ähnlichen Begriff gründen. Dahin gehöret Notkers nnpb?,sn,in Baiern noch jetzt napfzen, wo aber,so wie in dem Osnabrück, nicken, schlummern, Nuck, der Schlummer, und dem Schweizerischen nuchen, schlummern, iF-lF Schl meni, entncrEen, cinschlummern, Baker, entnapfzen, bcrPe- ^ griff des mit dem Schlummern im Stehen oder Sitzen verbünde- i,en Nickens mir dem Kopfe der herrschende Begriff'zu feyn scheinet; ferner die gleichfalls Oberdeutschen launlcn / lauschen, dächeln, heidcln, die Niederdeutschen dusen, drünftn, drün- seln, drusen, dromken, dusken, das Mecklenburgische dörmen, clormirs, dessen Jntensivum clormiturs, das Srammwort aber das Schwed. und Island. Our, der Schlummer, iss, derim Bremischen auch Wenk und Vaak heißt, in Boxhorns Glossen lsukivZu. wo kukon schlnmnrcrn ist.' Der Schlump, des —es, plur. in ch, ein nur in einigen Speech- arte« übliches Wort, das Unvei-rnnchew, Plötzliche, Ungefähre einer Begebenheit zu bezeichnen, mo auch das Nchenwort schlumps für unversehens üblich ist. Es war ein bloßer Schlump/ein un, gefährer Zufall. Stofch führet auch das de,- den Jägern übliche - Schlumpschuß an, ein Schuß, der nur von ungefähr trifft. Schiumpswehe oder schlumperweise, unverseheuer, uuvermu- theter Weife; lauter nur von den niedrigen Sprecharten^igene Ausdrücke. Es ist eine Onomatvpöie, welche einen ähnlichen aber weichecn Laut als plump nachahmet. Auf ähnliche Art sagt man in manchen Gegenden auf den plotz oder Plug. Schlumpen, verb. reZ.neuir. mit dem Hülesmoete haben, welches gleichfalls eine Oiiomacopöie, aber in anderer Rücksicht ist, als das vorige, im hohen Grade schlaff langen und stch bewegen, inglcicheu figürlich, anffolche Art einher gehen; gleichfalls nur im gemeinen Leben. Dre Rleider schlumpen lassen. Es schlumpet alles an ihr. Im Zause herum schlumpen. Daher die Schlumpe, eine schlumpige, i,i der Kleidung höchst nachlässige weibliche Per,ou. Ohne Zischlaut gehöret auch Lumpen und das Franz. Oamdeuu hierher. In manchen Mundarten ist davon auch das Jterarioum schlumpern üblich. Bey deu Böttchern schlumpert ein Reif, wenn er zu weit ist und nicht anzieher. Der Schlumper, des—s, plur. ut norn. linA. in einigen Gegenden ein langes Kleid mit einer Schleppe am hintern Theile; ein Gchleppkleid, S. dieses Wort. Schlumpig, —er, —ste, sch. st ackv. äußerst nachlässig in der Kleidung. Schlumpig einher gehen, so daß die Kleidungsstücke am Leibe schlumpen. Der Schlumpschuß, des—sses, plur.die—schlisse, siehe Schlump. Der Schlund, des —es, plur. die Schlunde, Diminut.'das Schliindchen, Oberd. SchlÜndlein. i. Der Anfang der Speiseröhre hinten im Munde, welcher die Speise und das Getränk auf- nimmt und zum Magen schicket. Ihr Schlund ist ein offenes Grab, Röm. z, i z. Ju weiterer Bedeutung wird auch wohl der Anfang der Luftröhre, ja die ganze Lust- und Speiseröhre, der Schlund genannt. Im Oberdeutschen kommt etwas in den un- rechten Schlund, wenn cs in die Luftröhre kommt. 2. Figürlich, ') Der Anfang der Öffnung einer Höhle, eines Abgrundes, ja einer weiten Röhre, oder vielmehr die Gräuze zwischen der Mündung und dem Abgrunde der Röhre u. s. f. Der Schlund einer öohle, eines Heuer ipependen Berges, der Zölle, eines Bamines N-s.f. In noch iveüerm Verstände wird in einigen Gegenden such der ganze Aauchfang,dieFeuermaner, der Schlund aenannt, der in manchen Gegenden der Schlot heißt. 2) Eine tiefoSkellc ln einem Flusse, in dem Meere, welche die stch nähernden Körper verschlinget, >u welchem Verstände die Wirbel, oder Strudel, ? er ähnliche gefährliche Tiefen in dem Meere und in den Strö- rnen, Schlünde genannt werden. Anm. Schon bey dem Notker 8 lunck, der es aber auch für den mimen gebraucht. Es^st von dem veralteten schünden, welches noch für schlingen bey dkmOttftied.und feinenZeitgenossen häufig Schl LL46 vorkommt. (S. Schlingen.) Auf ähnliche Art sagen die Ober- pfälzerfür Schlund Schlank, von schlingen, und dieNicdcrsachs« Slöke, Sinke, von schlucken. Das Gchlundnräuslein, des —s, plur. r,,t vom. linkender Anatomie, diejenigen Mäuslein, welche fich in dem Schlunde rn- digeu nird denselben erweitern. DerGchlunF, des—c-2- plur. die Schlünge, die Handlung des Schlingsns, ohne Plural, und so viel als man anfEin Mahl hinunter schlingen kann ; in bcydcn Fällen kommt es nur selten vor. Die Gchlrmgröhre, plur. die—n, an einer Pumpe oder eurem Ku:rstgczeüge,d!e unkersteRöhre,welche in das Wasser gerichtet ist, und welche dasselbe in .sich schlinget. Sie wird auch wohl dir Schümdrohre genannt. Der Schlupf, des—es, plur. die Schlüpfe, ein im Hochdeutschen fremdes und nur im Oberdeutschen übliches Wort, t ) Ein enger Oetvder Paß, durch welchen man nur schlüpfen kann, da es denn mit Schiuf, Schilift und Schlippe gleichbedeutend ist. 2) Die Handlung des Schlüpfens, oder so viel derselben, als mit einer und eben derselben Bewegung des Schlüpfens geschiehet. So. sagt man im Oberdeutschen, die Zaudschube m einem Schlupfe anzichen, einen Schlupfinjemandes Beutel chun. Die Schlüpfe, plur. die —n, ein gleichfalls nur irr einigen Oberdeutschen Gegenden übliches Wort. In einer Polirey.Ordnung der Stadt Frankfurt am Main für die Dorffchaften heißt es: Nur die Leichentrager sollen ffsrene Schlüpfen und Mantel nicht aber die Leicheno-gleuer bekommen. Wo es mit Schleppe gleichbedeutend zu seyn fcheinct. Schlüpfen, im Oberd. schlupfen, verb. rsA. vsutr. mit dem Hülfsworte seyn. Es ist das Jntensivum von schliefen, und ist statt desselben auch im Hochdeutschen üblich, setzet aber wegen der intensiven Form eine engere Öffnnng, mehr windende Bemühung und eine größere Glätte oder Biegsamkeit des Leibes voraus; fich mit einem glattest oder biegsamen Körper durch eine enge Öffnung winden, da es denn auch oft in weiterer Bedeutung für schnell kriechen oder fchnellfchleichen überhaupt gebraucht wird. Eine Maus schlüpft in ihr Loch. Durch einen Zaun schlüpfen. Ich muß meine Vorsicht verdoppeln, daß mein Sieg mir nicht aus den Zanden schlüpfe, unvermerkt entgehe. Wie die sanften Abendrvinde durch die weiden schlüpfen, Geßn. Im Ober, deutschen gebraucht man es auch von dem Anziehen der Kleidungsstücke. In die Strümpfe, in den Röck, in die Zandschuhe schlupfen, sie anziehen. So auch das Schlupfen. Anm.Schon bey dem Ottfriedfluplev, im Engl, to 5 lip, im Niederst stülpen, (wovon Lliuloupps, Niederst Slupe abstammet,) s.ipen, slipern, slickern, im Schwed. tlip a, welches aber auch schleichen bedeutet. (S.Schliefcn, dessen Jntensivum es ist.) Eine andere noch im Oberdeutschen völlig gangbare Bedeutung, welche fich gleichfalls aufdeuBegriff der glaüenBewegung gründet, und nach welcher schlüpfen,schlupfen,gleiten ist, ist im Hochdeutschen veraltet; bey dem Ottfried flipfun, Holland, llip- pev, Schweb, flippa, im Latein, ohne Zischlaut lubi. Unser schlüpfrig stammet noch davon her, S. dasselbe. Der Schlupfhafen, des —s, plur.die—Hafen, in der Seefahrt, kleine windstille Plätze, wohin kleine Fahrzeuge schlupfen und daselbst sicher und verborgen liegen können. Das Schlupfloch, des—es, plur.die—löcher, ein Lock, eine Öffnung, in und durch welche man nur schlupfen kann. Inglei- chen, figürlich, ein Ort, durch welchen man auf eine verborgene Art entkommen kann, ingleicheu wo man fich verbergen kann. Siehe Schlupfwinkel. Schlüpfrig, —er, —ste, ucij. et sckv. i. Eigentlich, glatt, .wo man leicht schlüpfen,d.i.zleitttt kann. Das Eis ist schlüpfrig, Eeeee s auf iz47 , Schl iL48 auf dem Else iß es schtüpfvlg zu gehen. Gebahnte Zr'.ßboden ft.eö schlüpfrig. - Noch häufiger, wenn diese Glätte vonRusse und Feuchtigkeit hrrrühret. Der?legen macht die Wege schlupfrig, besonders,wenn der Fußboden Lehm, Thon, oder fette, zähe Erde ist. Da es denn in weiterer Bedeutung auch von solchen von Nässe glatten Körpern gebraucht wird, welche leicht ans den Händen schlüpfen, Dir Gchlcihe, der Aal find schlüpfrig. In noch weitern: Verstände. Ala.tr und geschmeidig. Das g)hl wacht die Gedärme schlüpfrig. 2. Figürlich. ') Ein schlüpfriger Beweis, welcher nicht die gehörige Bündigkeit »der Festigkeit hat, aufkeincm dauerhaften Grunde ruhet. Ein schlupfriger Mensch, im Oberhculschen, ein leichrfiuniger, unbeständiger. 2) Eine schlipfrigc Fnngehaben, eine biegsame, gelenke, d. i. schwatzhaft fiyn. z) Gefährlich, bedenklich, mißlich. Es ist eine schlupfrige Sache, wen:: ein Schwächerer dein Stärken: für Bezahlung Zülfe leistet. Man furchtet oft die schlupfrige Gefahr, H a ged. 4) Auf ei ne halb verborgene Art zur Wolltest reichend. Schlüpfrige Gedichte. Ein schlüpfriges Gemahloe. Anni. Im Niederst slibberig, im Schiord. silbrig. Es tst London: im Hochdeutschen veralteten Jntenstoo schlüpften, für schlupfen, in dessen beydenBedeutungeu,oder auch,tvrnlgst- its in einigen Fällen, von dem noch im Holland, gangbaren 8 Iibfter, Schlamm. Von dem einsachern schlüpfen kommt beyWinsve- cken flieste in eben dieser Bedeutung vor. DasLateiu.lubrtLus, von'abi, schlupfen, gleitendst genau auf eben dieselbe Art gebildet, nur daß ihm der Zischlaut mangelt, so ^vie dem Engl. ein- fächern g üb, welches zu dem Niederssächfischen glippen, gleiten, gehöret. Die Schlüpfrigkeit, plur.iuuf. die Eigenschaft eines Dinges, nach welcher es schlüpfrig ist, in allenVedcutungen diesesWortts. Die Schlup, wespe, plur. die —n, ein den Wespen ähnliches Znsect mit vier pergamentenen Flügeln und einem Stachel am Schlanze, leb revmou s,.Afterwespe,welche andereRaupen- rödter rlenuert, bev welchen denn der Isntüreclo Schlups- wespeheißt. Ohne Zweifel, >veil sich diese Jnsecten gern in rügen Rftwu und Örtnu aufhalten uitd in denselben aus - und entschlüpfen. Der Schlupfwinkel, des — g, plur. ul nom. lin^. ein Winkel,'in welchen man schlupft, d. i. sich auf eine unbemerkte Art begibt. In weiterer Bedeutung, ein ftdsr verborgener Ort, in welchem man sich aus schädlichen oder bösen Absichten verbirgt; Niederst Schunlort, von schulen, sich verbergen. Schlürfen, vsrb. re^. act. einen fiussiacn Körper n:it halb geschlossenen Lippen in sich ziehen. Dann schöpfte sie einen kiihlcn Trunk und schlurft ihn mit.kleinen-Lappen, Geßn. So auch in den Zilsallim.titsetzungen abschiürftn, aus schlurfen, einschlur- ftn. Imker fe-uern Sprechart einiger Gegenden ist eS auch als rin Neutrum für da» niedrigere schlurfen üblich, weil dieses mit einem ähnlichenLarrte verbunden ist, (S. dasselbe.) Daher das Schlurfen. Anm. Es ist eine unmittelbare Nachahmung des Lautes. Im Niederst ist dafür flirren, slubbexn und lurken,im Oberdeutschen aber auch surphen, dem nächsten Verwandten vou.snrbore und supfen, denn Dimiuut. von saufen üblich, welche sich insgesammt auf eben dieselbe Onomatopöie gründen. Der Schluss, des — sseö, plur.die Schlüsse, von demZeitworte schließen, i. Die Handlung des Schließens, ohne Plural; doch rrurin einigen Bedeut,lügen des Zeitwortes, r) Die Handlung des Beschließens. Leu Schluß einer Sache machen, sie zum Gch'uffc bringen, sie beschließen. Den Schluß mit etwas wachen, Zum Schluffe eilen, schreiten. Zum Schluffe eines Erwachs schreiten, daffsshe schließet'., s) Im Reiten sagt man, es habe jemand keinen Schluß, wenn er nicht schließt, die Schenkel nicht fest air der, Leib des Pferdes anlegt. Einen guten Schluß haben. 2. Ein Ding, welches schließt, und der Ort, wo etwas schließt, oder sich schließt, )) DrrOrt, wo zwey Diage passend mit einander verbunden sind, wird häufig der Schluß ge. uannt. So :st an einer Sch re der Schluß rerjeni e Theil, wo beydcThsile vermstttlst eincsRieches imt einander vereiniget sind. Der Schluß e.ner Muschel, einer Tdur u. st f. der Der, Ivo sich die Mu.chcl schtteß r, wo oj. T.-ür anichueßet; wo in manchen Fällen auch Schloß üblich ist. Auch die Schlußsteine,Schluß: deine u. stf. heißen oft n u.. Schlüffe schlechthin. ") Dasjenige, womit ein Ding beschlossen wird ; der Beschluß. Oer Schluß eines Briefes, einer Rede u. st f. Z. Was geschlosst« wird.'-, auch ' llltr in einigem Bedeutungen des Zeitwortes. 1) Für Entschluß, darnach vorher gegangener Übrrleenug gefaßte-Vorsatz. Emm Schluß fassen, (nicht machen.) Mein Entschluß ist gefaßt. Einen Schluß andern. Indessen ist das zusammen gesetzte Entschluß üblicher; ehedem sagte man auch Beschluß So auch m de» Zusammensetzungen Rarhsschlnß, Rcichsschluß u. st f. 2) Ein ans Vordersätzen hergeleircter Satz. Einen Schluß machen, (nicht fassen.) Schlüsse aus etwas machen, ziehen, Herletten. In weiterer Bedeutung wird ein solcher hergel, ürterSatz mit allen seinen Vordersätzen ein Schluß oder vernunfrschlufi genannt, da denn der hergeleitete Satz zum Unterschiede-er Schlußsatz heißt« Z) In Bcpschlüß, Einschluß^? s.sis bedeutet cs gleichfalls ein beygeschlosscnes, eingeschlossenes Ding. S. Schließen. Die Sttchüßärt, stlur. die—en, die Art und Wüst zu schließen, d. i. einen Satz ans gewissen Vordersätzen herznleiten. Der GcHlußbtrlken, des—s, plur. u t. noin. liriA. in der Zim« mermannskunst, ein Balken, welcher den Schluß eines Daches macht, in welchem die Sparren zusammen gehen; im gemeinen Leben auch der Schloßbalken. Dcro Gchlüstbem, des — es, piur. die—e, ein Nähme des Hüftbeines uiit seinenTheilen, Os coxn.e, besonders bey dein weiblichen Ge schlechte, wo es sich bev der Geburt von eipandcr gibt und nach derselben wieder schließet; im gemeinen Leben auch das Gchloßbein, das Schloß, sor.st auch der Schluß. Das Gchlüßhier, des— es, piur. i-aul'. an einigen Drten. eine Ergetzlwbkeit an Biere ,>velche die Maurer bekommen, wenn sie den Schluß eines Gewölbes verfertiget haben. Der Schlüssel, des—s, plur. ut nom. linF. Diminut. dar Gchiüsselchen, Oberdeutsch Schiüsscicin, ein Wer'^.uK damit;» schließen, i. In der gewöhn'ichftenBedeutnugchas g> ivöbnkche Werkzeug ein Schloß damit auszuschließeii, oder zu öffnen. Nit dem Schlüssel aufschließen. Der Schlüssel schließt nicht. Ei» Schloß ohne Schlüssel aufmachen. Daher der ZausschÜiffü- Stubenschlussel, Th erschlaffe l, Schrankschli-ss'l u. s. s. E-'was unter seinem Schlüssel haben, unter seinem Beschlüsse. Der goldene Schlüssel, das shmbolischeZeich u derWürde cinesKaiu- merherren. Den goldenen Schlüssel bekommen, diese Würde, 2. In weiterer Bedeutung werden verschiedene Arten von Hebel, etwas damit zu öffnen, zu spannen, Schrauben damit zu drehm u.stf. oft Schlüssel genannt. Die Schlüssel, d i.Hebel mit einer eckigen Öffnung, Schrauben damit auf und zi-zufchbauben, heißen, wenn sie sehr groß sind und zwei) Arme haben, bei) d-» Schlössern Vindeiftn. Der Schlüssel zu einer ttbr, der Uhm schliiffel, z» einem Saiten .Instrumente, die Stifte, welche lue Saiten tragen, untzud: eben u. s. st In noch weiterm Verstände!! der Schlüssel bcy den Schustern ein Keil, welcher zwischen d e zwey Hälften eines zerschnittenen Leistens getrieben wird, euu» Schub damit weiter zu machen. In den Orgelpfeifen sind die Schlüssel kleine bewegliche Kasten mit einemDrahte, iL49 Wchee damit z» verschließen, z. Figürlich. ljTlnc Gränz- festung, ein GrätlZpaß oder ü"dcrer fester Gräuzort, helft der Schlüssel eines Landes, weil dessen Besitz das Laich gleichsam öffnet oder verschließ?. 2) Das Mittel eine sonst unbekannteSache zu erkennen. In der Musik ist der Schlüssel ein Zeichen vor den Linien, welches zeigt, wie die vorgeschriebenen Töne richtig zu ben-, nnen sind, und mit welcher Art von Stimme sic hervor gebracht werden müsser». Der Alt-Schlüssel, Difcant- Schlüssel, Baff- Schlüssel, m s. f. Derviolin- Schlüssel. Das Alphabet einer verborgenen Schreibart wirdidr Schlüssel genannt. Den Schlüssel zu einerGache haben, das Mittel das Verborgene oder Unbekannte in derselben zu entdecken, z) Gewalt, Herrschaft, .hoch nur in der Deutschen Bibel; daher noch irr der Theologie die Gewalt von der Kirchengemeinschaft anszuschließen, der Binde- schlüssel, die Gewalt aber wieder in dieselbe aufzunehmen , der Löseschlüssel genannt wird. Bepde zusammen heissen d:e Scylus- sel des Himmelreiche. Anm. Bem dem Ottfried 8Iuire!,bey dem Notker 8Iur?eI, lm Nieders. Glötel. Es ist vermittelst der Ablcitungssylbe —el, ein Werkzeug, Subject, von schließen gebildet. Die Schlüsseltt-ek, p!ur. die—n, in der Anatomie, die bcpden Äste der Hohladcr, welche unter den Schliiss'lbeinen weg nach den Armen;u aehen; eigentlich Schlüsselbeinadern. Das S-Müssebbein, des—es, plur. die—e, eben daselbst, zwey Beine irr Gestalt eines langen Lateinischen 8, welche unter dem Halft auf der obersten Brust liegen,eines kleinenFingers dick, und einen halben Fuß lang sind . GinvicrttLe, Hey einigenDros- selbeine; entweder wegen ihrer Ähnlichkeit mit einem Schlüssel nach aller Art, oderauch, wer! sie die Brust verschließen, und gleichsam der Schlüssel zu derselben sind. Die Gchlüssslblurne, plur. die—n, die Blume eines Gewächses, ?rimuler v s - i 5 ki-. Himmelschlüssel, G. Peters-Schlüssel, G-chtkraur. Ohsr Zweifel, wegen einiaer Ähnlichkeit, welche die Blumen an ihrem Stängel nüteinem Schlüssel ukd seinemBarte haben. -- Die Gchlüsselbüchse, plur. die—n, ein zu einer Büchse gemachter Schlüssel, d. i. ein Schlüssel mit einem Zündlochc, aus welche,: die Knaben zu schießen pflegen. Das Gcylüsselgeld, des—es,plur. doch mir vonmchrernSnm- mc„, die —er, dasjenige Geschenk, welches der Käufer eines Hauses dcrGattrnn oder Tochter dcsVerkäufer gleichsam für die Abtretung der Schlüssel des Hauses macht,und welches an eiiuzcrr Orten auch das Herdgeld genannt wird, S. dieses Wort. DerSchlüssolhaken, des — s, plur. ul nom. linF. ein Haken, mehrere Schluss l daran zu hängen, oder bev sich zu tragen. Das Schlüssessöft-, des—es, plur. die — lochen, dasjenige Lock, durch welches der Schlüffelin das Schloß gesteckt wirch. Der Schlüsselring, des—es, plur. die—e, ein Ring, mehrere Schlüsse! daran zu stecken. Der Gchlüsssls'hrld, des—es. plur. die —e, dasjenige Blech, welches die -Öffnung durch die Thür zu dem Schlosse bedecket, und worin sich das Schlüsselloch bcsindet. Die Sch rüsselsenke, plur. die—u, bey de» Schlössern, eine stählcriio Platte mit rnndlrch nReifcn, die Röhren an denSchlüs- seln darin ab-ur,inden. S. Senke. Der Schlüsselzehnte, des — n, plur. die—n, in einigen Gegenden, z. B. im Amte Balleiistädr imFüestenthumAnhalt, derjenige Zehnte, welcher nur von einigen Äckern, und zwar von jedem Acker fünf Garben, gegeben lvird.mid den Nahmen und Ursprung ohneZweifcl einem besonder« Umstande zrr verdanken hat. Schlüssig, aü v. von Schluff so fern es einen nach Überlegung gefaßten Vorsatz bedeutet« Schlüssig werden, sich entschließen, Schm I.ZL0 etwas beschli ßen. Dieß machte m'chfchlüstkg, mich ihm ;ü entdecken, bewegte mich z» dem Entschlüsse. In demGrgonsatze unschlnssig, wo es aber zweifelhaft, Mangel an dem Vermöge» sich zu entschließet;, bedeutet, ist es auch als ein Veywoet üblich.- F/ischcns schliisiige Gründe, bündige, sind nicht üblich. Die Schlüßlc.'ste, plur. d:e — u, ^ydcn Buchdruckern, Leisten, d. i. geschnitzte Zierachen von Holz, welche zum Schlüsse cine-Ab- schiiittes in einem Buche geft-tzr werden; dreFiva-l: Leiste. Der Schlüßpunct, des—-cs, plur. die — 0, d.r Punct am Schlüsse einerPeriode,welcher auch nur der Punct schlechthin genannt wird. Die Schlußrechnung, xüur. -ie — e», eine Rechnung zum Schlüsse oder Beschlüsse eines Gcschäfteschie letzteHariptrechuunz über dasselbe. Die Schlußrede, plur. die—n. 1) Ein durch Worte ausgr- druckterVernnnfttchluß; mit eirlcmGriech.ulrdLatein.Kunstworte Syllogismus. 2) Eine Rode, oder Theil einer Rede zum Beschlüsse ; wohin z. B. der Eplogus der Schauspieler gehöret., Der Schlüßreif, des — es, plur. die— e, bey den Böttchern,die letzten und äußersten Reife eines Gefäßes. Die Schlürft sag s, plur. die — N, bey den Tischlern, dreSchlr'cff- ft-'ge, eine feine Säge, Dinge, welche genau schließen oder paffe» sollen, damit zu sägen. . Der Schlußsatz, des— es , plur. die — sage, t) Ein Satz am Schluffe oder Beschlüsse einer Rede. 2) Zn einer Schlußrede, der aus den Vordersätzen hergeloitete Satz, der Schluff selbst; der Folgesatz, dieDonclusion. Der Gchlüßstein , des — es, plur. die—e, bey den Mä nrerrr keilförmige Steine, womit ein Bogen, oder ein G-wölbe geschlossen wird ; Gch'offsteine, Schluss?. Der Gchlußtritt, des — es, plur. die —e, bey den Jägern, S Schloff 2. Der Schlüßziercrrh, des—es, plur. die—en, Zierarhen, welche am EndeeinesBuches oderAbschnittcs cmKebrüchr werden, und wohin auch di? Schlußleisten gehören. Der Schmach, der Gärberbaum, S. 1 Schmack und Srrmach. .Die Schmach, plur. juusi r) *DasSchmähen, drcHandlung des Schniähens,ittgleicheuSchmährcden, Schmähungen; eine im Hochdeutschen ungewöhnliche und veraltete Bedeutung. Solltet ihr nicht in der Furcht Gottes wandeln, um der Schmach willen der Heiden, ynseeer Feinde k Nehem. 5, 9 ; b. i. damit ihr nicht von ihnen grschmähet werdet. Herr du hörest ihre Schmach und alle ihre Gedanken übcrmich, Klage! Z, s,. Auf daß er nicht falle dem Lästerer in die Schmach, >, Timoth. Z, ?. .2) Die rhäkigc, kränkende Erweisung des Unheils von der geringen, verächtlichen Beschaffenheit eincs-andern, wodurch es sich von Schimpf, Schande, Hohn, Spott u- s. f. unterscheidet. Jemanden alle Schmach anrhun, welches so wohl durch kränkendever- LchrllcheWorse,äls durch andere kränkende nnhVerachtnng an den Tag legende Handlungen geschehen kann. Schmachthutwehe. Die Schmach bricht mir mein Herz, Ps. 69, 22. Gedenke Gott an die Schmach, die dir täglich von den Thoren widerfahret, Ps. 74, 22. Die biblischen Figuren, da es auch den Zustand bedeutet, da man derSchmach vonSeiken anderer ausac- setzet ist, in Schmach sepn, die Schmach von jemanden nehmen, ingleichen einen Gegenstand derSchmach, eine Schmach seyn,zur Schmach werden, werden im Hochdeutsche:: selten mehr gebraucht, wo dieses Wort überhaupt in der Sprache des täglichen -und gemeinen Lebens nur selten gehöret wird. In einigen Oberdeutschen Gegenden scheinet es auch für Schande üblich zu ftyn, wenigstens höret man d-aselbst, etwas für eine Schmach halte», für eine Schande. In Luthers Deutscher Bibel kommt auch der Plural ILL1 Schm Plural vor: in Schwachen gutes Murhes seyn, r Tim. Z, 7 , die Schmach (Schmachen) derer die dich schmähen, fallen auf mich,Ps. 6-/ 10 ; welcher aber imHochdeutschen ganz ungewöhnlich ist. - Anm. -Im Schwabenspiegel, wo es aber auch für Schande gebraucht wird,6ie 8msci:e, bey andern älternOberdeutschen die Schwächt, im Niedres Gmade, Gmahcit, im Schwed.8ms.1lA und 8malch-l,im Böhm, k>osmecst, welche inc-gcsammt nur im Endlaute unterschieden sind. Im -4ten Jahrhunderte wurde Schmahcit auch für Laster, Zcelus, gebraucht. Bey diesem so weiten chemahligen Umfange der Bedeutung dieses Worte-, läßt sich dessen Abstammung und folglich auch dessen erste und eigentliche Bedeutung nur murhinaßlich bestimmen, zumahl da dreyWör- ter gleich starkeuAn fpru ch darauf machen könne». Es kann uähm- lich, i) unmittelbar von schmähen abstammeu, und eigentlich Schniach in Worten bedeuten, welches wenigstens von der erstem BedemmiMewiß ist. 2 ) Es kann aber auch von dem imHochdeut- Men veralteten schma,schwächt, klein,und figürlich geringe, ver- Lchrlich,Nieder s. sma, smade, smäde,Schwed. smA, abstammei?, (S. Schmächtig und Schmal, welche gleichfalls daher kommen.) Ben demOttfr.ist lmslier 8LsIcein geringer schlechter Knechts und Kero gebraucht ivmslistlii und Oltfried 8mski fiie geringe, schlechte Beschaffenheit, Verächtlichkeit, s) Da endlich Laster/ Schande und andere ähnlicheWörter eigentlich körperliche Verunstaltungen bedeuten, und diesem Worte in mchreru Mundarten rin d amlcbt, wie aus dem Niederfächs. Swade und Schwed. Lmscks, schmähen, erhellet, so kann es auch von dem veralteten fchwaden, besudeln, Herkommen, wovon unser schwitzen und schmutzen Jittenstva sind, so daß Schmach eigentlich körperliche Beschmutzung und daraus entstehende Verächtlichkeit bedeuten würde. So auch Gchnrälich. Schmachten, Verb. reA. llsutr. welches dasHUfswart haben erfordert, den höchsten Grad des Hungers und Durstes emvsiri- den, wo es eine rrnnnttelbare Nachahmung desjenigen Lautes ist, welchen ein im höchsten Grade Durstiger, im Stande der ungebildeten sich selbst überlassenen Natur, mit dem Munde macht. r. Eigentlich. Vor Durst, vor Hunger schmachten. Nach einem Trünke Wasser schmachten. Vor Hitze schmachten, weil die Empfindung eines hohen Grades der Hitze sich durch einen ähnlichen Laut äußert. Gchmachthans, Sch,nachthals, Schwache- lappen strrd m einigen gemeinen Sprecharten verächtliche Berum- ruuizeireineSHnngerleiders, von der Niederdeutschen Bedeutung, schmachten, hungern,Hunger leiden. 2 . Figürlich. -) Vor Hunger und Durst abgezehrrt werden. S.'e muß doch vor Hunger- schmachten, Grypss. Im Gefängnisse schmachten, in weiterm Verstaube, aus Mangel der Freiheit und Bequemlichkeit abge- zrhret werden. (S. Verschmachten.) 2 ) Einen hohenMrad der: Sehnsuchk, des sehnsüchtigen Verlangens empfinden. Fernanden schmachtend anschen. Augen die oft schmachtend anfdie seini- gen geheftet waren. Blaue schmachtende Augen. iDer Gegenstand des Schmachtens bekommt auch hier bas Vorwort nach. Seht, wie fein Auge nach mir schmachtet, Gell. M Ao'.irso, meine Seele schmachtet darnach, wie ein verdorr-- tes Gras' nach dem Morgenthaue,' Weiße. Nach Trost schmachten, «rso auch das Schmachten. Amn. Bey dem Notker 5ms!nt6n,iurd in der erste» stgürlicherr Bedeutung mlenfivs kmeeffsren, im Rieders. smagten, wo cs such für hungern überhaupt, iugleichcn fürHuuger leioencharben, gxbraucht wird. Es ist ohne Zweifel eine unmittelbare Onoma- rapöüchso w-n' fchmecken, we.lchesder Form nach ei» Zutenfivuitt ^üÄou ist^ fo fcrn es ejrreu ähnlichen Laut, Nachahmer, der aber eine E Schm IL?, 2 ganz andere Handlung begleitet. Ehedem war auch Schwächt der Hunger, und schmachten, factitive, verhungern lassen. Schmächtig, —er, —sie, scij. et. 26 v. -) * Von dem von. gen schmachten, oder vielmehr von den, veraltetenHauptworlr Schwächt, ein hoher Grad des Hungers, Hunger leidend, Man. gcl an den nöthigen Nahrnngsmicleln habend und empfindend; eine im Hochdeutschen unbekannte', im Ober- nnd.Niederdcutschnr aber sehr gangbare Bedeutung. Go schmächtig als ein Wolf, so hnngerig. Ein schmächtiger Lieb, ein gcitziger Hungerleider. Eine schmächtige Herberge, wo nichts zu beißen noch zu brechen ist. Schmächtig aussehen, verhungert. Schmächtig leben, arm. selig. 2 ) I,i vielen Gebenden, besonders in Ober- und Nieder« sachscn, ist schmächtig auch soviel wie schlank oder geschiank, lang aber nach Verhältniß dünne und biegsam. Ein schmächtiger Mensch, von einem schlanken Wüchse. Ein schmächtiges Reis, eiu schlaiststs. Anm. Nieders. smagtig, smätsk. In der zwevten Bedeutung schrittet dieses Wort nur zufälliger Weise zur ersten zu gehören, indem ihr in derselben nichts von dem verächtlichen Nehcnbegriffe des Hungers oder der Noch anklebt, der in der erstem herrscht; es scheinet hier vielmehr zu schmiegen und dem bey Schmach angeführten veralteten Bcyworte 1ms ck, klein, und figürlich geringe, schlecht, zu gehören. Ohne Zischlaut sind auch mager, mscere, mscer» MLcilentus u. s.s. mit diesem Worte in der ersten B» deutung verwandt. Das Scchnrcrcchtkovn, des —es,)ilur. die — körner, in der Land« wirthschafr Meißens, kleine unvollkommene Körner im Getreide, welche nicht ihre völlige Größe und Reise haben, sondern gleich, sam verschmachtet find. Der Schmächtling, des—es, xlur. die— e, eine schmächtige Person» Der Schmachtriemen, des —s, plur. ul vom. lmx. in cim« gen Gegenden, ein breiter lederner Riemen der Fuhrleute, Reiter u. s. s. den llnterliib damit zu gürten,wenn er leer ist, damit er auf dem Pferde nicht >o erschüttert werde; pon dem veralteten Hauptworte Schwache, der Hunger. r. L er Schmach, des —es, plur. die—e, eine Benennung des Färber- oder Gä'rberbaumcs, knis corisrlL welcher Nähme ans dem Span. 8umsco, Snmach, zusammen gezogen ist, und ben einigen auch Schmach lautet. Daher schmäckgares Leder, bey den Gärbern, welches mit Schwach gar gemacht worden, im Gegensätze des lohgarem. 2 . * Der Schmach, des -—es, ^lur.irms. ein im Hochdeutschen veraltetes Wort für das jetzt übliche Geschmach. Das Manna hatte einen Schmach wie Semmel, 2 Mos. > 6 , z ». Und war einem jeglichen nach seinem Schwach eben, WeiSh. > 6 , 20 . Es ist noch in den gemeinen Sprecharten Ober - und Nieder« dentschlandes üblich, wo cs i„ den crsiern auch für Geruch gc- brauchtwird: Kstn jZsIl'sm 8m,sk sn ss beksm, König Ti» rok. O. Geschmach, Gchmachhaft und Schmecken. Die S'chmacke^p! ur. die — n,in der Niederdeutschen Schisssavct, eine Art Schiffe mit hohem Borte, niit einem Mast ohne Korb, einem Bögipriet, stachen Kiele, runden Hintercherle, bauchigen Vvrdcrtheiie und kurzen Gebäude. Sie haben ein höheres Verdeck und ein breire,-es und schwereres Steuerruder als andere Schiffe, und werden in Holland nur auf den Canälen oder kurzen Seereisen gebraucht. In Bremen und andern Niedersäcbsischen Gegenden hat man gleichfalls Schmacken oder Schm ach schiffe, welches daselbst Barken von zo bis 80 Last, mit einemGaffcl- niaste- und einem zwiefachen Bargholze sind. Holl. nud Engl 8 m !cch,Fran;. 8 örnscjue,Al!gclu 8 cisc-e:s, Jsländ.8necl^ (S. Wort,) ein schmähendes Wort, und i l werterer Bedeutung, im Plural Schmahwortc, schmähende Reden. Schmal, schmäler, schmälste, uckft et sck v. eine geringe Ausdehnung habend, i. Im weitesten Verstände, da es ehedem für. klein gebraucht wurde, im Gegensätze dessen was groß ist. '-"Eigentlich. Zinuliu OekuZele, kleine Vögel, d.!. Sper- ling-', im Isidor. Lrnule klolr, Gesträuch, Notker. Jetzt -ft eS in dieser Bedeutung im Hochdeutschen veraltet, außer daß es noch in einigen Zusammensetzungen und Ableitungen beybehalten ist, (S. Schmälern, Schmalfaar, Schmalthier, Gchmalvieh, Schmalzehnte.) -) Figürlich, geringe, schlecht; in welcher Bedeutung eS noch hin und wieder Im gemeinen Leben, doch nur i» . einigen einzelnen R. A. üblich ist. Zmuft'uiVlwuno sind imJsidor geringe, schlechte Leute. Ein schmales Lob haben, ein schlechtes, geringes, in einigen Ostdeutschen Gegenden. Line schmale Lrnre, rveinlese, Nesse, eine schlechte. Schmal bestehen, schlecht. Eine schmale Besoldung, eine geringe, kleine. In- gleichen für kärglich, ärmlich, sparsam; gleichfalls nur hinund wieder. Schmal leben, schlecht nnd spärlich, in Ansehung der Nahrlmgsmittel. Es gehet hier schnürst her, ärmlich, kärglich. Bey schmaler Rost, Haged. GchmaleBissen essen müssen, sich ärmlich, spärlich, in Ansehung der Nahrungsmittel hehelfen müs- sen. 2 . In engerm Verstände, von einigen besonder!! Arten der Kleinheit, daS ist, von der geringen Ausdehnung in Ansehung ein. zelner Achtungen. ') ^Für dünn , im Gegensätze des dick; kirre jetzt gleichfalls veraltete Bedeutung. Schmale Groschen wurden ehedem eine Art dünner Groschen genannt, welche dem Frisch zu Folge nur 6 j. Pfennig galten.- Im gemeinen Leben sagt Uran zuweilen wohl noch, jemand ftp schmal von Leibe, d.i. dünn, schmächtig. (S. auch Schmaüedes ) Figürlich wurde cs denn ehedem auch wohl für mager gebraucht, im Gegensätze des fleischig, welche Bedeutung noch bey den Jägern üblich ist, wo ein Wild schmal und geringe heißt, wenn es mager ist. 2 ) Eine geringe Breite habend, im Gegensätze des breit, wAches noch die gangbarste Bedeutung ist, in welcher cs beynahe der einzige Ausdruck für diese» Begriff ist. Schmale Tücher, schmale Leinwand, im Gegensätze der breitem Ern schmales äaus, ein schmaler Weg. Der Rand ist sehr schmal. Anm. Schon iM Kero ruw Isidor Lmul, im Augels. ftnaej, im Engl. smulst welches gleichfalls klein und dünne bedeutet, im Schweb, und N-cderst fmal. Es ist vondemjetzt veralteten smu, klein, und figürlich, schlecht, geringe, verächtlich, Niederst sma, Schweb. 1in3, nur im Endlante verschieden, (S. Schmach und Schmächtig,) dagegen dem Slavon. mulo, klein, nur der Zischlaut fehlet. Da hieraus erhellet, daß diesem Morte ein Hauch oder Gaumenlaut ankleöet, indem schmal-ällcm Anscheine nach für schmaheloder schmachcl stehet, so würde daraus zugleich folgen. daß man dieses Wort richtiger schmahl als " schmal schreibet, zuttiahl da die langen Selbfllauter vor einem flüssigen Buchstaben ohnehin gern ein h nach sich haben, (S. 6 -) Em Hauptwort ist von diesem Beyworte nicht gangbar; denn das im gemeinen Leben zuweilen übliche Schmale ist in guten Schriften noch nicht ausgenommen, oh eS gleich die Analogie von Breite, Dünne, Größe, Licke u. s. s. für sich hat. Die SKmalänte plur. die— n, eine Art wilder Äntcir. lvckche kleiner sind, als die gewöhnlichen, ihnen über in allen übrigen Stücken gleichere. Von schmäl, klein. DäS Schmüleisen, des—s, chlur. juckst, im HLtttnbanc, dasjenige geschmolzene Eisen, welches nach auSgegangcnem Feuer in dem Ofen zurück bleibt, nnd woraus bernach die Pflugscharen geschin et c , werden. Vielleicht von schmal, schlecht, geringe. F ff f f ILFS S-chm Schmerlen, verd. reg. veukr. welches das Hillfsrvors haben erfordert, und in einer doppelten Bedeutung üblich ist. r) Bey den Jägern bedeutet es im weitern Verstände, einen Laut von sich geben, seine Stimme hören lassen; wo es doch nur von den Rehen und Nehböcken üblich ist, und auch melden und schrecken genannt wird. 2) Jü der vertraulichen Sprechart ist schmälen, seinen Unwillen durch Worte an den Tag legen; wo cszu'glcich ein gelinderer und verdaulicherer Ausdruck ist, als schelten und andere gleichbedeutende, indem er einen gcringern Grad des Unwillens und gelindere Ausdrücke desselben Voraussicht. Den ganzen Tag schmälen. Auf jemanden schmälen. Ja, wenn doch nur chkinMahl dein Vater auf-ich schmälte, Rost. So auch das Schmalen. Anni. Im Niederst gleichfalls schmälen und schwellen. Es ist der Form nach ein Diminutivum von schmähen, gleichsam ein wenig schmähen, da cs denn ans schmähelen zusammen gezogen ist, (S.—Ein;) woraus zugleich erhellet, daß auch die Schreibart schmählen ihre Gründe fü rstch hak. Dem Ursprünge nach schei- mt es eine Onomatopöie zu scyn, wie solches die erste bey den Jägern übliche Bedeutimg wahrscheinlich inacht. Und da ste dieses schmälen auch melden trennen, so erhellet daraus zugleich dre Ver, wandtschaft mit diesem Worte und nnt 2 Mahl, die Sprache, von welchem letztern es vermittelst des intensivenZischlautes gebildet worden. Ju derRothwälsch-üDiebess-rache ist schmalen übel von jemanden reden, undSchmalkachler ein Verleumder. Schmälern, vsrb. reZ. «ct. schmäler machen, doch nur noch itt der weitern Bedeutung, kleiner, geringer machen, und auch hie» nur in einigen Fällen. Jemandes Gran;,»schmälern. Jemandes Einkünfte, Nahrung, guten Nahmen schmälern. Na« schmälert sein Verdienst, Gümh. Im Oberdeutschen sagt man auch ein Kleid schmälern, es enger machen, die Unkosten schmälern, sie moderiren, das viele Studieren schmälert die Kräfte v. s. f. In der engern Bedcurusg, der Breite nach kleiner machen , ist es nicht üblich, außer zuweilen in der reciprokeu Gestalt. Hiev schmälert sich das Land, der Lluß, wird enger» So auch das Schmälern und die Schmälerung.' Der Schmalhans, des--7 es, plur. die-—e, in ben niedrige« Sprecharteu, eine Person, b,y welcher es schmale Bissen setzt, elu Hungerleider, kargerGettzhals; besonders in derR.A. hier iS Schmalhans Küchenmeister, hier wird die Tafel armselig bestellt. Schweb, und Niederst eves so. S. Hansi D«rs Schmalholz, des—es, plur. i v u st bey den Kohlenbrennern, kleines Holz, mit welchem das starke Holz in den Meiler» rrnterseS-'l wird. Bey dem Notker ist stmnl lckol.2 Gebüsch. Schmälich, —er,—Se, aäj. et ackv. r) Von schmal, klein, wäre schmälich eigentlich diesem Worte gleichbedeutend. Es ist aber nicht üblich',, außer dsß mau im gemeinen Leben einiger Gegenden es figürlich für kärglich, armselig, spärlich gebraucht. Sich schmälich behelfen, ärmlich. Eineschmäliche Mahlzeit, wo es schmaleB-sscn setzt. Schon bey demKero isi l'mslift geringe. 2) VoitSchmüch,?der vielmehr dem veralteteistBeywortesschmach. schimpflich, verächtlich; eiiie nur noch im gemeinen Leben und der vertraulichen Spcechart übliche Bedeutung. Sie schlagen mich schmälich, Hiob 16, 10. Gchmälige Worte, verächtliche. Ein schmäliches Geboth auf etwas thun, ein verächtliches, schimpfliches. Jemanden schmälich halten, auf eine kränkende Art verächtlich. Und wird, kommt ihr kein Herrmann vor, In Herrmanns Vaterland ein schmälich Denkmahl stiften, Uz. Ein fchmälrcher Tob. Eines schmäftchen Todes sterben, eines schimpfliche,r. Zn der niedrigen Sprechart wird e§, wie audere Schm 1 ähnliche Wörter, oft als ein intensives Wort für sehr, sehr groß, sebr hef ig gebrauche. Es ist eine stpmätrche Hitze, eine überaus große. Es ist schmäuch kalt. Schmälich groß. Er spotielv cach seiner Art Des Uieftrr mir dem schwarzen Bart Aus ftlnem 5 enster schmälich, Götnng.M»sett'-Alm.l 776. Das S „malledrc, des -s, p!ur. doch mir von meheerit Arten,, ut-vom. livz. bey den Gärbcrn und im Lederhandel, Leder von Kühen, Z bis 4 jähngen Rindern und Pferdeu ; im Gegensaöe des dicken Hfundieders. Von schmal, dünne. ^ , Dre Schltnabftr^t, plcrr. ruul.eiu nur in einigenGegenden, best'», ders in Lberdeutfcbland, übliches Collecüvum,Hü enftüchke,z.B. Ec vsen, Linsen, Wicken und Bohnen z,r bezeichnen. Ls erfolgte ein so helßerSommer, daß die Schmal strae verdarb, Bluntschli, kin Schweizer. 8 enci 1 stnt kommt schon bey dein Kero in dieser Bedeutung vor, und stammet von schmal ab, vermnthlich sofern cs niedrig, klein, bedeutet, im Gegensätze des höhern Getreides mit Thren, oder weil die Hülsci-.ftüchte gemeiniglich in kleinerer und geringerer Menge erbauet werden.! s , Die Schmälte, plur. die—n, in dem Hnttenbaue, das ans dem Kobalt durch dieVerglasung erhaltene metüllischeGlas, besonders nachdem es gemahlen und gcschlämmet, und dadurch zur blauen Farbe znbereitet worden, da es auch blaue 8arbe, Blaiifarbe genannt wird. Der Nähme ist aus dem Jtal. 8ma!ro, im Mittlern Lat. 8multum, Schmelz, Gchmelzglas, S.Gchmelz. Das Schmalthier, des — es,-xlur. die—e, bey den Jagern, ein Hirsch- oderNehkalb, so bald es Ein Jahr alt ist, bis zu der Zeit, da es selbst zu brunfteu und zu setzen anfangt. Von schmal, klein, geringe. In Schwaben werden junge Kühe, Stiere u. s. s. Gchmalig, Schmalmetzge genannt. S. das folgende. Das Schmalvieh, des —es, plur. inust das kleinere zahme Vieh, zum «Unterschiede von dein großen Zug- und Lastviche. ' Besollders pflegt man unter diesem Worte düSchafe zu verstehen. Das Schweb. 8 ma 1 e bedeutet gleichfalls das kleine Vieh. Das Schmalz, des—es, plur. doch nur von Mehrern Arten, die — e, dss in den Thieren befindliche Fett. 1. Überhaupt, wo es in manchen Gegenden für Fett überhaupt gebraucht wird. So sagt man daselbst, es habe jemand viel Schmalz, wenn er fett ist. Im Hochdeutschen ist es in der anständigen Schreibart ungewöhnlich.' s. In engerm Verstände, ä) Im Oberdeutschen wird die Butter, besonders die ungesalzene, Schmalz genannt; Manchmal;, Maybutter. Jtaliänisch 8mLlro. Im Hochdeutschen führet nur die ausgelassene oder ansgeschmolzene und hernach verwahrte Butter, urit wclchcrädieSpeiseu geschmalzen werden, den Nahmen desGchmalzes, noch häufiger aber derSchmelz- bntter. Die Speisen ohne Sal; und Schmal; anrichtem ohne Gewürz und Butter. 2) Ausgeschmolzenes oder ansgebratenes Thier fett, welches nach dein Erkalten eine weiche schmierige Beschaffenheit behält; zum Unterschiede vou dem Talge. Gänseschmalz, Schweineschmalz, Bärenfthmalz, Klauenschmal;, Fischschmal; n. s. f. Uneigcntljch sichrer das Öhvenschmalz, wegen seiner ähnlichen Confiftenz und schmierigen Beschaffellhelt, ben Nahmen des, Schmalzes. Anm. Im Niederst Smalt,-im Pohlnischen 8malc'c,8mÄ!cs im Schwedischen smüll.. So fern cs Fett überhaupt bedeutet, drncki es die weiche schmierige Beschaffenheit desselben ans, da denn ohne Zischlaut auch mollis, molsch, das Jtal. iVlnlts, Morast». a.m.zudesseuVerwandlschait gel>"'ren. In dcnbeydcil engcrnBedeutmiqei, scheitlet cs zunächst von deinAeitworte schmelzen gebildet znseyn, S. dasselbe, ingleicheir Schmer. Die Schmalzbirn, plur. die —en, eine Ar t saftiger schmackbat'« terBrrnrn, deren Fleisch im Mund/ gleichsam zerschmtlzct. ^ 1LL7 Sch m jst i» unfern Gärten unter dem Franzöfischcn Nahmen keurree «m belannresie». In Niedersachscn werden andere Arten saftiger und weicher Äpfel und Birnen Smoltjes genannt. Die ScHmalzbLume, plur. die—u, ein in manchen, besonders Oberdeutschen Gegenden für Butterblume Irbliches Wort; von Schmalz, Butter. Der Schmalzeh',rte, des—n, plur. die—n, der kleine Zehnte, b. i. der Zehnte von dem Schmalviche, den Schafen, Lämmern, Füllen, Kälbern, Gänsen, Hühnern, Bienen im Gegensätze des größer« Getreidezehnten. -Schmalzen, verb. reZ. act. außer daß das Mittelwort in vielen Gegenden Zeschmalzen hat, irr den Küchen, mir Schmal; oder Fett, und in engerer Bedeutung, mit Butter würzen. Eine Suppe schmalzen, Butter daran chun. Das Braut rmgeschmal- zen essen. Veder gesalzen noch geschmalzen. Daher das Schmalzen. In vielen Gegenden selbst in Obersachfen lautet dieses Wort schmalzen, schmelzen, und wird alsdann auch wohl regulär abgewandelt, geschmalzt oder geschmelzt. Indessen ist schmalzen richtiger, wie salzen von Salz. Aus dem irregulären Mittelworte erhellet, daß dieses Zeitwort ehedem auch im Jmper- fect schmielz hatte, so wie mau von salzen ehedem ich stelz sagte, utid in manchen Oberdeutschen Gegenden noch sagt. Die Schmalzfeöer, plur. die — n, in einigen Gegenden rin Nähme der 8cttfeder, S. dieses Wort. Die GchmalztzruHe, plur. die— n, eine figürliche Benennung eines fruchtbaren und fetten Landes, besonders so fern es eine ein? trägliche und gute Viehzucht hast Der Schmalzkäfer, des —s, plur. ut vom. kag. m einiger» Gegenden ein Nähme des blauen Maykäfers. Der Schmalzkübel, des —s, plur. ut vom-, llvF. in der Haus- wirthschaft,ein hölzernerKübel, welcher unten weiter ist, als obcn^ das Schmal; oder die Schmelzbutter darin zu verwahren. Der Schmant, des —es, plur. doch nur von mehrern Arten/, die — e. r) IM Bergbaue, eine zarte nasse ,md schwefelgelbe Erde, welche sich bey dem Sieden des Vitriolesniederschläget, und aus welcher eine rothe Farbe gebrannt wird. In den Salzwerkcn wird die Unreinigkeit der Sohle, welche sich als ein Schaum oben- aufsetzet, der Salzschmant genannt. 2) In manchen Gegenden, z. B.inLiefland, wird dev Milchrahm Schmant, oder als ein Fämin. Schmante, genannt, welches mit dem Slavon. Schnitts ten gewandt zu seyn scheinet. S. Baym. Anm. In beyden Fällen ist der Begriff der weichen schmierigen Beschaffenheit der herrschende, wohin ohne Zischlaut auch das Hebräische sLW.ÖHl, das Finnische iVluevti, weiches,sämiichrs Leder, u. a, m. gehören. Im Böhmischen ist rnmnn^ kokhig. Schmarotzen, verk. reZ. veutr. mir dem HMfsworte Haben,, sich migebethen einstnden, wo es etwas zu schmausen gibt, und in weiterer Bedeutung, wo man etwas unrsonst erhalten kann, mit einem schwachen Nebeubegriffe des in diesem Betragen liegenden Verächllicherr. Schmarotzen gehen. Bey jemanden schmarotzen, sich nilgebethen bey ihm zur Mahlzeit einstnden. So auch das Schmarotzen. S. das folgende. Der Schmarotzer, des — s. plur. M vom. kivF. derjenige, welcher sich ungebethcn da einsindet, wo er umsonst essen oder schmausen kann, und in engerer Bedeutung, welcher eine Fertigkeit in dieser Art des Zudringens besitzet. Schmarotzer liefen schneller, Und folgeten'entzüekt der Harmonie hex Tller, Zach. Man gebraucht es oft von beydenGeschlechrern, obgleich im weib« üchsn auch Gchmavotzerinn nicht ungewöhnlich ist. Schmarotze- rüch u.'id Schmarotzerey kommen nur in denmedrigeuSprech- Mten vor. - Schm iLzZ Anm. In einigen Mundarten schmavutzen und Schmarutzer, im.Schwed.l'märZtln. Das Wort ist, so wie es da ist, dunkel, daher auch alle Ableitungen, welche man davon hat, seltsam und gezwungen sind, z. B. von dem Schwed. stmZ, klein, und rZNu, Ratze, eine Hausmaus, die gemeiniglich auf anderer Kosten lebt, Frischens Ableitung von schmiirzen, dem Geschmacke undGernche einer gebratenen Speise, n. a. m. Im Niederdeutschen ist dieses Wort, so viel ich weiß, nicht bekannt. Die gleichbedeutenden Wörter sind oft nicht deutlicher, wie z. B. das Niedersöchsische auf der Garbe herum reiten', wo Garbe vervmthlich'das alte Gahre, 'die Betteley, ist ; im Hochdeutschen sagt man dafür auf der Wurst herum reiten, aufdem Lande von einem zum ander» schmarotzen gehen. Oft sinh sie von einem besonder«, gemeiniglich römischen oder verächtlichen Umstande hergcleitet, wie das Osnabrück. supsolnken, schmarotzen, das Rieders. Sckedrunk, pann- Ucker, Pottlich'er, das Hochdeutsche Tcllerlccker, Kaisersbergs pfefferlecker dasOberdeutschcLichrputzer, dasmittlereLar.kuL- cellnrius, Luocio, dasGriech. und Lat. karnlirus^ u. st ft Da die Schmarotzer vom Handwerke gemeiniglich eine Art Voit Schmeichler sind, welche sich durch Scöineicheley a«fremden Tafeln forthelfen, so könnte man von demOsnabri-ck.Schmeerta che, wenigstens in Ansehung der erstcnHklftedes Wortes, einige Aufklärung erwarten, welches wohl nicht von Schmer, schmieren, stmdernDon dem alten bey dem Kero noch befindlichen lmeroo, lachen, lächeln, abstar.unet. Doch man kann sie naher haben,biese Aufklärung. Bey den Schwäbischen Dichtern romart SvArrsv- Lere von einem Schmarotzer vor. In breclne ein meister bns mero Onnne tusenciZvZrrettrere, Walther von berVogelweide. Das Wort kann nicht wohl falsch gelesen oder geschrieben ftpn, weil eS in der Manessischen Sammlung mehrmahls vorkommt. Daß nun Schmarotzer aus diesem Schnarrcnzcre, durch den langen und häufigsten Gebrauch in dem Munde des großen Haukens, verderbt worden, zumahl da m und n leicht in einander übergehen, ist sehr wahrscheinlich. Mein dieVkrständlichkeit unsers Schmarotzer gewinnet dadurch nur einen Grad der Deutlichkeit mehr, nabmlich in Ansehung der letzten Hälfte, welche unstreitig vctzr zehren ist, ein Schnarrenzehrer. Die erste Hälfte bleibt so dnukek wie zuvor, ob sich gleich hier und da ein Schimmer zeiget, der mit. der Zeit einiges Licht verspricht. Man sagt im gemeinen Leben, etwas schnurren, so wohl, es mausen, listig stehlen, als auch, es.auf eine vertrauliche Art erbetteln; im Niederst ist snoreir faulenzen, und vielleicht stammet von dem letzter« unsere Hochdeutsche R. A. von der Schnur zehren her, von dem erspartem Gelde müßig leben.. Noch eine andere Ableitung biethet das bey dem Willcram befindliche 80» re, eine Saite, ein Sgiten-Znstru- mcnt an, welches unser Schnur ist, und da würde ein Gchnar- rcnzehrev eigentlich ein solcher sepn, der mit seiner Geige im Lande herum reis t, um sich vermittelst derselben den freyen Zutritt an den Tafeln anderer zu verschaffen; eine Gewohnheit, welche zu den Z iten der Schwäbischen Dichter sehr bäusig war, und nicht wenig dazu bevtrng, daß sie und die Dichtkunst nach und nach verächtlich wurdem Die Schmarotzerpflanze, plur. die— N, Pflanzen, welche sich von dem Safte anderer nähren, dergleichen die Misftl, das Baummoos, der Banmschwamm u. a. sind. Die Schmarre, plur. die—n, Diminnt. das Gchmarrchen, ein Hieb, eine lauge Wunde, und am hänsigsien die Narbe einer langen Wunde, wo es zwar im Hochdeutschen nicht ganz fremdsst, aber doch in manchenMundarttn häufiger gebraucht wird,und das Niedrige eben nicht hat, was Frisch darin findet, der es seltsam geilüg, durch „eine Wunde erkläret, aus welcher eine Kuh saufen ^ - „könnte." iL.59 Sch m „konnte." Niedersachsich Smarre,unb im Dlmrmrt.Smarl. Daß es gemeiniglich von den Mcrkmahlen größcter Munden gebraucht wird, als Narbe, scheinet von dem verdoppelten r herzukommen, welcher das Zeichen einer Jntenston ist. Übrigens ist es vermittelst des Vorgesetzten Zischlantes-von dem Ulphilanische» rnaurANQ, abschneiden, dem schon zu Carls des Großen Zeiten gangbaren mnrrire, verletzen, gebildet, wozu auch unser Mark und Märzen gehöre», S. diese Wörter. L. Die Schmäfche, piur. die — n, erire Masche im Stricken, oder diejenige Schlinge, welche vermittelst zweyer Stricknadeln gemacht wird, aus welchen Schlingen das ganze Gestrick bestehet. Es ist aus Nasche vermittelst des Vorgesetzten Zischlautes gebildet, hat aber ein gedehntes a, dagegen Masche ein geschärftes hat. «-Die Gchmäsche, oder Schmerse, plur. die— n, bey den Kürschnern und iniFellhandel, fern zugerichtetc Lämmerfelle. Ein Pölz von Schmaschen. Es ist mit dem Fellhandel ohne Zweifel ans dem Pohln. Lrnulik, ein-Lammsfell, zu uns gekommen. Nieders. Smaaske. Der Schmatz, des— es, piur. die Schmatze, Diminut. das Schwätzchen, Oberd. Schmätzlein, ein Wort, welches eine unmittelbare Nachahmung des dadurch bezeichnten Schalles ist, und besonders in doppelter Bedeutung gebraucht wird, i) Ein mit einem solchen Laute begleiteter derber Kuß heißt im gemeinen Leven ein Schmatz. Und gab mir einen Herben Schmatz, Weiße. Das Diminut. Schwätzchen ist wie Nä'ulchen auch i» her vertraulichen Sprechart gangbar. So gab dem wein ein Schwätzchen das Geleite, Haged. Im gemeinen Leben auch Schmätzer, bey demPicrorius Schmutz, im Englischen mit einem andern Endlante 8mück. 2 ) Eine Art Rothkehlchcn, welche sich an steinigen Orten aufhält, wird wegen des schmatzenden Lautes, welchen es von sich gibt, daher Steinschmatz, Gchmätzel genannt. Die Schmatze, plür. die —n,in dem Forstwesen einiger Gegenden, der in der Erde stehende Stock eines abgehauenen Baumes, besonders, rvennervoa einer beträchtlichen Länge über der Erde , ist. Die Schmatzen ausrottcn. Daher die Gchmatzklafter, eine Klafter aus solchenSchmatzen geschlagenenHokzes.S.das folgende. r ^Schmatzen, Verb, re^.act. im Forstwesen, die Schmatzen ab-und zu Klafterholz hauen. Die Stöcke schmatzen. Die End- sylbe —zen deutt t ein Zntcnsivum an. Das Stammwort schwären scheinet zu schmieden, schmeißen, Nieders. schmitcn, zu gehören, so fern es ehedem auch hauen bedeutete, so daß Schmatze den Rest eines abgehaucnen Baumes bedeutet. S« Schmatzen, verb. reZ. ueukr. mit dem Hülfsworte haben, denjenigen Hellen Schall mit dem Munde hervor bringen/welchen diesesZeitwort ausdruckt, und welchergemeiniglich eine ungesittete Art des Essens begleitet. Die Schweine schmatzen , wenn sie essen. (S. Schmausen.) Eben diessr Laut entstehet auch durch eine derbe ungesittete Art des Küssens: jemanden küssen, daß es schmatzt; daher dieses Wort auch im gemeinen Leben für küsse» gebraucht wird. S. Schmatz. Daherdas Schmatzen. Am. Jm Ztal. lckiamLrLare, im Nieders. in bcpdeu Fällen mit einem andern Endlaute schmalen, Engl. tosmaek. (Siehe Schmecken.) Nach einer ähnlichen Onomatopöie ist im Pohl». snicrrrL rösteit, kreischen. Der Schmauche des — es, plur. car^ein dicker Rauch, dergleichen oft der Rauch ohne Feuer ist. Einen Schmauch machen. Im Schmauche ersticken. Anm. Im Nieders. Gmook, im Angels. 8mee, 8mic, LrnoL6, im Engl. 8m oks. Es ist ml- schnacken, dem Jnten- ssvo eines veralteten schwachen, genau verwandt, von welchen das elftere im Oberdeutschen noch riechen bedeutet. Ohne Zischlaut ist Schm LL60 r«r Wallisischen Nrvg derNanch. Das Sch in unftrm Schmauch ist ein Zeichen derLntension, einen dicken Rauch zu bezeichnen. Schmauchen, ver?>. r^Z. neutr. mit dem Hülfsworkc haben. r) Schmauch von sich geben, und im gemeinen Leben oft für rano chen überhaupt. Die Dohlen schmauchen, wenir sie ohne Fiam- mcnfeuer einen unangenehmen dicken Rauch von sich geben. Nasses Holz schmaucht, r) Tobak schmauchen, im gemeines Leben einiger Gegenden, für Tobak rauchen, wo es als ein Acu- vmn üblich ist: So auch das Schmauchen. Im Nieders. smoken, Engl. ko lrnotce, im Fries, smayken. S. ailch das folgende. Schmäuchen, verb. rsA. welches ein Activum des vorigen ist, Schmauch hervor bringen, und noch häufiger, den Schmauch an etwas gehen lassen. In einigen Gegenden sagt man Fleisch schmauchen, für räuchern. In der Bienenzucht schmäucht man die Bienen, wenn man sie mit Schmauch aus dem Stocke treibt; die Jäger schmauchen einen Fuchs autz seinem Loche, wenn sie ihm mit Schmauch aus demselben vertreiben; ehedem schmauchte man auch gewisse Arten von Nissethätern zu Tode. Im Oberdeutschen schmaucht man da» Fle-sch in einem Topfe, wenn man es in Obersachftn dampft, und in Niederst stovet. So auch dar Schmauchen. Anm. Im Niederst smoken. Es ist eben so von schmauchen unterschieden, wie räuchern, ehedem rauchen, von rauchen, säugen von saugen, saufen von saufen u. s. f. Die breitere Oberl eut' sche Mundart gebraucht auch statt dieses Activi ihr schmauchen. Der Schmaucher, des—s, piur. ur vorn. siox. nur in dein zusammen gefitzten Tobaksschmaucher, eiu Mensch der stark Tobak schmauchet. Niederst Smoke^ Das Gchmeruchfeüer, des —s, piur. ut nom. ünZ. ein Feuer, welche keine Flamme, über wohl einen Schmanch oder dickes Rauch von sich gibt. ^ Der Schmaus, des—es, piur. die Schmause, eine festliche Mahlzeit mit einem reichen Vorrathe vonSpeisen Md Getränke. Einen Schmaus geben, ansrichten. Zum Schmause gehen. Ein Abschiedsschmaus, Antrirrsschmaus, Hochzeitvschmaus, Mpferschmaus, Fastnachtsschmaus u. st st SHmausen, verb. rsß. neutr. mit dem Hülfsworte haben, einem Schmause beywohiien, Speisen und Getränke mancher Art in reichem Maße zu sich nehnem. Zech schmausen. Die ganze Woche schmausen. Heute wird grschmsuset. Bey Manbes schmssttsen. Daher das Schmausen. Anm. Dieses Zeitwort ist von dem imHochdentschen veraltetes ehedem sehr gangbares muscn, mosen. > sscn, gebildet, wo das Vorgesetzte intensive sch die Fülle, den Ruchrhnm der Speist» bezeichnet. (S. Nuß und Naft, wo mehr von diesem Worte gesagt worden.) Dem Latein. comillArr, schmausen, fehlet zwar dc§ intensive Zischlaut, allein die Intension wird h er durch das verdoppelte mittlere sangedeutct. Nuscn und schmausen sind Ono- matopöiell des mit dem Esse» verbundene» Lautes, und schmatzen ist das Jntensivnm davon. Der Schmauser, des — s plur. uk nom. stnA. welcher est und vielschmauset; imgemeinrn Leben auch ein Schmausbznder. Die Schmauserey sich Schmaus ist arrch nur in der vertraulich s Sprechart gangbar. Schnrecken,'verb. welches in doppelter Gestalt üblich ist. I. Als eiu Aclivnm. i. Vermittelst des Geschmackes versuche», , einen Körper auf die Zrrnge nehmen, um dessen C ichlnack durch öfters Auf-nnd Znschließen des'Mundrs zu ein; finden, wo es de» mit dieser Hasdlung verbundenen Laut geean nachahm t, dFer auch diescBedcurnttg als die erste und eig-Ml che ange«.rn.n» n - - » den muß. Indessen ist sie nur noch im g-mciNl» Lcbur, b s k 1 iL6i Schm riniger Gegenden, gangbar, indem in deranstä'riöigeknSpkechürk kosten eiugeftihrkt ist. Den Wem schmecken, kosten. Daers schmeckte, wollte ers nichttrinken, Matth. 27, 54. Jngleichen figürlich, doch auch nur im gemeinen Leben, durch die Empfindung erkennen. Emem Linde die Ruthe zu schmecken geben, von diesen Widerwärtigkeiten hat Lajus noch nichts geschmeckt. r. In wciterm BcrfiattSc,durch dett Geschmack, oder vermittelst des Geschmacks erkennen, sich der Veränderungen, welche die Galztheilchcn der Körper auf den Nervemvürzchen der Zunge machen, bewußt seyn. Nicht schmecken können. Scharf schmecken. KchmcckiN sie nichts 2 Ich schmecke, daß es siiß ist. Ich schmecke das Salz m dem Wasser. Es ist im Passivs nicht gebräuchlich, ohne daß es deswegen für ein Neutrum gehalten werden dürfte, indem es doch die vierteEndung der Sache leidet. z.Fi- gürl-ch. -) Mit lebhaftekEmpfindung genießen; am häufigsten in der vertraulichen Sprcchart. Ich schmecke kein Vergnügen recht, welches ich nicht mit ihnen theüe. 2) Im der Deutschen Bibel wird es nach erucr gewöhnlichen Morgen!(indischen Figur, oft für empfinden, erfahren überhaupt gebraucht, welche Figur aber im Deutschen ungewöhnlich rst Schmecket, wie freundlich der 6err ist Ps. Z 4, 9. Die, welche geschmeckt haben die himmlische Gabe und das giitige Wort Gottes, Ebr. 6, 4. Den Tod nicht schmecken, in vielen Stellen. 11. Als ein Neutrum, mit dem Hiilfsworte haben, durch den Geschmack empfunden werden, diejenigen Veränderungen aus der Zunge hervor bringen, welche den Geschmack ausmachen. -. Eigentlich. Die LLuassia schmeckt bitter, der Zucker süß, der Alaun salzig. Gut, schlecht, übel schmecken. Das Gewürz schmeckt wie Pfeffer. Aber, nach etwas schmecken, das Daftyu eines Dinges oder seiner Theile durch den Geschmack verwachen. Der Weinschmeckt nach dem Fasse, die Speise, nach dem Rauche. Das Man (Manna) schmeckte, wie einer wollte, daß es ihm schmecken sollte, Weish. r 6, 20. wie schmeckt dir diese Speiset s. Figürlich. 1) Gur schmecken. Diese Speft schmeckt ihm. Jngleichen mit Gefallen, mit Avperit genossen werden, von Speisen und Getränken. Aufden Schinken schmeckt ein Trunk. ES schmeckt ihm, sagt man, wenn jemand wacker affet; ssigü lchen fichs schmecken lassen. Wo bep der unbezahlten Freude Sichs w'rrh und Fremdling schmecken laßt, Michal. Es will mir nichts schmecken, wenn man zu kennr Speise Appetit hat. 2) Empfunden, erfahren werden. Ein Gewinn von tausend Thalcrn schmeckt überaus gut. Diese Begegnung will mw nicht schmecken, wie schmeckt dir dieser Einfall? Zu- gleichen mit Gefallen empfunden werden. Das w ll mir nicht schmecken. Z) Noch etwas schmecken, die Anwesenheit oder Eigenschaft einer Sache der Empfindung vprrathen. Em solcher Witz schmeckt nach der Schule. Die Fr. u schmecke gewiß nach dem Dorfe, die ihren! Manne treu bleibt, Weiße. Daher das Schmecken, S. auch Geschmack. Anm.Bey dem DiLftied bcy dcmNoLkerlmsccftan, nüNieders.smecken, imAngels. srnweccun, imEngl. toltnwek, imGchwed. imukw,imVöhrn. lsma'.c acvMi, imPohln. srnw- . jcujs. Es ist eine unMirtelbare Nacha' muug des mit dem Schmecken oder Kosten verbundenenLames, der eiitschwLchecesSchmcrt- Zen ist, daher smacken.smucken und smacksen, im Nieder s. auch für schmatzen üblich ist, s.,'.icken aber daselbst m kloi>.en Bissen effen bedeutet. Der Form nach ist es ein Intr usivnm, welches ein verstärktesGmagen ausdruckl; daher im Dän scheu fmage schmc- cken ift. Unser schmachten ist davon gleich'aein I >re»sto»m, gbcr nach einer andern Form. Ohne Zischlaut gehö .ei- auch das Fran; rnwckee, kauen, das Lat. IXIoL.ftw, U. a. m. dahin, schmecke und Schmecker für Geschmack, d. i. das L-ermögey G ch M r.L6§ M schmecke», find nur in den niedrigsten Sprecharten gangbar Schmecken lauter inelnigerl groben Mundarten schmacken, und dieses a hat sich auch iu vielen Ableitungen erhalten; woraus aber nicht folget, daß man deßhalb schmücken schreiben müßte, so wenig als man lägen, sahen, bewogen u. s. s. schreibt, weil davon Lage, ich sähe, bewogen abstümmen. In ganz Oberdeutschland, doch in einigen Provinzen mehr als m andern , wird schmecken auch für riechen gebraucht,, uud in manchen Gegenden kennet mau das letztere gar. nichts Die Blumen hangen ihr wohlschmeckendes äaupt, Opitz. Je mehr man Gaffran reibet, . Je stacker schmeckt er auch/ ebend. da er doch in audrru Stellen bcyde Begrisse hinlänglich unterscheidet. So seltsam diese Figur klinget, ft philosophisch ist sie doch, weil Geschmack und Geruch im Grunde nur Ei» und eben derselbe Sinn sind. In den niedrigen Sprecharten einiger Oberdeutschen Gegenden ist daher der Schmecker die Nase, dm Schmecke und das Schmeckbüschcl ein Blumenstrauß. Der Schmecker, des—s, plur.ut sinZ.in den niedrige« Sprecharten einiger Gegenden, das Maul, besonders eines Hirsches, bey den Jägern, so wie Lecker, die Zunge. Das Schmeer, S.Schmer. Die Schmeichele?, plur.die — en. 1) Schmeichelnde Worte, Handlungen oder Betragen. Jemanden alle nur ersümliche Schmeicheleien machen, ihm eine Schmeichele^ sagen. 2) ^ as Schmeicheln, noch mehr aber die Fertigkeit andern zu schmeicheln; ohne Plural, v Im Oberdeutschen in Heyden Fällen die -Schmeichlerey, von Schmeichler. Sck)meicl)eihaft, — er, -— este, üäj. et ackv. schmeichelnd, von Personen und Sachen. Ein schmeichelhafter Mensch. Das ist . mir sehr schmeichelhaft. Im gemeinen Leben schmeichlerisch. Daher die Schmeichelhaftrgkcit. .Schmeicheln, verio. reA. neulr. mit dem Hülfsworte haben, welches die dritte Endung der Person erfordert, r. Eigentlich, sich vor jemanden schmiegen, um ihm liebzukosen, in welcher Bedeutung es, so wie die Lateinischen Lclulariund cevere, welches letztere Persius gleichfalls für schmeicheln gebraucht, eigentlich den Hunden zukommt, wenn sie auf solche Art durch Schmiegen und Wedeln liebkosen. Der 6nnd schmeichelt seinem Herren. In weiterer Bedeutung gebraucht man es noch sehr häufig für liebkosen, besonders so fern cs mw Streicheln und Lächeln verbünde« ist. Das Rind schmeichelt seiner Mlttrer, die Mutter dem Linde. Da es denn auch vorr einem mit Schmeicheln und Liebkosen begleiteten Bitten, ja von einer jeden übertriebenen Freundlichkeit gebraucht wird. Schmeicheln können. 2. Figürlich, i) Angenehme Empfindungen und Vorstellungen erwecken; doch von dr« Empfindungen nurselterr. '.l G, wie lieblich schmeichelst du Unfern Seelen, Weißg. Am Häufigsten, eine angenehme, obgleich noch ungewisseHsffkmng erregen und'unterhalten. Sich mit der Hoffnung schmeicheln. Schmeichle dir nicht mit einer Hoffnung, dce lcche^fehl schlagen kann, Weiße. Das Hauptwort s - O: u ng läßt fick hier n icht ohne merklicheHärte verschweige», ob es gleich sehr häufig geschiehst. Ich schmeichelte mir, daß er kommen würde. Man .schmeichelt sich meistens vergebens,-den Wiss'-r.schäften außer der Ehe besser zu leben. Gell. Allenfalls läßt fick lieft Verheißung entschuldigen, wenn das Zeitwort abftiure sirhct. Ich Hoffete—doch ich schmeichelte mir vergebene. Im Obcrdeur, schen gebraucht man es hier auch mü der zw-ylen Endung, wir können uns einer erwünschten Auskunft der bevor siebende» Echm laffeneu Hauptworte Hoffnung her rühret. 2 ) Jemanden mit Vor- ' Latz und um dessen Gunst zu gewinnen ungegründete Vorzüge bev- legen. vortrefflich schmeicheln können. Der Arzt schmeichelt Lcm Kranken, wenn er dessen Zustand vortheilhafter schildert als rr lst- der Mahler dem, w elchen er mahlet, wenn er die Fehler Verbieget, oder ihn schöner mahlt, als er ist, dcräofmann dem Fürsten, wenn er ihm Vorzüge beylegct, die er nicht besitzet» Kin Prediger, Arzt und Mahler muffen nicht schmeicheln. Sie schmeichelten ihm und sagten,.er habe vollkommen Recht» So auch das Schmeicheln. Anni. Oft gebraucht man dieses Zeitwort in der passiven Form. Bin ich nicht geschmeichelt ? fragt man wohl, wenn man sich hat mahlen lassen. Allein da dieses Zeitwort ein Neutrum ist, so ist solches unrichtig. Über dies kan» die erste Endung im Pas», stvo nur alsdann Statt finden, wenn das Activum die vierte En- dmig erfordert. Da nun schmeicheln die dritte zu sich nimmt, so mußte man, wenn es auch ein Paffivum litte, sagen: ist mir nicht geschmeichelt worden? Anni. 2 . Die Endsylbe—eln zeiget schon, dass dieses Wort ein Jntensivum odvrDiminutivnmrff. DasimHochdeutschen vcr-, NlSeie Stammwort schmeich'en koinnil statt desselben bey dem Hör« negk und drn Schwäbischen Dichrerniu alleuBedeutungen misers Schmeicheln vor, und bey dem Willeram sind 8mei< !is Schmci- cheleyen. Die Holländer und Niedersachsen sagen gleichfalls sme- ken, die Schweden icheka, die Dänen abernach einer andern intensiven Form smigre. Wachterleiu'te es von dem Griech ftszXs- A«,?, sanft, gelinde, ab, Ihre abe'lässtes von sinä, klein, (siebe Schmächtig,) abstammen. Frisch war auf den sonderbarenEinsall gerathcn, dass es wohl von Schmauch abstammen und so viel bedeuten könne, als jemanden einen wohlriechenden Rauch zuwchen, ihm räuchern, woöeyer sich üuf das Franz, slalt er berief, welches auch so viel bedeuten sollte, als jemanden einen angenehmenHanch zublasen. Gottsched ergriff diese Ableitung bloß, weil sie neu war, und wollte ihr zu Folge das Wort fchmäucheln geschrieben wissen. Vergebens stellte man ihm vor, diese Neuerung sey so wohl der Aussprache als dem ganzen langen Gebrauche entgegen, die Ges- wohnheit des Räucherns aus Ehrerbiethung sep bep den Abendländern nie üblich gewesen , am wenigsten bey den Deutschen, Schmauch .bedeute keinen angenehmen, sondern allemahl einen dicken, beschwerlichen Rauch, und jemanden schmäuchen oder fchmäucheln würde allenfalls gerade das Gegentheil von schmeicheln beweisen, über hieß gebe es weit nähere und wahrscheinlichere Ableitungen. Allein derWidcrspruch wachte ihn, wie in andern: Fällen, so auch hier nur hitziger; das was er aus Unbedachtsamkeit angenommen hatte, wurde nunmehr aus Eigensinn vcrtheidi- get, und das Schmäucheln wurde und blieb dasSchibolcrh der ganzen Gottschedischen Schule. Indessen hatten doch schon Stieler? und Steinbach die bessere und wahrscheinlichere Abstammung von schmiegen einaesehen, wozu denn ohne Zischlaut freylich auch. Wachrcrs/t8t>.tAotzUUd das veraltete micg, sanft,gelinde,(S Gemach,) obgleich auf eine entferntere Art, gehören, so wie man auch das Griech. s'p.yxttist streicheln, dahin rechnen kann. Siehe dasalcichcholgende Gchmeichen. Schmeicheln bedeutet allem An», sehen nach sich liebkosend vor jemanden schmiegen und winden,frcy» dich zunächst von denHunden und Sclaven, aber hernach auch, wie uckulari, von ansiändigern Arten der Liebkosung. Indessen hat man noch ein anderes Wort, welches hier mit in Betrachtung kommen kann, ob es gleich mit schmiegen nur eine zufällige Gleichheit des Lautes hat, und dieses ist das Wendische und Slavouische Lekmcick, dasLächeln, lmieettLM, ich lächle, wohin auch das veraltete Dberd-cutsche ln-ielen, lächeln, Engl, to lmile, gchö- welches das DmiinutiMM oder Jntensivum davon ist, wo Schm - ^Lü'4 nur der Harrchlaut verbissen worden. Es gibt mehrere Fälle, wo zwey Begriffe zweyer gleichlautender, ob wohl sonst verschiedener Wörter in den spaternZeiten mir einander verbunden worden. Indessen beweisen doch die HleichbedcutendeuWörter von kchmaichcky, dass in diesem vornehmlich auf das Gchmiegen und Streicheln gesehen worden. -Kcro gebraucht für schmeicheln L! echiav, welches, wie schon bey Flehen bemerket worden, gleichfalls sich vor jeman- den krümmen und windet» bedeutet, und wovon flechten ein Juten- sivuui ist. Die Niedersachsen sagen noch jetzt fleyem stopen.ssey, straken, eigentlich schmiegend streicheln, die Engländer to ovlieeckls, eigentlich wedelt», und die Schweden iltterisiye steck, rast welches bey ihnen zunächst auch von den Hunden üblich ist. Das heutige Franz, starrer ist ohne Zweifel ein Jntensivum nach einer andern Form davon, so dass man dabey weder an stare noch an üatus denken muß. Als gleichbedeutend mir schmeicheln ist im Niederdeutschen auch stricken, streicheln, üblich, und im Lbcrd. sagte man hähl streicheln, von hähl, glatt, gleichsam den Fuchsschwanz streicheln». Hornegk gebraucht ließen. Notker liech- LprscKeo, (vermuthlich wie das' -orige, von schlecht,eben, glatt,) der mittlere Latt stoculare, (vor, fackeln, auch mit dem Begriff» der Bewegung,) Hornegk inl'ev, der Nu-dersachse licskcn, Dpitz Kuliebcn, alle in derBcdemung des Schweichelns, anderer Ausdrücke zu geschweige!» SchMeichen, verb.rex. act. welches nur bey denWebern einiges Gegenden üblich ist, welche den Aufzug schmcrchen, wenn sie ihn mir einem gew sscu Breye bestreichen, um ihn dadurch glatt, ge« schmeidig und biegsam zu machen, wofür man in den meisten Ge- gendenschlichtengebraucht, und im Rieders, smittcn. Daher wird dieser Brey oder die Schlichte'daselbst auch die Gchmeiche genannt. Es ist allem Ansehen nach das Factitivum von schmiß gen, eigentlich biegsam und geschmeidig machen. S. auch da§ vorige in der Anm. Der Schmeichler, —s, plur. ut vom. floß. Fämin. die Gchmeichlerinn, tiue Person, welche schmeichelt, in allen Bedeutungen des Zeitwortes. Ein Kind, welches gewohnt ist, Liebkosungen zu machen, nennt man einen kleinen Schmeichler; il» gemeinen Leben eine Schmeichelkatze. Im gehLssigerenVerstanbc ist der Schmeichler derjenige, welcher andern, um ihre Gunst z«- gewinne», mit Vorsatz ungegründete Vorzüge beyleget» Anm. Ehedem nur Schmeichler, von schmeichln,schmeicheln- im Niederst Smertaske, Strieker, Strickstock, Glattsiricker» »m Dberd. ehedem Glattling, Zlaumstreichcr, von Flaum, weiche Federn, bey dem Hornegk Lusmer, von losen, schmeicheln, Ziimacher, von sich zuchün, in Boxhorns Glossen iö'ieari.vo» flehen, schmeicheln, im miltlern Lüt. Dulcorarius,». st f. Schmeiditz, — er, — ste, a6st et ackv. ein noch im gcmeinei» Leben sehr gangbares Wort, wofür die anständigere Sprechart geschmeidig gebraucht, (S.dasselbe.) So auch die Schmcidigkeir, für Geschmeidigkeit. Schmeißen, verlr. irreA. Jmperf.ich schmiß; Mittclw.gefchwls» scn ; Jwperat. schmeiße, fchmeiss.. Es ist in doppelter Gestalt gangbar, in beyden aber nur in den gemeinen Sprecharten üblich» I. Als eiir Neutrum, mit dem Hülfsworte sepn, heftig und plötzlich falle»/ von grossen Körpern, wie schlagen; am häufigsten- m dem zusammen gesetzten htnschmeißcn, plötzlich zu Boden fallen. Er ist hingeschmisscn. II. Als ein Activum, und zwar wieder in einer doppelte» Hauptbedeutung, z. Schlagen und werfen. 1 ) Schlagen, in den niedrigen Sprecharten.7 jemanden Hinter die Ohren schmeißen- Das Pferd schmeißt hinten aus. Sich mit jemanden , schmeißen. Daher der Schmiß daselbst auch ein derber Schlag ist,. (S.dasse.'he, juZleichen Scymitz.) Niederst smtten/ wohin IL6L S ch m. auch M! st'r schmieden gehöret. 2 ) Werfen, wo es im Hoch- und Dberdeutschen auch nur in den gemeinen Sprecharten üblich ist,im Niedecdculschen aber fast nur allein gebraucht wird, indem werfen, ober nach ihrer Mundaer warpen, daselbst wenig gebraucht wirb. Etwas unter die Bank schmeißen. Jemanden zu Boden, über den Haufen schmeißen. Der Wrnd schmiß den Baum in Las Wasser. 2 . Den Koch, d. i. Überrest der verdauten Speisen, durch den Hintern von sich geben, wo es in den gemeinen Sprecharten als ein ansiändigcrAusdruck für das grobe scheißengebraucht wird. Das Rind hat in das Beer geschmissen. Am häufigsten gebraucht man es von Vögeln, dem Federviehe und Jnftcten, und zwar von den letzter» auch von dem Legen ihrer Tyer, vrrmnchlich so fern der grosseHaufe sie mir dem Koche veewechselr.(S.Gchmet- terlmg ) 3» manchenGegenden geher es hier regulär, ich schmeißte, geschmeißt-; welche Form auch Luther angenommen Hac -. Eine Schwalbe schmeißte aus ihrem NeK, Tob. 2 , rSo auch- das Schmeißen. Anm. Schon bep dem Qttfrled smei 2 Äv,im Niebers.smiten, im Angclst 1milnv,im Engl, to strntte.im Schwed. l'mitu, im Griech «!pc«vtv, nnb für schlagen bep dem Eustachius Es ist indem Neutro und den bcyden ersten Bedeutungen des Ac- tivi eine unmittelbare Nachahmung des Lautes, der mit den Handlungen verbunden ist, von welchen dieses Zeitwort gebraucht wird, «nd wohin ohne den intensiven Zischlaut aus dem Lat. rniltere, willus, Franz, mettrs, gehöret. In der letzten Bedeutung konnte es, so wie das ähnliche, obgleich weit niedrigere scheißen gleichfalls als eine Onomatopöie angesehen werden. Allein es scheinet hier mit mehrerer Wahrscheinlichkeit den Begriff hek schmierigen flüssigen Unreinigkeit zu haben, und zu schwitzen m des schwitzen, uud Schmutz zu gehöre«, welche Intensiv» davon sind. Bey dem Mphilas ist tmilmu salben, und im N edcrsächstsmitten, schmieren, salben. (S. Gchmitzen und Schmutz.) Schmeißen wäre also iv diesem Verstünde eigentlich schmierige Unreinigkeit von sich geben. Ohne Zischlaut gehöret auch Mist dahin. Dt'e Gchmerßstieye, plur. die—n, sine Art gewöhnlicher Fliegen, welche sich auf das Fleisch setzen und dasselbe be- schmeißen, d. i. ihre Eyer iu dasselbe Legen, da es den» Made» bekommt. . -. die Ächmele, S. Schmiele. Oer Schmelz, des —es, p I ur. doch nur von mehrern Arten, dis — e, eigentlich, eilt metallisches, durch die Schmelzung erhaltenes farbigesGlaS. welches auch wohlGchmelzglas genannt wird. So führet diesen Nahmen dasaus dem Kobalre bereitete blaue Glas, welches aber noch häufiger Schmälte genannt wird, (S. dasselbe:) ' Ja dcrHandlung verstehet man unwrSchmelz aemetsriglich die auS caiciniertem Zinn oderBles verfertigten,Korallen öhnlicheir,glän- jcnden und durchbohrten Könner oder Röhrchen, welche man auf Draht oder Fäden reihet, sie zu allerley Figuren bieget, und Kleider, Quasten und andere Dinge damit schmücket. Mit Schmelz besetzend Figürlich ist in der dichterischen Schreibart decSchmclz der Blumen, der Wiesen, die Hellen hohen glänzenden Farben, welche aufdeliselbeir spielen. Wirf deine Blicke auf das Feld, siehe den bunten Schmelz der wiesen. , Der Schmelz der grünen Flachen . Glanze voller praucht, Hagcd. Dre Gchmehzarbeit, p'luc. vre — en. >) JmHüttcnbaue, ohire Plural, das Schmelz m der Erze. ' 2 ) Diejenige Arbeit, da metallische Farben auf andere Körper ein gesch malzet werden, Mich ohne Plural, und aus solche Art überzogene Dinge; emaülirke Arbeit. Oer Gchnrsszhotzsn, des—-s, s)Iur. ul norrr. stuß. im Hütten» baue, derjenige Bogen papier, woeanfder Hüttenmeisskrdasjc- Sch m 1^66 mge verzeichuet, was Hey dem Schmelzen-täglich vsrgehet, ws- Von denn das wichtigste in das Scymelzbuch getragen wird. §)66 ScHinelzbüct), des — es, p!ur. die — bstcher, eben daselbst, diejenigen Bücher, worein alles, was bey dem Schmelzen der Erze vorgehet, ausgezeichnet wird. Dke Scym-elzbutrer, plur. c»r. anSgeschmelzte oder ausgelassen« Butter, welche au die Speisen gebraucht wird, und irreimgen Gegenden auch Schmal; heisst. Das Schmelzeisen, des—s^plur. inust. in den Hammerwerkei!, geschmolzenes Eisen, welches erst ans den Hammer kommen Muss, ehe cs den zu den meisten Arbeiten nsrhigen Grad der Reinigte,c bekommt. r. Schmelzen, mit Schmalz oder Butter würzen, S. Schmalzen. 2. Schmelzen, verb.re^. etikreZ. welches in decletzrecn Form fogeher: ichschmclze, du schmilzeft, (schmelzest,) erschmilzt, (schmelzt;) Zmperf. ich schmolz, Conj. schmölze; Mittelw. ge- schmslzen; Jmper. schmilz , noch häufiger aberschmelz. Es isk in doppelter Gestalt üblich. . - i. Als ein Neutrum, mit irregulärer Conjngation mrd dein HulfSworte seyn, aus einem festen Körper in einen flüffigett ver- wa delt werden. Das Wernsteinsalz schmelzt oder schmilzt an der Luft, der Schnee an der Sonne, das wachs im Feuer. Butter über dem Feuer schmelzen lassen. 'Geschmolzener Schnee, geschmolzenes Eis. Das Blep schmilzt in einen» massigen Grasse des Feuers, das Rupfer erfordert einen stä'r- kern, derDiamant den stärksten. Figürlich auch in der edler» Schreibart : mein Her; von deinen Thränen schmilzt in süßer wehmuth. Die irreguläre Form ist hier ohne Ausnahme gangbar, ausser dass im Präsent! viele Hochdeutsche für schmilzest und schmilzt, schmelzest und schmelzt sagen. Wie Wachs vor dem Zeiler verschmelzet . Mich, r, 4. H. Als cm Activum. i) Schmelzen machen, einen festen Körper in einen flüssigen verwandeln, doch nur fo fern es vermittelst der Wärme und des Feuers geschiehet. Es isthibr im Hochdeutschen immer «och als ein irreguläres Zeitwort gangbar, s» rathsam es auch wäre, es in dieser Bedeutung regulär zu conjugi- xen; man müßte denn die irreguläre Form zum Unterschiede von der folgenden Bedeutung für uothig halten, wachs, Butter, Schnee schmelzen. Blev, Zinn, Rupfer schmelzen. Geschmolzenes Bley, besser geschmelztes. Es wird heute-nicht geschmol zen, besser geschmelzt. Im Hüttenbaue ist schmelzen dieMecalle durch Schmelzung des Erzes von dein Gesteine und den Schlacken absondern, daher es denn oft alle dahin gehörige Arbeiten mit unter sich begreift., Bey den Mahleru ist die Farben schmelzen oder verschmelzen, sie, nachdem sie aufgetragen wo-den, unter einander vertreiben; Franz, kouckrs. Em Mahler hat eine gute Schmelzung der Farben, wenn er sie gut zu vertreiben weiß, welches man auch wohl den Schmelz der Farben z« nennen pflegt. 2 ) Mir Schmelz mahlen oder überziehen, well die metallischen Farben, welche denselben ausumchen, nachdem sie aufzetragcn worden, erst im Feuer schmelzen müsse«, ehe sie sichtbar werden ; wofür doch im Hochdeutschen baSFranzösische emailliren üblicher ist. Zu dieser Bedeutung wird es allemahl als ein reguläres Zeitwert gebraucht. Linen Ring schmelzen, rhu emailliren, mit Schmelz ober Emaille überziehen, bewahren. Geschmelzte Ar- -Leit. Auf Stahl schmelzen. Ital. srna.) turs, Span, eünaUer, Franz. ül'inLillorchlttÄäUsr.' So auch das Schmelzen, und im Aettvo di? Schmelzung. Aum. Bey dem Notker Iminen, im Niederst in Heyden Formen smulten,im Schwed. lmuilu, imPohln.srnLlLozvue, im Böhm.-i l mc-IcotVLri, ohyeZ.schlaut, welcher hier eiire Zntensiorr zu bezeichnen scheinet, im AttKLlp mettuo, m/Ilun, im Engl. L» rz6/ Schm Schm IM ro rnelt, obgleich auch ro kmelt üblich ist, im Griech. ire>.S-rp. Der Begriff des Weichen, des Flüssigen ist in diesem Worte der herrschende, daher es mit müde, Mollis, dem Griech. «-»m, erweichen, u. s. s. ErneS Stammes ist. Der Schmelzer, des — s, xlür. M vom. sing, derjenige, welcher schmelzt, in der thätigcn Bedeutung, besonders im Hutten, baue, ein Arbeiter, welcher die Schmelzung der Erze verstehet und verrichtet. Das Gchmelzfeuer, des— s, plur. ut vom. livA. cm Feuer, bey welchem geschmelzet wird, iugleichen derjenige Grad des Feuers, in welchem ein Korper schmilzt. Der Schmelzyast,dcs—es/plur. die—gaste, imHüttenbaue, ein Nähme der Auswärtigen, welche ihr Erz oder Gekrätz in einer Schmelzhütte ausschmelzen lassen. S. Gast. Das- Bchmelztzlas, des — es, plur. doch nur von mebrern Arten, die —gläser, ein metallisches Glas, womit geschmelzt d. i. emailliret, wird, und welches zmveilcit auch nur Schmelz schlechthin heißt. Die Schmelzhütte, plur. die—n, eine Hütte, d.i. ein Gebäude, in welchem die Erze, nachdem sie die gehörige Zubereitung bekommen haben, ansgeschmelzet werden. Die Gchmelzkammer, plur. die,—n, in de» Münzen, eine Kammer, d. i. ein Zimmer, ein Ort, wo das zu den Münzen be. stimmte Metall geschmelzet und in Zaine gegossen wird; -Le Gießrammer. .Die Schmelzkunft, xwr. csr. i) In den Bergwerken, die Kunst, das Metall durch Schmelzen aus den Erzen zu bringen. 2 ) Die Kunst, mir Schmelz zu mahlen oder zu überziehen; die Emaillir- Ärmst. Der SchmelzUng, des—- es, plur. die — e. i) Eine Art weißgrauer Apfel mit einem süßen und festen Flessche; der Grüb- ling, Pfaffengriidling. 2 ) Bey andern führen die Blapper- oder Schlokteräpfel diese» Nahmen. DerSchmelztvffel, des —s, plur. ut vorn. ünZ. ^in Löffel, worin man einen Körper schmelzen läßt, dergleichen Löffel mail besonders zur Schmelzung des Bleyes in kleinen Massen hat. Der Schmelzmahler, des -s, plur. m vom. linZ. derjenige, welcher die Kunst mir Schmelz zu mablen verstehet und auSübct; der Emaille - Mahler. Daher die Schmelzmahlcrep, das Mahlen mit Schmelz, die Kunst, damit zu mahku, und ein auf solche Art hervor gebrachtes Gemshldc. DetttGchmelzofen, des —s, plur. die—ofen, ein Ofen, wor- m ein Körper, besonders cm metallischer, geschmelzet oder ge« ' schmölze-! wird. Das Gchmelzstlber, des —s, plur. doch allenfalls nur von rnehrern Arten, M norm linZ. bey den Gürtlern, eVn mit ro. chem Borax vermischter Silberkalk, dessen sie sich zum Versilbern bedienen. « DerSchmelztiegeftdes—s,plur. ut Lom.llvZ. ein irdcncs Gefäß in Gestalt eines umgekehrten Kegels, Metalle darin z,r schmelzen; Niederst Smultpott. . Das Gcymelzwerk, des — cs, livx. ivvl. bey den Goldschmieden, erhabene, aus Schmelz oder Emaille aufgelragene Figuren. Das Schmer, des — es, plur. ivust ein dickliches Fttt, welches sich schmieren läßt. D-Hcr ist in einigen Gegendei« das Ma- Senschmer das Fect, womit die Achse der Wagen geschmierct wird. In Boxhorns Glossen ist Ruhschmcr Butter. Im Hochdeutschen, wo dieses Work überhaupt selten ist, indem mar« sich dafür lieber des Wortes 8ett bedienet, ist Schmer zuweilen das auf dem BMrÄeuud au.den Gedärmen befindliche Feit, welches, wenn es LÄsae-sssell worden. Schmalz heißt, es sey nuiz ausgeschmolzew nicht.- Em Schwem hat viel Schmer, wenn es viel Fett hat. Schweineschmer, Gänseschmcr, Schweinsett oder Schwest neschnmlz, Gänseschmalz. / Aüm.Zm Niederst Gmer, welches aber auch Schmutz, schmie- . rige ttnreinigkeilchedeurct, im Angelst 8vie ro, Talg, und 8meo- ru, Salbe, im Dän. Schmor, und Schwed. 8mör, Butter. Es druckt die glatte, schmierige, weiche Beschaffenheit des Fettes eigcnthnmlich aus. Ohne Zischlaut gehören auch Mark, Närgel, ,^§ 00 , Salbe, u. s. s. dahin. S. Schmieren. ^ , Der Schmerbauch, des—cs, plux. die —bäuche, ein mit vielem Schmer oder F.tt bewachsener Bauch. Niederst Simr- buuk. Zu weiterer und üblicherer Bedeutung, eine Benennung des Unterleibes, weil sich daselbst das Schmer oder Feil am erste» und stärksten auz,«legen pflegt. Der Gchmerbel, des—s, plur. ivus. i» einigeu Gegenden, ein Nahine derj.Nigeu Pflanzen welche auch guter Heinrich und All- nut genannt wird; OiLvopocliuvr bovus blevriLus ch. ohneZiveifel «veil sick die Psiunzc schmierig anfiihleu läßt, daher sie auch schmieriger Gänsefuß, schmieriger Mangold ge- nglutt «vird. Die Schmerbutte, plur. die—n, in einigen Gegenden, eia Nähme der See-oder Meerbarbe, S. Barbe. Das Schmererz, des—cs, plur. doch nur von mehrcrn Arten, die — e, eine Art silberhaltigen GlauzerzeS, welches sich schmierig anfühlcn läßt, und am Llokberge gebrochen wird. Das SchmeryebrrFe,deö —s, plur. u: vom. üv^imBttg- baue, eia Gebirge, oder eine Bergart, welche reichhaltigen Letten führet; wegen der schmierigen Beschaffenheit dieser Erdart. Zn- gleichen ein Gebirge, welches viele Schmerklüstc enthält. L. DerSchmeryeb, des — s , plur. laus. in einigen Gegenden, ein Nähme des kleinen Schöllkrautes, Teigwarzenkrautes oder Gcharbockes, KavuvLulus bllcariv 1^- vielleicht gleich,alls wegen seiner weichen schmierigen Beschaffenheit in Ansehung de» Gefühles, S. das folgende. s.Der Schmergel, des —s, plur. doch nur von mehrrrn Ar- ten, ut vom. 6ng. kein Edelstein, wie Frisch will, ftndeen ein sirengfliissigcs, ar,»haltiges Eisenerz, welches, wenn cs durch Pochen und Schlämmen son den leichtesten Siciuane,, gereimgtt worden, zum Polieren des Stahles, Eisens, G last S und einiger. Edelsteine gebraucht wird. Im gemeinen Leben Schmirgel , m Griech.§ftr,§i§, im Lat. 8lviris. im Franz. Lrv'.rl, im Jml. ZiNitttAlto. Vermuthlich artch weil drtses chünleral fettig o.cr schiuierig snzufübleu ist, zumahl wenn es, w«e gcmerntglich e» Fall ist, mit Glimmer durchsetzet ist. Schmergeln, verb. res. vct. mir Schmeegek polieren. Die Schmerhaut, plur. die — haute, in einigen Gegencen ftn Fctcharrt, S. dasselbe. _ DieSchnrerkluft, plur. die—klüfte, ün Dergbcuw, K«s , welche mit schmierigem Lette» oder Thon angeftiLet sind. ^ Das Schmerkraut, des —es, plur. ivus. eine Pflanze einem weichen und fettigen Stängel, welche bey den attern t terkennern Orobavelie sonvüulvcv genannt wird. DerGchmerftdcs — s, plur. die—e,Dim",ut. daöSchmM- chcn. Oberd. Schmerlein, eine Act kleiner Falken, m der Groß einer Amsel, mit einem himmelblauen Schnabel; b lov l,. Steinftük. In einigen Gegenden Schmirl, Schm -, lein, die Schmerle, und ohne Zischlaut Merl, Mcr«e, Lmerilloo.Jtaliän. SmeriZliove; vermuthlich von dun a. tlvvr, klein. In mancher« Gegenden wird auch' der r - l^Llco vnrius virtus ^lÄuclarum kk/^/r. ^chnietl Schmerigeper genannt; im gemeinen Leben Hecht Schweberle, Wind Zirkel, weil er in der Luft nur "' htt oder schwimmet. Lrepde Arten sind gefleckt oder Lftpttv- ^ , Die Schmerle, xlur. die— -N, eine Art kleiner BaWsche, M einer gefleckten Haut; Loliiftg Lnrhatuln ift. der Schmerling, in Franken Schm cid, in Mecklenburg Iick'erling. Im Oberdeutschen wird unser ähnlicher, aber doch noch verschiedener Gründling Schmerle genannt. Frisch glaubt, dieser Fisch habe den Nahmen von dem Schwere vder Schmalz, weck erstick einen guten Backfisch gehalten wird. Zm Mittlern Lat. ist Meruln, LÄerulum, ^lerla, die Zinne einer Mauer, IftnvZ. Dre Schmcrlinde, plur. die—n, in einigen Gegenden, die 2 tn- gustlrnde, vrrmirrüljch wegen ihres weichen Holzes, daher fie von andern auch Gpccklinde genannt wird; alles zum llnterschiede von der Steinlinde. Der Schmerstein, des—es, plur. inus. ia kinigen Gegenden, ein Nahnr^-des Specksteines, weil er weich ist, und sich fettig au- fühlen läßt. In engerer Bedeutung wird der weiße Speckstein, welcher ans dem Barenthischen kommt und auch Spanische Beeide heißt, Schwerstem genannt. D «s Schm erv r eh, S. Gchmiervieh. Die Schmerwurz, plur. inut. i) Ein Nahmehes Fetkkraurcs, dcffen Blätter mit einem schmierigen Wesen überzogen sind, welche die Butter gerinnen macht; kfto»ujcu!n I,. Butterkraut. 2) Eine Pflanze, welche in dem mittägigen Europa und den Morgenländern einheimisch ist; Ismus l-. s) Ein Rahme der Schwarzwurzel, weil fie im Kochen zn einem schmierigen Brey ' wird; Niederst Gmerwnrtel. , 4 ) Eine Art des Porsches, welches von dem großen Hansen gebraucht wird, wenn jemand vor Schmer oder Fett ersticken will; lfteckum lelezchivum Scickwnrz. Der Schmerz, des —-ens, Dat. dem—en, Acc. den Schmerz, Plur. die —en. i) Eigentlich, diejenige »«angenehme Empfindung, die aus der Trennung dcS Stetigen in unserm Korper entstehet, welche Trennung des Stetigen bey genauer Untersuchung dieUrsache eines jeden Schmerzens ist. Einen heftigen Schwer; in der Seite empfinden. Einen Schwer; in der Seite haben oder fühlen, viele Schmerzen ausstchen. Der Schmerz läßt nach, höret «nf, vergehet, halt an. Wo der Plural, so wie in der folgenden Bedeutung, auch häufig anstatt des Singulars gebraucht wird. Heftige Schmerzen empfinden. vor Schmerzen schreyen. Berne Schmerzen fühlen. Unter großen Schmerzen sterben. Dopffchmerzen, Zahnschmerzen, Gichtschmcrzen, Sternschmerzen. Schmerz ist ein allgemeiner Ausdruck,welcher den Grad unbestimmt läßt. Die heftigsten Grade des Schmcr- zens drückt man durch Pein, Anal und Marter LNs. s) Figürlich, unangenehme Empfindung des Gemüthes, zunächst über den Verlust eines Guten, hernach aber auch über eine jede unangenehme Veranlassung; wo es aber doch nur von einem gewissen heftigen Grade dieser Empfindung gebraucht wird, indem die schwächer« drwch Unluch Traurigkeit, Gram, Betrübnis u. s. s. an- gedeutet werden. Der Schmerz über den Verlust eines Zreun- d?s, einer geliebren Person,seines Vermögens u. fl ft Der Schmer; um ihn ist für mein 6er; Gelbst noch ein angenehmer Schmerz, Gell. Vir erwarten ihn mit Schmerzen, von einem hohen Grade der Sehnsucht und Unruhe. Ich höre es mir Schmerzen, mit einem - hohen Grade der Detrübniß, der Traurigkeit, des Bedaucr/ls- Anm.i.Jn der Declination des Suigulars dieses Wortes find die Deutschen, und selbst die Sprachlehrer, nicht einig. Einige Oberdeutsche machen die erste und vierte Endung Schmerzen nach dem Muster von Varpfcn, Tropfen, -Lappen, Batzen u. fl ft U 7 cn, Schmerzen^stimmer für (vor) mir, Ps. 38, - 8. Schmerzen wird sie ankommcn, Es. i z, 8. Schauet meinen Schmer- Zen, Klage!-, i, ,8. Andere drcUiiircn es wie Glaube, der Adel.w.B.Z.TH.2.^^ Schmerze, desr-^ns, dem—n, den—u, uflflfl Noch andere wie Pferd, Schmerz, Schmerzes, Schmerze; nur daß fie im Plural für Schmerze doch Schmerzen sagen. Am richtigsten wird dieses Wortaufhie oben angezeigte Art wieder; abgeändert, ft daß b-chde Wörter eine Ausnahme von der gewöhnlichen Regel machen. Anni.2. Bey dem Dttfried 8merrZ, im Niederst Smart, im Angelst 8ineotte, im Engl. 8mnrt, im Schwed. LenLelu, im Mittlern Latein, ohne ZrfchlarirlVlÄrci und Da der Schmerz im eigentlichen Verstände allemähl eine Trennung des Stetigen voraussetzt,sto kann man dieses Wort füglich als eineFi- gur von dem jetzt nur in der intensiven Form üblichen Schmarre anfthen, welches ein Zeitwort schwären voraus setzt, w> - ch-s schneiden u. fl f. bedeutet hat, nndstvozu ohne Zischlaut auch Märzen, Mphilas müurZLn, abschneideu, unddaLGrieck. «bsondern, vielleicht nach einer andern Figur auch das Hede.1".v, bitter seyn, und das Lai. Lmarus gehören, bey welchem ltttteru das s, wie in vielen andernWör-tcrn, lticht zum Stamme gehöret. Auch das Slavon. 8msrt, der Tod,Lettisch 8merlis, Lar. ohne Zischlaut lilo rs, läßt sich hierher rechnen, indem doch der Tod gemeiniglich als die schmerzhafteste Trennung angesehen wjrltt Schmerzen, verb.reZ. Iieulr. nüt dem Hülfsworte haben, mit Schmerzen empfiutden werden, so wohl von den Schmerzen des Leibes als auch des Gemüthes; da es denn in der dritten Person Mn gangbarsten ist, und die vierte Endung der Person erfordert. Die Beschneidnng schmerzte fie, r Mos. 34,25. Liewundc schmerzet mich. Der Fuß, der Zahn, die Zand schmerzet ihm Las schmerzt sehr. Es schmerzt mich in de» Seele, dich so undankbar zu finden. Sein Abschied schmerzt mich. Es schmerzte nnch, daß ich ihm nicht helfen konnte. So auch das Schmerzen. Das Gchinrrzengelö, des — es, plur. doch nur von mehrcrn Arien, die—er, dasjenige Geld, welches man jemanden als eine Vergütung der ausaestandenen körperlichen Schmerzen bezahlet» Schmerzhaft, —er, —este, säj. elsckv. i) * Schmerz empfindend ; eine ini Hochdeutschen unbekannte, imObvrdeulschelr aber gangbare Bedeutung. Die schmerzhafte Mutter Jesu, die betrübte. Gchmerzhaftsepn, betrübt. 2) Dem Schmerze ahn- lich, ingleichen, was mit Schmftz empfunden wird. Der schmerzhafte Drr des -Leibes, wo man Schmerzen empfindet. Eine schmerzhafte Brankheit. Ein schmerzhafter Tod. Das ist mir sehr schmerzhaft. So auch die Schmerzhaftigkeit. Schmerzlich, —er, —ste, seift et ackv. wie Schmerzhaft 2, doch daß dieses mehr von den Schmerzen des Gemüthes als des Leibes gebraucht wird. Ein schmerzlicher Zufalls welcher schmerzt» Sein Unrecht schmerzlich beweinen, mit Schmerzen., Sein Tod ist mir sehr schmerzlich. Ein schmerzliches verlangen nach etwas empfinden-. So auch-dre Schmerzlichkeit. Schmerzlos, —er, —este, ach.'«rtsLlv. ohne Schmerzen, der Schmerzen beraubt. Daher die Schmerzlosigkeit *Der Schmetten, des z—s, plvr. cur. ein nur in Schlesien, - Österreich und Böhmen übliches Wort,, den Milchrahm zu bezeichnen ; aus dem S!avon.8rnicrunu. S. Schmant. Der Schmetterlings des-—es, p!ur. die—e, ein Ins et mit vier bestaubten glatten Flügeln und einem haarigen Leibe, dessen Lüfte unter dem Nahmen der Raupe bekannt ist ; ftsrriliv L,. Gommervogel. Tagevogel, weil er sich nur an. Tage sehen läßt, Sommerfalrer,Zwkpfalter,Bitnenfaller, im Alaun Zletcrfche, von flattern) im Niederst Mapv0gel,äZueterv0gcl, Buttert!mge, weil die Flügel glatt und schmierig anzufühlcn sind, Laippcn- schmeißer, in Liibpck Beteibotcr, im Osnabrück« Flüchter, im G g Lg st, Dichmarft ^7^ Schm Dithmars.Zlörlörken, (Schwed, in Schlesien Molkett- keller, Molkendicb, inPreußeu Molkeütöfer, in Baiern Mühla- mahlc-r,m einigen Gegenden pfeiffolter, wohl eigsnklrchFeis- falter, vom Ange!s.?ttkLl<1e,?ikeI6, in Gochland ^ik6eraN- cke im Norwcg. Mrrrihöne. In den schönen Künsten ist der Schmetterling ein Sinnbild des Leichtsinnes und der Flatterhaftigkeit, weil man ihn immer von einem Gegenstände zum andern flattern siehet. Den Nahmen hat er ohne Zweifel Von schmeißen, Mieders, smiten, so fern es von dem Eher legen der Jnsccten ge- braucht wird, weilerseine Eyerin Menge auf allerley Gegenstände schmeißt, und sie dadurch beschmitzt. Aus dem Frisch erhellet , daß schmettern, als daS Jntensivum von schmeißen, Nie- ders. smicen, ehedem auch ohne die ihm jetzt anklebende Ouomato- p§ir gebraucht wurde. Welcher Vrebs keine Eyer hat. Den schmetter (schmeiß) wieder in die Plat, im Grobian. Die GchmetterUngsbbume, plur. die—n, in der Botanik, eine Art Blumen, welche ans vier Blumenblättern bestehet, und «imae Ähnlichkeit mit dem Schmetterlinge hat; LoroNs papi- HonaceL!-,. Schmettern, verd. reZ. welches in einer doppelten Gestalt üblich ist. I. Als ein Nentrum, mit dem Hülfsworte haben,,wo cs eigentlich eine unmittelbare Ouomatopöicisi,dei: durch diesesZeit- wort ausgedruckten heftigen zitternden und erschütternden Schall »on sich geben und hervor bringen, wo es in verschiedenen Fällen üblich ist, in welchen dieser Schall Statt findet, i) Von einer Art heftiger Donncrschläge, welche einen Hellen zitternden Schall ha- ben, sagt man es schmettere. 2 ), Hohe und lange Cadenzen, hohe und lange Triller im Singen Mchen, so wohl vom menschlichen Singen als auch von manchen Äesangvögeln. Wenn durch ihr schmetternd Lied Die Lerche minder Runst vcrrieth, Gell. Im innersten dicken Gehölze Gchlä'gk der schmetternde Fink aus allen Hangenden Buchen, Zachar. II. Als sin Acttvum, mit diesem zitternden Schalle werfen »der schlagen. Etwas auf die Erde-schmettern. Ein Glas in raufend Stücke schmettern. Im Hochdeutschen ist es in dieser Bedeutung indem zusammen gesetzten zerschmettern am üblichsten, (S. dasselbe.)^ In einigen Oberdeutschen Gegenden aber ge, braucht man es auch als ein Jntensivum von schmeißen, werfen, wenn gleich kein ecschiitternderSchall damit verbunden ist. Siehe Schmetterling. So auch das Schmettern. Anm. Es ist der Natur nach eineOnpmstopöie, wo die Heftigkeit des Schalles durch das doppelte intensive t, die zitternde, erschütternde Beschaffenheit aber durch das r angedeutet wird. Der Form nach (denn die Formen aller Zeitwörter ffndNachahmungen der Natur) stamm" es von schmeten, schnitten, (Niederst smiten, Hochd. schmeißen,) ab, dessen Jntensivum schmetten ist, wovon wiederum das Jterativum schmettern gebildet worden. Im Schwed. ist tmLtlrärasseln, z. B. von dem Hagelin der Luft. Der Schmid, des—s, plur. die Schmiede, Fämin. die Gchmiedrnn, fast noch häufiger aber, wenn es bloß die Gattinn bezeichnen soll, des Gchmids Frau,ein Handwerker oder Künstler, welcher das Metall vermittelst des Hammers bearbeitet, wohin denn der Ankerschmid, Huf- oder Grobschmid, Blechschmid, Büchsenschmid, Hammerschmid, Mefferschmid, Nagelschmid, Waffcnschmid, Rrrpserschmi'd, Gokdschmid, u. s. s. gehören. In engerer Bedeutung verstehet man unter Schmid schlechthin üllemahl den Hilft oder Grobschmid, welcher die gewöhnlichen groben Arbeiten aus Eisen vermittelst des Hammers und Feuers verfertiget. Schm 1 Z 72 Anm. Im Schwabens).'. 8wil > im Niederst Sund, im Engl. und Angelst 8mit!:> im Schwed. 8meck. Es stehet fürGchmie^ der, welche Form es ehedem «och im Schwedischen hatte. Siehe Schmieden. In weitern: Verstände wurde cs xhcdem auch, wenigstens in einigen mit der Deutschen verwandten Sprachen, von eine«: jcdenKünstler gebraucht. So warimSchwedifchcn ehedem Hufti 8ine6 eiu Baumeister, 8kipa8mec1 ein Schiffs. Hauer, Vsstlmecl ein Weber, ^lurttlmecl ein Maurer, I.io6- l'inicler ein Dichter u. s. s. Ja noch im Deutschen sagt man, ob, gleich im verächtlichen Verstände, ein Reimschmid. Im Mittlern Laterne kommen schon im 8Leu Jahrhunderte bepmPez Lultorer l'eu spuiu vor. Da das i in diesemWortc, so lange cs ein, sylbig bleibt, im Hochdeutschen geschärftist, so schreibt man es alsdann auch billig Schmid, Schmide ; in der Verlängerung wirb cs gedehnt, und bekommt alsdann auch ein ie, die Schmiede, Schmiedmn. DieNiedcrdeutschen verlängern es auch in der zwey- ten und dritten Endung des^Singulars, deeSchmiedes, (Niederst Gmedes,) dem Schmiede, welche Form aber im Hochdeutschen ungewöhnlich ist. In der Deutschen Bibel wird es Schmiede geschrieben, welches die rauhe Oberdeutsche Aussprache begünstiget, wo es zweysylbig Schmi-ed lautet. Dre Schmieds, plur. die—n, die Wcrkstättc eines Schmids, wo es doch nicht in allen deiiZusammcnsctzungen üblich ist, in welchen das Wort Schmid gebraucht wird. Man sagt zwar Ankci» schmiede, aber nicht Hammerschmiede, sondern Eisenhammer, ' ttichlÄupferschmiede,sondern diewerkstätte desViipferschmids, u. s. s. Am häusigsteir ist die Schmiede schlechthin die Werkstätte eines Huf-und GrobschmidS. vor die rechte Schmiede gehen, figürlich, an den rechten Ort, zu dem rechten Manne. Anm. Inder Schweiz die Schmitten, im Niederst Gmede, im Angelst 8mrtlvl:e,im Engl.8mil!:^, imSchwed.8mecljs. Opitz scheintes voit einem Hammer zu gebrauchen: Der Venus Mann, der hat die Schmied in seiner Zand. Der GchmieöeberlF, des—es, plur. die—bälge, der Blasebalg in einer Schmiede, d. i. in der Werkstättc eines Grobschmids. Die Schmredeesse,plur. die—n, die Esse in einer Schmiede. Der Schmiedehammer, des—s, plur. die — Hämmer, die großen Hämmer, deren sich die Grobschmiede bey ihren Arbeiten bedienen. Von ihren kleinern Hämmern ist es nicht üblich. Der Schmieöeknecht, des—es, plur. die—e, im gemeine» Leben ein Nähme der Gesellen der Grobschmiede. S. Änechl. Die Schmieöekohle, plur. die—n, überhaupt, Kohlen,welche die Grobschmiede zu ihren Arbeiten gebrauchen, dergleichen diejenigen Holzkohlen sind, welche mit Wasser abgelöschet worden, che das Feuer die Holzfasern völlig zerrissen hat. Eben diesen Nahmen führen auch die glänzenden schwarzen und schwarzbraune« Steinkohlen von einem festen Gewebe, welche auch Pechkohle» heißen und vor andern zur Schmiedearbeit gebraucht werden« DerSchmiedemeister, des—s, plur. M nom.lmZ.dervor- nehmste Arbeiter auf einem Stabhamruer, welcher auch der Zainer genannt wird. Schmieden, verb. reZ. act. ». Eigentlich, einen dchnbarenKör- per durch Hammerschläae ausdehnen und bearbeiten, in .welcher weitern Bedeutung e/doch jetzt nur selten vorkommt, indem cs in engerer pon der Ausdehnung und Bearbeitung des glühenden Eisens vermittelst des Hammers am üblichsten ist. Sich schmieden lassen. Man muß das Eisen schmieden, weil es warm ist, man muß die Umstände zu nutze« suchen, so lange ste noch am schicklichsten find. Jngleichcn aufsolcheArthervor bnngcü.El» Hufeisen schmieden. Zwey vlagel in Einer Hitze schmicdiw zivey Absichten durch eiu und eben dasselbe Mittel erreichen. 2 .Figürlich, r) Eine» Verbrecher in die Eisen schmieden, -1L7Z Schm ihn «n den Narren, auf die Galeere schmieden, ihn auf immer mit eisernen Banden belegen, vermittelst derselben auf immer an den Karren, aufdie Galeere befestigen. 2) Eine böse Sache zur Wirklichkeit zu bringen suchen,in nachcheiligemVerstande und von gewissen Veränderungen. Sein eigenes Unglück schmieden. Emen Arieg schmieden. Anschläge, welche unsere Leinde zu »nserm Untergange schmieden. Denn meine Leinde stehn zusammen Und schmieden übclthat, Opitz. So auch das Schmieden. Anm. Bey dem Strykee smiten, im Arrgels. smitüins, Nie, ders. smedensim Schwed, smicka. Wachter und ^ isch ließen es von schmeißen, Niederst smiren, abstammeu, so fern es ehedem Mager, überhaupt bedeutet hat. Ihre hält dieses um des weichen d willen für unwahrscheinlich, und leitet e- von lmetk, eben, ab, so daß es eigentlich ebene» bedeuten würde. Allein die erster» haben wohl Recht, doch so, daß manden Begriffder Gchmeidig- keit mit zu Hülfe nehmen muß, aufwelcheu das weiche d zu deuten scheinet. In Baier,, ist für geschmeidig noch jetzt geschmaißig üblich. Die zweyte figürliche Bedeutung ist ein Überbleibsel der schon bey Schmid erwähnten alten Figur, da schmieden ehedem von allen Handarbeiten, besonders künstlicher Art, gebraucht wurde. Schon Willeram übersetzte kabrics cs durch Itnickou. die Schmiedeschlacke, plur. die — n, Schlacken, welche bey den Grobschmieden abgehcn, züm Unterschiede von andern. Die Schmiedezange, plur. die—n, eine starke eiserne Zange, wie die Grobschmiede sie gebrauchen. Die Schmiege, plur. die—n, von dem folgenden Zeitworte, ein sich schmiegendes Ding, wo es doch nur vornehmlich in zwey Fällen üblich ist. 1) Bey den Werkl-mten ist die Schmiege oder Schmiegung ein Winkel so wohl über als unter 90 Pr. welchen zwey Linien oder Wände machen. 2) Gin Werkzeug, solcheWin« kel zu messen, welches in einem beweglichen Winkelmaße bestehet, das sichvermittclst einer Stellschraube auf- und znschieben läßt, und bey den Tischlern, Schlössern u. s. s. üblich ist. Es wird auch das Gchrägcmaß, der Winkelfasscr, Winkeipasser genannt. Schmiegen, vsrd. rez. aet. welches eigentlich mit biegen gleichbedeutend ist, aber doch eine größereGeschmcidigkeit andcutet, als dieses Zeitwort. Die werklcute schmiegen eine wand, eine Mauert wenn sie dieselbe nach einem Winkel unter oder über 90 Gr. forkführen. Am üblichsten ist es als ein Reciprocum, sich schnuegcn, sich biegsam drehen oder winden. Schmiegt euch gehorsam, ihr bunten Rüthen, und zerbrecht nicht unter dem Lüchten, Geßn. Der Hund schmiegt sich vor seinem Herrn, wenn er sich vor ihm windet, drehet und erniedriget, daher sagt man auch figürlich, sich vor jemanden schmiegen, denimhigen. Er hat sich nicht gewohnt zu schmiegen und zu biegen, nach- zugeben, sich in alle Zeiten und Umstände zu schicken. Besonders müdem Ncbenbegriffe des mit dieser Biegsamkeit verbundenen Drückens. Der Weinsiock schmiegt sich an den Ulmbaum. Schamhaft an Lhloens Busen geschmiegt, Geßn. Ingleichei» der Verminderung seines Umfanges, da denn der Begriff von smag, smeg, klein, mit cintrirr, (S. Schmächtig.) Sich in einen Winkel schmiegen. Die Decke des Bettes ist so kurz, daß man sich darein schmiegen muß, Es. 28, 20. Daherdas Schmiegen, und m Einer Bedeutung auch die Schmiegung, E.. Schmiege 1. Anm. Im Rieders, fmigen, im Äugelst ist lmu-an kriechen, Mtdiin Schwed, schleichen. OhneZischlaut gehören auch dasDän. mpg,geschmeidig, das Schwed, rnjuk, weich, ocimjuic, dcmilchig, und das Island, birg«, l, schmiegen, hierher. Schm LF/4 Im Oberdeutschen gehet dieses Wort irregulär, so wie biegen; ich schmog oder schmug, geschmogen. Ich aber schmug mich wie ein Ncnßlein, H. Sachs. Eben daselbst hat man auch die im Hochdeutschen unbekanntenJn- tensiva schmicken und schmucken ; m einen Stuhl geschmucket, H. Sachs. Unser schmeicheln ist das Diminutiv»!« davon. (Siehe dasselbe.) Bey demHornegk ist so wohl dasZusammen- ziehen des Körpers, als auch sigürlichDkMttth,mgleichen Armuth, Noch. Dre Schmiele, xlur. der doch nur absolute oder collective gebraucht wird, die—n. i) I« einigenGegeudeu, eineGrasarr, welche einen langen schlanken und biegsamen Halm hat, und auch Windhalm genannt wird ; ^ira l,. 2) In andernGegenden werden auch die Binsen Schmielen genannt. In beydenAällen scheinet der Begriffder Biegsamkeit derStammbegriffzn feyn; Schmiele für Schmiegel, Schmicgle, oder auch so, baß dieses Wort von schmiegen und schmeidig nur im Endlaute unterschieden ist. Das Schmier, des — es, plur. doch nur von mchrern Arten, -ie—e, ein schmieriger Körper, womit man schmieret ; ein nur indem zusammen gesetzten Wagenschmicr übliches Wort, für Schmer oder Schmiere. Die Schmierälien, üoZ. inus.-em im Scherze von dem Zeitwerte schmieren nach Art der Lateinischen Wörter gebildetes Hauptwort. r)Von schmieren, schlecht schreiben, siudSchmie- ralien ein schlechtes, elendes Geschreibe, und die auf solche Art beschriebenen Papiere. 2) Von schmieren, bestechen, n orden auch Geschenke, womit man den Richter schmiert oder besticht, im Scherze zuweilen Schmicralien genannt. Die Schmierbüchse, silur. tz'ke—n, im Fuhrwesen, die hölzerne Büchse, mit einem Deckel, worin sich das Wagenschmier befindet, und welche aufder Reise nnren an den Wagen gehängt wird ; Her Schmicreimer, die Schmiermestc, das Schmierfaß, die Thecrbutte. Die Schmiere, plur. die—n. i) Ein halb flüssiger und halb fester fettiger Körper, einen andern damit zu schmieren oder zu beschmieren ; die Salbe, obgleich Schmiere eigentlich einen noch flüssigernfetten Körper zu bezeichnen scheinet, als Salbe, da denn Pomade in Ansehung der Consistenz zwischen beyden in der Mitte stehet, Pflaster aber das festeste und dickste ist. So wird die Salbe, womit die Schäfer die räudigen Schüfe schmieren, nur die Schmiere genannt, (S. Gchmierschaf, Schmiervieb.) Das Wagenschmiere wird in vielen Gegenden auch die Wagenschmiere genannt, es bestehe nun ans Theer oder einem andern Fette. Die Schmiere oder Gchuhschmiere, womit man die Schuhe schmieret u. s. s. 2) Schmierige Unreinigkeit, fetter klebriger Schmutz» voller Schmiere sepn. Aüm. In Schwaben Schmirbi, von schmirben, schmieren, in Baiern Schwitze. Schmer, Schmier und Schmiere sind nur im Gebrauche verschieden. Dem Gricch. ^v§or>, Salbe, fehlt nur der Zischlaut. Dor Schmrereimer, des—s, plur. u t vom. lmA. S.Gchmier- biichse. Schmieren, verb.reZ. act. 1 .-Eigentlich , einen halb festen und halb flüssigen, oder dicklich flüssigen Kö rper ans einen festern ausdehncn. Ic-sus schmierete den Noch auf des Blinden Auge, Joh. 9, 6. s. Einem Linde Len Brey in den Mund schmieren. Figürlich sagt man in den kliedrigenSprecharlen,einem etwas in das Marr! schmieren, es ihm wegen seiner Unfähigkeit sehr deutlich undHegreifiich machen. Besonders von einem dicklichen fetten Körper, welcher die Consistenz einer Salbe oder Schmiere hat. Lutter auf das Brot schmieren. Sehr häufig wird cs mit der vierten Endung desjenigen Körpers gebraucht, auf Ggggga tvelcheqr ch m Schm ^76 Welchem bee welche Lnsgedehnet wird, mit Verschweigung des letzter,!, da cs denn nicht allein von Salben, Schmieren und andern dicklichen stüssgenDingen, sondern auch von. flüssiger«, z.B. Dhlcn, gebraucht wird. IhrFirrsten schmieret den Gchiid, Es. L 1,5. Den Wagen, die Achse schmieren. Wer gut schmiert, cher gutfährt. Die Schuhe, dieStiefeln, das -Leder schmieren. Em Schloß schmieren. Ein Gefäß schmieren, den Gfen schmieden, die Ritzen mit Lehm oder einem andern weichen Körper aus- sireichen. jemanden datzManl schmoren, in den niedrigen Sprechartcn, ihm angenehme Hoffnungen machen, ohnesie;uer- fülleu. Die Gurgel schmieren, auch nur in der niedrigen Sprechart, wacker trinken. Oieräudigen Schafe schmieren. Da dieses Wort den schmutzigen Nebenbegriff des N.'rreinlichcn, Fertigen, und der sudirt haften Behandlung bey stch hat, sowirdesvon Dingen, welche auch im gesitteten Leben Vorkommen, in deranständi- geil Speechart gern vermieden, und dafür das Zeitwort streichen gebraucht. Butter aufBrot streichen, den Roch auf das Auge streichen u. s. f. Nur in den Fällen, wo es die vierte Endung des Körpers, welcher bestrichen wird- bey sich hat,muß man es behalten; aber diese Fälle gehören auch größten Theils iir dasgemeine - Leben« Von Salben, d. i. reinlichen, wohlriechenden Arten der Schmiere, gebraucht man das Zeitwort salben. Dreß gilt auch von den folgenden figürlichen Bedeutungen, welche insgesammt qn dregemeine und niedrige Sprrchart gehören. 2. Figürlich. 1) Mir einem dicklichen flüssigen Korper unreinlich, sudelhüft umgehen; am häufigsten in dem zusammen.gesetz- ten fich brschmlcren, für besudeln. 2) Schlecht und sndelhaft schreiben und mahlen, eine Fortsetzung der vorigen Figur; im Hochd. auch schmadern, in Baier« glänen, im Niederst kleyen, Znibeln. Das ist nichtgemahlt, sonderngeschmiert. Etwas in Lin Buch schmieren. Allerley zusammen schmieren; wo eS -nicht bloß von schlechten, in der Eile gemachteuZiigen, sondern non gemeinen, allkSglichen, auf eine nachlässige und flüchtige Art vorgetragenen Sachen gebraucht wird. A) Den Wein schmieren, khm mit schädlichen Dingen eine Höhere Farbe, oder einen angenehmer« Geschmack geben- Ein geschmierter wein. 4) Jemanden bieZande schmieren,einen Richteweinen Advocaten schmieren, ste bestechen, Franz, Zraller la patte ; eine ohne Zweifel von dem Schmieren eines Wagens entlehnte Figur, zumahl da man den Satz, wer gut schmiert, der gut fährt, auch aufdicsen Fall anzuwendsn pflegt. Sich schmieren lassen, bestechen. ^) Jemanden den Buckel schmieren, ihn prügeln; wofür man anch nur schlechthin sagt, rhn schmieren oder abschmieren. 6) Im Niederst ist schmieren auch schmeicheln, nach dem Munde reden. Gut schmieren können. Daher eine solche Person daselbst auch - eineGchmiertasche heißt. Bey denSchwäbischen Dichtern kommt es iu einer dem Anscheine nach verwandten BedeutmlHchor. ^VtcilirA roesLlelilLr. munt Irr lirr tisrrü tmisrel uncl iLc'rst. , Graf Conrad von Kilchberg. Lluomsarvls Our Arueuiu ris krelisnl. (glänzen) uuck LUsrerrt, Werner von Tuffen. So auch das Schmieren. Anm. Bey dem Notker, der es aber sehr uneigentlich für ma- sten gebraucht, Im i rau, in Schwaben schmirben, im Niederst smeren. in Angelst smeran, Irn/rarr, im Engl. co lrnear, im Schwed, smörja, iiy Island, lin/ria, im Irland, l'nuraram, im Pohln. smai orvau. Der Begriff des glatten, dicklich weichen ist der herrschende. S. auch Schmer. Der Schmierer, des—s, plur. u«, ovm. livch. derjenige, wel, chrr scymLexer; doch nur in wenigen Fällen. So pflege« diejenigen Schäfer, welche reines Vieh haben, die andern Schäfer, wel- chc mit «chmiervieh umgehen, nnr Schmierer zu neunen. Am üblichsten ist cs in der zwcyten figürlichen Bedeutung des Zeit» Wortes im verächtlichen Verstände, von einer Person, welche eine schlechte- nachlässige Hand schreibt,ingleichen von einem Schrift. - steller, welcher schlechte alltägliche Sachen ohne Wahl und Ge. fchmack schreibt. Drc> Schmtsrerey, plur. die—en, eine schmierige, unreinliche Bchandlüngsart, ingleichen eine schmierige, besudelnde Arbeit. Auch in der zwryten figürlichen Bedeutung des Zeitwortes, er» schlechtes flüchtiges Geschreibe, und eine schlechte ohne Wahl und Geschmack - mimen getragene Schrift. Dttö Sck^mrec l'iäff, des —sies, plur. die—fasser, S. Schmieg buchse. Schmierig, er, —ste, ackj. staäv. Schme» oder Schmiere, d. i. einen halb festen und halb flüssigen Korper, er sey nun fttk oder nicht, enthaltend, demselben ähnlich, damit überzogen oder bejubelt u. s. f. Ein schmieriger Äöcper. Ein Ding ist schmierig, wenn es mit einem dicklich schmierigenKörper überzogen oder beschmutzt ist. Sich schmierig machen. Eine schmierige Arbeit, wobey man sich schmierig macht. Da es denn auch für schmutzig, unrein, von einem dicklich flüssigen Schmutze gebraucht wird. Niederst smcrig, im D verdeutschen schmrrbig. Der SHmterinff, des —es, plur. die —e, in einigen Gegenden, ein Nähme eine» Art Sand. oder Strandläufer mit gelben Fü^a, berauch Gelbbein, Gelbfußel genannt wird; LlureolE. ot R/se/r. Der Schmieckckse, des —s, plur. car.,geronnene Milch, wel- che im weichen Zustande anfbehalten wird, um ste auf das Brot zu schmieren; Llrrark, in Niedersachsell Räsebuttcr, S. Äuark und I äse 2. D «s SchmLerlein, S. Schmerle. Die Gchmrermeste,p 1 ur. die—n,S.SchmierbHchse undM-ste. Der Schrnierofen, des —e, plur. die —ofcn, bey den Pechlern oder Pechhauern, der vrcreckte lchmerne Ofen, worin dasHar; geläutert und zu Pech bereitet wird; der pechosen Die Gchmrersalbe, plur. doch nur von mehrern Arteir, die —y, Diminut. das Schmiersälbchen, bey de« Wikndärzten, eine weiche Salbe zum Schmieren, welche nur ein wenig dicker alsÖhl ist. DüS SA)MlersA)ttf, des—es, plur. die—e, in der Landwt'rch, schuft, unreine Schafe, welche beständig mit der Krätze behaftet sind, und daher zur Heilung geschmieretwerden müssen; unreine Schafe, und.collective Gchmiervieh, unreines Vieh, im Gegen« satze der reinen Schafe oder des reinen Viehes. Das Gchmiervieh, de» —es, p kur. car. ein Collectivum, siche das vorige. Die Schmierwolle, plur. car. die Wolle von Schmierschafcn, unreine Wolle, im Gegensätze der reinen. Die Schmiere, plur. die—n, in der Seefahrt, eine Art Seil«, welche an die untern Enden des Schönfahr, und Focksegels ange« heftet wird, und welche dienen, dir Segel nach vorn auszuzie« hen. Sie werden auch halsen oder pulsten genannt. Die Gchminkbsera, piur. die—n, eine Pflanze,derenBlätter dem Spinnte, die Blumenköpfchen aber den Erdbeeren gleichen- Llitum eapjkalutn l>. Erdbcermeier, Erdbeerspinat. Die Gchminkbohne, plur. die—n,eine Arr kletternder oder rankender Bohnen, welche in den Gärten gezogen werde», und ihre Frucht in langen fleischigen Schoten tragen; ^ii useoiuK vul- Aaris I,, große Garren-Faseolen,.Türkische Bohnen, ,btn§- bohnen,Veits-Bohnen. Die Feuerbohnen,Gäbelbohnen u. s-s. sind Arten derselöen. Die erste Hälfte deutet die schmiegende' rankende Eigenschaft dieser Bohnen am „Dr> LH77 Schm Die Schinnrke, plur. doch nur von mebrrrn Arten, die—n,ein dicklich flüssiger Korper zum Schminken, d. i. Streichen, oder Schmieren im edlen Verstuklde; ein nur in einigen Fallen übliches Wort, r) In der Bienenzucht ist die Schminke oder Äie- ncnschmmke ein wohlriechender oder doch den Bienen angenehmer Körper, womit die Bienenstöcke inwendig bestrichen oder gerieben werden, damit die Bienen gern darin bleiben. 2.) Am üb- lichsicn ist es von einem Mittel, womit gewisse Theile des Leibes, besonders aber das. Gesicht, bestrichen werben, um dasselbe dadurch zu verschönern, es bestehe nun dieses Mittel aus Wassern, Ohlcu, Salben, Pomaden, oder' auch ans Pulvern u. s. f. Die röche Schminke, ein solches Mittel, dem Gesichte damit eine ro- the Farbe zu geben, wis dir weiße Schminke zur weißen Farbe. Figürlich ist Schminke, so wie Anstrich,, zuweilen eine Eingenommene gute LußereGestachmit welcher das Wesen des Dinges nicht überein stimmet. ^ Schwed. Lmink. S. das folgende. Schminken, verd. reZ.-set. mit Schminke, d. i. einem dicklichen flüssigen Körper, bestreichen, i) Im w^testen Verstände, in welchem es noch in der Bienenzucht-üblich ist wo man dieBieneustöcke schminkt, (S. das vorige.) 2) Am üblichsten ist es in: engern Verstände, Theile des Körpers und besonders das Gesicht durch einen dicklichen flüssigen Körper,und in weiterer Bedeutung durch ein jedes auf-getragenes Mittel, eine schönere Farbe geben. Sich schminken. Die Zünde, das Gesteht schminken. Geschminkte Kranen z i nim er, Jnzleicheu geschminkte Worte,eine geschminkte Zreundschaft, verstellte. So auch das Schminken. Anm. Wachter, Frisch und Ihre leiten dieses Wort von dem Lat. iVIinium ab, als dem vielleicht ältesten und üblichsten Schminkmittel. Allein aus der ersten Bedcntnng des Zeitwortes und dem Worte Gchmrukbshne ergibt sich, daß dieses Wort von schmiegen und schmieren nur im Endlantc verschieden st, und so wie diese so wohl den Begriff der Schmejdigkeit, als auch der dicklich flüssigen oder schmiekigen Beschaffenheit, obgleich im edlern Verstände, bey sich führet. Zm Magdebnrgischen ist, dem Frisch zu Folge, eine Schminke Butter, eine Schminke Speck, ein Stück oder Stückchen; vielleicht so viel, als man ein Stück Brot damit zu bestreichen nöthig hat. Unser Schmant, und das Hebr. Aw, dicklich werden, scheinen gleichfalls dahin zu gehören. DH» neZweifel hat die Schminke zur Verschönerung des Gesichts diesen Nahmen daher, weil man dazu anfänglich nur wohlriechende Dhle und Salben gebraucht hat, worauf dH Nähme auch alle« Wassern und Pulvern dieser Art geblieben. - Das ÄchminksteEchen, des —s, plur. ut vorn. lir»Z. Fleckchen oder Läppchen, welche mit Cochenille gefärbt sind, und zum Sch.ninken gebraucht werden, sich damit eme'-othe Farbe zu machen ; Gchmmklappchen, Zarbelappchcn. Das Schminkpflästerchen, des—s,plur. uknom. linZ. kleineschwarze Pflasterchen von verschiedener, bestonders runder Gestalt, welche das andere Geschlecht in das Gesicht zu kleben pflegte, rheils ein Bläschen oder so etwas zu verdecken, theils auch die Farbe des Gesichts, desto mehr hervor stechen: zu machen. Das Schminkwasssr, des —s, plur. doch nur von mehrern Arten, utvom. iinA. ein durch die Kunst bereitetes Wasser zuM Schminken, d. i. die Haut des Gesichts zu verschönern. Die SHmmkwurzel, piur. irrus. eine Art des Steinsamens, welche aufden Europäischen Äckern und Bcachfeldern wild wachset, und deren frische Wurzel roch färbet, daher sie auch von weiblichen Geschlechte auf dem Lande statt der Schminke braucht wird; IItcholchsclnum. arveols. Der SehmtvIes, S. Schmersel« ' . Schm LL78 Gchmrvtzeln, verb.rsF. vsulr. mitdeW-Huffsworkchabemm einigen Gegenden, nach Schmer oderZert, besonders nach verdorbenem Schwere riechen ; im Dberd. schmiröeln, schmirkeln. Der Schmie des —sses, plur. die —sse, von dem Zeitwerte schmeißen - so fern es schlagen cheöeuter, ein derber heftiger Schlag. Schmisse bekommen, Schläge. S. auch Schmitz. Die Gchmitte, plwr. die —n, m einigen Gegendeu,der aus Mehl und Fett bereitere Brey, womit die Weber den Aufzug steifen; die Schlichte. Daher daselbst auch fchmitten für schlichten üblich ist. Niederst Smrttels, Smittelbpey. Es ist aus Einer LLuelle mit 2 Schwitze. S. dasselbe. r. Der S chm Z, des —es, plur. die—e,.ein Schlag oderStreich mir einem schlanken, biegsamen Körper, z. B. mir emer.Ruche^ welche in: Schlagen einen diesem Worte ähnlichen Laut verursacht.' Zandschmitze, Hiebe mit der Ruthe auf der flachen Hand in den Schulen. Du sollst den ersten Schmitz von meiner peitsche kriege^ ^ - Günth. 2 ,Dep Schmitz, des —es, rckur. doch nur von mehrern. Acren, die -—e, in einigenGcgeudei-, besonders im Bergbaue, eine schmierige fette Erdact. Besonders kennet mar: im Hohensteinischen den blauen -Lettenschmitz, welcher ein wahrer blauer Thsn ist. S. das folgende. r. Die Gchmitze, plur. die —n, ein Werkzeug ^zum Schwitzen, d. i. einen fein tönenden schlanken Schlag zu geben. So wird die dümre äußerste Schnur au deu Peitschen,welche gemeiniglich aus Zwirn gedrehct wird, wegen des Lames dieser Art, welchen sie im Hauen macht, die Schwitze zerrannt. Franz. IsuLks. Im Niederst die Schmicke. L. Die Gchmitze, tzlur. doch nur von mehrern Arten, die —-n, in einigen Gegenden. In Baiernist die Schwitze eine jede Salbe. Bey den Lederfärberu ist die Schwitze diejenige zubereitete wässerige Farbe, womit sie die Felle schwitzen, d. i. bestreichen, um sie zn färben. .In manchen Gegenden ist die Schwitze auch ein Schmutzfleck; schon bey dem Kcro?istmir. Jemanden ein? Schwitze anhangen. S. 2 Schwitzen und Schmutz. 1. Gchmitzen, verb. rsZ. uct. welches das mtessivoDimimttr- vum von schmeißen, schlagen, ist, und mit einem dünnen biegsamen Körper schlagen oder bäum bedeutet, von dem ähnlichen damit verbundenen Schalle. Es kommt nur hin und wieder vor. Zm Oberdeutschen sagt man auch hinfchmitzen, für hinfchmeißen, hinfallen. Irr dem zusammen gesetzten verschmitzt herrscht eben dieselbe Figur, welche in Verschlagen Statt findet,nur daßschmir»' zsn und schlagen hier nicht peremere bedeuten, sondern, wie ähnliche Wörter dieser Art, eigentlich denBegriffder Schlankheit und Gchmeidigkeit haben, des Vermögens sich in allen Fällen zu drehen und zu winden, da denn schwitzen in diesem Fallezrr dem folgenden gehören würde. 2. G-chriritzen. verb.reg. welches den Begriffder weichen schmei- drgen, schmierigen BeschaffenheftA'währer, und noch in doppelter Gestalt vorkommt. I . Als ein Nemrum. Schmutz fahren lassen; nur in einigen Gegenden. Die Vohlen schwitzen, machen schwarz, färbenab» Eben daselbst gebraucht mau es auch für abfärben, so fern es als eine Art des Schmutzes betrachtet wird. II. Als ein Activ'.lni. *) Mit einem dicklich flüssigen Körper bestreichen, wo cs in manchen Gegenden'für salben, schmieren u. s. s. üb! ch ist. Schon bey dem Ulvhilas ist bil'rnLiMu salben, Niederstschmitketr. In mattcheuGegendenschntttzru dieLeinweber den Auszug mit einem Breye von Fett und Mehl, wenn sic ihn im Hochdeutschen schlichten. In weiterer Bedeutung wird es daher such in manchenFällen für färbeu gebraucht,besonders für schwarz Gzggg Z -färben. ;/79 Schm färben. Die S-lleAmitz-n, fSri-n. Eine Sirschhan! schwitzen. Daher werden die Lederfärber daselbst auch Zell- oder Lederschmitzer genannt, s) Mit einem solchen dicklich flüffigenKörpev verunreinigen, und in weiterer Bedeutung verunreinigen, besudeln überhaupt. Sich die Zände schwitzen, besonders wenn es mit Nuß geschiehst In allen Stucken Thunins die Welt mir Hönwordr schwitzen, Hans Sachs. Im Hochdeutschen ist es in^ dieser Bedeutung fremd, indem man dafür schmutzen und beschmutzen gebraucht, (S.das erstere.) Rieders. schmitten, Engl, io stmut, Angelsächs. Itnitan, Island, smeler, Schweb. stiNiUs. Es ist ein Jntenfivum von schmeißen, besudeln, und gehöret zu dem Geschlechts des Wortes schmeidtg, uud ohne Ztichlaur zu Mast, Mist, Moder. *Die Schmolle, piur. ivul. ein nur imOberdeutschen,besonders irr Österreich übliches Wort, die Krume des Brotes zu bezeichnen. Dän. Madsmule, «L-chrved. Ujnll. Der herrschende Begriff dieses Wortes ist das Weiche^ daher es als ein Verwandter von Malm, molsch, dem Rieders. Mull, und dem Lat. mollis angesehen werden muß, welche« nur der zum Stamme nicht wesentlich nothwendigeZischlaur mangelt. S.^Rrume. Schmollen, verb. reZ. veutr.mit dcm Hülfsworte haben, fei. neu Unwillen durch ein mürrisches Stillschweigen an den Tag legen, wo cs in der vertraulichen Sprechart anstatt des nicdrigern maulen gangbar ist. Mit jemanden schmollen. Das machte nur dein Schmollen, Rost. (Zerriß, es war zu viel, zu gehn, und gar zu schmollen, Gell. Ain».Es ist wohl vermittelst dcsZischlautes aus maulen gebildet, zS. dasselbe.) In einem gerade entgegengesetzten Verstände ist schmollen in einigen Gegenden lächeln. Wer wolt das lieplich Angesicht, ir gefällig schmollen bezaichnen 2 Stoinhöv. bep dem Schiller. Aber dann ist cs ein Jntenstvnm oderDiminutivum von dem im Hochdeutschen unbekannten schmilen, lächeln; Schwed. lMAIrr, Engl. tn lr-nils. ^er Schmorbraten, des—s, plur. ut vom. 6v^. in einigen Gegenden, besonders Niedersachftns, ein großes Stück Fleisch, welches gcschmorct, d. i. gedämpfet, in einem Topfe/oder tiefen Tregc! gebraten worden; gedampftes Fleisch, im Rieders, auch Grapenbraten. Schmoren, verb. rex. sct. etveutr. im letztern Falle mit dem Hülfswok'ke haben, in einem verschlossenen Gefäße langsam kochen oder braten, besonders von dem Fleische, inglcichcn anfeine solche Art bcy einem gelinden Feuer langsam kochen oder braten lassen, welches man im gemeinen Leberl auch prügeln, im Hoch» deutschen dämpfen, im Nkedersächs. stoven, und im Oberd. stauche» i nd schmauchen nennet. Geschmortes Rindfleisch. Eine geschmorte llalbekeule. So auch das Schmoren. Anm. Im Rieders, stmoren, smooreen, smurten, welches tlbcr auch die Luft benehmen, ersticken, bedeutet, wie das Angelst smorÄv, und Engl.ro lmolfter. Es scheint, wie prägein, eine Onomatopöre des Mit dieser Arl des Kochens verbundenen Lautes zu ftyn. Niederschedemet schmoren auch in einem eingeschlos- stellen Orte langsam aber stark schwitzen ; im Oberdeutschen hin- gegen ist schmoren, schmorchen lind schmorrcn,dürre werden,und reefchmore», verdorren. ^L>er Scklmortopst, des—es, plur. die — topfe,ein weiterllie- hriger Topf «'.il einem Deckel, Fleisch darin zu schmoren. 2 )ieSchmoße, plur. die—n, ein nur in den gemeinen Sprech- Lrlcn ausSchm«sche fürMasche verderbtes Wort,S. das erstere. Acr Schmu, ein nur in den niedrigen Sprecharten übliches unab- ättdeclichtS Wort/ welches am häufigsten ohne Artikel gebraucht Schm iL8s wird, einen Gewinn, Profit zu bezeichnen, besonders wenn er durch Schlauheit gemacht wird. Schmu machen, einen solchen Gewinn. Es scheint Jüdisch-Deutsch zu ftp», zumahl da man einen Deutschen im Lande herum ziehenden Schacher-Juden Smous, Schmaus, zu nennen pflegt. Der Schmuck, des—es, plur.doch nur in Einem Falle, die— c, von dem Zeitworts schmücken, ^ Eigentlich, der Glanz, und in weiterer Bedeutung, die verschönerte Gestalt eines Dinges, ohne Plural; eilw nur noch in der höher« und dichterischen Schreib» arl übliche Bedeutung. Schön, schon ist die ganze Gegend in des Zerbstes feierlichstem Schmucke, Geßn. «. Dasjenige, wus zur Verschönerung der Gestalt einer Sache voir außen dienet, i) Im weitesten Verstände, wo es eigentlich von allen solchen Dingen ge» braucht wird, besonders so fern es Kleidungsstücke oder andere ähnliche Dinge sind, die Gestalt eines Dinges zu verschönern; gleichfalls ohne Plural. Der Altarschmuck, der Dirchenschmuck. In der DeutschcnBibelkommt es häufig collective von feierliche» Kleidern und Kleidungsstücken beyder Geschlechter vor. Aarons pricstcrllcher Schmuck. Im Hochdeutschen ist es hier in der edler» und höhernSchreibartam gangbarsten,für das vertrauliche Putz, welches über dieß keinen so hohen Grad der Verschönerung bezeichnet, und für das niedrige Staat. Den Schmuck anlcgcn, Ezech. 2 4, 2 7. Der festliche Schmuck einer Brant. Graues Zaarist der Allen Schmuck, Sprichw. 20, 29. 2) In engerer Bedeutung werden Edelsteine und Perlen, so fern sic zur Verschö, nerung der äußern Gestalt dienen, noch häufig ein Schmuck ge, nannt, da es denn als ein Collectivum gebraucht wird, meheerezu, stammen gehörige Stücke dieser Art zu bezeichnen. Von mehrern solchen Ganzen wird denn auch wohl zuweilen der Plural, die Schmucke, gebraucht. Ein Schmuck von Perlen, von Diamanten. Ein guter oder echterSchmnck, imGegensatze eines unechten. Der Brautschmuck/ Haarschmuck, Halsschmuck. Ehedem sagte man dafür Geschmuck, die collective Bedeutung näher zu bezeichnen, welche Form noch im Oberdeutschen gangbar ist. Siche Schmucken. LieSchmuckanyel, plur. die—n, in einigcn Gegenden , eine Art Angeln unreinem glänzenden Bleche, die Fische durch dessen Glanz herbey zu locken. Von Schmuck, Glanz, S. das folgende in der Anmerkung. Schmucken, verb. rsF. act. dieGestalteincsDinges verschönern, besonders so fern cs durch glänzende oder andere für schön gehal« leneDinge geschiehrt,da es denn in der edlern und höhernSchreib- art für das mehr vertrauliche putzen üblich ist. Eine Brant schmücken. Sich prächtig schmucken. Sich zur Hochzeit schmücken. Eine Rirche, einen Altar schmucken. Schmücket das Fest mit Mc^en, Ps. r r 8, 27. Eines Grab mit Blumen schmücken. Dir schmückt das fromme Mädchen sich Bep seinem Movgcnliede, Raml. wie würdig ist diese liebenswürdige Bescheidenheit,die übrige Tugend zu schmücken ! So auch jemandes Sache schmücken, m derDeutschen Bibel, sie verschönern, sie besser vorstellen, als sie ' ist. Federn schmücken, ist in engerer Bedeutung, sie zierlich zurichkcn, damit sie Theile des Schmuckes abgeben rönnen, wohin denn auch das Färben derselben gellörel; daher der Feder- schmUcker, der solches verrichtet. So auch das Schmücken. Anm. Indem atte» Fraameitte am Carl» den Großen bey dem Schiller L'meclle«, im Engl. lo lmup>im Schweb, imvcka, Wachter leiret es sehr gezwungen von dem Gricch. Los^rtv, Jhr>. von dem Angris. llnieer, klein, (S.Schm ich und Scpm-rcpk §,) ab, anderer zu geschweige«. Unser Actioum schmucken, !>^et ein Neutrum schmucken voraus, wrlchrs jetzt veraltet ifi, aber a c m ?z8 l- Schm Ansehen nach glanzen bedeutet hat, wohin ohneZischlsui such bas Lat. mic-are, gehöret. In dem vorhin angeführten Schmirckan- ge! ist diese erste Bedeutung noch übrig, und Schmuck wird noch am häufigsten von glänzenden VerschönerungSmittcln.derglcichen z. B. die Edelsteine find, gebraucht. Hieraus erhellet zugleich, daß Schmuck und schm licken unter andern auch einen höher». Grad bedeute, als Putz, putzen, Zier und zieren. Im Niedersächfischen hat man noch das Bey, und Nebenwort smuck, Engl. lmu§, Schweb, l'muok, Wend. 5muc« zierlich, schön, geputzt, welches so wie unser schon eigentlich auch glänzend bedeutet hat. Das Brem. Niederst Wörterbuch leitet es mit dem Griech. von abwischen, reinigen, her z vielleicht bedeuteten diese auch eigentlich, glänzend und scheinbar machen. OhneZischlaitt gehöret hierher such dasNiederst undHolländ. moje, hübsch, fein, artig, von welchem schmuck ein doppeltes Intensivem ist, so wohl durch Vorsctzung dcsZischlautes, alsauch durch Verstärkung des Gaumenlautes. Das Schmuggel-, des'—es,vlur. doch nurvon Mehrern Summen, die—er, in einigen Gegenden, dasjenige Geld, welches einer Tochter bey derAussiattung zum Schmucke, als ein Theil des Heirathsgutes, gegeben wird. Das Schmuckkästchen, des —s, plur. ut vom. stv^. ein zier, liches Kästchen, worin das andere Geschlecht seinen Schmuck, d. i. Juwelen, Perlen und ähnliche zum Schmucke gehörige Kleinode, zu verwahren pfleget. *Gchmudeblg', —er, — ste, a6j. et astv. in den gemeinen Lprecharten, besond.-rs Niedcrdeutschlandes, unreinlich, schmutzig. Schmudelig aussehen. Ein schmudelrges Weib. Eben daselbst ist schmudeln unreinlich mit einer Sache umgehen, sudeln, Gchmudeley Unreinlichkeit, Sudeley u. s. f. Es ist das Stamm- wort von unftrm iutenstven Schmutz, S^dasselbc. ) ^Schmuggeln, verli. re§. »eutr. mit dem Hulfsworte haben, welches gleichfalls nur in Niederdeutfchland gangbar ist, veröo'theng Waareu heimlich, und accisbare Maaren mit Hintergehung der Gefälle einbringen, einen Schleichhandel treiben. Daher Schmuggele?, ein solcher Schleichhandel, und Schmuggler, ein solcher Schleichhändler. Holland, stmokkelen, Engl. to lmuZAls, LmuAtzler. Es ist ein Jkerativum oder Zntcnstvum von dem Angelst smvZnv, schleichen, Schweb. wo auch 8rnuZa ein Schlupfwinkel ist. S. Schmiegen. Schmunzeln, verb. rsZ. veutr. mit dem Hulfsworte haben, lächeln, besonders so fern es ein Zeichen des Wohlgefallens ist ; ein nur in der vertraulichen Spcechart ublichesWork,wo es so pöbelhaft nicht ist, wie Frisch will. Eben daselbst wird auch schmutzen, schmutzlachen, schmutzeln und schmustern in ebendiesem Verstände gebraucht, so wie die Niederdeutschen in demselben smunstcrn, smunsterlachen^ fmuschern, schmntzern, Schwed, im^llra, nnd ohneZischlaut m^lä, Griech. fteiS,«»», die Oberdeutschen aber schmollen und schmilen, bcym Hornegk ensmilen, S. Schmeicheln,) sagen. S-chmufien, verb. reZ. «et. ein nur in den Pfeifen - Fabriken übliches Wort, welches daselbst glätten bedeutet. Diepseifen werden daselbst geschmußet, wenn sie geglättet werden. Daher dcr Schmußer, derjenige Arbeiter, welcher dieses Glätten ver, richtet. Es scheint von schmucken, gläuMd machen, nurimEttd- lcnue verschieden zuftyn. .Nüstern, lächeln, S. Schmunzeln. ter Schnmtz, des — es, tzlur. inust kleberige, feuchte Unrein, lichkeit; wo es in der anständiger» Sprcchart für manche gleichbe, deutende niedrigere gebraucht wird, voller Schmutz se?u. vom Schmutze reinigen. Schn 15Z2 Anm. Im Engl. 8mut, im Schwed. 8muts. Es bedeutet eigentlich etwas Fettes, Schmieriges, wie deun im Holländischen noch jetzt 8muvt für Schmal; üblich ist. Schmalz, Schmier, Schmer, Schmutz sind eigentlich nur in den Endlauken unterschieden. Das» ist im Hochdeutschen gemeiniglich gedehnt; ander« Mundarten schärfen es. Der Schmätzärmel, des—-s, jilur. m vom. lmZ.halbcÄrmel von geringem Zeuge, welche m.nrbey schmutzigen Arbeiten über den halben Arm ziehet, denselben und die Kleidungsstücks vor dem Schmutze zu bewahren. Niederst ohne Zischlaut Musmoue, von muffeln, sudelu, und Morre, Ärmel. Das Schmützbüch, des—es, plur. die —bucher, ein Handbuch, worein man die täglicheuVorfälle ohne Ordnung undRein- lichkeit aufzeichnet; Niederst Rladde. Schmätzeln, S. Schmunzeln. 1 . Schmätzen, lächeln, S. eben daselbst. 2 . Schmätzen, verb.reZ. vsutr. mit dem Hulfsworte haben, ein nur bey den Jäger« übliches Wort, die Stimme eines Thieces nachahmerr, um es damit zu locken, welches auch reitzen genannt wird. Es ist hier eine unmittelbareOnomatopöie und mit schmatzen verwandt. Irr einigen Schweizerischen Gegenden ist schmutzen schimpfen. . Z. Schmutzen, verb. rez. veutr. mit dem Hulfsworte haben, den Schmutz fahren hassen. Rußige Ressel schmutzen leicht, wofür doch abschmutzcn üblicher ist. Jirgle-chcu, deuSchmutz an- uchineu, schmutzig werden. Die weiße Wäsche schmutzt leicht« Im gemeinen Leben auch zuweilen schmutzige Arbeit verrichten, oder schmutzig einher gehen. Den ganzen Tag im Hause herum schmutzen. In den Zusammensetzungen beschmutzen, ein: schmutzen u. s. f. hat es auch eine thätige Bedeutung. So auch das Schmutzen. Anm. Im Schwed. smulsasimNiederdeutschen ohneJntenston smudden, und iterative oder intensive schmuddeln. S. Gchmu- deln, Schmitz, Schwitzen und Schmutz. Schmützist,-^er, —ste, sstj. et aclv. -) Eigentlich,Schmutz enthaltend. Schmutzige Wäsche, schmutzige Rleider, schmutzige Hände. Sich schmutzig machen. Es ist schmutziges Werter, wo man sich leicht schmutzig macht. 2 ) Schmutzige Farben, welche durch Beymischung einer dunklen oder grauen ihren Hellen und reinen Glanz verlorenhaben. Z) Der Ehrbarkeit zuwider; in der anständigen Sprechart, für das niedrige garstig und härteste «»flächig. Schmutzige Reden fuhren. Ern schmutziges Bild. Der Schmutztitel, des —s, xlur. M nom.6v§, im Buchhandel, ein Titel, welcher nur verlorner Werft vor einem Buche gedruckt wird, um den eigentlichen Titel vor der Beschmutzung zu verwahren. Der Schnabel, des—s, plur. die Schnäbel, Dimmut. das Schnabelchen, OScrd. Schnabelem. 1 . Eigentlich, das verlän- gerre hornartige Mqul der Vögel. ' Ein krummer, gerader, spitziger, stumpfer Schnabel. Der Vogel singt, wisähm der Schnabel gewachsen ist. 2 . Figürlich, i) Der menschliche Mund ;doch nur im Scherze. 2 ) Wegen einiger Ähnlichkeit bekommen mehrere hervor ragende und spitzig zulaüfendeTbeilc eines Dinges den Nahmen eines Schnabels. Dahin gehöret derSchnae be! an manchen Arten vonZcurgen, an den ehemahligen langen spitzigen Schuhen, an den ehemahligen Schissen, cm dessBlaft. bälgen, an der Hinterachse eines Wagens, wo erauszwcy spitzig zulcmftnden Hölzern bestehet, und auch die Schere heißt, an einer Schreibfeder, an manchen Acten von Floren, u. s. s. Bey den Jägern ist der Schnabel eine hölzerueGabel, welche man der« Hühnerhunde unrer dem Halft anfchnallrt, damit eedenKops hoch trage« Ä^gel" lerne. Auch bey den Maurern wird das hervor ragende Ende einer Dachrinne oft der Schnabel genannt, und so m andern Fällen mehr. Anm. Schon bev dem Ottfried 8uÄbuI, bep dem Notker 8ua- de!, im Niederst Sttavel, S,llhöe, Snippe, im Schwcd. 8ua- bel. Die meisten Wortforscher bleiben bey schnauben und schnappen stehen, welche unmittelbare Onomstopöien sind, und nur ans eine entfernte Art hierher gehören. Die letzte Sylbe ist LieAbleitungssylbe, welche sowohl ein Werkzeug als ein Snbject bedeutet. Ohne dieselbe ist im Niederst Suau so wohl Schnabel als Schnarche, und ohne Zischlaut, im Nieders. Nibbe, Hamb. Nüff, so wohl der Schnabel als die Nase, Angelst Neckt), Engl. Nick, Holland. Neck, Dan. Nab, Schweb. Nackck und Näß» welches so wohl den Schnabel als den Kopf bedeutet. Es scheinet. Laß alle diese Wörter überhaupt ein jedes hervor ragendes Ding bedeutet haben, so daß auch unser Nabe und Nabel, das Schwcd. Nsckck, cm Vorgebirge, u. a. m. dahin gehören. DasStaw.rmrort ist noch in dem Hebr, 212; hervor sprossen, übrig,(S. auchRnopfs Bev den Krainerischen Wenden heißen die Lippen 8ckuuckti, und dem Plinius zu Folge hieß der Schnabel schon bey den alten Galliern Nsckcke, L' er B chn ab el, ein Fisch, S - Schn äpel. Düs Schnabeletsen,des — L,p1ur.utnom. lrnZ. eine Zange mir einem längen Schnabel der Perrückenmacher, das Topper damit zu brennen ; die SchusbelzanZe, das Topper-Eisen. Die Scynerckehstote, plur. oie—n, eine Arr Flöten mit einem langen Schnabel; Franz, vierte ü bec. Schncrbebiren, S. Schnäbeln. Der Gcynübelmünrel,des—s, pckrr. die—mantek, ein Mantel «meinem Schurabel, ftergleichen die Malteser-.Nitrer tragen» Die Gchnabelnröhre, plur. die—N, IN einigen Gegen'en, ein Nähme des Nadeikerdelö, LLSuäix keclsu Q. der auch ss- chcikamm genannt wird. Schnäbeln, verck. reZ. ucd. et rr-eutr. welches nur im Scherze zuweilen für essen, besonders von dem Essen leckerer Speisen gebraucht wird, wofür man mit angehangterLateinifcker Endung im gememenLeben auch wohl schnabeUren sagt. S. Schnabelweide» Schn^Leln, vsrb. reZ. uct. r) Als ein Reeiprocum', dwts nur von 5en Vögeln üblich ist, welche sich schnäbrln, wenn sie sich mit den Schnäbeln gleichsam zu küssen fchein-eu. esM-t einem Schna- Lel versehen, wo das Mittelwort geschnabelk zuweilen vorksmmt; z. B. ein geschnäbekes Schifte welches nach Art der Alten einen. Schnabel hat. So auch das Schnäbeln. Der Schnabeütinn, des—es, ptur. die—e, an den Lcirerwa- geu, ein Ring, welcher ben Schnabel oder die Schere der Hinterachse an den Langwagen befestiget. Jngleichrn derjenige Ring, welcher die Hölzer, die deu Schnabel ausmachen, mit einander verbindet. Die Schnckbelweide, plur. ivul'. imScherze, dasjenige, was dem Munde Vergnügen erwecket. Ihr Äust ist mir die beste Gchnabelweide, Weiße. Am häufigsten von Speisen und Ge- rränken^hesonders leckerer Art» Die Gchnübebzanye, plur.die—u, eine Zange mit einem langen Schnabel, dergleichen z. B. die find, wonU man die großen Schmelzriegel aus dem Feuer ziehet. Auch die Schnabeleisen der Perruckemuacher find unter diesem Nahmen bekannt. D sr Schnäbler, des - s, plur.utnom. linZ. eine Art Plotte oder Patschfüße, deren Schnabel erneu nngeivöhnlichen Vau hat; ?!otu.s UlloraÄlo rocke» Besonders sein lckotuK rock- o cvuico iNusczuLli. Eine andere Art,- bckolus reeurvi» r-osst-r, wie auch Gabelschuabcl, im gemeinen Leben Schab- ic-ischn-Lel genanW.. Die Schnüö, Gchnüih.S.Schnak. 1. Die Schnake, plu?. die —u. k) Zu einigen Gegenden eine Art kleiner Schüfe, besonders in dem znsamuwn gefetzten ZMe- schnake, wofür in Ricdcröemschland äeides^.mucke üblich ist. (S. Zcideschaf.) 2 ) Eine nur im Niederdeutschen übliche.Beneu- " nniig der Schlangen, besonders derstnigen, welche'ßch im Wasser, in den Sümpfen nnd alten Gräben aufhalten. Angelst 8 unk u, Engl. 8naire, Holland. 8uoS. Anm. In bcnden Fallen von dem im Hochdeutschen veralteten, aber in einigen gemeinen Sprecharken noch üblichen schnaken, kriechen, Angelst lnisun, Engl. tv IfteLtc, wo andere Mundarten statt des n ein m haben, S. Schmiegen und Schnecke. 2 . Die Schnake, plur.die —u, eine Art langbeiniger Micken, deren Maul mit Borsten ähnlichen Stacheln versehen ist. Sie halten sich am häufigsten an wasserreichen Orten auf, und unterscheiden sich durch ihr heftiges Stechen nnd hell tönendes Summen, daher fie in vielen Gegenden auch Gaisen, Golfen genannt rorrden; Gulexl^. Im Lothar. Ockno^us, Engl. 6uul, im Weud. Nvmur. In Frauken und einigen andern Gegendenmr- den die Afterfalter, kckr^guuea lv. Schnaken genannt. Anm/ Da dieses Jnftct empfindlich sticht, so scheinet eS von dieserEigenfchaftden Rahmen zmhaben. Zm Schwed, ist lulclvs noch jetzt schnitzen, künstlich stechen, und LutLkure ein Zimmer« manu. In Krain werden diejenigen Landleute, ^»eiche Teller, Lössel, Schüsseln schnitzen, Schnackever genannt. Z. Die Schnake, plur.die—u, in der vertraulichen Sprechakt dcrOber- und Nicdersachsen, ei;: scherzhafter, lustiger Einfach eure lustige Erzählung, Scherzrede. Schnaken Vorbringen. Schnaken erzählen. Eene wohlgemeinte Schnake,Gün!h. In weiterer Bedeutung auch wol'l zuweilen ein jeder Spaß. Im Niederst bedenket cs auch einen Meuschempon lustigen Einfällen, einen schnakischen Menschen. S.das folgende. Schnakisch, —er, --Le, nch. et sckv. gleichfalls nur in der vcr- traulichen Sprechart, besonders der Ober- und Niedcrsachftn, was Lachen erreget, spaßhaft, luftig. Ein schnakiichcs ftinb. Ein schrrakischer Mensch. Schnakisch ausschen. Las ist doch schnakisch genug, Weiße. Anm. Im Nieder-sächsischen, wo dieses Wort am gangbarsten ist, snaaksk. Frisch leitet es schnakisch genug vouSchnake,Mücke, ab, well diese wunderlich durch einander stiegen, Richry eben so seltsam von Schnake, Schlange, wobey ihm der mit Schlangen geschmückte Medusen-Kvps einfällt, weil dieser das älteste Urbild einer wunderlichen Figur seyn soll. Düs Bremisch-Nicdersäcps. Wörterbuch und Stosch lassen es voll dem Niedres, schnacken, (mit einem kurzen a> also nicht schnaken, wie Frisch schreibt,) ab- stammcu, welches albernes, ungereimtes Zeug reden, bedeutet. Mein da schnakisch, weder wunderlich noch albern bedeutet, sondern lächerlich, so fallen alle diese Ableitungen weg. Da die meisten gleichbedeutenden Wörterbücher Art,eigentlich lustige, lächerliche Bewegungen bedeuten, welches auch von dem ßlcichbeoci!- trnden aber mehr Oberdeutschen Schwank gilt, 10 chnüiruas Nieders. snigger, schlank, ingleichen munter, hurtig, lebhaft, da- wahre Srammwort zu seyn, dessen Stamm wieder das Schwe . suo,eilen, schnell seyn, ist. Schnake bedeutet also eigentlich c en das, was Schwank andeutet; dessen BeywoN schnakisch scheidet sich von dem gleichbedeutenden neckisch nur durch l" Zischlaut. Wenn das Lat. Nu^ne ursprünglich den veracht"' chen Begriff nicht gehabt hat, den es nachmahlS bekommen, ft 3^ höret es auch hierher; sonst müßte man cs zu dem jchong^a-in schnacken rechnen. In der niedrigsten Sprechart ist für ich"'- kisch aüch schnurrig üblich, S. dasselbe» . -L?L SchN Die Schnake, plur.bie —n, Diminutivnm öae ^chnässchen. -) Überhaupt, ein schnallendes Werkzeug, ein schnallendes D'.ug, wo cs doch nur «och- hin mch wieder in einzxlne« F«Len üblich ist. So wird dic-Rlinke an einer Thür, weil sic mit einem ähnlichen Laute nieder fällt, in Oberdrn'schland die Schnalle oder Thür- schnalle gl'naimt.An den Pressen der Buchdrucker ist die Schnalle eine eiserne Zung>-, womit mau das niederfallendc Rähmchen überklammert. Die D atschrosen werden wegen des schnallenden Lautes, welchen Knaben mit denselber, hervor dringen, in vielen Gegenden Schnallen genannt. Ern Schneller oder Stüber, d. i. ein Stoß oder Schlag mit gebogenem und schnell nachgelassenem Finger, heißt in manchen Gegenden eine Schnalle, e^n Schnall, so m e man ein Schnippchen in einigen Oberdeutschen Gegenden einen Schnall oder G'chmrlzer nennt. 2 ) Ju engerer und ge, wohnlich-rer Bedeutung ist dr'eSchnalle ein metallenes Werkzeug mit einem beweglichen Dorne, gewisse Theile, besonders an den Kleidungsstücken, damit zu befestigen ; nermuchlich weil ben der ersten Erfindung der iiiedsefall-nde Dorn euren ähnlichen Laut erweckte. Die Zalsschualle, Gürtelschnalle, Schrchfchnalle a.s.f. Bey den Jägern wird das weibliche Grburcsgllrd einer Himdinu und eines jeden Na,ibthiercs so .wohl die Schnalle, als d-re Nuß genannt, und bcy einigen allen Schriftstellern kommt Zluscllio, ^illairel, für Schnalle, vor. Schnallen, verb. rez. welches in doppelter Gestalt vorkommt. I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, denjenigen eigenlhümllchen'Laut von sich geben oder hervor bringen, welchen dieses Zeitwort nachahmet, und welcher ein gelindes Rnallenist, ds es denn vorr verschisdenen Handlungeil gebraucht wird, welche niit diestm Laute verbunden srnd. Mit der Peitsche schnallen, wofür imHochdemfchen knallen üblicher ist.Man schnallet mit dem Munde, wenn inan diesen Laut mit der an den Gaumen gedrückten Zunge hervor bringet, welches man auch klatschen und schnalzen nennet. Im Oberdeutschen schnallet man mit den Fingern, weim mauste im Hochdeutschen krachen läßt. Das Inten, fivum davon ist schnalzen und das Acrivnm schnellen, (S. diese Wörter.) II. Als cin Activnm, vermittelstcincrGchnalle in der cngern Bedeutung befeftigeil. Die Halsbinde fester, lockerer schnallen. Die Schuhe fest zusammcu schnallen... Besonders in den Zusammensetzungen abschnallen, anschnÄle'n u. s. f. So auch das Schnallen. Anm. Im Schwed, smalls. Es ist mit knallen genau verwandt, nur daß der Vorgesetzte Zischlaut, welcher sonst ein Zeichen der Jnrenston ist, hier die Bedeutung vermindert. Schnalzen, v erb. re§. neutr. mir dem Hiilfsworte haben, welches das Jntenstvum von dem vorigen in der neutralen Form ist, und in manchen Gegenden in eben denselben Fällen gebraucht wird. Die peitsche wacher schnalzen lassen , knallen. Mit der Peitsche schnalzen. Mit der Zunge schnalzen, klatschen. Mn den Fingern schnalzen, sie krachen lassen. Jemanden ins Gesicht schnalzen, imOberdentschen, ihm ein Schnippchen vor dasGeficht schlagen. Jy eben dieser Mundart werden auch der Schnalz, der Schnalzer, die Schnalze, theils von einem solchen Laute, lhe.lsfijr Schnippchen und Stüber mit den Fingern gebraucht. Eine Nasenschnalze oder ein Nasenschnalzer ist daselbst eiu Na- feustüber. ^erGchnapel, des — s, plur^m vom. ünZ.dxrNabmc eines -besonders in der Altmark einheimischen schmackhaften Flußfisches, welcher kleiner als die Zertr ist, und, nachdem er mit wenigem Rauche gedörret worden, verführet wird. Er ist eine Art Lachse, ^ !rno Ox^rincbo-; 1^. und hat dcü Nahmen von seinem lärrg- iiichcn, einem Schnabel ähnlichen Maule oder vielmehr Nase, welche blaß wird,wenn derZjsch sterben will- daher er auch imDäu ^el.W.B,z.TH,2.ZluS. - Schn !LZ§ Snrbbtl beißt. Andere nennen ihn Schnabel, Schnäbel, Schna- belf.sch, Gchnepel. In andern Gegenden heißt er 2s d elfisch, weißer Bläuling, Nase, Nä'sling. In noch andern Gegenden wird auch der pfeilstsch, oder Hornfisch, Aox Lsllone Q. Schneffei oder Gchnäpel genannt. , ^ Schnapp, oder Gchnapps, eine Jncerjection, welche eine Nachahmung desjenigen Schalles ist, welcher eine schnelle mitSchnell- kraft verbundene Bewegung begleitet. Schnapp fuhr die Thür zu, schnapp kippte das Brot um, schnapp sprang das Schloß , zu, schnapp hatte er es weg. Schnapps ist das Ji,keust»um davon. Im Schwedischen ist daher lbsbb schnell, hurtig. Man gebraucht es auch im gemeinen Leben als ein Hauptwort, die Hand- luug des Schnappens mir dem Munde zu bezeichnen, besonders von den Hunden. Einen Schnapp nach etwas thun. Auf Einen Schnapp. Engl. Luap. Die Schnuppe, plur. die —n. Leyden Jägern, ein jedes Tuch,, welches man auf oder niedcrlaffen kann zdrrs Schnappcuch, Kalltuch. Von schnappen, schnell nicderfallen. Schnappen, verb. re^. neutr. mit dem Hiilfsworte haben, welches eigentlich eine Nachahmung desjenigen eigenthiimlichen Schics ist, dcn^es bezeichnet. Der Auerhahn schnappt in der Balze, wenn er mir dem Schnabel diesen Schall hervor bringt ehe er anfängt zu schleifen. Besonders begleitet dieser Schall gewisse mir Schnellkraft verbundene Veränderungen, da« her cs auch von denselben gebraucht wird. Ein Schloß schnappt, wenn die Feder den Riegel mit Schnellkraft fortstößt. Daher ein Schloß abschnappen, esabdrucken. Ein Bret schnappt m die sehe, wenn es schnell in die Höhesähret. Im Oberdeutschen sagt man auch mit dcnFingern schnappen, für krachen mit der Ranne schnappen, für klappern. In engerer Bedeutung druckt cs die schnelle mit diesem Schalle verbundene Öffnung und Schließung des Mundes aus, etwas mit Geschwindigkeit zu erhaschen. Der Hund schnappt nach den Fliegen, der Fisch nach der Luft. Da- her figürlich, nach etwas schnappen, es begierig und mit Geschwindigkeit in seine Gewalt zu bekommen suchen. Mas hilft es auch nach Weisheit schnappen, Die oft dem Wirbel wehe thm s Haged. So auch das Schnappen. Anm. Im Niederst snappen, wo cs auch schnell reden, eilfertig plaudern bedeutet, im Schweb, lnnppn, im Engl. to Inap und yhue Zischlaut auch to nud. Bey dem Horuegk kommen schnallen nnd schnappen auch für straucheln, fallen, vor. Im Niederst ist für schnappen in der engern Bedentnng auch happen, happsen, Franz, ckaper, Im!. eiiinppLce, üblich. Schnappen ahmet den Laut genau nach ; einen feinern Laut dieser Art druckt man durch schnippen aus, so wie die Niederdeutschen für einen gröbern^ie Wörter Gchmrpp und schnuppen haben. Die Schnappenwurz, S. Schuppenwnrz. Der Schnapper, des—s, plur. ul nom. livZ. ein schnappendes Ding, wo es von verschiedenen Werkzeugen üblich ist. Eine kleine Armbrust heißt wegen des schnappenden Lautes der-Sehne ein Schnäpper oder Schnepper. Der Schnäpper der Wundärzte ist ein Werkzeug zum Aderlässen, weil die Lanzette durch eine Fedor mit Schnellkraft heraus gedruckt wird ; der Fliegenschnäpperist ein Nähme einer Art Grasmücken, welche nach den Fliegen schnappt. Der Schnapphahn, des — cs, plur. die — Hähne, eiu Parrey. ganger im Kriege, welcher widerrechtlich ans Beute ansgchet, in- gleichen rinegelindeBcuennung eines'Straßenr äubers; weil bcyde daraufausgehen, fremdes Gur zu erschnappen. Hm Nüdersäch- fischen bekommen diesen Nahmen auch wohl die Gericktsdiener midBetrelvögte, vermuthlich wohl nur im verächtlichenVersiande. Hhhhh - Im 1L87 Schn , Zm Oberdeutschen ist Schnappfiihrer der Anfirheer einer Räuberbande. Anm. Weil 8nLp!iLLN im Holländischen, und Znappkans im Schwedischen eigentlich emeFlinte bedeuten, wegen des schnap- penden HahneS, so glaubt man gemeiniglich, daß es in der heutigen Deutschen Bedeutung eine Figur von dieser ftv. Freplich ist sie ein wenig hart; daher es dahin stehet, ob Zahn hier nicht aus Hans in der allgemeinen Bedeutung eines jeden verächtlichen Mensche», verderbt worden, zumahl da ein solcher Schnapphahn.-m Engl. wirklich Tncrpkunce heißt. Das Franz. Ostenupäa ist aus dem Deutschen geformet. Schnäpptsch, oder Schnippisch, — er, —-te, ach. et im gemeinen Leben, besonders der Niedersachsen, schnell und keck im Reden, naseweis im Reden. Gchnäppisch sepn. Eineschnap- pische ?sntwort. Niederst snappsk, sn-ppsk, wo auch Gnippke und Suappsnure eine solche im Reden vorschnelle und naseweise Person bedeuten. Im Dsterrcichischen bedeutet gcschnäppig bloß plauderbaft, vom Niederst snapp^n, plaudern. Schnapps, eine Jnterjeclisn, welche ein Intensiv,im von schnapp ist, (S. dasselbe.) Schnipps druckt einen feiner», und das Niederst schnupps einen grödcrn Laut diestrArt aus. Daher schnapp- sen , diesen Laut geben, verursachen. Der Schnapps, des— es, plnr. irruk. eine nur im gemeinen Leben übliche scherzhafteBenenmuig eines SchluckesLranntwein, weil er schnapps oder in einem Schnappe ausgetrunkeu wird. Einen Schnapps machen oder nehmen, einen Schluck Brannt, wem trinken. Daher cs denn auch oft Branntwein überhaupt bedeutet. Ein Glas Schnapps. Der Schnappsack, des — es, plur.dr'e—sacke, ein Sack oder Beutel, trockne Speisen darin auf Reisen bey sich zu führen. Im Niederst gleichfalls Snappsack, im Schwed.8nLpplÄK,imEngl. 8vÄplack, im Franz. LÄlläpla. Bey dem Worte Rnappsack, wie es auch in vielen Gegenden lautet, ist schon bemerket worden, daß Schnappsack vermittelst des Zischlautes davon gebildet worden, ob es gleich auch unmittelbar von Schnapp, ein Mund voll, Engl. 8nap, gemacht seyn kann. DreEngländcr sagen gleichfalls Tnaplack, so wie die Schweden auch Lapplak und VaklÄk, welches letztere von Kak, der Rücken, abgeleitet wird, weil gemeine Leute einen solchen Sack aufder Reise gemeiniglich auf demRü- cken Hallgen haben. Schnappsen, verb. reZ. neukr. mildem Hülfsworte haben, im gemeinen Leben, einen Schluck Branntwein zu sich u-hmen, ein Glas Branntwein trinken. S. Schnapps. Das Schnäpptüch, des—es, plur. die— tücher. S.Schnappe. Die Schnappweife, plur. die —n, eine Art Weifen, welche die Zahl der geweiften Fäden durch das Schnappen eines dünnen elastischen Bretchens anzeiget ^ die Zählweise. Schnarchen,- verb. reZ.nsutr. welches das Hülfswort haben erfordert, eine unmittelbare Nachahmung des Lautes ist, und in doppelter Bedeutung gebraucht wird. ') Von dem durch die Nase hervor gebrachten Laute, welcher oft einen festen Schlaf begleitet. Im Schlafen schnarchen. Niederst snoren, snorken, snurken. Engl. t.o lnore und ko fnort, Schwed, knarka. Im Angelst hingegen ist taora niesen. 2 ) Ungestüm verweisen, mit Pochen und Drohen reden. Iw. Sause herum schnarchen. Mit dem Schnarchen ist es nicht ausgerichtet. '(S. auch Anschnarchen.) Im Schwed, gleichfalls lao rks, im Jsländ.lnsrka. Im Niederst ist snarren murren, brummen. Als ein Diminut. davon kann das im gemeinen Leben mancher Gegenden übliche nörgeln angesehen werden, dem unter andern auch der intensive Zischlaut mangelt. Im Finnischen ist Nasrkae der Zorn. So auch das Schnarchen. Sch» iL88 Der Schnarcher, des — s, plnr, m vom. lwA.ejnePerst», welche schnarcht, besonders in der zweyten Bedeutung. Den Schnarcher furcht' ich nicht, Hagcd. Ein Schnarcher voller Schulgeschwätze äaltstch für einen Rirchenheld, ebend. Dre Schnarrante,- plur. die — n- eine Art wilder Änten,west che eine schnarrende Stimme hast; üreperä Vnarränre, Schnattcrante, Mittelante. Die Schnarrdrossel, plur. die — n, ein Nähme der Nistest drossel oder des MüHcrs, lurcius vilci vorus gleichfalls wegen ihrer schnatternden Stimme, daher sie auch Schnarre und Schnerf genannt wird. Die Schnarre, plnr. die—n, ein schnarrendes Ding. So wird das hölzerne Werkzeug, welches' die Nachtwächter au einigen Orten führen, und ws-mit man auch die Sperlinge aus den Gärte» uudFclderu zu verscheuchen pflegt dieSchnarrc, und wenn es größer ist,die Schnurre genannt. Im Oberdeutschen heißt es die Rakel, die Datschen. Eine Garnwinde ist im Niedersächstschenunter dem Nahmen einer Schnarre bekannt. Verschiedene Arten vo» Vögeln sind wegen ihrer schnarrenden Stimme gleichfalls unter diesem Nahmen bekannt, dahin denn die Gchnarrdrossel, ferner eine Art Wachteln m't langen Beinen, welche auch Schnarr- wachte! heißt, ingleicheu der so geiraunte Wachtelkönig gehören, welcher letztere auch Schnerf, Hcckschnarre und Thauschnarre genannt wird. Das Gchnarreisen, des—s,plur. utrrom. lloZ.bey den Goldschmieden, ein dünner, langer, vorn winkelig gebogener Amboss, welcher am andern Ende eine breite Bahn hat, worauf mun mit dem Hammer schlägt, damit das andere Endein eine zirterudeBc- «vcgung gerathe, Figuren dadurch auszuhöhlen und tiefe Stelle» damit auszuarbeiten; von dem schnarrenden Laute, welcher mit dieser Behandlung verbunden ist. Schnarren, verb. reZ, neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und denjenigen zitternden Laut nachahmet, welchen cs bezeichnet, diesen Laut von sich geben, hervor bringen, der Gchwarzspecht schnarret, wenn er mit dem Schnabel so hart»» die dürren Bäume schlägt, daß dadurch ein schnarrender zitternder Laut entstehet. Aufcine andere Art, nähmlich bloß mit ihrer Stimme, schnarren der Mistler, die Schnarränteu. s. f. Line Garnwinde schnarret. Im Reden schnarren, das -r nicht mit der Zunge, sondern mit der Kehle aussprechen, wodurch gleichfalls ein rauher zitternder Laut entstehet. Im Oberdeutsche» nennet man dieses schnorren, schnorcheln, in Österreich ratschen, i» Schwed, skorrs. Ein Blase-Instrument schnarret, wenn cs einen rauhen zitternden Ton von sich gibt. So auch dar Schnarren. Anm. Im Niederst snarren, im Schweb, fkorrn. Da der schnarrende Laut iu vielen Fällen ein Begleiter einer schnellen Bewegung ist, so ist snar im Niederst uud saLr im Schwed, schnell, hurtig. Aufebeu dieselbe Art ist schnell von schnallen und schnellen, hurtig von.dem noch nicht ganz veralteten hurren, das Schwed. lnabk, schnell, voll schnappen u. s. f. gebildet. Eine» gröber» Laut dieser Art druckt man durch schnurren, eine» feiner» aber in Niedersachsen durch snirren aus,-so wie man im gemeine» Leben von schnarren auch das Jntcnstvum schnarzen hat. Die Schnarrwachtel, plur. die—n, S. Schnarre. Das Schnarrwerk, des—es, plur. die—e, in den Orgel», ein Pfeifeuwerk, dessen Pfeifen mit einem messingenen Bleche versehen sind, welches an die Röhre anschlägt, woraufes liegt, nn» einen schnarrenden Ton hervor bringt. .. * Die Gchnat, oder Schnake, plur. die — n, ein les, nur in einigen Gegenden übliches Wort, r) In Schleirn 1589 Schn bedeutet er eilt Reis. Aus Schnaken werden Baume , Günther. Lein Stammbaum schlage täglich aus, Bis einst die Nachwelt Schnaken bricht Und n:n der Enkel Rronen sticht, cbend. DreNymphensammleten dierheurenAmbra-Tropfen, Sic brachen hier und dar die beßenSchnaken achebend. r) DieGränze; eitle in Ober- und Niederdeutschland schr gangbare Bedeuiung, wo es im Oberdeutschen auch Schnait, Schneid, und im Niedersachs. Snaat-und Gnede lautet. Die Schnait »dcrSchnat begehen, die Granze. DrcHeimschnat ist daher in Wcstphalen die Gränze eilier Dorfst'ur, d:e Zlurgränze. Anm. Es kanil ftyn, daß in der letzten Bedeutung vornehmlich auf die zur Bezeichnung der Gränze in die Grän,zbaume, Pfähle oder Steine geschnittenen Zeichen gesehen wird. Das in einigen OberdeutschenGegenven übliche Schnatte, eimNarve,Schmarre, staiumet gleichfalls von schneiden ab. Allein in der erstenscheinet es dcn Begriff der Länge und schlanken Beschaffenheit zu haben. Im Schwed.ist Zno ein dünnesSki'l, eineSchnur. S. - Schneide. Tire GchnütterÜnte, plur. die — n, S. Gchnarranre. Licynabtern, verb. r: Z. NLUtr.mit dem Hülfswocte haben,welches gleichfalls den Laut nachahmet, welchen es bezeichnet, diesen. Laut von sich geben und hervor bringen. Die Gänse und Anten schnattern. Jugleichen, schnell reden, plaudern, besonders wenn nlierhcblicheDinge schnell und eilfertig durch die Rede vorgcrragen werden, im Niederst auch tatern, Lat. bi^tkör-rre, welches zu Uttserm plaudern gehöret. Im Oberdeutschen sagt man auch der Storch s^nanere, wenn er klappert, und im Niederst nennet mau das klappern der Zähne snarern und snätern. Daher das Schnattern. Anm. - Im gemeinen Leben auch mit einem gedehnten a schna- rern, im Niederst snatern. I:n Schwed, ist in oder im griten Ver- stalide für beredt üblich, irnd bey dem Uiphilas ist Ulutrs weise. Schnauben, Verb. reß. ucl. noch häufiger aber neutr. mit drm Hülstworte haben. Es ist eure Ouomatvpöic und ahmet das heftige Ausstößen und Entziehen des Alhems durch die Nase genau nach, dessen noch stärkererGrad durch schnaufen ansgedruckr wird. i) Den Ätbem mit Heftigkeit durch die Nase einzieheir und aus- stoßcn. Ihre Rosse schnauben zu Dan, Jer. 8, '6. Wie schnaubte'die grimmige Nase Flammen umher! Zachar. Im Riedersächstschen .bedeutet es uoch theils sehn au u e u , die Nase schnauben, theils schnupfen, oder Schmipfrobak nehmen,welche dcpdc Bedeutungen, besonders aber die letzte, im Hochdeutschen ungewöhnlich sind. 2) In weiterrn Verstände bedeutet es in der Deutschen Bibel nach einer Morgenländischcn Figur stark Achem hohle«, und arhemen überhaupt. Da schnaubet? der Dnabe sieden Mahl, 2 Kört. 4 , 35. Go lange das Schnauben von Gore in meiner Nase ist, Hiob 27, Z. Das Schnauben m unserer Nase ist ein Rauch. Welsh. 2, 2. Im Hochdeutschen ist es hier ungewöhnlich. Z) Figürlich, wo es einAusdruck gewisser heftiger Gemiithsbewegiuigen ist, welche oft mit einem Schnauben verbunden sind. Geht hin, die ihr nach Golde schnaubet, Uz; die ihr eine heftige ungesittete Begierde nach Gold habet. Saul schnaubete mit Drffuen und Morden, Apost. y, Wenn wir in spätcrnSprechcn den Zopn schon als Phänomen des Gesichts oder als Abstractnm in den Wurzeln charakterisiren— und ihn also nur sehen und denken: so Hort ihn der Morgenländer, Hort ihn schnauben, Hörer ihn brennenden Rauch und stürmende Funken sprühen. Das ward Nähme des Worts, die Nase Sitz des Zorns; das ganze Geschlecht der Zornworeep und Zornmetaphern schnauben ihren Ursprung, Herd. Die Engl, w 1'u.b und W Lub^dirSchwed. und lütebbü, das Schn 1F90 Island, stnudba, werden gleichfalls von ungestümen Ausbrüch-err des Zornes gebraucht. So auch das Schnauben. Anm. Im Niederst snuven, im Holland. Inu^vev, im Engl. io /null, ko Injsf, im Schwed. I'vusvs. Im Niederst ist daher Snuff und Snusse, und ohne Zischlaut Nibbc und Nuss, so wohl die Nase als die Schnarche. Es ist eine Nachahmung des Lautes, wohin ohne den intensiven Zischlaut auch das Hebr. blasen, gehöret. Im Oberdeutschen hat man für schnauben auch dasZeit- wort schnicben , welches irregulär gehet, ich schnieb. oder noch häufiger schnob, Mittclw.geschnoben. DieHvchdcntschmverwechseln dieses zuweilen mit dem regulären schnauben,und machen dieses im Jmperf. und Partie, nicht selten schnob, geschnoben; welches aber minder richtig ist. Schnauben, schnaufen und des. sen verkleiuerudeJterativaschnaufrln und schnüffeln, schnaupen, schnupfen und schnautzdn sind alle Wörter Eines Stammes, nur daß sie verschiedene Abänderungen einer und eben derselben Sache bezeichnen. Die Gchnaue, plur. die—n, in dee Seefahrt der Niederdeutschen und Nordländer, eine Art kleiner Seeschiffe,wAche-eigentlich lange Barken sind, und Segel wie die Schnacken haben, nur daß selbige größer sind. Niederst Gnau, Holl. LnÄLuvr'. Das Nie. dcrs. Snau bedeutet eigentlich die Schnautze. Mau sagt daselbst, daß Schiffe auf die Schnau Jebauet sind, wenn sie vorn spwig zulanfen; daher scheinet es, daß dicseArt Schiffe ihren Nahmen von ihrer langen spitzigen Gestalt habe. Schnaufe», verb.reZ. neukr. mit dem Hülfsworte haben, welches eitlen etwas stärkern Grad desSchnarlbens bezeichnet, wo die Znrension durch den starken Blaselaut s bezeichnet wird. Man schnauft, wenn man nach einer sehr starken Bewegung m,l Hcf- . tigkeit Athem höhlet, besonders wenn es durch die Nase aeschiehct; in Baicrn pfnausen. (S. auch verschnaufen.) Im Oberdeutschen schnauft man auch die Nase, wenn man sie im Hock deutschen schnäutzet. Eben daselbst gebraucht man es in den zusammen gesetzten beschnaufen und anschnaufen, für, mit starker Einziehung der Luft in die Nase beriechen, wofür man im Hochdeutschen das iterative beschnaufeln, Niederst beschnüffeln, in mana-en Gegenden auch beschnoppcrn und beschnuppern har. Das Niederst snüffeln bedeutet auch, so wie das Schweb. juöllL nndCngl. ko lnivel, durch die Nase reden, wofür mau im HochöeiUsa.m niescln,in manchen g- meinen Sprecharrcn aber auch nüffein sagt. So auch das Schnaufen. S. Schnauben, Anni. Die Schnaupe, p!ur. die—n, Diniinut. das Schnaupchen, Oterd. Schnäuplein, ein nicht überall gangbares Wort. ,)J-z einigen Provinzen wird es für Schnautze gebraucht, von welchen! es nur im Endlaute unterschiedenäst, von dem Nieder; Schnau, die Schnautze, a bstammet, und gewisser Maßen ein vergrößerndes Wort von Schnabel ist. Im Hochdeutschen ist cs in dieser eigcnt- lichcnBedeutung unbekannt, wohl aber gebraucht mau cs zuweilen ini figürlichen Verstände von ähnlichen hervor ragenden Tbcilen mancher Körper. Z. B. die Gchnaupe an einer Danne, an einer Lampe, an einem Helme, wofür man auch wohl Schnautze und Schnabel sagt. Im Oberdeutschen wird auch die Scyneppe, ein weibliches Kleidungsstück, die Schnaupe genannt. Bey den Uhrmachern sind die Schnaupen eine Art Feilen, deren nähere Beschaffe,ibeilmir aber unbekannt ist. r)Der ausgebranntcDocht eines Lichtes, der in-Hochdeutschen die Schnuppe beißt, ist in manchen Gegenden auch unter dem Nahmen der Schnaupe bekannt, S. das elftere. Anm. In einigen Gegenden hat man auch dasZertwort schnau- pen, welches ein Jnrensivum vvn schnauben ist, und nicht nur für schnäutzcn, sondern auch figürlich für beschnaufeln gebraucht wird. Hhhhh 2 Die -' - . , 5 - L HI r. S ch tl Die Schnautze, plur. die —11, Diumlut. das Schnäutzchcn, Oberd. Gchnäittzlein, ein langes hervorragendes fleischiges und mit der Nase verbundenes Maul, dergleichen matzcheThiere haben, z. B. die Hunde, Wolfe, Füchse u. s. f. inglejchen manche Fische, wie die Karpfen. Lin solches hervor ragendes hornartiges Maul, ,wre es die Vögel haben, heiße ein Schnabel. Im verächtlichen Verstände wird eS auch zuweilen vort dem Munde und der Nase eines Menschen gebraucht. Die Schnautze hoch tragen. Figürlich ist hie Schnautze .oft ein auf ähnliche Art hervor ragender Tbeil au einem Dm'ge. Die Schwrutze an einer Ranne, an einer -Lampe. Seine Lampe mit seinen Schneugen, (Schnautze»,) 4 Mos. 4, 9.. Anm- Zm Nieders. Snut, im Engl. Lnout, im Schwed. 8u) to. Es ist von schnarre^, schnaube», gebildet und deutet das Werkzeug des Schnaubens an, welches Mund und Nase sind, besonders aber die letztere. Im Niedeesächsischen heißt daher die Schnautze auch nnrGchnau, und mir andern Endlauten GnuffunoSnurre. S. auch Gchnaupe und Schnabel. Ochnücktzen, verl). rcZ. neukr. welches nur in dem niedrigen anschnautzcn,Nieders. afsnuten, ungestüm anfahren, gebraucht wird, (S. dasselbe.) Schnarchen und schnauben kommen in ähnlichen Figuren vor. Das jetzt veraltete einfachere lnucksu, von weichem schnautze» daSAntensivum ist, kommt noch bep dem Notker vor, wo nLis l'nucken verhöhnen, wohl zunächst die Nase rümpfen, ur;d 8uuüu Verhöhnung ist. S. Schnöde. Schnäutzen, verd. reZ. uct. die Nase mit schneller und heftiger Ausstoßung der Luft reinigen. 1. Eigentlich, wo eS allem Ansehen nach eine unmittelbareOnomatopöie ist, ohne erst von Schnautze übzustammeu. Die Nase schnarchen. Sich schnarchen. Ein Rind schnarchen. (S. Schnauben.) 2. Figürlich. 1) Das Licht schnarchen, den ausgebrannten Docht mit der Lichtschere ab- schncioen und wegnehmen, eine nur in einigen Oberdeutschen Gegenden übliche R. A. wofür man im Hochdeutschen das Zeitwort putzt-n gebraucht; Niedres, snitjen.. Mau könnte eS hier als ein Jntensivum von schneiden anfthcn, zunnrhl da-öaS Nieders. snik- jen in dieser Bedeutung von funkten in der vorigen hinlänglich verschieden ist. Allein die Griechen und Lateiner gebrauchten KVok/.v^«rund emuuZsrs aufeben die Art, und imGriech. bedeutet so wohl Rotz als den Docht. 2) Fernanden schnäutzen, ihn auf eine listige Art bevortheilen, um sein Geld bringen, welches man auch schnellen, grellen u. s. s. nennet. Jemanden um zehen Thaler schnäutzcn. Nach eben der Figur sagten die Griechen «»ran.v^«t und die Lateiner LinuQAere senern ur- ^enlo. So auch das Schnäutzcn. Zsnm. Im Schweb, m allen drey Bedeutungen sn^t3, im Engl. ko lniro, wo auch 8not der Rotz ist. / DrrsGchnckutzenbKnö,.oderSchncrutzblrnö, des — es, plur, die—bänder, bey den Böttchern, ein mit einer Schnautze versehenes Band, d. i. ein an bepoen Enden zugespitztes und mit Kerben versehenes Band, um die Enden in einander,zu fügen. Die Schnecke, plur. die—> n, Diminut. das Schneckcheir, Oberd. Schnecklein, ein Nähme, welcher einer doppelten Art Würmer deygelegt wird. 1. Einem nackten Wurme mir Gliedmaßen und vier Fijhlspitzcn über dem Maule, welcher "von Mwarzer, brann- rocher oder branngelber Farbe ist, und sich nach einem Regen in den Gärten undaufden Wegen sehen läßt, wo er sich vornehmlich durch seinen trägen schletchrnocn Gang auszeichnel Wegcschnrcke. 2. Ein gewundenes cinschaliges Schalthier mit sichtbaren Windungen. 1) Eigentlich; Gocliiea s,. Da cS wieder G rrtenschnecken, Erdschnecken, Zlußschnecken , Mecr- schnecken u. s. s. gibt 2) Figürlich bekommen verschiedene Dinge, wrsche mit ähulichen Wmdungen, wie düs Haus einer Schnecke, > Schn / iAz versehen sind, diesen Nahmen. So ist die Schneckein der Bau. kunst ein Zieraih, welcher aus lauter Viertelkreisen zusammen gesetzt ist, und auch ein Snorkcl genannt wird, (G. dieses Wort) Eine Schnecken - oder Wendeltreppe heißt oft die Schließe schlechthin, in welchem Verstände eS schon im Zheuerdankevsr. kommt. Oie Schnecke war fünf Ellen weit, Ezech. 4e, i, Die Archimedische Wasserschraube, deren Röhrein einem Schraub öcnga. ge um eine Achse gesühnt ist, wird eine Schnecke genannt, welchen Nahmen auch ein großer Hohlbohrec bekommt, die Puiu- penröhren damit auSzubohrcn. In der Anatomie wird so rvohtdie äußere Höhle des Ohres, als auch die inner? hinter der Trommelhöhle, die Schnecke genannt, de p de wegen ihrer gewundenen Gänge. Im Latein, heißt die erste Lonelin, und-die andere (iloclrlea. Anni. Zm Nieders. Guigge, im Ängels. KnÄSZ!, im Engl. 8nsil,i.nSchwed. 8uLcka. Es ist wohl kein Zweifel, daß cs mildem im Hochdeutschen veralteten schnecketz, kriechen, schleichen, Angcls. lnican, Engl, to lneak, absiammet, well beyd.unter d esem Nahmen bekannte sonst so verschiedeiio-Zhiere einen überaus trägen Gang haben. Im Holläüd. heißt daher eine, Schnecke (Necke, von sliken, schleichen'. (S. auch > Schnake, Schlange.) Im Oberdeutschen ist dieses Wort männlichen Geschlechts, der Schneck, des—en, plur. die — en. DttsGchneckenauye, des —s, plur. die---n, der M.itel- punct einer jeden Schneckenlinie oder eines Schnörkels, von welchem eine solche Linie anSgehet. Der Schneckenbevtz, des -— es, p'ur. die — e. 1) Ein kleiner Berg oder Hügel in erneu: Garten, die eßbaren Schnecken daselbst aufznbchalten und zu mästen. Geschiehet es in einer cheneu, Grube, so wird sie eine Schneckengrube genannt. 2) Ein Lnst- bcrg in ben Gärten, um dessen Fläche sich ein Weg, wie eine Schraube herum windet. Die Schneckenbohne, plur. die —11, eine Art steigender Beh. nen mit einem gewundenen Stauune, und einer, schneckenförmig zusammen gerollten Fahne und Schiffchen; k-trulsolus cara- ewllw Sie ist in Ostindien einheimisch. Dev Schneckenloohwer, ^>es — s, plur. ut nom. llnZ. ei» Boheer , dessen Bchrspitze, wie eine Schnecke gewunden ist, dergleichen man von allen Größen hat. Der Schneckentzang, des— es, plur. dke— gange, ein Gang in einem Garten, welcher in einer Schneckenlinie zu einem Mittrl- puncte oder offnen Platze führet. Dws Schneckengewölbe, des—s, plur.utnom.ljuZ.ciu Gewölbe, welches sich in einer Schraubenlinie um einen Pfeiler in die Höhe windet, dergleichen die Gewölbe an ben Wendeltttp- pen sind. LieSchneckentzrube, xrlur. die —n, S. Schneckenberg. Das Schneckenhaus, des — cs, plur. die — Häuser, Diini- unk. das Schueckenhä'rrschen, Oberd. Schneckenhänslein, des HauS, d. i. dis gewundene Schale, einer Schnecke, weil sie ihr zur Wohnung dienet.. Drrs Schneckenhorn, des — es, plur. die — Horner, eine große nach eurer Schraubenlinie zngespitzte Schnecke in Gestalt eines Irnchthornes, dergle chen män ben Trironen an. den Mund zu geben pflegt. Auch das Füllhorn hat oft die Gestalt eines solchen SchueckenhorueS. ^ Der Schnecken?bxes, des — 3, plur. ut nom. üust. i» den Taschemrhren, ein Kegel ohne Spitze mit schiefen parallelen Einschnitten, worauf die Uhrkette gewunden wird. Degi Schneckenksee, des— s, plur. iuus. eine Art KleeS, dessen zusainlULü gedruckte Schore eme schneckenförmige Gestalt hat; -L9Z Sch» NustLsLAo wohl!! denn fi) Mohl die Luckvne, als auch der Sichclklee und airdere Arten gehören. Dre SchneckenUnre, piur. die — n, eine den Windungen eines Schneckenhauses ähnliche Linie, d.i. einekcumme Linie, welche sich mehrmahls um eitlen Pnnct herum drehet', über so, daß sie sich immer weiter von demselben entfernet. DerSrhrreckenmaLnror, des — s, plur.dochrrnr von mehrecu Arten, ul vom. llu§. ein mit versteinerten Schnecken durchsetzter Marmor; so wie Muschelmarmor, der mit versteinerLenMnschetn durchsetzt ist. Man Hst auch'eine Art alten orientalischen Marmors mit Schueckenzügen, welcher gleichfalls Schnecken- marmor genannt wird; Ztal. ü-iurLuckellA Luki^L. Die Schneckenpost, plur. die — gn, im Scherze, eine im höchsten Grade langsame Gelegenheit fortznkomm.en, welche man im gemeinen Leben auch die Ochsenpost nennt. Auf der Schneckenpost fahren. Das Schneckenrad, des — es, p!ur. die—rä'der , in den Taschenuhren, ein Rad von 48 Zähnen unter dem Sperrads. DreGchneckenrundunF, p!ur. die— en, eineRnndung, welche nach Art einer Schncckenlinie immer enger zusammen läuft. Der Schnsckenstein, des —es, plur. die — e. r) Ein kleiner weißer dünner länglich runder Stein, welcher in dem Kopfe der Wegeschnecken gefunden wird, und am Halse getragen, das Fieber vertreiben soll. 2 ) Dhne Plural, ein Marmor, in welchem sich versteinerte Schnecken befinden, der ans versteinerten Schnecken bestehet. ' Der Schnecken - Topas, des — es, plar. die — e, ein Nähme der ungefärbten Sächsischen Topase, welche so farbcnlos, wie ein Demant,aber härter, wiederZapfcn - Topas sind. Die Gchneckentrappe, plur. die—-n, eine Wendeltreppe, welche auch nur eine Schnecke schlechthin genannt wird. Der Schnee, (cinsylbig,) des — s, (zweysylbig,) plur. inusi. Dünste in der Luft, welche daselbst gefrieren und in Gestalt weißer Flocken herunter fallen. Es fallt Schnee, es schneyet. Es ist ein tiefer Schnee gefallen. Mit Schnee bedeckt. Go weiß, wieein neu gefallener Schnee. ' Anm. Schon ben dem MphilasInZirrs, bep dem Dttfried 8neuu, im Tatian 8nio, in dem Fragmente auf Carlu den Großen 8ne, im Angelst Zuurv, im Engl. 8novr, im Schwed. 8nö, im Jsländ. 8nio, bey den Krainerischen Wenden 8rreb, rm Böhm. 8rri!r, inr Pvhlu. 8nisr;. Bey den Jägern durch ganz Deutschland heißt frisch gefallener Schnee noch das Neue, welche alte, bloß des zufälligen Zischlautes beraubte Form uns die Verwandtschaft nijtdem Lat. Xix, nivis, und dem Griech. r/qmz zeiget, wohin auch das Jtal. Istsve,--b?;ve, die alt Franz. Rot i, Rols, das heutige Franz. ReiZs, das Lothar. Rucizs, Ro^e, u. a. m. gehören, bey welchen zugleich die Abwcchselmrg derEnö- lante zu bemerken ist. Schnee ist dem zn Folge mit neu näher verwandt, als man dem ersten Anschein nach denken sollte, es-mag nnndas unerwartete, welches die Erfinder der Sprachen bcv dcm ersten Schnee nochwendig empfinden mußten,.oder auch dessen blendende Weiße, (indem neu und dessen Verwandter nett oft auch für glänzend gebraucht werden,) zu dessen Benennung Anlaß gegeben haben. Der ungewöhnliche Plural kommt zuweilen im gemeinen Leben vor. Es find diesen Winter 78 Schnee gefallen, Blimtschli, ein Schweizer. Die -Achneeammer, plur. die—m, eine Art Ammern, welche in Lappland, Spitzbergen und anderrr nördlichenLändorn cinhei- uitsch ist, in, Winter a in Kopfe, anbsmHalseund dc^.Drnfi schneeweiß ist, und im Sommer in den Lappländischen Schneegcöirgr» wohnet, inr Winter aber in di>^' sirdlichenGegenden Schwedens und Zuweilen gar nach Deutschland ziehet; LmherlLs ütVLÜLli, Schn ^94 chchneesperling, Schneevogel, Wintcrsperling, wi'ntcvtinc^ Nenvogel, von Neu, der Schnee. Die Gchneebayn, plur. iuust. eine mit Wagen ober Schlitten durch den Schnee gemachte Bahn. Es ist Sch ne c b ahn. Der Schneebüll, des — es, p!ur. die— balle, zusammen gebrückter Schnee in runder Gestalt, ein aus Schnee zusammen gedrückter Ball. Ein großer Ball oder rundlicher Klumpen zusammen gcballeten Schnees wird auch ein Schneeballen und ein noch größerer in der-Dchweiz eine Schneeiauwine genannt, (S. das * letztere.) Figürlich werden die kugelrunden weißen Blumen des Hirsch-, oder Wafferhohlunders ünd das ganze Gewächs Vidur- riuna Opuius !^. Schneebrille oder Schnecballen gmannm Der Schneehttuin, des — es, piur.die — bäume, ein Nord- Amerikanischer Strauch, welcher im May sehr viele einfache schneeweiße Blumen trägt, welche ihm von weiten ein Ansehen geben, als wenn er mit Schnee bedeckt wäre; LbionLcrtllus il-. Die GchNcebrrn, pstur. die — en, ein Nähme der weißen Äut- terbirn, Franz, kleurräs b!unc, welche im Detoöer reift. Schneeblind, ach.et oräv. von derglünzendenWeiße des Schnees verblendet. Dis Schneeblume, p!ur. die--u, S. Schneeglöckchen und Schneetrofen. , Der Schneebrüch, des — es, piurl die — beuche, im Forstwesen, ein durch die Last des Schnees an den Bäumen durch deren Zerbrechung verursachter Schade. Daher das Bey-pud Nebenwort schneebrüchig, von dem Schnee zerbrochen. Schuesbrü- chige Bäume. Die Schneeöohle , plur. die —n, in einigen Gegenden, ein Nähme der gemeinen Dohlen, weil sie sich bey einem gefallenen tiefen Schnee mit großem Geschrcye gern nahe um die Wohnlm- gen auföalten, und daher auch Schneegäckcn genannt werden. Die Schnee-rssssl, plur. die — n, ein Zkahme der Ring- oder Meerdroffe!; ^urcius tor^uLlus Der Schnee-Enzian, des — 6, plnr. inus. eine Art des Enzians, welche auf den höchsten Alpen der Schweizer und Lappen einheimisch ist, wo er unter und in dem Schnee wüchset; Oastia- " QL nivalis!-. Der Gchneesink, des — en, plur. di- — en, ein Rahme des gemeinen wintersirrken «fit gelben Schnabel und bunten siahrar- ' Ligen Farben auf dem Kopfe und Rücken, welcher auch Bergfink, Wald fink, Tannenstnk. Ouakler, Go gl er u. s. s. genannt wird; , V'rMAÜia ir^bsrnL Die Schneeflocke^ plur. die—n, Schnee in Gestalt einer Flocke, die in einer Flocke zusammen hängenden gefcornen Dünste, dergleichen Flocken den Schnee ausmachen. Der äaß zerstoß, wie, Schueestockcn vor dom sarrche der wärmern -llirft, Weiße.. Die Schnseczacke, vlur. die—n, S.Schneedohle. DieSchneegttns, plan. die-—gä'nse, eine Art wilder Gänse, welche bis anfdie vier oder fünf letzten schwarzen Fluchtfedern ganz weiß find, und sich nur im Winter sehen lassen; ^nlbr »rLnät- ttiSj ni vis b., vagelgans. Ben einigen führet anch die Kropf- gans, vern'.nthlich aber rtnr die ganz weiße, wegen dieser ihrer weißen Farbe, den Nahmen der Gchneegans. Das Schnee^arn, des — es, p)nr. die —e, im Jagdwesen, ^ciu Garn, welches im Winter bey starkem Schnee zu dem Repphnh. «erlange, so wie der Tiraß im Gommer, gebraucht wirb. Es hat weiße, aber wehere Maschen als der Tiraß, und wjrd auch die Schneehattbe genannt. as SchneegeörrFe, des— s, plur. ur ucrm. ei.n -Gebirge, welche,-Ne größteZrit des Jahres mit Schnee bedeckt ist. H.hst'hh s Das iL9L Schn Schn 1^96 Das Schneegestöber, des — s, plur. ut rrom. liuZ. Schnee, welcher bey einem starken Winde fällt und von demselben.bald hier bald dahin geständet wird, wenn Schneegestöber die ganze Aussicht rauben, Gestn. S. Gestöber. Das Schneeglöckchen, des—s, plur. u k vorn. lluZ. eine Art weistemVeils,. welcher sehr früh blühet, wenn der Boden noch mit Schnee bedecket ist: l^euaojurn veruurn ll«. Gchneeblume, ^orn'.rngsblume, Märzblume, Schneeviole, Gchnectrrpsen. Die Schneehaube, plur. die— n, S. Schneegarn. Dcw Schneehuhn, des — es, piur. die—Hühner, eine Art Wald- ob>er Holzhühner, welche weist von Farbe sind, eine rokbe fleischige HautMer den Augen haben, nnd sich so wohl in den nörd- lichenLändern als aufdenSchncegebiegen der wärrnern airfhalten; I-.LZ 0 PU 3 Ilubutiuo Lv/s/n. Berghuhn, Gchneevsgcl, Weißhuhn, weißes Wildhuhn, Stcinhuhn, in Grauöünden wetßes Repphuhn, Schwed. 8 uoripu. Schneeig, —er,—stc, ckch. ekuckv. in den gemeinen Sprecharten, mit Schnee bedeckt. Die schnecichrcn (schneeigen) Sirenen, (Pyrenäen,) Opitz. Der Schneekönig, des—es, piur. die — e , in einigen Gegenden, ein Nähme des Zaunköniges, Weiler sich noch bey dem Anfänge des Winters im Schnee sehen läßt. Die Schneelauwine, piur. die — n, in der Schweiz, ein Klumpen Schnee, welcher von den Bergen herab rollet, und im Herabfallen immer größer wird, so daß er osr ganze Häuser nnd Dörfer verschüttet und verwüstet; Schneelcwiun, Schneelahne. - (S.Larrrvme.) Im Lheuerdairle die Schirreriese, von riesen, fallen. Die Schneelerche, piur. die — u, eine Art Lerchen, welche sehr war, wenn es schon gesch nepet hat, -u streichen pflegt. Die Schneemei.se, piur. die— n , die gvwöhul'che Schwanz- oder Mohrnreise, weil sie sich im Winter, wenn alles mit Schnee bedeckt ist, gern den menschlichen Wohnungeil nähert. S. Aschmeise. Die Schneemilch, piur. eur. bey den Köchen, süsterMilchrahm, welcher mit etwas Eyiffeiß vermischt, mir eincmNiithchen zu einem Schaume geschlagen wird, da er denn in der Schüssel dem Schnee gleicht; Schnermuß,Schwed. 8 uäMOs, Franz.Gräme buUue, bey den Griechen Die Schneeriese, piur. du?—n, S. Schnerlanwine. Der Schneeschuh, des — es, plur. die—e, besondere,unten aus einem Brete bestehende Schuhe der nördlichsten Einwohner Europens, mit denselben schnell über den Schnee sorlziigchen, ohne einzusinken. Der Gchneesperling, des—s, piur. die — b, S. Schnee- ammcr. Der Schneestaub, des — es, piur. cur. zarter Schnee in Gestalt des Staubes. Flimmernder Schneestaub flattere umher, Grstn. Der Gchneesteinbrech, des—'s, piur. inull eine Art des Steinbrechs,welche anf dcn höchflenSchneegebirgen des nördlichen Europa und Amerika einheimisch ist; Zuxikra^L nivul is l,. Die Gchnestropfen, inus. r) Eine Pflanze, >velü:e an den Flüssen der Ber'ge in Körnchen und der Lombarde» wächst; 6 Äiurii.kivm ll.. 2) Irr viclerr Gegenden werden auch die Schneeglöckchen mit diesem Nahmen belegt, S. dieses Wort. Der Schneeveil, des — s, piur. drc Schnce-Vflole, piur. die —m, S. Schneeglöckchen. Der Schneevogel, des — s, piur. die-7-vögel. 1) Siehe Gchneeammer. 2) Siehe Schneehuhn. Das Schneewasser, ires^— s, piur. kuu!. Wasser aus zerlassenem oder aasgelöjetem Schnee. Schneeweiß, ackj. ek aciv. weist, wie ein neu gefallener Schnee, Helles Weiß ohne Beymrschung irgeild einer andern Farbe. Düv Gchneewetter, des—s, piur. iuull derjenige Zustand der Atmosphäre, da es schneyet, im gemeinen Leben auch schneeiges Wetter. Der Su-neewinö, des — cs, piur. die — e, ein Winlch mit oder bey welchem es schneyet. Die Schneewolke, piur. die—n, eine Wolke, welche Schnee drohet. Der Schnestel, des — s,ipiur. ut nnm. lmZ. S Schnäpel. I. Die Schneide, piur. die—-n. >) In einigen Gegenden die Gränze, (S.Scynate.> 2) L cy dcn Jägern werden die Sprenkel oder Dohnen m einigen Gegenden gleichfalls Schneiden, Schnei- dcln, Schnaren, und mit der gewöhnlichen Vertauschung dcsd t und s, Schncißen genannt. Das Geschnelde und Geschnat ist alsdanit eine Reche oder Menge solcher ausgestellten Dohne,l oder Sprenkel. Es stammet nicht von schneiden her, wie Frisch will, sondern allem Anscheine.nach von Schnake, ein Reist, weil sie aus biegsamen Reisern bestehen, S. Schnake. S. Die Schneide, plur. die —n, von dom Zeitworte schneiden. 1) Das Vermögen zu schneiden, dieSchärfe; ohne Plural. Las Messer hatt die Schneide verloren, dieSchärfe. 2) Der cigeiit« lich schneidende Theil eines schneidenden Werkzeuges; dieSchäi- fe. Die Schneise eines Messers, im Gegensätze des Rückens. Die Schneide einer Art, eines Degens n. s. s. Ein Eisen das an der Schneide ungeschliffen bleibt, Pred. >c>, 10. Die Schneiden an Sensen, 6 auen, Gabeln und Beilen waren abgenutzt, - Sam. »Z, 2 1. Aber fürKlittge, wie Nicht. Z, 22, das 6 eft der Schneiden, (Schneide,) ist es im Hochdeutschen ungewöhnlich. Die Schneidebcrnk, plur. die— banke, eine Bank Mit einem beweglichen Tritte, Holz mic dem Schneidemesser oder Schnitt« n-esser darauf zu bearbeiten; dergleichen SchueidebänkedieMl- cher u. s. s. haben. Die Schnitzbank. Der Schneidebohrer, des—s, plur. ut nom. lm§. eine Art Bohrer mit scharfen Schneiden zu barten Körpern. Das Schneideeisen, des—s, plur. ut nom.üuß. ein eisern nes Werkzeug, andere Dinge damit zu schneiden; wo es doch mir in einzelnen Fällen von gewchen zusammen gesetzien Werkzeugen dieser Art, welche nicht schon die Nahmen Messer, Schere u. s. s. haben, üblich ist, und alsdann auch daseigentlich schneidende G. seu iic einem solchen Werkzeuge bezeichnet. So haben die Kammmacher ein Schneideeisen, womit sie dieZähne in die Kamme schneiden, die Schlosser und andere Metallarbeiter eine stählerne Platte voller Gewindelöcher, Schrauben darin abzudrehon, welche, wenn sie aus zwep Stücken bestehen,'auch Schncudekluppm heißen. Die Gchneidelade, plur. die—n, eine Lade der Lgndlente,das ' Stroh darin, vermittelst derFntterklingc) zrr Häcksel zu schneidcii; , die Fultcrbank, ^äckselbank, ^äckerlingslade. Das Gchneideleder, des — s, plur. iuull im gemeinen beben, zu Sohlen geschnittenes Leder; zum Unterschiede von dem ganzm Leder. , , . / DüS Schneidelholz, des—es, plur. knüll im Forstwesen, Hmz, d. i. Bäume, welche sich gern schneidcln lassen, welchen man anc Äfleabhouen kann, (vorauf sie doch wieder ansschlag m, zu wu« chcm Schneidelholze die Linden, Weidcn, Erlen, Pappeln, Ä"'- ken u. s. f.meist'rcn. Schneidcln, oder Gchneiteln, verb. rsZ. ccet. welch s das hte- rätiviu.! von schneiden ist, aber nur in einigen Fällen siir reschncl' den gebraucht wird. Die Gärtner schneidcln die Bäume, wrinr sie die verdorbenen oder Überfluss g-en Äste abjchur^"', 1L97 Schn ' oder abhauen. Ll'eWaldl'ä'rrme werden geschneidelk, wenn man ihnen entweder die entbehrlichen, oder auch die meisten Äste ab. hauet. In den gemeinen Sprccharten auch schnettein, Rieden, sneteln, Mitteln. Daher das Gchneideln oder Gchneiteln. D^rS Schneidemesser, des—s, xlur. ut vom. livF. eigentlich ein Messer zum Schneiden; da es aber ein Pleonasmus seyn wurde, weil ein Messer ohnehin schon zum Schneiden bestimmt ist. In engerer Bedeutung wird das Messer inüzwey Handhaben, dessen man sich anfder Gchneidebank bedienet, das Schneidemesser oder Gchnrrtmesser genannt. Auch das Wiegemesser der Küchen heißt zuweilen Schneidemesser, vermnthlich nm es vondemHacke- Messer zu unterscheiden. Die Schneidemühle, plur. die — n, eine Mühle, ans welcher das Holz vermittelst des Wassers zu Bretern, Bohlen, Pfosten, Latten u. s. f. geschnitten oder gcsiiget wird; die Sagemuhle, Bretmnhle. Schneiden, verd. irreg. Jmperf.ich schnitt; Mitteln,geschnitten ; Zmper. schneide. Es kommt in doppelter Gestalt vor. I. Als ein Neutrum, mit demHülfsworte haben. >. Eigentlich, andere Dinge mit der Schärfe dnrchdringen, wo es von allen mit einer eigentlichen Schärfe versehenen Werkzeugen und Kör. pern gebraucht wird, und oft so viel als scharf seyn bedeutet. Schneidende Werkzeuge, welche eine Schneide haben, zum Uu- terschiede von stechenden. Las Messer, die Schere, die Art, die Sense, die Sage schneidet nicht, will nicht schneiden, schneidet vortrefflich. 2. Figürlich. 1) Einen empfindlichen Schmerz verursachen, welcher dem Schmerze gleicht, welchen schneidende Werkzeuge verursachen Ein schneidender Wind, eine schneidende Lälte. Der Wind schneidet, schneidet in das Gesicht. Einschneidender Schmerz. Es schneidet mir im Leibe. Das Schneiden im Leibe haben. Las schneidende Wasser, Hlr^n- ßuria, in den niedrigen Sprrchorten die kalte pisse. Nach einer noch weitern Figur sagt man auch, das schneidet mir ins 6 erz,stn die Seele, verursacht mir einen plötzlichen dnrchdringen. den Schmerz. 2) Das schneidet in den Benkel, in der niedrigen Sprechart, verursacht beträchtlichen Aufwand, empfindliche Verminderung des Geldvorraches. z) Schneidende Farben, schneidende Umrisse, in der Mahlerey, welche mit dernächsten Farbe nicht gehörig verschmolzen, sondern gleichsam abgeschnittcn sind; Ooulsui -8 rrLncÜLntsg, Lovtours coupss. -- II.- Ass ein A'ctivnm, mit einem solchen schneidenden Werkzeuge verletzen oder thrilen, wo es doch eigentlich nur alsdann gebraucht wird, wenn es vermittelst eines Zuges oder einfachen Druckes zeschiehct; zum Unterschiede von dem Hanen, Hacken, K. s. s. i. Eigentlich, vermittelst eines solchen Werkzeuges, oder der schneidenden Schärfe eines Dinges, verletzen oder verwunden. Sich schneiden, einen Theil seines Leibes an einer schneidenden Schärfe, oder einem schneidenden Werkzeuge verwunden. Sich in den Finger, in die Hand, in den Fuß schneien. Sich mit dem Messer, mit der Schere schneiden. Jngleichen vermittelst eines schneidenden Werkzeuges mit Ziehen oder Drücken theilen. Etwas klein schneiden, in kleine Stucke schneiden. Mit dem Messer, mit der Schere schneiden. Brot, Fleisch schneiden. Wo cs oft für abschneiden stehet; ein Stück Brot schneiden. Das Getreide schneiden, es mit der Sichel abschneiden, zum Unterschiede von dem Mähen oder Hanen, welches mit der Sense geichiehet, daher schneiden da, wo man stch der Sichel bedienet , absolute auch für ernten gebraucht wird. Stroh schneiden, es klein schneiden, zerschneiden. Jngleichen, durch Schneiden hervor bringen. Breter schneiden, sägen; wie denn schneiden fast m allen Fällen für sägen gebraucht werden kann, weil dieses auch Mit einem drückenden Ziehen verbunden ist. Eine Feder schnei- Schn 'FY8 ben. Aiemen, pfeifen, Leisten, Formen, Häckerling schnell den, durch Schneiden heroyrbringen. Ferner durch Schneisen , bearbeiten. Einen Brüch schneiden, ihn vermittelst des Schnit. tes heilen. Len Stein, den Wurm schneiden, ihn ausjchnei- den. Len Wein schneiden, beschneiden. Ein Thier schneiden, ihm dieZeugnngstheile durch denSchiutt nehmen, (S.Tastriren.) Lic Bienen schneiden, ihnen dieHonigscheiben ausschneideil, ohmr sie zu tödten; sie zeidcln. Von den mit Graben oder Steche» verbundenen künstlichen Bearbeitungen des Holzes, des Stahles und der Steine ist gleichfalls schneiden üblich, ob es gleich eigentlich eine Art des Stechens oder Grabens ist. Zn Holz, irr Stein, in Stahl schneiden. Daher der Skämpelschneider, Formenschneider, Stahlschneider. Auch wird es zuweilen füe schleifen gebraucht, von dem Glase oder glasartigen Steinen. Ge- schnitteneSfeine, welche durch Schleifeneine gewisse Figurerhal« teil haben. Geschnittenes Glas. 2. Figürlich, r) Geld schneiden, einen unerlaubten Gewinn an Gelds machen. Viel he;? einer Sache schneiden, sich bey einer Sache einen beträchtliche» unerlaubten Gewinn machen; wofür man auch sagt, seiner* Schnitt bep einer Sachs machen. Vielleicht ist die Figur vorr dem Schneiden in der Ernte entlehnet. 2) Mienen schneiden § Gesichter schneiden, ungewöhnliche Mienen und Geberden machen oder ziehen, wegen der ähnlichen Bewegung. Nun wohl, fahrt Paris fort, und schncidt ein AmtSger flchr, Wiel. Aufeben die Art sagt man auch, Tapriolen schneiden, aber nicht Sprunge schneiden. Z) Einen Ball schneiden, im Billard«' Spiele, ihn mit seinem Balle auf der Seite berühren, damit ec nach einer schiefen Linie laufe. So auch das Schneiden. Anm.Schon bey oemUlphilassvejÄv und l'vsijchuv, welch s letztere bey ihm schlachten bedeutet, bey dem Ottfried snicksv, i A Niederst sniden, im Angelst Inicia im Schwed. lviciei. Es ist ohne Zweifel eine Nachahmung desLautes des mitdemSchneiden verbundenen Ziehens bey manchen Körpern, daher es denn nicht bloß von dem Messer und der Schere, sondern auch von der Säge nndgewissen Arten des Schleifens und Grabens gebraucht wird. Bey den Jägern wird dieses Zeitwort mit dem Weidemessee bestraft, indem sie dafür schärfen gebrauchen. Schneiden,sehnigen, schnitzeln-, und im Niederst schnippeln, sind abgeleitete Formen, S. diekelben, ingleichen Schnitt. Der Schneider, des — s, plur. ut vom. livF. Fäm:n. d'e Schneiderinn. Von dem vorigen Zeitworts, i) Überhaupt, derjenige, welcher schneidet; wo es doch nue in manchem Zusammensetzungen üblich ist. Der Fntterschneider, welcher Futter oder Häcksel schneidet. So auch der Bretschneider. 2) Znengcrer Bedeutung, dessen vornehmste Besänftigung im Schneiden bestehet; gleichfalls nur in Zusammensetzungen. Der Brnchschneider, Steinschneider, Seampelschneider, Stahlschneider, Holzschneider , Formenschneider, Leistenschneider, Gewandichneide?, Gchweinschneider, Bentelschneider u. s. f. 3 ) In der engsten und gewöhnlichsten Bedeutung verstehet man unter Schneider schlechthin einen zünftigenHandwerker,welcher allerleyKleidnngs- stücke ans gewebtenZengcn verfertiget, wo dieBenennnng nur von einem Theile seiner Arbeit, nähmlich dem Auschneidcn entlehnet ist, die man aber ehedem für die wichtigste gehalten haben muß, weil das Zeitwort snicien im Schwabenspicgel anch von demAn?, bessern eines Kleides gebraucht wird. Eben so hieß dieser Handwerker im Niederdeutschen ehedem Schröder , Schröter, von schroten, schneiden, Schwed, noch jetzt Lkräciciccre, im Mittlern Latein. (Rior, und noch jetzt im Franz. Isilieur. Daher der Schneiderbursch, Schneidergesell, d ieSchnelderaro eit,Schnei- Herlohn u. st f. Ingleichen der Leibschneider, Hofschneidev, Haus LL99 Schn Hausschneider, Mannssch'.'.rrderf Zrauenschnelder, Zelkschnel- der, Jagdschneider, u. s. f. Da diese L^andwerkcr, ocrnmthlich wegen der von ihrer sitzenden Lebensart herriihrenden icyree.c!)en Beschaffenheit ihres Körpers bey den iidr-gen stärke, u Deutschen sehe frühe verächtlich geworden, so wird e S auch noch jetzt in manchen Fällen gebraucht, etwasVerächtlicheS in seiner Arr zu b z richten. So nennen die Zager die geringen, nnjagdbaren Hirsche Schneider, nnd in manchen Sp-clcn ist -er Schneider derjenige, welcher zi:chl bloß das Spiel verlieret, sondern auch nicht einmal-! eine gewisse gering,! Anzahl Augen hat. Tie Schneidere;?, pi ur. die —en. s) Die Beschäffrennq, Lebensart eines Schneiders; ohne Plural. -Die Bemelschneiderey. Jngleichen in der engsten Bedeutung des Wortes Schneider. Die Schnciderry verstehen, das Handwerk, die Kunst eines Schneiders'. 2) In Anfschncidc-rey und Beytelschncsiderey wird es auch zuweilen von einzelnen Handlungen eines Aufschneiders und Ben- , kclschneidcrs' gebraucht. Ter Schneiders sch, des — es, süur, die—e, eine verächtliche * Benennung der lDeißsifeye, tveil sie nur aus die fische der S'r^nei- der und ähnlicher geringer Personen zu kommen pflegen. Auf eben die Art pflegt man auch wohl die Häringe im Scherze Schneider- karpfen zu nennen. Die Schneiöerkrcrnkheit, plur. die — en, Krankheiten, welchen die Schneiderwegen ihrer sitzenden Lebensart vor andc-u unterworfen sind. In engerer Bedeutung wird un scherze die Krätze Mit diesem Nahmen belegt. Der Scyneihermuökek, des— e, plur. die n, in der Anatomie, ein Muskel, durch welcheu das Kchienbciu einwärts beweget wird; lVlulssuIus larroriris, weil es den Schneidern in Über- schsagnug der Beine dienlich ist. Schneidern, verb.reA.Lcck. Schneidcrarbeit vecfertigen.Schnci- dern können. Den ganzen Tag schneidern. Die Gchneidescherbe, plur. die— n, eine stahlerrte'Schßibe der Uhrmacher, die Zähne der Räder damit auSzuschneidcn; das Schncidezeug. Die Gchnetdesohle, plur. die — n, bey den Wagnern oder Stellmachern, eine starke Bohle mit drey Löcher», worin die Deichsel und andere Hölzer im Schneiden oder'Bcarbeiteu befestiget weedem Der Schneiöestem, des —es,rüur. doch nur von mehrcrn Arten. die — e, eine Art FclSsiein, welche aus Glimmer und Speck- stein bestehet, sich schneiden läßt, und so wohl in Schweden als andern Ländern gefunden wird. DerGchneidezahn, des—es, plur. die — zahne, die vcrdern scharfen Zähne bey Menschen und Thieren, womit dieSpeisen ab- gebiffeu oder gleichsam abgeschnitten werden; lueisorss. DasGchneiöezeug, des— es, p!nr. die —e, bey verschiedenen .Handwerkern, ein Nähme desjenigen Werkzeuges, womit ^ die Schraube», sie bestehen nun anS Holz oder Metall, geschnitten werden; das Schraubenzerig, (S. auch Schneideeisen.) Auch die Schneidescheibe der Uhrmacher führet zuweilen diesen Nahmen. Schneidig, —er, —ste, erch. et all v. r) Eine Schneide habend; vhne Comparsnon, nnd nur iit den Zusammensetzungen einschneidig , zweischneidig n.s.s. 2) WaS sich leicht schneiden läßt. So wird ein weiches Gest-.iir, welches sich leicht geivinnen laßt, im Bergbaue in weiterer Bedeutung ein schneidiges Ge- fiein genannt, wo es dem schmeidig in der Bedeutung nahe kommt. Die Schmeiße, r. die — n, S. -> Schnöde. Schneiteln, e n bey vielen für schneidein übliches Wort, siehe tzüsielbe. Schn r. 600 ».Schnell, —er,«—ffe, ktöj. arl v. welches nur im Forstwesen für schief, windschief üblich ist. Eni Baum gebet sch, ell, wenn er im Spalten windschief reißet. Schnell gehendes Hol?. In manchen Gegenden wird solches auch schollig genannt. Mir einem andern Entsinnte ist im Schwabenspreqel Issels schief. 2. Schnell, — er,'— ste, -täj. et uckv. Es ahmet eismtlch deü Laut einer mir Schnellkraft vc»b,mdknen. folglich ol-ne rncrk- liche Zwischenräume der Zeit geschehenden Bewegung nach. m,d wird in einer Kopp tten Bedeutiing gebraucht, i) Dhne meellicheu Zwischenraum der Zeit oder der Erwartung entstehend, wirklich werdend; für schleunig, und das mcdrigere jäh, jählmg , inglci- cheri für plöglrch, obgleich dieses letztere, weil es eigentlich einen stärker» Schall ausdruckt zunächst auch einen noch Hähern Grad dcS Unerwarteten bezeichnet als schnell. Es geschähe schnell ein Brausen, Apost. 2,2. Schnell ward ein groß Erdbeben, Kap. i 6, 26. Ein schneller Tod. Schnell sterben. Zu schnellen Wendungen des Schicksals bestimmt seyn, zu plötzlichen, unerwarteten. Schnell m!t dem Munde sepn, nicht so wohl geschwinde reden, als vielmehr, Fertigtest besitzen, ohne merkliche Zubereitung oder Überlegung zu reden, welches man in manchen Fällen auch vorschnell, voreilig nennet. Scy nicht schnell mit deinem Munde, Prcd. 5, -. 2) In der Bewegung selbst einen großen Raum in munerklich kurzer Zeit zurück legend, wo eS, besonders in der cdlcrn Schreibart, für die gemcsturn hurtig und geschwinde gebraucht wird,eigentlich aber einen noch Hähern Grab der Geschwindigkeit andcutet als diese. Schnell wie ein Pfeil, wie ein Arsch. Unser Leben fahret schnell dahin, Ps.yo, 10. Schnell wachse". Schnell daher kommen. Schnelllanftn. Em schneller Hirsch. Die Zeit vergehet schnell. Oer Bach fließt schnell. Eurem Dinge eine schnelle Bewegung mitthci- lcn. Du klommest schnell den Baum hinauf, Geßn. Anni. Schon bey dem Kero, Dclsrred und Notker Iss eil, im Angelst stnel, im Schwed, lssssü, im Island. lssiallur, imJtal. lsseüo. Es ist der natürliche Laut einer mit Schnellkraft verbundenen g e sck wi u d enB eivcgmw.,, nnd daher mit schnallen nnd schnellen EmeS Geschlechtes. (S. diese Wörter.) Die ähnlichen hurtig, schwind oder geschwinde, schleunig, plotzlrch, dieDberd. snimpfund stumpflich, das Rieders, rapp u. s. s. sind gleichfalls von dem LauteschnellccBewegungen andererKörper entlchnel worden. Aber eben diese Dnomatopöie ist auch Ursache, daß diese Wörter doch nicht in allen einzelnen Fällen für einander gebraucht werden können. Figürlich ist im Schweb. Knills und im Jslynb. 8 rü !16 der natürliche Witz, Ingenium. Mit andern Endlaiiten ist im Angelsächs. lssucke, Niederst sneidig, im Island, sssustur, suorir, lssöZF, soüZZI, im Schwed, lssur, Niedersächs. s>M, IssimL, bey dem Kproluiumo n. s. s. schnell. Die Schnellbank, plur. dir— banke, ein chemahligeS Wurf- z.eug, große Steine damit auf den Feind zu schnellen oder zu schläuderst; Lar.LLtL^uÜL. SchonPictorius gebraucht eSi« diesem Verstände. Die Schnelle, piur. iAvst. S. Schnelligkeit. Schnellen, verb. reZ. welches in doppelter Gestalt nblicy ist. I.Als ein Neutrum, mir den HülfSwörtcrn haben und sc>'N. 1. Eigentlich, sich mit Schnell - oder Federkraft schnell forlbcwe- . gen. Ein gesvannler elastischer Körper schnellt zurück, schnellt ab, weniger seiner Schnellkraft schnell und ohne Hinderniß überlassen wird ; mit sepn. Eine Zeder schnellen lassen, wenn sie gespannt war, und man sic nunmehr sich selbst überläßt. In weiterer Bedeutung läßt man auch «sine Mage schnellen, wenn man sie ungehindert schnell auf- oder nieder steigen läßt. 2, figürlich, schnell seyn, eilen, mir haben; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, m welcher man ehedem sagte, schnelle -ich, d-'- eile. 1062 i6c>l Schn eil?. Angels, sv ellian. Die Jäger gebrauchen es noch zuweilen von dem Leithunde figürlich, weuu er vorschnell oder voreilig an- schl»^. ^ Li. Als einAetivum. '.Denjenigenschall hervor bringen, welchen dieses Zeitwort Nachahmer, wo es in der anständigen Spreckartfiir knippen, schnippen, Rnippchen, Schnippchen schlafen, "blich ist, und alsdann auch wohl schnallen und inten- ' sive schnalzen lauter, (siehe diese,Wörter.) Mw den Fingern schnellen. Unter deß thuk der am besten, Wer zu Trotz der tollen Welt, Bey vergnügt und klugen Gasten, > Lustig mit den Fingern schnellt, Gnnth. 2 . Jemanden schnellen ist auch iu vielen Gegenden, ihm mit dem an den Daumen gedruckten und mit Schnellkraft loS gelassenen Witteifinger einen schnellen Stoß geben, wofür im Oberdeutschen auch schnallen und schnalzen üblich ist. Jemanden auf die Finger schnellen. Jemanden vor die Nase schnellen, ihm einen Nasenstüber geben. (S. Schneller.) Bey den Jägern schnellt man den Leühnnd, wenn man ihm mit dem Hängeseile einen Zucker, d. i. einen mit eiucm Zuge verbundenen Schlag auf den Rücken gibt. ». Schnellen machen, mit Schnellkraft forttreiben. i) Eigentlich. Los schnellen, einen gespannten elastischen Körper seiner Schnellkraft überlassen. Füchse schnellen, sie mit Schnellkraft in die Höhe werfen, wofür auch prellen üblich ist. Einen Grein in die Luft schnellen. Jemanden in das Wasser schnellen, mit Schnellkraft stoßen. Das Rad schnellt den Roth in den wagen, wofür man auch schlenkern sagt. «) Figürlich. Jemanden schnellen, ihn durch Geschwindigkeit, und in weiterru Verstände, auch durch List bevortheilen. Um zehen Thaler geschnellt werden. Schwed., tttiiln. prellen ist in eben diesem Verstände üblich. So auch das Schnellen. Anni. Schnellen gehöret zu schnallen, welches eigentlich das Neutrum vorr schnellen ist, aber doch einen gröber« Laut nachahmet als dieses. S. dasselbe. Der Schneller, des— s,L>1ur. ul uom. stnZ. Dimimtt. das Schnellerchen, Obetd. Schnellerem, von dem vorigenZeüworte. ') Eine Veränderung, welche mit dem Laute begleitet ist , welchen das Zeitwort schnellen nach»hmet. So ist der Schneller so wohl dasjenigeSchncllen mit den Fingern, welches man sonst auch ein Schnippchen, Niederst Rnippchen, im Oberd. einen Schnall, eine Schnalle, eine Schnalze nennt, einen Schneller schlagen ; als auch der Stoß mit gespanntem Mittelfinger, welcher auch ein Stüber heißt, jemander einen Schneller geben. Jnglrichen bey den Jägern ein schnell angezogener Schlag mit dem Hängeseile auf' dm Rücken des Leithnndcs. 2 ) Ein Ding, welches mit Schnellkraft ab- oder in die Höhe fäl-ret. So werden bey den Jägern so wohl die Schlagbäume, welche in einem G.'schncide zurAbhaltung dcrVogeldiebc aufgcstcllct werden, als auch die Aufschläge oder Sprenkel, wo sich die Vögel mit den Fußen fangen, Schneller genannt. An dem Schlosse eines Feuergewehres ist der Schneller derjenige Tbeil, lvelchcr den Hahn bey der geringsten Berührung äbschnellen odrr-abscknappen laßt; der Abdruck, der Abzug. 3« engerer Bedeutung haben nur die Kngelbüchftn einen Schneller, welch'.'» von dem Abdrucke der Frintenwoch unterschieden ist, auch der Stecher genannt wird, und in dom Schnellergehäuse be- lindlich ist. Ehedem wurde auch eine Fallbrücke ein Schneller und mit einer andern Endsylbe ein Schnelling genannt. Vor iAstn, dimg des schweren Geschützes waren auch diejenigen, welche mit de» Gchnellbänken nnd andcrnWurfzeugen zu rhun hatten, unt-e? dmi Nahmen der Schneller bekannt, ^llW.B.2-TH.2.Auss. Sch u Die Schnellfalle, plur. die— u, bey den Jägern, eine Falle, welche aus einer kr^mm gedogenenStange bestehet, welche bey der geringsten Berührung in die Höhe schnellt und das Thier fängt. DerSchnvllgalgen, des — s,xlur. ut uom. üciz. >) Eigentlich, ein Galgen inGestalt eines Griechischen 1^, welchen man ehedem besonders als eine Strafe für ausgeriffene Soldaten gebrauchte, indem man sic mit rückwärts gebundenen Händen daran in die Höhe schnellte, d. i. vermittelst eines Seiles schnell m die Hössezog, und sie eben so schnell wieder fallen ließ, um ihnen dadurch die Arme zu verrenken; der Wippgalgcm. 2 ) Da diese Strafe nunmehr veraltet ist, so wird in weiterer Bedeutung ein Galgen von eben dieser Gestalt, woran man die Ausreißer zu heU^ ken pflegt, noch ein Schnellgalgen genannt. Die Schnelligkeit, plur. iuust. das Hauptwort von schnell, die Eigenschaft eines Dinges, da es schnellisR Die Schnelligkeit des Schalles. Da viele Abstracta auf igkeit niedrig sind, so haben einige das alte Schnelle, welches schon in der kurusu. Uro!, vorkommt, gangbar zu machen gesucht, obgleich mit wenigem Glücke. Schicklicher würde Schnellheit seyn. Indessen ist für alle drev Geschwindigkeit am gangbarsten. Das Schncllkaulchen, S. Schnellkngel. Die Schnellkraft, plur.ioust. die Kraft eines Körpers zu schnellen, K i. sich, wenn er gedruckt oder gestoßen worden, schnell wieder in seinen vorigen Zustand herzustellen, und dasjenige, was ihn darin hindert, forrzuschncllen; die Federkraft, Elasticitär. DteSchnellkutzel, xlur.die-—n, noch mehr imDimin. daN Schnellkugelchen, zusammen gezogen im gemeinen Leben das Schnellkäulchen, des — s, plur. ut nom. fing, kleine Kugeln von Marmor oder Thon, womit die Knaben zu spielen und sic nach gewissen Regeln in kleine Gruben zu schnellen pflegen ; irr - Oberdcutschland Schusser, im Niederst Rnippel, Rnicker, und wenn sie von Marmor oder Alabaster sind, Murmer, Marrel. Eben daselbst wrrden die größern Raskers und die größten Baskedennjers gcnaruit. Das Schnellloth,' des — es, plur. doch nur von meheern Arte», die — e, ein schnell oder leicht flüssiges Lorh gewisser Metallarbeiter, damit zu lötheri. Das Schnellloth der Gürtler bestehet aus Wismuth, Zinn und Bley, und wird daher auch Schncllzmn genannt. DieGchnellfchleife, plur. die-—n, im Jagdwesen, eine Art Schleifen mit einer krumm gebogenen Ruthe, welche bey der geringsten Berührung in die Höhe schnellt, allerlcywildes Geflügel damit zu fangen. Sie ist von einem Sprenkel noch verschieden. Das Schnellseil, des,—cs, plur. die —e, eben daselbst, diejenigen Seile, womit das Vogelgarn zum Zusammenfchlagen in denSchwriNg gebrachtwird; dieGchwefze. Die SchnellwaFs, z)lur. die— n, eine Wage mit ungleichen Armen, auf welcher man mit cinerlcy Gewicht Körper von per, schiedener Schwere wägen kann ; Niederst Unzener, von Unze, vermuthlich so fern das'beständige Gewicht eine Unze schwer ist, RnixpwaZe, von knrppen. schnellen. Das Schnellzinn, des — es , plur. iuuf. S. Gchnelllsrh. Die Schnepfe, plur. die — rr, eine Art wilden Geflügels mit vier nackten Zeben, in der Dicke eines Nepphuhnes, welches morastigen Wälder bewohnet, und einen langen dünnen Schnake! Hst; Leolopux I-. Esgibtihrer verschiedene Arten, wohin di? Wald - Sol; - oder Bergschnepfe, die Doppclschnepfe, die Sccr- schnepfeoder Himmelsziege welche anch nur Schnepfe schlechthin genannt wird, die Saarschnepfe uno die Mohr- oder Ried' fchnepfe gehören. 2knm. Niederf. Sneppe, Stippe, im Schweb, und Noetveg, auch Gueppe, im Engl. 3ui?e. SiLhatden Nahmen von ihre:" Li i l i- - eißettl-' L60A Schn Schn 1604 ^igc-MrmlichcnlangenSchnabel, von welchem stcschou imGriech. «nd Lat. 8culopax, Langschnabel, und im Heb, , l^ore heißt. In vielen Gegenden, besondersOberdentschlattdes, ist diese» Wort männlichen Geschlechtes, der Schncpf. D^r SchrlepfsnfüNF, des — es, plur. die — fange, der Fang der Schnepfen, von der Handlung, und ohne Plural; ingleichcn ein Ort, wo Schnepfen gefangen werden, befonders einBodenge- richt auf Schnepfen. Die Gchnepfenfliege, plur. die — n, eine Art Fliegen, mit ei. iiem zweyschneidigen, hornartigen, nmgcbogenen Säugrüssel.; l^,. Die Schnepfenyasse, plur. die—n, bey den Jägern, einGang oder Weg in einem Walde, aufwclchem die Schnepfen gern laufen, daher er auch rein gehalten, und oft mit Schlingen besteckt wird. Die Schnepfenjäyö, plur. die—en, die Jagd auf Schnepfen; das Gchnepfenschießem Der Schnepfenftöß, des — es, plur. die— stoße, eine Art Hrs Schncpfcnfanges, wo Klebegarne vor die Hölzer gestellet werden, damit die Schnepfen im Ein« und Ansstrerchen darein stoßen und sich fangen. Der Schnepfenzrzy, des — es, plur. die —Zuge, i) Das Ziehen der Schnepfen, so wohl aus dem Holze zu Felde, als such die Ankunft derselben im Frnhlinge und ihr Abzug im Herbste; ohne Plural. 2 ) Eine Menge mehrerer in Gesellschaft ziehender Schnepfen; ein Zug Schnepfen. Dss Schnepfhuhn, oder Schuöpphichn, des—-es, plur. die —Hühner, ein Nähme, welcher an einigen Orten den größer«» Wald- oder Holzschnepfen gegeben wird , weil sie den wilden Hühnern nicht unähnlich sind. Die Schnappe, plur. die—n, ein spitzig zulaufendes Läppchen, welches das andereGeschlecht an manchenOrten in der LiefenTrau- er vor der Stirne tragt, oft aber auch zur 7:ccde an verschiedenen Arten des Kopfputzes angebracht wird. Auch die Schnäbel oder Schnarchen an den Kannen u.s.f. werden in manchenGegcn- den Schneppen genannt. Niederst Snebbe, Snippe. Schon an Boxhorns Glossen ist 8uuaba, vilta. Es ist mit Schnabel, Schnepfe u. stf. Eines Geschlechtes, die spitzig zulaufende Gestalt einer Gchneppe zu bezeichnen. -.Der Schnepper, von demZeitwortcschnappen, S. Schnäpper. 3 . Der Schnepper, des — s, plur. ut vom. lluß. eia mit Schneppe gleichbedeutendes Wort, voi» welchem es sich nur in der Endsylbe unterscheidet. Es ist nur in einigen Gegenden üblich, -x. B. im Hüttenbaue, lvo die Balgliefe oder Schnautze an denBla- chebälgen.der Schnepper genannt wird. Der Gchnerf, des—es, plur. die—e, ein mit Schnarre,,so fern es den Wachtelkönig bezeichnet, gleichbedeutendes und von demselben nur im Endlautc verschiedenes Wort, S. Schnarre. Der Schuerkel, S- Schnörkel. Schneutzen, S. Schnätttzen. Schnepen, verb. reg. vsutr. mit dem Hülfsworte haben, welches aber nur unpersönlich gebraucht wird. Es schnepee, es fällt -.Schnee; rs schnepete;. es hat geschnorrt; es wird schnepen ; -es will schneyem Venns vom Libano herab fchneyee, Jerem- »8, Z4. So auch das Schneyen. Anm. Im Österreichischen schneiden, wo es irregulär gehet, schnieb, hat geschnieben; im Niederst fnigen, im Schwed. imAMelstluivan, imGriech. ohneZifchlaut orpM. (Siehe Schnee.) Im Oberdcuftchen wird dieses Zeitwort irregulär abge- wandelc, so wie fpepen ; es schnie, es hat geschnien, welche < .Ferm auch im gemeinen Leben der Hochdeutschen gehöret wird,wo Mün.,r»ach Art der ^ederdeutsch^ir auch.wohl gej^chnigeir sagt. Die Schnibbe, S. Schneppe. Schnicker», verk. re§. ueutr. et aet. welches von schnellen nur im Endlaute verschieden ist, und als das Diminutivum desselben angesehen werden kann, wenigstens nur von dem Schnellen oder der clastischenBewegimg kleiner Körper gebraucht wird. Die5eld- hnhner schlicken mit den Schwänzen, wenn sie selbige schnell lind mit einer gewissen Federkraft auft und niederbewegen, welches bcp den Jägern auch schnippen genannt wird, von dem Niederst snippen, schnellen. Die Vögel schnicken das Wasser, die Hörner umher, wen» sie selbige mit dein Schnabel herum schnellen. So auch das Schnicken. Anm. Es ist so wie schnippen eine Onomatopöie, der Form nach aber einZnkenstvnm von nicken. Nach andern Onomatopöie!» ist snickenim Niedersächstschen so wohl schluchsen, nach der Lust schnappen, als auch ersticken, versnicken ist daselbst verschneide,». stDer Schnickschnack, des—es, plur. ca?, ein nur in den gemeinen Sprechartcn Niederdeutschlandes übliches Wort, ein al- Hernes, thörichtes Geschwätz zu bezeichnen; von Schnack, ein Ge« schwätz,vermittelst der imNiederdentschen gewöhnlichen intensiven Wiederholung,wiewibbelbabbel, Titeltakel u.s.f. Schnreben, verb. irreA.oeutr. welches das Hülfswort haben erfordert; Jmperf. ich schnob; Mittclw. geschnobben. Es ist im Hochdeutschen veraltet, indem dafür schnaufen und schnauben üblicher sind, ob cs gleich eigentlich einen feiner» und gelindccn Laut ausdcuckt als diese. S. Schnauben und Schnaufen. Der Gchnieöes, des — s, plur. ut uom. liuZ. ein nur bep den Köhlern üblichrs Wort, wo es die zweyte Reihe Scheite in einem Kohlenmeiler bezeichnet; Franz. Lclisfe. Schnipseln, Schnippeln, oder Schnippern, verb. rsz. r»eulr. mit demHlllfsworte haben, welches dasDimiuutivnm von schnippen ist, aber nur im gemeinen Lebe» gehöret wird, mit der Schere in sehr kleine Stücke schneiden. Hoüänd.saips1en,snch«^ persy, Niederst snippeln, snippcvn, S. Schnippen. Das ^Schnippchen, des — s, plur. ul vom. lillA. die Hand« luug, da man den mittler» Finger von dem Daumen in die Hand hinab schnippet oder schnellet, welchen Schöll es eigentlich nach« ahmet. Ein Schnippchen schlagen. Jemanden einGchnippchen schlagen, zum Zeichen des verachtenden Trotzes. Ich müßte wenig von ihnen gelernet haben, wenn ich nicht der ganzen Hölle ein Schnippchen schlagen wollte, Johann beym Lessing. Anm. ES ist das Diminutivum von einem veralteten Schnipp, welches auch als eine Interjektion gebraucht wird, einen ähnlichen Schall nachzuahmen. Im Niederst ist dafür Hnippchen üblich, von welchem das Hochdeutsche das Jntensivum ist. In andernGe« ..Kenden sagt man dafür Schnipperling, der Schnall, Schnaller oder Schneller, die Schnalle , Schnalze, der Schnalzer und so ferner. Die Schnippe, plur. die—n, ein aus dem Niederdeutschen entlehntes Wort, welches auch einige Hochdeutsche für Gchneppe - gebrauchen, S. dasselbe. Schnippes»», S. Schnipseln. Schnippen, verh. rez. welches eine unmittelbare Nachahmung des Lautes ist, welchen die Jnterjeetion Schnipp ansdruckt, daher es in verschicdenenMsten gebraucht wird, wo dieser Laut Statt findet. Es ist m doppelter Gestalt üblich. I. Als ein Neutrum, mit dem HiilfSworte haben, diesen Lam von sich geben, hervor bringen. ») Bey den Jägern wird es von einem gewissen Laute der Schwarzamftlu gebraucht, welchen sie machen, wenn sie des Morgens oder Abends ein wildes Thier ge« wahr werde«. Die Amsel schnippt. 2 ) Ein Schnippchen laM- ,g?n heißt in vielen Gegenden gleichfalls schnippen. Jemandes pox die Nase schnippen. Niederst knippen. (S. Schnippchen-) , s) »M löOL Schn °) Ein Breit schnippt in die Höhe wenn es' m die Hohe kippt, mit Schnellkraft in di« Höhe i ährrt, wo es von kleinern Körpern, oder einem schwächer,» Lante gebraucht wird als schnappen. II. Als ein Activum, solche Veränderungen in den Körpern vornehmen, welche sich durch diesen Laut vornehmlich bezeichnen. r) Mit der Schere zu kleinen Stücken schneiden oder beschneiden, wo cs den Laut der Schere genau nachahmet. D»e Tuchmacher bcschnippen das Tuch. wenn sie die Spitzen der Wolle mit di-r Schere «bschiieiden. Dimiuutiva davon sind schnippeln, schnipseln und schnippernchasVergrößerungswortaber schnuppen wird ven dem Lickte gebraucht. --) Mit Schnellkraft fonstoßen, wo es von größern Dingen als schnieken und von kleurcrn als schnellen gebraucht wird, von Heyden aber sich nur im Endlante unterscheidet. Die Feldhühner schnippen mit dem Schwänze, wenn sie denselben mit Schnellkraft auf und nieder bewegen. So auch das Schnippen. Gchmppern, S. Schnipseln. Schnippisch, S. Schnäppisch. Der Schnirkel, S. Schnörkel. , Der Schnitt, des — es, piur. die—e, Dun-nut. welches doch nur in den coucreten Bedeutungen, außer im scherze auch in der absiracreu, üblich ist, das Schnittchen, Oberd. Schnuckern; von dem Zeitworte schneiden, oder vielmehr von dessen veralteten Jntensivo schnitten. 1. Als ein 2lbstraet,rm,die Handlung des Schneidens; eigeut. lich ohne Plural, außer wenn es als eiu Concretum von einzelnen Handlungen gebraucht wird, i) Eigentlich. Einen Bruch durch den Schnitt heilen. Den Stein in der Blase durch den Schnitt vpenren. Einen Schnitt vornehmen. Jemanden auf den Schnitt heraus fordern, eine bey den Matrosen übliche Art des Zweykampfts,wo sie sich mit krummcnMatroscnmessern schneiden, welches auch ein Schnittchen machen heißt. Der Schnitt in den Weinbergen, das Beschneiden der Weinreben; den Schnitt vornehmen. Der Schnitt in der Ernte, das Abschneiden des Wmtergetreides mit der Sichel, daher in denjenigen Gegenden w« man sich der Sichel bedienet, auch wohl die ganze Ernte der Schnitt genannt wird. 2 > Figürlich. (a) Die Art und Welse zu schneiden, lvves häufig von künstlichen Arten zu schneiden gebraucht wird. Ein Schneider hat einen guten Schnitt, wenn er einem Kleide im Zuschueiden eins gute Gestalt zu geben weiß. Es ist » ut den Schnitt an fremden Tuche zu lernen, durch eines ander» Schaden klug zu werden. Alte Schnitte von Rlei- dern und Hauben, alte Moden in Ansehung der Gestalt, so fern selbige von dem Schnitte herrühret. Anch die Ar t und Weise, wie ein Form- oder Holzschneider sein Instrument führet, wird der Schnitt genannt, (b) Ein unerlauvterGewinn, unbilliger Profit. Seinen Schnitt Hey etwas machen, wo man auch wohl imDi- minut. Schnittchen sagt. Den Schnitt verstehen, sich auf den Schnitt verstehen;(S.Schnejdcn ) (c) Ss fern schneiden und aufschneidenfür prahlen gebraucht werden, ist Schnitt auch die Handlung des Prahlens; ingkeichen eine Prahlerey. Das war ein Schnitt l Große Schnitte chun, sehr prahlen. 2 . Als ein Concretum. i) Die durch das Schneiden verursachte Wunde oder Vertiefung. Die Schnitte des Messers auf einem zinnernen Teller. Der Schnitt des Diamanten in das Glas. Bey den Kupferstechern sind die Schnitte die mit dem Grabstichel oder der Nadel gemachten Züge. Wenn man einGe- mahlde copiert, so müssen die ersten Schnitte dein Pinie! folgen. Ungleiche Schnitte machen eine schöner? Arbeit, als wenn sie von gleicher Starke sind. Einen Schnitt im Gesichte, auf der Hand haben. Einem einen Schnitt geben, aus Nuvorßchrigkrit oder Zorn z brr Wundarzt hingegen m acht einen S Hg 1606 Schnitt, wemi er aber den Schnitt vernimmt, so ist cs das so, rige Abfiracti m. Figürlich werten auch manche einem Schnitte ähnliche Veriiefnngen Schnitte genannt, z. B. die Schnitte in der Hand, die vertieften Linien. (S. auch Einschnitt.) r) Ein abgeschnittenes Stück; wohl nur von Speisen. Ein Schnitt Brot, Fleisch, Braten. Der pfaffenschnitk, das beste Stück an einer Fleischspeise, z. B. die Brust von einer gebratenen Gans. Ein Schnittchen Schinken, ein kleines abgeschnittenes Stück. (S. auch Schnitte und Schnitz.) Z) Ein durch Schneiden hervor - gebrachtc^Ding; nur in einigen Fällen. Ein papiernes Musirr, welches nach einem Dinge abgeschnitten worden, heißt bey den Nähterinncn, Putzmacherinnen, Schneidern u. s. f. der Schnitt- Eine in Holz geschnittene Figur'»,id deren Abdruck heißt ein Holzschnitt. 4) Der Ort, wo etwas abgefchmtten, oder eine Sache beschnitten worden. Ein Reis in den Schnitt oculir-n, m die Stelle, wo ein Ast, oder ein junger Baum angeschnitten worden. Ein Buch mit vergoldetem Schnitte. Anm. Schon bey dem Willeram 8vit. S. Schneiden. Schnitte, plur. die—n, Diminut. das Schnittchen, Oberd. Schnuckern, ein von dem vorigen in dessen concretcn Brdcntrmg nur im Endlaute verschiedenes Mort, ein abgcschnittencs Stück; ' wo es doch nur wie Schnitt von abgeschuittenen flachen Stücken Speisen gebraucht wird. Eine Schnitte Brot, Braten u. s. f. Die Butterschnitte, ei» abgeschnittenes flaches, mit Butter beschmiertes Stück Brot, (S. Bamme.) Semmelschnittrn in Butter rösten. Rieders. Snede, schon bey dem Ottfried Snittu, bey dem Notker 8vitu. Der Schnitter, des — s, xlur. nt vom. linZ. in der Land, wirthschaft derjenigen Gegenden, wo das Getreide mit der Siche! geschnitten wird, diejenigen Arbeiter, welche solches verrichten, und die, wo man statt des Schneidens mähet, Mäher oder Mähder heißen. Es ist von dem veralteten Zeitworte schnitten, wofür wir jetzt schneiden sagen, von welchrm in andern Bedeutungen Schneider üblich ist. Das Schmtterurtheil, des — es,plur. die — e, m den Rechten, dasjenige Unheil, welches gesprochen wird, wenn die Gründe des Beklagten und Klägers einander gleich sind, »nd selbige gleichsam auf gleiche Art gelheilet werden. Bequeme Urtheilsverfasscr find wegen solcher Schnitterurtheile berühmt. Der Schnitthobel, des — s, piur. m nom. lrnZ. der Hobe! der Buchbinder, womit die.Büchcr beschnitten werden, und welcher auch der Beschneidhobel heißt. Das Schnittholz, des—cs, plur. rnus. im Weinbaus, abge- schnittene Reden, welche als Fächscr eingclcget werden können; Schnittlinge, Rnocholz. Der Gchnittkohl, des — es,p!ur. cnr. eine Art Kohles ohne Köpfe, welcher sich mehrmahls ab schneide« läßt, und immer wieder nachwächst. Er ist eine Abart der LrÄlliea oleracea bls- pobr-rlsical^. Der Schnittlauch, des—es, plur.inuf. eine Art Lauches mit nacktem Schafte und runden Blättern, welche man klein geschirrt- tcn an die Speisen thut, und der sich mehrmahls abschneiden läßt und immer wieder nachwächst; vMiwir, Hciroknoprglum I-. Schnittling, Graslauch, Spaltlauch, im N-eders. Beeslook. Der Schnittlintz, des—es, plur. die—e, ein abgefchnittenes Ding, ingleichen ein Dina, welches sich schneiden läßt, wo es doch nur in einigen Fällen üblich ist. So wird ein zum Fächscr abge- schnitte'ner Rebe im Mernbaue ein Schnittling genannt. Auch ein jeder junger Jahrschoß von einem Baume oder Strauche, welcher zur Fortpflanzung abgeschiritten wird, heißt lcy denGärnrerrr ein Schnittling. (S. auch Schnittlauch.) Nach dem Frisch wird I i irr. L auch zoO,/ Schn auch ei» junger geschniltener Ochs i» einigen Gegenden elri Schnittling gensnnt. Das Schnittmesser, des — s, xlur. ut nom. l!vZ. er» Messer, welches zu einer besonder» Art desSchneidens gebraucht wird. So heißt das Schneidemesser, oder Messer mitzwey Handhaben, dessen sich die Böttcher, Wagner und andere Holzarbeiter bedienen; in vielenGegenden auch das Gchnitkmesser. Auch das Rebmesser der Winzer ist unter diesem Nahmen bekannt. Der Schnittsttlat, des — es, xckur. doch nur von Mehrern Arten, die — e, in der Haushaltung, ein jeder Salat, welchen man nahe an einander und nur urmdeßwillen säet, um im Frühlinge die ersten Blätter davon abzuschueiden; Stechsa!at. Die Schnittzwiehel, xlur. die — n, bey den Gärtner«, versetzte Zwiebeln, an welchen die Blätter um des bessern Wachsthumcs willen verschnitten worden. Der Schnitz, des — es, plur. die —e, Dimin. das Schnitz- chen, Oberd. Schnitzlein, von demZeitworte schnitzen, r) Ein in Gestalt einer Scheibe abgeschnittenes Stück heißt, besonders in den Küchen, ein Schnitz. H p fel schnitz e, Äpfelschnitte, Äpsel- scheiben. Dürre Schnitze, gedörrte Äpfelschnitte. Es wird gemei. uiglich nur von dünn oder klein geschnittenen Stücken gebraucht, wodurch es sich von Schnitt und Schnitte unterscheidet; daher auch kleine durch Schneiden oder Schnitzen gemachte Späne im Dimm. Schnitzchen und Schnitzlein heißen; Papierschnitzlein. In der Lausitz wird halb verdorbenes Obst, welches man im Ofen oder an der Sonne dörret, Schnitz genannt, wo man eS aber von dem Wendischen Mittelworts verdorben, vontmju, verderben, herlcitet. 2) In einigen Oberdeutschen Gegenden, besonders der Schweiz, wird die Accise der Schnitz genannt, wo cs aber eine bloß buchstäbliche Übersetzung dieses fremden Wortes ist, S, Accise. Die Gchnitzbcrnk, xrlur. die — banke, eine hölzerne Bank mit einem beweglichen Tritte, deren sich die Böttcher, Wagner und andere Holzarbeiter bedienen, das' Holz haraufmihden, Schneidemesser, Schnittmcsser oder Schnitzmcsser zu bearbeiten; die Schneidcbank, Schuürbank, in einigen Gegenden die Heiu- zelöank. Schnitzeln, verb. reZ. nsMr. et act. welches im erster» Falle das Hülfswort haben bekommt. Es ist das' Dimiuntivum von schnitzen, oft und viel an einer Sache schneiden, und zwar so, daß nur kleine Schnitte geschehen, oder kleine Späne abfallen; wo es doch mehr von einem unnützen als künstlichen Schneiden dieser Art gebraucht wird, welcher Nebenbegriffcine Figur der verkleinernden Form zu seyn scheinet. Niederst snitjcn. Schnitzen, verd. reZ. sct. welches das Jntenstvnm von dem veralteten schnitten, jetzt schneiden, ist, aber nur noch von demjenigen künstlichcnSchueiden gebraucht wird, wenn erhabene Figuren oder Zierathen in Holz geschnitten werden. Salomo ließ Cherubim schnitzen an die Wände, 2 Chrom 3, 7. Er schnitzet das Hol; mit Fleiß und bildets nach seiner Kunst, Weish. r Z, 1-3. Daher das Schnitzen. Daß es ehedem in wciterm Verstände üblich gewesen, erhellet ans den folgenden. Der Schnitzer, des —s, plur. u t nsm. lmZ. 2) Derjenige, welcher schnitzt. Der Bildschnitzer ist daher derjenige Künstler, weicher erhabeneFigurcn aus Holz schnitzet, umhin auch der Bildhauer gehöret. 2) Ein Werk-eng zum Schnitzen. So ist der Schnitzer der Tischler ein Messer mit einem langen Hefte- welcher auf die Achsel gelegt wird, Vertiefungen damit am-zuschneiden. Oer Schleißenschnitzer ist ein eigenes MessecsbieSchleißen damit zu schneiden. Der Schnitzer der Kammmacher ist en, gekrümmtes Messer, das Horn damit zu beschaben. In welchen Fallen schnitzen noch die weitere Bedeutung für oft und viel schnxiden überhaupt zu Ä H k? -L 608 haben scheinst. z) Ern Schnitt, welchen Sinn die Cndsylbe —,r gar oft hat. In dieser Bedeutung ist es zwar im eigentlichen Verstände nicht üblich, wird aber doch noch im figürlichen gebraucht, ein Fehler, am hävfigsten wider die Sprachkunst, eigentlich ein fehlerhafter Schnitt. Ein Donat - Schnitzer, ein Fehler wider die Lateinische Grammatik, ein Sprachschnitzer, ein Fehler wider die Sprachkunst. Eintn Schnitzer machen. Die ähnlichen Pock, Pudel, schlä'geln, gründen sich aufähnliche Figuren. Schnitzern, vsrb.rex.oeutr. mit dem Hülfsworte haben, veu dem vorigen Morre in dessen letzten Bedeutung, einen Schnitzer machen, d. i. einen Fehler, besonders wider die Regeln de« Sprachkunst, begehen. Daher das Schnitzern. Die Schttitzkunst, piur. in us. die Kunst, erhabene Figuren aus Holz zu schnitzen, wovon die Bildhauerkunst einTdeil ist. Das Schnitzmesser, des — s , plur. kt nom. sing, ein Messer zum Schnitzen ; in der veraueten weitern Bedeutung dieses Zeitwortes. So heißt der Schnitzer der Tischler auch das Schnittmesser, „-gleichen das mitzwey Heften versehene Schneide - oder Schnittmesser vieler Holzarbeiter. Das Gchnitzwerk, des — es, plur. doch nur von nrehccru Arte», die — e, ein Collectivum, erhabene, ans Holz geschnitzte Figuren oderZierathen, halb rundes Bildwerk. An allen wänden des Hauses ließ Salomo Gchnitzwerk machen, 2 Kön. 6, 29. Schwäbisch, ackftstsckv. t, r einigen Gegenden, von den Pferden, mit dem Rotz behaftet, rotzig. S. Roy. Schnöbe,—r,—Ke, aclj.et erck v.'welches in doppelter Bedeutung vorkommt. 2) In einer subjective.n, weder den innern Werrb noch die gehörige Gute habend, schlecht, untauglich. Snode vestin, schlechte, untaugliche Festungen, bey dem Jeroschni. Schnöde Waare, schlechte, untaugliche, im Oberdeutschen. Was schnöde war, verbanneten sie, r Sam. 2 A, 9. In weiterer Bedeutung, niedrig, geringe, verächtlich. Schnöden Geschlechtes sepn, bey dem Frisch, von niedriger Herkunft. Schnöde Werke, bey dem KaiserSberg, verächtliche, geringe Arbeiten. Herr, flehe doch und schaue, wie schnöde ich worden bin, wie verächtlich, Klaget. 2, l 1. Ein Wensch, der ein Greuel und schnöde ist, der-Unrcchrsäuft wie Wasser , Hwb »5,'26,'verächtlich, lasterhaft. Der schnöde Julian, Canitz. In dieser snbjcctiveu Bedeutung ist es im Hochdeutschen größten ThrilS veraltet, außer daß man es noch zuweilen mit einigen Hauptwörtern, besonders in der Poesie, gebraucht, ihre eitele und folglich verächtliche Beschaffenheit anzudeutcn. Der Wust, der schnöde Grcmß, Der,ganzen Erden Spott, Opitz. Was edle Seelen Wollust nennen, vermischt nutschnöden Lüsten nicht, Haged. 2) In einer objectiven, sein Urtheilvon eines andern verächtlichen Beschaffenheit durch Worte uudHaudlnngen aufeine ihm empfindliche.Art an den Tag. legend, nnd darin gegründet; verächtlich. Jemanden schnöde begegnen, ihn schnöde halten. Einem schnöde worre geben. Die schnödesten Worte von jemanden anhören müssen. Anm. Im Niedersächfischen, doch nur in einige« Gegenden, z. B. im Osnabrückischen, in der letzten Bedeutung snäe, und in der ersten snode für schlecht. Die Abstammung dieses Wertes ist noch ungewiß, weil mehrereStö'mmc mit fast gleichcmRechte darauf Ansp»,ich machen können. Frisch leitet eS von schnorrtzen bcr, was mau als Unreinigkeit der Nase wegwirft; eine Ableitung, lue zu nnanalogisch und schmutzig ist, als daß sie Aufmerksamkeit verdiente. Bey dem Notker ist Hrrucku Verhöhnung, und laiiben verhöhnen, verspotten, eigentlich wohl die Nase aus VecachlE rümpfen, welches denn wohl das Stammworl van L6is LZ09 Sch K siyeir schnautzm ftyn, Md von dem alten Schmrd,jetziSchnülltzs, abstamme« könnte, sich aber auch zu der erste«, allem Anscheine nach ältesten subjectiven Bedeutung nicht schicken will. Im Schwed, ist Nick Schande, Laster, Island. bey dem Ulphi-- las ^Litaivs Lästerung, im Angels. Bosheit, im Griech. mit dem müßigen Vorschläge övrjFsg Schande, denen allen nur der Zischlaut mangelt, und welche, wie fast alle ähnlichen Wörter, Zunächst körperliche Verstümmelung zu bezeichnen, und mit schneiden EineSStammes zu seyn scheinen. Ferner ist im Schweb, l'neci schief, und das Hauptwort 8neä die schiefe Richtung, und figürlich Betrug, Äänke. Alle diese Wörter könnten nicht unbequeme Ableitungen abgeben, wenn wir nicht in eben dieser mit- der Deutschen so nahe verwandten Sprache eine noch wahrscheinlichere hätten ; denn in dieser ist l'oLä, Jsländ. tnLudur, eigentlich nackend, und denn im figürlichen Verstände arm, dürftig, eitel, verächtlich, schlecht, boshaft; ldösta vvsrlck, die schnöde, d. i. eitle und verächtliche, Welt. Aus dieser Sprache erhellet nun, daß auch unser schnöde eigentlich nackend, bloß, bedeutet, und von dem Latein, nucius, vielleicht auch von unftrm Noch, wenigstens in einigen Bedeutungen, nur in dem intensiven Zischlaute verschieden ist. (S. das folgende.) Ein ganz anderes Wort ist das Rieders, snöde, snöe, witzig, schlau, Angels, lnoter, luotor, weise, welches vermuchlich von dem Angels, laude, hurtig, schnell, ab. stammet. ^DreSchnö'bryfeit, plur. raus, der Znstarch, die Eigenschaft, ln ein Ding schnöde ist, wo es in der ersten Bedeutung eben so selten gebrauchtwird , als das Beywort. Au einem 1477 zuAugsbiirg gedruckten Buche werden die Schamthcile die Schnödigkeit genannt, eigentlich, die Blöße. Der Schnörkel, des —s, plur. m now. linZ. Dimin. das Gchnörkelchen, eine Schneckenlinie, ja eine jede ans ähnliche Art krumm geschlungene odergezogeneLinie,woes in manchenSpcech- arten auch Schnerkel und Gchnirkel lautet. So sind in der Baukunst, und Hey den BildfchmtzernSchnörkel Verzierungen, welche nicht allein aus Schneckenliuien, sondern auch aus Schlangenlinien in Gestalt eines Latein. 5 bestehen. Wegen des Mißbrauches solcher Verzierungen, werden oft auch alle überstüssige und nach einem schlechten Geschmacks aus krummen Linien bestehende Zie- rathen Schnörkel genannt. Gewiß nicht von Schnecke, wie Frisch glaubt, denn das charakteristische r, welches allemahl feine hervor, stechende Bedeutung hat. und hier wesentlich ist, ist ein natürlicher Ausdruck der kreisförmigen Bewegung. S. Schnurren. Die Gchnucke, plur. die — n, ein nur im Niederdeutschen üb- UchesWsrt, eine Äet kleiuee Schafe zu bezeichnen. S. t Schnake. Gchrnrffesn, oderSchnusfoln, vsrb.reA.ns^U,r. mit dempülfs- Worre haben, welches so, wie die Sache selbst, nur in den niedri- gen Spreächttteu gehöret wird, und das verkleinernde Jterationm von schnaufen ist, den Athem in kurzen Absätzen und mit einem Merklichen Laute durch die Nase einziehen. Daher etwas beschn iif- fttn, es ans solche Act beriechen, wie die Hunde, alles durch- schnuffelu, es auf eine uitanstandige Art durchsuchen; lauter Blumen des großen Haufens. Die vergrößernden oder verstärkenden schuoppern,schnuppern, werden anfahnlicheArt gebraucht, (siehe Schnuppen.) Im Rieders, ist schnüffeln uud ohue Zischlaut,1 Üf« fein auch durch die Nase reden; nieseln, Engl, l.o luuii'js, Gchwed. imöl!u, im Oberd. schnorgeln. r.Schnupfen, von einer heftigen schnellen Bewegung, siehe r Schnuppen. T. Schnupfen, vsrd.r6A.3Ll. et neu lr. welches im letzwrnFalle dasHnlsswort haben bekommt, der Form »ach ein Incenstoum von schnauben, schnaufen ist, igentlich aber den Laut nachah- met, welcher eutstcyer, wenn inan die Luft mit verstärkter Heftig- Schn keri durch die Nase entziehet, da esiu dem vrrtraullchen Sprecharten der Ober- und Niedersachscu auch schnuppen lautet. Schnupfen oder schnuppen, als ein Neutrum, die Luft mit Hefft keitin die Nass ziehen, daher es im Oöeedeurschm auch von eitler solche» ungesitteten Art des Riechens gebraucht wird, wofür mau i!l gemeinen Sprecharten der Hochdeutschen auch daS Dimin. schnüffeln hat. Im Hochdeutsche» gebraucht man schnupfen und schnuppen nur, auf eine solch- Art mit der Luft irr die Nase ziehen. Tobak schnupfen. Rappee, Saint Mmcx schnupfen. Daher das Schnupfen. Anm. Niederst ohne Znteusiön schnuven, (S. Schnauben.) Nach einer andern Onomatopöre ist schnupfen in einigen Gegenden auch schluchzen. De? Schnupfen, des — s, plur. doch nur von mehrern Arten, utaor». üaZ. derjenige Zufall, da gewisse Feuchtigkeiten sich in dein Gehirne über der Nase häufen, sie mögen nun daselbst' stockerr, oder sich wirklich zertheileir lind durch die Nase abfließen; in der vertraulichen Sprechart gleichfalls der Schnuppen, in einigen Gegenden auch der.Schnopf, ingleichcu im weiblichen Geschlechts, die Schnupfe, Schnuppe, die Schn.aupe. Den Schnupfen haben. Sich den Schnupfen vertreiben. Wen« Schimpfen und Husten beysammen sind, so hat man dafiie daS Griechische Wort Ratharr; dieNiedersachseu haben ihre eigenen Benennungen Rage und Brekes Änm. Die Benennung ist ohne Zweifel von einem solchen Schnupfen bergenomnren, rvobcy die Feuchtigkeiten noch stocken, weiftrnan daöep nicht nur durch die Rase redet, sondern auch de« Athem mit Heftigkeit durch die Nase einziehet. -Zm Niederst heißt der Schnupfen Snove, im Schwed. Zuafvn, im Oberd. die Strauchen, Straucksa und der SchnuSec. Der Schnupftosuk, des—es, piur. doch nur von mekrern Arten, die — e, Tobak zum Schnupfen, welchen man in die Nase schnupfet; zum ttitterschiede von dem Rauchtobake. Das Schnupftuch, des—es, plur. die — tuchsr, ein Tuch, die Nase damit zu r-inigen, sich darein zu schnäntzen : von schnupfen, sofern es ehedem auch für schnäntzen gebraucht wurde, wie das Rieders, suuvcn noch jetzt. Im Oberd. ein Nasentuch, Nasenwischer, Nieders. Nasedok, Schwed. lMsduk. DreSchnuppe, plur. die—n, der ausgebrannte Docht von cinemLichte, tvelcher abgeschnuppet wird, oder abgeschsuppet wor- den; die Lichtschnuppe, Nieders. der Miel- S. 2 Schnuppen. r. Schnuppen, oder Schnupfen, vsrft. reZ. act. welches eigentlich eineOnomatopöte ist, und oineu gröbernLaut als schnappen und schnippen ansdruckt, aber nur noch in einigen Fällen figürlich gebrauchtwird. Das schnupft ihm vor die Nase, sagt man im gemeinen Leben, wenn jemand über einen unerwarteten uiraugenchmen Vorfall, besonders über eine unvecmnthete Beleidigung mit Worten, betreten oder stutzig wird, wofür man auch verschnupfen gebraucht; das verschnupfte ihn, stieß ihn vor den Kopf, fuhr ihm in die Nase, welche R. A. sich auf ähnliche Figuren gründen. Es scheinet, daß schnuppen hier cigegtlich eilten unvermutheten Stoß oder Fall bezeichne, weil schnuppen im Obcrd. und das verkleinernde snubbeln im Niederd. noch für straucheln üblich sind. 2. Schnuppen, VLrb.rsZ.Lct. et nsutr. wie 2 Schnustfen, siehe dasselbe. In einigen Gegenden, besonders Oberoeucschlandes bedeutet es auch das Licht putzen; entweder als eine eigene Ono- nratopöie, oder auch nach eben der Figür, nach welcher Luch schnnutzen in diesem Verstaitde gebraucht wird, S. dasselbe. l.* Oie Schnur, plue. dir—en, Dinünut. das Schnürchen, Oberd. Schnürlein, ein im Hochdeutschen veraltetes, noch im Oöecd. übliches Wort, des Sohnes Frau, die Schwiegertoch- Ziiii s ~ , ter i6ii - Schn ter zu bezeichnen. L« sollt deiner Schnur Schaan, nicht bloßen, renn sie ist deines Sohnes Weib, 2 Mss., L, - Z; und so in an- öern Stellen mehr. Anm. JmLatian 8vur, ohne Zischlaut im Lat. N urus, im Jtal. ü4uorZ, im alt Franz. Istors, in der Provence Nouere. Es scheinet mit dem Heör.^Lur, ein Sohn, dem Lappland, und Finnland. Ruori, ein Sohn, Jüngling, und dem veralteten Deutschen uur, klein, wovon noch im Schwed. lnerL dünn, schmächtig, und im Nieders. nLirig, nirig, klein und artig ist, abzustammen, weil Sohne und Schwiegertochter in Ansehung der Altern und Schwiegerälter» doch allemahl als klein und jung betrachtet werden können. §.Dre Schnur, plur. die Schnüre, Diminut. das Schnürchen, Dberd.Gchiiürleiii, ein ans mehren-. Fäden zusammen gedrehtes rundes Band von mittlerer Stärke, da denn die Schnur das'Mit- tel zwischen dem schwächern Faden und der stärkern Leine n.s.f. hält. Ein Vleid mit Schnüren besetzen. Die Schnur um einen Hut, die Hutschnur. So auch Angelschnur, Radschnur u. s. f. In Nabelschnur stehet es sigiirlich wegen einiger Ähnlichkeit. Eine Art eines schleichenden Fiebers bey den Pferden, welches von cincr Erhitzung hrxeühret, wird die Schnur genannt, weil sich bey dem Athcmhshlen an jeder Seite nach den Nippen zu eine Rinne bildet, in welche man eine Schnur legen könnte. Besonders, so fern eine Schnur dazu dienet, gewisse Körper darauf zu reihen. Perlen, Rorallen, Tobaksblä'ttsr u. s. f. auf eine Schnur ziehen. Da denn auch eine Menge sslchcr aufgereihetcr Körper eine Schnur heißt. Eine Schnur perlen, Vsrallen. Eine Schnur Tobak, auf eine Schnur gercihete Tobaksblätter. So auch Frucht schnür undBIumenschnur in den schönenKüusten. Dahin scheinet auch die R. A. zu gehören, etwas an einem Schnürchen haben, Fertigkeit darin besitzen. Icli ksn vvuncker an 6er Toners ^ IcftkuQ vUeZe» uack verliessea u. s. s. Burihard von Hohenfels. Zngleichen, so fern eine ausgesparmte Schnur den Werklenten, Gärtnern u. s. f. dienet, gewissen Körpern eine gerade Richtung z« geben; die Richtschnur. Baume nach der Schnur setzen. Daher schnttiZleich, schnurgerade, so gleich, so gerade, als wenn es nach drrSchnur gemacht wäre. Jngleichcn die stgürlichenA.A. Nach der Schnur leben, ordentlich, nach der Regel oder Vorschrift. Alles nach der Schnur haben wollen, puncrlich und ordentlich. ^ber die Schnur hauen, das gehörige Maß dce Menge, dcrBilligkcir, der Wahrscheinlichkeit u s. s. überschreiten. Wie auch, so fern sie zumMessen gebraucht wird,für Meßschnur. Etwas mit der Schnur ausmesstn., Daher im Bergb-u e die Schnur auch ein Lehe» von sieben Lachtern ist. In der R. A» von der Schnur zehren oder leben, d. r. von dem vorher ersparten oder erworbk-neir Vermögen müßig leben, ist es ein wenig dunkel. Frisch erklärt sie aus dem chrmahligeuGebrauche, besonders Zc-neiner Leute, ihre Gold- und Silbermünzeu zusammen zu biegen, sie an eine Schnur zu reihen, und zur Zierde um den Hals zu tragen. Daß indessen das Wort Schnur hier noch eine andere Erklärung leide,ist schoil iii der Anmcrl ung zu demWorteSchma- rotzenbey-gebr-acht worden. Anm. Schon m dem alten Fragmente aufCarln den Großen Key dem Schilrer 8nu-r, im Nieders. Snoor, wo auch Gnirre riue Schlinge, Dohne ist, im Schwedischen Znaea und8nöre» im Böhirrischeu nndPohluischeit Lrsur^imFrnni-schstt ohneZisch- staut^iUDr^ woraus die Verwandtschaft mit dem Griechischen urrd Latem, Äcrvus erhellet. Es sch«stm§, daß die Znsam, meudrehlutg; welche zu einer Gchnuc nothwrudig ist, der Grund chrer LrurmtunL stpr l? dH i rches Wort zu dsm Nie der s. Mp Echtt 1612 schnell, schnurren und andern ähnlichen gehöret, sin welchen eine schnelle Bewegung, besonders in die Runde, der Staiiun- begriff ist. Das Gchnürband, des — es,xlur. die — banber, ein Band, oder eine Schnur, gewisse Kleidungsstücke damit zusammen zu schnüre»; imDberd. die Schnnrnestel, der Schnürsenkel. Ist ein solches Band von Leder, so heißt es ein Schnürriemen. Die Schnirrbrust, plur. die — brüste, Diminut. das Gchiiiir- brüstchen, Dberd. Schnürbrustlein, eine ans nahe aneinander geschobenen Fischbeinstäben verfertigte Bekleidung der Brust bey dem andern Geschlcchte, welche auf dem Rücke» zugeschnnrrt wird. Ein Schnürleib ist noch davon unterschieden. Schnuren, verb. rsF.aeutr.mit dem Hülfsworte haben, welches nur in der Jägerey von denl Wolfe, dem Luchse und Fuchse üblich ist, welche im Traben die Tritte so schnurgerade nach ein, ander setze», als kein anderesThier thun kaun. Der Wolf schnurret. Daher die Spur dieser Thiere daselbst auch das Schüttren heißt. Schnüren, verd. reZ. tvclchesstn doppelter Gestalt vorkommt. I. Als ein Neutrum, mit demHülfsworte haben, wo es mir im Bergbane üblich ist, wo zwey Zechen mir einander schnüren, wenn sie mit einander gränzen, nahe an einander liegen; vermuch- lich auch als eine von der Meßschnur, womit ihre Gränzen bestimmt werden, hergelcitete Figur. S. Schsiurnachbar. II. Als einActivuin,riiit einerSchnttr befestigen,aufeineSchmir reihen, mit der Schnur zeichnen u. s. f. -) Einem Dinge die Schnur anlegen; eineichrin einigen Fällen übliche Bedeutung, Einewage schnüren, sie witSchniiren versehen. LinThier männlichen Geschlechtes schnüren, ihm dicHoden mit einerSchimrAbbinden; eine Art drsCastrirens. Einen Missethäecr schniircn, eine Art der Tortur, da ihm schwache Schnüre um die Arme gele- get und selbige fest zugczogcn werden. Das Schnüren mit vollen Banden, der höchste Grad dieser Tortur. Nicht so schmsrzhaft ist in einem andcrnVerstaude das bey einigenArbeitsleutcn übliche Schnuren der Zuschauer oder Fremden, wenn man sie nüt cincr Schnur umgieber, oder eine Schnur vor best Ausgang spannet, nm einTrinkgeld von ihnen zu erhalten, (S.Anbinden.) Vermutb- lich ist es eine Figur dieses Gebrauches, wenn schnüren oft für prellen und schnellen gebraucht wird, d. i. jemanden mit Lisi ober unrer einem falschen Vorwände um sein Geld bringen, wenn es hier nicht vielmehr zn demNicders.snar, geschwinde, schnell, gehöret, und so wie schnellen eine Figur der Geschwindigkeit ist. 2 )M einer durchgezogeiien Schnur befestigen. Den Mantelsack auf das Pferd schnüren. Besonders in den Zusammensetzungen ab- schnuren, anschnüren, aufschnürcn u. s. s. Die Gchniirbcull lockerer schnüren. Daher in engerer Bedeutung sich schniirm bey dem andern Gefchlechtc so viel ist, als eine Schnürbrnsi oder ein Schnürleib tragen; geschnürt gehen. Sich lockerer, sich fester schnüren, die Schnürbrust, das Schnürleib lockerer oder fester schnüren. Ein geschnürter Gtpl, eine Art des gezwungenen Stpls, der gleichsam so steifist, wie ein geschnürtes Frauenzimmer. z) Mit der Richtschnur zeichnen. So schnüren die Ziminerlcitte, Maurer u. s. s. wenn sie gerade Linien vermittelst einer gefärbten Schnur machen. In einigen Zusammensetzungen, z. B. abschnurcn, bedeutet es zuweilen auch, mit einer Schnur abmessen. 4) Auf eine Schnur reihen; eine am häusigsien M Niedeesachsen übliche Bedeutung. Doch schnüret man auch >u Obersacht'en die Tobaksblatter, wenn man sie auf eine Schnur reihet. So auch das Schnüren. Anm. Im Niederst snor-n und snirrcn, imSchwed. saors. Es scheinet »mmttrlbar von Schnur gebildet zu f^n.' ^ i6iz Schn D^rs SchnurseueL,öez—s, plnr. uknom.slNA. t-r der Feuer- wcrksknnst, eine Art eines künstliche« Feuers, welches a« einrr Schnur herab läuft. Schnuryeraöe, ackj. srackv. ft gerade, als wenn es nach der Schm,c sder Richtschnur gemacht wäre. Der Gcchnürhaken, des—-s, xlur. utnom. lin§. S.Gchniir- kette. D«s SchnürHolz, des — es,s>1ur. die—-Holzer, ein Werkzeug van feinem Holze oder Elfenbein, die runden Schnüre da-' mit zu verfertigen. Der Schnürkasten, des — s, plur.uk NOM. lrug. ein Stück des weiblichen Schmuckes, welches in einem einzeln gefaßtenEdel- steinebestchet, durch welchen das an einer saubernSchnur geknüpfte Angehenk fest um den Hals geschnüret wird. Die Schnückette, plur. die — n, eine Kette, etwas damit zuzu« schnüren. Ehedem pflegte das andere Geschlecht den Schnurleib oder andere Kleidungsstücke mit goldenen oder silbernen Ketten zu- zuschm'iren, da denn stattdec Schnürlöcher eigene Gchnü'vhaken an den Kleidungsstücken befestiget wurden. Das Schnurleib, Heg — es, plur. die—er, Diminut. das Schnürleibchen, ein Leib oder Leibchen, d. i.enges nach dem Leibe gemachtes Kleidungsstück des andern Geschlechtes, welches mit Fischbein ausgesteifetist, 'nur den Oberleib bis an die Brust be- , deckt, und entweder ans dem Rucken oder auch vorn zugcfchnü- ret wird; Niederst das Brnstleib. Die Gchnürbrnst ist weit mehr - ausgesteift.und an der Brust mehr gewolbct. D^rs Schnürlöch, des—es, plur. die—löcher, runde bcschlun- gene Locher an denjenigen Kleidungsstücken, welche vermittelst eitler Schnür zusammen gezogen werden. Die Gchnurnrrihle, plur. die— n, ein künstlicher Weberstuhl, auf welchem eiu Arbeiter viele Schnüre zugleich verfertigen kann. Der Gchnürnächbar, des — L, plur. die—N, im Bergbauc, der nächst angränzende Besitzer einer Zeche, dessen Zeche mit des andern seiner schnüret. Die Gcynürnadel, plur. die—n, eine starke stumpft Nadel in Gestalt einer Nähnadel, Schnüre damit durch dieSchnürföcher zu ziehen; im Oberd. die Nestelnadel, Niederst GnLrpinn. Die Schnürnestel, plur. die—n, S. Schnürband und Nestel. Der Schnerrrbärt, des—es, plur. die—barte,.ein Bart auf der Oberlippe ; der Rnebelbart, Schweitzerbart, in Baiern Ratzenbart, vielleicht für Raizenbart. Juglxichen, derjenige, welcher einen solchen Bart trügt. Ohne Zweifel von dem noch im Niedersächsischen gangbaren Schnurre, die Nase, Schmutze, weil sich ein solcher Bart unmittelbar unter der Nase befindet. S. die Schnurre. Der Schnurre, des—n, plur. die—n, in den gemeinen Svrech- -arten einiger Orlen , einen Wächter für die österliche Ruhe auf den Gassen, besonders znr Nachtzeit, einen Häscher, z» bezeichnen« Vielleicht von den Schnurrbärten, welche sie an manchen Orten »wirklich tragen, daher auch auf einigenUniversitätc» dieSoldatcn, so fernere gleichfalls Schnurrbärte tragen, zumSpotteSchn,irren genannt werden. Die Schnurre, plur. die—n. i. Von dem Zeitworts schnurren- ein Werkzeug, womit man schnurret, ei« schnurrendes Ding. ,) Eigentlich. So wird die Nase und das Maul im Niedcrsäch- > fischen noch häufig die Schnurre genannt, weil damit in manchen - Fällen gleichfalls ein schnurrender Laut hervor gebracht wird« Armanden über die Schnurre hauen, im Niedersächstschen auch figürlich, ihn anfahren; ihn anschnnrren. Gchnaritze, Schnabel, und ohne Zischlaut Nase, das Niederst Nes u. st f. siild nur in den Endlanttm verschieden,welche Verschiedenheit denn freylich ÄusyerschiedcirenOnEatopsien beruhst. Echi' Schnarre, welche SchN rßi4 knaen grobe« brimpflgen Laut verursacht, wirb noch sehr häufig eine Schnurre genannt,welchenNahnren auch ein fchnurrendcsSpinn<- rad u. s. f. im verächtlichen Verstände bekommt. 2 > Figürlich. Schlechtes Hausgeräth heißt im gemeinen Leben Häufig Schnurren, vielleicht wegen des schnurrenden Lantes, welchen es im Han- Liren macht, »m welches willen es auch Gerümpel genannt wird. In wcitcrm Verstände ist Schnurre ein jedes schlechtes elendes Ding seinerArt. (S.auchSchnurrpfeife.) r. Ein scheczhastcrEin- fall, eine lächerliche Erzählung, eine Posse in Worten, heißt im gemeinen Leben, besonderSNiedersachsens,eineSchnnrre. Allerlei Schnurren Vorbringen. Da die gleichbedeutenden Schnake, Schwank u. stf. insgesammt zunächst lächerliche gauke hafte Bewegungen, und noch näher nach ihrem Ursprünge, schnelle Bewegungen überhaupt bedeuten, so scheinet auch Schnurre in dieser Bedeutung auf ähnliche Art gebildetzn ftyn, da es denn zu schnurren, sofern es der Ausdruck »einer schnellen kreisförmigen Bewegung, ja einer jeden schnellen Bewegung ist, und zu dem Schweb, und Niederst snar, fnarre, schnell, hurtig, gehören würde. S. auch Schnurrig. 'Schnurren, verb.rsZ. welches ursprünglich eine unmittelbare Onomätopöie ist,und einen dumpfigen brummenden zitterndenTo« machahmet, der von gröberer Art als schnarren und das Niederst fchnirven ist. Es ist in doppelter Gestalt üblich. I. Als ein Neutrum, mit dem Hulf-sworre haben, diesen To« Don sich geben oder hervor bringen. --. Eigentlich. LüeM.rs- Läfer schnurren «m Fliegen, ein altes Spinnrad schnurrt, an .mauchenOrten schnurren dieNachtwächter mileiner Schnurre. In Dithmarsen schnurren auch die Säue, wenn sie in der Brunft .sind, und da man ehedem dieses Zeitwort von Mehrern Acten der menschlichen und thrcrischen Laute gebrauchte, so wird dieSchuau- He daher imNieders. noch jetzt die Schnurre genannt. ^Figürlich. r ) Da eine schnelle kreisförmige Bewegung sehr oft mit einem schnurrenden Lance verbunden ist, ft ist schnurren m einigenGe- genden auch, sich schnell in-. Kreise bewegen, und in weiterer Be- Heiitung sich nach jeder Richtung schnell bewegen, daher ssnar, - .snarre, snarrig, im Niederst schnell bedeutet. Schnell,Hurtig, rasch u. stf. gründen sich auf ähnliche Onomatc-poien. (S. auch Schnörkel.) 2 ) Jemanden anschnurren, ihn heftig anfahrcn , im Niederst ihn Über die Schnurre hauen; wo schnurren ans öhnlicheAct gebraucht wird, wie brummen. Wenn aber schnurren in manchenGegenden auch bedeutet, seinen Unwillen durch ein .mürrisches Stillschweigen an den .Tag legen, so scheinet es unmittelbar vou dem Niederst Schnurre, die Schnautze, wie das gleich- .bedeutende maulen von Maul, gbzustammen. Z) Zusammen .schnurren, zusammen trocknen, im dürre werden einkriechen. Vielleicht auch als eine Figur von schnurren, sich schnell bewegen, eigentlich schnell einkriechen. Bey drmHörnegk ist schnerftn zusammen ziehen. II. Als ein Activum, wo es nur in ben gemeinen Sprecharten .theils für.betteln, theils auch wohl für listig stehle«, üblich ist. Schnurren gehen, betteln, in der Rothwälschcn Diebessprache ..schnorren, daher ein Betrcljuds daselbst ein Gchnnrrcr genannt wird. Sich etwas schnurren, erbetteln, ingleichen cs mausen. Einem etwas .abschnurren, abbetteln. Niederst snurren. Eben daselbst ist snorcn so wohl schnarchen, als figürlich faulenze«« So auch das Schnurren. Anm. Niederftichst fnnrren, Schwed, luven Schnarren, schnirren, schnorren, schnurren, wovon b-e beyden rurttelste« nur in den Mundarten gangbar sind, sind rmr i«.der Höheun- .Tiefe des Toges unterschieden. Der Schnürrtemen, des — s , plur. m uom. knZ. ein Riemen zum Schnüren., S« Schnürband. Schnurrig Schmrrriy, —- er, —6c, scij. er s6v. possierlich, lächerlich, schnakisch, drollig; doch nur in der oer-traulichen Sprecharl, besonders Nirdcrdcntschlandes. Dc-s ist schnurrig. Em schinir- riger Emfall. Ein schnurriger N?.ss:sch. Die drollig,;? Laune, der schnurrigste W-tz, die sch a! N scher Satpre lassen uns vsx Lachen kaum zu uns selbst kommen, Leis. DerBchnurriny, des — LS , süue. die—e, Key dem Picto-, rirrs, eine Art Wasserhühner, welche Frisch wahrscheinlich für diejenige hält, welchem unfern Gegenden unter dem Nahmen der Schnarre bekannt ist, (S. diese» Wort.) Von schnurren, und der Endsvlbe—in g. Dle SHnurrpferfs, ^lur. dic^—n, ist nach dem Krisch eigentlich ein schnarrendes oder schnurrendes messingenes Blech, weiche Bedeutung mir doch nicht vorgrkominen ist. Am üblichste!, ist im gemeinen Leben Schnurrpfeife und Schnurrpfeiferei ron altem s unbrauchbaren Hausrarhc, schlechten. Gerümpel, nrrd nach einer moch weitern Figur, von schlechten Zierathen, ja von einerch.den schlechten unerheblichen Sache. Bedenken sie" daß dergleichen Gchnurrpfeifen nichts wcrth sind. Das ist eine Gchnurrps.-i- ferey, ein nichtswürdigcs Ding. Wenn es hier nicht eine Figur ehedem üblicher schlechter.schnurrender Pfeifen ist, so scheinet die erste Hälfte das Wort Schnurre zu scyn, welches besonders in Niederdeutschland von einem jeden nichtswürdigcn untauglichen Stücke Grräthes gebraucht wird, wenn es nicht vielmehr ans dem Rieders. Snorpipe, Schnürpfeife, verbricht ist, welches die blecherne kleine Röhre ist, womit dieSchnürbänder am Ende beschlagen werden, und welche freplich ein unerhebliches Ding von geringem Werthe sind. Der Schnürsenkel, des—s, p!ur. m rrom.lin§. S. Schnick-, band itnd Genkel. Der GHnurstein, des—es , plur. die—' c, im Bergbarre, ein Gränzstein der Fund-, und Erzrruben, weil selbige mit der Schnur abgemessen werden; der Lochstein. SchnurstrcrEs, süv.in gerader Linie. Den Gesetzen schnnr- stracks zuwider laufen. Das läuft ihrem Glücke schnurstracks zuwider^ Von Schnur, Richtschnur, so fern sie das Maß einer geraden Linie ist. Der Schob, des—es, xlur. h,'e Schöbe, oder auch die Schöbe, plur. die— n, iu der Landwirchschaft Ober- uud Niedersachseus, «us glattem Rockenstroh in einer gemessenen Stärke verfertigte Bündel, dergleichen z. L. diejenigen sind, womit die Strohdächer gedeckt werden. Ein Schob Stroh.' Niederst Schoos, im Dberd. Schaub, Angelst Leeach Engl. 8iieak, Franz.imDimin. ssnvelle, im Mittlern Lat. ohne Zischlaut Lover. Es bedeutet ein Bündel, einen kleinen Haufen, und ist von Schaub nur in der Mundart verschieden. S. dasselbe, ingleichcn 2 Schober. z.Der^chober,,des—s, plur. ut vorn. ürrZ. ein Mort, m welchem der Begrjffder Vertiefung, des hohlen Raumes, der herrschende ist, welchesaber nur in einigen Gegenden vorkomE So sind in den Salzkothcu die Fegeschober kleine Pfannen, welche in die g. ößtrn gesetzt werden, ehe das Salz körnet, damit sich der Schlamm in selbige ziehe; Schlammpfannchen. Es ist hier mit Schaube, Schaff, Scheffel, Schoppen u. s. s. verwandt. 2.Der Schober, des — s, plur.ntoom. ljnF. oder die Schober, Diminut. das Gchöberchen, ein Wort, welches überhaupt einen Hau^n bedermt. So gebraucht Hornegk das Zeitwort schu- llern für häufen: Ir wart dez Iamers Fneder Gtschubcrt und. gehawfft. Man gebraucht das Hauptwort nur noch in der Landwirthschaft vsn gewisser Haufen Heues oder Strohes von beträchtlicher Grö- sse.So werden die großen Haufen Heues, in welche das getrocknete Heu zusammen gestehet wird, ehe man es ernführet, Heuschober oder nur Schober schlechthin genannt. Ein solcher gr..ßer Schober wird aus den vorher gemachten Brechschobern oder Wind- haufeii zusammengesetzt. (S. auch Gchobersteck.) Auch die großen Haufen Strohes, welche man oft in der Landwirthschaft unter frepem Himmel macht, wenn man das Stroh nicht anders unter- bringFn kannrheißen Schober oder Schober. In einigen Gegenden führen diesen Nahmen auch ähnlicheHaufen noch nicht ansge- droschenen Getreides, welche doch am häufigsten Feimen heiße«. (S. dieses Wort.) In manchen Gegenden ist der Schober ein Haufe Voit bestimmter Größe oder Zahl. So hält in Nürnberg ein Schober Stroh 60, zstn Schoberlcin aber 10 Büschel Stroh, Anw. Es ist vermittelst dcrAhleitungsftlbe—er von Schob, Schaub gebildet, ein beträck/tUch ausgedehntes, oder ans der Ber, bchbung mehrerer Dinge bestehendes Ganzes, ein Zause, welches letztere Work sich von Schober unter andern auch durch den Mangel des Zischlautes unterscheidet. S. Schaub und Zause. Der Gchobersteck des—es, plur. die — e, in der Landwirthschaft, runde Flecke oder Plätze auf den Wiesen, von fünf, sechs oder acht Klaftern im Umfange, welche eine Elle hoch mit Heu bc. streuet werden, und in den gemeinen Sprecharten auch Schober- ssatschen heißen. Sie werden aus den Brechschobcrn oder Wind- Haufen gemacht, so wir aus den Gchobcrstccken nachmahls die Schober zusammen gesetzt werden. Schobern, verb. I-6A. üct. in Schober setzen. Das Zm schobern, Stroh schobern. S» auch das Schobern- S. Schober. i. Das Schock, des — es, plur. die—e, ein Ring; ein nur m einigen Gegenden brv deriJagern übliches Wort, welche die Ringe an den Hörnern des Steinbockes Schocke zu nennen pflegen. Es gehöret hier zunächst zu Schake, der Ring, das Glied einer Kette, S, dieses Wort. 2-DasGchock, des — es, plur, die — e. i. Eigentlich, so wohl ein Haufe, als auch eine Menge; eine im Hochdeutschen ver, altetc Bedeutung, außer daß man noch im gemeinen Leben eine beträchtliche unbestimmte Menge zuweilen ein Schock zu nennen pflegt. Im Schweb, ist 8 Kock und im Island. 8kockr noch eine Menge mehrerer Dinge, und dasEngl. 8liock bedeutet einen Haufen Gatben. JneiuigenDberd.GegendenwirdcmGchobe!.' und Feimen noch jetzt ein Schoch genannt, und da hat man auch das Zeitwort fchochen und schöchcln in solche Schoche oder Haufen setzen. Bep dem Hornegk ist geschockt gehäuft, häufig. Dhne Zweifel gehöret hierher auch die Hey den Jägern mancher Gegen» dm «bliche Bedeutung, wo ein di-cker Strauch ein Schock genannt wird. 2. In engerevBeöeutung ist das Schock eine Menge einzelner Dinge von einer bestimmten Zahl, wo aber die Schocke nicht überall gleich find. Auf den Blechhämmern hält ein Schock Blech oder Dnnm'ifcn 120 Stück Blech. In Schlesien bestehet ein schwer Schock aus 6c>, ein leicht Schock aber aus 40 Stück- Ja in vielen Gegenden begreift ein Schock oder alt Schock nur 2,0 Einheiten, welcher Gebrauch aber auch von der folgenden Bedeutung entlehnet seyn kann. Am üblichsten ist es indessen von einer Zahlvonöo. Ein Schock Epev, Rase, Garben, u. s. f. das ist, 60 Stück oder vier Mandel. Nach Schocken zahlen, oder schockweise. z. In noch engerer Bedcurnng ist ein Schock eine Zahl von sechzig Cftück deran jedem Dete gangbarsten Münzfortc; welche Nechnttngsark ehedem sehr gewöhnlich war, und noch in einig?» Gegenden, z.^D. in Böhmen, Sachsen u. s. s. nicht ganz veeallet ist, wo aller dieVerschiedenheit der uachSchvckrn gezählten -Mnz- sorten auch eine große Verschiedenheit dieser Schocke verursacht. Ä)n 13. urcd r 4 . Jahrhuichrrck prägte män iuBöhmriiGrosch?»/ der?» v 1617 Sch Heren 6 o eins Mar? Silber ausmachten, und damahls waren eine Mark und ein Schock, oder vollständiger. ein Schock Groschen, gleichbedeutende Wörter. Indessen blieb man nicht lange bey die« sen schweren Groschen, sondern schlug gar bald um der Bequemlichkeit im Handel rwd Wandel willen leichtere oder kleinere,blieb aber bey der G nvohnheisiste nach Schocken zu zahlen. ErnSchock breiter Groschen hieß ein breites Schock, ein Schock Schwert- groschen ein Schwertschock, ein Schock schmaler Groschen ein Schmalschock, eine Schock Krenzaroschett einBrcuzschock, ein schock Silbergroschen ein Silberschock u. s. f. In der ersten Hälfte des > Lien Jahrhunderts wurden in Thüringen und Sachsen zwcyerley Groschen gemünzt ; manprägte Groschen,deren 2 c> ans einen Gulden gingen, und 20 solcher Groschen hieß ein neues Schock, man prägte aber auch welche, deren 60 einen Gülden machten, und diese 60 hießen ein altes Schock. In Sachsen ist die Rechnungsart nach Schocken noch bey den Steuern, bey den Geldstrafen in den Gerichten, und bey dem gemeinen Manne auf dem Lande gangbar ; aber da man jetzt nur einerlei) Art Groschen hak, so ist ein alt Schock jetzt 20, ein neu Schock aber 6o Meiß- uische Groschen oder '-H. Thaler. Als um die Mitte des töten Jahrhundertes die Landsteuern, d. i. dis beständigen Abgaben von den Fcldgütern, in Sachs n ihren Anfang nahmen, schätzce man den Werth der Feldgüter nach damahls übli chen Schocken, und legte ans jedes Schock L Pfennige, welche 1606 auf 8 Pfennige erhöhet wurden. L-sssi in Sachsen jetzt noch gangbare Art der Landsteuer wird der Schockanschlag genannt, und vieivon den nach Schocken taxirteu Feldgütern bestimmte Steuer gleichfalls mir dem Nahmen der Schocke belegt. In Böhmen, der Mark n. s. s. wo man auch noch zuweilen nach Schocken rechnet,find dieselben wieder anders bestimmt. So ist z. B. ein Schock Böhmische Groschen so viel als 2 Nrhlr. In manchen Gegenden zahlete man ehedem auch die P senil nie nach Schocken, mild da war ein Schock,oder vollständiger ein S Vock Pfennigesc> Pfennige von der damahls üblichen Währung. Und da man damahls Pfennige hatte, welche so viel als jetzt 4 Pirnnige galten, so scheint das Meißnische alte Schock/welches 2 0 Groschen hält,eigentlich auch sechzig solcher Pfennige zu bedeuten. In manchen Gegenden Meißens ist daher auch in manchen Dingen,z.B. von Eyern,Hühnern, Käsen n. s. s. ein alt Schock so viel als 20 Stück. Anm. Inder zweyten und drittem Bedeutung imSchwedischen gleichfalls 8HroLk. Wachter und Frisch leiten es sehr gezwungen von dem Lateinischen LsxaZella her. Aus der ersten Bedeutung der Menge und eines Haufens erhellet, daß es von Schob, Schober, nur im Endlautc verschieden ist, und zu demGeschlcchte der Zeitwörter schicken und schocken, stoßen,anfhänsen.gehöcrt. Dh- in Zischlaut gehöret auch uns r hoch mit zur Verwandtschaft. Der SchoEernschsterg, des—es- plur. die—schlage, die Bestimmung der Abgabe nach Schocken. S. 2 Schock Z. 1. Schocken, verb. i" 6 Z. LLi.. eck neu'r. im letztcrn Falle mit dem HiMworre haben. 1) In Schocke sitzen, nach Schocken zählen ;, als ein Activrml. Das Unterhol; schocken, im Forstwesen, es zu Astsbündeln schlagen, und diesi in Haufen, jeden von 60 Stück sitz-n. 2) In Schocken ergeben, in der Landwirthschast. Die Gerste schockt gut,wenn sie vh.le Körner airsciireuiSchocke Garben gibt,oder auch, wenn sie viele Schocke Garben Abu Auf ahn- - liche Art sagt man auch wandeln, scheffeln u. s. s. Z) In dem zn ammen gesetzten bekchocken bedeutet es auch mit einer nach Schechen bestimmten Steuer belegen. - " . > -k* Schocken, verb. reg.sct.. et vsütr. welches im letzter» Falle das Hiilfswort haben b>ffommt,aber imHochdeuischen ungangbar ist. r) Stoßen, Franz, ckoc^nsr, Engl. t o sh m k ; in wS- cher Bedeutung es noch in einigen gemeinett Sprecharteu,brsi'n- Scho 161Z 'ders am Niedcr-Rheine, gangbar ist. 2) Hin und her bewegen, schweben; schaukeln, welches das Jntensivnm »der Diminnti- vuM davon ist. Ein Schiff schocket, sagtman in Nicderdrrrtsch- land, wenn es von einer Seite zur andern wankt, wovon man im Hochdeutschen schaukeln oder schwanken gebrauchen würde» Jemanden schocken oder schockein, ihn schaukeln, daher in eini, 5er. Gegenderrdig Schaukel auch Schockel genannt wird. Jtall cioccars, eioccolurs, ciavcolsrs, Engl. ro'joZZIe. Darob mein Seist sich hat erquicket, Daß er iinJubelschwcbtundschocket, H. Sachs. So auch das Schocken. Gchockfxey, a6j. et frcy von der nach Schecken bestimmten Abgabe. Ein schockfre/es Gut. S. 2 Schock 3. DerGchockyröschen, des—s, plur. nt nom.linx. eine ehedem, besonders in Sachsen, sehr gangbare Benennung solcher Groschen, welche nach Schocken gezähletwurden. Die ältesten Schockgroschen waren solche, deren 60 auf eine Mark gingen; in den folgenden Zeiten wurden sie immer geringer, bis man in Sachsen endlich die Rreuzgroschen, welche ein Kreuz zum Gepräge hatten, und deren 20 einen Gülden machten, am häufigfierr mit dem Nahmen der Schockgroschen belegte. S. 2 Schock Z. DüS Gchockholz, des —es, xiur. ittus. im Forstwesen, Holz^ welches' nach Schocken verkauft, und ans den Ä len der gefällten^ Bäume geschlagen wird. In einigen Gegenden pflegt mau auch" das Reisholz, welches in Bündeln schockweise verkauft wird, Gchockhol; zu nennen. ff Schofel und Schofelig) ach..et aäv. welches nur in den ge- mcincil Sprecharten einiger Gegenden üblich ist, im hohen Grade schlecht, armselig. Das steht schofel oder schofelig aus. Schofelige waare, schlechte Waare. Wo man es auch als ein Hauptwort ohne Plural gebraucht. Das ist Schofel, schlechtes Zeug, Ausschuß, Pofel. ES scheinet von schaden abznstammen, gleich, sam den untauglichen S'chabselzn bezeichnen, den Abgang, Auswurf, oder auch von scheuen, Niedres schonen, schuwen, Engl. io eluliLtv, Jml. j'Liffure. Im Mittlern Lat. istssscobjUrae, in derProvence L 1 'coubi!le 8 ,ein jeder untauglicher und schnmt- ziger Abgang von einem Dinge. Der Schösse, des —n, piui. die—n, das Wort Schöppe mehr nach der Oberdeutschen Mundart gebildet,daher es auch imDber- dcmschen für das mehr Hoch- und Nicdcrder.tsiche Schoppe gebraucht wird, (S. das letztere.) Daher das Schöffengericht irr Cöln, das churfürstlichchohc weltliche Gericht) wobey der Magistrat in peinlichen Fällen nur die erste Ergreifung und Untersuchung hat. In Aachen und andern Oberdeutschen Gegenden wird . der erste und oberste Schosse in einem ans Schössen gestehenden Gerichte der Gchoffemncistcr genannt. Schösser, Scho lern, S. Gchakrr u. s. si Der Scholar, des—en, plur. die—en, aus dem Lat.tcjiola- ris, rin Schüler, wo cs für edler gehalten wird, als das durch den Xhäusigen Gebrauch gemeiner gewordene Schüler. Besonders gebraucht man es ohne Rücksicht des Alters und Geschlechtes von Personen, welche außer den gewöhnlichen Schulen von andern eine anständige Kunst oder Wissenschaft erlernen. Ein Sprach- mcister, Tanzmcistcr, Lechtmeistcr, Mnsikus u. s. s. hat siele Scholaren., wenn viele Personen si-ine Knr.stvon und bey chm erlernen, vornehmlich, wenn solches siiuidenmcisigeschichrt, um sie von den Lehrlingen der Künstler und Handwerker zu uujer, scheiden. DerGcholchrch, des--en, plur. die—en,ans dem Gricch. und Lacein. LcliojusLitö, eine Person vqn Ansehen, welch, die Auss- stchr über Erne oder mehrere Schulen har. Daher das Scholarchat, dessen An t und Würde, zAwkilkU auch dkj'jeu Wohm-rm.! Kkkkk Der 2619 .Scho DeLSchokäster,des—s, ,plur. ul vom. ffrrZ. das mokiere Lat. Zellol^ftor, derjenige Lanonisus oder Domherr an einem Dom-oder Canonicat-Srifre, welcher, nach der ersrenEinrichtung solcher Stifter, der Lehrer in der damit verbundenen Schule war, und auch Zetrolulcicus genannt wird. Ehedem hieß er im Deutschen auch der Schulmeister, derGchulherr. iGcholäftrsch, a6j. et uäv. aus demmirtleru Lak sobolufficus, welches im? > tsikZahrhundeete anfkam,da man dieWisseuschaften bloß in den Klöstern trieb, und man denn einen solchen Lehrer der Wisftnschaftenäoüottnlllcuui nannte,welcherNahmc auch blieb, als die Universitäten errichtet wurde», unddieLchrerdcrPhito-- sophie die Aristotelische WcltweishciL mir einer Menge unnützer Schulfragen dnrchsiiuertrn. Die scholastische Philosophie, die Philosophie dieses Mittlern Zeitraumes von dem r i ten oder 12tcn Jahrhunderte an. Die scholastische Theologie, die dogmatische Theologie des Mittlern Zeitalters, welche in einer Verbindung der Aristotelischen Philosophie mit den Lehren des Chcisten- thums bestand. Die Lehrer beyder Wissenschaften pflegt man nach dem Lat. 80^0 luliüeus auch wohl Scholastiker zu nmneu. Das Scholkraut, S. Gchellkraut. Die Schölle, plur. die—n, Diminut. das Schöllchen, ein unförmliches durch Zcrbrechnng entstandenes Drück von einer de- rrächssichen Größe, wo es doch nur von solchen Glücken Erde nud Eis gebraucht wird. Dre Erdscholle, ein zusammen Hangendes unförmliches Stück Erde, ft wie es von der Pflugschar oder von dem GrabscheitLmusgeworfm wird. Die Schollen oderErdschol- sten klein schlagen. 'Die Eisscholle, ein solchesuuförmliches Stück E s, welches entstehet, wenn das Eis der Flüsse, Gräben u. s. s. aufgeher oder zerbrochen wird. Anm. Im OLerd. auch Zolle und SchrsLe, im Niederd. Gchulle, Schulpe, im Jtal. ^ollL, im Lotharing. LssioU«. Entweder von schellen in zerschellen,ft daß es zunächst einBruch» stück bedeutet, oder auch mit dem herrschenden Begriffe der Dicke und Größe, (bey derü Pictsrius ist aufschsllen aufhäuftn,) oder endlich auch mit dem folgenden ausEinerQurlle,weil dieSchollen gemeiniglich breiter zu sevn pflegen, als sie dick sind. Im Niederst ist Gchullc such ein ausgesiochenes Stück Aasen mit seiner Erde. «. Dis GchoTe, xlur. die—n, Diminut. das Schöllchen, eine Art Seefische, mit einem flach gedrückten Körper, wovon die eine stäche Seite den Rücken, die andere aber den Unterleib vocstellet. Im weitesten Verstände,wird zuweilen das ganzeGeschlecht dieser Fische, welches bey dem Linnee kleurouseles heißt, mit diesem Nahmen belegt, ft daß die plarceiße, der Zlünder, die Sohle oder der Z ungenfisch, und die Bütte mit ihren Arten dahin gehören. Allein im engsten und gewöhnlichsten Verstandcwird nur die plattsißc, oderder ft genannte Halbfisch,ftleuronoctes ?!a- tsstä ft,. welcher einen glatten Korper und sechs Höcker auf dem Kopfe hat, und häufig getrocknet verschickt wird, Scholle genannt. Anmt Im Niederst Gchulle, im Holland. 8ckclllo, im Franz. 8 s 1 e,im.Jtal. 8uolL. Ohne Zweifel wegen der platten,das ist, breiten und dünnen Gestalt, als ein Geschlechrsverwandter von Schale und schellen, ft fern es ehedem auch theilen überhaupt bedeutete. -Im Schwed. ist 8koIlw ein Blech. Der Nähme der nahe verwandten Sohle, !?!ouronecre8 8oIeL ft-, welche in vielen Gegeuden auch Scholle heißt, stammet gleichfalls daher, S. Sohle. Süzollew, vorh.reA. nsalr. mit dem Hülfsworte haben, welches nur in den gemeinen Sprecharren einiger Gegenden, beftu- chers Meißens üblich ist, sein Wasser lassen, harnen. Es ist eine OnoinatopöiefterForm nach aber eluJnteusivum von demNiedecst - schale u. spülen, Schwed, l!rö!jc»,Jsländ.sft«Ia. OhrreZischlLut Scho r 620 gehören auch das bey ben Jagern übliche gallen, harnen, und das Franz. 00 uler, fließen, hierher. DasGchMkraut, S. Gchellkraut. Der Scholz^ S. Schulz. Schon, eine Partikel, welche in einer gedoppelten Gestalt üblich ist. 1 . Als ein Umstandswort, und zwar im ersten und nächsten Verstände, als ein Umstandswort der Zeit, denjenigen Umstand der Zeit zu bezeichnen, da eine Sache geschehen ist, oder wirklich gcschiehet. 1. Eigentlich, ft wohl von geschehenen Dingen, als von solchen, welche jetzt wirklich geschehen, wofür im Hochdeutschen auch bereits, im Niederdeutschen al und im Oberdeutschen alschon üblich ist. wir haben schon gegessen. Er ist schon da. Er kommt schon. Es ist schon die Are den Baumen an die Wurzel gelegt, Matth. Z, 10. Ich weiß schon, was ich thr,nwill. Schon damahls, jetzt schon, schon vorlängst. Sie wird ganz gewiß schon auf uns warten, Gell. Ich höre es schon, sie find ein Zrepgeist. Die Abenddämmerung trat schon ein. AchtzigIahre waren schon über sein Haupt hingestogen, Geß». Ich bin schon so oft da gewesen. Die frühe Morgensonne flimmerte schon hinter dem Berge Herauftals Mpkon ans Gitterfenster seiner äütte trat, Geßn. So auch die Fragen. Bist du schon wieder da s Sind sie schon gekommen s Hast du es schon gehöret? Wo es auch für sich allein eine Frage machen, oder vielmehr eine fragende Bewunderung ausdrucken kann, daß eine Sache schon geschehen ist. Er ist schon da,— Schon? Der Rcgxl nach stehet cs, so wie die meisten übrigen Nebenivörter, hinter dem Zeitwerte, wenigstens hinter dem Hülfsworte; allein um des Nachdrucks willen wird es auch oft zu Anfänge des Satzes gesetzt. Schon in der Lindheit waren wir für einander bk- stimmt. Schon glänzte die Sonne durch das Reblaub, dar xrrnZenstsr sich wölbte, Geßn. O ja, du fingst, schon hör' ich dich vom nächsten Baum, Weiße. Welche Inversion oft die beste Wirkung thut, ft sehr auch Gottsched dawider eiferte, und sie für eine Nachäffung der Franzosen ausgab. s.In writermVerftande, wo sich neben demBegriffe der geschk- HenenSache allerleyNebcnbcgriffe mit einschleichen,welche den er« stcn oft ganz verdrängen, r )Oft begleitet es wünschendeAusdrücke, ' öenWi,nsch, daß eine Sache geschehen seyn, oder wirklich werde» möchte,zu begleiten. War'er doch schon da! wenn nur meine 'Brant schon das wäre, was sie nach ihrem Urtheile werden wird ! Gell, war doch schon meinLieschen mein! Weiße. 2)Fiir ohne dieß, ohnehinchesonders in der vertcaullchenSprechart.Oe» Volks ist schon so viel, 2 Mos. Z, 5. Dein Herz, das schon so viel gequält wird. Z) Mit dem Nebenbegriffe der gehörigen Zeit. Ich will schon kommen, eigentlich zur rechten Zeit. Ich will dich schon rufen. 4 ) Oft zeiget eS eine Versicherung in Rücksicht auf einen vorher gegangenen Ausspruch an. Wenn sie nur nach ihm ge- rathen,so bin ich schon zufrieden. Mir ein solches Her; wieder zu finden, ist schon eine 8reude. Bloß in so fern als die Natur diefesHer; gebauet hat, ists schon für dreRachgier zu hoch. Da eS denn, s) oft zu einem Ausdrucke einer Art von Versicherung wird. Es wird schon reichen. Wir wollen heute schon noch eins -werden, Gell. Ich will es ein ander Mahl schon wieder ein- bringen, ebend. Ich weiß schon, wie junge Leute sind, ebeud. Das ginge schon noch an. Sie wird mit den Jahren schon anders werden. Die Zeit wird mich schon rechtfertigen. Sie können einander schon bewachen. Ich muß nun schon Mort halten. Ich will meine Dinge schon machen, Weiße. Besonders in der vertraulichen Sprechart. Das muß ich schon llnm- l6SL 1621 Scho Las Mädchen ist schon gut. Las war ihm schon recht. Lak ginge schon nocy an. Schon gut!. jl.Als ein Lindewort. -) *Als ein concedirendes für zwar, welcher Gebrauch iw. Hochdeutschen fremd, und besonders de« Niedersachscngeläufig ist. Es ist schon wahr, — aber. 2) Als kjn bedingendes, welches einen Gegensatz begleitet, wo cs im gemeinen Leben, besonders Rleherdeutschlaudes, sehr üblich ist, fürauch, gleich; Rieders, schotzi«, schoonst, schöner, schönere. Schweb, sköin. Besonders mit denRebenwörtern wenn und ob. Wenn sich schon ein Zeer wider mich leget, ss u. s. f. Ps. 2 7, z, d. i. wenn auch, wenngleich. Und ob ihr schon viel bethet, höre ich euch doch nicht, Es. t, 'L. Laß sie es nicht sehen, ob sie es schon sehen, und nicht verstehen, ob sie es schon hören, Luc. 8, r». Er denkt es, ob eres schon nicht sagt. 'Jngleichcn mit Auslassung des wenn und ob, wie gleich. Muß ich schon kümmerlich leben, so u. s.f. Z) *Für dennoch, gleichwohl; eine im Hochdeutschen unbekannte Bedeutung, in welcher aber die Niedersachsen ihr schönere häufig gebrauchen. Ann,. Das Umstandswort lautet imJstdor iu, imKero undTa- tian ^iu, woraus mit dem Zischlaute und dem Endlaute n rn den später»Zeiten schon geworden zu seyn scheinet; im Niedersächft schoon, schoonst,' bey dem Ulphilas l'uvs , im Angels, ions, bey den KrainecifchenWenden lüe. Frisch leitet es von schön ab, wobey er der Bedeutung des Wortes fröhlich viel Gewalt anchun muff. Die erste, aber jetzt veraltete, Bedeutung scheinet bald, jähe, zu seyn, welche Bedeutung das Engl. loov, bald, und loorrer, eher, noch hat. Alsdann würde es mit schchsn irr geschehen Eines Stammes, und crgeutlich eine Dnomatspöie der Geschwmdiakeit seyn. Ans der alte» Oberdeutschen Form iu rrud xiu erhellet zugleich die Verwandtschaft mit unftrur jähe, dem Jtal. Zia, dem Franz., eieja, und vielleicht auch mit dem Latein, jnm. Schon, —er,—sie, ncij. et ackv. -. *Zm eigentlichsten Ber» stände, glänzend, Hess, und m weiterer BeSesstung rein, sauber. Diese Bedeutung ist zwar gegenwärtig im Hochdeutschen veraltet, allein, es find doch noch Spuren genug vorhanden,, daß sie ehedem gangbar gewesen. In der Monfteischeu Glosse ist Leoni der Glanz, und in dem Schwabenspicgcl dz? kellonem tLAs bey Hellem Tage. Leiione sis ein LpiAel- heißt es in dem alten Fragmente auf Carls des Großen Feldzug Hey dem Schicker, von einem Schwerte. Im Nicdcrsächsischcn und Holländischen ist schon noch jetzt sau- ber, rein, Hell; ein schönes Hemd anlcgen, ein reines; schön machen, putzen, reinigen. Lauterer Wein, d. i. abgezogener Wein ohne Hefen heißt in Holland klinkfchön. Der schöne Glanz Gottes, Ps. s, ist doch wohl auch nichts anders als der Helle Glanz, und wenn wir noch jetzt von schönem Wetter,, und von einem schonen Tage reden, so verstehen wir darunter gleichfalls zunächst ein Helles, heiteres Wetter. (S. auchSchon- baum, Schönblind, SchondruE, Schönfärber, »0 diese Bedeutung noch zum Grunde liegt.) In einigen alten Deutschen Bibeln des 1 §tcn Jahrhundcrtes liesetrua» Nicht, z, 10, für schöne Eselinnen, scheinende Eßelinen, woraus erhellet, daß man scheinend und schön ehedem als gleichbedeutend gebraucht Habe. Ohne Zischlaut ist im Wallisischen LLtn weist, wohin auch das Latein, canus gehöret. -2. Ju weiterer und gewöhnlicherer Bedeutung nennet man alles dasjenige schön, was mit Bewunderung ,und Wohlgefallen empfunden. wird,wo es denn wiederum in vkrjchiedrnkNHüllcn gebraucht.wird. -) Was durch feine äußere GestältBewunderuttg imdVcr- änügen erwecket,,. wozu oft.heÜr Farben, ElariK.tiud Ähnlichkeit S ch S' .im Äußern hinlänglich find', oft abemarrch ne-chÜbereinstimmung aller Thcile zu einem vollkommenen Ganzenecsoriert wird ;im Gegensätze dcshäßlich. Schöne llllcider, schönes Zaucgcrath, ein schöner Edelstein, ein schönes Gemählde, ein schönes Zaus, ein schöner Garten, ein schöner Baum, schöne Zaare, schöne Farben. Ein schönes Pferd. Eine schöne Zand schreiben. Ern schönes Eolorir. Eine schöne Gegend. Eine schone Stadt, Schön lassen, schön ausschcn, schön stehen. Auch selbst der Zorn laßt ihr noch schon, Gell. wenn gleich ihr Auge zürnt, so zürnt es dennoch schon, eberld. Schon, schön ist die ganze Gegend in des Zerbstes feierlichstem Schmucke, Geffn. Ö wie schön bist du Narrir, in deiner kleinsten Verzierung wie schön! ebrnd. Wunderschön, im ge, «einen Leben, im hohen Grade schön. Besonders von der Ge- fichtsbildung, Gestalt des Leibes und dessen Theilen. Ein schönes Gesicht. Eine schöne Gestalt. Eine schone Person. Ein schöner Dörpcr. 'Bildschön, so schön wie ein gemahlwsBild. Schön von Gesicht, von Gestalt. Schöne Augen, schone Zähne, schöne Zä'nde haben. Las schone Geschlecht, das weibliche, weil die Schörcheirdcmfelben vorzüglich eigen ist. wo die schöne Welt bepm Spieltische sich sammelt, Geffn. vonmeh- rern Personen des andern Geschlechts. Die Schöne, eine schmeichelhafte Benennung einer Person weiblichen Geschlechtes. - Ans obigem erhellet,daß man in dem gctvöhnlicheuSprachgeb; auchefin dieser Bedeutung alles schön nennet, was mit Lewundtrunq und Wohlgefallen durch das Gesicht erspfnudeu wird. Weil nun die Empfindung derRichter derSchönheit ist,so rühret daher auch die groffrVerschiedonheit in demUrtheile über dasjenige,was schön ist. An Afrika ist eine stumpfe Nase schön, in Europa nicht; rothes Haar wer bey-vieleu alten Völkern eine Schönheit, bev uns hasset man es. Schön ist, was da gilt, wo wir wohnen, L-chrw. An den Wissenschaften, wo man einen festen Begriff dessen, was schön ist,, fest zu setzen gesucht, und cs bald durch sinnliche Doll' kommenhe-it, (ein eben so schwankender Ausdruck als S chönheit,) bald durch genaue Übereinstimmung aller regelmäßigen Ähnle erkläret har, hat man daher das Wort zu sehr eingeschränkt, indem die Übereinstimmung aller regelmäßigen Zheile nur eine Art der Schönheit ansmachl. 2) In weiterer Bedeutung ist schön, was auch durch die übrigen Sinne, wenigstens durch einige deessllen, mir einem hohen Grade des Wohlgefallens empfunden wird. Vornehmlich. in Ansehung, des Gehöres. Line schöne Musik. Eine schöne Melodie. Line schone Stimme. Eine schone Arie. Schön fingen, spielen. Der Vogel, schlagt gar schön. Zuweilen auch von dem Geschmacke und Gerüche. Las schmeckt, das riecht schön. Don dem Gefühle wird es wohl nur in so fern gebraucht, als es in weiterer Bedeutung so» der ganzen simckichen Empfindung gesagt wird. Schönes Werter, welches uns in einem hohen Grade angenehm ist. vielleicht, wenn du wieder kommst, schöner Zerbst , vielleicht sei)' ich dich dann nicht mehr, Geffn., Unsere schönen Tage, die Jugend. Z)Jn noch weiterm Verstaube, was von derSeclc undihren Fähigkeiten unmittelbar mit einem vorzüglichcnWohlgefallcn empfunden wird ; da cs-denn wiederum z,wächst von den untern FL- higseitcn brr Seele. im weitern Umfange ad«? auch von ben obere gebraucht wird. Ein schö'ner Gedanke. Eine schone Antwort. Em schönes Buch. Eine schone That, welche uns ein vorzügliches Vergnügen erweckt, Sieinüssen noch viele schone Tbaserr thun, wenn sie dieß Gewebe von Uncdftn vertilgen wollen;, Eine schöne Seelk haben. Sch me-Gessingc künstlicher Saiten» K.! k bk K. ' ' spichx. d L()2Z Scho fpieler entrücken Za das Ohr, Geßn. wo schön sich nicht bloß ^rufdie Musik bezieht. Lpäens und Lptherens Sohn Im schönsten Rausch geboren. Raml. Welches Lob ist grösser, blühende Wangen, oder eine schone Acelek Dusch. Auch unter schlauen Scherzen Bleibt doch die Liebe schön, Weiße. Nimmt man die zwey vorigen und die erste Hälfte dieser Bedeutung zusammen, so ist schon, was voll den Sinnen und der Einbildungskraft mit Wohlgefallen empfunden wird, was sinnliches Vergnügen erwecket. In diesem Verstände sagt man die schöne Natur, dasjenige in der Natur zu bezeichnen, was einen hohen Grad dieses Wohlgefallens in unS hervor bringet. Hie schönen Rünste, die schönen Wissenschaften, deren nächste Abstcht ist, zu gefallen und zu vergnüge«. Ein schöner Geist, bey welchem snm- Lichc Empfindung, Einbildungskraft und Geschmack vorzüglich -Wirksam sind. z. Figürlich, i) Schön mit einer Person chun, in der vertraulichen Sprechart, verliebt. Jemanden schone Motte geben, freundliche, schmeichelhafte. Jemanden schön grüßen, auf das schönst-stgrußen, ich danke schön, fich zum schönsten oder schönstens bedanken, im gemeinen Leben für freundlich. 2) Oft gebraucht man es als eine Art einer Jittensioi'.. Eine schöne Summe Geldes, eine beträchtliche. Ein schönes Alter, ein hohes. 3) Noch öfter ist es für sehr gut, d. r. unsererAbsicht, seiner Bestimmung sehr gemäss, üblich. Eine schöne Gelegenheit. Das schönste ist noch, u. s. f.das beste. 4 ) Jngleichen wird es ironisch gebraucht, das Begemheilzu bezeichne». Er ist mir ein schöner Herr. Du bist ein schöner Vogel. Las wäre schön! Da würde ich schön ankommen. Das wird ihm schon bekommen sepn. Anm. i. Dieses Beywort wird auch häufig als ein Hauptwort gebraucht. Dre Schöne, eine schöne Person weiblichen Geschlechtes, und in weiterer schmeichelhafter Bedeutung, eine jede weih- ' lichcPerson. Das Schöne, dasjenige, was an einen'. Dinge schön ist, ohne Plural; wofür man in manchen Fallen auch die Schönheit gebraucht. Hier har die Natur alles versammelt, was sie Schönes har,-um deinen Aufenthalt schön zu machen, Dusch. Die Natur, die Mahlerey, die Baukunst, und dre Musik geben «ns das Schöne für die Ginne, Sn.lz. Anm. 2. Bey dem Ottfricdlcono, bey dem Willerain lcon, inSchlcsien schm,im Nieders.schon und scheun,im Augels.l'con, And feen, im Schweb. Ikon, im Dänischen ohne Zischlaut klon, im Finnland, cauois. Frisch läßt es sehr gezwungen von schonen absiammcn; allein Wachter hat schon die bessere Ableitung von scheinen, so daß dieses Wort zunächst glänzend bedeutet. Wollte man lieber die Niedersächstsche Bedeutung, da es für rein, sauber, gebraucht wird, als die erste ursprüngliche aiiilehnten, so würde mau cs von scheuen, dem veralteten Staimmvorie deS heutigen inlensiven scheuern, abstammeu lassen, welches aber mit scheinen doch auch nahe verwandt ist. Der.'Gchö'naöel, des—s, ^lur. inufi in einigen Gegenden ein Nähme derjenigen Weintrauben und ihrer Stöcke, welche am häufigsten Gutedel genannt werden; wo schön für gut stehet. Der Schönbaum, des —es, plur. die—bäume, in einigen Gegenden ein Nähme des Lärchcnbaumes, vermuthlich wegen sei- neS guten Wuchses und seiner röchlichen Rinde, daher er Brech- eanne, von brechen, glänzen, und Rsthtanne genannt wird. Das Schönblatt, des—es, plur. irrus. ein Ostindifches Ge- wachs,GLtlopti/llurn l,, wegen der schönenGestalr dee Blätter, welche an jeder Seite der Rippe viele eiusache Nippen habe». Scho 1624 Schönblinb, Lck). skackv. welches im gemeinen Leber, von de» Pferden üblich ist, wenn sie den Mondschein nicht vertragen kön. neu, bey dem Mondscheine blin- sind; mondblind. Vor, Schön so fern eS ehedem Schein, Glanz, bedeutet hat. S. Schön r. ^ Der GchonöruE/des —es, plur. die —e, bey den Buchdrucker», die erste bedruckte Seite eines noch weißen Bogens ; imGegerr, satze deS Widerdruckes. Vielleicht auch von schon, weiß, rein. 1. Die Schöne, plur. die —n, eine schöne weibliche Person. S. Schön 2 r). 2. Die Schöne, plur. car. das Abstractum von schön, der Zu- stand,die Eigenschaft eures Dinges, da es schön ist; die Schönheit. Bey dem Dttfried Leone und 8 coni. Ir Leboeoe lsv- Aert mir clen rock, Markgr. Heinrich von Meißen, und bey ss- ,!en Schwäbischen Dichtern sehr häufig. So sey auch bekieyd Mit schon und Schicklicheytt Thenerd. Kap. s§. Seine G-chönc wird verzehret wie von Motten, Ps. 39, r r. Der Röntg wird Lust an deiner Schöne haben, Ps. 4 z, ir. Laß dich ihre Schöne nicht gelüsten, Sprichw. 6,2z ; undso m anderir Stellen mehr. Im Hochdeutschen ist eS veraltet, seitdem Schönheit üblicher geworden. Einige neuere Dichter haben es zwar wieder einzufiihrcn gesucht, aber wenig Nachfolger gefunden. Es ist ein vermittelst deS EndlauteS gebildetes Abstractum. Schonen, vsrb.rc-Z. 3 ct. schön machen; ein gleichfalls veraltetes Zettwort, welches, noch in beschönen, noch mehr aber in den; Intensiv» beschönigen üblich ist. (S. FrischenS Wörterbuch.) Schönern in verschönern, ist von dem Comparaupo schöner gebildet. - Schonen, verb. reg. act. 1) Sich scheuen etwaSzu thun; eine veraltete Bedeutung. Sie schonen nicyt vor meinem Angesichte zu spepen, Hiob Z«, i 0. Man gebraucht cs nur noch zuweilen in engerer Bedeutung, sich scheuen etwas aus- »der wegzugeben. Die Unkosten, das Geld schonen. Thrar schont die pünctchen auf dem i, Um Dinte zu ersparen, Haged. s)Am häufigsten ist schonen,durchBehuchsamkeit vor Verletzunz, Gchaden, Verminderung oder Verschlimmerung, und i» weiterer Bedeutung vor unangenehmen Empsinduilgen zu bewahren suchen ; wo eS im Hochdeutschen in der gewöhnlichen Schreib- und Sprechart mit der vierten Endung gebraucht wird. Den Acker schonen, ihn vor Verschlimmerung bewahren. Seine Äikidk» schonen, sie vor Verletzung oder Abnützung bewahren. Reine Um kosten, kein Geld schonen. Die Soldaten schonen, ihnen Beschwerden zu ersparen suchen, ingleichen ihre Anzahl unverletzt,;« erhallen suchen. Ich will ihn nicht weiter schonen, ihn rncitt weiter mir Nachsicht behandele Sich schonen, sich ovr Beschwerden, Ausgaben, unangenehmen Empfindungen u. s. s- zu bewahren suchen.. Ihr Ziegen und ihr Si-yase-schonet, 0 schonet, und reißt das junge Epheu nicht vom weißen Gramme Gcßn. Ritt ein firennd schont di? Eigenliebe nicht. Zm Dbecdeuttchcil und der Hähern Schreibart der Hochdeutschen auch in der zwcyten Endung. Du sollt ihrer nicht schonen, 5 Mos. 7, «6. Em ftttch Volk, das nicht schonet der Jünglinge, Kap. 28^ zo. Schöne mein nach be ner Barmherzigkeit, Nestern. 1 z, 22. Hen- schone dei!«! Mattk. 16,22. Der Unkosten, der Zeit schonen. Schoner ihr Sturmwinde, schonet des herbstlichenSchmuckes, Gcssn. Mtt dem Infinitiv ist es im Hochdeutschen ungewö-n:- lich. Er schönere zu nehmen von seinen Schafen und Rindern, 2 Sam. >2, 4. osv auch das Schonen und die Schonung. Rannst du vergessen, wi? viel Schonung du ihm jetzt schuldig bist k Es war entweder L gennüg oder Schonung, daß er nichts entscheidendes sagen wollte.' - Annm r6Z6 i6sz Scho Anm. Im Webers, schönen, im Pohln. sirLnoppLe. Bey,M- sem alten Dberdeutschen Schriftstellern kommt es so wenig vor, «ls in den verwandten Sprachen. Es stammet entweder von dem veralteten schon, ganz, welches noch bey dem Kalsersberg vor- kommt, her, so daß es eigentlich ganz, unverletzt, erhalten bedeu« ren, und mit dem Latein. fanus Eines Geschlechtes seyn würde, oder auch, und zwar noch wahrscheinlicher, von scheuert, von welchem es als einJntensivmn, vermittelst der Endsylbe—ncn gebildet worden, sich scheuen, schonen, sich scheuen, enksehen. AerSch-oner, des—s, p!ur. uruom.liuA. eine Art in England üblicher Platter Schaluppen, welchezum Anlanden sehr bequem sind. Der Nähme ist gleichfalls Englisch. DasGchönf^hrseyel, des —s,,plur. ut norm. 6nZ. in der Seefahrt, das große Segel andem Miltelmaste. Da dieses Wort auf eine sehr nngewöhnliche Art zusammengesetzt'scyn würde, wenn die er ste Hälfte desselben aus den Wörtern schön und fahren bestehen sollte: so scheinet es aus irgend einem andern Niederdeutschen Worte verderbt zu seyn. Der Schönfärber,des —s, pjur.ulllom.6nK.eineBenenstung derjenigen Färber, welche die Zeuge, besonders die wollenen und seidenen, mit allrrley -hohe» und Hellen Farben zu färben wissen, Waidfäröer, Äunstfarber; zum Unterschiede von den älter» SHwarzfärdern, welche nur schwarz, braun und dunkelblau färben, und auch diese Farben gemeiniglich nur anfÄinwand und halb wollene Zeuge zu setzen wissen. Von schön, Hell, glänzend. Der Schönfärber, des—s, plur. inui'. eine Art Weintrauben und Weiyreveu, deren Trauben grünlicher und kürzer sind, als dirTrauben des Gutedels. - ^ Das Schönfleckchen, S. Gchönpffaster. Die Schönheit, chur. die—-en, das Abftractnm des Beywortes schon. >. Der Zustand, die Eigenschaft eines Dinges, da es schön ist, in allen Bedeutungen dieses Wortes,' und ohne Plural; die Eigenschaft, da ein durch die Sinne, besonders durch das Gesicht und Gehör, und durch die Einbildungskraft empfundener Körper einen hohen Grad des mit Verwunderung verknüpften Wohlgefallens in uns erwecket, Vollkommenheit, so fern sie durch die " Sinne und Einbildungskraft empfunden wird. Die Schönheit des Äegenbogens, des Wetters, des Gesichts, einer Person, einer Gegend der Seele, des Geistes u.,s. s. 2. Als ein Loncre- kum. ') Dasjenige, was an einem Dinge schön ist, eru schöner The.l eines Dinges. Das Grübchen in den Wangen wird für eine Schönheit gehalten, wie begierig blieb dein Auge ans allen Schönheiten haften ! Freuden,-die die Schönheiten der Natur in endloser Mann'.gsalngkeit uns anbiethrn, Geßn, 2) Eine schöne P.,e Schriftsteller gebrauche:: dafür das jetzt veraltete die Schöne. S. dasselbe. Düs Schorrpflirstev.dcs—s, plur. nt noni noch mehr im Dimilnu.das Scho ipstasterchen, kleine schwarze Pflaster, welche das andere Geschlecht zur Erhöhung seiner Schönheit in das Gesicht zu kleben pflegte; Schonsseckche:-,,Schminkpflästerchen. Rchönsäusig, nci). st aö v. welches ui der Baukunst von derjent- Scu Sättlrinv nte üblich ist, da die Säulen 6^. Model von einander stehen, weil diese Entfernung die schönste und beste ist; ovfl)-- feinsaulig. ^te Schonzeit, s»lur. die—en, diejenige Zeit, zu welcher das 28 lld, die Wies oder ein Wald gc-schonet wird, d. i. wo das Wild nicht gcjaget, die Wiese und der Wald aber nicht mit dem Vieh- betrieben wird; die sagezeikö Der Schoost des —es/plur. die Schöße, Dimimrt. das Schößchen, Oberch Schostleiu, ein Mort, welches in einer doppeltes 'V - .f. Ech»- Bedenkuvz gangbav ist. 1 ) Der Bug UnterkeiHe eines Men« fchrn, besonders, wcnner sitzet, wo es ball van diesem Buge, uuh in der anständigen Sprschart auch von den in dessen Gegend befindlichen Theilen gebraucht wird; di- Mutterschcide erstrecke sich von der Bärmutter bis in den weiblichen G .hooß. Bald von der Vertiefung, welche im Sitzen in dieflr Gegend zwischen den Schenkeln entstehet; einen Schoost machen, besonders von weiblichen Personen, im Sitzen die Schenkel ein wenig voneinander thun, damit eine Vertiefung entstehe. Das Schäft'ein. schiiefin seinem Schosst, 2 Sam. - 2, z. Bald alcr aucy von den Schenkeln eines Sitzenden, mit dem Vorworte auf; erk Bind auf den Schoost nehmen ; jemanden auf dem Schosste sitzen. Daher die figürlichen Redensarten. Die vande in de« Schoost legen, müßig gehen. Dem Glücke im Schosste sitzen, ein anhaltendes Glück, eine fortdauernde Glückseligkeit genießen. In dem Schosste des Glückes ist noch selten ein Mann erzogen worden, Dusch. Jngleichen in einigenFällen figürlich, das Innere, das Mittel'eines Dinges. In den Schoost der Airche Zurück kehren, iu die Gemeinschaft der Glieder derselben. Des fuße Friede, welchen man im Schosste seiner Familie genwstk. Sein iierz in den Schosst eines Freundes ausschütten. Aur dem Schsoße beydcr Indien hohle die Zandelschaft neuen Samen ron Zast Zwist und Krieg- Bede, mein mütterlich ^änd, die dumich im kühlenden Schosste Linst zu den Schlafenden Gottes begräbst, Klopft. 2) Derjenige Their der männlichen Kleidung, welcher sich zur Seite des Schooßes von dem Leibe an erstrecket. Der Schoost eines Kleides. Ein Kleid mit gesteiften Schößen. Gemeiniglich glaubt man, daß diese Bedeutung eine Figur der vorigen sey, weil dieseTheile sich wirklich zu beydenSeiten desSchvoßes befinden. Allem ans den gemeinen Mundarten erhellet, daß Schoost hier zunächst zu einem andern Stamme gehöret. Das Niederf. Schoor bedeutet nicht allein diesen Theil deS männlichen Kleides, sondern deü Zipfel eines jeden Kleidungsstückes, ja auch eines Segels, den Schweif, die Schleppe, fernerechen jeden Keil, Zwickel oder Gehren an einem Kleidungsstücke; welche Bedeutung schon das alte Gochische Lkauta, der Schweif, das Angels. 8eear, und Schwed. 8köt, haben, welche auch den Winkel, die Ecke, bedeuten. Bey den Nied ersä ch fisch en Schneidern ist schoteln, das Stück Zeug, welches das Kleid länger und weitläufiger machen, und Falten verursachen soll, ansetzcn. Die Obersäckfischen Fleischer nennen auch das lappige dünne Fleisch an einem Rinde, welches noch unter den Lappen hängt, den Schoost. AuS welchen allen erhellet, daß dieses Wort hier etwas hervor ragendes, eine Ecke, einen Zipfel bedeutet, und Mein Ansehen nachzrmächstzrr schießen und Schoß gehöret, Anm. In der ersten Bedeutung schon bey dem Notker im weiblichen Geschlechte 8cc,2LU,im Schwabei!sp. 6ie 8olloere, und- ,loch jetzt durch ganzOderdeutschlanddwSchoost,bey dcmS:ryker hingegen im ungewissen Geschlechte ckas 80k0.1, im Niederst Gchoot. JmHochdcntfchen ist das msnnlicheGcschlecht das gang- barste. Der Begriff der Vertiefung, des Hobler: Raumes,ist in die- serBedeutung dkr hcrrschende,(S.Schussel,)so wie cs in dcr zwcy- ten derBegriff derHcrvorragring.derSp-tzpdesWil'.kels ist. Mas hat es fcbon lange für nöchig gehalten, das gedehnte 0 in diesem Worte,'wodurch sich dasselbe von Schoß, tributunr, unterscheidet, ausdrücklich zu bemerken. Frisch ichreiblSchos,welches aber Wider die Ansprache des s ist, welches'!» der Vcrläiigkrung deutlich genug wir st lautet, und folgjich auch so geschrieben werden -muß. Die gewöhnlichste Schreibar t ist Schoost, welche aber auch ihrcU.-ch-. qi-enilichkcil ha!, besonders im Plural,und in den Ablei- K.kkkk r Lungen 1 627 Scho Scho Gingen, wv man wider die Gewohnheit entweder Schosste nnb Schöosichen, oder auch der Gewohnheit zuFolae, Schoße und Schößchen schreiben muß, in welchem letzter» Falle es denn wie, der nicht von Schößchen mit dem geschärften o , ein kleines Fenster in einem größer», ein kleines Stockwerk, mgleichen ein kieines JahrreiS , unterschieden werden kann. Am besten wäre es, man schriebe stark des verdoppelten Vocals hierund in alle» ähnlichen Fällen Schohß,Gchohße,Schöhßchcn. D Lp S eftooff füll, des—-es, plur. die —fälle, in den Rechten einiger Gegenden, derjenige Fall oderGrbfall, vermöge dessen bey dem Tode eines Krndes der Nießbrauch seines väterlichen Vermögens der Mutier anheim fallt, oder, wie es in den Bantzener Statuten heißt, in den Schoost dev Mutter fallt, wvbcp doch das- Eigeuthum den übrigen Kindern verbleibt.. Das Gchooßfvll, des—es, p!ur. die —e, nur in einigen, besonders Niederdeutschen Gegenden, ein Schurzfell, weil es den Schoost'-edccker ; Rieders. Schoorfell. Frisch glaubt irrig, -aß es aus Schurzfell durch Ausstoßung des r zusammen gezogen sey» DerGcftoosthunb, des —es, p! u r. die—e, Dimrnut. das Schooßhiindchcn, Oberd. Schoosthiindlein, ein kleiner, zier- lichcrHund,dergleichen das andere Geschlecht gern aufdem -cho»» ße zu haben pflegt; Rieders. Jumftrnhund. Der Schooßjiüixer, des—s , plur. ut vom. liuF. eine ssgiir-- tiche Benennnitg des gelicbtesten unter denSchillern,Clienten oder Nachfolgern eines Lehrers' oder Gönners; eine von Johanne, der seinem Lehrer Jesu im Schooßr lag, eurlehute Figur. Die Schooßrippe, sftur. die—n, bev den Fleischern, die mit Fleisch bewachsenen Rippen, welche aus dem Schooße desRindeK gehauen werden; eine sehr uncigentliche Benennung, weil daA Wort Schoost von Thieren sonst nicht üblich ist. DrsGchsoßfünöo, tftur. bie—n, iu der Theologie,'eine figürli. ^ che Benennung solcherSünde», welche jemand am häufigsten und liebsten begehet und am längsten bepzubehalren stecht, die er aleich-- sanr in.seinem Ächooßeträgt uud. psseger; Buftnsiinden, LreK-- lingssunüen. D re GeHoote, S. Schote: Der Se.yöp, der Kalkstein in-dett.Salzwsrken, S. Schepp,. Der SU)opf, S.Schöppe. DerGLHopf, des—es, plur. die Schopfe, Diniinnt.dasSchöpss- chen, Oberd. Schopssein, ein Wort, welches theils den'Begrff des Gipfels, des Obersteil, ch il-aber auch eines Bündels ^meh-.- rerer Dinge, bar, aber n'.rr iroch in einigen Fällen üblich ist.. r) DerGipftl-eineS Baumes heißt im Forstwesen, bey denZim^ v'erlcuteu u. s. f. so wohl der Schopf als der Zopf, und in den. gemeinen Sprccharten der Schopp, Schoppen, Schuppen-.. Daher ist das Schöpfende, dasjenige Ende eines' BaumeS, ww der G-pfc! befindlich ist, zum Unterschiede von dein Stammende.. . Lev Schoppenschlag oder Schuppenschlag ist in einigen Gegen-- Len ein Lollecllvum, abgchauene Schöpfe und Äflcvon den Bau-" men zu bezeichnen ; d er Ast er sch! a g, W i p felschl a g. Hier ist der' Begriff des Höchsten, des Obersten an einerm Dinge, der herrschende, ohne doch den folgenden auszuschlicßem s) Ein Büudell »der Büschel,mehrerer Dirrge, wo es doch uurvon weichen Kör-- pern-,, dergleichen Haare, Federn u: s. f. find, gebraucht wirll». Jemaudm einen Schöpff, ein Gchöpfchcn 6 a a re ausreißen.. Besonders »Verden diein GestvlteinesBusches -er»achsenenHaare.- eruf dem Mirhell der Menschen und mancher Thiere ein Schöpff genänur.. Da-fasset? LerEngel ihn oben beym Schopf, B>'l.. V. Z-z/.. Judith ergriff dorr Holofernes bepm Schopf,Jud. - 3,8.. brp-den Haaren aufdem Wir Hell- Manche orientalische Völker- scheren das Huupt'rmd laste u nur auf der Mitte des Kopfes einen- Lev. ,, Hk Mähne.aufs der Stirn. Auch nrGeflalt einesBüschels gewachsene Federn ans den Köpfen mancher Thiere istcrden ein Schopf genannt, z. H. bey einige» Lerchen, Meisen u. s.f. Anm. Ohne Zischlaut ist dafür in einigenGegenden auch Guip und Gaufüblich. Im Holland. Hop;, bey dem Ulphilas ist Llouftu das Haupthaar. Die Begriffe dcS.Obersten,dcs Gipfels, und eines Büschels find nahe verwandt, so daß dieses Wort zn Schaup, schoppen, stopfen, Zopf, Zapfen, nnd ohne Zischlaut auch zu Gipfel, Ropf, Haube, dem Lat. iluda u. a. m.gehöm. Im Mittlern Lat. ist Ls vis, Cover, eine Hand voll. Der Schöpfbrunnen, des—s, plur. ut vom. üvß. ein ge. wohnlicher Brunnen, aus welchem man das Wasser mit Eimern schöpft, ein Ziehbrunnen; znm Unterschiede von einem Röhx- bvunnen, Springbrunnen, einer Pumpe u. fi f. Die Schopfdrossel, S. Schuxpdrosscl. Der Schopfe, S. Schöppe.- Die Schopfe, piur. die—u , ein Ort, wo man Wasser schöpft So wird an einem Flusse, Teiche oder Graben, der mit Stufen oder Tritten versehene Ort, Wasser daselbst zu schöpfen, ein- Schöpfe genannt. Der Schöpfeimer, des — s, plur. ut vom. llnZ. ein Eimer, Wasser damit zu schöpfen, dergleichen die Eimer an den Schöpf, und Ziehbrunnen find.. Schöpfen, ve* b.re§. vct. mit einem Schopfe versehen, wo doch das Mittelwort geschöpft am üblichsten ist. 2. Schöpfen, verb. rsZ. aut. stopfen, S. Schoppen. I. Schöpfen, ver'o. reA. welches der Form nach eur Zmrnstviinr von schaffen und schieben ist. seinem Wesen und Ursprünge nach aber eigentlich eine umnittelbaeeNachahmrwg desToncS ist,den es bezeichnet, und daher von mehreru dem Anscheine nach verschiede, nen Handlungen unb VeLändernligen gebraucht wird, welche aber mit diesem Laute verbunden sind, oder doch anfänglich unter deir.-- srstben gedacht worden. Eskommtin doppelter Gestaltvor. I. Ais ein Neutrum, mit dem Hnlfsworte haben.. 1) - Düs Wasser durch einen Ritz oder durch eine Öffnung einlassen. Das Schiff, der Rahn schöpfet Wasser, wenn beyde euren Lest ha, ben. In einigen Gegenden sagt man auch, die Schuhe schöpft» Wasser, wenn sie Wasser ziehen, die Sonn? schöpft Wasser, wenn fie Wasser ziehet. 2) Trinken; einnnr öe» l e u Jägern üblicher Gebrauch, welche eS von dem Wildbret, dem wlldeir Geflügel u. s. s., gebrauchen. Der Falk s chöpft, er trinkt. Eben daselbst ist cs auch active oderfaclilive ganelar; einen Habicht fchöpft-tt, ihn tranken, ingleichen ihn baden, oder zu baden gebe». Z) Blichen; wo es doch nur im Kosftnbaue-von dem Hopffir gebraucht wird. Der Hopfen schöpft, blühet. Es scheinet, drß es hier zunächst von Schopf oder Ropf abstammef, weil der Hopsen, wenn erblühet, Schöpft oderRöpft bekommt. II. Als ein Activum. ,. Mit einem Besäße einen Thei^ eines flüssg.n Körpers aus einem größer» Borr-athe auffassen und weg« uchmen.. 1) Im eigentlichsten Verstände. Wasser schöpfen, c? gescheheoutt mit eiuenl Limcr, einev Gelte n. ß f. Wafer mit dem Siebe schöpfen,,vergebliche Arbeit verrichten. Aus einem Brunnen schöpfen. Einen Brnnnrir leer schöpfen. Einen ^ bev voll schöpfen. Das 8 ett mit dem L.offel oben adschFpstu- Bornfiein schöpfen, ihn mit gefiocdtrnrn Körben ans dem tRaßcr bohlen, so daß das Wasser durchstauft, der Bernstein aber zuni bleibe., r) In weiterer Bedeutung loird es auch von der Ein, Huna des Achems und der Luft gebraucht. Achem schöpfen. Luft schöpfen. Beklemmt mit Bangigkeit, ^ Schöpft ich nach Luft, und fast zerspringt mein Herz, i6ZZ E ch s 5rische ^nft schöpfen, m dir freyc'Lnft gehen oder kommen. Z) Figürlich gebraucht man es a «>h,doch ilur mü gewissen Haupt- wöcceru, für bekommen. Math schöpfen, Aus der überrbun- denen Gchwirrigkeit schöpft die Vernunft Muth und Geduld zur neuen Arbeit, Gell. Hoffnung schuft«, Trost aus etwas schöpfen. Nutzen aus etwas schöpfen. Einen Argwohn» einen verdacht schöpfen. Im Oberdeutschen sagt man auch, einen Hast wider jemanden schöpfen, Eifersucht schöpfen, ein verlangen, eine Begierde schöpfen, eine Meinung schöpfen u. s. st Jnaleichen eben daselbst für schließen,'urtheilen; hieraus ist zu schöpfen , wo cS aber auch zur folgenden Bedeutung gehören kann. 2 « *Ehehem war cs auch für nrcheilen, richte^ entscheiden, sehr gangbar, und noch jetzt sagt man im Österreichischen, ein Urtheil schöpfen,für fällen. Im -Hochdeutschen ist es in dieser Bedeutung laugst veraltet, hat aber doch das Hauptwort Schöppe zurück gelassen, (S. dasselbe.) Schöpfen scheinet hier da§ Znteilsivum von schaffen zu seyn, entweder so fernes befehlen, entscheiden u. st f. bedeutet, oderauch so fern es anördnen, verwalten, handhaben ist. Im Gchwed. jagt man skichp-a oder Katts,dasRecht verwalten,handhaben. (S. Schaffen.) In. dessen ist doch schon imHebr. Q2V richten,Recht sprechen. Z. «Hervor bringen, machen, bilden; gleichfalls als das Jnt-usivum von schaffen. Auch diese Bedeutung ist im Hochdeutschen veraltet, und kommt nur noch in einigen Oberdeutschen Gegenden vor. Ich ha- bedie vom Herrn Baron von Wolf geschöpfte Nahmen und Ausdrucke bepbehalten, sagt Klemm in seinem mathematischen Lehrbuche. Besonders gebrauchte man es ehedem in eugcrm Verstände von Gott, für schassen, aus mchts hervor bringen, von welcher veralteten Bedeutung noch die Hauptwörter Schöpfer, Schöpfung und Geschöpf üblich sind, (S. dieselben.) So auch Las Schöpfen, und in der letzten Bedeutung die Schöpfung,siehe dasselbe an seinem Orte besonders. Anm. Inder ersten thätigen Bedeutung, wo man es gewisser Maßen als ein Intensivum von schieben ansehen kann, bey dem Otrfeiedl'kepsiksK, im Tatian scfteplian, bey dem Willeram Ikeistso, im Niederst schepprn, jm Engl. to secrop, und schon imHebr. »sX!^ undSchaff, Schoppen, «7-cruog u. a. m. stammen davon ab, rmd sind nicht, wie gemeiniglich geglaubt wird,dasStammwort von schöpfen. Ohne Zischlaut und ohneZn- tension ist im Jtal. cavars schöpfen, woraus zugleich die Ver- , wandtschaft mit esvus, Rufe u. st st erhellet. DerSchöpfep, des—s, plur. ut nom. stllA. vonöemvorigen Zeitworte. l. Ein Werkzeug zum Schöpfen, wo es nuc in einigen Fällen und Gegenden üblich ist. Im Niederst wird ein jedes Schöpfgefäß, ein Gefäß,womit man schöpfet, Schepper genannt. Zn wetterer Bedeutung ist der Schöpfer oder das Schöpfrad jn dem Schlagewerke der Uhren ein Rad von 48 Zähnen mit einer stählernen Klinke,welche allemahl einen Zahn des Rechens in dem Borlegcwerke bey jedem Stundenschlage aushebt, und daher auch der.Ausheber genannt wird. 2 . Eine, Person, welche schöpft, Fämin. die Schöpferinn. ,) Zn der ersten Bedeutung des Acti- vi, nnd zwar in derenrrsten eigentlichem Verstaube, eine Person, welche einen flüssigen Körper schöpft. Da die Schützen schrien Zwischen den Schöpfern, Nicht, z, i», zwischen denen, welche Wasser schöpften. Zn demSalzwerke zu Halle sind die Schöpfer diejenigen Arbeiter, welche die von den Bornknechten herauf gezogenen Eimer Gshle ausschütten. Bey den Papiermachern ist der Schöpfer derjenige, welcher den Zeug mit der Form aus der Bütte schöpft, der in einem vorn offenen Kasten, welcher der Gchöpfersiuhl heißt, vor der Bütte stehet. 2 ) In der dritten Bedeittnng des Activi. (a) Eine jede Person, welche ein Weck aus eigner Kraft hervor bringet. Ein weiser Mann iß der. Sch s L 6ZV Schöpfer seiner Sitten. Sie sind die Schöpferinn msiE Glucks, (b) Inder engsten Bedeutung, so fern das veraltete schöpfen und das heutige schaffen aus nichts hervor bringen bedeutet, wird es .besonders von Gott gebraucht, sofern er der Grund und Urheber aller vorher nicht vorhandenen Wesen ist. Gedenkt an deinen Schöpfer in deiner Jugend. Gott, der Schöpfer aller O mg e. Anm. In der letzten Bedeutung schon bey dem Ottfried Tcepfter, bcy dern Stryker Zeftspp her, im Niederst Schepper, Schipper, und mir andern Endfylben bey dem Keco8cef- stsnto, welches das Mittelwort von schaffenist,(Angelst8c/p- perie.Ze^pperiäe,) im Isidor 8cüekür!g, bey dem Notker Lkepfts, alle von Gott gebraucht. Schopferisch, zusammen gezogen schöpfrisch, säst st ack v. in.de«: Fähigkeiten eines Schöpfers gegründet; dvchnur inder zweyten Bedeutung dieses Hauptwortes, und in der dichterischen Schreibart. Ein wahrer Maren von allen schöpfrischen Geistern, Zachar. von allen Urhebern künstlicher Wecke desWrtzes. Zuglei- chen von Gott; der mir schöpfrischer Rraft die Welt aus dem Nichts hervor gehen hieß. S. Schöpfer 2 , 2 ). Der Gchopferstichl, des -— es, plur. die — stichle, siehe Schöpfer 2 , i). Dte Gchopftzelte, plur. die — n, eine Gelte zum Schöpfen, Waffer-damit aus Kellen, Pfannen u. st f. zu schöpfen. So auch Schöpfeimer, Schöpfkanne,Schöpfnapf, Schöpfkelle,Schöpft löffel, Gchöpftopfu. stf. Gchopfig, —er', —sie, ackst et ackv. einen Schopf habend ; geschöpft. Der Schöpfkübel, des—s, plur. ut vom. sin^. ein Kübel, Wasser damit zu schöpfen, besonders bey dem Feuergeräth, das Wasser damit aus den großen Kufen in die Spritzen zu gießen. Die Schopfmeise, plur. die—n, eine Art Meisen, welche einen Schopf oder Federbusch auf dem Kopfe hat, und daher auch Kobelineise, Hanbelmeise, Haubenmeise, Gtraustmcise genannt wird ; Karus criüatus Die Schöpfmühle, plur. die—n, ein Mublwerk, Wasser damit ans Teichert,Canälen, Graben u s. f. zu schöpfen. DssGchöpfrsö, des—es, plur.chl'e—rüder. r) Eilt zwischen ben Schaufeln mit Kasten oder Eimern versehenes Rad, ^Wasser damit zu schöpfen und in die Höhe zu bringen. 2 ) In den Schlaguhren, S. Schöpfer 1 . Die Schöpfschaufel, plur. die —n, tiefe Schaufeln, Wasser damit aus' und einzuschöpfcu. Auf den Flußschiffen hat man dergleichen an einem Stricke befestigte Schaufeln, bas Wasser damit über Bort zu werfen. Die Schöpfung, plur. iouf. von dem Activo schöpfen,und zwar in dessen veralteten dritten Bedeutung für schaffen, erschaffen, ws es dochmnr in engerer Bedeutung von der unmittelbaren Hervor, bringung eines Dinges, das vorher nicht da war, durch eine bloße Thätigkeit des Willens, gebraucht .wird, welche denn nur Gott allein zukommt. Es wird hier so wohl von der ganz unmittelbaren Hcrvorbringung der einfacherl Dinge, als auch von d?r mittelbarern Zusammensetzung der Dinge aus diesen einfachen gebraucht. Dir Schöpfung der Welt ans Nichts. Die Schöpfung des Mensch.m, der Engel, vor der Schöpfung, d. i. der Welt. Zuweilen, obgleich seltener, kounm es anch figürlich von Gott vor, dieHcrvorbringung zufälligcrBeschaffenheiteu und Veränderungen, oder eines Zustandes zu bezeichnen. Schöpfung und Erschaffung sind zwar der Form nach gar sehr verschieden; allein sie werden doch in manchen Fällen als gleichbedeutend gekraucht. Stosch bemerkt sehr richtig, daß, wenn daSObjeckaus- hrücklich ^gemeldet werde, man so wohl eines als das anders gebra«-> lOAi., Sch K Z. brauchen könne. Die Schöpfung des Menschen, dev Welt, de? Engel u. s. f. und die Erschaffung. Wird der Gegenstand verschwiegen, so findet nur allein Schöpfung Statt. Eben s» richtig ist die Bemerkung, daß Schöpfung sich besser von der ganz unmittelbaren Hcrvorbringung, Erschaffung aber.von der niictelba- rern Zusammensetzung gebrauchen lasse. Der Grund ftcheint in der intensiven Form des Wortes Schöpfung zu liegen, welche wiegen dieser Antension mehr sagt, als Erschaffung. In der edlern Schreibart hat man dieses Wort auch figürlich von dem ganze» Inbegriff der erschaffenen Dinge, von der Welt, zu gebrauchen angefangen. Wir müssen den fluchtigen Anblick der Schöpfung in einen bedachtsamen verwandeln, Gall. Der Mensch, das Meisterstück der Schöpfung. Die ganze Schöpfung schlaft, Klopft. O Lied, verewige nicht die Grausamkeit des Menschen, wie er zum wuchrich der Schöpfung sich würgt, Gisere. Da es denn auch wohl von einigen im Plural statt Welten gebraucht wird. Laß ichs durch die Schöpfungen laut ausruft, Klopstock. Das Schöpfwerk, des—cs, plur. die—e, eine zusammen ge- setzte Maschine, das Wasser damit aus einem Orte zu schöpft«. Der Schopp, der Salz-oder Pfaimensteiu, S. Schepp. Die Schoppe, S. der Schoppen. Der Schöppe, des —n,x 1 ur. die—-n, ein sehr altes Wort, den Besitzer eines Gerichts zu bezeichne«, welches noch m einige« alten Gerichten, besonders auf dem Lande, übl'.ch ist, dagegen in den meisten neuern das Lateinische Assessor, oder auch das Deutsche Beisitzer üblich geworden. L/L iü etuus. Aeuuovttwil, cl^L wLw Luuelf iriun nirnpt 6ie che.ni klickter fullea ftslken riiltea, chis iiLirenl ZLffepken. Die lülen uuile luito 6n, uock ürin vor Asrittt uetail vinchea urnb aia ie^Iieire faLir u. s. s. Schwabensp. Kap. i64.S.auchKap.iZZ. Da man denn so wohl geringere Schöppen in den Dorf, und Feldgerichten, als auch in hoher», besonders Crimrnal-Gcrichten, hat. Weil ihr Amt eigentlich darin bestand, das Urthcil zu finden, d. i. dem Richter das Unheil und die Gründe, worauf es gebauet war, anzugebeu, so wurden sie ehedem auch Finder, Urcheilfiu- der, Ucrheilcr,Rechlsprecher u s. s. genaiint. (S.Gchöppenstuhl.) J?i eilllgcn Gegenden werden auch die Handwerksältcsten, d. i. die Beysttzer deS Obermeisters, Schöppen genannt. Amn. Schöppe,, welches im Hochdeutschen die gangbarste Form ist,iß ans der Niederdeutschen Mundart entlehnet, dagegen die Oberdeutsche dieses Wort Schöpfe, Schöffe und Gcheffe spricht und schreibt. Im Sachsenspiegel lauteres 8cepons, im Franz. Loirevi». Das mittlere Lat. SLabiQus ist sehrftüh daraus gebildet worden. Es stcuMet von dem Zeitworte schaffen und dessen Jntenstvo schöpfen her, entweder so fern es befehlen, anordueu, und in engerm Verstände Recht sprechen, urlheilen bedeutet, oder.auch so fern es in manchen Fällen noch für anSfnitdig niachni gebraucht wird, z. B. Rath schaffen; weil sie, wie inan ehedem sagte, das Urtheil finden muhten. Wie alt diese Bedeutung sey, erbi ller unter andern auch auS dem Hebt'. richten, und NIL' ein Richter. S. Schaffen. f Z. 'L. ec Schoppen, des —s, p tu r. ub nona. ffnZ. ein leichtes Ge- HLude, welches vorrwhmlich aus einem Dache bestehet, und auf den Seiten zrnvelleu oft ", zuweilen abevauch eiugeschlossen ist, gewisse Dinge darin vor der Witterung Zu bedecken. Ein wagen- schoppen, für die Wagen, rin Waschschoppen, darin zu waschen, rin Zeldschoppen, aiifdem Felde, Garben u. s. f. dann vor der Witterung zu bewahren, ein Zicgelschoppen, Ziegel darin zu hwckucuu. s.ft .. Sch v i6Ztz Ästm. Im Nieders. Schupp, auch in einigen Hochdeutschen Gegenden Schuppen, imOKed Schupf, Schupft, Schupfen, in derSchweizSchaub, im Angelft 8oeoft 8e^pon, im Engl. 8lios>» im Franzos. Keliope, im Pohl-. 8Lopu, im Grkch. Es stammet von einem im Hochdeutschen veralteten Zeit. Worte her, welches noch im Hannoverische!', gangbar ist, wo schuppen soviel als bedecken, beschützen, bedeutet, Wend. ftffovvüm, Griech. s'^Tret-. I n mittlernLat. ist Lftdopci ein Häuft viel, leicht auch zunächst ein Schoppen, S. auch Schaube, Schuppe und das folgende, L. Der Schoppen, des—s, plur utnom.smZ. Diminut.das Schöppchen, Oberd. Schopplem, ein Wort, welches überhaupt ein hohles Gefäß bedeutet, aber nur noch tu einigen Fällen üblich ist. r) Im Niederdeutschen ist Achopcn eine große Gelte, eil,e Schöpfkelle, Engl. 8coop. Holland. 8cdoepe, 8cstiupjw, Schwed. 8ü<)p«r; Gchepken aber eine AreTvinkgeschier. Oberdeutschen hingegen ist es ein bestimmtes Maß flüssiger Dinge, welches in einigen Gegenden der vierteTheil, in den meisten aber die Hälfte eines Maßes ist. Ein Schoppen Wein, Bier. Anm. In der zweyten Bedeutung im Mittlern Latrine Loff- vck, LiiOj)jn?r,L!uppillÄ, im Franz. Ltiopiue. Ohne Zisch, laut gehöret auch das Oberd. Ropf, Röpf, in der ähnlichen Be« dcntnttg eines Maßes, dahin. Da die Begriffe der Bedeckung und des hohlen Rauines sehr nahe verwandt find, so erhellet daraus die Verwandtschaft dieses Wortes znit dem vorigen, und zugleich mit dem ganzen großen Geschlechte von Schaff, Scheffel, Schaufel,cN-eders Schuppe,) demNieders.Schapp,em Schrank, Schiff, «rxsvog, Roben, Rufe u. s. f. * Schoppen, vc-rd. reg. Lcl. welches im Hochdeutschen wenig gehöret wird, im Oberdeutschen aber für stopfen sehr gangbar ist, besonders von dem Stopfen mit einem weichen Körper. Groß nor Gp allda erlitten, Ec Gp den segelzerschnitten, Mit dem und auch rren Joppen MustenSp die löcher verschoppen, Theuerd.Kap. 46. Ein Rllmmet mit Rühhaaren schoppen. Airsgeschoppke Vögel, auSgcstopste. Ggnse, Rapaunen schoppen, im Hochdeutschen stopfen, eine Art des Meistens, da man ihnen die Speist i» Gestatt der Nudeln, die daher im Obcrd. Schoppnudein heißen, in den Hals stopfet. In eben dieser Mundart werden auch die Flicksieine der Maurer Schoppsteine genannt. Geschoppt voll, gestopft, gepropft voll. Daher das Schoppen. Anni. Es ist ein Jntensivuni von schieben', weil das Schoppen wirklich eine Art des Schiebens ist. Siche auch Schuppen, mit einem Stoße schieben, welches gleichfalls ein Jntensivu::- davon ist- Die Schöppendank, plur-. die—banke, da, wo die Btt'stftr eines Gerichtes noch unter dem Nahmen der Schöppen belaiint sind, der Sitz derselbe» in einem Gerichte. Ehedem auch wohl eiu mit Schöppen besetztes Gericht; ein Schoppens! uhl. Schöppendar, seiftet näv. welches ehedem gangbarer war als jetzt, einen Schöppen in einem odern Gerichte an Würden und Vorzügen gleich. Das Schöppendrot, des —es, xttir. di- —e, zu Halle in Sachsen, gewisse Brote, welche den Schöppen alle hoüe Feste i» das HanS geschickt werden müssen. . Das Schoppend üch, des —es, plur. die - öüchcr an e.'lUgcn Orten, das GcrichrSbuch in einem mit Schöppen bejetztenÄt' richte. Das Gchoppenpferd, des—es, plur. die—e, an e.n-Mr.Or« ten, das beste Pferd eines Dorfschöppen, we.chcs bcr b ifti «-e- sterben dem Geeichtsberrcn anheini fällt; eine Art der Bau-c- huny oder des Todfalles. ^ itzZ Scho Scho r 6^4 Der Gchöppenschrclböv, des —s, xlur. r-t uom. llag. cer Schreiber i» einem mit Schöppe:: besetzten Gerichte. DreSchöpPsnstube, p!ur. die—u, eigentlich dieStuöe, oder das Zimmer, worin sich die Schoppen versammeln, diirGerichtS- stubr; an einigen Qrtcn auch ein mir Schoppen besetztes Gericht w e Gchöppcnbank und Gchöppenstubll Der Gch sppenstuh>l,des — cs, p 1 ur. die—stähle. i) Zu weiterer,aber jetzt ungewöhnlicherer Bedeutung,ein jedes mit Schöppen besetztes Gericht; in welchem Verstände in einigen Gegenden noch die Ausdrücke Schöppenbank und Schöpprnstube üblich sind. 2) Jn'enaerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist es ein Ge- richtsstnhl.in welchem die Beysttzcr noch nach alter Art den Nahmen der Schoppen führen, d. j. ein Collegium von Rechtsgclchc- ten, welche die Gesetze auf die ihnen vorgelegten Fälle an wenden, bloß Antworten und Entscheidungen geben, und sich dadurch von rinem Gerichte irr engerer Bedeutung, welches diese Aussprüche in Vollziehung bringet, unterscheiden.' Die Zacultäten auf den Universitäten sind solche Gerichtsstühle. Wo die Beysitz. r eines solchen Collegu noch den Nahmen Schöppen führen, da ist von öems tben auch noch der Nähme Scyoppenftuhl üblich. Siehe Stuhl. ^ Das Sch 0PPS, ein Bier in Breslau, S. Gchcps. DerSchopps des —cs, plur die —e. im Qvecd. des —en, die _en, ein vcrschnÄtener Schafoock, welcher auch ein Hamme! genannt wird, Z Mos. .4, 6 ; Tob. 7, y. Dah-r das Schöppsen- flcisch, der Gchöppsenbratcn, die Gchöppsenkc-ule u. s. f. Figürlich ist wegen der diesem Thiere eigenen Dummheit das Wort Schöpps auch eine verächtliche Benennung eines einfältigen, dummen Menschen, in welchem figürlichen Herstande das Wort Hammel nicht üblich ist. Anm. Schöps, ober richtiger Schöpps, lautet im Pvhlni- schen8kost, und rm Böhm. 8'kcopec. Frisch leitet es von Schaf, Niederst Schaap, her; allein da das gleichbedeutende Hammel von Hammen.verschneiden, hcrkomim, so ist Wächters Ableitung, der es vermittelst des Zischlautesvon kappen, schneiden, abstam« men läßt, wahrscheinlicher. Zu Franken heißt ein Schöpps ein Schutz, Schöppsenste-isch Schritzcnfleisch u. s. f. welches mit dem Mittlern Lat. Lstcockakus, ein Schöpps, überein?ommt, und auf ähnliche Art von dem alten kutten, schneiden, gebildet sevn kann. Im Qsterreichischcn ist dafür Lastraun üblich.. Das Wort Schöpps ist den Niederdeutschen unbekannt, welche dafür Hammel sagen; die Hochdeutschen gebrauchen beyde, doch mehr das erste als das letzte. Dsr Gchöppsbutten, des—s, plur.uk nokn.stnZ. in einigen Gegenden, z. B. Meißens, der Butten, d- i. der Magen mit dem übrigen Eingeweide eines Schopp ses. * Die Schere, plur. die—n, ein nur in dem Schifsbanc der Niederdeutschen übliches Wort, die starken SEtzen zu bezerchnen, welche das Schlffansdem Staprlhalten. In andern Niederdeutscheit Gegenden werden die breiten AfÄhlr, welche an den Deichen und Dämmen eingeschlagen werden, sie vor dem Master Zu schützen, Schoren und Scharren Zenanrrk. * Sch-oren, v erb. reZ. act. welches im Hochdeutschen unbekannt, und nur in einigen andern Provinzen gangbar istiwo es für j chcn- crn und dom Intcnsivo scharren gebraucht wird, wie z. B. im RiedoesäÄstschen, besonders um Hamburg. Bey dem Frisch ^ist Schorciscn die Scharre, der pflugschorer die Pflugscharre. In «ttdern Sagenden ist es für scheren, sowohl rauere, alsüuch theüen, absondern, üblich, z. B. in und um Hamburg, daher ist Gchc rmaus daselbst der Maulwurf, Obcrd. Schermaus. Jn- gleichenfür zerreißen, zerbrechen, Holland. sclroren,le!isu reu, um Bremen schoren, Franz, steelürer, wohin auch dgd W?» Adkl.W.B.Z.TH.2.Ul,kr. schoren eines Waldes im Forstwesen gehöret, das Auszar:cn> Anslichten desselben zu bezeichnen. Die Slhcrver-e, S. Scharrerde. Der Schorf, des —es, plur. iuus. die rauhe Rinde anfeinrr Wunde. Jnglcichen die rauhe Rinde, welche sich bcy der Krätze, und bey einem ausgeschlagcnen Kopfe ansetze;, und im Hochdeutschen der Grind, im Qberdemfthenaber die Kufe genannt wird, ^ dahex iirelnigenGegenden dieseKränkherten selbst auch depSchorf genannt werden. Anm. ZmNiederst Schorf, Gchorft, im Angelst 8corf, wo such 8corta die Krätze ist, im Engl. 8curf, im Gchwed.8k.orch welches gleichfalls die Krätze bedeutet. In der ersten allgemeinen Bedeutung scheinet cs von scharf, ranh, in der zweyten aber zunächst von dem nahe verwandten scharren, scheuern, abznstam- men, so wie Lcabies von lcabers, Bratze von kratzen u. s. s. gebilber sind. Im Lat. ist tcarresu^ krätzig, von dern alten Icar- rei s, scharren, schaben. QhneZischlaut ist im Böhmischen liu- rad:e Brotrinde. SDorlFrln, S. Schurigeln. Der Schärst., des —s, p!ur. irms. imVcrgbane, eine eisipihaltj- ge Sremart, welche dem äußern Ansehen nach.dem Wolfram gleicht, nur daß sie leichter und schwärzer ist, bcy dem Schübe» nicht roch wird, und viclecktger und cnbischcr angeschossen ist. Er pflegt zuweilen rrnter den Zinngraiipen zu brechen, deren feines Korn und Glanz er doch nicht hat, so wie er »nch länglicher alS , diese angeschoffen ist. Bey denBcrgleuten Schirl und Schsrlet. Daher das Schörikorn, ein Korn Schörl, Schöcl in Körnern, mitwelchemNahmen man auch die FlnstZranaten zu benennen pflegt, vielleicht weil sie dem Scdo'rl ähnlich sind. Henkel leitet den Nahmen daher, well diese Bergart im Wasser mitaufschir-- let, oder ansgnisset, (im Wendischen ist 2orliu quellen,und Lior» Io die Quelle,) und ans denZinnsclfcn, als ans einer Quelle, mit heraus rinnet; allein dieses passet auch aufdie Zinnzlvrtter. EK scheinet daher wohl eine unnütze, schädliche Ber gart überhaupt;n bedeuten, und mit dem alten Schor, Niederst Scharn, Unreinigkeit, Answurf, Abraum, Eines Geschll'ch;es zu sepn. Der Schorstern, des —es, plur. die —c, ein gemauerter Raitch- fang, eine Fenermauer, und in weiterer Bedeutung, ein jeder, gemeiniglich senkrecht gehender Canal) den Ranch aus den Küchen nud andern Feuerstätten eines Gebäudes zu führen. Anm. Im Niederst Schornsteen, Gcheurnsteen,, Gchosteen, ' jm Schwed. 8korüen. Frisch erkläret die letzte H .elfte —steiw nach einer sehr ungewöhnlichen Figur durch Mauer, und leiteL die erste Hälfte eben so gezwungen vorsi scharren, scheuern, h»r, weil die Fenermauer gereiniget werden müsse. Allein ans Ihre ' Gloss, erhellet, daß Zearlia i tt im Schwedischen ehedem eigentlich den Herd bednttcr habe, d. r. denjenigen flachen Stein, welcher ehedem statt des Herdes dienete. In den altern Zeiten waren alle Arten von Aauchfängen und Fcuermauern unbekannt, und auf dem Lande vieler, besonders nördlicher Gegenden, läßt man nsch jetzt den Rauch zu den Fenstern hinaus gehen, und hat dessen ungeachtet Schorsteine, d. i. steinerne Herde. Die erste Hälfte ist allem Ansehen nach das'alte Europäische 8kior, 8ciror, Feuer, welches auch in dem alten Persischen L^ius, die Sonne, das Feuer, und dem Griech. k<5A«§ct, der Herd, zum Grunde liegt; (siehe Schüren.) Gehörsinn, alt Schwed. 8 aar 1 iaiQ und LranstelQ/bcdcntet also eigentlich den Herd, und nach einer gewöhnlichen Figur auch den über dem Herd zur Abführung deS Rauches anfgeführtcn Tanül. Siche auch Felrermarwr, Ranchfang, Schlot, Zam-n u. s. s. DerSchorsteinföger, des—s, p!ur. ur mom. KoZ. Dämm, die Schorsielnfegerj'm, derjenige^ welcher den Schorsiein feZer, Lili l ch ) ihn S ch o ihn von dem Nuß-reiniget, besonders der zünftige Handwerker dieser Art; dcr 5 elrermarlerkehrer,derRattchfangkc!)rcr,Schlotfeger. Figürlich ist der Schornsteinfeger eine Arr kleiner, schwär, Krr DickschnLbler oder Steinbeißer,von derGröße einesCanarien- Vogels, der bey den Flügeln ein wenig weiß ist ; Goceotttrau- ke--, kvubicolln minor vi^rL Der Gchöss, S. Schooß. - ' Der Gchöß, des—sses, plur. die Schosse, nnd m enngen Mund- ' arten die Schösse, Dimin. das Schößchen, Oberd. Schößlein; von dem Zeitworte schießen, daher es so wie dieses in verschiedenen Bedeutungen gebraucht wird. 1. Was schießet, ein schießendes Ding, r) Von schießen, schnell in die Höhe wachsen, (a) Die jungen Zweige an den Bäu. men und Pflanzen wcrdenSchoss?,Schüsse,Schößlinge genannt, worunter man doch allemahl nur jungeZweige von diesem Jahre verstehet. Englisch 8 ttoot, (S. Nebenschoß, Rebschoß, was- scrschost u.s.s.) (b) Das Stockwerk eines anfgcfnhrlenGebäu- bes wird in manchen Gegenden gleichfalls Schoß, am häufigsten aber Geschoß genannt/wo cs eine Figurvon schießen, sich der Höhe nach ansdehnen, z» seyn scheinet. Im Schwed, ist 8-^6 der Gipfel eines Baumes. 2) Von schießen, schnell daher fahrendst der Schoß, und im Plural die Schösse, im Berabaue, das herein geschossene oder herein gestürzte Erdreich oder Gestein. Lio Schösse abraumen, das herein gestürzte Gestein. Von - schießen, schnell fließen, kommt es in den Zusammensetzungen Schoßgerinne n. s. f.vor. Von schießen, schnell schieben nnd fallen, wird im Niederdeutschen eine jede Schub - oder Fallthür ein Schott genannt. Vermnthlich rühret es daher, daß auch im Hochdeutschen ein kleines Fcnsterineinem größer«, welches ohne dieses geöffnet werden kann, im Dimin.ein Schößchen genannt wird. 2. Ein Werkzeug, womit man schießet, in welchem Verstände ehedem ein jedes zum Schießen bestimmtes Gewehr, cs sey nun ein Bogen, Fcnergcwehr u. s f. ein Schoß genannt wurde, welches in der dichterischen Schreibart wohl noch zuweilen gebraucht wird, obgleich Geschoß üblicher ist, S. dasselbe. z. Was geschossen wird, in welchem Verstände cs doch nur von zusammen geschossenem Gelbe üblich ist. So ist m Bremen der Schott dasjenige Geld, welches die Bürgerschaft zum allgemeinen Besten frenwillig zusammen schießet. Im Hochdeutschen ist cs in dieser Bedeutung üblich, wohl aber von gewissen auf den Grundstücken hastenden obrigkeitlichenAbgaben,welche sonst auch Steuer» genannt werden, und wofür auch Geschoß üblich ist. So werden fie Schoß, Zoll und jährliche Zinse nicht geben, Eft. 4 ,1 A. Ists recht, daß wir dem Raiser den Schoß geben oder nichts Luc. 20, 22. Schoß, dem der Schoß gebühret, Röm. l Z, 7. Drey Schosse geben, diejenige Summe, welche als ein Schoß auf einem Grundstücke haftet, dreyfach entrichten. Der Schoß ist eine der ältesten Abgaben, und wird eigentlich von Grundstücke» entrichtet ^indessen ist in vielen Gegenden dafür das Wort Steuer üblich, und in manchen sind so wohl Schoß als Steuer gangbar, aber durch das Herkommen aus besondere Art eingeschränkt. Ehedem aber wurde oft eine jede Abgabe an die Obrigkeit ein Schoß genannt, S. zumBcvsviel Abschoß. 2 lnm. In dieser letzten Bedeutung einer Abgabe kann es so wohl von schießen, hergeben, als auch zunächst von Schatz, Scha aung, gebildet seyn, (S. dieses Wort.) E- istin dieser Be, dentung sehr alt und von einem sehr weiten Umfanqe. Denn das Mieders. Schott,das alte Gothische 8 kott, das Angels. 8 !cent, das Span. Lsseot» das alte Franz. Lüms, das Böhm. 8805, die Mittlern Lat. 8 cottum,und ohneZischlantssossü, Gvoin, Go 5 - Lstlum, und andere mehr, bedeuten Heils Steuer, Schoß, oörig- Scho 16^6 seitliche Abgabe,theils anchGeld überhaupt; Schatz. Daß man dieses Wort schon vor Atters von dem zusammen schießen abge. leitet habe, erhellet aus den später« Lat. Govjectus, Eoajecta Gonjectio, GonsnZittntio, welche alle so wohl von Contri! butioneu, als auch von fceywillig zusammen geschossenenGeldsum- men Vorkommen. Im Jtal.isi 8ootto die Zecke. Der Gchösibabw', des —es, plur. die — bälge, m derLanb- wirthsckaft, der Balg, oder hohle Thest an den Getreidehalmen, worin die Ähre, ehe sie hervor schießet, verborgen ist; die Scheide, Rappe. S. Schoß r, r) (a). Die Schöflbank,si!ur.—die banke,in einigenGcgenden.einelange hölzerneVank mit cinecLehne,woraufmehcerePcrsonen zugleich fitzen können. Vielleicht von schießen, fich stn die Länge erstrecken. Schöfibar, n6j. et wckv. verpflichtet, Schoß oder Geschoß znge« ben, schoßpflichtt'g; im Gegensätze deS schoßfrey. Schoßbarc Unterthanen, Zufen, Acker, sanfcr n.f. f. S. Schoß Z. Des Gchößbüch, des — es, p!ur. die — bücher, dasjenige Buch, worin die schoß baren Güter und Unterthanen nebst der Summe ihres Schosses verzeichnet flnd -, das Schoß-Register. Schlossen, verb. reg. welches in doppelter Gestalt üblich ist. r) Als ein Neutrum, mit dein Hülfswortc haben, von Schoß, 1, -) (a) ,oder vielmehr auch als ein Intensiv,«« von schießen, in die Höbe wachsen, schnell in dieHöhe wachsen, wo es doch in engerer Bedeutung am üblichsten ist, Stängel, Halme gewinne», besonders von den Getreidearten. Der Rocken schosset, wcnncr Halme zu treiben ansä'ngt. Jngleicheir Ähren gewinnen. Dü Gerste hat geschosset, 2 Mos. 9, Z i. 2) Als ein Aceivum, von Schoß 5, Schoß oder Geschoß geben. Ein Zaus schosset jährlich zehen Thalt', wenn es so viel an Geschoß gibt. S. auch Verschossen. So auch das Schossen. ».Der Schosser, des — s, plnr. ut vom. ssnZ. ein schießendes Ding oder Werkzeug zun: Schießenz ein nur in einigen einzel« neu Fällen übliches Wort. So pflegen die Bäckerin einigen Gegenden die flache Schaufel, womit sie das Brot in den Dfe» schießen, so wohl den Schießer als den Schösser zu nennen. Der Hänfling wird, weil er schnßweise zu fliegen pflegt,in einiKenTe- genden so wohl Schosserlein als Schößlein genannt. 2. Dar Schösser, des—>s, vlur. ut vom. lmg. Fämiu. bie Gchösserinn, von Schoß Z,eine Person , welche dazugesetztist, den Schoß von den schvßharen Personen einznnehmcn und zu berechnen ; wo dieses Wort dock nur in manÄenGcgenden üblich ist, in manchen aber auch von einem solchen Einnehmer aller obrigkeitlichen Gefälle gebraucht wird. Der Amkeschösscr, derEinnch- mer der obrigkeitlichen Schosse ober Steuern in einem Kamrner- amtci VonSchoß und derAbleitlniassylbe—er,cittePersonlniinn- kichenGeschlechtes, daher erim Schwed. 8irutmwn heißt.- Die Schössere)), p!ur. die—en, das Amt, die Stelle eines Schössers, dessen Wohnung,ingleichen derOrftwo erdieSchosse cinrnmmt. DaoSchößfäß, des — sses, plur. die—fässer, in den Brauhäusern einiger Gegenden, diejenige Kuft, in welche man das gekochte Bier schießen oder laufen läßt. Gcktöflfre)', ach. et oci^. von der Verbindlichkeit, Schoß ober Stenern zu bezahlen, fron -, im Gegensätze des schoßbar. Schoß- frrye Einwohner, Zä'nser, Güter. Das Schößtzerinne, des—s, ^lur. ut vom. sivF. im Berg- bare. r) Dasjenige Gerinne, ans welchem und durch welches bas Wasser auf die Räder schießet. Jnglcichen in den Pochwerke», dasjenige Gerinne, worin das Wasser aus dem Pochtroge ab- schießet oder abfließet. Da denn 2) auch das klein gevochw Erz, welches das Wasser durch dieses Gerinne mit sich führet, das ^ Schoßgcrmne genannt wird. i6Z/ Scho Tiro Schöstjahr-des—es, am häufigsten im Plural, die-—e, die Jahre, da eine Person noch schießet, d. i. in die Länge wächst. Ein rüstiges Mcdchcn in den heften Gchoßjahren. Die Gchößteüe, ^lur. die—n, eine Benennung des Hinte» an den Postwagen und Land urschen befindlichenRaumes,Koffer und andere Packe darin zu verwahren. Nelle hat hier noch die alte Bedeutung eines hohlen vertieften Raumes. Die erste Hälfte ist rin wenig dunkel. Ist fie etwa von Gchooß, so fern es auch einen hohlen Raum bedeutet, oder von schießen, weil mar; dicPacke- reyen da hinein zu schießen oder zu werfen pflegt ? Die Dunkelheit ist ein Beweis des hohen Alters dieses Wortes, welches allem Ansehen nach ehedem in weiterer Bedeutung üblich gewesen. Der Schößkiel, des — es, xlur. die—e, iuderLandwirthschaft, die Kiele, d. i. jungen und noch kleinen Halme des Getreides, welche zum Vorschein kommen, wenn das Getreide anfängt zu schossen. Der Schößling, des—es, x!ur. die—e, ein in die Höhe geschossenes, schnell in die Höhe gewachsenes Ding. So werden die jährigen jrmzenZweigean denBäumen undGewächsen,dieSchos- se,auch Schößlinge genannt ; das Gchoßreis. Die Schößlinge «u einem Baum Horen nicht auf, Hiob 1 4 , 7. Auch ein junger schnell ausgewachsener Mensch. Schößpstichti^,ackj. et arl v. verpflichtehSchoß zu geben ; schoßbar. Daher die Gchoßpftichrigb'eir,'x!ur. rnul. die Verbindlichkeit, Scbofizu geben. DieSchößrehe, plur. die—n, ein Schoß oder Schößling an dem Weinstocke, eine junge Rebe. Das Schöfi-Registerches—s,plur. mnvm. lir-Z. dasRegistec oder Verzeichniß über die schoßbaren Unterthanen und Gruudstü- cke;dasSchsßbuch. Das Gchoßreis, des — es, plur. die — er, S. Schößling. Die Schößrinne, plur. die—n, in einigen Gegenden, eine kleineRinne von Hohlzicgelmzwischen demDachc und den an dessen Seiten heraus gehendcnSchorsteinen; vermnthlich weil durch , dieselbe das Wasser abschießer. NicderssGchottronne. Der Schößstern, des—es, plur. die —e, in einigen Gegenden, ein Nähme der Belcruniten, weil der große Hanfe glaubt, daß fie bey einem Gewitter ans den Wolken geschossen werden, daher er sie auch Donncrstcine, Pfeilsteine u, s. f. nennet. Die Gchößwurz, plur. inust. in einigen Gegenden, ein Nähme der Stabwurz, ahne Zweifel, wegen ihrer langen und geraden, den Schossen der Bäume ähnlichen Zwrige. '.Die Schote, plur. die —n, in der Schifffahrt, eine Art Seile an den Ecken der Segel, vermittelst welcher man sie so stellet, daß fie den Wind fassen. Die Schoten bekommen den Nahmen von dem Segel, woran fie fich befinden; die Marsschote, Bram- schoec, Greuerschoke n. s. f. Die Schoten und Halsen find bloß darin unterschieden, daß fich jene am Himerlheile, diese aber am Vordertheile befinden. 2. Die Schote, plur. die—n, Dimin. das Schotchen- Dbcrd^ das Schötlcin, eine ArrSamengchäusean den Gewächsen, welches aus zwey gleichen länglichen Stücken bestehet, die durch zwcy Nähte an einander befestiget sind, in welchen der Same befinLlich ist. In cngerm Verstände -st nur ein solches Samengehause eine Schore, wenn der Samo darin von einer Naht zur andern wechselweise fitzer; zum Unoer-chiede von eurer Hiilse im engsten Verstände, wo der Same nur allem an der Dbernaht befestigt ist. Schoten tragen. Figürlich, eine Pflanze, ein Gewächs, welchrL Schoten trägt; doch nur in cdii'g'-'n zusammen gesetzten Nahmen,. k- B. Moifsschore. Im-'nzstenVerstandeverstehrtmail mnter' Schoten schlech.bin, die noch grünen Schoren der Erbsen. Feldscheren, von Fclderdssn,, Jnckerschorcn,. veir. Z ucker erbst u z. da: Scho i6ZZ man denn auch wohlHss ganze Gewächs, so lange der Same und dessen Schoten noch grün sind, Schoten zu nennen pflegt. Anm. Die Niederdeutschen kennen dieses Wort,wie es scheinet, nicht, indem die Niedersachscn dafür Paale ober pahle gebrauchen, welches mit unserm Fell verwandt ist. Andere verwandte Sprachen haben zwar dieses Wort, aber ohne Zischlaut; AnKelf. Lockckus, Engl. Lock, im Mittlern Latein. Lollue, imFranzös. kcvlles, im Schweb, kl uckcke, welches aber auch einen Beutel bedeutet, woraus zugleich die Verwandtschaft mit unsrem Nurte, Nage, ein langer Geldbeutel, u. a. m. erhellet. Der Schotendorn, des—es, plur. iuul. ein Kornartiger Strauch, weicher seinen Samen in Schoten trägt,deren man mehrere Arten har. Der Ägyptische Schotendorn, oder bet) den Neuern Schotendorn schlech thin,ist cineArt der Stnnpstanze mit Stacheln, welche in Arabien, Ägypten undSenegal häufig wächst, und aus dessen Hchze das Arabische Gummi schwitzet; llckiinvt'L 6enegLl D.Vep den Älteren ^cnclu. DcrAmerikanischeGcho- tendorn, welchen andere den Wunderbaum nennen, wächst zn einem ziemlich Hoheit Baume und hatzumTheil stachligeSchoren; RobiuiL^fsucko - ^cLcln, ecliiunkaundliilpjckLL. Eia ändert r 2 ln.^rikanischerSchotcndorn,welcher gleichfalls zu einem starren Baume wächst, wird auch Henschreckenbaum und Honig- erbsc genannt;OlLckrlliL L. Die Schotenerbsen,üu§. Ivust. grüne Erbsen in ihren grüne» Schoten. Die Schotenkcrper, plur. die—u, eine Art Kaper, welche ih. rcn Samen in Schoten trägt, und in Jamaika einheimisch ist; LupipLrjL liliHuolch lö,. * Der Schotenklee, des—s, plur. inul. ein dem Klee ähnliches Gewächs, welches seinen Sarnen in Schoten trägt; Dokus D. Im gemeinen Leben pflegt man auch wohl einige Arten des Steinklees, als das Irilollurulr^brickum D. dessen 1, repeus und alpinunr, um eben dieser Ursache willcnGchotenkiee zu nennen. Der Gchotenweröerich, des — es, plur. iuul. eme Arl des Weiderichs, welcher seinen Samen in Schoten trägt. *Das Schott, des—es, plur. die —e,,ein nur in einige» Gegenden, z. B. in Danzig, für Rarat übliches Wort. Ein Schott oder Karat hält 4 Grau oder 12 Grän, Z Schott machen eine Unze, und 2 4 eine Mark. Der Schotte, des — u, plur. die—n. 1) Ein Einwohner Schottlandcs, ein Schottländer. 2) Ehedem pflegte man auch verschiedene Arrenvon Hanfirern oder im Lande herum reisenden Krämern und Handwerkern, welche keine feste Wohnung hatten, Schotten zu nennen. Ein pfrognrr, Sonnenkramer, Schol- derer und Schott, der mit seiner §ef-älfchten Mutze (Metze, Maß.) die Leute bescbelt, Marrhest der) dem Frisch. Fremde Brämer, Landfahrer, Schotten, Juden, in einer Chur - Bran-- drnburg.Vrrordnnng bry dem Scheplitz und Frisch. In derPren- ßischen Landesordn. befindet fich ein eigener Artikel von den K>ä- mernund Schotten , wo cs heißt; Schotten, die allhiek m unserm Fursienkhnm Preußen seßhaftig., sollen feil haben, aber ohne Betrug und falsch an Waaren, Ellen, Maß, Gewicht u. s. ft Und daberpstcgen dieWeißgärber noch dirjenigen von ihremHand- wrrke, welche nicht in ibrer Werkstättc bleib n, sondern im Lande herum haitfiren, Schotten zu nennen. Sollten etwa ehedem die Schottländer, wie jetzt die Wölkchen, ausihrem Lande ansgewandert st» u, und sich in fremden Ländern gewähret haben ? Der Schotten, des—3, puir. car. ober auch.,, wie in einige» Gegenden üblich ist, die Schotten, lmA. car. ein vorzüglich im Dber deutschen gangbares Wort, die Mollen, oder'den übrig bleibenden wässerigen Thcil von der gekästtcn Milch zu bezeichnen. In andern Gegenden, p siegt rngtr Sen geronnLnrtt. Lhvib der Milch- Ll lt l. L de» Scho ren eigenilichen KLse, Schotten zu nc-nnen; zu ^^stten werden, gerinnen. Woraus erhellet, daß dieses Wort zu schütten gehöret, so fern cs gerinnen, fich scheiden, bedenket, von welchem letzter» eS in dieser Bedeutung das Jnlenfivum ist. Gchovel, S. Schofel. Schraffiren,verb.rsZ.Äet. welches vornehmlich bey den Kupferstechern und im Zeichnen üblich ist, über einander, oder in das Keeuz gehende Linien machen, welches aufdem Papieremitder Feder, und ans der Kupferplatte mit dem Grabstichel, geschiehst, ' die Schatten dadurch zu bezeichnen. Daher die Schraffirung, so wohl das Schraffiren- als auch der durch siber einander gehende Linien angedeuteto Scharten. Es ist aus dem Jtal. sAr.cft üare, welches vermittelst des Zischlautes von Zraver rmd graben gebildet ist, und auch kragen bedeutet. Schrsge, —r, -—ste, a6j. et ackv. müder Horizontal- oder Per-, chendicularlinie einen schiefen Winkel machend. Line schräge Linie, eine gerade Linie, welche diese Richtung hat, und folglich als die Diagonallinie eines Quadrates angesehen werden kan». Schrägegegcn jemandenüber wohnen, im Gegensatz-des gerade gegen über. Der Tisch steht schräge, wenn das Blatt keine vollighorizyurale Richtung hat. Eine schräge Ziäche. Wern schrägere Strahlen (der Sonne) auf diese grime Edenefallen, Dusch. A,im. Zm Niebersächstscherr mit andern Eudlanten, so wre such in einigen Oberdeutschen Mundarten, schrad und schräm, (S. daslctztere, welche aber auch schiefüberhaupt bedeuten, dagegen schräge nur eine Art der schiefen Richtung ist.) Das e am Ende ist das e euphouicum, ohne welches das g eineil zu harten Laut haben würde. Es ist mit Schrägen und schränken nahe verwandt, uud scheint, so fern eine schräge Linie allemahl länger ist, als eine horizontale und senkrechte, oder so fern sie die Bewegung eines Körpers auf derselben beschleuniget, zu dem Intensiv» schrecken, springen zu gehvrem Bey dem Notker l'crecüen, eilen, wohin ohne Zischlaut auch rege uud regen gehöret. .Die Schräge, plur. iaul'. dasAbstractum des vorigen, die schräge Beschaffenheit einer Linie oder Fläche. Der SchragehoE, des -—es, xlur. die —bocke, bey den Weißgärbern, der Bock oder die Stütze des Schragens. DeröSchragemäß, des—es, plur. die—e, bey den Tischlern, ein bewegliches Winkelmaß, die schrägen, d. i. diagonal geh-mden Linien uud Flächen und die Winkel, welche sie machen, zu Messen; die Schmiege, das Winkelmaß, Gehrmaß. L.Der Schraten, des—s, xlur. ut norn.knA. ein Wort, welches ehedem einen jeden Haufen bedeutet zu haben scheinet, aber nur noch im Forstwesen üblich ist,wo es einenHaufenScheit- holzes bedeutet- welcher eine Klafter hoch und drcy Klafter tief ist, folglich drry Klafter cmsmacht. In manchen Gegenden wer, den auch wohl länaerrNeihen aufgesetztes Scheitholzes, wenn sie eine Klafter hochund breit aber mehrere Klafter tief sind, Schrägen genannt. Anm. Daß dieses Wart ehedem einen Haufen überhaupt bedeutet habe, erhellet au^ den verwandten Sprachen, denen doch der ohnehin nicht allemahl wesentliche Zischlaut mangelt. Dergleichen sind das Schwed.'klo Ze und Z.L'c, das Augelf. kkrscic, KuZ, das Engl. kkeek, kliek, das Holland, kook, welche alle theils einen Haufen übei-haupt, rheilseinen Hänfen Garben oder Heu besonders bedeuten, wohin auch das Lat. 6.ogu8, ein Scheiterhaufen, gehöret. Bey dem Mphilüs ist rs-rsu häufen. S. 2 Roche und 1 Rocken. L.Der Schrägen, des—s,prur. ut nom. ln-A. ein «nskreuz, weift oder schvsge stehenden,verschränkte» Füße« best h-ndLs Gest: ll, da denn diese- Wmtt in sehr vielen FäÜcrr von Gestellett die- Schr 16^0 fer Art gebraucht Wied Der SLZebock, welcher ans solchen kren-z, weift gestellten Hölzern bestehet, heißt in vieles Gegenden ein Gägeschragen. Das ähnliche Gestell, woranfdrr Backtrog drx Bäcker und der Waschttog der Wäscherinnen steht, heißt,m Schrägen. Der Schrage» eines Tisches, eines Bettes, ein bewegliches Gestell mit gekreuzten Füßen, daher auch iu Niederdeutschland ein Faulbett, weil es vor Atters solche Füße halft, ein Schrägen genannt wird. Bey den Schwäbischen Dichtern ist schon ZsiclirsASO ein Bcttgeftell aufschlagen, Der Schrägen der Weißgärber bestehet aus einer horizontalen Latte auf gekreuzten Füßen, und wird auch der Schlrchtrahmen genannt, der Schrägen der Zinngießer ist ein starkes eichenes Kreuzholz, woraus die Drchlade besteht. Bey den Ankeeschmieden ist es der Kranich, der vermittelst einer Kette die schweren Lasten in die Esst hebt. In weiterer Bedeutung wird auch wohl ein Gestell,- welches aus horizontalen und perpendicularen Latten bestehet, rin Schrägen genannt, dergleichen die Gestelle dieser Art sind, woraufdie Krämer ihre Waareu liegen haben. Anm. Im NiedersLchsischen und emigen Oberdeutschen Gegenden die Schrage. Es stammet Ahne Zweifel von schräge unh schränken ab. (S. das letztere.) Das Geschräx- um die Zeller ist an.einigen Orten eine Befriedigung derselben, welche anspck- pendiculären Pfählen und horizontalen Latten oder Stangen bestehet. S-chräAcM, vei b. rs§. cret. mit einem G- schräge versehen; nur in einigen Gegenden, besonders in den Zusammensetzungen ver-, schrägen, umschrägen, einschrägen u. s. f. S. das vorige. A um. Das GchrLFenholz, des—es, xrlur. inus. Holz, weiches »ach Schrage» oder in Schrage» verkauft wird. S.'e Schrägen. Der SchraFstänFel, des—s, plur. ut norn. stnZ. bcy de» Weißgärbern, die Stange oder Latte an dem Schrage» oder Schlichtcahmen. Der Schrägstem, des —es, ^ilur. die —e,eben daselbst, das aus Steinen bestehende Gewicht air dem Schrägen. S. 2 Gchragcn. Der Schram, des—es, plur. die Schräme, ein nur IN dem , Bergbaus übliches Wort, wo es die Öffnung bedeutet, welche zuk Gewinnung des Erzes zwischen demselben und demGestein gemacht wird, und gemeiniglich so breit und hoch ist, daß sich ein Arbeite? darin genau bewegen kann. S. Schrämen und Schrämhauer. * Schräm, äch. st cick v. welches nur m einigen gemeinen Sprech- aeten, besonders Niederdeutschlandes, für schräge üblich ist. Em schrämer Strich. Gchrchn gegen über. Nieders. schreem. S. Schrage, Anm. " ^ > Schrämen, verd. uct. im Bergbaus, Schräme machen,d.i- einen Ort neben dem Gange treiben, um dem Erze von der Seite beyzukommen, welches auch verschramen genannt wird. Es isi mit Schrammen Eines Geschlechtes, welches letztere das Zurcu- sivnm davon zu ftyn scheinet. (S, daffelöe und Schramme.) Boa schräm, schräge, ist im Riedcrsächs. schrämen oder fchrcmen ci-. ne schräge Richtung geben, adschremel!, schräge ttbschneism, ;»- schrämen, spitzig zulaufen Lassen. Der ScchrLnrhcrmmer, des —s,z)Iwr. die —Hämmer, im LttZ- bane, ein Hammer, welcher auf der einen Seite eine gewöhnlich!! Bahit hat, auf der andern aber spitzig ist, und in weichem Gesteine gebraucht wird. Etwa, weil mau sich seiner vorzüglich bey dem Schrämen bedienet ? Der Gchränrhäuer, des —s, plur. ubnoin. llnZ. eben da> löst, ein Hauer, welcher schrämet, die Schräme verfertiget, d. i. tas ^ Gestein neben dem Erz- weghauet, die Gewinnung des Erzes selbst aber andern Häuern überläßt. DrsGchrMirme, plnr.-die —n, Dimiuvt. das SHrämmch-n, Ob: d. Schräinmle/n, einekvichte Verlegung derObcrstäche ki" Echt ms Dinges der Lange nach. Eine Schlamme tü kr'nem Glafch jn dem äolze, in der Rinde eines Baumes. Besonders in der Oberfläche der Haut, dergleichen;. B-entstehet, wenn man sich an einer Nadel oder an einem andern spitzigen Werkzeuge ritzet; Line Streifrvnnde. In einigen Gegenden wird es auch von einer Schmarre, d. i. so wohl von einer langen tiefen Fleischwunde, als auch deren Spur,, von einer Narbe, gebraucht, in welchen Bedeutungen es doch im Hochdeutschen ungemöhuläch »st. Amn. Das Wort ist alt, und scheinet ehedem eine jede V er. setzung in die Länge bedeutet zu haben. Im Ru ders. lautst cs Schramm, im C chrved. ZkrZnaL, im Island. welche beyde eine lange Fleischwunde bedeuten, so wie im Böhr». 8srum Und im Pvhln. Zrraln eine Narbe ist. Im mittlernLat. ist Lcra- ML und LcrumaiLXus eine Art eines breiten Degens. Das oben angeführte bergmännische Schram ist genau damit verwandtes» wie ohne Zischlaut auch das Schwed, remaa, Risse bekommen, kemnn, e.n Rch. Spalt, und das Lat. Rima hierher gehören. Frisch glaubt, Schramme wäre durch Versetzung der Buch stabil aus Schmarre entstanden; aflein keine Ableitung ist betrüglicher, acs die, welche sich auf Vsrsctzrlng der Buchstaben gründet. 'Schrammen, verb. rsZ. act. eine Schramme machen, cm Ding leicht auf der Oberfläche der Länge nach verletzen. Sich schrammen, sich die Haut an einem spitzigen W-rlzengc der Länge nach verletzen, sich streife«. Niederst gleichfalls schrammen, Böhm, stzrurnovrati. DerSchrämmschüßcheg —sscs,plur. die—schlisse,ein Schust, welcher einen Körper nur ander Oberfläche der Länge nach verletzet; wofür doch Streifschuß edler ist. L. Der Schrank / des—es, xlur. die Schränke, siehe die Schranke. 2. Der Schrank, des —es, plur. die Schränke bcy den Jagern, den geschrankten Schenk des Hirzchcs bezeichnen; so wopl von der Artmnd Weise dieses Ganges und chne Plural, als auch von einzelnen Schritten undderen Spur auf- dem Boden. Der Schrank eines jagdbaren Arsches hält -2-§uß in die Lange, der Schritt. S. Schränken. Z. Der Schran", des — es, plur. die Schranke, Dimiunt. das Schränkchen, e.nBchLlt-üßmitThüreir, dessen Höhe die Breite, noch mehr aber die Tiefe uoertrifft, allerley Dinge daritz zu verwahren. Der Wäschschrank, Brotschrank, Rleiderschrank, Bücherschrank u. s. f. Schränkest der Hochdeutsche überall verständliche Nähme eines solchen Beöälruisses'; in den Provinzen hat fast jede ihren eigenen Nahmen. Dahrn gehören das Meistni- schc Aorhe, das Erzgebirgische Ulmet und Ulm, dic Obecd. Almer, Behälter, Gehalter, und zusammen gezogen D-Ater, das Fränkische Schrein, die Niederd. Spürd und Gchapp ^rr Schaff, und andere mehr. , Anni. Schrank stammet freylich von Schranke und schrä'n- ken her, aber wohl nicht so fern dieses Behälunst ehedem mir Gittern verseheneThüren hatte, sondern so fern diese Wörter ehedem einschlirssen überhaupt bedeuteten, daher Schrank ehedem auch von einem jeden eingeschlossmcn Raume, einem Gefängnisse nss f, gebraucht wurde. Im Böhmischen ist ZärLLtiu eilt jedes Br- hälrnist. S.Schranke. Schranne urrdSchrein. Die Gchrankcrder, plur. die —n, an deu Pferden, die inwen^g anoen Schenkeln befindliche Ader; VeuLlcrpknLmr, welche am Meuschen die Zrarren- oder Rosenader genannt w.eo. In weiterer Bedeutung wird von einigen auch die Ader am Innern des Armes, »der die Urmader, Bugader oderAegeladcr, VeriL ^e^IiLlicL, mit dem Nahmen der Schrankader, oder zum terstchiedx, her vordern Schpankadcr, helegt. AHÄsnb'e, plsr. die—n, oder der Schranken, Les —s, ^lur. uk. norn. lrnA. et« jetzt «ur im Plural am häufigsten übliches Wort, r) GchrmtÜch, die ans verschränkten oder «bsr das Kreuz miteinander veröLrrdeuenStäbrn bestchendcEruschliestung oder Wefrisdisung eines DetcS. Schranken um etwas machen oder setzen. Die Gerichtsschrankcnchas Gitter, welches die Par- tepeu von den Sitzen des Richters und seiner Beysitzer absondert. Die Schranken um einen Turnierplatz, Zechtplatz, Rennplatz u. s. s. welche ehedem am häufigsten unter dem Worte Schranken verstanden wurden. In den Schranken laufen, i Cor« 9, 2 4, »m die Wett-, innerhalb der dazu errichteten Schranken. In dem gemeinen Leben ist dieses Wort großen Thcils ungangbar geworden, indem in den meisten Fassen dafür Geländer üblichist. Im Oberdeutschen Hörer man es noch am Häufigstert, wo es auch eine» mit solchen Schranken verwahrten Ort, ein Gericht, eine Einnahme n. s. f. bedeutet. So wird z. B. in Wien die Wege- manch bey den Landkchranken errichtet, d. r. in derdazuverord- ueten Einnahme. (S. auch Schranne.) 2) Figürlich, das letzte an einem Dinge, da wo ein Ding seiner körperlichen Ausdehnung nach aufhöret, und in noch weiterer Bedeutungda wo dessen Realität, dessen Kraft und Wirkung anfhöret. Das Gefühl seiner: engen Schran.ken, seiner geringen Fähigkeit, Kraft nnd Vermögens. . Jngleicheu dasjenige, wo eine Wirkung aufhören soll, die von den Gesetzen, von der Billigkeit, von der Klugheit, von -dem Wohlstände vorgeschriebenen Schranken oder Gränzen. Grch in seinen Schranken halten, in seinen Schranken, in den Schranken bleiben, über die Schranken schreiten. Die Schranken der Mäßigung, der Bissigkeit u. s. f. überschreiten. Ann. Im Höchdentschen kommt der Singular dieses Wortes nicht leicht vor; indessen scheinet er in einigen Provinzen gangbar zu seyn, darr denn bald die Schranke, bald der Sch rank, bald aber auch der Schranken lautet. Der Bornschrank oder Brun- nenschrank ist in einig-mGezcuderr dasBeländer um einen Brunnen. Er machte einen Zof für die Hriester und einen große« Schranken,und Thüren in die Schranken, 2 Chron. 4,- 9. Ein Ritter, Der, wenn der Schranken offen steht, Nicht kämpft, auch nicht um Gnade steht, Haged. Im Böhmischen lautet dieses WorL8srsm!^, in einigen Oberdeutsche» Gegenden Schranne, Pohl«. 82'rs.nüi. Notker nennet die Schranken m einer andern Form GilcvLnke. (G. das folgende, ingleichen Schranne.) Granzc scheinet mit diesem Worte gleichfalls verwandt zu sehn, und sich unter andern auch durch den Mangel des Zischlautes zu unterscheiden. Schränken, vsrd. rez. welches in einer doppelten Gestalt vor- kommr. r. Als e!» Neutrum, mit dvw. Hülfsworte haben, w» es vorzüglich Hey den Jägern üblich ist, bey welchen der Hirsch schrankt, wen» er.im Gehen die Beins aus einander setzet, wenn er geschränkt, sin der niedrigen Sprechart gekretfcht,) gehet. Je größer und stärker der Arsch ist, desto weiter schrankt er auch. (S. 2 Schrank.) Sonst sagt Man au ch m einem audevn Verstände, im Geben schränken oder geschränkt gehen/wenn man ,im' Gehen die Züfiekxeltzweift setzet, Wie-Vecrunkeile zu rhu« pflegen. Ehedem war es auch für hinken üblich, in welchem Verstände er' aber veraltet ist. 2. Als ein Activum. -) Kreuzweise über einander legen. Mir geschränkten Füßen sitzen, wie die Morgenländer, und un- ter den Abendländern die Schneider. Die Bäcker schränken das Holz in dem Ofen, wenn sie es kreuzweise über einander legen. Bep den Sägeschmieden wird die Säge geschrankt, wenn die Zähiw aus einander gebogen werden, wo es aber auch das . ,2lmvum von dem vorigen Neutro ftpn kann. 2) Schling-m, wm- LUll Z öem HB Len. Lio Lernen schränken, Hey ben Jagern sic über einander schlingen oder winden. Die Arme über oder in einander schwankem Dir-Frenndschaft meiner Brust, Die dieses schlechreBlatt um deine Drän;c schränkettGümh. Zm Hochdeutschen kommt cS in dieser Bedeutung seltener vor. z) Mit Schranken versehen, einen Platz schränken; eine im Hochdeutschen ungewöhnliche Bedeutung, welche daselbst nur m den Zusammensetzungen beschranken, einschränken und um- schranken, auch im figürlichen Verstände vorrommk. So auch das Schränken. Anm. Im Niederst schwenken. Da dis schräge oder schiescRich. tung irr allenLedeuturigen diesesWortes die Herrschelide ist,se schei- netz eS mit schräge Eines Geschlechres zu ftttn, zumahl da das n ohnehin oft ein müßiger Begleiter der Gaumenlaute ist. Für Schranken, eine Befriedigung oder ein Gestell, welches ans über - das Kreuz gelegten Theilen bestehet, ist daher in manchen Fällen auch Schrägen üblich. Ehedem wurde es auch figürlich theils für aurschweiseu, theils auch für fich verstellen gebraucht,wovon Frisch Beispiele anführer; Bedeutungen, welche in mch- re-rn Fällen Figuren der schiefen Richtung stich. Bey dem Ottfried ist lerenlicM, und bifcreulcetn binden, gleichsam enge ein- schränken, und Lcrank. das Gefängniß. SHLankenlos^ —er, —este, acij. er nclv. der,Schranken be- raubt, besonders in der figürlichen Bedeutung dieses Mortes, der Einschränkung beraubt. Der Gottesiäutzner behält die innere Verbindlichkeit der Naturgesetze bcy; er wird also nicht ganz schrankenlos, wenn er sich gleich embilder, gesetzlos zu werden. So such die Schrankenlosigkeit. Dre Schranks lm§e, s)Iur. die— n, bcy denSägeschmieden, eine stählerne Platte mit Kerben an beyden Seiten, die Säge damit zu schranken, d. i. die Zähne auseinander zu biegen. ^ te Schranne, s>lur. die—u, ein nur im Oberdeutschen übliches und mitSchranke gleichbedeutendes Wort, so wohl ein Geländer, eine aus Gitterwerk bestehende Einfassung und Befriedigung, als auch den aus solche Art befriedigten Ort zu bezeichnen. Daller ist daselbst die Lrorschranne die Brotbank, die Fleischschranne die Fleischbank, dieGerichtsschranne djeGerichrSstelle, das Gericht, dieLandschvanne dasLandgenchtzdicMauthschranne dieZollein- mahme. In München wird auch derSetrcidemarrt die Schranne genannt.ZuWirn führet daSStadtgericht und dasGcbäude,worin fich dasselbe versammelt, den Nahmen der Schranne oder des Gchrannengerichts.. Daher der Schrannenschreiber, dcrGe- richisschreiber. Figürlich ist die Schranne in einigen Oberdeutschen Gegenden auch die Gerichtbarkett, der Gericht - bezirk Anw.Im mittlecnLatein. Llcruunium,im Ztal.Lcrsuna Emweoer von den Schranken, womit dergleichen Orte umgeben fim>voer au.^ in der alteuBedeutniigelncrBai,k,cincs'Sesscl- oder Tisches welche doch uuch von dem geschränkten Gestelle oder Fuße entlehnet-st, daher eine Bank und ein Bett ehedem auch ein Schrägen genannt wurde.. Schon bep dem Kero ist^rsuno die Bank, Ottfried nennet die Bänke und L,sche der Wechsler ciie "" ^ OiscräuuL eine Art Armsessel mit "Der Schranz, des en, ^!ur^ die — en, ein im Hochdeutschen ungangvar gewordenes Wort, welches in einer doppelten Hauptbedeutung vorlommt e)-Als eine unmittelbare Onoma.opöie ist ,S dern ttcmemRlsse,Br--che oderSpalte veröundeneLautzin welchen. Verstau^- es Hey dcmPrctorius vorkommt.Eben derselbe ge. Lrauchtes auch von dem Klange der Trompeten, woraus erhellet, schreyen nahe verwandt ist. Als eine sehr qe- «-«hnllche F.ßur wurda es demtnachmahlL anch von.cinem.AG,. S ch k Brnche, Spa'te ri.s. f. gebraucht, wo es mit mrsermSchrunde verwandt ist. Beyspiele votl dieser Bedeutung j ühret Frisch an. Düs äin lol) livt nue Holioan?., singt auch Bruder Eberhart von Sax unter denSchwabischen Dichtern. D<.hec war denn das Neutrum schranzen, reisten, spalten, brechen, und das Activum schranzen oder schrenzen, zerreißen, und in wrirerm Verstände, theilen. Das Reich wurde nach Llodovao in vrer minder Reich zcrschrcnzet, Wurstiftn.Jn dicftrBedcutnng ist^s mit semenvep,. den Zeitwörtern im Hochdeutschen völlig unbekannt. Nach einer andern Figur sagt man im Niedersächsischen einem etwas zu- fchranzen, znschanzen, znwenden; zutheilen. 2 ) Das Zeitwort schranzen ist noch rn den gemeinen Sprecharlcn so wohlOber-alS Niederdeutschlandes für stark essen, fressen sehr gangbar; dass denn ehedem auch in weitermVerstande von allenArlen der Üppig, kcit gebraucht wurde, und entweder eine eigene Onvmatopöie des Fressens oder auch eine Figur desReißens ist. Niederst schranzen, Holland. seku-Lullen, Engl. rc> scraucü. Gut schranzen können, gut essen. Daher war denn Schranzer und Schranz ein Schlemmer,Fresser, welches wir noch in dem zusammen gesetzten öofschranz haben, einen üppigen Hofmann im verächtlichenVer» standc zu bezeichnen, außer welchem Worce so wohl Schranz als schranzen im Hochdeutschen wenig mehr gehöret werden. *DLeGchrape, plur. die—n,und dasZeitwortschrapcn, zwei) ei. gentlichNiederdeutscheWörtcr,welche imHochdeutschen nur in er° iiigeir gemeinenSpecchatteugebraucht werden.Gchrapcn,Angels, stcres^uu, Engl. tolcrerpe, Schwed, skrubu, Irland. l§ca-- , dsm,>!l Bretagne lcrabut, imPohln. lkrobie, bedeutet mit ei. nein heftigen rauhen Laute, welchen dieses Zeitwort nachahmet, schaben,scharren oder kratzen, wo es ein doppeltes Zntenfioimi von reiben ist.Gchrapc ist ein Werkzeug dazu, daher die Pferdestriegol ineiiugcnGcgenden diescuNahnien führet. An denSalzwerlen hat manGchrapen oder Galzschrapen, welche deuPferdestrirgelil gleichen,denSchmutz damit von den Salzstückcn zu scharren oder kratzcn.sS. Schrassiren, Schroff, Schröpfen, Schrauben u.s.s.) welche iusgesammt damit verwandt find, ob sie gle.ch allerlei) A>- äudecungen dieses Lames bczeichueli. In einigen Gegenden hat man davon auch die neuen Jntenfiva Schrappe und schrappen. Die Schraube, plur. die — n, Diminut. das Schräubchen, Oberd. Schräublcin, eiirWerkzeug zum Schrauben, d. i. ein mit Gewinden vcrfthenerCvlindcr,welcher in eine dazu gehöcigcMul- ter paßt, einer: andern Körper durchUmdrehnng dcSCylinders mit verstärkter Kraft zn drücken; da denn bald das ganze Werkzeug, an welchem dieser Cylmder der vornehmste Theil istzeigentlich und zunächst aber der miiGewinden versehene Cylindcr eine Schraube genannt wird. Die hohle mit ähnlichen Gewinden versehene Fläche,>vorem dcrCplinder pasttz heißt die Mutter oder Schraubenmutter. Oie Schraube ohne Ende, ist m der Mechanik eine Schraube, welche iu ciu Stirnrad eingrcift» Etwas mit einer Schraube befestigen.(S. auch Stellschraube,Schwanzschraube u. stst) In wenerm Versiande pflegt man auch zuweilen glatte Eplinder ohne Gewinde, wenn sie wie eine Schraube ümgedrehtt werden,Schrauben zu nennen, dergleichen die Schrauben an den Satten? Instrumenten sind, die Saiten damit zn spannen. Figur- lich sagt man, eine Sache flehe auf Schrauben, wenn sie unbestimmt und schwankend ist. Die Freundschaft, die sic mit ihm halten, stehet auf lauter Schrauben. Seine Morre auf Schrauben stellen, sie so wählen, daß man sie nach Erfordern der Umstände erklären könne,wie mau will. Dein Versprechen steht, auf Schrauben, ist vorfttzlich unbestimmt und unsicher. Anm. Im Rieders. Schrnv e» im Engl. Lcrerv, im Holland. Lcttroef, im Schweb. 6Ii,rvss, im Franz. Lcrou, im Pohln. L^rubtt, im Finnischen Lcruuvvl... S. das folgende. Schraube^ r64L S ch r Schrauben, verb. re». el irre», vel. welches im lchtern Falke «r, Jmperf.schrob, und im Mitteln, geschroben hat,dreSch raube, d. i. den mit Gewinden versehenen Cyliuder, umdrehcu, um da- durch zu drücken. Fester schrauben, lockerer schrauben. An- schrauben, abschrauben, einfchrarrben u.s. s. Jngleichen, vermit« telst einer Schraube drücken. Festzusammen schrauben. Jemanden die Daumen schrauben, eine Art der Tortur. Figürlich. i) Jemanden schrauben, oder um sein Geld schrauben, ihn durch List, durch einen ruigegründeteu Vorwand um sein Geld bringen. Noch häufiger aber ist im Hochdeutschen, 2) jemanden schrauben, ihn aufzieheu, vexiren, ihm feine Unvollkommenheiten scherzend vorrücken. So auch das Schrauben. Anm. Im Niederst schruven, im Engl, to lcrsw, im Franz. eerouer.imSchwed.skrukvZ.EsisieincNachahmung des Lautes, welchen eine Schraube, wenigstens von der ersten rohen Art, dergleichen dieses Werkzeug bey seiner ersten Erfindung und bry dem Ursprünge des Wortes im Umdrehcn nothwendig von sich geben mußte, da es denn als ein Zuteustvirm von reiben angesehen werden kann. Die irreguläre Eonjugatiou ist die älteste, die reguläre aber im Hochdeutschen die üblichste, wenigstens wird cs in den figürlichen Bedeutungen nicht leicht anders als regulär gebraucht. Der Gchraubenbaum^, des — es, plur. die— bäume, der Nähme eines in bcydenJndien einheimischenBaumes,welcher eine schraubenförmig in einander gedrehte Frucht träger; Usllots- res l^. Aas Schräubenblech, des— es, plur. die—e,bey den Golds schmieden, eine mit Schraubenmuttern versehene siahlernePlatte, silberne Schrauben darin aus'-'schueideu. Der Schaubenbohrer, des —s, plur. ul vorn. lio». ein stählerner eckiger Bohrer, Schraubenmütt--r damit auszuüsürrn. Die Gchraubendocke, plur. die —n, an eines Drehbank, eine Docke, Schrauben damit zu drehen. Das Gchraubeneisen, des—s, plur. ul vom. linF. eine eiserne Platte derEisenaröeiter, dieSchräubeu darin zu schneide,». Das Gchraubenfutter, des—s, plur. nt vom. üvF. bey dei, Drechslern, eine hohle Büchse, welche an die Spindel befestiget wird, kleine Sachen, welche gedrehet werden sollen, darein zu staunen. Der Schraubenyany, des —es,plur. die—gänge, dieGnnge oder Gewinde an einer Schraube und in einer Schraubenmutter, welche entstehen, wenn eine schiefe Fläche um einen Cylinder herum geführet wird. DsrSchraubenckloben, des— s, plur. ütnom. llv».bey den Kupferschmieden, ein Nähme der kleinen Schraubstocke. Die SchraubLnlii'.ie, plur. die — u, eine um einen Cvlinder in gleicher Weite laufende schiefeLinie, welche derGrund derSchrau- bengängeist. Die Schraubenmutter, plur. die—mütter, der mit Gchrau- bengängen versehene hohleRaum, welcher die cigentlicheSchraube aufnimmt, und auch nur die Mutter schlechthin genannt wird. (Siehe dieses Wort.) In einigen Gegenden heißt sie die Binnen- schraube. Das Schrauben - Register, des—s, plur. ut vom. livx. bey den Drechslern, die fammtlichen zu.einer Drehbank gehörigen Schraubendocken, Schrauben von verschiedener Stärke daraufzu drehen- S. Register. ^er Schraubenreif, des—es, plur. die—e, bey den Böttchern, ein eiserner Reif, welcher mir Schrauben an einem Fasse befestiget wird, wenn die gewöhnliche« Reife gesprungen sind. Der Schraubenschlüssel, des—s, plur. ut vom. lingf. eine Art Schlüssel zu den Vorlegeschlössen!, welche statt des Bartes Echraubcngängc haben. Sch r »646 Die Schraubsnschnfcke, plur. die—n, einer Art gewundener einfächerrger Schnecken, deren erstes Gewinde vielbreiter als die übrigen, der Ünterschjed d v Windungon nur stach, und der Mund lang und schmal ist; Stroinbus. Sie sind eine ArtderSchpaub» Hörner. Die Schraubenschnur, plur. die—schnüre,schmal« halb seidene Bänder, womit die Fraueusmützen gebunden werden. Der'Schraubenftein, des—es, plur. dis—r, eine Art Versteinerungen, welche wie eine Schraube aussehen, nur daß stder Gang eiuenfür sich bestehenden Zirkel ansnracht.M 2 tt hält sie für Überbleibsel der Walzenstcinc und Sternsäulcnsteine. Dre SchraubenzanFe, plur. die —u, bey den Gürtlern, eine Zange, welche vermittelst einer Schraube geöffnet und geschlossen wird, und bry andern Handwerkern unter dem Nahmen des Schraubstockes am bekanutcsteu ist. Das SchraubenzeuF, des—es, plur. die—e, ein Collect!« »um, die zur Verfertigung der Schrauben und Schrauben«! ütkee gehörigen Werkzeuge zu bezeichnen. Der Schraubenzieher, des—s, plur. ut vom. stu». ein kleiner Meißel, die mit einem ei »geschnittenen Kopfe versehenen Schrauben damit heraus zu drehen. Die Schraubenzwinye, plur. die—n, ben den Tischlern, eine mit einer Schraube versehene Zwinge, das geleimte Holzchamit an einander zu schrauben, Breies damit fest zu schrauben u. s. s. Das Schrauhhorn, vielleicht richtiger Schraubenhorn, des —es, plur. die — Hörner, eine Art eiufächeriger gewundener Schnecken, von länglicher, einem Bohrer ähnlicher Gestalt, mit einer flachen Grundfläche, und einer kleinen runden Dffnung; lurbo. Die Schraubeuschnecken sind eine Art davon. Der Schraubstock, des — es, plur. die—stocke, bey vielen Künstlern und Handwerkern, eine starke Zange, welche mit einer Schraube fest verschlossen werden kann, Dinge, welche manbear« . beiten will, dazwischen einzufchvauben; bey den Gürtlern die Schraubenzange, bey den Kupferschmieden der Gchraubenklo- ben. Die größern werden senkrecht au die Werkstättc befestiget, dagegen man die kleinern frcp in der Hand hält. S. Stock. Niederst Gchruvsticke. Der Schreck, des—es, plur. die-—e, von dem Zeitworte schrecken, i. Von dem Neutro schrecken, in einigen Gegenden fchncken, ist Schreck oder Schrick ein Riß, Sprung oder Spalt iu einem festen Körper z eine im Hochdeutschen, einige Mundarten ausgenommen, unbekannte Figur. Las Glas hat einen Schreck bekommen, einen Riß, Sprung. Im Jtal. ohne Zischlaut Oie- co, Oriccbio. 2. In der figürlichen Bedeutung. >) DerZu- stand, da man erschrickt, (S. der Schrecken.) 2) Bey den Jägern^ werden auch die Schrecktücher, womit man das Wild schrecket oder abschrccket, Schrecke genannt. S. Schrecken das Zeitwort. Las Schreckbilö, des—es, plur. die—er, ciu Bild, eine Gestalt, welche Schrecken erreget, und in engerer.Bedriitung,wel. che dazu bestimmt ist,Schrecken zu erregen; im.Dkerd.einSchreck- butzen,Schreckputz, von Butzen, eine Larve, Niederst Schou- düvel, gleichsam Schcnteufcl. Unsere Einbildungskraft kann uns zausend Schreckbildcr ohne Wirklichkeit vorstellen. Wird sich deine Fantasie mit ewigen Schreckbildern quälen ? Weiße. Dis Schrecke, plur. die—n, von dem Zcitwortc schrecken, ein schreckendes Ding; wo es doch nur in einigen wringen Fällen üblich ist. i) Von schrecken, so fern es das Intcnsivum von schrepcu ist, wird der so genannte Wachtelkönig i» einigen Gegen- den auch Schrecke, und in andern im männlichen Geschlechts der Schrick genannt, welches mit seinem Griechischen Nahmen dem nur der Zischlaut mangelt, genau überein kommt. Es ist hier eine unmittelbare Nachahmung seines Eeschreycs, so wie die V 1647 Sch r in andern Gegenden üblichen Nahmen, Schnarre, Heckschnarre, Thanschnarre, Gchncrf, Größe!, Nrcßicr u. s. f. 2) Von schrecken, springen, ist cs nur in dem zusammen gesetzten Heuschrecke üblich, welche bcy dem NoikerMLltol'ceeenüe heißt, d. i. Matten- oder Wiesenschrcck^ S. Heuschrecke. Schrecken, ein Zeitwort, welches in doppelter Gestalt üblich ist, und zuglerch aufdoppclte Art conjugiret wird. Überhaupt ist es eine Duomatopöi-?, welche einen gewissen Laut uachahmet,und daher von mehrern sehr verschiedenen Veränderungen gebraucht wird, wenn dieselben mit einem und eben demselben Laute verbunden sind. Es ist, I. Ein Neutrum, welches bald regulär, bald aber auch irreg,1- lärabgcwandelt w!rd,uildftu letzter» Falles» gehet: ich schrecke, du schrickst, er schrickt, Jmperf. ich schrak; Mnteiw, geschrocken. 1. * Als eine Nachahmung eiucr lauten plötzlichen Stimme, so wohl bey Menschen alsThieren, wo es dasHülfsivort haben bekommt, und der Form nach das Jntensivum von schreyen ist. Es ist in dieser Bedeutung im Hochdeutschen ungewöhnlich, außer daß es noch bey den Jägern von dem Wildbretc und Nehdocke gebraucht wird, wenn sie etwas ungewöhnliches erblicken, und daher euren plötzlichen Laut von sich geben, welches auch melden, und bep dem Rehe'schmalen zerrannt wird. Sie pflegen es auch wohl regulär abzuwaudeln. Der Rehbock schreck^ hat geschreckt. Daß es ehedem in mchrern Fällen üblich gewesen, erhellet auch aus dem Hauptwort Schrecke. Jiz den verwandten Sprachen kommt eS noch häufiger vor, wohin das Schwed. stkrillZ, das In. tensivum voilstllria, schrcycir, das Island. skr-ciska, das Engl. W Lürisk und to 5 erecü,das Island. liLÜreLckum, das Jtal. stzrrccrolnrs, schreyen, und Scriceio, >ein heftiges Geschrev, und ohne Zischlaut das Griech. x^ir, und und das Walfische Oriccieck, der Lärm, gehören. 2. * Mrt einem ähnlichen Hellen durchdringenden Laute zerspringen oder platzen, wo es mit dem Hülfsworte ftyn gebraucht wird,im Hochdeutschen aber gleichfalls unbekannt ist. Las Glas schrickt, ist geschrocken. In manchen Provinzen ist dafür fchrrcken üblich, welches alsdann regulär abgewaudelt wird, und vsn welchem die zweyte und dritte Person des Präscuris, du schrickst, er schrickt, des Hochdeutschen NeutriuS schrecken,besonders in erschrecken entlehnet sind. Das Glas wird im Leuer schricken. Las Eis ist geschluckt. Es ahmet eigentlich den mit dem Springen oder Platzen verbundenen Laut nach, und ist mit krachen verwandt. Die Ztal. leist cessiccre. erstecure, erste. elitäre, bedeuten gleichfalls spkiugen, platzen. G. der Schreck. 3. In eine plötzliche und heftige Bewegung geracheme-ue plötzliche und heftige Bewegung machen; zunächst auch, den mit dieser Bewegung oft verbundenen Laut von sich geben; wo chm gleichfalls das Hülfswvrt seyn zu gebühren scheinet, i) * Ergent- lich, wo es ehedem sehr häufig für springen, salire, gebraucht wurde, im Hochdeutschen aber gleichfalls veraltet ist. Bep dem Dttfried licristkan, ü lkrsttzlstQ, sie sprangen, eben derselbe. Bey dem Notker lnroeaften. Unftr Schrecke in Heuschrecke stammetdarsn her. Zu weiterer Bedeutung wurde es ehedem auch von mehrern Arten schucller Bewegungen gebraucht; so ist in der Mvnftcischcn Glosse cluolcricckLN von dannen stiegen. s)* Durch den plötzlichen Anblick einer unerwarteten Sache in eine heftige Erschütterung grrathen, wo es besonders von der heftigen Erschütterung und damit verbundenen Cmpssnduug des Ge« müthes üblich ist, welche durch de» plötzlichen Anblick einesübels verursacht wird. Es ist auch hier veraltet,seitdem das intensive erschrecken dafür gangbar geworden, welches denn,so wie dieses veraltete schrecken, irregulär ahgetvandklt wird, mch das Hülfswost Schr 164z ftp N erfordert. Daß dreFigur von der hestigcriErschürtkruns oder > dem Znsammenfabreu rnttehnet worden, welches mir dem Schrecken verbunden ist, erhellet unter andern auch aus dem Lat. rr-LNiero, tre^ickuro, und dem Niederst verfahren,erlchreckc«, welches von fahren, abstammek, so wie unser befahren, und das Jnkrnsivum flüchten. Frisch und nutzere bleiben bey der Bede», tung des Springens stehen, weil man im Erschrecken oft aufzu- spriugcn pfleget. ll. Ais ein Activum, mit regulärer Abwandlung, folglich du schreckst, er schreckte, ich schreckte, habe geschreckt. 1. ' Springen, und in weiterer Bedeutung plötzlich fallen machen, nnbersi urzen ; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, / in welchernvch Notker sagt: l'creclie iin niecker, stürze sie zu Boden. In weircrer Bedeutung und ohneZischlattt isi imSchwcv. und Island, rekä jage'kk. treiben. 2. Plötzllch in eine heftige Erschütterung versetzen. 1) Eigentlich ; wo es nue noch in e inigen Fällen üblich ist. So w;rd z. B. in den Küchen eine Speise geschreckt, wenn sie schnell mit etwas Flüssigem begossen, schnell und nur ein wenig geröstet u. s. s. wird. 2) Figürlich, durch plötzliche Vorhaltung eines unerwartetm Übels in eine heftige nuangeuehwe Empfindung v.rfttzrn. Ich will Zriede geben, daß ihr schlafet und euch memand-schrecke, Z Mos. 26, 6. Er ließ sehr biitzen und schreckte sie, Ps. iL, >z. Angst und Noch schrecken ihn, Hiob >5 24. Oft Thicre werden dich schrecken, Hab- Z, r 7. < Jetzt ist auch :u bieder mckreru Bedeutung das intensivere erschrecken üblicher, und das einfache Zeitwort wird gemeiniglich nur alsdann gebraucht, w nu man jemanden durch plötzliche Vorhaltung eines Übel.-' zu etwas zubc- wegei'.sncht, ohne ihm dieses Übel wirklich zuznsügen. Ich wollte ihn nur schrecken. Jemanden mit etwas schrecken. Lue Rinder mit dem Mummel schrecke-. So auch das Schrecken. Anm. In dieser letzten figürlichen Bedeutung lautet diests Zeiuvort schon bey dem Strykcr lcftrLeiiLU. Auch im Pohliü- schen istleroZ- schrecklich, grausam. Drr SHvecken, des—s, jolur. ul uom. von der figürlichen Bedeutung des vorigen Zeikworti's. r) Von dem veraltete.'! Neutro schrecken. Die heftige Erschütterung, und in weiterer Bedeutung, dir heftige unangenehme Empfindung bey dem plötzlichen Anblicke einer unerwarteten Sache,besonders bey dein plötzlichen Anblicke eines nuvermutheten Übels. In Schrecken gerathen, erschrecken, von ein^mGchrecken befallen oder überfallen werden, plötzlich erschrecken. Jemanden einen Gchrcckcn machen, Verursachen, ihn in Schrecken setzen; im gemeinen Leben, ihn; einen Schrecken einjagen. vor Schrecken zusammen stihrni, Sich von seinem Schrecken wieder erhohlen. Der Schrecken ist mir in die Glieder gefahren, gesch! äs en, sagt mau, wenn dtt Schrecken üble Folgen aufdeuKörpcr zurück läßt. DemTodcohne Gchrcckcn entgegen gehen. Die biblische N. A. zu Schrecken kommen, Schrecken kommt sic an u. st s. sind im Hochdeutsche-! ungewöhnlich. Am häufigsten wird der Schrecken durch deuplötzl!- chcnAnblick eincsuüvelmuchereuübelserccgftalleiuzmveilenanch durch den plötzlichen Anblick eines unerwarteten großen Gutes. Welch freudigSchrecken nimmt mich ein! Gell. In dem gewöhnlicheiiSprüchgebrauche ist der Plural nicht üblich; .allein diehöhcre Schreibart zebrauchtihnfthr häufig. Und Schrecken strömen über, Goll, Lied. Denk an den Tod zur Zeit der Schrecken, ebcud. s) Von dem Acckvo fthreckenchiejeuige Handlung, da man ainttir Schrecken verursacht; eine nur zuweilen irr der höheen Schccll- art übliche Bedeutung. Das Schrecken des Bönigs ist wie d-r BrillleneinesjungenLöwcn,Sprichw. 20, 2, DeinScheca.cn erschreckt mich, Hiob i21. Ws es aber auch der bloße i649 Sch r -iv des Zeitwortes seyn kann, zumahl wenn es nach Oberdeutscher Art in dem ungewissen Geschlechts gebraucht wird, z) Der Gegenstand des Schreckens, dasjenige, was uns erschreckt; eigentlich ohne Plural, >n dec höheril Schreibart aber auch mit demselben. Zum Schrecken will lch drch machen, Ezech. 2 6,2 r; daß andere vor dir erschrecken sollen. Em Herz, das ferner Sache gewiß ist, M-chtet sich vor keinem Schrecken, Sir. 22, 19.. Die Schrecken des Gchiffbruchs, Less. Tod- wo sind nun deine Schrecken ? Gell. Lied. Du kennst nicht halb die Schrecken meines Schicksals, - Schleg. DaßAibisn— das Schrecken der beraubten Mceane werde, Namler. Anm. Die Endsylbe—en ist die Ablsitnirgsfylve, welche ein Subject drzeichnet, uirdoon manchen, aber unrichtig, in der ersten Endung des Singulars verbissen wird, der Schreck, dre es doch in den folgeiidenEndungeii nicht entbehren können; wenigstens hat noch niemand Schreck, Schreches, Schrecke dectinirt. Wenn die cs Wort der Infinitiv des Zeitwortes ist, so ist es ohne Ausnahme ungewissen Geschlechtes; das Schrecken der Linder mit dem Popanz ist unvernünftig. Allein-das eigentliche Hauptwort wird bald männlich, bald ungewiß gebraucht. Das ungewisse Geschlecht »st tm Oberdeutschen am gangbarsten, kommt inLuchers Deutscher Bibel am häufigsten vor, undwicdanch von manchen HschbrmschcnSchriftsiellectt in der höhernSchrelbarr gebraucht. Das fürchterliche Schrecken Stchl an dem dunkeln Thor, Zach. Indessen ist in der gewöhnlichen Sprechart das männliche Geschlecht das gangbarste, welches auch die meisten übrigen mit d< r Endsylbe—en geinachten Hauptwörter haben, der Bosen, Braten, Jaden, Graben, Hopfen, Schaden, Magen, Gegen, N n ge n n. s. f. Der Schreckerrberger, des — s, plur. ul nom. ünZ. der Nähme einer ehrmahligen Cbrrrsächstschen Münze, welche nnter Chnr- fnrft Friedrich dem Weisen am häufigsten gemünzt wurde, und den Nahmen von dem Bergwerke und Dorfe Schrcckenbcrg hatte, woraus did jetzige Bergfiadt Annaberg geworden ist. Am häufig- firn galt diese Münze drey güte Groschen, und wurde, weil ein Engel darauf geprägt wurde, auch Engelgroschen genannt, lln- 1er dem gemeinen Manne in Meißen find dre Gchreckenverger als eine Rechnrurgslnüttze noch gangbar , werden aber jetzt zu Z Gr. 6 Pf. gerechnet. Schreckhaft, —er, — este, nckj. et nckv. i) VondcmNeutrs schrecken, geneigt leicht Schrecken zu empfinden, der deicht in Schrecken gesetzt werden kann. Schreckhaft sepnck Ein schreckhafter Mensch. In de» gemeinen Sprecharren einiger Gegenden schreckig, besonders in dem zusammen gesetz-ren Hasenschreck!g, so schreckhaft wie ein Hase. 2) Pomdem Activo schrecken, geschickt Schrecken einzustößen; eine schreckhafte Begebenheit. Wo es doch um der Zwrydenngkeit mir der vorigen Bedeutung willen wenig gebraucht, und Nuri« einigen gemeinen Sprecharten gehöret wird. Der Schreckherö, des—-eß, plur. die — e, ein Vogelherh, welcher vier? Seitenwände und einen Himmel oder Decke hat, und in welchen die Vögel durch Raubvögel hinein gesch-ecker werden. S. Ein chpcck-m Schrecks; 4), —er, fte, nckj. et nstv. Schrecken erweckend, fähig Schrecken zu erwecken; erschrecklich, l) Eigentlich. Ein schreckliches Ung.-wuter. Das ist schrecklich anzuseben. Das vertrauen aufGokt entziehet irnsern Liimmernissen dtcchrcck- lkche Gestalt, und gibt ihnen eine tröstliche, Gell. Jngleichen wweirerm Verstände, einen hohen Grad der Furcht erweckend.' Adel. W. H. Z. Th.2. Aust. Sch t 16^0 Mangel und Avmurh sind schreckliche Feinde dev menschliches» Glückseligkeit. Ehe ch wech, wo ich anfange, wrro er odpc noch ein schrecklicherer Mann wieder da scpn, Weche. 2) Im weiteste» Verstände wird es, so wie erschrecklich, im gemeinen Leben auch sehr häufig von Dingen gebraucht, welche einen Hohen Grad der Venvnnderung erwecken, da es denn in den niedrigen Sprecharten oft zu einem- intensiven Worte wird. Schrecklich groß. Line schreckliche Summe Geldes. Schrecklich laut fchrepen. Die Schrecklichkeit, jolur.rnas. die Eigenschaft eines Dinges da cs schrecklich ist, in der ersten Bedeutung des Bepworres. Die Schrecknrß, oder das Gchrecknrß, des— sses, plur. die— ffe, ein statt des Hauptwortes Schrecken in einigen Dber- deutschen stöegendeil gangbares Wort, welches zuweilen auch von Hochdeutschen Schriftstellern gebraucht wird, ungeachtet es dieser Mundart fremd ist. i) In der ersten Bedeutung des Hauptwortes Schrecken. Die sich unterwnnden, die Furcht und Schreck- niß von den kranken Seelen zu vertreiben , Weisl), t 7, 8. Du kannst dir nunmehr deine Schrecknisse ersparen, Weiße ; d» darfst nicht erschrecken. 2) In dessen dritter Bedeutung. Schrecknisse Gottes, Hiob 6, 4. Und wenn sie schon keines solcher Schreckniß hätte erschreckt, Weisl). >7, 9 . Auch werden Schrecknisse und große Zeichen vom Fimmel geschehen, Lue. 2 i, 11. Die Endsylbe—niß verwirr hier die Stelle der Sylbe—en. Von dem Geschlechts der damit gemachten Wörter, S. —N/ß. Der Schreckschuss, des—sses, plur. die — schüsse, ein Schuß, welcher nicht so wohl zum Tobten, als nur zum «schrecken g?- sch-ehct. Der Schreckspruny, des—es, xlur. die — spränge, ben den Jägern, ein Sprung, welchen ein angeschossenes Thur vor Schrecken, oder in dem ersten» Schlecken »Hut. Der Schrecksiein, des — es, plur. die — e. 1) Bey dem großen Hausen, rin Nähme d s Malachiten, west er wider den jähen Schrecken gut seyn soll. 2) Steine, welche man an me Ecken derHLuser setzt, cainit selbige nicht von den Wagen vejchä- dlget werden. ^ D«S Gchrecktüch, des—es, plnr. die—tüchcr, im Jagdwesen, eni Nähme aller derjenigen Lappen oder Tücher, womit ein Jagdranm umstellet wird, um das Wild dadurch abzuschceckcn, bannt cs nicht durchgehe, und w.lche auch Schrecke heißen. Das Schreckwasscr, des—s, plur. doch n»e von mehrern Arten, ut nom. ltnZ. im gemeinen Leben, ein defiillirtes Wasser, den üblen Folgen eines jähen Schreckens auf den Körper vorzudcngcn. Die Schreibart, plur.die— en, die An und Weise zu schreiben. i) Die An und Weise die Schriftzüge zu machen; iir.welcher Bedeutung es doch nicht üblich ist, weil man dafür das Wort Hand gebraucht. 2) Von der figürlichen Bedeutung des Zeitwortes schreiben, die Art und Weise, seine Gedanken durch geschriebene Worte auszudrucken; zum Unterschiede von der Sprechart, das ist, der Art und Weise, seine Gedanken durch gesprochene Wone, mündlich, auszudrucken, obgleich auch diese unter dec Schreibart tu weiterer Bedeutung oft mir begriffen wird. Mit einem Lateinischen Kunstworte der Styl, Ll^lutz. Oie historische Schreibart, rednerische, briefliche, poetische u. s. f. Die niedrige, gesellschaftliche, wissenschaftliche, edle, höhere, crya- bene Schreibart. Oie männliche, kräftige, weitschweifige, schleppende Schreibart. 2 » weiterer Bedeutung ist sie Schreibart in der Musik dre Arr und Weise, seine Gedanken durch Töne und deren Verbindung auszudrucken, da sie denn zur Composiuon , gehöret. Das Sck-reibebley, des—es, plnr. doch nur von mehrern Arten, die— e, ein dem Bleye ähnliches Mineral/ womit man schreiben M nt m m m . kann. i6Li S ch t ?SNN, und welches unter dem Nahmen des Reißblrches und was- serblepes am bekanntesten ist, S. diese Matter. Das Schreibebüch, des—es, plur. die — buchet-, nicht so wohl ei» Buch, worein man schreibt, als vielmehr im engernVer- stände, worein man zur Übung schreibt, um das Schreibe» zu erlerne,'. Die Gchrerbefiechre, plur. iuuf. eine Art der Flechte vvn weißlicher Farbe mit schwarzen, den Schriftzügrn ähnlichen Linien; Dicken lcripkus I,. Der Deutsche Nähme, der nur von einigen ' neuerir Schriftstellern herzuruhren scheinet, ist unrichtig gebildet, und sollte billig beschriebene Flechte odeeSchrifrstechte heißen. Die SchreibegebDr, plur. die —en, welches c.-ich nur im Plural allein gebraucht wird, die Gebühr oder Gebühren, welche man einem andern für das Ab- oder Einschreiben entrichtet, und welche zuweilen auch das Schreibegeld genannt wird. Ein Copist. welcher Sache» abschreibet, bekommt dafür die Gchreibcgebuhrcn oder mit einem halbLateinischen Ausdrucke dreLopial Gebühren. Der Gchreibeyräschen, des — s, plur.ut aom. in einige» Gegenden, eine Schrcibegcbühr, wen» sie aus einem Groschen bestehet. So wird die Gebühr, welche manche Zinsgmer in Sterbefällen dem Gerichte des Eigenthumsherren für das Einschreiben entrichten, der Schroibegrofcherr genannt. Der Gchreibekrtzel, des — s, plur. iuuf. die ungeordnete vorwitzige Begierde zum Schreiben, d. i. andere mit seinen Schriften zu unterhalten. Den Schreibekitzel haben. Die Gchreihekunst, plur. die—kunste. i) Die Kunst zu schreiben d. i. seine Worte und Gedanken durchZüge drin Auge sichtbar zu machen, und in engerer Bedeutung, die Kunst schöne, zierliche Schristzüge zu machen, die Dalligraphie; ohne Plural. 2) Die Fertigkeit, im Schreiben oder durch Schreiben andern unbekannte Wirkungen hervor zu bringen. Allerlei Gchreibckunstc können, Z. B. mir sympathetischen Tinten zu schreiben, u. s. s. Der E chreiderneister, des —Z, plur. ut nour. llug. ein Lchr- Knistcr, welcher andere im Schreiben unterrichtet, Schriftzüge maa-en lehret. Schreiben, v erd. irreZ. act. Jmperf. ich schrieb; Miktelw. geschrieben ; Jmper. schreib. -) Eigentlich Schriftzüge machen, Worte durch lesbare Zeichen dem Auge sichtbar machen, so daß es zunächst aufdie sichtbaren Zeichen gehet. Mit Rreide, mit einem Schieferstifte, mit Rothel u. s. s. schreiben. Mtt dem Finger in den Sand schreiben. Auf Papier, Pergament, Erz) Mar- morfchreiben. Es laßt sich nicht darauf schreiben. Leserlich, deutlich, undeutlich schreiben. Eine gute, schlechte Hand schreiben. Enge, weitläufig schreiben. Falsch schreiben. Etwas in das Reine schreiben. Len ganzen Tag schreiben. Sich etwas hinter die Mhren' schreiben, figürlich, es sich zur kiinftigcnAhndnng oder Wiedervcrgeltung merken. Das geschriebene Wort Gottes, zum Unterschiede von dem gesprochenen. Jngleichen von den Werkzeugen, womit man schreibt. D-eRreide schreibt nicht, wenn sie naß ist. Die Feder schreibt schlecht, gut, will nicht schreiben. Schreiben wird nur von derjenigenArr der Verfertigung sichtbarer Zeichen der Worte und Gedanken ge- braucht,welche vermittelst eines flüssigen oder abfarbeudenKörpers, oder auch durch bloße einfache vertiefte Züge vermittelst sines spi- tzigenWerkzeuges hervor gebracht werden -. diese Verrichtung von dem Schneiden, Stechen, Htzm, sauen u, s. s. zu unterschei- den. 2) Durch mehrere schriftlich ausged; uckteWorre undGedan- keu hervsrbringen. EmeRechnung, ein Urtheil, einen Briefern Buch schreiben. Eine Grammatik, ein Wörterbuch, eine Geschichte ü. s. f. schreiben. Ein Recept schreiben. Die Zerrungen schreiben. Nicht seinen Nahmen schreiben können. Ein Paar Zeilen an jemanden schreiben. Eine Sprache schrei- Schr 16^2 ben, aber nicht reden können, sich schriftlich aber nicht mündlich darin ausdrucken können. Das Buch ist Lateinisch, in Latei- nischerGprache geschrieben. Sich schreib«», sich unterschreibe», von der Art und Weise, wie jemand seinen Nahmen ausdrückt. Wie schreibt er sich ? auf was für Art pflegt er sich zu unterschreiben? Sehr oft wird schreibet» absolute von Verfertigung einer Schrift gebraucht, über einen Text schreiben. -Wider jemanden schreiben. Besonders von Verfertigung eines Briefes. Ich will an euren Freund schreiben. Lajus hat noch nicht geschrieben. Man schreibt nicht viel Neues von Berlin. Nach Berlin schreiben. wir wollen darum schreiben. Er schreibt nicht gern, nähmlich Briefe. Da es denn auch figürlich reciprece gebraucht wird, wo schreibt sich die Nachricht her 2 eigentlich, wer hat sie geschrieben? und in wcrtcrerBedeuLung auch, von wem kommt sie her? wer hat sie erthcilet ? Ja auch von einer jeden andern Sache. Wo schreibt sich das her ? wo kommt das her? Zuweilen wird es auch für abschreiben gebraucht. Sich vom Schreiben nähren, vom Abschreiber'. Acten schreiben, abschrei- ben. Z) In Rücksicht aufdie schriftlich ansgedruckren Worte nird Gedanken, wo derBegriffderSchriftzeichen verschwindet. Schön, zierlich, rein, erhaben, niedrig n. s. f. schreiben. Das Luch ist vortrefflich geschrieben. So auch da^ Schreiben. ä,Anm. Schon in dem Jstdor und bcy dem Kcro töribun, bei) dein Ottfried fersiban, imN'.edersLchsischen s-chriven, ilnSck'wc- discheir.lrt riL'vs, welches auch mahlen bedeutet, im Bretagnischen fkri vuftmJrländ.fcftrioftbumftmWallisischen vsz.'i c enli/, imLat. lcribers, im Griech. ohne Zischlaut ^«§,,5-. Die Heyden letzten siehet man gemeiniglich als die Stammwo'otcr desDenk- schen an, allein ste sind nur Seiteuvcrwandte. Der Grund der Benennung liegt in der ältesten Art der Verfertigung derSchrist« züge, welche ein Schneiden, Graben, mit Reiben verbundenes Graben u. s. s. war, so daß unser graben, reiben, (dem es auch in der Conjugation gleich ist,) das Schweb, rikru, schneiden, U. a. m. die nächsten Skammwörter sind, woraus schreiben vermittelst des oft intensiven, oft aber auch müßigen Zischlautes gebildet worden. (S. Schrift.) Da das b am Ende sehr gelinde lautet, so bekommt es in der Zusammensetzung, wenn ein ConsonauS folget, gern ein e euphonicmn, damit die gelinde Aussprache nicht verloren gehe; Schreibeb,rch, Gchrerbepnlt u. s. f. Aber m manchen ist doch die Auslastung des e und zugleich die härtere Dberdentsche Aussprache des b hergebracht, wie in SchrcibfeLcr, Schreibfehler, Schreibpapier, Schreibstube u. s.ft für Schrci- bcfeder u. s. f. Das Schreiben, des—s, plur. uknom.lln^-. i) Der Jusft ' nitiv des vorigen Zeitwortes, die Handlung des Schreibens; ohne Plural. 2) Als ein vermittelst der Endsylöc —en gebildetes eigenes Hauptwort, wo cs in beredter» und snstätldigernSchrefi- art für das gemeinere Brieffvbrauchr wird. Ew. geehrtes Schreiben habe, ü. s. f. wo das Wort Brief nicht gern gebraucht wird, außer in der vertraulichen Sprechac c, und air einen grrin- gcrn, Auch die offenen Briefe regierender Herren werden lieber Schreiben als Briefe genannt. (S. auch das Ausschreiben.) So auch das Handschreiben, Sendschreiben', Einladnngssch"erbln, Trauer schreiben, Gliickwünschnngsschrciben R reis chreibcn; dagegen in denjenigen Zusammensetzungen, wo Bestes voran sichet, dieses nicht mitSchreiben verwechselt werden kann;Bru'fwechsel, Briefsteller u. s. f nicht Schreibenwechse!, Schrekbensteller- Das Schreibepnlt, des — es,plur. die—e,,einP -Ban»»! vor demselben zu schreibeil; zum Unterschiede von einem Leftpul" te, Nähpnlte u. s. f. Der Schreiber, des—s, plur. ut uom. Fäm.dieSchr'eü berinn, von dem Zeitworte schreiben, r) So fern dasselbe sicv bloii rtzZ Schr bloß auf die SchriftZuge beziehet, saget man wohl zuweilen, aber «ur-felten, ein gurer, ein schlechter Schreiber. 2) In enZerer Bedeutung ist derjeiiige ein Schreiber, dessen vornehmsteBeschäf- tzgung im Schreiben bestehet, d. i. der dasjenige auf- ab- oder niederschreibet, was ihm von einem ander« befohlen wird. Em Lopist, oder dessen Beschäftigung im Abschreiben bestehet, heißt ein Schreiber, so wie auch derjenige, welcher dasjenige niedee- schreidt, was ihm von einem andern dictirt wird. Der Schreiber eines Ab-voearen. Sich einen Schreiber halten. Der Geheim: schreiber, welcher doch jetzt unter dem Nahmen eines Secretars «m bekanntesten ist. In nr ch engerer Bedeutung wer de,, in den CsllegiiS oder obrigkeitlichen Ämtern alle diejenigen Schreiber genannt, welche mir der,Feder dienen nnd keine Räthe sind. Daher h't maie Amtssch- ciber, Gerichtsschreiber, psstschr-iber, Stadtschrftber, -Landschreiber, Steuerschreibbr, Zsrstschreiber, Rammerschrecbee, Rentschreiber, Gchiffschrelber, Bergschrei- ber it. s. f. Da aber dieses Wort durch den häufigen Gebrauch, besonders von geringen Abschreibern, etwas verächtliches bekommen, so bar man dafür in manchen Gegenden und Fällen andere Benennungen eingrführet. So pstegrt man einen Gerichtsschreiber an vielen Orten lieber einen Acmarium, einen Schreiber in einem andern Collegio aber gern Gecretarium zu nennen, ja in , manchen Gegenden bekommen alle Schreiber diesen letzten Nahmen, ungeachtet er eigentlich nur einen! Geheimschreibcr zukommt. In der Schweiz heißt noch derSyndieus eines ganzen Cantons Landschreiber. Z) In Rücksicht auf die schriftlich vorgetrageneu Gedanken und Worte ist Schreiber der Verfasser, der Urheber eines schriftlichen Aufsatzes oder Werkes. Der Schreiber eines Briefes, d esse N Verfasser. D er R 0 m od i en - Gehr ei b ex, Ratender- Schreiber, Bücherschreioer, Zeitungsschreiber n. s. s. Um des schon vorhin gedachten verächtlichen Nebeubegviffes willen, wird es auch hier nicht leicht mehr außer im verächtlichcilVecstaudewder von geringen Personen gebraucht'. Nur Geschichtschreiber hat sich noch in seiner ganzen Würde erhalten. Für Schriftsteller überhaupt, welchen schon Ottfried Lcribar nennet, ist es im Hochdeutsche» veraltet. i— Der Gcstrelverörenst, des—es, plur. die — e, derDienst eines Schreibers, in der zwcyren Bedeutung dieses Wortes. Die Gchreiberey, plur. die —en- 1) Eine geschriebene oder ausgeschriebene Rede, zunächst irr Ansehung der Schriftzüge, und der Art und Weise>derselben; eine schlechte Schreiberey, ein schlechtes Geschreibe. In weiterer Bedeutung auch in Absicht auf die vorgetragenen Worte und Sachen, eine Schrift. In beyden -Fällen nur in verächtlichem Verstände. 2) Ohne Plural, die Geschicklichkeit und Fertigkeit zu schreiben, im gemeinen Leben; die Schreibekunst. Sich der Schreiberep befleißigen, Jngleichen die Beschäftigung eines Schreibers, in der zweyten Bedeutung. Such der Schreibercp widmen. Die Schreiberepverwandten, Schreiber und die zu ihnen gehörigen Personen, welche mit der Fchir dienen und geringer als Räthechnd. Der Schrelbeschilltny, des —es, plur. die — e, in einigem Gegenden, ein Nähme der kleinen Lehemvaare, welche de,i Kanzelley- oder Gerichtsbedienten für die Ausfertigung des Lehmbriefes gegeben wird; bcp geringen Lehen auch der Schveibegroschen. Der Schreibeschrank, des — es, plum die — schränke, ein Schwank mit einem Schreibtisch?, welcher heraus geschlagen werden kann, um davor zu schreiben. Der ScyreiveLag, des—es, plur. die—e, in demForstwepn, derjenige Tags-da das Holz von den Forstbedicnttn zum Vmiaufe geschrieben, und angewiesen wird, und welcher auch das wa!d§c- dingc heißt. Sehr 16^4 Der Schrerbetüsch,odsrSHreibtlsch/ bestes , p)ur. «u> ,— e, ein Tisch, welcher vornehmlich dazu bestimmt ist, daran zu schreiben. Das Schrelbezeug, des — es, plur. die —e, ein Behältmß, mit den vornrhnisten zum Schreibe» gehörigen Werkzeugen. Die Sch.reibfeder, plur. die —n, eineFeder zum Schreiben, womit mau schreibt. Der Schreibfehler, des — s, plur. ut nom. 5 mZ. ein im Schreibeir gemachter Fehler, ein Fehler des Schreibenden. Das Schreibpapier, des—es, plur. doch nur von Mehrern Arten, die-—c, geleimtes Papier, auf welches mau schreiben kann; zum Unterschiede von dem Druckpapiere, Loschpapiers und so ferner. Dir Schreibschule, plur. die—n, eine Schule, in welcher Unterricht im Schreiben gegeben wird. GchreibseltF,—er, —sie, aäj. et sä v. geneigt, begierig, viel zu schreiben. So auch die Gchr-'ibseligkeit. S.—Selig. Die Schreibstube, plur. die — u, eine Stube, in welcher geschrieben wird, welche vornehmlich dazu bestimmt ist, daß darin geschrieben werde. So pflegen die Kaufleute dasjenige Zimmer, in welchem die Rechnungen undHandelsbriefc geschrieben, und die Handelsbücher gcsühret werden, die Schreibstube zu nennen. Auch diejenigen Orte bey manchen Collegiis, wo Rechnungen ge- führet,Acten abgeschrieben, Ausfertigungen gemacht werden u.s.ft welche im Großen Ranzellepen heißen, werden im Kleine,« oft Schreibstuben genannt. Schreibsüchtiy, —er, —ste, säj. et aä v. eine anhaltende ungeordnete Begierde habend zu schreiben, und darin gegründet. So auch Schreibsucht und Schreibsiichtigkeit. Die Gchrsibtafel, plur. die—n, eine Tafel darauf zu schreiben. Indessen führen in engerer Bedeutung nur die fchiefernen zu diesem Behufe verfertigten Tafeln diese,t Nahmen, welche aber uoch.häusiger Rechentafeln heißen. Noch mehr und in manchen Gegenden nur allein, sind die Schreibtafeln kleine Tafeln von Elfenbein, Pergament u. s. f. welche man bey sich trägt, die vor- kommenden Dinge daranfmederzuschreiben; da denn auch meh- - rere als ein Buch eingebundene Tafeln dieser Art im Singulär eine Schrcibtafel genannt werden. Der Schrein, des—es, plur. die - e,Dimiittit. das Schreiy- chcn. Oberd. Schreinlein, er« imHschdeutfcheu ungeivöhulich-s, nur noch in einigen Provinzen, so wohl Ober, als Niederdeulsch- laildes übliches Wort, welches einen Kasten, eine Kisic, eine Lade, jngleichen einen Schrank bedeutet. Daher hat man daselbst Gcld- schrcine, Bucherschreiue, Rleiderschreine, Schriftenschreme, zur Verwahrung der Schriften oder Arcen, Spelseschreine, Sil- berschrclncch?uwelenschrelnchen u.s.f. Ein Archivarius wurde um deßwNcn ehedem Gchreinhalter genannt. Besonders wurde dieses Wort vor diesem von den Behältnissen der Reliquien und Heiligthümcr,von einemReliquieu-Kasteu gebraucht,woyouFrilch einige Bcp spiele anführet, so wie es auch von einem jeden Behältnisse yockommt. Diu mir wo! kroiäe maZ AeAeben Der lib 16 aller sieläan Lebrin.HerzoaHeinrich von Breslau; d. i. ein Behältniß, ein Inbegriff aller Gli:ckseligteit. 2 tnm. Im Osuabriick. Schrecn, im Angc-ls. 8crin, im Engl. 8si:iue, im Schired. 8!vriu. im Island, hikriju, im Bretagik. Lcrin, im Wallis ^cAriu, im Lettischen 8kr)me, im mittler« Latein. Gereon a, Liter! u i u m, und ohneZischlautLrinsumstnr Franz, ehedembisc, in,imJtal.8oriujo, 8 c^ 1 guo, OWcrauno, alle in der Bedeutung eines Kastens oder Schrankes; aus welchem weiten Umfange erhellet, daß dieses Wort nicht unmittelbar von hem Lat. 8nr,uä una abstämmet, woA-abcr ein Seik'nvcrrvtin-rer Mmmmm 2 dcssecbrn L6LF' ' Sch r desselben ist. S. Schrank, mit weichem es ans einer und eben derselben Onclle herstammet. Der Schreiner, des — s, plur. ur vorn. linA. Famin. die Schrein erinn, eine noch im Oberdeutschen sehr gangbare Beiien- nung desjenigen Handwerkers, welcher unter dem Rühmendes Tn'chers oder Tischlers am bekanntesten ist, von den Schreinen, welche ehedem ihre vornehmste und häiifigsteArbcit waren; Franz, ehedem llAcrinier, im mittler» Lat. ^ronlcrrius, Läpl'urius, LLrininrrus. Im Osnabrück, heißt er Schatilger, ohne Zweifel von Schatulle, in Schwaben Aistler. Das Wort Schreiner ist auch im Hochdeutsche» nicht selten, besonders in Schriften. Schreiten, verü. irrex. neutr. Zmperf.'ich schritt, Mittelw. geschritten- Es wird mit dem Hiilfswortc seyn verbunden, r) Die Füße zum Gehen aus einander thnn, einen Schritt machen. Enge schreiten weit schreiten, enge, weite Schritte machen. Nicht so weit schreiten können. Aber die Schwelle, über einen Graben schreiten. Er soll mir nicht mehr nber die Schwelle schreiten, nicht mehr in mein Haus kommen. In den Zusammensetzungen abschrei'ten und überschreiten wird es auch thätig gebraucht. s) Mit festen, abgemessene» Schrittes gehen. Im eisernen Getoft von Waffen schreitet er durch rauchende Ruinen, Dusch'. Sr schreitet daher, wie ein Frosch im Mondscheine, sagt man in Niedersachsen von jemanden, welcher mit einem lächerlich ernsthaften Stolze einher gehet. Z) Figürlich, sich bedächtlich zur Vollziehung einer Handlung begeben. Zum Werke schreiten. Zur Sache, zum U'thcil, zur zweyten Ehe schreiten. Lassen sie «ns nun zu den Heirathspuncten schreiten, Gell. Ist eure Sache gut, so schreitet zum vergleich, Und ist sie schlimm, so rechtet, Haged. Zuweilen auch, sich begeben, überhaupt. Mit seinen Gedanken iiber die dumme Alltäglichkeit hinweg schreiten, Zunmerm. So auch das Schreiten. Anm. In bemalten Fragmente auf Carl» den Großen ben dem Schifter l'clirLitev, im Rieders, schriden, im Angels, leriiüav, welches aber auch bin und her gehen bedeutet, imSchwcd. skrickn, . und im Lat ohne Zischlaut Zrvcki, womit auch das m den gemeinen Sprechartcn übliche graten, grätschen verwandt ist. Das Niederst striden, Engl, to stricke, Schwed, strickcr, schreiten, ist nur im Peäsixo verschieden. Bey dem Ottfriedist irlcritLv in weiterer Bedeutung,entwischen. Gchreyfen, S. Schröpfen. , DerSchretz, des — es, plur. die—e, S. Alp. Der Schrsy, des — es, plur. die—e, die schnelle und heftige Erhebung der Stimme, welche man als eine Handlung durch schreyen ausdruckt. Ein Heller, ein lauter Schrey- Einen Gchrey thun. Fwey laute Schreye thun. Im Oberdeittschcn kommt dieses Wort häustgcr vor als imHochdeutschen. Geschrey ist das Jiitensivnm und Jterativum davon. Gchrepen, vsrb. irre^. Jmperf. ich schrie, (ejnsylbig;) Eon), ich schrie, ftweysylbrg;) Mittelw. geschrien, (dreychlbig;) Jm- perat. schreye. Es wird so wohl als ein Neutrum, als auch als ein Activum gebraucht, da es denn im ersten Falle das Hülfswort babxn bekornmt. Es bedeutet, sich mit heftiger Stimme hören lassen, i. Eigentlich, wo es auch v»« einigen Thieren gebraucht wird, wenn sic ihre Stimme mit heftigerAustrengungchören lassen. Die Jäger gebrauchen cs in diesem Verstände von dem Hirsche, dem Hasen, dem Feldhuhne, der Eule u»d dem Kantze; indessen sind doch von den meisteiiThiecenergeneZeitwörter gangbar,welche die Art isn es Gelchreyes näher nachahmen. Wie derSirfch schrcy- et nach frischem waster, Ps. 42,2. Das wi d schreyet nicht, wenn es Gras hat, Hi-.'b6,z. Besonders von der heftigen A:r- strengung der menschlichen Stimme, sie bestehe mm r« vernehrrr- ' Sch r- 16^6 sichen Lauten ober nicht. Aiw vollem Halft, aus aller Macht schreyev. »int. r Jemanden her schreyen. Jemanden schreye» hören, wie man in das Solz schrepct, so schalltt es wieder heraus. Sie schrien: weg mit Jesu l Job. - 9. Ernem e wog in die Ohren schrcyen. Ein Vivat ftchreyen. Vornehmlich lvenn dieses Schreuen eine Wirkung heftiger Schmerze« oder der Ausbruch des höchsten Grades der Traurigkeit u. s. s. ist. ygx Schmerzen schregen. Um Gnade, uan Hülfe: um Brot, «m Rache schreyen- über etwas schreyen, sich mit lautem Geschreye darüber beklagen. Zu Gott schreyen. 2. Figürlich. -) Mit unangenehmer lauter Stimme reden. 2) Mit lauter Stimme weinen. Das Rind schriet. Heulen und schreyen. Z) Mit lauter Stimme zanken, sch .älen ; eine nur im gemeinen Leben ei- Niger OberdentschenGegenden übliche Bedeutung. 4) Eine öffentliche Ahndung erfordern. Schreycnde, himmcischreyende Sunden, welche wegen ihrer Unläugbarkeit und großen Strafbarkeit eine-öffentücheAhndung erfordern. Eine schrevende Ungerechtigkeit. Schreyende Grobheiten. So auch das Schreyen. Anm. Bey dem Ottfried skrei un, scrivnv, bey dem Notker seriisn, im Rieders schrauen und schrijen, im Holl, sclireeu- >vsn, im Engl, to lcreeel,, to screek und to ftn-iks, im Schwed, skriu; wohin ohne Zischlaut auch unser krähen, das Rieders, freien, schreyen, kreischen, Norkers cstrvcken, das Jtal. xmckurs, das Franz- crier, das mittl.Lat. ckriure, die Griech. Xlgvsr» und und selbst das Hebr. rufen, ttlid ohne Gau,«! iilautOctsr-eos ri uriuon, wehklage«, und unser noch nicht ganz veraltetes reihen, (S. r Reihen.) gehören. Es ist mit allen seinen Verwandten eine unmittelbare Nachahmung des Lautes. Das p ist zum Merkmable des Gaumenlautes beybehalten, der in manchen Sprachen und Mundarten noch deutlich hervorsticht. Der Niedersachse sagt schrn'en, und der großcHauftinMeiße» im Mittelworte geschriegen. Schrecken ist in manchen Bedeutungen das Jntenstvnm davon, (S. dasselbe.) In einigen Gegenden gehet dieses Zeitwort regulär, ich schreyete, geschreyet; welcheForm aber im Hochdeutschen unbekannt ist. Der Schreier, des — s, plur. ut vom. stnZ. Fämin. die Schreyerinn, eine Person, welche schreyet. Auc^ figürlich«« verächtlichen Verstände, eine Person, welche mit Ungestüm viele Worte macht. Ganz Deutschland quillt mit (von) nüchtern Schreyer«, Haller. S. auch Marktschreier. Der ScHrczchcrls, des — es, xlur. die—Hälse, im gemeinen Leben, ein Kind, welches viel und heftig schreyet; Mieders. Schranhals, Schranke, Gchrauwanke. Der Schrick, S. Schreck. Die Schrift, plur. die — en, von dem Zeitwerte schreiben. ».Geschriebene Zeichen der Gedanken, wo dieses Wort wiederum in verschiedenen Bedeutungen üblich ist. t) Geschriebene Zeichch der Worte und Gedanken überhaupt; wo der Plural,nur von mehrere A rtcn Statt findet. Indessen ist cs in dieser Bedeutung wenig mehr gangbar. Druck, aber nicht Schrift lesen können. Z» lernen Thaldaifche Schrift und Sprache, Dan. r, 4 . Gott batte selbst die Schrift in die Tafeln gegraben, 2 Mos. Z 2, >6. In weitererBedeutttttg auch wohl die gedrucktenZeichen derWorte und Gedanken, daher man in Niederdeutschland die geschriebene Schrift von der gedruckten Schrift unterscheidet. 2) Die Art und Weise dieser geschriebenen Zeichen in Ansehung ihrerZiige. Eine gute, eine schlechte Schrift schreiben, für Hand; eine nur jm gemeinen Leben übliche Bedeutung. Geheime Schriften, den meisten unbekannte Arten zu schreiben, oderZeichen derWotteund Gedanken. Am üblichsten ist es noch in den ZusanunensetzttüSk" Aanzellcy- . 16^7 Schr Aanzellepfchrift, Mönchsschrrft, Zracturfchrift, Current- Schrift u. s. f. -- 2 . Die gegossenen Buchstaben werden sn den Buchdruckeeeyen collecr-ve im Plural Schriften oder Lettern genannt. Neue Schriften zu einemwerke hießen lassen. Auch wird es im Singular von den zusammen gehörigen Schriften oder Buchstaben einer Art gebraucht. Die Griechische Schrift, die Versal - Schrift, ' die Gchwabacher Schrift. Wenn mit diesen Ausdrücken bloß auf die Gestalt und Züge der Zeichen gesehen wird, fo gehören sic zur vorigen Bedeutung. z. Geschriebene Worte oder Gedanken, i) Überhaupt.Welcher Mensch diese Gchrift lieftr, Dün.z, 7. Wo es doch auch nur rndenZusammensetzungen Aufschrift, Unterschrift, Umschrift, Inschrift u. s. f. am üblichsten ist. Zuweilen verstehet mau darunter auch den beschriebenen oder bedruckten Theil eines Buches, Blattes u. s. f. Der Buchbinder hat in die Schrift geschnitten. 2 ) Ein geschriebener Aufsatz, er fty von welcher Art er wolle. Etwas unter jemandes Schriften finden, unter den beschriebenen Papieren. Acten , Docnnrente u. s. f. werden schr häufig G-Hriften genannt. Schriften wechseln, vor Gerichte. Eine Schrift aufsetzen, eingeben, überreichen. Mit einer Schrift bep dem Rache einkommen. So auch Abschrift, Bittschrift, Zneitznungsschrift u. s. f. Z) Ein Buch, eine geschriebene oder gedruckte Rede wird oft nur eine Schrift genannt. Lutheri Schriften, alles, was er geschrieben hat; seine Werke. Eine Schrift drucken lassen, beurtheilen. Sich durch Schriften berühmt machen. Die Wochenschrift , Mo Nachschrift u. s. f. Besonders gebraucht inan es gern von kleinern gedruckten Aufsätzen, welche noch nicht Bücher genannt werden können, da man denn auch wohl dasDimin. Schriftchen gebraucht. 4) Im engsten Verstände verstehet man unter Schrift, oder heilige Schrift schlechthin, die Bibel, wo es collective und im'Sinausar allein von dem ganzen Umfange der göttlichen Schriften gebraucht wird.. Die Schrift gebeut, die wohlrhäter ins besondere zu lieben, Gell. Anm. Im Isidor Oüilcftriiis, bey dem Kero Lelckriftj, bey dem Ottfried 8crch, Oiierik, bey dem Notker 8krifts. In Westphalen nnd andern Niederdeutschen Städten wird die Sammlung der Stadtgesetze, der Statuten die Gchraa genannt, das ist, die Schrift. DerGchrifttzelehrte, des — n, plur. die-—n, in der Deutschen Bibel und der biblischen Schreibart, ein Gottesgelehrter der älter» Inden, eigentlich, der in der heil. Schrift gelehrt nnd erfahren ist, da eS denn ehedem von einer jeden in der' heil. Schrift bewanderten Person gebraucht wurde, und bey dem großen Haufen wohl noch,üblich ist. Die älter» Dberd. Schriftsteller gebrauchtem andere Ausdrücke/die Schriftgclehrten der älter,, Juden, oder die LcribnZ, wie sie in der Vulgate heißen, zu bezeichnen. Ottfried nennt sie LuacchLra und Lruslnon, welches letztere aus C, Gesetz, und ruafton, sorgen, zusammen gefetzt ist, und eigentlichGcsetzkundige bedeutet; Notker Ürievarra, von Brief, Schrift, und die Monsceischc Glosse ftuocchineicker. Das Schrrfttzewo'lbe, des—s, plur. ul. NOM. ftllZ. ein Gewölbe, worin Schriften, d. i. Urkunden, Docnmente u. s. f. verwahret werdet,; wofür doch das ausländische Adchiv üblicher ist. Der Schrrftyiefter, des — s, ftlur. ulnom. ÜN,L.dessenGat- tinn die Gchriftgießerinn , ein Künstler, welcher die Schriften der Buchdrucker aus Metall gießet. Daher die Gchriftgießerep, dessen Werkstücke. Der Schriftkasten, des -—s, plur. nlnom. sinZ. ein Kasten, in welchem Schriften, d. i. geschriebene Urkunden, verwahret werden. Von Schriften, bewegliche metallene Buchstaben, ist der Schr it/z Schriftkasten ben den Buchdruckern, ein Behältniß in Gestalt eines Pultes, wo die Schriften in ihren g hörigen Fächern liegen. Einen ähnlichen Schriftkasten haben auch dte Buchbinder zu den Schriften der Titel. > Schriftlich, ach. St ack v. in Gestalt einer Schrift, vermittelst einer Schrift, im Gegensätze des mündlich. Eine schriftliche Antwort. Ein schriftliches Zeugniß,Beken»tniß. Ein schriftlicher Beweis, Contvact. Schriftliche Aufsätze, Urkunden u. s. s. geschriebene. Sich schriftlich erklären, verantworten. Gerne Sache schriftlich Vorbringen. Ich will es dir schriftlich geben. Bey einem Collegio schriftlich einkommen, fein Anliegen schriftlich, vermittelst einer Schrift, Vorträgen. SchviftmaßlF, ackj. et ack v. vonSchrift, Z, 4), die heil. Schrift, dem geschriebenen Aborte Gottes gemäß, in demselben gegründet. So auch die Schriftmaßigkeit. Der Gchrrftsaß, des —ffen, plur. die — ssen, von Schrift, Z,2), eirrschriftlicher Aufsatz. ») In weiterer Bedeutung, ein jeder Basalloder ttntcrthair, welcher das Vorrecht hat, daß ihm die Ladungen, Znfertignngen u. s. f. ans den Gerichten und andern Collegiis schriftlich, und nicht bloß durch die untern Bedienten mündlich, zu wissen gcthan werden. 2 ) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung sind Schriftsassen solche Vasallen, welche dem Landesherren und seiner Kanzelley unmittelbar unterworfen sind, von welchen man daher sagt, daß sie auf Schrift flyen, weil ihnen der Wille des Lehens - und Landesherren unmittelbar aus dessen Kanzelley schriftlich bekannt gemacht wird; Nanzelleysassen, zum Unterschiede von denAmresasscn, welche den Kammerämreen unterworfen sind. S. Saß. , Schriftsassrtz, ackj. et ack v. aufSchrift sitzend, d. i. dem Lehens- uird Landesherren und dessen Kanzelley unmittelbar unterworfen; kanzellepjasjrg, zuin Unterschiede von dem amtssasflg. Ein schriftsässtger Edelmann. Schriftsässige Güter. Die Schrrftstässktzfett, plur. csr. die Eigenschaft, da ein Vasall oder Grundstück schriftsäsfig ist; die Äanzelleysässigkert, zum Unterschiede von der Amtösässtllkeit. Der Schriftspotter, des — s, plur. ul norn. Fämin. die Schriftspötterinn, eine Person, welche mit der Schrift, d. i. dem geschriebenen göttlichen Worte, ihr Gespött treib'et. Die Schriftsprache, piur. '.ie — N, diejenige Sprache, deren sich ein Volk in Schriften bedienet. In engerer Bedeutung, diejenige Mundart unter mehcern, welche dazu gebraucht wird, und welches^llemahl die ausgebildetste eines Landes ist. D^rSchriftsteller, des—s, plur.ut. nom. ün^.Fämin. die Schriftstellcrinn. ^ Derjenige, welcher-ftne Schrift stellet, d. i. einen schriftlichen Aufsatz verfertiget, i» welchem Verstände, dieVersasser der schriftlichen gerichtlichen Aufsätze für arttere, und in weiterer Bedeutung, der Verfasser einer gewissen bestimmten Schrift, eines geschriebenen oder gedruckten Aufsatzes diesen Nahmen sicherten, und ihn, besonders im Oberdeutschen, noch bekommen. 2 ) In weiterer Bedeutung ist Schriftsteller ein jeder, welcher eine eigene Schrift durch den Druck'bekannt gemacht hat, welcher etwas geschrieben hat; mit einem Lateinischen Ausdrucke, ein Autor. Ein Schriftsteller ftyn, eigene Bücher oder Schriften drucken lassen. Der Schrempf, des—es, plur. inuf. in einigen Gegenden für Schrnmpfoder Feuchtschrumpf, deujeiüg.n Abgang an dem auf- geschütteten Getreide zu bezeichnen , welcher durch das Einschrumpfenoder Eintrockncn verursacht wird. S. Schrumpfen. Der Schritt, des---es, olur. die—e, Diminut. das schritt- chen, Oberd. Schri'ttlcin, von dem Zeitworte schreiten, i. Dis Öffnung der Füße zum Gehen, indem gewöhnlichen langfame.-r Gange eines Menschen oder Thieres. ») Eigentlich. Eine r Mmmmm z Schritt l i66o r6^9 Sch r Schnitt thun oder machen, einen Fuß vor den andern setzen, um sich dadurch fonzrchewegen. weite, enge, große kleine Schritte ehun oder machen. Mit starken Schritten kommen. Bey einem jeden Schritte stolpern. Mtt leisen Schritten gehen. Einem auf allen Schritten nachlaufen. Seine wankenden Schutte verrarhen Angst und Entsetzen. Schritt für Schritt, d. i. langsam, mit beoachtsamen Schütten, im Oherd.schrtttlings; iiigleichi, figürlich: Erwies dem Alten Schritt für Schritt H-er bald das Marte, bald das Leere, (in einem Gedichte) Gell. 2 ) Figürlich. Den ersten Schritt in einer Sache thun, den Anfang in derselben machen. Rann es ihnen denn sauer werden, den zweyteu Schritt zu thuu, wenn ein so liebreicher Vater schon den ersten gethan hat? Lest. Starke Schritte zu feinem GlüLe thun. Oie Jugend, welche den ersten Schritt m die Welt wagt. 2. Dir Entfernung bcyder Füße von einander im Schritte, die Werte der Öffnung beyder Fuße, "tt) Eigentlich, da es denn als' «in Maß der Länge, besonders als ein Feldmaß üblich ist. Es ist nur Ein Schritt davon. Seche Schritte lang. Tausend Schritte weit. Der gewöhnliche oder eins.rcheSchritt (Grellu;) wird auf 2, 2» auch wohl 3 Fuß gesetzet, dagegen der doppelte Schrjtt (^»llüs) 4 oder Z , der geometrische Schritt aber allemahl z Fuß hat. 2 ) Figürlich, von einer kurzen Entfernung so wohl des Raumes als der Zeit. Es ist nur Ein Schritt zwischen mir und dem Tode, r Sam. 20 , z. Ist cs wahr, daß von öer Zreundschaft nur Ein Schritt zur Liebe ist? Es ist ein kurzer Schritt vom Grabe zu der wiegen, Can. Z. Diejenige Art des Ganges, da mau einen Fuß langsam vor den andern setzet; die gewöhnlichste Art des Ganges, zum Unterschiede Voit dem Laufen. Ohne Plural. Einen Schritt gehen, im Oberd. schrittlings. Einen starken Schritt gehen. So auch Ler Schritt eines Pferdes, die langmmc, abwechselnde und wenig erhabene vorwärts gerichtete Bewegung aller vier Füße nach einander, so daß jedes Mahl nur Ein Fuß in Bewegung ist; zum Unterschiede von dem Passe, Trabe oder Trotte unb Galoppe. Da; Pferd gehet einen guten S« lltt. Ein Pferd den Schritt gehen lassen. Einen Schritt reiten. Anm. Im Tatran 8ärito, im Mieders. Gchrede, Schree. sD. Schreiten.) Von dem Nievers striden für sch'eitrn, ist in dieser Mundart auch Gtrede für Schritt üblich, Angels.8lw3Lcj-, Engl. 8i.ric!s. -. ^ Gä)rittlings,. s.6o. schreitend, ini Schritte; ein nur im Oberdeutschen übliches Wort, S. Schritt * und Z. Der SAßvittmefser, S. Schrittzähler. Der SchrittstHuch, des—-es, plur. die-r-e, glatte vierrckte vorn krumm gebogene Stäbe von Eisen oder Stahl, welche man unter die Schuhsohlen befestiget, um vermittelst derselben schnell Luj dem Eise fortznschreiten ; Schlittschuhe. Namler stngt von diesen Schrittschuheu: Und haben Schuhe von Stahl, der Mann der freundlichen v en'u s verbarg des Blitzes Geschwindigkeit drein. Im Niederst Striedschoh, von strieden, schreiten, ungleichen SeMtfchsh, von slidden, sliddern, gleiten. S. Schlittschuh. Der Schrittstein, des — es, plur/die —e, Steine, welche in ein seichtes, nichtticfes Wasser gelegt werden, um vermittels? derselben über dasselbe zu schreiten, ohne sich dir Füßoza beriesm. Schr Der Schrittzähler, des—3, plur. m norn. lm§. ein geome. irisches Werkzeug, welches in einem an einem Wagen angebrachten Räderwerke deftchel, dir Länge der Wege nach Schritten zu bestimmen; der Schrittmesser, wegcmcsser. - Schrobbsn, S. Schrubben. Schross, —er,—cste, sclj. et aclv. ein vornehmlich in doppelter Bedeutung übliches Wort. -) Rauh, viele Erhöhungen oder Ungleichheiten auf derOberfläche habend; wo es doch imHochdeul- schen wenig gehöret wird. Der rautenförmige Schwefelkies zu Frey b erg ist schroff, hat eine schroffe Ober stach?. Ein schroffer weg. Schroffe Felsen welche eine sehr rauhe Oberfläche haben. Schroff setzt größere,.vieklcichtauch schärfere Erhöhungen voraus als rauh. Im Itaiiäuischett läutet es ohne Zischlaut ru viclo.in Daiern roppet. Rlife, die rauhe Rinde aus einer Wunde, ist gleichfalls damit verwandt. 2 ) Jähe, steil, am häufigsten von Bergen und Felsen, so daß der'vorjge Begriff nicht ganz ausgeschlossen bleibt; da es denn im Oberdeutschen auch schroffig, schroffachtig lautet. Schaffe Berge. Schroffe F-lsen. Roch schlttf ich nicht ganz, als'ch mich auf einmahl an dem schroff- ftenTheile des schrrch'ltchstenFelseu sähe, Lrss. Anm. Zu der z-vevten Bedeittitilg gchöret dasSchwed.8!crast vu.7 eine Felsenspalte, welches vermittelst, des Zischlautes von ristva, reißen, spalten, abstan,wer, ivohin auch unser Schroff, das Lat. 8r:rup us, 8orupu1u8^!ipL-;, das Griech. und aridere mehr gehören. Die Schroffe, plur. die—N, ein mir im Oberdeutschen übliches Wort, d:e schroffe Seite eines Felsen, iugleichen einen schroffen gleichsam abgerissenen Felsen zu bezeichnen. Die hohen Schoos- ' fen, hohen und stellen Felsen, Walser. Im Ira!, ohne Zsschlüüt Groppo. S. bas vorige. Die Schroffheit, plur. inufl. der Zustand, da etwas schroff ist. 1 . * Die Gchrolle, f-lur. die—n, ein Oberdeutsches, fürScholle, d. i. ein Stück Erde oder Eis, übliches Wort, S. Scholl?. 2. Die Schrolle, plur. die — n , in einigen Gegenden, besonders Niederdentschlandes, ein Anfall von Unsinn und böstr Laune. Seine Schrollen haben, bekommen. Niederst Schrulle. Es scheinet hier vermittelst des intensiven Zischlautes von dem gelin- dern und weniger sagenden Grille gebildet zu seyn. Die Schröpfe pl ur. die—n, in der Landwirrhschast, die Handlung des Schröpfe,,,s in Ansehung des Getreides. Oie Schröpfe desWeitzens. S. , Schröpfen 1 . Das Schcöpfeisen, des —s, plur. ut nom. llüZ. cmeungc- wöhnli h gewordene Benennung der Lanzette derWundärzte, weil man ehedem das Schröpfen damit verrichtete. Schröpfen, v erb. reZ. nc!. welches in zwey dem Ansehen »och verschiedenen Bedeutungen üblich ist. 1 ) In der Landwmhschaft schröpfet man das Getreide, wenn Man es, ehe es in die Kiele tritt, müder Sichel abschneidct, damit es nicht zu stark und voreilig wachse. Den Weitzen schröpfen, in einigen Gegenden, ihn vergrasen. Es wird iil dieser Bedeutung gemeiniglich schrepfen oder schräpfen geschrieben. 2) Rtzen ; eine nur noch in einige» Fallen übliche Bedeutung. In dei, Küchen schröpfet man die Apfel, wenn man sie in vier Thule schneidet, die Oberfläche rings herummit einem Messer subtil ritzet oder anfhack-t, und sie hernach inWein kocht; geschröpfte Apfel. Die Gärtner schröpfen kranke Baume,-wenn sie die äußere A>..de dei selben mit einem Messer ansritzen, damit der Saft Luft bekomme. Am übUchlicn ist es von emrr Art des Aderlasses, da man ehedem die Haut mit eiuerLaiiz. ttc m»hruiahlsausritzre,um das z W i sch e i 1 F e ll t 1 n d F l e i s ch befindliche Bltbk abzirzapfrn; w> lches die älteste?irt desGcheöpssns ist. Jetzt b. i, jener man sich statt der Lanzette eines, eigenen G ch r öpf sch a i p p r r L z u den Eittschiliiten, und zur Attssaugiulg des Blutes 1 66 r S ch t Blutes der Schröpfköpft, da denn der Nähme des Schröpfeus gebliehnr ist, obgleich die Onsmatopöie bey dieser Erfindung verloren gegaitgen. Figürlich ist jemanden schröpfen ihn ans unbillige Art um sein Geld bringen. Der Wirth schröpft seine Gaste, ^rvenn er sich die Zeche zu thener bezahlen läßt. So auch das Schröpfen. Anni. Dieses Zeitwort, welches Herr Niederdeutschen und den mit ihnen verwandten Sprachen fremd zu seyn scheinet, indem die ersten das Schröpfen der Wundärzte Ropft setzen nennen, ist in Heyden Fällen eine Nachahmung des Lautes, so wie die Nieder, deutschen schrapen, schrubben u. s.f. ähnliche Laute, obgleich ganz verschiedene Handlungen, bezeichnen. Frisch leitet es daher in der letzten chirurgischen Bedeutung sehr unschicklich von dem Lat. las- riÜLars her; ohneZweifel weil ihm die übrigenBedcutungen unbekannt waren. Im Oberdeutschen wird es häufig schröpfen und schröpfen geschrieben, wcil-man daselbst so spricht, im Hochdeutschen hingegen sticht, wenigstens in der zweyten Bedeutung, das ö merklich hervor. Der Gchröpfkopf, des —es,plur. die — köpft, kleine cplin- drische Gefäße von Glas oder Messing, welche man über ein Licht hält, um die Luft heraus zu treiben, und sie geschwinde über den mit dem Schröpfschncpper aufgeritztenZheil der Haut decket, da sie denn das Blut aus demselben an sich ziehen; Ziehköpft, -Enß- köpfe, gleichsam Aderlaßköpfe, ehedem Badeköpfe, weil das Schröpfen eigentlich eine Verrichtung der Bader ist, und ehedem im Bade geschähe, mit einem Lateinischen Kunstworte ventosen, im Niederst nur Ropft, daher Ropft setzen daselbst so viel als schröpfen, und Ropfsetzer ein Bader ist. Kopf hat hier die Bedeutung eines Gefäßes. Der Schröpfschnepper, des — s, piur. ut norn. linZ. ein eigener Schnepper der Bader und Wundärzte, die zu demSchröp- ftn »öthigen Einschnitte in die Haut zu machen. S. 2 Schnepper. Das Schrot, des — es, plur. die—'e, Dinün. das Schröt- chen, Oberd. Gchrötlein. l.-Von schroten, der Quere nach zersägen, zerhauen, zerthei- len, zerschneiden, ist Schrot ein auf solche Art eurstandeneSSrück. i) Eigentlich. Wenn man den Stamm eines Baumes in Mehrere Stücke säget oder hauet, umBreter daraus zu schneiden, Klusierholz daraus zu schlagen n. s. s. so werden diese Stücke Schrote genannt; welchen Nahmen imForstwesen auch aste dickere Stückenf)vlz bekommen,welche zu mehrernScheitcn gehauen wer- den müssen. Die Schrote zu den Brünnenröhren, die Blöcke, eheste zu eigentlichen Nähren gedohret worden. Im Bergbaue wird eilt Gevierte vou Zimmerholz, womit rin Schacht aüsgeznu- anert uo-rd, ein Schrot genannt; ohne Zweifel auch, weil es aus vier Schroren bestehet. Ein von einer Stande Eisen abgehauenes Stück heißt im Eisenhandel ein Schrot. In we recer Bedeutung ist Schrot in vielen Fällen ein jedes Sn'ick eines Ganzen, ein ab- geschnitlenes, abgesagtes, abgehauenes Stück. Im Niederst ist Schraad oder Schrot ein Stück Leinwand, welches der Länge nach von einem ganzen Stücke abgesrhrritieu wordeu. Ein Betttuch bestehet aus zwep oder drev Schrorcn, wenn es zwey oder drsy solcher Stücke in der Breite hat. Ja Seit.Münzen werde» die aus den Zachen gehauenen runden Stück-', welche hernach gc- praget werden, Schrote genannt daher denn auch figürlich das gchorrgeGewlchr diewrStücke das Schrot heißt,welches doch nur in der N. A. Schrot und Born üblich ist, wo Schrot dcps gehörige Gewicht, Aorn aber die gehörige Güte des Me:ast.'§ bez ich- vet. Wachter lasset es sehr g^zwmrzen von dem Ä arischen La- rar abstammen. Nach einer noch >v ileru Figur gebraucht inan da ge R. A. Voit der innern Güte eines jeden Dinges. Ein ickann von altem Schrot und Bor», der nicht nur dre dau>reafft Sch t i66Z Gesundheit, sondern auch die offenherzige Redlichkeit der alteir Deutschen hat. Ehedem gebrauchte man auchSchrorallein in ähnlichen Figuren. So hat Frisch dirAusdrücke gef luden,nach altem Schrot, nach alter Weise, auf seinen Schrot ziehen, seine«- Weisefolgen, diesen Schrot brauchen, diesem Schrote Nachfahren, dieser Weise folgen; welche vermuthlich auch aus den Münzen entlehnet find, wenn hjer Schrot nicht vielmehr Schnitt überhaupt bedeutet. Auch die Abgänge von dem Schneideu,Sä- gen oder Hauen, die davon übrig bleibenden Stücke werden in manchen Fällen Schrote, und im Diminutivs Schrötchen oder Gchrötlein genannt. So führen diesen Nahmen in den Münzen die übrig gebliebenen Stücke Silbers oder Kupfers, nachdem die Schrote zu den Münzen ausgehaueu oder aiitzgeschroteu tvord'en; ingleichen bey den Oblaten-Bäckern, die Abgänge von den Oblaten, bey den Steinmetzen, die Abgänge von den Steinen, dr denndasWortSchrotauch oftcsllective gebraucht wird. Das in uianchen^Füsten gleichbedeutende Rratz, Gekrätz, ist damit verwandt, (S. 2 Rrätze.) Die äußersten Enden des gewebten Tuches führen in manchen Gegenden gleichfalls den Nahmen des Schrotes, (S.auchAnschroks.) Zn noch weitererBedeutung sindSchrote aste kleine Stücke eines Ganzen; wo es besonders als ein Costecti- vum, folglich ohne Plural, außer von mehrern Acten, in zwey Fällen üblich ist. 1) Klein gehackte Stücke Bley oder Eisen, damit zu sch-eßnr heißen rostective Schrot, zuweilen auch Sage!» Wolfsschrot, buchsschrot, äaseuschrst u. s.f. da denn in weiterer Bedeutung auch die runden gegossenenBleyköriter,deren man sich statt des gehackten Bleyrs bedienet, diesen Nahmen führe». Es ist hier als ein Collecrivum am üblichsten , mit Schrot schießen ; doch gebraucht man es auch von einzelnen Körnern dieser Art, zwep, drep Schrote oder Gchrotkörner. 2) Gröblich gcmahlnrs und ungebeutelles Getreide heißt in denMühlen und in der Hauswirkhschaft Schrot; Niederst Schradels,Schradkorn, Bohm.lvftot. Die Schweine mit Schrot futtern. Gerstenschrot, Rsckenschrot. Bohnenschrot, Erbscnfchrot u. s. f. gröblich gemahlne Bohueu oder Erbsen. 2) * Figürlich, wo cs in einigen Gegenden und in einigen Fällen etwas kleines in seiner Art bedeutet zu haben scheinet. Bey dem Frisch ist Gchrötlein ein kleines Gehölz. Auch die Obcrdent- sche Benennung des Alpes, da er Schroter, Gchrötlein Schretz, Schrctzel u. s. f. heißt, scheinet dahin zu gehören, ob sic gleich auch noch andere Ableitungen leidet. 2. In einigen Fällen scheinet dieses Wort auch denBegriff eines hohlen Raumes zu haben. Im gemeinen Leben mancher Gegenden werden die Behältnisse oderKavftln, welche die Landleute aus jungen Baumrinden machen, die Erdbeeren, Heidelbeeren n. s. s. dar, ein zu sammeln, Schrote genannt. An andern Orten heißen sie Ri'etzen, (S. 2 Rietze.) In den Bergwerken wird so wohl das Gebäude an der Seite der Nabstube, alsauchdas kleine Gebäude über den: Nande, welches auf dem untersten Saulwerke stehet, das Schrot genannt; welchen Nahmen sie aber auch führen können, weil sie vielleicht ans Schroten oder Blöcken anfcp'fiihret sind, zunrabl da das erste dieser Gebäude auch das Gchrotwerk genannt wird. Das Geschrote, so fern es von hem Hodensacke gebraucht wird, und das Lateinische gleichbedeutende 5 rroturrr gehören gleichfalls hierher, so wie ohne Zischlaut auch Grotte damit verwandt ist. (S. Schroten.) In einigen, besond-ws Oberdeutschen Gegen- den, ist dieses Wort im männlichen Geschlechte üblich, de« Schrot; im Hochdeutschenist das ungewisse das gangbarste. Die Schrotaxt-, s-!ur. die—äxte, eine Axt, welche wir eine Zimmermannsaxt gestaltet jst,Bänme damit von einander zu schro, .teil, oder zu hauen. Sie hat oben kein so breites und dickes Ohr, wie r 166A S ch r rvie.die-äolzaxt, damit keine so breite Kerbe nöthig werde. Die S chrotaktdec Bergleute ist ganz von Eis n, r nd hat die Gestalt eines Winkeleisens, wovoll die eine Seite drey Zoll breitund einen Zoll stark ist, die andere aber die Stelle des Stieles v- rtritt. D erSchrokchaum, des— es plur. die — bäume, die Bäume anden Gchro-leitern, ingleichen starke Baume, Lasten damit von den Wägen und auf dieselben zu schroten. DerSchrorbeutel, des—s plur.uk. oom. IrnZ. ein Beutel, worin dir Zägr tt.rd Schutzen das zum Schießen bestimmte Schrot bch sich fuhren. Der Scyrotbock, des — es, plur. die — bocke, ein Bock oder Gestell, Lasten damit von dem Wagen abznschroten. Der Gchrotdoprer, des—s, piur.uk uom. ling. ein Bohrer, welcher an dem Ende einen Haken har, der die Späne heraus ziehet. Man gebrauch! ihn vornehmlich, die Pumpcnröhren damit auszubohcen. Entweder von Schrot, ein solcher zu einer Pumprnröhre besiimmür Block, oder auch, weil er nur gröblich zermalmete Späne macht. Die Äcyrotbiichss, plur. die — N, eine Büchse, d. l. gezogenes Feuergcwehr, aus welcher mit Schrot geschossen wird; zum Unterschiede von einer Bvgelbüchse. Der Gchrothunzen, des—s, plur.m nom. stmZ. bey den Goldschmieden, ein Bunzcn, etwas damit abzuschroten; bey andern Meiallarb-itern der Gchrormeißel. Die Schrote, plur. die — n, bey verschiedenen Handwerkern und Künstlern, ein Werkzeug etwas damit abznschroten, welches in den meisten Fällen ein Gchroteisen, Gchrotmeißel u. s. f. genannt wird. Sürst bey den Schlössern-d Le Abschrote oder Nagelschroto ein scharfes Eisen ans einem Klotze, Nägel und andere Stücken Eisen darauf abznschroten oder abzuhanen. Das Gchroteisen, des — s,plur. ut nom. tivA. ein eisernes Werkzeug etwas damit abzuschroren. So wird ein Meißel mit oder ohne Heft, Holz, Stein oder Metall vermittelst eines darauf geführten Schlages damit abznsondern, in vielen Fällen ein Schrokcisen genannt. Auch die Gärtner haben ein solchesSchrot- erscn mit einem langen hölzernen Stiele, die verdorrten Zwerge damit adzustoßen oder abznschlagen, welches auch der Baummeißel genannt wird. Auch die Abschrote oderGchrore der Schmiede führet diesen Nahmen. Von schroten, schneiden, wird in einigen Gegenden das Messer, womit die Schuster das Leder zerschneide«, das Gchroteisen genannt. ^ Schroten, verb. re», außer, daß es im Mittelworte lieber ge- , schroten als geschrotet hat. Es ist eigentlich eine Onomatopöle, wclchcden Laut, den ste ausdrnckt, genau nachahmet, und ur- ftwüngiich als ein Nentrum üblich war, diesenLaut von sich geben, oder hervor bringen. Dis Zcliilste beZurrcisn scliroteo, bey dem Strvker; vermuthlich, die Schilde fingen an zu rasseln oder ein Geräusch zu machen. In dieser Gestaltest cs veraltet, indem wir es nur noch als ein Acrivum kennen, wo cs von mehrern sehr verschiedenen Handlungen üblich ist, welche aber insgesammt mit diesemLaute verbunden sind, oder doch ursprünglich damit vcr. Hunden waren. Diese Handlungen sind, i.Noaen, wenigstens diejenige Art des Magens, deren Laut . der im Zeitworte liegenden Onomatopöle am nächsten kommt, dergleichen dasNagen größererThiere an großenKörpcrn ist.Nieders. - schraken, und im Latein, ohne Zischlaut rollere. Im Hoch, deutschen ist es in d sser Bedeutung noch h-n und wieder gangbar, daher anch gewisse Arre« Käfer Schroter genannt werden. Siche -affelb., inale chen A-tze. 2. Gröblich zermalMn, auch nur von solchen Arten, welche mit diesem Lame verdttttden sind. Die Nagcchicre schroten das Holz, das Getreide, wenn sie es durch Nagen gröblich zermalmen. Am 1664 üblichsten ist es Ln den Mühlen, wo das Getreide geschrölM wird, wenn man es von dem Steine >n grobe Stücke zerbr.chcn läßt, ohne cs durch das Beutclruch gehen zu lassen. Geschrorene Gerste, oeschrotenes Malz, geschrotene Bohnen, Erbsen u.f.f. De; gli jchen aus den Mühlen gröblich geMahlneFrüchte denn auch cossecrive Seyrot genannt werden. Ohne Zischlaut sind auch Krüge, Rrant, so fern es ehedem gröbliches Pulver bedeutete, u.a. m. damit »er wandt. DaS Niederst schraden. Angelst lcre- ckün und Schwed, kkrälis, bedeuten gleich,alls zermalmen. 3. Mit dem diesem Zeitwerte eigenen Laute, anshöhlcn; wo es doch nur s iten vorkommt. Ehedem scheinet es auch in weitem Verstand, für ausböhstn übet Haupt üblich gewest,k zu styn, wovon denn Sch'ot ein hohles Gefäß, und das Gefchrote, der Hoden, sack. Lar. Lcrotuin, abstammen. Das Btrgit.ännische schroten, durch Eide und Besinn arbeiten, gehöe» l so wohl zu dieser, als der vorigen Bedeutung. Es ist daselbst besonders in den Zusammensetzungen crschrsten, uncrschroten, verschroten üblich. Der Bergmann hat starke Wasser erschroten, wenn er in Erbrechen eines Ganges oder einer Kluft aus Wasser kommt. Einen Gang mit einem Stollen ersci/rorcn, durch Führung odrr Grabung eines Stollens ans einen Gang komme». Ein uncrschrorcn-es Feld, wo noch nicht nach Erz gegraben worden, ein unerösfneles, im Gegensätze des vrrschrorenen Feldes« 4. Der.Querc ttach zercheilcn, es geschehe nun durch Sägen, Hau n, Schneiden oder auf andere Art. ,) Eigentlich; Niederst schraden, schon bey dem U-philas sicreitan, im Angelst l'crea.- clun, im Engl. ko sckrecl, ko Istrouci. Besonders von denjenigen Gattungen des Thailens dieser Art, wobey der diesem Zeitwerte eigcnrhümliche Laut Statt findet, welches bey dem Zerthei- len großer, harter, aber doch dabey gewijstr Maßen zäher Körper zu geschehen pfleget. Emen Baum m zwey Stücke schroten, ihn in der Onere in zwey Stücke theilcn, es geschehe nun durch Hanen vermittelst der Schrocarr, oder durch Sägen vermüttlst der Schrotsäge. Die Nadler schroten den Draht ;n Nadeln, wenn sie ein Pack Draht mir der Gchrorschere dnrchschneiSeu. Bondi serBedentung stammet vermuthlich das Niederst schrad, schräge, ab. 2) I,, weiterer Bedeutung wird es in vielen Fällck für zertheilen überhaupt gebraucht, es geschehe nun durch Schneiden, oder durch Hauen, Sägen n. s. s. wo doch immer mit aiisden eigeiithnmlichen Laut des ZcitwortesNückstcht genommen werden muß. Die Schmiede schroten ein Stück Eisen entzwep, wenn sie cs entzwey hauen, d. i. es auf das Schrotersen legen, oder auch den Schrotmeißcl darauf setzen, und es solcher Gestalt vermittelst des Hammers theilcn. Geschrotene Eisen sind im Bebaue von dem Stangeneisen abgeschlagene Stücke. Zn den Mim« zen werden die Zaine geschroren, wenn man mit einem hehlen, runden, scharfen Eisen die rnndenStücke, welche hernach gepräget werden, aus den Zainen hauet. Ansehen dieselbe Arr werden auch die Mblasen ßeschrotcn. Eben so wird es in vielen Fällen stir sägen gebraucht. Die Kammmacher schroten das äorn, wenn sie es sägen. Jnglcichen für schneiden. Ehedem schrotete man das Getreide, wenn man es mit der Sichel abschnitt, ja man gebrauchte es vor dicstm von einem jeden Schneiden mit der Schere, in welchem Verstände das Niederst schraden noch üblich ist ; daher ein Schneider ehedem auch Schroter Niederst Schrader genannt wurde. Liu Hochdeutschen ist es hier wenig mehr gangbar, außer in einigen Fallen des geuikiiienLebene; derehemahligc ßgur- liche Gebrauch aber ist völlig veraltet. !Vlin lib iliubuZeschroten, wem Leben ist abgekmzet, Notker. Er beschrottte ihre Pfründen, für beschwtt, Walser ein Schweizer. Okme Z ick laut ist auch im Böhm. Hrakj schncideli. Z) *Eine F gur vieler L e- deutung desTheitens,Zertheriens scheinetauch der nunmehr la» l L66z Sch r Veraltete Gebrauch für erforschen, durchforschen, zu seyn, wo es mit dem Lat. l'cruisri sehr nahe verwandt ist. 8ie ourklcro- lerou, sie durchforschten, Nork. bey welchem lcrocievcie auch scrula.vt.e5 ist. Wenn es hidr nicht vielmehr eine Onomatopöie des Fragens, der menschlichen Stimme, ist, da cs mit grüßen, Nievcrs.grören, verwandt seyn würde. Zm Schwed, ist ik, AÜL aiiswühlen^ inieders. so fern es von.dem Auswahlen der Speisen gebraucht wird, kruden, wo der Begriff des Zerrheilcns der her- vvrstechcndftr ist. z. Schieben und wälzen ; doch auch nnr von dieserBehandlung schwerer Körper, welche, wenn sie geschoben oder gewälzet werden, den diesem Zcirworre eigenen Laur niachen,daher es nur in ei, nigeu Fällen üblich ist. Im Lat. ohne Zischlaut rotare, bey dem Pictorius roden, movere ac rnoliri, wohin auch unser Fre- gueneativnm rürteln gehöret. Einen G. ein fo>. tschrotcn, müh- sam fortschieben oder sortwälzen. Eine Last von dem Wagen, auf den wagen schroten. Ein 8aß Wein, em 5 aß Bier in den Rrller schroten,aus dcmAeller schroten. (S-Schröter,Schrot- leitcr Gchrotseil.) Hierher scheinet. doch ohneZisch-laur,auch das Niederst kroden zu gehören,welches besonders in den Torfländern üblich ist,wo der gegrabene Toefgekrodct wird,wenn er ans einem Karren an den Öl t geschoben wird, wo er trocknen soll, welches von den Arodern geschehet. So arich das Schroten. Anm. Ehedem ging dieses Z üworl irregulär; Jmperf. ich schriet, Mittclw. geschritten oder geschworen, von welcher Form noch jetzt das Mittelwort geschworen ,'ür.geschroret üblich ist. Der Schröter, des —s, ^rlur. urvorv. livß. vondemvorigen Zcitworke. ».Eiic Werkzeug zumSchroten. So wird ein Schrot, eisen oder Schrvtmeißel in Gestalt eines Hammers, d. i. ein Ham« nur, welcher an einer Seite ein Meißel ist, an der andern aber eine Bahn hat, Eisen und Stahl damit von einander zu schroterv oder zu hauen, im Bcrgbaue und anderwärts ein Schröter, in- glcichen Gchrothammer, Schrotmeißel genannt. s.EinThicr oder eine P-rson, ivclcke schrotet; im letzter» Falle im Famin. die Schröterinn. i) Von schroten, nagen, werden die Käfer in manchen Mundarten Schröter genannt, so wie sie von kauen den Nahmen Raser haben, (S. dasselbe.) Im Hochdeutschen ist der gehörnte Käser oder H rschräfer. 8cvr3baeus cervus l- auch wohl unter dem Nahmen des Zeuerschröters oder 6ornschröters bekannt,und in manchen Gegenden heißt er nur Schröter schlecht, hin. 2) Von schroten, hauen, sögen, schneiden, ist-Schrorer in vielen Fällen derjenige, welcher dieses verrichtet. So.heißl in den Münzstätten derjenige, welcher die Schrcnstücke aus den Zar, nen schrotet, der Münzschröter, in den Messerfabrikcn derjenige, welcher die Beine, Knochen u. s. f. zu den Messerschalen zer, schneidet, der Schalenschröter u. s. s. Ehedem wurden auch die Schneider Schröter. Niederst Schrader, genannt, welche Wöc- ternur noch als ergenlhümliche Nähmet! üblich sind. Indessen heißt im Schwed. 8iera.ciciLt e noch jetzt ein Schneider. 2) Von schroten, wälzen, schieben, sind die Schröter gewisse vernichtete Arbeiter, welche das inFässern befindliche Getränke in die Keller und aus denselben schroten; B erschröter, zum Unterschiede von den weinschrökcrn. Ich will Schröter schicken, die sic ausschrorcn, wnd ihre Hasser auelceren sollen, Zerem. 48, r2. Anm. Wenn derAlp in einigenDberdeutschenGegendenGchrö- rerleitr, Gchrotlein, und verderbt Schrctz genannt wird, so^chei- net damit auf dessen drückende Eigenschaft gesehen zu seyn. Siche Aip. ^ie Gchrotform, xlur. die —en, S. Schrotmsdel« Der Schrotchammer, des — s, xlvr. dir —Hämmer, fiehe Schröter '. Del, M. iS.I.Th. s.Aust. Sch r 1666 Der Schrokchohel, des —s, prlur. ui vorv.livß. bey den Z-sch- lern, ein Hobel, dessen Klinge eine rundliche Schneide har, das Holz damit aus dem Groben zu behobeln; der Scharfhobel Schrupphobel, zum Unterschiebe von dem Schlichthobel Die Schrotkle)?e, plur. inus. oder die Schrotkiepen,liv^. rvul. bey den Müll« rn, die gröblichen Kleyen,welche voil dem Geiess' in dein Siebe zurück bleiben. Das Schrotforn, des—es, pivr ectr. aellbrotenes Kor,! oder Getreide, weiches auch nur Schrot schlechthin genannt wird. Die Gchrotleiter, pilur. die —n, zwey an beyden Enden in Gestalt einer Leiter verbundene Bäume, Lasten und Fajstr damit in die Höhe oder in die Tiefe zu schroten; von schroten, wälzen, schieben. Niederst Skricktedder. Der Schrötling, des—es, pkir. die—e, ein abgeschrelenes d. i. abgehanencs, abgesägtes oder abgeschnilttnes Stück; ein SchrorstÜck. So werden in den Münzen die ans den Zainen geschrittenen Stücke, in den Eisenhämmern die vou den Teulcn ab- geschrorenen Stücke Eisen u. s. s. Schrötlinge genannt. Das Schrotmehl, des—cs, xlur. ivuli m den Mühlen, das gröbliche Mehl von dem Griese des gespitzten Weitzens. Der Schrotmeißel, des—s, xlur. ui vorn. livZ. bey verschiedenen Handwerkern und Künstlern, ein Meißel, vermittelst Eines oder mehrerer darauf geführten Schläge damit zuschroten, d. i. zu. hauen oder z» zertheilen; dergleichen Meißel die meisten Metallarbeiter haben. S. Schröter - . Das SchrotmessmF, des —es, xiu>. inus. gcschrotrnes Messing, Messing m kleinen Stücken. So pflegen die Nadler allen Abgang von demDrahte so wohlSchrotmessmg als Lrätzmes- sing zu nennen ; Franz. Gotirlaükes. Der Schrotmsdel, des—s, plur. ui vom. livZ. derjenige Model oder die Form, worin das Schrot, d. i. die zum Schießen bestimmten Bleykörner, gegossen werden; die Schrotform. Der Schrotsack, des—es, plur.die—sacke, in der Geschütz- kruist, besonders auf den Sch ffen, kleine Säckewelche mit Car- täischcn-Zeng, d. i. gchackrem Bley und Eisen, kleinen Kngela u. s.f. gefüllet und ausKanoitt» geschossen werden. Die Schrotsäge, plur. die—n, eine große lange Säge, mit zwey senkrechten Handhaben, Bäume damit zu durchschroten, d. i. nach der Quere durchzusägen; die Baumsage. Von schroten, sägen überhaupt, pflegen die Kammmacher diejenige Säge, mit welcher sie das Horn schroten oder sägen, die Schrotsäge zu nennen. Die Schrotschere, plur. die —n, in vielen Fällen, eine große Schere, andere Dinge damit zu durchschroten oder zu durchschner- deu. Von dieser Art ist die große Schere der Nadler, ganze Packe Draht auf Ein Mahl damit zu durchschnciden. Das Schrotschwein, des —cs, xlur. die—e, in der Haus- wü thschaft, besonders Niedcrsachsens, kleine, zum Schlachten de» stimmte oder geschlachtete Schweine, welche keine ganze Speckseiten, sondern nur Schrotspeck geben, d. i. mttsammr den Nippen der Länge nach durchgrhauene Speckseiten.. Das Schrotseil, des—es, xlur. die—e, ein starkes Seil der Bürschrötcr, Weinschrittcr und anderer Ablader, Fässer und an- dereKasten damit in die Höhe oder in die Tieft zu schroten. Der Gchrotfttthl, des —es, plur. die —stähle, bey den Drechslern der Stahl oder das Drehelsen, einen Körper aus dem Gcsben damit abz,-drehen,.wie der Schrothobel der Tischler, ihn aus dem Groben z> behobeln? Das SchcorstüL,des—es, plur. die—,. 1) EinabgeftLrete- nes, d. i. abaeschlNltcnes, abgesägtes oder abgehauenes csrück, in verschiedenen einzelnen Fällen. 2) I,l der Geschntzkunsi wird eche Kanone,welche 48 Pfund Eisen schießt, und 84 oder Call- Nnuttn ökv Ht-r iir die Lange hält, auch ein Schrorstück genannt. Etwa, weil mausie ehedem gern mit Schrot, d. i. gehacktem Btey oder / Eisen geladen ? Oder, weil man nicht so wohlKugeln als Schrote, ch. r. Stücken Stein, daraus schoß, daher sie au ch Sceinstücke ge. ?nannt werden? Oder von schroten z, wegen ihrerSchwere? Weil sie, wie ein Mörser, mit einer Kammer versehen sind, so werden sie auch Äammerstücke genannt. Die Schrotwcrge, plur. die —n, ein Nähme, welchen auch die Blep- oder Seywage führet, die horizontale Richtung einerLinie oder Fläche damit zu messeir. Etwa von Schrot, so fern es ehe. dem auch den Fall, d. i. den Abhang einer horizontalen Fläche, bedeutet haben kann ? Das Scyrotrverk, des—es, plur. änus. im Becgbaue, diejenige Art der Auszimmerung eines Schachtes, wo selbige mit Schroten, d. i. Baumsincken, geschielier, welche in das Gevierte -über einander gelegt werden. S. Schrot. Der Schrotwurm, des—-es, plur. die—würmer, in einigen , Gegenden ein Nähme der Erdgrille oder des Gerstenwurmes, Orillodulpu, weil er die Wurzeln der aufgegangenen Gerstensaat abschrotet oder abnaget. S. Erdgrille. Das Schrotzeuy, des—es, plur. iuus. in den Münzen, diejenigen Werkzeuge, welche zum Schroten der Münzen gehören ; als ein Collecuvnm. Gchrubbeln, vsrb. reZ. aet. welches das DlMl'n. des folgenden sist, aber nur Hey den Tuchwebern gehöret wird, die Wolle zwischen zwey Kämmen kämmen oder zerzausen, um die langen und kurzen Haare über un d neben einander zu werfen. Schrubben, vevb. reg. nct. welches eine unmittelbare Nachahmung eines gewissen Lautes ist, welcher z. B« entstehet, wenn ein rauher Körper mit stumpfenBeftri oder steifen Bürsten heftig ge. rieben wird, welches imNieders« schrubben,im Holland, lckrod. den, im Engl. to lorub, und imSchwed. skrubba heisst, da es denn zugleich ein doppeltes Znkensivum von reiben ist. Daher wird der stumpfe Besen, oder die steife Bürste, womit ein Ding gescheuert wird, im gemeinen Leben ein Schrubber oder Schrub- berr genannt. Die Tischler schrubben , wenn ste ein Holz ans dem Groben behobeln, daher der Schärf- oder Schrothobel, wo- mit solches geschiehet, in vielen Gegenden auch der Schrubbhobel oder Schrupphobel genannt wird. Schroff, Schraube u.a. nr. sind mit diesem Worte nahe verwandt. Der Schrumpf , des — es, plur. die—e, von dem folgenden Leitworte, der Zustand, da einKZrper schrumpfet oder einschrum« pfec; ohne Plural. Man gebraucht es nur in dem zusammen gefetzten Zruchtschrumpf, den Abgangzu bezeichnen, welchen das Getreide auf demBoden durch dieErntrocknung an dem Masse erleidet. Angleichen eine Runzel oder Falte, im gemeinen Leben G'chrumpel; wo es doch im Hochdeutschen wenig gehöret wird. Schrumpfen, verb. rsZ.ueutr. welches das Hükfswort ftyner- fordert, Runzeln oder'Falten bekommen. Das Wasser schrumpfet, wenn es anfängt zu gefrieren, da es dem Scheine nach auf der OberstächeRnnzeln bekommt; die Milch schrumpfet,wenn sie ansängt zu gesiunen. Besonders wenn diese Runzeln dürchAus- trocknnltg der Säfte entstehen'. Die Apfel schrumpfen, wenn der Saft verdunste^ so dass ste auf der Oberfläche Runzeln bekommen. Zusammen schrumpfen, durch diese Eintrocknung runzelig und zugleich kleiner werden. Man gebraucht es auch wohftals cinRe- eiprocum, sich schrumpfen. -Die Zaut schrumpft sich. So auch das Schrumpfen. Anm. Im Rieders, schrumpen, und im Zterativo odcrJnten- sivo, welches auch im gemeinen Leben der Hochdeutschen nicht ftl-' kcn ist, schrumpeln, .im Schwed, slerumpeö. Das sch ist hier -- Zeichen der Antensio», daher es nicht nur mit krimpfen i»dec krumpfen, sondern auch mit rümpfen nahe verwandt ist, (S. die« ft Wörter.) Zm gemeinen Leben ist auch Schrumpel, Niederst ohneZischlautRumpel uild Rimpel, für Runzel, Falke, üblich. Schrumpffg,—er, —ste, ach. et säv. Schrumpfe, d. i. Nun- ze ln, habend; im gemeinen Leben schrumpelig. , Die Schrunde, plux. die— N, Diminut. das Gchründchen, Obcrd. Gchrimdlein, ein im Hochdeutschen seltenes Wort, ,vel- chcs im Oberdeutschen am gangbarsten ist, einen Riss, Ritz oder Spalt in festen Körpern zu bezeichnen. Die Schrunden der Felsen , oder in den Felsen, die Spalten, Riffe. Das Eis hat Schrunden, Spalten. Schrunden in der Erde. Im Hochdeutschen gebraucht mau es noch zuweilen von den Spalten oder Rissen, welche in der Haut des menschlichen Körpers entstehen, von vielem Waschen bekommt manGchrunden an denZanden, von der Aalte Schrunden an den Lippen u. s. s. Im Oberdeutschen ist es auch im männlichen Geschlechte gangbar,der Schrund, des —cs, plur. die Schrunde. Schrunden, verb. reZ. nur daß es im Mittelworte nicht ge- fchrundet, sondern geschwunden hat. Es ist ein Neutrum, welches das Hülfswort seyn erfordert, und gespalten werden, aufspringen, einen Riß oder mehrere Riffe bekommen, bedeutet, und im Hochdeutschen wenig, im Oberdeutschen aber desto häufiger gehöret wird. Die Erde schrunder vor Zitze, reißt auf, bekommt Spalten. Geschwundene Lippen oder Zände haben, aufgesprungene. Zuweilen wird es auch als ein Neciprocum gebraucht, sich schrunden. Die Mauer schrundet sich, wenn sie Risse bekommt. Amm. Es ist ohneZweifel auch ursprünglich eiueOnomatopöie, welche den mit dem Anfspringen oder Spalten verbundenen Laut nachahmet. Im Oberdeutschen wird ein Riss auch ohne Zischlaut eine Runze genannt. Hornegk gebraucht das Wort Schranz für einen solchen Riss oder Spalt. Schrein, Schrank, Runzel und andere sind damit verwandt. Aus dem Miltclworle geschrnnde» für geschrundet erhellet, daß dieses Zeitwort ehedem irregulär gewesen ist, und vielleicht ich schwinde. Ampers, ich schwunde, Mitteln», geschwunden, Infinit. schwinden, gelautet hat. i.'*DerSchub, des — es, plur. die—e, ein setzt völlig veraltetes Wort, welches aber ehedem für Augenschein, Besichtigung sehr üblich war, da es denn von schauen abstanimel, und für Schau stehet. Daher sagte mau ehedem, den Schub nehmen, besichtigen, in Augenschein nehmen, jemanden mit Schub über- - kommen, ihn durch den Augenschein überführen u. s. s. Siehe Frischeus Wörterb. ingleichen den Schwabenspiegel Kap. Z? be- dem Schiller. s. Der Schub, des — es, plur. die Schübe, von dem Zeit« Worte schieben. ,. Die Handlung des Schiebens, so wohl alsein Abstractum und ohne Plural, als auch als ein Concretum, von einzelnen Handlungen dieser Art, und mit dem Plural, i-Eigentlich, wenigstens in der jetzt gewöhnlichstenBedeutung desZeiuvor- tes. Einen Schub thun, Eiu Mahl schieben, z. B. im Kegelspiele. Bey dem Kegelspiele darf in dem Schub niemand reden. In einem Schube. Das Jntensivum davon ist Schupp, (S. dasselbe.) 2) In weiterer und figürlicher Bedeutung, (a) Von schieben, so feen es ehedem auch für schicken, trauspormeu üblich . war, ist im Oberdeutschen, besonders im Österreichische!!, der Schub noch für Transport, Fortschaffung, üblich. Der Schuh des Getreides, der Äornerschub, d. i. der Transport. Daher wird auch der Transport des liederlichen Gesindels auf der Donau vonWieirnach tlngacn zu Wien der Schuh genannt. Den Schub vornehmen, diesen Transport; wo Frisch das Wort irrig von schauen ablriter, indem es im Dsterrcichischen von demTraus« 'chorte aller Sachen gangbavist. (b) So fern schieben ft viel ist, . §ls neue Zähne btstommen, ist dqftlbstder Schub auch dasZah- ttttt. 1669 Sch§ SchU ^-670^ nen, die Überkommung neuer Zahne, wenn ein Pferd zrvey und ein halbes Jahr alt ist, so thnt es dtn^ersten Schuh, r>n vierten Jahre den zweiten u. s. s. L>o fern lchieben ehceenr auch für appelliren gebraucht wurde, -st Sa-ub m riiiigen Oberdeutschen Gegenden , besonders im Österreichischen, noch die Appellation. Daher das Schubamt, ein Appellanons- Gericht, der Schubschreiber, derjenige, welcher die Appellationen indem Ge- richte ausferüget. (d) Ehedem wurde auch Schub schlechthin für Aufschub gebraucht, und bey dem Logau kommt Be^schub für Beystand, Vorschub, vor. ^ . 2. So viel, als auf Ein Mahl geschoben tvrrd. Sotstbeyden Bäckern ein Schub Brok, Semmel n. s. f. so viel, als auf Ein Mahl in den Ofen geschoben wird. Ein Schub Jegel hingegen ist ein Spiel Kegel, soviel Kegel, als zum Kegelschiebengchören, In Regelschub aber bedeutet es den Ort, wo Kegel geschoben werden. „ z. An den Schiffen wird dieKriimnmng der ersten RerhenBre. terder äußern Verkleidung vom Kiele heraufbis üdcr die Bauch, stücke der Schub genannt; ohne Zweifel von schieben, so fern es ehedem auch sür krümmen gebraucht wurde. Anm. In der ersten eigenilichen Bedeutung im Nieders.Schnf, im Engl. 8üo ve. In den meisten der folgenden Zusammensetzungen ist für Schub — auch Schiebe —oder Schieb — üblich. DerSchubbiack, des—es, p!ur. die—e,S.Schuft. Das Gchübblöch, des—es, xlur. die—e, bey den Bäckern, dasjenige Blech, welches vor den Ofen geschoben wird, um denselben zuzumachen. . ^ . Das Schubfenster, des — s, xlur. ut vom.lluA. einFenster, welches in seiuerNuth auf- und zugcschoben wird; ernSchubling. Gchubisch, oderTchiebtsch, —er>-te, ach. et aäv. ein nur im Bergbaue übliches Wort, welches für abhängig, doch nur von einem sanften, stachen Abhange, gebraucht wird; im Gegensätze des horizontal. Eine schnbische Flache, eine abhängige, donlege. Gleichfalls von schieben,gleichsam einen Schub, d. i. Fall oder Abhang, habend. < Der Schubkarren, S. Schiebekarren. Daherder Schubkar- ' ner oder Schiebkarner, der gewöhnlicher Weise mit cinemSchub- karren fahret. . Der Schubkasten, des-^s, plur. ut nom. ünZ-Dumn. das Schubkästchen, Oberdeutsch Schubkästlern, einKastcnin einem größer» Behältnisse, welcher heraus und hinein geschoben werden kann ; die Schublade. . Die Schublade, plur. die—N, Dirrwmt. das Schvbladchen, S. das vorige, ingleicheu Lade. DerSchüblinF, oder Schieblintz, des es, plur. die in einigen Fällendes gemeinen Lebens, ein Ding, welches in oder auf eiie arideres geschoben wird. So beißt eiuSchubricgel in manchen Gegenden ein Schübling oder Schübel, welchen Nahmen zuweilen auch ein Schubfenster bekommt. Voll schieben,au^wach- scn, besonders schnell aufwachsen, ist Schübling in einigenGegen- den ein junger Baum,ein aufgeschossenes Bäumchen, welches auch wohl ein Anfschüblnig genannt wird. Das Sch üb loch, des—es, vlur. die —lccher, im Huttenban v Löcher, welche quer durch den Trcibchut gehen, rmd wodurch.^- Holz auf den Herd geschoben wird. Der Schubochs, de§—en, rrlur. die— en, em Ochs , welcher das Joch an der Stirne tröget, folglich die Last mehr schwer, sls eigeiltlich ziehet; der Schiebochs, zum Unterschiede von ^>n Zugochsen. DerSchubrieyel. des—s, xlur. ut nom. ünF. -st-egek welcher zur Befestigung berge schoben wrch zum Unterschiede van Riegel in brr weitesten Bedeutung. jJndrssen wird ein solcher Schubriegel am' häufigsten nur Riegel schlechthin genannt. L er Schubfach, des—es, x!ur. die—säcke, ei» vornehmlich im Oberdentschen übliches Mort, eine Tasche an der Seitecincs Klei^ ungsstiickes zu bezeichnen, welches auch Gchiebsack lautet; Niederst Rüpsack, Riepsack. Der Schubut, S.Schufur. Die Schubwanö, plur. die— wände, im Bergbaue, Theile eines Ganges, welche das Wasser abgeschoben hat; Geschiebe. Schüchtern, — er, —ste, ÄÜj. et süv. 2 ) *Jn thätigem Verstände, Scheu und Furcht crweckend,furchtbar, fürchterlich ; eine nur m einigen OberdcntschenGegendcn übliche, im Hochdeutschen aber völlig unbekannte Bedeutung. Die unermeßlichen Rlüfte kommen denen, die fle nicht gewohnt sind, schlichter vor, Altmann von den Schweizer. Eisbergen. 2 ) Im leidenden Verstände, geneigt, bey dem Anblicke eines Übels leicht in Schrecken z» gerathen, und bey dessenAnnäherung zu fliehen.Em schüchternes Reh. Schüchtern antworten. Sich schüchtern Umsehen. Änm. Im Oberdeutschen ohne n schlichter. Es siammetvon scheuchen ab, und vielleicht von einem veralteten Jntensivo desselben schlichten, von welchem vermittelst der Ablertungssylbe —er, oder—ern, schüchtern gebildet worden. Die Schüchternheit, plur. inuft in der zweyten Bedeutung des vorigen Wortes, der Zustand und die Fertigkeit, da man schüchtern ist. SchuEeln, verd.reZ. sct. welches das Jntensivum un'oJtsra- vum von schaukeln ist, schnell schaukeln , aber nur im gemeinen Leben gehöret wird; Niederst suckeln. Es war ein Thurm da, funfzig Ellen hoch voll Asche, und auf der Asche stand ein umlaufend und Schuckelrad. Darauf räderte man die Gottes-- lästerer und großen ssbelchater, 2 Marc. 1 z, L, 6. Die Schaffe, plur. die—u, >in nur in einigen Gegenden übliches Wort, ein Gefäß mit einem langen Stiele zum Schöpfen zu bezeichnen, dergleichen die Seifensieder, Bierbrauer u. s. f. ha- bftr; eine Schöpfgelke mit einem langen Stiele. Die Bicrschuffe, oder Ausbruchschliffe, in Meißen, das Bier oder Wasser damit ausznbrechen, d. i. aus dem Bottich oder der Pfanne in dir Rinnen zu schöpfen. Böhm. 8äaufs. Es ist mit Schöpfen, Schaufel, u. s. f. verwandt. In einigen Gegenden, z. B. nn Mecklenburgischen, hat man auch eine Art des Fischerhamens, welcher Schliffhamen genanntwird, wo cs aber von schieben, Rieders, fchnven, schuftn, abznstammsir scheinet. Der Schuft, des—es, xlur. dic-^-e, in den niedrigen Sprrch. arten, eine verächtliche Benennmig eines armseligen, bettelhaftcn Menschen. Frisch und andere glauben irrig, daß dieses Wort nur allein von armen Edellcuten gebraucht werde, und leiten es daher, obgleich seltsam genug, von Schoppe, Schöffe, oder schaffe», befehlender' obgleich die hohe Verachtung, welche diesem Worte airklebt, sie vor dieser Ableitung Härte warnen sollen. Im Nie, dersächsifchen lamet dieses Wort sowohl Schuft als SchufuM, Gchäfaat, und Schubbejack, Schubbiack. Dasletzte stammet ohne Zweifel von schnöben und Jacke her, nnd bezeichn, t einen, der vor Armuth dem Ungeziefer ausgesetzet ist. Die e/strrn leiden eben dieselbe Ableitung, können aber auch mir einen Menschen be, deuten, welchen man seiner armseligen Beschaffenheit wegen aus allen Gesellschaften fortschiebet. Das Englische 8eab bedeutet gleichfalls einen Bettler, und flink armscUa, schäbig. Im mürlcrnLat. isiLstcubotlr?, in:d im alt Franz. Ll'enüort, Cfcs- bouffeur, ein betriegerischcr Mensch. Im Niederfächfischen hat man auch das Bet,-- und Nebenwort schuftig, bcUclhaft, armselig Ntt n rrld 2. > ^ Dee L 6? 1. Sch u Der Schufüt, oderSchubut, des—es, plur. die—e, in ben gemeinen Sprecharken, ein Nähme dec großer« Enlenarten, welch e auch Uhu genannt werden. Im Oberdeutschen Schaufeule, Schauffaut, Nieders. Schuvunt, Schuh», Franz. Lbouelte, ohne Zischlaut im Schweb, O?, und in einigen Oberdeutschen Gegenden Auffe. ES ahmet,so wie Uhu, ohne Zweifel das dumpfige, traurige Geschrey dieses Vogels nach. S. Uhu und Eule. Der Schuh, des —es, plur. -ie—e, Dimin. welches doch nur zuweilen im gemeinen Leben vorkommt, das Schiihchen, in der niedrigen Sprcchart Schuchelchen. 1. Eine jede Bekleidung oder Bedeckung, besonders des äußersten Theiles eines Dinges, so fern selbige eine hohle Gestalt hat, und aus einer etwas festen Materie bestehet; doch nur in verschiedenen einzelnen Fällen. So wird eisernes hohles Beschläge,womit das Ende einer Stange, einesSpießes,eines Pfahles», s. s. beschlagen wird, sehr häufig ein Schuh genannt. Der Schuh eines Pfahles, eines Spießes ist nähmlich ein solcher spitzig zerlaufender hohler Theil, der das unterste zugespitzre Ende bekleidet, damit daff'lbc, wenn es in die Erde gesiccket wird, sich nicht so bald abnntze. Der Zliritenschuh der Reiterist eine längliche lederne Büchse an der rechten Seite des Pferdezenges, die Flinte darein zu stellen. Von ähnlicher Art ist der Zahnenschuh, welcher eine Scheide von Leder oder Wachsleinwand ist, worein der unterste Theil der Jahns im Tragen gesteckt wird. Die Eckschuhe an den Kasten, Koffern, Laden N. s. s. m,d eiserne Beschläge der Ecken, damit selbige sich nicht abstoßen. Das rund geschmiedete bohle Eisen, welches vorn an die Linse eines Blasebalges gesteckt wird, und in die Form kommt, heißt rm Hüttenbaue u. s. f. ein Schuh. Eben diesen Nahmen führen im Bergbaue so wohl die kurzen Schwellen, worin die Spießbäume ruhen, als auch die kleinen Hölzer an den Kunststangen, wodurch die Stecknadel gehen. Unten an dem Rumpfe der Windmühlen ist der Schuh eine schräge Rinne, durch welche das Korn ans demselben aufden Stein fällt. Der Hemmschuh decFnhrleute ist ein Holz an eincrKette,womit sie cinRad einzuhcmmen pflegen. Und dieHand- schuhe,was sind sie anders als Bekleidungen der Hände ? DieNie- men, welche den Falken um die Füße gelegt werden, die Wurfe ie- men daran zu befestigen, heißen gleichfalls dieGchuhe,noch häuft ger aber colleclivc das Geschütze. Das hornartige Wesen oder die hohlen Schalen an den untersten Theilen der Pferde,desRind- Schaf- und Schwcineviches,ingleichen der Hirsche u. s. f. ist überall unter dem Nahmen eines Schuhes bekannt, welchen Nahmen auch wohl die harte Haut an den Füßen einiges Federviehes bekommt, besonders nachdem dieselbe abgestreifet worden. Figürlich pflegt man in manchen Fällen auch wohl das äußerste Ende an einem Dinge den Schuh zu neunem So führen diesen Nahmen die Heyden krummen Stücken unten an einer Brechstange. 2. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist der Schuh ,) die mit einer festen Sohle versehene Bekleidung des untern menschlichen Fußes bis a» die Knöchel, da es mir von solchen Bekleidungen dieser Art gebraucht wird, welche den ganzen untern Fuß bis an die Knöchel bedecken, zum Unterschiede von den Pantoffeln u» s. f. Ein paar'Schuhe. Lederne, zcugene Schuhe u. s. s. Zilzschuhe, Holzschuhe u. s. s. Umgewendete Schuhe, welche anfänglich so gemacht werden,daß die inweudigeSeice auswärts gekehret ist, woraus sie umgekchret werden. Der Schuh an einem Stiefel, zum Unterschiede von dem Schafte. In dem Worte Schrittschuh kommt es in etwas uueigentlicherBedentimg vor, (S. dasselbe.) Ans den Kinderschuhen getreten sepn, die Kiuderjahre zurück geleget haben,im gemeinen Leben,aber unrecht, du" Kinderschuhe ausgetreten haben, (S. Lnstreten ) Etwas an-den Schuhen zerrissen haben, es schon vor langer Zeit ae- Schu 1672 wlißt haben. Es weiß ein jeder am besten, wo ihn der Schuh druckt, eine alte sprichwörtliche R. A. welche schon imPlutarch Vorkommt. Da, da, drsticktuns der Schuh, das kränkt uns, macht uns Sorge, da fehlt es uns. Jemanden die Schuhe ans- treren,ihm in einer vorteilhaften Sache zuvor kommen, ihn ft. nes Vorteils, einer Stelle beraubet. Jemanden etwas in die Schuhe gießen, cs ihm Schuld geben. 2) Wird es auch sihr häufig als einLängenmaß gebraucht, da es denn mit Fuß gleichbedeutend ist, ehedem aber von demselben rwch verschieden gewesen zu seylk scheinet, da denn Fuß das Maß des ungeschuheten, . Schuh aber des mit Schuhen bekleideten Fußes war. In dem drirren Bande der 8oript. Lrunfti.S. §49 heißt es nach dem Frisch, in den Goßlarschcn Berggesetzen : eine Grube solle fünf Fuß in die Breite und sieben Fuß in die Länge halten, mit drin Beysatzc: der votc schal en sin gheschoee, de ander bervot. (S. Fuß.) In dieser Bedeutung bleibt cs so wie Zuß, Zoll u. s. m. im Plural unverändert, wenn ein Zahlwort vorher gehen Sechs Schuh, nicht Schuhe. Aber ohne Zahlwort behält es seine gewöhnliche Form. Die Lange eines Dinges nach Schuhen bestimmen. 2 fnm. Es ist dieses Wort, selbst in der zweyten engcrn Bedeutung der Bekleidung des Fußes, schon sehr alt. Bey dem Ulphi. las lautet es 8K0, beydemKero nnd Ottfried 8cunb, bey drm Willeram Oe-leucbe, in einigen hauchenden Oberdeutsche« Mundarten Schuch, im Nieders. Scho, im Angels 8eeo, 8co, im Engl. 8tios, im Schwed. 8K2. Marliums und Frisch leiten es sehr unwahrscheinlich von dem Lateinischen 8oceus her, Zu- nius von s'LVfo-. Leder, Stiernhielm,' Ihre und andere richtiger von dem allen bedecken, wovon mit veränderten Endlan- ten Schale, Schauer, Schelde, schützen, das alte Schin, die Hautu. s. s. abstammen. Bey dem Ulphilas heißt dkr Schuh auch wirklich 8knucl, im Gochländischen Gesetze 8c)Nb, im Wallis. IL-^ich und nach dem Harpokration war auch dcy den Griechen s'iLv^ico- sine Art der Schuhe; woraus wenigstens die Verwandtschaft mit Schutz schützen ». s. s. erhellst. DreSchitthahse. piur. die—n, eineAhle, wie sie vondsn Schustern gebraucht wird ; die Schnsterahle. Die Schuhbürrk, piur. die —bänke, iu einigen Städten, cin be. dcckter Ort, wo die Schuster die Schuhs fest haben; wie Brst- bank. Fleischbank, S; Bank. DasSchühdlatt, des —es, plur. die—blä'tter, das Oberleder eines Schubes, besonders so fernes noch nicht mit der Sohle und dem Hiiicerieder verbunden ist; das Vorblatt, in einigen Gegenden auch der Zerbs. Die Schuhbürste, plur. die —u, eine Bürste, die Schuhe damit zu reinigen; zum Unterschiede von andern Arten von Bürsten. Der Schuhöraht, des — es, ^lur. doch nur von mehrern Arten, die—e, Pcchdraht, sofern er vornehmlich von den Schustern gebraucht wird. S. pechdrahr. Schüben, ve rb.rsZ.sct. mit Schuhen in der zweyten Bedeutung vttfthcn; in welchem Verstände doch nur das Mittelwort ge- schuhet zuweilen vorkommt. Christus geboth seinen Jüngern, Marc. 6,9, haß sie geschuhetseyn sollten. -In der erstcii weitern Bedeutung des Hauptwortes Schuh ist dafür beschuhen üblicher. Einen Pfahl beschuhen. Der Schubsticker, des—s, p!ur. u! asm. stoß, dessen Gattin«, die Gchtthssiikel inn, eine Art Schuster, welche nur allein zerrissene Schube ansbessern, und höchstens aus altem Leder neue Schuhe verfertigen; Altmeister, in einigen Gegenden Altma- chor, A!rsl!ck't"r, Aftreiß, Gchnhblatzer, Nieders. G'chslapper. Der Gchuhknocht, des —es, jftu r. die —e, ein Nähme, welchen die Gcselli.-rt der Schuster führ, ii, S. Knecht. L? 167Z Schu Der Schühmächev, des —s, plur. ut oom. ling. Famin. die Schuhmacherinn,ein zünftiger Handwerker,welcher Schuhe verfertiget, wo dieses Wort für edler, als das gemeinere Schuster gehalten wird, übrigens aber mit demselben gleichbedeutend ist. Der Schichrrayel, des—s, plur. die—nagel, eiserne oder hol- zerne Nagel zu den Absätzen der Schuhe. Der Schuhputzer, des—s, plur.utuom. lluZ. ein geringer Bedienter, dessen vornehmste Beschäftigung ist, andern die Schur he zu reinigen. Der Schuhriemen, des—s, p1ur.ut nom.6nZ. ein lederner - Riemen, womit die Schuhe zuweilen zugebunden werden; bey dem Ottfcied 8cuak rimo, im Oberd. Schuhnestel. Die Gchuhschnalle, plur. die—n, eine Schnalle, den Schuh damit zuzuschnallen. DieSchuhschwarze, plur. raus. eine Schwärze, die Schuhe damit zu schwärzen. Ist der vornehmste Bestandthcil Wachs, so heißt sie Schuhwachs. Die Schuhsohle, plur. die —n, dis Sohle an einem Schuhe. - Der Gchuhu, S; Schnfut. DasSchuhwachs, des —es, plur. iuus. S. Schuhschwärze. Die Schutte, S. Schute. Das Schulamt, des — es, plur. die — ämter. ') Ein Amt bey einer Schule; von geringen Schulen oder Ämtern der Schuldienst. 2) Ein KammeraMt, dessen Einkünfte zum Unterhalte einer Schule bestimmt sind; dergleichen in Meißen das Schulamt Grimma und in dem Thüringischen Kreise das Schulamt pforta sind. Ersteres wird von einem Schnlverwaiter verwaltet. Das Schulbuch, des —es, plur. dre —bücher, Bücher, welche m den Schulen zum Unterrichte der Jugend gebraucht werden. Die Schuld, plur. die—en, ein sehr altes Wort, welchesin einer doppelten Hauptbedeutung vorkommt. 1. Mit dem herrschenden Begriffe eines begangenen Fehlers, Vergehens oder Verbrechens. i. EinVerbrechen. i) Eigentlich. Auf daß sie sich nicht mit Misscthat und Schuld beladen, Z Mos. 22, 10. Daniel war treu, daß man keine Schuld noch sjbelthat an ihm finden mochte, Dan. 6, 4. Und so in andern Stellen mehr, wo es gemeiniglich durch die folgende Verbindlichkeit zur Strafe erkläret wird. Allein, daß es ehedem wirklich eine böse That, ein Verbrechen bedeutet habe, erhellet auch aus alten Niedersächfischen Statuten, wo mit der Schuld begrepen w viel ist, als anfeincr bös n That ' ergriffen ftvn. In der Msnseeischen Glosse ist Lonlst gleichfalls Oistmsu, Vitium. Indessen ist es in eieser Bedeutung jetzt veraltet, außer daß cs noch dann und wann in der höher« Schreibart gebraucht wird. - 2) Die Folge eines Verbrechens, oder die Verbindlichkeit zur Strafe, ohne Plural; eine noch in einigen R. A. übliche Bedeutung, wenn ich dir ihn nicht wiederbringe, so will ich mein Leben lang die Schuld tragen, iMof.4Z,9. Das ist der Sunde Schuld, dis Folge, die Strafe der Sünde. So mag sie die Schuld ihrer Thorheir tragen. r. In weiterer Bedeutung, ein Fehler, ein Versehen, ingleichen die wirkende oder veranlassende Ursache eines Übels, und die daraus folgende Verbindlichkeit zum Ersatz oder zur Strafe; wo es nur in; Singular allein, und gemeiniglich nur in einigen besonder!; R. A. gebraucht wird. Es ist deiner Bosheit Schuld, daß du s? gezüchtjget wirst, Jer. 2, ; 9. Das ist ohne meine Schuld geschehe,!. Einem etwas Schuld geben,ihn für die wirkende Ur- fache eines Verbrechens oder auch eines Übels-überhaupt erklären. (S. Beschuldigen.) Ich werde ihm die Schuld nicht bey- messen. Die Schuld auf jemanden schieben. Endlich wird alle Schuld auf nssch fallen. U)er hat die Schuld r' An wem liegt d--' Sch uld -? Lic Schuld liegt nicht an mir. Vas Hilst dein Sch u -. 1674 Zorn? du selbst hast alle Schuld, Rost. Hingegen mit dem Vorworte an ist diese R. A. mit haben unrein. Bloß deine Gelindigkeit hat Schuld daran, Gottsch, besser, ist Schuld daran. Ohne Schuld seyn. Eine Schuld auf sich nehmen. Schlagte« fehl, so ist das meine Schuld nicht. Es war gewiß seine Schuld nicht, daß er nicht noch rechtschaffener war, Leff. Eine besons dere Redensart ist es, sich etwas zu Schulden kommen lassen, sich eines Vergehens schuldig macken. Daß keiner der Unglück's- fäile mir zu Schulden kommen solle, Less. Mit dem Zeitworte seyn wird es in eben dieser Bedeutung oft in adverbi scher Gestalt gebraucht. An etwas Schuld seyn. Ich bin nicht Schuld daran. Ist sie nicht selber Schuld, wenn mir einIVort im Zorne entfahrt ? Gell. Du bist an allem Schuld. Doch Hac er schon die Hlucht genommen, Go seyd ihr selbst durch eure Blicke Schuld, Gell. Zuweilen ist es mir dem Zeitworte seyn auch wohl für Ursache überhaupt gebraucht; ich bin Schuld, daß du das Geld bekommen hast. Allein alsdann geschiehet es sehr uneigentlich und gemeiniglich nur im Scherze. Eigentlich bedeutet Schuld allemahl d;e Ursache eines Übels. II. Mit dem herrschenden Begriffe der Verbindlichkeit. 1. Im weitesten Verstände, eine jede Verbindlichkeit, welche man einem andern zu leisten verbunden ist ; wo es doch nur seltsner und am liebsten imSingnlar gebraucht wird, versprechen machtSchuld. Die Schuld der Natur bezahlen, sterben. Dieses Geständniß ist eine Schuld, die ich dem Verdienste abtragen muß. Ich dm noch in ihrer Schuld, bin ihnen noch zu einer Pflicht verbunden. 2. In der engsten und gewöhnlichsten Bedeutung, eine Geldsumme, welche man einem andern zu zahlen verbunden ist, wo von mehrern solchen Geldsummen auch der Plural üblich ist. Seine Schuld bezahlen. Einem eine Schuld erlassen. Schulden machen. In Schulden stecken, gerathen. Frey von Schulden seyn. Ein Gur, auf welchem viele Schulden hasten. Zuweilen, obgleich seltener, wird es auch von Geldsummen gebraucht, welche man von andern zu fordern hat, welche man auch wohl acnve Schulden zu nennen pflegt, zum Unterschiede von den vorigen passiven. Seinem Nächsten eine Schuld borgen, A Mos. 2 4, 10. Seine Schulden eintre-ben, viele Schulden ausstehen haben. Anm.Dieses alteWort lautet in derFränkischenMundart schon im LtenJahrhnttderte 8oulei,bsy dem Kero gleichfalls8eu1cl,iln Nieders.Schuld,imSchwcd.8ku!cji,imLettlfchen8ko!a. Die gemeinste und fast von allen Wortforschern angcnommeueAbleitung ist von sollen, welches im Niederf. schallen, Zmperf. ich schult, lauter, da denn der Begriff der Verbindlichkeit als der herrschende angegeben wird. Allein, sv gut sich diese Ableitung zu der zweyten Hauptbedeutung schicke, so gezwungen wird sie für die erste, besonders in dem Verstände eines Verbrechens, eines Versehens, wel- chem Zwange durch die Verbindlichkeit zur Strafe, durch welche man es gemeiniglich erkläret, nicht abgeholfen wird, und dermoch mehr hervor leuchtet, wenn man die veraltetenBedeutungen dieses Wortes mit in Erwägung ziehet. In der Monfeeischen Glosse ist 8cuici theils Lohn, Sold,'aveüu!cl, umsonst, theils Recht, Billigkeit, von 8culcis, von Rechts wegen. B-n andern allen Schriftstellern bedeutet es 'den Fall, Zufall. Ob es zu solchen Schulden queme, wem; sich der Fall ereignen sollte. Im Schwedischen bedeute: 8K >ücl nickt allein alles, was unser Deutsches Schuld ausdrncki, sonder-, auch Steuer, Zins, Abgabe, Ursache überhaupt, kor.min 8ku!6, um meinetwillen, Pflicht- u. s f. Hierzu kommt noch, daß der Zischlaut diesem Worte nicht wesentlich ist. Lin Salischen Gesetze ist Lk^lru Geldstrafe, Ersatz und N u u n u L ' ^Verl-ei chen, Schik S ch ir 1676 Verbrechen, im Schwakenspisgel 6e?te,;m Schwed. 6eI6ets, ii» Dänischen Gläld, und im Lettischen k.alte, die Schuld, bey den Schwäbischen Dichtern ist 6s1ter der Schilldner; so daß es scheinet, daß dieses Wort eher von gelten als von sollen abgeleitet werden muffe, zumahl da gelten ehedem lüchi allein zahlen hieß, sondern auch zum Ersatz, und in dessen Ermanglung zue Strafe verbunden seyn. DerSchulöbrief, des — eö, plur. die—e, ein Brief, d. r» eine Urkunde, worin man einem andern eine Geldsumme schuldig, zu seyn bekennet; eine Obligation, Handschrift. Das GchÄdbücy, des — es, ptur. die—buchet', eilt Buch, worin man diejenigen Geldsummen verzeichnet, welche man von andern z» fordern hat; zuweilen auch, welHe man anderu schul-- dig ist. Der Gci/uköherß, zusammen gezogen Schulze, des—en, plur» die—en, dessen Gattinn, dis Gchnldhcißinn, Schulzinn. i) überhaupt, eine Person männlichen Geschlechtes, welche andern zu befehlen hat, sie zu Erfüllung ihrer Schuldigkeitheischet, oder archält; eine jetzt veraltete Bedeutung. Bey dem Ottfried ist 8cuI6lisirro ein Hauptmann,bey demNotker GomlNsrtta- rienlis-^undin derMonsseischenGlosse,Liil?rveurntor,k--ar-<,g. Graf. Drm Paulus Diacorrus zu Folge wurden bey den Longo- barden dieLandvögte oder Gouverneurs der Provinzen 8eliu1ü- schen genailnt, welche die Deutschen Schultheißen nannten. In rilligeuNisderdeutschenGegendcn.wird der erste und obersteKnecht auf den adeligen Gütern undMeierhöfen, welcher dieAufsicht übex die andern har, Schulte genannt, welches unser Hochdeutsches Schulze ist. 2) Derjenk-, welcher an einem Orte die Gericht- barkLir ausübet, Präsidentin einem Gerichte ist, und die Gerechtigkeit handhabet. In diesem Verstände werden die Richter in manchen Städten so wohl-Ober - als Niederdeittschlandes noch jetzt Schuldheißen, Stadrschuldhcißen und zusammen gezogen Schulzen, Sradtschulzsn geilmrut, da denn auch in,Reichsstädten derjenige,we!cher die obere Gerichkbarkeit im Nahmen des Kaisers und Reichs verwaltet, d«t Rcicheschuldheiß genannt wird. An andern Orten heißen sie Vögte, Stadtvögts, Reichsvögte. Am üblichsten ist dieses Wort auf den Dor fern, wo der Schuld- heiß und im gemeinen ZebcnSchul;s,cine obrigkeitliche Person ist, welche für die Aufrechchaltung der Polizcy und guten Ordnung sorgt, die Befehle des Gerichtsherren vollziehet, die Abgaben ein- fair.meltttndweiter liefert, zuweilen- auch der Dorsrichter, oft aber noch von demselben verschieden ist. Anm. Im mittlcrnLaceim' 8 L ul l! us, 8c ul cl asto, Lcults- ius. Da dieses Wort von den ältesten Zeiten an fthr bestimmt Gchuldheiß geschrieben wird, so wird es sehr wahrscheinlich, daß rs vo» Schuld,Schuldigkeit, und heißen oder heischen, zusammen gesetzet ist, weil der SHuldheiß in den altern Zeiten bloß über Schuld und Gült? oder bürgrrlichcSachen zu richten hatte, dagegen die peinlichen für den Grafen gehörten.. In der Folge ward der Schuldheiß oft des Grafen Vicariusinpeinlichen Sachen. Das im gemeinen Leben, besonders von Dorfschuldheißen übliche Schulze wird füglich als e in e Z usa nun e n zi e h ring davon angesehen« Im- Angelst lautet dieses Wort 8cu!tjiLtL^ im Sachstnspiege! 86u!rjisit> von dem Niederst heten, heißen; woraus denn gleichfalls das Rieders. Schnl'te> Fries. 8ciiella,, Wsnd. verkürzet sind , obgleich Wachter und andere dieses Leber von schalten, befehlen, ableitcn wollen. Dro , plur. die —en , in einigen Gegenden, das Amst die Wohnung,, ingleichen das Gebieth eines Schuld h e iß e s« De? GchEl^herr', des—en, plur. die—en, derjenige, wek- -chlULMÄLL emK Geld summ e schuldig ift^ uuh welcher am flhUchstku der Gläubiger genannt wird, Lat. Lreörtor; im Gegensätze des Schuldners. Der Schuldienst, des — ss, plur. die—e, S. Schulamt. Schuldig , sch. et säv. welches vermittelst cher AbleirnngssylSe —-ig, von dem Hauptworte Schuld abstammet, Schuld habend. r. In der ersten Hauptbedciitnng des Hauptwortes, z) Eine Schuld ,,d. i. ein Verbrechen oder ein Vergehe»,, auf sich haheird, im Gegensätze des unschuldig. So wohl absolute. Sich schuldig wissen, wissen, daß man ein Verbrechen, oiiiVeegehei» begmr, gen habe. Sich als schuldig angeben. Daher der Schuldige, im Gegensätze des Unschuldigen. Als auch mit Beysiigung der Sache oder des Vergehens, welche alsdann in der zweyten Endung steht. Eines Verbrechens schuldig seyn. Einer Misseihat schuldig ftyn, Z Mos. 5. i, ' 7-Die Person oder Sache, an welcher man einVerbrechen begehet,oder an welcher manflch »er« sündiger, bekommt das Vorwort an, welche Verbindung doch mir noch in der Deutschen Bibel vorkommt. Ich bin schuldig an allen Seelendeines Vaters Hauses, k Sam. 22, 22. Der ist schuldig an dem Leibe und Blute des Herren, 1 Eör. 11,27. 2) Um eines begangenenVerbrechens willen zur Erduldung einer Strafe verpflichtet, gleichfalls mit der zweyten Endung der Strafe; eine größten Tb cils veraltete Bedeutung, Des Todes schuldig seyn. Der ist des höllischen Feuers schuldig, Matth. 5,22. Völlig veraltet sind die biblischen A. A. des Gerichts, des Raths schuldig seyn. In der dritten Bedeutung der Ursache eines Übels ist es nicht gebräuchlich, indem man dafür entweder das HauptivortGchnld adverbialster gebraucht,oder sich andererAus- drücke bedienet. An eines Tode Schuld seyn, nicht schuldig. S. Schule I. 2. 2 . Inder zweyten Hauptbedeutung des Hauptwortes, t) Vermöge einer Pflicht zu etwas verbunden, in einer Pfl icht gegründet. Du bist schuldig, mir zu gehorchen. Jemanden Gehorsam schuldigseyn. Die Pflicht, die ich meinem Nachfolger schuldig bin , drang mich. Vergiß nicht, wie viel Schonung du ihm schuldig bist. Die schuldige Achtung für sein Vaterland vergessen. Die Demuth erfreuet sich des Überflusses desto mehr, je weniger sie ihn als eine schuldige Belohnung ihres eigenen Werthes-anfleht, Gell. In Westphalen sind vollschul- dige uud Haibschuldige eine Art Leibeigener, (S. diese Wörter.) 1-) Im engsten Verstand ist man schuldig, wenn man verbunden ist, einem andern Geld oder Geldes Werth zu erstatten, wenn man eine Schuld aus sich hat. Jemanden zehen Thaler, zwanzig Scheffel Rorn n. s. s. schuldig seyn. Bezahle, was du schuldig bist. Ingleichen absolute: jemanden schuldigseyn, und noch unbestimmter, schuldig seyn, vielschnldig seyn, Schulden, viele Schulden haben. Im weitesten Verstände sage mau oft, jemanden eine Antwort, eine Höflichkeit u.s. f. schuldlg bleiben, sie nichterwiedern, wenn gleich keine eigentlichcVerbindlich- keitdazu vorhanden ist. Anm. Schon bey dem Ottfricdist 8cuI6iA,nnd key dem Kere 8cuÜ1ka, der Schuldige, d. i. derjenige, weicher eines Vergehens schuldig ist. Der Comparativ und Superlativ sind von diesem Beyworte nicht »blichst außer daß man den Superlativ zuweilen wohl noch im Brirfsty* gebraucht und sich des andern schuldigsten Diener,d. st verburrdeusten, verpflichtetsicn Diener unterschreibt, wofür aber doch auch lieber ein anderer Ausdruck gebraucht wird.; *SchuI-lgen, verb. uet. welches jetzt veraltet ist, aber noch mehrmahls in dcrDeutschenBibel verkommt,wo es so wohlSchirü geben, beschuldigen, anklagcn, als auch eines Verbrechens überführen bedeutet. Wo einer den andern schuldiget, um einiger- ley Unrecht, 2 Mos. 22, 9. Darum schuldige ich mich -un khue Buße, Hiob 42, 6, rrkeuue mich für schuld-g. Schilldlge 1 677 dH u si- Gott und strafe, Ps. L, i', überzeuge sie ihrer Schuld. Siehe Beschuldigen. *Der Schul-:§er, des—s, plur.ut vom. 6nZ. ein wider die Analogie und Regel gebildetes Hauptwort von schuldig,welches in der Deutschen Bibel vorkommt, außer derselben aber auch nicht gewöhnlich ist, so wohl denjenigen zu bezeichnen, welcher uns eine Pflicht;,i leisten schuldig ist, als auch in engerer Bedeutung, wel- cher uns eine Geldsumme schuldig ist, den Schuldners Wie wir vergeben unfern Schuldiger». Dem Mahnenden soll es gehen, wie dem Schuldiger, Es. '4, -. Die Schuldiger treiben, Kap. z 8, z. Der Regel nach mußte es heißen der Schuldige, oderein Schuldiger, obgleich in derzweyten Hauptbedeutung des Beywortes schuldig dieses Hauptwort nicht leicht gebraucht wird. Die Schuldigkeit plur.dre—en, dasHauptwort desBeywor- tts schuldig,welches nur in der zweytcn Hauptbedeutung desselben üblich ist. ») Als ein Abstractum und ohne Plural, der Zustand der'pflichtmäßigen Verbindlichkeit. Es iS meine Schuldigkeit. Noch mehr, 2 ) als ein Concretum, dasjenige, wozu man auf eine pflichtmäßige Artverbunden ist ; eine Pflicht. Etwas als eine Schuldigkeit fordern. Seine Schuldigkeit beobachten. Zar gemeinen Leben gebraucht man es auch wohl in engerm Verstände von einer Geldsumme, welche man einem andern schuldig ist« GeineSchuldigkeit entrichten. Schuldlos, — er, —este, ackj. et aäv. von Schuld, ein Verbrechen, Vergehen, von demselben frey; wo cs besonders in der edler» Schreibart für unschuldig gebraucht wird. So verstreichet dem Landmanne der Morgen in schuldlosen Freuden, Zachar. So auch die Schuldlosigkeit für Unschuld. Der Gchuldmann, des—es, plur. die—Manner,undSchuld- leute, ein nur im gemeinen Leben übliches Wort, einen Schuldner, besonders von geringem Stande, zu bezeichnen. Schuld^ mann wird alsdann wohl von beyden Geschlechtern, der Plural Gchuldmanner nur allein von dem männlichen,Schuldleute aber von beyddn, oder auch von Personen ohne Bestimmung des Geschlechts gebraucht. Der Schuldner, des—s, plur. ut uom. linZ. Fämin. die Gchuldnerinn, von der zwcyteu Hauptbedeutung des Wortes Schuld, eine' Person, welche uns zu Leistung einer Pflichl oder Schuldigkeit verbunden ist. Ich bin noch ihr Schuldner. Zn engerer Bedeutung, eine Person, welche uns Geld oder Geldes Werth schuldig ist, ehedem Schuldiger, Gelter, im gemeinenLeven Schuldmann; im Gegensätze desSchuldherren oderGlaudigers« Schon bcv dem Ottfrüd Hculclt-uar. Das Schuldopfer, des—s, plur. ut nom. flux. nurinder Deutschen Bibel von dein Gottesdienste der altern Juden,, ein Opfer, welches für eine begangene Schuld oderVergeheu gebracht 1 werden mußte, so daß es mit Sundopfer gleichbedeutend ist. In engerm Verstaube unterscheidet Mall irock bcyde, und glaichtj 1>aß das Sundopfcr für Vergehungs - das Schuldopfer aber für lln- terlassungssnirden gebraucht werden mußte. Die Schulöpost, plur. die—en, eine Post, d. i. Geldsumme, welche man einem andern schuldig ist, oder auch, welche mau als eine Schuld von einen: andern zu fordern hat. S. Post. - Der Schulöthurm, des— es , plur. die—tl)ürme,eü>Thurm, so fern derselbe zu einem Gefängnisse für böscSchuldncc bestimmt, ist, welche nicht bezahlen können »der wollen. Dre SchuldverfchrerVunF , plur. die —en, diejenige Schrift oder Urkunde, worin man einem andern eine gewisse Geldsumme schuldig zu seyn bekennet; der Schuldbrief, die Obligation. Dte Schule, plur. die— n. ». Eigentlich der Ort, wo andeee, besonders junge Leute, in nützlichen Keuntnissen und angenehmen Künsten unterrrchtet-tverbrn. »s Zur weitesteuPepstande,wv dke- Schtz L67Z fes Work oft von allen Orten dieser Art gekraucht wird. Eine Hohe Schule, wo die höher» Wissenschaften gelehret werden, und welche man auch eineUniversität,eineAkademie zu nennen pflegt; zum Unterschiede von denniedern Schulen, wo nurdiefreyen Künste und die ersten Anfaugsgründe der Wissenschaften gclehcet werden. Ehedem nannte man auch eine hosseSchule nur schlechthin die Schule,welcher Gebrauch nicht mehr- üblich ist, aber noch in einigen Zusammensetzungen vorkommt, z»B.Schul-Theologie, die scholastische Theologie, Schulwitz, im Gegensätze desNutter- witzes u. s. f. Auch Örter oder Anstalten, wo mchrern in den schönen und angenehmen Künsten, ingleichen in den so.genannteir ritterlichen Übungen Unterricht ertheilet wird,chelßenSchulen,im ersten Falle auch zuweilenAkademien. Die Mahlerschule,Zei- chenschule, Gingeschule, Reitschule, Fechrschule, Tanzschule u. s f. 2 ) Z» engerer Bedeutung verstehet man unchr Schule schlechthin die niedere Schule, einenOrt oder eine Anstalt, wo die ersten Anfangsgründe derWissenschaften nebst den freyenKün- sten gelehret werden, wohin die Lcfeschulen,Deutschen Schulen, Lateinischen Schulen, Stadtschulen, Dorfschulen, Schreibe- schulen,Rechenfchulen,Änabenschulen,Mädchenschrrlen,öffentliche Schulen, Hausschulen u. s. f. und in noch weitcrm Verstände auch die, Näheschulen gehören. In die Schule gehen, von der Schule auf die Universität gehen. Nicht viel.mit .von der Schule bringen, i» der Schule nicht viel gelerner haben« Ein Rind zur Schule halten. Aus der Schule schwatzen, -figürlich, etwas ausschwatzen, welches verschwiegen bleiben sollte. Jemanden in die Schule fuhren, figürlich, seine Fertigkeit in einer Sache, seine Geduld u. s. f. üben oder auch auf die Probe stellen. Z) Figürlich, (a) Erne Schule der Geduld, des Gehorsams u. s. f. eine Sache, bey welcher man seine Geduld oder seinen Gehorsam übet. Wenn unsere Geschäfte keine Schule des Gehorsams gegen den Geber unsere Lebens sepn sollen, was ist alsdann die Tugend,? Gell, (b) Zn Iudenschule be- deutet es den Ort der gottesdienstlichen Versammlung der neuern Juden, weil derselbe ehedem auch der Orr des öffentlichen Unterrichtes war. (c) In Baumschule und pssanzschule bedeutet cs den Ort, wo junge B äumeoder Pflanzen zur kiinftigenVersetzuuK sin Menge gezogen werden. 2 . Figürlich', r) Die Versammlung des Lehrers und der Ler- nendenj wo cs doch nur von solchenVcrsairrmlungen dieftrArtüblich ist, in welchen die ersten Anfaugsgründe der menschlichen Kenntnisse oderFertigkeiten gclehret werden;obuePlural. Schule halten. Die Schule anfangen. Die Schule ist aus. 2 ) Zu de« Reitschulen werden diekünstlichen und regelmäßigen Gänge eines Pferdes Schulen genannt. Ein Pferd alle Schulen machen las-. sen, cs durch alle Schulen führen. Z) Zu den bildenden Künsten, besonders der Mahlerey, werden nicht nur die sämmtlicheu Schüler eines großen Meisters dessen Schule genannt, d:e Schute de» Raphael, Taraccio, Rubens; sondern auch die Folge der sämmt- lichen Mahler eines Landes oder einer Provinz, m deren Werken man eiuerley Geschmack antrissr, in welchemVerstande maildeun gemeiniglich fünf Mahlerschulcn in Europa anzunchmeu pflegt, die Römische oder Florentinische, die venezianische, die Lom- chardische,«die Niederländische oder Deutsche, und die Französische Schule. Die übrigen Nationen haben keine Schule^ welche ihren Nahmen führpleu. ^ Anm. Schon bey dem Kero 8cüLl3, im Niederst Schosse, im Engl. 8LÜov1, im Schwed. dUola» im Böhm.^skolu, im mittler» Lat. f'llcola.imFranz.Lcoic-; alleauschemLateiu.8cttolu, Grrcch. Das letzte leitet man gemeiniglich von einem Scammworte her, welches Ruhobedeutet,weil zumLerncn so wohl Ruhe des Leibes, als auch richtige Fassung des Gemürhcs nöchiz ist; 1679 Sch u ist; allein es kann'auch ein Verwandter von u-nserm Gilde, Versammlung, seyn, -und mit demselben zu Gall, galten, schallen u. s. f. gehören, und zunächst das mit einer Versammlung mehre» rer verbundene Geräusch bezeichnen. Der Schüler, des—s, plur. ur uom.llnA. Fämin. die Schü- terinn. i) Im weitesten Verstände des Wortes Schule, eine jede Person, welche eines.andern Lehre zum Erleuutrnß: und Be- stimmuugsgrnnd ihrer Einsichten annimmt, wo es nur noch zuweilen im Gegensätze des Lehrers oder Meisters im edlen Verstände gebrauch! wird. Julius der Römer, penni, peligrino u. s. f. waren Schüler Raphaels. Im gemeinen Leben hält man das unmittelbar aus demLaleinischen gebildete Scholar von sol» chen Personen, welche außer den gewöhnlichen Schulen eine anständige Kunst oder Wissenschaft von jemanden erlernen, für edler als Schuler (S. Scholar.) Von denjenigen, welche Künste und Wissenschaften auf hohenSchnlen erlernen ,ist dies-s Wort gleichfalls nicht mehr üblich, außer im obigen ganz allgemeinen Verstände ; zu welchem Verfalle dieses Wortes die folgende engere Bedeutung Anlaß gegeben hat. 2) Im engsten Verstände ist dieses Wort nur von denjenigen üblich, welche in den nieder» Schulen die Anfangsgründe der Künste und Wissenschaften erlernen. Anm. Schon bey demOttfried 8 eular. Ehedem waren dafür im weitern Verstände Jünger, Lehrgestnde, welches noch bey demOvitz vorkommt, Dersukilll. im Schwabenspiegel, u. f.f. üblich. Schülerhaft, —er,—este, uH.els^v. einem Schüler m der zweyten Äedeutung,d. i. einem Anfänger in den Künsten undWis- senschaften, ähnlich, in dessen mangelhaften Kenmniß gegründet. Der Schulfreund, des—es,plur. die—e, Famin. die Gchul- frcundinn. >) Eine Person, welche das Beste der niedern Schulen aus eigenem Wohlwollen zu befördern sucht. 2) Eine Person, mit welcher man auf Schulen Freundschaft errichtet dar, deren Freund man von Schulen her ist. Daher die Schul freun'-schaft. Der Schulfuchs, des—es, plur. die—fuchse. >) Ein Schüler auf niedern Schulen, in verächtlichem Verstände, besonders auf denUiiiversttäten.ivo die vonSchuleu ankvmmcnden im ersten halben Jahre von den älter» Studenten aus Verachtung mit diesem Nahmen beleget werden. (S. Fuchs.) 2) In weiterer Bedeutung, ein pedantischer Gelehrter, ein Gelehrter ohne Sitten nndWrlt- kenntniß, ein Pedant; gleichfalls im verächtlichen Verstände. Ein Schulfachs hofft mir dürren Gründen Den Beysall aller Welt m finden; Allein er wird geprellt, paged. Anm. Nichcy und andere leite» die erste Hälfte dieses Wortes nicht von Schule, sondern von dem Niederst schulen, sich zaghaft verbergen, her; eine sehr unwahrscheinlicheAbleitnngpveiiSchnI- fuchs alsdann ein allgemeines Scheltwort seyn würde, welches es doch nicht ist, sondern das allgemeinere Fuchs enger ans die Schulen und neuen Abkömmlinge bon den Schulen cinschränket. Das Schulgeld, des — es, plur. doch nur von Mehrern Summen, dre —er, dasjenige Geld, welches man in den niedern Schulen für den öffentlichen Unterricht bezahlet. Schulyerecht, —er,—este, aUj. et uüv. >) Von Schule, im weitesten Verstände, selbst, so fern es ehedem auch den Dei bedeutete, wo höhere Wissenschaften gelehret wurden, den Regeln sol- cher Schulen und ihrer Lehrer gemäß. Er barh abstract und tiefgelchrt Durch schiilgerechte Schlüsse Um seiner LHIorrs Nüsse, Uz. ») In engerer Bedeutung ist es in den Reitschulen,den Regeln der Reukunst gemäß. Ein schulgcrechtes Pferd. Schulg er echt ab- sstzm. Schu i6zo Der Schussyesell,des —en, plur. die —en, im gemeinen Leben, ein Mitschüler. Ehedem, da man die Nectores der Lateinische!. Schulen noch Schulmeister nannte, führet»'» dessen College» dei? Nahmen der Gchulgssellen. Der Schulhalter, des—s, plur. M uo-n. ffooz. Fämin. die Schulhalteeinn, eine Person, welche eine niedere Privat-Schule halt, Kinder in ihrer Wohnung im Leset! und Schreiben unterrichtet; zum Unterschiede von eim'm Schulmeister, welcher einer öf. feittlichen Trivial-Schule vorgesctzt ist. Der Gcyulherr, des —en, pMr.die —en. r) Ein besonders im Oberdeutschen gangbares Wort, de,r Vorgesetzten einer Lateinischen Schule zu bezeichnen, welchen man in Ober- und Nieder, sachsen einen Rector nennt. 2) An andern Orten werden die obrigkeitlichen Personen, welche die Aufsicht über dje Schulen y« nes Ortes führen, Schulherren geirannr,welche au andern Scho: larchcn beißen. Das Scyuljahr, des—eö,plur. die—'k, Jahre, welche man auf niedern Schulen zndringt. Der Schulknabe, des —n, plur. die —n, ein Knabe, welcher eine niedrige Schule besucht; in der niedrigen Sprrchart der Schuljunge, Fämin.das Schulmädchen oder Gchillmägdlein. Schulkind wird von bryden Geschlechtern gebraucht. Die Schulkrankheit, plur. dle—en, eigentlich, eine verstcllte Krankheit, wodurch sich faule Schütte'dem Besuche der nieder» Schulen zu enlz rhrn pstegen. In u eüerm Verstände, ciiiejede vorgegebene Krankheit, um sich uurrr dirscnt Vorwände einem um 0»genehmen Geschäfte zu entziehen. Die Schulkrankheit haben. In welchem Verstände man auch wohl das Bey- und Nebeuwort schulkrank gebraucht. Scyuikrank seyn. Der Schullehrer, des — s, prür. ul non», lln^. eine all-',»meine Benennung aller derjenigen, welche in Gymnastis und und»»» Schulen ein öffentliches Lehramt verwalten. ' Der Schulmann, des—es, plur. die—Manner, eine Person männlichen Geschlechtes, in Aiifihnua ihrer Fähigkeiten zu einem Sch'.lanne, oder in weitcrm Verstände, zum Unterrichte der Jugend. Ein guter Schulmann seyn. Auch wohl m weicerm Verstände für einen Schullehrer. Der Schulmeister, des — s, plur. ut vom. lmZ. Fämin. die Schuime-sterinn. ')* Im weitesten Verstandc,ein jeder Lehrer, welcher andern Unterricht errheilet; eine in der anständigen Sprechartiveraltete Bedeutung. 2 Macc. 1.10 heißt Aristobulus des Nönigs ptslemai Schulmeister. Mehrere Beyspiele fiih- retFrischall. 2) * Der erste Lehrer an einer öffentlichen Schule; in welchem Verstände es ehedem so wohl von den ersten Lehrern an den Stadt- und Lateinischen Schulen gebraucht wurde, welche! man jetzt Rectorcs uud «»Oberdeutschen Gchulherren nennet,als auch an denKathedral- undCollezrat-Stiftern von denjenigenCa- ^ nouicis und Domherren, welche!» nach der ersten Einrichtung dieser Stifter der Unterricht der Jugend oblag, und welche man jetzt Scholaster oderScholafiicss zu nennen pflegt. In beyden Bedeutungen »ss es in der anständigen Sprechart der Hochdeutschen veraltet, wo man z) nur noch den Lehrer an einer Deutschen Schule, besonders auf dem Lande, einen Schulmeister zu nennen pflegt. Die Schulordnung, plur. die—en, ebne obrigkeitliche Verordnung für die Schulen und die dazu gehörigen Personen. D §2 Gchülpferd, des —es, plur.die —e, ein aufderReitschule -l^fi uölahes, ingleichen ein daselbst zug»rttleneS Pferd.. Die GehulrL'br, plur. die—n, N, den, weiche auf den Schulen von de» L.hr-.rn oder Lernenden gehalten werden. Deu.QcyuIsatt.el, des—s, plur. du- —säncla» den Reitschulen, eine A: r Sättel für diejenigen, welche reiten lernen, »no welche hohx After, hohe Pauschen und einen festen Schevkelfnß haben, -t i6Zl Sch!! Das Schulschiff, des—- es-, plur. die — e, in den See- Akademien, ein ausgerüstetes Schiff, worauf die Anfänger in der Handhabung eines Schiffes um rrichret werden. DerSchulftaub, des— es, plur. onr. eigentlich, der Staub, welcher in den niedern Schulen von ungezogenenSchülern erreget wird. Noch mehr figürlich, der Stand eines Lehrers in niedern -Schulen. Im Schulstaube leben. DerSchulstolz.des—-es, plur.eur. der Stolz anfGelchrsamkeik. Die Geulter, plur. die-^-n, der erdabene und zugleich breite Tbeil zu Heyden Seiten des Rückens unmittelbar hinter »nd unter der Achsel; wo es zunächst von diesem Lheiledcs menschlichen Körpers gebraucht wird. Etwas auf den Schultern tragen, auf die Schulter nehmen. Die Schultern ziehen, oder zucken. Schulter und Achsel werden im gemeinen Leben sehr häufig verwechselt, obste gleich eigentlich sehr genau verschieden sind. Achsel ist der oberste Theil deS ArmeS, wo er mir der Sä ulter verbunden ist. Meine Schulter falle von der Achsel, Hiob 31,22. In weiterm Verstände gebraucht man es auch von einigen Thieren, z. B. dem Pferde, von dem obersten Theile deS Vorderfußes', so fern der selbe einer menschlichen Schulter ähnlich ist. Die rechte Schulter vom Opfcrvieh, 2 Mos. 29, 22. Figürlich wirb im Fe tunasbane das Stück des Bastrones zwischen der Faße und' Streiche die Schulter, Franz. Lpuule, genannt. S. Gchul- kerwiukel. Anm. Bey dem Raban Maurus im 8ten Jahrhunderte schon 8 eu 1 i^rln,imJsidor 8 Lu 1 äro,imSchwabeüsp. 8cu!lsr^u,irn Engl.8liouläürchinAngels. 8cu!ckor, imSchwed. 8l. Zahnkrallt, Zahnwuvz, weil die Schuppen einige Ähnlichkeit mit dcnZäbnen haben, Gchnappenwurz, 8raisamkraut,Anblatt. Gchuppicht, —er, —ste, uckj. etuclv. den Schuppen ähnlich. Schuppig-,— — sie, sck). et uclv. mit Schuppen, d. i.über und neben einander liegenden Blättern versehen. Ein schuppiger 8isch, wofür Schnppenflsch üblicher ist, ein schuppiger Panzer, eine schuppige Zaut. Die Schur, plur. inusi von dem Zeitworte scheren. ,) Die Handlung des SchercnS. Die Schur der Schafe, L Mos. 18, 4. Die Schafschur oder Wollschur. 2) Im figürlichen Verstände des Zeitwortes sagt mgn im gemeinen Leben, das macht mir viel Schur, ich habe meine Schur damit, das scheret mich, macht mir viele unnütze Mühe. 3) Von scheren, theilen, brechen n.s.f. ist im Bergbaue Lie Schur, dasjenige, was von den Ofcnbriiche» ansgebrochen worden. S. Scheren. Der Schürbaum, des—es, plur. dir— bäume, im Forstwesen einiger Gegenden, alte Bäume schwarzen Holzes, welche mg» auf den Schlägen und Hieben zur künftigen Fortpflanzung stehen lasset. Schüren, v erd. reA.Lcl. welches nur noch im gemeincnLcben üblich ist, eigentlich rütteln bedeutet, aber nur noch von dem Feuer gebraucht wird, wenn man das brennende Holz auf- oder zusam« . men rüttelt, damit das Feuer desto Heller brenne. Das Zetter wurde im glühender, Gfen so sehr geschuret, dass die Männer, die solches thaten, von des Zeiiees Flammen verdarben, Dan. 3, 2 2. Im Bergbane wird solches auch zustshren genannt. In weiterer Bedeutung ist Zruev schüren oder anschüren, Feuer snmachen, das Holz dazu in dem Ofen oder Suf dern Herde zurecht rütteln und anzünden. So auch das Schüren. Anm. Schüren ist mit scheuern, welches im Mieders, gleichfalls schüren lautet, ingleichen mit scheren, in vielen Bedeutungen desselben, nahe verwandt, daher es in seinen Zusammensetzungen auch in verschiedenen figürlichen Bedeutungen vorkommt,wohin unter andern die gemeinen besonders Mieders, anschnren und znsch üren, aufhetzen, und die niedrigen Zntensiva scherchen und schirgen gehören, (S.Scheren imdScherge.) Die erste undhere- schende Bedeutung ist, wie in scherrn nnd scheuern, die heftige Bewegung und der dadurch verursachte Laut. 1. Der Schürf, der Grind, S. Schorf. 2, k^er Schürf, des — es, plur. die Schürfe, eine Öffnung, Wunde, Loch u. s. s. ein nur noch in einigen Fallen übliches Wort. 1) Ben dcn Jägeen, welche für schneiden schärfen sagen, ist der Schürf ''in Schnitt. Einen Schürf wachen, einen Schnitt. 2) Im Bergbane istSchurfein senkrechtes Loch in dieErde. S» werden daselbst dieLöcher, worein die Lvcksteinc gesetzt, worin die B"cke der Tageknnste befestiget werden, Schürfe genannt, um häufigsten kommt es daselbst von denjeniaenÖffnungen vor, ivclche der Bergmann durch die Oberfläche der Erde gräbt, um sich dadurch den Weg zur Kemitnlß des Ganges zu bahnen, (S. Schn» fen.) Einen Schürf oder mehrere Schürfe machen. Anm. Es stammet von schürfen her, (S. dasselbe.) Da wsc Wort auch ben den Böhmischen Bergleuten üblich ist, bcy welchen es 85 orlkp lautet, so haben es viele nebst andern bcrgm 011 in scheu Wörtern aus dieser Sprache herleiten wollen. Alle n bey arm Zeitwortt wird gezeigt werden, daß es echtcuDcutschellUesprung^ 168L Sch U ist. Der größte Theil der Böhmis hm Bergsprache gehöret viel, mehr den Deutschen ;a, indem es eeweislich genug ui, daß diese die Lehrmeister der Böhmen im Bergbaue gewesen. In oemLatri- «jschen TridentinisHen Bergabshiede vom Jahre 12 .-3 inSpcr- ges Tirvlerischrr Bergwerksgeschichte komnu schon das Wort Xurkus vor. Schürfen, verb.rsZ. acr. welches eigentlich ritzen, schneiden, cirr Loch machen u. s. f. bedeutet. Zu Schwaben ist es für ritzen noch völlig gangbar. Ehedem bedeutete eS auch schneiden, wofiir die Jager heut zu Tage scharfen gebrauchen. Am üblichsten ist eS im Bergbane, wo man schürfet, wenn man am Tage einschläget, d. i. durch die Oberfläche der Erde grübt, nm nach Gängen,Klüfte» oder Flötzen zu suchen. Nach Gängen schürfen." Da.er das Schürfen. Anm. Notker gebraucht kkurfLu für excudsre, heraus schlagen. Im Schwed. ist fkarfvL schneiden, und 8 kurrL ein Ritz, eine Wunde. Schürfen gehöret zu schärfen und scharf, und noch weiter zurück zu scheren, theilen. Das Böhmische Isorifowadi. ist aus dem Deutschen entlehnet. Der Schürfer, des—s, plur.uk vom. linZ.'ein Bergmann, welcher schürfet, durch die Oberfläche der Erdemach Gängen oder Flößen grabt. Dkö Schlirfgsl-, des —es, plur. doch nur von mehrrrn Summen, die—er, dasjenige Geld, welches der zur Belohnung bekommt, welcher einen neuen Gang erschürfet. -Der Schürfhohel, des—s, plur. ur uonn.ling.bey den Tischlern einiger Gegenden, der Hobel mit einem rundlichen Eisen, womit das Holz aus dein Groben bearbeitetmürb, nnd welcher auch der Gchärfhobel, Scharfhobel, Schrokhobel, Schrupphobel heißt. Der Scyürfzettel, des — s, plur. utuom. 6 n§. eineschriftliche Erlanbinß des Bergmeifters, zu schürfen, d. i. Mineralien durch Graben ausfüudig zu machen, wo man will. Der Schürhaken, des — s, plur. ul norn. liuz. ein eiserner Haren an einem Stiele verschiedener Arbeiter, das Feuer damit zu schüren. Im Hüttenbaue ist es ein Haken, womit das Gekrätz vorgeschüret wird. Dav Schürholz, des—es, plur. ear. ein Collectivum, das zur Feuerung nöthige Holz in den Glashütten, Vitriolwecken u. s.f. im Gegensätze der Kohlen zu bezeichnen. fSchurlgeln,vsrli.rr-A.uct. welches nur in derniedrigenSprech. art, besonders Niederdeutschlandes, üblich ist, wo es wie scheren 2 2), jemanden ohne Noth und Nutzen, gleichsam zur Lust, plagen und bemühen, bedeutet. Manzel glaubte in seinem Mek- lerib. lckiolioo, es stamme von Schub und riegeln her, und beziehe sich vornehmlich auf die Fesselung gefangener Missethäter; Wachter leitete es von Schur und dem Ängels. eZIan, vexieren, ab; Ihre das Schwed.lkurtblL, welches ihm zu Folge inorepure bedeutet, von dein Ztal. Lrorez^ia, Peitsche, Geißel; -Frisch mit mehrerm Rechte von schlügen, demJntcnsivo von scheren, schurigeln für schurgeln, oft und viel scheren. S. Scheren 2 2). Der Schurke, des — n, plur. die — n, ein in den gemeinen Sprecharten allerDeutschenProvinzen sehr üblichesSchmähwort, eine irichtswurdige männliche Person von jeder Art zu bezeichnen. Rieders, gleichfalls Schurk, Schwed. 8 kurk, Jsländ. 8 kurka, Engl. 8 irur^. Die Avstammung diesesWortes ist wie der meisten ähnlichen Scheltwörter dunkel; wahrscheinlich ist es indessen doch, daß dieses Wort >mt dem Larciilischm^curru verwandt ist, wofür im Mittlern Latrine ohn-.' Zischlaut Lurro ündlüurilis vorkom-. Men. Schurk läßt sich füglich von scheren und dessm Intensiv» schergen, schürgen ableiten, so fern sie ehedem auch laufen, inglci- chcn nn Lande umper streichen bedeuteten. Frisch j ühret bep dem Schu 1636 WorteScherge mehrere Bepspiele an, aus welchen erhellet, daß schurgen nichl nur aillretbeu, sondern auch laufe» bedeutet. Vor etlicher Jahren Gchurg, ist vey dem Zeroschm, vor einigen verlaufenen Zähren -, in des Mayen Geschurg, im lausenden May, im Maymonath. Schurk würde also eigentlich einen Landläufer, Landstreicher bedeuten rönnen. Das Schlesische Schurk, etuTann- apfel, Tannzapfen, gehöret zu einem ganz auoeru Stamme. Schurkisch, —er,—re, Lclj.elL.clv. einem Schurken ähnlich, m dessen Art zu denken und zu handeln gegründet. Der Schurknecht, des—es, plur. di?—c, im Hüttenbaue, geringe Arbeiter, welche dem Abtreiber zur Hand gehen, das Feuer schüren, das Gekrätz verschicken u. s.f. Dor Schürf, imBergbauc, S. Scholl. Das Schürlöch, des — es', plur. die—locher, das Loch in einem Ofen, durch welches das Feuer angeschüret, oder auch nur geschüret wird. Schurren, S. Scharren. Die Gchürschaufel, plur. die—n, im Hüttenbaue, eine Schaufel, womit man die v org e schürten Ofenbcüche hinaus wirft. Die Schurwolle, plur. eLr. in einigen Mundarten für Scherwolle, abgeschorne Wolle, im Gegensätze der Raufwolle. Der Schurz, des —cs, plur. die Schurze, eilt Wort, welches - in einer doppelten Hauptbedeutung üblich ist. r. Von eiilem Dinge, welches ein anderes zur Bedeckung oder zur Befestigung umgibt, i) Im weitern Verstände, von einem jeden Dinge dieser Art; wo es doch nur noch in einigen einzelnen Fällen üblich ist. Im Bergbaue heißt eine Kette, welche um ein Gefäß gelegt wird, ein Schur;. Der Schurz-am Dache iss in den Saizkothen der unterste Theil des Kothdaches, welcher stärker mit Stroh belegt, und mit einem Beete verwahret ist. Zu den Küchen und andern Feuerstätten ist der Schur; am Herde eine Arl Rauchfanges iu der Höhe rings um den Herd, welcher den Rauch fasset und ihn nach dem Schlunde der Feuermauer leitet; er wird auch der Sturz, mgleicheu der Mantel genannt. 2 In engerer Bedeutung ist der Schurz eine Art des Kleidungsstückes, mit welchem man die Blöße des Unterleibes bedeckt, und welches gemeiniglich ganz um den Mittlern Theil des Leibes gehet, und s» wohl die Schamrheile als auch denHimern bedecket. Sie floeyteir Feigenblätter zusammen und machten ihneiiSchürze,(Schurze,> r Mos. Z, 7. Jesus nahm einen Schurz und trocknete damit die gewaschnen Füße der Jünger, Joh. tz, 4 -L. Der Schur; ist in den heißen Ländern am gewöhnlichsten, wo man wegen »er Hitze nackend gehet, nm die Schamthcile zu bedecken, da er denn gemeiniglich die Gestalt eiues langen Tuches hat, welches man um den Mittlern Theil des Leibes wickeltt Nachmahls pflegte inan auch gewisse kurze Schürzen, besonders wenn ste um den ganzen Leib gingen, Schurze zu nennen, von welcher Art auch der Schurz an den ehemahligeil Panzern ist. Die ähnlichen Bekleidungen vieler Arbeiter und Handwerker, welche nur den Vorbettheil des Unterleibes bedecken, heißen jetzt Schürzen, und wenn sie von Lider sind Schurzfelle,so daß Schur; m dieser Bedeutung wenig mehr gehöret wird. Wenn die Jäger das kurze Büschel Haare des Reh- wildbretes nnd in weiterer Bedeutung auch wohl den ganzen hintern Theil der Hirsche, Rehe und Thiere den Schur; neunen, so scheinet es eine Figur dieser Bedeutung zu sevn. Iu Eoch weiterm Verstände heißt in Franken der Kittet der Landleute ern Schurz, wo denn die allgemeine Bedeutung der Bedeckung hervorskicht. S. die Ansn. zu Schürze. 2. Von einem Dinge, welches einem andern zum Bande, zue Verbindung dienet, r) Eigentlich, wo es gleich,nlls nur in einigen einzelnen Fallen vo.rkömrnt.. ImBergbauc nennet man die Kette über der Stürzbnhne, womit die Tonnen gesängkittwerdeu, Do 000^ 2 > - einen X 1 687 Sch u «inen Gchurz, welchen Nahmen auch die Kette vor dem Brenn- oft», worein die Krücke und der Bock gelegt werden, führet, jngleichen dasjenige Stück ei,rer Kette, womckdas Holz, welches chosten oder geschoben wird, ein Dfeu voll, eiu Gebäcke. 2tnm. Im Niederst Schock, Schotte, im Engl. 8bot, im Schwed. 8 IroN. S. Schießen. Der Schüßbaurn, des — es, plur. die —dämme, im Bergbaue, Bäume oderHölzer, welche über den Schacht gelegt werden, damit nichts hinein schieße undder Bergmann sicher darunter arbeiten könne. Ein solches Gerüst aus Bäumen und Bretcru heißt eine Schnßbühne. Der Gchüßbokzen, des—s,plur. ut nom. livF. ein gewisser Bolzen in der zur Ansstuckelung der Münzen in den Mnnzstäd- cen üblichen Maschine. Die Scyüßbühne, plur. die — n, S. Schnßbaum. . . Die Schüssel, plur. die—n, Dimin. dus Schüffelchen, Dberd. Schüsseilem, ein rundes oder ovales Gefäß mir einem flachen Bo- - den und stachelt Nande, die Speisen 'darm aufzntragcn. Eine Bratens hüssel, Suppenschüssel n. s. f. Eine Schüssel Zische, ein Gericht Fische. In Niedersachsen sagt man sprichwörtlich: rv.nn es Brey regnet, sind meine Schüffely umgekehrt , mich^ trifft keru Gli-ck, wenn eine Gelegenheit zum Glucke da ist,sso muß sie mir allemahl durch ein Hindorniß vereitelt werden. Figürlich, wegen einiger Ähnlichkeit der Gestalt wird auch eine Art Schal- thiere mit einer nngewu.'ldci'.ei! konoidischen Schale die Schüssel, das Schüsselchen oder die Schüsselwnschel, Napfmnschel, Gchalmuschel genannt: Schale und Schlisse! sind in der Gestalt der Vertiefung unterschieden. Die erste gleicht mehr einer halben Kugel, dic lctzw ist flacher. Indessen werden beydein manchen Fälle,, auch als gleichbedeutend angesehen. So sagtman fö wohl Schleifschale als Schleifschüssel, obgleich der erste Ausdruck hier der eigentliche ist. Süynssel und Teller sindoftin derGe- sialt sehr gleich, aber in der Größe und dem Gebrauche verschieden. Ztnm. Im Tatian Lcur^ils, i» dein alten Fragmente aufCarln ben Großen bey dem Schiller Lcurel, im Niedersächs. Schottel, Schottel, im Engl. 8cult.lv, im Angelst 8eutel, im Breragn. 8cnciel. im Lat. 8cutiÜL, 8cuieUn, im Just. 8cociel!n und Lioldola,welches letztere eine klciueTrinkschale ohueFüße bedeutet, im Franz. Clcueile für sslcuciclle, im Spaii. Llcuststln. Die Endsylbe —el bedeutet ein Subjcct, ein Ding, daher cs nur aufdie erste Sylbe ankommt, welche zu Gchooß, Schatz ist der Bedcutttttg eines bohle» Raumes, Scherbe, und ohne Zischlaut zu Ray-, in der Bedeutung eines Behältnisses, Lucku-;, Ratte, Rasten, Tasse u. s. f. gehöret. Indessen findet auch der Begriff .dcrFachen Beschaffenheit Statt, indem im Schwed, und Island. 8kutui eigentlich clnenTisch oder vielmehr nur das Tischblatt be- b-M t, wobei) denn die alte so wohl bey del« Griechen als nördlichen Vö-kern übliche Art zu speisen erwogen werden nu ss, wo immer zwey ltnd zivey an einem viereckl-'n Tischdlatte saßen, auf W lchcs l st Speisen, vermuthlich ohne alles andere Gefäß, gelegt wurden. An die Stelle dieser Tischbläkter find unsere heut'ZM GchnMu Mit Veybehaltung deS alten Nahl-nrns gekommen. Ill- dessen sttid bcyde Redeutnugen nahe verwandt, so wie auch Schalst wohl ein tiefes Gefäß, als einen dünnen flachen KSrp, r bedeutet. DerSchüsselhocht,-des—es,plur. die —O, in den Kuchen ein Nähme der Hechts von mittelmäßiger Größe, vielleicht weil man mcheu,cm solchen Hechte, eine Mäßige Schüssel füllen kann ; der Mittelhecht. Jnglerchett ein §>echt, welcher an einer Schüssel über Kohlen, ohne Wasser, in seiner eigenen Brühe gekocht wird. Der Schüsselknecht, des — es, xlur. die—e, eben daselbst, ein hölzernes Gestell, die abgewaschenen Schliffe!« uud Leflrr darauf zu trvcknen. S.Rnecht. < Der Gchüssebköch, des—es,plur. die — koche, eben dasi-lbss, eine Art Milchspeise, welche in der Schüssel in einem Dfen gebacken wird. S. Roch. Das Schüsselleben, des—s, plum ul nom. sinZ. eine mrr in einigen Gegenden übliche Art des Lehens, vielleicht, weil es miL einer Schüssel, d. i. einem Gerichte Essen, verdienet, oder eine solche Schüssel voll Essen be» der Lebenscmpsangrnßdem Lehens- Herren cntrichtetwird. S. Becherlehen. Die Schüsselmorchel, S. Bechcrschwamm. Die Gchusselmüschel, p!ur. die — n, S. Schussel. DieSchmssel- Pastete, plur^. die—n, in den Küch'-n, eine nach Art der Pasteten zugerichtete Speise, welchem de? Schüssel gebackenwird. Der SchüsselpfennkF, des —es, plur. die—> e, bey dem grs- ßeu Haufen, ein Nähme der ehenlahligen Bracteattn oder Hohl- münzen, weil sie einige Ähnlichkeit mit einer Schussel haben. Der Schüsselrrny, des—es,r,Iur. die — e, ein runder zierlich gearbeiteter Ring oder Kranz von Zinn, Kupfer, Silber u. s. f. dieSchusscln aufdeuTisch daraufzu stellen, um das Tischtuch nicht zu beschmutzen. Geringere werden auch aus Weiden, Stroh n. s. f. geflochten. Der Schusser, des—- 2 , sstur. ut norn. Dimrnut. das Gchüsscrchen, Dberd. Gchüsserlein, kleine Kugeln von Alabaster oderTbon, womit die Kinder gewisse Spiele zu spielen pflegen, und welche auch Schnellkügelchen, heißen, (S. Schnellkugcl.) Es ist von schießen, so fern es für schnellen stehet. Der Gchusserbaum, des — es,plur. die— bäume, der Nähme eines Indianischen undAmerikanischen Baumes, dessen kugelrunde steinharrc Früchte den Kindern der Indianer statt der Schusser dienen; Ouilanstmu Ich nach dem Padnanischen Professor Melchior Gusta ndini. Die Behennuß isteiire Art davon. DasSchüflgatter, des —s, piur. ut nom. lindem Gatter oderGtttertbor, so fernes sich vvr dem Ausflüsse eines Wassers bcfindet, welches daselbst seinen Schuß, d. i. schnelle.! Ablauf hat; bey einigen Gchoßgatker. S. Gchntzgatter. Das SchiOtzelö, des — es , p!ur. doch nnrvon mchrern Summen, die — er, dasjenige Geld, welches einem Jäger für jedes geschossene Wild oder Raubthier bezahlet, und ihm damit der Aufwand des Schusses, d. i. des Pulvers uist Bleyes, vergütet wird; das Gchießgelo. Der Schüß'-eis , des —cs, plum die — e, m der Geschütz, knust ein Nähme des Richtfestes, weil die Kanonen damit zum Schüsse gerichtet werden. Der Schüfflintz, in einigen. Mundarten für Schößling, stehe .dasselbe. ' ' . ' Schusimäßiss,—er, —ffe,a6j.etaäv. bey den Jägern, dem Schüsse gemäß, d.i. in der gehörigen Emfermmg, in welcher man ein Thier durch den Schuß erlangen kann. Lev .ältssch steht schiißmäßig. DasSchüstpserö, S. Schießpfevd. .Ovoov z DckS 1691 Sch u Das Schüßwasser, des—s, plur. doch nur von Mehrern Acten, uinorn. lra§. ein aus Beyfuß, Wohlgemuth, Isopp, Münze, Fenchel, Raute, Salbep, Rosmarin, Lavendelblüthe u. s. f. mit Wasser und Weingeist destillirtcS Wasser, welches zu Schuß- und andern frischen Wunden dienlich, und unter demFrauzösischen Nahmen der Arqucbusade am bekanntesten ist; Wundwasscr. Die Schußwunde, plur. die —n, eine durch eine» Schuß verursachte Wunde. ' Der Schuster, des — s, plur. uk vom. lm§. Fämin. die Gchusterinn, ein zünftiger Handwerker, ivelcher'Schuhe verfertiget,und welchen man in der anständigern Sprechart lieber einen Schuhmacher nennet. In manchen Acren der Spiele pflegt man denjenigen, welcher ein doppeltes Spiel verlieret, Schnflcr zu nennen; Schuster werden, jemanden zum Schuster machen. Das Wort Schneider ist auf ähnliche Arc üblich. Zn Niedersach- sen werden die langbeinigen Spinnen, welche stch gegen denHcrbss häufig unter den Dächern, au den Wände» undZaunen einfinden, Schuster genannt. Anm.. Niederst Schofler. Die unmittelbare Ableitung von Schuh, vermittelst der Endsilbe—er, weiche stonst in ähnlichen Fällen Statt findet^ hat Schwierigkeiten, weil rnan für das eingeschaltete st keinen wahrscheinlichen Grund finden würde. Ehedem nannte man einen Schuster häufig Surer, aus dem Lat. 8 utor, und um der deutlicheru Bestimmung willen Schuh surer, welches in TwingerS Vocabulario und andern alten Schriften häufig vorkommt. Frisch glaubt nicht unbillig, daß unferSchuster daraus zusammen gezogen sey. Indessen stehet eS dahin, ob es nicht von demFranzösischenOjmulletier abstammet, welches eigentlich einen Handwerker bedeutet, der die kurzen Stiefel verfertiget, welche ehedem unter dem Nahmen der Zofen, Franz. LliLull^s, bekannt waren, (S. 2 Zofe.) Unsere Schuhe sind eine ausländische Erfindung, daher man stch auch die fremde Benennung ihres Verfertigers nicht befremden lassen darf. Zn alten Dsnabrückischen Urkunden heißt ein Schuster Gchowerte. Dre Schnflercrhle, S. Schuhahle. Der Gchüsserkttrpfen, des — s, plur. ui vom. stin^. im Scherze, ein Nähme der Schleyen, so wie man die Häringe aus einer ähnlichen Ursache Schnciderkarpfen zu nennen pflegt, S. dasselbe. Der Schüfterknerf, des —es, plur. die — e, ein Kneif oder rundes Messer, wie eS die Schuster gebrauchen, S. Ruris. Das Scyüsterlrayt, des — es, piur. die—e, oder — erteilte Arc Lrchte mit zwey Dochten,wie selbige die Schuster gebrauchen. Schustern, verb. rstz. act. welches nur im gemeinen Leben üblich ist. r) Schuhe machen, aus'bessern, oder solche Arbeit verrichten, welche die Schuster zu verrichten pflegen, auf welche Arl man im ähnlichen Verstände auch schneidern sagt. 2) Im Tricktrack schustert man, wenn man fernem Mitspieler so weit überlegen ist, daß man gleich in der ersten Hälfte des BreteS sechs doppelte Steine flehen hat, welches gewöhnliches Weise erst in der zweyten Hälfte zu geschehen pflegt; vermuihlich weil der Mitspieler dabei) inEe- fahr ist, Schuster zu weroen. z) Von dcnt zusammen gesetzten einschustern, welches auch die Ableitung von der vorigen Bedeutung leidgn würde, S. dieses Wort. Düö Schrrsterpeeh, des—cs, plur. doch nur von mehrernArten oder Quantitäten, die—e^ eine besondere Art weichen Peches, so wie die Schuster eS zum Pechdraht gebrauchen. Die Ga-üsiarschwffrze, plur. doch nur von mchrern Arten, die —n, eine Schwärze oder schwarze, Farbe, womit die Schuster daS Leder, die'Absätze II. s. s. schwärzen. Dtc Schusterzrvecre, plur. dke — n, eiserne Zwecken, wie die Schuster sie gebrauchen; Gchuhzchecjchn. Sch u i6()2 DerSchüt, daSHolländ. 8 cüout, welches mit unserm Schulze- ein Vorgesetzter, gleichbedeutend >st. Wir kennen cs nur aus dem HolländlschenSeewesen,lvo der Schur by Nacht ein Ftaggcn-Df, flcier ist, welcher die drille Äbthennug einer Klette, oder die Ar- ricr-Garde führet, und besonders aus die Fahrt der Schiffe bcy der Nacht Acht har. AuS dem Holländischen Seewesen haben a'uch die Schweden, Dänen, Russeil und andere dle>eSWort angenoni- mep. Nach der Schlacht dei) Pultawa ließ Peter der 1 , sich selbst zum Schur by Nacht bestellen. Lre Gleite, (nicht Schutte) plur. dic—n, Dirnin. das Schüt- chen, in dem Niederdeutschen Seewesen, eine Beiieitnung.enicr Art Fahrzeuge oder Schiffe, welche doch, von verschiedener Art sind. Zn Bremen u. s. s. ist eS ein bloßer Kahn oder Nachen, ohne Mast und Segel, zum Übersetzeil über Flüsse. Eine Hamburger GchnteoderGchüte istein großer Kahn, welcher 120 Fuß lang, ill der Mille 18 Fuß breit, und z Fuß hoch ist, vorn einen Schnabel, hinten eine Kajüte, und ein breites Hinterrhcts hat, und auf der Spree, Havel und Elbe gebraucht wird. Auf der Ostsee sind die Schuten oder Schuten eine Ari Schiffe mit drcp Masten, ohne Körbe, welche kurz und breit sind, und vorn und Hinte» t spitzig zugehen. In Holland nennet man alle Fahrzeuge, welche stärker von Holz als gewöhnlich sind, Schiiten, wohin denn nicht nur die Schaluppen gehören, welche neben den Segeln auch Ruder führen, sondern auch die Treckschuten, von dem Niederdeutschen rreEen, ziehen, weil sie au, den Canälen sorigezo- gen werden. Anm. Im Engl. Leuts, im Hollgtch. 8 cüu)-te, im-Schwe^ und Island. 8 kutiL,lm Irland. Lcuci, ,m Gricch. «e^eSr«, Lat. 8 eüec!ium,im mittlernLat. LleuuciL. Die AbsiMnii.ung ist ungewiß. Das Wort kann, wie so viele andere ähnliche, eigentlich eine allgemeine Benennung eines hohlen Behältnisses stpn, da eS denn zu Schooß, Niedersächs. Schoot, Schussel u. s. s. gehören würde. Es kann aber auch von dem Niederst Schutt, Griech. »»i-sos, die Haut, Fell, weil man die Nachen ehedem ans Thier- Hamen verftetigte, oder auch von schießen, Niederst scheren, ab- . stammen/da es denn zunächst einerArr schmllerSchisse zukvmmett würde; anderer Muchmaßnngcn zn geschweige!!. Der Schutt, des —es, plur. doch nur in der folgenden erste» ' Bedeutung, die Schütte, von dem Zeitwerte schlitten, waS geschüttet wird; wo cS.doch nur in einigen einzelnen Fällen üblich ist. i.* Ein Erdwall, weil er aus zusammen geschütteter Erde entstehet und bestehet;eitle im Hochdeutschen ungewöhnliche Bedeutung. Sic schlitteten einen Schutt um die Stadt, 2 Sam. 20, iZ. Nebucadnezar lagerte sich vor Jerusalem und bauete einen Schutt um sie her, 2 Kön. 2z, r. Daß er Bocke führen soll wider die Thore, und da IVall, Schütte und Bollwerke baue, Ezech. 21,22; ,uld so in andern Stelle« mehr. 2. Als ein Col- lcciivum und ohne Plural. i jUnbrauchoace, weggeschültete Erde und dcßglerchen, besonders die Überbleibsel beymBaucn vonStein- stücken, Kalk u.fl s. Den Schult wegführen. 2) Im Brauwesen wird das zu einem Gebräude gehörige Malz der Schutt genannt, besonders wenn es mit,Guß, das Wasser, in Verbindung flehet. Nach dem vorgeschricbenen Schutt und Guß brauen, die vvcgeschriebene Menge Malzes und Wassers nehmen. Zn einem Gebraude Bier gehören zwolfl Scheffel Schutt, (Malz,) zwanzig Eimer Guß, (Wasser,) und zwep Scheffel Hopfen. Z) Auch in dee Landwirrhschaft wird unter Schult öft das Getreide verstünden. Der Hirrenlohn und Schutt, der Hirtenloh» und da- Gerreide, welches dem Hirnen so wohl als. Lehn als auch für daS Vieh g> gebrn wird. Auf manchen Gütern pflegt man vier Schafe für eme Luh im Hü tenscyurre zu rechnen. aber auch swüttbn in diesem Verstände gangbar ist. Dem Haren drey 169Z Sch y drep viertel Torb erschntten, entrichten. das Vieh aufs Jahr verschütten, den Hirtenlohn an Getreide dafür entrichten. Die Schütt, p!ur. die—en, ein mir in einigen Gegenden, besonders Oberdeutschlandes, übliches Wort, eine Insel in einem Flusse zu bezeichnen, wo es auch als ein eigenthümlicherNahme solcher Flußinselmvorkomint-JnNürnberg machtdiePegnitzzweyZnseln, wovon die eine die Schutt heißt. Um Wien, in Ungarn u. s. f. heißen mehrere Inseln in der Donau die Schutt. Es stammet allem Ansehen nach auch von schütten her, und bedeutet eigentjich ein von dem Flusse angeschnttetes oder zusammen gespültes Land. Eben so wird auch das von dem Wasser an festes Land angespültes Erdreich in vielen Gegenden dieAnschütt genannt. Der Schüttboden, des— s, plur. die — boden, ein Boden, auf welchem man das Getreide zu künftigem Gebrauche in Menge anffthüttet; in Niedersachsen ein Speicher, in der Schweiz die Schütte. Die Schütte, p!ur. die—n, gleichfalls von dem Zeitworte schütten. r) * Ein Schüttboden, oder Schütthaus; doch nur in einigen Oberdeutschen Gegenden, (S. das vorige.) 2)* Ein Haufen mehrerer auf einander geschütteter Dinge, und in weiterer Bedeutung , ein Haufen überhaupt; gleichfalls nur im Oberdeutschen. EiueSandfchüttc, Talkschütte, Gtcinschütte. (S. (Zeschütte.) 3) Figürlich, ein Bund, ein Bündel, in derLandwirthschaft, wo es doch nur in Meißen Thüringenn. s. f. von den Bünden langen «msgcdroschenen Strohes von mittelniäßigerStä'rkc üblich ist,welche man in Oberdeutschlaud Schauben, und in Niedersachsen Gchoosezu nennen pflegt. Eine Schütte Stroh. Von krummen Strohe oder andern Dingen ist dieses Wort nicht üblich. Im Wendischen jstiejftju Heften, und zusammen geheftet. Schütteln, verb. reA. uct. welches das verkleinernde Frcquenta- tivumdes folgenden schütten ist, aber nur in der dritten Bedeutung vorkommt, zitternd hin und her bewegen. Jemanden die Hände schütteln, zum Zeichen der Treuherzigkeit. Den Topf schütteln, denTopf zir etwas schütteln, zum Zeichen der Verneinung, der Mißbilligung, der Bedenklichkeit. In der Deut, sehen Bibel kommt cs auch als ein Zeichen der Verachtung, der Verspottung vor, auf welche Art es sonst ungewöhnlich ist. Daß die Volker das Haupt über uns schütteln, Ps. 44, - Z. Die aber vorüber gingen, lästerten ihn. und schüttelten ihre Topfe , Matth. 27, Zc>. Das Fieber schüttelt mich, von einem Pferde, auf einem Wagen geschüttelt werden, im Reiten oder Fahren, wenn das Pferd einen schweren Gang hat, und der Wagen stößt; wo die Nicdersachfenihr suckeln gebrauchen. Einen Baum schütteln, damit die Früchie n.'sif. herunter fallen. Zu- gleichen, durch ein solches Schütteln heraus, davon, herab brin- «en. von dem Baume schütteln. Pflaumen schütteln. Den Staub von den Füßen schütteln, Matth, io, 14. Eine Rede aus dem Ärmel schütteln, figürlich, ste ans-dem Stegreife, unvorbereitet, halten. Die Schafe schüttelten den Regen von der triefenden Wolle, Geßn. Eben hatte der weichendcwinter von stürmischen Schwingen Seine letzten Schauer von rieselndem Hagel geschüttelt,Zach. S. auch das Schütteln. Anm. Im Niederst scbuhdeln, inOberschwaben schotteln, wel- chesdaselbst auch für rütteln gebraucht wird, welches doch im Hochdeutschen davon verschieden ist. Die älternDeulschenSchrifts stellec gebrauchen für schütteln das einfachere Srammwort schütten, wie Kero leutan ; auch die Niedersachsen sagen noch schnöden. Siehe das folgende. Schütten, vsrb.re^.welchesein sehr altcsZeitwort von vielfacher Bedeutung ist. Das dovpcftc r in der Mitte zeiget schon an, daß ÄS der Form nach ein Äntenstvum ist, dessen einfacheres Stamm- Schik 1694 Wort schaden, fcheden, scheiden, schudsn «. f. f. gelautet hat . Und so wie alle Zeitwörter ursprünglich eineNachahmnng eines gewissen Lautes, wegen des Vorgesetzten Zischlautes aber wiederum ein Jntenstvum von einem alten gaben, geden, (Niederst geten, gießen,) n.f. f. war. Da einerley Laut oft mit sehr verschiedene» Handlungen verknüpft ist, so rühret es daher, daß dieses Zeitwort noch jetzt in manchen, der Bedeutung nach sehe weit von curander entfernten Fällen gebraucht wird, die man aber bep Bildung der Wörter unter einrrlepLaut empfunden hat. Ich will nur noch die jetzt gebräuchlichen anfiihreu, denn der veralteten oder in andern Sprachen gangbaren ist eine große Menge. Es ist in dtzppeüor Gestalt üblich. ^ I. Als ein Activum. 1. *.Bedecken, und figürlich beschützen; eine jetzt veraltete Bedeutung, welche noch im Theuerdanke verkommt: Der sp schirmet vnnd endtschüttee. Wir gebrauchen in diesem Verstände das neue davon gemachte Z,n- tensivnm schützen, (S. dasselbe.) Verwandt sind damit, in Ansehung der ersten ursprünglichen Bedeutung, unser Scheide, Schatz, das Niederst Schn,it, die Haut, Griech. und ohne Zischlaut, Haut, Hütte, Tutte utid hundert andere mehr. Eine Figur eben dieser Bedeutung ist das noch in Nicderdeutschland gangbare schütten, pfänden, welches'öoch nur von dcmVrehc gebraucht wird, wenn es aufcines andern Grunde Schaden gethan hat, und bis zur Ersetzung dieses Schadens von dem Eigenthümer eingespcr- ret wird. Im Englischen ist to lliut zuschließcn, und im Rieders. Schott cinRjcgel, unh schotten riegeln, in welchem Falle es aber auch von schießen. Niederst scheten, so fern es schnell schieben hedeutet, abstammcn kann. Von diesem schütten oder pfänden wird ein vereidigter Feldwächter auch im Hochdeutsche» ein Schütze genannt, S. dieses Wort. 2. Gerfimen, wo es als ein Rccivrocnm gebraucht wird. Die Walch har sich geschüttet. Daher wird dcrgeronnene Theil der Milch in der Schwei; Schotten (S. dieses Wort) und im Holländischen lflotts genannt: Es scheiner hierein Jntenfivmn von scheiden zu seyn, welches gleichfalls active für gerinnen machen gebraucht wird,chic Milch mit Lab scheiden, geschiedene Milch. Indessen kommt auch das Schweb, skttttn, laufen, mit in Betrachtung, welches so wohl zn scheiden, sich entfernen, als auch zu schießen, Niederst scheten, sehr schnell den Ort verändern, gehöret. Man sagt in eben demselben Verstaube, die Milch lauft zusammen. Z . * Heftig hin und her bewegen; eine jetzt veraltete Bedeutung, von welcher) doch mit verschiedenen Graden der Inrension, jetzt schütteln und sch intern üblich sind. Kero .gebraucht dafür scurao»erlculLQ. womit auch dicLat.Musters, cuterLÜn crrn- eutere, das Jtal. teuolc-re, das Wallach, skuturu und so ferner üblich sind. » 4. In Menge und mit einer Art von Heftigkeit gießen. l) Eigentlich, wo cs im Deutschen so wohl von trocknen als flüssigen Körpern gekraucht wird. Von trocknen, wenn mehrere derselben auf Ein Mahl und mit Heftigkeit ausgeleeret werden. Das Torn aus dew Sacke schütten. Erde an die Baume schütten. Die Steine in einen Winkel, auf einen Haufe» schütten. Die Äpfel aus dem Torbe schütten. Der Brauer darf nicht mehr Malz schütten (zu einem Gcbräude nehmen)' als nothig ist. ecl, NN Schwed. skttlüdtt, im Wallrs.)-'s^) Aciio. imChald. und im Griech.trxrStztv. Ohne Zischlaut gehören auch lheus gießen, Niedres, gecen, theils das Niederst keuten, gießen, lheits aber auch das Gricch. X'e", A.r,,'-,;. dahin. Esijthier eine unmittelbare Onomalopöie eines starken Gießens. Das Schüttenstroh/des — es, plur. car. von dem Hauptworts Schütte, langes Stroh, welches gemeiniglich in Schütten gebunden wird,-Langstroh ; zum Unterschiede von dein Lrummstroh oder Wirrstroh. . Der Schüttersisch, S. Zitteraal. Schü tern, vs, b. reZ. welches das vergrößernde Jrerativnm von schürten ist, so wie schütteln das verlleir.ernde. Cs ist in dop- pelrerGestattüblich. d. Ms ei» Nentrune, mit dem Hülssworte haben, allen seinen Theilcn nach in eine zitternde Bewegung gefestet werden; wo es in manchenMundürten schnttern lautet, zum Unterschiede von dem folgenden Activo schlittern. Im Hochdeutschen we,den bcydc gemeiniglich nicht unterschieden. DieLcndcn schlitterten ihm, Dan.^z, 6 ; wo mandoch jetzt lieber zittern gebrauchen würde. Er lachte, daß ihm der Bauch schlitterte. Daß von dem donnernden And Ir he.r schüttelnden Zensiert, die Scheiben erbeben sollen, Z» d a e. II. A-s l itt Acrivnm, schütter» machen; wo doch jetzt erschüttern übstcher ist, S. dasselbe. Anm. Schnttern,.Nieders. schuddern, Ei'gl.tqlttudäer, ist dem lkrspruuge nach eitle unmittelbare Nachahmung des Lautes, drrForm nach aber eilt Jnrensivum undJtevativumvon schütten, schütten,- welches ehedem dafür gebraucht wurde. 8 stli leutrtL die Erde erschütterte, Ottsr. Hrur wurur er^r- ^«iQLLrSrkrfchüttLrt«dLsWtlssvreben derjeihe.. Z-lern nnd Sch U l6^>Z schaudern sind nahe damit verwandt, nur daß schlittern in Aust» hung bryder ein Intensivum ist ; in Ansehung des erflcrn, wegva des stärkern Zischlauts -il Ansehnag des letztcrn wegen des oer. - doppelten t, und in Ansehung beyder wegen des oreitern u oder li. Die G-yütttz rbel, plur. die—n, in der Landwirtlsschafts einehölzerne, selbst gewachsene Gabel, womit das ausgedroschene Krumm.i oh auf dcrTenne gufgeschüttet wird, dir noch darin bc, sindllchen Körner heraus zu bringen. Das Gchütttzrlb, lüblt. iudecl. plur. cur. eine Art gelben Farbenteiaes, der aus Bleyweißoder einer kreidigen Erde bereitet wird, welche so stark a!s möglich mit den-.Sasre der Avignon, schon Beeren gefärbet worden. Der Nähme soll ans dein Holländischen 8 c 1 ,^t.-Z!i 6 Ll abstammen, weil dieser Farbe,lkörper dick gelben Ezttrcmeilten kleiner K «der ähnlich ist. Das Gchüttyeld, des—es, plur. doch nnrvon mehrernSummen, die — er, ein von schlitten, pfänden, nur in Nieder, deutschland übliches Wort, dasjenige Geld zn.bezttch-.ien, welches' der Eigenthümer für sein gepfändetes Bich bezahlen muß. DasGchütthaus, des — es, piur. die— Häuser, ein Haus oder Gebäude, wo Getreide oder eine andere ähnliche Waare zinu künstie.en Gebrauche in Menge aufgeschüttet wird; in Niedersachsen ein Speicher, in der Schweiz eine Schürte. DerGchuttkarren, des—s plur. utuom. sinx. ein zweyrä- deriger Karren mit einemKasten, denSchntt darauf weqrnfiihrcn. Der Schüttmohn, des — cs, ,ilur. eur. der Molin mit schwarzem Samen, mit Löchern oben an der Samenkapsel, woraus sich d. r Same schütten läßt; dagegen der Gartenmohn mit weißem Samen keine solchen Löcher hat. Der Schüttplatz, des—es, s, 1 ur. die — platze, im Jagdwesen, Plätze in einem Walde, ausweichenden wilden Schweinen zur Winterszeit Gerste, Hafer ooer Eicheln vorgeschnttet werden. Das Schüttrecht, des—cs, plur. ruust in Niederdr'utschland, das Recht zu schlitten, d. i. das Vieh eines andern, wenn es Schaden thnt, zu pfänden. Dev Schüttsonf, des— es, plur. inul. bey einigen ein No.kme des wilden Senfes oder Hederickes, istr^limurn I-,, welcher auch Wcgesenfgenannt wird. Etwa für Schnttsenf, weil er gern auf den Schutthaufen, Dämmen und Wegen wächst? DerGchüttftall, des — es, piur. die — stalle, in Niederdeutsch» land, ein Stall, worein das aepsändelc Vieh gespcrcet und bis zur Auslösung anfbehalten wird ; voir schütten, pfändttl. Der Schutz,des — es, plur. die Schütze, ein besonders in einer doppelten Bedentnng übliches Warst >) Im Wafferbaue ist der Schutz eigentlich eine Schub-oder Fall-Lhüc oder ähnliche Anstalt, das zudriugcnde Wasser zu hemmen, ein Wehr mit der dazu gehörigen Schndrhnr. Schlitze a«> einem Strome anorlu nen. (S.Schutzbree, Schntzgatter.) Im Niedersächs. Schott, welches aber auch eine.: Riegel bedeutet, entweder von schießen, schnell schieden, weil der Riegel und eine solche Schnbthnr geschoben werden, oder auch weil eine solche Anstatt denSchnß des Wassers so wohl aufhälr als auch befördert. Indessen kann auch die folgende Bedeutung des Abhaltens, Vertheidigens dabcv mitin Betrachtung kommen. 2) Ohne Plural ist der Schutz die Abhaltung oder Abwehrung alles NachrheUigen von einem Dinge, und - dasjenige, was das Nachtheilige von einem andern Dinge abhätt oder abwehret. Der Baum stehet im Schutze, wenn er vo Winden und rauherWitternng bedeckc stehet,wofür man auch jagst er siehe im Schauer, m der Geduld. Der pelz gibt Schutz vor der Ratte. Jemanden in seinen Schlitz nehmen, ihn wider alle Angriffe, verkheidigen. Jemanden Schutz leisten. Unter jemanoes Schütz stehen, leben, Sich in jemandes S'ckutz beheben. - Etwas eines Schutze arrverrraucn. Das dicmn ' ' ' m st, ! 1697 Schik mir zum Schütze. Die Obrigkeit soll ben Schutz handhaben, Amu.-5,-6. S. Schutzen. Dcrv Schutzhret, des— cs, p!ur. die—er, ein Brct, welches auj und nieder geschoben werden kann, das Wa-fler damit zu schützen, d. i. zurück zu halten. Bep den Schleusen heißt es ein Schütz.. Der Schutzbrief, des— es, plur. die—e, ein Brief, d. r. eine Urkunde des Landesherren, worin derselbe jemanden vor den Angriffen oder Bennruhigungen anderer in seinen Schutz nimmt. L er Stütze , des — N, xiur. die— N, eilt Wort, welches seinem heutigen Gebrauche nach vornehmlich in einer doppelten Bedeutung üblich ist. r. Voll dem Zeitwerte schießen, Niedersächs. scheren, Schweb, jkjuta,ist der Schutze, >) bey den Webern, rin hohles, an Heyden Enden spitziges Werkzeug, die Spule nur dem Einschläge vermittelst desselben durch dieKette zu schießen, und wlches auch dre Schicstspule, das Schiff, oder Schiffchen genannt wird. 2) Eine Person, welche gm schießen kann, gut mit dem Schießgewehre umzugehcn weiß, es sey nun ein Feuergewehr oder eine andere Art Schießgewehre. Ein.guter, ein schlechter Schütze schm. Ein Bogenschütze, Scheibenschütze u. s. f. In engerer Bedeutiing waren dle Schützen ehedcnl eine Art.Soldaien, welche iNlSchießen sehr genau trafen, und welche auch noch wohl heut zu Tage Vorkommen, wohin z. B. die Leibschützc-n und Scharfschützen gehören. Bey dem Stryker8l)üut,rs, Niederst Schütte, im Angels. Schwed. 8kvkt. Im Schachspiel wird der Läufer voll einigen der Schütze genannt. Im Jagdwesen unterscheidet mail einen Schützen von einem Jager; der erste kann zwar gut schießen, und mit Schießgewehr umgehen, besitzet aber darum noch nicht alle übrige zu einem guten Jäger gehörigen Kenntnisse- a. Von schützen, sofern es dasJntensivumvon Huchen ist, ist der Schütze, i)*e>nHirt, der das Vieh hüthet; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung. Oie Schützen schrien zwischen den Schöpfern, Nicht. 5, r l. 2) Ein öffentlicher Wächter pflegt in vielen Fällen noch ein Schütze genannt zu werden. So werden in Nürnberg diejenigen Wächter, welche des Nachts für die Sicherheit der Gassen sorgen, Schützen genannt. In Obersachsen und Thüringen werden die verpflichteten Feldwächter so wohl Feldschützen und Flurschützen, als auch nur Schutzen schlechthin genannt. Indessen kann auch scyn, daß es in dieser Bedeutung zu- nLchstvondcm Niederdeutschen schütten, pfänden, abstammet, weil ,hre Pflicht unter andern auch ist, dasjenige Vieh, welches im Felde Schaden thut, zu pfänden. Anm. Die Oberdeutsche Mundart spricht und schreibt nur Schütz, woriil ihr auch viele Hochdeutsche Nachfolge», obgleich die gelindere Hochdeutsche Mundart hier das e euphonicum nicht entbehren kann. Wenn Schütz oder Schutze ehedem auch einen Ver- räther, oder vielmehr eigentlich einen Spion, bedeutet hat, so ist diese Bedeutung allem Ansehen nach eine Figur von Schütze, ein Wächter. Im Mittlern Lawine ist LsscüukL ein Spion, welches von dem verwandtenFranz.Lchouke, dieSchildwache, abstammet. Schützen, verb. reZ. Lek. welches in einer doppelten Bedeutung üblich ist. -) Den Lauf des Wassers durch einen Damm oder ciil vvrgelegtcs Hinderiüß aushalten oder hemmen. Oas Wasser schützen. Lnchcr die Zusammensetzungen abschützen, vorschützen, Schütz'.rer, Gchutzgatter u.s.f. Im Rieders, schotten. schur>- den, schütten, entweder von Schutt, ein Erddamm oder Mall, oder von dem Nndeds. Schott, ein Angel, eine Fall- oder Schubthür, oder von dem Niederst schotten, absondcru, als dcm Intensive von scheiden, oder endlich auch mit der folgenden Bedeutung aus eil.»n > nd eben derselben Om lle. 2) Ein Übel von einem andern Dinge abhalten, einem andern Dinge Sicherheit vor Adel.w.S.Z.TH.2.AuS. Schu 1698 einem Übel gewähren. So wohl in mehr leidendem Verstände, durch bloßes Abhalten, wie schirmen. Oie Mauer schützt den Baum vor dem Nordwinde, der Schild den Leib vor de» Pfeilen. Sie traten Hand in Hand aus -kr schützenden Grotte hervor, Geßn. Ais auch in mehr thäiigem Verstände, durch danut verbundenes Abwehren. Jemanden schützen. Ihn vor .demAngriffe eines andern schützen. Gott, deine Hülfe schütze^ mich! Pst 69, zo. So auch das Schützen. Siehe auch der Schutz. Anm. In der letzten Bedcntnng im Oberdeutschen ehedem schütten, (S. dieses Wort,) im Engl. to lffut, im Schwed. Ik^cicia. Es ist ein doppeltes Jntensivum von hüthen, wo die Steigerung des Begriffes rhcils durch den Zischlaru, thcils aber auch durch das y ansgedruckt wild, und bedeutet eigentlich so wohl bedecken, als auch bewahren. (S. Haut, Hütte, hüthen.) In dieser Jitten- stvn liegt vielleicht auch die Ursache, warum dieses Zeitwort oft einen mehr rhätigcn Nebenbegriffhat, als schirmen, und nicht bloß vor einem Übel bedecken, sondern auch dasselbe abwchren bedeutet. Das Lat. 8cukum ist damit genau verwandt, (S. Schild,) und vielleicht auch cukoüire, S. Schatz. Der Schützenbruder, des— s, xlur. die—brüder, im ge» meinen Leben zuweilen, ei« Mitglied einer Schützengesellschaft, welche auch wohl die Schützenbrüderschaft genannt wird. Die Schützen - Lasse, xüur. die— », die gemeinschaftliche Casse einer Schützengesellschaft. Der Schutzengel, des —s, plur.uk norn.lmZ. eigentlich, ein Engel, welchem von Gott der besondere Schutz eines Landes, eines Ortes oder einerPerson anverträuer worden, dergleichen von einigen auch in der christlichen Religion angenommen werden. Figürlich, eine Person, welche uns einen sichern Schutz gewähret, oder uns in einer großen Gefahr beschützet, oder beschützet hat. Siehe Schutzgeist. Das Schützenhaus des — es, plur. die — Hauser, ein öffentliches Haus, woriil eine Schützengesellschaft ihre feyerlichen Ver» sammlnngcn und Übungen hält; das Schießhund. Der Schützenhof, des — es , plur. die — Hofe, r) Der Hof an einem Schützenhanse. 2) Ein großes, ansehnliches Schützen- Haus. Z) Ehedem wurde auch wohl die fcyerliche Versanaulung geübter Schützen, um sich im Schießen zu üben, ein Schützenhof genannt. v Das Schützenjatzen, des — s, plur. uk uom.flnZ. im Jagd- wesen, eine Jagd, welche zwar eingestellet, aber mit keinem Laufe versehen ist, und wo man nur alles niederschießet, was vorbep kommt. DerSchützenmeister, des—s, plur.uk vom. linß. an einigen Orten, der Vorgesetzte einer Schützengesellschaft. Ehedem auch drr Vorgesetzte eines Haufens Schützen, sie mögen nun eine Art gewiß schießender Soldaten, oder auch öffentliche Wäctuer der Sicherheit seyn. JnTirol gibt es einen Landes-Ober - Gchüt- ;e,imerster, welche Würde bey den Grafen von Wolkeristein- Lrost- bnrg erblich ist. D>:r Schützenxlatz, bes—es, plur. die —plage, ein öffentlicher Platz, wo eine Schützengesellschaft sich im Schießen übet; der Schießplatz, die Schießstatt. Der Schützer, des— s, plur. uk rwrn. linZ. Fämin. die Gchntzerrnn. r) Von schützen >, eine Person, deren Amt es ist, das Wasser zu schützen; in welchem Verstände oer Schützer ein Arbeiter im Brrgbane ist, welcher bey dem Treiben des Keürra- des das Wasser schützet, und das Bremsrad hemmet. 2) Voit schützen 2, für Beschützer; doch nur in der höbern und buffte- rifchen Schreibart, pan, du gütiger Schützer unserer Triften! Geßn. P p pp p Das . 8? .7s Schutztzcrtter, des—s, p!ur. UL nom.llnZ. >1 Ein Gacrerlhor in den Thorenu. f. f. welches man von oben herunter schießen läßt, wenn es das Thor versperren soll; Fallgatter. In diesem Verstände stammet es von schießen ab, daher.es in dem« leiben auch wohl Gchoffgatter und Schußgatter lautet. 2 ) Irr den Schleusen und Deichen, ein Thor mit zivey Flügeln, welche das innere Wasser zur Zeit der Ebbe anfstößet, das äußere Wasser zur Zeit der Fluch aber wieder verschließet; wo es entweder von schützen, das Wasser hemmen, oder auch von dem Niederst schotten, versperren, verschließen., abstammet. Der SHutztzeifl, des — es, plur. die —er, ein Geist oder geistiges Wesen, so fern demselben von einem Hähern Wesen der Schutz eines andern Dinges anvertrauet worden. S. Schurr, rngel. Dus Schutztzeld, des — es, plur. doch nnvvsn Mehrern Snm. - men, die —er, Geld, welches man einem andern für den Schutz entrichtet, welchen man von demselben genießet. In engerer Bedeutung ist es dasjenige Geld, welches die Gchntzverwandten oder diejenigen, welche das Bürgerrecht nicht erlanget haben, der Obrigkeit desjenigen Ortes, wo st« sich aufhalten, entrichten; ehedem das Mundgeld, der, Friedschatz. Auch auf den Dörfern geben diejenigen, welche keine eigenthümlichen Grundstücke besitzen und nur zur Mrethe wohnen, der Obrigkeit ein solches Schlitzgeld, welches an einigen Orten Gitzgcld, Zä'uslergroschen heißt,' Siehe auch Gatterzins. Die SchutzFerechtl'ykeit, plur. inus. das Recht, gewisse Personen oder Gemeinheiten zu schützen, und die damit verbundenen Vorthrilezugemeßen^ die Schirmgerechtigkeit, vogtey. Der Gchutztzott, des—-es, plur. die — tzötter, Fämin. die Schutzgotttnn, in der heidnischen Götterlehre, ein göktlichesWe. ftn, sofern dnnfelbender Schutz eines andern Dinges besonders anvertrauet ist. Decoder-ieSchutzheilige, des—-n, oderbee—n, plur. die — n, in der Römischen Kirche, ein Heiliger oder eine Heilige, so fern ihnen der besondercSchntz gewifferPersonen oder Örter übertragen ist. Der Schutzherr, des — en , plur. die—en, ein Herr, welchem der Schutz gewisser Personen oder Örter zustehet, welcher die Schntzgerechtigkeit in Ansehung derselben besitzet; Fäurin. die Schntzherrinn. Der Schirmherr. Die Schutzherrschaft, plur, die—en. l) Als ein Abstrac- tu.n und ohne Plural, die Herrschaft, d. i. Gewalt, den Schutz über andere zu handhaben, s) Ms ei» Concretum, eure mit dieser Gewalt begabte Person oder Familie. Der Schutzjude, des—n, plur. die—n, ein Jude, welcher uyter dem Schutze der höchsten Obrigkeit an einem Orte lebt, und vermöge dieses Schutzes gewisse Frcyheiten genießet. Die Gchutzreöe, plur. die —N, eine Rede, worin man sich vecthcidiget; die vercheidigungsrede. In den Rechten, besonders Oberdeutschlandes, werden dirNxceptionssSchntzreden genannt, da denn die so genannten dilatorischen Lxeeplions 5 , welche eine angestcllte Klage cuifeine gewisseZeit aufschieben, ver- zügliche Gchutzreden heißen. Der.Schutzverwandte, des—n, plur. die—n, ein Einwohner eines Ortes, tvelcher weder Bürger noch Unterrhan ist, sondern gegen ein gewisses Schutzgeld unter dein, Schlitze der Obrigkeit bürgerlicheGewerbe treibet; in cinigenStädtenNieder. sachscns Mitwohner, Beysaß, in einigen Oberdeutschen Städten pacebnrger, weil sie nur unter gewissen Bedingungen Bürger sind. Der Schutzmittel, des—s, plur. ul nom. llnA. ein Zettel oder Schein vor, der Obrigkeit, daß jemand ein Schutzverwandter scy. ^.700 f Schwabbeln, vsrb. rsZ. neutr. mit bemHülfsworte hübe,, welches nur in den niedrigen Sprecharten üblich ist, und von Bewegung flüssiger Körper gebraucht wird. Geschwabbelt voll so daß es überschwabbelt. Es ist eineOnomatopöie, welche sich von quabbeln und wabbeln, welche in Niederftrchftn von dee Bewegung fetter weicher Dinge gebraucht werden , nur il, dem verstärkenden Zischlaute unterscheidet, übrigens aber das Jnteusivum von wibeln, weben u. s. f. ist. Die Schwabe, plur. die — n , ein hin und wieder für Sch-, be übliches Wort, (S. dasselbe.) Besonders kennet man unter die. sein Nahmen die Zaus - oder Bäckerschwaben, welche anch schwarze Räfer heißen, ein fliegendes Ungeziefer sind, undsich gern in den Mühlen und Bäckerhäusern «nfhaltxn, wo sie aus de« Mehlwürmern entstehen, nnd alles, sogar das Lederwerk benagen. Der Rahme rstohneZwcifel ans Schale verderbt,'obgleich von pielerr geglaubt wird, daß dieses Zuftct seir.en Nahmen daher habe, weil es durch die Schwäbischen und Baierischen Soldaten nach Obersachsen und Niederdeutschland gebracht wordeir, wo es bis dahin unbekannt gewesen. Böhm. Zsvvak. Der Schwabe, des —n, plur. die —n, Fämin dieGchwiü , binn, eine aus Schwaben gebürtige Person; im Oberdeutschen Schwab, dagegen die Hochdeutsche Mundart um der gelindem Aussprache des b willen, das eeuphoiücum hier nicht entbehren kann. (Siche E.) In Ungarn nnd Österreich werden alleDeutsche Colonisten, aus welcher Provinz sie auch seyn mögen, Schwaben genannt, weil die meisten solcher Eolonisten ans Schwaben dahin zu kommen pflegen. Ein Stück Reif, weiches zwischen einen allzu lockern Rdif geschlagen wird, heißt bey den Böttchern ein Schwabe, aus einer nnbekanittenVeranlassung. In Schwaben hingegen, wo man solches für eine Beleidigung Hält, wird ein solches Stück ein Philister genannt. - Das Schwabengtft, des — es, plur. doch nur von mehrern Ar- ttn, die —- e, ein Nähme verschiedener feiner, weißer, fetter, arsc- nikalischer Erdarten, welche dem Mehle gleichen,,und von viel, a zu ihrem größten Schaden für Mebl gegessen wo, den; -Gsstmehl. Ohne Zweifel von r Schwabe, weil man dieses Jnseet damit zu vertreiben pflegt. Dgr Schwabenweber, des—s, plur. ul vom. llnZ. Siehe Barchent« Schwäbisch, ach. et ckclv. aus Schwaben h-mkommend, in diesem Lande gegründet. Schwäbisch? Eer'nwand, (S. Florleinwand.) Ein schwäbischer Tanz, im gemeinen Leben ein Schwäbisches. Schwäbisch tanzen. Schwäbische Gänge, im Bergbaue, müßte eigentlich schwebischeGange heißen/veites von schweben abstammet, nnd daher richtiger schwebende Gange gesprochen wird. Schwäch, schwacher, schwächste, a6j« et ackv. -) In mehr eigentlichem Verstande,nicht die gehörige Corrsistenz undFrsiiM habend ; eine jetzt veraltete Bedeutung, wofür unter andern auch das nahe verwandte weich üblich ist. Man gebraucht es nur noch zuweilen, für dünn, nicht die gehörige Dicke habend, wo cs doch zunächst zur folgenden Bedeutung gehöret, wegen Dünnheit nicht die gehörige Stärke habend. Ein schwaches Reis. Ein Bret schwächer machen, dünii»r. s) Figürlich ist schwach dem stark entgegen gesetzet, da es denn in allen den Fällen gebraucht wird, wo cs einemDinge andern gehörigen oder doch gewöhnlichen Grm de der Stärke, der innern Intensiv» u. s, s. fehlet. Ein schwacher Ulensch, so wohl in Rücksicht der Kräfte des Leibes/ als auch des Geistes, des Gemüthes. Ein schwaches Äinbu Der iUcnich kommt schwächer und hiilfloser ans die Welt, als alle andere beseelte Geschöpfe, Sorrnenf. Schwach an Rräften, am verstände, am Geiste, an Benrtheilnngskrafr. Ein schwaches GeSächtniß, ein schwaches Gesicht, ein schwaches Gehör 1701 Sch w- haben. Gern verstand wird schwach. Eine schwache Festung. Daher es auch zuweilen von der geringen Anzahl gebraucht wird, rvenn die Stärke zugleich mit auf der Zähl beruhet Die feindliche Armee war dieß Mahl sehr schwach. Ob das Volk darin stark ooec schwach wäre, 4 Mos. i z, 19. Een schwaches Ge« niählde, welches nicht dis gehörige und gewöhnliche Gtiic hat. Eine schwache Farbe, welche nicht den gewöhnlichen Grad der Höhe oder Lebhaftigkeit hat. Schwach blasen , singen, reden u. s. s. Eine schwache Stimme. Hierin ist er schwach, hat er nicht die gchüiügc oder gewöhnliche Stärke. Jemanden aus der schwachen Seite angreiferi. vor Alter schwach sepn. Der Bracke ist sehr schwach. Der Puls gehr schwast^- Em schwaches Gewissen, wobei) aus Mangel der Erkenntlich viele irrige Bestimmungen angenommen werden. Die Schwachen sind in der Deutschen Bibel und oft auch außer derselben nicht so wohl Unwissende, als vielmehr Personen von mangelhafter und unrrch- -icur Erkenntlich,und darin gegründeter irriger oder unbeständiger Entschließung. > , Der Elnsalr-Nasen drc-hn-, den Schwachen hintevgehn, Dpi y. Anm. Bey dem Stryker svv^cü, im Niederst siwach, im Hol« Ift-d. rrvnedi, it» Schweb lvaZ. Es ist schon von andern bemerket worden, daß schwach allem Bermmhcn.nacb das Jntensivum n»d eine Figur von weich ist, zumah! da dasHolläud. und Engl. rveak so weh! weich a's schwach bedeuten. Bey dem Notker ist Meie tii ausdrücklich Schwäche. Im Brctagu. ist cjwao schwach. Siehe auch Feige, da- Adjecuv. welches gleichfalls poir weich adstammet. Die Schwäche, piur. die—n„em vermittelst des Endlantes e ' gebildetes Hauptwort von dem vorigen Beyworte, welches in doppelter Bedeutung üblich ist. r. Als ein Abstractum und ohne Plural, d^rZustanb, da ein Ding schwach ist, in allen Bedeuturrgen dieses Beywocles. Die Schwache eines Reises, eines Bleches,- die Dünne oder Dünnheit- Jngleichen sigürlich, von dem zufällr- genZustande, da ein Ding schwach ist. Eine Schwäche in dey. Gliedern empfindend Die Schwäche des Verstandes, des Ge- . ftchtes, des Pulses, der Stimme, einer Festung, einer Armee u. s. s. Oer Geringere am Gerste fühlt in dem Umgänge mit der Demuth seine Schwäche nicht, Gell. Im Oberdeutschen rst dafür auch Unkräfre üblich. (S. auch Schwachheit.) Zuweilen wird Schwäche auch für Ohnmacht gebrauchst und alsdann leidet es, wenn dasselbe in engerer Bedeutung den Mangel des Be- wußtscyns und aller Kräfte auf kurze Zeit bedeutest auch den Plural. Mn Schwächen, Zittern und Schwindel behaftet sepn. 2. Als ein Concreium, folglich auch mit'dem Plural. 1) Der Ort, wo cinDuig schwach ist, so wohl von der körperlichenSchwä- che oder Dünnheit. Die Schwache eines Degens, die Gegend, wo die Klinge am schwächsten stk, der Theik nach der Spitze z,1. Als auch im moralischen Errd figürlichen Verstände. Jemanden bep seiner Schwäche fassen! vieleSchwächen haben, viele schwache Seiten. 2) Eine aus dee^chMache im figürlichen Verstände, d. i. aus dernMangel der gehörigen deutticheieErkenntuißchc rrnh .nche, darin gegründete Handlung; wofür doch Schwachheit üblicher ist. Die Fehler werden schön und Tugend strahl aus Schwachen, Hall. Schwächen, verb.reZ. Leb. schwach oder schwächer machen, m allen figürlichen Bedeutungen des Beywones. vieles Lesen schwächt die Augen. Traurigkeit schwächt dic.Kräfte, Sir. 38 ,^ 9 . Jemandes Ansehen schwächen. Den Femd durch eine Niederlage schwächen. DieBesatzu rg schwächte fich durch vieleDetasch'meiits. Sv bald ein stärkeres Gefühl das Ge- W)I destst; in welcher Bedeutung cs in der Deuischen Bibel mehrmahls vorkommst aber M-Hochdculschei, achängtzu veralten. Im Niederdeutschen sagten an dafür ehedem vsrkräftigen, ingleichen lästern. So auch die Schwächung. Anm. Ehedem hatte inan von diesem Activo auch dasNeutrum. schwachen, schwach oder schwächer werden, welches im Hochdeutschen veraltet ist, aber noch bey deir alten Oberdeutschen Schriftstellern häufig vorkommt. Hi ülie riss aalirsLi krestrs baläs swnclien, Heinrich von Frauenberg. Die Schwächchert, plur. die— en, ein vermittelst der Ablei, tungsiplde—heit aus dem Beyworte schwach gebildetes Haupt wort. Es ist in doppelter Bedeutung üblich, i . Als ein Abstraktum, folglich ohne Plural, außer etwa vo-r mehrern Arcen, der Zustand, da ein Ding schwach ist. 1) * In mehweigentlichem Verstände, für Dünnheit, ist cs nicht gebräuchlich, wohl aber Schwäche. 2) In figürlichem Verstände, (a) Der Zustand, da es dem Körper an den gehörigen oder doch gewöhnlichen Kräften fehlet; wo es mit Schwäche gleichbedeutend ist. vor Schwach, heir nicht aufiichen können. Der Kranke liegt in großer - Schwachheit. Von den Sinnen gebraucht man lieber Schwäche, (b) Von der Seele und ihren Fähigkeiten; wo es gleichfalls mit Schwache gleichbedeutend ist. Die Schwachheit des Verstandes, des Gedächtnisses, der Benrcheüungskraft. In engerer Bedeutung ist die Schwachheit oft so viel' als Weichherzigkeit, Mitleiden, 'Liebe, u. ft s. jo fern diese Empfindungen aus dem Mangel einer gewissen Stärke der Seele und ihrer untern Kräfte herrührea, da fich denn das Wort schwach hier wiederum seiner Quelle, dem PZorre weich, nähert. Man kann der menschlichen Schwachheit eine Thrä'ne erlauben, viele Schwachheit für das arrdere Geschlecht haben, (r) In noch weiterer Bedeutung ist die Schwachheit die wesentlich e Einschränkung dcrZufäl- ligreit und Veränderlichkeit eines zufälligen Dinges ; in welchem. Verstände Schwäche nicht üblich ist. Die menschliche Schwachheit. Das Gegenmittel wider die langwierige Schwachheit unserer lungern Jahre finden wir in der zärtlichen Zuneigung der Altern zubereitet, Gell. 2. Als ein Concreium. Eine in dem Mangel der gehörigen oder doch gewöhnlichen Kräfte gegründete Veränderung. Krankheiten und Schwachheiten. Die Schwachheiten des Alters. So auch figürlich, Veränderungen, welche aus dem Mangel der gehörigen deutlichen Erkenntniß, oder der gehörigen Starke und Festigkeit des Willens herriihrern Lak- flnd Schwachheiten.. Jemandes Schwachheiten übersehen. Daher in der Theologie auch die Gchwachhcicssünden häufig Schwachheiten genannt werden. Die Schwächheitösunde, piur.die—N, Sünden, welche ans Schwachheit, oder aus Heftigkeit venvorrencr finnlicherVorstel- lntigen begangen werden; Übereilung ssünde,1,' unvorseglrche . Sünden, im Gegensätze der vorjeglühen oder Bosheitssünden. Die Gchwächherzigkeit, plur. die—en. ') Der Zustand, da eS dem Herzen, d. i. den untern Kräften der Seele," an der gehörigen ^Lrke und Festigtet: mangelt; ohncPiural. DenBeyfaL als ein Almosen von der Gchwachoerzigkeit zu erkriechen suchen. 2) Darin gegründete x>audlm:gen. In eben diesem Verstände ist auch das Bey- und Ncbenwort schwachhcrzig üblich. Weichherzig und Weichherzigkeit sagen lisch etwas anders. SchwLchDck)/ —er, —ste, uBj. et astv. ein wenig schwach, eigentlich, dem was schwach ist, ähnlich; daher es auch oft nur als ein mildernder Ausdruck für schwach gebraucht wird, überhaupt aber mehr von der körperlichen S.chwachhcit,als yon der Schw .'fi- Pp V p Y. - ' ße'tz 1 Echtheit der Seele und ihrer Fähigkeiten üblich ist. Ein schwächliches Lind. - Schwächlich seyn. Eine schwächliche Stimme. Ern schwächlicher Leib macht der Seele ihre Bemühungen schwer, Gell. So auch die Schwächlichkeit. Der Schwächling, des— es, plur. die — e, ein schwacher, kränklicher Mensch, so wohl eigentlich als figürlich. Der Schwachsinn, des — es, p!ur. c^r. Mangel an Sinn, d. i. nicht allein an Empfindung ,, sondern auch am Verstaube. Oer Schwachsinn des andern Geschlechtes. Daher schwachsinnig und Schwachsinnigkeit. l. Der Schwaben, des —s, plur. ut vom. IinZ. ein vermittelst des Vorgesetzten Zischlautes von Wedel, wehen abgeleitetes Wort, besten herrschender und ursprünglicher Begriff die gelinde Bewegung ist, welches aber nur noch in verschiedenen einzelnen, dem Anscheine nach sehr von einander verschiedenen Fällen üblich ist. i) Bey den Jägern wird der kurze Gchwanzdes Hirsches der Schwaden oder Zirschschwaden genannt; Zweifel, weil er in eiiter beständigen Bewegung ist, daher er auch der Wedel, das Wedele, das Zederle heißt. Das im gemeinen Leben übliche Schwanz ist nur im Endlante verschieden. 2) In manchen Fällen wird ein dicker Dmist Schwaden genannt. So ist im Salz- siedender Schwaden oder Galzbrodcn der Dunst, welcher im Sieden der Sohle von derselben aufsteigt. Noch üblicher ist cs im Lergbaue, wo. alle mineralische dicke Dünste, welche oft schädlich und giftig sind, Schwaden genannt werden. Gchwefclige Schwaden, arscnikalische Schwaden u. si f. Ohne Zweifel auch von wehen, und dem davon gebildeten Niederst swajen , hin und her beweget werden, weil dergleichen Dünste in einer beständigen gelinden Bewegung sind, besonders in den Bergwerken, wo sie sehr sichtlich hin und wieder ziehen. Im Böhmischen ist8'>vuci der Gestank. Auch Wetter gehöret zn diesem Geschlcchte, besonders in der bergmännischen Bedeutung, wo dergleichen schädliche Dünste auch böse oder faule Wetter genannt werden, z) In der LaudwirthschaftOber-undNiedeißdeutfchlaildes ist derSchrvaden so wohl die Reihe des mit der Sense abgehauenen Getreides oder GraseS, welches zur linken Hand des Mähers liegen bleibt, als auch die Breite , der Raum, welchen ein Mäher im Mähen mit der Sense bereichen kann. Große Schwaden hauen. Las Gras liegt noch in Schwaden. Das Getreide auf den Schwaden oder in den Schwaden liegen lassen. Die Schwaden zerschlagen, sie mit dem Rechen aus einander werfen. Ein Jäger schlief im Zaberschwaden, Lichtw. Anm. In dieser letzten Bedeutung stimmen die Mundarten in der Form dieses Wortes nicht überein. Frisch macht es, vermutb- lich ohru! Grund, zu einem iveiblichewWortc, die Schwade. Im Niederdeutschen wird es ost eollective und im Singular allein als ein Neutrum gebraucht, das Schwad, und vermuthlich rühret es daher, daß man auch in einigen Obersächsischen Gegenden in der ersten Endung sagt, der Schwad. Es lautet in dieser Bedeutung iinHölländ. 8cvLcle,2cvaLcje,ilttEngl. Levatü. Der Starnm- begriss ist hier ohne Zweifel das Schneiden oder Hauen, welches hier, wie in so vielen andern Fällen, eine Figur der Bewegung ist. Im Angels, isi 8vvLli» das Abschneider«, im Holland. 8 evuä und im Niederst Swade eine Senfe, im Fries. Swae, Gwah. In eben dieser Mundart ist Brockte ein Gränzzeichen, eine Gränze, vielleicht eigentlich ein eingeschnittcnes Gränzzeichen. Übrigens wird ein Schwaden m dieser letzten landwicthschaftlichen Bedeutung in Ostfriesland die Wirse, (eben daselbst ist wirst-na eine Runzel,)'im Osnabrückischen Gen, Gien, und in einigen Obersächsischeu Gegenden der Jahn genannt, stehe das letztere Wort. Schw 1704 2. Der Schwaden, des — s, p!UV. doch nur von Mehrern Arten, M nom. IMF. der eßbare S§me einiger Grasarten , und diese Erasartcn selbst. -) Des L^unmi k,. zu welchem der in dem mit- täzigenEnropa einheimische gemeineGchwaden,1?Lniculn viri- 6e,die Bluthirse, k. languinule, u.stf. gehören. 2) Der Same , deSMannaschrvingels odrrMannagrascs,k'eliucaüuilZnsI,. Beyder Arien Samen sind wohlgeschmackt, und werden auch Manna, Mid, weuu sic gestampft worden, Gchwadengriitze genannt. Niederst Swade. Wachter leitet diesen Nahmen von dem Angelst lävLet, süß, her. Da wir indessen diesen Gras- strmen, wie cs scheinet, zuerst aus Pohlen und Preußen bekommen l»g ben, so stehet es dahin, ob man den Ursprung feines Rahmens nicht in der Slavonisehen Sprache zu suchen habe, oder ob nicht der Nähme des Schwadens zunächst der letzten Grasartzu« komme, welche denselben von ihrer Bewegung-im Wasser, wo ihre Blätter schwimmen, erhalten haben kann, woraufauch der Rahme Schwingel zu zielen scheinet. S. Manna und Antengras. Das Schwcrdenyrcrs, des— cs, plur. von mehrern Arten, die— gräscr, diejenigen Grasaneu, welche Schwaden trage», und welche auch nur Schwaden genannt werden. (S. das vorige.) Die Schwa-enyrütze, plur. inust. der zu Grütze gestampfte Schwaden, S. 2 Schwaden. Gcywüder, in Geschwader, S. dieses Wort. Der Schwäöcrich, des—s, plur. die—e, in einigen Gegenden, ein Loch oder eine Grube in der Erde, welche das von den Mühlrädern oder aus einem Gerinne abschießende Wasicr in die Erde wühlet. Von dem in den gemeinen Oberdeutschen Mundarten üblichen Zeitworte schwadern, welches von der Bewegung eines flüssigen Körpers, besonders in einem voÜenGcfäßc gebraucht wird, wbfiir die Niederdeutschen schwabbeln sagen. Die Gchwaöröne, plur. die— n, ans dcmJtaIiänischeii8gu2. 6rone, Franz, ^l'cuclron, ein Haufe unter einem Rittmeister stehender Reiter oder Soldaten zu Pferde. Die Schwadrone ist bey dec Reiterey das, was bey dem Fußvolke die Compagnie ist-; indessen ist das Wort in den gemeinen Sprechartcn am gang, barsten, in der anständigern gebraucht man lieber das Französ. Lscaclroo. S. Geschwader. Der Schwager, des —s, plur. die Schwäger, Fämin. die Gchwägerinn. «) *Jmwcitern Verstände,ein jeder naher Ber, Wandrer, besonders ein durch Heicach naher Verwandter; eine jetzt im Hochdeutschen veraltete Bedeutung. In einem alten ,Lv 1 zu Nom gedrucktenVocabulario heißt es: 8olero, schwehr, 8 o 5 era, schwiger, So^nuto, schwager, Sognsta, schwegrig. In dem Chron. Rhythm. Th. Z. 8cript. Lrunstv. nach dem Frisch, wird der Schwiegersohn Schwager genannt, r) An engerer, und im Hochdeutsch, nur noch'allein übÜchcrBedsiitnng ist dcrSchwager des'Mannes oder der Fran Bruder, der Schwester Mann, iir- gleichen der Frauen Schwester Mann, und die Gchwägerinn des Mannes oder der Frauen Schwester, des Hruders Fran, und des Mannes Bruders Frau, wofür in einigenGegenden auch Schwie- gerinn, ingleichen iin Oberdeutschen Gcschrvep üblich ist. Ge- fallts dem Mannnichk, daß er seine Gchwägerinn nehme, so soll sie— sagen: Mein Schwager wegert sich, seinem Bruder einen Nahmen zu erwecken, 5 Mos. 2L, Z, 7. Z) Im Scherze, derjenige, welcher mit eines andern Ehegattin» einen unerlaubten Umaa».« unterhält, in Beziehung auf denselben; von welcher Bedeutung sich vermuthlich auch der gemeine Gebranch herschreibt, die Postknechtc Schwäger zu nennen. Im Böhm. gleichfalls 8swL^er. S. Schwäher. Die Schwcryerschaft, plur. die — en, die Verbindung zweyer Personen, vermittelst welcher sie Schwägcr der Schwägerinnen sind oder worden. "Der Sch W Sch W 1706 kDer Gchwäher, des —s, xlur. ulnom. 6nZ. ein im Hoch'- deutsche» veraltetes Wort, de» Schwiegerväter zu bezeichnen, so ^ wie Gchwäherinn, die Schwiegermutter. Da ward der Tha- - marangcfagt: Siehe dein Schwäher gehet hinauf rc. - Mos. Z8,» 3,25. Mose huthcte der Schafe Iethro seines Schwähers, s Mofi 3, i. Hannas, der war CaiphasSchwaher, Joh.' 8, 13. V. Schwiegervater und Schwiegermutter. Anm. Bey dem Ottfried und im Tatiau 8uebur, bey dem Ulphilas 8uniZrs, im Angels. 8rvnexr, im Schwed. 8vür, Fämin. 8vckra, im Wallis. Lbvvegrvvv, Fämiu. Ll^vegr, im Span. 8uetzro, Fämiu. 8ueAra, im Pohl». 8vriekir, Finnin. Zrviekra; allein der obigen Bedeutung, womit auch das Latein. Locer und 8occu8 , und Gricch. e-tv^o; verivaudt sirid. AuS dem letzten ist vermittest der im Lateinischen nicht ungewöhnliche» Verwandlung des Griech. Hauchs in den Zischlaut das Latein. 8oesr gebildet. Wachter nimmt für Schwager, Schwieger und Schwäher drey ganz verschiedene Stammwörter an, Frisch aber leitet sie alle drey aus drmLatein.8ocer her. Verwandt ist dieses letztere allerdings, aber um deßwillen noch nicht das Stammwort, weil man dabey voraus setzen mußte, daß alle jetzt angeführten sicht-verschiedenen Nationen ihre Schwiegerväter und Schwiegermütter nicht eher zu nennen gewußt, als bis sie solches von den Römern gelernet. Schwager, Schwäher, Schwieger und Geschwey sind ursprünglich ein und eben dasselbe Wort, welches bloß durch Gebrauch und Mundart anders bestimmt worden. Siehe auch Schwieger. Die Schwaig, ein Vorwerk, S. Schweige. Die Schwalbe, plur. die — n, eine Art Zugvogel von schwarzer Farbe, und einem sehr schnellen Fluge, welcher sich von Fliege» und andern Jnsecten nähret, und deren es verschiedene Arten gibt, berglcian'n die großbärtigeSchwalbe, die Hausschwalbe, die Rauch-oder Jüchcnschwalbe, die Erd - oder Uferschwalbe, die Stein- oder Mauerschwalbe u. s. s. sind; blirunclo iL.et Sprichw. Eine Schwalbe macht keinen Sommer. Anm.Bep dem Notker8ualeiiu, im Qbcrd. ehedem der Swe- lue, derSchwalm, im Rieders. Swaalke, im Angels. 8ev3lew2, im Engl. 8w-jIIorv, im Dan. Guale, im Schwed. 8rval2. Wachter leitet den Nahmen dieses Vogels von Schwelle ab, weil er sein Nest gern an deu ober» Schwellen der Häuser bauet, Junius von dem Augels. 8rvslotb, Wärme, (S. Schwül,) weil er gern der Hitze uachgehet, Frisch von dem Griech. anderer zu geschwejgen. Allein er kann auch eine Nachahmung der eigenthümlichen Stimme dieses Vogels sey», oder von dem Rieders. Swalg, der Schlund, (S. Schwelgen,) abstammeu, wegen seines charakterischen weiten Schlundes, oder auch von wallen, wegen seines schnellen Fluges, u. s. s. Das Schwalbeneisen, des —s, plur. inus. im Eis-nhandel, eine Art Eisens, welches von dem Eisenhammer bey Ziegenrück kommt, und mit einem Schwalbenschwänze gezeichnet ist. Der Schwalbenfalk, des —en, plur. die —en, eine den Schwalben ähnliche Art Falken, welche iss Peru einheimisch ist, und von andern z» den Falken gerechuet wird ; lfulccr l^eruvia» vus Der Rücken milden Flügeln ist purpurfarben, mit grün vermengt, der Kopf, Hals und Bauch aber schneeweiß. Die Schwalbenfliege, plur. dre— n, eine Fliege, welche der Roßstiege gleicht, ihr Ev in die Schwalbennester legt, wo es von den Schwalben mit ausgebrütet wird. DasSchwalbenkrant, des — es, plur. inus.einNähme des Gchellkraiites, S.dieses Wort. Der Schwalbenschwanz, oes—es, plur. die — schwanke, eigentlich der unten breite und in der Matte gespaltene Schwanz einer Schwalbe. Figürlich, wegen, einiger Ähnlichkeit in ver Gestalt. 1) Ein jeder Schwanz au einem Vogel, wo Ke äußern Schwanzfedern langer als die mittler» find. -) Eine Art Königsfischer oder Eisvogel, welcher in seinem Schwänze zway Federn hat, die zwey Mahl so groß sind, als die übrigen; IlpicZtt 8urinam«rlis k/e/'n. 3) Ein großer braungelblicher Raubvogel, mit kurzen ungeschickten gelben Fängen und lange» Flügeln, dessen Schwanz dem Schwänze der schwalben gleicht; (S. Milane.) 4) Ein Bohrer mit zwey scharfen Spitzen irr Gestalt eines Schwalbenschwanzes, welcher besonders zum Gestein gebraucht wird. 3) Eine Art der Verbindung oder Verklammerung drr Tischler und Zimmerleute, da das Ende eines Holzes die Gestalt eines Schwalbenschwanzes erhält. 6) In der Kriegsöaukunst ist es ein Außenwerk, welches aus zwe» kleinen einfachen Scheren zusammen gesetzt ist, oder ans vier Faßen mir zwey tobten Winkeln bestehet; die doppelte Schere, Franz. Double ^enaills. DeL SHrvklbenstein, des —es, plur. die —e, eine Art Versteinerung , welche den Schlangenaugcn oder Krötentteineir gleicht, nur daß fie weit kleiner ist, und nur die Größe des Leiirss- mens hat; Dapis Glieliclouius. Manhält stefür versteinerte Zähne eines Seefisches, bildete fich aber ehedem ein, daß fie l« dem Magen der jungen Schwalben gefunden würde. Das Schwalbenwasser, des — s, plur. iuul. in den Apotheken, ein aus jungenSchivalbendesiillirt.'s Wasser, ^uablirua- ckinum; wofür man jetzt das Bibergeilwasser gebraucht. Die Schwalbenwurz, plur. laus l) Eine Art der Äskula- pischen Pflanze des Liunee, welche bey uns in grobsandigeu Gegenden wachset, und deren Wurzel in der Pest und andern giftigen Krankheiten gebraucht wird ; ^belöpias Vlncetoxicum D. Giftwende, Giftwurzel. Vielleichtweil die Wurzel im Früh- Unge gegraben werden muß, wenn die Schwalben zum Vorscheine kommen. 2) S.Curcuma. Das Schwaleisen, des—s, plur. doch nur von mehrern Arten edcr Quantitäten, ut. 00m. 1mg. auf den Eisenhämmern, eine Art sehr harten Eisens, welches unten in dem Qftn sichen bleibt, wenn das Schmelzfeucr ausgehet, und wegen seiner Härte vornehmlich zu Pflugscharen gebraucht wird. S. Schwiele. Schwülen, S. Schwelen. Der SckwalF, des—es, plur. die—e, bey den Glockengießern, eine Öffnung in dem Schmelzofen, durch welche die Flamme auf das Metall schlägt; ben einige« Schwalllch. Vcr- muthlich von dem noch Niederdeutschen Gchwalg, der (5>chluw, (S. Schwelgen.) Qderauch von Schwall, wallen, von ecr wÄ- lendc« Klamme., „ ^ Der Schwall, d,- -inus. -> D-r La, it, welchen-i»r gr»f-c M-ngeDingc »erursach», wem, sie sia, wellenförmig beweget. So könnte ms« sagen, der «chwall der Wellen, der Flammen. 2) Noch häufiger und gewöhuttcher, eure Menge fich wellenförmig bewegender Dinge, z. B. eine Menge,rch auf solche Act bewegenden Wassers, Feuers u. s. f. . Za, wenn der Fluchen Schwall bitz andre Seele §rng, v Gryph. Wo in dem Grottenwerk, das eine Fama stützt, vulcan im Schwall erstarrt, Neptun im Trocknen fitzt Haged. In weitcrerBedeutung, eine jede große Menge ohne Ordnung» Ein Schwall von Menschen. Ein Schwall von Worten. Lin unübersehlicher Schwall so vieler Gegenstände. Arbeite dich im Schwall der Meinungen hervor, Qusch. Anm. Das eigentliche Swmmivort ist noch im Schwedischen vorhanden, wo lvalla brausen, von den Wellen, siedendem Wasser und FeuerfiammeN/ ist, und wovon unser schwiKen n-.a " Ppppss Z ^ 1707 Sch w Schw >.708 eineFigur ist. Übrigens ist es cm Zirkcnstvum von Wall, wallen, Melle. Der SchwaNch. S. Schwalg. Der Schwalm, -es—es, piur. die — e, ein in.einigen Mundarcen für Schwalbe übliches Wort, S. dasselbe/ Der Schwamm, des —es, p!ur. die Schwamme, Diniimrt. Las Schwämmchen, Dberd. Schwämmlein-eine allgemeine Benennung eines weichen, sehr porösen, d. i. mit vielen Zwischenräumen versehenen Körpers, von welcher Arr folgende die bekanntesten find. -) In dem GewüchSreicheistder Schwamm ein solches weiches, gemeiniglich saftiges Gewächs ohne Blätter, k uri- Au8 Iss. wohin so wohl dex Meerschwamm gehöret, weicher zum Baden und Waschen gebraucht, wird, und auch nur Schwamm schlechthin hcißt,als auch dcrErdschwamm mit feinen Unterarten, Lcm Blatterschwamme, wohin auch der Feldschwamm und Flie- genschwamm gehören; der« -Löcherschwamme oderPilz, von welchem derZundcrschwamm eineArt ist, der oft auch nurSchwamm schlechthin und ohnePlural genannt wirdchemStachelschwammc, Morchelschwamme oder der Morchel ; dem Becherschwamme, Gtaubschwamme u. s.f. 2) Im Thierreiche ist der Schwamm rin ähnlicher fthlerhafterAuswnchs an den thicrischeir und menschlichen Körpern. Das wilde Fleisch in den Wunden der Pferde heißt bey den Pferdeärzten der Schwamm. Etwas uncigentlicher pflegt man das einemSchwamme von außen ähnliche hornarrige Gewächs an denVorderfüßen dcrPferde gleichfalls denSchwamm zu nennen; bey andern Hechtes die Warze, die Rasianie. Ähnliche schrvammartigcAuswüchse bekommt zuweilen dasHornvieh an den Docderfüßen von einem Falle »der Sturze, tzer Gliedschwamm »steine schwamn'.igc Geschwulst an den Gelenken des menschlichen Körpers, (S. dieses Wort.) Die Schwämme im Munde,Minch- fchwämme,ulldbeyKmdernMllndschw6mmchenoderSchwäwm- chen, sind schwammaetige Blatieru oder Auswüchse im Munde, welche bey den Kindern im gemeinen Leben auch Gprau, Fäsch und im Niederst der vcß , vcxmurhl.ich von Zasch, genanntwer' den; ^pktllse. Eine lederm tigc Art Flechte, welche mit verschiedenen ohne Ordnung stehenden Warzen versehen ist, und als ein Hlilssmittel wider den Schwamm der Kinder gebraucht wird, heißt daher im gemeinen Leben das Schwämmchen; ssiasseQ: ./ spsstkolus ss. In dieser ganzewzweyten Bedeutung wird cs auch »ft im Singular allein collecrive oder materialster gebraucht. Anm. Bey dem Stryker 8wsm , schon Hey dem Ulphilas 8vvsm, im Niederst Swamm, Swamp, in cüiigcn rauhen Oberdeutschen Mundarten Swum, imSchwedischen8vump, im Island, und Angelst 8wüm. Ohne Zweifel von schwemmen- rn der weitern noch in aufschwemmen üblichen Bedeutung, weil manche Arten des Schwammes das Wasser au sich ziehen und sich dadurch aufschwemmen, di« übrigen aber auf ähnliche Art aufge- schwcmmet zu seyn scheinen. Im Tatian kommt dafür das aus dem Lat. 8jrsu^i u entlehnte 8punZa por. Schwammen, S. Schwemmen. Gchwammrcht, —er, —ste, sckj. st einem Schwamme ähnlich. Schwammichtc Brucherter und Moräste. Schwam- michtes Brot. Schwamm y, —er,—sts, u6s. er aä v. Schwamm enthaltend. Oft auch, für schwammichr. Die Schwammmotte, plur. die—- n, eine Art Motten, welche sich gern aufden Baumschwämmen aufhäll; ^llussceuL (Lom- ss/x) ckisspur ss/ Stammmotte. Der Schwammstern , des — es, plur. die—c, ein einem Meerschwamme ähnlicher poröser Stein. Der Schwan,'des— es, plur. die Schwäne, dergrößreund schönste Wasservogelm Sestacheiner Gaus, nur daß er grosser ist. und einen sehr langen Hals hat, ss. sonst auch Olor- Er ist ganz weiß von Farbe und nah-r sich von Waffe, kräut-ui F Bey den Allen war er dem Apoll heilig, und noch jetzt zsterm, Smubild der Dichter; aber der liebliche Gelang welchen er vor seinem Sterben hören lassen soll, ist eine poetische obgleich schv,; sehr alte Erdrchtnng. S. Gchwanengesang. Lslelliitet mir uls 6em 8vvnn Oer ela stuZet, so er Üerbeu so!., , . 80 verliuleicss ^Lvil ckurun, Heine, von Veldig. Figürlich heißt bey den Neuern auch eine Art Nachtmotten, welche sich aufden Obftbäumen aufhält, pssu!senu(L.omb)'L) Lllr/- lorriiuea ss. der Schwan. Aum. Jitl Engl. Angelst undSchwed. gleichfalls 8rvan. Frisch glaubt Schwan und O/^u us wären miteinander verwandt, da. gegen Wachter mit mehrerm Rechte vermurhct, daß die schöne weiße Farbe dieses Vogels zu seiner Benennung Anlaß gegeben wozu man noch die weiche Beschaffenheit sttucrFlaumftdcru scheu kann. Unser fein bedeutete ehedem auch h.ll, glänzend, folglich auch tv-iß, (S. dasselbe;) im Wallist ist gleichfalls weiß, und im Schweb, virp schön, angenehm. Der Zischlaut ist oft ein intensiver, oft auch ein bloß müßiger Vorschlag. In den ge: meinen Oberdeui scheu Mundarten w.rd dcrSchwa 11 auchL'ibisch, Elbsch, genannt, in der Monsteischcu Glosse --Hpix, im Angelst VifsU.6, welches von einigen von Elbe, ein Fluß, abgeleitet wird, weil sich dieser Vogel gern aufden F üssen aushält. aber auch mit ulbe. 13 , weiß, und dem Lateinischen Nahmen dcsSchwanes Oiur, verwandt seyn kann. In Carls deS Großen Capitularien wird der Schwan Ltlekü genernnt, welches, wenn es nicht eine verderbe Schreib- oder Leftarr für Libasollu oder sstbcholl ist, von Schi!: tern sehr wahrscheinlich von edel und dem alten Auca, eine Gaus, abgeleitet wird, eine edle Gans zu bezeichnen. Übr.cns har dieses Wort im Oberdeutschen im Geult. des Schwanen, und im Plural, die Schwanen. * Schwanen, verb. re§. ueulr. welches nur in den gemeimn Sprecharten, besondersNiedcrdeutschlaiidcS, für ahnden, eine dunke le Empfindung von einer zukünftigeilBegebeuheil haben, üblich ist, und unpersönlich milder dritten Endung der Person gebraucht wird.Ls har mir geschwanet.Mrr schwanet nichcsGl.'tes. Anm. Zm Rieders, swanen, schänden, ^s ist ein alles, auch »M Oberdeutschen nicht unbekanntes Wort, welches aber, so wie alle von dcnWirkungeu der Seele übljchenWör»er, 1 n meheerrrLc- deutungen vorkonrmt. Bey dem Kero ist suunun glauben, ibol- leu, ingleichcn, urtheilen, Lupavur derAichter, und 8e1b5uÄtM die Willkühr. Ohne Zweifel ist es verrniitelst des Zischlautes von Wahn, wähnen, in der ehemahligen weitern Bedemung, siic glauben, nrtheilen, muthmaßen, gebildet. Schon Hey dem Ülphi- las ist vsnttv dafür halten. S. Wähnen. Das Schw a N endete,.d es—cs, plvr. die — en, ein aus de» weichen Flaumfedern der Schwäne bereitetes Bett. Die Gchwanenboy, plur. iuus. eine Ari sehr weicher und doch dabey dicker Boy, welche den Flaumfedern der Schwane an Weiche nahe kourntt. Das Schwanenfcll, des—es, p!ur. die—e, ein Stück zuhe- reit-eter Schwa ne u haut mit den daran befindlichen weichen Flaum- - federn. Der GchwanengesanF, des—es, plur. die — gesänae, der üngemhme Gesang, welcher deilSchwänen rn der sabel hafrenRa-' turlohre der Alten und Neuern zugeschrieben wird. Der Schwanenhals, des — es, piur. die—ssälst, eigentlich t dc-r lange und wie eiuLateinisches 8 gekrümmte Hals oerSchwäne. Jngleichen figürlich, von Mehrern einem solchen Halst äbnli üen Dingen. Ein Pferd hat einen Schwanenhals, wenn dessen - Hals S ch lV Hals lang und erhaben ist, und voudem Widerrissegerade indlS Höhe steigt; daher man auch ein mir einem solchen guten Halse Versehenes Pferd selbst einen Schwanenhals zu nennen pflegt, zum Unterschiede von eincmArschhalse und Gchweinhalse. Eine Art Fangeisen für die Aaubthiece und besonders für die Fuchse, heißt wegen einiger Ähnlichkeit i» der Gestalt gleichfalls der Schwanenhals, sonst auch das BerlinifcheEisen. An denKutsch- gestelleu ist der Schwanenhals ein aufwärts gebogenes dickes Ei. sen hinter den Vorderrädern, unter welchem diese im Umdrehen durchgehen können. Der Schwanenkiel, des—cs, plur. die—e, ein Kiel von ei- ner Schwanenfeder. Der Schwang, des — es ^ xrlur.car. der Zustand, da sich ein Ding in einer schwankenden oder schwingenden Bedeutung befin, det^ Eine Glocke in den Schwang bringen. EineGlocke kommt in den Schwang, ist im Gchwapge. Noch mehr figürlich, im Schwange ich,r oder gehen, üblich, gewöhnlich seyn, zu einer Zeit von vielen geübet werden ; Franz, Are en vo^ue^ Las Gerechtigkeit im Schwange gehe, Ps. LZ, 1 4 . Das Gesetz ging fein im Schwange. 2 Macc. Z, >. Laß Recht und Billigkeit im vollen Schwange geht, Opitz. Im Hochdeutschen gebraircht man esietzt nur noch am häufigsten von bösen, nachtheiligeu Fertigkeiten u. s. s. Es gehen allerley Sünden, Laster, Gräuel u. s. s. im Schwangs. So wie es daselbst auch nur mit den gedachtenZeitwörtern jchn, bringen, kommen und gehen üblich ist. Daher Opitzens Ausdruck: Oießbc'se wilde Werk hat gleichfalls seinen Schwang, ungewöhnlich ist. Anw. Im Schwed. 8 vun§. Es ist von schwingen und schwanken. (S. auch Schwung.) Bey dem Strvker ist in weite- - rer Bedeutung Hrvancstn Hieb oder Schlag. Der Schwanges, des,—s, plur. ur vom. ssnZ. Von schwingen,ein Ding, welches geschwungenwird, in welchem Vec. staude besonders'dcr Klöppel in einer Glocke auch der Schwange! genannt wird. Zn einigen Gegenden her Gchw-ebel. (S. auch Galgenschwängel.) 2) Ein Ding, wodurch ein anderes in den Schwang oder Schwung gebracht wird. Zu diesem Verstände ist der Schwänge! an einer Glocke der starke Hebel, woran sich das Seil befindet, vermittelst dessen die Glocke in Bewegung gebracht wird. Z) Au einem Ziehbrunnen ist der Schwänge! oder Brunnenschwängel die lauge schwanke Rüche, vermittelst welcher der Eimer,in denBruuneu gelassen und wieder herauf gezogen wird. Daher der Schwängelbrunnender mit einem solchen Schwänge! versehen ist, inÖstcrr. AinZstbrunnen. Im Schwed. 8 vängel, im Holland.Lvvuncki oecle, im Niederst Swirpe. Schwanger, aclj, et aclv. von einem Manne befruchtet, da es den» nur von dem weiblichen Geschlechts der Menschen gebraucht wird. Eine 8 rau ist schwanger, wird schwanger. Eine schwangere Person, oder eine Schwangere. Eine solche Person beißt hoch schwanger, im gemeinenLeben grob schwanger, wenn sie ihrex Entbindung nahe ist. Schwanger gehen, d. i. stvn. Von jemanden schwanger seyn. Mir einem V'naben, nur einem Mädchen schwanger gehen oder seyn. Es ist in der Sprache des täglichen Umganges am üblichsten. Zu der edleru Sprechart und vonPersonen, denen man Achtung schuldig :st, sagt man Hieber gesegneten Leibes (im Oberd. hohen Leibes) )eyn. Aon Tbiereu ist es im Hochdeutschen gleichfalls nicht üblich, von welchenmau trächtig gebraucht, ob es gleich Hiob 39, -heißt u die Arsche gehen schwanger, ws auch Arsch für Andinn ungewöhnlich ist. Figürlich sagt mau, mit eru-os schwanger gehen, eine böse Sache im Sinne habe», einen bösen Vorsatz gefastet Sch W 1710 haben; eine alte schon Morgenländische Figur. Mit Unglück schwanger gehen, Hiob - z, ZH. A«m. Schon bey demOttfricd tuLvZarstim Schwabenspiegel und in Boxhorns Glossen kuuavZer. Die Abstammung ist ungewiß. Frisch leitet es von Schwang und schwanken ab, Ihre von bemalten rvinna, gebären, oder von 8 rvuaZe, die Seile unter den Rippen. Das Schweb, und Island. lVanZer , hungerig, und L veinZcl, der Hunger, gehören nicht hierher, sondern ver- muthlich zu schwinden. Eher könnte man dasAugels. lvonF, lvenF, träge, faul, hierher rechnen. Eine hoch schwangere Person heißt noch jetzt im Osnabrückischen unvermögend. SchwänZeru, verb. rsz. act. schwanger machen. , 1) Eigentlich, wo es doch nur von dem unerlaubten Schwängern außer der Ehe gebraucht wird. Eine ledige Person schwängern. Sich von einer Mannsperson schwängern lassen, Eure geschwängerte Person. 2) Figürlich wird es auch zuweilen von dem Mineral- undPflanzenreichc gebraucht, für befruchten,fruchtbar machen. So auch Schwängerung. , Die Schwangerschaft, plur. die — en, der Zustand, da eine weibliche Person schwanger ist. , Schwank, — er, —este,ach.et ack v. von dem Zeitworts schwanken, lang, dünne und leicht biegsam. Eine schwanke Rutbe. Eine schwanke Weide. Zuweilen auch für schlank oder geschlank, von dem menschlichen Körper. Schwank von Leibe. Ein schwanker Leib. Figürlich wird es auch wohl für unbestimmt gebraucht. Schwanke nichts lehrende Ausdrücke. Der Schwank, des — es, plur. die Schwänke, ein scherzhafter Einfall, eine lustige Erzählung, eine Scherzrede. Einen Schwank Vorbringen. voller Schwänke stecken. Lose Schwänke, Opitz. Anm. Es ist gleichfalls von schwanken und schwingen, nach eben der Figur, nach welcher Rank in ähnlichem Verstände von ranken üblich ist. In einem andern Verstände ist 8 rstnk im Schwedischen einBetrug, und LvsnckerbetrüglicheKnilstgriffe, Ränke, welche von kvinka, Ausflüchte suchen, einer figürlichen Bedeutung von schwanken, abstammen. In noch änderm Verstände war 8 wank im Oberdeutschen ehedem der Lichtstrahl, strahlendes Licht, Lin blick ein rvnnc Lroeicle uncl leit kan mir ZSAebea !r außen LwLnk 6 ab ki-oeiäsn kielt, Bnrkh. von Hohenfels. Gleichfalls von schwingen oder schwänken, wie Strahl von strahlen. -. Schwanken, verb. reA. nentr« mit dem Hülfsworte haben, stch biegsam oder mit einem Schwünge hin und her, auf und nieder bewegen, c. Eigentlich. Die Eichen, sie schwanken von winden' erschüttert, Weiße. Der Braten schwankt am Spieße. Nur der goldne Zämmerling sitzt im äaselgebiische, Airs dem schwankenden Ast, und singt den ruhigen seiden Stets eintönig sein Lied, Zach. Znglcichen, im Geben sich von einer Seite zur andern bewegen, besonders wenn es auS Kraftlosigkeit geschiebc't, da denn das Schwanken vor dem Falle herzugchen pflegt. Im Gehen schwanken. Weiter mögen meine schwankenden Rnie nicht, Geßu. Aer schwank ich unter der geliebten Last, Rains. Zngleichen von flüssigen Körpern, sich in einem Gefäße heftig hin und her be- wegen. Oer Wein schwankt über. Mieders, schulpen, swab- beln. 2. Ficchrk-ich. -) Unentschlossen sevn. Das macht mein Urtheil von seiner Gemüthsarr noch sehr schwankend. Mein ser; schwankt ungewiß, Schleq. 2) Unbestimmt sevn. Man- gel a st den -ur Klarheit nothwendigen Merkmahlrn haben. Ein schwan-- 1711 Schw schwankender Ausdruck. DcrBegriff schwankt. S» auch das Schwanken. Anm. Dieses Wart ist ein vermittelst des Zischlautes gebildetes Jntensivum von wanken, und lautet auch im Pohl». IcvQllkufe. Verwandt ist damit das Nieders. swajen, von: Winde hin und her bewegt werden, welches ein ähnliches Jntensivum von wegen ist. In Baiern ist für schwanken fchwaben, und in Niedersachsen f.uckern, srvsppen, zwucksen, wigclwageln, uild vom menschlichen Gange sweimen,swimen üblich. — - Schwänken, verk. reg. welches düs Activnm des vorigen ist, schwanken machen, aber nur von fliissigenKörpern gebraucht wird, das Wasser in einem Gefäße schwanken machen. Das Wasser im Glase schwanken, hin und her schwanken. Besonders in der Absicht, ein Gefäß dadurch zu reinigen, da cs denn die vierte Endung des Gefäßes bekommt. Ein Glas schwanken. Es muß ihm Gänpmedes Hand Zum Neckar die Pokale schwanken, Haged. So auch das Schwänken. S. auch Ansschwänken. Anm. In einigen Oberdeutschen Mundarten lautet dieses Wort wie das vorigeNentrum schwanken, ausschwanken, welches aber wider die Analogie der meisten (freylich nicht aller) Zeitwörter dieser Ari ist. Schwenken, sich mit einem Schwünge nmdrchen, wird gemeiniglich mit einem e geschrieben, und scheint auch wirklich mehr ein Jntensivum vvrr schwingen, alsein Activum von schwanken zu sevn. S. Schwenken. DerSchwänkkessel, des — Z, plur. M vom. sing, ein zierliches Gefäß von Kupfer, Silber rc. dieTrinkgeschirre darin aus- znspülen. Der Schwanschel, S. Grünfink. Der Schwanz, des — es, plur. die Schwänze, Diminnt. das Schwänzchen, Oberd. Schwänzlein. i-Eigentlich, ein längerer oder kürzerer dünner und beweglicher Zheil am Ende des thic- rischen Körpers, welcher den Hintern bedecket, und bcy den vicr- sußigenThicren von dem verlängerten Nnckgrathe gebildet wird. Bey den Vögeln bestehet er aus langen Federn, bcy den Fischen aus ein-.rden Floßsedcrn ähnlichen Materie u. s. s. Der Schwan; eines Pferdes, (in der anständigen Sprechart der Schweif,) einer Ruh, eines Fundes , einer Ratze, einer Schlange u.f. f. Jemanden auf den Schwanz treten, im gemeinen Leben, ihn beleidigen. Den Schwan; streicheln, nach dem Munde reden, fuchsschwänzen, (S. dieses Wort.) vier Groschen auf den Schwan; schlagen, in der niedrigen Sprechart, sie bcy dem Einkauf oder Verkauf unrechtmäßiger Weise als einen Gelvinn sich zueignen, (S. Schwänzen.) VerschiedencTbicre, besonders Vögel, haben den Nahmen von der besonder!» Farbe oder Gestalt ihres Schwanzes bekommen; z. B. Rothschwanz. Grnnschwanz n.s.f. so wie auch verschicdenePflanzen wegen der Ähnlichkeit einiger ih» rer Theile Roßschwan;, Ratzenschwanz, Lnchsschwanz u. s. f. heißen. Da Schwanz durch den langen und häufigen Gebrauch i-n den meisten Fällen unedel geworden, so hat man dafür oft anständigere Ausdrücke. Den Schwanz eines Fisches nennt man daher den Schlag, und des Pferdes, wie schon gedacht worden, den Schweif, welches Wort auch in der anständiger» Sprechart anstatt der meisten der folgenden figürlichenBedeulnilgen üblich ist. Die Jäger ne,inen den Schwanz des Roihwildbretes, die Blume, den Sturz, das Zorzel, das Fcderle; des Kirsches insbesondere, den Purzel, Gall, das Ende, den Schwaden; des Rehwildbre- tcst, die Schürze, die Scheibe, den Spiegels des Schwarzwildes, den Purzel; des Fuchses, die Ruche, Standarte, Stange, den Wedel; des Mol,.s. dir Standarte; des Luchses, die Ruche; des Eichhörnchens, die kühne ; des Hundes, Dach, ses, der wilden Katzen und übrigen itemern Raudchierc, die Schw 1712 Ruche; des Häsens, das Blümchen, 8ederle; der Fasane»und Alstern, das Spiel u. s f. Übrigens-sind in den gemeinen Sprech, arten auch die Wörter Zage! oder Zahl, Purzel) (Nieders. Birl,) Sterze, Niederst Steerr n. st s. üblich. 2 ) Figürlich wird im gemeinen Leben oft das dünne bewegliche Ende eines Dinges, und in noch wencrm Verstände oft ein sedcs Ende, der Schwan; genannt. Dahin gehöret z. B. der Zopf von Haaren an dem menschlichen Kopfe, m der ansiändigern Sprechart der Zopf, Haarzopf; der Schwan; oder Schweif eines Kometen; der Schwanz an den Klckdern, der doch lieberSchweif oder Schleppe genannt wird, St. Esth. 4, 4; die Schwänze an den Noten n. s.st Da es denn auch zuweilen einen unnöthigen Anhang im verächtlichen Verstände bezeichnet. Einen langen Schwanz bep sich haben, ein zahlreiches unnörhiges Gefolge. Wenn im Bergbane der Ring am Hunde, wodurch das Seil gezogen wird, der Schwan; heißt, so scheinet es eine Anspielung aufdas in diesem Verstände genichdentete Wort Hund zu feyn; ob sich gleich ans der folgenden Abstammung auch die Bedemung eines Ringes herleiten lassen würde, wenn sie nur sonst üblich wäre. An,n. Schwanz, im Schwed. 8vans, kommt in den übrigen verwandten Sprachen nicht vor. Indessen ist es sehr wahrscheinlich, daß cs mit schwanken und schwingen aus einer und eben derselben Quelle abstammel, und bür eigenthnmliche Beweglichkeit dieses Theiles ausdrucket. Die oben gedachten gleichbedeutenden Wedel, Schwaden, Feder, Zahne, (woraus vermittelst des Zischlautes Schwanz gebildet sevn kann,) Schweif, von schweben, Spiel u. s. s. haben eben denselben Stammbegriff. Die Gchwanzader, plur. die —n, eine Ader an dem Schwänze, besonders der Pferde, wo sie auch die Sternader gemannt wird. Das Gchwttnzbein, des — es, plur. die — e, diejenigen Beine des verlängerten Rückgrathes, welche den Schwanz bey de» viersilbigen Thicrcn ausmachcn. Bcy dem Menschen bestehet das Schwanzbei'n, oderwieman cs hier auch ncunec, das Steißbein, Os cnco^Ais, ans drey oder vipr kleinen beweglichen Beinen, welche an dem untersten Wiebelbcine des heiligen Beines brsesiiget sind, und gleichsam .einen kleinen einwärts gebogenen Schwanz ansniachen, welcher aber von außen nicht sichtbar ist. Bey einigen heißt es der Gtavrknochen. Das Schwänzel, des —s, xlur.urnom.linZ. 1 ) Das in den gemeinen Spreckarte», besonders Oberdeutschlandcs, verkürzte Diminntivnm von Schwanz, für Schwänzlein. 2 ) In dem Hüttenbane einiger Gegenden, wird der untere TheU des geschlämmten Gerinnes in dem Schlämmg-rabcn das Schwanzel genannt. Srhwämzeln, verb. reZ.neulr. mit dem Hülfsworte haben, welches das Diminntivnm von schwänzen ist, und nur von den Hunden gebraucht wird, liebkosend mit dem Schwänze wedeln. Der Schwänzelpfennttz, des—es, xilur. die —e, im gemeinen Leben, Pfennige, d. i. Geld, welches man schwänzet oder aufden Schwanz schlaget,d. i. bey dem Einkauf oder Verkauf unterschlagt, als einen unerlaubten Gewinn für sich behält, in welchem Verstände es besonders von Kleinigkeiten üblich ist, welche untreues Gesinde rintcrzlischsagcn pflegt. Sich Schw.-mzel- pfi-nnige machen. An andern Orten Rorbpfennige. Siehe das folgende. „ Schwänzen, verb>. reZ. welches in doppelter Gestalt üblich lst. i. Ds ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben. ') Müdem Schwänze wedeln, besonders den Hunden, wenn es au einem Wohlbehagen und ans Freundlichkeit geschiehet, wofür auch schwänzeln üblich ist. Figürlich ist schwänzen stolz einher gehen, eigeittlich den Hintern m Gehen aus Stolz hin und her ort-lau. Sie treten einher u-d schwänzen, Es. Z, > 6. 2 ) Nachlässig liu ohne Absicht hin und her gehen. Müßig herum schwanen. 171Z Schw Im Nicberf. fummeln. Es scheint hier nicht zunächst zu Schwan; zu gehören-, sondern noch die allgemeine Bedeutung der Bewegung aufbehalteu zu haben. S. Schwan; Anm. H. Als ein Acrivum. r) Mir einem Schwänze versehen, in - welchem Verstände besonders das' Mittelwort geschwänzt »blich ist. Geschwänzte Noten,zum Unterschiede von den unaeschwänz- tcn. Zu engerer Bedeutung ist ein Pferd schwänzen, dessen Schwanz zierlich anfschiirzen, wofür doch aufschwänzen üblicher ist. 2) Bey den Holzflößen wird das Holz geschwänzet/wcnn man die Scheite, welche sich hier und da am User anhängen, abnößet, und ihnen sortbilft, da denn auch diejenigen Arbeiter, welche dazu bestellet sind, Schwänzer genannt werden. Es scheinet auch hier den allgemeinen Begriff der Bewegung zu haben, und eigentlich in Bewegung setzen schwimmen machen, zu bedeuten, z) Mntlmnl. lig und ohne Noth versäume» im gemeinen Leben. Ein Raabe schwänzt die Schule, wenn er dieselbe muthwilliger Weise versäumt. EinLehrer schwänztscinen Scholaren, der Scholar schwänzt seine Stunde, wenn beyde dm Lehrstunde ohne Noth versäumen. In einem ander-« Verstände schwänzt man jemanden, wenn man sich einen unerlaubten Gewinn zu dessen Nachtheil macht.aus welcheArt dasGesinde seineZerrschaft schwänzt, wenn es sich die so genannten Schwänzelpsennige macht, welche assandern Or.en Rorbpfcnnige heißen. Die Ableirnng, welche Frisch von dieser Bedeutung, und der N. A. ans den Schwanz sch! nen, das ist, unterschlagen, angibt, ist zu weit gesucht und uttwabrschst :lich. Es scheinet vielmehr, daß schwänzen hier eine Figur der schnellen Bewegung ist, indem die meisten übrigen im gemeinen L ben üblichen Wörter, welche eine solche Art des Hütterg Heus bezeichnen, z. B. beschummeln, beschuppen, belugscn u. s. s. Figuren einer schnellen überraschenden Bewegung sind. Die niedrige N. A. Geld auf den Schwan; schlagen, für unterschlagen, kann als eine verunglückt. Anspielung auf das mißver- standeirc Z it-eoct schwänzen angesehen werden, wenn sie nicht ihren Ursprung voll riuer besonder« jetzt uubekaimten Veranlassung hat. So auch das Schwänzen. Änm. Die Endchibe —zen deutet auf ein Jntensiviim; es kommt daher hier nur auf die Sylbe fchwan, und ohne Zischlaut wan, an.' Mau sicher daher bald, daß schwänzen so wohl in seiner engeen, als ältcen weirern Bedeutung, mir s »em V- «-wandten Schwanz,;» rem Geschlecht? derWörcer schwinden, schwenden, geschwinde, schw.ngen, schwanken, U)«nd, wenden, Fahne, u. s. s. gehöret. Der Sä-wä« Z-r, des —s, plur. ut vom. livA. S. das vorige, in der ziveoieu -dedeutnug des Aetivi. Die Scywcrnz oder, p-u«. dje —n, die Federn, welche den Schwanz der Vögel aiismachen,nud an demSte«ße befestiget sind. Die Schwcrnrstieue,.plur. die —n, eine Art Fliegen,welche hinten einen zweyschneidjgen mit einem Hörnchen bedeckten Stachel in Gestalt eines Schwanz's Hai; vrocer««8 1 ^. Die Sck-wanzstoße, oder Gchwänzstcßfeöer, plur. die—n, diejenige Flöße oder Floßfeder, welche den Schwanz der Fische endiget; l-stnva cauckaüs. Der Gchwanzhummer, des —s, plur. die —Hämmer, ein von dem Wasser getriebener Hammer von 2 v bis 40 Pfund, worunter das Eisen und der Stahl zu stachen Schielum oder Zaine» ausgedehnet wird; dergleichen Hammer z. B. in den Gewehr- Fabl iken unterhalten wird, den Stahl zu den Degenklingen aus dem Geobenzu arbeiten. DieSchwtrvzkrote, plur. die—n, eine Art Kröte mit einem Schwänze, welche im Dän.Rumpetudsc genannt wird. Die Gchwanzmeise, plur. die—n, eine Art Meisen mit einem ung-wohnlich langen Schwänze, welche den Körper an Länge Adc.'.w.V.Z.TH.-.Arrff. Schw 1714 uberkrifft; paru«; cnuckatus Zahlmeise, Pfannen- stiel, Bergweise, Schneemerse, Aschmcise. Das Schwanzmesser, des—s, plur. ut von,. 6v^. indem' Wallfischfange, ein langes Messer mit einem sechs Fnß lauge« Stiele, dem tobten Walisisch damit den Schwanz abzuschneiden. Der Gchwanz-Papayey, des —es, plur. die—e, eine Art Papageyen, mit einem Schwänze, welcher länger als gewöhnlich ist. Die Gchwanz-Perrücke, plur. die—n, eine Perrücke, deren Haare hinten in einen Schwanz oder Zopfvereinjgct sind; zum Unterschiede von den Beutel-perruckemGtutz-perrücken u. s. f. Der Schwanzriemen, des —s, plur. urvom. llvZ. ein Riemen an dem Pferdegeschirre, welcher unter dem Schwänze des Pferdes durchgehet, damit der Sattel oder das Geschirr nichtzu weit vorwärts gehe; Niederst Gteertremen. Die Gchwanzrübe, plur. die—n, die Rübe indem Schwänze eines vierfüßigen Thieres, d. i. der verlängerte Thcil des Nück- grathes, welcher den festen Theil des Schwanzes ausmacht; die Schrveisriibe. S. Rübe. Die Schwanzschnur, plur. die—schnüre, ein Nähme, welchen bey de«, Sammtivebern auch die Rahistschnüre führen. Die Schwanzschraube, plur. die—n, an den Feuergewehren, diejenige Schraube, welche das Hintere Eude des Rohres verschließ«; entweder.tveil sie sich gleichsam an dessen Schwänze befindet, oder auch, weil sie ehedem mit einem Schwänze verstehen war, vermittelst desselben das Rohr in dem Schafte zu befestigen. Der Schwanzstern, des —es, plur. die —e, ein von einigen ge- brauchies Wort, das Griechische Römer zu verdrängen, weil stch der Dunstkreis der Kometen oft in Gestalt eines Schwanzes ödem Sch «reifes darstcllet. Allein da dieser Umstand nur zufällig ist, und von dem Stande des Kometen gegen die Sonne abhängt, daher es auch ungrschweiftc Kometen gibt, s? ist dieser Ausdruck unschicklich. Das SchwanzstiiE, des—es, plur. die—e, ein Stück von dein Schwänze eines Thieres, ingleichcn ein an dem Schwänze befindliches Stuck, der Schwanz als ein Stück betrachtet. Das Schwanzstück eines Rarpfens, der abgeschuittene Schwanz, in- gletchen ein Stück desselben. Das Schwanzstück von einem Rinde , ein Stück Fleisch mit dem Rückgrache gleich über dem Schwänze. An den Flaschenbüchftn wird das stakt der Schwanz- schraube am Ende des Rohres befindliche Stück das Schwanzstück genannt. Der Schwanzwurm, des—es, plur. ioul'. ein fressendes Geschwür in dem Schwänze des Rindviehes, wovon derselbe oftab- fanlet; Niederst (Auaswurm, Sterzwurm. Schwapp, Schwapps, eine nur im gemeinen Leben übliche Jn- terjection, den Laut uachziiahmen, welchen ein schneller und heftiger Schlag airfeinen weichen Körper verursacht. Schwapps bekam er eins hinrer die Ohren. Im Niedersächfischen hat marr auch die ähnlichen schwipps und schwupps,wovon das erste einen feiner«,das lctzie aber einen gröber» Laut nachahmet. Schwipps war er hinein, so schnell als ein Blitz. In den gemeinen Hochdeutschen Mundarten hat man auch das Zeitwort schwappen und' dessen Jteraüvum schwappeln, welche Intensiv« von schwabben, schwabbeln sind, und die Bewegung eines stüssgeir Körpers in einen« Gefäße durch den nachgcahmten Laut ausdrückcn. Der Schwär, des —es, plur. die—e, oder auch der Schwären^ des-s, plur. ut vom. livZ. eine kupferne Scheidemünze irr Bremen, deren z einen Bremer Groot, r Z aber einen Groschen machen-. In dem Bremisch. Niederst Wörterbuche wird bemerkt, d«MW^W.ttHjch.eyi daselbst auch grote Sware genannt wor- deMnd daräEv'LMuthkt,daß dicstsWort von schwer sbfiamnre> 1 L 2 4 L Schw -ttudsiNL bessere Münzforte bezeichne, -als die vorhin übliche leichte und geringhaltige war. Der Schwären, des —e, plnr. ut noin.lruZ. eine Erhöhmiz der Hanr, unter welcher sich Liter zusammru ziehet oder erzeuget; ein Geschwür, welches aber auch i,l dein Körper Statt finder, da- ,-gegen Schwuren nur von der äußern Haut gebrau cht wird. Erneu Schwirren haben. 6iob wurde mit bösen Schwären geschlagen, Hiob 2, 7. Die onnde leckren dem armen Mann? ,seine Schwären,Luc. rö, 21. Jemanden den Schwären ausstechen, figürlich, ihm zeigen, wo es ihm fehlet, wo es gefehlet hat u- s- f- chlnm. So wie es da ist, findet fich dieses Wort in den verwand* ^ieu Sprachen nicht. Frisch leitei es sehr sonderbar von dem Lat. :lu^i-ul-Lre ab, andere mit mehrerer Wahrscheinlichsten von dem alten Hers, Schmerz, Huere, Plage, welches zu schwer, Beschwerde, versehren u. s. f. gehöret. Allein in den verwandten Sprachen findet fich ein noch näheres Stammwort, welchem nur ,der ohnehin oft zufällige Zischlaut mangelt,näh,nlich das Schwed. Var, Eiter, im Angels. VV^r, im Finnland.Wem, daher War . im Ungar, und rvne rc im Angelst ein Schwären oder Geschwür, Viärk im Schwed.der mit einem Schwären verbundene Schmerz äst. Im Wallis, ist 6 rv/c,r Blut, und im Latein. Virus nicht allein Gift, sondern eine jede schädliche Feuchtigkeit. Da die Deutschen schwapen und her Schwären so allgemein und bestimmt auf die Zusammenziehüng des.Eiters eingeschränkt find, so ist diese Ableitung unstreilig die natürlichste. Übrigens ist dieses Wort in einigen Mundarten ungewisse» Geschlechtes, und lautet alsdann,das Schwär, des -—es, sstur. die—e. Schwären, verb. irreZ. Jmperf. ich schwor, (ehedem schwur;) Mittelw. geschworen. Es ist ein Neutrum, welches das Hülfs- worc sepn erfordert, und gemeiniglich nur in der dritten Person gebraucht wird.mitEiter angefüstet werden. Der Finger schwärt mir, ist mir geschworen, wird wohl schwären. Der Nagel schwärt ab. Das Auge ist ihm heraus geschworen. So auch das Schwären. Anm. (S. das vorige.) Schweren, in beschweren, schwären und schwören,sind in demLaute,und die bepden letzten auch in der Conjugarion einander sehr ähnlichchaher Ire auch von dem großen Haufen nicht selten mit einander verwechselt werden. (S. auch Geschwürund Schwürig.) Schwären und schwellen sind genau verschieden; jenes ist allemahl mit Eiter verbunden,dieses nie,obgleich ans einer Geschwulst zuweilen ein Geschwür werden kann. *Der Sü/wvrrk, des —es, piur., die Schwarke, ein nur allein im Niederdeutschen übliches Wort, eine dicke schwarze Wolke zu bezeichnen, welche Regen oder Gewitter drohet. .EmRegenschwark, Gewitrerschwavk. Holland. 2 rvark, 2 cverk. Daher das Niedersächst schwarkcss. sworkcn, beschworken, sich mit dickem .schwarzen Gewölke überziehen. Verinuthlich aus Einer Quelle mit schwarz, oder so fern die Dicke, Vielheit, Bedeckung, der Stammbegriff ist, mit Schwarm, Schwarte, schwer u. s. f. Der Schwärm, des—es, xrlur. die Schwärme, von dem folgenden Zeitworce schwärmen. 1. * Das verworrene Geräusch einer ungcordneteii'Meirge; ohne Plural. ,) Eigentlich; in .welchem Verstände es doch im Hochdeutschen ungewöhnlich ist. Zn -einigen Proviirzc-n sagt man noch, im Schwarme leben, in eben dem Verstandest« welchem man im Hochdeutschen sagt, im Sause und Brause leben, in lärmenden Ausschweifungen. 2) Figürlich 'ist der Schwarm ein Anfall verworrener Vorstellungen; eine im Hochdeutschen gleichfalls ungewöhnliche Bedeutung, in welcher .-man aber doch in einigen Gegenden sagt : einen.Schwarm hacken,bekommen, derSchwarm steigt ihm in den Kopf, wenn per-, worcrne fimlliche Vorstellungen bep jemanden überhand nehmen, Schi» 17,6 und sich durch äußere Handlungen verratben. Im ähnliche,« Verstände sagt man im Hochdeutschen ohne Zischlaut, den cPnr.n haben. Bey denJägern bekommt der Lesthnnb -en Schwara, wenn er durch fremde Witterung von dem Suchen der Fährte abgehalten wird. Von einem Schwärmer sagt man in manche,, Gegenden, daß er ;'incn Schwarm habe, wenn er verworrene Vorstellungen zum Bestimmnugsgrunde seiner Urrheile und Handlungen a-nnimmt. 2. Ein unordrirrirchcr Haufe ein verworrenes Geräusch machender lebendiger Dinge. Ein Schwarm Bienemein Hause Hey einander lebender Bienen. In engerer Be- deuriulg pflegt man eine junge Bienen-Colonie, welche sich gc. nieinschaftlich von dem alten Stocke absvndrrt, einen Schwarm zu nennen ; Niederst ein Swerkstn einigen Oberdeutschen Gegenden ein W ürfüng, ein Lösch, letzteres von lassen, welches in man. chen Gegenden gleichfalls von dem Schärmen der Bienen ge, braucht wird. Einen Schwarm in einen Stock fassen. (Siehe Vorschwarm und Nachschwarm.) Ein unordentlicher Hanfe lärmender Personen heißt gleichfalls ein Schwarm.' Ein Schwarm Aufrührer, Betrunkener u. s. s. In noch weiterer Bedeutung, eine jede unordentliche Menge lebendiger Geschöpfe. Ein Vogel aus ssanaria Liest einst in Deutscher Luft sich nieder; Gleich war en, Schwarm von vögeln da, Und musterte des Fremdlings Lieder , MichLlis. Anm. In dem altenFragmente aufCarln den Großen bep dem Schiller OslävLrme, in Baier«, mit einem andern Endlaute Gchwurbel, (im Niederst ist swarven schwärmen,) im Niederst in der zweyten Bedeutung Swerk, (S. Schwark,) im Angels. Lvvearm, im Engl. L^arin, imSchwed. 8 värm. S.das folgende. Schwärmen, verb. re§. oeutr. mit dem Hulfsworte haben, welches das verworrene Geräusch nachahmet, welches unter andern a«,ch «nehrere Dinge in ihrer Bewegung mache», r. Eigentlich, dieses verworrene Geräusch von sich geben, hervor bringen. Was für ein liebliches Sumsen schwärmt um uns her ? Geßn. In engerer Bedeutung gebraucht mau dieses Wort von den Bie, nen, wenn die Jungen mit einem verworrenen Gesnmse und in einer unordentlich scheinenden Menge aus einemStockeziehen. Die Bienen schwärmen, werden bald schwärmen. In welchem Verstände man es auch von der, alten Bienen gebraucht, wenn sie ihre Jungen auf die Art anslassen, daher man in Niedersachsen für schwärmen auch lassen sagt. Der Stock har noch nicht ge- schwärmet. 2. J„ engerer und figürlicher Bedeutung. i)Ran- schendcilBergnugnilgeil nndAusschiveifungen zur Ungebühr nach- hängen. Die ganze Nacht schwärmen. Ein Mensch muß in seinem Leben wenigstens Ein Mahl schwärmen, ein falscher, obgleich sehr allgemeiner Grundsatz. Lärmen und schwärmen. s)Sich ohneOrdnimgnndAbficht und mit einemGeräusche schnell hil« und her bewegen. Fliegende Würmchen verfolgen sich unten in, Grase; bald verliert sie mein Auge im grünen Schatten, dann schwärmen sie wieder im Sonnenschein, Geßn. von einem Orte zum andern schwärmen. Auf der S-ee herum schwärmen, im Niederdeutschen die See schäumen; imItal.ist LcismL« e schwärmen, z) Sinnlichen Vorstellungen zur Ungebühr llachhängcn,finnljchrVorstrlluttgen zninBestimiNungsgrun- de seincrUrtheile undHandlunaen annehnieii,znmNachthelledeutlicher. Bey den Jägern schwärmt der Leu Hund, wenn er stch durch fremde stnnlichereWittcrung von demSrrchenaufderMhr- te abbringen läßt, z. B. wem, er ein Wild erblickt, und dadurch im Suchen irre wird. 4) In noch engerer Bedeutung, dunkele oder verworrene Vorstellungen zum Nachtheile klarer und dtnürchec zum BeMiugungsgrunde srinerUctheile u«,d Handlungen anneh- wen. 1 / - ^ Sch W men. In diesem Verstände sagt man sehr häufig, es schwärmt jemand, oder es schwärmr m seinem Bopfe, n enn er verworrene Vorstellungen hat, und solche-durch seine Uuheile ulld Ha>idlun- gen im hohen Grade äußert. Siehe Schwärn-erey. So auch das Schwärmen. Anni. Im Rieders, fwarmen, und mit einem aiidern.Endlante swarven,im Angelt. j-vvesrniiun , im E-ngl. tc> svvuirn, bo spverve, im Schwed, t vurmn, Zn» Niederdeutschen hat man noch ein anderes sehr nahe verwandtes Mort, welches swieecn, Holland, rvvieren, lautet, nnd schwärmen im ersten nudzwcy- trn figürlichen Verstand , bedeutet. Jnnius leitet unser schwärmen von dem Griech. kkurmonia, Wachter von s-r-gpc«, die Schleppe eines Kleides, Frisch, der denBicneiisck warm für die erste und älteste Bedeutung hielt, von Zpermuhcr, anderer zu ge- schweigen. Keinem fiel ein, daß dieses Zeitwort eine sehr deutliche Onomatopöre ist, welche das surmende Geräusch vieler sich - bewegender Dinge genau nächahrmt, und das Stammwort des Jnteilfivi schwirren ist, sowie es wiederum ein vermittelst des Zischlautes gebildetes Jntcnstvnm von wirren, >n verwirren, Wurm u. s. s. ist. Die eben gedachten von andern angegebenen Stammworter sind indessen, obgleich auf verschiedene Art, Figuren dieser D nomaropoie. Der Schwärmer, des— e, p!ur. ut vom. linA. von dem vorigen Zeitworte, i. Ei» schwärmendes Ding; in welchem Verstände es besonders in der Fenerwerkrkuusl üblich ist, wo ein in Papier gefüllter kleinerFeuerwcrkssatz,welcher, wenn er angezün- vei wird, vor dem Zerplatzen nicht nur ein schwärmendes Gcröse macht, ststidern auch ohne Ordnung hin und her schwärmet, ein Schwärmer genannt wird. Schwärmer werfen. In figürlichem Verstände heißt bcp den Jägern ein Leithund, welcher sich leicht durch sinnliche Eindrücke von der Fährte abbringen läßt, ein Schwärmer. 2. Eine schwärmende Person, Famin. die Gchwar- merinn. r) Inder ersten figürlichen Bedeutung des Zeitwortes, eine Person, welche sich rauschenden Vergnügungen und Ausschweifungen überlaßt. Ern Gassenschwärmer,Nachtschwärmer u.s.f. 2) In der dritten und vierten figürlichen Bedeutung, eine Person, welche undeutliche und in noch engerm Verstände, welche verworrene Vorstellungen zum Nachtheile deutlicher und klarer zum Bestimmungsgrunde ihrer Unheile und Handlungen machte wo es in allen Ständen, Geschäften und WisscnschaftenSchwär- Mr und Schwärmerinnen gibt, welche Empfindungen und tvshk gar Einbildungen für Wahrheit halten. S. das folgende. Die Gchwärmeröy, piur. die—en, welches nur in der dritten und gierten figürlichcnBedemung desZeitwortes üblich ist. r) Als ein Abfiractum und ohne Plural, dieFertigkeit, verworrene Vorstellungen, d. i. Einbildungen,und undeutliche Vorstellungen, d.i. Ettipstndnngrn, zum Nachtheile klarer und deutlicher Vorstellungen, zum Bestimmungsgrunde seiner Urthcile und Handlungen zu machen..Die Schwärmers in derRcligisn istdieFertigkeit,Einbildungen und Empfindungen fürgöitlicheWirkungcn undWahr« heilen anzunehmen, welche den Ettthnflasmus und Fanatismus unter sich begreift, wovon der erstere eigentlich auf Einbildungmi, und der letzte auf die Empfindungen geht. Im weitesten aber nicht gewöhnlichstrnVerstande istSchwärmerey zuweiten dieFertigkeil andere Erkenntnißquellen d-.r göttlichcriWahrheiten anzunehmen, als die heilige Schrift, da fie denn mit dem Aberglauben überein kommt. 2) Als ein Loncrctnm, Meinungen und Handlungen, so fern sie ans verworrene nnd undeutliche Vorstellungen, zum Nachcheilc klarer und deutlicher gegründet sind. Scywä meriscy, —er, —ko, uckj. et aöv.in der Schwärme- rep gegründet, mit derselben behaftet, derselben ähnlich. Ein schwäNmerischcp Mensch. SchwäpmcpischrMe!Nun§cn,Lehren.. Schw 1718 Gellerts Andenken bedarfkci'nes eitlen Geräusches schwärmerischer ^Lobeserhebungen, Crum. welche ans bloßen Empfindungen ZnmNachtheiie des rul'igeli Verstandes herssießen.. Der Sch/warmhüther, des—L, plut-.ur vorn. bivA. Fämirr^ die Schwarmhütherinn, in der Bienenzucht, eine Person, welche ans die Bienen zur Zeit, wenn fie zu schwärmen pflegen, Ach: gibt. Der Schwarmsack, des— es , plnr. die — säcke, ein Sack, Bienenschwärme darein zu fassen, und an ihren .Ortzu bringen ; der Biencnfasser. Lre Schwä'rmzert, plur» die—en, dieZeit, da die Bienen zu schwärmen pflegen. Die Schwärte, xlur. die—n, Diminnt. das Gchwärtchew, Oberd. Schwärckein, ein Wort, welches eigentlich eine harrr dicke Decke bedeutet, aber nur noch in einigen einzelnen damit verwandten Fallen üblich ist. i) Die Haut, welche sich von gelachten Speisen in den Geschirren ansttzet, heißt im Diminul. das Schwä'rtchen, in andern Gegenden die Scharre, weil fie abge- scharret wird, sonst auch nur die Zant. 2) Die dicke harreHäut an Menschen und Lhieren ist unter dem Nahmen der Schwarte be. kannt. Bey den Jägern heißt die abgezogene Haut eines D achses, und bep einigen auch eines wilden Schweines, die Schwarte, (S. Dacheschwaree.)Bcsonders kennet man unter diestmNahmcn die dicke harte Haut auf geräucherten Schinken und Speckseiten z die Speckschwarte, Schweinsschwarte. Im vcrcchtlichenVer- stände pflegt man auch die Haut am Menschen zuweilen die Schwarte zu nennen. Daß Zähn und Schwarte knackte, Opitz. Daher dieses Wel'l im gemeinen Leben, so wie Zautund §x-ll, z», weilen auch von der Person selbst gebraucht wird; eine arme Schwarte, eine gute Schwarte, ei?' armer , guter Mensch, eine arme, gute Haut; weiche Ausdrücke irgend jemand von den Gchwardonen, einer eherrahligen WkndischcnNationcherlerten. wollte. Z) Der Rasen heißt in manchen Gegenden die Schwarte oder grüne Schwarte, Niederst Gronswort, Engl. Oreen- sstvarck, Schwed. 8 varck, Island, ävrerct. 4) Die von den äußern Seiten eines Bretklotzes abacschnittenen Breter he:ßem gemeiniglich Schwarten, Schwartenbreter, in andrruCcoenden Schalen, Schalbrerev, besonders , wenn fie auf der einen Seite' noch halb rund oder nur grob behauen find, und also gleichsam die Decke der übrigen Bretcr ausmachen. Anm. Im Niederst Swaarde, Sware, im Angelst Zrvemrck,, im Engl. 8 :vsrck, im Schweb. 8 vurck, im Island. Luurcir,» Frisch blieb bey der Speckschwarte stehen, und da dü st gemeiniglich schwarz ist, so leitete er dasMort von schwarz,Niederst swarr, her, da doch schon Wachter richtiger bemerkt hatte, daß der Le» griff der Decke hier wie in so vielen andern ähnlichen der herrschende ftp, daher dieses Wort zu warten, Huchen, wahren und bewahren u. st f. gerechnet werden muß. Da es aber nur von einer harten dicken Decke gebraucht wird, so scheinen ihm schwer,, Schwark, Schwarm u. s. st den Ncbenbegriss der Dickc, V-ckheit der Theile, mitgcrheiletzu haben. Mit einem andern Endlaute heißt die Schwarte im Schwedischen auch Lv^j, welches zu un- strm Schwiele gehöret. Von der Dehnung in diesem Worte S» die Anm. zu Schwert. Dcrs Gchwärtenbret, des — es, x»1ur. die —er, siehe das vorige. DerSchwärtenmatzen, des—s,' —mägen, in dem Küchen, ein mit würflich geschnittenem Specke und Schwarte, d. i.. Schrveinsbaut, geriebener Semmel, Schwcinsblut n. st st gefüllter Schwrinsmagen, welcher hernach geväuchere wird ^ im. gemeinen Leben der Sausack. D ie Schwärtsnwurst, plur. die — wirrste^eben daselbst^ eine mit solchen Jnaredienzien gefüllte Wlwsst Schwang 1719 Sch W ^Acj)wärtlF, a6j.sta6v. Schwarke, dicke harte Haut, enthaltend. ZarrschwartigerSpeck, der einr harte Schwartehat. Bey den Weißgärbcr« heißt ein Fell schwartig, wenn es hart, einer Schwarte ähnlich ist, welches bey ihnen auch hornig genannt wird. Schwarz, schwärzer, schwärzeste, aäj.ebaäv. Eigentlich, ein Nähme der dunkelsten Farbe, welche in der Ermangelung al- les Lichtes bestehet, und der weißen entgegen stehet. Ein schwarzes Rleid. Die schwarze Farbe. Schwarz gekleidet gehen. SchwarzeTinte. Das schwarze Bret, ans Universitäten und -Gymnasien, eine schwarz angestrichene Tafel, woran die akademischen Bekanntmachungen geschehen. Die schwarze Tafel, in manchen Schulen, Wirchshäu'ern u-s. f. eine schwarz angestri- chene Tafel, woran man die Nahmen derer schreibt, welche sich Lbel verhalten. Jemanden in das schwarze Register schreiben, Zn das Verzeichnis solcher übel berüchtigter Glieder der Gesellschaft. Daher die figürlichen Ausdrücke, jema-ndcn bey einem andern schwarz machen, ihn anschwärzen, ihn verleumden; im Mittlern Lat. cksuiZrare- Bey jemanden schwarz seyn, vonihm für ein lasterhaftes oder schädliches Glied der Geschcllschaft gehalten werden. ZnDberdcutschlaudsagt man, jemanden bey ei- ^cm andern schwarz anschrerben, daher diese und die vorigen R. A.auch das Auschreiben eines übel bcrüchri neu mit eiuem schwar- Zeu Farbenkörper voraus setzen können. Schwarz ausweiß Hatzen, etwas schriftlich haben, wo schwarzdieTinle weißdasPa- Hier bezeichnet. Sprichiy. In der Nacht sind (scheinen) alle Tatzen (oder Rühe) schwarz. Schwarze Noten, welche einen gefüllten Kopf haben, im Gegensätze der weißen. Der schwarze Sonntag, der Sonntag Zudica, weil ehedem die Altäre und Kirchen an demselben schwarz behänget wurden. Das Hauptwort davon lautet bald das Schwarz, bald das Schwarze, bald auch die Schwärze. Das letzte ist das Abstrar- lum, (S. dasselbe an seinem Ort.) Das erste wird für schwarze Sarbe gebraucht, es bezeichne nun einenFarbenköcper odereine Eigenschaft, und ist, wir alle Adverbia, wenn sie als Substantivs Kebranchtwerden, indcclinabel. Ein schönes Schwarz. Dis Glasmahler machen ihr Schwarz von Eisenschlacken. Frankfurter Schwarz, eine schwarze Erde. So auch Ruß schwarz, Beinschwar;,Rohlenschwarz u. s s. Es gibt verschiedene Areen Schwarz. Die Schönheit dieses Schwarz. Das Hauptwort das Schwarze aber bezeichnet in vielen Fällen ein schwarzes Ding, zuweilen auch die Eigenschaft, und wird nne alle Beywör- 1er drclinirt. Das Schwarze in der Schilde. Das Schwarze im Auge, der Augapfel, zum Unterschiede von dem Weißen. Ein Mahler fällt in das Schwarze, wenn er seine Schatten übertreibt. Ein Schwarzer, ein Neger, ein Einwohner aus der süd, fjchen Hälfte vonAfmka, wegen der schwarzen Gesichtsfarbe. 2 . In weiterer Bedeutung, so wohl für dunkel, vieles Lichtes Seraubt, als auch mit Schwarz vermischt, wo mau viele Dinge -schwarz nennet, bey welchen die schwarze Farbe hervorsticht. Schwarz? Augen, dunkelblaue oder dunkelbraune. Schwarze Lieschen, dunkelrothe, Bey den Eisenarbcirern heißt ein Eisen schwarz, wenn es unverzinnt ist. Schwarzes Rupfer oder Schwarzkupfer im Hütteubaue, ungereinigtes, (S. Schwarz, Tupfer.) In einem andern Verstände war ehedem schwarze Mün- ^e, welche mit vielem Kupfer vermischt war, im Gegensätze der «veißen, welche ans reinerm Silber bestand, und in Baieru werden die Grundzinsen lind gerichtlichen Strafen noch in schwarzer Münze entrichtet, (S. Pfund.) Schwarzes Mehl, grobes, welches aus dem sechsten und letzten Gange kommt, zum Unterschie- He von dem weißen. Schwarzes Brot, welches ans diesem Mehle Kebackenwird. Zn weitererBedEnug ist schwsrzesBrstAscken- Schw 1720 krot, zum Unterschiede von dem weißen, den Semmeln u. s. s. (Siehe Schwarzbäcker.) Schwarzes Geblüt, schwärzlich ro- thes. Schwarzes Mlldbrct oder Schwarzwild, bey den Jägern, ein Nähme der wilden Schweine,wozu einige noch die Bären und Dachse rechnen, wegen der schwärzlich braunen Farbe, zum Unterschiede von dein rochen Wilobrete. Schwarzes 6olz,iniF>nst- wesen, (S. Schwarzholz.) Im Forstwesen sagt man eine Bloße oder Lichtung werde schwarz, wenn sie wieder mit Holz'dewach- ssn, folglich dunkel wird. Schwarz bedeutet oft von der Sonne verbrannt, schwärzlich gelb, schwärzlich braun. Im Gesichte schwarz seyn. Im andern Verstände ist schwarz, jo viel als beschmutzt, besonders von der Wäsche, im Gegensätze des weiß. Schwarze Wäsche, cm schwarzes Hemd. Die schwarze Rimst, eine Art des Knpfersicchens, da die ganze Platte wollickl iiber- pfliigt, und die lichten Stellen beschabt werden. In eitlem andern Verstände kommt es gleich im folgenden vor, Jngleichen fi^' finster, .dunkel, vieles Lichtts, des Lichts groß« tenTheils beraubt. Der Zimmel wird schwarz, mit dunkeln Wolken überzogen. ö Der Nordwind, der Mit starken Fitkigen die schwarzen Lüfte thei'lke, Schleg. Ein schwarzes Gewitter stieg fernher auf, Geßn. Dic B-ige schlangeln sich dicht durchs schwarze Gewölk,: eben derselbe. Eine schwarze Nacht, eine schwarze Zähle. z. Figürlich. -) Die schwarze Rnnst, dieZauberey. In engerer Bedeutung ist es diejenige Art der Zanb.rey, da übernatürliche Wirkungen durch Hülfe der bösen G- istrr. hervor gebracht werden, zum Unterschiede von der weißen Magie oder Thenrgie, wenn zur Mitwirkung ante Geister gebraucht werden. Schweb. Lvarlkonli, Engl. Llack.art8, von black, schwarz. Es ist schon von andern bemerket worden, daß man aus dem Griech. kVrrcgoj^v-r-rt.-, welches die Kunst, die Todtt'N durch Hälfe böser Gelleer iw-.der darzust.llen, bedeutete, im mittler» Lateinc ans Unwissenheit Ni^romantia machte, als wenn die erste Hälfie von riiZer adstammctt . Hiervon ist das Deutsche eine buchstäbliche Übersetzung. Königshoven nennt magische Bücher schwarze Buche. (S. Schwarzkünstler.) 2 ) Im höchsten Grade traurig, unglücklich; in der höhern Schreibart. Ach weißt du noch den schwarzen Tag, der die Bauherr unserer Zeffnung zu Grunde richtete? Weiße. Menu phillis dir den schwarzen Gram verfingt, Haged. Ein finstrer Tag, so schwarz, wie drin Geschick, Weiße. Z) Im hohen Grade lasterhaft, boshaft, abscheulich ; gleichfalls in der höher» Schreibart. Marum erblickte ich Leine schwarze Seele nicht einige Msnathe eher in ihrer ganzen Abscheulich- kerr ? Sein Gewissen stellt ihm auf En,- Mahl die schwärzesten Frevel dar. Eine schwarze That, eine verruchte, abscheuliche. Er henlre, lästerte,und haucht' in tausend.Flüchen Sein schwarzes Leben aus, Weißp. Anm. Schon bey dem Ulphilas lvvarts, bey dem Notkerund im Tatian stuarr, im Niederst swarr, im Äugelst lvvoait, im Schwed, stvark, im Dänischen ohne Blass-laut fort, so wie üu Finnland, fort >.sn schwärzen ist, im Pohl», crarn^. Es scheinet, daß dieses Wort mit schwer Schwarm, Schwarte aus Et' uer Quelle hrrsiamiue, und eigentlich dunkel bedeute, indem dw Dunkelheit und Undurchsichtigkeit gemeindlich eure Folge der Dicke oder der Menge von Thcilen ist. Das alle Lateinische lus-' Ms, dunkel, ist nur im Endlante nnterschieden. Im Mccklcnbnt' gischen heißt ein schwarzes Ding ein Narr, welches mit rem Franzos, noir und Larein. viZer überein kommt, «der gewiß nicA davon aöstüMttret . 1721 Schrv Die Schwarzamsel, plur. die— N, ein Nähme öer wahren Am- s. i.wegen ihrer schwarzonFarbe,zum Unterschiede von andern Arten,welche man im gemeinen Leben irrig Amseln zn nennen pflegt. Schwarzäugig, — er, —ste,aäj. et nüv. schwarze, d. i. dunkle Augen habend. Der SchwarzbaEer, des—s, plur.ut nom. UuZ. in viele» Gegenden, ein Bäcker, welcher nur allein schwarzes Brot, d. i. Rockenbrot, backen darf, im Nieders. Sastbecker, eigentlich Fest- bäcker, (S. jenes Mor::) zum Unterschiede von den Weißbüchern, Nieders. Loebäckern. Das Schwarzbärtchen, des —s, plur. utnom. stn^. ein Vogel, S. Gräslein und Hänfling. Die S chwarzbeere, plur.dre —n, ein Nähme der Heidelbeeren, S. dieses Wort. DerSchwarzbmöer, des—s, plur. ut vom. stuZ. eine Art Böttcher, welche nur große Gefäße aus schwarzem Holze, d. i. Eichenholz-, verfertigen; zürn Unterschiede von den Weißbindern. S. Böttcher. Schwarzbrann, —er, —ste, astj. et ast v. von einem mit Schwarz vermischten Braun. Ein schwarzbraunes Pferd. Schwarzbrann im Gesichte. Der Gchwarzdorn, des —es, plur. die —en, in vielen Gegenden ein Nähme des Schlehdornes, ?runus lpiuola I,. wegen feiner schwarzen oder vielmehr dunkelblauen Beeren, daher er auch »m Engl. KInLktstoru heißt. Die Schwärze plur. doch nur in der letzten Bedeutung von meh- cern Arten, die —n. r. Der Zustand, da ein Ding schwarz ist ; ohne Plural, i) In der ersten und zweylcn Bedeutung des Bev- wvrtes. I me Gestalt ist so dunkel vor Schwärze, Klagel. 4, 8. Es ist eine rech te Schwärze, sagt man, wenn der Himmel finster und die Luft dunkel wird. Die Tinte hat keine gute Schwarze. s) Figürlich, ein hohe; Grad der Traurigkeit, die.Gchwarze des Grames; noch mehr aber Abscheulichkeit, Verruchtheit, beydes nur iu der kichern Schreibart. Die Schwärze des -Lasters, seiner Seele, dieser That. 2. Als ein Eoncretum, in vielen Fällen ein schwarzer Körper Schnkerschwärze, womit die Schuster das Leder schwärzen, - wuckerschwarze, schwarze Druckerfarbe. Im Bergbaue ist die Schwarze eine schwarze oder schwärzliche metallische Erde, welcl e aus verwittertem Erze entstehet. Goldhaltige Schwarze, weiche Gold enthält. Srlberschwärze,wenn sie etwas Silber enthält. Schwärzen, verb. rsZ.act. schwarz machen, r. In der ersten und zwevten Bedeutung des Beyworres. Die Schuhe, das Leder schwärzen. Die Schmede schwarzen das Eisen, wenn ste es, indem es noch beiß ist,ni!t Poch überfahren, wovon eS glänzend schwarz wird. Wäsche schwärzen, einschwärztm, schwarz, d. i. schmutzig, machen. Sv auch dunkel, finster machen. Sobald die Luft ein feuchter Sudwind schwärzet.Hageb. Ein gcwechrer Mprthcnwald, den gehe'.me Schatten schwärzten, Uz. Sich schwarzen schwarz, dunkel, trübe werden. B >id aber schwärzet sich die heitre Himmelslnft, Haacd. r. Figürlich. >) Schwarz, d. i. anrüchtig, machen, verleumd?», wofür in der Sprache des täglichen Umganges anschrWrzenund verschwarze - üblicher sind. Sanft freundliche Stimmen, Die voll S.chmahsucht und Neid die reinsten Tugenden schwärzen, Zach- sjTraurig,trübe mach m; auch nur in der dichterischenSchreibart« Verleumdung^ Stolz und Gorgen, Was Städte kclavi'ch macht. Das schwärzt nicht semeu M,argen, Hageb» .-K Sch W 172s Z) Lm Zeschwärzkes Gewissen, in ber höbern Schreibart, ein ge- brairdmahlte-s, welches sich schwarzer Tharcn brwußr ist. 4) Im Oberdeutschen heißt Waaren schwarzen oder ciuschwärzen, Waaren mir Hintergehung der Abgaben heimlich einbringen, irr- gleichen verbslhonc Maaren einbringenchaher man auch die, welche solches tbnrr, Schwarzer, zu nenneu pflegt; Schleichhandel treiben, im Nieders. fmnggeln, im Oberd. auch paschen. Etwa, weil sich dergleichen Schleichhändler, um nicht erkanntznwerden, ehedem das Gesicht zu schwärzen pflegten ? So auch das Schwärzen. Anni. Engl. to srvnrt. Ehedem batte man im Oberdeutschen auch das Neutrum schwarzen, schwarz werden, wofür in dem zusammen gefetzten nachschwärzen das a üblich ist. Das Schwarzerz, des —es, plur. doch nur von mehrern Arten, die —e, eine schwärzliche Art Silbererz, zum Unterschiede von dem Weißerze. Bepde find Arten des stahlerzes. Ebendaselbst wird auch das Schwarzgiildenerz, Schwarzer; genannt. Der Schwarzfarber, des —s, plur. ut vom. stnZ. eine ehe- mahlige Art Färber, welche nur schwarz, blau und braun färbttm, zum Unter schiede von den später entstandenen Schönfärbern, stehe das letztere. Der Gchwarzflügler, des—s, plur.utnom.stnZ. eine Art rother Dickschnöbler mit schwarzen Flügeln; EoecotirrZustss slls niZri8 /L/e/ch. Er ist in Mexico einheimisch, mrd wird vo« hem Seba zn den Sperlingen gerechnet. Schwarzgar, aclj.et aclv. eine Art der Gare bey den Gackern, wobey das Leder schwarz oder schwärzlich wird; zum Unterschiede von dem weißgar- Gchwarzgelb, astj.etLäv. von einer mit Schwarz vermischte« gelben Farbe. ^ Schwarzgrau, a6j. et aäv. von einer mit Schwarz vermischten ' grauen Farbe. GchwarzyÄöen,L6j.et aö v.welches nur imBergbaue üblich ist, und vou einer gewissen Art Silbererzes gebraucht wird, welches wegen des beygemischten Spießglascs eine schwarze oder schwärzliche Farbe hat, übrigens aber giildlsch ist, d. i. etwas Gold enthält; Schwarzer;,zum Unterschiede von dem weißgiildenenErze. Der Schwarzhafer, des—e, plur. doch nur von mehrern Arten, ut 00m. liuZ. eine Art Hafers mit kleinen schwärzlichen spitzigen Körnern,welcher wegen seiner rauhen Gestalt auchBart- hafer genannt wird. Das Schwarzholz, des —es, plur. die —Hölzer, im Forstwesen. 1) Eine Art Holz, d. i. Bäume rmd Stauden, welche kein eigentliches Laub, sondern statt desselben Nadeln oder Tänzeln haben, ohne Plural, außer von mehrern Acren ; Nadelholz, Tan- gelholz, Harzholz, rodres H Uz. weiches Holz, zum Unterschiede vou dem Laubholze, harten Holz?, lebendigen Holze. Zu dem Schwarzholze werden gerechnet die Tannen, Fichten, Kiefern, der Lärchenbaum, der Taxus, der Eibenbaurn und der Wachholder. 2) Ein an" solchen Holzarten bestehendes Gehölz, eine damit bewachsene Gegend. Der Nähme rühret theils von der dunkelgrün'ir Farbe der Tänzeln dieser Holzarten, theils auch von dem dunkeln finstern Ansehen der damit bewachsenen Walder her, weil das Nadelholz gemeiniglich dicker zu wachsen pflegt, all das Laubholz. M Der Schwarzi'amm, des—es, plur. die—kämme, eine A-k morgenlättdisch r W edehopft mit einem schwarzen Kamme; Llpupn mnuucoci'Ltn k>/sr'^. Das S chwarzkehlchen, des -s, plur. ut vorn, st p?. ')Ellw Art biaucrBau !iklette,mit schumizer Kehle, schwarzenSchwanze 4rndschwarzei! Ftiigelu; k'-rlcinrllus Zuln nt^ris 2 > Eme Art Brustwettjcl.oder Bachstelze mit schwarzer Oqqq§ Z - Kehle L/LZ SchW Kehle, rothcn Bauche, grauen Kopfe und N liefen; NotAcHIa ^^oenicurus lü,. zum Unterschiede von dem Blaukehlchen, Graukehlchen, Rorhkehlchen, Weißkehlchen u. s. f. Der Schrvarzkopf, des—es, xlur. die —köpfe, ein Geschöpf mit einem schwarzen Kopfe. Besonders, l) eine Art Brustwenzel 'oder Grasmücken mit einer schwarzen Platte auf dem Kopfe 5 sVlotaoillL LtricapillL L,, Schwarzkäppchen, Schwarzplättchen, Mönch, Grasspatz. 2) Eine Art cltroirgelber Dickfchnäbler mir einem schwarzen Kopfe; Goccot!irLulie8 citrea cspite niZro Z) Eine Art weißer Mewcn mit einem schwarzen Kopfe; I^rus Llincnns k/srn. große Secschwalbe. Das Gchwcrrzkrirut, des—es, plur. inuß. emc Pflanze, welche schwarze Beeren trägt rchd in denEuropäifchenWäldprn wachset; ^ctneÄ lü,. besonders dessen s^clnea l^icaln, zumUnterschiede voil dem Weißkraute, slda,welches ganzweißeBceren hat. Jenes wird anchgemeineZ Lhrisrophkraut, gemeine Lhri- stophwnrzel, Schwarzwurz genannt. Der Schwarzkümmel,des —s, plur. iouß. eineArt Kümmel mir kohlschivarzen Samen, welcher bey uns wild auf den Äckern wachset, und wovon Eine Art in den Apotheken gebraucht wild; NjZelln zum Unterschiede von dem Gar- renkümmel, SpeisekÜmmel, oder Römischen Bummel und Feldknmmel. Der Schwarzkünstler, des —s, plur. ut oorn. ssvA. Fämin. die Schwarzkünst!ernui,einePerson,welche übernatürlicheWir- kvngcn durch Hülse böser Geister hervor bringt; einäerenmeistcr^. eine äercv In weiterer Bedeutung, ein jeder Zauberer oder Zauberin». Im Mittlern Lat-ldleZromnOticus fürAecrornnrr- ticus. S. Schwarze Bunst in Schwarz 3. D as Gchwarzkttpfer, des—s, plur. doch nur von mcbrerw Arien, ut vorn. ÜNA. im Hüttrnbane, das aus dem zwei,ren Schmelzen derKupfsrcrze erhalteneKnpfer,welches noch mitBerg- arleir und andern Melassen vermischr ist, uitd erst durch mehrere nachfolgende Arbeiten geremigetwird. Es wird auch Bönigs- kripscr genannte Schwärzlich, —er, —sie^-rckft. et Lä v» ein wenig schwarz-, mit Schwarz vermischt. Die Schwarrmeise, plur. die—n, eine Art Meisen mit einem sch yarzeuk Kopfe, und aschfarbenen Rücken, Schwänze und Flügeln, welche der Holzmeife sehr ähnlich ist, und auch sansmersr genannt wird. Der Gchwarznatzelschmiö, des—s, plur. die—schmiede, eine Art Grobschmiede, welche nur schwarze nnvcrzinnte Nägel machen; zum Unterschiede-von den Weißnagelschmieden. Dchwarzroth, uckj. et ackv. eine mit Schwarz vermischte rothe Farb>D habend- ^ ^ Der SchwärzsaE, des—esplur. die— sacke, m einigen Gegenden ein Nähme desjenigen dichten Gezeltes,. unter roel- chemder Kicnrnß ans dem Harze gebrannt wird- Die SchwarzscheEe, xlur. die — n, eine Art Schecken, das ist, scheckiger Pferde, mit schwarzen Flecken; zum Unterschiede vvn d er Blauscheckc, Braunschccke, Fuchsschecke, Geib- schbcks u. s., s- . ' Deo Schlwapzschtmmes, des—s, plur. ein -Schimmels d. i.-granss Pferd, dessen Weiß mir Schwarz gesättigtst , zurnUnchrschicde von demRsthschimmel, Sechrschimmel,, h ou i g sch im m c l, S i i b e r sch i m mel- n.- f. s. Dsrr S.chW«rrzMrv LNZ,- des —es,, plur. die—schwänze, eins Atzt Brustwouzel mir rostfardigear.Körver,sch warzerK edle,sch war- zp:rZliioel.u.und schwarM Schwänze; ^ullurer.i^ro ichLsüZ-. Sch w 1724 Der Gchwarzspechf, des—es, plur. die—e , eine Art Spechte,ben welchen die schwarzeFarbe die herrscheude ist; Hictzrs ^ ni^er zum Unterschiede von den Grünspechten, Bunte spechren u. s.f. Es gibt mehrere Ärlcn derselben, welche auch Hohl- oder Zolzkrahen genannt werden. Der Schwerrzstein, de§—es, plur. doch nur von mehrern Ar. ten die—e, in einigen Gegenden ein Nähme des Braunsteines, wegen seiner schlvarzgranen Farbe. Der Schn wrztaucher, des—s, plur.ut uorn. eineArt kleiner Taucher mit schwarzen Kopfe, Halft nndRücken; Nereus rnrnor njber Dachänte, Baferante. - Der Schrvarzwülö, des—es, plur. die—Walder, ein mit Schwarzholz bewachsener Wald. Als ein eigenlhümlicher Nähme ist derSchwarzwald inDberdeutschland bekannt. Auch ein Stück des Thüringer Waldes führet diesen Nahmen. Schwarzwalsch, Leis. etLÜv. welches von einer Art Weinstö- cke üblich ist, welche schöne große Hangende Trauben mit großen schwarzbrauncn Beeren haben, und ursprünglich ausWälschland herstammen. Das Scyrvarzwlld, des—es, sckur. car. schwarzes Wild^ d. i. wilde Schweine, und bep einigen auch Bären und Dachse, Grobwild; zum Unterschiede von dem rpthen Wildbret? oder Rorhwilde- Die Schwarzwurz, oder Schwarzwurzel, plur.csr. -) Eine Pflanze, weiche in den feuchten Gegenden Europens wächst, und eincgroßc, dicke, auswendig schwarze Wurzel hat,"die ein berühmtes Wundmittel, besonders in Beinbrüchen, ist, und da- .her anch Beinwell, gleichsam BeinwohL, genannt wird;8ym- olüciuLle L>. Wallwurz. 2) S. Schwarzkraut. z) Bcp einigen führet auch die Zaunrübe diesen Nahmen; Vr/onial,- Schwatzen, verb. rsZ. ueutr. welches das Hülfswort haben er- fordert, viel und urrerhebliche, unüberlegte Dinge reden, eitlen reichen Fluß der Worte bey unerheblichen Dingen haben. 1. Im weitesten Verstände, wo es mit verschiedenen Nebenbegriffe» üblich ist. r) Vertraulich reden, so daß derNebenbegriff des Unerheblichen verschwindet. Mir jemanden schwatzen, von etwas schwatzen, plaudern wird in eben dem selbenVerstande gebraucht. 2) So daß derNebenbegriff des Unerheblichen,des Unwichtigen, oft auch des Unbesonnenen, merklich hervorsticht. Er schwatzt was ihm in den Mund kommt. Es ist bey ihm des Gchwa- tzens kein Ende. Die Wahrsager und Feichcndemer, die da ' schwätzen, (schwatzen) und disputiren, Es. 8, ' 9. Müssen die -Tente lzu) deinem großen Schwätzen schweigen ? Hiob r 1, 3 . 2.In engerer Bedeutniigist es zuweilen so viel wie ausschwatzen. Aus der Schule schwatzen, anvertraute oder geheime Dinge aus bloßer Begierde zu roden vcrrathen. Du weißt, ich schwatze nicht. So auch das Schwatzen. Anm. Im Holländischen lvvelsen, im Engl, ohne Zischlaut w rvvntlle- Die Form zeigt, daß es ein Jniensivum von einem veralteten schwaden ist,welches reden überhaupt bedeutet hat, ulll> wovon das Lar.lÜLckri«, wortreich im gutenVerstande, lunüere, ralhen, (welches Deutsche rachen mit reden Eines Ursprunges ist,)>das Lssn, schwülstig reden, das Böhm. lweckci- ti, bezeugen,Zeuaniß»ablegen,u. a. m.Eines Geschlechtes sind, <üs welche alle Arten des Redens bezeichnen. Der Begriff desVielen, des Unerheblichen stießt ans derJntenfion schwatzen für schwad- fen, von schwaden. Es ist, wie alle Wörter dieser Art, und wie das perwandte waschen für plaudern, ohne Zweifel eine Dno- matopöic. Die Form schwachen, welche in der Deutschen Bibel vorkommr, ist im Hochdeutschen ungeivphnlich. Jm Dberdentschen hLt MMl daron das Hauptwort dtp Schwatz, ritt vertrauliches r 1/2F Schn> inglekchen wortterches Gespräch, welches aber im Hochdeutschen fremd ist. G. Geschwätz. Der Schwätzer.des—>s,p!ur.-M 0 i 0 ^. 6 rl^.Fämkn.dieGchwat- zer-mil, ei^c Person, weiche eine Fertigkeit besitzt zusch^vaüen, in allen Bedeutungen des Zeitwortes. Ein angenehmer Schwätzer, welchen man gern schwatzen höret, auch wenn er die unerheb- lichften Dinge vorträgt. Jngleichen mit dem hervorstechenden Nebenbegrissc des Unschicklichen, des Unüberlegten; so wie man dieses Wort auch von einer Person gebraucht, welche nichts verschweigen kann, und zwar ans bloßem Triebe zu reden. Schwatzhaft,—er,—este, nckj.Ltnä^. Fertigkeit besitzendzu fchwasen, und darin gegründet, in allrn Bedeutungen des Zeit' Wortes. Schwatzhaft seyn. Ein schwatzhaftes Lind. Oie schwatzhafte Mer. Jngleichen Neigung, Fertigkeit besitzend, ans bloßem Triebe zu reden, geheime Dinge zu verr/uhen. Er ist nicht schwatzhaft. Im gemeinen Leben schwatzhaftig. Luthers schwä'tzig, » Tim.L, lg, ist nurrroch i-n unserm geschwätzig üblich, S. dasselbe. DreSchwatzhaftitzkeit, plur. enr. die Eigenschaft, die Fertigkeit zu schwatzen, in allen Bedeutungen des i^v-nnd Nebenwor- tes. Er hielt den vorübergehenden mit freundlicher Schwatzhaftigkeit ans, Geß.n. Jngleichen von der Fertigkeit, viel und unüberlegt, ohne Wahl der Sachen zu reden; wie auch, geheime Dinge aus bloßer Begierde zu reden, zu offenbaren. Das Schwehä'strrch, des —es, plur. die—e,ein zwischen zwey Balken in der Hohe befindliches Ästrich , weil es gleichsam im Freyen zu schweben scheint; zum Unterschiede von einem gegossenen Estriche. Tlie Schwebe, plur. die—n, von dem folgenden Zeitworts. i) Der Zustand, da ein Ding schwebet; als ein Abstraccum, und ohnePlnral. In der Gchwebeseyn, hangen. o)Die hohe See, das hohe Meer, die tiefste Gegend des Meeres oder auch eitles Sees; eine nur iu einigen Gegenden, z. B. auf dein Bodenste in Dberdeutschland, übliche Bedeutung. Schweben, verb. re-Z. nsurr. ivelchesdasHnlfswort haben erfordert, und durch leinen Länt die sanfte gelinde Bewegung eines Dinges in einem flüssgen Körper, besonders in der Luft nachah- Utet. r.Eigetltlich. Ein Ding schwebt indem Wasser oder in der -Luft, wenn es eine sanfte kaum merkliche Bewegung in derselben Hat; von einer stärker» Bewegung ist im Wasser schwimmen und in der Last stiegen üblich. Oer Nebel schwebt auf der Oberfläche des Wassers, der Luft. Die Wolken schweben in der Luft. Oie Weihe schwebt in der -Luft, wenn sie sich ohne sichtbare Bewegung derFlügelin der Luft sanft beweget; Niederst scheren. Oer Geist Gottes schwebere aufden Wassern, »Mos. r,?. Der Adler schwebte über seine Jungen, z Mos..? 2,11. Absalom schwebte zwischen Himmel und Erden, 2 Sam. 18, 9, als er mir den Haaren hängen blieb. Er schwebte anfden Fltki- yen des Windes, Kap. 22, 1 >. Zuweilen auch von einer stärker« Bewegung, doch mit dem Ncbenbcgriffe der ungewissen Richtung. Wie ein Schiss auf dem ungestümen Meere schwebet, Sü'. 33 , 2. Wir gaben das Schiss dahin und schwebten also, Apost. 2?, IL. Gern Nord schwebt aufder Flrrth mit ungestümen Schwingen, G:stke. die Falten eines Gewandes schweben, in den schönen Künsten, wenn sie in der Luft Zu schweben, nicht angrklebt oder ang-.leimt zu sepn icheinen. 2.1« weiterer Bedentnng wird es oft von solchen Dilrzen gebraucht, welche keine sehr sichtbare Befestigung in der Lust haben, in noch weiterer Bedeutung aber auch vonFlächen un- -Körpern, welche über uns befestiget sind, iiud gleichsam über uns zu schweben-schemen. (S.Schweba'itrru-.) Ern schwebendes Selb, S ch B L 7 L ärm Berghane, welches oben lirch intten, hinten unk»vorn vekskchrck ist, und nur noch stuue Bergfeste hat. Schwebende Mistel, eben daselbst, wenn oben und unten die Erze weggenomnien und nur noch einigeAnbrüche steheil gelassen worden. Eine schwebende Fwst, eben daselbst, weiche über sich hänget. Schwebende Glimpfe, eben oaselbst, welche austeiner Bühne oder Kasten gleichsam schwebend erhacken werden, damit sie nicht in die tiefen Gebäude fallen können. Schwebende Strossen, eben daselbst, weiche durch Übersichbrechen gewonnen werden, z. Figürlich. 1) Schwebende Gange, im Bergbaue, stäche, hvrijontale oder melst horizontale, zum Unterschiede von den scigern, d. i.senkrechten oder doch der senkrechten Richtung ähnlichen, wohin denn auch die Flotze gehören. Dergleichen Gänge werden in der Sprache des Bergmannes miteinem sonst ungewöhnlichen Worte auch schwedische genannt. Es ist hier eine Figur der sanften horizontalen Bewegung. 2) I« verschiedenen einzelnen Ä. A. Es schwebt mir auf der Zunge, sagt man, wenn man sich ans einen Nahmen oder aufeinen Ausdruck nicht besinnen kann, und doch alle Augenblicke glaubt, daß man sich auf ihn besinnen werde. Das schwebt mir immer vor Augen, ich erinnere mich immer auf eine anschauliche Art daran. Hoch schwebende Gedanken. Zwischen Furche And Hoffnung schweben, rn Gefahr schweben, sich befinden. Lvzsem nu tin IlSlLL in froeiftou lrvsizo, Graf Conrad von Kirch Herz 80 rvolc^ rcli in rvuanen lvreden, Heinr. von Sax. Zn welchen N. A. es doch jetzt wegen des vielen Mißbrauchs der Dichter platt undmngcschmack geworden. So auch dasSchweben. Anm.Schon imJsidor imJmperf. 1 'uusibot,n,vcm demGeiste Gottes, für schwebte, im Dttsried lusben, im Engl, lo lvvinA. Es ahmet die sanfte Bewegung, welche es ansdruckt, genau nach- und kst permittelst des Zischlautes aus weben gebilder, so fern dieses ehedem gleichfalls für schweben gebraucht wurde, in welcher Bedeutung es noch bev dem Nockeo vorkonimt.' Schweifen, schwingen, das Niederst swepen, (S. Schwefze,) n. a. m. sind genau damit verwandt. Im Angelsächs. i,k l'evikl. gefchlvinde, im Dderd. schwaben schwanken, i:n Schied. schwanken, bin und her bewegt werden, im Wallrst cftvvMo bewegen, welche thcils Jittensiva von schweben sind. S. auch Schwibbogen. Die Schwebforelle, piur. die—n, ein Nähme derjenigen Forellen, welche sich in der Höhe des Wassers aufhalten, und ihre Nahrzrng vondcm aufdemselben schwebenden Ungezieftc suchen; zum Unterschiede von den Grundforellen. Beyde sind inde>sen nur eine und eben dieselbe Art. *DerSchweöer, des—s, plnr« ul nom. stnZ. in einigen Gegenden, besonders Niedecsachstns, die weichen, saftigen Drüse« oder Mandeln am Hakst der Thiere.>Oer Ralbsschweder, welcher im Hochdeutschen unter dem Nahmen der Kalbsmilch oder des Bröschens am bekanntesten ist,(S. dieses Wort.) Niederst Swe- der. Im Schived.ist 8^l Versammlung, Gefolge', FranzBui- ie, eigentlich Verdickung, krpetl Feuchtigkeit, !ur. dochnurvon mehrer-r Arten,die—n, S. Gchwefelpstaster. Die G-yLvefefsüuri.',,p1ur. doch nur von mehrcrn Arten,die—n, diejenige Säure, oder das sauere Wesen, welches den vornehmsten Bestandtheil des Schwefels auSmachr,und eizentlich einevitriol- Säure ist. Die GHwefelschlacke, plur. die—n, in den Schwefelhniten, die Schlacken, oder der unreine Bodensatz, welcher nach Übertreibung des Schwefels in den eisernen Länterkrügen zurück bleibt. Der Schwefel span, des—es, plur.die—spane, ein in zerlass jenen Schwefel getauchter Span, siehe Schwefelfaden und Schwefe.n. Der Schwefeltropfen, des —s, plur.uk vorn. imHüt- tenbane, geschmolzener Schwefel, welcher ben dem Rösten des ErzeS ans den Llcyerzen tropft, und wie Eiszapfen zusammen rinnet; dergleichen Schwefel denn Tropfschwefel, im gemeinen Leben T- ippschwefel, genannt wird. Das Gch'Defelwachs, des —es, plur. cerr. Hey den Schustern, rin nur zerstoßenem Schvefel vermischtes weißeS Wachs, dessen sie sich brp weißen Allst h i en statt des Peches bedienen.- Das Schwefelwcrjser, des—s, plur. doch nur von mebrern Ar;m, ul noiri.ünA. cin mit anfgelöfetem Schwefel vermischtes Wasser. Ein Brunnen, wo solches' Wasser quillt, wird auch wohl ein Schwefelbrunnen genannt. Das Gchwefelwerf, -es—es, plur.die—ein Werk, oder eine A,'.stakt, wo aus den Erzen Schwefel bereitet wird, und wovon du Gchwefelhnkte ein Theil ist. Die Gchwefelwurz, plur. iuus. iu einigen Gegenden, ein Nähme deschrarstranges; kessest sr u um oi lrotunle st,. Die Gchwefze, p! u r. die —n, bey den Jägern, r ine Benennung deejcrstgen Seile, wonu'tdaS Vogclgarn ziitn Zusammen schlagen m di rr SchU'nng gebracht wird, und weiches auch das Gchnell- ssil l eche. Es ist ein Verwandter des Niedersächf Gchwepe, eine lange Peitsche, und ein I ttensivnm von schweifen, siche dieses Wort, bchroechlen, S Schwelen. bch'-^ei-en, ver-b. rep. uot. welches nur bey den Weißgärbcrn nbuch ist, besonders in dem zusammeu gesetzten anschweiden, i>ie Fclle nur Kalk oder Asche bestreichen, welches vermicrelst-eineS an einer Stange befestieten KuhlchwsnzcS a r sch i e stet, der daher der Hchweidewedel heißt. Ein entweder von fchweb.en, schweifen 1- s. nur iiu Endlaute verschiedenes Wort, so daß damit zunächst auf die Bewegung gesehen nf.rd, oder 'auch als ein Verwandter von Schweiß, Niederst Achw-t, in der weitesten Bedeutung einer Feuchtigkeit, S. dasselbe. DeeGchwelf, des—es, p'ur. die—e, Dimin. das Schwcif- chen, Dberd. Schweiftein, von dem Zeitwort? schweifen, ein chm', welches schweift', i) Eigentlich, wo dieses Wort von so l- X Schw 17M ch-n Smgm nnr in einige-lnzrkm Fiülm Mich isk. S» «»'cd der Schwanz eines ThicreS, besonders wenn er lang und haarig ^ist, in der anstandigern Sprache ein Schweif genannt. Dev Schweif eines Pferdes, der pferdefchweif oder Rsßfchweif, eines Pfaues u. s. f. Der härtere Lheil an den Austern, welcher das Fleisch umgibt und auch der Bart genannt wird,heißt bey vielen der Schweif. Der Gchweifan einem Rleide, die Schleppe, im gemeinen Leben der Schwanz. Der Schweif eines Rometen, (3rva, Jsläud. vokn. Es ist mit schweben verwandt, deutet aber durch den Diphth. ei eine Bewegung in einen weitern Rann: an, als jenes. ZmNicdersächsischen hat mau davoudasJnwusivumswop- . pen, hin und her schwanken, (S. Schwabbeln.) Ebendaselbst ist Gwepe eine lange Peitsche, (Engl. HVüip, Angels. lirveop,) sw open peitschen, und Swopp der Lvipfel. Im Schwed, ist r'vep 3 einwickeln, im Island. sevipn schnell bewegen, und bey den - alten Oberdeutschen Schriftstellern bis wikerl umarmen. Siehe Schweben, weben, Weifen, Wipfel, Wipp? u. s.f. welche alle verwandt sind. Mit einem andern Endlaute ist Luuiüov, Hey dem Kero, umher schweifen. ' ' Schweifig,--er, —stc, a6j. ell ackv. welches nur in ben Zusammensetzungen bleyschw eisig, eisensschweifig, weitschweifig u. s. s. »blich ist. S. dieselben. Der Gchweifrahmen, des—s, plur. M vom. linZ. bey de« Bortenwirken, zwev Stangen mit hölzernen Nägeln, woran dw Kette zu den Borten und Bändern angcschw eist, d. i. angespannet mit--. . . Der GHrveifriemen, des — s, füur. vt vom. ^vZ. ern m deranstättdigern Sprecharr für Schwanzriemen übliches Wert, S. dasselbe. . Did Gchwerfsäye, p!ur. die — n, eine dünne Sage derTrschlcr, Rehsüße und andere Stücke damit zu schweifen, d. i.' bogenförmig ünszuschueiden. ' . .. L er Schweifst-rn, des — es, plur. die — e, rn der anstandt- gern Sprechaxt fücGchwanzffern, S. dieses Wort. . "Die Schweife, (Dberd. GchwarT,) plur. die —n, ein rm Hochdeutschen langst veraltetes, aber noch in Baier« und andern Oberdeutschen Gegenden völlig gangbares Wort,welches daselbst in einer doppelten Bedeutung üblich. ') Eine Herde, und in wei- tcrcr Bedeutung, eine jede Menge lebendiger Dinge. Kälber vor» cker^uelAO Asvommevu, Notk. von der Herde. DieStimme der Schweigen, in einer alten Bibel- Übersetzung bey dem Frisch. Der Propheten Schweigen oder Samnurnge, eben daselbst, r Gam- ro. Zn einem altem Vocabularro von 1482 ist Swap oder Gwayerey eine Herde Vieh, und Gwayer der Hirt. 2). Ein Mchhof, wo Vieh gehalten wird, ein Vorwerk ; in welchem Verstände es mit einem andern Gndlante auch Schwach lautet. Anm. Frisch läßt diesesWort sehr uuschicklich voll Vaecn abstammen. Es scheinet, daß der Begriff der Menge der Stamm- Hegriff ist, der .denn wieder als eine Figur der Bewegung, oder auch der Verbindung, 8iigung, angesehen werden muß. Ohne Zischlaut gehöret auch unser Vieh, im Obcrd. Viech, und m der zweyten Bedeutung auch dasLat.Vicus,mit znrV. rwalldtschaft, welches letztere eine Sammlung mehrerer Häuser oder Bewohner bezeichnen kann. , ^chwetIen, ein Zestwort, welches in dreifacher Gestalt ubltch rsr. I. Als rm Nemrum, mitdem -Hülfsworte haben und irregulärer Abwandelung; Zmpers. ich schwieg; Particip. geschwiegen; Jmperat. schweig oder schweige. Keine Stimme vou sicp yörcn lassen, und in engerer Bedeutung, nicht reden.. Als er das gesagt hatte,-schwieg er. Ich habe lange genug geschwiegen. Stille schweigen, eigentlich ein Pleonasmus für schweigen. Stock stille, baumstille, mäuschenstille schweigen, Blumen -.-er niedrigen emphatischen Spcechart. Von etwas schweigen, nicht» Havon sagen. . Mein D. schwieg doch bald von ihrenLehIkpn stlll, Gell. Zu eiwas schweige», nichts dazu sagen; im Oberdeutschen auch mit Weglassung des Vorwortes. Müssen die Leute deinem großen Schwatzen s vweigen? Hiob i -, 3. Welche Wortfügung im Hochdeut,Herr nngewöhnlich ist. vor einem schweigen, in seiner Gegenwart, inzleichmaus Furcht, aus Ehrerbiechung vor ihm; wo manimOberdeutschm gleichfalls das Vorwort zu ver« beißen pflegt, einem schweigen. In engerer Bedeutung. Fertigkeit besitzen, einGehsimniß, eine geheime Sache nicht durch Worte bekannt zu machen. Er kann nicht schweigen. Bannst di» schweigen t? Figürlich, aufhöreu wirksam zu seyn. Im Briege müssen die Gesetze schweigen. Den Wind und das Meer schweigen heißen, Marc. 4, 2 A. S. auch das Schweigen. i t. Alsein Activum, gleichfalls mit der obigen irregulären Conjngätiomfür verschweigen; eine imHochdeutschcn ungewöhn. licheForm, welche aber doch im Oberdeutschen gangbar ist. Das kann ich nicht schweigen. Ich will die Fier dcrMajest ät nicht -schweigen, Opitz, Ps. r 4L. Wir wollen mehr und mehr Gott dankbar sevn, und seinen Ruhm und Ehr In Ewigkeit nicht schweigen, ebend. Ps. 11 L. III. Als ein Zaetitivum, mit regulärer Abwandelung. Im« perfect, schweiget?, Mittelw. geschweiget, Jmperat. schweige; zum Schweigen bringen, schweigen machen, cs geschehe nun auf welche Art es wolle, durch einen Befehl, durch .Gründe, durch Befriedigung des Verlangens. Diese Bedeutung, tu welcher auch geschweigen vorkommt, ist schon sehr alt. Schon Notker gebraucht KelueiZen und lueiZev als reguläre Zeitwörter in derselbe«: erüabekke ZelueiZst. sVivrersZrimms A'uotli (die Stimme) lUzen uderal, Graf Werner von Honberg. Mit Gaben schweigt man die Binder. Das Mittel, dich zu schweigen, wird seyn ein blankes äelm, ein schönes Boß zu M gen, Dpitz. Die Gottlosen.müffen in der solle geschweiget werden, Ps. Z-, ,8, zum Stillschweigen gebracht werden, wer leben will, und gute Tag? sehen, der schweige seine Funge, r Petr. Z, -0. - Mit den Worten schweigt er den man, Thcuerd. Kap. brachte er ihn zum Stillschweigen. Sein Gewissen schweigen. In dgr anständigen Sprcchart der Hochdeutschen ist dieses ganze FactitivuMj veraltet, allein im gemeinen Leben mancher G'-gm- den, besonders Meißens, ist es noch völlig gangbar. Ebendaselbst hat mail auch die Intensiv« schwigten, beschwrgren, gen. Die Schreyer auf emige Tage schwigtigen, Klopst. » auch das Schweigen. ^ Anm. Das Neutrum lautet Hey bem Kero ftnZeev. ben cem Ottfried fuiFNv, imNicders, swigen, im Augelsächf- ftvitzuau. Es ist sehr wahrscheinlich, daß der Begriff des Schweigens eine Figur des Weiche,rs ist, und daß jeues vermittelst des ^-Hwok' Les von diesem oder doch dessen ähnlichen Scammwoi te ge > ^ worden,zumahlda auch das letztere mit demZischlaute ukcht jene. ist. Im Schweb, ist kviFLweichen, nud Ottfried gebraucht tu - cbav für verlassen. Bey dem Hornegk koinmt dagen für ,chw«' gen vor, welches, so wie das Schweb, lügu, schweigen, waitdtschaftmit tcreers nicht verläugneu kann, so nne der gewöhnlicher Verwechselung des t und s auch das Grau, sche LeLvsk- dahiu gehöret» . „ . . 1,, Schweltzsanr, —er, —ste, aä). et aäv. Fi'",giU .^schcs ii^ schweigen, uud Dinge zu verschweigen; verschwiegen, ^ . ^ der letzten Bedeutung gewöhnlicher ist. So auch dre vcy b- 'famkeit. ' Sch.w-l- W Schweizer:, verl?. rsZ. nsutr. welches das Hnlsswsrk haben erfordert, und »mr ü:dr-l gemeinen Gprechaeten so wohl Ober- als NiederdeutschlcmLes vorkommt, der anständigen Schreibart aber unbekannt ist. rs bedeutet .) kraftlos hin und her wanken, ^crum schweimen, rastlos umher taumeln. 2) Vergehen, ver, schwinden. Oas G stchr schwcimct mir, vergehet mir. Jngrci- chen, Z) schwindelig werden, in Ohnmacht falleri, in welchem «alle man auch dcschn. ermen und schwenneln sagt. Daher der Schweimel, der Schwindel, Ulglcichen die Ohnmacht, schwei- melig, schwindelig, ohnmächtig u. s. s. So auch das Schwt mren. Anrn. Im Ri'bers. sweimen, swemen, swimen, Schweb. ° svimrnu, Angels iävimun, Island. ivriwiL, Engl, to iev-m. Die kra.tlose, -gftme Bewegung ist der Stamm begriff, so. daß dieses Worl einL das inwendig auf dem Schiffsboden längst dcmKtele liegende starke Holz, worein der Mast gezapfet ist; das Bi-ijchwc.'N, in cint- gen Gegetiden die Schwmne, die ^eiellchwinne, Nied>rstSwten, Engl, keeftfvn. ^Erscheint, daß die Ausdehnung in die Länge und Dicke der Stammbegriff i,st. Bei) dem Mphilas ist ohne Zischt, laut ttvvma ein Balken. (S. auch Schiene nno Wand.) Ein anderes Wort ist das Niedersächsische Srvein oder Swren, welches eine Bürste ist, womit man die Thürpsosten und Fenster reiinger; Vcrniuthlich weil sie aus Schweinshaaren bestehet, oder auch als eineFigur der Bewegung, von schwind in geschwinde. 2. Das Schwein, des—es, plur. die —e, Diminutiv»»» das Schwernchen, Oberd. Schweinlein, ein nngchörntes, zwcyhufi- gcs, vierfüßigcs Thier, mit Borsten statt der Haare, und einem haarigen, geringelten Schwänze. Es hat einen starken wlder- wärtigcn Geruch, wälzet sich gern im Kothe, frrßt alles Unreme, und ist in Indien einheimisch, aus welchem Himmelsstriche cs zn uns nach Enropa gekommen, r. Eigentlich, wo cs von diesem Lhiere überhaupt, ohne nähere Bezeichnung des Geschlechtes gebraucht wird z in der niedrigen Sprechart eine Sau. Zahme Schweine im Gegensätze der wilden. In dem Jagdwesen verstehet man unter Schwein schlechthin allemahl ein wildes, im Hauswesen aber sllemahl ein zahmes. Schweine mästen, schlachten u. s. f. Soll das Geschlecht näher bestimmt werden, so nennt man ein männliches Schwein einen Saubär, oder SchweinbÄ), ein weibliches aber ein Mutterschwcin, ein Sauschwein, eine Gchweinsau oder Schwetnmuerer. Indessen Hst man für oepde Geschlechter auch noch emeMenge eigenerRahmen,(G.Eber und Gau.) 2. Figürlich, r) Em Klecks, ein Fleck u. s. f. und m weiterer Bedeutung ein jeder groberFehler, wird in denniedcigen Gprecharteu so wohl ein Schwein als eine Sau genannt. 2) Eine im hohen Grade unreinliche Person, wofür gleichfalls Gau in-- lrchifi. ft . .- . Anm. Schsirbey dem Mphilas Lasurs, »m Latlan^iv, im Niedcrsächs. Gwien, im«ngl.und Angelst 8 vvive,rm«chwed. 5 vin, imPohln. 8 tvir» 1 s, im Wend. 8 srvmo. Es schonet, daß die eigeuthümliche Unreinlichkeit dieses Lhieres zu desten Benen- m»lg Anlaß gegeben, da sie denn zn dem alten wahn, trübe, Angelst kenn, Koch, u. s. s- gehören würde. In den folgenden Zusammensetzungen ist bald Schwein- bald Schwerne- bald Schweins- üblich; nur mit dem Unterschiede, daß das dritte in manchen Fällen edler ist als das zweyte, z. B. für Schweinebraten, Gchwcincstall u. s. s. sagt man lieber Schweinebraten, Gchwemsflall, oder doch Gchweinbraten, Gchwcmstall. Swye auch dunb in der Anm. „ ^ - Lao Schwcinäß, plur. siaud vkrmischt- Abgang am Mchl«, welcher für d,- -Schweine Schw r 724 kommt; M der gemeinen Sprcchart Schwer'nähs, Schweirft ohse. Der Gchweinbeschauer, S. Gchwemschaucr. * Gchwemen, a 6 j. «t nci v. welches nur im Oberdeutschen üblich ist. von einem Schweine. Schwemen Kersch, Hochdeutsch Gcyweiufleisch. Die Schweinerey, plur. die—en, in der ersten figürlichen Be- bcutuirg des Wortes Gchwem, so wohl unreinliche Behandlung, als auch Unreinlichkeir, ein Schmutzflecken, inglclchen ein grobes Versehen; die Sauerey. L 1 ur. die—en,die Jagd aus wilde Schwei- ne; die Schweinshatz. DerGchwemskase, des—s, plur.uk nom. lmZ. ch den Kn- chen, ritte Speise, welche aus den klein geschnittenen und mit Ge« würzen vermischten fleischigen Theilen eines Schweinsropfcs bereitet, und in einem Tuche gepresset wird, so daß sie die (gestalt eines Lases bekommt; in andern Gegenden der Preßkopf. Die Schweinskresse, plur. irrut. eine Art des Lkffelkrarrtes, welches an Geschmack der Brunnkresse gleicht, und an den Rändern der Wege wächst; 6 oell 1 eLria Gorovc»^ u; Die Gchweinsmöhre, plur. die — n, eine Art wilder Möhren, mit einer weißen Wurzel, welche zuder vaucus Läroka i»,, gehöret; weiße Mohre. < Das Schweinsnetz, des—es, xlur. die—e, im Jagdwesen, besondere zur wilde» Schweinsjagd gestrickte Netze; im gemeinen Leben Gaunetzc, Gaugarnc. Der Gchweinspilz, im gemeinen Leben Gchweinepl'lz,des —es, plur. die—e, eine eßbare Art Pilze oder Löcherschwämme, mit einem gepolsterten, etwas klebrigen Hute, welcher mit gewölbten rundlichen, blaßgelben Löchern und einem weißlichen Strunke versehen ist; L viskus lutsus I,, der Gchweinling. Die Schweinöpocke, piur.die —n, S. Schweinsblatter. Der Schweinöspieß, des ^-es, xlur. die-^e, S, Gchweins- feder. SchW i ^6 Der Schweittspruny, des —es, p 1 ur. die—sprünge, ein kleL- ncr Knochen aus den hintern Füßen der Schiveine, welcher bey den Hasen der Zasensprung genannt wird ; ^KrsZctlus. .Siehe Sprung. DerGchwernstall, des—cs, plur. die—ställe, ein Stallfiir Schweine) und in engerer Bedeutung, für zahme Schweine. Der Schweinstern, des—cs,p1ur. die—e. -) Ben einigen ein Nahuiedcs Gtinksteincs, l^spissuiilus, wegen seines widerli, chen Geruches,oder auch,weil der große Hanfe eine gew-sseKrank- heit der Schiveine damit zu heilen pflegt. 2 ) Ein Stein, welcher bey den Stachelschweinen gefunden werden soll, und aus Malao- ca gebracht wird; H,Lpis Utürieiuus, 1VIc.!uccLnss5,Jtal. klsclrL clel korco. DasSchweinszautz. des — es, plur. inull ein Collrctivumchie zurJaqd demvildenSchweine g.hörigen Netze, Tücher u. s.s. zu bezeichnen. Der Schwemtrerher, des—s, plur. utoom. sirr^. derjenige, dessen Geschäft es ist,die zum Verkaufe bestimmten Schweine von einem Dine z.nm andern zu weiden. Das Schwetnwrlöhret/ des —es, plur. inus. wilde Schwein als Wildbret betrachtet. Der Schweiß, des —es, plur, doch nur von mehrrrn Arien, di, Schweiße, ein Wort, weiches 1, im weitesten Verstände eine jede mwermerkr oder doch tropfenwüsi- hervor dringende Fenchug.Ht bezeichnet; in welchem allgemeinen Verstände cs aber nur noch in einigen echzelnen Fällen üblich ist. Der Fensterschweiß ist die Feuchtigkeit, welche sich bcy äußerer Kälte und innerer Wärme an die Fenster anlegt. In den Salzwecken wird dasjenige Salz- rvasser, weiches rucku als Ader oder Quelle stießet, sondern nur d noch schwitzet, Salzschwe-ß genannt, zum Unterschiede von der Sohle. In dern Pxchbrennen ist der Schweiß die wässrige unnütze Fruchtigkeit, welche nach dem Harze aus dem Kieuholze kommt, und worauf der Theer folget. 2. In engerer Bedeutung. ,) Dirjenlge Ausdünstung der thicrischen Körper, welche sich als ein Wasser aufdrr Haut zeiget. Er entstehet, wenn die Schweiß- locher mehr Fi uchligkeit hcrgebe!i,als sich auf Ei» Mahl in Dün, sie verwandeln kann,woraus zugleich derUnterschied vonSchweiß und Ausdunstung erhellet; im gemeinen Leben der Schwitz, (S. Schwitzen.) Der Plural ist hier nicht allein von mehrrrn Arten, sondern auch von mehrrrn Ansbrüche!', des Schweißes üblich. Im Scherze sagt man auch wohl in> Diminutive ein Gchweißcheir. Naß von Schweiße sepn.. Don Schweiß abtrocknen. Schweiß treibende Mittel, welche den Schweiß befördern. In Schweiß gerathcn. In den Schweiß kommen. Der Schweiß bricht aus. ' Den Schweiß abrvarten. Der Angstschweiß, Nachtschweiß, Todcsschweiß u. s. s. Seinen eigenen Schweiß nicht riechen können, figürlich, kcineLust zur Arbeit haben. Der englische Schweiß, eine im sechzehnten Jahrhunderte bekannte ansteckende Krankheit, welche ausEngland nach Deutschland kam, und mit beständigem Schwitzen verbunden war, (S. Gchweiß- fi'eber.) Bey dem Rindviehe ist der Schweiß eine Krankheit, bey welcher die Harrt so fest an dein ganzen Leide ansitzet, daß man. sie auf den Knochen nicht bewegen kann. Figürlich ist der Schweiß so wohl beschwerliche Arbeit, saure Mühe. Das hat Schweiß gekostet. DieAnakreontischeMoral istaveichlich und hat nichts von dem männlichen Schweiße des Philosophen. Ais auch das durch ftmre Mühe erworbene Gut. Du mußt doch deinen sauren Schweiß andern lassen, Sir. 14, r5. Hier trinkt nicht mächtig Unrecht des Schwachen Blut und Schweiß, Dusch. s,)DgS !7Z7- Sch W -) Das Blut; eine nicht nur in den gemeinen Odervsnischett Gprecharten, sondern auch in den nördlichen Provinzerr Schwedens sehr gangbare Bedeutung. Schwed. 8vett,Island.8veit. Aey, ach du armer be'kpübrer Schweiß, Werd hierdurch hinfort klug und weis, H. i. du armes, junges Blut, Grobian bey dem Frisch. Im Hochdeutschen ist es in dieser Bedeutung nur noch bey den Jägern üblich, welche das Blut aller Thiere Schweiß zu nennen psi gen, nicht ausBegierde,etwas besonders zu haben.sondern als einllber- bleibsel der alten allgemeinen Bedeutung. Das gleichsalls alte Oberdeutsche Fasch, Falsch. Blut, scheinet genau bannt verwandt zu seyn, und sich nur durch den Mangel des Zisch-und Verstärkung des Blaselautes davon zu unterscheiden. Anm. In der ersten engern Bedeutung schon im Tatian Lusir, im Niedres. Sweet, im Angels. 8 cvmt, 8tVLsr,imEnal.8cveLr, im Schwed. 8vsrk, im Island. 5usit, im Pohlir.8vu6, im Wallis, ohne Zischlaut im Btmagn. im Latein. 8u6or, :m Gricch. Es ist schon von andern bemerkt worden, daß der Begriffner Feuchtigkeit der eigentliche Stamtm» kegriffist, und daß dieses Wort vermittelst desZischlantrs zuWas- ser, Niederst Water, Angels.^/uet.u, Schwed. Vsttlku, gehö- ! rct, so lv.r das Griech. '^«5, Schweiß, mit ü-«-, Wasser, Eines Geschlechtes ist. S. Wasser, ingleicheu Schwitzen. LasGchwerHhad, des —es. viur. die—Hader, eine Anstalt, wo der Kranke durch äußereWärme- zu einem starken Schweiße gebracht wird; das Schwitzbad. .Schweißen, verb. reg. welches in doppelter Gestalt üblich ist. 1. Als ein Neutrum, iriü dcm Hnlssworte haben, Schweiß, d. i. Feuchtigkeit, von sich geben; wo es doch im allgemeiner« Verstände veraltet ist, seitdem das Jntensivum schwitzen dafür üblich geworden. Es ist nur noch in zwey besonder« Fällen üblich. r) Bey den Schmieden schweißet das Essen weuu cs anfängt in der Esse zu fließen, oderzn schmelzen, r) Bey den Jägern schweißet ern Wild, wenn es blutet, wofür imOberdeutschcn auch fischen, falschen üblich ist. l k. Als ein Actlvrnn, wo es doch nur bey den Eisenschmieden -üblich ist, welche das Eisen schweißen oderzusammen fchlveißerr, wenn sie. zwey Glücke in die Schlveißhche bringen, und strhernach mit dem blvßrn Hammer zusammen schnriederr. Man kann cs hier füglich als rin Factuivum der vorigen Bedeutung ansehen, schweißen machen, und figürlich auf solche Art vereinigen. Allein es läßt sich auch r-ne allgemeinerkBedeittiing-desVerbilchens, Vercinigens br y diesem Worte annchmcn, welcher Begriff denn sreylich ofc wiederum eine Figur der Feuchtigkeit ist. Bet/dcnr Ulphilas ist ohne Zischlaut verbinden, im Wendisch, lpvexii, dessen Neutrum vrilsu anhänacu, kleben bedeutet. Siehe allch Schwester. So auch das Schweißen. Das Gchwerfisieberches—s,p!ur. doch nur von mehrern Arten, ut noln lj«^. ein ansteckendes Fieber, woben der Kranke in einem beständigen Schweiße liegt; ksbriselockss, die Schweiß- fucht, Gchweißsenche, ehedem de. Englische Schweiß. Der Schweißfuchs, des—es, plur.'die —flichse,erne Art Füchse, d-l. eöchlicher Pferde, deren du'akeles HaaruiitWeiß so schat- tn'et ist, daß sie mit Schweiße bedeckt zn seyn scheinen. Die Schweißhttzs, plur.c-ur. bey den Schmieden, diejenige Hitze, in welch^: das Eisen anfängt zu schweißen, d. i. zu stießen oder zuschmelz-n. Der Gll)we.fihunH, des—es, plur. die—e, von Schweiß, Blut, bey den Jäger», eine Arr Jagdhunde, welche abgerichtet sind, das angcschoss.'iie^aber stüchtig gewordene Wild vermittelst 'des vergossenen Bliues anfzusnchen; im Obcrd. der Falsch Hund, vouZgisch, Blut, im geiueinen Lebenden Bluthund. Schw 17Z8 Gchwersily, -»sk, —ffe , Kcij. et. Kckrtz naß oder feucht vorn Schweiße; im gemeinen Leben schwitzig. Schweißige sände haben. Von Schweiß, Blut, ist bey den Jägern schweißig blutig. Das Gchweißkrcrut, des —es, plur. irrul'. S- Roßpappe!. Das Schwerßlöch, des —es, p!ur. die—löcher, sehr kleine Öffnungen der äußern Haut bey Menschen und Thieren, durch welche die Ausdünstung und der Schweiß heraus dringen. Die BcHweißschnür, s)1ur. die-»—schnüre, bey den Jägern, e>ne Schnur von einer gewissen bestimmten Länge, welche den Nahmen von Schweiß, Blnt, hat, wcil der Jäger ehedem einen angeschossenen Hirsch in eines andern Revier verfolgen durste, wenn der Raum von seinem Anstande bis Zum Anschüsse und Schweiße nicht länger als diese Schnur war; im Oberdeutschen die Faischschnur, von Falsch, Blut. Die Schwrißseuche, oder Sch weiß such t, plur. iuus. stehe Gchweißß'eber.. Das Schwerßtüch, des — es, p!ur. die —tucher, in den Morgenländern, ein Tuch,werchesumn bey stch tragt,sich dem Schweiß damit abzutrockuru, und wofür in den Abendländern das Schnupftuch üblich ist. Es kommt in der Deutschen Bibel mehr- mahls vor. Bey dem Ottfr. 8u6L2cku3Ü , im Tatian 8ueir1a- cchun. Die Gchwsrßwurst, plur. die —wiirste, in den Küchen, eine Wurst, weiche mit Schweiß, d. r. Schweinsblut, und zerhackten Sperk und Fleisch gefüllrt wird ; die Blutwurst, Rothwnrst. Die Gchwerßwurz. p!ur. inus. in einigen Gegenden,ein Nähme der Roßpoppel, weil ihre Wurzel den Schweiß treibet: 1 ulli- iLtzoketusnes S. Roßpappes. Der Schweizer, des—s, xlur. ut uo m. siuZ. 1) Eine aus der Schweiz gebürtigePerson; Fämin. die Schweizerin«. 2) Da man an verschiedenen Höfen die Schweizer wegen ihrer Treue und ihres ansehnlichen Wnchst-s grrnzu Leib-Trabanten zr^ wählen pfleget, so bedeutet das Wort Schweizer oft solche Leib-Tra» bauten überhaupt, auch wenn ste nicht aus eigentlichen Schweizern bestehen, da denn ihr Vorgesetzter oder Hauptmann der Gchweizer-Hauprmanncheißt. Auch die Thiirstchrrin vornehmen Häusern werde'« oft Schweizer genannt, weil inan dazu gleichfalls gern eigentlicheSchweizerzu wählen pflegt. Z) In der Naturgeschichte wird eine Art Eichhörnchen, welche indem r'al- teu und gemäßigtem Gegenden von Amerika einheimisch ist, auf der Erde wohnt, und stch auch in dieselbe cingräbt; der Schweizer genannt; Hurus Lnroliuerstis das Erdeichhorn. DcrrNahnren Schweizer hat es von feinen schwarz und weiß gestrciftenHaaren,wodurch es einem Brustlätze decSchwei- zer gleicht. 4) Eine Art Brachvögel, welche in der Schweiz am chäufigsien angetroffen wird, S. Berrzeremft. DerGchweizerbärt, des—es, piur.die—bärre, ein Nahms der Knebcll-ärte oder Vchnn'-rbärtc, vermnrhlich weil ste bey den Schweizern am längsten üblich gewesen. Die Schwt'irerbohne, pftir.dis—.«.eine Art weißer Schmink- bohnett,Welche sich wie Zucker brechen lassen,daher sie anchB. ech- bohnen und Fuckerbohne« genaimt werden, vb ste gleich nicht süßer sind als andere. DisGchweizeLfiote, obrrGchweizerpfelfe, p!ur. die — «, die kleinste Art Ouerflöten, sowie sie noch ben den Soldaten neben der Trommel üblich sind. Ingleichen ein Register irr den Orgeln, welches dergleichen Laut gibt. Daher der Schwcizerbaß, ein Pedal von solchen Pfeifen. Die Gchweizeryosch ;i!ur. die—«, weit hinab reichende weite Hosen, welche kn» den Landicnten unrer den Schweizern iibi ch sind. Figürlich wird auch ^Mexikanische Wunderblume von einigen im Plural Schweizer Hose« germiint. Krrrr z Die 17S9 Schw Sch w 1740 r,cSchrk-i;-r>'rankheit,xIur. inus. kW N-Sm-dcs wehesllvcst die Schweizer demselben am meisten ansgefttzt sind. Die Schweizerkrämer, lmZ. inus. in den Apotheken, ein Gemische verschiedener heilsamer Kräuter,welche ganz klein geschnitten aus der Schweiz verschickt, und unter andern auch bey dem Durchfalle als.cine Pnsane getrunken werden. Ein Verzeichnis derselben gibt unter andern auch Rosenstein von Kinderlrankhei- teir, der Dcutscheii Ausgabe von 177 4 , S. t 2 g s. In cc. Schweiz wird diese Plisane Zaltranc genannt. Die SchweizcrpfeLfe, S. Schweizerstöte. . . ^ Das Schrcerzerrad, des — es, plur. die—-radcr, rnden -Lrug- fasrcki.ii, eine einfache Maschine mit einem Ra.de an einem Gestelle , worauf die Baumwolle gesponnen wird ; ohne Zweifel ist sie in der Schweiz erfunden worden. ^Schwelen, ver.b, reZ. welches in doppelter Gestalt gebraucht wird in bcyden aber nur im Niederdeutschen, und höchstens in Len gemeinen Sprccharteu Dbcrsachstns und DberdeutschlandeS ubUck-^ist. l. Als ein Neutrum, mit dem Hütfswvrte haben, ohne Flamme langsam brennen, da es denn das ansdruckt, was -rnan im Hochdeutschen glimmen, noch mehr aber, was man daselbst schmauchen nenuct, welches doch den Nebcndegrisi eines mehrern Schruauches oder dicken Rauches bev sich führet, als schwelen. Nasses 6 §l; brennet nicht-es schwelet nur. H. ein Activum, durch ein solches langsames Feuer ohne Flamme hervor bringe». Vohlen schwelen, Theer schwelen, wofür man im Hochdeutschen das Wort brennen gebraucht. So auch das Schwelen. . . , Aum. Im Rieders, swelen, und i» ermgen Gegenden sme.en. Es stammet von einem altenWortc ab, welches auch brennen überhaupt bedeutete, und wohin auch das Angrls. ünziindkii, das Engl. t-a srvate-, brennen, unser schwnhl, und ohi-e Endlaut das Schwed.tve 6 s, wegbreunen , gehören: Die Niederdeutschen haben noch zwey andere gleichlautende, in der Bedeutung aber verschiedene Wörter, nahmlich schwelen oder swelen, welk machen, welches besonders von dem G^ase, Döste, u. s s. üblich ist, und wofür wir schwellen sagen, (S. dasselbe.) und schwelen, bevm Trünke stchlustig machen- welches zu unserm schwelgen grhörct. ^ ^ , Ea?wclr,est, verd. reg. welches in doppelter Gestalt vorkommt. ^ 'l. Ais ein Neutrum, welches haben erfordert. Es bedeutet >) *eiaentlich schlucken,hinunter ichlingen; eine im ->ochdei.t- schen veraltete Bedeutung, in welcher auch im Schwi d. ,md im Augels. sveltz^n vorkommt'. Auch im Engl. ist lo krv nl- !orv, und im Dänischen soälge, schlucken. Die Nieoeriachstn l abrn davon noch des zusammen gesetzte ysrswelgcn, verschlingen, verscylucken; die Grube kann das Wasser nicht verschweigen, Verlchlingert. Illen verstwsill cksL'mere, den verschlang das Meer. Hechtes iu dem alten Fra z me ule aufCarlu den Großen Hey dem Schilt-, r. 2) Figürlich, im Esten ,md Trinken sich der klumäßigkcit bcsteisi-sen, dieNayrungsNlittel n.chtzum Bedürs- nisi, sondern aus V 3 ollust uno niit cknuräßigreii zu sich uepnien z in welchem Verstände man auch prassen, schlemmen u. s. s. sagt. Lste Werden schwelgten in dem Tempel, 2 Meer. 6, 4. enn ich predigte, wm sie ch'-ftn und schwelgen sollten, M-ch. 2, 11. Im Zkledcrs swalzen,swclgcn, im Angelst lrVL'ZL», im Engl. lo ikvill. - , IlckAlS ein Activnm, ersticken in der tyatrgen Bedeutung, ersticken machen ; eine im Hochdeutschen fremde, aber noch im Nst. derderttschen gangbare Bederunng. Er will sich i,'/seinem eigenen Zelte schwelgen, er will vor Fett ersticken, im Niederdeutschen. So auch dasSchwelgen,welches aber imHochdeuischen gleichfalls nur i» der zlnchtenBkdeurung des Ncutriur üblich ist. Anm Das Stammwort ist das im Hochdeutschen veraltete Schwalg, welches noch in d-ngemeinen Sprecharten, bejondeks Niederd- utjchlandes, üblich ist, und so wohl einen jeven r'.bgrund oder Schlund, als auch mengerm Versiande die Schling- oder Schlund, obre eines Menschen oder Thicres bedeut« z Niederst Gwala, Holland. Schwed. 5vä1Z, Engl.Zvvünorv. Dieses ist wieder der Abkömmling eines veralteten Zeitwortes, welches eigentlich den Laut nachahmete, den e-n Schluild m Verschlirigen macht, oder welcher mit demErwürgcn u!ü.E/lickcn verbunden ist. Auf ähnliche Art stammet das Lat. L'uüoLnre, ersticken, vonßuux her, so wie ihr lleluuri, schwelgen, mit nnstrm sohle verwandt zu st P u scheinet. Figürlich ist Schwelg in den genreincn Sprecharten so wohl das Schweden, dre schwel-- gerey, als auch ein Schwelger. ^ . Der Gchweltter, des —s, plur. m nom.lln^ üanün. die Gchwelgerinn, eine Person, welche sich der Unmäßigreit nn Genüsse der Nahrungsmittel befleißiget. Dre Scllwelckercv/ptur. iuust das Schwelgen, um m engerer Bedeutung, die Fertigkeit im unmäßigen Genüsse der Naheungs- Schwtttzerlsch, —er, —re, aäj. et aäv. unmäßig im Genuss- der Nahrungsmittel. .-, - SchW-lke,-.. v-rd. r-z. aci. wclches »m m -ittlz-n G-z-nde» fu« welken d. i. welk od-r halb trocken machen »blech ist, so trockneu, daß «n Ding doch noch einigen Grad der Biegsamkeit bchalie. Es wird in der La u d - undHanswi. ihschask st wohl von eem ^evck-- neu des Grases, um es zu H. u zu machen, als auch von dem Trocknen oder Dörren des Dbsies, des Malzes u. s. s. gebraucht. Daher der Schwclkboden. der Boden, auf welchen ^samgc- wachstne Malz'znmTrocknen anfgcschnttet wir-,unv nn-lcher auch der Welkbodcn heißt: In einigen Gegenden ist schweltwelk, und das Neutrum schwilkcn für welken, welk werden , uvlich. S. Welk, von welchem es vermittelst des Vorgesetzten >>>sch.uuce» L or Schwechkenstcrum, des —es, xlur. die—bäume, in cim- gen Gegenden, ein Nähme des Bach- oder W asseryohlund , dessen traubenartige weiße Blumen auch Ballr^enundSchnc- balle genannt werden ; Viburlluln opulus.Der ^ ^ in verschiedenen Gegenden bald Schwalbeere, Schwatblsbc re, Gchwelkendeere, Gchwelgenbaum , Schwal§esdaum u. . s. ViclleichrweildiescharlachrorhenBeerenoen, crl sic ,, ^ S stm schwelgen, d. i. die Kehle zusammen ziepen, daher d u -v c- ren auch Drosselbeeren genannt werden ;wenn ^ dust" «icht etwa daher haben, weil sie eine angenehme Speist derDr s Di-S^elle, plur. die-n, Diminut. dasGchwellchcn, ein ^ std^ftarkes horizontales Holz, welches die erste Grund zu einer Verbindung abgstt »'st wel^s m dei Mttst Fällen such die Sohle genannt nurd. ' § j„ der auf zwey Schwellen oder Unterlagen. Am ublichsi.n ist ZimMermannskuust, wo ein welchen andere st-ikrechte oder schräge Bauhölzer euigezap^ eine Schwelle genannt wird. In diesem Verstände gibt csGrund schwellen. Lcrchstllwellen,Oberschwellcr>, Untc. iä-w ll ^ Kürzere horizontale Bauhölzer, welche bloß ,ur V bmd stnkrechien dienen, und eigentlich mckts " ^ genannt. I» engerer Bedeutung ist di- oderUrtterschwelle, das »nminolbarauf über derselben liegende Stück Bauholz, welches r,i trägt. Die Schwelle emes äauscs ; m V- 6 Skillll welches zu -Latte gehöret, in Niedersachsen ^ ^ -^ ^rn diese der Dörpel, m Dithmarstn derDruhel. ^>kjvuoeeV, , /4» Sch W Schwelte in der Thur sichtbar E, die Unteekagc her AH8r ans« macht, die Thur schwelle, da es denn figürlich auchfür Hausihür gebraucht wird. Br soll mir nie wieder über meine Schwelle kommen oder schreiten, er soll nie wieder mein Hans betreten. Nach einer noch Meilern Figur, der Anfang einer Sache. Du stehest an der Schwelle der Glückseligkeit. Wenn man eben vor der Schwelle so erschrecklich strauchelt. Anm. Die Niederdeutsche Mundart,und die mit derselben verwandten Sprachen kennen in diesem Worto keilten Blasclaut, wie das Niedcrs.Sülle,Sull, das Schwed. ZM.HasÄngels. 8 ^ 1 , daS Engl. 8111 , das Zran;ös. 8LUÜ ; allein der Bedeutung der Schwelle/ des Untersten, des Grundes einesDinges ; woraus zugleich die VerwandtschaftmitunsermSohlc, demLat. 8 c« 1 um und Lolsa, dem Franz. AoUve, Schwelte, n. a. m. erhellet. Bey dem Ulphilas ist 1 'ulju» den Grund legen. Gchwellen, ein Zeitwort, welches in einer doppelten Gestalt üblich ist. I. Alsein Neutrum, welches das Hülsswort sepn erfordert, und irregulär abgcwandelt wird; ich schwelle, du schwillst, er schwillt; Jmpers.ich schwoll,Conj.sschwollS;Mittelw.geschwoI- len. Durch innere Anhäufung oder Ausdehnung der Theile dxr - ganzen Masse nach ausgedehnet werden, besonders in die Höhe. i. In eigentlichem Verstände. Das Wasser schwillt, wenn es fich anhaust und aus Mangel des Absiusses^ec Hohe nach zu« nimmt, Der den Himmel ohne Gehülfen ausdehnt, und auf die geschwollnenFluchen tritt,Hiob z^^rachMichaelis Übersetzung. Auch vo» benAugen, wenn fie von den zudringeildenThränen ausgedehnet werden. Mit schwellendenAugenAbschied nehmen. Am üblichsten istrs von menschlichen und thierischen Körpern, wenn eine innere Ursache sie auf eine widernatürliche Art ausgedehnet und aufgetricben hat. Geschwollene Füße haben. Die Hand schwillet mir. Der Leib ist dem Patienten geschwollen. (S. Schwulst und Geschwulst). 2.Figürlich, i) Dann schwellt (schwillt) mir die Brust, Gebankeu drangen sich dann auf, ich kann sie nicht entwickeln, Geßn. voll von frohem Entzücken schwellt (schwillt) ihm die Brust, eben ders. 2) Der Nnth schwillt, wenn er zunimMt, größer wird. Sprichw. Weün man den Bauern bittet, so schwillt ihm der Much. Ihr Genuithe schwillet nicht, , wenn das Glücke fie beschciset, Opitz.; wird nicht stolz. In einem andern Verstände sagt Ottfried : so suMet uns lllur ^luoller, nähmlich vor Zorn. Z) Zuweilen auch an Masse und Anzahl zunehmen. Die Bücher schwellen, werden zahlreicher, Herd. II . Als ein Activum, mit regulärer Abwandlung, d!» schwellst, er schwellt, Zmperf.ich schwellere, Mitteln. geschwellet ; schwel, len machen. Ein Pferd schwellen, es wuud reiten, drilcken , io daß die gedrückte Stelle schwillt. Das Wasser schwellen, ihm de,n Abstich benehmen, so daß cs anwächset. Bald schwellt er (d.er Mond) das Meer, Lohenst. macht, daß cs in der Finch anlärrft. Die sterbende Sara Schwellt das Mitleid heranfzu unserm chranendm Uuge, Zachar. So auch das Schwellen. Amm. Bey dem Ottfried suellan, im Nieders. fwcllen, und fwillen, im Angels.'svveULv,im Engl.w ^va!!, im Schweb. IVckÜZ. Der herrschende Begriff ist die Ausdehnung von innen nach allen Seiten, besonders der Höhe nach. In Ansehung der Form ist es einJntenfivmn von einem veralteteuZeittvorte fchwe- . len, welches so wie schwellen eigentlich dasGeränsch mehrerer sich versammelnden, sich anhäufenden Dinge ausdruckt, von welchem drc Ausdehnung.von innen eine Figur ist. Im Schwed. ' X - l - - ^ X Sch w 1742 ist ttvch setzt brausen. (S. auch Schwall, Schwiele, wallen, Wells und Beule, welchen dccy letzt, en nur der Zischlaut mangelt. Der Schweller, des—s, plur. nt vom. st.n^. ein mir in einigen Gegenden übliches Wort, die aufwärts gebogeneir Bäume unter einem Schlitten zu bezeichnen,welche in Doersachsen Lufeu heißen. ES ist von Schwelle nur im Endkanteund im Geschlechts unterschieden, weil sie m der Thst die Schwellen des Schüttend sind. Die Schwemme, p!ur. die von dem folgenden Zeitworte. r) Die Handlung des Schwemmcns, besonders so fezm durch Schwimmen, oder durch Bewegung im Wasser, Unresingkci- ten weggeschaffet werden sollen ; ohne Plural. Die Sau wälzet sich nach der Schwemme wieder in den Noth, 2 Petr. 2, 22. 2) Der Ort, w» Lhiere zur Erfrischung oder zur Adspülnng der Unreinigkeiten schwimmen Müssen. Lin Pferd in die Schwemme reiten. Schafe, die aus der Schwemme kommen, Hobel. 4,2. - / , Schwemmen, verb.reA. welches das Factinvum von schwammen ist, wie senken von sinken, tranken von trinken u. s. f. schwimmen machen. Hol; schwemmen, wofür doch stoßen üblicher ist. Der Zluß hat viele Bude an das Ufer geschwemmek/ a'-rgesetzet,, angetrieben. Den Vorh von etwas schwemmen, hurch vieles Wasser ädfließeu machen. Das Wasser hat die ^rede aus dem Wege geschwemmet.In cngererBedeutnng schwemmet man Lhiere, wenn man fie zu schwimmen nöthiget, damit sie . im Wasser von den Unreinigkeiten befueyet werden. So schwemmet man dre Pferde, dir Schafe, che sie,geschoren werden,, dre Gänse, ehr fie gestochen werden u. s. s. Ehedem schwemmser man auch dis der Kexerep verdächtigen Personen, d. ,i. mau warf fie i» das Wasser, um zu sehen ob fie oben schwimmen oder unterst«^» würden. In weiterer Bedeutung für benetzen, wie Ps. 6, 7, ich schwemme mein Bette die ganze Nacht, ist es im Hochdeutschen eben so ungewöhnlich^ als für überschwemmen: sie werden alles schwemmen, Es. 8, 8, So auch das Schwemmen und die Schwemmung. Der Tchwemmer, eine Art sanfter Wagen, S. Schwimmer. Schwenken, vsrli. reAacr. welches di- thättge Gattung von dem Neutro schwind en l st, schwinden oece verschwinden machen. r) ^Überhaupt, zerstören, des^Daseyns, oder doch seines brauchbaren, zweckmäßigen Daseyns berauben; in welcher setzt völlig veralteten Bedeutung e- ehedem sehr gangbar war« äVus evil st strumi Zswionsn Dus 6 kroeists stevsaster stsms, Der ir niemer ma^ er»lrin»ev,Burkard vonHbhenftlL. 8i lvelle cimsa lensten llumlrerscvencken, Herzog Heinrich von Breslau. 2) In engerer Bedeutung ist schwenden noch in vielen Gegenden einen Wald.abbrennen, um tragbaren Acker daraus zu machendes eigentlich auch öde, wüst machen, zu bedeuten scheinet, obgleich im Schwed, lvestn brennen, und lVestsa auf solche Urt schwenden ist. In andern Gegenden heißt diese verschwenderische Verwüstung des Holzes schmalzen-und rohden. So auch .das Schwenden. 2 snm. Bey dem Notker ist ssvvsnsten verderben, und die Schwäbischen Dichter gebrauchen es mchrmahls für zerstören. .Siehe auch Schwinden und verschwenden. DerGchMenFbüu-M, oder Schwcknybaum, ,d?2—-s, plrrr. die —bäume, im Bcrgbaue, der Baum ini Göpel, welcher-qner hnrch die Spindel gdhet; die Trcfft. Es ist mit Schwänge! gleichbedeutend. S. dasselbe. Dee Schwengel; S. SchwanZel. -»'Schwenken, 17 - 1 Z Schw L. Schwenken, einen ssüffgeir Körper hin und her bewegen,S. Schnaken. L. Schwenken, verd. re^. sek. schwingen machen, mit einem Schwünge bewegen. Die Fahne schwenken. Der Dacier, der frech den LVurfpfeil schwenkt, Hag>d. ' Jn.gk'ichcn sich schwenken, sich mit einem Schwünge wenden; in welchem Verstände es besonders' bey den Soldaten, von ganzen Reihen üblich ist, wenn solche Schwenkungen oder Wendungen machen. Anm. Schwanken von einem flüssigen Körper ist das Aetivrm von schwanken, dieses schwenken aber von schwingen, daher die beyden Activa eben so unterschieden sind, als ihre Neutra. Siehe Schwingen. Die Schwepe, im Niederdeutschen eine Peitsche, S, Schwipp?- Schwer, —er, -sie, ach. et sckv. r. Im eigentlichen plmsi- scheu Verstände ist schwer, i) absolute und ohne alle Rücksicht auf die Vergleichung oder Empfindung, was ein Bestreben bat, sich senkrecht nach einem gewissen Mittclnincte zu bewegen. In diesem Verstände sind alle Körper schwer, weil dieses Bestreben eine wesentliche Eigenschaft der Materie ist. Auch gebraucht man dieses Wort bey Bestimmung des Grades dieses Bestrebens, oder des Gewichtes. Ein Ding ist ein Gran, zwep Loch, vier Pfund, zehn Zentner schwer, wenn es so viel wiegt.' B!ep ist schwerer als Zolz, weil cs ein stärkeres Bestreben äußert, sich nach dem Mittelpunkte der Erde zu öc wegen. In dieser Bedeutung ist es als ein Nebenworl am üblichsten. 2) Relative, in Be, ziehung auf die Kraft, welche dieses Bestreben über winden will, ein starkes Bestreben dieser Art äußernd; im Gegensätze des leicht. Eine schwere Last. Der Stein ist schwer. Das ist mir zu schwer. Jngleichen in Beziehung auf daS gewöhnliche Gewicht gewisser Diage,oder auch aufdaS leichtere von eben derselben Art. Das schwere Geschütz, das grobe, z. B. Kanonen, Mörser u. s f. im Gegeniatze-der Feldstücke und des kleinen Gewehres. Die , schwere Rüstung der Reiten p, Küraß n. ftf. Schwer bewaffnete Reiter,im Gegensätze der leicht bewaffneten. Schweres Geld- welches mehr edle- Metall hat, und folglich schwerer ist, als das leichte. 2 . Figürlich. - > Was viele Bemühung, Anstrengung vieler Kräfte erfordert. Einen schweren Äo p schab en wenn man Mühe anwenden muß, er was zu fassen oder zu begreifen ; in N'rdrr- sachsi'tt einen harten Ropfh-ahcrr. Eine schwere Zange, weiche Müde an.wenden muß, wenn sie vernehmlich stauchen will. Ein Mahler hat eine»schweren Pinsel, eine schwere Han-, wenn ihm die Führung derselben Mühe macht, und Lieft Mühe aus dem Gemählde ersichtlich ist. Schwer zu verstehen, zu b eg reffen, zu glauben, einzusehcn n. s. ft Ein schwer es Buch, weich's fthlver zu verstehen ist. Das fallt mir schwer, wird nur schwer, erfordert viel Bemühung. Einem eine Sache schwer machen. Schwer Athen, hohlen. Er gehet sehr schwer daran, sehr gern, es erfordert viele Mühe ihn dazu zu bewegen. Reine Irr- chumer sind schwerer zu heben, als die ihren Schütz in dem näturlichcmM-arakter unsere Gs.stes finden. Gell.. Schwere Feiten, wo der Unterhalt mir vieler Mühe verbunden ist, 2) Mil lmaugcne'l'rmi! Enrxfindringen verbunden, deren Überwindung Mühe kostet. Wird e» divfchwer, euren Meineidigen zu vergessen k Das ksmmr ihm schwer an. gehet ihm schwer ein, Kv Seht schwer d aran. Ersparen sie mir ein Bekenntnis, das. mir nrche aiErrs als schwer werden wird, Svnnenf. Einem H«sKerz schwer machen, Crrrpß«rdrmgen- der Neue, der Weh» mm h,. des M.tkeiderrs-, der Besorgnis i» ih'.tt erwecken. Di L schwer'. Mit schwerem Werften weggeben, mit Ehechü. harte rrr-ir Lach das 'L' Mptworr Gchchers / Schw 1744 «nd Schwerdt', welches Kummer, Gram, Sorge, Noth u. st f. bedeutete, aber in d- ftm Verstände längst verallet ist. Etwas davon ist noch in Beschwerde übrig. Z) In manchen Fallen bezeichnet dff'ftS Wort auch eine Intensiv», d. i. eilten Koben Grad' der Sache. Ein schwerer Rampf. ein harter. Eine schwere Rrankheit ansüeüen. Schwebe Sri i d n, schwere Verbrechen. Eine schwere St ase v-rdienen. Die St- afe noch schwerer machen. Die schwere Noth, in der niedrigen Sprechalt, die Epilepsie. In allen dieft.n Fällen wird es nur von Dingen gebrauch,, welche als ein Übel betrachte, worden. Allein in der Beredsamkeit deS großer Haufens höcet mau es oft auch von an. dorn Dingen. Eine schwere Menge, eine große Menge. Das har ihm schweres Geld gekostet, v'eloS. Ja in manchen Gegendei! ist das Ncbenwort schwor gar für sehr üblich. Ich werde mich schwer buchen, für sehr. Anm. Bey dem Kero luArre, bey dem Dttfried luar, i,n Angelst l',v,fter. i'm Rieders swaar, im Schwed. ftvZr;'womit auch ohne Zischlaut lind init clner sehr gewöhlilichenVeränderiuig des Biaftlantks, das Griech. ß«§vzi schwer, verwandt ist. Da d-e Schwere im gcwöhnlcheu Voe,lande eine natürlicheFolac der Mengeder Theile ist. ft ist sehr wahrscheinlich, daß dieses Wort ein naher Verwandter von Schwarm und schwärmen ist, (S. dieselben.) Übrigens ist auch sehr damn verwandt, (S. Sehr und Schwert.) Die Schwere, zckur. iuuft das Abstractum des vorigen Beywor- tcs, di ' Eigenschaft, da ein Ding schwer ist. So wobl auch im eigentl chen Verstands, das Bestreben eiuesDinges sich nach einem gewissen Miuelpn-'.cte zu bewegen, in welchem Verstände die Schwere cineLigonschaft aller Körper ist; da den» auch wohl von mehroruArten,oder von derSchwere in nlehrern Körpern derPln- ral gebraucht tvird. DreRäunie verhalten sich aus eine gegensei- tigeArt der e.'genthünrlichen Schweren. Jugse.'chen inRiickfcht auf die Empsiildungen, auf das Gewöhnliche u.ftf. Eine grose - Schwere haben. Zuweilen auch wohl für Gewicht,d.i. das Maß derSchwere. Als' auch im sigürlrcbenVerstaudechieGchwere eines Amtes, eines Joches, einer Strafe, eines Verbrechens u. s. s. Scbwerdt, S. Schwert. t > Schweren, S. Schwären und Schworen. 2 , Schworen, von schwer, S. die Ziiftmmenfttznugeii Beschwere". und Erschwere-.!, außer welchen es nicht üblich ist. SchwerffiAich, —er, —ste, nckftSt crckv. eigentlich, weg'/n seiner vielen Masse und langsamen ungeschickten Bewegung in Gefahr einen schweren Fall zu thun. Ein schwerfälliger Mensch- In weiterer und figürlicher Bedeutung, oft von allen Dingen, welche wegeil ihrer Schwere eine mühsame Bewegung haben. Ein schwerfälliger Gang. Gehr schwer fällig tanzen. Jngle:- chen figürlich. Einen Vers durch viele Lonsonantcn schwerfällig machen. Die schwerfällige Trägheit einiger nordischen Volker. Arct ist mit so vielem schwerfälligen Ernste dienstfertig, daß manglaullt, seine Diensiserngkeit koste ihm vielsster- Windung, Gell. So auch die Schwerfälligkeit. Die Gchwerflll'che, pkur. die—v, in der Mechanik, die Fläche der Schwere, d. i. diejenige Fläche, worin sich der Schwer-Punet btsindet, oft-r welche durch dcir Schwer-Pnner gehet. SchwerherztF, uckj. et. crckv. S. Schrvcrmutbig. Gchwvvrö'stiF, —er,—ste, ucft. s: ackv. nur im getmfirenLeben, was schwere, das ist, viele Kosten erfordert; kostbar. Die GHM4rkrckft/ p!ur. die—-kri-fte, die Schwirr, als eure Kraft betrachtet, die Kraft, welche die Körper senkrecht nach der Erdssache tr: idt. G chwerlic!?, u <1 v-welches nur in der erst e c. sigürl'ch"n Dedeutiuig L c- ÄrA- und Rohrnwvrtes schwer üblich ist,nicht and: rs als k: - r s" viele r * 74 L Schw vieler Mühe, und in weiterer Bedeutung für nicht leicht, kaum. Du wirst dein Vorhaben wohl schwerlich ausfiihrcn. Das kann ich schwerlich glauben. Das wirb schwerlich geschehen. Er wird schwerlich kommen. Zuweilen auch für schwer,d. i. sehr, schwerlich sündigen, 2 Sam. 24, 10. Sich schwerlich vergehen. DerÄchwerm,des—es, plur. die—e, in dem Bergbaus einiger Gegenden, der krumme Zapfen an einem Wasserrade. Es scheinet, daß die krumme Bwgring der Grüns der Benennung ist, da es denn zu Wurm gehören würde. Indessen führet Frisch mehrerrStellen an,aus welchen erhellet,daß Schrvir und Schnuren, ehedem eilten Pfahl bedeutet habe. Der Schwermeffer,des— s,p1ur. ut vom. 6nZ. ein Werkzeug , die Schwere der Luft zu messen, welches man mit einem ausländischen Worte ein Baromerer nennt. Dre Schwermttch, piur. csr. ein anhaltender hoher Grad der Traurigkeit, ein aichaltendes niedergeschlagenes Gerrrüth; von schwer, so fern es ehedem auch traurig, betrübt bedeutete. Dre GchwermiithigkeitchieSchwermulh als eineFertigkeit betrachtet. Schwürmitthig, -er, — fte, aas. et aci v. mit der Schwer- muth behaftet, in derselben gegründet; Niederdeutsch scsswcx- herzig. Der Gchwer-Punct, des—es, plur. die—e, in der Mechanik, der Mlttclplinct der Schwere, d. i. derjenige Punct, durch welchen ei» Körper i,t zwcy gleich schwere Theilc gelheileL wird, oder um welchen alle übrige Thrile-gleiche Schwere haben. Das Schwert, des—es, plur. die —er, Drmitt.dasSchwert- chen, Oberd. Gchwerrleiu. 1 ) Eigentlich, das größte und breiteste hauende Gewehr,dergleichen die alten stärker» Deutschen zu ihrer Vertheidignng gebrauchten. Das Gchlachkschwerr, welches in Schlachten gebraucht wurde, und so groß war, daß es nicht an der Seite, sondern mit beiden Händen'auf der Achsel getragen werden mußte. Das Rirterfchwcrt, welches die Ritter trugen, und in ihren Übungen gebrauchten. Die Churschwerter, welche Sachsen als dss Zeichen des Erz-Marschallamtcs in sememWa- pen führet. Das Richtfchwerr, womit die Enthauptung geschehet, und welches zwar breit, aber gemeiniglich nicht mehr so lang ist als ehedem. Mit dem Schwerte hingerichtet werden, enthauptet werden. Jemanden zum Schwerte verurtheilen, enthauptet zu werden. Seitdem mau airgefangen, sich statt der alten « schwerfälligen Waffen leichterer zu bedienen, und die Hurtigkeit an dieStelle der alten mäunlicheuSrärke treten zu lassen,sind auch dieSchwerter aus dem Gebrauche gekommen, und dafür kleinere sowohl hauende als stechende Gewehre cingcführet worden, welche denn auch ihre eigenen Nahmen bekommen haben. Die alten Schwerter sind nur noch ben gewisseg feierlichen Gelegenheiten üblich; indessen pflegt man das Wort in der höhern Schreibart noch häufig für ein jedes hauendes Gewehr zu gebrauchen. Mit dem Schwerte darein schlagen, offenbare Gewalt gebrauchen. Ein Schwert halt das anderein der Scheide, gleiche Stärke verhindert den Ausbruch der Gewaltthöugkeiten. Mit §euer und Schwert verheeren, mit Brennen und Blutvergießen. In der höhern Schreibart wird es auch oft figürlich für vpenbar e Ge- wülttbätigkeir, für den Krieg selbst gebraucht, in.welchcmBcrstan- de es auch in der Deutschen Bibel häufig voxkommt. 2 ) Figürlich, wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt. An den Schufen ist cs ein breites dickes Bret, welches an den Bort feu gemacht, und in das Wasser hinab gelassen wird, wenn der Wind dss Schiss auf diese Seite zussehr neiget. Bey den Buchbindern ist es e-n Holz in Gestalt eines Schwertes, die Duernen oder Triterneu in einander zu stecken. Schw L746 Lnm. BeydemOttftied, Wrlleram 11 , s. f. 8uerd, im Me-- Hers. Schwcerd, im Angcls. Lvveorl, im Engl. 8evo.rcl, im Schwed. 8 varci. Wachter leitet es von dem Gothifehen lvers v. ehren, Frisch aber von schwer ab. Nichtiger läßt man cs von wehren, Gewehr, oder auch von Schwer, so fern es ehedem Wunde ^Verletzung, bedeutete, und mit sehrcn in verschren gleichbedeutend war, abstammen. Wirklich findet man, daß es ehedem von weit kleinern Gewehren gebraucht worden. In Boxhorns Glossen ist 8uert ein Dolch, und Frifch seihst erkläret Srabschwerc durch einen Degen,welchen man in einem Stabe bvp sich trug. In alten Oberdeutschen Schriften wird dieses Wort beständig Schwert geschrieben, und im Plurallautet das t merklich hart. Erst in den spätern Zeiten fing man an Schwerdt zu schreiben, ohne Zweifel aus keinem andern Grunde, als die Oberdeutsche Schreibart mit der weicher» Niederdeutschen, welche Gchwcrd schreibt und spricht, zu vereinigen. Um der zwcy E ud- Consonanluen wissen müßte diescsWort geschärft gesprochen werden, Schwert, und so sprechen es auch mancheGegenden wirklich, dagegen die meisten, selbst im Hochdeutschen, es dehnen, Schwert. DieseDebnung har ihrenGrund in der Etymologie, weil dos t ein bloßer Ableitungslant ist, der die gedehnte Wurzelsylbs nicht ändern kann. Eben das gilt auch von Schwarte, 6crd, Pferd, u. s. f. welche insgesammt gedehnt werden. Die E>chwertbohne,ip!ur. die—n,eineArtder Schminkboh- ucn, mit breiten fleischige» Schoten, und kleinen Bohnen ; wegen der Ähnlichkeit in der Gestalt. Sind srr wie ein Sabel gekrüm- met, so heißen sie Säbelbshnen. Der Schwertbruöer, des—e, plur. die — brüder, siehe Schwerrordcn. Der Schwertel, des—e, plur. utvom. knx. eine Art Lilien mit schwertförmigen Blättern, welche auch Schwert- -Lilien heißen, und wohin so wohlder 6 Im cl io Ius I,, als auch dessen sammt- liche Iriües gehören. In engerer Bedeutung haben einige Neuere angefangen einen llnterschied zu machen, iuid den Llnütolus Schwertel, die Iria aber Schwert-Lilie zu nennen. Der Gchwertfbyer, des—e, plur. u t vom. LvZ. dessen Gat- tinn die Gchwertfegcrinn, ein Handwerker , welcher dieLbeile eines Schwertes, oder Seitengewehres zusammen setzet, und selbige feget, d. i. pvliret, von welcher letzter» Arbeit er seim-n Äah- men hat. Die-Langmesserschmiede verfertigen die Klingen, die Schwertfeger die Gefäße und übrigenThcile, setzen sie zusammen und geben ihnen die Politur. Daher der Schwertfegerdraht, »ine Art groben Drahtes von No. 1 bis z, woraus dicGewinde a» den Degen- und Säbelgefäßen verfertiget werden. Der Schwertfisch, des-es, plur. die—e. 1 ) Eine Art Hayeu mit einem Rüffel, welcher sich in einem glatten beinartigen Schwerte endiget, welches an beyden Seilen gezähnt ist, daher er auch der Sägefisch genannt wird;8^uLlu5 briltis s,. 2 ) In Österreich wird der Gichelsisch, L^privus cultimtus L,. ' Schwertfisch genannt. Der Gchwertttrsschett, des—s, plur. M vom. lln§. ein Nähme der ehemahligen Chursäcbfiichcn Groschen, besonders des r zteii Jahrhttndertes, wegen der daraufgeprägten Churschwerter. Ü 482 wurden dergleichen.Schwerrgroscheil geschlagen, welche 6 Pf. galten. Ein Schock Schwertgrvseyen hieß ein Schwerc- schock zum Unterschiede von einem Äreuzschocke. S. Schock. Das Schwertlehen, des—s, plur. ut vo-n. llv^in dem Lehenrechte, ein Mannlehen, weil das Schwert ein eigentliches Gewehr des männlichen Geschlechtes ist; im Gegensätze des BirNkellehens. d. i. des Weibeclehens. Die Schwert-Lilie, plur. die—m, S. Schwertes Sssss *Der Sch w Ler Gchrrerkmage, des-n, plur. die—n, ein jetzt veraltetes Wort, einen männlichen Verwandten oder einen Verwandten von der väterlichen Seite, zu bezeichnen, von dem alten Mage ein Verwandter; im Gegensetze eines Spillmagen , eines weiblichen Verwandten, oder von mütterlicher Sette, von Spille, Spindel. Mage für Verwandter ist noch im Niedersächsischcn gangbar. S. Schwertlehen und Schwerrseite. L ev Schwertor-en,des—-s, plur. ut no m. flnZ. eimchemah- ligcr Ritterorden in Licfland, welcher sich nachmahls mit dem Deutschen Orden vereinigte,und dessen GlicderSchwertrittcr nnd Scywertbrüder genannt wurden. Der SchwerLschLsy, des —es,?Iur. die—schlage, einSchlag mit dem Schwerte. Besonders im figürlichen Verstände; eine Stadt, ein Land ohne Schwertschlag erobern, ohne Blutvergießen, durch Accord u. s. f. wofür auch Schwertstreich üblich ist. DerSchrvertschleifer, des—s, plur. ur nom. knZ.eine Art Schleifer, welche Schwerter, Degen, Schermeffer und andere seine Sachen schleifen, nnd welche, wen» sie im Lande herum reisen, Scherenschleifer heißen ; zum Unterschiede von den Rauhschlei. fern. Der Rauhschleifer sitzt über dem Steine und der Stein dre. het sich nach ihm zu; bey demSchwertschleifer drehet sich derStein von »hinweg. Die Scywertserte, ^ur. die—n , die Seite der Schwertmagen, d. i. der Verwandten p»n väterlicher Seite; im Gegensätze der Spill- oder Runkelseite, der weiblichen oder mütterlichen Sette. Ern nur noch in den Geschlechts- Registern übliches Wort. Lre Schwertstantze, p!ur. die—n, bey den Vogelstellern, eine Art breiter Stangen in Gestalt eines Schwertes, welche sich bey den Vogelherden mit zwey Wänden hinten und vorn zunächst an der Larve befindet. Der Schwertstreich, des—es,plur.die—e,S. Schwertschlag. Der Schwerttanz, des —es, plur. die —tanze, eine Arl feyer. Ijcher Tänze mit bloßen Schwertern oder Degen, dergleichen noch air einigen Orten von manchen Handwerkern bey ihren Zeyeclich- Leiten gehalten werden. Das Schwerttheil,des—es, plur. die—e, ein größten Tbeils veraltetes Wort, das Erbtheil eines Gchwertmagen, d. i. männlichen Verwandten, oder Verwandten von der Schwerlscite, in- gleichen des Mannes Theil, welches während der Ehe erworben worden, zu bezeichnen. Der Schwertträger, des—s, plur. ut vom. flnZ. derjenige, welcher einem andern bry gewissen feyerlichen Gelegenheiten das Schwert vorträgt, und welcher an manchen Höfen ein vornehmer Beamter ist. In Pahlen war der Aron - Groß - Schwertträger und inLitthauen der Grvß-Schwcrtträgcr einer der vornehmsten Beamten. Die Schwester, plur. die— n, Diminut. welches doch nur als eine Liebkosung üblich ist, das Schwesterchen,Oberd. Schwester- lein eine weibliche Person, welche mit einer ander» Person elner- ley Ältern hat, inRückstcht auf diese andere Person, so wieBru- Ler, eine solche Person männlichen Geschlechtes. Sie sind Schwestern, von zwey solchen Personen weiblichen Geschlech. res. Die leiblicheSchwestcr,die rechte Schwester,welche mit einer Person emerley Vater und Mutter hat; zum Unterschiede von ei. «er^albschwcffer oder Stiefschwester, welche einen andern Vater . oder eine andere Mutter hat. Figürlich, r) Eine weibliche Person, welche genau mit einer andern verbunden ist, heißt, wenn sie völlig gleichen Standes mit ihr ist, in vielen Fällen eine Schwester, wie eine solche männliche Person ein Bruder. Vertraute Freundinnen pflegen sich oft Schwestern zu neunen,besonders wenn sie sich zugleich du nennen. Fürstliche Personen weiblichen Geschlechtes von gleicher Würde, Schw 174z und Republiken nennen sich oft Schwestern. Die Milchschwester ist eine weibliche Perftur, welche mit einer andern einerlei) Milch gesogen hat, ettwrley Amme mit ihr gehabt hat. Zu den Nonnenklöstern nennen sich die Nonnen wegen ihrer Gleichheit und engen Verbindung Schwestern,und werden daher auch wohl von andern geistliche Schwestern und Rlostersch Western genannt. In engerer Bedeutung sind die Schwestern, oder vollständig Laien- Gchwestern, in den Nounenklöstern das, was die Laien - Bruder oder Brüder in den Mönchsklöstern sind, d. i. diejenigen Orderrspersonen , welche die häuslichen nnd weltlichen Gefchäf. te des Klosters verwalten. 2 ) Ein Ding weiblichen Geschlechtes, welches einem andern Dinge gleich oder ähnlich ist. Dem Ronr'g, 0 Berlin, durch den du weiser ^ Als alle deine Schwestern bist, Raml. S. auch Bruder, wo sich alles, was dascköst gesagt worben, Mil verändertem Geschlcchtcanch aufSchwesternanivenden läßt. Anm. Schon bey dem Ulphilas Hnftflar, bey dem Ottfrieb 8usüsr,imNicdccs.ohl'.e Blaselaut Güster,im Angels.Lrvufler, im Engl. Zitier, im Schwcd. 8^fler, im Pohln. 8ioflra, im Böhm. Zeflra, imLitthauischen 8cfloflro, im Lettischen 8ellu., im Finnischen 8il'u. Ohne Eudsylbe hat man im Niederst das liebkosende Diminut. Susje, Schwesterchen, Island. 8uskin. Die Sylke —er ist die Ablettungssylbe, welche eine Person, ein Ding bezeichnet. 8s kommt daher nur auf die Sylbe Schmes, und ohne den Blaselaut Ses, u. s. f. an. Diese scheinet eine genaue Verbindung zu bezeichnen, und mit Mase, Base wovon vermittelst des Zischlautes unser Schwester abftawmct, und in Ansehung des Niederdeutschen mit dem Holland, leiten, binden, dem Franz, la fl r, und schweißen, u. s. f. verwandt zu seyn. Mit andern Endlauten gehören dahin auch Schwager und das Lat. floror. Daß-diescSWort ehedem naheVerwandte überhaupt bedenket habe, erhellet unter andern auch aus dem Collccrivo Geschwister, S. dasselbe. ^ Das Gchwesserkinö, des—es, plur. -re —er,der Schwester Kinder, so wie Bruderkind. Schwesterlich, ach. et sciv. in dem Verhältnisse einer Schwe» ster gegründet. Die schwesterliche Liebe. Noch mehr figürlich, liebreich, zärtlich.und vertrauet, wie es die Verbindung einer Schwester erfordert. Sich schwesterlich lieben, von weiblichen Personen. Der Gchwestermann, des—es, xlur. die—männer, de? Ehegatte der Schwester. ' Die Schwesterschaft, plur. die—en. l)ObnePlural, dasVcr-^ hältniß zwischen zwcyPecsonen, nach welchem die eine die Schwester der andern ist; wo es doch nur von der Verbindung gewählter Schwestern, d.i. vertrauter Freuudinnrn gleiches Standes üblich ist. 2 )Mchrcre zu einer grwissenAbstcht aufdas geuaneste mit einander vereinigte weibliche Personen gleichen Standes; wo es m der Römischen Kirche so wohl Schwesterschafren als Brüderschaften gibt. Der Gchwesterscchn, des—es, piur. die—sobne, der Sohn, der Schwester. So auch die Schwestertochter, deren Tochter. Der Schwibbogen, oder vielmehr Schwiebbogen, des—s, xflur. ut vom. fln^. 1) Die gewölbte st nerne Decke emes Raumes, ein Gewölbe, welches doch im Hochdeutschen üblicher ist, wo man unter Schwibbogen am häufigsten die nach einem Bozen geschlossene Öffnung einer Mauer verstehet; ein Bogen. 2) Der mit einem solchen Bogen bedeckte Raum, so wie Gew ölbe, ein gewölbtes Zimmer oder BehLltniß ; eine besonders ""Nie er- deutschen übliche Bedeutung. Doch pflegt man auch im Hocvdeu - scheu die gewölbten Grabstätten, wo man Verstorbene beyfttz - Schwibbogen zunennen. , ^ 1749 Schw Anm. Schon bey dem Naban Maurus 8uipoZuv^ irr Petzens Glossen 8uuipvAun. Es scheinet von schweben abzustannuen, und eigentlich einen schwebenden, d.'. über uns befindlichen,Bo- gen zu bezeichnen, wie Gchwebästrich; oder von schweifen, bogenweise ausschneiden, welches letztere dieGestalt dieses Wortes in andern Sprachen und Mundarten wahrscheintichermachr. Bey demDachpodius heißt einSchwibboßeySchwielbsgen, vonwel- le, wälzen, Gewölbe; bey dem Serrarms Smiegebogen, von schnnegen ; im Mieders, bey dem LhyträrrS Schwichbogen, im Schwed. LLÜveZb^Ze, von dem Island. suLiZiL, Lmmmen; in andern Rieders. Gegenden Schwiedbagen, ohne Zweifel aus Einer Quelle mit Wiede. Um die Dehnung der ersten Sylöe nicht zu verfehlen, ist das ic dem bloßen i vorzuzicheu. ^Dre Schwiegel, plur. die—n, ein im Hochdeutscheu veraltetes Wort, welches noch in den gemeinen Mundarten, besonders Oberdeutschlandes, iiolich .ft, wo es eine Pfeift oder Flöte bedeutet, so wie schniegeln, pfeifen, flöten, anscher Pfeife spielen, Gchwiegler einen Flötenspieler u. s. s. Es kommt nur noch in den Orgeln vor, Ivo Tchwigel oder Schwistote von einer Art Pfeifen gebraucht wird. Die große Schwieget,von acht FußTon, die kleine, von vier Fuß. Schon bey dem Ulphilas ist l'vvi^joa anfder Flöte spielen, LueZulu, bey dem Ottfried, eure Pfeift, und im Angels. 8rv6g der Ton, und lävsZLli tönen. (S. Schillers 6lol!ur. und Frisch v. Schwegel.) Es ist eine lu-umttelbare Onomatopöie des Lautes, besonders des Pfeifens m-.l demMunde. *Die Schrvieger, piur. die—-n, ein im Hochdeutschen veralte, tes Wort, die Schwiegermutter zu bezeichnen, welches unter andern auch in der Deutschen Bibel mehrmahls vorkommt. Die Schwieger ist wider die Schnur, Mich. 7, 6. Und die Schnur wider ihre Schwieger, Matth. - v, 35. Zu einigen Gegenden ist dafür auch Schw iegerinn üblich,welches »n andern auch wohl für rineSchwägerinn gebraucht wird. Anm. Schon km Tatian und bey dem Ottfried 8uiA?.r, im Böhmischen 8s^vsAruUe, im Lat. 8oerus. Es ist mit Schwager und dem Oberdeutschen Schwäher ursprünglich ein und eben dasselbe Wort, welches eigentlich eine durch Herrsch nahe verwandte Person ohne Unterschied des Geschlechtschedeutet. Daher war der Schwieger, oder Schwäher, Lat. 8oesr, ehedem eine solche Person männlichen Geschlechtes, das ist ein Schwiegerva- ^ ter, oder Schwager, und die Schwieger oderSchwiegerinn, eine solche weibliche Person. Im Hochdeutschen hat man es für nöthig gehalten, dsese verschiedenenBedeutungen durch die folgenden Zu, sammensetzungen näher zp bestimmen, da denn das einfache Schwieger außer denselben veraltet ist. S. Schwager und Schwäher. Die Gchwie§erältsrn,flnx. ivus. des Mannes oder der Fra« Altern, der Schwiegervater und dieSchwiegermuttcr zusammen genommen« Die Gchwieyerkinöev, 6nZ. inus. der Kinder Ehegatten. Die GchwiegsrmuLteL, plur. die—mütter, des Mannes oder der Fran Mutter; imOberdoutschen dieSchwiegcr odcrSchwie- gerinn, im Holland. 8 cftoo»-iV 1 ooäsr, Franz. Leibs-Ilers. Der Sch)wie§ersoyn, des—-es, plur. die—föhne, der Tochter Ehemau« ; Holland. 8ciiooQ-8oon, Franz.Leau- Lsts. Die SU)wieyertocHter, plur. die—-eöchter, des Sohnes The- gatuunzimOberdeutschendieSchyurlHolländ^elioon-DOAk- ter, Franz. löeUs- ^i'Ie. Der Schwiegervater, des—s, plur. die—väter, dcsMan- ncs oder.der Frau Vater-« im Oberdeutschem der Schwäher, Holland. 8cliooll-VLLr1er,Franz. Leau-^ers. DieSchwiele, x>!ur. die —u, Dimrnut.das Gchwrelchen, eine harte.und dicke Stelle in der Haut. Von grobe? Arbeit bekommt man Schwielen m ben äanbsn, Ä-n'vielem Gehen Schwielen an den äiißen. Znglcichen irr^ie Länge aufgelanftne Stollen der Haur, dergleichen z. B. die smd, welche von Peüscherr- hieben entstehen. Anm. Im Englischen ohne Zischlaut ^SLl. Es ist ein Verwandter von schwellen undSchwetle/velcheJttteustva davon stnd. (S. dieselben.) In Zirnschwiele bedeutet es gleichfalls eure harte - Substanz in dem Gehirne. Schwierig, —er, —ste, astft et 26v. unzufrieden mit etwas. Schwierig ftyn. Fncschwer, eine schwierige Sache, ist esim Hochdeurschen ungewöhnlich. S. das folgende. Die Schwierigkeit, plur. die—en. 1) Der Zustand, da jemand schwicrigist, ohne Plural; in welchem Verstände es doch im Hochdeutschen wenig gewöhnlich ist. 2) Eine Einwendung, eine Bedenklichkeit, welche jemand, der schwierig ist, verbringet. Schwierigkeiten machen. Z) Dasjenige, was eine Sache schwer macht. Bey einem Geschäfte, bep einer Sache Schwierigkeiten finden. Eine Schwierigkeit haben. Einem viele Schwierigkeiten machen. A'nm. Im Rieders. Swaarheit, Gwerhcide, Schwarrgheit. Es ist von schwer gebildet, und wird daher von einigen irrig schwüriggeschrieben und gesprochen, als welches von schwären, geschworest,abstammet,und eine ganz verschiedeneVcdxnrunghgt. Die Schwimmblase, plur.die—n, eine Luftblase in demBanche der Fische, welche mit demststagcn verbunden ist,, um stch dadurch imSchwimmenriuc vcrschiedeireSchwere zu geben; dieZrschblase. Der Schwimmbrüch, des—es, piur. die—briiche,. in Nier derdeutschlaud, eine auf dem Wasser schwimmende sumpfige Insel, ein cnchdemWafferfchwimmeuder Bruch. Schwimmen, vsrk.rsZ. nsutr. Zmperf. ichschwamm; Mit- kelw. geschwommen; Jmperai. schwimm oder schwimme. Es erfordert die Hiufswörter haben und sepn, und ahmet, '.die wellenförmige Bewegung eines flüssigen Körpers durch seinen Laut nach ; ch welchem Verstaube es noch zuweilen im gemeinen Leben vorkommt, und das Hülfswort haben erfordert. Der Wein schwimmt auf dem Boden, oder nach einer nicht seltenen Figur, der Boden schwimmt von Wein. Zngleichen i» der höhern Schreibart: DicThränechie im Auge'schwrmmt. Aber, wie man wohl bey einigen findet, dasAuge, das in Thrauen schwimmt, ein fchwimmendesArige, ist eine zu harte und zu sehr übertriebene Figur. Ein schwimmendes Gebirge',im Bergbaue,ein morastiges, sumpfiges. 2. Voneiuemflüssigen Körper (dieLuftausgenommcn) getragen werden,und sich anfsolcheArt auf und in demselben bewegenden Gegensätze desUntersinkens, mit dem Hülfsworte haben. Eisen schwimmt nicht. Holz schwimmt anf dewWasser. Die Zische schwimmen im Meere. Schwimmen können. Schwimmen lernen.Sich müSchwrmmen reiten.wir haben den ganzenTag geschwommen Geschwommen kommen,wie man sagt,gegangen- gelarrftn, gefahren, geritten kommen. Und'kommt es an ben Strand geschwommen, Gell. Wenn das Ziel der im Schwünmen gemachten Bewegung oder ih- reRichtung ausgedruckt wird, so erfordert es dasHülfswort le'/m: Er ist über den ZIuA geschwommen. Ich bin an 8äs Land geschwommen^ wir sind zurück geschwommen. Figürlich. r) Nach einer gewöhnliche» Vergrößerung sagt man, in seinem Blute schwimmen; die Speise schwimmt in Butter. Nach einer noch lveitern Figur schwimmt man in Zreuden, wenn man einen sehr Hohen Grad derselben in reichem Maße genießt. Mein Herz schwimmt tiefin Leid, Weiße. s) Sich sanft und wellenförmig bewegen, in der hohrrnSchreib- Lrk. Und-Zephp? schwimmt auf Saaren als aufwcllen, Kleist. So auch das Schwimmen« Sssss 2 Anm. Anni. Bey dem Ottfried srurrrmLn, im Engl. tosrvim.im Schweb. ohne LlaftlantlimmL , im Irland. lirms, scvimmn. Es ist das Neun um von dem Acrivo schwemmen und dasJmen- stvum von schwe-men, und ahmer die Bewegung, welche cs aus- druckt, nach. JmJsländ. ist lcveittia,noch für schwrurmeu üblich. Ehedem gebrauchte man schweimen auch von der sanften schwebenden Leweguug der Vögel m der Luft. 2e ^l'oeicieu irviubet i,csi inln muot cker in kiu^L rnnt, Vust 6er ^re in Ivvenne Reirimar der Alte. > Dev StHwrmmer, des—s, jalur. ul nom.lin^. i) Unmittelbar von dem vorigen Zeitworts, derjenige, welcher schwimmet. Fämin. die Schwimmerinn. Ern Schwimmer breiter seine Sande ans zu schwimmen. Es. 25, 1 i. Zugleichen, e.ne Person,welchr die Kunst zu schwimmen verstehet.E-n gurerSchwun- mer seyn. 2)DerLercheufalk, k'ulco vurius, prelus, ^luu- tlmrum Iv/s/zr. wird in mancheilGrgendell fo ivohl dcrSchwim- mer, als auch der Schwemmer und Schweimer genannt, weil er in der Luft gleichsam unbeweglich schwcrmet oder schwebet,daher er Hey einigen auch Schweberke Hecht. (S. Schweben und Schweimen.) z) Ein in Riemen hinten uberhangcnder bedeckter Wagen Hecht, besonders im Oberdeutschen, ein Schwemmer oder Schwimmer, gleichfalls wegen der sanften, gleichsam schweimen- den oder schwimmenden Bewegung, welche derjenige erfahret, der darin sitzet. DerGchwimmfüfi, des—es, xlur. die—siche, eine Art Fiche mancher -Lchiere, wo die Zehen durch eineHaut unter einander verbunden sind,weil solche Frise zumEchwimmrn geschickt sind; zum Untcrschi.de von den gespaltenen Füßen. L ie Stt-wimmschnrch'e, plur. drc—n, eine Art gewundener kinsacheriger Schnecken urit wenig Gewinden, einer halb runden Öffnung und einer gebogenen Spitze, welche wider die Gewohnheit der Cchnecken im Meere schwimmet; das Fischmaul, wegen einiger Ähnlichkeit. L er Schwimmvogel, des—s, xlur. die—Vogel, in der Naturgeschichte, eine allgemeine Benennung der m-t Schwimm» süßen versehenen Vögel; zum Unterschiede von den Sumpfvögeln, Raubvögeln u. s. s. *Schw'ivk, Schwlnöe, ein im Hochdeutschen veraltetes Bey- und Nebenwort, wofür geschwinde üblich ist, (S. dasselbe,) in- gl^ichen die Anni. zu schwinden. Dre Schwinde, silur. die—n^, ein mit Entzündung verbundenes Geschwür auf der Haut, welches sich sehr geschwinde aus- brrsttet; und aucy die Schwindssechte, ingleichen die Flechte ge, rianul w-rd, (S. bas letztere.) Jugleicheu eine Art Milben, welche so wvbldjese Flechte als die Krätze verursachen sollen, 8iro dier il«. Siehe Flechte. Dev Schwindel, des—s, plur. ioul. in einigen Gegenden für Schwingel, S. dasselbe. s. Der Schwindel, des—s, plur. doch nur von mehrcrn Arten oder Anfällen, ut nom.lirLA. diejeuigeSchwachheitdesHaupres, da sich alles mit uns um,-udrehen scheinet. Den Schwindel haben, bekommen. Mit häufigen Schwindeln geplagt sepn. Wie im Schwinde! herum taumeln.Desou.dcrs so felnmit dieser Empfindung eine befuge undplötziicbeFurchtzu stürzen verbunden jfisicr- glc chen sch l-ep manch. » Personen äußert, wenn sie in eine Tiefe sehen. Nicht ohne Gewinde! hinab sehen können. Oft ist der Schwindel auch nur diejenige vorüber gehende Schwachheit, da das Vewuftseyil auf kurze Zeit verschwindet, oder da alle Dmoc vor uns zu schwinden scheinen, da er denn eiiiVorbocheder Ohnmacht oder des Schlagstusses ist.Iig-irlich gebraucht um-! (ss Wort Schwindet zuweisi:; r-ön ernei' unbesottnenen Arl zu handeln, da mau sich ohne vernünftige Gründe in seinen Handlungen bestimmt, besonders, da man unwahrscheinlichen Projekten „ach. hangr. Len Schwindel haben. Der Schwindel in der sand- lung, welcher den ifstttrcsiäust ^v-rntuiic-r ausmachl. S. die folgeudc.-> Zusammensetzungen. Anm.Im Schweb. 8 vinste', im Zsländ. Lunstls. Es ist von schwlirden oder wonden, winden, so fern solches ehedem „ch im Krr^e bewegen bedeutete, w e VerUtzv von verl ere ; der les- ken.VedejLtmig des Verlustes des Lrwußt/eyns aber auch von chchwmdcn m senlem veutige-l Versta-lde. Im Niederdeutschen heißt der Schwindel Swrmel,. Swimelkeit, Gwlmnlffe, von schweimen, Engl.8rviln-ruc»tz. Übrigens wird dcete Schwach- heil im Niederst auch^der Orüsel, Treftl, Düsen, Daß, (Engl, chlore, st,) in Schivaben der Code! u. s.s. genannt. Die Endsilbe — el ist die Ableitungssilbe, welche ern Sncheet, ein . Ding bezeichnet. Dev Gchrvindelev, oder SHwinhlev, des—s,j)Iur. ut nom. üuZ. der den Schivindel hat, doch nur im figürlichen Verstaube, der unbesonnen handelt, ohne Vernunft wagt. L ie Gchwmöeley, plur. drc—en, S. Schwindeln 2. Der SÜ)wrnöelFetst, des—es , plur. die — er, im figürlichen Verstände des Wortes Vchwrrrdtl. r) Die Fertigkeit, unbesonnen und ohne vernünftige Gründe zu handeln ; ohne Plural. Deröerr hat einen Schwindelgerst unter sic ansgcgosscn. Es. » 9 , 14 . Zu der Monseeischeu Glosse8cv1nto!ot. 2 ) Ein mitdicserFertigkeit begabter, ein schwindelnder Mensch ; ein Schwindelcr. Dev Schwind ebb a fev, des —e, plur-.inus. S. Schwingel.. Schwindelig, Scywrndlig, —er, —ste, astj. et Lstv. dm Schwindel habend, nur dem Schwindel behaftet, r) Eigentlich» Schwindelig sepn, auch, dem Schwindel ausgesetzt sepn. Ich werde schwindelig, oder mir wird schwindelig. Wer Hecht oft groß ? der scyncll nach Ehren klettert. Den Äühnheir hebt, die Hohe schwindlig macht, Haged. 2)Figürlich, mir dein Moralischen Schwindel behaftet. Tin schwindeliger Mensch, welcher unbesonnen handelt, besonders wenn er urrdeionnekl, abenteuerlichen Projekten nachhänget. Jil- glrichen darin gegründet. Ein schwindeliges project. Anm. Im Nrederd. sweimclig, swimelig, bedwelmt, dwilsk, dasig, dussen, bedussen u. s. s. im Oberd. wirbelig, (Baier, würfflich,) in Schwaben tobelig. DieSchwrnöelkorner , !ir>^. inus. bcy einigen, ein Nähme des Coeianders, weil er gut wider den Schwindel ist. Düs Schwrndelkraut,des—es, plur.inul. S. Gemsenwkr?. Schwindeln, verb. re^. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und auf doppelte Art gebraucht wird. 1) Als ein unpersönliches Zeitwort mit der dritten Endung der Person, den Schwindel bekommen, wo es doch nur in engerer Bedeutung voir demjenigen Schwindel gebraucht wird, welcher die heftige Furcht zu stürzen begleit t. Mir schwindelt, ich werde schwindelig, bekomme den Schwindel. Der Ziege schwindelte vor der zu flecken Höhe. Diese Höhe, von welcher ich mit Schwindeln hinab blicke, Sonnenf. Aber schwindelnde Pfade, schwindelnde äöhen, auf welchen man leicht den Schwindel bekommt, sind selbst m derPoc- sie eine zu harte Figur. 2) Als ein perMliches Zeitwort,im figürlichen Ver stände des WorteeSchwindel,unbesonnen handeln, besonders nnwahrsijreinliche, aben-euerliche Entwürfe machen. Er schwindelt. Dergleichen unwahrscheinliche, adenteueriich.Cnt- würfe man auch wohl Schwmdclcperi zu nennen pstegt. So auch däs Schwindeln. Anni. Niederst swimcln, swrimeln. S. Schwindel. Di- 17LH Sch W Dle Schwnröelrvurz, plur. oar. er« Nähme der Gemsenwurz, S- dieses' Wort. SchrvtN-err, verd.irrsZ. Jmpcrf. ich schwand; Mittel»), geschwunden; I mp erat, schwinde. Es erfordert das Hülfswort sepn, und bedeutet, i. * schnell im Kreise beweget werdet!; eine setzt veraltete Bedeutung, von welcher indessen noch unftrSchwin- delabstammet. 2 . Sich schnell v»rüber bewegen. i)*Eigentlich; eine im Hochdeutschen gleichfalls veraltete Bedeutung, in welcher man noch im Niedersächsischen sagt, alles schweinen oder schwinden lassen, alles gehen lassen, zu allem durch die Finger sehen. (Siehe Geschwinde, welches von dieser Bedeutung abstammet.) 2 ) Figürlich, (a) Vergehen, schnell aufhören zu seyn, oder doch empfunden zu werden; in welcher Bedeutung jetzt verschwinden üblicher ist. Ehedem sagte man dafür nur schwinden. Wenn der Priester flehet, daß das Eiterweiß schwindet, z Mos. l Z, A 9 . Und die höhere Schreibart ziehet dieses einfache Zeitwort noch zuweilen den zusammen gesetzten vor. Las Auge der Welt neigt ssch und geht unter, Farben ermatten und schwinden, Herd. Nun schwindet des winters Gestalt, Haged. (b) Schwinden lassen, fahren lassen, besonders im Oberdeutschen und der gemeinen Sprechart der Hochdeutschen. Einen verdacht schwinden lassen. Ich will zehen Thaler schwinden lassen, fallen lassen. (c) Unvermerkt an körperlichem Umfange abnehmen. Las Holz schwindet, wenn es trocken wird. Das Eisen setzt sich nach dem -Gusse und schwindet. So bald die Sonne die Fettigkeit aus dem Lütte gezogen, schwindet er und springt ab. Lin Glied schwindet, wenn es an körperlichem Umfang und Kräften abnimmt, gleichsam abstirbt, welchen Zufall man auch wohl den Schwind zu nennen pflegt. Figürlich auch wohl für übnehmen, vermindert werden überhaupt. Indessen fühl' ich wohl, daß meineRrafte schwinden, Canitz. Die guten Jünste schwinden Und nekmen täglich ab, Opitz. So auch das Schwinden. Anm. Bey dem Ottfried ohne d, dem oft ungebethenen Begleiter dcS Nasenlautes, luioeu, im Niedersächs. swinen, sweinen, im Angelsächs. slUonu, im Schwed, tvinn.-r, im Island. lrvinn, mit einem andern Vorlaute im Niedcrsächs. dwinen, im Island, ckvvina,im Schweb. tV'NL , im Engl. to ckrvins, to civrinclle. Schwind und schwinden sind natürliche Ausdrucke einer schnellen, leichten Bewegung, zu deren Geschtech- teauch Wind, wenden u.s.f. und mit andern Endlauten such schwingen, Schwan; u. s. f. gehören. In Baiern ist Gchwin- derlrng eine Maulschelle, gleichfalls eine Onomatopöie der schnellen heftigen Bewegung. Die Gchrvinöflechte, plur. die—-n, S. Schwinde. Die SchwtndArube, j)Iur. die—N, eine verdeckte Grube, in welcher sich die Unreinigkeiten aus einem Hause sammeln; in der niedrigen Sprechart die Schundgrube. Vielleicht ist es von diesem nur in der Aussprache verschieden; vielleicht auch von schwinden , weil die Unreinigkeiten dadurch dem Gesichte entzogen werden. Der Schwindler, S. Gchwindeler. Schwindlig, S. Schwindelig. Die Schwindsucht, plur. esr. eine mit Fieber verbundene all, mähliche Abzehrung des Körpers, bis die Lebenskräfte endlich völlig erlöstchen; labe!; lleeti ca , die Hel'-nk, im Oberdeutsche» Ettich, Jral. Etwa, Niederst Swinste, dieäUnensiicht, von quieken, sich klagen, ingleichen siechen. Ist kern Fieber damit oerhun- öen, so heißt es die Auszehrung. Schw ' 17L4 Schwindsüchtrtz, achtel a6v. mit der Schwindsucht behaftet, k» derselben gegründet. Schwindsüchtig sepn. Ein schwindsüchtiger Husten. Die Schwinge, plur. die — n, von dem folgenden Zeitworte schwingen, ein Werkzeug znm Schwingen, in welchem Verstände cs besonders in vielen einzelnen Fällen als einKunstivort üblich ist» In der Landwirthschaft ist die Schwinge ein dünne» breites und ebenes Beet an einem Stiele, den gebrachten Hanf und Flachs da> mit zu schwingen, d. i. die Strohhülsen davon abzuschlagen, d« denn das Gestell, auf und vor welchem solches geschiehek, der Schwingeblock heißt. Ein ähnliches aber eisernes Werkzeug haben die Seiler, den Hanfdamit auszuschwingen, welches auch die Schwinge, und wenn eS ein hölzerner Stock ist, der Schwinge- flock heißt. In der Lausitz hatmanbev dem Flachsbaue noch eine andere Art Schwingen, welche daselbst auch der Hilkner heißt, und unten undoben eine Schneide hat, den Flachs vor dem Brachen oder Brechen damit vorzuberciten. In den Papiermühle» verstehet man unter den Schwingen die Stiele an den Stampfen, weil sie diese mit einem Schwünge heben. In dem Bergbaue sind die Schwingen ausgearbeitete Hölzer an den Wasserkünsten und Feldgestängcn mit einem eistrnen Zapfen in der Mitte, sich darauf hi» und wieder zu schwingen oder zu bewegen, und zugleich das Feldgestänge hin und her zu schwingen. In der Landwirth» schaft ist die Schwinge oder Futterschwinge eine »vale gemeiniglich geflochtene Wanne, da» Getreide und Futter darin zu schwingen und dadurch von dem Staube und anderm Unrache z» reinigen. Es ist die Schwinge hier, durch die das Rorn bleibt liegen. Das gut und sauber ist, die Spreu und Staub verfliegen, Opitz. Auch eine Schaukel führet zuweilen den Rahmen der Schwinge. Sich auf einer sanften Schwinge von Traumen wiegen, Herd. Die starken Schwungfedern de? Vögel, besonders der Fal- - ken, werden häufig Schwingen genannt, welchen Nahmen i» der dichterischen Schreibart auch die Flügel selbst bekommen, welche ohne Zischlaut auch im Engl. VVivZS und im Schwed, heißen. Eben hatte der weichende Winter von stürmischen Schwingen Seine letztenSchauer von rieselndem Hagel geschüt- ^telt, Zachar. Es Hüpfen die Sänger des Waldes Fröhlich empor und putzen die Schwingen, eben berft Figürlich werden in der Landwirthschaft die breiten Sprossen in den Wagenleitern Schwingen genannt; eine vermut lich von de» Flachsschwingen,oder einem ähnlichcnWerkzeuge enilchnteFigur. Der Schwingel, des — s, plur. inul. eine Grasaet, welche eine längliche runde Ähre hat, und deren Kelch aus zw. y scharf zngespitzten Bälglein bestehet; kUttuea I,, wohin her Schafschwingel, Mannaschwingel oderSchwaden,u.a.m. gehören. Irr einigen Gegenden wird dieses Gras kleines Ricthgras, und in Ändern Schwindel genannt. Der Nghme bezeichnet ohne Zweifel die schwingende Bewegung, worin dieses Gras bey seinen langen schlanken Halmen durch die geringste Bewegung der Luft gesetzt wird. Wenn aber der Lolch, besonders die eine Art desselben, I^olium tLMuIen'tum s,, welche dem Biere und Brote eine be^ rauschendechummmachendcKraft mitrheilct, in manchenGegcnden Schwingel, (Dän. Svingel, Schweb. 8vin6e!,) Schwindel-' Hafer, genannt wird,.so zielet dieser Rahme auf die den Schwindel v-rnrsachende Kraft, daher er mich im Holland. Vroncnerck, im Fran;, lvro^e, uudim Jtal. (^dAiiIo, genannt wird. S s s s s z/ - SHw mgerv 5 r?ä>S chrv L ch w Schwingen, verL.rrreg. Jmperf. ich schwang/ (im gemeinen Leben ich. schwung;) Mlttelw. geschwungen; Jinper. schwinge. Es ist in doppelter Gestalt üblich. Z. Alssin Neutrum, mit haben, wo es doch nur in reciproker Gestalt geraucht wird; ,sich sch w ingen, sich an einer beweglichen Linie unreinen Plinct, folglich in cuumBogen, bewegen. So schwingt sich der pendul einer Uhr von einer Seite zur andern. Wo man auch wohl, obgleich seltener, absolute das wahre Neutrum gebraucht: das pendul schwingt in einer Minute sechzig Mahl, wofür mau doch lieber sagt, es inacht so viele Schwingungen. Sich an einem Seile schwingen, welches man auch schaukeln nennet. In weitererBederUungwird es von verschiederienBe- weguügcn gebraucht, welche mit einem Schwingen, d. r. mir einer , bogenförmigen Bewegung an einer beweglichen Linie um einen Pnnct verbunden sind. Sich aufdas Pferd, sich in den Satte! schwingen. Besonders sich vermittelst der Flügel schnell fort- bcwegeii, wobep allerdings eine schwingende Bewegung Statt findet. Der Adler schwingt sich in dieLuft. Figürlich, sich auf den Thron, sich zu Ehren schwingen. Aber vpn einer jeden schnellen Veränderung des Ortes wird es wenig -mehr gebraucht. Lev l -Leviathan schwingt sich dahin, Hiob 4», 28 . H. Als ein Acftvum. r) Schwingend, mit einem Schwünge bewegen. Die Flügel schwingen, Ezech» 10, 16. Die Fahne, hie Lanze schwingen; intensive schwenken. Wie lange schwingt die rasende Megäre Die Faches? Raml. Zum Hindus schwang mich oft ein früh versuchter Flug, Gurke. s) Mit einer schwingenden Bewegung bearbeiten, behandeln; als eiil Kunstwort, nur in einigen Fällen. Bey dem Ulphilas ist ftvin- gÄU schlagen, peitschen. In diesem Verstände ist es veraltet, außer daß in dem Fiachsbaüe noch der Flachs geschwungen wird, wenn er nach dem Brachen mit der Schärfe eines Breies geschlagen wird, um die Hülsen davon abzüsondern.(S.Schwinge.) Man schwinget das Getreide,, den Samen u. s f. wenn inan es in rinem Behältnisse mit einer schwingenden Bewegung in die Höhe wirft , um es dadurch von dem Srauhczu reinigen. Bey den Glasern heißt schwingen, die üufgeschlrtzreu Ecken des Fensierblcves mit Zinn zu gießen, weil' der Kolben daöop mit einem Schwünge herüm gedrehrt lvird. Stauch das Schwingen,die Handlung des Schwingens, und die Schwingung, von dem-Reustrv, die Bewegung an einer bewegliche» Lucke. um einen Puncr; die Schwingungen eines pen- Luls. S. auch Schwung. A,-m. Im Rieders, swingen,im Schweb. svmZZ, im Angelst stv ittiEugst l o lrvioZ, do l'voa/, und ohne Zischlaut,!« "soiNL. Cs ist mit schwinden, schwanken u. a. m. genau verwandt und druckt die schnelle und doch gewisser Maßen sanfte schwingende Beweguug genau aus. Schwenken ist ein I nt en st, vum davon. Der Sch-rvlnck§nüpf, des — es, dse—- napft, bey den Nadlern ei,in Wanne, die vccZiunten und getrockneten Nadeln darin durch Schwingen von der Klepe oder den Sägespänen zu Leimgeir. Der Gchwintzestock, S. Schwinge. L re SchwingfeLer, S. Schwungfeder. Die Gcftwrppe, p!ur. die - n, nur i,r den gemeinen Sprcch- ^ arten, einJntenstvum von dem Niederst Gchwepe, Hochdeicksch Schwefze. Schweif. An den Angelrulhcn wird die oberste bieg sameRmhe, woran sich die Angelschnur befindet, die Schwipp^, «rnaunt. Au den Peitschen ist es der angedrchetr dllrme äußerst Ltzeil; die Schwicke, Schw.cht'S Schwirren, verd.freZ. neutr. welches das Hnlfswort haben erfordert, und den Hellen, zitternden, oft verworrenen und betau. beudenLaur nachahme!, welchen es bezeichnet, diesen Laut von sich g^ben und hervor bringen. Ein Acbbuhnstug schoß schwirrend auf, Michälis.l Laßt den Wechsler sich erfreun, wenn das Geld im Sache schwirrt, Beruh. Anruh, Getümmel und Lorm schwirrt durch bevölkerte Straßen , Zach. So auch von der ähnlichen Summe maucher Thiere. Hagedorn sagt zu einem Anaireontischcn Dichter: Sep nicht dev Grille gleich, die bis Zum Tode schwirrt. Und von der Lerche: DieLerche steigt und schwirrt von Lust erregt, , Die Taube lacht und girrt, die Wachtel schlagt. Der Nacht getreuer Vogel schwirrt, ttz, d. i. die Eule. So auch das S en wirren. L'nm. Im Irak. lAuirrare, Schweb. lvrrrs.lorrL, llurra, im Pohlnisch. l'vvivrcre, wo daher ierc^ auch eine Grille ist. Verwandt ist damit, doch ohne Zischlaut, unser Wirbel, verwirren und so ferner. Das Schwitzbad, des-—es, plur. die—bader, ein Bad, da mau die Säfte des Leibes durch Schwitzen reiniget, und der Ort, der dazu bequem eingerichtet ist; das Schweißbad. Die Schwitzbcrnk, stlur. die—banke, eigentlich, die Bank in einem Schwitzbade, aufwelcher man den Schweiß abwarnk. Figürlich auch wohl das Schwitzbad selbst. Nach einer noch weitern Figur sagt mau, auf der G'chrvitzbanr sitzen, sich es bey einer Sache blutsauer werden lass». Die Schwitze, plur. car. der Zustand, da ein Ding schwitzet; in welchem Verstaube es nur in einigen Fällen üblich ist. Die Garber legen das pfundlcder in die Schwitze, wenn ste es mit Salz einbeitzer^ damit es feucht werde, und Haare fahren lasse. Schwitzen, verb.rex. welches inchrcyfachcr Gestalt üblich.ist. i) Als ein Neutrum, mit dem Hülssworte haben, Schweiß von h sich geben, d. i. Feuchtigkeit in Gestalt kleiner Tropfen nninerklich von sich geben. Die Gieme schwitzen, die Fenster schwitzen, wenn sich die warmen Dunste von außen an die kalten Steine oder Fenster anhängerr, wo der Ausdruck sreylich nur nach der rohen Empfindung durch das Gesicht gewählet ist. Das Getreide schwitzt iu der Scheuer. Das Leder schwitzet, wenn es sehr fench; wird. Besonders von dem Schweiße der thürischen Körper. Man schwitzet, wenn derSckweißausbricht. Figürlich ist schwitzen einen hohen Grad der Mühe, der Arbeit, der rina-rigel.ehtt'.kn Empfindung haben. Den ganzen Tag bc^ den Büchern schwitzen. r) Als ein Activum , im Schwitzen, oder in Gestalt des Schweißes von sich geben. Blut schwitzen. Z) Als ein Factiti- vum, schwitzen machen; in welchem Verstände nur die Garber das Leder schwitzen, wenn sie es durch Salz znm Schwitzen bringen. So auch ^as Schwitzen. Anm. Bey dem Ottfricd siuir7.un, im Niederst sweten, rm Engl. tochrvoät. Es ist ein Intensivem von dem Neutro ichwer- ßrn, welches seit dessen Einführung sehr ungangbar geworbt n tst. Es scheinet vernu'ltelst der Ew.dung — zen ziTnächst veu ein. Nie» derdeittschen schwelen gebildet zu se^ir. Siehe Schweiß un Schweißen. . Schv-i^g, —er,—ste, söj. et sch v. mit Schweiße befeuchtet; rill stur sch weißig nur im gemeinen Leb«« übliches Ldvrr, von rem in einigen niedrigen Sprech.artt.tt noch gangbaren Schwitz fl.r Dr^Ea'rr itzkasten, de-- s, plur. ut vom.Nvß.bey den Arz- t!«und Wundärzten, riutngcsBchältu-ß, gew-sse Krame ^ur / L7Z7 SH W durch Schwitzen von ihren verdorbenen Saften zuVefreyen. In- gleichen figürlich, wieSchwitzbank, ein Ort wo, und eine Sache, Hey welcher man emen sehr hohen Grad der Mühe uud Angst cm- psi^et. Das Schwitz - Pulver, des—s, jckur. M nom. ling. ein Pulver, welches dem Schweiß befördert; ein Schweißtreibendes Pulver. Schwören, verd.irreA. ich schwöre, du schworst re. Jinperf. ich schwor, (im gemeinen Leben schwur;) Mitteln), geschworen ; Jmperat. schwöre. Es wird so wohl absolute und als ein Neutrum gebraucht, da es denn das Hülfswort haben erfordert, als auch als ein Acnvurn. Es bedeutet, i) betheueru-überhaupt, besonders diejenige Art des Betheuerns, da man eine andere Person oder Sache zum Zeugender Wahrheit und Rächer des Betruges anrufet, in welcherBedeutuug es noch im genreinenLcbcn häufig gebraucht wird. Die Person oder Sache, welche man auf diese Art anrufet, bekommt gemeiniglich das Vorwort bey. Fluchen und schwören. Bey etwas schwören. Bey Baal schwören, Jer. 12, i 6 . Bey dem Ammel, bey dem Tempel, und dem Golde am Tempel, bey dem Altäre u. s. f. Matth. ?Z. Bey Gott, bey allem, was heilig ist, schwören. Hoch und theuep schworen. Stein und Bein schworen, in eben diesem Verstände, im gemeinen Leben. Auf ähnliche Art- sagten schon die Griechen und Römerllovsrn luxiäemjurarL, welche A.A.fich im Polybills, Cicero, Gellius, Apulejus und andern befindet, und aus dem Gebrauche erkläret wird, daman ehedem bey einem fty- erlichen Schwure clnen Stein in der Hand hielt, und damit das daneben stehende Öpfervich todt ivarf. Bern beziehet sich vielleicht auf die Gebeine der Heiligen, bey welchen Maniu der Römischen Kirche zu schwören pflegt. Ich wollte nicht darauf schwören, d. i. ich wollte nicht schwören, daß es wahr ist; welche Wortfügung mit dem Vorworte auf sonst ungewöhnlich ist. Jemanden den Tod schworen. Er ist mein geschworner Feind, d. i. der mir gleichsam ewige Feindschaft geschworen hat. ^2) In engerer Bedeutung istschwören, Gott feyerlich znm Zeugen der Wahrheit und,AächerFcs Betruges anrufen. Einen Zeugen schwören lassen. Auf das Evangelium schwören, die Finger im Schwören aufdas Evangelium legen. Einen leiblichen Eid schwören.. Len Eid der Treue schwören» In eines andern Seele schworen, in seinen Nahmen. Die Soldaten schworen lassen-, sie den Eid der Treue ablegen lassen. Ein Geschworner, Niederst Swaren, in vielen Fällen, jemand, welcher geschworen hat, doch nur in engerer Bedeutung, ein beerdigter Aufseher, Richter u.stf. denn beeidigte Bürger, Soldaten u. s. f. heißen so nicht. Es, gehöret hierzu den vielen Arrsuahmen von der Regel, wo die passiven Mittelwörter eine thätige Bedeutung haben, und umgekehrt. So auch das Schworen. S. auch Schwur. Anni. Schon bey dcm Mphilas lvvurüv, bey dem Kcro iue- vr,Ln, Hey dem Ottfcicd und im Tatian lueruu, im Niedersächst swören/inl Angelst säverruo, im Engl. to stvveur, im Schwed. IvÄrja, im Island, svsriu. Junius und Wachter leiten es von ben: alten Gothischeu sverau, ehren, Frisch von jurure, indem aitch dieFrauzosen aus ssürumsrttum ihrdrsrmenl gemacht, au- dcrc von dem Lateirr. severure iu Lcisteverure, noch andere vom schwer, und wiederum andere voü wahr her.. Die letzte Ablci- tu-z würde die wahrscheinlichste seyn, wenn es nicht erweislicher wäre, daß schwören in seiner heutigen Bedeutung von einem alten Zeitworts abstammet, welches stark, laut reden überhaupt bedeutet hat, und als eine unmittelbare O'uomatopöü dieses, laut' Redens zu dem Geschlechte der Wörter schwirrew, dulurrLre, und Schwarm gehöret, welche Ableitung schon Twaithes iu ici- , neu Zusätzen Zu dem Junius; pud nach, ihm Ihre cingMeu hat,. B.Z.TH. „-,Aust»; Sch'W L/LF: Ohuedas intensive sch war ehedem Waren, 'rvars- reden, wooorrr «och unser Wort, und vermuthlich auch wahr, bewahren und'' Gewähr abstammeu. Von dieser allgemeinen Bedeutung des Redens und stark Redens wurde schworen und d'ss gelindere wären-, von verschiedenen Arten der Rede gebraucht, welche bey der alten Einfalt derSitterr mit einer Heftigkeit und Lebhaftigkeit des Lohnes verbunden waren. Z. V. 1) für antworten. Im Schwedischen ist daher lvai-L noch jetztantworten, Angelst uucls'vvar.an, und ohne Zischlaut ulicktVZrAttzEngl. to snst^v ^r. Noch imWil-- leram kommt wuruv für antworten vor. (Siehe antworten und > Wort.) 2) In engerer Bedeutung, sich vorGericht verantworten; ; Schwed.svsru, wo daher auch 8 vurun 6 e der Beklagte ist, im Deutschen ehedem der Antworter. Z) Heftig bitten, in welchem, wir noch beschworen gebrauchen. 4) Versichern, bestätigen, fest' setzen: eine sehr alts-Bedeutung, in welcher luuiron schon in de:,. BaierischenGeschen vorkommt. DasLat. steverure ist damit verwandt. L) Versprechen, geloben; eine noch in riuigcn OberdvutÖ schcn Gegenden übliche Bedeuiung, wo eino hingeschworn«?' Brant eine verlob-te Brant ist, ohne daß eben ein Eid dabey S'att- fände. 6 ) Betheuern, in den noch gangbaren Bedeutungen. Wenn; dieß voraus gesetzt wird, so ist das zusammen gesetzte Eidschwur' kein Pleonasmus, indem Schwur hier in einer sicher allgemci- ncri: Bedeutungen stehet, eine eidliche Versicherung, eidliche Angelobung, eidLicheAntwort u. st s. zu bezeichnen. Was die Rechtschreibung bcrrifft, so ist die Schreibart mit er- einem e freylich die älteste und asigemeiueste, und viele Mundancui sprechen ausdrücklich schweren. Indessen sticht doch im Hochdeutschen das 0 merklich vor, und gehet im Jmperfeot und Mittelwort sogar in eins und in Schwur in ein u über, welcher Überaang, der ben dem e nicht so gewöhnlich ist, diese Aussprache undSchrrib-' art bestätiget, für welche der Unterschied von schwären und schwö- reu allein kein hinlänglicher Grund seyn würde. Düö Schwörhaus, des—es, xlur. die— Hauser, in einigen- Oberdeutschen Gegenden, z. B. zu Ulm, vermuthlich ein Nähme des-Rathhaufes- ohne Zweifel auch von der alten allgemeineruBe-- deutung des Zeitwortes schwören, so daß es ein mit Rarhhaus, dem Niederdeutschen Gprachhaus/ dem Mittlern Latein, kurlrs» mentum, u. s. s. gleichbedeutendes Wort ist. Der Gchwörherr, des—en, x>Iur. die—en, in den adeligen', Slifteru, diejenigen Herren, welche die ans zunehmende Person anfschwörcn, d. i. ihre Ahnen beschwören. Der Schwörtatz, des-^es, plur. die — e, der Tag, da von mehrern ein ftyerlicher Eid abgelegct wird. Im Oberdeutschein führet diesen Nahmen der Huldigungstag. > Schwu-Äe, ein Befehlswort der Fuhrleute für ihre Pferde, wenn' sie sich linker Hand wenden sollen, wofür iuEdern Gegenden wi»?,', ho, har üblich sind. (S. Hott.) Schon im Wallistsch. istcblwfttk link. Matthestus hat davon das Zeitwort' sch wo d en- schwiiden, sich im Ziehen linker Hand wenden. Schwül, —er ,—sie , sch. er astv. ängstlich warm, Länglich oder.abmattend warm, wie cs im Sommer vor einem Gewitter' bey sehr stiller Lust zu seyn pflegt; ein nur von der Luft und Mit-- tenikig übliches Wort. Es istheute sehr schwul. Ein schwacher Ta§. Schwüles Wetter. Schwüle Luft. - Ernst-reiste Meister Fuchs zu einem seiner Schwägoxr Ins schwülen Gommer über Feld, Haged. Arm. Iu den gemeinen Sprecharten schwul) schwül,'g, im: Österreichischen schwellig, im Niederst swool, sw 0 l iw im Ei,st), läveltr^undlulrrv, imAugels. lwilie, imHolläE rwoel uud> ^oel. Es gehöret zu schwelen, ohne Flamnre brennen,-und-' druckt eine von keiuerBewegung der Luft bekleidete stille und dachre ängstliche und abnisttendeWärme aus. In Meißen ist dasür anäH T-ttü 4 > d -0 b!'! N - i7Z9 Sch W »»brig, in: Niederst baddig üblich. Im Schwebischett hik^ gegen bedenter svalkühl. L. Oie Schwüle, plur. ear. der schwüle Zustand der Luft- s.'Die Schwüle, S. Schwiele. Der und die Schwulst, im ersten Falle im Genitiv des —es, plur. laust, von dem Zeitworte schwellen. ».Eigentlich, im weiblichen Geschlcchte die Schwulst, wo es so wohl den Zustand bezeichnet, da der Leib oder ein Theil desselben schwillet, d. i. auf eine widernatürliche Art aufgetrieben wird, als auch die geschwollene Stelle. Ich will euch heimsuchen mit Schrecken, Schwulst, und Fieber, 3 Mos. 26, 16; zMost 23, 22. Er bekam Schwulst in seinen Beinen, Gell. 2. Figürlich. ') Eine Art des Stolzes, da man sich in einem hohen Grade mehrerer Vorzüge Mit Worten und Geberden rühmet, als man wirklich besitzet; in welchem Verstände doch das Beywort schwülstig üblicher ist. 2) Ein Fehler der Schreibart, da die Worte in einem hohen Grade mehr sagen als der Gedanke, oder mehr als der Sache angemessen ist. Die Franzosen nennen diesen Fehler küoebus, vielleicht von dem Mißbrauche der Dichter, auch die mittelmäßigsten Dinge mit der Sonne zu vergleichen ; die Engländer Lom- dLÜ. In beyden figürlichen Bedeutungen wird es nur allein im Männlichen Gefchlechte gebraucht. Anm. Jm Niedcrsächsischcn auch nur ohne Zischlaut Wulst, sS. dieses Wort,) im Schwed. Lvuluacl, im Island. 8u!Iur, im Angelst 8vil und 6elViI ; alle von schwellen, S. dasselbe, ingleichcn Geschwulst. 'Schwülstig, — er,—ste, a6j. et aclv. Schwulst enthaltend, in demselben gegründet. ») Im eigeutlicheu Verstände; wofür, doch geschwollen üblich ist. Eine geschwollene sand, nicht eine schwülstige. 2) Figürlich, durch Worte und Geberdeu weit mehr üudeuteud als derSache angemessen ist. Ein schwülstigerMcnsch, besonders so fern er durch Worte und Geberden eine höhere Meinung von sich verräth, als seinen Vorzügen gemäß ist. Noch häufiger von der Schreibart. Eine schwülstige Schreibart. Ein schwülstiges Gedicht. Der Schwung, des — es, plur. die Springe, von den: Zeitworte schwingen. 1. Eigentlich, die schnelle bogenförmige Bewegung, dieBewegung um einenMittelpunct an einer beweglichen Linie -so wohl absolute und ohne Plural, als auch, wenn mehrere solche Bewegungen als besondere Einheiten betrachtet werden, mit dem Plural. Eine Glocke in den Schwung bringen, im Schwünge seyn, in den Schwung kommen; wofür in manchen Fällen auch Schwang üblich ist, (S. dasselbe.) Daspendul macht in einer Minute sechzig Schwünge oder Schwingungen. In einem Schwünge auf dem Pferde seyu. Einen Schwung nehmen, sich einen Schwung gehen. 2. Figürlich. 1) Von der Seele und ihren Fähigkeiten ist der Schwung die schnelle Erhebung vonettreiuGegensiandezu einem entfernten, doch ohne fehlerhafte Überschreitung der dazwischen befindlichen, in welchem Falle es ein Sprung heißt. Der Schwung der Einbildungskraft. Ein erhabener Schwung. Der Trieb zur Einsamkeit beziehet sich schon auf einen über die Alltäglichkeit hinweg strebenden Schwung der Seele, Zimmerm. 2) In weiterer Bedeutung, . Thätigkeit, Wirksamkeit, besonders ein lebhafter Grad derselben. Die Vernunft bringt alle Lräfteder Seele in den Schwung. S. auch Schwang. Die Schwungfeder, plur. die — n, die Federn' in den Flügeln der Vögel, vermittelst welcher sie, das Schwingen verrichten; die Schlagfedern, Schwingen, Schwingfedern. Dttd Schwungrad, des — es, plur. die — rader , ein air der Peripherie entweder ganz oder «ur «n einige!» Stellen mit einem Sck 1760 schweren Körper versehenes Rad, welches dadurch eine schwingende Bewegung erhält. DerGchwungriemen, des — s, plur. ut nom.stnF. an den Kutschen, Riemen, welche den Kutschkasten mit den Bäumen verbinden, damit ersterer nicht in einen zu starken Schwung komme. Sie werden von Schwungklammern oder Schwungringe« gehalten. Der Gchwunitz, des — es, plur.die — e, ein ans dem Wendischen entlehnter Nähme des Grünfinken^ wofür ohne Zischlaut auch wohnrtz üblich ist. S. Grünfink. Schwupps, eine Jnterjcctioiy eine Art desSchalles nachzuahmen. S. Schwapps. Der Schwur, des — es, plur. die Schwüre, von dem Zeitworte schwören, die heftige Betbeurnng mit Anrufung einer andern Person oder Sache zum Zeugen der Wahrheit oder Rächer der Unwahrheit. Etwas mit vielen Schwuren versichern. Einen heftigen Schwur thun. Es wird nur von dein im gemeinen Leben üblichen Schwören gebraucht , nicht aber von dem feyerlichen Schwören vor Gericht, von welchem Eid und Eidschwnr üblich sind. Doch sagt man auch, jemanden nicht zum Schwure lassen, von einem gerichtlichen Eide. In der Deutschen Bibel wird es mehrmahls für Fluch gebraucht, weil manche Arten des leichtsinnigen Schlvöreus mit Flüchen verbunden sind; welche veraltete Bedeutung den ehemahligcn ibcitcnümfang des Zeitwortes schwören bestätiget. 1. Schwung, von schwer, S. Schwierig. 2. Schwung, Lch.et uü v. von schwären, schwärend oder geschworen. Emen schwurigen Finger haben, welcher schwärt. Billig sollte es hier schwang, oder auch schwierig lauten, von ich schwäre, du schwürst«.s.s. Der Sclave, des — n, plur. die — n, Fämin. die Sclavinn, eine Person, welche einer andern eigenchümlich zugehöret, und derselben folglich zu allen nur möglichen physischen und moralischen Diensten verbunden ist. Jemanden zum Gclaven machen. Da die Gefangenen noch bcy den meisten barbarischen Nationen als solcheSclaven angesehen werden, so bedeutet Sclave oft in engerer Bedeutung einen solchen Gefangenen. Unter den gesitteten, besonders christlichen Nationen, sind die Sclavcn nicht üblich, außer iu denColonien der übrigen Welttheile, wo auch noch dop stü Vernunft und Christcnthnm so entehrende Sklavenhandel gefüh- ret wird ; denn der Zustand der noch in so vielen Landern «büchen leibeigenen ist weit gelinder als der Sclaven, weil jene der Willkühr ihres Herren nicht so unterworfen sind als diese. Figürlich. Jemandes Sclave scpn , seiner Willkühr als ein Sclave unterworfen seyn müssen. Ein Sclave seiner Leidenschaften sepn, sich von ihnen ohne Widerstand beherrschen lassen. Anm. Im Niederst Engl. 11, s. s. ohne Gaumenlaut Slave, im Schwed. 8ftrk, im Franz. Lstclave, im Jtal. 8e!navo, nn Wallach. 81 cIübu. Es ist nunmehr wohl ausgemacht, daß diese Bedeutung von der Nation der Sclavcn entlehnet worden, well die ehcmahlrgen Deutschen und andere benachbarte Völker die Gewohnheit hatten, die Gefangenen, welche sie im Kriege von ihnen machten, als solche eigenthümliche Knechte Zu behandeln, u»o die Einwohner der von ihnen eroberten Gegenden zu Sclave» zu machen, woher denn auch noch die Leibeigenschaft iu den ehedem von Sclaven und den mit ihnen verwandten Nationen bewohnten Provinzen herrührct. Man schrieb den Nähmen dieser Nat 011 im Latein, ehedem am häufigsten 8c!avj und im Gricch. «rx.Xostor, In den neuern Zeiten hat man angefüngeii, iu diesem Wor:e, wenn es die Nation bezeichnet, den Gaumenlaut zu verbannen und -1 a- ven zu schreiben, und behauptet, daß diese Schreibart die richtigste fty; allein B. A. Rercselich de Torbavia beweiset in seinem zu l Scr 176t Scl Zagcab heraus gekommenen Werke äs r-Hrüs Dalm^ras, LroLtiaL uttd so ferner aus Urkunden, daß der eigcnthrimliche Nähme Sclave und nicht Slave laute, obgleich dieRuffen, Dänen u. s. f. so schreiben. Daß der eigenthiimliche Nähme einer Nation zu einem allgemeinen Nennworte geworden, hat mehrere Bey- spielestür sich. Frisch führet aus dem Thomas Magister an, daß Lrß ku'Y hcn Griechen gleichfalls einen leibeigenen Knecht bedeu« Lei habe, weil-u L-e-«,, d. i. die Karier, zuerst als Knechte verkauft worden. Übrigens wäre es derDeutschenSprache sreylich angemessener, dieses Wort, wenn es ein allgemeines Nennwort ist, Sklave zu schreiben; allejn alsdann müßte man auch in Scorbut, Scorpion, Skrupel, und so vielen andern das c mit dem k vertauschen, wo doch solches so allgemein noch nicht ist, haß es zur Regel dienen konnte. ^ Die Gclaverey, plur. die — en. ,) Der Zustand eines Sclaven; ohne Plural. In die Sclaverep geführet werden. Jngleichen figürlich, der Zustand, da man der Willkühr eines ander» auch wider seinen Willen unterworfen ist. 2 ) Eine in diesem Zustande gegründete Veränderung. Scsavtfc!), sckj. st uckv. wie ein Sclave, einem Sclaven ähnlich, in dessen Zustande gegründet. Sclavische Arbeit verrichten. Sich sclavrsch fürchten. Jemanden sclavisch nachahmen. Der Gcorbüt, des—es, plur. car. ans dem Mittlern Lat. 8cor- bulu5, der Scharbock, (S.dieses Wort.) Daher scorbutisch, in dieser Krankheit gegründet, damit behaftet, derselben ähnlich. Gcöröien/Genit. —s, ohne Artikel, aus dem Lat. Scoräium, ein Nähme des Lachenknohlauchs, S. dieses Mörk Der Scorpion, des —cs, plur. die — en, ein ungeflügeltes Znftct mit acht Füßen, dessen Schwanz sich m einen krummen Stachel endiget, ans welchem er ein tödtliches Gift in die Wunde läßt; 8corpio 1^,. Er bringt lebendige Jungen zur Welt, und ist in den wärmsten Himmelsstrichen einheimisch. Die Scorpionen find zur Rache geschaffen, Sir. A Y, z 6. Schon bey dem Ottfried 8corpion. Der Nähme istairs dcmLat. 8corpio, 8corpius, und dieß aus dem Griech. o'^o^ikLog. In dem Thierkreise ist der Scorpion ein himmlisches Seichen, in welches die Sonne den '21 steil Decembcr tritt. Die Scorpion-Fliege, plur. die — n, eine Art Fliegen, oder eine.r Fliege ähnlicher Jnftcten, welche den Scorpionen ähnlich ist, indem der Schwanz des Männchens sich in zwey gezähnte Spitzen endiget, welche sich, wie eine Zange öffnen, mit denen es sich zn wehren sucht, ob sie gleich für Menschen unschädlich sind; j?unorpul^. . Dao Scorpion-Rraut, des —es, plur. inusi. eine Pflanze, welche in dein mittägigen Europa einheimisch ist, und den Samen m gekrümmten haarigen und stacheligen Hülftu trägt, die den L762 Raupen, Schn-ffe» oder Scorpion- Schwänzen ähnlich sind. Hz. - her sic auch Raupenklee, GchneEenklee, Ärcbsblume, Warzenkraut genannt, wird. Zeorpiurus l,. In einigen Gegenden wird auch das Mauseohrchen, lVI^oloüs Lcorpioickes l^. Scorpion - Äraut genannt. Das Scorpion-Phl, oder Scorpionen-. Die Scorzonera, oder Scorzoner - Murz, pl^ur. car. aus dentLat-Scorronsra» eine Pflanze, deren Wurzel ein gutes Heilmittel, besonders verg üteter Wunden, ist ; Lo^rzonerL Schlangenmord, vipergras, weil Krallt und Wurzel de» Schlangen tödtlich seyn soll. Der Nähme ist aus dem Italienischen, entweder von 8eor^oue, dem Nahmen einer giftigen Schlange, wider deren Biß sie vorzüglich heilsam scyn soll, oder auch von Fcor^aueru, wegen der schwarzen Haut der Wurzel. Die in Spanien einheimische Act derselben 8, bitlftunipu wird auch Spanische Zaferwurzel genarmt, und in den Gärten gebauct. Der Scrupel, des —s, plur. ut vorn. lin^. ans dem Latein. 8crupulus, ein Zweifel, eine Bedenklichkeit. Einen Scrupel haben. Sich Scrupel machen. Jemanden seine Scrupel benehmen. Der Gewissens- Scrupel, der Zweifel, welchen man in die Einsicht des Gewissens setzt. Daher skrupulös, Scrupel habend, nndFccngkeit besitzend, Zweifel zn erregen, und in engerer Bedeutung, die Einsichten seines Gewissens in Zweifel zu ziehen. Das Scrupel, des — s, plur.ut nom. 6nZ. aus dem Latein. 8crupulum, eines derkleinern Maße, welches doch von verschiedener Bestimmung ist. Alsein Längenmaß wird der sechzigste Theileines Grades oft ein Scrupel genannt, welcher sonst auch die Minute heißt. Eben so führen in der Astronomie die Minuten in der Eintheilung der Zeit auch den Nahmen der Scrupel. Als ein Gewicht betrachtet wird der dritte Theil eines Quentchens ein Scrupel genannt, so daß ein Scrupel 20 Gran hält, und i r Scrupel aufcin Lotb, und 2 88 aufeiu Pfund gehen. Es wird von einigen auch hier im männlichen Gcschlechte gebraucht. 1/64 D. W. Soltau's eyträge und Berichtigungen Maa Der Maat. (Rieders.) der Gesell, Gehülst; Holland, Mnat, Engl. Mute. Der Mage (Verwandte.) Das Schottland. Mae, M^, bedeutet keinen Schwiegersohn, sondern einen Sohn, einen Abkömmling. James Mc LouZnI ist James,.DouZal's Sohn. Daher die Gcschlechtsnahmen der M^ Kenrie, Mc I'kerl'on, M^ Gregor u. s. f., welche im Hochlande ganze Glaus, oder kleine Volksstämme, mit ihren 1 Flaggengast, - die Marsgäste, dis. Bvthsmannsgäfte, die Kochsgäste u. s, w. Matz. Im Spanischen gibt cs kein Wort, welches Maci^us heißt. EinTodkengräbcr heißt nicht lVlacipus, sondern se« pulkurero. ffD er Meliszucker, S. Zucker. Die Metze. Das WortGamurra im Italianist heißt wohl eine Gemse,.ober nie eine Metze. Das Spanische Moca und das Holland, Meisje bedeuten weder mehr, noch welliger, als Mädchen im Deutschen , und bezeichnen folglich nur dann eine feile Dirne, wenn man ihr einen glinlpstichen Na-hmen-geben will. Dem Engl. Worte Miss kann man vollends keine un- glimpfliche Deutung geben, weil cs insgemein nur solchen jungen ledigen Frauenzimmern bepgelcgt wird, die nicht zu dem niedrigen Volks-Classen gehören. Der Mittelycrlopp soll nach Herrn Adelung ein Gang des Pferdes scynf bcp welchem es mit den Hinterfüßen galoppitt, und mit dei, Vordcrfüßen trabt. Eil, solcher Gang ist gar nicht denkbar, weil ein Pferd beym Trabe ebenso wenig der Hinterfüße , als beym Galopp der Vorderfiiße entbehren kann. Der Mohr, ein dichter, derber, gewässerter Zcng, hat seinen Nahmen nicht von dem Französischen Worte morrer, was» fern, mohricren, sondern dieses kommt vielmehr selbst von > Möllere, Moire, Mohr, welches Letztere wiederum, aller Wahrscheinlichkeit nach, von dem Englischen Worte Molläir, Kamehlhaar, abstamntt. Die ersten Mohre wurden nähmllch in England ans Kamehlhaar gewebt,, und das Fabrikat ward von dem Stoff, woraus es gemacht war, Mollair genannt.. Wie mair in der Folge'auch seidene Zeuge nach Art der Mo» Knies webte und wässerte, behielten diese (und behalten auch noch jetzt) in England den Nahmen Mollairs ; Franz. Ms» lleres, Moeres, Moires. DieNvnchsschrrft bedeutet nicht im allgemeinen diejenige alte eckig GorhischeSchrift des Mittelalters, aus welcher unsere jetzige Druckschrift ist gebildet worden, sondern nur ins besondere die Manier der Mönche (der damahligen Schreiber) die Buchsta-- ben jeneo Schrift an und in einander zu ziehen, ganze Sylben und Wörter durch einzelrieAbkürzmigszeichen auszndrucken mstw-. Jener Gothischen Schrift selbst bediente man sich in Holland-zwar im r /ten Jghrhrmdertmoch zum Biicherdrnck; allcim sfill L76L M'vo seitdem hat sie m Holland, so wie in England, der Lateinischen weichen müssen, und man bedient sich ihrer in beyden Ländern nur noch zur Auszeichnung besonderer Stellen in Bücher. Titeln, obrigkeitlichen Befehlen, öffentlichen Acten, Zeitungen u.s.w. In England nennt man sie black Letter. Das Moos; Jtal. Nlolcolo, Nlulcüio. Nlirro ist kein Jtal. Wort, und MLLro heißt nicht feucht, sondern halb. Die Muse. Im Holland, heißt mucken nicht Nachdenken, sondern mausen. Nluckevssreo ist kein Holland. Wort. Die Mutter Matrix, Msrus) heißt im Engl. nicht Notker, sondern Womb, lckterus. N. Der Näber, Bohrer; Holland. -^veZaar, nicht ^.vsZer, und noch weniger L§sr, welches Letztere einen Eger auf dem Felde bedeutet, Nahesä'ulig' muß nicht mit feinsaülig und mit schönsäulig verwechselt werden. Nahesaulig und fernsäulig können alle fünf Ordnungen seyn. Feinfäulig sind .nur die drey schlankeren Ordnungen, die Jonische, Korinthische , und Römische^ in Vergleichung mit den beyden dicksäuligen, der Toskanischen und Dorischen. Schönsäulig ist eine jede Ordnung alsdann, wenn so wohl die Verhältnisse der Säulen, Friese und Gebälke in und an stch selbst, als ihr Abstand von einander, dem Gebäude, welches sic tragen, odxr zieren sollen, am angemessensten find. Angenommen, daß die Gäulenwände von 6 z. Modeln schön- säulig ««-n' genannt wird, so ist doch die Abweichung von diesem Maßstabe nicht nur zuläßig, sondern auch oft nothwendig, und ein Gebäude kann nahesaulig, oder fernsäulig sey», ohne dre Schönheit des Styls zu verletzen. Ncrhmenbos. In Niedersachsen nennt man die kleinen, noch ungetansten Kinder nicht Nahmenliesken, sondern Nahmen- löseken (Nahmenlöschen.) Dieses ist aus nahmeolos nicht verderbt, sondern es ist nach der. Niederst Mundart die sprach- öichtige Verkleinerung von nahmenlos. Nein heißt im Russ. Njst. Ne und Ni bedeuten nicht. Nichts. Dieses Wort ist weder aus nicht es, noch aus nicht was zusammengesetzt, sondern aus Hein alte» Deutschen und Slavischm ne, nicht, und icbles, icbts, etwas, irgendwas. Aus Ns icckts ward nichts zusammen gezogen , wie im Lat. aus ni liilum, oickilum, ockckl; im Engl. ausnoJ'bioZ, notkiuA, vi tlclito, uiticckto. Dcrs,Nilpferd (klippopotamus) gleicht weder^n Gestalt einem Schweine, noch an Größe einem Baren. Es ist beträchtlich, größer, als der Niese unter den Baren, der Ersbär, und da es kein zweyhustges Thier ist, weder Haar, noch Borsten, und keinen Rüssel hat, so weiß ich nicht, wie mau es mit einem Schweine vergleichen kann. Seine Haut ist schmutzig braun, wie die Haut des Rhinoceros, dem es auch fast an Größe gleich kömmt. Sein Rachen, der stch über zwcy Fuß weit öffnet, ist mit einem fürchterlich starken Gebiß versehen. Der November gehört in unser» Weltgegenden eigentlich noch zu den Herbstmonathen. Wenn mail ihm in einigen Gegenden Deutschlands den Nahmen Wintermonaih beylegt, so ist dieses vermuthlich nur aus Windmonarh (dem Nahmen, den ihm Carl der Große gegeben har,) verderbt. O. fDüs Dberbrainsegel, ein Segel über den Bramsegeln des großen Masts und des Fockmasts, Pan 1768 's Dre Oligarchie, diejenige Verfassung eines Staats, nach welcher stch die oberste Gewalt in den Händen einiger wenigen Personen befindet. P. Der Pack, Span, nicht Laca, sondern I>ro, IHäel. Kaeö ist eine Beere. packen. Sich packen, sich entfernen, heißt im Enal, nicht tc> pack awa^ , sondern tc> pack otk. pack heißt etwas wegpackrn. Der pagat im Tarock-Spiel; dcr'Einer, oder der niedrigste un<- ,ter den 22 Tarocks, oder Trümpfen, welcher jedoch einer vow den drey ersten Matadoren ist. Nicht das ganze Spiel dreht sich um diese Karte, sondern man sucht nur, sie gleich im: Anfänge des Spiels dem Besitzer aus der Hand zu spielen, und rhu zu verhindern, eine Farbe damit zu stechen. Seinen Nahmen hat er vermuthlich von dem Jtal. paZare, bezahlen, weil er jedesmahl bezahlt wird, entweder dem Besitzer, wenn er einen Stich damit macht, oder den Gegenspielern, wenn ec ans -einen höhern Tarock verloren geht. Der Pallasch ist kein kurzes Seitengewehr des Fußvolks, sondern ein großes langes Schwert der Neiterey. Die Palme 4. ein Maß, nach welchem die Dicke der grossere Rundhölzer gemessen wird. Ich verstehe nicht, was Herr Adelung damit meint, wenn er sagt, die Palme in Hamburg halte 42 Z- Franz. Linien im Umkreise und 1 zz-Linien im Durchmesser. Die Palme dient zwar, um den Umkreis eines Masts, oder eines andern großen Rundholzes damit zu messen; allein sie selbst ist ein bloßes Längenmaß , und hat an und für stch weder Umkreis, noch Durchmesser. Vielleicht wollte Here Adelung sage», die Hamburgische Palme sey 424- Linien lang. Beylänsig ist der Umkreis eines Zirkels, dessen Durchmesser — i ZH, nicht—42^, sondern — 42^-. Oder umgekehrt, wenn der Umkreis —42 ^, so ist der Durchmesser nicht —r zZ-, sondern — i Z/^. Der Palmzuiker ist kein Hut - oder Brotzucker, sondern ein feiner weißer Puderzucker aus denCanarischen Inseln. Seinen Nahmeil hat er nicht von Palmblätrern (worin ihn, nach Herr!» Adelung, die Holländer wickeln sollen), sondern von der Cans,-> rischen Insel kalma. Diepanele« Im Englischen bedeuten kaue! und kaasHinF, eben wie Panele 'im Deutschen, die ganze hölzerne Täfelung einer Wand, und nicht bloß die Leiste, womit sie eingefaßt ist. Der Panther, welchen Herr Adelüirg mit dem Leoparden für einerley Thier, hält, ist nicht nur größer, als dieser, sondern auch ganz anders gesteckt. Die Flecken auf dem Rücken und an den Seitell des Panthers bilden wellerlförmige schwarz- braune Ringe, welche inwendig mit Pomeranzengelb gefüllt sind , und in der Mitte einen kleinen schwarzbeaunen Flecke» haben. Bey dem Leoparden hingegen stehen je vier bis fünf schwarze Flecken sternförmig um einen kleine» dunkelgclberr Flecken her. Die Grundfarbe des Fells ist bcy beyden ein schmutziges Gelb, doch bey dem Panther merklich dunkler, als Hey dem Leoparden. Der Leopard ist der ?Zrckli Nicht die Pfarre, sondern das Kirchspiel. Eiiw Pfarre heißt L kecwr'6 L^lvinZ, auch schlechtweg a I^vir-Z. Die Pfarrey, oder das Pfarrhaus heißt ille karl'ollLAS. ^ . Die Pflicht (auf Evern, Schuten, und andern Flußschiffen,) cm Bchältniß vorn und hinten in diesen Schiffen. Gewöhnlich vertritt dir Hintcepflicht die Stelle einer Kajüte, und dient den Sch.ffleuten zur Schlafstelle, zu welcher man von oben durch ein viereckiges Loch hinein steigt, welches mit einem D eckel, oder Luke, zugedeckt weiden kann. Die Vorderpfiicht hingegen dient zur Vorrathskammer. 'Sie wird nie die Ducht ge- ' naunt. (S. Ducht.) Die Back und die Schanze der großen Schiffe nennt mau auch nirgends die,Pfi.cht. Dr r pfropfen bedeutet nie stet)m Seewesen) eine dleyerne, eiserne, oder kupferne Platte , wildern allemahl einen holzet- ucn Pfropfen, gewöhnlich ein Schmicrpfropftn genannt, weil rr mit Wcrrig umgeben und mit Fett, iibcrschmierc wird, ehe man ihn cinschlägt, um ein Schnßlvch zu verstopfen. Andere geringere Lecke werden mit Werrig verstopft, und mit gcrheer- zer Leinwand, oder mit Leder, auch wohl bisweAn mit einer Lleyernen Platte übernagelt. Diese Platten werden aber nie Pfropfen genannt. > ' » . . « Pfui k heißt im Engl. picht prr->v, sondern iio , rauZli. " ist eine Pfote. > Der pfundzoll -st nicht nur im Preußischen st, dern auch in LLbnck üblich. Der pickellheriny. Herr Adelung halt die Ableitung dieses Wortes für dunkel, und meint, man müsse dab^y wenigstens nicht an cinen Pickel - odrr Pökelhering denken. Dann würde frenlich die Ableitung dunkel werd,n , wenn man sich nicht einmahl an das reine, nnvcrsiü umelte Wort feilst halten sollte. Aber warum denn nicht? Es ist ja bekannt, daß der gemeine Mann feinem Lieblinge, dem Possenreiffer, fast überall und in den meisten Sprachen gern den Nahmen eines Gerichts benlcgt, welches bev ihm beständig an der Tagesordnung ist; vermutblich d ßwegen, weil der P. ff.'nrejffer ein Schmarotzer ist,-der seine Schwänke allenthalben zum Besten gibt, wo, er seinen Bauch füllen kann. So heißt er in Deutschland Hans 'Wulst, in England ?upclr und Luc 16 i»Z, und noch oben drckn kickls bsriinx, in Frankreich seun ?otuZs, und in Holland ?eke 1 - llnurin^; wovon denn auch die Deutschen, Schweden und Engländer ihr Pickelhering und l'jckio kerrin^ angenommen Habert. Die pinke, t. Ein großes dreymastiges Lastfchiff im mittelländischen Meere, welches Lateinische Segel führt. Es ist platter gebaut, als eine Schcbecke, und führt keine Ruder, r. In unfern nördlichen Gewässern ein dreymastiges Lastfchiff, welches wie eine Barke bemastct, aber schärfer als diese gebaut ist, und einen schmäleren und Hähern Hinterthei! hat. plänkern, mit dem kleinen Gewehr einander beunruhigen. Das Wort scheint mir nicht viel mehr, als eine bloße Onomato, pöie zu seyn, welche das Plink, Plank, piff, paff, des kleine» Gewehrs nachahmt. ch Die Polacre, ei» großes dreymastiges Schiff im mittelländischen Meere, dessen Masten und Bugspriet ohne Verlängerung ans eitlem Stücke sind. Der p.oldrack, (S. das folgende poltoräk.) Der poltorak, (nicht Poldrack) ist der Pohlttifche Nähme derjenigen Scheidemünze, welche anderthalb Pohlnüche Groschen gilt; von polloru, anderthalb, koltoräk. e-nAnderthalber. f Die puttintz. Puttingen werden diejenigen großen, schweren, eisernen Kettenglieder genannt, welche sich zu unterst an jedem Wandtau der Masten befinden. An das oberste Glied dieser Puttingen, welches auswendig nahe unter dem Schaud- deckel des Schiffs ans der Rust liegt, wird das Wandtau, vermittelst der durch seine Jungfern geschorenen Taue steif an- gchohlt. Das unterste Glied ist platt, und Hac vbe.i nnd unten ein Loch, durch welches an jedem Ende ein starker Kopfbogen geht, welcher durch die Bcrghölzer nnd Jnhölzer getrieben, und inwendig verklinkt, oder vernietet wird. Die Stengen-und Bramsiengeiuvände haben ebenfalls ihre Puttingen, um sie mit den Marsen und Sahlingen zu verbinden. (S. die Wörter Jungfer, Russ, u. s. w.) Q. § 7 as Elusrtett bedenkt nicht Mir eine vierDimmige Arie, Ion, der» ein jedes vierstimmiges Musik-Stück. R. Der Rabenstein. In der ans Sprichw. 26, 8 angeführte» Stelle glcillbt Herr Adelung in dem Worte Nabenstein eure e- sondere, sonst im Hochdeutschen ungewöhnliche Bedeunuig suchen zu müssen, und er denkt sich dab'ey einen Su'iuhau en, auf den die Raben sich sitzen. Luther dachte sich ver'niich.lch keinen andern Nabenstein, als den Ort, wo d-c M, Maker abgethan ,verden , und der auch noch jetzt der Nabeiisteul Da die Juden jedoch ihre Miffethätcr gewöhnlich L769 N-A verträgt sich-der Gtemhaufen-auch rechk Hut mli dem Aaieir- stein; denn die Raben «erden den gesteinigten Juden unter den Steinen eben so gut hecvsrgefnchL haben, «l- sie jetzt das Aas des Missethäters von dem gemauerten Rabcnstein hohlen, worauf der Galgen gewöhnlich steht. Beyläufig lautet die obige Stelle in der Niedersächsischen Bibelübersetzung von. 1579 folgen der Maßen: „Wsl einem Narren Ehre anlcgt, datys gelik, alse wenn einer euren eddelerrSteen up den Galgeuberch wörpe.^ ff Die Ranösornhotzer, (bepm Schiffbau), das hinterste Paar der aufstohendcn Jnhölzer, oder Rippen eines Schiffs. Sie bilden nebst ihren Aufsätzen, die Auflanger genannt, den Spiegel des Schiffs. Der Rang (der Kriegsschiffe)-wird in England nach folgendem Maßstabe bestimmt: Erster Rang 100 Kanonen und mehr ater — 9 L, bis 90 Ztec — 80 bis 64 4ter — 60 bis L a zter —> 44 bis sr grosse Fregatten 6rcr — 30 bis 2 s kleinere Fregatten , Briggen, §loop5 u. s. rv° -s- Der Rapert oderRampert, dieLaffette einer Schiffs-Kanone, welche sich ans vier Rollen bewegt. ffRaren Mieders.) brüllen, besonders von wilden Thieren, Löwen, Liegern u.s. w.; Engl, to roar. Rathen (Rath geben;) Engl. nicht to res6, sondern to uckvils,, to couni'sl und im Alt - Engl, to recke. Io reuckheißtlesen. ff Der Redopp, der Galopp seitwärts, mit der Croupe m der Volte. *Das Rsff, ein Beysegel, und reffen, ein solches Segel beyset- zen. Diese beyden angsblrchen Bedeutungen sind dem Sinn der Wörter Reff und reffen schnurstracks zuwider. Reffen heißt, einen Theil eines Segels einbindcm, und es dadurch verkleinern , und ein Reff ist diejenige Vorrichtung an sinem Segel, wodurch diese Verkleinerung geschieht. Sie besteht in einer, oder mehr Reihen kleiner Stricke, welche quer über das Segel gehr» , und vermittelst welcher ein Streifen, oder mehrere Streifen des Segels an die Rah (wenn es ein Nahsegel) oder an den Giekbanm (wenn es ein Giskscgel ist) festgebunden werden.. Ein solcher eingebundner Sirersen des- Segels wird ein Reff genannt. chDie ReyelinF; das Geländer, welches ans den Schiffen an Leyden Seiten von.der Schanze bis an die Bäck geht. Es besteht ans hölzernen, oder eisernen Stutzen, welche auf dem Bord stehen, und welche entweder einen laugen hölzernen Rie», gel tragen, oder oben Löcher haben, durch welche ein Tan geschoren wird. Auf den Kriegsschiffen sind die Regelmgenvon außen mit einer Bedeckung von gewähltem Segeltuch versehen , welche das Schanzkleid genannt wird. Auch- die Marss- auf den Kriegsschiffen haben hinten eine solche- Negeling mit einem Schanzkle'ide. Rehdelos. Die Redensart, ein Schiff rehdelos machen, kennl- der Seemann, nicht. Man sagt wohl, ein Schiff abtakcln,, aber nicht rehdelos machen. Rchdclos, oder reddlos, wie die Niedersachsen es aussprecherr, gilt mir von Dingen, welche Lurch den Gebrauch, oder durch zufällige Ursachen, ihre Festigkeit und.-Haltbarkeit verloren haben. So kann auch Ley schwerem Wetter , durch das Rollen und Stampfendes Schiffs zwär manches an den Masten, Wänden n. s. »m reddlos werden; allrin man macht nichts reddlos/ indem man ein Schiff abtakelt. Mel.W.B. 3 . Th. a.A'uss. S r77vird ans den Noscnblättern (wie ich glaubt)- nicht gepreßt, sondern durch chymische Prozesse gewonnen. Ji»: Europa weiß man damit-bis jetzt noch nicht umzugehem, sondern man erhält das Rosrnöhl ans der Levante. Rosten. Das Holländ. roetten heißt nicht verwesen, sondern- cbmfalls rosten. Verwesen, verfaulen Hecht im Holländ. wrs im Niedersächsischen rotten. Eben derselbe Unterschied findet auch im Engl. zwischen to ruft und to rot Statt. Das aus, dem Notker angeführte ro2Leu ist auch näher verwandt miS, rotten und rotzcn, als mit- rosten. ffDerRosrval, (von dem Ruffschen ^o8^2l); diestn!H?n Junten, welche schnittig, schmierig auf der Aasseite , oder so.-ttl' fehlerhaft sind,.und deßwegen aus den reinenIufrm ausgcwor-, fen werden. Der Rotz; ^Holland., weder kluo^noch kruetlel^sondern 8nor, Das Ilüh're),, cheißt im Engl. nicht llesr- sondern xOÄ'. cffsck Keur- ist kein Engl. Wort. Das Rundstück. Außer dem kleinen Geldstücke dieses Nahmen» wird in Niedersachsen auch noch eine Art kleiner länglichrunden Semmeln ein Rundstück genannt. Der Rüffel. Dieses Wort ist mit rühren (nmrnhren, »nnrnh> len, anfwirhlen) näher verwandt, als mit reißen. So heißt auch im Russischer', der Rüffel R^cko, von r^ju, ich wühlt, rühre um, r^t', wühlen. Beyde:. Stammwörter und adgelei., tete Wörter sind nahe Verwandte. Die Ruft (auf den Schiffen) eine starke, dicke Plaicke/welche iu der Gegend eines jeden Mzsis, außen an der Seite des Schiffs, nahe unter dem Schanddeckel, auf ihrer hohen Kantelnzt. Die : Wandtaue werden nicht an derselben befestigt, sondern der Le. schlag der Jungfern, oder das oberste Glied der Puttiilgerdek- Wandtaue liegt auf der Rust-, welche zu dieftm Endzweck mit Einschnitten versehen.ist; Vermittelst der Rüsten werden die Wandtaue abgehalten, daß sie nicht den Schanddrckel mrd dis. darauf fichendeü Geländer beschädiget».. Sft Was Herr Adelung ükcr die Aussprache dieses BiichfiLö^ (Tol. 1 «2 8 ) sagt, das dürften wohl unpartevische Sprach, forscher nicht so allgemein, als-Regel geltxn lassen., Immerhin may.es der Oberdeutsche für WoHlklaug haften, stau Mars garfi-ü, Durst, Fürst, erst, Borste u. s/w. Marsch, garschtia- Durscht, Forscht n.s. zu sprechen. Nur mache Manes nick-tt zrr einer Regel, von welcher nur in einigen Fällen Ausnahmen Statt finden sollen, daß wir andern Deutschen auch v§r einem c, k, m, p und t und nach einem r das s wie ein setz- aussprechen müssen. Mit-eben dem Rechte könnte man ftnA uns RicdeL-sachscn, und den Liefländcrn, (welche letzteren üäusig nach meiner, MeinunL dir. Deutsche Sprache, weit zie^- lrcher und anze«eymev, nnd besonders -ie Verschieden«?! Doppellaute ai, er, en und au viel richtiger und bestimmter aus- spcechcn, als die Dbersachsen). auch amuuthen, mit den Oberdeutschen haiß, rairi,Laipzig, Mairer, Traie, und in andern Fällen Paum, Briegel, Domback, tunkel u. f. w. zu sprechen, wozu wir uns doch wahrlich nicht bequemen können, H-Die Sichling, Mieders.) von Sahte, Sohle, die Sohlung, oder das Gebätke, worauf die Marse auf den Schiffen ruhen. Wey den Stengen, welche keine Marse haben, dienen die Sahlingen selbst, statt der Marse, um die Bramstengen- Mattblaue daran zu befestigen. Der Salmiak. Der natürliche, welcher im Lande der Kalmyken ausschlägt, muß wohl nicht sehr ergibig seyn, weil er in Rußland als Handelsproduct nicht bekannt ist. Der künstliche wird nicht bloß in Ägypten aus dem Ruße des verbrannter! Thlermists gemacht, sondern man gewinnt ihn weit häufiger in Europa durch chynüsche Prozesse aus allen möglichen Arten thierischer Abgänge, als Hörnern, Klauen, Knochen, Mist, Uri», u. dgl. Dre Sänfte heißt im Franz, nicht ?orte ° OliLilL, sondern wenn ste von Menschen getragen wird, Gtraile a Porteurs, auch kurzweg OkLils, und wenn sie von Pferden, oder Maul- Lhicren getragen wird, Zitiere. Schach, das Schachspiel. Die Steine desselben haben bey verschiedenen Völkern verschiedene Gestalten, und daher auch verschiedene Nahmen. So heißt Z.B. die Könrginn bey den Rns- . sen SPl'8', von dem Persischen bsr68, ein Führer. Der Lauser heißt bey den Engländern Liltiop, Hey den Franzosen Lou, bey den Russen 81ov (Elcphant;) der Springer, Engl. Rmitzks, Franz. Lsvalter, Russ. Loa' (Pferd;) der Roche, Engl. Lslile, Ftanz.lour, Russ. LoclKa, (Nachen.) DasSchafkamehl, ein vierfllßiges zwenhufiges, langhalsiges Thier ohne Höcker m Südamerika. Nach den Beschreibungen der Spanier gibt es mererley Gattungen dieser Thiere, die 6ua- «3LL, die Vicunna, die.il.1nmL, und den kaoo. Die beydcn srstereu Gattungen sind wild. Die Quänaca ist fast von der Größe eines jagdbaren Hirsches. Etwas kleiner soll die VI- cuäL seyn, welche die köstliche, gelbbräunliche Wolle liefert woraus dasBignognc-Tuch gewebt wird. Roch kleiner ifrlckLML, deren Bock von den Spaniern Orco genannt wird, und am kleinsten und unansehnlichsten der kaco. ^ ff Der Schanddeckel; die oberste dicke Planke, welche den Bort des Schiffes in einer schrägen Richtung bedeckt, damit das Seewasser und Regenwasser von demselben ablaufen könne. Schanze, »der das halbe Deck; Engl, tke tzuarler. Oeck; das erste Stockwerk hinten im Schiffe, welches sich über das oberste laufende Deck erhebt. Es geht von dem großen Mast bis an das Heck, vermittelst der" Laufplanken (Engl. klls Oaa^^va^), welche längs dem Bort an beyden Seiten Hinläufen, hängt die Schanze mit der Back, oder Vorderschanze zusammen. In der Schanze sind die Kammern der Officicr. Auf ihrem Deck führt ste leichte Kanonen. DreScheheckr, gehöret nicht zu den Rudecschiffen, sondern sie rsi ein dreymastigks Kriegsschiff von l 2 bis 4» Kanonen, welches im mittelländischen Meere gebraucht wird. Sie führt bey gutem Wetter Lateinische, bey schwerem Wetter aber viereckige Segel. Sie ist laug, schmal, und scharf gebaut, und ihr Vordermast ist stark vorwärts gelehnt. Scheel, heißt im Niederst nicht schell, sondern gleichfalls scheel,. s-Die Schiebblrnde, S. Blinde. ^-Der Schiemann, der erste Gehülft des Bothsmanns. Auf großen, besonders auf Kriegsschiffen, steht alles, was zum Segel« und Tsmverk des große« MastS gehört, unmittelbar «nkrrdec Aufsicht bss Bothsmanns. Del? Schiemann bat M Aufsicht über alles, was zum Fockmast gehört. Der Voths-- mauns-Maat besorgt den Bcsairmast, und der Schiemanns- Maat das Bugspriet. Der Schiffer, wird nie Schiffs-Patron, odcrSchiffsherr genannt. Beyde Benennungen kommen nur den Eigcnchümern oder Reh- dern des Schiffs zu. Der Schiffer kann zwar auch Eigemhü- nur des Schiffes seyn, oder einen Aucheil in demselben haben, (welches letztere auch bey den Deutschen Schiffern gemeiniglich der Fall ist,) allein er kann auch Schiffer seyn, ohne den geringsten Anchcil an dem Schiffe zu haben. Der Schiffer ist derjenige, welchem von den Rehdern die Führung des Schiffs und die Aufsicht über Schiff und Ladung auvertranet werden. Man muß ihn'nicht mit dem Setzschiffer verwechseln. (S. dieses Wort.) sDur Schiffer-Aalenöer, ein Kalender, in welchem sich verschiedene Tabellen zum Behuf der Stcuermannskunst befinden, und auch unter andern solche Tabellen, in welchen der Abstand des Mondes von der Sonne und von den Gestirnen für einen gewissen Meridian berechnet ist, nm darnach im Nochfall den Grad der Länge, in welchem man sich befindet, bestimmen zn können. *Der Gchjfferzirkel, (nach Hen. Adelung), ein Werkzeug der Schiffer, womit ste aus der gegebene» Breite eines Orts zyp See dessen Länge finden. Es gibt keinen solchen Zirkel, oder Werkzeug; weil es eben so unmöglich ist, aus der gegebenen Breite eines Ortes seine Länge zu finden, als von der Breit« rrnes körperlichen Dinges auf dessen Länge zu schließen. Die Mcrreslängc, oder der östliche, oder westliche Abstand eines Ortes von einem gegebenen Meridian, kann nur durch «ine vollkommen richtige Seeuhr genau bestimmt werden. In Ermangelung derselben muffen sich die Schiffer mit den Berechnungen behelfen, welche ihnen der oben gedachte Schiffer-Kalender darbiechet. - 'Der Schiffsand, für Ballast, ist ungewöhnlich und unrichtig. Der Schiffsknecht , Schifflnecht, ist kein Matrose, sondern dient nur auf Flußschiffen; da hingegen der Matrose nur-zur See fährt. Der Schiffsraum ; der unterste Raum 4m Schiffe , unter dem letzten Deck. In demselben werden nicht alle Waareu und Vor- rätbe verladen, sondern nur nasse, oder solche Vorräche „k-d Waaren, welche nicht durch Seewasser können beschädigt werden. Alle trockenen Maaren und Vorrache, welche der Beschädigung ausgesetzt sind, müssen zwischen den Decken geladen werden. *Der Schild -'Gr. So nennet man nirgends den I,QU!8 cl'Gr von 24 Livres , sondern er wird der Schild-Louisd'or genannt. Auch die Franzosen nannten ibn uie un Neu cis 24 ffiLncb, sondern un .I^,vul8 cle un l,ouis-neust Den Nahmen Lcu führten stets bey den Franzosen nur Lau cie6 srnncs!, oder der Laubchaler, und der petit Leu von z Livres. Die Schlucht. Das Engl. Wort 8!ouZ1i bedeutet keine Höhte, oder Schlucht, sondern einen Sumpf, rngleichen ein ausge» fahrenes Loch, worin sich Wasser gesammelt hat. Die Schmacke, ein kleines Seeschiff, welches unten stach, und vorn und hinten rund gebaut ist, an den 'Seiten Schmetter, und statt einer Kajüte nur auf dem Deck eine Roos hat. Am rr ßen Mast führt die Schmacke rin Gaffelsegel und eine Brell- focke, und vorn eine Stagfocke , eine Klüvfocke> und einen Zager. Ihr kleiner Besanmast steht ganz hinten auf dem Hcck- Der Schnapphahn, (Straßenränder) kann sehr wohl seinen Nahmen von dem Schnaxphahn (dem Gen ehre- wo wir er auf > Brut« k 7 73 Schn -Beute geht ^ erhakten haben. Herr Adelung findet zwar 'die Figur ein wenig hart; allein sic ift um nichts härter, als wen» man, wie gewöhnlich , hundert Pferde für i vo Reiter, oder .zwanzig Segel für Zwanzig Schiffe sagt. Das Wort welches Englisch seyn soll, kenne ich nicht. We Gchirane; ein zwcymasiiges Seeschiff, welches sich von einer Brigg nur darin unterscheidet, daß ihr großes Segel, wie auf dreyrnastigen Schiffen-, 'ein viereckiges Rahsegel ist, und daß hinter dem großen Mast der Schnane noch eine Spiere aufrecht steht, deren oberes Ende mit dem großen Mars verbunden ist. An dieser Spiere führt sie, statt einer Besaue, ein Gaffelsegel, welches das Schnausegcl genannt wird. HDieSchNttzye; ein kleines rund gebautes Fahrzeug, welches vorzüglich beym Austerfange gebraucht wird. Die Schnigge ist kleiner, als eine Schmacke, mit welcher sie übrigens viele Ähnlichkeit hat. Der Schoner, oderSchuneLisi keines Wegs ein plattes Fahrzeug zum Landen, sondern im Gegentheil ein scharfgebauetes, langes, schmales, zweymastiges Schiff. Die Masten der Schuner find ans einem Stücke, ohne Stengen. Sie führen am Fock- 'mast ein Gaffelsegel und vor dem Winde eine Breitfocke, und am großen Mast ein Baumsegel, und oben kleine Topsegel. Die Schmier sind treffliche Segler, und liege» vorzüglich gut beym Winde. *Das Schonfahrseyel. S. Gchoversegel. Die Schoot, oder Schote ; i. dasjenige Tau an einem Rahsegel, vermittelst dessen es hinterwärts angehohlt werden kann, so wie solches vorwärts durch die Halsen geschieht. Die Schoten sowohl als die Halsen sind gn denbeydcn unteren Ecken (Schoot- hör-ern) dcrRahfeget befestigt. -. Die Giekfegel,<-Saffelftgelund Besanftgel haben nur eine Schote, welche beym Umstellen diesor Segel an der Leitwage von Borr zu Bort überläufr. Dicst Schoot ist an derjenigen untern Ecke des L-egels befestigt, welche von dem Mast entfernt ist. , Das SchovsrssFel wird bisweilen überhaupt für das größe Segel eines jeden Schiffes genommen. Eigentlich aber bedenket es nur das' Gaffelsegel der Schmacken, Kaffen, und anderer kleinen Seeschiffe. Es kommt von dem Holland. 8ekoo verreich und wird von den Niedersachsen bisweilen mit einem Nasenlaute Schoufersci! ausgesprochen, woraus man denn hin und wieder im Hochdeutschen Schönfahrsegel har schmieden wolle»; welches aber weder richtig, noch gebräuchlich ist. ch Schraken, die Seeleute sagen: der Wind schralt, wenn er anfängt, der Fahrt ungünstig zu werden, und sich von dem günstigem Striche etwas zu entferne». ff Schrell; was einen scharfen, durchdringenden Ton hat: Engl, schrill. Inden meisten Fällen ist mit dem Worteschrell der Begriff des Unangenehmen verbunden. Ein schlechter Flötenspieler bringt einen schrellen Ton hervor. Schrell ist für das Ohr, was grell für das Auge ist. Schroten, Engl. nicht to slirouim Russischen 8(unerk.ch und im Slaoon. äucneäk. Der Schuner, S. Schoner. Der Schurke, dieses Wort ist wohl schwerlich mit dem Engl. 81i>Lrle verwandt, welches keinen Tangeuichts bedeutet, sonder» einenHayfisch,uild figürlich einen verschmitzten lauerndenGauner. Die Schürze- Mit diesem Worte ist das Engl, 8ö.irl, derherab- hängcnde Lheil der Kleidung, näher verwandt, alsdüitrch ei» MannShemd. Der Schuster, die Ableitung dieses Wortes von Schuh ist gae keiner Schwierigkeit unterworfen, sondern vielmehr die natürlichste und ungezwungenste. Die EndnngS- oder Ableitungssylbe . rst hiernicktt—er, sondern—ster, und diese ist in den Sächsisch. Mundarren sehr gewöhnlich. So sagt man in Niedersachsen voir Fitt(ein Filz) mit der AbleitungSsylbe—ftrr, Filtster, ein Ficht- macher, und von Pils (ein Pelz) Pilsier, ein Pelzmachcc. Der Eicgländcr sagt von lVIalch'Malz, Lilaltlier, ein Mälzer, von to sxin, spinnen, 8^i»ster, eine Spinnerin», und der Schottländer von lo bake, backen, LuclcÜsr, LuxUsr, eire Bäcker. Die Holländer brauchen die AbleitungSsylbe —lier bloß vorn weiblichen Geschlechts, z.B. Vr/lidr, 6 ÜeeMsr. Der Schüt. Wir Deutschen kennen kein solches Wort. Das Holland. 8ekout wird nicht Schut, sondern S — chaut aus» 'gesprochen. Der Titel 8ctrout ist im Deutschen: «jcht mehr gebräuchlich, sondern man sagt dAür jetzt Contre- Admiral. Peter der Große, der bey seiner Flotte von untc» aufdieme, ließ sich zwar zu seiner Zeit auch zum 8ckom bzr Naekt ernennen. Er hätte es aber vermuchlich sehr übel A'- uommeu, wenn man ihn Schnt by Nacht genannt hätte; den» Schut heißt im Russischen ein Possenreißer. Die Gchwaörone, (Lscuäron) nähert sich mehr einem Bataillon , als einer Compagnie , wie schon daraus erhellet,' daß eine Armee gewöhnlich nach Bataillons und EscadronS geschätzt wird. Bey de» Franzosen besieht die Schwadrone, oder kloa.- äroo, auS zwey Compagnien, deren jede von einem Hauptmann , einem Ober - und einem Unterlieutcuant eommairdirt wird. Der ehemahligo Ckefck"LLcLckron heiß! heutiges Tages Cäsuterrurtt - Colonel. Das Schwert, an den Schiffen soll nicht verhindern, haß daS- Schiff von dem Winde nicht zu sehr auf die Seich geneigt werde- sondern es dient den plattgebautcn Schiffen, und den Flußschiffen , die gar keinen Kiel haben, anstatt eines Kiels, nm zu ver-- hindern , daß diese Schiffe, wenn sie öey dem L>.rde segeln, nicht zu sehr leewärts abrreiben. Zu dem Ende wird das Schwert an der Lcesiiteches Schiffs ins Wasser niedergelassen. fDie SchwichtlM-F, S. die Beschreibung unter Spyret-ru. ?vszLE' 'L