Rede, wie der heilige Franz von Assis, weil er für Gott der Kleinste sepn wollte, durch Gott der Größte geworden sey. Gehalten bey der » ziveyhundertjährigen Zubelfeyer der Kirche und des Klosters der ehrwürdigen P. P. Kapuziner am neuen Markt in Wien den 8. September 1822 von Roman Zängerle, Domherrn der Metropolitan-Kirche zum heiligen Stephan. Wien, 1 822. Druck und Verlag von Ludwig Mausberger, k. k. privil. Buchdrucker. Das Niedrige vor der Welt, das Ver« achtete, und das, was Nichts ist, hat Gott auserwahlt, damit er, was Etwas ist, zernichte, i. Kor. I. u. 9. Eingang. v)ott allein ist von Ewigkeit groß / wir alle müs- sen im Anfänge klein seyn, wenn wir groß werden wollen. — Schon die leblose Natur hält diesen Gang. Der Same muß, wie Jesus sagt*), zuerst unter die Erde, wenn er über der Erde viele Frucht bringen soll; das Senfkörnlein, unter dem Samen das kleinste, staubt es im Boden, steht auf wie vom Grabe, wachst zur großen Staude, zum Baume heran, auf dessen Zweige sich die Vögel Wohnungen bauen.**) Nur Gott ist groß, und er zeigt seine Allein- Größe darinn, daß er Keinen, der es sich anmaßt eine eigene Größe zu haben, neben sich duldet. Er hat zerstreuet, die da waren stolz in ihres Herzens *) 2oh. rq. »*) Math. >3, 3r. A 2 ^ ^ < 7 < Sinn: die Mächtigen hat er von dem Throne gestürzt *). Daß er aber groß sey, und alles vermöge, zeigt er dadurch, weil, wie der Apostel an die Korinthier schreibt **), er das Niedrige vor der ^ Welt, das Verachtete, das, was Nichts ist, auser- ' wählt hat, damit er das, was Etwas ist, zernichte, damit ja keinem von uns einfalle, groß vor ihm ' zu sprechen. Auch der größte Mensch ist im Anfänge klein; und wir mögen heute nach Nazareth, und ein an- ^ deres Mahl nach Bethlehem kommen zur Geburt der - zwey größten Personen, die diese Erde bewohnten, wir finden, daß sie Beyde in der Kinder-Wiege anfingen. Maria, die göttliche Mutter zu Nazareth, heute als Kindlein in einer Wiege erblicken, und sehen wir bald darauf den Eingebornen des himmlischen Vaters zu Bethlehem in einem Stalle als ein unmündiges Kind in Windeln gebunden, auf Stroh in die Krippe niedergelegt wurde, wer kann da noch zweifeln, daß jeder, der nur ein Geschöpf, oderauch ein'Geschöpf ist, nach den ewigen Rathschlüssen Gottes, als ein Kleiner anfangen müsse, damit der Unendliche allein als der von Ewigkeit Große erscheine? Diese Wahrheit finden wir bestätiget durch Erfahrungen, welche wir seit Jahrtausenden haben. — Wir versammeln uns heute, um die zweyhundert- *) Luc. i. 5> , 5». *") > Kor. I. 20 . , jährige Iubelfeyer dieser Kirche und dieses Klosters festlich zu halten. Die Stiftung ist das Werk eines einst unbedeutenden Menschen; es wurden bey- - de Häuser gebauet nach dem Plane des heil. Franz - von Assis, den die Welt einmahl nur für einen Thoren ausrief, und welcher selbst fest überzeugt war, daß nichts an ihm sey; und doch, wie wir sehen werden, er hat unter uns große , unglaub- i liche Dinge vollbracht; hat gewisser Maßen unsere Erde neu gestaltet. Wie ist er aus seiner Tiefe auf - diese Höhe gekommen? wie hat er, der Kleinste, das Größte gethan? Christen! gerade in dem E r- » kennen und redlichen Bekennen seiner . Kleinheit liegt seine Größe. Ich sage: der » heilige Franz that alles, um aus Liebe zu Gott vor - der W,elt recht klein zu seyn, so bereitete ! er si ch vor, groß zu wer den, i. Theil. Gott - that alles für den heiligen Franz,, um ihn vor der Welt rechtgroß zu machen, so wurde er groß. 2. Theil. Wohlehrwürdige Brüder! eure Väter zeigten schon dadurch einen aufgeklärt frommen Sinn, daß sie den Grundstein zu diesem Gebäude an dem heutigen hochgefeyerten Tage legen wollten. Ihrer Schwäche bewußt, waren sie gewiß, daß, wenn Gott nicht unser Haus baue, die Bauleute sich vergebens bemühen *); sie glaubten demnach, daß es am räth- Psalm ,,K. k. 6 lichstell sey, die Wiege, in welche sie ihr geistliches Kind legten, zu der Wiege Hinrücken, wo Joachim Und Anna das heiligste Kindlein Maria niedergelegt hatten; denn, dachten sie, dieses Töchterlein des himmlischen Vaters, diese künftige Braut des heiligen Geistes, und Mutter des wahren Sohn Gottes, werde gewiß unter der unmittelbaren Pflege der allerheiligsten Dreyfaltigkeit erzogen, und es werden daher die Gnaden über dieses Heiligste im Überflüsse herabströmen vom Himmel, und dann würde ihr geistliches Kind in dieser Nähe von dem Übermaße der Gnaden Mariens empfangen. Ihre Hoffnung tauschte sie nicht; das Bäumchen vor zweyhundert Jahren im Schatten Mariens in die Erde gesetzt, wuchs auf zum Baume, treibt seit so lange herrliche Blüthen, und wir erhielten und erhalten noch heute viele gesunde und schmackhafte Früchte von ihm. Du göttliche Mutter mußt machen, daß der Baum auch im dritten Jahrhunderte zu blühen und Früchte zu bringen fortfahre; denn was du anfängst, vollendest du auch. > Erster Theil. Es ist ein Glaubensartikel, und ihn zu wissen, ist zum Heile höchst nöthig, daß wir nichts können aus eigener Kraft. — Unsere Vernunft sagt dasselbe. Denn ist ein Gott, so muß nur er ein Eigenthum haben;, alles, was ist, muß das Seinige seyn; kann aber ich auch etwas durch mich, wenn gleich nur we- . nig, dann habe ich eigene Kraft, die Gott nicht hat, und dann ist er nicht mehr der allmächtige Gott, und wenn von den Millionen Menschen, die waren und sind, jeder ein wenig Eigenes hat, welches er gleichsam vom Großen wegreißt, dann wird unser großer ein sehr schwacher Gott. Also hat kein Mensch eigene Kraft. Daher spricht der Sohn Gottes: Ohne mich könnet ihr nichts; wer nicht in mir bleibet, der wird weggeworfen wie eine Rebe, und sie wird verdorren, und man wird sie sammeln und in's Feuer werfen, und sie verbrennt *). Also ist es wahr, was der Apostel ^ nach Korinth schreibt **): Wir können nicht einmahl etwas denken aus uns, sondern unser Vermögen ist von Gott. Und was er anderswo sagt ***): Durch Gott leben wir, bewegen wir uns, und sind wir, weßwegen der nähmliche heilige Paulus im Briefe an die Kolosser -j-) uns mitsammen einen Leib heißt, Iesum Christum, den Sohn Gottes, dessen Haupt, durch welches dann der ganze Leib, durch Glieder und Bande verbunden und fest zusammen gehalten, heranwächst zur göttlichen Größe. Diese Worte nahm der heilige Franz Lies zu Gemüthe, und sagte im vollen Ernste zu sich: nach Gottes Wille hast du ein Tagwerk zu thun, das du weder vollenden, weder selbst anfangen kannst, darum erspare dir jeden Versuch; du würdest mit so *> 2oh. .s, 6. '») , Kor. m. 3. *»»)Apostelg. > 7 , -s. j) Kol. n. >>> n und anders probieren, nur Zeit und Kräfte verlieren, ein Jahr würde nach dem andern verstreichen, du kömmst mit deinem Leben an's Ende, ohne das Tagwerk angefangen zu haben; denn du bist nichts, und kannst aus nichts nie Etwas machen. Mit diesem Gedanken stand er bey seinem Tagwerke an; er war jetzt noch kein guter, aber doch schon ein redlicher Mensch, weil er offen gestand, daß er nichts könne. So fing er an. Freylich war dieser Anfang sehr klein; aber der Mensch kann nicht besser anfangen. Das lebendige Erkenntniß seines Nichts ist Demuth, Demuth aber der Grundstein des Hauses, welches wir aufbauen müssen, und legen wir die Demuth zu Grunde, dann fangen wir, als das Ebenbild Gottes, an zu erschaffen, gewisser Maßen wie er, denn auch Gott schuf im Anfänge der Welt, Alles aus nichts. Daß nur auch wir alle von unserem Nichts anfangen möchten, aber so viele wollen von Etwas anfangen, und erkennen dann spät, oft viel zu spat, daß ihr Etwas Nichts seye. Sie wollen gut werden nach eigenen Planen, streben nach Tugend mit ihren eingebildeten Kräften, und halten dafür, um gut zu werden, brauche man nur Menschenverstand und einen menschlich guten Willen, dann gehe alles von selbst, und vergessen darauf, was Jesus sagte *): Man müsse, um in's Reich Gottes eingehen zu können, Joh. m. neu geboren werden durch Wasser und den heiligen Geist, denn der aus Fleisch Geborene sey wieder nur Fleisch, das heißt, wieder nur schwach, der nicht einmahl Kraft genug zum Anfänge habe. Ein Haus von Backsteinen können wir bauen/ wenn wir Geld genug haben, um Steine zu kaufen, aber um für die Ewigkeit bauen zu können, muß das Materiale ein Überirdisches seyn; da unten ist alles von Erde, kein sterbliches Wesen, nur der unsterbliche Gott, kann es uns geben. Weil Franz dieses wußte, und unerschütterlich fest glaubte, so kann man sagen, er sing von Nichts an. Von Geburt war er reich, denn sein Vater als Kaufmann machte nach der Sprache der Welt große Geschäfte. Der junge Franz verstand aber besser zu rechnen, denn er dachte, Silber und Gold darf ich nicht lange behalten, weil unser Leben kurz ist. Besser also es gleich weggeben, und sich dafür ein ewiges Landgut im Himmel ankaufen, so hat man doch etwas, das dauert. Er that also Verzicht auf die ganze väterliche Habe, und nachdem er das Irdische wie ein Kleid von fick) abgestreift hatte, und ohne Obdach und Heimath, ohne Vater und Freund sich sah, da ward ihm so leicht, er fühlte in sich einen noch nie empfundenen Trost in dem Gedanken: jetzt habe ich auf der Welt Niemand als Gott, jetzt darf ich zu ihm bethen: mein Vater im Himmel! denn rings-» theilt bin ich von heute sein Kind. Von außen war Franz jetzt freylich nicht nur klein, sondern vor den Augen der Welt wie vernichtet, denn wer nichts hat, und nichts geben kann, aus dem ! wacht die Welt nichts. Aber es gibt nebst dieser ; äußern noch eine andere Welt, die in uns ist; viel- ^ leicht gefiel er nun ihr, vielleicht war er in dem Auge dieser innern Welt jetzt größer und reicher als je. Der heilige Papst Gregor schreibt *): Es ist für manchen nicht schwer, das, was er hat, zu verlassen, aber für viele sehr schwer, zu verlassen das, was sie sind. ' So lange wir nur das, was außer uns ist, weggeben, unser inneres Ich aber behalten, so lange sind wir noch reich, und in unserer Einbildung groß. Viele, wie es scheint, werfen alles von sich, um mit beyden Händen ihr Ich fest halten zu können, trennen sich gerne von jedem wüsten Genüsse, um nur ungestört, und ohne Zerstreuung, sich allein genießen zu können. Das Verliebtsten, in was immer für einer verbothene Sache, ist schlecht, aber gar nichts so gefährlich und schlecht, wie das Verliebtseyn in sich ; diese sind es, von welchen Jesus sagt Wer seine Seele liebt, wird sie verlieren. Diese sind jene unglücklichen Menschen, die mein Johannes in seiner Offenbarung sieht der zu sich sagt: Du bist reich und bemittelt, und hast keines Dinges von Nöthen, und weißt nicht, daß du elend, jämmerlich, arm, blind und nackend bist. Auch deswegen erkenneich in dem heiligen Franz *) Homil. Z-. »*) Job. >2, 25. ***) OffenS. ru. ,7. »»» 11 <<<- noch nicht den Mann, welcher gern klein ist, weil ' er sich sehr ärmlich kleidet, sich und seinen Söhnen den Nahmen der mindern Brüder beylegt: Am Kleide und Nahmen liegt noch gar wenig, und so viele, ' die, wenn sie kommen, sich gehorsame Diener hei- ' ßen, thun, wenn sie einmahl da sind, sehr herrisch mit uns. Man kann wohl auch im Anzuge und von Au- ' ßen Demuth und Bescheidenheit zeigen, aber nur nicht von Außen zu sehr oder allein, sonst ist der, welcher klein zu seyn scheint, ein großmächtiger Heuchler. ' Wer hoffärtig zu seyn noch wenig versteht, in die- ^ sem Laster erst Anfänger ist, der glaubt, er brauche, ' um glänzend auffallen zu können, schöne Stoffe l und gefällige Formen; der Meister im Stolze versteht auch im Schmutze zu glänzen; er deckt darum mit Lumpen sich zu, damit seine Tugenden durch ' diesen Flor durchstrahlen können ; er wirft alles Gewöhnliche, auch den alltäglichen Stolz von sich weg, damit er ein Ungewöhnlicher sey, und als Solcher allein auffallen kann. Darum verzeihe mir, heiliger Vater, ich würde deiner äußern Demuth nicht trauen, ja mißtrauen müßte ich ihr, wenn ich nicht ganz gewiß wüßte, dein Streben sey gewesen, von Innen ' der Kleinste zu seyn, und du habest nur darum dich von Außen mit einem so groben Sacke bedecket, weil du gewußt, du seyft von Innen nichts als ein Haufe Asche und Staub. Zwar kostete es dem heiligen Franz viele Anstrengung, sein inneres Ich von sich zu geben; denn 12 -s-r-s- der Mensch, so schlecht er seyn mag, und wenn er auch glaubt, daß nichts an ihm sey, hat sich doch gern, und sich aufgeben, von sich Weggehen müssen, fallt jedem sehr schwer. Indessen, er hatte einmahl beschlossen, dieses zu Lhun, und brachte demnach sich Gott als Opfer, und erhielt Gott als Schadloshaltung zurück. Und nun ward ihm erlaubt, in der Nahe Gott anzuschauen, und da er sah, wie er unendlich schön und gut sey, so srand ihm nicht frey zu sagen, er sey nicht so schön und gut; er mußte ihm gefallen und ihn gern haben, auch wenn er nicht wollte, denn ! seine Schönheit und Güte waren so anziehend, daß er sich unmöglich hatte losreißen können. Gott kam ' ihm vor wie ein unermeßliches Meer voll Schön- ' heilen und Güte, die Millionen Menschen wie eben * so viele staubigte Pflanzen, auf deren jede man ein Tröpflein aus diesem Meere hingespritzt hatte, und ^ jetzt hätte er es für eine Thorheit gehalten, weil ihn durstete, die unreinen Tröpflein von den Pflanzen mit unbeschreiblicher Mühe wegschlürfen zu wollen, da er an der unermeßlichen, Hellen Quelle saß, und be- ! guem trinken konnte, so viel ihm beliebte. Von der Stunde an, als er in dieser Nahe Gott sah, war es nur er, der ihm gefiel, und weil Gott ^ an Schönheit und Güte unendlich ist, und man in ihm, wenn man ihn durch Ewigkeiten anschaut, je- ! den Augenblick neue Reitze entdeckt, folglich man sich an ihm nie müde und satt sehen kann, weil er im- - »»» 13 ^ x wer in unfern Augen noch schöner und noch besser h wird, so war es dem heiligen Franz nicht mehr , möglich, auch nur auf Minuten von Gott sich frey- l willig zu trennen, und wenn er von ungefähr aus ^ Zerstreuung — denn er war noch ein irdischer - Mensch -— einen Blick auf ein Geschöpf oder auf sich selbst warf, so empfand er einen Widerwillen an t sich, und es konnte ihm unmöglich noch etwas auf r Erden gefallen, denn er hatte das Allerschönste, das ? unendlich Gute gesehen. t So wurde er mit jedem Tage gleichgiltiger ge- l gen sich, und an Gottes Umgang schon völlig gewöhnt, j hatte er kein Heimweh weder nach sich, noch einem r andern irdischen Wesen. Gott dienen, war jetzt sein - Lieblingsgeschäft, an seiner eigenen Person war ihm ^ nichts mehr gelegen. Wenn daher Leute von ihm i Gutes erzählten, und er es hörte, wie sie ihn lob- > ten, er hatte keine Freude daran; er wußte, es sey t nicht wahr, und zudem war er gegen sich schon ganz l fremd geworden, und wenn andere Übles von ihm sprachen, es kränkte ihn nicht; er wußte schon länger als heute, daß nichts an ihm sey, es war ihm darum an seiner Person auch gar nichts gelegen. Er hatte keine andere Freude, er kannte kein anderes Glück, als Gott dienen zu dürfen, und nur nahe ihm zu kommen, und ihn recht nahe anschauen zu können; jetzt war er nicht nur klein in seinen Augen, er war es recht gern, und so ist er an der Leiter der Demuth hinabgestiegen in den Abgrund seines Herzens, um dort sein Nichts als Grundstein « zu legen, und jetzt war alles hergerichtet zum bauen, i man konnte anfangen, der Grund war gelegt. Chri- > sten! diese Leiter müssen wir haben von dem heili- j gen Franz, der sie nimmer mehr braucht, nachdem er hinaufgestiegen ist in die himmlischen Höhen. Wir l brauchen so eine Leiter, um hinabzusteigen in uns, ) unser Nichts dort zu suchen, und es dann zum Grün- i de zu legen. i Bis wir nicht klein, das ist, demüthig werden, Z sondern uns einbilden, daß wir schon etwas seyen, < und also, statt abwärts zu steigen, an der Leiter j der Eigenliebe empor klimmen wollen, ist unser ar- - beiten umsonst, und unser Gebäude, weil der Grund fehlt, hängt in freyer Luft. — Die Eigenliebe gleicht einer verpesteten Pfütze, wir mögen mit vieler Anstrengung hinein säen, was, und wie viel wir wol- < len, wir werden ernten, aber nur giftige Pflanzen. ! So lange wir unsere eingebildeten guten Werke nicht r ausgeben, sondern fromm und gut sind in unfern ? Augen, nach unserem Kopfe, so lange wir alles mit uns ausmachen, was wir thun oder lassen sollen, 1 und nicht mit Gott, oder Jenen, an die er uns An- 1 Weisung gibt; mögen wir wohl einen großen Haufen < sogenannter guter Werke uns sammeln, aber weil i wir nach unserem eigenen Willen gethan haben, so j mag sie Gott nicht. Unsere Millionen Gedanken, - Worte und Werke, durch den Lauf unseres Lebens, ^ sind Früchte an unserem Baume, die alle der Wurm in der Eigenliebe durch und durch fraß, und Welche wir n, mit Eckel wegwerfen; nur jene Früchte nähren zum -i- ewigen Leben, die durch die Hitze der Liebe Gottes li- zur Reife gekommen. m Christen! wollen wir im Ernste unser Haus für ir die Ewigkeit bauen, thun wir wie Franz; reißen s, wir zuerst das Haus des Stolzes ein, schaffen wir n- unsere eingebildeten Tugenden, wie Schutt und Ruinen, bey Seite, daß der Platz leer wird, und Gott i, zu bauen anfangen kann. Nachdem der heilige Franz n, alles that für Gott, recht klein zu seyn vor der Welt, er so hat auch Gott für ihn alles gethan, ihn vor der r- Welt recht groß zu machen. ^ Zweyter Theil. n- Wie einst Jesus, hat auch der heilige Franz zwölf >l- arme Männer gewählt, die er die Welt durchwan- n. dem hieß, ohne Geld, und um sie von Innen, so HL wie von Außen arm zu machen, auch ohne eigenen m Willen, den sie durch ein Gelübde abschwören mußten, nt Und wie Christus zu den Seinigen sagte: Er i, schicke sie wie Lämmer unter die Wölfe, doch sie soll- ten nicht bange seyn, denn er bleibe bey ihnen bis m an's Ende der Welt, eben so sprach auch Franz sei- >il nen Söhnen Muth zu: Setzet, sagte er, euer gan- so zes Vertrauen auf Gott, dann fürchtet nichts, er l, wird euch ernähren. Diese wenige Worte, die er §, ihnen mitgab, waren gleichsam der Reisepaß, sein >n Segen, die Unterschrift und das Siegel darauf. 16 Sie gingen/ und Gottlob! seit 600 Jahren hat auf^ ihren Wanderungen der Herr sie erhalten. Wieviel^ Gott geneigt ist für einen Menschen zu thun, der sich ganz an ihn überlaßt, sehen wir bey diesem hei-^ ligen Manne. Er brachte Gott ein Haus, und einen ^ einzigen Vater als Opfer, und erhielt als Schad-^ loshaltung hundert und noch mehr Häuser, und wur-8* de Vater, der zu Tausenden Söhne bekam. Schont einige Jahre nach der Gründung seines Ordens,^ sah er sich von fünf tausend solchen Söhnen umge- ^ ben, die er dem Himmel wieder geboren, und die weissagenden Worte Jesu waren an ihm erfüllet:^' Wer um meinetwillen Haus, Bruder oder Schwe- 6' ster, Vater oder Mutter, oder Weib, oder Kind, oder ^ Äcker verläßt, wird es hundertfältig wieder bekommen, ^ und das ewige Leben besitzen *). ^ Im Jahre 1226 verließ Franziscus die Welt, ^ aber er hört unter uns zu wirken nicht auf, und seit 600 Jahren wuchert hundertfach der von ihm in den Acker gelegte Same, denn weil er alles Gott über- ^ ließ, so fährt er fort seinen Acker zu pflegen. ** Vor zweyhundert Jahren hat Laurentius von ^ Brundus, aus dem Orden des heiligen Franziscus, 6 welcher mit einigen Brüdern hieher kam, dieses Kirch- 5 ' lein und die daran stoßenden Zellen gebauet. Den ^ Erfolg seiner Bemühungen finden wir in Schriften, ^ die man in Druck gelegt hat.-Ich will also euch nur aufmerksam auf jene machen, welche seit 200 Iah-^ *) Math. »9. -y. ^ren hier aus- und eingingen, und auf das, was m ^diesem Hause geschah. Wenn wir auf Reisen an örter hinkommen, .j,wo vor Jahrtausenden von Griechen und Römern >n große Thaten ausgeübt wurden, und wenn Einheimische uns die Stellen bezeichnen, wo die Helden ^gefallen sind, die für ihrenheimathlichen Herd, und ^für ihre Hausgötter stritten, so ergreift uns eine ^, Art Wehmuth, daß wir die Edlen nicht kannten, ^ und wir fühlen uns vom Danke durchdrungen, für ^ das, was sie Gutes gethan. Und vielleicht mancher, ^. der gedankenvoll die Denkmahlerder Heiden anstaunt, e- ging an diesem Kirchlein gedankenlos schon öfters vorbey, wenn er doch beym Vorübergehen nur ge- ^ dankenlos war, und nicht etwa gar bey sich sagte: am Neuwarkte, wozu diese altmodische Sache? und wozu brauchen wir in unfern Hellen Tagen so finste- ^ re Menschen? vielleicht dachte er etwas ähnliches von dem, was Judas Iskariot einstens gesagt *): r-Dieser Platz, den diese Leute einnehmen, könnte, wenn er verschönert und besser benützt würde, große >st Procenten bezahlen; für sie aber, wenn sie doch nicht s, ganz aushören sollen, würde man auch in einem ab- ^ schiedenen Orte der Stadt Raum genug finden, um ^ sie dort aufzubewahren, damit unsere Zeit den Gest, schmack der Vorzeit kennen lerne, n 2ch glaube nicht, daß viele so denken, viel- h-_ ^ ") 3oh. -i. s. B »> 1 g wehr der warme Antheil, welchen so sehr viele neh- s wen an dem heutigen Feste, beweiset, daß sie viel r besser denken; wenn aber doch einer oder einige We- t nige wären, die nicht so gut dächten, so müßten sie, r ich will nicht sagen unwissend seyn in der Geschich- d te, aber sie wüßten sehr zerstreut gewesen seyn, da n sie selbe gelesen, denn sie hätten sich sonst überzeugt, d daß seit L00 Jahren in diesem Hause große und ii viele Meisterstücke ihren Anfang und Vollendung u erhielten, und dann würden sie aufhören zu glauben, als ob der Boden brach liege, und besser benützt wer- 2 Len könnte, und sie würden sich schämen, die Be-si wohner dieser Zellen ferner finstere Köpfe zu heißen, n die so sehr aufgeklärte Thaten ausgeübt haben. d Nicht Hunderte, Tausende sind, welche, nach-A dem sie draußen in der Nacht ihres Lebens die Tu-T gend, und mit ihr des Menschen einziges Gut, den di Frieden des Herzens, verloren, ihn hier an diesenlsr finster scheinenden Ort, wo aber der heilige VaterK Franz die erloschene Glaubensfackel angezündet ihnenm vorhielt, glücklich wieder fanden; und da sie ihn wie-D der hatten diesen unschätzbaren Frieden der Seele, C so schien ihnen ihre Zelle wie das Vorzimmer desD Himmels, und sie hätten selbe um hundert Weltenw nicht hingegeben; und ward ihnen erlaubt, um die mitternächtlichen Stunden bey einer nur düster bren-ve nenden Ampel Iesum Christum im Altars-Sacra-di mente anzubethen, mit ihrem allmächtigen Gott wiehe gute Kinder mit ihrem besten Vater im Umgänge zufel »»» 19 ««« ch- sehen, o dann fühlten sie^sich unbeschreiblich wohl, iel und höchst selig, während tausend andere im präch- )e- tig beleuchteten Saale unter Pfeifern und Tänze- 'Le, rinnen Kopfhänger werden, weil sie, da sie ihre Freu- ch- den von Außenher suchen, den innern reinsten Ge- danuß, die Ruhe des Gewissens, verlieren. — Ob gt, dieß ein Werk des Lichtes oder der Finsterniß sey? nd ich meine, dieses heiße wahrhaft aufgeklärt denken ng und handeln. m, Aber diese abgeschiedenen Leute glaubten nicht, ihr er- Tagwerk sey damit zu Ende, wenn jeder nur für Ze- sich selbst glücklich sey. Sie wußten und vergaßen es M, nie, ein Mensch sey auch für den andern da, und darum trug ihnen ihr heiliger Vater auf, alle Stra- ch-ßen und Seitenwege zu gehen. Berge und Thäler, m-Wüsteneyen und Wälder zu durchlaufen, um alle, »eridie irre gegangen, nach Hause in den Schafstall Ie- enlfu^zu führen, die zu Müden aber hineinzutragen. terKeine Marmor-Tafel hat genug Raum, die Nah- enmen aller aufzuzeichne, die Ihr, Wohlehrwürdige ie-Däter und eure frommen Vorfahren gerettet; bey le, Gott sind alle aufgeschrieben, und er, der keinen Trunk »esWasser unbelohnt läßt, den man den Seinigen reicht, eriwird einstens es reichlich vergelten. >je Man muß sich auf der Straße in Himmel selbst .n-verirrt, oder Verirrte heimgeführt haben, um ganz a-die Wohlthat zu fühlen, auf diesem unbekannten und -jehöchst unsicher» Wege sich an der Hand eines un- zufehlbaren Führers zu wissen. Die Empfindung des . _B 2 >->-» Zo r- -te H- er r, "Z n, uf -i- h- rt m n ch e, r; lß el r- n )- n Und weil dieser Vater sie verkürzt sah an zeitlichem Gute, ließ er sie den bessern Lohn einst von Oben erwarten; doch einen schönen, ich möchte wohl sagen, den schönsten Genuß, verschaffte er ihnen schon hier. Der Gedanke, daß in diesem Kirchlein, und den daran stoßenden Zellen seit zwey hundert Jahren Erstaunliches zum Heile vieler Tausende vollbracht worden sey, und man diese Gott geweihte Stellen wohl einen Wunderort nennen dürfe, weil durch die Gnade Gottes so sehr viele vom Tode in's Leben zurück gebracht worden sind, und daß dieses Wunderhaus ihnen gehöre, daß ihnen gegönnt sey, in diesen Zellen zu wohnen, ja sogar das schönste und wichtigste Geschäft ihrer Vorfahren fortzusetzen, nahmlich, die sittlich Verstorbenen aus dem Sarge des Unglaubens heraus zu holen, und sie lebendig wieder in den Schoß der heiligen Kirche, unserer Mutter, zu legen; dieser Gedanke gibt unstreitig den schönsten Genuß. Und dann, wie tröstlich ist es, denken zu dürfen, daß die Tausende, welche ihre Unschuld hier wieder fanden, als schon verklärte Heilige in dieser Andachtöstunde unsichtbar um uns sind, und während sie in alle Ewigkeit Lob und Dank singen dem dreyeinigen Gott, und dem für uns getödteten Lamme, sie nicht aufhören werden zu bitten, Gott wolle barmherzig an allen denjenigen seyn, welche Barmherzigkeit auch an ihnen ausgeübt haben. Alles dieses Gute, meine Christen! welches ich bisher von diesem Orte aufgezählt habe, hat uns »»» 24 Gott durch seinen Diener, dem heiligen Franz, zuflw t ßen lassen, den er vor den Augen der Welt recht l groß machen wollte. Und wie hier, so hat er an meh- d reren tausend -Ortern nicht minder wohlthätig gewir- § ket; er hat seit sechs hundert Jahren nach allen 8 Richtungen auf Erden seine Häuser im Thals, wie 8 auf den Bergen, gleich Burgvesten und Walle, ge- H haut, hat selbe mit seinen Söhnen, als mit wohl d geübten und tapferen Truppen versehen, so, daß wir fromme Wallfahrter, aus welcher Gegend wir 11 kommen, sicher unserer ewigen Heimath entgegen ge- a hen können, weil diese heiligen Streiter uns von Stre- N cke zu Strecke geleiten, und jede Gefahr des uns e' auflauernden Feindes abwenden. u Sagt, hat nicht dieser einzige Mann unglaub- a liehe Dinge zu Stande gebracht, und zum Theile die 8 Welt durch Gottes Kraft schöner und besser gestaltet? 2 Kein Wunder also, wenn Könige und Fürsten ^ in ihren Tagen das Verdienst dieses Mannes erkann- ir ten, daß er nun Himmel und Erden gewonnen; denn sie wußten, daß, weil er sich bestrebte, die Menschen si zu Kinder Gottes zu machen, er sie eben darum auch il angeleitet habe, gute Bürger zu seyn, weil er ihnen K aus dem Evangelium zeigte, man könne nur dann das Bürgerrecht im Himmel erhalten, wenn man hier ^ zuerst als guter Bürger seinem Fürsten aus Ge- ^ wissen unterthan ist, weil Gott die Fürsten und Kö- ^ rüge als Herrn über uns stellt. 1 Kein Wunder, daß auch Österreichs große Mo« * »» 2 5 e- narchen es nicht für zu klein hielten, bey ihren vie- ht len und wichtigen Sorgen auch dafür zu wachen, ^ daß sie, die Söhne des heiligen Franz, auch in ihrer e- Residenz sich ansiedeln konnten, und daß sie es sich sott gar angelegen seyn lassen, ihnen selbst eine Herberte ge, und diese zwar sehr nahe an dem kaiserlichen e- Pallaste zu geben, wodurch sie ihr Vertrauen zu -l diesen stillen Siedlern deutlich aussprachen. ß Diese durchlauchtigsten Personen waren noch r weit mehr geadelt durch ihren erhabensten Sinn, als ihre hohe Geburt. Sie waren nicht bloß Söh- - ne der Zeit, und langten daher nach Kronen, die S ewig nicht verwelkten. Sie waren höchst weise, tapfer und stark, ihre Staaten sicher zum Ziele zu leiten; - aber, wenn sie bis an ihre äußersten Granzen vor- e gerückt waren, und dorthin gekommen, wo das Reich ? Jesu anfing , da standen sie still , und hatten genug s demüthigen Sinn, einzusehen, daß sie in diesem über- - irdischen Reiche weder die Hauptstraße noch Fußsteige , kennen, und obgleich die Größten auf Erden, ließen t sie sich im fremden Lande führen wie Kleine; denn > ihnen war Ernst, aus irdischen, himmlische Herrscher l zu werden. ^ Und weil unsere Regenten, die Kaiser Mathias . und Ferdinand, sich überzeugt hatten, Gott habe der , Welt den frommen Diener Franz und seine Söhne als Führer geschickt, so ließen diese Monarchen es sich gern gefallen, sie als ihre Wegweiser zu haben, weil sie voran gingen mit der brennenden Laterne r»> 26 unserS heiligen Glaubens, damit sie durch die finstern Gange des Lebens nirgends sich anstossen möch- ^ Len. Seit 200 Jahren steht dieses Kirchlein wie eine friedliche Nachbarin« der uralten Kaiserburg sehr na- ! he; ich möchte das Kirchlein im schönem Sinne ein geweihtes Schilderhaus heißen. Wie man weiß, sind diese nicht groß, was aber nicht schadet, wenn nur der, dee es bewohnt, großen Muth hat; und so wollen wir hoffen, es werde das großmüthigste Kaijer- haus, durch das kleine Schilderhäuschen des heiligen Franz, auch ferners getreu bewacht seyn, durch die unerschrockenen Männer, welche dieser Vater hineingestellt hat. Durch zweyhundert Jahre sind sie unverdrossen auf ihrem Dienst-Posten geblieben, und weil unsere Fürsten es wußten, daß sie getreu bleiben, und nicht weichen im Leben und Tode, von dem, der sich ihnen vertraut, fo wollten sie diese guten Menschen nicht bloß um sich haben im Leben, sondern, wenn sie im Grabe schon schliefen, sollten sie ihre Gräber bewachen; und die gottesfürchtige Kaiserin» Eleo- nora legte sich auf ihr Sterbbettlein zufrieden hin, weil sie wußte, daß sie, umgeben von diesen friedlichen Menschen, werde fortschlafen können. Unsere Fürsten waren gewiß, an dem Orte, wo so viele Tausende die Ruhe ihrer Seelen bekamen, werden auch die Körper gut aufbewahret seyn, und Jene, die es sich so sauer werden ließen, Seelen zu retten, werden die Körper schon darum nicht weniger ehren, »»» 2 ? weil sie fest glauben, daß die Seelen in diesen Leibern ihre Auferstehung erwarten. Don welchen Seiten wir demnach dieses Kirchlein und die es umgebende Zellen anschauen mögen, so können wir es nur thun mit den Gefühlen der Ehrfurcht und des innigen Dankes. Im untern Thei- le des Kirchleins haben unsere Durchlauchtigste Fürsten sich ihre Schlafstatte gewählt; hier sind sie bey- sammen unseres Vaterlandes gekrönte Vater und Mütter mit Allen, die ihnen im Leben die Teuersten waren, Sie, die einst des Tages Last und Hitze getragen, und tief in die Nacht hineingewacht haben, damit wir sorgenfrey bey unserm eigenen Herde verbleiben, und wenn wir durch ihre Fürsten-Weisheit und Stärke die zeitliche Habe gesichert sahen, ungestört dem Gott unfern Vater dienen, und dadurch auf unser ewiges Heil wirken konnten. Wessen Herz schön und gut ist, soll es dadurch beweisen, daß er Gott bitte, er wolle unfern verklärten Fürsten, welche uns zu Liebe nicht ruhen konnten im Leben, den ewigen Seelenfrieden verleihen. Aber auch dafür wollen wir bethen, daß über unsere Majestäten und über das Durchlauchtigste Kaiserhaus die heilige Weisheit, Stärke und Muth der Durchlauchtigsten Ahnen, welche hier ruhen, für alle künftigen Zeiten fort- bleiben. Und Wenn wir aus diesen geweihten Hallen hinauf steigen in des Kirchleins obern Theil, so muß es uns eben so hochgeehrt seyn; denn, so wie unten jene Arbeiter in seligem Frieden ausruhen dürfen, die nach gut vollbrachtem Tagwerke Abends heim gingen- so wurden hier oben viele Tausende, die lange in Tag hineinschliefen, und die, wie es schien, immer fortschlafen wollten, aufgeweckt von den Söhnen des heiligen Franz, um ihr ewiges Tagwerk zu thun, damit, wenn sie fertig seyn würden, nach geschehener Arbeit mit frohen Gewissen an ihrem Abende mit den schon sanft Entschlafenen ausruhen könnten. Fürwahr, heiliger Vater Franz! du bist groß geworden durch Gott, für den du so gerne der Kleinste seyn Wolltest, du hast unglaubliche Dinge zu Stande gebracht, hast Tausenden und wieder Tausenden den verlorenen Frieden der Seele gegeben,. und dieses, so wie Lausend andere von dir erbaute und auf der Erde zerstreute Kirchlein zu Herbergen gemacht, wo alle glücklich sind, die eS bewohnen, sie mögen schon Lodt oder noch unter den Lebenden seyn. Darum, was du durch Gottes heiligsten Willen so gut angefangen, und durch Jahrhunderte fortgesetzt hast, wirst du vollenden. Zweyhundert Jahre sind jetzt vorbey, während denen deine Söhne unermüdet hier in diesem Orte jm Tagwerke standen; sende ihnen von Oben herab heilige Weisheit und Kraft, daß sie ver- jungt den Lauf des dritten Jahrhunderts anfangen können. Das unzählbare Gute, das sie bisher an uns gethan, ist aufgeschrieben beyGott; du wirst dafür sorgen, daß Gott sie belohne, wir können nichts thun, als danken; denn wenn wir ihnen auch vonun- serm Irdischen mittheilen, so thun wir wohl, was wir können und sollen, bleiben aber darum doch ihre Schuldner, weil das ewige Gut mit zeitlicher Münze nicht bezahlt werden kann. Und weil nun, heiliger Vater! deine Sohne das Tagwerk des dritten Jahrhunderts heute beginnen, so wünschen auch wir, wenn nicht als deine, doch als Kinder Gottes uns anschließen zu dürfen. Wirsehen an dir, was ein Mensch, der sein Nichts lebendig erkennt, im Stande ist, durch Gott Gutes zu thun, und so der Größte zu werden, weil er als der Kleinste vom Kleinsten anfing. Daß wir, ohne nur angefangen zu haben, so lange schon leben, deßwegen schämen wir uns; aber jetzt ist's hohe Stunde, aufzustehen vom Schlafe, und wir rufen mit David: Jetzt habe ich angefangen, diese Veränderung ist Gottes- Werk*). Unser Wille ist gut, aber nur menschlich, und darum noch schwach; daß wir das Gute, welches wir wollen vollbringen, kann nur Gott geben; daß es geschehe, dafür sorge du, heiliger Vater, und dann wird, was menschlich anfing, Gottes Werk werden. Psalm 76, »». Und daß es dieses unfehlbar werde, wende dich, Vater Franz, an Maria die göttliche Mutter, welche auch die deinige ist. Unsere Wünsche sind ja so gut, und Maria, deine und unsere Mutter, die Beste, hat ja innige Freude, uns glücklich zu wissen, und sie, die dich nie ungehört von sich ließ, wird dich um so geneigter heute erhören, wenn du für uns arme Menschen bittest, unter denen sie, die Göttliche, geboren wurde am heutigen Tage. Und bringest du uns, heiliger Vater, die froheste Kunde von Oben: wir seyen erhört, dann feyern Wir künftig am heutigen Tage eine dreyfache Geburt, jene des heiligsten Kindes Maria, unserer göttlichen Mutter; die Geburt der hiesigen Stiftung des heiligen Franz, und unserer eigenen Wiedergeburt. Unsere Wiege in die Mitte gestellt der zwey heiligen Wiegen Mariens und Franzens, über welche der Gnadenthau herab zu strömen fortwahrt, wird rechts und links von diesem Ueberflusse empfangen, wir werden wachsen und stärk werden, und unser Tagwerk, das wir mit Gott ansingen, auch mit ihm vollenden, und an unserm Abende heimgehen, um unfern Lohn zu erhalten. Amen.