Ursachen und Verlauf der Chinesischen Wirren. (Kurzer Überblick.) Vortrag gehalten am 3. und 10. Jänner 1902 im militär-wissenschaftlichen Verein in Wien vom k. und k. Ilauptmann des Generalstabs-Corps Carl Wöjcik. (Special-Abdruck aus dem Organ der militär-wissenschaftlichen Vereine.) Hiezu 6 Beilagen, darunter 5 Skizzen. Wien, 1902. o m Mi i s s i o n s - V e r 1 ag von L YV. Seidel & Sohn, I. Graben Nr. 19. / - ■ ' Ursachen und Verlauf der Chinesischen Wirren. (Kurzer Überblick.) Vortrag gehalten am 3. und 10. Jänner 1902 im militär-wissenschaftlichen Verein in Wien vom k. und k. Hauptmann des Generalstabs-Corps Carl Wöjcik. (Special-Abdruck aus dem Organ der militär-wissenschaftlichen Vereine.) Hiezu 6 Beilagen, darunter 5 Skizzen. Wien, 1902. Conimissions-Verlag von JL. W. Seidel & Sohn, I. Graben Nr. 13. vÄ A-omHo t.he*; *• i L- ^ v 'nr&SQi Ubersetzungsrecht Nachdruck verboten. Druck von Rudolf Brzezowsky & Söhne in Wieö ÖS %ßXö achfolgend sollen die, im allgemeinen schon bekannten Ursachen und der Verlauf der chinesischen Wirren in einer möglichst zusammenhängenden und kurzen Form wiedergegeben werden. Da die Ursachen zu diesen Wirren mit den früheren historischen Begebenheiten in China und mit der Entwickelung des Volkes in einem gewissen Zusammenhänge stehen, so werden behufs eines besseren Überblicks der gegenwärtigen Verhältnisse, vorerst die wesentlichsten Momente aus der Geschichte dieses Reiches kurz recapituliert. Wenn hiebei bis auf das Alterthum zurückgegriffen wird, so geschieht dies hauptsächlichst deshalb, weil # diese Vorgeschichte hier nur wenige Worte in Anspruch nimmt. Die geschichtlichen Überlieferungen über China reichen ungefähr bis zum XXVII. Jahrhundert vor Christi Geburt zurück; es sind aber erst seit dem VI. Jahrhundert vor Christi zusammenhängendere Aufzeichnungen darüber vorhanden. Schon im dritten Jahrtausend vor Christi bildete China einen geordneten Staat mit erblicher Thronfolge. Die Religion war einheitlich, und bestand in einer Art Almencultus und Geisteranbetung, ohne Götzenbilder und ohne Priesterstand. Im VI. Jahrhundert vor Christi stiftete der Religionslehrer Laotse eine neue Religion (genannt Taosse). Diese war eine humane Sittenlehre, welche jedoch nach und nach durch ein geistloses Ceremonienwesen zu einer Art Gaukelei herabgesunken ist. 45 Jahre nach Laotse trat der chinesische Philosoph und Schriftsteller Confucius auf (geb. 551 v. Chr.). Er predigte auf seinen Wanderungen eine auf Tugend und Gerechtigkeit gegründete Lehre und wusste derselben auch durch Schrift Verbreitung zu verschaffen. Der Buddhismus, gegenwärtig die verbreitetste Religion, hat erst im I. Jahrhundert, der Islam im VII. Jahrhundert nach Christi, in China Eingang gefunden. 1 2 W ö j ci k. Schon im vorchristlichen Alterthum, als noch die meisten europäischen Völker in dunkler Barbarei versunken waren, soll bereits China eine auf humanen Grundsätzen aufgebaute hohe Cultur gehabt haben. Unter andern wird hier besonders die Regierungszeit des Kaisers Schihoangti der Dynastie Tsin (255—206 vor Christi) hervorgehoben. Dieser Herrscher hat auf Grund neu erlassener strenger Gesetze sehr geordnete Rechtszustände eingeführt, den Wehrstand des Reiches gehoben, für die Verbreitung von Bildung und Wissenschaft gesorgt, Kunststraßen und Canäle gebaut und mit der Errichtung der großen Mauer zum Schutze gegen die nördlichen Nomadenvölker begonnen. 1 ) Unter der folgenden Han-Dynastie, welche bis zum Jahre 220 nach Christi regierte, hatte das Reich die größte Ausdehnung. Die Chinesen drangen nach Westen bis zum Caspi-See vor, vertrieben zum Theile die in diesem Gebiet lebenden Nomadenvölker und gaben dadurch indirect auch einen Impuls zu der großen Völkerwanderung, durch welche Europa im IV. Jahrhundert und in der Folgezeit heimgesucht wurde. Im Jahre 220 nach Christi zerfiel China in drei Reiche, welche 60 Jahre später durch den Stifter der neuen Dynastie Tsin wieder vereinigt wurden. Im Jahre 386 nach Christi eroberten die Mongolen den nördlichen Theil China’s und gründeten hier ein eigenes Reich. Die Wiedervereinigung mit China erfolgte 200 Jahre später durch den Begründer der Dynastie Sui. ImJahre 618 gelangt dieDynastie Tang auf den Thron. In die an diesen Zeitpunkt anschließende Periode fällt die höchste Blüte des Reiches: Die Verwaltung wurde verbessert, Handel und Gewerbe blühten hoch empor, Literatur und Wissenschaft fanden große Pflege. Aber schon nach einem Jahrhundert der Blüte riß ein Sybaritenleben ein und das Land begann zu verfallen. Diesen Umstand benützten die benachbarten mongolisch-tartari- schen Völker, um ihren Einfluss im Lande immer mehr zur Geltung zu bringen und endlich das Land unter ihre Herrschaft zu beugen. Der Mongolenfürst Dschengis-Khan, welcher bekanntlich zu Beginn des 13. Jahrhunderts mit einem circa 600.000 Mann starken Heere fast ganz Asien unterjochte, drang im Jahre 1211 mit 0 Diese noch im 111. Jahrhundert vor Christi erbaute Mauer ist mit der gegenwärtigen großen Mauer nur zum Theile identisch. Letztere wurde erst um das XV. Jahrhundert nach Christi ausgebaut. Ursachen und Verlauf der ehinessiehen Wirren. 3 ■etwa 200.000 Mann in China ein, erstürmte Peking, zwang den chinesischen Kaiser zur Entrichtung eines Tributs und übergab wenige Jahre später seinem Sohne Oktai den Thron von China und die Mongolei. Ungefähr 70 Jahre später hat der Enkel D schenkt i s - K h a n s, Kublai, das ganze Reich vereinigt und seine Residenz nach Peking verlegt (12 7 9).*) Unter der Herrschaft dieser Dynastie {Yuan) blühte das Land von neuem auf. Im Jahre 13 68, welches in der chinesischen Geschichte als Beginn der Neuzeit angesehen wird, stürzte der Stifter der 2 0. Dynastie, Ming, die Herrschaft der Mongolen und vertrieb dieselben. Gegen die Mongolei, welche ihre Unabhängigkeit noch bewahrte, wurde unter der Ming - Dynastie die große Mauer neu ausgebaut, um die sich häufig wiederholenden mongolischen Einfälle aufzuhalten. Diese Mauer ist ungefähr 8—10 m hoch, 6—7 m breit, oben befahrbar, crenneliert und mit starken Flankierungsthürmen für Pfeilschussweite versehen. Auf einige Tagmärsche vor dieser ständig bewachten Mauer waren Thürme für optische Signale in mehreren Linien vorgeschoben, von wo aus die Einfälle signalisiert werden konnten. Dadurch wurde es möglich, von den innerhalb der Mauer gelegenen Städten, welche mit derselben ebenfalls in optischer Verbindung standen, gegen die als bedroht bezeichneten Abschnitte rechtzeitig Truppenverstärkungen abzusenden. Es war damit eine, den damaligen Verhältnissen angepasste Landesverteidigung organisiert. Die Großartigkeit dieses Werkes ist schon dadurch erkennbar, dass an der ungefähr 2500 km langen, selbst über die steilsten Gebirge aufgebauten Mauer, mehrere Generationen ununterbrochen gearbeitet haben. Nicht nur die Fortsetzung und Vervollständigung dieser Mauer, sondern auch andere großartige Monumentalbauten verdanken die Chinesen der Ming - Dynastie, welche dem Lande sehr viel Glanz und Ansehen verliehen hat. Aber noch vor Ablauf dreier Jahrhunderte gelang es den kriegerischen Mandschuren, in China einzudringen und im Jahre 1644 die noch gegenwärtig regierende 21. Dynastie der Mandschus auf den Thron zu setzen. l ) In diese Zeit (1271—1292) fällt der Aufenthalt des Venetianers Marco Polo in China, welcher als erster Europäer Ostasien bereiste, vom Kaiser Kublai zum Ehrenbegleiter ernannt und auch zu Missionen in die ver- •sehiedenen Theile des Reiches von diesem verwendet wurde. 1 * 4 W öjcik. Unter dieser Dynastie dauerte der Aufschwung des Reiche» nicht lange; bald riss hier die Corruption und eine Verderbtheit der Sitten ein, Künste und Wissenschaften wurden vernachlässigt und die großartigen Baudenkmale, welche an die Zeiten einstiger Blüte des Landes mahnten und den Stolz der Chinesen noch beleben konnten, ließ man verfallen.*) Die Mandschu - Dynastie erhielt in der Folge ihren Einfluss hauptsächlichst dadurch aufrecht, dass, wie dies jetzt noch der Fall ist, ein Theil der Truppen nur aus Mandschuren bestand und sonst wichtige Officiers- und Beamtenposten mit Mandschuren besetzt wurden. Trotzdem sich die Mandschus und die Chinesen mit der Zeit derart verschmolzen haben, dass der Unterschied in ihren Eigenschaften und Sitten äußerlich kaum zu erkennen ist, so besteht doch seitens der Chinesen ein gewisser Hass gegen die Mandschus, welcher auch gegen die Dynastie zum Ausdrucke kommt. Wenn dennoch die in einer erdrückenden Überzahl befindlichen Chinesen sich von dem Häuflein Mandschuren beherrschen lassen, so liegt der Grund in dem unkriegerischen, trägen Charakter der Chinesen, sowie in dem Mangel an Nationalbewusstsein. Einzelne gegen die Dynastie unternommene revolutionäre Bewegungen wurden von der Regierung dadurch abgewendet, dass man alle Schuld an den misslichen Verhältnissen den Fremden unterschob und so den Hass der Unzufriedenen gegen diese kehrte. Freilich soll auch die Mehrzahl der in China lebenden Fremden reichlich dazu beigetragen haben, dass sie den Hass und selbst die Verachtung der Chinesen verdiente; man hat diesen Fremden vorgeworfen, dass sie zumeist aus Abenteurern und verlornen Existenzen bestanden, welche nur die Corruption förderten und selbe dazu ausnützten, um sich schnell zu bereichern. Dort, wo diese Individuen mit dem Gesetze in Confliet ge- riethen und eventuell dafür vom Volke misshandelt wurden, fanden sie Schutz bei ihren politischen Vertretern, welche, vielleicht in Unkenntnis der herausfordernden Übergriffe ihrer Schützlinge, solche Gelegenheiten angeblich oft mit Vergnügen dazu ausnützten, um sie zu politischen Vorfällen aufzubauschen, die chinesischen Behörden ins Unrecht zu setzen und eventuell mit Hilfe herbeigerufener *) Dagegen wurde von den Mandschuren das Zopftragen eingeführt.. Ursachen und Verlauf der chinesischen Wirren. 5 Kriegsschiffe, von den Chinesen irgendwelche Concessionen zu erzwingen. In den letzten Jahren sollen sich wohl diese Verhältnisse gebessert haben, weil die verschiedenen Fremden unter sich gegenseitig eine schärfere Controle ausübten und sich in letzterer Zeit auch die Zahl der solideren Existenzen und reellen Geschäftsleute stark vermehrt hatte; es konnten aber diese Umstände nicht viel dazu beitragen, die bei den Chinesen bereits eingewurzelte Meinung über die Fremden zu ändern und die schon im Gange befindliche fremdenfeindliche Bewegung aufzuhalten. Um nun diese fremdenfeindliche Bewegung in ihrer ganzen Entwickelung darzustellen, erscheint es nothwendig auf jene Zeit zurückzugreifen, wo seitens der abendländischen Völker die ersten Beziehungen mit denChi- n e s e n angeknüpft wurden : Der Verkehr mit China war seit den ältesten Zeiten ein sehr beschränkter. Im Alterthum und im Mittelalter waren es Inder, Araber und Central-Asiaten, welche mit den Chinesen Handelsbeziehungen pflogen, doch wurde der überseeische Handel durch chinesische, indische und arabische Seeräuber sehr gestört. Ein ziemlich beschränkter Handelsverkehr bestand damals zu Land mit Centralasien und in den letzten Jahrhunderten auch mit Russland. Das erste europäische, d. i. ein portugiesisches Schiff, gelangte im Jahre 1516 nach China; kurz darauf folgten die Spanier, Holländer und im Jahre 1637 auch die Engländer. Ein regelrechter Handelsverkehr ist von der chinesischen Regierung erst seit dem Jahre 1660 den Franzosen, und seit 1670 den Engländer unter beschränkten Bedingungen nur über Canton gestattet worden. Diese Zugeständnisse wurden insbesondere von den Engländern reichlichst ausgenützt. Die englischen Kaufleute führten unter andern auch große Mengen von Opium ein, welches unter den Chinesen viel Absatz fand und den Kaufleuten reichen Gewinn brachte. Der große Eifer, mit welchem die englische Regierung diesen Opiumhandel unterstützte, hat mit der Zeit bei den Chinesen den Anschein erweckt, als wollte man damit noch weitere Zwecke verfolgen; nämlich, durch dieses schädliche Betäubungsmittel auch die Degeneration des Volkes herbeizuführen, um es umso leichter beherrschen zu können. In Erkenntnis dieser Umstände, hat die chinesische Regierung im Jahre 1839 die weitere Einfuhr des Opiums verboten. Es kam deswegen zu einem Confliet mit England, welcher noch in demselben 6 W öj o i k. Jahre zu dem sogenannten Opiumkrieg führte. Die Engländer nahmen mit Gewalt Canton und Nanking und zwangen die Chinesen im Jahre 1842 zu einem Frieden, in welchem den Fremden gewisse Rechte zugestanden und außer Canton noch andere vier Häfen 1 ) dem Handel eröffnet wurden. Gleichzeitig setzten sich die Engländer in den dauernden Besitz von Hongkong. Diese, den Fremden gemachten Zugeständnisse erweckten die Unzufriedenheit des Volkes, welche sich nun auch gegen die Dynastie richtete. Die dadurch entstandene Gährung übergieng im Jahre 1850 in den sogenannten Taiping-Aufstand, dessen Mittelpunkt Nanking war und welcher 15 Jahre dauerte. Im Jahre 185 8, also noch mitten in diesen inneren Wirren,, eröfifneten England und Frankreich gemeinsam die Feindseligkeiten gegen China, nachdem die chinesische Regierung die ihr aufgezwungenen Verträge nicht eingehalten hatte. Die Verbündeten besetzten im Jahre 1858 die Forts von Taku und rüsteten nach einigen Misserfolgen eine größere Expedition aus, welche im Sommer 1860 von Taku gegen Peking vorrückte. Das Expeditionscorps bestand aus circa 12.500 Eng- gländern und 7500 Franzosen, zusammen aus 20.000 Mann, welche unter Commando des französischen Generals Cousin- Montauban gestellt wurden. Am 21. September 1860 wurde die 50.000 Mann starke chinesische Streitmacht einen Tagmarsch östlich Peking, im Treffen beiPalikao von circa 7000 Franzosen und Engländern geschlagen. Die Chinesen ließen es auf eine Beschießung Pekings nicht mehr ankommen, sondern öffneten ein Stadtthor, welches von den Verbündeten besetzt wurde. Nachdem von den letzteren der außerhalb der Stadt liegende kaiserliche Sommerpalast zerstört worden war und mit weiteren Repressalien gedroht wurde, ließ sich China im October 1860 zum Frieden von Peking herbei, in welchem es nebst sonstigen Concessionen auch die Öffnung des Flusshafens Tientsin und die Zahlung einer bedeutenden Kriegsentschädigung zugestehen musste. Da durch den inzwischen noch anhaltenden Taiping-Aufstand der englische und französische Handel zu leiden begann, wurden zur Bekämpfung dieses Aufstandes auch englische und französische Truppen verwendet, und es gelang im Jahre 18 64 denselben zu unterdrücken. 0 Amoy, Ningpo, Putschen, Shanghai. Ursachen und Verlauf der chinesischen Wirren. 7 Ein weiterer Conflict entstand im Jahre 1882 mit Frankreich, welches die Oberherrschaft über Tonking und Anam beanspruchte. Der Krieg, in welchem Frankreich ziemlich viele Misserfolge erlitt, dauerte bis zum Jahre 1885, wo es endlich den Franzosen gelungen ist, ihre Absicht durchzusetzen. Denletzten Kriegvor den Wirren desJahres 19 0 0, hatte China mit Japan zu bestehen. Die Japaner hatten schon seit den ältesten Zeiten Einfälle gegen die chinesischen Küstenländer unternommen und waren sozusagen Erbfeinde der Chinesen. Insbesondere war Korea das strittige Territorium. Ein im Jahre 1894 in Korea ausgebrochener Aufstand verursachte infolge beiderseitiger Einmischungen einen neuen Conflict. In dem nun entstandenen Kriege zeigte sich die Zerrüttung des chinesischen Heer- und Staatswesens in einer überraschenden Form. Das relativ kleine Japan hatte binnen wenigen Monaten die Land- und Seestreitkräfte des großen chinesischen Reiches unschädlich gemacht und war daran, in Peking einzurücken, als die Intervention der anderen Mächte, vor allem Russland’s, dem Siegesläufe der Japaner Halt gebot. Japan träumte bereits von einer uneingeschränkten Hegemonie in Ostasien, denn nach der schon erfolgten Besitzergreifung mehrerer Küstenstriche am Festlande China’s, konnte Japan seinen Einfluss leicht auf das ganze chinesische Reich ausüben und sozusagen zum Führer aller mongolischen Völker werden. Die Japaner konnten dem Lande durch die Einführung ihrer soliden Einrichtungen, ihrer Cultur, ihres besseren Geistes und ihres Heerwesens, einen großen Aufschwung verleihen. Es ist vorauszusetzen, dass die Chinesen eine ihrem Wesen angepasste neue Cultur leicht angenommen hätten, denn auch sie scheinen für überzeugende Gründe zugänglich zu sein und würden voraussichtlich eine auf beiderseitigen und gleichen Vortheilen basierende Culturverbreitung dulden. Der starre Hass, den die Chinesen gegen die europäische Cultur haben, ist eigentlich nicht gegen die Cultur an und für sich, sondern gegen das Ausbeutungssystem der sogenannten Culturträger gerichtet. Hätten nun, wie früher erwähnt, die Japaner in China freie Hand bekommen, so würden sie wahrscheinlich dem Lande den beabsichtigten Aufschwung mit der Zeit verlieben haben. Die dadurch aufblühende Industrie hätte infolge der fabelhaften Billigkeit der Arbeitskräfte und der im Lande in massenhaften Quantitäten zu findenden Rohproducte, der Industrie anderer Länder große Con- currenz gemacht; weiters würde ein unter einer kräftigen Leitung 8 W 6 j ci k. stehendes 400 Millionen-Reich eine Einmischung auswärtiger Mächte in dessen innere Angelegenheiten und eine Ausbeutung desselben nicht dulden; es könnte sogar eine wohlorganisierte Wehrkraft eines solchen Reiches mit der Zeit eine ernste Gefahr für ganz Europa werden. Die europäischen Mächte waren nun vor die Aufgabe gestellt, diese Gefahr rechtzeitig abzuwenden und es erfolgte daher unter diesem Titel die früher erwähnte Intervention. Dadurch brachte man die Japaner um die Früchte ihres Sieges, verhinderte ihre Festsetzung an den von ihnen bereits erorberten Küstenpunkten und setzte ihrem Einfluss auf China im allgemeinen enge Schranken. Die intervenierenden Mächte haben damit angeblich auch die IntegritätChina’s schützen wollen, doch bemächtigten sie sich selbst einzelner von Japan beanspruchter Territorien, nachdem sie aus der nun erkannten Hilflosigkeit China’s, Muth geschöpft hatten und Japan gegen die vereinigten Mächte vorläufig nichts unternehmen konnte. Auf diese Weise ließ sich Russland nebst sonstigen Vorrechten die Kwantun - Halbinsel mit Port Arthur angeblich auf 99 Jahre abtreten, England besetzte Weihawei und später nahm auch Deutschland Anlass, ein Territorium bei Kioutschau mit dem Hafen von Tsingtau in Pacht zu übernehmen. Japan musste sich mit der Insel Formosa und mit dem Gefühle des Siegers begnügen. Durch diese Intervention ist wohl der Einfluss Japan’s auf China beschränkt und die Entwicklung der Chinesen etwas gehemmt worden, aber diese Ziele wurden nur vorübergehend und nur insoweit erreicht, als selbe mit den momentanen Sonder inte ressen der einzelnen Staaten im unmittelbarsten Zusammenhänge standen. Der allgemeine Erfolg, welcher in dieser Beziehung erzielt worden ist, wird von den hierüber orientierten Stellen nur als ein vorübergehender bezeichnet, und es wird dabei behauptet, dass durch die gemeinsamen Actionen nach dem chinesisch-japanischen Kriege und gelegentlich der Wirren im Jahre 1900, die Chinesen kaum für wenige Jahrzehnte unschädlich gemacht wurden; und auch die Chinesen behaupten, dass sie diese Actionen nur als Nadelstiche empfinden, welche'wohl schmerzvoll, aber nicht schädlich sind. Im Gegentheil wird dadurch die ganze mongolische Rasse nur geweckt und auf einen kommenden entscheidenden Kampf aufmerksam gemacht, auf den sie sich wahrscheinlich auch vorbereiten dürfte. Nachdem gleichzeitig von vielfacher Seite behauptet wird, dass ein solcher Kampf in der Zukunft unausweichlich ist, in welchem I i f | 1 f j Ursachen und Verlauf der chinesischen Wirren. 9 die künftige Hegemonie der einen oder der anderen Rasse zur Entscheidung kommen muss, und da sich dabei die Kräfteverschiebung infolge der ungleichen Yolksvermehrung und der zunehmenden Degeneration einzelner kaukasischer Völker, zu Gunsten der neu erwachenden mongolischen Rasse gestaltet, so erscheint folgerichtig auch die Aufschiebung eines solchen, die Zukunft entscheidenden Kampfes für die europäischen Völker von Jahr zu Jahr bedenklicher. Es sind darüber wohl am besten die Diplomaten orientiert, aber es bleibt dabei nach ziemlich allgemeiner Ansicht dennoch die Frage otfen, ob die Mächte unter Verzicht auf momentane Sonderinteressen sich zu einer solchen, mit überwältigenden Mitteln durchzuführenden einheitlichen Action rechtzeitig aufraffen und sich dabei gleiche Rechte zuerkenneu — oder ob einzelne derselben mit Berufung auf die sogenannten speciellen Interessen, besondere Rechte für sich allein beanspruchen, dabei isoliert handeln und eine Ein- müthigkeit nur markieren. Letztere Umstände wurden bekanntlich einzelnen Staaten bereits wiederholt zum. Vorwurf gemacht; die Berechtigung zu diesen Vorwürfen lässt sich hier nicht weiter untersuchen. Um nun auf die Entwickelung derUrsachen zu den Wirren des Jahres 1900 zurückzukommen, muss weiters erwähnt werden, dass der Hass des chinesischen Volkes gegen die Europäer besonders in den letzten Jahren, wo die momentane Ohnmacht China’s seitens der fremden Mächte zur Erzwingung einiger Concessionen ausgenützt wurde, einen sehr ernsten Charakter annahm. Es bildeten sich im ganzen Lande Vereine zur „Rettung des chinesischen Vaterlandes“. Der Zweck dieser Vereine war vor allem die Hebung des militärischen Geistes und der militärischen Macht des Landes und in weiterer Folge die Verjagung aller Fremden und Abschüttelung jeder fremden Einmischung. Diese Vereine traten unter verschiedenen Namen auf und der mächtigste derselben waren die „Boxer“, von den Engländern so benannt, weil sie sozusagen einen Turnverein bildeten. Das Bestreben der Boxer gieng vorerst dahin, die Masse des Volkes im Gebrauche von Waffen auszubilden, wozu in den einzelnen Ortschaften oder Bezirken periodische Übungen vorgenommen wurden. Die chinesische Regierung schien diesen Vereinen Sympathien entgegenzubringen. Der durch die erwähnten Vereine genährte Hass gegen die Fremden, machte sich äußerlich immer mehr bemerkbar und über- gieng zu Beginn des Jahres 1900 in thätliche Angriffe gegen 10 W oj eik. christliche Missionäre und sonstige Fremde. Es kam demnach die fremdenfeindliche Bewegung vorzeitig zum Ausbruche, d. i. bevor der erstangestrebte Zweck, die Hebung der militärischen Macht China’s, erreicht wnrde. Als unmittelbarer Anlass zu diesen Gewaltthätigkeiten wird, nebst den vorangegangenen politischen Ereignissen, auch das Verhalten der Missionäre in China bezeichnet. Die Thätigkeit dieser Missionäre war den Chinesen seit jeher ein Dorn im Auge. Das Christenthum war schon im XI. Jahrhundert durch die Nestorianer nach China verpflanzt; bis zum XVI. Jahrhundert bestanden dort nur wenige christliche Gemeinden, welche aber von den Chinesen nicht belästigt worden sind. Im XVI. und XVII. Jahrhundert gelangten dorthin auch andere christliche Orden, meist Dominicaner, Franciscaner und Jesuiten, und versuchten ihre Lehren zu verbreiten. Es entstanden jedoch mit der Zeit zwischen den Jesuiten und den übrigen christlichen Orden kleinliche Streitigkeiten, welche zu verschiedenen unliebsamen Auftritten und zu gegenseitigen Anklagen und Angebereien führten, so dass sich schließlich im Jahre 1718 die chinesische Regierung veranlasst sah, die Missionäre aus China zu verbannen, mit Ausnahme der Jesuiten, deren nützliche Thätigkeit von den Chinesen anerkannt wurde. (Die Jesuiten befassten sich nämlich u. a. auch mit Kanonengießerei für die Chinesen.) Erst durch den Frieden vom Jahre 1860 musste den Angehörigen aller christlichen Glaubensbekenntnisse Schutz zugesichert, und auch der Übertritt von Chinesen zum Christenthum gesetzlich gestattet werden.*) Trotzdem von der chinesischen Regierung die Sicherheit der Christen vertragsmäßig gewährleistet worden war, mehrten sich doch mit der Zeit die Angriffe der Bevölkerung auf Missionäre und bekehrte Chinesen, ohne dass die Regierung wirksame Maßregeln dagegen ergriffen hätte. Laut Aussagen der Missionäre in China beruhten diese Verfolgungen auf einem unbegründeten Hass gegen die christliche Religion und gegen die Missionäre, deren segensreiches Wirken von den Chinesen nicht verstanden wurde. Zur wahrheitsgetreuen Charakterisierung der Volksstimmung in China ist es hier unerlässlich, auch die in dieser Richtung unter den Chinesen herrschenden Ansichten zu erwähnen, ohne jedoch dieselben als richtig bezeichnen zu wollen. 0 Im Jahre 1881, d. i. 21 Jahre später, betrug bereits die Zahl der christlichen Institutionen in China: 41 Bischöfe, 664 europäische und 559 eingeborene Priester oder Missionäre, über 1 Million Bekehrte, dann gegen 3000 Kirchen und Kapellen und circa 1850 Schulen. Ursachen und Verlauf der chinesischen Wirren. 11 Es wird also seitens der Chinesen dagegen behauptet, dass das Volk gegen die christliche Religion an und für sich keine Antipathien hege. Die Chinesen sind im allgemeinen keine religiösen Fanatiker, und es ist ihnen ziemlich gleichgiltig, zu welcher Religion sie sich bekennen. Ein Beweis dafür ist schon die Thatsache, dass die Chinesen selbst drei verschiedenen Religionen, d. i. der Religion der Taosse, dem Confucianismus und dem Buddhismus angehören, ohne dass sie es äußerlich an sich bemerken. Sie besuchen sogar die Tempel der anderen Bekenntnisse, als wären es ihre eigenen, wenn diese Tempel ihrem Hause näher liegen. Zuweilen wissen sie sogar nicht, zu welcher dieser drei Religionen sie eigentlich gehören, da sich letztere im Laufe vieler Jahrhunderte, trotz des verschiedenen Ursprungs, ziemlich eng verschmolzen haben. Auch die gebildeten Stände, welche sich nominell meist zum Confucianismus bekennen, scheuen sich* nicht, in den Tempeln der anderen Religionen zu opfern und selbst der chinesische Kaiser verrichtet ceremonielle Andachten in den Tempeln aller drei Bekenntnisse. Schon dieser Umstand an und für sich zeigt, dass die Chinesen in religiöser Beziehung nicht unduldsam sind. Auch gegen die Mohamedaner, welche zum Theile zwischen der übrigen chinesischen Bevölkerung ganz verstreut wohnen und sich in Gebräuchen und Kleidung deutlich unterscheiden, besteht kein Hass. Wenn nun speciell gegen die Christen eine feindselige Stimmung herrscht, so ist dies nach Ansicht der Chinesen folgenden Ursachen zuzuschreiben: Ein großer Theil der Fremden, welche man Christen nennt, benimmt sich gegen die Chinesen überhebend, oft sogar roh und herausfordernd, und selbst die bekehrten Chinesen erlauben sich zuweilen ähnliche Übergriffe. Bei letzteren soll zum großen Theile nicht die religiöse Überzeugung für ihre Bekehrung maßgebend gewesen sein, weil diese meist armen Chinesen nicht den Sinn, und da sie das tägliche Brot durch harte Arbeit erwerben müssen, auch nicht die Zeit haben, sich mit religiösen Fragen zu befassen. Es wurde zwar gleichzeitig nicht bestritten, dass in einzelnen Fällen für die Bekehrung jene Wohlthaten mitwirkend waren, welche an armen und kranken Chinesen oder deren Kindern in christlichen Spitälern von einzelnen sehr achtenswerten Missionären geübt wurden; in den meisten Fällen soll hier aber der rein persönliche Vortheil ausschlaggebend gewesen sein, und zwar vor allem war es der Schutz, den die christlichen Chinesen seitens der Missionäre gegen die chinesische Justiz genossen haben. Diesen Schutz be- 12 W 6j cik. nöthigten aber nur jene Chinesen, welche mit den Gesetzen des Landes in Confliet gerathen sind und sich der Justiz dadurch zu entziehen getrachtet haben, dass sie sich in die Missionsanstalten flüchteten und rasch zum Christenthum übertraten. Viele Missionäre nahmen solche zweifelhafte Existenzen auf und so kam es, dass jetzt ein großer Theil der christlichen Chinesen aus dem Abschaum des Volkes besteht, und die Christen allein aus diesem Grunde und nicht deswegen, weil sie Christen sind, verabscheut werden. Es wurden überdies gegen die Missionäre auch in rein persönlicher Beziehung verschiedene Beschuldigungen erhoben, auf welche aber nicht näher eingegangen werden kann, da es vorauszusetzen ist, dass viele derselben auf Irrthum oder Verleumdungen beruhen. Andererseits kann aber nicht unerwähnt gelassen werden, dass hier in einzelnen Fällen, gewisse Missbräuche, die bekanntlich auch in den Zeitungen besprochen wurden, thatsächlieh vorgekommen sein sollen. Schließlich muss hier noch erwähnt werden, dass die christliche Religion als solche, mit diesen Missbräuchen auch von den Chinesen nicht in Zusammenhang gebracht wird, und dass sich der Hass der letzteren nur persönlich gegen die Fremden richtete, welche hier zufällig zum größten Theile aus Christen bestanden. Unter diesen Fremden befanden sich aber auch sehr viele Nichtchristen, welche sich hier in keiner Weise vortheilhaft unterschieden, deren Sünden aber auch auf Rechnung des für alle Fremden angewendeten Sammelbegriffes „Christen“ gestellt wurden. Alle diese Missbräuche haben, im Vereine mit den politischen Actionen der europäischen Mächte, schließlich die Erregung des Volkes auf jenen Grad gebracht, dass es zur Gewaltanwendung schritt. Schon zu Ende der Neunziger Jahre kamen in den verschiedenen Theilen China’s fremdenfeindliche Bewegungen zum Ausdrucke, welche zu Ende des Jahres 1899 in der Provinz Schantung einen allgemeinen Charakter annahmen und sich zu Anfang des Jahres 1900 auch über Petschili ausdehnten. Bewaffnete Banden durchzogen das Land, zerstörten christliche Ansiedlungen und bedrohten die Fremden. Die im Jänner 1900 von den Gesandten in Peking bei der chinesischen Regierung erhobenen Vorstellungen, veranlassten letztere zur Herausgabe eines mäßig gehaltenen Edicts, welches jedoch nichts half, nachdem es im Volke bekannt war, dass auch die Regierung der fremdenfeindlichen Bewegung wohlwollend gegenüberstehe. Als die Aufrührer zur Zerstörung der von Tientsin und von Paotingfu nach Peking führenden Bahnen schritten, ent- Ursachen und Verlauf der chinesischen Wirren. 13 litkv»! sh die chinesische Regierung zur Entsendung von : irn;; et!. welche aber gegen die Aufständischen nicht auftraten,. } . ’t ihnen sogar sich zu verbrüdern begannen. ir zunehmende Unsicherheit im Lande veranlasste endlich k ^c-ocadten in Peking, sich von den, in den chinesischen Ge- e uuvn ationierten Kriegsschiffen Schutzwachen in der Stärke von ' -■ Aid Lk&.m zu erbitten. Diese Schutzwachen, in der Gesammtstärke W-V‘i h it .1 500 Mann trafen nach und nach bis zum 3. Juni in Pc r r . ; noch an demselben Tage wurde die Bahn zwischen ; Pci.r • Tientsin endgiltig unterbrochen. ]i> - ’Aa' Sie weiteren alarmierenden Nachrichten über das bedroh- ;| ÜTiu faftreten der Boxer gegen die Fremden in Peking, haben % wu; 7 & jge später die Commandanten der vor Taku liegenden j ^»M'Jucitjfe beschlossen, ein Ex p e d i ti o n s c o r p s dahin zu ent- ‘b & »riui, -;,i die Gesandten aus ihrer gefährlichen Lage zu befreien.. ir.3 mi Marine - Detachements der k. und k. österreichisch - un- i 'u-cüm dann der deutschen, französischen, englischen, italienischen, • luosowwt und amerikanischen Kriegsschiffe bestehende Abtheilung ■-v ..coammtstärke von rund 2000 Mann unter Commando des ir, 2 «cjiiiiu Admirals Seymour, wurde am 10. Juni auf drei Eisenit n; von Tongku abgesendet. Nach Zurücklassung von 400 Mann ji ' jfjtCHri zum Schutze der dortigen Fremden und zur Sicherung gelangte das Detachement nach zwei Tagen bis Lang- fh v. n •;,« 10 km von Peking), wo infolge größerer Bahnzerstöruugen unmöglich wurde. Gleichzeitig machte Mangel an Wai '■vrA Proviant und M JUWri !U£.mi Mangel an Wasser und Proviant fühlbar, nachdem • r mi Proviant und Munition nachgefolgter Eisenbahnzug, '*Willi'i unterer Bahnzerstörungen, zum Umkehren nach Tientsin ::i worden war. In den nächsten Tagen fanden Kämpfe in ■i,-.* ' co-::n von Langfang statt, wobei sich bereits Munitionsmangel nr teilte, so dass schließlich ein am 16. Juni zusammen- Kriegsrath den Rückzug beschloss, welcher unter fast un- ; . -i 'u.»ner Belästigung durch den Gegner, am 19. über Yangtsun n wurde. Zwischen dem 22. und 26. Juni hatte das De- IkwilturwiU nächst Tientsin harte Kämpfe zu bestehen, um sich nach |a iuei Bit, welche inzwischen von den Boxern eingeschlossen noi-it "«**, durchzuschlagen. Dies gelang erst am 26. mit Hilfe j if.jscn j • '■ nippen, welche von Tientsin aus einen Verstoß machten- i; -ei ?te des Detachements Seymour betrugen 61 Todte und P. -«•wuHjdete. Die Expedition scheiterte zumeist an der un- , | en u e e den M u nitionsau srüstun g. ;y-- 14 Wöj eik. Inzwischen sind am 17. Juni, also zur Zeit, wo das Detachement Seymour bei Langfang zur Umkehr gezwungen wurde, von den Kriegsschiffen der verbündeten Mächte die Taku-Forts genommen worden. 1 ) Die Veranlassung zur Wegnahme dieser Forts gaben die Vorgänge in Peking und Tientsin, wo die Fremden arg bedrängt wurden. Der Besitz der Taku-Forts war für die Verbündeten deshalb nothwendig, weil selbe die Verbindung zwischen dem Meere und Tientsin sperrten; überdies musste durch irgend eine ernste Handlung auch die Kraft der Verbündeten zum Ausdrucke gebracht werden, um die Boxerbewegung einzuschüchtern. Es wurde daher am 16. Juni an den chinesischen Commandanten ein Ultimatum gerichtet, die Forts bis zum nächsten Tage 2 Uhr früh zu räumen, widrigenfalls selbe mit Gewalt genommen würden. An demselben Tage wurde auch ein Landungsdetachement von ca. 600 Matrosen .(darunter 20 k. und k. österreichisch-ungarische), zum Schutze des Bahnhofes nach Tongku (etwa 10 km. westlich Taku) befördert, wo sich bereits über 300 japanische Matrosen befanden. Da die großen Kriegsschiffe nur ungefähr 8 Seemeilen an die Küste bei Taku heranfahren können, so standen nur neun kleinere flachgehende Kriegsfahrzeuge, d. i. kleine Kreuzer und Kanonenboote für den Angriff zur Verfügung. 2 ) Von denselben lagen zwei im Peiho - Flusse bei Tongku, die übrigen an der Mündung dieses Flusses, fast unmittelbar neben den Forts. Noch vor Ablauf des Ultimatums, d. i. am 17. Juni nach 12 Uhr nachts, wurde von den chinesischen Forts das Feuer auf die an der Mündung des Peiho stehenden Kriegsschiffe eröffnet, welch’ letztere nun zu einer regelrechten Beschießung der Forts schritten. Die bei Tongku stehenden zwei Kanonenboote, d. i. ein deutsches und ein französisches, dampften sofort heran und nahmen an der gemeinsamen Beschießung theil. Nach 4 Uhr früh war das große Nordfort niedergekämpft. Die früher erwähnten, am Vortage nach Tongku abgesendeten Landungsdetachements, hatten sich inzwischen unter Commando des deutschen Schiffscapitäns Pohl zum Sturme auf das Nordfort bereitgestellt und dasselbe gegen 5 Uhr *) Letztere bestanden aus vier größeren und zwei kleineren Lehmforts knapp an der ganz flachen Küste auf beiden Ufern der Paiho-Mündung. Sie waren gut sichtbar und gegen Schiffsgesehütze zumeist deswegen nicht haltbar, weil die Vertheidigungsgesehütze ungedeckt auf offenem Walle standen. Die Sturm- freiheit war überdies gering, die Innenräume nur theilweise gedeckt. Die Armierung war modern. 2 ) u. zw. 4 russische, 3 englische, 1 französisches und 1 deutsches. Ursachen und Verlauf der chinesischen Wirren. 15 früh genommen. Hiebei haben sich die k. und k. Österreichischungarischen Matrosen in hervorragender Weise betheiligt. Hier gelang es auch dem k. und k. Linienschiffs-Fähnrich Stenner durch einen Schuss aus einem im Nordfort eroberten schweren Geschütze das Pulvermagazin des noch vertheidigten Südforts in die Luft zu sprengen, wodurch auch dieses sturmreif wurde. Später fielen auch die übrigen Forts und gegen 7 Uhr früh war der Kampf im wesentlichen beendet. Die Verluste der Verbündeten betrugen 118 Todte und Verwundete, jene der Chinesen ca. 700 Mann. Ein russisches und das deutsche Kanonenboot wurden hiebei von den chinesischen Geschützen stark beschädigt. Nach der Einnahme von Taku trachteten die Ver- 0 bündeten, den bedrohten Fremden in der circa 40 km von der Küste entfernten Stadt Tientsin baldmöglichst Hi 1 fe zu bringen. Es waren dorthin schon bei Beginn der Unruhen von den Kriegsschiffen kleine Landungsdetachement entsendet worden, welche mit den von Admiral S e y m o u r zurückgelassenen 400 Mann, die Stärke von 600 Mann erreichten (darunter 40 k. und k. Matrosen). Diese Abtheilung hatte aber angesichts der von außen zuströmenden Boxer und der feindseligen, gegen eine Million zählenden chinesischen Stadtbevölkerung einen schweren Stand. Schon am 15. Juni, d. i. zwei Tage vor der Einnahme der Taku-Forts, begannen in Tientsin die Feindseligkeiten, und als am 17. Juni die Nachricht von der Einnahme dieser Forts eintraf, wurden die im südöstlichen Theile der Stadt befindlichen Fremden-Niederlassungen von einer im nordwestlichen Theile derselben gelegenen Citadelle aus Geschützen beschossen. Es war damals schon unter den Chinesen, angeblich vom Hofe aus, allgemein die Parole ausgegeben worden, alle Fremden zu vernichten; und auch die chinesischen Truppen erhielten den Befehl zur Eröffnung der Feindseligkeiten. Vorläufig batte das Detachement in Tientsin, dessen Stärke um den 2 0. Juni durch russische Landtruppen allmählich auf etwa 2000 Mann anwuchs, nur mit Boxern zu thun, deren Angriffe es zurück weisen konnte. Am 21. Juni wurden weitere Verstärkungen bei Tongku gelandet; dieselben bestanden hauptsächlichst aus Bussen und zählten circa 2000 Mann unter Commando des russischen Generals Stössel. Dieses Detachement traf nach einigen Belästigungen durch Boxerbanden am 2 3. Juni in Tientsin ein, woselbst drei Tage später auch das früher erwähnte, im Rückzug befindliche Expeditionscorps S e y m o u r den Anschluss erreichte. 16 W 6 j e i k. Die nächsten Tage vergiengen unter fortwährenden Kämpfen gegen die Boxer und gegen reguläre chinesische Abtheilungen. Inzwischen trafen in Tientsin nach und nach weitere Verstärkungen ein, welche vornehmlich aus russischen, japanischen, englischen, französischen und amerikanischen Landtruppen bestanden, so dass am 11. Juli die Stärke der Verbündeten rund 1 2.0 00 Combattanten betrug. Nach mehrtägigen harten Kämpfen wurde am 15. Juli die von einer hohen Mauer umgebene Chinesenstadt, welche für die von auswärts angreifenden Chinesen einen guten Stützpunkt bildete, genommen. Die Verluste der Verbündeten betrugen hiebei 90 Todte und 585 Verwundete. Der drei Tage später in Tientsin zusammengetretene Kriegs- rath hat angesichts der verzweifelten Lage, in welcher sich das in Peking belagerte Gesandtschaftsviertel befand, eine sofortige Offensive auf Peking beschlossen. Als aber kurz darauf überlegene feindliche Kräfte (d. i. modern bewaffnete Truppen und Boxer) bei P e i t s a n g, d. i. wenige Kilometer nordwestlich Tientsin, in befestigten Stellungen constatiert wurden, welche die Richtung auf Peking sperrten, und als noch andere chinesische Streitkräfte süd- ' westlich und westlich von Tientsin gemeldet waren, glaubte man sich zu schwach, um eine Offensive mit den jetzt verfügbaren Streitkräften, welche in diesen Tagen auf circa 20.000 Mann anwuchsen, bis Peking unternehmen zu können. Man wartete daher auf weitere Verstärkungen, welche sich am Wege befanden. Es ist vornehmlich der Initiative und dem fortwährenden Drängen der Japaner, beziehungsweise deren Commandanten zu verdanken, dass man sich anfangs August endlich zum Angriff auf den bei P e i t s a n g stehenden, auf circa 25.000 Mann geschätzten Feind und zur weiteren Offensive auf Peking entschloss. Die Stärke der Verbündeten betrug zwar damals über 25.000 Combattanten, 1 ) aber es musste angesichts der südwestlich von Tientsin gemeldeten chinesischen Streitkräfte in der Stadt eine größere Besatzung zurückgelassen werden, so dass der am 5. August erfolgte Angriff auf Peitsang nur mit 16.000 Mann und 112 Geschützen unternommen werden konnte. Hiebei wurden die Chinesen in großer Unordnung zurückgeworfen. Die Verluste der Verbündeten betrugen hier etwa 280 Mann, jene der Chinesen waren bedeutend größer. 9 Darunter: 75 österr.-ung. Matrosen, 150 Italiener und 300 Deutsche, der Rest Russen, Japaner, Engländer, Franzosen und Amerikaner. Ursachen und Verlauf der chinesischen Wirren. 17 Mit Ausnahme der deutschen, italienischen und österreichischungarischen Matrosen, welche nach erfolgter Theilnahme am Gefechte zum Schutze von Tientsin zurückgeblieben sind, wurde auf Initiative der Japaner, mit den 16.000 Mann sofort die weitere Vorrückung auf Peking fortgesetzt. Die Verbündeten gelangten, ohne auf ernsten Widerstand zu stoßen, am 6. August bis Yangtsun, am 12. bis Tungtschou und am 13. bis vor die Mauern Pekings. (Der Plan von Peking ist in der Beilage 2 ersichtlich.) Als Angriffspunkt wurde von den Japanern das nördliche, von den Russen, welchen sich auch eine kleine Abtheilung Franzosen angeschlossen hatte, das südliche Ostthor der Tartaren- stadt, sowie der an die Chinesenstadt anschließende Theil der östlichen Mauer gewählt. Die Engländer und Amerikaner rückten durch die Chinesenstadt auf die zunächst des Gesandtschaftsviertels befindlichen beiden mittleren Südthore vor. Bei dem am 14. August erfolgten Angriff auf Peking konnten die äußeren, circa 9 m hohen und bis zu 7 m breiten Mauern der südlichen Chinesenstadt, da sie nur schwach und zum Theile gar nicht vertheidigt worden sind, leicht in Besitz genommen werden; aber die gut verteidigten ungefähr 16 m hohen und 11 m breiten Mauern der eigentlichen Stadt (Tartaren- oder Mandschurenstadt), in welcher sich auch der kaiserliche Palast, die Regierungsgebäude und das Gesandtschafts - viertel befindet, ließen sich trotz mehrstündiger Beschießung, nur nach erfolgter Sprengung der Thore überwinden. Inzwischen war es dem englischen Generallieutenant G aselee gelungen, mit einer Compagnie indischer Sikhs durch den zwischen den beiden angegriffenen Thoren an der Südseite der Stadt befindlichen offenen Abzugscanal, unter der Mauer in die Stadt einzudringen und das knapp neben diesem Canal befindliche Gesandtschaftsviertel zu erreichen. Nachdem auf diesem Wege auch noch andere englische und amerikanische Truppen gefolgt waren und den auf der Mauer befindlichen Chinesen in den Rücken kamen, räumten letztere ihre Stellung. Dadurch wurde den Russen, welche, trotz größter Tapferkeit, nur langsam in den Besitz der Mauer auf der Ostseite der Stadt gelangen konnten, die endliche Besitzergreifung derselben erleichtert. Gleichzeitig haben sich auch die Japaner im Osten der Stadt, nach neunstündiger Beschießung der Mauer und Sprengung der Thore, ohne fremde Hilfe den Eingang in die Stadt erzwungen.. Damit war Peking im Besitze der Verbündeten und es wurde dadurch auch das bereits seit mehreren Wochen belagerte Gesandtschaftsviertel befreit. 2 18 W oj cik. In Peking haben sich inzwischen seit dem Beginne der U nruhen folgende Ereignisse abgespielt: Wie bereits früher erwähnt, hat die zunehmende Unsicherheit in Peking die Gesandten veranlasst, der chinesischen Regierung Vorstellungen zu machen und sich gleichzeitig von den vor Taku liegenden Kriegsschitfen Schutzwachen zu erbitten, welche zusammen die Stärke von rund 5 0 0 Mann erreichten und bis 3. Juni per Bahn in Peking eintrafen. Es schien zwar durch wenige Tage, als hätte die chinesische Regierung die Absicht, die Unruhen wieder zu unterdrücken; als aber kurz darauf, d. i. am 10. Juni, der fremdenfeindliche P r i n z T u a n, ein offenkundiger Protector der Boxer, zum Mitglied der Regierung ernannt wurde, nahm der Aufstand plötzlich eine ganz ausgesprochene Form an. Eisenbahnen und Telegraphen wurden zerstört, Kirchen und Klöster in Brand gesteckt, Missionäre und christliche Chinesen angegriffen und zum Theile niedergemetzelt. Auf die Nachricht von der am 17. Juni erfolgten Eroberung der Taku-Forts, erhielten die Gesandten von der chinesischen Regierung die Aufforderung, Peking zu verlassen, nachdem nunmehr der Kriegszustand eingetreten sei. Dieser Aufforderung konnte nicht entsprochen werden, weil die Europäer unterwegs zum Opfer der viele Tausende zählenden Boxerbanden gefallen wären. Man beschloss daher, in Peking zu verbleiben und sich bis zu dem erhofften baldigen Eintreffen weiterer europäischer Truppen innerhalb des Gesandtschaftsviertels zu behaupten. Der chinesische Hof nahm nun eine ausgesprochen feindselige Haltung gegen die Gesandten an und es begannen Boxer und Regierungstruppen das Gesandtschaftsviertel von allen Seiten einzuschließen. Am 2 0. Juni wurde auch unter den chinesischen Soldaten die Parole ausgegeben, alle Fremden zu tödten. Als nun an diesem Tage der deutsche Gesandte Freiherr vonKetteler sich zum chinesischen Regierungsgebäude begeben wollte, um der Regierung Vorstellungen zu machen, wurde er auf dem Wege dahin von einem chinesischen Soldaten erschossen. Tagsdarauf eröffneten chinesische Truppen das Feuer auf die Gesandtschaftsgebäude, welche von niedrigen Mauern umgeben waren und flüchtig in Ver- theidigungszustand gesetzt worden sind. In den folgenden Tagen wurden die Gesandtschaften vom feindlichen Feuer ziemlich oft belästigt und sogar Stürme gegen diese unternommen, welche man jedoch abzuschlagen im Stande war, da selbe ganz planlos und vereinzelt zur Durchführung gelangten und auch die Beschießung Ursachen und Verlauf der chinesischen Wirren. 19 mit Gewehr- und Geschützfeuer ganz planlos war, so dass es eher den Anschein hatte, als wollte man dadurch die Gesandtschaften nur belästigen, aber nicht niederkämpfen. Am 1 7. J u 1 i, d. i. in der vierten Woche der Belagerung, wurde von den Chinesen ein Waffenstillstand angeboten, welcher 24 Tage dauerte. Die Chinesen waren zu diesem Waffenstillstände wahrscheinlich durch die Nachricht von der zwei Tage vorher seitens der Verbündeten erfolgten Einnahme der Stadt Tientsin veranlasst worden, fürchteten jetzt den schlechten Ausgang ihrer Sache und heuchelten Versöhnlichkeit. Als aber nach dem am b. August stattgefundenen Gefechte von Peitsang die etwa 16.000 Mann starke Entsatzcolonne der Verbündeten gegen Peking die Vorrückung aufnahm, begannen die Chinesen, vielleicht in der Hoffnung, diese Colonne leicht zurückwerfen zu können, am 10. August wieder mit der Beschießung der Gesandtschaften. Diese Beschießung dauerte nur kurze Zeit, worauf sich noch an demselben Tage einige Mandarine entschuldigen kamen, dass dies nur aus Versehen geschehen sei. Aber schon am nächsten Tage wurde seitens der Chinesen abermals eine ungefähr eine Stunde dauernde Beschießung aufgenommen. Am 13. August abends, als die Entsatzcolonne d'er Verbündeten schon vor den Mauern Peking 1 s stand, machten die Chinesen einen ernstlichen Versuch, sich des Gesandtschaftsviertels zu bemächtigen und eröffneten von allen Seiten ein so heftiges Feuer, wie es vorher während der Belagerung noch nicht vorgekommen war. Die chinesischen Infanterie-Stellungen waren, wie in den früheren Tagen, bis auf wenige Meter, einzelne Geschütze bis auf etwa 100 m vor der Umfassung der vertheidigten Gesandtschaften in Deckungen placiert, so dass man von diesen Gesandtschaften aus die Aufforderungen einzelner chinesischer Führer hören konnte, welche vergeblich ihre Mannschaft zum Sturme zu bewegen suchten. Wenn das auf die Gesandtschaften abgegebene Feuer planmäßig geleitet und gezielt worden wäre, so hätten die Gesandtschaften trotz tapferster Gegenwehr, schon dem ersten Angriffe erliegen müssen, denn es standen zur Vertheidigung von zusammen über 1500 m langen angreifbaren Fronten nur gegen 500 Soldaten nebst einigen Freiwilligen, sowie wenige Maschinengewehre und Geschütze zur Verfügung, während die Chinesen viele tausend Mann und eine große Anzahl von Geschützen hatten. Es musste selbst ein Angriff mit wenigen Hundert Mann gelingen, wenn dieser durch Geschützfeuer gut vorbereitet und an einem Punkte mit Ent- 2 * 20 Wöj eik. schiedenheit durchgeführt worden wäre. Aber diese Energie besaßen die Chinesen nicht, denn sie kamen aus ihren Deckungen nicht heraus und wenn es einmal den chinesischen Führern gelungen war, ein Häuflein ihrer Soldaten einige Schritte über die Deckung vorzubringen, so wurde es rechts und links nicht unterstützt und lief nach den ersten Schüssen des Vertheidigers wieder in die Deckung zurück. Infolge der langen Belagerung war die Zerstörung durch Artillerie-Geschosse eine sehr große und die Verluste der Belagerten empfindliche. Überdies mussten schon in den ersten Tagen der Belagerung die im östlichen Theile des Gesandtschaftsviertels isoliert gelegenen k. und k. österreichisch-ungarischen und die italienischen Gesandtschaftsgebäude aufgegeben werden. Am 14. August, d. i. am nächsten Tage nach dem letzten und stärksten Angriffe auf die Gesandtschaften, wurde — wie erwähnt — Peking von der verbündeten Entsatzcolonne eingenommen. Der kaiserliche Hof flüchtete von Peking; die chinesischen Truppen zogen sich theilweise aus der Stadt zurück, theilweise warfen sie ihre Uniformen und Waffen weg und mischten sich unter die Bevölkerung. Vier Tage nach der Einnahme von Peking erschienen dort auch die in Tientsin zurückgebliebenen k. und k. dann italienischen und deutschen Matrosen - Detachements in der Stärke von circa 200 Mann. Am 2 3. August traf dort auch das 1. und am 31. das II. deutsche Seebataillon mit dem Generalmajor Hopfner ein. Die verbündeten Truppen trachteten zuerst die Umgebung von Peking von Boxerbanden zu säubern, was Ende August und anfangs September zu kleinen Gefechten führte. So z. B. hatte am 11. September der deutsche Generalmajor von Hopfner mit den beiden Seebataillonen und einer Marinefeldbatterie circa 35 km südwestlich Peking bei Lianghsiang eine Affaire mit Boxern gehabt und auch am 25. September wurden von den Deutschen knapp südlich Peking bei Nanhung Boxerbanden vertrieben und gegen Boxerdörfer Executionen durchgeführt. Inzwischen trafen am Kriegsschauplätze immermehr Truppen ein, welche im Laufe der Monate Juli und August von den verbündeten Mächten aufgeboten wurden. Ursachen und Verlauf der chinesischen Wirren. 21 Nach der am 14. August erfolgten Einnahme von Peking haben sich am Kriegsschauplätze, mit Ausnahme einzelner Zusammenstöße mit kleinen Boxerbanden, wie z. B. jener bei Liangh- siang und Nankung, bis gegen Ende September keine wesentlichen Vorfälle ereignet. Die Chinesen waren in kleinen, zum Theile in Auflösung begriffenen Truppenabtheilungen und Boxerbanden, in der ganzen Provinz zerstreut. Nur noch Shanhaikwan war mit ca. 12.000 und die Peitang - Forts mit 5000 Mann besetzt. Die Verbündeten, deren Stärke Mitte September etwa 60.000 Mann betrug, standen in zwei größeren Gruppen bei Tientsin und Peking, dann mit kleineren Gruppen an der Verbindungslinie zwischen diesen Orten, sowie bei Tongku und Taku. (Die näheren Daten über die Stärke, Zusammensetzung und Ausrüstung dieser Truppen enthält die Beilage 4.) Die kriegerischen Ereignisse, welche sich bisher nur auf der Linie Taku—Tientsin—Peking abgespielt haben, dehnten sich seit Ende September nach und nach auch auf die übrigen Theile der Provinz Petschili aus. Vor der Schilderung dieser Ereignisse wären noch die geographischen Verhältnisse dieser Provinz kurz zu skizzieren: Der Küstenstrich ist auf 2—3 Tagmärsche landeinwärts eine fast baumlose, unfruchtbare Tiefebene, mit vielen Tümpeln und Teichen, sehr schlechten Naturwegen, sehr schütterer Bevölkerung und fast keinen Ressourcen. Der daran anschließende Theil bis ungefähr auf einen Tagmarsch einwärts der großen Mauer ist eine offene, sehr fruchtbare und stark bevölkerte Ebene mit zahlreichen Naturwegen und viel Ressourcen. Das daran anschließende Gebirgsland hat den Charakter eines kahlen und unwegsamen Mittelgebirges. Innerhalb des Gebirgs- landes befinden sich viele fruchtbare Thäler. Die chinesischen Dörfer sind von einer ca. 2 m hohen Lehmmauer umgeben und bestehen meist aus ärmlichen Lehmoder Holzhütten. Die Städte sind in der Regel reich, doch bestehen auch diese meist aus Lehm- oder Holzhäusern. Sie sind durch eine starke, vertheidigungsfähige Mauer geschützt, welche gewöhnlich 6—16 m hoch und 2—7 m breit ist. Solche Städte findet man auf ungefähr 15—30 km voneinander. 22 W öjeik. Die Flüsse haben einen trägen Lauf, steile, brüchige Ufer und sind in der Regel nicht durchwatbar. Die geographische Beschaffenheit des Landes im allgemeinen hat den in der Folge zur Durchführung gekommenen militärischen Actionen nur im Gebirgslande einige Schwierigkeiten geboten. Für die in der Provinz Petschili befindlichen Streitkräfte wurde bekanntlich mit Genehmigung der verbündeten Mächte, ein Armee- Ober - Commando errichtet, welchem sich nur die Franzosen nicht unterstellt hatten. Das Armee - Ober - Commando wurde Mitte August, d. i. zur Zeit der Einnahme Peking’s, in Berlin formiert, reiste am 20. August über Genua ab, traf am 25. September auf der Taku- Rhede ein und etablierte sich am 27. vorläufig in Tientsin. Am 17. October gelaugte es nach Peking, wo es im kaiserlichen Winterpalast Quartiere bezog. Noch kurz vor der Ankunft des Obercommandos in Taku, ereignete sich am Kriegsschauplätze ein bemerkenswerter Vorfall: Ungefähr 10 km nordöstlich des Bahnhofes Tongku, bezw. nördlich Taku, liegen an der Küste die Peitang- Forts, welche von einer, gegen 5000 Mann starken chinesischen Truppenabtheilung besetzt waren. Diese, aus fünf Lehmforts bestehende Befestigung war hauptsächlichst für die Vertheidigung gegen die Wasserseite gerichtet und hatte den Zweck, an dieser Stelle eine Landung von Truppen, welche nur mit flachgehenden Fahrzeugen möglich war, zu verhindern. Von der Landseite konnten die Forts mit schweren Geschützen leicht bezwungen werden. Bis nach Mitte September war diese, in nächster Nähe der einzigen Verbindung liegende Befestigung in den Händen des Feindes und erst am 20. September wurde der Angriff auf dieselbe seitens der Russen von Tientsin und Tongku aus insceniert, wozu auch ein k. und k. Matrosen - Detachement, dann deutsche und französische Truppen eingeladen waren. Nach einer mehrstündigen Beschießung durch schwere Geschütze, Haubitzen und Mörser, wurden die Forts zum Th eile im Sturm genommen, zum Theil freiwillig geräumt. Die Verluste der Verbündeten betrugen hiebei 192 Todte und Verwundete. Nach der Einnahme der Peitang-Forts marschierte ein Theil der Russen (4 Bataillone, 2 Sotnien, 1 Batterie und 6 Maschinengewehre) unter General Zerpitzki in nordöstlicher Richtung über Lutai nach Shanhaikwan, woselbst sie nach einzelnen kleineren. Ursachen und Verlauf der chinesischen Wirren. 2S Gefechten, theils per Bahn, 1 ) theils mit forcierten Märschen am 2. October eintrafen. Shanhaikwan war — wie schon erwähnt — bis Ende September noch von chinesischen Truppen (angeblich 12.000 Mann) besetzt, und es schien, als wäre es den Russen daran gelegen gewesen, sich dieses wichtigen Hafenortes baldmöglichst und ohne fremde Hilfe zu bemächtigen. Der Armee - Obercommandant General - Feldmarschall Graf Wal d e r s e e hat jedoch seinerseits gleich nach der Ankunft in Taku seinen Einfluss dahin geltend gemacht, dass Shanhaikwan und die knapp südlich davon gelegene Landungsstelle Tsching- wantav, von den Verbündeten rasch in Besitz genommen werden, um für den Nachschub auch einen während der Wintermonate benützbaren Hafen zu haben, da die Taku-Rhede bekanntlich im Winter zufriert, somit hier die einzige Verbindung mit dem Meere unterbrochen ist. Die Admirale der verbündeten Mächte, welche schon vorher darüber Berathungen gepflogen hatten, konnten bis dahin über den Zeitpunkt eines Angriffes auf Shanhaikwan nicht einig werden und schoben denselben immer hinaus. Erst nach dem Eintreffen des Armee - Obercommandanten wurde der 2. October für einen Angriff der Kriegsschiffe auf die Forts von Shanhaikwan und eine gewaltsame Landung von Truppen festgesetzt. Tagsvorher, als schon die Dispositionen für den Angriff getroffen waren, traf jedoch auf der Taku-Rhede plötzlich die Meldung ein, dass die chinesischen Truppen Shanhaikwan verlassen haben und dass hierauf ein dort recognoscierendes englisches Kanonenboot 20 Mann gelandet und mit diesen die Forts besetzt hat. Daraufhin setzten sich die Schiffe der verbündeten Mächte (darunter 2 österreichisch - ungarische) im Laufe des 1. October in Bewegung, um an der Besetzung mitzuwirken. Sie erreichten diesen Ort größtenteils in der Nacht zum 2. October und landeten ihre Truppen. Wenige Stunden darauf traf auch die früher erwähnte, über Lutai vorrückende russische Colonne unter General Zerpitzki in Shanhaikwan ein. Die Besetzung von Shanhaikwan wurde von den Verbündeten gemeinsam durchgeführt. Die weitere Thätigkeit der Verbündeten in der Provinz Petschili bestand in der Durchführung verschiedener Expeditionen, welche zum großen Theile durch das Armee - Ober- Oommando, zum Theile durch die Commandanten der einzelnen Contingente anbefohlen wurden. Die Stärke der für die einzelnen *) Diese Bahn war in einzelnen Theilstrecken zerstört. 24 W6j cik. Expeditionen verwendeten Truppen betrug nur in wenigen Fällen mehrere Bataillone nebst Cavallerie und Artillerie; gewöhnlich wurden hiezu nur schwächere Detachements verwendet. Der Zweck dieser Expeditionen war die Vernichtung oder Zurückdrängung der noch in der Provinz Petschili befindlichen, meist zerstreuten kleinen chinesischen Truppen - Abtheilungen und Boxerbanden, ferner die Bestrafung von Boxerdörfern und überhaupt die Pacificierung des Landes. Gleich nach der Ankunft des Armee - Ober - Commandos in Tientsin wurden Vorbereitungen für eine größere Expedition nach Paotingfu getroffen, um die dort, angeblich in großer Zahl stehenden bewaffneten Boxer zu schlagen und diese Stadt wegen der verübten Christenmorde zu bestrafen. Die Verbündeten, deren Stärke damals über 60.000 Mann betrug, standen in zwei Hauptgruppen in Peking und in Tientsin, mit je einer kleineren Gruppe bei Tongku und Shanhaikwan, dann in einzelnen ganz schwachen Gruppen auf der Verbindungslinie zwischen den genannten Orten. Auf etwa drei Tagmärsche westlich von Tientsin waren gegen Paotingfu ein französisches Zuaven- Bataillon und eine Escadron Chasseurs d’Afrique vorgeschoben. Im Einvernehmen mit dem Commandanten des französischen Expeditionscorps wurde seitens des Armee - Obercommandanten für die Expedition auf Paotingfu Folgendes bestimmt: Am 12. October hatten von Tientsin und Peking je eine Colonne gegen Paotingfu zu rücken, einen Tagmarsch davon in Verbindung zu treten und am 19. October diesen Ort gleichzeitig zu erreichen. Jede der beiden Colonnen war rund 6000 Mann stark und bestand aus Deutschen, Italienern, Engländern und Franzosen. Die Tientsiner-Colonne commandierte der französische Brigadegeneral Bailloud, die Pekinger - Colonne der englische Generallieutenant G a s e 1 e e. Beide Gruppen trafen auf ihrem Vormarsche nur auf schwache Boxerbanden und auf einzelne chinesische Garnisonen, welche sich sofort zurückzogen und den Kampf vermieden. Indess war das früher erwähnte, aus Zuaven und Chasseurs d’Afrique bestehende vorgeschobene französische Detachement, welches im Einklänge mit den übrigen Truppen hätte handeln sollen, ganz isoliert bis Paotingfu vorgegangen und hatte die Stadt im Wege von gütlichen Unterhandlungen drei Tage vor dem Eintreffen der Verbündeten in Besitz genommen. Infolge dieser, angeblich durch ein Missverständnis erfolgten vorzeitigen Besitznahme Paotingfu’s durch eiu ganz kleines Ursachen und Verlauf der chinesischen Wirren. 25 Detachement wurde der ernstliche Charakter der Expedition herabgemindert. Nach Vornahme von Boxerbestrafungen in und bei Paotingfu und nach Zurücklassung einer aus Franzosen und Deutschen bestehenden Garnison in der Stärke von 6 Bataillonen, 2 Escadronen und 4 Batterien, marschierten die Truppen zwischen dem 23. und 27. October von Paotingfu zurück, und zwar eine kleine englische Colonne nach Tientsin, der Rest in breiter Front in drei Colonnen nach Peking, welcher Ort zwischen dem 4. und 6. November erreicht wurde. Der mittleren Colonne, welche unter Commando des italienischen Obersten Garioni stand, gelang es die aus mehreren hundert Mann bestehende chinesische Besatzung von Kuanghsien (ca. 60 km südlich Peking) zu überraschen und zur Walfenstreckung zu zwingen. Auch bei der westlichen Colonne fand ein erwähnenswerter Vorfall statt. Diese unter Commando des deutschen Obersten von Normann, gestellte Colonne bestand aus einem deutschen und einem italienischen Bataillon, einer deutschen Feldbatterie und einem indischen Reiter- Regiment. Sie sollte längs des Gebirgsrandes über Itschou und Tangshan nach Peking rücken und unterwegs die in diesen Gegenden gemeldeten feindlichen Abtheilungen zurückwerfen. Die Colonne erreichte am 24. October den Ort Itschou und machte von dort am 28. eine Diversion gegen die etwa 50 km westlich davon gelegene chinesische Mauer bei Tsekingkuan. Ein von dieser Colonne am Abende des 28. vorausgesendetes deutsches Detachement (eine Compagnie mit einem Zuge berittener Infanterie) unter Commando des Majors Förster, stieß nach einem schwierigen Nachtmarsche im Gebirge bei Tagesanbruch auf eine von gut bewaffneten regulären chinesischen Truppen besetzte Stellung. Major Förster schritt sofort zum Angriffe und es gelang ihm nach einem dreistündigen Feuergefechte, an einem Flügel des Feindes einzudringen und denselben zum Rückzug zu zwingen. Das Detachement eroberte dabei im Sturme fünf Geschütze. Die Verluste desselben betrugen 9% an Todten und Verwundeten, jene des ungefähr fünffach überlegenen Feindes waren bedeutend größer. Das Gelingen des Angriffes war der großen Schneidigkeit des deutschen Detachements und der Passivität der Chinesen zuzuschreiben. Das Gros der Colonne Normann traf kurz nach dem Gefechte bei Tsekingkuan ein und es konnte noch ein Zug abgesessener in- 26 W öj eik. discher Reiter bei der Verfolgung mitwirken. Am 6. November ist auch die Colonne Nor mann in Peking eingerückt. Während der Expedition nach Paotingfu waren die Truppen und Stäbe fast ausschließlich in Zelten untergebracht. Die Verhältnisse für den Marsch waren im allgemeinen nicht ungünstig, doch war bei Tage die Hitze noch derart empfindlich, dass Hitz- schläge vorkaraen, während bei Nacht bereits Fröste eintraten. Die verbündeten Truppen wurden auf ihrem Marsche in den Städten und in vielen Dörfern feierlich empfangen. Die Bevölkerung zeigte sich zumeist sehr entgegenkommend, nur ein kleiner Theil derselben hat vor den Truppen die Flucht ergriffen. So waren z. B. die meisten, an Christenmorden betheiligt gewesenen Chinesen geflohen. Einzelne, sich schuldig fühlende, früher fremdenfeindliche Mandarine, welche auf ihren Posten verblieben waren, brachten jetzt ihre Freundschaft zu den fremden Truppen dadurch zum Ausdruck, dass sie auf die Nachricht von dem Anrücken dieser Truppen rasch einige, der meist wegen geringer Vergehen verhafteten Chinesen, als „Boxer“ köpfen ließen und diese Köpfe auf den Thoren der Stadt zur Schau stellten. Man behauptet sogar, dass zu diesem Zwecke auch im letzten Momente einige arme, unterstandslose Chinesen eingefangen wurden. Diese Mandarine wollten dadurch auch ihre Energie bei der Unterdrückung der Boxerbewegung beweisen, aber es kam zuweilen vor, dass auch ihnen die fremden Truppencommandanten die Theilnahme an Christenmorden nachweisen konnten und sie ebenfalls köpfen ließen. So geschah dies z. B. mit dem Mandarin von Paotingfu und Vice-Gouverneur von Petschili. Sechs Tage nach dem Eintreffen der Expeditionstruppen aus Paotingfu, wurde vom Armee- Obercommando eine neue größere Expedition gegen diemongolische Grenze nach Kalgan (etwa 200 km nordwestlich Peking) abgesendet. (Die hiezu gehörigen Skizzen sind in der Beilage 5 enthalten.) Der Zweck dieser Expedition war die Zurückdrängung der im Raume Tschangping- Kalgan gemeldeten chinesischen Truppen, deren Stärke von den Chinesen auf mehrere Tausend Mann geschätzt wurde; ferner die Habhaftwerdung der in dieser Gegend lebenden Boxer, welche an Christenmorden betheiligt waren. Das für die Expedition bestimmte Detachement wurde unter Commando des deutschen Obersten Grafen York gestellt und hatte folgende Zusammensetzung: Ursachen und Verlauf der chinesischen Wirren. 27 Österreichisch-ungarische Matrosen: 1 Compagnie; Deutsche: 1 Bataillon, 1 Beiter-Escadron und 2 Gebirgs- geschütze; Italiener: 1 Bataillon, 4 Gebirgsgeschütze, 1 Zug berittener Infanterie. Zusammen circa 1500 Mann Gefechtsstand. Dieses Detachement marschierte am 12. November von Peking ab und folgte in Eilmärschen den chinesischen Truppen, ohne selbe einholen zu können. Am zweiten Marschtage wurden in Tschangping vier Feldgeschütze erbeutet, welche von den Chinesen in der Eile zurückgelassen worden sind. — Als am 15. November, d. i. am vierten Marschtage, die Colonne in Hwailai eingetroffen war, erhielt man die Nachricht, dass der Feind einige Stunden zuvor den Ort verlassen hätte. Es wurde deshalb am nächsten Tage zeitlich aufgebrochen und ein Doppelmarsch bis Kiming (circa 43 km) gemacht, um den Feind einzuholen. Inzwischen wurden am Wege dahin von der Bevölkerung Nachrichten verbreitet, dass die chinesischen Truppen bei Süanhuafu (35 km nordwestlich Kiming) Widerstand zu leisten entschlossen sind. Die Stärke derselben sollte nach den verschiedenen Gerüchten bis zu 10.000 Mann und 24 Geschütze betragen haben. Das Detachement Graf York setzte den Marsch in größter Eile fort und erreichte Kiming am Abend. Dort erhielt man von der Bevölkerung die Nachricht, dass die bei Süanhuafu befindlichen chinesischen Truppen im Abzüge gegen Südwesten begriffen sind. Daraufhin ist das Detachement am nächsten Tage (17. November) gegen Süanhuafu zeitlich aufgebrochen, um den Feind noch zu treffen. Die Beiter-Escadron wurde in südwestlicher Bichtung dirigiert, um den Chinesen den Weg zu verlegen, oder selbe aufzuhalten. Während des Marsches nach Süanhuafu traf aber die Nachricht ein, dass der Feind bereits abgezogen sei und dass es der fieiterei-Escadron gelungen ist, noch deren Nachhut einzuholen und gegen dieselbe eine erfolgreiche Attaque auszuführen, wobei 30 Chinesen getödtet und einige Trainfuhrwerke erbeutet wurden. In Süanhuafu selbst wurde eine noch zurückgebliebene chinesische Abtheilung ohne Widerstand entwaffnet. In dieser letzten Marschstation vor Kalgan kam das Detachement infolge der in den letzten Tagen durchgeführten anstrengenden- Märsche ziemlich ermüdet an und es musste ein Basttag angeordnet werden. Nur ein kleines Detachement, bestehend aus der k. und k. Matrosen-Abtheilung, dann einer Compagnie Deutschen und Italiener 28 W öj eik. marschierte ohne Rast am nächsten Tage bis Kalgan weiter, wobei die k. und k. Matrosen-Abtheilung die Vorhut bildete. Am nächsten Tage, d. i. am 19. November, traf auch das Gros des Detachements York in Kalgan ein, wo es drei Tage verblieb. Die Truppen wurden hier, wie in den meisten anderen Städten, von der chinesischen Bevölkerung feierlich empfangen. Behufs Erhaltung einer ununterbrochenen Verbindung mit Peking wurden in allen sechs Zwischenstationen Etapenwachen in der Stärke von 30—50 Mann zurückgelasseu. Das k. und k. Matrosen- Detachement stellte diese Wachen in den ersten zwei Marschstationen bei, ein Zug marschierte weiter bis Kalgan. Von den vorerwähnten Etapenwachen hatte nur jene in Hwailai, welche von den Italienern beigestellt war, einen schwachen Boxerüberfall abzuwehren. Die Expedition nach Kalgan war infolge der schlechten Weg- und Witterungsverhältnisse ziemlich beschwerlich. Die Colonne marschierte theils im tiefsandigen Boden, theils auf Gerolle oder steilen Gebirgspfaden, und es mussten dabei auch vereiste Wasserlinien ohne Brücken übersetzt werden, wobei die schwache Eisdecke einbrach und die Truppen im eiskalten Wasser waten mussten. Besonders empfindlich waren die Witterungsverhältnisse. Zuweilen stieg die Temperatur in der Sonne auf -j- 15° C. und fiel an demselben Tage auf — 13°. Die Nachttemperaturen schwankten zwischen — 6 und —14°. Aber nicht diese Kältegrade an und für sich, sondern der dabei herrschende, eisige Nordweststurm machte die Kälte fast unerträglich. Dabei führte der Sturm oft Massen von Staub mit sich, wodurch auch das Athmen und das Sehen erschwert wurde. Unter diesen Verhältnissen mussten sowohl Mannschaften, a s auch Officiere zumeist in unbeheizbaren, zuweilen in halb zerstörten Häusern übernachten, wo der eisige Wind hineinblies und die Nachtruhe oft zu einer Qual machte, so dass der Weitermarsch am Morgen eher als eine Erholung angesehen werden konnte. Diesen Umständen war es auch zuzuschreiben, dass die Colonne nach dem sechsten Marschtage in Süanhuafu ziemlich erschöpft anlangte und eine Rast benöthigte. Umsomehr verdient es daher, hier hervorgehoben zu werden, dass die k. und k. Matrosen-Abtheilung freiwillig, bei Verzicht auf die Rast, mit der deutschen und italienischen Compagnie nach Kalgan weitermarschierte. Am 2 3. November trat das Detachement Graf York den Rückmarsch nach Peking an, nachdem der Zweck der Expedition erfüllt war und man weit und breit keine chinesischen Truppen zu sehen bekam. Ursachen und Verlauf der chinesischen Wirren. 29 Auf diesem Rückmärsche wurden behufs Bestrafung von Boxerdörfern, kleine Abtheilungen seitwärts abgetrennt, welche sich dann wieder dem Gros anschlossen. Eine dieser hauptsächlichsten Nebenexpeditionen war jene nach Yung-ping, zwei Tagmärsche seitwärts der Hauptmarschlinie, wobei die k. und k. Matrosen-Abtheilung bei abermaligem Verzicht auf einen Rasttag, ebenfalls freiwillig betheiligt war, weil bei dieser Nebenexpedition ein feindlicher Zusammenstoß erhofft wurde. Inzwischen hat am 30. November der deutsche General Freiherr von Gayl das Commando der Expeditionstruppen übernommen, nachdem der frühere Commandant Oberst Graf York am 27. November in Hwailai plötzlich vom Tode ereilt worden war. (Dieser Tod erfolgte durch Kohlenoxydgas-Vergiftung. Es musste nämlich mangels an sonstigen Heizungsmitteln, mit oifenen Kohlenbecken geheizt werden, wobei außer dem erwähnten Todesfall noch öfters Fälle von Erstickungsgefahr vorkamen und die Erstickung nur dadurch abgewendet wurde, dass in den meisten Quartieren durchlöcherte Wände waren, durch welche frische Luft eindringen konnte. Oft standen auch keine solchen Kohlenbecken zur Verfügung und man konnte sich dann nur an den im Hofe angezündeten Lagerfeuern erwärmen, was bei dem herrschenden Wind auch schwierig war.) Am 4. December trafen die Expeditionstruppen wieder in Peking ein, nachdem sie unter diesen schwierigen Weg- und Witterungsverhältnissen mehr als drei Wochen am Marsche waren, und, einschließlich der Nebenexpeditioneu, über 500 km zurückgelegt hatten. Durch die beiden größeren Expeditionen nach Paotingfu und Kalgan, sowie durch die vielen kleineren Expeditionen, welche im Laufe des Herbstes 1900 dann des folgenden Winters ausgesendet waren und das Land kreuz und quer durchstreiften, wurden die noch in der Provinz Petschili befindlichen zerstreuten chinesischen Truppen-Abtheilungen und Boxerbanden vertrieben, die Macht der Verbündeten erneut zum Ausdrucke gebracht und die fremdenfeindlichen Elemente in der Bevölkerung entsprechend eingeschüchtert. Es wurde mit einem Worte durch die Maßnahmen des Armee- Obercommandanten die Ruhe und Ordnung in der Provinz Petschili wieder hergestellt. Das einheitliche Zusammenwirken der verschiedenen Coutingente, welches durch den Einfluss des Armee- Obercommandanten erzielt worden ist und auf die Chinesen einen W 6 j e i k. 30 Eindruck machte, hat augenscheinlich zu dem raschen Friedensschluss auch wesentlich beigetragen. Da der Einfluss des Armee- Obercommandos nur auf die Provinz Petschili beschränkt war, so wurden über die Grenzen dieser Provinz keine Operationen unternommen, wozu übrigens behufs Erreichung dauernder Erfolge, bekanntlich weit mehr Truppen nothwendig gewesen wären, als that- sächlich zur Verfügung standen. Die Richtungen der hauptsächlichsten Expeditionen sind in der Beilage 6 ersichtlich. Über die Situation der chinesischen Streitkräfte im Herbst 1900 und im darauffolgenden Winter, sind die widersprechendsten Angaben gemacht worden. Man konnte aus den verschiedenen Nachrichten entnehmen, dass sich ungefähr drei Tagmärsche nördlich und nordöstlich Peking einige Tausend chinesische Soldaten, meist in kleinen Abtheilungen zerstreut, herumtrieben, und zwar sollen dies die Reste der Ende September aus Shanhaikwan zurückgegangenen chinesischen Besatzung gewesen sein. Weiters sind an der großen Mauer zunächst der Westgrenze Petschili’s, meist in der Gegend westlich und südwestlich von Paotingfu, einzelne chinesische Abtheilungen in der Stärke von mehreren hundert Mann nebst Geschützen gestanden, welche die dortigen, gegen die Provinz -Schansi führenden Pässe besetzt hielten. Dahinter sollen bei Wuthai und bei Thayüanfu Reserven in der Stärke von mehreren Tausend Mann gestanden sein. Ferner befand sich sieben bis zehn Tagmärsche südlich Paotingfu der chinesische General M a mit etwa 20.000 Mann gut ausgebildeter Truppen. Nachdem anfangs Jänner ein principielles Einverständnis über die Friedensbedingungen erzielt worden war, hat das Armee-Ober- commando eine Demarcationslinie festgesetzt, welche im Norden und Westen längs der inneren großen Mauer, im Süden auf ungefähr sieben Tagmärsche von Paotingfu lief. Über diese Linie durften die chinesischen Truppen nicht Vorgehen. Einzelne chinesische Ab- theilungen, welche sich dennoch vorgewagt haben, wurden von den ihnen entgegengesendeten Detachements zurückgeworfen. Da aber die Friedensverhandlungen einen trägen Verlauf an- nahmen, hat das Armee-Obercommando den Wiederbeginn von Operationen in Aussicht genommen, und zwar wurde eine Vorrückung über Paotingfu nach Südwesten gegen Thayüanfu in Erwägung gezogen. Hiezu wurden schon im Winter eifrige Recognoscierungen in das dortige Gebirgsland vorge- nommen, wobei man die Wege und wichtigen Räume von Topo- Ursachen und Verlauf der chinesischen Wirren. 31 graphen aufnehmen ließ. Bei diesen Recognoscierungen kamen viele kleine Zusammenstöße mit chinesischen Truppen vor. So z. B. wurde Ende Februar eine am Antsuling-Pass (westlich Paotingfu) stehende chinesische Abtheilung von einem deutschen Detachement zurückgeworfen und dieser wichtige Übergang in Besitz genommen. Auch aus Kuangtschang wurde die chinesische Besatzung vertrieben. Da noch im Monate April 1901 mit dem endgiltigen Abschluss der Friedensverhandlungen von Seite der Chinesen gezögert worden war, hat das Armee - Obercommando eine Expedition von Paotingfu gegen Süd westen auf Huolu anbefohlen, wobei seitens der Deutschen ungefähr eine Infanterie-Brigade nebst Reitern und Geschützen unter Commando des Generalmajor von Kettler verwendet wurde. Die Franzosen betheiligten sich in gleicher Weise an dieser Expedition unter Commando des Generalmajors Bailloud. Nachdem einzelne chinesische Detachements in mehreren Gefechten (23., 24. April) hinter die große Mauer zurückgedrängt worden sind, kehrte das Expeditionscorps anfangs Mai wieder zurück, zu welcher Zeit auch schon der endgiltige Abschluss des Friedens im wesentlichsten gesichert war. Anfangs Juni wurde das Armee - Commando von Ostasien abberufen und mit der Zurückziehung der verbündeten Truppen begonnen. Zur Sicherung der Gesandtschaften in Peking wurde von jeder Macht eine ständige Schutzwache in der Stärke von 100 bis über 400 Mann (zusammen rund 2000 Mann) nebst einigen Geschützen und Maschinengewehren zurückgelassen. Nebst Peking blieben auch die Punkte Tientsin, Tongku, Shanhaikwan, sowie einige dazwischenliegende Bahnstationen bis auf weiteres von den Verbündeten besetzt. Die Gesammtstärke dieser zurückgebliebenen Truppen wurde für die erste Zeit mit circa 7000 Mann festgesetzt. Von Seite Deutschlands verblieb dort eine gemischte Brigade mit dem Stabe in Tientsin. Auf diese Weise fanden die chinesischen Wirren vorläufig einen Abschluss. Es erübrigt noch über die Chinesen selbst, dann über ihre Armee und ihre Kampfweise einiges zu erwähnen: DerChinese im allgemeinen ist genügsam, ausdauernd, geschickt, für sich sehr fleißig, jedoch bei gedungener Arbeit faul. Er ist in der Regel falsch und lügnerisch, bei gerechter Behandlung jedoch anhänglich und leicht lenksam. Die allgemeine Volksbildung ist auf sehr niedriger Stufe, wenngleich in den besseren Ständen 32 W öj eik. sehr viel Gelehrsamkeit betrieben wird, welche aber durch Vor- urtheile stark versteift ist. Im Verkehre untereinander sind die Chinesen sehr höflich und ceremoniell, und selbst die gewöhnlichen Lastträger auf der Straße versäumen es nicht, die üblichen Umgangsformen auch unter sich zu beobachten. Trotz der Gutmüthig- keit und Herzlichkeit, welche der Chinese zu entwickeln vermag, ist er andererseits wieder roh und grausam. Als Machthaber ist er despotisch. Im Ganzen machen die Chinesen den Eindruck eines stark verwahrlosten Volkes, in welchem die Spuren einstiger hoher Cultur und Intelligenz noch nicht ganz verwischt sind. Unter der bestehenden Corruption scheint der Chinese bewusst zu leiden, aber auch er drückt und iibervortheilt seinen Nebenmenschen bewusst. Durch seine große Habgier haben sich bei ihm das Gefühl der Selbstachtung, der Gemeingeist und andere edlere Regungen bedeutend abgestumpft. Die höchste Gemeinschaft, welche der Chinese that- sächlich anerkennt, ist die eigene Familie, für deren Wohl er sein Leben zu opfern im Stande ist. Außerhalb der Familie kennt aber der Chinese nur selten das Gefühl der Zusammengehörigkeit und es ist daher bei ihm auch der Patriotismus nicht entwickelt. Die Tliatsachen der letzten Jahre, besonders die Boxerbewegung, lassen jedoch darauf schließen, dass die Begeisterung und der Patriotismus bei den Chinesen doch entwicklungsfähig sind und dass in der Zukunft eine relativ schnellere Verbreitung dieser Eigenschaften möglich erscheint. Wenn man von jenen sogenannten Boxerbanden absieht, deren Zweck nur Raub und Plünderung war, so erscheint die Boxerbewegung im allgemeinen als eine rein patriotische Bestrebung, um das Land, welches unter der inneren Corruption und unter dem Drucke auswärtiger Einflüsse leidet, wieder aufzurichten. Diese Bestrebungen, welche im Stillen noch weiter an Verbreitung gewinnen, zeigen an und für sich den Beginn einer edleren Gefühlsrichtung im Volke und lassen auf einen erwachenden Patriotismus schließen. Was die chinesische Armee betrifft, so erscheint deren geringer moralischer und sonstiger Wert nur als eine natürliche Folge der bisherigen Verkommenheit des Volkes. Die Armee besteht aus einer dreifachen Kategorie von Truppen, und zwar: 1. Die Provinzial-Truppen oder die Truppen der grünen Fahne. Diese bildeten früher das um die Mitte des XVII. Jahrhunderts geschaffene stehende Heer und sind gegenwärtig zu einer Art Polizeitruppe herabgesunken, welche aus den schlech- Ursachen und Verlauf der ehinesisehen Wirren. 33 testen Elementen des Volkes besteht. Diese Truppen sind jetzt auf die einzelnen Provinzen China’s vertheilt und unterstehen den General-Gouverneuren. Sie sind zum großen Theile mit den allerprimitivsten Watfen (Pfeil und Bogen, Speere, alte Flinten u. dgl.) ausgerüstet. Ihre Gesammtstärke soll rund 500.000 Mann betragen. 2. D ie Man d s c h u- oder Banner-Truppen sind die Nachkommen der ehemaligen circa 200.000 Mann starken mandschurischen Invasionsarmee, welche um die Mitte des XVII. Jahrhunderts China eroberte. Diese Truppen besetzten damals die wichtigsten Punkte des Landes und ließen sich dort ständig nieder. Die jetzigen in China lebenden Mandschuren und die Mandschu-Truppeu sind ihre Nachkommen; sie sind aber bereits degeneriert, haben ihre kriegerischen Eigenschaften verloren und sich durch Mischehen mit der stärkeren chinesischen Rasse zum Theile vermengt. Ein großer Theil der Mandschu - Truppen ist ähnlich wie die Provinzialarmee bewaffnet. Ihre Stärke wird auf circa 200.000 Mann geschätzt, wovon der überwiegende Theil in der Provinz Petschili stand. 3. Die dritte und beste Kategorie der chinesischen Truppen sind die Feldtruppen. Mit deren Aufstellung ist ungefähr vor 50 Jahren behufs Niederwerfung des Taiping-Aufstandes begonnen worden. Später wurden selbe zur Besetzung der wichtigsten Punkte in den Küstenprovinzen verwendet, nach und nach ausgestaltet, von fremden, zumeist deutschen Instructoren ausgebildet und modern bewaffnet. Die Stärke dieser Feldtruppen soll in ganz China ungefähr V 4 Million betragen, wovon vor dem Kriege circa 80.000 in der Provinz Petschili und Schantung, gegen 40.000 in der Mandschurei und 60.000 in den südlichen Provinzen standen. Über die Kampfweise und militärische Ausbildung der Chinesen lässt sich nach fast übereinstimmenden Erfahrungen ihrer Gegner folgendes sagen: Die Chinesen zeigen viel Passivität und eine besondere Vorliebe für die Vermeidung entscheidender Zusammenstösse. Sie sind geschickt im Bau von Feldbefestigungen und in der Anlage von Minen, welche sie sehr gerne anwenden. Dagegen sind sie im Gebrauche der Feuerwaffen weniger gewandt, was nur auf die saumselige Ausbildung zurückgeführt werden muss, da die Chinesen sonst über große körperliche Geschicklichkeit und auch über eine entsprechende Intelligenz verfügen. Als eine der Hauptursachen der Mängel in der chinesischen Armee werden die chinesischen Officiere bezeichnet, welche selbst 3 84 Wöj eik. auf höheren Posten zumeist gar nicht vorgebildet sind, so dass eine Führung oder Leitung der Truppen im modernen Sinne nicht möglich erscheint. Bis in die letzte Zeit soll das Bogenschießen ein Hauptprüfungsgegenstand zur Erlangung der Generalswürde gewesen sein und es wurde auf diese Übungen auch bei der jährlichen Besichtigung der Truppen ein besonderes Gewicht gelegt. Das Scheibenschießen mit Gewehren ist zwar bei solchen Inspicierungen auch vorgenommen worden, aber dies war mehr mit einer reinen Belustigung als mit einer ernsten Übung zu vergleichen. Es fanden sich wohl Männer, die in Erkenntnis der unhaltbaren Zustände, in dieser Beziehung seit langer Zeit Änderungen beantragt haben, aber diese standen vereinzelt da, denn die meisten Functionäre haben es entweder aus Bequemlichkeit oder aus Furcht nicht gewagt, ihre Überzeugung auszusprechen. Es war also hier, gleichwie in den übrigen chinesischen Institutionen, nur das rein persönliche Interesse die Triebfeder aller Handlungen; der Zweck dieser Institutionen, das Wohl des Ganzen kam hier überhaupt nicht in Betracht. Die Kriegswissenschaften, welche bei den Chinesen früher auf hoher Stufe standen, sollen gegenwärtig nur noch ausnahmsweise von einzelnen Officieren flüchtig gepflegt werden. Diese Kriegswissenschaften bestehen zumeist aus Auszügen von früheren, aus dem Alterthume stammenden Büchern und sind sehr umständlich behandelt. Nur bei den wenigen nach europäischem Muster organisierten Truppen haben auch moderne Reglements Eingang gefunden. Noch im vorchristlichen Alterthume galt in China die Kriegskunst als die erste Kunst, beziehungsweise Wissenschaft. Im VIII. Jahrhundert nach Christi, als die Kämpfe mit den Nachbarvölkern seltener wurden, kam die Kriegswissenschaft in Verfall. Damals wurde auf diesem Gebiete wenig Neues geschaffen, man zehrte an zwei aus dem IV. und VI. Jahrhundert stammenden kriegswissenschaftlichen Werken (Suntze und Wutze) und da diese einmal als vorzüglich anerkannt wurden, so glaubte man trotz der veränderten ^Verhältnisse nichts Neues'schaffen zu müssen. Später, als die Feindseligkeiten mit den nordischen Mongolenstämmen häufiger wurden, kam auch in kriegswissenschaftlicher Beziehung mehr Thätigkeit zum Ausdruck. Von den geschaffenen neueren Werken hat das im Jahre 1621 verfasste „Wupeiehi“ einen großen Ruf. Dieses Werk ist aber sehr umständlich geschrieben und besteht aus 2 40 Büchern. Von diesen handeln 111 über Taktik u. dgl. und enthalten zumeist Auszüge aus den Werken des Alter- Ursachen und Verlauf der chinesischen Wirren. 35 thums; 41 Bücher handeln über Disciplin und Exercitien, 53 über Küstenvertheidigung, dann über Kriegsmaterial und Transportdienst; endlich behandeln 95 Bücher die militärische Wahrsagekunst. Viele der in diesen Büchern befindlichen, aus dem Alterthum stammenden Lehren, enthalten auch noch heute, beziehungsweise dauernd gütige Grundprincipien über den Krieg, welche manchmal in etwas sonderbarer, zuweilen aber in sehr klarer Form ausgedrückt sind. Q So z. B. heißt es in einem mit „Grundlehren der Kriegskunst“ betitelten Capitel: „Das Heer ist das Wichtigste im Staate; von ihm hängen Leben und Tod der Unterthanen und das Wohl und Wehe des Reiches ab. Sich nicht ernsthaft mit ihm beschäftigen, es nicht auf den höchsten Grad der Vollkommenheit bringen, heißt wenig Wert auf die Erhaltung des Theuersten legen, was man besitzt.“ Und in dieser Art werden noch viele andere schöne Grundsätze mit verblüffender Richtigkeit angeführt. Aber in der Masse von Wissenschaft, welche aus diesen voluminösen Quellen geschöpft werden musste, scheint man die wichtigsten Stellen übersehen zu haben, denn gerade diese befolgte man nicht. Von der Höhe kriegerischer Tüchtigkeit, welche man bis zum Mittelalter noch ziemlich bewahrt hatte, gieng es in den letzten Jahrhunderten rasch abwärts. Als Hauptursache dieses Niederganges bezeichnet man die Bestrebung der Mandschuren, die militärischen Tugenden bei den Chinesen zu unterdrücken, um selbe leichter in Unterwürfigkeit erhalten zu können. Mit der Zeit gieng aber auch die Kriegstüchtigkeit der Sieger verloren, und sie sanken zu verkommenen Polizeisoldaten herab, welche einer Gefahr nicht mehr in’s Gesicht sehen konnten. Der letzte japanisch-chinesische Krieg zeigte die Folgen dieses Zersetzungsprocesses in ganz auffallender Form und die seit dieser Zeit gemachten, verhältnismäßig größeren Bemühungen zur Hebung der Wehrfähigkeit konnten bisher, wegen der Kürze der Zeit, keine wesentliche Besserung bewirken. Wenngleich, wie früher erwähnt, infolge der gemachten bösen Erfahrungen und der Agitation der patriotischen Vereine ein relativ rascheres Fortschreiten zum Besseren vorauszusetzen ist, so wird anderseits die bereits zu tief eingewurzelten Corruption, noch für lange Zeit hinaus sich als ein Hemmschuh für den Fortschritt fühlbar machen. l ) Siehe Werke von Brandt. 3 * 36 W öj eik. Die Beobachtungen, welche über die internationalen Truppen-Contingente in China gemacht wurden, konnten infolge Kürze der Zeit nicht derart gründlich sein, uni darüber ganz bestimmte Urtheile ausdrücken zu können. Infolge der geringen Gegenwirkung des Feindes und des Unterbleibens größerer Operationen, konnte die Führung der Truppen im großen und die eventuell dabei vorkommenden Reibungen, nicht in dem Grade zum Ausdruck kommen, um daraus irgendwelche wesentliche Erscheinungen hervorheben zu können. Auchim Gefechte hatten die Contingente nur selten Gelegenheit, mit stärkeren Kräften aufzutreten. Nur im Sommer 1900 waren in den ernsteren Gefechten bei Tientsin, dann bei der Einnahme von Peking, seitens einzelner Contingente mehrere tausend Mann betheiligt; sonst fanden zumeist nur kleinere oder weniger ernste Kämpfe statt. Die Erfahrungen, welche in diesen Kämpfen gemacht werden konnten, bieten auch nichts Neues und beschränken sich vornehmlich auf den größeren Munitionsverbrauch, die große Schwierigkeit eines Munitionsersatzes sowie der Befehlsübermittlung im Gefechte, endlich die weniger gefährliche Form der Verwundungen durch das kleinkalibrige Geschoss. Am meisten erwähnenswert erscheint der Umstand, dass in den wenigen ernsteren Gefechten der beim Manne befindliche Munitionsvorrath sich oft als unzureichend erwies und die betreffenden Abtheilungen nur infolge der Passivität der Chinesen vor einer Katastrophe bewahrt wurden. Im allgemeinen konnten die Beobachtungen, welche bei den Expeditionen, Gefechten, Friedensmanövern, Schießübungen u. dgl. gemacht wurden, hauptsächlichst nur über den moralischen Wert, dann theilweise auch über die Ausbildung der Truppen, sowie über die großen Vortheile ihrer vorzüglichen Ausrüstung Anhaltspunkte liefern. Persönlich hatte ich nur Gelegenheit, eine deutsche Abtheilung in einem ernsteren dreistündigen Gefecht gegen chinesische Truppen bei Tsekingkuan aus unmittelbarster Nähe zu sehen. Die wesentlichsten Beobachtungen, welche man dabei machen konnte, waren die schneidige Führung und der Schwung, mit dem sich die Abtheilung gegen den Feind warf. Selbst als die mehrfache Überlegenheit des modern bewaffneten Feindes erkannt wurde, setzte man mit Rücksicht auf dessen geringen moralischen Wert, den Angriff ohne Zögern fort, warf ihn schließlich trotz seines unerwarteten ernsten Widerstandes, nach einem dreistündigen Feuergefechte zurück Ursachen und Verlauf der chinesischen Wirren. 37 und eroberte dabei im Sturme fünf Geschütze. Trotz der großen Übermüdung der Truppe, verfolgte man dann den Gegner noch mehrere Kilometer hinter die Stellung, bis man denselben vollends zerstreut und ihm noch schwere Verluste beigebracht hatte. Dieses Gefecht bietet demnach ein schönes Beispiel von Initiative, Bravour und Zähigkeit. In den sonstigen Kämpfen des Jahres 1900 haben laut Aussagen von Augenzeugen, alle Contingente ihre Tüchtigkeit dar- gethan. Es kann hier nicht unerwähnt gelassen werden, dass laut einstimmiger Ansicht der hierüber orientierten fremdländischen Officiere, die kleinen Detachements der k. und k. Matrosen sich bei jeder Gelegenheit rühmlich hervorthaten. Von den Actionen, an welchen die k. und k. Marinetruppen theilnahmen, sind resümierend hauptsächlichst zu erwähnen: der Sturm auf die Taku - Forts, die Gefechte bei Tientsin, die Verteidigung der Gesandtschaften in Peking, die Affaire bei den Peitang ■ Forts und die Expedition an die mongolische Grenze nach Kalgan. Bei der Einnahme der Taku-Forts hat, wie bereits erwähnt, eine schwache Matrosen-Abtheilung beim Sturme auf das Nordfort in glänzender Weise mitgewirkt und auch zur Einnahme des Südforts wesentlich beigetragen. Während der mehrwöchentlichen Belagerung der Gesandtschaften in Peking hat das dortige kleine Matrosen- Detachement seltene Proben von Ausdauer und Mannesmuth unter den schwierigsten Verhältnissen bestanden; die Leistungen dieses Detachements erhielten ihre Weihe durch den im Kampfe erfolgten Heldentod seines Commandanten, des Fregattencapitäns von T h o m a n n und mehrerer Matrosen. Dem Reste der kleinen Besatzung gelang es, unter Commando des Linienschiffslieutenants Ritter von W i n t e r h a 1 d e r, der Belagerung eines vielfach überlegenen Feindes glücklich zu widerstehen. Hier waren die Matrosen viele Tage lang nur durch einen schmalen Hof von den vorgebauten Laufgräben der vielfach überlegenen Chinesen entfernt, welche aus diesen Deckungen auf 8 m Entfernung ihr Feuer abgaben, aber angesichts des mannhaften Auftretens des kleinen Häufleins Matrosen, einen Sturm nicht zu unternehmen wagten. In den Kämpfen bei Tientsin im Sommer vorigen Jahres haben die Matrosen unter Commando des Linienschiffslieutenants Indrak keine Gelegenheit vorübergehen lassen, um überall mitzuwirken und sich dabei in hervorragender Weise auszuzeichnen. 38 W öjeik. Im September 1900 hat das Detachement in Tientsin unter dem Commando des Linienschiffslieutenants Schusterschitz beim Angriffe auf die Peitang-Forts allgemeine Anerkennung gefunden. Das kleine Detachement war anfangs hinter dem Tete - Bataillon eines anderen Contingents eingetheilt, und als auf der von Sümpfen umgebenen Dammstraße plötzlich eine Stockung eintrat, drang das Detachement seitwärts dieser, durch andere Truppen verstellten Straße, im tiefen Sumpfe watend, ununterbrochen vor, um in erster Linie am Gefechte theilnehmen zu können. Durch den vorzeitigen Rückzug des Feindes kam es hier nicht mehr zum Kampfe, aber der Eindruck, welchen die fremden Contingente von den k. und k. Matrosen erhielten, war auch ein schöner Erfolg. Dieses Vorwärtsstreben kostete einer unter Commando des Seecadeten Papp später nachfolgenden Abtheilung einige Opfer. Sie stieß bei ihrer Vorrückung auf eine Mine, wobei durch die hier erfolgte Explosion Seecadet Papp und ein Mann den Tod fanden. Vierzehn andere Matrosen wurden verstümmelt oder verwundet. Aber auch diese Opfer waren nicht nutzlos gebracht, denn sie mahnten die dahinter folgenden größeren Abteilungen der anderen Contingente zur Vorsicht und schützten sie dadurch vor noch größeren Verlusten. Gelegentlich der Expedition nach Kalgan haben die k. und k, Matrosen Leistungen vollbracht, welche als ganz ungewöhnlich bezeichnet werden müssen. Sie legten unter den schwierigsten Weg- und Witterungsverhältnissen, binnen drei Wochen «über 500 km zurück, ohne einen einzigen Marschmaroden zu haben und trugen gelegentlich dieser Expedition die k. und k. Flagge weit in das Innere des Landes, bis an die Grenze der Mongolei. Die k. und k. Marinetruppen haben daher nicht nur in Bezug auf ihre allgemeine Haltung, ihre Bravour und Disciplin hervorgeleuchtet, sondern sind auch in ihren physischen Leistungen keinem der übrigen Contingente nachgestanden. Diese Umstände wurden auch von den fremden Officieren wiederholt hervorgehoben. Was die Japaner und Russen betrifft, so hatten selbe infolge ihrer relativ großen Stärke und der Theilnahme an den größeren Kämpfen bei Tientsin, sowie bei der Einnahme von Peking, die meiste Gelegenheit gehabt, ihre hohe Tüchtigkeit zum Ausdruck zu bringen. Die Eigenschaften der russischen Truppen sind allgemein bekannt, weshalb hier ihre vorzüglichen Leistungen nicht näher besprochen werden. Ursachen und Verlauf der chinesischen Wirren. 39 Was die Japaner betrifft, so kam in diesem Kriege ihre hervorragende Tüchtigkeit in deutlicher Weise zum Ausdruck. Selbst die im ganz offenen Terrain vorgenommenen Angriffe auf befestigte chinesische Stellungen giengen trotz sehr bedeutender Verluste, mit einer Ruhe und Ordnung vor sich, wie bei einer Parade. Augenzeugen sprechen mit Enthusiasmus von dem zähen Muth der Japaner. Da die japanische Armee für die zukünftige Gestaltung der Verhältnisse in Ostasien, einen der maßgebendsten Factoren bilden dürfte, so werden derselben im Nachfolgenden noch einige Worte gewidmet: Wie bekannt, vereinigt diese Armee in sich die Vorzüge einer sehr guten Organisation mit jenen eines gediegenen inneren Wertes und einer hohen moralischen Tüchtigkeit. Die vortrefflichen Eigenschaften des japanischen Soldaten sind angeblich das Resultat einer durch viele Generationen fortgesetzten eifrigen Thätigkeit der Regierung zur Hebung der soldatischen Tugenden des Volkes und Förderung des Ansehens der Armee. In dieser Beziehung ist auch die pietätvolle Ehrung der vor dem Feinde gefallenen Soldaten erwähnenswert. In allen größeren Garnisonen befindet sich ein, den gefallenen Soldaten gewidmeter Tempel, in welchem die Namen der Gefallenen ersichtlich gemacht sind. Hiezu werden gleich nach dem Einlangen der Verlustlisten vom Kriegsschauplätze diese Namen in einem Amtsblatte allgemein veröffentlicht, damit die vor dem Feinde gefallenen Soldaten in den Tempeln verewigt und vom Volke besonders verehrt werden. Auch in einzelnen Ortschaften sind die Namen der dort zuständigen Gefallenen in Tempeln oder auf Denkmälern verzeichnet. So z. ß. befindet sich in Yokohama ein Denkmal zu Ehren der im Kriege 1894/95 gefallenen, aus dieser Stadt stammenden Soldaten. Dieses Denkmal, auf welchem die betreffenden Namen ersichtlich sind, ist bei Nacht elektrisch beleuchtet. Zweimal im Jahre, d. i. am 6. Mai und am 6. November, wird speciell zur Ehrung der Gefallenen, ein allgemeines Nationalfest veranstaltet, an welchem das ganze Volk theilnimmt und wobei in allen Garnisonen eine allgemeineParade-Aus- rückung stattfindet. Hiebei werden auch den Familien der in der letzten Periode gefallenen Soldaten kleine Erinnerungszeichen mit darauf ersichtlicher Widmung, vom Staate überreicht. Diese Umstände wirken auf den Geist des ganzen Volkes sehr veredelnd und heben das Ansehen der Armee, welche sich in Japan einer besonders hohen Wertschätzung erfreut. Wenn z. B. der Sohn einer 40 W oj cik. Familie assentiert wird, so wird dies in der Familie festlich begangen, wobei diese von ihreü Nachbarn und Bekannten Gratulationen empfängt. Wenn der Sohn vor dem Feinde fällt, so bedeutet dies für seine Familie eine große Ehre und es werden derselben im betreifenden Orte von den übrigen Familien besondere Aufmerksamkeiten erwiesen und ceremonielle Besuche gemacht. Dies geschieht nämlich auch beim Volke auf dem Lande. Diesen und ähnlichen Umständen ist es zuzuschreiben, dass jeder junge Japaner es als ein Glück empfindet, Soldat zu werden, und dass er vor dem Feinde tollkühn wird, weil er weiß, dass sein Tod für ihn und seine Familie eine besondere Ehre bedeutet und dass diese Ehre ihm auch erwiesen wird. Die in dieser Beziehung in Japan herrschenden Gebräuche werden dort nicht allein aus reinen Vernunftsgründen gefördert, um selbst die Eitelkeit des unbedeutendsten Menschen zu seiner Veredelung und zum Wohle des Ganzen auszunützen, sondern es entspringen diese Gebräuche auch einer besonders hohen Auffassung der Pflichten der Pietät. Auch in sonstiger Beziehung ist man in Japan rastlos thätig, das Ansehen der Armee und die soldatischen Tugenden im Volke zu pflegen. Schon in der Volksschule wird dem Kinde der Soldatengeist eingeimpft. Dort werden nicht nur Exercierübungen u. dgl. vorgenommen, die den Körper kräftigen und seine militärische Ausbildung vorbereiten, sondern es wird auch durch ehrende Hervorhebung schöner Beispiele aus der Kriegsgeschichte, der kriegerische Sinn geweckt, so dass schon bei den jungen Knaben der Wunsch rege wird, den schönen Vorbildern nachzuahmen, um gleichfalls wie sie geehrt zu werden. Mit einem Worte, das ganze Volk arbeitet daran, den Wert und das Ansehen der Armee zu heben und die Regierung leitet, beeinflußt und vervollständigt diese Bestrebungen in eifrigster Weise, weil sie darin die sicherste Bürgschaft für eine große Zukunft des Reiches erblickt. Aber nicht nur aus diesen Umständen allein, sondern auch aus der großen Fürsorge für die Armee bezüglich ihrer Stärke, Bewaffnung und Ausrüstung, welche trotz der ungünstigen Finanzlage des Staates nicht außer Acht gelassen wird, ist die sittliche Höhe und der Patriotismus des Volkes und dessen Vertreter zu ersehen, welch’ letztere in dem Wohle des Ganzen auch die beste Förderung ihrer Partei-Interessen erblicken Ursachen und Verlauf der chinesischen Wirren. 41 nnd denen die dauernde, sichere Zukunft des Staates mehr am Herzen liegt, als eine übertriebene Sorge um die Höhe des nächsten Budgets. Was das gegenseitige Verhältnis der verschiedenen Contingente betrifft, so war dasselbe ein freundschaftliches. Die wenigen gegenteiligen Vorfälle waren nur localer Natur und können nicht als Maßstab für die allgemeine Stimmung bezeichnet werden. Insbesondere muss hier das schöne Verhältnis der Officiere sämmtlicher Contingente und der rege Verkehr untereinander, hervorgehoben werden. Wenn in der Fortführung der Vergleiche ich es endlich wagen darf, aus den über die fremden Contingente gewonnenen Eindrücken auf die betreffenden Armeen zu schließen, um diese mit der ge- sammten österreichisch - ungarischen Wehrmacht zu vergleichen, so wird durch diesen Vergleich — bei voller Würdigung der Tüchtigkeit der fremden Truppen — die Überzeugung nur gefestigt, dass die k. und k. Wehrmacht inBezug auf das Ni veau derOfficiere, auf dieFührung, Ausbildung, dann in Bezug auf die Leistungsfähigkeit und den moralischen Wert derTruppe, von keiner andern Armee übertroffenwird. Beilage 4. Stärke, Zusammensetzung und Ausrüstung der verbündeten Streitkräfte. Stärke. Mitte September 1900: Japaner.rund 20.000, überdies in Shanghai 600. Russen. 10.000, bereits im Abziehen behufs Verwendung in der Mandschurei, Deutsche. 10.000, überdies in Kioutschou 1600, in Shanghai 400; Verstärkungen am Wege, Engländer. 8.000, überdies in Weihawei, Shanghai und Hongkong je 3000, Franzosen. 6.000, überdies Verstärkungen am Wege. Amerikaner. 5.000. Italiener. 2.500. Österr.-ungar. Matrosen . 500. Zusammen rund 60.000. Ende September und im October langten noch circa 30.000 Mann Verstärkungen ein, dagegen zogen die Russen, Japaner und Amerikaner einen Theil ihrer Truppen, zusammen circa 20.000 Mann zurück, so dass im October der Gesammtstand der Verbündeten rund 70.000 Mann (davon gegen 60.000 Combat- tanten) betrug. Im December und anfangs Jänner wurden die russischen Truppen noch weiters (auf circa 2000 Mann) reduciert, welche zumeist in Shanhaikwan standen. Auch der größte Theil der früher gelandeten Matrosen wurde auf die Kriegsschiffe zurückgezogen. Ferner sandten die Engländer, welche im Herbste aus Weihawei, Shanghai und Hongkong Verstärkungen herangezogen 1 2 ♦ hatten, bei Beginn des Winters einen kleinen Theil ihrer Truppen nach Hongkong zurück. Anfangs Jänner 1901 betrug demnach die Stärke der Verbündeten (nach Abschlag der Abgänge) rund 60.000 Mann, und zwar: Deutsche rund 19.000, Franzosen 16.000, Engländer 13.000, Japaner 7000, Russen 2000, Amerikaner 2000, Italiener 2000, österreichisch-ungarische Matrosen 350. DieZusammensetzungderTruppenim Wesentlichsten: Franzosen: 2 Infanterie-Brigaden (eine aus 3 Marineinfanterie-Regimentern ä 3 Bataillons, die andere aus einem Linieninfanterie-Regiment mit 3, und einem Zuaven-Regiment mit 4 Bataillonen), ferner: 2 Escadronen Chasseurs d’Afrique, 7 Feld-, 4Gebirgs-Batterien, 2 Genie-Compagnien, 1 Luftschiffer- Abtheilung, Anstalten etc. Engländer: 4 Infanterie-Brigaden (einschließlich der Besatzungen von Weihawei, Hongkong und Shanghai), 1 C a v al 1 erie- Brigade mit 2 Regimentern und einer reitenden Batterie, 1 Ca- vallerie-Regiment, 1 Feldbatterie, Marine - Contingente mit Schiffsgeschützen, technischen Truppen, 1 Luftschiffer-Abtheilung, 1 Telegraphen - Abtheilung, Trains etc. (Mit Ausnahme der Stäbe, dann eines Infanterie - Bataillons und der Artillerie, war Alles ein- geborne, indische Truppen.) Japaner: Bis zum Spätherbst 1 Infanterie-Division, V 2 Eisenbahn-Bataillon, 1 Belagerungs-Batterie, sowie kleinere, in keinen höheren Verband gehörigen Abtheilungen. Die Infanterie-Division bestand aus: 2 Infanterie-Brigaden ä 2 Regimenter ä 3 Bataillone, 1 Cavallerie-Regiment, 1 Artillerie - Regiment, 1 Pionnier - Bataillon (2 Compagnien) mit Brückentrain, 1 Sanitäts - Abtheilung, 7 Munitions-Abtheilungen, 4 Verpflegs-Abtheilungen, 6 Feldspitäler für je 200 Mann, 1 Tele- graphen-Abtheilung, 1 Train - Bataillon (2 Compagnien), Reservepferde etc. Vom Spätherbst an: 1 Infanterie-Brigade, 1 Cavallerie-Regiment, 3 Batterien, x j % Pionnier- Compagnie, Telegraphen- und Eisenbahntruppen-Detachements. Bussen :SommerundanfangsHerbstl900: Ein großer Theil des 1. ostsibirischen Armeecorps und Truppen von der Kwantun- Halbinsel. — Im Spätherbst 1900: 4 Schützen-Regimenter 3 ä 2 Bataillone = 1 Schützenbrigade, 1 Kasaken- Regiment, 3 Batterien, 2 Sappeur-Compagnien, 1 Eisenbahn-Compagnie. Seit Jänner 1901: 1 Schützen-Regiment, 1 Kasaken-Regiment, 1 Batterie, 1 Zug Sappeure. Amerikaner : Im Herbst 1900: 3 Infanterie-Regimenter, 1 Bataillon Seesoldaten, l 1 / 2 Cavallerie-Re- gimenter, 1 Batterie, lPionnier - Compagnie etc. Später: 1 Infanterie-Regiment (3 Bataillone), 1 Es- cadron, 1 Batterie, 1 Pionnier-Detachement etc. Italiener : 1 Bataillon Infanterie, 1 Bataillon Bersaglieri, 1 Gebirgs-Batterie. 1 Pionnier-Detachement, 1 Feldlazareth, 1 Verpflegs-Abtheilung, 1 Bataillon Matrosen. (Die fehlende Cavallerie wurde durch einen in China formierten Zug berittener Infanterie ersetzt.) Österr.-ungar. Matrosen-Detachement : In Peking: 1 Compagnie und 4 (später 2) 7 cm - Geschütze. In Tientsin : 1 Zug. In Shanhaikuan: 1 Zug; Flaggenwachen in Takn und Peitang, Etapen- wache in Tongku. Deutsche: Hatten die einheitlichste und beste Organisation: a) Expeditions-Corps: 3 Infanterie -Brigaden ä 2 Regimenter ä 2 Bataillone und per Regiment eine 9. Compagnie für Etapenzwecke; 1 Jäger-Compagnie, 1 Reiter-Regiment (4 Escadronen), 1 Feld-Artille ri e-Regiment (3 Abtheilungen, zwei davon zu je 2 Fahr- und 1 Gebirgs-Batterie, die 3. Abtheilung mit 2 Feldhaubitz - Batterien, alle Batterien zu 6 Geschützen), 1 Bataillon schwerer Feldhaubitzen (2 Batterien ä 4 Haubitzen), lPionnier-Bataillon (3 Compagnien, 1 Stahlboot-Brückentrain), 1 Eisenbahn-Bataillon, 1 Corps-Telegraphen-Abtheilung, 1 Sanitäts-Abtheilung, 7 Munitions- colonnen (2 Infanterie, 2 Artillerie, 2 schwere, 1 für Feldhaubitzen), 6 Feldlazarette, 3 Proviantcolonnen, 1 Feldbäckereicolonne. b) Marine-Truppen: 2 See-Bataillone, 1 Marine-Feldbatterie, 1 Marine-Pionnier-Compagnie, 1 Sanitäts-Abtheilung, Via Feldbäckerei. Im Herbst 1900 wurden aus den Ständen der vorgenannten Truppen 4 Compagnien berittener Infanterie formiert, da zur Bewachung der Verbindungen und zur Verfolgung 1 * 4 der zerstreuten Boxerbandeu möglichst viel berittene Truppen noth- wendig erschienen. Anmerkung. Der Mobilisierungsbefehl für das Expeditions- Corps wurde am 8. Juli 1900 erlassen, die Absendung der Transporte zwischen dem 27. Juli und 4. August bewirkt. Die Ankunft in Ostasien erfolgte um Mitte September. Ein Theil des Corps, d. i. die 3. Brigade nebst anderen kleinen Abtheilungen, wurde erst anfangs September von Deutschland abgesendet. Die Ausrüstung derContingente wurde mit Rücksicht auf die örtlichen Verhältnisse ergänzt. Die raschen Temperaturschwankungen erforderten auch im Herbst und im Frühjahr warme Unterkleider. Die hohe Sommertemperatur machte specielle Soramer- anzüge aus sehr leichten Stoffen Und Tropenhelme nothwendig. Dagegen mussten für den Winter (eisige Nordweststürme), Pelze, theil- weise auch Pelzmützen, Pelzhandschuhe, Ohrenschützer u. dgl. angeschafft werden. Infolge des schlechten Wassers mussten die Truppen mit Filtern, die einzelnen Garnisonen mit Destillatoren versehen werden. An Unterkunfts-Ausrüstung wurden Officiers- und Mannschaftszelte, Stallzelte; bei einzelnen Contingenten auch Material für Wohn- und Stallbaraken aus Wellblech und Holz, endlich auch Bauholz und Unterkunfts-Einrichtungsgegenstände mitgeführt. Die Sanitäts-Ausrüstung war mit Rücksicht auf die ungünstigen sanitären Verhältnisse des Kriegsschauplatzes (Fieber, Ruhr, Typhus etc.) reichlich bemessen. Die Sanitäts-Einrichtungen waren im allgemeinen sehr entsprechend, besonders beim deutschen und japanischen Contingent, wo man bereits die allerneuesten Fortschritte auf diesem Gebiete verwertete. An Verpflegung hatten die Contingente von Haus aus Vorräthe für durchschnittlich 3 bis 4 Monate mitgenommen. Diese Vorräthe wurden theilweise vom Heimatsland, theilweise an Ort und Stelle durch Kauf oder Requisition ergänzt. Das Schlachtvieh wurde anfangs theilweise aus Australien und Amerika, später aus China beschafft. Der Train: Die meisten Contingente haben einen Theil der nothwendigsten Trains von Haus aus mitgebracht, so z. B. die Sanitätsfuhrwerke, einen Theil der Munitionswagen, fahrbare Feldbacköfen, und auch einen Theil der Bagage- und Proviantwagen. Diese meist vierräderigen Fuhrwerke konnten am Lande nur schwer 5 fortkommen, es wurden daher für die Expeditionen zum größten Theile landesübliche, zweiräderige Karren, dann Tragthiere (Pferde, Maulthiere und Kameele) verwendet. Pferde und Maulthiere wurden von den Contingenten zum größten Theile von Haus aus mitgebracht, zum Theile von auswärts beschafft (meist aus Australien und Amerika). Für die requirierten landesüblichen Karren wurden chinesische Pferde und Maulthiere verwendet. Auch die Tragthiere wurden zumeist an Ort und Stelle durch Kauf oder Requisition beschafft. An Kriegsfahrzeugen waren im Herbste 1900 in den chinesischen Gewässern versammelt: 14 Schlachtschiffe, 15 Panzerkreuzer, 71 Kreuzer, 43 Kanonenboote, 15 Torpedoboote, 4 Küstenpanzerschiffe, 4 sonstige Kriegsfahrzeuge. Darunter befanden sich : 46 englische. 25 japanische, 22 deutsche, 21 französische, 20 russische, 19 amerikanische, 6 italienische, 4 österreichisch-ungarische und 3 holländische. Zusammen 166. Anmerkung: Die Russen hatten außerhalb der Provinz Petschili noch in der Mandschurei namhafte Streitkräfte in Verwendung, und zwar befanden sich anfangs September 1900: ajln Petschili: (Vom 1. osfsibirischen Armeecorps, Generallieutenant L e n e w i c z) 16 Bataillone, 8V 2 Escadronen (Sotnien), 82 Feldgeschütze, 6 Feldmörser, 6 Mitrailleusen, 6 Belagerungsgeschütze, 27 2 Sappeur-Compagnien, 27 2 Eisenbahn-Compagnien, Telegraphen- Abtheilung etc. Diese Truppen wurden, wie früher erwähnt, im Herbste 1900 zum größten Theile in die Mandschurei verlegt, so dass sich im Jänner 1901 nur circa 2000 Mann in Petschili befanden. b) In der Süd-Mandschurei einschließlich des Kwantun-Gebietes: 6 8 Bataillone 4 3 / 4 Escadron (Sotnien) 40 Geschütze und Mörser 5 Compagnien Festungs-Artillerie, 1V 4 Sappeur-Compagnien. c) In der Nord-Mandschurei 25 Bataillone, 25 Escadrouen (Sotnien), 102 Geschütze etc. in mehrere kleine Detachements zertheilt, \ welche in den einzelnen Landestheilen getrennt operierten. Überdies befanden sich in den benachbarten Bezirken des Amur- und Ussuri-Gebietes Garnisonsbesatzungen. In Ostasien standen somit Truppen dreier Corps in Verwendung, und zwar des ersten und zweiten ostsibirischen Armee- Corps und eines speciell für den Krieg formierten combinierten Corps. Anscfdufs cav die sibir.B Beilage /. Nikolsk Ub er sicMs -Karte Airin xr nakodate otoö -KLemskoje OST-ASIEK. JlalgaTi Jap anische Me er Gensarv iidrnsi Golf cÜöA “VDTL PetscHH. abty TortrArÜmr ( ross.) m _ / -^Wcuhjcuvev iscmr> (en ^> Thayan- ul Vi N G >i su ich. Froj smgtau (Deutsch) '^Ijdoutgöhijw Jnammpo naifüig (jelbes Meer Sfdmo noseJd 6 mgatirftv S- ^uelparb Nagasaki Engl. Project H U\P t ankmg Shanghai licaikow Lhasa/ Ostchinesisch.es K I A 7 N G S I Meer HUNAN '^\^_^£HFutschoa Malsstab - 1- IZJWlionerU 1cnv~ 120hm/. cP 0 FORMOSA K u A N Oj ffanzös. ProJ^. OmtoTv (JAPAN). L elendes. Owncu: 5 / 7} / &üv-n,n-+ts pu i' c u w- io o iatüt i/it \ \ t Ehaip (portug) (engl.) T ~0 N K ' ( franx) Bano 0/unH/mo jfyfoeAiic' : 300.000 J/mJ 1 ) : dt, / Siidchine si sch.es Meer (^/w$d^M(///cU(e^ sc*#/ Z500 ZbmS( 3)xeotoon/c 0ete/u>&4ez/f, -dfp/x/Meiitc/. M PHILLIPINEN (AMERIKA«.) Bangkok/ s Y^^aigofi' sw*« 1 ««» Siiaaiion/ /cm, (%rt|#rup /kjtö cf,ccPvzeö 1001 . ( ^Atö / oS\k\i C-ultur Mauerdurchbrudv ( seit 1300) Herbst/ \ Mafsstab-1:50.000. 1cm - 500m,. \er während der Belagerung vertheidigle, Theil der Gesandtschaft#} M/tue-vn derOhhv&sen/Stadt oa.9m,. hoch,, bis zu, 7no breit/, cr&ndlle-rt. Ma,uerrv der Tattccr&nr " ca,.16m>. * . 11m, breit-, crmelient-mut Fla,n,klerungsikiirTne'7v(oMf.VreildlstaTVZ)vcrseheTr, l oben,1k,hhb>*$$!• /#/ Ä ' ,v-. ,,U^ •”f^ ^ A i, / ), ,£"*5 ,v «*-., V'^’<- -^V. >srr"' vc v A < >>2 s 5 . &x$ wnSvi &xqz&a\ÄoaV VW Oxataoiv ^fuxdiS/foifU^' Mevlsstab J : 750.000 7'5 -X— 225 —i - 375 —I— 45 km 1 crrv* 7'5 kmy. Mona ol ei J&mxng Hmailai 27. \ ^ ^^tsckou/ Ttof Tccngshcuv rfsr i4fitJtgl?atsch &to Troaizoscrv Yangtsiuv YorTrirsch. des tuSS «V V y'O Jlimtsirv "x .SS £ * * ArUsutinci • Yasß % Taotmgksiet Ngcrnsw Febril* XV^ZÄTt - I Taotingfu-ijfpgä. (Cöl.Bailloud.) ^ J Rhede Exp- nach SW Golf von Petschili \ ^ Holden/ o f 1 & Queng-ting TN i X W' o Huolu # hegende. Außer den,in, der Skizze ouvaede,ufr,ten /FocvedjtioTLen., s ürd, noch viele, andere,j theils iEberEefehb des Armee,- Ober-CoTTuLos,thcile überjeden der einzelnen, CörztUigents-Cbindtenj. in den,ihnen hiez.ü zugewiesenemJUizumon/Expeditionen vorgcn/ommern, morden,, welche das Land, bis an, die, innere große,Mauer, in, evnz ebnen,Fallen/ auch, darüber hinazos, kreuz uguerdurckstrezfi&v - Die Stärke- der für diese klei neren/ Expeditionen/ verwendeten, Truppen,, betrug in der Hegel/ eine oder mehrere Compagnien,, nebst, Tileinererv Äbtheibungen, von Cavallerio evcnt. auch, einige Geschütze.- ^ Geographische Yerhidtoiisse,: a, .) Juistcnstriek, auf Z ~<3 Tagmärscke . Icmdeimvürtsganz eben,,unfruchtbar,wenigFawmwuchs,sehrschüttereBevöliierting, sehr schlechte Woge, Iteine Hessoiireen/. b. ) der daran, ans chüeßmde, Raum, bis aH das Gebirge (welch! letzteres sich, im allg. längs der inneren, chinesischen,Mauer Tunzieht) ist eine fruchtbare Fbenegnit,sehr dichter FeuÖfkerwngj60~ 100per hnf) vielen Ortschaften,, zaKbr&irhen Wabumvegeru. Wenig Faunvivuchs, fast keine Wälder. Yid, Ressourcen/. C-jRas Gebvrgsland/, welches ungefähr einen Tag marsch einwärts der großen Mauer beginnt t hat den Character eines koch, l&v Mittelgebirges. ist unwegsam., schwer gangbar, üb ersichtlich,. JmverhaZb des Gebbrgs Landes befinden such/ viele, fruchte bare, breite Thäl&r: Törfor: Maust,lehrnhiitterv. - Städte: Durchs cknitdidi, auf Fntfermmger, von, 15-30hm, befunden'sich Städte,welche mit > einer 6d6m hohen, u. Z~ 8 m docken, vertkeidigimgs festen, Aiamr umgeben sind/. GroßeMauer . JnderRegel/ 8~10nv hoch/, 6~7mbreii, ähnlich, wie die, StädtemocueTiv crehellbeT't/u. mit Ylaiiikierungsthur. mrrv / fürTf&iidustcmz) versehen,.-Yor derMau-er sind, auf mehrere, Tagmürschz uv mehreren,I/inien, SigruxlthwriTie- für optische 5iqnod,& vorgeschoben/. Tliitse: Seihst Idtvnere Flüsse sind- zumeist nicht, durchwatbar ■ - Träger Tauf, steile. Ufer. ~ Die Eisenbahnen, ivaren im Sommer 1000 zum-evst/ zerstört/. Jm,0ctober war nur ooufder Strecke, To rtg hu- -TvcjttovTi/ - langte nn der Yerhekr möglich. Terlefkehr auf den übrigen Fafhnstrechen, wurde nach, der durch doe Trappen, erfolgten, Wiederherstellung wie folgt eröffnet. ßaJt-u, Tongku,-Shomhxiük,vuviv Ende, TTovember. ” Peking -Yangtsmv Mitte R&cemiber. " Peking - Tao tingln, Anfang Februar. Mßm.'. J { m x v-* ft Kiw; *s&> S rt i iwwiim P&WffWt-* <* Miss tl >,tiPj-f-ih- r-Kt iy , <‘*y ■®Ä^i 4‘ t’.*)’ t j ■ <& jJj>£ MssanesSiEsfei 7 -vr?'" $"W?, ^V->, I^T'' >+?&?£ V-fK&k täi£- £■: *w»rr ;V-a« ‘■O - ä*» y^y=tr^ :%!*&** 7%** 7>v>£> /2P 5 Mi £^ 1 *T Druck von^Rudolf Rrzezowsky & Söhne. in Wien,