Wiener Stadt-Bibliothek V i Ü •* **M*£±5T }£, ssss 6^3£ * AUS DER ZEIT MARIA THERESIAS. TAGEBUCH DES FÜRSTEN JOHANN JOSEF KHEVENHÜLLER-METSCH, KAISERLICHEN OBERSTHOFMEISTERS 1742 — 1776 HERAUSGEGEBEN IM AUFTRÄGE DER GESELLSCHAFT FÜR NEUERE GESCHICHTE ÖSTERREICHS VON RUDOLF GRAF KHEYEMÜLLER-METSCH UND D R HAOS SCHLITTER. 1752 — 1755 . VERLAG TÜR ÖSTERREICH-UNGARN EÜR DAS DEUTSCHE REICH UND BOSNIEN-HERZEGOWINA; UND DIE ÜBRIGEN LÄNDER: ADOLF HOLZpÄUSEN WILHELM ENGELMANN 1910. IN LEIPZIG. ALLE RECHTE VORBEHALTEN. IM /n oo{'f Inhaltsverzeichnis. Tagebuch 1752 1754 . * 1755 . Anmerkungen und Anhang . . . Personen- und Sachregister . Ergänzungen und Berichtigungen . Seite 1 83 158 221 276 576 638 1752 . Den 1. Januarii wohnte der Kaiser gewöhnlichermaßen der Andacht bei denen Jesuitern bei; die Kaiserin führe aber nicht mit, weillen sie sich mit einem starcken Schnuppen incommodiret befunden, wesswegen auch das öffentliche Dine und Appartement contremandiret wurde. Den 2. erschine ich zum erstenmahl seit meiner Unpäßlichkeit wiederumen bei Hoff und küste beiden Herrschaften die Hand, das selbe die Gnad haben wollen, während meiner Krankheit zu mir zu schicken und sich um mich allergnädigst zu erkundigen; ich accom- pagnirte sodann den Kaiser, welcher wegen des heutigen Sonntags öffentlich zur Capellen gienge. Den 5. wäre ich bei Gr. y. Ulfeld hei einer Reichsconferenz und abends begleitete ich zur Toison Vesper und blibe dann bei der heutigen lezteren Einrauchungs Function. Den 6. gienge der Kaiser öffentlich mit der Colana zur Capellen; weillen aber die Kaiserin noch nicht von ihrem Schnuppen befreiet, so wäre sonsten nichts bei Hoff zu thun, als das bei denen jungen Herrschafften eingeführter Massen wie sonsten an bestimmten sicheren Tägen, also auch heut öffentlicher Taffel Dienst gewesen. Anbei gienge mann auf der Kaiserin Seiten, um ihrer Gesundheit sich bei der Cammerfreile im Dienst (massen die alte Gräffin gar selten mehr erscheinet) nach gewöhnlicher Art zu erkundigen. Den 9. waren I. M. allschon wiederumen im stand, dem heutigsonntägigen Gottesdienst öffentlich mit beizuwohnen und die Dames zu sehen, jedoch unterblibe der Taffel Dienst und allerhöchst dieselbe kämmen nicht herunter in den Redouten Saal, sondern sahen dem anheut zum ersten Mahl eröffneten und anwiederumen erlaubten masquirten Bai aus der Loge zu. Die Kaiserin hatte denen vill- fältigen und d’une certaine fagon von dem Kaiser selbsten mit unter- stüzten Sollicitationen sothaner Erlaubnus halber sehr lang resistiret, Khevenhüller-Schlitter. 1752—1755. 1 2 1752, Jan. 9.-13. endlichen aber doch in der That, malgrd eile und mit besonderen Restriction- und Modificationen (wie aus dem beiliegenden Impresso zu ersehen) x ) haubtsächlich von darumen nachgegeben, damit die ville hier anweesende Fremde, sonderlich aber der Kaiser einige Unterhaltung haben mögen. Zu gleicher Zeit wurde mit der Loprestischen Impresa tractiret, als welche die Privativam aller Bals und Spectacles noch auf 5 oder 6 Jahr zu geniessen hatte und selber gegen Erlegung einer über 100.000 fl. sich belauffenden Summe Gelds und das biß zu End gegenwärtigen Faschings ihnen alle Emolumenta in beiden Theatris verbleiben sollen, das habende Privilegium und nahmentlich die Direction und Recette deren Baien zuruckgenohmen; anbei hiesse es, die Statt würde dieses Comedie und Baiwesen hinfübro Selbsten administriren, in der That aber hatte der Hoff fürnemlich die Hand darinnen und wurde alles durch das Directorium geführt, welches der Kaiserin von allen Minutissimis referiren und täglich die Listen von denen zur Redoute kommenden Mascheren überreichen müssen. Nach einiger Zeit wurde auch die Meelgrueben, aber nur für dergleichen Leuthe und ohne Masque erlaubet, welche sich zur Redoute nicht qualificirn kunten, wesswegen auch sehr wenige Leuth sich all- dorten sehen Hessen. 2 ) Den 10. wäre Conferenz bei Gr. v. Ulfeld, theils in Nieder- oesterr. Sachen und theils in mixtis. 3 ) Den 11. hatten wir den ersten masquirten Bai bei Hoff in der großen Anticamera, wormit alle Dienstäg continuiret, ansonsten aber alles wie vor zwei Jahren gehalten wurde, ausser das Ihre Mayestätten erlaubet, daß mann nebst der Rathstueben auch in der daran stossenden Retirada Spillen und biß 1 Uhr danzen dörffen, worbei sie aber mir anbefohlen haben, das (nachdeme dieselbe sich retiriret, folg- lichen ich auch nicht länger zu bleiben verlangen würde) ich in meiner Abweesenheit einen Cammerherrn substituiren mögte, welcher dahin sorgen solle, damit alles biß zum End ordentlich gehe und mann zur bestimmten Stund aufhöre. Den 12. wäre die Kaiserin ebenfahls auf der heut- Mittwochs zum zweiten Mahl gehaltenen Redoute zugegen in blauen Domino, retirirte sich aber sehr zeitlich. Den 13. wurde der erste Kinder Bai für die junge Herrschaften gehalten, und zwar gänzlich auf den vorigen Fuß, sowohl der Entrde halber als sonsten; mann danzte in der Rathstuben und soupirte in der grossen Anticamera; meine Thereserl wäre auch mit eingeladen, die Kinder dorfften sich aber nach Willkuhr masquiren. Dergleichen Kinderbai wurden alle Donnerstag disen Fasching hindurch gehalten. ■r? ****** m*. 1752, Jan. 14.—19. 3 Den 14. unterblibe das sonstige freitägige Appartement nicht allein heut, sondern auch ferners den ganzen Fasching; hingegen gäbe die Kaiserin die Spieglzimmer Audienzien dafür alle Dienstag yon 4 Uhr an biß zur Zeit des Bals. Den 15. wäre Conferenz bei Giraffen von Ulfeld über die leztern Depechen aus Spannien. 4 ) Den 16. wäre öffentlicher Kirchendienst wegen des Sonntags. Die Herrschafften speisten aber weder heut noch sonsten Zeit des Faschings in publico, weillen die große Anticamera für die Bals zugerichtet sich befindet, so mann alles immerdar hätte änderen müssen. Nach der Kirchen hatte der dähnische Gesante seine Audienzien bei beiden Mayestätten und folgende Täge auch bei denen jungen Herrschafften und der Princesse, um die Notificationen wegen des lezthin bemerckten Todfall seiner Königin zu thun. 5 ) Heut hatte ich ein großes Ministerialdin6 bei mir und abends wäre Redoute, in welcher sich über die 700 Mascheren befanden, so mann bei der eingeführten so starcken Restriction für etwas besonderes gehalten hat. Den 17. kämmen Ihre Mayestätten nebst denen älteren jungen Herrschafften und der Princesse nach 6 Uhr abends ganz incognito zu den Graffen Tarocca, einer in seinem Quartier (die Kaiserin hatte ihm das alte Hauß auf der Pastein nächst denen Augustinern, wo biß dato das Bauamt gewesen, zur Wohnung übergeben und unter seiner Direction fast ganz neu bauen und zurichten lassen) von beige- schribener Compagnie de dames et cavaliers (d’Urval: der genuesische Gesante Conte Durazzo; Constance: Gräffin Franz Wenzl Clarin; Sophie: ihre Schwester Gräffin Ulrich Kinskin; Florine: die Contessa Durazzo; Dämon: der Graff Sulckoffski, würcklicher k. k. Cammerherr; Argant: Graff Proskau, würcklicher Cammerherr; Henri: Graff Antoni Schaffgotsch, k. und ertzherzogl. Cammerherr; Damien: Graff Leopold Künigl, und der andere Marquis: der Graff Nickerl Esterhazy, General, und beide würckliche Cammerherrn) heut zum erstenmahl producirten französischen Comödie, Ie pröjuge ä la mode benannt, zuzusehen. Zum Beschluß danzten des jezt gedachten Graffen Esterhazy Sohn und Döchterl ein Pas de deux. Den 19. wäre der zweite Hoffbal en masque wie sonsten und retirirten sich die junge Herrschafften meistens bald nach 9 Uhr, und die Kaiserin spülte gemainiglich annoch Pharaon biß gegen halber 11 Uhr, dahero auch der Pharaon Tisch, sobald die junge Herrschafften weg waren, in dem nemmlichen Zimmer, wo mann ge- danzet, an jenen Platz gestehet wurde, wo die Sesselen für die Herrschafften stunden, die mann sodann weg ruckte. Der Kaiser gienge i* W*v-Jxvw ->xvv: v r; 'w.-.j:-:.-*. .?• 4 1752, Jan. 20.—24. fast immer zugleich mit der Kaiserin fort und soupirte mit einigwenigen Chapeaux bei der Princesse. Den 20. zöge mann die Hoff Klag wegen der Königin v. Dänne- marck an, und zwar nach den neuen Reglement auf 14 Tag, die erste Helffte mit schwartzen Degen und Schnallen und die zweite in Sammet; sodann verfügte sich der Hoff öffentlich zu denen Schotten wegen des heut einfallenden Fests S. Sebastiani, und abends wäre abermahlen Kinderhai, all wo ein jedes Kind eine besondere Piöce vom Schachspill vorgestellet und meine Tereserl die Gnad gehabt, des Erzherzogs Joseph Gespannin zu sein, und zwar das Rössel: le Chevalier repraesentirt hat; das Kleid wäre auf Art wie Pferdgeschirr gebrämet und auf den Kopff wäre, um die Masque zu marquiren, ebenfahls ein vorschauendes Pferd Köpfl, welches aber so artistement placiret wäre, das in der That ihre Masque und ganze Kleidung von allen übrigen zum besten herausgekommen. Ansonsten muß auch noch bemercken, das eben währenden Danz in der Burg ganz gähling aus der Brad Küchel in dem Rauchfanck zu brennen angefangen, wordurch ich vi officii nebst denen anweesenden Cammerherrn und dem Bau Director gezwungen worden, den Bai zu abandonniren und zum Löschen zu gehen, so auch in balden erfolget; allein der erstere Lerm und Confusion ist sich unschwär vorzustellen. Den 23. wohnten Ihre Mayestätten dem sonntäglichen Gottesdienst öffentlich bei und abends giengen dieselbe abermahlen zu den Tarocca, die zweite Repraesentation der hiezuvor gemelten Comddie zu sehen, nach welcher sie auch mit denen Acteurs und Actrices all- dorten soupirten und sodann zur Redoute kamen. Ich hatte heut mittags abermahlen ein großes Ministerialdin6 bei mir. Den 24. hatte ich die Ehre, einem Examini des Ertzherzogs Joseph ex cosmographia et geographia vormittags beizuwohnen; die Kaiserin hatte auch zugegen sein sollen, allein weillen sie mit einem Reissen incommodiret wäre, wie es ihr absonderlich in Anfang der Schwangerschafft zum öffteren geschihet, so muste der Cabinetssecre- tari Baron v. Koch nebst mir einen Zeugen dises Actus abgeben, worbei der kleine Herr sich in der That wiederumen sehr wohl auf- geführet hat. B. Bartenstein, welcher sonsten auch bei dergleichen Occasionen zu erscheinen pfleget, wäre mit einem Schnuppen be- hafftet, der ihn bereits seit lezterer Conferenz das Haus hüten machen. Heut abends gäbe der neapolitanische Bottschaffter wegen des Ge- burtsfests der Königin in seinem Quartier in dem Fürst Trautsohn- schen Garten ein recht galantes Festin, so in einem Bai und Soupd bestanden, worzu niemand als der hohe Adel und en masque mittelst 9 1752, Jan. 25.—30. 5 eigends distribuirter Billets admittiret wurde, und hat sich die Zahl deren Gästen auf 471 Persohnen belotfen; da nur sehr wenige von der Noblesse ausgebliben, so kann hieraus ganz leichtlich der Cal- culus gezogen werden, wie vill beiläuffig Cavalliers und Dames zu Wienn dermahlen sich befinden dörfften. Den 25. am Fest Pauli Bekehrung gienge mann nicht zu denen Michaelern, sondern die Herrschafften wohnten dem Gottesdienst zu Haus öffentlich bei, und abends wäre der dritte Bai en masque bei Hoff. Den 26. wäre Conferenz in mixtis bei Graffen v. Ulfeld, wie ex rapularibus meis mit mehreren zu entnehmen. 6 ) Den 27. speiste ich nebst meiner Gemahlin bei den Herrn Ayo en petite compagnie mit dem Ertzherzog Joseph und abends wäre zum dritten Mahl das Kinderfest bei Hoff. Eodem starb im 49. Jahr der Gr. Johann Carl v. Hardegg, würkhl. Cammerer an zuruckgehaltener Podagra und innerlichen Brand; er wäre recht monstruos dick und hatte zwar von jungen Jahren an immer zur Fette sich angelassen, bereits da ich ihn in Ländern gekannt, wo wir recht gutte Freund zusammen waren, und ist schad, das eben dise seine unglückliche Leibsconstitution ihn von aller Societet entfernet. Den 29. hatte ich die Ehre, mit dem Kaiser sein vor einem Jahr von einem sicheren M. Balliou zu Florenz erkaufftes und dermahlen unter dises nemmlichen Verkäuffers Direction stehendes sehr zahlreich- und kostbahres Naturalien Cabinet zu besehen, welches in denen neuen Zimmern nächst der großen Stiegen, die zur kaiserlichen Bibliothec führet, placiret worden, noch aber kaum zur Helffte eingerichtet und rangiret sich befindet. (NB. Nach des Kaisers Tod wurde selbes von der Kaiserin in die nächst den Augustiner Gang zu dem Ende neu erbaute Zimmer transportiret und die Thür des Eingangs mit Marmor und Ornemens de bronze, anbei mit einer lateinischen Inscription gezieret; mann placirte auch dahin verschiedene von des seel. H. Mechanico Abb6 Marcy verfertigte Machinen und Übergabe sothanes schöne Cabinet gleich der Galerie und Schatzkammer dem zeitlichen Obristkämmerern. 7 ) Den 30. wäre des Sonntags halber öffentlicher Gottesdienst, nach welchen I. M. der Kaiser meinem ältesten Sohn die Gnad. ge- than, selben in der neuen kleinen Haus- oder Cammercapellen zur Firmung zu führen und ihme einen brillantenen Ring zum Andenken zu verehren; zu gleicher Zeit thate auch die Kaiserin dem Freile Palffin, des Graffen Nickerl ältesten Dochter, das Firmband umbinden. 6 1752, Jan. 30. Zum Pontificanten hatte ich mir Selbsten den unlängst von Rom gekommenen Coadjuteur de Malines, Monsignore Migazzi, welcher in das sechste Jahr alldorten als Auditore di rota gestanden und nun- mehro den Graff Esterhasy zu Madrid ablösen gehet, 8 ) und zwar von darumen ausgebetten, weillen ich disen meinen Sohn mit ihme nacher Spannien schicke, damit er unter desselben als eines sehr geschickten, gelehrten und anbei sehr aufgeräumten und communicablen Ministri Manuduction sowohl in Sprachen und der Feder als auch in Affairen sich qualificiren möge; zumahlen nach unseren jetzigen Systema, wie aus meinen Ministerial Actis und Annotationen ausführlicher zu ersehen ist, der spahnische Posto einer deren wichtigsten ist und zu deme mann eben von darumen einen Ministre de confiance ausgesucht hat; gleichwie nun demselben das mehreste, so immer in politicis auch an anderen Höffen merckwtirdiges vorfallen und tractiret werden könte, wegen des nöthigen Zusammenhangs mitgetheilet werden muß, so gibt sich der Schluß von Selbsten, daß einem jungen Menschen, welcher lernen und sich appliciren will (wie ich es mit der Gnad Gottes von meinem Sohn, deme es an gutten Willen und Capa- citet nicht fehlet, hoffen darff), es an Gelegenheiten nicht gebrechen könne, sich dergleichen S6jour und die Lectionen seines so gutten Lehrmeisters zu nutzen zu machen. Übrigens aber habe zuvor alles nicht allein mit vertrauten Freunden überleget, sondern zuvorderst die Freiheit genohmen, beiden kais. Mayestätten, und zwar zum ersten dem Kaiser als meinen alten gnädigen Herrn (zumahlen mann selben mit derlei Confidences von eigenen Haus und Familie Anliegenheiten recht obligiret) sothanes wegen meines Sohns gemachte Project in submissestem Vertrauen zu eröffnen und dero allerhöchste Meinung und Guttfinden hierüber zu vernehmen, welche dann beide meine Gedancken allergnädigst approbiret und anbei noch meinem Sohn die unverdiente Gnad gethan, das er vor seiner Abrais das Jurament als Cammerherr nach den in seinem Decret angewisenen Rang in meine Händ ablegen dörffen; da ich aber seithero noch keinen hierzu ad- mittiret, welcher nicht die Annos maiorennitatis erreichet und, wann er aus denen böhmischen Landen ist, nicht zuvor das gewöhnliche Juramentum fidelitatis (worzu bekanter Massen mann das 20. Jahr erfüllet haben muß) abgeschwören hätte, so wolte ich mit meinem Sohn, wiewollen II. MM. mir es allergnädigst zugestanden, um all unnöthiges Aufsehen und Jalousie zu vermeiden, hierinfahls nichts besonderes machen, und wäre ich allerdings entschlossen, damit noch die wenige Wochen oder villmehr Täge, die ihm zur Completirung des Anni legalis annoch abgehen (massen er den 22. Februarii würck- 1752, Jan. 31.—Feb. 2. 7 lieh 20 Jahr alt wird) gelassen abzuwarten; nachdeme aber der Co- adjutor und Ertzbischoff bereits vor ein paar Tagen seine Instructionen erhalten, mithin seine Abrais sehr beschleuniget hat, so muste ich bei dem Directorio als dermahligem Foro die Dispensation und Veniam aetatis für dise wenige Zeit more solito ansuchen, welche meinem Sohn alsofort verwilliget, und selber den 31. früh um 9 Uhr bestimmet wurde, um das Juramentum fidelitatis gewöhnlicher Massen abzuschwören. Heut abends hatte der Graff v. Haugwitz in der vorhinigen böhmischen Canzlei, welche nunmehro dem Directorio und dessen Praesidi zur Haltung deren Sessionen und zur Wohnung affectiret ist, ein magnifiques Fest mit Bai und Soupö, worzu die, so danzen wolten, en masque erschinen, übrigens aber der ganze Adel kommen und nicht allein einen Zuseher, sondern auch einen Gast bei dem Soupe, zu welchen vier große Taffelen, nebst einigen kleineren gestehet waren, abgeben kunte. Den 1. Februarii legte mein Sohn das Jurament als Cammerherr in meine Hände ab, worbei ich die vätterliche Lehre zwar in kurtzen Ausdruckungen beschräncket, jedoch unvergessend gewesen, ihme disen Umstand wohl zu Gemüth zu führen, als welcher ihn auf die Pflichten eines Cammerherrn und zugleich auch eines Sohns — zumahlen bei so weiter Entfernung — dann und wann zuruck er- rinneren kann. Abends wohnte der Kaiser der Toison Vesper bei. Item wurde wegen des heut einfallenden Geburtstags des Ertzherzogs Carls gefärbte Gala an gesagt; die Bottschaffter und übrige Dames und Caval- liers kämmen Vormittag zu den kleinen Herrn, welcher sodann mit denen älteren Frauen bei den Ertzherzog Joseph öffentlich gespeiset. Den 2. hatten wir um halber 10 die Ordonnanz zur gewöhnlichen Kertzen Weihe und Nachmittag um 4 Uhr zur Säulen, bei welchen beiden Kirchengängen sich auch mein neuer Cammerherr im Mantel Kleid eingefunden und zulezt bei der Zuruckkunft in der Retirade beiden kaiserlichen Mayestätten (sich zu beurlauben) die Händ gekiisset, bei welcher Gelegenheit dieselbe ihm ganz gnädigst Selbsten gesprochen und zur gutten Aufführung ermahnet haben, mit der flateusen Expression, daß er nur seinen dermahligen gutten Fond ferners cultiviren solle; wie dann mir von verschiedenen sicheren Orthen her sehr vertröstlich zu vernehmen, daß II. MM. von disem meinen Sohn nach dem ihnen von selbem gemachten Portrait bereits sehr günstig praeveniret wären. 8 aw 1752, Feb. 3.-5. Den 3. wurde zum viert- und leztenmahl der Kinderbai gehalten und vorn Soupe mit einem kleinen Kehraus beschlossen. Den 4. wohnte ich einer kleinen französischen Piece en trois actes, l’antiquaire genannt, im Theresiano bei, welche ungemain wohl reussiret und von dem französischen Bottschaffter Selbsten (der mit einer zahlreichen Compagnie von Dames und Cavalliers zugegen gewesen) gelobet worden; insonderheit hat sich ein junger Baron Reuschenberg, welcher die Haubtrole des Antiquaire gespillet, sowohl des Accents als der Action halber distinguirt. Den 5. wurde abends in dem spahnischen Saal von einer Compagnie de dames et cavaliers, an deren Haubt die Ertzherzogin Maria Anna wäre, eine französische Com6die von drei Acten, le prix du silence benammset, und mit Balleten nach jeden Act produciret, worbei meine verheirathete Dochter mit agiret hat. 9 ) Weillen mann aber der Anständigkeit halber die Zahl deren Zusehern beiläuffig auf hundert Persohnen beschräneken wollen, so wurde der Platz für das Auditorium hiernach adjustiret und das Theatrum desto größer und tieffer zubereitet. Denen Hoffämtern und Conferenz Ministris wurde heut und alle folgende Mahl der Zutritt verstattet, sonsten aber niemanden, der nicht von denen Acteurs oder Danzern ein Billet hatte; und dörfften dise leztere vier Zetteln, die erstere aber sechß (naturellement nur Leuthen, so in das Appartement kommen können), jedoch für heut keinem fremmden Ministro oder sonstigem Ausländer distribuiren, welchen Verbott die bei lezterer jungen Herrschafften-Comedie von ein und andern gehabte Indiscre- tion veranlasset hat, da mann denen wunderlichsten fremmden Gesichtern dergleichen Billets gegeben. Die Ordonnanz wäre immer um 6 Uhr, die Cammerfouriers musten gewöhnlicher Massen die Zettlen bei den Einlaß sich geben lassen und die obere Gallerie nebst dem kleinen in den Saal herunter sehenden Fenster wurde völlig mit Spallieren verdecket, damit niemand ausser jenen, welche mittelst deren Billets d’entr6e hinter denen Herrschafften im Parterre sassen, zuschauen kunte. I. M. die Kaiserin hatten die besondere Gnad für den Monsignore Migazzi und meinen Sohn, selbe mir ausdrücklich zu benennen, damit sie ohne Billets eingelassen würden. A l’ordinaire aber wurden einige deren Cammerdienerinnen und distinguirten Hoffleuthen, auch par faveur ein und anderer des messieurs du second ordre annoch eingelassen und ganz zuruck in denen Crois6es deren Fenstern placiret. Die Acteurs anbelangend, so thaten zwar selbe ihr mögliches, um die Pi6ce in etwas brilliren zu machen; allein weillen sehr wenig m 1752 , Feb. 6 .- 7 . 9 Interessantes darinnen einkommet und im Gegentheil jene, welche in der Statt gespillet worden, eine deren fürtrefflichsten des dermahligen französischen Th6ätre ist, mithin ungemain wohl choisiret wäre, so hatten sie freilich doppelte Mühe, zu reussiren. Den 6. hatten wir den gewöhnlichen sontäglichen Gottesdienst in publico in der Hoffcapellen und abends Redoute. Übrigens hatte mein Sohn gleich wie gestern bei denen Erzherzogen, also auch heut die Gnad, sich bei denen übrigen jungen Herrschafften allerunterthänigst zu beurlauben; und weillen ich die gewöhnliche Attendissements du moment du döpart nicht so vill mir als seiner Mutter (welche ihre Kinder so zärtlich et pour lächer le mot, so närrisch lieb hat) zu erspahren, so gäbe ich ihme heut abends meinen vätterlichen Seegen mit kurtzer Wiederhollung dessen, worzu ich ihn ohnedeme dise Zeit her en bon et tendre pere ermahnet, und befähle ihme anbei, das er morgen (als den von dem Ertz- bischoff zu ihren Aufbruch bestimmten Tag) sich bei Zeiten nach dessen Behausung verfügen und ohne weiterer Beurlaubung in Gottes Nahmen seine Rais antretten solle; welches dann auch folgenden Morgen als den 7. gegen 10 Uhr erfolget; und damit er seinem Stand gemäß möglichst versorget und bedienet sein mögte, so gäbe ich ihme nicht allein seinen ohnedeme schon gehabten Cammerdiener und einen vertrauten und geschickten Laquaien von meiner Frauen, sondern auch seinen Correpetitorem Herrn v. Martini*) (einen in jure sowohl als mit der Feder versirten fromm- und tugendsammen Menschen) unter den Titl eines Secretarii auf die Rais mit. Und um disen lezteren wegen seiner zurucklassenden Kundschafften zu in- demnisiren, so engagirte ich mich, ihme jährlich hundert Ducaten zu geben und dises Appointement noch drei Jahr nach seiner Retour zu continuiren, wann er nicht unter der Zeit ein anständiges Accomode- ment erlangt haben solte. Auf dise Art hoffe auch, daß mein Sohn in seinem Studio juri- dico nichts versäumen werde. Er hatte eben mit Anfang dises Schull- jahrs die Digesta zu hören angefangen und weillen sein voriger Professor, der ihme die Instituta gegeben (Dr. Picker), mit dem Theresiano zu sehr beschäftiget, so hatte ich hierzu den kurtz nach *) Diser wurde nach der Hand Professor publicus iuris naturae und Zugleich Hofrath in der obristen Justitz Stelle, hatte auch die Ehre, den Ertz- herzog Ferdinand und Maximilian das Jus publicum zu tradiren. [Er wurde auch Ritter des St. Stephans Orden und zur böhmisch- und österreichischen Hoffcanzlei übersetzet.] Das sub [] von der Hand des Sohnes Khevenhüllers, -3L F y^LS 10 1752, Feb. 7. meines Sohns Abrais zum Regiments- oder Justiz-Rath benannten D 1 ' Stöckl*) (einen zwar sehr difform und huckleten, anbei aber sehr gelehrt und berühmten Mann) ausersehen, unter dessen Anleitung er auch schon zimmlich profitiret hatte, also zwar, dass mir recht hart gefallen, sein dißfähliges Studium zu interrumpiren; allein die bereits besser oben angemerckte wichtigere Motiva musten allerdings den Vorzug haben. Übrigens gienge ihre Rais über Prag, weillen der Ertzbischoff das Grab des großen Heiligen Ioannis v. Nepomuck besuchen und sodann erst selbe über Nürnberg weiters nacher Brussel prosequiren wollen. Das Haubtmotivum mag wohl gewesen sein, daß Graff Mi- gazzi den dortigen alten Ertzbischoff gerne persuadiret hätte, ihn pro coadjutore (zumahlen sothanes Erzbistum anständig- und importanter als jenes von Mechelen ist) anzunehmen, welches aber nicht von statten gehen wollen. Heut wäre auch nach 10 Uhr Vormittag Conferenz bei Hoff in Gegenwart beider Herrschafften und wurde unter anderen über die Antwort deliberiret, welche ich dem churbraunschweigischen Ministro v. Munchhausen auf seinen mir aus Befehl des Königs, seines Herrn, zugeschribenen Brieff und mittelst dessen angetragene Officia in der aus meinen Conferenzacten mit mehreren erhellenden modenesischen Successionssach zu erlassen hätte. 10 ) Der dissfählige Aufsatz wurde zwar seiner Behörde committiret, allein II. MM. waren mit dem (gleich dem Munchhausenschen Brieff) auf französisch gefasten Projet de reponse nicht zufrieden und schickten in grösten Geheimm dem Cabinetssecretari Baron von Koch zu mir mit beiliegenden Billet, 11 ) um mir den Auftrag zu machen, daß ich etwas entwerffen solte. Ob ich nun schon gehorsammen müssen, so suchte ich es doch mit solcher Vorsichtigkeit zu thun, damit Baron v. Bartenstein, welcher bekantermaßen das Foible hat, in alle seine Aufsätz verliebt zu sein, keinen Disgusto wider mich fassen mögte, mithin blibe der Haubtumstand ein Geheimmnus zwischen II. MM., Baron v. Koch und mir, und es hieße, mann hätte mir den Brieff also abzuschreiben vor- geleget und ich zu selben nur Kopff und Schweiff, so in ein und anderem Compliment an Munchhausen bestanden, zusetzen müssen. Endlichen wurde annoch heut abends die leztere französische Comedie in dem spahnischen Saal repetiret und zu selber anheut die *) Dieser wurde auch Hofrath bei der obristen Justizstelle und was besonder ist, nach dem unter ihn gestandenen obigen Correpetitorem Martini. (Von der Hand des Sohnes Khevenhüllers.) geweste Hoff Ämter zugelassen, anbei auf meine beschehene Anfrag erlaubet, daß mann denen fremmden Ministris Billets geben dörffen, wann sie einige ansuchen solten, wie es auch alle getban haben und nahmentlich der französische Bottschaffter von meiner Dochter mit einem dergleichen Zettel bedienet worden; wer aber einig- anderem Fremmden damit favorisiren wolte, muste sich zuvor bei der Fürstin v. Trautsohn (welche sie immer an mich angewisen) melden und wurde so leicht nicht verstattet. Den 8. hatten wir den lezten masquirten Bai bei Hoff, weillen die Herrschafften die leztere Fasching Tage al solito Famusement de la redoute sich Selbsten nicht verderben wollen. Den 9. unterblibe dises Jahr abermahlen der öffentliche Kirchengang zu denen Augustinern wegen des S. Apolloniaefests. Wir hatten Reichsconferenz bei Graffen v. Ulfeld, von welcher ich aber bald nach 1 Uhr mit dem Herrn Ayo Weggehen muste, weillen II. MM. nebst der Princesse und einigen anderen Gästen, worunter auch wir mit unseren Gemahlinnen zu sein die Ehre hatten, bei meinen Schwägern zu Mittag gespeiset. Nach den Essen wurde von dessen Dochter, zwei älteren Söhnen, seiner Niece (der Freile von Althann), Freile Louise v. Rosenberg, dem kleinen Trautsohn (jüngsten Sohn des Fürsten), so den Arlequin gemacht, und dem Cammerherrn Graffen Joseph Saint Julien eine französische Piece — benannt la comddie anonyme — produciret, worvon die Kaiserin nur allein gewust oder wissen sollen, indeme mann den Kaiser damit surpreniren wollen und das ganze Spectacle sowohl mit der Auswahl der Piece Selbsten, als mit Austheilung deren Rölen also angestellet, damit obbemelter Graff v. Saint Julien le hdros de la piece sein, mithin der Kaiser desto mehreres Amüsement dabei finden mögte, wie dann auch selber und alle übrige wenige Spectateurs gewißlich nicht vergnügter und lustiger hätten sein können. Nach der Comedie spillten II. MM. noch einige Zeit Pharaon und sodann gienge der Kaiser zur Redoute. Den 10. gaben die Fürst Trautsohnische in ihrem neuen Appartement bei Hoff ein kleines masquirtes Kinderfest von zehen Jahren denen jungen Herrschafften. Die Kinder changirten zum öffteren ihre Kleider pour diversifier le plaisir et pour que cela eüt Fair de la redoute. Meine Thereserl wäre auch unter der Zahl und zulezt als ein grüner Paperl angekleidet, so in der That ungemain wohl und hertzig gerathen. Zum Beschluß soupirten selbe an drei kleinen Tischen, bei welchen der Ertzherzog Joseph und die zwei ältere Frauen les honneurs 12 1752, Feb. 12.—13. machten und sich die Kinder nach Ausweis ihrer gezogenen Lossen setzten, auf deren jedem der Nahmen einer deren 3 Gottheiten (welche auf denen mitteren Confectur-Stucken repraesentiret waren und den Apollinem, Minervam und Cererem vorstellten) aufgezeichnet sich befände. II. MM. waren beständig zugegen und dörffte außer dem Hoff und einigen Privilegirten niemand dazu kommen. Den 12. wurde abends die französische Com6die zum dritt- und leztenmahl vorgestellet und weillen meiner Dochter die bereits bei ihrer ersten Schwangerschafft gehabte Fatalitet 12 ) neuerlich wiederumen zugestossen und sie ungehindert aller gebrauchten, ausserordentlichen Sorgfalt (da mann nicht allein mit der Aderlaß bei Zeiten vorzukommen gesucht, sondern selbe gar nichts danzen oder einige mehrere Bewegung machen, ja alle Stiegen durchaus tragen lassen) vor ein paar Tagen in der 10. Wochen ums Kind gekommen, so hatte die Cammerfreile v. Goes ihren Part übernohmen. Hiernächst wurde noch zum Schluß eine petite piece, le denoue- ment impr6vu benannt, produciret, worbei aber die Ertzherzogin nicht mit agiret, sondern die zwei Weiber Rolen, und zwar jener von der Mademoiselle Argante durch die Hoffdame Freile v. Schirnding, und die suivante Lisette von der Hoffdame Fr. v. Salburg vorgestellet wurden. Nach geendigter ComMie wurden sämtliche Actores und Dänzer zur Ertzherzogin Maria Anna beruffen und bekammen kleine Presenter; meiner Dochter aber wurde das ihrige (bestehend in einer magnifiquen Zupff Truegen von Perlmutter, mit Gold eingeleget) nebst einem obligeanten Billet begleitet, von der Fürstin v. Trautsohn bereits heut vormittags zugeschicket. Übrigens wurden heut nebst denen Wittiben deren Hoffämtern, Capitaines de garde und Obristkuchlmeistern auch noch ein und anderer auf specialen Befehl der Ertzherzogin admittiret. Den 13. fuhren II. MM. in publico en Campagne zu denen oberen Jesuitern, der alljährlich anheut und die übrige zwei Fasching Täge allda haltenden Andacht beizuwohnen. Abends wäre bei den Feldmarschall Batthyany ein masquirter Kinderbai für die junge Herrschafften, worbei meine Thereserl eben- fahls zugegen gewesen und es deren Spectateurs halber wie lezthin bei dem Fürsten v. Trautsohn gehalten wurde. Die Kinder kunten aber sich nicht öffters masquiren, weillen die Gelegenheit der Wohnung (so kaum das Drittel des Fürst Trautsohnischen Quartiers ausmachen wird) es nicht verstattet hat. Sodann gienge mann auf die Redoute, welche heut und morgen biß 7 Uhr früh daueren dorffte. 1752, Feb. 14.—16. 13 Den 14. wurde die Com6die bei meiner Schwester in Gegenwart des Kaisers und deren jungen Herrschafften wiederhollet. Den 15. speisten II. MM. nebst der Princesse und einig- anderen Gästen, worunter meine Frau und ich wiederumen die Ehre hatten zu sein, zu Mittag bei den Cammerherrn Graffen Saint Julien in seinem Mietquartier in dem vorhero Brassican- nunmehro Lembrucki- schen Haus in der Herren Gassen neben der Behausung meines Schwägern. 18 ) Der Nachmittag wurde mit Spillen zugebracht; der Hausherr taillirte Selbsten, und zwar so glücklich, daß er gegen 2000 Ducaten gewonnen. Gegen halber 7 Uhr gienge sämtliche Compagnie a la suite de LL. MM. nach der Redoute, welche heut vill früher als sonsten angefangen, hingegen bereits um 11 Uhr geschlossen sein muste. Vor 9 Uhr soupirten wir allda miteinander, wie wir gekommen waren, in dem erst neuerlich zugerichteten Tafflzimmer, dessen Fenster auf den keinen Saal sehen und aus welchen mann auch zur großen Loge, die in den Redouten Saal schauet, gehen kann; mithin hatte mann auch das Agrement, die Music des kleinen Saal zu hören, auch par intervalle die Contredanses, so mann allein darinnen (pour ne pas gener la grande compagnie dans la salle de la redoute) zu danzen pflegte, sehen zu können. Nach dem Soup6 giengen wir wiederumen hinunter und die Kaiserin nebst der Princesse danzten Selbsten ein paar Contredanses mit und verbliben biß gegen den Anfang des Kehraus, womit der heurige Fasching in der That wider all- anfängliche Vermuthung, sehr vergnüglich, ohne Unordnung oder sonstigem Disgusto (ausser jenen, welche en vertu du röglement von der Entröe excludiret waren) sich geendiget hat. Den 16. hatten wir um 10 Uhr die gewöhnliche Einäscherung; und wie übrigens die Fastens Functionen angeordnet waren, ist aus nebenligenden eigenhändigen Zettel I. M. der Kaiserin, 14 ) welches dieselbe mir kurtz vor dessen Eintritt zugestellet, mit mehreren zu ersehen. Indessen wäre mann in der Statt, um denen dermahlen hier befindlichen villen Forestiers einiges Amüsement conforme au tems zu verschaffen, besorget gewesen, die übrige Täge der Wochen, ausser des eintzig für die Appartements destinirten Freitags, zu Haltung alltäglicher Gesellschafften, und zwar dergestalten auszutheilen, daß der Sonntag dem Fürst Emanuel v. Lichtenstein, der Monntag dem Graffen von Ulfeld, der Dienstag dem jungen Fürsten v. Auersperg, der Mittwoch dem Reichs Hoffraths Presidenten, der Donners- 14 1752, Feb. 18.—März 3. tag — insolang die Frau Reichsvice-Canzlerin (welche sonsten disen Tag hat) im Kindbett, gelegen — dem Obriststallmeistern und der Samstag dem Graffen v. Haugwitz destiniret gebliben. Den 18. giengen II. MM. nebst denen älteren drei jungen Herrschafften und der Princesse öffentlich des Freitags halber zur Capellen, speisten sodann auch miteinander en public, jedoch ohne der Princesse, weillen die Bottschaffter ihre Aufwartung bei der Taffel gemacht. Sodann wäre Appartement des Abends. Den 19. wäre Vormittag Reichsconferenz bei dem Graffen v. Ulfeld. Eodem erhielten wir Brieff vom Sohn aus Prag mit der Nachricht, daß sie wegen denen üblen Weegen erst den 11. sehr spatt allda angelangt und als Monntag den 15. (da der Brieff datiret gewesen) eben im Begriff wären, weiters nach Nürnberg abzugehen, all wo sie erst den 19. angelangt und sich sodann zu Wertheim em- barquiret haben. Den 20. wohnten die Herrschafften dem sonntäglichen Gottesdienst öffentlich bei und wäre keine publique Taffel. Den 21. hatte ich die Gnad, abermahlen einem Examini historico et linguae latinae des Ertzherzogs Josephs nebst den B. Bartenstein als Zeugen desselben in der That augenscheinlich anwachsenden Progressen zu assistiren, welchem auch I. M. die Kaiserin mit villem bezeigten Vergnügen zugehöret hat. Den 23. wäre der mittwöchliche Gottesdienst (nach der diss- jährigen Anordnung) in der Josephi Capellen incognito. Den 25. wäre wegen des heutigen Apostelfests nebst der Predig Toison Ammt und sodann Vesper; die Kaiserin gienge mit zur Kirchen und mann speiste sodann auch öffentlich. Abends wäre Appartement. Den 26. hatten wir Conferenz bei Graffen v. Ulfeld mit Zuziehung des niederländischen Raths; 15 ) und nach geendigter erstem Materi wurde noch eine änderte mit der Reichs-Canzlei vorgenommen. Den 27. wäre wegen des Sonntags öffentlicher Kirchendienst. Den 28. wurde die vorgestrige Conferenz in belgicis reassumirt. Den 3. Martii hatten wir des Freitags halber öffentlichen Kirchen- und Taffeidienst und abends Appartement. Der Kaiser spillte aber heut nicht Billard, sondern zeigte uns anderen, welche sonsten von seiner Partie zu sein pflegen, seine vor ungefähr 4 oder 5 Jahren angefangene Collection von goldenen, modernen Medailles, die der- mahlen schon sich auf einen Werth von beiläuffig 100.000 Thalern an Gewicht allein (absque pretio affectionis) belauffen wird. 1752, März 5—10. 15 Den 5. wohnte der Kaiser allein nebst dem Ertzherzog Joseph dem sonntäglichen Gottesdienst öffentlich bei, nach welchen ich noch lang und fast biß halber 2 Uhr warten müssen, weillen die Kaiserin (welche in etwas mit ihrem in denen Schwangerschafften öffters leidenden Reissen incommodiret wäre) mit mir wegen einer dem churbraunschweigischen Ministro in der modenesischen Successions- Sach weiters zu erlassenden Schreibens sprechen wollen 16 ), worüber und auch wegen sonstigen dermahligen publiques affaires ich eben gestern vor den Appartements mit selber eine sehr lange Unterredung gehabt. Den 6. wäre Conferenz bei Graffen v. Ulfeld, anfänglich mit Zuziehung der Reichs-Canzlei und sodann des Reichshoffraths. Den 7. muste ich wegen fürdauerender Unpässlichkeit meines Schwägern den Sohn des mit mir als dritter Wahlbottschaffter zu Franckfurt gewesenen, dermahligen ersten Reichs Hoffraths auf der gelehrten Banck in erstbesagtes Collegium introduciren, welcher Actus in der Beilag ausführlich beschriben, auch annotiret sich findet wie meine kurtze Anrede gelautet. 17 ) Eodem wurde wegen der Madame Anne Henriette, ältesten Docliter des Königs in Franckreich, welche den 10. vorigen Monaths im 24. Jahr ihres Alters an einer Inflammation de poitrine und dazugeschlagenen, sogenannten Fievre putride oder maligne verstorben (und worvon erst gestern von dem französischen Bottschaffter das Notificationsschreiben II. MM., beiden zugleich, in einer Audienz übergeben worden), und zu gleicher Zeit wegen des sechß Täge vor- hero, als den 4. Januarii an langwühriger, von zuruckgehaltenen Podagra verursachter Kranckheit erfolgten Ableibens des Herzogs von Orlöans (worüber ebenfahlß erst gestern die Parte Brieff von dessen eintzig-hinterlassenen Sohn, dem Duc de Chartres, dermahligen Duc d’Orleans eingeloffen und von dem französischen Bottschaffter nicht wie die königliche Schreiben Selbsten übergeben, sondern zur Zustellung mir durch den Cammermeistern zugeschickt worden waren) die Hoff Trauer biß Ostern, und zwar — weillen der leztere mit dem Kaiser mütterlicherseits geschwistert Kind gewesen 18 ) — biß Jo- sephi mit schwartzen Degen und Schnallen, und sodann weiters in Seiden angelegt. Den 8. hatten wir Conferenz bei Graffen v. Ulfeld, anfänglich nur inter nos conferentiales und sodann mit Zuziehung des niederländischen Raths. 19 ) Den 10. gienge die Kaiserin allein (weillen der Kaiser ein paar Täge her mit einer Indigestion und Diarrhee incommodiret wäre) in ■ITT • 16 1752, März 11.—15. das königliche Closter zu den heut einfallenden Fest des heiligen Bluts; es wurde aber nur in Campagne und denen Bottschafftern gar nicht angesagt. Es unterblibe auch das Din6 public und Appartement. Den 11. starb im 75. Jahr der Doge Pietro Grimani, welchen ich dahier als venetianischen Bottschaiftern vor mehr dann dreissig Jahren gesehen zu haben mich errinnere. An dessen Statt wurde (nach 8 Tagen beiläuffig) Francesco Loredano erwählet, der als Am- basciatore straordinario zu Complimentirung des Kaisers zur erhaltenen kaiserlichen Würde benennet worden wäre, welche Commission aber mit beiderseitiger Hoff Agrdment und Einverständnus für dises Mahl citra consequentiam unterbliben, weillen es sich damit so lang hinaus verschoben hatte, daß es fast eine Affectation schine, auf sothane Beschickung (welche uns ohnedeme der Defrayrung halber nur dispen- dios gewesen wäre) weiters zu insistiren. Den 12. wohnten II. MM. beiderseits dem heutigen sonntägigen Gottesdienst öffentlich bei. Den 13. wurde wegen des Ertzherzogs Josephs Geburtstag Gala, aber wegen noch fürdauerender tieffen Klag lediglich in Geschmuck, Spitz, schwartzem Sammet und reichen Vesten für die Männer, und in schwartzen Sammet Hoff Röcken mit gefärbten Pallatinlen für die Dames angesagt. Weillen aber II. MM. Fleisch speisen, so wäre keine öffentliche Taffel, sondern mann kämme Vormittag dem Ertz- herzog die Händ küssen und die Bottschaffter legten die Compli- menten ab. Die Kaiserin sähe um 12 Uhr die Zutrittsfrauen und abends wäre Appartement, wo die Kaiserin denen Stundsfrauen ebenfahls die Hand zu küssen gegeben. Den 15. hatte der Kaiser mich und die übrige leztere Compagnie bereits um 8 Uhr zu sich bestellet, um uns seine Collection von Ducaten zu zeigen, wormit wir über drei Stund zugebracht, in- deme derenseiben bereits über 3000 Stuck vorhanden, welche gleich denen Medaillen zwar nur modern, aber deren raresten Sorten seind und alle nur erfindliche Geprägen von geistlichen und weltlichen Fürsten von Europa, auch verschiedene von Particular Familien in sich halten. Ein jeder sothaner Ducaten ist von einem besonderem Schlag; und der nemmliche berühmte S r Du Val, welcher die Biblioteque zu Florenz in seiner Obsorg hat und von dem Kaiser zu dem End eigends anhero beruffen worden, hat dise Collection von Ducaten (gleich jener deren Medailles) in seine behörige Classen juxta familias 1752, März 16.—19. 17 ordine genealogico et chronologico sehr schön und ordentlich ein- getheilet und unter jeden Stuck eine kleine Notam beigeleget, worinnen die Inscription nebst einem kleinen Precis von wem und wo die Medaille geschlagen worden, sich aufgezeichnet findet. Den 16. wäre Conferenz bei Hoff in Gegenwart beider kaiserlichen Mayestätten und das Haubtobjectum der Deliberation die Absendung des Reichs Hoff-Raths v. Vorster nach Hannover und ihme mitzugebende Instruction. 20 ) Den 17. wäre gewöhnlichermassen des Freitags halber öffentlicher Kirchen- und Taffeidienst. I. M. die Kaiserin wolten aber, daß ich gleich nach den ersten Begleiten mich zu Graffen von Ulfeld verfügen solte, um einer (mit Zuziehung des Directorii und beider kaiserlichen Beichtvättern, PP. Kampmiller und Bittermann, welch lezterer ungehindert er des Kaisers Beicbtvatter dem ersteren den Vorsitz gelassen, vermuthlich qua seniori) fürseienden, sehr wichtigen und die im Land ob der Ennß sich äußerende Religions-Irrungen betreffenden Deputation oder Conferenz beizuwohnen. 21 ) Übrigens wäre heut kein Appartement. Eodem erhielten wir Brieff von Brussel, daß unser Sohn den 4. allda angelanget, nachdeme selber von Cölln, wo sie debarquiret waren, solche grundlose Weeg angetroffen, daß sie gleich an der ersten Station '24 und sofort jede Post 13 biß 16 Stund fahren müssen. Den 19. wurde wegen des Ertzherzogs Josephs Nahmens Tags ganze Gala gemacht. Selber führe in seinem besonderen Leibwagen mit in das Profess Haus, allwo II. MM. der gewöhnlichen Andacht des heut einfallenden schwartzen Sonntags beiwohnten. Mittags wäre wie lezthin kein Taffeidienst, weillen die Herrschafften annoch Fleisch essen; hingegen wäre nachmittags der gewöhnliche Ausgang zu denen Siebenbüchern, wo wiederumen beide kaiserliche Mayestätten, aber ohne dem Ertzherzog zugegen waren, und sodann Appartement, wo die Stundfrauen abermahls wie jüngst ihnen die Hand küsten. Mann hatte übrigens von verschiedenen Promotionen gesprochen, welche sich aber auf die einzige Declaration des neuen Oberhoffmeisters der Princesse, Monsieur d’Ogara, beschräncket, so mein Schwager (dessen Gesundheit sich in etwas gebesseret) als angesezter Obristhoffmeister — nach der Zuruckkunfft aus der Kirchen — in der Rathstuben gethan hat, massen die Kaiserin befohlen, daß es damit nach den Beispill deren Ertzherzoginnen Obrist Hoffmeister gehalten werden solle. 22 ) Khevenhftller- Schiitter. 1752—1755. 2 Der Neopromotus ist ein gebohrner irrländischer Cavalier, welcher bei dem verstorbenen Herzog von Lothringen Edl Knab und hernach an dortigen Hoff biß zu der alten Herzogin Hintritt premier Ecuyer gewesen, seit deme aber dahier als Cammerherr von einer aus des Kaisers Cassa geniessenden Pension gelebet und immer bei der Parforcejagd et autres petites parties et voyages de plaisir sich mitgefunden hat. La medisance disoit meme que sa nouvelle mai- tresse ne le voyoit pas de mauvais ceil; und da noch kein Exempel, daß an unsern Hoff ein lediger Mensch zur Obristhoffmeisterstelle bei Frauen gelanget wäre, so gäbe es umso mehrere Glossir- und Ausstellungen als der neu Benannte sich noch sehr jung und galant aufführet, wiewollen er bereits das 50. Jahr passiret. Zugleich erhielte er auch das Decret als honorari geheimer Rath, legte aber bald darauff das Jurament ab. Den 22. wäre Conferenz in Gegenwart des Kaisers, bei welcher die lezthin resolvirte Expeditionen und zuvorderst die Vorstersche Instruction abgelesen wurden. Die Kaiserin hatte sich kurtz vorhero zur Ader gelassen pour la seconde fois de cette grossesse, weihen sie eben an der halben Zeit ist, kämme mithin nicht zur Conferenz. Gegen 1 Uhr legte der neue Bracciere der Princesse das Jurament in der Retirade in des angesezten Herrn Obristhoffmeisters und meiner Gegenwart ab, und wurde von dem ersteren oben in der Princesse Appartement seinem untergebenen Staab vorgestellet, worbei zwar mein Schwager (um nichts neues zu thun) die Anrede auf deutsch gemacht, weillen aber die Zuhörer meistens Lothringer waren, die Substantialia sodann auch auf französisch wiederhollet hat, in welcher Sprach ihme Monsieur d’Ogara auch geantwortet. Übrigens hatte es zwischen Ulfeld und Colloredo anfänglich wegen Vorlesung des Juraments einen Contrasto abgesetzet, als welche der erstere als Haus Canzler, der zweite aber von darumen praetendiret, weillen die Princesse eine Schwester des Kaisers und diser in hac qualitate keinen anderen Haus Canzlern als den Reichs Vice Canzlern hätte. Ulfeld aber gewann den Proceß haubtsäch- lichen, weillen die Kaiserin nicht zeigen wollen, als gedächte sie zwischen ihren Döchtern und der Princesse einen Unterschied zu machen. Eodem traffe zugleich das Stättlein Tulln und das Schloß zu Cremsier das Unglück, durch das leidige Feuer fast gänzlich verzehret zu werden, und ist absonderlich lezteres wegen seines schönen 1752, März 23.-25. 19 Gebäu, nahmentlich denen mag'nifique gemahlenen großen Saals und Bibliothec zu bedaueren. Den 23. nähme der dähnische Gesante, Freiherr von Backoy, die Hollstain-Glückstättische Belehnung eoram throno und per omnia nach den alten Coeremoniale, dergestalten zwar, daß der Reichs Vice Canzler sogar die gewöhnliche Passage der für entschuldiget haltenden Nichterscheinung in seiner Antwort, jedoch mit einig anderer Tour- nure inseriret. Schon vor geraumer Zeit und bei älteren Belehnungen haben die Gesante, deren Principalen die königliche Würde besitzen, von der sonst gebräuchlichen Excusation wegen des persöhnlichen Ausbleibens zu praescindiren angefangen; die Reichs Vice Canzler aber (in ihrer Antwort) pflegten dennoch zu sagen, daß der Kaiser die gemachte Entschuldigung dissfahls in Gnaden annehmete, wie ich es Selbsten von meinem Schwiger Vattern gehöret und auf mein Befragen, daß es also Stili seie, vernohmen habe. Dises Mahl aber wurde lediglich gemeldet, I. M. seheten den König wegen der nicht beschehenden persöhnlichen Erscheinung für entschuldiget an etc., ohne wie vor disem sich auf eine in der That doch nicht gemachte dissfältige Entschuldigung zu bewerffen. 23 ) Es ist übrigens der heutige Actus investiturae um so merck- würdiger, weillen noch bißhero kein König sich dazu bequemen wollen, in der Hoffnung, daß der Kaiser ihrem Antrag wegen Miti- girung des alten Coeremonialis sich endlichen würde fügen müssen; da nun aber der König von Dännemarck einen so löblichen Anfang gemacht, so solte mann sich billig schmeichlen, daß auch andere mit der Zeit disem rühmlich- und patriotischen Beispill folgen werden. Eodem wohnte ich als Beistand dem Versprechen des Graffen Niclas Palffy ältesten Freile Dochter Mariae Antoniae mit dem Cammerherrn und Obristen seines Vattern (des Feldmarschallen) Regiments, Marquis de los Rios bei, so in der Behausung des Brautvatters gehalten wurde. Die Mutter wäre eben im Kindlbett und hatte wenige Däg hernach das Unglück, ihren neugebohrnen, etwann 14 Täg alten Sohn — und zwar wie mann vermuthen wollen, an einen unglücklichen Stoß oder Druck, so das Kind aus Versehen der Ammei oder Kindsleuthen überkommen — zu verkehren. Den 24. als Freitags wäre öffentlicher Kirchen- und Taffeidienst, aber kein Appartement. Den 25. gienge mann in der Colana zu denen Augustinern, allwo gewöhnlichermaßen in der Loreto Capellen das Hoh-Ammt mit nachfolgender Vesper gehalten wurde (und die Kaiserin kämme auch mit), wie ingleichen nachmittags um halber 4 Uhr zur Säulen aufn Hoff. 2 * 20 1752, März 26.-29. Den 26., als an Palm Sonntag, wohnten II. MM, nebst dem Ertzherzog Joseph der gewöhnlichen Andacht und Palm-Weih bei denen Augustinern bei und nachmittags um 4 Uhr führe der Kaiser allein zu denen Capucinern zum Gebett. Den 27. hatte ich abermahlen die Ehre, nebst dem Baron Bartenstein einem Examini des Ertzherzogs Joseph in Gegenwart der Kaiserin beizuwohnen, wormit nun alle Monath regulierement und zu dieses kleinen Herrn mercklichen Progress continuiret wurde. Wir hörten hernach auch die zwei jüngere Ertzherzogen aus der Geographie examiniren, worbei sich der Ertzherzog Leopold für sein Alter ungemain distinguiret hat. Die Kaiserin erlaubte uns sodann, durch ihre Cammer über den Gang zu Gratfen von Ulfeld zu gehen, allwo anheut mit Zuziehung der Reichs-Canzlei und nachhero auch des Reichs-Hoff-Raths Conferenz gehalten wurde. Den 28. gienge der Kaiser mit dem gewöhnlichen Gefolg und dem venetianischen Bottschaffter (massen der Nuncius sich wegen seines üblen Pedalis entschuldiget) begleitet, zu Fuß nach Hernals; und zuruck führe mann al solito und der Bottschaffter zwischen dem Leib- und den Obrist-Stallmeister-Wagen. Den 29. wurde das Passions-Ammt und die darauf folgende Vesper nicht wie sonsten bei denen Augustinern, sondern in der Hoff- Capellen gehalten, wie es auch mit der heutig- und denen übrigen zwei Pumper Metten von darumen beliebet worden, weillen der Kaiserin bei avancirender Schwangerschafft gar zu ungelegen und beschwärlich wäre, so weit zu gehen; mithin wurde aber auch kein Grab in der großen Capellen aufgerichtet; und also unterbliben dises Jahr die nach denen zwei lezteren Metten sonsten allda gesungene Miserere und Stabat Mater, desgleichen an Charsamstag die Function der zweiten Auferstehung. Eodem passirte zu Prag die traurige Begebenheit zwischen denen zwei kaiserlichen Cammerherrn, Graffen Werschowitz und Kostitz, deren ersterer den lezteren, weillen er einen Amanten seiner Frauen gemacht, herausgeforderet und in dem Bubenitsch, nächst der Statt, mit selbem zu Fuß Kugel gewechslet, dabei aber das Unglück gehabt (nachdeme er zum ersten fahl geschossen), in den unteren Leib so gefährlich verwundet zu werden, daß er den Tag darauff — jedoch mit aller Reumtithigkeit und christlichen Resignation — seinen Geist aufgegeben. Mann hat zwar die Afifaire für eine Rencontre ausgeben wollen; allein weillen zwei Secundanten des Verstorbenen (Schwager Graff von Hartig und ein Haubtmann, Graff 1752, März 30.—April 2. 21 Clari) dabei gewesen, so dörffte der Hoff die Sach um desto seriöser nehmen, weillen die Ursach und Source derselben gar zu critique ist.*) Den 30. hatten wir um 8 Uhr Ordonnanz zu denen Augustinern, all wo II. MM. und nebst ihnen der Ertzherzog Joseph und Erzherzogin Maria Anna zum erstenmahl die öffentliche Communion gewöhnlicher Massen aus der Hand des Nuncii nahmen, welcher die Fatalitet hatte, bei Eröffnung des Ciborii (als er eben den Kaiser communiciren wolte) eine heilige Hostie auf die Erde fallen zu lassen. Gleich nach unserer Retour aus der Kirchen gienge die Fußwaschung vor sich und um halber 6 Uhr wäre wie gestern die Pumpermetten in der Hoff-Capellen. Den 31. wohnten II. MM. abermahlen mit dem Ertzherzog Joseph, der Erzherzogin Maria Anna und der Princesse der char- freitäglichen Andacht bei, in der Augustiner Kirchen, und die Kaiserin (ungehindert ihres geseegneten Leibs) verrichtete mit die Adorationem crucis, worzu anfangs Kaiser und Kaiserin zugleich und nach deme die drei Herrschafften ebenfahls mit einander (also daß der Ertzherzog in die Mitte zu knien kämme) sich verfügten. Abends wäre die lezte Pumpermetten abermahlen in der Hoff- cap eilen. Den 1. Aprilis wolte der Kaiser zwar die nemmliche Anzahl von heiligen Gräbern wie vorn Jahr besuchen; weillen es aber den ganzen Tag geregnet, so muste es unterbleiben und selber gienge bald nach halber 10 Uhr öffentlich zu denen Augustinern, während deme die Kaiserin in der grossen Hoff Capellen eine stille Meß gehöret. Abends gegen 5 Uhr verfügte sich der Kaiser abermahlen allein zu denen 5 Geheimnuß Predigen und zur Auferstehung, und sofort von denen Augustinern zuruck in die Zimmer. Den 2., als an heiligen Ostertag, fuhren II. MM. nach St. Stephan. Vor der Kirchen kämmen die in privato stehende drei Bott- schaffter (der französisch- und neapolitanische um 10, und der russische um halber 11 Uhr) nach den neuen Coeremonial ihre Glückwunsch bei denen allerhöchsten und übrigen Herrschafften (außer der Princesse) ablegen, welches die zwei in publico sich befindende, nemmlichen der Nuntius und Venetianer, nach unserer Retour von der Kirchen verrichtet und bei den Taffeidienst in der Ritterstuben aufgewartet. Der Ertzherzog Joseph speiste mit und die Ertzherzogin. *) Graff Nostitz hat sollen den Kopff verliehren und ist erst nach langausgestandenen Arrest im weissen Thurn auf wiederhollte beweglichste Instanzien seines mütterlichen Oncle, des Churftirsten v. Trier, endlichen begnadiget worden. 22 1752, April 2.-9. Maria Anna hatte auch dabei sein sollen, wäre aber disen Morgen, weillen sie einige Tage Fische geessen (so sie nicht wohl ertragen kann), etwas übl auf worden. Mein Schwager thate Obristhoffmeisterdienst und gäbe auch heut das Bottschafftermahl. Um 5 Uhr gienge der Kaiser in Colana zur Vesper und die Kaiserin folgte; sodann wäre Appartement und, Billard für uns andere. Den 3. wohnten abermahlen beide kaiserliche Mayestätten der Predig und dem Toison-Ammt bei, und Nachmittag wäre um 6 Uhr Ordonanz zur Vesper. Mittags wäre kein Dienst. Heut wäre die Copulation der Freile Palffin, welche der Herr Ertzbischoff in der Behausung abermahlen des Brautvatters verrichtet, der sodann die nächste Befreundschafft und uns andere Beistände nebst unseren Gemahlinnen mit einem grossen Soupe regaliret. Den 4. gienge der Kaiser allein zu dem Gottesdienst, worbei mann abermahlen in der Colana erschine. Nachmittag assistirte ich in dem Theresiano einer Disputation ex jure publico, welche der junge Baron Wallhorn gehalten und der Kaiserin dediciret, deme ich pro munere die goldene Ketten nebst dem Gnaden Pfenning gewöhnlichermassen umgehangen. Den 5. wäre alles veranstaltet, um die Schönbrunner Rais an- zutretten; allein nachdeme das Wetter sich auf einmahl also verschlimmert und seit gestern Abend es sogar mit Schnee angehalten, so wurde mir in der Frühe von der Kaiserin der Befehl zugeschickt, den Aufbruch biß auf weitere Ordres zu contremandiren, worüber wir andere erfrorene Leuth und zumahlen die arme Hoffbediente un- gemain frohlocket haben. Den 7. wäre Conferenz bei Hoff in Gegenwart beider kaiserlichen Mayestätten und Nachmittag hatte der vorgestern (mit Particular und haubtsächlich die römische Königs - Wahl - Angelegenheit betreffender Commission) allhier angelangte Mylord Hyndford Audienz bei den Kaiser. 24 ) Den 9. hatte der nemmliche Mylord vormittags auch seine Audienz bei der Kaiserin, welche zwar Willens gewesen, mit dem Kaiser zu den heut (als Dominica in albis) einfallenden Kirchweih- Fest nach St. Stephan sich zu verfügen; allein eine kleine Unpässlichkeit oder wie es andere erzehlet, weillen die Toilette nicht wohl gerathen und mann mit einem üblen Aufbutz in publico nicht er scheinen wollen, wäre Ursach, daß dieselbe nicht mitgekommen, auch der bereits anbefohlene öffentliche Taffeidienst contremandiret worden. 1752, April 9.—12. 23 Nachmittag hatte der französische Bottschaffter seinen Einzug auf die gewöhnliche Art; und wiewollen von seiner Magnificence vor- läuffig gar villes gesprochen worden wäre, so hat doch das Evenement deme bei weitem nicht correspondiret und absonderlich die Livrde nicht sehr kostbahr ausgesehen, welche in grünen Röcken mit rothen Vesten bestanden, deren aber nur die leztere mit Silber, die erstere aber mit seidenen und fast imperceptiblement mit etwas Silber eingewürckten Borten geprämet waren. 25 ) Den 10. fuhren II. MM. nebst denen drei Ertzherzogen und denen zwei Erzherzoginnen Maria und Elisabeth um 9 Uhr zu denen Paulanern, allwo anheut das transferirte Fest ihres heiligen Ordens Patron celebriret wurde. Die Ordonnanz wäre en Campagne und von darumen so früh, weillen der Kaiser hernach zum erstenmahl wieder einen Hirschen zu Stamersdorff forciren wollen; denen Bottschafftern wurde dahero und um selbe nicht so früh in die Vorstatt zu strapa- ziren, auch nicht angesagt. Um 11 Uhr verfügte ich mich zu Graffen v. Ulfeld, allwo wir heut mit Zuziehung des niederländischen Raths Conferenz hatten. 26 ) Den 11. hatte der französische Bottschaffter nach 12 Uhr die erste öffentliche Audienz bei Kaiser und Kaiserin; und ob ich zwar anfangs besorget gewesen, es mögte bei den Articl des neuen Coere- monialis — wo von dem Hutabnehmen des Kaisers gehandlet wird und welcher etwas dunkel gefasset ist — sich etwann einiges In- cident ereignen, 27 ) so ist doch dises und der ganze Actus in Con- formitet unseres Coeremonialis und dessen, so bereits bei der lezteren Audienz des venetianischen Bottschaffters beobachtet worden, ganz ordentlich und ruhig abgeloffen und hat der Kaiser bei den Eintritt und Weggehen des Bottschaffters den Hut zwar abgenohmen, aber solchen allsofort wieder aufgesetzet. Der Cammerherr Graff von Seilern wäre anheut wiederumen Commissari; und weillen mein Schwager das Obrist-Hoffmeisterammt versehen und sein Substitutus, der Graff v. Schoenburg Unpäßlichkeit halber nicht kommen können, so wurde an dessen Statt der Graff Carl Salm, als einer deren ältesten Cammerherrn, qua Hoffmarschall angesetzet. Den 12. verraiste der Kaiser in aller Früh um halber 3 Uhr in Begleitung des Obriststallmeisters Graffen Joseph St. Julien und Niclas Palffy nach Heinrichstein (einen disem lezteren zugehörigen und in dem Virtl Ober Manhardsberg gelegenen alten Schloß), um in dortiger Gegend mit der Auerhan-Pfaltz — welche Jagd erst neuerlich von dem jetzigen Possessore als einem großen Liebhaber 24 1752, April 14.—17. der Jägerei allda eingerichtet worden ist — sich zu divertiren; und wider alles Vermuthen (indeme der Weeg sehr lang und schlecht ist und mann eben von darumen den Kaiser so früh aufbrechen machen) kämme er dennoch allschon um halber 4 Uhr Nachmittag allda an und Sammstag als den 16. Nachmittag sehr zeitlich wieder zuruck, nachdeme er — weillen die Pfaltz Zeit meistens vorüber wäre — nur einen eintzigen Auerhahn Selbsten und ein Jäger einen zweiten geschossen. Anbei schosse er aber auch ein Haselhuhn, dergleichen Federwildprett er noch niemahlen geschossen hatte. Den 14. wäre um halber 12 Uhr die Ordonnanz zu des Bott- schaffters öffentlicher Audienz bei I. M. der Kaiserin als Königin, welche mit denen nemmlichen Coeremonien wie die bei den Kaiser vor sich gangen; nur hat sich das Incident. zugetragen, daß der Bott- schaffter, welcher das Creditiv in heutiger königlicher Audienz hätte übergeben sollen, solches von darumen unterlassen, weillen er solches aus Verstoß bereits in lezterer, bei der Kaiserin (als kaiserlicher Gemahlin) gehabter Audienz überreichet hatte. Ansonsten ist noch zu bemercken, daß der Bottschaffter aus Politesse nicht einmahl dergleichen gethan, als wolte er den Hut aufsetzen, obschon das neue Coeremoniale ihme verstattet, de se couvrir, und nur die Restriction gebrauchet, de se decouvrir apres les premteres paroles de sa harangue, umwillen die Königin als eine Frau sich nicht bedecken thut. Nachhero hatte er auch seine Audienzien abgeredeter Massen und nach der neuen Etiquette bei den Ertzherzog Joseph, denen zwei jüngeren Herrn und sodann bei denen älteren Frauen, welche die Fürstin v. Trautsohn dirigiret; die kleinere Division, die unter der Frau Aya stehet, kunte Unpäßlichkeit halber nicht erscheinen, wordurch also der Bottschaffter die vierte Audienz er- spahrte. Sein heutiger Commissarius wäre der Cammerherr und Generaladjutant Freiherr von Kettler. Den 16., als Sontags und am Fest des gutten Hirten, verfügten II. MM. sich zu denen Franziscanern in Campagne und der französische Bottschaffter machte allda zum erstenmahl sein Cortege und Aufwartung. Den 17. wäre noch vormittags Conferenz in Gegenwart beider kaiserlicher Mayestätten, worauf dieselbe und wir alle von dero gewöhnlichen Gefolg auf Mittag nach Schönbrunn fuhren, um bei der- mahlen anscheinenden besseren Wetter unseren lieben, neunmonath- lichen Söjour daraussen anzutretten. Meine Frau (so schwär es ihr auch angekommen, sich von denen Kindern abzusönderen) hat dennoch dises Jahr sich mit mir 25 1752, April 18.—30. \ daraus 6tabliret, um ihre Attention und die für so ville uns und denen unseligen wiederfahrende Gnadenbezeigungen schuldige Danck- bahrkeit desto mehr zu bezeigen, welche geringe Attention auch von beiden Mayestätten auf das allergnedigste aufgenohmen worden. Den 18. wäre Conferenz bei Graffen von Ulfeld mit Zuziehung der Reichs Canzlei; und darinnen wurden die leztere, von dem lezthin wiederumen nach Hannover (um bei des Königs dissjäbrig- aber- mahliger Überkunfft zugegen zu sein) abgegangenen Reichs-Hofif-Rath v. Yorster eingeloffene Berichte in Deliberation genohmen. 28 ) Den 21. wäre das erste Appartement zu Schönbrunn, all wo übrigens alles auf den bisherigen Fuß gehalten worden. Den 23. hatten wir den Gottesdienst zu Schönbrunn und cele- brirten an den heutigen Sonntag Jubilate das Festum dedicationis unserer Capellen. Den 24. wäre abermahlen wegen des Fests S. Georgii öffentlicher Kirchendienst. Den 26. fuhren II. MM. sehr früh in die Burg hinein, all wo um 10 Uhr Conferenz in dero Gegenwart gehalten und haubtsächlieh über die dem Baron v. Prettlack auf seine leztern Depechen zu er- theilende Resolutionen deliberiret wurde. 29 ) Den 28. wäre das freitägige Appartement; und die Audienzien (welche I. M. sonsten an disen Tagen nachmittags zu geben gepfleget) wurden von heut an auf den Vormittag fixiret, weillen es der Kaiserin bei dero avancirenden Schwangerschafft aisgemach gar zu ungelegen helle, sich gleich nach den Essen also zu fatigiren. Den 29. wohnte ich Vormittags einer bei Graffen v. Ulfeld (mit Zuziehung der Commission in illyricis) gehaltenen Conferenz bei. Abends kämmen die Ertzherzogen und bald darauf auch die Erzherzoginnen bei eingefallenen besseren Wetter nach Schönbrunn sich etabliren. Den 30. fuhren II. MM. vormittags zu denen Salesianerinnen, welche anheut die Festivitet wegen der unlängst bescliehenen Seligsprechung der Dame Jeanne Fran^oise de Rabutin Chantal begangen. Denen Bottschafftern wurde aber nicht angesagt. Eben heut hatte der neapolitanische seinen Einzug, welcher den französischen nach viller Meinung (wiewollen dises leztern Premiers carrosses a cause de la pointure ■ und sonderlich der zweite seines schönen grünen Vernis halber von der Hand des berühmten S 1 ' Martin nicht weniger gelobet worden) an Magnificence — zumahlen der Livr6e halber, die roth und blau und mit Silber und Seiden gewürkten Galonen von sehr guttem Gusto chamariret wäre — 26 1752, Mai 1. übertroffen; und hat mann ihme absonderlich gutt geheißen, daß er alle Equipagen dahier machen lassen, wo der Franzoß die geringste Borten von Paris beschriben und allenthalben ville Mesquinerie von sich blicken lassen, wiewollen er zum voraus, ä la fagon du pays, ville Prallereien gethan hatte. ► Den 1. Maji wäre wegen des heutigen Feiertags der gewöhnliche öffentliche Gottesdienst, nach welchen der bißherige Obrist- Kuchlmeister Graff Philipp v. Künigl von meinem Schwägern als an- gesezten Obristhoffmeister zum Vice Ayo deren jüngeren Ertzherzogen in der Rathstuben declarirt wurde. Die Ursach, so II. MM. zu Creirung dises neuen und an hiesigen Hoff und bei dem oester- reichischen Hauß sonsten nicht üblichen Amts (allwo mann vor disem nur Ayo und Instructores bei denen Printzen gehabt) bewogen und veranlasset, wäre einerseits, um die Ertzherzogen unter der Ober- direction eines einzigen Ayo beisammen zu behalten, und andererseits, um doch den Feldmarschallen Graffen Batthyany bei seinen frequenten podagrisehen Anstößen zu subleviren und die kleine Herrn währender dessen Unpäßlichkeit nicht gänzlich denen Cammerherrn oder denen Instructoribus zu abandonniren. Die weitere Ur- sach aber der auf den Graffen Künigl gefallenen Auswahl wäre zuvorderst die Qualitet eines alten treuen Dieners und dessen ehrliebende, redliche Gesinnung, welche billig hoffen lasset, daß denen ^ Ertzherzogen eine dergleichen Gedenckens-Art und gutte christliche Maximen beigebraeht werden würde. Annebens wolte mann bei den Küchel- und Controlor-Ammt eine neue Einrichtung machen und dises wie vorhin dem Obrist Hoffmeister vollständig untergeben, so dem Graffen v. Künigl umso empfindlicher gefallen wäre, als er bißhero schon gewöhnet gewesen, sich immediate an die Herrschafften zu wenden, und die Exemption sehr weit getriben hatte. Nach den ersten Antrag solte der neue Obristkuchelmeister zugleich declariret werden; da es sich aber damit verzögeret, muste ich auf allergnädigstes Ansinnen mich indessen um die Kuchelparthei insoweit annehmen, daß die Haubtbefehle und Ordonnanzien dem Controlor von mir ertheilet wurden, ohne mich in ihre Wirthschafft einzumischen, worzu mich niemahlen eingelassen hätte. Und da der neue Vice Ayo bishero, und zwar ehe ich noch Obrist Cammerer ^ wäre, auch par commission die Oberaufsicht von Schönbrunn und hierzu eine besondere geheimme Cassa gehabt, so er führohin auch nicht mehr versehen können, so befähle die Kaiserin, daß ich sothane Direction (gleichwie es den Obrist Cäminerer-Ammt nach dermahliger v 1752, Mai 1.—2. 27 Einrichtung ohnedeme in allen kaiserlich-königlichen Burgen und Lustschlösseren zustehet) für beständig übernehmen solle; und wurden die Anschaffung und Bezahlung sodann auch auf den nemmlichen Fuß wie es dißfahls bei meinem Ammt überhaubt gehalten wird, re- ► guliret und jene geheimme Cassa (welche ohnehin nur zu villen Unordnungen und unnöthigen Ausgaben Gelegenheit gegeben hatte) als überflüssig aufgehoben. 30 ) Nach der Kirchen hatte der neapolitanische Bottschaffter nach 1 Uhr seine erste Audienz bei den Kaiser; und weillen mann alles auf den Fuß wie in der Statt ansihet, so wurde in essentialibus das nemmliche Coeremoniale beobachtet wie lezthin mit dem französischen Bottschaffter observiret worden, im übrigen aber sich wegen der Re- ception an der Stiegen und Begleitung an jenes gehalten, so vorn Jahr mit dem venetianischen Bottschaffter ausgemacht und practiciret worden. Von dem Kaiser gienge der Bottschaffter unter gewöhnlicher Begleitung zur Kaiserin, um nach der neuen Etiquette auch bei selber in der Qualitet als kaiserlicher Gemahlin admittiret zu werden. Und weillen er übrigens Selbsten verlanget, von seinem Quartier an biß nach Schönbrunn mit seinem ganzen Train zu fahren, so hatte es dißfahls um so wenigeren Anstand, als lediglich zu deren Bott- schafftern mehrerer Bequemlichkeit bei der ersten Audienz des vene- fc. tianischen (comme ötant le premier cas) abgeredet worden, daß selbe aus der Statt aus mit längerer Equipage ausfahren und die schwäre Paradewägen nebst dem übrigen Cortege erst bei Penzing nehmen könten. Ansonsten wäre der Graff von Seilern anheut wieder dessen Commissarius. Den 2. gäbe der Kaiser nach 1 Uhr die Abschiedsaudienz dem venetianischen Bottschaffter, welcher schon eine geraume Zeit her anverlanget, sich ins Privatum zu setzen. Hierbei wurde es auf den gewöhnlichen Fuß gehalten, der Thron mit dem Stapffel und so genannten Brucken zubereitet und gleichwie von dem Kaiser Selbsten, also auch auf beschehene Ansagung von denen geheimmen Räthen und Cammerern das Mantel Kleid angezogen; jedoch wolte die Kaiserin (da es nach den neuen Coeremoniale in dero Willkuhr gestehet worden) die Audienz als kaiserliche Gemahlin, welche die Bottschaffter sowohl bein Empfang als Abschied anzubegehren schuldig * seind, ihrer Gelegenheit halber dermahlen nicht annehmen; jedoch muste der Bottschaffter seinen Cammermeister zu den Fürsten v. Trautsohn schicken und sich darumen melden, welcher ihme in anständigen Ausdruckungen der Kaiserin Willensmainung und daß er von sothaner Audienz dispensiret worden, zu erkennen gäbe. v sr it-ja .'•£«!! st.äis..*. T# / *Ä^ä33SlifW5Äfea 28 1752, Mai 3.-4. Den 3. hatte selber aber gegen 10 Uhr die Audienz bei I. M. in dero Qualitet als Königin und Souveraine, worzu er dann von mir auf die nemmliche Art wie zum Kaiser in die Rathstuben introduciret und bein Austritt gleichwie lezthin mit des Kaisers Portrait, also anheut mit dem Contrefait der Kaiserin regaliret wurde und sodann y die Tour bei denen jungen Herrschafften (der Frauen Amaliae und denen zwei ganz Kleinen ausgenohmen, welche sich nicht recht wohl befanden) machen muste, um sich nach dermahliger Etiquette allerseits zu beurlauben. Bald nach sothaner Audienz legte der neue Vice Ayo in des angesezten Obristhoffmeisters, des Ayo und meiner Gegenwart das Jurament ab, so ihme gewöhnlichermaßen von dem Baron Bartenstein und Graffen Ulfeld vorgehalten und nach welchen er von meinem Schwägern dem Ayo praesentiret und an ihm angewisen, sodann erst von selbem (nemmlich dem Ayo) denen Cammerherrn und übriger sämmtlichen Hoffstatt deren jüngern Ertzherzogen vorgestellet worden ist. Sodann verfügte sich I. M. die Kaiserin in die Capellen, um mit denen Stern Creutz Dames das heutige Ordensfest gewöhnlichermaßen mit Predig, Ammt und öffentlicher Offrande zu begehen, wegen welch- lezterer Function dieselbe (um die Stiegen zu erspahren) dero Knie Banck unten nächst dem Hoh-Altar auf der Sacristei Seiten *- stellen zu lassen befohlen. Gegen halber 2 Uhr kämme der neapolitanische Bottschaffter, welchem abermahlen der Baron Kettler pro conimissario von mir zugegeben worden wäre, und wurde von I. M. ebenfahls in dero königlicher Qualitet unter gewöhnlicher Reception zur ersten Audienz admit- tiret, nach welcher er sich sofort zu jener deren jungen Herrschafften in hergebrachter Ordnung begäbe, jedoch von der Audienz bei denen drei jüngsten Frauen aus der nemmlichen Ursach wie der venetiani- sche Bottschaffter dispensiret wurde. Den 4. verraisten II. MM. mit der dazu benannten Suite nach Laxenburg bald nach 6 Uhr, um noch heut Morgen von der Baitz profitiren zu können; ich kunte aber erst nachmittags folgen, weillen wir bei Graffen v. Ulfeld Conferenz hatten, welcher ich aus allerhöchstem Befehl beiwohnen muste. Mittags speiste ich bei denselben und führe sodann auf meine *■ eigene Pland hinaus, wo ich die Herrschafften bei den Lusthaus Pharaon spillend fände. Nach vollendeter Baitz begäbe sich alles in den vorhinig Sinzendorffischen Garten, allwo die Kaiserin seit unserem leztern Sejour vor zwei Jahren verschiedenes zubauen und embelliren 1752, Mai 4.-7. 29 lassen ; 31 ) und nachdeme mann noch eine kurtze Zeit gespillet, führe die Kaiserin in das Schloß, worinnen abermahlen das Haubtquartier wäre; der Kaiser aber verblibe mit der übrigen Compagnie bein Soup6 und gienge erst nach selben heut und auch sonsten meistens zu Fuß dabin. Ausser denen Herrschafften und Hoff-Dames wohnten noch der Ayo und sie nebst denen Grafif Losischen in dem inneren Schloß, die übrige Männer aber in dem heraußigen Gebäu; und die Fürst Auerspergsche wurden mit meiner Gemahlin und mir in dem sogenannten Obrist Stallmeisterbaus einlogiret, welches der Kaiser in seinen jungen Jahren bewohnet, und zwar batten wir (meine Frau und ich) unser Bett in der nemmlichen Alcove, wo er zu schlaffen gepfleget. Den 5. kunte mann wegen des windig- und regnerischen Wetters nicht auf die Baitz gehen; wir kämmen aber nach 10 Uhr in der Anticamera zusammen, allwo der Kaiser sich einige Zeit mit Wiirfflen amusiret und nach 1 Uhr verfügte sich alles in den Sinzendorffischen Garten zum Mittagmahl, welches gleich dem Soupe jederzeit auf 24 Couverts in dem Saal gerichtet wäre, nebst einem zweiten Tisch in einem Nebenzimmer für 10 biß 12 Persohnen, damit mann doch immer ein und anderen distinguirten Gast (massen die Herrschafiften ausser Sonn- und Dienstag nachmittags keine Leuth in regula sonsten sehen wolten) laden kunte. Das anhaltende widrige Wetter verhinderte, daß mann auch nach den Essen nicht von der Baitz profitiren mögen; da es sich aber spätter etwas ausgeheiteret, so gienge der Kaiser mit einigen von uns Männeren auf den Maille Spillen und nachhero wäre abermahlen ein Pharaon hiß zur Soupb Zeit. Den 6. führe mann nach eingenohmenen Frühstück in die Gegend von Rauchenwart auf die Parforce Jagd, worbei die Kaiserin en chaise gefolget und meine Frau die Princesse zu Pferd accom- pagniret. Die Jagd wäre sehr fatigante, weillen der Hirsch — ungehindert all- gemachter Vorsorg, damit er nicht sogleich der Donau zu laufifen möge — gleichwollen durch die vorgestellte Lini viller hundert Baueren durchgebrochen und herwärts Petronel, nachdeme wir ihme über eine gutte Stund in gestrecktem Galop nachgejaget, sich in das Wasser geflüchtet und wegen deren villen allda befindlichen Inselen nicht mehr erreichet werden können. Den 7. als Sonntags höreten die Herrschafften zwei stille Messen in der Schloß Capellen und verbliben den übrigen Vormittag meistens retiriret. 30 1752, Mai 7.-8. Hiernächst hatte der Ertzherzog ein Examen ex geographia aus- halten müssen, deme die Kaiserin, auch eine kurtze Zeit der Kaiser, beigewohnet und worbei ich ebenfahls zugegen gewesen. Mittags speiste mann al solito in dem Sinzendorffischen Garten und nachmittags verfügten sich die Herrschafften zum grünen Lust- hauß; der Kaiser nebst dem Ertzherzogen und uns anderen Männern de la suite wäre zu Pferd und die Kaiserin folgte nebst denen Dames in Chaisen. Und weillen II. MM. erlaubet, daß Sonn- und Dienstags die Bottschaffter und übrige fremmde Ministres (welche theils bei den Graffen v. Ulfeld, theils bei den Graffen v. Choteck —- so beide wegen des Hoffs sich zu Laxenburg, und zwar lezterer in seinem Garten und der erstere wiederumen in dem Obristhoffmeisterhaus Zeit unseres Daseins etabliret — heut mittags geladen waren), auch sonsten alle Dames und Cavalliers gleich denen Appartement-Tägen ihre Aufwartung machen dörffen, so hatten wir sehr zahlreiche Zuseher, wiewollen leider die Baitz so schlecht abgeloffen, daß mann nicht einen eintzigen Beiger bekommen. Während selber spülten die Herrschafften oben im Lusthaus Pharaon und herunten waren gewöhnlichermassen die übrige Spilltische placiret; jedoch dorffte auch alles (gens qualifi^s s’entend) dem Pharaon Tisch sich näheren und die Herrschafften Spillen sehen. Nach der Baitz hielte sich die Kaiserin noch in etwas bei der übrigen Compagnie im Sinzendorffischen Garten auf und verließe uns wie sonsten zur Soup6 Stund, welche immer praecise neun Uhr regu- liret wäre. Den 8. verfügten wir uns um 7 Uhr früh theils zu Pferd, theils in Chaisen auf die Baitz und wurde anfänglich gestreiffet, sodann bei einen deren Lusthausern abgestigen und nach genohmenen Frühstück biß gegen halber 11 Uhr in Erwartung deren Raiger (wormit es aber wiederumen sehr unglücklich hergangen) Pharaon gespillet. In der Retour fanden wir die drei ältere Erzherzoginnen in dem Wäldl unter einen Baum sitzen, welche immittelst von Schönbrunn gekommen waren und anmit dem Kaiser (welchem die Kaiserin von diser Visite ein Geheimnuß gemacht hatte) une agr6able snrprise thun wollen. Selbe speisten sodann nebst II. MM. und der übrigen Compagnie bei den Banco Praeses Graffen Rudolph von Choteck, welcher indessen und seit des Hoffs lezterer Anweesenheit zu Laxenburg verschiedene Embellissemens an seinem Garten und Hauß gemacht und uns an einer Taffel von etlichen und 30 Couverts sehr gutt regaliret. Nach den Essen kämmen wir in dem Sinzendorffischen Garten zu- 1752, Mai 9.—13. 31 sammen und giengen von dannen aus auf die Baitz und sodann soupiren. Den 9. solten wir wiederumen um halber 7 Uhr baitzen gehen, allein der eingefallene und den ganzen Tag fürgedauerte Regen ließe es nicht zu, mithin blihe mann biß zur Mittagszeit im Schloß, speiste sodann im Sinzendorffischen Garten und weillen mann auch Nachmittag nicht ausgekont, so erlaubten II. MM., daß die heut als Dienstags sich abermahlen eingefundene und von denen Graffen v. Ulfeld und Choteck abermahlen zu Mittag bewirthete fremmde Ministres nebst der übrigen erschienenen Noblesse zu demselben in den Sinzendorffischen Garten kommen dörffen, allwo dann wie ein Appartement gehalten wurde. Die Herrschafften spillten Pharaon biß nach 6 Uhr, um welche Zeit dieselbe nebst dem Ertzherzog und dero ganzen Suite aufgebrochen, und zwar II. MM. über Wienn, der Ertzherzog aber nebst allen übrigen gerad nach Schönbrunn zuruck gekeret seind. Den 10. hatten wir wegen des morgigen Fests gesungene Vesper; die Herrschafften giengen aber nicht in publico wie sie es zu Schönbrunn fast allzeit zu thun pflegen. Eodem starbe an der Lungenentzündung im 74. Jahr die ver- wittibte Gräffin von Virmond, geb. Freiin v. Burscheid, welcher ihre eintzige Dochter und erste Gemahlin des Hoffcanzlers Graffen von Ulfeld bereits anno 1731 in die Ewigkeit vorausgangen wäre. Den 11. wäre wegen des hohen Fests der Himmelfarth öffentlicher Kirchendienst und die Minerva Andacht. Den 12. hatten wir (Konferenz bei Graffen von Ulfeld mit Zuziehung der Commission in illyricis, und nach den Rosen Crantz sähe die Kaiserin gewöhnlichermaßen die Wittiben, welche anheut als am Vorabend dero Geburts-Tags ihre Glückwunsch abzulegen pflegen. Den 13. als an den grossen Gala Tag wurden die zwei der- mahlen in privato stehende Bottschaffter Bestuchef und Tron (ersterer um 9 Uhr und lezterer um 10 Uhr) zur Particular Audienz bestellet, welche sie sofort auch bei der zweiten Ertzherzogin — als dero Geburtsfest ebenfahls anheut einfallet — nehmen musten. Um halber 11 Uhr kämmen der Nuncius und die französische und neapolitanische Bottschaffter, welche sodann auch noch vor der Kirchen zu der- Frau Maria Christina sich verfügten. In dem Intervallo zwischen denen Audienzien deren Bott- schaffteren empfingen I. M. die Handküß und Glückwünsch theils in dem Spieglzimmer von denen Hoff-Ämtern (ich küste dero Hand in 32 1752, Mai 13. der Cammer) und ein so anderen deren vornehmeren Ministren, welche sich zeitlicher einfanden, theils in der Anticamera, wo sie desshalben zwei biß dreimal heraus kämmen. Bald nach 11 Uhr gienge mann in publico zur Capellen; sodann wäre auch öffentliche Taffel, bei welcher der Ertzherzog Joseph und die zwei ältere Frauen zugegen waren und die Bottschaffter aufwarteten; dise, nemmlichen der Nuncius, Hautefort und Camporeale bliben bei unseren Disch, welcher hergebrachter Massen in der großen Gfallerie und auf 100 und etliche Couverts gerichtet wäre, nebst einem Neben Tischl auf 12, auch mehrere Gäste in dem ovalen Cabinet. Um 5 Uhr waren die Stundfrauen bestellet, welchen die Kaiserin en cercle in der großen Galerie die Hand zu küssen gäbe und sich sodann nebst dem Kaiser und denen älteren jüngeren Herrschafften und der Princesse in publico (mit Vortrettung obbemelter drei Bottschaffter) zur Opera verfügte. Damit aber alles Impegno zwischen der Princesse und disen lezteren vermieden würde, so begäbe sich erstere (nemmlich die Princesse) nebst sämmtlichen jungen Herrschafften in die große Loge hinauf und II. MM. sezten sich gewöhn- lichermassen auf dero Estrade in dem Parterre, allwo dann auch die Bottschaffter ihre Banck vorbereitet fanden und die mitgekommene Dames, Hoff-Ämter und übrige Cavalliers (verstehet sich solche, die das Appartement frequentiren dörffen) wie sonsten üblich placiret wurden. Zwei Cammerherrn, nemmlichen der junge Fürst von Auersperg und mein Eidam waren Commissaires für dem Parterre, und zwei Truchseß für dem äußeren Einlaß und die Galerie, welch leztere al solito für die Cammerdienerinnen und dem Halbadel destiniret wäre; damit aber wenigere Unordnung seie, so wurde befohlen, daß vor der Ankunft des Hoffs lediglich die fremmde Ministri, geheimme ßäth, Cammerherrn und Generals Persohnen in dem Parterre gelassen, allen übrigen Cavalliers aber die Entree erst zugleich mit dem Hoff verstattet werden solle. Mann hatte zwar geglaubt, daß wir heut nicht in publico zur Opera gehen würden, weillen selbe abermablen von einer Compagnie von Dames und Cavalliers produciret worden und mann dergleichen Spectacles sonsten par distinction immer als Cammerfest zu tractiren gepfleget; allein wegen des heutigen so großen Gala-Tags wäre nicht wohl anständig und möglich, das Publicum zu vermeiden, und wäre mithin etwann besser gewesen, wann die Noblesse mit gutter Art decliniret hätte, ihre Opera an den Gala Tag Selbsten zu spillen. Übrigens waren die vier Sängerinnen die nemmliche, so vorn Jahr sich hören lassen. Anstatt des Graffen Pergen (als einzig dabei ge- 1752, Mai 13. 33 wesenen Chapeau) aber sänge der Principe Michaele Tassis, kaiserlicher Cammerherr, welcher nebst einer unvergleichlichen Action eine recht angenehme Stimme hat und, was das besonderste ist, ohne jemahlen die Music erlernet zu haben, das Eecitativo sowohl als die Arien mit ungemainer Accuratesse und bester Methode zu singen weis. Die Composition wäre von dem eigenen S 1 ' Bono, der die vornjährige gemacht, welche die meiste Connoisseurs der gegenwärtigen preferiren wollen. Die Opera hieße l’Evoe Cinese und wäre eine abermahlige stattliche Arbeit des berühmten Abbate Metastasio. Nach den erst- und zweiten Act wurden Ballets (einer von Chinesern und der andere von Tartaren) produciret, bei welchen die älteste Dochter des Herrn Obrist Stallmeisters und des Hartschieren Haubtmanns nebst denen Graffen Rogendorff, Joseph Herberstein, Carl Dietrichstein und Joseph Colloredo gedanzet haben. Meine Thereserl figurirte auch in dem ersteren und wurde in einer Urne de porcel- laine herausgetragen, so aber vor mir ein Mystere sein sollen. II. MM., welche du secret waren, hatten Selbsten alles mit beigetragen, daß ich es nicht erfahren sollen, also zwar daß an den Abend der General Prob die Kaiserin mir um die Stund des Rosencranzes befehlen lassen, daß ich in der Anticamera warten solle, weillen sie mit mir zu sprechen hätte; und als ich in dero Cabinet beruffen worden, suchten dieselbe die Unterredung beflissentlich zu verzögeren und hielten mich über eine Stund lang auf, damit ich nicht eher in das Opera Haus und zur Repötition genörale kommen könte, als biß der erste Ballet (worbei meine Dochter gedanzet) vollends aufgeführet und probiret worden wäre. Unglücklicherweis aber wurde ich dennoch vor der Zeit davon par deux indiscrets avertiret, deren einer ignoriret, daß es vor mir ein Geheimnuß seie, der andere aber aus Betise mich durch sothanes Avertissement zu obligiren geglaubt hat; und endlichen hätte auch ohne allen disen Incidents die Surprise nicht complet sein können, indeme in dem Moment, da mann das Vase de porcellaine auf das Th6ätre heraus gebracht, jemand, der hinter meiner Banck stunde, einem anderen gleichsamm erzehlungsweis gesagt: in dem porcellanen Topff ist die kleine Khevenhüllerin, worauf ihm diser mit leiserer Stimm (so ich aber ebenfahls ganz deutlich gehöret) still zu reden geheissen, mit Vermelden, daß der • Obrist-Cämmerer nichts davon wüste. In dem Moment de la piAtendue surprise warffen II. MM. beiderseits sogleich ihre Augen auf mich, erkannten aber auch an meiner forcirten Contenance, daß das Secret nicht gehalten worden wäre, welches ihnen in der That recht leid gewesen Khevenhüller-Schütter. 1752-1755. 3 34 1752, Mai 14.-18. und mich selbsten verdrossen bat, weillen denenselben und (ä dire le vrai) auch mir der Spaß verdorben worden. Den 14. hatten wir den gewöhnlichen sonntägigen Gottesdienst zu Schönbrunn und abends fuhren die Herrschafften in die Burg und wohnten in dem Theatro des Baihauses der ersten Repraesentation der unlängst anhero beschribenen französischen Trouppe bei, welche mit der Tragödie: le comte d’Essex (de Thomas Corneille) debutiret, darmit aber — weillen die Actrices gar zu ridicules gestes und con- torsions gemacht — sehr schlechte Ehre eingelegt haben. Die Pieces comiques seind aber nachhero besser reussiret, und wurden vor allen M r Ribou nebst seiner Gemahlin billig applaudiret, deren leztere die Soubrete machte, ersterer aber sich sowohl deren Röles tragiques als comiques unvergleichlich aquitiret hat, wie er dann auch zu Paris an Theätre de la comedie frangoise einer deren stärckesten Acteurs gewesen und selbes bloß wegen einer unglücklichen Affaire, wo er seinen Contrepart erstochen haben solle, verlassen müssen. Den 15. wäre Conferenz bei Graffen v. Ulfeld, bei welcher über die leztere Vorsterische Berichte in der Wahlsach deliberiret wurde. 32 ) Abends kämmen die Herrschafften wiederumen in die französische Comödie, jedoch führe die Kaiserin zuvor nebst der Princesse all’in- cognito zu denen Augustinern wegen der heutigen Vigil S. Joannis Nepomuceni. Mann spillte den Democrite und für die petite piece: le Frangois ä Londres. Den 16. führe die Kaiserin abermahlen mit der Princesse nach halber 6 Uhr zu denen Augustinern und von dannen zur französischen Comedie, wohin der Kaiser bereits voraus gekommen wäre. Heut wurde der Joueur produciret mit der Serenade. Den 17. wäre wegen der Princesse Geburts-Tags große Gala. Vor den Taffeidienst giengen II. MM. nebst denen älteren 'Herrschafften in publico zu selber hinüber und indessen mußten die Speisen aufgetragen werden, damit mann sich sogleich zu Disch setzen kunte. Die Dames servirten und wir andere hatten sodann zwei grosse Taffelen in denen unteren Zimmern, worzu ein und andere unserer vornehmerer Herrn und Frauen, jedoch kein fremmder Minister gebetten wurde. Abends wäre Appartement. Den 18. wurde die Cavalliers und Dames Opera zum zweiten Mahl wiederhollet. Die Herrschafften giengen aber nicht en public, sondern bliben in denen Logen; mithin wurde (wie in solchem Fahl 1752, Mai 18.—22. 35 bereits hergebracht) der Parterre theils der Noblesse, theils denen Spectateurs du second rang und die Gallerie jenen, die den Hoff begleiteten, zugetheilet. Und weillen die zwei in privato stehende Bott- schaffter Bestuchef und Tron (wie ingleichen der anjezo sich in pu- blico befindende neapolitanische Bottschaffter) zu mir geschickt, so Hesse ich selbem gewöhnlichermassen auf der ersten Banck in Parterre ihre Plätze mit Hinstellung eines Hartschieren aufheben. Vor der Opera hatte der genuesische Gesante Conte Durazzo seine Abschiedsaudienzien bei beiden kaiserlichen Mayestätten und wurde sodann in dero Nahmen einige Tage darnach von mir in loco tertio mit einer Tabatiere de cristal de röche incrustee de brillants und einem brillantenen Ring beschencket. Diser Cayallier hat vor ein paar Jahren eine Dochter des Graffen Antoni Weissenwolff geheiratet, welche von ausnehmender Schönheit ist, auch für das schönste Weib dahier passiret, und wird in kurtzen (wie verlauten will) von Genua wiederumen anhero kommen und eine Stelle in dem wälschen Rath erhalten. Den 20. hatten wir vormittags Conferenz heraußen zu Schönbrunn in Gegenwart II. MM. und wurde über die Antwort deliberiret, so denen zwei englischen Ministris Hyndforth und Keith (als welche auf die Vornehmung der römischen Königswahl ungemain dringen) zu ertheilen wäre. 33 ) Den 21. und die zwei folgende Pfingst-Feiertäge hatten wir gewöhnlichermassen das 40stündige Gebett in unserer Schönbrunner Capellen. Vor den Kirchendienst legte der neue Vice Ayo nebst dem unlängst ernannten pragerischen Coadjutor Baron Przicheffsky und dem kleinen buckelten Marchese Montecucoli das Jurament als geheimmer Rath ab. 34 ) Zu den erst- und lezten Seegen giengen die Herrschafften immer ohne Begleitung. Den 22. nach den öffentlichen Gottesdienst hatte der neapolitanische Bottschaffter bei beiden kaiserlichen Mayestätten Audienz, re- spective in der Rathstuben und Audienz Zimmer, um die Notification wegen eines neu gebohrnen Printzens zu thun. 35 ) Nach der Audienz führe ich in die Statt zu Graffen v. Ulfeld, allwo Reichsconferenz wäre, speiste sodann bei meiner Dochter und- nachmittags hatte ich in meinem Haus, eine Commission mit Zuziehung des Graffen v. Haugwitz, Baron Bartenstein und Hoffrath von Kannegießer, um ein von unserem Professore juris publici in Theresiano ratione studiorum gemachtes Project zu untersuchen. 36 ) 3 * 36 1752, Mai 23 . Den 23. hatten wir abermahlen öffentlichen Kirchendienst und nachmittags um 5 Uhr hatte die russische Bottschaffterin ihre erste Privat Audienzen bei der Kaiserin und denen Erzherzoginnen, gäbe auch sodann die Visite der Obrist-Hoffmeisterin, wie all- solches bereits von der dahier verstorbenen französischen Bottschaffterin in Verfolg des neuen Coeremonialis beobachtet worden wäre. Meine Frau, welcher sie bei ihrer Ankunfft von der Gräffin von Bruhl re- commendiret worden und auch sonsten (gleich dem Graffen v. Bruhl, der mit der Metschischen Familie ebenfahls alliiret) von ihr aus als eine gebohrne von Carlowitz verwandt ist, 37 ) machte sich eine Freud daraus, sie Selbsten bei Hoff und in der Statt aufzuführen; und da sie ohnedeme mit ihrem Ehegemahl, welcher seinen Rappel bereits erhalten, des nächsten von hier abraisen sollen, so empressirte mann sich desto mehr, ihr Politessen zu erweisen und die bishero erlittene traurige Umstände in etwas zu versüßen. Dise gutte Frau wäre allschon vor drei Jahren mit dem Bott- scliaffter (welcher sich kurtz vor seiner Abrais von Dresden, allwo er einige Jahr den nemmlichen Ambassadeurs-Caractere bekleidet, mit ihr trauen lassen) anhero gekommen, hatte sich aber immer verstecket halten müssen, weilten die russische Kaiserin dise Ehe vor ungültig ercläret, angesehen der Bottschaffter sich noch würcklich mit einer anderen Gemahlin, und zwar mit der verwittibten Jaguschinski verekeliget befände. Er, der Bottschaffter, hatte zwar dise erstere Ehe von dem Lutherischen Consistorio zu Dresden ex capite desertionis fraudulentiae (da erstbesagte Dame sich in dem bekanten Handel, der des Marquis de Botta Process- und Arretirung veranlasset, mit impliciret befunden, ihr darauf die Zungen abgeschnitten und sie nacher Siberien relegiret worden wäre) förmlich cassiren lassen und in der sicheren Hoffnung, daß sein Hoff nichts dagegen einwenden würde, seine neu geheirathete Frau zu Dresden in diser Qualitet öffentlich produciret, aber eben dardurch die Czaarin und noch mehr seinen Brüdern (den Groß Canzlern) wider sich animiret, welcher leztere es soweit gebracht, daß sogar unser damahlig- und jezo sich wiederumen allda befindender Bottschaffter (Freiherr v. Prettlack) anhero schreiben und den Hoff praeveniren müssen, dise unglückliche Dame für keine rechtmäßige Gemahlin des Graffen Bestuchef zu erkennen. 38 ) Nachdeme aber vor kurtzem sich ereignet, daß dessen erste Frau in ihrem Exilio würcklich verstorben und er andurch Gelegenheit gefunden, durch gutte Freund bei der Czaarin auszuwürcken, daß endlichen seine zweite Hochzeit confirmiret worden, so interessirten I. M. 1752, Mai 23.-26. 37 die Kaiserin par bonte de coeur bierinnen sich Selbsten und gaben den B. Prettlack (welcher anfänglich den Antrag gemacht, daß sie ohne Bekantmachung sothaner Confirmation, mithin ohne sich weiters mehr dem Publico zu zeigen, von hier abraisen solle) den expressen Befehl und Anweisung dahin, damit dise in der That erbarmungswürdige Dame vor ihrer Abrais von hier die Ehre und Consolation haben möge, in der ihr nunmehro zuerkanten Qualitet sich öffentlich sehen zu lassen und die ihr anmit zukommende Distinctionen sowohl bei Hoff als in der Statt zu gemessen.*) Den 24. nachmittags gegen 5 Uhr verraisten II. MM. abermahlen mit der nemmlichen Suite wie lezthin nach Laxenburg, ausser daß anstatt des Ertzherzogs Josephs die zwei ältere Frauen mit der Fürstin von Trautsohn und denen zweien ihnen zugegebenen Hoffdames Sehirnding und Sallaburg mitkammen und die Freden Turn und Saurrau ihre bei der vorigen Excursion mitgewesene Cammera- dinnen ablöseten. Wir fuhren gerad zum Lusthauß, allwohin die junge Herrschafften uns etwann eine Stund spätter folgten; übrigens blibe alles auf den vorigen Fuß regliret. Den 25. wurde vormittags um 7 Uhr Ordonnanz zum streiften und zur Baitz gegeben und nachmittags um halber 5 Uhr. Den 26. verfügte mann sich früh um die nemmliche Zeit (ohne streiffen) sofort zum Lusthaus, von welchem ich vor 10 Uhr hinweg ritte, um einer mit dem niederländischen Rath angeordneten Conferenz beizuwohnen. Weillen Graff von Ulfeld gestern nebst seiner Gemahlin in das Carlsbad verraiset, so wurde die Conferenz sub prae- sidio des Herrn Reichs-Vice-Canzlers gehalten, an welchem die Kaiserin immittelst auch die fremmde Ministres und die Staats-Canzlei (jedoch mit dem Vorbehalt, daß die durch Currier oder sonsten einlangende Haubt Depechen immediate Ihro selbsten überbracht werden sollen) übergeben. Da nun besagter Minister (um dem Hoff näher zu sein) sich auf seiner Gemahlin Gutt Fesendorff 6tabliret, B. v. Bartenstein nach seiner unlängst erkaufften und nicht weit von Laxenburg gelegenen Herrschafft Koding Eberstorff abgegangen, der Herr Ayo zu Schönbrunn zuruckgebliben und ich dem Hoff gefolget, so batte mich der Reichs-Vice-Canzler, daß ich ihm und uns allen zu Lieb und mehrerer Bequemlichkeit ein Absteigquartier für demselben in Laxenburg zubereiten lassen mögte, all wo er die Conferenzien halten könte; so ich dann auch ganz gern gethan und hierzu das vorige Obrist Stall- *) Sie ist 2 oder 3 Jahre nach ihrer Abraiße von hier gestorben. 38 1752, Mai 26.-29. meisterquartier (wo zulezt Graff Frantz Starhemberg seel. logiret) assigniret und in Abweesenheit meines Schwägern — indeme dergleichen Ordres in regula durch den Hoffmarschall gehen solten — das erforderliche dissfahls besorget und anbefohlen habe. Nachmittags wäre wiederumen Baitz und sonsten gewöhnlicher- massen in dem Sinzendorffischen Garten gespeiset, auch das Pharaon Spill fleißig continuiret. Den 27. kunte mann wegen eingefallenen kalt- und windigen Wetters in der Früh nicht auf die Baitz gehen. Bald nach 1 Uhr aber fuhren II. MM. nebst der Princesse und zwei Voitures de suite nach Fesendorff, all wo wir nebst denen Herrschafften (in allen 12 Per- sohnen ausmachend) mit einig anderen von dem Hausherrn erbettenen Gästen bei den Reichsvizecanzler zu Mittag speisten und sodann gegen 6 Uhr nach Schönbrunn zuruckfuhren, um der heutigen Yor- Yesper beizuwohnen und allda zu übernachten. Die Ertzherzoginnen mit der Fürstin v. Trautsohn, denen Hoff Dames und Dienst Cammerherrn hüben indessen zu Laxenburg. Den 28. hatte der neu angekommene portugesische Ministre plenipotentiaire Dom Freyse d’Andrada seine erste Audienzien bei beiden Mayestätten und wurde als Ministre de famille tractiret, mithin in die Ketirada und respective Spieglzimmer admittiret. Gegen eilff Uhr führe mann zu denen Weiß Spanniern wegen des heutigen hohen Fests der allerheiligsten Dreifaltigkeit und speiste sodann mittags zu Schönbrunn. Abends nach den Rosencrantz gegen 7 Uhr retournirten wir nach Laxenburg und stigen gleich in dem Sinzendorffischen Garten ab, allwo auch die Kaiserin heut mit soupirte. Den 29. wäre früh wegen üblen Wetters keine Baitz; der Kaiser führe dennoch mit dem Fürsten von Trautsohn einen großen Hirschen schiessen. Immittelst Hesse die Kaiserin mich zu sich ruffen, um ihr in Abweesenheit des Hoff-Canzlers und Baron Bartensteins das leztere Conferenz Guttachten nebst denen villen Beilagen vorzulesen und daraus zu referiren. 39 ) Heut speisten die Herrschafften mit dero sämmtlichen Suite bei den Fürsten von Schwartzenberg, welcher sich nebst der Fürstin in seinem Haus zu Laxenburg während des Hoflfs Sejour etabliret hatte und mit seinem Vettern (den Fürsten Carl von Lichtenstein) dise Woche eben im Haubtdienst eingetretten wäre. Die Fürstin wäre aber wegen eines Hals Wehe nicht zugegen und machte die Fürst Emanuelin von Lichtenstein anstatt ihrer les honneurs de la maison. 1752, Mai 29.—Juni 4. 39 Nachmittags hatte sich der Wind dergestalten geleget, daß mann auf die Baitz gehen können. Nach selber wurde von der in geheimm anhero bestellten französischen Trouppe in dem Saal des Obristhoffmeisters Behausung der Avocat patelin und für die petite piece les vacances aufgeführet. Der Kaiser hätte nichts davon wissen sollen, allein einen Augenblick zuvor wurde das Geheimnus durch die Ungeschicklichkeit eines seinigen Cammerdieners entdecket. Nach der Comedie retirirte sich die Kaiserin ä l’ordinaire und der Kaiser soupirte en compagnie. Den 30. wäre vormittags Baitz, von welcher ich mich gegen 10 Uhr zur Conferenz zum Herrn Reichs Yice-Canzler begäbe, die aber sehr compendios gewesen und nur in uns beiden und dem Baron von Bartenstein bestanden und über die leztere Depechen aus Russland rouliret hat. 40 ) Nachmittags verfügte mann sich wiederumen auf die Baitz und nach selber regalirten uns die französischem Comoedianten mit denen Folies amoureuses und le mari retrouvd, welche Piecen gleich wie gestern mit Ballets und Chansons, c’est ä dire avec tous leurs agr6- mens entremehret waren. Den 31. wohnten die Herrschafften annoch vormittags der Baitz bei und gegen 11 Uhr führe mann von dem Lusthaus gerad nach Schönbrunn, allwo wir zu Mittag speisten und sodann die Vor Vesper nebst dem Eingang der Fronleichnamms Octav, jedoch ohne öffentlicher Begleitung gehalten wurde. Den 1. Junii. Anheut und die übrige Processions Tage hatten wir immer die Ordonanz um 8 Uhr; und dieweillen die Kaiserin bereits in ihrer Schwangerschafft sehr avanciret, so wohnte disen Andachten der Kaiser immer allein bei, führe im Mantel zur Kirchen und blibe sodann nach den Dienst in der Burg, von wannen er erst gegen die Mittagszeit nach Schönbrunn zuruckfuhre; mithin kunte ich auch meines Orths von disem Intervallo profitiren, um eine kleine Visite meinen Kindern zu geben und ein wenig zur Hauswirthschaflft zu sehen. Den 2. hatten wir Conferenz bei Graffen von Colloredo mit Zuziehung der hungarischen Canzlei, Hoflf-Kriegs-Raths und Commission in bannaticis. 41 ) Abends wäre Appartement. Den 4. wohnte I. M. der Kaiser dem Umgang im Profeß Haus bei. Abends verfügte ich mich in die Statt, um nach erhaltener Erlaubnus folgenden Tag als 40 1752, Juni 5.—11. den 5. auf beiläuffig 24 Stund mit meiner Frauen und ein paar gutten Freunden eine Excursion nach Ladendorff zu machen, von wannen wir den 6. abends früh genug zuruckkammen, um noch zur Zeit des Soupö zu Schönbrunn gegenwärtig zu sein. Den 7. wäre der Kaiser bei der so genannten spahnischen Pro- cession, welche bei denen Michaelern gehalten wird. Nach selber begäbe ich mich zu den Herrn Reichs-Vice-Canzlern, um einer Con- ferenz in mixtis beizuwohnen. Den 8. hatten wir die Procession der Octav bei Sanct Stephan und den 9. Appartement zu Schönbrunn, in welchem die russische Bottschaffterin (nachdeme sie zuvor ihre Curialien bei der Princesse auf die nemmliche Art wie mit der seeligen französischen Bottschaffterin conveniret worden, abgeleget hatte) für das erste Mahl erschinen ist und nebst der Fürstin von Auersperg und meiner Frauen mit der Kaiserin ä la comete gespillet hat. Den 10. wäre Conferenz allda in Gegenwart beider Mayestätten über die leztere Vorsterische Depechen aus Hannover. 42 ) Den 11. legte vor den heutig- sonntägigen Gottesdienst der junge Graff Sulkoffsky (kaiserlicher Cammerherr) in Nahmen seines Vattern das Juramentum fidelitatis wegen der schlesischen Stands- herrschafft Bielicz coram throno ab. Die Kaiserin hatte dem Direc- torio befohlen, wegen dises Actus mit mir zu communiciren. Da sich nun ex prioribus gezeiget, daß dergleichen Standes Herrn und Status majores vor disem allzeit nach vollendetem geheimmen Rath in die Rath-Stuben beruffen zu werden und den Eid in Gegenwart des Kaisers (welcher sich unter den Stapffel des Throns stellte) abzulegen gepfleget, I. M. die Kaiserin aber keinen geheimmen Rath noch halten wollen, so wurde eingerathen, daß deme ungehindert (und um sich so vill möglich nach denen vorigen Beispillen zu richten) der Actus gleichwollen auch ohne vorläuffiger Session in der geheimmen Raths-Stuben vor sich gehen, jedoch — weillen solcher un acte de souverainetö und immediate in das Exer- citium jurium majestatis einschluege — die Kaiserin hierbei qua Königin allein und ohne dem Kaiser erscheinen mögte, worbei es auch verbliben; und wurden erstlich der Graff von Haugwitz nebst dem Hoff-Rath Kannegießer und von selben sofort nach einer kurtzen Verweilung der Graff Sulkoffsky in die Rath-Stuben hinein beruffen. 1752, Juni 11. 41 Vor Rechts wegen hätte der Obrist Canzler und bei dermahliger Ermanglung dises Landofficii, der Graff von Ulfeld (als welcher sonsten bei Belehnungen und wo die Signatur des böhmischen Obrist Canzlers juxta statuta regni erforderet wird, sothanes Ammt suppliren muß) gegenwärtiger Function interveniren sollen; allein Graff v. Haug- witz (qua praeses directorii) profitirte vermuthlich von dessen der- mahliger Abweesenheit im Carlsbad, um sich und seiner Charge etwas zu arrogiren, welches in der That directe wider die alte Jura und Gewohnheiten des Königreichs zu lauffen scheinet. Übrigens wäre aber auch selber an deme, was disen Actum veranlasset, am meisten interessiret, in deme er die in dem Fürstenthum Teschen gelegene Stands Herrschafft Bielicz (welche er ehedessen der Graff Solmsischen Familie abgekauffet hatte) seithero dem wegen seiner großen Faveur bei den jezigen König von Pohlen und nachherigen Disgrace allzu- bekanten Grafifen Sulckoffsky um ein sehr großes Quantum, jedoch gegen die von der Kaiserin disem lezteren zugleich verwilligte Gnad der Erhebung sein- und des jemahligen Primogeniti post mortem pa- tris in den böhmisch oder schlesischen Fürsten Stand 43 ) wiederumen käufflich hinweggegeben und sich dafür ein considerables Etablissement in Mähren, mittelst sehr wohlfeiler Ansichbringung der denen Graffen Yertenbergischen Erben gehörigen schönen Herrschafft Na- miesch zu verschaffen gewußt hat. Nach der Kirchen wurde von der Princesse Obrist Hoffmeisteren M r Charles d’Ogara das Jurament als königlicher geheimmer Rath (wie er es bereits vor den Gottesdienst in des Kaisers Retirade erga Caesarem gethan) in dem Spieglzimmer abgeleget; und da Graff von Ulfeld nicht zugegen, Graff Colloredo aber qua Reichs-Vice-Canzler ohnedeme bereits das Juramentum respectu Caesaris vorgehalten, mithin (die doppelte Repraesentanz beider Mayestätten zu marquiren) mann für convenabler gefunden hatte, einen Dritten dissfahls zu substi- tuiren, so verfiellen II. MM. auf mich, theils qua Obrist-Cammerern, theils als Subseniorem deren Conferenz Ministrorum nach den Graffen von Colloredo, und wurde also mir aufgetragen, obbemelten Candi- dato die Eids-Formul in lateinischer Sprach (weillen er der deutschen nicht kündig) gewöhnlichermassen vorzulesen. Abends nach halber 8 Uhr verraisten II. MM. abermahlen mit der nemmlichen Suite (ausser 5 neuen Hoffdames pour faire la ronde, und zwei neueingetrettenen Cammerherren) nach Laxenburg. Die Kaiserin stige sogleich im Schloß ab und retirirte sich, der Kaiser aber soupirte gewöhnlichermassen in dem Sinzendorffischen Garten. 'S- « 42 1752, Juni 12.—16. Den 12. gienge mann vor- und nachmittags auf die Baitz. Übrigens wurde wegen der Taffel und Faeon de yivre alles auf vorige Art gehalten. Den 13. führe die Kaiserin mit der Princesse, denen Dames, dem Fürsten von Trautsohn und dem Dienst Cammerherrn nach Mödling und hörete allda bei denen Capucinern die heilige Meß, um das heut einfallende Fest des heiligen Antonii zu celebriren; ich aber und die übrige Männer bliben bei den Kaiser zuruck. Nachmittags wäre Beitz und wegen des heut als Dienstags zur Cour bestimmten Tags fanden sich die Bottschaffter und übrige fremmde Ministri dabei ein, welche theils zu Fesendorff bei den Reichs-Vize-Canzlern, theils zu Laxenburg bei den Fürsten von Schwartzenberg mittags geladen worden waren. Den 14. wäre vormittags Conferenz in Gegenwart des Kaisers in negotio electionis. 44 ) Indessen verblibe die Kaiserin in Gesellschafft deren zwei von Schönbrunn mit ihrem Vice Ayo anhero gekommenen jüngeren Ertzherzogen, welche zu Mittag mitgespeiset und sodann von der Baitz und dem grünen Lusthaus gerad hinweg und zuruck- gefahren seind. Der älteste Herr hätte mit uns wiederumen nach Laxenburg gehen sollen, allein er wurde einige Täge vor des Hoffs Abrais mit dem Rothlauff im Kopff und Gesicht incommodiret, so ihn ville Zeit das Bett hütten machen. Abends nach der Retour von der Baitz wurde von der französischen Trouppe die Piece: l’ecole des meres produciret, und zwar ohne petite piece, weillen es zu spatt worden. Den 15. hatten wir vormittags abermahlen keine Baitz; der Kaiser gienge auf die Bürscht und die Kaiserin amusirte sich mit denen bald nach 8 Uhr allier eingetroffenen zwei älteren Frauen. Mittags fuhren sämtliche anweesende Herrschafften und die ganze Suite nach Neidorff, allwo wir von dem Herrn Ertzbischoff auf das galanteste bewirthet wurden. Gleich nach eingenohmenen Mittagmahl aber retournirte mann nach Laxenburg, stige in dem Sinzen- dorffischen Garten ab und nachdeme wir Männer die Stiffelen angezogen, verfügte mann sich in der grösten Hitz a la fraicheur de Vendöme auf die Baitz; und pour conclusion wurde die Comödie: le möchant produciret. Die Ertzherzoginnen fuhren von dem Lusthaus aus nach Schönbrunn zuruck. Den 16. wäre vor- und nachmittags Baitz, welcher auch die zwei mittlere Frauen, Elisabetha und Amalia (die mann heut von Schönbrunn kommen lassen), beigewohnet. 1752, Juni 17.—21. 43 Den 17. wäre wiederumen nicht allein früh, sondern auch nachmittags Baitz, jedoch etwas spätter, weillen um die Mittagszeit ein sehr starckes mit Platzregen vermischtes Ungewitter eingefallen. Den 18. als Sonntags fuhren die Herrschafften in die Pfarr- Kirchen und wohnten allda dem Hohammt bei, so von dem Pfarrer mit der ordinari, von denen Falckenern Selbsten producirenden Music gehalten wurde. Nachmittags verfügte mann sich auf die Baitz, bei welcher wegen des heutigen Cour-Tags die Bottschaffter und fremmde Ministri, denen der Fürst von Schwartzenberg und Herr Beichs-Viee-Canzler abermahlen zu essen geben musten, hergebrachter Massen zugegen waren. Den 19. wäre vormittags Baitz. Nach 1 Uhr fuhren II. MM. nebst der Princesse und einigen von uns anderen dero Suite (die Hoff Dames und Dienst Cammerherrn bliben zuruck) nach Obergassing und speisten allda bei den Fürst Joseph Wenzel von Lichtenstein. Dessen Gemahlin ist erst unlängst aus Niederland zuruck gelanget, all wo sie ihrer hypochondrischen Zuständen halber voriges Jahr das Spa Wasser gebrauchet, und hat sich den Winter über nebst dem Fürsten (welcher gleich nach aufgehobenen Campement von Pest ihr nachgeraiset und sodann auch eine Tour in Holland gemacht hatte) zu Brüssel aufgehalten. Wiewollen nun ihre Gesundheit annoch sehr schwächlich und sie eben von darumen (um frischere Luift zu schöpffen) auf dise am nächsten bei Wienn gelegene Herrschafft herausgekommen, so halffe sie dennoch ihre vornehme Gäste mit zu bewürthen, welches nach des Fürsten bekanten Genie und hohen Geist sehr prächtig geschähe. Nach der Tatfel wurde gespillet, sodann machten wir eine Tour in dem Fasan Garten und sodann wurden zum Beschluß auf einem in der zugedeckten Reutschull errichteten Theatro von der eigends anhero beruffenen französischen Trouppe zwei kleine Pieces: la pupille et les pretieuses ridicules produciret nebst Balleten, welche von denen Comoedianten Selbsten exequiret wurden; und wäre es halber 11 Uhr nachts, als wir zu Laxenburg anlangten, allwo die Kaiserin sich sofort retiriret, der Kaiser aber annoch en compagnie al solito soupiret hat. Den 20. hatten wir vor- und nachmittags Baitz, jedoch wurde der heutige dienstägige Courtag contremandiret. Den 21. führe die Kaiserin früh in die Statt und hörete die heilige Meß zu St. Anna wegen des heut einfallenden S. Aloysii Tags. Den Ruckweeg nähme dieselbe über Schönbrunn und brachte die 44 1752, Juni 21.-29. zwei ältere Erzherzoginnen mit sich auf Mittag nach Laxenburg. Nach 5 Uhr kämmen dieselbe mit uns auf die Baitz und sodann abends in die Comödie. Heut producirte mann zwei kleine Pieces: l’esprit de contradic- tion und le coq de village, so ein Opera comique ist. Die kleine Frauen bliben zum Schluß auch über Nacht im Schloß, worvon sie aber biß fast zu End des Spectacle, pour avoir le plaisir de la sur- prise, nichts wissen dorfften, und II. MM. hatten auch die Freud, daß von dem Geheimmnus nichts transpiriret, mithin die Surprise complete gewesen. Den 22. waren wir abermahlen vor- und nachmittags auf der Baitz, von welcher mann gegen 8 Uhr abends (nachdeme die Falcknerei mit ihrem dreifachen Jubelgeschrei die gewöhnliche Danck- sagung gemacht und anmit l’amusement du vol für dises Jahr sich geendiget) nach Schönbrunn zuruck gefahren. Den 24. fuhren II. MM. ohne der Princesse (welche wegen habender Apprehension und Degoüt für die Nachbarschafft deren Kraneken zuruckgebliben) nach 9 Uhr zu denen Barmhertzigen, um gewöhnlichermassen das heutige Fest des heiligen Joannis Baptistae allda zu celebriren. Weißen aber die Ordonnanz etwas frühzeitiger gegeben worden, so wolte der Kaiser denen Bottschafftern nicht an- sagen lassen. Abends wäre das Versprechen der kaiserlichen Hoff-Dame Freile Eleonora von Breuner mit den Cammerherrn Giraffen Joseph v. Wurmbrand, einen Neveu meines seeligen Schwagers, 45 ) worbei ich als Beistand assistirte; und sodann wäre auch Appartement. Es wurde auch wegen der kleinen Frauen Joanna Gala angesagt, wie es nach jüngster Ordonanz für sammtliche Herrschafften indistincte des Alters zu geschehen pfleget. Den 25. hatten wir nach 8 Uhr Conferenz in der modenesischen Successionssach in Gegenwart beiderJdayestätten, 46 ) welche sodann (wie sonsten) wegen des heutigen Sonntags öffentlich zur Capellen giengen. Abends nach 6 Uhr wurde die Opera della nobiltä, welche wegen unserer bisherigen Excursionen einige Wochen her nicht mehr gespillet worden wäre, zum drittenmahl reproduciret. Den 27. wurde von dem Nuncio der Actus copulationis ob- bemelten Brautpahrs gewöhnlichermassen verrichtet und hierauf selber nebst denen nächsten Befreunten zur kaiserlichen Taffel (die heut von 24 Couverts wäre) geladen. Den 29. hatten wir öffentlichen Kirchendienst wegen des heutigen Apostel Tags und nach selben gäbe der Kaiser denen zwei unlängst 1752, Juni 29.—Juli 3. 45 anhero gekommenen Principi Corsini Audienz in der Rathstuben, bei welcher sie um den Cammerschlüssel anhielten. Abends kämme der Kaiser in die französische Comedie, allwo mann die Melanide und für die petite piece: l’epreuve reciproque ge- spillet hat. Die Ballets seind aber seit einigen Tagen sehr schlecht worden, indeme die zwei beste Dänzerinnen (le due sorelle Ricci) par ordre sup^rieur ganz gähling von hier weggeschaffet worden, weillen selbe mit einigen jungen Cavalliers sich zu sehr bekant gemacht haben sollen. Den 30. besahen II. MM. bei der sogenannten Reiger Steigen ausserhalb der Favoriten Lini das Regiment Lucchesi Cürassier, welches das seit zwei Jahren dahier gelegene Printz Birckenfeldische Regiment ablösen kommet. Den I. Julii wäre ich bei einer Deputation oder Conferenz in mixtis bei den Herrn Kriegspraesident, welcher hierzu in Abweesen- heit des Giraffen von Ulfeld als Ancien (zumahlen er der älteste ge- heimme Rath von denen zur Deliberation beruffenen Ministris sich befunden) more antiquo und wie es bereits in vorigen Zeiten verschiedene Mahle gehalten worden, ansagen lassen. Nachdeme aber lezthin eiue dergleichen Conferenz mit Zuziehung des Hoff-Kriegs-Raths bei den Herrn Reichs -Vice-Canzlern (welcher vor kurtzen mit einem dreitägigen Fieber befallen worden) fürgewesen, so fände ich doch für nöthig, mich zuvor anzufragen, um der Conferenz und dißfähligen Praerogativis nichts zu vergeben; zumahlen aber II. MM. selbsten hierüber decidiret, mit dem Zusatz, daß sich Graff Colloredo mit der Ansage zu erst gedachter lezteren Conferenz in mixtis (bei welcher der Kriegs Praesident von darumen auch nicht erschinen ist) übereillet und sein dissfähliges Unrecht selbsten erkennet hätte, so wurde sofort aller Scrupl und Anstand vollkommen aufgehoben. Den 2. wurde das heutige Frauen Fest nicht bei denen Salesia- nerinnen, sondern in der Schönbrunner Capellen celebriret, und nachmittags fuhren die Herrschafften zu denen Jesuitern und gewöhnlicher Andacht bei der Säulen auf den Hoff. Den 3. hatten wir zu Schönbrunn einen in denen vorigen Zeiten nicht leichtlich sich vorfindenden Actum und welcher eben von darumen für die Haubtpersohnen sowohl als sämtliche Freundschafft desto trost- und glorreicher gewesen ist. Bereits vor drei Jahren, da II. MM. occasione der damahligen Hollitscher Rais bei meinen alten Oncle (den Graffen Erdmann v. Proskau) zu Bisentz gewesen, 47 ) hatten a. h. dieselbe die Gnad, ihme und meiner Tante 46 1752, Juli 3. die Zusag zu thun, daß sie beide ihrer änderten Hochzeit beiwohnen und zur selben Zeit sich wiederumen zu Bisentz einfinden wölten; wie zumahlen nun der Kaiserin abermahlig- und bereits so sehr avan- cirter geseegneter Stand ein solches nicht verstattet, so hatten II. MM. die Gnad, die alte Braut-Leuthe nach Schönbrunn einzuladen, um allda in dero Gegenwart die zweite Copulation zu empfangen. Zu dem End waren die beide liebe Alte bereits vor beiläuffig drei Wochen allhier angelangt; und obschon der Tag des Anni- versarii von der ersten Hochzeit (welche den 2. Julii 1702 begangen worden) als gestern eingefallen, so muste doch wegen der fürgewesenen vor- und nachmittägigen Andächten die Function auf heut verschoben werden. Es wäre zwar die Stund hierzu um 12 Uhr gegeben worden; es verzöge sich aber damit biß gegen 1 Uhr. Die sämtliche Freundschafft wurde, aber nicht von Hoff wie es bei denen Hochzeiten deren Hoff Dames zu geschehen pfleget, sondern von denen alten Brautleuthen allein geladen und der Altar nicht auf der Kaiserin Seiten, sondern in der großen Anticamera, wo heraussen zu Schönbrunn auch die Tauff Actus gehalten werden, aufgeriehtet. Mann versammlete sich in der Rath-Stuben und aus besonder- gnädigster Attention hatte die Kaiserin befohlen, daß mann für die alte Leuthe eigends Retiraden praepariren solle, um darinnen ausrasten zu können. Im Hinausgehen zur Function rangirte sich der Cortege wie sonsten und das Braut-Pahr gienge immediate vor denen Ertzherzogen (welche alle drei nebst sämtlichen sechß Erzherzoginnen zugegen waren) und beiden Mayestätten, die sich in ihre gewöhnlichermassen gestellte Kniebänck verfüget, während deme unser Ertzbischoff denen 50jährigen Brautleuthen die zweite Benedictionem nuptialem gäbe, worbei in substantia (paucis orationibus exceptis) die nemmliche Ritus, mit Aussprecliung des Ja Worts, Reichung deren Händen und Auswechselung deren Ringen wie bei der ersten förmlichen Copulation observiret worden. Die beide Alte hielten hierbei eine so re- spectable Contenance, daß auch denen indifferentesten Leuthen das Hertz gerühret wurde, und waren I. M. die Kaiserin so touchiret, daß sie kaum das End der Function erwarten können, um sich zu retiriren und die ihr würcklich ausgebrochene Thränen zu verbergen. Insonderheit siehet meine Tante für ihre 66 Jahr recht verwunderlich gutt aus, ohne einigen Runtzeln und haltet sich kertzen- gerad, daß mann ihr kaum 40 Jahr gäbe. Der Oncle hat schon vor villen Jahren in dem Gesicht wegen deren unzähligen villen Falten 1752, Juli 3. 47 sehr alt ausgesehen, allein das gehabte muntere Hertz immer beibehalten, und hat kein größeres Vergnügen, als wann er in zahlreicher Gesellschafft bei Spectaclen, mit einem Wort mitten in der Welt sein kann, zum Wiederspill seiner Gemahlin, als welche auch in ihren jüngsten Jahren den Esprit de retraite und allzeit ein wahrer Spiegel der Eingezogen- und Frommheit gewesen ist (sic!). Nach einiger Verweilung kämmen beide Mayestätten wieder zu uns heraus in die Rath-Stuben und hengten mit ihrer Hand dem Bräutigam der Kaiser, und die Kaiserin der Braut, dero Portrait an die Seiten mit denen allergnädigsten Ausdruckungen und unterhielten sich mit denenselben und übrigen Anweesenden, biß von mir gewöhnlicher Massen die Speisen angesagt wurden. Die Taffel wäre auf etliche und 30 Couverts und in der großen Gallerie zubereitet und wurden zur selben nebst II. MM. und der Cammerfreile von Dienst (Freile Goes), dem Ertzherzogen Joseph und dessen Ayo, denen zwei älteren Erzherzoginnen und der Fürstin von Trautsohn, dem Ertzbischoffen von Wienn als Pontificanten folgende von denen nächsten Befreunten dazu gezogen: Bräutigam und Braut, ihre zwei Kinder (die Cammerfreile und der Cammerherr), der Graff Philipp von Rosenberg als Stieffoncle der Braut, meine Schwester und Schwager nebst ihrer Dochter und beiden erwachsenen Söhnen, welche beide voriges Jahr von der Länder Rais zuruckgekommen (und der ältere kaiserlicher und ertzherzoglicher, der zweite aber Decretist Cammerherr ist), die verwittibte Fürstin Kinskin (eine Schwester meines Schwägern) und ihre Niece die Fr. Wilhelmina von Althann, die in meines Schwägern Haus erzogen wird, meine Dochter und Eidam, die verwittibte Gräffin Serenin und Nändl Rosenberg (geb. Hohenfeld) als angeheirathete und die Fürst und Fürstinnen Joseph Wenzl und Emanuel von Lichtenstein, wie auch verwittibte Gräffin Conradin v. Starhemberg (geb. Fürstin von Löwenstein) als würcldiche geschwistert Kinder; der Graff Wilhelm von Sinzendorff als gleichfahlsig durch seine Gemahlin (eine geb. Fürstin von Eggenberg) angeheirathetes geschwistert Kind hatte sich Unpäßlichkeit halber entschuldiget. 48 ) Die alte Hochzeitleuth musten sich neben Kaiser und Kaiserin setzen, welche sich nebeneinander oben an placirten, und die übrige Gäste saßen ohne Rang. Nach genohmenen Caffd retirirte sich die. Kaiserin; der Kaiser aber spillte mit meiner Schwester und der Fürstin von Auersperg eine Partie d’ombre in dem nemmlichen Zimmer auf der Kaiserin Seiten, wo wir andere von der Compagnie unser Spill gemacht. Nach halber 6 Uhr gienge alles zur Opera, 48 1752, Juli 3.-9. welche der Hochzeit zu Ehren anheut zum lezten Mahl gespillet wurde; und hatten die Brautleuthe annoch zum Schluß die besondere Gnad, daß sie in der großen Loge neben I. M. der Kaiserin und in einer Reih mit selber und denen jungen Herrschafften sich niedersetzen und dem Spectacle also Zusehen dorfften. Zum Schluß dessen erlaubten II. MM. denenselben, daß sie sich von dem Zuruckbegleiten dispensiren und ihre a, u. Dancksagung noch in dem Opera Haus abstatten könten, worzu sie dann für innerlichen Trost und Epanche- ment nicht Wort genung fanden und wir alle von der Freundschafft über so ville und so ausnehmende Gnadensbezeigungen ganz confus und penetriret waren. Nach der Opera thate die Kaiserin sich alsogleich retiriren, der Kaiser aber soupirte mit der gewöhnlichen Compagnie, worzu auch die Acteurs und Actrices nebst denen Danzern und Danzerinnen und deren Ereilen Eltern geladen wurden; mithin hatte meine Terese auch die Gnad, mit an der Taffel zu sein. Die kleine Geschanck- nussen aber waren ihnen allschon vor der Opera von der Fürstin von Trautsohn ausgetheilet worden. Den 4. hatten wir abermahlen eine Conferenz in mixtis bei den Herrn Kriegs-Praesident; und weillen es haubtsächlich die raitzisch- und illyrische Nationen und ihr Religionswesen betraffe, so wurden auch die zwei PP. Beichtvätter dazu gezogen. 49 ) Eodem kämme ein Currier von Madrid und überbrachte den Original Tractat ad ratificandum, welcher den 14. Junii zu Aranjuez zwischen uns, Spannien und Sardinien zu Bekräftigung des General Achner Friedens und desto standhafterer Befestigung der Ruhe in Italien unterschieben worden, und von deme und der dißfähligen Handlung in meinen Conferenz Notaten ein mehreres einkommt. 50 ) Den 5. hatte der eben gestern von Madrid und seinem in das zweite Jahr an dasigem Hoff bekleideten Ministern) zuruckgelangte Graff Nickerl Esterhasy seine Audienz bei II. MM. und speiste mit an dero Taffel. 51 ) Den 8. praesidirte ich qua commissarius caesareo-regius in dem Theresiano bei des Graffen Ignatii v. Harrach Disputations Actu ex universo iure und regalirte ihn sodann (gleich seinem Brüdern vor einem Jahr) mit einem brillantenen Ring. Den 9. fuhren II. MM. ohne der Princesse (welche vor wenig Tagen mit der Tertiana befallen worden) nach St. Stephan und wohnten der Andacht wegen des miraculosen dortigen Frauenbilds in publico bei, welches dieselbe sonsten nur in privato zu thun ge- pfleget hatten. 1752, Juli 9.—17. 49 Abends wäre ich in Graff Harrachischen Garten, allwo wegen des heutigen Versprechens des Fürsten von Lamberg Freile Dochter Rosa mit dem chur-bayerischen Gesanten Freiherrn von Neuhaus von der Braut Herrn Oncle, dem Herrn Reichs-Hoff-Raths Praesidenten, Gesellschaft nebst einer Illumination des Parterre gegeben wurde. Den 10. hatten wir (Konferenz in der Burg in Gegenwart des Kaisers über die leztere Vorsterischen Relationen, die römische Kaiserwahl betreffend. 52 ) Anbei wurde wegen der Ertzherzogin Amaliae hohen Nahmenstags Gala angesagt und Appartement gehalten. Den 11. speisten II. MM. wegen der großen Hitz in der Sala terrena und abends kämmen dieselbe, die Kaiserin aber sehr spatt, in die französische Comedie, allwo mann Arlequin sauvage und la Sylphide repraesentiret. Den 12. verfügte ich mich mit meiner Gräffin abends sechß Uhr nach Ladendorff, allwo wir aber, weillen der Postillon ungeschickter Weis von Wolffpassing aus den Weeg verfählet, erst nach halber 12 Uhr nachts angekommen. Des folgenden Mittags kämmen einige gutte Freund und dem Freitag mein Schwager (der Fürst) auf seiner Passage nach Nicolspurg zu uns und den 15. zur Soupe Zeit wäre ich wiederumen zu Schönbrunn, nachdeme wir zuvor noch unsere Dochter (die Herberstein), welche wegen ihrer fausses Couches das Pirawarter Bad braucht und der Nachbahrschafft halber täglich zu uns nach Ladendorff gekommen wäre, biß nach erstgedachten Pirawart begleitet. Den 16. kämme der Kaiser allein und ohne denen Bottschafftern nach 9 Uhr zu denen Carmelitern auf der Leimgruben, um das heut einfallende Scapulierfest allda zu celebriren. Den 17. führe selber wiederumen allein und ohne der Kaiserin, jedoch mit zwei Wägen und nebst mir, dem Obrist-Stallmeistern und Ayo noch von einigen anderen Männern corteggiret, nach den unweit der wiennerischen Neustatt angestellten Campement, welches von dem General Feldzeugmeister Graffen Leopold Daun comman- diret wird und von 4 Regimentern Infanterie hätte sein sollen, allein (wegen unterloffener Confusion mit denen Märchen) lediglich aus denen Regimentern Heinrich Daun und Wenzl Wallis bestehet. Die Ordonnanz wäre um 7 Uhr und mann ritte nur durch die Linien und sähe das Corps defiliren. Weillen mann nun damit sehr früh fertig wäre, so führe der Kaiser noch mit dem General Daun in einem Biroccio (welchem ich mit dem Fürsten von Auersperg und der Ayo mit dem Graffen Losi folgten) nach Neustatt und besähe die in dem dortigen Schloß Khevenhüller-Schlitter. 1752—1755. 4 50 1752, Juli 17.-18. beschehende Embellissemens und Fürkehrungen, als welches Schloß im vorigem Februario zur Errichtung einer Academie für Cadeten von mir als Obrist Cammerern oder besser zu sagen meo nomine von dortigen Burggrafen an den Substituirten des erst ermelten Grafen von Daun (als benennten Directoris) übergeben worden wäre. Diss- fahls muß ich selbem sowohl als seinem zugegebenen General Major Grafen Louis von Thürheim die Gerechtigkeit wiederfahren lassen, daß vor die kurtze Zeit verwunderlich vill gearbeitet worden, mithin gar nicht zu zweifßen seie, daß mit Anfang des zukünftigen Militär Jahrs dises schöne Institutum zu seiner Perfection gedigen sein werde. 53 ) Mittags speiste mann unter einem Zelt und wurden alle anwesende Dames und Generals Persohnen zur kaiserlichen Tafel geladen, von welcher aber nicht der Hoff, sondern der Graf Daun les fraix et honneurs gemacht hat; und wäre ihme leid genug, daß die Kaiserin sich nicht mehr dahin zu fahren getrauet, indeme er eine ganz neue Invention von einer Gloriette hatte verfertigen lassen, welche von innen und aussen all infresco gemahlter und nebst dem oberen Balcon mit einem sehr spaciosen Salon, Cabinet und Garderobbe a rez de chauss6e versehen wäre. Gegen 5 Uhr nachmittags fienge das Exercitium an, nach welchen mann sofort nach Schönbrunn zuruckfuhre und bald nach S Uhr allda anlangte. Meine Gemahlin wäre ebenfahls zu Mittag geladen; und weillen meines Frantz Antoni Genöral propriötaire (Graf Antoni von Colloredo) als Feldmarschallleutnant in dem Lager an- gestellet, so nähme sie dessen Fähndrich mit, welcher dann auch die Ehre hatte, an seines Generalen Tafel zu speisen. Den 18. besahen II. MM. die zwei durchpassirende Bataillons vom Fürst Piccolomini, dessen Regiment von dem neustattischen Campement hätte sein sollen, aus übler Veranstaltung aber des Com- missariats zu spatt gekommen wäre. Um 11 Uhr hatte der russische Botschafter Graf Bestuchef seine Abschiedsaudienzien in privato bei II. MM. und sämmtlichen jungen Herrschaften und empfienge aus meinen Händen gewöhnlicher Massen die Portraits vom Kaiser und Kaiserin. Gegen 12 Uhr wäre der französische Botschafter bestellet, welcher aber in der Rathstuben und auf der Kaiserin Seiten in der ersten Anticamera oder Audienzzimmer admittiret wurde und die Antworten auf die Einladungsschreiben zur Gevatterschaft für das neue Kind Übergabe; und weihen er auch einen Brief von der Königin an die Princesse, worinnen 1752 , Juli 18 .- 23 . 51 dise der Tauff Pathin Stelle zu vertretten ersuchet wurde, zu überreichen hatte, er aber wegen des hekanten Anstands im Coeremoniali bei der Princesse keine förmliche Audienz nehmen kunte, so gienge selber ohne sich vorlauffig um eine Stund zu melden, gleichsamm nur en visite zu ihr und wurde sogleich in ihr Cabinet geführet, allwo sie beide stehender mit einander gesprochen. Der russische Bottschaffter hatte ebenfahls die Gelegenheit ergriffen, da er eben die Princesse en passant (als sie zur Capellen gienge) begegnet, selbe zu approchiren und mit einem Compliment, als wann er eben zu ihr hätte gehen wollen, seine Beurlaubung abzustatten. Dessen Gemahlin wäre um 1 Uhr die Stund gegeben, wo sie dann gleichwie bei der ersten Audienz von dem Fürsten von Trautsohn in das Spieglzimmer introduciret, allda von dem Kaiser gesehen und von der Kaiserin mit eigener Hand mit einer brillantenen Vorstecknadel beschencket worden. Dergleichen Abschiedsaudienzien deren Bottschaffterinnen pflegen meistentheils nachmittags gegeben zu werden, allein die Kaiserin wolte bei so sehr avancirter Schwangerschafft sich die Mühe er- spahren, sich so offt zu umkleiden, welches dann auch die Ursach gewesen, daß der Bottschaffter in dem nemmiichen Tag alle seine Audienzien gehabt, indeme sonsten wegen der doppelten Repraesenta- tion beider Mayestätten immer ein Intervallum wenigstens eines Tags zwischen der Audienz des Bottschaffters bei den Kaiser und jener bei der Kaiserin gelassen zu werden pfleget. Den 19. ließe sich die Kaiserin zum dritten Mahl (comme ap- prochant de son terme) zur Ader, verblibe aber den ganzen Tag unsichtbahr, indeme sie sich immer schwärer zu empfinden anfangen. Eodem wäre Conferenz bei den vom Fieber wieder restituirten Herrrn Reichs-Vize-Canzlern in der modenesischen Successionsange- legenheit. Den 20. hatten wir in der römischen Kaiserwahlsach Conferenz zu Schönbrunn in Gegenwart beider Mayestätten. 54 ) Den 22. wäre zu Schönbrunn öffentlicher Gottesdienst wegen des heutigen Feiertags. Vor selben aber hatte der neu angekommene russische Bottschaffter Graff von Kayserling (ein Curländer und von Dresden und Franckfurt her meiniger alter Bekanter) seine erste Audienzien bei II. MM. und sämmtlichen jungen Herrschafften. 55 ) Den 23. wäre der sontägige Gottesdienst heraussen und abends kämme der Kaiser in die französische Com6die, wo mann die Semiramis von Voltaire repraesentiret. 4 * «Ti* JCi*- 52 1752, Juli 23.-29. Yon heut an befahlen die Kaiserin, daß die Cammerherrn keine andere Audienzien mehr anmelden sollen als die Ministres des dd- partements. Den 24. verfügte sich der Kaiser nach genohmenen Frühstück nacher Stamersdorff auf die Parforce Jagd. Den 25. wäre wegen des Apostel Tags öffentlicher Kirchendienst. Den 26. wurde wegen der Ertzherzogin und Princesse Nahmenstags zur Gala angesagt. Mann gienge aber nicht zu St. Anna und wäre auch sonsten zu Schönbrunn keine Capellen. Mithin führe ich zu den Herrn Reichs-Vize-Canzlern, bei welchen in mixtis Conferenz gehalten wurde. Gegen 12 Uhr gienge der Kaiser nebst den Ertzherzogen Joseph mit öffentlichen Cortege (die Kaiserin hatte bereits in der Früh all incognito dise Visite verrichtet) zu seiner Frau Schwester, um seinen Glückwunsch solenniter abzulegen, speiste sodann aber mit selber nicht in publico, sondern nur wie sonsten en compagnie de dames et cavalliers, zumahlen der Kaiserin das öffentliche Speisen schon gar zu beschwerlich fallet und sie bereits seit einigen Tagen immer allain in der Cammer oder bei der Gräffin Fuchsin ihr kleines Din6 zu nehmen pfleget. Bei denen jungen Herrschafften aber wäre öffentlicher Dienst und abends hielten II. MM. Appartement, vor welchen der neu angelangte chursächsische Gesante Graff v. Fleming bei beiden Mayestätten seine erste Audienzien in der Retirada und re- spective Spieglzimmer hatte. Den 28. hatten wir vormittags Conferenz zu Schönbrunn in Gegenwart des Kaisers und der Kaiserin und wurden die lezthin für gutt befundene Entwürff und Expeditionen in der modenesischen Anliegenheit vorgelesen und nochmahlen ventiliret. 56 ) Nachmittags nach 5 Uhr kämmen die drei Ertzherzoge in das Theresianum, wo selben ein kleines Carousel produciret und anbei die Bibliothec und das Musaeum nebst ein und anderen Experiment gezeigt, sodann auch ein kleines Goüte nebst einigen Rafraichisse- ments für die Suite (so ich durch meine Leuth zurichten ließe) prae- sentiret wurde; und weillen es sehr windig und übles Wetter, mithin nichts im Garten zu thun wäre, so ließe ich das Goüt6 in die Bibliothec stellen. Den 29. wäre Reichs Conferenz bei Graffen v. Colloredo vormittags über verschiedene Materien, in specie wegen des wtirtem- bergischen Recursus gegen die Reichsritterschafft, und in der ostfriesischen Anliegenheit. 57 ) 1752, Juli 30.—Aug. 4. 53 Den 30. wäre der sontägliche Gottesdienst zu Schönbrunn. Die Predig muste aber abgesagt werden, weillen beide Mayestätten eine sehr lange und von seiten der Kaiserin sehr lebhaffte Unterredung mit dem Herrn Reichs -Vice- Canzlern gehabt, worzu die kurtz vorhero von denen beiden englischen Ministres Hyndford und Keith bei II. MM. genobmene und die fürseiende römische Königs Wahl- sacb betroffene Audienz Anlaß gegeben batte. 58 ) Den 31. unterblibe gleich wie jüngsthin am St. Anna Tag der sonstige alljährliche Kirchengang in das Professhaus; an dessen statt wohnten beide Mayestätten einem abermahligen Examini des Ertz- herzogs Joseph bei, wo ich dann ebenfahls zugegen gewesen. Es wolten anbei II. MM., das (exercitii gratia) der Ertzherzog auch dem jungen Graffen Otto v. Schrattenbach, welcher ihrne vorn Jahr comme une espece de mennin zugegeben worden und hinwiederumen diser dem Ertzherzogen einige Fragen stellen sollen. Diser junge Knab hat einen sehr muntern Kopff und weit mehr Feuer als sein durchlauchtigster Principal. Nachmittags führte der Kaiser abermahlen einige Zuseher nebst denen älteren jungen Herrschafften in die auf seine eigene Spesen in dem Schönbrunner Parc nächst Hietzing erbaute und nun meistens schon zu standen gebrachte Menagerie, allwo eben vorgestern verschiedene aus Holland anhero beschribene fremmde Thiere (welche aber dermahlen noch meistens in Geflligelwerck bestehen) in seiner Gegenwart placiret worden waren, und hatte der Herr die Gedult, das mehreste Selbsten anzuordnen und fünff ganzer Stund damit zuzubringen; gehet wohl auch zweimahl des Tags dahin, weillen er ganz ein besonderes Amüsement dabei findet. Den 1. Augusti hatte um 9 Uhr der churbayerische Gesante Freiherr von Neuhaus seine Abschiedsaudienz bei den Kaiser in der Retirade und bekamme aus meinen Händen einen Ring zum Praesent. Bei der Kaiserin hatte er jüngsthin schon die nemmliche Audienz mit dero Erlaubnus wegen der instehenden Niederkunfft anticipiret und nachkero ebenfahls in dero Nahmen von mir eine goldene, mit Brillanten versezte Dosen zum Abschiedsregal überkommen; worauf er sich folgenden Sonntag mit seiner Braut trauen lassen und nebst selber sofort nach seinen Hoff zuruckgeraiset ist. 59 ) Den 2. führe der Kaiser wegen des Portiunculae Fests zu denen' Capucinern in der Vorstatt und wurde auch denen Bottsckafftern an- gesaget. Den 4. hatten wir Conferenz zu Schönbrunn in Gegenwart i 54 1752, Aug. 4.—13. beider Mayestätten Uber die leztere englische Propositionen in der römischen Königs Wahl Sach. 60 ) Den 6. wäre der gewöhnliche sonntägliche Gottesdienst, deme die Kaiserin immer noch beige wohnet. Den 7. wurde ahermahlen in Gegenwart des Kaisers und der Kaiserin Conferenz zu Schönbrunn gehalten, um die in lezterer resol- virte Depechen zu adjustiren. In meinem dißfähligen Rapulari stehet eine sehr curiose Anecdote, den Mylord Hyndford betreffend. 61 ) Den 10. wäre wegen des Feiertags öffentlicher Kirchendienst und vor selben hatte der Mylord Hyndford (nachdeme er, wie aus meinen Conferenz Notatis zu ersehen, 62 ) seine Commission vergnüglich geendiget) seine Abschieds Audienzien bei beiden Mayestätten und bekamme vom Kaiser ein mit Brillanten beseztes Portrait, und von der Kaiserin (weillen sie ihn bereits zu Prag anno 1743 mit ihrem Contrefait regaliret hatte) einen brillantenen Ring. Beide Praesenter wurden ihme von mir bein Austritt aus dem Audienz Zimmer zugestellet. Den 11. wäre Conferenz bei Graffen v. Ulfeld, welcher bereits vor einigen Tägen aus dem Carlsbad zuruckgekommen; und weillen die Materie deren Irrungen mit dem päbstlichen Stuhl wegen Car- pegna vorgenohmen wurde, so wäre auch der Baron Pfutschner qua toscanischer Minister zugegen. 63 ) Den 13. fienge die Kaiserin bereits gegen Tag einige Vorbotten der herannahenden Verbindung an zu verspühren, dahero auch sofort alles in Bereitschafft gehalten wurde, um allenfahls noch heut abends den Tauff Actum vorzunehmen. Sie hörte annoch gegen 7 Uhr die heilige Meß und da eben heut Sonntag, so gienge der Kaiser mit seiner Frauen Schwester en public zur Capellen. Annebens wurde wegen der Frauen Elisabeth Geburtstags zur Gala angesagt und von denen Bottschafftern die gewöhnliche Audienzien zur Compli- mentirung bei derselben genohmen. Nach 6 Uhr abends führe der Kaiser mit meinem Schwägern in die Menagerie; kaum aber waren sie ausgestiegen, als ein eillender Sattelknecht nachgerittener kämme, um den Kaiser zu hollen, weillen es mit der Kaiserin ernstlicher zu werden schine; zugleich wurde das Hochwürdige ausgesezt, um mit diser heiligen Function nicht wie das leztere Mahl zu spatt zu kommen. 64 ) Allein für jezo trainirte es sich mit der Niederkunfft biß 10 Uhr, die zwar sehr glücklich, aber wiederumen mit einer Dochter erfolgte. Gleichwollen wurde durch eine übl ausgedachte Plaisanterie eines deren Cammerbedienten (welcher in der äußeren Anticamera 1752, Aug. 14.—16. 55 aux premiers curieux equivoquement geantwortet hatte) ein ganzes Jubelgeschrei, als wäre ein Ertzherzog gebohren worden, erwecket und wie ein Lauft Feuer von Schönbrunn aus durch die ganze Statt ausgebreitet. v Den 14. wäre um 11 Uhr vormittags die Tauff-Function, welche der Nuncius verrichtet; und da heut die Bottschaffter zum erstenmahl dazu geladen wurden und der französische (zumahlen er hierbei die Stelle seines Königs, als erbettenen Pathens, vertretten sollen) des dißfähligen Coeremonialis halber vorläuffig instruiret zu werden anverlanget, so hatte ich schon vor einiger Zeit mit meinem Schwägern hierüber Communication gepflogen und den concertirten Aufsatz dem Kaiser ad approbationem zugestellet, wornach mann sich also an heut durchaus gehalten hat; und ist selber bei meinen Acten befindlich. 65 ) Die neue Frau bekamme die Nahmen Maria, Carolina, Ludovica, Josepha, Joanna, Antonia und wurde obbemelter Massen von dem Marquis d’Hautefort für den König von Franckreich und von der Princesse im Nahmen der Königin zur Tauff gehalten, worbei der Bottschaffter immer zur Lincken der Princesse an den Fuß des Stapffels vor den aufgerichteten Altar gestanden, so lang die Function und die Tauffcoeremonien gedaueret haben, wiewollen mann zu * Evitirung alles Impegno in dem ihme zugestellten Aufsatz von der Stelle, wo der Bottschaffter vor dem Altar zu stehen hätte, lediglich praescindiret und er auch hierüber keine weitere Erläuterung anverlanget. Zu Mittag speiste der Kaiser wie sonsten en compagnie, obschon die Gala gewöhnlicher Massen auf drei Täg angesagt wurde; ' bei denen jungen Herrschafften aber wäre öffentlicher Dienst. Vor dem Tauff-Actu hatte der französische Bottschaffter, zu Ablegung seines Compliments, Audienz in der Retirade. Der Nuncius machte seine Gratulation in pontificalibus finita functione und der neapolitanische Bottschaffter, als der Kaiser sich zuruckbegabe, en passant in der Rath-Stuben. Nachmittag hatte der Graff Kayserling, nachdeme er sich bei mir vorhero darumen gemeldet, seine Audienz ad hunc finem ebenfahls in der Retirade. Übrigens fienge mann von heut an, more solito vormittags und abends auf der Kaiserin Seiten um dero Gesundheit sich zu erkundigen. * Den 15. wurde das heutige hohe Frauen-Fest mit gewöhnlichem öffentlichen Kirchengang celebriret, und nachmittags um halber 5 Uhr wäre Ordonnanz zur Säulen. Den 16. machten wir die dritte und lezte Gala. Die Statt- Dames dorfften heut in Appartement-Kleidern erscheinen; die erstere laTVS.i C. cjC^!j rJ ^-*T 1 56 1752, Aug. 16.—26. zwei Tage waren sie in reichen Robes oder Hoff-Kleidern. Die an- weesende Gemahlinnen deren wiircklichen Hoff-Ämteren und die ver- wittibte Obrist-Hoffmeisterin Frau Gräffin y. Sinzendorff wurden heut von der Kaiserin zum Handkuß gelassen, welche Gnad ihnen zwar sonsten gleich nach dem Tauff-Actui zu wiederfahren pflegte, zumahlen sie vor disem in der Cammer Selbsten und bei der Niederkunft zugegen gewesen; wie es aber hiervon seithero abgekommen, so wird auch im übrigen nichts ordentlich und regelmässig gehalten; woran haubtsächlich unsere alte Gräffin Fuchsin Ursach ist, als welche wegen mehr und mehr abnehmendem Gedächtnus und der übrigen Leibs-Kräfften nicht im stand ist, auf dergleichen Hoff-Gebräuch be- hörig zu reflectiren, und mithin zu verschiedenen Confusionen und contradictorischen Ordonanzien bei deren Dames Etiquette Anlaß giebet. Eodem hatte vormittags seine Urlaubs-Audienz bei den Kaiser der nach Rom abgehende neue Auditore di rota Graff von Stadion. 66 ) Den 17. hatte ich nebst dem Fürsten von Trautsohn die allerhöchste Gnad, I. M. der Kaiserin die Hand zu küssen, welche, Gott sei Lob und Danck, nicht munter- und besser aussehen könte. Den 18. wäre Conferenz bei Graffen von Ulfeld in Sachen den russischen Hoff und die Ulyriea betreffend. 67 ) Anheut sähe die Kaiserin die Hoff-Dames, den gewesten Obrist-Hoffmeistern bei der Kaiserin Frau Mutter, Graffen von Königsegg-Erps, und die andere hier befindliche, hinterlassene ertzherzogliche Obrist-Hoffmeister, wie auch den Graffen Künigl und Monsieur d’Ogara. Den 19. kämmen die Cammer-Zutritts Frauen zu den Handkuß und Tags darauf als den 20. die Zutritts-Frauen; annebens wäre wegen des Sonntags öffentlicher Kirchen-Dienst. Den 21. wäre Conferenz in mixtis bei Graffen von Ulfeld. Anheut und die folgende Täge biß Sonntags wäre die Kaiserin nicht sichtbahr. Den 23. wäre Conferenz bei Graffen von Ulfeld über die leztere, von Conte Christiani in der modenesischen Successions-Sach einge- loffene Briefife. 68 ) Den 24. wäre wegen des Apostel-Tags öffentlicher Kirchendienst. Den 26. verraiste der Kaiser auf 14 Täge mit einer Compagnie de chasseurs nach seinen hungarischen Güttern und die ältere zwei Ertzherzoginnen nach Goldegg zu den Fürsten von Trautsohn, allwo sie biß auf den 2. Septembris verbliben; und der Ertzherzog Joseph 'T * 1752, Aug. 27.—Sept. 3. 57 machte auch eine kleine Excursion dahin. Wir hatten Conferenz in mixtis bei Giraffen von Ulfeld. Den 27. und die folgende Tage sähe die Kaiserin des Abends gegen halb 7 Uhr die Cammer-Zutritts-Frauen und spillte heut in dem Cabinet zwischen der Cammer und den Spiegelzimmer, nachhero aber, weillen es gar zu eng wäre, in der Cammer. Wir hatten auch heut wegen des Sonntags Predig in der Capellen, aber kein Hoh-Ammtj sondern zwei kleine Meßen mit vor- und nachgehender Benediction, welchen auch die Kaiserin (wiewollen es heute erst 14 Tag, daß sie niedergekommen) mit beigewohnet; ich unterstunde mich zwar, diß- fahls eine kleine alleruntertkänigste Vorstellung zu machen, zumahlen da wir beständiges Regen- und feuchtes, nebliches Wetter haben, also zwar, daß mann von allen Seiten nichts denn von Schauer, Wolckenbruch und Inundationen zu vernehmen haben und auch mich en particulier das Unglück zu Pellendorff getroffen, daß dortiger Garten und Mairhoff nebst denen mehresten Wisen überschwämmet worden. Den 81. fienge die Kaiserin an, auch die ordinari Zutritts- Frauen bei den Abend-Spill zu sehen; alleinige zweien aus ihnen, nemmlich der Tarocca und Küniglin, hatte sie bereits gestern nebst denen Cammer-Zutritts-Frauen zu erscheinen erlaubet, welche Distinc- tion ihnen von darumen wiederfahren, weillen sie beide gleichsam als Habitantes la cour anzusehen, da die Küniglin mit ihrem Manne zu Schönbrunn Selbsten, die Tarocca aber und er in ihrem Haus zu Penzing (welches die Kaiserin schon einmahl ihme abgekauffet, hernach aber wiederumen zuruckgeschencket oder doch zur Wohnung eingeraumet) etabliret seind. Den 2. Septembris abends kämmen die kleine Frauen von ihren Vacanzen von Goldegg zuruck. Den 3. wurde es mit dem sonntägigen Gottes-Dienst wie jüngsthin gehalten und wohnte die Kaiserin demselben all incognito bei, auch der Predig. Um 12 Uhr führe ich in die Statt zu Graffen von Ulfeld, allwo Conferenz in mixtis gehalten wurde, und speiste bei selben zu Mittag, retournirte aber sofort nach Schönbrunn, um bei den Abendspill aufzuwarten, worzu heut zum erstenmahl die Stund-Frauen (als welche die Kaiserin seit ihrer Niederkunfft noch nicht gesehen) admittiret wurden. Selbe musten also in reichen Hoff-Kleidern und die Zutritts- Frauen, die dise Täge her gewöhnlicher Massen nur en sac zugegen gewesen, in Appartements- und die Hoff-Dames en robes erscheinen, und das Spill wäre im Spiegelzimmer. 58 1752, Sept. 4.-8. Den 4. hielte ein junger Graff von Kollovrat (dritter Sohn des Herrn Obrist-Burggraffen) in Theresiano eine Disputation ex universo jure und bekamme von mir qua commissario caesareo regio eine goldene Ketten. Die Kaiserin sähe heut nur die Zutritts-Frauen. Den 5. wäre das lezte Mahl für die gegenwärtige Kindlbett das Abendspill und dorfften die Stund-Frauen dabei erscheinen; mithin spillte die Kaiserin im Spiegelzimmer. Den 6. starbe beiläufig im 74. Jahr ihres Alters der Princesse Charlotte Frau Obristhoffmeisterin Maximiliana Gräffin v. Belrupt, geb. Gräffin von Werschowitz, nachdeme sie erst vor wenig Tägen wegen einer zugestossenen Unpässlichkeit (welche ihr Ordinarius, ein lothringischer Docter, nur für eine doppelte Tertiana ausgegeben) sich von Schönbrunn in die Burg hinein tragen lassen und allda disen Abend mit einem so starcken Paroxismo oder besser zu sagen, mit solcher Schwachheit überfallen worden, daß mann nicht mehr die Zeit gehabt, ihr das heilige Viaticum, sondern in aller Eile nur die lezte Oelung zu administriren. Diser Umstand verdoppelte die Empfindlichkeit, wormit ihre durchlauchtigste Frau wegen des Ver- lusts einer dem lothringischen Haus so ville Jahr attachiret gewesenen und wegen ihrer persöhnlichen Eigenschafften sowohl als christlich-redlichen Gemüths generalement estimirten Dienerin ge- rühret worden. Selbe wäre gleich nach erfolgten Beilager II. MM. bei den da- mahligen herzoglichen Hoff zur Aya ausgesehen worden und hatte auch in diser Qualitet und Bedienung den erst gebohrenen jungen Herrn und Ertzherzogen Joseph biß anno 1744 in ihrer Obsorg gehabt; weillen mann aber sagen wollen, daß sie die Kinderzucht nicht genugsam verstünde, so vielleicht nur eine gespülte Intrigue wäre, um sie zu entfernen, so wurde sie der höchstseeligen Ertzherzogin Mariae Annae nach Niederland als Obristhoffmeisterin mit gegeben und nach derselben gar zu zeitlichen Hintritt begleitete sie in diser nemmlichen Qualitet die Princesse, welche kurtz darauff von Com- mercy sich nach Wien gezogen, und verblibe bei selber und an derselben Hoff als Obristhoffmeisterin biß zu ihren heutigen see- ligen Ende. Den 7. hatten wir Conferenz zu Schönbrunn in der Kaiserin Gegenwart und in ihrem Cabinet. Das Objectum wäre die römische Königwahlsach; jedoch wurde nur praeparatorie gesprochen und die Haubt Deliberation biß zu des Kaisers Zuruckkunft ausgesezt. Den 8. wohnte die Kaiserin dem heutigen Kirchendienst abermahlen incognito bei. 1752, Sept. 9.—13. 59 Den 9. kämme der Kaiser gegen 10 Uhr bereits von seinen hungarischen Güttern zuruck und assistirte folgenden Tag, den 10., der gewöhnlichen Andacht und Procession wegen des Entsatzes Wienn, worzu um 9 Uhr en Campagne und auch denen Bottschafftern angesagt wurde. Nachmittags wäre ich wiederumen als Commissarius im Theresiano hei der Disputation ex jure publico des Graffen Rudolph Coro- nini, welcher ein sehr schönes Werck von dem Statu antiquo et moderno der Graffschaft Görtz (als seines Vatterlands) Selbsten com- poniret und der Kaiserin dediciret, 69 ) auch von selber mit der gewöhnlichen goldenen Ketten begnadiget worden. Diser Tagen starbe im 60. Jahr der Kaiserin (auch lezthin meiner Frauen und Dochter) geweste Hebamme, Frau Salerl. Kurtz vor der Kaiserin Niederkunfft wäre selbe mit einem dreitägigen Fieber behafftet worden; und weillen mann in Sorgen gestanden, sie dörffte et wann in der Zeit, da sie zur Verrichtung ihres Ammts beruffen würde, mit dem Paroxismo befallen werden, so gäbe mann dem armen Weib (zwar ohne Vorwissen der Kaiserin, als welcher mann von der Kranckheit der Hebamme, um sie nicht zu allarmiren, ein Mystere gemacht) so ville China zu essen, daß sich das Fieber zwar gestehet und sie im stand gewesen, der Kaiserin beizuspringen, allein bald darauff recidiv geworden und es endlichen gar mit dem Leben büssen müssen. Den 13. wurde zu Schönbrunn in Gegenwart deren Bottschafftern und nach Ausweis des beikommenden Prothocoll Auszugs 70 ) um halb 11 Uhr der Kaiserin Hervorgang begangen. Der Cortege gienge durch die grosse Galerie, die Haubt Stiegen hinunter und bei der Schweitzer Wacht vorbei zur Kirchen Thür nächst der Oratori Stiegen, um mehr Platz zu gewinnen. II. MM. speisten sodann mit denen drei älteren jungen Herrschafften in publico. Zuvor aber wurde noch die Promotion deren Cammerherren laut nebenliegender Liste 71 ) publiciret und hatte die Kaiserin die Gnad, meinen Neveu (für welchen ich erst gestern abends im Nahmen beider Eltern — da die Mutter eben unpäßlich wäre, der Fürst aber erst von Nicolspurg zuruck gelangt — das Ansuchen gethan) auf die bereits adjustirte und eingegebene Liste mit ihrer eigenen Hand primo loco zu schreiben. Nach den Taffeldienst wurden die Bottschaffter, fremmde Ministri und übrige de la premiere qualitd (wie an denen sonstigen grossen Gala Tägen) ä une table de 120 couverts sous mes foibles auspices bedienet und abends Appartement gehalten, vor welchen der russische 60 1752, Sept. 14.—19. Bottschaffter seine Particular Audienz hatte, um die Gratulations Compliments abzulegen, die aber von denen übrigen Bottschafftern ohne förmlicher Audienz nur en passant gemacht wurden. Den 14. begienge I. M. die Kaiserin als Großmeisterin das heutige Ordensfest auf die nemmliche Art wie das leztere Fest am 3. Maji, wo sich das behörige dissfahls annotiret findet. 72 ) Eodem hatten wir Conferenz bei Graffen v. Ulfeld in verschiedenen Mixtis, nach welcher ich bei meiner Frauen in der Statt speiste, die als eine gutte Mutter dise Tage her immer bei den Emanuel gebliben, damit disem armen Kind (so die Augen Zähnl und vier Stock Zähn zugleich bekommen und darbei mit der Ruhr behafftet worden) desto besser vorgesehen und gepfleget werden möge. Den 16. hatten wir Conferenz zu Schönbrunn, unter welcher der Kaiser nebst meiner Wenigkeit aufstunde, um den gegen 11 Uhr bestellten französischen Bottschaffter die Abschieds Audienz zu er- theilen, welche auf die gewöhnliche und nemmliche Art beschehen, wie ich es jüngsthin respectu des venetianischen Bottschafifters annotiret habe und es übrigens aus denen bei meinen Schrifften befindlichen Prothocolls Extracten mit mehreren zu ersehen ist. 73 ) Den folgenden Tag als den 17. hatte er um halber 10 Uhr die nemmliche Audienz bei I. M. der Kaiserin als Königin ebenfahls in der Rathstuben und sofort bei sämtlichen jungen Herrschafiften. Die zwei Portraits, welche er aus meinen Händen Überkamme, waren besonders kostbahr und von guttem Gusto, zumahlen mann selben nicht so vill seines Hoflfs halber, als wegen seiner persöhnlichen gutten Gesinnung und Attachements für hiesigen Hoff distinguiren wollen. Übrigens wäre auch heut der ordinari sonntägige Gottesdienst. Den 19. thaten I. M. dem Theresiano und meinem Sohn Frantz Antoni die allerhöchste Gnad (nach der uns vorn Jahr gegebenen Vertröstung), zu seinen heutigen Examen ex physica und übrigen in hoc cursu erlerneten Nebensachen (wie aus seinen in meiner Biblio- thec aufgehobenen gedruckten Thesibus und Opusculo nummismatico mit mehreren zu entnehmen) 74 ) in allerhöchster Persohn nebst dem Ertzherzogen Joseph zu erscheinen. Wie die Zubereitung geschehen, zeigt beiliegendes Schema. 75 ) Die Oppugnanten oder Examinatores waren seine vier Professores hujus anni P. Fröhlich, welcher ex historia antiqua et nummismatica et lingua graeca; P. Mezburg, welcher ex astronomia optica etc., algebra; P. Zanchi, der ex physica et ejus partibus; und P. Rieger, der ex architectura civili et militar 1752, Sept. 19.—28. 61 et ex pyrotechnia ihn hei anderthalb Stunden ausfragten. Seine Anrede an die Kaiserin wäre latein- und die Danksagung griechisch, deren Abschrifften bei seinen Thesibus liegen. Und damit die Zeit nicht wie sonsten zu geschehen pfleget, mit denen unnützen Haran- guen hinweg gehen möge, so machte nur der erste Professor nomine omnium eine kleine Allocution post brevem invitationem a filio ad eos factam finita dedicatione seu allocutione ad augustissimam. Mir gebühret nicht als Vatter,' seine Talenta und dessen heutigen Applausum zu erheben, allein mit aller Wahrheit kann ich sagen, daß er es disesmahl wieder so gutt als vorn Jahr gemacht und die Kaiserin gegen indifferente Leuth bekennet, daß sie sich dergleichen von einem Knaben seines Alters nicht erwartet hätte. Bei den Handkuß in fine actus gabten I. M. ihm eine goldene Uhr, woran nebst dem gewöhnlichen goldenen Petschäfftl ein brillantener Ring an der Ketten angemacht wäre, thate anbei ihn sowohl als uns beide Eltern mit denen gnädigsten Äußerungen und Gratulationen überhäuffen. Den 21. hatten wir wegen des Apostel Tags ordinari Kirchendienst in publico, welchem der Kaiser (wiewollen er sich anheut — wie es öffters im Jahr zu geschehen pfleget — Ader lassen) ebenfalls beigewohnet, und abends wurde pour l’amuser, die französische Comedie heraussen auf unsern Schönbrunner Th6ätre gespillet. Les f pieces dtaient: Esope ä la cour, et l’amant auteur et valet. Den 22. wäre als Freitags Appartement, den 23. Conferenz in mixtis bei Graffen von Ulfeld. Den 24. hatten wir den sontägigen Gottesdienst, vor Ende dessen ich nebst dem Herrn Ayo in die Statt zu Graffen v. Ulfeld führe, einer Conferenz in der modenesischen Sach beizuwohnen. 76 ) Eodem starbe im 22. Jahr an einem Ausschlag et inflammatione uteri die junge Gräffin v. Neipperg, gebohrene Gräffin v. Königsegg- Erps, nachdeme sie vor 8 Tägen mit einer Dochter zwar ganz glücklich entbunden, sogleich aber des folgenden Tags mit einer starcken Hitz und Alteration überfallen worden wäre. Den 25. wäre abermahlen Conferenz bei Graffen v. Ulfeld mit Zuziehung der Reichs Canzlei über ein und andere, die römische Königswahl und die Ratification des spahnischen Tractats betreffende Materien. 77 ) Den 26. waren II. MM. in der Gegend Eberstorff Hasen forciren und die Kaiserin ritte zum erstenmahl wieder seit ihrer Niederkunffit. Den 28. hatten wir Conferenz zu Schönbrunn in Gegenwart beider Mayestätten in der modenesischen Sach; 78 ) sodann wäre öffentliche Kirchen wegen des heutigen S. Wenceslai Fests. 62 1752, Sept. 29.—Okt. 2. Den 29. fuhren II. MM. nach St. Michael und wurde auch denen Bottschafftern angesagt. Den 1. Octobris fuhren die Herrschafften zu denen Dominicanern wegen des heut einfallenden Rosencrantzfests und wurde auch denen Bottschafftern angesagt. Den 2. wäre (Konferenz in mixtis bei Graffen von Ulfeld. Ehe ich aber noch dahin führe, so muste ich mit der Kaiserin das von selber nebst dem Garten auf den Rennweg unlängst erkauffte Haus des seeligen Printzen Eugbne besehen, um sodann wegen der Inventur und übernahm deren Mobilien das nöthige vorzu- keren. I. M. hatten bereits vor einigen Jahren und ehe sie noch so villes Geld auf Schönbrunn verwendet, den Gedancken gehabt, dise beide Gebäu an sich zu bringen und wolten ihre Sommer Residenz daraussen etabliren. Es wurde sogar damahlen von dem Conte Tarocca das Project gemacht, die Favorite, welche zur selben Zeit noch nicht denen Jesuitern übergeben wäre, das Closter deren Sale- sianerinnen und den Fürst Schwarzenbergischen Garten gleichsam zu conjungiren und ein Espece de Serrail zu formiren, worinnen nicht allein die Herrschafften, sondern auch die Große des Hoffs und Canz- leien mittelst einiger nicht sehr considerabler Zubauung und Embel- lissements genugsammen Raum zur Wohnung gefunden hätten. Die f Sach aber zerschluege sich, weillen die Herzogin von Sachsen-Hild- purgshausen die damahlen angebottene 250.000 fl. nicht acceptiren wollen, sondern noch 50.000 fl. mehr geforderet. Lezthin aber, da sie auf einmahl die Resolution gefast, sich völlig nach Turin zu begeben, um alldorten ihr Leben zu endigen, so wurde die Handlung durch die Entremise des kaiserlichen und ertzherzoglichen Cammerherrn und niederländischen Raths Marchese Poal von neuem ange- fädlet und au dernier moment presque du depart (da schon ville Mobilien theils würcklich in Trügen gepackt waren, theils noch packfertig da lagen) dahin geschlossen, daß der Garten und das Haus mit allem darinnen befindlichen — nichts ausgenohmen als die wenige, bereits embalirte und zum Theil schon weggeschickte Bilder und Tapeten, nebst denen etwaigen Forderungen auf die Herrschafft Hoff und Appartinenzien — gegen baarer Auszahlung 50.000 fl. und anderer 100.000 fl. in fünffjährigen Terminen (so aber die Kaiserin par * surcroit de g6n6rosite gleich nach drei Monathen völlig abgeführet), sodann gegen eine nach Verfliessung obbemelten Quinquennii anzufangen habende Rente viagere von 15.000 fl. dem Hoff verkauftet sein sollen. 79 ) 1752, Okt. 2.-4. 63 Der sardiniscke Gesante, Graff von Canal, hatte Himmel und Erde beweget, um die Princessin von sothanem Verkauff abzuhalten, in der festen Hoffnung, daß — wann sie einmahl zu Turin angelangt sein würde — mann allschon Mittel finden dörffte, dise Gebäude nebst ihrer übrigen Erbschafft dem regierenden oder doch dem Hauß Carignan zu versicheren. Den 3. Nachmittag hatten die Knaben aus dem Theresiano ein- geführtermassen ihre Audienz bei den Kaiser pro vigilia S. Francisci und traffe meinen Sohn Hannß Joseph, welcher seit Allerheiligen vorn Jahr sich daraus befindt, die Ehre, das französische Compliment zu machen, dessen er sich so wohl aquitiret, daß der Kaiser uns beiden Eltern seine allergnädigste Zufriedenheit darüber ganz aus- nehmend und mit folgenden ungemain consolirlichen Äußerungen zu erkennen zu geben geruhet: que nous 6tions de bien heureux parens, puisque tous nos enfants röussissoient tellement etc. Er befähle an- nebens, daß mann sie in die Menagerie führen solle, um selbe sehen zu können, so von disem Herrn als eine ganz besondere Gnad an- Zusehen. Den 4. wurde der grosse Gala Tag folgendermassen gefeiert: um 9 Uhr hatte der russische Bottschaffter (massen er zum ersten zu mir geschickt), sodann um 10 Uhr der französische und venetiani- $ sehe (deren Cammermeister sich zwar zugleich gemeldet, lezterer Bottschaffter etwas spätter gekommen wäre) gleich nach einander ihre Audienzien. In denen Intervallis wurden die Hoff-Ämter, Conferenz- Ministri, Capi deren Instanzien, Feldmarschalle und anhero gekommene hungarische Magnaten zum Handkuß und Gratulation in die Retirade gelassen. Um 11 Uhr wäre Ordonnanz zum öffentlichen Gottesdienst, nach welchem die zwei dermahlen allein in publico sich befindliche Bottschaffter (der Nuncius und neapolitanische), und nach ihnen noch ein und anderer von unseren Ministris ebenfahls in der Retirade ihr Compliment machten. Beide Bottschaffter waren dem Taffel-Dienst zugegen und wurden sodann zu unseren wie lezthin auf 120 Couverts zubereiteten Tisch geladen. Abends kämmen die Stund Frauen in Spiegel Zimmer und sodann nach halb siben Uhr verfügten sich II. MM. wie sonsten in die Appartements-Zimmer, allwo aber anheut wie vor drei Jahren, in der großen Galerie gedanzt wurde. Damit mann aber allem Desagrement und Impegno mit denen Bottschafftern und fremmden Ministren aus- weichen möge, so befähle die Kaiserin, daß es hierbei auf den nemrn- lichen Fuß wie bei denen maschirten Hoff-Bals gehalten werden solle; deme zufolge fienge der Erzherzog Joseph mit seiner ältesten Frau kl 64 1752, Okt. 4. Schwester und so weiters die übrige junge Herrschafften ihre Minuets unter sich an, und nach selben hatten sofort die Cammerherren (und zwar zuvorderst die Fürsten und jene aus ihnen, welche ohnedeme mit denen Erzherzoginnen die neu componirte Contredanses nachhero produciret) die Gnad, mit denen selben und endlichen auch mit denen übrigen Hoff- und Statt-Dames (und zwar so vill es sich thun lassen mit Beobachtung des Rangs) zu danzen. Ausser denen Cammerherren danzte sonsten kein anderer Cavallier, weder auch die Geheimme Räth, damit es um so weniger einen Bai pare oder de cerömonie gleichsehen möge. Die Ertzherzogen zogen dennoch ein und andere Dame auf. Yon denen hier dermahlen befindlichen Gesanten-Frauen danzte lediglich die Marchesa Sardini, lucchesische Gesantin, welche nach denen ersteren Cammerherrn-Frauen aufgezogen wurde. Nach halb 10 Uhr gienge mann zum Soupe. Die herrschafft- liche Taffel wäre in der Rath-Stuben oder sogenantem gelben Zimmer gestehet und zufolg der Liste, welche ich bereits gestern der Kaiserin übergeben hatte, zu selber nebst II. MM. und der Princesse die zwei Cammer-Freilen im Dienst bei der Kaiserin und I. k. H. diser lezteren Obrist-Hoffmeister M r d’Ogara, die fünff anweesende Bott- schaffter, der Ertzbischoff von Wienn, sodann die Hoff-Ämter und Con- ferenz-Ministri mit ihren Frauen, sonsten aber niemand geladen, so ein Anzahl von 25 Convies ausgemacht. In denen unteren Sommer Zimmern waren zw T ei Taffelen, jede von 35 Couverts zubereitet, bei welchen ich mit der Freile Hoffmeisterin les honneurs gemacht und meistens nur jene Dames und Messieurs geladen, welche gedanzt hatten, denen ich noch einige dermahlen hier befindliche distinguirte Fremde, als die zwei Prencipi Borghese, des neapolitanischen Bott- schaffters Sohn und dessen Reisgespann Cav. Nasselli (einen Sohn des Königs Favoriten Duca d’Arragona) und den Neveu des spahni- schen Ministri Marchese de Guara beigesellet. Übrigens aber wurde mit Fleiß etwas spätter mit der Einladung zu dem Soupe zugewartet, damit es mehr einer Surprise und incog- nito als einem förmlichen Gastmahl gleichen, mithin die grosse Anzahl deren übrigen fremmden Ministres sich wegen der denen Bott- schafftern beschehenden Distinction desto weniger formalisiren mögten. Zum Überfluß hatte ich noch für jene aus ihnen, so sich zur Zeit, als mann soupiren gienge, noch in dem Danzsaal zugegen fanden, die Attention, selbe zur Hoff-Taffel zu mir zu bitten, wie dann der spahnische Ministre und der Inviato di Lucca mit seiner Gemahlin bei unserer Taffel gebliben seind. Gegen halb 11 Uhr hatten die Herrschafften ihr Soup6 geendiget 1752, Okt. 5.-8. 65 und anmit wäre auch der heutige Tag, indeme sodann nicht mehr gedanzet wurde, geschlossen. Den 5. wurden die drei jüngere Frauen, wie auch unsere alte Frau Obrist-Hoffmeisterin, wegen aisgemach anbrechender Kälte in die Burg transportiret und passirte die Kaiserin den ganzen Abend mit denenselben, wo indessen der Kaiser auf der Jagd und nach selber in die französische Comedie sich verfüget; und nachdeme sie zum Schluß der Piece ebenfahls in die Loge gekommen, so fuhren beide Mayestätten mit einander zuruck nach Schönbrunn. Den 6. wäre wegen der Ertzherzogin Mariae Annae Geburts- Tags grosse Gala. Vormittag empfienge sie von denen Bottschafftern und sonsten die Gratulationen, speiste dann mit II. MM., dem Ertz- herzog Joseph und der Princesse öffentlich in der grossen Anticamera, all wo die Dames dieneten. Wir hatten zwei Tafflen in denen unteren Zimmern für ein und andere distinguirte Gast und abends wäre Appartement. Den 8. hatten wir den ordinari sonntäglichen Gottes-Dienst zu Schönbrunn. Eodem starbe im 17. Jahr unseres Ayo zweite und von denen Kindern allein noch zuruckgeblibene Dochter Ottilia, nachdeme sie vor 4 Tagen ein inflammatorisches Fieber cum convulsione matricis et stranguriae überkommen und wie eine Märtyrin Schmertzen fast gleich einer gebährenden Frauen gelitten. Bei der Öffnung fände mann die Strueturam corporis circa illas partes also beschaffen, daß sie niemahlen hätte Kinder tragen können. Der arme Vatter wäre untröstlich, zeigte doch noch mehrere Standhaftigkeit als andere gleich ihme zart und gutte Eltern in dergleichen betrübten Fählen haben wurden. Unser Hoff-Prediger Pater Tausch hatte eben heut occasione des Evangelii von dem Haubtmann von Capharnaum die Materie des Hin- scheidens deren Eltern, Kinder und Eheleuthen vorgenolimen und absonderlich die erstere durch alle nur ersinnliche, sowohl moralische als christliche Motiva mit seiner bekanten Eloquentz zu trösten sich beeifferet, worzu selber vermuthlich durch die drei nach einander sich ergebene betrübte Zufähle bewogen worden, welchen nebst dem Herrn Ayo auch den Landmarschall (Graff Königsegg-Erps), deme die Dochter Gräffin von Neipperg, und den liungarischen Canzler, deme sein ältestes und sehr liebes Söhulein an einen malignen Scharlach-Ausschlag gestorben, betroffen hatten. Der Feldmarschall Batthyany wäre der Predig mit zugegen, muste aber wegen zufliessender Thränen ein paar Mahl aus dem Oratorio sich wegbegeben und hatte eben K hc ven hüll er-Sch 1 itter. 1752—1755. 5 i 66 1752, Okt. 10.—20. kurtz vorhero die Nachricht bekommen, daß die Patientin ohne Hoffnung’ seie; nichts desto weniger wüste er sich in den Willen Gottes also christlich zu resigniren, daß er sich immer verlauten Hesse, wie er nur wünschete, daß seine Gemahlin die Predig mit anhören können, von welcher er sich nach der Hand eine Abschrift aus- gebetten. Den 10. wäre Conferenz hei Gratfen v. Ulfeld mit Zuziehung der Reichs-Canzlei über verschiedene Materien, insonderheit wegen der ferneren Expeditionen an unsere Comitial-Gesandsehaft in der römischen Königswaldsach. 80 ) Nach der Conferenz verraiste ich mit allergnädigster Erlaubnus auf einige Tag nach Ladendorff, allwo wir biß Freitag den 13. verbliben und recht schönes Wetter hatten. Den 14. wäre Conferenz bei Graff von Ulfeld mit Zuziehung der Reichs-Canzlei in continuatione der lezteren. Den 15. wurde der große Gala-Tag auf die nemmliche Art wie an Francisci gefeiret; der erste sich bei mir um die Privat-Audienz gemeldete Bottschaffter (so abermahlen der russische gewesen) kämme um 9 Uhr, die andere zwei nach einander um 10 Uhr, die zwei Bottschaffter in publico kurtz vor der Kirchen, wohin mann nach 11 Uhr sich verfügte, und wurde die heut sonntägliche Predig ab- geschaffet. Die Handküß deren Männern wurden auf Art wie es die Kaiserin bishero immer gethan, theils im Spieglzimmer, theils in der ersten Anticamera abgeleget. Bei der Taffel waren der Ertzherzog Joseph und die zwei ältere Frauen; unser Tisch wäre wie neulich. Abends Appartement und Bai, sodann Soupes in denen nemm- liclien Zimmern. II. MM. wolten aber heut keine Bottschaffter geladen haben, damit es nicht zu gemain und zur Consequenz gezogen werden mögte. Die Liste derer Gästen wäre sonsten fast die nemmliche, ausser daß ich anstatt unseres Ertzbischoffs den Primatem Hun- gariae dazunahme, nebst der allein ohne ihme hier anweesenden Gemahlin des Palatini, der Gräffin Tarocca, denen zweien Fürstinnen von Lichtenstein (der Wittib und der Emanuelin, deren Gemahl eben- fahls abweesend), sodann denen Daunischen und der Gräffin Losin. Den Fürsten von Schwartzenberg batte ich abermahlen bei einer deren unteren Taffein mit mir les honneurs zu machen, und gegen halber 11 Uhr wäre alles geendiget. Den 19. wäre um halber 6 Uhr Ordonnanz zur Vigil und den 20. um 10 Uhr zu denen Exequien für den verstorbenen Herrn. Nachmittag kehrten die vier ältere junge Herrschafften (die zwei jüngere Ertzlierzoge und die Frau Amalia hatten schon vor ein 1752, Okt. 21.—28. 67 paar Tagen das Voraus genohmen), mithin die sammtliche durchlauchtigste Jugend in die Winter-Quartier in die Burg. Den 21. verraisten II. MM. nebst der Princesse und einem sehr kleinen Gefolg nach Feldsperg zu den Fürsten Joseph Wenzl und wir hatten Vormittag Reichsconferenz bei den Graffen v. Ulfeld. Den 22. wäre wegen Abweesenheit deren Herrschafften kein öffentlicher Gottesdienst, weder Ammt noch Predig oder Benediction zu Schönbrunn. Den 23. kämme die Kaiserin nebst der Princesse gegen Abends von Feldsperg zuruck, verblibe aber wegen eines Catharrs meistens retiriret, das ist, sie speiste nicht en compagnie, sähe doch immer die Ministres, machte ihre gewöhnliche Excursionen zu denen jungen Herrschafften und zur alten Gräffin (welche ebenfahls gleich nach Theresia Schönbrunn quitiret hatte) in die Statt und gienge in Garten spatzieren, zumahlen bei Manns Gedeneken kein so schön- und warmer Herbst gewesen, also daß mann ville Stund bei der schönsten und wärmesten Sonn in dem Garten zubringen können. Den 27. gegen Mittag kämme der Kaiser ebenfahls von Feldsperg zuruck. Abends führe ich in die Mahleracademie, die jährliche Austheilung deren Preißen mitanzusehen. Den 28. hatten wir wegen des Apostel-Tags öffentlichen Kirchendienst, vor Ende dessen ich aber mit allergnädigster Genehmigung zu einer Conferenz in mixtis zu Graffen von Ulfeld führe und bei selben speiste. Abends um 6 Uhr wäre Ordonnanz zu einer kleinen Comedie de trois actes, genant Saturnales, welche von der berühmten Madame de Graffigny eigends componiret und anhero geschickt worden, um von denen jungen Herrschafften produciret zu werden. Die Acteurs und Actrices waren: Cesar: der Ertzherzog Joseph; Cor- nelie: meine Dochter Thereserl; Cinna: Ertzherzog Carl; Servilie: Ertzherzogin Maria; Bacchis: Ertzherzogin Amalia; Sostrata: Ertz- herzogin Elisabeth; Dromon: jüngerer Trautsohn; Davus: Ertzherzog Leopold; Cratinus: ein junger Wallis ex Theresiano, Sohn des Generalen in Siebenbürgen, Gr. Wenzl; die Danseurs und Dan- seuses die obbemelte 4 Ertzherzoginnen, meine Thereserl und Marianl, die älteste Dochter meines Vettern Louis 81 ) und die von Graff Frantz Schrattenbach; der jüngere Trautsohn und 4 Knaben ex Theresiano, ein Kinsky (Chevallier), jüngerer Hardegg, Leslie und (sic!). Pour l’ouverture du theätre kämme meine Nänl mit einem kleinen Sohn des Cammerherrn Graffen Gottlieb Wiudischgratz heraus, en criant saturnales. 5 * :irrr? cxJS l ii •RI ! i 68 1752, Okt. 28.—30. Die Piece wäre gar zu seriös und die Dialogues gar zu lang für Aeteurs eines solchen Alters, mithin wäre auch die Kaiserin nicht allerdings zufrieden. Weillen das Fest zu Ehren dero Nahmens-Tags destiniret wäre, so machte mann kleine Gala. Das Theatrum wäre wie vorigen Winter in dem spahnischen Saal und wegen der Entröe die nemmliche Ordonnanz; die Hoff-Ämter und Conferenz wurden geladen, die Aeteurs dorfften 2 und die Danseurs einen Zettel gehen, jedoch keinem Fremmden. Den 29. wäre Vormittag der sonntägige Gottesdienst und vor selbem die Audienz deren Knaben ex Theresiano, als welche wegen der Kaiserin Abweesenheit in die Octavae wie sonsten nicht für sich gehen können. Der Orator wäre heuer ein junger Mansfeld, ältester Sohn des Fürsten. NB. Die Audienz wäre gestern vor der Kirchen und nicht heut; hingegen hatte heut nach der Kirchen um halber 1 Uhr der neapolitanische Bottschatfter seine Abschieds-Audienz in der Bath-Stuben, und zwar gleich nacheinander bei den Kaiser und der Kaiserin qua Königin und bekamme von mir gewöhnlicher Massen bein Austritt das Portrait erstlich von Kaiser und sodann von der Kaiserin; den zweiten Tag darauf, als Dienstag, hatte er erst seine Abscliieds-Audienzien bei sämtlichen jungen Plerrschafften, dieweillen an Monntag der französische Bottschatfter bei der neu gebohrenen Frau Charlotte Audienz hatte, um selber das Praesent seines Königs als Taufpathens zu überbringen, und welches in brillantenen Girandols und (sic!) bestanden, Mann hatte zwar durch Graffen von Kaunitz insinuiren lassen, daß mann die leztere Presenter von seiten Portugall und Spannien lediglichen aus Egard der nachen Blut-Verwandschafft an- genohmen etc., allein der König hatte in Antwort zuruck erkennen gegeben, daß gleichwie obbemelte zwei Cronen mit der Kaiserin verwandt, also wäre er ein naher Vetter des Kaisers, folglichen wolte er nicht wenigere Freundschaffts-Marques seiner Filleule bezeigen. 82 ) Um 3 Uhr wäre Ordonnanz nach St. Peter und zur Säulen auf den Graben wegen des heut einfallenden Dedications-Fests derselben; der Kaiser gienge sodann in die französische Com6die, allwo mann China und Arlequin poli par l’amour vorgestellet. Den 30. wäre Conferenz in mixtis bei Graff von Ulfeld und abends wurde die junge herrschafftliche Comedie zum zweiten Mahl repraesentiret, worzu heut die geweste Hoff-Ämter und deren Wittiben geladen, und von denen Aeteurs 4 , von denen Danseurs zwei Billets d’entree ausgetheilet wurden, jedoch mit der nemmlichen Döfense wegen denen Fremmden, nur dorffte meine Frau dem sächsischen i L 1752, Okt, 31. 69 Gesanten und dessen Frauen, weillen sie noch niemahlen die junge Herrschafften agiren gesehen, Zetteln geben. An diser continuirten Defense wäre lediglich Ursach, daß nemmlichen die Kaiserin mit der Piece nicht zufrieden gewesen, und muß ich der Wahrheit zu Lieb ^ bekennen, daß meine Thereserl fast allein par son jeu de theatre sich hervor gethan, gleichwie dann auch lediglich sie nebst der Ertz- herzogin Maria mit ihren Ballets brilliret hatten. Den 31. wäre um halber 7 Uhr Ordonnanz zur Toison-Vesper in der Hoff-Capellen in der Statt, welcher die Kaiserin incognito beigewohnet. Nach dem Gottes-Dienst (als selbe durch die Retirade des Kaisers passiret) hatte ich mit ihr eine sehr lange Unterredung, welche haubtsächlichen über die bei Gelegenheit der Retour des Graffen von Kaunitz vorhabende Abänderung bei der Staats-Canzlei rouliret. I. M. hatten mir bereits vor einiger Zeit die habende Absicht anvertrauet, den bemelten Ministre zum Staats-Canzler benennen und den Graffen von Ulfeld zum Obrist-Hoffmeister-Ammt mit Bei- lassung des Praesidii der Conferenz und seines dermahligen grossen Gehalts von 45.000 fl. jährlichen promoviren zu wollen, als dessen Gehör täglich schwächer zu werden, anmit auch auf gewisse Art die Gemüths-Kräfften abzunehmen beginneten und beides zuvorderst * in den Umgang mit denen fremmden Ministris allzu villen Einfluß haben und der Dienst dabei mereklichen leiden miiste. I. M. hatten mir anbei auch zu erkennen gegeben, daß sie solchen Fahls dem Baron v. Bartenstein (weillen er doch unter der Direction des Graffen von Kaunitz nicht würde stehen wollen und überhaubt ihre beiden Genien sich nicht leichtlichen würden vertragen können) zu einen Membre de la Conference zu erheben und die übrige Bestellung der Staats-Canzlei dem neuen Canzler völlig zu überlassen gedächten. 83 ) Anheut vertraute die Kaiserin mir ferners, daß sie gegen Graff von Ulfeld würcklich das Eiß gebrochen, diser aber anstatt des ihr haben sollenden Dancks den Antrag mit sehr drocken und groben Worten verworffen und ihr seithero zugeschriben hätte, daß — wann sie ihme das in disen zehen Jahren her seines verwaltenden Canzler- Amts verzehrte, theils vätterliche, theils von seinem Brüdern geerbte js., Vermögen, so er auf 400.000 fl. steigen machen wolte, ersetzen mögte — er weiter nichts mehr wünschte, als seine übrige Lebensjahre von' , allen Geschafften entfernet in der Ruhe zuzubringen etc., worauf sie nach einer mit selbem weiters gehabten Explication ihme zum Schluß eine nochmahlige Bedenckzeit gegeben hätte. L 70 1752, Okt. 31. I. M. untermischten dise vill weitläuffiger als solches hier an- gemerckt ist, ausgefallene Erzehlung mit villen sehr gegründeten Klagen über dessen Betragen und wie sie doch besonders unglücklich seie, ihre Gnaden, welche doch von jedem unparteiischen Ge- rnüth in voller Maß anerkennet werden müsten, gleichsamm verachtet zu sehen; dergleichen Undanck würde von keinem anderen Souverain mit gleichgültigen Augen angesehen werden, sie hätte allein das Unglück, daß sie so grosse, Ubergrosse Besoldung geben und dennoch immer neue Subjecta anwerben, mithin die Auslaagen für deren Unterhalt vermehren und verdoppeln müste; mit einem Wort, eile avoit le coeur si gros, wie mann zu sagen pfleget, daß sie auf die Lezt mir offenhertzig bekennet, sie wüste ihr nicht mehr zu helffen. Meines Orths suchte ich, nachdeme ich sie ihr Hertz völlig ausgiessen lassen, nach Möglichkeit und wie mann mit lebhafiften Leuthen thun muß, ganz insensiblement ein und anderes zur etwaigen Entschuldigung des Graffen von Ulfeld hervorzubringen, dessen alte Dienst, redliches Gemiith, angewohnte drockene Art, sicli zu äussern, die auch denen ehrlichst- und meritirtesten Leuthen angebohrenen menschlichen Schwachheiten etc. und zugleich ihr, der Kaiserin, Großmuth, guttes Hertz, für alte Diener jederzeit gehabte sonderbahre Gütte und Indulgenz etc. auf eine solche Art vorzustellen, damit die erste Ereifferung nach und nach überwunden werden mögte; und getroste ich mir, disem ehrlichen Mann, welcher aber in diser Gelegenheit meinem Begriff nach sehr unbescheiden und wider sein eigenes wahres Interesse gehandlet, keinen üblen Dienst geleistet zu haben; wie ich ihme dann wenige Tage zuvor (als er nach einer eben bei ihme fürgewesenen Conferenz, nach Ende derselben, mir und denen übrigen anweesenden Ministris die mit ihme Vorgehen sollende Mutation erzehlet und schon damahls, ä dire vrai, sehr de- raisoniret hat) alles, was ihn immer zu Ergreiffung der rechten Partie bewegen sollen, vorgestellet hatte und von denen Graffen Colloredo und Batthyany, die eben gleich wie ich gedacht, sehr nachdrücklich secundiret worden wäre. Was mann nun damahlen gesprochen, wäre der Kaiserin also- fort beigebracht worden, und hat selbe solches auch bei heutiger Unterredung gar gnädig gegen mich releviret und sogar der Princesse Charlotte, welche mir es wiederumen erzehlet, davon auf eine solche Art Erwehnung gethan, daß sie von der Aufrichtig- und Ehrlichkeit meines Characters und eines wahren Attachements für ihre Persohn (zwei Qualiteten, die ich immer vor all-anderen ambitioniret) überzeiget zu sein geschinen. Wir sprachen nachhero sehr vill von denen 1752, Nov. 1.-4. 71 Eigenschafften des Graffen von Kaunitz, welche zu verschiedenen Reflexionen über die Contradictionen deren menschlichen Characters Anlaß gäbe et comment on peut allier les qualit6s d’un genie su- perieur avec des ridicules qui frisent meme l’extravagance etc. Die Kaiserin erkannte alles in voller Maß, allein der Refrein wäre immer, daß ihr keine Wahl überblibe; sie spräche von dem Graffen Rudolph Choteck, welchem es an Fähigkeit pour etre mis ä la tete des affaires endlichen auch nicht manglete, allein wir convenirten sofort, daß er necessaire wäre für die Direction des Banco- und Commercien- weesens etc. Die Unterredung beschlösse sich mit deme, daß sie mit Graffen von Ulfeld länger nicht aushalten könte und mithin re- solviret wäre, es mit Graffen v. Kaunitz zu tentiren, ob sie zwar ville Desagrements — zumahlen von seiten des Kaisers — vorsehete und sein des Kaunitz schwache Gesundheit und Wunderlichkeiten ihr eben keinen langen Bestand mit ihm versprecheten. 84 ) Den 1. Novembris wäre um 11 Uhr Ordonnanz zum Hoh- Ammt, so gewöhnlicher Massen von dem Nuncio gehalten wurde; der Kaiser gienge öffentlich mit denen Toisonisten, die Kaiserin aber wiederumen incognito. Nach der Kirchen hatte der neu angelangte chur-bayerische Gesante, Graff von Baumgarten, seine erste Audienz gewöhnlicher Massen in particulari bei beiden Mayestätten. Beide speisten reti- rirter in der Burg und um 6 Uhr verfügten sich dieselbe zu denen Augustinern zur Toden-Vigil. Mann wäre in Mantelkleid und führe sofort von der Porten weg zuruck nach Schönbrunn. Den 2. führe der Kaiser sehr früh in die Burg, allwo in seiner Gegenwart um 8 Uhr Conferenz gehalten wurde in der modenesischen Anliegenheit, nach welcher (und zwar erst nach halber 11 Uhr) beide Mayestätten nebst der Princesse, den Ertzherzogen und der Frauen Maria (weillen die älteste Frau etwas unpäßlich) sich zu denen Augustinern Uber den Gang begaben; und wäre wieder Mantelkleid und nach den Gottesdienst führe mann gerad wiederumen nach Schönbrunn zuruck. Die Kaiserin speiste mit en compagnie, der Kaiser aber verfügte sich sofort auf die Jagd. Den 3. celebrirten II. MM. nebst denen älteren jungen Herrschafften (mit welchen und einigen von der Jäger-Compagnie dieselbe in der Burg frühstückten) das IIuberti-Fest mit einer Chasse du cerf in der Gegend und Enceinte von Stammersdorff. Den 4. wurde zwar wegen der Gedächtnus des höchst-seeligen Herrn keine Gala angesagt, die Bottscliaffter aber kämmen dennoch den zweiten Ertzherzogen und die kleine Frau Charlotte complimen- 72 1752, Nov. 5—10. tiren; und zu Schönbrunn empfienge die Princesse gewöhnlicher Massen vormittags die Glückwunsch deren in Sac gekleideter Dames und der Cavallicrs, speiste auch sodann en compagnie nehst dem Kaiser und denen drei ältesten eigends aus der Statt gekommenen jungen Herrschafften. Die Kaiserin aber führe gegen 9 Uhr schon zu denen Capucinern und hörte Meß in der Gruft, hübe auch mittags retiriret in der Burg, allwo auch der Kaiser meistens hei der alten Gräfßn, welche ebenfalls Charlotte heisset, den Nachmittag und Abend zugebracht hat. Ich asse nebst meiner Frauen bei den Ertz- bischoff. Den 5. fuhren die Herrschafften Vormittag nach St. Stephan wegen der einfallenden Andacht des wundertätigen Gnadenbilds und sofort auf Mittag zuruck nach Schönbrunn. Den 7. wäre ich abends mit dem Kaiser in dem Comedien-Haus bei den Kärnthner-Thor, allwo die französische Bande (umwillen das Theatrum nächst der Burg die ganze Armen-Seelen-Octav nach den neuen Reglement geschlossen bleiben muß) anheut den Philosophe marie und le naufrage repraesentiret haben. Den 8. verraiste nach seiner Station der neue chur-böhmische Comitial Gesante Graff von Seilern, dessen Vorfahrer (Graff Otto von Franckenberg) vor wenigen Tagen als Vice-Praesident bei der obristen Justiz-Stelle installiret worden. Eodem hatte gegen Mittag der unlängst angekommene P. General deren Capucinern Sigismundus von Ferrara Audienz bei II. MM.; der Kaiser admittirte ihn in der Rath Stuben und die Kaiserin im Spiegl-Zimmer; und nach der Audienz wurden sämtliche mit ihme angelangte Geistliche (als der Consultor, sechß Secretarii und zwei Fratres) nebst denen ihn heraus begleitet gehabten unserigen Capucinern zum Handkuß gelassen und sodann von disen lezteren in ihrem Hospitio zu Schönbrunn aux depens de la cour zu Mittag bewirthet. Ich liesse zwar auf Befehl des Kaisers in denen Prothocollis nachschlagen, ob etwann bei solcher Gelegenheit besondere Ehrenbezeigungen zu geschehen pflegeten, wie mann es an denen mehre- sten Höffen zu thun gewöhnet ist und nahmentlich in Spannien ein zeitlicher General bemelten Ordens als Grande tractiret wird; allein da sich nichts dergleichen vorgefunden, so kunte mann selbem nichts besonderes wiederfahren lassen, als daß ich ihm die Ehre thate, ihn zur Audienz bei beiden Mayestätten selbsten zu melden und zu intro- duciren. Den 10. wäre Vormittag Conferenz bei Graffen von Ulfeld über die fürdauerende Briisseller Conferenzien und was dißfalils an den 1752, N ov - n - 73 Printzen Carl weiters zu erlassen. 85 ) Abends wäre Appartement, in welchem sich die vor kurtzen allhier angelangte zwei junge Prencipi Borghese beurlaubten und hingegen von dem französischen Bott- schaffter zwei neu angekommene Cavallier seines Landes und Söhne des Duc de Braneas (so die Tour von denen deutschen Höffen machen) praesentiret wurden. Den 11., an Martini-Tag, wäre öffentliche Kirchen, vor welcher die Kaiserin der grossen ständischen Deputation (occasione des auf den 16. ausgeschriebenen Landtags nach Art wie es seit ein paar Jahren angefangen und zu seiner Zeit ausführlicher angemercket worden) Audienz gäbe. Nach den Gottesdienst wäre der französische Bottschaffter bestellet, welcher heut bei beiden Mayestätten und den folgenden Morgen auch bei sämtlichen jungen Herrschafften seine lezte Par- ticular-Audienzien (um sich allerseits zu beurlauben) genohmen und sofort den (sic!) seine Ruckrais nach Paris angetretten hat. 80 ) Heut hatte ich abermahlen eine sehr vertraute Unterredung mit der Kaiserin, wo sie mir zuvorderst erzehlet, was gestern zwischen selber und dem Baron Bartenstein vorgefallen (ohne jedoch von der vorhabenden Mutation des Canzlers etwas positives zu melden), als sie ihme von jener gnädigsten Idee die Eröffnung gethan, welche sie seiner Persohn und Promotion halber gefasset, und wie sie aus seinem Reden nicht undeutlich abgemercket, daß seine Idee wäre, sich mit Erlangung des geheimmen Raths-Characters zu vergnügen und seinen zweiten Sohn zum Staats-Secretariat zu substituiren etc., worzu aber I. M. nicht zu incliniren scheinen, sondern villmehr auf ihren ersteren Plan verbleiben zu wollen sich geäusseret haben. Jedoch wolten sie mit dessen Ausführung biß zur Retour des Graffen v. Kaunitz zuwarten und sodann tout d’un coup zur Execution schreiten. Mir kommt vor (wie ich es auch der Kaiserin remarquiren machen), daß diser ehrliche Mann sich Hoffnung gemacht, die Vice-Canzlers-Stelle unter den Graffen v. Ulfeld zu erlangen, die wichtigste Expeditionen fernershin selbsten zu besorgen und obig- seinen Sohn die minder wichtige Arbeiten zu übertragen, wormit er noch mehr als zuvor dominiret hätte, der Dienst der Kaiserin aber noch weniger als jezo prospiciret wäre, anwegen diser zwar ungemain geschickt- aber gar zu eigensinnig und in seine Concepte als zu sehr verliebte Mann be- kanter Massen nicht allein hier, sondern an allen fremden Hoffen sich dergestalten odios gemacht, daß sich jedermann schröcket, mit ihme in Handlung zu tretten und wir unseren Credit in ministerialibus nur anmit noch gerettet, daß mann in der Persuasion gestanden, die 74 1752, Nov. 12.-17. Kaiserin und ihr Ministerium Hessen sich von ihme, sowie bei vorigen Zeiten geschehen, nicht regieren. 87 ) Den 12. fuhren II. MM. nach St. Stephan zu den sogenanten 6000 fl. Amt und abends kämme der Kaiser in die französische Co- medie a ia premiere representation der Athalie, nach welcher ein *- neuer Ballet (die Fabel der Psyche vorstellend) mit besonders schönen Flugwercken und Machinen produciret wurde. Den 13. speisten die Herrschafften in der Burg en petite Compagnie, indeme die Kaiserin sich darinnen zur Ader gelassen, wie sie es die erstere zwei, drei Monath nach der Kindlbett immer zu tlinn pfleget, und alles gienge abends in die französische Comedie. Den 14. erkranckte mein Sohn Frantz Antoni im Theresiano; und nach genohmenen Vomitiv und geöffneter Ader schlüge der sowohl im Collegio daraussen als auch sonsten dahier sehr grassirende Scharlach oder Scarlatina aus, welcher Ausschlag zwar a l’ordinaire nicht gefährlich ist, dises Jahr aber mit besonderen gefährlichen Symptomen begleitet wäre, wie dann auch ermelter mein Sohn anfänglich sehr kranck daran gewesen. Den 15. fuhren II. MM. gegen halber 8 Uhr nach Closter-Neu- burg mit dem gewöhnlichen Gefolg, communicirten in der Leopoldi- Capellen, giengen sodann auf eine kurtze Zeit in dero Zimmer, um das Frühstück einzunehmen, kehrten bald nach 10 Uhr zuruck in $ die Kirchen wie sonsten. Mittags aber speisten dieselbe en Compagnie an einer Taffel von beiläufig 30 Couverts; gegen 3 Uhr wäre die Vesper, welche aber etwas länger gedaueret, weillen von einem hier de passage sich befindlichen Tenoristen des Ertzbischoffen von Saltzburg, der eine sehr schöne Stimme hat, das lange Salve Regina abgesungen worden. Bei der Retour stiegen die Herrschafften in der Burg ab. Und übrigens wäre heuer das erste Mahl, daß mann endlichen von dem uralten Brauch, sothane Rais an den Vorabend zu machen, abgekommen ist. Die Kaiserin hatte bereits verschiedene Mahl (der villen Ungelegenheit halber, da sich fast der ganze Hoff wegen eines eintzigen Nachtlager transportiren müssen) auf gegenwärtige Abänderung angetragen, allein der Kaiser wolte bishero dazu nicht einwilligen, um nicht eine Sach abzustellen, welche von unerdencklichen Jahren her bei dem Hauß Oesterreich introduciret wäre. A la fin * cependant l’esprit de nouveaute qui domine si fort aujourd’hui, l’em- porta en ceci comme dans tout le reste. Den 17. unterblibe das freitägige Appartement; hingegen thaten II. MM. dafür des Abends auf des Kaisers Seiten und in dessen 1752, Nov. 19.-23. 75 Retirade ein kleines Spill machen, worzu nur die Schönbrunner Societet zugelassen wurde und so etwann ein paar Mahl les derniers jours de notre Campagne geschehen. Den 19. giengen II. MM. zwar beiderseits öffentlich zur Ca- pellen wegen des Sonntags; allein wegen des Elisabetha-Tags wurde es mit der Gala ebenso wie jüngsthin an Caroli-Fest gehalten. Die Bottschaffter und sämmtlicher Adel kämmen in die Burg, die dritte Ertzherzogin zu complimentiren; die Gala wurde aber nicht angesagt. Den 20. hatten wir Conferenz bei Graffen von Ulfeld in der modenesischen und Barriere Anliegenheit und nachmittags kehrte der sämtliche Hoff in die Statt zuruck, wie wollen das Wetter, so sich endlichen conforme ä Farriere saison eingefunden, seit gestern wiederumen günstiger werden zu wollen geschinen; allein, comme les apprets du retour etoient faits, so machte mann dennoch für heuer dem Schönbrunner-Sejour ein End und hatte auch keine Ur- sach, es sich gereuen zu lassen, weillen das Wetter sich gleich den folgenden Tag wiederumen zum üblen geänderet. Nachmittag thate ich als Beistand bei der in der wälschen Capellen im Profeß-Haus vorgegangenen Copulation des hiesigen Land- Rechts-Beisitzers Freiherrn Dillhem von Althen mit einer spahnischen f Freile von Cardenas, welche die Kaiserin erzogen und ausgeheirathet, auf dero Befehl assistiren, nachdeme ich auch die Berichtigung des Heirath-Contracts über mich nehmen müssen. Den 21. führe der Kaiser mit der Colana gewöhnlicher Massen nach Mariäe-Stiegen zum Hoh-Ammt; die Andacht zur Säulen aber unterblibe auf Instanz der Music, welche heut zu St. Stephan die grosse Vesper wegen ihres morgigen Caeciliae-Fests celebriret. Den 22. wäre Conferenz bei Hoff mit Zuziehung des niederländischen Praesidentens in Gegenwart beider kaiserlichen Mayestätten und wurde bei selber die leztere Conferenz quoad materiam der Barriere reassumiret, um des Tarocca Mainung darüber zu vernehmen. 88 ) Den 23. wäre Conferenz bei Graffen von Ulfeld mit Zuziehung der Reichs-Canzlei und des vor ein paar Tagen von seiner hannoverischen Commission zuruckgekommenen und unlängst an des verstorbenen von Benzei statt zum chur-maintzischen Canzler erkiesenen * Herrn von Vorster, worbei diser die weitere Auskunfft von der mit dem chur-pfältzischen Ministro von Wreden fürgewesenen Handlungen' erstattet. 89 ) Eodem wurde die zweite Extraction des unlängst dahier eingeführten und einem sicheren Catalcli per privilegium zugestandenen 76 1752, Nov. 24.-26. sogenannten Lotto di Genua vorgenohmen, 90 ) worbei es meiner Frauen gelungen, einen so benammsten Terno zu gewinnen, da sie von denen aus 90 Numeris gewöhnlicher Massen herausgezogenen fiinff Zahlen drei, nemmlich N° 8, 3 und 12 errathen und anmit gegen der kleinen Einlag eines Drittel Guldens 480 Ducaten gewonnen und eine noch weit grössere Summam gewonnen hätte, wann nicht der Bediente, welchem sie dißfahls die Commission gegeben, den für das Zettel ihrer Intention nach einzulegen gehabten ganzen Gulden in Terna und wiederumen sogenannte Ambo getheilet, mithin auf den Terno nur wie oben gemeldet einen Drittel Gulden rischiret hätte, durch welche Theilung und also gemachtes längeres Spill sie mittelst so- thanen favorablen Lösses in allem (inclusive obbesagter 480 Ducaten) 2064 fl. gegen einen eingelegten Gulden herausgezogen hat. Den 24. wäre das erste freitägige Appartement in der Statt, bei welchen auf meine Vorstellung — wegen denen vilien dermahlen dahier befindlichen Fremmden von Distinction — das bisherige Ver- bott in die grosse Anticamera, wo die Kaiserin zu spillen pfleget, hinein zu gehen, in so weit aufgehoben wurde, weillen mann zu erkennen gegeben, daß dises Zimmer für eines deren äusserlichen (wie es ohnedeme in der That ist) gehalten würde, allwo die Entrees nicht observiret würden, welche aber respectu deren inneren Wohnzimmern als Rath-Stuben, Retirade, Spieglzimmer etc. im Fahl der Kaiserin £ Spill in einem derenselben gehalten werden solte, ferners in suo esse zu verbleiben hätten. Den 25. wäre Conferenz bei Floff in Gegenwart des Kaisers, in welcher die leztere, so mit den von Förster fürgewesen, reassumiret wurde. Nach selber giengen beide Mayestätten öffentlich zur Capellen wegen des St. Catharinae Fests und wurde zu solchen publiquen Kirchendiensten wie vorhin denen Bottschafftern (von welchen zwar dermahlen der Nuncius allein in publico stehet) und immerdar im Mantel angesagt. Den 26. wäre des Sonntags halber wiederumen öffentlicher Kirchengang und nachhero auch publiquer Talfel-Dienst, bei welchen die Cammerherren serviret und der Nuncius die Aufwartung gehabt. Heut speiste der Ertzherzog Joseph und die zwei ältere Frauen mit. Abends wäre ich bei den Versprechen der verwittibten Fürstin Hanns Carlin von Lichtenstein mit des Fürst Christian von Lobko- witz zweiten Sohn Joseph, so kaiserlicher Cammerherr und Obrister ist, zugegen. Eodem legte mein Vetter Louis das Jurament als geheimmer Rath ab, nebst dem Marchese Malaspina de Aula. 91 ) 1752, Nov. 29.—Dez. 3. 77 Den 29. hatten wir Conferenz bei Graffen y. Ulfeld mit aber- mahliger Zuziehung der Reichs-Canzlei und des von Vorster in priori materia und abends wäre um 5 Uhr Ordonnanz zur grossen Toison- Vesper und folgenden Tag als den 30. um 10 Uhr zur Kirchen, und sofort gienge mann zur Taffel. In denen mitteren Tagen dises Monaths käme die neue Einrichtung deren Studiorum generalium, woran schon eine geraume Zeit her gearbeitet worden wäre, an das Tagslicht. Der hiesige Ertz- bischoff wurde zum Protector der Universitet benennet und die zwei Jesuiter PP. Debiel und Franzen nebst dem Prothomedico Van Swieten dirigirten unter ihn. 92 ) Dises neue Institutum hielte sehr ville nützliche Sätze in sich, wie dann in der That unsere hiesige Studia nicht am besten eingerichtet waren; allein par ce malheureux goüt dominant de la nou- vaute wurde es wiederumen von einem Extreme zum anderen ge- triben, verschiedene wunderliche Sachen eingeführet. Und unter anderen aber wurde sehr lächerlich befunden, daß mann alle Priester zur Erlernung der griechisch- und haebreischen Sprach anhalten und gleichsamm sub poena anstrengen und binden wollen, daß sie eine gewisse bestimmte Zeit — ich weis nicht wie ville Stunden des Tags — disem oder sonstig- gelehrtem Studio obliegen sollen, also zwar, daß jene, welche Alters oder anderer anderweitig gegründeter Ursach halber ein solches zu befolgen nicht im Stand waren, sich bei den Ertzbischoff legitimiren musten. Und da hiernächst diser zwar ville schöne Eigenschafften besitzende Cavallier eben nicht in der Reputation eines Ausbunds der Gelehrtheit gestanden, mithin sich meistens von dem zwar litterirten, dabei aber sehr grob und insolenten, mithin bei den Publico ungemain verhaßten Medico Van Swieten leiten und regieren liesse, so gäbe dessen übernohmenes Protectorat der Universitet desto mehre Gelegenheit zu verschiedenen Critiquen und Ausstellungen. Den 1. Decembris hatten wir Conferenz bei Graffen von Ulfeld mit Zuziehung des jüngsthin hier angelangten mailandischen Gran- Cancelliere Conte Cristiani und des von Vorster, und wurde über die modenesische Anliegenheit darbei deliberiret. 93 ) Abends wäre Appartement wegen des Freitags. Den 3. wäre als Sonntag öffentliche Capellen, auch Taffel-Dienst unter Bedienung deren Dames. Nach genohmener Ordonnanz führe ich zu Graffen v. Ulfeld, allwo mit Zuziehung der Reichs-Canzlei 78 1752, Dez. 4.—10. und des Baron Pfiitschner in der Affaire von Carpegna Conferenz gehalten wurde. 94 ) Den 4. fuhren die Herrschafften wegen des auf heut trans- ferirten S. Francisci Xaverii-Fest zu denen unteren Jesuitern en Campagne. Den 6. wäre wegen des Feiertags öffentliche Kirchen, aber kein Taffel-Dienst. Den 7. hatte vor der Toison-Vesper der in der aus meinen Conferenz Rapularibus des mehreren bekante modenesische Abbate Grossatesta Audienz bei beiden Mayestätten. 93 ) Den 8. wäre grosse Gala wegen des Kaisers Geburts-Tag; der sonstige Frühdienst in der petit Lev6 unterblibe abermahlen wie jüngsthin am Francisci, indeme der Kaiser nach verrichteter Andacht nicht mehr in sein Zimmer kämme, biß zur Audienz-Zeit des am ersten sich gemeldeten Bottschaffters, so für dises Mahl der Neapolitaner wäre, deme die Stund um halber 10 Uhr gegeben ward. Die übrige zwei in privato stehende Bottschaffter hatten sofort auch ihre Audienzien bei den Kaiser sowohl als der Ertzlierzogin Maria Christina; die Capi legten ebenfahls gewöhnlicher Massen ihre Glückwünsch in der Retirade ab. Gegen 11 Uhr führe der Kaiser allein nach St. Stephan ohne der Kaiserin; au retour wurde der Nuncius als dermalilen alleiniger Bottschaffter in publico zur Complimentirung admittiret, welcher auch bei der Taffel seine Aufwartung machte. Das Din6 in der Statt wäre bei meinen Schwägern als angesezten Obrist-Hoffmeistern. Zum Schluß wäre Appartement, indeme wegen des heutigen Freitags kein Spectacle gehalten werden kunte, et puis jeu de billard comme tous les autres jours d’appartement. Den 10. gienge mann öffentlich zum sonntägigen Gottesdienst und wäre sodann auch Dine publique servi par les chambellands. Mittags hatte ich Gäste bei mir; da aber selbe eben zur gewöhnlichen Stund des Mittagmahls in Anzug waren, kämme Feuer in dem Rauchfang der Küche aus, so zwar anfänglich nicht am besten ausgesehen; und zur Fatalitet kunte mann nicht gleich einen Rauchfang- kerer bekommen, weillen es zur nemmlichen Zeit auch in der Anna- Gassen bei den hungarischen Hoff-Rath von Koller ebenfahls in dem Schornstein gebronnen. Und als mann endlichen einen von dorten hergehollet, so muste sich noch weiters die in weniger betrübten Umständen fast lächerliche Historie ereignen, daß sothaner Rauchfangkerer sich gar zu dick und corpulent vorgefunden, um durch den Camin schlieffen zu r * J7- 1752, Dez. 10.—14. 79 können; durch welchen Verschub mithin die Gefahr freilich zuge- nohmen. Nichts desto weniger wurde das Feuer durch die gutte Anstalten, Activitet und Lieb meiner Bedienten (da Officier, Livree und sogar in der Eille zur Hülff für sich Selbsten zugeloffene, mein Haus bedienende Handwercks-Leuth mit Hand angeleget) in kurtzem gelöschet und hatten wir keine andere Ungelegenheit davon, als daß wir erst gegen vier Uhr das Mittagmahl einnehmen kunten. II. MM. hatten beiderseits die Gnad (auf Vernehmen, daß es bei uns brennete), zu uns zu schicken; der Kaiser offerirte sieh Selbsten zu kommen und die Kaiserin hatte bereits Hoffwägen einzuspannen befohlen, um bei der sich vorstehenden Confusion meine Frau und Kinder aus dem Haus abhollen zu lassen, wesswegen mich ungesäumt nach Hoff verfüget, um für so ausnehmende Gnad und Attention meinen allerunterthänigsten Handkuß abzustatten. Den 12. wäre wegen des Printz Carls Geburts-Tags ganze Gala, öffentlicher Taffel, servi par les dames, und abends Appartement. Den 13. hatte ich die Ehre, vormittags einem abermahligen Examini des Ertzherzogs Joseph beizuwohnen und nach selbem eine lange Conversation mit der Kaiserin zu haben, welche haubtsächlich die Neigung und fernere Education dises Herrns, annebens die wegen der Auswahl dessen künftigen Braut sich bereits hervorthuende verschiedene Anwürffe betroffen, weßfahls die Kaiserin sich gegen mir und dem mit zugegen gewesenen Baron von Bartenstein sehr vertraulich, jedoch biß dato noch sehr unentschlüssig geaußeret hat. Nachhero führe ich zu meinen Schwägern, den Fürsten von Dietrichstein, allwo wegen neu einzurichtender Feuerordnung bei Hoff, mit Zuziehung des Bau- und Controlor-Amts Hoff-Conferenz gehalten wurde. Den 14. wäre Conferenz bei Graffen von Ulfeld über verschiedene, tlieils die leztere Migazzische Berichte betreffende Materien. 9 ") Eodem entstünde in dem Salitter-Laboratorio aus Verwahrlosung Feuer, welches aber noch weit üblere Folgen hätte haben können; die Beschreibung, so hierüber in denen Wiennerischen Zeitungen und sogenanntem Diario eingedrucket worden, lieget abschrifftlich bei. 97 ) Der Grandmaitre de l’artillerie oder Hauszeugmeister Fürst Joseph Wenzl von Liechtenstein muste bei den Volck die meiste Schuld haben, daß selber nicht mehrere Vorsichtigkeit gebraucht und nächst der Salitterei so ville hundert und villeicht wohl Uber die tausend gefüllte Grenaden und Bomben seit der Rummel Zeit her liegen gelassen, wie er sich auch über dise Reprochen nicht genugsamm justifi- ciren können. 80 1752, Dez. 15.-21. Den 15. unterblibe für heut das sonst gewöhnliche freitägige Appartement, dafür wäre in der Josephi-Capellen die Vigil für die Ertzherzogin Maria Anna. Den 16. wäre Reichs-Conferenz bei Graffen von Ulfeld, in specie wegen deren zwischen Chur-Maintz und Würtzburg ratione des von dem leztern Bischoff zu Rom neuerlich ausgewiirckten Pallii und des Juris, sich das Creutz vortragen zu lassen. Den 17. gienge der Kaiser allein in publico zum sonntägigen Gottes-Dienst und wäre keine öffentliche Taffel. Abends hatte mein zweiter Sohn Hanns Joseph, welchen ich vorn Jahr an Allerheiligen zu seinen Brüdern in das Theresianum gegeben, seine Disputationem publicam ex universo jure; und nach- deme I. M. der Kaiser allergnädigst zugesagt, daß er deroselben seine Theses dediciren dörffen und ich die mich sonsten gemainiglich treffende Stelle eines Commissarii ad hunc actum als Vattern nicht schicksamm bekleiden können, so wurde mein Schwager (der Fürst von Dietrichstein) hierzu ausersehen, aus dessen Händen mein Sohn einen sonderbahr kostbahren brillantenen Ring pro regali überkommen und des folgenden Morgen, als er mit mir dem Kaiser die Hand küste, von I. M. auf das gnädigste vorgelassen worden, worbei sich diser Herr unter anderen folgender obligeanten Expression bedienet: vos deux fils ont fait egalement bien, Tun avec beaucoup de feu et l’autre avec beaucoup de flegme. Wenige Täge hernach nähme ich offt erwehnten meinen Sohn aus dem Collegio und zu mir ins Haus pour le decrasser und ihn nach und nach — zumahlen er keine Neigung zu den geistlichen Stand mehr gezeiget — zur Welt zu formiren. Den 19. und 20. seind in der Josephi-Capellen (welche anjetzo — nachdeme die vorige zu einer kleinen und, besser zu sagen, Haus- Capellen reduciret worden — die grössere Cammer-Capellen ist) die Vigil und Exequien für die Kaiserin Frau Mutter seeliger Gedäclitnus gehalten worden, 98 ) welchen ich auch par attention beigewohnet. Den nemmlichen 20. wäre mittags Conferenz bei Graffen v. Ulfeld mit Zuziehung des Commercien-Directorii, um die in puncto der mit Spannien zu errichtenden Handlung an den Monsignore Migazzi zu erlassende Instructionen vollends zu adjustiren. 99 ) Abends um 5 Uhr wäre Ordonnanz zur Toison-Vesper. Den 21. gienge der Kaiser allein zum Toison-Ammt. Die Kaiserin sähe mann nicht mehr in publico biß zu denen Feiertägen, zumahlen eben heut die fraulichen Exercitien in der Josephi-Capellen 1752, Dez. 24.—31. 81 ihren Anfang genohmen und gewöhnlicher Massen durch drei Tag continuiret haben. Den 24. wäre wegen des Sonntags Vormittag öffentlicher Gottes- Dienst und abends die Toison-Vesper, und nach selber das Einrauchen. Den 25. und die zwei folgende Tag hatten wir das 40sttindige Gebett in der Hoff-Capellen. Heut um halber 10 Uhr und eine halbe Stund spätter kämmen erstlichen der russische, sodann der neapolitanische und -endlichen der venetianische Bottschaffter ihr Compliment beiden kais. Mayestätten zugleich in dero Retirade ahlegen, welche sodann nach 11 Uhr öffentlich zur Capellen giengen und auch en grand public in der Ritterstuben speisten. Der Nuncius wartete darbei auf; und damit er nicht zu sehr fatigiret werde — zumahlen er auch gleichwie gestern die Vesper, also heut das Ammt zu singen gehabt — so wurde er heut lediglich zur Complimentirung II. MM. vor der Taflfel gelassen und ihme gestattet, die übrige Tour bei sämtlichen jungen Herrschafften auf den dritten Feiertag zu verschieben. Das grosse Mittagmahl des ambassadeurs gäbe heut wiederumen mein Schwager. Abends wäre um 7 Uhr die Toison-Vesper und zum Schluß der Seegen; sodann erst nach 8 Uhr fienge das liebe Appartement an, unter welchen wir unsere gewöhnliche agreable partie de billard machten. Den 26. führe der Kaiser allein nach St. Stephan; mittags wäre kein Dienst und zur Toison-Vesper gienge die Kaiserin incognito mit. Den 27. hatten wir das lezte Toison Ammt, welchem die Kaiserin abermahlen incognito beigewohnet. Es wäre kein Tafifel- Dienst, dafür führe ich zu Graffen von Ulfeld, allwo Conferenz in mixtis gewesen. Abends um halber 8 Uhr gienge der Kaiser in publico, aber ohne Bottschaffter und en Campagne zum Schluß des Gebetts. Den 28. wurde der Gottes-Dienst in der Josephi- oder der- mahligen Cammer-Capellen gehalten, und wir, hatten Conferenz bei Graffen von Ulfeld in russicis mit Zuziehung des jüngsthin (seiner Gesundheit halber) von dannen zuruckgekommenen jüngeren Graffen Carl von Colloredo, Cammerherrn und Obristen von Deutschmeister- Regiment, welchen mann in der anfänglichen Idee, den General Prettlack zu succediren, disem Iezteren mit dahin gegeben hatte. 100 ) Den 31. gienge der Kaiser allein zu den sonntägigen öffentlichen Gottes-Dienst und abends zur Toison-Vesper, welche bereits um halber 5 Uhr wäre, indeme der Kaiser sich nicht recht wohl Khevenhüller-Schlitter. 1752—1755. 6 1752, Dez. 31. befunden und — da er vorgestern gegen 6 Uhr eine Alteration gehabt — in der Sorg gestanden ist, es mögte etwann ein Paroxismus tertianae daraus werden und er damit währender Vesper, die er doch nicht auslassen wollen, überfallen werden. Spätter abends wäre die gewöhnliche Function des zweiten Einrauchen, wo ich die Freiheit nähme, I. M. der Kaiserin zu sagen, sie mögte den Kaiser von dem morgigen Ausgang in die kalte Jesuiter-Kirchen abhalten; sie klagte mir aber, daß er um ihren Rath nichts fragte und gleich ungedultig würde, wann mann ihme dißfahls zuspräche. Die Unpäßlichkeit hatte übrigens, Gottlob, keine weitere Suite und schine, daß sie nur von einer Indisgestion hergekommen seie. 1753 . Den 1. Januarii fuhren II. MM. beide zu denen Jesuitern, nach- deme der Kaiser heut Nacht besser geschlaffen, mithin sich leichter befunden und also die Functionen des heutigen Tags nicht auslassen wollen. Mittags wäre öffentlicher Dienst von Dames, vor welchen mein Schwager den (endlichen nach langer Deliberation durch die wieder- hollten Instanzien des Kaisers dennoch resolvirten) neuen Obrist- Kuchelmaistern Graffen Joseph von Saint-Julien — welcher aber nach der neuen Einrichtung mit dem Controlor-Ammt, so dem Obrist-Hoff- meister auf den vorigen alten Fuß gänzlich wiederumen subordonniret worden, nichts weiteres als in denen ordinari Dienstsachen zu befehlen hat, da sein Vorfahrer sich sehr villes arrogiret und mit der Wirthschafft fast willktihrlich disponiret hatte — gewöhnlicher Massen publiciret. 101 ) Abends wäre Appartement. Den 5. wäre Toison-Vesper und sodann das lezte gewöhnliche Einrauchen. Vormittag hatten wir Conferenz in Gegenwart II. MM. und wurden die lezthin bei Graffen von Ulfeld in Deliberation gestandene Materien reassumiret und die hierüber gemachte Aufsätze adjustiret. 102 ) Eodem starbe im 64. Jahr der Ertzbischoff von Saltzburg aus dem Haus Dietrichstein. Seinen Tod solle er sich Selbsten durch villes Laboriren und gebrauchte chymische Medicinen zugezogen haben, wie dann ferners erzehlet worden, daß er in eine Kranckheit gleich einen Aussatz verfallen und mann ihme auf Anrathen eines Empiriei den ganzen Leib mit Goldblätteln überzogen und gleich- samm vergoldet habe, an welch lezteren Umstand aber die meiste gezweifflet und selbe als einen Conte satyrique portant sur l’esprit chymique du malade ansehen wollen. 103 ) Den 6. gienge der Kaiser allein zum Toison-Ammt und wäre sonsten weder Taffel noch Appartement. 6 * 84 1758, Jan. 7.—11. Den 7. verfügte sich der Kaiser abermahlen allein zum heut- sonntägigen Gottesdienst und wäre hei Hoff alles en allarme, weillen eben dise Nacht an der Ertzherzogin Maria Anna, welche ein paar Tage her mit einem Halswehe incommodiret gewesen, die Kindsblattern ausgeschlagen. Der Kaiser hatte sogleich heut in der Früh Selbsten alle Dispositionen gemacht, um die übrige junge Herr- schafften zu separiren; und wiewollen jedermänniglich nach Pflichten errinneret (wie es allerdings rathsamm, ja besser zu sagen, noth- wendig schiene), daß I. M. die Kaiserin sich aus der Burg wegziehen mögte, indeme doch nicht möglich wäre, in derlei Umständen alle Communication abzuschneiden, so wolte doch keine Vorstellung Platz greiffen. Zum Glück fände sich die durchlauchtigste Patientin gleich vom Anfang der Kranckheit und also weiters fort in einer so günstigen Situation, daß nicht der mindeste moralische Anschein einiger Gefahr sich geausseret, zumahlen die Blattern von der benignesten Sorte und in sehr geringer Anzahl, mithin auch das Fieber nur also gewesen, wie es natürlicher Weis und nach Art der Kranckheit zur Beförderung des Ausschlags und der Zeitigung * sein sollen. Die erstere neun Täge kämme sämmtlicher Adel in der Kaiserin Anticamera, vor- und nachmittags sich um die höchste Patientin zu erkundigen, und wurde jedermann notiret, anbei von der Cammer- Freile die Auskunft- von demselben Gesundheits-Stand ertheilet. Dise favorable Umbständen einer sonsten so betrübten Kranckheit veranlasten II. MM., die auf heut bereits bestimmt gewesene Eröffnung der Redoute en masque für sich gehen zu lassen, jedoch befahlen dieselbe mir, die Zurichtung zu denen dienstägigen Hoff-Bals biß auf weitere Ordre einzustellen. Den 8. wäre Reichs-Conferenz bei Grafifen von Ulfeld in materia des von Würtzburg erhaltenen Juris pallii et praelationis crucis, worüber sich Chur-Maintz beschwäret, item in der Tutel-Sach des jungen Herzogs von Mecklenburg-Strelitz etc. 104 ) Den 9. unterblibe obbemelter Massen der masquirte Hoffbal. Den 10. w r are (Konferenz bei Hoff, theils wegen deren geheimmen Propositionen des neapolitanischen Bottschaffters, theils wegen der von Maintz eingelangter Nachricht von des dortigen Chur-Fürstens gefährlicher Unpäßlichkeit, wormit es sich aber nachhero gebesseret. 105 ) Um 12 Uhr verfügte ich mich sodann zu einer zweiten (Konferenz in mixtis bei Grafifen von Ulfeld. Den 11. starbe die verwittibte Reichs-Hof-Raths-Praesidentin, Gräffin Theresia Rosalia von Windischgratz (gebohrne von Rottal) im 74. Jahr an einen Schlagfluß, wormit sie Tags zuvor bei ihrer gutten t 1753 , Jan. 11 .— 17 . 85 Freundin, der Generalin von Mölck — allwo sie speisen sollen — da sie eben zum Mittagmahl gehen wollen, überfallen worden und nicht mehr so ville Kräfften gehabt, daß mann sie in ihr Quartier hätte transportiren können. Sie stürbe ab intestato. Sie hatte Vermögen in Oesterreich, Böhmen und Mähren. In Oesterreich wurde die Erbschaft zugesprochen der Tochterin ihres leiblichen Bruders, Wittib Gräffin Joseph Dietrichstein; in Mähren ihrer Stief-Schwester, Wittib Gräffin von Kottulinski; und in Böheim in gleichen Theilen dieser ihrer Schwester und leiblichen Nibce.*) Den 13. hatte der neapolitanische Bottschatfter seine lezte Privat- Abschieds-Audienz um halber 12 Uhr bei den Kaiser und den folgenden Tag als den 14., nach dem sonntägigen Gottes-Dienst (deme beide Maye- stätten in publico beigewohnet) bei der Kaiserin und denen drei Ertzherzogen; von jener deren Erzherzoginnen wurde er bei denen dermahligen Umbständen mit der Erzherzogin Maria Anna dispen- siret. Von Hoff führe ich gleich nach der Kirchen, weillen kein Taffel-Dienst gewesen, zu einer Conferenz in mixtis bei Graffen von Ulfeld. Den 15. wäre Conferenz bei Hoff in der modenesischen Anliegenheit, und zwar wieder in Gegenwart beider Mayestätten. Den 16. gäbe nachmittags der modenesische Gesante in öffentlichen Audienzien Parte von der Erbprinzessin Niederkunfft mit einem Sohn, 106 ) und abends wäre heut Dienstag der erste Bai en masque bei Hoff, worbei alles auf den alten Fuß verblibe. Den 17. starbe an Kindsblattern im 35. Jahr der wegen Berichtigung der Commerzien und schlesischen Schuldenanliegenheit vor ein paar Jahren anhero gekommene preußische Minister von Dewitz, 107 ) von welchem ich folgende Anecdote anzumercken habe, daß er die erstere Täge seiner Kranckheit an den kaiserlichen geheimen Rath, Graffen von Küssow (einen sehr eiffrigen Convertiten und mit deme er sehr gutt wäre) durch seinen vertrauten Secretari ein ihm Selbsten dictirtes Zettel zustellen lassen, worinnen er erstgedachten Graffen ersuchet, beiden kaiserlichen Mayestätten durch mich die kräftigste Versicherung seiner für dieselbe und ihre durchlauchtigste Descen- denz tragender submissester Devotion beibringen zu lassen und wie- er nichts mehr wünschte, als durch seine erleidende Schmertzen und '■) Dieser Absatz wurde von späterer Hand eingetragen. r 86 1753, Jan. 18.-20. durch seinen Tod die schöne kaiserliche Famili von diser leidigen Kranckheit befreien zu können etc. Es hatte selber bei verschiedenen Gelegenheiten seinen innerlichen Antrieb zu Annehmung unseres Glaubens von sich blicken lassen; und da seine Leuthe ihme zulezt einen Praedicanten in das Zimmer gefübret, solle er disem den Rucken gekeret und auf alle seine Zusprechungen nicht ein Wort geantwortet, sondern sich gleich- samm Selbsten die Seele ausgeseegnet haben. Den 19. starbe, 31 Jahr alt, die Fürstin Maria Theresia von Schwartzenberg, gebohrne Fürstin von Lichtenstein. Sie wurde die erstere Tag dises neuen Jahrs mit denen Flecken befallen; und obschon selbe sich nach ihrer gewöhnlichen Periode verzogen, so ver- blibe sie doch ville Tage in einem beständigen Delirio. Anfänglich muthmaßeten die Medici eine Schwachheit des Kopffs, zumahlen sie bereits vor einigen Jahren nach den erstem Kindbett dergleichen Egarement und Melancholie gehabt hatte; endlichen aber schluege der weiße Friesei heraus, und zwar in so grosser Menge, daß die arme Patientin (da sie ohnedeme sehr corpulent und dostig wäre) dem Übel unterligen müssen. Dem Fürsten wurde ihr Absterben einige Täge verschwigen, weillen derselbe ein paar Täg zuvor eben- fahlß mit denen Flecken behafftet worden, die er aber gantz glücklich überstanden. Die Verstorbene wäre in ihren jüngeren Jahren eine deren schönsten Frauen in Wienn, zwar von etwas kleiner Taille, mais bien prise, beaux yeux, belles mains, belle gorge, allenthalben eine schöne Brune, welche, ungehindert ihres nicht sonderbahren Verstands, gar villen gefallen, aber immer eine irreprochable Conduite gehabt und mit ihrem Fürsten in der vergnügtesten Ehe gelebt hat; wie sie ihme dann würcklich drei Söhne und fünff Döchter (worvon die jüngste erst im vorigen October auf die Welt gekommen) 108 ) hinterlassen und eben wegen so frequenter Couches ihre Gestalt gar bald, und zwar dergestalten eingebiisset, daß mann ihr bereits einige Jahr vor ihrem Tod kaum die Restes darvon anmercken kunte. Den 20. starbe im 54. Jahr des dermahlen regierenden Fürstens v. Lichtenstein (Josephi Wenceslai) Gemahlin, von Geburt ebenfahls aus dem Hauß Lichtenstein und Dochter des Fürstens Antonii Floriani seelig. 109 ) Sie wäre bereits ville Zeit her sehr kräncklicht, hatte auch von darumen vor ein paar Jahren die Rais nach Spa gemacht und dortigen Brunnen gebraucht. Lezthin aber wurde sie Sammstag in der Nacht von einer so starcken Ohnmacht überfallen, daß mann alle Extrema anwenden müssen, um sie wiederumen zu sich kommen 1753, Jan. 20.—24. 87 zu machen, sofort auch selber (nachdeme sie sich nur in etwas erhöhet) folgenden Sonntag morgens die h. h. Sacramenten öffentlich reichen lassen. Wiewollen sich nun darauf anfänglichen eine Linderung gezeiget, so wäre doch solche von keiner Dauerung und die Patientin verfielle endlichen in so heftige Convulsionen, daß sie zu- lezt sogar ganze Guß Blut aus dem Mund herausgestossen, und nachdeme sie drei biß vier Tage also gelitten, heut gegen Eingang der Nacht ihren Geist aufgeben müssen. Sie hatte in erster Ehe einen Graffen von Thun, welcher an denen Kindsblattern gestorben und seiner Wittib dise Kranckheit (so sie mit viller Gefahr überstanden) angehenget hatte. Von selbem hatte sie kein Kind, von der lezteren Ehe aber nur einen Sohn ge- zeuget, welcher aber sehr jung gestorben; und wäre übrigens eine sehr christlich, gutthätig und vernünfftige Dame, von ihrem Mann jederzeit sehr aestimiret und in denen lezteren Jahren — nachdeme die Schwachheiten und Egarements seiner jüngeren Jahren vorüber gewesen — auf das zärtlichste geliebet, w r ie sie dann auch selben zu ihren Universal-Erben ernennet hat. Heut gegen Mittag hatten wir Conferenz bei Graffen von Ulfeld (mit Zuziehung des mailandischen Groß-Canzlers Conte Cristiani) in der modenesischen Anliegenheit. Übrigens unterblibe für dises Jahr der Kirchengang zu denen Schotten. Den 21., als Sonntags, gienge der Kaiser allein mit dem Ertz- herzog öffentlich zur Capellen. Nach der Zuruckkunft publicirte mein Schwager die drei neu benannte Ministres plbnipotentiaires, Graffen George von Starhemberg, Ernst von Harrach und Carl von Firmian, deren ersterer nach Paris, der zweite nach Turin und der dritte nach Neapel abzugehen haben. Der Marchese Doria, kaiserlicher Cammerherr, welcher nach disen lezteren Hoff ehedessen desti- niret und bereits in petto resolviret wäre, bekamme pour dödommage- ment eine Pension. 110 ) Den 23. unterblibe der dienstägige Hoff-Bal wegen des heut einfallenden Fests Mariae Vermählung. Den 24. Hesse sich die Kaiserin zum ersten Mahl auf der Redoute sehen in schwartzen Domino und machte sich die Unterhaltung, einen von der Gräffin Fuchsin auferziehenden und eines ihriger Unterthanen von Mannerstorff Sohn seienden taub und stumm ge- • bohrnen Knaben mit sich auf den Bai zu nehmen, welcher fast in gleicher Grösse mit dem Ertzherzog Joseph ist, mithin von denen meisten für demselben gehalten worden ist. 88 1753, Jan. 25.—Feb. 2. Den 25. wurde der heutig- feierliche Gottesdienst in der Cammer- Capellen gehalten, weillen der Kaiser in etwas mit einem Schnuppen ineommodiret wäre, der ihn aber nicht verhindert hatte, gestern auf den Bai zu erscheinen. Den 27. starbe an langwühriger Kranckheit und Brust Wassersucht im 71. Jahr der Graff Christian Heinrich von Schönburg, ein Convertit und alter, gutter Freund meines seeligen Vatters. Er wäre Cammerherr, titular geheimmer Rath und angesezter Hoff-Marschall, auch ehedessen Hartschier und Trabanten-Haubtmann von der Kaiserin Frau Mutter höchst seeligen Andenckens. Den 28. gienge der Kaiser nebst dem Ertzherzog Joseph in publico zum sonntägigen Gottesdienst, deme die Kaiserin incognito beigewohnet. Vor der Kirchen hatte der jüngsthin auf kurtze Zeit anhero gekommene, bekante, neue böhmische oder schlesische Fürst Sulkoffsky seine erstere Audienzien bei II. MM. und speiste sodann bei einem grossen Din6 bei mir. Den 30. wurde der dienstägige maschirte Hoff-Bal zum zweiten Mahl gehalten. Den 31. wäre Conferenz bei Hoff in alleiniger Gegenwart des Kaisers in der römischen Königs-Wahlanliegenheit. 111 ) Den 1. Februarii wäre wegen des Ertzherzogs Carl Geburts-Tags grosse Gala und solte abends Appartement sein; weillen aber die Kaiserin mit einem Schnuppen (den sie vorgestern, da sie mit offenen Gläsern spatzieren gefahren, aufgeklaubet hatte) sich ineommodiret befände, so wurde es in der Früh contremandiret. Abends hatten wir Toison-Vesper. Mittags aber kämmen wir bei den Graffen von Ulfeld mit dem chur-pfältzichen Gesanten Baron Beckers conferentia- liter zusammen. Den 2. solte um 10 Uhr die gewöhnliche Andacht bei denen Augustinern gehalten werden, worzu auch bereits angesagt worden wäre. Gestern abends aber gegen 8 Uhr bekamme ich beiliegendes Billet von der Kaiserin, 112 ) zufolge dessen dann der Gottesdienst mit der Colana in der Hoff-Capellen celebriret worden. Die Anecdote diser Änderung wäre, daß unweit des Platzes, wo der Common für den Kaiser in der Augustiner Kirchen gestehet wird, die Schwartzenbergische Grufft sich befindet, mithin die Kaiserin besorget gewesen — da selbe an einem so malignen Zustand gestorben — es dörffte dem Kaiser auch wider seinen Willen eine gäh- linge Apprehension oder Emotion hierüber zustossen, allenfahls auch die Impression Selbsten einen widrigen Effect veranlassen. Nachmittag um 3 Uhr führe selber ohne ihrer zur Säulen. 1753, Feb. 3.—11. 89 Den 3. wäre Conferenz bei Hoff in Gegenwart des Kaisers und geschähe darinnen der Vortrag dessen, so lezthin mit Beckers vorgefallen. 113 ) Den 4. gienge der Kaiser abermahlen allein öffentlich zum sonntägigen Gottesdienst. Eodem starbe an Blattern im 22. Jahr des Graffen Michael von Martinitz ältester Adoptif-Sohn, Decretist Cammerherr und Regiments- Rath, da er eben in Tractaten gestanden, um die Hoff-Dame Freile von Sallaburg zu eheligen. Übrigens wurde auch heut wegen der Ertzherzogin Joannae Geburts-Tags Gala angesagt und selbe von denen Bottschafftern nach dem neu stabilirten Coeremoniali in audientia complimentiret. Den 5. hatten wir die dritte Conferenz vor dem Kaiser in der chur-pfältzichen, in die römische Königswahlsach einschlagenden Anliegenheit. Den 6. wurde als Dienstag maschirter Bai bei Hoff gehalten. Den 7. hatten wir Conferenz bei Graffen von Ulfeld in verschiedenen Hungaricis und Illyricis mit Zuziehung sothaner Stellen. 114 ) Den 8. wäre der erste masquirte Kinderbai von denen jungen Herrschafften, welcher wegen der Unpäßlichkeit der Ertzherzogin Mariae Annae bißhero immer verschoben worden, damit sich die Herrschafften nicht zu sehr erhitzen mögten. Hierbei blibe auch alles nach denen vorigen Ordonanzien und hatte meine Terese die Ehre, eine Gespännin des Ertzherzogs Carl zu sein. Vormittag wäre Conferenz bei Graffen von Ulfeld, in welcher dem Baron Beckers die von II. MM. approbirte Final-Antwort mittelst eines ostensiblen und eines geheimmen Promemoria zugestellet wurde. 115 ) Den 9. unterblibe abermahlen der Kirchengang zu denen Augustinern wegen des heutigen St. Apoloniae Fests. Den 11. wurden nach den sonntägigen öffentlichen Gottes- Dienst, welchem aber die Kaiserin nicht beigewohnet, die zwei Mi- nistri nach Russland und Engelland, und zwar am ersteren Hoff in der Qualitet als Bottschaffter der Graff Nicolaus Esterhasy, und am zweiten des Herrn Reichs-Vice-Canzlers jüngster Bruder Graff Carl, Deutsch-Ordens-Ritter und des Deutschmeisterischen Regiments Obri- ster, auch Cämmerer und wenig Täg hernach promovirter General Major als Ministre plenipotentiaire gewöhnlichermassen durch meinen Schwägern publiciret. 116 ) Anfänglich wäre der Antrag, den Graffen Esterhasy nach Engelland und Colloredo nach Russland zu schicken, allein der Reichs- EtSf^Tr.TiC- 90 1753, Feb. 11.—15. Vice-Canzler wüste den Umstand, daß seinem Brüdern die kalte Petersburger Lufft so tibi angeschlagen, also wohl gelten zu machen, daß mann die erstere bereits genohmene Entschliessung gleichwollen noch umgekeret und den für Graffen Esterhasy eben nicht sehr angenehmen Tausch getroffen. Das Haubt-Motivum, so der Reichs- Vice-Canzler dabei gehabt, mag wohl gewesen sein, an dem englischen, unß in der That am meisten interessirenden Hoff un homme ä la main zu haben, zumahlen in Betracht der mit dem Staats- Canzler fürseienden Abänderung, worbei es ohnedeme bei dessen be- kanten, sehr jalousen und inquidten Gdnie an Uneinigkeiten und Collisionen nicht fahlen wird. Den 12. starb zu Bisentz, in einem completen Alter von 77 Jahren, an zuruckgeschlagenen Podagra mein Oncle Graff Erdmann Christoph von Proskau, welcher bei drei Kaisern: Leopoldo, Josepho und Carolo VI. Cammerherr und sodann bei disen lezteren und unserer dermahligen allergnädigsten Herrschafft würcklicher ge- heimmer Rath gewesen, sonsten aber keine Bedienung gehabt, sondern sich meistens auf seinen Güttern aufgehalten hat. Er hinterlasset nebst seiner meritirsten Frau Wittib zwei Döchter, deren die älteste Carmeliterin zu Neustatt und die andere unsere erste und Doyenne deren Cammerfreilen ist, und einen einzigen Sohn, welcher der lezte von dem Haus noch übrig und annoch im 27. Jahr seines Alters im ledigen Stand, anbei ungehindert das Proskausche Majorat in dem preussischen Antheil Schlesiens lieget, an unseren Hoff bereits seit einigen Jahren als Cammerherr sich attachiret befindet. Den 13. hatten wir Vormittag Conferenz bei Graffen von Ulfeld mit Zuziehung des mailandischen Groß-Canzlers und wurde in selber ratione der bekanten modenesischen Anliegenheit und was dißfahls weiter nach Engelland zu bringen sein dörffte, deliberiret. 117 ) Abends wäre der dienstägige masquirte Bai bei Hoff. Den 14. wäre abermahlen Conferenz bei Graffen von Ulfeld in russischen Sachen und wurde der neu dahin ernante Botschafter mit dazu gezogen. 118 ) Den 15. wäre wiederumen der maschirte Kinderbai bei Hoff, worbei auch die Ertzherzogin Maria Anna — nachdeme sie vormittags zum erstenmahl seit ihrer Kranckheit einige Dames gesehen — erschinen ist und mitgedantzet hat. Jene, so an der Gewissheit, ob dieselbe die wahre Kindsblattern gehabt, zweifflen wollen, wurden hierinfahls fast gesteiffet, zumahlen ich mit Wahrheit sagen kann, daß ich und ville andere nicht den geringsten rothen Fleck in ihrem 1753, Feb. 17.-21. 91 Angesichte abmercken können, da doch dergleichen Marques nach denen Blattern sehr lang zuruck zu bleiben und sich sonderlichen bei spührender Kälte oder einiger Erhitzung sehr sichtbahr zu zeigen pflegen. Den 17. wohnten II. MM. nebst denen älteren zweien Erzherzogen und der Princesse einer bei Graffen von Tarocca dises Jahr von denen nemmlichen vorn Jahr ersehinenen Dames und denen Graffen Durazzo, Sulkoffsky, Schaffgotsch Antoni und meinen beiden Neveux abermahlen producirten theatralischen Repraesentation inco- gnito bei, welche in der Haubt-Piece „Mölanide“ und petite Piece, „le Colinmaillard“ genannt, bestanden, und leztere mit einigen Agrö- ments de chant et de danse accompagniret gewesen. Die Gräffin Clari, so den Röle de Melanide, und Sulckoffsky, welcher den Amanten vorgestellet, haben sich besonders distinguiret, sodann hat mein Neveu Hannß Carl den Röle de paysan in der petite Piece recht d’original exequiret. Den 18. gienge der Kaiser abermahlen allein mit dem Ertz- herzog Joseph, ohne der Kaiserin, öffentlich als Sonntags zur Capellen. Den 19. wohnte ich bei denen Schotten der traurigen Function und Leichbegängnus meines armen Vetters Louis seeligen bei, welcher vorgestern, als den 17., nach einer nur sechßtägigen Kranckheit, im 45. Jahr seines Alters, mit Hinterlassung sechß minderjähriger Kinder von gleicher Anzahl beider Geschlechter (worvon der älteste Sohn und dermahliger Capo unseres Hauses erst sieben Jahr alt ist), an der Lungenentzündung und Steckcatharr dises Zeitliche geseegnet. 1 ' 19 ) Er solle einige Täg mit dem Catharr herumgangen und sogar auf der Redoute sehr starck deutsch gedanzet haben, sich auf seine gutte und robuste Constitution zu vill verlassend. Übrigens waren die Kräfften des Geists denen des Leibs eben nicht gleichkommend. Anbei hatte er von Kindheit an einen Defect am Gehör und muste mann sehr laut von der Brust reden, um von ilime verstanden zu werden; wäre aber sonsten eines ehrlich-aufrichtigen Gemiitlis und kein übler Haushalter, welche leztere Qualitet ihme desto nöthiger wäre, als er wegen fürdauerenden Sequestri des noch von seinem Vattern her obaerirten Fideicommiss nicht mehr denn 15.000 fl. jährlich davon gezogen hatte. Den 20. wäre abermahlen als Dienstags maschirter Hoff-Bal. Den 21. wäre Vormittag Conferenz bei Graffen von Ulfeld, mit Zuziehung des wälschen Raths und des Conte Cristiani, und betraffe das Anbringen deren Deputirten aus dem Walliser-Land. 120 ) 92 i i 92 1753, Feb. 21. Währender Zeit, da wir beisammen sassen, wurde der seit einigen Tagen her an einer Brust-Kranckheit sehr gefährlich darnider- liegende General Feldzeugmeister und geheimme Rath Graff von Schullenburg-Oynhausen (nachdeme er wenige Stund zuvor die Glaubens-Bekantnus abgeleget) mit dem heiligen Yiatico und der lezten Oelung öffentlich versehen. Dise Bekehrung wäre recht ein augenscheinlicher Triumph der wtirckenden Gnad und zuvorderst dem villen Gebett seiner tugendhafften Gemahlin (welche in erster Ehe mit dem Fürsten Joseph von Lichtenstein vermählet gewesen) zuzuschreiben, zumahlen diser meritirte und von dem Militari sowohl, als recht g£n6ralement geliebte Cavallier — wie es die Hannoveraner, seine Landsleuth, meistens zu sein pflegen — auf seinen lutherischen Glauben ungemain versessen wäre und würcklich Tags zuvor noch sich von dem dähnischen Praedicanten die Communion geben lassen. Wie aber die Providenz in ihren Verfügungen öffters so wunder- bahrlich zu handlen pfleget, als muste sich eben schicken, daß erst gemelter lutherische Pfaff sich bei sothaner Function und allem, was er ihme zur Vorbereitung zum Tod theils vorgesungen, tlieils vor- geschwätzet, so maussadement und dalcket angestellet, daß dem Patienten das Gewissen nur mehr beunruhiget und die innerlich füllende Scrupulen zugenohmen haben, also zwar, daß er sofort mit einem catholischen Geistlichen zu sprechen verlanget; und ob er schon auf die erste Unterredung sich nicht fügen wollen, sondern den Praedicanten annoch zum zweiten Mahl hollen lassen, so kunte er doch endlichen denen fortwährenden Regungen der göttlichen Gnad (die durch cordialen Zuspruch seiner zwei gutten Freunden, des Fürsten Joseph Wenzl von Lichtenstein und des mailandischen Groß-Canzlers Conte Cristiani — welch lezterer fast die heutige ganze Nacht bei selben zugebracht — immer lebhaffter wurden) nicht mehr widerstehen, sondern faste auf einmahl den hertzhafften Entschluß, seinen lutherischen Geistlichen wegzuschicken, sich von dem P. Manzador Barnabiten über die Haubtdogmata instruiren und seine habende An- ständ und Scrupulen erläuteren zu lassen, und sofort selbsten die öffentliche Communion zu verlangen, worauf er noch von unserem Herrn Ertzbischoff, welcher sich bei diser so touchanten Function selbsten eingefunden, die Generalabsolution in articulo mortis mit solchem Eiffer und Auferbaulichkeit empfangen, daß nicht allein die Umstehende, sondern ich und ville andere nur bei der Erzehlung des Vorbeigegangenen für Freuden und innerlichen Trost über eine so schöne und fast miraculose Bekehrung sich deren Thränen nicht enthalten können. 1753, Feb. 21.-28. 93 Als ich dises schreibe, ist bei den Patienten noch nicht alle Hoffnung der Genesung verlohren und wünschet wohl alles, so ihn kennet, daß der liebe Gott disen würdigen und geschickten Generalen (welcher villeicht der eintzige, dem mann in Fahl der Noth das r Commando der Arm6e wegen seines S^avoir, uninteressirt-g6nereusen Gemüths und bei denen Officiren sowohl, als gemainen Mann habenden Vertrauens und Zuneigung übergeben kunte) zum allgemainen Besten uns schencken und längers erhalten möge. Abends wohnten die Herrschafften der zweiten Repraesentation der französischen Com6die bei Graffen von Tarocca bei und wurde eine neue petite Piece, les folies du jour genannt, produciret. I. M. die Kaiserin verbliben heut ebenfahls allda bein Soupe und sodann verfügte sich alles zur Redoute. Den 22. hatten wir den lezten masquirten Kinderbai bei Hoff und hatte meine Terese immer die Gnad, eine Gespännin des Ertz- herzogs Carls zu sein. Den 23. wäre Toison-Vesper und den 24. Predig und Toison-Ammt gewöhnlicher Massen in publico. Eodem verstarbe im 51. Jahr, nach langwühriger von zweien Polypis verursachter Brustkranckheit und zulezt zugestossenen Schlägl, * der Graff Wenzl Schaffgotsch, Cammerherr und gewester böhmischer Hoff-Rath und nach der Abänderung mit denen Canzleien gewordener Obrist-Justitz- und würcklicher geheimer Rath, mein alter Bekanter noch von Leyden her und deme die Hoff-Pillerl das Leben verkürtzet, indeme er sich immer Hoffnung gemacht hatte, bei seiner Stelle zu seiner Zeit zu dem Vice-Praesidio zu gelangen, welche ihme aber durch die leztere Promotion des Graffen von Franckenberg vollends abgeschnitten worden. Den 25. wäre wegen des Sonntags öffentliche Capellen, welcher aber die Kaiserin nicht beigewohnet; sodann führe ich zu Graffen von Ulfeld, allwo in den modenesischen und sonstigen von dem Iveith angebrachten Geschafft Conferenz gewesen. Den 26. wohnten II. MM. abermahlen der Comedie bei Tarocca bei. Den 27. wäre der lezte masquirte Hoff-Bal. Den 28. gäbe ich meinen zwei kleinen Mädlen zulieb einen masquirten Kinder-Bal bei mir, in 16 Paar bestehend; selbe danzten in dem Saal und das Soupö wäre in denen grossen Parade-Zimmern gerichtet. Anbei wäre wie eine AssembKe, indeme ich zu erkennen gegeben, daß, wer zusehen wolte, meiner Frauen und mir eine Ehre 94 1753, März 1.-4. (11.) erweisen würde, wordurch also das Haus mit sehr villen Zusehern von Dames und Cavalliers angefüllet worden. Den 1. Martii, au jeudi gras, gäbe die Fürstin von Trautsohn der jungen Herrschafft ein kleines masquirtes Fest dans le goüt de celui de l’ann6e pass6e. Die Kinder maschirten sich zu verschiedenen Mahlen und zulezt zogen sie sämmtlich uniforme chinesische Kleider an, weis und blau, in welchen sie sich zum Soupö sezten. Meine Terese verblibe die Compagne des Ertzherzogs Carl. Eodem verraiste der unlängst von Maintz anhero zuruckberuffene Graff Cobenzl als Commissarius caesareus et etiam regius zur Wahl nach Saltzburg. 121 ) Den 3. kämmen die Herrschafften abermahlen zum Tarocca, allwo von der nemmlichen Compagnie d’acteurs eine neue Piöce, le provengal ä Paris benammset, repraesentiret und hierbei der Röle d’arlequin sous le nom de Frontin von dem unlängst aus dem Theresiano ausgetrettenen Graffen Ignatio von Harrach (dermahligen Secundogenito des seeligen Graffen Friederichs) exequiret wurde; er hatte seinen Part erst gestern abends überkommen und sich mithin sowohl durch das starcke Anstrengen der Gedächtnus als sonstige Bemüh- und Exercirung, um seiner Täche ein Genügen zu leisten, das Geblüt dergestalten echauffiret, daß er den folgenden Tag mit einem starcken Fieber nebst Seitenstechen und zulezt mit dem weißen Friesei überfallen worden, woran er wenige Täge hernach als den 11. dises, im 20. Jahr seines Alters seinen Geist aufgeben müssen. Er wäre ein Zwilling des noch lebenden Graffen Xaverii und von der Frau Mutter auf der Rais zu ihren Mann nach Brüssel unterweegs in dem Schiff auf den Rhein zur Welt gebohren, übrigens vom Leib sehr übl gewachsen und hucklicht, im Gesicht aber von einer schönen, seinem Vattern seelig ähnlichen Gestalt, mit viller Lebhafftigkeit und sonstigen gutten Qualiteten begabet. Den 4., als an Fasching-Sonntag, fuhren die Herrschafften gewöhnlicher Massen en Campagne zur Andacht ins Profess-Haus und nach der Retour hatte der anstatt des verstorbenen von Dewitz anhero geschickte preussische Ministre Fürst von Kupfferherg seine erste Audienzien. 122 ) Abends gäbe der Feldmarschall Batthyan der jungen Herrschafft ein maschirtes Fest, worbei meine Terese, wie dise ganze Zeit her, dem Ertzherzogen Carl zugehörte. Nachhero gienge mann zur Redoute, die heut und morgen (welchen Tags sonsten bei Hoff nichts vorgefallen) biß 7 Uhr früh andaueren dörffte. 1753, März 6.-9. 95 Den 6. kämmen II. MM. nebst der Princesse auf Mittag- zum Tarocca, allwo die junge Herrschafiften gleich nach den Essen ge- danzet; und nach 6 Uhr wurde die lezthinnige Comedie repetiret, bei welcher der Conte Durazzo (der nunmehro dem Graffen Frantz Esterhasy in denen Spectacles und Bai-Sachen per decretum speciale directorii adjungiret 123 ) und sich par preference darumen annihmet) nebst seinen vorigen Role du vieillard auch jenen des damahlen noch kranck gelegenen Harrachs Ubernohmen, zumahlen die Piece so verfasset, daß mann die Apparition sothaner beiden Personnagen zu gleicher Zeit ganz füglich evitiren können. Die Herrschafften giengen gleich nach geendigter Com6die zuruck nach Haus, ohne daß der Kaiser wie sonsten allda soupiret hätte, weillen er bei Zeiten auf der Redoute sein wollen, die heut früher dann sonsten angefangen, hingegen aber sich auch praecise um 11 Uhr geendiget. Den 7. wäre die Ordonnanz um 10 Uhr zu den gewöhnlichen Einäscheren. Zuvor aber hatte der neu angekommene venetianische Bottschaffter Pietro Correr seine erste Particular Audienz bei I. M. den Kaiser und bald darnach sein abraisender Vorfahrer die lezte Privat-Abschieds-Audienz bei beiden Mayestätten; weillen er aber bereits zu End seiner Ambassade in Franckreich von dem dortigen König zum Cavalliere gemacht worden wäre, so hatte der Kaiser das nemmliche mit ihme wie mit dessen Antecessor Diedo nicht zu observiren. Den 8. wäre Conferenz bei Hoff in Gegenwart beider Mayestätten, betreffend zuvorderst ein mit Russland, Engelland und Chur Sachsen über dermahlige uns sammtlich interessirende Umständ zu nehmendes gemainsammes Concert. 124 ) Den 9. hatte nach halb 10 Uhr der neue venetianische Bottschaffter ebenfahls seine erste Audienz im Spieglzimmer bei der Kaiserin als Königin und solte selbe nach den Coeremoniali sofort auch bei sämmtlichen jungen Herrschafften haben; weillen aber die älteste sich etwas unpäßlich befanden, so musten dise Audienzien spätter hinaus verschoben werden, mithin empfienge er erst nach Josephi die erste Visiten. Heut helle eben das Fest des heiligen Bluts ein, folglich gienge die Kaiserin, weillen der Kaiser mit einem Schnuppen incommodiret wäre, allein nebst der Princesse in publico, jedoch ohne Bottschaffter und in campagna in das königliche Closter, und wurde auch das Din6 en public, so alle Freitag (die mittwöchige Andacht wurde immer incognito in der Josephi-Capellen celebriret) gleich den Kirchen- 96 1753, März 11.—19. gang gehalten werden sollen, wie auch das Appartement für heut contremandiret. Den 11. wäre öffentlicher Gottesdienst wegen des Sonntags, nach welchen ich zu Graffen von Ulfeld gienge, um einer Conferenz in mixtis beizuwohnen. Den 12. hatten wir Conferenz bei Hoff in Gegenwart beider kaiserlichen Mayestätten, worinnen die lezthin resolvirte Expeditionen nach Russland abgelesen und expediret wurden. 125 ) Den 13. wäre wegen des Ertzherzogs Josephs Geburts-Tags grosse Gala, öffentliche Taffel in Mantelkleid, worbei auch der Nun- cius apres quelques explications mit mir und dem Hoffmarschall (weillen der bisherigen Gewohnheit nach die Bottschaffter bei der Taffel nicht aufzuwarten pflegen, wann nicht zuvor Capellen gewesen) aus Attention für die Kaiserin — die es durch mich an ihrne kommen lassen — seine Aufwartung gemacht, und abends Appartement. Den 16. gierigen II. MM. wegen des Freitags öffentlich zur Capellen; das öffentliche Mittagmahl aber und Appartement unter- blibe, weillen beides bereits an des Ertzherzogen Tag gehalten worden. Den 18. wäre öffentlicher sonntägiger Kirchen-Dienst, nach welchen der von Dresden — um, wie es geheissen hat, seine Cour za machen, in der That aber wegen geheimmer, Preußen betreffender Commissionen — anhero gekommene dortige englische Ministre Che- vallier Williams 126 ) seine erste Audienzien bei II. MM. gehabt hat. Eodem kämmen in vigilia Sancti Josephi die Cavalliers aus dem Collegio Theresiano den Ertzherzogen complimentiren, worbei ein Graff von Wallis, Sohn des siebenbürgischen Gouverneurs, die Anrede gemacht. Den 19. giengen die Herrschafften öffentlich zur Capellen, wornach ich wegen Unpäßlichkeit meines Schwägern den Feldmarschallen Graffen von Cordua als neu ernannten Presidenten des Hoff-Kriegsraths in judi- cialibus publicirte. Dise Neuigkeit wäre eine Folg des dermahligen Systematis, nach welchen die Kaiserin bei allen Stellen die Judicialia a publicis separiret, mithin die Bellica dem Graffen von Harrach zuruckgelassen, die Justitzsachen aber disem neuen Presidenten (welchem sie ein besonderes aus verschiedenen Rathen zusammengeseztes Di- casterium untergeben) lediglich als einem Capo eines abermahligen neuen Hoffmittels, deren ohnedeme in sehr grosser Anzahl vorhanden seind, committiret und anvertrauet hat. 127 ) Der heutige Gala-Tag wurde übrigens wie der leztere mit einem öffentlichen Dine en habit de manteau und Appartement celebriret, 1753, März 21.—April 1. 97 in welch- lezterem aber der Kaiser sich nicht lang venveillet und dafür zu meiner Schwester gefahren, um den Abend ihres heutigen Nahmens-Tag bei selber en petite compagnie d’amis zuzubringen. Den 21. fuhren II. MM. nebst der Princesse Charlotte zu denen Schwartzspanniern gegen 11 Uhr en Campagne wegen des heiligen Benedieti-Fests. Nach der Retour verfügte ich mich zu Giraffen von Ulfeld, allwo Conferenz wäre, erstlich mit Zuziehung des Hoff-Secre- tarii, so die Adjustirung des Ertzherzogs Josephs Wappens und Titulaturs betraffe, sodann aber inter nos zu Berichtigung deren nach Spannien auf die leztere Migazzischen Berichte zu erlassender Expeditionen. 128 ) Den 23. wäre der freitägige öffentliche Kirchengang ohne Dine publique und Appartement, massen wiederumen beides allschon an Josephi Tag gehalten worden wäre. Den 24. wäre Conferenz bei Giraffen von Ulfeld und wurde über die leztere Anbringen deren englischen Ministres Keith und Williams ratione deren engelländischen Verlangen in Russland (so auf Erlangung dortiger Trouppen gegen Subsidien gestehet seind) und worzu sie unsere bona officia begehren, deliberiret. 129 ) Den 25. hatten wir öffentliche Kirchen wegen des Sonntags und Nachmittag Toison-Vesper wegen des auf morgen transferirten Mariae Verkündigung Fests, welches den 26. gewöhnlicher Massen früh um 10 Uhr in der Loreto- Capellen bei denen Augustinern mit Toison Ammt und secundis Vesperis, sodann Nachmittag um halber 5 Uhr mit dem gesungenen Completorio bei der Säulen auf den Hoff celebriret wurde. Den 30. wäre als Freitags öffentliche Capellen, Taffeidienst im Mantel und Appartement, welch allem ich aber wegen eines Catharrs nicht beiwohnen können, sondern meinem Schwägern pro hodie mich zu suppliren ersuchet habe. Den 31. gienge ich in der Früh wieder zum Kaiser zu Hollung deren Ordonanzien, wiewollen es mit meinem Catharr noch nichts besser wäre und selber mich ganz gnädigst von dem Dienst ferners dispensiren wollen. Den 1. Aprilis wäre wegen des Sonntags öffentlicher Gottes- Dienst und mann zöge auf 6 Wochen die kleine Cammer-Trauer an für die zu Ruremonde nach bereits vor villen Jahren angenohmenen catholischen Glauben im 84. Jahr verstorbenen Princessin von Wolffen- buttel, Henriette Cristine, I. M. der Kaiserin Groß-Tante mütterlicherseits. 130 ) Khevenhüller-Schlitter, 1752—1755. 7 98 1753, April 1.—12. Abends nach 7 Uhr kämme der Kaiser meine Frau zu besuchen, und zwar mit einer solchen Surprise, daß ihn mein Thorsteher nicht gleich erkant und er wtircklichen die grosse Stiegen (als auf welcher Seiten, weillen die Gräffin sich sehr retiriret gehalten, die Zimmer gesperret waren) umsonst hinaufgestigen und wiederumen zuruck über den Hoff und die kleine Treppen hinaufgehen müssen. Meine Frau hatte noch im Fasching einen Catharr bekommen, selben aber gar nicht abwarten wollen, wordurch dann nachhero eine Alteration dazu geschlagen, also daß mann ihr auf dem Fuß Ader lassen und sie fast seit anfangs der Fasten das Haus und Zimmer hüten müssen. Vermuthlieh hatte auch ich meinen Brustcatharr der zuweillen in ihrem Appartement zu starck gewesenen Wärme zu dancken, da ich die Abend und meiste müssige Stund immer bei ihr zugebracht, mithin wegen deren Hoff-Bedienung und in der Fasten so frequenten Capellen beständig aus der Kälte in die Hitz und vice versa gekommen bin. Den 2. fuhren II. MM. nebst denen sieben älteren jungen Herrschafften zu denen Paulanern wegen des heutigen Fests ihres heiligen Ordensstiffters. Es wurde auch dem Nuncio angesagt und in cam- pagna. Abends um halb 6 Uhr wäre die Ordonanz im Mantel zur Vigil und den 3. um 10 Uhr zu denen Exequien für die obbemelte abgelebte Wolffenbuttelische Prineessin in der Hoff-Capellen in publico und nebst Erscheinung des Nuncii. Den 6. wäre abermahlen öffentlicher Kirchen- und Taffel-Dienst nebst Appartement; weillen mir aber mein lezterer Ausgang nicht wohl bekommen, die Husten auf der Brust sehr starck continuiret, mithin der Docter Zwenghoff, mein Ordinarius, mir von neuem den Haus-Arrest angekundet, so kunte ich weder heut noch den 8., als an schwartzen Sontag, meinen Dienst verrichten, sondern muste der alten Gewohnheit nach den ältesten Cammerherrn substituiren, weßfahls die Reihe den Graffen Antoni von Althann (sogenannten Kruspacher, von dem Nahmen seiner Herrschafft in Mähren) traffe, zumahlen der Doyen des chambellands, Graflf Albert von Althann theils wegen des bedienenden Obrist-Silber-Cämmerer-Ammts, theils, und zwar fürnemmlich wegen seines betrübten melancol- und hypocondrischen Zustands, der ihn gänzlich hors de commerce setzet, nicht wohl im stand gewesen wäre, mich behörig zu vertretten. Den 12. gienge die Kaiserin allein öffentlich zu der Andacht deren 13 Predigen in die Josephi-Capellen, als welche lediglich den Stern-Creutz-Orden angehet, mithin auch der Kaiser nicht mit er- 1753, April 13.—19. 99 scliinen ist. Mein Catharr ließe mir noch nicht zu, bei den anhaltenden regnerischen und kalten Wetter nach Hoff zu gehen, wie ich mich dann auch von verschiedenen, theils in mixtis, theils in transylvanicis gehaltenen Conferenzien entschuldigen inuste. Den 13. unterblibe das freitägige Appartement wegen der schwartzen Wochen. Den 15. gienge die Kaiserin allein zur Palm-Weich und übrigen gewöhnlichen Andacht bei denen Augustinern, indeme der Kaiser sich gestern zur Ader lassen müssen und darauf heut Medicin ge- nohmen, weßwegen auch ich — obschon meine Gesundheit noch nicht hergesteilet und ich dahero von dem Kirchendienst ausgeblieben — mich während dessen nach Hoff verfüget, um den Kaiser zu sehen, welchen ich in der That sehr niedergeschlagen und indisponiret gefunden, avec des envies de vomir et etourdissemens de la tete; nachdeme aber die Medicin endlichen durchgedrungen und ihre Operation zu machen angefangen, so wurde ihme sogleich leichter und die Nacht hierauf vill ruhiger, also zwar, daß ich den folgenden Morgen ihn schon wiederumen mit dem Baron Pfütschner gewöhnlicher Massen arbeitend angetroffen; und weillen das Wetter sich seit ein paar Tägen wiederumen auszuheiteren und aisgemach wärmer zu werden angefangen, als Hesse er sich nicht abhalten, Dienstags, als den 17., die Hernalser-Wahlfart zu Fuß hinaus zu verrichten, von welcher ich mich aber dispensiret und den Graffen Althann von Kruspach anstatt meiner mitgehen lassen. Den 18. aber und die übrige Tage wäre ich bei allen Andachten immer Selbsten wieder zugegen, zumahlen — gleich wie vorn Jahr bereits angefangen worden — sowohl das heutige Passions-Ammt als die Pumpermetten heut und die folgende zwei Täge in der grossen Hoff-Capellen gehalten worden, mithin (da kein heiliges Grab darinnen aufgerichtet wurde) das gesungene Miserere an Gründonnerstag und das Stabat Mater an Charfreitag für dises Jahr wiederumen eingestellet gebliben ist. Den 19. verrichteten beide kaiserliche Mayestätten mit denen zweien älteren Ertzherzoginnen (weillen der Ertzherzog Joseph einen geschwollenen Packen hatte) und der Princesse die öffentliche Com- munion und nach vollendeter übrigen Andacht die alljährliche Fuß- Waschung gewöhnlicher Massen der Kaiser in der Ritterstuben und die Kaiserin in der ersten Anticamera. Eodem kämme der Graff von Kaunitz von seiner französischen Bottschafft zuruck und hatte nach der Fußwaschung sofort seine 7* 100 1753, April 20.-25. Audienzien. Der Fürst Esterhasy wäre ebenfalls yerwicbenen Monntag von seiner Ambassade zuruck allhier eingetroffen. 131 ) Den 20. wohnten beide kaiserliche Mayestätten nebst denen nemmlichen zweien Herrschafften der Passions Andacht und Adora- tioni crucis bei. f Den 21. hingegen verrichtete der Kaiser allein die Stationen bei denen heiligen Gräbern und besuchte deren 19 an der Zahl mit einigem Unterschied von vorigen Jahren, indeme nach der heuerigen von ihme auserwählten Liste wir anstatt des deutschen Hauses, St. Nicolas und Ursulinerinnen, biß in das untere Collegium deren Jesuitern und zu denen Dominicanern und Jacoberinnen kämmen, folglich von 7 Uhr an (da die Ordonnanz wäre und nach welcher wir nur um ein Viertlstund spätter ausgiengen) biß gegen halb 11 Uhr herumwanderten, da erst das Ammt bei denen Augustinern angefangen. Abends gienge selber wieder allein zu denen lezten fünff Geheimnuspredigen und Auferstehung, welche leztere Function lediglich bei denen Augustinern und nicht wie vormahlen sodann auch in der grossen Hoff-Capellen gehalten worden, weillen bereits gemelter Massen darinnen kein heiliges Grab aufgerichtet wäre und — was die gutte, alte Leuth am meisten betrübet — anstatt deren vor Alters gewöhnlichen vier Gräbern heuer nur ein einziges, nemmlichen in der ^ Josephi-Capellen aufgestellet worden. Den 22., als an heil. Ostertag, kämme vor der Kirchen um 10 Uhr der venetianische Bottschaffter (der russische Hesse sich Unpäßlichkeit halber entschuldigen) und nach selber der Nuncius die Feiertäg-Compliment ablegen. II. MM. fuhren beide nach St. Stephan und der Tatfel-Dienst wäre in der Kitterstuben; und weillen mein Schwager bereits seit einiger Zeit zu Nicolspurg sich abwesend findet, so muste ich mit Vortragung des Obrist-Hoffmeister Stab so- thanes Ammt vertretten, wie ich es bereits ehedessen einmahl ge- than habe. Um 5 Uhr wäre Toison-Vesper und sodann das lezte Appartement in der Statt vor der Villegiatura. Den 23. wohnten II. MM. beide der Predig und dem Toison- Ammt in der Hoff-Capellen bei; kein Taffeidienst wäre aber nicht und nachmittags gienge der Kaiser abermahlen allein wie gestern zur Vesper, desgleichen # den 24. zu dem vormittägigen Gottes-Dienst und abends zur ersten deutschen Comödie nach der Fasten. Den 25. waren II. MM. nebst sämtlichen Herrschafften bei der Wiedereröffnung des französischen Theatri, worauf der Medisant 1753, April 26.—Mai 2. 101 und Crispin rival de son maitre nebst zwei neuen Ballets produciret wurde und sich sowohl neue Acteurs und Actrices als auch Danzer und Danzerinnen sehen Hessen. Nach der Comedie fuhren dieselbe nebst der Princesse et la suite ordinaire nach Schönbrunn, um den * Sominer-Sdjour anzutretten. Den 26. führe ich Vormittag in die Statt zu einer Conferenz, welche mit Zuziehung des Conte Cristiani in der modenesischen Anliegenheit bei Graffen von Ulfeld gehalten worden, und welcher Graff von Kaunitz anwiederumen beige wohnet. 132 ) Abends kämmen die Herrschafften wieder herein in die französische Com6die, allwo la gouvernante et l’ecole des meres (du sieur Marivaux) gespillet wurde. Den 27. muste ich wiederumen in die Statt zu einer bei Graffen von Ulfeld wegen Ratification des in der ost-friesischen Recurssach eingeloffenen Reichs-Guttachtens gehaltenen Reichs-Conferenz. 133 ) Den 28. verfügten sich II. MM. nebst der Princesse auf eine Parforce-Jagd in die Hoch-Leiten. Den 29. hatten wir den Gottesdienst zu St. Stephan ob festum dedicationis und II. MM. bliben sogleich in der Statt zu Mittag und giengen abends in die französische Comedie, allwo die Pieces Poly- eucte et Fapparence trompeuse gespillet wurden. Den 1. Maji hatten wir als am Apostel-Tag den ersten publiquen Kirchendienst zu Schönbrunn. Den 2. wäre Conferenz bei Graffen von Ulfeld; weillen aber die Materiae ad deliberandum nicht genugsamm praepariret waren, so wurde die Session aufgeschoben. Mittags speiste ich in der Statt und celebrirte mit meinen angehenden Gegen-Schwehern den heutigen Nahmens-Tag meines Sohns in Spannien. Diser abgeredeten Heirath halber werde ich, geliebts Gott, zu seiner Zeit ein mehreres anmercken; indessen habe dahier vorläuffig nur mit wenigen en passant melden wollen, daß ich noch in der Charwochen von unserem lieben Fürsten Emanuel von Lichtenstein und seiner hertzig- und würdigsten ältesten Docliter (Fürstin Amalia) in Geheim das Jawort für meinem Sohn erhalten und sogleich vor allen anderen I. M. dem Kaiser als meinen alten, f. gnädigsten Herrn hiervon die vertrauliche Eröffnung gethan habe. I. M. der Kaiserin (weillen sie damahlen wegen der heiligen Zeit meistens retiriret wäre) kunte meine Frau und ich erst an Oster-Sonntag sprechen; jedoch wäre sie vom Kaiser schon prae- veniret und haben beide Mayestätten nicht allein unsere getroffene 102 1753, Mai 2.-3. Auswahl gnädigst approbiret, sondern noch anbei vill güttiges und rühmliches von unserer Gedenckens-Art gegen unsere Kinder und derenselben gutte Eigenschafften und Neigungen zu melden geruhet. Und weillen die Mutter ohnedeme keinen Lust mehr gehabt, den Sigmund noch einen Sommer der ungesunden Madrider-Lufft, welche ihme bereits vorn Jahr nicht allerdings anschlagen wollen, zu expo- niren, und dise ihre Inqui6tu.de der Kaiserin offenhertzig zu erkennen gegeben, so wurde sie noch fernere bewogen, mir auf die gnädigste Art beizufügen, wie sie Selbsten für gutt befände, daß wir ihn bei disen Umständen nicht länger in Spannien lassen sollen, deme zu Folg ich ihme sogleich den Befehl iiberschriben, daß er womöglich noch im Junio auf brechen und den Weeg nach Turin nehmen solle, als wohin ich ihme seinen Brüdern Hanß Joseph entgegenschicken und von dannen beide weiters miteinander die Tour von Italien machen lassen wolte. 134 ) Den 3. gienge die Kaiserin nebst denen älteren zweien Erzherzoginnen und der Princesse öffentlich zur Capellen, ohne dem Kaiser, um als Chef des Stern-Creutz-Ordens dem heutigen Festo patrocinii beizuwohnen, und Nachmittag wurde die Vesper ebenfahls in publico gehalten, während welcher die Ertzherzogin Maria Christina in eigener Persohn, nebst der Princesse neuen Obrist-Hoffmeisterin (Marquise de Lenoncourt, nee Marquise de Ligneville) — die aus alter Neigung für die Princessin, ungehindert ihres wohl 60jährigen Alters aus Lothringen zu Bedienung diser Charge anliero gekommen — und noch einig- wenig- anderen neu aufgenohmenen und durch so ville Hoff-Dames supplirten Candidatinnen das Ordens-Creutz aus denen Händen des hierbei pontificirenden wiennerischen Herrn Ertzbischoffs genohmen. Gegen 7 Uhr verfügten sich sodann II. MM. nebst denen älteren drei jungen Herrschafften, der Princesse und übrigem (in margine bemerckten)*) Gefolg nach Laxenburg, um durch einige Täge allda zu sbjourniren. Wir stigen in dem unteren Haus ab und sou- pirten allda, nachdeme die Kaiserin sich retiriret und in das alte Schloß (allwo die Wohnungen meistens wie vorn Jahr ausgetheilet wurden) gefahren wäre. Übrigens verblibe alles auf den vornjährigen *) Personale: II. MM., Auerspergische, meine Frau und ich, Trautsohni- sclie, Batthyanische, Maclame Lenoncour, 3 Cammerfreile von Dienst, eine von der Kaiserin, die Berthold und 2 von denen Ertzherzoginnen, Goes und Scliirn- ding nebst 5 Hoff-Dames, Norbert Trauttmanstorffische, Taroccaisclie, Obrist Kuchlmeister Ogara, die zwei Cammerlierren vom Haubtdienst und d’extraordi- naire, der Quinquin Esterhasy und Chevalier Kinsky. 1753, Mai 4.-7. 103 Fuß, ausser daß anstatt des Freitags der Donnerstag für den Courtag bestimmet wurde. Den 4. wäre um 7 Uhr Ordonnanz zur Baitz, worbei die Kaiserin, immer mit zu Pferd gewesen. Nach der Retour hatten wir Conferenz in des Kaisers Retirade in der modenesischen Sach, welcher aber die Kaiserin wegen der bevorgestandenen Revolution und Abänderung der Staats-Canzlei nicht mit beiwohnen wollen. 135 ) Nachmittags verfügten wir uns wieder auf die Baitz. Den 5., weillen das Wetter sehr stürmisch worden, mithin die Baitz nicht zugelassen, so divertirte sich der Kaiser auf dem Mail; und da die Kaiserin heut nachts eine kleine Colica gehabt, so speiste selbe nicht mit uns und verfügte sich alles nachmittags in das Schloß, allwo mann auf des Kaisers Seiten in der ersten Anticamera gespillet. Die Kaiserin fände sich wieder so gutt hergestellet, daß sie mit an Pharaon-Tisch gesessen und folgenden Morgen als den 6. bereits vor halb 7 Uhr in dem Lusthaus auf der Hahnen- wisen sich mit eingefunden, allwo unser berühmter Matliematicus P. Frantz S. J. seine Tubos und übrige nöthige Instrumenta auf allerhöchsten Befehl aufgerichtet hatte, um die heut einfallende Conjunc- tionem Solis et Mercurii observiren zu können. Nach 11 Uhr fuhren II. MM. in die Pfarr, um dem heut sonntägigen Hoh-Ammt (worbei die Falckner ihre Music hören lassen) beizuw T ohnen. Die Kaiserin speiste abermahlen im alten Schloß allein, weillen sie mit dem Aufbutz nicht fertig worden, verfügte sich aber gleich nach den Essen zu der übrigen Gesellschafft in den Sinzen- dorffischen Garten, -gäbe allda Audienz und um 4 Uhr führe sie mit denen jungen Herrschafften auf die Baitz, wohin der Kaiser und die männliche Suite gewöhnlichermassen zu Pferd begleitete. Nach den Spill und Zuruckkunfft von der Baitz gienge mann in das erst kiirtzlick und in sehr wenig Wochen am End des sogenannten Hoffgartens, gegenüber des Sinzendorffischen Hauses von Stain und recht liertzig erbaute neue Theatrum, allwo die wieder eigends anhero beruffene französische Trouppe: l’enfant perdu nebst zwei neuen Balleten produciret; und wurde (weillen es der Raum genugsamm zugelassen) allen Cavalliers und Dames, so das Appartement frequentiren dörffen, erlaubet, heut und iiberhaubt alle Cour- Tag dabei zu erscheinen. Den 7. waren wir früh auf der Baitz, Nachmittag aber nähme das stürmische und windige Regenwetter also zu, daß mann zu Haus bleiben und den Tag mit Spillen zubringen, ja sogar den folgenden Tag als 104 1753, Mai 8. den 8. den Entschluß fassen muste, die junge HeiTSchafften wieder zurück nach Schönbrunn zu schicken, zumahlen der Ertzherzog hei der gestrigen Repraesentation des Curieux impertinent sich oline- deme wegen der Kälte nicht allerdings wohl befunden. Anheut hatte ich die Gnad, von I. M. der Kaiserin eigends be- ruffen zu werden und aus dero Mund die allergnädigste Zusag zu erhalten, daß selbe mir ein Adjuto von 4000 fl. jährlich verwilliget, worbei sie in denen güttigsten Äusserungen fast eine Entschuldigung gemacht, daß sie wegen Uberhäuffter Auslaagen mir so wenig geben könte. Dise gnädigste Art zu gehen wäre mir in der That auch vill lieb- und werther als die Gab Selbsten; dann es mir haubtsäch- liclien darumen zu thun wäre, der Welt einiger Massen zu zeigen, daß mann mit meiner wenigen Persohn und Diensten zufrieden seie und anmit in einer Zeit, da Fürst von Auersberg (welcher eben unlängst 4000 fl. Pension erhalten), Ulfeld und noch ein- und andere gratificiret worden, auch auf mich einige Reflexion ge- worffen habe. Freilich wird mich dise Zulag nicht vill reicher machen und hätte ich derselben (ungehindert der nammhafften Schwächung meines Vermögens, als welches tlieils durch die grosse Franckfurter Depen- sen, theils durch die neue Einrichtungen in internis und anmit ge- stigene Contributions-Unkosten sehr vill eingebildet) endlichen wohl noch entbehren können. Wie dann auch meine erste Idee wäre, mir hei Gelegenheit des Graff von Ulfeld Benennung zur Obrist-Hoffmeister- Stelle eine andere Gnad, und zwar die Erhebung zur fürstlichen Würden auszubitten und andurch bei meiner Famili und Nachkommen- schafft eine Gedächtnus meines Kähmens zu stifften; allein bei reifferer und ohne Vorgriff menschlicher Affecten beschehener Überlegung fände ich dennoch eonvenabler (zumahlen bei erwachsenden Jahren meiner Kinder, mithin auch anwachsenden Auslaagen für ihre Stabilir- und Versorgung), auf die Erlangung einiger Zubuß zu meinem ohne- deme sehr geringen und nur auf 2500 fl. sich belauffenden Gehalts anzutragen, worbei ich noch die fernere und zwar nicht weniger erhebliche Absicht gehabt, beide kaiserliche Mayestätten von dem immer gehabten Wahn (si j’ose le dire ainsi) und Vorurtheil, als ob meine Frau Millionen von ihrem Vattern ererbet hätte, einmahl zu desabusiren, als wordurch sie (wie es leider bis nunzu geschehen wäre) noch ferners und immer abgehalten worden wären, uns werck- thätige Proben ihrer Generositet und Munificenz gleich villen anderen (welche es, wann ichs aufrichtig sagen darff, vielleicht nicht so wie ich verdienet) verspühren zu lassen. 1753, Mai 8. 105 Zwei gutte Freund haben mir dißfahls getreulich gedienet, deren Nahmen ohne Undanckbahrkeit (und damit meine Kinder es mit Zeit und Gelegenheit denen ihrigen wiederumen vergelten mögen) ich hiermit mit schuldigstem Danck errinnere; dise waren der Cabinets- Secretari Baron von Koch, welcher gewißlich keine Gelegenheit, mir einigen Dienst leisten zu können, aus Händen gelassen, und der Graff oder dermaklige Duca de Sylva Tarocca, dessen Credit sich nicht allein nicht geminderet, sondern so weit nun gestigen, daß mann ihn in der That als ami de lTmperatrice ansehen kann; wie ich dann aus seinen mir in engestem Vertrauen vorgezeigten Original- Billet (so er wegen meiner der Kaiserin geschriben) Selbsten ein und andere Passage herausgelesen, welche mich ganz deutlich überwisen, daß die Kaiserin ihn in die Stelle der alten und täglich mehr abnehmenden Gräffin Füchsin surrogiret, mithin als den vertrautesten Freund angenohmen und declariret habe, welchem sie das innerste ihres Hertzens entdecket und hingegen auch erlaubet, ja sogar (wie er mir in Geheimm eröffnet) sub juramento aufgetragen, alles zu ihren Dienst Vorfallende oder sonsten beliebige offenhertzig zu melden. Bei diser Gelegenheit spräche die Kaiserin auch mit mir von der damahlen bevorgestandenen Promotion und Installation des Graffen von Ulfcld und meldete ganz gnädigst, wie sie gern sehen würden, wann ich dise leztere wiederumen thun mögte; also zwar, daß sie mir sogar erlaubete, aller Orthen bekant zu machen, daß ich mich diser Function bloß aus der Ursacli, weillen I. M. es von mir verlanget, unterzogen hätte, damit der neue Obrist-PIoffmeister es nicht etwann als eine Schuldigkeit ansehen mögte; zumahlen (wie aus dem Hoff-Protkocoll erhellet und ich es beiden Mayestätten Ammts-Pflichten halber errinneret) bei der Installation des Obrist-PIoffmeisters Fürsten von Trautsohn der damaldige Obrisf Cämmerer Graff von Sinzendorff sich eigends auf das Land begeben und die Vorstellung durch der Kaiserin Obrist-Hoffmeistern, Fürsten von Cardona, geschehen. Es ist zwar nicht ohne, daß diser Vorgang seine besondere Anecdote hat, indeme Graff v. Sinzendorff sich in der That aus Disgusto eloigniret, umwillen ihn der Kaiser wider das gegebene Wort praeteriret haben solle und er von darinnen auch nachliero (wie mann versicheret) pro reconciliatione 100.000 fl. baares Geld überkommen, wo ich im Gegentheil mich niemahlen um die Obrist-Hoffmeister Stelle in förmliche Competenz gesezt, weder es zu thun meiner Convenienz gefunden habe. Allein da mann dergleichen Anecdoten in die Pro- thocolla nicht aufzeichnet, noch annotiren kann, so wäre ich allerdings befugt, mich an dessen claren Buchstaben und den darinnen 106 1753, Mai 8.—11. bemerckten, gar nicht entferneten Vorgang zn halten, und zwar um so billiger, als ich bereits einen Obrist-Hoffmeistern vorgestellet und es endlichen dem Obrist-Cämmerern nicht verdencket werden kann, wann selber eine solche Function zu evitiren suchet, wo er sich certo modo immer selbsten ein Capo vorsetzet, welch leztere Betrachtung hei den Graffen v. Ulfeld desto stärckern Platz greiffet, als er (so zu sagen) als ein Fremmder respectu uns sämtlicher Hotf-Ämter anzu- sehen, weillen er niemahlen dergleichen Officium bedienet, sondern vix inaudito exemplo aus dem Ministerio zur Obrist-Hotfmeister-Stelle heriibergekommen, so weder von dem Fürsten v. Trautsohn, noch von dem Graffen v. Königsegg gesagt werden können. Übrigens wäre nachmittags, weillen das Wetter sich in etwas ausgeheiteret, dennoch Baitz und au retour die Tragödie: le comte d’Essex, und pour petite piece: le Frangois ä Londres, worbei ä sa fagon remarquable ist, daß der nemmliche Acteur Sr. Ribou sowohl die tragique als comique Personnage in beiden Rölen mit gleicher Perfection vorgestellet. Den 9. waren wir früh und nachmittags auf der Baitz und abends wurden die zwei kleine Comedien: le consentement forcö und Fepreuve reciproque gespillet. Den 10. ritte der Kaiser bereits um 6 Uhr streiffen; die Kaiserin kämme mit denen Dames gegen 8 Uhr nach auf das grüne Lusthaus, von wannen mann gegen 11 Uhr zuruck auf Mittag nach Schönbrunn führe. Den 11. wäre Conferenz zu Schönbrunn in Gegenwart des Kaisers. Die Kaiserin wolte wegen der bevorstehenden Abänderung in ministerio nicht dabei erscheinen; selbe wäre sehr wichtig und betraffe den Schluß der Handlung mit Modena, welche (durch die eben eingelangte Nachricht, daß,der jüngsthin gebohrne Printz wiederumen verstorben) nunmehro mit vollem Eiffer betriben wurde; 136 ) und weillen sich ein und andere Anstände ratione subscriptionis der zu schließenden Convention geäusseret, so führe ich selbsten gleich nach der Conferenz in die Statt, um in dem sogenannten Schatzgewölb,*) welches unter eines zeitlichen Obrist-Hofifmaisters und Obrist-Cäm- merers beiderseitiger Verwahrung stehet und worinnen die wichtigere Hausschrifften in zweien von ohbesagten beiden Ministris versigillirten *) Dises Schatzgewölb ist nach der Hand völlig ausgeläret und alles, so von Schrifften und Urkunden darinen befindlich'gewesen, in das neu aufgerichtete Hauß-Archiv, worüber der Baron von Bartenstein und unter disem der von Rosenthal als Archivarius die Direction bekommen, transferiret worden. 137 ) 1753, Mai 11.—13. 107 großen Kästen aufbehalten werden, ein und andere dahin einschlagende Instrumenta nachzusuchen, womit ich fast um mein Dine gekommen bin und selbes erst nach 4 Uhr eingenohmen. Eodem wurde die in vorigem Krieg weggenolimene cliur-bayeri- sche Artillerie, welche die Kaiserin dem Churfiirsten bei dermahliger gutter Einverständnis aus Generosite zuruckgegeben, die Donau hinauf nach Bayern zuruckgeftihret. Den 12. starb im 53. Jahr an apoplectischen Zustand der Vice- Präsident der Obrist-Justitz-Stelle Graf Otto von Franckenberg mit Hinderlassung einer jungen schwangeren Frauen und viller unversorgter Kinder. 138 ) Dessen Stelle wurde bald darauf dem ältesten Rath auf der Herrn-Banck, Gr. Michael Johann Althann, verlihen, so einer deren ältesten Toisonisten und seit einiger Zeit schon würcldicher geheimmer Rath, ansonsten der älteste Sohn des seeligen Favoriten Caroli VI. und nachhero auch an statt des verstorbenen Gr. von Schönburg angesezter Hoffmarschall geworden. 139 ) Eodem legte der Baron von Bartenstein das Jurament als geheimmer Rath ab, und weillen bei dergleichen Actu selber bißhero als Staats - Secretari die Eids-Notl vorgelesen, so substituirten I. M. zu diser Function der Vorlesung den gewesten Hoff-Cammer- und der- malhigen Directorial-Rath, den älteren Baron von Koch, weihen diser fast der älteste Hoff-Rath ist. 140 ) Den 13. wurde meine Frau bei anbrechenden Tag von Schönbrunn zu unserer Dochter (der Herberstein) beruhen, welche bald nach 6 Uhr mit einem Sohn entbunden worden. Der Kaiserin meldete ich es alsogleich mittelst eines Billets, worinnen den Umstand zu re- leviren nicht vergessend gewesen, daß die Niederkunfft sich eben an dero heutigen glorreichen Geburtstag ereignet. Und weihen die zwei in privato stehende Bottschaffter Kayserling und Correro, und zwar ersterer um 9 und lezterer um 10 Uhr bestehet waren, so hatte ich noch Zeit, eine kleine Excursion zur Kindlbetterin zu machen. Ansonsten hatte es mit disen Audienzen den Umstand, daß auf Verlangen des russischen Bottschaffters ihme (folglich auch dem venetianischen, deme es ebenfahls anständiger wäre) eine besondere Stund bestimmet und sie nicht wie lezteren Oster-Tag zugleich bestehet worden. Kayserling hatte mir in Geheimm insinuiren lassen, wie er besorgte, sein Hoff mögte es ihme iibl nehmen, wann er nicht wie bishero immer geschehen, sein Compliment allein ablegete, ob er schon Selbsten erkennet, daß es nach unserer Etiquette eine indifferente Sach seie, und ich ihme aus unseren Protliocollen erwisen, 108 1753, Mai 13. daß sein Vorfahrer, Graff Bestuclief, verschiedene Mahl mit dem Bott- schaffter Cavaliere Tron, ehe sich lezterer in das Publico gesezt, zugleich die Gratulationen in der Retirada gemacht habe. Da ich nun hiervon referiret, so befahlen II. MM., um disen Mann nicht ,zu dis- gustiren, daß ich selbem anheut eine Stund allein geben solle, übrigens wurde der heutige Gala-Tag al solito mit denen Handküssen, öffentlichen Kirchengang (da ohnedeme auch Sonntag wäre), folglichen Hoh-Ammt (jedoch ohne Predig), Tatfel-Dienst, grossen Dine für die fremmde und einheimische Ministres etc. begangen. Ehe mann zur Tatfel gienge, bei welcher nebst beiden kaiserlichen Mayestätten auch der Ertzlierzog Joseph und die Frau Maria Anna zugegen waren, machte mein Schwager — deme die Kaiserin (als er im Spieglzimmer seinen Gratulations-Handkuß abstattete) ihr mit Brillanten reich verseztes Portrait en rdcompense, daß er so lang das Obrist-Hotfmeister-Ammt versehen, Selbsten überreichet hat — die gewöhnliche Publication der biß auf heut verschobenen grossen Promotion und meldete kürtzlich, daß (nachdeme II. MM. den Gratfen von Ulfeld zu dero Obrist-Hoffmeistern benennet und gewöhnlicher- massen es ilime mittelst beiderseitiger Handbrieffl*) notificiret) dieselbe an dessen Stelle den Gratfen von Kaunitz-Rittberg zu dero Hoff- und Staats-Canzlern, sodann I. M. der Kaiser den Marchese de Botta Adorno zu dero kaiserlichen Commissarium und Ministrum plenipoten- tiarium in Italien und an dessen statt beide kaiserliche Mayestätten den Gratfen Cobenzl als Ministrum ad latus für des Printz Carl Hoheit nach denen Niederlanden, ferners den Gratfen Philipp von Ursin und Rosenberg zum Bottschatftern nach Venedig (um den Marquis de Prid allda abzulösen) denominiret und endlichen dem Graffen von Haugwitz den Titl als Obrist-Canzler und den Gratfen Jo. Choteck als Canzler, nebst Creirung des Baron von Bartenstein *) NB.: Dise Handbrieffl pflegen sonsten durch den Hoff-Canzler dem neuen Obrist-Hoffmeistern in einer eigends machenden Visite eingehändiget zu werden-, und weillen er dise Würde bei gegenwärtigen Zeit- und Umbständen sowohl bei den Kaiser als bei der Kaiserin qua Königin und Souverainin, mithin respective an beiden Höffen versiht, so wurden dem lezt verstorbenen Obrist- Hoffmeister nicht allein durch den Hoff-Canzlern Gr. von Ulfeld, sondern auch durch den Keichs-Vice-Canzlcrn, mithin zwei Handbrieffl, das kaiserliche durch den lezt benanten Ministre und das kaiserlich-königliche durch den ersteren überreichet. Da nun bei jeziger Promotion sich der Umstand ergeben, daß der nexre Obrist-Hoffmeister selbsten der bißherige Hoff-Canzler gewesen, so wurde ihrne das Billet der Kaiserin-Königin von selber imediate zugeschickt und lediglich das kaiserliche Handschreiben durch Graffen von Colloredo vor ein paar Tagen überbracht. 1753, Mai 13. 109 zum Vice-Canzlern des Directorii, ingleichen dem Graffen Kortzensky den Titl als Obrist-Justitz-Praesident beigeleget hätten. Die durch die Amotion des Graffen von Rosenberg- in Erledigung gedigene Praesidenten-Stelle bei der hiesigen Repraesentation und Cammer wurde dem Vice-Praesidenten des Bergwercks- und Müntz-Collegii, Freiherrn von Haugwitz, provisorie aufgetragen und ihme der Hoff-Rath von Mannagetta zum Vice-Praesidenten adjun- giret, welcher zugleich im Freiherrn-Stand erhoben und mit denen mehresten Commissionen in mixtis (so bishero bei einem besonderen Dicasterio und sogenannten Consessu tractiret worden waren und nun wieder zur Repraesentation, wo sie vor disen hingehöret gezogen werden sollen) beladen wurde. Wenige Tage hernach wurde auch der älteste Rath der Regierung in Justitz-Sachen, Graff Ferdinand von Pergen, zum Vice Presidenten unter den Graffen Breuner benennet, welche Promotionen aber nicht publiciret wurden, weillen jene des Freiherrn von Haugwitz nur als ein Provisorium angesehen worden und die Vice-Capi niemahlen bei Hoff declariret werden. Übrigens behielte Graff von Ulfeld nicht allein seinen gehabten Gehalt von 40.000 fl., sondern bekamme annoch eine Gratification von 100.000 fl.;*) und weillen ihme die Kaiserin annebens noch das Quartier in der Hoff-Canzlei auf beständig zugesagt, nachhero aber es dem neuen Canzler einräumen wollen, so wurde er auch dißfahls mit einer Summa Gelds dedomagiret, welche er sofort zu Erkauffung des Perlas- vorhin Fürst Lobkowitzischen Hauses angewendet hat. Von denen Ursachen, so dessen Promotion und, besser zu sagen, Amotion veranlasset, habe bereits ein und anderes vorhero angemercket; 141 ) zuvorderst aber waren deren zwei: 1° seine immer zunehmende Gehörlosigkeit, welche bereits verschiedene Equivoques in denen Handlungen und Conversationen mit denen fremmden Ministres und folg- lichen auch verschiedene Contradictionen in seinen darüber gemachten Rapports verursachet hatte; 2 d0 seine üble als zu drockene und immerzu auch grobe Art, wormit er Fremmden und Einheimischen, auch öffters der Kaiserin selbsten zu begegnen pflegte, und so ihr auf die Lezt (wie sie sich villmahlen gegen mir vertraulich zu äusseren geruhet) fast unerträglich gefallen. Was dem Graffen von Kaunitz pro salario ausgeworffen wurde, blibe zwar ein Geheimmnus, solle sich aber, wie er mir selbsten gemeldet, damahlen nicht über 30.000 fl. erstrecket haben. 142 ) Anbei *) NB.: Dises ist nicht sicher. 110 1753, Mai 13. creirte mann auf dessen Verlangen eine ganz neue Staats-Canzlei oder Bureau des affaires etrangeres, worzu er das Personale nach seiner Willkulir ausersehen und welches in einem Referendario und vier sogenannten Officialen (wie es in Niederland und certo modo auch in Franckreich, als nach welchem Fuß der neue Canzler, mehreren Ansehens halber, gern alles eingerichtet hätte, zu sein pfleget), nebst anderen geringeren Officianten zu bestehen hat. Seinen gewesten ersteren Haus-Secretarium oder sogenannten Hoff-Rath von Binder (einen sehr geschickten Mann) machte er zum Referendario, welcher unter seiner Direction denen Officiaux — worunter der bisherige Resident am Turiner Hoff Du Beyne de Malechamp und ein sicherer Torn aus Niederland sich befinden — die Arbeit nach eines jeden Sprach und Departement austheilet und immer nebst einem sothaner Officialen bei denen Conferenzen erscheinet. 143 ) Dises neue^Bureau, y compris les gages du chancellier, solle der Kaiserin gegen 200.000 fl. jährlichen zu stehen kommen; und damit sie den Baron von Bartenstein als einen alten Diener contentiren oder doch, besser zu sagen, mit wenigerer Unzufriedenheit von seinem seit anno 1726 beklaideten Posto eloigniren möge, so wurden nicht allein ihme und seinen zwei älteren Söhnen (dem Reichs-Hoff-Rath und dem Directorial-Rath), nebst einer Pension für dem dritten, seiner Jugend halber noch nicht placirten Sohn die Besoldungen vermehret, sondern noch über dises ihme die nemmliche Gratification von 100.000 fl. wie dem Graffen von Ulfeld verwilliget. Die Kaiserin kämme sehr hart zur Amotion dises bishero immer für sehr nöthig, ja gleichsamm unentbehrlich gehaltenen so langjähriges Dieners und hatte mithin alles angewendet, um den neuen Canzler zu persuadiren, daß selber erst besagten alten Practicum neben seiner oder doch unter seinem Praesidio längers hin manipuliren lassen wolle; und Baron von Bartenstein (weihen ihme doch ungemain schwär gefallen, meme par un point d’honneur, ungehindert aller dagegen erlangender Vortheilen, seinen so ville Jahr und mit so grosser Authoritet, ja vor- mahls mit nur gar zu übermässiger Praepotenz beklaideten Posto zu verlassen) hatte auch seines Orths alle ersinnliche Avancen gemacht und sich zur behörigen Subordination und Concertirung mit Graffen von Kaunitz angetragen; allein diser wolte durchaus einen neuen Boden bei den Bureau des affaires etrangeres geleget haben und verharrete darauf, daß er die Canzler-Stelle eher depreciren, als den Baron von Bartenstein an seiner Seiten sehen wolte, indeme zwei Pfeiffer in einem Wirths-Haus nicht taugten und ihre beiderseitige Principia und Modus tractandi niemahlen Übereins kommen, 1753, Mai 13. 111 mithin die Afifairen noch mehr verwirret wurden, folg'lichen auch der Herrn-Dienst nothwendig darunter leiden müste. 144 ) Die Kaiserin muste also bon gre mal gre nachgeben und prae- ferirte endlichen nach langer Überlegung, vermuthlich aus folgenden Ursachen den Schluß, dem Graffen von Kaunitz zu willfahren und ilnne die Direction deren Staatssachen vollkommen zu überlassen, weillen 1° selbem von jedermänniglieh, sowohl Einheimisch- als Fremmden, die wohlverdiente Gerechtigkeit geleistet und das aufrichtige allgemaine Zeugnus gegeben wird, daß villeicht kein Hoff in Europa dermahlen einen klügeren und geschickteren Ministre besitze, und 2° der ehrliche Baron von Bartenstein, ungehindert seiner grossen Praxis und viller Capacitet dennoch immerdar mehr für einem mit stattlicher Gedächtnus begabten, als für einen ungemain judiciosen Mann passiret hat, zu gesellweigen 3°, daß er in seine Concepten und Schreibart zu vill verliebt und sich nicht gern ein- reden, vill weniger belehren und corrigiren lasset, wordurch er sich nicht allein bei denen fremmden Höffen und Ministeriis ungemain verhasset, sondern endlichen auch gar verächtlich gemacht hat, weillen mann seine Indocilitd pour une marque d’une petite äme angesehen hat, mithin auch niemand gern mit ihme negotiiren wollen, ja villmahlen die wichtigste Sachen wegen des auf ihme geworffenen Mißtrauens und Unwillens oder ins Stecken geratlien oder wohl gar verdorben und übl geendiget worden seind, wie dann auch ein all- gemaines Frohlocken über dessen Amotion, zumahlen bei jenen Höffen und Ministris entstanden, welche es mit uns gutt mainen und das gutte Vernehmen mit unserem Hoff gern aufrecht erhalten und die bishero so offt ohne billiger Ursach sich ergebende Unlust, Disputen und Rafroidissements fernershin ecartiren sehen mögten. Nach den Essen führe ich in die Statt zur Kindbetterin und um der Tauff-Function des neugebohrnen Sohns beizuwohnen; selbe geschähe hei denen Schotten in der Sanct Sebastiani Capellen im Creutzgang; meine Frau und ich stunden zu Gevatter und dem Kind wurden die Nahmen Maria Joannes Josephus gegeben. Nach vollendetem Tauff-Actu kehrte ich sofort nach Schönbrunn, allwo anstatt des Appartements Bai wäre und zum Schluß Soupd mit denen anweesenden Bottscliafftern und denen Hoff- Ämmtern und Conferenz - Ministris von etlich und 20 Couverts, beides auf die nemmliche Art wie vorn Jahr an Franzisci-Tag, nur mit dem Unterschied, daß ich die Honneurs deren unteren Taffel durch den Obrist-Kuchlmeister verrichten liesse und mich mit zu der Herrsch afifts-Taffel sezte. 112 1753, Mai 14. Den 14. legte der neue Obrist-Hoffmeister nach 9 Uhr erstlich bein Kaiser und sodann bei der Kaiserin in der Retirade in der Burg das Jurament ab, bei welch lezteren Actu ich ilime die Verba jurandi yorlase, weillen der neue Canzler noch Selbsten nicht geschworen, der Reichs-Vice-Canzler bei der Kaiserin es nicht wohl tliun können und mithin am anständigsten gefunden worden ist, daß es durch mich geschähe, da -ich ohnedeme qua Obrist-Cammerer bei dergleichen Juramenten deren Capi zugegen sein muß und annebens nach den Graffen von Colloredo der älteste dermahlen in der Con- ferenz bin. Der ältere Baron von Koch supplirte abermahlen den Staats-Referendarium. Nach abgelegten Juramenten wurde selber von mir gewöhnlicher- massen installiret und ist hierneben aufgezeichnet, was ich dißfahls kürtzlich gemeldet habe. 145 ) Der neue Obrist-Hoffmeister beflisse sich sehr in seiner Antwort wohl zu releviren den Danck, welchen er beiden Mayestätten schuldig wäre, daß sie ihn nach eilff Jahren von einem so peniblen Amt entledigen wollen, welchem länger vorzustehen seine Gesundheit nicht mehr zugelassen. Mann merckte aber gar wohl, daß ihme das Hertz gebrochen und muste er bei sothaner Passage in etwas pausiren, um die Stimme wiederumen zu erhollen. Übrigens hatte die Kaiserin befohlen, daß (um disen alten Diener et Ministrum emeritum auf alle möglichste Art und Weis zu beehren) mann disen Installations-Actum mit aller Solennitet und all jenem Decoro verrichten solle, welche mann aus denen Hoff-Prothocollen bei denen Installationen deren Obrist-Hoffmeistern voriger Zeiten (als wo mann in solchen Fällen mehr sorgfältig und accurat gewesen) würde eruiren können; mithin musten alle Hoff-Ämter und Capi deren Instanzien, ingleichen die geheimme Rätli und Cammerherrn in Mantel-Kleidern und von allen Stellen und Subordinirten ein und andere, aber nur in ordinari Kleidung erscheinen, also zwar, daß mann sogar die Sessionen im Reichs-Hoff-Rath, Directorio und all übrigen Dicasteriis für heut Morgen suspendiret hat. Nach sothanem Actu legte der neue Hoff-Canzler seine Juramenta ab, worbei der neue Obrist-Hoffmeister allschon zugegen gewesen und ich abermahlen der Kaiseriu Canzlern suppliret und ihme Graff von Kaunitz die Eids- formul ebenfahls vorgelesen habe. I. M. rufften uns vier anweesende Conferenz Ministros (der Herr Ayo wäre nach der Installation allsogleich nach Schönbrunn zuruek- gekeret) zu sich in dero Cabinet, allwo so zu sagen, in circulo wegen ein und anderen bei der Signatur der Convention mit Modena sich geäusserten Anstands und dißfahls vorzuschlagenden Expedienten de- 1753, Mai 14.-16. 113 liberiret wurde; nach welcher Deliberation und hierbei gefasten Entschließung wenige Tage darauf beide sothane Conventions Instrumenta (deren eines die Verlobnus des Ertzherzogs Petri Leopoldi mit des Erbprintzen von Modena dermahligen eintzigen Princessin Dochter und den eventualen Heiraths-Contract, das andere aber die wegen der künftigen Succession und sonsten verabredete geheimme Ar- ticles in sich hielte) von dem Herrn Reichs-Vice-Canzlern nomine imperatoris und dem Giraffen von Kaunitz nomine imperatricis reginae, annebens von dem englischen Ministro Keith als Mediatore (zumahlen die ganze Handlung durch den König von Engelland angefangen und mit ihme beständig concertiret worden) und sodann von denen beiden modenesischen Ministris, Chevalier Montecucoli und Abbate Grossa Testa unterzeichnet worden seind. 146 ) Den 16. thaten I. M. die Kaiserin die Gnad dem Collegio Theresiano und verfügten sich nebst denen älteren dreien Herrschafften und der Princesse Nachmittag gegen 5 Uhr hinaus, einer von denen Cavallieres producirten französischen Comedie, les incommodit6s de la grandeur (ou le faux duc de Bourgogne) genannt, beizuwohnen, geruheten auch allerseits ein gnädigstes Vergnügen darüber zu bezeigen, so die Knaben in der That auch verdienet und unter selben besonders ein junger Baron von Reuschenberg aus dem Cöllnischen (welcher den Röle de Gregoire gemacht) sich distinguiret hat. Die nemmliche Com6die musten sie nach der Hand noch zweimahlen für die beiden jüngere ertzherzogliche Herrschafften und sodann für die übrige kleine Frauen repraesentiren. Der Pater Rector, den ich meines Orths mit secundiret, suchte sogleich von dem gutten Tempo zu profitiren und erbettelte von der Kaiserin eine Gratification von 12.000 fl. zu den neuen Gebäu und dermahlen (da ich dises notire) wtircklich in voller Arbeit begriffenen Agrandissement des Collegii, als an welchen auf einer Seiten ein ganz neuer Flügel zur Wohnung deren Patrum und auf der anderen ein neuer Stock für Cameraten zugebauet wird. Eodem nähme unser Herrgott mein erst auf die Welt gekommenes Enckel zu grossen Leidweesen beider Eltern schon wiede- rumen zu sich; der Kindbetterin wurde zwar diser traurige Zufall so lang nur immer möglich gewesen, verborgen und dennoch muste sie die erste Nachricht davon, ungehindert aller genohmenen Vorsorg, auf eine sehr ungeschickte und unvorsichtige Art (wie es gemainig- lich zu geschehen pfleget) erfahren. Das arme Kind wäre infelici lusu naturae also conformiret, daß es unmöglich leben können, in- deme die Haubt-Conductus von dem Magen gegen den unteren Leib Khevenhüller-Schütter. 17 52 —1755. 8 114 1753, Mai 17.—23. völlig mit Häutlen verwachsen waren, mithin der arme Bueb alles, so mann ihme durch den Mund eingegeben, gleich wieder erbrochen und die Clystieren desgleichen wie er sie genohmen, ohne einigem Koth zuruckgestossen hat. Den 17. wurde der Princesse Geburts-Tag wie sonsten cele- briret. II. MM. und sammtliche junge Herrschafften giengen vor der Taffei en public zu selber hinüber; die Dames servirten am Tisch; wir hatten zwei Taffein in denen unteren Zimmern, zu welchen die Vornehmere des anweesenden Adels geladen wurden, und abends wäre Appartement. Den 18. kerten wir wieder zuruck nach Laxenburg um die Mittag Zeit, der Kaiser in der Früh in Biroccio; die Kaiserin kämme auch allein aus der Statt, wo sie den Vormittag mit Audienzien zugebracht, und die Princesse mit denen Dames und übriger Suite von Schönbrunn aus. Nachmittag verfügte mann sich sofort auf die Baitz. Den 19. wäre abermahlen Baitz, mittags aber speisten II. MM. en compagnie bei den neuen Herrn Obrist-Hoffmeistern, welcher heuer wieder wie vorn Jahr die Laxenburger Saison mit uns zugebracht. Heut und gestern wäre wegen Freitag und Samstags keine Combdie. Den 20. verfügten sich 1.1. MM. mit einer kleinen Suite nach der wiennerischen Neustatt, allwo sie bei den General Leopold Daun in seinem in der Militar-Academie habenden Quartier speisten und die Exercices deren Cadetten und dortige Einrichtungen besahen. Mir erlaubten dieselbe, daß ich unter der Zeit in die Statt fahren dörffen, um meine Dochter zu sehen. Den 21. wäre Baitz und französische Comedie: Fhomme du jour, desgleichen den 22., wo mann die Nanine vom Voltaire gespillet. Heut speisten die Herrschafften bei Graffen Rudolph Choteck in Garten. Den 23. wäre wegen des Winds früh keine Baitz. Wir hatten aber bein Kaiser Conferenz, worinnen Graff von Kaunitz zum ersten- mahl als Canzler nebst seinen neuen Referendario und dem Official du Beyne erschinen und über zwei Stund lang in der Barriere Sach und denen dißfahls bei seiner Anweesenheit zu Brussel vorgegangenen Handlungen referiret hat. 147 ) Übrigens hatte sich bereits ein Anstand der Ansag halber ereignet, indeme unser neuer Canzler (welcher gern alles auf den französischen Fuß eingerichtet hätte) zu denen Conferenz-Ministris versiegelte Ansag-Zettlen, worinnen ganz kürtzlich der Tag, die Stund und die Materia deliberationis aufgezeichnet waren, herumgeschickt, 1753, Mai 23.—30. 115 wo doch sonsten die (Konferenzen von dem Präside oder ältestem Conferenz-Ministro durch den geheimmen Raths-Ansager oder dessen Adjunctum (welche den Befehl und die Ordonanz von selbem zu nehmen haben) angesagt zu werden pflegen, dahero auch das Erforderliche, als worfür besagte Ansagere zu stehen haben, da mann zur (Konferenz sich einfande, nicht gleich an der Hand wäre und ich erst durch die Cammerleuthe die Tisch, Stühle, Dinten, Papier etc. zubereiten lassen muste. Graff von Ulfeld ermanglete nicht, hierüber seine Vorstellungen zu machen, worauf es auch pro futuro remediret worden und fernershin die Ansag zur (Konferenz wie vor disem, nicht ' durch den Canzler, sondern durch den Conferenz-Praesidem oder au d6faut de lui, par le plus ancien du conseil beschehen ist. Nachmittag wäre Baitz et au retour la comedie Sidney. Den 24. gienge der Kaiser allein zur Fruh-Baitz; nachmittags aber kämmen beide Mayestätten und sahen die fremmde Ministres auf den Lust-Haus par maniere d’appartement. Abends wurde sodann die Tragedie Ines de Castro aufgeführet. Den 25. ritte der Kaiser abermahlen in der Früh allein zum Streiffen und abends wurde wegen des regnerischen Wetters in dem unteren Haus Pharaon gespillet. Den 26. wäre nur Nachmittag Baitz und mir erlaubten II. MM. in die Statt zu fahren, worinnen meine Frau wegen der Dochter alle dise Zeit her verbliben. Die Ursach meiner heutigen Visite wäre, weillen der armen Kindbetterin eben heut früh der Tod ihres Sohns vorgebracht worden wäre und sie mithin von allen Seiten Trost gebrauchet. Den 27. wohnten II. MM. dem sonntägigen Gottes-Dienst in der Pfarr bei und Nachmittag wäre auf einen deren grünen Lust- Häusern Appartement und au retour Comedie: le Misantrope. Den 28. wäre Vormittag Baitz, Nachmittag aber wegen des Winds keine, und sodann abends wurden zwei kleine Piecen: le Flor ent in und la pupille repraesentiret. Eodem gienge unser neu ernannter Bottschaffter am russischen Hoff über Carlsbad, wo er zu Retablirung seiner Gesundheit noch zuvor die Cur gebrauchet, nach seinem Posto ab. 148 ) Den 29. gienge der Kaiser in der Früh mit denen Männern au mail, Nachmittag aber wäre Baitz und au retour: le prejuge ä la mode. Den 30. spülte der Kaiser abermahlen in der Früh au mail; gegen 1 Uhr führe selber nebst der Kaiserin, Princesse und einem Theil der Laxenburger Compagnie (die übrige blibe bei denen 8 * 116 1753, Mai 31.—Juni 2. jungen Herrschafften dissmahlen zuruck) nach Fesendorff zu den Reichs-Vice-Canzlern, allwo mann zu Mittag gespeiset und Nachmittag Pharaon gespillet hat. Nach 6 Uhr geschähe der Aufbruch nach Sehönbrunn, um noch der heutigen Vor-Vesper allda beizuwohnen, welche aber hei unserer Ankunfft allschon vorüber wäre. Den 31. als an den hohen Fest der Himmelfart Christi wäre der gewöhnliche öffentliche Gottesdienst; und da gegen Mittag die Nachricht einlieffe, daß der von Brussel erwartete Printz Carl disen Abend in Mölck eintreffen solle, so raiste der Kaiser gleich nach den Essen alldahin und nähme niemand als der Princesse Obrist-Hoff- meister Monsieur d’Ogara mit sich, muste aber noch einige Stunden dorten auf den Printzen warten. Den 1. Junii führe die Kaiserin nebst der Princesse dem Kaiser und Printz Carl biß Burckartstorff entgegen, allwo mann ein Frühstück zubereiten lassen, und von wannen selbe mit einander auf Mittag zu Laxenburg eintraffen, wo der Printz in das für die Edl- knaben zum Quartier gewiedmete Haus einlogiret und dise dafür in die sonstige Wohnung deren Hoff-Patrum (deren ohnedeme keine oder doch über einen oder zwei nicht mit du voyage de Laxembourg zu sein pflegen) einlogiret worden. Die übrige Suite verfügte sich gerad von Schönbrunn aus dahin und der Obrist-Stallmeister wurde unter- weegs mit einer solchen Sciatica behafftet, daß er sich sofort bei der Ankunfft zu Laxenburg in das Bett legen muste und in der Zeit dises unseres dritten und lezteren Sejours allda fast keinen Dienst thun können. Nachmittags wäre Baitz, aber keine Com6die wegen des heutigen Freitags. Den 2. waren vormittags die Herrschafften auf der Baitz und mittags bei den Graffen Rudolph von Choteck, welcher zu Signalisi- rung seines bekleidenden Directorii in commercialibus verschiedene Meer-Fische, Austern und Meer-Krebsen par estaffette von Triest kommen lassen; und da er dißfahls all-erdenckliche Vorsichtigkeit gebrauchet und ganz neue Inventionen von besonderen, immer mit frischen Eiß angefüllten Caissen erfunden, so hatte es ihme auch zu aller Anweesenden Verwunderung und II. MM. besonderen ihme darüber villfältig bezeigten Vergnügen so wohl gerathen, daß die Maree (ungehindert der eben eingefallenen nicht geringen Hitze) so frisch und gutt conditioniret angekommen, gleich es in der besten Saison anverlanget werden könte. Nachmittags wäre wiederumen Baitz und abends erlaubte die Kaiserin — wiewollen sie sonsten den Sammstag gleich dem Freitag 1753, Juni 3.-7. 117 zu halten und kein Spectacle bei Hoff zuzulassen pfleget — daß (um den neu angelangten Printz Carl zu amusiren) französische Comedie gespillet werden dörffen; mann repraesentirte abermahlen den Misantrope und la pupille. Die Kaiserin aber nebst denen jungen Herrschafften kämmen nicht dazu. Den 3. frühstückten sämmtliche Herrschafften bei den Graffen Leopold Daun in seinem von meiner Frauen erkaufften Hauß und wohnten sodann öffentlich dem sonntägigen Hoh-Ammt in der Pfarr bei. Gegen 1 Uhr führe mann nach Möllerstorff und speiste allda. Nachmittags wäre weder Baitz noch Appartement, abends aber Comedie: I’impertinent und le trip 1 e mariage. Den 4. ritte der Kaiser allein mit Männern streiffen, sodann wäre auf seiner Seiten in der ersten Anticamera in Beisein beider Mayestätten, des Printz Carl, Tarocca, Cobenzl und nach Engelland bestimmten Graffen Carl Colloredo Conferenz in der Barriere Anliegenheit, als welche mann in Gegenwart S. kö. H. und jezt gedachter Ministres zu allseitiger Belehrung reassumiren wollen. 149 ) Abends wäre Baitz und Comedie, la vie est un songe benammset. Den 5. wäre der Kaiser abermahlen allein streiffen, nachmittag aber keine Baitz, sondern dafür wurde die Comedie, und zwar le v grondeur et le francois ä Londres früher gespillet und nach ^ selber gegen 7 Uhr fuhren II. MM. nebst dem Printzen und der Princesse en chaise de Landau spatzieren. Eodem verstarbe im Kindbett an den Friesei des jungen Fürsten Hans Adam von Auersberg reiche Gemahlin (eine gebohrne Gräffin von Schönfeld) im 25. Jahr, welche er ungehindert ihres einfältig- und wunderlichen Humors sehr zärtlich geliebet. Den 6. unterblibe die Baitz, weillen der Kaiser auf die Bürst gefahren. Nachmittag hatte der englische Ministre am Dresdner Hoff Chevalier Williams seine Abschieds-Audienzien und abends wurde der Distrait repraesentiret. Den 7. wohnten die Herrschafften annoch früh zum lezten Mahl der Baitz bei und die Kaiserin gäbe mir Selbsten zwei hundert Species Ducaten, so ihr der Kaiser gleich aus dem Banco hergelihen, um selbe dem Graffen Carl Harrach für die Falckenerei pro regali zuzustellen. Mittags speisten wir zu Erla, welches der Graff von Ulfeld von dem dermahligen chur-böhmischen Comitial Gesanten, Graff von Seilern, in Bestand genohmen; und nachdeme mann nachmittags" Pharaon gespillet und einem Baueren- und Schwerd-Danz zugeselien, kerte alles gegen 7 Uhr zuruck nach Schönbrunn, und l 118 1753, Juni 8. anmit wurden die Excursionen nach Laxenburg für dises Jahr beschlossen. Den 8. kämmen die Herrschafften sehr früh in die Statt, um der heutigen Einkleidung des Fürsten von Lamberg jüngsten, 17jähri- gen Dochter Elisabeth im königlichen Closter beizuwohnen, als welche mann mit allen in derlei Fällen (deren sich zwar seit 50 Jahren keiner mehr ereignet hatte) vor disem üblichen Solenniteten cele- briret. Die Kaiserin halflfe die geistliche Braut Selbsten mit ankleiden, das ist, legte mit Hand an zur Placirung des Kopflf-Geschmucks, führte sie sodann zur Firmung und nähme sie mit im Leibwagen, worinnen beide kaiserliche Mayestätten nebst dem Ertzherzog Joseph und der Princesse sassen, und sie in der Mitten auf einem eigends zugerichteten Schammel placiret wurde, weillen nach dermahliger Mode kein Schlag mehr in Wagen zu sein pfleget, in welchem die Braut nach alter Gewohnheit hätte. sitzen sollen. Ihre zwei Brautführer, welche sie beständig bedienten, ritten auf beiden Seiten des Wagens und waren deren einer ihr einziger Bruder Johann Friederich (ein Knab von 12 Jahren), sodann ihr Vetter und geschwistert Kind Graff Ernst von Harrach. Nach dem Leibwagen fuhren die drei ältere Ertzherzoginnen mit der Frau Aya (Fürstin von Trautsohn), welche ebenfahls und aus der nemmliclien Ursach des nicht mehr in denen heutigen Wägen gebräuchlichen sogenannten Schlags auf einen Schammel in der Mitten sasse, und zwar heut zum allerersten Mahl, weillen mann der Kaiserin remarquiren machen, wie sich nicht wohl schickte, daß selbe (wann die Herrschafften in publico ausfuhren) ihnen — wie bishero zuwider der alten oesterreichischen Etiquette beständig geschehen wäre — an der Seiten sitzen thäte. In dem ersten Hoflfwagen de la suite sitzte nebst der Freile Hoffmeisterin und ältesten Cammer- freile der Braut Frau Mutter und die Cranzelfreile Ernestine Gräffin von Lamberg. Die Kaiserin hatte eben aus Rücksicht des alten Brauchs gleichsamm einen Einzug über den Kollmarckt und Graben biß zur Kirchen machen wollen, da der Hoff sonsten in das königliche Closter über den Gang zu Fuß zu gehen pfleget. Dem Nuncio wurde aber, theils aus Enge des Raums, theils umwillen anfänglich der Printz mitfahren sollen — welcher aber nachhero sich besonders und auf seine eigene Hand dahin verfüget ■— nicht angesagt. Nach gesungenen Hoh-Ammt und beschehener gewöhnlicher Function mit Hindanwerffung des Crantzes gienge die Braut nebst denen Herrschafften und weiblichem Gefolg in den inneren ge- 1753, Juni 8.—13. 119 schlossenen Chor, dessen Thür aber offen blibe, damit auch die Männer Ia prise de Tbabit von weiten Zusehen kunten. Dem Ayo und Yice-Ayo, desgleichen dem Vattern wurde der Eingang verstattet, denen übrigen Befreunten aber und Hoff-Ämtern so vill erlaubet, daß selbe über die Thürschwelle etwas näher zum Altar tretten dorfften. II. MM. nebst dem Printzen, der Princesse, der fürstlichen Frau Mutter und einigen anderen Dames von Hoff und Befreunten, speisten im Closter, allwo zwar alles aus der herrschafft- lichen Taffel fourniret wurde, die Deck- und Zubereituug des Tisches aber, auch all übrige Bedienung von denen Closterfrauen beschalle. Mann verweillte sich nicht lang darinnen und gegen 2 Uhr wäre schon alles wieder zu Hauß. Den 9. wäre Conferenz in mixtis bei Hoff in der Statt; die Kaiserin wolte anfänglich Selbsten dazu kommen; weißen aber Graff von Kaunitz sich mit dem Chevalier Williams, mit welchem er vor seiner heutigen Abrais noch ein und anderes abreden wollen, zu lang verweillet, wurde ihr die Zeit lang und demnach die Conferenz ohne selber gehalten, jedoch der Fauteuil stehen gelassen und vom Graff von Ulfeld aus Befehl I. M. das Praesidium mit der gewöhnlichen ordentlichen Umfrag und Concludirung Ubernohmen. Auf dise nemmliche Weis wurden aus Complaisance für dem neuen Herrn Canzler die Conferenzen auch fernershin vorgenohmen, mithin die Ansage zwar von dem ältesten Conferenz-Ministro gemacht, die Sessionen aber nicht wie vor disem in dessen Behausung, sondern für beständig (und zwar dergleichen Conferenzien in mixtis) meisten- theils im Spieglzimmer in der Burg gehalten. Den 10., 11. und 12., als an denen hh. Pfingstfeiertägen, wurde gewöhnlichermassen das 40ständige Gebett und übrige Andachten in der Capellen zu Schönbrunn gehalten, worzu mann aber nur vormittags und niemahlen abends in publico gienge. Den zweiten führten I. M. der Kaiser des Fürst Kinsky jüngeren und einzigen Bruder Joseph zur Firmung und Hessen den Kirchendienst bereits um 9 Uhr halten, um nachhero einer in dero beiderseitigen Gegenwart über die chur-pfältzische und R.-K.-Wahl Anliegenheit gehaltenen Conferenz beizu wohnen. 150 ) Den 13. fuhren II. MM. bald nach 9 Uhr zu denen Minoriten wegen des h. Antonii-Fests, und zwar von darumen so früh, weißen der Kaiser sodann nebst dem Printzen, der Princesse und une petite suite auf einige Täge nach Hoßitsch verraisen wollen, um dise seine so liebe Herrschafft der Comtesse de Lennoncourt aufzuführen und sehen zu lassen. Dem Nuncio wurde nicht angesagt. 120 1753, Juni 13.—17. Von diser des Kaisers kurtzer Abweesenheit profitirte ich, um auch meines Orths eine kleine Excursion auf das Land zu machen. Meine Frau wäre bereits gestern mit dem Hannß Joseph und zwei Amis de la maison (den Cammerherrn und siebenbtirgischen Hoffrath Graff Gabriel Bettlehem — einen feinen und meritirten Cavallier — sodann unserem besten Schlangenberg) voraus nach Ladendorff abgegangen, um heut mittags allda die Fürst Emanuelische zu bedienen und unserer künfftigen Frau Gegen-Schwiger heut einfallenden Nahmens- Tag zu celebriren. Sie hatten sich kaum zur Talfel gesezt, als ich angekommen, und sodann wurde gleich die Partie gemacht, daß wir Nachmittag unsere Gäste zu ihnen nach Loostorff, welches Gutt von Ladendorff kaum anderthalb Stund weit entfernet ist, begleiten wolten; wir bliben allda nicht allein heut über Nacht, sondern auch den 14. den ganzen Tag über bei ihnen. Wir Chapeaux brachten den Fruhmorgen mit Besehung des neu angelegten Fasan Gartens und dortiger schönen Gegend zu; wir fuhren wohl über zwei Stund herum in der Anhöhe und gegen die Plaine, welche sich über Statz, Laa und Joslowitz biß gegen die mährische Gebürge exten- diret und einerseits Nicolspurg und anderseits Znaim en perspective vorleget. Nachmittag waren die Dames auch von der Promenade und wurde auf die Scheiben geschossen, zugleich auch par impromptu auf der Wiesen gedanzet. Nach dem Soupe giengen wir noch mit denen jungen Leuthen au clair de lune spatzieren und höreten den dortigen schönen Echo. Mein Schwager wäre nebst seinem ältesten Sohn und den ehrlichen Probsten von Nicolspurg in der Früh zu uns herübergekommen und biß auf den Abend verbliben. Den 15. kerten wir auf Mittag zuruck nach Ladendorff und auf meiner Frauen inständiges Anhalten thate uns die Fürstin die Gnad und erlaubte, daß unsere liebe Amalia en compagnie der Ge- sellschafft-Freile Baron Leyserin mit uns kommen und zu Ladendorff biß auf folgenden Tag, als den 16., verbleiben dörffen, da dieselbe Nachmittag zuruck nach Loostorff und ich nach Wienn und Schönbrunn gekeret bin; meine Frau kämme aber mit ihrer Compagnie erst den folgenden Abend als den 17. zuruck. Heut führe die Kaiserin Vormittag wegen des hohen Titular-Fests zu denen Trinitariern en Campagne, wo auch der Nuncius zugegen wäre. 1753, Juni 18.—22. 121 Den 18. kämme der Kaiser abends zuruck von Hollitsch, deme die Kaiserin einen Stuck Weegs über die Brucken hinaus entgegen gefahren. Den 20. wohnten beide kaiserliche Mayestätten (die Kaiserin aber en chaise) der Parforce-Jagd bei in der Hoh-Leuthen. Während deme hatten wir eine geheimme Zusammenkunft! oder (Konferenz zu Schönbrunn — der Herr Ayo, Baron Bartenstein und ich — so die weitere Studia des Ertzherzogs Josephs und in specie das Historicum betroffen; hierüber wurde der Kaiserin ein kleines Referat erstattet und haubtsächlichen dahin angetragen, daß ein sicherer Leporini ihme zwar die Historiam Germaniae aus seinem eigends darüber verfassten Opere tradiren, Baron von Bartenstein aber die darzu gemachte moral- und politische Anmerckungen (deren er uns heut den ersten biß ad finem Carolovingicorum sich erstreckenden Absatz vorgelesen), seinem Erbieten nach, von Zeit zu Zeit besonders expliciren und anmit gleichsamm ein Collegium kistoriae pragmaticae mit den kleinen Herrn halten solle. 161 ) Den 21., als an Fronleichnamms-Tag, wohnten II. MM. nebst der Princesse der ersten Fronleicknamms-Procession bei, jedoch — obsclion die Ordonnanz bereits um 7 Uhr gegeben und sogar die Neuerung eingeführet wurde, daß mann die Procession sofort vor dem Hoh-Ammt halten muste, nur um der Hitz in etwas auszuweichen — so wäre dennoch par malheur die Sonne anheut so starck, daß die Kaiserin, welche keine noch so leidentliclie Wärme erdulten kann und alsogleich über die Massen zu schwitzen pfleget, sich fast nicht mehr tragen und fortgehen können. Den 22. wäre kein Appartement wiegen der in der Fronleick- namms-Octav gewöhnlichen Andacht und Aussetzung des Hoeliwürdi- gen, weßwegen auch seit vorn Jahr alle Spectacles in der Statt dise ganze Octav hindurch verbotten seind. Heut gäbe ich in Nahmen II. MM. denen zwei modenesischen Ministren die wegen der unter- scliribenen Convention denenselben destinirte Regalien: Montecucoli bekamme vom Kaiser eine mit Brillanten und Rubinen versezte Tabatiere und von der Kaiserin einen brillantenen Ring; Grossa Testa einen dergleichen Ring vom Kaiser und von der Kaiserin tausend Species Ducaten. - Übrigens wurde auch von II. MM. auf meine wenige Vorstellung anheut decidiret, daß es wegen deren Audienzien deren fremmden Ministres auf den bisherigen, in dem Beispill deren ältesten Zeiten und in unserem neuen Coeremoniali ausdrücklich gegründeten Gebrauch verbleiben solle. Dise pflegen sich immer bei 122 1753, Juni 22.-24. den zeitlichen Obrist-Cämmerern zu melden und von ihme die Ordonanz oder Bestimmung- der Stund zur Audienz zu erhalten; desgleichen von denen Ayo und Aya deren jungen Herrschafften. Unser neuer Herr Canzler hätte es aber (bei Gelegenheit des jüngsthin angelangten neapolitanischen Ministri Marchese Mayo) gern auf den in der That an denen mehresten Höffen hergebrachten Fuß gesezt, an- mit dahin abgeänderet, daß führoliin alle fremmde Ministres die Audienzien durch ihn ansuchen sollen. Sein Motivum wäre, daß mann sonsten die Herrschafften durch unbebaute Vorträg surpreniren und zuweillen auch wider ihren Willen schwätzen machen könte. Andurch wäre aber die Inconvenienz entstanden, daß dem Reichs- Vice-Canzler, als welcher des Kaisers Ministre pour les affaires etrangeres ist, vorgegriffen und zugleich ein unnutzes Aufsehen erwecket und nur Gelegenheit zu verschiedenen, auch wohl unanständigen Muthmassungen gegeben worden wäre; wie sich dann die Gebrauchung des nemmlichen dißfahls angezogenen Motivi respectu publici nicht geschickt und denen Herrschafften fast verkleinerlich gelautet haben wurde, zumahlen selben ja freistehet, die von einem fremmden Ministre ansuchende Audienz nach Belieben anzuraumen und solche nicht eher als biß nach gepflogener Communication mit dem Ministre du ddpartement zu verwilligen. Den 24. wäre der Umgang bei denen Jesuitern; die Kaiserin kämme aber nicht mit, um sich nicht weiters der Hitz zu exponiren; allein par un hazard contraire änderte sich das Wetter dergestalten, daß anstatt der befürchteten grossen Wärme, es villmehr kühl geworden und zulezt sogar in einem Regen ausgebrochen, also zwar, daß mann die Procession nicht herauslassen können, sondern in der Kirchen halten und die 4 gewöhnliche Evangelia an so vill Altären singen müssen. Übrigens wäre die Ordonnanz zwar wiederumen um 7 Uhr gegeben, allein der Kaiser hatte beinebens ausdrücklich befohlen, daß die Andacht wie sonsten üblich, mithin die Procession erst nach dem Hoh-Ammt gehalten werden solle. Nach unserer Retour zu Schönbrunn, und zwar wegen des lezten vormittägigen Seegens erst nach 12 Uhr, hatte der neu angelangte neapolitanische Ministre plenipotentiaire Marchese Mayo seine erste Audienzien bei beiden kaiserlichen Mayestätten und ein paar Tag darauf bei denen sämmtlichen jungen Herr schafften. Ansonsten unterblibe dises Jahr wegen des einfallenden Kirchen- diensts im Profess-Hauß der sonst anheut (als in festo S. Joannis Baptistae) gewöhnliche Ausgang zu denen Barmliertzigen. Schließlich wurde zwar wegen der Frau Joanna förmlich Gala angesagt und 1758, Juni 26.—Juli 1. 123 selber von denen Bottschafftern more solito die Gratulations-Compli- menter abgestattet, die Hoff-Dames aber bliben en sac und die Kaiserin wolte kein Appartement haben. Den 26. hatte der eben angekommene jüngere Printz von Durlach, Christoph (Bruder des gewesten Administratoris) Audienz bei II. MM,, um sich wegen des erhaltenen Regiments des unlängst abgeleibten Printzen Max von Hessen zu bedancken. Den 27. hatten wir um die nemmliche Stund und Art wie Donnerstag, mit Vorgehung der Procession, den gewöhnlichen Kirchendienst bei denen Michaelern, welchem die Kaiserin wegen fürdauernden kühleren Wetter gleich auch folgenden Morgen als den 28. dem Umgang pro octava zu St. Stephan beigewohnet hat. Beide dise Mahl giengen die Herrschafften au retour de la procession und untern Ammt in das Oratorium, dahero selbe auch heut unterlassen, das Hochwürdige nach dem Ammt in das gewöhnliche Repositorium zur Schatz-Kammer (wie sonsten der alte Brauch gewesen) zu begleiten, sondern es allein durch die Clerisei thun lassen und nur der zweiten, bei den Schluß des Ammts mit Ab- singung des gewöhnlichen Genitori, Genitoque ertheilenden Benediction oben in dem Oratorio beigewohnet haben. Den 29., als in festo SS. Petri et Pauli, wäre öffentlicher Kirchendienst und abends Appartement. Die Kaiserin wolte aber nicht, daß mann wegen des dritten Ertzherzogs Gala ansagen solle, indeme er nur den Nahmen Leopold celebriret; deme ungehindert kämme der russische Bottschafifter, welchem die dißfahls angesuchte Audienz nicht abgeschlagen werden kunte, seinen Glückwunsch ab- legen. Den 30. fuhren II. MM. nach Neustatt, um dortig neues Etablissement dem Printz Carl zu zeigen, und speisten bei den Grafifen von Daun zu Mittag. Den 1. Julii wäre der sonntägige Gottesdienst zu Schönbrunn. Mittags aber speisten II. MM. nebst dem Printzen, der Princesse und einer kleinen Compagnie (worunter meine Frau und ich uns mit befanden) zu Inzersdorff bei den Quinquin Esterliasy in seiner erst vorn Jahr allda erkaufften und sehr hertzig embellirten Maison de Campagne.*) Nachmittag wurde biß gegen 6 Uhr gespillet. *) NB. Dises Haus und Garten verkauffte er nach der Hand seinem Schwägern, dein dermahligcn Fürsten von Paar, von welchen es sodann und leztlich an den Herrn Keichs-Hoffraths-Praesidenten Graff von Harrach gekommen, der einige Zeit zuvor die Herrschafft Inzersdorff käufflich an .sich gebracht hatte. 152 ) 124 1753, Juli 1.—2. Währendem Spill kämme ein unseliger Reutkneeht aus der Statt mit einem Zettel für die Gräffin, worinnen ihr berichtet wurde, daß der Hannß Joseph sich bei der Retour aus der Kirchen niederlegen müssen, wesswegen sie noch vor dem Soupe und gleich nach unserer Zuruckkunfft nach Schönbrunn in die Statt geeilet, mir sodann v aber von dem D r Zwenghoffer ausgerichtet, daß er nur ein dreitägiges Fieber muthmassete, weillen die Puls nicht sehr alteriret wäre. ! Den 2. fuhren II. MM. zu denen Salesianerinnen und wohnten allda, jedoch ohne Bottschaffter dem Gottesdienst bei, speisten sodann in der Statt, weillen sie nachmittags um 6 Uhr wieder zur Säulen auf den Hoff sich verfügen wollen, worbei auch der Nuncius erschinen ist. Ansonsten wurde unser Patient, nachdeme er sein kleines Mittagmahl mit recht gutten Appetit eingenohmen hatte, gleich darauf mit einem so starcken Kopffwehe und Fieber befallen, daß mann ihme sofort an den Fuß Ader gelassen; und da hierauf die Plitz den- \ noch continuiret und wir sofort die Blattern besorgen müssen, so ‘ wurde noch heut Abend alles veranstaltet, um die Separation mit 1 denen Kindern vorzunehmen. Par fatalite waren wir eben mitten im Bau begriffen und hatten vor wenig Wochen die Resolution ge- fasset, um unsere künfftige Schwigerdochter zu uns in das Plaus logiren zu können, darinnen an dem Mauerwerck und sonsten ver- ^ schiedenes abänderen, neue Stiegen, Küchel und einen Stock in dem zweiten Hoff bauen zu lassen; folglich wäre kein anderes Mittel übrig, als den Krancken ä tout evenement und noch vor ausbrechenden Ausschlag in das kleine Haus zu transportiren und für die übrige Kinder (massen die zwei Jüngste ebenfalds nicht geblatteret) ein anderes Quartier in der Statt zu suchen. Zum Glück fände sich eben der erste Stock in dem Scalvinoni- schen Haus auf den Graben lär, worinnen unser Ordinarius D 1 ' Zweng- hoff au second sein Hoff-Quartier hat und bewohnet, welcher Umstand uns dann zu besonderen Trost gereichete. Die Gräffin wolte zwar anfänglich mit dem Hannß Joseph sich einsperren, allein nebst deme, daß sie Selbsten nicht recht weis, ob sie die rechte Blattern gehabt, so hätte ich ihr es wegen denen übrigen Kindern, die ich nicht so verlassen sehen können, niemahlen verstattet; mithin zöge sie sich zu denen gesunden Kindern, nachdeme sie zuvor zur Ver- pflegung des Krancken alles veranstaltet, was von einer zart- und christlichen Mutter immer beschelien kann. Ich führe noch heut in der Nacht nach den Soupe in das Haus hinein, traute mich aber wegen deren anhaltenden critischen Umständen nicht mehr zu den Patienten. v I 1753, Juli 3.-5. 125 i Den 3. verraiste der Kaiser nach genohmenen Frühstück zu den Chevalier Graff Joseph Kinsky nach Eckartsau, jagte heut en passant zu Orth und verblibe allda biß Donnerstag. Heut gegen Mittag, nachdeme mann ihm zum zweiten Mahl v Ader gelassen und ihn aus christlicher Vorsorg öffentlich versehen, scliluegen bei den Hannß Joseph die Blattern würcklichen aus; dabei zeigten sich aber gleich anfänglich so gutte Symptomata, daß mann eine benigne Sorte und glückliche Folge der Kranckheit, wie es der liebe Gott auch geschickt hat, verhoffen können. Von dem ersten Augenblick der Eruption hatte sich der Kopfifwehe und das Fieber gestillet und auch der Schlaff wiederumen eingefunden. Phantasiret hat er fast gar nicht, ausser gestern ein wenig, so aber mehr einer Schwachheit des Kopffs und der Gedächtnus als einem Transport und Delirio gleich sähe. Übrigens kunten uns die Leuth, so ihn ge- wachet und bedienet, nicht genugsamm anrühmen, wie standhafft und gedultig er sich bei diser für einem erwachsenen Menschen also leidigen Kranckheit aufgeführet; nichts schmerzte ihn, als daß er sich muste seine Haar abschneiden lassen, die er von einer hübschen cendrd Färb und besonderer Länge gehabt. II. MM. hatten die Gnad, sich seiner beständig zu erkundigen und die erstere gefährliche Täg alle Morgen zu meiner Frauen dißfalils zu schicken; f und recht ville Leuth interessirten sich um seine Erhaltung, massen er durch seine freundlich- und modeste Art sich beliebt zu machen weis. Den 5. wäre die gewöhnliche Conferenz im Spieglzimmer, anfangs in mlxtis und nach deme die sogenannte engere inter solos conferen- tiales, welcher aber heut die Kaiserin Selbsten beigewohnet. 153 ) Nachmittag wäre das Versprechen der Hoff-Dame Fr. Maxi- miliana Gräffin von Petazzi mit ihrem nahen Vettern Graff Sigismund von Heissenstein, den mein seeliger Vatter aus der Tauff gehoben und welcher der älteste Sohn des dermahligen Verordneten Graffen Carl (ebenfahls von einer Gräffin Petazzi) ist. Ich wäre Beistand und vor ein paar Tägen liesse ich selbem aus Befehl der Kaiserin als Cammerherr das Jurament ablegen. Nach denen gewöhnlichen Curialien deren Fian^ailles wäre Appartement, vor welchem die neu angelangte Gemahlin des neapolitanischen Ministers der Kaiserin von der Fürstin Esterliasy im Spiegl- ** zimmer praesentiret wurde. Selbe wolte anfänglichen Difficultet machen, sogar der Kaiserin die Hand zu küssen, so doch nach alter Etiquette von allen Gesanten-Frauen ohne mindestem Anstand zu geschehen pfleget; nachdeme mann aber eben dises Argument ihrem Mann releviret und zugleich die im Weigerungsfahl ihr bevorstehende v 126 1753, Juli 7.—15. DesagiAmens einsehen gemacht, so thate er sich eines besseren be- greiffen und seine Frau verrichtete hergebrachter Massen den Handkuß nicht allein bei beiden kaiserlichen Mayestätten, sondern auch bei sämtlichen jungen Herrschafften. Den 7. gienge der Graff Carl Colloredo über Bamberg, allwo er als kaiserlicher Commissarius zur Bischoffswahl erschinen, nach seinen Posto am englischen Hoff ab. 154 ) Den 8. fuhren II. MM. nach St. Stephan und wohneten nebst Begleitung des Nuncii dem heut einfallenden Fest der weinenden Mutter bei. Nach dero Retour zu Schönbrunn gienge die Copula- tion vor sich obbemelten Brautpahrs, so der Nuncius verrichtet, welcher darauf an der herrschafftlichen Taffel mit der Freundschafft gespeiset, wie es nunmehro in Schönbrunn immer zu geschehen pfleget. Den 10. wäre wieder eine kleine Conferenz zwischen mir, dem Ayo und Baron Bartenstein ratione studii kistorici des Ertzherzogs Josephs, wornaeh die Kaiserin mich sehr gnädigst und angelegentlichst ersuchet hat, daß auch meines Orths dißfahls besorget sein mögte, damit die vorgeschlagene Maßnehmungen und Reglemens be- körig exequiret würden. 155 ) Heut speisten II. MM. wegen eingefallener heisserer Zeit zum ersten Mahl in der Sala terrena, wormit es an denen warmen Tägen fernershin continuiret wurde. Den 13. hatten wir die freitägige Conferenz theils in mixtis, tlieils in solis ministerialibus im Spiegl-Zimmer, zu welcher' sich beide kaiserliche Mayestätten nebst dem Printz Carl von Schönbrunn ebenfalils einfanden, und abends wäre sodann daraussen Appartement. Den 15. wäre der gewöhnliche sonntägige Gottes-Dienst zu Schönbrunn. Nachmittag wäre in I. M. der Kaiserin Oratorio und in dero höchsten Beisein eine Particular Function des Stern-Creutz- Ordens, als welcher zwar gewöhnlicher Massen aus Händen des Ertzbischoffs von Wienn als Pontificanten, jedoch par distinction nicht wie sonsten an den Ordensfest Selbsten, sondern anheut extraordi- narie von der verwittibten Gräffin von Paar (hinterlassenen Obrist- Hoffmeisterin weiland der Kaiserin Frau Mutter) qua substituta und Gewalt-Trägerin der Erbprincessin v. Modena genohmen wurde, worbei aus Unachtsammkeit des geheimen Zahlmeisters und gedachten Ordens- Schätzmeisters sich bald eine lächerliche Equivoque ereignet hätte, indeme diser dem Ertzbischoffen ein falsches Zettel auf den Altar geleget und darauf, anstatt der Erb-Princessin von Modena, den Nahmen 1753, Juli 15.—21. 127 der Dochter der Infantin und Herzogin v. Parma geschriben batte, welche gleich der ersteren Maria Theresia heisset; mithin hatte dise Gleichförmigkeit deren Tauffnahmen den irrigen Wahn und das falsche Suppositum des Scribenten um so mehr bestärcket. Zum Glück wurde ich des Zettels, ehe noch selbes von dem Pontificanten mit dem Receptions-Formulari öffentlich abgelesen worden, gewahr und kunte also den Verstoß noch bei Zeiten redressiren. Fast zur nemmlichen Zeit schickten I. M. der Kaiser die Colana des goldenen Flusses dem Erb-Printzen, welchem selbe der Herzog sein Herr Vatter mit öffentlich- und sonderbahrem Gepräng zu Modena umgehenget hat. Den 16. speisten II. MM. en petite compagnie bei den Herrn Ertzbischoff zu St. Veit und Tags darauf verfügten sich den 17. dieselbe abends nach Kittsee zum Fürsten Esterhazy, allwo sie ein paar Tag verbliben und das alldorten versammlete und campirende, in siben Regimentern bestehende Husaren-Corps exer- ciren sahen. Eben heut führte die Freile Hoffmeisterin mit gewöhnlicher Begleitung eines Hatschieren die Cammer-Freile Comtesse Clara von Saurrau nach den im Viertl Cilley gelegenen Closter Studenitz, allwo dise den Habit des Dominicaner - Ordens angezogen. Dise Dame wäre ihres leutseelig- und lustigen Humors sämmtlichen Herrschafften lieb und angenehm, auch bei jedermänniglich wegen ihres guttäthig- christlichen Gemüths beliebet und hat sonderlich die Princesse Charlotte (welche sonsten denen hiesigen Gesichtern nicht gar zu hold ist) sie sehr wohl leiden können und selbe gemainiglich auf denen Parforcejagden ä la suite zu Pferd gehabt. Diser Tagen wurde dem General der Cavallerie Graff von Apre- mont-Lynden das Commando deren Truppen in Italien unter den neu zu benennenden Gouverneur Und Capitaine-general (den Ertz- herzog Carl) und mit der Interimsanweisung an den Herzog von Modena (qua administratori tempore minorennitatis) verlihen und der General Mercy d’Argenteau bekamme das durch die Demission des General-Feldzeugmeisters Graff von Gaisrugg erledigte Guberno von Sclavonien. Den 20. jagte der Kaiser auf der Hohleuten, wie es um dise Saison öffters zu geschehen pfleget. Den 21. (an welchen Tag meine Scliwiger im 61. Jahr an innerlichen Brand zu Prag — wohin sie aus Franckreich, um ihre jüngere Dochter zu besuchen, unlängst angekommen wäre — mit allen hh. Sacramenten versehen dises Zeitliche geseegnet und anmit 128 1753, Juli 22.-25. ihre auf diser Welt erlittene wunderliche Fata mit einem christlichen Ende beschlossen hat) wohnte ich einer Reichs Conferenz im Spiegl- zimmer in der Burg- bei, wiewollen ich mich nicht allerdings wohl befunden und wtircklich währender Session eine zimmliche Alteration verspühret; allein da ich dergleichen kleine Anstoß bei meiner deli- caten Leibs-Constitution schon gewöhnet, so führe ich dennoch schlaffen nach Schönbrunn; und ob ich zwar keine gutte Nacht pas- siret, so wolte ich gleichwollen den folgenden Tag, als den 22., die Herrschafften in die Kirchen zu denen Carmelitern in der Leopoldstatt, allwo heut das Scapulier-Fest celebriret wurde, mit begleiten und empfienge noch zuvor die Visite des von seinem bisherigen Posto im Haag nach Neapel abgehenden und hier durchrasenden portugesischen Gesanten Da Sylva Pessanha; speiste auch zu Mittag bei der unteren Hofif-Taffel, obschon sehr wenig, und führe sodann in die Statt und nach einiger Verweillung auf die Nacht zuruck nach Schönbrunn. Anheut gäbe die Kaiserin der Freile Judith von Brandeis, welche bishero der Ertzherzogin Amaliae zugegeben wäre, den Cammerschliessel, um dise sonsten sehr meritirt- und vernünfftige Dame (die aber das Donum der Kinderzucht nicht so wie mann sich dessen anfänglichen flatiret hatte, possediret haben und mit der jungen Frauen als zu scharfif verfahren sein solle) auf eine anständige Art zu promoviren. Den 23. verspührte ich zwar gegen die Mittagzeit eine aber- mahlige Alteration mit Schauer und Hitz und verblibe auch dahero den ganzen Tag über im Bett, jedoch in fortwährender Hoffnung, daß es nichts als meine gewöhnliche Zuständ wären; und weillen ich mich Tags darauf, als den 24. — an welchem Tag der 74jährige Dombdechant Gfraff Franz Conrad von Stadion zum Bischoffen von Bamberg erwählet worden 150 ) — ohne Alteration, auch allenthalben vill besser fände, so wäre ich gänzlichen entschlossen, den folgenden Morgen, als den 25., bei den heutigen öffentlichen Gottesdienst (vor welchen gegen 10 Uhr in dem oberen Oratorio der Ertzbischofif von Wienn dem Ertzherzog Joseph und der Frau Mariae Annae die Firmung ertheilte, deren Pathen oder Gött der Printz Carl und die Princesse Charlotte waren. NB.: Nach alter Gewohnheit und Etiquette be- schiht^ disejFunction niemahlen in publico, sondern oder in denen Cammer-Capellen oder Oratoriis) zu erscheinen; allein weillen doch die Nacht unruhig gewesen, so fände ich gleichwollen rathsammer, mich darvon zu dispensiren; dennoch dachte ich nachmittags Visiten 1753, Juli 25.-27. 129 zu empfangen, allein bald nach eingenolimenen kleinen Mittagmahl Überkamme ich einen so starcken Paroxismum, daß ich mich sofort niederlegen und in die Statt um meinen Ordinarium Herrn Zweng- hoff schicken muste. Als ich eben in Erwartung desselben und au plus fort du pa- roxisme wäre, tratte der Kaiser in mein Zimmer, um mich zu besuchen; allein da ich nicht wissen kunte, wohin sich meine Kranck- lieit determiniren und ob nicht etwann gar ein Ausschlag in mir stecken mögte, so batte ich alsobald, I. M. wolten sich meinem Bett nicht näheren, und gäbe kein Ruhe, biß nicht meine Frau den Kaiser aus meinem Zimmer geführet; ja mehrerer Sicherheit halber wäre ich gesinnet, mich noch heut abends in die Statt transportiren zu lassen, wann nicht der Medicus bei seiner Ankunfft mir omnem moralem certitudinem gegeben hätte, daß die Symptomata meiner Kranckheit lediglich ein dreitägiges Fieber indiciren könten, wie sich dann auch der Paroxismus gegen den Abend geleget und ich nicht allein eine zimmlich ruhige Nacht gehabt, sondern auch den folgenden Tag, als den 26., mich ohne mindester Alteration und im Stand befunden, aus dem Bett zu verbleiben und nachmittags mit aller Gelegenheit in die Statt zu fahren. Da ich nun wegen annoch fürdauerender Quarantaine in meinem Haus nicht logiren kunte, so stige ich in dem Quartier meiner geflüchteten Kinder auf dem Graben ab, in der Hoffnung, meiner Kranckheit allda besser abwarten zu können. Indessen wurde anheut der Princesse hoher Nahmens-Tag zu Schönbrunn gewöhnlicher Massen mit öffentlichen Dine und Appartement gefeiret; jedoch unterblibe die Excursion nach St. Anna; und da ich wohl vorsehen kunte, daß es sich mit meiner Unpäßlichkeit länger hinausziehen wurde, so substituirte ich anstatt meiner den Graffen Franz Esterhasy als einen deren ältesten Cammerherrn und ertheilte selbem, ehe mich von Schönbrunn weg begäbe, die erforderliche Vollmachten und Anweisungen. Den 27. hatte ich einen abermahligen Paroxismum, und zwar hielte selber seine Stund zimmlich accurat und immer zwischen 12 und 1 Uhr mittags, dauerte sodann biß 7 und 8 Uhr abends mit grossem Durst, jedoch leidentlicher Kälte und Hitz, auch nicht sonderlichen Kopffschmertzen, wesshalben ich auch niemahlen phantasiret, sondern allein einen mehreren Pruritum loquendi bei ankommender Hitz verspühret habe. Meine Frau hatte mich gleich anfänglichen in die Statt accompagniret und Zeit meiner Kranckheit, ihrer be- kanten Treu und Lieb nach, mit aller Sorgfalt gewartet. Ehe ven hüll er-Sch litt er. 1752—1755. 9 130 1753, Juli 27.-31. Ansonsten wäre auch heut Conferenz im Spiegl-Ziinmer in niederländischen Sachen. 157 ) Den 28. jag-te der Kaiser in der Gegend von Stammersdorff und im Zuruckfahren über den Graben sähe ich selben an Fenster, weillen ich eben meinen gutten Tag gehabt. Den 29. wäre zu Schönbrunn sonntägiger Kirclien-Dienst. Heut hatte ich wiederumen Paroxismum; der Medicus wolte mir aber keinen ferneren lassen und verschribe mir den folgenden Tag, als den 30., die China, so ich anfänglichen alle vier Stund in Pillen praepariret einnehmen muste. Dise Nacht wurde meine Marianl mit Erbrechen und starcker Alteration angegriffen; und da par surcroit de fatalite des in dem nemmlichen Haus im dritten Stock wohnenden Goldarbeiters und Jubiliers Fleischhäckel Kinder die Blattern überkammen, so muste ich mich um ein anderes Quartier umsehen, theils um meinen Franz Antoni (welchen ich unlängst eben deren Blattern wegen aus dem Theresiano — all wo ein junger Herr darmit behafftet worden — hinaus und zu mir genolimen hatte) und den kleinen Mann zu salviren, theils auch, um mich und meine Frau nicht in die Contumaz einzusperren. Und da nun der Fürst und die Fürstin von Lamberg vor ihrer Abrais auf das Land uns auf allen Fahl ihr nächst dem meinigen gelegenes Haus angetragen, so profi- tirten wir bei nunmehriger Noth diser giittigen Offerte; und nach- deme wir noch den heutigen Tag (um zu sehen, wie es mit der Nänerl continuiren werde) abgewartet und Tags darauf, als den 31., sich bereits bei selber die Indicia eines sicheren Ausschlags geäusseret, so transportirten wir uns mit denen drei bei uns habenden gesunden Kindern (nemmlichen der Therese und beiden Söhnen) in obbemeltes Fürst Lambergisches Haus, jedoch erst Nachmittag, weillen ich zuvor auch noch erwarten wollen, was die China für einen Effect machen und ob der heut einzutreffende Paroxismus etwann ausbleiben würde, wie es auch erfolget und ich von nun an ohne Fieber gebliben, allein (wie natürlich) mit dem Gebrauch der China und ungemainer Diaet continuiren müssen, also zwar, daß ich vierzehn Täg nichts als Suppen mit Knöderl, geschnittenen Nudeln etc. (ohne das geringste vom Fleisch gemessen zu dörffen) zu mir genommen und erst mit End Augusti förmlich freigesprochen worden bin. Übrigens kämmen II. MM. anheut ins Profess-Haus und wäre die Ordonnanz wegen der warmen Saison bereits um 9 Uhr. Eodem starbe ganz gähling in der Nacht an einem Schlagfluß ohne Kinder im 61. Jahr unseres Cabinets-Secretarii ältester und einziger Bruder David Heinrich von Koch, vorhiniger Hoff-Cammer 1758, Au g. 1.—6. 131 und dermahlig- ältester Hoff-Rath bein Directorio, ein in Finanz und Cameral-Sachen sehr erfahrn und gebrauchter Mann. Den 1. Augusti wäre in der Burg Reichs-Conferenz in der ritterschafftlichen Recurs-Sach, welche so ville Motus auf den Reichstag verursachet, nachhero aber doch nach der kaiserlichen Intention und zu Favor der Ritterschafft wider die zwei recurrirende fürstliche Häuser Wiirtemberg und Bayreuth ausgefallen ist. 158 ) Den 2. kämmen die Herrschafften al solito wegen des Portiun- cula-Fests zu denen Capucinern nach St. Ulrich. Den 3. wäre zu Schönbrunn das freitägige Appartement und den 5. der sonntägige Gottesdienst. Übrigens dorffte ich bei dermahliger schönen Zeit des Nachmittags spatzieren fahren; jedoch muste ich evitiren, über das Wasser zu gehen, mithin nähme ich meine Promenade meistens gegen Dornbach und dortige Gegend. Da ich nun eben heut die nemmliche Spatzierfart machte, so kämmen beide kaiserliche Mayestätten in mein Quartier gefahren; und wiewollen sie niemanden zu Haus angetroffen — indeme meine Gemahlin, die mich nicht accompagniret hatte, dafür in die Kirchen zum 40ständigen Gebett gegangen wäre — so geruheten II. MM. jedoch in so lang sich zu verweillen, biß mann gleich anfangs meine Frau aus der Kirchen geliollet und annebens mir einen Reutenden nachgeschickt hatte, um mich von der Ankunfft diser vornehmen Gästen zu avertiren und meine Rückkehr zu beschleunigen. Ich fände mich ganz beschämet, da ich vernehmen müssen, wie II. MM. mehr dann eine halbe Stund meiner erwartet; und die gnädigste Ausdruckungen, wormit a. h. dieselbe ihre Empfindlichkeit und mildeste Theilnehmung an meiner Situation zu bezeigen geruheten, sezten mich vollends ausser Stand, meine innerliche Regungen und submisseste Erkantlichkeit genugsamm zu erkennen zu geben. Ich muste mich auf allerhöchsten Befehl alsogleich niedersetzen und bei den Abschied darffte ich keinen Schritt aus meinem Zimmer zur Begleitung folgen, dessen sich dann meine Frau und Kinder für mich aquitiren musten; und weillen ich des regnerischen Wetters halber mich (wie es willens gewesen) den folgenden Tag als den 6. nicht selbsten zu Erstattung meines unterthänigsten Dancks nach Schönbrunn verfügen können, so schickte ich meine Frau und Dochter Nachmittag alldahin, welche aber die Kaiserin im Hereinfahren bei denen Linien antraffen. I. M. hatten die Gnad und Hessen ihr Biroccio Stillstehen, damit meine Gemahlin und Dochter (welche in Ersehung derselben aus dem Wagen gestigen waren) ihnen sich näheren kunten und geruheten sogleich par abondance 9* 132 1753, Aug. 6. de coeur von der heut Vormittag zu Schönbrunn vorgefallenen Cata- strophe zu sprechen und selbe mit denen essentiellesten Umständen zu erzehlen. Dise sofort zwar in alle auswärtige Zeitungen zimmlich wahrhaft! eingedruckte Begebenheit hat sich ktirtzlich folgender Massen zugetragen: ein unter den Nahmen eines Chevalier de Balde sich wegen des bekanten Processes bein Reichs-Hofif-Rath bereits gegen zwei Jahr dahier auf haltende pretendu Prince de Montbeillard (jüngster Sohn des wegen seiner Debauches beruffenen Herzogs George von der zweiten Schwester Baronne de FEsperance, und welcher fast um die nemmliche Zeit vorn Jahr an einer hitzigen, mit gewaltiger Raserei und Delirio begleiteten Kranckheit von unserem D r Zweng- hoffer curiret worden wäre) kämme heut gegen die Mittagszeit nach Schönbrunn und verlangte von dem Dienst-Cammerherrn Duc d’Ursel, bei der Kaiserin gemeldet zu werden; und da diser ihnie mit aller Anständigkeit wiederhollter Mahlen repliciret, daß I. M. disen Morgen keine Audienz ertheilten (wie dann auch dergleichen Supplicanten sich nur an denen zur öffentlichen Audienz bestimmten Tägen aufschreiben und melden lassen dörffen), so wolte er mit Gewalt in das Spieglzimmer dringen. Der an der Thür sonsten stehende Cammerdiener wäre eben auf einen Augenblick zu Verrichtung einiger Noth- durfft aus der Anticamera gegangen, mithin stellte sich zwar der Cammerherr vor die Thür des Spieglzimmers, um dessen Eintritt zu verwehren; allein der sogenannte Chevalier zöge den Degen und gienge ganz rasend auf den Cammerherrn zu, welcher kaum so vill Zeit hatte, auch den seinigen zu entblößen, und — da er ohnedeme sehr klein und schwach ist — noch zu mehreren Unglück oder von Selbsten auf dem Parquet ausglitschte und zu Boden helle oder von dem Balde im Eindringen in das Spieglzimmer nidergeworffen wurde, wo er sich sehr kumerlich mit Fassung dessen Degens von einem nach ihme geführten, andurch aber abgeleiteten und durch den Rock gegangenen Stoß (jedoch nicht ohne Verletzung deren Händen und Überkommung einer Streififwunde an der Seiten) retten müssen. Balde gienge sofort der Kaiserin Cabinet zu, worinnen dieselbe eben mit dem Cabinets-Secretario arbeiteten und über den so nahe entstandenen Lerm — unwissend was dises Getöß deren entblösten Degen zu bedeuten habe — natürlicher Weis nicht wenig erschrocken, auch alsogleich zu I. M. den Kaiser gelofifen seind und sogar (wie mann sagt) Selbsten durch das Fenster um die Wacht geruffen haben sollen. Indessen wäre dem Dienst-Cammerherrn erstlich des Ertzherzogs Josephs ältester Cammerherr Marchese Poal (welcher an 1753, Au g. 6.-8. 133 einem Fenster in der Anticamera mit einen andern geschwätzet) in das Spieglzimmer zu Hiilff geloffen und hatte den Tkäter von zuruck so lang gehalten, biß die Cammer-Trabanten und endlich auch die Hartschieren herbeigekommen und ihn vollends desarmiret und ihn also in die Wachstuben getragen, von wannen er als ein Unsinniger nach den spahnischen Spittal gebracht und leztlich in das Closter Rein in Steiermarckt transportiret worden. Einige glaubten, er wäre nicht im Delirio gewesen, sondern von seinem gäh-zornigen Temperament übereilet worden; allein die Kaiserin wolte aus angebohrner Clemenz die Sach nicht förmlich untersuchen lassen, sondern die That lieber in mitiorem partem und als eine Recidive seiner vornjährigen Kranckheit auslegen, um den Eclat der Straff zu decliniren. Jedoch befahlen dieselbe mir über eine Weill, daß mann 1° die Entrees auf dero Seiten wie bei den Kaiser reguliren und nicht (wie zu Schönbrunn bishero üblich gewesen, da jedermänniglich biß in das Spieglzimmer exclusive, sonsten aber in alle Anticamern der Einlaß gestattet worden wäre) fernershin mehr einlassen; sodann 2 do die öffentliche Audienzien, worzu nach alten Gebrauch auch die Unbekan- teste aufgeschriben und admittiret zu werden pflegten, also restringiren solle, das niemand mehr auf die Liste von Obrist-Cämmerer-Ammts wegen gesezt werde, welcher sich nicht zuvor bei seiner Instanz, die Fremmde aber, und zwar die aus den Reich, bei dem Reichs-Vice- Canzlern und die übrige bei den Hoff-Canzler angemeldet und sich durch Vorweisung deren Capi Unterschrifft bei mir genugsamm legiti- miret haben wurden; worbei doch I. M. auf meine wenige Vorstellung die Modification begenehmiget, daß mann sich doch nöthigen Fahls durch mich oder andere Weege mittelst geheimmer Memorialien an dieselbe wenden könte, damit nicht etwann durch persöhnliche Affecten deren Capi der Zutritt zum Thron und das nötliige Gehör denen Supplicanten benohmen werden mögte. 3 i0 wurde zu noch mehrerer Sicherheit die Verordnung gemacht, daß hinftihro nebst dem Dienst- Cammerherrn beständig ein Haubtmann von der hiesigen Garnison sowohl auf des Kaisers als auf der Kaiserin Seiten d’ordonance sein solle, welchen beiden gleich denen zwei Haubt-Dienst-Cammerherrn die Wohnung und das Essen bei Hoff (Zeit ihrer wöchentlichen Bedienung) gegeben wurde, und zwar ward ein solches naclihero auch in der Statt observiret und dem Haubtmann nur um jene Zeit in der Rathstuben zu bleiben verwahret, wann wir in Mantl-Kleidern er- scheinten. Den 8. kämme der Herr Ayo und Baron von Bartenstein zu mir und wurde wegen des Ertzlierzogs Josephs Studien inter nos de- 134 1753, Aug. 8.-11. liberiret; in specie aber muste der pro historico vorgeschlagene Leporini sein Tentamen aushalten, mit dessen Benennung es sieb aber noch lang hinausgezogen hat. Eodem verraiste der an des dermahligen kaiserlichen Commis- sarii und Ministri plenipotentiarii Marchese Botta d’Adorno Stelle unlängst pro ministro ad latus des Printz Carl resolvirt und benannte Graff von Cobenzel nach Brüssel ab. 159 ) Den 9. kämmen II. MM. in die Burg zu einer Conferenz in russicis 1G0 ) und den 10. wäre wegen des heutigen Feiertag öffentlicher Kirchendienst und das gewöhnliche freitägige Appartement. Den 11. gäbe der Kaiser die Lehen beiden bischöfflich- Co- stanzischen Deputirten, dem Weihbischoff von Deuring und Reichs- Agenten Ferner von Fernau. 161 ) Weillen von denen bei diser Function zu erscheinen habenden Hoff-Ämtern außer meiner sonsten keiner anweesend wäre (indeme sich mein Schwager zu Nicolspurg befände, der neue Herr Obrist-Hoffmeister aber nach gebrauchten Carls Bad sich auf seine Gütter begeben hatte), so kämme ich, ungehindert meiner noch sehr anhaltenden Schwachheit nach Hoff und vertratte gewöhnlicher Massen das Obrist-Hoffmeister-Ammt und der angesezte Herr lloffmarschall truege das Schwerd vor, nachdeme er sich zuvor bei I. M. den Kaiser selbsten angefraget; und sein Erb-Schencken- Ammt, da kein anderer Graff von Althann zugegen gewesen, wurde auf allerhöchsten Befehl durch den Commandeur Ricci als einen deren ältesten Cammerherrn suppliret; und da sich zugleich eben ereignet, daß kein Graft* von Sinzendorff zur Function des Erb-Schatz- meister-Ammts sich gegenwärtig befände und auf meine Anfrag von dem Kaiser hierzu der Reichs-Hoffrath Freiherr von Hagen (als einer deren ältesten zugegen gewesenen Cammerherrn) substituiret wurde, hatte ich hac occasione einen Contrasto mit dem Herrn Reichs-Yice- Canzlern, welcher praetendiret, daß in dergleichen Fällen, wo es auf die Substituirung eines abweesenden Erb-Ammts ankäme, der Vortrag und die Anfrag bei I. M. den Kaiser durch ihn und nicht durch den Obrist-Hoffmeistern oder dessen Ammts-Verwaltern zu beschehen hätte. Diser Handel wurde erst ville Zeit darnach und nachdeme Graff von Ulfeld sowohl als Graff Colloredo ihre, und zwar zimmlich eiffrig (um nicht zu sagen hitzig) gefaste schrifftliclie Vorstellung I. M. dem Kaiser überreichet, zu Favor des Obrist-Hoffmeister- Ammts (als welchem nach alten Herkommen den Actum investiturae zu dirigiren und zu berichtigen oblieget) decidiret. 1753, Aug. 11.—19. 135 Heut abends erhielte ich beiliegendes sehr gnädiges Billet vom Ertzherzog Joseph, 162 ) welcher mir die Quaestiones, worüber er heut früh examiniret worden, überschickt und in denen güttigsten Ausdruckungen seine Bedauerung zu contestiren geruhet, daß ich meiner ^ Indisposition halber bei disen seinen Examine gewöhnlicher Massen nicht erscheinen können. Die Abschrifft meiner Antwort findet sich ebenfalds hierneben und addressirte ich selbe nebst einem Billet d’ac- compagnement an den Herrn Ayo. 163 ) Den 12. wurde zu Schönbrunn der sonntägige Gottesdienst und den 13. beider Ertzherzoginnen Elisabeth und Charlotte Geburts- Tag in Gala und mit einem Appartement celebriret. Den 14. (nachdeme ich abends zuvor meinem neu erkiesenen Beichtvattern P. Francisco Lehner S. J. — welcher dermalden auch deren beiden jüngeren Ertzherzogen und der Frau Mariae Annae, auch meiner Gemahlin Beichtvatter ist — eine General-Beicht von Zeit der lezteren, so ich vor einigen Jahren gemacht, in meinem Zimmer abgeleget) Hesse ich mich durch einen Pater von Schotten als meiner Pfarr in Geheimm administriren, weillen mich der Docter wegen besorgender Recidive bei den eben eingefallenen regnerischen Wetter kaum aus meinem Quartier, vill weniger in die Kirchen er- ^ lauben und ich dennoch an dem morgigen grossen Feiertag meine Andacht nicht auslassen wolte, als welche ich meines Errinnerens an disen Tag noch allzeit verrichtet habe. Gegen 11 Uhr wurde ich von der Kaiserin, welche heut früh von Schönbrunn hereingekommen wäre, in die Burg bestellet, wohin mich wohl eingepackter tragen Hesse, und hatte I. M. die Gnad und Indulgence für mich, mir alsofort anzubefehlen, daß ich mich in dero Cabinet auf ein Tabouret niedersitzen soltej und muste ich die ganze Audienz-Zeit hindurch, welche sehr lang und gnädig abgelolfen, anbei meistens die hiervor bereits angemerckte neue Reglemens und die nackhero ebenfahls publicirte neue Verordnung im Theresiano betroffen hat, also sitzend verbleiben. Den 15. wäre der öffentliche Kirchendienst zu Schönbrunn und Nachmittag kämmen die Herrschafften zur Säulen. Den 17. wäre im Spieglzimmer eine Conferenz in mixtis. Den 18. thate mir der Printz Carl die Gnad und kämme mich ( Vormittag besuchen und sich zugleich zu beurlauben. Eodem emp- fienge ich ein sehr gnädiges Billet von I. M. dem Kaiser. 164 ) Den 19. hatte vor den heut sonntägigen Gottesdienst der unlängst hier angelangte Bischoff von Chur seine Audienzien und nach- * jr 136 1753, Aug. 20.—22. mittags gerulieten I. D. der Ertzherzog Joseph mich ebenfahls in Begleitung des Herrn Ayo zu besuchen. Den 20. verfügten sich die ältere drei Erzherzoginnen nach Goldegg zu denen Fürst Trautsohnischen, von dannen sie erst nach einigen Tagen mit I. M. der Kaiserin zuruckkammen. Des nemm- lichen Nachmittags führe meine Frau nach Schönbrunn, um vor der Ahrais in Böhmen denen Herrschafften die Cour zu machen, und nähme den Hannß Joseph mit sich (welcher nunmehro seine Quaran- taine vollendet) damit auch er die Händ küssen könte, ehe er seine Rais nach Italien angetretten. Den 21. (welchen Tags eine abermahlige Zusammenkunft, den Ertzherzog Joseph betreffend, zwischen den Ayo und Baron Bartenstein bei mir gewesen) seind II. MM. nebst dem Printz Carl bereits um 4 Uhr früh aufgebrochen und naehdeme sie zu Wittingau bei den Fürsten von Schwartzenberg übernachtet, den folgenden Tag als den 22. gegen 4 Uhr Nachmittag zu Moldau-Tein angelanget. Die Suite bestünde in dem Obrist-Stallmeistern, denen Leopold Dauni- schen, der Cammer-Freile Comtesse von Proskau und Hoff-Dame Freile von Schirnding, und wurde der Hoff sowohl als die übrige Gäste (deren Anzahl, obschon nur ein und anderen par distinction alldahin zu kommen erlaubt worden, gleichwollen nicht gering gewesen) von dem Fürst Joseph Wenzl von Lichtenstein — welcher das aldorten versammlete Artillerie-Corps commandiret — auf das herrlichste defrayret und bewirthet, auch überhaubt alles, das Exer- citium betreffend, also veranstaltet worden, daß II. MM. ein unge- maines Vergnügen darob empfunden. Sie verbliben allda biß auf den 27., welchen Tag die Kaiserin über Ungarschitz (biß wohin der Kaiser sie begleitet und wo sie beide übernachtet) nach Goldegg — von wannen der Fürst von Trautsohn (um die Kaiserin ferners zu begleiten) nach besagten Ungarschitz gekommen wäre — der Kaiser aber auf die böhmische, sogenante Cameral-Herrsehafft und auf des jungen Fürsten von Auersperg, sodann des böhmischen Obrist-Jägermeisters Graff Leopold Kinsky und Reichs-Vice-Canzlers Gütter zur Geniessung der dortiger Orthen un- gemain schön und zahlreichen kleinen Jagd abgegangen seind. Eodem schickte ich den Hannß Joseph in Begleitung eines von dem General Lynden und seinem gewesten Generalen Selbsten sehr recommendirten Herrn Huhn von Althuhn (selber wurde hernach in die von dem Feldmarschallen von Daun in der Mariae-Hülfer- Vorstatt neuerlich errichteten sogenannten militärischen Pflanz-Schull placiret und starbe erst in zimlicli hohen Alter im Majo 1772), 1753, Aug. 22.-30. 137 welcher ville Jahr als Haubtmaim unter Schullenburg gestanden, unlängst aber wegen seiner Blessuren mit Erlaubnus des Hofkriegs- Raths seine Compagnie verkauffet, über Mariae-Zell nach Turin, um alldorten sich seinem ältesten Brüdern zuzugesellen, welcher bereits medio Junii von Madrid aufgebrochen und über Valenzia, Barcellona und Marseille mit Anfang Septembris in Turin eintreffen sollen. Sie kämmen auch beide nur einen Tag von einander an, und zwar der Joseph zum ersten den 15. Septembris, weillen sich der Sigmund von einer zu Marseille gehabten Espece de dyssenterie noch nicht vollkommen remittiret, mithin seine Rais in etwas verspättet batte, wie sich dann auch diser Ursach halber zu Turin länger aufhalten müssen, als es in meiner ihnen schrifftlich gegebenen Instruction anbefohlen und ausgemessen worden wäre. , Den 24. hörte ich zum ersten Mahl Meß aus dem Haus seit meiner Kranckheit, und zwar nur in der Josephi-Capellen hei Hoff, weillen mir Herr Zwenghoff absolument in keine Kirchen erlauben wolte, wo Grufften befindlich, als welche seiner Mainung nach eine Recidive verursachen können. Nach gehörter heiliger Meß führe ich zu meiner kleinen Re- convalescentin, als bei welcher wegen Abweesenlieit des Hoffs eben so genau auf die Contumaz nicht dorffte gesehen werden; ich fände selbe sehr geänderet und starck marquiret, auch hatte die arme Kleine eine sehr üble Espece und in so grosser Quantitet gehabt, daß wann nicht aus sonderbahrer Schickung Gottes (wie es der Medicus Selbsten bekennet hat) die Natur den 10. Tag der Eruption eine Crisim gemacht und die iiberhäuffte Materi durch eine gelinde Diarrhoe eva- cuiret hätte, selbe wegen ermanglender Maturation deren Blattern unmöglich hätte davon kommen können. Den 25., um nach und nach die Lufft mehr wiederumen zu gewöhnen, führe ich spatzieren in den Belveder und hörte in der Capellen die heilige Meß; desgleichen verfügte ich mich alle Nachmittag auf die Promenade. Den 28. gieng ich nach Schönbrunn, um denen ertzlierzoglichen Herrschafften meine Cour zu machen und zumahlen dem Ertzlierzog Joseph wegen der gnädigsten Visite meine unterthänigste Danck- sagung abzustatten; die Princesse wäre dise meiste Zeit zu Eisenstatt bei der Fürstin Esterhasy und kämme erst als morgen von dannen zuruck. Den 30. begab ich mich Nachmittag auf Schönbrunn und hatte die Ehre, I. M. der Kaiserin (welche gegen 7 Uhr abends nebst denen Erzherzoginnen von Goldegg zuruckgelangt) bein Absteigen 138 1753, Sept. 1.—9. aus den Wagen die Hand zu reichen, anbei die Consolation, hierbei auf das gnädigste angesehen zu werden. Wegen der Nachtlufft aber führe ich alsogleich wieder zuruck in die Statt. Den 1. Septembris befand ich mich incommodiret, zwar nur mit einer Indigestion, welche von deine hergekommen, daß mich gestern in etwas überessen und sodann auf der Promenade nach Breitenfurt (wo ich mit der Josepherl und noch ein paar gutten Freunden zu spatt verbliben wäre) von der kühlen Abendlutft eine Erkältung überkommen hatte; ich muste mich dennoch zu Haus halten und von neuem in einen genauen Regime setzen, kunte auch von dämmen bei der auf heut bereits angestellt gewesenen juridischen Disputation des Graffen Leopold Clari im Theresiano nicht erscheinen und muste anstatt meiner den Graffen Michael Hanns von Altbau pro commissario substituiren, aus dessen Händen der Defendent die goldene Gnaden-Ketten empfangen. Den 2. führe die Kaiserin zu denen Paulanern mit sämtlicher jungen Herrschafft wegen des h. h. Schutzengel-Fests, worbei dann der älteste Cammerherr abermahlen meine Stelle vertretten muste. Den 4. kämme die Kaiserin in die Statt und besähe das von der Princesse Victoire erkauffte Printz Eugenisclie, seithero aber dem Graffen v. Königsegg-Erps (qua praesidi der Müntz und Bergwesens Hoff-Commission) zu seiner Wohnung und Etablirung dessen Departements- und Ammts Verlags — als Kupfer, Silber etc. — eingeraumten und auf Unkosten des Aerarii disen Sommer hindurch zugerichtetes Haus; wegen welcher a. h. Visite von seiten der Commission besondere gold- und silberne Medaillen gepräget und denen Herrschafften sowohl als Vornehmem des Hoffs ausgetheilet wurden. 165 ) Eodem erhielte ich von I. M. ein abermahlig sehr gnädiges Billet 1GG ) und den 7. wurde ich von demselben in die Burg zur Audienz bestellet, worbei I. M. mich abermahlen sitzen geheissen, so ich aber für dises Mahl um da mehr depreciret, als meine Gesundheit von dem leztern Zufall sich fast vollkommen erhellet hatte, dahero ich auch folgenden Morgen, als den 8., nach Schönbrunn hinausgefahren und die Kaiserin in die Capellen begleitet, nachmittags aber zur Säulen mitzufahren mich nicht getrauet habe, weder auch bei der den 9. eingefallenen Andacht und Procession wegen des Entsatzes Wienn mich einzufinden, welcher die Kaiserin nebst dem Ertzherzogen Josepho, der Frauen Maria Anna, auch Begleitung des 1753, Sept. 10.—14. 139 Nuncii beigewohnet. Ich sähe die Procession bei meiner Reconvales- centin auf den Graben Vorbeigehen. Den 10. fulire meine Frau nach Schönbrunn, um der Kaiserin vor unserer Zeller-Rais (worzu ich bereits die allergnädigste Erlaubnus * erbetten hatte) die Hand zu küssen; weillen es aber regnerisch Wetter wäre, so Hesse ich sie allein hinausgehen, zumahlen ich das Schönbrunner Clima seit meinem Fieber nicht wenig gescheuet und die Promenaden dahin nach Möglichkeit decliniret habe. Den 11. gieng unsere Rais nach Mariae Zell für sich, welche ich wegen herbeikommender Arriere-Saison nicht länger verschieben wollen und wohin wir uns sowohl wegen unserer geblätterter Kinder als ich in specie bei meiner Kranckheit verlobet hatten, zumahlen ich bei diser Gelegenheit (wie es meinem Beicht-Vatter am besten bekant ist) die allvermögende Krafft der mildreichsten Vorbitt diser grossen Gnaden-Mutter dem Leib und noch mehr der Seelen nach zu meinen ewigen Danck recht augenscheinlich erfahren hatte. Wir speisten heut Mittag zu St. Pölten, alhvo meine Frau eine bei ihr als Cammerjungfer ehedessen gewesene und nunmehrige sehr fromme Carmeliterin (nalnnens Margaritha Theresia) besuchen wollen, und übernachtete zu Lilienfeld nebst unseren Rais-Gespannen (der Herberstein Thereserl und den Frantz Antoni) und meinem par pre- ^ caution mitgenolimenen Medico, den jüngeren Anderle. Den 12. speisten wir mittags auf den Anna-Berg und kämmen bei Zeiten zu Zell an, allwo wir in den Hirschen einlogiret und die Feldmarschall-Vasquezische antraffen. Den 13. verrichteten wir unsere Andacht, speisten noch zu Zell und nahmen sodann die steierische Route, weillen ich der Wurmbrand einen Rendez-vous zu Prugg gegeben und mich mit selber nach Göss (um auch meine dortige geistliche Schwestern, 107 ) welche ich gleich der ältesten seit December 1741 nicht gesehen hatte) verfügen wollen; wir bliben über Nacht zu Seewisen. Den 14. speisten wir mittags zu Prugg, allwo die Wurmbrand schon vor unserer angekommen wäre, und fuhren sodann mit selber nach Göss, wo uns die erst vor ein paar Jahren erwählte Frau Äbbtissin Henrica (eine gebohrne Freiin von Poppen aus Schlesien und eine sehr manierlich bescheidene und meritirte Dame) auf das höfflichste ^ empfangen und bewirthet hat. Wir logirten in denen grossen Gastzimmern und hatten abends unser Soup6 auf 12 biß 14 Couverts, worbei der sogenannte Pater extraordinarius, welcher in Abweesenheit des gewöhnlichen Beicht- Vatters und so benammsten Patris supremi les honneurs machte (sic!). r 140 1753, Sept. 17.—26. Mittags aber speisten wir im Parlatorio ä la grille, hinter welcher auch die Äbbtissin nebst meinen Schwestern und einigen Chor- Frauen ihren Tisch gerichtet hatten und zugleich mit uns ihr Mittagmahl einnahmen, also zwar, daß mann par l’ouverture de la grille und durch ein kleines Thürl die Speisen hin und her reichen kunte. * Wir wolten an den morgigen Tag bereits wiederumen abraisen, allein auf wiederholltes Ansuchen verbliben wir biß auf den 17., da wir nach gehörter h. Meß bei den mit silbernen Orne- ments reichlich bedeckten Altar oben in dem Chor und sodann ä la häte genohmenen Abschied nebst der Wurmbrand uns auf Mittag wieder nach Prugg verfüget, von wannen dise zuruck nach Gratz gekeret, wir aber noch biß nach Schottwienn gefahren, allwo wir übernachtet; und den 18. (nachdeme wir zu Neustatt das Mittagmahl eingenohmen) seind wir bald nach 4 Uhr zu Wienn ganz glücklich zuruckgelangt. Der Herberstein kämme uns in Gesellschafft des siebenbürgischen Raths und Cammerherrn Graff Gabriel Bethlehn (welchen meine Frau und ich wegen seines wahren Attachements für uns und unser ganzes Haus ungemain aestimiren und als einen rechten Ami de la maison ansehen), da wir eben aus der Neustatt herausfuhren, entgegen; und unsere übrige sammtliche Famili traffen wir in er- wünschten Wohlsein an. Zugleich vernahmen wir, daß eben disen T Morgen die Kaiserin nach Nicolspurg abgangen seie, um den Kaiser, welcher von Oppotsehna auch allda eintreffen sollen, zu erwarten und sodann beide miteinander anhero zu retourniren. Den 21. führe ich mit dem Frantz Antoni nach Mariae Brunn; und nachdeme wir allda Meß gehöret, stigen wir en passant zu Schönbrunn ab, um denen jungen Herrschafften und der Princesse die Cour zu machen; und da eben eine Staffette von Nicolspurg mit der Nachricht angelangt, daß II. MM. (welche als morgen zuruck- erwartet wurden) noch eine Excursion nach Hollitsch machen und erst den 26. revertiren wolten, so nähme ich sofort den Entschluß, auch meines Orths in disem Intervallo eine Excursion nach Ladendorff zu thun, und raiste noch disen Nachmittag in Begleitung des Frantz Antoni alldahin ab. Den 22. kämme nachmittags meine Frau mit denen übrigen Kindern nach und die Herbersteinische waren auch de la partie. Den 26. speisten wir wegen deren kleinen Kinder unterweegs zu Woickersdorff und kämmen ganz zeitlich zu Wienn an, allwo auch disen Abend II. MM. von Hollitsch ganz glücklich ein traffen. 1753, Sept. 26.-29. 141 Da ich nun den Kaiser so lang nicht gesehen, so wolte ich mein Empressement zeigen, ihme die Hand zu küssen, und verfügte mich sogleich in die Burg, allwo beide Mayestätten — um die alte Gräffin zu sehen — abgestigen waren, nähme die Freiheit, bei den Kaiser mich durch eine Cammerjungfer der Frauen Obrist-Hoffmeisterin melden zu lassen, und hatte auch die Consolation, auf das gnädigste empfangen zu werden. Den 27. führe ich Vormittag nach Schönbrunn, hörte in der Capellen Meß und nähme Audienz bei der Kaiserin, um mich in specie wegen der Ankunfft des Erb-Printzen von Modena in ein so anderem allerunterthänigst anzufragen; da ich aber vermercket, daß mir nicht allerdings wohl seie, so wolte ich evitiren, mich bei den Mittagmahl einzufinden und dafür in meinem Zimmer nach Gelegenheit etwas weniges zu essen und mich zu tranquillisiren. Allein wie ich zu meinen Quartier kämme, so waren unglücklicher Weis alle meine Bediente darvon und theils essen gegangen, mithin muste ich Selbsten herumlauffen, um jemand zu raffen, der meine Leuth aufsuchen mögte, wormit eine zimmliche Zeit vergienge. Inmittelst nähme die Alteration (zumahlen ich so lang dem heutig- kalten Wind exponiret hübe) dergestalten überhand, daß endlichen ein förmlicher Frost ausbrache; und obwollen ich in des Monsieur d’Ogara Quartier mich bei einen Camin-Feuer bald wieder erwärmet und nach genohinenen Thee vill leichter und ohne Alteration befände, so traute ich doch dem Gast nicht, welchen ich sofort für einem recidivischen Paroxismo der Ter- tianae beargwöhnet, und kerte noch disen Abend zuruck in die Statt, avo aber Herr Zwengkoff nicht die geringste Alteration mehr an der Pulß gefühlet, mithin nebst mir den weiteren Erfolg erwarten muste. Indessen wäre zu Schönbrunn das Versprechen der Hoff-Dame Comtesse Mariae Annae von Schlick mit dem kaiserlichen und ertz- herzoglichen Cammerherrn, auch General Adjutanten Freiherrn Sigmund Plager (der Fürstin von Trautsohn eintzigen Brüdern — worbei die Kaiserin den Heirath Brieff mittelst einer Gratification wie mann gesagt von 50.000 fl. zur Versicherung des Douaire und einer Zulag von tausend Gulden zu des Bräutigamms Gage zu constituiren geruhet —) disen Abend vorbeigangen, wo ich mit zum Zeugen ge- betten wäre, und darauf Appartement gehalten worden. Den 28. wäre öffentlicher Gottes-Dienst zu Schönbrunn, desgleichen den 29. und gienge der Hoff nicht zu denen Michaelern. Heut früh gegen 9 Uhr hatte ich einen abermakligen Paroxismum, und 142 1753, Sept. 29.—30. zwar hielte die Kälte Aveit länger und stärcker an, als ich selbe jemahlen noch empfunden hatte; dahero fände mein Ordinarius für nöthig, mir alsogleich nach geendigtem Paroxismo die China wiede- rumen zu geben, und zwar anjetzo nicht in Billen wie zuvor, sondern par infusion in Schwartz-Kirschen-Wasser, und muste ich solche anfänglich alle vier Stund nehmen; und wiewollen das Fieber von heut an ausgebliben, so wurde ich nicht allein zu den ehevorigen rigorosen Regime auf das neue condemniret, sondern muste noch über dises den Gebrauch der China (jedoch gewöhnlicher Massen en diminuant la dose) über die drei Monatli continuiren und dem Sejour von Schönbrunn für dises Jahr gänzlich renunciren. Abends besuchte mich der Herr Hoff-Canzler, um von meinem Gesundheitsstand, worvon sehr verschiedentlich gesprochen wurde, sichere Kundschafft einzuhollen; und den Tarocca als einen geprüften wahren Freund liesse ich Selbsten zu mir bitten und durch ihn beiden Mayestätten über dise mich betroffene, betrübte Recidive eine anständige Insinuation und Ausrichtung machen, worvon sich selber auch en ami prudent et en habile eourtisan zu aquitiren gewust und mir die gnädigste Gegencontestationen zuruckgebracht hat, die aus denen in meinen Händen befindlichen allerhöchsten Billeten zu meiner beharrlichen Consolation wiederhöhter Mahlen zu erlesen seind. 168 ) Den 30. langte abends der Erb-Printz von Modena unter den Nahmen eines Marchese Novi und Begleitung seines Oberhoffmeisters Marchese Negri und sechß Cammerherrn allhier an. Er nähme sein Quartier bei seines Herrn Vattern Gesanten (Cavaliere Montecucoli) in dem Rosenbergischen Haus gegenüber denen Augustinern. Bald nach dessen Ankunfft kämme jezt gedachter Minister zu mir, um abgeredeter Massen die Audienzien für den Printzen anzubegehren. Der Herr Obrist-Hoffmeister wäre disen Mittag eigends von Schönbrunn (allwo er bei dem öffentlichen sonntägigen Kirchen- Dienst seine Aufwartung gemacht hatte) auf Befehl II. MM. zu mir gekommen, um wegen der Reception und des Tractaments hochernannten Printzens mit mir zu sprechen und mich in specie zu praeveniren, daß II. MM. demselben morgen wegen des einfallenden Geburts-Tags des verstorbenen Kaisers (an welchen sie hergebrachter Massen völlig retiriret zu sein pflegten) die Audienz nicht zu er- theilen gedächten und ich ein solches dem Montecucoli convenable- ment anzeigen solte. Der Printz mögte aber den folgenden Tag als den 2. Octobris um 11 Uhr hinauskommen, so ich dann alles ihme Gesanten behöriger Massen insinuiret. 1753, Okt. 1.—4. 143 Den 1. Octobris verbliben die Herrschafften obbemelter Massen retiriret. Die Kaiserin kämme herein in der Früh, um in der Grufift bei denen Capucinern ihrer Gewohnheit nach und wie sie an allen dergleichen traurigen Anniversariis zu tliun pfleget, Meß zu hören; schickte zugleich zu mir und meiner Frauen und Hesse sich nicht allein wie sie es wiederhollter Mahlen zu thun geruhet hat, um meine Gesundheit, sondern anbei auch erkundigen, ob ich mich im Stand befände, ihre allerhöchste Besuchung anzunehmen. Da ich aber disen Vormittag eben in Erwartung des Fiebers (so zwar von heut an gänzlich wieder ausgebliben wäre), mithin im Bett liegend wäre, so Hessen sie mir nach Vernehmung dises Umstands auf das gnädigste vermelden, daß sie mir heut keine Ungelegenheit machen und dafür ein anderes Mahl besuchen wolten. Den 2. hatte der Printz von Modena gegen 11 Uhr seine erste Audienzien zu Schönbrunn und wurde bei den Kaiser von meinem Substituto (dem Graffen Esterhasy) gemeldet, auch alsofort in die Re- tirade und von der Kaiserin und sämmtlichen jungen Herrschafften in denen Cammern comme de la famille empfangen. Mann verstattete auch seinen mitgekommenen Cavalliers in soweit die Entrees, daß selbe, wann Campagne wäre, in die Rathstuben gleich denen Generalen und gewesten Edelknaben gehen dorfften, item in dem Appartement. Der Printz speiste heut zu Schönbrunn nebst dem Gesanten, seinem Maggiorduomo oder Hoffmeistern und einem Cammerherrn, welches auch nachhero alle Wochen zwei Mahlen, meistens an Donners- und Sonn- oder Monntägen geschehen und dem Printzen frei- gestellet worden ist, wen er von seiner Suite mitbringen wolte. Er nähme immer beide erstere und abwechselungsweis einen seiner Ca- vallieres mit, welche alle jederzeit zu der herrschafftlichen Tatfel gezogen wurden. Hiernächst wurde selbem eigends eine Retirade zubereitet, wohin ihn anheut par distinction einer unserer Dienst-Cammerherrn begleitet hat. Den 3. hatten die Knaben ex Theresiano ihre gewöhnliche Audienz bei den Kaiser und machte ein Sohn des Herrn Reichs-Vice- Canzlers, Graff Wenzl, das Compliment auf französisch. - Den 4. wurde der Gala Tag in allem gewöhnlicher Massen begangen. Der Printz von Modena hatte durch mich die Stund zur Audienz gleich vor der Kirchen (und nachdeme die in privato stehende Bottschaffier bereits expediret waren) erhalten und wurde hierzu durch den angesezten Obrist-Cämmerern gemeldet. Er begäbe sich sodann in seine Retirade und verblibe allda währenden Gottesdienst, nach welchen er auf der Kaiserin Seiten hinüber gienge und 144 1753, Okt. 4.-5. in der Cammer und den Spiegel-Zimmer sich in so lang verweillte, biß mann ihn in Geheimm avertiret, daß der bei den öffentlichen Taffei- Dienst zur gewöhnlichen Aufwartung zugegen gewesene Nuncius nach den ersten Trunck deren Herrschafften seinen Abtritt ge- nohmen, worauf selber ganz unvermerckt ebenfalls in die grosse Anticamera eingetretten und fast die ganze übrige Zeit des Taffel- Diensts verbliben ist. Auf Mittag wolte mann ihn eben des Nuncii halber (wiewollen er mit denen Bottschafftern in keiner Competenz stehet, noch stehen kann) par delicatesse zur grossen Hoff-Taffel nicht laden, mithin führe der Printz zum Speisen nach Haus, kämme aber bei Zeiten zuruck, pour etre a l’ouverture du bal, wo er nach denen Ertzherzogen mit denen durchlauchtigsten kleinen Frauen gedanzet, und zwar sich dessen sehr wohl und noblement aquitiret hat, se piquant d’etre bon danseur. Übrigens wurde bei jezt gemelten Hoffbal alles auf den hergebrachten Fuß und wie an der Kaiserin Geburtstag gehalten, nur daß zum Soupe (worzu abermahlen die Bottschaffter, Hoff-Ämter, Conferenz-Räth und der Ertzbischoff von Wienn geladen wurden) auch der Printz, aber lediglich nebst seinem Hoffmeistern durch den substituirten Obrist-Cammerherrn invitiret worden, weßfahls der mo- denesische Gesante anfangs einen Verschmaeh zeigen wollen, als welcher sonsten zu allen Partien mit dem Printz gezogen wurde; allein er muste von Selbsten begreiffen, daß es mit dem heutigen Soupe eine ganz andere Beschaffenheit habe und mann durch eine solche Preference alle andere fremmde Gesanten nothwendig aufgebracht und vor den Kopff gestossen haben würde; wie dann auch der angesezte Obrist-Cämmerer darvon ausgebliben, um nur alles auf den hergebrachten Fuß zu belassen. Eodem schribe ich der Kaiserin heiligendes Billet, um mich wegen meiner Gesundheit zu entschuldigen, worinnen gleichwie auch in dem nachgefolgten verschiedenes, das Theresianum betreffendes einkommet. 169 ) Den 5., welchen Tags im Spiegl-Zimmer Conferenz wäre, ge- ruheten I. M. die Kaiserin mich mit der lezthin zugedachten allergnädigsten Visite gegen 11 Uhr würcklich zu beehren, worbei ich nur embarrassiret wäre, daß dieselbe in meinem schmutzig und sogar ohne Spallier gewesenen Quartier (indeme wegen des neuen Baues und Zurichtung in meinem Haus noch alles über und über wäre) empfangen müssen. I. M. hatten die Gnad, ungehindert sie bekannter Massen gar keine Wärme leiden können und ich wegen meines kräncklichen Stands kein Fenster aufmachen dörffen, sich einige 1753, Okt. 6.-9. 145 Zeit bei mir zu verweillen, und wurde iu specie des Theresiani halber ein so anderes gesprochen, wie es nach der gnädigsten Visite liinc inde gescliribene und nebenliegende Bidets mit mehreren ausweisen, aus welchen auch die giittigste Vorsorg diser allergnädigsten Frauen für die Gesundheit eines alten Dieners sehr trostreichest zu ersehen ist. 170 ) Den 6. wurde der Ertzherzogin Mariae Annae Geburts-Tag mit einem öffentlichen Taffeidienst, worbei die Dames serviret, und Nachmittag mit dem Appartement begangen. Den 7. fuhren II. MM. wegen des heut einfallendcn Rosen- Crantz-Fests Vormittag zu denen Dominicanern. Den 9. speisten unsere liebe Fürst Emanuelisclie nebst meiner Braut bei mir, welche alle erst von ihrer mährischen Herrschafft Crommau, und zwar wider ihren Willen früher zuruckgekommen, weiden der jüngste Sohn (Fürst Leopold) mit einer Alteration befallen worden wäre, die bald nach seiner Zuruckkunfft in die wiirck- liche Kindsblattern ausgebrochen, worvon er nach der Hand ganz glücklich genesen. Indessen wäre auch ihre zweite Dochter, die Fürstin Maria Anna, zu einer Braut geworden, und zwar mit dem nemmlichen Graff Emanuel, Sohn des dermahligen SenioratsTIerrn und würcklichen geheimmen Raths Gr. Josephs, welcher meine Amalia anverlangt hatte. Dise leztere wäre von nun an fast beständig bei uns; und da ich, in so lang der Hoff zu Schönbrunn verbliben, sehr wenig ausgekommen und anbei wegen der Confusion mit dem Bauen nichts dann vertraute gutte Freund sehen kunte, muste dises liebe junge Wesen meiner Frauen und mir nur so affectioniret sein, als sie es in der That wäre, um sich nicht in meinem Haus zu ennuyren. Eodem starbe zu Presburg an der Lungen-Entzündung im 68. Jahr der Fürst Christian von Lobkowitz, würcklicher geheimmer Rath, Ritter des goldenen Flusses, Feldmarschall, Obrister eines Regiments Cürassier und commandirender General in Hungarn, ein Herr von Verstand, Bravour und viller Kriegs-Erfahrenheit, deme aber seine gar zu grosse Lebhaftigkeit und biß in das spätteste Alter nicht zu dämpffen gewesene Fougue ungemainen Torto gemacht, als welcher mann seine fählgeschlagene Expeditionen (als jene von Veletri, wo er en chef, und zu Sor, allwo er die Cavallerie cornman- diret) mehr dann dem Glück oder Unglück zuschreiben wollen. Das Commando in Hungarn wurde sofort dem Fürsten Joseph Wenzl von Liechtenstein angetragen, welcher es endlichen auch, jedoch mit reser- virten Conditionen (als in specie, daß er wegen seiner Charge de Khevenliüller-Sch litter. 1752 — 1755 . 10 146 1753, Okt. 10.—18. grand maitre de l’artillerie zu keiner Residenz in seinem neuen Posto gehalten sein solle) angenohmen hat. Den 10. wurde zum erstenmahl und weiters fast immer zweimahlen die Wochen hiß zur Advent-Zeit die sonsten nur im Fasching gewöhnliche Redouten und maschirte Bai erlaubet, um dem Printzen von Modena Zeit seines hiesigen Aufenthalts ein melireres Amüsement zu verschaffen. Anbei hatte der Kaiser die Complaisance, selben nebst seinen gewöhnlichen drei Mitgästen zu einem Soupe in denen oberen neuen Zimmern nächst der Redoute zu laden, welches meistens in 20 biß 24 Couverts bestünde, und worzu nebst der Prin- cesse (indeme die Kaiserin niemahlen zu soupiren pfleget) — und die dem Kaiser zu Lieb immer von Schönbrunn hereingekommen — noch ein und andere Dames und Cavalliers ohne Observirung eines Rangs, auch zum öffteren einige deren jüngeren Frauen ausgewählet wurden. Den 14. wohnten II. MM. dem sonntägigen Gottesdienst zu Schönbrunn gewöhnlicher Massen bei. Den 15. wurde der höchste Nahmens-Tag I. M. der Kaiserin wie sonsten mit öffentlichem Kirchen- und Taffeidienst celebriret, abends aber die Opera la deinen za di Tito (worzu mann das Personale auf des Kaisers Befehl und Unkosten in aller Eill zusammen suchen müssen und der die (sic!) Music componiret) m ) ebenfahls in publico aufgeführet, worbei denen in privato stehenden Bottschafftern die Loge rechter Hand und dem Printzen von Modena die gegenüber auf der lincken Seiten befindliche angewisen wurde; das Soupe aber blibe aus. Der Printz von Modena machte bei der Taffel seine Cour wie an Francisci-Tag, speiste sodann bei den Tarocca. Weillen mir der Docter nicht erlauben wollen nach Schönbrunn zu kommen, so muste Graff Esterhasy mich noch immer suppliren; jedoch hatte ich die Gnad, beiden Mayestätten Nachmittag (als sie in die Burg kämmen, um bei der alten Gräffin ihren Glückwunsch abzuhollen) en passant die Hand zu küssen, wo selbe mich wie ich es auch in der That wäre, noch sehr defait fanden. Den 16. wäre in der Gegend von Kallenleugeben eine gesperrte grosse Schweinjagd, worbei auch der Printz von Modena sich eingefunden, desgleichen den 17. bei der Parforce-Jagd in der Hohleuthen, zu welcher auch die Kaiserin en chaise mitgefahren und dem Printzen auch die weitere Finesse gemacht, ilime zuvor eine complete Jagd-Uniforme in das Haus zu schicken. Den 18. wohnten II. MM. einer Conferenz im Spieglzimmer bei und abends wurde die Opera auf dem Schönbrunner Theatro repetiret. 1753, Okt. 19.—28. 147 Den 19. wurden abends die Vigil lind den 20. die Exequien für dem verstorbenen Herrn zu Schönbrunn al solito gehalten; und gegen 5 Uhr Nachmittag kerten die 4 ältere Frauen (nachdeme die kleinere bereits vor einigen Tagen vorausgangen) zuruck in die Statt pour les quartiers d’hiver; die drei Ertzberzogen aber folgten ihnen in ein paar Tagen nach. Den 21. wäre zu Schönbrunn der gewöhnliche sonntägige Gottes- Dienst; abends aber thate mir der Kaiser die Gnad, mich in meinem unaufgeraumten Quartier zu besuchen. Den 22. hatte der neu angekommene französische Ministre pldnipotentiaire Vicomte d’Aubeterre, welcher von einer deren bestund ältesten Familien entsprossen ist, 172 ) seine erste Audienz bei beiden Mayestätten zu Schönbrunn, worzu er nach jetziger Etiquette von denen Dienst-Cammerherrn gemeldet wurde. Den 24. wurde auf Befehl des Kaisers die Opera auf dem Theatro nächst der Burg gratis gespillet; jedoch wolten I. M. nicht, daß mann sich (wie sonsten üblich gewesen) von seiten des Hoffs in die Distribution deren Logien und übrige Entree meliren solle, sondern überliessen es lediglichen der de la part de la police aufgestellten Commission, die dermahlen von denen Graffen Frantz Esterhasy (Cammerherrn und Directorial-Rath) und Conte Durazzo dirigiret wird, welch lezterer aus einem genuesischen Abgesanten kaiserlicher königlicher würcklicher geheiinmer Rath und quasi Intendant des plaisirs geworden ist. 173 ) Den 25. Hessen sich I. M. die Kaiserin wegen abermahlig- ge- seegneten Stands zum ersten Mahl gewöhnlicher Massen par precaution zur Ader und wurde abends auf dem Schönbrunner-Thbätre französische Comedie gespillet. Den 28. hatten die Knaben aus dem Theresiano ihre biß anheut verschobene Audienz und machte die Gratulations-Anrede des Obrist-Stallmeisters zweiter Sohn von der änderten Ehe Graff Fran- ciscus de Paula in französischer Sprach; anbei erscliinen sämtliche Jünglinge auf allerhöchsten Befehl in schwartz tiicheiien Kleidern und reichen Vesten, als welches führohin ihre Uniforme und Habit de fete sein sollen, die HUngarn aber tragen petit gris mit silbernen Agrdmens. Nachmittag fuhren II. MM. in die Statt, um der gewöhnlichen Andacht wegen der grossen Pest von 1679 beizuwohnen; weillen nun dieselbe zuvor in der Burg abgestigen, so profitirte ich von der Gelegenheit, um ihnen die Hand zu küssen, zumahlen mich Herr io* 148 1753, Okt. 30.—Noy. 4. Zwenghoff absolument condemniret, für heuer nicht mehr auf Schönbrunn zu gehen. Den 30. wurde zu Schönbrunn die Opera wiederliollet und den 31. kainmen II. MM. Uber Nacht in die Statt. Annebens wäre heut Toison-Vesper. Ansonsten wurde in denen mittleren Tagen dises Monaths eine neue Verordnung gemacht, daß hinführo auf denen grossen Plätzen der Statt keine wöchentliche Märckte mehr gehalten, sondern die bisherige Stände auf den Hoff, Graben etc. an andere Orth und Stellen transportiret werden sollen, 174 ) bei welcher Gelegenheit dem alten geheimmen Zahlmeister von Dier eine besondere tragicomique Avanture wiederfahren ist: dann weillen selber erst unlängst das Graff Vandernothische Haus auf den Graben käuff- licli an sich gebracht, verfiellen die Kräutlweiber, welche alldorten von unerdencklichen Jahren her ihre Stände gehabt, auf den Argwohn, als hätte er durch seine Insinuationen und Credit ausgewürcket, daß sie nach den tieffen Graben und weiters relegiret worden waren, und da er eben an den Fruhmorgen, als sie fortwandern musten, von St. Peter aus der Meß zu Fuß nach Haus gienge, griffen sie ihn mit denen härtesten Vorwiirffen an und brauchte er alle seine Beredsamkeit, um seine Unschuld darzuthun und anmit ihren weiteren Insulten zu entgehen. Den 1. Novembris wäre das gewöhnliche von dem Nuncio gesungene Toison-Ammt und abends die Vigil bei denen Augustinern, und zwar erschine mann bei diser lezteren sowohl als morgen den 2. bei den Seelen-Officio in Mantel-Kleidern, weillen die Herrschafften über Nacht heringebliben und in publico über den Augustiner Gang zur Kirchen sich verfüget, sodann erst auf Mittag nach Schönbrunn zuruckgekeret. Den 3. wurde das Huberti-Fest al solito mit einer Parforcejagd in der Gegend von Stammersdorff begangen. Den 4. wurde zwar wegen des Ertzherzogs Carl Gala gemacht und derselbe in der Statt von denen Bottschafftern und fremnulen Ministres gewöhnlicher Massen eomplimentiret; ingleichen kämme der Kaiser wegen des heut einfallenden Fests der weinenden Mutter Gottes in publico nach St. Stephan; die Kaiserin aber blibe al solito retiriret, mithin wäre zu Schönbrunn nichts publiques. Heut gegen Abend schlugen bei den Frantz Antoni, welcher seit vorgestern nachts tibi auf gewesen, die Blattern ganz glücklich und in einer gutten Sorte heraus, wie er dann auch selbe, Gottlob und Danck, ohne weiters vill kranck gewesen, weder marquiret worden zu sein, überstanden hat. I. M. der Kaiser, deme ich davon 1753 , Nov. 5 .- 14 . 149 unterthänigst berichtet, schickten zu mir von der Kirchen, und ligen sowohl dessen als der Kaiserin Mayestät mir dißfahls zugeschribene allergnädigste Bidets allhier zu mein und des Sohns Trost hierbei. 175 ) Den 5. seind II. MM. mit einem sehr kleinen Gefolg nach Mariae Zell und den 7. abends wiederumen glücklich zuruck eingetroffen. Den 8. speisten II. MM. zu Schönbrunn ä la table dTmion mit dem Printzen von Modena et autre petite compagnie. Den 9. kämmen II. MM. von Schönbrunn gerad zu denen Augustinern, um dem Schluß der Seelen-Octav beizuwohnen. Den 10. wurde die Opera abermahlen gratis in der Statt ge- spillet, vor welcher ich in der Burg II. MM. meine Aufwartung gemacht und zugleich die Deprecation und Empfindlichkeit wegen meiner Entfernung von dero Persohnen wiederhollet. Den 11. wurde der sonntägige Gottesdienst in der Cammeroder Josephi-Capellen gehalten, weillen die Herrschafften heut in der Burg übernachtet, aus welcher Ursacli auch die Kaiserin der ständischen Deputation ihre gewöhnliche Audienz zu Überreichung deren Postulatorum in der Statt, jedoch mit denen nemmlichen Formaliteten gleichwie zu Schönbrunn (ausser daß die Wägen des Land-Marschalls und übriger Deputirter nur mit zwei Pferden bespannet werden dorffen) gegeben hat. Der unlängst ernannte neue Landmarschall Fürst von Trautsohn, welcher sich dißfahls mit dem Graffen von Königsegg-Erps ab- gefunden 176 ) und zugleich seine Obrist-Hofimeister-Stelle beibehalten, figurirte hierbei zum erstenmahl in diser Qualitet; und weillen die Function nicht zu Schönbrunn, sondern in der Statt geschähe, so kunte ich bei diser solennen Audienz gewöhnlicher Massen selbsten zugegen sein. Den 12. wurde in dem Spieglzimmer in mixtis, nahmentlich aber über eine schon vorlängst in Deliberation gestandene Materie (die mehrere Restringirung deren ad manus mortuas kommender Plabschafften betreffend) Conferenz gehalten; und wiewollen ich mich hiervon wegen meiner Gesundheit annoch entschuldiget, so findet sich dennoch ein und anderes ex hodierno prothocollo extraliirter bei meinen Conferenz-Actis. 177 ) Ansonsten wurde auch disen Abend die Opera zu Schönbrunn reproduciret. Den 14. hatte ich abermahlen die Ehre, dem gewöhnlichen Examini des Ertzherzogs Josephs beizuwohnen. Abends wurde die Opera zum zweit- und leztenmalil gratis in der Statt gespillet. 150 1753, Nov. 15.-29. Den 15. verraisten die Herrschafften (wie es bereits vorn Jahr zum ersten angefangen worden) in der Früh nach Closter-Neuburg und kämmen nach gehörter Vesper abends wieder hei Zeiten zuruck. Der Printz von Modena ist auf bescliehene Anfrag zum Kirchendienst hinausgekommen und da ohnedeme wie vor einem Jahr kein Dine publique gewesen, nebst den modenesischen Gesanten und mitgebrachten Cavallieren zur herrschaftlichen Taffel geladen worden. Den 16. wohnte ich seit meiner Kranckheit zum erstenmalil wieder einer in russicis und in Gegenwart beider Mayestätten in der Burg gehaltenen (Konferenz bei. 178 ) Den 18. kämmen II. MM. nach St. Stephan zum 6000 fl. Ammt und nachdeme hatte der bayerische Gesante Graff von Baumgarten seine Abschieds-Audienzien bei beiden Herrschaften, erhielte auch sofort aus meiner Hand einen Ring und Tabatiere zum Present de conge. Den 19. blibe zwar zu Schönbrunn wegen des Anniversarii der Kaiserin Frau Mutter gewesten Nahmenstags alles retiriret; in der Statt aber wäre Gala wegen der Ertzherzogin Elisabeth, welche gewöhnlicher Massen von denen Botschaftern und sonsten die Com- plimenten empfieng. Den 21. unterblibe der gewöhnliche Kirchen-Gang nach Mariae Stiegen, weillen der Graff von Haugwitz neben der ihme und dem Directorial-Rath nunmehro zur Wohnung eingeraumten, vorhinigen böhmischen Canzlei ein neues, sehr großes Gebäu aufführet, so zu einer General Registratur und Archiv gewiedmet sein solle und durch welche Bauerei die Zufuhr zu obbemelter Kirchen für die Hoffwägen gar unbequemlich gemacht wurde. 179 ) Den 25. wäre zu Schönbrunn der sonntägige Gottesdienst und abends Redoute en masque in der Statt, welche Redoute darauf den 27. zum 8. und lezten Mahl vor dem Advent erlaubt wurde. Den 29. wurde vor der grossen Toison-Vesper Capitl gehalten und in selber folgende acht neue Ritter vorgeschlagen, nemmlich: Feldmarschall Neipperg, Marquis de Steinville, Feldmarschall Cordua, Duc de Croy, Graff Salburg, Graff Leopold Daun, Conte Gian-Luca Pallavicini, Marchese Philippo Doria Caravaggio (Schwiegersohn des Graffen Wilhelm von Sinzendorff von seiner ersten Frauen, die eine Erbin des Haus Caravaggio gewesen), Conte Francesco Montecucoli Caprara (ältester Bruder des hiesigen modenesischen Gesanten und Ehegemahl der Erbin von dem Haus Caprara). Dise Promotion hatte nicht so ville Approbation als die zwei vorherige und wurde sonderlich die Benennung des General-Commissarii Graff von Salburg wegen 1753, Nov. 29.—30. 151 seiner nicht gar zu alt- lind illustren Extraction, und deren beiden Genuesern Pallavicini und Doria (wiewollen der erstere als Exgubernator von Mailand noch mehreren Anspruch zur goldenen Ketten haben kunte) nicht allerdings approbiret; und w r are nur zu bedaueren, daß I. M. der Kaiser sich sowohl wegen der vorgehabten Promotion en general, als in specie wegen der Auswahl deren Can- didaten sich so verschlossen gehalten und niemand Bescheidenen und Erfahrenen zu Rath ziehen wollen. Heut abends kämme endlichen der ganze Hoff von der so spatt hinausgezogenen Schönbrunner Villegiatura in die Statt zuruck. Den 30. wurden die fiinff gegenwärtige neue Ritter, welche bereits gestern (aber gewöhnlicher Massen nur im Mantelkleid) der Vesper beigewohnet — als nemmlichen Cordua, Salburg, Daun, Cara- vaggio und Caprara — vor dem Hoh-Ammt zu Rittern geschlagen, und wurde übrigens das Ritterfest al solito celebriret. Von gestern und heut an fienge auch ich an, bei denen Kirchengängen und übrigen Ammts-Verrichtungen wie sonsten wiederumen zu erscheinen, wiewollen ich bei heutiger Mittag-Mahlzeit (wegen des Fischtags, da ich noch immer Fleisch essen muß) eine sehr schlechte Figur gemacht. Mit Anfang dises Monaths wurde das neue Institutum der öffentlichen Sehullen und Studien (woran bereits einige Zeit sub praesidio unseres Ertzbischoffs als eigends von der Kaiserin ernannten Protec- toris Universitatis et studiorum gearbeitet worden) vollends im Gang gebracht, nachdeme mann zuvor verschiedene neue Professores publicos für die höhere Studien auserwählet, auch sogar ein und andere von fremmden Orthen her beschriben hatte, welche alle mit ausgäbigen Bestallungen versehen und wegen des Modi docendi auf die dißfahls ihnen vorgeschribene Instructionen angewisen wurden. Um dises Werck noch herrlicher zu machen, so kaufften I. M. die Kaiserin auf dem unteren Jesuiter-Plätzl (gegen die Becker- Strassen) eine ganze Reihe Häuser, welche meistentheils niedergerissen und in ein neues sehr grosses Haus zusammen gebauet und zugerichtet worden, worinnen mann die Säle und Auditoria für die Collegia publica und die Wohnungen deren Professorum zubereitet, und worzu gleich anfangs ein Fundus von einer halben Million ge- wiedmet und in specie zu dessen einiger Erleichterung das alte Gebäu der Juristen Schull käufflichen hindangegeben wurde. Mit denen neu beruffenen Professoribus hatte es ein und andere unangenehme Anecdotes und Meprises abgesetzet, indeme mann von verschiedenen Ulustribus, welche bereits das Wort gegeben hatten, zu- 152 1753, Nov. 30 —Dez. 5. lezt dennoch plantiret worden, ein paar anderen aber, die mann sur la bonne foi de leur reputation würcldich beruffen, sodann aber in operatione als minus liabentes anerkant hatte, consilium abeundi er- theilen müssen. 180 ) In diser ganzen Sach hatte die Kaiserin wie in all- übrigen, leider! meistentheils unglücklichen Neuerungen zwar die beste Intention; es ist auch nicht zu laugnen, das die hiesige Studia einer Reformation bedörfftig waren, allein ob dise libe und sonsten so erleuchte Frau zu Ausführung eines so wichtigen Wercks sich an die wahre Mitteln gehalten und genugsamm tüchtig und erfahrne Leuth pro executoribus auserwählet, insonderheit aber, ob unser Ertzbischoff der Mann dazu wäre, um die ganze Sach (wiewollen er nur den Nahmen hergelihen, Monsieur Van Swieten aber das meiste gethan hat) zu dirigiren, will ich meines Orths nicht zu erörtern suchen, fürchte aber sehr, das es damit wie in allen übrigen neuen Veranstalt- und Anordnungen ablauffen werde, wo noch immer täglich was zugeflicket und abgeänderet wird, also das mann bishero von allen unseren Novatoribus in der That nicht vill rümliches anmercken, weder für das ktinfftige von ihrer Arbeit und Projecten vill gedei- liclies sich versprechen kann. Den 1. Decembris giengen II. MM. öffentlich wegen des Sonntags in die Capellen und wurden übrigens die Advent-Andachten und französische Predigen wie vorn Jahr reguliret. Die Dines in publico aber wurden wegen der Kaiserin glücklich- avancirenden Schwangerschafft, ausser an einigen Gala-Tägen, gänzlichen eingestellet. Den 3. unterblibe der sonsten gewöhnliche Kirchengang zu denen unteren Jesuitern und die Herrschafften fuhren dafür in das Belvedere, allwo selbe mit dem Printzen von Modena und einiganderen Gästen zu Mittag gespeiset haben. Den 5. hatte der Nuncius (welcher gestern durch einen Currier die Nachricht von der dem 26. nuperi erfolgten grossen Cardinal- promotion, worvon die Liste beikommt, 181 ) und zugleich die rothe Calotte erhalten) qua cardinalis die Privat Audienz bei beiden Maye- stätten, worzu ich ihn angemeldet, und verbliben sodann biß zur Function des Birets incognito, ohne daß mann ihme biß dahin weiters zu denen Taffel- und Kirchendiensten ansagen lassen. Mann schickte nach Ausweis des bei meinen Actis vorhandenen Prothocoll-Extracts 182 ) sowohl von seiten des Kaisers, als der Kaiserin, desgleichen von seiten sämtlich- männlich- und sämtlich- fräulich- jungen Herrschafften besondere Cammerherrn, mithin vier an der Zahl, um dem neuen Cardinal zu complimentiren, welcher nach der- t; 1753, Dez. 6.—12. 153 mäkliger Etiquette zuvor auch bei allen jungen Herrsckafften die Audienz nehmen müssen. Den 6. wurde das Nicolai-Fest nicht öffentlich, sondern in der Cammer-Capellen begangen. Den 7. wäre Toison-Vesper und Vormittag Conferenz in russischen Anliegenheiten in Gegenwart des Kaisers. 183 ) Den 8. celebrirte mann den grossen Gala-Tag gewöhnlicher Massen. Der unlängst angekommene Cardinal Troyer und Serbelloni hatten vor der Kirchen Particular Audienz, desgleichen beide in private stehende Bottscliaffter Kayserling und Correro, jedoch jeder a parte; hierauf führe der Kaiser allein nach St. Stephan. Und weillen kein Bottscliaffter in publico zugegen, so speiste die Princesse mit und der Kaiser blibe in Mantel-Kleid, in welch- lezterer Tracht der Ertzherzog Carl heut zum ersten Mahl erschinen und mjt bei der Taffel gesessen ist. Nachmittag wäre kein Ausgang zur Säulen, zum Schluß aber das Appartement. Den 9. wohnten die Herrschafften dem sonntägigen Gottesdienst in der Hoff Capellen bei, sodann wäre en honneur et gloire des Erb- Printzen von Modena ein Dine bei der Princesse, welchem ich auch beigesessen. Mann hatte dises Expedient ausgefunden, damit doch die Etiquette in der Statt einiger Massen salviret und nach der Hand nicht gesagt werden könte, das ein Printz von Modena in dem Spiegl- oder sonstigen formellen Wohnzimmern des Kaisers oder der Kaiserin Mayestätten, wo es doch in das Coeremoniale tieffer einschlagt, mitgespeiset habe. Den 12. wäre wegen des Printz Carls Gala, Dine servi par les dames und Appartement. Ich entschuldigte mich aber von dem heutigen Dienst und substituirte den Esterhasy, weillen es mit meinem armen Eidam so schlecht stunde, daß mann fast stündlich seinem Abscheiden entgegen sehen muste. Es hatte selber bereits einige Wochen her sich nicht allerdings wohl befunden, jedoch wie es die junge Leuth meistens zu tliun und auf ihre Jugend zu pochen pflegen, ungehindert meiner öffteren Wahrnung, weder sich schonen noch bei Zeiten einige Praeservativ Mittlen und Artzneien brauchen wollen, biß er endlichen mit Anfang dises Monaths zu seinen gehabten Catharr eine wifrckliclie Alteration überkommen, so ihn in das Bett geworffen. Der D 1 ' Zwenghoff befähle zwar alsogleich eine Aderlaß, allein die Symptomes der Kranckheit wurden täglich schlimmer, zumahlen mann dem Patienten unmöglich einigen Schlaff zu weegen bringen können, wordurch er auch dergestalten betroffen und kleinmiithig worden, daß er von dem dritt- oder vierten Tag der Kranckheit an 154 1753, Dez. 12. seinen Tod gleichsauim vorgesagt und ehe noch der Ordinarius und das zusammen beruffene Consilium medicum eine wiirckliche Tods- gefahr anerkennen wollen, mein und meiner Frauen Beicht-Yattern P. Leliner zu sich kommen lassen und selbem seine General Beicht abgeleget, auch tiherhaubt sich mit denen schönsten Actibus gleichsamm zum Sterben bereitet hat. Weillen aber gemelter Massen die Umstände der Kranckheit, welche mit einem Schleimmfieber oder Febre lymphatica angefangen, noch nicht so beschaffen waren, daß mann ilime das heilige Viaticum reichen kunte, so wurde ungehindert er es mit heftiger Begierd verlanget, damit noch zugewartet, biß endlichen die Medici wegen der immer fiirdauerenden Schlaflosigkeit die bald darnach gefolgte Deliria befürchten, mithin keinen längeren Anstand nehmen wollen, ihn und zwar noch in der Nacht von den 8. auf den 9. administriren zu lassen. Als meine Frau vormittags darauf zu ihn gekommen, fand sie ihn noch vill übler und schribe mir ein Zettel nach Hoff, damit ich sie von dem Dine bei der Princesse entschuldigen mögte. Die Transports continuirten jedoch mit einigen Intervallis, wie er dann wiirck- lich den 9. Vormittag sein Testament unterschoben und nach deren Zeugen Mainung sich völlig gegenwärtig gewesen sein solle. Mann hatte bereits eine zweite Aderlaß an den Fuß vorgenohmen und ihme Visicatoria gesetzet; weillen aber nichts helffen wollen, so wurde an einen zurucksteckenden Ausschlag fast nicht mehr gezweifflet, jedoch wäre hiervon den 10. Vormittag noch nichts zu sehen, mithin darffte ich noch zu ihn gehen, wo ich ihn in denen nemmlichen betrübten Umständen sehen muste. Er redete meistens ab; wann er aber wiederumen zu sich kämme, machte er die schönste Affecten, batte inständigst um die lezte Oelung und daß er doch noch seine Frau, Dochter und Mutter sehen könte; die erstere läge selber noch kranck im Bett von einer am Andreas-Tag gemachten Fausse-Couche, wo es mit der Kleinen im Anfang sehr gefährlich ausgesehen und der arme Mann in grösten Ängsten gestanden wäre, mithin wolten die Medici theils wegen ihrer selbst, theils um den Mann nicht noch mehr zu verwirren, keinesweegs zugeben, daß mann ihme weder das Weib (zumahlen selbe also kranck und schwacher schon einmahl in einem Tragsessel in sein Zimmer getragen und beide dardurch nur noch mehr attendriret und alteriret worden waren), noch das Kind zeigen solle. Die Mutter wurde zwar hineingelassen, allein mann muste selbe wegen übermäßigen Schrockens und Leidweesens auch alsogleich wieder fortführen. Als ich gegen zwölff Uhr (weillen ich noch Meß hören wollen) mich aus seinem Zimmer heimmlich weg machte, rieffe 4 1758, Dez. 12.-16. 155 er mir sich völlig gegenwärtig nach, ich solte ja wiederumen kommen und ihn nicht verlassen, so ich ihm auch zugesagt, ihn aber leider bei meiner Zuruckkunfft in solchen Umständen angetroffen habe, daß mit selbem von nun an weiter nichts mehr sprechen können; dann •$- noch vor End der Meß bekamme ich die betrübte Nachricht, wie ihm gähling eine solche Ohnmacht oder Accident überfallen, daß er ohne aller Connaissance und gleiclisamm in lezten Zügen da lige, mann ihme auch alsofort die lezte Oelung geben würde, worauf ich dann ungesäumt zuruckgekeret und — naclideme ich diser heiligen und touchanten Function beigewohnet — mich zu der armen Patientin verfüget habe, um selbe nach und nach zu dem menschlicher Weis bald erfolgenden betrübten Verlust vorzubereiten. Inmittelst hatte aber der sterbend geglaubte Mann nach eingegossenen Confortativis * sich in so weit wieder erhöhet, daß er die verlohrne Sprach und Kentnus recuperiret, jedoch wie zuvor meistentheils deliriret. End- liehen bemerckte mann Nachmittag die erste Vorbotten eines ausbrechenden gifftigen Ausschlags, worauf dann alsofort das Benötliigtc veranstaltet wurde, um das arme Weib und kleine Döchterl aus des Krancken Behausung weg zu bringen, und nahmen wir beide zu uns in das Haus, naclideme zuvor für des Krancken sowohl leiblich- als geistliche Versorgung alle ersinnliche Vorsehung beschehen und in specie, naclideme wir ihme anstatt des P. Lehner — welcher als Hoff- Pater zu keinen contagiosen Patienten gehen darff — einen anderen braven Jesuiter zugegeben hatten. Von der Zeit an wurde es immer übler, der Ausschlag determinirte sich zu einer deren malignesten Sorten; nebst beiden Frieseln kämmen noch zulezt die Petetsclien dazu und die Kopffrais, biß selber endlichen den 13., früh um drei Viertl auf filnff Uhr, in dem erst mit End vorigen Monaths erfüllten 26. Jahr seines jungen Alters sanfft und seelig in dem Herrn entschlaffen. Weihen er nun ein eintziges zweijähriges Döchterl hinterlassen, so fielle das Majorat auf sein gesellwistrigt - Kind Gr. Joseph, einen Sohn des seeligen Landmarschallen, und in dem Allodio setzte er sein Kind zur Universal-Erbin ein und substituirte derselben pupil- lariter seine Mutter und drei unverheirath- hinterlassende Schwestern. Eodem gienge Graft* Georg von Starhemberg nach Paris und g* bald darauf den 18. unser neuer Ministre am neapolitanischen Hoff Graff Carl Firmian an ihre Gesandschafft-Stationen ab. 184 ) Den 16. wohnten die Herrschafften dem sonntägigen Gottesdienst bei und gaben dem Printzen von Modena Audienz, welcher sich auf einige Zeit nach Dresden verfüget. 156 1753, Dez. 19.—25. Den 19. waren in der Cammer-Capellen die Vigil und den 20. die Exequien für die Kaiserin Frau Mutter, abends Toison-Vesper. Den 21. hatten wir das Toison-Ammt, worbei doch anzumercken geglaubt, daß heut und gestern keine Trompetten und Paucken sich bei der Hoff-Music mehr hören lassen wie es sonsten an denen Apostel und anderen grossen Fest-Tägen von unerdencklichen Jahren üblich wäre. Die Ursach diser Neuerung solle unser Ertzbischoff gewesen sein, welcher der Kaiserin vorgestellet, daß dergleichen bruyante Musique sich in denen Kirchen nicht wohl schicken thäte, worauf dann auch selbe bei allen Umgängen und Gottesdiensten generalement verbotten und unangesehen aller Vorstellungen, daß nemmlich die arme Trompeter und Paucker hierdurch um ihr Gewerb und Nahrung kämmen, nicht mehr verstattet worden. Den 22. wäre Conferenz in belgicis et italicis, worzu auch ad finem I. M. der Kaiser gekommen. 185 ) Die Kaiserin wäre seit gestern in denen um dise Zeit jährlich für die Dames haltenden dreitägigen Exercitiis begriffen. Den 23. gienge der Kaiser nebst dem Ertzherzog Joseph zum sonntägigen Gottesdienst. Vor selben hatte Tarocca als mailandi- scher Raths-Praesident Audienz bei den Ertzherzog Leopold und überreichte ilnne das Diploma als Gubernatore und Capitano generale unserer wälsclien Landen, als welche Conferirung in unserer Convention mit Modena stipuliret worden wäre; 186 ) dafür bekamme er das Portrait von der Kaiserin, gleichwie er auch kurtz vorhero nebst denen Graften von Ulfeld, Colloredo und Kaunitz von dem Herzog wegen Berichtigung obbemelter Tractaten mit einem brillantenen Ring beschencket worden. Den 24. wäre Toison-Vesper und das erste Einrauchen, nach welchen mir der Kaiser einen Bartensteinischen Aufsatz, die Studia des Ertzherzogs Josephs betreffend, communicirte, worüber ich selbem und der Kaiserin nachhero meine Mainung schrifftlich zustellten, wie sich noch alles unter meinen geheimmen Schrifften vorfinden wird. 187 ) Den 25. kämmen der Cardinal Nuncius und übrige in privato stehende Bottschaffter ihre Complimenten beiden Mayestätten und sodann denen jungen Herrschafften in der Retirade abzulegen; die Kaiserin wäre zwar mit dem Kaiser zugegen, klagte sich aber von Schnupffen und Halswehe, weßhalben mich dann auch unterstünde, selber den heutigen Kirchengang und übrige publique Functionen zu widerrathen, worbei ich von dem Kaiser bestermassen secundiret und es endlichen in die Weege gerichtet worden, daß dieselbe weder 1753, Dez. 26.—31. 157 zu den Toison-Ammt, noch zum Mittagmahl in die Ritterstuben mitgekommen, anbei auch das Appartement contremandiret worden. Der Kaiser gienge allein zur Toison-Vesper, den 26. desgleichen nach St. Stephan und wieder Nachmittag zur Vesper, den 27. abermahlen allein zum Toison-Ammt in die Hoff-Capellen und abends zum Schluß des seit dem Weinacht-Tag angefangenen 40stündigen Gebett. Sonsten gienge mann sowohl gegen Mittag als abends auf der Kaiserin Seiten, sich um ihre Gesundheit bei der Cammer-Freile zu erkundigen. Den 30. wohnte der Kaiser dem sonntägigen Gottesdienst allein bei, desgleichen den 31. der Toison-Vesper. Bei dem Einrauchen aber wäre die Kaiserin, welche seithero vollkommen hergestellet, mit zugegen. 1754 . Den 1. Januarii führe der Kaiser allein in das Profeß-PIaus zum alljährlichen Toison-Amt; sonsten wäre nichts bei Hoff. Den 2. und folgende zwei Tag wurden bei denen Schotten die Exequien für meinen Schwigersohn seelig gehalten. Den 4. wäre Reichs-Conferenz. Den 5. gienge der Kaiser allein zur Toison-Vesper und sodann wäre das lezte Einrauchen. Den 6. abermahlen allein zum Toison-Ammt und abends wäre Appartement. Den 7. fiengen die maschirte Redouten wieder an, worbei die Kaiserin aber gar selten erschinen ist. Den 10. fuhren die Herrschafften ohne öffentlicher Begleitung zu denen Ursulinerinnen, um der Einkleidung zweier Freile Cavriani (Töchter des Gr. Max) beizuwohnen. Ich speiste heut mittags bei den Ayo mit dem Ertzherzog Joseph und einig- anderer Compagnie choisie. Den 11. bekamme ich ein Billet von der Kaiserin mit der Ordre, hinführo keinen Supplicanten um den Cammerschlüssel mehr in meinen Vortrag zu bringen, der nicht wenigstens acht Ahnen vätter- und vier mütterlicherseits probiren könte. Nachmittags wäre eine Hoff-Conferenz bei Graffen von Ulfeld wegen Regulirung deren Kostgelder auf denen Raisen. Den 13. wohnten beide kaiserliche Mayestätten dem sonntäglichen Gottesdienst bei. Den 15. hatten wir den ersten Hoffbal, wormit gewöhnlich alle folgende Dienstäg continuiret wurde, in allem auf den vorigen Fuß. Den 17. starbe zu Madrit in einem Alter bei nahe 80 Jahren der geweste wälsche Vicepraesident Juan Basilio Castelvi, Conde di Cervellon, Ritter des goldenen Flusses. Den 18. wohnte ich einer Conferenz in mixtis bei. 1754, Jan. 20.—Feb. 1. 159 i- Den 20. gienge der Kaiser ohne der Kaiserin zum sonntägigen Kirchendienst. Den 22. unterblibe der dienstägige Hoffbal wegen des heutigen Frauen Abends. Heut hatten wir abermahlen eine Conferenz bei *r, den Ayo wegen des Ertzherzogs Studien. 188 ) Den 24. hatte der englische Ministre Keith Audienz bei II. MM., um ihnen sein neues Creditiv als Ministre plenipotentiaire zu überreichen, welchen neuen Charactere und den damit überkommenden sehr nammhafft und Uber 30.000 fl. sich alljährlichen belauffenden Gehalt er vorzüglich denen Insinuationen unseres Ministern (als welches mit dises guttgesinnten Manns redlichen Umgang allerdings zufrieden wäre) zu verdancken hatte. Den 25. unterblibe der Ausgang zu denen Michaelern und | wurde das heutige Fest Pauli Bekerung in der Cammer-Capellen be- ! gangen. i Den 26. wäre bei den Graffen von Haugwitz das Versprechen | des Cammerherrn und Repraesentations-Raths Gr. Leopold Schlick | mit des jüngst verstorbenen Obrist Justitz Collegii, Vicepraesidentens j Graffen von Franckenberg seelig Dochter aus erster Ehe, Comtesse } Antonia, und sodann Gesellschafft, worbei ich als Beistand er- 1 schinen. ^ Den 27. wohnten beide Mayestetten dem sonntägigen Gottesdienst bei und gaben sodann dem mit dem Biret für den Nuncius , ‘ anhero geschickten päbstlichen Cameriere d’onore oder Cammerherrn j Conte Petronio Audienz, welcher — ob er schon weltlich und ver- I heirathet ist — in der Statt als Abbate und bei Hoff in dem nemm- lichen Habit wie die geistliche Monsignori und Prelati domestici zu gehen pflegen, angekleidet erschinen, so anfangs und biß mann es gewöhnet, recht lächerlich ausgesehen. Den 29. verfügte sich die Kaiserin nebst der Princesse ohne öffentliche Cortege zu denen Nonnen auf den Rennweg wegen ihres heutigen Patrocinii-Fests S. Francisci Salesii. Abends wäre sodann Hoffbal als Dienstags. Den 31. hatten wir das erste maschirte Kinderfest bei Hoff, wormit sodann alle Donnerstäg continuiret wurde; die Ertzherzogin Maria Anna aber, weillen sie schon zu erwachsen, wäre nur immer ^ Zuseherin und dafür wurde selber von der Fürstin von Trautsohn ein oder zweimahl ein kleiner Bai en compagnie choisie von Dames und Cavalliers gegeben. Den 1. Februarii wurde zwar wegen des Ertzherzogs Carls Geburts-Tags Gala gemacht, sonsten aber bei Hoff nichts publiques 160 1754, Feb. 2.-9. gehalten. Vormittag hatten wir Conferenz in materia des hungari- schen Tariffs, 189 ) worbei der Kaiser zugegen gewesen, und abends wäre Toison-Vesper. Den 2. wohnten beide Mayestätten der gewöhnlichen Andacht in der Augustiner Kirchen bei. Nachmittag kämme der Printz von Modena aus Sachsen zuruck, blibe aber einige Tag zu Haus, weillen er eine geschwollene Packen und etwas Halswehe mitgebracht; während diser seiner Unpäßlichkeit wurde er einmahl von seinen denominirten Herrn Schwigersohn, den Ertzherzog Peter Leopold besuchet und muste alltäglichen ein Cammerherr zu ihn fahren mit der ordinari Post. Den 3. verrichtete der Kaiser mit denen von mir bereits bei anderer dergleichen Gelegenheiten annotirten Coeremonien die Function der Birets Ertheilung an den Cardinal Nuncius bei denen Augustinern, worzu die Ordonnanz um 10 Uhr gegeben und mithin die sontägige Predig contramandiret wurde. Den 4. wäre zwar Gala wegen des Geburtstags der Ertzherzogin Joanna, sonsten aber nichts publiques. Den 5. hatten wir abermahlen wegen Dienstags maschirten Bai bei Hoff. Den 7. wäre abermahlen das donnerstägige Kinderfest. Den 8. hatten wir in illyricis und raitzischer Emigrations-Anliegenheit Conferenz in Gegenwart beider Mayestätten. 190 ) Den 9. kämme der Erbprintz von Modena seit seiner Zuruck- kunft zum ersten Mahl wieder nach Hoff und hatte die Audienzien wie vorhin. Gegen 1 Uhr kämmen meine zwei Söhne aus Italien über Venedig und Grätz zuruck nach Haus, und hat sich eben gefüget, daß ich damahlen meine gewöhnliche Excursion gemacht; da ich nemmlich seit meinem Fieber (wann es nur nicht naßkalt oder sehr neblicht wäre) zwischen Mittagstund und zwei Uhr immer in Waagen zur Commotion und mehrerer Lufft Gewöhnung eine Zeit herum zu fahren pflegte, rencontrirte ich die Söhne auf der Wieden und nähme sofort den Sigmund zu mir im Wagen. Zu gleicher Zeit wäre die Mutter von dem 40ständigen Gebett zuruck nach Haus gekommen. Wir schickten sogleich zu unseren lieben Fürst Emanuelischen, um ihnen dise Ankunfft zu notificiren, welche uns ungesäumt, praeve- nirten und nebst der charmanten Braut zu uns auf Mittag kämmen. Unsere Kinder hatten sich zwar zuvor schon gekennet, waren aber dennoch sehr agreablement surpreniret, sich beide um ein merck- 1754, Feb. 9.-10. 161 liches embelliret zu sehen; dann obzwar mein ältester Sohn von Gesicht der schändlichste aus allen seinen Geschwisterten oder doch, um besser zu sagen, le moins joli ist (indeme die übrige, ohne Ruhm zu melden, sowohl mann- als weiblichen Geschlechts nicht heßlich gestaltet seind), so hatte er doch eine lange und gutte Taille bekommen et pouvoit passer pour un garqon bien tourne, wie hingegen seine Amalia sowohl an Schönheit als Verstand ungemain zugenohmen hatte, also daß sie von unseren jungen Frauen wo nicht gar die hübscheste, wenigstens eine deren eclatantesten, zumahlen wegen der Weiße ihres Teint und ihrer ansehnlichen Taille mit aller Wahrheit genennet werden mag. Was aber ihr Merite bei uns beiden Eltern noch mehr vergrösseret hatte, wäre die vor unseren Sohn immer bezeigte vorzügliche Neigung, wie es dann nur bei selber gestanden, den nemmlich- Graffen von Waldstein (welcher sodann ihrer zweiten Schwester zu theil worden) für sich auszuwählen. Hiernächst stunde uns ihr gleich- und lustiger Humor um so mehr an, als der Sigmund eher eines seriös und melancolischen Geists ist, der immer einer Aufmunterung bedörffet. Von diser Ankunfft nähme ich ferners die Freiheit, II. MM. beiderseits sogleich par billet unterthänigst zu informiren, welche dise Demarche eines alten Domestique nicht allein auf das gnädigste aufnalnnen, sondern mir (wie es aus dem Gegen Billet zu ersehen) 191 ) dero allerhöchstes Verlangen äußereten, daß ich selbe ihnen bald zu Füßen legen mögte, welches ich dann alsofort befolget und den anderen Vormittag als den 10. nicht allein beide ältere, sondern auch den dritten Sohn, welcher seit seinen Blattern noch nicht bei Hoff gewesen wäre, mit mir geführet und sie vor den heut- sontägigen Gottesdienst I. M. dem Kaiser in dem Billard-Zimmer und der Kaiserin bei der Zuruckkunfft aus der Capellen aller unterthänigst praesentiret habe, mit Vermelden, wie sehr mich consoliren müste, zugleich drei erwachsene Söhne zu dero beliebigen Dienst darstellen zu können. Dem ältesten ertheilten I. M. die Kaiserin motu proprio und ohne daß ich dißfahls eingekommen, eine Stelle in der hiesigen R.eprae- sentation und Cammer. Selber hatte zwar villen Lust ad militare bezeiget, worvon ich ihn (auch wann es mir nicht wegen seiner eben nicht sehr robusten Gesundheit gewesen wäre und daß die Mamma nebst denen Gegenschwigern dazu nicht incliniret) keinesweegs abgehalten hätte, zumahlen nicht allein diser Stand tiberhaubt dem Adel sehr conveniret und fast eigen ist, sondern auch solcher bei dermahligen Umständen und gegenwärtiger Verfassung der Länder Kh e venhüll er - S c h I i 11 e r. 1752—1755. 11 162 1754, Feb. 10.-13. und des General Systematis für einen jungen Edelmann die leichtest- und anständigste Carriere ausmachet. Der zweite wäre zwar anfänglich ad statum ecclesiasticum de- stiniret, weillen er in seinen ersteren jungen Jahren eine vorzügliche Neigung dazu blicken lassen und mir auch wegen seines stillen ein- gezogenen Humors sich zu einem Geistlichen allerdings zu schicken schiene; allein, da er mir bei seiner Retour zu verschiedenen Mahlen zu erkennen gäbe und auf alle ilime pro et contra gemachte väterliche Vorstellungen positive declarirte, daß ihme das Soldatenleben am besten gefielle, so muste ich endlichen auch, wiewollen gar nicht gern, meinen Willen darein gehen; und nachdeme er sein Eychstetti- sehes Canonicat dem Neveu des nunmehrigen Feldmarschallen Graften Leopold Daun resigniret, so hatte diser mir theils als gewester Eleve meines Vettern (des Feldmarschallen seelig), theils wegen seiner bekanten Kriegserfahrenheit et Amour de l’ordre et de la dis- cipline ungemain lieb und werthgeschäzte General die Giitte, ihn auf mein Ersuchen anfänglichen nur als Volontaire in sein Regiment anzunehmen und nach wenig Wochen bei seihen als Unter Leutenant vorstellen zu lassen. Den dritten, weillen er noch in seinen Studiis begriffen und überhaubt noch zu jung wäre, behielten wir mit Erlaubnus seines Generalen ferners in unserem Haus, jedoch muste er, ob er zwar sonsten keine förmliche Dienst thate, bei Essential-Gelegenheiten als Fähnrich mit figuriren. Den 11. hatten II. MM. dem Printzen von Modena zu Lieb eine öffentliche Schlittenfart bei Tag angestellet, deren wir bereits einige Jahr keine mehr gehabt haben. Die Liste derselben lieget hiernebens 192 ) und hatte ich selber wegen meines leztern Fiebers und dißfähligen Verbotts des Herrn Zwenghoff nicht mit beiwohnen können, jedoch gäbe ich meine Equipage dem Monsieur Sigmund, dessen Alter dergleichen kalte Unterhandlungen auch in der That mehr als seinem Vattern anstehen. Nach der Retour wurde an zwei Tischen in der Rathstuben und grossen Anticamera gespeiset, sodann Pharaon gespillet und der Beschluß mit einer Visite des französischen Spectacle gemacht. Den 13. wäre bei Hoff das Versprechen der Hoff-Dame Comtesse Wilhelmine von Althann (einer Niece meines Schwägern) mit dem jungen Wittiber Graffen Leopold Neipperg, worbei ich Zeug gewesen und dessen beide Eltern unlängst von Luxemburg anhero kommen waren. Er hatte anfänglich auf Verlangen und Anrathen seiner Mutter die Dochter des Fürsten, die Josepherl, begehret; allein t 1754 , Feb. 14 .— 20 . 163 weillen diser nicht darzu incliniret, mithin eine dilatorische Antwort gegeben, so helle die Auswahl auf die Niece, für welche er bereits einige vorzügliche Neigung mercken lassen, selbe aber der Con- venance und dem Willen der Mutter gleichsamm aufgeopferet hätte; und eben diser Umstand nebst anderen Raisons de famille hatten meinen Schwägern und Schwester um so mehr veranlasset, die Anwerbung de bonne maniere abzuwenden. Den 14. raiste der Sigmund nach Presburg, um allda seinem angehenden Oncle (dem Fürsten Joseph Wenzl) die Cour zu machen, welche Finesse ihme aber fast etwas tlieuer zu stehen gekommen, indeme er wegen des eben gehenden Eises fast mit Lebens-Gefahr über die Donau geschiftet. Den 17. wäre öffentlicher Gottesdienst wegen des Sonntags. Nach selben führte die Kaiserin die Amalia zur Firmung in der kleinen Cammer-Capellen und darauf wäre die Copulation des Neip- pergischen Brautpaars, welches sodann nebst denen nähesten Be- freunten hergebrachter Massen mit II. MM. in der Rathstuben gespeiset. Den 19. wurde der Leichnam des am 16. dises — nach lang- wührig- absocliender (und von einen durch seinen bei der Attaque von Genua mit dem Pferd gethanenen Fall an der rechten Seiten sich zusammen gezogenen Geschwür und erfolgten Exulceratione intesti- norum verursachten) Kranckheit — als ein auferbaulicher Convertit im 53. Jahr seines Alters verschidenen General Feldzeugmeisters und würcklichen geheimmen Raths Ludwig Ferdinand Schullenburg Oynhausen mit allen militärischen Ehrenbezeigungen, und zwar auf Befehl I. M. der Kaiserin aus besonderer Distinction nicht wie sonsten gewöhnlich bei Nacht, sondern gegen 12 Uhr Mittag bei denen Schotten als seiner Pfarr zur Erden bestattet, worbei dann auch mein Fähnrich mitparadiret hat. Beide Mayestätten hatten disen würdigen und vor ihren Dienst leider zu frühzeitig gestorbenen Officier während seiner Kranckheit villfältig besuchet, auch nach seinen Tod nicht allein die Frau Wittib (eine gebohrne Gräffin von Kottulinsky, welche in erster Ehe mit dem Fürsten Joseph von Lichtenstein als seine dritte Gemahlin vermählet wäre), sondern auch seine Unterlassene Bediente mit besonderen Gnaden angesehen und ihrer ferner- und beharrlichen Versorgung gedacht, wie dann in specie die zwei Cammerdiener sogleich zu Cammerthürhütern gemacht worden seind. Den' 20. wäre bei Hoff der lezte Kinderbai. Vormittag führte ich den Sigmund zu beiden Mayestätten als an seinem heutigen Versprechen-Tag als Bräutigamm die Hände zu küssen. Wir speisten li* 164 1754, Feb. 20.-25. mittags en famille bei unseren lieben Fürst Emanuelischen und abends gegen 6 Uhr wurde in ihrem liauß in Gegenwart der beiderseitigen Freundschafft und erbettenen Zeugen der Ileiraths-Contract abgelesen und all das übrige in dergleichen Begebenheiten übliche Coeremo- niale berichtiget, sodann die Gesellschafft gehalten, worzu wir alle Botschafter, fremmde Ministres und sämmtliclien Adel geladen hatten. Die Braut regalirte ihren Bräutigam mit einer goldenen Dose und brillantenen schönen Ring; das Portrait hatte sie ihme schon durch seinen Brüdern entgegen geschickt. Er aber hatte das gewöhnliche Hochzeits-Praesent: als goldene Uhr und dergleichen Anhang, welche die Braut gleich bei seiner Ankunft bekommen, sodann eine magnifique Garnitur Spitz, reiches Hochzeit-Kleid von ganz silbernen Stoff, noch ein dergleichen etwas weniger reich, palatines Wäderl und mehr andere zum Aufbutz gehörige, alle von London und Paris be- schribene und in zwei indianischen Kasten verwahrte Geschanck- nuss zum voraus schon tlieils Selbsten gegeben, theils überschickt; und heut bekamme sie anstatt denen Ringen, welche mann doch pro forma noch immer zu geben pfleget, ein Collier und Girandolen von Brillanten, welche sans nous vanter, nicht allein sehr pretios, sondern auch mit sehr glitten Gusto gefast waren. Den 21. wäre bei den Graffen Kortzensky das Versprechen dessen Neveu Graffen Millesimo (Cammerern und Obristleutenant) mit der Frede von Hamilton, Dochter des alten geheimmen Raths und gewesten R. II. Raths; und wurde die Gesellschafft bei den liungarischen Canzler gehalten, weiden dessen Frau Schwägerin (die Generalin) eine sehr nahe Befreuntin zur Braut Frau Mutter und beide ge- bohrne Gräffinnen von Rottal seind. Bei Hoff gäbe die Fürstin von' Trautsohn den jungen Herrschafften ein kleines unmaschirtes Fest, consistant en bal et soupe. Den 24., als an Fasching Sonntag, führe der Kaiser allein in das Profeß-Haus zur gewöhnlichen Capellen en Campagne. Abends wäre Toison-Vesper und sodann die Kinder-Redoute und masquirtes Fest bei dem Herrn Ayo für die junge Herrschaften. Den 25. als in festo translato S. Mattldae hatten wir Toison- Ammt. Abends gegen 7 Uhr wurde mein Sohn von unserem Herrn Ertzbischoffen in meinem Haus copuliret; und weiden bei der Renovation und neuen Einrichtung desselben, wormit wir nicht vollkommen fertig worden, die vorige Capellen abgebrochen und noch nicht restauriret worden wäre, so wurde ein Altar in einem deren Parade Zimmern zubereitet. Bei sothaner Function wäre sonsten niemand als die nächste Befreunte geladen, die sodann auch bein 1754, Feb. 26.—März 3. 165 l Soupe und biß die Braut-Leuthe in ihre in dem ersten Stock neuerlich zugerichtet- und meublirte Zimmer geführet worden waren, ver- bliben seind. Den 26. beschalle die Einseegnung in der Sebastiani Capellen bei denen Schotten unter der heiligen Meß und mittags wäre ein grosses Dine bei mir für die nächste Befreunte und beiderseitige Beistand. Was wir übrigens aus Lieb für unserem Sohn und Contento über dise seine Heirath der Schwigerdochter für einen ansehnlichen Heiraths-Brieff gemacht, bezeiget sothanes Instrument, dessen wir uns aber bishero noch nicht zu reuen Ursach gehabt; auch wie ich zu Gott hoffe und es von beider jungen Eheleuthe Gedenekensart mir allerdings schmeichlen darff, fernershin nicht haben werden. 193 ) Bei Hoff wäre ansonsten weder heut noch gestern einig- anderes Amüsement als die masquirte Redoute und daß II. MM. mit den Erbprintzen von Modena mittags bei den Herrn Ertzbischoffen und Hofifcanzlern gespeiset, wie dieselbe allbereits einig- anderen dise nemmliche Gnad erwisen hatten; ferners wurde aus Complaisance für disen jungen Herrn, welcher ungemain gern danzet, die Erlaubnus gegeben, auf der Redoute (ausgenohmen heut, wo es völlig auf dem alten Fuß verbüße) zwei, drei Stund länger als die sonsten angesezte Zeit von Mitternacht und ein Uhr zu danzen. Den 27. wurde bei Hoff das gewöhnliche Einäschern gehalten, zu Mittag aber blibe alles retiriret. Abends wäre bei uns Gesellschafft zu Ehren deren jungen Leuthen und wurde mithin das neue Appartement, woran wir die Zeit her mit gedoppeltem Eiffer hatten arbeiten lassen, dem Publico für das erste Mahl produeiret und zu meiner Frauen Consolation, als welche sich dißfahls ungemain bemühet und geplaget hatte, von jedermänniglich belobet und approbiret. Den 28. hatte ich bei der Kaiserin eine sehr lange und vertraute Audienz, welche zuvorderst die Erziehung deren Ertzherzogen betroffen und worbei sie mir die Contidence von allem deme gemacht hat, was nachhero sich wegen der Princesse Emigration zugetragen. Den 1. Martii gienge mann öffentlich zur Capellen, wie es auch forthin alle Freitäg geschehen; jedoch wäre nie keine publique Taffel und die Mittwoch-Andachten wurden immer in der Cammer Capellen celebriret. Abends wäre Appartement und Billard, ich hatte aber das Glück, mich hiervon loß zu machen, zumahlen sich ohne deme eine überflüssige Anzahl Spiller einfanden, so die Partie mitzumachen verlangten. Den 3. verfügten sich abermahlen beide Mayestätten zum sonntägigen Gottesdienst in publico. 166 1754, März 4.—12. Den 4. starb auf seinen Schloß Everla an Schlagfluß der Duc Leopold d’Aremberg, Doyen des Toisonistes, würcklicher gelieimmer Rath und Gouverneur du Hainaut im 64. Jahr; 194 ) dessen Regiment Infanterie bekamme der General Schertzer und nach dessen ebenfalils bald darauf erfolgten Ableiben der General Graff Wied, ein Sohn ^ des Praesidenten zu Wetzlar. Den 7. gäbe der Kaiser gegen Mittag dem Cardinal Nuncio die Abschieds Audienz in der Retirade und bein Austritt erhielte er aus meiner Hand das gewöhnliche Praesent in einem Pectorale von Saphyren mit Brillanten garniret und par surcroit de gbnerositb wäre auch ein dergleichen Ring beigeleget. Den 8. hatte er die nemmliehe Audienz bei der Kaiserin, welche ihn durch mich mit einem etwas kleineren, aber durchaus von Brillanten gefasten Creutz regaliren lassen. Nach deine giengen beide Mayestätten zu der heut einfallenden Festivitet des heiligen Bluts in das königliche Closter. Abends das freitägige Appartement. r Den 10. hatte vor dem heut- sonntägigen Gottesdienst (welchem beide Maystätten in publico beigewohnet) der päbstliche Cammer- lengo Conte Petronio bei denenselben seine Abschieds-Audienz, wurde aber nicht regaliret. Den 11. verstarbe auf seinen Güttern in Lothringen an der Lungenentzündung im 73. Jahr der Fürst Marcus von Craon aus dem Hauß Bauvau, Toisonist, würcklicher gelieimmer Rath und ehedessen gewesener lierzog- lothringischer Obrist-Stallmeister, naclihero aber durch einige Jahr Chef du gouvernement de Toscane, welches leztere er unlängst niedergelegt hatte, um seine übrige Lebensjahr in der Ruhe zuzubringen. 195 ) Den 12. seegnete ebenfalils dises Zeitliche an einem Schlagfluß im 76. Jahr der Reichs-Hoff-Raths-Vicepraesident und würcklicher geheimmer Rath Graff Anton Isaias von Hartig. 196 ) Nachmittag wäre eine Conferenz bei den Herrn Ayo, welcher wegen des Podagra das Zimmer hüten muste; und zu selber wurde anheut auch der IPoff-Canzler Graff Kaunitz, wie ingleichen von nun an zu des Ertzherzogs Josephs Examens gezogen, anbei alles, was zur weiteren Instruction dises Herrn für dienlich erachtet worden, mit Festsetzung eines förmlichen Plans berichtiget, als worüber sich zwischen dem Baron von Bartenstein und dem Ayo nebst übriger um die Education des Ertzherzogs sich annehmender sub- ^ alternen Direction (welche theils aus dem Cammerherrn Marchese Poal, theils aus einem sichern Monsieur Camine, der das Ammt eines Espbce d’instructeur vertrittet, des P. Frantz S. J. und ich weis nicht 1754, März 13.—19- 167 was noch fiir Subjectis bestanden bat und nichts dann Verwirrungen gebähren können) dise Zeit her verschiedene Disturbi und Uneinigkeiten ereignet hatten und denen II. MM. endlichen Zill und Maß setzen wollen. Den 13. wurde der Geburts-Tag des Ertzherzogs Josephs in großer Gala, öffentlichem Dine unter Aufwartung deren Cammerherren und Appartement celebriret; jedoch verbotte die Kaiserin dem Ayo das sonst gewöhnliche große Gastmahl pour Ies ambassadeurs et Premiers de la cour für heut sowohl als folgenden Josephi-Tag, weillen I. M. überhaubt die wiederhollte Verordnung gemacht, daß in der Fasten-Zeit keine große Taffelen ausser en famille und höchstens von 10 oder 12 Couverts gehalten werden sollen. Den 15. gienge der Kaiser allein zum freitägigen Gottes-Dienst und abends wäre kein Appartement. Den 17. aber wohnten beide der sonntägig- öffentlichen Capellen bei, ohne Dine publique, als deren keines dise ganze Zeit ausser an denen großen Gala Tagen gehalten worden. Den 19. wurde der Josephi-Tag gewöhnlicher Massen zwar in Gala und öffentlicher Capellen, sodann abends mit Appartement celebriret. 11. M M. speisten aber nicht öffentlich und der Kaiser führe allein zu denen Carmeliterinen, allwo nur die complet und keine Procession zur Säulen wegen des üblen Wetters gehalten wurde. Als ich vor der Kirchen zum Kaiser in die Retirade gienge, um die gewöhnliche Meldung zu thun, daß alles zur Capellen fertig seie, timten I. M. mir die gnädigste Finesse und sagten, daß sie heut einem Cammerherrn das Jurament wolten ablegen lassen und nannten endlich meinen zweiten Sohn, welcher vor kurtzen die Daunische Uniforme als Cadet angezogen, auch sogleich nach abgelegten Eid noch vor End dises Monaths (den 26.) zu seinem Regiment nach Prag abgeraiset, allwo er bald darauf als Unterleutenant vorgestellet worden. Dise angenehme Surprise wäre mir um so unerwarteter, als ich immer befürchten, der Kaiser hätte nicht so gleichgültig angesehen, daß ich die mir vor kurtzen gemachte allergnädigste Offerte ermelt- meinem Sohn eine Fähnrich-Stelle in seinem Regiment zu conferiren, wegen des bereits mit dem Gr. Daun genohmenen Engagements (wiewollen mit aller Submission und nur immer erdencklichen Contestationen) decliniren müssen. Wie I. M. die Kaiserin sich in diser für mich so häcklichen Gelegenheit auf das allergnädigste benohmen hat, bezeigen die in meinen Händen befindliche Billeten; 197 ) zugleich hatten I. M. die 168 1754, März 20.—April 5. Gnad, meiner Schwigerdochter (naeli denen vorigen Beispillen) den Zutritt ebenfalls auf die allergnädigste Art zu verwilligen. Den 20. hatte der Erbprintz von Modena gegen Mittag seine Abschieds-Audienz bei den Kaiser, welche er bereits gestern vor den Appartement bei der Kaiserin genohmen, und raiste folgenden Tag über München nach Haus zuruck. Den 22. gienge der Kaiser allein zum freitägigen Kirchen-Dienst und wäre kein Appartement. Den 24. wohnten beide Mayestätten der sonntägigen Capellen bei. Nachmittag gienge der Kaiser allein zur Toison-Vesper. Eodem hatte der venetianische Bottschaffter seinen öffentlichen Einzug. Den 25. giengen II. MM. zu denen Augustinern und wohnten nebst denen Toisonisten dem in der Loretto-Capellen gesungenen Hoh-Ammt bei; nach dero Retour hatte der venetianische Bottschaffter seine öffentliche Audienz bei den Kaiser und der Kaiserin als Kaiserin, worzu er von dem Cammerherrn Graffen von Schönborn qua commis- sario gefiihret wurde. Nachmittag verfügten sich beide Mayestätten zur Säulen am Hoff. Den 29. hatte um 10 Uhr Vormittag erst gedachter Bottschaffter seine publique Audienz bei der Kaiserin-Königin und sämmtliclien jungen Herrschafften, worzu ihn der Cammerherr Baron Kettler in- troduiret. Nachdeme giengen beide Mayestätten öffentlich zur Capellen wegen des Freitags. Um 12 Uhr wäre der schwedische Gesante Graff Niels Barck bestellet, welcher die vorpommerische Lehen genohmen, worüber seit denen Zeiten Caroli Gustavi keine Investitur gegeben worden wäre. 198 ) Abends wäre Appartement. Den 30. hatten wir Conferenz bei Hoff in Sachen die Anliegenheiten mit Rullland in illyricis betreffend. 199 ) Den 31. als an schwartzen Sonntag verfügten sich beide Mayestätten zur gewöhnlichen Andacht ins Profeßhaus. Den 2. Aprilis wäre bereits um 9 Uhr Ordonnanz zur gewöhnlichen Andacht zu denen Paulanern, welcher fast sammtliche junge Herrschafften mit beigewohnet und worzu meistens kein Bottschaffter geladen zu werden pfleget. Den 5. nähme der Praelat von Klein Mariae Zell (Pater Jacobus) die Lehen für den Probsten von Berchtoldsgaden, einen gebohrnen Graffen von Cristalnigg aus Kärnthen. 200 ) Zuvor giengen II. MM. zur Capellen in publico wegen des Freitags. Abends wäre aber kein Appartement. 1754, April 7.-22. 169 Den 7. wohnten beide Mayestätten der Palmweihung hei. Nachmittags aber führe der Kaiser allein zu denen Capucinern; desgleichen gienge er ohne der Kaiserin auf Hernals, den 9. und den 10. zur großen Capellen. Hingegen verfügten sich beide den 11. zur öffentlichen Communio» nebst dem Ertzherzog Joseph und denen zwei ältesten Erzherzoginnen, wie ebenfalls den 12. zur charfreitägigen Andacht und denen die drei Tage her in der grossen Capellen neuerlich eingeführter Massen gehaltenen Pumpermetten. Die Kaiserin wolte sich ungehindert ihrer avancirten Schwangerschafft nicht bereden lassen, daß sie nicht die Adorationem crucis mit denen gewöhnlichen drei Genuflexionibus mitgemacht hätte. Den 13. gienge der Kaiser ohne selber, aber für das erste Mahl mit den Ertzherzog Joseph achtzehen Gräber besuchen und abends allein zu denen 5 Predigen und zur Auferstehung zu denen Augustinern. Den 14. fuhren II. MM. in publico zum Toison-Ammt nach St. Stephan, speisten in großem Publique in der Ritter-Stuben. Nachmittag gienge der Kaiser allein zur Toison-Vesper. Nach selber waren beide Versprechen des Wittiber Obrist Küchenmeisters Graffen Joseph St. Julian mit der Hoff-Dame Com- tesse Louise von Zierotin, und des Cammerherrn, auch Obristen des Ertzherzogs Leopolds Regiment Conte Gaetano Stampa mit der Cammerfreile Contesse Cecile von Wurmbrand, worbei ich zu beiden als Zeug beigestanden. Zum Schluß wäre das lezte Appartement vor der Schönbrunner Saison. Den 15. gienge der Kaiser und sämtliche Toisonisten in dem Ordens-Habit zur Capellen, allwo selber sub throno dem Feldmarschallen Graffen Neipperg die Colana vor dem Ammt umgehenget. Nachmittag wäre Vesper und den 16. wieder Toison-Ammt in der Hoff-Capellen. Tags darauf solte alles nach Schönbrunn; weillen aber das Wetter sehr unfreundlich geworden, wurde die Transmigration verschoben. Den 19. wäre Reichs-Conferenz in der Anliegenheit von San Remo und anderen. 201 ) Den 21. führe der Kaiser allein nach St. Stephan zum gewöhnlichen Kirchweihfest als in dominica in albis. Den 22. wäre nach 12 Uhr die Copulation beider obbemelter Brautpaar in dem Spieglzimmer und hierauf das Din6 für beiderseitige nächste Befreunte in der Rath-Stuben. 170 1754, April 22.-27. Abends muste ich mit dem Kaiser zu den Graffen Saint-Julien (als welcher das Beilager und Soupe de noces dahier in seiner Wohnung in der Statt gehalten hat) soupiren gehen, weillen der Herr sich die Unterhaltung machen wollen, den Bräutigam auf gutt deutsch zu foppen; es hat aber die Braut eine so convenable und modeste Contenance gehalten, daß sie dem Kaiser Selbsten impo- niret und selber sich fast gescheuet, den Bräutigam vill zu entre- preniren. Den 23. fienge der Sejour von Schönbrunn endlichen an und wurde folgenden 24. der öffentliche Gottesdienst daraus gehalten, deine aber der Kaiser wegen genohmener Purganz nicht beigewohnet. Den 25. wurde von der Kaiserin jenen Knaben ex Theresiano, welche sich dise Zeit her sowohl in studiis als Exercitien und Sitten am besten aufgefiihret hatten, die allerhöchste und distinguirte Gnad erwisen, daß selbe, zwainzig an der Zahl, Vormittag nach Schönbrunn kommen dörffen und nicht allein zum Handkuß gelassen, sondern auch nebst einig- mitgekommenen Patribus mit einen Dine regaliret worden, nach welchen sie noch in dem Garten spatziren und die Menagerie besehen dörffen. Den 26. unterblibe das freitägige Appartement. Den 27. verfügte sich der Kaiser auf die Parforce Jagd nach der Hohenleuthen; kaum waren aber I. M. auf dem Rendezvous angelangt, als ihnen eine von der Kaiserin Mayestätt eigends abgefertigte Staffette die Nachricht überbrachte, daß die alte Gräffin (welche bereits einige Täge her an Kräfften mehr und mehr abge- nohnien) endlichen in so schwachen Umständen sich befinde, daß mann selber noch heut Nachmittag das heilige Viaticum reichen würde und sie allen Ansehen nach dise Nacht nicht überleben dörffte. Die Kaiserin wäre immittelst sogleich von Schönbrunn hereingekommen und der Kaiser bald nachgefolget, jedoch zu spatt, um bei der öffentlichen Administrirung zugegen zu sein und das Hochwürdige zur Sterbenden mit begleiten zu können, so aber von den aus seiner nahe bei Hoff gelegenen Behausung sogleich berufifenen Herrn Obrist Hoffmeistern, denen Frauen Döchtern und ihren Gemahlen, auch anderen Befreunten und Hofifleuthen besehehen ist. Sobald ich avertiret worden, eillete ich ebenfahls in die Burg und suchte die Gelegenheit, mit dem Kaiser zu sprechen, den ich mit weinenden Augen angetrofifen. Die Kaiserin hatte mann mit viller Mühe aus der Krancken Zimmer in dero Cabinet zuruck gehen machen, allwo die- 1754, April 27.-28. 171 selbe bald mit einer, bald mit der anderen deren beiden Döchtern in Gesellsckafft des Kaisers die gemainsamme Betriibnus getheilet und niemand sonsten als den Herrn Obrist Hoffmeistern vorgelassen, um wegen der Leiclibegängnus die vorläuftige eventuale Befehle zu er- ^ tlieilen. Dise wurden mir von dem Kaiser wiederkollet und bestunden überhaubt darinnen, hierbei nicht allein die alte Etiquette auf das genaueste zu erfüllen, sondern bei sothaner Function ehe mehr als weniger zu thun. Immittelst wurde die alte Frau immer schwächer, jedoch ver- mutliete der Ordinarius, daß sie noch biß den andern Tag trainiren könne, weßwegen sich auch beide Mayestätten etwas zeitlicher zu Bett begaben, um allenfalls den anderen Morgen früher zur selben gehen zu können. Kaum waren sie aber im ersten Schlaff begriffen, als die liebe Alte nach erhaltener lezten Oelung in die Zügen gegriffen und bald nach halb 11 Uhr im 80. Jahr ihres würdigsten Alters den Geist aufgegeben. II. MM. hatten zwar in der Nacht geläutet und um den Stand der Krancken sich erkundiget, allein mann wolte ihre Ruhe nicht stören und hinterbrachte ihnen die Nachricht des in der Nacht erfolgten Ableibens erst den folgenden Tag als den 28., an welchen mann wegen des einfallenden Fests des gutten Hirten zu denen Franciscanern gehen sollen, so aber bereits ^ gestern contremandiret und der heutige Sonntag zu Schönbrunn nur incognito gehalten worden. II. MM. waren schon um 7 Uhr aus der Burg weg und nach Schönbrunn zuruckgefahren, allwo sie den ganzen Tag über retiriret verbliben. Der entblaste Leichnamm der seeligen Frauen Obrist-Hoffmeisterin wurde einbalsamiret und sodann von heut angefangen durch drei Tage in der Josephi Capellen (welche durchaus schwartz ausspalliret worden — jedoch ohne Aufhefftung deren Verstorbenen gemahlenen Wappen, ausser um die Leich —) auf einer drei Staffel hohen Bühnen exponiret; an allen Altären wurden die Seelenmessen gelesen und zu selben fanden sich sämmtliche Hoff-Dames en corps immer ein. Mann hatte zur Exposition dise Capellen von darinnen bestimmen müssen, weillen die alte Capellen (wo vor disem die' verstorbene Obrist Hoffmeisterinnen exponiret zu werden gepfleget) seit denen villen neuen Umbau- und Veränderungen der Burg nicht mehr sub- ^ sistiret; und damit alle dise Zubereitungen zur Leich ordentlich und ohne Confusion beschehen, so hatten der Obrist-Hoffmeister und ich uns die Mühe gegeben, das meiste Selbsten anzuordnen und in unserer Gegenwart zurichten zu lassen; wie dann auch die Kaiserin mir nachhero ein noch in meinen Actis befindliches, eigenhändiges Billet geschriben und mir darinnen ihre gnädigste Zufriedenheit über alle dißfältige Veranstaltungen zu erkennen gegeben. 202 ) Den 30. beschahe abends gegen 8 Uhr die Begräbnus bei denen Capucinern, worzu allen Hoff-Dames, geheimmen Rathen und Cammerherrn förmlich, jedoch nur en liabit de Campagne angesagt wurde; und ist aus dem Hoff-Prothocollo zu ersehen, wie die Kirchen schwartz spalliret, die Cammerherrn die Sarg getragen und was sonsten hierbei beobachtet worden. Das merckwürdigste ist, daß II. MM. den Leichnamm in der Kirchen und Capellen, welche zur Begräbnus dero Hauses gewiedmet, begraben lassen und hierdurch der ganzen Welt ein immerwährendes Merckmahl dero großen Lieb und Hochachtung für die seelig- Verstorbene an Tag geben wollen. 203 ) Übrigens hatte selbe seit dem 14. Januarii jüngsthin das 80. Jahr angetretten und ausser die leztere Lebensjahr — da der Zustand des Blutgangs und Hoemoragiae matricis, woran sie endlichen dises Zeitliche geseegnet, zu sehr überhand genohmen — eines sehr glücklich- und gesunden Alters genossen, immer starcken Appetit gehabt und keine noch so starcke Fatigue sowohl deren Raisen als sonstigen Excursionen und bei einer jungen Regierung unausbleiblichen In- commoditeten geachtet, anbei ihren angenehmen und munteren Geist biß an ihr End behalten. Da nun selber mit einem sehr findig- und reiffen Verstand und zugleich mit der geschicktest- und traitablesten Lebens-Art begleitet wäre, so ist kein Wunder, daß sich dise kluge Dame bei allen durchlauchtigsten Frauen, denen sie gedienet, eine vorzügliche Neigung und vertraute Freundschafft zugezogen. Als sie noch Freile von Mollart und Hoff-Dame bei der Erzherzogin Maria Anna (nachmahligen Königin in Portugall) wäre, hatte sie sich bei derselben also einzuschmeichlen gewust, daß mann sich nicht getrauet, sie mit der königlichen Braut (obschon es dise sehr hefftig verlanget) nach Lissabon zu schicken, in Besorgung, sie dörffte sich ihres großen Ascendant über der jungen Königin Gemiith zu sehr praevaliren und audurcli nur zu schädlichen Jalousien und Hoffcabalen Anlaß geben. Bei der Kaiserin Frau Mutter höchst seeligen Andenckens wäre sie gleichsamm als declarirte Favoritin angesehen und wüste es durch ihren bei selber gehabten Credit dahinzubringen, daß sie der Kaiser fast wider seinem Willen und da er schon wiircklich eine andere (nemlich die Gräfßn v. Ulfeld, Mutter unseres jetzigen Obrist Hoffmeisters und damahlige Obristhoffmeisterin der Ertzherzogin Gubernantin in Niederland) hierzu resolviret hatte, zur Aya deren zwei Erzherzoginnen Mariae Theresiae und Mariae Annae 1728 zu Gratz benennete. 1754, April 30.—Mai 1. 173 * T ~ *? — w w • - -■-* Sie hatte auch das Glück, dise ihre Faveur mit der Gnad lind Affection deren durchlauchtigsten Eleven und zumahlen der anjetzo regierenden Frauen ville Zeit zu conciliiren, als welch Ieztere sie damit völlig eingenohmen, daß sie durch ihre kluge Rathschläg die so glücklich ausgeschlagene Heirath mit dem damahligen Großhertzog nach beider höchster Theilen persöhnlicher Inclination und sehnlichstem Verlangen zu befördern Mittel gefunden. Erst bei der Rais nach Florenz fienge die Kaiserin Frau Mutter an, sich weniger vertraut gegen sie zu bezeigen, aus Ursach, weillen ihr (der Kaiserin) Mainung nach die Frau Aya es mehr mit der Dochter als der Mutter halten thäte; hingegen nähme das Vertrauen diser lezteren und ihres Herrn Gemahls eben von dämmen desto mehr zu und stige endlich so weit, daß von einer so marquirt- und soliden Faveur und von einem so unausgemessen- und vollkommenem Vertrauen, wie dise seelige Dame von seiten beider kaiserlicher Mayestätten genossen, sich kein Beispill leichtlick vorfinden wird. Was aber noch mehr zu bewunderen und diser Frauen übergroße Eigenschafften und Meriten bestättiget, ist, daß jedermanniglich fast ohne Ausnahm ihr dise genossene Gnad und Faveur aufrichtigist vergönnet und bei ihrem doch erst in so spattem Alter erfolgten Hinscheiden ein wahres und hertz- liches Bedaueren von sich spüliren lassen. Sie hinterlasset von ihrem 1719 als kaiserlicher Ministre pleni- potentiaire im nieder-sächsischen Creis verstorbenen Eheherrn (Graffen zu Fuchs, Wimpach und Dornheim) zwei Döchter, welche sie auch in gleichen Theilen zu Erben benennet und deren ältere in erster, aber kaum vier Wochen fürgedauerter Ehe mit meines Schwägern Graffen von Nostitz eintzigen jüngeren Brüdern Graffen Antoni (kaiserlichen Cammerherrn und Reichs-Hoff-Rath), seit 1746 aber mit dem Graffen Leopold Daun, und die zweite mit dem Graffen Losi verelieliget. Weillen nun das meiste Vermögen in der Herrschafft Mannersdorff bestanden, worein sich die zwei Erbinnen theilen sollen, dise aber hierinfahls nicht vollständig conveniren können, so legte sich der Kaiser ins Mittel und kauffte sothane Herrschafft um 400.000 fl. an sich, nebst welchem Capital selbe noch ein schönes Mobiliare an Geschmuck und Bijouterie überkommen. Der Verstorbenen Stelle wurde bald darauf der hinterlassenen Frauen Obrist Hoffmeisterin weiland der Kaiserin Elisabeth May*., der verwittibten Gräffin von Paar verlihen. Den 1. Maji erschine die Kaiserin wieder bei der öffentlichen Capellen zu Schönbrunn und speiste mit zu Mittag. i T 174 1754, Mai 2.-6. Den 2. und folgende zwei Tage wurden bei denen Capucinern die Exequien für die verstorbene Frau Obrist Hoffmeisterin gebalten. Den 3. wurde zugleich das Creutz-Fest zu Schönbrunn cele- briret, jedoch erlaubte die Kaiserin, daß einige FIoff-Dames, auch übrige Freundschafft erst gemelten Exequien beiwohnen können. ^ Meine Schwigerdochter bekamme heut das Creutz, und zwar par finesse die eintzige Frau ausser denen würcklich- und gewesenen Hoff-Dames, wie dann die Kaiserin mit disem Orden immer häcklieli- und strenger zu werden anfanget. Eodem wäre in der Burg Reiclis-Conferenz in der Anliegenheit von San Remo. 204 ) Den 5. wäre des Ertzherzogs Leopolds Geburts-Fests Gala (sic!) und des Sonntags halber öffentliche Kirchen, aber kein Taffel-Dienst, ausser bei denen jungen Herrschafften, deren heut sieben bei dem j Ertzherzog Joseph zusammen speisten. Den 6. wurde fiir die Obrist-Hoffmeisterin seelig als Stern Creutz- H Dame das gewöhnliche Seelen-Ammt in Beisein der Kaiserin und Ordens-Dames gehalten. Abends verfügten sich II. MM. nebst der gewöhnlichen Suite und denen zwei ältesten Erzherzoginnen nach Laxemburg, um den alljährlichen dortigen Sejour anzutretten. Die Kaiserin wurde sehr agreablement surpreniret, als sie im Eintretten in das unter- oder ^ vorhinig- Sinzendorffische Haus den Garten um ein merckliches ver- grösseret und mit Jets d’eaux und sonsten sehr embelliret fände, welche Veränderungen erst vor sechß Wochen bei!, auf Befehl des Kaisers et ä Finsgu d’elle angefangen und kaum geendiget worden waren. Nach einer kurtzen Promenade gienge mann in die Comedie und fände das dißfählige Gebäu ebenmäßig vollkommen verfertiget. Heut wurde le temps pass6, eine kleine Piece repraesentiret, nach welcher die Kaiserin sich, wie sie es immer zu thun pfleget, sogleich retiriret, der Kaiser aber zum Soupb gesetzet hat. Übrigens wurde alles auf den vorigen Fuß gehalten, nur daß die Kaiserin lediglich einen Tag in der Wochen zum Appartement bestimmet und wir finalement die ganze Saison hindurch nur ein eintziges gehabt haben. Bei ihrer avancirten Schwangerschafft wäre es wohl nicht anderst möglich, wie sie dann auch Vormittag niemahlen mit zur Baitz gekommen ist. Die Entree zur Combdie wäre zwar anfänglich allen, so das Appartement frequentiren dörffen, vermainet, allein bald darnach (wie vorn Jahr) auf den Charaeter von geheimmen Rath und Cammerherrn restringiret, um die fremmde Ministres eloigniret zu halten; und weillen die T 1754, Mai 7.—15. 175 Direction deren Spectacles (seitdeme Graff Frantz Esterhasy nichts mehr damit zu thun haben wollen) der alleinigen Direction des Conte Durazzo übergeben worden wäre, so wurde auch disem nebst seiner Frauen ein Quartier von Hoff assigniret und lezterer — jedoch sans consequence und mit ausdrücklicher Declarirung, daß es nur geschehe, weillen der Mann en office zu Laxenburg seie — erlaubet, mit an der Hoff-Taffel zu speisen, wiewollen sie keine Zutritts- Frau ist. Den 7. ritte der Kaiser mit denen Männern um siben Uhr auf die Baitz und streiffen, um welche Stund gemainiglich Ordonnanz wäre, blibe aber immer zu Pferd, ohne sich auf einiges grünes Lusthaus zu verfügen. Abends spülte man Pbaraon — weillen das regnerische Wetter nicht erlaubte, auszugehen — biß zur Com6die Zeit, wo der Kaiser allzeit selbsten tailliret. Heut wurde: la Metromanie aufgefiihret nebst einen neuen, seriösen Ballet, so die Fable d’Endymion repraesentiret. Den 8. ritte der Kaiser zwar streiffen, muste aber wegen starcken Winds sogleich zuruck keren und spülte dafür auf den Maille. Nachmittag giengen beide Mayestätten auf die Baitz und abends in die Comedie, wo die petite Piece, arnour pour amour benammset, und ein neuer grotesquer Ballet, le gage touche oder das Pfänderspill betitlet, gespillet wurde. Den 9. hatten wir wegen des üblen Wetters weder Vor- noch Nachmittag Baitz, sondern lediglich die Repraesentation de Fusurier gentilhomme und eines abermahlig neuen grotesquen Ballets, das das bekante Spill: des quatre coins oder auf deutsch: Frau Gevatterin leih mir die Scharr vorstellet. Den 10. wäre Früh und Nachmittag Baitz, aber keine Comedie wegen des Freitags, desgleichen den 11. und gegen 8 Uhr führe mann vom Lusthaus weg nach Schönbrunn, alhvo den 12. der gewöhnliche sonntägige Gottesdienst gehalten wurde. Den 13. celebrirte mann den grossen Gala Tag gewöhnlicher Massen und ohne Promotion. Nachmittag wäre lediglich Appartement, weillen die Kaiserin ihrer avancirten Schwangerschafft halber keinen Bai oder sonstiges Spectacle haben wollen. Den 14. hatten wir Conferenz in russischen Sachen zu Schönbrunn in Gegenwart des Kaisers. 205 ) Den 15. starbe im 61. Jahr an der Brustwassersucht Frau Maria Theresia Marcliesa Rofrano, gebohrne Gräffin von Kollonitseh. 176 1754, Mai 16.—20. Dise Dame hatte mein seeliger Vatter nach meiner Mutter Tod ehelichen sollen und wolte ihr Vetter (der Cardinal) als sein gutter Freund dise Mariage stifften; allein mein Vatter kunte sich aus Lieb für uns Kinder dazu nicht resolviren, mithin wurde aus der Sach nichts. Den 16. wäre bei meinem Schwägern das Versprechen seiner eintzigen Dochter Josephe mit dem Cammerherrn und R. H. R. Graffen Ernst von Harrach, dermahlen lebenden ältesten Sohn des seeligen Obrist Canzlers und der. bereits vor einiger Zeit als Gesanter nach Turin denominiret worden, welchen Posto er aber nachhero in der That aus keiner anderen Ursack depreciret, als weillen seine angehende 17jährige Frau noch nicht geblatteret und ihme sowohl als noch vill mehr ihren beiden Eltern die Auswahl der Alternative, sie dahier zuruckzulassen oder an ein für die Blattern so gefährliches Orth zu führen, gar zu beschwärlich gefallen ist. An dessen statt wurde nach einiger Zeit des General Mercy einziger Sohn an den sardinischen Hoff abgesendet. Den 17. wäre Gala wegen der Princesse Geburts-Tags mit einem Dine servi par les dames, und Appartement. Den 18. hatten wir in der Burg Reichs-Conferenz in der bam- bergischen Directorial Strittsach und jener von San Remo. 206 ) Abends kerte sämmtlicher Hoff nach Laxenburg. Dißmahl kämmen die Gr. Clarische mit, anstatt denen Norbert Trauttmanstorffischen und zuvorderst die zwei älteste Frauen und gewöhnliche Suite. Eodem raisten meine junge Leutlie zu ihren Schwigereltern nach Cromau, all wo den 20. dises das Versprechen und den 23. darauf das Beilager der Fürstin Mariae Annae mit den Graffen Emanuel von Waldstein gehalten wurde. Den 19. hörten die Herrschafften das von denen Falekeniren musieirte Amint des Sonntags halber und abends nach der Baitz re- praesentirte mann: la surprise de la haine mit einem neuen gro- tesquen Ballet von Hussaren. Den 20. accompagnirte ich den Kaiser zur Fruh-Baitz; nachdeme führe ich nach Wienn, um bei der Copulation meiner Niece (wo ich auch zugleich Beistand gewesen) zugegen zu sein; selbe verrichtete der Herr Ertzbischoff in des Bräutigamms öffentlicher Haus-Capellen und das Soupe de noce gäbe dessen Herr Oncle und zugleich Schwager, der R. H. R. Praesident, welcher das Harracliische Haus im Bestand hat, jedoch par politesse denen jungen Eheleuthen darinnen auf einige Zeit ein Appartement zur Wohnung einraumete und seinen Garten bezöge. 1754, Mai 21.—28. 177 Den 21. (nachdeme ich noch Vormittag bei dem Hervorseegen deren neuen Eheleuthen assistiret) kerte ich abends zuruck nach Laxenburg, allwohin heut die zwei ältere Ertzhertzogen nachgefolget waren und abends der Democrite repraesentiret wurde. ^ Den 22. wäre Früh und Nachmittag Baitz, sodann Comedie: le legataire. Den 23. am Fest Christi Himmelfarth verfügte sich die Kaiserin zu Verrichtung ihrer Andacht nach Schönbrunn, all wo sie auch ge- speiset; der Kaiser aber führe nach Lanzendorff zu den nemmlichen End, speiste aber mittags zu Laxenburg bei den Graffen Daun und ritte nach den Essen auf die Baitz, wo sodann auch die Kaiserin au pavillon eintraff, und abends spillte mann: les femmes sgavantes. Den 24. gienge mann Früh und Nachmittag auf die Baitz; es wurde aber des Freitags halber keine Comedie gespillet. Den 25. wäre Früh kein Streiffen, die Kaiserin hörte Meß bei den Gnadenbild zu Enzersdorff. Nachmittag wäre Baitz, aber wiederumen keine Comedie wegen des heutigen Sammstags. Den 26. wurde der sontägige Gottesdienst abermahlen wie neulich in der Pfarr-Kirchen gehalten. Nachmittag gienge mann nicht aus, abends aber zur Comedie: le mariage fait et rompu, worauf ein neuer Ballet d’Espagnols folgte. Den 27. ritte der Kaiser in der Früh streiffen, speiste en Compagnie, die Kaiserin aber in der Cammer, weillen sie sich zu den heutigen Appartement krausen und coeffiren lassen muste. Der Hoff führe aus dem alten Schloß aus zum grünen Lusthaus, allwo auf den Fuß wie vorn Jahr das Appartement gehalten wurde, nach dessen End für heut allen fremmden Ministres und übriger Noblesse die Entree zur Comedie, allwo mann: les fils ingrats repraesentirte, verstattet wurde. Den 28. wäre der Kaiser auf der Baitz und accompagnirte uns nicht allein der Ertzherzog Joseph heut bereits für das zweite Mahl, sondern mann machte auch dem Ertzherzog Carl (welcher in biroccio folgte) die Surprise, daß er im Zuruckkeren ein für ihm praeparirtes Pferd, so anfänglich hinter einem Gebüsch verstecket wäre, gähling ansichtig und ihme erlaubt wurde, sich darauf zu setzen und also reutend den Kaiser nach Haus zu begleiten; die Kaiserin läge am Fenster, um selben bei den alten Schloß passiren zu sehen. Mittags ' kämme der Ertzherzog Leopold en visite und kerte abends wiederumen zuruck nach Schönbrunn. Abends wäre kein Appartement wegen des regnerischen Wetters, hingegen waren zwei petites Pieces: le frangois ä Londres und le deuil. Kheven hülle r- Schütter, 1752—1755. 12 178 1754, Mai 29.—Juni 1. Den 29. gieng der Kaiser Früh auf die Hirsch Bürst. Nachmittag wäre Baitz und nach selber begab sich alles zurück nach Schönbrunn. Den 30. ließe sich die Kaiserin zum lezten Mahl zur Ader und wiewollen sie ihre Rechnung biß über die Helffte des eingehenden ^ Monaths gemacht hatte, so wurde doch den folgenden Tag als den 31. gegen die Nacht zu auf einmahl Lerm und muste mann sporrnstreichs die Hebamme aus der Statt hollen. Früh morgens wurde auch die Fürstin von Lamberg, welche bei disen lezteren Niederkiinfften immer zugegen gewesen, herausberuffen, welche mann dermahlen um so nöthiger erachtete, als die kaiserliche Hebamme (Frau Salerl), die auch meiner Frauen in dem lezten Kindbett beigestanden, seithero gestorben und das Sgavoir der neuaufgenohmenen nicht genugsamm erprobet wäre. Es schine zwar des andern Morgens, als den 1. Junii, daß es noch nicht wahrer Ernst seie, wie dann die Kaiserin verschiedene Ministres vorgelassen und — da wir eben bei den Kaiser über die Barriere Anliegenheit in Conferenz sassen — zu uns in das Zimmer kämme. Allein gegen Mittag vermehrten sich die Anzeichen einer baldigen Geburt und gegen halb fünff Uhr wurde dieselbe ganz glücklich eines gesunden Printzens entbunden. Der Kaiser gäbe sogleich die Ordonnanz zur Taulf auf morgen ^ nach den Kirchendienst und daß auf drei Tag Gala angesagt werde. Mann hatte den König und die Königin von Neapel zu Tauff Pathen gebetten; weillen aber die Niederkunft! nicht so bald vermuthet worden, waren die solenne Invitations-Brieff erst unlängst abgegangen, mithin auch die legale Antwort und die gewöhnliche Substitutions Vollmachten zum Tauffs Actu nicht eingelangt. Da mann aber durch den Graffen Firmian bereits vorläuffig von dem Agrement höclist- ermelter beider Mayestätten versicheret worden, so wurde das Expedient getroffen, ihrem hiesigen Ministro Marchese Mayo durch den Herrn Reichs-Vice-Canzlern insinuiren zu lassen, daß er sub indubia spe rati an dem auf seiner Herrschafft Hoff befindlichen Printzen v. Sachsen Hildburgshausen schreiben untl selben um die Stelle seines Königs zu vertretten ersuchen und zum nemmliclien End auch die Princesse Charlotte in einer Audienz zur Substitutin der Königin erbitten solle; wie auch ein und anderes von ihrne bescliehen. Anfang- liehen hatte er sich zwar einige Hoffnung gemacht, daß er (gleich lezthin dem französischen Bottscliaffter) selbsten die Ehre würde haben können; allein da mann ihn nach authentischer Zeugnus der Hoff- Prothocollen versicheret, daß nach unserer Etiquette notliwendig die 1754, Juni 2.-9. 179 Persohn eines Bottschaffters oder Prince de maison souveraine für dergleichen Stellvertretern erforderet würde, begriffe er sich sogleich von Selbsten und thate alles, so mann ihme an Hand gegeben, welches auch von seinem Hoff sodann vollkommen approbiret worden. Den 2. erfolgte nach dem heut und beide folgende Tage wegen denen einfallenden Pfingst-Feiertägen und zugleich celebrirenden 40 ständigen Gebett gehaltenen öffentlichen Gottesdienst der solenne Tauff Actus mit denen gewöhnlichen Coeremonien in der grossen Anticamera; weillen der Nuncius nicht mehr in publico, so verrichtete die Function unser Herr Ertzbischoff und wurden dem neu gebohrnen vierten Ertzherzog die Nahmen: Ferdinandus Carolus Antonius Josephus Joannes Stanislaus beigelegt. Dem venetianischen Bottschaffter wäre zwar angesagt worden, allein er declinirte unter dem Vorwand einer Unpäßlichkeit dabei zu erscheinen, indeme er dem Printzen von Hildpurgshausen aus der Ursach nicht weichen wollen, weillen diser keine förmliche Vollmacht von dem König zu Neapel, mithin auch keinen verum characterem repraesentativum (vermög dessen er als Bottschaffter einer Republique ihme ohne mindesten Anstand den Vorzug wie billig gelassen haben würde) vorweisen können. Mittags wäre bei denen jungen Herrschafften heut und folgende beide Gala Tag öffentlicher Dienst. Der Kaiser, deme dergleichen Din6s geniren, speiste ä Fordinaire mit uns Schönbrunnern. NB. bei der Tauff-Function wurden auf Anfragen des Obrist Hoffmeisters die Trompetten und Paucken erlaubet, welche bruyante Musique schon seit dem Winter her in allen Kirchen und auch in denen Hoff- Capellen verbotten worden wäre. Den 3. und 4. gienge der Kaiser immer in publico zur Capellen, und ersteren Tags gäbe er dem Cardinal Nuncio — welcher zu Beendigung des bekanten Geschäffts wegen Carpegna sich bis anher noch allhier aufgehalten hatte 207 ) und gleich den folgenden Tag nach Rom abgeraiset — die lezte Urlaubs Audienz. Zweiten Tags sähe die Kaiserin die Frauen deren Hoff-Ämtern, welche eliedessen das Privilegium gehabt, bei der Niederkunfft in der Cammer zu sein. Den 5. hatte ich mit dem Fürsten v. Trantsohn zum ersten Mahl wiederumen die Gnad, der Kaiserin die Hand zu küssen. Den 9. führe der Kaiser zu Begehung des h. h. Dreifaltigkeits- Fests zu denen Trinitariern und die Kaiserin sähe heut die Cammerzutrittsfrauen, den Obrist Hoffmeister (Graffen von Ulfeld), den Obrist- Hoffmeister der Princesse und die geweste Hoff-Ämter. 12 * 180 1754, Juni 10.—29. Den 10. kämme der Kaiser nebst denen älteren jungen Herrschafften und der Princesse in das königliche Closter zur Profession der Freile von Lamberg. Den 11. tienge die Kaiserin an, die Zutritts-Frauen zu sehen. Den 13. wäre um 7 Uhr die Ordonnanz zur ersten Procession ^ nach St. Stephan, so auf den alten Fuß gehalten wurde. Den 15. hielte der Kaiser Conferenz zu Schönbrunn in der Barriere Anliegenheit. 208 ) Den 16. wohnte selber nebst dem Ertzlierzog Joseph dem Umgang der Jesuitern bei. Den 17. spillte die Kaiserin abends in dem schönen Cabinet, wie sie es von heut an fast täglich gethan, biß gegen der Zeit dero Hervorgangs; hierzu dorfiften aber nur die Cammer-Zutritts-Frauen erscheinen. Den (sic!) heirathete■ unser 67jährig- und bereits zweimahl verwittibter Obrist Justitz-Präsident Graff von Korschensky die nicht vill über 20 Jahr alte Comtesse von Falckenliayn, eine sehr tugendlich erzogene Freile. Den 19. wäre um 8 Uhr Ordonnanz zu St. Michael und den 20. um 7 nach St. Stephan zu denen Processionen, welchen der Ertzherzog Joseph beide Mahl beigewolmet. Den 21. raiste der Kaiser mit dem Feldmarschall von Neipperg auf einige Täg nach Ilollitsch und ich profitirte hiervon, um auch f meines Orths mit der Gräffin und Kindern eine kleine Excursion nach j Ladendorff zu machen, worvon ich den 27. zuruck käme und den Kaiser bereits seit gestern re- tournirter antraffe. Den 28. wäre in materia von San Remo Reichs-Conferenz. 209 ) Den 29. als an den zum Hervorgang bestimmten Tag wäre um 11 Uhr Ordonanz und gienge dise Function (worbei unser Herr Ertzbisclioff die Einseegnung thate) gewöhnlicher Massen vor sich. Die Kaiserin, um sich nicht gar zu sehr abzumatten, wolte nicht j öffentlich speisen; jedoch geschahen nach dem Kirchengang die Publi- i cationen deren heutigen numerosen Promotionen, worvon die Abschrifft beilieget. 210 ) Der Fürst von Schwarzenberg wurde endlich als Hoffmarschall publiciret; dann obschon mein Schwager bald nach Ostern seine vor- ^ habende Resignation (welche tlieils der Ruh und Gesundheit halber, theils und noch mehr wegen oeconomischen Ursachen beschehen) beiden Mayestätten allerunterthänigst eröffnet und dieselbe — nacli- deme sie ihn ungehindert sehr viller gethanener gnädigster Avancen 1754, Juni 29.—30. 181 (si j’ose me servil* de ce terme) darvon nicht detourniren können — obbemelten Fürsten zu dessen Nachfolger in petto resolviret, so hatte sich doch dises Geschafft von darumen biß nun verzögeret, weillen mein Schwager an der Kaiserin Geburts-Tag noch seinen Dienst ver- richten, sodann dero glücklichen Entbindungszeit abwarten und endlichen noch vor der Benennung seines Successoris sich von hier weg und auf das Land begeben wollen, damit ihme das Hertz weniger schwär würde; dann ob er schon le parti de la retraite avec con- noissance de cause genohmen und sich dißfahls auch durch die gnädigste Offfes nicht irre machen lassen, so ist doch der menschlichen Natur und Eigenschaft nur gar zu sehr angebohren, daß — wann es auf die Epoque der Dimission ankomt — auch die stärckeste Gemiither turbiret und ihre Contenance zu verkehren pflegen. Die Auswahl seines Nachfolgers wie auch jene des neuen R. H. R. Vice-Praesidenten, Freiherrn von Hagen, wurde allerdings belobet, weillen ersterer wegen seiner illustren Geburt und nobler, tugendsammer Aufführung, der zweite aber wegen seiner Erudition und Ehrlichkeit nicht anderst als würdig geachtet werden kunten. Hingegen fände die Benennung von 17 neuen Feldmarschallen und übrige so ungemain große Militär Promotion desto weniger Approbation, zumahlen das hierbei gehabte Motivum, nur ville Taxen ^ einzuziehen und von darumen ohne Unterschied deren persöhnlichen ^ Meriten bloß nach der Anciennete so ville Generalen zu promoviren, i nicht verborgen bleiben kunte. Bei der zwar aus dem nemmlichen Motivo ebenfahls resolvirten so zahlreichen Cammerherrn-Promotion, als welcher unter diser Regierung noch keine beigekommen, hat doch die Kaiserin sich an der neuerlich festgesezten Norma festig- lich gehalten und außer denen, welche bereits das Deeret vorhero gehabt, keinen benennet, der nicht die vorgescliribene Proben von j acht Quartiers vätterlich- und vier mütterlicher Seits in forma autlien- S tica beibringen können. Weillen übrigens kein öffentlicher Taffel- ; dienst gewesen, so unterblibe auch das große Dine für die Bott- schaffter etc. Abends aber wäre Appartement. Den 30. hatten wir den sontägigen Gottesdienst. Diser Tägen Hesse der Kaiser die unlängst anliero gebrachte automatische Machines nach Schönbrunn kommen und gäbe uns einen Nachmittag la galan- terie de ce spectacle, worvon in der gedruckten Anlag die ausführliche Beschreibung enthalten. 211 ) Item raiste mein Grand Oncle mit Ende dises Monaths nach Venedig als seiner Station d’ambassade ab; hingegen kämme dessen Vetter von Coppenhagen auf einige Zeit anliero. 212 ) 182 1754, Juli 2 —13. Den 2. Julii hatten wir wegen des Frauen Fests Kirchen-Dienst zu Schönbrunn. Nachmittag um 5 Uhr wäre Ordonnanz zur Säulen. Den 3. gäbe der Kaiser, und zwar für das erste Mahl in dem Schloß Schönbrunn (umwillen in der Burg an denen neuen Abänderungen auf des Kaisers Seiten und sonsten gearbeitet wird) die gewöhnliche Investitur denen ertzbischoff- saltzburgischen Deputirten Canonico Graffen Joseph v. Spauer und Canzlern Mälck. 213 ) Der Thron wurde in der großen Anticamera aufgerichtet; und weillen der sich eben allhier befundene Fürst Joseph von Hohenzollern (Hechin- gische Lini) das Ansuchen gethan, daß er bei sothaner Function sein Erb-Cämmerer Ammt selbsten verrichten möge, so muste ich ihme dise Ehre nebst dem wenigen Emolumento der Lehenstax, wie billig, überlassen. Den 4. Jagd in der Hohleuthen. Den 5. starb zu Prag, 87 Jahr alt, der dortige Grand Prior Wenzl Joachim von Czeycka vom alten Ritter Stand, den mann aber seitkero nebst seinen Nipoten zum Graden gemacht hatte. Ihme folgte sofort sein Coadjutor Graff Emanuel von Kollovrat, welcher bald darauf das Jurament als geheimmer Rath abgelegt und den Cbaractere eines Feldmarschall Leutenants erhalten. 214 ) Heut unterblibe das freitägige Appartement. Den 7. wäre die sonntägige Kirchen. Mittags speiste ich bei den Graffen Leopold Daun, welcher eigends in die Statt gekommen, und assistirte abends dem bei ihn als erbettenen Braut-Yattern gehaltenen Versprechen seiner Ereile Baß (Contesse Caroline von Schaff- gotsch) mit dem portugesischen Abgesanten Don Freyre de Andrada, einem schon zimmlicli erlebten jungen Gesellen. Den 10. wurde wegen der Ertzhertzogin zwar Gala angesagt, sonsten aber weder Dine publique noch Appartement gehalten. Den 11. wurde zu Trier der dortige Dombdechant Johann Philipp Freiherr von Walderdorff zum Coadjutor erwählet, welche sehr häckliche Handlung auf des alten Churfürsten Verlangen durch den Graffen Firmian bei seiner Passage zu Rom in größter Geheimme imediate mit dem Pabsten und dessen vertrauten Ministro und Seeretario di stato Cardinal Valenti incaminiret und abgehandlet worden. 215 ) Den 12. unterblibe abermahlen das freitägige Appartement. Den 13. wäre 'Conferenz zu Schönbrunn in Gegenwart des Kaisers über die leztere Pencklerische Depechen aus Constantinopel, 1754, Juli 14.—17. 183 die von Rußland anlegende neue Festung in dem so genannten Neu- Servien betreffend. 216 ) Den 14. hatten wir den sonntägigen Gottesdienst. Nachmittag kämmen II. MM. in die Statt und geruheten den Sohn, dessen die Gräffin von Ulfeld heut früh entbunden worden, in des Vatters lind uns sämtlicher par ßnesse für unser Hoff Capo dabei erschinener Hoff Ämtern Gegenwart, aus der heiligen Tauff zu heben und dem Kind die Nahmen Franciscus Leopoldus etc. beizulegen. Den 15. wohnte ich Vormittag einer in der maltesischen Anliegenheit mit Neapel und des Mercyschen Rangdisput halber mit dem französischen Bottschafftern zu Turin abgehaltenen Conferenz in der Burg bei. 217 ) Nachmittag wäre bei mir eine Commission mit Zuziehung des Directorii und Graffen Rudolph Choteck wegen der neuen Einrichtungen im Collegio Theresiano, wie aus denen dißfähligen Actis mit mehreren zu ersehen. 218 ) Den 16. verfügte ich mich nebst dem Herrn Obrist Hoffmeistern in die Schatz-Kammer, um die alldorten unter unser beiderseitigen Obsignirung von Alters her verwahrte Haus-Schrifften dem Baron von Bartenstein, welcher das neu-erriclitende Universal-Archiv zu besorgen hat, nach deren beschehener Recognoscirung zu übergeben. 219 ) Abends nach 7 Uhr verraisten II. MM. nebst der Princesse und einer sehr compendiosen Suite, worunter auch meine Frau und ich waren, nach Kittsee, allwo dieselbe gegen 10 Uhr angekommen und beide en compagnie an einer Tafifel von. beiläuffig 30 Couverts sou- piret haben. Eodem starb im 72. Jahr der Feldmarschall Freiherr von Diemar, welcher nach seiner Gemahlin Tod deutscher Herr und Commandern* der Ballei Hessen geworden wäre. Den 17. fuhren II. MM. um 9 Uhr nach Presburg lind stigen sogleich bei den nächst der bisherigen Wohnung deren Nonnen de Nötre Dame aufgeschlagenen Zelt ab, wohnten sodann der proces- sionaliter beschebenen Einführung derenselben in ihr unfern davon erbautes neues Closter bei, worbei jede Nonne eine Dame, und zwar die Oberin I. M. die Kaiserin an der Hand führte, und verbliben sodann bei der Predig und FIoh-Ammt, welche beide geistliche Functionen aber (indeme die Kirchen noch nicht vollendet) in einer kleinen Haus-Capellen gehalten wurden. Diser ganze geistliche Actus, welcher eigentlich das Objectum unserer Rais gewesen, wurde von denen Herrn Hungarn besorget, indeme die Kaiserin ganz incognito kommen, mithin keinen Cammer Fourier noch sonstigen Hoffbedienten (ausser ein paar Cammerdiener, Cammer Trabanten etc.) mitnehmen wollen. 184 1754, Juli 17.—21. Mittags speiste mann bei den commandirenden Generalen Fürst von Lichtenstein. Nach den Essen fuhren wir in das Schloß, weillen die Herrschafften der mitgekommenen Obrist Hoffmeisterin der Prin- cesse Charlotte den alldasigen schönen Prospect zeigen wollen; und nachdeme wir in denen untern Garten (weillen der Kaiserin völlig hinauf zu steigen zu beschwärlich gefallen) in etwas spatzieren gewesen, kerten wir zuruck nach Kittsee, allwo der Fürst denen Herrschafften und vornehmem Dames die Galanterie eines Nachtschiessens mit Arbalestern gemacht und hierzu sehr hertzige Preiße ausgesezt. Die eintzige, so schwartz geschossen, wäre die Comtesse Durazzo und der Fürst von Auersperg, mithin machten die Raqueten und Polier, welche solchenfalls loßgiengen, keinen sonderlichen Lerm. Nach vollendeten Schießen verfügte mann sich zum Soupe, von welchem aber anheut die Kaiserin außen gebliben ist. Eodem starbe im 23. Jahr an der Abzehrung die sehr kurtz -verheiratkete Gräffin Eleonora von Wurmbrand, gebohrne Gräffin von Breuner. Den 18. führe ich in der Früh mit dem Kaiser und einigen Dames in dem Fasangarten. Mittags aber wurde bei den Palatinus zu Presburg gespeiset, allwo gleich gestern verschiedene deren Primorum nebst uns andern Mitgekommenen geladen worden. Nach den Essen giengen die Herrschafften eine von denen Pensionaires deren Closter-Frauen aufgeführten Com6die, Democrite genant, anzuhören und fuhren sodann zuruck nach Kittsee, wo aber die Kaiserin für heut mit uns nicht soupiret hat. Den 19. raisten wir nach 7 Uhr sammtlich von Kittsee hinweg. Unweit Heimburg aber separirte sich der Kaiser von uns und führe mit dem Fürsten von Auersperg über die Donau nach Eckartsau zum Graflfen Joseph Kinsky; die Kaiserin hingegen continuirte mit der übrigen Suite den Ruckweeg nach Schönbrunn, allwo wir sehr zeitlich anlangten und sogleich die heut früh auf 8 Tage für die Duchesse de Penthievre (gebohrne Princessin von Modena) angesagte Trauer in Seiden und Spitz anzogen. Es wäre dise Frau zwar schon im Majo gestorben, die Parte aber erst unlängst gegeben worden, ver- mutklich weillen mann zuvor sicher sein wollen, ob wir die Klag für dise Frau als Gemahlin eines nur legitimirten Prince du sang tragen würden, wie dann auch einige anfänglich nicht dazu incli- niret, sich aber hernach in Betracht der modenesischen Alliance begriffen haben. 220 ) Den 21. verfügte sich der Kaiser, welcher gestern von Eckartsau zuruckgekommen, nebst der Kaiserin in publico zu denen Carmelitern 1754, Juli 21.— Aug. 7. 185 auf der Leimgrueben wegen des Scapulir-Fests und wurde auch dem Bottschaffter angesagt. Abends wäre Appartement, weilten die Kaiserin einen Cour- Tag (damit die fremmde Ministres en deuil erscheinen könten) halten wollen. Den 22. hatten wir öffentliche Kirchen wegen des Sanct Mag- dalenae-Fests, desgleichen den 25. wegen des Apostel Tags. Nachmittag kämmen die Theresianer, um die Ertzherzogin Maria Anna auf morgen zu com- plimentiren; der Harangueur wäre ein Graft' von Plettenberg. Den 26. hatten wir zwar keinen Kirchen-Dienst, sonsten aber wurde der heutige Gala-Tag gewöhnlicher Massen celebriret. Sämmt- liche Herrschafften giengen vor den Essen öffentlich in corteggio zur Princesse und hüben sodann in der Kuckker in der großen Anticamera, um sich zur Taffel zu setzen, bei welcher zwar nur die drei ältere junge Herrschafften nebst der Princesse (die übrige kleine Familie hatte sich währendem Cortege nach ihren Zimmern begeben) zugegen waren. Die Dames bedienten und abends wäre Appartement, in welchen der unlängst angekommene Comte de Gisors (eintziger Sohn des Marechal de Belleisle) II. MM. praesentiret worden. Den 28. wäre die sonntägige Kirchen. Den 29. speisten II. MM. nebst der Princesse und einig- wenigen Gästen bei den Fürst Joseph Wenzl von Lichtenstein in seinem Haus in der Statt, um sein porcellanenes Cabinet, so in Mer That sehr kostbahr und rar ist, nach Gelegenheit sehen zu können. 221 ) Den 31. fuhren II. MM. in das Profeß-Haus wegen des heut einfallenden Fests des heiligen Ignatii. Den 2. Augusti verfügte mann sich zu denen Capucinern in der Vorstatt zu Begehung des Portiuncula-Fests. In der Früh schickte die Kaiserin meiner Gemahlin eine ganze Pyramide von allen Sorten Obsts aus der gnädigsten Finesse, um willen sie wüste, daß ihr wegen meines vornjährigen Fiebers und deren Kindern Blattern gemachts Geliibd, durch ein ganzes Jahr kein Obst zu essen, anheut; expiriret. Den 4. hatte vor den heut- sonntägigen Gottesdienst der unlängst angekommene Nuncius Monsignore Ignazio Crivelli seine erste Audienz bei den Kaiser und hernach bei der Kaiserin als Augusta. Den 7. starb im 26. Jahr unseres Obrist Küchenmeisters neu verheirathete Gemahlin, welche erst vorigen Sonntag in der Nacht unpäßlich worden. Ihre Kranckheit fienge mit einem Erbrechen an, welches gleich anfänglich nur für ein Anzeichen geseegnetes Leibs gehalten wurde; nachdeme aber der Vomitus immer continuiret und sich zugleich eine Alteration geaüsseret, so ließe ihr unser Protho- medicus van Swieten zur Ader und gäbe ihr Artzneien, um das Brechen zu stillen. Weillen aber das Fieber dennoch nicht aussetzen wollen und er vermuthlich beforchten, es könte zulezt ein Ausschlag dazu stossen, so ließe er sie gegen 1 Uhr in ihre Wohnung in der Statt transportiren. Sie wäre auch noch so robust, daß sie ganz frei aufgestanden und sich Selbsten chaussiret; kaum aber hatte man sie in die Statt gebracht, daß die Kranckheit also zugenohmen, daß sie kaum mehr Zeit gehabt, das heilige Viaticum zu empfangen und ohne ein Testament machen zu können, fast urplötzlich verschiden. Die Facultet, um sich zu justificiren, producirte nach der Hand den Processum anatomicum und wäre sehr empressiret, mittelst dessen dem Publico bezeigen zu können, daß mann bei Eröffnung des Leichnamms einige Überbleibseln von Schwammen (welche die Verstorbene den nemmlichen Sonntag, als sie in der Nacht erkrancket, an unserem Hofftisch geessen hatte) unverdauter vorgefunden und die mann um so mehr für eine vergifftete Gattung auszugeben sich beflißen, als der Magen anbei sehr aufgeschwollen wäre. Allein die mehreste waren der Mainung, daß — wann mann der gutten Patientin, welche jung und robust gewesen, ein rechtschaffenes Vomitiv gegeben und anmit die Indigestion aus dem Grund gehoben hätte — es so schwär nicht gefallen wäre, sie zu curiren; wie dann auch bald hernach die Hoff-Dame Freile von Schirnding von unserem ehrlichen D 1 ' Zwenghofif an einem fast gleichen Zustand und gähling überkommenem starcken Erbrechen durch derlei Artzneimittlen in wenigen Tägen vollkommen restituiret worden. Den 9. wäre Conferenz in praesentia Augustissimi in der römischen Königs-Wahl-Angelegenheit. 222 ) Den 10., an St. Laurentii-Fest, gienge der Kaiser allein in die Kirchen, weillen die Kaiserin Medicin genohmen, welcher ungehindert sie dennoch dem Nuncio auf der Männerseiten in qualitate reginae Audienz gegeben, die er sofort auch bei sämmtlicher königlichen Familie überkommen. Den 11. gienge die Kaiserin zum sonntägigen Gottesdienst, weillen der Kaiser heut früh mit der Princesse nach Goldegg eine Excursion gemacht, um die Fürstin von Trautsohn (welche auf eine kurtze Zeit dahin abgangen) allda zu besuchen. Eodem verstarb im 30. Jahr an langwührig- abzährender Kranckheit des Graffen Michel Hanns von Althann Gemahlin Josepha (ge- bolirne Gräffin Kinsky), welche eine sehr galante Dame gewesen V- 1754, Aug. 12.—17. 187 und mit dem sogenannten Quinquin Esterhasy eine wohl in das 12. Jahr fürgedauerte Intrigue gehabt, in ihrer lezten Kranekheit aber alle erwünschliche Marques einer wahren Bereuung und christlichen Poenitenz von sieh spiihren lassen. -Gr- Den 12. nähme der Kaiser Medicin. Den 13. wurde zwar die Gala wegen der Frau Elisabeth angesagt, sonsten aber bei Hoff nichts en publique gehalten. Den 14. speisten II. MM. nebst der Princesse en ’petite Compagnie (worunter auch meine Frau und ich waren) zu Laxenburg bei den Graff Leopold Daun. Eodem starb im 64. Jahr an langwühriger Brustwassersucht Graff Franciscus Sylvius Pückler, Cammerherr und geheimmer Rath, welcher aus einem sehr hitzigen Lutheraner — gleich dem seeligen Generalen von Schullenburg — in seiner Kranekheit jedoch ville Monath vor seinem End ein sehr eiffriger catholischer Christ geworden. 223 ) Den 15. hatten wir Vormittag den Gottesdienst zu Schönbrunn und Nachmittag bei der Säulen. Den 16. geschähe vor 5 Uhr Früh nach gehörter heiliger Meß der Aufbruch nach Neuhoff und anmit der Anfang der für dises Jahr resolvirten sechßwochigen Excursion. II. MM. hatten zur Suite die zwei Cammerfreile von Berchtold und Proskau, die Leopold Dauni- ^ sehe, meine Frau und mich, den Fürsten von Auersperg, Feldmarschall Neipperg und Obrist Küchenmeistern. Mann nähme ein sehr kurtzes Frühstück zu Znaim und kämme um 6 Uhr an zu Iglau. Die anweesende Dames und vornehmere Männer wurden zur Herr- ^ schaffts-Taffel geladen und das Hoffquartier auf den Platz gemacht, wo mann ein paar deren besseren Hausern durchgebrochen. Den 17. wäre Ordonanz um 5 Uhr; wir hörten Meß bei den Gnadenbild in der Pfarrkirchen und langten bereits um 11 Uhr zu Neuhoff an. Der ein paar Tag vor unser eingetroffene Erbprintz von Anspach (welcher ein Regiment Infanterie und den Charactere als Oberster in unsern Diensten hat) hatte noch vor den Essen Audienz und wurde sogleich nebst dem ilime von seinem Herrn Vattern zum Mentor mitgegebenen 81jährigen Feldmarschallen von Seckendorff zu der kaiserlichen Taffel geladen. Dise wäre beständig von etlich und ^ zweinzig biß 30 Couverts und wurden dazu immer einige deren an- weesenden Generals- und sonstiger dazu qualificirter Stands-Persohnen, auch von distinguirten Forastieren gezogen. Unter disen lezteren (anderer nicht zu gedencken) befanden sich nahmentlich der Printz George von Darmstatt, der Duc de Richemond mit seinem Brüdern 188 1754, Aug. 17.—18. Lord Lenox, der Comte de Gisors, ein Graff von Reussen mit seiner Frauen etc. Nebst der Herrscliaffts-Taffel wäre noch unser Hoff-Tiseh, an welchen der- Obrist Küchenmeister les honneurs machte; und anbei * ' hatte unser Hausherr der Feldmarschall Batthyany — welcher mit seiner Gemahlin ein paar Tag' voraus gekommen — alltäglich eine große Anzahl Gäste bei sich, wie dann solche sich heut mittags gegen 130 Köpff erstrecket, die er alle unter aufgeschlagenen großen Zelten in dem Garten deren Dominicanern, als in deren Closter er sich ein- logiret, auf das beste bewirthet hat. Nachmittag fuhren wir sogleich in das Lager. Der Kaiser ritte die Lini vorbei und als es finster wurde, gienge das Lauf-Feuer an. Die Ordre de bataille ist aus beikommenden Schemate zu ersehen. 224 ) Mein Sohn — obschon er nur Unterleutenant und es sonsten deren Haubtleuthen Praerogative ist — wurde von dem das Lager comandirenden Feldmarschallen von Broun aus Finesse gleich heut dem ersten Tag als Ofßcier d’ordonnance in das Hoff-Quartier com- mandiret und hatte mithin die Ehre, II. MM. zu Pferd hin und her zu begleiten. Bei unserer Retour sahen wir die ganze Facade, den Dom und beide Turne deren am End des Gartens und gegenüber des Schlosses befindlichen Dominicaner Kirchen nach der Architectur mit villen Lampionen illuminiret, so ein sehr schönen Point de vue machte. Die Kaiserin soupirte niemahlen mit uns, dahero auch der Kaiser keine fremmde Gäste, sondern nur die mitgekommene Compagnie und einige bekantc Männer darzu laden ließe. Der Printz von Anspach speiste nur einmalil abends mit; dann ob ich ihme schon in Nahmen II. MM. ihre Taffel auf beständig angetragen, so echappirte er sich doch immer aus eben der Ursach von dem Soupe, um dem Kaiser nicht ungelegen zu sein. Der Graff von Colloredo und Graff von Kaunitz folgten zwar dem Hoff nach Neuhoff und Prag, bekammen aber keine Liffergelder (oder wenigstens solten sie dem ersten Entschluß nach keine ziehen), welche lediglich dem Graffen von Iiaugwitz qua Obrist Canzlern verwilliget wurden. Für disen Herrn und überhaubt für alle Einquartierungen auf diser Rais muste der Repraesentations-Praesident Baron Nettoliczky sorgen und zu dem End mit mir correspondiren, weillen die Kaiserin nicht für gutt befunden, einen Cammer oder Hoff-Fourieren wie sonsten auf dergleichen Raisen üblich, mitzunehmen oder vorauszuschicken. Den 18. als Sonntags hörten II. MM. zwei kleine Messen bei denen Dominicanern, speisten zu Mittag en compagnie; sodann fuhren 1754, Aug. 19.-21. 189 dieselbe ins Lager, stigen bei der Gloriette ab lind sahen die erste Manoeuvre, so in attaquiren und chargiren des in zwei gleichen Treffen ausgeruckten und gestellten, sämtlichen Corps bestünde, und welches zulezt bei uns defiliret. Den 19. hörte mann Meß in der Haus Capellen und ließe Vormittag wegen der großen Hitz die Trouppen nicht manoeuvriren. Nachmittag aber producirten sie die Attaque einer großen Convoi. Den 20. blibe mann Vormittag abermahlen zu Haus und er- schine alles in der Anticamera, um die Cour zu machen. Da nun auch gewöhnlicher Massen der Erbprintz von Anspach, und zwar in seiner Obristen-Uniforme zugegen wäre, declarirte der Kaiser selben heut sehr finezios zum General-Major. S. M. redeten ihn wegen seiner Uniforme an, mit Vermelden, daß der Printz sich eine andere wolte machen lassen; und da selber, was der Kaiser damit vermainte, nicht gleich begriffe, so sagte endlichen der Kaiser, daß er von der Uniforme eines General-Majors geredet hätte, worauf dann der Printz sogleich zugetretten und dem Kaiser die Hand geküsset, die nemm- Iiclie Dancksagung auch nachhero der Kaiserin (als sie zu uns in die Anticamera herausgekommen) wiederhollet hat. Bald nach 1 Uhr fuhren wir in das Haubt-Quartier zum com- mandirenden Feldmarschallen, allwo II. MM. en grande compagnie gespeiset und nach den Essen der Kaiser auf die Jagd, die Kaiserin aber in die Magazins gefahren und sich die Mühe gegeben, die Pack- öffen und alles übrige zu besichtigen und zu examiniren. Den 21. fuhren wir bereits um 6 Uhr die heutige Manoeuvre zu sehen, so in der Attaque eines fouragirenden Corpo bestanden. Der Kaiser machte mir heut die Finesse und practicirte mir auf der Gloriette ganz unvermerckt ein Augenglaß (wie ich deren meines kurtzen Gesichts halber immer brauchen muß), aber sehr schön in Gold und Email gefast, in den Sack meines Rocks, also zwar, daß ich dessen erst nachmittags, als ich was anderes aus meinem Schubsack nehmen wolte, gewahr wurde. Mir fielle sogleich bei, daß I. M. kurtz vor unserer Abrais mein ordinari Lorgnette anverlangt hatten, um ein dergleichen Glaß schneiden zu lassen, mithin nähme ich um so eher die Freiheit, demselben mit Bezeigung der gehabten angenehmen Surprise die unterthänigste Dancksagung abzustatten. Der Kaiser weigerte sich zwar anfänglich, solche anzunehmen, endlichen aber er- zehlte er mir selbsten, wie er sein Tempo genohmen, als ich eben mit dem Graff Leopold Salm gesprochen, um dises Glässli mir in dem Sack zu schieben. r 190 1754, Au g. 21. Mittags speisten wir zu Haus und gegen 6 Uhr kämme die Princesse mit ihrer Suite an, um von Neuhoff aus die Raiß mit uns biß Prag fortzusetzen und sodann ihre vorgenohmene Transmigration nach denen Niederlanden zu bewcrckstelligen. Diser leztere Entschluß, an welchen sie zwar schon eine geraume Zeit her gekochet, wäre endlichen bei der vornjährigen Anweesenheit des Printzen Carl unter ihnen beiden vollständig festgesetzet und concertiret worden; den Anwurff hiervon machte die Princesse der Kaiserin schriiftlich (wie I. M. mir es mit allen bei vorgefallenen Umständen bald darauf im Vertrauen zu erzehlen geruhet) und nähme pro motivo, daß sie immer älter, mithin einer wahren Retraite und ruhigerer Lebensart benöthiget wäre; daß sie der Kaiserin bei dero habenden zahlreichen Familie (zumahlen wegen Abgang deren erforderlichen Wohnungen) nur ä Charge sein muste und daß sie endlich nicht bergen könne, wie sie ihr Selbsten gleichsamm ridicule vorkäme, wann sie bei ihrer großen Statur und vierzig-jährigen Alter so villen schönen und jungen Ertzherzoginnen — als deren nun fast jährlich mehrere in publico erscheinen würden — comme une vieille fille avec Fair d’une duegne nachtrottiren müste etc. Alle dise Vorstellungen, welche apres le premier embarras nach der Hand auch mündlich mit villem Eiffer wiederholtet wurden, ter. minirten sich dahin, daß die Kaiserin ihr die Erlaubnus, nach Mons ^ sich zu retiriren, ertlieilen und dißfahls einen Vorschlag agreiren möge, welcher — ohne I. M. gar zu beschwärlich zu fallen — sie im Stand sezte, eine convenable Retraite zu erlangen, ohne solche in ihrer Abbtei Remiremont suchen zu dörffen, als wohin sie wegen der französischen Oberherrschafft sich ohne gar zu schwärem Hertzen nicht begeben könte; sothaner Vorschlag aber bestände darinnen, sie zur Repraesentantin des königlichen Stiffts deren Chanoinessen in obgedachter Statt Mons zu benennen, als welche keine Abbesse haben, indeme die Mense abbatiale vorlängst von denen Souverains deren Niederlanden eingezogen und sie vermög uralter Praerogativ und Privilegien gleichsamm Selbsten das Oberhaubt erstgemelten Cha- pitre seind. Hac occasione wolte sie gleichsam reprochiren, theils daß der Kaiser sie um ihr Etablissement gebracht (indeme es nur von ilime dependiret, daß sie den lezten verstorbenen Duc d’Orleans geehliget) und theils daß S. M. nachhero auf ihre wiederhollte Instanzien — welche aber in der Tliat weder raisonnable, noch vill weniger möglich waren — keine Reflexion machen und deren zu Folg sich an den französischen Hoff dahin interponiren wollen, damit ihr die r * 1754, Aug. 21. 191 Souverainete über die Abbaye Remiremont auf ihre Lebenszeit überlassen werden mögte. Die Kaiserin (in Betrachtung, wie eine so unerwartete Resolution dem Kaiser, welcher dise seine einzig noch lebende Frau Schwester sehr zärtlich liebet und nun schon in das zehente Jahr mit ihr sozusagen hauszuhalten gewöhnet ist, nicht anderst dann sehr empfindlich zu vernehmen sein würde) gäbe sich zwar alle Mühe, die Princesse darvon abzubringen; allein sie wolte sich nicht eines besseren begreiffen; und wiewollen der Kaiser — welcher zwar anfangs sehr piquiret gewesen und sich mithin ganz indifferent gestehet, zulezt aber dennoch, als es auf den Moment de Separation ankamme, denen Mouvements einer natürlichen Tendresse nicht re- sistiren können — auch seines Orths ihr verschiedene Propositionen, um ihre Abrais zu verhinderen, machen lassen, so wäre doch nichts vermögend, den gefasten Entschluß zu hintertreiben. Dahero wäre schon einige Zeit her sowohl hier zu ihrer Abrais, als auch in Niederland zu ihrer standmässigen Reception alles Erforderliche veranstaltet und sich dißfahls von beiden Mayestätten sehr generös benohmen worden. Der Kaiser schenckte ihr eine magnifique Vaisselle, zwei Züge Pferde, Wägen etc. und die Kaiserin Hesse ihr etlich und 30.000 fl. zur jährlichen Subsistenz assigniren, daß sie also (wie S. M. mir Selbsten gemeldet) nebst deme, so sie vom Kaiser zur Appanage und sonsten von ihren Benefices geniesset, über die 100.000 fl. das Jahr an Einkiinfften haben solle. Damit sie auch übrigens die Rais mit einer convenablen Suite machen solte, so wurden die zwei Cammerherrn Graff Frantz Esterhasy (der Quinquin) und Antoni Schaff- gotsch, ersterer zum Spesirungs-Commissari, zweiter aber von da- rurnen mitgegeben, damit sie einen bei Händen habe, um selben mit denen gewöhnlichen Gegencomplimentirungen an die nächst der Marcheroute befindliche Höffe absenden zu können. Nach den ersten Antrag hätte die Princesse zu gleicher Zeit, als wir nach den Lager abgeraiset, von Wienn aufbrechen und gerad nach Niederland abgehen sollen; allein die nemmliche Retours de tendresse, welche die anfänglichen affectirte Kaltsinnigkeit tiber- gewaltiget, haben den Kaiser zu einiger Prolongirung des Termini sepa- rationis nachhero auch dahin bewogen, seine Frau Schwester auf Prag nachfolgen zu machen und sich erst dorten von selber zu beurlauben. Sie hatte vorige Nacht zu Mährisch-Budweiss geschlaffen und heut zu Deutschbrod mittags gespeiset; beide Mayestätten wolten selber biß gegen die lezte Station entgegenfahren, allein sie hatte ihre Rais 192 1754, Aug. 22.-23. also beschleuniget, daß mann sich gleich außerhalb Neuhoff bereits rencontriret. Die Princesse verfügte sich gerad in ihre Wohn-Zimmer, um sich umzukleiden, und käme in die Anticamera, wo sie von sämtlicher dißfahls sehr zahlreich erschienen Noblesse und Militari die gewöhnliche Complimenten empfienge und sodann mit uns soupirte. Den 22. verfügten sich II. MM. abermahlen gegen 6 Uhr früh nach den Lager, allwo heut die Passage eines Flusses und dißfählige Manoeuvres gezeiget wurde. Mittags speiste mann bei unseren Hausherrn in den nemmlichen Gartensalon oder Serre, wo wir auch vor vier Jahren tractiret worden waren. Abends wurde gespillet, weillen das eingefallene Regenwetter keinen Ausgang verstattet. Den 23. raisten II. MM. nebst der Princesse und beiderseitigen Ge- folg (worunter sich auch die mit der lezteren gekommene und von nun an immer en notre compagnie verblibene Fürstin Esterhasy befunden) bald nach 6 Uhr auf Prag, allwo wir gegen 1 Uhr ankaminen und die sehr zahlreiche dortige Noblesse ä notre passage in denen Anti- cameren fanden. Die Dames erkundigten sich sogleich um die Ordonnanz und beliebige Stund, wann sie zur Aufwartung ins Schloß kommen dörfften, welche ihnen fast täglich einmahl oder gegen die Mittags-Zeit oder abends — nachdeme es die Excursionen und übrige Beschäfftigungen am füglichsten zugelassen — anberaumet wurde. Deren Audienzien halber, welche die Kaiserin villmahlen all- sclion um 6 Uhr morgens zu ertheilen angefangen, bestellte ich immer zwei innländische Cammerherrn, gleichwie ich es auch zu Neuhoff gethan, wo ich aber meistentheils Generale oder sonstige in militari stehende Cammerherren auserwählet und (damit mehrere diser Gnad genießen können) selbe alle zwei Täg ablösen lassen. Die Herrschafften speisten heut Mittag im Schloß und lediglich mit uns andern de la suite, welches der Kaiser auch Uberhaubt bei allen Soupbs observiret; nur excipirte er die Dienst-Cammerherren und aus alter Bekantschafft die Norbert Trauttmanstorffische und die Gräffin von Sternberg, die aus Dresden zu uns gekommen wäre. Die Kaiserin sähe die Dames um 6 Uhr, welche alle en sac kommen dörfften, und spillte im Spiegelzimmer. Nach vollendetem Spill, als es finster wurde, fuhren II. MM. nebst der Princesse in Landauer-Chaise die Illumination ansehen, welche in denen vornehmem Plätzen und Strassen aller drei Stätt auf allerlei Art mit Fackeln, Symbolis etc. angeordnet worden, und waren absonderlich die bei denen Haubt-Avenues errichtete und ebenfahls sehr schön beleuchtete Triumphporten magnifique anzuschauen. Ville hatten doch 1754, Aug. 24.-25. 193 die diser Illumination halber gemachte Unkosten nicht approbiren wollen, zumahlen erst unlängst ein großer Theil der Judenstatt und benachbahrter Christenhäuser durch ein (wie mann nicht ohne Grund beargwöhnet) angelegtes Feuer in Rauch aufgangen und mithin ein zweites dergleichen trauriges Spectacle sehr leichtlich hätte erfolgen können. Den 24. wäre unangesehen des heutigen Apostels-Tags kein öffentlicher Kirchendienst, sondern II. MM. hörten zwei kleine Messen in der Hoff-Capellen und fuhren auf Mittag nach Troja, allwo dieselbe mit einen sehr großen Gastmahl (bei welchen die fremmde Printzen, Mylords, der Comte de Gisors, der pohlnische Fürst Jablo- nowsky und andere vornehmere Persohnen beiderlei Geschlechts geladen waren) und nach der Taffel mit einem magnifiquen Concert regaliret wurden, worbei sich die berühmte Signora Astroa und der Tenorist Signor Romani hören lassen, welche beide an den Berliner Hoff engagiret, auf Ersuchen aber des Ertzbischoffs *) von dem König nebst einem ungemain höfflichen Antwort-Schreiben 226 ) sogleich nach Prag mit der ausdrücklichen Ordre abgeschicket worden seind, all- dorten so lang es der Kaiserin anständig sein würde, zu verweillen. In der Retour stige mann bei den Hoffgarten ab, genösse noch ein wenig die Abendkühle und der Kaiser gienge sodann soupiren. Den 25. verrichteten II. MM. sehr früh incognito ihre Andacht bei den heiligen Grab, fuhren sodann in die Gegend von Mottal, so denen Malthesern gehörig, und wohnten der Einweihung der neuen Creutz Capellen bei. Dise hat die Kaiserin zur Gedächtnus dessen, was sich bei der Belägerung von Prag 1742 zugetragen, erbauen lassen, da nemmlichen ein Soldat, welcher Fachinen zubereitete, bei Spaltung eines Asts oder kleinen Scheidholtzes observiret, daß auf beiden Theilen desselben das heilige Creutzzeichen gleich einem schwartzlichen Knospen ganz ausnehmend und sichtbahrlich einge- präget sich befände; diser zerspaltene Ast wurde sogleich dem damaligen Groß-Herzog überbracht, welcher es biß anhero in seiner Verwahrung gehabt und in dessen Händen ich und ville andere es ganz gelegentlich sehen und nicht anderst urtheilen können, als daß kein Betrug oder Künstelei hierbei unterloffen, sondern dises heilige Signum in der That in dem Holtz also eingewachsen und durch die Natur Selbsten gezeichnet worden seie. *) Selber wäre endlichen und villeiclit auch durch die Protection seines petit, Neveu (des Griffen Kaunitz) wieder in Gnaden aufgenolnnen und bei gegenwärtiger Raiß ungemain fetiret und distinguiret worden. 225 ) Khevenhüller-Scli litte r. 1752—1755. 13 194 1754, Aug. 25.-26. Nach vollendet- sotlianer geistlichen Function besuchten II. MM. annoch en passant das auf den Weissen Berg gelegene Kirchl S. Mariae de Victoria, fuhren durch den sogenanten Stern-Parc und verfügten sich nach den Benedictiner Closter St. Margarethen, allwo sie abermahlen en grande compagnie gespeiset und von dem Baron Nettolicsky (Repraesentations-Praesidenten und Obrist Lehen Richtern) tractiret wurden. Von denen Fenstern der Praelatur siliet mann im- mediate auf den Lorenzi-Berg und jenen Bastion, wo die unglückliche Attaque anno 1742 vorgenohmen worden, welches zumahlen in Anweesenheit so viller Fremmden eben nicht die angenemmste Er- rinnerung erwecken sollen. 227 ) Übrigens fände mann auch nicht allerdings anständig, daß die Herrn Böhmen uns pour 1’amour d’un maigre dine also herumraisen machen, absonderlich bei der angehaltenen unleidentlichen Hitz und den grausammen Staub, welche denen Herrschafften nebst der Ungelegenheit, ein Mittagmahl so weit suchen zu müssen, gar leicht eine beträchtliche Unpäßlichkeit hätte zuziehen können. Sie entschuldigten sich zwar mit deine, daß die Kaiserin selbsten dise Ex- cursionen anverlanget, um die Gegenden der Stadt Prag besser ein- sehen zu können. Bei der Ruckker stige mann in dem Norbert Kollovratischen Haus ab, allwo von einer (meistens aus der Freundschafft der Frau Wittib Obrist Canzlerin Gräffin Wilhelmine von Kollovrat bestandener) Bande: la mere confidente mit kleinen Ballets h la fin des actes repraesentiret wurde. Den 26. verraiste der Kaiser in aller Früh mit dem Fürsten von Auersperg und noch ein paar Männern nach der dem lezteren gehörigen schönen Herrschafft Rottenhaus, allwo er ein paar Täg ge- jaget und zugleich der Fürstin, welche allda die Spa-Wasser-Cur gebrauchet, die Visite gegeben und von wannen er sodann auf die Cameral Giitter in Beraunisclien, welche er als Pfandschilling besitzet, abgegangen. Indessen speiste die Kaiserin heut zu Nussl, einer dem Graffen Joseph von Wrttby gehörigen, unweit der Neustatt gelegener Maison de Campagne, wo sie von dem Obrist-Burggraffen bewirthet wurde. Gleich nach gehobener Taffel aber führe mann zu denen Jesuitern in die Alt-Statt, allwo die Kaiserin und Princesse das Musaeum mathematicum besahen und sodann einer Studenten-Comedie beiwohnten, welch leztere von darumen weniger als sonsten ennuyiret, weillen sie nicht lang und mit verschiedenen neuen Idbes (kurtzen 1754, Au g. 27.-29. 195 Examen, Producirung einiger ritterlichen Exercitien etc.) vermischet wäre. Den 27. hörten wir Meß bei denen Carmeliterinnen und dorffte Ogara und ich in die Clausur gehen. Mittags speiste mann zu Vinarz, einem dem Graffen Procop Czernin zugehörigen Schloß], allwo dessen Schwiger-Yatter (der Reichs-Vice Canzler) les fraix du dine machte. Im Hinfahren sähe die Kaiserin das große Invalidenhaus vor den Porzitscher Thor; dises magnifique Gebäu ist noch unter voriger Regierung angefangen worden und hätte nach den ersten Plan ein ungeheueres und ich weis nicht auf wie vill tausend Persohnen zubereitetes Haus sein sollen; dermahlen aber hat mann es für die Invaliden aus denen böhmischen Landen adaptiret, gleich wie jenes zu Pest für die lmngarische Lands Kinder und alle Ausländer, das wiennerische für die oesterreichische nnd das Petauer für die Invaliden aus denen übrigen annexirten Provincien gewiedmet worden, worüber der Gratf Johann Choteck die Ober-Inspection und Direction hat. Nach den Essen sänge ein aus Moscau zuruck nach Italien kerender Castrat, nahmens Saletti; und bei der Retour in die Statt stigen wir noch in dem Closter deren Ursulinerinnen ab, dessen der- malilige Oberin eine natürliche Dochter des Kaisers Josephs sein solle, welchem sie auch, aus seinen Portraits zu urtheilen, ungemain gleich sihet. Den 28. sahen I. M. Vormittag das Sanct-Görgen Stifift nächst den Schloß. Mittags fuhren wir nach Ivletsehan, einem wohl zwei Stund entferneten, sehr schlecht eingerichteten Campagne-Hans des Graffen von Gallas, allwo wir gespeiset. Nach der Taffel gienge die Kaiserin alsogleich weg und verfügte sich abermahlen in das Kollo- vratische Haus die Repetition der kleinen Comedie zu sehen. Sodann wäre spätter die erste Redoute en masque in dem spalmischen Saal, welcher erst unlängst embelliret und erhöhet worden und wo die Entree gratis, jedoch auf den jetzigen Fuß der Qualitet halber re- stringiret wäre. Den 29. führe mann in einem sehr iibl- und regnerischen Wetter nach Kundraditz, einem dem Graffen Johann Ernst Goltz gehörigen und von ihme Selbsten du goüt le plus bizarre et particulier gebaut- und zugerichteten Schlößl, welches der Land-Marscliall und Land-Cämmerer Graff von ßouquoy clioisiret hatte, um die Kaiserin mittags zu regaliren. Da wir eben von der Taffl aufstunden, kämme eine Staffetta mit der Nachricht, daß der Kaiser von seiner Excursion eben retour- 13 * 196 1754, Aug. 30.— Sept. 1. niret, mithin eillte mann sogleich zuruck nach Prag und stige im Schloß ab, von wannen sodann beide Mayestätten zu den Graffen von Thun sich verfüget, welcher ihnen in seinem schönen Saal das Spectacle zweier französischer Piecen gegeben, worbei er Selbsten den Pole des Arlequin gemacht und der ganze Orquestre (wie es bei der Kollovratischen Combdie gewesen) aus lauter Cavalliers bestanden hat. Übrigens aber hatte dise leztere besser als die heutige reussiret, da weder angenehme Piecen ausgesuchet, noch die Röles wohl distri- buiret worden waren. Den 30. wäre um 11 Uhr Ordonanz zu unserer Rais nach Auholitz oder so genannten Insel, allwo der Hausherr (Graff Rudolph Choteck) uns auf das beste bewirthet und sogar mit Maree regaliret. Nach den Essen führte er die Herrschafften in verschiedene zubereitete Boutiques, allwo nichts dann Producta des Königreichs und in selbem verfertigte Waaren anzutreffen und um den taxirten Werth (welcher aber nicht der geringste gewesen) zu kauffen waren. Gegen Abend fuhren wir auf der Moldau spatzieren und bei der Ruckker fanden wir la grande avenue, den Vorhoff und Garten illuminiret, so über die Massen wohl anzusehen wäre. Mann verblibe allda über Nacht; und obschon das Haus sehr klein ist, so wurde doch alles convenablement aecomodiret. Den 31. verfügte sich der Kaiser sehr früh en compagnie de chasseurs auf eine große gesperrte Hirsch-Jagd nach Brandeis. Die Kaiserin aber verblibe noch mittags in der Insel und kämme abends vor dem Kaiser nach Prag zuruck, wo sodann beide in die Opera comique gegangen, welche von dem dortigen Impressario auf den Hoff-Theätre seit unserer Ankunfft fast alltäglichen produciret wurde. Den 1. Septembris als Sonntag giengen II. MM. öffentlich in die Schloß- oder Metropolitan-Kirchen und wohnten allda dem Hoh-Ammt bei. Mittags speisten sie bei den Graffen von Hazfeld (Brüdern des preussischen Fürsten von Carolath in Schlesien) und welcher das Praesidium verschiedener Landescommissionen hat. Das Dine solte zwar abermahlen wo auf dem Land sein, zulezt aber agreirten die Herrschafften, das er selbes in seiner Miethwolmung in des Herrn Reichs-Vice-Canzlers Haus geben dörffen. Nach den Essen wurde eine Serenade von der Astroa, Romani, der von Dresden anhero gekommenen, vorhin in unseren Diensten gestandenen Monticelli und noch einen neu aufgestellten Virtuosen (dessen Nahm mir entfallen) produciret, nach vollendet- welcher wir zuruck nach den Schloß fuhren und nach einer kurtzen Verweilung wiederumen nach St. Veit giengen, allwo der heilige Leib mit denen 1754, Sept. 2.-3. 197 gewöhnlichen Coeremonien erhoben und auf Befehl der Kaiserin ein großer Particul sacrae costae abgelöset wurde, woiwon sie hernach auch einige kleine Stuck und in specie meiner Frauen distribuiren lassen. Den 2. geschähe die Function, welche das Haubtobjectum unserer Rais nach Prag gewesen. Unter anderen dermahlen fürseienden neuen Etablissements ist mann auch auf die Idee verfallen, ein adeliches Freden Stifft und Chapitre de chanoinesses nach den Beispill deren im Reich und denen Niederlanden zu errichten. Zu dem End hatte die Kaiserin schon eine Zeit her auf dem Ratschin nächst dem Schloß das Rosenbergische Hauß mit nicht geringen Unkosten zur Wohnung deren Dames arrangiren und fast neu auf bauen lassen, anbei die Kirchen von allen Heiligen für ihren Domb ge- wiedmet, absonderlich aber die nöthige Fonds für die Prebendes ausfindig gemacht, unter welchen nahmentlich auch die unweit Deutsch- brod gelegene Herrschafft Leditz mitbegriffen worden, die der Cabinets-Secretari von Koch unlängst erkauffet und seitkero aber der Kaiserin wiederumen verkauffet hatte, um die Acquisition der weit angenehmer situirten Herrschafft Petschka dafür machen zu können. Um nun dise Fundation desto mehr zu bekerlicken, w T olte die Kaiserin den ersten Stein des Capitl-Hauses Selbsten legen, worzu dann der heutige Morgen bestimmet wurde. II. MM. giengen in publico zur Allerheiligen Kirchen, hörten dorten die heilige Meß und verfugten sich sofort an das Orth, welches hierzu vorbereitet worden und so nächst der neuen Faciata und großen Stiegen gewesen, die zwar schon meistentlieils verfertiget waren. Der alte Ertzbischoff wolte die Function Selbsten verrichten, welche doch zimmlich lang gewähret. Nach solcher gienge alles, das Gebäu ansehen, worinnen eines deren für die Chanoinessen gehöriger Appartements oder Wohnzimmern mit allen ihnen mitgebenden sehr convenablen Einrichtungen (als Spaliier, Bett, Toilettes etc.) beflissentlich gezieret worden, damit jedermänniglich erkennen möge, wie sehr die Kaiserin für die gutte Versorgung deren Dames beeifferet seie. Mittags speisten die Herrschafften zu Haus mit uns andern von der Suite. Abends wäre Stund und zum Schluß abermahlen Redoute. Den 3. wäre um 8 Uhr Ordonnanz zur Abrais. Mann hörte Meß bei den heiligen Grab und stige sodann vor der Kirchen Thür in die Voituren. Wir nahmen den Weeg gegen die Neustatt und die Princesse führe gleich über den Ratschin zum Reichs-Thor hinaus. Bei disen lezten Abschied (obschon die Separation von seiten ihrer 198 1754, Sept. 3.-6. sehr volontaire gewesen) hat es doch, wie es gemainiglich au dernier moment zu geschehen pfleget, an liäuffigen Thränen nicht gemanglet; die Kaiserin und Princesse waren schon mit weinenden Augen in die Kirchen gegangen und dem Kaiser hat mann die sich anthuende Gewalt, um derenselben sich zu enthalten, nur gar zu wohl ange- kennet. Wir kämmen gegen 2 Uhr auf Podiebrad, allwo der Kaiser les honneurs de la maison machte, weillen er dise schöne Cameral- Herrschatft gleich denen übrigen als einen Pfand-Schilling innenhat. Das Schloß, welches ein uralt- und oedes Gebäu gewesen, hat selber erst dises Jahr renoviren und durch den in dergleichen Commissionen sehr geschickt- und hurtigen Baron Toussaint aufbutzen und zu- ricliten lassen. Nach den Essen ritte der Kaiser in der Gegend herum spatzieren, die Kaiserin aber blibe mit denen Dames wegen des regnerischen Wetters zu Haus, occupirte sich gewöhnlicher Massen mit Schreiben und Expediren, und spätter abends taillirte der Kaiser au pharaon. Den 4. wäre Rast-Tag zu Podiebrad; und weillen das anhaltende üble Wetter uns nicht aus dem Schloß erlaubet, so wurde uns anderen, welche das Spillen nicht sonderlich achten, die Zeit zimm- licli lang. Abends taillirte der Kaiser abermahlen. Den 5. fuhren wir nach 7 Uhr weg; und weillen der Regen in etwas nachgelassen, so hielte mann en passant bei dem Fasan Garten, allwo der Kaiser auf Rebhüner treiben ließe, um der Kaiserin die in dortiger Gegend befindliche häuffige Anzahl derenselben zu zeigen, wie wir dann ohne Exageration gegen die drei tausend Stuck gesehen haben werden. Mittags speisten wir zu Pardubitz, wo der Herr Obrist Hoffmeister, welcher auf seinen Güttern in dortiger Nachbahrscliafft sich befunden, pour faire sa cour, zu uns gekommen. Nach den Essen führe mann das eine kleine Stund von dannen auf einer zimlichen Anhohe gelegenes alte Schloß Kunetitz anzusehen; weillen aber das Wetter zu trüb wäre, kunten wir von dem schönen Prospect nicht profitiren. Den 6. — weillen die Tag-Rais lang und die Weeg verdorben - geschähe der Aufbruch bereits um secliß Uhr; und wiewollen wir uns kaum eine halbe Stund zu Mährisch-Triebau (pour manger une couple d’oeufs) aufgehalten, so kämmen wir doch erst gegen halber 9 Uhr auf Ollmütz. II. MM. wohnten wie das vorige Mahl im Bischoff-Hoff und ich hatte mein Quartier bei. den Dombherrn Baron Freyenfelß. Der Cardinal hatte sich ausgebetten, den ganzen 1754, Sept. 6.-9. 199 Hoff abermahlen zu defrayren. Er wurde zum ersten zur Audienz gelassen, sodann die Repraesentation und endlichen das Dombstifft und das Collegiat auf den Petersberg, jedes aber in separato. Der Baron Egg als dermahliger Dombdechant haranguirte ä la tete des ersteren II. MM., als welche dise solenne Audienzien wegen Abgang eines doppelten Appartements nicht wie in Prag jede im be- sondern, sondern beide zugleich empfangen haben. Zum Soupe, so auf 40 Couverts zubereitet wäre und welchem aber der Kaiser allein beigewohnet, dorffte der Cardinal alle Dames laden, welche den Hoff zu frequentiren genugsamm qualificiret waren, und hat sich seine Schwester (die alte Ereile von Kuhn) dißfahls immer mit mir einverstanden. Den 7. hörten wir Meß bei den Grab des venerablen Joannes Sarcander und machten sodann der Kaiser mit denen Männeren zu Pferd und die Kaiserin in Chaise die Tour von dem Glacis und besahen die neu anlegende Fortifications-Werck, an welchen sehr eiffrig gearbeitet wird. Zu Mittag speisten wir bei den Cardinalen und um halb 5 Uhr fuhren wir in das Lager, allwo der Kaiser die Fronte zu Pferd passiret und mann sodann das sämtliche Corpo defiliren lassen, welches zulezt ein Lauff-Feuer produciret. Mein ältester Sohn wäre mit seiner Frauen von Krommau, wo sie einige Täge bei den Fürsten en visite gewesen, zu uns gekommen, um das Lager zu sehen, und bliben die Zeit über bei uns; sie hatten zwar ihr Quartier in dem Fürst Lichtensteinischen Schloß zu Prosnitz genohmen; wir gaben ihnen aber nachhero ein Zimmer in unserem Quartier und der Cardinal luede sie alsogleich zum Essen. Den 8. verfügte sich der Kaiser auf den heiligen Berg mit dem Feldmarschall Neipperg und noch ein paar Männer, die Kaiserin aber führe nach den Domb, wo der Cardinal solenniter pontificiret. Mittags speisten II. MM. bei den commandirenden Generalfeldzeugmeistern Fürsten von Piccolomini, welcher dieselbe in der Domb-Probstei, so erst unlängst dem Graffen von Martinitz zutlieil geworden, • tractiret. Nachmittag fuhren wir in das Lager und sahen die Manoeuvre von einer Brucken-Passage. Au retour kämmen die Herrschafften zu denen Jesuitern, wohnten allda einer Comedie bei und besahen sodann das Collegium und nächst daranstossende Seminarium nobilium. Den 9. hörten wir Meß bei St. Mauriti und giengen sodann zur neuen Säulen, welche der Cardinal mit denen gewöhnlichen Coere- monien Selbsten eingeweihet. Mittags speisten II. MM. zu Hradisch, 200 1754, Sept. 10.—14. allwo uns der Praelat nach den Essen eine lateinische Serenade produciret. Nach 5 Uhr führe mann ins Lager, allwo nichts dann die gewöhnliche Handgriff gezeiget wurden. Den 10., nach gehörter heiliger Mell in der Haus-Capellen, raisten II. MM. gegen halb 9 Uhr von Ollmiitz weg und langten gegen 4 Uhr an zu Hollitsch, allwo sie aber mit der unangenehmen Zeitung empfangen wurden, daß der Ertzherzog Joseph, welcher zugleich hätte eintrefifen sollen, wegen eines überkommenen Rotlilauffs an Kopflf und Gesicht bettlägerig geworden. Die Kaiserin wolte sofort nach Wienn abgehen, ließe sich aber dennoch bereden, die morgige Nachrichten abzuwarten; und da dise schon vergnüglicher lauteten, so hellen die in der erstem Unruh genohmene Entschließungen von selbsten. Den 11. fuhren wir nach Sassin, hörten Meß bei den Gnaden- Bild und speisten allda zu Mittag. Abends wurde vor dem Soupe meistens Pharaon gespillet, worbei der Kaiser immer taillirte. Den 12. gienge der Kaiser auf die kleine Jagd und erlaubte mir, weillen ich bereits einige Jahr nicht geschossen, daß ich mit dem Grafifen St. Julian ä parte ausgehen und mein Glück probiren solle; da es mir nun besser gelungen, als ich wegen schon so lang nicht gehabten Übung hätte hoffen können, so thate der Kaiser mir die Gnad und nähme mich Zeit unseres Sejours zu Hollitz immer mit sich, wordurch ich dann mehr und mehr en train gekommen und, da ich sonsten die Jagd gar nicht geachtet hatte, von der Zeit an vill mehrer Amüsement dabei zu finden angefangen habe. Nachmittags kämmen die zwei älteste Frauen mit dem Erzherzogen Carl, in Gefolg die Fürst Trautsohnische, Graflf- Küniglische, ein paar Hoff Dames und Cammerherrn von Wienn an und conti- nuirten mit uns zu verbleiben; desgleichen kämme der mit dem Erbprintzen von Anspach in dem Lager und zu Prag gewesene Baron von Reizenstein mit einem Dancksagungs Schreiben und Compliment, wurde aber mit der Antwort nach Wienn verwisen, allwo er erst gegen Theresia respediret und aus meinen Händen mit einem brillantenen Ring regaliret worden ist. Den 13. wäre ich nachmittags mit dem Kaiser ä la petite chasse und hatte das Glück, in einem Schuß fünff Rebhüner im Flug zu schießen. Den 14. accompagnirte ich den Kaiser auf der Parforce-Jagd, wo wir endlichen den Hirschen in die March gesprenget, allwo er er- truncken. 1754, Sept. 15.—26. 201 C i ■ *r \ Den 15. (als Sonntags) fuhren II. MM. nach Scalitz und hörten hei denen Jesuitern vor den Gnaden Bild die heilige Meß. Nachmittags aber ritte der Kaiser spatzieren. Den 16. wäre Vormittag petite chasse; nach den Essen aber führte der Kaiser die Erzherzoginnen auf eine Hirschpürst. Den 17. waren wir Männer den ganzen Tag auf der kleinen Jagd und werde ich doch en mon particulier nicht vill weniger als hundert Stuck an Hasen, Fasanen, Rebhun und Waclitelen geschossen haben. Den 18. wäre Rast-Tag; abends gienge mann in die Geschirr- Fabrique und sodann wäre der ordinaire Pharaon. Den 19. begleitete ich abermahlen den Kaiser auf die Parforcejagd, welche aber, weillen die Hund immer den Change ge- nolimen (ob wir schon den zweiten Hirschen attaquiret), nicht wohl gelungen hat. Den 20. wäre wieder den ganzen Tag petite chasse und wir speisten zu Mittag unter einen Zelt. Den 21. als an Apostel-Tag hörten wir Meß in der Pfarr, speisten sodann mittags zu Kopschan und besahen die dortige Stiltte- reien. Nach den Essen giengen wir zu Fuss zuruck nach Hollitsch. Den 22., Sonntags, hörten wir Meß zu Haus; sodann kämme der alte Piqueur la France, welcher heut seine änderte Hochzeit gehalten, mit allen Hochzeitleuthen aufgezogen ins Schloß und kiiste denen Herrschafften die Hand. Nach den Essen führe die Kaiserin nach Göding mit der Fürst Esterhasin, um ihr dises Schloß zu zeigen, und der Kaiser accompagnirte zu Pferd. Den 23. fuhren wir gegen 8 Uhr von Hollitsch hinweg und kämmen gegen halb 2 Uhr zu Hoff an, allwo der Ertzherzog Joseph Nachmittag ebenfahls von Wienn eingetroffen ist. Was nun während unserem Sejour allda vorgefallen, findet sich in der darüber verfasten und in Druck ausgegangenen, nebenlindlichen Relation also ausführlich enthalten, 228 ) daß es überflüssig wäre, dahier etwas dißfahls zu annotiren. Den 26. langten wir endlichen gegen halb 7 Uhr von unserer sechß Wochen fürgedauerten Spatzier Rais zuruck in Schönbrunn an, von wannen ich sogleich eine Excursion in die Statt machte, um die Kinder zu sehen, welche ich Gottlob alle in gutter Gesundheit an- getroften. Indessen hat sich zu Wienn nichts zugetragen, so einer besonderen Anmerckung würdig wäre, als daß die ältere Ilerrscliafften während - unserer Anweesenheit in Böhmen wiederumen einige Zeit zu Goldegg zugebracht, wo meine Josepherl auf beschehene Einladung 202 1754, Sept. 28.—Okt. 6. der Fürstin von Trautsohn ebenfalls die Gnad gehabt, etwelche Tage ihre Cour zu machen. Den 28. starb an der Brustwassersucht im 55. Jahr der sieben- biirgische Canzler Graff Ladislaus Gyulaffi, der lezte seiner Familie. Die Herrschafften giengen wegen des heiligen Wenceslai Fests öffentlich in die Kirchen, worzu aber nur denen Dienst-Cammerherrn angesagt zu werden pfleget. Den 29. fuhren II. MM. wegen des heutigen Fests zu denen Michaelern. Den 30. machte ich mit meiner Frauen, beiden älteren Söhnen und der kleinen Wittib eine Excursion nach Ladendorff. Den 2. Octobris kämme ich abends von Ladendorff zuruck und soupirte ä Fordinaire mit zu Schönbrunn. Um den Kaiser zu obli- giren, hatte ich seiter vorn Jahr wieder angefangen, bei den Soupe mich einzufinden, zumahlen olmedeme die Zahl deren, welche abends sich mit zur Taffel zu setzen pflegeten, täglich abgenohmen, umwillen die Fürst- Auerspergisclie und andere noch wegen ihrer Gesundheit die Soupers nach und nach aufgegeben hatten. Den 3. hatten die Theresianer Audienz bein Kaiser, um die Gratulation für den morgigen Tag abzulegen. Der Orator wäre Graff Franz Colloredo, ein Sohn des Graffen Camillo, und sprach französisch. Den 4. wurde der große Gala Tag gewöhnlicher Massen mit öffentlichen Kirclien-Dienst, Dine und Appartement celebriret, ohne einiger Promotion und sonstiger Fete und Spectacle, massen der heutige Freitag nach unserem Gebrauch dergleichen nicht verstattet. Den 5. hatten wir Conferenz zu Schönbrunn in beider kaiserlicher Mayestätten Gegenwart, welche die dermahlige Verfassung des russischen Hoffs und Ministern betroffen. 229 ) Nachmittag wäre ich Commissarius im Theresiano bei einer Disputation, welche der königliche Alumnus Baron Franz Balassa aus verschiedenen Theilen Philosophiae et aa. 11. cum summo applausu gehalten, und worbei selber zum Schluß eine goldene Ketten dignis- sime überkommen hat. Den 6. wäre Gala wegen der Ertzherzogin Mariae Annae Geburts-Tags. Vormittag fuhren II. MM. zu denen Dominicanern wegen des heut einfallenden Bosencranz Fests. Der Bottschaffter wurde vom Kirchendienst dispensiret, damit er sein Compliment hei der Ertzherzogin zu Schönbrunn ablegen können. Die Herrschafften speisten öffentlich, worbei die Cammerherren dienten, und abends wäre Appartement. 1754, Okt. 7.—13. 203 Den 7. machte ich abermahlen eine Tour nach Ladendorff, allwo meine Frau bereits seit vorgestern mit denen altern Kindern sich befunden. Mein Compagnon de voyage wäre für dises Mahl mein Beicht-Vatter Pater Franciscus Leliner S. J., welchen ich von denen jungen Herrschafften, massen er des Ertzherzogs Carl und der Frauen Mariae Annae ebenfahls Beicht-Vatter ist, auf dise kurtze Zeit ausgebetten. Den 10. kämme ich für meine Persohn von Ladendorff zuruck; die Gräffin aber hübe biß am Vorabend Theresiae alldorten. Immittelst wäre als gestern der ehedessen mit mir im R. H. Rath gesessene und nachhero unter Carl des VII. Regierung dises Mittels Vice-Praesident gewesene Freiherr von Seydewitz pro con- commissario zu Regensburg resolviret, nachdeme mann den Graften von Palm gleichsamm das Consilium abeundi gegeben und selber seine Demission ansuchen müssen. Er wäre wegen seines wunderlichen und bizarren Humors (ungehindert der sonsten besitzenden großen Erudition und Erfahrenheit in Reichssachen) sowohl seinen Obern, dem Reichs-Vice- Canzlern und Principalcommissario, als auch seinen Collegen, denen böhmisch- und oesterreichischen Gesanten in die Länge unerträglich geworden; da sich nun über dises ein und andere in der Fürst Taxischen Introductions-Sach — als welche er ^ (aus persöhnlicher Abneigung gegen den Fürsten) wider des Hoffs Intention eher zu verwirren als zu befördern getrachtet — angesponnene hessliche Intriguen sur son compte geaiisseret, so wolte mann endlich keinen längern Anstand nehmen, ihn vom Reichs-Tag zu amo- viren. 230 ) Den 12. hatten wir Conferenz im Spieglzimmer mit Zuziehung des Baron von Buol als Secretaire de l’ordre de la Toison und wurde das Coeremoniale des Ertzherzogs Josephs und zu seiner Zeit auch dessen Herrn Brüdern bei allen Ordensfesten und Functionen regu- liret, zugleich auch die ehevorige Deliberationen wegen der ertz- herzoglichen Titulatur und Wappen, worüber noch keine endliche Resolution gefast worden wäre, reassumiret, wie die hei meinen Actis befindliche Abschrifft des heutigen Prothocoll mit mehreren ausweiset; und bin ich in meinem Voto mit denen jenigen verstandengewesen, welche für convenabl- und decoroser gehalten, die uralte ^ ertzherzogliclie Titulatur nicht zu alteriren, mithin jene der königlichen Hoheit keinesweegs zu affectiren. 231 ) Den 13. wäre der sonntägige Gottes-Dienst zu Schönbrunn. Abends gäbe der neapolitanische Minister auf specialen Befehl seines Königs ein maschirtes Fest zu Ehren seines Tauffpathens, des Ertz- I / 204 1754, Okt. 13.—16. ’T herzogs Ferdinands. Die bald nach der dißfahls überkommenen Ordre erfolgte Abweesenheit des Hotfs hatte ihme nicht Zeit genug gelassen, das Nöthige dazu zu veranstalten. Auf sein Ersuchen wurde ihm verstattet, meinem gewesten Hoffmeistern und nunmehrigen kaiserlichen Cammerdiener Joyard, welcher zu dergleichen Commis- ^ sionen sehr findig und geschickt ist, die Direction und Anordnung der ganzen Fete zu übergeben, deren er sich auch über die Massen wohl aquitiret hat. Der Fürst Joseph Wenzl hatte ihm den Lichten- steinischen Garten zur Disposition gelassen, welchen er nicht allein von innen (das ist den Parterre und das hintere Garten Gebaü) mit villen Lampionen sehr schön illuminiren, sondern auch die Avenues in der Rossau und die Entree bei den vordem Thor mit beleuchteten Triumph-Porten zieren lassen. Gewöhnlichermassen wurde der Adel dazu geladen und aus I einer besonderen, an unseren Hoff nie erhörter und nach hiesiger Eti- quette sonsten nicht thunlicher Distinction auch denen Hoff Dames ^ erlaubet, en masque zu erscheinen. Die Ursach, welche die Kaiserin bewogen, dißfahls aus der Regul zu schreiten, wäre, daß (obzwar heutiges Fest von einem fremmden Ministro gegeben worden) solches doch nicht so vill seinen Hoff als den hiesigen Selbsten zu beehren, geschehen, indeme dessen Objectum ganz besonder und die Geburt eines unserigen Printzen betroffen, da sonsten dergleichen Feste ausländischer Gesant- und Bottschäffter haubtsächlich und zuvorderst zu Ehren ihrer Herrn und wegen Angelegenheiten, so unmittelbahr selbe regardiren, gegeben zu werden pflegten; wie dann der Marchese Mayo dises Motivum gegen jene, welche auf unsere Etiquette so sehr versessen waren, allerdings hervorzustreichen und gelten zu machen ge wüst hat. Das Festin fienge übrigens mit einem Bai au, bei welchen mann wegen der Mascliera ohne allen Rang gedanzet, und wurde mit einem magnifiquen Soupe accompagniret, nach welchen mann den Danz ferners biß gegen 4 Uhr früh continuiret. Den 15. wurde der Theresiae Tag hergebrachter Massen mit öffentlicher Capellen, Dinö und Appartement etc. celebriret und allsonstiges Spectacle wegen der eingehenden tieften Trauer unterlassen. Den 16. hatte der portugesische Minister bei II. MM. Privat ^ Audienz en ministre domestique und notificirte den zwar bereits den 20. Augusti erfolgten Hintritt der verwittibten Königin in Por- tugall. Die Ursach diser spatten Parte-Gebung wäre, daß erst- lichen der Currier mit denen Notifications-Schreiben vill spätter als 4 mann vermuthen sollen und erst an Francisci Abend angekommen, und mann mithin 2 do die zwei Gala-Täg nicht gern so schwartz begehen wollen, und endlichen 3°, damit der neapolitanische Minister nicht gezwungen werde, wegen der ersten Trauer Zeit sein Fest auf ville Tage weiter hinaus zu verschieben, so bei der ohnedeme so avancirten Saison ihme natürlicher Weis sehr unangenehm gewesen wäre. * Es wurde alles obbemelten Gesanten durch seinen Landsmann, den Tarocca, insinuiret und er andureh veranlasset, sieh seit der Ankunfft seines Curriers unpäßlich zu stellen, damit er das Ansuchen seiner Audienz und mithin auch der Hoff die Anziehung der Klag biß zu gelegener Zeit ohne Aufsehen verschieben können. Dise leztere wurde demnach also fort noch heut Nachmittag auf morgen, und zwar nach den neuen Reglement auf 12 Wochen — die erstere vier in schwartz-tüchenen Knöpffen, glatten Wäsch, schwartzen Schnallen und Degen, die zweite in ordinari schwartzen Kleidern und Wäsch mit Fränseln und das lezte Drittel in Sammet und Spitz — angesagt. Eodem kerten sämmtlicke junge Herrsckafften zurück in die Burg, weillen mann den ganzen Flügel, wo die Princesse gewöhnet, wo nicht völlig abreissen, doch von innen gänzlich abänderen und gleichsamm neu bauen wollen. Den 17. fuhren II. MM., und zwar der Kaiser in Schurtz und großem Klagmantel um halb 7 Uhr in die Burg, stigen im alten Hoff ab, wo der Bottschaffter und übrige Cortege in meiner Retirade gewartet, und giengen sogleich die neue Stiegen hinauf in dero Oratorium; en passant gesellten sich die ältere Ilerrschafften zu uns in der Sale de garde und wohnten also sämtlich der heutigen Vigil bei. In Mitten der Hoffeapellen wäre ein Castrum doloris mit Inscriptionen zubereitet, welche gewölmlichermassen von dem Hoff Poeten von Nevenstein verfertiget worden waren. Als er aber selbe gestern morgens, und zwar bereits gedruckter der Kaiserin überbracht und anbei nach den eingeschlichenen Brauch oder, besser zu sagen, Mißbrauch ein und andere Exemplaria zu Schönbrunn distri- buiret, vermerckte die Kaiserin, daß er in prima inscriptione, wo der Dedicant genennet wird, nur ihren Nahmen Maria Theresia und nicht zugleich auch jenen des Kaisers angezeichnet, und schribe mir ein Zettul darüber, so eigends hier beigeleget. 232 ) Da aber dises Geschäht (wie ich sogleich die Kaiserin mündlich informiret) nicht in mein, sondern in des Ohrist Hoffmeisters Sphaeram und Departement einschlaget, so führe ich gleich Nach- 206 1754, Okt. 18.—25. mittag zu denselben nach Erla und wurde sofort das behörige vor- gekeret, sowohl bei den Bauamt, damit der Strophae primae der Nahmen Franciscus beigeschriben werde und noch ein und andere kleine Mutation bei der Inscription bescheben möge, als auch bei der Repraesentation und sonsten, auf das mit fernerer Austheilung deren Exemplarien innen gehalten werde. Den 18. wäre um 10 Uhr Ordonnanz zu denen Exequien und II. MM. speisten sodann in der Statt bei denen Fürst Trautsolmi- scben. Den 20. hatte die Jugend aus den Theresiano die Gnad, der Kaiserin als infra octavam ihren Glückwunsch abzulegen, und verrichtete ein solches in deutscher Sprach der jüngste, beiläuffig 10jährige Sohn des Feldmarschallen Fürsten von Salm (Wilhelmus), welcher kaum ein Jahr in collegio sich befindet und bei seinen Eintritt kein Wort deutsch gekonnt hat. Nach diser Audienz gienge die Kaiserin nebst dem Kaiser wegen des heutigen Sonntags öffentlich in die Capellen, und abends wäre die Vigil pro anniversario Caroli VIV Den 21. giengen II. MM. gegen halb 11 Uhr zu denen Exequien, welche hergebrachter Massen gleich der Vigil in der Schönbrunner Capellen gehalten wurden, und muste ich der Kaiserin die Liste aller zugegen gewesten geheimmen Rathen und Cammerherrn übergeben, welches sonsten nur bei der oesterlichen Communion gebräuchlich. Den 22. starb im 72. Jahr an einen gählingen Schlagfluß der Graff Frantz Esterliasy, Feldmarschall, wiircklicher geheimmer Rath und Tavernicorum Magister, Vatter unseres dermahligen Bottschaffters zu Petersburg und des sogenannten Quinquin und noch einig- anderer Kinder, worunter eine, so dem Graff Joseph von Windischgratz, Regiments Rath und Cammerherrn, verheirathet, und welche beide eben mit ihme in eine Fabrique vor die Statt gefahren, wo sich der gutte Alte Borten zeigen lassen und während deme eine Übligkeit ge- klaget und sofort vom Schlag gerührter verscliiden ist. Es wäre aber selber schon ville Zeit her unpäßlich gewesen. Heut nachmittags machte ich die lezte Excursion für dises Jahr nach Ladendorff, um allda ein paar Creis-Jagen zu halten, und kämme den 25. wieder zuruck, da wir abends das freitägige Appartement wiederumen gehabt, so verschiedene Freitäge her unterbliben wäre. 1 1754, Okt. 25.—Nov. 8. 207 Als gestern wurde meiner Frau Schnur par precaution zur Ader gelassen, weillen sie so blutreich und obschon sie kaum in der neunten Wochen geseegneten Leibs sein kann. Den 27. wäre zu Schönbrunn der sonntägige Gottesdienst. II. MM. speisten zu Mittag bei den Herrn Ayo in der Burg und um 3 Uhr fuhren dieselbe von der Bell-Aria aus in campagna nach St. Peter, um der heut einfallenden Andacht und Procession zur Säulen auf den Graben beizuwohnen. Den 28. hatten wir wegen des Apostel-Fests öffentliche Capellen heraus zu Schönbrunn. Den 29. besahen die Herrschafften nächst der sogenannten Reiger-Stangen das anstatt des Gellhaischen nun zum garnisoniren neu einruckende Radicatische Curassier Regiment. Den 31. wäre kein Toison-Vesper, weillen mann das morgige Fest zu Schönbrunn begangen. Mit End dises Monaths raiste der Herr Hofkriegs Rath von Schwachheim (vorhiniger Dollmetsch) als Resident nach Constantb nopel ab, um den ville Jahr allda befindlichen Internuncium Baron Penckler zu releviren. 233 ) Den 1. Novembris wurde das Allerheiligen Fest von dämmen heraußen celebriret, weillen in der Burg noch alles im Bauen des neuen Appartements begriffen ist. Abends führe mann in campagna zu denen Augustinern zur Vigil, desgleichen den 2. zur Seelen-Andacht. Den 3., Sonntags, zu Schönbrunn gewöhnlicher Kirchendienst. Den 4. wurde gewöhnlicher Massen wegen der Gedächtnus weiland Caroli VI. die Gala förmlich nicht angesagt, jedoch der Ertz- herzog Carl von denen Bottschafftern und sonsten complimentiret, auch ein großes Dine vom Herrn Ayo gegeben. Wir hatten Conferenz im Spieglzimmer in Gegenwart beider Mayestätten, und zwar in der sehr wichtigen und epineusen Barriere- Anliegenheit. 234 ) Mittags speisten beide en Compagnie zu Schönbrunn; ich wäre aber nebst meiner Frauen zu unseren Herrn Ertz- bischoff geladen. Den 5. wurde das biß anheut verschobene Huberti-Fest mit einer Parforce-Jagd zu Stamersdorff celebriret. Den 8. wurde ich früh um 10 Uhr zu einen abermaliligen Examen bimestre des Ertzherzogs Josephs geladen, und zwar wäre heut das erste Specimen der Information seines neuen Histori-Meisters Leporini, welches allerdings wohl # reussiret hat. 208 1754, Nov. 9.-13. Den 9. führe mann um halb 7 Uhr in Mantel-Kleid zu denen Augustinern zum Schluß der Seelen-Andacht. Den 10. wäre der sonntägige Gottes-Dienst zu Schönbrunn. II. MM. schließen aber heut Nacht in der Burg, weillen sie bei Eröffnung des Vorfaschings zugegen sein wollen. Unter dem Vorwand, daß der einstehende Carnaval ohnedeme sehr kurtz, mithin auch die zu Erhaltung deren übrigen und zumahlen des französischen Theätre gewiedmete dißfählige Recette sehr gering sein werde, beredeten die Liebhaber dergleichen Lustbahr- keiten die Kaiserin, daß sie die erstere Redouten (gleich wie vorn Jahr pour amuser le prince de Modene geschehen) noch in disem Monath und vor der Advents-Zeit eröffnen lassen möge, zu welchen Entschluß das anderweitige Motivum, den Kaiser damit zu obligiren, wohl eben so vill beigetragen, anbei auch veranlasset hat, daß die Kaiserin nebst dem Kaiser mit uns Schönbrunnern und noch einiganderen Gästen in der Loge oder dem hierzu erbauten Appartement nächst der Redoute soupiret hat. Den 11. führe der Kaiser in der Früh gerad von der Burg aus auf die Schwein-Jagd; die Kaiserin aber kämme bald nach 10 Uhr zuruck nach Schönbrunn, gäbe dem fürstlichen Herrn Landmarschall und denen ständischen Deputirten die gewöhnliche Audienz zu Überreichung deren Postulatorum für den eingehenden niederösterreichischen Landtag und gienge sodann in publico zur Kirchen wegen des heutigen Sanct Martini-Fests. Den 13. verfügten sich II. MM. das unter der Direction des Graffen Leopold Daun errichtete neue Etablissement für die kleine Cadetten zu besehen. Die Kaiserin hatte disen Frühling jenes Haus, so der Land-Unter-Marschall von Moser für das Chaosische Stifft auf der Leimgruben, denen Carmelitern gegenüber, erbauen lassen, und worinnen bereits eine Militar-Pflantz-Schull unter desselben Direction angeleget worden wäre, an sich gekaufft und die bessere Einrichtung dises Militär-Etablissements gemelter Massen dem Graffen Leopold von Daun übergeben, zu gleicher Zeit aber den Graff Königseggi- schen Garten zu Gumpendorff für die Knaben der Chaosischen Stiftung destiniret. Dise beide Gebaiide wurden auch sofort mit nicht geringen Unkosten gleichsamm neu gebauet und absonderlich das Militar- Etablissement durch die Geschicklichkeit dessen zu dergleichen Wercken ungemain fähigen und recht dazu gebohrnen Herrn Direc- toris auf das beste embelliret und eingerichtet. Zuvorderst aber wurde bei disen lezterem als et^as vorzügliches und ein bei der- t e 1754, Nov. 15.-19. 209 gleichen academischen Fundationen sonsten nicht gebräuchliches Böne- fice etabliret, daß mann umsonst verschiedene Exercitien als danzen, fechten, voltigiren, sodann die Rechnung-Geometrie und Ingenieurs- Kunst nebst fünff Sprachen (der französischen, wälschen, englischen, böhmischen und deutschen) erlernen könne und um dises Benöfice zu geniessen, sich lediglich bei den Herrn Directore anzumelden habe, welcher ohne erheblicher Ursach niemand recusiret, so vill es immer der Raum deren hierzu zubereiteten, und zwar sehr spatiosen Galerien oder Sälen (worinnen eine sehr nahmhaffte Anzahl Scholaren Platz finden) verstattet. II. MM. verbliben gegen zwei Stunden allda und gaben ihre a. h. Zufriedenheit dem Graffen von Daun in denen gnädigsten Ausdruckungen verdienter Massen zu erkennen. Den 15. raisten II. MM. nach 9 Uhr auf Closter-Neuburg, begaben sich sogleich in die Leopoldi-Capellen, hörten allda eine kleine Meß, ohne jedoch unter selber zu communiciren, und giengen sodann gerad in das Oratorium hinauf, um der Predig und dem Hoh-Ammt beizuwohnen. Nach der Retour in dero Zimmer und biß zur Mittags-Zeit spillten sie mit der Frau Obrist Hoffmeisterin und meiner Wenigkeit eine Partie de reversis. Gegen 1 Uhr sezten dieselbe sich zu Tisch mit der mitgekommenen Suite und noch einigen fremmden Gästen. Um halb 3 Uhr wäre Ordonnanz zur Vesper, worbei das große Salve Regina gesungen wurde, und nach selber führe mann weg und gerad in die Burg, wo II. MM. biß gegen die Stund des Soupd verbliben. übrigens wurde wegen des Ertzherzogs Peter Leopolds Gala in Sammet mit gold- oder silbernen Vestes, Spitz und Geschmuck angesagt. Den 17. führe mann nach Sanct Stephan zu den sogenannten 6000 fl. Ammt. Nachmittag kämme meine Frau von ihrer Donnerstags unternohmenen Mariae Zeller Wahlfarth zuruck. Es wäre zwar heut abermahlen Redoute, die Herrschafften kämmen aber nicht dazu, sondern wir verbliben alle zu Schönbrunn. Den 19. führe die Kaiserin ihrem Gebrauch nach wie sie es auch an Caroli gethan, zu denen Capucinern und hörte alldorten in der Grufft Meß, speiste jedoch nicht retiriret, sondern mit dem Kaiser und Schönbrunner Cotterie en compagnie. Für die Ertzherzogin Elisabeth wurde, gleich jener von Leopoldi Tag, Gala gemacht, aber dazu nicht angesagt. Eodem heirathete der erst vor drei Monath Wittiber gewordene Graff Michael Hanns von Althann die ebenfahls verwittibte 26jährige Khevenhüller-Schütter. 1752 — 1755 . 14 210 1754, Nov. 20. Gräffin von Franckenberg, gebohrne Baronesse von Ferlemont, und die aus erster Ehe sechß Döchter hat, welchen zwar die Kaiserin bald nach des Vattern Tod eine Pension von 300 fl. par tete aus- geworffen. Den 20. hatte ich eine besondere Audienz bei der Kaiserin, um selbe wegen meiner Befreiung von der über acht Jahr gehabten unangenehm- und beschwärlichen Direction des Collegii Theresiani nochmahlen bittlich anzugehen. Schon vorn Jahr in der Zeit meiner langwtihrigen Unpäßlichkeit waren dißfahls von mir verschiedene An- würffe geschehen und pro motivis sowohl mein Gesundheitsstand, als anderwärtige Verrichtungen (welche mir die so nöthige, öfftere Visitationen des Collegii nicht zulassen wolten) genohmen worden. Allein nachdeme die Kaiserin mir den Freiherrn von Kettler für die Exer- cices und den Hoff-Rath von Doblhoff für die Studia und Oeconomica gleichsamm zu Adjutanten untergeben und mit einem Wort alles ge- than, damit ich die Direction ferners beibehalten möge, so wurde mir damahlen der Weeg verschlossen, mich sothaner Bürde zu entziehen. Indessen lauerte ich doch immer auf eine gutte Gelegenheit, mich mit Ehren loß zu machen, und glaubte endlichen solche gefunden zu haben, da der Kaiser lezthin bei Besuchung des neuen Militär Etablissements mich wegen des Theresiani ganz öffentlich attaquiret und nicht allein wider selbes und wider die Patres Socie- tatis geschmälet, sondern anbei seine Mainung in Gegenwart verschiedener Zuhörer mit villem Eiffer dahin eröffnet, wie die Kaiserin das ganze Institutum des Theresiani umgiessen, die Jesuiten wegschaffen und eine förmliche Academie daraus machen solle. Ich habe zwar hierauf jene Haubt-Gründe — deren ich mich sowohl gegen den Kaiser als die Kaiserin bei dergleichen nur gar zu offt gehabten Contrasti fürnemmlich zu bedienen gesucht — in wiederholte Vorstellung zu bringen nicht ermanglet, zuvorderst den Unterschied zwischen einem Collegio und einer Academie kürtzlich darinnen angemercket, daß ersteres Institutum auf die Erziehung für jeglichen Stand, mithin haubtsächlich auf den Fond de religion und Studien, das zweite aber lediglich auf die Formirung politer Weltleuthe, mithin primario auf die Erlernung deren Sprachen und adelichen Exercitien gegründet, folglich ein Collegium d’un objet beaucoup plus vaste et 6tendu seie als eine Academie, worinnen mann nur Knaben von einem erwachsenen Alter annehmen könne. Weiters habe remon- striret, daß der Kaiserin Gloire und Justitz nicht zuließe, die Jesuiten zu depossediren, da sie eine dergleichen Prostitution um so weniger 1754, Nov. 20. 211 verdienet, als das Collegium bekanter Massen in der ganzen Welt berühmt geworden und mann biß anhero sich von allen, auch entlegensten Orthen her (als Pohlen, Italien etc.) bemühet, seine Kinder — ungehindert deren sehr nahmhafften und jene anderer dergleichen Institutorum um ein merckliches übersteigenden Unkosten — in das Theresianum aufnehmen zu machen. Endlichen und weillen der Kaiser immer von dem Vorurthel eingenohmen ist, als thäten die Jesuiter bloß ihr Interesse dabei suchen, habe auch gelten zu machen getrachtet, was bei lezterer in meinem Haus vor der böhmischen Rais veranlaster Delib6ration in oeconomicis beschlossen und wie deme zu Folg die dißfältige Manipulation und Administrirung denen Je- suitern blatterdings abgenohmen und zum Directorio als ein Cameral- Werck gezogen worden seie. Hiermit hatte sich auch gegenwärtige Contestation wie so ville vorige sans qu’aucune des deux parties se soit rendue, geendiget, zumahlen diser Herr — wann das erste gemainiglich sehr vive Mouvement vorüber — sich von Selbsten wiederumen zu begreiffen pfleget. Allein ich nähme nichts desto weniger von sothanem neuen Handel den erwünschten Anlaß, der Kaiserin durch den Cabinets Secretari Baron von Koch (als meinen alten und vertrauten Freund, zu welchen mich alsofort gewendet) auf das beweglichste vorstellen zu lassen, wie ich ja unmöglich mit ruhig- und vergnügtem Gemüth einer solchen Commission länger vorstehen könne, dessen Objectum mich alltäglich dergleichen Scenen exponirte, und wo ich zulezt gar des Kaisers Gnad zu verliehren risquirte. Ob nun schon diser ehrliche Mann die gebettene Insinuation bei der Kaiserin auf das nachdrücklichste angebracht und selbe nach eigenen Antrieb seiner mir zutragenden Freundschafft und innerlicher Überzeugung mit noch villen anderen ihme anhand gegebenen Bewegursachen unterstützet, so wolte doch die Kaiserin in mein Ansinnen nicht eher willigen, biß sie nicht zuvor noch mit mir Selbsten gesprochen haben würde. Dise Unterredung gienge nun heut nach der Meß vor sich, worbei ich dann, alle meine Rhbtorique angewendet, um die Kaiserin theils durch Rührung ihres zarten Hertzens und für alle Diener habenden vorzüglichen Neigung, theils auch und zuvorderst durch Vorstellung ihres in der That ä la longue darunter leiden müssenden Diensts zu persuadiren, daß sie mich von der ferneren Verwaltung einer so odiosen Commission in Gnaden dispensiren möge. Die Kaiserin suchte zwar auf das gnädigste alles hervor, was mich immer beruhigen könte; allein da ich selbe zu bitten nicht nachgelassen und mich sogar ihr zu Füßen geworffen, so verlangte sie endlichen 14* 212 1754, Nov. 20.—23. meine Mainung zn wissen, weme sie solchenfalls die Inspection des Collegii anvertrauen könten. Mein Vorschlag hierauf gienge dahin, daß — wann I. M. das Theresianum auf den dermahligen Fuß lassen wolten — mir unser Ertzbischoff von darumen zum tauglichsten pro directore gediinckte, weillen er ohnedeme schon die Protection der Universitet und deren Studien hätte, anbei als geistliches Oberhaubt im Ansehen deren Jesuiten am meisten convenirte; fahls aber allerhöchst dieselbe incli- niret wären, das Collegium mehr in den Model und in die Gestalt einer Academie umzugießen, so schine mir das natürlichste, selbes dem Graffen Leopold von Daun — welcher ohnedeme das Praesi- dium aller anderer derlei Etablissements hätte — zu committiren. Allein da die Reutschull durch die leztere Einrichtung dem Herrn Obrist Stallmeister als eine Filial der kaiserlichen Reutbahn übergeben worden und die Oeconomica von dem Directorio besorget werden sollen, so dörffte sich erst gedachter Herr Feldmarschall daran stossen, zumahlen selber gewöhnet ist, seine unterhabende Academien mehr auf den Militar-Fuß, mithin privative und gleichsamm despotisch zu dirigiren, wo hingegen der Herr Ertzbischoff wenigeren Anstand haben könte und wurde, sowohl die Direction der Wirthschafft, als auch die Oberaufsicht deren Exercitien-Meistern jenen zu überlassen, welchen solche zum Theil bereits aufgetragen und überhaubt besser anstünde. I. M. geruheten dise meine Idee zu goütiren; und wiewollen sie mir für heut noch keine positive Resolution ertheilen wolten, so entließen sie mich doch nicht ohne viller gutten Hoffnung und gereichte mir zu sonderbahren Trost, daß I. M. Selbsten dahin den gnädigst Bedacht genohmen, damit meine dißfählige Demarche auch bei den Kaiser annehmlich gemacht und diser Herr nicht etwann auf den Verdacht gebracht werden mögte, als geschehe selbe aus Verschmach und Disgusto wegen der lezteren Begebenheit. Den 21. führe der Kaiser gegen 11 Uhr in Mantelkleid und Collana von Schönbrunn aus gerad nach St. Stephan wegen des heutigen Fests Mariae Opfferung. Nachmittag aber gienge mann nicht zur Säulen. Den 22. speisten II. MM. etwas früher zu Mittag und ritten sodann spatzieren nach den Belvedere, um von der anhaltenden wunderschönen Arriere-Saison (als dergleichen wir in villen Jahren nicht gehabt) zu profitiren. Den 23. ließe die Kaiserin mich nach den Essen in dero Cahinet beruffen und eröffneten mir die wegen meiner Liberirung r 1754, Nov. 24.—30. 213 V L. von dem Theresiano gefaste Final-Entschließung mit dem vertrauten Anfiigen, wie sie auch den Kaiser hierüber sondiret und von demselben eine gleichmässige, beifällige Antwort erhalten hätte. Da nun par un heureux hazard der Kaiser eben in das Zimmer zu uns hinein- getretten, so nähme ich sofort die Gelegenheit, ihme sowohl als der Kaiserin für dise erlangte Gnad die Hand zu küssen, welche bald darauf nach meinen wenigen Vorschlag dem Ertzbischoff die Direction des Theresiani übertragen. Den 24. hatten wir den sonntägigen Gottes-Dienst zu Schönbrunn; abends aber kämme alles in die Statt, weillen II. MM. der heutigen Redoute beiwohnen, allda soupiren und in der Burg sowohl heut als auch morgen den 25. (welchen Tags die lezte Redoute vor den Advent gehalten worden) nach abermahligen Soupd dans la löge übernachten wollen; und da wegen des fortsetzenden Gebaüdes noch alles darinnen in Unordnung sich findet, so wurde das heutige Catharinae-Fest nicht wie sonsten öffentlich begangen, sondern die Herrschafften hörten nur kleine Messen. Hingegen hatten wir in dero Gegenwart Conferenz im Spiegl- zimmer, bei welcher die sehr wichtige Anliegenheit wegen des russischen Festungs-Baues in dem sogenanten Neu Servien abgehandlet wurde. 236 ) Mittags speisten II. MM. en petite compagnie bei den Graffen Leopold Daun in seinem Quartier im Zeughaus und hatten meine Frau und ich die Gnad, de la partie zu sein. Den 26. kerte alles auf Mittag wiederumen zuruck nach Schönbrunn. Den 29. speiste mann mittags annoch zu Schönbrunn und sodann gegen 5 Uhr kerte sammtlicher Hoff zuruck in die Statt und in das Winterquartier. Gegen 6 Uhr gienge der Kaiser im Ritterkleid zur großen Vesper und wurde heut zum erstenmahl von dem Ertzherzog Joseph in dem nemmlichen Habit begleitet, welcher in Verfolg des Conferenz-Schlusses vom (sic!) vorigen Monaths vor dem Kaiser (deme der venetianische Bottschaffter aber wie sonsten im- mediate gefolget ist) gegangen, um sich von dem Corps des Chevaliers nicht zu trennen, und in der Kirchen inner des Kaisers Cammon auf einem hinter denselben seitwerts gestellten Kniebanck placiret worden ist. Den 30. cortegirte der Ertzherzog abermahlen zur Kirchen im Ordens-Habit und speiste sodann auch mit zu Mittag, wo er wie sonsten auf des Kaisers rechten Hand, seitwerts und nicht in eadem linea gesessen. Die Kaiserin speiste mit denen älteren Erzherzoginnen 214 1754, Nov. 30.—Dez. 1. und einigen deren Toisonisten Gemahlinnen bei der Fürstin von Trautsohn und der Kaiser kämme dazu, als sie noch an der Taffel sassen, sezte sich zu ihnen und nachmittags spillte er sowohl als die Kaiserin mit denen anweesenden Dames. Den 1. Decembris in prima Dominica Adventus wurde mit dem Rorate und anderen in diser heiligen Zeit üblichen Andachten der Anfang gemacht. II. MM. giengen in publico zur Capellen und wurde dem venetianischen Bottschaffter von nun an wiederumen zu allen Kirchen-Diensten wie in der Statt gewöhnlich, annebens auch immer im Mantelkleid angesagt. Zugleich beliebten II. MM. von heut abends an das wegen dero Din6s und Soup6s für disen Winter adoptirte Systeme zum ersten Mahl ins Werck zu setzen. Dises bestehet nun darinnen, daß dieselbe gleich wie zu Schönbrunn (ausser Sonntag mittags, als welcher Tag zu denen öffentlichen Taffel-Diensten destiniret bleibet) en compagnie zu speisen pflegen. Das Din6 ist de fondation auf 14 und das Soupe auf 10 Couverts; und obschon die Kaiserin zu Schönbrunn abends nicht mit, sondern für beständig in dero Cammer zu essen pfleget, so haben I. M. dennoch dem Kaiser zu Lieb und in der Rücksicht meistens mit sou- piret, umwillen es wegen denen fremmden dazu geladenen Dames schicksammer und d’une certaine fa§on plus decent gescliinen. Die Taffel wurde mittags theils in dem ehevorigen Appartement der Prin- cesse Charlotte, theils auf der Kaiserin Seiten in der ersten Anticamera und nachts in der Rath-Stuben gestehet. Und damit nach dem festgesezten Principe weder die Herrschafften, noch auch die zu ladende Gäste (daß ich so sage) geniret und hierdurch die ansuchende Unterhaltung in eine coeremoniose, mithin ungelegene Aufwartung — wie es mit denen vorigen Etablissements pour notre sejour d’hiver zulezt immer ausgefallen ist — verkeret werden und degeneriren möge, so geschähe die Einladung durch den Obrist Küchenmeister, und folglich stunde jedermäniglich frei, sich zu entschuldigen, indeme der Herrschafft lediglich die Liste deren gegenwärtigen und nicht deren sonst invitirt- und ausgeblibenen Gästen vorgezeiget wurde. Damit aber dennoch kein so gar unangenehmes Gesicht zur Taffel gezogen werden möge, so hatte der Graff v. Saint Julien eine geheime Liste zur Anweisung, worinnen das Personale sowohl deren auf Mittag, als auch jener zu denen Soup6s vorzüglich erwählter Gästen (als welch- leztere Zahl sich auf sehr wenige erstrecket) aufgezeichnet wäre, und woraus selber nach Belieben seine Taffel componiren kunte. Hierzu wurden immer ein paar von denen jungen 1754, Dez. 1.—2. 215 Herrschafften wechselweis zugezogen. Mit denen Hoff-Ämtern und denen Graff Dann- und Losischen aber blibe es dißfahls auf den Schönbrunner Fuß und meines Orths — weillen ich wüste, daß ich an- durch zumahlen dem Kaiser meine Cour am besten machen könte — absentirte mich gar selten von denen Soup6s, wiewollen es mir theils der Gesundheit halber, theils wegen des Train de vie in der Statt (da mich von all- übriger Societet gleichsamm sequestriren müssen) in der That sehr ungelegen und beschwärlich gefallen ist. Was mich aber zu diser Assiduitö gedoppelt engagiret, wäre die Ursach, um- willen ich gegenwärtig- neues Etablissement zum ersten in Vorschlag gebracht und die Kaiserin zu dessen Begenemmig- und Exequirung determiniret hatte. Mein ganzes Absehen aber hierbei wäre auf des Kaisers Temperament und angewohnte Lebensart gerichtet; dann weillen diser Herr sehr zur Melancolei incliniret (wie dann dessen Frau Mutter die leztere Jahr ihres Lebens durch dergleichen Zustände ganz blödsinnig geworden), mithin eines beständigen Umgangs mit Leuthen, so ihn zu unterhalten und aufzumuntern wissen, vonnöthen hat, so kirnte ihme eine so gähe und fast totale Änderung de son train de vie — wie selber bishero nach geendigtem Schönbrunner Sejour zu adoptiren genöthiget wäre — in die Länge um so weniger indifferent fallen, als er nach dem Tod der alten Obrist Hoffmeisterin und der Abrais seiner Frauen Schwester fast die eintzige zwei Ressources, welche er den Winter hindurch bishero annoch gehabt hatte, um ein und andere Stund ä son humeur et a son aise zubringen zu können, vollends auch verlohren hat. Dise meine wenige Reflexionen musten bei der Kaiserin um so mehreren Eingang machen, als sie deren vollständigen Grund und meine aufrichtige Intention nicht misskennete; zudeme fielle auch der Scrupel hinweg, als ob hierunter die Etiquette leiden mögte; dann nachdeme mann in denen Haubtgegenständen des Coeremonialis zwischen Schönbrunn und der Burg keinen Unterschied mehr machet, ja sogar bei großen Functionen das Mantelkleid daraussen wie in der Statt zu nehmen pfleget, so darff wohl kein Bedencken obwalten, daß die Herrschafften hierinnen wie zu Schönbrunn alltäglich nach Belieben en compagnie speisen können. Den 2. wäre demnach das erste dergleichen Dine bei Hoff, lind zwar in denen gewesenen Wohn Zimmern der Princesse; weillen aber denen Dames und auch dem Kaiser (welcher sehr frilleux ist) allda zu kalt gewesen, so wurde nach der Hand in der Kaiserin ersten Anticamera oder Audienz Zimmer gespeiset und im Spiegel Zimmer 216 1754, Dez. 3.-6. nachmittags gespillet. Seit kurtzem wäre das Reversis zur Mode geworden und pflegten II. MM. meistens eine dergleichen Partie zu machen, wormit die Zeit biß fünff, sechß Uhr abends vergienge, da sich die Herrschafften ä l’ordinaire retirirten. Heut wäre auch abermahlen Soupö. Den 3. unterblibe der Kirchengang wegen des heutigen Fests zu denen unteren Jesuitern, weillen es sehr unbequem gewesen wäre, bei den ftirdauerden Bau des Uniyersitet-Hauses mit denen Hoffwägen dahin zu kommen. Den 5. muste ich nebst dem Herrn Obrist-Hoffmeistern als von der Kaiserin ad hunc actum ernannte Commissarii uns zu denen Capu- cinern verfügen und der solennen Beisetzung des von Lissabon an- hero gebrachten Hertzens der jüngsthin verstorbenen, verwittibten Königin beiwohnen. Selbe hatte in ihrem Testament verordnet, daß ihr Beicht-Yatter Pater Ritter S. J. aus der hiesigen Provinz sothanes sacrum Depositum nach Wienn überbringen und mann solches zu denen Füssen ihres Herrn Vatters Kaisers Leopoldi höchstseeligen Andenckens beisetzen solle. Die Kaiserin hatte mithin befohlen, daß dise Verordnung dero seeligen Frau Tante auf das genaueste und mit dem nemmlichen Gepräng vollzogen werde, so bei der Über- nehmung und Begräbnus deren von Brussel anhero gekommenen Leichnammen beider Erzherzoginnen Mariae Elisabethae und Mariae Annae beobachtet worden wäre; und zu mehrerer Solennisirung des Actus wurde nicht allein der geweste Beicht-Vatter, sondern auch der portugesische Abgesante Don Freyre eigends dazu geladen. Den 6. wurde das Nicolai-Fest (weillen mann das neue Appartement für den übermorgigen großen Gala Tag vollends zurechtmachen wollen) in der ebenfahls erst disen Sommer hindurch neu gebauten Cammer Capellen — welche nunmehro die Theresia-Capellen heißet — gehalten und weder abends noch mittags en compagnie ge- speiset. Eodem starb im 51. Jahr an einem Leber-Defect und per com- plicationem morbi zugestossenen Steck-Catharr der Gräffin von Ulfeld Frau Mutter, Gräffin Wilhelmina (eine gebohrne von Althann), welche in erster Ehe mit dem regierenden Fürsten Philipp von Lob- kowitz, der Kaiserin Elisabeth Obrist-Hoffmeistern, und in der zweiten mit dem resignirten Obrist-Stallmeistern weiland Kaiser Caroli VI., Graffen Gundacker von Althan vermählet gewesen und in disem ihren zweiten Wittibstand gleich einer anderen heiligen Franciscae gänzlichen der Welt abgestorben und lediglich für Gott und die Arme gelebet hat. 1754, Dez. 7.—15. 217 Den 7. wäre wegen des Frauen-Abends kein Dine noch Soupe bei Hoff und der Kaiser gieng erst gegen halb 7 Uhr zur Toison- Yesper, weillen er heut als am Vorabend des Gala-Tags die Wittiben und jene Frauen bei der Kaiserin zur Stund zu sehen pfleget, welche theils aus Mangel deren Gala Kleidern, theils aus Alter von der morgigen Aufwartung dispensiret seind und seit einiger Zeit sogar en sac erscheinen dörffen. Den 8. wurde des Kaisers Geburtsfest mit denen gewöhnlichen Solenniteten begangen. Die Kaiserin führe mit nach St. Stephan; keine Promotion wäre nicht, weder der nachmittägige Ausgang zur Säulen, übrigens aber Din6 en manteau und Appartement. Den 9. und folgende beide Tage continuirten die kleine Dines und Soupös bei Holf. Eodem starbe im 76. Jahr der erst unlängst erwählte Fürst von Heittersheim, Philipp Joachim Freiherr von Pras- berg aus dem Hauß Vogt von alten Somerau v. Prasberg. Den 12. wäre wegen des Printz Carls Geburtstags Campagne- Gala, Din6 publique (von Cammerherrn bedienet) und Appartement. Ansonsten wurde von heut an etabliret, daß an Gala-Tagen nur die ältere Cammerherren bei der Tatfel dienen sollen. Die Ur- saoh dises neuen Gesatzes wäre, daß die meiste jüngere Cammerherrn — weillen sich so selten mehr die Gelegenheit eines Taffel- Diensts ereignet — außer Übung zu dienen sich befinden, mithin auch meistentheils sich hierbei maladroitement aufgeführet haben. Den 13. wäre kein petit Dind und bein Soupö erschine die Kaiserin nicht; hingegen waren beide den folgenden Tag als den 14. dem Din6 und Soup6 gegenwärtig. Eodem Vormittag hatte der neapolitanische Minister Audienz bei den Ertzherzog Ferdinand und praesentirte demselben als ein Einbind-Geschenck von seiten seines Königs und seiner Königin einen mit Brillanten reich besezten goldenen Degen, dessen Klinge ebenfahls durchaus von Gold wäre, und eine Agraffe von Brillanten, worbei er dem kleinen Herrn das Compliment machte, dass er disen Degen nach den Beispill seiner Vor-Eltern gegen die Ungläubige mit aller Gloire führen möge. Den 15. wohnten die Herrschafften dem ordinari sonntägigen Gottes-Dienst bei. Weillen ich aber disen Morgen eine starcke Heisere und Extinction de voix überkommen hatte, mithin einen Brust-Catharr besorgte, erschine ich nicht bei Hoff, sondern substituirte den Com- mendatore Ricci als einen deren ältesten hierbefindlichen Cammer- lierrn; und da sich der Herr Hoff-Canzler ebenfahls übel auf befände, so wurde bei heutiger Ablegung einiger geheimmer Räth-Juramenten der Fürst von Trautsohn pro cancellario ad praelegendam formulam 218 1754, Dez. 16.-23. jurandi substituiret. Abends wäre wegen der Vigil für die höchst- seelige Ertzherzogin Maria Anna kein Soupd. Den 16. ebenfalls kein Dine deren Exequien halber, jedoch das Soupe; und weillen meine Indisposition meistens vorüber, gienge ich bereits den 17. wieder nach Hoff, verblibe bein Dine und Soupe. Beide folgende Tage continuirten zwar die Dines, allein die Soupes unterbliben, und zwar den 19. wegen der Vigil für die Kaiserin Frau Mutter, weß- halben auch den 20. als an den Tag deren Exequien kein Dine und wegen der Vigil des morgigen Apostel-Tags ebenfahls kein Soupe gewesen ist. Wir hatten Toison -Vesper und den 21. Toison-Ammt. Die Kaiserin aber wäre retiriret, weillen heut die dreitägige Exercitia des P. Lehner gewöhnlicher Massen ihren Anfang nahmen. Den 22. gienge der Kaiser zum sontägigen Gottesdienst, speiste auch abends ohne der Kaiserin en compagnie. Den 23. wäre (Konferenz in der Commercial-Angelegenheit mit dem preussischen Hoff, worzu auch der Kaiser zulezt gekommen. 230 ) Selber soupirte heut wieder wie gestern. Eodem starb im 73. Jahr an einer Lungen-Entzündung der Feldmarschall Conte Juan Hyacinto Vasquez de Pinos, würcklicher geheimmer Rath, dessen Infanterie Regiment der General-Feldmarscliall- Leutnant Conte Luzan bekommen. Der gutte Alte wäre verwichenen Donnerstag nebst seiner Gemahlin zur Hoff-Taffel geladen; und wiewollen er sich schon zuvor bei denen Capucinern, wo er Meß gehöret, incommodiret befunden, wolte er dennoch nicht ausbleiben, also daß er würcklich einen Paroxismum febrilem im Spieglzimmer, ehe mann noch zum Tisch gesessen und währenden Diseurs mit dem Kaiser überkommen, welcher ihn dennoch fast noch zwingen müssen, daß er zuruck nach Haus gekeret, wo er sich sofort in das Bett legen müssen und nur dise wenige Täge überlebet hat. Der Frau Wittib hat die Kaiserin nicht allein die im Heiraths-Contract bereits gethanene Zusag und Versicherung in die genaueste Erfühlung zu bringen anbefohlen, sondern anbei auch die allergnädigste Sincera- tionen durch mich melden lassen und sie bald darauf Selbsten besuchet. Meines Orths habe an ihn einen aufrichtigen, wahren Freund verlohren, der mir und allen denen meinigen vollkommen ergeben wäre; und gleichwie wir uns der nemmlichen unverfälschten Freundschafft von seiten der hinterlassenen Frau Wittib zu schmeichelen 1754, Dez. 24.-27. 219 haben, so waren wir auch sämtlich schuldigster Massen beeifferet, ihr hei diser traurigen Begebenheit alle von uns nur immer abhangende Offices aus ganzem Hertzen zu erweisen. Den 24. wäre abermahlen (Konferenz, aber in Gegenwart beider Mayestätten mit Zuziehung des italianischen Raths und des Conte Cristiani, worbei die obseiende Handlung mit denen Graubündern und was sich etwann weiters mit denen schweizerischen Cantonen Selbsten tractiren ließe, auf das Tapet kämme. 237 ) Abends wäre die Toison-Vesper und das erste gewöhnliche Einrauchen, ohne Dine noch Soupe. Den 25. wurde der heilige Christ-Tag al solito celebriret; die Bottschaffter kämmen die Gratulationen ablegen; mann speiste in der Ritter-Stuben; die Vesper wäre erst um 7 Uhr, damit — weillen das 40 ständige Gebett heut angefangen — der lezte Seegen gleich nach der Vesper gegeben werden könte und die Herrschafften mithin nicht zweimahl hin- und hergehen dörfften. Dahero wäre auch das Appartement erst um 8 Uhr und dauerte um so weniger. Den 26. führe der Kaiser ohne der Kaiserin, allein in Wagen sitzend, und in einen anderen Wagen vor aus cortegirend der Ertz- herzog Joseph, beide mit der Colana angethan nach St. Stephan zum heutigen Ammt, und Nachmittag wäre wieder um 7 Uhr Toison- Vesper. Eodem verraiste mein Frantz Antoni in Begleitung eines sicheren Monsieur Diltey (so gar ein ehrlich- und gelehrter, auch gleich meinem Sohn in der griechischen Sprach versirter Mann ist) über Mariae Zell nach Würtzburg, um dortige Bischoffs-Wahl zu sehen 238 ) und sodann (mit dem kaiserlichen Commissario Baron Widmann als meinem alten Bekanten und Clienten noch von Regensburg aus) nach München zur Carnavals-Zeit sich zu verfügen, von wannen ihn nach Augspurg zu meinen Brüdern, den Bischoff, und sodann villeicht nach Göttingen abschicken will, um den berühmten Professor Schmauss zu hören. Ein paar Tag zuvor traffe der Hannß Joseph von seinem Quartier aus Kuttenberg nach erhaltener Erlaubnus allhier ein, um mit seinem ältesten Brüdern Sonntags darauf im Dienst als Cammerherr einzu- tretten. Den 27. gienge der Kaiser abermahlen allein ohne der Kaiserin und in Begleitung des Ertzherzogs in die Hoff-Capellen zum Toison- Ammt und abends en Campagne zum Schluß des Gebetts um halb 8 Uhr. Alle dise Täge waren wegen der Andacht und des ausgesezten hoch- würdigen Gutts keine kleine Dines noch Soupes bei Hoff, und erst Sonntags 220 1754, Dez. 29.-31. den 29., wo mann gewöhnlicher Massen in publico zur Capellen gienge, wäre wiederumen dergleichen Soupö und folgenden Tag Dine und Soup6. Den 30. um die Mittagsstund gäbe der Kaiser denen Fürst Staveloischen Deputaten (dem Constanzischen Dombherrn von Deuring und Reichsagenten von Wallau) die gewöhnliche Investitur, 239 ) wor- bei anzumercken kommt, daß mein Obrist-Cämmerer-Amt von dem Graffen Xaverio von Hohenzollern (Cammerherrn und Obristen des hier garnisonirenden Radicatischen-Cürassier-Regiments) und das Officium Mareschalli von einem jungen Graffen von Pappenheim (Haubt- mann unter Keuhl und zweiter Sohn des würcklichen Reichs-Erb- Marschallen) verrichtet worden. Den 31. speisten die Herrschafften zwar mittags, aber nicht abends en compagnie und der Kaiser gieng vor dem gewöhnlichen zweiten Einrauchen zur Toison -Vesper. % ä m i 1755 . Den 1. Januarii führe der Kaiser wie lezthin vom Ertzherzog Joseph cortegirter zu denen Jesuitern; sonsten wäre nichts öffentliches bei Hoff, sondern petit soupö. Den 2. continuirte das kleine Dind und Soupe, wie auch beide folgende Tage. Anheut Überkamme der Ertzherzog Joseph den sogenannten Nestel-Ausschlag, wäre aber fast nichts kranck dabei. Den 5. hatte vor dem heutigen sonntägigen Gottes-Dienst der spahnische Minister Dom Azlor seine Urlaubs-Audienzien laut beiliegenden Prothocolls Extract 240 ) bei Kaiser und Kaiserin, und zwar beide in der Rath-Stuben, weillen die Kaiserin ihn als einen Ministre d’une des premieres couronnes mit aller Ddcence, folglich auch in ihrer männlichen Repraesentation und als Königin tractiren wollen; wie er dann auch aus besonderem Egard von beiden Mayestätten mit Portraits de brillants beschencket worden, welches Urlaub-Prae- sent bei gegenwärtiger Regierung noch kein fremmder Minister se- cundi ordinis überkommen, sondern es lediglich nur denen Bott- schafftern gegeben zu werden pfleget. Nach der Kirchen hatte der russische Cammerherr Baron von Sievers seine Empfangs-Audienzien auf den nemmlichen Fuß wie solche die vorhin dahier gewesene Cammerherren Tschoglokof und Bestuchef gehabt hatten, bei den Kaiser in der Raths-Stuben und bei der Kaiserin im Spieglzimmer, worzu er beide Mahl von mir selbsten gemeldet wurde. Seine Abschickung hatte zum Gegenstand die solenne Notification des im September lezthin gebohrnen, jungen Groß- Fürsten Paul Petrowitz, welchen beide kaiserliche Mayestätten aus der Tauff gehoben, also zwar, daß dero Persohnen von der Czaarin selbsten bei sothaner Function vertretten worden waren. Abends wäre petit Soupe und zuvor die Toison-Vesper und das lezte Einrauchen. Den 6. gienge der Kaiser allein zur Predig und Toison-Ammt; sodann wäre kleines Dine und vor dem Soupd Spill, wo ich der 1 222 1755, Jan. 6.-9. Gnad genösse, mit der Kaiserin Reversis zu Spillen, wie ingleichen am folgenden Tag, wo ich Nachmittag die Ehre hatte, mit dem gewesten durchlauchtigsten Patienten eine Partie de reversis zu Spillen und sodann nebst meiner Frauen hei Hoff zu soupiren. Eodem starbe der wegen seiner großen Erudition und der mit dem heutigen Pabsten gewechsleten Schrifften und geführten gelehrten Feder-Krieg sehr berühmte Cardinal Angelus Maria Q.uirini, ein Vene- tianer, Benedictiner Ordens, Creatur Pabsts Benedicti XIII. 241 ) Er hatte noch heut früh Meß gelesen, wurde sodann abends von einem so gewaltigen Schlagfluß überfallen, daß er bald darauf in der Nacht im 75. Jahr seines Alters verschiden. Den 7. solte der erste dienstägige maschirte Bai bei Hoff gehalten werden, welcher aber wegen der kleinen Unpäßlichkeit des Ertzherzogs Josephs contremandiret worden. Den 8. wäre abends das Versprechen der Hoff-Dame, Frede Antonia von Auersperg (zweiten Dochter des Herrn Obrist Stallmeisters) mit dem Cammerherrn Graffen Gundacker von Wurmbrand, einzig- hinterlassenen Sohn des seeligen R. H. R.-Praesidenten, von denen erstere 15 und der Bräutigamm 19 Jahr alt ist, und wor- bei ich Beistand gewesen, und sodann Appartement und die erste Redoute du carnaval, sonsten aber kein petit Dine noch Soup6. 4^ Den 9. wäre zwar das erste, die Donnerstage abends immer gewöhnliche maschirte Kinderfest bei Hoff, worbei auch meine Mariandl erschinen und die Ertzherzogin Elisabetha (indeme die Frau Maria ebenfahls schon zu groß und erwachsen zu sein beginnte) les hon- neurs machte. Allein die Unterhaltung wurde nicht wenig troubliret, weillen der Kaiser sich wegen füllender Alteration gegen 5 Uhr Nachmittag zu Bett legen müssen und währendem Bai sich würck- lich im Paroxismo befände. Die Kaiserin wäre fast immer bei seinem Bett und hat ihme auch die gröste Zeit der Nacht Uber gewartet und alle Artzneien Selbsten eingegeben. Zum Glück erkante mann bald die Ursach der Unpäßlichkeit und daß solche lediglich von einer Erkältigung herkäme, so der Kaiser sich gestern in dem kalten Appartement und hernach auf der Redoute (welche eben gestern wieder angefangen wurden) zugezogen, zumahlen dise Täge her eine grimmige Kälte gewesen, wie dann auch die Applicirung ein paar Cly- stiren und der Gebrauch von Emulsionen und die Transpiration beförderenden Medicinen das Übel alsogleich gehoben, dergestalten zwar, daß selber des andern Morgens bereits aus dem Bett aufgestanden und 1755, Jan. 12.—26. 223 den 12. bei der Copulation des kurtz zuvor erwehnten Braut- pahrs und dem Dine de la parente in der Rath-Stuben gewöhnlicher Massen mit figuriret hat. Der heut- sonntägige Gottesdienst wurde dennoch in der Cammer-Capellen gehalten; und weillen mann den Kaiser nicht gern in das Spectacle und zur heutigen Redoute gehen lassen, so veranlaste die Kaiserin ein kleines Spill de reversis, welches mit dem ordinairen petit Soupe beschlossen wurde. Den folgenden Tag aber bliben die Herrschafften gänzlich retiriret. Eodem starbe zu Rastatt im 49. Jahr an der Brustwassersucht die regierende Marggräffin von Baden-Baden, einzige Schwester unsres Fürsten von Schwarzenberg, und hinterlasset nur eine Dochter. 242 ) Den 14. wäre der erste maschirte Bai bei Hoff, wormit alle Dienstag hergebrachter Massen continuiret wurde. Heut wäre die Bande der jungen Herrschafften in rosenfarben Scaramouches gekleidet und sonsten kein Soupe. Mittags speiste der russische Cammerherr nebst denen mit ihm gekommenen jungen Messieurs en grande compagnie ministeriale bei mir. Den 15. und 16. continuirten die Dines bei Hoff und disen leztern Abend wäre das zweite donnerstägige Kinderfest. Den 17. und 18. unterbliben die Dines und Soupös, welche leztere auch von darumen decliniret wurden, damit der Kaiser — — welcher abends fast mehr als mittags zu speisen pfleget — einen genaueren Regime halten kunte. Den 19. wäre als Sonntags öffentlicher Kirchengang und nachts Soupe ä la redoute in Beisein beider kaiserlicher Mayestätten. Den 20. unterblibe der Ausgang pro festo S. Sebastiani zum Schotten; übrigens wäre Dinö und Soupe bei Hoff. Den 21. hatten wir den zweiten dienstägigen Bai en masque, worbei die zwei Quadrillen deren jungen Herrschafften als Tartare erschinen und hat auch mein Sigmund als Compagnon der Hoff-Dame Comtesse Therese Kinsky mit figuriret. Den 22. und beide folgende Täge continuirten die Dines und Soupös bei Hoff; Donnerstag wäre aber kein Kinderfest wegen des Frauen-Tags. Vormittag wäre Conferenz in mixtis mit Zuziehung des Comitis Cristiani. Den 25. wurde das Fest Pauli Bekehrung in der Cammer-Capellen gehalten. Den 26. erschinen beide Herrschafften in publico bei dem sonntägigen Gottesdienst, nach welchen der russische Cammerherr seine Abschieds-Audienzien auf den nemmlichen Fuß wie bei der Ankunfft erhalten und bein Austritt von mir nomine Augustissimi mit seinem 4 , 224 1755, Jan. 27.— Feb. 5. reich mit Brillanten besezten Portrait und in Nahmen der Kaiserin mit einer detto goldenen Tabatiöre und carmesirten Ring regaliret wurde, welche drei Stück wohl gegen 3000 Ducaten gekostet haben. Nach selben hatte der zu Nehmung der Investitur jüngsthin angelangte bambergische Gesante Graff von Stadion, ein Bruder des dortigen Fürsten, seine erste Audienzien. Den 27. gäbe der russische Bottschaffter zu Ehren des neu- gebohrenen Groß-Fttrsten einen Bai en masque und Soupe in seinem Quartier im Rofranischen Garten, welches aber jenem des neapolitanischen Ministri bei weitem nicht beigekommen, indeme er Selbsten sehr wenig bemittelt und ihme sonsten nur die geringe Summa von 3000 Rubeln von seinem Hoff hierzu angewiesen worden. Die Kaiserin kunte schon nicht weniger thun, als auch dermahlen wieder Uber die Etiquette hinauszugehen und denen Hoff-Dames zu erlauben, daß selbe ebenfahls en masque darbei erscheinen dörffen. Übrigens wäre heut noch gestern Din6 und Soupe bei Hoff. Den 28. hatten wir den dienstägigen Bai masqu6, worbei die Compagnie der jungen Herrschafften das nemmliche National- Fest, so bereits vor zwei Jahren vorgestellet worden, reproduciret und meine kleine Wittib als Türckin mit dem General Graffen Antoni von Althann figuriret hat. Den 29. und 30. continuirten die kleine Dines und leztern Tag als Donnerstag wäre für heuer das lezte masquirte Kinder-Fest bei Hoff. Den 31. wäre petit Din6 und Soupe bei Hoff. Den 2. Februarii wäre zwar die Kertzen-Weih-Umgang, Predig f und Ammt bei denen Augustinern, allein kein Toison, weillen wegen des heut einfallenden privilegirten Sonntags Sexagesimae das Lichtmeß-Fest in choro auf morgen transferiret wird. Nachmittags giengen wir ad primas vesperas zu denen Jesuitern und zur Säulen. , Den 3. solte zwar Toison-Ammt sein, allein die Capellen wäre bereits gestern contremandiret und dafür alles zu einer öffentlichen auf heut bestimmten Tag Schlittenfart bestellet worden, welche aber wegen sich erhobenen großen Sturm-Winds ebenfahls nicht vor sich ; gehen können. Den 4. solte die Schlittenfart anstatt gestern gehalten werden, wegen fürdauerenden grimmigen Winds muste mann selbe abermahlen verschieben. Abends wäre der lezte dienstägige mascliirte Bai. Den 5. unterblibe der nemmlichen Ursach halber erst gedachte auf heut remittirte Partie de traineaux, welche aber endlichen 1755, Feb. 6.-8. 225 den 6., da sich das Wetter unvergleichlich angelassen und nebst dem schönsten Sonnenschein fast gar kein Wind gewesen, gewöhnlicher Massen und nach beiliegender Liste 243 ) vor sich gegangen ist. Das merckwürdigste hierbei wäre, daß die Ertzherzogin Maria Anna zum erstenmahl mitgefahren und von dem Herrn Obrist-Hoffmeistern gefiihret worden. Der Kaiser hatte nicht allein eine magnifique Aigrette auf den Hut, bei welcher sich auch der große Diamant aus dem florentinischen Schatz befände, sondern anbei wäre das gantze Stutzenband mit Brillanten und Topazen garniret; und weihen der Tag so hell gewesen, so hatte aller Geschmuck (wormit die Dames sich bei dergleichen Coursen besonders zu zieren pflegen) iiberhaubt vill mehr Glantz und Schimmer, mithin auch das ganze Spectacle mehr Lustre und Ansehen. Dises Mahl getrauete ich mich nicht, davon auszubleiben; und da sich so ville Dames entschuldigen laßen, traffe die Reihe sogar zwei junge Cammerherren-Wittib, und hatte meine Josepherl den Vortheil, daß sich noch eine gefunden, welche den Rang nach ihr gehabt. Das Mittagmahl wurde auf 2 Tischen in dem neuen Saal oder großen Anticamera zugerichtet, welches auch sehr gutt ausgesehen. Nach dem Caff'6 aber retirirten sich II. MM. gar bald, um der Minerva-Andacht beizuwohnen und sich sodann zur Fürstin von Trautsohn zu verfügen, welche denen älteren Herrschafften anheut einen kleinen Bai par6 und Soupd gegeben hat. Den 7. solten beide kaiserliche Mayestätten en compagnie choisie, worunter meine Frau und ich auch zu sein die Ehre hatten, bei den Herrn Obrist-Hoffmeistern speisen, um seinen in denen von ihme erkaufften beiden vorhinigen Fürst Lobkowitzischen Häusern führenden neuen Bau anzusehen. Es kämme aber der Kaiser nur allein, indeme die Kaiserin in der Nacht einen Fluß oder Rumatisme in der Schultern überkommen, welchen sie sich Selbsten zugezogen, weillen sie bei den gestrigen kleinen Bai einige Contredanses mit- gedanzet, dabei sehr geschwitzet und deme ungehindert (ohne zu changiren) sich sodann in die Loge des Redouten-Saal begeben, wo ein starcker Zug von Wind zu sein pfleget, und eine Zeit lang dem Bai zugesehen hat. Den 8. wurde aus specialer Erlaubnus französische Comedie auf dem Theatro nächst der Burg produciret, welches sonsten (ver- mög dermahliger Einricht- und Verordnung) alle Sonnabend gleich denen Freitägen geschlossen zu sein pfleget. Eodem starbe zu Neapel im 74. Jahr der wegen seiner großen Faveur bei Pabst Benedicto XIII. und darauf unter folgender K h e venliü 11 er- S ch litter. 1752—1755. 15 226 1755, Feb. 9.—16. Regierung erlittener, langwüliriger Gefangenschafft in der Engelsburg zu Rom weltbekante Cardinal Nicolaus Coscia, welcher seinem Brüdern, dem Duca dises Nahmens, ein Vermögen von villen tausend Scudi hinterlassen. Den 9. führe der Kaiser allein in das Profeß-Haus zu dem all- jährlich- gewöhnlichen 40 ständigen Gebett. Abends gäbe der Feldmarschall Batthyany denen jüngeren Herrschafften ein kleines Fest en masque, worbei auch meine Marianl gewesen. Heut wäre Soupd ä la löge de la redoute und haben demselben nicht allein beide Mayestätten, sondern auch die Ertzherzogin Maria Anna beigewohnet, welche ebenfalls heut für das erstemahl auf der Redoute erscliinen, wiewollen die Fürstin von Trautsohn sich sehr darwider gesetzet und fast einen Handel deßwegen mit dem Kaiser gehabt, als welcher der erste Promotor diser heutigen Erscheinung gewesen, die zwar eben nicht generalement approbiret worden ist. Den 10. soupirte der Kaiser abermahlen en compagnie wie gestern in der Loge; die Kaiserin aber kämme weder heut noch als morgen mehr auf die Redoute. Den 11. gäbe die Fürstin von Trautsohn den zweiten Bai pare denen älteren drei Herrschafften; und weihen sie mich eigends dazu eingeladen und die Ertzherzogin Maria Anna mich gleich bei den Eintritt aufgezogen, muste ich gleich denen übrigen zugegen gewesenen alten Herrn die Minuets d’honneur danzen; sonsten aber cedirte ich dise Unterhaltung meiner Dochter (der Wittib) und dem Sigmund, welche ebenfahls die Ehre hatten, von der heutigen Partie zu sein. Den 12. wurde das gewöhnliche Einäscheren und übrig- heutiger Gottesdienst in Gegenwart beider Mayestätten gehalten, anbei wegen denen Fasten-Predigen die Ordonnanz ertheilet, daß solche sowohl Mittwoch- als Freitags immer in der neuen Cammer-Capellen gehalten werden sollen. Hiernächst continuirten täglich die kleine Dines bei Hoff, die Soupes aber wurden für die ganze Fasten-Zeit eingestellet; desgleichen unterblibe den • ersten Freitag das Appartement. Den 16. giengen II. MM. in publico zum sonntägigen Gottesdienst und erscliinen abends bei den heut zum ersten Mahl auf den Th6ätre nächst der Burg gehaltenen Concert oder sogenannten Aca- demie de musique, wormit alle Sonn-, Diens- und Donnerstäg con- tinuiret wurde. Dises Fasten Spectacle dauerte von 6 biß 9 Uhr; mann bezahlte die Entr6e; jedermann kunte darunter Spillen. Das Theätre wäre sehr schön zugerichtet und wohl illuminiret; und um 1755, Feb. 20.—23. 227 Leuthe zu attiriren, befliße sich der Conte Durazzo (als welcher nun die Inspection dises Departements hat), theils fremmde Stimmen — worunter eine sichere Signorina Gabrieli, detta la cochetta, bella voce di soprano sich hören lassen — anhero zu beschreiben, theils verschiedene Variationen von Chori, Oratorii, Salmi, Arie, Duetti etc. zu produciren, wie sich dann imerdar ein zahlreiches Auditorium dabei eingefunden hat. Den 20. verschiede im 84. Jahr an Marasmo senili unser alter Cammer Praesident Graff Joannes Franciscus Gothofredus von Dietrichstein, Ritter des goldenen Flusses und dermahlig- ältester geheimmer Rath. 244 ) Selber wurde vor etlich und dreißig Jahren von Gratz anhero beruffen und anfangs zum Praesidenten der neu errichteten Bancalitet, sodann nach Austritt des Gralfen von Walsegg zum Cammer-Praesidenten gemacht, welche leztere Charge zwar seit der neuen Einrichtung dergestalten reduciret worden, daß außer des wenigen Reichs Cameralis und einiger Inspection in denen hungari- schen Cammersachen (die mann par Systeme unter der Direction eines wenigstens sich nennenden Cammer-Praesidentens lassen muste) alle übrige Agenda von disem Departement weggekommen. Der Verstorbene hat übrigens jederzeit für einen sehr drockenen und groben Steyrer passiret, wäre dabei aber hertzhafft, gottesförchtig und ehrlich, ein rechter Vatter deren Armen, welchen er ganz in Geheimm alljährlich gegen die 10.000 fl. Allmosen solle austheilen haben lassen. Sonsten wäre er in seinem Hausweesen sehr klug und sparsamm, wie er dann die unter voriger Regierung genossene Emolumenten also zu menagiren gewust, daß sein hinterlassenes und meistens per substitutionem auf seine zwei Söhne und sodann auf sämtliche Dietrichsteinische Linien zum Fideicommiss*) errichtetes Vermögen — da er bei Antrettung seiner wiennerischen Bedienung nicht mehr dann 80.000 fl. gehabt — sich bei seinen Tod über eine halbe Million erstrecket haben solle. Den 21. als Freitags wäre Appartement. Den 22. hatten wir in Gegenwart beider Mayestätten eine sehr wichtige Conferenz in der Barriere-Angelegenheit. 245 ) Eodem starb im 80. Jahr vor Alter des Herrn Reich-Vice-Canzlers Frau Mutter Carolina, gebohrne Graff- Kinskin. Den 23. wäre öffentlicher Gottesdienst wegen des Sonntags und nachmittags Toison-Vesper. Ich muste mich aber von beiden ent- *) Nichts als die nicht besonders beträchtliche steierische Herrschaften wurden zum Fideicommiss errichtet. (Eintragung von späterer Hand.) 15* SSf^i 228 1755, Feb. 24.— März 3. schuldigen, weillen mich von meinen gewöhnlichen Zustand deren Obstructionen und verschlagenen goldenen Ader incommodiret fände, wesswegen ich auch des anderen Tags als den 24. von dem propter festum Sancti Matthiae gehaltenen Toison-Ammt aussen blibe und mich heut und morgen noch zu Haus hielte. Den 26. wurde Gala angesagt wegen der Ertzherzogin Amaliae Geburts Tags und die Bottschaffter kämmen al solito zur Gratulations- Audienz. Sonsten wäre aber nur Dienst bei denen jungen Herrschafften, worbei ich wegen meiner Indisposition nicht erscheinen kunte, den 27. aber dem Din6 bei Hoff mit beiwohnte und nach den Essen von der Kaiserin Partie de reversis zu sein die Ehre hatte. Den 28. hatten wir Conferenz abermahlen in beider Herrschafften Gegenwart und wurde nebst der Barriere-Sach auch die römische Königs wähl Angelegenheit in Deliberation genohmen. 246 ) Sonsten wurde das heut- freitägige Appartement contremandiret, weillen die Kaiserin eine Fluxion in der Schultern und etwas steiffen Hals hatte. Den 1. Martii erschine der Kaiser allein bei den petit Dine. Eodem starb im 66. Jahr an der Lungen Entzündung die verwittibte sogenante spahnische Gräffin von Althann Maria Anna, eine gebohrne Catalanerin aus einer alldorten etablirten Branche des Hauses Pigna- telli. Ihr unter voriger Regierung gehabter Credit, die Ursach dessen und die große Gunst ihres bereits anno 1722 verstorbenen Eheherrn (des seeligen Obrist Stallmeisters und Favoriten Graffen Michael Joannis) seind als zu bekante Ding, um mich dißfahls in einige Anmerckungen einzulassen. Nur dises habe zu ihren Ruhm aufzeichnen zu sollen geglaubt, daß sie wegen ihres hohen Geists, erleuchten Verstands und noblen Gedenckensart sich biß an ihr End die Hochachtung und das Vertrauen von Groß und Kleinen zuzuziehen und mit einem Wort genöralement respeetiren zu machen gewußt habe. 247 ) Den 2. gienge der Kaiser ebenfahls zum sonntägigen Kirchen- dienst ohne der Kaiserin, jedoch von beiden älteren Ertzherzogen begleitet. Den 3. wurde I. M. die Kaiserin wegen abermahlen anscheinender erfreulichen Hoffnung zum erstenmahl par piAcaution zur Ader gelassen, übrigens heut und folgende Tage mit denen kleinen Dines bei Hoff continuiret, wiewollen die Kaiserin — weillen sie nun nicht mehr wie sie sonsten (ausgenohmen in Zeit der Schwangerschafft) allzeit zu thun pflegen, die Fasten halten dörffen — dabei nicht » 1755, März 6.-14. 229 mitgesessen, jedoch gemainiglich nach den Essen zum Spillen er- schinen ist. Den 6. starbe im 69. Jahr die verwittibte Gräffin Gundacker Dietrichstein, gebohrne Gräffin von Ursini und Rosenberg und die lezte von der älteren Branche; sie wäre zugleich mit ihrer Frau Gegen-Schwiger (der Gräffin von Althan) erkrancket und muste an den nemmlichen Zustand einer Inflammation der Brust das Leben lassen. Den 7. wurde abermahlen das freitägige Appartement gehalten. Den 8. hatten wir Conferenz in mixtis mit Zuziehung des Di- rectorii und wurde Uber die dermahlige Irrungen auf den Reichs-Tag ratione deren neuen Introductions-Gesuchen in das fürstliche Collegium Deliberation gepflogen und hierbei in Abweesenheit des an Podagra bettliegerigen Graffen von Ulfeld von dem Reichs-Vice-Canzler das Praesidium gefiihret. 248 ) Den 9. wohnten II. MM. dem sonntägigen Gottesdienst bei. Den 12. gäbe der Kaiser dem unlängst angekommenen bam- bergischen Dombherrn Graffen Lothari von Stadion (Brüdern des dortigen Bischoffens) die gewöhnliche Investitur, 249 ) worbei abermahlen der Graff Xaveri von Hohenzollern und ein junger Graff von Pappenheim (Haubtmann v. Keuhlischen Regiment) die Cämmerer- und Marschall-Ämter verrichtet. Den 13. wäre Gala wegen des Ertzherzogs Joseph Geburts- Tags, Dine public unter Bedienung deren Cammerherrn und Appartement. Vor den Taffeidienst muste ich die Publication thun des neuen Cammer-Praesidentens Graffen von Königsegg-Erps, indeme der Herr Obrist Hoffmeister wegen seines Podagra nicht aus dem Hauß gekönt und dessen Substitutus (vi officii der Herr Hoff-Marschall) auf seinen Güttern in Böhmen, wohin er eine ganz kurtze Excursion zu machen geglaubet, an einer Espece von Gliedersucht erkrancket, mithin wider seinen Willen zu den heutigen Tag nicht dahier zuruck erscheinen könen. Den 14. legte der neue Cammer-Praesident erstlich bei den Kaiser allein als kaiserlicher Cammer-Praesident, sodann in beider Mayestätten Gegenwart als kaiserlich-königlicher Cammer-Praesident das Jurament ab, worbei ich immer qua testis zugegen gewesen und sodann im Mantelkleid angethan mit selbem in meinem Wagen mit 6 Pferden nach seinem Quartier (den vorhinigen Prinz Eugenischen Haus) gefahren bin. Die Installation geschähe alldorten, weillen es dermahlen dem Hoff zugehörig und nebst den Kupffer-Ammt auch zur neuen Hoff-Cammer destiniret worden, dann sonsten dergleichen 230 1755, März 14.—19. Installirungen in jenen Fahlen, wo ein Capo eines Dicasterii für sein untergebenes Ammt kein speciales von Hoff dazu gewiedmetes Haus hat, in des Obrist-Hoffmeisters oder dessen Stelle Vertretters Behausung zu geschehen pflegen. Meine hierbei gemachte kurtze Anrede wäre beiläuffig so gefast, wie sie kierneben aufgezeichnet sich befindet, 250 ) und auf welche erstlich der neue Praesident und sodann der alte Vice-Praesident Baron von Prandau (wie die Copia prothocolli ohnedeme mit mehrern ausweiset) hergebrachter Massen sich vernehmen lassen. Ansonsten wäre heut als den zweiten Freitag im Martio der gewöhnliche Kirchengang in das königliche Closter und (jedoch ohne Gegenwart deren Herrschafften) Conferenz in mixtis, sodann auch Dine bei Hoff, als welche biß in die Charwochen continuiret, wiewollen die Kaiserin gar selten mitgespeist, die sich aber jederzeit nach den Essen bei den Spillen eingefunden. Den 16., als an schwartzen Sonntag, führe der Kaiser allein in publico zu denen Jesuitern und den nemmlichen Vormittag legte nebst noch ein paar anderen der Graff Carl Caraffa, dermahliger Doyen deren Hoff Cammer Rathen auf der Herrn Banck, das Jurament als geheimmer Rath ab, welche Gnad (nebst der Beibehaltung seines genossenen Salarii von 4000 fl.) mann ihme zu einiger Rdcompense seiner villjährigen Bedienung und certo modo pro consolatione und als ein Surrogatum des durch die Collocirung eines extra gremium erwählten Praesidentens ihme beschehenden Nachtheils angedeien lassen wollen. 251 ) Den 17. wurden beide jüngere Ertzherzoge Carl und Peter Leopold gewöhnlicher Massen in deren Graff Kaunitz, Baron Bartenstein und meiner Gegenwart ex historia, geographia und elementis matheseos examiniret und ist verwunderlich, wie dise beide kleine Herrn sich hierbei sowohl in linea memoriae als zumahlen auch ju- dicii distinguiret und ganz ausnemmliche Specimina ihrer von Gott überkommenen grossen Talenten dargeleget haben. Den 19. wurde der Josepki-Tag nach Gewohnheit mit großer Gala, öffentlichen Kirchen- und Taffeidienst (worbei abermahlen die ältere Cammerherrn gedienet haben) gefeieret, und abends nach der Zuruckkunfft von der alljährlichen Andacht bei denen Carmeliterinnen (welcher beide kaiserliche königliche Mayestätten beigewohnet) mit dem Appartement beschlossen. Übrigens wurde auch heut die schon einige Monath in Erledigung stehende siebenbürgische Canzlers Stelle in der Persolm des Cammerherrn und dises Mittels Hoff Raths G raffen Gabriel Bethlen 1755, März 20.—27. 231 (welcher vor einigen Jahren von der calvinischen Sect sich zu unsern wahren Glauben bekeret und dermahlen in sehr wichtigen, die Einrichtung des Fürstenthums betreffenden Commissionen sich alldorten befindet) cum applausu et approbatione generali ersetzet und der Publi- cations-Actus dises neuen Capo von dem eben als Reconvalescent zuruck gekommenen Herrn Hoffmarschallen bei fürdauerender Unpäßlichkeit des Herrn Obrist Hoffmeisters vor den Taffeidienst be- werckstelliget. 252 ) Den 20. wäre kein Din6 bei Hoff, weillen die Kaiserin der heut (als an Donnerstag der Passions-Wochen) einfallenden und unter anderen mit dreizehn kurtzen Predigen begleiteten Andacht des Stern Creutz Ordens beigewohnet. Den 21. unterblibe ebenfahls das freitägige Appartement. Den 22. wäre Conferenz in Gegenwart beider k. k. Mayestätten mit Zuziehung des Hoff-Kriegs-Raths, Commissariats und Feldmarschallen von Neipperg. Das Objectum deliberationis ist aus der Ab- schrifft des Prothocolls, so unter meinen Ministerial-Actis sich befindet, zu ersehen, 253 ) worinnen nicht allein der Aufstand der Varas-, diner Militz (welcher allen Anfangs sehr villen Lerm und Auffsehen in publico erwecket hat), nebst dessen Veranlassung, sondern auch die dargegen angewendete Mittel und verschiedene wichtige An- merckungen — die reitzische Nation und deren Gränitzern bessere Einrichtung betreffend — kürtzlichen enthalten seind. Erst gedachter Feldmarschall ist sodann bald nach Ostern zu seiner dißfähligen Commission nach Kanissa (als den dazu erwählten Orth) und zu gleicher Zeit der Graff Michel Hans Althann als Praeses commissionis provincialis in Crabathen nach Agram, und der General ISerbelloni nebst dem Graffen von Keglewitz in eadem qualitate nach Sclavonien abgeraiset. Anheut wäre übrigens das lezte kleine Dine vor denen Feiertägen. Den 23. wohnten beide k. k. Mayestätten der Palm-Weih und übrigen Andacht bei; nachmittags aber führe der Kaiser allein zu denen Capucinern. Den 25. gienge er ebenfahls allein in publico wie sonsten zu Fuß nach Hernals, desgleichen den 26. wohnte er allein dem Passions-Ammt in der Hoff- Capellen bei; denen drei Pumper Metten aber assistirte die Kaiserin auch ihres Orths immer mit und den 27. waren nicht allein dieselbe, sondern auch der Ertz- herzog Joseph und die zwei ältere Frauen bei der Solennitet der öffentlichen Communion zugegen, nach welcher der Kaiser die gewöhn- 232 1755, März 28.—30. liehe Function des Fuß-Waschens verrichtet, die Kaiserin aber dise Function ihres geseegneten Standes wegen zwar für heuer unterlassen, jedoch wie sonsten denen 12 armen Weibern nebst denen Ertz- herzoginnen bei Tisch gedienet hat und auch den 28. als an Charfreitag sich von dem für eine schwangere Frau allerdings peniblen Actu adorationis Sanctissimae Crueis alles Zuredens ungehindert nicht absentiren wollen. Den 29. gienge der Kaiser allein die heilige Gräber in der nemmlichen Zahl wie vorn Jahr besuchen und abends nach 5 Uhr zu denen Augustinern. Den 30., als an heiligen Ostertag, kämmen die zwei Bott- schaffter, so in privato stehen, nemmlich der Nuncius und russische vor den Kirchendienst und der venetianische nach solchen die gewöhnliche Complimens du jour ablegen. Beide k. k. Mayestätten nebst dem Ertzherzog Joseph fuhren nach St. Stephan zum Toison- Ammt. Mann speiste in der Ritter-Stuben und wäre auch der Ertzherzog Carl mit denen älteren zwei Ertzherzoginnen an der Taffel. Abends wäre das Versprechen meiner Cousine (der Doyenne deren Cammer-Freilen) Comtesse Ernestine von Proskau mit dem Wittiber Graffen Otto Carl von Salm-Neuburg, würeklichen geheimmen Rath, sodann Appartement. Übrigens wurde auch heut durch den Herrn Obrist-Hoffmeistern, welcher wiederumen bei Hoff erschinen, bekant gemacht und nach der Hand an alle Hoff- und übrige Stellen per decreta intimiret, daß mann denen durchl. jungen Herrschafften führohin nach den Beispill anderer königlicher Printzen und Princessinnen den Titl königliche Hoheit geben solle. Dise Neuerung wäre bereits auf ein vornjähriges Conferenz-Guttachten (worvon die Abschrifft bei meinen dißfähligen Acten vorfindlich 254 ) eventualiter beliebet und indessen bei ein und anderen Hoff das Erforderliche hierüber präpariret worden. Die Sach an sich Selbsten kunte niemahlen einige gegründete Contradiction finden und denen Kindern einer Erb-Königin von Hungarn und Böhmen nicht contestiret werden, was sogar denen Descendenten von erwählten Königen gleichwie denen pohlnischen Printzen nicht versaget wird; allein jene, welche laut des Prothocolli (worinnen aber ihre Nahmen nicht angeführet und die abgelegte Vota sehr compendios eingetragen seind) für die Beibehaltung der alten Titulatur gewesen — nemmlich Colloredo, ich und Batthyany — hatten bei diser lezteren einen durch das Alterthum und die unter so villen kaiserlichen Regierungen fast mit Affectation immer fort- gesezte Gewohnheit, sich lediglich als Ertzherzogen und mit dem 1755, März 31.—April 4. 233 Praedicat ertzherzogliche Durchlaucht tituliren zu lassen, gleich- samm conservirten Lustre und eine von allen übrigen durch einen privativen Gebrauch mehr hervorscheinende und sich singulariter distinguirende Praerogative vorfinden wollen, wie dann auch des Kaisers Mayestät nicht darzu incliniret und es nach seinen für die Neuigkeiten allenthalben nicht portirten Genie lieber bei den alten Brauch gelassen hätte. Den 31. wäre schon um 9 Uhr Ordonnanz zum öffentlichen Gottesdienst, weillen II. MM. um 11 Uhr in dero beiderseitigen Gegenwart über die leztere Anbringen des englischen Ministers und die sich mehr und mehr äußerende Mißhelligkeiten zwischen disen leztern und den französischen Hoff ratione ihrer Etablissements in America Conferenz halten wollen, so eine deren wichtigsten gewesen, welcher ich Zeit meiner Beruffung zu den Ministerio und denen dißfähligen Beratlischlagungen beigewohnet. 255 ) Den 1. Aprilis, als am lezten Osterfeiertag, gienge der Kaiser abermahlen ohne der Kaiserin, jedoch vom Ertzherzog Joseph begleitet, zur Hoff-Capellen und gäbe sodann dem neu angelangten chur-bayerischen Gesanten und Cammerherrn Graffen von Königsfeld die erste Audienz, welche er sodann Nachmittag auch bei der Kaiserin erhalten. Abends wäre bei den Feldmarschall Batthyany ein kleiner Cammer Bai sans masque für die ältere junge Herrschafften und zum Beschluß ein Soup6, welchen auch beide k. k. Mayestätten und einige von uns anderen eigends dazu eingeladenen Gästen beigewohnet haben. Den 4. giengen II. MM. (aber nur mit einem kleinen Gefolg, weillen die neue auf den rechten Flügel und sonsten da und dorten gemachte Veränderungen noch nicht fertig waren) abends auf Schönbrunn, indeme das Wetter für die dermahlige Saison verwunderlich schön und warm gewesen und biß in halben Maii damit angehalten. Die ganze Hoff-Statt kämme erst acht Täg spätter hinaus, mit denen ältern Ertzherzoginnen und übrigen kleinen Herrschafften; die drei ältere Herrn aber verbliben in der Burg biß zur Laxenburger Rais und wohnten sodann die ganze Schönbrunner Saison über nebst ihren Hoffleuthen zu Hezendorff, von wannen sie aber alltäglich gegen Mittag nach Schönbrunn kämmen, allda speisten, in denen für dieselbe in denen untern Zimmern destinirten Retiraden ihre gewöhnliche Studia und Exereitia verrichteten und erst spatt abends nach Hezendorff zuruckfuhren. 234 1755, April 6.-9. Den 6. führe der Kaiser allein herein nach St. Stephan zu den hent als in Octava Paschalis einfallenden Festo dedicationis. Den 7. kämmen beide k. k. Mayestätten zu denen Augustinern, allwo in der Loretto Capellen das auf heut in ehoro transferirte Fest Mariae Verkündigung mit einem Toison-Ammt gefeieret wurde. Sie stigen an der ersten Kircken-Thür ab, giengen aber sodann in publico über den Gang zuruck in die Burg, wo hernach in dem Spiegel zimmer das lezt erweknte Brautpaar von unserem Herrn Ertzbisckoffen copuliret und nebst der nächsten Freundschafft mit denen Herrschafften in der Rath-Stuben speisete (sic!). Mein Schwager solte hierbei mit meiner Frauen die Stelle deren Braut-Eltern vertretten und das Soupe de noce in seinem Haus gehen; allein da eben gestern in der Nacht sein zweiter Sohn er- krancket und den Scharlach-Ausschlag bekommen, so muste ich nicht allein seine Braut-Vatters-Stelle suppliren, sondern auch das Hochzeit-Abendmahl in meiner Behausung so gutt es in der Eile sich thun ließe, anordnen. Ich hätte auch den Gebrauch nach die Braut- leuthe nach den Dind bei Hoff in ihrer Promenade um die Statt begleiten und in mein Haus führen sollen, allein der Kaiser hatte mich nebst noch ein paar anderen mit sich in sein Naturalien Cabinet ge- nohmen und uns darinnen biß gegen halber siben Uhr aufgehalten; mithin gienge ich noch zuvor als Beistand zu dem heutigen Ver- ^ sprechen der Hoff-Dame Comtesse Wilhelmine von Neipperg (jüngsten Dochter des Feldmarschallen) mit dem jungen Wittiber Fürsten Hanns Adam v. Auersberg, so auf der Kaiserin Seiten gewöhnlicher Massen geschehen, und ließe mich einige Moments in dem darauf _» gehaltenen Appartement sehen. Die Herrschafften bliben über Nacht in der Statt. Den 8., als an den transferirten Fest St. Francisci de Paula, kämmen die Herrschafften zu denen Paulanern und von dannen fuhren II. MM. nach Laxenburg, allwo sie bei denen Leopold Daunischen speisten und abends nach Schönbrunn retournirten. Den 9. ließe mich der Kaiser zu sich im Garten hollen, allwo wir die auf Angeben des Graffen von Kaunitz und nach seinen for- mirten Dessein sehr considdrahle gemachte Abänderungen, Durchschnitt und neugesezte Alleen besahen und sodann in die Menagerie ^ und den holländischen Garten uns verfügten, in welch- beiden Orthen diser Herr noch immer sehr große Depensen machet und erst unlängst eigends Leuthe nach America geschickt, um rare Pflantzen und Thiere anhero zu bringen. 256 ) 1755, April 10.—27. 235 Den 10. wäre in der Statt die Copulation des kurtz zuvor gemeldeten Brautpaars und den 11. das freitägige Concert. Den 12. starbe im 67. Jahr an zuruckgeschlagenen Podagra ^ und Brustwassersucht (bei der Öffnung fände mann zwei grobe Po- lypos) der resignirte Statthalter Graff Johann Ferdinand v. Kueffstain, welcher unter voriger Regierung verschiedene wichtige Commissionen im Reich verrichtet, die Besorgung der reservirten Cassa gehabt und bei dem verstorbenen Herrn in zimlichen Credit gestanden. 251 ) Er hinterlasset einen einzigen Sohn und eine infirme Wittib, welche ville Jahr an histerischen Zuständen bettlägerig ist und — was das Verwunderlichste — bishero lediglich dardurch erhalten worden, daß mann ihr offt, auch an einen Tag zu zwei und dreimahl die Ader eröffnet und einiges Blut herausgelassen. Den 13. führe der Kaiser allein zu denen Franciscanern wegen des heut einfallenden Fests des gutten Hirten. Den 14. machte derselbe eine Excursion nach Schloß Hoff, welche Herrschafft die Kaiserin unlängst von dem Printzen von Sachsen-Hildburgshausen erkauffet und dem Kaiser geschencket. 258 ) Ich profitirte von diser Gelegenheit, um auch meines Orths mit der Gräffin, denen jungen Leuthen und einigen gutten Freunden eine 4^ Tour nach Ladendorff vorzunehmen, von wannen ich den 18. zuruckkamme. Der Kaiser wäre Tags zuvor angelangt und heut etablirten sich die ältere Frauen zu Schönbrunn; die übrige Herrschafften (außer denen drei ältesten Ertzherzogen) folgten denen andern Nachmittag, und zwar gienge die Kaiserin eigends auf Mittag in die Statt speisen, um den kleinsten Herrn Selbsten herauszuführen. Den 20. hatten wir den ersten Gottesdienst zu Schönbrunn und den 23. wäre die erste Parforce Jagd. Den 24. wäre öffentliche Kirchen wegen des St. Georgii Fests. Mittags speiste ich en petite compagnie bei meinen alten gutten Freund, den vorhin durch einige Jahr gewesten Rector Theresiani und nunmehrigen Praeposito im Profess-Hauß P. Langetl in ihrem Garten in der Rossau, muste aber bei Zeiten nach Schönbrunn zurück keren, allwo heut das Versprechen der Cammer-Freile Comtesse ^ J Therese v. Wildenstein (Dochter der Aya) mit dem Cammerherrn Graffen Joseph Balassa, dessen Beistand ich wäre, und sodann Appartement gehalten worden. Den 27. wäre der sonntägige Kirchendienst und Festum Dedi- cationis zu Schönbrunn. 236 1755, April 28.—30. Den 28. wurde obiges Brautpaar zu Schönbrunn auf der Kaiserin Seiten, aber nicht im Spieglzimmer (weillen es zu klein), sondern hergebrachter Massen in der zweiten Anticamera getrauet, sodann mit der nächsten Freundschafft zur herrschafftlichen Taffel gezogen. Nachmittags vor 6 Uhr geschähe der Aufbruch nach Laxenburg, wohin für dise erstere Rais nebst denen drei altern Ertzherzogen und denen zwei ältesten Frauen, denen Fürst Trautsohnischen (Ayo und Vice-Ayo) mit ihren Gemahlinnen und sonst alljährlich gewöhnlichen Suite, annoch die Fürst Franz Lichtensteinische, Graff Clarische, Norbert Trauttmanstorffische und Gräffin Leopold Kinskin mitgefolget. Mann stige bei den Lusthauß auf der Hahnen Wisen ab und weillen die Kaiserin gern eine Partie de lansquenet gehabt, so wurde in der Eille um einige Coupeurs umgesehen; und da das Spill anfänglich sehr moderat und mehr zu einen Amüsement sein sollen, so wolte auch meine Frau du nombre sein, um ihre Cour zu i machen; allein selbes wurde bald wie es bei jeux d’hazard immer zu ■ geschehen pfleget, so hoch getriben, daß nicht allein sie, sondern l auch andere noch austretten müssen und die übrig geblibene Coupeurs (außer des Graffen St. Julian, welcher nebst seinen Associirten gegen 3000 Ducaten gewonnen) sich noch kümmerlich erhalten haben. Heut gienge mann wegen des schönen Abends zu Fuß zuruck nach Hauß, die Kaiserin gerad in das Schloss, (allwo ebenfahls* ein j und andere Embelissements und Veränderungen geschehen und | nahmentlich die Capellen repariret worden) und der Kaiser in das ! untere Haus, wo mann soupiret; und ist sonsten alles auf den alten . Fuß gebliben. Den 29. wäre sogleich früh um 7 Uhr Ordonanz zur Baitz; | die Kaiserin und Dames kämmen mit. Mann spillte wieder auf dem j Lusthauß. Nachmittag wäre Baitz abermahlen und Cour oder Ap- ; partement. Die Bottschaffter und fremmde Ministres wurden theils j von dem Obrist Hoffmeistern zu Laxenburg, theils zu Fesendorfif von [ den Reichs-Vice-Canzlern mittags tractiret. | Bei Hoff kunte heuer, weillen die Suite allein über 40 Persohnen j ausgetragen und der Platz zu klein, niemand Fremmder geladen werden, ausser die Ministres du rapport und sonsten jemand, den mann besonders distinguiren wollen. Abends wäre französische Co- mddie: le dissipateur und ein neuer Ballet, le matin genannt. Den 30. hatten wir wegen starcken Winds keine Paitz, weder Vor- noch Nachmittag. Der Kaiser spillte in der Früh dafür au mail. Nach den Essen wäre Lansquenet und sodann abends 2 französische 1755, Mai 1.-6. 237 kleine Pieces: le baron de la Crasse und le fat puni mit einem abermahligen neuen Ballet, so den Midi vorstellen sollen. Den 1. Maii giengen die Herrschafften wegen des Apostel-Tags in die Pfarr zu einem von der Falckenier Music gesungenen Hoch- Amt. Abends wäre Paitz und sodann der Distrait mit einen aber- mahlig- neuen Ballet, le soir betitlet. Den 2. ritte der Kaiser in der Früh streiffen. Nachmittag gienge die Kaiserin auch mit auf die Baitz und wurde biß sehr spatt abends gespillet, weiden heut wegen des Freitags kein Spec- tacle wäre. Den 3. wäre der Kaiser abermahlen streiffen, nebst dem Ertz- herzog Joseph, die Kaiserin aber führe mit denen Ertzherzoginnen und Hoff Dames nach Schönbrunn, allwo sie mit denen Stern-Creutz- Ordens-Frauen das heutige Festum titulare gewöhnlicher Massen cele- briret und en compagnie gespeiset. Der Kaiser blibe zu Laxenburg und ritte nach den Essen auf die Baitz. Mann spillte auf den Lusthaus (wo sich auch meine Frau und übrige zuruckgeblibene Dames einfanden) eine Partie de lansquenet in Erwartung der Kaiserin biß gegen 8 Uhr, da wir zuruckritten und fast zu gleicher Zeit mit derselben in dem unteren Hauß eintraffen. Die ganze Gesellschafft verfügte sich sodann in das Comedien Hauß, allwo heut die Mönechmes und ein deren vorigen Balleten aufgeführet wurden. Den 4. führe der Kaiser zu den sontägigen Gottes-Dienst nach Maria Lanzendorff; die Kaiserin aber kämme abermahlen in die Pfarr. Nachmittag wäre wegen ungestümmen Winds keine Baitz; mann spillte dafür Lansquenet und abends wurde eine ganz neue Piece, les originaux mit einen ebenfahls neuen Ballet, le minuit benammset, produciret, welche vier neue Ballets die Land-Beschäfftig- und Unterhaltung durch die vier Tags Zeiten en danse vorstellen sollen. Den 5. wurde zwar keine förmliche Gala für den Ertzherzog Leopold gemacht und die Bottschaffter von ihren Gratulations- Audienzien bei selben dispensiret. Es wäre aber dennoch Cour auf den Lusthaus und sodann wurde eine neue Pastorelia, la Dan za genannt, und welche lediglich in zwei Persohnen (der Gabrieli und Signor Fribert, einen Tenoristen) bestanden und eine Introduction zu einen neuen Schaffer Ballet gewesen ist, produciret. Den 6. ritte der Kaiser streiffen; die Kaiserin aber führe in der Früh nach Schönbrunn, weillen der Ertzherzog Ferdinand ein und anderes Mahl die Fraiß gehabt. Der Kaiser spillte indessen au retour du vol eine Partie de mail mit denen Dames und speiste 238 1755, Mai 7. wie sonsten en compagnie. Gleich nach den Essen aber folgte er der Kaiserin nach, welche über Mittag zu Schönbrunn verhüben wäre. Beide kämmen gegen 8 Uhr in biroccio zuruck; und weillen es sich mit dem jungen Herrn um ein merckliches gebesseret, hatten sich auch die Gesichtere ausgeheiteret und mann assistirte mit ruhigerem Gemüthe einer Repetition der gestrigen gesungenen Piece. Den 7. hatte meine Frau und ich die Ehre, II. MM. in dero heutigen Excursion nach Wienneriseh Neustatt zu folgen. Die drei Ertzherzogen, die zwei ältere Frauen, die Obrist Hoffmeisterin, die Cammer-Freile von Goes, welche die kranck gewordene Fürstin v. Trautsohn supplirte, des Ertzherzogs Josephs Cammerherr Graff Poal (weillen der Ayo wegen des Podagra zu Wienn zuruckgebliben), der Fürst von Auersperg, der Herr Vice-Ayo und die Taroccaische waren mit von der Partie und ich führe nebst dem Auersperg und Poal mit dem Ertzherzog Joseph. Bei der Ankunfft hörte mann sogleich Meß, hernach giengen wir die Chambres durch und wohnten in dem academischen Saal denen Examinibus aus denen Sprachen, nemmlich französisch, italia- niscli, deutsch und böhmisch, sodann ex historia, geographia, ma- thesi etc. bei. In disem großen Zimmer-Auditorio oder Saal hatte die Kaiserin ä 1’insQu des Feldmarschallen und Direetoris sein Portrait en huste bronze mit Ornemens militaires gegenüber deren beiden großen gemahlenen Contrefaits des Kaisers und ihr der Kaiserin aufrichten, solches aber Graff Daun aus Respect bei unseren Eintritt in das Zimmer eigends mit einem schwartzen Ecran verstellen und bedecken lassen. Die Kaiserin, so dessen gleich gewahr wurde, befähle mit sehr gnädigen Äußerungen, daß mann es alsofort wiede- rumen decouvriren solle. Das Examen dauerte biß zur Mittagszeit, wo wir sämtliche dermahlen in 200 Köpffen bestehende Academisten in beständiger Militär - Ordnung in die beide Speiß Saal defiliren sahen. Der Kaiser verblibe bei selben fast das ganze Essen hindurch, die Kaiserin aber führe indessen mit denen jungen Herrschafften und meiner Frauen zu denen Carmeliterinnen. Bei ihrer Retour wurde sogleich angerichtet und die Taffel wegen mehreren Raums auf die Terasse (oder in dem an des Feldmarschallen Absteig Quartier ä plein pied stossenden Zwinger) unter aufgeschlagenen Zelten gestehet. Mann depecliirte sich sehr zu speisen, um noch vor Abend all-übriges sehen zu können, was die junge Leuth zu produciren hatten; und zwar gaben sie uns erstlichen die förmliche Vorstellung einer Belagerung mit allen dißfäldigen Manoeuvres und zulezt beschulender 1755, Mai 7.-9. 239 Übergab des von ihnen Selbsten recht artig verfertigt- und aufgeworfenen kleinen Forts mit Graben, Brucken; sodann fuhren wir weiters in den Fasangarten zu dem alldasigen Pavillon oder grünen Lusthaus, allwo die Kaiserin und Dames verbliben und mit Rin- freschi bedienet wurden, während deme die Academisten theils mit Pistolenschießen, theils mit Lager-Ausstecken, theils mit anderen geometrischen Ausmessungen sich beschäftigen musten und endlichen zulezt en deux corps exercirt wurden. Es wäre schon über 9 Uhr, als wir zu Laxenburg zuruck ein- traffen, mithin retirirte sich die Kaiserin alsofort mit denen jungen Herrschaften; der Kaiser aber soupirte wie sonsten und wäre übrigens mit dem heutigen Tag und seiner Neustätter-Excursion um so vergnügter, als er d’une certaine fagon die Ober Direction über die Academie hat und der Graf Daun sowohl, als der unter disen diri- girende und beständig zu Neustatt bei denen Academisten wohnhafte General Graf von Thürheim nichts haubtsächliches ohne sein (des Kaisers) Vorwissen und Befehl unternehmen können. Merckwürdig ist annoch, daß gleich den folgenden Tag nach unserer Anweesen- heit in der Academie sich einige junge Leuth (vermuthlich von der gar zu grossen Fatigue und Erhitzung des Geblüts) übl aufbefunden und sofort die Kindsblattern überkommen, auch würcklichen einer daran gestorben. Sonsten seegnete ebenfahls auch heut dises Zeitliche zu Gratz an Petetschen im 44. Jahr ihres Alters meiner Frau Mutter seelig geschwistrigt Kind, Gräffin Josepha von Sinzendorff, gebohrne Fürstin v. Eggenberg, welche schon einige Jahr von ihren Gemahl, dem Toisonisten und würcklichen geheimmen Rath Grafen Wilhelm auf beiderseitiges Verlangen wegen Incompatibilitet beiderseitiger Hu- moren consistorialiter geschiden worden wäre und in gemeltem Gratz ein sehr streng und einsahmes Leben geführet hatte. Den 8. in festo ascensionis muste ich früh morgens mit dem Kaiser in Biroccio nach Mariae Lanzendorff, allwo selber communiciret und dem Hoch-Ammt sodann beigewohnet, wo indessen die .Kaiserin in der Pfarr Kirchen zu Laxenburg die Predig des von Schönbrunn eigends berufenen, sehr eloquenten Hof-Predigers P. Tausch gehöret und den übrigen Gottesdienst wie sonsten öffentlich halten lassen. Nachmittag wäre Baitz und Spill, aber keine Com6die. Den 9. gienge mann wegen starcken Winds nicht auf die Baitz; der Kaiser spillte au mail, Nachmittag aber verfügte sich alles auf die Baitz. Wegen des Freitags wäre jedoch wieder kein Spectacle. 240 1755, Mai 10.—14. Den 10. wäre die Kaiserin sowohl Nachmittag als auch in der Früh mit auf der Baitz und abends wurde le jaloux dösabuse gespillet und ein deren neuen Ballets repetiret. Den 11. gienge der Kaiser allein öffentlich in die Pfarr wegen des Sonntags; die Kaiserin aber hörte Meß zu Lanzendorff. Nachmittag wäre Baitz und au retour wurden zwei kleine Pieces: Fap- parence trompeuse und le leg, und zwar dise leztere für das erstemahl nebst zweien deren vorigen Ballets produciret. Den 12. verfügten sich beide Mayestätten früh auf die Baitz, spillten biß gegen 12 Uhr Lansquenet auf den Lusthaus und sodann führe alles zuruck mittags nach Schönbrunn, allwohin (und respective nach Hezendorff) die junge Herrschafften bereits gestern voraus gegangen. Den 13. wurde der Gala Tag gewöhnlicher Massen gefeiret. Der russische Bottschaffter wäre nicht hier und schon vor einiger Zeit auf seine in der Lausnitz gelegene Gütter zu Gebrauchung einer Badcur in dortigen Gegenden abgegangen. Der Nuncius wurde zu seiner Privat-Audienz nach 10 Uhr bestellet. Der venetianische Bottschaffter legte sein Compliment ebenfahls vor dem Kirchendienst ab. Diser, gleichwie auch die Taffel, wäre öffentlich und abends Appartement, weillen die Kaiserin, um sich weniger zu plagen und fatiguiren, kein sonstiges Spectacle haben wollen. Den 14. gäbe der Kaiser bald nach 1 Uhr in der Burg dem unlängst angekommenen türckischen Effendi oder Internuncio Halil mit denen gewöhnlichen und aus beiliegenden Prothocolls-Extract 259 ) umständlich- ersichtlichen Coeremonien seine erste Audienz, in welcher selber von der Throns-Besteigung des neuen Sultan Osman III. Parte gäbe und sich allenthalben sehr decent und manierlich aufführte. Zu bemercken ist, daß bei diser Gelegenheit sich der Herr Reichs-Vice-Canzler und Herr Hoff-Canzler zum ersten Mahl das von jeher denen Hoff-Kriegs-Praesidenten zugestandene Recht arrogiret und unter den Vorwand des lezteren neuen Coeremonialis es dahin zu bringen gewust, daß diser türckische Minister sich ebenfalds bei ihnen und nicht wie bisher bei dem Herrn Kriegs-Praesidenten legi- timiren, mithin auch die gewöhnliche erste solenne Visite ihnen (Herrn Canzlern) ablegen müssen. Zumahlen aber sothane Visite vor disem in Beisein sämtlichen darzu eigends beruffenen Militaris und viller anderen Vornehmen zu schwer für sich zu gehen pflegte, die Herrn Militares aber aus Verschmach, daß ihrem Praesidenten dise alte Ehre und Distinction, certo modo unseren Groß-Vezier zu 1755, Mai 14.-20. 241 repraesentiren, benohmen worden, dabei nicht erscheinen und der Hoff sie zu einer solchen Demarche (welche für sie in der That gar zu humiliant gewesen wäre) nicht zwingen wollen, noch de bonne •gräce obligiren können, so wurde endlichen — damit doch die Herren Canzlere bei diser die Dignitet des Hoffs in ihren Persohnen mit betreffender Function ohne Comparse nobile und anständigen Zuseheren nicht sein mögten — das Temperament getroffen, daß mann aus Befehl der allerhöchsten Herrschafften (wie ich es dann bei denen Cammerherrn, nahmentlich durch den Cammerfourier gethan) bekant machen lassen, wie II. MM. gern sehen würden, wann offt er- wehnter Actus mittelst der Gegenwart derlei distinguirter Persohnen desto mehr beehret würde; welches Expedient auch so vill effectuiret, daß sonderlich bei dem Herrn Reichs-Vice-Canzlern sich ausser des Militaris eine sehr große Frequenz von Adel eingefunden; daß aber vill weniger bei den Graffen v. Kaunitz erschinen, wäre wohl sein Personale und gar zu hochtrabendes Weesen die einzige Ursach, als welches nebst dem Ticque de vouloir trop faire le jeune homme et d’affecter Fesprit fort disen sonsten so geschickt und in der That für einen Genie superieur zu haltenden Ministre bei Groß- und Kleinen theils unangenehm, theils lächerlich, auch auf sichere Art bei seinen sonstigen grossen Eigenschafften verächtlich machet. Den 15. hat mann meiner Frau Schnurr die lezte Aderlaß vor der Niederkunfft ordonniret, weillen ihre Frau Mutter sie nach der gemachten Rechnung bereits zu End ihres Terme geglaubet. Den 17. kämme die Kaiserin bei Zeiten in die Burg, gäbe einige Privat Audienzien und sodann gegen halber 1 Uhr die solenne königliche dem vorgedachten türckischen Ministro mit denen im hierbei liegenden Prothocollo 260 ) enthaltenen und der kaiserlichen Audienz in der Haubtsach gleichförmigen Coeremonien, und hat (gleichwie lezthin Graff Colloredo) also anheut Graff v. Kaunitz die Rede machen müssen, worbei einige observiren wollen, daß — ungehindert diser leztere bekanter Massen ein sehr grosser Wohlredner ist — mann ihme doch in diser Gelegenheit einigen Embarras, eine schwächere Stimme und zumahlen eine merckliclie Entfärbung des Gesichts angesehen hätte, daß also auch die beredsammste Leuthe, so bald es auf eine auswendig erlernete und en face du public zu wiederhollende Oration oder Diseurs aukommt, selten die nemmliche Contenance wie in Privat-Gespräch und Zusammenkünfften halten können. Den 18., 19. und 20. hatten wir wegen deren einfallenden Pfingstfeiertägen das 40 stündige Gebett in der Schönbrunner-Capellen Khevenhüller-Sch litte r. 1752—1755. *16 242 1755, Mai 22.-29. und hatten Sonntags die mit der ersten Colonne angelangte Officiers des anstatt Alt Colloredo zur Garnison einruckenden Graff Leopold Daunischen Regiments und hierunter auch mein Hannß Joseph die Gnad, denen Herrschafften die Hand zu küssen, auch bald darauf- die zweite Colonne und der anstatt des Keuhlischen einruckende Batail- ^ Ion von Fürst Waldeck. Den 22. sahen wir den türckischen Effendi in der französischen Comedie, allwo mann selben in einer deren hinteren Logen, seine Suite aber auf die Galerie placiret hatte. Mann producirte die Tragedie Brutus, welche ihm aber zu traurig gewesen; hingegen ge- fiellen ihm die Ballets um so besser, wie auch die kleine Piece, so ein Espece d’opera comique wäre, la surprise genannt. Den 23. wurde der Ertzherzog Joseph aus der Suite der Histori in Gegenwart unß anderer gewöhnlichen Assistenten examiniret; abends wäre aber ungehindert des heutigen Freitags kein Apparte- | ment. I Eodem starbe an Marasmo senili im 83. Jahr die verwittibte Fürstin Anna Margaretha Esterhasin, gebohrne Marchesa di Sanna e Rodis aus Piemont, hinterlassene Obrist-Hoffmeisterin weiland der Kaiserin Amaliae. Den 25. verfügten sich II. MM. zu denen Trinitariern wegen ihres heut einfallenden hohen Patrocinii Fests. ^ Den 26. fuhren dieselbe nebst denen zwei älteren Erzherzoginnen nach Baden, die dorten in der Cur sich befindende Fürstin von Trautsohn zu besuchen, speisten bei ihr zu Mittag, und abends kämme der Kaiser in die deutsche Comedie. [ Den 27. hatten wir Conferenz zu Schönbrunn in praesentia 1 Augustissimorum mit Zuziehung des unlängst zu Erstattung münd- , liehen Berichts von London anhero gekommenen Graffen Carl Colloredo und wurde haubtsächlich wegen denen bei dermahliger Crisi zwischen Franckreich und Engelland in denen Niederlanden zu treffenden Maßnehmungen Deliberation gepflogen. 261 ) Den 28. hatte ich abermahlen die Ehre, einem Examini logico des Ertzherzogs Josephs beizuwohnen, zu welchen auch am Ende der Kaiser gekommen ist, welcher sonsten bei disen Actibus gar selten zu erscheinen pfleget. j Den 29. fuhren wir in der Früh nach St. Stephan; die Ordon- <4^ nanz wäre zwar um 7 Uhr in der Statt gegeben und solte die Pro- j cession (wie es die Kaiserin, wann sie mitgehet, es immer haben i will) vor den Ammt sein; allein da sich das Wetter bei Zeiten zum | Regen angelassen, so kämmen wir erst nach 8 Uhr in die Kirchen. i 1755, Juni 1.—4. 243 Das Ammt wurde wie sonsten zuvor gehalten und die Procession gienge nur in der Kirchen herum. Den 1. Junii giengen beide Mayestätten nebst dem Ertzherzog Joseph und denen zwei älteren Frauen mit der Jesuiter Procession, welche gegen 7 Uhr vor den Ammt gehalten wurde; und da der fromme Missionarius und gewester Beicht -Vatter weiland der Kaiserin Amaliae P. Zitto die Herrschafften ersuchet, das dritte Evangelium (welches sonsten bei einen an dem Eck der Bognergassen an das Profeß-Haus an zu errichten pflegenden Altar gelesen worden) in der durch seine Officia und Obsorg mit neuen Altären und sonstigen Embelissemens gezierten, sogenannten wälschen Capellen abgesungen werden mögte (sic!), so wurde ihme dißfahls willfahret, dise nemm- liche Gnade aber dem Graffen v. Haugwitz abgeschlagen, als welcher ebenfahls angesucht hatte, daß jener Altar, welchen mann bishero immer an das Mansfeldische Haus angebauet, bei dem neuen sehr herlich- und prächtigen Gebaüde des Directorial Ammts zubereitet werden mögte. Den 3. sahen II. MM. nächst denen Stallungen das Daunische Regiment paradiren und sodann vor ihnen defiliren, bei welcher Gelegenheit beide meinen Unterleutenant mit einem besonderen gnädigsten Gruß zu beehren geruheten. Nachmittags divertirten dieselbe sich mit einem kleinen Ca- roussel, welches zu dero Amüsement von einer aus denen Fürsten v. Auersperg und Trautsohn und denen Graffen v. Losi und Saint Julien bestehenden Quadrille in der neu erbauten, gesperrten Reut- schull produciret wurde, und worzu diser leztere (welcher durch derlei Erfindungen denen Herrschafften öffters einigen Zeitvertreib zu procuriren suchet) den Anschlag gemacht und anbei sich ausgebetten hatte, daß die Cammerfreile Comtesse Goes und die Freile Thürheim (die seine dermahlige Inclination ist) nebst ihren beiden Cameratinnen und gleich ihnen bei denen Ertzherzoginnen angestellten Hoff-Dames Salburg und Schirnding zugegen sein und denen triumphirenden Rittern ein Degenband zum Prix de la course überreichen dörfften; und damit er vollends consoliret wurde, so stellte es der Kaiser schon also an, damit der zweite Preiß, den erst gedachtes Freile v. Thürheim auszutheilen hätte, ihme Graffen v. Saint Julien zutheil werden muste. Die Cavalliers gaben sodann nach einiger Zeit mit Erlaubnus der Kaiserin par retour denen Dames gestickte Arbeitbeutel mit dazu gehörigen ornirten Navetten oder Spitzen. Den 4. kämmen II. MM. um 8 Uhr zu der Procession der Pfarrkirchen St. Michael und besahen sodann die Schatzkammer, 16* 244 1755, Juni 4.-6. worinnen aller Hanß Gesclimuck (auch der toscanische, welchen der Kaiser sonsten immer in seiner Verwahrung hat) aufgestellet sich befände, weillen vor ein paar Tagen der türckische Effendi dahin gekommen wäre, deme mann alle hiesige Kostbahrkeiten etaliren wollen. Hernach fuhren wir noch in die Stallungen vor dem Burg Thor und sahen die vor einiger Zeit schon angelangte französische Wägen und Geschirr, welche der Graff Kaunitz als Bottschaffter zu Paris bei seinem Einzug gebraucht und die auf der Kaiserin Unkosten verfertiget worden waren, mithin auch zu dero Disposition weiters verbliben seind. Den zweiten Wagen nebst Zugehörung hat die Kaiserin nachhero dem Cardinali Trautsohn verehret. Den 5. wohnten allerhöchst dieselbe der Octav-Procession zu St. Stephan bei, welche gleich denen zwei vorigen immer vor dem Hoh-Ammt ausgienge; nach selben begleiteten wir annoch zum Beschluß das Hochwürdige in das gewöhnliche Repositorium. Nachmittags wäre eine abermahlige kleine Zusammenkunfft bei dem Herrn Ayo wegen denen Studien des Ertzherzogs Josephs, wor- bei nebst denen gewöhnlichen Praesentibus auch der Pater Franz, D r Beck und Monsieur Camine, welcher das Officium eines Instruc- teur oder Sousgouverneur vertrittet, zugegen waren. Abends soupirte der Kaiser en petite compagnie zu Hezendorff bei den Herrn Ayo und giengen wir von dem Thor des Schönbrunner Parc zu Fuß dahin mit Musique, was mann Casaten nennet, und die Hezendorffische Compagnie kämme uns ebenfahls mit einer Bande von Tudelsack entgegen, worbei dann der Graff v. Saint Julian abermahlen le h6ros de la fete wäre, welchem mann verschiedene Niches unterweegs praepariret; weillen er sich aber darauf versehen, so hatte er eine ganze Trouppe von seinen Kuchelleuthen in weißen Camisölern und mit Kochlöffeln bewaffnet zu einer Bedeckung auf die Strassen postiret, welche ihm auf den ersten Pfiff zu Hülff kämmen, da eben ein in einer Reuter-Uniform angelegter Bedienter des Feldmarschallen Batthyany auf ihn loßgehen und seine nach seiner Mainnung die Frede von Türheim seiende, an der Hand führende Dame (welche aber ein angelegter Mann, und zwar der eben im Dienst als Cammerherr sich befindende junge Prince de Ligne wäre) wegfuhren wollen. Den 6. gaben I. M. der Kaiser in der Burg die gewöhnliche Investitur denen beiden königlichen sardinischen Bevollmächtigten (dem hiesigen Abgesanten Graffen Canal und Agenten Wallau), 1755, Juni 6.-8. 245 worbei die Graffen v. Hohenzollern und Pappenheim wiederumen wie lezthin ihre Erbämter verrichtet. 262 ) Abends nach 6 Uhr gienge die zweite Laxenburger Raise an, zu welcher nebst der gewöhnlichen Suite dermahlen die Fürst Ester- hasische, die Generalin Gräffin Nickel-Esterhasin, Graff Schönborn (welcher im Dienst als Cammerherr wäre) nebst seiner Frauen — einer gebohrnen Fürstin Salm — und pour la seconde fois die Norbert Trauttmanstorffische benennet wurden. Mann stige bei einen deren Lusthäusern ab und nach den Lansquenet giengen wir zu Fuß in den unteren Garten, von wannen die Kaiserin abermahlen zu Fuß wie sie es meistens zu thun pfleget, vor dem Soupb nach den Schloß zuruckgekeret. Den 7. ritte der Kaiser um 7 Uhr streiffen. Nachmittag giengen beide Mayestätten auf die Baitz und au retour spillte mann la fausse antipathie, eine Piece von drei Actes, die übrige Mahl aber immer nur des piöces d’un acte mit einem Ballet, damit mann nicht so spatt zum Soupe kommen und also doch noch einige Stunden zum Schlaffen übrig haben möge. Den 8. wäre der Gottesdienst in der Pfarr und abends nach der Baitz producirte mann Julie ou l’heureuse epreuve. Gleich nach dem Mittagmahl aber giengen wir mit denen Herrschafften zu denen Graff Daunischen und sahen aus ihrem Haus die öffentliche Kinderlehr des dermahligen Missionarii P. Parhamer S. J. zu, welcher gegen die 2000 Kinder aus Laxenburg und denen benachbahrten Dorffschafften versammlet hatte und sie aus dem Catechismo examinirte. Es hat diser fromme Mann biß 16000 theils erwachsene, theils ganz unmündige Kinder unter seiner Direction, welche er nach dem Militär Fuß in Caporalschafften, Compagnien etc. eingetheilet und mittelst derlei Subordination und Disciplin in christlicher Zucht erhaltet. Eine seiner Ausfindungen ist auch, selben Fähne mit auf- gemahlenen geistlichen Bildern (als unser lieben Frauen, deren heiligen Patronen etc.) ad imitationem militiae mit öffentlichem Gepräng zu überantworten, worbei sie Confessionem fidei ablegen und sich zur Vertheidigung des wahren Glaubens gleichsamm solenni ritu verbinden müssen; wie dann auch heut nach geendigter christlichen Lehr eine dergleichen Function deren Fahnen-Weihung gehalten worden. Die Kaiserin beschenckte die meritireste Kinder und bezeigte ville ausnehmende, besondere Gnad dem frommen Erfinder diser jungen catechetischen Militz. 246 1755, Juni 9.—14. Den 9. wohnten beide Mayestätten früh und nachmittags der \ Baitz bei und wäre meistens die Ordonnanz hierzu morgens um 6 l halber 7 und Nachmittag um 5 halber 6 Uhr. Die heutige Comedie hieße l’etourderie. Den 10. waren II. MM. abermahlen früh und nachmittags auf der Baitz und spillte die Kaiserin so glücklich, daß selbe seit gestern abends, mithin in drei Seancen keinen Coupe gorge gemacht, sondern 14 Rejouissances de suite gewonnen. Heut spillte mann: le magnifique. Den 11. wäre keine Baitz Vormittag, sondern der Kaiser führe auf die Hirsch-Pürst. Nachmittag aber giengen beide auf das Lusthaus und abends hatten wir: l’epreuve. Den 12. hatten wir anstatt der Baitz eine sehr wichtige Con- ferenz, in welcher die Absendung eines Corps von 10000 biß 12000 Mann nach denen Niederlanden in höchster Geheim und nicht ohne großen Widerwillen der Kaiserin, wie sie sich dißfahls weder in f Worten noch Gebärden bergen können, resolviret wurde. 263 ) Abends producirte mann: la femme, fille et veuve. Den 13. gienge der Kaiser in der Früh auf die Bürst und ich führe in die Statt, meine bei der alltäglich niederkommen könnenden Schwigerdochter zuruekgeblibene Frau und übrige Familie zu besuchen. Ich kerte auf Mittag zuruck, wo aber der Kaiser allein mit- 4». speiste, indeme die Kaiserin meistens Frei- und Sammstäg Fleisch und alsdann ganz en particulier zu essen pfleget. Nachmittag fuhren beide auf die Baitz; und weillen heut des Freitags halber kein Spectacle wäre, mithin mann früher zum Soupe gienge, so wolte der Kaiser denen Dames eine andere Unterhaltung v machen und ordonnirte ein dergleichen Schießen mit Balestern, wie wir vorn Jahr zu Kittsee gehabt, und muste der Graff Losi unweit des Maille in dem Wäldl einen Platz darzu behörig zurichten und illnminiren lassen. Keine Preiße aber wurden nicht aufgesezt, indeme unser bekanter oeconomischer Geist dergleichen Galanterien und Generositeten nicht leiehtlichen zugebet. Anfangs kunte niemand das Schwartze treffen, mithin sähe mann lang keine Raqueten fliehen; endlichen hatte ich das Glück, mit meinem ersten Schuß in das Schwartze zu schießen, nach welchem noch ville andere derlei Schuß sowohl von Cavalliers als auch von Dames gefolget seind, «4^ und hat dise Unterhaltung biß gegen 1 Uhr nach Mitternacht fürge- daueret. Den 14. wäre Vormittag keine Baitz, um auszurasten. Die Kaiserin hörte Meß zu Lanzendorff und abends wurde nach der 1755, Juni 15.—17. 247 Zuruckkunfft vom grünen Lusthaus la belle orgueilleuse pro- duciret. Den 15. wäre gegen 11 Uhr Conferenz, und zwar wegen der großen Hitz in der Cammer, als welche die Kaiserin immer so vill nur möglich kühl zu erhalten suchet und mithin für die Sonnenstrahlen und warme Lufft mittelst Zulassung deren Balcken, Fürheng und Thüren praecautioniret. Bei selber wurden die jüngsthin re- solvirte Expeditionen abgelesen und nach beschehener Umfrag ap- probiret. 264 ) Wir giengen wegen sothaner Conferenz, unangesehen des heutigen Sonntags, nicht in die Pfarr, sondern hatten nur kleine Messen in der Schloß Capellen. Nach den Essen wäre Baitz und sodann le Sicilien. Den 16. giengen II. MM. früh und nachmittags auf die Baitz und abends wurde eine Op6ra comique, les amours de Bastien et Bastienne betitult, nebst einem neuen Baueren Ballet produciret. Den 17. (alß ich eben mit beiden Mayestätten abermahlen auf der Fruh-Baitz wäre) kämme ein Keutknecht mit einem Billet von meiner Frauen, worinnen sie mir meldete, daß unsere Schwiger- dochter seit morgens 6, 7 Uhr zum Kind gienge; mithin führe ich gleich nach unserer Zuruckkunfft von grünen Lusthauß und mit denen Herrschafften gehörter heiliger Meß nach Wienn und langte eben an, als es zum lezten Ernst gienge, massen beiläuffig eine halbe Virtlstund darnach, gegen drei Viertl auf 1 Uhr meine liebe Frau Schnur ganz glücklich mit einem starcken, wohlgestalteten Sohn nidergekommen. Ich gäbe selber conjointement mit meiner Frauen 1000 fl. zum Praesent und ihre Frau Mutter schenckte ihr 100 Du- caten mit Goldgespinn zum Zupffen auf einer indianischen Tatzen; ich schickte gleich einen Reutenden mit zwei Billets an Kaiser und Kaiserin mit diser Nachricht, an welcher beide einen aufrichtig- allergnädigsten Antlieil zu nehmen geruheten. Nach 5 Uhr wurde das Kind von dem Herrn Praelaten zum Schotten in der Sacristei getauffet, von armen Leuthen gehoben und Maria-Joannes-Josephus -Adolphus -Emanuel - Sigismundus - Xaverius benammset, worbei anzumercken nicht vergessen wollen, daß mein Enckel eben an seines mütterlichen Groß-Vatters und familiae nostrae benefactoris et dotatoris Nahmens-Tag Adolph gebohren worden. Nach vollendeter Tauff-Function kerte ich sogleich nach Laxenburg, allwo eben heut Appartement wäre, und zwar wegen des nachmittags eingefallenen Donner-Wetter- und Regens in dem unteren 248 1755, Juni 18.-25. Haus gehalten werden muste, nach welchem die gestrige Piece re- petiret wurde. Den 18. waren II. MM. abermahlen beide auf der Baitz früh und nachmittags. Die heutige Piece hieße le galant jardinier. Den 19. (weillen früh keine Baitz wäre) kunte ich eine kleine Excursion in die Statt machen, um die Frau Kindbetterin zu besuchen, welche ich auch nebst ihren Sohn in erwünschtem Wohlsein antraffe. Nachmittags muste ich auf Ersuchen einer Compagnie von Dames und Cavalliers, welche einen Fond von 900 Ducaten zusammengelegt hatten, mit coupiren, fienge aber sogleich mit zwei Coupe gorges an, wormit über ein Drittel des Fond yerlohren gienge, und übertruege mithin mein Officium dem ebenfahls sich von der Societet befindenden Giraffen v. Kunigl, welcher es aber nicht besser als ich machte und in zwei Sessionen den ganzen übrigen Fond ver- liehrte. Nach der Baitz wurde le babiliard gespillet. Den 20. führe der Kaiser früh morgens auf die Bürst und die Kaiserin nach Schönbrunn, von wannen dieselbe aber sehr zeitlich und bald nach 5 Uhr zu uns auf das Lusthaus kämme und die Ertz- kerzogin Amalia mitbrachte. Wegen des Freitags wäre heut keine Comedie. Den 21. wäre früh keine Baitz; die Kaiserin führe nach Lanzendorff und ich machte eine Tour in die Statt. Nachmittag wäre Baitz und sodann Findiscret; wegen der großen Hitz aber kämme die Kaiserin nicht zur Comedie. Den 22. wohnte die Kaiserin dem öffentlichen sonntägigen Gottes-Dienst in der Pfarr bei; der Kaiser aber nähme mich mit sich nach Lanzendorfif. Nachmittag wäre Baitz und sodann Fimpertinent. Die Kaiserin kämme aber erst zum Ballet und führe indessen ä la fraicheur spatziren. Den 23. giengen wir wegen der großen Hitz früh nicht auf die Baitz. Abends wurde nach selber la maison de Campagne vorgestellet. Den 24. hörte mann unangesehen des heutigen Feiertags nur kleine Messen in der Hofif-Capellen. Nachmittags wäre ebenfahls keine Baitz und sodann wurde die Pupille aufgeführet. Den 25. gienge der Kaiser früh auf die Baitz, nachmittags aber nicht wegen des üblen Wetters. Hingegen wurden wir mit einer neuen gesungenen Pastorale: le cacciatrici amanti und einem dazu adaptirten Jäger-Ballet regaliret. 1755, Juni 26.—30. 249 Den 26. wurde die nemmliche Operette repetiret, übrigens aber wegen des kalten, windigen Wetters sowohl die Früh- als die nachmittägige Baitz abgesaget. NB. Hahn. Den 27. gienge die Kaiserin zur Fruh-Baitz mit und Nachmittag al solito. Wegen des heutigen Freitags aber wäre kein Spectacle. Den 28. wäre die Kaiserin früh abermahlen mit und abends nach 7 Uhr führe mann vom Lusthaus zuruck nach Schönbrunn und endigte anmit die dißjährige Laxenburger Saison. Den 29. hatten wir wegen des Fests St. Petri und Pauli öffentlichen Kirchendienst zu Schönbrunn. Den 30. kämme Vormittag der Fürst v. Schwartzenberg zu mir und meiner Frauen in das Haus, um die förmliche, jedoch geheimme Anwerbung um meine kleine Wittib zu thun, und verraiste noch selben Abends auf drei Monath nach seinen böhmischen Herrschafften. Während seiner Abweesenheit, und zwar kurtz vor seiner Zu- ruckkunfft Hesse mich die Kaiserin in Geheimm beruffen, entdeckte mir Selbsten aus gnädigster Zuneigung für mich und die meinige des Fürsten übergrosses und dahin sich erstreckendes Derangement, daß nicht allein sein ganzes Allodiale exhauriret, sondern auch das Majorat auf ville Jahr hinauß mit einem sehr nammhafften Onere zu Tilgung deren Schulden beladen sich befindete, und gäbe mir also zur Genüge abzumercken, daß sie dise Heirath um so weniger ap- probirete, da der Fürst ohnedeme aus ersterer Ehe sieben unmündige Kinder hätte, deren Auferziehung einer Stieffmutter (welche noch Selbsten ihrem Alter nach ville Kinder erzeigen würde) nicht angenehm fallen könne. Zudeme wird bei dem Fürst- Schwartzenbergi- sclien Majorats Institute certo modo pro conditione gesezet, daß sie keine andere Gemahlinnen wählen sollen, als welche sich zu denen Stifftern Cölln und Strasburg legitimiren können, zu welch- lezteren Hochstifft nichts dann immediate reichsgräffliche Familien angenohmen zu werden pflegen. Und endlichen hatte ich meines Orths dise ganze Anwerbungs-Sach von ihrem ersten Ursprung her imerdar als nichts recht Solides angesehen. Mithin suchte ich Selbsten nach der Hand Expödients hervor, um sothanes Negotium sans eclat zu abrumpiren, wie es auch bald hernach durch die Entremise meines Herrn Schwägern und des Fürsten Joseph Wenzl von Lichtenstein erfolget, meine Dochter mir dafür villen Danck gehabt und mit dem siebenbürgischen Canzlern (welcher schon lange Zeit her in Geheimm um selbe gebuhlet und um sich zu declariren, nur auf die Erlangung diser Charge und Ab- 250 1755, Juni 30.—Juli 12. rumpirung des anderseitigen Ileiraths-Geschäfts gewartet hatte) die Ebe-Verlobnus eingangen, auch mit selbem sehr glücklich und allen Ansehen nach vergnüglicher als sie mit dem Fürsten gewesen wäre, bis anhero gelebet hat. 265 ) Gott gebe beiden und allen meinen Kindern weiteren Seegen und erleuchte uns beide Eltern ferners über ihren allseitigen wahren Beruff und um ihnen jenes immer anzurathen, was sie in diser und zumahlen in der anderen Welt glücklich machen möge. Weillen nun dessen*) Substitutus Ordinarius (der Graff Michel Johann v. Althann) sich ebenfahls bei seiner croatischen Commission abweesend befände, so wurde der Graff Franz Antoni von Lamberg als einer deren ältesten deutschen Cammerherren zum Hoff-Marschallen angesezet. Den 1. Julii brachte der Kaiser gleich dem gestrigen ganzen Tag auf der Hirsch-Jagd zu. Den 2. hatten wir den öffentlichen Kirchen-Dienst zu Schönbrunn und abends um 6 Uhr fuhren II. MM. zur Säulen auf den Hoff. Den 3. ließen I. M. die Kaiserin zur Ader und spillten abends Pharaon in der Anticamera. Den 4. unterblibe das freitägige Appartement und der Kaiser taillirte abermahlen abends, aber im Spieglzimmer, und dorfften nur wir etlich- wenige mitspillen. Den 5. kämmen die Herrschafften in das Thdätre des Baihauses, auf welchen heut par extraordinaire (weillen alldorten Sammstags kein Spectacle produciret werden darff) die französische Opera co- mique les amours de Bastien gespillet wurde, und zwar par finesse für meine Schwester, welche auf wenige Täge von Nicols- purg anhero gekommen, um II. MM. auf ihrer Passage nach Austerlitz zu sich nach Seelowitz zu Mittag einzuladen. Den 6. wäre zu Schönbrunn der sonntägige Gottes-Dienst. Den 8. verraisten II. MM. in ganz kleiner Compagnie nach Schloß Hoff, von wannen sodann der Kaiser mit dem Fürsten von Auersperg den 12. weiters nach Hollitsch abgangen, um mit einigen Männern alldorten einige Täge zu jagen, die Kaiserin aber mit der übrigen Suite nach Schönbrunn zuruckgekeret. Ich machte mir dise Gelegenheit ebenfahls zu nutzen und gienge mit meiner Frauen und einigen gutten Freunden : ) Des Fürsten Schwarzenberg'. 1755, Juli 10.—26. 251 den 10. nach Ladendorff, allwo ich ebenfahls biß Sammstag verhüben, um den folgenden Morgen, als den 13. die Kaiserin zur Capellen und sonntägigen Gottes-Dienst zu begleiten. Anheut starb ganz gähling (naehdeme selber noch zu Mittag bei den Graff von Haugwitz gespeiset) an einen Blut Schlag im 58. Jahr der Graff Carl v. Salm Reifferscheid, welchen mann erst unlängst zum Director der nach meiner Resignation nächst dem Theresiano errichteten neuen Academie — worvon das Project schon meiner Zeit von dem Directorio und dessen lieben Praeside formiret, von mir aber immer contradiciret worden wäre — und zugleich zum würcklichen geheimmen Rath mit 4000 fl. jährlichen Gehalts gemacht hatte. 266 ) Den 14. verfügte ich mich zuruck zu meiner Frauen nach Ladendorff und verblibe allda biß Sammstag, als den 19., wo ich mittags, der Kaiser aber erst abends zu Schönbrunn eintraffe. Den 20. fuhren II. MM. vormittags wegen des einfallenden Scapulier-Sonntags zu denen Carmelitern auf der Leimgruben und wurde auch dem venetianischen Bottschafftern dazu angesagt. Übrigens hatten die Herrschafften keinen geringen Schrocken, indeme dise Nacht der Ertzherzog Leopold ganz unvermuthend die ^ Freiß bekamme, so mann einer Repletion und Überladung des Magens zuschribe und in wenig Tägen sich vollkommen besserte. Den 21. kämme erst meine Frau mit der Josepherl von Ladendorff zurück. Den 22. (welchen Tag der mit mir zu Francfurt gewesene f Baron Carl Ludwig Hillebrand v. Prandau im 65. Jahr an einem I astmathischen langwülirigen Zustand gestorben ist) wäre keine offent- ! liehe Kirchen, wiewollen heut in choro das Festum St. Magdalenae gefeiret wird, so aber jezt freilich unter denen ausgestrichenen ! Feiertägen mitbegriffen ist. Hingegen wurde den 25., obschon das Fest des heiligen Apostels Jacobi das nemmliche Schicksaal erlitten, öffentlicher Gottesdienst zu Schönbrunn gehalten. Den 26. wurde wegen des Anna-Tags Gala gemacht; wir hatten aber weder Kirchen- noch Taffel-Dienst und nur abends das Apparte- ment; die ältere junge Herrschafften aber speisten öffentlich in dem Salon der Gallerie. Der Kaiser wolte dahero zu Schönbrunn nicht speisen und ich muste ihn (naehdeme er von mir vernohmen, daß meine Frau bei sich in der Statt speiste) in meinem Wagen zu mir ins Haus nach Wienn führen, allwo er — ohne daß wir uns auf 252 1755, Juli 27.-29. clise gnädigste Surprise versehen können — en famille mit uns das Mittagmahl eingenohmen, nach den Essen eine Partie comete ge- spillet und sodann gegen 6 Uhr mit mir in meiner Chaise nach Schönbrunn zuruckgekeret. Den 27. hatten wir den sonntägigen Gottesdienst und den fol- Jagenden Morgen als den 28. verraisten II. MM. mit dem Ertzherzog Joseph und in Gefolg dessen Herrn Ayo und seiner Frauen, dann dessen ältesten Cammerherrn (des Marches Poal), der Frauen Obristhoffmeisterin, der Cammerfreile Comtesse Berchtold, des Fürsten v. Auersperg und der Fürstin, denen Graff Daunischen und Losi nebst ihren Gemahlinnen und meiner Frauen und mir zu den Herrn Hoff-Canzler nach Austerlitz. Zu Mittag speisten dieselbe bei meinen Schwägern zu Seelowitz, wo w 7 ir aber wegen des eben eingefallenen und nachliero wechselweis fast in die dritte Wochen fürgedauerten kalt- und regnerischen Wetters nicht aus dem Schloß kommen können; und gegen 8 Uhr langten wir in gröstem Regen zu Austerlitz an. Die Kaiserin sou- pirte nicht mit. Übrigens aber wäre die Tatfel wegen verschiedener 1 allda angetrotfener Gästen und immer von Brünn dahin gekommener Gesichter (wiewollen die Kaiserin nur die Primores sehen wollen) immer von beiläuffig 40 Couverts und sehr wohl serviret. Der Herr von Haus hatte die ganze Receptions-Besorgung seiner ^ Frauen Schwester (der verwittibten Gräffin von Questenberg), noch mehr aber seinem Factotum — dem Conte Durazzo, welcher ihn gleich einem Intendant de maison bedienet — überlassen und sich nach seiner bekanten singulären Gedenckens-Art darumen eben nicht sehr bekümmeret, also zwar, daß er nicht einmal den Kaiser nach den Soupe in das ihme destinirte Appartement geführet, sondern ihme nur durch einen Haus-Officier leuchten lassen und in dem Saal bei der übrigen Compagnie stehen verbliben, mithin ich den Kaiser allein nebst sothanen Officier zuruck in die Retirade begleitet habe. Wie aber diser Herr sehr dissimuliren kann und die contradictorische Qualiteten unseres Herrn Canzlers ohnedeme nicht misskennet, so hat er auch hierüber nicht das geringste vermercken lassen. Den 29. hatte mich der Kaiser um halb 9 Uhr zur Meß bestellet, nach welcher er die Souterrains und die untere, zum Theil neu gemachte Gebaüde ansehen wollen; weillen aber der Hausherr Selbsten alles zeigen und expliciren sollen und er noch nicht angekleidet wäre, so muste der Kaiser noch eine geraume Zeit warten, biß er die Tournde machen können. Die Kaiserin hatte den Kaiser gebetten, mit der Visite des oberen Stocks auf sie zu warten. Allein 1755, Juli 29. 253 da dieselbe mit ihren Audienzien nicht fertig geworden, so gienge sie sodann mit denen Dames erst spätter in den Schloß herum und nachdeme wir unsere ganze Tournee bereits vollendet hatten, während welcher uns der Haußherr und dessen Architect, ein alter schweitzeri- scher Mailänder, der die erste flache Gewölber und die Scale in aria in unseren Ländern, und zwar zu Austerlitz Selbsten zum ersten produciret haben solle, die nachhero zu Schönbrunn und in denen mehresten, sonderlich Landshäusern, nachgemacht worden. 267 ) (sic!) Noch vor dem Mittagmahl besähe mann den sehr weitläuffig und von dem Herrn Hoff-Canzlern ungemain embellirten und nach dem dermahligen französischen Goüt zugerichteten Garten, worinnen er uns sonderlich die grosse AUees remarquiren machen, welche zwar dermahlen noch sehr traurig und wie geschorne und gestutzte Budel aussehen, indeme er erst unlängst alle Batimer (deren mehreste noch von seinem seeligen Yattern gepflanzet und sehr schatticht und bewachsen waren) en eventail schneiden und ä la mode elaguiren lassen. Der Hausherr führte selbsten sur le siege du cocher die Kaiserin und mit in die Chaise genohmene Dames, ayant un chapeau ä plumet blanc et des gans en postillon, gleichwie er in allem den Franzosen affectiret. Zu Mittag speiste mann wieder in dem grossen Saal, welcher aber noch nicht ausgebauet und nur in Eille für die Zeit unseres Sejours ausgebretteret und mit hiesig- zitzenen Tapeten meubliret worden wäre. Nachmittag fuhren wir ein für den Hoff eigends praeparirtes Baueren-Fest anzusehen, welches in einem hannackischen Dantz von et wann 12, neu in weiß- leinwandenen mit rosafarbenen Bändlern garnirten Kittlen gekleideten Paaren und ordinari Baumsteigen bestanden, nach welchen einige Baueren in ihren Feiertag-Röcken auf gemainen schlechten Land Gäulen einen Wettlauff zwischen zweien Barrieren, et wann vir hundert Schritt in der Rund herum produciret, so alles beiläufig eine halbe Stund gedaueret haben mag, worauf mann nach Haus gefahren und biß zur Soupe Zeit eine kleine Cammer-Musique angehöret, welche aber meistens in der Stimm der Mademoiselle Gabrieli bestanden. Dise wäre eben damahlen la Sultane favorite du chanceliier und nebst Conte Durazzo und seiner Gemahlin der Ehre gewürdiget worden, dessen Raisgefährtinnen und mit selben nach Austerlitz und wieder zuruck in der Voiture zu sein. Heut Nachmittag hatte die Kaiserin denen Dames von Brünn und übrig- mährischem Adel erlaubet, zum Handkuß und Aufwartung zu erscheinen und zugleich von dem heutigen Fest, welches V 254 1755, Juli 30.—31. als ein ganz besonderes Spectacle annonciret worden wäre, zu pro- fitiren. Den 30. führe der Kaiser pour se desennuyer, les environs d’Austerlitz zu sehen, welche eben nicht sehr schön und angenehm seind, zumahlen das Land herum sehr coupiret und geschlossen und die Lage des Schlosses mich vill auf jene von Ladendorff mahnet. Der Hausherr hatte seinem Forstmeister aufgetragen, den Kaiser herum zu führen, weillen es ihme ungelegen gewesen, so früh und bei den fiirdauerenden kalt- und rauhen Wind mit von der Partie zu sein und den Kaiser Selbsten zu begleiten. Degen Mittag sahen II. MM. die Fürst Lichtensteinische Dragoner Compagnie, so den Dienst und die Wacht Zeit des Hoffs-Aufenthalts hatte, paradiren und einige Manoeuvres machen. Abends solte der Garten illuminiret werden; und damit mann indessen einige Distraction und Amüsement vorfände, so wurde pro- poniret, nach einen Mayrhoff zu fahren, allwo mann biß zur Abend- Zeit verweillen und sodann ä tems, da die Illumination vollends fertig, nach den Schloß zuruck eintreffen können. Der Vorschlag wurde genemmiget und wir waren alle der Muthmassung, mann würde uns allda mit einem abermahligen Fete champetre surpreniren; allein da wir nach einer gutten Stund und auf einen sehr miserablen Weeg in besagten Mayerhoff angelanget, fanden wir zwar ein sauberes, ^ massives Gebaüde mit einer Art von weissem Horn Vieh angefüllet, übrigens aber pour tout amusement eine kleine Collation von Buttermilch und einigen Rafraichissemens, und vor denen Fenstern danzten einige hanäckische Bauer und Baüerinnen bei einem Dutteisack baar- fuss und in ihren täglichen und wegen des Regens nass- und kottigen Lumpen. Was aber das betrübteste wäre, so musten wir bei der Rückkehr vernehmen, daß wegen des eingefallenen Regens die Lampions kein Feuer nehmen wollen, folglichen für heut die Illumination nicht vor sich gehen können; mithin bestünde die ganze Unterhaltung des heutigen Tags in der Visite eines Mayrhoffs und Pharaon-Spillen, worbei der mit dem Fürst Esterhasy pour ce se- jour de la cour ebenfahls dahin gekommene Quinquin Esterhasy tailliret hat. Den 31. blibe die Kaiserin den ganzen Morgen retiriret; der Kaiser aber gienge mit der Gräffin Losi, meiner Frauen und mir (ungehindert des kalten Winds) in dem Garten einige Zeit spatzieren; und da sich das Wetter gegen Abend in etwas freundlicher angelassen, so wurde zwar die Illumination produciret, welche auch passable gewesen wäre; allein der Wind ließe doch nicht zu, daß alle 1755, Aug. 1.—10. 255 ~T Lampen brennen knnten und anmit solche zu ihrer vollen Perfection gelangen mögen. Den 1. Augusti nach gehörter heiliger Meß in der nächst den Schloß gelegenen alten Pfarr Kirchen (zumahlen die Schloß-Capellen erst gebauet wird) beschahe unser Aufbruch gegen neun Uhr. Wir hielten uns ungehindert des rauhen Wetters en passant zu Seelowitz gegen einer Stund auf, damit der Ertzherzog doch etwas vom Garten sehen kunte. Gegen zwei Uhr kämmen wir zu Nicolspurg an, allwo wir zu Mittag gespeiset und die übrige Zeit biß zum Soupe mit einer Partie de pharaon — worbei der Kaiser tailliret — zugebracht haben. Die Kaiserin soupirte nicht mit uns, wäre aber gleich ihrem Herrn Gemahl und der ganzen Suite in bestem Humor de se trouver hors de la contrainte d’Austerlitz oü en effet nous etions tous genes et ennuyds. Den 2. verrichtete ich meine Andacht in der Schloß-Capellen und nach 10 Uhr begleitete ich II. MM. zu denen Capucinern, allwo selbe das Ammt höreten, sodann bald nach 12 Uhr speisten und nach 3 Uhr die Ruckrais antratten, mithin auch bald nach 8 Uhr zu Schönbrunn eintraffen, allwo sie auch die Consolation hatten, die Ertzherzogin Amalia auf besserer Hand vorzufinden. Diser kleinen Frauen wäre ein besonderes Accident zugestossen, ^ daß mann nemmlichen das arme Kind — welches bei einem lezthin gehabten eonvulsifischen Zufall guttwillig keine Clystier nehmen wollen und mann also gezwungen gewesen, ihr selbe mit Gewalt einzuspritzen — mit dem Röhrl an den Mastdarm in etwas laediret, also zwar, daß anfänglich gar die Formirung eines Geschwür und Abces beforchten worden wäre, et heureusement on en a 6t6 quite pour la peur. Den 3. hatten wir den sonntägigen Kirchen-Dienst zu Schönbrunn. Den 8. hatte ich die Ehre, en petite compagnie de dames et chapeaux mit denen drei Ertzlierzogen eine Partie nach Mauerbach zu machen, allwo wir zu Mittag gespeiset und ville Stunden in allen Zellen herumgeloffen seind. Den 10. hatte vor den heut- sonntägigen Gottes-Dienst der in einer geheimmen Commission anliero geschickte churbaierische ge- heimme Rath und Cabinets-Secretari v. Erd in der Retirade, nach der Kirchen aber der neue spahnische Ministre plenipotentiaire i Conde de Torre Palma seine erste öffentliche Audienzien bei beiden Mayestätten. j I ! ä _ . __ 256 1755, Aug. 13.-19. •i Den 13. wurde zwar al solito Gala gemacht für die Ertzherzogin Elisabeth und speisten die ältere junge Herrschafften (außer der Frau Mariae Annae, welche schon eine Zeit d’une Suppression in- commodiret und sich gestern zur Ader lassen müssen) gleichwie neulich dans le petit salon de la gallerie, öffentlich. Sonsten aber wäre nichts an unsern alten Hoff und beide Mayestätten speisten gewöhn- lichermassen eu Compagnie, weßfahls dann auch der Dienst bei denen jungen Herrschafften sehr pressiret worden. Den 15. hatten wir Kirchen-Dienst zu Schönbrunn und vor selben legte der neue siebenbiirgische Canzler auf der Kaiserin Seiten im Spieglzimmer das Jurament ab, nach welchem er sofort von dem Obrist-Hoffmeister in die Statt geführet und der Canzlei more solito vorgestellet worden. Um 6 Uhr wäre Ordonnanz zur Säulen auf den Hoff. Den 16. hatten wir eine sehr wichtige Conferenz zu Schönbrunn, bei welcher Uber das bei dermahligen Irrungen zwischen Franckreich und Engelland zu fassende Systema deliberiret wurde. 268 ) Die erste Nachricht deren zwischen beiderseitigen Escadres in denen americanischen Gewässern den 10. Junii lezthin vorgefallenen Hosti- liteten hatte uns ein Currier eben den Morgen unserer Abrais nach Austerlitz überbracht, welcher seithero verschiedene andere in das Universum einschlagende Berichte von unseren auswärtigen Ministreu und nahmentlich von dem unlängst nach Hannover abgegangenen Graffen Carl Colloredo gefolget waren. Den 17. wäre sonntägige Capellen. Den 19. hatten wir eine zweite Conferenz in consequentia prio- ris, allwo uns der Herr Hoff-Canzler seinen neuen Plan vorgelesen, worvon in meinen Rapularibus ein mehreres; 269 ) und ist dises noch eine der dpineus- und delicatesten Materien gewesen, welche seit denen zehn Jahren her, als ich dabei bin, ad deliberationem gekommen, und muß ich dem Graffen Kaunitz die Gerechtigkeit wiederfahren lassen, daß er noch bei keiner Gelegenheit seinen Genie superieur also gezeiget habe; und ist um so mehr zu bedaueren, daß er bei seiner so scharffen Einsicht sich deren kleinen Ridicules nicht entschlagen kann, welche doch mit einem so vasten und reiften Verstand wie der seinige ist, fast incompatible schinen, wann mann nicht die wunderbahrliche Verfassung des menschlichen Geists und den seltsammen Melange dessen Affecten aus der täglichen Erfahrenheit erprobet hätte. Gestern waren meine junge Leuth über Cromau von ihrer Feldsperger Rais zuruckgekommen, allwo sie denen Festins beige- * 1755, Aug. 21.—29. 257 wohnet hatten, welche der Fürst Joseph Wenzel ä l’occasion des den 14. hujus erfolgten Beilagers des jungen Prince Charles de Ligne (kaiserlichen Cammerherrn) mit meiner Schnur dritten Schwester — Fürst Fränzerl — mit grosser Magnificence angestellet. ^ Den 21. hatten wir in eadem materia die dritte Conferenz in des Kaisers innersten Retirade; und nachdeme die Depeehen an den Graffen Georg v. Starhemberg abgelesen und von der Kaiserin sofort auf des Kaisers Schreibtisch unterschriben worden, wurde noch selben Abends der Currier damit expediret. 270 ) Den 22. wäre (unangesehen des Freitags) wider kein Appartement und den zweit-folgenden Tag als den 24. nichts dann der ordinari sonntägige Gottes Dienst. Monntag aber als den 25. gaben 1. M. der Kaiser dem türckischen Ministro zu Schönbrunn die Abschieds-Audienz, welchem dann ebenfahls (wie es mit denen öffentlichen Bottschafftern bei dergleichen Gelegenheiten und Functionen gehalten wird) zu Penzing ein Abstieg-Quartier — um den Conduct nach den Schloß nicht so weit zu führen — zubereitet und die Entröe zu der Haubtstiegen durch den kleinen Hoff bewilliget wurde. Den 27. hatte er seine Abschieds-Audienz bei I. M. der Kaiserin- ^ Königin mit dem nemmlichen Coeremoniali, ausser daß die Hoff- und einige Statt-Dames zugegen waren. Die Ursach aber, warumen dise beide Actus zu Schönbrunn vor sich gangen, wäre, daß mann in der Burg mit denen neuen Zurichtungen und Reparationen noch immer beschäfftiget gewesen. ! Vor der Audienz hatte ich die Ehre, einem in Gegenwart der Kaiserin gehaltenen Examini philosophico ex metaphysica et ontologia des Ertzherzogs Josephs zu assistiren, welcher für sein Alter und in Betrachtung der Materiae subtilis et abstrusae, worüber mann selben quaestioniret, nicht weniger dann in Ansehung der lateinischen Sprach, worinnen er sich expliciren müssen, allerdings seine Schuldigkeit gethan hat. Den 28. blihe die Kaiserin — nachdeme sie Vormittag ein paar Stunden hei denen Capucinern in der Grufft zugebracht — den ganzen Tag über wegen des heut einfallenden Geburts-Tags ihrer ^ Frau Mutter seeligstens Andenckens retiriret. Den 29. speisten dieselbe nebst dem Kaiser en petite compagnie (worunter meine Frau und ich, wie auch der von seinem Dresdner Posto auf kurtze Zeit anhero gekommene Graff Philipp v. Sternberg nebst seiner Gemahlin und ältesten, eben im Haubtdienst als Cammer- Kh e von hü 1 ler-S ch 1 it ter, 1752—1755. 17 258 1755, Ang. 30.—Sept. 1. lierr sich befundenen Sohn mit zu sein die Ehre hatten) in dem unteren Haus des nunmehro so genannten Belvedere. Vor dem Essen besähe mann das obere Gebäude, welches gleich dem unteren und dem sehr ruinirt gewesenen Garten meistens neu ameubliret und sonsten verschiedentlich embelliret wird. Nach der Tatfel ward biß gegen 6 Uhr Pharaon gespillet, worauf der Kaiser zuruck nach Schönbrunn gefahren, die Kaiserin aber sich noch zuvor zu denen benachbahrten Closterfrauen de la Visitation verfüget hat. Den 30. (an welchen Tag I. M. der Kaiser sich auf 14 Tage mit einer kleinen Suite de chasseurs nach Eckertsau, Hoff und Marchegg verfüget) gienge ich ebenfahls en compagnie der Peperl, des Sigmunds und seiner Frauen nach Ladendorff, allwo der Probst Cecholli bald nach uns von Nicolspurg eintraffe und wir den ganzen Sonntag als den 31. verbliben. Den 1. Septembris fuhren wir mit unterlegter Post und eigenen Pferden mittags auf Beygarten, wo meine Frau noch niemahlen gewesen wäre, und von dannen abends nach Fronspurg; weillen uns en passant zu Weitersfeld die alldasige und von denen benachbahrten Dorffschafften versammlete Unterthanen en haye paradirten und wie mann zu sagen pfleget, Spallier machten, so fuhren wir den ganzen übrigen Weeg von Weitersfeld nach dem Schloß Fronspurg in blossem Schritt, damit dise arme Leuth die Consolation haben kunten, sowohl die Gräffin und mich, als auch ihre junge und künfftige Herrschafft, welche beide in der offenen Chaise bei uns sassen, desto besser sehen zu können, wie sie dann meistentheils uns biß zu den Schloß begleitet haben. Vor dessen ausser- und inneren Thören hatten die Beamte zwei Triumphporten aufrichten lassen, welche sodann spätter, als es finster worden, illuminiret wurden, und auf deren grösserer bei der Einfarth verschiedene Symbola und Inschrifften stunden, so alle auf uns und unsere Kinder und Enckel, zuvorderst auf das Vergnügen, mich nach neun Jahren wieder zu sehen, gestehet und in der That recht geschickt verfasset waren. Überhaubt zeigten die gutte Leuth eine wahre Freud, ihren Herrn nach so langer Abweesenheit gleichwollen auf einige Zeit zu possediren. Die erstere Tage brachte ich meistentheils mit Durchsuchung deren Waldungen zu, welche ich fast alle nebst dem Sigmund selbsten durchritten und freilich da und dorten ville Unordnungen in dem Holtz-Schlag vorgefunden, absonderlich aber mit betrübten Augen habe ansehen müssen, daß der in meines seeligen Vattern Zeit so 1755, Sept. 4.-7. 259 schön gewesene Fellinger-Wald theils durch die ville Windfälle, tlieils durch Eraltung und wohl auch durch üble Tractirung des Forst-Weesens fast gänzlich ausgeödet und ruiniret worden, wess- wegen mir dann besonders angelegen sein lassen, dises leztere Ob- jectum oeconomicum zu rectificiren und Mittel auszusinnen, wie mann denen Waldungen wieder aufhelffen und überhaubt dise Rubric, welche täglich beträchtlich- und interessanter wird, in eine bessere Verfass- und Ordnung bringen möge. Den 4. fuhren wir Vormittag nach Riegerspurg, allwo unser lieber Probst v. Nicolspurg die von meinem Vattern seelig zu Ehren seines heiligen Nahmens Patrons Sigismundi neu erbaute Schloß- Capellen benediciret und hierauf das Hochwürdige, so wir alle pro- cessionaliter begleitet, aus der vorigen Capellen (von welcher nicht recht bekant wäre, ob selbe ein förmliches Sacellum publicum gewesen) mit denen gewöhnlichen Kirchen-Coeremonien solenniter übertragen hat. Wir speisten zu Mittag allda und im Zuruckfahren stige ich bei einer deren zwei erst neuerlich errichteten Schütten ab, all wo ich auch — zwar nicht heut, jedoch folgender Tägen, wie auch auf dem anderen Orth zu zwei Reprisen — einen überloffenen Frischling geschossen und so offt ich daraus gewesen, immer Schweine angetroffen habe. Den 6. speisten wir zu Pruzendorff und vor dem Mittagessen gienge ich mit meinen beiden Söhnen (dann der Hannß Joseph mit Erlaubnus seines Herrn Feldmarschallen auf einige Täge ebenfahls zu uns heraus gekommen wäre) zu den gewöhnlichen samstägigen Rathschlag deren Wirthschaffts-Beammten, damit die junge Leuth den Processum oeconomicum ein wenig einselien mögen. Hac oc- casione machte ich meinen versammleten Officianten ein so andere nöthige Errinnerung, zumahlen wegen des gutten Exemples, Bestraffung deren Lastern, Abstellung all- einschleichender Mißbrauch, christlich- und gelinder Tractirung deren armen Unterthanen, Beobachtung des herrschafftlichen Interesses, nahmentlich in Wald-Ammts- Sachen etc. Nach den Essen besahen wir den grossen Kasten zu Weitersfeld; und da ich gesinnet, kiinfftiges Jahr einen neuen Flügel daran zu bauen, so wolte ich den Terrain Selbsten auch in Augenschein nehmen. Den 7. fuhren wir zu den sonntägigen Gottesdienst in die Pfarr- Kirchen nach Weitersfeld und Nachmittag nach Starein, allwo wir übernachtet, allein wegen des stürmischen Winds und naßkalten Wetters fast nicht aus dem Schloß gekommen. 17 * 260 1755, Sept. 8.—21. Den 8. liöreten wir Meß in der Schloß-Capellen und fuhren sodann nach einer unweit Salapulcka, noch in meinem Landgericht gelegener Wahlfarth Unser Lieben Frauen im Gebürg genannt, allwo wir wegen des heutigen hohen Fests Mariae Geburt den Ablaß eingenohmen. Mittag speisten wir zu Starein und sodann kerten wir nach Fronspurg zuruck. Den 10. machten wir Vormittag eine Tour nach Hardegg, hörten Meß in dortiger ganz neu gewölbter Pfarr-Kirchen und speisten in dem Pfarr-Hoff, weihen das alte Schloß (worinnen ich in meinen jungen Jahren annoch verschiedene Mahl das Mittagmahl eingenohmen und noch ville Zimmer in aufrechten Stande sich befanden) seithero meistens zusammengefallen und mann in die noch übrig geblibene wenige Gewölber wegen Gefahr der Einstürtzung und der im Weeg stehenden Deeombres nicht wohl mehr zukommen kann. Den 13. raiste ich mit der Peperl über Peygarten, wo wir zu Mittag gespeiset, die neue Post-Strassen nach Wienn zuruck, allwo Tags zuvor der Kaiser von seiner Tournee ebenfahls retourniret wäre. Meine Frau aber und die junge Leuth giengen nach Iglau übernachten und von dannen weiters auf ihre böhmische Gtitter. Den 14. wäre um 9 Uhr Ordonnanz zu den gewöhnlichen Umgang wegen des Entsatzes Wienn; weillen es aber sehr starck geregnet, so ließen II. MM. noch unterweegs die Procession contreman- diren und der Clerisei sowohl als den Bottschaffter und übrigen Ge- folg vermelden, demselben zu St. Stephan zu erwarten, allwohin wir ganz langsamm en droiture vorausfuhren, auch allda bereits alles vor unser angelangter fanden. Abends kämme der Kaiser und die zwei folgende Tilge auch die Kaiserin in das Comoedi Haus nächst der Burg, um die neue französische Opöra comique: la vengeance in utile genannt, anzuhören. Den 19. unterblibe abermahlen das freitägige Appartement, weillen der Kaiserin dergleichen öffentliche Functionen bei zunehmender Schwangerschafft täglichen ungelegener wurden. Wir hatten Nachmittag eine Conferenz bei den Obrist-Hoff- meistern mit Zuziehung des Referenda™ Buol und Hoff-Secretarii Verlet, um das Coeremoniale wegen bevorstehender Function (da die zwei Ertzherzoge Carl und Leopold den Toison nehmen sollen) zu reguliren. 271 ) Den 21. wäre wegen Sonn- und Apostel-Tags öffentlicher Kirchendienst, nach welchen der Abgeordnete der mecklenburgischen Ritterschafft und chursächsischer Cammerherr Baron v. Bassewitz seine 1755, Sept. 22.—Okt. 3. 261 erste Audienz bei II. MM. hatten und denenselben deii zwischen sotbanen Corps und den regierenden Herzogen über ihre so lange Jahr fiirgedauerte Zwistigkeiten unlängst getroffenen Vergleich überreichte. 272 ) Den 22. celebrirte die Kaiserin das auf heut transferirte Stern- Creutz-Ordens-Fest Exaltationis Sanctissimae Crucis, nähme aber für dises Mahl keine neue Ordens-Dames auf. Den 23. kehrten die ältere Erzherzoginnen wie auch die drei Ertzherzogen von Hezendorff (die kleinere junge Herrschafften waren bereits gestern voraus gegangen) zuruck in die Statt, weillen das Wetter dise Zeit her so unfreundlich gewesen, annebens der Gesundheitsstand der Frau Mariae Annae noch immer critisch zu sein con- tinuirte. Den 24. hatten wir Conferenz zu Schönbrunn Vormittag über die leztere geheimme Depechen und Antwort des Graffen Starhemberg von Paris, für welchen sofort die weitere Expeditionen beliebet wurden. 273 ) Den 25. kämme die Gräffin über Ladendorff von ihren böhmischen Güttern Nachmittag zuruck, und zwar vergnügt über die all- dorten Vorgefundene Wirthschaffts-Umstände. Den 27. wurde in des Kaisers Retirade und im Beisein sämtlicher Conferenz-Ministres die lezthin resolvirte Depechen an Graff v. Starhemberg abgelesen, worbei die Kaiserin ebenfahls gegenwärtig wäre. Den 28. und 29. wäre wegen des Sonntags und Michaelis-Fests öffentlicher Gottes-Dienst zu Schönbrunn. Den 1. Octobris verblibe die Kaiserin den ganzen Tag über retiriret wegen des heutigen Anniversarii dero Herrn Vatters höchst- seeligen Andenckens vorgewesten glorreichesten Geburts-Fests. Den 3. hatten wir die Function deren zwei Ertzherzogen Carl und Leopolds Toisons-Nelimungs in der Hoff-Capellen in der Burg. Das Prothocoll ist hiervon in meinen Actis 274 ) und hierbei alles nach jenem gehalten worden, was mann bei lezterer dißfahls gehaltener Conferenz eingeratlien. Die junge Herrn haben sich beide durch ihre noble Art und die sonderbahre Aufmercksamkeit, mit welcher sie den ganzen Actum verrichtet, ungemain distinguiret, also zwar, daß sich alle Umstehende darüber attendriren müssen; und wäre nur zu bedaueren, daß der enge Raum der Capellen den Einlaß mehrerer Zusehern nicht gestattet und mann ausser deren geheimmen Räthen, Cammerherrn, fremmder Gesanten und einig- distinguirter Forastieren sonsten jedermäniglich (auch die Zutritts Frauen und übrige das 262 1755, Okt. 3.-4. Appartement frequentirende Persohnen beiderlei Geschlechts) excludiren müssen. I. M. die Kaiserin salie aus dem Oratorio incognito zu und hatte nebst denen Hoff-Dames nur ein und andere deren Statt-Dames par preference in das Spiegl-Zimmer beruffen lassen, um selbe mit sich in die Capellen zu nehmen, worinnen nebst dem Chor deren Hoff- Dames noch einige Platz auf jenem deren geheimmen Rüthen eigends für die mitkommende wenige Statt-Frauen Vorbehalten worden waren. Nach geendigtem Gottes-Dienst giengen wir sämmtliche Toiso- nisten im Ordens-Kleid hinüber auf des Ertzherzogs Carls Seiten und küsten in seiner Cammer beiden neuen durchlauchtigsten Confratribus die Hand; sodann führe ich zuruck nach Schönbrunn, wo der Kaiser dem erst angelangten Cardinalen Troyer Audienz gäbe und sodann mit uns a l’ördinaire speiste, die Kaiserin aber retiriret blibe. Den 4. wurde der Gala-Tag wie sonsten celebriret. Um 10 Uhr wäre der Nuncius zur Particular-Audienz bestellet und der Kaiser admittirte die Capi etc. zum Handkuß in die Retirade. Was aber heuer besonders geschehen, wäre, daß auch die Kaiserin auf ihrer Seiten wie sie bisliero nur an ihren Nahmens- und Geburts-Täg zu tliun gepfleget, die Hand zu küssen gäbe, welche Neuerung ver- muthlich von deme veranlasset worden, daß dieselbe bereits even- tualiter beschlossen hatte, sich an Theresiae-Tag nicht mehr sehen zu lassen. Bei der öffentlichen Kirchen und Mahlzeit machte der Nuncius seine gewöhnliche Aufwartung und ist wegen diser lezteren annoch anzumercken, daß anheut der Ertzherzog Leopold zum ersten Mahl nebst seinen zwei älteren Herrn Brüdern und der Frauen Maria Christina mitgespeiset. Unsere Iioff-Taffel wäre a Fordinaire in der grossen Gallerie und abends wurde Appartement gehalten. Übrigens wurde ohne förmlicher Declaration (weillen es mit dergleichen Promotionen nicht zu geschehen pfleget) bekant, daß der Feldmarschall v. Neipperg dem Kriegs-Praesidenten Graflen v. Harrach als Yice zugegeben und sein bisheriges Gouvernement v. Luxemburg dem Feldzeugmeistern v. Marschal — einem zwar alt- und meritirten, jedoch fremmden, von zwar sehr gutter sächsischer Famili entsprossenem Officier lutherischer Religion — verlihen worden seie, welche dann beide, sowohl Neipperg als Marschall, noch heut ihre Dancksagungs- Handküße abgestattet haben. Anbei wurde bei der Kriegs-Stelle auf Verlangen des neuen Vice-Praesidenten eine ganze Änderung in personali vorgenohmen und in specie der villjährige, bekante Referendarius v. Weber zu dem anderen Consessu in judi- cialibus unter das Praesidium des Feldmarschallen v. Cordua trans- 1755, Okt. 5.—14. 263 feriret und mit dem Gradu und Character vom Feldmarschall-Leutenant beehret, welche leztere Metamorphose ihme selbsten gleich dem Publico fremmd und lächerlich vorgekommen; jedoch erhielte er hierdurch die Entrees in das Appartement und übrige sothanem Gradui militari anklebende Honores. Den 5. führe der Kaiser allein zu denen Dominicanern gegen 11 Uhr, allwo das heutige Rosen-Crantz-Fest begangen wurde. Den 6. wäre Gala wegen des Geburts-Tags der Ertzherzogin Mariae Annae. Sie empfienge die Complimenten in der Statt; da sie aber wegen ihrer fürdauerender Unpäßlichkeit nicht in publico speisen kunte, so machten II. MM. derselben die Finesse und stellten ein kleines Dine bei den Fürsten v. Trautsohn an und kämmen eigends von Schönbrunn auf Mittag hinein. Abends sähe die Ertzherzogin die Dames in Appartement-Kleidern, gleichwie sie Vormittag denen Cavalliers die Hand zu küssen gegeben hatte, und sodann kämmen sämmtliche Herrschafften, jung- und alte, in die französische Comedie. Übrigens wurde die herrschaftliche Taffel zu Schönbrunn von heut an für den weiteren Sejour auf der Kaiserin Seiten hinüber transportiret, weiten mann die Gallerie durchaus zu Gewölben resol- viret und mit diser Arbeit von nun an sich beschäftigen will. Anbei blibe die Kaiserin schon immer retiriret und speiste auch mittags nicht mehr en compagnie, sondern täglich in der Cammer. Den 12. hatten wir noch Vormittag den sonntägigen Kirchen* Dienst zu Schönbrunn. Der Kaiser speiste ä Fordinaire en compagnie, die Kaiserin aber in der Cammer; und abends nach dem Rosen-Crantz kämme alles in die Statt, weiten der Vansvieten für nöthig gefunden, der Kaiserin Ader zu lassen und mann besorget, sie mögte hierauf gleich wie vorn Jahr geschehen, sofort niederkommen, welches der Kaiser wegen herannahender Andere-Saison nicht gern gesehen hätte. Übrigens hatte derselbe dem Obrist-Kuclien-Meister anbefohlen, wegen deren Dines und Soupes bei Hoff es bei den vornjährigen Fuß zu lassen; deme zu Folge bereits heut das erste Soupe gewesen, welchem aber die Kaiserin nicht beigewohnet. Den 13. wurde derselben zur Ader gelassen und von darumen auch kein Dine bei Hoff gehalten, welch- leztere iiberliaubt dise ganze Zeit her biß zur Kaiserin Niederkunfft ausgestellet blieben; die Soupes aber continuirten heut und morgen als den 14., von welcher Zeit an solche ebenfahls unterbliben. Ansonsten hatte ich die Ehre, disen Morgen einem Examini historico des Ertzherzogs Josephs zu assistiren. 264 1755, Okt. 15.-22. Den 15. wurde wider der Kaiserin Willen — als welche anfänglich disen Tag ganz incognito eelebriret haben wollen — die gewöhnliche grosse Gala angesagt; der Kaiser gienge unter Begleitung des venetianischen Bottschaffters öffentlich in die Capellen, speiste sodann in publico mit denen drei älteren Ertzherzogen und verblibe die übrige Zeit des Tags bei der Kaiserin, welche den gefasten Entschluß, den Schönbrunner-Sejour so zeitlich zu quitiren, nicht wenig bedaueret, zumahlen der ganze October mit einem so schön und warmen Wetter angehalten, daß bei Mannsgedancken dergleichen Witterung für die spatte Jahrs-Zeit nicht gesehen worden und mann sogar sagen wollen, daß an ein- und anderen Orthen die Baum wieder von neuem ausgeschlagen hätten. Abends wäre heut grosser Bai und Soupe für sämmtliche Noblesse bei den Graffen v. Haugwitz in der vorhinigen böhmischen Canzlei und nunmehrigem Directorial-Palais, welcher nach denen neuen Zubauungen und Embellissemens eher einer Residenz als einem Ammt und Maison d’office ou bureau gleichsihet, wie dann das Appartement de maitre et maitresse alleinig 28 Pieces in sich haltet, welche alle mit Trumeaux und Vergoldung en abondance versehen seind und die Depenses für dise leztere sich auf etlicli und sibenzig tausend Gulden belauffen sollen, quoique le goüt n’en soit pas le plus fin. Den 19. hielte mann den sonntägigen Gottes-Dienst in der Cammer-Capellen; hingegen giengen beide Majestätten en grande cortege im Mantel und vom Bottschaffter begleitet zur Hoff-Capellen, der heutigen Vigil für dem verstorbenen Kaiser beizuwohnen, desgleichen auch den 20. geschähe zu denen gewöhnlichen Seelen- und Lob-Ämtern. Den 21. gäbe die Kaiserin mit dem hergebrachten Empfang die öffentliche Audienz dem Herrn Landmarschall und übrigen ständischen Deputirten und überreichte ihnen die dißjahrige Postulata, wiewollen der Landtag erst kiinfftigen November förmlich eröffnet werden solle; mann hat aber wegen der Kaiserin bevorstehenden Niederkunfft die gewöhnliche solenne Audienz auf heut anticipiret. Den 22. nähme der Kaiser Medicin, wie er es zum Öffteren par precaution zu tliun pfleget, für dises Mahl aber selbe von den Ordi- nario um so nöthiger erachtet wurde, als I. M. sich bei denen Pro- menades du soir (welche sie der Kaiserin zu Gefallen auf dem Rempart und den daran stossenden neuen Zwinger-Garten gemacht) in etwas erkältiget hatten, so auch dieselbe genötliiget, einige Tage das Zimmer zu hüten. 1755, Okt. 24.—Nov. 2. 265 Den 24. kämme dev Kaiser dennoch zu einer auf heut an- gesagten Conferenz in verschiedenen Reichssachen, worbei der Graff Colloredo den Vortrag machte, die Kaiserin aber nicht erschine. 275 ) Den 26. wurde der sonntägige Gottes-Dienst abermahlen in der Cammer-Capellen gehalten und nachmittags unterblibe die heut eingefallene alljährliche Andacht zu St. Peter und bei der Säulen auf den Graben. Den 27. wäre wieder ein Examen von dem Ertzherzog Joseph auß der Ethica und mit selbem beschloß der Pater Franz seine Lec- tiones philosophicas bei disen jungen Plerrn. Abends wäre keine Toison-Vesper und den 28. wurde das Apostel-Fest ebenfahls nur in der Cammer- Capellen gehalten, wiewollen der Kaiser seit gestern gänzlichen wieder hergestellet sich befände. Den 29. solte das anstatt des abmarchirten Radicatischen en garnison einruckende Cürassier-Regiment des Ertzherzogs Leopolds in Gegenwart II. MM. paradiren und dessen kleiner, durchlauchtigster Obrister ä la tete zu Pferd seine Aufwartung machen; allein wegen des ganz gähling auf die bisherige außerordentlich schön und warme Zeit eingefallenen Kalt- und Schneewetters muste dise interessante Function contremandiret werden, weillen mann weder den jungen Herrn, noch auch den Kaiser bei dero kurtzen Reconvalescenz ris- quiren wollen. Der Kaiserin kostete es eine rechte Überwindung, weillen sie den Hermarche sothanen Regiments auf das eiffrigste betreiben lassen, um noch vor ihrer Entbindung das Vergnügen zu haben, disem illustren Spectacle beizuwohnen. Den 31. gienge der Kaiser mit denen Toisonisten zur Vesper, welche (weillen der Nuncius noch in privato stehet) von einem anderen Infulato gehalten wurde. Den 1. Novembris wäre ebenfahls gewöhnlicher Massen Toison- Ammt ohne Predig und giengen alle drei Ertzherzoge in der Colana mit, weßwegen auch der Cammon, als worunter dieselbe hinter ihren allergnädigsten Herrn Vattern in einen Schammel knien, erweiteret werden muste. Den 2. wurde der sonntägige Gottes-Dienst abermahlen in der Cammer-Capellen gehalten; abends aber um 5 Uhr gienge der Kaiser in tüchenen Mantel und gewöhnlich- öffentlichen Corteggio zu der auf heut transferirten Todenvigil zu denen Augustinern. Und als mann eben an deme wäre, den Psalmum Benedictus etc. zu singen, wurde mir von denen Cammerleuthen gemeldet, daß mann eben das 266 1755, Nov. 2.-3. Hochwürdige in der großen Hoff- und in der Tlieresiae oder der- mahligen Cammer-Capellen aussetzen würde, so nach alten Gebrauch in der Zeit geschehen pfleget, da die Kaiserin in den Kindstuhl gebracht wird (wiewollen die jetzige Frau nunmehro meistens im Bett niederzukommen pfleget) und in denen lezteren Kinds Nöthen sich befindet. Ich errinnerte es also gleich dem Kaiser, welcher bei seiner Zuruckkunfft aus der Kirch den mitgekommenen Ertzherzog Joseph sofort congediret und von der Nachbahrschafft des Frauen-Volcks und der Kaiserin Wohnzimmern weggeschickt (damit er nichts Ungebührliches und für sein Alter Unanständiges sehen oder hören möge) und in die grosse Hoff-Capellen betten geheissen; wie dann diser Ursach wegen das Venerabile auch alldorten exponiret worden, welches ansonsten nur in der Cammer-Capellen geschihet. Gegen halb 8 Uhr wurden I. M. von einer zwar kleinen, aber ganz gesunden Ertzherzogin höchst beglücket entbunden. Der Kaiser kämme nach den gewöhnlichen Seegen und Te Deum heraus in das Spiegelzimmer und empfienge alldorten die Glückwünscliungen von denen Dames und die Entree in sothanes Zimmer habenden Männern, nachdeme er mich zuvor in der Kaiserin Retirade zu sich geraffen und die Ordonanzien auf morgen ertheilet hatte. Den 3. gienge der Kaiser um 9 Uhr in tüchenen Mantelkleid und mit dem öffentlichen Cortege zu dem Seelen-Ammt, Predig etc. zu denen Augustinern. Sodann wäre um 12 Uhr Ordonanz zur Tauff, welche Function in der neuen und schönen ersten Anticamera (weillen die Ritterstuben durch den lezteren Bau und die neue Distribution deren Zimmern um ein Fenster kürtzer, mithin zu dergleichen solennen Actibus zu klein geworden) geschehen und — da der Nuncius sich noch nicht in das Publico gesetzet — von unseren Herrn Ertz- bischoffen verrichtet wurde. Mann ließe gewöhnlicher Massen auf heut und morgen grosse und für den dritten Tag kleine Gala ansagen, jedoch kunte der Kaiser sich nicht entschließen, öffentlich zu speisen. Die neu gebolirne Frau wurde in Nahmen des Königs und der Königin v. Portugall von dem Ertzherzog Joseph und der Ertzherzogin Maria Anna zur Tauff gehalten und Maria Antonia Anna Josepha Joanna benammset. Beide dise Herrschafften begaben sich nach vollendetem Tauft-Actu währender übriger Orationen und dem Te Deum etc. zu ihrem durchlauchtigsten Geschwister in die lange Banck hinter dem Kaiser. Dem venetianischen Bottschaffter wurde sein Knie-Schammel ohne Sessel gewöhnlicher Massen in latere ad cornu Evangelii gestellet. *■ 1755, Nov. 4.—10. 267 Den 4. kämmen die Bottschaffter, fremmde Ministri etc. ihre Glückwunsch dem Ertzherzog Carl ablegen, welchem zu Ehren der Herr Ayo ein grosses Dine gäbe. Anbei continuirte mann alle die Tage auf der Kaiserin Seiten (mittag- und abends) seine Cour zu machen und um ihre Gesundheit sich zu erkundigen. Den 5. und 6. wurden beide Comoedien dem Volck gratis gegeben und in dem französischen Theatro die leztere Decoration, so einen Garten nebst Gebaiide en perspective vorstellete, sehr hertzig illuminiret. Hiernächst wurde dise beide Tag kein Sperr-Creutzer bei denen Statt-Thören genohmen, sondern jedermänniglich biß spatt nachts frei durch passiret. Disen lezteren Tag sahen I. M. die Kaiserin jene Frauen, welche nach alter Etiquette bei der Niederkunfft zugegen sein solten, denen aber anjezo kein anderes Agrement übrig bleibet, als der Frauen um ein paar Tag ehender als die andere die Hand küssen zu können. Eben disen Tag hatte ich die Ehre, bei der Fürstin v. Trautsohn mit denen älteren zwei Ertzherzoginnen zu speisen. Es ist dises ein neues, erst dises Jahr angefangenes Etablissement. Die Tatfel ist von 8 biß 10 Couverts und wird zu solcher niemand dann Persohnen, so den Cammer Zutritt haben, geladen. Endlichen gienge auch heut, den 6., der Kaiser nebst denen drei Erzherzogen öffentlich, jedoch ohne Bottschaffter und en Campagne zu denen Augustinern, allwo zum erstenmahl die von der Kaiserin neuerlich fundirte Andacht für die abgestorbene Soldaten mit Predig, Seelen-Ammt und Libera unter einer aufgerichteten Tumba oder Castro doloris in der Kirchen und nicht in der Toden-Capellen gehalten wurde. Die Mili- tares musten alle nach ihrem Gradu in der Uniform erscheinen, welche auch die drei kleine Herrn (der Kaiser aber nicht) anzogen. Den 8. kämmen die Hoff-Dames und wir andere würckliclie den Cammer-Zutritt habende Hoff-Ämmter zum Handkuß und habe ich die Frau noch in keiner Kindlbett so gutt ausgesehen gefunden. Den 9., als Sonntags, gienge der Kaiser im Mantelkleid öffentlich zur Capellen und die Kaiserin sähe heut die Cammer-Zutritts- Frauen und geweste diser Entree annocli geniessende Hoff-Ämmters- Herrn als: Graff Königsegg, Ferdinand Bamberg, Feldmarschall Neip- perg (als gewesten Gouverneur des Kaisers). Graß* Kaunitz kämme zu spatt, wie es ilime meistentheils zu geschehen pfleget. Den 10. wurden die sogenannte äussere Zutritts-Frauen zum Handkuß admittiret nebst dem Graffen v. Kaunitz, weillen er es gestern versäumet. Abends um 6 Uhr gienge der Kaiser in schwartz tüchenen Mantelkleid mit dem Ertzherzog Joseph und übrigen Cortege zu denen 268 1755, Nov. 10.—22. Augustinern, dem gewöhnlichen Schluß der Seelen-Octav mit Predig, Litanei, Umgang etc. beizuwohnen. Vorhero hatte er ungehindert des eingefallenen übel- und regnerischen Wetters die auf heut verschobene Huberti-Jagd gehalten in dem Stamerstorffer Gezirck. Ansonsten wurde auch heut die erste Redoute en masque gehalten, worzu mann den Saal ganz neu gebauet und, wie mann sagt, über 60.000 fl. bereits zu dem Ende verworffen hat, wiewollen selber noch nicht im vollkommenen Stande ist und erst noch die Vergoldung und übrige Ornemens nachkommen sollen. Den 11. wurde das Fest St. Martini in der Cammer-Capellen celebriret, abends wieder Redoute gegeben, hierbei aber wie mit der Einlaß gewöhnlicher Massen gehalten, nur daß die Kaiserin wider des Kaisers und viller andern Guttdenckender Mainung den Pkaraon erlaubet, dessen Profit zu dem Fond des spectacles geschlagen wurde. Den 15. fuhren I. M. der Kaiser nach 9 Uhr früh nach Closter- Neuburg und nahmen zum erstenmahl den Ertzherzog Joseph mit sich alldahin und in dero Leibwagen. Sie liöreten die kleine Meß in der Leopoldi-Capellen, communicirten aber nicht unter selber. Das Dine wäre en compagnie und nach denen Secundis-Vesperis, worbei das vor disem sub primis Vesperis in Vigilia Festi zu singen gepflegte lange Salve Regina (so von weiland Kaiser Leopoldo componiret worden) abgesungen wurde. Übrigens wurde anheut für den dritten Ertzherzog Gala gemacht, dazu aber hergebrachter Massen nicht an- gesaget. Den 16. wohnten I. M. der Kaiser dem sogenannten 6000 fl.- Ammt in der Metropolitan-Kirchen bei. Abends fieng 1. M. die Kaiserin in dem Cabinet an zu spillen, worzu aber nur der Cammer-Zutritt admittiret wurde. Der Kaiser machte sich meistentheils auch eine Partie d’ombre und kämme sodann zum Schluß des Spectaels in das Hoff-Theätre. Den 20. hatten wir in dem nemmlichen Cabinet nächst der Cammer Conferenz Uber die geheimme Handlung mit Franckreich. 276 ) Beide Mayestätten saßen auf den Sofa und wir andere ohne Rang um den daran stossenden Schreibtisch oder nach jetziger Mode sich nennenden Secrdtaire. Der Referendari Binder sasse seitwerts an einen kleinen Tischl. Den 21. führe der Kaiser in colana nach Mariae Stiegen; mann gienge aber nachmittags nicht zur Säulen. Den 22. wäre abermahlen Conferenz in der Kaiserin Cabinet und wurden die Expeditionen an Graffen v. Starhemberg abgelesen und berichtiget. 277 ) 1755, Nov. 23. 269 Den 23. wurde der sonntägige Gottesdienst in der Cammer- Capellen gehalten. Abends ereignete sich ein betrübter Zufahl und trauriges Spectacle mit der verwittibten Gräffin Losi, gebohrner Gräffin v. Strasoldo und Mutter unseres Music- und General-Bau-Directoris. Dise zwar 79 Jahr alte, aber sonsten noch bei gesunden Kräfften und eines aufgeräumten Geists gewesene Dame wurde in dem Appartement der Frau Obrist-Hoffmeisterin (allwo sie mit andern Cammer- und ordinari Zutritts-Frauen währender Rosen - Cranzstund — biß mann die Dames zur Kaiserin beruhen würde — gewartet) ganz gähling mit einer Übligkeit überfallen; und als sie, um sich in etwas zu erhöhen, von ihrem Sessel aufstehen wolte, sänke sie auf den Boden und mit dem Köpft gegen den Fuß eines darneben gestandenen Tisches, also zwar, daß sie sich neben den Ohr eine kleine Wunden aufgefallen. Da mann selbe von der Erden auf liebte, spräche sie noch in etwas und sagte, daß es nichts zu bedeuten hätte; zugleich aber vermerckte mann an ihr eine Lähmung im Gesicht und an der lincken Seiten und fast augenblicklich wäre die Zungen also angeschwollen, daß sie nichts mehr reden kunte. Bei so grosser Lebens-Gefahr fände mann nicht für rathsamm, sie anderst wohin zu transportiren, sondern legte sie anfangs nur auf den in dem nemmliclien Zimmer befindlichen Sofa und nach hero truege mann die arme Frau in das nächst daran stossende Taffel- Zimmer, allwo in der Eille ein Bett zubereitet worden wäre und mann ihr sofort das heilige Viaticum und die lezte Oelung- reichen ließe. Der Kaiser wurde aus der Loge beruffen und accompagnirte (wie er es in derlei Fällen niemahlen unterlassen) das Hochwürdige biß in das Zimmer, wo die Sterbende läge und der arme Sohn, den mann zu disen Spectacle von einer Visite weghollte, in der ersten Bestiirtzung zugeloffen wäre. Ich wäre eben mit dem Kaiser in der frantzösischen Comedie und begleitete also selben im Hin- und Hergehen aus und wieder zuruck nach der Capellen. Da diser Herr bekanter Massen sehr ville Freundschafft für den Losi und seine Frau heget, so sähe mann ihme die Empfindlichkeit über dise betrübte Begebenheit recht im Gesichte an. Alß mann unseren Herrn nächst der ersten Anticamera vorbei truege, wurden alle Thiiren biß zu denen innern Zimmern eröffnet, allwo I. M. die Kaiserin knieten und von dem Priester von weitem mit dem Venerabili den Seegen bekammen. Übrigens muste die gutte Alte biß Mittwochs früh also ohne Sprach daliegen, wo selbe erst gegen 8 Uhr dises Zeitliche geseegnet und — wie die Medici vermuthet — etwann auch durch den 270 1755, Nov. 23.—Dez. 1. gethanenen Fall inwendig in dem Kopff sich einige Laesion gemacht oder doch dardurch den Schlagfluß zugezogen haben mag. Den 24. machte der Kaiser auf ein paar Tag eine Excursion nach Schloß Hoff in Begleitung einiger Chasseurs und ich gienge indessen den 25. en compagnie de la famille et d’amis de la maison nach Ladendorff, allwo wir ein paar Creisjagden hielten und für die Jahrs-Zeit ein recht schönes Wetter hatten. Das disen leztern Tag einfallende Catharinae-Fest wurde ohnedeme nur in der Cammer- Capellen celebriret. Den 28. kämmen wir von Ladendorff in gutter Gesundheit zuruck und hatten doch hundert und etliche Hasen geschossen, welche Anzahl für die mitgekommene nicht sehr auserlesene Schützen und dortiges, mit so üblen Nachbahren umgebenes, gar nicht grosses Territorium noch zimmlich angienge. Den 30. wäre wegen des Advent-Sonntags Kirchen-Dienst, aber wegen der Kaiserin mehrerer Bequemlichkeit abermahlen nur in der Cammer-Capellen, und Nachmittag um halb 6 Uhr gienge der Kaiser im Ordens Habit zur Toison-Vesper zu denen Augustinern. Bei der Zuruckkunfft fände er die Kaiserin, welche er frisch und gesund verlassen hatte, mit einem sehr starcken Frost und Alteration, also zwar, daß sich dieselbe sofort in das Bett legen muste. Weillen sie nun darauf etwas ruhiger wurde, so kämme der Kaiser zu unß in die Loge, contremandirte aber sogleich das eben heut abends wieder anstellen wollende Soupe, worzu meine Frau, die Auerspergische und noch ein und andere zu den nemmlichen petit Couvert wie vorn Jahr geladen waren, und retirirte sich bei Zeiten. In der Nacht wurde der Paroxismus so starck, daß der Vanswieten eine Inflammation besorgte und die geschwinde Resolution fassete, gegen 4 Uhr früh der Kaiserin Ader zu lassen, welche Geschwindigkeit — zumahlen bei einen solchen Zustand, wo es so zu sagen auf Moments angekommen — auch von seinen Feinden und Mißgönnern nicht anderst dann belobet und als ein Merckmahl seiner Prudenz et de son assurance dans le metier angesehen werden könte. Den 1. Decembris, a mon reveil, wurde mir die Nachricht hiervon aus der Cammer und zugleich im Vertrauen gemeldet, daß I. M. starcke Hitz und grosse Schmertzen an untern Leib hätten; und da ich gegen 10 Uhr zur Ordonanz nach Hoff gienge, erzelilten I. M. mir selbsten dise critische Umstände und wie dieselbe die ganze Nacht nicht aus ihrem Kleid gekommen wären, verfügten sich dennoch (obschon 1. M. wegen der natürlichen Inquietude und Schlafflosigkeit 1755, Dez. 1.-13. 271 sehr tibel aussahen) zu denen Augustinern, allwo das auf heut trans ferirte St. Andreas-Fest, jedoch ohne Predig, celebriret wurde, speisten auch sodann mit denen Rittern und hatten die zwei ältere Erzherzogen (weillen der dritte übel auf wäre) sowohl in der Kirchen als zu Mittag bei sich. Dises wurde sehr geschwind expediret, indeme der Kaiser zur durchlauchtigsten Patientin zuruckeillete, welche auch, Gottlob, nach einen gehabten copiosen Schweiß bereits gegen Abend um ein merck- liches besser wurde, die Nacht zimmlich ruhig zubrachte und nun, nachdeme sich die zuruckgeblibene Reinigung bald darauf wieder einfande, vollends ausser aller Gefahr gesprochen ward. Jedoch musten I. M. noch einige Tage das Zimmer hüten und wider ihre bereits bekant gemachte Intention die auf den nächsten Gala-Tag vorgehabte Function der Hervor-Seegnung weiter hinaus verschieben. Den 3. führe der Kaiser en Campagne zu denen untern Jesuitern wegen des heut einfallenden St. Xaverii-Fests. Den 6. und 7. wurde das gestrige Nicolai-Fest und der heutige Sonntag abermahlen in der Cammer-Capellen, die Toison-Vesper aber in der Hoff Capellen öffentlich celebriret. Den 8. führe der Kaiser nach St. Stephan zum Toison-Ammt. Yorhero hatte der Nuncius und der unlängst von seiner Raiß aus Sachsen zuruckgekommene russische Bottschaffter Audienz und wurden die Capi al solito zum Handkuß in die Retirade gelassen. Nach der Kirchen legte der venetianische Bottschaffter sein Compliment ab und machte die Auffwartung bei der Taffel, an welcher die zwei ältere Ertzherzogen mitsassen. Nachmittag gienge mann nicht zur Säulen; es wäre auch kein Appartement, sondern der Kaiser und die junge Herrschafften kämmen abends in das Hoff-Theätre, allwo eine kleine Opera in zwei Acten, l’innocenza giustificata genannt, zum ersten Mahl nebst zw T ei neuen Balleten, aber nicht gratis, repraesentiret wurde. Den 9. hatte ich bei der Kaiserin Audienz, um die bevorstehende Cammerherrn-Promotion zu adjustiren, und wurde bei diser Gelegenheit zum ersten Mahl wegen meines Sigmunds Destination nach Lissabona gesprochen, da eben vor wenig Tagen die erste Nachricht des dortigen grossen ddsastre des Erdbebens vom 1. Novembris über Paris eingeloffen wäre. 278 ) Den 12. wurde zwar wegen des Printz Carls Geburts-Tags die gewöhnliche Gala angesagt, aber sonsten nichts publiques bei Hoff gehalten. Den 13. hatten wir Conferenz in mixtis im Spiegel-Zimmer. 272 1755, Dez. 14.—21. Den 14. Sonntags wurde der Kaiserin IJervorgang mit dem gewöhnlichen Coeremoniali, jedoch nicht (wie es sonsten, wann der Hoff in der Statt sich befindet) bei denen Augustinern, sondern in der grossen Hoff-Capellen gehalten; und nach vollendetem Actu giengen II. MM. und sämtlicher Corteggio wieder über die grosse Stiegen hinauf in die Oratoria, um dem ordinari Gottes-Dienst mit Predig und Hoh-Ammt beizuwohnen. Au retour geschähe die Publication deren neu ernannten Cammerherrn nach beiliegender Liste, 279 ) worunter auch mein Frantz Antoni als erster Decretist begriffen worden. II. MM. speisten mit denen zwei altern Ertzherzogen und Ertz- herzoginnen in publico. Nachmittag aber wäre kein Appartement, sondern dafür die Repetition der neuen Opera, als welche die Kaiserin heut zum erstenmahl gesehen, und zuvor noch eine kleine Cammer- Musique, welche von denen altern Erzherzoginnen und ihren zwei Freden Rosenberg und Salburg in Gegenwart aber sehr weniger, par grande distinction dazu geladener Zusehern (welche Gnad auch mir beschehen) produciret wurde. Anbei gäbe der Herr Obrist Hoffmeister ein großes Dine und die Gesellschafft. Den 15. wohnte ich, meinem Gebrauch nach, der Vigil für die Ertzherzogin Maria Anna bei, kunte aber des andern Morgens bei denen Exequien nicht erscheinen, umwillen mir nicht recht wohl wäre. Den 18. hatte der wegen der schlesischen Commission einige Zeit extraordinari dahier geweste preussische Ministre v. Fürst seine Abschieds-Audienzien und nach selben wurde der mit dem Character eines Residenten stehende v. Diest zur Überreichung seines neuen, zu Tractirung obbemelten Gescliäffts erhaltenen Creditivs ebenfahls zur öffentlichen Audienz zugelassen. 280 ) Abends wurde in denen vorigen Wohn-Zimmern der Princesse Charlotte eine für die Function des Hervorgangs angestellte, wegen der Ertzherzogin Mariae Annae kleinen Unpäßlichkeit aber biß an- hero verschobene kleine Comedie produciret, welche von dem Conte Durazzo, Abbe Metastasio und der Fürstin v. Trautsohn zusammen getragen worden und worbei höchsternannte Frau ihren Röle in italian-, die Ertzherzogin Elisabeth in deutscher und die Frau Amalia in französischer Sprach gespillet und nebst selben der Ertzherzog Carl, die Freile Ulfeld und Trautsohn agiret haben. Den 19. und 20. assistirte ich der Vigil und denen Exequien für die verstorbene Kaiserin Frau Mutter. Den 21. als Sonntags gienge der Kaiser öffentlich zum vormittägigen Gottes-Dienst, auch abends zur Toison-Vesper. Die Kaiserin aber wäre retiriret wegen denen gewöhnlichen, von dem 1755 , Dez. 22 .- 28 . 273 P. Lehner für die Dames heuer abermahlen gehaltenen dreitägigen Exereitien. Den 22. begleitete ich noch den Kaiser zu den wegen des in choro auf heut transferirten Apostel-St. Thomae-Fests celebrirten Toison-Ammt; abends aber empfände ich mich etwas unpäßlich, weß- halben mich sogleich zu Hauß hielte, in der Hoffnung, daß es sich damit in kurtzem verziehen würde; allein wider all- besseres Ver- muthen muste ich die Feier-Täge über und biß zu End dises Jahr- und Monaths das Zimmer hüten und darffe mich kaum am heiligen Tag zu Hörung deren drei Messen zum Schotten, und zwar in ein geheiztes Oratorium wagen, weihen ich immer eine von überhand genohmenen Obstructionen in primis viis und zuruckgehaltenen Haemorrhoidibus hergekommene Alteration empfunden, welche nach der Besorgung meines Ordinarii D ris Zwenghoff Ieichtlich wieder in ein febrilisches Accidens hätte ausschlagen können. Währender meiner Unpäßlichkeit wurden bei Hoff die Functionen und Kirchengänge der heiligen Zeit al solito verrichtet, worzu ich dann den Graffen Frantz Esterhasy abermahlen zur Vertrettung meines Ammts angestellet. Den 25. wäre das Dine en grand public in der Ritter-Stuben und abends nach der Vesper und Seegen (indeme heut und die zwei folgende Täg das 40 ständige Gebett in der grossen Hoff-Capellen gehalten worden) das erste Appartement seit des Hoffs Zuruckkunfft in die Statt. Den 26. führe der Kaiser allein nach St. Stephan und die Kaiserin gäbe zum erstenmahl die öffentliche Audienzien seit ihres Hervorgangs. Den 27. hatte der venetianische Bottschaffter vor der Kirchen seine öffentliche Abschieds-Audienz bei den Kaiser und erhielte bein Austritt aus der Rathstuben von meinem Ammts-Verwesern das gewöhnliche Portrait, verfügte sich sodann auch zur Kaiserin als kaiserlichen Gemahlin; und weillen er noch keine andere Ambassade bekleidet, wo er den bei denen Bottschafftern diser Republic gewöhnlichen Ritterschlag hätte erlangen können, so wurde er nach den Beispill des Bottschaffters Diedo von dem Kaiser auf den Abend zu einer Privat Audienz bestellet und bei selber nach Ausweis des über disen ganzen Actum bei mir befindlichen Prothocoll-Extracts 281 ) ohne weitern Coeremonien zum Cavaliere gemacht. Den 28., als Sonntags, hatte selber vor den Kirchen-Dienst bei der Kaiserin als regierende Frau und Königin (ebenfahls auf der Männer Seiten) und sodann bei sämmtlichen jungen Herrschafften die Kh evenhüller-Schl i 11 er. 1752 — 1755 . 18 274 1755, Dez. 29.—31. nemmliche öffentliche Abschieds-Audienzien, worbei ihme Graff Ester- hasy der Kaiserin Portrait überreichte und bei selber ihn sodann abends — wie bei den Kaiser geschehen — zur Privat-Audienz meldete, allwo er von der Kaiserin mit denen nemmlichen Formalien als Ritter creiret wurde und von der Zeit an das Publico abge- leget hat. Den 29. fiengen die kleine Din6s und Soupers bei Hoff wieder an, jedoch wurde nach der Hand deren leztern halber die Einrichtung getroffen, daß mann meistentheils nichts als Männer dazu geladen, weillen die Kaiserin, welche nicht zu soupiren pfleget, damit nur geniret wäre und denen wenigen Dames, welche mann zu disen Soupers laden dörffen, es in der That auch nicht gelegen sein können, dise für sie nicht weniger genante Gnad so offt zu genießen; nebst deme es dem Kaiser vornemlich nur darumen zu thun wäre, jemanden zur Ansprach an der Taffel zu haben, weillen dise seine angenemmste Stunden seind, er auch von darumen die Souper-Zeit nach Möglichkeit zu verlängeren suchet und meistentheils noch nach aufgehebter Taffel eine Stund und mehr stehender im Diseurs zuzubringen und hierbei vornemlich selber die Sprach zu führen und verschiedene alte Historien zu wiederhollen pfleget. Den 31. gienge ich zum erstenmahl nach meiner Reconvales- cenz wieder nach Hoff und ließe mich insonderheit bei der Kaiserin melden, um selber meinen untertänigsten Handkuß abzustatten, daß sie fast täglich zu mir geschickt und sich um meine Gesundheit erkundigen laßen. Ich fände I. M. an der Toilette und die zwei Prothomedicos nebst dem Leibmedico der Wochen bei selber, weillen sie eine Indigestion geldaget, auch würcklichen sich bald darauf in das Bett legen müssen, von welchen Umstand mir aber nichts be- kant wäre, indeme ich sonsten die Indiscretion nicht gehabt hätte, mich bei diser liebenswürdigen Frauen zur Audienz anzumelden. Dise Unpäßlichkeit hatte übrigens, Gott sei Danck, keine weitere Folgen, als daß die Kaiserin bei den heutigen Dine nicht erschinen und den morgigen Ausgang zu denen Jesuitern ausgelassen, wie sie dann des Abends dem gewöhnlichen Schluß des Jahrs in der Cammer-Capellen und dem zweiten Einrauchen beigewohnet. Mir aber und meiner Frauen wäre dises Incident um so betrüblicher, als wir eben heut bei Hoff gespeiset und uns also der Gnad beraubt sehen müssen, der Kaiserin unsere Cour machen zu können. Ansonsten wäre auch heut Toison-Vesper. Diser und voriger Monath November werden in historia natu- rali wegen deren villen Erdbeben, Wassergüssen und himmlischen 1755, Dez. 31. 275 Phenomenon sehr notabel sein, so sich dise zwei Monathe hindurch zugetragen und mit mehr oder weniger Hefftigkeit, vom 1. Novembris biß lezten Decembris, durch 61 Tage von denen östlichen Uffern des Oceani biß in den Mittelpunct Deutschlands und von Island fast biß an den Tropicum cancri, mithin in einem Umfang von ungefähr 4000 Meilen von Osten biß Westen und beiläuffig 2000 von Süden biß Norden verspiihret worden; sonderlich aber wird das unglückliche Schicksaal, welches die Statt Lissabona durch dreifaches (den 1. und 12. Novembris, dann den 21. Decembris) erfolgten, in denen vorigen Zeiten nie erhörten Erdbeben betrotfen, und worvon getreue Relationen hier beiliegen, 282 ) ein immerwährendes Andencken der göttlichen Straffruthen verbleiben. 18 * Anmerkungen und Anhang. 1 (2). „Ball-Ordnung, wie solche Ihre kaiserlich-königliche Majestät künftige Faschings-Zeit hindurch zu beobachten allergnädigst anbefohlen haben.“ Wien, 3. Januar 1752. Vgl. auch Wiener Diarium d. d. 5. Januar 1752. Nr. 2. Anhang. 2 (2). Diese Resolution findet sich weder bei Kvopatschek, noch im Cod. austr. 3 (2). Der erste Gegenstand der Beratung betraf den Barrieretraktat. (Vgl. Eugene Hubert, Des garnisons de la Barriere dans les Pays-Bas autrichiens 1715—1782, p. 280 ff. in den Memoires couronnes et Memoires des savants etrangers, publies par l’Academie royale des Sciences, des lettres et des beaux- arts de Belgique 1902, t. LIX.) Keith und Burmania hatten am 23. November 1751 eine Note folgenden Inhalts überreicht: „S. M. B. et LL. HH. PP. ont appris avec bien de la satisfac- tion que S. M. I. et R. est d’intention de confier ä S. A. R. le prince Charles de Lorraine la direction de la negociation touchant les affaires de la Barriere et de lui laisser le choix des personnes qui lui paraitront les plus propres pour etre commissaires. S. M. B. et LL. HII. PP. sont de leur cote pareillement disposees ä entamer serieusement cette importante affaire et ä terminer sans delai avec tout la condescendance possible tous les differends qui subsistent ä ee sujet entre l’imperatrice-reine d’Hongrie et de Boheme et les puissances maritimes. S. M. B. et LL. HH. PP. ont dejä d6signe leurs commissaires pour cette fin,*) elles sont pretes ä les nommer pour entrer en negociation ä Bruxelles sur un traite de commerce, comme il a ete promis par l’article 26 du traite de Barriere du 15 novembre 1715 et par le 5 article du traite de Vienne du 16 mars 1731, et cela incessamment et meme pour terminer finalement la chose — s’il se peut — dans l’espace de six mois. S. M. B. et LL. HH. PP. adopteront pour base de cette negociation les principes poses dans le memoire, remis le 28 mai de l’annee derniere de la part de S. M. I le & R Ie aux soussignös ministres de S. M. B. et de LL. HH. PP., savoir que les traitös sont egalement obligatoires pour tous les contractants et que l’on est tenu de part et d’autre ä y donner satisfaction entiere en meme temps et ä pas egaux. Que le traite de Munster de 1648 sera execute ä plein par les hautes parties contractantes dans tous les articles, en tant que ce n’y aura pas ete de- roge par les traites post6rieurs, et qu’on s’oblige de part et d’autre au redresse- ment de ce qui pourrait etre contraire ä ce traite. *) Salomon d’Ayroles, Andreas Mitchell (englische Kommissäre); Wilhelm van Haren, Jakoh van der Heim, Wilhelm van Citters (holländische Kommissäre). (Hubert, Les garnisons de la Barriere, 283.) Que ce traite, quant ä commerce, est la base de celui de la Barriere, et qu’ainsi il aura ä servil- de regle dans tous les doutes ou difficultes qui pourraient survenir pour tout ce qui n’est point. exprime et decide par celui de la Barriere. Que feil l’empereur Charles VI de glorieux memoire ne s’est engage par le 26 article du traite de la Barriere ä laisser les choses in statu quo, par rap- port aux droits d’entree et de sortie dans les Pays-Bas, que provisionnellement et jusqu’ä ce que les puissances contractantes en conviendraient autrement par un traite de commerce ä faire le plutöt qu’il se pourra et qu’ainsi on satisfera sans delai ä cette promesse, en donnant les mains au plutöt ä un traite de commerce juste et equitable. Que le commerce des Pays-Bas ä l’exception de ce qui est porte par les traites, est dans une entiere liberte. Comme S. M. B. et LL. HH. PP. par cette declaration de mettre d’abord les mains au dit traite de commerce, et en adoptant tous les dits principes, font voir que de leur cöte eiles sont pretes et disposees ä donner contentement ä S. M. I le dans les choses qui lui tiennent ä cceur, et tächent de convaincre S. M. I. et R. par lä de la purete de leurs intentions, eiles attendent aussi de l’equite reconnue et de la fagon genereuse de penser de S. M. I le qu’Elle fera reflexion aux justes intentions de la Republique par rapport au subside qui lui est du; ainsi eiles s’assurent que S. M. I. et R. voudra bien ä l’ouverture des Conferences s’engager ä faire payer une somme convenable ä compte des arrerages et de plus une bonne partie du subside de 1,250.000 francs, de mois en mois jusqu’au temps qu’un traite de commerce sera conclu en conformite du traite de Barriere de 1715 et de celui de Vienne de 1731, et qu’on sera convenu touchant le payement du subside pour l’avenir. S. M. B. et LL. HH. PP. instruiront aussi leurs commissaires et prient S. M. I. et R. qu’Elle en veuille faire de meine pour convenir ulterieurement aux Conferences ä Bruxelles, tant sur le pied du payement du subside pour l’avenir, que sur les arrerages encore düs ä la Republique, jusqu’ä ce jour, sans y com- prendre les arrörages du temps auquel les Frangais ont ete en possession des Pays-Bas; comme aussi pour traiter aux dites Conferences de la maniere de trou- ver les moyens et de faire les arrangements pour reparer et ameliorer les for- tifications des villes de la Barriere qui sont endommagees ou ruinees, et pour les pourvoir de rartillerie et des munitions necessaires, et enfin pour regier finalement en meme temps, dans les dites Conferences, tous les differends ulterieurs, touchant l’execution du traite de Barriere de 1715, de la convention ulterieure de 1718, de la convention touchant la restitution des deserteurs de 1742 avec tout ce qui concerne les affaires de la Barriere. _ _ _ _ _ _ _ _ _ _U (Nr. 22 ad Vorsters Instruktion vom 24. März 1752. Staatsarchiv.) „L’imperatrice-reine ... ne demande pas mieux — so lautete die Antwort der österreichischen Regierung d. d. 10. Januar — que de terminer au plutöt les differends survenus au sujet de la Barriere, conformement au traite qui porte ce nom. A l’exemple de feu son auguste pere eile s’est empressee a le remplir meme en ce qu’il y a de plus onereux, tandis que les engagements reciproques et surtout la promesse contenue dans l’article 26 — quoique re- nouvellee plus efficacement en 1731 et 1732 — sont restes jusqu’ici sans efifet. On en avait prevu les fächeuses suites et on les a souvent predites. Elles ne se sont que trop manifestees depuis et ont ete presque aussi fatales aux puissances 278 maritimes qu’ä la maison d’Autriche. Ainsi l’imp6ratrice-reine, poussee par son grand zele tant pour la tranquillite publique que pour les interets de ses allies, a cru leur devoir representer amiablement les meines verites que l’experience avait rendu si Evidentes, et pour cet effet eile a insiste sur les m6mes principes qui tant de fois avaient ete avances ci-devant. C’est donc une tres grande satis- faction pour eile que d’apprendre par le memoire remis en dernier licu par MM. le baron de Burmania et Keith, que ces principes ont ete pleinement adoptes. Et pourvu qu’on s’y tienne dans tout le cours de la negociation selon le sens naturel des paroles, contenues dans la reponse du mois de mai de l’annee 1750, l’imperatrice-reine renouvelle en echange tres sincerement et tres cordialement la promesse y faite en son nom, ä savoir que des que les puissances maritimes satisferont en consequence des dits principes ä tous leurs engagements, et qu’elles se seront pretees en particulier au traite de commerce, promis par l’article 26 du traite. de la Barriere au plutöt, et par l’article 5 du traite du 16 mars 1731 dans le temps determine des deux ans, S. M. satisfera aussi ä pas egaux au paye- ment du subside de 500.000 patacons pour autant qu’il sera possible, que les revenus des Pays-Bas puissent fournir ä cette depense et aux autres egalement indispensables. L’accomplissement fidele de cette declaration reciproque, reconnue pour base de tout ce qui s’est traite depuis, est tout ce que les puissances maritimes peuvent desirer. Ce serait s’eloigner des principes convenus que d’en deinander davantage. Et l’imperatrice-reine se flatte meine qu’en exaininant saus preven- tion roriginc et la nature des griefs dont le redressement fait l’objet des Conferences ä tenir, elles seront pleinement convaincues qu’en s’y engageant, S. M. a moins consulte ce ä quoi eile serait tenue en vertu des traites, que la sur- abondance de sa bonne foi, sa grande amitie pour ses allies et son zele pour raffermissement du lien qui les unit. II s’agit de reinedier aux griefs reciproques selon la teneur des traites, ä savoir celui de Munster, celui de la Barriere et celui de 1731 auquel LL HH. PP. sont accedees l’annee d’apres. Or les plaintes de Pinexecution de quelques articles tres importants du traite de Munster subsistent depuis plus d’un siede, et depuis plus de 36 ans il n’a pas ete satisfait ä la promesse contenue dans l’article 26 du traite de la Barriere. Enfin Pengagement contracte par l’article 5 du traite de 1731 est reste jusqu’ici sans effet, tandis que le subside annuel de 500.000 patacons a 6te exacte- ment paye depuis qu’il a ete promis jusqu’au temps de la derniere invasion des Pays-Bas autrichiens, de sorte que, comme leur restitution ne s’est faite qu’en 1749, MM. les Etats-Generaux ne sauraient tout au plus opposer ä tant de griefs qui durent respectivement au delä de 103, 36 et 20 ans qu’un seul qui ne dure pas encore trois ans, suppose meine qu’on puisse nommer grief ce qui en pareil cas ne l’est pas. D’oü il rdsulte que, quand meine l’imperatrice-reine aurait soutenu ou soutiendrait encore, que le redressement de tant et de si anciens griefs, accumul6s les uns sur les autres, devrait preceder le redressement d’un seul de si fraiche date, ils n’auraient aucun sujet plausible de s’en plaindre. Et puisque S. M. par attention et egards pour eux n’y insiste pas, quoique tres fondee ä le faire, mais qu’elle s’est relachee en leur faveur jusqu’ä declarer ce qu’on a rapporte ci-dessus, ils ne sauraient manquer de reconnaitre ä une si forte preuve toute l’etendue de son affection pour la Republique. 279 “ 9 - r Une circonstance tres notable renct cette reflexion plus frappante. II ne tenait qu’aux puissances maritimes de mettre plutöt la main ä l’ceuvre, S. A. R. le prince Charles de Lorraine etant authorise depuis le mois d’aout 1750 de choisir les commissaires qui se trouvent d6jä nommes. Tout le retard pendant ces trois ans memes ne provient que de leur cote-, et sans en citer d’autre preuve, il suffit de remarquer qu’elles ont differe ä repondre au memoire du mois de mai 1750 auquel se rapporte celui du 4 aoftt de la mOme annee, iusques vers la fin de 1751. II est donc evident que l’on ne saurait exiger de rimperatrice-reine qu’ä Couverture des Conferences Elle ait ä payer une somme convenable ä compte du subside annuel de 500.000 patacons. Une pareille demande renverse l’ordre naturel des choses, en postposant ce qui selon toutes les regles devrait preceder. Elle est directement opposee aux principes dont. on est convenu, principes qui par lä seraient presque aussitöt enfreints qu’adoptes. Ainsi S. M. I. et R., quelque envie qu’elle ait de ne rien refuser ä ses amis et allies, ne saurait aller plus loin que ne porte sa declara- tion susdite, pour ne pas exposer au plus grand danger la tranquillite publique, la surete commune et surtout le precieux boulevard des puissances maritimes. Mais par une autre voie en ne s’ecartant ni de l’esprit, ni de la lettre des principes dont on est convenu, il y aura moyen de remplir tous ces objets sans courir de nouveau le risque de les manquer tous töt ou tard. Enfin tout bien considere le maintien de ce meine boulevard dont par grandeur d’äme et amitie pour ses allies rimperatrice-reine ne s’attribue aucun avantage pecuniaire, le sacrifiant entierement au bien de la cause commune, sert infiniment plus ä cou- vrir les frontieres de la R6publique et de la Grande-Bretagne que les restes de la monarchie d’Autriche.“ (Nr. 23 ad Vorsters Instruktion vom 24. März 1752.) In derselben Konferenz kam auch die Regelung der österreichisch-preußischen Handelsbeziehungen zur Sprache, eine Angelegenheit, über die der Friede von Berlin 1742 eine besondere Bestimmung enthielt. (Vgl. darüber Hermann Fechner, Die handelspolitischen Beziehungen Preußens zu Österreich während der provinziellen Selbständigkeit Schlesiens 1741—1806, S. 160 ff., 173 ff.) Dem preußischen Kommissär Dewitz wurde ein vom 10. Januar datiertes Schriftstück übergeben, worin man ihm im Namen der Kaiserin erklärte, daß diese „ganz willig und bereit“ sei, „dem Schriftwechsel ein Ende zu machen und anstatt sich dar- mit vergeblich aufzuhalten, zur Sachen selbsten zu schreiten und je ehender, je lieber einen derer Friedens-Traktaten klaren Verordnung gemäßen Commercien- Traktat suchen zumstand zu bringen. . . .“ (Antwort auf die von H. Dewitz übergebene, den 31. Dezember 1751 datierte Schrift. Ad Weisung an Kaunitz vom 11. Januar 1752. Staatsarchiv.) 4 (3). Berichte des Grafen Esterhazy vom 25. und 27. Dezember 1751, den Entwurf eines Freundschaftsvertrages betreffend, der mit Spanien-geschlossen werden sollte. (Vgl. Arneth, Maria Theresia IV, 337 ff.) 5 (3). Am 19. Dezember 1751 war Königin Luise (Tochter Georgs II. von England), die Gemahlin Friedrichs V., gestorben. 6 (5). Gegenstand der Beratung waren die Grenzstreitigkeiten mit Venedig. 7 (5). Wann dies geschah, konnte trotz eifrigen Nachforschungen nicht festgestellt werden. 8 (6). Migazzis Instruktion ist vom 3. Februar 1752 datiert. (Vgl. Wolfs- gruber, Christoph Anton Kardinal Migazzi, Fürsterzbischof von Wien, 44.) 280 9 (8). „La marquise: Ertzherzogin Maria Anna; die anstatt des Valet Dubois componii'te Soubrette Suson: meine Dochter; Lisidor: Gr. Neipperg; Leander: Frantz Esterhasy; Rosimon: Antoni Pergen; Dorante: Eugene Würben; der anstatt des Arlequin de la piece substituirte Frontin: Baron Hagen, Bruder der Fürstin von Trautsohn. In denen Balleten danzten die älteste Freile von Auersperg (vom Obriststallmeistern) und die Dochter des Rudolph Choteck, sodann von Chapeaux: Gundatker Starhemberg, Rogendorff, Carl Dietrichstein (Sohn vom Leopold) und Joseph Colloredo (dritter Sohn vom R. V. C.).“ (Randnote von Khevenhüllers Hand.) 10 (10). Dem Herzog Franz III. von Modena war nach dem Tode des zweitgeborenen Prinzen von einem seiner „gut denkenden“ Räte bedeutet worden, er solle der Nachfolge halber sich mit Maria Theresia verständigen und zu diesem Zwecke die Vermittlung Englands anrufen; dann bliebe ihm erspart, was dem Herzog von Parma und dem Großherzog von Toskana widerfahren sei. Diesen Rat befolgte Franz III. nur zum Teile: er bot dem Könige von England die Sukzession, und zwar für den zweit- oder drittgeborenen Sohn des verstorbenen Prinzen von Wales an, wobei er zur Bedingung machte, daß der Anwärter seine Enkelin Marie Beatrix*) heirate und zum katholischen Glauben übertrete. (Weisung an Vorster, d. d. 30. Juni 1752. Staatsarchiv.) In der Folge wurde jedoch einer der beiden jüngeren Erzherzoge in Vorschlag gebracht, wie aus einem Schreiben erhellt, das der hannoveranische Minister Münchhausen am 21. Januar 1752 an den Grafen Khevenhüller richtete. „Par un motif de la confiance distinguee — so heißt es darin — que S. M. le roi mon maitre garde 4 V. E., eile m’a Charge de Lui faire une ouverture qui de- mande beaucoup de menagement et de secretesse. S. A. S. le duc de Modene, depuis que la mort lui a enleve son fils, a prie le roi en secret de l’aider de ses conseils ä regier sa future succession relativement au cas de defaut des mäles dans sa posterite. Cette requisition a ete faite d’une fagon si cordiale et si affec- tueuse que le roi peut eompter que ses avis fixeront les vues du duc. Toujours attentive donc qu’est S. M. ä seconder les interets de la maison imperiale, eile serait tres portee 4 faire tourner ces dites vues du cötd d’un des jeunes archi- ducs, fils de LL. MM. II., pourvu que celles-ci en fussent d’accord et l’eussent pour agrßable. Et voilä, Monsieur, ce dont le roi souhaite d’etre ßclairci au plutot possible, m’ayant ordonne de prier V. E. pourqu’il Lui plaise de sonder 14 dessus les intentions de LL. MM. II. — — — — — — — — — —“ (Nr. 1 ad Weisung an Vorster vom 30. Juni 1752. Staatsarchiv.) „Le roi d’Angleterre — so schrieb Koch am 12. Februar 1752 an Kaunitz nach Paris — a fait enfin la premiere ouverture sur l’idee en question du duc de Modene, la donnant cependant pour une idee 4 lui . . (Schiitter, Cor- respondance secrete entre Kaunitz et Koch, 1750—1752, p. 170.) Khevenhüllers Antwort lautete wie folgt: „LL. MM. II. ont ete d’autant plus sensibles k cette marque d’amitiS de la part de S. M. B. qu’elles ont la con- solation de se voir confirmees par lä dans l’idee si flatteuse qu’elles s’en etaient toujours faites reconnaissantes de nouveau avec quelle sincere et cordiale affec- tion S. M. B. s’intöresse en toutes occasions au bien et k l’avantage de leur maison. C’est par un retour aussi juste que parfait que LL. MM. II. m’ont ordonnö *) Einzige Tochter und Erhin des Prinzen Hercules aus dessen Ehe mit Maria Theresia Cihio, Erbin von Massa und Carrara. 281 d’Gcrire en reponse ä V. E. que rien ne ponvait Egaler leur reconnaissance, que je devois employer les termes les plus forts et les plus expressifs pour mettre dans tout son sejour ce sentiment et sur tout l’entiere confiance que LL. MM. II. mettaient dans cette precieuse amitie et les liautes lumieres de S. M. B. qu’une proposition et offre qui partait d’une aussi belle source, ne pouvait que leur etre tres agreable, vu principalement qu’il s’agissait des interets d’une maison si etroitement alliee par le sang ä LL. MM. II. comrae Test la seren, maison d’Est, et que l’etfet qui pourrait en rejaillir sur son auguste famille, servirait en meine temps ä l’affermissement du repos public et au bien de la cause commune, et qu’au surplus la grände penetration et circonspection de S. M. B. ne laissait auc-un doute sur les voies ä choisir et ä leur surete, ä quoi LL. MM. II. se preteront toujours avec plaisir et empressement. Apres avoir eu l’honneur de confier ici ä V. E. les intentions reciproques de LL. MM. II. sur l’affaire qui fait le sujet de votre lettre, j’ai encore le con- tentement d’y ajouter par leurs ordres expres qu’Elles ont 6te veritablement ravies que S. M. le roi, votre maitre, a clioisi pour leur faire cette ouverture confidentielle, un ministre en qui elles ont eu toutes deux toujours une confiance distinguee, persuadees de sa probite et de son ardeur empressee ä cimenter de plus en plus la bonne union qui regne si heureusement entre les deux cours . . .“ (Nr. 2 ad Weisung an Vorster vom 30. Juni 1752. Staatsarchiv.) 11 (10). Dieses Schreiben Kochs liegt nicht bei. 12 (12). S. Band 1745—1749, p. 326 (1749, Mai 23). 13 (13). Palais Graf Wilczek. 14 (13). Liegt nicht bei. 15 (14). In dieser Konferenz hatte der niederländische Bat vorgeschlagen, das eine und andere Gutachten abzuwarten und darnach Keith und Burmania zu bescheiden. „Allein hat dieser Antrag aus der Ursach bedenklich geschienen, weilen andurch die anderseitige Unzufriedenheit vermehret und dießorts mit der Schuld des Verzugs gegen die bißherige hiesige Maßregien sich beladen werden dürfte.“ (An Kaunitz, 11. März 1752. Staatsarchiv.) Es wurde daher beschlossen, ein Promemoria über das Verhalten der Kaiserin in der Barriere-Angelegenheit abzufassen, worin auch gezeigt werden sollte, wie wenig die Seemächte den eingegangenen Verpflichtungen gerecht geworden seien. Diese Denkschrift („Beflexions“) gelangte in der Konferenz vom 28. Februar zur Verlesung und lautet folgendermaßen: „Peu apres la conclusion des preliminaires d’Aix-la-Chapelle on delibera sur un nouveau Systeme ä fixer pour les Pays-Bas autrichiens. On y trouva d’abord tant de difficultes qu’on desespera quasi de pouvoir les mettre sur un pied tant soit peu tolerable. Leur commerce avait ete ecrase par leurs preten- dus defenseurs, les Hollandais, pendant la paix, et ceux-ci apres en avoir tire durant cet intervalle au-delä de trente trois millions de florins, ont en suite si mal garde les places qui leur avaient ete confiees, que rennend s’en est empare avec facilite et rapidite et a trouve par lä rnoyen d’achever d’en epuiser les habitants par des contributions exorbitantes qu’en peu d’annees ont excfede la somme de vingt millions. Outre des malheurs si accablants, ce meine ennemi avait demoli une bonne partie des places qui couvraient le pays, de sorte que le nombre des troupes qui ci-devant etait süffisant pour la garantir contre un coup de main, ne l’etait plus ajires tant de pertes et un 6puisement tel qu’on vient d’indiquer. D’ailleurs ces meines pertes avaient tellement aigri les esprits des habitants contre les allies naturels de la maison d’Autriche, surtout les Hollandais, qu’on pr^voyait bien qu’il ne serait pas aise de les porter ä faire des efforts meme possibles pour mettre leur auguste souveraine en etat de remßdier ä tous ces inconv£nients. On proposa donc d’engager l’Angleterre 4 payer pen- dant dix ans un subside annuel de 150.000 U Sterlings — subside jug6 süffisant pour subvenir aux besoins des Pays-Bas durant l’espece de temps necessaire pour reparer les maux de la guerre. Mais outre que cette ressource parut fort incertaine et sujette 4 beaucoup de suites fächeuses, l’esprit d’epargne qui se manifestait des lors dans le cabinet de Londres, la rendait absolument impossible. II ne resta donc qu’un seul moyen, non pas 4 la verite pour pourvoir suf- fisamment r 4 leur surete, mais du moins pour les garantir contre un coup de main. Et ce moyen etait de retenir les 500.000 patacons annuels, non pour le profit de la souveraine, mais pour les mieux garder 4 l’avenir, c’est 4 dire, 4 l’avantage de ceux-14 memes qui les recevaient ci-devant et qui bien loin de les avoir employes selon les termes du traite 4 la surete commune, en avaient abus6 d’une maniere qui outre qu’elle etait injuste, avait tourne 4 leur propre preju- dice. On se flattait par 14 de diminuer l’animosite susdite et de porter les 6tats respectifs des Pays-Bas autrichiens 4 secourir avec plus de zele leur tendre souveraine. On se flattait que la cour de Londres reconnaitrait non moins la neces- site que la grande utilite d’un moyen aussi simple, pour ne plus exposer 4 tant de risque son propre boulevard. Enfin on se flattait que l’experience du passe convaincrait les Hollandais memes que sur des principes aussi inhumains qu’etaient ceux qu’ils avaient fait valoir ci-devant contre l’esprit et les termes expres des traites precedents, ils ne pourraient pas tarder ä en eprouver les fächeuses meines suites qu’ils avaient ressenti les deux dernieres annees de la guerre jusqu’ä perdre ä la fin en peu de temps leur liberte et independance. On se determina donc pour ce moyen. S. E. M r le comte de Kaunitz en fut instruit, aussi bien que M 1 ' le baron de Wasner ä qu’il l’on communiqua les remarques y relatives qu’il fit parfaitement bien valoir ä Hannovre, et le premier s’y prit avec tant d’adresse et de prudence au congres d’Aix-la-Chapelle que la clause que les Hollandais avaient voulu faire inserer au trake de paix definitif qui se negociait alors, ne fut point admise. Ainsi pour se prevaloir de cette ressource, il ne resta apres la restitution des Pays-Bas qu’une seule difficulte ä lever. L’article XIX du traite de la Barriere ordonne le payement annuel de 500.000 patacons. Et quoique les Hollandais fussent continuellement contrevenu au dit traite, il ne convenait pas de soutenir qu’on n’y etait plus oblige et moins encore de se detacher des anciens allies de la maison d’Autriche, non-obstant les grands sujets des plaintes qu’on en eut. D’ailleurs l’imperatrice-reine accou- tumee ä proceder en toute occasion avec surabondance de bonne foi, les avait fait assurer que sans se Souvenir du passe, eile remplirait ä leur egard tous les engagements prec6dents, pourvu que de leur cöte ils en fissent autant. Mais cette difficulte etait aisee ä lever, conformement ä la declaration meme qu’on vient de rapporter. Car comme l’article XXVI du traite de la Barriere n’est pas moins obligatoire que l’article XIX, il suffit de dire que des que les Puissances maritimes auraient satisfait ä celui-ci, l’imperatrice-reine remplirait fidelement Tautre. Et l’on 6tait d’autant mieux .fonde ä ne pas s’en departir puisqu’elles etaient en defaut d’y satisfaire pendant beaucoup plus de temps que l’on n’avait cesse le payement de 500.000 patacons. 283 II serait 6galement inutile et ennuyant de repeter tout 'ce qui a 4te dit et ecrit sur ce sujet. On disputa lä-dessus au-dela de trois ans, terme dont la moitie aurait suffl pour convenir d’un traite de commerce, s’il tant y a que les Puissances maritimes soient veritablement disposees a en conclure im en con- formite de l’article XXYI susdit reclame inutilement pendant plus de 36 ans. Elles ne sauraient disconvenir que la faute du retard ne vient de leur part. Feu le prince Stathouder l’a avoue dans sa lettre du mois de mai de l’annee passee. Et cette seule reflexion les met evidemment dans le tort si sous quelque prdtexte que ce puisse etre, eiles tardent plus longtemps ä mettre la main ä l’ceuvre par l’application des principes dont on est enfln tomb6 d’accord. Et ces meines principes authorisent pleinement le refus d’un payement anticipe puis- qu’apres l’engagement mutuel que tout se doit faire ä pas egaux, elles ne sauraient aucunement vouloir pretendre que l’imperatrice-reine les devance de nouveau, au risque de se voir frustree de l’avantage qui lui est du ä tant de titres, et qui seul peut la mettre en 6tat de satisfaire a la dite demande. On est donc non seulement pleinement fonde, mais meine dans la nöcessite absolue de ne pas se relacher sur cet article tant ä cause de l’epuisement des finances des Pays-Bas que du grand interet que les Puissances maritimes ont que depourvues elles-memes des troupes et surtout des bonnes troupes, le nombre de celles de S. M. l’impdratrice-reine ne soit aucunement diminue, quoiqu’elles affectent de ne pas reconnaitre tout le prix d’une mesure si juste, si utile et dans les circonstances presentes plus que jamais indispensable. Le salut commun depend de leur entretien et Conservation. Ainsi les plaintes et les cris de ceux ä qui on veut du bien, ne doivent pas detourner l’imperatrice-reine d’y pour- voir; tout de meme qu’un vrai ami ne cede pas ä celui qui va se perdre, mais le retire malgre lui du pas glissant qui le mene au precipice. Neanmoips pour convaincre en meme temps les Puissances maritimes de toute l’etendue des senti- ments affectueux de S. M. I. et R., il convient de donner ä chaque chose une teile tournure qui demontre que c’est pour leur bien qu’on travaille, et non ä leur prejudice. Mais outre la demande d’un payement anticipe, elles en font une autre, bien plus epineuse et embarrassante. Cette seconde demande concerne le redres- sement des nouveautes introduites dans le tariff. Ce n’est pas de l’dtablissement des moulins ä scier dont il s’agit, puis- qu’elles n’ont pas la moindre ombre de raison d’y contredire, mais des droits d’augmentation imposes sur les bois scies venants d’Hollande. Le gouvernement des Pays-Bas est sans contredit pleinement fonde ä soutenir que le tariff confirme par l’article 26 du traite de la Barriere ne l’a ete que provisionnellement, que cette disposition purement provisionnelle aurait du cesser il y a tres Iong temps; que S. M. I. et R. n’y est plus tenue, surtout apres que les Puissances maritimes ont change le tariff chez elles ä l’egard des Pays- Bas autrichiens, et que les deux ans stipules par le traite de 1731 sont ecoules plus de dix fois. Il n’est pas moins incontestable que jamais et ä grand jamais aucune fabrique ne pourra subsister aux Pays-Bas, ä moins qu’on ne hausse les droits sur ce qui vient des pays etrangers et nommement de la Hollande. De plus on tombe sans peine d’accord que c’est un principe tout ä fait inhumain et diametralement oppose tant ä l’esprit qu’aux termes des traites, que de pretendre que les Pays-Bas autrichiens ne doivent servir qu’ä enrichir la 284 Republique pour la mettre d’autant plus en etat de secourir l’auguste maison d’Autriche. Le premier et le plus essentiel devoir d’un souverain envers ses sujets est, de veiller a leur Conservation et non de se preter et de concourir ä leur ruine. La convenance mutuelle est Farne du commerce. Elle est la base fondamentale de tout le traite de la Barriere. Les Hollandais Font reconnu ci- devant en offrant tant et tant de fois de le regier selon la maxime de vivre et laisser vivre — offre qui en suite a ete changee en promesse par les mots iuseres dans Farticle 5 du traite de 1731 ex aequo et bono. Enfin il n’est pas ä douter qu’en travaillant comme Fon fait en Hollande, ä Fapauvrissement des habitants des Pays-Bas, on n’y fraye le chemin ä la propre destruction de la Republique. Mais comme l’esprit marchand qui y pre- domine, est tres souvent peu compatible avec les interets de l’etat, on aurait grand tort de se promettre une issue plus favorable des Conferences de Bruxelles que de celles d’Anvers. Mais apres tout ce qu’on vient de dire, on ne saurait non plus se dispenser de remarquer que le refus de payer le subside annuel de 500.000 patacons stipule par l’article XIX du traite de Barriere, a ete constamment fonde dans le delai que les Puissances maritimes ont si longtemps apporte a satisfaire ä la promesse contenue dans Farticle XXVI du meine traite. Si donc le gouvernement des Pays-Bas remedie de sa propre autorite au defaut de Fexäcution de la dite promesse, le principal motif du refus du payement parait ne plus subsister. C’est donc en quoi consiste maintenant la difficultd qu’il s’agit d’applanir. C’est la plainte la plus plausible que Keith et Burmania font valoir. En faisant espärer ci- devant de delivrer les Pays-Bas du fardeau du subside susdit, sans se brouiller entiercment avec les Puissances maritimes, on y a toujours adjoute la clause restrictive jusqu’ä tant qu’elles auraient satisfait ä l’engagement contracte par l’article XXVI. Cependant cette esperance avait paru chimerique du commencement et aujourd’hui il semble qu’on ne se contente pas de la voir effectude. Il est bien vrai que le seid cliangement du taritf ne soulage pas d’abord, ni assez les finances des Pays-Bas, pour les mettre en etat de payer le subside sans diminuer le nombre des troupes qui y sont. Il est vrai ep outre qu’on ne Fa pas cache aux Puissances maritimes, et que le cas exprime dans la declaration du mois de mai 1750 que S. E. M 1 ' le comte de Kaunitz a dressße, et ä laquelle elles ont acquiesce, n’existe pas, et que meme on en est encore tres eloigne. Il n’est pas moins vrai qu’outre le redressement du taritf les Puissances maritimes sont de plus tenues, de conclure un traitö de commerce ex aequo et bono, c’est k dire sur le pied de la convenance mutuelle, et qu’apres 36 ans ecoules, elles n’ont pas meme commence ä y travailler. Enfin il est tres vrai que par toutes ces raisons ce qu’il y a de plus spä- cieux dans leur plainte, perde toute sa force, et que cette consideration a engage ci-devant la Conference d’Otre unanimement d’avis que Fon n’etait pas oblige de remettre exactement le taritf sur le pied oü il avait ete avant la gucrre, pourvu qu’on y changeät les innovations introduites par les Frangais en haine des Hollandais et Anglais. Mais en meme temps on avait etd d’opinion que —jusqu’ä Fouverture des Conferences — il fallait aller bride en main et agir, pour ainsi dire, imper- ceptiblement, sauf ä prendre son parti, lorsque les Conferences seront rompues par la faute des Puissances maritimes, et que par consequent tont le bläme de la rupture retombera sur elles. Cette precaution a d’abord eu tout son effet puis- qu’elles ne se sont point plaint de la disposition provisionnelle faite il y a environ deux ans quoique differente de celle qui etait en usage avant la guerre. II est nieme probable que l’octroi accorde 4 Manens aurait fait moins d’im- pression en Hollande sans le concours fatal de plusieurs circonstances imprevues qui y ont augmente l’ombrage et 1’allarme. Ainsi tout ce qu’on vient de rapporter, ne tend pas 4 critiquer et beau- coup moins 4 blämer ce qui s’est fait aux Pays-Bas, ni 4 le revoquer ou 4 en suspendre l’execution; mais uniquement 4 faire voir la necessite qu’il y a d’em- ployer tous les moyens convenables pour y calmer les esprits et inquietudes, et pour les porter ä proceder 4 l’ouverture des Conferences, sans rien exiger de l’imperatrice-reine qui donnät atteinte aux principes convenus et blessat ou ses droits ou sa dignit6, ou le decorum du gouvernement des Pays-Bas. Car il parait que c’est 4 ces marques qu’on doit reconnaitre si tel ou autre moyen est convenable ou non. Les assurances de la plus sincere affection, celles de la grande part qu’on prend 4 leur prosperite, et des soins infatigables de l’imperatrice-reine pour le bien de la cause commune semblent ne devoir pas gtre oubliees en cette occasion. On pourrait leur insinuer de plus que S. M. I. et R. avait donne les ordres les plus precis de remplir non-seulement 4 la lettre, mais meine surabondamment tout ce que porte sa declaration du mois de mai 1750 4 laquelle elles ont ac- quiesce, et que selon sa teneur les nouveautes dont elles se plaignent, seront discutees les premieres aux Conferences pretes 4 tenir. On pourrait peut-etre y ajouter encore que sans donner la moindre atteinte au droit de souv-erain par rapport au tarifif, S. M. avait d6fendu tout changement 4 y faire jusqu’4 ce qu’on voye quel train prendront les Conferences et qu’elle etait toute disposee 4 les favoriser au possible en ce qui proprement fait l’objet d’un trait6 de commerce, ayant autant 4 coeur leur interet que le sien propre. Enfin il pourrait peut-etre estre 4 propos de faire sentir 4 Iveith et Bur- mania que la moitie du temps que de la part des Puissances maritimes on a inutilement employe, 4 se resoudre sur des generalites et des principes, aurait suffi pour voir clair s’il y a moyen de concilier les choses selon le sens et les termes des traites restes si longtemps inexecutes; et 4 Keith en particulier que sa cour y perdrait le plus si — faute des fonds — l’imperatrice-reine se trouvait jamais dans la nöcessite de diminuer le nombre de ses troupes aux Pays-Bas, puisqu’elle ne peut pas esperer que ce vuide sera rempli par la Republique, surtout dans l’extreme faiblesse oü eile est 4 present, et que — si la Grande-Bretagne devait le remplacer tot ou tard — il lui en coüterait pour le moins le.triple; outre qu’il etait impossible de n’etre pas convaincu que les Pays-Bas tellement degarnis pour n’etre pas meine garantis contre un coup de main, seraient une amorce tres attrayante pour accelerer l’entreprise d’une nouvelle guerre, en meine temps qu’un pareil danger ne saurait manquer de porter la Republique 4 se j etter entre les bras de la France, malgrö les efforts de ceux qui sont devou6s 4 l’Angleterre. Outre ces reflexions directement relatives aux representations faites par MM. Keith et Burmania, il y en a une autre qui n’y a qu’un rapport indireet, mais en meme temps tres essentiel. La voici: 286 II a ete dit ci-dessus que le devoir d’un souverain envers ses sujets est, de veiller ä leur Conservation, sans pouvoir se preter ou concourir meine ä leur ruine, ä moins qu’il n’y soit force par une necessitS absolue. Cela ötant, ä plus fort raison les sujets sont-ils obliges de payer les tendres et infatigables soins de leur souveraine par un juste retour, propre ä en faciliter la reussite. Et s’ils y manquent, ils manquent non seulement ä leur devoir, mais qui plus est, ä leur propre interet puisqu’apres tout il serait inouT de pr6tendre que la souveraine doit s’exposer ä mille desagrements et fächeuses suites pour l’amour d’eux, sans que de leur cöt6 ils soient tenus ä l’aider de toutes leurs forces pour en faciliter le succes. L’experience est une preuve complette de cette vßrite. On devrait la meconnaitre moins aux Pays-Bas que nulle autre part. Et quoiqu’on puisse dire ou ecrire pour colorer une conduite y opposee, il est toujours certain qu’elle entrainerait infailliblement leur propre perte tot ou tard. Car apres tout il n’est pas possible de faire valoir efficacement toutes les reflexions susdites, ä moins qu’on ne puisse demontrer aux Puissances maritimes et surtout aux Anglais que par la voie qu’on propose, les Pays-Bas seront beaucoup mieux gardes que par celle qu’elles pretendent de soutenir aujourd’hui ä leur prejudice. Et les choses paraissent etre dejä venues ä une teile extremite que nulle subtilite, nulle finesse humaine ne saurait les sauver si Ton tarde davantage ä leur en faire sentir la necessite indispensable. Bien loin de rien perdre en suivant cette route, ils y gagneront considerablement. Par exemple on y tombe d’accord que le seid octroi accorde ä Manens importe un avantage annuel de pres d’un million. E ä juger par les discours de M r le baron de Burmania, les negociants d’Hollande aimeront mieux tenir les Pays-Bas assujettis au tariff qui avait eu lieu avant la guerre, que de faire continuer le subside annuel de 500.000 patacons. Les Puissances maritimes insisteront sans doute autant qu’elles pourront sur des demandes qui les accableraient de ce double fardeau. Mais toute demande pareille serait evidem- ment injuste et meme inhumaine. Et l’on croit de ne pas se tromper quand on pense que la seule liberte de regier le tariff selon le bon plaisir de l’auguste souveraine, pourra en peu d’annees conserver dans les pays six fois autant d’argent qu’il n’en faut pour s’acquitter avec le temps du subside annuel envers les Hollandais, au lieu que — puisque la maison d’Autriche seule ne saurait les döfendre contre la France sans le concours des Puissances maritimes — ils courent risque ou d’etre engloutis par la premiere couronne, ou d’acheter ce concours par un sacrifice qui leur coüterait infiniment plus que ce qui est necessaire pour s’en passer en temps de paix. Ce qui 6pargnerait en meme temps pendant cet intervalle des fraix plus considerables ä la Hollande et tournerait au grand avantage de l’Angleterre qui par le moyen des troupes imperiales entretenues aux Pays-Bas se verrait ä couvert de toute invasion, ä laquelle au contraire eile sera continuellement exposee tant que les Pays-Bas ne seront pas suffisamment garantis contre une irruption soudaine. „A Vienne ce 28 fövrier 1752.“ (Beilage ad Weisung an Kaunitz vom 11. März 1752. Staatsarchiv.) 16 (15). Dieses Schreiben Khevenhiillers (d. d. 8. März 1752) an Münchhausen lautete wie folgt: „La conliance qui est due ä V. E. ä tant de justes titres, m’engage ä L’informer sans delai et par ordre expres de LL. MM. II. de ce qui est venu ä notre connaissance au sujet de l’affaire sur laquelle Elle a bien voulu s’adresser ä moi par Sa lettre du 21 janvier pass6. Le voici: 287 Nous avons appris il y a quelque temps et d’une maniere 4 n’en pouvoir pas douter qu’il avait ete insiniff 4 la cour de Rome par un canal qu’on y croyait bon, qu’apres le deces du prince puisne de S. A. S. le duc de Modene on pensait 4 regier la succession eventuelle de ses etats, qu’on en avait fait la proposition tant en Espagne qu’4 Turin, et que e’etait la vraie cause qui avait accroche la conclusion du traite qui se negociait avec la premiere couronne. Peu apres un bruit sourd s’est repandu ici parmi les ministres etrangers, 4 peu pres conformement 4 ce qui avait ete insinue 4 la cour de Rome, 4 l’ex- ception que nulle mention n’etait faite de celle de Turin, ni que la conclusion du traite avec l’Espagne s’y accrochait. L’ambassadeur de France et ceux de Naples et de Venise ont sonde 14- dessus le ministre de Modene qui n’en etant aucunement instruit de sa cour, n’a pas pu leur apprendre ce qu’ils desiraient de decouvrir. Des que nous en avons ete informes, on s’est donne toutes les peines possibles pour en decouvrir la source, et nous avons appris par une voie que nous avons lieu de croire süre, que M. le comte de Canal en etait l’auteur. Nous avons en outre sujet de conjecturer que le dit comte ne l’a debite qu’apres la reception du courrier qui Iui avait ete depeche par la cour d’abord apres qu’elle en avait regu un de son ambassadeur 4 Paris. C’est 4 quoi se borne notre decouverte, n’ayant pas ete possible d’en penetrer davantage (Nr. 3 ad Weisung an Vorster vom 30. Juni 1752. Staatsarchiv.) 17 (15). „S. M. der Kaiser .... haben gegenwärtigen H. Baron v. Prandau in Ansehung seines H. Vattern villjährig-treuerspi’ießlich geleisteten Diensten und zumahlen bei denen zwei lezteren Wahltagen als königl. churböhm. Bottschaffter in denen wichtigst- und häcklichsten Umständen bezeigten ganz besonderen Klugheit, Geschicklichkeit und unermüdeten Diensteiffers, anmit sich erworbener ausnehmender Meriten, wie nicht weniger in a. m. Behertzigung sein des H. Barons selbst eigenen I. K. M. villfältig angerühmten, sowohl in Reichs- als Justizsachen besitzender stattlichen Wissenschafft und anderer viller lobwtirdiger Eigenschafften zu dero würcklichen R. H. Rath zu benennen. . . .“ 18 (15). Philipp I. Herzog von Orleans — Charlotte Elisabeth von der Pfalz. Elisabeth Charlotte Gemahl: Leopold Josef Karl, Herzog von Lothringen. Philipp II.*) Franz I., Kaiser. Ludwig (Herzog von Chartres). 19 (15). Unter anderem kamen auch die Antworten zur Sprache, die — dem Konferenzbeschlusse vom 26. Februar 1752 gemäß**) — den Vertretern der Seemächte und noch insbesondere Keith erteilt werden sollten. (Abschriften in der Weisung an Kaunitz vom 11. März 1752-, Beilagen 3 und 4.) 20 (17). Der Hauptgegenstand dieser Instruktion vom 24. März 1752 betraf die Wahl eines römischen Königs. (Vgl. Koch an Kaunitz, 18. März 1752. Schiitter, Correspondance secrete entre Kaunitz et Koch, 193.) „Wan forster wie *) Dieser starb am 4. Februar, nicht am 4. Januar 1752. **) Vgl. Anm. 15, S. 281. * 288 meinte — so heißt es in einem eigenhändigen Schreiben Maria Theresias — noch nach Hanovre geschickt wurde, so glaubte allezeit das er khlar reden solte mit unsern alirten und sehe nicht, was selbes schaden Könne und ehender auch bey unsern feinden als Franckreich, Preussen, pfaltz und cöln ein gutten effect und ihre falsche ausstreuungen das maul stopffte. besser wäre es gewesen wan es noch in england und vor dem pariament wie es schonn selbige mahl geglaubt dises geschehen wäre allein ist es besser spätter als nie. dis kunte in folgenden bestehen engelland wüste nur gar zu wohl in wie weit und unter was Bedingnussen man in dem Vorschlag einer Königswahl eingegangen ist man hatt so gar pfaltz das lehen pleistein offerirt sondern auch preussen die reichs garantie des dresdner fridens procurirt, alles umb die allgemeine ruhe allezeit besser zu befestigen, allein die begirde sich auff unsere kosten zu bereichern seye unersättlich und villeicht ihre einzige absiclit selbes allezeit noch mehrers zu schwächen und obwohlen man mit aller hochschätzung dem grossen werth der Kayserscrone erkennet so uns doch das erste augenmerch auff die eygne erhaltung fallen wovon nicht allein die hiesige aber die allgemeine Wohlfahrt und Sicherheit abhanget besonders auch unsere so getreuen aliirten. wären also festiglich entschlossen weder vor preussen noch pfaltz noch es möge sein vor wem es immer wäre weitere opffer zu machen die hier das innerliche systema schwäclieten oder in mindesten zum nachteil eines 3. seyn kunten. wir wären auch überzeigt das nach denen reichs gesätzen zu einer Königs wähl nicht die unanimia nöthig wären sondren die mehrheit deren churfürsten es ausmachte auch das fürstliche Collegium nicht darzu nöthig. weillen aber die jenige welche mehrere Unruhen und zeriittungen in reich gern sehen aus einer wähl mit mehrheit deren stimmen gelegenheit nehmen kunten grosse Spaltungen protestationes und gefährliche consequentzen zu regen so hätte die Sorgfalt die wir insgesambt vor die beybehaltung der allgemeinen ruhe als besonders des reichs bestens und erhaltung tragen uns wohlbedächtlich und vest entschlossen machen keiner andern als einer ruhigen wähl in mindesten Statt zu geben und unsere eygne als unsres haus eygne anständigkeit der allgemeinen Wohlfahrt willigst auffzuopffern. man flatirte sich dem völligen beyfahl so wohl des englischen als hanovri- schen ministerii besonders aber des Königs approbation und beyfall erreicht zu haben man hatt also selben unsere eygentliche Kräfftige Gesinnung nicht verbergen wollen als ein merckmahl unserer fortwehrenden freundschafft damit selbe seine weitere masnehmungen ausmessen wolle und Könne wie dan auch von hier kein bedenckhen getragen wird dis nembliche an mehrere bekant zu machen welches villen üblen einstreuungen wider beede hoffe ein ende gemacht wurde.“ (Ad Vorsters Instruktion vom 24. März 1752. Staatsarchiv.) 21 (17). Das Konferenzprotokoll konnte nicht aufgefunden werden. Einem Vorträge der oberösterreichischen Repräsentanz und Kammer (vom Februar 1752) zufolge dürfte wohl „das Unwesen der Lutherischen Irr-Lehr“ Gegenstand der Beratung gewesen sein. „Damit nun dise verstokte Leuthe und liiemit wahre Haeretici zu Verhüttung mehrern Übels und anderen zu einen Schroken aus dem Land und von der übrigen Gemeinde abgeschaffet werden möchten, scheinet dieser treugeh. R. und K. ganz unvermeitlich zu sein und glaubte somit, daß die verehelichte Personen bei nunmehro wegen nachgelassener Winter Witterung auf offenen Donau-Strohm nach Siebenbürgen abgeschicket, ihre Weiber aber, falls von ihnen einige Hoffnung der Bekehrung anscheinen solte, auf denen Häußern 289 gelassen und durch eifrige Cathechisirung zu Vollbringung derselben das möglichste angewendet, allenfalls sie aber ihren Männern in der Halsstarrigkeit gleich sein solten, ebenfalls mit ihnen abgeschickt, ihre Häußer verkauffet und mittels Zuruckhaltung des nötigen Theils ihren Kindern vorgesehen, diese aber gut kathol. Bauren, wo möglich in die beede mit diesem Übel gar nicht inficirte 2 Landestheil, das Mühl- und Machland-Viertl, zur Erziehung übergeben werden solten. . . (Staatsarchiv.) Viele Familien wanderten damals nach Siebenbürgen aus, wo sie zahlreiche Landsleute fanden. (Vgl. über frühere Emigrationen G. Loesche, Geschichte des Protestantismus in Österreich 78 ff.) 22 (17). Der Vorgänger des Grafen d’Ogara war Marquis Spada. 23 (19). Der Lehenbrief im R. R. B. Franz I., Band VIII, p. 49 ff. 24 (22). A. In der Konferenz war folgendes besprochen worden: 1. die Vertragsverhandlungen, die man mit Spanien pflog, und an denen sich auch Sardinien beteiligen wollte (vgl. Arneth, Maria Theresia IV, 338 ff. Bartensteins Vortrag ist vom 9. April 1752 datiert. Staatsarchiv), und 2. die Nachfolge in Modena. In betreff dieser hatte der Herzog vorgeschlagen, „1. daß die Mariage zwischen einem der jungen Erzherzoge mit der modenesischen Prinzessin gleich anfangs festgesetzet werde; 2. daß dieser junge Erzherzog sogleich nach Modena geschickt und daselbst erzogen werde, als worzu der Herzog ein Etablissement zu machen gedenket; 3. daß en defaut männlicher Erben die ganze modenesische Verlassenschaft an Lehen und Erbe zusammen dem Erzherzoge demnächst verbleibe; 4. aber auf den Fall, daß wann annoch männliche Erben entweder von dem Erbprinzen oder von dem Herzog selbst, nach etwaigem Ableben der jetzigen Gemahn und bei anderweiter Verheiratung erfolgen sollte, von dem Allodio vor die jetzige Prinzessin ein Dotalitium von drei Millionen Gulden ausgeworfen werden solle.“ (Beilage eines Schreibens Münchhausens an Khevenhiiller vom 20. März 1752. Nr. 6 ad Weisung an Vorster vom 30. Juni 1752. Staatsarchiv.) Bartenstein entwarf einen Vortrag, über den die Konferenzminister ihre Gutachten abgeben sollten. „. ... ist zuvorderst anzumerken — so heißt es in diesem Referat — daß sonder Zweifel der sich Vorgesetzte Endzweck dahin abziele, die ganze modenesische Nachfolge dem zweiten durchleuchtigsten Erzherzogen und dessen männlichen Erben zu versicheren, ohne dem ältesten etwas zu entziehen, noch zu einem mißlichem und blutigem Krieg Anlaß zu geben. Wornebst nicht wol in Zweifel gezogen werden zu können scheinet, daß hierbei auch dahin zu sehen seie, darmit nicht in Hoffnung, die ganze Nachfolge zu erhalten, im Voraus der gegründete Ausspruch, den man auf einen Teil derselben hat, vergeben werde. Umb nun diese Grundregien denen iiberschriebenen vier Punkten zu appli- ciren, so dörffte der erstere keinem sonderlichen Anstand unterworfen sein, sobald man in dem Überrest einig werden kann. Das Mittel ist unschuldig, durchaus unanstössig, bei dem Herzogen von Modena von ausgiebiger Würkung und versichert suppositis supponendis einen Teil dessen, was er der Herzog, ob er gleich für sich darzu keinen Titul hat, nunmehro besitzet, nemblichen das Fiirstentumb Massa, so teils wegen seiner Lage und teils weilen dahero Schaden oder Nutzen dem Großherzogtumb Toscana zugehen kann, von nicht geringer Beträchtlichkeit ist. Den zweiten nicht einzugestehen, seind beede kais. M. ohnedas bereits entschlossen. Und ist derselbe auch an sich so beschaffen, daß — wann darzu noch ehender als man von der nötigen anderwärtiger Beistimmung, wie auch von Khevenhüller-Schlitter. 1752—1755. 19 290 der nötigen Verwahrung gegen des Vorhabens gewalttätige Hintertreibung sicher ist, geschritten werden sollte — just andurch sotanes Vorhaben sogleich in der Geburt dörfte ersticket oder wenigstens unendlich schwer gemacht werden. Die Frage kann also nur sein, teils wie das Verlangen abzulehnen, ohne den Herzogen von Modena für den Kopf zu stossen, und teils was anstatt dessen vorgeschlagen werden möge, umb auch hierunter die eigene Aufmerksamkeit für ihn und seine hierbei habende Absicht zu bezeugen. Das meiste kombt aber bei dem dritten Punkt anzumerken. Sonder Zweifel ist von überaus großem Gewicht, den Innhaber eines Staats, von dessen Nachfolge die Frage ist, für sich zu haben. Derselbe kann sotane Nachfolge nahmhaft erleichteren oder erschweren, und kombt es darbei vermöge Erfahrung selten auf die rechtliche Befugniß alleinig an, obgleich diejenige selbsten, welche sich daran nicht kehren, ihren Absichten die günstigste Farbe als möglich jeden Zeit anzustreichen beflissen seind. Wornebst die Absonderung des Allodii von dem Lehen ein so vielen Schwierigkeiten unterworfener Punkt ist, daß dessen alleinige Hebung eine ganz besondere Rücksicht verdienet. Allein aus allem deine folget nicht, (daß) des Herzogs von Modena Wal zulänglich seie, die Nachfolge dem auserwehlten Subjecto zuzueignen. Es ist zwar bekandt, daß er solche Befugniß zu haben glaube oder zu glauben sich anstelle. Und eben andurch wird die hierbei sich eraugnende Schwürigkeit vermehret, nachdeme wissend ist, wie sehr derselbe auf der eigenen Meinung und der Hoheit seines Hauses versessen seie. Wo hingegen ihme zu viel hierunter zu schmeichlen umb so weniger ratsam sein kann, als man andurch nicht nur das ganze Reich für den Kopf stossen, sondren auch auswärtigen Mächten einen ihrerseits vermutlich erwünschten mehr dann scheinbaren Vorwand geben würde, der ruhigen Besitzergreifung derer mode- nesischen Landen wo nicht ohnmittelbare, doch durch eine für die ganze österreichische Monarchie, absonderlich in denen nunmehro vorliegenden Umbständen, noch weit mehr gefährliche Diversion sich zu wiedersetzen. Die Länder, von welchen der Herzog von Modena nach Gutdünken zu disponiren vermeinet, seind von dreierlei Beschaffenheit. Das Fürstentumb Massa gehöret der Erbprinzessin von Modena und fällt bei Erlöschung deren ehelichen Nachkomrnenschafft ihren Schwesteren anheiinb, welchen das habende Jus quaesi- tum weder benohmen, noch geschmählert werden kan. Aulf Mirandola und Novellara haben der Kaiserin-Königin M. einen gegründeten Anspruch, der zwar unbedenklich auffgeopfifert und leicht alsdann verschmerzet werden kann, wann anmit die Nachfolge in gesambte vom Herzogen selbsten nunmehro besizende Länder dem zweitem Durclil. Erzherzogen zugutem kombt. Doch dörffte eine mit des Herzogs Gedenkens-Arth vereinbahrliche Vorsorge, umb sothanen Anspruch außer diesem Fall nicht untereinstem zu verlieren, für nicht überflüssig zu halten sein. Und endlichen ist zwar bekandt, daß chedessen die jeweilige röm. Kaiser in Ansehung derer erledigten italiänischen Reichs-Lehen eine freie und fast will- kiihrliche Verfügung mehrmahlen ausgeiibet. Ingleichen ist bekandt, daß annoch und nicht ohne Grund beliaubtet werde, daß des Reichs Oberhaubt dießfalls weniger als in Ansehung derer erledigter teutscher Reichs-Lehen gebundene Hände habe. Wenigstens ist gewiß, daß der zehende § vus des eilfften Articuls der kais. Wahl-Capitulation auff jene, die in Erledigung kommende italiänische r r ¥ 291 * r i \ Reichs-Lehen nicht applicabel seie. Allein mit allem cleme ist gleichwolilen nicht zu wiedersprechen, daß die anfängliche freie Verfügung sich nunmehro ein- geschränket befindet, mithin nunmehro unentbehrlich seie, wenigstens von der Beistimmung des churfürstl. Collegii oder vielmehr von der Mehrheit derer Stimmen in demselben, nach dem Beispiel dessen, was im Jahr 1711 in Ansehung Mantua zu Franckfurth vorgefallen, sich suchen zu versicheren. Und so viel endlichen den in dem vom Großvogten von Münchhausen eingeschickten modenesischen Plan enthaltenen vierdten Punkt anbelangt, ist derselbe — nebst der Ungewißheit der Ausfindigmachung der Summ von dreien Millionen an Allodien*—auch von darumben bedencklich, weilen daraus erhellet, daß das Fiirstenthumb Massa denen rechtmäßigen Erben entzogen und denen kiinfftigen ehelichen männlichen Descententen sein des Herzogs von Modena zugewendet werden will. Hierinnen scheinen also die haubtsiichlichste bei besagtem Plan fürwaltende Betrachtungen zu bestehen. Und dörlfte zu überlegen sein, primo ob nicht rathsamer seie, dem Großvogten von Münchhausen bloß iiberhaubt eine unverfängliche schmeichelhaffte Antwort zu ertheilen, als sich darinnen in die besondere Beantwortung derer in vielbesagten modenesischen Plan einkommender Puncten einzulassen; zumahlen dieser Beantwortung durch dessen selbsteigenen Vorschlag, den von Vorster mit der Sachen Behandlung zu beladen, füglich scheinet ausgewichen werden zu können. Secundo ob ermeldter Vorster gleich anfangs etwas schrifftliches hinaus zu geben, oder aber vorlauffig dem Großvogten von Münchhausen die wichtigste obiger Betrachtungen zu Gemuth zu führen, dessen Meinung darüber auszuforschen, selbe einzuberichten und den von hieraus mit mehrerer Vorsichtigkeit sodann ihme zugesendt werden mögenden Beantwortungs-Aufsaz abzuwarten habe? Wann tertio beede vorausstehende Fragen entschieden seind, so kan nicht schwer fallen, sowohl die Antwort an Großvogten, als die Anweisung für den von Vorster zu entwerffen. Endlichen aber und quarto wäre auch wegen derer Mittlen, mit dem Herzogen von Modena zur ohnmittelbahren Sprach zu kommen, sich des gut denckenden Bischoffen von Modena, so lang er noch lebet, zu bedienen, einige Entschließung zu fassen. Obwohlen nun anmit das, was dermahlen wiircklich zu beschehen hat, er- schöppfet wird, so scheinet doch nicht schaden zu können, von nun an in höchster Geheim, und nicht umb eigends wo einen voreiligen Schritt zu thun, sondren nur zur selbsteigener Direction und umb im Voraus durch darmit unvereinbalir- liche Maßnehmungen die Sach nicht zu erschweren, diejenige Mittel zu erwegen und festzusezen, mittelst welcher am leichtesten angehoffet werden kan, erst- licher die .Beistimmung des mehreren Theils des churfürstlichen Collegii, als wor- durch zur Einwilligung des Reichs der Weeg gebahnet wird, und .durch diese Einwilligung andere Mächten dargegen sich zu sezen, am fiiglichsten abgehalten werden mögen, auszuwürcken; zweitens den spanischen Hoff in die Idee mit hienein zu ziehen und endlichen auch drittens die Cron Franckreich abzuhalten, daß unter diesem Vorwand die Ruhe von ihr nicht gestörrt werde. — — — — ■— Wien 10. April 1752.“ (Nr. 7 ad Weisung an Vorster vom 30. Juni 1752. Staatsarchiv.) B. Da Hyndford Bedenken hinsichtlich Frankreichs geäußert hatte, wurde ihm ein Schriftstück folgenden Inhalts übergeben: „Comme l’blection d’un roi des Romains du vivant de l’empereur est une affaire de la derniere importance, 19* ¥ 292 egalement interessante pour la Conservation du Systeme et de la tranquillite de l’empire et pour la paix g6nerale de l’Europe, il a paru necessaire aux electeurs soussignes de s’unir potrrque la dite election — au cas qu’elle fut jugee necessaire — se fit conformement aux regles et constitutions de l’empire. Les dits electeurs — apres avoir declare que la präsente association n’a d’autre but que de soutenir les Privileges et pr6rogatives de tout le corps germanique et de chaque membre en particulier, de veiller ä l’observation des loix et des constitutions de 1’empire, d’entretenir la paix entre les membres du dit empire et avec ses allies — sont convenus de ce qui suit: 1 . De communiquer dans la plus grande confiance tout ce qui se traitera au sujet de l’election d’un roi des Romains dans leurs cours, soit de la part des puissances dejä decidees pour cette election, soit de la part de celles qui n’ont point encore engage leur sufifrage. 2 . Que les electeurs soussignes ordonneront ä leurs ministres ä la diete generale de l’ernpire de ne faire, ni d’ecouter aucune proposition, de ne donner ni recevoir aucun ecrit concernant la dite election, sans avoir prealablement com- munique avec les autres ministres des princes interesses dans la presente association. De ne pas souffrir que la question, s’il convient d’eiire, soit agitee ä la diete avant que les electeurs ou autres princes soussignes ne soient convenus ensemble du parti qu’il conviendra de prendre. 4 . S’il arrivait qu’ä cause de la presente association quelqu’un des electeurs soussignes tut hostilement attaque, ou qu’on en vint ä quelque voie de fait contre ses sujets ou ses etats, il sera efficacement secouru par les autres electeurs ou princes associes jusqu’ä l’entiere reparation des dommages soufferts. 5 . Comme S. M. T. Chr. en qualite de garant du traite de Westplialie est par- ticulierement interesse ä la Conservation des Privileges de l’empire et de ses membres, S. dite M. sera invitee d’entrer comme garant du traite de Westplialie et comme alliee de l’empire dans la presente association et de s’engager de secourir ceux des electeurs soussignes qui seraient attaques sous pretexte d’oppo- sition a la dite election, comme aussi les electeurs soussignes seront engages de leur cöte par la presente association ä ne rien faire, ni permettre qu’il soit rien fait lors de l’election d’un roi des Romains contre les interets de S. dite M., tant en sa dite qualite de garante du traite de Westplialie, qu’en celle d’allie de l’empire; et pour preuve de la bonne foi avec laquelle veulent agir les Electeurs soussignes, ils communiqueront ä S. dite M. ou ii ses ministres toutes les propo- sitions qui leur seront faites au sujet de la dite election. 6 . Comme la presente association n’a d’autre but que le maintien des Privileges et prerogatives de l’empire en general, en de chaque membre en particulier f f 293 et ä celui de la paix et de l’union des dits membres de l’empire, les electeurs qui ont dejä promis leurs suffrages, seront invites d’entrer dans la presente asso- ciation pour travailler de concert ä ce qu’il ne soit rien fait contre les preroga- tives et Privileges, paix et union ci-dessus mentionnes, soit qu’on agitera la question s’il convient d’elire un roi des Romains, soit lors de l’eleetion meme, soit enün lorsqu’on fera la capitulation d’un roi des Romains. Je promets l’observation des points enonces dans la presente association.“ (Eine Kopie dieses Schriftstückes war bereits am 24. März 1752 an Vorster geschickt worden. Beilage 6. Über Hyndfords Audienz vgl. Kochs Schreiben an Kaunitz vom 15. April 1752. Schütter, Correspondance secrete entre Kaunitz et Koch 214.) 25 (23). Hautefort weilte seit Oktober 1750 als Botschafter Ludwigs XV. in Wien; seine Instruktion ist vom 14. September 1750 datiert. (Recueil des instructions donnees aux ambassadeurs et ministres de France, Autriche. Par Albert Sorel, 309 ff.) Der feierliche Einzug des Grafen Kaunitz in Paris fand am 17. September 1752 statt. (Arneth, Maria Theresia IY, 340.) 26 (23). Gegenstand der Beratung war ein Schreiben des Prinzen Karl von Lothringen in der Barriereangelegenheit, d. d. Brüssel 1. April 1752. (Staatsarchiv.) Nur dem Umstande, daß Neny noch nicht eingetroffen sei, müsse zugeschrieben werden — so ward behauptet — daß noch keine Sitzung stattgefunden habe. (Vgl. Koch an Kaunitz, 15. April 1752. Correspondance secrete entre Kaunitz et Koch, S. 213 ff.) 27 (23). „. . . erhellet, daß zwar 1. K. M. bei des Bottschaffters ersteren Reverentz sich zu entdecken haben, jedoch bleibet die Frage-, ob . . . hiesiges Ceremoniel weiters verbinde, daß I. K. M. auch in dem Intervallo derer gewöhnlich dreien Reverentien entdecket bleiben sollen. . . .“ (Aus einer dem Tagebuche beigehefteten Notiz.) 28 (25). Berichte vom 9. April. „. . . Untereinsten jedoch können Wir dich zu ermahnen nicht umbhin — so wurde an Vorster geschrieben — daß du dich beständig zu erinneren habest, des Reichs höchsten Oberhaubts und Unser bevollmächtigter Minister zu sein, mithin daß du dich so wenig durch des Königs oder des Duc de Neucastel bedrohliche Äußerungen, als des Großvogten von Münchhausen bezeugte Ängstigkeiten irr oder von Befolgung Unserer Befehlen abwendig machen zu lassen habest. . . . Wann dir . . . von weme es immer seie, die eigene Beisorge anwiederumb sollte beigebracht werden wollen, so hättest du standhafft zu erwiedrigen, daß sicherlich von Uns zu einiger Unzufriedenheit, Kaltsinnigkeit, weniger Verfall der allergeringste Anlaß nie würde gegeben, vielmehr mit ausnehmender Aufmerksamkeit des Königs von Engelland schäzbarste Freundschaft beizubehalten gesuchet und auf das getreueste alljenes, was die Traktaten vermögen, erfüllet werden, folglich Wir nimmer und nimmermehr ihme König und dessen erleuchtem Ministerin das Unrecht a'ntun würden, von demselben zu glauben, daß von darumben, weilen Wir in dem Wahlgeschäft auf die mit ihme verabgeredete Art, das ist, regul, ordnungs- und Reichssazungs- mäßig fürzugehen, und sowol alle innerliche Spaltungen im Reich als äußerliche Unruhen vorsichtig zu vermeiden Uns befleißen, derenthalben die Freundschaft sollte aufgehoben, das alte Systema abgeändert und die Traktaten unterbrochen werden wollen. In der Tat seind dieses lauter Schröckschüsse. — — — — — — “ (Weisung - an Vorster vom 23. April 1752. Staatsarchiv.) 294 In derselben Weisung wurde erwähnt, welche Fehler England in den mit Spanien und Sardinien gepflogenen Verhandlungen begangen habe. Dies teilte man Vorster im Vertrauen mit — es wurde ihm eingeschärft, „keinen Schatten eines Mißtrauens hervorblicken zu lassen“. 29 (25). Maria Theresia hegte schon seit längerer Zeit die Absicht, den Vertrag zu erneuern, den Österreich am 26. Mai 1732 mit Dänemark und Rußland geschlossen hatte (S. Martens, Recueil des traites. I. Traites avec 1’Autriche, Nr. 7, p. 48 ff.). Nun fanden Verhandlungen zwischen Rußland und Dänemark statt, die die Rechte des Großfürsten Peter auf Schleswig und den vorgeschlagenen Austausch Holsteins gegen Oldenburg und Delmenhorst betrafen. Nach langem Zögern entschloß sich der König von Dänemark — unter der Bedingung, daß dieser Austausch erfolge — dem Großfürsten zwei Millionen für den Verzicht seiner Rechte anzubieten (vgl. Herrmann, Geschichte des russischen Staates V, 105, 199 ff.). Das genügte dem Großfürsten nicht, mehr jedoch wollte ihm der dänische König nicht zugestehen. Die Verhandlungen wurden daher abgebrochen; dem Wiener Hofe ward jedoch bedeutet, daß er immerhin mit Dänemark einen Vertrag schließen könne, ohne deshalb bei Rußland den geringsten Anstoß zu erregen. (Pretlachs Bericht, d. d. Petersburg, 22. März 1752. Staatsarchiv.) Infolge dieser Mitteilung zögerte man nicht, dem kaiserlichen Gesandten in Petersburg einen Vertragsentwurf zu senden. (Weisung an Pretlach vom 30. April 1752. Staatsarchiv.) Eine andere Frage, die die Konferenzminister beschäftigte, war die künftige Wahl eines Königs von Polen. Man wollte Unannehmlichkeiten und Mißverständnissen Vorbeugen und beantragte daher, folgendes an Pretlach zu schreiben: „. .. Hauptsächlich zwei Punkten seind dir zu Petersburg auszuwtirken in deiner Instruktion mitgegeben worden. Der eine, Rußland von feindlichen Unternehmungen gegen Schweden und kriegerischen Anstalten auf denen Gränizen abzuhalten. Und der zweite, zu verhüten, darmit Wir nicht bei erfolgender Erledigung des pohlnischen Throns in die derenthalben entstehen mögende Unruhen wie im Jahr 1733 neuerdingen verwiklet werden. Den ersteren Hauptgegenstand deiner Verrichtung hast du zu Unserer gnädigsten Zufriedenheit ausgewürket . . . und in dem zweiten hast du es . . . bereits sehr weit gebracht, indeme man . . . allda nunmehro selbsten erkennet, daß mehr Schaden als Nuzen bringen würde, wann Wir Uns in die pohlnische Händel mischeten und nicht vielmehr im Gegenteil mit Bezeugung eines großen Eifers für der Röpublique Freiheit und Grundverfaßung, und ungekränkter Erhaltung ihrer sammentlichen Landen, bevorab des ihr an Preußen zukommenden Anteils Unsere vollkommen unparteiische gute Officia zu Erreichung eines so heilsahmen Endzwecks und ehebaldeste Vereinigung derer Gemüther sowohl an Frankreich als die ottomannische Porten anbieteten. Wird nun die Nutzbarkeit dieser Maßregul anerkandt, so wird zugleich anmit erschöpfet, was von Uns hierunter beschehen möge, umb Frankreich allen Vorwand zu benehmen, Uns alles beizumessen, was von Rußland nur immer beschehen köndte, und — weilen man dieser Macht nicht zukann — Uns auch ohne mindestem darzu gegebenem Anlaß feindlich anzufallen. Gleichwie aber bekandt ist, daß just aus dieser eigenen Betrachtung, das ist, wegen der großen Schwiirigkeit, dem russischen Reich einigen nb. ohnmittelbahren Abbruch zu tun, der König von Preußen dem französischen beständig in denen Ohren liegt, daß alles, was von Rußland beschiehet, auf Unser Anstifften beschehe, und daß aus der eigenen Ursach letzt- 295 erwehnter Hoff besagtem König allzu leicht Glauben beimesse-, also werden Wir zwar, wann es zum Fall käme, zu seiner Zeit bedacht sein, sotane Unterbauungen teils durch Spanien und teils durch Dännemark bei Frankreich zu entkräften. Wir seind weit entfernet, dortigem [russ.] Hof hierunter etwas vorzuschreiben oder den hierunter im voraus gefaßten . . . Entschluß zu mißbilligen. Aus reinesten unverfälschten Freundschaft aber für die russische Kaiserin können Wir Uns nicht entschtitten, darftir zu halten, daß der vor Augen habender Absicht*) mehr zu wieder als gemäß sein dörffte, zum ersten weiters als biß an die curländische Gränizen gegen Preußen vorzurucken. Wann allda 20.000 Mann stehen und dieselbe sich im Kucken von 60.000 unterstiizet befinden, so wird der König von Preußen sich schwerlich getrauen, der Kepublique Gebiet zum ersten zu betretten, und wann er es gleichwohlen täte, umb so ehender es zu bereuen Ursach haben: zumahlen alsdann alle Gehässigkeit auf ihn fiele und niemand Kußland verdenken köndte, mit seinen Trouppen gleichfalls in Pohlen einzurucken. Welches noch immer zeitlich genung beschehen kann, wann die Notli es erheischen solte. Wo hingegen voreilig darzu zu schreiten, den französischen und preußischen Anhang unter denen Pohlen ehender vermehren als mehrere Gemüther zum Behuff des russischen Interesse herbeibringen würde. (Weisung vom 30. April 1752. Staatsarchiv.) 30 (27). Der Obersthofmeister hatte der Kaiserin am 24. April 1752 Vorschläge über Einführung einer besseren Hofwirtschaft unterbreitet. (Staatsarchiv.) 31 (29). Das Sinzendorfsche Haus hatte Kaiser Leopold im Jahre 1687 gekauft. (Topographie von Niederösterreich V, 702.) 32 (34). In der Konferenz besprach man vorerst die Berichte aus Spanien und Rußland und dann erst das Schreiben Vorsters vom 3. Mai. „Allein die Kürze der Zeit hat nicht gestattet, ein mehreres als die erstere Materie ordentlich vorzunehmen.“ (Bartensteins Referat vom 18. Mai 1752. Staatsarchiv.) Am 18. April 1752 war zu Aranjuez das Defensivbündnis, und zwar vor der Hand nur von Esterhazy und Carvajal unterzeichnet worden. 33 (35). Die beiden englischen Minister hatten darauf gedrungen, daß man 1. Friedrich II. als Kurfürsten von Brandenburg schriftlich um seine Stimme ersuche, 2. so rasch als möglich den Kurfürstentag ausschreibe und 3. die pfälzischen Forderungen erfülle. Gegen das erste wurde keine Einwendung erhoben. Hinsichtlich der beiden anderen Punkte schlug die Konferenz vor, den englischen Ministern folgenden Bescheid vorzulesen: „Le second (article) regarde la diete electorale ä indiquer. Et S. M. 1’empereur n’y perdra pas un moment des que les considerations susdites (methodisch vorzugehen und nichts zu überstürzen) le permettront, c’est ä dire des qu’on pourra y proceder avec sürete. Mais eile est persuadee en' meine temps que les peines qu’on s’est donnees jusqu’ä present pour prevenir toute collision entre le collöge electoral et celui des princes, perdraient beaucoup de leur force, si Ton n’en attendait pas le succes. II est bien vrai que du temps de l’election *) Rußland beabsichtigte, an der polnischen Grenze 20.000 und an der preußischen Grenze 50 000 Mann aufzustellen; die Wahl solle in keiner Weise beeinträchtigt oder gestört werden. Mache Friedrich II. die geringste Miene, im Falle Ablebens des Königs von Polen „nach seiner habenden Vergrößerungsbegierde von dieser Gelegenheit zu proiitiren** und in Polen einzufallen, dann würden jene 50.000 Mann sofort in Preußen einrückon. (Pretlachs Bericht vom 22. März 1752. Staatsarchiv.) 296 de Ferdinand IV la diete Mectorale etait assemblee lorsque l’empereur Ferdinand III notifia au College des princes son procliain depart. Mais outre la grande disparitö qu’il y a entre les circonstances d’alors et celles d’4 present, il n’est pas moins vrai que meine en ce temps, avant que la diete electorale fut indique, les choses avaient ete tellement preparees sous main 14 oü il convenait, qu’on etait assure d’avance de l’applaudissement du College des princes. Enfln quant aux pretensions palatines l’offre de donner suppositis sup- ponendis 4 S. A. S. E. palatine la seigneurie de Pleistein, ne doit etre consideree que comme un pur don que S. M. l’imperatrice-reine lui ferait. Cette seigneurie est un fief incontestable de la couronne de Boheme, et la seren, branche de Sulz- bac n’a pas ete comprise dans les lettres d’investiture. A quel titre peut-elle donc pretendre d’y succeder? Neanmoins S. M. I. et E. persiste encore dans son offre pour ne laisser aucun doute sur son vrai et grand desir d’applanir toutes les difficultes. Et quant aux pretensions ulterieures eile a toujours declare et declare encore qu’elle satisfera S. A. S. E. palatine sur toutes celles qui seront trouvees fondees. . . . Mais jusqu’4 present on n’a pas meme communiquö 4 la cour imperiale en quoi ces pretensions consistent en d6tail. . . . Mais en meine temps S. M. l’imperatrice-reine se repose trop sur l’amiti6 de S. M. B. pour pouvoir croire que pour des pretensions reconnues frivoles tant 4 Londres qu’4 Hannovre, selon les rapports qu’elle en a re§us, on pourrait lui conseiller, sous quelque pretexte que ce puisse etre la moindre satisfaction ou dedommagement, d’autant plus que la condescendance 4 une pareille instance ne pourrait manquer d’avoir des suites infiniment prejudiciables non seulement 4 la maison d’Autriche, mais encore 4 l’empire et 4 toute l’Europe.“ Als diese Note entworfen war, langte ein Schreiben Vorsters vom 15. Mai an, worin dieser berichtete, man habe ihm folgende Stelle aus einem Berichte Albemarles diktiert: „M. de S* Contest m’a declare que M. de Vergennes doit etre Charge avec les instructions suivantes par rapport ä l’61ection future du roi des Romains, pour proposcr que la demande de la cour palatine sur la cour imperiale soit remise 4 S. M. B. dont l’equite etait connue et qui möritait la plus grande confiance. Et aussitöt que la cour imperiale serait determinee 4 acquies- cer 4 la decision du roi et s’engagerait. 4 remplir les conditions de sa determi- nation, les instructions seraient envoyees 4 M r Hautefort de se joindre au ministre du roi 4 Vienne pour assurer LL. MM. II. que le roi de la G. B. et S. M. T. Ohr. ne seraient pas seulement bien aises de voir l’affaire de l’election accompli en faveur de l’archiduc Joseph, mais qu’elles donneraient les mains pour l’avancer autant que dependait d’elles“ (Staatsarchiv.) Die Konferenzminister rieten der Kaiserin, den Vorschlag Frankreichs, den König von England zum Schiedsrichter in der pfälzischen Angelegenheit zu bestellen, abzulehnen. „La cour imperiale — so solle den englischen Ministern ferner erklärt werden — n’est pas seulement informee clle-meme de chaque rubrique et article des pretensions palatines en detail pourqu’on puisse ensuite separer celles qui sont manifestement frivoles et insoutenables de celles qui pour- raient paraitre douteuses. Et c’est 4 quoi on procedera incessamment ici avec M. le baron de Beckers puisque nulle autre part on ne saurait avoir les notions indispensablement requises pour discerner les unes des autres. Enfin cette dis- cussion prealable est d’autant plus necessaire que la cour de Mannheim fait monter ses pretensions fort haut, et qu’en echange celle de Vienne n’y trouve dans tout ce qui a ete produit jusqu’ici, aucun fondement — circonstance qui x*end 297 tout arbitrage non seulement embaTrassant, mais pour ainsi dire irapossible.“ (Ad Vortrag Bartensteins vom 22. Mai 1752. Staatsarchiv.) 34 (35). Abschriften der Dekrete und dazu gehörige Akten verwahrt das Staatsarchiv. 35 (35). Am 11. Mai 1752 war dem Könige beider Sizilien (Karl III.) der vierte Sohn (Gabriel Anton) geboren worden. 36 (35). Maria Theresia hatte die Errichtung einer Staats- und Kanzleiakademie am Theresianum geplant und mit der Ausarbeitung des Entwurfes den Professor des deutschen Staatsrechtes Ch. A. Beck betraut. (Siehe Näheres darüber bei J. Schwarz, Geschichte der Savoy’schen Ritterakademie in Wien vom Jahre 1746—1778, S. 58.) 37 (36). Diese Verwandtschaft erhellt aus der Stammtafel auf S. 298. 38 (36). Vgl. Band 1745-1749, S. 327, 328. Am 29. März 1752 hatte Maria Theresia folgendes an Pretlack geschrieben: „Inzwischen wird dir Unser Hoff- und Staats-Canzler Graflf von Ulfeld ein- und anderes zu wissen gethan haben, und zumahlen daß Wir nicht entgegen wären, nunmehro die Gräffin Bestuchef, ungehindert er der Graff von Bestuchef sich sehr wiedrig auffzufiihren fortfahret, vorzulassen . . .“ (Staatsarchiv.) 39 (38). In der Konferenz vom 26. Mai war die Barriereangelegenheit besprochen worden. Am 4. desselben Monats hatten zu Brüssel die Konferenzen begonnen. (Vgl. Josef Laenen, Le Ministere de Botta-Adorno dans les Pays-Bas autrichiens pendant le regne Marie Therese 1749—1753, p. 93. Hubert, 286. Gachard, Histoire de la Belgique au commencement du XVIII e siede, 534 ff.) Von englischer Seite wurde Maria Theresia immer wieder verdächtigt, sie wolle den Barrieretraktat auf heben. (Schreiben an Karl von Lothringen, 31. Mai 1752. Staatsarchiv.) 40 (39). Aus den Protokollen geht jedoch hervor, daß sich die Konferenz vom 30. Mai keineswegs mit den aus Rußland eingelaufenen Berichten, sondern vielmehr mit der Barriereangelegenheit beschäftigt hat. 41 (39). Drei Maroscher Offiziere, die in russische Dienste getreten waren, hatten sich bemüht, zahlreiche Angehörige der illyrischen Nation zur Auswanderung nach Rußland zu veranlassen. Diese Umtriebe hatte Bestuchef begünstigt. (Vortrag vom 3. Juni, Weisung an Pretlack vom 16. Juni 1752. Staatsarchiv.) 42 (40). Sie betrafen das Wahlgeschäft. Auf Antrag der Konferenz wurde eine Weisung an Vorster entworfen, der wir folgende Stellen entnehmen: „. . . Bedauerlich ist . . ., daß — nachdeme hier in allen Stücken so aufrichtig zu Werk gegangen, auch dem König von Engelland so viele Aufmerksamkeit bezeuget wird dannoch der hiesige Hof dessen beschuldiget werden wolle, was er zu erdulden hat, nemblich beständige Reprochen zu thun, wo doch der Mißverstand, der zn so lebhaften Klagen Anlaß gegeben, vornemblich dahero entspringet, daß man denen französischen Schmeichlereien eine zu g’iinstige Auslegung gegeben. . . (An Vorster 16. Juni 1752. Staatsarchiv.) Hier sei bemerkt, daß die Wiener Regierung aus aufgefangenen Briefschaften erfahren hatte, daß England nicht offen vorgehe und im Vereine mit Frankreich intrigiere. „Ich stehe aber an — so ließ sich Bartenstein vernehmen — ob dieser Krön (Frankreich) mehr zu verüblen seie, sich die englische Anerbieten zunutzen zu machen, oder England, sie zum Nachteil des durchl. Erzhauses und des teutschen Reichs in Frankreich zu tun? Wie wenige Rücksicht auf das beständig im Munde führendes bien de la cause commune getragen werde, '-* Peter Metsch auf Flohn, verm. mit Marie von Breitenbach, a. d. H. Kaschwitz. Philipp Metsch auf Flohn, verm. mit Klara von HermsdorfF a. d. H. Ullersdorf. Joachim Christian Metsch auf Flohn und Polentzko, geb. 5. Febr. 1583, f 13. Juli; 1640, verm. mit Hippolyta Brand von Lindau a. d.H. Wiesenburg, geb. 1593. Marie Metsch, verm. mit Johann Christoph Körner auf Hochstädt, f 1609. Jobst Christoph Körner auf Neumark und Rauenstein, f 24. Ai 1660, verm. 30. Juni 1600 mit Marta Rositzky von Kinsky a. d. Butterkröh, f 13. April 1654. CO Ci CM Johann Ernst, Reichsgraf auf Polentzko und Bernthoven, geb. 19. April 1629, f 1710, verm. 1658 mit Eleonora Dorothea von. Thumshirn a. d. H. Frankenhausen, geb. 1641. Johann Adolf, Reichsgraf Metsch, verm. 16. April 1708 mit Maria Ernestina Philippina. Theresia, Gräfin von Aufsess, geb. 16. Febr. 1692. Leberecht Metsch auf Sommeritz, verm. mit Sofia Elisabeth von Schierstädt, a. d. H. Klein-Radegast. SofiaHippolytaMetsch, f 18. Aug. 1731, verm. l.mit Georg Hartmann von Rahna auf Birke; 2. 1711 als dessen zweite Gemahlin mit Johann Moritz v. Brühl auf Gangloff- Sommern, f 24. Sept. 1727, verm. in 1. Ehe 11. Sept. 1692 mit Erd- muth Sofie von der Heydte a.d.H. Chemnitz, geb. 9. Nov. 1669, t 24. März 1702. Anna Maria v. Römer, f 1680, verm. 1643 mit Georg Karl v. Carlowitz auf Alten-Schönfels, Arnsdorf, Teichwolframsdorf, Mitteltausa und Oberstaucha, geb. 1616, f 1680. Johann Jobst von Carlowitz auf Ober- und Niederstaucha, geb. 1653. f 1715, verm. 1683 mit Beate Sofie von Hartitzsch a. d. H. Dorfchemnitz, f 1732. Karoline Marie Auguste, Hei nrich, Reichsgraf Brühl, Johann Georg von Carlowitz auf Stösitz, geb. 1689, f 1754, verm. Reichsgräfin Metsch,geb. 26. Jan. 1709,1 15. April 1784, verm. 22. Nov. 1728 mit Johann Josef, Fürsten Khevenhüller- Osterwitz. geb. 1700, t 1763, verm. mit Franziska Maria Antonia von Kolowrat-Krakowsky. 1714 mit Henriette Margarete von Neitschütz, f 1736. Johanna Henriette Luise von Carlowitz, geb. 1717, t 1757, verm. 1. 1743 mit Johann Adolf v. Haugwitz auf Bischdorf und Fichtenberg, f 1746; 2. mit Michael Petrowitsch, Grafen Bestuchew-Rumin, f 1760. Freundliche Mitteilung des Herrn Dr. Joh. B. Witting, Hof- und Gerichtsadvokaten zu Wien. { liegt nunmehro klar am Tag. Unter dem Schein einer verstellten Freundschaft wird dasselbe nebst dem Interesse der getreuesten Freundin und Bundesgenossin an Frankreich aufgeopfert, ja verraten, u. z. auf eine Art, welche allein zu der letzteren Cron Vorteil gereichen kann. Mich hat die Sach so geärgeret, daß eine halbschlaflose Nacht gehabt habe. Von darumben jedoch ist an denen vermöge Systematis festgesetzten Maßregien nicht nur nichts zu änderen, sondern es wird vielmehr deren Notwendigkeit, ungehindert alles dessen, was je zuweilen darwider eingestreuet worden, nur umb so mehr andurch bestärket. Keineswegs muß man merken lassen, zu wissen, was man weiß, wol aber sich es zur Warnung dienen lassen . . . die Vereinigung zwischen Frankreich und Engelland kann ohnmöglich aufrichtig, noch von langer Dauer sein. Je unbesonnener nunmehro vom englischen Ministerio zu Werk gegangen wird, je ehender wird sich in das alte Gleiß alles wieder einleiten. . . .“ (Vortrag vom 30. Mai 1752. Staatsarchiv.) „Da in allen Sachen — wurde ferner an Vorster geschrieben — mit Bedacht zu Werk gegangen werden muß, so läßt sich noch viel weniger diese Regul in einem so häcklichen Geschäft, als die Wal eines römischen Königs ist, außer acht lassen. Auf geratewol kann hierinfalls nicht gewaget werden. Die Reue würde ansonsten allzu spät und das für geringer angegebene Übel weit größer als das außerdeme angedrohete Unheil sein. Einen Churfürsten Tag als einen Probierstein auszuschreiben, umb zu wissen wie jeder denke, ist ein so seltsamer Antrag, daß in der ganzen teutschen Historie dar- von keine Spuhr, weniger Beispiel zu finden ist. Ferners ist die Meinung nie gewesen und annoch nicht, die Sach ganz erliegen zu lassen; daß aber ein solches notwendig erfolge, wann der Churfiirstentag also bald nicht ausgeschrieben wird, ist ein Satz, von welchem man nicht leicht jemanden überreden wird, der von jetztgedachten Historie eine Kandtnus hat. Wenigstens hat man das Werk bei denen acht römischen Königswalen, die seit der goldenen Bull vor sich gegangen, je und allezeit ganz anders angegriffen das ist, geglaubet, daß just umb die Sach nicht erliegen zu lassen, sondern vergnüglich ausschlagen zu machen, eine zulängliche Vorbereitung nicht nur so viel die Auswahl der Person, sondren auch so viel den Überrest anbelangt, vorherzugehen haben. . . .“ Dem englischen Hofe solle daher folgendes erklärt werden: „LL. MM. II. ont toujours reconnu et reconnaitront toujours avec une gratitude vraiment cordiale les grands soins que S. M. B. s’est donnes et se donne pour l’election d’un roi des Romains en faveur de leur Als aine, le Seren. Archi- duc Joseph. C’est proprement son ouvrage, quoiqu’elles y soient les plus interessees, non seulement ä cause de la convenance de leur maison, mais bien plus encore ä cause de leur zele pour la tranquillitd publique et pour le bien tant de l’Empire que de toute l’Europe. LL. MM. II. ne manqueront jamais de seconder de leur mieux des vues si salutaires. Quand meme on n’en serait pas convenu ä Hannovre en 1750, elles le feraient toujours de grand coeur et avec toute rardeur possible. Ainsi bien loin de vouloir se soustraire ä ce que con- tient le dixieme article du protocol du mois d’aoüt de la dite annee, elles sont et seront toujours pretes ä y satisfaire, ä remplir les vues salutaires susdites en autant qu’il depend d’elles, et aussi promptement qu’il leur sera possible. M r le conseiller imperiale aulique de Vorster a ete pourvu des instructions necessaires pour cet effet avant son depart de Vienne. Jamais LL. MM. II. ne resteront lä- dessus en defaut. II s’agit de constater la majorite dans le College elee- 300 toral par rapport 4 ce qui doit preceder 1’effective election, et proceder tout de suite 4 une communicative concertation avec S. M. le roi de la Grande-Bretagne et A. Sörön. electorale de Brunsvic-Lunebourg. On ne demande pas mieux que de la terminer au plutöt en consequence et en confor- mite du dit article et selon le but que S. M. B. s’est propose, lorsqu’elle a forme le dessein dont il s’agit. La plus grande gloire lui en doit etre uniquement reservee et jamais et 4 grand jamais LL. MM. II. n’omettront rien de leur cöte pour la lui assurer. S’il ne tenait qu’4 elles de consommer l’ouvrage de l’election, l’affaire ne souffri- rait aucun delai. Mais leur empressement seul ne suffit pas. D’autres cours electorales ont 4 y concourir. II s’agit de constater la majorite susdite non seulement 4 l’egard du choix de la personne ä elire, mais encore 4 l’egard des conditions sous lesquelles l’election se fera, et de se garantir d’avance contre toutes les suites dangereuses qui possiblement pourraient en rösulter, et qui tres sürement produiraient un effet tout oppose 4 celui qu’on souhaite tant d’un commun accord. II sera aise de s’entendre 14-dessus avec les ministres des cours electorales sur lesquelles on compte. M r de Yorster est et sera toujours pret 4 entrer en matiere, ayant ete envoye 4 Hannovre pröcisement pour que la communicative concertation dont il est parle dans l’article X susdit, ne souffre ni delai, ni difficulte. LL. MM. II. ne desirent rien plus ardemment que de la finir le plutöt possible pour proceder tout de suite 4 la diete electorale avec sürete et en conformitö de ce que dispose le 11° article du meme plan et le concert du mois de septembre d’apres. Et c’est tant pour la häter que pour mieux convaincre S. M. B. de la confiance sans bornes de LL. MM. II. qu’on propose les articles qui en font l’objet. Elles concernent primo les moyens d’assurer la tranquillite tant au dedans qu’au dehors de l’empire en cas d’opposition; secundo les moyens de prevenir toute collision entre le College electoral et celui des princes, et enfin tertio les arrangements necessaires pour etre assure d’avance qu’au pis aller on n’exigera rien de plus du roi des Romains 4 elire que ce que contient la capitulation de S. M. l’empereur heureusement regnant. On ne propose en tout ceci que ce qui a ete juge necessaire dans toutes les elections precedentes. Il serait trop dangereux de s’ecarter des regles qu’on a constamment suivies jusqu’ici. On s’exposerait par 14 non seulement aux in- convenients qu’on souhaite d’eviter, mais 4 des plus grands, au lieu que toute l’Europe et surtout une nation aussi eclairee que la britannique, ne pourra qu’applaudir 4 la sagesse des mesures si justes. Et LL. MM. II. sont d’opinion que la meine methode qu’on a suivie en 1750 pour convenir de ce qui a ete fixe alors, pourra encore servir de regle dans cette occasion pour terminer entiere- ment et promptement ce qui reste 4 concerter. A Yienne, ce 16 juin 1752.“ (Nr. 3 ad Weisung an Yorster vom 16. Juni 1752. Staatsarchiv.) Über die Vorgeschichte siehe A. Beer, Aufzeichnungen des Grafen Wilhelm Bentinck über Maria Theresia. XC ff. und Droysen, Geschichte der preußischen Politik V/4, S. 182 ff. 43 (41). Diplom vom 18. März 1752. Mit Diplom vom 2. November 1754 wurde dem Fürsten Alexander Josef Sulkowski (Reichsfürst 17. April 1752) auch der Titel eineä Herzogs von Bielitz verliehen. ^4 (42). Es wurde unter anderem die Weisung verlesen, die am 16. Juni an Yorster abging. (Vgl. Anm. 42.) 301 45 (44). K h e v e n h ii 11 e r Siegmund Friedrich Wolfgang Friedrich W urmbrand Maria Elisabeth Johann Josef Johann Josef Franz Karl f 21. Dez. 1750. (Josefa Gräfin Herberstein). Josef (Eleonore Gräfin Breuner). 40 (44). Am 25. Juni war in Gegenwart beider Majestäten ein vom 22. Juni datierter Vortrag Bartensteins verlesen worden. Er lautete wie folgt: „. . . seind alle Meinungen (der fünf Konferenzminister) in deme einig, 1. daß die Absicht, einem zweit- oder drittgebohrenen durch!. Ertzherzogen eine besondere Versorgung zu verschaffen, an sich heilsahm, mithin die sich hierzu ergebende Gelegenheit nicht zu verabsäumen, vielmehr auf alle thunliche und unschädliche Weiß zu beförderen, und sich durch die darbei außerende Anstände und Schwiirigkeiten nicht abschröcken zu lassen sein. Nachdeme aber die heilsamste Arznei, wann sie nicht recht gebrauchet wird, zu Giflft werden kan, und in Weltsachen gar nichts seltsahmes ist, daß übel ausschlage, was anfangs den günstigsten Anschein gehabt hat, als seind 2. sammentliche Conferenz Ministri nicht minder auch in deme einig, daß umb nicht in gegenwärtiger häcklichen Vorfallenheit der Gefahr eines gleichen Schicksaals sich auszusezen, nicht nur die Absicht biß zu ihrer mehrerer Be- vestigung ausserst geheim gehalten, sondren auch bei deren Abhandlung die größeste Sorge getragen werden müsse, denen dahero entspringen mögenden wiedrigen Folgen, in so weit nur immer die menschliche Vorsichtigkeit zureichet, auszuweichen. Inngleichen ist 3. kein Unterschied in deme vorhanden, daß zu dem Endzweck, wie eben erwehnet, vornemblich nöthig seie, zu verhüten, darmit nicht, umb eine zweite Linie zu versorgen, die erste geschwächet, noch das durchl. Ertzhaus, absonderlich bei denen nunmehro in Europa vorliegenden Umbständen und der wenigen Hiilffe, so dasselbe von beeden See-Mächten und dem Reich dermahlen anzuhoffen hat, in einen mißlichen und kostbahren Krieg verwicklet werde, folglich Gefahr lauffe, anstatt in Italien sich auszubreiten, den wenigen allda noch habenden Überrest zu verlieren. Aus dieser Betrachtung wird also 4° der unentbehrlichen Nothdurfft zu sein ermessen, keinen Schritt zu wagen, so für illegal, das ist der Gerechtsahme eines dritten abbrüchig und gegen den Innhalt derer bißherigen Belehnungen auch Verfügung derer Reichssazungen anstössig angesehen werden köndte, umb nemblichen so viel nur immer sein kan, allen nicht nur gegründeten, sondren auch scheinbahr in die Augen fallenden Wiederspruch zu vermeiden, da bevorab ganz und gar nicht anzusehen ist, daß mehrere Höffe den Zuwachs derer mode- nesischen Landen dem durchl. Erzhaus mißgönnen und dieselbe, zum Fall sie auch für sich ohnmächtig seind, gleichwohlen mächtige Unterstiizung anderwärts, nahmentlich abseiten Franckreich finden würden. Obwohlen nun theils die Lehensbrieffe und theils die Reichs-Sazungen bei Erlöschung des modenesischen Mannsstammens klares Ziel und Maß geben, weme die Nachfolge in jedes der mahlen von dem Hanß Modena besizendes Land gebühre, mithin seine Richtigkeit hat, daß der nunmehro regierende Herzog darvon Verfügung zu thun, nicht berechtiget ist, so wird doch noch iiberdas 5 to allerseits erkandt, daß sehr viel daran gelegen seie, ihn für sich zu haben und dahin zu bewegen, daß mit seiner Zufriedenheit, ja nach seinem Wunsch und Verlangen die Nachfolge zum Behuff eines durchl. Ertzherzogs festgesezet werde, anerwogen anmit zur ruhigen Besizergreiffung derer Landen, von deren Nachfolge die Frage ist, der Weg gebahnet wird. Gleichwie aber sein — des Herzogs — nunmehrige Anträge und Verlangen weder mit der nöthigen Geheimhaltung, noch mit denen Gerechtsahinen eines Dritten, noch mit denen Reichs-Sazungen vereinbalirlich seind, also gehet 6 t0 das einhellige Einrathen dahin, in der Rückantwort auff sothane Verlangen die Sach so zu fassen, daß einestheils dem Herzogen soviel möglich geschmeichlet, doch aber anderentheils gegen die vorausgesezte Maßregien nicht angestossen, sondren durch vorschlagende Mittelweege jene Verlangen mit diesen Maßregien zu vereinbahren sich beflissen werde. Deme zufolge also die Anhandgebung jezt- gedachter Mittelweegen eben dasjenige ist, worauff es bei dem Entwurff der Rückantwort haubtsächlich anzukommen hat. 7 mo seind alle in deme einstimmig, daß obgleich der Kaiserin-Königin M. selbsteigener Anspruch auff Mirandola, Concordia und Novellara ganz unbedenklich der Stifftung einer zweiten ertzherzoglichen Linie auffgeopffert werden kan und billig auffzuopfferen ist, gleichwohlen die Vorsorge zu tragen seie, sich jenes Anspruchs nicht zu begeben, ohne jeztgedachte Stifftung untereinsten versichert zu haben. 8 vo wird ebenmäßig die Schädlichkeit aller voreiligen Schritten allerseits anerinnert und scheinen gesambte Meinungen in deme überein zu kommen, daß staffelweiß hierinnfalls zu Werk zu gehen, das ist, vor allem mit dem nunmehro regierendem Herzogen sich einzuverstehen, sodann des Reichs Oberhaubt Einwilligung durch die Beistimmung des mehreren Theils des churfürstlichen Collegii zu bekräfftigen, mithin umb diese Beistimmung sich zu bewerben, und wann es darzu kombt, die in derlei Fällen gewöhnliche Mittel anzuwenden, fer- ners dem römischen Hoff alle Unruhe zu benehmen und sich nach Bewandnus derer sodann vorliegender Umbständen zu bestreben seie, Sardinien zuruckzuhalten, daß es dahero nicht Anlaß nehme, neue Unruhen in Italien zu erwecken. Sammentliche vorangedeirtete Vorsichtigkeiten und bevorab was die un- verlezte Erhaltung der Gerechtsame eines dritten und nahmentlich derer modene- sischen Allodial-Erben, dann derer rechtmäßigen Nachfolgeren in das Ilerzog- thumb Massa betrifft, zielet nun 9 no dahin ab, der alles Wachsthumb des durchl. Ertzhauses mit scheelen Augen ansehender Cron Frankreich allen scheinbahren Vorwand, umb sich gegen des Vorhabens Ausführung zu sezen, zu benehmen. Nachdeme aber bekandtermassen anmit allein der Endzweck, Unruhen zu verhüten, vollkommen nicht erreichet wird, als wird noch weiters für gut befunden, sich nicht anjezo gleich, sondren erst wann das Vorhaben mehrers eingeleitet sein wird, umb des spanischen Iloffs Begünstigung gleichfalls zu bewerben. 10 mo scheinen auch gesambte Conferenz-Ministri einverstanden zu sein, daß der König von Engelland sowohl qua König, als qua Churfürst nicht beiseiten gesezet werden möge, vielmehr für denselben die auffmerksamste Rücksicht, jedoch unbeschadet derer vorausstehender Maßregien, auch in dieser Vorfallenheit zu tragen seie, jetztgedachte Rücksicht aber nicht zu hinderen habe, dem Herzogen 303 von Modena ein nnd anderes auch ohnmittelbahr beizubringen und soviel möglich das Werk allhier suchen abzuhandlen. Und endlichen ist ll m0 nunmehro kein Zweiffel mehr übrig, daß der von Vorster von allem, was der modenesischen Nachfolge halber vorgefallen, ausführlich zu belehren und dessen Anweisung nach denen biß nun zu angeführten allerseits für nuzlich und nöthig anerkandten Maßregien auszumessen seie. Herentgegen äußert sich, so viel den zweiten Theil gegenwärtigen a. u. Vortrags anbelangt, einigermaßen ein Unterschied in deine, daß die mehriste Vota dahingehen, daß dem Freiherrn von Münchhausen nur überhaubt auff eine schmeichelhaffte Arth zuzuschreiben, nicht aber specifice die vier von ihme eingeschickte Puncten schrifftlich von nun an zu beantworten, sondren vorlauffig mit ihme, Freiherrn von Münchhausen, darüber zu dem Ende sich zu besprechen wäre, umb die bei ein- und anderem modenesischein Verlangen sich außerende Bedenken demselben wohl einsehen zu machen und ihn über der Arth, wie so- tlianen Bedenken am füglichsten auszuweichen sein möchte, gleichsahm zu Rath zu ziehen, mithin sodann die Antwort Selbsten desto vorsichtiger fassen zu können. Wo hingegen Graff Kauniz ein dilatorisches Betragen fiir bedenklich anzusehen scheinet. Da nun die erstere vier Conferenz-Ministri ihre Vota lange vorhero abgeleget, als nicht der Kaunizische Bericht vom 9. Maii eingeloffen, mittlerweil aber zu Hannover auff eine Antwort stark gedrungen und nicht minder die Sach selbsten durch die zum Vorschein gekommene neue modenesische Verlangen ungemein erschweret worden, so dörffte vermuthlich anjezo dieser Punct eine nochmahlige Überlegung zu verdienen geglaubet werden. Worbei mit erwogen werden köndte, ob nicht das sicherste wäre, zwar den Aufsaz der Antwort auff jeglichen Punct dem von Vorster zuzusenden, doch denselben dahin anzuweisen, daß er vorlauffig sich darüber mit dem Großvogten von Münchhausen bespreche, und wann dieser etwas erhebliches darbei zu erinneren haben solte, es durch schleunige Zurucksendung des Couriers einberichte. Kombt es nun zur specialen Beantwortung derer vom Großvogten von Münchhausen eingeschickten vier Puncten, so wird zwar in allen Votis die bei der vorgeschlagenen Heurath obwaltende, von der Ungewißheit, ob anmit die Nachfolge in die modenesische Länder versichert werde, entspringende Bedenklichkeit anerkandt, zugleich aber geglaubet, daß darüber hinaus zu gehen, doch sich nicht an den zweiten durchl. Ertzherzogen zu binden, vielmehr die Zusage, worauff es dermahlen allein ankombt, in genere auff den zweiten oder dritten auch von darumben einzurichten wäre, umb nach Bewandnus derer sich ergeben mögender Umbständen freiere Hände zu behalten. Es erinnert aber hierbei Graff von Ulfeld, daß — nachdeme wegen Vermählung des ältesten durchl. Ertzherzogs denen bekandten chur-bayrischen und chur-sächsischen Verlangen ausgewiechen werden will, die Erklärung sehr behutsahm gefast werden müsse, umb nicht dießfalls die weitere Zudringungen mehrers zu begründen. Hiernächst wird vom Graffen Kauniz weitläuffiger als in denen übrigen Votis, doch in dem wesentlichem ganz einstimmig anhandgegeben, daß theils die Nothwendigkeit der Geheimhaltung zur Ablehnung des zweiten modenesischen Verlangens, und theils sein, des Herzogs, und seiner Landen selbsteigenes großes Interesse, Sicherheit und Wohlfarth zu dem Ende gelten zu machen seie, umb ihn von seinen übrigen untliunlichen Anträgen wo möglich abzubringen. In der Hoffnung nun darmit auszulangen und den Herzogen zu überzeugen, daß die Nachfolge auch nur in das Corpus derer alten modenesischen 304 Landen weder von seiner Disposition, noch Vermählung seiner Enicklin abhange, wird vom Graffen Kauniz auff eine legale Anwarthschafft und Ertheilung der Eventual-Belehnung insbesondere angetragen. So in alleweeg, wann des chur- fiirstlichen Collegii oder dessen mehrern Theils Einwilligung darzu kombt, der reichssazungsmäßige Weeg ist, umb die Nachfolge gegen allen rechtlichen Anspruch zu verwahren. Allein da der Herzog noch mehr vermöge des Gratfen y. Christiani Schreiben, als des vom Großvogten von Münchhausen mitgetheilten Plans auff dem geradem Wiederspiel versessen und derselbe so leicht von seiner Meinung nicht abzubringen ist, Graff Kauniz Selbsten aber einrathet, sich noch vor Ertheilung der Eventual-Belehnung von des Herzogs Einverständnus zu versicheren, so bestehet eben hierinnen, nemblichen wie das leztere zu bewürcken und zu erleichteren seie, der Haubtgegenstand der vorseienden Berathschlagung. Zu dessen Behuff in einigen Votis der Vorschlag beschiehet, hier unten den gut denkenden Bischoffen von Modena zu Hiilffe zu nehmen. Und nach der ehe- mahligen Kandtnus zu urtheilen, hätte man sich allenfalls sogar auch von dem Abbate Grossatesta weit ehender als von dem jungen Sabbatini die Billigkeit hierunter zu versprechen. Wornebst nicht ohnmöglich zu sein scheinet, den Aufsaz der eventualen Investitur dergestalten zu fassen, daß zugleich obige Maßregien unverlezt erhalten f und dannoch dem Herzogen in der von seiner Macht und Großheit habenden Id6e, in so weit sie nemblichen gegen des Reichs und eines dritten Gereehtsahme nicht anstössig ist, geschmeichlet werde. So aber nicht wohl anderst als mittelst des Auffsazes Selbsten in das Klare gesezet werden kan. Ferners ist des Graffen Kauniz Vorschlag, den Herzogen von Modena in dem Tractat mit Spanien mit einbegriffen zu machen, in so weit derselbe von der hiesigen Einwilligung abhanget, durch dasjenige, was an Graffen Migazzi ab- ^ zugehen hat, mit a. h. Genehmhaltung bereits befolget worden, und nicht zu zweifflen, daß, wann sich der Turiner Hoff von der spanischen Begünstigung zum Behuff des Herzogs von Chablais in Ansehung der modenesischen Nachfolge geschmeichlet hat, er wenigstens dermahlen in seiner Rechnung sich irren dörffte. Wornebst in so lange der jezige König von Spanien im Leben ist, wie auch wann er männliche Erben hinterlassen solte, nicht zu besorgen stehet, daß allda zum Behuff eines Prinzen vom Hauß Bourbon sich sonders eiffrig angewendet werden dörffte, folglich dermahlen nur dahin sich zu bestreben ist, dortigen Hoff in der eigenen Gesinnung in Ansehung des hiesigen und Turiner Iloffs zu erhalten, in welcher derselbe zur Zeit des vom Graffen Migazzi erstatteten lezteren Berichts sich befunden hat. Wann aber noch vor Erlöschung des modenesischen Mannsstammens der König beeder Sicilien oder einer dessen Söhnen den spanischen Thron besteigen solte, so würde sich ein anderer Weeg öffnen, nach Beschaffenheit derer Umbständen entweder den spanischen oder französischen Hoff durch Eingestehung einer dem durch], Ertzhaus in seinem nunmehrigen Besiz unschädlicher Gefälligkeit auff die hiesige Seiten zu bringen. Allein so gegründet gleich eben erwehnte Zuversicht ist, so wird sie doch durch die neue modenesische vom Graffen Christiani Uberschriebene Verlangen ^ gänzlichen vereitlet, woferne anderst der Herzog dieses Nahmens darvon nicht abzubringen sein solte. Worzu eine derer Reichs-Gesäzen nicht kündige Persohn, wann sie gleich sonsten noch so geschickt wäre, kein taugliches Werkzeug zu sein scheinet. — — — — — — — — — — — — — — — — 305 Derne zufolge die Beratschlagung auff nachfolgende Fragen anzukommen scheinet: Ob erstlichen es bei denen in gegenwärtigen Vortrags ersterem Theil angeführten eilff Puncten forthin lediglich zu verbleiben habe? Zweitens ob der Zeit gleich der vom Großvogten von Münchhausen mit- getheilte modenesische Plan punctweiß zu beantworten und die hiesige schriftliche Antwort hienaus zu geben, oder nur dem Großvogten vorzuweisen und, wann dieser nichts zu erinneren hätte, auszuhändigen oder aber sich zu begnügen seie, den von Vorster über all- und jedes mit einer ausführlichen Anweisung zu dem Ende zu versehen, darmit er sich bloß mündlich in deren Gleichförmigkeit äussere und jede seine Äusserung bestens zu begründen wisse. Drittens wie in dem Fall, da eine schrifftliche Antwort auff die vier anderseitige Puncten ohne weiterem Verzug zu entwerffen wäre, dieselbe zu laut- ten hätte, umb sich so viel möglich nach des Herzogs Gedenkens-Arth hierunter zu richten, dannoch aber gegen obige eilff Maßregien nicht anzustossen? Vierdtens ob das Project der eventualen Investitur sogleich zu Papier zu bringen seie oder nicht? Worbei im ersterem Fall die Meinung gleichwolilen nicht wäre, es an jemanden auszuhändigen oder auch nur jemanden dessen Abschreibung zu gestatten, sondren nur umb durch dessen Vorlegung den Großvogten von Münchhausen und mit dessen Beihülffe den Abbate Grossatesta zu überführen, daß nicht ohnmöglich seie, die Jura imperii mit des Herzogs mehre- rcm Ansehen vor der Welt zu vereinbahren. Fiinfftens was von oberwehntem Aufftrag an Graffen Migazzi für ein Gebrauch zu machen? Sechstens ob auff die neue modenesische Verlangen etwas zu erwiedrigen, oder sich nur an die vier vom Großvogten von Münchhausen mitgetheilte Puncten zu halten seie? item ob von sothanen neuen Verlangen zu Hannover mündliche Anzeige zu beschehen habe, auch wie solchen Falls der von Vorster derent- halben anzuweisen? Siebendens was zu seiner Zeit nicht nur zur vollkommenen Beruhigung des päbstlichen Hoffs, sondren auch umb demselben in dieser Sachen wo möglich zu gewinnen, beschehen möge? Achtens was gleichfalls zu seiner Zeit für Mittel anzuwenden sein möchten, umb die Mehrheit derer beifälligen churfürstlichen Stimmen auszuwiircken; und endlichen Neundtens was nach Richtigstellung dessen, so vorher zu gehen hat, nach Unterschied derer oben angedeuteter Fällen zu Gewinnung entweder des spanischen oder französischen Hoffs, dann umb Sardinien und Genua von wiedrigen Unterbauungen abzuhalten, ausgedacht werden köndte; wohl verstanden jedoch, daß sich gegen die leztere drei Mächten in so lange als nicht mit dem Vorhaben durchzudringen gegründete Hoffnung obhanden ist, gänzlichen verschlossen gehalten, auch gegen Spanien selbsten, ungehindert des mit dortigem Hoff fest- gesezten besten Vernehmens, sich nicht ehender, noch weiters, als staffelweiß so wie die dem Graffen Migazzi mitgegebene Instruction vermag, hierüber geöffnet werde.“ (Nr. 11 ad Weisung an Vorster vom 30. Juni 1752. Staatsarchiv.) Die in diesem Vortrage angeführten elf „Grundregeln“ wurden einstimmig gutgeheißen. Ferner beschloß man, Punkt für Punkt den von Münchhausen eingeschickten modenesischen Plan, und zwar in folgender Weise zu beantworten : Khevenhüller-Schlitter, 1752—1755. 20 306 . . Elles (LL. MM. II.) consentent des 4 present, quant au premier article du plan ... au mariage d’un de leurs archiducs pumes avec la jeune princesse hereditaire de Modene, et quant au second elles consentent pareille- ment que les etats de Modene fassent 4 perpetuite un corps 4 part, söpare du reste des etats qui coinposent la monarchie d’Autriche, sans y etre incorpores; que le souverain y reside et que l’archiduc destinö 4 y resider soit initie de r- bonne heure aux usages du pais et 4 tout ce qui peut le plus contribuer 4 la satisfaction et felicite de ses futurs sujets. LL. MM. II. croient remplir par 14 tout ce dont il peut etre question pour le present. Car comme pour la reussite du dessein meine le plus grand secret est ab- solument necessaire, toute demarche qui le puisse faire soupgonner avant que les mesures nöcessaires soient concertees et effectuöes, leur parait nuisible. Le troisieme article du plan devant tourner au plus grand avantage du seren, archiduc, destine pour epoux et successeur, il est tres naturel que LL. MM. II. non seulement s’y pretent avec plaisir en autant qu’il döpend d’elles, mais qu’elles sont meines tres empressees 4 le faire sortir son.plein et entier effet. Dans cette vue salutaire S. M. l’impöratrice-reine ne balancera pas un moment de renoncer aux droits et pretentions qui en cas d’extinction des descendants mäles de la seren, maison d’Este en Italie, lui competent sur Mirandola, Con- cordia et Novellara en faveur du dit archiduc et de ses descendants, et de les lui transferer en bonne et due forme, afin que par ce moyen la sage intention de S. A. S. de Modene, de conserver le corps des etats qui lui appartiennent en son entier, soit plus assuree et affermie. Apres quoi il ne peut etre question que du duche de Massa et des allodiaux de Modene. Or par le mariage pro- posö le dit duche continuera 4 etre regi par le meme chef que le reste des etats de Modene, et le cas d’une Separation, quoique possible, parait si eloigne que LL. MM. II. non obstant qu’un de leurs seren, et tendrement aimes fils y soit le plus interesse, ne prötendent pas s’y arreter, convaincues comme elles sont, qu’il vaut mieux se preter de bonne gräce 4 ce qui parait juste, que d’exposer le grand ouvrage au moindre danger, c’est 4 dire, de faire aucun pas dont un tiers puisse se plaindre et prendre occasion de recourir 4 des puissances qui peut-etre seront bien aises de trouver un spöcieux pretexte de le traverser. Par oii on manquerait le but indique ci-dessus, si glorieux pour ceux qui l’ont forme, et si utile aux sujets de S. A. S., qu’il s’agit de mettre 4 l’abri de toute crainte et danger. Ce qui demande le soin le plus scrupuleux pour les droits tant de l’empire que d’un tiers, interesse 4 une partie de la succession nullement com- parable 4 ce qui en fait le corps-, d’autant plus que le lustre de la serön. maison d’Este, tel qu’il a subsiste pendant tant de siecles, n’en souffre nulle atteinte. Ainsi par la meme raison LL. MM. II. aiment mieux voir leur seren, fils moins richement pourvu que d’öter 4 qui que ce soit, des höritieres allodiales et leurs descendants la moindre portion de ce qui leurs pourrait etre du. Par ce moyen on previent toute contradiction, toute Opposition et par ^ consequent tout danger de voir eclater des nouveaux troubles en Italie. En conformite de ces memes Sentiments LL. MM. II. attendent les eclair- cissements ulterieurs sur le quatrieme article du plan, sans vouloir pour cette raison arreter le reste, afin de ne pas laisser le moindre doute tant de leur dösinteressement que de leur grand zele pour le repos public. 307 Elles esperent donc avec confiance que des Sentiments si genereux, bien loin de rencontrer aucune difficulte, seront pleinement applaudis. Auquel cas la Convention qui doit preceder le reste, sera conclue en moins de rien. Et des qu’on sera ainsi tombe d’accord sur les conditions les plus essentielles de la suc- cession eventuelle dont il s’agit, il parait convenir ä tous egards que LL. MM. II. r et S. M. B. s’employent tres efficacement ä la faire confirmer par la majori t6 du moins du College electoral, ou de tout l’empire. Pour lequel etfet S. M. l’empe- reur fera dresser incessamment le projet de l’investiture eventuelle qu’il fera communiquer prealablement ä S. M. B. et ä S. A. S. le duc de Modene, son inten- tion etant d’y menager les termes de teile sorte que sans qu’on y puisse trouver ä redire de la part de l’empire, la dignite et pr6rogative de la seren, maison d’Este ne soit aucunement blessee. Apres donc avoir concerte cet acte, on com- mencera ä agir sous main aux cours electorales les mieux intentionales, ayant toujours grand soin que rien n’en transpire jusqu’ä ce qu’on soit pleinement assure de la majorite des suffrages; lequel fondement pose et bien afifermi par l’entremise et la garantie de S. M. B., on concertera pareillement les autres mesures ä prendre pour aplanir ou prevenir toutes les difficultes qui pour- raient survenir un jour dans l’execution de ce qui a ete convenu. — — —“ Ä Vienne ce 27 juin 1752.“ (Nr. 12 ad Weisung an Vorster vom 30. Juni 1752. Staatsarchiv.) » Graf Migazzi wurde zu der Erklärung ermächtigt, man habe in Wien nichts gegen den Beitritt Modenas zu dem mit Spanien geschlossenen Vertrage einzuwenden. „Gleichwie aber jezuweilen — so wurde an Vorster geschrieben — die hiesige unschuldigste Schritte von Engelland übel auffgenohmen oder mißbrauchet werden, also habt ihr hiervon gegen des Königs englischem und teut- t schem Ministerio keine Erwehnung zu thun, sondren nur gelegentlich und ohne ein Geschafft daraus zu machen, dem Abbate Grossatesta es zu melden; gleichwie man auch hier dem Chevalier Montecuculi die Anzeige darvon thun wird.“ (Weisung vom 30. Juni 1752. Staatsarchiv.) 47 (45). 1749, August 21 (Band 1745—1749, S. 345). 48 (47). Siehe Stammtafel auf S. 308. 49 (48). Das Konferenzprotokoll vom 4. Juli konnte nicht aufgefunden werden. 50 (48). Die Ratifikation Maria Theresias erfolgte am 17. Juli, die Ferdinands VI. am 10. August 1752. (Bittner, Chronologisches Verzeichnis der österreichischen Staatsverträge I, Nr. 1006, p. 188.) Vgl. Arneth IV, 340. 51 (48). Graf Esterhazy war bereits am 3. Februar 1752 abberufen worden. (Staatsarchiv.) 52 (49). Es wurde beschlossen, in der Antwort an die englischen Minister „die hiesige aufrichtigste Beeiferung in der Wahl möglichster Beförderung neuerdingen und sogar mit einiger Affektation zu erheben, und ungehindert der vielen Ursach, so man hätte, über den anderseitigen ungleichen Betrag sich zu beschweren, dannoch sothane Rückantwort auf das freundschaftlichste zu fassen, zugleich jedoch mit allem Nachdruck auf der Nothwendigkeit, des Reichs innerliche und äußerliche Ruhe beizubehalten, sich zu steiffen und überhaubt der hiesigen Erklärung eine solche Gestalt zu geben wäre, wordurch überzeugend dargethan würde, daß ungehindert der Wahl anerkandten großen Werths nebst des Kaisers M. und L. auch Ich allein durch die große Sorgfalt, die Wir beede 20 * ■M£ Proskau Georg Christoph II. Karoline Maximi- liana (Walter Franz X. Fürst Dietrichstein). Löwenstein Ferdinand Karl Rosenberg Wolf Andreas 1. Gern. Eva Regina Freiin v. Wels. 2. Gern. Ernestine Gräfin Montecuculi, verw. Gräfin Khevenhiiller). 2. Christiania Anna Theresia (Philipp Erasmus Fürst Liechtenstein). 1. Amalia Theresia X Josef Wenzel Emanuel 1 . 2. Franz Andreas 1 . 1. Josef 3. Philipp Josef Wolf Siegmund (Maria Anna Margareta Gräfin Hohenfeld). Maria Anna X Erdmann Christoph Graf Proskau. 2 . 4. Antonia (2. Gemahlin des Fürsten Johann Seyfried von Eggenberg). Maria Josefa Amalia (Jo- hannWilhelm Graf Zinzen- dorf). Ernestine Philipp Christoph Leopold Maria Josefa Anco tonia (Stephan Wil- co heim Fürst Kinsky). 309 für des Reichs Ruhe und Wohlstand trügen, von deren übereilten Betreibung zurückgehalten wurden. Wornebst noch weiters für gut befunden worden, in eben diese Rückantwort die Erklärung über die . . . churpfältzische Verlangen . . . mit einfließen zu lassen und zugleich den Fingerzeig zu geben, sowohl wie der von der Gegenpartei im künfftigen Parlament über einem geringen Verzug gemacht werden dörffenden Ausstellung mit Grund begegnet, als auch das Vorhaben selbsten zugleich mit Gelassenheit und Standhaftigkeit so betrieben werden möge, daß es am Ende zu des Königs größestem Ruhm und des Ministern nicht minderem Verdienst dannoch glücklich ausschlage. . . (An Vorster, 22. Juli 1752. Staatsarchiv.) In diesem Sinne lautete der Bescheid, den Hyndford und Keith am 16. Juli erhielten. Vom folgenden Tage sind zwei andere Stücke datiert, die (sub Nr. 15 und 16) der Weisung aij Vorster beiliegen: A. 1. Projet du protocole des Conferences tenues en consequence du precis de la reponse. 2. La base du present concert ou protocole etant celui de 1750 et S. M. B. ayant engage par ses soins infatigables, joints ä ceux de LL. HH. PP. les seigneurs Etats-Generaux des Provinces Unies des Pays-Bas, 8. S. M. le roi de Pologne, electeur de Saxe s’etant joint ä ceux qui avaient con- senti ä donner leur voix au seren, archiduc Joseph, fils aine de LL. MM. II., les ministres soussignes, 4. munis des pleinpouvoirs necessair es, se sont assembles pour concerter les mesures ulterieures et les plus propres ä häter cet ouvrage salutaire. V 5. Ayant donc mürement reflechi que raffermissement du repos et le maintien du Systeme de l’empire sont les deux grands objets qu’on a en vue dans l’election du dit seren, archiduc, et que LL. MM. II. ont constamment declare que ces objets leur tiennent bien plus ä coeur que leurs propres interets, la con- venance de leur maison et l’elevation de leur eher fils, ils sont tombes d’accord: f primo qu’avant de proceder plus outre, on employera tant conjointement que separement, 6. en consequence et en conformite du protocole de 1750, les moyens les plus efficaces pour les pleinement assurer Tun et l’autre. 7. Secundo qu’en cas qu’ä cette occasion, sous quelque pretexte que ce puisse etre, aucun des princes ainsi reunis füt attaque par qui que ce soit, LL. MM. II., S. M. B. tant en qualite de roi qu’en celle d’electeur, S. M. le roi de Pologne, electeur de Saxe, LL. AA. EE les de Mayence, de Treves et de Baviere, et LL. HH. PP. les Seigneurs Etats-Generaux des Provinces Unies des Pays-Bas s’entreaideront reciproquement de toutes leurs forces. Tertio que pour prevenir toute collision en dedans de l’empire et öter ä teile puissance etrangere que ce puisse etre, tout pretexte qui ne serait pas manifestement injuste, d’appuyer aucune Opposition en cas qu’il y en eüt, les maitres des ministres soussignes travailleront tant conjointement que separement K 8. de concert avec S. M. Danoise qui y a d£jä employ6 ses bons Offices, et d’une maniere ä ne pas donner la moindre atteinte aux prerogatives £lectorales, ä s’assurer au plutöt possible d’une si eminente majorite dans le College des princes qu’ä la premiere occasion favorable l’empire, sans egard ä un petit nombre d’opposans s’il y en avait, applaudisse au dessein dont il s’agit. 310 9. Quarto que des que le repos tant en dedans qu’au dehors de l’empire sera suffisamment assure, on procedera d’abord et sans le moindre delai k la convocation de la diete electorale. Pour lequel effet S. M. l’empereur tient prete la requisition k faire ä S. A. E. de Mayence pour lui ötre envoyee en ce cas sur le champ par un cour- rier expres. Quinto que pour öter tout sujet de plainte aux electeurs qui jusqu’ici n’ont pas concouru au meme dessein, LL. MM. II. leur enverront pareillement les lettres de requisition amiables, conformes k celles qui ont ete envoyees aux autres electeurs des qu’elles pourront le faire sans exposer leur dignite, comme la France l’a fait entendre k l’egard de S. M. le roi de Prusse, electeur de Branden- bourg. Et enfin Sexto les ministres soussignes promettent au nom de leurs mattres qu’au pis aller non seulement ils n’insisteront pas sur aucune clause k adjouter ä la capitulation de S. M. l’empereur heureusement r6gnant, ni n’exigeront rien du candidat k elire qui le lie d’avantage; 10. mais qu’ils s’opposeront meme ä ceux qui pourraient vouloir y insister, en y faisant applieation cependant de ce qui a ete regl6 autre fois dans la capitulation de feu l’empereur Joseph relativement au cas que cet empereur füt avenu k la couronne imperiale avant le temps de sa majoritß. En foi de quoi nous ministres munis des pleinpouvoirs et instructions neces- saires pour cet effet, avons sign6 le present protocole et y appose le sceau de nos armes. Fait ä Hannovre etc.“ B. „Geheime Anmerckungen über das Protocolls Project, so allein zu des H. von Vorster Unterricht und Anweisung zu dienen haben. fmo Der Titul ist beibehalten worden wie man ihn andererseits gesetzet. 2 do Anmit wird untereinstem begründet, daß gleich allen anfangs das Protokoll vom Jahr 1750 zum Grund der nunmehrigen Abrede geleget wird. Dann die anderseitige Declaration verbale sich lediglich auf sotlianem Protokoll gesteififet und die nunmehrige Abrede darvon eine Folge ist. 3 ti0 Man hat beobachtet, daß alle der chursächsischen Wahlstimmen halber eingeschickte Urkunden von keinem chursächsischen Ministro unterschrieben, an- nebenst viele Anzeigen obhanden seind, daß insgeheim ein mehreres als sotane Urkunden besagen, ausbedungen worden. — — — — — — — — — Umb sich also derentlialben mehrers sicherzustellen und gleichwohlen keinen nicht ohnumbgänglich nötigen Zweififel zu regen, hat man erzehlungsweiß und auf eine für den König von Engeland schmeichelhafte Art hiervon Erwehnung getan, indeme — wann Graf Rex das Protokoll wie es lautet, unterschreibet — der Abgang andurch ersetzet wird, ohne daß von hieraus ein Anstand geregt zu werden scheine. 4 t0 Die Wörter munis des pleinpouvoirs necessaires seind aus der Ursach beigefüget worden, darmit desto weniger der Innhalt des Protokolls künftighin in Zweifel gezogen werden möge und dasselbe in dem wesentlichen einer bündigen Convention vollkommen gleiche. Dahero auch noch vor der Unterschrift auf die Vorweisung derer Vollmachten zu dringen sein wird. 5 to Der Eingang der Abrede ist nach denen hiesigen unveränderlichen Grundsätzen . . . und so gefasset worden, daß anmit überzeugend in die Augen fällt, daß die alleinige Sorgfalt für die allgemeine Buhe und Wohlfahrt beede kais. M. zuruckhalte, sich denen anderseitigen Verlangen nicht schlechterdingen und ohne aller Ausnahm zu fügen. 6 to Gegen die Wörter en consequence et en conformit6 du protocol de 1750 kann von wegen obiger zweiten Anmerkung mit einigem Schein nicht das mindeste eingewendet werden. Es ist aber deren Beibehaltung umb so unentbehrlicher als anmit sich verwahret wird, daß der Kaiserin-Königin M. nicht zugemutet werden möge, zur Hebung alles Wiederspruchs die französische Bundsgenossen und Anhänger über die Gebühr zu befriedigen. 7 mo In diesem zweiten Punct hat man sich beflissen, die in denen anderseitigen Aufsätzen enthaltene Zweideutigkeit zu vermeiden und denselben als den Hauptpunct so zu fassen, daß einesteils alle Ausflüchten abgeschnitten und anderenteils des Königs qua Churfürsten, auch derer Generalstaaten Verbindlichkeit klar und dergestalten ausgedrucket würde, daß — woferne dargegen etwas sollte eingewendet werden wollen — darüber umb so mehr, absonderlich Chur- Maintz und Chur-Trier die Augen aufgehen müßten. 8 V0 Die Wörter de concert avec S. M. Danoise seind unter anderem auch von darumben beigefüget worden, weilen Baron Bernstorff die voreilige Ausschreibung des Churfürstentags für höchst schädlich haltet. Wornebst man noch über das ganz sorgfältig sich beflissen, lauter derlei Ausdruckungen auszusuchen, welche beeden bis nun zu vorgeschlagenen Aus- weegen sich appliciren lassen. 9 no Der vierdte und fünffte Punct können, sobald die vorhergehende an- genohmen werden, umb so weniger einem Anstand unterworffen sein, als anmit die hiesige Bereitwilligkeit in des Werks Beschleunigung mehres erhoben wird. 10 mo Und endlichen ist in dem sechsten dem anderseitigen Aufsatz nur beigefüget worden, daß sich anderen, welche die Capitulation dörfften verschärften wollen, würde entgegen gesetzet werden. So wegen dessen, was man wegen derer churfürstlichen Belehnungen entdecket hat, für keine überflüssige Vorsorge gehalten worden. Wien den 17. Julii 1752.“ 53 (50). Der Unterricht begann am 1. November 1752. (S. J. Svoboda, Die theresianische Militärakademie zu Wiener-Neustadt und ihre Zöglinge von der Gründung der Anstalt bis auf unsere Tage [Wien 1894], I. p. XL1V.) 54 (51). In dieser Konferenz wurde über die weitere Weisung beraten, die am 22. Juli nach Hannover geschickt wurde. Dem Gesandten wurde darin unter anderem mitgeteilt, „daß man zu München Selbsten darüber stutzet, daß an Churpfalz nebst Pleystein und dem Privilegio illimitato de non appellando eine Million Gulden nebst der Expectativ auf Ortenau von Engelland bereits anerboten worden.“ „Obwohlen nun dieses Anerbieten — so schrieb Maria Theresia — Mich zu nichts verbindet, so wird es jedoch gegen jenem, was man an Churbayern eingestanden, gehalten und daraus der Schluß gezogen, daß — weilen Churpfalz sich nicht so leicht gewinnen lassen — es andurch weit größere Vorteile als Churbayern zu erhalten hoffe, so nebst der Wal-Stimme auf Miran- dola und Concordia Verzicht tun und noch überdas zur Bereithaltung eines Corpo von 6000 Mann sich verbinden müssen . . .“ (Weisung an Vorster vom 22. Juli 1752. Staatsarchiv.) 312 55 (51). Bereits im Frühjahre wußte man, daß Keyserlingk den Grafen Bestuchew ablösen werde. (Koch an Kaunitz, 8. April 1752. Schiitter 211.) 5(> (52). Diese Angelegenheit war bereits in der Konferenz vom 26. Juli besprochen worden. Es lagen zwei Vertragsentwürfe vor: die Heirat (Schema conventionis ostensibilis) und die Nachfolge im Herzogtum (Schema conventionis secretae) betreffend; sie wurden am 31. Juli an Vorster und Cristiani abgeschickt (Staatsarchiv). „Der auffsatz ist so schönn Verlast — so hatte Maria Theresia auf Bartensteins Vortrag vom 26. Juli geschrieben — das nur zu wünschen das es also je ehender noch besser könne zu stände gebracht werden zum besten dises Haus und der algemeinen ruhe.“ (Vgl. Arneth IV, 241, 531, Anm. 290, wo jedoch Maria Theresias Resolution nicht genau wiedergegeben ist.) 57 (52). Das Konferenzprotokoll befindet sich im Staatsarchive. Über den Prozeß Hannover-Brandenburg, die Ansprüche auf Ostfriesland betreffend, vgl. Droysen, Geschichte der preußischen Politik V/4, S. 333ff.; Faber, Staatskanzlei, Band 103, S. 549 ff.; Band 104, S. 489 ff. Das kurböhmische Votum sollte folgendermaßen lauten: „Der Kaiserin-Königin M. hätten in allen Vorfallenheiten, sie betreffen gleich wen sie wollen, unbeschadet eines jeden Teils Befugnus und Gerechtsahm, die Aufrechterhaltung des Reichs Grundverfaßung und daß durchaus regul- und ordnungsmäßig verfahren werde, vorzüglich vor Augen. Jetztgedachter unveränderlicher Richtschnur nun zu Folge köndte von a. h. demselben die ungeschmälerte Ausübung des obristen Reichs richterlichen Amts nicht anders als wie eines derer wesentlichsten Stucken sotaner Grundverfaßung angesehen werden, und dieses zwar dergestalten, daß nicht einmal in Ihro glor- würdigst regierenden kais. M. freien Willkühr stünde, besagte Ausübungen, als worvon die Beruhigung gesamter um ihre eigene Erhaltung besorgter höchster und hohen Mitständen abhangete, jemanden zu versagen. Und wie zumahlen dar- durch, daß der Weg Rechtens jedermänniglich offen stünde, niemanden an dem zu haben glaubenden Recht das mindeste benommen würde, als köndten a. h. dieselbe nicht finden, daß des Königs von Preußen M. zu klagen einigen Anlaß aus der Ursach überkämen, wann sich an obige General Richtschnur auch in der ostfriesischen Nachfolge-Anliegenheit gehalten würde, da bevorab kein Schatten des mindesten Zweifels obwaltete, daß nach I. kais. M. kündbarem großem Justiz-Eifer nicht ganz unparteiische reichssatzungsmäßige Justitz jedem Teil wiederfahren würde. Welche Meinung zugleich auch mit des Königs von Preußen M. selbsteigener in dem Dictato vom 10. Novembris 1744 enthaltenen Erklärung übereinkäme, als vermöge welcher sich dahin geöffnet worden, daß die Reichsversammlung ordentlicher Weis darzu nicht bestimmet seie, um bei derselben Rechts-Ansprüche anzubringen. Gleichwie nun anmit der Punkt der strittigen Nachfolge und daß ein solcher in via juris reichssatzungsmäßig zu erörteren komme, sich von selbsten erledigte, also hätte sich hingegen ein solches auf die Ausübung des ostfriesischen Sitzes und Stimme nicht zu erstrecken, maßen dieser Punkt bei denen sothanen Sitz und Stimme betreffenden bekandten Umständen nach Anleitung der kaiserl. Wahl-Capitulation, denen c ^ ni J'ü r sOichen^ q q jj j Q au f ( ] as f e ; er . diesem hohen ° lichste versicherten Vorrechten gemäß, insbesondere zu erörteren stünde ulteriora reservando.“ (Ad Instruktion für den kurböhmischen Gesandten beim Reichstag, 30. Oktober 1752. Staatsarchiv.) 313 58 (53). Hyndford und Keith hatten um eine Audienz angesucht, aber dabei nicht für nötig erachtet, dem Grafen Colloredo eine Kopie des Schriftstückes vorzulegen, das sie dem Kaiser und auch der Kaiserin unterbreiten sollten. „Da nun bekandter Massen von einem frembden Hoff kein Schreiben ohne vorlauffiger Mitteilung dessen Abschrifft angenehmen wird — schrieb Maria Theresia an Yorster — so hätten Wir umb so mehr Ursach gehabt, darauff zu bestehen, daß von ihnen, englischen Ministris, in Ansehung des zu tun habenden mündlichen Vortrags das eigene beobachtet würde, wessen sich von keinem Ministro sogar in Ansehung einer zu übergeben habender königl. Zuschrift ent- schüttet werden kann. Wir sind aber gleichwolen darüber hinausgegangen.“ (Weisung an Vorster vom 8. August 1752. Staatsarchiv.) Dem Kaiser wurde sodann folgende „Declaration ä faire verbalement par le comte de Hyndford et le sieur Keith ä la cour de Vienne“ vorgelesen:*) „Comme il ne peut pas ötre question ä präsent de la convocation de la diete electorale afin de proceder 4 l’election d’un roi des Romains, sans ötre prealable- ment convenu de quelque satisfaction pour l’electeur palatin, en extinction de toutes ses pretentions, et comme il ne parait aucune disposition ä cet egard de la part de la cour de Vienne, par la reponse volumineuse et negative qu’on vient de donner ä M r de Beckers, avant que le roi puisse se resoudre ä laisser tomber entierement une mesure si salutaire pour la paix gönßrale, si utile pour la tran- quillite de l’empire et surtout si avantageuse pour la maison d’Autriche, le comte de Hyndfort et le sieur Keith ont ordre de demander audience de LL. MM. II. et de s’informer si, apres toute reflexion faite, eiles ne jugeront pas ä propos de faire (outre la cession de Pleystein) la proposition d’une somme raisonnable d’argent pour servil- de quelque dedommagement pour la demande du comte de Falckenstein? Moyennant une teile office, il est encore ä esperer que l’unanimite si desirable pourrait etre obtenue pour l’election d’un roi des Romains dans la personne du sören. archiduc Joseph; mais si au contraire on persiste dans la disposition negative, oü l’on parait etre ä present, le roi ne voit autre chose ä faire que d’en remettre la poursuite jusqu’ä ce que l’on pense de tous cötes avec plus de justesse sur la solidite et la convenance de cette importante affaire. Le principal objet de la Commission du comte de Hyndfort etant ainsi venu ä la fin, il a ordre de prendre conge et de s’en retourner aupres du roi ä Hannovre. Ä Hannovre ce 13/24 de juillet 1752.“ (Nr. 1 ad Weisung an Vorster vom 8. August 1752. Staatsarchiv.) 59 (53). Die Vermählung des Freiherrn Josef Maria Niklas Neuhaus mit Maria Rosa Josefa Lamberg (Tochter des Fürsten Franz Anton aus dessen zweiter Ehe mit Maria Aloisia Gräfin Harrach) fand am 6. August 1752 in der Pfarrkirche zu Purkersdorf statt. 60 (54). Die englische Erklärung,**) die einen gänzlichen Umschwung der Ansichten offenbarte, hatte in Wien nicht bloß Erstaunen, sondern auch Erbitterung hervorgerufen. Immerhin wollte man „aus alleiniger Beherzigung des allgemeinen Wolseins großmütig“ darüber hinweggehen. *) Colloredo erhielt das Original, um eine Kopie anfertigen zu lassen. **) Anm. 58. 314 „Nachdem aber — so schrieb Maria Theresia an Vorster — alles, mithin auch Großmut, Glimpf, Gelassenheit, Rücksicht und Aufmerksamkeit sein Ziel und Maß hat, so haben Wir, umb in so außerordentlichen, bei der Nachwelt kaumb Glauben finden dörtfenden Umbständen, mit grüßestem Bedacht zu Werk zu gehen, von Unseren damals anwesenden Konferenz-Ministris ihre Mainungen schriftlich abgefordert . . (An Vorster, 8. August 1752. Staatsarchiv.) Am 6. August referierte Bartenstein über das Ergebnis dieser Konferenz und er unterbreitete zugleich der Kaiserin die Vota der Minister.*) Sonach ward beschlossen, Hyndford und Keith folgendermaßen zu antworten: „LL. MM. II. ont toujours reconnu le prix du diademe imperial. Elles ont toujours marque leur cordiale reconnaissance des soins et peines que S. M. B. se donne pour l’affermir dans leur maison. Le maintien de repos tant en dedans qu’au dehors de l’empire leur tient toujours infiniment ä cceur et elles n’ont jamais rien neglige, ni ne negligeront rien qui puisse avancer le vrai et solide bonheur de leur patrie. Persuadees donc que l’election proposee peut y contribuer beaucoup, elles se sont empressees bien sincerement et tres assiduement d’aplanir les difficult^s qu’on y a rencontrees jusqu’ici, et de les aplanir d’une maniere convenable, c’est ä dire oonforme au but qu’on souhaitait. Dans cette vue un de leurs premiers soins a ete de prevenir toute collision entre le College electoral et celui des princes, et d’öter par lä ä qui que ce soit tout pretexte, tant soit peu apparent, quoique mal fonde ou ä s’y opposer, ou ä appuyer cette Opposition. Pour y parvenir, le moyen le plus prompt et le plus sur leur a paru de fournir ä l’empire une occasion, mais une occasion qui en donne aucune atteinte aux prerogatives electorales, ni ne puisse jamais etre tir6e en consequence de se declarer indirectement sur l’utilite du dessein dont il s’agit; puisqu’apres une teile declaration il ne saurait plus etre question ni de la validite de la pluralite des voix dans le College electoral, ni de la garantie de la paix de Westphalie, etant incontestable qu’un r§sultat de la diete, confirmö par l’empereur ä force de loix, non obstant la contradiction de quelques uns de ses membres, de sorte qu’il n’est pas ä douter qu’une pareille mesure ne rende les opposants si non plus just es et equitables, du moins plus moderes. (sic!) La demonstration evidente du neant des prätentions palatines ne saurait manquer de produire le meme effet. D’ailleurs la dignitö meme de LL. MM. II. y etait notablement interessee. Car depuis plusieurs annäes on les accusait tant en dedans qu’au dehors de l’empire de refuser ce qui est du ä S. A. S. E. P., de sorte qu’il etait d’une necessite indispensable de detromper lä dessus les cours oü l’on avait fait retentir ces plaintes. Et l’on se flatte d’y avoir reussi jus- qu’au point que celles-lä memes qui les favorisaient le plus, ne sauraient mainte- nant le meconnaitre, quoique peut-gtre elles aient de la peine ä l’avouer. Tel a donc ete le but qu’on s’est propos6 en dressant la replique qui a paru depuis peu, et l’on compte d’autant plus de l’avoir atteint, puisque, sans se rendre mani- festement partial aux yeux de tout le monde, la seule circonstance que de la part de la cour imperiale on a offert de conferer lä dessus avec M. le baron de Beckers, et que de la part de celle de Manheim on a tant de repugnance de deferer aux instances reiterees qui lui ont et6 faites, de produire les pieces justi- ficatives qu’elle s’etait tant vant6 d’avoir entre ses mains, doit determiner le jugement interieur d’un chacun. *) Vgt Koch an Kaunitz, 5. August 1752. (Schlitter 246 ff.) 315 La cour de Vienne n’a jamais insiste sur la convocation de la diete elec- torale sans avoir suffisamment prepare ce qui pouvait en* assurer l’heureuse issue. Elle n’a fait 4 ce sujet que repondre aux instances qui lui en ont ete faites, et eile y a repondu de la maniere la plus satisfaisante en postposant sa propre convenance, son propre contentement au bien et au repos de sa patrie. C’est donc sans nulle peine qu’elle n’en fait pas mention 4 present. Mais eile n’est pas pour cela moins empressee 4 avancer l’affaire de l’election en confor- mite du plan susdit, c’est 4 dire sur un pied dont on puisse se promettre d’heureuses suites. Dans cette intention on 4 attentivement considere tout ce qui a ete pro- jete jusqu’ici pour contenter le College des princes, sans donner atteinte aux droits et prerogatives electorales. On a declare ci-devant et on declare encore qu’avec joye on se pretera 4 tel moyen propose par d’autres. pourvu qu’il assure le but qu’on vient d’indiquer. Mais s’etant aper§u que les sentiments des bien intentionnes sont partages 4 cet egard, on a cru pouvoir ouvrir un avis qui semble aplanir toutes les difficultes qu’on y a rencontrees jusqu’ici, tantöt de Tun et tantöt de l’autre cötö. Et pour pleinement eclaircir cet avis, on joint 4 la presente reponse verbale l’ebauche d’un decret de commission,*) dresse pour cet effet, dans la persuasion oü l’on est que, si de la part du College electoral et celui des princes on remercie l’empereur de ses soins paternels et le prie de ne pas vouloir les discontinuer, les opposants depourvus de toute pretexte, tant soit peu apparent, seront infiniment plus retenus 4 se roidir contre un dessein approuve par l’eminente majorite non seulement du College electoral, mais de tout l’empire, avec l’agrement de son auguste chef. Cependant comme l’on n’est nullement prevenu pour son propre ouvrage, on y admettra tels changements que les autres ministres electoraux qui se trouvent 4 Hannovre, trouveront 4 propos, pourvu qu’ils menent au meme but. Apres quoi il ne reste qu’4 s’expliquer sur l’article des pretentions pala- tines. On a remarque ci-dessus pourquoi il avait ete indispensable de convaincre de lern* neant tout le monde impartial. Il n’ötait pas moins necessaire de donner 4 connaitre les terribles consequences qu’il y aurait 4 craindre, si des preten- tions si evidemment frivoles etaient aucunement autoi’isees. Mais pourque l’on ne puisse pas les soupgonner que leur refus, dans lequel eiles persistent et per- sisteront toujours, provient de teile autre cause que ce puisse etre, et pour donner en outre une nouvelle preuve des plus eclatantes du grand cas qu’elles font de l’amitie de S. M. B. et de leur zele patriotique de faciliter un ouvrage si desire dans les circonstances presentes par la plus grande partie de l’empire par tous les moyens combinables avec la bulle d’or, elles consentent et s’obligent de payer d’abord apres que l’election d’un roi des Romains dans la personne du sören. archiduc Joseph, leur fils aine, sera terminöe pacifiquement sans Opposition, contradic- tion, ni collision et sans qu’on exige du candidat 4 elire aucune condition au del4 de celles qui sont dej4 contenues dans la capitulation de S. M. I. lieureusement re- gnante, une somme d’argent de 500.000 florins 4 Sa dite M. B. pour en disposer en faveur de la cour de Mannheim, -bien entendu neanmoins et pas autrement que S. A. S. E. P. declare et s’engage pour eile et tous ses heritiers et successeurs de ne plns rien prötendre d’elles, sous quelque pretexte imaginable que ce puisse etre, et que LL. MM. II. ne seront plus ni molestees, ni sollicitees pour nulle *) Beilage. 316 autre pj-etention de quelque cour que ce soit, mais pleinement tranquillisees lä- dessus, d’autant plus que c’est l’unique moyen de se garantir eontre les con- sequences terribles indiquees dans leur replique-, remettant tout le soin d’arranger le reste en cette conformite ä la sage prevoyance de S. M. B. A quoi nean- moins Ton doit adjouter que mylord corate d’Hyndford et M. Keith ont ete tres instamment requis de vouloir garder le secret le plus inviolable par rapport ä l’offre qu’on vient de faire, envers tout autre ministre etranger et surtout M. le baron de Beckers, puisqu’il n’est gueres possible que la mesure la mieux prise et concertee puisse sortir son efFet des qu’elle transpire trop tot. Ainsi on ne doute pas que le meme secret ne soit garde pareillement ä Hannovre. Et il est tout naturel et simple que LL. MM. II. ne sauraient plus etre tenues en aucune fagon ä l’offre susdite, ä moins que la cour de Manheim ne s’en contente pleinement et n’accomplisse le reste de la maniere qu’on s’est declard ci-dessus. A Vienne ce 5 aoüt 1752.“ (Nr. 2 ad Weisung an Vorster vom 8. August 1752. Staatsarchiv.) Beilage. „Ohnmassgebigster Entwurf des kaiserl. Commissions Decreti, die Anzeige dessen, was der röm. Königswahl halber biß nun zu vorgefallen, betreffend. Von der röm. kais. M. Francisci etc. hiermit zu vernehmen. I. röm. kais. M. hätten seit Dero angetrettenen schweren kais. Regierung sich die Erhaltung der innerlichen und äusserlichen Reichsruhe, nebst der Be- vestigung dessen Grundverfaßung vorzüglich und unermüdet angelegen sein lassen. So beträchtlichen gemeinnuzlichen Absichten hätten alle sonstige Betrachtungen weichen müssen. Weder einige Anständigkeit, noch sogar die zärtlichste vätterliche Liebe hätte diesem doppeltem Haubtgegenstand Ihrer un- ausgesezter reichsvätterliclien Sorgfalt im geringsten jemahlen vorzudringen ver- möget und a. h. dieselbe das ausnehmende Vergnügen gehabt, durch hauffige Proben überzeugt zu werden, daß Dero herzinniglich geliebteste Gemahlin, der Kaiserin und Königin von Ungaren und Böhmen M. der allgemeinen Ruhe und Wohlfart die eigene Zufriedenheit nebst des durchl. Erzhauses Aufnahm weit nachsezeten, für sich an das Reich nichts gesinneten, gleichwohlen aber sich zu dessen Besten auf das eifrigste zu verwenden, Bedruckten beizuspringen, gegen jedermänniglich in Übermaß sich gerecht und billig erfinden zu lassen und allein durch diese Mittel Ihre Mitstände sich zu verbinden, auch sogar die Abgeneigte zu einer billigeren Gedenkensart zu vermögen, sich unausgesezt be- strebeten. Währender dieser beederseitigen Beschäftigung wären von teutsch patriotisch denkenden Churfürsten als Säulen des teutschen Reichs und dessen innersten Ratgeberen, vermöge der begleitender hohen Würde, die in beeden lezteren Interregnis dem Reich zugestossene viele und schwere Drangsalen in reiffe, ruhmwürdige Erwegung gezogen und zu deren Verhütung die Wahl eines röm. Königs in der Person des durchl. Erzherzogs Joseph, beeder kais. M. ältesten Sohns, vorgeschlagen worden. Je mehr nun a. h. dieselbe den großen Wert so- taner königl. Würde erkenneten und hochschäzeten, je mehr hätten sie auch beederseits wie billig die verbindlichste Dankbarkeit darftir bezeuget und würden andurch, wo es möglich gewesen wäre, nur umb so mehr angefrischet worden sein, Ihre unveränderliche Bemühung umb das Reich sich hoch verdient zu machen, zu verdopplen, als ohnedas beederseits kais. M. das große Vergnügen 317 haben, immer mehr und mehr wahrzunehmen, daß besagter durchl. Erzherzog hauffige Kennzeichen der eigenen Gedenkensart, die sie selbsten hegeten, bereits in seinem zartem Alter von sich gebete. Aller dieser Betrachtungen jedoch ungehindert wären beede kaiserl. M. zufolge ihrer obigen unveränderlichen Entschließung unendlich weit entfernet gewesen, in Sachen den mindesten auch befugten Schritt zu tun, wohero einiger, auch nur scheinbahrer Anlaß hätte genohmen werden können oder forthin ge- nohmen werden köndte, des Reichs innerliche oder äußerliche Ruhe zu stöfren. Als gemeinsamer Yatter sammentlicher Reichsständen würden I. kais. M. für alle Sicherheit und Wohlfarth beständig wachen, zugleich aber auch dessen Würde, Ansehen und Unabhängigkeit auf das sorgfältigste beherzigen. Obwohlen aber eben diese reichsvätterliche aufmerksamste Vorsorge aller gutdenkender patriotischer Ständen gleich ausnehmende Dankbarkeit erheischete, so müßten jedoch I. kais. M. vernehmen, als ob ein so vorsichtiger und das allgemeine Besten der eigenen Anständigkeit weit vorziehender Betrag von einigen für eine Gleichgültigkeit oder wol gar Geringschäzung dessen, welchem aus Großmut alles übrige nachgesezet würde, mißdeutet werden wollte. Da nun eine solche Mißdeutung, woferne sie Eingang finden sollte, für das werte Vatter- land schädliche Folgen haben köndte, so ermesseten I. rörn. kais. M. dero a. h. Ambtsobliegenheit gemäß zu sein, von jenem, was in Sachen bißhero fürgefallen, Churfürsten, Fürsten und Ständen zu dem Ende die Anzeige zu tun, auf daß durch Benehmung alles Irrwohns derlei Folgen in Zeiten zureichend vorgebogen werde. Und es verbleiben anmit etc.“ 61 (54). „Er (Hyndford) hatte bei mir (Khevenhüller) um die Abschieds- Audienz förmlich gebetten, auch solche als vorgestern bei den Kaiser würklich erhalten und in der widrigen Persuasion, daß sein lezteres Ansuchen für Chur- pfaltz abermahlen wie bishero refusiret werden würde, seinen Rappel dem Kaiser übergeben wollen, mithin auch die Anrede darauf ganz kläglich und mit Bedau- rung, in seiner Commission so unglücklich gewesen zu sein, gestellet. Anfangs Hesse ihn der Kaiser in seinem irrigen Wahn und antwortete in generalibus; endlichen aber gienge der Kaiser in eine weitere Explication ein et aprös quelques reproches d’ami et avoir demontre la difiference de notre procede dans toute cette affaire et de celui de l’Angleterre, so eröffnete er dem Mylord überhaubt, was bei lezterer Conferenz bereits beschlossen wäre, und dessen Mittheilung er Hyndford wohl hätte abwarten können, ehe er auf das Extremum verfallen, seinen Rappel zu übergeben. Der Mylord fielle dem Kaiser hierauf par un transport de joye zu Füssen, kiiste ihme die Hand und steckte sein Rappel-Sclireiben in den Sack, mit Bitt, der Kaiser mögte ihm die gethanene Demarche nicht ver- üblen, sondern erlauben, daß er nach erhaltenem Resultat der leztern Conferenz sodann erst um seine förmliche Abschieds-Audienzien bei beiden Mayestätten bitten dörffe etc., so auch einige Tage spätter und mit viller Zufriedenheit über die ihme vorgelesene und abzuschreiben verstattete Final-Antwort und Ent- schliessung II. MM. beschehen und er hierauf ganz vergnügt von hier nach Hannover zuruck geraiset.“ (Khevenhüllers Konferenznotizen wurden von mir während der Ausarbeitung des dritten Bandes — unter der Bezeichnung „Con- ferenz-Repertorium“ — in den Beständen des aufgelösten Kabinettsarchives gefunden, in das sie nach dem Tode Khevenhüllers gelangt sein dürften; sie sind durchweg von seiner Hand.) 62 (54). Vgl. Koch an Kaunitz, 12. August 1752. (Schiitter 257 ff.) 318 63 (54). S. Band 1745—1749, S. 555, Anhang 386. In der Konferenz ward beschlossen, die übrigen Mächte (Frankreich, Spanien und Sardinien) womöglich aus dem Spiele zu lassen, einzig und allein mit dem päpstlichen Stuhle zu unterhandeln, aber die Rechte Toskanas aufrecht zu erhalten. 64 (54). Das Jahr vorher, am 19. März 1751, hatte die Erzherzogin Maria Josefa das Licht der Welt erblickt. 65 (55). Die betreffenden Stücke liegen dem Tagebuche bei. 66 (56). Eine Abschrift des Ernennungsdekretes konnte nicht aufgefunden werden. 67 (56). Gegenstand der Besprechung war auch die Auswanderungsfrage. Auf Einraten der Konferenzminister wurde dem kaiserlichen Gesandten in St. Petersburg mitgeteilt, „daß obgleich in anderen Umständen die vom russischen Großkanzler eingeratene Überlassung einiger hundert Raizen von keiner so großen Erheblichkeit sein würde, umb durch deren Versagung der Gefahr sich auszusetzen, in der russischen Kaiserin Gemüt auch nur Kaltsinnigkeit zu erwecken, dannoch in der nunmehrigen großen Bewegung, in welche die ganze Nation durch die Aufwicklungen des vorigen russischen Botschafters*) geraten, nicht tunlich ist, durch Überlassung auch nur 50 Mann den Zweitrachtsund Spaltungsgeist in derselben zu vermehren und die unruhige Köpfe in dem Wahn zn stärken, von Uns mittelst des russischen Vorworts alles, was jedem einfällt, erzwingen zu können. Gleichwie Uns aber Selbsten vortragend geschienen, daß nach des russischen Großkanzlers guten Absicht des Grafen Kayserling in dieser Anliegenheit erstattenden Berichten gleich im Antritt seines Ministern mehreres Gewicht beigeleget werde, also ist man untereinsten auf Mittel bedacht gewesen, wie ein solches in andere Wege beschehen möge. Weßfalls allerseits für gut befunden worden . . . nachfolgende Umbstände gl eichsahm als ein Aequivalent der versagender Überlassung zu erheben, daß erst- liclien, wo die Passporten nur für die darinnen ausdrücklich benamsete Personen hätten gültig sein sollen, dannoch unter diesem Deckmantel, zuwieder der russischen Kaiserin selbsteigenem Verlangen, eine weit größere und sich auf viele hundert Persohnen erstreckende Anzahl Unserer Bothmäßigkeit sich bereits entzogen habe, die Wir zuruckzubegehren befugt, aber aus Hochachtung für die russische Kaiserin in dem Fall, da kein weiterer Mißbrauch erfolgen sollte, ihr zu uberlassen uhrbietig wären. Zweitens daß viele dieser Passporten für die Provinciales unter dem falschen Vorgeben, ob wären sie Militares, erschliechen worden, welche Passporten mithin als ungültig umb so mehr angesehen werden köndten, als der russischen Kaiserin Antrag ohnedas nur auf die Überlassung derer von der Miliz gegangen . . . und endlichen drittens, daß Wir dessen allen unangesehen die in Unseren Landen zuruckverbliebene Persohnen, sobald sie mit Passporter versehen, ungehindert annoch abziehen lassen würden. — — — —“ (Weisung an Pretlack vom 12. September 1752. Staatsarchiv.) 68 (56). Der Wiener Hof hatte — in der Absicht, die Sache zu erleichtern und zu beschleunigen — den Grafen Cristiani bevollmächtigt, mit den modenesi- schen Ministern zu unterhandeln. (Vollmacht vom 27. Juni 1752. Staatsarchiv.) Nun stellten sich aber die verschiedensten Schwierigkeiten in den Weg. (S. Koch an Kaunitz, 26. August 1752. Schiitter 270.) England hegte Argwohn *) Das Unterstrichene durfte auf Befehl Maria Theresias nicht in die Weisung aufgenommen werden. 319 und noch war Abbate Grossatesta, der Vertreter des Herzogs von Modena in London, nicht im Besitze einer Vollmacht und Instruktion. Infolgedessen wurde — auf Vorschlag der Konferenz — folgendes an Cristiani geschrieben: „Exposita Nobis fuerunt, quae litteris tnis partim 14 ta et partim 16 ta hujus mensis scriptis, tum hisce annexa coinitis Sabbatini epistola continentur. Eodem ferme tempore relatum Nobis a Vorstero est, duo conventionum Schemata, latino idiomate concinnata, magno cum gaudio, nec minore applausu Hannoverae fuisse excepta, sed tanto aegrius ferre Magnae Britanniae regem, quod abbas Grossatesta nec plenipotentia munitus, nec de voluntate ducis quoad haec ipsa Schemata edoctus sit. Cumque Nobis praefati regis impatientia satis perspecta sit, isque quamprimum ad locum Goerde nuncupatum conferre sese constituerit, timendum est, ne ansa inde desumatur suspicandi, ejusdem conciliatoriam operam, alibi negotium tractando declinari veile ; id quod a mente Nostra alienum esse praece- dentibus rescriptis Nostris plus quam abunde fuisti edoctus. Non alia enim de causa totius negotii seriem tibi communicavimus, quam ut tanto citius convenien- tibus, id est, aequitati consonis mandatis instrui desuper posset abbas Grossatesta. Ast secus evenisse Hannoverae conqueruntur ob moram in remittendo Cursore a praefato abbate Mutinam misso. Quodsi ergo hic ipse Cursor diutius ibidem detineatur, prouti id litterae tuae indigitare videntur, parum gratae se- quelae inde sunt pertinescendae. Una enim ex parte abbatis Grossatesta instructio ideo protrahitur, quia comes Sabbatini Nostrum ad litteras tuas responsum praestolatur, altera vero ex parte responsum hocce non nisi communicato prius cum Magnae Britanniae rege consilio dari poterit, quod ipsum tardius pariter ea de causa fieri potest, quia ob defectum instructionis et plenipotentiae abbatis Grossatesta instituenda Hannoverae colloquia differuntur. Talis proinde cum sit praesens negotii haud parum intricatus status, scopo quem intendebamus, id ipsum promovendi, omnimodo contrarius; primaria tua cura erit, eo allaborare, quo omni ulteriore mora amputata abbas Grossatesta tum plenipotentiarum tabulis, quam suffieiente instructione muniatur. Hisce praemissis ad quatuor rerum capita, quorum in litteris tuis mentio fit, paucis respondemus. Duo ex illis, gubernium nimirum Lombardiae Austriacae, et copiarum pro- miscua intermixtio sejungi ab invicem haud possunt. Salva autem eorum manente connexione in proclivi erit, obmotam a comite Sabbatini ditficultatem uno ex duobus ab illo propositis mediis tollere, nempe ut non minus ducis copiae partem praesidii in aliquot munitis locis Nostris, quam miles Noster partem praesidii in munitis ducis locis constituat. Quamprimum itaque eo procedere e re visum fuerit, administrationem gubernii Lombardiae Austriacae duci conferemus, ad tempus usque majorennitatis serenissimi archiducis duraturam. Ut autem haec ipsa administratio diutius adhuc duret, desiderari a Nobis haud potest, cum tarn parum cum Nostra, quam filii Nostri dignitate et decoro conciliari ullatenus queat, ut is post adeptam quoque majorennem aetatem sub ducis tutela effective maneat. Ne autem dubium quoad tempus majorennitatis supersit, declarabis una, juxta Augustae Domus Nostrae inveteratum usum ingressu anni decimi octavi unum- quemque archiducem majorennem fieri. Ad perennem ducatus Massae favore Estensis stirpis masculae, cui nullum prorsus in illum jus competit, in prejudicium quoque filii Nostri, et quidem pro- priis illius sumptibus, tertia nimirum dotis parte cum Mutinensibus Statibus 320 stabiliendam unionem, quod attinet, tarn parum desiderio huic, quam proposito temperamento, ut inanis titulus penes archiducem, possessio autem et ususfructus penes Estensem familiam maneat, deferri ulla ratione a Nobis potest. Superfluus labor foret, omnia ea hic repetere, quae desuper 31 a elapsi mensis Julii die ad te fuerunt perseripta. Nihil cnim sett in litteris tuis, seu in comitis Sabbatini epistola invenimus, quod tarn solidis rationibus fuerit opposi- tum. Ad has ipsas rationes te proinde haud secus, ac si verbotenus hic forent repetitae, denuo remittimus; idque tanto magis, quo minus subsistit color inde quaesitus, ac si pro cohonestando, uti verba sonant, negotio ejusmodi unio foret necessaria; quasi vero negotium haud satis foret eo ipso cohonestatum, quod archidux filius Noster dueis Nepti sponsus destinetur. Quae sola consideratio satis comprobat, hoc ipso quaesito colore dignitatem Nostram graviter feriri. Nec sperabile est, ut vulnerando jura tertii, et invertendo successionis ordinem, caesareis investiturarum litteris a tot retro saeculis stabilitum, electorum aut imperii Consensus, pro corroboranda ad normam conventionum expedienda eventuali in- vestitura absolute necessarius obtineri unquam queat, cum e contra vix dubio locus supersit, quin Gallica aula ansam inde sit desumptura, conventionum vali- ditatem impugnandi. Haud aliter Magnae quoque Britanniae rex sentit, simulque Hannoverae depraedicant, generöse prorsus a Nobis agi, dum non obstante principis haereditariae graviditate priori proposito Nostro inhaeremus. Quapropter inexpectatum omnino fuit, Mutinae ejusmodi conditionibus inhaereri veile, unde diminuta emolumenti spe multiplex damnum in Nos Nostrosque, non absque di- gnitatis et decori jactura redundare posset. Et ad notitiam denique, quod attinet, Gallicanae aulae de iis, quae trac- tantur, ea quam exponis ratione dandam, intempestiva illa Nobis etiamnum et tarn diu videtur, quam diu matrimonialis contractus, et annexus tractatus ratiha- biti haud fuerint. Cumque uti supra dictum est, constitutum Nobis sit, Concorde in omnibus cum Magnae Britanniae rege Studio totum negotium hocce pertrac- tare, quid ulterius Nobis hac in re videatur, non nisi post acceptum Hannovera responsum significari tibi poterit. Interea vero nullae omnino dubitamus, quin tanti momenti considerationes a te pro more tuo solerter et prudenter expositae, omnem, si quae superest, difficultatem quantocujus sint sublaturae — — — — — — — —“ (27. August 1752. Staatsarchiv.) An Vorster wurde am selben Tage folgendes geschrieben: „. . . Umb aber der Sachen noch mehreren Vorschub zu geben, so hast du einesteils auf eine Art, die keiner ungebettenen Entschuldigung gleichet, allem über des Grafen Christiani Mitverwendung sich veroflenbahren mögendem Argwohn suchen zu begegnen, anderenteils aber, ohne ihn — Grafen Christiani — oder den Grafen Sabbatini zu nennen, die bei der Handlung sich hervortuende zwei Hauptanstände der ewigen Vereinigung des Herzogtumbs Massa mit denen übrigen modenesischen Landen und der voreilig an Frankreich beschehen wollender Anzeige, da, wo du bist, mündlich zu eröffnen, und was dargegen in nu- mero 4*°*) einkombt, wohl gelten zu machen, sodann aber von Unsertwegen das Ansuchen dahin zu tun, auf daß durch den in des Königs Namen beschehenden nachdrucksamen Zuspruch der Herzog von Modena von obigen beeden Anträgen abgebracht werden möge. — — — — — — — — ___ —“ (Staatsarchiv.) *) Abschrift der an Cristiani gerichteten Weisung vom gleichen Tage. 321 69 (59.) Tentamen genealogico-chronologicum promovendo seriei comitum et rerum Goritiae. Yiennae, J. Th. Trattner, 1752. 4°. Das Widmungsexemplar befindet sich in der kaiserlichen Fideikommißbibliothek zu Wien. 70 (59). Gleichlautend mit dem Berichte im Wiener Diarium vom 16. September 1752 (Nr. 75). 71 (59). Frangois comte de Dietrichstein; Bartolome prince Corsini; Gebhard X. comte Truchsess-Waldbourg-Wolfegg-Waldsee; Charles Joseph Gustav comte de Limbourg-Bronckhorst-Styrum-Globen; Chretien-Frederie Charles comte de Giech; Philipp Antoine comte Grüne; Caspar Louis baron de Luzow; Ferdinand Baron d’Unruhe; Philipp marquis Vitelleschi; Frederic baron de Bulow; Maximilien baron de Rechbach; Charles comte de Dietrichstein; Joseph Chevalier de Murray; Michel Gundacker comte d’Althann; Joseph comte Balassa; Joseph comte Keglevics; Eugene comte Gonfalonieri; Meinhard Frederic Frangois Rudt de Collenberg; Joseph Michel baron de Landsee; Alois comte d’Auersperg; Jean Vigile comte du Thun; Jean Antoine baron de Schirnding; Charles comte Cristalnig; George baron Korda. Decretistes: Lorent prince Corsini; Vincent Felix comte Migazzi; Chretien Philipp comte de Sternberg; Sigismond comte de Saurau; Rudolph comte de Traun; Frederic comte de Sinzendorff; Vincent comte de Waldstein; Adolph comte de Martiniz; Joseph comte d’Ogilvy. 72 (60). S. 28. Im Wiener Diarium vom 23. September 1752 (Nr. 77) findet sich die Liste der neu aufgenommenen Sternkreuzordensdamen. 73 (60). Notiz im Wiener Diarium vom 20. September 1752 (Nr. 76). 74 (60). Regum veterum numismata anecdota aut perrara notis illustrata. 75 (60). Wiener Diarium vom 23. September 1752 (Nr. 77). Dem Tagebuche liegt eine Aufschreibung folgenden Inhalts bei: Francisco Antonio S. R. I. comiti de Khevenhiiller, aet. an. 15. Eruditissimi de veterum regum nummis libri editori, admjrandumque historicae suae, opticae, catoptricae, dioptricae et perspectivae, astronomicae, sphaericae et theoricae, geographicae et gnomo- nicae, algebraicae, architectonicae, civilis et militaris et pyrotechnicae philo- sophico-physicae item tum de inanimis tum de animatis, ac graecae denique linguae, peritiae specimen publice praebenti Applausus. Francisce Antoni, o! quanto tibi grandius annis Ingenium est, dum tarn docta juventa tua est! Nurnine propitio, teneris qui tantus ab annis, Grandior aetatis robore quantus eris! Palladis et Martis tu mira es gloria, stringis Qui gladium et calamum dexteritate pari. Alma Jovis divum dicta est habitasse cerebrum Pallas io! nunc est visa subire tuum. Pallada, fors dices, mihi dux dat Erasmus habere? Ille docet, proprio tu prope Marte tenes. Khevenhüller -Schütter. 1752—1755. 21 322 Discipulus tu doctus, ais, laus esto magistri? Tu vix discipulus, jamque magister eras. Prisca stupescebant veteres miracula mundi, In te nostra novum tempora majus habent. lila canant alii, et eelebrent miracula vates, Majus ego, solum te celebrando, canam: Terquinquenni virtus doctrinaque tanta, Quanta futura viro! Quanta futura seni! Applaudit U. B. S. I. 76 (61). Cristiani hatte am 16. September die Gegenprojekte eingeschickt. Vor der Beratung der einzelnen Artikel wollte man noch folgende Fragen gelöst wissen: 1. Vollmacht für Grossatesta. Man beantragte, Cristiani aufzufordern, daß er diese Angelegenheit betreibe. 2. Sprache der beiden Verträge. Die Minister erklärten sich einstimmig für das lateinische Idiom. 3. Garantie Englands und Hannovers. . . Nachdem aber mehr zu wünschen als zu hoffen ist — so heißt es darüber in Bartensteins Vortrag vom 28. September — die englische und churhannoverische Garantie auszuwirken, so scheinet eine reife Überlegung zu erheischen, was in dem Fall, da sie nicht auszuwirken sein sollte, zu beschehep hätte? das ist, ob sich solchen Falls mit dem Herzogen von Modena allein ohne mindester Sicherheit einer beträchtlichen fremden werktätigen Mitunterstützung in etwas schließliches einzulassen und der Gefahr sich auszusetzen wäre, nicht nur mit beschwerlichen Bedingnussen vergebens sich zu beladen, sondren vielleicht wol gar für das Loch geschoben zu werden und anstatt das Erzhaus in Italien auszubreiten, allda noch mehrers einzubüssen. Ungewiß ist, ob der Herzog von Modena ohne dieser Bedingnus in etwas schließliches sich werde einlassen wollen, und wann er es zu tun weigerte, so wäre er dessen nicht zu verdenken-, auf gleiche Weiß als Engelland nicht zu verdenken ist, wann es seine Gewehrleistung in dem Fall versaget, da er, der Herzog, auf bedenklichem Verlangen beharren sollte. Gesetzt aber gleich, daß vielbesagter Herzog darüber sollte hinausgehen wollen, ‘so bliebe noch alleweil der Anstand abseiten beeder kais. Maj. Interesse umb so mehr übrig, als Graf Cristiani selbsten anführet, daß er, der Herzog, annoch an Frankreich sehr ergeben und von dieser Ergebenheit nur nach und nach abgebracht werden möge. Da nun das letztere ungewiß ist und wenigstens eine geraume Zeit erheischet, so scheinet allerdings mißlich zu sein, mit einem solchem Fürsten ohne frembdem Zutun in Verbindlichkeiten von einer so häcklichen Beschaffenheit als die nunmehrige seind, und die so große Folgen haben können, sich einzulassen, zumahlen alle Umbstände wohl erwogen mehr dann wahrscheinlich ist, daß, da der Herzog allein durch die Beisorge, so der unvermutete Todtfall seines zweiten Sohns bei ihme erwecket hat, bewogen worden, sich an Engelland und den hiesigen Hof zu wenden, derselbe seit der versicherten Schwangerschaft der modenesischen Erbprinzessin, als wordurch sotane Beisorge wo nicht verschwunden, doch vermindert worden ist, nicht mehr die eigene Neigung wie vorhin hege, annebenst der junge Graf Sabbatini, als im Herzen an Frankreich immerzu ergeben, sich diesen Umbstand zunutzen gemacht habe, umb den anfangs in Sachen bezeugten Eifer wenigstens in etwas erkalten zu machen. . . .“ (Staatsarchiv.) 323 77 (61). Die Deklaration des Wiener Hofes vom 5. August 1752*) war in London äußerst kühl aufgenommen worden; im übrigen standen die Dinge derart schlecht, daß man besorgen mußte, es werde dem Erzhause aus der Wahlsache nicht Nutzen, sondern vielmehr großer Nachteil erwachsen. Nach reifer Erwägung ward (in der Konferenz vom 16. September) beschlossen, über das Stadionsche Projekt, das Keith am 6. September dem Grafen Ulfeld eingehändigt hatte, eine Erklärung (A) abzugeben und diese samt einem Begleitschreiben (B) dem englischen Gesandten zu übermitteln. A. Ad primum. LL. MM. II. consentent et s’obligent sous les conditions rap- portees dans le memoire qui accompagne la presente reponse, d’augmenter de cent mille florins la somme Offerte par leur reponse precedente du 5 aoüt, et quant aux 600.000 dont elles se chargent envers S. M. B., elles consentent aux termes du payement qu’on propose. Ad secundum. Elles consentent pareillement d’investir immediatement apres l’election faite comme ci-dessus de la seigneurie de Pleystein et ses appartenances et dependances, telles qu’elles etaient ci-devant sous les seren, possesseurs de la maison de Neubourg, tous les descendants legitimes mäles non seulement de la serön. maison de Sulzbac, mais encore de la seren, maison des Deux-Ponts. Mais elles ne sauraient consentir au reste de cet article puisqu’il n’est pas dans le pouvoir de S. M. l’imperatrice-reine de renoncer ä aucun droit attachö ä la couronne de Boheme. Et quant aux fruits per§us de Pleystein, la demande leur parait si extra- ordinaire qu’elles ne doutent pas que nulle instance ne leur en sera jamais faite, puisqu’elle ne saurait avoir lieu qu’ä l’egard d’un possesseur de mau- vaise foi. Ad tertium. Apres l’election faite, comme il a etö dit dans leur reponse du 5 aoüt, S. M. I. fera expedier le privilegium de non appellando illimitatum ä S. A. S. E. palatine et ses successeurs dans l’ölectorat, pour tous les etats que S. dite A. E. possöde. Et quant au duche des Deux-Ponts, eile est tres gracieuse- ment disposee ä rendre complaisance pour complaisance, en etant duement requise. Ad quartum. II n’est pas dans le pouvoir de S. M. l’imperatrice-reine d’accorder l’expectative du tief d’Ortenau, ni d’en conferer aucun autre avec la superiorite territoriale y annexee. D’ailleurs on ne saurait se dispenser de re- marquer que de la part de la cour de Manheim on rehausse les pretentions, au lieu de les diminuer. Car quoiqu’elle ait aussi peu ä pretendre sur Ortenau que sur Falkenstein, eile ne s’est jamais avise ci-devant de demander l’un et l’autre conjointement, mais alternativement, ou bien l’equivalent de Tun des deux. Or recevant la somme d’un million ou meme d’onze ou douze cent mille florins ä la place de Falkenstein, il parait ötrange qu’on insiste encore sur l’expectative d’Ortenau ou d’un autre fief d’egale valeur qu’on ne connait pas. Ainsi personne au monde ne pourrait trouver ä redire si S. M. l’imperatrice-reine refusait tout net cet article. Cependant par le seul motif de complaire ä S. M. B., eile pourrait ä la fin consentir ä accorder l’expectative du fief de Wildenau, possede par le baron de Sazenhoven en cas d’echeance d’icelui, aux descendants lögitimes *) Vgl. Anhaug 60, S. 314 ff. 21 * 324 mäles de la seren, maison de Sulzbac, ä condition d’etre possede par eux, tant qu’il y en aura sur le pied du recez de 1708. Ad quintum. Comme S. A.S.E.palatine doit liquidement ä S.M. l’imperatrice- reine au delä de 100.000 florins, il est Evident qu’en consentant 4 l’article Y et en se chargeant du payement de 600.000 florins au lieu de 500.000 qui etait tout ce qu’on lui avait demande ci-devant, eile augmente en efFet sa premiere otFre de 200.000 florins qui conjointement 4 ce qui a et6 declare ci-dessus, est aussi tout ce que jamais et 4 grand jamais on pourra en obtenir. Et eile se röserve meme tres positivement de n’etre obligee 4 rien de tout ce qu’elle a offert jus- qu’ici 4 l’avantage de la cour de Manheim, 4 moins qu’en quatre semaines au plus tard 4 compter du jour de l’extradition du present ecrit, la dite cour ne s’en soit declare pleinement contente. Ad sextum. Et puisqu’il n’est pas 4 douter que par les mots du con- sentement unanime de tous les ölecteurs et avec le bon gr6 et l’ac- quiescement de la France on n’a aucunement pens6 de juger le dit con- sentement unanime des electeurs, ni le bon gre et acquiescement de la France, necessaires 4 la validite d’une election d’un roi des Romains du vivant de l’empereur, LL. MM. II. insistent qu’ä leur place on substitue les mots suivants: jusqu’ä ce que l’election d’un roi des Romains en faveur du s6ren. arcliiduc Joseph soit effectivement faite pacifiquement, sans Opposition, contradiction, ni collision, et sans qu’on exige du can- didat 4 elire, horsmis la clause usitee 4 cause de son bas äge, au- cune condition au-delä de celles qui sont dejä contenues dans la capitulation de S. M. I. glorieusement rßgnante. A Vienne ce 19 sep- tembre 1752. (Nr. 3 ad Weisung an Vorster vom 24. September 1752. Staatsarchiv.) B. „Des que la premiere ouverture a et6 faite 4 LL. MM. II. du dessein de faire elire roi des Romains leur Als aine le ser. archiduc Joseph, eiles en ont tömoignö leur plus vive reconnaissance ä S. M. B. et declare en mgme temps que puisque le repos et bonheur de leur patrie et la tranquillite de toute l’Europe leur tenait bien plus ä cceur que leur propre satis- faction et la convenance de leur maison, elles ne sauraient jamais se preter k rien qui füt contraire k la sanction pragmatique ou qui blessät le droit d’un tiers, ou qui dörogeät le moins du monde ä la Constitution presente de l’empire, ou qui les engageät enfin k des fraix qui derangeraient le systöme interieure de la monarchie d’Autriche d’oü depend le repos de leurs sujets, celui de l’empire, la sürete commune et la liberte de toute l’Europe. Etant pressees en suite de contenter S. A. S. E. de Baviere sur l’expecta- tive accordee ci-devant ä son s6r. trisai'eul sur la Mirandole et Concordia, elles ont consenti k payer la somme dont on est convenu alors, en behänge des droits qui leur en ont et6 cedes. Mais elles se sont garanties en m§me temps par un acte solemnel que rien de plus ne leur sera jamais demande. Non contentes de cette prevoyance, elles ont stipule en outre qu’au pis aller, hormis la clause que le bas äge du s6r. archiduc rend necessaire, rien n’en sera exige au-delä de ce que porte la capitulation de S. M. l’empereur glorieusement regnant. Et infiniment attentives ä prevenir toute collision au dedans de l’empire, elles ont propose plusieurs moyens pour contenter le College des princes, sans 325 donner atteinte aux droits des electeurs. Enfln desirant de vivre dans la meil- leure et la plus parfaite intelligence avec toutes les puissances de l’Europe, eiles ont observe 4 leur 6gard tout ce que l’amitie la plus attentive pouvait faire paraitre convenable et bienfdant, sans blesser ndanmoins la dignite et l’inddpen- dance de l’empire dans une affaire domestique aussi importante pour son repos et bonheur qu’est celle de l’election d’un roi des Romains du vivant de l’em- pereur, d’autant plus qu’elles ont juge que par le moindre pr6judice que cette dignitd et independance pourrait souffrir 4 cette occasion, la plus heureuse rdussite du prdsent dessein ne contrebalancerait nullement les consequences funestes qui pourraient en resulter dans la suite. Tel a ete le plan que LL. MM. II. se sont propose d’abord, et qu’elles ont constamment suivi pendant tout le cours de la negociation; elles ne l’ont pas meme perdu de vue lorsqu’elles se sont döclarees ainsi que porte leur reponse du 5 aoüt. Car quoique non obstant leur convietion interieure du neant des preten- tions palatines, elles aient consenti 4 payer toute la somme qui leur avait ete demandee alors sous les plus fortes assurances, que par ce moyen toute difficulte sera entierement levee et les objets susdits pleinement remplis, neanmoins elles ne l’ont fait que pour contenter S. M. B. qui en avait tömoigne tant d’empresse- ment, et non pour aucunement reconnaitre de devoir une obole 4 S. A. S. E. palatine. C’est pourquoi LL. MM. II. ne se sont obligees au payement de la dite somme qu’envers S. M. B. et non autrement, ni plutöt qu’apres que l’election d’un roi des Romains dans la personne du ser. archiduc Joseph, leur fils aine, sera terminee pacifiquement sans Opposition, contradic- tion, ni collision, et sans qu’on exige du candidat 4 elire aucune condition au-del4 de celles qui sont d6j4 contenues dans la capitu- lation de S. M. I. glorieusement regnante. Et elles y ont ajoutd en outre la condition sine qua non expresse qu’elles ne seront plus ni solli- citees, ni molestees pour nulle autre pretention de quelque cour que ce soit, dtant pretes d’elles-memes 4 contenter une chacune aiitant, que l’equite et la justice le prescrivent, mais tres decidees en meme temps de ne jamais plus admettre aucune qui serait destituee de tout fondement. LL. MM. II. avaient tout sujet de croire qu’une declaration si remplie d’amitid et d’egards leur procurera la satisfaction d’dpuiser, comme elles le souhaitaient bien sincerement, tous les desirs de S. M. B. Elles se le persua- daient et se le persuadent encore. Cependant pour lui donner une preuve nouvelle et tres convaincante de toute l’etendue et vivacite de leur amitie et attention, LL. MM. II. ne se bornent pas au contenu de leur reponse verbale du 5 aoüt passe. Elles vont plus loin et chargent M r le conseiller imperiale aulique de Vorster d’une teile reponse au projet d’accommodement qui leur a et6 com- munique, qui demontre bien evidemment qu’elles ont fait, comme elles tont le dernier effort sur elles-memes pour aplanir tout d’un coup le reste de difficultes 4 lever, et cela par nul autre motif qu’4 cause de la grande envie qu’elles ont, de ne pas laisser la satisfaction de S. M. B. aucunement imparfaite. Mais comme il ne serait ni juste, ni convenable 4 leur dignite de se declarer les premieres, elles ordonnent en meme temps 4 leur dit ministre pleni- potentiaire 4 Hanno vre, de ne pas remettre la dite reponse avant que la cour de Manheim n’ait donne 4 connaitre ses sentiments sur ce qui a ete propose 326 en sa faveur, ce qui est la seule raison qui empeche de la communiquer d’abord ä M 1 ' Keith. A Vienne ce 19 septembre 1752.“ (Nr. 4 ad Weisung an Vorster vom 24. September 1752. Staatsarchiv.) Dem Grafen Kaunitz wurde dies alles mit folgenden Bemerkungen bekannt gegeben: . . So richtig nun gleich ist und sich mehr dann zu viel durch die ganz überzeugende werktätige Erfahrung bekräftiget, daß Frankreich Unserem Erzhaus forthin so abgeneigt ist, daß sich an kein vergnüglicheres Systema mit dieser Cron für anjetzo auch nur denken läßt, und so unfehlbar eben hieraus von selbstem fließet, daß man beeder See-Mächten als Unsers Erzhauses natürlichen Bundsgenossen Freundschaft und Vereinigung desto sorgfältiger zu erhalten Ursach habe, so bleibet jedoch nach einer so vieljährigen und so teuer zu stehen gekommenen Erfahrung je und allezeit zu erwegen übrig, wie bei der größesten hiesigen Aufmerksamkeit sich beeden Seemächten auf alle nur immer tunliche, ja sogar mit ihrem eigenem, wahrem Interesse vereinbahrliche Weiß willfährig zu bezeugen, verhütet werden möge, damit von Uns sie sich nicht absonderen, wofern gleich von Uns alles in der Weldt angewendet wird, urnb mit ihnen zum allseitigem Behutf und ohne jemands Beleidigung auf das engeste verknüpft zu verbleiben. Hierauf kombt es also in praxi an und seind Wir biß nunzu annoch nicht so glücklich gewesen, einen so heilsahmen Endzweck zu erreichen. Worzu mit beigetragen haben mag, daß aus aufrichtigstem, eifrigstem Verlangen, obgedachte so heilsahme Verknüpfung mehrers zu befestigen, sich an das nach geschlossenem Frieden so mühesahm festgeseztes Systema in allen nachhero sich ergebenen Vorfallenheiten nicht vollständig gerichtet worden. Derne seie nun aber für das Vergangene wie ihme wolle, so ist wenigstens für das künftige nicht anzustehen, daß sich an die eigene, damals einstimmig beliebte Maßregien auf das genaueste gehalten werden müsse, wann anderst Unser Erzhaus aufrecht erhalten werden solle . . .“ (Weisung an Kaunitz vom 24. September 1752. Staatsarchiv.) In der Konferenz vom 25. September wurde — soweit aus den Protokollen und Vorträgen erhellt — in der Wahlsache nichts weiteres resolviert. Die Auswechslung der Ratifikationsurkunden (Akzession des Kaisers als Großherzogs von Toskana, 16. August, und die Philipps von Parma vom selben Tage) war bereits in der Konferenz vom 19. September besprochen worden. Am 25. September gelangte das Protokoll zur Verlesung und am 29. wurden die Ratifikationsinstrumente an Migazzi geschickt. (Staatsarchiv.) 78 (61). Es gelangten der umfangreiche Vortrag Bartensteins (vide Anhang 76, S. 321), die neuen lateinischen Konventionsentwürfe und die Weisungen zur Verlesung, die an Cristiani und an Vorster erlassen wurden (30. September 1752. Vgl. Koch an Kaunitz, 29. September 1752. Schiitter 290 ff.) „Placet — resolvierte Maria Theresia — ist eine große arbeit in wenig zeit.“ 79 (62). In den einschlägigen Werken findet sich darüber nichts verzeichnet. 80 (66). Im Hinblick auf die vielfachen Schwierigkeiten ward „einstimmig beschlossen, einen Aufsatz des im Reichsfürstenrat zu beschehen habenden Direktorial-Vortrages“ (A) und „das österreichische Votum über den Direktorial- Vortrag im Reichsfürstenrat“ (B) zu Papier zu bringen und „den Entwurf des 327 kaiserl. Commissions-Decreti, die Anzeige dessen, was in der römischen Königswahl halber bis nunzu vorgefallen, betreffend“ (C) abzuändern. A. Praemissis curialibus. Es wäre bereits eine reichskündige Sach, daß im letztverflossenen Monat Augusti die vortreffliche Gesandtschaften beeder mark- gräflich-brandenburgischen, des bayreuthischen und Anspachischen, dann des Hessen-Casselischen und des württembergischen Hofes dem vortrefflichen churmainzischen Reichs-Directorio mit gänzlicher Vorbeigehung des fürstlichen, die in vollkommen gleichlautenden Worten abgelesene Ausrichtung getan hätten, wie der Fürstenstand nimmermehr zugeben könnte, daß zu der Wahl eines römischen Königs geschritten würde, ehe und bevor die Frage super necessitate electionis in allen dreien Reichs-Collegiis er örtert und entschieden worden. Dahero jede obgedachter vortrefflicher Gesandtschaften angewiesen würde, bei dem Reichs-Directorio das Ansuchen zu tun, wormit zu einer dießfälligen Beratschlagung in allen dreien Reichs-Collegiis von demselben die Veranlaßung gegeben werden möchte, ihme auch zugleich die Erklärung hinzuzufügen, daß aus reichspatriotisehem Gemüt man sotanes Ansuchen in Zeiten und re adhuc integra tue, umb nicht Schuld zu haben, wann in längerer Entstehung die Sache zu bedenklichen Irrungen und Folgen ausschlagen würd e. Nun hätte man sich abseiten des fürstlichen Directorii eines so ungewöhnlichen und in denen Comitial-Actis kein Beispiel habenden Schritts umb so weniger versehen, als dasselbe sein Ambt einigem Mitglied dieses hohen Collegii auf geziemendes Ansuchen nie versaget hätte und noch über das in ganz frischem Andenken ruhete, wie denen churfürstlichen Vorrechten ganz und gar unbeschadet vor beinahe zweien Jahren in einem schriftlichen, bei der allgemeinen Reichsversammlung ausgeteilten Promemoria der Kaiserin und Königin von Ungarn und Böhmen M., Erzherzogin zu Österreich, zu Jedermanns Wissenschaft nach Anleitung des im Jahr 1671 zwischen Churfürsten und Fürsten errichteten Vertrags*) und des darauf sich gründenden dritten Articuls der kaiserl. Walkapitulation, sich hierüber vernehmen lassen; dahero nebst deme, daß vier einzelne fürstliche Höfe im Namen des Fürstenstands eine Erklärung zu tun, keineswegs berechtiget sein können, nicht minder auch der anmit in das Direc- torium des Reichsfürsten-Rats beschehene Eingriff, worgegen man sich auf das feierlichste hiermit verwahret haben wolle, ganz offenbar wäre. Nun köndten zwar der Kaiserin und Königin von Ungarn und Böhmen M., Erzherzogin von Österreich, da Ihro zugleich die erstere weltliche Churwürde und das Directorium im Reichsfürsten-Rat zukäme, ohnmöglich mit dem mindesten Schatten der Wahrscheinlichkeit beargwöhnet werden, so wenig des einen .als des anderen hohen Collegii Gerechtsahmen zu nahe treten lassen zu wollen. Wiezumahlen jedoch a. h. deroselben nichts mehr am Herzen lieget als so viel an Ihnen wäre, alle Spaltung im Reich zu verhüten, als hätten Sie hierzu das sicherste und denen Reichssatzungen gemäßeste Mittel zu sein ermessen, darüber Ihro gesambten Mitständen Meinungen zu vernehmen. Deme zufolge von Directorii wegen nicht *) Dieser Vergleich über eine beständige Wahlkapitulation wurde 1711 erneuert. (Vgl. Eichhorn, Deutsche Staats- und Rechtsgesokichte IV, 617. Faber, Staatskanzlei. Band 100, S. 255.) entstanden werden köndte, die Sach in ordentlichen Vortrag und anbei zu sam- mentlicher vortrefflicher Gesandtschaften Belieben zu stellen, wie hierüber nach sogleich erfolgendem Aufruf sich votando unschwer zu äußeren gefällig sein möchte. B. Österreich. Der Kaiserin und Königin von Ungarn und Böhmen M., Erzherzogin von Österreich wäre gar nicht unlieb, eine schicksahme Gelegenheit zu überkommen, umb über dem seit mehr dann zweien Jahren in und außer Reichs so viele Bewegungen verursachten Wahlgeschäft eines röm. Königs in der Person ihres durchl. ältesten Sohns, des Erzherzogs Joseph, vor dem ganzen Reich ihre patriotische Meinung und Gedanken zu eröffnen. Mit des Kaisers M. als dessen a. h. Oberhaupt wären Sie nach dem für des Vaterlands allgemeine Ruhe und Wohlfart hegenden und der eigenen Anständigkeit weit vordringenden lebhaften Eifer in dieser, wie in jeder anderer Vor- fallenheit ganz einstimmig zu Werk gegangen. Als ein gemeinsamer Vater sorgeten des Kaisers M. für die Erhaltung des Friedens und der Einigkeit. Worzu auch das ihrige beizutragen, der Kaiserin-Königin M. beständig und un- ermüdet. bedacht wären. Gleichwie also a. h. dieselbe sich jederzeit äußerst beflissen, nicht nur niemanden zu einiger Beschwerden den geringsten Anlaß, sondern im Gegenteil den von Ihro nur immer abhangenden Vorschub allem deme zu geben, was zur Befestigung des Reichs Grundverfaßung und Beibehaltung der so erwünschten innerlichen und äußerlichen Ruhe diensahm geschienen, also hätten sich ingleichen I. K. u. K. M. nach diesen Maßregien einzig und allein auch seit deme gerichtet, als Ihro von dem Vorhaben obgedachter Wahl die erstere Öffnung beschehen. Sie erkenneten in voller Maß den großen und unschätzbahren Wert der römischen Königswürde. Sie hätten sogleich für den Ihro von freien Stucken beschehenen Antrag die verbindlichste und ausnehmenste Dankbarkeit bezeuget, welche Sie auch hiermit so feierlich als möglich wiederholet haben wollte. Umb aber unter- einstem die hierunter vor Augen gehabte gemeinnutzliche reichspatriotische Meinung bestens und nach allen ihren Kräften zu beförderen, so wäre sogleich in beeder kais. M. Nahmen erkläret worden, daß Sie ungehindert des — wie ober- wehnet — anerkandten hohen und unschätzbahren Werts, dannoch Ihr Vaterland viel zu lieb hätten, umb dasselbe wegen eines persönlichen Vergnügens der mindesten Gefahr von außen, oder einiger Spaltung von innen ausgesetzt zu sehen. Hierbei wäre es nicht verblieben, sondern wie man einerseits an allem demjenigen nichts erwinden lassen, was Achtung und Anständigkeit in derlei Gelegenheiten gegen auswärtige Mächten, mit welchen man in Freundschaft stehet, nur immer erheischeten, also wären andererseits des Kaisers M. nach ihres kaiserl. Ambts Obliegenheit unbeweglich darauf bestanden, daß des Reichs Ehre, Würde und Unabhängigkeit im mindestem nicht gekränket, die Vorschrift der goldenen Bull genauest beobachtet, an der nunmehrigen in denen heilsahmen Reichssatzungen gegründeten Verfaßung nichts geändert, noch einige Befugnus des mindesten Stands verletzet würde. Welche heilsahme Maßregien dann auch der Kaiserin Königin M. sich zur unveränderlichen Richtschnur gesetzet hätten. Dahero denenselben zufolge a. h. dieselbe sich je und allezeit jeglichen Ihro er- öffneten Vorschlag gefallen lassen, welcher unbeschadet derer churfürstl. Vorrechten das hohe fürstliche Collegium untereinstem beruhigen würde. Gleichwie Sie dieses Sinnes annoch wären und aus der im Directorial-Vortrag angezo- 329 genen Ursach vor anderen eine so gemeinnützliche Absicht erreichet zu sehen wünscheten, hierzu aber kein diensahmeres Mittel obhanden zu sein glaubeten, als wann ohne im mindesten zu einer gemeinschädlichen Strittigkeit Anlaß zu geben, nach Anleitung des Vertrags vom Jahre 1671 oberwehnten Vorhabens ohnedas ganz offenbahre große Nutzbarkeit, nebst der Notwendigkeit solcher- gestalten gegen künftige Unruhen sich zu verwahren, sich von dem Reichsfürstenstand*) anerkandt und des Reichs a. h. Oberhaubt für dero großmütige reichsväterliche Sorgfalt geziemend gedanket wird. Ulteriora reservando. C. An Vorster war bereits am 8. August der Entwurf eines Kommissionsdekrets geschickt worden (Anhang 60, S. 316); der Schluß sollte nun folgendermaßen lauten: so schiene es jedoch, daß dieselbe nicht aller Orten gleich vollkommen eingesehen, mithin auch nicht, wie hätte sein sollen, anerkandt worden. Aus nicht genugsahmer darvon habender Kandtnus wären hin und wieder Ausstellungen erfolget, und was noch übler ist, zur eigenen Zeit, als man sich äußerst bestrebet hat, aller Spaltung zwischen beeden höheren Reichs- Collegiis, unbeschadet eines jeden Gerechtsahme, als worüber in Wortstritt sich einzulassen, weder nötig noch ratsam, sondern vielmehr für des Reichs gemeinsames Wolsein höchst schädlich ist, zeitlich vorzukommen, wäre durch die von 4 einzelen fürstl. Höfen im Namen des Reichs-Fürstenstands bei dem allgemeinen Reichs-Directorio beschehene, ganz voreilige und in denen Comitial-Actis kein Beispiel habende, im Schluß aber fast bedrohliche Ausrichtung auch sotane Bemühung zu vereitlen gesuchet worden. Von anderen wollte oberwehnter so vorsichtige und das allgemeine Besten der eigenen Anständigkeit weit vorziehender Betrag für eine Gleichgültigkeit oder wol gar Geringschätzung dessen, welchem aus Großmut alles übrige nachgesetzet würde, ausgedeutet werden. Häufige ohnnutze Schriften wären zum Vorschein kommen und anstatt in einer für das Reich so hochwichtigen Sach für dessen allgemeines Besten ohne besonderer Rücksicht die Gemüter suchen zu vereinbaren, im Wiederspiel sich bestrebet worden, Mißtrauen und Uneinigkeit zu vermehren. Bei so bewandten Umbständen ermesseten solchemnach I. röm. kais. M. dero a. h. Ambts Obliegenheit gemäß zu sein, zuvorderst zwar von jenem, was in Sachen bishero vorgefallen, Churfürsten, Fürsten und Ständen die Anzeige zu tun und anmit allen Irrwahn da, wo er etwann annoch fürwalten möchte, zu benehmen, sodann aber auch gesamten umb die Wolfahrt und Würde ihres Vaterlands beeiferten Ständen einen allerseits ganz unanstößigen Anlaß zu geben, sich hierüber dergestalten vernehmen zu lassen, daß keine bedenkliche Irrungen und Folgen zu befahren sein mögen. Und es verbleiben anmit etc.“ Diese Stücke wurden Vorster (sub Nr. 7, 8, 9) mit folgender Aufforderung geschickt: . hast du dir angelegen sein zu lassen, nicht nur von der churbraunschweigischen, sondren auch von der churbayrischen und chursächsischen Beistimmung dich verläßlich zu versicheren, mithin des Königs von Engelland englisches und teutsches Ministerium anzugehen, daß es von denen Grafen Haßlang und Rex eine gewürige schriftliche Erklärung derenthalben auszuwirken sich nebst dir bestrebe, massen Wir an der churmainzischen und churtrierischen *) Am Bande vermerkt: „Wirdein Commissions-Decret erlassen, so muß es heißen: von Reichs wegen.“ 330 Beistimmung ohnedas nicht zvveiflen . . (Weisung an Vorster vom 17. Oktober 1752. Staatsarchiv.) In einer Weisung vom selben Tage wurde Vorster ermahnt, im Hinblick auf Preußen die größte Vorsicht zu beobachten. „Ganz sicher — so ward ihm geschrieben — ist der König von Preußen auf jede Vorfallenheit sehr aufmerksam, welcher er sich bedienen zu können glaubet, umb entweder mittelst der unüberlegten englischen Lebhaftigkeit, unter einem falschen günstigen Schein Unserem Erzhaus wahren Schaden zuzufügen, oder aber, wann Wir diesem auszuweichen Uns bemühen, Unlust und Unzufriedenheit bei Engelland gegen den hiesigen Hof zu erwecken und anmit die an sich so heilsame enge Vereinigung zu schwächen. Wir wissen es verläßlich und tun dir es nochmalen zu dem Ende zu wissen, auf daß du gegen diesen preußischen Fallstrick, doch ohne wie natürlich von einiger Unüberlegung Erwehnung zu tun, sowol dem Duc de Neucastel als des Königs gesambte teutsche Ministros in freundschaftsvollen und solchen Ausdruckungen warnest, welche Unser aufrichtiges großes Verlangen, besagte enge Vereinigung, die beeden Teilen gleich ersprießlich und gleich nötig ist, zu verewigen, ausnehmend an Tage legen . . .“ (Staatsarchiv.) 81 (67). Graf Johann Ludwig Josef Khevenhüller-Frankenburg. 82 (68). Ludwig XV. war von Maria Theresia zum Paten gebeten worden; seine Antwort lautete wie folgt: „J’accepte avec une veritable satisfaction l’invitation que V. M. me fait de tenir sur les fonds de bapteme l’enfant dont Elle doit accoucher. Les liens qui nous unissent, me sont trop chers pour ne pas saisir avec empressement les occasions de les resserrer de plus en plus ..." (Versailles, 25. Juni 1752. Staatsarchiv.) 83 (69). S. Arneth IV, 347 ff. und Arneth: Joh. Chr. Bartenstein und seine Zeit 45 ff. (Archiv für österr. Geschichte 46.) Kaunitz hatte bereits im Dezember 1751 seine Ansichten über die Mittel und Wege entwickelt, die auswärtigen Geschäfte besser als bisher zu leiten. (Ibid. IV, 345 ff.; Schiitter 155 ff.) Kaunitz war von Maria Theresia in jeder wichtigen Angelegenheit zu Rate gezogen worden,! nichts durfte geschehen, bevor er nicht sein Gutachten abgegeben — er bekleidete daher schon als Botschafter die Stellung eines Kanzlers, dessen Amt Ulfeld nur dem Namen nach versah. (Vgl. Schiitter XVIII.) 84 (71). Über die Absichten Maria Theresias hatte Koch dem Grafen Kaunitz bereits am 28. Oktober 1752 geschrieben. (Ibid. 303 ff.) 85 (73). Maria Theresia hatte von Bartenstein ein Referat über die Barriereangelegenheit ausarbeiten lassen, das dieser am 4. November erstattete. (Staatsarchiv.) Es wurde, auf Einraten der Konferenzminister, an den Prinzen Karl und an Botta d’Adorno, jedoch mit der ausdrücklichen Weisung geschickt, von dem Inhalt „einen so behutsamen Gebrauch zu machen, daß einige Unannehmlichkeiten dahero nicht zu befahren sein möchten“. (Maria Theresia an Karl von Lothringen, 11. November 1752. Staatsarchiv.) Graf Kaunitz hatte in einem Gutachten vom 17. März 1752, die Barriereangelegenheit betreffend, folgendes bemerkt: „Gleichwie aber diese Frage nicht nur in dem besonderen wesentlichen Vorteil derer Niederlanden und in ihr mehrerers oder minderes Aufkommen, sondern auch zugleich in E. k. k. M. der- raaliges Staatssystema überhaupt, mithin in die Wohlfart, Sicherheit und Aufrechthaltung der ganzen Monarchie tief einschlaget, so ist zwar meines wenigen a. u. Ermessens das Beste derer Niederlanden als eines ansehnlichen Teils derer 331 getreuesten Erblanden keines Wegs zu vernachlässigen, sondern auf alle Weiß und so viel immer tunlich sein will zu beförderen, anbei aber auch das sorgfältigste Augenmerk dahin zu richten, damit nicht dasjenige, so dem specialen Interesse dererlanden am gemäßesten zu sein scheinet, a. h. deroselben Staats- Systemati und der Wohlfart der gesamten Erblanden einen merklichen Nachteil zufüge, sondern eines mit dem anderen vereinbaret, und wo beides zugleich nicht zu erhalten, das allgemeine Beste dem Privat-Interesse in behöriger Maß vorgezogen werde. — — — — — — — — — — — — — — — Da nun auch E. k. k. M. bei der großmütigsten Entschließung ohnabänder- lich beharren, beede Seemächten in allem, was sowol die Traktaten überhaupt als der Barriere-Traktat in das besondere vermag, nicht nur in voller, sondern sogar in Übermaß zu befriedigen, ja bis auf den mindesten Schein zu vermeiden, als ob ihnen etwas, so das gute Trauen und Glauben erheischet, versagt oder auch nur schwer gemacht werden wollte, so dürfte , . . nicht ohnmöglich fallen, bei denen bevorstehenden Brüssler Conferenzien ein beiderseits vergnügliches Einverständnus über die bisherige Barriere-Strittigkeiten zu treffen und solcher Gestalt die eigentliche Ursach aller seithero mit der Republique Holland vorgewalteten Irrungen auf einmal aus dem Weg zu raumen . . (Staatsarchiv. Vgl. Kaunitz an Koch, 20. März 1752. Schiitter 196 ff.) Die Hoffnungen des Grafen Kaunitz gingen jedoch nicht in Erfüllung. 86 (73). Marquis d’Hautefort verließ am 15. November Wien-, die Geschäfte führte bis zur Ernennung eines neuen Botschafters der Legationssekretär Du Mont. 87 (74). Bartenstein zeichnete sich allerdings nicht durch einnehmendes Wesen aus, er war herrisch und kannte seinen Wert; aber nicht so sehr deshalb war er nicht beliebt: es verdroß die Vertreter der Fremdmächte, mit einem Manne „von unscheinbarer Herkunft“ verkehren zu müssen. (S. Arneth: Job. Christoph Bartenstein und seine Zeit, 19 ff. Archiv für österreichische Geschichte, 46. Band.) 88 (75). In der Konferenz vom 19. November war beschlossen worden, drei Vertragsentwürfe auszuarbeiten. Sie wurden am 22. November verlesen und den nächsten Tag mit folgendem Begleitschreiben dem Prinzen Karl nach Brüssel geschickt: „Nicht umb E. L. etwas vorzuschreiben, auch nicht umb die vorseiende Beratschlagungen mit Grafen Kaunitz und Freiherrn von Reischach im mindesten zu hemmen oder einzuschränken, sondern einzig und alleiq umb die hier abseiten Meines Ministerii in der Barriere-Anliegenheit hegende Gedanken, ohne daß von Mir darüber annoch einiger Entschluß gefaßt worden, J5. L. desto deutlicher zu erkennen zu geben, habe für gut befunden, daß ganz ohnpiaßgebige Conventions-Aufsätze, wie sich etwan derenthalben mit beeden Seemächten verglichen werden köndte, zu Papier gebracht werden. — — — — — — — haben sich E. L. daran ganz und gar nicht zu binden, sondern Mir darüber Dero Meinung ohne Umbschweif noch Bedenken frei zu eröffnen. Man hat diese Modalität allein aus der Ursach ergriffen, weilen durch weitschüchtigq ein- und andererseits gewechslete Schriften die Handlung nicht in gleichem Grad abge- kiirzet wird, als wann zu Conventions-Projekten geschritten wird. . . .“ (Maria Theresia an Karl von Lothringen, 23. November 1752. Staatsarchiv.) 89 (75). Die Konferenz beriet über einen Vermittlungsplan Newcastles. Er lautete wie folgt: 332 Projet propose par S. E. mylord duc de,Neucastle pour concilier le pro- jet et contre-projet. Ce prologue pourrait rester comnie il est couche. Le ministre impörial espere qu’on voudra bien laisser dans cet article premier lps paroles sans contradic- tion, ni collision aucune, parceque c’est le fondement et la base de tout le traite 4 faire. Le ministre palatin croit que l’expression actuellement et una- nimemept pourrait suffire. Le ministre imperial. Comme il n’y avait jamais d’autre intention que de remettre le fief de Pleystein 4 S. A. S. E. P. et de comprendre dans l’investiture 4 faire la seren, maison de Deux-Ponts, le susdit ministre declare qu’il est positivement instruit de n’ad- mettre aucun changement, surtout puis- que le contreprojet contient assez claire- ment de quelle fagon S. A. S. E. P. et la dite ser. maison de Deux-Ponts doit 4 l’avenir posseder ce fief. Le ministre palatin a mis tou- jours l’expression pro tota domu palatina et croit par consequent l’ex- pression branche Rudolphine con- venable, comme il est exprime dans l’ultimatum sur lequel il se refere. Le ministre imperial. Comme il n’est pas dans le pouvoir de S. M. I. et R. de renoncer ä aucun droit atta- Les ministres soussignes ayant eu ces jours passes plusieurs Conferences entre eux, ahn de deliberer sur les moyens d’acheminer suivant les inten- tions de leurs cours respectives l’elec- tion d’un roi des Romains et d’apla- nir toutes les difficultes qui Pont re- tardees jusqu’ici, sont tombes d’accord et convenus des articles suivants. 1 . Il sera paye 4 S. A. S. E. P. ou 4 celui qu’elle en chargera, dans la ville de Francfort la somme de 1200 fl. d’Alle- magne suivant le cours de change qui y aura lieu, de maniere qu’au jour meme que l’election d’un roi des Romains sera actuellement, unanimement et paisible- ment faite, il sera remis ä S. dite A.E.ou ä ses h6ritiers la somme de 600.000 fl. et ä compter du jour du payement d’icelle, dans l’espace d’une annee, 300.000 fl., et encore dans l’annee suivante le restant de 300.000 fl., avec toute la süretö et sans la moindre diminution, ni fraix, r6tention ou delai. 2 . S. M. Pimperatrice-reine promet et s’engage de faire remettre immediate- ment apres l’election faite, comme ci- dessus, 4 S. A. S. E. P. la seigneurie de Pleystein avec toutes ses appartenances et dependances pour etre possedees par S. A. S. E., ses descendants legitimes mäles et ceux de la branche Rudolphine, de la meme maniere et avec les memes droits qu’elles Pont ci-devant ete par les ser. princes de la maison de Neu- bourg. Aussi S. M. I. et R. et sa posterite laisseront S. A. S. E. P. non seulement dans la possession et jouissance de la 333 che ä la couronne de Boheme, le dit ministre insiste qu’on omette tout cet. article; en tout cas chacune des hautes parties contractantes se peut reserver les droits qu’elle croit avoir par rap- port ä ces dits fiefs et enclaves. Le ministre palatin est in- struit de se tenir ä l’ultimatum, mais comme il est dit la mgme chose dans le projet de S. E. mylord duc de Neucastle, il croit que cet passage pour- rait rester, excepte les expressions sui- vantes : et du royaume de Boheme, parceque sans cela les causes feodales se decident selon les constitutions de chaque pays. Le ministre imperial.*) Quant aux fruits pergus de Pleystein, la de- mande parait si extraordinaire que S. M. I. et R. ne doute pas que nulle instance ne leur en sera jamais faite, puisqu’elle ne saurait avoir lieu qu’ä l’egard d’un possesseur de mauvaise foi, et une teile demande blesse la delicatesse des sentiments de S. dite M. I. et R. Le ministre palatin ne saura que repeter ce qu’il a eu l’honneur de dire dans sa döclaration du 24 et in monitis palatinis du 25 du courant.**) Le ministre palatin se refere ä ce qu’il a represent6 in declaratione palatina allegata du 24 de ce mois ad hunc ar ticul um.***) dite seigneurie de Pleystein, mais aussi dans ses autres possessions et fiefs enclaves dans le duche de Neubourg et de Sulzbach, ou en dependantes, mou- vants de la couronne de Boheme, autant que chaque branche de la maison pala- tine est investie des dits fiefs, de sorte que, dans les dits fiefs possedes par l’electeur et des particuliers, il ne sera jamais entrepris par la dite cour feodale, ex capite nexus feudalis, aucun acte contre les loix et constitutions com- munes de l’Empire et du royaume de Boheme, si non dans causes purement feodales dans l’ordre qu’il convient. Et comme S. A. S. E. P. croit d’etre en droit de pouvoir demander les fruits pergus jusqu’ici, dans la seigneurie de Pleystein, par S. M. I’imp6ratrice-reine, on espere que S. dite M. selon ses sentiments de justice et d’equite, voudra bien en faire traiter et convenir ulte- rieurement avec le ministre palatin baron de Beckers, accredite k la cour de Vienne. Mais on propose que cette clause sur les fruits de Pleystein pourrait rester comme eile est couchee, moyennant une declara- tion secrete du ministre palatin que sa cour remette entierement. l’exöcution de cette clause au bon plaisir de S. M. I’imperatrice- reine. 3. Pareillement, d’abord apres lAlec- tion faite, comme il a ete dit ci-dessus, S. M.I.fera expedier ce privilegium de non appellando illimitatum ä S. A. S. E. P. et ses successeurs dans *) Irrtümlicherweise steht im Original „palatin“. **) Nr. 2 und 3 ad Weisung an Kaunitz vom 27. November 1752. (Staatsarchiv.) Jene Stelle möge aufgenommen werden wie Stadion sie (am 29. August) vorgeschlagen habe, „d’autant plus que les termes et expressions sont menages comme les justes egards et le respect du a une grande princesse le demande“. ***) „On a fait un changement ä l'egard du duche de Deux-Ponts, mais comme cela vient en effet au meme et que S. E. M r le baron de Vorster a declare qu’apres la demarche demandee l'expedition serait faite egalement, on ne trouve ä rien redire a cet changement parceque 1 electeur palatin veut tou- jours contribuer avec plaisir et empressement pour la satisfaction et splendeur de S. M. I.“ 334 Le ministre imperial est posi- tivement instruit d’insister de laisser cet article comme il est couche dans le contre-projet. Le ministre palatin est instruit de se tenir ä l’ultimatum; il s’y refere aussi bien que sur cela qu’il a repre- sent6 dans ses deelarations du 24 et du 25 du courant, tant qu’il est applicable ad praesentem propositio- nem.*) Le ministre imperial ne peut pas admettre aucune extension de cet article, comme il est couche dans l’ul- timatum, et il dßclare encore que les disputes touchant les limites ou juris- dictions qui pourraient peut-etre sub- sister entre les terres des deux hautes parties contractantes, ne soient pas com- pries dans cette renonciation, et qu’on n’avait jamais eu cette intention; par consequent il est evident qu’une teile extension ouvrirait le chemin ä des nouvelles disputes qu’on souhaite de terminer par le present traite pour toujours. Et comme S. E. M r le baron l’electorat, pour tous les etats que S. dite A. E. possede, et quant au duche de Deux-Ponts, eile est tres gracieuse- ment disposee ä rendre complaisance pour complaisance lorsqu’elle en sera duement requise. 4. S. M. l’imperatrice-reine conferera ä S. A. E. P. et a ses h6ritiers dans l’elec- torat l’expectative d’un fief de 4000 ä 6000 fl. de revenue, pour l’execution de quoi S. M. le roi de la Grande-Bretagne employera toujours ses bons offices. 5. S. A. E. P. renoncera en forme ä toutes les pretentions qu’elle a formees ou pu former jusqu’ä ce moment ä la Charge de la cour imperiale, tout comme S. M. l’imp&ratrice-reine renoncera ä celles qu’elle a formöes ou pu former ä la Charge de la maison E. P. On pro- pose de laisser cet article sur les renonciations reciproques, comme il est couch6, moyennant une declaration de la part du ministre imperial, que la renonciation röciproque ne sera point etendue aux disputes ou diffö- rends par rapport aux limites, *) „Selon la teneur de l'artiele propose le 29 aoüt, il depend de S. M. l’imperatrice-reine, en cas qu’elle aurait dejä dispose de l’Ortenau, de donner l’expectative sur un autre fief ä peu pres de la meine importance. — S. dite M. I. fait declarer par son ministre qu’elle en a dejä dispose et qu’elle veut donner l’expöctative ä S. A. S. E. P. et aux descendants legitimes mäles de la ser. maison de Sulzbach, du fief de Wlldenau possede par le baron de Sazenhofen, ä condition d’etre possede par eux sur le pied du recez de 1705. — Le ministre palatin n’est point informe si le fief de Wildenau est situe en Suabe, en Franconie ou sur le Khin, encore moins de sa valeur, de plus il n’a aucune connaissance du recez de 1705. Comment est-il done possible qu’il puisse se declarer lä-dessus, et qu'il veuille obliger son maitre ä un traite qui lui est inconnu. — Si le dit fief, comme on le suppose, est de la valeur de 500 ou 600 fl. de rente, on laisse ä reflechir si cette offre et l’acceptation sont respectivement convenables pour S. M. l’imperatrice-reine et pour S. A. S. E. P. — Et en tout cas S. dite A. E. se promet toujours qu’on voudra donner l’expectative ä la maison palatine selon qu’il a ete propose et que l’on omettra l’expression legitime, parceque in terris palatinis le illegitimes ne succedent jamais, et par consequent cette expression parait trop superflue et inusitee dans les actes de la maison palatine. —• Il est impossible que le ministre palatin puisse donner aucune declaration ä ce sujet, parceque son ser. maitre ne le pourrait lui- meme avant que d’avoir les informations necessaires. — — — — — — — — — — — —“ 335 deWreden demande si les Römer-Monat, dont la cour palatine pourrait avoir reste en arriere, soient, compris dans la renon- ciation susdite, le ministre imperial declare eneore qu’en cas que S. A. S. E. P. accepte les declarations qui se contiennent dans le contre-projet, S.M.I. renonce pleinement et en conformite de cette renonciation comme eile est cou- chee, sur ce qui reste de ces Römer- Monat de la part de S. A. S. E. P. Le ministre palatin. Toutceque ce ministre palatin a ajoute, est dans 1a. vraie intention d’exprimer d’autant mieux les intentions des hants contrac- tants et de ne pas 6tendre la renonciation ultra objectum transac- tionis; il se refere donc ä ce qu’il a dit in declaratione du 24 et in monitis palatinis du 25 du courant.*) Le ministre imperial est ob- lige de declarer qu’il est hors d’etat d’admettre aucun changement sur cet article comme il est couche dans ce contre-projet. Car puisque S. M. I. et R. fait si gßnereusement tant des sacri- fices, il est juste qu’elle ait quelque reciproque qui consiste en cela qu’elle soit entierement sure que l’election en question se fasse pacifiquement, sans Opposition, contradiction, ni collision et sans qu’on exige du candidat ä elire, hormis la clause usitee, comme cela est ver- jurisdictions ou droits apparte- nants aux terres ou pays dont S. A. S. E. P. est actuellement en possession. 6 . Le privilege de non appellando et les autres actes qui doivent etre expe- dies en consequence et execution du präsent accord, seront minutes d’abord. Les minutes seront communiquees et concertees de part et d’autre, et les ori- ginaux seront expedi6s et tenus prets. Mais ceux-ci ne seront delivres et il ne sera demande, ni paye jusqu’ä ce que l’election d’un roi des Romains en faveur du seren, archiduc Joseph soit effec- tivement, unanimement et pacifiquement faite etc. A ce que dessus les ministres sous- *) Pour etre au fait de quoi il s'agit ici, il faut savoir qu’il subsistent plusieurs differends entre la cour de Vienne et celle de Manheim, parceque toutes les terres dispersees de 1 electeur palatin sont limi- trophes de celles de la ser. maison d’Autriche. — On a traite et negocie jusqu ä present sur tme partie de ces difFerends, on en convient ä l’amiable, on est d’accord qu’on ne s’est accommode que Sur la dite partie; cependant le ministre imperial, S. E. M r le baron de Vorster, insiste sur la renonciation generale proposee dans 1’ultimatura ad omnia et quaecunque gravamina et praetensiones, au lieu que le ministre palatin demande que dans la dite renonciation on se refere ad ea, de quibus actum et öonventum fuerit. — Et dans cet sens-lä et pour faciliter l’affaire au possible, on a couche cet article de la maniere suivante et dans la juste supposition que par le mot ajoute dans le contre-projet correspe6tives on ne voulait pas exclure ou se reserver la pretention faite de la cour de Vienne dans son dernier memoire au sujet les Römer-Monat, qu’on pretend etre dus de la cour de Manheim. „Bien entendu que la renonciation precedente reciproque ne soit point etendue sur les autres differends qui seront eneore ä regier entre la cour de Vienne et celle de Manheim, et desquels il n’y a eu point de questioh en dernier lieu entre les dites cours, et principalement de ceux qui pourraient provenir de tous ies autres pays et terres de S. A. S. E. palatine.“ 336 balement exprime dans la conclusion signSs, munis pour cet effet des plein- du 6 article du contre-projet. pouvoirs necessaires, s’obligent etc. Le ministre palatin : on repete A Hannovre le 28 octobre 1752. ici ce qu’on a dit in declaratione pala- (Nr. 4 ad Weisung an Kaunitz vom tina du 24 et in monitis palatinis du 27. November 1752. Staatsarchiv.) 25 du courant,*) et principalement pour le bien de la clause qu’on ne voudra rien retrancher du contenu de l’article 6 comme il est couche dans l’ultimatum. Et pour d’autant plus de sürete on se refere sur la proposition faite que non seulement les 600.000 fl. payables in die electionis et les aütres expeditions, mais aussi pour les autres 600.000 fl. des lettres de change süres et acceptees payables in terminis conventis seraient deposees entre les mains de S. A. S. E. de Mayence et ä S. A. S. E. de Baviere les expeditions nöcessaires pour remettre en possession S. A. S. E. P. dans la seigneurie de Pleystein. Le ministre imperial ne trouve point de difficulte de declarer, et espere d’etre agree par sa cour, qu’en cas que S. A. E. P. accepte tous les articles du contre-projet, les 600.000 fl. payables le meme jour apres l’61ection pacifiquement et unanimement faite, seront non seulement payes le dit jour de l’election, mais aussi que les expeditions dont il est question, soient demises entre les mains de S. A. E. de Mayence comme doyen du College Mectorale. Par rapport aux expeditions tou- chant Pleystein, le susdit ministre imperiale espöre que sa cour ne fera pas de difficulte, et en attendant il prend cela ad referendum etc. Die kaiserliche „Declaration ulterieure et finale“ lautete folgendermaßen: Adarticulumprimum. On n’a jamais eu l’intention de rendre S. A. S.E.P. responsable de chaque contradiction ou collision qui pourrait se manifester au sujet de la prochaine election d’un roi des Romains dans la personne du s6r6n. *) „Le ministre palatin a ete toujours de ce sentiment et ii l’est encore. Mais il croit et se promet que, si contre toute attente l’election du roi des Romains en faveur du seren, archiduc Joseph ne se ferait pas par l’unanimite, mais au reste effectivement et sans tronbles. qu’on ne voudrait pas frustrer l’electeur palatin de l’execution du traite, et qu’en cas que l’election ne se ferait pas effectire- ment et avec des troubles, les pretentions reciproques resteraient comme eiles avaient ete avant l’ac- commodement fait. Et c’est le point qu’on pourrait inserer dans l’article separe s’il est necessaire de dresser un. — — — — — _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ ___ _ _ _ —“ 337 archiduc Joseph, fils aine de LL. MM. II., mais uniquement d’indiquer le temps quand le payement doit se faire, temps qui 4 cause des mots sans contradic- tion, ni collision aucune ne sera pas recule d’un moment, puisque LL. MM. II. ont toujours ete decidees et le sont encore, 4 ne se preter qu’ä une election dont il n’y aura aucuns troubles 4 craindre, ni au dedans, ni au dehors de l’empire, et dont la legalite ne pourra etre contestee sons nul pretexte quoique mal fonde. C’est la condition sine qua non la plus essentielle, annexee 4 sa declaration du mois d’aoüt passe.*) C’est le motif unique qui a engage S. M. l’imperatrice-reine ä se charger de payer une somme d’argent si considerable. Car Elle n’a eu en tout cela d’autre vue, ni d’autre objet que le bien de Sa patrie et l’affermisse- ment du repos. Ainsi comme en omettant les mots souslignes susdits, ni l’un, ni l’autre ne seraient point suffisamment assures, Elle ne saurait s’en desister. Mais outre que le sens naturel de la clause dont il s’agit, ne renferme nulle garantie, ce qu’on declare maintenant si positivement par ecrit au nom de LL. MM. II., est plus que süffisant pour öter 4 S. A. S.'E. P. jusqu’au moindre scrupule 4 cet egard. D’ailleurs il ne tient qu’ä Elle de faire cesser avant qu’on procede 4 l’election meine, tout ce qu’on entend par les mots de contradiction, Opposition ou collision, et cela par les moyens qui ne lui sont pas inconnus, en concourant 4 faire reconnaitre par l’empire la grande utilite de la dite election. Ad articulum secundum. En comprenant la ser. maison de Deux- Ponts dans l’investiture de Pleystein, on remplit 4 cet egard les instances faites 4 Hannovre par M r le baron de Wreden, de sorte qu’il ne serait pas juste de retarder la conclusion d’un ouvrage si interessant pour la patrie par des nou- velles demandes. Et pour lever toute difficulte au sujet des droits de la couronne de Boheme, auxquels S. M. l’imperatrice-reine ne saurait donner atteinte, Elle declare tres positivement qu’Elle ne pretend pas d’etendre le lien feodal au-del4 de ce qui a ete en usage ci-devant sous les predecesseurs de Sa dite A. E. qui entre autre n’ont jamais fait difficulte d’en prendre l’investiture, ni de lui oter aucune exception legitime contre tel autre droit de la meme couronne que ce puisse etre, sans nöanmoins se departir de son cöte d’aucun titre qui pourrait les fonder; etant en meme temps toujours prete d’entrer 14-dessus dans la discussion la plus amiable avec M r le baron de Beckers ou tel autre ministre que S. A. S. E. P. voudra nommer pour cet effet. Ad quartum. Comme 4 la requisition de la cour de Manheim la copie du recez de 1708 lui a 6t£ communiquee in extenso il y a quelques annees, et qu’ä l’occasion du fief de Wildenau et Plosberg il y a eu entre les deux cours des discussions volumineuses depuis plus de temps encore; il n’a pas ete possible de prevoir ou de prösumer que le ministre de la dite cour, Charge de traiter cette matiere, düt ignorer ou la teneur du recez, communique d’avance, ou la valeur du fief qui etait l’objet de ces memes contestations. Au contraire le desir de les terminer tout d’un coup, a ete l’unique raison qui a porte la cour de Vienne 4 nommer Wildenau et Plosberg y annexe comme celui qui a paru le plus con- venable 4 la maison palatine, preferablement 4 tout autre fief, de sorte qu’il lui doit etre sensible qu’aix lieu de reconnaitre sa bonne intention, on l’a si mal interpretee. *) Anhang 60, S. 314 ff. Khevenhüller-Schlitter. 1752—1755. 338 Cependant pour ne pas s’y arreter, LL. MM. II. offrent de donner l’expec- tative d’un fief de quatre ä cinq mille florins de revenu pour le temps qu’il vaquera, sur le meine pied que l’investiture de Pleystein. Ad articulum quintum. Sans deroger ä ce qu’on a döclare ci-dessus ä l’ögard des droits de la couronne de Boheme, on adopte purement et simple- ment cet article tel qu’il a ete insere dans le projet. d’accommodement de M r le comte de Stadion, en renongant aux arrerages des Römer-Monat qu’on serait en droit d’exiger. Ad articulum sextum. On a dejä declare d’etre pret ä remettre les minutes des actes dont il est fait mention ici, entre les mains de S. A. E. de Mayence comrne doyen du College electoral. Et ce qu’on a dit ci-dessus au sujet des mots sans Opposition, contradiction, ni collision, n’est pas moins applicable k cet article. Enfin on consent ä omettre du corps de la convention ce qui est dit dans le contreprojet de la capitulation imperiale, pourvu que S. A. S. E. P. s’y engage par un article separe, acte ou declaration en bonne et due forme, et sauf le contenu du notandum annexe ä la fin du dit contreprojet. A Vienne, ce 23 novembre 1752. (Nr. 6 ad Weisung an Kaunitz vom 27. November 1752. Staatsarchiv.) Newcastle hatte den beiden Ministern Vorster und Wrede am 29. Oktober erklärt, es hege der König die sichere Überzeugung, „que dans l’expace de deux mois, de la date de cette declaration, faite par son ordre, ils procureraient les declarations finales de leurs cours respectives sur le dit projet de conciliation, de sorte que cette grande affaire pourrait se finir ä la satisfaction reciproque.“ (Nr. 5 ad Weisung an Kaunitz vom 27. November 1752. Staatsarchiv.) Kaiser Franz und Maria Theresia erklärten sich damit einverstanden. „. . . le terme mentionne dans la declaration de mylord duc de Neucastle du 29 octobre passe . . . ecoule, Elles protestent — so wurde Keitli bedeutet — de n’etre plus tenues ä aucune de Leurs offres precedentes, pretes neanmoins toujours ä discuter amiablement les pretentions de S. A. S. E. P. des que M r le baron de Beckers ou tel autre ministre palatin que ce puisse ötre, produira les pieces justificatives qu’on a en vain sollicite de voir jusqu’ici . . .“ (Nr. 7 ad Weisung an Kaunitz vom 27. November 1752. Staatsarchiv.) 90 (76). Dem Grafen Otto Castaldi war das Lottoprivilegium auf zehn Jahre in Pacht gegeben worden. (W. Kisch, Die alten Straßen und Plätze Wiens und ihre historisch interessanten Häuser 199 ff.) 91 (761. In Khevenhiillers Dekret vom 13. November 1752 heißt es: „. . . zumahlen huldreichst betrachtet diejenige rühmliche Verwendung, so er Herr Graf selbsten in k. u. k. landsfiirstl. Militär-Diensten schon von anno 1724 an, teils unter dem gräfl. Traunischen Infanterie Regiment zu Neapel durch zwei Jahr, und sechszehen Jahr unter seines Vatters Bruder als Khevenhüllerisch- nunmehro Holleyschen Dragoner-Regiment als Haubtmann unter fortan fürgedauerten Kriegsbewegungen, mithin achtzehen Jahr lang in Beiwohnung acht Feldschlachten und Scharmützlen löblich an Tag gelegt hat, mit welch munterem Kriegseifer auch ferners noch zum a. h. Dienste und des werten Vatterlands Beschutzung continuiret hätte, wofern er nach seines älteren Bruders Sigmund seel. als gewesten Haubtmanns unter dem Molckischen Infanterie Regiment Abgang, so in der Belagerung Belgrad durch eine Stuckkugel erfolgt, von wegen der auf ihn andurch gefallenen Majorats-Anwartschaft zu resigniren und seine r 339 weitere Beförderung-, als welche ihme in Sonderheit und Betracht der in letzt furgewesten Türkenkrieg bei Meadia sich ergebenen Action nach seinem da- selbsten insbesondere bezeugtem dapferen Mut ohnfehlbar anzuhoffen stunde, hindandzuhalten bemüssiget worden wäre. — — — — — — — — _“ (Staatsarchiv.) Y" ’ Aus Malaspinas Dekret vom 26. November 1752 heben wir folgende Stellen hervor: „Sacrae Caesareae Majestatis Francisci . . . nomine, ejusdem camerario actuali, domino Francisco Mariae, S. E. I. marchioni de Malaspina, Aula, Poden- zana, Bibula, Garascho et Monte Vallis . . . insinuandum: supreme fatam S. C. M. .resolvisse, tarn insignem Malaspinae Prosapiae splendorem, quam eximia, utilissimaque servitia, ac conspicua fidelitatis documenta, quae erga S. C. M., augustamque domum Austriacam ab ipso domino Francisco Maria marchione de Malaspina omnibus in occasionibus praesertim vero inde ab illo quod anno 1733 et sequentibus incubuit bellis pro communi reipublicae commodo et emolumento praestita fuerunt, dum non tantum omnem operam dedit quo miütaribus copiis pro defensione jurium imperialium in provincia Luneggiana dicta tum consisten- tibus provideretur, sed etiam munimenta arcis suae Aulae pro conservanda Lon- gobardiae cum mari Ligustico communicatione propriis sumptibus reparavit, nec non praesidio caesareo dictae arcis, seu castello imposito omnia ad sustinendam obsidionem, locique defensionem necessaria subministrari allaboravit, sicque simul incolas illius provinciae exemplo suo ad paria indefessi erga S. E. I., augustamque domum Austriacam zeli specimina Stimulans, integerrimam suam fidem, illi- batuinque obsequium (hostilibus quamvis undique circumcinctus armis) laudabi- liter comprobavit. — — — — — — — — — — — — — —“ (Staatsarchiv.) 92 (77). S. Arneth IV, 119. Kink, Geschichte der kaiserlichen Universität zu Wien I, 462 ff. 93 (77). Es handelte sich um die Artikel X und XII der geheimen Konvention, mit denen sich der Herzog von Modena nicht einverstanden erklärte. Darüber wurde der Kaiserin folgender Vortrag erstattet: „. . . Graf Christiani r hat ... zu behaupten vermeinet, daß ... der erzherzoglichen Braut die in dem Fall, da ihre Mutter keine eheliche männliche Leibserben hinterlassen würde, vor allen aus dem Haus Este abstammenden Männern zustehende Nachfolge in Massa und Carrara nicht entzogen werden wollte. Nachdeme aber der Articul nochmalen abgelesen worden, so haben sich alle übrige anwesende nicht ent- schütten können, darfürzuhalten, daß er ganz deutlich das Wiederspiel besage. Jedoch ist sich hierbei von darumben nicht aufgehalten worden, weilen Graf Christiani zu wiederholten Malen bezeuget hat, sicher zu sein, daß mittelst Nach- i lassung der dritten Million der zehnte Articul so, wie er in der Nota vom 17. v. M. einkommt, von dem Herzogen angenommen würde. Deine er allein beigefüget, daß zu Vermeidung einer vermeintlichen Antimonie denen Worten ante omnes ex Estensi stirpe oriundos legitimos masculos das Epitheton alios beigefüget werden müsse. Obwolen nun ganz klar ist, daß durch die in f der gleich vorhergehenden Zeilen stehende Wörter ubi serenissima ejusdem mater prole mascula haud relicta decesserit, das eigene angedeutet werde und nicht just gar schicksam ist, einerlei Sach in zweien gleich aufeinander folgenden Zeilen zweimal auszudrücken, so ist jedoch auch hierbei sich nicht aufgehalten, sondren anstatt des einer Dunkelheit unterworfenen Worts alios sogleich in margine beigefüget worden non tarnen ex serenissima ejusdem 22* 340 sponsae matre, wormit Graf Christiani vollkommen zufrieden zu sein bezeuget, anbei aber bei dem Inhalt obangezogener Notae noch weiters erinnert hat, daß vielgedachter Herzog dahin antrage, daß die vorweißliche Convention forthin auf ein Heuratgut von dreien Millionen eingerichtet verbleiben möchte. Allein wurde ihm dargegen vorgestellet, primo daß ein solches mit der a. h. Würde nicht wol vereinbarlich wäre-, secundo daß nicht einmal ein solcher großer leerer Anschein in Ansehung des Herzogs von der unparteiischen Welt wol ausgeleget werden könnte; tertio daß zu häufügen Glossen, ja wol gar zu künftigen Mißhelligkeiten derselbe Anlaß geben dürfte, und endlichen quarto daß, wann der Inhalt der geheimen Convention über kurz und lang kund werden sollte, wie man dann von dessen ewiger Geheimverbleibung nie sicher sein könnte, eben andurch die Auswirkung des Reichs oder wenigstens des Collegii electoralis Einwilligung erschweret werden würde-, anstatt daß allerseits weit anständiger wäre, die Sach in beeden untereinsten schließenden Conventionen ganz gleichlautend und so wie sie sich in der Tat verhaltet, auszudrucken. Wor- gegen wenigstens in der Konferenz Graf Christiani weiters nichts eingewendet hat. Über den zwölften Artikul hat man sich sogleich ohne Mühe einverstanden, dann einerseits Graf Christiani erkennet hat, daß von des durchl. Erzhauses, in dessen ganz besonderen Vorrechten gegründetem Herkommen, so viel das frühere Ende der Minderjährigkeit anbelangt, nicht abgegangen werden könnte-, andererseits aber die gehorsamste Konferenz kein Bedenken obhanden zu sein geglaubet hat, sotanem zwölften Articul die vom Herzogen von Modena anverlangte Wörter cum eodem autoritatis titulo et jure, quo serenissimus archidux sponsus id suscipiet beizufügen, massen mittelst derer doppelt unterstrichener Wörter die a. h. Befugniß, das Guberno nach Belieben einzurichten, zur Genügen verwahrt wird, mithin es nur darauf ankommt, daß es teils noch in Zeiten, und teils mit zureichender Vorsichtigkeit beschehe . . .“ „Dessentwegen — so resolvierte Maria Theresia eigenhändig — ich alles tarouca gemeldet und wäre ihme die tractat zu schicken damit er vorbereite das nöthige umb in der conferenz dem weitern schlus zu nehmen.“ (Vortrag Ulfelds vom 3. Dezember 1752. Staatsarchiv.) Weiterer Gegenstand der Beratung war die Garantie Georgs als Königs von England und Kurfürsten von Hannover. 94 (78). Das Konferenzprotokoll — ohne den Vortrag jedoch — erliegt im Staatsarchiv. Bereits früher hatte sich Kaiser Franz bereit erklärt, auf folgender Grundlage ein Übereinkommen mit dem heiligen Stuhle zu treffen: I ino - S. C. M. denuo declarat, jus succedendi in Carpinensem eomitatum, quod dominae Laurae pro sua persona competit, a se nullum vel minimum impedi- mentum oppositum iri, quo minus proprio nomine praefati comitatus possessionem capere queat. Il d0 - Eadem S. C. M. pariter quam validissime declarat, suas in praefato comitatu existentes copias eductum inde iri, quam prim um praesentia puncta fuerint ratihabita. 11I ti0 - Cum super nexu, seu feudali, seu alio, quo mediante Scavolini principatus, et Carpinensis comitatus una ex parte a Sancta Sede Pontificia, altera vero ex parte ab imperio dependere praetenditur, elapso saeculo sub divo Leopoldo lis exorta, neque vi juratae a se capitulationis in potestate S ae C fte M !s sit, de juribus imperii propria autoritate disponere, una tarnen tarn S. S., quam 341 modofata S. C. M. enixo studio praecavere satagant, ne ideo desideratissima, quae inter easdem feliciter viget, unio detrimenti quicquam patiatur. Hinc est, quod utrique placuerit, eandem nunc concordiae viam inire, quae anno 1731 sub tune regnantibus Summo Pontifice et romanorum imperatore pro eodem scopo asse- quendo idonea quam maxime visa fuerat. Quem in finem tarnen ex parte S. S., quam ex parte S. C. M., quae scriptis tune a cardinale Grimaldio et imperii pro- cancellario, pie interea defunctis, mutuo schedulis continentur, denuo confirtnan- tur, et corroborantur, neque minus utriusque consensu eadem provisoria dispositio ad Carpinensem comitatum ita extenditur, ut ejusdem tenoris scheduiae abeo, qui nunc Viennae est, domino nuntio apostolieo, et praesente imperii domino procancellario extradi mutuo debeant. IY to - Si quae interea temporis seu contra schedularum anno 1731 scrip- tarum, seu contra illarum, quae nunc scribendae sunt, tenorem hinc inde acta sint, illa tarn a S. S., quam a S. C. M. invalida, irrita et nulla declarantur, ita ut nullis unquam temporibus eo provocare, seu uni, seu alteri contrahentium parti liceat, nec in consequentiam ullatenus trahi queant. yto. j ura> quae S. C. M., qua magnus Hetruriae dux in Carpinensem comitatum nonnisi post decessum superstitum ex Carpinensibus comitatibus filia- rum, quae religiosam vitam amplexae haud sunt, sibi competere existimat, decla- rat eadem, et pro se suisque haeredibus et successoribus se obstringit, nunquam mentem suam fuisse, aut in praesens esse, vel in posterum fore, sub titulo horum jurium ex pacto, quod accomodigia nuncupari solet, promanantium, quandocun- que demum seu citius seu tardius devolutioni inibi expressae locus fuerit, vel minimum quicquam juribus, quae S. Pontif. Sedi competere ullatenus possent, derogare, nec permissuram, ut sive sub titulo ejusmodi devolutionis, seu sub alio colore quocunque ulla in eandem Sedem molestia redundet; disertim una promittendo, nec a se, nec a successoribus suis, magnis Hetruriae ducibus, plus juris arrogatum unquam iri, quam quo Carpinenses comites absque eo, ut vel Summi Pontifices, vel S. Sedes Pontificia ullam suspicandi ansam habuerint, gavisi sunt. Una tarnen insistit VI t0 ut illaesis, si quae suut, juribus tertii quibuscunque statim post prae- sentium punctorum ratihabitionem genuinus supradicti pacti sensus amicabiliter examinetur et discutiatur; ita quidem, ut neque per hoc examen juri tertii quicquam decedat, nec per juris tertii reservationem quicquam eidem accedat, sed solummodo illibatum maneat illud jus, quod ad normam juris et justitiae reipublicae olim Florentinae per id pactum attributum dignoscetur, cum vigore conventionis super cessione ducatuum Lotharingiae et Barri initae, dubium haud sit, a S. C. M., qua magno Hetruriae duce in locum praefatae reipublicae subintrari. Yicissim VII mo - Sub iisdem clausulis, reservationibus et declärationibus S. S. in amicum hocce examen et discussionem sua quoque ex parte consentit; cum tarn parum mens sua unquam fuerit, aut sit, magno Hetruriae duci id juris adimere, aut in dubium revocare veile, quod saepefatum pactum ei tribuit, ac proinde unica, quae examinanda et discutienda superest, quaestio nonnisi casnm, et tempus, ubi juxta paciscentium mentem devolutioni locus esse debet, concernere possit.“ (Nr, 2 ad Weisung an Migazzi vom 22. September 1752. Staatsarchiv.) Abschriften dieses S.tückes hatte Kaiser Franz den Vertretern E rankreichs, Spaniens und Sardiniens übergeben lassen. 342 95 (78). „L’affaire de Modene — hatte Koch am 2. Dezember an Kaunitz geschrieben — est sur sa fin. Grossatesta est arrive, et les deux cours etant desormais d’accord, on ecrira, je pense, en Angleterre ponr en informer le roi et pour passer de suite ä la signature.“ (Schiitter 312.) Grossatesta hielt sich in Wien unter dem Vorwände auf, die Herrschaft Arad zu kaufen. (Weisung an Migazzi vom 26. Dezember 1752. Staatsarchiv.) 96 (79). „Puncta deliberanda“ waren: der Handelsvertrag mit Spanien*); die Frage, ob Spanien mitgeteilt werden solle, was bisher mit Modena verhandelt worden sei, wobei man darauf achten müsse, daß die Frage, Parma und Piacenza betreffend, nicht wieder aufgeworfen werde-, Verhalten gegenüber dem Turiner Hofe, den Frankreich gewiß gegen das modenesische Vermählungsprojekt stimmen werde; Titelfrage. Die Weisungen an Migazzi sind vom 26. Dezember 1752 datiert. (Staatsarchiv.) 97 (79). Wiener Diarium vom 16. Dezember 1752 (Nr. 101), wonach jedoch das Feuer an diesem Tage ausgebrochen war. 98 (80). Die Kaiserin-Witwe war am 21. Dezember 1750 gestorben. 99 (80). Gleich nach Abschluß des Vertrages von Aranjuez hatte Maria Theresia dem Prinzen Karl von Lothringen als dem Statthalter der belgischen Provinzen geschrieben, „daß dortige Handlungsverständige in Sachen vernommen, ihre Gedanken einberichtet, auch deren einige zu dem Ende anhero gesendet werden möchten, um nach zulänglich von der hiesigen Beschaffenheit eingezogene Kandtnus zu überlegen, ob und wie etwan von denen innerösterreichischen Meerporten aus, dem niederländischen Commercio, und von denen Niederlanden aus dem zum Behuf derer teutschen und angrenzenden Erblanden abzielendem Handel und Wandel Vorschub gegeben werden möge“. Infolge dieser Aufforderung wurden (am 5. August 1752) drei Denkschriften eingeschickt. Sie betrafen die Schwierigkeiten, die Spanien bisher dem belgischen Handel in den Weg gelegt hatte, und sie enthielten zugleich ausführliche „Ob- servations sur un traite de commerce avec l’Espagne“. Zwei Sachverständige, de Winter und Scamp, kamen zu diesem Zwecke nach Wien und begaben sich mit dem Grafen Rudolf Choteck nach Triest und Fiume. Zurückgekehrt rieten sie der Kaiserin, die Verhandlungen mit Spanien in Angriff zu nehmen. Maria Theresia zeigte sich geneigt hiezu und ließ eine ausführliche Weisung an Migazzi entwerfen, die am 26. Dezember 1752 abgeschickt wurde. Dieser lag auch (sub Nr. 11) folgender „Projet de l’acte de declaration ä proposer ä l’Espagne“ bei: Pour obvier ä tout doute qui pourrait naitre sur ce qui doit ötre observe de part et d’autre en consequence de l’article X du traite conclu et signe ä Aranjuez le 14 juin 1752, S. M. l’imperatrice-reine d’Hongrie et de Boheme et S. M. C. sont convenues pour elles, leurs heritiers et successeurs des eclaircisse- ments suivants: l mo S. M. I. et R. declare et s’engage que non seulement les sujets de S. M. C. jouiront en fait de commerce de tous les avantages dont tout autre sujet etranger jouit dans le pays de Sa domination en vertu de tel traitö que ce puisse etre, mais qu’EUe n’accordera jamais aucun gräce ou avantage ultörieur en fait de commerce, sans que les sujets de S. M. C. y participent egalement comme s’ils y etaient nommdment enoncßs. *) Vide Anhang 99. 343 En echange S. M. C. declare et s’oblige reciproquement que les sujets de S. M. I. et R. sont et seront 4 l’avenir en droit de reclamer en fait de commerce tous les avantages et benefices contenus dans tel traite de commerce que ce puisse etre entre l’Espagne et tout autre nation meme la plus favorisee, comme sont la franqaise et anglaise, y compris le convenio dont on est tombe d’accord avec la France en . . . (sic!) pour l’appretiation de ses marchandises, de sort que tous ces traites et conventions ne sortiront pas moins lern - plein et entier effet entre les sujets de S. M. I. et R. et ceux de S. M. C. que s’ils etaient inseres au present acte mot pour mot, et qu’en outre les sujets de S. M. I. et R. auront pareillement 4 jouir de toutes les gräces qui s’accorderont 4 l’avenir aux sujets d’aucune autre puissance. Secundo. Sans prejudicier le moins du monde 4 l’obligation generale flxee, comme ci-dessus, entre les deux hautes parties contractantes, S. M. l’imperatrice-reine de Tun et S. M. le roi Catholique de l’autre cöte, deelarent et promettent reciproquement que le droit d’aubaine n’aura pas lieu entre les sujets respectifs, que celui qu’on nomme tonnelade et le droit de consulat, ne sera exige et demande qu’4 Proportion des marchandises debarquees dans les ports de l’une ou de l’aufre domination. Tertio. S. M. I. et R. et S. M. C. sont pareillement convenues que leurs sujets respectifs pourront avoir en premiere instance des juges conservateurs, les uns dans les etats de I’autre. Et pourque par rapport 4 l’appretiation des marchandises, non comprises dans le tarif ou convenio mentionne ci-dessus, il ne puisse survenir nulle difficulte, E'.les sont convenues en outre, Quarto qu’elles seront taxees par les marchands meines qui trafiquent les uns dans le pays de l’autre Puissance contractante. Mais que pour prevenir que cette taxation ne soit pas trop inferieure 4 leur juste valeur, les douaniers seront en droit de retenir les dites marchandises pour le prix marque par les marchands meines en leur payant quinze pour cent de plus, sans rien exiger pour les droits royaux dont ils auront 4 se charger. Quinto, comme il est porte par l’article X susdit que les hautes parties contractantes conviendront des avantages ulterienrs de leurs sujets, 4 mesure que l’experience les fair» connaitre, on renouvelle expressement cette stipulation, d’autant plus que S. M. I. et R. est actuellement tres occupee 4 faire fleurir le commerce dans Ses pays hereditaires allemands et y contigus. Eu foi de quoi. . . 100 (81). Der Artikel XI des Dresdener Friedens von 1745 bestimmte folgendes: „tous les vassaux et sujets de S. M. le roi de Prusse, de meme que ceux qui sont dans son Service, soit militaire ou civil, qui ont des capitaux sur ce qu’on appelle die sächsische Obersteuereinnahme, seront fidelement rembourses de leurs capitaux et interets aux termes echus suivant la teneur de leurs obliga- tions ou Steuerscheine“. Statt daß die Einlösung der Obligationen so rasch als möglich erfolgte, vermehrte sich — infolge der unglückseligen Finanzpolitik des Grafen Brühl — die Schuld derart, daß sie bis 1751 schon das Doppelte, also 1 Million Taler betrug. (Vgl. darüber Droysen, Geschichte der preußischen Politik V/4, 264 ff.) Es entstanden Streitigkeiten mit Preußen, ja man besorgte in Dresden den Ausbruch des Krieges. Sachsen wandte sich daher auch an Österreich, England und Rußland mit dem Ersuchen, den Casus foedeiis anzuerkennen, sobald es von Preußen angegriffen würde. Sachsen aber hatte den Veitrag von 1744 nicht erneuert und war auch dem österreichisch-russischen Traktat von 1746 nicht beigetreten. Infolgedessen bestand für Österreich keine Vertrags- 344 mäßige Pflicht, dem Ansinnen Sachsens zu willfahren. Hingegen mußte auch das eigene Interesse berücksichtigt werden und da erwog man, „in was mißlichen Umständen sich die polnische Anliegenheiten befinden; wie wenig anzuhoffen seie, daß einiger polnischer Reichstag, in so lange die beträchtlichste Gnaden einer alleinigen Familie, wie gut gesinnt sie gleich sein mag, zugewendet werden, bestehen möge; wie große Hindernuß in künftiger Besteigung des polnischen Trons dem Kurhaus Sachsen, welchen Wir ihm gerne gönnen, dahero Zuwachse; wie aufmerksam auf alle dortige Begebenheiten . . . der König von Preußen seie; und wie großen Vorteil derselbe von denen zwar immer fiirdauerenden, doch anjetzo höher dann nie angewachsenen innerlichen Spaltungen zu ziehen vermöge; wie schlecht ebenmäßig der innerliche kursächsische Zustand beschaffen; wie wenig von dorthero eine werktätige Zuruckgab im Fall der Not für Unser Erzhaus zu erwarten stehe; daß das so genandtes Conseil prive meistens aus übeldenkenden Personen sich besetzet befinde; und daß endlichen sowol in denen Tronbelehnungen als anderen Reichsanliegenheiten biß nun zu von Kursachsen nicht so furgegangen worden, wie es des Vatterlands allgemeines Besten und die eigene Wolfart und Sicherheit erheischt hätten. Worzu noch kombt, daß die Unserem Erzhaus ungemein teuer zu stehen gekommene Erfahrung mehr dann zu viel zu erkennen gegeben, wie unentbehrlich es seie, sich auf das sorgfältigste zu hüten, daß man nicht wieder vor das Loch geschoben und sodann von Engelland, ungehindert der nach dem Beispiel vom Jahr 1733 für Kursachsen bezeugten übergroßen Bereitwilligkeit, hülflos gelassen werde. Untereinsten jedoch ist hinwiederumb auch nicht außeracht gelassen worden, daß für Unser Erzhaus nach dem Verlust von Schlesien und der andurch abseiten Preußen ungemein angewachsener Gefahr, weniger als nie gleichgültig sein könne, von weme künftighin der polnische Tron bestiegen werden möchte; daß Wir nicht zugeben können, daß Kursachsen von Preußen unterdrücket werde, und daß gar sehr erwünschlich wäre, daß gegen die französische und preußische Anhänger im Reich und deren Unterbauungen von der Mehrheit deren Stimmen auf dem Reichstag sich versichert werden, hierzu aber die vollständige Gewinnung des kursächsischen Hofs vieles beitragen möge. Nach Maßgab nun dieser so ein- als andererseits fürwaltender höchst- wichtiger Betrachtungen seind Wir auf Mittel und Weege bedacht gewesen, die Sach so zu fassen, daß denen dahero entspringenden Anstößigkeiten ausgewichen, zugleich jedoch für das hiesige Interesse und Sicherheit gesorget, und noch überdas dieser Gelegenheit sich bedienet werde, darmit teils die Gebrechen derer, so einstimmig hierunter zu Werk zu gehen gleich andringende Ursachen haben, verbessert, teils aber zwischen ihnen die zu ihrer allgemeinen Sicherheit nötige und bis nun zu vergeblich von Uns betriebene Maßregien dermaleinstens fest- gesetzet werden möchten. Hierzu nun findet sich der Weeg durch jenes bereits gebahnet, was deine Vorstellungen zu Petersburg gefruchtet haben, massen . . . von Rußland die Billigkeit und Notwendigkeit, daß Kursachsen dem Btindnus Traktat vom Jahr 1746, mithin auch dessen vierdten geheimen Articul beitrete, als auch daß es in Reichsanliegenheiten vergnüglicher führohin zu Werk gehe, folglich billigen diesseitigen Verlangen und Ansinnen statt gebe, allerdings anerkandt wird. Beedes hat solchemnach vorherzugehen, bevor Wir Uns weiters als . . . allschon beschehen ist, zum Behuff Kursachsen verwenden können. Und kann, nachdeme 345 ebenerwehnter Massen der Bedingnus Billig- und Notwendigkeit abseiten Rußland anerkandt wird, Uns darvon abzustehen nicht zugemutet, noch Wir von darumben an Erfüllung Unserer Verbindlichkeiten das mindeste erwinden zu lassen beschuldiget werden. Diese Weisung (vom 31. Dezember 1752) wurde an Pretlack auf Grund des Konferenzbeschlusses erlassen; am selben Tage ging eine gleiche an den Grafen Sternberg ab. (Staatsarchiv.) Über das Verhalten Österreichs gegenüber der Forderung Sachsens vgl. auch A. Beer, Aufzeichnungen des Grafen William Bentinck über Maria Theresia CXXV tf. Mit Unrecht behauptet Vitzthum (Die Geheimnisse des sächsischen Cabinets, Ende 1745 bis Ende 1756, I, 219), es sei in Wien „constatirt“ worden, daß das Defensivbündnis von 1743 „zu Recht bestehe“. (Siehe Note **) Beers CXXVII.) 101 (83). Vgl. Eintragung vom 1. Mai 1752 (S. 26 ff.). 102 (83). Unter anderem wurde in der Konferenz die Frage aufgeworfen, ob der kaiserliche Vertreter in Petersburg für den Fall, daß Sachsen dem österreich-russischen Traktat beitreten wolle, die nötige Vollmacht habe. Obwohl nun Pretlack seit dem 25. April 1747 eine solche besaß, erhielt er doch eine neue zugeschickt. (Vortrag Ulfelds vom 7. Januar, Weisung an Pretlack vom 10. Januar 1753. Staatsarchiv. Vgl. Beer, Aufzeichnungen des Grafen William Bentinck über Maria Theresia CXXVII.) 108 (83). Über Dietrichsteins im Jahre 1747 stattgefundene Wahl zum Erzbischof von Salzburg s. Band 1745—1749, S. 445 ff., Anhang 212. 104 (84). Das Konferenzprotokoll konnte nicht aufgefunden werden. Auf Veranlassung des Bischofs von Würzburg hatte der Papst das Stift Fulda zu einem Bistum erhoben und dem Bischof von Wiirzburg das Pallium und das Recht der Vorantragung des Kreuzes verliehen;*) dies war in der Absicht geschehen, sowohl den Rechtsstreit, der bereits zwei Jahrhunderte hindurch zwischen Würzburg und Fulda der Exemtion halber bestand, als auch die Wirren und Ärgernisse aus der Welt zu schaffen, die darüber im Reiche, insbesondere bei den protestantischen Ständen, ausgebrochen waren. Der Kurfürst von Mainz hielt sich aber in seinen Rechten geschädigt; er wandte sich daher nach Rom und richtete auch an Maria Theresia ein Schreiben, ihren Einfluß geltend zu machen. (Schreiben vom 17. Dezember 1752. Staatsarchiv.) Die Kaiserin antwortete äußerst vorsichtig und schrieb folgendes an den Grafen Johann Anton von Pergen, der nach Mainz geschickt wurde: „.. . Für einen Hof, der vorsichtig und mit gutem Trauen und Glauben zu Werk zu gehen gewöhnet ist, muß ungemein schwer fallen, zu obigem heilsamen Endzweck eine noch ehender als man hier darvon benachrichtiget wäre, schön verdorbene Sach einzuleiten, nachdeme bekannter Maßen S. päpstliche Heiligkeit, Kur-Mainz und Würzburg ungemein gegen einander aufgebracht seind und Kurmainz nicht ge- schmeichlet werden kann, ohne dem Pabsten und Würzburg für den Kopf zu stossen. Wie also einerseits er, Graf, in Unserem Namen inner denen Schranken der willfährigsten Vermittlung zu verbleiben hat, also hat er andererseits be- « ständig auf der Hut zu sein, daß er sich in die Merita causae nicht vertiefte, *) S. Faber, Staatskanzlei CX1II, 121. 346 sondern nur die von der Ohnmöglichkeit, dem Pabsten die Verleihung wiederrufen zu machen, dann die von dem Besten der Religion und deren geistlichen Chur- und Fürsten anjetzo mehr dann nie unentbehrlichen Einträchtigkeit hergeleitet werden mögende Gründe bestens gelten zu machen suche . . (Instruktion, 24. Januar 1753.) . . Der Hauptanstoß — so wurde an Pergen aus der Reichskanzlei geschrieben — will immer darinnen fürwalten, daß Kurmainz auf die Erlassung eines förmlichen Dehortatorii naeher Würzburg und Fulda versessen bleibet. Da aber solche Unsere höchste Autorität nur vergebens compromittiren täte und hiervon in so lang keine Wirkung zu verhoffen stünde, biß nicht der römische Hof auf bessere Gedanken geleitet sein wird, so wird es dermalen vornehmlich auf die Wirkung ankommen, so Unsere letztem naeher Rom erlassene Vorstellungen*) alldorten nach sich ziehen werden, gestalten sonsten die Erlassung obbesagter Dehortatorien den römischen Hof nur-noch mehrere auf bringen und denselben in der Meinung steitfen würde, ob wollten Wir denen vermeintlichen päbstlichen Gerechtsamen olfenbar gar zu nahe treten; womit dann Würzburg sich immer (wie bißanhero beschehen) mit Rom sich ausreden, alldorten aber in Sachen gar nicht mehr würde nachgegeben werden wollen, folglich an- durch die kaiserliche Würde nur vergeblich und ohne daß Kurmainz daraus der mindeste Nutzen zuwachsete, compromittiret und die Sache in noch üblere Umstände versetzet werden würde, welches Graf Pergen vornehmlich dem mainzischen Kanzler nebst dem weiteren Anhang wol begreifen zu machen trachten wird, wie man sich zu Mainz ja auch durch die angebliche Unterstützung ein so anderer Reichs- oder anderer Fürsten nicht verblenden lassen solle, indeme verschiedene blos auf Unruhen versessene Gemüter nicht so viel Mainz hierunter das Wort zu sprechen, noch dieses Erzstift werktätig zu unterstützen, sondern allein nur Verwirrung und Spaltungen zu erregen trachten würden, um ihres Orts und zu ihren alleinigen Nutzen in dem Trüben fischen zu können. . . .“ (Instruktion aus der Reichskanzlei, 24. Januar 1753. Ihr ist die von Maria Theresia erlassene beigeheftet. Staatsarchiv.) Am 11. Dezember 1752 war Adolf Friedrich III. Herzog zu Mecklenburg- Strelitz gestorben. Dies zeigte Christian Ludwig Herzog zu Mecklenburg- Schwerin am folgenden Tage mit der Meldung an, daß er — als ältester und nächster Agnat — sowohl die Vormundschaft über seinen Neffen, den noch unmündigen Erbprinzen Adolf Friedrich (geboren am 5. Mai 1738), wie auch die Verwaltung der mecklenburg-strelitzischen Lande übernommen habe. Kaiser Franz aber hatte nach dem am 4. Juni 1752 erfolgten Tode des Herzogs Karl Ludwig Friedrich von Mecklenburg-Strelitz **) dessen Witwe Elisabeth Albertine die Vormundschaft über sämtliche Unterlassene Kinder übertragen. Nun trat ihr Christian Ludwig von Mecklenburg-Schwerin in den Weg und er ließ sogar Truppen in Strelitz einrücken. Die geängstigte Herzogin rief die Vermittlung des Kaisers an, der auf Rat der Konferenzminister „zu Erhaltung der Ruhe in Norden“ den Erbprinzen als großjährig erklärte. („Mecklenburg Strelitz, veniam aetatis betreffend de anno 1752 et 1753.“ Staatsarchiv.) *) Kaiser Franz wollte der Kurie nicht mehr eingestehen „als was die hehörige Observanz in dem Reich und die teutsche Reichsverfassung hisanhero mit sich gebracht“. Er hatte sich daher an den Kardinal Albani gewendet. (Schreiben vom 23. Dezember 1752. Staatsarchiv.) **) Bruders des Herzogs Adolf Friedrich III. 347 105 (84). Fürst Camporeale, neapolitanischer Botschafter in Wien, hatte bereits im Januar 1751 den Antrag gestellt, man möge dereinst den Erzherzog Joseph mit der ältesten Tochter Karls III., den ältesten Sohn dieses Königs aber mit einer Erzherzogin vermählen. Im Hinblicke auf das zarte Alter des Erzherzogs sowohl wie der Prinzessin wollte sich Maria Theresia damals zu nichts verpflichten, wenn sie auch die Verwirklichung des Vorschlages wünschte (Arneth IV, 337). Nun kam Camporeale nochmals auf dieses Projekt zurück, und zwar zu einer Zeit, da Österreich alle Ursache hatte, Neapel zu mißtrauen, das dem Vertrage von Aranjuez nicht beitreten wollte. „Wäre es aber Sach — schrieb Maria Theresia an Migazzi — daß mit der Zeit, das ist, wann sich nicht ent- schiittet werden köndte, von der Handlung mit Modena einige Öffnung zu tun, andererseits Anlaß dahero genohmen werden wollte, anzuziehen, daß, nachdeme sich mit dem Herzogen von Modena wegen Vermählung des jüngeren Erzherzogs eingelassen wurde, das zarte Alter seines älteren Bruders keine Hindernus sein köndte, mit weit ansehnlicheren Mächten wegen dessen Vermählung eine Handlung anzugehen, so hätten in solchem Fall, ehender aber und ansonsten nicht, deine Andacht sothanen Einwurf als aus sich mit deme abzulehnen, daß Sie zwar von Unserer Willensmeinung die nöthige Kandtnus nicht hätten, doch aber überhaupt wüsten, daß die Bevestigung der allgemeinen Kühe, nebst dem Besten der Religion und der Christenheit die unveränderliche Richtschnur wäre, wor- nach Wir alle Unsere Entschließungen abzumessen pflegeten, mithin Wir vermutlich glauben dörfften, daß, nachdeme aus dieser Ursach dem modenesischen Antrag statt gegeben worden, eine ganz widrige Wirkung zu besorgen stünde, wann das eigene in Ansehung des erstgebohrnen beschehete. Mehrere Höfe hätten sich kundbahrer Maßen bereits gemeldet und deren einigen der englische stark das Wort gesprochen. Da also nur einem der Vorzug hierunter zuteil werden köndte, so würden die übrige andurch für den Kopf gestossen. Welches insonderheit bei der fiirdaurenden großen Crisi in Europa desto bedenklicher sein würde als der auf alles aufmerksame König von Preußen und nebst ihme Frankreich nicht unterlassen würden, sotane mißvergnügte Höfe an sich zu ziehen. Wor- durch alsdann der Religion im teutschen Reich noch größere Gefahr und Unheil Zuwachsen müßte. . . .“ (Weisung an Migazzi vom 26. Dezember 1752. Staatsarchiv.) Noch wußte man in Wien nicht, ob Camporeale jenen Antrag eigenmächtig oder auf Befehl seines Hofes gestellt habe. In Bälde aber erklärte sich der neapolitanische Botschafter, indem er dem Reichsvizekanzler unter der Bedingung strenger Verschwiegenheit eine Schrift abzuschreiben gestattete, darin er im Namen Karls III. das Begehren stellte, es möge der Wiener Hof der Schließung jener Doppelheirat zustimmen. (Nr. 1 ad Weisung an Migazzi vom 23. Januar 1753.) Am 15. Januar aber händigte er Ulfeld ein Promemoria folgenden Inhaltes ein: „Si propone lo stabilimento di due reciprochi matrimonii, uno tra il ser. Arciduca Giuseppe con una figlia del re di Napoli, e 1’ altro frä il real figlio di S. M. S. con quella ser. Arciduchessa, che si crederü piü propria, e proporzionata alla etä dello sposo. Per questi scambievoli matrimonii la corte di Vienna si assicurrerebbe della durevole amicizia dei due monarchi di Spagna, e di Napoli, e potrebbe ricavare da essi aiuti efficaci in ogni sua occorrenza. 348 L’ augustissima casa d’Austria avrä certamente sempre contraria qualche potenza formidabile frä le sue vicine, le quali temono, ed invidiano la sua grandezza, e felicitä, onde con questi matrimonii si assicura i soccorsi validissimi di Spagna, e di Napoli per mare, e per terra, coi quali poträ sempre difendersi da ogni tentativo, ed intrapresa de suoi nemici. Si rifletta, che la Francia e stata sempre vittoriosa, ed inauge da poi che hä avuto 1’ assistenza, ed unione della corona di Spagna. La casa d’ Austria puo sperare anche piii fortunati successi collo stabilimento dei due proposti matrimoni. Puo anche ricavare grosse somme di contante introducendo il com- mercio di quei molti generi, che abbisognano alli Spagnoli, e dei quali abondano li stati Austriaci. Potrebbe darsi, che 1’ Inghilterra nell’ auvenire ricusasse di dare alla corte di Vienna quei validi soccorsi, che gli hä somministrato per il tempo passato risentendosi molto delle gravi spese sofferte nell’ ultima guerra, mä facendosi questa reciproca parentela non puo mancare di dare efficaci ajuti alla casa di Austria, perche non dandoli, temerebbe di perdere il commercio di Spagna, e delle Indie, dal quäle ricava annualmente circa venticinque milioni di florini, il che fä 1’ articolo maggiore delle sue vendite. Lo stabilimento di questi matrimoni rende durevole la pace in Europa, perche ogni potenza si guarderä di offendere alcuna delle tre reali famiglie, per timore di provocarsi contro le loro forze, ed in oltre puo facilitare un pacifico accommodamento di tutte le pendenze, che hanno in Italia le tre suddette reali famiglie. La corte di Vienna degnisi considerare da quäl potentato di Europa poträ Ella mai ricavare ne’ suoi bisogni ajuti cosi efficaci, come quelli, che li ponno dare Napoli, e Spagna. Pare dunque, che per molti titoli convenga lo stabilire adesso i suddetti matrimoni, che poi potranno effettuarsi quando lo crederanno opportuno, i reali genitori, giacche il tardare potrebbe produrre degli effetti contrari ad un si buono, ed importante oggetto.“ Im Sinne einer Resolution, die bereits am 10. Dezember 1752 gefallen war,*) wurde dem Botschafter folgende Antwort zuteil: „Le Maestä Loro Imperiali hanno ricevuto con la piü grande stima 1’ aper- tura fatta dal signore ambasciatore mediante la memoria presentata in nome di S. M. il re delle Due-Sicilie, e non ambiscono le Maestä Loro niente piü, che di entrare con S. M. S. in vincoli gli piü indissolubili di una perfetta unione. In segno che 1’alleanza di S. M. S. e un oggetto per le Maestä Loro Imperiali di sommo gradimento, accettano sino d’adesso con ogni soddisfazione la proposizione di un matrimonio dei real principe figlio primogenito di S. M. S. con una delle ser. arciduchesse figlie delle Loro Maestä Imperiali. In riguardo poi all’ altro matrimonio proposto trä il ser. arciduca primogenito, e una delle ser. principesse figlie di S. M. S., le circostanze presenti, e sopra tutto quelle delF impero sono tali, che mettono le Maestä Loro Imperiali fuora di stato di poter per adesso spiegarsi positivamente verso veruna corte. Ciö non ostante le Loro Maestä Imperiali non tralascieranno per *) In einer Konferenz, der beide Majestäten, ferner Ulfeld, Colloredo und Khevenhüller beigewohnt batten. 349 quanto permetteranno le circostanze, di stringere, e coltivare 1’ unione delle due case. Non dubbitano le Maestä Loro Imperiali, ehe da una spiegazione cosi amicbevole S. M. S. non riconosca, con quäl cordialitä, e drittura si proceda da parte Loro, e quanto caso facciano della parentela di S. M. S.*) Vienna gli 16 gennajo 1753.“ (Nr. 3 und 4 ad Weisung an Migazzi vom 23. Januar 1753. Staatsarchiv.) „. . . Da die gefährliche Krankheit des Churfürsten L. — so heißt es in Pergens Instruktion vom 24. Januar 1753 — dem Vernehmen nach also gleich einige Bewegungen unter denen Capitularen zu Mainz verursachet, hierorts aber inzwischen gleichfalls die hiesige Meinung auf einen unvermuteten Fall zum Voraus gefasset worden, so teilen Wir ihme, Grafen, solche nicht weniger mit, jedoch dergestalten, daß er sie unter seiner selbst eigenen Bewachung aufbehalte. Und dieser zufolge kann ihme nicht schwer fallen, die Gemüter deren Capitularen zu erforschen und in Erfahrung zu bringen, wie die Parteien sich etwan zusammenzusetzen oder bereits im Willen gehabt oder in Zukunft haben werden. Wie diese zum Voraus aufgesetzte Instruktion besaget, hat er, Graf, sorgfältig sich zu hüten, zu erkennen zu geben, wohin die hiesige Absichten gehen, sondern er wird vielmehr die gegenteilige Gesinnung zu erforschen suchen und sich anbei bei all- und jeden Capitularen ein Vertrauen zu erwarten be- fleissen und hierüber in Verfolg der vorläufig aufgesetzten Instruktion, was zu sein, Grafens, Wissenschaft gedeihen kann, den behörigen Bericht abstatten.“ (Instruktion aus der Reichskanzlei. Staatsarchiv.) 106 (85). Dieser starb bereits am 5. Mai desselben Jahres. 107 (85). Dewitz war Ende April 1751 nach Wien gekommen, über die Frage der schlesischen Schulden sowohl wie über die eines Handelsvertrages zu unterhandeln. Da noch keine von beiden eine Lösung gefunden hatte, sandte Friedrich II., der keine Unterbrechung eintreten lassen wollte, Ende Januar 1753 den Tribunalrat Fürst nach Wien. (Politische Korrespondenz IX, Nr. 5748, S. 322 ff. Fechner, Die handelspolitischen Beziehungen Preußens zu Österreich während der provinziellen Selbständigkeit Schlesiens 1741—1806, S. 122 ff., 203.) 108 (86). Johann (geb. 3. Juli 1742, f 5. November 1789); Maria Anna (geb. 6. Januar 1744, f 8- August 1803); Josef Wenzel (geb. 26. März 1745, f 18. September 1781); Anton (geb. 11. April 1746, f 7. März 1764); Maria Theresia (geb. 30. April 1747, f 21. Januar 1788); Marie Eleonore (geb. 13. Mai 1748, t 3. Mai 1786); Franz Josef (geb. 8. August 1749, f 14. August 1750); Maria Josefa (geb. 24. Oktober 1751, f 7. April 1755); Marie Ernestine (geb. 18. Oktober 1752, f 12. April 1801). 109 (86). Fürst Josef Wenzel hatte sich am 19. April 1718 mit Anna Maria, Prinzessin von Liechtenstein, Witwe nach dem Grafen Ernst Thun, vermählt. *) Camporeale suchte glauben zu machen, daß er überzeugt sei, in betreff der beantragten Heirat Josephs eine abschlägige Antwort erhalten zu haben; er ersuchte daher, den Worten (im vorletzten Absätze) verso veruna corte folgen zu lassen: e a suo tempo non lascieranno di cooperare quanto gli sarä permesso. Das bedeutete aber einen Widerspruch, weshalb seinem Wunsche nicht willfahrt wurde. Das einzige gestand man ihm zu, nach verso veruna corte die oben gesperrte Stelle zu setzen, wogegen der Schluß des letzten Absatzes (die gesperrte Stelle) getilgt wurde. (Weisung an Migazzi vom 23. Januar 1753. Hachtrag.) r 350 Sein einziger Sohn Philipp Anton (geb. 6. August 1719) war am 14. April 1723 gestorben. (Falke, Geschichte des fürstlichen Hauses Liechtenstein III, 109.) 110 (87). Der Turiner Gesandtschaftsposten blieb jedoch bis 1754 unbesetzt. Bis zur Ernennung des Grafen Florimond Mercy versahen Josef Du Beyne de Malechamp (bis 2. Juni 1753) und Georg Wilhelm Barre die Geschäfte. 111 (88). Kurpfalz zögerte, eine endgültige Erklärung abzugeben, und gebrauchte dem Wiener Hofe gegenüber die Entschuldigung, es müsse sich noch mit seinen Bundesgenossen Frankreich und Preußen ins Einvernehmen setzen; dies bedeutete einen argen Verstoß, da die goldene Bulle ausdrücklich untersagte, sich in Wahlangelegenheiten um die Zustimmung fremder Mächte zu bewerben. Gar bald erfuhr der Wiener Hof, daß Frankreich und Preußen die kurpfälzischen Forderungen zwar nicht beanständeten, aber nicht zugeben wollten, daß die Stelle „du consentement unanime de tous les electeurs et avec le bon gre et l’acquiescement de la France“*) (oder wenigstens die erste Hälfte) wegbleibe. Dessen tat Kurpfalz allerdings keine Erwähnung; es beauftragte vielmehr seinen Vertreter in Wien, folgendes zu erklären: „. . . In dem . . . Projet d’accommodement vom 29. Augusti vorigen Jahrs wäre in Articulis primo et sexto deutlichen enthalten, auf was Art die römische Königswahl mit sämtlicher Churfiirsten Beitritt vorgehen sollte; in dem soge- nandtem . . . Contreprojet aber wird jener von dem königl. großbritanischen Ministerio Selbsten verfaßte Aufsatz abgeändert und nach dem Wort unanime- m'ent beigefüget: saus Opposition, contradiction ni collision aucune. Vor ohn- möglich wird es churpfälzischerseits angesehen, aus diesen Ausdruckungen abnehmen zu können, auf welche Art k. k. M. zu verlangen belieben mögten, daß die römische Königs wähl vor sich gehen solle; eine Opposition, Contradiction und Collision kann ohne I. Kurf. D. Vorwissen und wieder ihren Willen entstehen, ja- wol gar bei den Schluß der Sachen mit gutem Vorbedacht von anderen erreget werden; und darvon solle doch die Erfüllung der Ihro zusagenden Conditionen abhangen. Es will dahero zu allerseitigen Beruhigung ratsam und nötig sein, sich dießfalls deutlicher zu expliciren und solche Explication entweder dem Traite selbsten einzurucken oder aber solche in eine besondere Acte de declaration zu verfassen, damit I. Kurf. D. sofort ohne aller Zweideutigkeit sich darauf vernehmen lassen können, mithin alles in eine ohnzweifelhafte wahre Richtigkeit gestellet werden möge. . . .“ (Beckers Promemoria d. d. Wien, 29. Januar 1753. Nr. 1 ad Weisung an Migazzi vom 31. März 1753. Staatsarchiv.) Beckers wurde einer Konferenz beigezogen, die am 1. Februar stattfand,**) und ersucht, sich etwas genauer zu äußern. Er verfiel — so heißt es in dem Referate vom 2. Februar (Nr. 3 ad Weisung an Migazzi vom 31. März 1753) — „sogleich auf die gänzliche Auslassung derer Wörter sans contradiction, ni col- *) In der Folge ward man benachrichtigt, daß Frankreich auf die Aufnahme der Stelle avec le hon gre et l’acquiescement de la France verzichte. **) In der Konferenz vom 31. Januar war die Verlesung des pfälzischen Promemorias und eines umfangreichen Vortrages des Staatskanzlers erfolgt, worauf Kaiser Franz befahl, „daß man des folgenden Tags mit Beckers zusammentreten, über jeden im P. M. einkommenden Punkt eine mehrere mündliche Erläuterung von ihme anverlangen, seine Äußerungen sogleich aufzeichnen, alles ad referendnm nehmen und an a. h. dieselbe den a. u. Vortrag sogleich erstatten solle“. (Vortrag vom 2. Februar 1753. Staatsarchiv.) f -*r 351 lision aucune als das seiner Meinung nach beste und kürzeste Mittel, allen Anstand auf einmal zu heben, indeme solchenfalls sein Hof nicht nötig haben würde, seine Bundsgenossen weiters anzugehen. Wo hingegen jeder Declarationsaufsatz denenselben mitgeteilet und anmit abermalen viele Zeit verloren werden müßte. Man ermanglete nicht, ihn zu erinneren, daß dieser Antrag mit obange- zogener Stelle des von ihme übergebenen P. M. nicht allerdings übereinkäme,, mithin er sagen möchte, was man dann entweder dem Traite selbsten ein- gerucket oder was man für einen Acte de declaration, wie seines Hofs eigene Worte lauteten, verfasset haben wollte? Worauf er sich dahin geäußert, daß die anverlangte Erleuterungs-Urkund zu besagen hätte, daß vielgedachte' Wörter gegen seinen Hof ohne aller Kraft und Wirkung verbleiben sollten.- Als man aber hierauf erniedrigte, daß ja dieses keine Erleuterung, sondren eine Wiederrufung wäre, am allerwenigsten aber nach seines Hofs ausdrücklich erklärten Willens Meinung zur allerseitigen Beruhigung gereichen könnte, so verfiele er wiederumb auf den ersteren Antrag derer Wörter gänzlichen Auslassung. Nach wiederholtem Befragen aber, ob er dann gar keinen Vorschlag tun könnte, ruckte er endlichen mit dem zweiten, in dem ihme zugekommenen P. S t0 enthaltenen Vorschlag hervor, anstatt derer Wörter saus contradiction, ni collision aucune zu setzen du consentement unanime de tous les electeurs. So die eigene Worte sowohl des Münchhausischen als Stadionischen Aufsatzes seind. Mit dem ersterem darinnen einkommenden Vorschlag aber, vermöge dessen denen Worten quaestionis die Formalia du consentement des allies de S. A. S. E. P. zu substituiren angetragen worden, wollte er lange nicht hervorrucken. Doch hat er zuletzt auch diese nicht verschwiegen. Und deuten dieselbe ungefähr das eigene an, was im Münchhausischen Aufsatz mittelst denen Worten avec le concours et l’approbation de la France, und im Stadionischen Project in denen Formalien avec le gre et l’acquiescement de la France gesaget wird. Überhaupt wäre B. Beckers währender Zusammentretung sehr verlegen, die aus seinem eigenem P. M. hergeholte Anfragen zu beantworten. Umb sich also zu helfen, verfiele er zu zweien Malen auf die Unbilligkeit, seinem Hof wegen derer noch vor der Wahl bereits abgetanen Wiedersprüchen und Spaltungen etwas entziehen zu wollen. Gleichwie nun ein solches des hiesigen Hofs Meinung ohnedas nie wäre, und ein solches ihme gemeldet worden, ist er Selbsten auf den weiteren Vorschlag verfallen, zu erklären, que pour des con- tradictions ou collisions lev6es avant l’election, l’execution des promesses faites ä S. A. S. E. P. ne pourra pas etre retardee d’un moment. Doch ist er zum öfteren wieder auf den Antrag, die Wörter sans contradiction, ni collision aucune gänzlichen auszulassen, zuruckgekehret. So man ad referendum genommen und ihme nicht verschwiegen hat, daß, da vor Hebung des Wiederspruchs und Spaltung es ohnedas zu keiner Wahl kommen würde, sein Hof um so weniger Ursach hätte, an vielbesagte Wörter sich zu stossen. — — — — — — — _ — — — — — “ Ein anderer Gegenstand der mit Beckers gepflogenen Unterredung war die Wahlkapitulation. 112 (88). „j’ai timt solicitee l’emp. de ne pas tenir l’eglise chez les augustins qui me l’at accordee die weich von Kerzen solle bey denen augustinern in cognito geschehen und der Gottsdienst in der capelle sambt der predig ohne 352 umbgang wie ordinari umb halbe 11 uhr zu halten dises ist ceremoniario auch zu melden.“ 113 (89). Zur Verlesung gelangte das den Tag vorher verfaßte Protokoll über die Konferenz vom 31. Januar und die Unterredung mit Beckers vom 1. Februar 1753. Vorgelegt wurden ferner die Aufsätze der Antwort, die Beckers sowohl mündlich wie schriftlich erhalten sollte. (Vortrag s. d. Februar 1753. Staatsarchiv). S. Anhang 115. 114 (89). „Mercurii 7. Febr. 1753. Legitur Referat der hungar. Canzley über den arrestirten raitz. Bischoff und übrige zu Offen angehaltene Raitzen. — Leguntur duae notae wegen eines sichern in preußische Dienst übertretenen hungar. Officiers Hallasch und eines andern in eodem casu von Debreczin, deren Giitter conflscirt worden und nunmehro die Restitution ex capite amnestiae von dem preußischen Hof anverlangt wird.“ (Konferenzrepertorium 1752—1756. Staatsarchiv.) 415 (89). „Vorweisliche Antwort auf das von H. B. v. Beckers den 29. Jenner 1753 übergebenes Promemoria. Wien, 8. Februar 1753.“ (Nr. 4 ad Weisung an Migazzi vom 31. März 1753. Staatsarchiv.) Dem pfälzischen Abgesandten ward darin eröffnet, es seien Maria Theresia und der Kaiser gewillt, die Worte saus contradiction, ni collision zu tilgen und sie durch folgende zu ersetzen: jusqu’ä ce que l’election d’un roi des Romains en faveur du ser. archiduc Joseph soit effectivement faite et pacifiquement „unter der ausdrücklichen Bedingnus und Verwahrung jedoch, daß die römische Königs wähl anders nicht vor sich zu gehen habe, als W'ann vorläufig Wiederspruch und Spaltung gehoben sein werden“. Die „geheime Nebenantwort“ vom selben Tage betraf die Wahlkapitulation. (Nr. 5 ad Weisung an Migazzi vom 31. März 1753. Staatsarchiv.) 116 (89). Die Beglaubigungsschreiben beider Minister sind vom 21. April, die Instruktionen vom 16. April 1753 datiert. (Staatsarchiv.) 117 (90). Unter anderem ward vorgeschlagen, dem englischen Gesandten Keith in folgender Weise zu antworten: „Le rapport ayant ete fait ä LL. MM. II. de l’extrait de la d6pöche de M r le duc de Neucastel parvenue ä M r Keith le 13 du mois passö, tel qu’il a ete note sur le champ par M. le chancelier comte d’Ulfeld, et relu ensuite au dit ministre britannique, Elles ne balancent pas selon leur desir sincere d’agir en tout de concert avec S. M. B. pour le bien du repos et de la cause commune, de s’expliquer amiablement et tres confidemment sur les trois articles qui y sont contenus. Comme le 1 er , c’est ä dire la garantie des deux conventions ä conclure avec S. A. S. le duc de Modene, n’interesse pas moins ce prince que LL. MM. II., Elles ont tardd jusqu’ici ä y repondre pour etre informöes auparavant de son sentiment ä cet egard. En etant maintenant instruites, Elles ont resolu de se contenter que l’article 17 de la Convention secrete soit congu dans les termes suivants: Sicuti Sacra Regia Britannica Majestas tarn qua rex quam qua elector con- ventionis hujus suasor, conciliatorque fuit, ita quoque Omnibus consiliis et bonis officiis eo operam navabit, quo quae invicem promissa sunt plenum sortiantur exitum et effectum, et speciatim in utraque praefata qualitate, quo fieri potest efficaciore modo, eo allaborabit, quo ejusdem tenor, in quantum Imperii jura concernit juxta mentem articuli noni ejusdem Imperii, aut saltem collegii elec- toralis consensu quam validissime, et quo citius eo melius corroboretur. 353 En se relächant ainsi de la garantie absolue dont il a ete qnestion jus- qu’ici, LL. MM. II. ne sauraient douter que S. M. B. qui a 6te le premier auteur et Principal promoteur des deux conventions susdites, ne veuille concourir 4 les signer comme partie contractante, d’autant plus qu’Elle y etait toute disposdse 4 Hanovre, et que l’arrangement qne ces conventions renferment, ne tend qu’ä prßvenir les troubles et ä mieux affermir la tranquillite publique. Et ce con- cours tient tellement 4 coeur tant 4 LL. MM. II. qu’ä S. A. S. le duc de Modene que sans cela Elles sont decidöes ä ne pas proceder outre, ce qui pourrait en- trainer la rupture de la negoeiation et avoir des suites qui ne sauraient echapper aux hautes lumieres de S. M. B. et de son ministere. Le seconde article regard non une nouvelle garantie 4 stipuler, mais les garanties dont S. M. B. se trouve charg6e d’avance par le traite du 16 mars 1731, par l’acte signe le 24 avril de la meme annee et par l’acte d’accession du 20 fevrier 1732. En les rappelant dans le papier remis 4 M r Keith le 8 decembre de l’annee passee bien loin d’avoir eu la moindre pensee d’engager la Grande- Bretagne dans une guerre par des mesures prises 4 son ingu, leur intention n’a ete que de mieux consolider la paix par des mesures si sagement suggerees par S. M. B. Elle-meme et si scrupuleusement suivies de leur part qu’Elles n’ont pas fait le moindre pas sans sa participation et avis prealable. LL. MM. II. connaissent trop le grand prix de ces meines garanties pour jamais se preter 4 rien qui puisse y donner la moindre atteinte. Elles aimeraient mieux rompre toute la negoeiation que d’acquiescer 4 quoique ce puisse etre qui en diminue tant soit peu la force. Mais Elles sont en meme temps tres persuaddes que teile n’a jamais ete et ne sera jamais l’intention de S. M. B. Enfin quant 4 la cour d’Espagne dont il est par!6 en troisieme lieu dans la depeche susdite, LL. MM. II. sont trop attentives et empressees 4 cultiver soigneusement l’amitie de LL. MM. CC. et l’union la plus intime avec Elles pour jamais leur donner le moindre sujet de plainte. La cour d’Espagne n’est pas nommee dans le papier remis 4 M r Keith, ce qui nöanmoins n’empöche pas LL. MM. II. de faire grand cas de l’offre de S. M. B. d’y vouloir employer con- jointement avec Elles ses bons Offices en faveur du dit arrangement. Ainsi Elles l’acceptent avec une amiable reconnaissance pour le temps que seront sur- montes les obstacles qui en font encore craindre la rupture ou du moins une longue surseance.“ Graf Christiani hatte seinerzeit die Ansicht vertreten, es sollten die beiden letztgenannten Punkte Keith gegenüber nicht berührt werden. „Wo hingegen zufolge dessen — so heißt es in dem von Ulfeld Unterzeichneten Referate — was allschon in der am 15. vorigen Monats (Januar) bei Hof fürgewesten Konferenz im Voraus a. u. eingeraten und eventualiter a. m. beangenehmet worden, gesammte Konferenzminister dartiirhielten, daß sie ohne Abbruch des durchl. Erzhauses Sicherheit und Interesse nicht unbeantwortet gelassen werden könnten, u. z. der anderseitige Unfug der Gebühr nach nicht zu erheben, doch die eigene Gerechtsame gegen alle Schwächung derer bereits obhandener Verbindlichkeiten auf das sorgfältigste zu verwahren, annebenst des spanischen Hofs halber sich so zu äußeren nötig wäre, daß nicht nur allem Mißbrauch allda vor- gebauet, sondern auch sogar von diesseitiger bezeugten Gedenkensart sich noch bei Spanien ein Verdienst gemacht werden könnte. Und dieses zwar aus nachfolgenden Ursachen, weilen l mo das, was Keith den 13. Jenner mündlich vorgetragen, nicht der erste Versuch wäre, den Engelland getan, umb die gegen Khevenhüller-Schlitter, 1752—1755. 23 354 das durchl. Erzhaus obhabende, so teuer erkaufte Verbindlichkeiten zu entkräften; 2 d0 weilen die Unterbleibung des hiesigen Vorbehalts als eine heimbliche Einwilligung in das, was Keith vorgetragen, angesehen oder wenigstens 3 t!o in Zukunft aut solche Weiß mißbrauchet und nebst Vorlegung derer an Keith erlassener Befehlen und dessen Berichten bei dem Parlament gelten gemacht werden dürfte; und endlichen 4 t0 weilen das eigene auch in Ansehung des spanischen Hofs zu besorgen stünde, woferne das, was diesfalls dem hiesigem Hof aufgebürdet werden wollen, gar nicht abgelehnet werden sollte.“ (Vortrag vom 16. Februar 1753. Staatsarchiv.) Maria Theresia genehmigte die vorgeschlagene Antwort;*) diese wurde am 20. Februar Keith übergeben. (Nr. 1 ad Weisung an Migazzi vom 11. Mai 1753. Staatsarchiv.) 118 (90). Gegenstände der Beratung waren: Emigration einiger Serben; Interzepte, darunter ein Schreiben Friedrichs II. an Klinggraeffen**) (Politische Korrespondenz IX, 312 ff., Nr. 5737); Polnische Königswahl. „Soviel nun diesen zugleich wichtigen und häcklichen Punkt anbelangte, ist — so referierte Ulfeld — sonder Zweifel beeden k. M. a. m. erinnerlich, daß, als das vorige Mahl Baron Pretlack aus Petersburg hier zuruck eingetroffen, er durch eigenen Courier vom russischen Großkanzler den Aufsatz eines die künftige polnische Königswahl betreffenden Gutachtens erhalten habe. Bei der darüber in beeder k. M. a. h. Gegenwart zu Schönbrunn gepflogenen Beratschlagung seind die einhellige Meinungen dahin gegangen, daß zwar anjetzo mehr dann nie daran gelegen seie, jeden an Frankreich und Preußen ergebenen Candidatum von Besteigung des polnischen Trons abzuhalten und hierzu ohne öffentlichem Gewalt und ohne weder hiesige Truppen in Polen einrucken zu lassen, noch auf denen polnischen Gräni- zen ein Corps d’armöe zusammenzuziehen, sich zu dessen Verhütung nebst anderen hierbei interessirten Mächten durch andere in Wahlen übliche Mittel zu verwenden; herentwegen untereinstem bei denen anjetzo in ganz Europa vorliegenden Umbständen ebenmäßig mehr dann nie unentbehrlich sein wolle, die äußerste Vorsichtigkeit zu tragen, damit man nicht wieder, wie leider im Jahr 1733 erfolget ist, für das Loch geschoben werde: bevorab da von der Porten der Nähe halber noch weit mehr Rücksicht auf Polen als Schweden getragen würde, mithin wiedrigen Falls zu besorgen stünde, daß man anmit in einen Türkenkrieg verwicklet werden dörfte. Deme zufolge noch weiters erwogen worden, daß, da Rußland von Frankreich gar nichts und von der Porten derer Steppen und Wüsteneien halber weniger als die hiesige Erblande zu befahren hätte, auch vermöge Erfahrung ganz allein eine wiedrige polnische Königswahl zu verhinderen vermögend wäre, diese sammentliche Betrachtungen allda zu dem Ende gelten zu machen erforderlich sein wollte, auf daß mit dortiger Zufriedenheit man hier stille sitzen verbleiben und anmit den hiesigen Hof feindlich anzugreifen, anderen, die sich demselben leichter als Rußland zudringen könnten, aller im mindesten scheinbarer Vorwand abgeschnitten würde. Welche Benehmung dem *) Nur beanständete sie eine Stelle im letzten Absätze. „Ce ministre (Keith) — so lautete sie — ne saurait avoir bien compris ce qui lui a ete dit, en cas qu’il a suppose qu’on croit ici que l’arrange- ment en question ne lui soit pas tout ä fait agreable.“ „Auszulassen oder höfflicher zu tourniren“, re- solvierte Maria Theresia. **) „Worvon — so heißt es in der an Pretlack gerichteten Weisung vom 28. Februar 175S — leicht begreiflicher Maßen gegen niemanden als allein gegen den russischen Großkanzler Selbsten die mindeste Anregung beschehen kann. Und zwar auch dieses nur in dem Falle, wann du nicht Ursacb zu glauheu hast, daß er fallen möchte . . .“ (Staatsarchiv.) 355 eigenen russischen Interesse umb so mehr gemäß zu sein ermessen worden, als Frankreich andurch das Mittel entgienge, dasjenige anderwärts zu vereitlen, was Rußland in Polen leicht zu bewirken vermögete. Wo hingegen ansonsten entweder das durchl. Erzhaus über der polnischen Wahl abermahlen namhaft einbüssen oder aber man zu dessen Rettung gezwungen sehen würde, in die Erhebung eines widriggesinnten Candidati einzuwilligen. Ingleichen ist beeden kaiserlichen M. a. g. erinnerlich, daß, als — — — von der an Chursachsen auf den Fall, da von Preußen derer Steuerschein halber etwas feindliches vorgenommen würde, der Hülfleistung halber zu tuenden Zusage die Frage wäre, schon damals angemerket worden, daß zwar dem durchl. Erzhaus, wer künftighin den polnischen Tron besteigen dörfte, nicht gleichgültig sein, noch dasselbe zugeben könne, daß Kursachsen von Preußen unterdrücket werde- untereinstem aber sich verwahret werden müsse, darmit man nicht wieder für das Loch geschoben und sodann von jenen, welche denen Worten nach zu des Übels Abwendung den meisten Eifer bezeuget, hilflos gelassen werden möge. Derne zufolge der ganz einstimmige Antrag schon damals dahin gegangen, daß nicht nur derenthalben, sondren auf alle Fälle, wo von Preußen eine Tathandlung zu befahren stünde, zu einer gemeinsamen Abrede mit Rußland, beeden Seemächten, Kursachsen und Kurbraunschweig sich anzubieten wäre, u. z. zu einer solchen Abrede, wordurch zureichende und zeitliche Hilfsmittel fest- gesetzet und nicht eine blose scheinbare Sicherheit auf dem Papier jedem Teil verschaffet würde. Auf welche Weiß damals alle Expeditionen abgegangen seind,*) ohne daß bis nunzu die Antwort darauf eingeloffen wäre. Und endlichen ist aus dem in der fürgewesten Konferential Zusammen- tretung abgelesenen Referat vom 24. Jenner zu entnehmen, daß sich zwar darinnen wie billig verwahret worden, die Meinung nicht zu hegen, irgends als höchstens in Rußland die von des Prinzen Conty fürdaurendem Vorhaben in Händen habende geheime Nachrichten auch nur anzuziehen, doch daß die beigefügte Anfragen nicht Rußland allein betreffen, sondren dahin geheu, daß überlegt und beschlossen werden möge, was derenthalben teils hier dem Keith, Grafen Flem- ming und Grafen Kayserling beizubringen, und teils nebst dem Baron Pretlack, ingleichem auch Grafen Sternberg und dem nach Engelland bestimbten Ministro aufzutragen, dann ob zur weiteren Nachforschung und nicht umb darvon die mindeste Anregung zu tun, nicht etwan Grafen Stahremberg etwas mitzugeben wäre? Als nun hierüber es zum Votiren gekommen, hat Graf Colloredo sich dahin geaußeret, daß er zwar unendlich weit entfernet wäre, auf etwas zu verfallen, so E. k. k. M. ohne äußerster Not in ein mißliches Impegno verwicklen könnte. Er besorgete aber zugleich, daß, wann es über kurz oder lang zur Erledigung des polnischen Trons kommen würde, man darein auch wieder Willen würde verwicklet werden. Die Vorsorge, umb sich darein nicht verwicklen zu lassen, hätte sich dahin nicht zu erstrecken, umb gar nichts zu tun, noch denen französischen und preußischen wiedrigen Maßnehmungen andere gedeiliche ent- *) Am 31. Dezember 1752. 23 * 356 gegen zu setzen und sich darüber mit seinen natürlichen Bundsgenossen zu besprechen. Die Materie wäre aber so wichtig und so häcklich, daß er sich darüber sogleich nicht vernehmen lassen könnte und darfür hielte, daß schicksamer wäre, es in einer Konferenz bei Hof als in der Stadt zu tun. Dann es auf ein gemeinsames Concerto mit denen Alliirten ankäme. Worbei sehr vieles zu beobachten sein würde. Graf Khevenhüller hat dieser Meinung durchaus beigestimmet, mit dem ferneren Anhang, daß, da hierbei ganz und gar keine Gefahr ob dem Verzug fürwaltete, er das beste zu sein vermeinete, alles bis zur Abreiß des Grafen Ester- hasy zu verschieben und an Baron Pretlack, so in der raizischen Anliegenheit nicht vorsichtig genung zuwerk gegangen wäre, darüber gar nichts zu erlassen. Worauf Graf Colloredo wieder das Wort genommen mit Vermelden, daß mit sein — des Grafen Khevenhüller — Anhang er nicht verstanden wäre, vielmehr darfürhielte, daß hierunter keine Zeit zu verlieren, doch aber bis zu einer Konferenz bei Hof alles zu verschieben wäre. Welchem Antrag alle Anwesende Beifall gegeben haben-, und ist es ohne- das anjetzo noch nicht darumben zu tun, worinnen die überhaupt allschon den 10. Jenner vorgeschlagene Abrede zu bestehen habe, sondren was und wie an diejenige Höfe zu bringen seie, mit welchen die Abrede gepflogen werden will, indeme bekanntermassen jetztgedachte Höfe, die gegen das Vorhaben nebst E. k.k.M. sich zu bearbeiten gleiche Ursach haben, nicht einmal darvon zureichende Kandtnus annoch besitzen, vielmehr von wegen der Unwissenheit des eigenen französischen Ministerii glauben, daß sotanes Vorhaben dermalen weiters nicht betrieben werde, dergestalten, daß die vorläufige Frage für anjetzo darinnen bestehet, ob und in wie weit, auch mit was Vorsichtigkeiten denenselben Öffnung darvon zu tun seie? Wornebst noch weiters zu überlegen nicht undienlich sein dörfte, ob nützlicher, sich zum ersten über denen Maßnehmungen, worinnen die Abrede zu bestehen hat, gegen andere zu äußeren? oder aber daß sie es tun mögen, abzuwarten . . . (Ulfelds [von Bartenstein verfaßtes] Referat vom 18. Februar 1758. Staatsarchiv.) „. . . von prince conti resolvire noch nichts . . .“, heißt es in der eigenhändigen Apostille Maria Theresias. 119 (91). Johann Ludwig Anton Graf Khevenhüller hinterließ aus seiner Ehe mit Maria Josefa Gräfin Starhemberg folgende Kinder: Maria Josefa, Johann Ludwig Anton, Heinrich Franz de Paula, Franz X. Josef, Maria Antonia, Maria Anna. 120 (91). Diese Abgesandten hatten eine Petition überreicht, welche das Salz betraf, das man aus dem Mailändischen bezog. Man versprach, ihren Wünschen gerecht zu werden. „. . . Anbei solle man ihnen auch alle Facilitet zu Stiftung eines reciproquen Commercii und des ihrerseits machenden neuen Wegs bezeigen, um die Walliser an uns zu ziehen.“ (Konferenzrepertorium 1752 —1756. Staatsarchiv.) 121 (94). „. . . Sowohl dem Domdechanten als übrigen Capitularen — so heißt es in der Instruktion (aus der Reichskanzlei) für Karl Johann Philipp Cobenzl — hat er, Graf, Unser zu ihnen der Wahl halber und sonsten hegendes gnäd. Vertrauen zu vernehmen zu geben, auch zu bedeuten, daß Wir Uns zu ihnen samt und sonders gnädigst verseheten, sie würden bei ihrer vorseiender freien Wahl selbige auf ein solches Subjectum aus ihrem Gremio, welches mit so 357 vielen stattlichen und wol anständigen Subjectis, zumalen Vasallen des durchl. Erzhauses versehen ist, ausfallen machen, so da nicht allein des Reichs fürstlichen Erzstiftslanden, sondern auch der ihme anvertrauten Kirche, mithin seinem geist- und weltlichen Amt, vorderist zu der Ehre Gottes wol vorstehe, folglich Uns als römischen Kaiser und Herrn angenehm, auch dem Reich ein n. b. standhafter, guter und treu patriotischer Mitstand sein werde. . . .“ Cobenzl ward beauftragt, „mit denen gewöhnlichen Ceremonialien wegen bevorstehender Wahl einen wol anständigen generalen Vortrag zu machen . . . indeme er, Graf, in seiner obhabender Verrichtung auf ein besonderes Subjectum niemahlen anzutragen hat. Viel weniger wird er die Wahlfreiheit mit etwas beschränken, beschweren oder aufziehen, oder zu erkennen geben, als wäre Uns dieser oder jener nicht anständig oder unangenehm, sondern es ist denen wählenden Capitularen der freie Will zu lassen und das Absehen allein dahin zu richten, damit derjenige, welcher etwan zur erzbischöflichen Würde gelangen möchte, Uns verbunden zu sein sich schuldig erkenne, welchem er auch alsdann Unserer kaiserl. Gnad und Schutz zu versichern hat. — — — — — . . . Den würdigsten werden Wir jederzeit als den angenehmsten ansehen. Wir verstehen aber durch den würdigsten nicht allein jenen, von welchem sich eine eifrige geistliche Obsorge zu versprechen ist, sondern von welchem Wir in Reichsanliegenheiten ein aufrichtiges, gutes Vernehmen zu erwarten haben. So um so mehr erforderlich ist, weilen Salzburg in dem Reichsfürstenrat das Direc- torium nebst Oesterreich verführet. . . .“ (23. Februar 1758. Staatsarchiv.) Auch Maria Theresia war gesonnen, nicht den mindesten Einfluß auf die Wahl zu nehmen; doch war auch ihr daran gelegen, daß diese „auf das würdigste Subjectum aus dem Gremio ausfalle, massen ohnedas nicht zu vermuten ist, noch ratsam wäre, daß das Thumcapitul extra gremium gienge.“ „Dahero es allein auf den Vorzug unter dortigen Thumcapitularen zu tun sein wird. Bei welchem Vorzug unlaugbar derjenige, von welchem sich zum be- huf des Reichsoberhaupts, des Reichs, Unsers Erzhauses, dann der Religion so- wol überhaupt in Teutschland als insbesondere in Unseren an das Erzstift angrenzenden Erblanden, der L mehriste Vorschub zu versprechen wäre, für den würdigsten, mithin anständigsten zu achten sein würde.“ „Wiezumalen aber — so heißt es in dieser Instruktion aus der Staatskanzlei — die Erfahrung mehr dann zu viel gelehret, daß diesen, obschon wichtigen und in. das Gewissen tief einschlagenden Betrachtungen nicht allezeit ge- folget werde, als hat zwar er, Unser k. k. Commissarius unter der Hand und ohne sich im mindesten blos zu geben, sein Augenmerk, Bemühung und Anwendung vorzüglich dahin zu richten, doch also und dergestalten, auch nicht anderst, als daß einesteils keiner canonischen freien Wahl das mindeste in Weeg geleget werde, anderenteils aber der Candidat, so zur erzbischöflichen Würde gelangen wird, Ursach habe, Unsers herzinniglich geliebtesten Gemahls, des Kaisers M. und L. wie auch Uns darfiir verbunden zu sein. — — — — — Wie viel die ehemalige Emigration ihme, dem Erzstift geschadet, ist eine ohnedas bekannte Sach. Man ist darzu aus Beisorge eines größeren Übels, nemblichen daß der Irrglauben sich darinnen nicht ausbreite, geschritten. Allein würde dieser Endzweck ehender erreichet worden sein, wann mit vieler Langmut, Liebe und reiffer Überlegung durch bescheidene und geschickte Missionarios, die 358 Irrglaubende zu bekehren, sich beeifert worden wäre. Dahero Wir an dieses Mittel Uns zu halten beschlossen. Nachdeme es aber ohne gemeinsamer Einver- ständnus der geist- und weltlichen Obrigkeit nicht bewerkstelliget werden kann, so ist allerdings daran gelegen, daß man zu Salzburg sattsam erkenne, was dem Erzstift selbsten neuerdingen bevorstehen würde, woferne nicht in Unseren an dasselbe nächst angrenzenden Erblanden diesem Unheil gesteuret werden sollte. Dann solchenfalls sich der Irrglauben in sein, des Erzstifts, Landen gar bald neuerdingen ausbreiten und sodann entweder eine abermalige Emigration würde gestattet, oder nach verletzter Sach das eigene Mittel, so Wir nunmehro Vorschlägen, ergriffen werden müssen. Nicht minder wichtige Betrachtungen erheischen obgedachte engeste Ein- verständnus sowol in Ansehung des teutschen Reichs-Staats überhaupt, als des Erzstifts Erhaltung in seinen weltlichen Gerechtsamen insbesondere. Wie sehr der geistliche Eürstenstand von denen altfürstlichen Hauseren, die alle außer Baaden Baaden protestirend seind, angefochten werde, ist eine ohnedas bekannte Sach. Ingleichen ist wissend, daß die Saecularisations-Absichten noch nicht erloschen und der falsche Religionseifer zu Hannover fast noch weiter als zu Berlin getrieben werde. Hierzu kommt noch ferners, daß Kurköln nebst Kurpfalz und dem Kardinalen von Lüttich von Frankreich und Preußen abhangen und außer Unserem Erzhaus die übrige katholische Kur- und Fürsten ihrer pro- testirender Mitständen Beeinträchtigungen sich zu wiedersetzen ganz unvermögend, von denenselben umgeben und noch überdas unter sich uneinig seind. Wo hingegen ein jeweiliger Erzbischof von Salzburg, seiner Lage halber, nichts zu befahren, auch zugleich als ersterer geistlicher Fürst und weilen er im Direc- torio des fürstlichen Collegii mit Unserem Erzhaus alterniret, vorzüglich vieles darzu beitragen kann, daß einem Teil obiger Gebrechen abgeholfen werde. — (S. d. Februar 1753. Staatsarchiv.) „Nach vielen unfruchtbar abgeloffenen Scrutiniis — berichtete Graf Cobenzl am 11. April 1753 — käme es endlichen den 5. zur Wahl, allwo Graf Schratten- bach, Domdechant, per concursum electionis cum postulatione erwählt wurde.“ (Staatsarchiv.) 122 (94). S. H. Fechner, Die handelspolitischen Beziehungen Preußens zu Österreich während der provinziellen Selbständigkeit Schlesiens 1741—1806, p. 212. 123 (95). Das Dekret ist vom 15. Februar 1752 datiert. (E. Wlassak, Chronik des k. k. Hofburgtheaters, 8 ff. Vgl. Die Theater Wiens II/I, 64 ff.) 124 (95). Vgl. Beer, Aufzeichnungen des Grafen William Bentinck über Maria Theresia (CXXXYI ff.) „Obwohlen I. M. die Kaiserin, Königin von Ungarn und Böhmen, I. M. die Kaiserin von allen Reußen, dann I. k. Grossbrit. M. nicht minder als Kurfürst zu Braunschweig-Liineburg als qua König aufrichtigst fest entschlossen seind, die errichtete Friedens und andere Traktaten soviel als deren Inhalt jeden kontrahierenden Teil anbetrifft, getreuest und auf das heiligste zu erfüllen und insbesondere des Königs von Preussen M. zu einiger gegründeter Klag den mindesten Anlaß nicht zu geben, so haben jedoch nebst beeden obbenamseten kais. M. untereinstem auch S. kön. G. B. M. als Kurfürst zu Braunschweig-Lüne- burg erwogen, daß obiger Vorsatz und Aufmerksamkeit keineswegs zu hinderen habe, zur Befestigung der gemeinsamen Ruhe, dann der eigenen Sicherheit und Rettung bloswärtige Defensiv — mithin ganz unschuldige und zu niemands 359 Beleidigung gereichende Maßnehmungen in Zeiten festzusetzen und sich derent- halben einzuverstehen; doch nur eventualiter und auf den Fall, wann wieder besseres Verhofifen und den gemeinsamen Wunsch, einer derer contrahirender Teilen oder ihrer Erben und Nachkommen von des Königs von Preußen M. feindlich angegriffen würde. Es seind zwar S. königl. GL B. M. auch als Kurfürst, vermöge eigenhändig unterschriebener Urkund vom 24. Aprilis 1731 ohnedas verbunden, beede im Traktat vom 16. Martii des nemblichen Jahrs articulo primo et secundo ausbedungene Garantien der Kaiserin, Königin von Ungarn und Böhmen M., dann dero Erben und Nachkommen nach äußersten Kräften zu leisten,*) welche Verbindlichkeit im geringsten zu schwächen, die Meinung ganz und gar nicht ist. Allein umb den allerseits sich Vorgesetzten friedfertigen, heilsamen Endzweck mehrers zu versicheren, ist zugleich vortragend ermessen worden, einesteils zwar über der Zeit der Hilfsleistung der Anzahl derer Truppen und was sonsten zur Hebung alles Verzugs und Anstands ersprießlich ist, sich in Zeiten näher einzuverstehen, anderenteils aber aus der hierunter fürwaltender Sorgfalt ein gemeinsames Werk zwischen allen dreien paciscirenden Teilen zu machen. Zu welch- ein- und anderem Ende dann S. k. G. B. M. als Kurfürsten zu Braunschweig-Lüneburg Beitritt zu dem vierten geheimen Articul des den 2. Junii 1746 zu St. Petersburg geschlossenen Bündnus Traktats für das kürzeste, leichteste und ausgiebigste Mittel gehalten worden. Es lautet aber jetzgedachter Articul wie folget**) — — — — — — — — — — — — — — Gleichwie nun S. k. G. B. M. als Kurfürst zu Braunschweig-Lüneburg vorausstehendem Articul hiermit beitreten, also verbinden Sie sich vermöge jetztbesagten Beitritts und gegenwärtigen Urkund für sich, dero Erben und Nachkommen, gegen beede oberwähnte kais. M., dero Erben und Nachkommen, daß Sie zuvorderst zur Abwendung der gemeinsamen Gefahr und des einen jeglichen derer contrahirender Teilen über kurz oder lang abseiten Preussen betreffen mögenden feindlichen Angriffs unaussetzlich sich in engestem Vertrauen mit vielbesagten beeden kais. M. beraten, Ihren an auswärtigen Höfen befindlichen Mi- nistris die vertrauliche reciproque Einverständnus gemessen einbinden, was Sie von denen feindlichen Absichten, Anschlägen und Vorhaben nur immer entdecken werden, getreulich mitteilen, und in Ihren teutschen Landen beständig wenigstens 20.000 Mann, nemblichen 14.000 zu Fuß und 6000 zu Pferd, der- gestalten bereit halten werden, darmit sogleich, als sich der Fall des feindlichen preußischen Angriffs, es seie gegen I. M. die Kaiserin, Königin von Ungarn und Böhmen, dero Erben und Nachkommen oder aber I. M. die russische Kaiserin, dero Erben und Nachkommen eraugnet, längstens inner zwei oder außerstens inner drei Monaten, vom Tag des erfolgenden freundschaftlichen Ansuchens gerechnet, dem angegriffenen Teil zu Hilfe kommen mögen und sollen. Hinwiederumb nehmen I. M. die Kaiserin, Königin von Ungarn und Böhmen, wie auch I. M. die russische Kaiserin, beede für sich, dero Erben und Nachkommen, vorausstehenden Beitritt S. k. G. B. M. als Kurfürsten zu Braunschweig- Lüneburg hiermit an und verbinden sich auf das feierlichste gegen I. k. G. B. M. als Kurfürsten zu Braunschweig-Lüneburg, dann dero Erben und Nachkommen, daß Sie sowohl zur Abwendung der gemeinsamen Gefahr, als des S. k. G. B. M. teutschen Landen über kurz oder lang abseiten Preußen bevorstehen mögenden *) Diese Deklaration ist jedoch vom 10. April datiert. (F. Pribram, Band II, 487, Anm. 3.) **) Marteus, Recueil des traites (Autriche) I, 169 360 feindlichen Angriffs unaussetzlich sich in engestem Vertrauen beraten, Ihren an auswärtigen Höfen befindlichen Ministris die neinbliche vertrauliche reciprocir- liche Einverständnus mit denen kurbraunschweigischen Ministris gemessen einbinden, was Sie von feindlichen Absichten, Anschlägen und Vorhaben nur immer entdecken werden, getreulich mitteilen und endlichen in denen angrenzenden oder näheren Ländern, nemblichen der römischen Kaiserin, Königin von Ungarn und Böhmen M. in Böhmen, Mähren, Ihrem noch übrigen schlesischen Anteil und denen nahe gelegenen ungarischen Comitaten, I. M. die Kaiserin von allen Russen aber in Liefland, Estland und anderen angrenzenden Landen, wenigstens 30.000 Mann, das ist 20.000 Mann Infanterie und 10.000 Mann Cavallerie dergestalten bereit halten werden, darmit sogleich, als sich der Fall eines feindlichen preußischen Angriffs in S. k. G. B. M. teutschen Landen eraugnet, längstens innerhalb zwei oder außerstens drei Monaten, vom Tag des erfolgenden freundschaftlichen Ansuchens gerechnet, sowol die eine als die andere 30.000 Mann denen feindlich angefallenen, von S. k. G. B. M. besessenen teutschen Landen zu Hilfe kommen mögen und sollen. So viel aber den Unterhalt obgedachter respective 20.000 und 30.000 Mann anbelangt, ist sich zwischen der römisch kaiserlichen und königlich ungar- und böhmischen M., dann S. k. G. B. M. als Kurfürsten zu Braunschweig-Lüneburg dahin verglichen worden, daß von der Natural-Verpflegung der die Hilfe ansuchender Teil von dem Tag an, als die Hilfsvölker aus des requirirten Teils eigenen Landen austretteten, sich zu beladen, die übrige Verpflegung aber der die Hilfe schickende Teil zu bestreiten habe. Wohingegen hierüber zwischen der russischen Kaiserin M. und S. k. G. B. M. als Kurfürsten zu Braunschweig-Lüneburg insbesondere sich einverstanden werden wird. Übrigens hat es, so viel die Verbindlichkeiten zwischen I. M. der Kaiserin, Königin von Ungarn und Böhmen, und I. M. der russischen Kaiserin anbelangt, durchaus und ohne Ausnahm bei all- jenem sein Verbleiben, was obeinverleibter vierter geheimer Articul des zwischen Ihnen den 2. Junii 1746 zu St. Petersburg geschlossenen Bündnus Traktat vermag, als dessen ganzer Inhalt hiermit auf das neu bestättiget wird.“ (Projekt der kurhannoverischen Beitrittsurkunde zum vierten geheimen Artikel des am 2. Juni 1746 zu St. Petersburg geschlossenen Bündnistraktats. Ad Vortrag vom 11. März 1753. Staatsarchiv. Diesem Vortrag liegt auch „Anmerkung den kursächsischen Beitritt zum Bündnistraktat vom 2. Juni 1746 betreffend“ bei.) Die Akzession zu den Geheimartikeln des Petersburger Vertrages kam jedoch nicht zustande. (S. Martens 1, 179; vgl. auch Vitzthum, Die Geheimnisse des sächsischen Kabinetts Ende 1745 bis Ende 1756, S. 220 ff.) 135 (96). Weisungen an Pretlack und Sternberg vom 26. März, unter anderem das geplante Bündnis betreffend. Dem Vortrage, der darüber der Kaiserin am 14. März erstattet wurde, liegt auch ein umfangreiches, von Bartenstein verfaßtes „Promemoria, die polnische Anliegenheiten betreffend“ bei. (Staatsarchiv.) 126 (96). Der russische Botschafter am Wiener Hofe hatte zu wieder- holtenmalen die Notwendigkeit eines Defensivbündnisses zwischen Österreich, England und Sachsen betont. Er hegte die sichere Überzeugung, daß England dazu bereit sei und daher Williams beauftragt habe, sich von Dresden nach Wien zu begeben. „. . . hat Williams — so lesen wir in einem an Pretlack gerichteten Reskript — sogleich zum behuf des königl. polnisch- und kursächsischen Hofs zu sprechen angefangen und behaupten wollen, daß bei demselben kein Geldmangel 361 sich äußere, vielmehr der König einen Schatz von sechs Millionen Reichstaler beisammen hätte und die Kriegsmacht in gutem Stand wäre; zu dessen Beweis er angezogen, daß in diesem Jahr ein Campement von 24.000 Mann ohne Abgang eines einzigen Manns zusammengezogen werden würde. Er hat ingleichem die Notwendigkeit, mit Rußland das beste Vernehmen zu unterhalten, wie billig, sehr erhoben. Als ihme aber hierauf gemeldet worden, daß umb so mehr zu wünschen wäre, daß sein Hof zur Abgabe einiger Sub- sidien an Rußland, umb die Zuruckziehung eines großen Teils derer russischen Truppen von denen Grenzen zu verhüten, wie auch zur Verlängerung derer Sub- sidien an Kursachsen, umb diesen Hof in stand zu setzen, die auf denen Beinen habende Kriegsmacht zu unterhalten, bewogen werden möchte, hat er die Materie sogleich abgebrochen und vorgeschützet, daß die englische Nation ehender zwei Millionen in Kriegszeiten als 200.000 Sterling in Friedenszeiten hergeben würde. Welches Vorgeben man zwar für anjetzo dahin ge stellet sein lassen muß, nach denen ehemaligen, noch unter der'Regierung des jetzigen Königs Vatters fürgedaurten bekannten Umbständen aber keinen standhaften Grund hat; anerwogen beede Seemächten, eben von darumben, weilen nach ihrer Ver- faßung nicht wol tunlich ist, eine zulängliche Anzahl National trappen auf denen Beinen zu halten, und dieser Trappen völlige Verpflegung weit kostbarer ist als was umb frembde Trappen auswärts allein zur Disposition zu haben erfordert wird, ehedessen beständig dieses Mittels sich bedienet, umb von einer namhafter Zahl frembder Truppen gesichert zu sein und zugleich anmit mehrere teutsche Höfe von Frankreich abzuziehen und zum behuf der gemeinsamen guten Sach zu gewinnen. Es möge aber gleich des Williams Vorgeben beschaffen sein wie es immer wolle, so ist wenigstens unlaugbar, daß, wann einmal ein guter Teil derer russischen Truppen in das Innere des Reichs, wo sie weniger kosten, zurückgezogen werden sollte, sodann einem gähen, besorglich nicht lange ausbleiben dürfenden preußischen Angriff in Zeiten zulänglich nicht würde gesteuret werden können; daß, umb sotane Zuruckziehung zu verhüten, keine jährliche 200.000 U erfordert werden, hingegen nach einmal erfolgten Zuruckziehung der Aufwand von zweien und mehr Millionen vergeblich, das ist, dem König von Preußen der Streich schon gelungen und seiner Gewohnheit zufolge, nach einem kurzen Krieg ein vorteilhafter Frieden von ihme geschlossen sein würde. Inzwischen ist nach sein — des Williams — Äußerung noch sehr ungewiß, ob die so erwünschliche gemeinsame Abrede mit Einbegriff des Königs von Engelland, sowol qua Königs als qua Kurfürsten zum stand kommen dürfte. Dahero nicht Vorsichtigkeit genung von dir getragen werden kann, daß wenigstens solchenfalls von der darzu leiten sollender Handlung kein Schaden für Unser Erzhaus erwachse, das ist, die teils von Engelland und Kurbraunschweig, und teils von Rußland gegen Uns obhabende Verbindlichkeiten bei dieser Gelegenheit nicht geschwächet, noch auch Wir aus Beisorge der englischen Unzufriedenheit zu neuen, mißlichen und beschwerlichen Bedingnussen verleitet werden möchten. Wornebst noch weiters unschwer begreiflich ist, daß, in so lange nicht der König von Preußen durch die von Uns vorgeschlagene beständige Bereithaltung einer der seinigen, wo nicht überlegenen, doch gleichen Kriegsmacht^ von Tathandlungen zuruckgehalten wird, und in so lange als nicht beeder Seemächten Vormauer, Unsere Niederlanden besser als anjetzo gegen einen gähen französischen Überfall verwahret seind, keineswegs gewaget werden möge, wegen B62 eines noch so heilsamen Vorhabens gegen gemeinschädliche und unbillige französische und preussische Verlangen sich so standhaft, als zu wünschen und nötig wäre, zu setzen, folglich in so lange günstigere Zeiten, und daß hierunter vorzüglich Rat geschaffet werde, abzuwarten, das ratsamste sein würde. (Reskript an Pretlack, 26. März 1753. Staatsarchiv.) 127 (96). Das Handschreiben an den Fürsten Dietrichstein lautete wie folgt: „Aus der Nebenlage erhellet des mehrern, wasgestalten Ich Meines Dienstes zu sein befunden habe, die Publica bei Meinem Hofkriegsrat, so wie es bei denen übrigen Dicasterien, von denen Judicialibus gänzlichen separiren zu lassen und zu abgesonderter Besorgung deren Militar-Justitz-Angelegenheiten ein eigenes Hof-Kriegs-rätlichös Justitz Collegium unter Praesidio des Feld-Marschallens Grafens v. Cordua aufzustellen, disen letzteren auch als Meinen Präsidenten darüber gnädigst zu ernennen. Damit nun in denen sich ergebenden Vorfällen!)eiten mit disem neu bestellten Hofkriegsrätlichen Justitz-Collegio die erforderliche Correspondenz ohn- weigerlich und ohnanstössig gepflogen werde, verlange hiemit gnädigst, daß der Fürst vorstehend abgeschöpfte Resolution und Anordnung sotanen Justitzcollegii denen gesamten Hofstellen von einsweilen aufhabenden Obristhofmeister-Amts wegen ohnverlängt intimiren und, wenn gedachter Graf v. Cordua die Aides- Pflicht, worzu Ich ihme allschon Tag und Stund anberaumen werde, in diser Qualität Meines hofkriegsrätlichen Justitz-Präsidentens abgeleget haben wird, denselben denen ihme subordinirten Räten und Subalternen in loco officii in Meinem höchsten Nahmen behörig vorstellen wolle. Und Ich verbleibe — — — — — — — — — — — — — Wien den 22. Martii 1753.“ (Staatsarchiv.) Handschreiben an den Grafen Cordua: „Ich habe gnädigst entschlossen, bei Meinem Hofkriegsrat wie bei Meinen übrigen Dicasterien die Ordnung einzuführen, daß die Publica von denen Justi- tialibus separiret werden sollen, somit Mein höchster Dienst desto ordentlicher befördert, die gottgefällige Justitz aber ohne der geringsten Verhinderung auch bei dem Militari auf das genau- und ohnverschieblichste administriret werden könne. Und will dahero, auf daß es an der ordnungsmäßigen Einleitung nicht gebrechen möge, das erforderliche hiemit gnädigst anordnen. In dieser Absicht nun gehet Mein gnädigster Wille und Meinung dahin, daß jene in dem beifindigen Anschluß ausgemessene Agenda dem Hofkriegsrat in publicis hinführo in keinerlei Weise mehr obliegen, sondern von demselben ohne der mindesten Ingerenz vollkommen abgeschnitten und von einer den Namen eines Hofkriegsrätlichen Justitz Collegii führenden Justitz-Stelle ohnmittelbar besorget werden sollen; zu welchem Collegio Ich Euch aus dem in Euch setzenden gnädigsten Vertrauen als Präsidenten benenne und bei demselben alle diejenigen Räte, Herren- oder Ritterstandes, und Gelehrte, welche bishero dem Hofkriegs-Justitz Rat beigesessen seind, zu fernerer Justitz-Hand- lung mit der Dienstleistung alleine, und ohnabhängig von dem Hof-Kriegsrat anstelle und Euch andurch subordinire. Und gleichwie Ich Mich überhaupt sowol zu Euch als denen Euch zugegebenen Räten gnädigst versehen, daß Ihr und sie vermöge deren obhabenden teuren Pflichten die Justitz in allen auf das gewissenhafteste zu verwalten beflissen sein werdet, Ich sohin Mein Gewissen entledigen und alles der schweren 363 Verantwortung dieses Meines Hof kriegsrätlichen Justitz-Collegii überlassen haben will. So habe Ich Euch nur insbesondere andurch zu errinneren, wasmaßen Meine gnädigste Willensmeinung weiters dahin abgehe, daß Ihr Euch nach der Ordnung, wie die Publico-Contentiosa bei Meinem Directorio in Publicis et Came- ralibus tractiret werden, genau achten, die Manipulation Selbsten von daher zur Richtschnur nehmen, somit ein wolgefaßtes Protocollum exhibitorum führen lassen, solches zu Controlirung deren Referenten vor Euch als Präsidenten zu einem Manuali und zu dem Ende ob? und was für Sachen erörtert und erlediget, oder aber hinterliegend seien? gebrauchen, sodann über die vorkommende Justitz- handlungen Selbsten allwöchentlich ein in exhibitis et conclusis eingeteiltes, wol und deutlich gefaßtes Protocollum Mir zu Meinen höchsten Händen, mit Beisetzung deren die Sache beigetragen habenden Referenten vorlegen sollet. Ihr habet demnach all dasjenige, was Ich obstehendermassen in ein- so anderem vorzuschreiben befunden, in Vollzug zu setzen. — — — — — Wien, 12. Martii 1753.“ „Agenda für das hofkriegsrätliche Justitz-Collegium. l mo Alle Klagen, welche Schuldforderungen wider Regimenter, Offiziers oder zur Militar-Jurisdiction gehörige Parteien in sich halten, und bei dem Hofkriegspräsidenten alhier eingereicht oder dahin aus denen Landern eingeschicket werden. 2 d0 Alle Injurien-Händel, worüber bei dem Hofkriegsrat in forma einer Klag oder Recursus die Anzeige geschichet, oder des weiteren Verhalts halber von seiten eines Regiments oder commandirenden Generalens sich angefraget wird. 3 tio Alle Personal-Arrest-Sachen, welche eine Untersuchung nach sich ziehen. 4 to Jene Klagen, so zwar ex causa publica ihren Ursprung hernehmen, jedoch in das Contentiosum einschlagen, in soweit solchen durch die anstellende Judicia delegata oder sonstige Ausmessungen nicht derogiret worden. 5 t0 Alle Civil-Processe, Contentiosa und Contradictoria, sie mögen in via appellationis, revisionis, simplicis recursus aut querelae nullitatis an den Hofkriegsrat gelangen. 6 to Die Restitutiones in integra. 7 mo Die Restitutiones honoris et famae. 8 to Concessiones veniae aetatis. 9 no Alle Criminalia, so alhier oder in denen Ländern ausser denen Regimentern vorfallen, oder auf der, bei einem Regiment verurteilten oder beschwerten Partei Ansuchen durch den Hofkriegsrat abgefordert werden müssen. 10 mo Wann auf eine vorkommende Beschwerde einer Partei oder wol auch nach denen erheischenden Umständen ex officio ein Verhör oder Inquisition bei einem Regiment, oder ausser solchen wider andere Militares anzustellen, folg- lichen selbes der weiteren legalen Verführung halber zu instruiren ist. ll mo Alle zu denen Regimentern nicht gehörige Erbschaftssachen, alles jedoch nach Instruction und Anleitung deren anzustellen kommenden Judiciorum delegatorum. 12 mo Alle Gage-Verbot- und Schuld-Sachen, dann deren Aufhebung. 13 t: ° Die Verhör-, Entlaß- oder von Hinnenschickung deren hiesigen Militar- Arrestanten. 364 14 t0 Solle der Kriegspräsident dem Hofkriegsrätlichen Justitz-Collegio alle durch die Expedition in publicis ausfertigende, die Militar-Disciplin oder solche Befehle und Gebote, so in das Justitz-Wesen einigermaßen einschlagen, und deren daraus entstehenden Mißhandeln, auch Bestrafung halber damit verknüpfet seind, in sich begreifende Circularien jederzeit zur Nachricht mitteilen lassen, um bei seiner Yorfallenheit judicando sich hiernach achten zu können. Und dieses solle auch mit denen, von dem geheimen Directorio in publicis et cameralibus an die commandirende Generalen erlassenden, dem Hofkriegsrat in- sinuirenden dergleichen Circular-Verordnungen beobachtet werden.“ (Siehe überdies die Verordnungen vom 24. März 1753 im Codex austriacus V, 745 ff.) 128 (97). Eine „Nota wegen des nach dem bei dem löbl. k. k. Directorio in publicis et cameralibus jüngsthin abgeänderten mitteren Titul und Sigill I. M. der Kaiserin, Königin zu verfassenden mitteren Tituls, und zu entwerfenden mitteren Sigilli für I. erzherzogl. Durchl. Josephum betreffend“ (Wien, 25. März 1753) befindet sich im Staatsarchiv zu Wien. In der Konferenz gelangten Berichte Migazzis vom 7. und 23. Februar zur Verlesung, aus denen hervorging, wie sehr sich Frankreich bemühte, das zwischen Österreich und Spanien bestehende Einvernehmen zu trüben. „Obwolen — so wurde am 31. März 1753 Migazzi geschrieben — nun Unsere Friedfertigkeit noch die eigene wie vorhin ist, mithin Wir recht sehnlich wünscheten, daß von dem spanischen dem französischen Hof über denen der Ruhe, der Religion und Christenheit ungemein nachteiligen Folgen, so obgedachte engeste Verknüpfung mit Preußen nach sich ziehet, die Augen eröffnet werden könnten, so können Wir jedoch untereinstem anzumerken nicht umbhin, daß die Sachen immer weiters gehen und dem König von Preußen forthin gelinge, Frankreich zu derlei Schritten zu verleiten, welche schlechterdingen mit der Christenheit Wolfahrt, folglich mit dem Christentumb nicht vereinbarlich seind.“ Dem Reskript wurden einige Interzepte beigelegf, die bewiesen, daß Frankreich die Pforte zu einem Bündnisse mit Preußen veranlassen wolle. „Zwar wird zu des Antrags Beschönigung die für die Erhaltung der polnischen Freiheit tragende Sorgfalt vorgeschützet. Allein wie wenig dieser Vorwand einigen Grund habe, ist aus deme sattsam abzunehmen, weilen niemanden mehr als Rußland daran gelegen ist, daß sotane Freiheit im mindesten nicht gekränket werde, und bei der ungemein großen Weitschüchtigkeit des russischen Reichs dasselbe nicht gemeinet sein kann, ein Handbreit Erden der R6publique zu entziehen. Wo hingegen gar kein Geheimnus ist, wie eifrig sich von Preußen bestrebet werde, eine commercirende Macht abzugeben und in solcher Absicht sich die in Polen entstehen dürfende Unruhen zu dem Ende zunutzen zu machen, umb sich von dem der Röpublique noch zugehörigem Anteil Preußen und zumalen der Stadt Danzig zu bemeisteren. Sollte Duras etwas von jenem, was aus obigen Beilagen erhellet, in Abrede stellen wollen, so darf ihn nur der königliche Beichtvater, ohne deine Andacht anzuziehen, befragen, ob nicht der junge Fonton eigends von Dessalleurs nach Polen geschicket worden, umb nebst Grafen Broglio den tartarischen Emissarium so sprechen zu machen, wie es die französische preußische Absichten erheischen? ob nicht eben dieser Emissarius, umbwillen er der Anleitung kein sattsames Genügen geleistet, bei dem Tartar Cham verklaget worden und in dessen Ungnade verfallen? ob nicht er der Tartar Cham durch einen eigenen in der Crimee t f 365 sich befindenden Emissarium beständig - angefrischet werde, umb die Porten von ihrer nunmehrigen Friedfertigkeit abzubringen? und ob nicht aus der eigenen Ur- sach, weilen es unter der nunmehrigen türkischen Regierung nicht anzuhoffen ist, eine Veränderung in derselben sehnlich gewunschen werde. (Staatsarchiv.) Andere, an Migazzi gerichtete Reskripte vom selben Tage betrafen den Handelsvertrag mit Spanien, die römische Königswahl, die neapolitanische Heirat und Modena. 129 (97). Zur Verlesung gelangte der von Keith übergebene Auszug eines Schreibens, das Newcastel an Guydickens gerichtet hatte. „Vous repre- senterez ä S. M. I. de Russie, au grand-chancelier et ä tels autres ministres — so heißt es darin — que vous trouverez convenable, l’ötat present de cette affaire et vous leur ferez remarquer au nom de S. M. que, si le roi de Prusse (malgrö tous les moyens aimables que Ton employait pour l’empecher) pour soutenir la violence qu’il a deja faite aux droits et interets des sujets anglais de S. M. et en consöquence de cette violence venait ä attaquer les ötats du roi en Allemagne, S. M. serait alors en droit de reclamer l’assistance de ses allies et nommöment de la Russie et de demander les secours specifiques stipules dans les deux traitös defensifs faits avec eile, et que S. M. I. de Russie devrait reconnaitre le casus foederis si le roi de Prusse venait aux voies de fait contre les etats de S. M. en quel endroit que ce füt; autrement S. M. serait frustree de l’assistance recipro- que qui lui est due, et il est clair que c’est le sens des dits traitös defensifs dans le cas present oü il s’agit clairement des droits de la Grande-Bretagne. Rien donc ne peut etre plus fort que l’obligation oü est l’imperatrice de Russie tant par les traites de 1741 et 1742 que par l’accession du roi au traite de 1746 de venir ä l’assistance de S. M. et de lui fournir le secours stipule au cas qu’elle füt attaquee de cette maniere. Mais le roi a tant d’amitie et de consideration pour l’imperatrice de Russie qu’il souhaite de rendre l’assistance que S. M. est en droit de demander d’elle ä cette occasion, aussi peu onöreuse qu’il est possible ä S. M. I., et pour cette raison S. M. veut bien se departir d’une certaine fagon de ses droits, de sorte que, si vous pouvez procurer des assurances convenables, que si le roi de Prusse attaque les etats de S. M. ou ici, ou en Allemagne en consö- quence des dernieres procedures de la cour de Berlin, dans ce cas l’imperatrice de Russie assistera S. M. avec un corps de 30.000 ä 40.000 hommes et faira une diversion du cöte de la Courlande, et au meine temps eile fournira un corps con- siderable de Cosaques et de Calmouques pour envahir les autres parties des etats du roi de Prusse et pour etre transporte dans des galeres pour faire une irruption du cöte de Stettin, alors S. M. le roi s’oblige de payer une subside proportionnö au nombre des dites troupes regulieres et irregulieres, et que le dit subside commence du jour que ces troupes sortiront de leürs quartiers presents, et sera continue aussi Iongtemps qu’elles seront au Service de la Grande-Bretagne, et s’il arrivait meme que les troubles fussent bientöt et heureusement finies, on pourra dans ce cas continuer une certaine partie du dit subside pour un temps ulterieur selon qu’il en serait convenu. Or le grand point est de s’accorder au plutöt qu’il est possible sur le nombre des troupes et sur la somme que l’on en doit payer, et de faire avoir ä S. M. les assurances qu’en cas qu’elle füt attaquöe, l’imperatrice de Russie 1 assistera avec ses troupes. 366 S. M. ne veut point nommer aucune somme certaine, mais eile espere que vous pourrez bientöt yous entendre avec la cour de Russie tant par rapport au nombre des troupes que du subside ä payer, et si cela est fixe sur les principes de cette lettre, le roi pourrait au retour de ce courrier y donner son consente- ment. Et alors S. M. espere de l’amitie de l’imperatrice de Russie et de la cer- titude qu’elle aura, que les troupes ne seront point demandees jusqu’ä ce que les conditions soient accordöes, que S. M. I. voudrait bien donner un ordre pro- visionnel au general commandant en chef des troupes russiennes en Livonie de se mettre d’abord en marche quand il lui sera notifie de la part du roi que le roi de Prusse a attaquö ses etats, et qu’il lui sera donnö des assurances positives que le roi a consenti aux conditions demandees pour S. M. I. de Russie.“ (Ad Weisung an Pretlack vom 26. März 1753. Staatsarchiv.) Keith hatte gebeten, daß Pretlack die Weisung erhalte, den Antrag des englischen Gesandten in Petersburg zu unterstützen. „Die Sach ist von größter Wichtig- und Häcklichkeit — so heißt es in dem an Pretlack gerichteten Reskript — und bekräftiget sich anjetzo nur allzuviel, daß diejenige, welche andere Maßnehmungen und bevorab, daß von Befestigung der allgemeinen Ruhe der Anfang gemacht werde, vorlängst eingeraten haben, es wol und aufrichtig für den König von Engelland sowol qua König als qua Kurfürsten gemeinet. Wo hingegen Frankreich und Preußen durch dessen Außerachtlassung großen Vorschub erlanget und man in denen nunmehrigen mißlichen Umbständen sich nicht befinden würde, wann derer ersteren wahrer Eifer für das Besten der gemeinsamen Sach so wie er im Grund beschaffen wäre, in Engelland anerkannt worden wäre. — — — — — — — — — — Den ersteren Teil gegenwärtigen Rescripts belangend, ist einerseits primo unschwer vorzusehen, daß besagter Antrag . . . viele Schwürigkeiten in Rußland vorfinden dürfte, umb willen in dem Fall, da Geydickens zu einem mehreren, als was Keith hier mitgeteilet hat, nicht begwaltiget sein sollte, von Rußland die erstere Auslagen, u. z. ohne bei nicht erfolgendem preußischen Angriff von deren Vergütung, geschweigens von einer Subsidien Abgabe gesichert zu sein, zu be- schehen hätten. So man allda zu tun weder Willens, noch imstand sein dürfte; wie dann auch Keith Selbsten nicht zu mißkennen geschienen hat, daß gut, ja nötig gewesen wäre, den Geydickens in stand zu setzen, den Antrag mittelst einer vorlauffigen Abschlagsbezahlung zu unterstützen. Secundo. Sollte Preußen zu Tathandlungen wirklich schreiten wollen, so würde es vermutlich so bald erfolgen, daß der Schaden ehender zugefüget als sich über der Hilfsleistung mit Rußland einverstanden worden sein würde; dessen nicht zu gedenken, daß, wann man auch auf das eilfertigste hierüber einig werden sollte, dannoch zu der Vollziehung eine in dermaligen Umbständen sehr beträchtliche Zeit erforderlich wäre. Wo hingegen, wann man vorlängst nach der hiesigen Idee die Abrede gepflogen, und was jeder Teil im Angritfsfall dem anderen zu leisten verbunden sein solle, festgesetzet hätte, der König von Preußen zu Tathandlungen zu schreiten schwerlich sich unterfangen, allenfalls es zu bereuen Ursach gehabt haben dürfte. Tertio wird nach dem anderseitigen Antrag kein gemeinsames Werk aus der Sachen gemacht, und könnte wol gar das eigene, was einseitig von Engelland ausbedungen werden will, in der Folge darzu dienen, umb, wann der König von Preußen die Waffen gähling gegen Unsere Erblande wenden sollte, wie nicht just ohnmöglich wäre, Uns die werktätige Erfüllung dessen, was der vierte 367 geheime Artikul vermag, wo nicht zu entziehen, doch wenigstens verschieben und beschwerlicher zu machen. Quarto ist allerdings bedenklich, daß zur eigener Zeit, als die Hilfsleistung für des Königs teutsche Länder anverlanget wird, nicht einmal von sein, des Königs, als Kurfürstens Teilnehmung an jenem, was die gemeinsame Sicherheit erheischt, die allermindeste Erwähnung beschiehet; wo doch nicht natürlich ist, daß man ihme als Kurfürsten beizuspringen gehalten, er hingegen als Kurfürst anderen in gleichem Fall zu gar keiner Zurückgabe verbunden sein solle. Und endlichen ist quinto höchst nötig, daß, nachdeme ungehindert Unsers beständigen bestgemeinten Anmahnens zu keiner gemeinsamen Abrede bis nun zu geschritten worden, mithin dieselbe noch ungewiß und in weitem Feld ist, von dir ja kein Schritt beschehe, worüber sich der König von Preussen mit einigem Schein beklagen, oder ihn, als ob man das Feuer anzublasen suchete, den hiesigen Hof beschuldigen oder auch nur beargwöhnen möge. Herentwegen ist andererseits auch nicht ohne, erstlichen daß eben die bei dem König von Engelland nunmehro fürwaltende große Beisorge und Unruhe den füglichsten Anlaß zu geben scheinet, zur allgemeinen Sicherheit zulänglichere Mittel als bis nun zu ergreifen zu machen. Welche Gelegenheit also außer acht zu lassen, nicht ratsam sein dörfte. Zweitens wäre ungemein bedenklich, Engelland das vom Keith hier angebrachte Verlangen zu versagen oder auch sich so zu benehmen, daß mit einigem Schein Wir beschuldiget oder beargwöhnet werden könnten, als ob Wir Kußland von Eingestehung des Antrags durch eingestreuete Anstände und Schwierigkeiten abzuhalten gedächten, massen vielmehr dem Geydickens nicht nur alle unschädliche Willfärigkeit, sondren auch einen anständigen Eiffer zur Abwendung alles Unheils von des Königs von Engelland teutschen Landen zu bezeugen diensam sein will. Drittens ist viele Vermutung obhanden, daß Geydickens zu einem mehreren als was Keith hier eröffnet hat, begwaltiget seie. Und macht Uns deine Geschicklichkeit nebst des russischen Großkanzler in dich setzendem Vertrauen anhoffen, daß vielleicht eben anjetzo die rechte Zeit sein dörfte, mit denen hiesigen Ideen*) . . . leichter als nie auszulangen. Bei welcher der Sachen Bewandnus es mithin im Schluß und so viel den zweiten Teil gegenwärtigen Rescripts anbelangt, darauf ankommt, daß dein Betrag so vorsichtig ausgemessen werde, daß obangedeuteten Schädlichkeiten ausgewichen, die so heilsame und unentbehrliche gemeinsame Abrede befördert, die bis nunzu derselben im Weg gestandene Schwierigkeiten gehoben, zugleich bei Engelland und Rußland teils mittelst der Beförderung der Hilfsleistung, und teils mittelst derer für Rußland auswirkender Subsidien sich verdienstlich gemacht, untereinstem aber dem König von Preußen zu einiger Beschwerde kein, auch nur scheinbarer Vorwand gegeben werde. Nötig ist nicht, daß du dich wegen einer vorläufigen Abschlagsbezahlung an Laden legest. Von Rußland wird es ohnedas vermutlich zur Genügen be- schehen. Vielmehr hast du dir angelegen sein zu lassen, zu verhüten, daß man allda den Bogen nicht allzu hoch spanne; anerwogen ansonsten eben nicht just ohnmöglich wäre, daß, woferne von dem König von Preußen die englische Nation *) Das Defensivbündnis. Vgl. Anhang 124, S. 358 ff. 368 derer schlesischen Schulden halber in etwas befriediget würde, sich wenig mehr umb den Überrest bekümmert werden dürfte. — — — ___ — — Ingleichen ist nicht nötig, zu Verhütung des von dem Antrag Uns zugehen mögenden Schadens Uns directe dargegen zu setzen; untereinstem als nicht nur ganz unbedenklich ist, sondren sogar gegen Geydickens Selbsten gelten gemacht werden kann, daß ohnmöglich des Königs seines Herrens teutsche Lande die mindeste Sicherheit finden können, woferne die Abrede stuckweis gepflogen und nicht ein gemeinsames Werk daraus gemacht wird. Bei welcher Gelegenheit Wir unangemeldet nicht lassen können, daß Graf Flemming . . . einen Einwurf gemacht habe, dessen Wir Uns nicht versehen hätten, nemblichen daß sein Hof nicht imstand wäre, an einen jeden Kontrahenten, wann alle zugleich oder mehrere aus ihnen angegriffen würden, die ausbedingen wollende Anzahl Truppen zu stellen. Dann hieran nie gedacht worden, auch zur Erreichung des sich Vorgesetzten Endzwecks darauf zu verfallen keine Ursach obhanden ist; wie dann, wann einmal zum schriftlichen Aufsatz der Abrede geschritten wird, sowol dieser als andere derlei Anstände von Selbsten wegfallen werden. Dahero nur zu wünschen ist, daß dieselbe noch ehender, als von Preußen zu Tathandlungen geschritten werden dörfte, zum stand kommen möge. Ferners wird man vermuthlich in Rußland wie allhier von selbsten anmerken, nicht natürlich zu sein, daß man sich dem König von Engelland als Kurfürsten beizuspringen verbinde, ohne daß dargegen er, der König, als Kurfürst jenen, so die Hilfe zu leisten haben, zu einer proportionirten Gegenhilfsleistung in gleichem Angriffsfall gehalten sein solle. Allenfalls kann eben dieser Anmerkung die Gestalt einer aufrichtigen freundschaftlichen Vorsorge für die Sicherheit des Königs teutscher Landen gegeben, mithin dieselbe so dargestellet werden, daß sie keinen Schein einer erregten Schwierigkeit habe. Dann obgleich . . . sich darauf gesteiffet wird, ob dörften des Königs teutsche Lande von wegen des englischen Interesse angegriffen werden wollen, so ist doch nicht wol zu zweiflen, daß, woferne es zu einem Angriff wirklich kommen sollte, der König von Preussen andere Ursachen zu dessen Beschönigung hervorsuchen und viele Sorge tragen würde, das englische Interesse von dem kurhannoverischen abzu- sonderen. Derne zufolge sogar auch in dem Fall, da . . . die Konvention geschlossen würde, die kurbraunschweigische Lande in so lange andurch keine Sicherheit erlangeten, als der König qua Kurfürst an der zu errichtenden Konvention keinen Teil hätte. Und dieses zwar umb so mehr, als die von dem russischen Großkanzler und von dem Grafen Bernes seel. den 30. Octobris 1750 unterschriebene Declaration secrete*) auf gegenwärtigen Fall von darumben nicht applicabel ist, weilen allenfalls der preußische Angriff sicherlich nicht uniquement en haine de l’accession d’alors beschehen wird. Nicht minder gibt dir schließlichen die eigene Sprache, die man in Engelland ... in Ansehung des Königs von Preußen führet, ganz füglichen Anlaß, die hiesige Friedfertigkeit und daß Wir wolmeinend einrieten, alle gütige Wege zu Verhütung derer besorgter Unruhen vorläufig zu versuchen, auf eine des Königs von Preußen Anhängeren nicht verborgen bleibende Art anzuziehen, annebenst darauf zu bestehen, daß, wann etwas zum stand kommen sollte, von allen Freundschafts- und Aufmerksamkeitsbezeugungen für Preußen, so in dem *) S. Martens (Autriche) I, 179. Vgl. Vitzthum, 223. V 369 vierten geheimen Articul Unsers Bündnus-Traktats mit Rußland so wolbedächt- lich vorausgesetzet worden, keine unangeführt verbleibe. - - - - - - - - - - - - - - - - - - - U (Reskript an Pretlack, 26. März 1753. (Staatsarchiv.) 130 (97). Anton Ulrich, Herzog zu Braunschweig (Elisabeth Juliane von Holstein-Norburg). Henriette Christine f 12. März 1753. Ludwig Rudolf (Christine Luise Prinzessin von Öttingen). Elisabeth Christine, Gemahlin Karls YI. Kaiserin Maria Theresia. 131 (100.) Aus Madrid. 132 (101). Keith hatte bereits die Vollmacht, zu signieren, zugleich aber auch den Auftrag, dem Wiener Hofe nahezulegen, es möge vorerst Spanien davon benachrichtigt werden. Die Konferenz war der Meinung, daß die Angelegenheit infolge der Geburt eines Prinzen eigentlich schon verdorben sei und es daher im Interesse Österreichs liege, sie dilatorisch zu behandeln; vielleicht könnte sich dann ein guter Vorwand ergeben, die Verhandlungen abzubrechen. Sonach solle der englische Antrag angenommen und den modenesischen Ministern gesagt werden, daß man vor der Unterzeichnung noch die Antwort Spaniens ab- warten müsse. (Vortrag vom 30. April 1753. Staatsarchiv.) 133 (101). Siehe Droysen, Geschichte der preußischen Politik V/4, 365. 131 (102). Johann Siegmund erhielt in der Folge eine Stelle bei der Repräsentation und Kammer. 135 (103). Das Referat konnte nicht aufgefunden werden. In Kheven- hüllers Konferenzrepertorium findet sich aber folgende Eintragung: i) — A repondre aux ministres d’Espagne que LL. MM. souhaitent les deux changements en question dans la convention, que d’ailleurs il fallait attendre la reponse d’Espagne oü notre ministre de concert avec Keene aurait en attendant fait la communication de la convention ostensible; que des que cette reponse serait venue, teile qu’elle soit, LL. MM. persistant dans les mömes sentiments, on passerait d’abord ä la signature. L’objet de l’avantage de la succession est 61oigne et s’eloigne de plus en plus. Le desavantage de se brouiller avec l’Espagne, mettra de la confiance en Italie. Traiter l’atfaire dilatoric, la reponse de la France confirme cette idee. Tourner notre reponse de fagon que les Modenais connaissent leur propre avantage en ne pas precipitant. II serait inutile de rappeier ä V. M. les raisons qui pourraient 1 engager ä ne pas s’empresser de finir la convention projetee avec Modene; il suffit de dire que le seul avantage r6el qu’Elle en avait espere, qui est la succession, se trouve Moigne et s’eloignera de plus en plus, et que la France s’est d6jä declarße contre; et l’Espagne n’y etant pas porte, il s’agit donc seulement de se prendre de fagon pour que Ie duc de Modene ne croie pas que nous manquions de parole. Precis du votum du comte de Kaunitz: Il s’agit de savoir, non pas s’il convient ä notre interet de signer la convention, mais quelles raisons ä donner aux ministres de Modene. Khevenhüller-Schlitter. 1752—1755. “4 •24 370 Les changements que LL. MM. demandent, sont si essentielles que les ministres de Modene ne pourraient meine pas signer quand ils le voudraient, mais il est vraisemblable que le due s’y pretera. II est dans l’ordre qu’on fasse de notre part la communication 4 l’Espagne comme alliee, apres qu’elle a ete faite en France de la part de la cour de Modene; mais de quelle fa§on que l’Espagne se declare envers nous, nous ne pouvons nous empecher de signer apres la düclaration donnee par ecrit aux ministres de Modene. L’affaire etant toujours bonne comme on suppose, malgre les changements arrives, il s’agit de ne la pas rompre, mais de la tenir en train. Caravajal a donne une reponse qui nous laisse pleine liberte, n’ayant parle que comme par- ticulier, en nous donnant conseil, et laquelle reponse cependant nous fait con- naitre l’intention de sa cour; il faut s’en tenir 14, sans plus faire de pas formeis ä Madrid, etant sür que in casum maxime favorabilem la reponse du roi etant teile que celle de Caravajal, nous ne pourrions nous empecher de signer, ou en echange, si la reponse etait critique, eile nous mettrait dans l’embarras de flnir avec Modene et nous exposer 4 tous les liazards, en donnant nous-memes occa- sion 4 l’Espagne de se refroidir contre nous et 4 des disgusti pour etre alles en avant contre sou sentiment.“ (Staatsarchiv.) Frankreich hatte geantwortet, „que la cour de France verra toujours volontiers tous les evenements qui Interessent la maison d’Este, que Ton avait beaucoup agrüe l’office, qu’on garderait le secret, mais qu’on conseillait d’etre sur ses gardes et de gagner du temps, parce que la cour de Vienne pourrait bien vouloir faire son intöret et gagner par lä des titres de convenience sur les ütats de Modene et de s’attacher le duc pour le sacrifier ä toute occasion, de Sorte que, si l’on n’etait sür de recevoir des 4 present des grands avantages et reelles, eile ne conseillait point de se Her les mains par un tel mariage, sup- posant d’ailleurs qu’il n’y aura point d’autre traite qui l’engage plus formellement.“ (Ad Weisung an Migazzi vom 11. Mai 1753. Staatsarchiv. Diese von Frankreich dem Herzog von Modena gegebene Antwort hatten die modenesischen Minister dem Reichsvizekanzler mitgeteilt.) Es wurde daher beschlossen, an die modenesischen Minister eine Note folgenden Inhalts zu richten: „Perstant S. C. M. in iisdem, quos nunquam non declararunt plenis bene- volentiae et amicitiae erga S. Mutinensium ducem animi sensibus, renovantque eum in finem, quidquid demum notis aut scriptis, ejusdem S. ducis dominis mi- nistris, elapsis mensibus januarii et februarii extraditis continetur. Sicuti vero uno eodemque tempore praefatis dominis ministris signiticatum jam fuit, domino comiti Migazzi commissum iri, ut Hispanae quoque aulae cogitandi modum super matrimonio, de quo agitur, conjunctim cum S. regiae Britannicae M t!s ibidem existente oratore domino Keenio dextre exquirat; ita non solum e re communi esse, sed et pro communi securitate, et attingendo, qui intenditur, salutari publicae tranquillitatis, et Italiae inprimis quietis scopo conveniens, quam maxime eisdem videtur, ut expectetur, quidnam ibidem actum fuerit, postquam pervenerint domino Keenio mandata, iis consona, quae domino comiti Migazzi ante complures, uti supra dictum est, menses praescripta, et aulae Britannicae communicata fuerunt. Quod ipsum non ideo monetur, quod S. C. M te8 a prioribus consiliis suis ullatenus recedant, quippe in quibus easdem persistere jam supra declararunt; sed quia S. Estensis domus commodis quam maxime inservire videtur, tum ut omnis circa 371 implementum prius praestitarum evictionum dubitandi ansa tollatur, tum yero ut communi Studio et opera praecaveatur, ut Hispana aula, per sinistras Gallicae aulae insinuationes praesertim post hujus responsum seducta, proposito sese minus faventem exhibeat. Quem ipsum in finem S. C. M tes S. jam in antecessum con- stituerunt, accepto quod ab Hispana pariter aula expectatur responso, denuo consilia sua tarn cum Magnae Britanniae rege, quam cum S. Mutinae duce ita conferre, quo qui omni ex parte intenditur scopus, quemque S. C. M tes omnino etiamnum promotum cupiunt, absque discrimine publicae quietis et ditionum inprimis Mutinensium attingi queat.“ (Ad Weisung an Migazzi vom 11. Mai 1753. Staatsarchiv.) Diese Note wurde jedoch nicht überreicht, weil die Nachricht einlief, daß der jüngstgeborene Prinz verschieden sei. 136 (106). Vom selben Tage sind die beiden Verträge (Heirat und Nachfolge) datiert. 137 (106*). S. Gustav Winter: Die Gründung des kaiserlichen und königlichen Haus-, Hof-und Staatsarchivs, 1749—1762, p. 43 ff., 45 ff. (Archiv für österreichische Geschichte, Band 92.) 138 (107). Otto Venantius Graf Franckenberg war zweimal vermählt. Aus der ersten Ehe (mit Agnes Helene Gräfin von Churschwandt) hatte er einen Sohn Johann Heinrich, nachmaligen Erzbischof von Mecheln. Der zweiten Ehe (mit Josefa Maria von Fernemont) entsprossen sechs Töchter. Mit der Witwe vermählte sich im November 1754 Michael Johann Graf Althann. 139 (107). Graf Althann hatte am 26. Juli 1751 die Würde eines Geheimen Rates erhalten; er bekleidete damals das Amt eines obersten Justizhofrates, war Erbschenk des heiligen römischen Reichs und Erbobergespan des Czaladienser Komitats. Im Dekrete wurden hervorgehoben seine „umb Dero durchl. Ertzhaus, die heil, römische Kirche und sonsten vielfältig erworbene ausnehmende Verdienste, und daß er Herr Graf selbsten sowohl in dem Königreich Ungarn auf zweien Landtägen in der Qualität eines erblichen Obergespanns des Szaladienser Comitats, dann durch 19 Jahr als Cammerer und königl. böhmischer, dermahlen aber als Obrister Justiz Stelle Hoffrath seine treu devoteste Dienstbegierde und Beflissenheit nach denen besitzenden fürtrefflichen Eigenschafften, Gelehrt- und großen Erfahrenheit in verschiedenen Vorkommenheiten an den Tag zu geben ohnermtidet sich bestrebet habe . . .“ (Staatsarchiv.) 140 (107). Das Dekret für Bartenstein ist vom 12. Mai 1753 (darnach Arneth: Joh. Christoph Bartenstein und seine Zeit, 46. Anm. zu berichtigen) datiert und lautet folgendermaßen: „. . . A. h. ernannt I. k. u. k. M. haben in ganz besonderen Betracht genommen sowol sein Herrn Barons alten Adel und nunmehrigen des heil. röm. Reichs wie Dero Erbkönigreich-Fürstentumb und Landen Freiherrenstand, als die von ihme umb das heil. röm. Reich und durchleuchtigstes Ertzhaus von mehr dann 38 Jahren liero sich erworbene stattliche Verdienste und weltkündige Lobsprüche; massen I. M. nicht allein in frischer a. m. Gedächt- nus ohnauslöschlich ruhet, sondern ohnfehlbar auch Dero gegenwärtig und aus Gottes unendlicher Gnade erwartend- und hoffenden durchl. Nachkommenschaft für und für eingepflanzet bleiben wird, weichergestalten er Herr Baron aus natürlicher Regung, klugem Trieb und tiefester Ehrerbietung für das Ertzhause bereits anno 1714 dem röm. kaiserl. Hofe unter a. h. wiederersagt 1. k. und k. M. glorreichesten Herrn Vatters, Kaisers Carl des VI. hochstseeligsten Andenkens mit billigstem Vorschub damahlig hochansehnlichen kais. Ministerii in der rühmlichen Absicht genähert, umb seine von zarter Jugend an sich zusammengesammlete 24* 372 ohngemeine Gelehrtheit ohnverborgen zu lassen-, gleich darauf bei sich eraugneten Vorfallenheiten ex jure publico und statistico stattlichste Proben abgeleget, nicht lange darnach bei der allhiesigen N. Oe. Regierung die gründlich erworbene tiefe Einsicht derer geist- und weltlichen Rechten in mühesamster Neben besorgung mehr- fältigen des Landes Wohlfahrt betroffenen so häcklich- als beschwährlichen Anliegenheiten unter männiglichen zur Bewunderung und Belobung an den Tag gegeben- fort und stuffenweis in der ihme ebenangezeigter Ursachen halber anvertrauten Hofrathsstelle seine stattliche Gaben durch mehrere Jahre mit solcher Maß und Gewicht in voller Sittsamkeit dergestalteu bekannt gemacht habe, daß er anno 1727 umb die erledigte Staats-Secretariats-Stelle zu begleiten, nicht allein ausersehen, sondern auch der tauglichste von allen erkannt und benennet worden. Durch die in solch- häcklich- mühesamb- und schroffigem Ambte von wegen des Soissoner Congresses, derer anno 1781 mit denen Seemächten und der Cron Spanien und anderer Vorfallenheiten halber, ausgearbeitete Schriften und Garantie Bündnuß-Tractaten vermehrte er seine Verdienste nahmhaft. Was inn und nach dem im September 1733 von Franckreich angefangenen Krieg, dem anno 1738 den 18. Nov. darauf mit besagter Cron geschlossenen Frieden von ihme in immer fürgedaurten räth- und schriftlichen Bemühungen bewiirket worden, ruhet annoch in heiterem Andenken; wie sich von demselben in dem darauf erfolgtem leidigem Türkenkrieg zum Heil der Christenheit, a. h. Dienste und Bewahrung des allgemeinen Wohlstands bearbeitet worden, ist gleichermassen ohn- vergessen; mit was kluger Einsicht er nach dem anno 1740 erfolgtem höchstbetrübtem Hinscheiden weiland des glorreichesten Kaisers Carl des VI. unter denen mit Preussen dreimahl fürgewesten Kriegsempörungen und darauf gefolgten Friedenschlüssen sich zu benehmen und durch seine weltkündige Feder dem Degen zur Hülfe zu sein gewußt, zeigen dessen derenthalben verfaßte erleucht- und begründete Schriften, ingleichem diejenige, so er auf die von wegen der von mehrern Feinden auf einmahl angefochtenen pragmatischen Sanction I. k. und k. M. Erbfolgrechts darauf erfolgte abermahl höchstverderbliche Überschwemmung, anno 1741 in Preßburg zu entwerfen und folgends zum öffentlichen Druck zu geben befehliget worden; also und dergestalten zwar, daß nicht allein mehr a. h. wiederhohlt I. k. und k. M., Dero hohes Ministerium und alle wohl- sondern sogar auch ein grosser Theil derer übelgesinnten Mächten, Vasallen und Unter- thanen Begnehmung, Lob und Verwunderung darob zu bezeugen keinen Anstand nehmen konnten; dessen allen Kürze halber zu geschweigen, was ihme noch über das von der genauen Kanntnus derer europäischen Höfen und des heil. röm. Reichs Gesätzen und Verfassungen zum wohlverdienten Lob immer bevorbleibet, und derselbe noch seit dem letzten Achner Frieden zu praestiren ohnaussetzlich als ein wahrer, treu verpflichtester Diener sich bearbeitet hat. Und gleichwie dann aus all- vorstehendem sich von selbsten veroffenbahret, daß sein Herrn Baron von Bartenstein stattliche Gemüthsgaben, auserlesenste Gelehrtheit und ungemeine Experienz sich nicht auf eine oder andere Sphaeram allein beschränken, sondern in eine solche Weite ergiessen und solcher Tiefe gründen, daß er in civilibus, cameralibus, judicialibus, statisticis, politicis und anderen die Oesterreichische Monarchie (welche derselbe mit seiner vorsichtigen Klugheit in denen gefährlichst- und betrübtesten Zeitumständen auf seinen Schultern starkmüthig mitgetragen) betreffenden beschwernusvollen Angelegenheiten als ein ohnbeschränktes lebendiges Prothocoll billigstermaßen sonders 373 mindesten Neid gehalten und angesehen zu sein über alle Maßen verdienet habe. I. M. einfolglichen des gnädigst- und bestens Zutrauens in dessen Persohn seind, er werde in der ihme ohnlängst verliehenen Vice-Cantzlers-Stelle bei Dero Direc- torio in publicis et cameralibus seiner vorbelobten fürtrefflichen Vernunft, Geschicklichkeit und bekannten ruhmvollen Integrität nach, zu Beförderung a. h. Deroselben Dienstes und des gemeinen Weesens Besten und Aufnahm fortan und lebenlänglich sich anzuwenden beflissen sein. Also haben öfters a. h. ernannt I. k. und k. M. in mehrmahligem huldreichestem Betracht alles vorausstehenden und anderer Ihro a. m. beiwohnenden höchst triftigen Ursachen aus landsmütterlicher eigenen Bewegnus zu Dero würklichen k. k. geheimen Rath ihn Herrn Baron von Bartenstein a. g. bestimmet, erhoben und gewiirdiget, der- gestalten, daß derselbe von nun an und fürohin I. M. wiirklicher geheimer Rat sein, von männiglich darfür erkennet und geehret werden, auch unter Dero würklich geheimen H. Räthen gleich nach dem auch wiirklich geheimen Rat H. Grafen von Migazzi vom hierunten stehenden Dato an seinen Rang haben, darbei aller und jeder solch- hoher Würde gebührender besonderer Ehren, Praerogativen, Freiheiten, Recht, Gerechtigkeiten und guter Gewohnheiten sich freuen, gebrauchen und praevaliren könne und möge, von allermänniglichem ohnverhindert, dessen man ihn H. Baron von Bartenstein zu seiner Consolation und Versicherung durch gegenwärtiges Hofdekret hiermit nachrichtlich hat erinneren wollen. Es verbleiben I. M. anbei mit k. k. und landsfürstlichen Gnaden demselben fortan wohlgewogen. Signatum Wienn unter a. li. Deroselben hier aufgedrucktem Secret Insiegl, den 12. Maii 1753.“ (Staatsarchiv.) Das Dekret aus der Reichskanzlei ist vom selben Tage datiert. 141 (109). Siehe Eintragung vom 31. Oktober 1752, S. 69 ff. 142 (109). Nachforschungen im Staatsarchive und im Archive des Ministeriums des Innern sind erfolglos geblieben. Das Dekret Kaunitzens als Staatskanzlers ist vom 13. Mai 1753 datiert. 143 (110). Status der Staatskanzlei: Geheimer Hof- und Staatskanzler: Graf W. A. Kaunitz. Geheimer Staatsreferendarius: Friedrich von Binder Edler von Kriegeistein. Geheime Staatsoffiziale: Adeodat Josef Philipp du Beyne de Malechamps; Joh. Jakob Edler von Dorn; Heinrich Gabriel von Collenbach. Registrator (jubilatus): Anton Edler von Schneller. Archivar: Elias von Hoch- stättern. Registrator: Otto Reiner Kesaer. Expeditor: Johann von Wasserthal. Konzipisten: Karl Johann Jakob Scheurer; Fr. Edler von Schneller; Anton Johann Edler von Hillebrand; Friedrich von Knoch. Kanzlisten: Joh. B. Völckel; Bernhard Monn; Tobias Harrer; Josef Kössler. Supernumerarius: Andreas Tassara. Kanzleidiener: Melchior Busch; Johann Michael Guenger. 144 (111). Vgl. Arneth: Maria Theresia IV, 350. (Unter anderem auch Bartensteins von Arneth vermißte Denkschriften bei Schiitter: Correspondanee secrete entre Kaunitz et Koch 359 ff.) 145 (112). „II. kk. und kk. MM. haben mir a. g. anbefohlen, den bisherigen Hoff- und Staats-Canzlern, H. Gr. v. Ulfeld, welchen a. h. Dieselbe in Ansehung dessen vornehm- und illustren Geburt, villjährig in denen häcklichst- und wichtigsten Zeit und Umständen unermüdet geleisteten treu, eiffrigst grossen Diensten und übrigen sattsamm bekanter rühmlichster Eigenschafften zu Dero Obrist Hoffmeistern zu ernennen geruhet, sämtlicher eigends anhero beruffener Hoff-Staat 374 zu dem Ende vorzustellen, damit selbem in diser Qualitet alle gebührende Ehrerbietung, Parition und Achtung geleistet werden möge. Worbei mir zu ganz besonderer Ehre und Zufriedenheit gereichet, daß ich vor all- anderen E. E. zu diser so würdig gehaltenen hohen und ersten Dignitet des Hoffs meine grund- hertzigste Gratulation ablegen und anmit auch zu all- annemmlichen Diensten gehorsamst empfehlen und anbieten können.“ 146 (113). „Graf Kaunitz — so heißt es in einem Vorträge Ulfelds — wird zweifelsohne E. k. M. schon von der gestrigen Zusammentretung mit Keit und denen modenesischen Ministris benachrichtiget haben. Man hat den ersten allein vorgenohmen und befraget, ob nach denen angekommenen letzten Briefen auß Engeland er noch auf denen Worten Matrimonii hujus anstatt Conventionis hujus bestünde, dergestalten, daß er ohne dieser Abänderung nicht unterschreiben würde. Keit hat versicheret, durch die letzte Briefe nichts neues vernohmen zu haben, und ist nicht allein auf obbesagte Abänderung bestanden, sondern hat annoch eine gleiche Abänderung eines Wort in dem Praeambule der Conventionis secretae anverlanget, das nemblich in einer Stelle, wo vom König alß Svasor und Conciliator Erwehnung geschihet, gleichfalß Matrimonii hujus beigefüget werde. Wie nun dieses von der eigenen Beschaffenheit alß die andere Stelle, so hat man nicht für nöthig erachtet, sich deßfalß aufzuhalten, sondern man ist gleich weiter gegangen und den Keit befragt, ob er sonsten etwas zu erinneren habe, und ob er bereit seie, zu der Unterschrifft zu schreit- ten, wofern man ihme besagte zwei Stellen eingestehe. Er hat sich darzu einverstanden und nur bei der Unterschrift die Alternativ mit E. k. M. sich auß- bedungen, und zwar nur allein bei der Unterschrifft und nicht in dem Contextu der Convention, weilen beide k. M. fast durchauß zugleich genennet währen. Man hat ihm (Keit) zwar von dem Anstand der Unterschrifft mit denen Modenesern benachrichtiget, aber sobald alß er in den eigenen Zeilen mit unß unterschreibet, so ist ihm gleichgültig, wohin die Unterschrifft deren Modenesern komme. Man hat hernach die Modeneser vorgenohmen, welche sich wie zuvor zu der Unterschrifft dergestalten anerbothen, daß sie sub spe rati beifüegen können. Wegen der Unterschrifft hat Montecuculi den grösten Lerm gemacht; man hat ihm aber durch Vorweisung deren Originalien zu besänftigen gesuchet, wie andere Heuraths Contract mit Cubrfürsten unterschriben worden, und ist alles dergestalten in Richtigkeit gebracht worden, daß man nunmehro an Außförtigung deren Exemplarien arbeitet, deren 24 in der Zahl sein müessen, wan man nicht einen Außweg findet, deren Zahl zu verringeren, wie ich annoch hoffe, daß er sich werde außfindig machen lassen. — — — — — — — — — — Daß iibleste von allem habe heute erst bei der Collationirung walirge- nohmen, wo noch in keiner Conferentz etwas darvon vorgekommen, weilen man nicht darauf attendirt hat, nemblich, daß bei Benennung deß Keit seiner Vollmacht gesetzet wird, daß der König ihn nur alß Svasor und Conciliator in dieser Qualität bevollmächtige, folglich in der That er sich von deme entfernet, iiberhaubt pars contractans zu sein; allein nachdeme E. k. M. gefunden, daß ungehindert dieser Sinnung des englischen Hofs man sich darbei nicht aufhalten solle, so wird an denen Exemplarien fortgearbeitet und hoffe, daß man bis übermorgen wird unterschreiben können. — — _ — — — — (Ulfeld an Maria Theresia, 15. Mai 1753. Staatsarchiv.) Über die Verträge s. Ar- neth, Maria Theresia IV, 241 ff. 147 (114). Nachdem Kaunitz sein Referat über die bisher mit Bentinck gepflogenen Unterhandlungen geschlossen hatte, wurde er von Kaiser Franz und Maria Theresia beauftragt, ein Vertragsprojekt sowol wie eine Antwort zu entwerfen, die Bentinck gegeben werden solle. Er hatte sich bei dem Projekte „solcher Ausdruckungen zu bedienen, welche einesteils bei denen Seemächten am ersten Eingang fänden, anderenteils aber denen a. h. Gerechtsamen keinen Abbruch zufügeten. Nachdeme nun die bisherige Negociation so glücklich und so weit geführet seie, daß ein Teil sich schon würklich näher zum Ziel lege, so stünde auch ein fernerer vergnüglicher Ausschlag anzuhoffen. Sollte jedoch der neue Aufsatz von denen Seemächten nicht angenommen werden, so wäre gleich- wolen diesseits alle ohnverfängliche Bereitfertigkeit zu bezeugen und sich da- hero gleich bei Mitteilung des besagten Aufsatzes dahin zu erklären, daß I. M. allenfalls erbötig seien, ohne vorgängige Convention zu einem Commerden Traktat zu schreiten; zu dessen Beförderung auch a. h. Dieselbe in wolmeinenden Vorschlag brächten, daß alle drei Mächten zu gleicher Zeit ihre Projekten einander mitteilen mögten, wie dann ohnedem in allen Fällen ein Commerden Traktat errichtet werden müßte“. (Kaunitz an Kaiser Franz, 27. Mai 1753. Staatsarchiv.) 148 (115). Am 2. Juli verließ Esterhazy Karlsbad und traf am 18. desselben Monats in St. Petersburg ein. (Bericht vom 18. Juli 1753. Staatsarchiv.) 149 (117). „Unter denen verschiedenen wichtigen Staatsgeschäften, so dermalen in Bewegung seind, scheinen — so hatte Kaunitz am 1. Juni 1753 der Kaiserin referiert — gleichwie E. k. M. heute noch solche vorzustellen die Gnade gehabt, die Barriere-Angelegenheiten die melireste Beschleunigung zu erforderen, teils weilen dem Grafen von Bentinck zu antworten ist, teils auch, weilen nach meinem wenigem Ermessen bei der großen Absicht, eine nähere Verbindung zwischen Engelland, Rußland, Sachsen und Hannover zu veranlassen, vor allen Dingen darauf zu sehen ist, den größten Stein des Anstosses, nem- lichen die Barriere-Strittigkeiten fordersamst aus dem Weeg zu raumen, damit nicht eines durch das andere verdorben, sondern der Weeg gebahnet werde, dem englischen Hof die Augen recht zu eröffnen und die Gelegenheit zu benehmen, daß er nicht dasjenige, was zum Besten der allgemeinen Sache geschiehet oder geschehen solle, allein auf E. M. Rechnung setze, noch auf solchen Bedingnussen beharre, welche nicht anderst als zum grösten Nachteil deren Niederlanden eingestanden werden köndten. — — — — — — — — — — — —“ (Vortrag vom 1. Juni 1753. Staatsarchiv.) Kaunitz wiederholte sein früheres Referat über die Barriereangelegenheit. Die Kaiserin beschloß, der Republik Holland „pour les arrerages pretendus 500.000 fl. zu bezahlen“, da Bentinck versichert hatte, daß es bei der ganzen Sache hauptsächlich auch auf diesen Punkt ankomme. (Khevenhüllers Konferenzrepertorium, 4. Juni 1753.) 150 (119). Die Konferenz beschloß, keine Antwort mehr herauszugeben; beide Kanzler sollten Beckers auffordern, einer Konferenz beizuwohnen, damit man einmal wisse, wie sein Ultimatum laute. (Khevenhüllers Konferenzrepertorium, 11. Juni 1753.) „Dieser Hof — so wurde Zöhrern mit Hinweis auf Kurpfalz geschrieben — hat seithero nur allzudeutlich zu erkennen gegeben, daß er Uns stuckweis von einer Bewilligung zu der anderen einzuleiten und bei dermaliger Fehlschlagung der Wahl es wenigstens dahin zu bringen suche, seinen nichtigen Ansprüchen 376 durch eine geschlossene, förmliche Convention mehrere Kraft beizulegen und die ihme nicht sowol wegen seiner Praetensionen, als eigentlich nur zu Beförderung des Wahlgeschäfts vorläufig bewilligte nahmhafte Vorteile auch auf den Fall sicher zu stellen, wann die Wahl noch lange Zeit ausgestellt verbleiben und ohne die Einstimmung aller Churfürsten künftighin zustand kommen sollte. Bei welchen Umständen Wir und Unsere Alliirte nicht zum vorsichtigsten handlen würden, wann Wir dem churpfälzischen Hof den bemerkten Vorteil, ohne einstens von dem Ausschlag der römischen Königswahl versichert zu sein, einräumen und Uns selbsten vor der Zeit die Hände binden wollten. Nebst deme dürfte nicht undienlich sein, dem englischen Ministeriö gelegentlich in Erinnerung zu bringen, wie übermütig sich der chur-cölnische Hof gegen die Seemächten bei der vorgewesten Subsidien Convention betragen habe; woraus also die natürliche Folge zu ziehen ist, wie sich dieser Hof alsdann benehmen würde, wann sozusagen von ihme allein der Ausschlag der römischen Königswahl abhangete und er nach dem erfolgten Schluß der churpfälzischen Convention seine Wahlstimme recht gelten machen könnte; zumalen verschiedene Anzeigen vorhanden seind, daß Wreden bei seinem letzteren Anwesen zu Bonn dem churkölnischen Hof mit der Vorstellung beruhiget habe, wie dieser seinen eigenen Vorteil dabei finden würde, wann Churpfalz fordersamst seine Anliegenheit in das reine brächte und nachhero sich um so mehr in den Stand gesetzet sehete, die churcölnische Verlangen unterstützen zu können. Um also diese verfängliche Absichten wo nicht gänzlich zu zernichten, jedoch noch in Zeiten aufzudecken und allen Fehltritt zu vermeiden, hat Uns allerdings vorträglich, ja nötig zu sein geschienen, den Schluß der churpfälzischen Convention bis zu Hebung aller übrigen Anständen ausgestellt zu lassen und diesen Hof durch sein eigenes Interesse zu vermögen, daß er dem Wahlgeschäft allen diensamen Vorschub gebe. Du hast . . . dem englischen Ministeriö . . . dahin anzutragen, daß dasselbe . . . Uns zu wissen tun lassen mögte, welchen Höfen Engelland von dem dermaligen Stand der Handlung einige Nachricht geben würde. Indeme Wir der Anständigkeit gemäß befinden, nebst Rußland und Spanien, auch denen chur- mainz- trier- sächsisch- und baierischen Höfen hierunter einiges Vertrauen zu bezeugen und ihnen diejenige Umstände, so sie ohnedem anderwärtsher in Erfahrung bringen würden, vertraulich zu eröffnen. Insbesondere aber hast du bei dem englischen Ministeriö anzufragen, ob und wie es sich desfalls gegen den französischen Hof zu äußeren gedenke, damit Wir auch Unseren Orts das diensame vorkehren und Unserem Legations Secretario von Marschall auftragen können, wie er sich bei dieser Gelegenheit zu benehmen habe. (Reskript an Zöhrern, 8. Juli 1753. Staatsarchiv.) 151 (121). S. Arneth, Maria Theresia IV, 169 ff. Derselbe, Johann Christoph Bartenstein und seine Zeit, 56 ff. (Archiv für österreichische Geschichte, 46. Band.) 152 (123). Egyd. Anton von Königsacker hatte 1706 Inzersdorf durch Kauf erworben. Nach dem Tode seiner Witwe Rosamunde fiel es an die Tochter Maria Antonia Gräfin Auersperg - , der Graf Ferdinand Bonaventura Anton Ilar- rach folgte. Nach dessen Tod ging es auf seine Tochter Maria Rosalia Fürstin Kinsky über. Inzersdorf wechselte im Laufe der Jahre noch öfters seine Besitzer. (Topographie von Niederösterreich IV, 465.) 153 (125). Unter anderem war auch über die falschen Auslegungen gesprochen worden, zu denen sich Frankreich und Preußen wegen des Marsches der russischen Truppen veranlaßt gesehen hatten. Die Konferenzminister beantragten, es solle Penckler ohne Zeitverlust in die Lage versetzt werden, den Intrigen Desalleurs zu begegnen. (Referat vom 6. Juli 1753. Staatsarchiv.) Am 6. Juli 1753 wurde daher folgendes an Baron Penckler geschrieben: „Dir ist . . . umständlich bekannt gemacht worden, mit was gefährlichen und weit aussehenden Absichten der französische und Berliner Hot zufolg denen Uns zugekommenen zuverläßlichen Nachrichten schwanger gehen. Wie Wir nun keineswegs zweifeien wollen, daß du hiervon den deutlich vorgeschriebenen Gebrauch machen und zumalen dicli mit dem englischen Botschafter und russischen Ministro desfall§ vertraulich unterreden werdest, so haben Wir gnädigst vor gut befunden, dich fernerweit von einigen Umständen, so sich seit deme ergeben . . . hiermit zu belehren! Es hat sich nehmlichen die königl. preußische auch gegen den englischen Hof högende gehässige und übermütige Gesinnung nur allzu klar darinnen geaußeret, daß in Berlin zu Untersuchung derer englischen wegen derer im letzteren Krieg angehaltener preußischer Schiffen erfolgter Admiralitäts-Deci- sionen ein eigenes Judicium delegatum niedergesetzt und sich angemaßet worden, die erwähnte Admiralitäts-Decisionen zu cassiren, sich selbsten Recht zu sprechen und die hiermit gar keine Gemeinschaft habende schlesische Schuldenzahlung dergestalt zu vermischen, daß königl. preußischerseits die schriftliche Erklärung ertheilet worden, die letzte Terminen dieser Schulden nicht ehender entrichten zu wollen, als biß seinen Untertanen die Vergütung derer angeblich von der englischen Admiralität vorgenommener ungerechter Proceduren ersetzet würde. Ob nun zwar hierauf eine so gründliche als gemäßigte englische Antwort erfolget ist, so hat doch dieses bei dem Berliner Hof so wenig einen billigen Eindruck gefunden, daß er sich vielmehr auf eine solche Art betragen, welche zu verschiedenen wiedrigen Vermutungen einen ganz natürlichen Anlaß gegeben, zumahlen seit deme starke Campements und andere Trouppen-Bewegungen von ihm beliebet worden. Diese und mehr andere Umstände haben also den englischen Hof ver- möget, in Rußland auf Errichtung einer Convention antragen zu lassen, jvermög deren eine gewisse Anzahl russischer Trouppenlan denen churländischen Gränzen auf alle Fälle in marschfertigem Stand gehalten, jedoch ohne vorhergängige feindliche Unternehmen zu niemandem Beleidigung gebrauchet werden sollte. Nun sehen Wir zwar der vollständigen Nachricht, wie weit man mit der Verabredung dieser Convention zu Moscau gekommen seie, annocli mit Verlangen entgegen; jedoch ist Uns schon vorlaufflg so vieles zuverläßig bekannt, daß der Schluß der Convention noch nicht erfolget seie, und daß dem ohnangesehen der russische Hof vor gut befunden habe, einer gewissen Anzahl seiner Regimenter den Befehl zuzufertigen, daß sie sich denen churländischen Gränzen näheren sollten, welche sich auch wiirklich in vollem Anmarsch befinden. Weilen aber diese Bewegung derer russischen Trouppen nicht lang mehr verborgen bleiben kann und leicht vorzusehen stehet, daß solche ein großes Aufsehen verursachen und dem französischen Botschafter Desalleurs die Gelegenheit 378 geben werde, Unsere wie auch die russische und englische Absichten auf das gehässigste bei der Porten abzuschilderen und allerlei weit aussehende geheime Verabredungen anzudichten, so haben Wir allerdings vor diensahm ermessen, dich von dem eigentlichen Stand der Sachen vorlauffig zu benachrichtigen und dir so gnädigst als gemessen hiemit aufzutragen, daß du zwar vor der Zeit von der vorseienden Convention zwischen Rußland und Engelland gegen die Pforte nichts zu erwehnen, sondern diesen Umstand nur allein dem englischen Botschafter und russischen Ministro in engestem Vertrauen zu eröffnen, jedoch nebst diesen ein wachsames Aug zu tragen habest, damit denen wiedrigen Vorstellungen des französischen Botschafters, sobald er darmit zum Vorschein kommen dörfte, behörig und zu rechter Zeit begegnet, auch die Pforte von Unserer und Unserer Bundsgenossen friedfertigen Gesinnung immer mehrers überzeuget werde. Wobei Wir deiner wie auch deren dortigen vertrauten Ministern vernünftigem und vorsichtigem Ermessen anheim gestellt sein lassen, wie etwa ein so anderes nach Beschaffenheit der dortigen Umständen vorzubereiten und der Pforten beizubringen seie, daß der Marsch derer russischen Trouppen nichts anderes als eine billige Vorsicht zum Grund habe und blosserdings durch das preußische Betragen veranlasset worden, auch dem türkischen Reich um so weniger bedenklich fallen könne, da sich solchergestalten die russische Trouppen immer mehrers von seinen Gränzen entferneten.“ (Staatsarchiv.) 154 (126). Am 3. Juni war Johann Philipp Anton Freiherr von Frankenstein, Fürstbischof von Bamberg, gestorben. Karl Graf Colloredo wurde beauftragt, den Weg nach London über Bamberg zu nehmen, wo am 23. Juli die Bischofswahl stattfinden sollte. Er hatte den Auftrag, sich dahin zu äußern, „daß Wir Uns gnädigst verseheten, daß all- und jede, welche zu dieser Wahl Sitz und freie Stimme haben, nach ihrer dem Reich schuldigen Pflicht das Absehen hierinnen einzig und allein auf die Ehre Gottes und der Kirchen als des allgemeinen Wesens Beste richten und ein solches Subjectum erwählen werden, wovon sie bei dem ganzen Reich Ruhm und Beifall, das Stift auch für sich den nötigen Vorstand und Ansehen zu erwarten haben möge, welches um so nötiger zum Augenmerk zu nehmen sein will, als bedenklich die Irrungen in dem fränkischen Kreis, dessen Directorium ein jeweiliger Fürst und Bischof von Bamberg führet, von Tag zu Tag mehr und mehr Anscheinen. Überhaupt — so heißt es ferner — gehet bei dieser wie bei all- anderen Wahlen Unsere aufrichtige Meinung und alleiniges Verlangen dahin, daß die kanonische Wahlfreiheit beibehalten und ein solcher Fürst erwählet werde, so teutsch patriotische Principia heget. Er Graf hat solches aller Orten gelten zu machen; wie Wir dann in der Tat niemalen verlangen, diesem oder jenem Can- ditato solchen Vorschub zu geben, daß man denen Erwählenden insbesondere einen aufzudringen scheine, als wordurch die ihme etwan entgegen stehende Partei veranlasset werden dörfte, auf ein ohnanständiges Subjectum zu verfallen. . . .“ Als Kandidaten, die Aussicht hatten, bezeichnete man den Domdechant Franz Konrad Grafen Stadion, die Kapitulares Lothar Franz Philipp Wilhelm Horneck von Weinheim, Johann Philipp Christoph Franz Ignaz Kajetan von Mauchenheim gen. von Bechtoldsheim, Adam Friedrich Josef Maria Grafen von Seinsheim, Otto Philipp Erhard Ernst Gros von Trockau. Colloredo durfte jedoch weder für den einen noch den anderen einen Schritt tun, „sondern er hatte zu seiner Grundregul jederzeit zu nehmen und sich solchergestalten zu betragen, daß jener, so erwählet wird, Uns danksagen zu 379 müssen sich überzeuget befinde, dergestalten daß, wann Graf Stadion auslangte, Uns wie gemeldet worden, den Dank abstatte, Seinsheim aber andurch keine Gelegenheit überkomme, auf den Argwohn zu verfallen, als wäre von Uns ihme etwas im Weg geleget worden, welches er auch reciproce, wann Seinsheim auslangete, sorgfältigst zu beobachten hat. — — — — —- — — “ (Instruktion — aus der Reichskanzlei — für den Grafen Karl Colloredo, 3. Juli 1753. Staatsarchiv.) 155 (126). Ein Protokoll darüber ist zwar nicht vorhanden; doch linden sich die Beratungen in einem Referate erwähnt, das Bartenstein am 13. Juli 1753 dem Kaiser unterbreitete. (Staatsarchiv.) 156 (128). „E. E. mir letztlich zu Favor meines H. Brudern, des kaiserl. geheimden Rats und bambergisch-würtzburgischen Domcapitularis so gnädig aberlassene Eußerungen — so hatte Graf Seinsheim noch d. d. München 24. Juli 1753 an den Reichsvizekanzler geschrieben — verbinden mich vor allen, hiervor meine gehorsamste Danksagung zu erstatten, machen mich aber auch die Freiheit nehmen, E. E. angelegentlichst zu belangen, Dero H. Brudern, bei schon wirklich anfangender Bischofswahl zu Bamberg anwesenden hohen kaiserl. Com- missario Excell., die weitere a. g. Instruction zukommen zu lassen, daß diejenige Partei der andern weichen möge, wodurch sowol dem Hochstift und dem ohne- das in sehr verwirrten Umständen befindlich fränkischen Craiß, als auch dem gesammten Reich am nützlichsten und besten gedienet sein würde. Ohnstreitig ist, daß das Bambergische Hochstift in gegenwärtigen critiquen und beträchtlichen Zeiten einen solchen Vorsteher, Bischöfen und Fürsten haben sollen, welcher auch in Kräften sub auspiciis Caesaris und mit guten Vernehmen seiner hohen Nachbahren reichsconstitutionsmäßige Resolutiones fassen und selbe auch, jedoch mit Beibehaltung der benötigten Moderation in die behörige Execution zu bringen imstand sei, mithin der Ai'beit gewachsen und selbe mit Liebe angreifen und ausführen könne. Ob nun ein 74jähriger Herr wie Graf von Stadion dieses dermalen und wie lang auch dieses zu praestiren vermöge, lasse E. E. hocherleuchteter Einsicht über, daß im Gegenstand obgemelter mein Herr Bruder die gnugsame Capacite, Moderation, Experienz und dergleichen Eigenschaften all dieses weit leichter mit 45 Jahren bewirken zu können, in voller Maaß besitze, werden E. E. um so mehr zu erkennen belieben, daß er von Ihnen von Jugend auf und biß anhero immerfort gründlich gekannt zu sein die Ehre hat. Sollte sich jedoch gegen alles Vermuten und bedauerliches Verhoffen ergeben, daß die Stadionische Partei ihre bezeigende Hartnäckigkeit so weit poussiren und das Wahlgeschäft gar ad jus devolutum ad Summum Pontificem gelangen lassen sollte, so ersuche E. E. hiermit noch gantz gehorsamlich, dieses praejudi- cirliche Extremum nicht nur nach aller Möglichkeit zu verhindern, sondern auch, wann es ja dahin kommen sollte, bei dem päpstlichen Hof die Sache unter der Hand dahin zu dirigiren, daß auf keine Weise weder ein dritter, noch wenigerem fremder, sondern mein Bruder zur vacirenden bischöflichen Würde mildest benennet werde. — — — — — — — — — — — — — — —“ (Staatsarchiv.) Die Parteimänner Stadions hatten dem kaiserlichen Kommissär mitgeteilt, „daß mit Voraussetzung der Eingebung des Heiligen Geistes und nach Überlegung ihres Gewissens sie keinen würdigeren als Gr. von Stadion ausersehen könnten, u. z. aus folgenden Ursachen: 1. daß das Hochstift Bamberg mit so 380 vielen Schulden überladen wäre, daß — wann nicht ein Bischof käme, der sich mit Abbruch seines großen Staats auf die Abtuung deren Schulden gedächte — ohn- fehlbar in derlei Umständen würde gesetzet werden, daß es sowol zu seiner selbst eigenen Erhaltung ohnmächtig, dem fränkischen Kreis zu keiner Hülf und E. k. M. vor die künftigen Zeiten undienlich wäre, folglich kein anderes Kettungsmittel vor das kaiserl. Hochstift vorhanden sei, als einen solchen Bischof zu wählen, der — wann möglich ist — selbst eigene Mittel besitzet und hierdurch destoweriiger dem Hochstift zur Last fallen würde und endlich von dem Geschmack des äußerlichen Prachts gänzlich entfernet ist. Alles dieses täte sich bei dem Domdechant Gr. von Stadion hervor. 2. Die Irrungen des fränkischen Kreises mit den brandenburgischen Häusern erforderten einen Mann, der die Standhaftigkeit mit einer reifen Überlegung zu vereinigen weiß und also nicht von einer allzu starken Lebhaftigkeit wäre. 3. Es wäre zwar wahr, daß das große Altertum des Grafen von Stadion, von 74 Jahren, einer Aufmerksamkeit würdig sei, weilen in kurzem ein neues Interregnum, welches nicht anders als zum größten Schaden des kaiserlichen Hochstifts gedeihen könnte, zu befürchten stehe; allein es wäre genug, wann Stadion nur noch etliche Jahre lebete, so würde fürgewiß das Hochstift Bamberg ein anderes Ansehen bekommen; es zeigete sich auch durch die Erfahrung, daß die von Stadion ein langes und bei allen Sinnen vermögendes Leben zu führen pflegeten. — — — — — — “ (Graf Karl Colloredo an den Kaiser, Bamberg, 16. Juli 1753. Staatsarchiv.) 157 (130). Man beriet unter anderem „sur les moyens de trouver aux Pays-Bas une augmentation annuelle de revenus de 1,400.000 fl. argent courant, faisant un million de florins d’Allemagne, dans la vue de mettre S. M. en etat de remplir les engagements qu’il pourrait ötre question de prendre de sa part avec les Puissances-Maritimes, lorsque l’on parviendrait k terminer avec ces Puis- sances les differends de la Barriere et autres y relatifs“, (Resultat de la Conference tenue le 27 de juillet 1753. Staatsarchiv.) 158 (131). S. Faber, Europäische Staats-Canzley CVI, 243 ff. 159 (134). Cobenzls umfangreiche Instruktion ist vom 6. August 1753 datiert. (Original. Staatsarchiv.) . . Die bisherige Erfahrung — so heißt es darin — hat seithero zur Genüge bestätiget, daß denen öfters allzulebhaften englischen und holländischen Betreibungen nicht besser begegnet werden könne, als wann sich Unsererseits an die offenbare Verordnung derer Traktaten und an die im Jahr 1750 von Uns in Vorschlag gebrachte, auch von denen Seemächten begnehmte Principia fest gehalten und von solchen in keinem Stuck abgewichen wird, da sodann die gewöhnliche Vorwürfe und Beschwerden von selbsten hinweg und auf den klagenden Teil zurückfallen. So bald aber ein anderer Weeg eingeschlagen werden will, so giebet solches denen Seemächten die erwünschte Gelegenheit an die Hand, ihre unstatthafte Beschwerden zu erneueren, auf Nebendinge zu verfallen und die gütliche Handlung von dem rechten Ziel abzuführen, aus welcher Betrachtung dann auch unsere letztere, denen englischen Ministris Williams und Keith erteilte Antwort und Erklärung dahin ausgefallen ist, daß der Conventionsvorschlag hauptsächlich in der Absicht Unsererseits geschehen seie, um ein Mittel zu erfinden, wie mit Zahlung des jährlichen Subside von 500.000 Patacons ohne Verletzung der Grund- Regul, daß die Erfüllung derer Traktaten zu gleichen Schritten erfolgen müsse, der Anfang gemacht und an die Wieder-Erbauung deren niederländischen Festun- < 381 gen bald möglichst Hand angeleget, mithin dasjenige, was der gemeinsamen Wolfahrt und Sicherheit ersprießlich ist, beobachtet werden könne.*) Sollte aber dem ohngeachtet dieser Conventionsvorschlag keinen Beifall bei denen Seemächten finden und lieber gleich an Errichtung eines Commercien- Traktats gearbeitet werden wollen, so seien Wir auch hierzu allerdings bereit, und zu dessen Bekräftigung wurde von Uns in Vorschlag gebracht, daß die Projekten des neuen Commerzien-Traktats von Uns, Engelland und Holland einander zu gleicher Zeit mitzuteilen und solchergestalt dem leicht vorzusehenden Anstand, welcher Teil am ersten mit seinen Verlangen zum Vorschein kommen müßte, am leichtesten zu begegnen seie. Jedoch ist diesem Vorschlag die ausdrückliche Erlauter- und Versicherung beigetüget worden, daß Wir in keinem Fall von denen erwähnten Principes und der Freiheit des Tariffs abweichen, noch uns von dem würklich erfolgten Schluß des Commercien-Traktats, wann nemlichen keine Convention vorhergehe, zu Zahlung des Subside einverstehen würden. So viel nun überhaupt sein künftiger Betrag gegen auswärtige Mächten anbetrifft, so hat Er bei allen schicklichen Gelegenheiten zu erkennen zu geben, daß Unser vorzügliches und sorgfältiges Augenmerk dahin gerichtet seie, den allgemeinen Ruhestand immer mehrers zu befestigen und mit allen Höfen, besonders aber mit Unseren Nachbahren ein gutes Vernehmen zu unterhalten, zu dessen werktätigen Bekräftigung Er Graf beflissen sein wird, sich bei etwa vorfallenden nachbahrlichen oder anderen Irrungen billig erfinden zu lassen, tunlichen und ohnschädlichen Ausweegen stattzugeben und so viel ohne Unseren und Unserer Untertanen Nachteil geschehen kann, allem Impegno auszuweichen und in Zeiten vorzubiegen. Gleichwie sich aber solches nicht bis zu einem weichen und verächtlichen Nachgeben zu erstrecken hat und alle Extremitäten zu vermeiden seind, als tragen Wir auch zu sein Grafens klugen Einsicht das gnädigste Vertrauen, daß Er hierinnen das rechte Maaß und Ziel zu treffen wissen und seine Ratschläge und Unternehmen nach keinen Gemüts-Regungen, sondern nach denen Regeln einer vernünftigen Vorsicht und Mäßigung einrichten werde. Insbesondere aber wird Er darauf bedacht sein, eine gute und vertraute Correspondenz aus Frankreich zu unterhalten und von des dortigen Hofs Gesinnung wie auch von allen anderen Vorfallenheiten, so in Unseren Dienst ein- schlagen können, zeitige Nachricht zu überkommen, aus deren vereinbarten Er- wegung um so leichter zu beurteilen stehen wird, in wie weit auf dieses Hofs friedfertige Gesinnung fernerhin Staat zu machen seie. In Ansehung derer Seemächten hat zwar der generale Grundsatz seine vollständige Richtigkeit, daß dieselbe als Unsere natürliche Alliirte zu betrachten und dahero Unser und ihr Staatsinteresse, Erhaltung und Aufnahme auf das engeste mit einander verknüpfet seien, welches dann auch bei denen Niederlanden um so mehrers einschlaget, da dieselbe eine wahre Vormauer gegen einen so mächtigen als eifersüchtigen Nachbahrn abgeben, und deren Verlust in gewisser Maaß denen Seemächten zu größerem Nachteil als Uns gereichen würde. Allein sobald etwas in Geld-, Commercial- oder Barriere-Angelegenheiten einschlaget, so wird die vorberührte Wahrheit von denen Seemächten völlig außer *) Vgl. Gacliard, Histoire de la Belgique, 539 ff. 382 Augen gesetzet und sich nicht anderst benohmen, als wann die Niederlande in die Wolfahrt und Sicherheit der gemeinsamen Sache keinen Einfluß hätten und sich allem deme fügen müssten, was bloß mit derer Seemächten Privatabsichten und Vorteil übereinkommet. Wollte man sich nun hierinnen allzuweich und willfährig erfinden lassen, so würden Wir selbsten die wesentliche Verteidig- und Erhaltungsmittel schwächen und andurch der gemeinsamen Sicherheit den größten Schaden zufügen; dahero auch schon zu mehrermalen denen englischen und holländischen Ministren freimütig zu Gemüt gefiihret worden, daß von Alliirten, die einen gemeinsahmen Endzweck vor Augen hätten, mit gleichem Eifer und Billigkeit zu Werk zu gehen seie und Wir oder Unsere getreue Lande nicht das Sacrifice abgeben könnten. Nachdem nun die Epoque heran zu nahen scheinet, daß in Ansehung derer Niederlanden und Barriere-Strittigkeiten ein festes Systema vor das künftige zu legen ist, so will es um so nötiger sein, sich von denen bemerkten Grundsätzen nicht abführen zu lassen, sondern die Seemächten durch eine gelassene Standhaftigkeit endlich zu überzeugen, daß Wir zwar alle tunliche Achtung vor sie tragen und nichts mehrers wünschen als allen bißherigen Irrungen ein baldiges Ende zu machen, daß Wir aber auf keine Weiß zu vermögen sein würden, von denen klaren Verordnungen derer Traktaten und festgestellten Principes abzu- weiclien und in etwas einzuwilligen, so gegen die Gereclitsahme Unserer getreuen Untertanen laufe und Uns zum ewigen Vorwurf gereichen würde. Nachdem nun die Obliegenheit Unseres Gouvernements ohnedem erforderet, vor das Beste Unserer Niederlanden ein wachtsames Auge zu tragen, deren Rechtbefugnissen zu verteidigen und hierauf vorzüglich zurück zu sehen, so kann auch solches ohne Scheu zu erkennen gegeben und gegen die Ministres derer Seemächten eine anständige Sprache geführet werden, wobei aber mit gleicher Aufmerksamkeit alles dasjenige sorgfältig zu vermeiden ist, welches als eine diesseitige Abneig- oder Verachtung ausgedeutet werden und den Unwillen ohne allen Nutzen vermehren könnte. Vielmehr ist sich aller schicklichen Gelegenheiten zu bedienen, daß dem englischen Ministerio die Überzeugung beigebracht werde, wie nicht nur die ge- meinsahme Wolfahrt, sondern auch das eigene Interesse der Nation erfordere denen bißherigen Barriere-Irrungen, so nur das gute Vernehmen und die gemein- nützliche Maaßnehmungen unterbrechen, ein baldiges Ende zu machen und in denen Commercial-Anliegenheiten die Billigkeits-Regul vivre et laisser vivre nicht außer Augen zu setzen, mithin denen Niederlanden wenigstens diejenige Vorteile nicht zu mißgönnen, welche nicht der englischen Nation, sondern anderen seithero zu gutem gekommen und künftighin zufallen würden. In Ansehung derer englischen und holländischen zu denen Brüsseler Con- ferenzien abgeschickten Commissarien wird ihme Grafen nur so vieles erinneret, daß Ayroles eine allzu lebhafte Neigung und Parteilichkeit vor der Röpublique unstatthafte Verlangen zu erkennen gegeben habe; wie er dann überhaupt als ein Mann, so wenig Kanntnuß besitzet und gleichwolen von vieler Einbildung eingenohmen ist, beschrieben wird. Hingegen hat man Uns den zweiten englischen Commissarium Michild als einen bescheidenen, vernünftigen, woldenkenden und einsichtigen Mann ange- rülimet, welchem also auch ein vorzügliches Vertrauen zu bezeugen wäre. 383 Der erste holländische Commissarius van Haren hat bereits so viele Proben von seiner wiedrigen Gesinnung gegeben, daß von ihm nicht wol eine Abänderung anzuhoffen stehet; wie er dann seinen Verstand seithero dahin angewendet hat, alles in einer schwarzen Gestalt abzumahlen und die bereits aufgebrachte Gemüter ehender noch mehr zu erbitteren, als sie zu besänftigen. Zumalen die bißherige Handlungen nicht durch seine, sondern des Grafen Bentinck Hände geloffen und andurch sein aufgeblasener Geist nicht wenig gerühret worden. Wann also jemahlen eine gütliche Einverständnuß zu Stand kommen soll, so muß dieser übel denkende Mann nicht in das Geheimnuß gezogen werden. Und so viel die übrige holländische Commissarios anbetrifft, so sind sie noch so neu in Geschäften, daß man sich keine sonderliche Mitwürkung von ihnen versprechen kann. Kaunitz hatte zuvor den Grafen Cobenzl auch mündlich instruiert, worüber er Maria Theresia folgendes referierte: „. . . Bin ich in die Demonstration eingegangen, daß kein einziges Moyen zu Vermehrung derer Einkünften recht zustande kommen könne, wann es nicht fördersamst dahin gebracht würde, daß das Gouvernement in die Administration und Rechnungen deren Ständen vollkommen einsehe; es seie also hierauf vor allem fürzudenken und je ehender je besser der Anfang darmit zu machen. Wann auch einmal diese Haupt- Diffi- kultät überwunden ist, so wird es denen Ständen nicht so schwer ankommen, sich denen übrigen Verlangen zu fügen. Müsse man sich zum Voraus darauf gefaßt halten, daß alle noch so gegründete Vorstellungen allein nicht vermögend sein werden, die Stände dahin zu bringen, daß sie ihre bisherige so große Vorteile mit guter Art aus Händen lassen; es seie sich also zum Voraus auf standhafte Maßnehmungen gefaßt zu halten. Zuvorderist aber seie darvor zu sorgen, daß der Hof, das Gouvernement und die Ministri nach einerlei Maßnehmungen zu Werke gehen; sonsten dürfte durch die eigene Schuld das Gute auf die nembliche Art verdorben werden wie zu Zeiten des Marquis de Prie aus Eifersucht des Militaris erfolget ist. Müßten die niederländische Stände und die eigene Ministri vor allen Dingen überzeuget werden, daß die Übelgesinnte über kurz oder lang die allerhöchste Ahndung zu gewarten haben und daß alle künftige Gnaden nach dem Diensteifer und nicht nach Faveur ausgemessen werden sollten. Da nun der Conseiller de finances baron Cazier ein taugliches Subjectum und in seinen so mündlich- als schriftlichen Vorschlägen am cordatesten und eifrigsten zu Werk gegangen ist, so habe zu Bewerkstelligung der oberwähnten Grundregul und unter anhoffender a. m. Begnehmung dem Grafen Cobenzl in E. M. a. h. Namen aufgegeben, gleich den anderen Tag seiner Ankunft in Brüssel den ernannten Cazier zu sich rufen zu lassen und ihme in Gegenwart anderer zu bedeuten, E. M. hätten seine Mßmoires selbsten eingesehen und sowol an seiner Arbeit als Diensteifer ein a. g. Wolgefallen zu erkennen gegeben, nebst der beigefügten huld- reichesten Versicherung, daß a. h. dieselbe bei künftig vorfallenden Gelegenheiten auf ihn Cazier vorzüglich bedacht sein würden. Seie denen Frembden und u. a. dem Du Puy, so ein Franzose und in Rechnungssachen sehr wol zu gebrauchen ist, gegen die Verfolgungen derer Inländischen der behörige Schutz angedeihen zu lassen, da dergleichen Leute wenigstens darzu dienen, den Fleiß und Diensteifer derer inländischen Ministren und Bedienten 384 anzufrischen und diesen zu zeigen, daß sie nicht allein necessaires seien, wobei ich in ein Detail eingegangen bin, wie sich gegen ein so anderen am besten zu benehmen seie. Sodann habe dem Grafen Cobenzl an Hand gegeben, nicht nur in Geld" Negotiis, sondern auch in anderen Landes-Vorfallenheiten der Wittib Nettine Gedanken und Eat nach dem Vorgang des Marquis de Botta anzuhören und nicht zu verachten-, massen diese Frau eine gute Einsicht und Erfahrenheit besitzet und zugleich vor den Dienst E. M. sehr wol denket, wie sie darvon seit meinem Aufenthalt in denen Niederlanden verschiedene werktätige Proben gegeben hat-, dahero es auch nicht schaden, sondern ersprießlich sein dörfte, die Nettine von E. M. a. h. Gnaden zu versicheren.*) Damit alle Eifersucht zwischen I. kö. H. des Prinzen Carls Cabinetssecre- tario von Weiß und dem Secretario des Ministri hinwegfalle, habe ich dem Grafen Cobenzl in Vorstellung gebracht, daß sich des ersteren bei Entwertung derer Aufsätzen in Staatssachen zu bedienen, auch sein Vertrauen zu gewinnen seie, weilen ihn vor einen ehrlichen, vernünftig und bescheidenen Mann halte, der durch seine Vorstellungen bei I. kö. H. viel gutes stiften kann. Sollten aber E. M. selbsten dem ernannten Weiß deßfalls einen a. g. Fingerzeig zu geben geruhen, so würde solches am ergiebigsten sein. Habe dem Grafen Cobenzl versprochen, E. M. a. u. anzuraten, daß ihme ein a. h. Kabinetschreiben an Marquis Botta mitgegeben und diesem nebst Versicherung derer fortwährenden Hulden und Gnaden bedeutet werde, wie E. M. zu sein des Marquis rühmlichsten Diensteifer das volle Vertrauen setzeten, er würde dem neuen Ministro mit aller diensamen Belehrung an Hand gehen.**) _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ ___ _ _ _ _ _ _ (6 Eigenhändige Resolution Maria Theresias: „alles dis ist recht vollkomen wohl verfast und solte ich verhoffen einen gutten effeet. weis werde ich selbsten reden ^approbire dem Vorschlag.“ (Vortrag vom 6. August 1753. Staatsarchiv.) 160 (134). „. . . Es zeige zwar — referierte Kaunitz über diese Konferenz dem Kaiser — der russische Hof vor dermalen einen lobwürdigen Eifer, seinen Alliirten hülfliche Hand zu bieten . . •; nachdem aber dieses Reich öfteren Revolutionen unterworfen wäre, so seie auch diesseits die Vorsicht zu gebrauchen, daß sich mit demselben nicht allzutief eingelassen, noch der Gefahr ausgesetzet würde, allein sitzen zu bleiben. Gleichwolen müßte man vor dermalen die vorteilhafte Gelegenheit nicht aus Händen lassen, den russischen Eifer und seine Animosität gegen Preußen mehrers apzufrischen und zu unterhalten. Hiebei würde es nun hauptsächlich auf die drei Fragen ankommen: was nehmlichen l mo in das Interesse des durchl. Erzhaus einschlage und desfalls zu beobachten-, 2 d0 was in Engelland vorstellig zu machen-, und wie sich 3 ti0 in Ansehung der Convention selbsten zu benehmen seie. So viel nun die erste Frage anbetrifft, so würde angemerket, daß zwar der russische Hof wegen der zu leistenden Hülfe überhaupt von seinen Alliirten, worunter also auch der Kaiserin Königin M. begriffen seien, insbesondere aber von Chursachsen und Hannover Erwehnung tue und der Kaiserin Königin M. nicht zugleich benenne. *) Randbemerkung von Maria Theresias Hand: „wegen cazier und der nettines aprobire es auch.“ **) Eine ausführliche und zugleich ausgezeichnete Darstellung der Ministertätigkeit Botta d’Adornos hat Abbe Joseph Laenen geliefert: „Le Ministere de Botta-Adorno dans les Pays-Bas Autrichiens pendant le regne de Marie Therese (1749—1753). [Anvers, Librairie Neerlandaise 1901.] 385 Sodann seie dem Freiherrn von Pretlack all schon durch ein erlassenes a. g. Rescript aufgegeben worden, sich mit Vorsicht dahin zu verwenden, daß durch die neue Convention der diesseitige im Jahr 1746 geschlossene Traktat nicht geschwächet, noch jene allein auf Hannover erstrecket werde. Man müsse sich also fernerhin bearbeiten, den erwehnten Endzweck zu erreichen und es allenfalls per indirectum in die Wege einzuleiten, daß der besagte Traktat ehender verbesseret als geschwächet werde. In Ansehung der zweiten Frage seie annoch erinnerlich, wie übel des Kanzlers Bestuchef schon vor etlicher Jahren übergebenes Memoire raisonne, so in dem wesentlichen mit dem dermaligen Conventions-Project übereinkomme, in Engelland aufgenommen worden-, damit man sich aber nicht einem gleichen Erfolg aussetze und dannoch das diensame beobachte, so seie der nach Engelland abgeschickte k. k. Minister anzuweisen, daß er in mündliche Vorstellung bringe, der hiesige Hof hätte sich bishero dahin verwendet und wollte fernerhin alles mögliche beitragen, damit Rußland die anverlangte Bedingnüsse mäßigte. Man gebe aber zugleich dem englischen Hof zu bedenken, daß ohne Geldverwendung von Rußland nichts wesentliches anzuhoffen und daß die dermalige gute Gelegenheit um so weniger aus Händen zu lassen seie, da wiedrigen Falls zu besorgen stünde, daß im Fall auch der dritte Conventions-Anwurf fruchtlos ablaufe, alsdann die russische Kaiserin und ihr Ministerium mißmutig werden und zu einer Zeit, wann diese Hülfe nötig wäre, entstehen dürfte. Sollte nun gleich bedenklich fallen, sich dem ganzen Conventions-Project zu fügen, so wäre doch sehr zu wünschen, daß Engelland sich wenigstens zu etwas einverstehen, den russischen Antrag nicht gar unbeantwortet lassen und die Handlung offen erhalten mögte. Bei welcher Gelegenheit des Williams Äußerung angemerket wurde, daß nach seiner Meinung besser gewesen wäre, wann sein Hof die in Rußland gemachte Propositionen umgekehret und sich vorzüglich wegen derer Subsidien oder dem Wartgeld willfährig erkläret hätte. Soviel auch die dritte Frage betreffe, so seie sich hauptsächlich zu verwahren, daß der Convention zwischen Engelland und Rußland nichts einfließe, was dem vorerwähnten Traktat von 1746 und der denen Erblanden zu leistenden russischen Hilfe abbrüchig sein könne. Zumalen bei entstehendem Krieg der König in Preußen allem Vermuten nach seine preußische Lande sacrificiren und seine große Macht gegen der Kaiserin Königin M. wenden würde. Wobei zu bedauren wäre, daß Rußland mit keinem erfahrenen Generalen, noch mit guter Cavallerie versehen seie. Diesem nächst wurde in umständliche Vorstellung gebracht: nunmehr seie der Zweifel aufgekläret, was eigentlich den geschwinden Marche derer 60.000 Russen veranlasset habe; dann der Kanzler Bestuchef habe es sehr fein in die Wege eingeleitet, daß die in dem großen Rat gefaßte werktätige Entschließungen allein auf solche Betrachtungen, so in das eigene russische Interesse einschlagen, begründet und bei dieser Gelegenheit der englische Conventions- Antrag nicht mit in Beratschlagung gezogen worden. Sollte nun dieser zum Schluß gelangen und Rußland englische Subsidien erhalten, so wäre solches gleichsam ein Opus supererogatorium des ernannten Kanzlers, wordurch er seinen Kredit und Ansehen nicht wenig vermehrete, wobei er zugleich in Absicht ge- fiihret, den geschwinden Marsch der 60.000 Russen als eine werktätige Probe der russischen Bereitfertig- und Aufmerksamkeit bei Engelland verdienter Maßen gelten zu machen. Khevenliüller-Schlitter. 1752—1755. 386 Nebst deme falle von selbsten in die Angen, wie ungemein ersprießlich es seie, daß Rußland nunmehro in einem großen Rat das Generale-Systema fest- gestellet habe, sich nicht nur des Königs in Preussen künftigen Vergrößerung mit aller Macht zu wiedersetzen, sondern auch sich dahin zu bearbeiten, daß dieser König wieder in seine vorhinige Grenzen eingeschränket werde. Ob nun zwar der russischen Kaiserin Vortrag und die standhafte Entschließungen des großen Rats einen Lüsten zum Zuschlägen zu erkennen gebeten, so fiele doch nunmehro die Beisorge einer Übereilung hinweg, da der 15. Articul des Resultats zu gleicher Zeit die beruhigende Probe enthielte, daß Rußland ohne Einstimm- und Mitwirkung seiner Alliirten zu keinen Tätlichkeiten zu schreiten gedenke. Auch seie allem Vermuten nach, aus keiner bösen Absicht erfolget, daß in dem Resultat des großen Rats (welches ohnedem nur eine, in engestem Vertrauen mitgeteilte Nachricht ist, und worauf sich nicht bezogen werden kann) blosserdings Sachsen und Hannover und nicht zugleich der Kaiserin Königin M. genennet worden. Da man ebenfalls die Krön Engelland mit Stillschweigen übergangen und vor dermalen die größte Gefahr Hannover und Sachsen obzuschweben, mithin die russische Absicht gewesen zu sein scheinet, diesen Höfen durch die versicherte Hülfe mehreren Mut und Vertrauen beizubringen. So viel nun die russische Geld-Anforderungen betreffe, so seien zwar solche auf den Fuß der Convention von 1747 eingerichtet- es bestünde aber der hauptsächlichste Unterschied in der damals gestellten und anjetzo zu stipuliren- den Truppen-Anzahl; da diese, folglich auch das Subsidien-Quantum sich um ein namhaftes höher belaufet und nachdem Engelland noch darzu die Truppenverpflegung in Kriegszeiten übernehmen und bestreiten sollte, so würde solches auf mehrere Millionen Gulden und, wie Keith beilauffig rechnet, auf zwei Millionen <$> Sterlings, mithin auf eine unerschwingliche Summ hinauslaufen, worzu sich also Engelland um so schwerer einverstehen dörfte, da Russland ohnedem verrnög Traktaten verbunden ist, der Krön Engelland, wann sie feindlich angegriffen würde, mit 12.000 Mann beizuspringen. Wohingegen Rußland das Systema, daß sich des Königs in Preußen Vergrößerung mit aller Macht zu wiedersetzen seie, nach seinem eigenen Staatsinteresse bereits ausgemessen hat und dannocli nebst denen englischen Subsidien und Truppenverpflegung alle aus denen feindlichen Landen anhoffende Contributionen und Exactionen allein vor sich behalten will. So übermäßig nun das dermalige russische Begehren anzusehen seie, so wenig könne Engelland mit Billigkeit anverlangen, daß Rußland eine so namhafte Truppen-Anzahl mit großen Kosten an denen kurländischen Grenzen ohn- entgeltlich unterhalten und in Kriegszeiten zu einer wirklichen Diversion und feindlichen Einfall in die preußische Lande gebrauchen lassen sollte. Es seie also von der vorseienden Handlung kein vergnüglicher Ausschlag anzuhoffen, wann sich nicht beide Teile billig erfinden ließen und näher zum Ziel legeten-, zumalen aber würde es darauf ankommen, ob Engelland sich zu denen 150.000 U Wartgeld einverstehen und hierinnen die Geldbegierde des russischen Hofs vergnügen werde? Massen sodann bei dem größeren Object, nemlich bei der Verpflegung derer russischen Truppen, wann sie zu würklichen Diversionen gebrauchet würden, desto vorteilhaftere und gelindere Conditionen ausgewirket werden könnten. 387 Nachdem mm der a. h. Dienst bei der Zustandbringung der Convention un- gemein große Vorteile finde, so seien auch in Engelland und Rußland alle dien- same Vorstellungen einzulegen, und müsse der hiesige Hof auf eine solche Art den Mittelsmann abzugeben beflissen sein, daß er bei keinem Teil Undank verdiene, noch für parteiisch angesehen werde. Dahero wäre dem englischen Hof u. a. auf das freundschaftlichste zu Gemüt zu führen, daß man sich zu Erleichterung derer russischen Conditionen bishero mit allem Eifer verwendet habe und auch künftighin mit Freuden zu verwenden erbötig seie; es würde aber der König in Engelland nach seiner erleuchten Einsicht von selbsten die aus der Convention entspringende Vorteile und den großen Schaden, wann sich solche zerschlagen sollte, gegen die Geldausgabe abwägen und hiebei in Erwegung ziehen, daß der erste und größte Vorteil in der eigenen und derer Alliirten Sicherheit bestünde. Dann mit 150.000 M hätte Engelland nicht nur 60.000, sondern 150.000 Mann guter und leicht zu rekrutierender Truppen zu seiner Disposition; es dirigiere hiemit nicht nur die Balance in Norden, sondern in ganz Europa und die Russen selbsten, als welche sich nach Engellands Wink richten müssen. Dieses seie das einzige und ergiebigste Mittel, den Krieg zu verhinderen, den Ruhestand zu befestigen und viele Millionen zu ersparen, da eine jede geringe Kriegsveranstaltung zu Wasser oder zu Lande der Nation weit ein mehreres kosten würde. Die Ehre der Nation erfordere, den Streit mit Preußen auf eine anständige Art auszumachen; dieses werde durch den Schluß der Convention sonder Zweifel erreichet. Der König befestige andurch seine Krone, sein Haus und seinen Nachruhm, da er noch ein solches Werk zustand brächte, welches alle seine bisherige glorreiche Maßnehmungen bekröne. Es seie anbei ohnschwer vorzusehen, daß der Schluß der Convention das Ansehen der englischen Nation in denen Augen von ganz Europa ungemein vermehren, die Freunde und treue Bundsgenossen in Mut und Vertrauen sehr stärken, hingegen die übermütige Zudringungen derer feindlich gesinneten und eifersüchtigen Mächten allerdings mäßigen würde. Wie dann ganz zuverlässige Nachrichten bestätigten, daß der König in Preußen eben deßwegen eine so hohe Sprache geführet habe, weilen die russische Truppen von seinen Grenzen in das innerste des Reichs verleget gewesen, und weilen er die Nachricht vor sicher gehalten, daß die Tartaren mit Rußland angebunden und Feindseligkeiten aus- geiibet hätten. Was die erwähnte Convention in allen Staatsgeschäften, besonders aber in dem englischen Commercio und in denen annoch ohnerörtert obschwebenden Strittigkeiten mit Frankreich für einen erwünschten Einfluß haben werde, könne der tiefen englischen Einsicht nicht entgehen. Wie dann auch die dermalige spanische Gesinnung eine vorzügliche Rücksicht verdiene und dergestalt beschaffen seie, daß bei diesem Hof der Credit und die Achtung für Engelland durch die Einverständnis mit Rußland nicht wenig vermehret werden würde, woraus nichts anders als ersprießliche Folgen für das Commercium der Nation erwachsen könnten. Nebst deme seie zu bedenken, was Frankreich vor Subsidien im Reich verschwende, was dieser und der preußische Hof für eine Macht auf den Beinen halte, und daß zwar der Kaiserin Königin M. die äußerste Kräften anspanneten, um gewaffnet zu sein, daß aber a. h. dieselbe allein so vielen mächtigen Feinden nicht wiederstehen könnten. Engelland habe zwar Geld, aber keine Truppen, 25* und diese wären im Fall der Not entweder gar nicht, oder doch nicht so geschwind zu bekommen, daß die Feinde nicht den ersten Streich beibringen und die größte Vorteile hieraus ziehen könnten. Nachdem nun Engelland ohnedem vor nötig ansehe, ein solides Systema zum Grund zu legen und die Allianz zu verstärken, so bleibe auch zu Erreichung dieses heilsamen Endzwecks kein anderes Mittel übrig als die Convention mit .Rußland zustand zu bringen und solchergestalt denen anderseitigen werktätigen und wesentlichen Maßnehmungen nicht nur blosse Traktaten, sondern solide Veranstaltungen entgegen zu setzen. Wollte man aber auf die Erspahrung der 150.000 $6 verfallen, so wären die schädlichste Folgen vor die gemeinsame Sache überhaupt und vor Engelland insbesondere nicht zu übersehen; dann alle die berührte Vorteile fielen von Selbsten hinweg. Rußland würde und könnte seine Truppen nicht lang an denen Grenzen seines Reichs versammlet halten, noch die Recrutenstellung von 60.000 Mann nebst anderen kostbaren Veranstaltungen bewerkstelligen. Und da Engelland durch seinen Antrag zum Marche der russischen Truppen Gelegenheit gegeben, so setze man sich in die große Gefahr, diesen Hof völlig zu verlieren; und solchen Falls wäre sehr zu bedauren, daß der Marche derer 60.000 Russen wirklich erfolget seie, massen allezeit der Schaden hieraus erwachse, daß Frankreich und Preußen sich zu einer Zeit in Gegenverfaßung setzen, als die diesseitige Maßnehmungen rückgängig werden und zu keiner Vollkommenheit gelangen. Diese und mehrere aus dem eigenen Interesse der Nation und der gemeinsamen Sache hergeholte Betrachtungen könnten nun dem englischen Hof um so ohnbedenklicher schriftlich mitgeteilet werden, da die dermalige Umstände von denen vorhinigen gar sehr unterschieden seind und niemand anderer als Engelland den Marche der Russen veranlasset und auf Errichtung der Convention angetragen habe, folglichen sich des genommenen Impegno allerdings zu bedienen seie, um die schon seiter etlichen Jahren vielfältig, aber vergeblich geschehene Vorstellungen durchzusetzen. Sollte nun gleich auch diese Bemühung vergeblich angewendet sein, so könnten doch vor das durchl. Erzhaus keine nachteilige Folgen hieraus erwachsen und stünde wenigstens der Vorteil anzuhoffen, daß man nichts ohnversucht gelassen und vollständig in das klare gesetzet habe, in wie weit auf die englische Maßnehmungen gesicherter Staat zu machen und nach was für Grundregien der fernere Betrag auszumessen seie. Wobei annoch bemerkt zu werden verdiene, daß Keith in wiederholte Vorstellung gebracht habe, es seie zu Erreichung erwünschlicher Absichten sehr vorträglich, das englische Ministerium in den Stand zu setzen, daß selbiges dem Parlament nicht seine eigene, sondern seiner Alliirten Betrachtungen und Verlangen vorlegen könne, welches also durch Mitteilung derer berührten Reflexionen in voller Maaß bewerkstelliget würde, wobei ganz unbedenklich zu sein scheine und dem Keith nicht anders als angenehm sein könne, wann er fordersamst zu Rat gezogen würde, welcher Reflexionen sich vorzüglich zu bedienen und auf was Art solche an das englische Ministerium zu bringen seien, damit sie am ersten Eingang fänden. — — — — — — — — — — — — —“ (Vortrag vom 14. August 1753. Staatsarchiv.) Bereits am Tage vorher hatte Kaunitz der Kaiserin ein Schriftstück unterbreitet, betitelt „Reflexions“, „welche dem englischen Hof zu Beförderung der Convention mit Rußland mitzuteilen wären“. (Vortrag vom 13. August 1753 i 389 Staatsarchiv.) Sie wurden am 18. desselben Monats an Colloredo geschickt, mit der Weisung, sie dem Herzog von Newcastel zu überreichen. Dem Wiener Hof war es nicht unbekannt geblieben, „daß bei dem englischen Ministerio der Verdacht obwalte, als ob Wir auf Veranlassung eines Kriegs abzieleten und desfalls unter der Hand in Rußland arbeiteten“. Infolgedessen wurden die „Reflexionen“ derart abgefaßt, „daß hieraus Unsere vorzügliche Absicht auf die Erhaltung des allgemeinen Ruhestandes überzeugend in die Augen killen mögte“. (Reskript an Pretlack, 8. September 1753. Staatsarchiv.) 161 (134). Reichsregistraturbuch Franz’ I., Band IX, 57 ff., 64 ff. (Staatsarchiv.) 162 (135). „Mon eher Comte. Je suis bien mortifiö que votre indisposition m’ait prive du plaisir de vous voir aujourd’hui 4 mon examen; je vous envoi'e les questions sur les- quelles j’ai ete interroge, afin que vo[tre] collection ne reste point imparfaite; je sou[haite] que vous soies bientot en etat de sortir; j’aur[ai] bien du Plaisir de vous revoir, entretems je suis de tout mon coeur Mon eher Comte Votre affectionne Joseph. le 11 Aout 1753.“ (Wolf: Aus dem Hofleben Maria Theresias, 327.) 163 (135). „Si quelque chose pouvoit diminuer le chagrin que j’ai eu de n’avoir point 6te temoin ce matin des progres ulterieurs de V. A., c’etoit la gräce qu’Elle m’a faite de m’ecrire de main propre une lettre remplie de tant de marques de la clemence et bonte pour moi, gräce aussi distinguee et 4 laquelle Elle a bien voulu ajouter par surcroit celle de m’envoyer l’ecrit contenant les articles qui ont fait l’objet de son examen. J’en suis si pönetre que je ne trouve point de termes assez energiques pour exprimer 4 V. A. la reconnaissance qui en est gravee dans le fond de mon coeur. Quelle consolation pour un ancien serviteur de vos Augustes Parents, Monseigneur, d’entrevoir en V. A. dans un äge si tendre cette meme bonte qui les caracterise, et dont ils veulent bien souffrir un eloge qu’ils refusent 4 tant d’autres eminentes qualites qui rendent leur regne si glorieux. Je ne cesse d’adresser mes voeux au Tout-Puissant pour qu’en repandant ses dons les plus precieux, il plaise surtout 4 sa divine bontö de vous inspirer toujours les memes sentiments qui font la base de toutes les autres vertus royales. Je ne puis attendre le moment que ma sante me permette de venir moi-meme porter 4 V. A. mes tres heumbles hommages et remerciments; en attendant j’aurai soin de placer et conserver dans ma bibliotheque comme l’orne- ment et le depöt le plus precieux ce meme papier qu’Elle a daigne me faire remettre, et en la felicitant tres respectueusement sur la gloire que, vü son application, Elle n’a pu manquer de rapporter de l’acte d’aujourd’hui. J’ai l’honneur en meme temps de me recommander avec toute la soumis- sion imaginable 4 la continuation de Sa haute Bienveillance, etant avec le respect le plus profond.“ 164 (135). „vous et Madame son 2 enfan de soupsone seulemen que je soua asse extrordiner de ne pas etre enchante de pouvoyr vous etre bon et que je seret toujour ravi de pouvoyre vous oblige en tout ce que je pouvet et jesper que vous me conesse asse tout deux pour ne pas soupsone que jay put etre seuleman un mornan fache de ce que ces bagatel soua venu a mon adres cela seret trop extror diner et ne me resanbeleret pas jay vouslu badine et voyre si 390 vous pouvie croyre que jettet asse extrordiner met rien otre chos soye don tous tres Tranquil et Mademoysel Goubino osi et randes Moy un otre foua plus de Justis et croye que je sere toujour ravi non seuleman dans des parellien bagatel met en tout ocasion lors que je pouve vous oblige tous et jejpri Madame de Me pardone de lavoyre un Momen getrotz et Monsieur detre Mon garan du plesir que Me fet lorse que je Vous peut oblige meme dans de parellien bagatel Francois.“ (Fürstlich Khevenhüllersches Archiv.) 165 (138). Der zur Eröffnung des neuen Münzhauses in Wien, 4. September 1753, geprägte Jeton ist in der kaiserlichen Münzsammlung in einem goldenen und einem silbernen Exemplar (Nr. 393 und 394) vorhanden. [Freundliche Mitteilung des Herrn Regierungsrates Dr. Domanig.] Das Stück ist auf S. 146 der „Schau- und Denkmünzen der Kaiserin Königin Maria Theresia“ beschrieben und abgebildet. 166 (138). Konnte nicht aufgefunden werden. 167 (139). Maria Aloisia (geb. 4. August 1698, + 13. März 1759). 168 (142). Zahlreiche derartige Billets erliegen im fürstlich Khevenhüller- schen Archiv zu Fronsburg. 169 (144). „Le 4. oct. 1753. Je suis si penötre et attendri du gracieux billet de V. M. que m’a ete rendu ce matin, que j’en ai encore la lärme ä ceil. Je ne fais que me rßpeter ä moi-meme qu’il n’y a pas de maitre au monde comme V. M., et que tout ce qu’on lit des sentiments de Titus, n’est rien en comparaison d’Elle. Je me flatte que le Bon-Dieu qui connoit les miens, ne me mettra pas hors d’etat de marquer par un redoublement de zele pour le Service de V. M. cette reconnaissance gravee dans le fond de mon coeur. La fievre m’a quitte, mais il me reste encore une foiblesse ä la tete et un ressentiment du moindre froid, ce qui a oblige Zwenghoff de me döfendre de sortir de ma chambre, de peur d’une troisieme recidive, et je me vois prive par lä de la consolation dont je me flattois de pouvoir me rendre, ne füt-ce que pour un moment ä Schönbrunn et d’y pouvoir baiser tres humblement les mains ä V. et Leur porter mes respectueux hommages pour la grande föte du jour. J’ai cependant informe Esterhasy de tout le necessaire pour que le Service de V. M. ne souffre en rien par mon absence, et Ses ordres par rapport ä la Toison ont aussi ete executes. J’aurais soin de meme de faire-mettre d’abord au net les points qui concernent le College, n’ayant pu assez admirer la clemence qu’Elle a eu, derechef de revoir tout de Ses yeux, et j’espere bien que je serai assez heureux de pouvoir Lui apporter tout moi-meme. Etant au reste pleinement informe des intentions de V. M. touchant les comtes d’Haugwitz et de Choteck, je ne manquerai pas de faire par venir les memes informations au p. recteur pour sa direction. J’ose seulement La supplier de vouloir bien aussi donner Ses ordres lä-dessus aux susdits deux ministres. V. M. est trop eclairee pour ne pas etre persuadee qu’il serait contraire ä Son Service et au but qu’Elle Se propose, 'si plusieurs y commandoient egalement, d’ailleurs du moment que V. M. a accorde au College la gräce de porter Son glorieux nom et encore plus depuis qu’Elle a daign6 S’en faire la fondatrice, Elle a toujours cru etre de Sa gloire et dignite de ne le pas subordonner aux memes dicasteres et sur le meme pied que d’autres fondations pour faire con- noitre ä tout le monde combien Elle distinguoit, cherissoit cet ouvrage de Sa main, et qu’Elle meme daignoit en ötre la protectrice; aussi n’a ce point ete par 391 ■y quelque merite preferable qu’Elle auroit cru trouver dans ma petite personne qu’Elle a bien voulu faire choix de raoi pour en avoir l’inspection sous Ses hauts auspices, mais parce qne j’avois le bonheur d’etre autour de Sa personne sacree, motif que le public ne pouvoit considerer que comme une ’consequence de la bonte toute particuliere dont Y. M. honoroit le College. J’avoue 4 V. M. avec cette candeur d’un ancien domestique et dont Elle a toujours daigne etre persuadee de ma part (et le Bon-Dieu scait que ce n’est par aucun autre motif) que je crains que ce meine public, voyant frequenter les deux chefs du directoire ou ensemble ou alternativement le College et y donner leurs ordres, n’en juge naturellement qu’il a ete remis et subordonne 4 ce di- castere et e’a ete une des raisons et aucunement par mefiance ou pour faire le moindre tort au comte d’Haugwitz, que j’avois pris la liberte de proposer 4 V. M. de m’adjoindre seulement le comte Choteck. D’ailleurs V. M. sgait que je n’ai d’autre volonte que la Sienne, que toute mon ambition consiste de con- vaincre V. M. en toutes occasions que selon le devoir et l’inclination d’un bon et ancien serviteur; je n’ai jamais de secondes fins dans mes paroles et demarches, et que la gloire, le Service et les intörets de Y. M. me sont plus chers que tous les honneurs et tresors du monde dont on voudroit me combler. Je ne demande du Bon-Dieu que la gräce d’avoir une sante et des forces egales 4 mon empresse- ment de La servir, et qu’en place de me voir eloignö par une triste necessite de Son auguste Personne, je pusse me trouver 4 tous les moments du jour 4 Ses pieds pour renouveller mille fois 4 V. M. les hommages d’une fidelite 4 toute epreuve et d’un attachement le plus tendre et le plus respectueux. Le 5 me En baisant encore un million de fois les mains”4 V. M. de la grande gräce qu’Elle a daigne me faire, gräce que je n’ai pu ni ne pourrai jamais assez meriter, j’ai l’honneur de Lui envoyer ci-jointe la piece dont j’ai fait mention-, il est vrai que l’idee est barocque, mais je crois que l’auteur a plutöt peche par exces de zele que par manque de jugement. V. M. y trouvera surtout vers la fin des reflexions sensees et le style est bon. Quant au College et plus j’y songe et plus me paroit-il que la derniere idee qu’il a plu k Y. M. d’adopter, est assurement la meilleure. Ma sante, comme j’espere, ne m’empechera pas d’y faire meme en hiver les visites les plus necessaires, un cavalier sous moi, pour y aller voir frequente- ment. Doblhoff a la main pour les expeditions et l’economie et des espions que Y. M. fera mettre en Campagne pour s’informer de la conduite des peres aussi bien que des jeunes gens, et puis un recteur plus ferme et moins bon feront l’etfet que Y. M. d6sire ä si juste raison, et il n’y aura aucun eclat. Demain je compte avoir une seconde Conference avec Doblhoff pour presser les Aufsatz et les pouvoir soumettre au plutöt t. h. ä la signature de Y. M. de meme que la note par rapport au professeur; en attendant je l’ai envoye au prince d’Auersperg pour obtenir qu’on vuide les petits bätiments destines pour le traitcur afin qu’on puisse d’abord mettre la main ä l’oeuvre et que le tout soit en etat pour la fin des vacances. Je supplie cependant V. M. de vouloir bien aussi en dire un mot au dit prince pour que nous ne soyons point arretes par des contradictions ou pointilles. J’ai choisi Cristiani pour faire aujourd’hui la harangue de felicitation ä S. A. l’archiduchesse Madame Anne, je me flatte que V. M. voudra bien agreer ce choix, et en Lui renouvellant mille fois mes t. h. remerciments pour tant de gräces et bontes dont Elle ne cesse de combler moi ■ 4 ^ # j 392 et ma famille, et en faisant les vceux les plus ardents pour la Conservation de Son auguste Personne et de Ses precieux jours, j’ai l’honnenr de me remettre reiterement ä Ses pieds avec le respeet le plus profond. J’ai oubliä de demander t. h. ä V. M. ce que Elle ordonne par rapport aux Hongrois qui sont au [logis?]; Kadasdi croit qu’en place de noir, on pourroit les habiller en brun ou autre pareille couleur uniforme.“ 170 (145). S. Anm. 169. 171 (146). Der Text von Metastasio, die Musik von Andreas Adolfati. Das Manuskript befindet sich in der Wiener Hofbibliothek. (Tabulae codicum m. s. Cod. 18251.) 172 (147). Die Familie Aubeterre (Esparbez) zählte zu den ersten des Königreichs. Ihr Stammvater war Armando d’Esparbez, der im 15. Jahrhundert gelebt hatte. 173 (147). Konzepte der Dekrete (aus der Staats- und aus der Reichskanzlei) erliegen im Staatsarchiv. Am 6. Juni 1752 war Durazzo zum Honoraiv, am 12. Juni 1753 zum wirklichen Kämmerer ernannt worden. 174 (148). Ein Abdruck dieser Verordnung konnte nicht eruiert werden. 175 (149). „J’ai l’honneur d’envoyer ci-jointe & V. M. — so hatte Kheven- hüller an Maria Theresia geschrieben*) — la specification des tableaux en question et Elle daignera voir en meine temps combien Rausch les a taxes; je veux croire ä la verite qu’il y a mis ä la facon des artistes un grand prix d’affec- tion, mais quand meine il les auroit estimes le double de leur vraie valeur, la somme comme V. M. aura la bonte d’en juger Elle-möme, ne laisseroit pas cepen- dant d’etre de consideration. J’ai donc, en consequence des derniers ordres de V. M., fait l’arrangement que tous les tableaux ci-specifies et numerotes soient mis ä part et gardes jusqu’ä nouvel ordre, et j’attendrai avec profond respeet ce que V. M. daignera en disposer. II m’est venu l’idee qu’on trouveroit peut- etre occasion ä faire un marche avec la cour de Dresde par la voie meme de Defrance, car j’entends que Bruhl continue toujours ä en acheter pour sa galerie. Cela pourroit faire un petit fond pour le tresor, mais je soumets le tout t. h. au bon plaisir de V. M. Elle permettra que je joigne encore ici mes t. r. baise-mains et remerci- ments et pour moi et pour mon pauvre malade de la gracieuse part que V. M. daigne prendre ä son indisposition; ce qu’Elle a eu la bonte de me marquer ä cette occasion, a fait pleurer d’attendrissement pere et mere, et le pauvre malade en est tout penetre; on l’a encore saigne deux fois hier depuis sa premiere saignee, ä midi et au soir, et actuellement il se sent fort accable, mais sans transport au cerveau und das Fieber ganz leidentlich; le medecin croit toujours que ce sera la petite veröle et que l’eruption se fera vers ce soir ou la nuit, ce qu’on tient pour un bon Symptome. Il s’est confesse hier, mais on n’a pas cru qu’on pouvoit lui donner encore le saint viatique parce que la tete etant libre, le danger n’ätoit pas assez marque et present; les s^parations sont däjä toutes faites et le petit gar§on ne se ressent encore de rien. J’ose prendre la liberte de souhaiter ä V. M. un heureux voyage; gräces ä Dieu que ce temps est si favorable; moi et töute ma famille s’empresseront d’accompagner L. M. de nos vceux aussi respectueux que zeles et tendres.“ „Penetre des bontes et gräces dont V. M. a daigne honorer — so lautete ein zweites Schreiben Khevenhüllers — mon fils l’enseigne, je prends la liberte **c£v *) Am 4. November und nicht, wie A. Wolf meint (327, Nr. 3), am 4. Oktober. mmikj • ^ f • I v V »0 ■ \t i 5 ' V» 4 Tb - ^ «cj »w *r m et ma tamille, et. en faisant les vur la Conservation de Soti auguste Personne et de Scs prfcieux Jour* =• i« nneur de me reinettre reitereuient ä See pieds awc ü-vneet U- nU«»* ..i J’ai oublie de denwndor t. h. ä V. M «•; ■ • ; ■ irdonne par rapport aux »loagrois qui sont au [k'gis'rl: Kadasdi crmt , : ,• u-e de noir, on pourroit les habiller en bnui ou autre pareille couleur na',%»•m» ■ 170 1 :«v 8. Amu. Ui». 171 * i UJ;. Rer Text von Metastase. d:e Mu.dk von Andreas Adolfati. Ibis Mauuak’ipr bc-Sindct sieh in der Wient-t II*fbibli-otdek. (Tabulae codicum m. s. Cod. K'251. 172 : 14 7 . i d«.- Familie Aubeterre(l>p «> h« zählte zu den ersten des Königreichs. 1 iir SUirt>ev 3 ter war Armando d'Eäii-ir 1 •.■ ' b ■ un 15. Jahrhundert gelebt hatte. 173 (117’. Konzepte der Dekret«; di s Staats- und aus der Reichskanzlei) erln-gHB ‘?k Staatsarchiv .Art: *0 i 7'*2 war' Emrazzo zum Honorar-, am 12. Juni i V.Ki zun. wirklichen K'awmer. r ernannt worden. 174 (1481 Kiu Abdruck \ ; tordmmg konnte nicht eruiert werden. 175 (140) „.Kd i’honneur d en'-oyer ci-jointe ä V. ¥ — so hatte Kheven- lnUler an Ak.rE Thu-esia geschrieben* 1 — la sp6cirica?ion des tableaux en question et Eli** *oir en meine teinps eombien Kaiiselt les a tax6s; je veiix croire ä U v* <•*:» q.» ii v a wis i ia faetm des artistes un grand prix d’affec- &jm, mais quautt ii les surret 1 stirues le double de lern* vraie valeur, la soiiiiqc conimr V. .M.;u*r.i ia '.unK d t-n juger ne laisseroit pas cepen- d.*nt d etre de conshhVaUoi.. -Eni duac.. en consequence des derniers ordres de V. M.. fait l’:m; lue naeir .>*r totis les tableaux ci-specifies et nümerotös soient mis ä part tu gs:-d>- je-qu a nouvcl ortire. •! --'uttcudrai avec profond respect ce que A r . Al. d t!., iu ra «n disposer. I! 10 au l'idee qu’on trouveroit peut- etre oceasiou t-j... un marohe avt-e in e- ur de Dresfe par la voie meine de Defrance, ! ■ nds que Brnhi coutivu toi • uirsäen acheter pour sa galerie. k'ela poi.rr iö an petit fond pou: i< n »» niafja. je souinets le tout t. b. au büu plat o;- '? '1. Ed- .:.u.'tfa que je juig:«- •-.•fr; »>•«**•. r. r. baise-raains et remeref- ments ei *• • ,♦.«• et ponv m«. • r f... - et» )j% gracieuse part que V. M. daigue pr o u .. b;dig?»■■ uion; ce -j» Ku* 1 la honte de me marquer ä cette ma iif .. fdenr^r ir.-trieiHlrissemioir nnre td mere, et le pauvre malade en est tim-, i- «<.; i n • nc.ure saigne den\ ti»s hiei depuis sa premiere saignee. a ab.d * 0.1 soir, et actuellement il ae' .in pouvoii ;, ui : ;«-ore de rieu J’ose i'feud!» , ii*». -r»;- ^nhfiiutr ä Y S< an heureux voyage; gräees a Dien que c«* •-:i si lb« wabie; iaoi et ‘bitte ma famiile s’empresseront d’aeeompiignei L. M de not» veeux resputctienx que zeles et tendres.“ n r«n6tre des bonttis et ei • - V U, a daigne honorer —.so lautete «in zweites Schreibet! Kh; .t-idiitlicr^ ■non bis i'enseigne, je prends la liberte -■ Am i. Novomlior und nicht, wie A. Wolf uiemt (337, Nr. 3), am 4. Oktober. /V V '±v»u>nu'f,+e s r *' € /\ f M - '<-^ nCcL ^ re 'r>?*&£i£ * t-W*C? /^irf l-O-M-Z-fr-a. Lyßn (./ it ihf-rt'-r^ fAt^u. -u^u. ntu- -++J** /A+n»**. 'Ttnfc"^-- t/Uf~r* -W*-/tm+Tt-uJL #« e c£ : . 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La premiere chose qu’il a demande au mMecin, etoit de savoir s’il croyoit qu’il en serait attaque pour pouvoir d’abord se confesser, ajoutant qu’il avoit toujours prie Dieu pour l’avoir, et qu’il esperoit que le Bon-Dieu lui envoyeroit une bonne sorte. Nous l’avons dejä fait transporter dans la petite maison et envoye chez Humelauer pour cacheter la seule porte qui y communique. Ma femme est oecupee presentement ä arranger les quartiers pour les autres enfants et surtout pour le petit Mänerl. Wie es ihr und auch mir um das Hertz ist, werden I. M. von selbsten gnädigist erachten; je serois doublement fache de le perdre parce que je me flattois toujours qu’il ne negligeroit rien pour se rendre capable pour le service de V. M., oü Elle daigneroit ensuite l’employer, et j’ose dire que je lui ai toujours vu un empresse- ment vif et zele pour cela, et une inclination naturelle et sans affectation, au point que pour l’animer ä bien faire et ä s’appliquer, je n’avois qu’ä lui rap- peler les grandes bontes de V. M. und alle die unverdiente Gnaden, die er schon empfangen. Je demande mille pardon ä Y. M. que je suis si hardi de L’arreter avec d’aussi petites affaires domestiques qui ne meriteraient jamais l’attention d’une si grande princesse, si la bonte de son coeur n’egaloit Sa grandeur et si je n’etois persuade qu’Elle prefere les tendres sentiments d’un ancien serviteur aux hom- mages et respects que toute la terre fait gloire de Lui porter.“ Maria Theresia beantwortete beide Schreiben folgendermaßen: „avant tout je vous Charge de faire mes compliments a votre femme pour son jour j’aimerai presque mieux la petite veröle qu’une autre maladie a votre fils tout ira bien et le bon dieu exerce une peu votre femme pour la rendre en- core plus parfaite pourvue qu’elle puisse tout soutenir et que vous ne lui doniez pas d’inquietude car c’est le point delicat pour eile ainsi vous vous menagerez exactement et plutot trop que trop peu j’aprouve que vous eprouviez de vendre ces tableaux a dresde je crois si on peut avoir la moitie ce sera beaucoup et je laisserai l’argent pour le fond du tresor mais otez bientot ces vilainies de la.“ (Von A. Wolf verstümmelt und fehlerhaft wiedergegeben, S. 327, Nr. 3.) „J’espere que le bon dieu vous conservera ce bijoux comme la nanerl vous m’obligez d’entrer dans tout ce detail je prens bien de l’interest vous ferez venir ce monsieur de Kemplen ici a midi demain ordonne sa majeste.“ (A. Wolf, S.328, Nr.3.) 176 (149). Über die Frage einer „Abfindung“ konnte weder in den Protokollen, noch in den Akten des niederösterreichischen Landesarchivs etwas gefunden werden. Graf Königsegg resignierte im Oktober 1753 als Landmarschall, von welchem Amte er „in Anbetracht der ihme obliegenden anderen vielfältigen Geschäften“ (er war auch Vizepräsident des niederländischen Rates und Präsident des Münz- und Bergwesens-Directions Hof Collegii) schon früher dispensiert worden war. Mit Hofdekret vom 8. Oktober 1753 war Fürst Trautson zum Landmarschall ernannt worden. (Freundliche Mitteilung des Herrn Landesarchivars Dr. Anton Mayer.) 177 (149). In Khevenhiillers Aufzeichnungen findet sich jedoch darüber nichts. Im Staatsarchiv erliegt ein Auszug aus dem Konferenzprotokoll vom 12. November 1753. (Referate und Konfcrenzprotokolle.) 178 (150). Baron Pretlack hatte am 18. Oktober gemeldet, daß der russische Botschafter angewiesen worden sei, vom Wiener Hofe die „zuverlässige“ Erklärung zu erhalten, „ob Wir denen kursächsischen und kurhannoverischen Landen, falls jene wegen der Steuerscheine oder diese wegen derer über die schlesische Hypotheckgelder entstandener Irrungen von dem König in Preußen feindlich angegriffen würden, eine mehr als bundsmäßige Hülfe zu leisten und hierunter dem russischen Vorgang zu folgen entschlossen seien“. Die Konferenz stand daher vor einer schwierigen Frage. „Zwei häckliche Umstände — so notierte Graf Khevenhüller — l mo gutt, daß Rußland Lust hat gegen Preußen, gefährlich, wenn es vor der Zeit loßschluege. 2°. Die Negocia- tion deren Subsidien halber nicht zu croisiren, wann mann mit dergleichen neuen Instanzen respectu Hannover hervorkommen thäte. Die Bewegung des Großcanzlers über seine voreilige Trouppenmarche hätte diesen Passum veranlasset, vermuthlich. Sachsen und Hannover haben die Accession immer decliniret. Ersteres gibt sich näher, seit deme Engelland favorabler gesinnet. Der 4. Art. de cujus accessione quaeritur ist zwar uns und Rußland wegen des reciproquen Engagements von der Recuperation Schlesien für uns und Abzahlung zweier Millionen an Rußland sehr profitable, nicht aber das nemmliche für Sachsen und Hannover. Kaunitz glaubt, mann müsse auf einen neuen Conventionsplan oder Arrangement unter denen 4 Puissancen arbeiten. Diverso modo an Gr. Kayserling und in Rußland zu sprechen, wegen des erstem persönl. Gesinnung gegen Sachsen; das eigene Interesse thäte uns in omnem eventum immerdar verbinden, Sachsen und Hannover gegen preußische Anfalle zu beschützen, mithin kein Anstand, Kayserling zu sagen, was schon declariret öfters worden wegen der reciproquen Theilnehmung an den Petersburger Tractat, so vorhero zu gehen hätte; das nemmliche zu Petersburg, das wir ganz gern mit Rußland die Accession betreiben würden, auch zum vierten Art.“ (Konferenzrepertorium 1752—1756. Staatsarchiv.) Es wurde daher folgendes an den Grafen Esterhazy, den kaiserlichen Botschafter in St. Petersburg, geschrieben: „. . . Wie nun der russische Botschafter zufolg des erhaltenen Befehls den Antrag an Unseren Hof- und Staatskanzlern gelangen lassen,*) so äußerten sich bei einer willfährigen Antwort häufige und sehr wichtige Bedenken; dann obzwar Unser eigenes Staatsinteresse wie auch Unsere denen besagten zwei kurfürstlichen Höfen zutragende aufrichtige Freundschaft zum beständigen Antrieb dienet, sie bei einem betreffenden preußischen Überfall nicht hülflos, noch entkräften zu lassen, so wäre doch zugleich in billige Erwägung zu ziehen, daß — wann Wir Uns dem dermaligen russischen Verlangen fügeten — Wir die Verbindlichkeit einer mehr als bundsmäßigen Hülfleistung übernehmen würden, bevor sich noch die ernannte zwei kurfiirstl. Höfe zu dem erforderlichen Reciproco einverstanden hätten; da hingegen die Billigkeit allerdings erforderet, daß — wann sich die besagte Höfe Unserer Hülfe zu erfreuen haben wollen — sie auch ihres Orts sich zu einem gleichen einverstehen müßten. Nachdem nun der Beitritt zu dem Tractat von 1746 von Kursachsen und Hannover, ohngeachtet der erfolgten Einladung seithero nicht zu erhalten gestan- f ** 4 '- *) Am 12. Dezember (s. Beer, Aufzeichnungen des Grafen Bentinck über Maria Theresia, p. CLI). Eine Abschrift der russischen Note liegt der Weisung an Colloredo vom 30. Dezember 1753 bei. (Staatsarchiv.) 395 den, so hat die Betrachtung nicht ausser Augen gesetzt werden können, daß sich die ernannte Höfe für das künftige um so weniger zu dem berührten Beitritt entschließen dörften, wann sie auch ohne Übernehmung einer größeren Verbindlichkeit von Unserem mehr als bundsmäßigen Beistand zum Voraus versicheret wären und die dem russischen Hof desfalls zu erteilende zuverlässige Erklärung in Erfahrung bringen sollten; welche Anmerkung gleichfalls in das wahre Staatsinteresse des russischen Hofs um so tiefer mit einschlaget, da demselben so wenig als Uns gleichgültig sein kann, eine einseitige Verbindlichkeit zu übernehmen und von denen zwei kurfiirstl. Höfen wegen des proportionirten Reciproci nicht zugleich versichert zu werden. Nebst deme fiele das Bedenken von selbsten in die Augen, daß die russische Anfrage wegen der gemeinsamen Verteidigung derer kurhannoverischen Landen zwar auch an den kursächsischen Hof, nicht aber an den König von Engelland als Kurfürsten von Hannover wegen Kursachsen, noch auch an die beide ernannte Höfe wegen der Uns zu leistenden Hülfe, falls der König in Preußen Uns feindlich überfiele, gestellet und zur gesicherten Erklärung vorgeleget worden. Es hätte Uns also keineswegs verdacht, noch eine bloße Ausflucht aufgenommen werden können, wann Wir vor Erteilung einer Antwort auf des Grafen Kayserling Vortrag auf der Reciprocität und fordersamst auf der näheren Erklärung des russischen wie auch des kursächsischen und hannoverischen Hofs bestanden wären, daß Uns eine gleiche Hülfe angedeihen sollte; zumalen der . . . Umstand mit einschlaget, daß weder in dem Resultat des russischen großen Rats, noch in dem Conventions-Project, so dem Guidickens von dem dortigen Ministerio übergeben worden, eine ausdrückliche Erwähnung von genauer Erfüllung des im Jahre 1746 mit Rußland errichteten Traktats und dessen 4. geheimen Articuls geschehen, sondern die Uns zu leistende Hülfe mit Stillschweigen übergangen worden seie. Allein Unser in die russische Kaiserin wegen heiliger Erfüllung ihrer übernommenen Verbindlichkeiten setzendes Vertrauen und Unser aufrichtiger Vorsatz, denen russischen tunlichen Verlangen mit voller Bereitfertigkeit entgegen zu gehen, sind allzu groß und vollkommen, als daß Uns die berührte und mehr andere wichtige Bedenken hätten zurückhalten können, dem Grafen Kayserling eine ganz willfärige Antwort in Unserem Namen erteilen zu lassen, ohngeachtet Uns noch vorhero die zuverlässige Nachricht zugekommen ist, daß zwar der russische Minister Gross dem sächsischen Hof das nämliche Ansinnen, so Uns geschehen, gemacht, aber hierauf die mündliche Antwort und Erklärung erhalten habe, Kursachsen stünde vor dermalen in keinen Verbindlichkeiten mit Kurhannover und sei von diesem Hof nicht nur währendem letzteren preußischen Überfall hülflos gelassen, sondern ihm auch letzthin, als die Irrungen wegen der Steuerscheinen wiedrige Folgen besorgen machen und sich dahero Sachsen an seine Alliirte gewendet, keine allzu vergnügliche und zuverlässige Antwort von dem König in Engelland gegeben worden. Zudem seien die kursachsische Lande der Gefahr eines preußischen Überfalls am meisten ausgesetzt und allschon von diesem König bedrohet worden, daß sie bei einem entstehenden neuen Krieg am ersten feindlich angegriffen und gleich außerstand gesetzet werden sollten, ihme König weiters schaden zu können. Bei welchen Umständen Kursachsen billiges Bedenken tragen müßte, sich vor der Zeit an Laden zu legen und dem ernannten König zu gewalttätigen Unternehmen den mindesten Anlaß zu geben. 396 Inzwischen würde das sächsische Stillsitzen hei entstehendem Krieg darzu dienen, daß sich Preußen genötigt sehete, einen proportionirten Teil seiner Trouppen als ein Corps d’observation an denen dortigen Grenzen stehen zu lassen. Im Fall jedoch der besagte König Uns oder die russische Kaiserin mit Krieg überziehen sollte, so würde Kursachsen nicht ermanglen, seiner bundsmäßigen Obliegenheit ein heiliges Genügen zu leisten. Wann auch die Uns von guter Hand zugekommene Nachricht gegründet ist, so soll dem russischen Ministre Gross die fernere vertraute Öffnung vom Grafen Brühl geschehen sein, daß sich auf die Geheimhaltung derer gegen Preußen zu verabredender gemeinsamer Maßnehmungen um so weniger zu verlassen wäre, da der Vizekanzler Woronzow die an Grafen Kayserling und ihn Gross ergangene Anweisung mit unterschrieben, folglichen auch die hierauf zu erteilende Antworten in Erfahrung bringen und andurch in den Stand gesetzet würde, solche unter der Hand dem König in Preußen entdecken zu können. Wie dann Woronzow sich allschon in dem letzteren Krieg den sehr wahrscheinlichen Argwohn zugezogen habe, ob seie von ihme die dem besagten König geschehene Versicherung hergekommen, daß dieser von Rußland nichts wiedriges zu besorgen haben würde, wann er gleich, bei dem damaligen feindlichen Einfall in Unser Königreich Böhmen, seine Armee durch die sächsische Lande marchieren ließe. Du wirst aber hiebei von Selbsten ermessen, daß dieser letztere Umstand einzig und allein zu deiner Privatbelehrung zu dienen habe und niemanden außer höchstens dem Kanzler Bestuchef nach Beschaffenheit der vorfindender Umständen in engestem Vertrauen zu offenbaren seie. . . . Aus . . . Unserer, der russischen Kaiserin zutragender vollkommensten Freundschaft ist also erfolget, daß Wir auf des Grafen Kayserling schriftlichen Vortrag . . . die von Unserem Hof- und Staatskanzlern hinausgegebene Erklärung*) . . . nach ihrem ganzen Inhalt gnädigst begnehmet, auch hiebei kein Bedenken getragen haben, solche gegen die bisherige Gewohnheit unterschreiben zu lassen, ohngeachtet bei dem sächsischen Hof das nämliche russische Ansinnen und die hierauf erfolgte Antwort nur mündlich geschehen, auch Graf Kayserling Unseres Wissens nicht angewiesen worden, auf einer schriftlichen Antwort zu bestehen. Wir können also zum Voraus der zuversichtlichen Hoffnung leben, daß sowol in der Sach selbsten als in der hiebei gebrauchten Art und Form der russischen Kaiserin Verlangen gänzlichen erschöpfet worden und daß dieser Vorgang zur neuen vergnüglichen Probe Unserer für den dortigen Hof tragenden vorzüglichen Achtung und Aufmerksamkeit dienen, mithin zur Befestigung des glücklich vorwaltenden guten Vernehmens gereichen werde; wie du dann . . . darauf bedacht sein wirst, die vorbemerkte Umstände behörig gelten, folglichen dem Großkanzler und, wann sich die Gelegenheit fügte, der russischen Kaiserin selbsten recht einsehen zu machen, daß Unsere zuverlässige Erklärung, denen zwei kurfürstlichen Höfen eine mehr als bundsmäßige Hülfe leisten zu wollen, nicht als eine geringe, sondern als eine vielen wichtigen Bedenken unterworfene Willfärigkeit anzusehen seie, da eine jede andere Macht sich nicht leicht entschließen wird, eine solche Verbindlichkeit zum Voraus, und zwar ehe noch ein proportionirtes Reciprocum festgestellet worden, zu übernehmen; dahero Wir auch darauf bedacht sein müssen, das Versprechen nicht auf alle künftige Zeiten und Fälle zu erstrecken, sondern in das Zeit-Intervallum zu beschränken, welches *) S. Beilage. (Diese Erklärung liegt der Weisung an Colloredo vom 30. Dezember 1753 bei.) 397 r i r zur Errichtung einer gemeinschaftlichen Einverständnuß notwendig erfordert würde. Dieses nebst dem in der vorangezogenen Antwort . . . enthaltenen ausdrücklichen Ersuchen giebet nun dem russischen Ministerio eine neue Gelegenheit an die Hand, denen kursächsischen und hannoverischen Höfen die ihnen am meisten obschwebende Gefahr nachdrucksam vorstellig zu machen und in sie fernerweit zu dringen, daß sie auch ihres Orts Unserem und dem russischen Vorgang nachfolgen und keinen längeren Anstand nehmen mögten, in solche gemeinschaftliche Verbindungen einzutreten, welche durch Vereinigung derer sonst geteilten unzulänglichen Kräften allein vermögend seind, eines jeden Bundsgenossen Sicherheit und Wolfart zu befestigen und denen so gefährlichen preußischen Unternehmungen behörige Grenzen zu setzen. Ob nun zwar die Ursachen Uns keineswegs verborgen seind, warum sich nicht wol mit der Hoffnung geschmeichlet werden könne, Kursachsen und Hannover zur Accession des 4 ten geheimen Articuls Unseres mit Rußland im Jahr 1746 geschlossenen Freundschafts Traktats jemalen zu vermögen, so erforderten doch die Umstände, in dem bißhero eingeschlagenen Weeg fortzufahren und in Gleichförmigkeit Unserer vorhinigen Vorstellungen den Antrag wegen der erwähnten Accession zu erneuern, massen hiebei u. a. die Betrachtungen ein- schlagen, daß vor dermalen hauptsächlich von Maßnehmungen gegen des Königs in Preußen besorgten Überfall die Frage seie und solche nicht geschwinder, noch zuverlässiger als durch die Accession zu dem oft erwähnten 4 ten geheimen Articul erreichet werden könnten. Nebst deine kann ein an sich vergeblicher Versuch nicht schaden, wol aber zu anderen gemeinsamen Verabredungen den Weeg bahnen; und überdas wäre Unser Hauptabsehen dahin gerichtet, in der Crisi, worinnen die zwischen Rußland und Engelland vorseiende Convention und Trouppen-Behandlung vor dermalen stehet, Unsere Schritte nach denen russischen auszumessen und keine solche Erklärungen von Uns zu stellen, welche denen dortigen Umständen und Entschließungen zum mindesten Nachteil gereichen, oder von denen Übeldenkenden ungleich ausgedeutet werden könnten. Da nun Freiherr von Pretlack in seinem vorangezogenen Schreiben vom 18. Octobris u. a. angemerket hat, daß der Kanzler Graf Bestuchef selbsten vor diensam angesehen und angeraten habe, in Unserer zu erteilenden Antwort die Erinnerung, daß die russische Kaiserin in Kursachsen und Hannover wegen der Accession zum 4 teu geheimen Articul des Traktats von 1746 fernerweit dringen mögten, mit einfließen zu lassen, so haben Wir diesem Vorschlag stattzugeben um so weniger Anstand nehmen wollen, nachdem Wir Uns eines Teils zum Voraus versichert halten, daß der ernannte Kanzler nicht ohne erhebliche Ursach auf die bemerkte Erinnerung verfallen seie und es anderenteils ohnedem nicht an der Zeit oder ratsam gewest wäre, mit der russischen Anfrage wegen Unserer mehr als bundsmäßigen Hülfleistung neue Vorschläge zu vermischen und einen Plan an Hand zu geben, welchergestalten auch ohne die vorerwähnte kursächsische und hannoverische Accession ein gemeinschaftlicher Defensivtraktat und speziales Versprechen der Hülfsleistung zwischen Uns, Rußland, Engelland, Kursachsen und Hannover auf eine allerseits anständige Art zustand gebracht werden könnte. Ein so wichtiges als gemeinersprießliches Werk erfordert die behörige Vorbereitung; und ob sich zwar Engelland hierzu nicht ungeneigt erzeiget, auch bereits durch seinen an Unserem Hoflager befindlichen Ministrum Keith Uns 398 ansinnen lassen, daß Unsererseits das Projekt einer solchen gemeinschaftlichen Verabred- und Verbindung entworfen und mitgeteilet werden mögte, so ist doch noch zur Zeit nur allein von Engelland, welches ohnedem schon durch die Convention von 1731 und die Accessions-Act von 1732, wie auch durch die Acces- sion zum russischen Traktat von 1746 mit Uns zur mutuellen speziflquen Hülf- leistung verbunden ist, nicht aber von einer Verbindlichkeit, so der König zugleich als Kurfürst von Braunschweig zu übernehmen hätte, die Frage gewesen. Und da es nicht sowol auf neue Traktaten, so denen alten keine mehrere Kraft, als sie vorhin gehabt, beilegen, sondern auf deren wirkliche und wesentliche Erfüllung ankommet, so haben Wir Unser vorzügliches Augenmerk auf den Ausschlag der vorseienden Trouppen-Behandlung zwischen Rußland und Engelland gerichtet, und wann sich diese zum Unglück und gegen besseres Vermuten zerschlagen sollte, so fände sich Engelland mit allen seinen Schätzen außerstande, seine in denen Traktaten übernommene Trouppen-Anzahl zur rechten Zeit stellen und Uns oder Unseren Bundsgenossen bei einem erfolgenden gählingen feindlichen Überfall zur Hülfe zuzusenden zu können. Gleichwie nun dieser Umstand billig Unsere größte Aufmerksamkeit erfordert, so wird er auch von dem sächsischen Hof keineswegs außer Augen ge- setzet, und wie Wir von glaubhafter Hand benachrichtiget worden, so ist gar keine Hoffnung vorhanden, denselben in dem bemerkten Fall zu einiger Erweiterung seiner obhabenden Verbindlichkeiten vermögen zu können, weilen solche nur größeres Aufsehen und Gehässigkeit bei Frankreich und Preußen verursachen, aber in der Tat von keinem wesentlichen Nutzen sein, noch die Sicherheit vermehren würde. Die nämliche Betrachtungen müssen sogar bei dem König in Engelland als Kurfürsten von Hannover großen Eindruck verursachet haben, da sein dortiges Ministerium seithero so viele Vorsicht getragen hat, sich in nichts einzulassen, was die kurfürstliche Lande der Gefahr eines preußischen Überfalls aussetzen könnte. Sollte aber, wie Wir sehnlichst wiinscheten, die Trouppen-Behandlung mit Rußland zum glücklichen Schluß gelangen, so fiele das große Bedenken, daß Engelland auch bei dem besten guten Willen sich außer Stand befinde, seinen Hilfsversprechen ein wirkliches Genügen zu leisten, von selbsten hinweg, der Grundstein zu erweiterten gemeinsamen Verbindungen wäre geleget und Kursachsen, ja selbsten Kurhannover nebst mehreren anderen Höfen würden weit wenigeren Anstand vor sich sehen, einer engeren Verabredung beizutreten und sich andurch vor der Gefahr eines preußischen Überfalls sicher zu stellen. Diese in das allgemeine Staats-Systema so tief einschlagende Betrachtungen haben Wir nun mittels derer Reflexions*) . . . dem englischen Hof zur näheren Erwägung freundschaftlich vorgeleget und ihn 'anbei nicht verhalten, daß ohne solide Vorkehrungen alle weitere Traktate und Versprechen nichts fruchten würden, folglichen mit jenen der Anfang zu machen und demnächst erst auf weitere Verbindungen fürzudenken seie. Welche Vorstellungen auch von größerer Wirkung gewesen als nach dem bißherigen Vorgang mit einiger Wahrscheinlichkeit zu hoffen gestanden. Hätten Wir uns aber hierbei auf andere Art benommen und sogleich nach dem englischen Verlangen neue schön in die Augen fallende Projekten *) Siehe Anhang 160, S. 388 ff. 399 einer vier biß fünffachen Biindnuß auf das Tapet gebracht, so würde hieraus die natürliche Folge erwachsen sein, daß der englische Eifer viel ehender auf diese Projekten neuer Traktaten, so nur in Papier bestehen und kein Geld kosten, als auf die Trouppen-Behandlung verfallen wäre, wormit Wir also der gemeinsamen Sache, Uns Selbsten und der russischen Kaiserin einen schlechten Dienst erwiesen haben würden. Dieses sind die trieftigste Bewegursachen, welche Uns veranlasset haben, die vorhinige Sprache wegen der Accession zum 4 teu geheimen Articul des Traktats von 1746 annoch beizubehalten und mit Hauffung neuer Ideen und Vorschlägen in so lang Anstand zu nehmen, biß mit einiger Zuverlässigkeit vorzusehen stehet, was die russische Trouppen Behandlung für einen Ausschlag gewinnen werde. Sollten Wir nun hierinnen Unseren Wunsch erreichen, so würden Wir keinen Augenblick verabsäumen, Uns dem Ansinnen des englischen Hofs zu fügen und Unsere Vorschläge freundschaftlich zu eröffnen, auf was Art Wir glauben, daß ein neues vier biß fünffaches Bündnus, ohne Abbruch derer wirklich noch substituirenden, mit allerseitiger Zufriedenheit zustand gebracht werden könne. Wovon Uns auch die Betrachtung nicht abhalten wird, daß es in gewisser Maaß bedenklich falle, sich am ersten bloß und anderen die Gelegenheit zu Critiquen oder Mißbrauch in die Hände zu geben. (Reskript an den Grafen Esterhazy, 28. Dezember 1753. Ohne Beilagen.) Antwort an den russischen Botschafter (ad Weisung an Colloredo vom 30. Dezember 1753): „Der röm. Kaiserin Königin M. ist ohngesaumt der geziemende Vortrag geschehen, was des russischen H. Botschaftern Grafen von Kayserling E. wegen der denen zwei kurfürstl. Höfen Sachsen und Hannover zu leistender Hülfe, falls dieselbe von des Königs in Preußen M. feindlich angegriffen würden, in Vortrag gebracht und worüber der ernannte Botschafter eine zuverlässige Antwort und Erklärung angesonnen hat. Es bestärket dieser Vortrag zum ausnehmenden Vergnügen der röm. Kaiserin Königin M. die besondere Aufmerksamkeit und Sorgfalt, so der Kaiserin von allen Reussen M. vor die Aufrechterhaltung des allgemeinen Ruhestands und vor die Entfernung aller Feindes Gefahr nicht nur von dero eigenen, sondern auch von ihrer Bundsgenossen und insbesondere von denen k. k. Landen zu tragen unermüdet fortfahren. Gleichwie nun der Kaiserin Königin M. bei einer so glorreichen als gemeinersprießlichen Gesinnung sich um so zuverläßiger die genaueste Erfüllung des im Jahr 1746 errichteten und in seiner vollen Kraft glücklich bestehenden Schutz- und Freundschafts Bündnusses, nebst desselben gesamten separat und geheimen Articlen versprechen, als werden sie auch ihres höchsten Orts förder- samst an ohnverbrüchlichster und heiligster Erfüllung des erwähnten Bündnusses gewißlich zu keiner Zeit nichts erwinden, sondern nebst der ohngestörten Beibehaltung des allgemeinen Ruhestands die Sicherheit und Verteidigung ihrer schätzbarsten Bundsgenossin mit nicht wenigerem Eifer als ihre eigene sich angelegen sein lassen. Sodann können der Kaiserin von allen Reussen M. sich gleichfalls gänzlich versichert halten, daß der römischen Kaiserin Königin M. auch diejenigen Verbindlichkeiten, welche zwischen ihro und des Königs in Polen M. als Kurfürsten zu Sachsen, wie auch mit des Königs in Engelland M. als Kurfürsten zu Hannover 400 obwalten, auf das getreueste erfüllen und die ernannte kurfürstliche Lande bei sie betreffenden feindlichen Überfall um so weniger hülflos lassen werden, je mehr deren ungeschmälerte Aufrechthaltung mit der allgemeinen Wolfahrt und mit I. M. denen besagten zwei kurfürstlichen Höfen zutragenden ungefärbten und vollkommensten Freundschaft übereinkommet. Über dieses seind der Kaiserin Königin M. auch keineswegs entgegen, sondern vielmehr bereit und erbötig, ihre mit Kursachsen und Kurhannover wirklich vorwaltende Verbindlichkeiten zu erweitern, mithin andurch die denen ernannten beeden Höfen am meisten obschwebende Gefahr entfernen und deren Ruhestand befestigen zu helfen. Nachdem aber die selbst redende Billigkeit und die Eigenschaft einer schuldigen Hilfsleistung unter Bundsgenossen sonder Zweifel das Reciprocum erfordern, so haben auch der Kaiserin Königin M. bis- hero darauf angetragen und wünschten annoch vorzüglich, daß Kursachsen und Kurhannover dem vorerwähnten Beschützungs- und Freundschafts Traktat von 1746 und dessen 4. geheimen Articul ohne weiterem Verzug beitretten, auch mit denen zwei kaiserlichen Höfen zum allerseitigen Besten die bundsmäßige Obliegenheit feststellen mögten, auf was Art und mit wie vielen Trouppen sich die 4 alliirte Höfe, im Fall des Königs in Preußen M. ein so anderen feindlich anzugreifen sich beigehen ließen, einander werktätig Hilfe leisten sollen und wollen. Damit nun dieser so große und heilsame Endzweck um so ehender errichtet werde, so gelanget auch im Namen der Kaiserin Königin M. an der Kaiserin von allen Reussen M. das so freundschaftsvolle als angelegene Ersuchen, sich fernerhin bei denen ernannten beeden kurfürstlichen Höfen dahin sorgfältig zu verwenden, daß dieselbe zum Beitritt des besagten Freundschafts Traktats und dessen 4. Articuls und anbei zu der vorberührten gemeinsamen Einverständnus sich ehebaldigst entschließen, mithin auch ihres Orts diejenigen Maßregien ein- schlagen mögten, durch welche eine reciproque bundsmäßige Obliegenheit der zu leistenden Hilfe allerseits festgestellet würde. Es werden aber hiebei der Kaiserin von allen Reussen M. von selbsten erleuchtest befinden, daß bis dahin die ernannte zwei kurfürstliche Höfe ein mehrers, als die wirklich bestehende reciproque Verbindlichkeit mit sich bringen, von der Kaiserin Königin M. nicht anverlangen konnten. Nachdem jedoch die Ausführung des vorberührten Geschäfts annoch einige Zeit notwendig erfordert und inzwischen die kursächsische und kurhannoverische Lande ein feindlicher Überfall betreffen dörfte, auch der Kaiserin von allen Reussen M. auf die Anfrage, in wie weit solchenfalls der hiesige Hof seine Hilfe erstrecken würde, eine zuverlässige Antwort ansinnen lassen, so tragen der römischen Kaiserin Königin M. nicht nur kein Bedenken, sondern sie ergreifen die Gelegenheit mit lebhaftem Vergnügen, durch offenherzige Eröffnung ihrer eigentlichen Gesinnung der Kaiserin von allen Reussen M. eine neue Probe ihres ganz uneingeschränkten Vertrauens darzulegen und zum Voraus die zuverlässige Erklärung und Versicherung hiermit zu erteilen, daß in Fall gegen die kursächsische und gegen die kurhannoverische Lande von des Königs in Preußen M. einige Feindseligkeit inzwischen ausgeiibet würde, a. h. dieselbe sich nicht bloser- dings in die bundsmäßige Hilfe zu beschränken, sondern vielmehr dem angegriffenen Teil einen solchen Beistand mit Macht und Nachdruck zu leisten entschlossen seien, wodurch unter kräftigster Mitwirkung der russischen Kaiserin M. das entzündete Kriegsfeuer bei seinem Ausbruch ersticket und solchergestalt die Ruhe und Sicherheit wieder hergestellet werde. i - 4 . ) I 401 Es kann aber zugleich der Kaiserin von allen Eeussen M. in dem nämlichen engesten Vertrauen nicht verhalten werden, daß, obwohlen der römischen Kaiserin Königin M. denen ernannten kurfürstlichen Landen bei sich ergebenden Fall eine über die bundsmäßige Schuldigkeit sich erstreckende Hülfleistung allerdings angedeihen lassen werden, dannoch a. h. dieselbe nicht gemeinet seien, durch diese ihre der russischen Kaiserin M. vertraulich mitgeteilte Versicherung eine von Kursachsen und Kurhannover angezogen werden könnende einseitige Verbindlichkeit übernommen zu haben, als weßwegen a. h. dieselbe sich hiemit ausdrücklich verwahret haben wollen. W. A. Graf zu Kaunitz-Rittberg.“ Einer Verabredung mit dem russischen Botschafter gemäß, vertraute dieser die Note nicht der Post an, sondern händigte sie dem Grafen Kaunitz ein, der sie dem Kurier übermittelte. (Vortrag vom 21. Dezember 1753- Staatsarchiv.) 179 (150). S. Fellner-Kretschmayr, Die österreichische Zentralverwaltung, S. 205, Anm. (Veröfif. d. Komm. f. Neuere Gesch. Österreichs.) 180 (152). Zu den Professoren, die sich nicht bewährten, gehörten der Leibwundarzt Josef Jaus, der seit 1749 Vorträge über Anatomie hielt, und Dr. Robert Laugier aus Nancy, der — ebenfalls seit 1749 — über Botanik und Chemie las, jedoch nicht bloß in diesen Fächern, sondern auch in der lateinischen Sprache große Unwissenheit an den Tag legte und in der Folge wegen Unfähigkeit und Pflichtvergessenheit entlassen wurde. Vgl. Arneth, Geschichte Maria Theresias IX, 179 ff. Puschmann, Die Medizin in Wien, 44 [vgl. auch Theodor Georg von Karajan, Festrede bei der feierlichen Übernahme des ehemaligen Universitätsgebäudes durch die kaiserliche Akademie der Wissenschaften, > gehalten am 19. Oktober 1857, S. 23 ff. — Beiträge zur Geschichte der Wiener Hochschule: Bemerkungen des Gerhard Freihern van Swieten über die Umtriebe im Universitäts-Consistorium. Aus einem Vortrage an die Kaiserin, 14. November 1756 (Österreichisches Archiv für Geschichte II, 1832, S. 128)]. 181 (152). Die Liste liegt nicht bei. Den Kardinalshut erhielten: Joseph Maria Ferroni, Erzbischof von Damaskus, Domherr von San Pietro; Fabricius Serbelloni, Erzbischof von Patras, Nuntius in Wien; Francesco Stoppani, Erzbischof von Korinth, Präsident der Legation zu Urbino; Lukas Melchior Tempi, Erzbischof von Nicomedia, Nuntius in Portugal; Carlo Francesco Durini, Bischof von Pa via und Nuntius in Paris; Enrico Enriquez, Nuntius in Madrid; Cosmo Imperiali, Gouverneur von Rom; Vinzenz Maria Malvezzi, Domherr von S. Maria- Maggiore; Ludovico Mattei, Auditore di Rota; Giov. Jacobo Millo, päpstlicher Datar; Clemente Argenvilliers, Domherr von S. Giovanni i. L.; Giov. Andrea Galli, Abt der regul. Chorherren von S. Salvator; Flavio Gliigi, Generalauditor der päpstlichen Kammer; Giov. Francesco Banchieri, päpstlicher Generalkammer- Schatzmeister; Giuseppe Livizzani, päpstlicher Memorialsekretär; Ludovico M. Torriggiani, Sekretär der Consulta. 182 (152). Liegt nicht bei. 183 (153). S. Anhang 178, S. 394 ff. (Referate über die am 7. Dezember 1753 abgehaltene Konferenz erliegen im Staatsarchiv.) 184 (155). Starhembergs Instruktion ist vom 28. Oktober (s. Arneth, Maria Theresia IV, 354 ff.), die Firmians vom 27. November 1753 (Staatsarchiv) datiert. 185 (156). Gegenstand der Beratung war das Zeremoniell, den Erzherzog Leopold und den Herzog von Modena betreffend. Kkevenhüller-Schlitter, 1752—1755. 26 402 186 (156). S. Arneth IV, 241. 187 (156). Marquis Poal hatte, im Dezember 1753, folgenden „Precis du plan“ ausgearbeitet: „L’importance de l’education de S. A. S. ayant porte la sagesse et la juste inquietude de Y. S. M. ä prendre un arrangement sur toutes les etudes et con- naissances qui restent encore 4 parcourir 4 Leur auguste heritier. Elles en ont daigne approuver le plan concis que la direction a eu l’honneur d’exposer, par lequel on a etabli: l m0 Que S. A. S. pouvait encore s’occuper aux etudes pendant six ans entiers, ainsi jusqu’4 sa dix-neuvieme an nee complete. 2 d0 Qu’on approuvait le nombre et la qualite des etudes et des maitres 4 commencer 4 Päque de 1754 sur le pied suivant: Maitre de metaphysique, logique et rhetorique. Maitre de physique experimentale. Maitre de droit de nature et de gens, de droit civil et canonique. Maitre d’histoire d’Allemagne et de celle pro tempore de l’Eglise et des autres puissances de l’Europe, depuis Charles-Magne jusqu’4 Maximilien I er . Le meine maitre donnera le droit public de l’Empire et le droit feodal. Maitre de l’histoire de l’auguste Maison, de l’histoire moderne et politique de Maximilien I er jusqu’4 nos jours, et de l’histoire des abreges sur toutes les branches des provinces sujettes 4 l’auguste monarchie. 3 ti0 Que ceux de la direction se concerteraient entre eux sur les deduc- tions 4 faire sur chaque matiere d’etude, avant que de concerter avec les maitres sur la methode et sur le plan de leur täche competante; mais apres avec chacun d’eux en particulier. 4 t0 Que la direction se concerterait egalement sur tous les ouvrages encore 4 composer, pour d’autant mieux discuter et s’entendre avec ceux qui devront les composer, afin qu’ils puissent gagner le temps pour s’en bien acquitter. 5 t0 Que tous les maitres ne pouvant subsister ensemble, les uns succede- raient aux autres pour se faire place selon le concert et le temps; que la direction arretera avec un chacun sur la matiere de son partage et sur la methode. 6 t0 Qu’4 present jusqu’4 Päque de 1754 la direction se chargerait des lec- tures fructueuses envisageant ce point comme le plus nEcessaire et utile 4 formet- l’esprit et le cceur, et NB. comme le plus propre 4 donner la justesse de raisonner et l’usage de connaissances. A cet effet on expose dans un feuille 4 part tout ce qu’on a considere et combine de plus important 4 ce sujet. Joint 4 ces lectures, on donnera d’abord en abrEgE fort succint une idee elementaire de rhetorique et fil 4 fil de la poEsie et de la prosodie. On a ces abrEgEs tout prets oü tout cela n’est qu’effleure, mais süffisant pour bien entendre les bons auteurs, et pour penetrer avec goüt dans leur fagon de penser, et dans l’oeconomie de leurs ouvrages. Le pere Weichkard vers les 9 Q 2 heures pourrait recapituler les differentes connaissances dont S. A. S. a ete dej4 instruite : l’histoire du vieux Testament, l’histoire profane ancienne, celle des Grecs et des Romains, et celle de l’Eglise jusqu’4 Charles-Magne, mais en detaillant en grandes epoques les Evenements plus remarquables, les caracteres des princes, surtout des empereurs romains, les causes de l’elevation et de la chüte des empires, les siecles qui ont attendu le Messie, et ceux oü il est paru-, en un mot elevant l’esprit jusques dans les dessins de la Providence, dans le goüt de l’incomparable Bossuet. Le meme pere pourrait recapituler les antiquites, les medailles, la mytho- logie, les mesures, les monnaies, les poids des anciens, tout cela par planches peintes, distribuees en clapes et accompagnees de deductions explicatives par ecrit. On y peut joindre la Chronologie, le calendrier, computatio fastorum, ritus gentium, antonomastica explicatio rerum ex hist, et ex fab. emblemata, symbola hieroglyphica etc. Ce pere pourrait donner l’histoire en allemande et le reste en latin, celle 14 methodiquement, obligeant S. A. S. 4 repeter, et le reste en guise d’entretien et amusement. 7 mo Qu’4 Päque de 1754 on commencerait avec le maitre de metaphysique et de logique, alors on partagerait entre ce maitre et le pere Weichkard la semaine, lundi, mardi, mercredi Tun —jeudi, vendredi, samedi l’autre. Par cette repartition les maitres ont les temps de se preparer et de porter la dose appretee. L’eleve se trouve comme soulage par la variete, sans voir accumulees les legons, et il fait plus de progres, tant 4 cause de la preparation des maitres dont les legons ont alors plus de suc, comme aussi parceque la matiere de ces trois jours fait une espece de petit plan ou epoque dans la carriere qu’il doit parcourir, et par cette pause la nourriture se digere mieux. 8 V0 Qu’au premier novembre 1754 on pourrait commencer avec les maitres d’histoire d’Allemagne etc. et avec le maitre du droit de nature etc. Ces deux maitres se partageraient aussi les jours de la semaine sur le meme pied. Ces legons pour le maitre du droit pourraient durer au plus long une annee et demie, et pour le maitre d’histoire deux ans-, la matiere de ce dernier est vaste et dejä assez importante-, car outre le droit public et föodal de l’Empire qui en fait partie, il y a encore le commentaire du baron Bartenstein qui en pourrait faire un objet plus interessant. Des que ces maitres commenceront, le pere Weichkard viendrait 4 cesser quant ä la regularitö des legons 5 mais il pourrait venir de temps 4 autre pour entretenir 4 loisir S. A. S. et pour lui rafraichir la mömoire sur la matiere de sa province. Le pere de rhetorique se joindrait alors avec la direction dans les lectures du matin et il donnerait ses legons methodiques d’eloquence pour affermir S. A. S. dans les deux langues, latine et allemande, et pour lui donner la facilite d’ar- ranger ses pensees et les coucher noblement et coulamment par 6 crit. La grande utilite qu’on se propose avec ce maitre, est celle de lui faire dresser des pieces et d’en travailler d’autres avec S. A. S. sur toutes les matieres des autres etudes qu’on croira pouvoir servil- de lumiöre et de guide 4 S. A. S.; par 14 l’usage, le goüt, les differentes faces et vues de la matiere faciliteront le travail et eleveront l’esprit de S. A. S. par tout, en y joignant la belle et male impression. Par l’arrangement que dessus S. A. S. n’aura jamais plus de deux maitres le matin, en sorte qu’on pourra proüter des apres-diners, soit pour pousser mieux une des legons, soit pour faire entrer 4 loisir la physique experimentale. On ne s’arrete pas ici 4 detailler la methode dans laquelle on pense devoir etre donnee chacune de ces Sciences, quoiqu’on en aye prepare l’idee; eile ne saurait avoir toute la certitude de convenance avant le concert 4 tenir avec chaque maitre respectif. Cependant on irait avec ces deux maitres jusqu’au premier novembre 1756. 26 * 404 9 m0 Alors il reste encore trois ans pour le dernier et le plus important des maitres. II s’agit de l’histoire de l’auguste Maison, de l’histoire moderne et politique depuis Maximilien I er jusqu’ä nos jours, et de celle des abreges sur chaque province sujette k la monarchie. On prend tout expres trois ans de temps pour ces matieres comme les plus importantes et immediates aux affaires dans lesquelles alors S. A. S. serait dejä bien pres d’entrer. Par lä on assure presque la reussite de ce qui est le plus essentiel puisqu’on pourra repeter ces matieres autant que de besoin, et l’on trouvera aussi des vuides pour teile partie des autres Sciences, si jamais il en fallait rappeier. D’ailleurs les incidents impr6vus qui pourraient survenir et ar- reter, ou produire des delais, seront aussi plus aises k reparer. Enfin rien n’empeche que dans ces sortes de matieres de gouvernement, S. A. S. ne puisse sans inconvenient continuer son application, quand meine il f'ut dejä affranclii alors de la direction. Au reste dans cette instruction qui concerne les affaires generales, tant de l’interne comme de l’externe et de l’Empire, rien ne pourra plus y contribuer que d’avoir ces trois respectifs ouvrages qui sont encore ä composer dans la perfection que la matiere exige, d’avoir un excellent maitre k donner les legons, d’avoir en suite sur ces ouvrages des commentaires reflectifs et deduits par ecrit des mains de maitre, et enfin des ministres eclaires qu’il plaira ä V. S. M. de destiner en son temps pour les plus instructifs et utiles entretiens avec S. A. S. Au moyen de tous ces secours, le Seigneur benissant l’ouvrage, Fauguste eleve touchera au moment pour lui glorieux et consolant d’entrer ä recevoir des mains de ses augustes peres les vraies notions des affaires et d’apprendre l’art de regner ä ce point de sagesse qui fait l’admiration des nations etrangeres et le bonheur de l’etat. Appendice au plan. Par le precis reserre du plan qu’on vient de donner, on avoue qu’on laisse ä souhaiter bien des motifs et d’eclaircissements sur la necessitö et utilite tant de la combinaison generale que de chaque partie des etudes qu’on propose, mais on sentira aussi qu’il aurait fallu un ouvrage trop onereux pour inserer ici un pareil dötail qu’on peut donner tres aisement de vive voix, et que sans cela sera donne par les deductions de direction k dresser pour les differents maitres. On avoue aussi qu’il s’agit de reduire en plan tout ce qui regarde les moeurs et les manieres pour reunir la connaissance des maximes ä la pratique des vertus pour exprimer par des vrais et naturels dehors de bienseance et d’afifabilite les sentiments d’un bon coeur, et pour que les expedients rendent, s’il est possible, efficaces les soins, inefficaces les inconvenients. D’ailleurs comme on a considere que l’instruction de la Sainte-Religion est reservee pour les apres-diners et pour les jours consacres par la Sainte-Eglise et qu’elle doit etre continuöe pendant tout le temps des etudes de S. A. S. ou pour mieux dire toute sa vie, on a cru devoir separer cette matiere pour la traiter dans une feuille ä part. On a traite de meme dans une autre feuille l’instruction du militaire et de tous les autres exercices : le tout, hormis le manege, etant reserve pour l’apres- diner et devant aussi etre continue pour la plus grande partie pendant tout le cours des applications de S. A. S. Enfin une chose que peut-etre faciliterait encore l’execution du plan, serait si Fon trouvait convenable pendant l’hiver de faire diner ä une heure S. A. S., 405 d’autant que par 14 il pourrait profiter des belles journees dans les heures les plus traitables de cette saison. On pourrait aussi s’etendre dans l’une ou l’autre legon de plus importantes, lorsque ou les etiquettes et ceremonies de la cour, ou l’eleve lui-meme y aurait apporte quelque empechement, ou interruption; on pourrait aussi prendre plus d’intervalle 4 quelque relachement recreation ou tel mouvement necessaire que la sant6 du corps ou la disposition journaliere de l’esprit de l’eleve semblerait exiger. On suggere cette idee puisque sans cela S. A. S. dine plus tard lorsqu’il a l’honneur d’etre 4 table avec ses augustes peres, et quant 4 lui, on peut. croire qu’il en sera bien aise, en voyant par devant soi le temps et la possibilite, ou de se divertir, ou de sortir souvent le matin apres les etudes, tandis que c’est une amorce et un compelle innocent 4 l’egayer et 4 le rendre actif dans l’appli- cation qui est un point qu’on souhaite d’obtenir constamment de lui. L’ete revenant, S. A. S. pourrait reprendre l’heure du midi pour son diner, d’autant que se levant alors un peu plus de bonne heure, la table publique 4 Schönbrunn ayant son heure reglee et les journees etant aussi plus longues, ce sont 14 des circonstances 4 pouvoir s’arranger un peu autrement quoiqu’avec la meme utilite. Enfin on a pense qu’il conviendrait peut-etre de faire preparer des 4 präsent par le maitre du droit public de l’Empire certaines matieres, comme p. e. celles concernant l’election et le couronnement des rois des Romains etc. afin d’avoir 4 la main de quoi instruire S. A. S. au moment que les circonstances puissent l’exiger.“ Bartenstein wurde von Maria Theresia beauftragt, sich über diesen „Plan“ zu äußern. Er tat es in einer Denkschrift, betitelt: „Remarques sur le precis du plan“,*) die er der Kaiserin am 23. Dezember, und zwar mit folgenden Bemerkungen unterbreitete: „. . . A. h. dieselbe werden aus deren Inhalt unschwer erleuchtest ermessen, daß auch dießmahl die Feder zitterend angesetzet habe, nicht zwar, daß das Licht zu scheuen Ursach hätte oder jemandem andurch zu nahe zu treten glaubete* sondren einzig und allein, weilen mir nur allzuwohl bekannt ist, daß nicht allezeit die reineste innerliche Gedenkensart zureichend seie, umb den Unwillen zu minderen, so geschöpfet zu werden pfleget, wann Mängel und Gebrechen in jenem entdecket werden, worvon man sich Verdienst zugeeignet haben dürfte. Je mehr ein solches mit Grund beschiehet, je gehässiger fällt es in die Augen, und je größere Empfindlichkeit hat man derenthalben zu befahren. Jetzt gedachter Empfindlichkeit nun auszuweichen, ist der alleinige Gegenstand, welchen hierüber vor Augen habe, in haubtsächlicher Betrachtung, daß dem a. h. Dienst nicht nur nichts nützen, sondren im Gegentheil ungemain schaden würde, woferne sotane Empfindlichkeit mir zuziehete. Bitte dahero fußfällig, meine wenigste Erinnerungen jenen, welche den neuen Vorschlag getan oder gutgeheißen haben, nicht mitzuteilen. Zumahlen andurch auch in künftigen Zeiten für S. erzh. D. ganz ohnnütz gemacht würde, (sic!) Die Arbeit verlange von darumben ganz und gar nicht abzulehnen. Ungehindert mein Alter und übrige Umbstände mich wünschen machen, daß, so viel sein kann, von ohnnötigem und ohnniitzen Verdruß enthoben werde, so befinde mich doch, Gott sei Dank, in denen eigenen Kräften wie vormahls, umb so nicht *) S. Beilage. ^^^OssäßiSl 406 wieder als ehedessen zu arbeiten; und nach meiner E. k. k. M. a. g. sattsam bekannten Gedenkensart werde mich gewiß keiner Arbeit entziehen, welcher nur immer nach denen sich weiters ergebenden Umbständen gewachsen bin, dahero auch, wann von beeden k. M. es a. g. für gut befunden wird, nicht nur in der angefangenen Arbeit fortfahren, sondren auch, woferne mir Gott das Leben fristet, alles dasjenige befolgen werde, was anschlüssige Anmerkungen weiters mit sich bringen. Wornebst ingleichem ganz und gar kein Bedenken trage, daß über sotane Anmerkungen ein jeder, so nicht den neuen Plan im Voraus gutgeheißen, mit Verschweigung meines Namens, so zur Sachen ohnedeme nichts tut, befraget werde. Ich will mich also ganz gerne mit dem mühsamen, nemblich teils mit der Ausarbeitung derer schweristen Aufsätzen, und teils mit der Obsicht über die übrige minderswichtige Arbeiten beladen. Und werde mich annebenst glücklich schätzen, wann denen Examinibus weiters beizuwohnen mir die Gnade vergönnet wird. Alles übrige aber überlasse willigst, zur Vermeidung aller Scheelsucht, anderen, nach Maß als mehr oder minder zu beeder k. M. und des durchl. Ertz- hauses Diensten in meiner übrigen Lebensfrist beitragen kann, mehr oder minder mich glücklich schätzend. Wormit zu k. k. Hulden und Gnaden mich a. u. empfehle. Den 23. Decembris 1753. (Konzept von Bartensteins Hand. Staatsarchiv.) Remarques sur le precis du plan. Les presentes remarques ne concernent que le choix des Sciences plus ou moins utiles, plus ou moins necessaires 4 un souverain, comme aussi la methode la plus aisee ä les lui apprendre. Les autres matieres mentionnees dans le plan, ne sont pas de ma sphere; et comme elles sont confiees ä des personnes dont le merite distingue ne laisse rien ä desirer, je n’ai garde de les toucher. Je me borne donc 4 l’objet susdit, soigneusement examinö il y a environ deux ans par une jointe nommee pour cet effet. Une ample consulte fut dressöe ensuite et S. M. l’empereur daigna en approuver presque tout le contenu. On s’y est conforme jusqu’ici, et le succes a surpasse l’esperance que l’on en avait con§ue d’abord: circonstance qui semble indiquer qu’on risque 4 s’en eloigner. Nulle science n’est ni meprisable en eile meme, ni destituee de toute utilite. Mais il y a des degr6s d’utilitö parmi elles, surtout 4 l’egard d’un souverain. Le principal but de son education doit etre de l’initier de bonne heure dans l’art de regner, de lui faire bien connaitre tant ses propres etats que ceux de ses voisins, leur fort et leur faible, les differents genies des nations et les maximes inveterees des cours avee lesquelles il sera un jour en relation, de lui apprendre 4 demeler le vrai du specieux, et le solide de ce qui n’est eblouissant qu’en apparence, en un mot de l’instruire des regles 4 suivre et des pieges 4 eviter pour se faire tour 4 tour aimer, respecter et craindre, selon que le besoin et l’avantage de la monarchie l’exige. En toutes choses l’experience est la meilleure maitresse et le guide le plus sür pour commettre moins de fautes. On ne l’acquiert que de deux manieres, c’est 4 dire ou par des propres epreuves et 4 ses propres fraix, ou bien par l’examen de la conduite des autres et par consequent 4 leurs depens. Plus les fautes commises en matiere d’etat sont dangereuses et souvent meme irreparables, plus la seconde voie est preferable 4 la premiere. Or comme une pareille experience est le principal fruit qu’on tire de l’histoire, si eile est bien et duement enseignee, il s’en suit que, des qu’elle l’est, son etude est non seulement 407 la plus utile, mais meme la plus necessaire pour quiconque est destine 4 regner ou 4 avoir part au gouvernement. II est evident qu’en parlant de l’histoire bien et duement enseignee, on entend ni ce qui est purement amüsant, ni le recit sterile des faits dont la connaissance ne sert de rien aujourd’hui. Le E. P. Baitay l’a tres bien remarque dans sa reponse 4 S. E. monsieur le comte Batthyany.*) En voici ses propres paroles: „Praeterquam enim quod munus hujusmodi mihi maxime honorificum futurum sit, illud etiam rerum peritis apprime cognitum atque perspectum est, quod licet omnes pene historias scripserint homines doctrina et eruditione ornati, nulla tarnen earum principe digna omnino, eique ut par est, utilis esse videatur. Ex iis enim non aliud quam jejuna rerum gestarum narratio disci potest. Has autem necesse interdum est, ut imperantes aut plane ignorent, aut saltem non ita calleant, quemadmodum privatis hominibus discendae proponuntur.“ Je ne suis pas 4 la verite d’accord avec ce savant homme par rapport 4 la proposition de cacher au prince des certains evenements, puisque les appre- nant ensuite par hazard, le mal qui peut en resulter, serait d’autant plus grand et lui rendrait meme le teste de ce qu’il aurait appris suspect. Mais il n’est que trop vrai que l’histoire doit etre enseignee aux princes d’une toute autre fagon qu’aux particuliers, et qu’on manquerait absolument le but qu’on doit se pro- poser, en perdant le temps qui est si precieux pour un chacun, mais surtout pour eux per jejunam rerum gestarum narrationem. C’est neanmoins la faute dans laquelle on n’est que trop souvent tombe, et qu’on a ete unanimement d’accord du temps de la consulte du mois de decembre 1751**) de devoir tres soigneuse- ment eviter 4 l’egard de S. A. S. archiducale. Cette remarque n’est donc pas nouvelle. Elle a ete faite des qu’il a ete question de l’important sujet dont il s’agit, et tres gracieusement approuvee par S. M. l’empereur; temoin la magnifique resolution qu’il a donne par ecrit sur la dite consulte. Il est impossible de s’exprimer 14 dessus avec plus de dignitö, de nettete et de pr6cision. Ainsi en tout ce qu’on a travaille depuis, on s’est efforc6 4 bien seconder des ordres si eclaires. Pour lequel effet sans s’arreter 4 ce qui est purement amüsant ou au sterile recit des chosespassees, ad jejunam rerum gestarum narrationem, comme par exemple 4 des historietes, aux sieges, aux combats nullement instructifs pour le metier de la guerre, on ne s’est attache au contraire qu’aux seuls evenements remarquables qui peuvent avoir de la liaison ou de l’influence dans ceux d’4 present. On a täch6 de d^velopper les ressorts secrets dont les cours se sont servi ^ de marquer le caractere des personnages qui ont joue un grand röle sur le theätre du monde; d’indiquer les raisons des bons et mauvais succes-, enfin d’exa- miner chaque action importante, tant selon les regles de la justice, que celles de la convenance et sagesse. On a tach6 d’atteindre par le moyen de l’histoire le meme but que l’auteur de l’excellent ouvrage intitule Telemaque s’etait propose par la voie de la fable, et l’on a cru que l’histoire y etait plus propre encore que la fable, tant puisqu’elle fournit des portraits plus frappants, que puisque l’application en est *) Anton Bajtay an Batthyany, 26. September 1753. (Staatsarchiv.) **) Über diese Beratung findet sich allerdings in den „Erziehungsakten“ nichts. Es hatte jedoch eine solche am 11. Oktober 1751 (darnach Arneth IV, 521, Anmerkung 202) stattgefonden; dem Referate Bartensteins vom 13. desselben Monates liegt in Abschrift die Resolution des Kaisers bei, die Arneth XV, 521, Anm. 203 bringt. plus facile. Le dessin a etö de lier ainsi la pratique ä la theorie, et comme les exemples joints aux preceptes, les rendent plus intelligibles et moins degoütants, on s’etait Hatte d’instruire ainsi en meme temps et de la maniere la plus aisee l’auguste 61eve de ce qu’il lui importe le plus de savoir du droit naturel et des gens, des bornes de la jurisdiction ecclesiastique et seculiere, de la liaison entre le sacerdote et l’empire, des differentes öpoques du droit public d’Allemagne, de son etat actuel et de ce qui successivement y a fraye le chemin. Par oü l’on s’etait de plus Hatte qu’ä force de l’accoütumer k examiner chaque chose tant du cöte de la justice que de la convenance, on lui ferait peu k peu contracter l’habitude de reflechir. Et cela d’autant plus que par les reponses si pertinemment donnees k pareilles demandes ä lui faites dans les examens qu’il a subis, on a eu la satis- faction infinie de connaitre qu’il en est tres capable. De Ja resolution de LL. MM. I les sur cet important article depend tout le reste. Car si cette methode est approuvee, l’etude de l’histoire demande bien plus de temps qu’il n’en faut y employer, lorsqu’elle est enseignee ä des par- ticuliers, quando privatis hominibus discendae proponuntur. Mais en echange, l’etude des autres Sciences sera par lä infiniment abregee; et si au con- traire on doit la changer, il faudra alors augmenter le nombre des maitres k Proportion des Sciences qui seront enseignees separement, au risque de l’etre selon des principes pas tout ä fait conformes. Je passe maintenant aux autres Sciences mentionnees dans le plan et crois bonnement qu’on ne saurait etre trop attentif a ne point accabler, ni degofiter le jeune prince qu’on va instruire. Ce fondement pos6, je suis tres tente de rayer du nombre des Sciences qu’il doit apprendre, la metaphysique, Science la plus inutile ä un souverain et la plus desagreable de toutes celles qu’on a cöutume d’enseigner dans les ecoles. Depuis que les belles lettres ont pris le dessus, eile est fort tombee et presque entierement bannie ou du moins tres n6gligee en plus d’un endroit. Depuis peu on en a retranche ici une bonne partie, meme k l’egard de ceux qui s’appliquent k la theologie spöculative, par la nouvelle methode d’etudier, prescrite par S. M., et je ne saurais me dispenser de remarquer que, si le jeune prince est capable de comprendre ses inutiles et souvent fades subtilites, il aura infiniment moins de peine ä goüter les importantes rßflexions morales et politiques qui sont in- separables de toute l’histoire pragmatique ou de celle que le E. P. Baitay qua- lifie principe digna omnino et uti par est utilis. Il en est de meme du moins en grande partie de la logique, c’est k dire qu’il suffit de lui expliquer suc- cinctement l’art de penser et qu’apres cela on pourra se passer de tout le reste. La physique experimentale sert d’ornement, mais eile n’a nulle influence dans l’art de regner, au lieu que plusieurs branches de la mathematique dont il n’est fait aucune mention dans le plan, meritent ä mon avis la preference comme tres utiles et quelquefois meme necessaires k un souverain. L’etude du droit naturel et des gens me paraxt indispensable, mais celle du droit civil et canonique superflue, ä l’exception de ce que j’ai indique ci- dessus, surtout apres la resolution prise par S. M. l’imperatrice-reine de substituer dans Ses etats d’Allemagne le code Theresien au droit romain. Ce Code doit etre acheve longtemps avant que S. A. S. aura fini ses 6tudes. A quoi peut donc servir de la fatiguer par l’etude d’un droit qu’on va abrogei’. IJne ldgere teinture de l’histoire tant du droit romain que du canonique sera pour lui plus que süffisante, pourvu qu’on l’instruise des bornes de la jurisdiction ecclesiastique et sEculiere, de la liaison entre le Sacerdoce et l’Empire, des iramunites dont jouit son auguste maison, selon la diversite des Etats qu’elle possede, des an- ciennes libertes de l’eglise germanique et de la teneur de ses concordats. Si par la rhetorique on n’entend que ce qui sous ce nom est communE- ment enseigne dans les ecoles, comme tropes, figures etc., c’est peu de chose; mais si par lä on entend l’art de persuader qui assurement est le but de la solide eloquence, c’est une des Sciences les plus recommandables et utiles ä un grand prince. Car en ce sens eile denote l’art de bien arranger ses idees, d’Emou- voir les passions de connaitre les earacteres des liommes, d’y entrer et de s’en servir pour leur inspirer les sentiments qu’on desire. D’oü il resulte que les legons methodiques d’Eloquence supposent qu’on sache les langues dans lesquelles on s’enonce ou Ecrit, qu’elles sont communes ä toutes les langues, sauf la difference de leur propriEtEs, et que du reste elles n’ont aucun rapport parti- culier aux deux langues latine et allemande. Mais comme l’on ne saurait mettre ä profit les legons qui enseignent ce qui est dit ci-dessus, sans un jugement dEjä mur, il en resulte en outre qu’il convient de les diffErer et en attendant leur substituer les regles de la grammaire et syntaxe. L’histoire pragmatique d’Allemagne depuis Charles-Magne jusqu’ä nos jours etant le plus parfait droit public qu’on puisse donner; il suffira d’y joindre l’explication des elements de Mascou. Il en est k peu pres de meine du droit feodal qui sur ce pied pourra etre acheve en trois ou quatre mois au plus tard. Mais en echange l’etude d’une teile histoire demande des annees entieres. A peine l’äge de l’homme y suffit et jamais on ne peut en apprendre tant qu’il ne soit bon d’en savoir davantage, surtout ä un prince qui outre d’etre ne ä gouverner un jour des vastes etats liErEditaires, detaches en bonne partie les uns des autres, tres differents en loix, usages et forme du gouvernement, et habites par des nations d’un genie non seulement peu conforme, mais souvent oppose, est le seul qui pourra avec le temps dignement porter la couronne imperiale et soutenir la religion catholique dans 1’Empire. Ce qui est un motif de plus pour ne pas lui faire perdre un temps qui peut etre employe k acquerir des connaissances plus dignes de lui et plus utiles ä l’etat. Mais ayant dejä tant dit sur ce sujet, je me borne pour le present ä y adjouter les reflexions suivantes: Primo, il sera facile de trouver quelqu’un qui enseigne au seren, archiduc l’art de penser, les branches les plus utiles de la mathematique et, si l’on le juge ä propos, la physique experimentale. Secundo, le grand nombre des ditferents maitres etant sujet k desincon- venients, il me parait qu’un meme maitre pourra l’instruire de la fagon susdite des elements du droit naturel et des gens selon Pufendorf, de l’histoire du droit civil par un abrege de Gravina, de celle du droit canonique selon la manuduction de Mastriclit, et du droit public et feodal suivant la methode de Mascov. Tertio, il ne doit y avoir aucune ditference entre la maniere d’enseigner l’histoire d’Allemagne avec la generale y relative depuis Charles-Magne jusqu’ä Maximilien I et celle depuis Maximilien I jusqu’ä nos jours, si ce n’est dans le choix des matieres et Evenements que par rapport ä la premiere epoque, il convient ou de supprimer, ou de toucher legerement, ou d’approfondir selon qu’ils ont plus ou moins ou nul rapport ä l’etat present de l’Europe; car jamais on ne parviendra ä bien entendre ce qui s’est passE depuis Maximilien premier, si ä 410 l’egard des evenements de la premiere cathegorie, on ne remonte plus haut et jusqu’4 la source. Cependant comme les choses n’ont change de face que de degre 4 degre, il serait sans doute blamable d’entrer en un aussi grand detail ä l’egard des temps plus eloignes qu’4 l’egard des plus prochains. A cette dif- ference pres, la meme methode et les mernes regles doivent etre suivies par rapport aux uns et aux autres; sans quoi toutes les peines qu’on se donnera apres le premier novembre 1756, seront perdues puisqu’4 mesure qu’on s’en serait ecarte, S. A. S. archiducale se trouverait plus ou moins imbu des idees qu’il con- viendrait de lui öter ensuite, pour faire adopter en leur place un Systeme bon et solide, au lieu que si en executant literalement les ordres de son auguste pere, on lui apprend et fait remarquer par une chaine d’evenements, lies les uns aux autres, tant les suites des fautes commises que celles des sages avis, les causes des revolutions les plus importantes arrivees en Europe, les intrigues des courtisans, les artifices employes de tout temps dans les negotiations etc. II pourra se former une idee nette de chaque p6riode, connaitre 4 fonds l’etat present et les maximes inveterees des cours, surtout de celles avec lesquelles il sera le plus en relation, et par consequent eviter plus aisement un jour les pieges qu’on ne cesse jamais de tendre aux souverains, tant au dedans qu’au dehors, enfin contracter avec le temps une habitude 4 preferer le bon parti au mauvais et les voies les plus sures 4 des hazards trop dangereux. Quarto, quoiqu’il en soit, quelque resolution qu’on prenne sur ce qu’on vient de dire, il me semble qu’on ne doit plus tarder 4 nommer les personnes qui de l’une ou de l’autre fagon ont 4 concourir 4 l’instruction d’un si auguste 61eve. J’ai indique ci-dessus les livres imprimes dont celui qui sera Charge de lui apprendre le droit naturel et des gens, le droit public, le droit feodal et ce qu’il est bon qu’il sache du droit civil et canonique, pourrait se servir. Si de l’in- troduction de Pufendorf on retranche le chapitre du Pape, le reste peut fournir un bon abr6ge pour l’histoire generale des Puissances les plus respectables de l’Europe, qu’il suffira de continuer jusqu’4 nos temps. Depuis le mois de juin passe on travaille 4 l’histoire pragmatique d’Alle- magne, et on y est dej4 parvenu jusqu’4 Frederic I er nomme Barberousse, c’est 4 dire jusqu’4 une epoque infiniment importante tant pour l’auguste maison que pour l’Allemagne en general, puisque sous lui l’Autriche a acquis ses grands Privileges et prerogatives et presque tous les grands 6tats d’Allemagne change de maitres, de sorte qu’il n’est guere possible de bien comprendre ce qui s’est passe depuis, soit sous Eodolphe I er , soit sous Maximilien I er , soit meme deno s jours, sans le secours de l’histoire pragmatique du temps d’alors. Si Leurs Majestes Imperiales le trouvent bon, on continuera 4 y travailler sur le pied que l’on a commence; et pourvu que d’autres soient cliarges 4 recueillir et rediger en ordre rerum gestarum narrationem, le reste de cette histoire se trouvera achevee en deux ans, c’est 4 dire avant le terrae propose pour commencer la derniere et la plus importante periode. L’histoire de l’auguste maison ne pourra pas manquer d’y etre com- prise, du moins en tres grande partie, puisque pendant les trois derniers siecles les princes de cette maison ont porte la couronne imperiale, et que sous Fre- d6ric I er et II«, sous Rodolphe I er , Albert I er et II® on doit necessairement rap- porter ce qui l’interesse le plus-, de sorte que, si l’on ne s’arrete pas trop 4 d’inutiles questions critiques, tout le reste pourra etre suppleö par un court dis- cours historique 4 mettre 4 la tete de l’histoire diplomatique de Boheme et ik T r t 411 d’Autriche. ä laquelle on travaille actuellement, et dans laquelle on se propose de rapporter et d’expliquer tant les titres des droits, pretensions et etats acquis successivement que les documents relatifs aux pertes qu’elle a faites de temps en temps, ä quoi on ajoutera un tableau de la forme du gouvernement ancien et moderne de chaque province. Tout cela fait il ne restera qu’un seul livre ä composer pour l’usage du seren, archiduc; c’est un discours historique sur les traites de paix et autres, faits entre les principales Puissances de l’Europe depuis environ le milieu du quinzieme siede. On en a un pareil discours imprime ä Paris en 1692 et compose par le fameux Amelot de la Houssaye.*) II peut servil- de modele, mais il faudra l’aug- menter de beaucoup. Car il est trop succinct et l’histoire seule de la paix de Munster qui merite d’etre traitee foncierement, demande un volume bien plus grand que n’est tout le dit discours; ainsi cet ouvrage est egalement penible et important. Si cependant LL. MM. II. trouvent ä propos que j’y mette la derniere main, je m’en Charge avec plaisir, tres heureux si je suis bon en quelque chose ä leur auguste fils. Mais pour l’achever ä temps, j’ai besoin d’un homme qui travaille sous ma direction. Tel est le plan qui, sauf correction, me parait le plus propre pour remplir les ordres sacres de S. M. l’empereur prescrits par sa resolution sur la consulte du mois de decembre 1751. Il reste ä la verite un article tres essentiel que j’ai passe sous silence, c’est le choix des maitres qui auront ä enseigner au seren, archiduc ce qu’on va ecrire pour son usage. Mais prosterne aux pieds de LL. MM. II. je Les supplie tres humblement de me dispenser d’en dire mon Sentiment. Le genie de ce jeune prince ne m’est connu qu’en autant que j’ai pu le penetrer ä l’occasion des examens auxquels j’ai eu le bonheur d’assister. La matiere en elle-meme est tres delicate et pour moi plus que pour nul autre; aucun ne reussira jamais ou tres difficilement, quelque habile et zele qu’il puisse etre, si d’avance l’esprit de l’auguste eleve se trouve prevenu ä son desavantage. En des occurrences nullement comparables ä celles dont il s’agit, j’ai tou- jours eu devant les yeux le sage conseil d’Horace : Quem tu commendes etiam atque etiam aspice . . . (sic!) ne mox incutiant aliena tibi peccata pudorem. Plus on avance en äge et experience plus on devient craintif et par con- sequent circonspect. Et plus ma respectueuse tendresse pour un aussi grand et aimable prince est vive, moins pourrais-je me consoler jamais, si meme avec les meilleures intentions du monde je pouvais me reprocher ou du moins craindre d’avoir occasionne un moins heureux succes de son education, que l’on ne peut et doit se promettre tant de ses rares talents que des progres qu’il a dejä faits. A Vienne ce 23 me decembre 1753. (Staatsarchiv.) Bruchstücke von Khevenhüllers Gutachten (Konzept) finden sich, samt Aufsätzen von anderer Hand, in seinem Konferenzrepertorium. (Staatsarchiv.) 188 (159). Bartenstein erstattete darüber der Kaiserin am 24. Januar 1754 einen Vortrag, dem er folgende Bemerkungen beifügte: primo daß E. k. k. M. über des Marchese Poal Precis und meinen französischen Anmerkungen, dann dem nunmehrigen Protokoll und teutschen Anmerkungen den Grafen Kaunitz vernehmen möchten; secundo daß über alle Aufsätze quoad jus naturae, publicum, ecclesiasticum, Germaniae, teutsche Reichshistorie und sofort an die geschickteste *) Preliminaires des traites faits entre les rois de France et tous les princes de l’Europe, depuis le regne de Charles VII (Einleitung zu Leonard). Paris 1692. =>-cxaiS£^D£3a^SL 412 katholische Reichshofräte und nicht andere, so zwar sonsten sehr geschickt sein können, aber hiervon die gründliche Kanntnus einmahl nicht besitzen und kaum verstehen, was man sagen will, zu Rat gezogen werden; und endlichen tertio daß, umb sicher zu sein, wer recht oder unrecht hat, und noch in Zeiten Rat schaffen zu können, nebst mir auch Peck von der Instruction enthoben werden mögen. Dann sonsten die Schuld von einem auf den anderen geschoben wird. . . (Staatsarchiv.) 189 (160). Der Zolltarif für Ungarn vom Jahre 1754 erhöhte den Zollsatz für ausländische Fabrikate und Erzeugnisse auf 20% des Wertes. (Vgl. Mar- czali, Maria Terezia 149. Szilagyi, Geschichte der ungarischen Nation VIII, 321.) Das Referat über diese Konferenz ist vom 10. Februar 1754 datiert. (Staatsarchiv.) t 190 (160). Russische Offiziere waren seit einigen Jahren tätig, Angehörige der illyrischen Nation zur Auswanderung nach Rußland zu bewegen (vgl. Schwicker, Geschichte der österreichischen Militärgrenze, S. 78), wogegen Maria Theresia verschiedene Patente erlassen hatte, die die Auswanderung (nicht bloß aus Ungarn, Siebenbürgen und dem Banat, sondern auch aus den übrigen Erblanden) sowohl wie die Anstiftung hiezu mit den schwersten Strafen belegten.*) „Wir sind nicht gewohnt — so ließ sie an Esterhazy schreiben — Uns bei Kleinigkeiten aufzuhalten und wiedrige Privatgesinnungen, sie mögen aus Dummheit oder boshaften Absichten herrühren, Unserer Aufmerksamkeit und Empfindung zu würdigen. Allein die gegenwärtige sind von einer solchen Beschaffenheit, daß sie die wiedrigste Folgen vor Uns und Unsere getreue Untertanen nach sich ziehen könnten. Dann wie dir ohnehin sattsam bekannt ist, so haben sich Unsere Grenzen an der Theiß und Marosch abgeändert und wäre also auch mit denen Granizern eine andere Einrichtung vorzukehren. Dieses ist vor etlichen Jahren auf eine solche Art erfolget, daß denen benannten Granizern frei gestellet worden, sich entweder in das dortige Pro- vinciale einverleiben zu lassen, oder aber Militares zu verbleiben und andere Striche Landes, welche nicht weniger als die vorhinige fruchtbar und zu ihrem Unterhalt zureichend, jedoch zugleich wahre Grenzen Unserer Landen seind, künftighin zu bewohnen und sich fernerhin wie getreue Untertanen zu betragen, die sich zwar verschiedener Privilegien zu erfreuen haben, aber nach Bemerkung ihrer eigener Privilegien keinesweegs als freie Leute, so sich nach Willkuhr Unserer landesfürstlichen Botmäßigkeit entziehen könnten, anzusehen seind. Diese neue Einrichtung hat man nun nicht sonder große Mühe, Kosten und unangenehme Vorfälle in das Werk gesetzet. Ein Teil der Granizer ist in das Provinciale freiwillig eingetreten, andere haben den Militärstand beibehalten und an den Grenzen Ländereien angewiesen bekommen; einigen aber hat bei der damahligen Veränderung ohne allzu großes Nachteil die speciale Erlaubnuß erteilet werden können, außer Lande zu ziehen und sich in die russische Botmäßigkeit zu begeben. Allein nachdem ein solches Werk und die daraus notwendig erwachsene Bewegung der Gemüter noch in frischem Angedenken schwebet und ohnmöglich mit allerseitiger Zufriedenheit vor sich gehen, sondern an erst mit der Zeit zu seiner rechten Consistenz und Vollkommenheit gelangen kann, so sind auch bei *) Patent vom 23. Januar 1743 (Niederösterreichj; 19. Juni 1752 (Erblande); 21. Juli 1752 (Banat). 413 solchen Umständen alle sonst zu verachtende Privat-Aufhetz- und Anlockungen zur Emigration viel gefährlicher als jemahlen. Sie könnten hei einem kriegerischen Volk, welches kaum in der neuen Einrichtung erwärmet ist, gar leicht den wiedrigsten Eindruck verursachen, in ein allgemeines Feuer ausbrechen und zu solchen ungehorsamen Schritten verleiten, so nicht nur zu Unserem merklichen Schaden gereicheten, sondern Uns wieder Willen zwingen würden, gegen eine Nation, die Wir wert schätzen und sowohl bei ihrer Religion als Privilegien schützen und erhalten wollen, zu Abwendung eines noch größeren Übels die äußerste Schärfe zu gebrauchen. Die hungarische Geschichten geben nur allzu viel Proben an die Hand, wie schwer der Geist der Unruhe, wann er einmal aufgeweckt worden, wieder zu dämpfen seie. Dieser hat öfters seinen Ursprung von geringen Veranlassungen und können Wir Uns daliero all- fernerweiteren Entlassung mehrerer Familien um so weniger fügen, als mit aller Wahrscheinlichkeit zu besorgen stünde, daß solches anderen zum bösen Exempel gereichen und neue Bewegungen in denen Gemütern verursachen würde. Gleichwie nun die russische Kaiserin als eine so erleuchte und glorreiche Regentin am besten beurteilen kann, mit vieler Aufmerksamkeit auf alles dasjenige zurückzusehen seie, was die Ruhe, Sicherheit und oberherrschaftliche Gerechtsame, die alle gekrönte Häubter mit einander gemein haben, zu stöhren fähig ist, so würden Wir ihrer großmütigen und freundschaftlichen Gesinnung zu nahe treten, wann Wir den mindesten Zweifel tragen wollten, daß ihro nicht nur die vorberührte Begebenheit höchst unangenehm, sondern auch von selbsten gefällig sein werde, solche nachdrückliche Mittel und Veranstaltungen vorzukehren, die da hinlänglich seien, Unsere Untertanen von allen ferneren treulosen Versuch- und Verführungen zu befreien und solchergestalt allen besorglichen unangenehmen Vorfällen vorzubiegen. Hierinnen bestehet dasjenige, was du dem dortigen Hof in Unserem Namen anzusinnen hast und desfalls Wir eine vergnügliche und freundschaftliche Willfahrung um so zuverlässiger anhotfen können, als Unser Verlangen gerecht und mit deme übereinstimmig ist, was in dem ... 14. Articul des im Jahr 1746 geschlossenen Traktats wegen derer beiderseitigen Untertanen verabredet und heilig zugesagt worden. (Reskript an den Grafen Esterhazy vom 2. März 1754. Staatsarchiv.) „. . . Unter allen Staatsgeschäften — so schrieb Kaunitz an Esterhazy — so sich bei Antretung meines Hofkanzleramts vorgefunden, ist dieses vor mich das verdrießlichste, da ich an allem deme einen natürlichen Abscheu trage, so auf einen unfreundschaftlichen Betrag hinaus laufet.“ „Wie ich dann auch keineswegs in Abrede stelle — fügte er mit einem Seitenhieb auf Bartenstein hinzu — daß wir durch unsere viele Schreiberei und durch die Art, wormit wir eine gute Sache übel defendiret, die meiste Schuld auf uns geladen und denen, so sich uns zugedrungen, anstatt ihnen zu schaden, nur ein gutes Spiel gemacht haben. (Begleitschreiben ad Reskript an Esterhazy vom 2. März 1754. Staatsarchiv.) Die Katholizisierungsversuche der österreichischen Regierung hatte es den russischen Werbern leicht gemacht, die Illyrier zur Auswanderung nach Neu- 414 Serbien zu vermögen. Über die kirchlichen Verhältnisse vgl. Schwicker, Zur Geschichte der kirchlichen Union in der kroatischen Militärgrenze (Archiv für österreichische Geschichte 52, S. 277 ff.). 191 (161). Liegt nicht bei. 192 (162). Liegt nicht bei; s. aber Wiener Diarium vom 16. Februar 1754, Nr. 14. 193 (165). Die Braut brachte dem Bräutigam als Heiratsgut 3000 fl. rh. mit. Als Widerlage gab der Bräutigam 6000 fl. rh. Im Falle seines Todes solle die Braut aus dem Nachlasse 3000 -}- 6000 fl., also 9000 fl. rh. erhalten; stürbe vorher die Braut, so bliebe dem Bräutigam das Heiratsgut von 3000 fl. rh. zu freier Verfügung. Als Hochzeitsgeschenk des Bräutigams erhielt die Braut einen Schmuck und als Morgengabe 1000 Speziesdukaten sowie jährlich als Spennadel- geld 2000 fl. rh. Nach dem Tode des Gemahls solle die Witwe sofort für Fahrnis und erste Jahresnutzung 5000 fl. rh. und zum Witwenunterhalt jährlich 5000 fl., endlich aus dem Nachlasse des Gemahls zwei möblierte Zimmer, einen Zug Pferde samt Wagen und Geschirr, dann zwei Beitpferde oder statt des Zugs, Wagens, Geschirrs und der Reitpferde 3000 fl. rh. erhalten. 194 (166). Vgl. über ihn Gachards ausführlichen Artikel in der Biographie nationale, publiee par l’academie royale des Sciences, des lettres et des beaux- arts de Belgique I, 412—421. 195 (166). S. A. Reumont, 11 principe et la principessa di Craon e i primi tempi della reggenza Lorenese in Toscana, p. 29, 32. 196 (166). Graf Anton Hartig war von Karl VI. am 26. Februar 1735 zum geheimen Rat erhoben worden. (Abschrift des Dekrets im Staatsarchiv.) 197 (167). „Taroeca m’a fait la confidence d’une nouvelle precieuse marque de l’auguste bonte et clemence de V. M. pour moi et ma famille — so hatte Khevenhüller der Kaiserin geschrieben — je Lui en baise mille fois les mains, et me sentant hors d’etat d’exprimer toute la reconnaissance dont mon coeur est penetre pour des gräces si immenses et si peu meritöes, V. M. daignera permettre que je me borne ä Lui offrir des vceux respectueux et ardents d’une famille dont le pere et tout ce qui la compose, ne vivent que pour V. M.; tels ont ete toujours mes sentiments et tels le seront ils jusqu’ä mon dernier soupir. Comme Tarocca m’a ordonne le secret de la part de V. M., je ne sais si j’ose en faire part ä ma femme; comme depuis hier il va mieux avec sa fluxion ä l’ceil, eile compte avoir le bonheur de pouvoir faire sa cour et baiser tres humblement les mains ä V. M. demain. J’ai eu aujourd’hui celui de pouvoir in’expliquer et de repeter de vive voix ce que j’avais pris la liberte de marquer par mon billet d’hier, mais je suis encore dans mille inquietudes et ce n’est que des bontes de V. M. et de Son grand coeur que j’espere d’en sortir; j’ose y recourir avec d’autant plus de respectueuse confiance que la purete de mes intentions est connue ä V. M. et que sürement je n’en ai eu d’autre dans cette occasion que de remplir sans respect humain les devoirs de pere et d’un honnete et fidel e serviteur.“ Auf dasselbe Billet schrieb Maria Theresia eigenhändig folgendes: „vous ne deviez savoirs que demain matin comme une finesse pour votre fete le Zutritt la grande maitresse vous le fera dire encore ce soir ainsi madame peut deja etre du secret pour le billiet de hier ne soyez pas inquiet l’emp: vouloit vous faire cette finesse et distinction asteur il crois et reconois que vous engage.“ (Auch bei A. Wolf, 328, Nr. 4.) 415 Das andere, ebenfalls eigenhändige Schreiben Maria Theresias lautet folgendermaßen: „wan er noch in Sinn ist dem änderten söhne zum militare zu widmen so weis ich eine fahne vacant in Kaysers regiment welches jezt ganz anderst als einmahl ist wo 3 lothringische staabs officir waren jezt ist es kein einziger christlich w r ackere leüt die in allen exempel geben melde nur dises weillen seine delicatesse kenne wegen der Christlichkeit und Sitten wäre es anderst wäre ich die erste ihme davon zu rathen wan nicht es also wüste wan er damit zu friden wäre so verlange keine antwort. als mündlich der gedanckhen komht nicht von mir sondern der kayser allein ist darauff gefallen, ich habe nur geforchten sein emharas mögte gros sein zwischen annehmen und abschlagen weihen ihme villeicht die officir nicht bekant wären mithin habe nur wollen ihme praevenirn was dis anbelangt er ruhig sein kan und er erwarten solle wan und wie villeicht ihme die proposition wird gemacht werden nichts von mir dergleichen zu thun.“ (Bei A. Wolf 328 ff., Nr. 5, jedoch fehlerhaft.) 198 (168). Lehenbrief im Keichsregistraturbuch Franz’ I., Bd. XX, 906. Die vorletzte Belehnung (Karls XI.) hatte am 5. Mai 1664 stattgefunden. (R. R. B. Leopolds I., Bd. I, 674 ff. Staatsarchiv.) 199 (168). Der russische Botschafter hatte vier Noten übergeben; in der ersten bat er um Pässe für zwei russische Offiziere, die sich — um Schulden einzutreiben — nach Ungarn begehen wollten. Auf Grund verläßlicher Nachrichten wußte man jedoch, daß der Zweck der Reise sei, einige Illyrier zur Auswanderung nach Rußland aufzumuntern. Schon der Umstand war auffallend, daß jene Offiziere Komitate besuchen wollten, wo Grenzer lebten, die stets über das harte Verhalten der ungarischen Kammer und über den Klerus Klage geführt hatten. Wohl wäre es den Konferenzministern am liebsten gewesen, das Verlangen des russischen Botschafters abzulehnen; Rücksicht auf die verbündete Macht und andere Gründe sprachen jedoch für Gewährung der Pässe. „Es ist also ... — so heißt es in dem Referat des Staatskanzlers — E. M. a. h. Schluß dahin ausgefallen, daß zwar denen russischen Officiers die anverlangte Pässe nicht zu versagen, jedoch solche nicht unmittelbar denen erwähnten Offizieren, sondern dem Botschafter zu übergehen und diesem zwar freundschaftlich, aber ohne Rückhalt zu eröffnen seie, wie künftighin denen Granizern gar keine Erlaubnuß mehr zur Emigration erteilet, die falsche Werber nach der Schärfe und patentmäßig bestrafet, auch auf der russischen Offiziers Tun und Lassen ein obachtsames Aug getragen und ihnen heimliche Aufseher gesetzet werden sollten.“ Zwei andere Noten betrafen unter anderem das russische Verlangen, den Verwandten verschiedener nach Neuserbien ausgewanderter Grenzer freien Abzug zu gestatten. „Es hat aber die gehorsamste Konferenz das dermalige russische Ansuchen vor so außerordentlicher angesehen, da nicht einstens zuverläßig bekannt ist, oh sich auch die in denen übergebenen Listen spezifizirte Personen zur Verlassung ihres Vaterlands einverstehen und unter die russische Botmäßigkeit begeben wollen. Sodann wird zwar der Gewissenstrieb und das natürliche Band der ehelichen und elterlichen Liebe zur scheinbaren Bewegursach dieses Begehrens an- geführet, aber sich nicht damit begnüget, vor die Weiber, Kinder und Eltern demjenigen, so bereits nach Neu-Servien abgegangen, den freien Abzug anzuverlangen, sondern die größte Anzahl der spezifizirten Personen bestehet in 416 sogenannten Cousins, deren Verwandtschaft wo nicht erdichtet, jedoch sehr weit hergeholet sein dörfte. Nicht weniger hat die gehorsamste Konferenz bemerket, daß zwar die Anzahl derer benannten Personen sich allschon auf die beträchtliche Summ von 500 Köpfen beederlei Geschlechts belaufe; nachdeme aber eine jede derselben wiederum Weiber, Kinder, Eltern und Knechte haben dörfte, so würde sich die ganze Anzahl der zu entlassenden Personen gar leicht über mehr als etliche tausend Köpfe erstrecken. Was aber der gehorsamsten Konferenz am allerbedenklichsten geschienen, ist die vorgeschützte Ursach der Entlassung, nehmlich die Verwandtschaft mit denen Illyrier, so in die russische Botmäßigkeit eingetreten seind. Dann sollte diese entlehnte Ursach durch die Willfahrung einmal vor gültig anerkennet werden, so würden der Kaiserin Königin M. entweder künftighin hiervon wieder abgehen und andurch den russischen Unwillen aufwecken müssen, oder aber inner kurzem die meisten Griechen, mithin viele tausend Seelen verlieren, massen diejenige, vor welche der russische Hof dermalen die freie Entlassung ansuchet, wiederum mit anderen in Verwandtschaft stehen und sich solchergestalt die Ursach des Begehrens in infinitum erstrecken würde. Könnte und wollte man nun gleich die Entschließung fassen, der russischen Kaiserin sich vor dermalen gefällig zu erzeigen und ihr Begehren ganz einzuwilligen, so würde sich doch der hiesige Hof statt des verdienten Danks neue verdrießliche Folgen und Begehren zuziehen. Dahero dann auch einstimmig der erste Undank vor besser als der letztere angesehen und in gehorsamsten Vorschlag gebracht worden, denen bisherigen unangenehmen und dringlichen Verlangen des russischen Hofs durch eine deutliche abschlägige Antwort, jedoch solchergestalten ein Ende zu machen, daß dieser Hof wegen eines unfreundlichen Betrags keine scheinbare Beschwerden führen könne. Es ist also die . . . Meinung der gehorsamsten Konferenz darin bestanden, daß . . . nur allein der freie Abzug vor die Weiber und unverheiratete Kinder derer Illyrier, so sich bereits unter die russische Botmäßigkeit begeben, einzuwilligen seie. — — — — — — — — — — — — — — —“ In der vierten Note stellte der Botschafter das Ersuchen, den freien Durchzug verschiedener montenegrinischer Familien zu gestatten. Dies wurde von der Konferenz um so bedenklicher erachtet, „da einesteils der russische Hof eine abschlägige Antwort als eine Verweigerung einer billigen und unschädlichen Sache mit Unwillen aufnehmen dörfte, anderenteils aber bei der Pforten die wiedrigste Folgen zu erwarten wären, im Fall die Czernagorer, wie es verlauten wolle, unterm türkischen Tribut stünden, mithin nicht vor völlig freie Leute angesehen werden könnten. Es ist auch E. M. a. g. gefällig gewesen, diesen Umstand dahin zu erläuteren, daß vor ohngefehr 6 Jahren der Czernagorer Bischof, so sich von Geburt vor einen Czernowiz ausgebe, hier eingetroffen, bei E. M. eine a. g. Audienz erhalten und in solcher zu erkennen gegeben, wie er von der Kaiserin Königin M. ein a. h. Protectional-Patent vor die Czernagorer zu erhalten wünsche. Ob nun zwar dieser Bischof sich dahin geaußeret, als ob das ernannte Volk von ihm und einem Burger aus der Stadt Czernagora kommandiret werde und von der türkischen Oberbotmäßigkeit völlig befreiet seie, so habe er doch auf weiteres Befragen nicht in Abrede gestellet, daß sie denen Türken einen Säbel und etliche 417 Beutel Gelds zu entrichten pflegten, welches also nicht wohl anderst als ein Tribut angesehen werden kann. Der nämliche Bischof habe sich vor einem Jahr wieder hier eingefunden, bei der erhaltenen a. g. Audienz den Czernagorer Kommandanten mit sich gebracht und eine Reise nach Rußland vorgeschützet, um daselbsten die gewöhnliche Sammlung einer Geldbeihilfe zu verrichten; da er dann bekennet hätte, daß er schon vor 2 Jahren ein Protectorium von der russischen Kaiserin ausgewiirkt habe. Nachdeme auch E. M. einige Befremdung zu äußeren geruhet, daß der er- wehnte Kommandant sich von seiner Nation entfernen und die Reise nach Rußland vornehmen wolle, so habe der Bischof hierauf den Entschluß gefasset, diese Reise allein anzutreten, und der Kommandant seie in einer nachherigen bei E. M. erhaltenen a. g. Audienz unter anderen auf die Äußerung verfallen, daß der ernannte Bischof mit dem hiesigen russischen Legations Secretario Czernev öftere und lange geheime Unterredungen gepflogen habe. Bei welchen Umständen die Mutmaßung nicht ungegründet zu sein scheinet, daß dieser Bischof zu des russischen Hofs dermaligen Absicht, verschiedene Familien aus Czernahora an sich zu ziehen, vieles beigetragen haben dörfte. Es haben also E. M. das gehorsamste Darfürhalten der Konferenz dahin a. g. bestätiget, daß in der diesseitigen schriftlich zu erteilenden Antwort zwar der ungehinderte Durchzug vor völlig freie und keiner fremden Botmäßigkeit unterworfene Emigranten eingestanden, zugleich aber der Zweifel, ob die Czernagorer vor völlig freie Leute zu halten seien, wie auch die schädliche Folgen, so hieraus bei der Pforten entstehen dörften, zu erkennen gegeben, jedoch diese Antwort mit dem russischen Botschafter, als welcher in seiner guten Gesinnung fortfahre, und die Unbilligkeit derer russischen Verlangen gar wohl einsehe, vorher vertraulich überlegt und verabredet werden solle. Zu pflichtschuldigster Befolgung dieses a. h. Befehls sind also die . . . Noten in Antwort auf die vier vom Grafen Kayserling übergebene Noten entworfen und dem ernannten Botschafter diesen Morgen zur Einsicht und etwaigen Erinnerung unter bezeugtem freundschaftlichem Vertrauen von mir mitgeteilet worden. Nachdem nun derselbe mit diesen Aufsätzen völlig verstanden zu sein bezeuget und mit mir vor das diensamste gehalten hat, daß zu Abschneidung aller ferneren russischen Verlangen in der vorangezogenen Nota eine ganz deutliche abschlägige Antwort gegeben und desfalls keine andere als die in der besagten Nota berührte dezisive Ursachen angeführet werden mögten, so beruhet die Übergebung dieser Noten nur noch auf deme, ob solche den a. h. Beifall finde _ _ _ _ _ _ __ U (Vom Kaiser approbierter Vortrag des Staatskanzlers, d. d. Wien, 3. April 1754. Staatsarchiv.) „. . . gereichet es zu der Kaiserin Königin M. nicht geringem Bedauernuß, daß die vorwaltende Umstände nicht verstatten wollen, auf das . . . Ansinnen des russisch- kaiserlichen H. Botschaftern E. eine vollkommen willfährige Antwort zu erteilen. Allermaßen der Kaiserin Königin M. — so wurde dem russischen Botschafter geschrieben — nach denen langen und schweren Kriegsläuften keinen Überfluß, sondern einen merklichen Abgang an Untertanen verspüren und nicht nur für die Bevölkerung großer und fruchtbarer, aber annoch öde liegender Strichen Landes, sondern auch auf die Sicherheit und Verteidigung der eigenen Grenzen ihr sorgfältiges Augenmerk zu richten haben. Khevenliüller-Schütter. 1752—1755. 27 418 Diese und mehr andere wichtige Betrachtungen wollen also der Kaiserin Königin M. keineswegs verstatten, denen Illyriern in Zukunft einige weitere Erlaubnuß zur Emigration zu erteilen. Und kann dahero solche auch denen, in denen übergebenen Listen benennten Personen nicht bewilliget werden. Nachdem aber der Kaiserin Königin M. nichts so sehnlich wünschen, als sich der ( russischen Kaiserin M. so viel immer tunlich, willfährig zu erzeigen, so haben -*• auch a. h. dieselbe den Entschluß gefaßet, über die berührte Bedenken in soweit hinaus zu gehen, daß denen in Hungarn zurückgebliebenen Weibern und unverheirateten Kindern derjenigen Illyrier, so bereits der diesseitigen Botmäßigkeit entlassen worden und in die russische kaiserl. eingetreten seind, der freie Abzug eingestanden und ihnen auf ihr Anmelden die erforderliche Pässe ausgefertiget werden sollen. — — — _____ — — ____ —« (Nr. 7 ad Vortrag vom 3. April 1754.) 200 (168). Lehenbrief im Reichsregistraturbuch Franz’ I., Bd. XX, 926 ff. (Staatsarchiv.) 201 (169). San Remo hatte am 16. Juli 1753 beim Reichshofrat Klage über Genua erhoben. Es erklärte, jederzeit zum Reiche gehört zu haben und niemals von Genua abhängig gewesen zu sein. Und doch sei diese Republik gewaltsam verfahren und habe das Archiv und Private plündern lassen. Der Reichshofrat unterbreitete dem Kaiser ein Gutachten, wonach die Republik aufgefordert werden solle, das Geraubte zurückzustellen, die Gefangenen freizugeben und die weitere Entschließung des Kaisers abzuwarten. (Beilage 11 ad Instruktion des Grafen Mercy, bevollmächtigten Ministers in Turin, vom 30. April 1754. (Staatsarchiv.) „Nachdem ... die besagte Republik — so wurde an Mercy geschrieben — die kaiserl. obristrichterliche Erkanntnuß über die von S. Remo bei Reichshofrat ^ eingeklagte Beschwerden als unstatthafte und gehässige Zudringungen aus- schreuet, auch dem Vernehmen nach, sich desfalls schon an verschiedene Höfe, besonders aber an den französischen gewendet haben soll, so hat er Graf . . . wan hiervon Anregung geschiehet, sowohl dem turinischen Hof als denen dortigen fremden Ministern überzeugend vorstellig zu machen, daß der Republik um so weniger einiges Unrecht zugefiiget werde, da vor dermahlen bloßerdings die Frage obwalte, ob den S* Remanern das rechtliche Gehör platterdings zu versagen und ob die Republik ohngehindert des in anno 1361 errichteten und von dem damaliligen kaiserl. und Reichsvieario bestättigten Laudi in ihrer eigenen Sache Richter seie, auch vor ein wiederrechtliches Verfahren ansehen könne, daß der Reichshofrat auf gerichtliches Anrufen der S* Remaner in dem gelindesten Weeg seiner Gerichtsordnung fürschreite und nicht, wie sonsten in dergleichen Fällen gegen die erste Reichsstände zu geschehen pfleget, mit einem Rescripto S. C. cum praecepto restitutionis den Anfang mache, sondern ein sogenanntes Schreiben um Bericht cum temporali inhibitione erkenne. Hierdurch wird nun weder der S l Remaner Betragen gebilliget, noch der , Republik vorgenommene Execution als wiederrechtlich entschieden, sondern nur der Weeg Rechtens eröffnet. Und wan die kaiserl. Jurisdiction in Ansehung der ^ S* Remaner nicht gegründet wäre, so bleibet doch der Republic ohnbenommen, 1 sich dieser Exception in via juris zu bedienen und andurch ihr eigenes Factum zu rechtfertigen. Allein dieses ist just dasjenige, wormit der Republic nicht gedienet wäre, maßen sich schon seit einiger Zeit genugsam veroffentbahret hat, daß ihr Haubtaugenmerk dahin gerichtet seie, sich nach und nach dem Reichs- Lehens-Nexui völlig zu entziehen und gegen die Reichs-Lehens-Untertanen als ein Souverain despotisch zu verfahren, worzu also des Kaisers M. und L. ohne Verletzung der Reichs-Grund-Gesätzen und beschwornen Wahlcapitulation die Hände nicht bieten, sondern der Justiz ihren ohngehinderten Lauff lassen werden. Bei welchen Umständen er Graf nicht außeracht zu lassen hat, die Nichtigkeit der genuesischen Beschwerden dem Turiner Hof vollkommen einsehen zu machen und diesen zu überzeugen, daß sowohl des Kaisers M. und L. als Wir von aller Parteilichkeit und Rachbegierde gegen die ernannte Republic weit entfernet seien und ihr alle Gerechtigkeit in voller Maaß angedeihen lassen werden. . . . (Instruktion Mercys vom 30. April 1754. Staatsarchiv.) 202 (172). Dieses Schreiben konnte nicht aufgefunden werden. 203 (172). Am 28. April 1754 hatte Kaiser Franz folgendes Handschreiben an den ersten Obersthofmeister Grafen Ulfeld gerichtet: „Comme Dieu vient de disposer de la grande-maitresse, je vous ecrit pour faire toutes les dispositions necessaires. Comme l’endroit qui ci-devant etait destine pour les exposer, n’existe plus, on la doit faire exposer oü il sera le plus convenable, ce que peut-etre sera la chapelle de S‘ Joseph, tout pret de son appartement, et oü Ton pourrait dire des messes les trois jours usites. Pour l’enterrement on le doit faire avec toute la pompe usitee, voulant que l’on Lui rend le plus d’honneur possible.“ (Abschrift in den Hofakten des Staatsarcliives.) 204 (174). Der französische Botschafter am Wiener Hofe hatte am 26. April 1754 ein Memoire folgenden Inhalts überreicht: „Le roi mon maitre, temoin des soins genereux que S. M. I le s’est donnes pour accelerer et etablir sur un pied solide le grand ouvrage de la paix generale, est egalement persuadö que S. M. I le ne veut rien negliger pour que le traite d’Aix-la-Chapelle soit execute dans tous ses points relativement 4 toutes les Puissances qui y ont pris part. C’est dans la vue de prevenir tout ce qui pourrait y donner atteinte, que le roi mon maitre m’ordonne de faire ä S. M. I le les representations suivantes. La republique de Genes possede par indivis avec un de ses patriciens le fief imperial de Campo Freddo sous l’investiture de l’empereur. Les habitants de ce fief ont porte en 1750 diverses plaintes au conseil aulique de l’empire contre Fadministration de la justice de la part des co-seigneurs. Ces plaintes avaient pour objet des sentences rendues ä Campo Freddo et qui n’etaient point revötues de la confirmation de la Republique. II est certain que les Campois devaient adresser d’abord leurs representations au gouvernement de Genes et qu’ils ne pouvaient avoir recours ä S. M. I. qu’apres avoir constate le deni de la justice de la part de leurs seigneurs mediats. La republique de Genes est sur le point d’6prouver de la part du conseil aulique une entreprise marqu6e si S. M. I. n’en impose 4 ce tribunal. Quelques habitants de San Remo se vantent d’avoir obtenu Fadmission d’une requeste qu’ils ont presentee au conseil aulique pour se 'soustraire aux chätiments düs 4 leur desobeissance. La souverainete libre et independante de la Republique de Genes sur San Remo est une chose constatee depuis plus de six cent ans; ainsi le conseil aulique ne peut y exercer aucune jurisdietion. Dans ces circonstances le roi mon maitre m’ordonne de faire 4 S. M. I. les representations les plus fortes en faveur de la Republique de Genes, et S. M. est persuadee qu’aussitöt que l’empereur se sera fait rendre compte de ces faits, il 27* 420 apercevra que les procedures du conseil aulique sont directement contraire aux articles 14 et 15 du traite d’Aix-la-Chapelle, et que son amour pour la paix le portera ä les annuler.“ Beilage. „Etat des affaires de Campo Freddo et San Remo entre la eour imperiale et la Republique de Genes. Campofreddo est un fief imperial que la Republique de Genes possede par indivis avec un de ses patriciens et dont eile prend l’investiture de l’empereur. La regle pour l’administration de la justice dans ce fief, selon les investi- tures imperiales et l’usage constamment. suivi, est, que les differends des Campois sont juges en premiere instance par les officiers de la Republique dont les sen- tences sont ensuite portees au gouvernement Genois qui les confirme ou infirme, selon qu’il lui parait juste de le faire, et ce n’est qu’apres ce jugement ou un deni de justice de la part du gouvernement, que les Campois peuvent interjeter appel au conseil aulique qui ne peut prononcer de jugement lui-meme qu’apres avoir düinent eite les seigneurs immediats pour etre oui's. Plusieurs exemples tir6s des regnes des precedents empereurs confirment cette verite et surtout celui de Charles VI qui en 1733 refusa de prononcer sur des plaintes qui lui furent portees par les Finalins avant que la Republique eüt ete requise de les juger. Malgre cette regle authentique, les Campois, au lieu de recourir au gouvernement Genois pour se plaindre de quelques sentences de ses officiers, se sont adresses directement au conseil aulique. Celui-ci, sans considerer que ses sentences n’avaient ete ni executdes, ni confirmees par la Republique, a prononce contre eile en faveur des Campois. Les Genois ont eu recours aux remedes de droit, en demandant ä l’empereur et au conseil aulique de reformer cette irregularite de proceder; mais ce tribunal, sans examiner leurs plaintes, a rendu une sentence qui ordonne au fiscal imperial de se transporter dans ce fief, d’y interdire la jurisdiction de la Republique, d’y elire un nouveau podestat qui ne pretera serment qu’ä l’empereur, de prononcer toutes les indemnites que pourront demander la communaute et les babitants, et de preter la main ä l’execution par toutes sortes de voies et de moyens. Tel est le sujet de la contestation par rapport ä Campo Freddo et l’etat de crise oü cette affaire se trouve. Quant ä San Remo, la Republique de Genes assure qu’elle jouit depuis plusieurs siecles de la souverainetü pleine et absolue sur ce petit dtat, et que c’est en vain que la cour imperiale voudrait lui donner le caractere de fief de l’empire, puisqu’il n’existe auefine investiture imperiale, ni aucun acte de recon- naissance de sa part de la feodalite de l’empire. La cour imperiale pretend au contraire que San Remo est fief de l’empire^ sous pretexte de quelques actes des vicaires de l’empire en Italie dont eile ne eite point la date, et d’une sentence arbitrale publiee dans des 6crits imprimes depuis plus de vingt ans. Sur ce fondement le conseil aulique a admis les plaintes d’une quarantaine de sMitieux qui s’etaient refugies dans les etats du roi de Sardaigne pour se soustraire aux chätiments düs k leur desobeissance. Ensuite il a procede juridiquement contre les Genois, leur ordonnant par un decret de produire leur defense en justice et de s’abstenir de toutes voies de fait contre les seditieux de San Remo. La Republique, pour ne pas prejudicier 4 son independance, a defendu dans ses etats la publication du decret du conseil aulique. Elle a refuse de plus de le recevoir des mains du directeur de la poste de Milan, et eile s’est bornee 4 faire exposer ses raisons par son ministre 4 la cour de Vienne-, mais loin que ses representations aient ete executees, le conseil aulique a renouvelle son decret contre la Republique et a force son agent pres de ce conseil de le recevoir. La Republique de son cöte vient de le renvoyer 4 Vienne, et eile per- siste 4 croire qu’elle ne doit faire aucune reponse juridique dans la crainte qu’on ne fit valoir un jour cette demarche comme un acte de soumission de sa part 4 la Jurisdiction du conseil aulique et par consequent ä la pretendue feodalite de l’empire. II parait, par toute la conduite de la cour imperiale, que 1’empereur regarde San Remo comme un fief aliene de l’empire en Italie, et qu’il veut le reunir en vertu de l’article X de sa capitulation § VI. Mais il est 4 observer que la capitulation ne prescrit 4 l’empereur que de faire la recherche des biens alienes et d’adresser les informations 4 la chancellerie de Mayence pour prendre en con- sequence l’avis des etats de l’empire et non pas de commencer par poursuivre juridiquement les princes que S. M. I. croira etre possesseurs de fiefs alienes, et de consulter apres. C’est une rßflexion qui, sans doute, n’echappera pas aux ministres de la diete qui seront consultes sur cette matiere.“ (Staatsarchiv.) „Plus S. M. I. a touj'ours eu 4 cceur — so lautete die Antwort des Wiener Hofes — de conserver de toutes parts en son entier la tranquillite publique, plus Elle a vu avec plaisir que S. M. t. Chr. etait convaincue de la sineerite de ses dispositions 4 cet egard-, et attendu que S. M. I. est dans la pleine confiance que Sa susdite M. a les memes intentions, S. M. I. croit pouvoir etre dans la ferme assurance que la droiture et la Penetration de S. M. t. Chr. ne lui permettront pas d’appliquer le traite d’Aix-la-Chapelle 4 des choses qui n’y ont aucun rapport, ni en consequence de vouloir faire une extention dudit traite 4 des fiefs d’Empire qui n’ont point ete discutes ni avant, ni dans le corps meme du traite, encore moins 4 des formalites purement judiciaires de proces legitiment pendants 4 un tribunal d’Empire, d’autant plus qu’il est certain que l’Empire Romain Germanique n’a pris part au traite sans aucun titre, de meine qu’il est hors de doute que les Puissances contractantes 4 Aix-la-Chapelle n’ont jamais eul’intention de porter aucun prejudice aux droits d’autrui, et d’un tiers, encore moins de s’immiser dans les affaires domestiques de l’Empire et dans ce qui concerne la puissance judiciaire de l’empereur, ni de changer la forme de proceder du conseil imperial aulique qui est prescrite par les loix et assuree par un usage journalier. C’est pourquoi attendu que le pays de Campo-Freddo est indubitablement un fief de l’Empire, et que personne, excepte l’empereur, ne peut etre juge sur ce qui concerne les fiefs de l’Empire, la Republique de Genes manquerait aux devoirs les plus essentiels des vassaux si eile cherchait dans cette affaire 4 se soustraire 4 la jurisdiction de l’empereur, d’autant qu’on sait que les loix de l’Empire ont etabli des remedes de droit desquels eile peut legitimement user, si eile se croit grevee par les Conclusa du conseil imperial aulique-, auquel cas la Republique doit etre entierement persuadee que la justice, de quelque espece qu’elle soit, lui sera abondamment administree. La Republique s’est flattee, lorsqu’elle a expose au roi t. chr. qu’elle avait depuis six cent ans un domaine certain et illimite sur les peuples de San Remo, puisque ce qui a dte fait en Italie par les vicaires de l’Empire au sujet de cette •rc- - r r- 422- ville en diverses occasions, et qui a et6 confirmö solemnellement par une sentence arbitrale, et qui d’ailleurs a, depuis environ vingt ans, ete expose dans des im- primes publics, n’ont point laisse 4 ia disposition de S. M. I. de pouvuir refuser entierement d’entendre les griefs impoi'tants des San-Remois. C’est pourquoi la susdite M. I. ne pourrait pas choisir une voie plus douce que de deraander, comme il a ete fait, 4 la Republique meme, un detail au vrai de ce qui concerne ces griefs, ne lui interdisant aucun moyen de produire ce qu’elle jugera etre de son interet. On n’a donc ainsi rien öte 4 la Republique, et quand meme le traite d’Aix- la-Chapelle pourrait avoir lieu, eile aurait d’autant moins le droit de reclamer les dispositions des articles XIV et XV de ce traite, qu’elle s’est efforcee la premiere de fait, et par la voie des armes d’enfreindre, tant par rapport au fief de Campo-Freddo, qu’ä l’egard de la ville de San.Remo, ce qui etait arrete et sacre non seulement anterieurement au dit traite, mais meme depuis plusieurs siecles. Personne n’est certainement plus occupe que S. M. I. du desir de conserver la tranquillitd publique; et attendu que ce qu’elle se doit, tant 4 elle-meme, qu’ä l’Empire, concoure au meme but, Elle est dans la ferme esperance que les choses qu’Elle n’a point voulu laisser ignorer ä S. M. tr. Chr. par l’amitie sincere, qu’elle lui porte, seront prises par Sa dite M. tr. Chr. dans le meme esprit qu’elles lui ont et6 presentees, et qu’ainsi la Republique de Genes sera renvoyee ä ce qu’elle doit 4 l’empereur et 4 l’Empire.“ (S. d. Staatsarchiv. Die Antwort war dem französischen Botschafter in lateinischer Sprache gegeben worden.) 205 (175). Aus den Berichten Esterhdzys hatte der Wiener Hof mit Bedauern ersehen, daß — trotz allen Bemühungen — der Abschluß des russischenglischen Bündnisses noch in weite Ferne gerückt sei. In der Konferenz, die darüber einberufen wurde, gelangten folgende Deliberationspunkte zur Beratung: das russische Ultimatum; das Promemoria, das Graf Esterhazy überreichen solle, und schließlich, welche Stellung man fortan zu Rußland zu beobachten habe. „Der wesentliche Inhalt des ersten und hauptsächlichsten Objecti — so referierte Kaunitz dem Kaiser — nemlichen des russischen Ultimati bestehet kürzlich in deme, daß — wann die russische Völker wirklich agiren sollten — alsdann anstatt deren vorhin begehrten 3 Millionen Thaler und von Engelland bewilligten 350.000 U Sterling, dermahlen jährlich 500.000 U Sterl. geforderet werden. Jedoch, daß Rußland die Verpflegung dieser Troupen über sich nehmen wolle, außer in dem Fall, wann solche in einem neutralen Land zu stehen kommen möchten, wo alsdann noch absonderlich 20.000 U Sterl. monatlich anverlanget werden. In dem Separat-Articul aber anstatt daß Rußland für das Wartgeld anfänglich eine Million Taler jährlich begehret und Engeland nur 50.000 ü Sterl. angetragen, so bestehet nunmehro jener Hof auf 200.000 U Sterl. jährlich. Diese letztere Anforderung wegen des Wartgelds seie eben diejenige, welche dem ganzen Werk die größte Schwürigkeit in den Weeg zu legen scheinet, und E. M., dann dero gehors. Konferenz kommete dieser vorwaltende Unterschied allzugroß vor, um eine gegründete Hoffnung schöpfen zu können, daß man in Engeland einem solchen Anverlangen sich fügen werde. Besonders da Rußland in seinem dem englischen Ministre Guydickens zugestellten Begleitungs- Memoire zu wiederholten Mahlen herkommen lasset, von diesem seinem Pro-Ulti- mato geeußerten Begehren nicht in dem mindesten abweichen, sondern ehender mit seinen in Lieffland stehenden Troupen eine andere Disposition machen zu wollen. r i r i * y f 423 Die Ursach dieses so hoch gespanten russischen Antrags wurde zwar von der gehors. Konferenz daher zu rühren geglaubet, als ob Rußland durch die in dem englischen Contre-Project enthaltene Anregung von fürdersamster Beorderung der russischen Generalitaet und anderen March-Anstalten auf die Meinung gebracht worden wäre, daß Engeland seiner Hülff nur allzusehr benötiget seie und jener Hof dahero eine so hohe Sprach gefiihret und seine Anforderungen nach der anderseitigen Verlegenheit ausgemessen hätte; jedoch schiene dabei fast unbegreiflich zu sein, wie das russische Ministerium sogar alle Gelegenheit und Veranlaßung dem englischen Hof habe benehmen mögen, sich von selbigem allenfalls mit Anständigkeit über ein- oder andere Bedingnus näher behandeln zu lassen.*) Nichts destoweniger haben E. M. den erleuchtesten Schluß gefasset, durch einen Courier dem Grafen von Colloredo in Engeland den gemessenen Auftrag für- dersamst zuzufertigen, daß er, ohne in Special-Anmerkungen über das russische Ultimatum an sich hineinzugehen, bei dem dortigen Hof all- immer erdenkliches in Vorstellung bringen und die ihme bereits hiebevor an Hand gegebene triftigste Bewegungsgründe hierzu wiederholten zu Hülf nehmen solle, um dem englischen Hof mit Beifall einsehen zu machen, daß ungeachtet allen deine, was Engeland vielleicht an dem russischen Betrag in diesem Werk auszustellen finden möchte, dannoch dessen eigenes Staatsinteresse und die auf dessen getreue Bundsgenossen sich zu erstrecken habende Rücksicht mehr dann jemals bei gegenwärtigen Weltläuften erfordere, über alle andere Betrachtungen hinauszugehen und nur auf Mittel und Weeg zu gedenken, wie die von Seiten Rußland gleichsam auf die eußerste Spitze getriebene Conventions-Unterhandlung fort- geführet und Rußland näher herbeigebracht werden möge. Man wünschete zwar dießeits, daß die erfolgte russische Antwort mit der englischen Erwartung mehrers übereingestimmet hätte, und bedaurete hingegen, daß in dem an Guydickens gestellten russischen Begleitungs-Memoire solche Ausdruckungen eingeschlossen wären, welche dem König und dortigem Ministerio nicht anderst als empfindlich fallen dörften; jedoch hielte man sich auch von der Großmut des Königs und der erleuchten Einsicht des Ministern gänzlichen versicheret, daß man sich allda bei denen Ausdruckungen nicht aufhalten, sondern vielmehr die Beförderung der allgemeinen Wohlfahrt nebst anderen dahin einschlagenden wichtigen Betrachtungen vor Augen haben und auf immer tunliche Weiß die Handlung offen erhalten, auch endlichen dem anderseitigen Ultimato sich näheren würde, mit dem ferneren Zusatz, daß so unabwendig auch Rußland auf dieser seiner letzten Erklärung zu bestehen scheinet, dannoch der Graf Esterhasische Bericht annoch einige Hoffnung übrig lasse, Rußland zu mehr gemäßigten Bedingnussen zu bewegen, zum Fall nur die rechte Mittel und Weeg hierzu erwehlet werden. E. M. geruheten über die Auswahl dieser Mittel jene für ausgiebiger anzusehen, welche etwa bei einem oder anderem russischen Ministro durch Schankungen angewendet werden wollten. Da in solchem Fall vielleicht 20.000 Sterl., dafern diese recht angebracht würden, von gedeilicherer Würkung sein und die Behandlung mehrere erleichteren dörften, als wann eine weit namhaftere Summa u. z. *) „Wann das russische Ministerium in Absicht geführet hätte — so wurde an Esterhazy geschrieben — die so eifrig gesuchte und betriebene Convention mit Engeland völlig rückgängig zu machen, so hätte solches nicht besser als auf die Art geschehen können, wie sein Ultimatum und Begleitungs- Promemoria verfasset, auch sich überhaupt bei diesem Geschäft benommen worden-“ (Weisung an Esterhazy vom 25. Mai 1754. Staatsarchiv.) jährlich über das vorhinige Anerbieten annoch weiters an Rußland stipuliret würde. Es kommete aber darauf an, ob und wie das englische Ministerium in diesen Vorschlag einzuleiten seie?, indeme bekandtlich die Subsidien-Gelder von der dortigen Nation bestritten würden, derlei Gratificationes aber dem zu geheimen Ausgaben verwilligten National-Fundo zu Last falleten. Außer dem obangeführten wäre annoch zu besorgen, daß, wan Engeland die bereits so vieles Aufsehen bei denen abgeneigten Höffen erweckte Handlung nunmehro fallen lassen wolte, der für Engeland und dessen Alliirten noch am besten gesinnte russische Groß Canzler Graf Bestuchef als Urheber und Beförderer der erfolgten russischen Troupen-Zusammenziehung und des andurch ver- anlaßten Conventions-Anwurffs der wahrscheinlichen Gefahr ausgesezet würde, seinen Credit bei der russischen Kaiserin und dortigem Hoff vollends zu verkehren, mithin auch in allen übrigen Vorfallenheiten sowohl dem englischen als hiesigen Hof auf einmahl unnuzlich zu werden. Der andere Deliberationspunct betrifft das von dem russischen Ministerio dem Grafen Esterhasi übergebene Promemoria, wodurch das diesseitige vom 19. Octobris vorigen Jahrs erwiedert wird. Der Inhalt desselben nebst der Arth, wie solches verfasset, seie von jenem, so dem Guydickens zu theil geworden, dergestalten unterschieden, daß anstatt der englische Hof sich darüber zu beschwehren, der hiesige hingegen sich derer gegen ihn darin geeußerten Freundschaffts- und Zufriedenheits vollen Ausdruckungen allerdings zu beloben habe. Vor allen erhellet daraus, was maßen die in der leztern diesseitigen Antwort an den dahier anwesenden russischen Botschafter eingeflossene höfliche Erinnerung der russischer Seits zu leistender reciprocirlichen Hülfe und genauen Erfüllung des Tractats de anno 1746 (dessen Anführung in denen vorherigen Vorträgen des russischen Groß-Canzlers sowohl als des Grafens von Kayserling übergangen worden) die andurch abgeziehlte gute Würkung nach sich gezogen habe, daß in dem dermahligen Promemoria von wegen der russischen Kaiserin durch dessen Ministerium diese bundsmäßige Obliegenheit ausdrücklich anerkennet und dabei auf das feierlichste versichert wird, nicht nur dem vorerwehnten Tractat, sondern auch nahmentlich dessen Separat und geheimen Articulen ein heiliges Genügen leisten zu wollen. Der übrige Inhalt dieses Promemoria begreiffet zwei Membra oder russische Begehren in sich, nemblichen erstlich, daß der hiesige Hof ausdrücklich declariren lassen möchte, daß, dafern Rußland von dem König in Preußen oder einer anderen Macht wegen der mit Engeland zu schließender Konvention feindlich angegriffen werden solte, der hiesige Hof dergleichen Angriff für den Casum foederis besagten Tractats anerkennen und alle daraus entspringende Verbindungen in ohnverzügliche und würkliche Erfüllung sezen würde. Dann andertens, daß der hiesige Hof nach dem Beispiel von Rußland, um den König in Preußen von feindlichen Unternehmungen zuruckzuhalten, sich von nun an entschließe, ebenfalls ein nahmhafftes Corps seiner Troupen an die schlesische Gränzen zusammen rucken zu lassen. Obwohlen über das erstere Ansinnen unter anderen Vorstellungen auch die Erinnerung geschähe, daß man noch vorhero abwarthen könte, wie Engeland die jezige Beschaffenheit der Sachen ansehen und sich darüber eußeren würde, so eröffneten dannoch E. M. Dero a. h. Entschließung dahin, daß man sich dem 425 russischen Verlangen mit einer solchen Declarations-Ausstellung um so mehr ohne einigen Anstand fügen könte, als sowohl in dem Fall, wan die Convention zwischen Engeland und Rußland zustand kommete, als wo nicht, dannoch hiesiger Seiths sich keiner weiteren Gefahr oder Anstössigkeit aussezete, indeme in dem ersten Fall die andurch der gemeinschafftlichen Sach zuwachsende mehrere Hülf auch dem hiesigen Hof natürlicher Weise zustatten kommete, in leztern aber es ohnedeme bei der vorigen Verbindlichkeit sein bloßes Bewenden hätte. Hingegen erachteten E. M. mit der einhelligen Meinung der gehorsamsten Conferenz keinerdings rathsahm zu sein, nach dem änderten russischen Antrag, ein Corps diesseitiger Trouppen an die schlesische Gränzen zu beorderen und andurch den wahrscheinlichen Argwohn bei Freund- und Feinden zu veranlassen, als ob der hiesige Hof kriegerische Absichten im Schilde führete und den König in Preußen feindlich überfallen wolte. Vielmehr hätte man einem solchen Zumuthen auf folgende mit der often- kiindigen Wahrheit übereinstimmende Arth auszuweichen zu suchen: wie man nemlich dem russischen Verlangen hierinnenfalß schon bevorgekommen wäre, da man eine solche Eintheil- und Verlegung deren diesseitigen Trouppen vor- gekehret hätte, daß benöthigten Falß innerhalb wenig Wochen ein nahmhafftes Corps zusammengezogen und solches zu Verthädigung deren gemeinsahmen Bundsgenossen angewendet werden könte, um hierdurch derjenigen Obliegenheit werk- thätig nachzukommen, worzu man sich durch den mehr angeführten Tractat von anno 1746 anheischig gemachet, und worinnen Rußland ebenfalß, auch ohne einer weiteren Conventions-Errichtung in seiner Maaß sich befindete. Ad punctum tertium, worzu das unzuverläßliche Systema von der eigentlichen Gesinnung des russischen Ministern Anlas gegeben, geschähe die Erinnerung, daß der dortige Groß-Canzler Graf Bestuchef zwar bishero derjenige gewesen, auf welchen man von Seiten des hiesigen und englischen Hofs sich am mehresten verlassen, und der endlichen auch theils seiner eigenen Erhaltungs willen, theils sonsten Ursach hätte, das ihm vorzüglich zugewendete Vertrauen deren Alliirten durch seine beständige Ergebenheit zu erkennen. Allein! Dessen in dieser leztern Gelegenheit bemercktes kaltsinnige und fast zweideutige Bezeigen gegen Esterhasi, da er demselben nicht einmahl das offtwiederhohlte Ultimatum communiciret und in denen seitherigen Unterredungen mit sehr drockenen Antworten abgefertiget hat, wie nicht weniger dessen zunehmendes Alter und übrige Beschaffenheit schiene für das Zukiinfftige eine mehrere Vorsicht in Ansehung seiner anzurathen. Ob nun etwa zwischen Bestuchef und Esterhasi eine Personal-Mißver- ständnus fürwalte, oder ob die Schellsucht gegen Woronzow hiebei einigen Einfluß habe, wurde dahin gestehet, hingegen die Anmerckung gemachet, daß in Ansehung des Bestuchef entweder die Furcht für seine Gegenpartei, oder eine benöthigte Geld-Aushiilff das eigentliche Mittel seie, um ihn zu einer werktätigen Verwendung zu behuff der gemeinsahmen Sach zu vermögen. Außer diesem Groß-Canzler wüste man keinen im russischen Ministerio, welcher dem hiesigen Hof sonderlich beigethan wäre. Engeland befinde sich in dem nemlichen Casu und hätte nicht weniger Ursach, auf das Zukiinfftige fürzu- dencken, wan Bestuchef auf eine oder andere Arth einmahl abgehen solte. Dem hiesigen und englischen Staats-Weesen wäre an keinen Hof mehrers dann an dem russischen und an der Beibehaltung dessen engesten Einverständnus gelegen, und dannoch hätten beide an kainem Hof weniger dann in Rußland solche Weeg 426 und Canälen, deren man sich mit Verläßlichkeit bedienen könte. Ein Umstand, der sich nicht ohne die gröste Verlegenheit iiberdencken ließe! Man möchte dahero diese Betrachtung auch dem englischen Hof eigends zu Gemüth führen und von demselben angegen die Mittheilung eines Plans anbegehren, wie man glaube, mehrere Vertraulichkeit und Ergebenheit in Rußland erwerben zu können, und ob man sich noch fernerhin an den Bestuchef allein halten, oder nebst ihn sich zugleich auch an Woronzow unter der Hand wenden und ohne dabei jenem Gelegenheit zur Eifersucht und schädlichen Mißtrauen zu geben, diesen auf die alliirte Seiten zu ziehen suchen solle? Nach E. M. allerweisesten Beurtheilung käme es nicht so viel auf die Gewinnung eines oder anderen russischen Ministri und die Lenckung deren dortigen Rathschlägen für das gegenwärtige, als eigentlicher dahin an, daß in Rußland zur National-Erkandnus gebracht werde, wie des dortigen Reichs eigene Be- schüzung wieder so gefährliche und zum Theil mit Vergrößerungs-Absichten ein- genohmene benachbahrte Mächten unumgänglich erfordere, mit dem hiesigen Hof als ihrem natürlichen Alliirten und zugleich mit Engeland zu allen Zeiten in der genauisten Vereinigung zu stehen und diese Nothwendigkeit ihren Staats Maximen zum unbeweglichen Grund zu legen. Hierzu dörffte nicht undienlich sein, wan ein paar junge, ansehnliche und leutseelige, dabei aber vernünftige und der böhmischen Sprach kündige Leuth ausfindig gemachet und in Rußland geschicket würden, um durch ihren leut- seeligen Umgang die Gemiither deren Russen von allerhand Gattung successive einzunehmen und für den hiesigen Hof zu disponiren. Indessen wäre dem Grafen Esterhasi einzubinden, daß er sowohl das Vertrauen des Bestuchef als die Freundschafft gegen Woronzow mit allerforderlicher Behutsamkeit ferners zu unterhalten, dabei aber sich wohl in Obacht zu nehmen hätte, von dem leztern zu keinem Fehltritt verleitet zu werden. Übrigens hat zwar der Bestuchef bei Übergebung des vorhin gemelten Promemoria an Esterhasi demselben mündlich zu erkennen gegeben, daß man dahier dem russischen Bottschaffter von der vorseienden ganzen Troupen Handlung und denen obangezogenen Erklärungen nichtes entdecken möchte. Gleichwie aber nicht zu vermuthen stehet, daß dem Grafen von Kayserling sothane Negotiation verborgen sein oder bleiben solte, sondern daß demselben vielmehr alles, was dahin einschlaget, von dem Keith und Flemming werde offenbahret und mitgetheilet werden, mithin es von dem Kayserling für ein von dem hiesigen Hof gegen seine Persohn gefastes Mißtrauen ausgedeutet werden dörffte, in sofern man hierinnenfalß dem Verlangen des russischen Groß-Canzlers mit einer unzeitigen Verschlossenheit gegen den hiesigen Bottschaffter sich fügen wolte, als haben E. M. a. g. zu beangenehmen geruhet, daß dem erwehnten Grafen von Kayserling .von obiger Materie vertrauliche Eröffnung geschehen könne, jedoch solchergestalten, daß man sich dabei ausdrücklich dessen behutsahme Geheimhaltung auszubedingen hätte. Schließlichen wäre dem Grafen von Collo- redo bei obiger Gelegenheit der an ihn, zu erlassenden Anweisung zu bedeuten, daß er dem englischen Ministerio zu verstehen gebe, wie zu Beförderung deren gemeinsahmen Geschafften bei dem russischen Hof nicht unrathsahm sein dörffte, wan anstatt des Guydickens ein anderer englischer Minister von vornehmen Geschlecht aldahin geschicket würde, welcher zugleich wohlbemittelet und im stand wäre, durch einen größeren Auffwand ihm mehreres Ansehen zuwegen zu bringen. _ _ _ _ « 427 (Vortrag des Grafen Kaunitz an den Kaiser vom 20. Mai 1754. Staatsarchiv.) Im Sinne dieses vom Kaiser approbierten Vortrages wurden die Reskripte entworfen, die am 25. Mai 1754 an Esterhazy und Colloredo abgingen. (Staatsarchiv.) 206 (176). In betreff seiner Besitzungen in Österreich hatte der Bischof von Bamberg ein Schreiben an die Kaiserin gerichtet, das am 29. Mai 1754 dem Direktorium mitgeteilt wurde. (Staatsarchiv. Das Konferenzprotokoll konnte nicht aufgeflinden werden.) 207 (179). Siehe Band 1745—1749, p. 555, Anm. 386. „Sans entrer dans l’analyse des temps recules et des dififerents diplömes — so heißt es in einer Denkschrift — que les empereurs, des le temps des Ottons, accorderent ä la famille de Carpegna sur les terres qui font presentement l’objet de la question, l’on se bornera k remarquer que cette famille se partagea ensuite avec ses terres en deux branches dont une gardant le noin et la possession de Carpegna laissa k l’autre le nom et la portion de Scavolino. Le dernier descendant male de celle-ci, apres avoir obtenu de feu l’empereur Leopold le titre de prince de l’empire sur la terre de Scavolino, ayant recherche k differentes reprises de lui et de feu 1’empereur Charles six le renouvellement des investitures imperiales et meine la confirmation du testament qu’il s’etait propose de faire, plusieurs de ceux qui etant issus de cette branche, pensaient pouvoir pretendre ä sa succession, avaient pris leurs recours au conseil aulique de l’Empire, lequel ayant dejä porte differentes sentences sur une afifaire aussi positivement de son ressort, n’aurait pu manquer d’en döcider definitivement si les instances de la cour de Rome et les pretensions qu’elle alleguait y former elle-meme, n’avaient porte la moderation reconnue de l’empereur Charles VI ä faire surseoir le jugement et ä preter les mains k la proposition faite au nom du Saint-Siege, que si, avant que cette afifaii-e fiit terminee entre les deux cours k l’amiable, le prince de Scavolino venait ä mourir, il ne serait fait dans les terres de ce nom de part ni d’autre aucun acte qui puisse indiquer un exercice de jurisdiction. Le Cardinal Grimaldi, resident pour lors comme nonce apostolique ici, ayant le 24 janvier 1731 ecrit en ces termes un billet au vice-chancelier de l’Empire d’alors, celui-ci repliqua le 13 fevrier par un autre congu dans le meme sens. Mais cet accord ou convention ne fut que provisionnel et borne aux seules posses- sions du prince Scavolino, desquelles il etait alors uniquement question. Ce prince etant mort la meme annee, la cour imperiale scrupuleusement attachee k la bonne foi de ses promesses, ne se mela en aucune fagon de sa succession. Mais eile aurait bien souhaite d’eprouver en echange un retour egal de la part de celle de Rome dont les demarches n’attendant pas meme le deces du prince Scavolino se trouverent quasi le moment apres la conclusion du dit accord et dans les occasions suivantes nullement combinables avec la clause positive de ne faire aucun acte qui puisse indiquer un exercice de jurisdiction, le fils d’une soeur du prince de Scavolino, savoir le comte Frangois Cavalieri, ayant pris sous l’autorite et sous les auspices de la cour de Rome possession de la principaute de Scavolino, et de plus des arbitres nommes ä deux reprises par la dite cour ayant en suite porte des sentences en faveur du meme Cavalieri; teile couleur que Ton voudrait donner ä des actes aussi positifs de jurisdiction, par- ticulierement vis-ä-vis et entre des parties qui avaient ci-devant plaide ici, il ne 428 pouvait jamais, sauve la Convention susmcntionnee, y etre procede sans la par- ticipation de la cour imperiale. S. M. I. avait, comme Grand-duc de Toscane, lors de son avenement 4 la possession de cet etat, trouve qu’outre cette crise egalement contraire aux droits du Grand-duche qu’4 ceux de l’Empire, les possesseurs des terres de Carpegna et de Scavolino, savoir le comte Frangois de Carpegna, dernier male de la seconde branche, et le susdit Cavalieri, 4 l’ombre de la protection du Saint-Siege, man- quaient d’un autre cöte en tont 4 ce qu’ils devaient au Grand-duche avec lequel des l’annee 1489 et les suivantes les deux branches de Carpegna avaient con- tracte une liaison de clientelle dit accomandigie par laquelle, en reconnaissance de la protection et des autres avantages qu’elles obtinrent du Grand-duche, alors encore republique de Florence, il etait reserve 4 celle-ci de succeder au defaut des mäles et des filles des dernieres mäles de la maison de Carpegna dans les terres de ce nom et dans celles de Scavolino, au nom desquelles les Carpegnes seraient en attendant tenus de presenter tous les ans 4 l’eglise de S‘ Jean de Florence une banniere de soie laquelle y a et6 en effet toujours presentee, les nonces du Saint- Siege demeurant meme 4 Florence. Cette convention ayant ete renouvelee dans le seizieme siede par les deux branches de la dite famille sous les memes conditions, et celle qui donne 4 la Toscane la succession d’abord apres le deces des derniers mäles et de leurs propres filles, n’admettant pas l’extension que la cour de Rome pretendait attri- buer encore aux enfants de ces filles, S. M., alors Grand-duc, se trouva d’autant plus oblige de revendiquer par des troupes mises dans les terres de Scavolino et de Carpegna les droits de la Toscane que non seulement le comte Frangois Carpegna meditait dejä des lors de faire echeoir la succession pareillement au fils d’une de ses soeurs, mais que tant lui que le susdit Cavalieri voulaient se soustraire 4 la presentation annuelle de la banniere dont il a ete fait mention ci-dessus. A peine les troupes etaient-elles en 1738 entrees dans les dites terres, que le Saint-Pere s’y opposa en son propre nom, et la moderation jointe aux egards particuliers envers le Saint-Siege ayant toujours prevalu ici, Ton se preta dans la suite, au nom du Grand-duche, 4 des negociations lesquelles s’etant constam- ment faites avec la cour de Rome et ses ministres en droiture, les comtes Carpegna et Cavalieri n’y intervinrent que lors qu’il etait question de les remettre en possession. Independemment que le tout ne fut fait et accorde qu’uniquement par une complaisance et attention distinguee pour 1a, cour de Rome, et que tous les Instruments furent concertes avec les propres ministres de Sa Saintete, il n’y a pas jusqu’4 celui de possession qui ne fut dressee et meme en plusieurs points changee sur les instances de Sa Saintete. Enfin de son propre consentement et avec beaucoup de satisfaction temoignee de sa part tant avant qu’apres la con- clusion de l’affaire, il fut 4 la fin regle que les susdits comtes de Carpegna et de Cavalieri observeraient 4 l’avenir religieusement toutes les clauses des accom- mandiges, et qu’ils ne rentreraient en possession de Carpegna et de Scavolino que sauf tous les droits de la Toscane. Il n’etait fait aucune mention des suc- cesseurs dans l’acte qui rendait la possession au comte Cavalieri, et les droits de la Toscane ne sauraient qu’etre reconnus par Sa Saintete apres que les actes qui les constatent et affermissent de nouveau, ont ete dresses avec la cour de Rome elle-meme et mis en exöcution en 1741. 429 Bien que la banniere fnt du depuis regulierement presentee ä l’eglise de S* Jean ä Florence, cependant le comte Frangois de Carpegna etant l’annee derniere decede sans ligne male et le fils d’un de ses Alles, savoir le marquis Gabrieli s’etant contre les conventions des annees 1731 et 1741 aussitöt empare de ses possessions, S. M., en qualite de l’empereur, put d’autant moins regarder avec indifferenee ces entreprises reiterees non seulement contre les droits de la Toscane, mais encore contre ceux de l’Empire meme, que sa eapitulation imperiale lui impose d’une maniere plus precise qu’ä ses predecesseurs la Conservation des droits imperiaux en Italie. La moderation guidant cependant tous ses pas, il ne fit prendre possession des terres de Carpegna et de Scavolino que saufs les droits d’un chacun, s’offrant d’abord dans l’acte de possession meme ä rendre justice a quiconqu’elle pourrait competer, et n’ayant rien plus ä cceur que de pouvoir complaire au Saint-Siege en tout ce qui peut etre faisable, S. S. ne s’etait pas plutöt adressee ä S. M. qu’Elle l’assura d’abord meme par ecrit, que sans chercher les moindres delais, Elle etait prete ä entrer en accommodement et ä terminer les choses de prince ä prince, conformement aux propres desirs de S. S. II n’etait pour lors question que des droits de l’Empire; mais la cour de Rome ayant en suite elle-meme reclame la Convention de l’annee 1741 et s’etant enfin portee ä vouloir preter aux accommandiges des interpretations qui en saperaient tous les fondements, le bon sens et ce que S. M. doit non seulement ä eile, mais encore 4 l’Empire, ne lui permit pas de porter par un silence qui aurait pu paraitre acquiescement, prejudice aux droits du Grand-duche auquel en vertu de la dite eapitulation, eile ne doit pas moins de protection qu’aux autres fiefs de l’Empire en Italie. Comme S. S. insistait avant tout sur l’evacuation de Scavolino et de Carpegna, et 4 ce que les troupes imperiales en fussent prealablement retirees, S. M. avait dejä consenti 4 laisser (en attendant que les choses fussent reglees ä l’amiable ou selon l’expression de S. S. al tavolino) ä laisser, dis-je, rentrer le comte Cavalieri de nouveau dans la possession de Scavolino, et des qu’Elle apprit qu’il existait encore des Alles du susdit comte Carpegna et entre icelles la mere du dit marquis Gabrieli meme, Elle n’hesita pas un moment d’offrir ä celle-ci comme ä ses autres sceurs, pour leurs personnes, la jouissance et possession de Carpegna selon la teneur des accommandiges et saufs les droits d’un chacun, en ajoutant cependant que, comme en vertu de ces accommandiges la succession apres la mort des Alles de la maison de Carpegna devait appartenir ä la Toscane, et que l’extension que la cour de Rome pretendait arroger encore ä leurs enfants, faisait justement l’objet de la presente contestation, l’on pouvait d’autant moins pour le present y admettre le dit Gabrieli que la cour de Rome avait elle-meme etabli pour principe de cette negociation, que ni Elle ni la cour d’ici ne devaient perdre la cause avant que d’avoir plaide, c’est ä dire avant que les raisons de toutes les parties fussent examinees al tavolino. S. S. ayant dans sa reponse applaudi avec des eloges distingues ä l’equite de cette declaration et assure d’avoir muni son nonce d’ici des pleinpouvoirs necessaires pour convenir de l’övacuation de Scavolino et de Carpegna, S. M. n’eut rien de plus empressöe que de la faire regier avec ce prelat d’une fagon qu’il la regardait lui-meme comme dejä port6e ä sa parfaite consistence, et qu’il n’attendait plus que la ratiAcation de sa cour sur ce qu’il avait ici arrete en vertu de ses pleinpouvoirs. 430 S. M. desirant avec le plus grand empressement la conclusion de cette affaire et ayant donne au Saint-Siege toutes les preuves de deference qui pou- vaient jamais dependre d’Elle, se faisait un sensible plaisir d’y voir acheminer les cboses, lorsqu’4 son plus grand regret ses esperances furent frustrees par des principes nouveaux et tout opposes que l’on vint mettre sur le tapis 4 Kome, oü non content de renverser ce que l’on y avait dejä reconnu soi-meme nommeinent la possession de la donna Laura, l’on eleva des questions et difficultes qui ne pourraient qu’eloigner 4 jamais l’esprit d’union et de concorde, ces questions tendant jusqu’ä vouloir presentement revoquer en doute la valeur des accoman- diges, c’est ä dire des traites observes depuis pres de trois siecles que Fon 4 soi-meme reconnu encore en 1741, et ä ne preter presentement qu’une pure et simple connivance 4 ce que Fon a pareillement traite et negocie soi-meme; 4 quoi ne se bornant encore, Fon pretend se fonder sur un exemple aussi illegal que celui de la possession prise par le comte Cavalieri contre l’esprit et la lettre de la convention de l’annee 1731, et tirer un droit dans les formes non seulement en sa faveur, mais encore des autres de la simple indulgence que par pur egard envers le Saint-Siege, Fon a ici voulu avoir pour ce comte, comme si la com- plaisance accordee pour un temps et sur une seule partie pouvait former un droit 4 jamais et sur la totalite, et sans faire reflexion qu’une possession encore aussi illegale que celle de Gabrieli ne saurait jamais fournir un titre, Fon va meme jusqu’ä le soutenir fonde par 14 4 etre rdtabli dans la possession de Car- pegna 4 Fexclusion de sa propre mere et 4 vouloir faire une ndcessite d’une entreprise contraire 4 la justice. L’incongruite et la contradiction de ces principes sautant aux yeux d’elle- m@me, et le dit Gabrieli ne pouvant meme jamais venir dans le cas de former une pretension sur Carpegna que du chef de sa mere, il ne saurait certainement pretendre exclure celle de laquelle seule il pourrait deriver sur lui quelque droit, sans se donner l’exclusion 4 lui-meme. Mais en mettant meme pour un moment tout ceci de cöte, rien de plus naturel que la preferance de la mere devant le fils, puisque c’est 14 l’ordre que la nature et les loix ont etabli dans les successions qui pourraient tomber en quenouille, et rien de plus indispensable dans des arrangements provisionnels et dont le but est de conserver en entier les droits d’un chacun que de laisser indecis ce qui ne saurait faire que l’objet de l’examen et de la decision finale. La possession de Gabrieli est pröcisement ce qui avec le point de la superioritö territoriale sur les terres de Scavolino et de Carpegna fait le noeud de la contesta- tion 4 terminer al tavolino, et il ne saurait presentement que toute la ligne male des deux branches de Carpegna est eteinte, jouir des-4-present de la possession, sans que l’Empire et la Toscane perdent en effet d’avance leur cause avant que d’avoir plaidß. La possession de la donna Laura ne portant en echange maintenant pre- judice ni aux droits de l’Empire, ni aux droits de Toscane, ni meme 4 ceux que le Saint-Siege prötend avoir, et se trouvant non seulement conforme 4 ce que la nature et les loix prescrivent elles-memes, mais fournissant encore le plus sur moyen de pouvoir de son vivant convenir d’un accommodement al tavolino, ces seules considerations suffiraient pour ne pouvoir avec equite exiger de S. M. I. au de 14 de ce qu’Elle a dejä offert, et de ce que la cour de Kome avait accepte elle-meme. Mais les droits de l’Empire et du,Grand-duche de Toscane, joints au prejudice infini qui rejaillerait sur eux de la possession presente du marquis Gabrieli faisant 4 S. M. de plus une necessite de son exclusion, Elle ne V 431 peut que se tenir ä ce qui a dejä ete reconnu par S. S. et arrete par son nonce d’ici, savoir d’aller en retirant les troupes imperiales tant de Scavolino que de Carpegna, laisser la possession de cette derniere comte ä la donna Laura (d’ail- leurs propre sujette du Saint-Siege) pour sa personne et proceder ensuite ä l’examen ulterieur al tavolino les droits d’un cliacun en attendant reserves.“ (Staatsarchiv.) Dem Grafen Migazzi wurde mitgeteilt, es sei das vom Kaiser genehmigte Gutachten in der Weise ausgefallen, „daß nemlich Unsere in dem Lehen von Carpegna bishero verlegt geweste Truppen um so mehr ohne Bedencken von dannen zuruckgezogen, auch der Marchese Gabrieli ohne Anstand im Besiz desselben wiederum eingesezet und bis zur Zeit des sich ergebenden Falles darinn belassen werden könnte, weilen es sicher wäre, daß Wir sowohl als Oberhaupt des Reiches als auch in der Eigenschafft eines Großherzogs von Toscana in offt ermeldtem Lehen einiges Recht auszuüben, in so lange ohnbedencklich Uns enthalten könnten, als sich noch leibliche eheliche Töchter des lezten Besizers und Abstammers von Carpegna am Leben befänden, welche da durch den klaren Innhalt, derer sogenannten Accommendiggie zu dieser Erbfolge beruffen wären. Daß aber deine ohngeachtet die Gerechtsahme Unseres Großherzogthums Toscana auf viel wiederhohltes Lehen dennoch verwahret, u. z. folgendermaßen aufrecht erhalten werden könnten, wann nehmlich Wir als Großherzog von Toscana zu gleicher Zeit ein Schreiben an S. P. H. erließen, in welchem Wir Uns all Unsere Rechte ausdrücklich vorbehielten; daß der römische Hof auf diese Arth für das gegenwärtige alles jenes erhielte, was er nur immer mit einigem Schein Rechtens anverlangen könne, da andurch unter einem die von denen spanisch-französisch und sardinischen Höfen desfalls ins Mittel gebrachte dringliche bona officia überflüssig gemacht und folglich aufgehoben würden, und endlich daß die Ausfertigung Unseres Schreibens an den Pabsten um so minder einiger Schwürigkeit könne unterworffen sein, als es nicht erforderlich seie, daß dessen Innhalt mit dem römischen Hof vorlaufflg einverstanden oder verabredet werde, u. z. einerseits, weilen Uns niemand ungleich ausdeuten könte, daß Wir Unsere höchste Gerechtsame auf eine Uns selbst anständige und zureichend scheinende Arth vorbehielten, andererseits aber, weilen es dem Pabsten eines Weegs freistünde, ob und auf was für eine Arth er der Pabst dieses Unser Schreiben beantworten wolle. In Verfolg dieses Vorschlags ist also mit Unser und Unserer herzinniglich geliebtester Gemahlin, der Kaiserin Königin M. und L. Genehmhaltung zwischen • . . dem Grafen von Kauniz-Rittberg und zwischen dem römischen Staats- Secretario Cardinalem Valenti ein geheimer Briefwechsel erwachsen, durch welchen dieses häckliclxste Geschäfft auf die oben angezeigte Arth endlich abgethan worden . . .“ (Reskript an Migazzi vom 14. Juni 1754. Staatsarchiv.) Die ausgewechselten Deklarationen lauteten folgendermaßen: 1. „Trattandosi di terminare amichevolmente la controversia insorta intorno gli feudi della Carpegna e di Scavolino, la Santitä di Nostro Signore ha ordinato a me infrascritto di dicliiarare in suo nome, che fino alla conclusione di questo amichevole concerto non farä alcun atto ne’ medesimi feudi, che possa indicare esercizio di giurisdizione, purche nell’ istesso tempo si prometta in nome di S. M. C., che per parte sua non si darä alcun’ altro passo, ne si verrä ad atti irretrattabili pendente l’accennato maneggio. In fede di che etc.“ (Progetto di dichiarazione da farsi dal nunzio.) issr 432 2. „In conseguenza della dichiarazione fatta ultimamente sotto . . . (sic!) in nome della Santitä di Nostro Signore .toccante la controversia insorta intorno alli feudi della Carpegna e di Scavolino, S. M. C. ha ordinato a me infrascritto di dichiarare in suo nome cesareo, che per parte sua non si farä alcun atto ne’ me- desimi feudi, che possa indicare esercizio di giurisdizione, purche sia sicura, che per parte della Santa Sede non si darä ne meno alcun altro passo,. ne si verrä ad atti irretrattabili pendente 1’ amichevole maneggio dell’ accennata controversia. In fede di che etc.“ (Progetto da dichiararsi dal vicecancell ie dell’ Impero. Beilagen eines Vortrages Colloredos vom 21. April 1754. Staatsarchiv.) „Les troupes imperiales — so schrieb Kaiser Franz dem heiligen Vater — viennent d’evacuer les terres de Carpegna e Scavolino en conseqnence des billets echanges entre le Cardinal Serbelloni et le vicechancelier de l’Empire comte de Colloredo; ayant lieu de croire que cette nouvelle sera agreable ä V. S., je veux etre le premier ä la Lui donner. Je ne saurais cependant en meme temps me dispenser de mettre ä couvert tous les droits et pretensions de mon Grand-duche; je me les reserve par con- sequent dans la meilleure forme, m’offrant toutes fois de nouveau ä traiter amiablement sur le fond de la question, comme j’y ai toujours et6 porte. J’ai ete charme de pouvoir donner dans cette occasion ä V. S. une nouvelle preuve de mes sentiments pour Elle. Je La prie d’etre persuadee que je saisi- rai toujours avec empressement celles qui pourront se presenter par la suite. Je Lui demande en echange la continuation de Son amitie et Sa benediction paternelle . . .“ (Beilage eines Vortrages Colloredos vom 25. April 1754.) Folgende Stelle eines früheren Entwurfes war auf Einraten Pfütschners getilgt worden: „et je me fais un sensible plaisir, sachant les bontes qu’Elle a pour les marquis Gabrieli et Cavalieri, de Lui laire connaitre en meme temps qu’ils pourront incessamment se remettre dans la possession des terres en ques- tion et qu’on leur en delivrera les revenus s^questres“ (ibidem). Diese Streichung erfolgte, „damit man römischerseits sich nicht etwa beigehen lassen möge, dem Cavalieri und Gabrieli seines Orts in dem Besitz gleichsam einzusetzen“. 208 (180). Am 27. März 1754 hatten Keith und Burmania eine Note folgenden Inhalts überreicht: „Les soussignes ministres de S. M. le roi de la Grande- Bretagne et de L. H. P. les Seigneurs Etats-Generaux des Provinces Unies des Pays-Bas ont ordre de declarer: Que S. M. et la Republique entendent que l’article vingt six du traite de la Barriere existe et doit exister dans toute sa force, non obstant ce qui est contenu dans la Convention preliminaire, jusqu’ä ce que S. M. I., S. M. B. et les Seigneurs Etats-G6neraux en Conviendront autrement par un traitö de commerce ä faire, d’un consentement commun, ce qui par le premier article de la Convention provisionnelle doit etre fait dans six mois ou plutöt si faire se peut.“ Zugleich war von beiden Ministern ein Schriftstück vorgelegt worden, betitelt: „Remarques et contre-propositions sur le projet de Convention, remis par M. le comte de Kaunitz ä M. de Bentinck, Seigneur de Rhoon, le 25 janvier 1753,*) et sur le second projet du 1 er article du dit projet du 20 fevrier 1753.“ (Nr. 1 u. 2 ad Vortrag des Grafen Kaunitz an den Kaiser, vom 5. Juni 1754. *) Siebe S. 438 ff. Premier projet fait ä Bruxelles. (Vgl. Gachard, Histoire de la Belgique au com- inancement du XVlII e siecle* 538 ff.) 433 Staatsarchiv. Vgl. Gachard, Histoire de la Belgique au commencement du XVIII® siede, 540 ff. Siehe S. 439 ff.) Darüber war am 1. Juni 1754 eine Konferenz abgehalten und vorgetragen worden, „worinnen einesteils die wahre Absicht und der eigentliche Verstand des diesseitigen den 25. Januarii 1753 dem Grafen Bentinck eingereichten provi- sionalen Conventions Projects bestanden habe und wie anderenteils die Seemächten sich diesem Project in ihren Contrepropositionen ziemlicher Maßen zu näheren schienen, aber durch ihre hinzugefügte Declaration, daß nach ihrer Meinung der 26. Articul des Barriere Tractats, nämlich der provisorie eingeführte niederländische Tariff annoch existiere und in so lang verbindlich bleiben solle, bis ein Commerden Tractat wirklich zustand gebracht worden, alles wieder übern Haufen werfeten und die Declaration in der Tat dahinaus laufe, daß die Seemächten zwar den diesseitigen aus aufrichtiger Wohlmeinung hergerührten Conventions Vorschlag, durch welchen die Republique wieder zur Zahlung des Sub- side von 500.000 Patacons gelangete, vor bekannt annehmen, aber von dem eigentlichen Verstand völlig ab weichen wollten, maßen die Niederlanden auf den Fuß der vorerwähnten Declaration weder einen Commerden Tractat, noch die Aufhebung des Provisorii, mithin gar kein Reciprocum vor die künftige Sub- sidien-Zahlung erhalten, sondren wieder in die unglückliche Umstände, in welchen sie 36 Jahr lang gegen die klare Verordnung der Tractaten verblieben, verfallen würden . . .“ (Vortrag an den Kaiser vom 5. Juni 1754. Staatsarchiv.) Auf Grund des vom Kaiser genehmigten Konferenzbeschlusses war Keith und Burmania folgendermaßen geantwortet worden: „Depuis qu’il s’est eleve des difflcultes sur l’execution du traitö de la Barriere et pendant tout le cours de la negociation qui subsiste encore sur ce sujet, S. M. l’imperatrice a täch6 de donner aux Puissances maritimes, dans toutes les occasions, des preuves de l’empressement avec lequel Elle desirait les voir terminees par un arrangement solide et equitable. Pour cet effet Elle ne s’est point bornee 4 la simple intention de finir. Elle a 6te la premiere 4 en suggerer les moyens. Des 1750 on a propose de Sa part pour base de la negotiation des principes qui ont ete adoptes par les Puissances maritimes, et ouvert par 14 la route la plus propre 4 un prompt accommodement. Moyennant l’un de ces principes qui porte que les parties contractantes sont tenues de part et d’autre 4 donner satisfaction entiere aux traites, en meme temps et 4 pas egaux, S. M. l’imperatrice etait en droit de ne satisfaire 4 l’ar- ticle 19 du traite de la Barriere qu’apres que les Puissances maritimes auraient pleinement satisfait 4 l’article 26. Mais desirant constamment autant qu’il est possible prouver 4 Ses bons amis allies Son attention pour ce qui peut leur etre agreable, Elle a donne tous Ses soins ä la recherche de quelque moyen qui püt Lui permettre (sans deroger au principe que tout doit aller 4 pas egaux) de faire recommencer des payements sur le subside, avant meme que le traite de commerce ne füt fait, et c’est dans cet esprit qu’a ete imagine et propose le projet de convention qui a ete remis au comte de Bentinck au mois de janvier de l’annee derniere. L’article 1 et 2 de ce projet ne contenaient 4 la veriffi que des con- sequences qui resultent des traites et des principes arretös. Mais ce non obstant, des qu’on eüt appris qu’en Angleterre on souhaitait des articles moins d6taill6s, on en substitua deux nouveaux 4 ceux du projet en Khevenhüller-Schlitter. 1752—1755. 28 434 question; et l’on crut moyennant eela devoir se flatter qu’apres cette nouvelle condescendance, il ne resterait plus rien ä desirer, ni sur la forme, ni sur le fond de cet arrangement. L’dvenement cependant n’a point repondu aux esperances et aux voeux de S. M., et on n’a pu voir par consequent qu’avec regret les remarques et contra- propositions presentees le 17 (sic!) de mars par M. M. les ministres plenipoten- tiaires de Keith et de Burmania, ainsi qu’en particulier le projet de declaration qui les accompagne, et qui ne saurait s’accorder avec l’esprit de la Convention. C’etait neanmoins le seul expedient qui put mettre l’imperatrice dans le cas de pouvoir consentir ä des payements provisionnels sur le subside, et S. M. comptait meme avoir donne une nouvelle preuve de son amitie aux Puissances maritimes dans cette occasion, en se contentant du seul aveu de la cessation de l’etat provisionnel de l’article 26 du traite de la Barriere, puisque, comme on l’a dejä fait observer, dans la regle Elle aurait ete en droit de refuser tout payement tant et aussi longtemps que le traite de commerce ne sera point fait et parfait. Moyennant donc ces considerations qui paraissent pouvoir suffire, quant ä präsent, on passera, sous silence celles dont le reste des contrepropositions serait susceptible; mais l’on croit devoir supposer en meme temps que les Puissances maritimes n’ont trouve bon de les faire telles qu’elles sont, que parcequ’Elles preferent un traite de commerce ä une Convention provisionnelle, ainsi que M. M. de Williams et de Keith l’ont fait connaitre au comte de Kaunitz-Rittberg des 1’a.nnee passee. Telle etant leur Intention, l’imperatrice non seulement y donnera les mains, mais Elle declare meme de nouveau, comme Elle l’a ddjä declare alors, que pour accelerer cet ouvrage, Ses commissaires aux Conferences de Bruxelles seront charges de produire leurs projets de traitd, des que ceux des Puissances maritimes voudront presenter en meme temps le leurs.“ (Nr. 3 ad Vortrag vom 5. Juni 1754. Staatsarchiv.) Auf diese Weise hatte der Wiener Hof den beiden Ministern deutlich zu verstehen gegeben, daß der Abschluß eines Handelsvertrages das einzig mögliche Mittel sei, die Schwierigkeiten zu beheben. Die Seemächte aber durften sich darüber um so weniger aufhalten als von Williams und Keith ausdrücklich der Antrag erfolgt war, einen Handelsvertrag zu vereinbaren und das Konventionsprojekt beiseite zu lassen. Die Konferenz hatte ferner beschlossen, dem englischen Botschafter folgenden Aufsatz vorzulesen: „La maison d’Autriche ne perdra jamais le Souvenir des puissants et utils secours qu’elle a regus des PP. MM., quoique la raison d’etat et leur propre interet les aient determines. La sürete commune qui a ete le principe de l’alliance, en est donc l’objet Principal; la raison et l’equite exigent par consequent que les Puissances maritimes satisfassent ä leurs engagements tout comme Elles desirent que l’impera- trice remplisse les Siens. Le moyen les plus simple pour satisfaire ä ces devoirs reciproques, c’est de consulter les traites qui les determinent. Celui de la Barriere, considerd dans les vues de la grande alliance, interesse les Puissances maritimes parcequ’il determine les mesures et moyens de defense necessaires pour la Conservation d’un pays qui leur sert de boulevard. II interesse 435 la maison d’Autriche parcequ’elle cherche sa sürete dans celle de ses allies et qu’il lui importe d’avoir avec eux des motifs communs de defense. D’apres ces principes Elle a constamment employe au soutien de la cause commune ce que Lui rendait la possession des Pays-Bas, et tandis que toute la monarchie concourait 4 la defense de cette partie, et a du necessairement s’interesser 4 son sort, Elle n’en a retire et n’en retire encore aucune utilite particuliere. On a paye exactement jusques au commencement de la derniere guerre le subside de 1,400.000 fl. par an. On a donnö aux garnisons de la Barriere les logements, feux et lumieres. On a eprouve des diminutions tres considörables par leurs marches et changements dans les subsides du pays. On attend encore le redressement d’une foule de vexations qu’on a essuyees de la part de leurs gouverneurs et commandants. En un mot, on a rempli tous les engagements onereux du traitö de la Barriere, on en a Supporte toutes les incommodites et on a vu que ce qui n’avait -ete regle que pour la sürete et la defense du pays, ötait regarde comme une servitude imaginöe pour l’utilite particuliere de la Republique. On n’a pas cesse de presser les PP. MM. de satisfaire egalement 4 leurs engagements et de Nous libörer de celui qui Nous tenait dans l’oppression; mais l’habitude qu’on avait pris de regarder les Pays-Bas quasi comme une province tributaire, a toujours empechö qu’on ne Nous ait ecoute, et qu’on ne Nous ait rendu justice. Le sacrifice que feu l’empereur et roi a fait aux PP. MM. de la Compagnie d’Ostende, prouve egalement la complaisance infinie de ce monarque pour ses allies et le tort qu’ils ont eu de l’exiger. Non seulement ils ont ruinö par 14 un pays dont les forces etaient, par principe d’etat, consacröes 4 leur defense, mais ils ont meine fait revivre la Compagnie frangaise qui etait aux abois, et qui du depuis a failli d’abimer celle d’Angleterre, et ils ont donne l’etre 4 deux nouvelles compagnies dans le nord et 4 celle d’Embden. Si la maison d’Autriche ne regardait pas les Pays-Bas comme un lien qui entretient la communication et fortifie par 14 son union avec les Puissances maritimes, quel avantage trouverait-Elle dans une possession qui la rapproche de la France, qui l’enveloppe dans les guerres qu’il plait 4 cette couronne de com- mencer et qui, par consequent, entrainent toutes les forces de la monarchie dans des querelles peu conformes 4 ses interets particuliers. Si l’Angleterre n’avait jamais pris part aux affaires du continent, son commerce ne se serait jamais augmente et etendu au point oü il est aujourd’hui, et cette source de ses richesses, de sa grandeur et de sa puissance tarirait bientöt si eile abandonnait la maxime de se menager des forces de terre capables de la maintenir dans la superiorite qu’elle a sur mer. Ces considerations ne sauraient donc justifler les avantages particuliers que les Puissances maritimes pourraient vouloir continuer de tirer des Pays-Bas 4 Nos depens et contre le sens, l’esprit et la lettre des traites. Mais supposons pour un moment que l’imperatrice, renongant 4 ses droits et aux principes avouös, donnät les mains aux contrepropositions, qu’Elle con- sentit par consequent 4 laisser subsister l’ötat provisionnel de l’article XXVI, et qu’Elle promit de faire recommencer le payement de la moitie du subside, le systöme de süretö qui fait le principal objet de l’alliance, serait-il bien affermi 28* 436 par 14, recevrait-il ce degre de force et de vigueur qui peut attirer du respect et de la consideration 4 l’alliance, ou du moins l’Angleterre pourrait-elle repondre de ce que ferait la Republique au premier danger de guerre qui surviendrait? Car enfin, quand il s’agit d’un objet aussi interessant que Test un Systeme de surete, il faut du moins pouvoir compter sur la possibilite, si non sur l’exi- stance effective des moyens de defense. L’interet de l’alliance en general ne peut exiger qu’une seule des parties contractantes en soit le sacrifice. Nous l’avons ete pendant 36 ans et Nous le serions neanmoins 6ternellement si Nous donnions les mains aux contrepro- positions. Tous les raisonnements, au moyen desquels on veut Nous les faire accepter, se reduisent 4 ceci: „Les PP. MM. ont conquis les Pays-Bas avec leurs troupes et leur argent. Elles les ont remis 4 la maison d’Autriche pour les posseder cum onere.“ „L’onus consistait dans un subside de 1,400.000 fl., dans le droit de garnison en certaines places pour la Republique et dans l’avantage que l’Angle- terre et la Republique tiraient pour leur commerce de l’article XXVI du traite de la Barriere.“ Les PP. MM. ont voulu fonder leur surete dans les Pays-Bas, c’est 14 le vrai motif des depenses qu’elles ont faites pour les conquerir. La maison d’Autriche y avait des droits incontestables. Ces deux raisons reunies prouvent bien decidemment qu’Elle n’a pas re§u ces provinces comme un present que Lui faisaient les PP. MM. Le subside et le droit de garnison n’ont pas pour objet l’utilite particu- liere de la Republique, mais la surete des Pays-Bas, et tandis qu’elle n’existe pas, l’objet de ces deux prestations qui ont dej4 coüte tant de millions 4 la maison d’Autriche, cesse egalement. Si ce n’est pas la faute de la Republique que les Pays-Bas se trouvent aujourd’hui dans un etat de faiblesse qui devrait faire trembler tous ceux qui ont interet 4 leur Conservation, c’est encore moins celle de l’imperatrice-, Elle a fait les plus grands efforts pour les defendre et Elle a engage pour cet effet toutes les branches de Ses revenus; mais si, avec tout cela, les moyens de defense qui ont ete employes, n’ont pas ete suffisants dans le temps que ces provinces etaient couvertes par une chaine de bonnes forteresses, que ne doit-on pas craindre pendant qu’elles sont ouvertes de tous cötes? C’est cette consideration qui est conforme aux vdritables vues de l’alliance. L’imperatrice de ce seul chef serait autoris6e a refuser le subside, et Elle en agirait en cela dans les principes de l’alliance. Ce n’est cependant pas la seule. L’engagement de l’article XXVI si destructif pour le commerce des Pays- Bas, devait cesser par un traite de commerce 4 faire au plutöt selon le traite de la Barriere et dans 2 ans d’apres celui de Vienne de 1781 et l’accession de 1732. Or les trait6s, selon les principes avou6s et justes ind6pendamment de tout aveu, sont obligatoires pour toutes les parties contractantes et les engagements doivent s’executer de part et d’autre 4 pas egaux. Donc les PP. MM. n’ayant pas satisfait 4 ce qu’elles devaient 4 l’imperatrice, S. M. ne peut pas etre tenue non plus 4 remplir Ses engagements vis-4-vis d’elles. 437 Cette consequence devait avoir son effet depuis plus de 20 ans. Et cependant l’imp^ratrice a ete la premiere ä suggörer les moyens de la faire cesser. L’etat provisionnel devait cesser par un traite de commerce. II pouvait cesser par une Convention. Au premier cas la Republique ne saurait rien pretendre du subside jus- ques ä ce que le trait6 de commerce füt fait et parfait. Au second cas Elle pouvait tirer des payements provisionnels et ce füt pour pouvoir les lui fournir sans s’ecarter des principes arretüs qu’on imagina la Convention. Par le second article des contrepositions on parait entrer dans cet esprit de la convention;*) mais en echange par la döclaration on veut ramener les cboses ä l’ancienne servitude, et il s’ensuivrait en l’acceptant que sans avoir ni un traite de commerce juste et 6quitable, ni meine l’aveu des PP. MM. sur la cessation de l’6tat provisionnel, Nous recommencerions en recommengant ä payer le subside, ä satisfaire de nouveau ä Nos engagements sans que les PP. MM. aient satisfait reciproquement ä ceux que pas moins qu’ä Nous leur imposent les traites, et que moyennant cela l’etat provisionnel deviendrait permanent. Nous n’avons pu etre engages ä Nous laisser imposer cette loi lorsque l’on Nous a remis les Pays-Bas; comment peut-on esperer de Nous la faire subir aujourd’hui? Pour les arrerages Nous ne saurions ni faire ni promettre l’impossible. Si la R6publique croit y avoir droit, qu’elle reponde ä ce que Nous avons oppos6 ä cette prötension dans Nos memoires et particulierement dans le dernier! Enfin, Nous ne demandons pas, comme on Nous le reproche, un nouveau trait6 de Barriere; il est tres evidemment demontrö par tout ce que Ton vient de dire, que Nous avons rempli celui qui existe, et que Nous ne voulons autre chose si ce n’est qu’on le remplisse 6galement ä Notre egard dans son vrai sens, et qu’en tout cas, pour determiner ce sens, si les PP. MM. ne le croient pas assez claire, on s’en tienne au principe qui porte, que le traite de Munster servira d’interprete ä celui de la Barriere.“**) (Nr. 8 ad Vortrag vom 5. Juni 1754. Staatsarchiv.) *) Er lautete wie folgt: „Les droits dont les trois Lautes parties contractantes seront convenues, en faveur de leurs sujets respectifs, seront determines par des tarifs, lesquels devront etre compris dans les dits traites, bien entendu que les droits qui auront lieu dans les Pays-Bas autrichiens, et tous les autres avantages et facilites que S. M. I. y accordera, seront les memes pour les sujets de cbacune des Puissances maritimes. L’un et l’autre des dits traites sera signe par les trois Puissances; l’un ne pourra etre signe, ni ratifie sans que l’autre le soit en meme teinps; et eelle des Puissances maritimes qui ne sera pas directement interessee dans l’un des deux traites, munira celui-ci de sa garantie; aussi ne pourra, ni l’un, ni l’autre, etre Change, ä l'avenir, sans l’aveu et du consentement des trois hautes parties contractantes; mais en attendant que ces traites soient faits, elles seront en liberte d’agir comme bon leur semblera, sur tout ce qui pourra regarder le commerce, dans l’etendue de leurs dominations respectives, pour autant qu’elles ne se trouveront pas avoir renonce ä cette liberte, par les traites qui subsistent actuellement entr’elles.“ (Nr. 1 ad Vortrag vom 5. Juni 1754. Staatsarchiv.) **) Dem Grafen Colloredo war am G. Juni 1754 folgendes geschrieben worden: er solle bei günstigem Anlasse, und zwar „als seinen zufälligen Privatgedanken“ dem englischen Ministerium zu verstehen geben, daß Österreich — vorausgesetzt, daß die Seemächte dem Konventionsvorschlag doch noch beistimmten — „wohl noch zu vermögen sein dörfte, vor Engeiand allein eine geheime Deklaration auszustellen und mittelst derselben zu versicheren, daß seinem Commercio in soweit allertunlicher Vorschub gegeben werden sollte, als solches der Wohlfahrt derer Niederlanden nicht allzusehr zuwiederlaufe.“ (Vortrag vom 5., Weisung an Colloredo vom 6. Juni 1754. Staatsarchiv.) 438 Dieses stilistische Meisterstück Kaunitzischer Diplomatie verfehlte nicht seine Wirkung. Keith war ungemein betroffen und bemühte sich, zu beweisen, daß man seine und Williams Äußerung, keine Konvention, sondern vielmehr einen Handelsvertrag zu schließen, ganz falsch aufgefaßt habe. „Man hat ihm aber — so referierte Kaunitz dem Kaiser — seine eigene und besonders des Williams Worte in Erinnerung zu bringen und deutlich zu erkennen zu geben ohnermanglet, wie man diesseits gar wohl begreife, daß die erwehnte Stelle*) um deswillen dem englischen Hof unangenehm fallen dörffte, weilen damahls der Vortrag ohne vorgängige Verabredung und Einverständnus der Eepublic Holland erfolget seie und diese daher Gelegenheit nehmen könnte, auf neue Vorwürfe zu verfallen. Da jedoch diesseits keinesweegs die Absicht dahin gehe, sich bei gleichgültigen Ausdruckungen aufzuhalten, so dörfiften auch E. M. zu Erteilung des a. h. Befehls wohl noch zu vermögen sein, daß die Worte ainsi que MM. de Williams et de Keith l’ont fait connaitre au comte de Kaunitz-Eittberg des l’annee passee in der diesseitigen Antwort ausgelassen würden. Diesem nächst ist Keith in die umständliche Vorstellung eingegangen, daß die erwehnte Antwort die Hofnung zu einer Convention provisionnelle völlig benehme, solches die Gemiither in Holland ungemein niederschlagen, die ohnedas sehr geringe Anzahl der Wohlgesinnten unterdrücken, die Neigung zu denen französchen schmeichelhafften Vorstellungen vermehren und in Engeland selbsten umb so ehender wiedrige Maaßnehmungen veranlassen dörffte, je weniger diese Crone sich jemahlen entschließen würde, ohne die Eepublic zu werkthätigen Maaßnehmungen zu schreiten. Nachdem aber diese und mehrere dergleichen Äußerungen nicht ohn- beantwortet verblieben, sondern solchen zwar auf eine gemäßigte und freund- schafftliche, jedoch standhaffte Arth behörig begegnet worden, so ist endlichen Keith mit dem Ansinnen hervorgekommen, daß wenigstens die Convention provisionnelle nicht gänzlich abgebrochen, sondern offen erhalten und desfalls auf einen Ausweeg fürgedacht werden mögte, welcher allenfalls darinnen bestehen könnte, daß ein gewisser Terminus gesezet und währendem solchem die Frage: ob der Premier projet fait ä Bruxelles. Second projet fait ä Vienne. S. M. l’imperatrice-reine d’Hongrie et de Boheme, S. M. B. et les Seigneurs Etats-G6neraux des Provinces Unies desirant egalement s’arranger le plutöt possible sur tous les objets de leur interet mutuel et de leur sürete commune, qui les ont engages ä 6tablir**) les Conferences qui subsistent actuelle- ment ä Bruxelles, Nous commissaires soussignßs munis pour cet effet des pleinpouvoirs necessaires en conformite des intentions de leurs dites Majestös *) (Handelsvertrag statt Konventionsprojeht) Antwort an Keith und Burmania. Siehe S. 434. **) Von mir gesperrt. 439 26. Articul des Barriere-Tractats, mithin das Provisorium des Tariffs allschon erloschen seie? suspendiret, nach dessen Verstreichung aber und wan währender Zeit kein Commerden-Tractat zustand komme, der erwehnte Articul allerseits vor gänzlich erloschen anerkant würde. Oder aber es wäre von Seiten E. M. und zur vollständigen Sicherheit, daß die Seemächten einem billigen Commerden-Tractat keine weitere Schwürigkeiten in den Weeg legen würden, die ausdrückliche Clausul dem Conventions-Project einzuverleiben, daß, wan in dem gesezten Termino der Schluß des Commercien- Tractats nicht erfolgte, alsdan auch die Zahlung des Subside wieder völlig eingestellt werden solte. Ob nun zwar Keith seine Äusserungen mit der wiederhohlten Versicherung begleitet hat, daß jene nur als sein Privat-Gedancken anzusehen wären und er desfals mit keinen Verhaltungs-Befehlen versehen seie, so hat er doch seine be- merckte Vorschläge allzu eiterig vertheidiget und betrieben, als daß solche allein von ihme herkommen solten, zumahlen ihm zwei Couriers hintereinander zugefer- tiget worden und er nicht gewöhnet ist, etwas auf seine Verantwortung zu nehmen und ohne gemessene Vorschrift in Vortrag zu bringen; deme noch der Umstand hinzukommet, daß er auf die erhaltene Antwort, wie die a. h. Entschließung bereits vestgestellet und dahero nicht wohl eine Abänderung anzu- hotfen seie, sich bei E. M. eine Audienz erbetten und seine angelegentlichste Vorstellungen wegen Olfenerhaltung des Conventions-Vorschlag erneueret hat....“ (Vortrag an den Kaiser vom 18. Juni 1754. Staatsarchiv.) So trat am 15. Juni 1754 die Konferenz zusammen, um zu beraten, ob und wie weit dem Anträge des englischen Gesandten stattzugeben sei, „ohne von denen diesseitigen Grundsäzen abzuweichen, noch dem a. h. Dienst und denen niederländischen Gerechtsahmen zu nahe zu tretten“. Das Ergebnis war, daß den Gesandten der Seemächte, Keith und Burmania, am 23. Juni 1754 ein neuer Konventionsentwurf eingehändigt wurde. Es lagen sonach vier Entwürfe vor, wie aus folgender Zusammenstellung- erhellt (nach Beilagen der Vorträge vom 5. und vom 18. Juni 1754. Staatsarchiv): Troisieme projet ou contrepropo- sitions des PP. MM. Sur les 1 er et 2 d articles. Que ces articles s’eloignent trop de l’idee que les PP. MM. se sont toujours formte de la veritable intention du 26 art. du traitb de la Barriere et du 5 e art. du traite de Vienne de l’annee 1731, pour pouvoir, en la maniere qu’ils ont ete couches par M. le comte de Kaunitz, les avouer et admettre. Les PP. MM. pourraient consentir qu’ä la place des deux susdits articles on substituät les deux suivants: Quatrieme et dernier projet. Eingang des Vertrages wie im ersten Entwürfe. retablir 440 Premier projet fait ä Bruxelles. ainsi que des Seigneurs Etats-Göneraux des Provinces Unies sommes convenus des articles suivants: Art. 1« II sera fait dans l’espace de six mois au plutard ou plutöt si faire se peut, un traite de commerce entre les parties contractantes. Elles traiteront sur le pied de la liberte qui est du droit naturel entre des Puissances independantes. II seralibre par consequent ä chacune d’elles de ne point se pröter ä tout ce qu’elle trouvera ne pas lui convenir. Elles se proposent neanmoins en meine temps de s’accorder mutuellement tous les avantages reciproques qui ne seront pas contre leur interet respectif. Et sur les objets dont on pourra convenir, il sera fait un tarif reciproque. Changement du 1 er article. II sera fait dans l’espace de six mois au plus tard ou plutöt si faire se peut, un traitö de commerce entre les hautes parties contractantes. Par ce traitö S. M. l’imperatrice et les PP. MM. s’accorderont mutuellement toutes les avantages reciproques qui pourront ne porter aucun prejudice au commerce de leurs propres sujets. Et sur les droits dont on sera con- venu, le dit traitö comprendra un tarif dont toutes les conditions devront etre parfaitement reciproques. Art. 2 d Jusqu’ä ce que l’on soit convenu de ce traite, les trois hautes parties contractantes n’auront que leur volonte pour regle sur tout ce qui pourra regarder le commerce dans l’etendue de leur domination, et elles resteront Second projet fait ä Vienne. Art, 1 er En conformite des principes pro- poses de la part de S. M. l’imperatrice- reine le 26 mai 1750 et acceptes de la part de S. M. B. et des Seigneurs Etats- Generaux des Provinces-Unies le 23 no- vembre 1751 et 13 juin 1752, il sera fait dans l’espace de six mois ou plutöt*) si faire se peut, un traite de commerce entre S. M. l’imperatrice-reine d’Hongrie et de Boheme et S. M. le roi de la Grande-Bretagne, ainsi qu’entre S. dite M. l’imperatrice et les Seigneurs Etats-Genöraux des Provinces-Unies. Art. 2 d Les droits dont seront convenues les trois hautes parties contractantes, en faveur de leurs sujets respectifs, seront determines par des tarifs, les- quels devront etre compris dans les dits traitös; et comme par la con *) Von mir gesperrt. 441 Troisieme projet ou contrepropo- sitions des PP. MM. Quatrieme et dernier projet. Art. 1 er Gleichlautend mit dem zweiten Entwürfe. Art. 1 er dans l’espace d’une annee ou plutöt Art. 2 d Bis „les dits traites“ gleichlautend mit dem zweiten Vertragsentwurf. Bien entendu que les droits qui auront lieu dans les Pays-Bas autri- chiens, et tous les autres avantages et facilites que S. M. I. y accordera, seront Art. 2 d 442 Premier projet fait ä Bruxelles. Second projet fait ä Vienne. meme apres et dans tous les temps ä venir dans le plein droit d’en user ä cet egard comme bon leur semblera pour autant qu’elles ne se trouveront pas avoir renonce expressement ä leur liberte naturelle par le traitö en question ou par le traite de Munster. vention faite entre feu S. M. Temper eur Charles VI de glorieuse memoire, et S. M. B. le 16 mars 1731 ainsi que l’acte de l’accession des Seigneurs Etats-Generaux des Provinoes-Unies du 20 fevrier 1732, on a fix6 au terme de deux ans la conclusion d’un traitö de commerce, moyennant lequel s’il avait ete fait, aurait cesse des lors le tarif provisionnel, etabli par Part. 26 du traite de Barriere, S. M. l’imperatrice, S. M. B. et les S. E. G. des P. U. dßclarent qu’elles regardent le dit tarif comme ne plus existant ac tu ellement et comme n’etant. plus obligatoire pour aucune des trois Puissances contractantes;bienentendunean- moins que tout le reste du traite de la Barriere, ainsi que la Convention de 1718 et le traite de Munster resteront dans toute leur vigueur et seront inviolablement observe de part et d’autre.*) Art. 3 me Art. 3 me Le payement du subside de 500.000 patacons recommencera au jour de l’echange des ratifications de la presente Convention. Les S. E.-G. renongant de *) Von mir gesperrt. Troisieme projet ou contrepropo- sitions des PP. MM. les meines pour les sujets de chacune des PP. MM.*) L’un et l’autre des dits traites sera signe par les trois Puissances; l’un ne pourra etre signe, ni ratifie sans que l’aiitre le soit en meine temps; et celle des PP. MM.*) qui ne sera pas directement interessee dans l’un des deux traites, munira celui-ci de sa garantie. Aussi ne pourra, ni l’un, ni l’autre, etre change, ä l’avenir, sans l’aveu et du consentement des trois hautes parties contractantes-, mais en attendant que ces traites soient faits, - eil es seront en liberte d’agir comme bon leur semblera, sur tout ce qui pourra regarder le commerce, dans l’etendue de leurs dominations respectives, pour autant qu’elles ne se trouve- ront pas avoir renonce ä cette liberte par les traites qui sub- sistent actuellement entr’elies.*) Declaration (Siehe S. 432, Anhang 208.) Sur le 3 mc article. Qu’on pourrait agreer cet article, excepte qu’on ne saurait renoncer ä toutes les prötensions du chef des ar- rerages; qu’on pourrait renoncer au sub- 443 Quatriemc et dernier projet. des PP. MM., et que pareillement ceux qui seront accordes aux sujets des Pays-Bas autrichiens, dans les etats de l’une des deux P. M. devront leur etre accordes egalement dans les etats de l’autre. et celle des trois Puissances mais pendant le terme de l’annee etabli par l’article precedent, ä compter du jour de la ratification de la presente convention, chacune des trois Puissances sera en liberte d’en agir comme bon lui semblera, sur tout ce qui regarde le commerce dans l’etendue de sa domi- nation. Et s’il arrivait que la dite annee expiree, les traites en question ne se trouvassent point faits, signes et rati- fies, alors l’art. 26 du traite de Barriere viendra ä cesser pour toujours et aucune des trois hautes parties contractantes ne sera plus tenue aux engagements qu’il contient. Bien entendu neanmoins que tout le reste du traite de la Barriere, ainsi que la convention de 1718, le traite de Munster, celui du 16 mars 1731 et l’acte d’accession du 20 fevrier 1732 resteront pendant la dite annee ainsi qu’ä l’avenir dans toute leur force et vigueur et seront inviolablement observes de part et d’autre pour autant qu’on n’y aura pas d6rog6 par la präsente convention et par les traites de commerce ä faire. Art. 3 me Gleichlautend mit dem ersten Entwürfe. *) Von mir gesperrt. 444 Premier projet fait ä Bruxelles. S.econd projet fait ä Vienne. leur cote en la meilleure forme ä toutes pretensions du chef des arrerages. 445 Troisieme projet ou contrepropo- | Quatrieme et dernier projet. sitions des PP. MM. j I side pour les annees 1744, 1745, 1746, 1747 et 1748, durant lesquelles les Pays- Bas ont ete le theätre de la guerre; mais que S. M. I. devrait, de son cöt6, s’engager 4 payer 4 la Republique ce qui est encore du pour le temps ante- rieur, ce qui monte 4 une somme de 2,122.859 Fl. 1:8 dont le payement pourrait etre regle par termes, sous des süretes raisonnables; que par rapport au temps posterieur 4 l’annöe 1748, LL. HH. PP. pourraient se contenter du prompt payement ä faire par S. M. I. 1° de la somme dont la Republique se trouvera etre redevable depuis le com- mencement de Fannie 1749 jusqu’au jour de l’echange des ratiflcations de la convention 4 faire, au sujet des gages des 6tats-majors dans les places de la Barriere, calcules 4 87.005 fl. argent d’Hollande par an. 2° De ce que la Republique, 4 compter depuis le com- mencement de l’annee 1749 jusqu’au dit jour de l’echange, se trouvera avoir debourse ou etre redevable, au sujet des interets des capitaux qui, ayant ete ci-devant affect6s sur les contributions, Font e,te, du depuis, sur le subside, calcules 4 fl. 202.406 :13 : 9 argent d’Hollande par an. 3° De ce qu’au dit jour de l’echange, la Republique se trouvera avoir debourse ou etre redevable, au sujet de la rGparation des ouvrages de la ville et citadelle de Namur et de l’amelioration de celle-ci •, ce qui ne pas- sera pas la somme de fl. 200.000 argent d’Hollande •, le tout sous cette condition que la Republique sera döchargee du payement de ce qu’elle doit 4 divers bourgeois et habitants de Namur, Tour- nai et autres lieux, au sujet des four- nissements faits par eux 4 l’occasion des sieges des dites villes-, comme aussi du payement de ce qu’elle doit aux magistrats des villes de Tournai, d’Ypres et de Furnes, au sujet des röparations 446 Premier projet fait ä Bruxelles. Second projet fait i Art. 4 me Mais comme la sürete commune ne peut qu’etre le premier des objets de l’attention des Puissances contractantes, qu’elle doit 1’empörter sur toutes autres considerations, qu’il importe d’employer de la fagon la plus utile tous les moyens qui existent, et qu’il ne peut etre pourvu efficacement ä cet important objet qu’en les compassant d’apres les circonstances et en les appropriant ä l’etat present des choses, il est con- venu que le subside en question sera employe par Provision de la maniere suivante: II en sera paye un tiers entre les mains des S. E. G. pour subvenir aux depenses dont ils se sont charges par le traite de la Barriere. Le second tiers sera employe en commun au r6tablissement de toutes les places des Pays-Bas autrichiens qui ont 6te demolies ou endommagees pendant la derniere guerre, ainsi que pour les pourvoir de l’artillerie et des munitions de guerre n6cessaires pour leur defense. Et le 3 e tiers restera ä S. M. l’impe- ratrice-reine d’Hongrie et de Boheme pour la mettre en etat de conserver et soutenir le pied actuel de ses troupes, l’etat präsent des places des Pays-Bas, ainsi que d’autres considerations l’exi- geant ainsi pour le bien de la cause commune. Art. 4 me Vienne. 447 Troisieme proj et ou contr epropo- sitions des PP. MM. Quatrieme et dernier projet. faites aux portes, ponts etc. depuis le commencement de l’annöe 1749, et dont le remboursement a ete, de l’aveu du gouvernement des Pays-Bas autrichiens, promis par la Republique des deniers de subside. Sur le 4 me article. Qu’on ne saurait admettre la divi- sion projetee du subside en trois tiers pour etre respectivement employes aux fins exprimees au dit article. Mais qu’on pourrait agreer la divi- sion du dit subside en deux moiti6s dont l’une devrait etre payee ä la Republique pour l’aider 4 supporter les fraix dont eile se trouve chargee, en- suite du traite de la Barriere; et dont l’autre serait employee 4 la reparation et amelioration des places de la Barriere, savoir Tournai avec sa citadelle, Menin, Ypres, Furnes et la Knocque; comme aussi 4 pourvoir les dites places, con- jointement avec la ville et citadelle de Namur, de 1’artillerie et des munitions de guerre requises; et que, pour la satisfaction et süretö mutuelles, on pourrait regier en mains de qui la dite seconde part serait remise; et deter- miner la qualite des ordonnances sur lesquelles se feraient les deboursements requis, pourvu que, dans la Convention 4 faire, on declarät 1° que les fonds, hypotheques, süretes et payements tri- mestres, assignös, constitu6s et promis par le second article de la Convention de l’an 1718, relativement au subside, seront censes etre 6galement assignes, constitues et promis, relativement aux susdites deux moities, 4 compter depuis le jour susdit de l’^change des ratifi- cations. 2° Par quels receveurs se fera d6sormais le payement des susdites deux moities et, dans la suite, du subside. Art. 4 me Gleichlautend mit dem ersten Entwürfe. * 448 Premier projet fait ä Bruxelles. Art. 5 me Et comme les hautes parties con- tractantes ne peuvent qu’etre aussi con- stamment que serieusement occupees des moyens d’assurer leur liberte et surete commune, que tous les changements arrives dans la face des affaires generales de l’Europe ainsi que dans l’etat des leurs en particuliers depuis la con- clusion du traite de la Barriere, et tous les autres engagements defensifs poste- rieurs qui subsistent entre eiles, rendent leur attention sur ce sujet plus que jamais necessaire, et que le temps de la tranquillite dont l’on jouit heureusement aujourd’hui ne saurait etre employß plus utilement qu’ä l’arrangement de mesures capables de pourvoir autant que de besoin ä un objet si important. En conformite et suivant l’intention du traite de la Barriere, de celui du 16 mars 1731, et de l’acte d’a^cession du 20 f6vrier 1732 eiles concerteront au plutot les moyens qui selon la Situation presente paraitront pouvoir le remplir plus parfaitement et contribuer par consequent au maintien du repos et ä l’affermissement de leur surete commune. 449 Troisi eme projet et contrepropo- sitions des PP. MM. 3° Que les voies d’execution reglees par le susdit second article de la Convention de l’annee 1718, auront egale- ment lieu par rapport aux susdites deux moities, ä moins que la Republique ne trouvät que le changein ent qui pour- rait gtre arrive dans Tadministration et la direction des susdits fonds, depuis l’an 1718, requerait aussi quelque change- ment dans les susdites voies d’ex6cu- tion, dans lequel cas ce changement devrait des ä present etre regle ä la satisfaction mutuelle, tant par rapport aux susdites deux moitiös, que, dans la suite, par rapport au subside, et ex- prime dans la Convention ä faire. Sur le 5 me arti cle. Que les engagements qui subsistent entre la cour de Vienne et les PP. MM. pour leur sürete et defense communes, sont de deux especes : les uns generaux et tirant leur origine du traite de Vienne et de l’accession de la Republique ä ce traite; les autres particuliers et uniquement relatifs aux Pays-Bas autri- chiens, tirant leur origine du traite de la Barriere et de la convention de l’an 1718. Que les engagements de la pre- miere espece ne sont pas un objet des presentes Conferences, et que ceux de la seconde espece sont exprimes, avec toute la clarte et precision n6cessaires, dans le susdit traite de la Barriere et dans la convention de 1718, surtout dans le 3 me article du dit traite, de fagon qu’il parait qu’un nouvel engage- ment serait superflu. Que nöanmoins, ä la place du 5 me article du comte de Kaunitz, on pour- rait et devrait en substituer un autre, portanten substance: „Qu’entant que, par les pr6cedents articles de la convention ä faire, on n’a pas derog6 au traite de la Barriere et ä la convention de l’an 1718, ce traite et cette convention con- Khevenhüller-Schlitter. 1752—1755. Quatrieme et dernier projet. Art. 5 me Gleichlautend bis „se pourra“ mit dem ersten Satze des Art. 6 des ersten Entwurfes, worauf folgt (vgl. Art. 6 des dritten Entwurfes): ä quel effet les plans des reparations des places et les listes de l’artillerie et des munitions de guerre qu’on jugera nöcessaires, de meme que le calcul des fraix, seront tant de la part de S. M. l’imperatrice que de celle des SS. EE. GG. remis aux Conferences dans l’espace d’un mois, ä compter depuis l’echange des ratifications de la presente convention. On aura deux mois de temps pour les y examiner de concert et prendre lä dessus une resolu- tion finale; mais si pendant ce temps on n’avait pu s’accorder, alors S. A. R. le duc Charles de Lorraine et S. A, S. prince Louis de Wolffenbuttel decideront des plans et listes qu’il faudra suivre. 29 450 Premier projet fait a Bruxelles. Second projet fait ä Vienn e. Art. 6 me L’on se concertera sur la maniere d’effectuer le retablissement des places et le remplacement de 1’artillerie, des munitions de guerre le plus prompte- ment qu’il se pourra. Art. 6 me Art. 7 me Aussitöt que toutes les places des Pays-Bas Autrichiens demolies ou en- dommag6es pendant la derniere guerre aurout ete totalement retablies et pour- vues de l’artillerie et des munitions de guerre nöcessaires, le subside de 500.000 ecus commencera ä etre paye en entier aux SS. EE. GGL Art. 7 m * Troisieme projet et contrepropo- sitions des PP. MM. tinueront d’avoir lieu dans tous leurs points et articles; et que les engagements qui y sont compris, aussi bien que ceux qui resultent du traite de Vienne et de l’acte d’accession ä ce traite, seront observes avec toute l’exactitude et bonne foi possibles.“ Sur le 6 me article. Qu’on pourrait admettre cet article et lAtendre de la maniere suivante: savoir que les plans des röparations des places et les listes de l’artillerie et des munitions de guerre qu’on jugera necessaires, conjointement avec le calcul des fraix, seront de la part de la Re- publique exhibes aux Conferences dans l’espace d’un mois, ä compter depuis lAchange de ratifications de la Convention ä faire*, qu’on aura deux mois de temps pour les examiner de concert et pour prendre lä-dessus une resolution finale; mais que, si, pendant ce temps on n’avait pu s’accorder sur ce point, on laissera pour lors ä la döcision du prince Charles de Lorraine et du duc Louis de Brunswic quels plans et listes il faudra suivre. Sur le 7 me article. Que, par rapport aux paroles aus- sitöt que toutes les places de la Barriere etc., cet article doit etre restreint aux places dont on a fait ci- devant l’enumöration sur l’article 4 me , et que, sous cette restriction, il parait au premier coup d’oeil, etre admissible; mais que cependant, il ne laisse pas d’y avoir une difficultö, savoir que, quand meme on en agirait des deux cötes avec toute la bonne foi possible, et qu’on procöderait sans aucune perte de temps ä l’execution des points ar- ret6s, il pourrait cependant arriver que les sommes qui seront requises, selon les calculs des fraix, pour rßtablir les 451 Quatrieme et dernier projet. Art. 6 me Gleichlautend mit dem Art. 7 des ersten Entwurfes. Art. 7 me Gleichlautend mit dem Art. 8 des ersten Entwurfes. 29 * 452 Premier projet fait ä Bruxelles. Second projet fait ä Vienne. Art. 8 rae Les commissaires respectifs tra- vailleront incessamment ä applanir les difficultes qui subsistent par rapport aux nouvelles limites qui ont 6t6 c6- Art. 8 me 453 Troisieme projet et contrepropo- sitions des PP. MM. j Quatrieme et dernier projet. i places et les pourvoir de 1’artillerie et des munitions necessaires, seront fournies au receveur ou receveurs con- stitues, avant qu’on aurait pü pleine- ment effectuer le retablissement actuel des places; ou bien (ce qui est encore plus 4 craindre) avant qu’on aurait pü faire l’acquisition effective de l’artillerie et des munitions requises. Qu’en pareil cas, il ne serait pas raisonnable que la Republique demeurät plus long temps frustree de la jouissance du subside en son entier, sous pretexte que les places ne seraient pas encore entierement rötablies ou pleinement pourvues de l’artillerie et des munitions nöcessaires; que, par consequent, on devrait coucher cet article de la maniere suivante: „Aussitöt que les places, nommees sur le 4 me article, seront retablies et pourvues de l’artillerie et des munitions de guerre necessaires ; ou bien, aussitöt que les sommes requises 4 cet effet, selon les calculs des fraix, auront öte fournies au receveur ou receveurs constituös, on com- mencera 4 payer, en entier, le subside de 500.000 risdales aux SS. EE. GG.“ Que pour faire voir que cette pro- position ne procede pas plus du desir de jouir du subside, que du zele pour mettre les places en etat de defense, on pourrait, des 4 present, declarer, de ce cöte-ci, que la Republique tächera d’acquerir Fartillerie et les munitions nöcessaires, non seulement en son propre territoire, mais aussi ailleurs oü l’on pourra en avoir; et que d’autant que la cour de Vienne pourra en fournir, on s’en chargera volontiers. i i 1 Sur les 8 et 9 es articles. Qu’on pourrait admettre ces articles en la maniere qu’ils sont congus. Qu’en outre, le projet du comte de Kaunitz devrait etre augmente d’un Art. 8. Gleichlautend mit dem Art. 9 des ersten Entwurfes. 454 Premier projet fait ä Bruxelles. dees aux Seigneurs Etats-Generaux en Flandre, et ils termineront cet arrange- ment dans l’espace de six mois. Art. 9 me Et comme non obstant les disposi- tions du traite de la Barriere et du regiement du 30 janvier 1716 sur la conduite des 6tats-majors et des garni- sons de la Barriere, il survient souvent des difficultes ä cet 6gard, on con- viendra dans le m@me terme de six mois des moyens d’assurer la parfaite execution des dites dispositions, et l’on s’arrangera en meme temps sur tous les objets de cette espece auxquels il n’a point ete pourvu jusqu’ici d’une maniere assez claire et dont l’experience du passe fera juger la determination necessaire pour l’avenir. Art. 10 me La presente convention sera rati- fl6e dans l’espace de six semaines ou j plutöt si faire se pourra, et les actes de ! ratification seront echanges ä Bruxelles. ; En foi de quoi etc. ) „Pour donner nßanmoins ä la Republique une nouvelle preuve de nos bonnes et droites intentions — so schrieb Kaunitz im Einverständnisse mit dem Kaiser an Bentinck — nous pourrions renoncer ä la retention du 1 1 3 du subside, parce que nous avons lieu d’esperer des secours des 6tats des Pays-Bas, et adopter la division du subside qu’Elle propose par l’article 4 des contre-pro- positions en deux parties aux trois conditions suivantes: l mo Que la Republique renonce en la meilleure forme ä tous et quelcon- ques arrerages du chef du subside. 2 d0 Qu’Elle paie Elle-meme ce qu’Elle doit ä nos bourgeois de Namur, Tournai, Ypres, Furnes et autres lieux des Pays-Bas, et qu’Elle oblige ses gouverneurs, commandants et officiers dans les places de la Barriere ä satisfaire egalement leurs ereanders. 3 tio Que la Republique se eontente pour le paiement du subside, d’hypo- theques et suretes ä peu pres semblables ä celles qu’Elle avait ci-devant, et qu’elle n’exige pas les memes fonds, vu que nous ne saurions les lui assigner ä cette heure sans renverser notre nouveau Systeme de finances, etabli depuis la paix, et sans porter par cons6quent le desordre dans toutes les branehes de nos revenus. Second projet fait a Vienne. Art. 9 me Art. 10 me Troisieme projet et contrepropo- sitions des PP. MM. 455 nouvel article, portant: „que le prince Charles de Lorraine et le duc Louis de Brunswic seront, au plutöt, par S. M. I. et LL. HH. PP., respectivement, pri6s et autorises, afin de concerter et d’arreter ensemble, au nom de leurs principaux respectifs, un regiement sur le sujet de la poursuite et de la resti- tution des deserteurs, et sous quelles restrictions il sera permisä IaRepublique de faire des recrues dans les Pays-Bas autrichiens“. Quatrieme et dernier projet. Art. 9 me Gleichlautend mit dem Art. 10 des ersten Entwurfes. Si la Republique n’agreait pas cette proposition, alors tout ce que nous pourrions faire, ce serait de nous engager au payement d’une somme de 1,866.000 fl. sur le pied du nouveau projet ci-joint sub A, en y ajoutant les trois conditions que je viens de detailler. II s’entend que dans l’un aussi bien que dans l’autre cäs, soit la moitie, soit le 1 / 8 du subside devra etre employe au rätablissement des places, a les pourvoir d’artillerie etc., et que dans tous les cas les places non Barriere devront etre comprises sous I’enonciation generale des places, tant parce qu’elles font une partie int6grante et essentielle du Systeme de sürete que le subside a pour objet, et qui fait le vrai but de l’alliance, que parce que nous n’avons pas d’autres fonds pour les retablir, et qu’il est aussi necessaire qu’elles le soient que les places ainsi dites de la Barriere. — — — — — __ — — “ A. Ad Articulum 4 tum - Et le troisieme tiers restera ä S. M. l’imperatrice-reine de Hongrie et de Boheme pendant quatre ans ä compter du jour de ratification de la pr6sente 456 Convention, pour la mettre en 6tat de conserver et soutenir le piecl actuel de Ses troupes, l’etat present des places des Pays-Bas ainsi que d’autres consid6rations l’exigeant ainsi pour le bien de la cause commune, mais les dites 4 ann6es ex- pirees, il en sera paye la moitie entre les mains des SS. EE. GG. et l’autre moitie sera employee en commun au rdtablissement des places, de la fagon dont il est convenu ci-dessus. Art. 5. Indöpend amment de cet arrangement, S. M. Fimperatrice-reine d’Hongrie et de Boheme fera payer aux SS. EE. GG. des Provinces-Unies la somme de 1,866.000 fl. argent com* des Pays-Bas, laquelle sera payöe dans quatre ans, ä compter du jour de la ratification de la präsente convention, ä raison de 466.500 ä la fin de chaque annee, les SS. EE. GG. renongant moyennant cela ä toutes pr6tentions ult6rieures du chef des arrerages etc, etc. (Nr. 4 ad Vortrag vom 18. Juni 1754. Staatsarchiv.) 209 (180). Dieses Konferenzprotokoll konnte nicht aufgefunden werden. 210 (180). Liste liegt bei. (Siehe auch Wiener Diarium Nr. 53 vom 3. Juli 1754.) 211 (181). „Mit gnädigster hoch-obrigkeitlicher Erlaubnuß wird dem Publico und sonderlich denen curieusen Herren Liebhabern der Mechanic hierdurch zu wissen gethan, daß allhier angekommen Johannes Amman von Murgenthal, Berner- Gebiets, mit sehenswürdigen curieusen Mechanischen Maschinen, die er selbst neuerdings verfertiget und sonst noch niemals gesehen worden; seind von gnädigsten Herrschaften gesehen und approbirt worden. . . . Der Schauplatz ist alhier in der Kärntnerstrassen bei der weissen Schwanen in 2ten Stock N° 4.“ 212 (181). Im Mai 1754 war Philipp Graf Orsini-Rosenberg zum kaiserlichen Botschafter bei der Republik Venedig ernannt worden. (Instruktion vom 18. Mai 1754. Staatsarchiv.) Sein Vetter Franz Graf Orsini-Rosenberg war seit 30. Dezember 1750 bevollmächtigter Minister in Dänemark. 213 (182). Der Lehenbrief im R, R. B. Franz’ I., Band IX, fol. 70 ff. 214 (182). Der Vortrag des Staatskanzlers ist vom 3 August 1754, das Dekret Kolowrats als geheimen Rates vom 1. Januar 1755 datiert. Staatsarchiv.) 215 (182). Firmian hatte den Auftrag erhalten, sich — mit Umgehung des kaiserlichen bevollmächtigten Ministers und der Kardinäle Albani und Mellini — einzig und allein mit dem Kardinal Valenti und dann erst mit dem Papste in Verbindung zu setzen. Seiner Instruktion lagen unter anderem ein Schreiben des Kaisers und eine Eingabe des Kurfürsten von Trier an den Papst bei. („Besondere kaiserliche Instruktion für den Grafen Firmian vom 26. November 1753.“ Staatsarchiv.) 216 (183). „Diese Nachricht — so lesen wir in dem Referat, das Kaunitz dem Kaiser über die Konferenzberatungen erstattete — wurde zu vordrist von E. k. M. für sehr wichtig und als eine Anbegebenheit angesehen, die zu gefährlichen Weiterungen zwischen denen Tiircken und Rußland, dann zu einem bedenklichen und häcklichen Impegno für den hiesigen Hof ausschlagen könte. Die Berathschlagung folgte hierauf über drei Objecta, wovon das erstere die Verhaltnus der Sachen zwischen Rußland und der Porten unter sich, das änderte den einberichteten Betrag des Penckler und Portner, und das dritte die Frage betroffen, was bei solchem Vorfall von dem hiesigen Hof zu beschehen habe. Zu Grund deren dießfälligen Betrachtungen sezte man zum Voraus, wie daß dem durch!. Erzhauß von Oesterreich in jezigen Zeitläufften kein Unglück- 457 seehgeres Schicksaal begegnen könte als in einen Türckenkrieg zu gerathen. Weilen ein solcher Erfolg Franckreich und Preußen den längst erwünschten Anlaß gebete, sich wieder dasselbs näher zu vereinigen,*) und man insonderheit wegen des Königs in Preußen zuverlässige Nachricht hatte, daß er nur auf eine solche Gelegenheit warte, um die diesseitige mit denen seinigen angränzende Landen feindlich zu überziehen-, gesezten Falls aber auch der hiesige Hof an dem zwischen Rußland und der Porten etwa ausbrechenden Krieg keinen Th eil nehmen und dergleichen Veranlassung pro casu foederis nicht anerkennen wolte, so würde man hingegen mit Rußland auf lange Zeit in eine Kaltsinnigkeit verfallen, wo nicht gar sich völlig abwerffen und dannoch am End der Gefahr allemahl ausgesezet bleiben, von Franckreich und Preussen unter allerhand Vorwand, auch wieder Willen in einen Krieg mit verwicklet zu werden. Hiernächst würde ad punctum l mum in Vorstellung gebracht, wasmassen die Pforten aus politischen Ursachen unmöglich zugeben könne, daß das russische Etablissement von dem so genanten Neu-Servien so nahe an ihren Gränzen zustandkomme und mit der anzulegen vorhabender Vestung**) bevestiget werde, gestalten dadurch ein Theil deren zwischen beeden Reichen befindlicher grossen Wüsteneien mit einer streittbahren Nation bevölckeret und folglich Rußland die Gelegenheit wegen der Nähe erleichteret würde, durch Beihtilff deren ohne dem unter türckischer Bottmäßigkeit in grosser Anzahl lebender Griechen, welche allezeit eine Oberherrschafft von ihrer Religion jener vorziehen, der Porten zu seiner Zeit viel förchterlicher zu sein. E. M. haben dabei a. g. angemercket, daß allem Vermuthen nach das vorberührte russische Etablissement ein weit größeres Aufsehen in der Türckei als anderwärts verursache und vielleicht eine Wiirckung davon seie, daß vermög jüngst erhaltenen Nachrichten von denen türckischen Gränzen, dem Bassa in Bosnien beorderet worden sein soll, so viel Kriegsvolck, als er auf bringen könte, gegen Czernawora zusammen zu ziehen. Indessen erhelle genugsahm aus denen einberichteten Umständen, wie empfindlich die Porten das angekündete russische Vorhaben ansehe, und wie es noch ein Glück für die diesseitige alliirte Höfe seie, daß jene in der ersten Hize weder zu einer allzulebhafften Antwort auf des russischen Residenten Vortrag, noch zur Ansuchung der französischen Garantie nach einigen Einrathen geschritten, sondern vielmehr den gelindesten Weeg erwehlet und vor allen die Meinung darüber von denen Ministris deren mit Rußland in Allianz stehender Höfen mittelst der dem Penckler und Porter von der Pforten zugestellten . . . schrifftlichen Notae freundschafftlichen anverlanget habe. So viel nun Ad 2 dum die von denenselben darauf ertheilte Antwort belanget, da ge- ruheten zwar E. k. M. a. g. zu erkennen, daß Penckler bei einem so beschaffenen Ansinnen und häcklichen Vorfall, welcher ihm keine Zeit verstattet, darüber von dem hiesigen Hof Verhaltungsbefehle einzuhohlen, sich in nicht geringe Verlegenheit befunden und ihme verniinfftiger geschienen haben müsse, vielmehr dem Bundsgenossen als denen Ttircken das Wort zu sprechen, besonders da Porter vorläuffig seine Meinung eröffnet und den Penckler andurch in die Nothwendig- *) Der kursäehsische Gesandte in Wien, Graf Flemming, hegte dieselbe Besorgnis und brachte sie dem Herzog von Newcastle gegenüber zum Ausdrucke. (S. Politische Korrespondenz Friedrichs des Großen X, Nr. 6472, S. 434.) **) Fort St. Elisabeth. 458 keit versezet hatte, entweder mit jenem gleiche Sprach zu führen, oder aber mit demselben und dem Obrescow zugleich in Wiederspruch sich einzulassen und dadurch haubtsächlich bei Rußland anzustossen. A. h. dieselben hielten dannoch dafür, in erleuchtester Erwegung aller dabei einschlagender Betrachtungen erwünschlicher auch ratsahmer gewesen zu sein, wann Penckler und Porter den Casum nicht so kenntlich für Rußland deci- diret, sondern sich mit der Entschuldigung geholffen hätten, daß in dergleichen Fällen ohne vollständige Kantnuß von allen Umständen kein eigentliches Urtheil zu fällen seie. Als wodurch beeden Höfen die Veranlassung wäre offen behalten worden, von der Sachen eigentlichen Beschaffenheit den näheren Unterricht einzuziehen und nach der türckischer Seits wahrscheinlicher Massen dabei geführten Absicht sich zu gütlicher Beilegung solcher Irrung und zu zeitlicher Vorbiegung all- wiedriger Folgen gesamter Hand in das Mittel zu legen. Worauf zuvordrist der Porter den vorsichtigen Bedacht hätte nehmen sollen, in- deme Engelland, so bekanter Maßen bei dem vorlezten, nehmlich dem Passaro- wizer Frieden den Mediateur abgegeben, annoch von der Porten als ein gemein- sahmer und unpartheiischer Freund angesehen würde. Dahingegen bei dieser verabsäumten Gelegenheit es dahin stünde und erst auf dem Erfolg beruhete, ob die Porten den englischen Hof fernerhin als unpartheiisch in dem obwaltenden Vorfall ansehen, die Sach auf sich bewenden lassen und nicht vielmehr eine ernsthafftere Entschließung fassen, Engelland und den hiesigen Hof einer Einver- ständnuß mit Rußland beargwöhnen und entweder zu werckthätigen Gegenanstalten schreitten, oder sich doch in französische und preussische Hände werffen würde. Gleichwie es aber mit der abgegebenen Penckler- und Porterischen Antwort schon eine geschehene Sach und diese nicht mehr abzuänderen seie, als kommete es nunmehro Ad 3 tium dahin an, was für Maaßnehmungen von seiten des hiesigen Hofs nach den gegenwärtigen Stand der Sachen zu ergreiffen wären? E. M. allerweiseste Meinung gienge zuvordrist dahin, wie es auch von der gehors. Conferenz ohnmaßgebigst erinneret worden, daß fürdersamst an den Penckler nacher Con- stantinopel rescribiret werden möchte, der Porten in Vorstellung zu bringen, wasmaßen der hiesige Hof sehr ungerne vernohmen, daß das allda bekant gemachte russische Vorhaben wegen Erbauung einer neuen Vestung an denen Gränzen des dortigen Reichs bei ihr der Porten unangenehme Bedencklichkeiten erwecke. Man seie diesseits zwar nach Anleitung der wahren und aufrichtigen Freundschaft, so man sowohl gegen die Porten als Rußland heget, weit davon entfernet, einem oder anderem Theil in Ansehung dieses Vestungs Baues recht oder unrecht zu geben, bevorab da man erst durch der Porten freundschafftliche Öffnung einige, wiewohlen noch unvollkommene Nachricht von der Sachen Verhaltnus erhalten hätte. Nichts destoweniger versehete man sich zu derselben bewährten Billigkeit, daß sie die Sach ohne Vorurtheil in Erwegung ziehen und, falls sie ihren Wiederspruch ungegründet finden solte, von selbsten davon abstehen und keine Weiterungen veranlassen würde. Solte aber das Recht auf ihrer Seiten stehen, so würde der hiesige Hof sich mit Freuden und möglichsten Eifer dahin verwenden, daß eine gütliche Auskunfft erfolgen und allem Mißvergnügen ausgewichen werden möge. Man hätte diesseits die nehmliche freundschafftliche Versicherungen auch an Rußland bereits gelangen lassen und die Porten könte hierunter auf die diesseitige Redlichkeit 459 um so sicheren Staat machen, je mehr sie durch den bisherigen gleichförmigen Betrag des hiesigen Hofs vollständig überzeugt sein würde, daß derselbe nicht nur selbsten den Frieden aufrichtig liebe, sondern auch denen anderwärts entstehenden Irrungen und Weitläufftigkeiten nach eußersten Kräfften vorzubauen trachte. Wie dann insbesondere das diesseitige Angedencken immer lebhafft fortwähre, daß der Groß-Sultan bei dem leztern das hiesige Erzhauß betroffenen ungerechten Krieg sich gegen dasselbe beständig fort friedfertig und nachbahrlich erwiesen habe. Man wolte demnach zwei Vorstellungen aus der besten Absicht an die Porten gelangen lassen, nemlichen: Erstlich, daß dieselbe in untergebenen Fall zu keinen voreiligen und die vorhabende Vermittlung erschwerende Entschließungen schreitten, noch das bereits entstandene Impegno vergrößeren, sodann Andertens keinen anderen Hof oder dessen Minister in das Werck ein- mischen möchte, um dadurch alle eigennüzige und dem dermahligen Ruhestand abgeneigte Absichten hindann zu halten. Übrigens hätte Penckler von dieser Anweisung dem Porter, ausser was die vorausstehende Betrachtung über dessen Antwort anbetrifft, vertrauliche Eröffnung zu thun und überhaubt in dieser ganzen Sach mit demselben eine gemein- sehäfftliche Einverständnus fortzuführen, gegen den Obrescow aber bei dessen und seines Hofs bekanter argwöhnischen und ruckhaltenden Gesinnung, zwar eine mehrere Vorsicht zu gebrauchen, jedoch demselben unter Bezeugung eines freundschaftlichen Vertrauens, wohl einsehen zu machen, wie sich nicht allzuviel auf der Türcken Nachgeben zu verlassen und wie nachtheilig es hingegen dem wahren Staats-Interesse seines eigenen Hofs seie, mit selbigen'in Weitläuf- figkeiten zu verfallen. Mit dem Zusaz, daß man auch diesseits nicht verabsäumet hätte, derlei Betrachtungen an seinen Hof freundschaftlich und bundsmäßig gelangen zu lassen. Ansonsten solle auch Penckler nach der Beschaffenheit und Laage der neuanzulegender Vestung und was darmit einige Verknüpfung hat, sich mit Verläßlichkeit erkundigen und, wie alles übrige, nächstens anhero einberichten. Nach Maaß dieser Vorschrift an Penckler wäre sodann auch der Graf von Colloredo in Engelland von allen umständlich zu belehren und demselben an Hand zu geben, was er bei dem englischen Hof über sothane bedenckliche Vor- fallenheit in der Absicht anzubringen hätte, damit derselbe mit dem hiesigen gleichförmige Maßnehmungen sowohl bei der Porten als Rußland einschlage und an beeden Orthen zu Beibehaltung der Ruhe all- ersprießliches mitanwende, in der haubtsächliclien Erwegung, wasgestalten Engelland aus einem sich eräug- nenden Tiircken-Krieg gar keinen Vortheil ziehen könne, wohl aber die nachtheiligste Folgen und wenigstens so viel zu gewärtigen habe, daß die russische Macht anderwärts hingezogen und ein so ansehnlicher Alliirter als wie Rußland ist, während solchem Tiircken-Krieg vor Engelland unnüz gemacht, hingegen aber Franckreich und dem König jn Preußen alsdann die Gelegenheit eingeraum et würde, ihre vorgefaste Vergrößerungsabsichten allenthalben in das Werk zu sezen. In Ansehung Rußlands wäre mit einem nach obigem Innhalt auszumessenden Auftrag an Grafen von Esterhasy ebenwenig zu verweilen und folglich demselben zu rescribiren, daß er zuvordrist dem dortigen Hof den Stand der Sachen aufrichtig und denen Pencklerischen Berichten gemäß entdecke und dem Ministerin durch die gründlichste Vorstellungen nachdrucksamst zu Gemiith führe, wie 460 wenig es mit der dermahligen russischen Verfaßung und Staats-Interesse, dann mit der auf die pohlnische Nachbarschafft und andere sich darstellende Umstände zu machenden Rücksicht vereinbahrlich seie, einen Türckenkrieg zu veranlassen, oder doch wenigstens die Porten zu Gegenverfassungen und solchen Biindnussen zu vermögen, welche dem russischen Reich und seinen Bundsgenossen in vielerlei Weege zum grösten Nachtheil gereichen, ja jenem ohne Vergleich weit schädlicher sein dörfften, als das Etablissement von Neu-Servien und der zu dessen Behuff angesehene Vestungsbau demselben jemahls nuzen könte. Rußland möchte dahero die für sich und ihre Bundsgenossene, im Fall eines erfolgenden Friedensbruchs zu besorgende wiedrige Folgerungen nach der Sachen Wichtigkeit wohl überdencken und es mit einem so gefährlichen Nachbahren als wie die Türcken seind, sonderheitlich wann andere Mächten sich durch Biindnussen oder in andere Weeg darzuschlageten, nicht auf die Spize ankommen lassen. Nebst diesen Anweisungen wurde auch von E. k. M. a. g. für gut ermessen, daß der dahier anwesende russische Bottschaffter Graf von Kayserling von diesem Vorfall in Betreff seines Hofes durch den Hof- und Staats-Canzlern mündlichen benachrichtiget und ihme dasjenige an Hand gegeben werde, was er auch seines Orths an den Groß-Canzler Bestuchef hierüber gelangen lassen möchte. Dergleichen wäre dem sächsischen Hof nicht nur kein Geheimnus daraus zu machen, sondern vielmehr dem dabei sich befindlichen diesseitigen Ministro Grafen von Sternberg durch ein eigenes Rescript anzubefehlen, daß er dem Grafen von Brühl, auch allenfalls dem König Selbsten, als deme diese Eräugnuß keiner- dings gleichgültig sein könte, davon eine vertrauliche. Eröffnung thue und mittelst solchen freundschafftlichen Bezeigens es dahin einzuleiten suche, damit durch den nehmlichen Courier, welcher von hieraus über Warschau nacher Rußland abgefertiget wird, auch der allda befindliche chursächsische Minister von Funck von seinem Hof angewiesen werde, die diesseitige Vorstellungen wieder das russische Vorhaben, sonderheitlich bei dem Bestuchef als dessen Vertrauter zu unterstüzen. — — — — — — — — — — — — — — —“ (Vortrag an den Kaiser, Wien, 20. Juli 1754. Staatsarchiv.) Im Sinne dieses vom Kaiser resolvierten Vortrages wurden Esterhazy, Colloredo und Sternberg (22- und 23- Juli 1754) instruiert. 217 (183). Der neapolitanische Hof hatte das ihm eingeräumte Recht eines souveränen Patrons und päpstlichen Legaten (Legati nati) auch über Malta erstrecken und daher einen Giudice della monarchia einsetzen wollen, der die Visitation der dortigen bischöflichen Kirche und Diözese sowohl in spiritualibus wie in temporalibus vornehmen und ausliben sollte. Dies verstieß jedoch gegen die Konzessionen Karls V. und den bisherigen Gebrauch, wonach dem König bloß die Oberstlehenherrlichkeit, keineswegs aber die Souveränität oder die königliche Jurisdiktion über Malta zustand. Maria Theresia sowohl wie Kaiser Franz hatten gegen das Vorgehen Neapels Einsprache erhoben. Firmian war von ihnen beiden ermächtigt worden, während seines Aufenthaltes in Rom darüber Rücksprache mit dem Kardinal Valenti zu pflegen. (Instruktion Firmians, bevollmächtigten Gesandten in Neapel, vom 15. Dezember 1753. Appendix VI. Staatskanzlei. Item vom 14. Dezember 1753. Appendix. Reichskanzlei. Staatsarchiv.) , . Wirst du zwar von selbst leicht ermessen — so schrieb Maria Theresia an Firmian — wie angenehm es Uns fallen würde, Unsere Vermittlung auf ein oder andere Arth in dieser Sache gedeilich anzuwenden und andurch den französischen Hof von allem Einfluß in die Behebung dieser Strittigkeit vollends auszuschließen, besonders da Uns die vergnügliche Beilegung dieser Zwistigkeit nicht nur würcklich am Herzen lieget, sondern auch diese eine sehr fügliche Gelegenheit wäre, Uns sowohl bei dem neapolitanischen Hofe als bei dem Maltheser Orden vielen Verdienst und einen großen Danck zu verschaflen. Wie aber und durch was für Mitteln dieses bewerkstelliget werden könne, solches müssen Wir deiner klugen Einsicht und vorzüglich der dermahligen Lage dortiger in diesem Geschafft vorseiender Umstände überlassen, und kan dir von hier aus desfalls nichts anderes vorgeschrieben werden, als daß dein haubtsächliches Augenmerk dahin zu richten seie, damit nicht etwan Unser bestgemeinter Antrag mißbrauchet, Wir bei dem Hofe zu Neapel der Gefahr einer abschlägigen Antwort ausgesezet und Uns statt des anhoffenden Dancks und Vergnügens, Undanck und Verunglimpfung zu Theil werden möge. — — — — — — — — —“ (Reskript an Firmian vom 22. Juli 1754. Staatsarchiv.) Kaiser Franz wollte die Irrungen um so mehr behoben wissen, als der Malteserorden „nicht nur viele und ansehnliche Commanderien in dem römischen Reich besitzet, sondern sogar der alldorten zu Heidersheim residirende teutsche Ordensmeister für sich und den Orden mit verschiedenen Privilegiis von Uns belehnet wird, worzu dermahlen noch weiters kommet, daß nicht wenig daran gelegen, daß von Franckreich in diese Sache und in die damit verknüpfte Domestica des neapolitanischen Hofs die Hände nicht eingeschlagen, sondern die aus der Beilegung dieser Strittigkeit sowohl zu Neapel als bei dem Maltheser-Orden billig zu erwachsende Verdienst vielmehr dem allhiesigen Hof zugezohen werde.*) (Reskript an Firmian vom 21. Juli 1754. Reichskanzlei. Staatsarchiv.) 218 (183). Es handelte sich um Errichtung einer selbständigen Ingenieurschule. (Vgl. J. Schwarz, Geschichte der Savoyschen Ritterakademie in Wien vom Jahre 1746-1778, S. 77 ff.) 219 (193). Siehe G. Winter, Die Gründung des kaiserlichen und königlichen Haus-, Hof- und Staatsarchivs, 1749—1762, p. 16 ff.; Anm. 2 (p. 17); 55 (Archiv für österreichische Geschichte, 92. Band). 220 (184). Ulfelds Vortrag, die Hoftrauer nach der Herzogin Penthievre betreffend, ist vom 16. Juli 1754 datiert. (Staatsarchiv.) 221 (185). Dieses Kabinett enthielt ostasiatische Porzellane, die sich noch heute im Besitze der fürstlichen Familie befinden. (Freundliche Mitteilung des Herrn Regierungsrates Folnesics.) Eine wesentliche Bereicherung erfuhren die Sammlungen des Fürsten durch Friedrich II. (Siehe Falke, Geschichte des Hauses Liechtenstein III, 156 ff.) 222 (186). Baron Beckers hatte am 1. April den Entwurf einer Deklaration übergeben, die im Namen der Kurfürsten von Köln, Brandenburg und Pfalz an den Wiener Hof gerichtet werden sollte. Darin hieß es, „que les trois electeurs alliös donneront leurs suffrages pour l’election du roi des Romains en faveur de l’archiduc Joseph, lorsque le traite formel d’accommodement 4 faire entre la cour de Vienne et S. E. Palatine aura 6te signe et ratifie avec la condition expresse que le d6pöt de l’argent aura et6 assure, et que la clause du concours de tous les electeurs aura dte insdree dans le dit traite d’accommodement, teile qu’elle a 6t6 stipulee dans le projet concertee le 23 mars a. p. sans diminution, ni addition *) Das hatte bereits Firmian, und zwar in seinem Berichte vom 11. Juli licrvovgehoben. 462 quelconque; comme aussi lorsque la satisfaction ä donnerä l’electeur de Cologne aura et6 solidement assuree. Que les lettres amiables auront 6te envoyees par la cour de Vienne pour 1a. requisition des suffrages de tous les electeurs, et que les egards qui leur sont dus selon l’usage, auront ete prealablement observes avec eux.“ (Nr. 6 ad Mercys Instruktion vom 30. April 1754. Staatsarchiv.) Beckers führte auch Forderungen Kölns ins Treffen, mit dem Bedeuten, daß man geglaubt habe, „die Sache auf einmahl abzutun und überhaupt 200.000 fl. und noch 100.000 fl. anzuverlangen •, und da andurch das große Geschäft der römischen Königswahl zustande kommen könnte“, so sei man der Meinung gewesen, „man würde sich hierorts hierbei nicht aufhalten“. (Vortrag vom 21. April 1754.*) Nr. 7 ad Mercys Instruktion vom 30. April 1754. Staatsarchiv.) Beckers Vortrag war ad referendum genommen, dem pfälzischen Gesandten aber immerhin zu erkennen gegeben worden, „daß man sich eines dergleichen unförmlichen Betrags keineswegs versehen hätte“. (Instruktion Mercys vom 30. April 1754. Staatsarchiv.) Auf Grund des Konferenzbeschlusses vom 9. August 1754 wurde Beckers folgender Bescheid zuteil: „. . . Es hat aber II. MM. nicht wohl anderst als befremdlich fallen können, daß der schon seit so geraumer Zeit obgeschwebter und so weit gediehener churpfälzischen Vergleichs-Handlung nunmehro erst unter anderen die angebliche Forderungen S. churfürstl. D. zu Cölln mit eingemischt und deren Befriedigung neuerdingen als eine ausdrückliche Bedingnuß angehefftet werden wollen, ohngeachtet der Kaiserin Königin M. bis diese Stunde noch nicht die geringste Bescheinigung dieser vermeintlichen Forderungen zur nöthigen Einsicht und Erwegung vorgeleget, ja nicht einstens deren bloße Nahmen und Rubriquen behörig bekant gemacht worden. Ob nun zwar der Kaiserin Königin M. keinesweegs in Absicht führen, sich der Befriedigung solcher Forderungen zu entziehen, welche hinlänglich bescheiniget und auf Recht und Billigkeit gegründet seind, so erstrecket sich doch diese bewährte Gesinnung nicht auf solche Ansprüche, so nur iiberhaubt und ohne alle Bescheinigung auf die Bahn gebracht werden. Es sind also I. M. der hinlänglichen Auskunfft wegen der churcöllnischen Anforderungen gewärtig, vornächst dann auch dieseits nicht wird verabsäumet werden, sich sowohl dieserthalben als wegen dem übrigen Inhalt des vorbesagten Pro-Memoria näher zu erklären. — — — — — — — — — — —“ (Beilage des Vortrages vom 9. August 1754. Staatsarchiv.) 223 (187). Das Kämmererdekret für den Grafen Franz Sylvio von Pückler ist vom 12. Juni 1741 datiert. Pückler hatte sich als „Cassae Director und Landes-Altester des Fürstentums Brieg“, „bei lezthin ohnvermuet- selber Enden erfolgt feindlichen Einbruch mittels kräftenmäßiger Unterstützung sowohl des Politici als Militaris, auch verschaffter Proviantir- und herzhafter Anfrischung deren Innwohner in Brieg, dann nebst Aufopferung Haab und Gueter daselbst ausgestandener harten Bloquada und Belagerung recht ausnehmend bezeugten Diensteifer, Devotion und Integritet erworbene sonderheitliche Verdienste und darbei allerwegen zutag gelegte Proben seiner besitzend- stattlichen Vernunft, Erfahren- und Geschicklichkeit“ rühmlich hervorgetan. (Staatsarchiv.) 224 (188). Siehe die auf S. 463 gegebene Ordre de bataille. *) Das Original des Vortrages konnte nicht aufgefunden werden. 463 225 (193*). Der Erzbischof hatte Karl VI. gehuldigt. (Siehe Arneth II, 224 ff.) 226 (193). „L’Astrua — schrieb Friedrich II. an seine Schwester, die Markgräfin von Bayreuth — a ete ä Prague, eile m’a conte que Plmpera- trice avait ete fort gracieuse envers eile; l’Empereur lui a dit qu’il voudrait etre son ci- cisbeo, l’Imperatrice, qui l’a entendu, a dit passe pour celle-lä. Voilä de belles anec- dotes sans doute et de quoi augmenter la reputation de l’Astrua d’avoir su adoucir la personne la plus jalouse de Punivers en sa faveur . . .“ (Politische Korrespondenz X, 429, Nr. 6466.) 227 (194). 19. August 1742. Siehe Henri Cornet, Si6ge de Prague (1742), 41 ff. 228 (201). „Beschreibung deren bey Anwesenheit beyder Kaiserl. Königl. Majestäten mit denen a. d. Erz- Herzogen Joseph und Carl, wie auch denen beyden älteren a. d. Erz-Herzoginnen Maria Anna und Maria Chri- stina auf des durchl. Prinzen Joseph Friedrich, Herzogen zu Sachsen . . . Herrschaft Schloß Hof gehaltenen prächtigen Vestivitäten.“ 229 (202). Über die In- triguen Bestucliews und seine Beziehungen zum jungen Hof vgl. Herrmann, Geschichte des russischen Staates V, 120 ff. und „Der russische Hof unter Kaiserin Elisabeth“, 298 ff. (Raumer-Maurenbrecher, Historisches Taschenbuch 6. F., 1881.) Graf Esterhazy hatte eingehend über die Zustände • * D H g D ^ D 3" G m □ Archiduc Joseph PQ ü § 2 o „® CQ si Ö w 8> _ ® £ a rö rv] a “ ® T3 c3 a PQ *3 e« W s_, ? 'S 73 Le rögiment de Pempereur Leopold Daun Niclas Esterhäsy Joseph Esterhasy Harsch > Henri Daun . £ i-Q ° PQ Batthyany PQ | Hohen-Embs Hildbourgs- hausen , > Dourlach Teutschmeister Vieux Wolffenbiittel Louis Wolffenbiittel | Batthyany 464 am russischen Hofe und insbesondere über das Verhalten des Großkanzlers berichtet. (10. Juli, 20., 27. September 1754. Staatsarchiv.) „Ob nun zwar an sich sehr bedauerlich fallet — so referierte Kaunitz dem Kaiser — daß ein Hof, von deme die gemeinsame Sache viele wesentliche Unter- stüzung zu gewarten haben sollte, sich mit so großen innerlichen Gebrechen behafftet befindet, und daß der . . . Großcanzler durch seinen außerordentlichen Betrag sich selbsten der Gefahr des gänzlichen Falles aussezet., so haben doch E. k. M. in erleuchtester Einsicht und Erwegung aller Umständen die Grund- säze der Berathschlagung dahin vestzustellen a. g. geruhet, daß Primo das gute Vernehmen und freundschafftliche Einverständnuß des russischen Hofs wenigstens und in den ärgsten Fall dem äußerlichen Ansehen und Credit bei denen übrigen europäischen Mächten sehr ersprießlich, mithin fernerhin sorgfältigst zu unterhalten seie; und daß Secundo der Großcanzler ohngeachtet aller seiner Personalfehler, sich dan- noch in seinem Amt erhalten dörffte, auch wegen seiner guten Gesinnung, so viel das Staats-Systema überhaubt anbetrifft, alle Rücksicht verdiene, folglichen keinesweegs an desselben Fall, sondern viel ehender an Vermehr- und Be- vestigung seines Credits bei der russischen Kaiserin zu arbeiten seie. Zufolg dieser Richtschnur seie also Graf Esterhasi dahin anzuweisen, daß er fernerhin bemüht sein sollte, des Großcanzlern verspührte Abneigung in ein gutes Einverständnuß zu verwandten, ihm mit aller Freundschaffts-Bezeigung und Aufmercksamkeit entgegen zu gehen und keine Gelegenheit zu neuem Unwillen und mißfälligen Weiterungen zu geben. Gleichwohlen hätte sich solches nicht so weit zu erstrecken, daß er aus Beisorg vor des Großcanzlers Eifersucht das höfliche und freundschafftliche Betragen des Vice-Canzlers Woronzow und anderer Favoriten gänzlich ausschlagen und verscherzen sollte; im Gegentheil habe Graf Esterhasi an allen deme, was eine anständige und unverfängliche Zuruckgab erforderet, nichts er winden zu lassen, jedoch auch hierunter die behörige Maaß zu beobachten und sich in Geschäfften vorzüglich an den Groß-Canzler als den ordentlichen Canal zu halten. Wobei in fernere erleuchteste Erwegung gezogen worden, daß einestheils die Zuneigung mehrerer in Ansehen stehender Persohnen kiinfftighin dem a. h. Dienst wie der gemeinsahmen Sache in vielerlei Weege sehr ersprießlich, und daß zwar anderenteils die wahre Freundschafft des Groß-Canzlers mit einem solchen Betrag sehr schwer zu vereinbahren sein dörffte; es seie sich aber in dergleichen Alternativ-Fällen an dasjenige zu halten, was mit der Anständig- und Billigkeit vollkommen übereinkommet, folglichen keinem verdienten Vorwurff ausgesezet ist. Wobei es also nicht sowohl auf die gemessene Vorschrift als auf den vernünftigen und vorsichtigen Betrag des Grafen Esterhasi ankommen wolle, als welcher an Orth und Stelle den eigentlichen Zusammenhang am besten übersehen und die diensamste Conciliations-Mittel ausfindig machen könte, damit wenigstens das Übel nicht vergrößeret und der Ausbruch einer unversöhnlichen Feindschafft noch in Zeiten vermieden werde. Um aber diesen Endzweck desto ehender zu erreichen, so haben E. M. den ohnmaßgeblichen Vorschlag a. g. begnehmet, daß desfalls zwischen denen am russischen Hof befindlichen Ministern der alliirten Höfen ein vertrautes Einverständnuß zu pflegen wäre, damit ein so anderer sich in des Groß-Canzlers Vertrauen vest zu sezen und solchergestalt die gemeinschädliche Maaßnehmungen zu hintertreiben beflissen, mithin sich einander hülffliche Hand bieten mögten. 465 Je mehr auch zu vermutheu stehet, daß des Groß-Canzlers unfreundliches Bezeugen durch den sächsischen Ministrum von Funck wo nicht veranlasset, jedoch unterhalten worden, um so vorträglicher hat dermahlen angeschienen, sich des nehmlichen Canals zu Herstellung eines guten Vernehmens zu bedienen und desfalls das diensame dem Grafen Esterhasi an Hand zu geben, auch zugleich in Erinnerung zu bringen, daß er in seinen Reden alle Vorsicht zu beobachten habe. — — — _____ — ___ — __ — __ _« (Vortrag vom 7. Oktober 1754. Staatsarchiv.) Im Sinne dieses vom Kaiser genehmigten Referates wurde das Reskript an den Grafen Esterhazy, d. d. 14. Oktober 1754 erlassen. 230 (203). „. . . Pflichten nach kann auch nicht verheilen — referierte Graf Colloredo dem Kaiser — daß es nicht ohne seie, daß er (Graf Palm) sich in diesem Introductions-Geschäft durch die dem von hieraus wörterlich vorgeschriebenen Connnissions-Deeret geschehene eigenmächtige Beisetzung der Worte: daß das Reichs-Post-Amt ein fürstenmäßiges Guth seie, vieles zu Schulden kommen lassen. Die von ihme Graffen v. Palm gegen den Principal-Commissarium vielfältig gethane Äußerungen, als wäre durch sein Principal-Commissarii über obangezogene Wort gemachte Ercklärung alles verdorben worden, er anmit ausser Stand zu helffen, haben weiters mercklichen zu erkennen gegeben, daß er das lntroductions-Geschäfft zu beförderen sich nicht geziemend hatte angelegen sein lassen wollen, und dörffte er selbsten vielleicht nicht in Abred stellen, daß er nach publicirter, des Fürsten La Tour Erklärung ihn Fürsten zerschiedentlich für unqualificirt angegeben habe. Was gefährlichen Eindruck solches verursachet, hat sich auch aus dem ergeben, da die Opponentes keinen Scheu getragen, sogar öffentlich auszustreüen, daß das lntroductions-Geschäfft bloß eine Privat-Betreibung E. kais. M. allhiesigen Ministern seie. Es ist all dieses res facti-, man will aber diesen olingeachtet anmit nicht sagen, daß er Graf Palm vorsetzlich die a. h. Befehl ausser Augen zu sezen und Verwirrungen anzustifften, sich vorgenommen habe. Und ist nur so viel gewiß, daß er, aus Antrieb seiner Gemüths-Regungen, seinem angebohrnen Eigensinn Ziegel und Zaum gelassen, hiermit das Geschäfft der Introduction fehl schlagen zu machen, in die Gefahr gesezet und seine Gemüths-Neigungen auch so weit getrieben, daß er Anlaß gegeben, daß höchst gefährliche gegen E. kais. M. a. h. Interesse schnür stracks lauffende Fragen und Betrachtungen großen Theil durch ihne, wie solches die geheime Nachrichten gleichfalls angezeiget, aufgeworffen worden, wodurch gar leicht eine höchst schädliche Collision zwischen Haupt und Gliederen und der Glieder unter sich auf den Reichstag nicht vorsehen könnenden üblen Folgen hätte entstehen können. Bedauerlich ist, daß ein solcher Mann wie Graf Palm, der gewißlich grosse Wissenschafften besitzet, und der es auch an Anwendung seines Fleisses und Application niemahlen ermanglen lassen, mit solchen Übeln Begabnussen und einen gleichsam unverbesserlichen hartnäckigen Eigensinn bekleidet sich befindet, den von hieraus zu leithen, wie sich solches bei zerschiedenen Begebenheiten zugetragen, eine blosse Unmöglichkeit ist. Der jetzige Principal-Commissarius Fürst von Tliurn und Taxis stellet eben dahero flehentlich vor, daß, obgleich er 'zu E. kais. M. a. h. Dienst alles aufzu- K h e v e n h ü 11 er-S ch lit ter, 1752—1755. 30 466 opferen urbietig ist, ihm es dannoch eine Ohnmöglichkeit wäre, mit dem Con- commissario Grafen v. Palm E. kais. M. a. h. Interesse auf dem Reichstag forthin zu betreiben. Er führet zugleich an, daß im Fall Graf Palm in der Stelle eines Concommissarii fernere zu verbleiben hätte, sogar sein Reichs-Post-Generalat in Gefahr gesezet wurde, welches aber sowohl vor jetzo in solang das fürstlich- Taxische Hauß bestehet, als auch auf künfftige Fälle aufrecht zu erhalten E. kais. M. a. h. Dienst in alle Weiß erfordert. Zudeme ist Graf v. Palm mit denen übrigen k. k. Ministris anjetzo sowohl* als auch mit jenen, welche vonnahls neben seiner in dem Ministerio allda gestanden, jederzeit in einer solchen Miß-Ver- ständnus gewesen, wodurch die hiesige Absichten mit der grösten Beschwerlichkeit zwar erricht, zugleich aber auch offt verfehlet worden sind, und haben die Klagen gegen ihn beständig fürgedauert, dergestalten, daß es so zu sagen ein fortwährendes Scandal auf dem Reichs[tag] gewesen. Er besitzet auch übrigens kein Vertrauen von den übrigen Gesandschafften, unter welchen so gar der chur-maintzische Minister gerechnet werden kann. E. kais. M. kann ich auf mein Gewissen in Allerunterthänigkeit versicheren, daß es mir sehr hart ankommet, alles dieses anführen zu müssen und fast den Antrag dahin zu machen, daß E. kais. M. bewogen werden dörfften, mit einem Mann wie Graf Palm ist, welcher ohngeachtet er nicht allein sehr grosse Wissenschafften besitzet, sondern die Gnade genossen, E. kais. M. und dem durchl. Ertz- hauß über den Lauff 30 Jahren zu dienen, eine Abänderung jedannoch zu veranlassen. E. kais. M. weltbekannte Clemenz und angebohrne Güte dörffte aber vielleicht nicht zulassen, ihme Graf Palm platterdings alle Bedienungen zu entziehen. Es dörffte anmit vielleicht ein Mittel sein, wann der Kaiserin Königin M. wolten denselben eine Stelle in internis a. g. zu ertheilen. — — — — — “ „Bey den fürdaurenden misheligkeiten zu Regespurg — resolvierte Kaiser Franz eigenhändig — finde Meinem dienst gemäs dem Concomissari Grf. Palm zu erkenen geben zu lassen, daß er seine Rolle resigniren solle, und in solang sich kein anderer Plaz aus findig machen lassen wird um ihn .zu einen dienst mit Vereinbahrung seiner Conwenienz zu plaeiren, so werde ihme eine jährliche pension von 4000 f. angedeyhen lassen; wo inzwischen er Grf. Palm an dem Reichs Vice Canzler an gewisen wird, ime zu seinen handen in Vorfallenheiten, Wo an ihn was gebracht würde, seine berichten und relationen nach seinen pflichten zu beförderung Meines dienstes zu erstatten.“ (Vortrag Colloredos vom 29. Mai 1754. Staatsarchiv.) 231 (203). Die Puncta deliberanda waren: „l mo Ob künfftig allen durchl. Ertzhertzogen und Ertzhertzoginen der Titul königliche Hoheit, statt des Ly Durchlaucht beizulegen seie? 2 d0 Wann diese Frage affirmative entschieden würde, was in solchem Fahl sowohl in Ansehung der auswärtigen Höfen als bei der Publication in denen Erblanden zu beobachten und vorzukehren sein dörffte? 3 tio Wie der mittere Titul und das Sigill vor den durchl. Ertzhertzogen Joseph einzurichten? 4 t0 Und wo höchst dieselbe bei Toison-Festen im gehen und sitzen ihren Platz zu nehmen hätten?“ ~-3Ä W 467 Bei Beratung der ersten Frage wurde — so lesen wir in dem Referate des Staatskanzlers — „einstimmig dafürgehalten, daß dieser Titul E. M. durchl. Abstammung sonder allem Zweifel und mit voller Rechts-Befugnus beigelegt werden könne, mithin es bloser Dings auf des Kaisers M. und E. M. a. h. Gutbefinden und Verordnung beruhe, wie es hierunter künfftighin gehalten werden solte. Es äusserten sich aber bei der Frage, ob der Titul königl. Hoheit anständiger als das Ly Durchlaucht und die Auswahl für jenen E. M. a. u. anzurathen seie? unterschiedene Meinungen, indeme sich von einigen Stimmen unter anderen darauf begründet worden, daß, wann l m0 der Titul königl. Hoheit für die durchl. Ertzhertzoge und Ertzhertzoginen nunmehro erst eingeführet würde, dieses nicht wohl anderst als eine Neuerung angesehen werden könne, welche bei alten und großen Häußern um so bedenck- licher falle, da solches ihrem Ansehen und Lustre ehender zum Abbruch als zum Zuwachß gereiche und gemeiniglich nur die geringere Mächten und Häußer ihre Titul zu vermehren suchten, hingegen die größere und ältere sich für eine Ehre schätzeten, die von denen Vorahnen abgestammte Titul ohnverändert beizubehalten. 2 d0 seie zwar nicht in Abrede zu stellen, daß die Titul heut zu Tag sehr gestiegen und das Ly Durchlaucht mehrern anderen Printzen und Printzessinen, so sich nach der Macht und dem Alterthum ihres Haußes mit denen durchl. Ertzhertzogen und Ertzhertzoginen in keine Vergleichung stellen könten, gemein seie, folglichen hierunter der behörige Unterschied nicht beobachtet werde; außer deme aber, daß dem eingeschlichenen Mißbrauch bei Hof und in denen Erblanden gar leicht abzuhelffen wäre, so seie hiebei in vorzügliche Erwegung zu ziehen daß die Ertzhertzoge und Ertzhertzoginen nicht bloßhin Durchlaucht, sondern noch mit dem Zusatz ertzhertzogliche benennet wurden. 3 tio Nachdeme nun dieser Titul von keinem Hauß in der Welt als allein von dem durchl. Hauß Oesterreich geführet werde, so ergebe sich auch hierinen ein solcher weesentlicher Unterschied und Vorzug, welcher Niemand anderem als E. M. durchl. Abstammung zukomme; dahingegen bereits einige hertzogl. Haußer, als Savoyen, Lothringen und Hollstein das Prädicat königliche Hoheit aus- gewürcket und erhalten hätten,*) folglichen die durchl. Ertzhertzoge und Ertzhertzoginen weder die eintzige, noch die ersten wären, so sich dieses Tituls bedienen würden. 4 t0 Wolte man aber auf den eigentlichen Verstand und die Deuthung dieses Tituls zurucksehen, so seie dem Ly königl. Hoheit kein größerer Werth als dem alten Titul ertzhertzogliche Durchl. beizulegen, da dieser nicht weniger Vorzug als jener mit sich führe und der Anständigkeit am gemässesten zu sein scheine, den Titul des durchl. Ertzhauses zum Grund zu legen, nachdem dasselbe das Stammhauß seie, welches alle übrige E. M. zugehörige Königreiche und Lande nach und nach an sich gebracht habe. 5 t0 Die vorberührte Betrachtungen hätten nun E. M. glorwürdigsten Vorfahrer von solcher Erheblichkeit zu sein geschienen, daß Sie niemahlen einige Abänderung in dem Titul für gut befunden oder gestatten wollen, und seie bei verschiedenen dieserhalben gepflogenen Conferential Berathschlagungen das einstimmige Dafürhalten dahin ausgefallen, daß es bloßer Dings bei der alt-her- *) Savoyen 1698, März 20. (R. R. B. Leopolds I., Band XXIX, 468.) Lothringen 1703, Sept. 19. (Staatsarchiv. Ausstellung, Nr. 422. S. a. Nr. 421.) Holstein 1724, August 31. (E. R. B. Karls VI., Band IV, 416/v.) 30 * 468 gebrachten Titulatur zu belassen seie. Gleichwie nun die nemliche Ursach für dermahlen noch vorwalteten, alß schiene auch das sicherste und anständigste zu sein, daß von denen vorhinigen Maaß Regien nicht abgewichen würde. Hingegen haben die übrigen Stimmen zu näheren Erwegung ausge- gestellet, daß l mo die dermahlige Umstände von denen vorhinigen gar sehr unterschieden seien, mithin auch diese nicht weiters zur untrüglichen Richtschnur genohmen werden könten. Dann bekannter Massen seien vormahlen denen durchl. Ertz- hertzogen und Ertzhertzoginen von denen hier gestandenen Botschafftern und Gesandten der auswerttigen Höfen keine königliche Ehren erwiesen und dahero von denen ersteren verweigeret worden, bei dem Tafel Dienst zu erscheinen, wann sich ein durchl. Ertzhertzog oder Ertzhertzogin mit einfande. Nachdeme aber E. M. in erleuchteste Erwegung gezogen haben, wie es nicht nur gegen die Anständigkeit lautfe, sondern allerdings an sich sehr be- dencklich falle, daß die durchl. Ertzhertzogen und Ertzhertzoginen, ohngeachtet ihres gantz ohnstrittigen königl. Erbrechts, dannoch die ihnen nach der Geburth gebührende Ehrensbezeugungen und das königl. Ceremonial nicht zu geniessen haben solten, so ist auch erst im Jahr 1749 nach vorgängiger reifer Berathung und unter a. h. Begnehmung ein neues Ceremoniel, so haubtsächlieh in denen königl. Ehrensbezeugungen für die durchl. Ertzhertzoge und Ertzhertzoginen bestehet, errichtet und durch die Beistimmung der angesehensten europäischen Höfen allschon außer allem Anstand und Widerspruch gesezet worden. 2 a ° Es seie aber dieses Unternehmen um deswillen so leicht und glücklich vonstatten gegangen, weilen man die doppelte Eigenschafft eines königl. hungar. und böheimischen Printzen und eines Ertzhertzogen nicht mit einander vermischet, sondern jene zum Grund des neuen Ceremoniels geleget habe. Dann obschon von weil. Kaiser Friderico 2 d0 die von dem babenbergischen Stamm besessene Hertzogthümer Oesterreich und Steiermarck zu einen Königreich erhoben und dem damahligen Hertzogcn wie auch seinen Nachkommen die königl. Würde mit allen Vorrechten beigeleget worden,*) so haben sich doch diese des königl. Tituls niemahlen bedienet, noch die königl. Ehrenbezeigungen bei denen übrigen europäischen Mächten in vollkommene Ausübung gebracht-, im Gegentheil ist bekannter Maßen dem durchl. Ertzhauß von einigen der ersten Reichsständen der Vortritt in Zweifel gezogen und widersprochen worden. Bei welchen Umständen auch das neue Ceremoniel bloß und allein in Ansehung des durchl. Ertzhauß niemahlen mit Einwilligung der übrigen Höfen hätte zustand gebracht werden können. Nachdeme aber bei einem gebohrnen königl. hungar. und böheimischen Printzen oder Printzessin wegen der königl. Ehren gar kein Anstand obwalten kan und diese denen durchl. Ertzhertzogen qua talibus, wann auch derselben königl. Ceremoniel von allen übrigen Mächten vor richtig anerkannt wäre, dannoch in der Ordnung des Rangs sonder .Zweifel vorgehen, auch dahero die königl. Reiche in E. M. wie in dero durchl. Vorfahrer Titul und Wappen sich vorge- sezet, Oesterreich aber jenen nachgesezet befindet, so ist auch bei Errichtung des mehrerwehnten neuen Ceremonialis an die Grund Regul gehalten worden, daß sich derjenigen Eigenschafft, welche das gröste Ansehen beileget und zugleich nach ihrer Würckung keinem Streit, noch Widerspruch unterworffen ist, vorzüg- *) Österreich zu einem Königreich zu erheben, war -jedoch ein Projekt, das niemals zur Verwirklichung gelangte. (Vgl. darüber Max Vancsa, Geschichte Nieder- und Oberösterreichs I, 448ff.) lieh zu bedienen seie. Und auf solche Arth seie allen Schwtirigkeiten bei dem neuen Ceremoniel ausgewichen worden. Wolle man nun die nemliche Grund-Regul bei der kunfftigen Titulatur der durchl. Ertzhertzogen nicht ausser Augen sezen, so seie das Ly königl. Hoheit der Benenung ertzhertzogl. Durchl. sonder Zweifel vorzuziehen, da nur jener und nicht dieser Titul denen königl. hungar. und böheimischen Printzen und Printzes- sinen zukomme und eigen seie. 3 tio Hiebei schlage nun die fernere Betrachtung mit ein, daß die Benenung deren königl. Printzen und Printzessinen einen weeseDtlichen Theil ihres Cere- moniels abgebe und dieses unvollkommen verbleiben würde, wann nicht eines mit dem anderen übereinstimmen, sondern ein mercklicher Unterschied unter beiden übrig gelassen werden solte. Nachdeme nun die königl. Ehrens-Bezeigungen für die durchl. Ertzhertzoge und Ertzhertzoginen bereits vestgestellet seind und das Ly königl. Hoheit sonder Zweifel denenjenigen zukommet, so zu Königreichen ein ohnstrittiges Erbrecht vor sich haben, so seie keine erhebliche Ursach abzusehen, warum die durchl. Ertzhertzoge und Ertzhertzoginen kiinfftighin nicht diejenige Benenung erhalten solten, welche mit ihrer königl. Geburth und eingeführtem Ceremoniel gäntzlich übereinstimme. Dann ob zwar 4 t0 alle Neuerungen in dem Ceremoniel an sich bedencklich fallen und zu vermeiden seien, so erstrecke sich doch solches nicht auf diejenige, welche aus erheblichen Ursachen erfolgen und zu keinen Nachtheil gereichen, wohl aber als vortheilhafft angesehen werden können, sonsten auch die Einführung des neuen Ceremoniels hätte unterbleiben müssen, als wovon das Ly königl. Hoheit eine natürliche Folge abgebe. Zwar pflegten nur die geringere Mächten ihre Titul zu vermehren; es seie aber die königl. Hoheit für gebohrne königl. Printzen nicht als eine Vermehrung, sondern als ein auf keine Weise verkleinerlich fallender Gebrauch des ihnen ohn- strittig zukommenden Rechts zu betrachten. Und obzwar besser geschehen sein dörffte, wann das Ly königl. Hoheit gleich bei Errichtung des neuen Ceremoniels eingeführet und vestgestellet worden wäre, so schiene doch weniger Bedencken dabei vorzuwalten, wann das Versäumte zur Zeit, da das offtenvehnte Ceremoniel annoch neu ist, Dachgehollet, als gäntzlich ausser acht gelassen, oder darmit länger zugewarttet würde. 5 t0 Nebstdeme könne zwar die Betrachtung, daß das Ly Durchlaucht heut zu Tag allzu gemein werde, keine die Frage entscheidende Ursach abgeben; jedoch verdiene sie um deswillen einige Rücksicht, weilen auch bei möglicher Hebung des Mißbrauchs das erwehnte Praedicat verschiedenen Printzen, so in E. M. a. h. Kriegsdiensten stehen, oder sich bei dem Hof-Laager einfinden, nach ihrer Geburth nicht versaget, auch künfftighin von mehrern Reichsfürsten mitels Zahlung der Täx ausgewiircket werden könte. Diesem Bedencken werde nun durch den Zusatz ertzhertzogliche nicht gäntzlichen abgeholffen, da solcher eigentlich nur in der teutschen, nicht aber in der frantzösischen und anderen Sprachen gebräuchlich seie. Wann aber auch E. M. durchl. Abstammung künfftighin die königl. Hoheit beigeleget würde, so bliebe doch das Ly Ertzhertzog nach wie vor allein dem Hauß Oesterreich eigen und würde andurch seinen Vorzügen im geringsten nichts benohmen. 6 t0 Sodann pflege bei denen Tituln nicht sowohl der Umstand, ob man solchen mehrern anderen im gleichen Rang stehenden Häusern beilege, sondern 470 die Frage beobachtet zu werden, ob der Titul an sieh die vorzügliche Eigenschafft andeute und ausdrucke. Wie dann die hertzogl. Häuser Savoyen, Lothringen und Hollstein die königl. Hoheit auf ihre Gerechtsame oder alte Ansprüche zu Königreichen begründet haben. So wenig aber unter anderen ein königl. dänischer Cron-Printz durch den Umstand, daß auch hertzogl. Häusern die nemliche Benennung gegeben würde, abgehalten werde, sich die königl. Hoheit beilegen zu lassen, eben so wenig seie solches bei denen durchl. Ertzhertzogen in Er- wegung zu ziehen, zumahlen es hier nicht auf die Frage, ob das Ly königl. Hoheit ein mehrers als die Durchlaucht andeute? sondern vielmehr darauf ankomme, welche Benennung der königl. Geburth und dem Erbrecht wie auch dem neu eingeführten Ceremoniel der durchl. Ertzhertzogen am gemäßesten seie? Und wann hiebei das Stammhauß den Vorzug haben solte, so müste am meisten auf Habspurg zurück gesehen werden. 7 mo Daß aber E. M. glorwürdigster Vorfahrer keine Abänderung in dem Titul und Ceremoniel vorgenohmen haben, könne alsdann nicht befremdlich fallen, wann unter anderen in nähere Erwegung gezogen werde, daß die durchl. Ertzhertzoge anerst in denen spätteren Zeiten die Königreiche an sich gebracht und daß deren Erbrecht anfänglich verschiedenen Anständen unterworffen gewesen, welchen nur bei Zeit und Gelegenheit abgeholffen werden könen. Wie dann bekanntermaßen das hungarische Erbrecht erst von weil. Kaisers Leopoldi M. für das männliche, und von Kaisers M. Caroli VI. glorwiirdigsten Andenckens auch für das weibliche Geschlecht zu seiner Vollkommenheit gebracht worden- Bevor nun solches erfolget, so seie allerdings der Vorsicht gemäs gewesen, durch unzeitige Neuerungen kein schädliches Aufsehen zu verursachen. Allein für dermahlen fiellen alle diese und dergleichen Bedencken von selbsten hinweg und aus dem neuen königl. Ceremoniel erwachse die natürliche Folge, daß die durchl. Ertzhertzoge und Ertzhertzoginen künfftighin königl. Hoheit zu benennen seien. Gleichwie nun die Entscheidung, welche Meinung auf den stärckesten Gründen beruhe, von des Kaisers und E. M. selbst eigenem a. h. Ausspruch abhanget, alß hat auch die gehorsamste Conferenz die zweite Frage in vorläuffige Erwegung gezogen, was bei Einführung des Tituls königl. Hoheit sowohl in Ansehung der auswärttigen Höfen, als der Publication in denen Erblanden zu beobachten und vorzukeliren sein dörffte. So viel nun die innländische Verfügungen anbetrifft, so könte sich hiebei um so weniger ein Anstand ergeben, da es nur darauf ankommen würde, E. M. geschöpffte a. h. Entschliessung allen Hof- und anderen Stellen gewöhnlichermaßen bekannt zu machen. Hingegen würden in Ansehung der auswärttigen Höfen von einer Stimme viele und große, von denen übrigen aber wenige oder keine Schwürigkeiten bei Einführung des Ly königl. Hoheit vermuthet und diese leztere Meinung durch die Betrachtung unterstützet, daß hier nicht von Zuschrifften, so auswärtige Höfe an die durchl. Ertzhertzoge oder Ertzhertzoginen erliessen und ferners- hin nach denen eingeführten Curialien einzurichten wären, sondern nur davon die Frage seie, daß die Botschaffter und übrige fremde Ministri denen durchl. Ertzhertzogen und Ertzhertzoginen in denen Anreden die königl. Hoheit bei- legeten. Nachdeme nun S. Päpstl. H., die Cronen Franckreich und Neapel, nebst der Republic Venedig den gesammten durchl. Kindern allschon die regios honores 471 durch ihre Botschaffter erweisen lassen, so könten sie auch dermahlen wegen des Ly königl. Hoheit nicht wohl einen scheinbahren Anstand erregen und dörffte dahero nicht schwer fallen, desfahls die nöthige Anweisungen und Verhaltungs-Befehle für die hiesige Botschaffter und übrige fremde Ministros bei ihren Höfen auszuwürcken. Wann sich aber auch hiebei gegen alles Vermuthen einige Schwürigkeiten ereigneten, so hätten doch solche die inner Lands nach Willkür zu verfügende Publication nicht aufzuhalten und würde demnechst aller Widerspruch, wo nicht auf einmahl, jedoch mit der Zeit leicht zu heben sein, da selbsten die meisten fremden Ministri, um einigen Danck zu verdienen und keine Abneigung zu erkennen zu geben, nicht ermanglen würden, daß Werck durch ihrer Höfe Beistimmung möglichst zu beförderen. Jedoch würde dieses Geschafft sonder Zweifel bei allen Höfen und besonders in dem römischen Reich gar sehr erleichtert werden, wann des Kaisers M. a. g. gefällig wäre, hierunter als Kaiser mit ihrem a. h. Beispiel vorzugehen und an die Reichs-Canzlei den gemessenen Befehl zu erlassen, daß künfftighin die durchl-. Ertzhertzoge und Ertzhertzoginen als gebohrne königl. hungar. und böheimische Printzen und Printzessinen königl. Hoheit zu benennen, auch ihnen in allen Cantzlei Expeditionen das Ly durchleuchtigste stat des bisherigen durch- leuchtig hochgebohrne beizulegen seie. Bei diesen beeden a. h. Verordnungen könne nun um so weniger ein erheblicher Anstand vorwalten, da solche der durchl. Abstammung nicht als Ertz- hertzogen, sondern als königl. hungar. Printzen, so dem römischen Reich auf keine Weise unterworffen seind und bereits ein königl. Ceremoniel gemessen, eingestanden würden und dahero nicht anderst als eine Verabredung zwischen Souverain und Souverain anzusehen wären. Daß nun dergleichen Verabred- und Bewilligungen bloßerdings auf des Kaiser M. a. h. Gutbefinden beruhen, seie keinem Zweiflfel unterworffen und neuerlich durch die denen Königen von Neapel und Schweden eingestandene Majestätts- Titul bekräfftiget worden. Auf gleiche Weise wäre auch denen königl. hungar. Printzen und Printzessinen das Ly königl. Hoheit und durchl. beizulegen, und könt.e hiebei weder von Ausferttigung eines Diplomatis aus der Reichs Cantzlei oder von einiger Taxa die Frage sein, noch von jemanden ungleich ausgedeuthet werden, wann des Kaisers M. sich gegen ihre eigene durchl. Kinder und Nach- kommenschafft nicht weniger willfährig als gegen fremde Mächten zu erweisen geruheten. Bei Untersuchung der dritten Frage, wie der Titul und das Sigill des durchl. Ertzhertzogen einzurichten seie, wurde fördersamst angemercket, daß höchst dieselbe keine Diplomata, Vollmachten oder andere Actus auszuferttigen hätten, worzu ein grosser Titul und Sigill erforderet würde. Es seie also dermahlen nur auf den mitteren Titul und Sigill fürzudencken und hierbei in Erwegung zu ziehen, ob E. M.mitterer Titul und Sigill, dessen sich die gehorsamste Staats- Canzlei bedienet, oder jener des Directorii zum Model zu nehmen oder vor allen Dingen die Ausarbeith- und Einführung einer von allen Ländern, Hofstellen und Canzleien zu gebrauchenden und ganz gleichförmig einzurichtenden Titulatur, wie auch des grossen und mitteren Sigills in gehorsamsten Vorschlag zu bringen oder aber für dermahlen, in Ansehung der durchl. Ertzhertzogen ein anderer Ausweeg einzuschlagen seie. 472 Zu mehrerer Erläutterung dieser Fragen geruhen Sich E. M. a. g. zuruck zu erinneren, daß schon zu Zeiten a. h. deroselben glorwürdigster Vorfahrer die von der Staats- und denen übrigen Cantzleien gebrauchte Tituln und Sigill mercklieh von einander unterschieden gewesen. Alß aber E. M. das Directorium zu errichten und diesem die Ausferttigungen der Privilegien, Standes-Erhöhungen etc. aufzutragen a. g. geruhet haben, so äusserte sich unter anderen der Anstand, daß bei denen böheimischen Angelegenheiten ein anderer Titul und Sigill als bei denen oesterreichischen und vice-versa zu gebrauchen, folglichen in einem Directorio auf unterschiedene Arth die Expeditionen zu verfassen seien. Wie nun desfahls unterm 6. Julii 1752 ein gehors. Directorial-Vortrag erstattet wurde, so haben E. M. hierauf den folgenden a. h. Bescheid zu setzen geruhet: ,Es ist nichts leichter, als diese Difficultaet zu heben; das Sigill soll sein wie bei der Staats-Cantzlei, wo als Souveraine von allen meinen Ländern alle publique Acten signire, und desgleichen wegen der Titulatur.' Nachdeme aber die Staats-Cantzlei von alten Zeiten her Ober- und Nieder- Schleßien, wie auch Mähren nicht so hoch in dem Rang hinaufsetzet als solches in denen Tituln und Sigillen der böheimischen Cantzlei geschehen ist, so hat das Directorium in Erwegung, daß der Gebrauch des Tituls und Sigills der Staats- Cantzlei in böheimischen Expeditionen denen dorthigen Landen sehr schmerzlich fallen würde, den 22. Junii 1752 eine Zusammentrettung mit dem Freiherrn v. Bartenstein, in Abwesenheit des Grafen v. Ulfeld, zu Eberreichdorff veranlasset und einen abgeänderten grossen und mitteren Titul, wie auch Sigill in Vorschlag gebracht, auch in dem darüber gehaltenen Protocollo angemercket, daß der ernannte Freiherr v. Bartenstein mit der Abänderung einverstanden seie. Hierauf ist auch E. M. a. h. Placet erfolget und der neue von dem Directorio entworffene Titul, wie auch das Sigill als eine Universal-Norma allen Stellen und Cantzleien durch ausgeferttigte Noten und Insinuata des Directorii zugesendet worden. Jedoch hat Freiherr von Bartenstein nachhero in einem zu E. M. a. g. Händen übergebenen gehors. Vortrag sein bei der Eberreichsdorffer Zusammentrettung abgelegtes Votum dahin erläutteret, daß er nur seine Meinung eröffnet und sich übrigens auf des Grafen v. Ulfeld als damahligen Hof- und Staats- Canzlers Dafürhalten bezogen hätte. Naehdeme also nicht nur die gehors. Staats-Cantzlei die bisherige Titulatur und Sigill ohnverändert beibehalten, sondern auch nebst der siebenbürgischen die hungar. Cantzlei in Vorstellung gebracht hat, daß die Tituln Romae, Serviae, Gallitiae, Lodemiriae und Bulgariae in den hungar. Expeditionen vermög der Diaetal Artieulen nicht ausgelassen werden könten, so hat das Directorium Selbsten E. M. aller geh. angerathen, daß denen hungarischen, siebenbürgischen und niedei’ländischen Cantzleien ihre vorhinige Tituln und Sigill zu belassen seien, welche auch nebst der Staats- und italianischen Canzleien bishiehin ihre hergebrachte Curialien ohnverändert beibehalten haben. Dahingegen bei denen übrigen Hoffstellen, Länder Repraesentationen und Canzleien der neue Titul und das Sigill des Directorii würcklichen eingeführet worden. Inmittels ist allschon in zweien, den 21. und 28. Martii 1753 vorgewesenen Conferentzien über den mitteren Titul und das Sigill des durchl. Ertzhertzogen Josephi Berathschlagung gepflogen und vorläuffig dahin angetragen worden, daß sich hiebei nach dem mitteren Titul und Sigill, dessen sich E. M. gleich bei 473 Hfi Antrettung dero glorreichesten Regierung bedienet, mutatis mutandis gerichtet werden könte. Deme zu Folge auch der vormahlige Hof-Secretarius und nunmehrige Hofrath von Wolffscron dreierlei Projecten, und zwar das erstere nach der gehors. Staats-Cantzlei, das 2. nach des Directorii eingeführten Titul und Sigill, und das dritte nach seinen eigenen Vorschlägen und Anmerckungen ent- wortfen, auch in allen dreien die Titul und Wappen von I. M. des Kaisers Landen mit eingetragen hat. Es hat aber die gehors. Conferenz bei näherer Erwegung der erwehnten Projecten die Anmerckung für gegründet angesehen, daß zwar die von der Staats-Canzlei bishiehin gebrauchte Tituln und Sigill die Observanz für sich hätten und um deswillen den Vorzug zu verdienen schienen, jedoch könten sie nicht für vollkommen und keiner Ausstellung unterworffen angegeben werden. Wie sich dann unter ändern in dem Sigill der merckwiirdige Fehler befinde, daß die spänische Wappen denen königl. hungarischen und böheimischen vorgesezet worden, da doch der Titul und Wappen derer würckl. besitzenden Königreichen und Landen jenen, welche nur im Anspruch stehen, vorgezogen zu werden pflegten und die spänische Wappen währendem lezteren Krieg nicht sowohl wegen eines rechtlichen Anspruchs, als aus Repressalien, weilen sich der jezige König in Spänien zuwider des 10. Art. des Wienner Friedens von anno 1725 der oester- reichischen Tituln und Wappen zu bedienen fortfahre, E. M. Sigill eingerucket worden. Auch äußeret sich bei dem Titul unter anderen der Mangel, daß zwar die Hertzogthümer Parma und Piacenza in demselben eingerucket, aber das Hertzog- thum Guastalla sowohl in dem größeren Titul als dem Sigill ausgelassen worden, mithin annoch wenigstens im großen Titul nachzutragen wäre, da der Achner Frieden E. M. das Ruckfalls-Recht auf Guastalla eben so gut und in der nem- lichen Maaß als auf Parma und Piacenza vorbehaltet. Ob nun zwar die be- merckte und einig andere Ausstellungen, so dem von der Staats-Canzlei bishero gebrauchten Titul und Sigill gemacht werden könten, indem von dem Directorio neu eingeführten Titul und Sigill nicht verbesseret, sondern beibehalten, auch zugleich von der alten Ordnung und dem Rang, wie die Länder in denen Tituln der Staats-Canzlei gesezet gewesen, abgewichen worden, so ist doch die gehorsamste Conferenz des ohnmaaßgeblichsten Dafürhaltens, daß es allzu bedencklich fielle, entweder in der Staats-Canzlei oder des Directorii, oder auch in aller beider Titulatur und Sigill eine abermahlige Abänderung vorzunehmen und andurch nicht nur inner Landes, sondern auch bei denen auswärtigen Höfen ein unzeitiges und ohnnöthiges Aufsehen zu verursachen, zumahlen hierunter in allen Ländern und bei allen Canzleien eine vollkommene Gleichförmigkeit einzuführen, nicht wohl thunlich seie, da ein jedes Land seine eigene Wappen Rem Hertz-Schild einzuverleiben und seine Appertinentien denen übrigen Landen gleiches Ranges vorzusetzen pflege. Indessen seie gleichwohlen zwischen Böheim und Oesterreich, wie auch denen übrigen teutschen Erb-Landen durch das angenohmene Sigill und die Titulatur des Directorii die Uniformitaet würckl. eingefiihret, bei welcher es also fernerhin ohne sonderliches Bedencken und zu Vermeidung größerer Ansässigkeiten belassen werden könne. Nebst deme hat die gehors. Conferenz bei denen vorangezogenen Tituls- und Sigills Projecten des von Wolffscron den ferneren Anstand nicht außer acht gelassen, wie die Titul und Wappen von des Kaisers M. Landen mit jenen, so 4 i 474 E. M. zugehören, in behöriger Bangsordnung zu vermischen und zu sezen seien, indeme sich zwischen a. h. denenselben und dem durchl. Ertzhertzogen ein zu beobachtender Unterschied darinnen ergibet, daß E. M. als Gemahlin des Kaisers M. die Titul und Wappen von Lothringen, Barr und Toscana nicht’anderst als zulezt setzen können; dahingegen der durchl. Ertzhertzog auf gleiche Weise bei denen ernannten vätterlichen, wie bei denen mütterlichen Landen, als Anerb zu betrachten und nach diesem Grundsatz sowohl der Titul als das Sigill einzurichten ist. Dahero dann das Ly Großprintz zu Toscana nicht zulezt gesezet werden könte, wann andere Lande sich in dem Titul befinden, so dem Großhertzog- thum in dem Eang nachgehen. Um also allen bemerckten Schwiirigkeiten gäntzl. auszuweichen und zugleich die Eegul zu beobachten, daß die mittern Titul und Sigill nicht zu weitläuffig einzurichten, sondern in solche nur die angesehenste Länder einzutragen, anbei auch eine Übereinstimmung zwischen Titul und Sigill zu beobachten, mithin in keinem mehr oder weniger als in dem anderen zu begreiffen seie, so ist die einhellige Meinung der gehors. Conferenz dahin ausgefallen, daß der mittere Titul des durchl. Ertzhertzogen Josephi folgendergestalten zu verfassen wäre: Wir Joseph zu Hungarn, Böheim, Dalmatien, Croatien, Sclavo- nien etc. königl. Erbprintz, Ertzhertzog zu Oesterreich, Hertzog zu Burgund, zu Lothringen und Barr, Großprintz zu Toscana etc. So viel aber den kleinen Titul betreffe, so hätte solcher ohnmaaßgeblich darinne zu bestehen: Wir Joseph zu Hungarn und Böheim etc., königl. Erbprintz, Ertzhertzog zu Oesterreich etc., Hertzog zu Lothringen, Großprintz zu Toscana etc. Dieses mitteren und kleinen Tituls könten sich auch die übrige durchl. Ertzhertzoge und Ertzhertzoginen bedienen, außer daß das eintzige Wortt Erb, so dem erst gebohrnen von denen übrigen Printzen unterscheide, hinwegzulassen seie. Hiebei wurde annoch zu näheren Beurtheillung ausgestellet, ob dem Titul der durchl. Ertzhertzogen und Ertzhertzoginen das Ly von Gottes Gnaden beizusetzen seie? Indeme zwar in regula nur die wiirekl. Eegenten sich dessen zu bedienen pflegten, jedoch zugleich einige Exempla angeführet worden, daß Ertzhertzoge und auch Ertzhertzoginen sich des erwehnten Ly von Gottes Gnaden gebrauchet, andere aber in ihrem Titul ausgelassen haben. Nachdeme sich nun hierinnen auf keine gleichförmige Gewohnheit des durchl. Ertzhaus begründet werden kan, so wird auch solches E. M. selbst beliebigen a. h. Entscheidung in tiefifester Ehrerbiethung unterworffen und fernerhin nicht verabsäumet werden, mehrere Exempla in der Histori des durchl. Ertzhauß und andurch ausfindig zu machen, auf welcher Seiten die Observanz vorwiege und ob desfahls E. M. ein mehreres in gehors. Vorstellung zu bringen seie. In Ansehung des mitteren Sigills hat zwar die gehors. Conferenz dem Vorschlag iiberhaubt beigepflichtet, daß solches mit dem Titul übereinstimmig einzurichten und in jenem nicht mehrers als in diesem einzutragen wäre; jedoch müste nach ihrem Dafürhalten eine Ausnahm bei dem spännischen Wappen gemacht und dasselbe in dem Sigill des durchl. Ertzhertzogen gleichwie in jenem, so E. M. wiirekl. gebrauchen, beibehalten werden, ohngeachtet diese Lande nicht einstens E. M. größerem Titul einverleibet worden, maßen eine Abänderung denen 475 fremden Höfen allzustarck in die Augen fallen, mithin allzu bedenckl. scheinen dörffte. Es wäre also das mittere Sigill der durchl. Ertzhertzogen aus denen spanischen, hungarischen, höheimischen, dalmatischen, croatischen, sclavonischen, bur- gundischen, barrischen und toscanischen Wappen zusammenzusezen, das oester- reichisch- und lothringische in das Hertz-Schild einzutragen und die zwei Schildhalter des durchl. Ertzhauses, nemlich ein Löwe und ein Adler, wie auch die Crone beizubehalten. So viel aber das von denen durchl. Ertzhertzogen und Ertzhertzoginen zu gebrauchende kleine Petschafft anbetrifft, so ist bereits ein im Jahr 1748 a. g. begenehmter Entwurff vorhanden *) und so gut eingerichtet, daß die gehors. Con- ferenz hiebei nichts zu erinneren findet. Die Entscheidung des 4ten Objecti deliberationis, wo nemlichen die durch!. Ertzhertzoge bei Toison-Festen im gehen und im sitzen ihren Platz zu nehmen hätten, wäre um so weniger einem Anstand unterworffen, da Praejudicia, so in die gegenwärttige Frage vollkommen einschlagen, vorhanden seind. „Resolutio caes. regia: placet und ist der Kaiser völlig auch damit verstanden.“ (Vortrag des Grafen Kaunitz an Maria Theresia vom 17. Oktober 1754. Abschrift nach Binders Konzept. Staatsarchiv*.) 232 (205). Liegt nicht bei und konnte auch nicht aufgefunden werden. 233 (207). Josef Peter Schwachheim, niederösterreichischer Repräsentationsrat, Kammerrat sowie Resident in Konstantinopel, hatte am 1. Juni 1754 den Titel eines kaiserlichen Hofrates erhalten „immassen derselbe, nachdeme er die Sprache, Gebräuche und Staats-Gründe des türckischen Hofs und die Art, mit selben zu handlen, sich eigen gemacht, in wichtigen Geschäften gebrauchet worden. Wannenhero er zweien Feldzügen in Hungarn, besonders dem letzten anno 1739 und der darauf gefolgten Friedenshandlung mit der ottomanischen Pforte bei Belgrad als Secretarius deren orientalischen Sprachen beigewohnet, seither anno 1740 aber bis anhero als kaiserl. Hof-Dolmetsch und Hof-Kriegs- Secretarius bei Anwesenheit der letzten Großbotschaft sowohl als anderer türckischen Gesandtschaften an dem kaiserl. Hoflager, ingleichen letzlich als Re- präsentations- und Kammerrat bei allen ihme aufgetragenen Verrichtungen sich nicht minder pflichtmäßig als treu- eifrig verhalten hat. — — — — — —“ (Copia kaiserl. Hof-Raths-Decreti für den Peter Joseph Schwachheim d. d. 1. Junii 1754. Staatsarchiv.) Schwachheims Instruktion und das Abberufungsschreiben an Penckler sind vom 14. August 1754 datiert. (Staatsarchiv.) 234 (207). Am 30. September 1754 hatten Keith und Burmania einen neuen Konventionsentwurf eingereicht, dessen wesentlicher Inhalt darin bestand, „daß in solchem der diesseitige zweite Articul, welcher eigentlich das vor die Niederlande anverlangte Reciprocum, nehmlichen die virtuelle Bekantnuß, daß der provisorische Tariff aufhöre, enthalten hat, gänzlich ausgelassen, mithin des- falls der Streit offen erhalten und E. M. gegen die Zahlung des Subside gar kein Reciprocum bewilliget, folglichen der eigentliche Verstand und Esprit des diesseitigen Conventions-Projects gänzlich außer Augen gesezt werden wolle. *) Siehe Band II (1745—1749), S. 530/531. Lithographie. 476 (Vortrag des Grafen Kaunitz an den Kaiser vom 7. November 1754. Staatsarchiv.) Mit Zustimmung des Kaisers wurden an Keith und Burmania (A) sowie an Bentinck (B) folgende Schreiben gerichtet: A. „S. M. l’imperatrice a examine avec l’attention la plus serieuse le dernier projet de Convention qui a ete presente par MM. les ministres plenipotentiaires de Keith et de Burmania le 30 septembre de cette annee. Et afin qu’aucune prevention ne püt avoir part 4 Sa determination et 4 Son jugement sur ce qu’on Lui proposait, Elle s’est fait une loi de ne l’examiner que selon ce que portent les traites et ce dont on est dejä convenu. Pour cet eff et non seulement Elle a cru devoir se rappeier, mais meme ne jamais perdre de vue: que les traites sont egalement obligatoires pour tous les contractants et qu’il est convenu que l’on est tenu de part et d’autre 4 y donner satis- faction entiere en meme temps et 4 pas egaux. Ce sont ces deux verites incontestables, independamment de tout aveu, mais d’ailleurs convenues et avouees, qui peuvent et doivent seules decider la question et moyennant cela, de la valeur du dernier projet dont il s’agit. Et c’est aussi dans ce seul point de vue qu’il a ete envisage par S. M. Des que le traite de commerce qui Lui a et6 promis par l’art. 26 du traite de Barriere, sera fait, S. M. l’imperatrice doit recommencer 4 pas egaux le payement du subside. C’est 14 la regle. S. M. l’imperatrice n’a propose une Convention provisionnelle, moyennant la- quelle Elle aurait pu recommencer ce payement meme avant la conclusion d’un traite de commerce que parce qu’Elle a cru faire plaisir aux PP. MM. Mais la base et le fondement de cette idee 6tait un aveu qui pouvait Lui tenir lieu du traite de commerce, avant la consommation duquel, attendu ce qui est dejä convenu, rien d’ailleurs ne peut l’obliger 4 recommencer le payement du subside, et rien ne peut autoriser les Puissances maritimes 4 le Lui demander. Ce n’est que sur ce pied qu’une Convention provisionnelle pouvait etre possible. Et il s’ensuit que celle qui vient d’etre proposee en dernier lieu par MM. de Keith et de Burmania, ne saurait etre acceptee, attendu que le payement du subside que l’on voudrait faire recommencer des 4 present, n’y trouve sa juste reciprocite, ni sur le pied de la regle, ni sur celui de l’exception, c’est 4 dire, de ce qui constitue le fondement de la convention. S. M. l’imperatrice ne saurait donc y donner les mains apres que les PP. MM. n’ont pas meme trouve acceptable celle qui a ete proposee de Sa part, quoiqu’elle fut marquee au coin de l’öquite et de la regle la plus exacte. Elle voit avec peine que l’on n’alt point pu s’arranger sur ce pied; mais en meme temps Elle est fort eloignee de vouloir s’en plaindre. Le traite de la Barriere non plus que la convention de 1731 n’imposant 4 aucune des Puissances contractantes la loi d’une convention provisionnelle, et les PP. MM. n’etant par consequent pas plus obligees 4 y donner les mains, que S. M. l’imperatrice ne l’a et6 4 la proposer. 477 II ne reste donc, apres que l’on ne croit pas pouvoir s’accorder sur les conditions de la Convention qni a fait j’objet de la negociation qui subsiste de- puis quelque temps de cour ä cour, qu’ä reprendre celle des Conferences etablies ä Bruxelles, pour travailler ä l’arrangement definitif de tous les objets contestds. Les commissaires de S. M. s’y porteront avec tout l’esprit de conciliation possible, et des que l’on sera parvenu ä s’arranger, S. M. ä l’avenir ainsi qu’Elle l’a fait par le passe, satisfera exactement ä Ses engagements vis-ä-vis de Ses allies, avec lesquels Elle desire sincerement entretenir la plus parfaite intelligence.“ B. „Le projet de convention que MM. Keitli et de Burmania nous ont remis le 30 septembre passd, nous ramene au meine point d’oü nous sommes partis il y a six ans; et il y en a meine pres de 40 que, d’apres le traite de Barriere, nous devrions nous trouver en possession de ce traite de commerce, qu’ä cette heure on nous promet dans un an. La confiance que Ton croit pouvoir exiger de nous, sur cette assurance, ne peut etre fondee que dans la preference qu’une promesse faite par une convention provisionnelle peut meriter sur un engagement pris par deux traites solemnels. Je ne puis que m’en rapporter, Monsieur, ä votre propre jugement sur la valeur d’un pareil raisonnement. Il n’est pas possible qu’apres tout ce que nous avons dit et ecrit, pour etablir notre bon droit, les PP. MM. puissent n’en etre pas convaincues, et si elles voulaient faire attention aux veritables interets de l’alliance, aux obligations de l’imperatrice vis-ä-vis de ses sujets et ä l’impossibilite d’en obtenir des secours sans avoir satisfait aux conditions, auxquelles ils lui ont ete accordes, elles con- viendraient, je pense, que S. M. a epuise par Ses dernieres olfres*) tout ce qu est combinable avec les circonstances qu’on vient de rappeier, et avec les principes qu’elles-memes ont reconnus et avoues. Au lieu de cela on nous presente de leur part un plan qui ne remplit que les vues pecuniaires de la Republique et renvoie ä un avenir pas plus sur que le passe la satisfaction due depuis pres de 40 ans aux pretentions de l’imperatrice. C’est un vrai probleme en vdrite et j’ai de la peine ä revenir de l’etonne- ment dans lequel il m’a jete; c’est qui m’a frappe le plus, c’est ce ton de confiance avec lequel vous m’avez annonce ce nouveau projet; je ne saurais croire que vous voulussiez jamais entreprendre de le combiner avec les notions que vous avez du passe, ni avec les idees qu’elles pouvaient vous donner de l’avenir. Enfin, les choses sont au point qu’ä mon grand regret je n’ai plus qu’ä me bor- ner aux simples devoirs de mon ministere. Je joins ici notre reponse**) et j’ai cru que, quelques desagreables que puissent etre ces circonstances et pour vous et pour moi, il pourrait peut-etre vous importer d’en etre averti. Je vous embrasse et je suis avec l’attachement sincere que vous me connaissez etc.“ (Ad Vortrag vom 7. November 1754. Diesem Vortrage liegt noch ein drittes Stück bei: „Circular Belehrung für die an auswärtigen Höfen stehenden k. k. Ministres.“ Staatsarchiv.) 235 (213). Am 22. November hatte Keith dem Grafen Kaunitz den Entwurf eines Memoirs eingehändigt, das man gemeinschaftlich dem russischen Hofe überreichen solle. Kaunitz beantragte, die Konferenz zu berufen. (Vortrag an *) Siehe Anhang 208, S. 439 ff. (4. Entwurf), 454 ff. **) Beilage A. Maria Theresia vom 23. November 1754. Staatsarchiv.) In dieser gelangten folgende drei Fragen zur Erörterung: „1. Ob bei dem von dem englischen Hof mitgetheilten Aufsaz . . . etwas zu erinneren, 2. was sowohl in Rußland als in Konstantinopel zu möglichster Abwendung aller besorglicher Weiterungen vorzukehren und 3. ob zu diesem Ende dem russischen Hof die von dem Freiherrn von Penckler einberichtete und andere durch geheime Wege in Erfahrung gebrachte geheime Nachrichten mitzutheilen seien?“ „In Ansehung der ersten Frage — so referierte Kaunitz dem Kaiser — ist die einstimmige Meinung, so auch E. M. a. g. begnehmet haben, dahin ausgefallen, daß die gemeinsame schriftliche Vorstellung nicht nur an sich ohnschäd- lich und ganz ohnbedenklich, sondern auch als ersprießlich anzusehen seie, weilen der russische Hof gleichwohlen auf zweier freundschaftlicher Mächten vereinigtes und schriftlich hinausgegebenes Darfürhalten, mehrere Rücksicht als auf ihrer Ministres dem Groß-Canzler Grafen Bestuchef geschehene mündliche Vorstellungen tragen und allenfalls die Gehäßigkeit und der russische Unwillen mit Engeland geteilet würde. Auch hat man bei dem Aufsatz selbst die Erinnerung zum Grund geleget, daß sich bei Anmerckungen, so allein in die Diction einschlagen, nicht aufzuhalten, sondern nur bei ein- und anderen Stellen, so bedencklich scheinen, eine Abänderung anzurathen und zu versuchen seie, ob sich der englische Minister Keith hierzu einverstehen würde. Bei der zweiten als der wichtigsten Frage wurde fordersamst einstimmig ermessen, daß fernerhin in dem eingeschlagenen Weeg fürzuschreiten, sich in nichts verfängliches einzulassen, an die sowohl dem Grafen Esterhasy als dem Freiherrn von Penckler vorgeschriebene Maaßreglen*) vest zu halten und alles mögliche anzuwenden. seie, daß die zwischen Rußland und der Pforten obschwebende Irrungen gütlich beigeleget und allen Weiterungen vorgebogen werden mögte. Nachdem aber schon dermahlen zuverlässig vorzusehen stehet, daß, wann von seiten Rußlands entweder eine abschlägige oder keine Antwort vor Ende dieses Jahrs in Constantinopel eintreffen solte, alsdann die Pforte ohnfehlbar zu werk- thätigen Entschließungen schreiten und entweder die französche Garantie recla- miren, auch mit Preußen sich in neue Bündnuß einlassen, oder zu den Waffen greiffen, oder auch beides zugleich vorkehren würde-, so entstünde die Haubt- frage, wie sich Freiherr von Penckler in solchen Umständen zu betragen habe und mit was für Verhaltungs-Befehle er auf alle Fälle zu versehen seie. Hiebei wurde nun fordersamst in Erwegung gezogen, daß zwar so lang als immer möglich alle Extrema sorgfältigst zu vermeiden und thunliche Ausweege zu ergreiffen seien-, wann aber dieser Endzweck nicht zu erreichen stünde, so bleibe nichts anderes übrig als unter zweien nothwendigen Üblen das geringere und erträglichere zu erwehlen, auch hiebei solche Weege einzuschlagen, daß die Auswahl nicht ohne Wtirckung verbleibe, sondern das gröste Übel noch in Zeiten abgewendet werde. Gleichwie nun aus der abschlägigen oder verzögerten russischen Antwort die zwei Extrema entspringen müssen, daß von seiten E. M. entweder an dem besorglichen Krieg theilzunehmen, oder aber vor Rußland der Casus foederis nicht zu erkennen und sich solchergestalt der Gefahr, des ernanten Hofs Freundschafft *) Vom 30. November 1754. (Staatsarchiv.) 479 zu verlieren und die bundsmäßige Verabredungen zu schwächen, auszusezen seie, so haben E. M. in Erwegung der jezigen gefährlichen Welt-Läufften, des Zustands, worinnen sich a. h. deroselben übrige Bundsgenossen befinden, der wenigen Hülffe, so man von ihnen zu gewarten hätte, des fast zuverläßig vorzusehenden französchen und preußischen Überfalls, der überlegenen feindlichen Macht und der moralischen Ohnmöglichkeit, mit eigenen Kräfften auf drei Seiten behörigen Wiederstand zu leisten und das augenscheinliche Verderben abzuweriden, erleuchtest ermessen, daß bei solchen Umständen ein Türckenkrieg das schädlichste und größte Übel seie, so dem durchl. Erzhauß wiederfahren könnte. Nachdem nun aus diesem Grundsaz die fernere natürliche Folge erwachset, daß zwar die Erkaltung der russischen Freundschafft als ein großes Übel anzusehen und demselben auf alle Weiß auszuweichen, wann aber dieser Endzweck nicht zu erreichen wäre, daß alsdann solches ehender zu ertragen und mit der Zeit wieder zu verbesseren als sich der nicht zu übersehenden Gefahr, so ein Tiircken-Krieg androhet, auszusezen seie, so sind einige Stimmen auf den ohnmaßgeblichsten Vorschlag verfallen, daß der Freiherr von Penckler forder- samst auf die bereits an ihn ergangene Verhaltungsbefehle und Maaßreglen zu verweisen, so dann wegen seines künfftigen, per gradus zu beobachtenden Betrags zu belehren und endlichen ihm auf den ärgsten Fall, wann nehmlichen die Pforte auf einer ohngesaumten und zuverläßigen diesseitigen Erklärung ohnab- änderlich bestünde, aufzutragen seie, der erwehnten Pforten die deutliche Versicherung zu ertheilen, daß E. M. bei einem wegen dem Vestungs-Bau entstehendem Krieg den Casum foederis vor Kußland nicht erkennen, noch an den Thät- lichkeiten theilnehmen, sondern ferner hinden mit der Pforten geschlossenen ewigen Frieden heilig erfüllen würden. Dieses gehorsamste Darfürhalten wurde unter anderen durch die Betrachtungen unterstüzet, daß hiebei allezeit die Bedingnuß, wann auf andere ersprießlichere Arth nicht aus der Sachen zu kommen wäre, vorauszusezen, daß ein solcher Fall nicht nur an sich möglich, sondern nur allzu wahrscheinlich seie, nachdem der Reis-Effendi schon würcklich die diesseitige Erklärung zu wiederholten Mahlen und nachdrücklichst anverlanget, die Pforten nach Verlauf etlicher Monathen eine dilatorische und unvollkommene Antwort des Freiherrn von Penckler als abschlägig ansehen und allen weiteren Verschub versagen könnte; und daß die in Vorschlag gebrachte Anweisung des Freiherrn von Penckler auf den ärgsten Fall mit denen von E. M. a. g. begnehmten Grundsäzen vollständig übereinstimme, aber gar leicht zu spath kommen könne, da hingegen es niemahlen etwas schaden würde, den eigenen Ministrum, der wegen seiner vieljährigen Diensten, gepriiffter Treu und Verschwiegenheit allen Glauben verdienet, auf den ärgsten, zwar entfernt scheinenden, aber möglichen Fall mit zureichenden Verhaltungsbefehlen zu versehen, ohne welche er sich gezwungen sehen dörffte, das rechte Tempo zu verabsäumen und dasjenige geschehen zu lassen, welches billig vor die ungliickseeligste Begebenheit, so dem durchl. Erzhauß wiederfahren kan, angesehen wird. Solte auch diese Vorsicht zu früh oder wegen der inzwischen eintreffenden vergnüglichen russischen Antwort vergeblich geschehen sein, so wäre es desto besser und die angewendete Bemühung gar leicht zu verschmerzen, widrigenfalls aber nicht genug zu bedaueren, wann die behörige Vorsicht nicht auf alle mögliche Fälle erstrecket und andurch just dasjenige, was man vermeiden will, veranlasset würde. 480 Hingegen seind einige Stimmen des gehorsamsten Darfürhaltens gewesen, daß allen Extremitäten, so viel immer möglich, auszuweichen und die auf den ärgsten Fall gerichtete Anweisung des Freiherrn von Penckler wegen der be- sorglichen Folgen sehr bedencklich und annoch zu frühzeitig, mithin darmit Anstand zu nehmen seie, bis man sich überzeugt befände, daß auf andere Artli Rat zu schaffen, nicht möglich wäre; wie dann keinesweegs zu vermuten stünde, daß die Pforte dem ernanten Freiherrn nicht so viele Zeit gönnen würde, einen Courier anhero abzufertigen und E. M. endliche Entschließung einzuholen. Worauf dann auch E. M. Sich dahin a. g. geäußeret haben, daß in einer so wichtigen Angelegenheit mit aller Vorsicht und stuffenweiß zu Werck 'zu gehen, nichts zu übereilen und keine diensame Ausweege außer acht zu lassen seien. Wobei auch vieles darauf ankomme, wie die Anweisungen an Freiherrn von Penckler eingerichtet würden, aus welchen sich demnächst näher ergeben dörffte, in wie weit ein so anderes vor dienlich oder verfänglich anzusehen seie. Betreffend den bisherigen Betrag des russischen Hofs, so wurde zwar solcher vor außerordentlich und ärgerlich anerkennet, jedoch einstimmig darvor gehalten, daß gegen denselben fernerhin alle mögliche Vorsicht und Gelindigkeit zu gebrauchen und nicht zu ermüden seie, ihn durch freundschaftliche Vorstellungen zu vergnüglicheren Maaßnehmungen anzufrischen-, wobei zugleich gehor- samst angemercket wurde, daß Graf Esterhasy in denen Berichten seine Gemüths- regung gegen den Canzler Grafen Bestuchef nicht verbergen könne und in dem irrigen Supposito zu sein scheine, als ob der ernannte Canzler auf den Sprung seines gänzlichen Falles stünde und die gemeinsame Sache keinen großen Verlust an ihn erleiden würde, da doch die russische Politique eine Uneinigkeit unter den Ministern nicht ungern sehe und Graf Bestuchef schon Mittel finden dörffte, sein bisheriges wichtiges Amt fernerhin beizubehalten; nebst deine habe er seine gute Gesinnung vor die gemeinsame Sache durch mehrere vergnügliche Proben bewähret, dahingegen seine Feinde sich dessen noch nicht rühmen könnten und sehr ungewiß wäre, auf welche Seite sie sich künftighin schlagen würden. Diesem wurde die fernere Anmerckung hinzugefüget, daß Graf Esterhasy sich allbereits nach denen nehmlichen Grundsäzen angewiesen befinde und solche ohne alles Bedencken wiederholet werden könnten; indessen ermangleten annoch die erforderliche Proben, daß er sich gegen den Groß Canzler in etwas vergangen habe; wie ihm dann nicht ungleich ausgedeutet werden könne, sondern vielmehr zum Lob gereiche, daß er seiner Pflichtschuldigkeit gemäß seinem eigenen Hof nicht verborgen halte, sondern offenherzig eröffne, was er von den dortigen Umständen urtheile und befürchte, als welches wenigstens darzu dienete, ihn von den irrigen Suppositis auf die rechte Weege einzuleiten. Daß auch auf des Groß Canzlern gute Gesinnung nicht mit Zuverlässigkeit gerechnet werden könne, zeigeten die selbstredende Facta und sein dermahliger Betrag, da er eines Theils nicht den Nahmen haben wolte, daß er den Vestungs- bau unterstüze, und anderenteils doch alles thue, was die freundschaftliche Vorstellungen entkräften und verdrehen kan, welcher Vorgang einem personalen Haß gegen den Grafen Esterhasy um so weniger beizumessen seie, da nicht nur dieser, sondern Guydickens und Funck zu gleicher Zeit die Überzeugenste Vorstellungen eingeleget haben. In Ansehung der oberwehnten dritten Frage hat die gehorsamste Con- ferenz keinen Anstand dabei gefunden, daß Graf Esterhasy von denjenigen 481 bedencklichen Nachrichten, so in des Freiherrn von Penckler Berichtschreiben enthalten seind*) belehret und andurch in den Stand gesezet werde, hiervon bei dem russischen Hof diensamen Gebrauch machen zu können. _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ ti (Vortrag des Grafen Kaunitz an den Kaiser vom 2. Dezember 1754. Staatsarchiv.) Im Sinne der vom Kaiser genehmigten Konferenzbeschlüsse hatte Kaunitz am 26. November eine Unterredung mit Keith, den er auch vermochte, einigen Abänderungen zuzustimmen (A). A. Note, presente par M. Keith le 20 No- vembre 1754. Depuis que la paix generale a mis fin aux troubles dont toute l’Europe a ete agitee il y a quelques annees, les cours deLondres et de Vienne***) n’ont cesse de porter l’attention la plus serieuse 4 tout ce qui pourrait tendre 4 älterer la tranquillite publique, et de chercher les moyens les plus efficaces pour ßcarter la moindre apparence de desunion entre les Puissances egale- ment interessees avec Leurs Majestes Britannique et Imperiale Romaine***) 4 entretenir et consolider cette harmonie qui fait en meme temps le bonheur des peuples et la gloire des souverains respectifs. Avec de pareils sentiments Leurs Majestes le roi de la Grande-Bretagne et l’impera- trice-reine***) n’ont pu voir qu’avec regret les germes de mesintelligence qui paraissent se manifester entre les cours de Petersbourg et de Constan- tinople au sujet d’un fort que S. M. l’iin- peratrice de toutes les Russies s’est crue en droit de faire Origer sur les bords de la riviere Ingul, et dont la construction est tellement devenue un objet d’ombrage et de jalousie pour la Porte Ottomane qu’elle en a inter- pelle, par des representations formelles et serieuses, les cours alliees de l’im- peratrice de toutes les Russies. Sans entrer dans la discussion juridique du droit 4 cet egard, le zele Changements.**) de Vienne et de Londres Leurs Majestes Imperiale- Romaine et Britannique Leurs Majestes l’imperatrice- reine et le roi de la Grande-Bretagne *) Vom C. Oktober und 5. November 1754. (Staatsarchiv.) **) Im Original ist die ganze Note wiedergegeben. ***) Von mir gesperrt. Ivhevonhül ler-Schiit ter. 1752—1755 31 482 de S. M. Britannique et de S. M. l’imperatrice-reine*) pour les in- terets de S. M. Fimperatrice de toutes les Russies et leur desir ardent pour la Conservation de la paix generale, ne leur permettent pas de garder le silence sur un objet qui, par les suites qu’il peut avoir, est aussi essentiellement critique pour l’Europe en general que pour les parties interessees en particu- lier. Les menees de certaines Puis- sances 4 la cour de Constantinople, l’ardeur et Fassiduite avec lesquelles eiles travaillent pour exciter la Porte 4 prendre part aux affaires de la Chre- tiennete et surtout dans ce qui pourra regarder la Rßpublique de Pologne, ne peuvent etre inconnues 4 Fimperatrice de toutes les Russies, et les suites de telles machinations n’auront point echappe 4 la prudente penetration de Ses ministres. L’influence de la cour de Pdstersbourg 4 celle de Yarsovie peut seule en empecher Fetfet. La Puissance Ottomane est donc la rivale par laquelle on cherche 4 contrequarrer les vues salutaires que S.M. Fimperatrice de toutes les Russies pourrait avoir pour le bien de Ses voisins-, et ce n’est qu’en conservant l’amitid du Grand-Seigneur, que S. M. I. peut continuer 4 etre l’arbitre des Puissances du Nord.*) Ces motifs ont donne occasion aux ordres que les soussignes ont regus de leurs souverains respectifs, de reiferer par ecrit les instances qu’ils ont d6j4 faites de bouche, pour que S. M. I. de toutes les Russies veuille Se preter aux moyens de conciliation de ce difKrend, et concerter avec Ses fideles alliös les mesures 4 prendre pour 6viter les maux qu’une ru p tu re avec la cour Ottomane ne pourrait qu’at- tirer sur les cours imperiales et sur toute l’Europe.*) Jusqu’ici Sa Sublime Hautesse ne de S. M. FImp6ratrice-reine et de S.M. B. evitant la guerre avec la Porte, qu’Elle peut maintenir la balance du Nord. les suites fächeuses que pourrait avoir une rupture avec la cour Ottomane. *) Von mir gesperrt. 483 s’est adressee qu’aux cours allies de Kussie et a soigneusement evite de decouvrir les raisons qu’elle croit avoir de se plaindre aux Puissances dont l’interposition doit toujours etre suspecte 4 la cour de Petersbourg. La retenue et la moderation du Grand-Seigneur 4 cet egard prouvent 6videmment le cas qu’il fait de l’amitie de Timpöratrice de toutes les Bussies, et ses dispositions sinceres pour le maintien de la paix. Mais il pourrait etre dangereux de frustrer son attente et de le forcer, en rejettant les avis des plus surs et fideles allies de la cour de Petersbourg, 4 rechercher la mediation et l’appui des Puissances qui trouveront leur interet 4 aigrir plutöt qu’4 appaiser les differends, qu’un objet, peu im- que la construction du portant en soi-meme,*) a fait naitre, nouveau fort a fait naitre, et qui ne peuvent cesser trop tot, vu les suites funestes qu’autrement ils ne manqueraient pas d’entrainer, et qui sont trop palpables pour avoir besoin d’ex- plication. (Nr. 1 ad Vortrag vom 2. Dezember 1754. Staatsarchiv.) Mit Beskript vom 6. Dezember wurde Penckler angewiesen, wie er sich zu äußern habe. (Staatsarchiv.) 236 (218). In Khevenhüllers Konferenzrepertorium findet sich folgende Eintragung der Beschlüsse: „1. Den König von Preußen keine gegründete Ursach zu Klagen geben, als wolten wir die Tractaten und das Wort nicht halten. 2. Nach unserer mehr oder weniger Convenienz sich mehr oder weniger facile in der Handlung zu bezeigen. 3. Sobald unsere Länder bei der Convention verliehren, ligt nichts daran, selbe abzubrechen, cum praecautione debita. 4. Wir verliehren nichts bein Abbruch; können angeführter Maßen des preußischen Handels entbehren, wann mann die gemeldete Vorsehung machet, in specie könte unsere eigene Leinwath über Trieste verführet werden. 5. Kommt nur an auf Gewinnung der Zeit, um das nöthige zu veranstalten, damit unseren Unterthanen die Nahrung und der Trafic nicht entgehe. 6. So lang Preußen kein förmlich vollständiges Keciprocum eingestehet, die nemmliche Sprach respectu des schlesischen Antheils fortführet, so kann keine Handlung zustanden kommen.“ (Staatsarchiv.) Über die Konferenz vom 23. Dezember 1754 vgl. Ad. Beer, Die handelspolitischen Beziehungen Österreichs zu den deutschen Staaten unter Maria Theresia. (Archiv für österreichische Geschichte, Band 79, S. 501 ff.) *) Von mir gesperrt. 31 * 484 Die österreichischen „Gegenerklärungen auf die Finalerklärungen des preußischen Hofes“ sind vom 31. Dezember 1754 datiert und sie wurden Fürst am 29. Januar 1755 mit einem Promemoria (vom 26. Januar 1755) zugestellt. (Siehe H. Fechner 374 ff. Ad. Beer 506 ff.) 237 (219). Darüber konnte nur folgende Aufzeichnung von Khevenhiillers Hand aufgefunden werden: „Wäre unserem Interesse gemäß, die alte Tractaten zwischen dem Ertzhauß und obigen beiden Eepubliquen (Schweiz und Grau- biinden) zu erneuern zu suchen und von darinnen dermahlen von jenen anzufangen, welche mit dem Staat von Mailand existiren, als wordurch, wann das Werck ohne Ostentation angegriffen wird, keine Jalousie bei andern Puissancen, in specie Franckreich, Spannien, Turin, Neapel, erwecket und der Weeg zur Haubt-Ver- bindnus geleget würde. 2. Wäre dahero auf den Schluß der angefangenen Handlung mit denen Graubündnern anzutragen und zu dem Ende Graf Cristiani zu authorisiren so- thane Handlung auf den Fuß des Tractats von 1726 mit denen von seiten besagter Eepublic allbereits benannten Deputirten zu schließen, als wordurch wir den Vortheil eines freien Durchzugs durch Bünden mit Ausschließung des nemm- lichen Vortheils für unsern Feind, die Erlaubnus, in dortigen Landen in Kriegszeiten zu werben, erhalten. Weiters solle zu Beförderung der Sach unsererseits sich anheischig gemacht werden, das von denen Graubündnern sehr eiffrig ansuchende Concordat wegen denen Geistlichen in derValtelina mit unseren gutten Officien zu Eom zu unterstützen. 3. Zu gleicher Zeit solle Baron Tillien die bereits angefangene geheime Demarches zu Bern continuiren und den Terrain sondiren, wie mann allda in puncto conventionis super restitutione avulsorum (als worüber mit denen catho- lischen Cantonen, wie verlautet, negotiiret werden solle) gesinnet seie, desgleichen wegen allfahlsiger Erneuerung unserer alten Tractaten. 4. Dergleichen geheime Passus solle auch unser Eesident von Marechal bei denen catholischen Cantonen thun und er sowohl als Tillien alles getreulich an Cristiani referiren, welcher 5. nach Maßgab der erlangenden Informationen das erforderliche zu Turin, und zw T ar bei den König selbsten, durch seine habende geheime Canal an dortigen Hof zu insinuiren und ihn mittelst sothaner Confidenz unsere Idee goütiren zu machen suchen würde, als worvon der König schon überhaubt einen Vorge- schmackt habe; und zu dem Ende wolle Cristiani die Modalitet, wie die Handlung pro communi beneficio und Graduation anzustellen, in hergebrachten Vertrauen zu dessen eigener Überlegung stellen, damit der König, welcher selbsten respectu Savoyen dergleichen Tractaten einzugehen wünsche, die Nothwendig- keit begreiffe, daß nun nicht eine Handlung mit der andern zu verderben, mann zuvorderst mit Erneuerung des Capitolato di Milano anfangen müsse, und gleichwie der König mit seinen Ofliciis dazu concurrire, also auch wir sodann die unselige zu Beförderung seines Gesuchs mit gleichen Eiffer anwenden würden, und beide Höffe in diser ganzen Sach immer die Vorsorg tragen sollen, daß die protestantische Cantonen nicht alieniret und andere Höffe, nahmentlich Franckreich und die Seemächte in keine Eiffersucht gebracht werden mögen. 6. Daß die mailandische Cammer denen Graubündenern nicht allein die dermahlige Pensionen continuiren und über die rückständige einen Vergleich an- steclien, sondern auch das benöthigte Geld herbei schaffen solle, um in Stand 485 zu sein, die in denen alten Tractaten stipulirte Onera nach deren Erneuerung abtragen zu können. 7. Daß, weihen vermuthlich das vorige zu denen Pensionen bestimmte Quantum, da der französche Hoff seit der Zeit die seinige um ein so namm- hafftes vermehret, nicht ercldecken mögte, nöthig scheine, dahin anzutragen, daß wir beständig zwei schweitzerische Regiment in unserem Sold halten, massen dergleichen nur um 20.000 fl. theurer als die unserige zu stehen kommen, dises Super-Plus aber durch die große politische Absichten überwieget würde, zu ge- schweigen der hierdurch beschehenden Erspahrung unseres National Volcks und zumahlen die aus dem Reich herhollende Reeruten meistens Deserteurs seie.“ (Konferenzrepertorium 1752—1756. Staatsarchiv. Beiliegend Abschrift des Protokolls in italienischer Sprache.) 23S (219). Am 25. November 1754 war Karl Philipp Greiffenklau, Bischof von Würzburg, 64jährig, an der „Brustwassersucht“ gestorben. Sein Nachfolger war der am 7. Januar 1755 gewählte Graf Adam Friedrich Seinsheim. (Die Instruktion des kais. Wahlkommissärs Freiherrn von Widmann ist vom 7. De- zember'1754 datiert. Staatsarchiv.) 239 (220). Der Lehenbrief findet sich im Reichsregistraturbuch Franz I., Band XX, 936 ff. (Staatsarchiv.) 240 (221). Als bemerkenswert wurde hervorgehoben, „daß dieser Ministre zur besonderen Distinction die k. und k. Portraits empfangen, inmassen die Bot- schaftere nur mit denenselben sonsten beehret, die Ministres plenipotentiaires hingegen mit Ringen, Tabattieren und anderen kostbahren Dingen Jbeschäneket zu werden pflegen.“ 241 (222). Angelus Maria Quirini, Bischof zu Brescia (geb. 20. März 1680), hatte die Erhebung zum Kardinal (1727) vornehmlich seiner großen Gelehrsamkeit zu danken. Ihm war es zuzuschreiben, daß die Streitigkeiten der Kurie mit Venedig im Jahre 1734 glücklich beigelegt wurden. (Zedlers Universallexikon XXX, 370.) 242 (223). Maria Anna Gräfin zu Schwarzenberg (geb. 25. Dezember 1706, t 12. Januar 1755) hatte sich am 18. März 1721 mit dem Markgrafen Ludwig- Georg von Baden-Baden (geb. 7. Juni 1702, f 22. Oktober 1761) vermählt. Dieser Ehe entstammte eine Tochter Elisabeth Auguste Franziska, geb. 16. März 1726. 243 (225). Liste der Teilnehmer liegt bei. 244 (227). Das Dekret konnte nicht aufgefunden werden. 245 (227). Keith hatte sich mit dem Ersuchen an den Staatskanzler gewendet, es möge der Wiener Hof „neue Vorschläge zu Errichtung einer Convention provisionnelle entwerfen und an Hand geben, weilen die Seemächten eine solche Convention als das einzige noch übrige Mittel anseheten, denen obschwebenden so verdrießlichen als gefährlichen Irrungen ein vergnügliches und baldiges Ende zu machen“. Der englische Gesandte bemerkte zugleich, „daß nur er, und nicht zugleich Burmania, deine der gegenwärtige Schritt verborgen gehalten werden sollte, mit dieser Commission (im Namen des Königs) beladen seie, und daß sich hierorts wo nicht dem letzteren Conventions-Project der Seemächten gefiiget, jedoch soviel immer thunlich genäheret werden, zumahlen aber von Aufhebung des 26. Articuli des Barriere-Tractats nichts ausdrücklich erwehnet, sondern sich hierunter nach der bekanten innerlichen Verfaßung der Seemächten gerichtet werden mögte“. 486 In der Konferenz wurde daher beraten, „l mo ob sich dem dermahligen Verlangen der Seemächten, neue Vergleichsvorschläge zu machen, gefüget werden solte, und wann diese Frage affirmative entschieden würde, 2 d0 wie die neue Vorschläge einzurichten seien?“ Kaunitz referierte darüber dem Kaiser folgendermaßen: „Bei der ersten Frage wurde unter anderen in Betrachtung gezogen, daß zwar die See-Mächten ihre Absichten bereits mit ihrer in Gewohnheit gebrachten Ungestimmigkeit und Bedrohungen durchsezen wollen, daß die wenige Achtung und Consideration, so Engeland E. M. bezeuge, auch bei anderen Höfen wiedrige Folgen nach sich ziehen, mithin einen großen Einfluß in die Staats-Angelegenheiten und in das Wesentliche des a. h. Dienstes verursachen miiste, daß folg- lichen auf deren Aufrechthaltung ein sorgfältiges Augenmerck zu richten, und daß es allerdings bedencklich seie, von Seiten E. M. beständig mit neuen Vorschlägen hervorzutretten, ohne daß die See-Mächten diesem freundschafftlichen Vorgang nachfolgeten und auch ihres Orts die fürdaurende Schwiirigkeiten zu heben beflissen seien. Es wurde aber dannoch einstimmig dem Grundsaz beigepflichtet und solcher von E. k. M. dahin a. g. begnehmet, daß so wenig ein veränderlicher Betrag und unzeitiges Nachgeben dem a. h. Dienst, dem Ansehen und selbsten der gemeinsamen Sache vorträglich sein würde, eben so sehr stünde anderer Seits sorgfältig zu vermeiden, sich nicht allzu hart und scrupulos zu bezeigen, noch die innerliche Umstände des englischen und holländischen Ministern außer Augen zu sezen-, dahero auch über die, bei neuen Vorschlägen obwaltende Bedencken vor dermahlen hinausgegangen und sich hierunter dem inständigen Verlangen der Seemächten gefüget werden könte-, zumahlen Engeland nunmehro eine weit gelindere und großen Mächten anständige Sprache führe, und statt es noch vor etlichen Monathen keine weitere schrifftliche Antwort auf sein angebliches Ultimatum annehmen wollen, nunmehro selbsten um die Vorlegung neuer Vergleichs-Vorschlägen auf das angelegentlichste ersuche. Was aber den zweiten Gegenstand der Conferential-Berathschlagung anbetrifft, nehmlichen wie die neue Vergleichs-Vorschläge einzurichten seien? so wurde hiebei die doppelte Frage aufgeworffen, l m0 ob der a. h. Dienst und die dermahlige Welt-Umstände erforderten, sich in keinen weiteren Wiederspruch einzulassen, sondern bloßerdings dem Verlangen der See-Mächten statt zu geben, oder ob zwar 2 d0 neue, doch solche Vorschläge zu machen seien, welche sich denen jenseitigen Projecten näherten, aber zugleich von E. M. bisherigen Grund- Säzen nicht abweicheten, sondern mit denselben vereinbahret werden könten. Derne dann auch die Erleuterung hinzugefiiget worden, daß wann E. M. das erstere erleuchtest für gut befinden solten, alsdann auch unumgänglich nöthig zu sein scheine, daß von nun an die Entschließung gefasset und zugleich die werckthätige Veranstaltung vorgekehret würde, 8000 bis 10.000 Mann der niederländischen Trouppen abzudancken, indeme eines mit dem anderen nicht vereinbahret, folglichen auch nicht vermieden werden könne, die erforderliche Maaßnehmungen in Zeiten vorzukehren. Nachdem nun E. M. a. g. gefällig gewesen, die vorberührte erste* Frage in Berathschlagung ziehen zu lassen, so ist unter anderen die Anmerckung geschehen, es ereigneten sich öffters solche Strittigkeiten, deren gütliche und billige Beilegung sich ohnmöglich erzwingen ließe; die schon seit so langer Zeit fiir- dauerende Irrungen zwischen Spanien und Engeland wegen der Contrebande diene- ten desfalls zum merckwiirdigen Beispiel. Ein gleiches äußere sich bei denen 487 Barriere-Irrungen, welche schon seiter 40 Jahren fürgedaueret hätten, ohne daß die dießeitige so vielfältig und auf das nachdrucksamste angebrachte Vorstellungen die See-Mächten von dem Vorurtheil hätten abbringen können, die Niederlande als eine mit ihrem Geld und Blut erworbene und dahero in dem Commercio keiner völligen Freiheit genießende Provinz anzusehen. Bei solcher Gesinnung der See-Mächten stünde dem hiesigen Hof eben so wenig zu verdencken, daß er sich der Umständen des Acliner Friedens zu Nuzen zu machen und die Zahlung des jährlichen Subside einzustellen, ohnvergessen gewesen, auch sich annoch angelegen sein lasse, das Subside so lang als thun- lich in Händen zu behalten. Allein dieses in das Werck zu stellen und zugleich den niederländischen Tariff abzuänderen, könne nicht wohl vereinbahret werden. Nebst deine befänden sich die Niederlande bereits in der Possession eines abgeänderten Tariffs. Da sich aber dermahlen mit dieser Possession nicht begnüget, sondern noch über- das die Aufhebung der provisorischen Verordnung des 26. Art. des Barriere- Tractats durchgesezt werden wolle, so wäre keine Wahrscheinlichkeit vorhanden, daß hiermit jemahlen auszureichen seie. Und ob zwar solches schon zu der Zeit, als das dießeitige Project einer Convention provisionnelle zum ersten Mahl in Beratschlagung gekommen, vorgesehen worden, so seie doch öffters der Staats- Klugheit gemäß und dahero rathsam, Vorschläge, die an sich unthunlich seien, in das Mittel zu bringen-, in die Länge aber könne man sich von denen gegenwärtigen keinen vergnüglichen Ausschlag versprechen; wie dann auch der spanische Ministre Wall die Sache auf die nehmliche Arth ansehe und Graf Bentinck nicht mehr so eifrig als vorhin zu Wercke gehe. Wann nun hiebei auf den Nuzen und Schaden des dießeitigen Verlangens zuruckgesehen werde, so seie es zwar an deme, daß von der Cassation des mehr- erwehnten 26. Articuli die Erhaltung der von den Ständen conditionate bewilligten Million Gulden und von dieser die Verpflegung vor 6000 oder 8000 Mann, wie auch die Vermehrung des niederländischen Commercii abhange; es seie aber auch dargegen zu erwegen, daß die Million nur denen, von dem Corps der Monarchie entfernten Niederlanden zu guten komme, daß die Trouppen gleichfalls nur denen dortigen Landen zu mehrerer Bedeckung dieneten, daß in so lang die Bar- riere-Pläze nicht wieder erbauet seien, die 8000 Mann mehr oder weniger den Feind nicht aufhalten könten und doch zu Kriegsgefangenen gemacht werden dörfften, und daß niemahlen die Emporbringung des dortigen Commercii anzuhoffen stünde. Nebst diesen Betrachtungen wurden aber auch die folgende in umständliche a.u. Vorstellung gebracht: daß zwar das durchl. Ertzhauß nicht ohne Alliirte verbleiben könne und daß nach denen dermahligen Welt-Umständen keine bessere als die See-Mächten zu erfinden seien; daß jedoch keine Allianz vor ersprießlich anzusehen wäre, noch in die Länge bestehen könne, aus welcher vor das durchl. Ertzhauß die Nothwendigkeit erwachse, seine offenbahre und schon so lange Zeit mit behörigem Eifer vertheidigte wichtige Gerechtsame und die Wohlfarth der Niederlanden in Friedens-Zeiten, ohne dringende Noth und ohne wesentlichen Gegenvortheile, auch ohne alle ßeciprocität auf einmahl aufzuopferen, andurch das eigene Ansehen und die Krieges-Macht zu verminderen, sich sowohl gegenwärtig als bei der Nachkommenschaft verschiedenen leicht vorzusehenden und dem a. h. Nachruhm verkleiner- lich fallenden Vorwürffen auszusezen; daß von Seiten E. M. auf nichts anderem als auf die gemeinschaftliche Erfüllung der Tractaten bestanden werde; daß 488 dieses wohl das wenigste seie, was die Aufmercksamkeit, das Gewicht und das Ansehen des durchl. Ertzhauses verdiene; daß man sich gegen eine solche ohne dem nicht zu verweigerende Bedingnuß zur Wiederbezahlung des Subside anerbiete und zugleich denen See-Mächten die Auswahl überlasse, entweder an die Errichtung des Commercien-Tractats Hand anzulegen, oder die Convention pro- visionnelle zu schließen; daß folglichen kein doppelter Vortheil anverlanget werde; daß wann vor dermahlen das in Händen habende einzige Hefft, die See-Mächten zur Erfüllung ihrer Versprechen endlich zu vermögen, hinweggegeben würde, solches nach der Wiirckung eben so viel seie als sich derer dießeitigen Gerechtsamen vor ewig zu verziehen; daß die niederländische Possession, den dortigen Tariff abzu- änderen, einestheils sehr unvollkommen seie, weilen nach dem Achner Frieden nur der von den Franzosen währendem Krieg eingeführte Tariff meistentheils beibehalten und seit deme sich gegen die See-Mächten erkläret worden, bis zum gütlichen Austrag der Barriere-Strittigkeiten keine weitere Abänderungen in dem niederländischen Tariff vornehmen zu lassen, und daß anderenteils diese Possession dem beständigen Wiederspruch der See-Mächten ausgesezet wäre, mithin der Streit zum grösten Nachtheil des höchst nötigen guten Vernehmens fernerhin offen verbliebe und bei jeder Gelegenheit erneueret, auch bei sich ereignenden gefährlichen Umständen zu Erzwingung der jenseitigen unbilligen Absichten mißbrauchet werden könte; daß dahero mit verkleisterten Conciliations-Mittlen oder einem unzeitigen Nachgeben weder dem a. h. Dienst, noch der gemeinsamen Sache genuzet wäre; daß die von denen niederländischen Ständen conditionate bewilligte Million Gulden kein geringes Object seie und alle Aufmercksamkeit zu verdienen scheine, daß der wesentlichste Vorteil, so dem durchl. Ertzhauß aus dem Besiz derer Niederlanden zufliesse, in der Unterhaltung einer größeren Trouppen-An- zahl bestünde, daß diese als ein Corps de reserve anzusehen wären, so in dem äußersten Notfall anderwärts hingezogen und gebrauchet werden könten, daß sich ohnedem von denen See-Mächten keine Hülffe gegen die Pforte und den König in Preußen mit Wahrscheinlichkeit zu versprechen seie, daß diese bei entstehendem Krieg mit Franckreich zu ihrer eigenen Sicherheit und Kettung die äußerste Kräfften anspannen und alsdann 8000 Mann mehr oder weniger einen großen Unterschied ausmachen würden, oder daß diese 8000 Mann nebst dem Überrest der niederländischen Trouppen in dem Fall, daß alle übrige Hülffe und Mitwürckung ermanglete, gar wohl von der Gefangenschafft | zu retten und zu Verteidigung der Monarchie nuzlich zu verwenden wären; daß es vor dermahlen nicht um die Bereicherung der Niederlanden, noch um die Vermehrung ihres Commercii, sondern um die Erhaltung des Überrests zu thun seie; daß wann auch dieser Rest aufgeopfert werden solte, sich das Contributionale oder die Sub- sides nebst anderen Zuflüßen des Aerarii, mithin auch die Anzahl der Trouppen von Jahr zu Jahr notwendig verminderen müsten; daß, wie zuverläßig bekant seie, aller bisheriger Wiederspruch nicht sowohl der Republic, so sich der Convention provisionnelle fügen wolle, sondern dem englischen Hof beizumessen wäre, der sich der Republic bediene, um auf diese die meiste Schuld zu werffen; daß der Vorwand, als ob das englische Ministerium sich der grösten Gefahr aus- sezete, wann es in die dießeitige Propositionen willigte, um so weniger eine erhebliche Ursach zum Nachgeben darstellen könne, da von Seiten E. M. nichts anderes als was die Tractaten mit sich bringen, anverlanget wird, und falls bei deren Erfüllung eine Ohnmöglichkeit oder Gefahr obwalten solte, auf keine englische noch so feierliche Versprechen einiger Staat zu machen wäre; daß die Bedrohung, 489 sich in preußische oder französche Hände werfen zu wollen, eben so vieles andeute, als ob die Seemächten sich selbsten die Feßelen anzulegen gedächten; daß hierzu nicht der mindeste Anschein vorhanden seie, in so lang das durchl. Ertzhauß in dem Besiz der Niederlande als der Vormauer verbleibe; daß in dem ärgsten Fall das ganze Systema der Niederlanden eine andere Gestalt bekommen würde; daß es bei denen dermahligen ost- und westindischen Strittigkeiten an- scheine, als ob Engeland am meisten auf die Freundschatft des durchl. Ertzhauses zuruckzusehen habe; daß die englische Äußerung, sich aller Land-Angelegenheiten entschlagen und in seine Insul einschräncken zu wollen, mit der Aufrechthaltung des dortigen Commercii als der Seele des ganzen Staats nicht vereinbahret werden könne; und daß endlichen die Bedrohung, bis zu Beilegung der Barriere-Strittigkeiten in nichts eingehen zu wollen, auf die russische Convention, die römische Königs-Wahl und Erneuerung der Subsidien-Tractaten mit Chur-Sachsen und Bayern hinaus lauffe; da aber Rußland ohnedem durch den im Jahr 1746 mit dem hiesigen Hof geschloßenen Tractat zur Bereithaltung eines nahmhafften Corps Trouppen an den preußischen Gränzen verbunden wäre, der aus einer neuen Convention erwachsende Vortheil haubtsächücli dem englischen Hof Zuwachsen und deßelben Bewilligungen zu Beförderung der römischen Königswahl und der erwehnten Subsidien-Tractaten nur in temporalen und solchen Concessionen bestehen würden, welche zugleich in das englische Staats- Interesse mit einschlagen, so seien solche nicht mit Aufopferung wesentlicher Gerechtsamen und beständiger Vortheilen zu erkauften. Nachdem nun E. k. M. zugleich in erleuchteste Erwegung gezogen haben, daß einestheils die Allianz mit denen See-Mächten nuzlich und nothwendig, auch fernerhin sorgfältigst zu unterhalten, jedoch solches nicht so weit zu treiben seie, um den Besiz der Niederlanden dem durchl. Ertzhauß mehr bescliwersam als nuzlich zu machen, und daß anderentheils die traurige Erfahrung schon mehr als zu viel bewähret habe, wie Engeland denen Tractaten, in so lang es sich in dem Vortheil befindet, beständig auszuweichen suche, hingegen auf deren Schluß und Erfüllung alsdann eiterigst dringe, wann der Nuzen, wie sich dermahlen bei dem Barriere-Geschäfft äußeret, auf der anderen Seiten vorwieget, so ist der a. h. Schluß dahin ausgefallen, daß zwar nach dem Verlangen der See-Mächten neue Vorschläge um so ehender gemacht werden könten, weilen das englische Ministerium, wann es auch billig seie und sich der gütlichen Auskunfft näheren wolte, dannoch viele Rücksicht zu tragen hätte, und sich nicht dem Vorwurff einer Übereilung aussezen würde; daß aber diese Vorschläge denen bishero geführten dießeitigen Grund-Säzen nicht zuwieder lauffen, sondern sich beflißen werden solte, die Willfährigkeit mit denen Gerechtsamen der Niederlanden wo möglich zu vereinbahren. Es wurde also nach entschiedener Präliminar-Frage zu der zweiten, wie nehmlich die neue Vorschläge zu faßen wären? geschritten und hiebei in allergehorsamste Vorstellung gebracht: es bestünden die wesentliche Schwiirigkeiten, so sich bei dem dießeitigen lezteren Conventions-Project geaußeret, haubtsäch- licli darinnen, daß vermög desselben l m0 ein jeder Theil innerhalb Jahr und Tag freie Hände in dem Commercio behalten, wann aber innerhalb Jahr und Tag kein Commerden -Tractat zu Stand gebracht würde, die provisorische Verordnung des 26. Articuli des Barriere-Tractats völlig auf hören und erloschen, und daß 2 do der Republique keine Arreragen bezahlet werden solten. Da hingegen diese zufolg ihres lezteren Conventions Project auf einer Million Gulden und auf 490 anderen Anforderungen bestanden, so sich noch weiters auf 300.000 biß 400.000 fl. belauffen dörfften. Da nun der erste Anstand zweierlei Verordnungen, nehmlichen wie es innerhalb Jahr und Tag, und wie es nach Verfließung dieser Zeit zu halten seie, in sich begreiffe, so könne sich denen See-Mächten ohne Verlezung der dießei- tigen Grund-Säzen darinnen genäheret werden, daß von der ersten Epocha gar keine Erwehnung geschehe, und bei der zweiten nichts von der Aufhebung des mehr besagten 26. Articuli ausdrücklich erwehnet, sondern statt dessen sich mit der generalen Ausdruckung begnüget würde, daß alsdann ein jeder Theil sich der natürlichen Freiheit, in so weit solche nicht durch den Münsterischen Frieden, wie auch durch die Accessions-Acte von 1732 beschräncket seie, in dem Commercio bedienen könne. Hierinnen bestünde also das einzige, was von Seiten des hiesigen Hofs gegen die Wiederbezahlung des Subside als ein Reciprocum anverlanget würde, und was um so weniger dem mindesten Anstand unterworffen sein solte, da ohnedem die Natur und Eigenschafft eines Provisional-Versprechens mit sich bringe, daß solches nach Verstreichung des gesezten Termini von selbsten auf höre, wann gleich desfalls keine ausdrückliche Bedingnuß hinzugesezet würde. Nachdem nun der in der Accessions-Act von 1732 ausdrücklich stipulirte Termin von 2 Jahren schon längstens verstrichen ist, mithin auch seit der Zeit das provisorische Versprechen des 26. Articuls des Barriere-Tractats seine völlige Endschafft erreichet habe, so seie die dem neuen Conventions-Project einzuverleibende Bedingnuß so billig als unverfänglich und um so weniger außer Acht zu lassen, da sonsten die See-Mächten den neuen Terminum von Jahr und Tag ohnfehlbar fruchtloß verstreichen lassen und die alte Ausflüchte wieder hervorsuchen würden, auch über dieses von der erwehnten Bedingnuß, die Zahlung der von den niederländischen Ständen conditionate bewilligten Million Gulden abhange, folglichen hiervon nicht abgegangen werden könne, ohne die bisherige Grund-Säze völlig übern Hauffen zu werffen. Betreffend den zweiten Haubt-Anstand, nehmlichen die von der Republique statt der Arreragen anverlangte Million Gulden, so wären die verschiedene Rechtsgründe schon mehrmahlen vorstellig gemacht worden, warum die Arrerage- Forderung gänzlich hinwegfalle •, wie dann auch zu dieser Zahlung die benöthigte Fonds ermangleten; und wann auch solche in den Niederlanden zu finden wären, so stünden doch dem a. h. Aerario so viele andere große und nöthige Ausgaben bevor, daß auf deren Bestreitung das vorzügliche Augenmerck zu richten seie-, damit jedoch der auf das Geld begierigen Republic alle Bereitfertigkeit bezeuget würde, so wäre ihr vor das erste und allenfalls auch vor das zweite Jahr die Zahlung des völligen Subside anzubieten, wann anderst die See-Mächten selbsten vor gut befanden, in so lang mit Erbauung der Barriere-Pläzen Anstand zu nehmen. Ob nun zwar dieser Vorschlag bei dem ersten Anblick nicht mit der gemeinsamen Wohlfarth und Sicherheit vereinbarlich zu sein scheine, so wäre doch hiebei in nähere Erwegung zu ziehen, daß in so lang die Niederlande nicht mit genügsamen Trouppen versehen seind und nicht einstens die Möglichkeit vorzusehen stehet, solche im Fall der Noth hinlänglich verstärcken zu können, alle Anstalten zu Wiedererbauung der Barriere-Pläzen, worzu ohnedem wenigstens 4 bis 5 Jahr erforderlich wären, nur eine vergebliche Geld-Versplitterung veranlaßen und keinen Nuzen, wohl aber Schaden nach sich ziehen dörfften, indeme 491 der einzige ohnmittelbahre Vorthei], welchen die Cron Franckreich aus dem lezteren Krieg gezogen, liaubtsächlich in Schleiffung der niederländischen Vestun- gen bestünde und deren Wieder-Erbauung zwar keine rechtmäßige Ursach, jedoch eine Anfrischung zum Krieg und zu dessen Beförderung abgeben könne. Wolte man also bei einem so wichtigen Unternehmen mit behöriger Vorsicht zu Wercke gehen, so würde fordersamst unter den Alliirten ein solides Concert erforderet, wie in den Niederlanden bei Friedenszeiten 50.000 biß 60.000 Mann gegen einen gählingen Überfall auf den Beinen gehalten und bei entstehendem Krieg eine Armee von wenigstens 70.000 biß 80.000 Mann in das Feld gestehet werden könne. Allein ein so erwünschliches und an sich mögliches Concert stünde nach der innerlichen Verfaßung und Gedenckens-Arth der See-Mächten sehr schwer anzuhoffen; wenigstens würde dessen Zustandbringung ein bis 2 Jahr erforderen, und in so lang könte auch der Genuß des ganzen Subside der Republic ohne Bedencken eingeraumet werden. Damit jedoch denen See-Mächten keine Gelegenheit zum Vorwurff gegeben würde, als ob E. M. die Herstellung der niederländischen Vestungen erschweret hätten, so wäre ihnen die Alternativ zu ihrer eigenen Auswahl vorzulegen, wie es mit Eintheilung des Subside als des einzigen Fundi zu Bestreitung der außerordentlichen Ausgaben zu halten seie. — — — — — — — — — —“ (Vortrag des Grafen Kaunitz an den Kaiser vom 26. Februar 1755. Staatsarchiv.) Auf Grund der gefaßten Beschlüsse wurde ein neues Konventionsprojekt verfaßt, das der Kaiser genehmigte (A). Am 27. Februar übergab es der Staatskanzler dem englischen Gesandten Keitb. A. Nouveau projet de convention.*) S. M. l’imperatrice-reine d’Hongrie et de Boheme, S. M. B. et les Seigneurs EE. GG. des PP. UU. desirant egalement s’arranger le plutöt possible sur tous les ob- jets de leur interet xnutuel et de leur süretö commune, qui les ont engages ä etablir les Conferences qui subsistent actuellement ä Bruxelles, Nous commissaires sous- signes munis pour cet effet de pleinpouvoirs necessaires en conformite des inten- tions de Leurs dites Majestes, ainsi que des Seigneurs EE. GG. des PP. UU., sommes convenus des articles suivants: Art. 1. En conformitö des principes proposös de la part de S. M. l’imperatrice-reine le 26 mai 1750 et acceptös de la part de S. M. ß. et des SS. EE. GG. des PP. UU. le 23 nov. 1751 et le 13 juin 1752 il sera fait dans le terrne d’une annee ä compter du jour de l’öchange des ratifications de la präsente convention, ou plutöt si faire se peut, un traitö de commerce entre S. M. rimperatrice-reine d’Hongrie et de Boheme etc. et S. M. le roi de la Grande-Bretagne, ainsi qu’entre Sa dite M. l’imperatrice et les SS. EE. GG. des PP. UU., et les droits dont on sera convenu, seront determines par des tarifs lesquels devront etre compris dans les dits traites. Les trois hautes parties contractantes declarant neanmoins en möme temps pour le cas, auquel l’annee expiree les traites en question ne se trouve- raient point signes et ratifies, qu’alors non seulement aucune d’Elles ne sera plus *) Vgl. Anljang'208, S. 438ff. 492 tenue ä cet engagement, mais qu’Elles seront et resteront au contraire, ä l’avenir dans le plein droit d’en user comme bon Leur semblera, au sujet du commerce dans l’etendu de leurs dominations, disposees toute fois, comment meme en ce cas, ä s’accorder tous les avantages combinables avec l’interet de leurs sujets respectives. Bien entendu aussi que tout le reste du traite de la Barriere, ainsi que la convention de 1718, le traite de Münster, celui du 16 mars 1731 et l’acte d’ac- cession du 20 fevrier 1732 resteront dans toute leur force et vigueur, et seront inviolablement observes de part et d’autre pour autant qu’on n’y aura pas deroge par la presente convention et par les traites de commerce ä faire. Art. 2. Le subside de 500.000 patacons recommencera de prendre cours du jour de l’echange des ratifications de la presente convention et sera paye de trois en trois mois, sous les conditions detaillees dans les articles suivants. Art. 3. Comme la sürete commune ne peut qu’etre le premier des objets de l’at- tention des Puissances contractantes qu’elle doit l’emporter sur toutes autres con- siderations, qu’il importe d’employer de la fagon la plus utile tous les rnoyens qui existent, et qu’il ne peut etre pourvu efficacement ä cet important objet, qu’en le compassant d’apres les circonstances et en l’appropriant ä l’etat present des choses, il est convenu que le subside en question sera employe de la ma- niere suivante: II en sera paye une moitie aux SS. EE. GG. pour subvenir aux depenses dont ils se sont charges par le traite de la Barriere, LL. HH. PP. renoncent, moyennant cela, ä tous les arrerages queiconques provenant du meme trait6, et se chargeant de payer, ce que la Republique redoit encore aux magistrats et bourgeois de Namur, Tournai, Furnes et autres villes des Pays-Bas autrichiens, tant pour des livrances faites ä leurs troupes que pour des fraix de reparations de ponts, ports etc. L’autre moitie sera employee en commun au retablissement de toutes les places des Pays-Bas autrichiens qui ont ete demolies et endommagees pendant la derniere guerre, ainsi que pour les pourvoir de l’artillerie et des munitions de guerre necessaires pour leur defense. De la premiere de ces moities que Ton fournira en quatre termes chacun de trois mois, le comptoir du receveur payera ä la Republique le premier terme au jour que les premiers mois apres l’echange des ratifications seront expires, et il continuera ensuite ä payer regulierement tous les trois mois un quart ntiere, qui sera remis au comptoir du receveur . . . (sic!), et l’on fixera pareillement dans les Conferences de Bruxelles ä la satisfaction reciproque, avant l’expiration de trois mois ä compter du jour de l’echange des ratifications, les Comptoirs par lesquels la dite autre moitie devra etre fournie. On nommera aussi les personnes qui seront charg^es de la perception et de l’administration de la moitie du subside destinee au retablissement des places. De plus on reglera comment et sur quel pied devront etre dress6es et depechees les ordonnances sur lesquelles les payements qui echeront de cette moitie, seront faits. 493 Quant aux fonds hypotheques et les süretös assignees pour le subside par l’article second de la Convention de 1718, on s’entendra lä-dessus egalement dans les Conferences de Bruxelles. Art. 4. L’on se concertera sur la maniere d’effectuer le retablissement des places et le remplacement de l’artillerie, des munitions de guerre le plus promptement qu’il se pourra, ä quel effet les plans des reparations des places et les listes de l’artillerie et des munitions de guerre qu’on jugera necessaires, de meine que le calcul des fraix seront tant de la part de S. M. l’imperatrice que de celle des SS. EE. GG. remis ä S. A. B. le prince Charles de Lorraine et ä S. A. S. le duc Louis de Brunswick-Wolffenbüttel, lesquels sont ä cet effet respectivement autho- rises par ces presentes, et de la part de S. M. I. et B. et de la part de LL. HH. PP., de s’entrecommuniquer au plutöt possible les plans, listes et calculs des fraix sumentionnes, et apres les avoir duement examinös, les dits princes fixeront et arreteront au plus tard dans le terme de deux mois les plans, listes et calculs des fraix qu’il conviendra de suivre. Art. 5. Aussitöt que toutes les places des Pays-Bas autrichiens, demolies ou endommagees pendant la derniere guerre, auront ete totalement retablies et pourvues de l’artillerie et des munitions de guerre necessaires, le subside de 500.000 ecus recommencera ä etre payö en entier aux SS. EE. GG. Art. 6. Les commissaires respectives travailleront incessamment dans les Conferences ä aplanir les difficultes qui subsistent par rapport aux nouvelles limites qui ont ete cedees en Eiandre aux Etats-Generaux, et ils termineront cet arrangement dans l’espace de six mois. Art. 7. Et comme non obstant les dispositions du traite de la Barriere et du regiement du 13 janvier 1716 sur la conduite des etats-majors et des garnisons de la Barriere, il survient souvent des difficultes ä cet egard, on conviendra dans les memes tennes de six mois des moyens d’assurer la parfaite execution des dites dispositions, et l’on s’arrangera en meme temps sur tous les objets de cette espece, auxquels il n’a point ete pourvu jusqu’ici d’une maniere assez claire, et dont l’experience du passö fera juger la determination necessaire pour l’avenir. Art. 8. La presente Convention sera ratifiee dans l’espace de six semaines ou plutöt si faire se pourra, et les actes de ratification seront echanges ä Bruxelles. En foi de quoi etc. Nota ad art. 3. Si les PP. MM. croiaient que les circonstances dans lesquelles se trouve actuellement Palliance, permetteraient de differer encore d’une ou de deux annees le retablissement des places, S. M. l’imperatrice consent en ce cas ä ce que cet article soit couche comme s’ensuit: Comme la surete etc. usque ad verba il est convenu: que les SS. EE. GG. ne jouiront que la premiere ou la premiere et seconde annee ä compter du jour de l’ecliange des ratifications de la presente Convention, 494 de la totalite du subside moyennant qu’ils renoncent en la meilleure forme ä tous arrerages quelconques provenant du traite de la Barriere, et qu’ils s’obligent de meme ä payer incessamment tout ce que la Republique redoit encore aux magistrats et bourgeois de Namur, Tournai, Furnes et autres villes des Pays- Bas autrichiens, tant pour des livrances faites aux troupes hollandaises, que pour des fraix de reparations de ponts, ports etc., et ä contraindre leurs officiers ä satisfaire de meme leurs creanciers sujets de l’imperatrice. La seconde ou la troisieme ann6e il ne sera paye qu’une moitie du subside eutre les mains des Etats-Generaux. (Ad Vortrag vom 26. Februar 1755. Staatsarchiv.) 246 (228). Barrieresache. Keith hatte — nach Khevenhüllers Ansicht „vermutlich durch Flemming“ irre gemacht*) — am 28. Februar 1755 folgendes an Kaunitz geschrieben: „. . . en relisant le projet que j’ai re§u hier de V. E., et en le comparant avec tous les ordres que j’ai re§u de ma cour sur ce sujet important, je ne crois point qu’il repondra au but proposß, ä savoir, de mettre fin ä nos disputes sur les affaires de la Barriere, ce qui est cependant le point sur lequel tout notre grand Systeme tourne.“ (Nr. 1 ad Vortrag vom 3. März 1755. Staatsarchiv.) Er schlug daher nochmals vor, „daß sich a. h. Orts mit der Condition, wie nach Jahr und Tag kein Theil mehr an die Convention provisionnelle gebunden sein solte, begnüget werden mögte“. „Es wurde also — referierte Kaunitz dem Kaiser — dem Keith des mehrern zu Gemüth geführet, daß seinem Verlangen um so weniger willfahret werden könne, da solches nicht das geringste Reciprocum gegen die Bezahlung des Subside enthielte, den Streit völlig offen ließe und E. M. so wenig nach Jahr und Tag, als seiter 40 Jahren geschehen, wegen Erfüllung des Barriere-Tractats gesichert wären. Hierzu komme nun noch der Verlust der Million Gulden, so von denen niederländischen Ständen nicht angehofft werden könnten, und ohne welche das a. h. Aerarium außer Stand gesezet würde, sein Versprechen der Subsidien- Zahlung zu erfüllen und die Abdanckung 8000 bis 10.000 zu vermeiden. (Vortrag des Grafen Kaunitz an den Kaiser vom 3. März 1755. Staatsarchiv.) Kaunitz unterbreitete dem Kaiser zugleich die Reskripte, die an Colloredo zu ergehen hätten, um diesen von der Sachlage in Kenntnis zu setzen und auch anzuweisen, wie die englischen Vorwürfe zu widerlegen seien. (Reskripte an Colloredo vom 3. März 1755. Staatsarchiv.) Römische Königswahl. Zur Sprache gelangten die neuen kurpfälzischen Vorschläge in Betreff der kurkölnischen Forderungen. Es ward beschlossen, darüber dem Grafen Colloredo folgendes mitzuteilen: „. . . hat der churpfältzische Hoff sowohl bei Uns als bei Engelland an seinen Bemühungen nichts erwinden lassen, um eine Summ von 300.000 oder wenigstens von 200.000 fl. durch eine Pausch-Handlung vor Chur Cöllen auszu- *) Konferenzrepertorium 1752—1756 (Staatsarchiv), dem wir, sub 28. Februar 1755, noch folgende Notiz entnehmen: „. . . von dem Concert ist nicht allein in unserem ersten Conventions-Plan der Bar- rieresach, sondern auch in einem Promemoria an Rußland zum ersten Meldung geschehen. Die engl. Seemacht wäre nicht mächtig genug, um Franckreich abzuhalten, sich in die Possession von denen Niederlanden zu setzen. Sie müssen sehen, Preußen en echec zu halten und die Niederlande zu bedecken, sonsten würde alle ihre Force navale nichts fruchten, und zulezt würden sie alle Avan- tages in America und zur See verliehren.“ 495 würcken und die Vorstellungen geltend zu machen, daß durch die Zulegung eines solchen geringen Quanti in dem wichtigem Geschafft der römischen Königswahl aller noch übriger Anstand auf einmahl aus dem Weeg geraumet und inner kurzen zu der Sach selbsten geschritten werden köndte. Nachdeme aber der ernannte chur-pfältzische Hoff sich endlich überzeugt gesehen, daß er sich in seiner Rechnung wegen des von Uns vermutheten alzu großen heimlichen Verlangens, die Wahl unverzüglich durchzusezen, geirret habe, so wäre derselbige einige Zeit her beschäftiget, seine Alliirte und insbesondere Chur Cölln dahin zu vermögen, daß es dessen Forderungen auf andere Zeiten verschieben möchte, um in der Zustandbringung seines eigenen Haubt- Vergleichs mit Uns keine weitere Behinderung vorzufinden. Hierzu hat die dermahlige Anwesenheit des Churfürstens von Cölln in München und die zu gleicher Zeit allda erfolgte Erscheinung des Churfürstens von Pfaltz diesem lezteren zur gesuchten Gelegenheit gedienet, mit Beihiilff des Churfürstens von Bayern den lezten Anwurff bei Chur Cölln zu versuchen. Da aber auch dieser fehlgeschlagen, so ist endlich Chur Pfaltz aus Be- gierd,-das ihm seines anzuhoffen habenden Vortheils halber so sehr am Herzen liegende Wahl-Geschäfft wieder in Bewegung zu sezen, auf den Entschluß verfallen, lieber etwas als alles schwinden und seine allenfalsige Entschädigung auf eine von Uns oder Engelland erwartende freiwillige Zubuß ankommen zu lassen. Chur Pfaltz ist demnach zu einem dem churcöllnischem Verlangen gemässeren Concert mit dem Churfürsten dieses Rahmens geschritten und bald darauf dem Freiherrn von Beckers noch von München aus die Anweisung zugefertiget worden, dem hiesigen Hoff die vertrauliche Erklärung zu thun, was gestalten Chur Pfaltz, um die römische Königswahl in keine besorgliche Weiterungsumstände durch längeren Verzug gerathen zu lassen, bei Chur Cöllen würcklich in das Mittel getretten und dessen Befriedigung wegen denen von Uns per Pausch anverlangte 200.000 fl. solchergestalten übernohmen hätte, daß sobald Chur Cölln die Versicherung erhielte, wie der hiesige Hoff keinen Anstand finde, l rao auf alle an Chur Cölln gemachte oder machen mögende Forderungen, und zwar nahmentlich auf die in Rückstand haftender Römermonatlien zu renuntiiren, 2 do zur gütlichen Beilegung derer gewissen Privatherrschafften, Lomersum und Kerpen genannt, sofort der geistlichen Jurisdiction halber respectu Unserer Niederlanden fürwaltenden Irrungen beederseitige Commissarios zu benennen, dann 3 tio es bei den vorhin in Ansehung der zukünftigen Königswahl bereits in Vorschlag gekommener Bedingnus Clausul avec le concours de tous les elec- teurs ohne weiters zu belassen, wie nicht weniger, 4 to den chur-pfältzischen Antrag wegen Deponirung der zugesagten Summae zuhanden Chur Mainz sich zu fügen und endlichen 5 to nur in generalibus zu melden, daß annoch an Chur- Cöllen 200.000 fl. in gleichen Terminen wie die chur-pfältzische Vergleichs Summa entrichtet werden sollen, ohne jedoch Chur-Pfaltz als Übernehmeren dieser Zahlung zu benennen, mann alsdann auch chur cöllnischer Seits aller an Uns gestellter oder zu stellen möglicher Forderungen sich feierlichst begeben und deßfalls quittiren, einfolglich die Berichtigung des verabredeten chur-pfältzischen Vergleichs und die darauf zu folgen habende römische Königswahl keine weitere Behinderung finden würde. Da nun vorgedachter chur-pfältzischer Gesandte Freiherr von Beckers diesen anderweiten Vortrag Unsers herzinniglich geliebtesten Gemahls des Kaisers M. und L. und Uns ohnlängst eröffnet, dabei aber bei dem Articul von der Befriedigungs- 496 Übernahm an Chur Cöllen ausdrücklich zu verstehen gegeben, daß Chur Pfaltz von Unserer großmüthigen Gedenckens-Arth erwartete, dieserthalben nicht in Schaden gelassen zu werden, so ist ihm darauf! nur einsweilen so viel erwiederet worden, wie daß das Geschafft wegen der römischen Königswahl zugleich Engelland in seiner Maaß mitbetreffete, und gleichwie mann diesseits hierinnen ohne Vorwissen und mit Einverständnis des englischen Hoffs biß hiehin keinen Schritt gethan hätte, als Wir auch über die vorangeführte neue Proposition vor Uns allein keinen Entschluß fassen, sondren vorhero die Meinung des Königs von Engelland vernehmen würden. Du hast also von diesem chur-pfältzischen Antrag dem dasigem englischen Ministerio, unter anständiger Bezeugung Unsers alda- hin sezenden unveränderlichen Vertrauens, die umbständliche Benachrichtigung mitzutheilen und erwarten demnächst mittels deines darüber zu erstatten habenden Berichts verständiget zu werden, wohin gedachtes Ministerium auf vorstehendes, wie auch sonderlich über den Antrag wegen der Gelder Depositirung in chur-mainzische Hände sich zu ausseren vor guth befinden möchte. . . .“ (Reskript an Colloredo vom 3. März 1755. Vortrag des Grafen Kaunitz an Kaiser Franz vom 2. März 1755. Staatsarchiv.) In einem P. S. vom 4. März 1755 wurde dem Grafen Colloredo noch folgendes mitgeteilt: „. . . ist Uns von glaubwürdiger Hand die Nachricht zugekommen, daß der König in Preußen allschon auf gefährliche Mittel und Weege bedacht seie, dem Wahlgeschäfft große und insgeheim anzuspinnende Hindernuße in den Weeg zu legen,*) welchen aber nicht anderst als durch ein wahres und vollkommenes Einverständnuß behörig und mit anhoffendem vergnüglichen Ausschlag begegnet werden könte. . . (Staatsarchiv.) Der Wiener Hof legte daher um so größeren Wert darauf, die Anschauung des englischen Ministeriums kennen zu lernen. 247 (228). S. Ed. Vehse, Geschichte des österreichischen Hofs und Adels und der österreichischen Diplomatie. II. Abteilung, VI. Teil, 207 ff. 248 (229). Kursachsen war vor einiger Zeit mit einem dreifachen Stim- mengesueh bei der Reichs Versammlung zu Regensburg hervorgetreten und der König von Polen hatte das Kaiserpaar ersucht, diesen Antrag zu unterstützen. Dem Könige ward jedoch der Bescheid, „was für nachteilige Folgen aus dem zur größten Unzeit angebrachten chursächsischen Verlangen sowohl für das catho- lische Weesen als insonderheit auch für die Reichsverfaßung und den Reichstag selbsten zu besorgen stünden, und daß man zwar noch allerdings geneigt wäre, dem vorberührten Versprechen bei bequemer und unanstössiger Gelegenheit nachzukommen, dermahlen aber keine Hoffnung, noch Thunliclikeit vor sich sehete, darmit auszulangen, weilen so viele andere derlei Stimm-Prätendenten dem chursächsischen Vorgang bald nachfolgen und am End nicht Chur-Sachsen, sondern nur die der Reichsruhe abgeneigte Höfe davon den weesentlichsten Nuzen ziehen und die erwünschte Gelegenheit überkommen würden, ihre gefährliche Absichten immer weiter zu treiben. — — — — — — — — — — — — —“ *) Vgl. Politische Korrespondenz Friedrichs des Großen XI, Nr. G626, S. 41. Im Januar 1755 hatte Friedrich II. ein Memoire über die Wahlkapitulation ausarbeiten lassen, die dem neuen König aufzuerlegen sei. (A. Schaefer, Geschichte des Siebenjährigen Krieges, 55.) Über die Stellung Preußens zum Projekt einer römischen Königswahl in den Jahren 1750 und 1751 vgl. R. Koser, Preußische Staatsschriften aus der Regierungszeit König Friedrichs II. 1746—1756, S. 329 ff. (Preußische Staatsschriften II.) Derselbe: Friedrich der Große im Jahrzehnt vor dem Siebenjährigen Krieg, 225 ff. (Räumers historisches Taschenbuch 1882). 497 („Gegenwärtige Verhältnuß des mehrfachen Stimmen-Gesuchs auf dem Reichstag.“ Nr. 1 ad Vortrag vom 13. März 1755. Staatsarchiv.) „. . . Man ist dießeits — so referierte Kaunitz der Kaiserin — auf die erhaltene erste Nachricht von einem so wenig überdachten und anbei dem hiesigen Hoff fast bis zum würcklichen Ausbruch verborgen gebliebenen Vorhaben in die gröste Verlegenheit gerathen und auf Mittel bedacht gewesen, dem vorgesehenen Unheil wo möglich in Zeiten vorzubiegen. Weilen es aber bald anfangs geschienen, als ob unter denen protestantischen Reichshöfen eine Einverständnus fürwaltete, gesambter Hand auf tumultuarische und eigenmächtige Arth der- mahlen dasjenige ausführen zu wollen, was die beede hessische Häußer Cassel und Darmstadt bei Gelegenheit der ohnlängst vorgewesenen Fürst Taxischen Intro- duction in Absicht geführet haben, so ist von hieraus E. M. Comitial Gesand- schafften zu Regensburg der Vorschlag an Hand gegeben und deren Meinung darüber abgeforderet worden, ob nicht etwa das beste Mittel, um das ganze anderseitige Introductions Werck in das stecken zu bringen, in solchem Casu ex- tremo sein dörflfte, wan E. M. nach Maaß des anderseitigen Vorgangs zugleich Dero -eigenes mehrfältige Stimmrecht nach Unterschied und Anzahl Dero übriger zum Reich gehöriger Erbfürstenthümer und Landen nicht nur vor sich geltend zu machen sucheten, sondern auch andurch denen übrigen Catholischen zur Anleitung dieneten, mit ihren ebenfalßigen Stimm-Anforderungen zu gleicher Zeit auf einmahl hervorzutretten, mithin ihre Zuflucht anwiederumb zu jenes Mittel zu nehmen, wodurch im Jahr 1708 und respective 1710 denen Mörsischen Introduc- tions-Bewegungen auflf die nembliche Arth ausgewichen worden.*) Wie nun hierauff Graf Seilern und Freiherr von Buchenberg in ihren gefolgten Berichtschreiben diesen Hintertreibungsvorschlag nicht nur für thunlich ) sondern gar als nothwendig angesehen und eingeratlien, anbei lezterer verlanget, mit eventualer Vollmacht zu Verführung solcher Votorum versehen zu werden, man auch wiircklich im Begriff wäre, dergleichen auszufertigen. So ereignete sich wieder alles Vermuthen, daß der König in Preußen, anstatt auf thätliche Anmaßungen zu verfallen, mit seinem Mörsischen Introduc- tions-Antrag den nemlichen legalen Weeg wie Chursachsen eingeschlagen und auch noch bis hiehin solchen einzuhalten sich anlaßet; wodurch dan die Sach eine ganz andere und zwar weit bedencklichere Gestalt von- darumben bekommen, weilen in solchem Geleiß die ordnungsmäßige Proposition zu seiner Zeit nicht zu verhinderen und indessen ungewiß ist, ob man darwieder sich deren Majorum ganz verläßlich gesicheret halten oder auch allenfalß alsdan darmit auslangen könne, wan die neuerliche Mißdeutung der davon handlenden kaiserl. Walil- Capitulations-Stelle, daß nemblichen diejenige Banck, auf welche die Reception zu beschehen, darzu einzuwilligen habe, von denen grösten Theils der Augs- purgischen Confession und auch dem König in Preußen zugethanen altweltlichen fürstlichen Häußeren via facti behaubtet und durchgesezet werden wolte. Es ist also durch den preußischen Auftritt dermahlen diejenige Folge schon würcklich vorhanden, deren vorgestelten Beisorg man vermeinet gehabt, die chursächsische Betreibung zuruckhalten zu sollen. Der leztere Hof dörffte zwar nunmehro zu erkennen anfangen, was er durch seinen Vorgang veranlaßet, dabei aber alzu spath bereuen, daß es nicht mehr in seiner Macht stehe, das Veranlaßte hinterstellig zu machen. *) Vgl. Fabel-, Staats-Canzley, CVII, 325. Khevenliüller-Schlittei'. 1752—1755. 32 498 Man siebet, hiesiger Seits sowohl die bevorstehende Gefahr, daß der König in Preußen nebst denen von ihm unterstüzten hessischen und vielleicht mehr anderen protestantischen Häußeren zu seinem Endzweck gelangen möchte, als auch die Beschwerlichkeit vollkommen ein, solches blos dem chursächßischen Vorgang zu verdancken habendes Unweesen zu verhinderen-, und weilen bis hiehin noch kein anderer anständiger Modus hat ausfindig gemachet, noch auch von Regenspurg aus, alwo doch die dahin einschlagende Umstände am besten bekandt sein müssen, an Hand gegeben werden können, so hat man vor nöthig befunden, über diese sehr verwicklete Beschaffenheit eine eigene Conferential-Berath- schlagung zu veranlaßen, welche auch am 9. (sic!) *) dieses in Beisein deren Grafen Colloredo, Kevenhiller, Bathiani, Kaunitz-Rittberg, wie auch Haugwiz und Freih. von Bartenstein, dan des Reichs-Referendarii von Mohr und Staats-Referendarii von Binder vor sich gegangen. Wobei haubtsächlich zwei Fragen aufgestellet worden, als erstlich, ob ungeachtet des erfolgten preußischen legalen Benehmens E. M. dannoch mit Dero mehreren Stimmen-Gesuch hervorgehen und solches nunmehro durch ein förmliches Anbringen der Reichsversammlung bekandt machen laßen solten?, dan andertens, wie dieses Anbringen einzurichten und wan selbiges eigentlich dem Reichs-Directorio zu übergeben seie? Zu Erleuterung der ersten Frage wurden zuvorderist diejenige Umstände und Gründe in reiffe Überlegung gezogen und gegen einander abgewogen, welche die . . . theils aus denen vorhin circulirten Comitial-Berichten, theils auch ander- wertlich her zusammen getragene gegenwärtige Verhältnuß der vorliegenden Angelegenheit pro et contra mit mehreren dargestellet; und obwohlen durchgehents dafür gehalten worden, wie vor allen zu wünschen wäre, daß man auf eine andere unanstößige und das gegenseitige Vorhaben fallen machende Arth aus der Sach kommen und dießeits des vorangedeuteten Vorgangs entübriget bleiben könte, und daß dahero E. M. Reichstags-Gesandschafften aufzutragen seie, mit denen dortigen vertrauteren Catholischen sich darüber nochmahlen zu besprechen und von ihnen thunliche, zugleich aber auch hinlängliche Vorschläg zu vernehmen, so ist dannoch der einstimmige Schluß dahin ausgefallen, E. M. pflichtmäßig ein- zurathen, daß, da vermög deren lezteren Graf Seilerischen und Baron Buchen- bergischen Relationen immer mehrere Gefahr auf dem Verzug zu hafften und die Ausfindigmachung anderer Hintertreibungsmittelen nicht zu hoffen zu sein scheinet, a. h. dieselbe sich entschließen möchten, nach Anleitung des preußischen, obwohlen legalen Vorgangs, deroseits auf die gleichmäßige Verführung mehrerer fürstlicher Votorum in comitiis ohne weiters anzutragen und durch diesem Dero Beispiel die übrige catholische Stimm-Prätendenten zur derlei Nachfolge und zu dem Versuch anzufrischen, ob nicht jene bei Wahrnehmung einer so zahlreichen Concurrenz, wodurch ihre Absichten unnüz gemacht werden, sich eines anderen bedencken und ihr Gesuch für dermahlen wiederumb auf sich beruhen lassen dörfften. Ein Versuch, wodurch auch bei wiedrigem Ausschlag das alsdan vor sich erfolgende Übel nicht ärger gemachet und gleichwohlen die denen Vorrechten des durchl. Erzhauß zukömmende Gebühr schicklich beobachtet würde. Wie aber in Betreff der änderten Frag das diesfällige Anbringen einzurichten und wan eigentlich der Gebrauch davon zu machen seie? wäre man ad *) In Khevenhüllers Konferenzrepertorium findet sich der Auszug des Protokolls unter dem 8. März 1755. 499 membrum l mura mit dem guthachtlichen Vorschlag a. h. Dero Comitial-Gesand- schafften dahin verstanden, daß man vorerst nur mit dem einem Wiederspruch am wenigsten unterworffenen, sondern der dießeitigen Willkuhr jedesmahlen vorbehaltenen oesterreichischen dreifachen Stimmenrecht anstatt des bishero nur einfach verführten, bei der Reichsversammlung zum Vorschein kommen und das Anbringen also faßen möchte, damit daraus erhelle, wie man nur gleichsahm wieder Willen und blos des anderseitigen Vorgangs halber zu diesem Schritt sich bequemet habe.*) — — — — — — — — — — — — — Ad membrum 2 dum aber gienge mehrentheils die Meinung dahin, daß zu Bezeigung mehrerer Mäßigung und um noch etwa anderen sich hervorthun mögenden gelinderen Vorschlägen oder auch günstigeren Umständen Zeit und Raum zu lassen, dem Freiherrn von Buchenberg bei der Zufertigung des vorangezogenen Anbringens-Formular ausdrücklich einzubinden wäre, nicht ehender als zur rechter Zeit und auf erheischenden Nothfall, wan nehmlichen entweder der churmainzische Directorialis ihn unter der Hand benachrichtiget, daß das anderseitige Gesuch nächstens in dem Ansaags-Zettul würcklich erscheinen würde, oder aber, falß sonsten ein unversehener Ausbruch sich eußeren solte, sothanes Anbringen dem Reichs-Directorio ohne weitere Rückfrage zu übergeben, indeßen aber wegen der alsobaldigen Dictatur durch zeitige Erinnerung bei der Behörde, sich vorläufflg sicher zu stellen. Annebens wurde für diensahm erachtet, daß durch Grafen Sternberg nicht nur bei dem König in Pohlen und dessen vertrauten Ministre nochmahlige Vorstellungen bescheheten und der des preußischen Auftritts halber sich mercklich verschlimmerte Standt der Sachen der wahren Beschaffenheit gemäß erhoben, sondern auch der dortigen Königin die Gefahr beweglichst zu Gemiith geführet würde, welche bei dieser Gelegenheit der catholischen Religion in Reichssachen die völlige Oberhand deren protestantischen Häußeren androhet und die höchste Nothwendigkeit anzeiget, mit E. M. wieder so gemeinschädliche und nur auf Unruhe und Vergrößerungs-Absichten abziehlende Rathschläge sich zu vereinigen. _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _U (Vortrag des Grafen Kaunitz an die Kaiserin vom 13. März 1755. Staatsarchiv.) Im Sinne dieses von Maria Theresia genehmigten Vortrages wurden Buchenberg (am 16. März) und Sternberg (am 18. März) instruiert. (Staatsarchiv.) 249 (229). Der Lehenbrief ist im Reichsregistraturbuch Franz’ I., Band IX, 37 ff. enthalten. (Staatsarchiv.) 250 (230). Liegt nicht bei. 251 (230). Maria Theresia hatte auch auf einen Vortrag des Staatskanzlers vom 15. März 1755 resolviert, daß Graf Karl Otto Caraffa di Stigliano „gar keine“ Taxe zu zahlen habe. (Staatsarchiv. Geheime Räte.) 252 (231). Wann Graf Bethlen Katholik geworden war, konnte nicht eruiert werden. Sein Vorgänger im Amte war Ladislaus Graf Gyulaffi. 253 (231). Über den Warasdiner Aufstand vom Jahre 1755 vgl. Schwicker, Geschichte der österreichischen Militärgrenze, 104 ff. und Fr. Vanicek, Spezialgeschichte der Militärgrenze II, 44 ff. Der Aufstand war infolge des Befehles ausgebrochen, eine neue Montur anzuschaffen und die erforderlichen Geldmittel abzuliefern. *) Kaunitz ließ einen „Entwurf des bei der Reiclisversammlung zu übergebenden Anbringens“ ausarbeiten, den er in der Konferenz zur Verlesung brachte. 32 * 500 . . . Bekantermaßen müsten heut zu Tag — referierte Kaunitz dem Kaiser — die mehreste Einkiinffte eines Souveränen auf die Verpflegung einer zahlreichen Krieges-Macht verwendet werden, und bestünde dahero der eigentliche Nuzen vieler Länder haubtsächlichen darinnen, daß eine desto größere Trouppen Anzahl zu des Souverainen und seiner Unterthanen Beschiizung auf den Beinen erhalten werden könne. Hieraus erwachse also die natürliche und demonstrative Folge, daß es nach der Wiirckung auf eines hinauslauffe: ob eine Provinz so viele Einkünfften in Contributionen, Camerali etc. als zur Unterhaltung einer Armee von 50.000 Mann erforderet würde, abwertfe, oder ob das Land seinem Souverainen zwar keine Geldabgaben entrichte, aber statt dessen 50.000 Mann zu seinen Diensten stelle und verpflege; ja in gewißer Maaß und in gewißen Fällen seie das leztere dem ersteren weit vorzuziehen, da öffters ehender zu Aufbringung des Geldes, als der erforderlichen Mannschafft Rath geschaffet werden könte. Würden nun die Granizer überhaubt nach Anleitung dieses unlaugbahren Grund-Sazes angesehen, so falle deren Nuzbarkeit und Werth um so mehrers in die Augen, da, die Königreiche Hungarn und Böhmen allein ausgenommen, keines derer Erblanden so viele Trouppen bloß aus seinen Einkünfften in Friedenszeiten verpflegen könte, als von denen Granizern würcklich gestellet und unterhalten werden. Was diese Leuthe in älteren und jüngeren Zeiten für ersprießliche Militär- Dienste geleistet, und daß sie in dem lezteren Krieg sehr vieles zur Rettung der ganzen Monarchie beigetragen hätten, seie eine so unstrittige als bekante Wahrheit. Sie dieneten dem Königreich Hungarn und denen'inneren oesterreichischen Landen zur schäzbaren Vormauer gegen den Erbfeind; und da dieses Volck von Natur herzhafft, wohlgewachsen, starck von Leib, zu Fatiguen gewohnt, mithin zu Kriegsdiensten gebohren seie und nicht leicht zu desertiren pflege, so hätten E. M. an ihnen einen solchen zahlreichen Stoff von Menschen, aus welchen die beste und formidabelste Infanterie gemacht werden könte. Dahero auch unter denen vielen ersprießlichsten Einrichtungen, so E. M. währender Dero glorreichester Regierung vorgekehret haben, vor keine der geringsten anzusehen seie, daß die Granizer auf einen beßeren und regulirteren Fuß gesezet worden. Wie dann auch vor das künfftige der unermüdeten a. h. Sorgfalt gemäß wäre, nicht nur die neue Einrichtung der Granizer aufrecht zu erhalten, sondern immer mehrers zu ver- beßeren und so viel es die Umstände verstatten, deren Anzahl zu vermehren. Diesem generalen Grund-Saz hätte nun auch die Commission bei ihren künfftigen Vorkehrungen beständig vor Augen zu haben, welcher aber keines- weegs dahin zu erstrecken seie, daß derselben lezthin verübte Grausamkeiten, Zusammenrottirung und bezeugter Ungehorsam ohnbestrafft nachzusehen wäre; als wordurch dieses ungesittete, rauhe und kriegerische Volck nur noch troziger, verwegener und endlichen unnuz, ja dem Staat zur Last und gefährlich werden Die Warasdiner hatten sich auch darüber beschwert, daß ihnen die Gelegenheit mangle, „die Bedruckungen, so ihnen sowohl in ihrer Religion als von ihren Officieren zugefiiget werden, zur a. h. Einsicht und weiteren Verfügung gelangen zu laßen“. Darüber äußerte sich Kaunitz in demselben Vortrag folgendermaßen: „So wenig nun der Geistlichkeit zu verstatten wäre, daß sie sich in die weltliche Angelegenheiten einmischete und andurch ihren Einfluß ausbreitete, eben so 501 wenig hat der gehorsamsten Conferenz thunlich za sein geschienen, daß singuli oder auch die Gemeinde ihre angebliche Religionsbeschwerden einklagen und andurch öfftere Weiterungen veranlaßen lcönten. Es ist also der gehorsamste Vorschlag erneueret worden, daß die Laici sich allenfalls an ihre Geistliche, diese an ihren Bischoff, sodann weiters an ihren Metropoliten und dieser an die aufgestellte Commission in illyricis und allenfalls ohnmittelbar an der Kaiserin Königin M. als Beschiizerin der Religion in schuldigstem Gehorsalun zu wenden hätten. Jedoch ist sowohl dieserthalben als in Ansehung des Closter Marcha, so die Warasdiner graeci ritus annoch in Anspruch nehmen, die weitere a. h. Verfügung ausgestellet verblieben. Betreffend die Beschwerden der Gemeinen gegen ihre Offlciers, so wurden die in den Hofkriegsräthlichen Commissions-Protocollen umständlich enthaltene Anmerckungen wiederholet, daß es allzu bedencklich falle, denen Warasdiner beständige Deputirte zu verstatten und gleichsahm statum in statu formiren zu laßen; daß sie auf einen Militar-Fuß gesezet seien und daß dahero ihre Klagden am ftiglichsten bei der Musterung vorgebracht und entweder gleich abgethan oder nach- Erfordernuß der Umständen der a. h. Beurtheil- und Entscheidung vorgelegt werden könten. Wie dann auch die Knesen abzuschaffen und statt deren die Unterofficiers auf den in Slavonien bereits eingeführten Fuß anzustellen seien. Weilen aber hierauf die Erinnerung erfolgte, daß die Musterungen bei den Warasdiner niemahlen eingeführt gewesen und neue Beschwerden veranlaßen dörfiften, auch die Knesen vermög der . . . Statuten von 1732 die a. h. landesfürstliche Bestätigung vor sich hätten, und an sich ganz gleichgültig zu sein scheine, mit was vor einem Nahmen die zu Besorgung der Dorff-Angelegenheiten nöthige Richter benennet würden, so haben E. M. a. g. ermeßen, daß auch diese Puncten von der Commission an Ort und Stelle näher zu erwegen und auf eine Arth einzurichten seien, welche mit dem Ruhestand des Volcks und mit der guten Ordnung am besten übereinkomme — — — — — — — —“ (Vortrag an den Kaiser vom 23. März 1755. Staatsarchiv.) 254 (232). Siehe Anhang 231, S. 466 ff. Die Intimationsdekrete sind vom 29. März datiert. (Staatsarchiv.) 255 (233). Vgl. R. Waddigton, Louis XV et le renversement des alliances. Chapitre premier, 1 ff. und chapitre IX, 372 ff. In diesem Werke des französischen Historikers finden wir die klarste Darstellung der Vorgeschichte des Siebenjährigen Krieges. In einem Schreiben vom 11. März 1755 hatte Holderness den englischen Gesandten am Wiener Hofe von dem bisherigen Verlaufe der mit Frankreich angeknüpften Unterhandlungen in Kenntnis gesetzt (Nr. 1 ad Vortrag vom 1. April 1755, mit zwei Beilagen: „Projet d’une Convention preliminaire“, „Contreprojet d’une Convention preliminaire“, Nr. 2, 3) und ihm außerdem mitgeteilt, „que le roi avait raison de croire que, si les disputes touchant l’Amerique, u’etaient point ajustes, et qu’une rupture s’ensuivait entre la France et l’Angleterre, que la guerre deviendrait bientöt generale et que probablement la France la com- mencerait en se saisissant des Pays-Bas et peut-etre par la marclie d’une armee vers la Westphalie. ... 11 est donc necessaire que la cour de Vienne se prepare ä se defendre sans perte de temps, comme . . . eile serait indubitablement ex- posee ä une attaque immediate de la part de la France ou de ses allies. II est aussi probable que la France pourrait penser ä tenter quelque chose directement contre ces royaumes, auquel cas S. M. n’a aucune doute que la cour imperiale ne 502 prit la rßsolution de remplir avec clairetö et promptitude les engagements aux- quels eile est obligee par les traites defensifs qui subsistent entre eile et S. M. (Traduction de la lettre secrete. Nr. 4 ad Vortrag vom 4. April 1755.) „J’ai reserve pour cette lettre tres secrete — heißt es in einem anderen Schreiben vom selben Tage (11. März) — la communication d’nne intelligence tres interessante et tres importante que S. M. m’a permis de vous confier, 4 savoir que la France a deje [selon l’information que S. M. en a recu, dont cependant je ne puis pas encore vous assurer la verite] pris ses mesures, en cas qu’elle ne peut pas obtenir les conditions qu’elle a propos6es pour accommoder les disputes americaines. On suppose que ces mesures sont de se saisir des Pays-Bas et de faire marcher une armee dans la Westphalie pour favoriser et soutenir une attaque qui doit se faire par le roi de Prusse contre les etats electoraux de S. M. en Allemagne. . . . en tout cas, une teile attaque faite contre les 6tats allemands de S. M. en consequence . . . mettrait le roi dans le droit de s’attendre 4 l’as- sistance de ses allies dans toute l’etendue des traites qui subsistent entre eux. (Traduction de la lettre tres secrete. Nr. 5 ad Vortrag vom 4. April 1755.) Sämtliche Schreiben und Beilagen händigte Keith am 26. März 1755 dem Staatskanzler ein. Ebenso hatte Münchhausen am 10. März 1755 an Khevenhüller geschrieben: „. . . qu’on pretend savoir par un canal tres sür, comme s’il y avait un concert de conclu entre les rois de France et de Prusse d’envahir les pays allemands du roi mon maitre, par deux differents corps d’armee, que l’un ferait marcher par la Westphalie, et l’autre de son cöte, et dont le dernier serait de trente mille hommes, en cas que les differends, existants entre les nations anglaise et frangaise, menassent 4 une rupture ouverte. Cependant, comme la personne dont j’ai regu ces informations, parait etre persuadee de leur röalite, je ne saurais me dispenser de supplier V. E. pour qu’Elle veuille bien en faire part 4 S. M. I., l’imperatrice-reine, et La sonder sur le secours qu’Elle serait disposee d’accorder et de preter, le cas arrivant, au roi mon maitre qui, de son c6t6, ne peut que se flatter que l’amitie et la propre convenience de S. M. I. ne Lui permettront pas de rester, 4 une teile occurrence, les bras croisees, mais L’exciteront au contraire de lui envoyer non seulement un corps de troupes auxiliaires, mais aussi de faire quelque part une diversion con- venable et efficace. — — — ____ — _ — _ — _ _« (Nr. 6 ad Vortrag vom 4. April 1755.) „Die Conferential-Berathschlagung — referierte Kaunitz dem Kaiser — so den 31. verfloßenen Monaths Martii in E. kais. M., wie auch der Kaiserin-Königin M. a. h. Gegenwart, dann in Beisein derer Grafen von Ulfeld, Coloredo, Keven- hüller, Batthiani und Kaunitz-Rittberg abgehalten worden, hatte die von dem englischen Ministro Keith . . . mitgetheilte Nachrichten . . ., dann des Freiherrn von Münchhausen an den Grafen Kevenhüller erlaßenes Schreiben . . . und des Grafen Coloredo unterm 11. Martii allergehors. erstattetes Berichtschreiben, wie auch jenes, so Graf Starhemberg unterm 14. ejusdem anhero abgefertiget hat, zum Gegenstand. Und da des ernanten englischen Ministri dem Hof- und Staats- canzlern gemachter Vortrag eigentlich in deme bestanden ist, was die vorangezogene Communicata in sich enthalten, so wurden die 4 Fragen: l mo was dem 503 Keith für eine Antwort zu ertheilen und in deren Gleichförmigkeit dem Grafen Carl Coloredo aufzutragen, 2 do worinnen des Grafen Kevenhüller Antwort an Freiherrn von Münchhausen zu bestehen hätte, 3 ti0 was dem Grafen Starhemberg weiters an Hand zu geben und 4 t0 was sonsten noch zu verfügen seie? zur näheren Erwegung ausgestellet und verschiedene Betrachtungen vorausgesezet, warum es annoch sehr zweiffelhafft zu sein scheine, ob die zwischen Franckreich und Engeland obwaltende gütliche Handlungen, da beide Theile in ihren Begehren und Vorschlägen noch sehr von einander unterschieden seien und die Zeit zum Auslauff der Flotten heran nahe, sich zerschlagen und in Feindseeligkeiten ausbrechen oder aber zum gütlichen Schluß gelangen würden, zumahlen die beide Höfe nach allen sich ergebenden Anzeigen den Krieg zu vermeiden, die aufrichtige Absicht führeten und bei einer solchen Gesinnung der streitenden Theilen die Con- ciliations-Mittel durch reciproques Nachgeben nicht ermanglen dörfften. Hingegen stünde im geringsten nicht zu zweifflen, daß, wann die Feindseeligkeiten zur See würcklich erfolgeten, alsdann auch das Kriegsfeuer, wie die französche Ministri sich schon vorlauffig betrohend geaußeret hätten, sich auf das veste Land ausbreiten und das durchl. Ertzhauß auch wieder Willen mit einflechten würde. Dahero dann auch eine kluge Vorsicht und der a. h. Dienst unumgänglich erforderten, alle thunliche Veranstaltungen in Zeiten vorzukehren, desfalls eine reiflichst überlegte Entschließung zu faßen und sich auf alle wiedrige Zufälle bereit zu halten; wobei dann E. M. die Grundsäze erleuchtest begnehmet und vestgestellet haben, daß, wann es zum Krieg kommen solte, gleich in den ersten Campagnen die äußerste Kräfften angespannet, solche so wenig als möglich getheilet und meisten theils gegen den König in Preußen gebraucht werden miisten, als welches das einzige ergiebige Mittel seie, durch einen vergnüglichen Anschein dem ernanten König mehrere Feinde zuzuziehen, ihn in die behörige Gränzen zu sezen und demnächst mit erforderlichem Nachdruck gegen die übrige Feinde die k. k. Waffen gebrauchen zu können. Nachdem auch E. M. ganz zuverläßig bekant seie, daß der besagte König nichts weniger als sich mit der ansehnlichen Acquisition von Schlesien begnüge, noch die eingegangene Friedens-Bedingnuße zu erfüllen gedencke, sondern nur auf eine vortheilhaffte Gelegenheit warte, um die Erblande neuerdingen friedbrüchig zu überfallen und zu Grund zu richten,*) so müste der gegenwärtige Status violentus und das zwischen zweien angränzenden Mächten glimmende Feuer ohnedem Uber kurz oder lang in helle Flammen ausbrechen; wobei sonder Zweiffel vor das fatalste und gefährlichste zu halten wäre, daß ein solcher Erfolg just zur Unzeit vorzusehen und zu erwarten stünde. *) Schon Arneth hatte nach den „unumstößlichen Beweisen“ für die Behauptung gefahndet, es habe sich Friedrieh II. mit einem neuen Angriffsplan gegen Österreich getragen (Arneth IV, 374). Sie konnten nicht erbracht werden. Der König hegte — seiner Versicherung gemäß — keine Kriegslust und wünschte baldige Ausgleichung der zwischen England und Frankreich obwaltenden Gegensätze (vgl.Koser, König Friedrich der Große I, 571 ff. Politische Korrespondenz XI, 72, Nr 6668). Seinen Worten widersprachen die Handlungen. „. . . suppose le cas de guerre entre l’Angleterre et la France, et qu’elle serait inevitable, j'estime, si j'ose le dire — so hatte er bereits am 18. Januar 1755 an Knyphausen nach Paris geschrieben — qu'il vaudrait mieux que cette guerre existät dans le moment present oü la cour de Vienne est dans de fortes apprehensions au sujet de l’evenement de la mort du Sultan, qu’ä un autre temps que l’Autriche aurait les bras plus libres pour faire des diversions a la France.“ (Politische Korrespondenz XI, 27, Nr. 6606.) Fortan bemühte er sich, Frankreich zum Kriege zu reizen, an dem er sich erst im geeigneten Augenblicke beteiligen wollte. (F. Wagner, Friedrichs des Großen Beziehungen zu Frankreich, 20ff., 28. Vgl. auch F. Luckwaldt, Die Westminsterkonvention, 23t ff. [Preußische Jahrbücher, 80. Band.]) 504 Über alles dieses wäre sich auf keine Verbeßer- sondern auf die tägliche Verschlimmerung der Staats-Umständen mir allzu gesichert zu versehen, da in Engeland eine baldige Minorennität, währender dieser Zeit die grose Uneinigkeit des Ministern und weit größere Hinternüße zu Bewürckung gedeilicher Rath- schliißen und Maaßnehmungen, in Holland ein täglich anwachsender Verfall, in Rußland Revolutionen und Vernachläßigungen der eigenen Wohlfarth, in Franck- reich die Herstellung der Marine und der zunehmende Credit der kriegerischen Parthei, bei Preußen die Verstärckung seiner ohnedem sehr fürchterlichen Macht, im teutschen Reich mehrere Verwirrungen und der gänzliche Verfall, in Pohlen die Throns-Erledigung und eine turbulente Königswahl, und in Constantinopel kriegerische Absichten zu besorgen wären. Es seie also bei so trüben Aspecten und wiedrigem Anschein der künfftigen Zeiten eine große Frage, ob ein der- mahliger allgemeiner Krieg mehr zu befürchten als zu wünschen wäre, zumahlen der englische Hof den Veranlaßer, und Franckreich den Ausbreiter eines solchen Kriegs darstelleten, hingegen auf E. M. Seiten die offenbahre Gerechtigkeit, mithin der anzuhoffende göttliche Seegen vorwalten, auch von der englischen Nation auf den Fall, wann das durchl. Ertzhauß allein von ungerechten Feinden überfallen werden solte, entweder gar keine, oder doch nur eine langsame und un- kräfftige Hiilffe zu erwarten sein würde; dermahlen aber seie die ernante Nation an dem empfindlichsten Ort ihres Commercii angegriffen, mithin zu vigorosen Maaßnehmungen vorbereitet und müste um ihrer eigenen Erhaltung willen auch auf der Landseiten ihre äußerste Kräfften anspannen. Gleichwie aber E. M. wie auch der Kaiserin-Königin M. christlichste Gesinnung den Krieg allezeit und in allen Fällen als das größeste Übel ansiehet und verabscheuet, anbei auch die Umstände in internis einen längeren Ruhestand nöthig hätten, so haben auch a. h. dieselbe das einstimmige Darfürhalten der gehorsamsten Conferenz a. g. begnehmet, daß weder Engeland noch Franckreich durch dießeitige geheime Unterbau- und Veranlaßungen zu Feindseeligkeiten anzufrischen, sondern an gütlicher Beilegung der americanischen Strittigkeiten ohn- ermtidet zu arbeiten, anbei Freund und Feinde von der dießeitigen aufrichtigen Friedens-Begierde zu überzeugen, denen Bundsgenoßen zu keinen Beschwerden befugte Ursach zu geben und die aus denen Tractaten entspringende Verbindlichkeiten heilig zu erfüllen, jedoch auch hierinnen nicht zu weit zu gehen, noch sich vor der Zeit die Gehäßigkeit aufzubürden, inzwischen aber alle diensame Veranstaltungen ohne Zeitverlust vorzukehren seien. Nach Maaßgab dieser vestgestellten generalen Grundregien ist also ad quaestionem Imam, was nehmlich dem Keith für eine Antwort zu ertheilen und in deren Gleichförmigkeit dem Grafen Coloredo aufzutragen seie? erleuchtest vor gut befunden worden, daß fordersamst dem englischen Ministerio die höchst gefährliche Folgen eines allgemeinen Kriegs und die ermanglende Vertheidigungs- Mittel zu Gemüth zu führen, das dießeitige Verlangen zu fernerer Aufrechthaltung des Ruhestandes und zur gütlichen Beilegung der Strittigkeiten, allenfalls aber zu Gewinnung mehrerer Zeit zu bestärcken und anbei zwar der Casus foederis, wann in Engeland ein Debarquement unternommen würde, nicht nur anzuerkennen, sondern auch die Anwendung der äußersten Kräfften auf den Fall eines entstehenden Landkriegs zum voraus zu versicheren, jedoch alles dieses mit der Bedingnuß zu begleiten seie, daß auch Engeland seines Orts dem durchl. Ertzhauß das Reciprocum angedeihen lassen, eine gleiche Versicherung von sich stellen, die behörige Anstalten noch in Zeiten vorkehren, die Möglichkeit, seinen 505 obhabenden Verbindungen ein Genügen leisten zu können, darzeigen und nicht, wie es seithero geschehen, wegen allen deine, was von ihm zu verfügen seie, ein so befremdlich als gemeinschädlich fallendes Stillschweigen halten mögte; wie dann aus diesem Stillschweigen und aus Vernachläßigung aller Defensions- Anstalten die Ohnmöglichkeit von selbsten hervorscheine, schon dermahlen in das Detail eingehen und einen Plan zum vollständigen Concert entwertfen zu können. In Ansehung der zweiten Frage, worinnen nehmlichen des Grafen von Kevenhüller Antwort auf des Freiherrn von Münchhausen Schreiben zu bestehen hätte? wurde fordersamst des mehrern angemercket, worinnen eigentlich des durchl. Ertzhauses Verbindlichkeiten gegen Hannover bestünden, und daß zwar der bereits angesuchten Garantie-Leistung verschiedene erhebliche Einwendungen und Ausflüchten . . . entgegen gesezet werden könten-, nachdem es aber vor dermahlen von einem Fall, wo es nicht bei der feindlichen Überziehung der hannoverischen Landen verbleiben, sondern zu einem allgemeinen Krieg kommen würde, die Frage seie, und wann auch gar keine Tractaten vor Händen wären, dannoch E. M. wesentliches Staats-Interesse nicht verstatten würde, Hannover unterdrücken und hülffloß zu lassen, auch über dieses die Umstände allerdings erforderten, den König in Engeland zu werckthätiger Erfüllung 'der Tractaten und des Reciproci anzufrischen, so könne auch nicht wohl ein erheblicher Anstand dabei vorwalten, dem Chur-Hauß Hannover die werckthätige Hiilff-Leistung unter denen nehmlichen Bedingnußen, so bereits wegen Engeland allergehorsamst angeführet worden, zum Voraus zu versicheren. Betreffend die dritte Frage, nehmlichen was dem Grafen von Starhemberg weiters an Hand zu geben seie? so wäre gleichfalls das Darfiirhalten der gehorsamsten Conferenz dahin einstimmig, daß gegen die Cron Franckreich fernerweit eine aufrichtige Neigung zu Abwendung aller Kriegs-Unruhen zu äußeren und zugleich auf eine anständige und bei erfolgender abschlägigen Antwort nicht verkleinerlich fallende, noch sonsten bedenckliche Arth zur diesseitigen Verwendung der bonorum officiorum und allenfalls auch zur Übernehmung der Mediation sich anzuerbieten seie; als welches in keinem Fall zu einigem Nachtheil gereichen würde, wohl aber zu Beförderung der gütlichen Auslcunfft dienlich sein dörffte. Nachdem auch die französche Ministri zu London und in dem Haag ohne Bedencken auf die betrübliche Äußerung, daß ihr Hof bei entstehenden Feind- seeligkeiten zur See sich derer Niederlanden sogleich bemeisteren würde, verfallen seind und der französche Staats-Secretarius selbsten in der Unterredung mit Grafen Starhemberg auf den vorerwelmten Fall von einem Guerre generale wiederholilte Anregung zu thun, vor gut befunden, so hat dem a. h. Ansehen und denen gegenwärtigen Zeit-Umständen gemäß zu sein geschienen, diese Betrohungen um so weniger mit gleichgültigem Stillschweigen zu übergehen und gänzlich auf sich beruhen zu laßen, da solches einestheils eine allzu große Angst- hafftigkeit andeuten, oder auch wohl den französchen Argwohn, als ob E. M. bereits ein Concert mit denen See-Mächten getroffen hätten, veranlaßen könte, anderentheils aber die Anfrage, ob diese Betrohungen in der That mit des französchen Hofs eigentlicher Gesinnung übereinkommeten, keine wiedrige Wiirckung veranlaßen und dieserthalben weder mehr noch weniger geschehen, jedoch hieraus der Vortheil entspringen würde, daß allenfalls wegen Vertheidigung der Niederlanden alle mögliche Veranstaltungen öffentlich und ohne daß Franck- 506 reich solches wiedrig auszudeuten Gelegenheit erhielte, genommen werden könten. 50 viel auch die 4 te und lezte Frage anbetrifft, was nehmlichen bei den dermahligen Umständen weiters zu verfügen sein dörffte, so haben E. M. in er- leuchteste Erwegung zu ziehen geruhet, daß Franckreich bloß von seinen in den Gränz'-Vestungen verlegten zahlreichen Garnisonen in sehr kurzer Zeit eine ansehnliche Armee zusammenziehen und hiemit die von Yestungen, von einer hinlänglichen Trouppenanzahl und von allen übrigen Defensions-Anstalten entblöste Niederlande überschwemmen könte. Nachdem nun ein solcher Erfolg täglich zu besorgen stünde, so seie der Vorsicht und dem a. h. Dienst sonder Zweiffel gemäß, die Veranstaltungen auf die zwei Haubt-Objecta zu richten, daß l rao die kais. kön. Trouppen in den Niederlanden nicht abgeschnitten, sondern noch zu rechter Zeit versamlet und gerettet, auch 2 d0 so viel baares Geld als immer möglich der Arten aufgebracht würde, um bei dem Verlust der niederländischen Einkünfften und bei Ermanglung anderer Fundorum das ausziehende Corps Trouppen eine Zeitlang verpflegen zu können. — — — — — — — — — — — — — — — — — Nicht weniger wurde zu E. M. erleuchtester Beurtheilung der Entwurff . . . vorgeleget [A], welcher ein so andere Particular-Defensions-Vorschläge enthaltet und zum Grund eines künfftigen Concerts dienen könte; wie dann auch E. M. a. g. vor gut befunden haben, daß solcher dem Prinzen Louis von Wolffenbüttel und dem Grafen Coloredo mitgetheilet werden solte, um hiervon nach Zeit und Umständen den diensamen Gebrauch zu machen. Diesem a. h. Befehl hat man ... ein allergehorsamstes Genügen zu leisten, sich pflichtschuldigst angelegen sein lassen und allen diesen Beilagen einige ohmnaßgebliche und nur eilfertig auf das Papier geworffene, aber eine reiffere Überleg- und Berathschlagung erforderende Gedancken über die kiinfftige Kriegs- Veranstaltungen . . . [B] in aller Unterthänigkeit anzufügen, ohnermanglen wollen.“ (Vortrag des Grafen Kaunitz an den Kaiser vom 4. April 1755. Staatsarchiv.) A. 51 les demeles qui agitent aujourd’hui l’Angleterre et la France, ne peuvent se terminer que par les armes, il en resultera une guerre generale. La preuve en est que la France ne saurait se dedommager que dans le continent des torts que l’Angleterre peut lui faire sur mer; ainsi la France attaquera les possessions des allies de la Grande-Bretagne. II est fächeux d’abord pour un etat quelconque de se voir envelopper dans une guerre qui n’a que la convenance de son allie pour objet, mais tel est le sort d’une alliance fondee sur un intfjret commun, c’est une chaine qui perd sa force par la destruction du moindre chafnon. Cette verite n’a pas toujours ete reconnue, et c’est meine pour n’y avoir pas fait toute l’attention qu’elle merite qu’on trouve aujourd’hui dans le cas de devoir songer ä se defendre tandis qu’on devrait et pourrait etre en Situation d’attaquer. Cette observation cependant ne cliange rien ä l’etat actuel des choses, eile n’influera pas non plus dans les resolutions de l’imperatrice, et S. M. ne recherche 507 ainsi la cause du mal que pour y trouver le remede, Elle remplira Ses engage- ments dans le sens et les vues des traites, et Elle fera meme tout ce que rai- sonnablement on pourra desirer d’Elle. D’apres ce que nous venons d’exposer, il est prouve que la guerre sera generale; qu’elle fait un objet commun de l’alliance et que par consequent tous les allies y doivent prendre part. Ces principes donnent d’abord l’exclusion 4 toute petition de secours unilaterale et etablissent sans replique la necessite de se concerter sur un plan de defense reciproque. Cette defense doit embrasser les Pays-Bas, l’Angleterre, la Hollande, les etats allemands de rimperatrice et l’electorat d’Hanovre. De tous ces objets de defense, les Pays-Bas sont les plus exposes; ils exigent donc des attentions de preference Les Hollandais auront 4 fournir les contingents des troupes d6terminees pour le temps de paix et de guerre dans le traite de la Barriere, rimperatrice y entretient dejä un pied de 25.000 hommes, qu’Elle rendra compte avec toute la promptitude possible, ce corps reuni avec les contingents hollandais, renforce par six-mille Hessois que l’Angleterre devrait negotier et faire marcher sans perte de temps, et par 8000 4 10.000 Anglais, ferait une armee qui rendrait la defense des Pays-Bas possible et assurerait ä un certain point celle de l’Angleterre et de la Hollande, occuperait la France, divise- rait ses forces et I’empScherait de se porter avec trop de violence sur un seul des differents etats que l’alliance a 4 defendre. A ces mesures il faut encore ajouter que l’Angleterre devra encore re- nouveler son traite de subside avec la Baviere et en tirer d’abord six-mille hommes pour les Pays-Bas. La Saxe ne desire pareillement que le renouvellement de son traite et il faudra l’obliger 4 tenir ses troupes en etat de marcher. Il est cependant de la prudence de prevoir tant que l’on pourra, tous les cas, et nous supposerons pour un moment que la France voudrait 4 la fois atta- quer les Pays-Bas et l’61ectorat d’Hanovre. L’existance d’une armöe dans les Pays-Bas, teile que nous venons de la former, rendra toujours ce projet d’une execution fort difficilc, vu l’incertitude dans laquelle la France doit etre, si nous ne prendrons pas la resolution d’abandonner la defense d’une partie pour reunir nos forces dans l’autre, afin de lui opposer une armee superieure. Mais le plus fächeux de tous les cas, c’est que S. M. sera attaquee en meme temps par le roi de Prusse. Pour faire sentir en peu de mots de quelle consequence cet Evenement est et doit etre pour l’Angleterre et la Hollande, il n’y a qu’ä faire remarquer ä ces Puissances que, si la crainte et pour ainsi dire la certitude de cette irruption n’existait pas, l’imperatrice pourrait sur le cliamp faire marcher cinquante ä 60.000 hommes dans les Pays-Bas qui, joints aux 24.000 ä 25.000 hommes qu’Elle y a d6jä, ferait pour sa seule part une armee de 70.000 ä 80.000 hommes bien capables sans doute de faire face ä la France. L’imperatrice pourrait encore aider ä former une armee dans l’Empire. Et il Lui serait possible de se soutenir en Italie dans la supposition qu’on se füt assure du roi de Sardaigne. 508 C’est donc le roi de Prusse qui derange toutes ees mesures, et qui par consequent expose l’Angleterre et la Hollande aux plus grands dangers, en oc- cupant les forces de l’imperatrice. II n’y a que la Russie et l’usage qu’on fera du secours qu’on en obtiendra, qui puissent reinedier au vice radical de l’alliance; eile sera ä coup sür triomphante si eile surmonte, comme eile le peut, cet obstacle, et eile ne commencera d’etre solide que lorsqu’elle s’en sera debarrassee. Si les dangers de guerre qui nous menac.ent ä cette lieure, venaient ä se dissiper comme nous le desirons ;bien ardemment, la Providence sans doute ne les a fait naitre que pour nous servir de motifs ä prendre une bonne fois les mesures pour le temps de paix, enfin de ne plus nous trouver dans les embarras et peines que nous eprouvons aujourd’hui; 'ainsi le concert que nous proposons, aura egalement pour objet la paix et la guerre. (Nr. 12 ad Vortrag vom 4. April 1755. Staatsarchiv.) B. Ohnmassgeblicher kurzer Entwurf, was bei entstehendem Krieg für Gegen- Maaßnehmungen einzuschlagen und unter den Alliirten zu concertiren wären. fmo yy as (j er Allianz mit den See-Mächten an der Stärke abgehet, muß durch Einmütigkeit, Vorsicht, lebhaften Eifer und Anspannung der äußersten Kräften ersetzet, anbei aber aller Eigennutz und Übervorteilung außer Augen gesetzet, mithin die Fehler vermieden werden, so in dem letzten Krieg nicht nur der gemeinsamen Sache und dem durchl. Erzhaus, sondern den Seemächten Selbsten den größten Schaden zugefüget und dem ganzen Krieg eine viel übelere Gestalt, als er gehabt haben würde, gegeben haben; wie solches durch ganz überzeugende Proben dargetan werden könnte. 2 d0 Ist sich in allen Fällen an den generalen Grundsatz zu halten, daß die Wohlfahrt der gemeinsamen Sache überhaupt und des durchl. Erzhauses insbesondere unumgänglich erfordere, dem König in Preußen gleich allen Anfangs des Kriegs mit so großer Kriegsmacht als immer gegen ihn aufzubringen sein wird, zu Leib zu gehen und nichts ohnversucht zu lassen, daß dieser gefährliche Feind gänzlich übern Haufen geworfen und ihm die Gelegenheit zu neuen Unruhen benommen werde. Geschiehet dieses nicht, so verbleibet das durchl. Erzhaus beständig in einem statu violento und kann niemahlen mit behörigem Nachdruck gegen seine übrige Feinde zu Werke gehen, noch seinen Bundsgenossen ergiebige Hilfe leisten, sondern muß froh sein, wann es sich nur von einer Zeit zur anderen von dem androhenden Untergang retten kann. 3 tio Aus diesem Grundsatz folget von selbsten, daß die kais. kön. Kriegsmacht so wenig als immer möglich zu verteilen und größten Teils dem ernannten König entgegen zu setzen, keines Wegs aber sich dem etwa erfolgendem Ansinnen der Seemächten zu fügen seie, einen großen Teil der Macht anderwärts hinzuziehen und nach ihren Privat-Absichten gebrauchen zu lassen. 4 to Das allernötigst- und ersprießlichste, was von Engeland ohne den mindesten Zeitverlust geschehen sollte, und ohne welches kein solides Concert gefaßt werden könnte, wäre der Schluß der Subsidien-Convention mit Rußland. Da dieser Hof nicht nur die versprochene Truppen-Anzahl, sondern eine Armee von 100 und mehr tausend Mann gegen den König in Preußen in das Feld stellen könnte, so ist auch dessen Mitwirkung unumgänglich nötig und weit nützlicher als wann mit weniger mächtigen Höfen Subsidien-Tractaten geschlossen würden, 509 zumahlen des ernannten Hofs eigenes Staatsinteresse mit dem dießeitigen darinnen vollkommen übereinstimmet, daß des ernannten Königs Vergrößerungs Begierde noch in Zeiten behörige Grenzen zu setzen seien. 5 to Es wäre aber nicht blos bei den Subsidien bewenden zu lassen, sondern auch alle übrige diensame Mittel vorzukehren, daß der hiesige und englische Credit und Einfluß bei dem besagten Hof recht festgesetzt werde, als woran es bishero ermanglet hat, ohngeachtet keine andere Mächten desfalls etwas in den Weg geleget haben, und ohngeachtet an einem Hof, wo die Intriguen statt finden, leichter als an anderen auszureichen ist. 6 t0 Wäre nötig, daß ein anderer englischer Minister statt des Lord Guidickens nach Petersburg bald abgeschicket würde, welcher sich in die dortige Lebensart zu schicken und sich Vertrauen zu erwerben wüßte. 7 mo Sodann müßte gesorget werden, daß ein tüchtiger General der russischen Armee vorgesetzt und dieser Hof durch alle diensame Vorstellungen und Mittel beständig angefrischet würde. 8 TO Ist zum voraus sicher vorzusehen, daß, so ergiebig die russische Diversion gegen den König in Preußen sein würde, solche dannoch nicht zu hoffen stünde, wann nicht zu gleicher Zeit von seiten der Kaiserin Königin M. die Kriegsoperationen angefangen und solchergestalten die preußische Kräften geteilet werden. Es wird sich also allem Ansehen nach bei wirklichem Ausbruch des Kriegs ganz natürlich fügen, daß der vorerwähnte zweite und dritte Punkt in das Werk gestellet werden können. 9 no In einem solchen Fall und wann einmal der Anfang gemacht ist, dem ernannten König mit einer überlegenen Macht zu begegnen, stünde nicht wohl zu zweifeien, daß verschiedene andere Höfe als Sachsen, Hannover, vielleicht auch Schweden und Dänemark sich teils aus heimlicher Eifersucht, teils aus Beisorge und teils aus Vergrößerungs-Begierde mit den diesseitigen Waffen vereinbaren und Preußen auf allen Seiten in das Gedräng bringen helfen werden; allein hiebei dörfte alles darauf ankommen, daß der Anfang einen glücklichen Anschein gewinnen und die Schwächere wagen dürfen, sich mit in das Spiel zu mischen. 10 rao Indessen müßte Engeland an allen Höfen im Reich, wo noch Trouppen zu bekommen wären, Subsidien-Tractaten anbinden*) und insbesondere sich angelegen sein lassen, solche mit Hessen-Cassel und Darmstadt baldmöglichst zum Schluß zu bringen, auch die bereits existirende Tractaten mit Sachsen und Bayern zu erneueren-, da dann der letztere Hof wie auch die hessischen Hauser wohl noch zu vermögen sein dürften, die wirklich auf den Beinen habende Trouppen ohnverweilt marchiren zu lassen; dem sächsischen Hof aber wäre solches nicht ehender zuzumuten, als biß er sich wegen eines gählingen preußischen Überfalls nicht mehr in Gefahr befindet. 1 l mo Chur-Cöln ist zwar nach Proportion seiner Landen mit wenig Trouppen versehen; jedoch könnten diese Gegenden dem hannoverischen in gewißer Maß zur Vormauer dienen und dem Anmarsch eines französchen jCorps nach West- phalen viele Hindernußen oder Vorschub verschaffen; dahero dann das hannoverische Ministerium, allem Vermuten nach, von selbsten darauf bedacht sein wird, *) In einer früheren Denkschrift, betitelt: „Reflexions sur l’alliance de la maison d'Autriche avec les Puissances maritimes“ (Staatsarchiv) hatte Kaunitz die Möglichkeit erwogen, daß sich England mit Preußen alliieren könnte. (Beer, Die österreichische Politik in den Jahren 1755 und 1756. Syhels histor. Zeitschrift 27, S. 293. Die Denkschrift ist jedoch nicht „anfangs 1755“, sondern am 25. Dezember 1754 niedergeschriehen worden.) 510 den ernannten Churfürsten, wie es im letzten Krieg geschehen, wieder von der französchen Partei abzuziehen; welches auch durch Anerbietung höherer Subsidien und Gewinnung der dortigen jüdischen Favoriten und ihrer Anhänger zu bewirken, nicht schwer fallen dörfte. 12 ino Um die italiänische Lande sicher zu stellen und alldorten der französchen Übermacht wiederstehen zu können, ist unumgänglich nötig, den König in Sardinien zu gewinnen. Hierzu würden nun in allen Fällen englische Subsidien erfordert und über das müßte ein Concert mit ihm getroffen werden, welches dem ernannten König auch andere wesentliche Vorteile versicherte; worinnen aber diese Vorteile bestehen könnten, ohne daß der Kaiserin Königin M. sich abermahlen zu Länderabgaben entschließen müßten, desfalls behaltet man sich bevor, nähere gehors. Vorschläge an Hand zu geben. Indessen ist nötig, daß Engeland mit Tractaten den Anfang mache. 13 t!o Ob zwar Spanien vor dermahlen von Trouppen und Seemacht entblößet ist, so wird doch dieser Hof bekanntermaßen wegen des Commercii von Engeland und Frankreich sehr gesuchet und sowohl im Krieg als .Frieden ein großes Gewicht behalten. Nach des Grafen Migazzi Versicherungen fahret er noch immer fort, vor den hiesigen Hof und vor Engeland gut gesinnet zu sein. Und kann also dem erschollenen Gerücht, als ob zwischen Frankreich und Spanien ein geheimer Tractat wirklich gescldoßen sein sollte, nicht wol Glauben beigemessen werden, ob man schon desfalls, nach des Grafen Colloredo letzterem Bericht-Schreiben, in Engeland etwas beunruhiget und zweifelhaft zu sein scheinet.*) Dieser Umstand verdienet allerdings die größte Aufmercksamkeit und es wäre kein Mittel außeracht zu laßen, um sich von dieses Hofs Freundschaft vollkommen zu versicheren. Wie aber solches am täglichsten geschehen könne, desfalls wäre in einer besonderen (Konferenz die reiflichste Beratschlagung zu pflegen. 14 t0 Was Neapel anbetrifft, so verdienet auch dieser Hof um deswillen eine vorzügliche Rücksicht, weilen ihm der Anfall der spanischen Grone bevorstehet und überdas durch seine Verbindung mit Frankreich die italiänische Lande in große Beunruhigung setzen könnte; welches aber in die Beratschlagung, was in Ansehung Spaniens für Maßregien festzustellen seien, mit einschlaget. 15 to Daß der König in Schweden und einige Senatores, besonders aber Hoepken, nicht französisch gesinnet seien und gegen Preußen eine große Eifersucht tragen, weilen seit dieses Königs vergrößertem Ansehen Schweden in der nordischen Balance wie auch bei den Reichs- und Religions-Angelegenheiten fast alles Ansehen und Einfluß verloren, in dem Rest seines Pommeren bedrucket wird und, da es keine Hoffnung vor sich siehet, Rußland wieder aus Finnland zu verdrängen, seinen Kornboden wenigstens in Deutschland gern ausbreiten mögte; solches hat sich seit einiger Zeit aus den geheimen Nachrichten veroffen- baret. Und wäre also diese Gesinnung durch Rußland möglichst zu unterhalten und sich wenigstens dahin zu bearbeiten, daß Schweden sich nicht in den Krieg mit einmischen, noch die russische Macht distrahiren mögte. 16 t0 Zufolg des H. Grafen Rosenberg letzteren Berichten hat Dänenmark noch Hoffnung, das Austauschsgeschäft durch den Großkanzler Bestuchef zustand *) Nach einem Bericht Klinggräffens vom 4. April 1755 hatte das Gerücht einer Unterhandlung, die zwischen Frankreich, Spanien, Neapel und Sizilien geführt werden solle, den "Wiener Hof in große Unruhe versetzt. (Politische Korrespondenz XI, 129, Nr. 6750 ) 511 zu bringen; und will annoch die mit Frankreich erneuerte Convention nicht auf den König in Preußen erstrecken; vielmehr äußeret sich bei dem dänischen Hof und besonders bei dem Freiherrn von Bernsdorff eine fürdauerende Abneigung und heimliche Eifersucht gegen den ernannten König, deren sich bei ausbrechendem Krieg gar wohl bedienet werden könnte, zumahlen wann der Großfürst durch Veranlaßung der russischen Kaiserin sich in die Austauschung des holsteinischen Anteils einlaßen und andurch die Wurzel des Mißtrauens zwischen den zwei Höfen ausrotten sollte. 17 mo Ist keines Wegs zu zweifeien, daß Frankreich sich alle Mühe geben werde, die Pforte gegen den hiesigen und russischen Hof in Harnisch zu bringen, worzu kein beßerer französcher Ministre als Yergennes hätte ausgesucht werden können. Es muß sich also um so mehrere bemühet werden, denen Türken alle Gelegenheit zu Beschwerden zu benehmen, welches hauptsächlich von dem russischen Hof zu beobachten sein würde. Geschiehet dieses, so ist mit vieler Wahrscheinlichkeit zu hoffen, daß der jetzige Großsultan keinen ungerechten Krieg anfangen und I. M. freie Hände lassen werde, ihre Kriegesmacht anderwärts anzuwenden. 18 vo Die meiste vorerwähnte Anmerkungen sind auf den Fall gerichtet, wann es zum Krieg kommen sollte; und alsdann stehet auch nicht zu zweifeien, daß Engeland mit Eifer zu Werk gehen und von gelbsten bedacht sein werde, alle diensame Verteidigungs-Mittel zu ergreifen. Nachdem aber der künftige Erfolg nicht sicher vorzusehen stehet und. die Erfahrung allschon gelehret hat, daß die eigene Alliirte annoch mit der Sprache zuruckhalten, nur wegen der Hülf- Leistung anfragen, aber selbsten nichts von deme, was ihres Orts zu verfügen seie, erwähnen, anbei auch nicht ungern sehen, wann der hiesige Hof den hauptsächlichsten Gegenstand der französchen Jalousie abgiebet und wenigstens die Gehäßigkeit mit den See-Mächten teilet, so scheinet die Vorsicht und der a. h. Dienst zu erforderen, daß nicht zu viel, noch zu wenig geschehe. 19 n0 Es wäre also fordersamst dem englischen Ministerio und dem Freiherrn von Münchhausen zu antworten, daß I. M. allerdings die Tractaten erfüllen, bei entstehendem Krieg alle Ihre Kräften zum Besten der gemeinsamen Sache verwenden wollten, auch solches zum voraus zu erklären kein Bedenken trügen; Sie verseheten sich aber gänzlich, daß von Engeland und Hannover eine gleiche Erklärung und eine nähere bundsmäßige Öffnung erfolgen würde, was sie ihres Orts zur gemeinsamen Verteidigung beitragen wollten. In so lang dieses nicht geschehe, so seie auch ganz natürlich, daß man sich von hier aus über die Art und Weiß noch nicht äußeren könne, maßen die hiesige Operationen nach jenen der Alliirten ausgemeßen sein müßten. 20 mo Indeßen hielte man vor das nötigste, daß ohne mindesten Zeitverlust die Convention mit Rußland zustand gebracht, die Subsidien-Tractaten mit Sachsen und Baiern erneueret und sowohl von dem letzteren Hof als von Hessen-Kassel, Darmstadt, Würzburg ein Corps Trouppen in marschfertigen Stand gesetzet würde, damit dem eindringenden Feind gleich allen Anfangs einiger Wiederstand geleistet und ihm die Gelegenheit benommen werden könnte, die nämliche Trouppen gegen die gemeinsame Sache zu gebrauchen. 21 mo Hierinnen bestehet alles, was man vor dermahlen denen Engeländern raten kann; zugleich wäre sich vielleicht bei ihnen Rats zu erhohlen, ob nicht der Republic Holland von I. M. anzusinnen seie, daß sie vermög Barriere-Tractats bei nunmehr anscheinendem Krieg ihre Trouppen in den Niederlanden um ein 512 Drittel vermehre und auf den Fall des Kriegs in weiteren Defensionsstand setze? Wobei zwar vorzusehen stehet, daß die Kepublic sich der noch unentschiedenen Barriere Strittigkeiten bedienen werde, um eine scheinbare Ausflucht zu finden. Allein diese fallet bei denen dießeitigen letzteren Anerbieten und bei instehender Gefahr des völligen Untergangs von selbsten hinweg; und Engelland könnte sich unseres Ansinnens bedienen, um die Republic mit einzuflechten. 22 do Sodann wäre dem englischen Ministerio durch Herrn Grafen Colloredo zu Gemüt zu führen, daß es dermahlen die beste Gelegenheit hätte, ein solides Concert nicht nur vor die Kriegs- sondern auch vor die Friedenszeiten zum Grund zu legen und ohne die mindeste Verantwortlichkeit der Nation Einwilligung zu erhalten, da die Notwendigkeit einem jeden in die Augen falle. Werde aber diese Gelegenheit verabsäumet, so seie es ein offenbares Kennzeichen, daß von Engeland nichts heilsames zu hoffen seie und seine Alliirte sich darnach richten müßten. 23 tio Sollte es von einem specialen Operationsplan die Frage sein, so sind drei Wege zu erwägen, so Frankreich einschlagen kann, nämlichen l m0 die Niederlande allein gleich mit einer überlegenen Armee anzufallen, 2 do oder eine Armee nach Westphalen abzuschicken und mit Hilfe des Königs in Preußen Hannover auf zwei Seiten zu attaquieren, oder 3 ti0 beides zugleich vorzunehmen. * 24 t0 In allen Fällen wäre sonder Zweifel das beste, wann in den Niederlanden eine solche Armee noch zu rechter Zeit zusammen gebracht werden könnte, so wenigstens vermögend wäre, dem Feind einigen Einhalt zu tun und denen Alliirten Zeit gewinnen zu machen. Nur allein in Luxenburg wären 6000 bis 7000 Mann kais. königl. Trouppen zu verlegen und alle übrige, mithin ein Corps von ohngefähr 16.000 Mann in das Feld zu stellen. Wann nun hierzu 8000 bis 12.000 Holländer stoßeten, Engeland sogleich ein Corps von 8000 bis 10.000 Mann über Meer schickte und 6000 Hessen, wie auch eben so viel Bayern sich ohngesaumt in den Marsch setzeten, so wäre einigermaßen Rat geschafft und der allzugeschwinde Fortgang der feindlichen Waffen aufgehalten; da diese Armee nach Erfordernuß der Umständen sich hinter Mastricli setzen, denen nach Westphalen marchirenden Franzosen entweder den Rucken unsicher machen oder bevorkommen und durch 24.000 Hannoveraner verstärkt werden, mithin sich im Stand befinden könnte, wenigstens in Deutschland die Communication offen zu erhalten, Hannover sicher zu stellen und den König in Preußen zu Teilung seiner Macht zu vermögen. 25 t0 Sollten aber die Franzosen, wie es allem Vermuten nach ohnfelilbar geschehen wird, nicht so viele Zeit laßen, in den Niederlanden so viele Trouppen zusammen zu bringen, daß sie sich im Feld zeigen können, so bliebe nichts anderes übrig als alle kais. kön. Trouppen aus den Niederlanden zu ziehen, höchstens nur Luxenburg mit 6000 Mann besetzt zu lassen und sich dergestalt zu postiren, daß dieses Corps zu den Hannoveranern stossen und solchergestalt wenigstens an einem Ort den Feind abhalten, auch sich immer mehrers verstärken könnte. 26 t0 In diesem Fall schiene auch vor die gemeinsame Sache beßer zu sein, wann Engeland, wie auch die Republic, ihre Trouppen als ein Corps de reserve und zu ihrer eigenen Bedeckung in dem Land behielten und desto mehr auf Auxiliar-Trouppen und Subsidien verwendeten. Wie dann vor das Geld, so der Unterhalt der englischen kostet, noch einmahl so viel andere Völker auf den Beinen gehalten werden könnten. 513 Diesemnächst würde alles darauf ankommen, daß Preußen bald möglichst übern Haufen geworfen und E. M. Luft verschafft würde, denen Alliirten mit Nachdruck beizustehen. 27 mo Von diesen wären auch gleich zu Anfang des Kriegs keine Subsidien zu begehren, sondern um so eiferiger in sie zu dringen, daß sie so viele Trouppen als möglicherdingen aufzubringen seind, in ihren Sold nehmen-, in denen künftigen Zeiten aber müßte man sich nach den Umständen richten und die hiesige Begehren darnach ausmessen. 28 vo Was in dem Fall, wann es zum wirklichen Krieg kommen sollte und auch vorher zu verfügen, damit die kais. königl. Trouppen in allen Kriegs-Er- fordernußen versehen, noch zu rechter Zeit zusammen gezogen und die erforderliche Geldmittel aufgebracht werden, alles dieses wäre mit denen Hofstellen auf das reiflichste zu beratschlagen-, bis dahin also die nähere Öffnung ausgestellt verbleibet. Wien den 28. Martii 1755.“ (Nr. 17 ad Vortrag vom 4. April 1755. Staatsarchiv.) Im Sinne der gefaßten Konferenzbeschlüsse wurden Starhemberg (1. und 2. April), Herzog Karl von Lothringen (2. April), Prinz Ludwig von Wolffen- biittel (3. April), Colloredo (3. April) und Reischach (3. April) instruiert. (Staatsarchiv.) Das Antwortschreiben Khevenhüllers an Münchhausen ist vom 1. April datiert (Arneth IV, 548, Anm. 466). 256 (234). Mit der Leitung des Unternehmens war Nikolaus Jacquin betraut worden, dem der Kaiser den Hofgärtner Richard van der Schott attachiert hatte. Die Rückkehr erfolgte im Jahre 1759. (Vgl. Karl Friedrich Blöchinger vom Bannholz: Chevalier Jean de Baillou, erster Direktor des k. k. Hof-Natura- lien-Cabinets zu Wien, p. 30.) Im folgenden Jahre verfaßte Jacquin sein erstes Werk, worin er das Ergebnis seiner Reise niederlegte: „Enumeratio systematica plantarum, quas in insulis Caribaeis vicinaque Americ. continente detexit novas, aut jam cognitas emendavit.“ Er schrieb ferner: „Selectarum stirpium america- narum historia“ (1763). (Freundliche Mitteilung des Herrn Hofrates und Intendanten des naturhistorischen Hofmuseums Dr. A. Steindachner.) 257 (235). Vgl. über ihn unter anderem Starzer, Beiträge zur Geschichte der niederösterreichischen Statthalterei, 315 ff. 258 (235). Der Kaufpreis hatte 400.000 Gulden betragen. (Max Haller, Geschichte von Schloßhof, 76.) 259 (240). 1 Liegt nicht bei. Siehe jedoch Wiener Diarium vom 17. Mai 260 (241). / 1755 (Beilage ad Nr. 40). 261 (242). Die Konferenz beriet über folgende Punkte: „1. Ob dem Verlangen der Republik Holland wegen Verlegung 4000 Mann kais. königl. Truppen zur Garnison in Namur sich am End zu fügen, und ob in solchem Fall 2. zugleich die Festung Luxembourg mit der vorhin darzu ausersehenen Besatzung annoch zu versehen und endlichen 3. was sonsten etwa noch bei denen eventualiter ausgemessenen niederländischen Zurüstungen zu erinneren sein möchte.“ W ■ * Das holländische Begehren an sich betreffend — bemerkte Kaunitz — so wäre allerdings betrüblich, auf solche Art von der Republic angegangen zu werden, als welche nach Anleitung deren bekannten Tractaten sich der Verbindlichkeit nicht entschlitten könnte, die ihrer Obsorg anvertraute Barriere-Festung Namur mit ihrer eigenen Kriegsmannschaft alleinig zu vertädigen, und hätte selbige für eine genügsame Gefälligkeit anzusehen, wann nebst denen ihrigen Khevenhüller-Sch litter, 1752—1755. 33 514 annoch kais. kön. Trouppen mit darzu verwendet werden wollten, indeme diese in ernannter Festung-, bei erfolgender Belagerung, einer weit größeren Gefahr ausgesetzet würden, als wann sie in offenen Feld zu stehen kommeten. Allein! nachdem sich in gegenwärtigen Umständen nicht so viel nach dem mehr- oder wenigeren Schaden, als nach der Particular-Anständigkeit des diesseitigen Militär-Weesens, sondern eigentlich nach dem von E. k. M. gefaßten General-Systemate zu richten wäre, vermög welch- letzteren die dermahlen in Niederland vorhandene Trouppen zu deren Defension einmahl gewidmet und anbei zum Grund deren Maßnehmungen festgestellet worden, die in dem inneren deren übrigen kais. kön. Erblanden befindliche Kriegsmacht nicht zu verteilen, sonderen solche auf allen Fall gegen die preußische Nachbarschaft beisammen und in Bereitschaft zu halten, außer diesem aber auch die diesseitige Alliirte keiner- dings hilflos zu lassen; hingegen aber dem jetzt angeführten Principio unmittelbar wiederstrebe, was wegen eines nach denen Niederlanden weiters zu detachirenden Hilfscorpo ä 25.000 bis 30.000 Mann von denen Engelländeren angesonnen worden. So scheinete noch ein Glück zu sein, wann man diesseits durch willfährige Eingestehung deren anverlangten 4000 Mann zur Besatzung in Namur jenem weit beträchtlicheren Antrag ausweichen könnte. Es hätte ohnedem die Erfahrnus aus dem letztem Krieg her genugsam gelernet, daß nicht einmahl ratsam seie, die Defension von Namur denen holländischen Volkeren alleinig zu überlassen, wann man anderster nicht diese Festung einer allzugeschwinden Übergabs-Gefahr aussetzen wollte. Die Haupt-Bewegursach aber bestünde dabei in der Absicht und politischen Notwendigkeit, durch verstandene Bewilligung die Prinzessin-Gouvernantin und die Wohlgesinnte in Holland im Stand zu setzen, die Generalstaaten nach und nach und gleichsam unvermerkt in den zu besorgen stehenden Landkrieg zur Rettung der gemeinen Sach mit hineinzuziehen. Als woran der Cron Engelland von darumben am mehresten gelegen wäre, weilen diese ohne der Republic allianzmäßiger Teilnehmung keine kriegerische Operationes zu Land auch nur vertädigungsweis vornehmen, noch alsdann die Unterdrückung der in denen öffentlichen Angelegenheiten so großen Einfluß habenden holländischen Statthalterschaft verhinderen könnte. E. k. M. haben demnach die vorangeführte erste Beratschlagungsfrage dahin allerweisest zu entscheiden vor gut befunden, daß man über alle sonstige Bedenken hinausgehen und die von der Republic anverlangte 4000 Mann diesseitiger Trouppen zur Besatzung in Namur nicht verweigeren, jedoch folgende Praecau- tiones dabei beobachten und sich ausbedingen solle, und zwar l mo wäre vor allen die holländische Antwort auf eingangs berührten Vorschlag abzuwarten,*) 2 do darauf zu insistiren, daß die Republic sich verbindlich mache, den Abgang dieser 4000 Mann hernachmals von ihren eigenen zustandkommenden Ver- mehrungstrouppen zu ersetzen und diese zu dem diesseitigen Corps stossen zu lassen, 3 t!o daß die Garnison in Namur in nicht mehrere kais. kön. Mannschaft zu bestehen hätte, als die Republic darinnen von denen ihrigen haltet. Dann *) Karl von Lothringen hatte in dieser Angelegenheit au die holländische Regierung geschrieben. 515 4 t0 daß diese kais. kön. Besatzung nicht ehender allda einziehen solle, als bis die Festung mit allen notwendigen Kriegs- und Hefensions-Erfordernussen und . Lebensvorrat hinlänglich versehen, wie auch 5 t0 erfahrne Commendanten und tüchtige Ingenieurs von beeden Seiten darinnen angestellet sein würden, und endlichen 6 to daß sowohl dem englischen Ministerio, als auch insonderheit der Prinzessin-Gouvernantin in Holland von obiger E. k. M. mehr dann bundsmäßiger Willfährigkeit vertrauliche Nachricht beizubringen und dieser letztem zu überlassen seie, davon bei denen General Staaten nach Beschaffenheit deren Umständen den dadurch abgezielten Gebrauch zu machen. Wo im übrigen noch die Erinnerung hinzugefüget wurde, daß mit dem wirklichen Aufbruch der nacher Namur abzugebenden diesseitigen Mannschaft so lang als immer möglich und bis es wirklich zum Krieg und französischen Friedensbruch kommen sollte, zurückgehalten werden könnte. Nach diesem wurde zu dem anderen Beratschlagungspunct wegen Luxembourg geschritten, und zwar durchgehends die Möglichkeit gewunschen, nebst Namur auch diese wichtige Grenzfestung mit einer hinlänglichen Besatzung zu versehen. Dabei aber auch in Rücksicht der dermahligen Beschaffenheit einesteils in unmaßgebigste Vorstellung gebracht und der a. h. Beurteilung anheim gegeben, daß, wann nebst der nunmehro beschlossener Abgab von 4000 Mann nach Namur auch noch die vorhin zur Garnison in Luxembourg bestimmt gewesene Anzahl von Mannschaft von dem Totali deren in Niederlanden befindlichen kais. kön. Troupen abgesönderet werden sollte, durch diesen doppelten Abgang der ins Feld zu stehen kommende an sich geringe Überrest nur allzusehr verminderet und kaum den Namen eines Corps d’armee übrig behalten würde, und daß die Cron Frankreich bei einem etwa erfolgenden Friedensbruch ihre Absicht nicht so viel auf das abseits gelegene Luxembourg, als vielmehr dahin richten dörfte, geraden Wegs und ohne sich vor Luxembourg aufzuhalten, in die Niederlanden einzudringen. Annebens scheine die Festung Luxembourg derinahlen nach der Cession von Lothringen nicht mehr so wichtig als vorhin zu sein, außer daß dadurch in erklärten Reichskriegen die angrenzende Reichslanden bedecket würden. Die Gegenbetrachtungen aber, welche anderenteils vor die Mitbesetzung von Luxembourg nach dem vorhinigen Plan angeführet würden, bestunden darinnen, daß Luxembourg eine Hauptfestung in denen diesseitigen Niederlanden seie und denenselben wie Namur denen holländischen Besitzungen zur Barriere diene-, daß, wann in Namur und Luxembourg zugleich eine auch nur mittelmäßige Besatzung befindlich, dadurch die andringende feindliche Übermacht wenigstens aufgehalten und inmittels, da solche beede Plätz ohne ordentliche Belagerung nicht hinweggenommen werden könnten, denen Holländeren und Engelländeren Zeit verschaffet würde, mehrere Troupen ins Feld zusammen zu bringen und suc- cessive die erforderliche Defensions-Anstalten zu machen, welche Absicht hingegen durch Hinterlaßung einer schwachen Besatzung in gedachtem Luxembourg verfehlet und vielmehr dem Feind die Gelegenheit eingeraumet würde, sich dieser Festung gleichsam ohne Schwertstreich zu bemeisteren; daß auch mit dem übrigen Corps im Feld eine solche Stellung genommen werden könnte, wordurcli die Communication mit Luxembourg offen behalten würde, um allenfalls, wann der Feind dahin sich nicht wenden sollte, einen Teil von der dortigen Garnison an sich zu ziehen. 33 * 516 Diese letztere Betrachtungen haben sodann E. kais. M. zu dem a. h. Ausspruch bewogen, daß zugleich auf eine hinlängliche Besatzung in Luxembourg von 5000 bis 6000 Mann angetragen und die diesfällige Anordnung dem Ermessen des General Gouverneur kön. Hoheit überlassen werden solle. Ad deliberandum 3 t:um , was etwa bei denen niederländischen Anstalten noch sonsten zu erinneren sein möchte, geschähe zuvordrist die vorsichtige Anmerkung, daß zwar an denen natürlich scheinenden Vorbereitungen wieder die androhende Kriegsgefahr nichtes zu vernachlässigen, hingegen aber auch dabei eine solche Abmaß zu nehmen seie, damit nicht dadurch ein allzugroßes Aufsehen bei der französischen Nachbarschaft verursachet, noch eine kriegerische Begierd angedeutet oder die diesseitige Schwäche nur mehrers entdecket werde. Dahero E. k. M. allererleuchtest zu äußeren geruhet, daß es dermahlen noch zur Unzeit wäre, ein Campement in denen Niederlanden zu veranlassen. Dero a. h. Willensmeinung gienge übrigens dahin, daß vor allen auf die Conservation deren in Niederland befindlichen Troupen das Augenmerk zu richten seie. Ferner wäre in Ostende und Nieuport nur kleine Detachements zu hinterlassen, um dem anruckenden Feind die Schlüssel übergeben zu können. Im übrigen hätte es bei dem vorhin entworfenen Defensionsplan sein un- geändertes Bewenden-, jedoch möchten des General-Gouverneur kön. Hoheit auf die Subsidien-Anforderung an Engelland weiter nicht bestehen, hingegen aber auch nicht mehr für nötig halten, sich bei ausbrechendem Krieg bei denen Seemächten anzufragen, wohin sich mit dem im Feld zu stellenden Corps zu wenden seie, sondren darunter nach denen sich ergebenden oder vorfindenden Umständen das tunlich erachtende vorkehren. — — — — — — — — — — (Vortrag des Grafen Kaunitz an Franz I. Wien, 30. Mai 1755. Staatsarchiv.) Im Sinne dieses von Kaiser Franz resolvierten Vortrages erflossen die Handschreiben an den Herzog Karl und das Reskript an Reischach. ln derselben Konferenz wurde dem Kaiser der Vorschlag unterbreitet, daß Graf Zinzendorf bei seiner Rückkehr von Petersburg*) den Weg über Stockholm und Kopenhagen nehmen solle, „um von diesen Höfen nähere Nachrichten einzuziehen“. (Vortrag des Grafen Kaunitz an Kaiser Franz, 31- Mai 1755. Staatsarchiv.) Franz I. erklärte sich damit einverstanden, worauf dem Grafen Zinzendorf folgende „Geheime Erinnerungspunkte“ zugeschickt wurden: V ‘ ' “"* l mo wird Er ohnedem darauf beflissen gewesen sein, zu Petersburg nähere Nachricht einzuziehen, was der Orten von des schwedischen Hofs Gesinnung, Absichten und Parteien geurteilet werde, ob und was der besagte Hof vor einen Einfluß in Schweden beibehalten habe, auch in wie weit man vor tunlich ansehe, sich mit Schweden in eine nähere Einverständnus einzulassen.**) — -- * *) Graf Zinzendorf war im'Pebruar nach Petersburg geschieht worden, dem russischen Hofe den Glückwunsch des Kaiserpaares zur Gehurt des Großfürsten Paul zu überbringen. Seine Sendung hatte aber auch den Zweck, Gewißheit über die Stimmung des russischen Hofes zu erlangen; denn man hegte Verdacht, daß Petersburg nicht mehr wie bisher eine preußisch-feindliche Haltung beobachte. Außerdem herrschte zwischen Esterhazy und Bestuehew kein erquickliches Einvernehmen und der Vizekanzler Wo- ronzow galt für einen Anhänger Preußens. (A. Beer, Zur Geschichte des Jahres 1756. Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung XVII, 122.) **) Hier sei auf Zinzendorfs „Memoire sur la Kussie, sur l’imperatrice Elisabeth, sa cour et son Gouvernement“ verwiesen. (Publicationen aus den k. preußischen Staatsarchiven, 74. Band, S.,678 ff.) 517 Wie sich nun aus Vereinbarung dieser Nachrichten näher ergeben wird, ob in Ansehung des schwedischen Hofs weitere ersprießliche Maßnehmungen eingeschlagen werden könnten, so hat auch der Herr Graf bei sich fügenden Gelegenheiten den Grundsatz bestens gelten zu machen, daß Rußland seinem eigenen Staats-Interesse den größten Schaden zufügen würde, wann dieses Reich auf einen geschwächten und entkräfteten Nachbarn, wie Schweden ist, sein hauptsächliches Augenmerk richten und hingegen nicht erwägen wollte, was es von dem König in Preußen zu gewarten habe, wann dieser die schwedische geringe Macht unterstützet und vorschiebet, anbei aber seine gefährliche Absichten durchzusetzen suchet. Vielmehr müsse darauf gesehen werden, dem König in Preußen die Kräften zu Erreichung seiner Vergrößerungsabsichten zu benehmen, und alsdann wäre auch Schweden außerstand, sich der russischen Obermacht in das Auge zu stellen. 2 do So gegründet nun diese Betrachtungen an sich seind, um so vielmehr verdienen sie bei den dermahligen Umständen in sorgfältige Erwägung gezogen zu werden, da alle Augenblick zu besorgen stehet, daß es zwischen denen fran- zöschen und englischen Flotten zu Tätlichkeiten kommen, alsdann der Prinz sich auf das feste Land ausbreiten und der König in Preußen mit seiner ganzen Macht Uns und Unsere Alliirte feindlich überziehen werde. Bei einem solchen wiedrigen Erfolg könnte keine vernünftigere und ersprießlichere Entschließung von Rußland gefasset werden, als wann dieses Reich mit seinen übrigen Nachbaren^ nehmlichen mit der Pforten und Schweden, in bestem Vernehmen zu leben suchte und freie Hände behielte, seine Kräften einzig und allein gegen den König in Preußen anzuwenden und sich, wie auch seinen Alliirten, für das Künftige Ruhe zu verschaffen. 3 ti0 Hieraus ergiebet sich also der generale Grundsatz} daß Unserer Seits alles dasjenige bestens zu unterstützen und zu beförderen seie, was die vorerwähnte große Absichten zum erwüntschten Ziel führen kann; welches jedoch nicht so weit zu erstrecken ist, daß der Herr Graf sich mit einigen bei dem schwedischen Hof auszurichtenden bedenklichen Commissionen und Äußerungen beladen lassen sollte; zumahlen Rußland einen eigenen Ministre in Stockholm haltet und durch diesen alles diensame vorkehren kann, auch bei anderen Gelegenheiten zu erkennen gegeben hat, daß es kein sonderliches Bedenken trage, seine Alliirte in voreilige Weiterungen miteinzuflechten und sie in Verlegenheit zu setzen; dahero dann auch der Herr Graf dem dortigen Hof seine vorhabende Reise nicht zu verhalten, jedoch zugleich zu bedeuten hat, wie hiebei keine andere Absicht als die Begierde, die nordische Höfe kennen zu lernen, mitunterlaufe. 4 to Damit aber der Herr Graf sich seines kurzen Aufenthalts in Stockholm recht zu nutzen machen könne, so wird Er fordersamst wegen desselben Beschaffenheit von dem kais. kön. Ministro Herrn Grafen von Goes nähere vertraute Nachricht einziehen und insbesondere zu erforschen suchen, in wie weit die französche und preußische Factionen die Oberhand gewonnen haben, ob der König und die Königin annoch eine Abneigung gegen die ernannte zwei Höfe und insbesondere gegen den französchen Botschafter Havrincourt verspüren lassen, oder ob die vor kurzem eingeloffene Nachricht gegründet seie, daß dieser neuerdingen Mittel gefunden habe, das königliche Vertrauen zu erwerben und die Hauptabsicht seines Hofs in vergnügliche Weege einzuleiten. Es bestehet aber solche eigentlich darinnen, den mit Schweden geschlossenen Freundschafts- und Subsidien-Tractat dergestalt zu erneueren, daß auch 518 Preußen mit einbegriffen werde; bishero hat diese Condition vielen Wiedersprucli gefunden, zumahlen der König gegen den französchen und preußischen aufgebracht und mehr geneigt zu sein geschienen, sich auf die russische Seite zu wenden. In wie weit aber dieses Geschäft inmittelst gekommen seie, ist ein Umstand, so in völlige Klarheit gesetzet zu werden verdienet und zur Richtschnur des ferneren Betrags dienen muß. Dann sollte die Cron Schweden sich noch in nichts verbindliches mit Preußen eingelassen haben, so wären allerdings von seiten Rußlands und seiner Alliirten alle tunliche Weege einzuschlagen, um Schweden darvon zuruckzuhalten. 5 t0 Zu Errichtung dieser Absicht könnte der Senateur Höpken den größten Vorschub geben, maßen Wir durch vertraute Canäle in zuverlaßige Erfahrung gebracht haben, daß ernannter Senateur nichts weniger als ein Partisan von Preußen seie und vielmehr dem schwedischen Staatsinteresse gemäß halte, diesen König als einen gefährlichen Nachbarn anzusehen. Sollten nun diese Umstände in Schweden annoch so beschaffen sein, daß vorsichtige Gegenbearbeitungen etwas fruchten können, so bestünde die Hauptabsicht von des Herrn Grafen Reise nach Stockholm darinnen, eine vertraute Unterredung mit Herrn Höpken zu suchen und ihme dasjenige in freundschaftliche Vorstellung zu bringen, was in dem anliegenden Schreiben*) des mehrern enthalten ist, wobei dem vernünftigen Ermessen des Herrn Grafen überlassen wird, dieses Schreiben, so geflissentlich zum Vorzeigen eingerichtet worden, und worinnen fast ein jedes Wort seine besondere Absicht und Bedeutung hat, lesen, jedoch auf keine Weiß eine Abschrift davon nehmen zu lassen; wobei dann wohl zu beobachten sein wird, ob der Inhalt einigen Eindruck verursachet habe, auch in was vor einem Verstand die Antwort hierauf erfolge; maßen solches ein großes Licht geben dürfte, wie sich fernerweit zu betragen und wohin eigentlich sowohl bei dem russischen als englischen Hof anzutragen seie. 6 t0 Es wird aber diese Commission den Herrn Grafen um deswillen aufgetragen, um solcher einen größeren Anschein der Vertraulichkeit zu geben und den Herrn Höpken um so ehender zur Sprache zu vermögen, wann er zum Voraus versichert ist, daß seine Antwort und Äußerungen nicht durch schriftliche Berichte, sondern durch mündlichen Vortrag zur a. h. Wissenschaft gelangen würde; wobei dann noch in Erwägung gezogen worden, daß er sich seithero gegen den kais. königl. Ministre, Herrn Grafen von Goes ziemlich ruckhaltend betragen habe und dahero mehreres Bedenken haben dürfte, sich gegen denselben freimütig zu öffnen, ohne welche Betrachtung der ernannte Herr Graf Goes den bemerkten Auftrag vorzüglich erhalten haben würde. 7 mo Wegen der Zeit des Aufenthalts in Stockholm wird dem Herrn Grafen nichts gemessenes vorgeschrieben, sondern es ist sich hierunter nach denen Umständen und nach der Nutzbarkeit zu richten, so hieraus dem a. h. Dienst Zuwachsen könnte; jedoch scheinen etliche Wochen zureichend zu sein, um den Vorgesetzten Endzweck zu erreichen und demnächst die Reise nach Copenhagen zu beschleunigen. 8 V0 Was nun diesen Hof anbetrifft, so hat derselbe vor kurzem seinen Subsidien-Tractat mit Frankreich erneueret und scheinet der französche Botschafter, M r Ogier, einen großen Credit und Einfluß daselbsten erworben zu haben, zumahlen der Hofmarschall und königliche Favorit, Herr von Molk, sich *) Siehe Beilage. 519 vor die französche Partei sehr genengt bezeuget. Deine ohngeachtet wollen einige glaubhafte Nachrichten versicheren, daß der dähnische Hof sich dem französchen Verlangen, den König in Preußen in den Freundschafts-Tractat cin- zuschließen, keines Weegs zu fügen gedenke, sondern freie Hände behalten wolle, sich nach den künftigen Zeitumständen richten zu können; wie dann des ernannten Hofs hauptsächliches Augenmerk auf das Holsteinische abzielet und sich nicht leicht mit dem König in Preußen einlassen wird, in so lang ihm einige Hoffnung übrig verbleibet, das bekannte Austausch-Project zu seiner Vollkommenheit zu bringen und das Einverständnus mit Rußland auf einen dauerhaften Fuß zu setzen. Wie nun dieses Geschäft den eigentlichen Probierstein der dähnischen Gesinnung abgiebet, als wird auch der Herr Graf alles übrige um so besser beurteilen können, je mehr es Ihm gelingen dürfte, von der eigentlichen Beschaffenheit des erwähnten Geschäfts noch vor Seiner Abreiß von Petersburg vollständige Nachricht einzuziehen. 9 n0 Worum Er sich aber in Copenhagen am meisten zu bewerben hat, ist das Wohlwollen und Vertrauen des dortigen Staats-Secretarii, Herrn von Bernstorf, welcher nach Maaß seines bisherigen Betrags das Lob eines so einsichtigen und erfahrenen, als wohldenkenden Ministri allerdings verdienet und nicht abgeneigt zu sein scheinet, bei sich ergebenden Gelegenheiten solche Maaß- nehmungen anzuraten und einzuschlagen, die sowohl dem dähnischen Hof, als der gemeinsamen Sache vorträglich seie und die Beisorge vor des Königs in Preußen Vergrößerungs-Absichten verminderen könnten. Es hat also der Herr Graf den ernannten dähnischen Minister gelegentlich zu versicheren, daß der hiesige Hof seine Verdienste in voller Maaß erkenne und in seine Gesinnung ein vorzügliches Vertrauen setze, deine annoch dasjenige zu- gefüget werden kann, so die gute Neigung zu bestärken, vermögend sein dörfte. 10 mo Sollte der Herr Graf I. M. den König in Engeland annoch in Hannover vorfinden, so hat Er sich mit Herrn Grafen Carl Coloredo, so nächster Tägen dahin abgehen und mit umständlichen Instructionen versehen sein wird, verträu- lich zu verabreden, in wie weit Er sich auf Befragen I. M. des Königs über die Vorgefundene Umstände und Gesinnung des russischen, schwedischen und dähnischen Hofs ohnbedenklich zu äußeren habe und wie seine Antworten einzurichten seien, damit solche denen diesseitigen Unterhandlungen bei dem englischen Hof gleichförmig sein und ehender zu deren Beförderung als Nachteil gereichen möchten. Schließlichen wird die bereits geschehene Erinnerung wiederholet, daß der Herr Graf seinen bevorstehenden Reisen keines Weegs das Ansehen geheimnußvoller Negociationen, sondern einer blosen Begierde, die nordische Höfe kennen zu lernen, beizulegen habe.“ (Ad Vortrag des Grafen Kaunitz an den Kaiser vom 31. Mai 1755. Staatsarchiv.) Beilage. . . . Wir zweifeien anbei keines Weegs — so heißt es in diesem Schriftstück (Konzept einer Weisung an Zinzendort vom 31. Mai 1755) — daß die vernünftige und durch keine Nebenabsichten verblendete Schweden gänzlich überzeugt sein werden, mit wie vieler Aufrichtigkeit und Eifer sich der hiesige Hof bemühet habe, die vor etlichen Jahren entstandene nordische Unruhen auf eine 520 der schwedischen Anständigkeit gemäße Art in die Weege der gütlichen Auskunft einzuleiten. Wir haben den Erfolg mit vielem Vergnügen angesehen und nur dabei bedaueret, daß der hiesige schwedische Ministre, Herr Graf von Barck, deme es sonsten gewißlich nicht an Einsicht und Geschicklichkeit fehlet, neben das Ziel geschossen und von Unserer wahren Gesinnung und Absicht ein ganz unstatthaftes Urteil gefallet hat; wie Wir dann hieran wegen verschiedener Äußerungen gegen seine Freunde, die durch die dritte Hand zu Unserer Wissenschaft gelanget seind, nicht wohl zweifeien und dahero auch nicht anderst vermuten können, als daß er seinem Hof einen unrichtigen Begriff von der hiesigen Gesinnung beizubringen beflissen gewesen und ohngeachtet seines äußerlichen Be- zeugens annoch beflissen seie. Es kann uns aber solches um so weniger befremdlich fallen, da er denen Principiis, so gewisse fremde Ministri führen, vollkommen beipflichtet und hingegen die vorerwähnte Betrachtungen gänzlich außer Augen setzet, mithin ein besseres Vernehmen zwischen dem hiesigen und schwedischen Hof vielmehr zu verhinderen als zu beförderen suchet. Um eine kleine Probe seiner Abneigung zu geben, so will E. Hoch- und Wohlgeborn nicht verhalten, daß der schwedische Ministre in Constantinopel, Herr Celsing, sich gegen unseren dortigen Internuntium, Freiherrn von Penckler, über den Aufenthalt seiner Briefe sehr beschweret und um Abstellung dieses unfreundlichen Betrags angesuchet hat; so bald ich nun hiervon verständiget und überzeuget worden, daß desfalls kein Versehen bei unseren Postämtern unterlaufe, so habe ich unter der Hand die Täge der an Herrn Grafen Barck einlaufender und von ihm abgehender Briefen anmerken lassen und aus Gegeneinanderhaltung der Zeiten befunden, daß er seine Briefe entweder antidatiret oder geflissentlich um verschiedene Täge später auf die Post geschicket haben müsse, vermutlich in der Absicht, um neuen Verdacht gegen den hiesigen Hof zu erwecken. Mehrere andere Anzeigen seiner wiedrigen Gesinnung übergehe ich mit Stillschweigen, da E. H. und W. ohnedem schon bekannt ist, welchen Ministris er sein vollkommenes Vertrauen gewidmet habe. Je leichter sich nun ein Hof durch seiner auswärtigen Ministres gekünstelte Berichte irre machen lassen kann, um so größeren Eindruck hat bei mir verursachet, daß dannoch der schwedische Hof klar siehet und uns noch vor kurzem eine angenehme Probe seiner freundschaftlichen Rücksicht gegeben hat; maßen mir von Herrn Grafen Barck auf ausdrücklichen Befehl seines Hofs in Vertrauen hinterbracht worden, daß zufolg sicherer Nachrichten die Pforte vor dermahlen friedfertige Absichten gegen uns führe und nicht leicht vor Jahr und Tag zu den Waffen greifen, auch wann ein Friedensbruch erfolgte, solcher nicht uns, sondern Rußland am ersten betreffen dürfte, welcher Nachricht die Versicherung beigefüget war, daß es dem schwedischen Hof sonders angenehm sein würde, wann er zum Vergnügen des hiesigen etwas bei der Pforten beitragen könne. Ob ich nun zwar nach dem äußerlichen Betrag auf die Vermutung verfallen bin, daß Herr Graf Barck diese Commission nicht mit seiner innerlichen Zufriedenheit, auch nicht so vollkommen als wie sie ihm aufgetragen gewesen sein dörfte,*) ausgerichtet habe, so erkennet man doch hierorts in *) „Weilen diese (gesperrten) Worte das Secretum verraten dörften — lautet die Randbemerkung — s0 tonnen sie ausgelassen werden.“ „dis ist höchst nötbig auszulassen“ resolvierte Maria Theresia eigenhändig. 521 voller Maaß, was seinem Hof desfalls für ein Dank gebühre, was ein solcher Schritt eigentlich sagen wolle, und daß die geschehene Öffnung, ohngeachtet sie nichts Verfängliches enthaltet, dannoch unserer Seits auf das sorgfältigste geheim gehalten werden müsse, welches auch ohnfehlbar geschehen wird. Wir wollen aber dem schwedischen an wahrer Freundschaft und Vertrauen nichts schuldig verbleiben und ich habe dahero auf I. M. ausdrücklichen a. g. Befehl E. H. und W. hiermit gemessen aufzutragen, daß dieselbe bei dero Ankunft in Stockholm die Gelegenheit suchen sollen, mit dem Herrn Senateur Höpken, welchen wir unter die erste schwedische Staatsmänner zählen, in vertraute Unterredung zu geraten und ihn zu versicheren, ,wie I. M. die vorerwähnte Öffnung des Herrn Grafen Barck als ein gesichertes Merkmal der schwedischen Freundschaft mit lebhafter Dankbegierde aufgenommen hätten; um nun solches in gleicher Maaß zu erwiederen, so wollten I. M. dem schwedischen Hof vertraulich nicht verhalten, daß zwar a. h. dieselbe wegen ihres eigenen Staats- Interesse die gütliche Beilegung der americanischen Strittigkeiten und die Aufrechthaltung des Ruhestands in Europa sehnlichst wünscheten und hierzu, wie bishero geschehen, fernerhin alles mögliche beitragen würden; sollte aber gegen besseres Vermuten ein allgemeines Kriegsfeuer ausbrechen, so könnten geheime gute Freunde einander auf verschiedenerlei Art sehr vieles nutzen; zumahlen wann die Cron Schweden in die Erweiterung ihrer Verbindnussen, so ihrem wahren Staatsinteresse zuwiederlaufen dürften, nicht vor der Zeit einwilligte, sondern den Ausschlag des ersten Sturms in Ruhe und Sicherheit abwarten und sich demnächst nach Beschaffenheit der Umständen gelten machen, auch die Pforte in Ruhe erhalten helfen wollte*. Diese Äußerung können E. II. und W. zu Veranlaßung eines reifen Nachdenkens mehrmahlen wiederholen, auch allenfalls dem Herrn Hoepken, sonsten aber keinem Menschen, lesen lassen; und wird uns die hierauf erfolgende Antwort näher zu erkennen geben, was für das Künftige weiters zu verfügen sein dürfte. (Staatsarchiv.) 262 (245). Belehnung Karl Emanuels als Herzogs von Savoyen (R. R. B. Franz I., Band XX, 955 ff. Staatsarchiv.) 263 (246). Vgl. Arneth IV, 376 ff. Ad. Beer, Die österreichische Politik in den Jahren 1755 und 1756 (Sybels Historische Zeitschrift XXVII, 295 ff. und 302 ff.). Der Vortrag, den Kaunitz am 17. Juni 1755 über die am'12. und 15. desselben Monats abgehaltenen Konferenzen erstattete, lautet wie folgt: „Wie E. M. ohnehin in a. g. Andenken ruhet, so hat das englische Ministerium von dem Papier, so Graf Carl Colloredo nicht ministerialiter, sondern als wohlmeinende Gedanken im Vertrauen mitgeteilet hat . . . die Gelegenheit genommen, das . . . beiliegende Papier en reponse au papier du comte de Colloredo,*) jedoch sine die et consule durch den Keith übergeben und darinnen unter anderen ansinnen lassen, daß ohnverzliglich ein Corps von 25.000 bis 30.000 Mann k. k. Trouppen nach denen Niederlanden abgeschicket werden möchte. Hierauf ist dem ernannten englischen Ministre auf E. M. a. g. Befehl die mündliche Antwort erteilet worden, daß diesem Begehren nach Beschaffenheit der vorliegenden Umständen nicht willfahret werden könne; statt dessen aber haben *) Siehe Beilage A. 522 E. M. in das Verlangen der Seemächten einzuwilligen geruhet, die holländische Garnison in Namur mit 4000 Mann k. k. Trouppen verstärken zu lassen.*) Allein in voriger Woche hat Keith einen abermahligen Courier aus Hannover erhalten und dem Hof- und Staatskanzlern den 7. d. ein umständliches Schreiben des Lords Holdernesse vorgelesen, welches unter verschiedenen empfindlichen Vorwürfen und Bedrohungen neuerdingen auf die Abschickung eines Corps von 25.000 bis 30.000 Mann sehr eiferig andringet; und da Keith hiervon eine Abschrift hinauszugeben verweigeret hat, so ist der wesentlichste Inhalt dieses Schreibens von dem Hof- und Staatskanzlern angemerket und in dem . . , a. u. angefügten Precis vorstellig gemacht worden.**) Dieses Precis wäre der Gegenstand der Conferenzial-Berathschlagung, so den 12. d. in E. kais. M. wie auch der Kaiserin-Königin M. a. h. Gegenwart, dann in Beisein derer Grafen von Ulfeld, Colloredo, Kevenhüller, Batthyany und Kaunitz-Eittberg abgehalten und hiebei fordersamst angemerket worden, daß vor allen Dingen das englische Begehren an sich, von der Art, wie solches geschehen, wol zu unterscheiden seie. So viel nun die Sache selbsten betreffe, so entstünden aus derselben die drei Hauptfragen, ob l mo das englische Verlangen ratsam und dem a. h. Dienst gemäß? 2 do ob und in wie weit solches möglich? und 3 tio was für vorsichtige Veranstaltungen zu gebrauchen seien, wann die zwei erstere Fragen affirmative entschieden würden? Es wurde also in Ansehung der ersten Frage fordersamst in a. u. Vorstellung gebracht, daß die Wichtigkeit der Sachen'und die zu besorgen stehende große Folgen allerdings zu erforderen schienen, die hauptsächlichste Bewegungsgründe, so bei der Bewilligung des englischen Ansinnens oder bei einer abschlägigen Antwort vorwalteten, zu E. M. eigenen erleuchtesten Beurteil- und Abwägung a. u. vorzulegen; wie dann die Bedenken, so die Abschickung eines Corps zu mißraten schienen, unter anderen darinnen bestünden: l mo seie aller Aufmerksamkeit würdig, daß die americanische Strittigkeiten das durchl. Erzhaus im geringsten nicht betreffeten und dahero sehr bedenklich fallen müsse, sich gegen Frankreich öffentlich und fast am ersten an Laden zu legen, alle Gehässigkeit auf sich zu ziehen, diese Cron andurch zu feindseligen Unternehmungen um so mehrers anzureizen und den Ausbruch des Kriegs zu beförderen. Die Absendung eines Corps nach den Niederlanden würde dahero bei allen Mächten ein großes Aufsehen verursachen und bei Frankreich, so zu sagen, das Signale zum Krieg und den Tocsin abgeben, um sich in eilfertige Verfaßung zu setzen und noch ehender von denen Niederlanden zu bemeisteren, als das hiesige Corps Trouppen seinen weiten Marsch zurucklegen und zu einiger Kettung dienen könne. 2 d0 Seie um so bedenklicher, sich zum Vorteil der Seemächten einiger Gefahr auszusetzen, da diese in so schlechter Verfaßung stünden, auch überhaupt das durchl. Erzhaus so wenige wesentliche Hilfe von ihrer Allianz zu gewarten hätte und sich bei genauerer Erwägung aller Umständen das traurigste Perspective der künftigen Zeiten vor die Augen stelle, auch über das alle Nachrichten bestärketen, daß Frankreich noch gar keine Veranstaltungen zum Landkrieg vor- *) Vgl. Anhang 261, S. 513 ff. **) Siehe Beilage B. • 523 gekehret, ja sogar bis diese Stunde keine nähere Abrede und Verbindung mit dem König in Preußen und anderen teutschen Höfen gepflogen habe, ohngeachtet der ernannte König eiterigst beflissen gewesen, die besagte Cron hierzu anzufrischen und die Sachen immer mehrers zu verwirren. Sollte nun die französche Hoffnung, daß E. M. Dero Kriegsmacht nicht teilen, sondern benötigten Falls zu Verteidigung der hiesigen Landen gebrauchen würden, vor dermahlen fehlschlagen und sich ein nahmhaftes Corps in den Marsch nach den Niederlanden setzen, so würde Frankreich auf einmahl in Bewegung geraten und der König in Preußen seinen längst erwünschten Endzweck durch die hiesige Maßnehmungen erreichen. 3 t!o Hätten der Kaiserin Königin M. wirklich den Fuß von 25.000 Mann, mithin so viele Trouppen in den Niederlanden als der Barriere-Tractat nicht nur zu Friedenszeiten, sondern auch bei anscheinender Kriegsgefahr erfordere. Ob sich nun zwar bei diesen Trouppen, so nach dem effectiven Stand nur etwas über 20.000 Mann ausmachen, ein merklicher Abgang ereigene und hierunter nebst denen nach Namur zu verlegenden 4000 Mann die Garnison von Luxemburg gerechnet werde, folglichen kaum 10.000 Mann in das Feld gestellet werden könnten, so seie es doch möglich, den Abgang noch in Zeiten durch Werbungen zu ersetzen, ohne daß es nötig w~äre, ganze Regimenter dahin abzuschicken. Nachdem auch Luxemburg sonder Zweifel zu den Niederlanden gehöret und in keinem Tractat ausgedrucket seie, daß die dortige Garnison von der k. k. Trouppen-Quota abgerechnet werden müsse, so falle desfalls aller Anstand und Einwurf von Selbsten hinweg und könne denen Seemächten keineswegs einige Neuerung desfalls eingestanden werden. 4 t0 Seien die englische Zumutungen um so unfreundlicher, da die Republic Holland nicht nur die, zufolg Barriere-Tractats bei anscheinenden Krieg zu stellende 16.000 Mann noch nicht nach den Niederlanden abgeschicket, sondern so gar den größten Teil ihrer dasiger Trouppen zuruckgezogen habe, ohne einmahl dem niederländischen Gouvernement, wie doch bei jeder Abänderung der Garnisonen nach Verordnung der Tractaten geschehen sollte, einige Nachricht davon zu geben. 5 t0 Eben so wenig seie Engelland dermahlen im Stande, dem durch 1. Erzhaus seine bundsmäßige Hilfe zu leisten, welches um so bedenklicher falle, da von Seiten E. M. die obschwebende Gefahr schon längstens vorgesagt und auf werktätige Maßnehmungen auf das lebhafteste gedrungen worden. Allein alles dieses hätte wenig oder nichts gefruchtet und dermahlen seie Engeland, wann es auch noch so vieles Geld verwenden wollte, nicht im Stande, noch zu rechter Zeit eine hinlängliche Trouppen Anzahl in den 'Niederlanden auf die Bein zu bringen. 6 t0 Seiter die verdrießliche Barriere Strittigkeiten obgeschwebet, hätten die Seemächten ohne Bedenken auf die Verminderung der k. k. Trouppen in den Niederlanden angetragen und sich des Vorwurfs bedienet, daß sie die besagte Lande verteidigen müßten und der Kaiserin Königin M. solche vor der franzö- schen Übermacht nicht retten könnten*, allein nunmehro änderten sie auf einmahl die geführte Sprache und wollten dem durch 1. Erzhaus die Last der Verteidigung größten Teils aufbürden, auch die Abschickung eines nahmhaften Corps zumuten, ehe sie Selbsten die geringste werktätige Maßnehmungen vor- gekehret hätten. 7 rao Besonders aber müßte der Umstand außerordentlich in die Augen fallen, daß so wenig in dem von Keith übergebenen Papier, als im letzteren 524 Iloldernessischen Schreiben von den englischen und hannoverischen Trouppen mit einem Wort Erwähnung geschehen und doch zugemutet werde, nicht nur 25.000 Mann nach den Niederlanden, sondern noch über das eine ergiebige Trouppen Anzahl nach Hannover, wann dieses Land feindlich angegriffen würde, ohnverzüglich abzuschicken und zu gleicher Zeit eine Diversion gegen den König in Preußen zu unternehmen, gleichsam als ob der Kaiserin Königin M. allein zu allem Rat schaffen könnten und solches zu tun schuldig wären. 8 V0 Nebst deine seien die so hoch erhobene Subsidien Tractaten mit Rußland, Sachsen, Bayeren und Hessen-Cassel noch nicht geschlossen, sondern sollen erst noch zu Stand gebracht werden. Gleichwie aber ein großer Unterschied unter einem erst zu schließenden und schon geschlossenen Tractat vorwalte, so seie auch nichts weniger als ganz richtig, daß der russische Hof sich des Williams Propositionen sogleich fügen und zu einer Zeit, da Engeland sich in Verlegenheit befindet, den Bogen nicht höher spannen werde-, wie dann selbsten das von dem Keith eingereichte Papier den Schluß noch in einigen Zweifel ziehet; der hiesige Hof aber solle alles, was Engeland erst tun will, als geschehene und richtige Sachen ansehen und sogleich nach dem anderseitigen Befehl und Gutbefinden seine Kriegsmacht verteilen und anwenden. 9 no Verdieneten die große Unkosten, so die Abschickung eines Corps nach den Niederlanden verursachen würde, um so mehrere Rücksicht, je größere Ausgaben dem a. h. Aerario durch die nötige Kriegsveranstaltungen zur Last fallen und je schwerer die Mittel zu erfinden sein dürften, zu denen dringlichsten Erfordernussen einigermaßen Rat zu schaffen; wobei ferners zu bedenken seie, daß, wann ein Corps von 25.000 Mann, so mit seiner Verpflegung in den hiesigen Landen angewiesen ist, sich außer Landes begebe, auch das hiesige Geld nicht im Land verbleibe, noch circuliren könne, folglichen das Contributional-Systema darunter leiden müßte und um so ehender ins Stocken geraten dörfte. 10 mo Sodann seie es eine bekannte Sache, daß die Trouppen in den Niederlanden teuerer als anderwärts leben müssen, übel stehen und dahero an Desertion ungemein viel leiden würden. Wann man also alles das Geld und den Schaden genau berechne, so die Abschickung eines Corps ohnfehlbar nach sich ziehen würde, so könnte davor die Completirung der dortigen Regimenter und allenfalls die Errichtung einiger neuer Corps bestritten werden. ll rao Über alles dieses müsse E. M. und des durchl. Erzhauses a. h. Würde und Ansehen in vorzügliche Erwägung gezogen und nicht außer Augen gesetzet werden, daß diese verletzet und in der Welt Augen verminderet würden, wann man sich dem imperiosen englischen Begehren sogleich fügen und durch die Bedrohungen erschrocken lassen wollte. Dieses würde die Seemächten in ihrem ohne dies schon ohnerträglichen Betrag immer mehrers stärken und anfrischen, von einem Begehren auf das andere zu verfallen und solche durch unanständige Bedrohungen durchzusetzen, welches nicht anderst als zur Verkleinerung gereichen und andere Mächten zu einem gleichen Betrag anreizen könne. 12 m0 Nicht weniger seie in reife Erwägung zu ziehen, daß, wann man eine geringe Anzahl nach den Niederlanden abschicken wollte, solches die Gefahr vergrößere und die dortige Lande nicht retten könne; würde aber ein nahm- haftes Corps dahin abgesendet, so schwäche man das Herz der Monarchie und setze diejenige Lande in die größte Gefahr, auf deren Verteidigung am meisten zuruckzusehen seie; maßen der König in Preußen in gar kurzer Zeit eine mit allem wohl versehene Armee von 80 und mehr tausend Mann zusammen ziehen, 525 hiermit die teutsche Erblande überfallen und ihnen einen tödtlichen Streich bei- bringen könne. Je weniger auch an der aus den geheimen Nachrichten sich ergebenden Vermutung, daß der künftige Krieg zwar kurz, aber sehr heftig sein werde, zu zweifeien stehe, um so mehr erfordere die menschliche Vorsicht, die Verteidigungsmittel in denen teutschen Erblanden nicht zu schwächen, sondern dem König in Preußen als dem gefährlichsten Feind die ganze Macht entgegen zu setzen. 13 tio Seie bereits in der vorletzteren Conferenz dieser Grundsatz in reife Erwägung gezogen und von E. M. a. g. begnehmet und festgestellet worden. Nachdem nun solcher mit der Wohlfahrt der ganzen Monarchie auf das genaueste verknüpfet seie, so würde ein offenbarer Wiederspruch daraus erwachsen, wann man sich durch die englische Heftigkeiten und Bedrohungen irre machen lassen und von einem Tag zum anderen von den bereits beliebten Grundsätzen abweichen, folglichen das scheinbare dem wesentlichen vorziehen wollte. 14 to Alles dieses lasse sich in das Dilemma zusammenfassen, daß entweder ein allgemeiner Krieg ausbrechen, oder aber eine gütliche Einverständnuß zwischen Frankreich und Engeland annoch erfolgen werde? In dem letzteren Fall wären die auf die Abschickung eines Corps verwendete Unkosten und die Gehässigkeit, so sich E. M. bei Frankreich zuziehen würden, ganz vergeblich veranlasset und die Seemächten würden um deswillen sich nicht billiger erfinden lassen, noch E. M. vor die bezeugte große Willfährigkeit einigen Dank wissen; sollte sich aber ein allgemeines Kriegsfeuer entzünden, so könnte Engeland seine Bedrohungen ohnmöglich in das Werk setzen, sondern müßte E. M. kräftige Mitwirkung zu erhalten suchen, wann gleich vor dermahlen gar keine Trouppen nach denen Niederlanden abgeschicket würden. Vielmehr sehete sich Engeland in dem letzteren Fall genötiget, seine äußerste Kräften anzuspannen und sich anderwärts desto eiteriger um mehrere Trouppen und Hilfe zu bewerben, oder aber auf die Erhaltung des Friedens noch in Zeiten fürzudenken. Das letztere seie ohnedem das erwiinschlichste und dahero durch alle tunliche Mittel ehender zu beförderen als zu hintertreiben, und je mehrere Subsidien-Tractaten Engelland anderwärts errichten müßte, um so mehr werde die gemeinsame Sache an- durch verstärket und die Gefahr verminderet. Diese sind nun die wichtigste Betrachtungen, so gegen die Abschickung eines Corps in a. u. Vorstellung gebracht worden. Es wurden aber auch zugleich diejenige Bewegursachen der a. h. Beurteilung vorgeleget, so die Erteilung einer willfährigen Antwort anzuraten scheinen, und zwar 1° seie dermahlen nicht die Frage, ob die americanische Strittigkeiten E. M. im geringsten betreffen, oder ob zu raten stunde, sich in dieselbe mit einzumischen, sondern es müsse für dermahlen in Erwägung gezogen werden, daß der Krieg zufolg denen letzteren englischen Nachrichten unvermeidlich seie und solcher nicht von der a. h. Auswahl abhange, sondern Frankreich auch ohne alle weitere Veranlaßung die Niederlande feindlich überziehen, folglichen E. M. nötigen werde, an den Krieg auch wieder Willen teil zu nehmen. Bei solchen wiedrigen Umständen seie es nicht mehr an der Zeit, auf das Aufsehen und auf den fran- zöschen Unwillen, sondern auf die Verteidigungs Mittelen, folglichen auf das wesentliche zuruckzusehen. 2 d0 Könne weder der ernannten Cron, noch sonsten einer Macht bedenklich fallen, daß der Kaiserin Königin M. Ihre eigene Lande in einigen Defen- sions-Stand zu setzen und Ihren mit den Seemächten eingegangenen Verbindlich- 526 keiten ein Genügen zu leisten beflissen seien, zumahlen alle behörige Mäßigung bereits erschöpfet und der französche Hof wegen seiner Absichten auf die Niederlanden durch den Grafen Starhemberg freundschaftlich befraget worden; nachdem aber derselbe nicht vor gut befunden hat, E. M. auch nur durch bloße Versicherungen desfalls zu beruhigen, so vermehret eine solche zweideutige Antwort die Beisorge, daß Frankreich ohne alle erhebliche Ursach und wann gleich diesseits nicht die mindeste Defensions-Anstalt vorgekehret würde, die Niederlande feindlich zu überziehen gedenke. 3 t: ° Hieraus lasse sich nun die schlüssige Folge ziehen, daß, wann Frankreich keine wiedrige Absichten im Schilde führe, diese Cron wegen eines nach den Niederlanden abgehenden mäßigen Corps ihre Gesinnung keinesweegs und um so weniger abänderen werde, da hieraus keine offensive, sondern bloße defensive Veranstaltungen hervorscheinen und ohnedem keiner Macht verarget werden könne, wann sie zu Verteidigung ihrer eigenen Landen einige Trouppen in Marsch setzet und sich auf alle Fälle gefaßt haltet. Sollte aber Frankreich einen feindlichen Angriff zur See abwarten, um nachhero mit desto größerem Nachdruck und Geschwindigkeit dem Krieg auf dem festen Lande den Anfang zu machen, so wäre um so vorsichtiger gehandlet, wann sich bei Zeiten in einigen Wehrstand gesetzet und hiermit nicht bis auf die letzte Stunde zugewartet würde, zumahlen die französche Trouppen sich großenteils an den niederländischen Gränzen befinden, hingegen die von hieraus abzuschickende einen Marsch von mehr als 6 Wochen zu verrichten hätten. 4 to Ob nun zwar die Seemächten alle diesseitige, noch so nachdrückliche Vorstellungen außer Augen gesetzet, sich in einer schlechten Verfaßung befinden und vor künftigen Zeiten keine sonderliche Hilfe von ihnen angehoffet werden könne, so müsse man doch dermahlen die Sachen nehmen, wie sie seind, und nicht, wie sie sein sollten. Ohne Alliirte könnten E. M. ohnedem so vielen mächtigen Feinden keinen behörigen Wiederstand leisten. Die Seemächten seien nach dem jetzigen Systemate die einzige natürliche Bundsgenossen-, und so lang dieses Systema fürdauret, so würde der größte Schaden auf E. M. und Dero Lande zu- ruckfallen, wann die einzige Bundsgenossen über den Haufen geworfen werden, die Feinde den Meister spielen, zu einer noch größeren Macht gelangen und sich andurch den Weeg erleichteren sollten, das durchl. Erzhaus schwächen und völlig unterdrücken zu können. Es seie also vor dermahlen von solchen Maßnehmungen die Frage, so mit der Eigenschaft der vorliegenden Umständen und Verbindungen Übereinkommen, und von welchen der Verfall oder die Aufrechthaltung der ganzen Allianz abhange. 5 to Daß aber Frankreich seithero keine Kriegsveranstaltungen vorgekehret, noch sich mit dem König in Preußen enger verbunden habe, dürfte größten Teils des dortigen Hofs Intriguen, der Neigung zum Frieden und der eigenen Stärke beizumessen sein, da diese Cron keinen feindlichen Anfall auf der Landseite zu besorgen, mithin auch nicht nötig hatte, sich vor der Zeit in Bewegung zu setzen und den ernannten König mit in das Spiel zu ziehen. Allein alles dieses könne alle Augenblick erfolgen und würde alsdann ohnfehlbar geschehen, wann die Feindseligkeiten zur See den Anfang nehmen sollten. Es seie also diese französche Gesinnung vor ein besonderes Glück anzusehen, weilen sie E. M. und Dero Bundsgenossen mehrere Zeit verstatte, dasjenige, was seithero verabsäumet worden, noch einigermaßen zu verbesseren und sich auf das künftige vorzubereiten: würde sich aber diese Zeit nicht recht zunutzen gemachet, so wäre das Versehen 527 desto größer und um so weniger zu rechtfertigen, je gesicherter vorzusehen stehe, daß bei erfolgendem Krieg der König in Preußen nicht ruhig verbleiben, sondern zu den Waffen greifen werde, es möge die Abschickung eines Corps nach den Niederlanden erfolgen, oder nicht. 6 t0 Seie zwar nicht in Abrede zu stellen, daß Engeland weit mehrers tun könne und bei entstehendem Krieg bewerkstelligen müsse, als seine bisherige Äußerungen sich erstrecken; gleichwohlen seie dieselbe nicht im Stand, die ganze Last des Kriegs allein zu tragen, und wann sie von E. M. nicht unterstützet würde, so stünde ohnschwer vorzusehen, daß es dieser Cron, wann sie auch noch so viel Geld darzu verwenden wollte, dannoch nicht möglich falle, so geschwind, als es die Umstände erforderen, zu allem Kat zu schaffen und nur eine mittelmäßige Armee in denen Niederlanden zusammen zu bringen, welche den ersten feindlichen Anlauf einigermaßen aufhalten und die Republic von ihrem Untergang retten könne. Sollte aber diese gleich bei dem Eintritt des Kriegs die ganze feindliche Macht an ihren Gränzen sehen, so dörfte denen Seemächten inner kurzem ein solcher Frieden abgezwungen werden, welcher dem durch]. Erzhaus wenigstens einen Teil derer Niederlanden ohne allem Gegenvorteil kosten würde. 7 ra0 Je mehr zu vermuten stünde, daß der künftige Krieg zwar kurz, aber heftig sein werde, um so mehrers würde auf dessen Anfang ankommen; und könnten E. M. nebst Dero Alliirten dem Feind nur einigen Wiederstand leisten, so stünde mit aller Wahrscheinlichkeit anzuhoffen, daß Engeland seine Kräften immer mehrers anspannen, die Kepublic in werktätige Maßnehmungen mit ein- gehen und verschiedene andere Mächten die gemeinsame Sache unterstützen helfen werden. Sollten aber die Niederlande ohne alle Defension verbleiben, so könnten die Seemächten einem so mächtigen Feind, wie die Cron Frankreich ist, nicht wiederstehen, noch sich vor ihrem Untergang erretten; die ernannte Cron hätte Ifreie Hände, ihre Conqueten immer weiter zu treiben und der ganzen Allianz die unerträglichste Bedingnussen vorzuschreiben; alle andere Mächten würden abgeschröcket; niemand könnte sich getrauen, sich auf die gute Seite zu schlagen, und der König in Preußen erhielte die erwünschte Gelegenheit, dem durchl. Erzhaus mit seiner ganzen Macht auf den Leib zu fallen. 8 vo In denen meisten Kriegen habe das durchl. Erzhaus den Anfang machen, sich vor den Riß stellen und etliche Campagnes zubringen müssen, bevor noch die Seemächten in rechte Bewegung gebracht werden können. Vor dermahlen aber seie vor einen glücklichen Umstand anzusehen, daß die Cron Engeland als der Veranlasser des Krieges, wegen ihres eigenen Interesse mit allem Ernst und Nachdruck zu Werke gehen müsse; würde jedoch dieselbe in einem Land, welches denen Seemächten am meisten auf dem Herzen lieget, ganz hilflos gelassen, so seie man nichts weniger als sicher, daß sie auf keine Extremitäten und desperate Entschließungen verfallen, oder doch wenigstens viele ersprießliche Veranstaltungen unterlassen werde, zu welchen sie sonsten gar wohl hätte vermöget werden können. 9 no Bei allen den vielen und großen Gebrechen der Seemächten wäre dannoch auf ihre 'innerliche Verfaßung zuruckzusehen: das wohlgesinneste Ministerium müsse sich in viele Köpfe zu richten und sie zu gewinnen wissen; indessen seie so vieles keinem Zweifel unterworfen, daß Engeland wegen seines eigenen Interesse gewißlich nichts diensames unversucht lassen werde, um die Republic Holland in ihre Absichten mit einzuziehen; wie dann auch Mylord Holdernesse I 528 währendem seinem kurzen Aufenthalt in dem Haag 1 hieran mit allem Eifer gearbeitet habe und fernerhin arbeiten werde. Sollte nun die Republic gar keine Hoffnung vor sich sehen, dem Feind einigen Wiederstand zu leisten und ihn von ihren eigenen Gränzen wenigstens in so lang entfernet zu halten, bis sie sich in besseren Wehrstand setzen und eine mittelmäßige Armee in den Niederlanden in das Feld gestehet werden könne, so würde dem englischen Ministerio und denen wenigen gut gesinneten Holländern gar ohnmöglich fallen, der Abgeneigten und besonders der Stadt Amsterdam Wiederspruch zu überwinden; wann also die Republic die Neutralität ergreifen oder wohl gar die Stadthalterschaft über den Haufen werfen und sich auf die französche Seite schlagen sollte, so wäre der Nachteil nicht zu übersehen und zur Rettung der gemeinsamen Sache alle Hoffnung auf einmahl verschwunden. 10 mo Seie sich zwar ohnabänderlich und bei allen Gelegenheiten an den Grundsatz festzuhalten, daß der König in Preußen als der ärgste und gefährlichste Feind des durchl. Erzhauses anzusehen seie und daß E. M. wesentliches Staatsinteresse vor allen erfordere, ihre größte Macht dem ernannten König entgegen zu setzen. Es seie aber bei der Application dieser Staats-Maxime auf das Ganze zuruckzusehen und man könne hiebei den zweiten Feind, nehmlichen die Cron Frankreich, um so weniger ganz und gar außer Augen setzen, da sie dem ernannten König zur Unterstützung dienen und dessen Stärke durch ihre Con- queten und allzu sehr einreißende Übermacht ungemein vermehren würde. Gleichwie nun für einen großen Staatsfehler zu halten wäre, wann man diesseits die größte Macht der ernannten Cron entgegen setzen wollte, so würde anderer Seits das wahre Staatsinteresse des durchl. Erzhauses vernachlässiget, falls man verabsäumen sollte, denen Seemächten unter die Arme zu greifen und alles mögliche vorzukehren, damit der großen und fürchterlichen französchen Macht wenigstens einiger Einhalt geschehe. ll mo Sodann seie zwar nicht in Abrede zu stellen, daß vorzüglich auf das Herz der Monarchie zuruck zu sehen seie; gleichwohlen wären auch die Niederlande dem durchl. Erzhaus zugehörig und verdienten allerdings, so viel immer möglich, verteidiget und gerettet zu werden; sollte nun desfalls gar alle Veranstaltung unterbleiben, so würde den getreuen niederländischen Untertanen alle Hilfe und Hoffnung auf einmahl entzogen und dem englischen Ministerio die Gelegenheit in Händen gegeben, die ganze Schuld des künftigen üblen Ausschlags E. M. aufzubürden; zumahlen der Vorwurf nicht ganz ungegründet zu sein scheine, daß der Republic Holland seiter dem Achner Frieden jährlich eine Million Gulden vorenthalten, solches mit der vermehrten Anzahl der dortigen k. k. Trouppen gerechtfertiget und doch vor dermahlen freimütig bekennet worden, wie sich der effective Trouppenstand mit Einbegriff der Luxemburgischen Garnison nur etwas über 20.000 Mann belaufe. So gewiß nun dieser Vorwurf in der Welt Augen einen wiedrigen Eindruck verursachen würde, so vollständig seie demselben abgeholfen, wann E. M. sich dem dermahligen Verlangen der Seemächten zu fügen, die erleuchteste Entschließung fasseten. 12 mo Seie der Umstand in besondere Erwägung zu ziehen, daß die russische Trouppen auf keine andere Art, als gegen den König in Preußen gebrauchet werden können, und daß dahero die englische Convention mit Rußland hauptsächlich dem durchl. Erzhaus zum ohnmittelbaren Vorteil gereiche, auch weit tnehrers, als ein Corps, so nach den Niederlanden abgeschicket würde, in der Zahl ertrage. Nun seie zwar allerdings zu wünschen, daß E. M. von der russischen 529 Hilfe gesichert sein und dannoch von der Abschickung eines Corps nach den Niederlanden überhoben bleiben möchten; allein wann man das eine wolle, so könne das andere nicht leicht versaget werden, da die russische Trouppen durch das englische Geld in Bewegung gesetzt werden müssen und in der Tat dem englischen Ministerio nicht zu verdenken wäre, daß es zugleich auf die Verteidigung der Niederlanden, so ihm am meisten auf den Herzen lieget, behörige Sorge traget und den Vorwurf der Nation zu vermeiden suchet, als ob die auf die Hussen zu verwendende große Geldsummen denen Seemächten zu keiner unmittelbaren Erleichterung gereicheten. 13° Seie das Beispiel des letzteren Kriegs nicht ganz und gar außer Augen zu setzen, da mehrmahlen die ganze k. k. Kriegsmacht nach abgelegenen Länderen verschicket worden. Noch im Jahr 1747 wären die Erblande keinesweegs von einem preußischen Einfall sicher gewesen und hätten sich der russischen Mitwirkung noch nicht zu erfreuen gehabt, dannoch seie der Fuß von 60.000 Mann nach den Niederlanden und eben so viel nach Italien abgescliicket, mithin die hiesige Lande fast völlig von Trouppen entblößet worden; dermahlen aber seie nur die Frage von einem mäßigen Corps. Und ob zwar dessen Abschickung nahmhafte Kosten verursachen würde, so könnten doch dieselbe durch Rettung eines Teils derer Niederlanden reichlich eingebracht werden, und seie hiebei vorzüglich auf das Wesentliche und auf Erhaltung des Ansehens, so durch werktätige Maßnehmungen unterstützet würde, zuruckzusehen. 14 t0 Um aber die hauptsächlichste Bewegungs-Gründe in einem kurzen Begriff darzustellen, so wurde der a. h. Beurteilung das Dilemma a. u. vorgeleget: wann nehmlichen E. M. sich dem dermahligen Verlangen der Seemächten zu fügen geruheten, so würde andurch bei Freund- und Feinden das a. h. Ansehen und der Credit befestiget und vermehret, die Beschützung eines Landes, so der Kaiserin Königin M. zugehöret, vorbereitet, dessen geschwinder Verlust, wo nicht gänzlich hintertrieben, jedoch verzögert und andurch ein nahmhafter Teil der Einkünften vor den künftigen Winter beibehalten. Man würde in Stand gesetzet ? denen Engeländeren desto eher ersprießliche Conditionen vorzuschreiben, ihren unfreundlichen Betrag aufzudecken und mit Nachdruck zu ahnden, zu Verstärkung der gemeinsamen Kräften Zeit zu gewinnen und wenigstens den geschwinden Verfall der Allianz, die hieraus notwendig erwachsende schädliche Folgen und den Absprung der Eepublic oder ihren gänzlichen Untergang abwenden zu helfen. Sollte aber eine abschlägige Antwort erfolgen, so würden nicht nur alle obberührte Vorteile von selbsten hinweg fallen und die Gefahr vor die ganze Allianz überhaupt und vor das durchl. Erzhaus insbesondere ungemein vergrößert, sondern auch die Schwäche der hiesigen Kräften aufgedecket und die Absicht vor der Zeit in ihrer Blöße dargestellet, daß E. M. Haupt-Augenmerk gegen den König in Preußen gerichtet seie. Um nun zwischen so vielen und wichtigen auf beiden Seiten vorwaltenden Bedenken das rechte Maß zu treffen und den diensamen Mittelweeg einzuschlagen, ist in fernere a. u. Vorstellung gebracht worden, daß am allervorträglichsten zu sein scheine, wann sich dem englischen Begehren weder ganz gefüget, noch eine völlig abschlägige Antwort gegeben, sondern sich zu Abschickung eines Corps von 10.000 biß 12.000 Mann, jedoch nicht anderst als unter gewissen Beding- nussen einverstanden würde. Solchergestalten könnten E. M. noch in diesem Jahr 20.000 Mann effective in das Feld stellen und dem Barriere-Tractat in Übermaß ein Genügen leisten Khevenhüller -Schütter. 1752 — 1755 . 34 530 Die Seemächten würden sich aber damit um so ehender befriedigen lassen, da Holdernesse selbsten in einer Stelle seines mehr erwehnten Schreibens nur auf die Abschickung eines petit Corps antraget und Prinz Louis von Woltfenbüttel sich olmlängst geaußeret hat, daß die Republic neuen Mut faßen würde, wann wenigstens 20.000 Mann k. k. Trouppen im Feld erscheineten. Zugleich wurde allergehorsamst angemerket, daß solchergestalten die zweite Frage, nehmliehen ob und in wie weit das englische Begehren möglich seie? von selbsten ihre Erledigung finde, maßen der effective Stand der hierländischen k. k. Trouppen sich beiläufig auf etliche 90.000 Mann erstrecke und hierzu 18.000 bis 20.000 Gränizer gezogen werden könnten. Wann nun gleich 10.000 bis 15.000 Mann in Ungarn verbleiben, dann in die böhmische und mährische Festungen, hier in Wienn und in den übrigen oesterreichischen Landen 14.000 Mann verleget und noch überdas 10.000 bis 12.000 Mann nach den Niederlanden abgeschicket werden müßten, so verblieben dannoch zwischen 70.000 bis 80.000 Mann übrig, welche dem König in Preußen bei ausbrechendem Krieg entgegen gesetzet werden könnten, zumahlen in diesem Jahr von den Türken nichts zu besorgen stünde und diese zu Versammlung ihrer Armee wenigstens ein halb Jahr Zeit nötig hätten. Nachdem nun die gehorsamste Conferenz dem vorbemerkten Vorschlag einstimmig beigefallen ist, so haben auch E. M. den a. h. Schluß dahin zu fassen geruhet, daß die Abschickung der 10.000 bis 12.000 Mann nach den Niederlanden, wann solche nicht anderst als unter denen von Engeland zu übernehmenden Ge- genbedingnussen erfolgte, in der Tat mehr zu Verstärk- als zur Schwächung der hiesigen Macht gereichen, die ganze Allianz auf das neue beleben, die engere Verbindung und den Gebrauch der wesentlichen Rettungs-Mittlen beförderen und das durchl. Erzhaus in den Stand setzen würde, bei dem künftigen Krieg und Frieden mehreren Einfluß und Ansehen zu gewinnen. Nachdeme es jedoch hiebei hauptsächlich auf die dem englischen Ministerio zu erteilende Antwort ankomme und sich aus denen Aufsätzen am besten beurteilen lasse, ob die zu gebrauchende Vorsicht erschöpfet worden, und was weiters zu erinneren sein dörfte, so haben auch E. M. a. g. geruhet, die Beratschlagung über die dritte Frage, nehmlichen über die zu gebrauchende Praecautionen .zu einer anderweiten Conferenz auszusetzen. Diese ist nun den 15. d. in E. M. wie auch der Kaiserin Königin M. a. li. Gegenwart, dann in Beisein der vorernannten Conferenz Ministres erfolget; und wurde fordersamst a. gehors. angemerket, daß zwar überhaupt bei Staats-Angelegenheiten vor höchst schädlich zu halten seie, denen Gemüts-Regungen im mindesten Statt zu geben, auf Vorwürfe zu verfallen und andurch die Gemüter nur mehrers zu verbitteren; allein der Inhalt des letzteren Holdernessischen Schreibens seie so beschaffen, daß es gegen die a. h. Würde und das Ansehen zu laufen schiene, die darinnen enthaltene empfindliche Vorwürfe und Bedrohungen langmütig nachzusehen und auf sich ersitzen zu lassen, zumahlen eine solche Mäßigung die schädliche Wirkung nach sich ziehen dörfte, daß der englische unfreundliche und imperiose Betrag immer mehrers anwachsen und unerträglicher fallen würde. Sollte man auch bei denen dermahligen Umständen, wo die Seemächten E. M. kräftigste Mitwirkung nicht entbehren können, dergleichen Zu- dringungen ohngeahndet erdulden müssen, was würde man nicht alsdann zu ge- warten haben, wann E. M. sich über kurz oder lang genötiget seheten, die Seemächten um ihren bundsmäßigen Beistand zu ersuchen? Es seie also die dies- 531 seitige Antwort geflissentlich in sehr nachdrucksamen und lebhaften Ausdruckungen verfasset worden, welche jedoch nach der geh. Conferenz Darfürhalten und E. M. a. g. Befehl gar leicht gemäßiget werden könnten. Diesem wurde die fernere geh. Anmerkung hinzugefiiget, daß man für das diensamste ermessen hätte, die zu erteilende Antwort in zwei Aufsätze, nehmliehen in eine Beponse verbale auf des Lord Holdernesse Schreiben, und in ein Memoire, so die Gegen-Conditionen in Antwort auf des Keith übergebene Beponse au papier de M r le comte de Colloredo enthalte, abzusonderen. Dann obzwar bei dem ersten Anblick für schicklicher angesehen werden könnte, die diesseitige Erklärung wegen der 10.000 Mann und die Gegenbedingnusse, wie auch die Ablehnung der englischen Vorwürfen und Bedrohungen in einen Aufsatz zusammen zu fassen, damit die diesseitige Verteidigung nicht unterdrückt werden könne und das englische Ministerium in die Beisorge gesetzet würde, diese Schrift dem Parlement dereinstens vorlegen zu müssen; so dürften doch anderer Seits die Betrachtungen vorwiegen, daß dieses der letzte Schritt wäre, dessen sich noch allzeit und in dem ärgsten Fall bedienet werden könnte; es seie also die Sache schon der mahlen nicht auf das äußerste zu treiben und sich darmit zu begnügen, wann das englische Ministerium und der König selbsten eine überzeugende Probe erhielten, daß die Bedrohungen nicht erschrecketen noch die unanständige Art der rechte Weg seie, den hiesigen Hof zu einigen Entschließungen vermögen zu können. Hierauf wurde der Aufsatz einer Beponse verbale*) ganz abgelesen und nach dem einstimmigen Darfürhalten der geh. Conferenz für unbedenklich angesehen, solchen ohne Abänderung zu belassen und in seiner Stärke dem englischen Ministro Keith mitzuteilen, zumahlen dieses keine Schrift seie, so ministe- rialiter hinausgegeben würde. Bevor nun der zweite Aufsatz**) E. M. erleuchtesten Beurteilung vor- geleget wurde, so erfolgte die fernerweite geh. Anmerkung, daß die eigentliche Absicht dahin gerichtet seie, vor dermahlen kein vollständiges Concert, sondern eine solche Verabred- und Veranstaltung zustand zu bringen, so noch in diesem Sommer die Zusammenziehung einer Armee in den Niederlanden veranlassen und beförderen könne. Dieses leide also keinen langen Verzug und würde gegen die Natur der Absicht laufen, wann man überhaupt solche Bedingnussen anfügen wollte, die in so kurzer Zeit ohnmöglich zustand gebracht werden könnten. Nicht weniger seie in billige Erwegung zu ziehen, daß die dermahlige denen Seemächten bezeugte Willfährigkeit blos in der unter verschiedenen Bedingnussen bewilligten Abschickung eines Corps von 10.000 Mann nach der Kaiserin Königin M. eigenen Landen bestünde. Und würde dahero die ganze Sach einen wiedrigen Anschein gewinnen, wann man die bemerkte Willfährigkeit über die Maß und mit allzu vielen Conditionen beschränken wollte. Gleichwohlen seien in der vorerwehnten Schrift . . . alle Bedingnussen, so einigermaßen angebracht werden können, zusammengetragen und würde es hiebei auf die a. h. Entscheidung ankommen, welche Conditionen in der hinauszugebenden Schrift beizubehalten oder bis zu anderen Gelegenheiten zu verspahren seien. Demzufolg wurde bei Ablesung dieser Schrift, und zwar ad conditionem primam in ohnmaßgeblichste Vorstellung gebracht, daß dieses Begehren eigent- *) Siehe Beilage C. **) Siehe Beilage D. 34 * 532 lieh die einzige Conditionem sine qua non abgebe, welche bei der gegenwärtigen provisorischen Veranstaltung stattfinden könne. Hiebei werde denen Engeländeren geflissentlich kein Ziel noch Maß gesetzet, ob die von ihnen zu stellende 20.000 Mann aus eigenen, hessischen, hannoveranischen oder anderen Trouppen bestehen sollten, sondern es könne sich diesseits damit begnüget werden, wann die ernannte Cron noch in diesem Sommer und zu gleicher Zeit, als die von hier abzuschickende 10.000 bis 12.000 Mann in den Niederlanden eintreffen, das anverlangte Corps von 20.000 Mann der Orten in das Feld stellete. Zwar dörfte die Erfüllung dieser Condition dem englischen Hof um so schwerer fallen, da er allem Ansehen nach nur auf die hessische 8000 Mann gezählet habe und nicht gern was von seinen eigenen Trouppen über Meer schicken werde; jedoch seie diese Bedingnuß nicht nur an sich möglich, sondern auch in der offenbaren Billigkeit gegründet, nachdem die Engeländer die Kriegsgefahr blos wegen ihrer Convenienz veranlassen und der Kaiserin Königin M. mit keinem Schein der Billigkeit zugemutet werden könnte, 10.000 bis 12.000 Mann ihrer inländischen Trouppen ohne alle Hoffnung eines Nutzens nach den Niederlanden abzuschicken und sich allein mit der Verteidigung der dortigen Landen zu beladen. Hiebei seie auch mit allem Vorbedacht keine nahmentliche Erwähnung von den hannoverischen Trouppen geschehen, weilen dem a. h. Dienst und der gemein* samen Sache am gemäßesten sein dörfte, wann diese Trouppen gar nicht in englischen Sold überlassen, sondern beisammen gehalten, gleichsam wie ein Corps de reserve angesehen und nach Beschaffenheit der künftigen Umständen gegen den König in Preußen gebraucht würden. Betreffend die diesseitige zweite Bedingnuß, so seie hiebei in nähere Er- wegung zu ziehen, daß, wann E. M. die 10.000 Mann nicht ehender von hier abschicken wollten, als bis die Republic sich dem diesseitigen Ansinnen gefüget habe, alsdann die ganze Absicht notwendig fehlschlagen müßte, weilen bekannter Maßen die Princesse Gouvernantin dergleichen wichtige Entschließungen nicht vor sich fassen könne, sondern der Generalstaaten Einwilligung hierzu ohnum- gänglich nötig habe, diese aber nicht so geschwind zu bewirken seie. Nachdeme nun die Abschickung der hiesigen Trouppen erst das Mittel abgeben sollte, die Republic zu werktätigen Maßnehmungen und Defensionsanstalten zu veranlassen, so würde durch diese zweite Conditionem sine qua non in der Tat so vieles angedeutet, daß man schon den Effect haben wolle, bevor noch die Mittel gebrauchet worden. Nachdem jedoch die bemerkte Conditio sine qua non dem englischen Ministerio wohl zu statten kommen könne, mit desto größerem Nachdruck in die Republic zu dringen'und ihre Mitwirkung zu veranlassen, so haben auch E. M. erleuchtest für gut befunden, daß zwar diese Condition beibehalten, aber dem Keith die mündliche Auskunft gegeben werden sollte, in was vor einem Verstand und Absicht solches geschehen seie. Bei der diesseitigen dritten Bedingnuß wurde in allergeh. Erinnerung gebracht, daß diese wie alle nachfolgende Conditionen nicht mehr als sine qua non, sondern unter der Ausdruckung E. M. festen Vertrauens verfasset seie; auch wäre zwar in dem vom Keith übergebenem Papier die generale Versicherung allschon enthalten, wie es sich von selbsten verstünde, daß die Hilfe nicht unilateral sein könne, sondern ein Reciprocum erfordere; und über dieses stünde die Antwort leicht vorzusehen, daß Engeland aus keiner anderen Ursach die Subsidien Tractaten mit Rußland, Sachsen etc. zu schließen im Werk begriffen seie, als um diese Trouppen zur bundsmäßigen Verteidigung derer k. k. Landen zu verwenden. 533 Nachdem jedoch die englische Erklärung sich nicht specifice ausdrucke, so könne es wenigstens nicht schaden, wann diesseits auf eine nähere Äußerung bestanden und andurch denen künftigen Ausflüchten in Zeiten vorgebauet würde, welches dann auch E. M. a. g. zu begnehmen geruhet haben. Die diesseitige vierte Bedingnuß hat die ohnmaßgebliche Erinnerung veranlasset, daß, wann die Abschickung der hiesigen Trouppen bis zur wirklichen Erfüllung dieser Condition ausgesetzet werden wollte, solches abermahlen auf ein Begehren hinauslaufen würde, welches der Eigenschaft des dermahligen Haupt- Endzwecks, nehmlichen der provisorischen Veranstalt- und geschwinden Zusammenziehung einer Armee in den Niederlanden zuwiederlaufe. Dahero auch E. M. erleuchtest vor gut befunden haben, daß sich vor dermahlen mit dem englischen Versprechen wegen Beförderung des mit Rußland zu schließenden Subsidien- Tractats zu begnügen seie; bei welchen Articul annoch in reife Erwegung gezogen worden, ob darinnen ausdrücklich zu bedingen, daß die russische Trouppen zu Verteidigung I. M. der Kaiserin Königin Landen gegen den König in Preußen gebraucht werden sollten; und zwar bestünde der Anstand eigentlich darinnen, daß diese Ausdruckung nur vieles Aufsehen und Schwierigkeit verursachen und in der Tat nichts fruchten dürfte, da ohnedem die ganze Structur der russischen Convention dergestalten eingerichtet seie, daß die russische Trouppen nicht ge- teilet werden, sondern vor sich in corpore agiren sollten, welches aber ohnmög- lich gegen jemand anderen, als gegen den König in Preußen geschehen könne-, und so lang dieser sich ruhig halte, so würden auch die Russen zu keinen Kriegsoperationen schreiten; so bald aber der ernannte König mit denen Feindseligkeiten den Anfang mache, so würden sich die Russen ohnedem nicht von ihren Gränzen allzu weit entfernen, noch ihren Rucken dem Feind bloß stellen. Nachdeme jedoch in dergleichen Fällen nicht mit genügsamer Vorsicht zu Werke gegangen werden könne und ehender was überflüssiges zu begehren, als etwas diensames zu vernachlässigen ist, so hat auch der a. h. Ausspruch die Frage dahin entschieden, daß dieser Articul, wie er sich gefasset befindet, ohnverändert beizubehalten seie. Hingegen haben E. M. bei der 5 ten Bedingnuß die gehorsamste Erinnerung a. g. begnehmet, daß dieser Articul vor dermahlen völlig auszulassen seie, u. z. in erleuchtester Erwegung, daß die Subsidien nicht vor der Zeit begehret werden müßten und solches einerseits nichts fruchten, anderer Seits aber die Seemächten nur irre machen, sie über die große Ausgaben und gehäufte Begehren erschrocken und von anderen nötigen Maßnehmungen zuruckhalten würde; sollten aber die künftige Umständen das Begehren einer Subsidien-Zulage erforderen, so könnte solches allzeit geschehen und mit der Vorstellung begleitet werden, daß der Kaiserin Königin M. Ihre niederländische Trouppen ohne englische Subsidien nicht weiters verpflegen könnten, sondern sich genötiget seheten, solche in Ihre teutsche Lande zuruckzuziehen. Die sechste Bedingnuß hat keine nähere Erleuterung zu erforderen geschienen; und in Ansehung der siebenden ist E. M. a. h. Ausspruch dahin erfolget, daß zwar solche für gut und billig, aber für zu frühzeitig und un schick - sam anzusehen seie, da vor dermahlen nur von provisorischen Kriegs- nicht aber von Friedens-Anstalten die Frage obwalte und eines mit dem anderen nicht wohl vermischet werden könne. Es ist also die 5 te und 7 de Bedingnuß auf a. h. Befehl völlig ausgelassen und im übrigen der Aufsatz . . . [D] vollständig und a. g. begnehmet worden. 534 (Vortrag des Grafen Kaunitz an den Kaiser vom 17. Juni 1755. Staatsarchiv.) A. Beponse au papier de M r le comte de Colloredo. On a rendu compte au roi du contenu du papier remis le 16 de ce mois 4 M r le duc de Neucastle, par M r le comte de Colloredo, et S. M. a appris avec plaisir les dispositions oü se trouve la cour de Vienne, par rapport 4 la Situation präsente des affaires. S. M. convient de la necessite du concert propose par le papier susmen- tionne et s’offre de le faire entamer d’abord, conjointement avec LL. HH. PP. 4 Bruxelles, pour ce qui regarde les Pays-Bas, en cas d’une attaque inopinee. Elle adopte ögalement le principe d’une defense commune et mutuelle, et n’a jamais eu J’idee que le secours 4 donner düt etre unilateral. C’est dans la vue de cette defense commune que le roi fait travailler depuis si longtemps 4 la conclusion du traitd subsidiaire avec la Eussie. Des l’ete passe, S. M. avait dejä hausse ses premi4res offres-, et pour ne rien laisser 4 desirer de sa part, du cöte des facilites, Elle a, avant meme que M r le comte de Colloredo eüt remis le papier susdit, ordonnö au Chevalier Williams de se rendre 4 la cour de Petersbourg, revetu du caractere d’ambassadeur, et l’a in- struit d’augmenter encore considerablement les offres precedentes, et d’une fagon 4 ne laisser aucun doute du succes de la negotiation, pourvu que la cour de Eussie y soit reellement disposee. Le roi est trop convaincu de l’importance de cette negociation pour l’alliance en general, pour douter un moment que l’imperatrice-reine ne fasse cooperer vivement 4 sa reussite par son ambassadeur 4 la cour de Eussie. Par une suite de ces memes attentions invariables aux interets communs de l’alliance, et conformement 4 ce qui a ete propose dans le papier en question, le roi est dispose 4 prendre 4 sa solde un corps de 8000 Hessois pour la defense des Pays-Bas, et 4 renouveler aux memes termes et conditions, et entre les memes parties, qui subsistent actuellement, les traites avec la Baviere et avec la Saxe dont les troupes pourront etre employ6es pour le service de l’alliance. Mais S. M. fait ces propositions et se Charge seule de la grande depense pour le secours russien, dans la ferme attente que la cour de Vienne envoyera immediatement un renfort de vinqt-cinq 4 trente-mille hommes de ses troupes, pour se joindre 4 l’armee dans les Pays-Bas, et par dessus la garnison necessaire pour la forteresse de Luxembourg (ce qui sera le seul moyen de donner 4 la Eepublique des Provinces-Unies la liberte et les facultes de prendre les resolutions qu’on pour- rait desirer d’elle) et que l’imperatrice-reine declarera qu’Elle fera marcher ses troupes au secours du roi, en cas d’attaque dans ses etats d’Allemagne, et qu’Elle agira par diversion si S. M. est attaquee dans ses royaumes. (Nr. 2 ad Vortrag vom 17. Juni 1755.) B. Precis d’une lettre de Mylord Holderness 4 M r Keith du 1 er juin 1755, lue au comte de Kaunitz-Eittberg le 7 du meme mois. La lettre est de 12 pages d’une 6criture fort serröe, eile n’a pour but que de nous engager 4 envoyer dans les Pays-Bas le corps de 25 4 30 mille 535 horames que l’Angleterre nous a demandö par sa reponse au papier de M r le comte de Colloredo. Pour y determiner Ia cour de Vienne, on commence par etablir la proba- bilite et meme la certitude de la guerre tant par la position actuelle des nögo- ciations que par la Situation des affaires en Amerique. Sur le premier de ces objets on conclut que l’Angleterre veut la paix, mais qu’elle ne se pretera ä aucunes propositions qui ne soient justes et conformes k sa gloire. Sur l’autre objet on avance que d’apres les nouvelles qu’on a de 1’Amerique, les hostilites doivent y avoir recommence des le 1 er avril au moyen des renforts que Keppel y a transportes. L’on ignore, dit-on, si la France voudra regarder cette conti- nuation des hostilites comme un motif qui la mettrait dans le cas de pouvoir commencer la guerre en Europe, et Ton sait seulement que cette couronne veut prendre le premier coup de canon qui se tirera entre les flottes, pour le signal d’une guerre generale, que ces flottes ne s’attaqueront point dans la mer du Nord, mais qu’il n’en sera pas de meme dans les parages de l’Amerique, qu’ainsi la guerre paraissant inevitable le roi ne pouvait qu’insister sur le secours de 25 mille hommes. On entreprend ensuite de refuter les raisons dont nous nous sommes servis pour nous en dispenser, on fait valoir celles qui doivent nous y engager, on nous represente les consöquences qui resulteraient de notre refus, et on finit par des menaces. Avant que de repondre en detail ä nos raisons, on avance que les discours du ministöre autrichien se trouvent en Opposition avec le papier presente par M r de Colloredo. On fait l’analyse de cette piece et l’on declare que le roi adopte les 3 premieres positions, qu’il est egalement d’accord que les secours ne doivent point etre unilateraux, qu’il s’etait suffisamment explique sur le renouvellement des traitös avec la Saxe et la Baviere, et qu’enfin le roi n’avait consenti ä tous les articles que sous la condition expresse que l’imperatrice envoyerait d’abord un renfort considerable aux Pays-Bas. Du passage qui se trouve dans le papier de M r de Colloredo, touchant l’interet commun de l’alliance, on prend occasion de nous reprocher tout ce que l’Angleterre a fait en differents temps pour la cause de la maison d’Autriche, nos procedes dans l’affaire de la Barriere, le petit nombre de troupes que nous avons dans les Pays-Bas, ne faisant que 21 mille hommes en tout et apres la deduction de la garnison de Luxembourg pas seulement le contingent de 18.000 hommes dötermine par le traite de la Barriere, quoique nous ayons retenu le subside sous pretexte d’entretenir plus de troupes que les traitös ne nous obli- geaient d’avoir sur pied; on nous reproche encore d’avoir mal employe le dit subside en fortifiant Mons tant bien que mal, tandis qu’il aurait fallu donner la preference k Ostende comme ä la seule communication que nous avions avec l’Angleterre et ä la Conservation de laquelle les Anglais avaient le plus d’interet. On passe ensuite ä refuter nos raisons. La premiere etait que par l’envoi du secours dcmande nous ne ferions que precipiter plutöt que de reculer l’attaque des Pays-Bas ä cause de l’inquietude et de la jalousie, que cela donnerait ä la France. On y röplique que nous paraissions nous appuyer sur la röponse donnee ä M r de Stahremberg. 536 Qu’on ne croyait pas que le comte de Kaunitz ait parle serieusement en donnant ce que l’on vient d’exposer, pour une raison d’excuse, qu’il connaissait, «ans doute mieux qu’il n’avait voulu le faire voir, la cour de France pour y avoir ete et y avoir negotie si longtemps. Que les camps que la France allait fonner sur les frontieres des Pays-Bas, et les engagements connus que l’imperatrice avait pris depuis le commencement de ce siede avec les PP. MM., etaient des motifs et excuses süffisantes pour- qu’Elle puisse se mettre en etat de les remplir. On avoue que la seconde raison qui a pour objet les apprehensions que nous donne le roi de Prusse, est bien fondee, mais on ajoute que l’argument prouve trop. Et voici comme on raisonne pour nous en convaincre: Le ministere autrichien ne disconvient pas que l’imperatrice sera en etat ■ d’envoyer un renfort, considörable aux Pays-Bas, lorsque le traite de subside avec la Russie se trouvera conclu. Or des ä cette heure on peut ä cet egard se fier assez ä la Russie pour pouvoir, sans risque, envoyer sur le champ du secours aux Pays-Bas, ne füt-ce meine qu’un petit corps. Pour fonder cette confiance, on nous rapelle la grande idee que nous avions toujours eue nous-memes de nos engagements avec cette Puissance et les peines qu’en consöquence nous nous 6tions donnöes pour faire acceder les PP. MM. ä l’article secret de notre traite de 1746-, on appuie sur ce qu’il etait de l’interet de la Russie de profiter de l’occasion, sur ce qui a ete arffite 4 l’ögard du roi de Prusse en plein Senat, sur la fa (Fehlgeburten, 12, 154), 35, 47, 49, (Entbindung, 107), 111, 113, 115, 138, 201, 225, 226, (um sie bewirbt sich Fürst Schwarzenberg; die Kaiserin rät von der Heirat ab; Maria Josefa verlobt sich mit dem Grafen Bethlen, 249, 250), 251, 260, 280 [9]. Herberstein, Maria Karolina Josefa (Tochter des Grafen Karl Josef und der Maria Josefa, geb. Khevenhüller- Osterwitz), 154, 155. — Maria Leopoldine (Tochter des Grafen Leopold Karl und der Ernestine Johanna, geb. Wend), 155. — Maria Theresia (Tochter des Grafen Johann Seyfried und der Maria Josefa, geb. Herberstein [Tochter des Grafen Johann Maximilian und der Gräfin Maria Josefa Starhemberg]), Gräfin, 139. Herkules Rainald, s. Modena. Hermsdorff, Klara von, s. Metsch. Herrenhäuser Vertrag (zwischen Preußen, England, Holland und Frankreich 1725, IX. 3.), 550. Hessen, Maximilian von, 123. -Darmstadt, Georg Wilhelm, Prinz, (Sohn des Landgrafen Ludwig VIII. und der Landgräfin Charlotte Christine, geb. Gräfin von Hanau), 187. Hetzendorf, 233, 240, 244, 261. Heussenstamm, s. Heissenstein. Hi Ile br and, Anton Johann von, Kanzlist in der Staatskanzlei, 373 [143]. Hochleuthen, s. Ausflüge und Reisen des Hofes. Hochstättern, Elias von, Archivar in der Staatskanzlei, 373 [143]. Hoepken, Johann Andreas, Freiherr von, schwedischer Reichsrat- und Kanzleipräsident, 510, 518, 521 [261]. Hofbauamt, s. Wien. Hofburg, s. Wien, Hoffeuerordnung, 79. Hofkammer, Einschränkung der Agenden, 227. Hofkriegsrat, Justizreform, 96, 362 —364 [127]. (Handschreiben Maria Theresias an Dietrichstein und Cor- dua vom 12. und 22. März 1753- S. 362—374. Agenda des hofkriegs- rätlichen Justizkollegiums, 363—364.) — Personalveränderungen, 262, 263. Hofkammermusik, 272. 598 Hofkanzlei, böhmische, s. Directorium in publicis et cameralibus. Hofkirchenmusik („keine Trompetten und Paucken“, 156, 179). Hofkontrollor amt, s. Hofwirtschaft. Hofwirtschaft. (Unterstellung des Oberstküchen- und Kontrollamts unter den Oberstkämmerer bis zur Ernennung eines neuen Oberstküchenmeisters. Die Aufsicht über Schönbrunn soll nicht mehr der Oberstküchenmeister, sondern der Oberstkämmerer führen, 26, 27, 295 [30], 83.) Hohenfeld, Otto Franz de Paula Julius, Graf (Sohn des Grafen Otto Karl Maximilian und der Maria Theresia, geh. Gräfin Guidi di Bagno), 574 [279]. ~ Maria Anna Eleonore Margaretha, Gräfin, s. Rosenberg. Hohenzollern - Hechingen, Franz Xaver, Graf, Oberst, Erbkämmerer, 182, 220, 229, 245. — — Maria Josefa, Gräfin, s. Clary. — — Sidonia, Gräfin (Tochter des Grafen Herrmann Friedrich und der Maria Josefa Theresia, geb. Öttingen-Spiel- berg, Gräfin), s. Kinsky, Holdernesse d’Arcy, Robert, Graf, englischer Staatssekretär für die nordischen Angelegenheiten, 501 [255], 522, 524, 527, 530, 531, 540, 543. Holland, Anna (Witwe nach Wilhelm IV., Tochter Georgs II. von England), Regentin, 515, 532, 562. Holler, s. Doblhoff. Hollitsch, s. Ausflüge und Reisen des Hofes, Holstein. (Titel „königliche Hoheit“, 467*).) — Belehnung, s. Dänemark, Friedrich V. — -Beck, s. Sylva y Menezes, Johanna Amalia. — -Gottorp, s. Österreich-Rußland. — -Norburg, Elisabeth Juliane, s. Braunschweig. Homme du jour, T, s. Theater. Horion, Graf d’, 574 [279]. Horneck von Weinheim, Lothar Franz Philipp Wilhelm, Kapitular von Bamberg, 378 [154], Houssaye, s. Amelot. Hradisch, Kloster (Mähren), Abt Paul Ferdinand Watzlawik, 200, s. auch Ausflüge und Reisen des Hofes (Neuhof-Prag). Hr ad sch in, s. Prag, Errichtung des Damenstiftes. Huhn von Althuhn, Hauptmann, (Biographisches, 136, 137). Humelauer, Georg Ignaz, Hofmedicus, 393 [175], Hunger spach, s. Egkh und Hungerspach. Hyndford, John Carmichael, Earl, englischer Botschafter in Wien, 22, 35, 53, („Curiose Anecdote“: Abschiedsaudienz, 54, 317 [61]), 291. Jablonowski, Josef Alexander Pruss Fürst, 193. Jacobus, s. Klein-Maria-Zell. Jacquin, Nikolaus Josef, Botaniker, 513 [256]. Jaguschinski, Gräfin, s. Bestuchew. Jaloux desabuse, le, s. Theater. Jamery, s. Duval. Jardinier, le galant, s. Theater. Jaus, Josef, Professor der Anatomie an der Wiener Universität, (Biographisches, 401 [180]). Iglau, 260. Illyrische Nation, 48. (Auswanderung nach Rußland, s. Österreich-Rußland.) (Übertritte in preußische Dienste, 89, 352 [114].) S. auch Militärgrenze. Imbsen, Franz Arnold, Freiherr von (Sohn des Johann Wilhelm und der Maria Anna, Freiin von Dalberg), Rat bei dem Appellationstribunal in Mähren, 574 [279]. Imperiali, Cosmo, Kardinal, Gouverneur von Rom, 401 [181]. Impertinent, T, s. Theater. Incommodites de la grandeur, les, s. Theater, Indiscret, T, s. Theater. Ines de Castro, s. Theater. 599 f Ingenieurschule, s. Wien (Militär- und Ingenieurschule). Innerösterreich, s. Österreich-^Spanien. Innoeenza Giustifieata, la, s. Theater. Invalidenhäuser in Prag, Pest, Wien, Pettau, 195. Inzersdorf, (Besitzwechsel, 123, 123*), 376—377 [152].) S. auch Ausflüge und Reisen des Hofes. Johanna Gabriela, s. Habsburg. Joueur, le, s. Theater. Jojard, Johann Maria, kaiserlicher Kammerdiener, 204. Josef I., s. Habsburg. — Erzherzog, s. Habsburg, — s. Portugal. — Friedrich Wilhelm, s. Sachsen-Hildburghausen. Issembourg-d’Apponcourt, s. Graf- figny. Julie ou l’heureuse epreuve, s. Theater. Justiz reform beim Hofkriegsrat, s. Hofkriegsrat. Kaltenleutgeben, s. Ausflüge und Reisen des Hofes. Kämmerer, Alters Vorschrift, 6, 7. — Promotion, 59, 271, 272, 321 [71], 574 [279]. — Ahnenprobe, 158, 181. — Die Kämmerer versehen selten Tafeldienst, 217. — Weibliche Kämmerer, s. Brandis. K a m p m i 11 e r, s. Kampmüller. Kampmü 11 er, P. Ignatius S. J., theol. Doctor, Beichtvater Maria Theresias, 17, 48. Kannegiesser, Herrmann Lorenz, Ritter von, Hofrat im Direktorium, 35, 40. Kardinalspromotion (1752), 152, 401 [181]- Karl III., s. Neapel. _ y \ j’ > s. Habsburg. — VII. (Karl Albert), s. Bayern. — XI., s. Schweden. — s. Lothringen. — Emannel III., s. Sardinien. — Josef, s. Habsburg. Karl Ludwig Friedrich, s. Mecklenburg- Strelitz. — Theodor, s. Pfalz. — Wilhelm Friedrich, s. Brandenburg- Ansbach. Karlsbad, 54. Karussel, 243. Kaunitz, Maria Antonia Josefa Justine (Tochter des Grafen Maximilian Ulrich und der Maria Ernestine Franziska Gräfin Rietberg), Gräfin, s. Questenberg. -Rietberg, Maximilian Ulrich, Graf, 253. — — Wenzel, Graf, 68. (Berufung nach Wien als Hof- und Staatskanzler, 69 —71 [Verhalten Maria Theresias gegenüber Ulfeld und Bartenstein, 69. — Ansprüche Ulfelds, 69. — Maria Theresia fühlt sich gekränkt, 70. — Khevenhüller sucht zu beschwichtigen, 70. — Charakteristik Kaunitzens, 70, 71. — Maria Theresia hätte sich am liebsten für Rudolf Choteck entschieden, 71.], 73, 74, 331 [87], [Ansprüche Bartensteins, 73, 331 [87]. — Kheven- hüllers Urteil über ihn, 73. 74.], 330 [83], [84],) 99-101, 108, (Gehalt, 109) , (Personale der Staatskanzlei, 110) , 112, 113, (zum ersten Male als Staatskanzler in der Konferenz, 114, 115), 119, 122, 142. 165, 166, 188, 193*), 217, 230, 234, (241 Biographisches), (französische Wagen, 244), (empfängt den Hof in Austerlitz, Bemerkungen Khevenhüllers, 252—256), (kommt immer zu spät, 267). 282, 293 [25], 330 [83], [84], 331 [88], 333**), 342 [95], 369 [135], 373 [142], [143], 374 [146], 375 [147], 383, 384 [160], 401 [178], 411 [181], 413, 422 [205], 431, 434, 438, 461, 477 [235], 486, 494 [246], 497, 498, 502, 513 [261], 522, 536, 545 [263], 546 [268], 552 [269], 554, 555 [275]. Kayserling, s. Keyserlingk. Keene, Benjamin, englischer Gesandter in Madrid, 369—370 [135]. Keglevich, Graf, 231. il 600 Keglevich, Josef, Graf, 321 [71]. Keith, Robert Murray, englischer Gesandter in Wien, 35, 53, 93, 97, 113, (Ernennung zum bevollmächtigten Minister auf Anregung des kaiserlichen Ministeriums, 159), 233, 276, 278, 281 [15], 285, 287 [19], 326 [77], 338 [89], 352 [117], 353—355, 365- 367 [129], 369 [132], 374 [146], 380 [157], 386, 388, 397, 426, 432 [208], 433, 434, 438, 439, 475 [234], 476> 477, 477 [235], 481, 485 [245], 491, 494 [246], 501 [255], 502, 504, 521 [263], 522-524,531,537,543,552[270], Kempelen, (Wolfgang?), Freiherr von, 393 [175]. Keppel, s. Alhemarle. Kesaer, Otto Reiner, Registrator in der Staatskänzlei, 373 [143], Kettler, Friedrich Franz, Freiherr von, 24,'28, 168, 210. Keyserlingk, Karl Herrmann, Graf, russischer Botschafter in Wien, 51, 55, 59, 60, 63, 66, 81, 100, 107, 123, 153, (Ball zu Ehren des neugeborenen Großfürsten, 224), 240, 271, 312 [55]. 318 [67], 355, 360 [126], 394—396 [178], 399-401 [178], 415 [199], 417, 424, 460 [216]. Khevenhüller-Frankenburg, Franz X. Josef (Sohn des Johann Ludwig Josef und der Maria Josefa, geb. Starhemberg), Graf, 356 [119], -Heinrich Franz de Paula (Sohn des Johann Ludwig Josef und der Maria Josefa, geb. Starhemberg), Graf, 356 [119]. — — Johann Ludwig Anton (Sohn des Grafen Johann Ludwig Josef und der Maria Josefa, geb. Starbemberg), Graf 91, 356 [119], -- — Johann Ludwig Josef (Sohn des Franz Ferdinand Anton aus dessen [erster] Ehe mit Maria Theresia, geb. Freiin von Lubetich), Graf, 67, 76, (Krankheit und Tod, Biographisches, 91), 330 [81], (Biographisches, 338— 339 [91], 356 [119]). — — Johann Sigismund Johann (Sohn des Franz Ferdinand Anton aus dessen [erster] Ehe mit Maria Theresia, geh. Freiin von Lubetich), Graf, Hauptmann, 338 [91]. Khevenhüller-Frankenburg, Ludwig Andreas, Graf, FM., 162, 338 [91]. — — Maria Anna (Tochter des Grafen Johann Ludwig Josef und der Maria Josefa, geb. Starhemberg), Gräfin, 356 [119], — — Maria Antonia (Tochter des Johann Ludwig Josef und der Maria Josefa, geb. Starhemberg), Gräfin, 356 [119]. — — Maria Franziska Theresia, Gräfin, s. Neipperg. — — Maria Josefa (Tochter des Grafen Johann Ludwig Josef und der Maria Josefa, geb. Starhemberg), Gräfin, 67, 356 (119]. Khevenhüller-Osterwitz, Ernestine Leopoldine (geb. Gräfin Rosenberg), Gemahlin des Grafen (Statthalters) Sigismund Friedrich, 176. — — Johann Emanuel Josef (Sohn des Grafen Johann Josef), 60. — — Johann Franz X. Anton (Sohn des Grafen Johann Josef), 50, (Prüfung im Theresianum; sein numismatisches Werk, 60, 61, 321-322 [74], [75]), (erkrankt am Scharlach, 74), 139, 140, (erkrankt an den Blattern, 130, 148, 149), 161, 162, (Reise nach Deutschland, 219), 392—393 [175], (Kämmerer, 272, 574 [279]). — — Johann Franz Anton (Bruder des Grafen Johann Josef), Bischof von Augsburg, 219. — — Johann Josef, Graf. Biographisches: Neue Agenden, s. Hofwirtschaft. — Erhält von Maria Theresia eine jährliche Zulage von 4000 Gulden. Er hatte die Absicht, um die Erhebung in den Fürstenstand zu bitten; Gründe dagegen, 104, 105. Verschiedenes: Briefwechsel mit Münchhausen in der modenesischen Sukzessionssache, 10, 15, 280—281 601 T / f i [10], 286-287 [16]. — (Äußerung über das Ballet, 45.) Klage Übel- Vernachlässigung des Ceremoniels, 56. — Khevenhüller ermahnt die Kaiserin, sieb zu schonen, 57. — Kaminfeuer in Khevenhüllers Haus (der Rauchfangkehrer „zu dick und corpulent“), 78, 79. — Briefwechsel mit der Kaiserin, 88, (Theresianum, 144, 890—392 [169]), 149, 167, 351—352 [112], (Gemälde, 392— 393 [175]), 414—415 [197]. — Krankheiten 97—99, 128—131, (Generalbeichte, 135), 137, 138, 141-144, 147, 148, 150, 151, 160, 162, 228, 273, 274. — (In Ladendorf, 120), Des Erzherzogs Josef Geschichtsunterricht, 126. — Schreiben des Erzherzogs Josef und Antwort Khevenhüllers, 135, 389 [163]. — Schreiben des Kaisers, 135, 389 —390 [164]. — In Maria-Zell, 139, 140. — Die neue Studienreform, 152. — Bekommt von dem Kaiser ein Lorgnette, 189. — Bemerkungen über die Prager Reise (1754) 194.— Gewinnt das Waidwerk lieb, 200.— Brautvater der Gräfin Salm- Neuburg, 234. — Die Sparsamkeit des Hofes, 246. — Van Swieten, 270. — Das Erdbeben von Lissabon, 275. — Konferenznotizen, 317 [61], (Urteil über Kaunitz, 330 [83], [84]), 483-484 [236], 484-485 [237], 498*), 546 [268], 552 [269], 553 [273], 555 [275] - Votum in der polnischen Sache, 356 [118]. — Bestellung Ulfelds zum Obersthofmeister, 373—374 [145]. Khevenhüller - Osterwitz, Johann Josef Adolf Emanuel (Sohn des Grafen Johann Sigismund Friedrich und der Gräfin Maria Amalia, geh. Prinzessin Liechtenstein), Graf, 247, 248. — — Johann Josef Franz Quirin (Sohn des Grafen Johann Josef), (Biographisches, 63, 80, 102, 120, 124, 125, 136, 137, 160—162, 167, 168, 188, 414 -415 [197]), 219, 242, 243. 259. Khevenhüller-Osterwitz, Johann Sigismund Friedrich (Sohn des Grafen Johann Josef), (Franz I. sein Firmpate, s. Habsburg, Franz), (Kämmerer, 6, 7), (Reise nach Spanien, 6—10, 14, 17), (Heiratsprojekt: Prinzessin Maria Amalia Liechtenstein, 101, 102. — Verlobung und Vermählung; Heiratsbrief, 163-165, 414 [193]). (Sein Äußeres; er neigt zur Melancholie, 161.) 199, 226, 258, 259, (Lissabon, 271, 574 [278]). — (Bei der Repräsentation und Kammer, 161—162, 369 [134].) — — Karoline Maria Augustine (geb. Metsch), Gemahlin des Grafen Johann Josef, (hat ihre Kinder „närrisch lieb“, 9), 24, 25, 40, 60, (gewinnt im Lottospiel, 76), (Krankheit, 98), 102*), 120, 124, 125, 129, 140, 165, (Maria Theresia sendet Obst an sie, 185), 187, 209, 252, 257, 260, 270, 274, 414 [197]. — — Maria Aloisia (Schwester des Grafen Johann Josef), Nonne, 139, 140, 390 [167]. — — Maria Amalia (geb. Prinzessin Liechtenstein), Gräfin, Gemahlin des Grafen Johann Sigismund Friedrich, (Kaiserin Maria Theresia ihre Firmpatin, 163), (Hofzutritt, 168), (Sternkreuz, 174), 199, 207, 234, 241, 246 —248, 258, 261. — — MariaAnna Josefa Franziska (Tochter des Grafen Johann Josef), 67, 130, 137, 222, 226, (Äußerung Maria Theresias, 393 [175]) — — Maria Anna Josefa (Tochter des Grafen Sigismund Friedrich und der Ernestine Leopoldine, geb. Gräfin Rosenberg), Gräfin, s. Dietrichstein. — — Maria Elisabeth, s. Wurmbrand. — — Maria Josefa, s. Herberstein. — — Maria Theresia (Tochter des Grafen Johann Josef), 2, (Biographisches, 4, 33, 69), 11, 12, 48, 67, 89, 93, 94, 130. — — Siegmund Friedrich, (f) Statthalter von Niederösterreich, 88, (Biographisches, 176), 258, 259, 301 [45]. 602 Klievenhüller - Osterwitz - Wurmbrand, Filiation, 301 [45]. — — Güter: Fronsburg, Hardegg; Ladendorf; Pellendorf; Peygarten; Prutzendorf; Eiegersburg; Starein; Weitersfeld. Khuen von und zu Belasy, Felix, Graf, 574 [279]. — Maria Maximiliana („Freile von Kuhn“), s. Troyer. Kinderhort (christlicher) des P. Par- hamer S. J., 245. Kinsky, Franz Ulrich (Sohn des Grafen Philipp Josef und der Maria Karoline, geb. Gräfin Martinitz), Fürst, 119. — Johann Josef (Sohn des Grafen Philipp Josef und der Maria Karoline, geb. Gräfin Martinitz), Graf, 119, 125, 184. — Johanna Karoline (Tochter des Grafen Wenzel Norbert Octavian und der Anna Franziska, geb. Martinitz), Gräfin, s. Colloredo. — Leopold Ferdinand (Sohn des Grafen Franz Ferdinand aus dessen [erster] Ehe mit Maria Theresia, geb. Fünfkirchen), Graf, Oberstlandjägermeister in Böhmen, 136. — Maria Josefa, Gräfin, s. Althann. — Maria Josefa Antonia (Tochter des ' Fürsten Walter Franz X. Dietrichstein und der Karoline Maximiliana, geb. Gräfin Proskau), Fürstin, Witwe nach dem Fürsten Stephan Wilhelm, 47, 308. — Maria Rosalia Aloisia Katharina (geb. Gräfin Harrach), Gemahlin des Fürsten Josef, 376 [152]. — Maria Sidonia (geb. Gräfin Hohen- zollern-Hechingen), Gemahlin des Fürsten Franz Ulrich, 3. — Maria Theresia (geb. Rofrano), Gemahlin des Grafen Leopold Ferdinand, 236. — Maria Theresia (Tochter des Grafen Philipp Josef und der Maria Karoline, geb. Martinitz), Gräfin, Hofdame, 223. Kinsky, Maria Theresia (Tochter des Grafen Wenzel Norbert Octavian und der Anna Franziska, geb. Gräfin Martinitz), Gräfin, s. Batthyäny. — N., Graf [„Chevalier“], (Theresianist), 67, 102*). — (Rositzky), Marta von, s. Römer. Kittsee, s. Ausflüge und Reisen des Hofes. Klarstein, s. Hartmann. Klein-Maria-Zell, Pater Jacobus, Prälat, 168. Klemens August, s. Cöln. Kletschau, s. Ausflüge und Reisen des Hofes (Neuhof-Prag). Klinggräffen, Joachim Wilhelm von, preußischer a. o. Gesandter in Wien, 354 [118], 510*). Klosterneuburg, s. Ausflüge und Reisen des Hofes. Kn och, Friedrich von, Konzipist in der Staatskanzlei, 373 [143], Knyphausen, Dodo Heinrich, Freiherr (zu Inn- und Knyphausen), preußischer Gesandter in Paris, 503*), 566, 569. Koch, David Heinrich von, Hofrat beim Direktorium, 107, 112, (Krankheit und Tod, Biographisches, 130, 131). — Ignaz Freiherr von, Hofkriegsrat und Kabinettsekretär, 4, 10, 105, 130, 132, 211, 280 [10], 342 [95]. Kokorzowa, Maria Anna, Gräfin, s. Yasques de Pinos. KollerdeNagyManya, Franz Xa verius, Hofrat in der ungarischen Hofkanzlei, 78. Kollonitz, Maria Theresia (Tochter des Grafen Adam und der Christine Gräfin Czobor), s. Rofrano. — Sigismund, Graf, Fürsterzbischof von Wien, Kardinal, 176. Kolowrat, Emanuel Wenzel Kajetan (Sohn des Grafen Maximilian Norbert aus dessen [erster] Ehe mit Maria Barbara Elisabeth, geb. Wrbna), Graf, FML., Großprior in Böhmen, 182, 456 [214], 603 Kolowrat, Franziska Maria, Gräfin, s. Brühl. — Johann Joachim (Sohn des Grafen Philipp und der Maria Barbara, geh. Gräfin Michna von Weizenhof), Graf, 58, 574 [279], — Maria Franziska (geh. Waldstein), Gräfin, Witwe nach dem Grafen Wilhelm Albert, obersten Hofkanzler von Böhmen, 194. — Maximilian Norbert (Sohn des Grafen Albert Wilhelm aus dessen [zweiter] Ehe mit Hedwig Barbara, geb. Gräfin Rozdrazow), Graf, 194. — Philipp (Sohn des Grafen Johann Franz und der Eleonora Klaudia, geb. Gräfin Anguissola), Graf, Oberstburggraf von Böhmen, 58, 194. — Wilhelmine, Gräfin, s.Maria Franziska. Königgrätz, Bischof, s. Prichovsky. Königsacker, Egyd Anton (Sohn des Andreas Weiß von Königsacker und der Sabine, geb. Ossing), Freiherr, 376 [152]. — Maria Antonia (Tochter des Freiherrn Egyd Anton und der Rosamunde Franziska, geb. Schlezer), s. Auersperg. — Rosamunde Franziska (geb. Schlezer von Schönberg), Gemahlin des Freiherrn Egyd Anton, 376 [152]. Königs egg (Erps), Josef Lothar Dominik, Graf, (f 1751. XII. 8.), Obersthofmeister, 106. — Karl Ferdinand, Landmarschall von N.-Österreich, Präsident des Münz- und Bergwesens-Direktions-Hofkolle- giums, 56, 65, 138, (Präsident der Hofkammer, 229, 230), 267, (resigniert als Landmarschall, 149, 393 [176]). — Maria Franziska Eugenie (Tochter des Grafen Karl Ferdinand und der Helena Hyazintha Valentina, geb. Erps-Boischott), Gräfin, s. Neipperg. -scher Garten, s. Gumpendorf. Königsfeld, Christian, Graf, bayrischer Gesandter in Wien, 233. Kopcsan, s. Ausflüge und Reisen des Hofes (Neuhof-Prag). Kor da, Georg, Freiherr von, 321 [71]. Korzensky, Rudolf Josef, Graf, oberster Justizpräsident, 109, 164 (vermählt sich mit der Gräfin Maria Anna Falkenhayn, 180). — Maria Anna (geb. Gräfin Falkenhayn), Gemahlin des Grafen Rudolf Josef, Biographisches, 180. Kössler, Josef, Kanzlist in der Staatskanzlei, 373 [143]. Kotting-Ebersdorf, 37. Kotulinsky, Maria Antonia (geb. Rottal), Gräfin, Witwe nach dem Grafen Johann, 85. — Maria Anna (Tochter des Grafen Karl), s. Schulenburg-Oyenhausen. Krankheiten. — Altersschwäche, 170. — Asthma, 251. — Augenentzündung, 414 [197]. — Auszehrung, 184. — Blattern, 84, 85, 87, 89, 90, 124, 125, 130, 137, 145, 148, 176, 239. 392, 393 [175], — Delirium, 132. — Fehlgeburt, 49. — Fettsucht, 5. — Fieber, 15, 45, 129, 130, 141—143. — Fleckfieber, 152-155, 239. — Fraisen, 152-155, 237, 251. — Friesei (weisser, 86), 117, (Fleckfieber und Kopffraisen, 152—155). — Gebärmutterleiden, 65. — „Gliedersucht“, 229. — Goldene Ader, 228, 273. — Hypochonderie, 43. — Hysterie und deren Behandlung, 235. — „Innerlicher Brand“ (und Fettsucht, 5), 127. — Kolik, 15, 103, 137. — Leberleiden (und Stockkatarrh, 216). — Lungenentzündung, 15, 91, 166, 228, 229. — Marasmus senilis, 227, 242. — Milchfieber, 61. — Nesselausschlag, 221. — Petetschen, s. Fleckfieber. — Podagra, 15 (zurückgeschlagene, 90), 166, 229, 235, 238. 604 Krankheiten. — Polypen, 93. — „Reissen“, 4, 15. — Rheumatismus, 225, 228. — Ruhr, 60. — Rotlauf, 42, 200. — Scharlach, 65, 74, 234. — Schlag, 93, 166, 222, 251. — Schnupfen, 1, 4, 67, 88, 95, 97, 98, 156. — Sciatica, 116. — Stockkatarrh, 91. — Tertiana, 48, 58. — Vergiftung durch Schwämme, 185, 186. — Verstopfung, 137. — Wassersucht, 88, 92, 202, 235, 485 [238]. — Wochenbett, 117, 270, 271. Kremsier (Feuersbrunst), 18. Kriegeistein, s. Binder, Krimm, Tartarenkhan, 364 [128]. Kuefstein, Johann Ferdinand, Graf, (Krankheit, Tod, Biographisches, 235). — Johann Ferdinand (Sohn des Grafen Johann Ferdinand und der Maria Anna, geh. Gräfin Brenner), Graf, 235. — Maria Anna (geh. Gräfin Breuner), Gräfin, Witwe nach dem Grafen Jo- hohann Ferdinand, (Hysterie und deren Behandlung, 235). Kuhn, s. Khuen. Kundratitz, s. Ausflüge und Reisen des Hofes (Neuhof-Prag). Kunetitz, s. Ausflüge und Reisen des Hofes (Neuhof-Prag). Künigl, Leopold Franz Josef, Graf, 3, 56, 248. — Maria Judith (geb. Starhemberg), Gemahlin des Grafen Philipp Nerius, 57, 200. — Philipp Nerius Josef, Graf, Oberstküchenmeister, (Ernennung zum Vize- Ajo der jüngeren Erzherzoge; Gründe, die sie veranlaßt haben, 26. — Eidesablegung, 28), (Geheimer Rat, 35), 57, 119, 200. Kupferberg, s. Fürst. Kurland, s. England-Rußland. Küssow zu Quitzin und Megow, Balthasar Ehrenreich, Graf, 575 [279]. — (Erasmus Ernst?), Graf, 85. — Georg Friedrich, Graf, 575 [279]. Ladendorf, 40, 49, 66, 120, 140, 180, 202, 203, 206, 235, 251, 258, 259, 261, 270. La France, Piqueur, (silberne Hochzeit, 201 ). Lamberg, Ernestine Franziska Aloisia (Tochter des Grafen Johann Ferdinand und der Maria Franziska Kon- stantina, geb. Gilleis, verw. (I) Schallenberg und (II) Grundemaun), Gräfin, 118. — Franz Anton (Sohn des Fürsten Franz Josef und der Anna Maria, geb. TrauttmansdorfF), Fürst, 49, 118, 119, 130. — Franz Anton (Sohn des Grafen Karl Josef Franz X. und der Maria Franziska Katharina, geb. Truchseß-Zeil), Graf, 250. — Johann Ferdinand (Sohn des Fürsten Franz Josef und der Anna Maria, geb. Trauttmansdorff), Graf, 267. — Johann Friedrich Josef Johann (Sohn des Fürsten Franz Anton aus dessen [zweiter] Ehe mit Maria Aloisia, geb. Harrach), Graf, 118. — Maria Aloisia (geb. Gräfin Harrach), zweite Gemahlin des Fürsten Franz Anton, 118, 119, 130. — Maria Elisabeth (Tochter des Fürsten Franz Anton aus dessen [zweiter] Ehe mit Maria Aloisia, geb. Harrach), Gräfin, (nimmt den Schleier, 118, 119, 180). — Maria Rosa Josefa (Tochter des Fürsten Franz Anton aus dessen [zweiter] Ehe mit Maria Aloisia, geb. Harrach), Gräfin, (Verlobung und Vermählung mit dem Freiherrn Josef Niklas Neuhaus, 49, 53, 313 [59]). La Mine, Philipp, Geschichtslehrer des Erzherzogs Josef, 166, 244. Lamontagne, Kurier, 555 [277], Landsee, s. Dietrich von Landsee. 605 Langelt, Ignaz, Pater S. J. (Biographisches, 235.) Lanzendorf, s. Ausflüge und Eeisen des Hofes. Lau gier, Bobert, Professor der Botanik und Chemie an der Wiener Universität, (Biographisches, 401 [180].) Lauraguais, s. Brancas. Laxenburg, (Sinzendorfscher Garten, 28-31, 38, 41, 42, 103, 174, 295 [31].) (Choteksches Haus, 30), (Konferenzen, 37), 42. (Pfarrer, 43), 187, 234, (Bauveränderungen, 236), 245— 249. — s. auch Ausflüge und Eeisen des Hofes. Lechner, P. Franz S. J., Beichtvater der Erzherzogin Maria Anna, 135, 154, 203, 218, 273. Ledetz, Herrschaft, 197. Leditz, s. Ledetz. Legataire, le, s. Theater. Legs, le, s. Theater. Lennox, Charles, Lord, 188. Lenoncourt (geh. Marquise de Ligne- ville), Marquise, Obersthofmeisterin der Prinzessin Charlotte, (Biographisches, 102), 102*), 119, 184. Leopold I., s. Habsburg. — Josef Karl, s. Lothringen. — Peter, s. Habsburg. Leporini, Josef Alois, Geschichtslehrer des Erzherzogs Josef, 134, 207. Leslie, Graf, Theresianist, 67. Levis, s. Mirepoix. Leyser, Baronin, Gesellschaftsdame der Prinzessin Amalia Liechtenstein, 120. Liechtenstein, Anton Florian (Sohn des Fürsten Hartmann und der Gräfin Sidonie Elisabeth von Salm-Beiffer- scheidt), Fürst, 86. — Christine Anna Theresia (geb. Gräfin Löwenstein), Gemahlin des Fürsten Philipp Erasmus, 308. — Emanuel (Sohn des Fürsten Philipp Erasmus und der Gräfin Christine Anna Theresia Löwenstein-Wertheim- Bochefort), Fürst, (vormals Obersthofmeister der Kaiserin Amalia), 13, 66, 101, 120, 145, 160, 164, 176, 308. Liechtenstein, Franz Josef (Sohn des Fürsten Emanuel und der Gräfin Maria Antonia Dietrichstein), Fürst, 236. — Josef Wenzel (Sohn des Fürsten Philipp Erasmus und der Gräfin Christine Theresia von Löwenstein-Wert- heim-Eochefort), Fürst, (Biographisches, 43), 47, (kommandierender General in Ungarn, 145, 146), 67, 79, 86, 92, 136, 163, 184, 185, 204, 249, 257, 308, 349 [109]. — Karl Josef (Sohn des Fürsten Emanuel und der Gräfin Maria Antonia von Dietriehstein), Fürst, 38. — Leopold Josef (Sohn des Fürsten Emanuel und der Gräfin Maria Antonia Dietrichstein), Fürst, 145. — Maria Amalia (Tochter des Fürsten Emanuel und der Gräfin Maria Antonia von Dietrichstein), Fürstin, 101, 102, 120, 124, 145, 160, (Biographisches, 161), (Verlobung und Heirat mit dem Grafen Siegmund Friedrich Khevenhüller-Osterwitz, 163—165), (Heiratsbrief, 165, 414 [193]). — Maria Anna (Tochter des Fürsten Emanuel und der Gräfin Maria Antonia von Dietrichstein), Fürstin, 161. (Verlobung und Vermählung mit dem Grafen Emanuel Philibert Waldstein, 145, 161, 176.) — Maria Anna (geb. Gräfin Kotulinsky), Witwe nach dem Fürsten Josef Johann Adam, s. Schulenburg-Oyen- hausen. — Maria Anna Josefa (Tochter des Fürsten Anton Florian und der Gräfin Eleonore Barbara von Thun), Fürstin, verwitwete Gräfin Johann Ernst Thun, Gemahlin des Fürsten Josef Wenzel, 43, 47, (Krankheit und Tod, Biographisches, 86, 87), 349 [109]. — Maria Antonia (geb. Gräfin Dietrichstein), Fürstin, Gemahlin des Fürsten Emanuel, 38, 47, 66, 120, 145, 160, 176, 241, 247. — Maria Eleonore Katharina (Tochter des Fürsten Johann Anton Florian K5 mmmm 606 und der Gräfin Eleonore Barbara von Thun), Prinzessin, s. Harrach. Liechtenstein, Maria Franziska Xave- ria (Tochter des Fürsten Emanuel und der Gräfin Maria Antonia Dietrichstein), Fürstin, Vermählung mit dem Fürsten Charles Joseph de Ligne, 257. — Maria Josefa (geh. Gräfin Harrach), Fürstin, Witwe nach dem Fürsten Johann Nepomuk Karl, 66, (Verlobung mit dem Fürsten Josef Maria Lobkowitz, 76). — Maria Leopoldine (geb. Gräfin Sternberg), Fürstin, Gemahlin des Fürsten Franz Josef, 286. — Maria Theresia (Tochter des Fürsten Josef Johann Adam und der Maria Anna Katharina, geb. Gräfin Öttingen- Spielberg), Prinzessin, s. Schwarzenberg. — Philipp Anton (Sohn des Fürsten Josef Wenzel und der Fürstin Maria Anna Josefa, geb.Liechtenstein, verw.Thun), Fürst, 87, 350 [109]. — scher Garten, s. Wien. — sches Porzellan, Schenkung Friedrichs II. von Preußen, 185, 461 [221]. Ligne, Charles Joseph, Prince de, (als Fräulein von Thürheim verkleidet, 244), (Vermählung mit der Prinzessin Maria Franziska X. Liechtenstein, 257). Ligneville, s. Lenoncourt. Lilienfeld, 139. Limburg-Bronchorst-Styrum-Glo- ben, Karl Josef Gustav, Graf, 321 [71]. Lindau (Brand von), Hippolyta, s. Metsch. Linden, General, 136. Lissabon, Erdbeben, s. Elementarereignisse. Livizzani, Giuseppe, päpstlicher Memorialsekretär, Kardinal, 401 [181]. Lobkowitz, Johann Georg Christian, Fürst, kommandierender General in Ungarn, 76, (Krankheit, Tod, Biographisches, 145). — Josef Maria Karl (Sohn des Fürsten Johann Georg Christian und der Gräfin Maria Henrike Waldstein), Fürst, Oberst, (Verlobung mit der verw. Fürstin Johann Karl Liechtenstein, geb. Harrach, 76). Lobkowitz, Maria Elisabeth, Fürstin, s. Ulfeld. — Maria Wilhelmine, Fürstin, s. Althann. — Philipp Hyacinth, Fürst, 216. — ische Häuser, s. Wien. Loosdorf, 120. Lopresti, Boeco de, Baron, 2. Loredano, Francesco, Erhebung zum Dogen von Venedig, 16. Losy von Losymthal, Adam Philipp (Sohn des Grafen Johann Anton und der Franziska Claudia Gräfin Stras- soldo), Graf, Musik- und General- Baudirektor, 29, 49, 170, 215, 243, 246, 252, 269. — — MariaErnestine (geb. Gräfin Fuchs), Gemahlin des Grafen Adam Philipp, 29, 66, 171, 254. — — Franziska Claudia (geb. Gräfin Strassoldo), Witwe nach dem Grafen Johann Anton, Krankheit und Tod, 269, 270. Losymthal, s. Losy. Lothringen, Charlotte, Prinzessin, 3, 4, 11, 13, 14, 18, 21, 29, 34, 38, 40 —43, (Horror vor Kranken 44), 48, 55, 58, 64, 65, 67, 70, 71, 91, 95, 97, 101, 102, 114, 115-119, 121, 128, 129, 137, 153, 159, (Übersiedlung nach Belgien, 165, 190, 197, 198), 178, 180-187, 190, 215, 272. — Elisabeth Charlotte, Herzogin (Mutter Franz’ I.), 18. — Karl, Prinz von, 73, 79, 108, 116— 119, 123, 126, 128, 135, 136, 190, 276, 279, 293 [26], 330 [85], 331 [88], 342 [99], 513 [255], 514*), 516, 536. — Leopold Josef Karl, Herzog, 18. — Titel „Königliche Hoheit“, 467*). Lottospiel, s. Castaldi. Löwenstein-Wertheim, Amalia Theresia (Tochter des Grafen Ferdinand Karl), Gräfin, s. Rosenberg. 607 Löwenstein - Wertheim, Christine Anna Theresia (Tochter des Grafen Ferdinand Karl), s. Liechtenstein. — Ferdinand Karl, Graf, 308. — Maria Leopoldine, s. Starhemberg. Lubomirska, Henriette Charlotte, Gräfin, s. Flemniing. Luclwig XIV, j s . Prankreioh . — s. Braunschweig. — s. Orleans. — Philipp, s. Orleans. — Rudolf, s. Braunschweig. Luise, s. Dänemark. — Elisabeth, s. Parma. — Maria Theresia, s. Parma. — Ulrike, s. Schweden. Lunati-Yisconti, Maria Anna Luise, Gräfin, s. Esterhazy. Lussan-Bouchard, s. Aubeterre. Lützow, Kaspar Ludwig, Freiherr, 321 [71]. Luzan, Conte, FML., 218. Lynden, s. Linden. — s. Aspremont. Machault d’Arnou ville, Jean B., französischer Generalkontrollor und Siegelbewahrer, Marineminister, 556, 559, 572. Magnifique, le, s. Theater. Mährisch-Trübau, s. Ausflüge und Reisen des Hofes (Neuhof-Prag). Mainz, Johann Friedrich Karl Ostein, Graf, Kurfürst, Erzbischof (1743, IY. 22 — 1763, VI. 4.), Krankheit, Vorkehrungen des Wiener Kabinetts, 84, 349 [105], — -Trier-Frankreich, s. Frankreich- Mainz-Trier. -Österreich, s. Frankreich- Mainz-Trier. -Würzburg, Irrungen wegen des Palliums und Yortragens des Kreuzes, 80, 84, 345, 346 [104], (Pergens Instruktion vom 24. Januar 1753, S. 345, 346 [104]). Majo, Don Niccolo di, neapolitanischer Botschafter in Wien, 122, 125, 126, 178, (gibt zu Ehren des Erzherzogs Ferdinand ein Fest, 203, 204), 205, 217. Majo, Don Niccolo di, neapolitanischer Botschafter in Wien, (seine Gemahlin weigert sich, der Kaiserin die Hand zu küssen, 125, 126). Maison de Campagne, la, s. Theater. Malabaila, s. Canale. Malaspina, Franz Maria, Marchese, (Geheimer Rat, 76), (Biographisches, 339 [91]). Mälck, s. Mölck. Malechamp, s. Du Beyne. Malerakademie, s. Wien. Malmedy, s. Stavelot. Malta-Neapel, s. Neapel-Malta. — — -Österreich, s. Neapel-Malta. Malvezzo, Vincenzo Maria, Domherr von Santa Maria Maggiore, Kardinal, 401 [181]. Manderscheidt-Blankenheim, s. Prag, Erzbischof. Mannagetta, Johann Josef, (Vizepräsident des Direktoriums, Freiherrenstand, 109). Mannersdorf, vom Kaiser käuflich erworben, 173. Mansfeld (Heinrich), Fürst, 68. — Josef Wenzeslaus, Graf, 574 [279]. — Graf, (ältester Sohn des Fürsten), 68. Manzadar, Pio, Pater Barnab., 92. Manzini-Mazarini, s. Nivernois. Marchegg, s. Ausflüge und Reisen des Hofes. Marcy (i), Abbe, 5. Mareschall, Johann Karl Josef von, österreichischer Legationssekretär in Paris, später Gesandter in der Schweiz, 376 [150], 484 [237]. Margaretha-Theresia, Karmeliterin in St. Pölten, vormals Kammerjungfer der Gräfin Khevenhüller, 139.', Mari retrouve, le, s. Theater. Maria Amalia, s. Habsburg. -s. Neapel. — Anna, s. Habsburg. -s. Portugal. — Antoinette, s. Habsburg. — Beatrice, s. Modena. 608 Maria, Christine, s Habsburg. — Elisabeth, s. Habsburg. — — Josefa, s. Habsburg. — Josefa, s. Habsburg. -s. Neapel. — Karoline, s. Habsburg. — Theresia, s. Habsburg. — — s. Braunschweig. -Cibio, s. Modena. Maria-Brunn, 140. Maria-Enzersdorf, s. Ausflüge und Beisen des Hofes. Maria-Zell, 139, 140, 209 (s. auch Ausflüge und Beisen des Hofes). Marie, Königin, s. Frankreich. Mariage fait et rompu, le, s. Theater. Marivaux, Pierre Carlet de Chamblain, de, französischer Bühnendichter, 101. Marktordnung, 148 (s. auch Dier). Mar sch all, Ernst Dietrich, Freiherr von, FZM., kommandierender General in Luxemburg, Biographisches, 262. Martin, N., 25. Martinelli, Dom., Architekt, 546 [267]. — (Quirinali), Giuseppe, Architekt, 546 [267]. Martini, Karl Anton, Hofmeister und Sekretär des Grafen Johann Sigismund Khevenhüller, 9, (Biographisches, 9, 9*). Martinitz, Adolf (Adoptivsohn des Grafen Franz Michael), Graf, 321 [71], (Krankheit, Tod, Biographisches, 89). — Franz Karl (Sohn des Grafen Karl Josef und der Gräfin !fhilippine Clary- Aldringen), Graf, 574 [279]. — Franz Michael, Graf, 89. — N., Graf, 199. Mascov, Johann Jakob, 409. Maskenbälle, (Ballordnung, 1, 2, 276 [1]), 2, 3, (Kinderball bei Hof, 3—5, 8, 89, 90, 93, 159, 163, 164, 222), 5, 7, 11, 12, 84, 85, 88—90, (Kinderball bei Khevenhüllers, 93, 94), (Kinderball bei Trautsons, 94), Kinderball bei Batthyänys, 94, 226), 146, 150, 158, 160, 165, (im spanischen Saal in der Hofburg zu Prag, 195)> Karnevalsordnung, 208), 223, 224, 268. Massa, Fürstentum, 289—291 [24]. — und Carrara, s. Modena. Mastricht, Pieter van, 409. Mat in, le, s. Theater. Matt ei, Luigi, Uditore di Bota, Kardinal, 401 [181]. Mauchenheim, gen. von Bechtolds- heim, Johann Philipp Christoph Franz Ignaz Kajetan, Stiftskapitular zu Bamberg, 378 [154J. Mauerbach, s. Ausflüge und Beisen des Hofes. Maximilian, s. Habsburg; Hessen. — Josef, s. Bayern. Mazarini (Manzini), s. Nivernois. Mechanisches Kabinett, s. Schönbrunn. Mechant, le, s. Theater. Mecklenburg - Schwerin, Christian Ludwig, Herzog, 346. — — — -mecklenburgische Bitterschaft, Erbvergleich, 260, 261, 553 [272]. — -Strelitz, Adolf Friedrich III., Herzog, 346. — — Adolf Friedrich, Erbprinz, 346. — — Elisabeth Albertina, Witwe nach dem Herzog Karl Ludwig Friedrich, 346. — — Karl Ludwig Friedrich, Herzog, 346. — — Mecklenburg - Schwerin, Erb vergleich, 84, 346 [104], Medaillen- und Münzsammlung, s. Habsburg, Franz I. Medisant, le, s. Theater. Megow, s. Küssow. Mehlgrube, 2, Melanide, s. Theater. Melk, s. Ausflüge und Beisen des Hofes. Mellini, Mario, Kardinal, 456 [215]. Menechmes, les, s. Theater. Mengersen, Friedrich Christian, Freiherr von, 574 [279]. Mercy d’Argenteau, Anton Ignaz, Graf, kommandierender General in Slawonien, 127, 176 — — Florimond, Graf, kaiserlicher Gesandter in Turin, 176, 183, 350 [110], w 418 [201]. 609 Me re confidente, la, s. Theater. Merkur und Sonne, 103. Metastasio, Pietro Bonaventura, Abbate, Hofpoet, 272, 392 [171]. Metromanie, la, s. Theater. Metsch, Eleonore Dorothea (von Thum- schirn, a.d.H. Frankenhausen), Gräfin, Gemahlin des Grafen Johann Ernst, 298. — Hippolyta (Brand von Lindau, a. d. H. Wiesenburg), Gemahlin des Joachim Christian, 298. — Joachim Christian (auf Flohn und Polentzko), 298. — Johann Adolf, Graf, 19, 247, 298. — Johann Ernst (auf Polentzko und Bernthoven), Graf, 298. — Karoline Maria Auguste, Gräfin, s. Khevenhüller-Osterwitz. — Klara (von Hermsdorff, a. d. H. Ullersdorf), Gemahlin des Philipp Metsch, 298. — Leberecht (auf Sommeritz), 298. — Maria (von Breitenbach, a. d. H. Kaschwitz), Gemahlin des Peter Metsch auf Flohn, 298. — — Tochter des Peter und der Maria, geh. Breitenbach, s. Römer. — Maria Ernestine Philippina Theresia (Gräfin Aufsess), Gemahlin des Grafen Johann Adolf, (127, 128 Tod), 298, — Maria Luise (Tochter des Grafen Johann Adolf und der Gräfin Maria Ernestine Philippine, geh. Aufsess), s. Nostitz. — Peter (auf Flohn), 298. — Philipp (auf Flohn), 298. — Sophie Elisabeth (von Schierstädt, a. d. H. Klein-Radegast), Gemahlin des Leberecht, 298. — Sophie Hippolyta (verm. 1. mit Georg Hartmann von Rahna auf Birke; 2. als zweite Gemahlin mit Johann Moritz von Brühl auf Gangloff-Söm- mern [der in 1. Ehe mit Erdmuth Sophie von der Heydte a. d. H. Chemnitz vermählt war], 298. — Bestuchew-Brühl-Carlowitz, Filiation, 36, 298. K h e v e n li ü 11 o r - S c h 1 i 11 e r. 1752 —1755. Metzhurg, Georg Ignaz, P. S. J., Professor der Mathematik am Theresianum, 60. Michild, s. Mitchell. Migazzi, Christoph Anton, Uditore di Rota, kaiserlicher Gesandter in Madrid, (Biographisches, 6), 7—10, 79, 80, 97, 279 [8], 304, 307 [46], 321 [71], 326 [77], 342 [96], [99], 347 [105], 364 [128], 373 [140], 510. Militärgrenze (Warasdiner Aufstand), 231, 499-501 [253]. Militärpromotion, Bemerkungen darüber, 181. Militärschule, s. Wien. Millesimo, s. Caretto. Millo, Giovanni Jacopo, päpstlicher Da- tar, Kardinal, 401 [181]. Mirandola und Novellara, 290. Mirepoix, Gaston Charles Pierre de Levis, Marquis, französischer Botschafter in London, 539. Misanthrope, le, s. Theater. Mitchell, Andrew, englischer Kommissär bei den Konferenzen zu Brüssel, 276*), (Biographisches, 382). Modena, Franz III., Herzog, 127, 280 [10], 287 [16], 401 [185], — Herkules Rainald, Erbprinz von Modena, Herzog von Massa und Carrara, 127, 141-143, 149, 150, 152, 153, 155, 160, 162, 165, 168, 208, 280*), s. auch Novi. — Maria Beatrice, Tochter und Erbin des Erbprinzen Herkules Rainald aus dessen Ehe mit Maria Theresia Cibio, Erbin von Massa und Carrara, 113, 280 [10], 280*). — Maria Theresia Cibio (Erbin von Massa und Carrara, Gemahlin des Erbprinzen Herkules Rainald), 85, 126, 144. — Rainald Franz (Sohn des Erbprinzen Herkules Rainald und der Maria Theresia Cibio), 85, 106, 349 [106], 371 [135]. — Bischof, Julianus Sabbatini (1745, III. 8. —1757, VI. 3.), 304, 320, 322 [76], 39 610 Modena-Österreich, s. Österreich-Modena. Mödling, s. Ausflüge und Reisen des Hofes. Mohr, Andreas von, Hofrat, Reichsreferendar, 498. — Freiherr von Wald, s. Wald. Mölck, Felix Anton, Edler von, salz- burgischer Hofkanzler und Lehenpropst, 182. — Generalin, 85. Moldau-Tein, s. Ausflüge und Reisen des Hofes (Böhmen). Molk, s. Moltke. Mollart, Maria Karoline, Gräfin, s. Fuchs. Möllersdorf, s. Ausflüge und Reisen des Hofes. Moltke, Adam Gottlieb, Graf, dänischer Oberhofmarschall, 518. Mömpelgard, Georg Friedrich, s. Esperance, Georg Friedrich. — Chevalier Balde, s. Esperance, N. Monanghahela, Schlacht am, 554, 554*). Monn, Bernhard, Kanzlist in der Staatskanzlei, 373 [143]. Montbeliard, s. Esperance. Montecuccoli, Ernestine, Gräfin, s. Rosenberg. — Graf, Malteser, modenesischer Gesandter in Wien, 85, 113, 121, 142, 150. Montecuccoli-Caprara, Francesco, Marchese, 35, 150, 151. — — Gräfin (Gemahlin des Grafen Francesco und Erbin von Caprara), 150. Montelabate, Johann Jakob, Graf, 574 [279]. Montenegro, s. Österreich-Rußland. Monticelli, Angelo Maria, Sopranist bei der königlichen Kapelle zu Dresden, 196. Montoya di Cardona, Francesco, Conte, 574 [279]. Moser zu Ebreichsdorf, Leopold von, Land-Untermarschall von Niederösterreich, 208. Mottal, s. Mottol. Mottol, Gründung und Einweihung der Kreuzkapelle, 193 (s. auch Ausflüge und Reisen des Hofes, Neuhof-Prag). Münchhausen, Philipp, Freiherr von, Chef der deutschen Kanzlei Georgs II. von England, 10, 15, 280 [10], 303, 502, 505, 511, 513 [255]. — Gerlach Adolf, Freiherr von, hannoverischer Geheimratspräsident, 291, 293 [28], 304. Münz- und Medaillensammlung, s. Habsburg, Franz I. Münzhaus, s. Wien. Murray, Josef Jakob, Graf, 321 [71]. Nädasdy, Franz (f achtjährig am 16. September 1752), (Sohn des Grafen Leopold Florian und der Maria Josefa, geb. Gräfin Trauttmansdorff), Graf, Krankheit und Tod, 65. — Leopold Florian, Graf, ungarischer Hofkanzler, 65, 164, 392 [169]. — Maria Maximiliana(Tochter desGrafen Franz Anton Rottal und der Maria Cäcilia Gräfin Trauttmansdorff), Gemahlin des Grafen Franz, 164 („Generalin“). Nagy-Manya, s. Koller. Namiesch, Herrschaft, s. Haugwitz, Friedrich Wilhelm, Graf. Nanine, s. Theater. Naselli, Cavaliere (Sohn des Duca d’Aragona, Günstlings des Königs beider Sizilien), 64. Nassau-Corroy, Wilhelm, Graf, 574 [279], Naturalienkabinett, s. Wien. Naufrage, le, s. Theater. Neapel (-Sizilien), Gabriel Anton (Sohn Karls III.), 35, 297. -Karl III. (Taufpate des Erzherzogs Ferdinand, s. Habsburg Ferdinand), 203, 297, 347 [105], — — Maria Amalia, Gemahlin Karls III., 4 (Taufpatin des Erzherzogs Ferdinand, s. Habsburg Ferdinand). — — Maria Josefa (Tochter Karls III.), 347 [105], — — Philipp Anton (Sohn Karls III.), 347 [105]. ; I i & J 611 % l I Neapel-Malta, Ansprüche Neapels auf Malta; Einsprache Österreichs, 183, 460-461 [217]. — -Österreich, s. Österreich-Neapel. Negri, Marchese, Obersthofmeister des Erbprinzen von Modena, 142. N e i p p e r g, Maria Franziska Eugenie (geh. Königsegg-Erps), erste Gemahlin des Grafen Leopold Josef Nepomuk, (Krankheit und Tod), 61, 65. — Leopold Josef Nepomuk (Sohn des Grafen Wilhelm Reinhard und der Maria Franziska Therese, geh. Kheven- hüller-Frankenburg), Graf, (Verlobung und Vermählung [zweite Ehe] mit Maria Wilhelmine Gräfin Althann, 162, 163), (Biographisches, 162, 163), 280 [9]. — Maria Franziska Therese (geb. Gräfin Khevenhüller-Frankenburg), Gemahlin des Grafen Wilhelm Reinhard, 162. — Maria Wilhelmine, Gräfin (geb. Althann), Gemahlin des Grafen Leopold Josef, 163. — Maria Wilhelmine Josefa (Tochter des Grafen Wilhelm Reinhard und der Maria Franziska Therese, geb. Khe- venhüller -Frankenburg), Verlobung und Vermählung mit dem Fürsten Johann Adam Josef Auersperg, 234, 235. — Wilhelm Reinhard, Graf, FM., 150, 162, 169, 180, 187, 199, 231, 262, 267. Neitschütz, Henriette Margarethe, s. Carlowitz. Neny, Patrik-Fran$ois, Rath im Conseil prive, 293 [26]. Nett ine, Madame, Besitzerin eines Handelshauses in Brüssel, (Biographisches, 384 [159]), 384*). Netolicky von Eisenberg, Wenzel Kasimir, Freiherr von, Präsident der Repräsentation und Kammer in Böhmen, 188, 194. Neudorf, s. Ausflüge und Reisen des Hofes. Neuhof-Prag, s. Ausflüge und Reisen des Hofes. Newcastle, Thomas Pelham, Herzog, englischer Staatssekretär für die nordischen Angelegenheiten, 293 [28], 330 [80], 331 [89], 338 [89], 352 [117], 365 [129], 389 [160], 457*), 539. Neuenstein, Hofpoet, 205. Neuhaus, Josef Maria Nikolaus, Freiherr von, kurbayrischer Gesandter in Wien, 49, 53. (Vermählung mit Maria Rosa Josefa Gräfin Lamberg, 53, 313 [59].) Niederlande, s. Österreich-Frankreich; Österreich-Spanien. Nieder-Österreich, s. Österreich (Nieder-). Nikolsburg, s. Ausflüge und Reisen des Hofes. — Propst, s. Cechotti von Ehrensburg. Nivernois, Louis Jules Barbon Man- zini-Mazarini, Herzog, Pair von Frankreich, 554, 558, 564—566, 570. Norburg (Holstein), Elisabeth Juliane, s. Braunschweig. Nostitz-Rieneck, Franz Anton, Graf, (Duell mit dem Grafen Werschowitz; Biographisches, 20, 21, 21*). — — Maria Josefa Theresia, Gräfin, s. Daun. -Rokitnitz, Anton Christoph Karl, Graf, 173. — — Josef Wilhelm, Graf, 173. — Maria Luise (geb. Gräfin Metsch), Gemahlin des Grafen Josef Wilhelm, 127. Novellara, s. Mirandola und Novellara. Novi, Marchese (Pseudonym des Erbprinzen von Modena), 142. Nu sie, s. Ausflüge und Reisen des Hofes (Neuhof-Prag). Ob er gassing, s. Ausflüge und Reisen des Hofes. O bersthofmeisteramt, UlfeldsPromo- tion, Handschreiben aus der Staatsund der Reichskanzlei, 108*). Oberstkämmerer, s. Hofwirtschaft. Oberstküchen- und Kontrolloramt, s. Hofwirtschaft. Ob res co w, s. Obreskow. f 39 * 612 Obreskow, Alexei, russischer Gesandter in Konstantinopel, 459. Ogara, Charles, Baron d’, (Bestellung zum Obersthofmeister der Prinzessin Charlotte von Lothringen, 17.) (Biographisches, 18), (Beeidigung als Geheimer Rat, 41), 56, 64, 102*), 116, 141, 179, 195, 289 [22], Ogi er, Jean Francois d’, französischer Botschafter in Kopenhagen, 518. Ogilvy, Karl Josef, Graf (Sohn des Grafen Hermann Karl und der Gräfin Esther Anna von Welz), 321 [71]. Olmütz, s. Ausflüge und Reisen des Hofes (Neuhof-Prag). — Troyer, Ferdinand Julian von, Bischof, (1745, XII. 9. —1758, II. 5), Kardinal, 153, 198, 199, 262. Opotschna, s. Ausflüge und Reisen des Hofes. Originaux, les, s. Theater. Orleans, Charlotte Elisabeth (von der Pfalz, zweite Gemahlin Philipps I.), 287 [18]. — Elisabeth Charlotte, s. Lothringen, — Ludwig (Sohn Philipps II.), Herzog von, 15, 190, 287 [18]. — Ludwig Philipp (Sohn des Herzogs Ludwig), Herzog von Chartres, 15, 287 [18]. — Philipp I., Herzog von, 287 [18]. — Philipp II., Herzog von, 287 [18]. Orsini-Rosenberg, s. Rosenberg. Ostein, Johann Friedrich Karl, s. Mainz. Österreich, Titel „königliche Hoheit“ für die Erzherzoge und Erzherzoginnen, s. Ceremoniel, Erzherzoge. — (Inner-), s. Österreich-Spanien. — (Nieder-), (Landtag, 73), (Überreichung der Postulate, 149, 208, 264), (Wechsel im Landmarschallamt, 149, 393 [176]). — Überschwemmung, s. Elementarereignisse. — (Ober-) Religionsirrungen, 17, (288— 289 [21], Vortrag der o.-ö. Repräsentation und Kammer vom Februar 1752). — (Steiermark), Erhebung zu einem Königreich unter Kaiser Friedrich II., 468, 468*). Österreich-Bayern: Rückgabe der Artillerie an Bayern, 107. — -Dänemark: Vertragsverhandlungen, 294 [29]. -England: Besetzung des Botschafterpostens in London, 89, 352 [116]. — Vorkehrungen gegen einen preußischen Angriff: Frage des Beitritts Georgs II. als Kurfürsten von Hannover zum 4. geheimen Artikel des Petersburger Traktats (zwischen Maria Theresia und Elisabeth), d.d. 1746 Mai 22 u. Juni 2; Entwurf der Beitrittsurkunde, Frage des Beitritts Kursachsens, 95, 358— 360 [124]; Plan eines Defensivbündnisses zwischen Österreich, England, Sachsen und Rußland; Bemühungen Österreichs um die Einleitung vonSub- sidien Verhandlungen zwischen England und Rußland und um die Verlängerung der Subsidienzahlung an Sachsen; Williams Verhalten (Reskript an Pretlack vom 26. März 1753), 95, 96, 360 [125], 360—362 [126]. — Österreich bemüht sich, daß die englischrussische Konvention zu Stande komme; seine Friedensliebe (Vortrag des Grafen Kaunitz vom 14. August 1753.) (Kaunitzens „Reflexions“ vom 13. August 1753.) 134, 384-389 [160]. — Der Abschluß noch in weite Ferne gerückt; Stellung, die deshalb Österreich gegenüber Rußland einnehmen will. (Referat des Grafen Kaunitz vom 20. Mai 1754.) 175, 422-427 [205]. — — s. auch England-Rußland; Österreich- Frankreich; Österreich-Modena; Österreich-Seemächte; Römisches Reich (die Frage der römischen Königswahl). -Frankreich: Ludwig XV. und Königin Maria Paten der Erzherzogin Maria Karolina, 55, 68, 330 [82]. — Haltung Österreichs in dem zwischen England und Frankreich ausgebrochenen Kolonialkrieg: England sondiert seinen Alliierten; es weist auf die Möglichkeit hin, daß Frankreich die Niederlande und die deutschen Gebiete Georgs II. bedrohen könnte; Öster- 1 » 613 i •i reich möge beizeiten Vorkehrungen treffen; Hinweis auf Verhandlungen zwischen Frankreich und Preußen, Gefährdung der deutschen Gebiete Georgs II. durch Preußen; Forderung an Österreich, seinen englischen Bundesgenossen zu unterstützen, 233, 501 —502 [255]; Vortrag des Grafen Kaunitz vom 4. April 1755: Gefahr, daß das Kriegsfeuer auch das feste Land ergreife; Gefährdung Österreichs durch Preußen; Notwendigkeit, daß sich Österreich davor schütze; ein Weltkrieg zu vermeiden; Österreich müsse sich um Beilegung des englisch-französischen Streites bemühen; Anerkennung des Casus foederis im Falle einer Bedrohung Englands, mit der Forderung jedoch, daß die Verpflichtung gegenseitig sei; dasselbe im Hinblick auf Hannover, 502— 505; Verhalten Österreichs gegenüber Frankreich; Versicherung der Friedensliebe Österreichs, das geneigt sei, zur Beilegung des Konflikts seine guten Dienste anzubieten; Notwendigkeit, im gegebenen Falle die Niederlande zu decken; erste Vorkehrungen, 505—506; „Particnlar - Defensions- Vorschläge als Grundlage eines späteren Übereinkommens“ [A], 506— 508; „Gedanken über die künftigen Kriegsveranstaltungen“ [B], 508—513 [255]; Deckung der Niederlande: Forderung Hollands in Ansehung der Verstärkung der Garnison vonNamur; Österreichs Zustimmung. (Vortrag des Grafen Kaunitz vom 31. Mai 1755.) 242, 513 — 516 [261]. Rußland und Schweden. Österreich erachtet für unerläßlich, daß Rußland ein gutes Einvernehmen mit Schweden und der Türkei unterhalte, um Österreich, im Falle eines preußischen Angriffes, mit vollen Kräften unterstützen zu können. Sendung Zinzendorfs nach Stockholm, um Schweden zu sondieren („Geheime Erinnerungspunkte“), 516 —519; (Weisung an Zinzendorf vom vom 31, Mai 1755), 519-521 [261], Forderung Englands an Österreich, die Niederlande zu decken. Gründe für und gegen. Es wird die Absendung eines Korps, jedoch unter gewissen Bedingungen, beschlossen, 246, 247, 521-545 [263], 545 [261]. (Vortrag des Grafen Kaunitz vom 17. Juni 1755, samt Beilagen 521—545 [263], woraus erhellt, daß Kaunitz und Maria Theresia damals noch an der Allianz mit den Seemächten festhalten und Preußen gegenüber gedeckt sein wollten.) Österreich will sich am Kriege nicht beteiligen und seine neutrale Stellung selbst dann nicht aufgeben, wenn Frankreich in die Niederlande einbrechen sollte, 256, 546—551 [268]. (Konferenzvota, 546 [268].) — Von Maria Theresia aufgefordert, unterbreitet ihr Bartenstein eine Denkschrift, 19. August 1755, über den Zustand von Europa, betitelt „Bestgemeinte unschuldige Betrachtungen“, worin auch er für die Beobachtung strikter Neutralität eintritt, 546—551 [268]). Gründe, die Österreich veranlassen. dem Neutralitätsgedanken zu entsagen und eine Allianz mit Frankreich anzubahnen, deren Spitze sich gegen Preußen richten solle, 256, 257, 552 [270], 551—552 [269]. (Eintragungen Khevenhüllers, 252 [269].) 261, 553—555 [273]. Kaunitzens Vorschläge; Khevenhüllers Votum, 268, 555 [276], 555-574 [277]). (Reskript an Starhemberg vom 22. November 1755, 555-574 [277].) Österreich-Frankreich, s. auch Frank- reich-Mainz-Trier; Österreich-Genua; Österreich-Modena; Österreich - Spanien; Römisches Reich (die Frage der römischen Königswahl). — -Genua: Streitigkeiten über San Remo, welches erklärt, stets zum Reiche gehört zu haben und nie von Genua abhängig gewesen zu sein. Frankreich unterstützt die Ansprüche Genuas, 169, 174, 176, 180, 418-419 [201], 614 419—422 [204]. (Instruktion Mercys | vom 30. April 1754, 418—419 [201].) — Denkschrift des französischen Botschafters vom 26. April 1754, 419— 421 [204], Antwort des Wiener Hofes, 421—422 [204]. Österreich-Holland, s. Österreich- Frankreich ; Österreich-Seemächte. — -Köln, s. Römisches Reich (die Frage der römischen Königswahl). — -Mainz, s. Frankreich-Mainz-Trier. — -Malta, s. Neapel-Malta, -Modena: Plan einer Heirat des Erzherzogs Leopold mit der Erb- prinzessin von Modena; Sukzession. (Münchhausen an Khevenhüller 1752, I. 21. und Khevenhüllers Antwort, 10, 280—281 [10]), (Franz III. hatte ursprünglich die Sukzession England angeboten, 280 [10]), (Khevenhüllers Schreiben an Münchhausen vom 8. März 1752*, S. 15, 286-287 [16]), (Vorschläge des Herzogs, Bartensteins Referat vom 10. April 1752, S. 22, 289—291 [24]), 44, (Vortrag Bartensteins vom 22. Juni 1752, S. 301— 305 [46]. Modenesisches Projekt, 306 —307 [46], Modenas Beitritt zum Vertrage von Aranjuez 307 [46]), 51, (die beiden Vertragsentwürfe, 52, 312 [56]). (Christiani wird beauftragt, mit den modenesischen Ministern zu unterhandeln, 56, 318—320 [68], Weisungen an ihn und an Vorster vom 27. August 1752, Bartensteins Vortrag 28, September 1752, Garantie Englands und Hannovers, S. 61, 322 [76], 326 [78]), 71, 75.) (Franz III. beanständet die Artikel X und XII des HeiratsVertrages, 77, 339—340 [93].) (Ankunft Grossatestas in Wien, 78, 342 [95].) (Spanien, Frankreich, 79, 342 [96]), 85, 87. (Verständigung mit England, 90, 352—354 [117]), 93. (England fordert, es solle vor Unterzeichnung des Vertrages Spanien benachrichtigt werden. Die Verhandlungen scheinen durch die Geburt eines Prinzen in den Sand zu verlaufen, 101, 369 [132], 103, 369— 371 [135].) (Tod des neugebornen Prinzen; Unterzeichnung der beiden Verträge, von denen der eine die Heirat, der andere die Nachfolge betrifft, 106, 371 [136], Textberichtigungen, 112—113, 374 [146].) (Be- schenkung der beiden modenesischen Minister bei Anlaß der Konventionsunterzeichnung, 121.) (Erzherzog Leopold erhält das Diplom eines Gouverneurs der italienischen Lande, 156.) (Trauer um die Herzogin von Penthievre mit Rücksicht auf die Allianz mit Modena, 184, 461 [220].) Österreich - Neapel: Heiratsprojekte (Erzherzog Josef — Prinzessin Maria Josefa; Prinz Philipp Anton — Erzherzogin), (Notenwechsel mit Campo- reale, Weisung an Migazzi 26. Dezember 1752), 84, 347—349 [105]. — — s. Neapel-Malta. — -Papst, s. Carpegna. — Pfalz, s. Römisches Reich (die Frage der römischen Königswahl). — -Polen, s. Österreich-Rußland. — -Preußen: Die schlesischen Schulden; Regelung der Handelsbeziehungen, 85, 94, 218, 272, 279 [3], 349 [107], 483 -484 [236]. — — s. auch England-Rußland; Illyrische Nation; Österreich - England ; Österreich - Frankreich; Österreich- Rußland; Römisches Reich (die Frage der römischen Königswahl). -Rußland: Rußland wendet nichts dagegen ein, daß Österreich (nach Abbruch der Ausgleichsverhandlungen, die der Großfürst Peter als Herzog von Holstein-Gottorp mit Dänemark gepflogen hatte) die Vertragsverhandlungen mit Dänemark fortsetze, 25, 294 [29]. Frage der polnischen Thronfolge (Stellung Österreichs im Hinblick auf Preußen). (Weisung an Pretlack vom 30. April 1752), 25, 294—295 [29], (Ulfelds Referat vom 18. Februar 1753), 90, 354—356 [118]. Anwerbung von Illyriern durch j I Rußland, 39, 56, 160, 168, 297 [41]. (Weisung an Pretlack 12. September 1752, S. 318 [67]), (Reskript an Esterhazy vom 2. März 1754, S. 412—414 [190]), 415-418 [199], — Durchzug montenegrinischer Familien, 416. Konflikt Sachsens mit Preußen wegen Einlösung der Obligationen; Sachsen wendet sich an Österreich, England und Rußland mit dem Verlangen, im Falle eines preußischen Angriffes den Casus foederis anzuerkennen. Haltung Österreichs in dieser Frage, mit Rücksicht auf eine künftige Erledigung des polnischen Throns; es verlangt, daß Sachsen dem Petersburger Traktat von 1746 beitrete, 81, 343—345 [100], 83, 345 [102]. Rußlands Anfrage an Österreich, wie es sich verhalten würde, wenn Hannover oder Sachsen von Preußen angegriffen werden sollte. Österreich besteht auf dem Beitritt Sachsens und Hannovers zum Petersburger Traktat von 1746, beziehungsweise zu dessen 4. Geheimartikel. (Reskript an Esterhazy vom 23. Dezember 1753, S. 394—399), (Note an den russischen Botschafter, 399-401 [178].) 150, 153, 394-401 [178], 401 [183]. Besetzung des Botschafterpostens in Petersburg (Graf Esterhazy), 89, 352 [116]. Differenzen zwischen Rußland und der Türkei wegen Anlegung des Forts St. Elisabeth in Neu-Serbien. Österreich will Rußland, und zwar mit Rücksicht auf Polen und Preußen, zur Nachgiebigkeit bewegen. (Vortrag des Grafen Kaunitz vom 20. Juli 1754.) 182,183, 456-460 [216], Auch England will beschwichtigend einwirken. (Vortrag des Grafen Kaunitz vom 2. Dezember 1754), (Abänderung der von Österreich und England dem russischen Hof zu übergebenden Note), 213, 477—483 [235]. Der russische Hof; der Großkanzler Bestuchew. Verhalten, das Graf Esterhazy beobachten solle. (Vortrag des Grafen Kaunitz vom 7. Oktober 1754), 202, 463—465 [229], Österreich-Rußland, s. auch England- Rußland ; Österreich-England. -Sachsen, s. Österreich - England; Österreich-Rußland; Römisches Reich (Reichstag). — -Schweiz: Vertrags Verhandlungen, 219, 484—485 [237]. — Seemächte: Der Barrieretraktat. (Note, von Keitb und Burmania überreicht, d. d. 1751, XI. 23., S. 3, 276—277 [3]), (Antwort des Wiener Hofes, d. d. 1752, I. 10., S. 277-279 [3].) (Österreichische Denkschrift, „Reflexions“, über das Verhalten der kaiserlichen Regierung und der Seemächte, d.d. 1752, II. 28., S. 14, 281-286 [15]), 15, 287 [19], 23, 293 [26], 38, 297 [39]. (Referat Bartensteins vom 4. November 1752. Gutachten Kaunitzens vom 17. März 1752, S. 72, 73, 330—331 [85].) An den Prinzen Karl werden drei Vertragsentwürfe geschickt, 1752, XI. 23.. S. 75, 331 [88].) (Vertragsprojekt, das Bentinck übergeben werden solle, 1753, V., S. 114, 375 [147]), (Kaunitzens Referat vom 1. Juni 1753. Kaunitz hält die Beschleunigung der Verhandlungen schon mit Rücksicht auf das geplante Defensivbündnis mit England, Sachsen, Rußland für notwendig, S. 117, 375 [149]), 130, 380 [157], (Cobenzls Instruktion vom 6. August 1753, S. 134, 380—383 [159]). (Mündliche Aufträge an Cobenzl: Ständische Verwaltung; Cazier; Nettine; Weiss; Botta d’Adorno. [Vortrag Kaunitzens vom 6. August 1753], 388-384 [159]), 178. (Von Keith und Burmania überreichte Note, d. d. 1754, III. 27., S. 180, 432 [208], Remarques et contrepropositions sur le projet de convention, remis par le comte de Kaunitz ä Bentinck, le 25 janvier 1753, et sur le second projet du 20 fevrier 1753, S. 432—433 [208]. Vortrag vom 5. Juni 1754, S. 433. — Note an Keith und Bur- 616 mania, 433—434. — Dem englischen Botschafter vorgelesener Aufsatz, 434 —437. — Eindruck, den dieses Schriftstück auf Keith hervorbringt, 438— 439. Neuer österreichischer Konventionsentwurf vom 23. Juni 1754; die vier Entwürfe, 438—456 [208].) (Der neue von Keith und Bunnania vorgelegte Konventionsentwurf vom 30. September 1754, S. 207, 475-476 [234]. — Schreiben an Keith und JBurma- nia, November 1754, S. 476. — Schreiben an Burmania, November 1754, S. 477 [234],) (Keith ersucht den Staatskanzler um einen neuen Konventionsentwurf; Vortrag des Grafen Kaunitz darüber, 26. Februar 1755, S. 227, 485—491 [245]. Österreichischer Vertragsentwurf vom 27. Februar, 1755, S.491—494 [245].) (Ansinnen des englischen Gesandten, der sich mit dem letzten österreichischen Entwurf keineswegs einverstanden erklärt; seinem Verlangen, es sollen nach Jahr und Tag die vertragschließenden Teile nicht mehr an die Convention provi- sionnelle gebunden sein, wird nicht willfahrt, 228, 494 [246].) Österreich-Seemächte, s. auch Österreich-Frankreich ; Römisches Reich (die Frage der römischen Königswahl). -Spanien-Sardinien: Vertragsverhandlungen, 3, 48, 279 [4], 289 [24], 295 [32], 307 [50], (Auswechslung der Ratifikationsurkunden, 61, 326 [77]). — -Spanien: Verhandlungen über einen Handelsvertrag, 79, 342 [96]. (Belgien und Innerösterreich. Österreichischer Entwurf, 80, 342—343 [99].) — Bemühungen Frankreichs, das Einvernehmen zwischen Österreich und Spanien zu trüben. (Weisung an Mi- gazzi vom 31. März 1753; Notwendigkeit, Frankreich über die Absichten Preußens aufzuklären. Frankreichs Bestreben, die Pforte zu einem Bündnis mit Preußen zu veranlassen; Preußens Absicht, eine Handelsmacht zu werden und deshalb, beim Ausbruche von Unruhen in Polen, Preußisch-Polen und Danzig an sieh zu reissen, 97, r 364—365 [128].) Österreich-Spanien, s.auch Österreich- Modena. — -Trier, s. Frankreich-Mainz-Trier. -Türkei, s. England-Rußland; Österreich-Rußland. — -Venedig: Grenzstreitigkeiten 5, 279 [6], — Sendung eines venezianischen Botschafters, der Franz I. zur Kaiserwürde beglückwünschen soll, wird wegen Verspätung unterlassen, 16. — -Wallis: Salz aus dem Mailändischen; Handelsverbindung, 9, 356 [120]. Ostfriesland, s. Römisches Reich (Hannovers Ansprüche). Öttingen, Christine Luise, s. Braunschweig. — -Spielberg, Maria Josefa Antonia, Gräfin, s. Paar. Paar, Maria Josefa Antonia (geb. Gräfin Öttingen-Spielberg), Witwe nach dem Grafen Johann Adam, Gräfin, Obersthofmeisterin weiland der Kaiserin Elisabeth, 126, (Obersthofmeisterin an Stelle der verstorbenen Gräfin Fnchs, 173). — Wenzel Johann Josef, Graf (Fürst seit 1769), Gemahl der Gräfin Antonia Esterhazy, 123*) Pälffy, Maria Anna Sidonia (geb. Gräfin Althann), Gemahlin des Grafen Niklas, 19. — Maria Antonia (Tochter des Grafen Niklas und der Maria Anna Sidonia, geh. Gräfin Althann), Gräfin, 5, (Verlobung und Vermählung mit dem Marquis los Rios, 19, 22). — N. (Sohn des Grafen Niklas und der Maria Anna Sidonia, geb. Althann), stirbt 14 Tage nach der Geburt, 19. — Niklas (Sohn des Grafen Leopold und der Maria Antonia, Gräfin Ratuit de Souches), Graf, Hofrat in der ungarischen Hofkanzlei, 5, 19, 22, 23. Pallavicini, Johann Lukas, Graf, FML., 150, 151. 617 Palm, Karl Josef, Graf, kaiserlicher Con- commissarius zu Regensburg, Gründe seiner Enthebung, Biographisches, 203, 465—466 [230], Palma, s. Torrepalma. Pappen heim, Friedrich Ferdinand, Graf, Reichserbmarschall, 220, 245. — Friedrich Wilhelm (Sohn des Grafen Friedrich Ferdinand und der Gräfin Anna Maria Luise von Leiningen- Hardenberg), Graf, Hauptmann, 220, 229. Papst-Österreich, s. Carpegna. — -Toskana, s. Carpegna. Pardubitz, s. Ausflüge und Reisen des Hofes (Neuhof-Prag). Parhamer, Ignaz, P. S. J. (Christlicher Kinderhort in Laxenburg, 245). Parma, Luise Elisabeth (Tochter Ludwigs XV.), Gemahlin des Herzogs Philipp, 127. — Luise Maria Theresia (Tochter des Herzogs Philipp und der Herzogin Luise Elisabeth), 127. — Philipp (Sohn Philipps V. von Spanien), Infant von Spanien, Herzog, 573. Paul Petrowitsch, s. Rußland. Paulmy, s. Argenson. Paumgarten, Johann Josef, Graf, kur- bayrischer Gesandter in Wien, 71, 150. Peck, s. Beck. Pelham, s. Newcastle. Pellendorf, 57. Penckler, Heinrich Christoph, Freiherr von, kaiserlicher Internuntius in Konstantinopel, 182, 207, 377 [153], 456 —457 [216], 458, 459, 475 [233], 478 -481, 483 [235]. Penthievre (Tochter des Herzogs Franz von Modena), Herzogin, Gemahlin des Louis Jean, Herzogs von Penthievre, 184, 461 [220]. Penzing, 57. Pergen, Johann Anton, Graf, 32, 280 [9]. (Geht als kaiserlicher Kommissär nach Mainz, 345—346 [104], 349 [105].) Pe r ge n, Johann Ferdinand Wilhelm (Sohn des Grafen Johann Baptist und der Gräfin Maria Renata von Abensberg- Traun), Graf, Vizepräsident der n.-ö. Regierung in Justitialibus, 109. Perlas, vorher Palais Lobkowitz, s.Wien, Lobkowitzische Häuser. Pessanha, s. Sylva Pessanha, da. Pest, s. Invalidenhäuser. Petazzi, Josefa Benigna (Tochter des Grafen Anton und der Anna Maria, geh. Gräfin Schrattenbach), Gräfin, s. Heissenstein. — Maximiliana, Gräfin, Hofdame, (Verlobung und Vermählung mit dem Grafen Siegmund von Heissenstein, 125, 126). Peter, s. Rußland. Petersburg, St., Defensivallianz zwischen Maria Theresia und der Zarin Elisabeth, 1746, 22. Mai/2. Juni, s. England - Rußland; Österreich - England; Österreich-Rußland. Petronio, Conte, päpstlicher Kämmerer, 159, 166. Petruzzi, Architekt, 546 [267]. Petschka, Herrschaft, 197. Pettau, s. Invalidenhäuser. Peygarten, 258, 260. Pfalz, Karl Theodor, Kurfürst, 461 [ 222 ], -Österreich, s. Römisches Reich (die Frage der römischen Königswahl). Pfütschner, Charles, Baron, 54, 99, 432 [207]. Philipp I., s. Orleans. — II., s. Orleans. — s. Parma. Philosophe marie, le, s. Theater. Piccolomini, Oetavius Aeneas, Fürst, GFZM., kommandierender General in Mähren, 199. Picker, Johann, Professor des Zivil-und Völkerrechtes am Theresianum, 9. Pierres, s. Bernis. Pignatelli, Maria Anna, Fürstin, s. Althann. Pinos, s. Vasques. Pirawart, 49. 618 Plettenberg, Franz, Graf, Theresianist, 185. Poal, Emanuel Deswalls, Marchese, 62, 132, 166, 238, 252, 411 [188]. Podiebrad (Renovierung des Schlosses), 198, s. auch Ausflüge und Reisen des Hofes (Neuhof-Prag). Polen, August III., 41, 496 [248], 499 [248], — Stanislaus Leszcinski (Herzog von Lothringen und Bar), 553 [273], 556. — -Österreich, s. Österreich-Rußland. — Thronfolge, s. Österreich-Rußland. Polyeucte, s. Theater. Pommern (Vor-), s. Schweden. Pompadour, Jeanne, Marquise, 553 [273], 559, 560. Popp (Poppen), Henrike, Freiin von, Abtissin von Goess, 139, 140. Porter, James, englischer Botschafter in Konstantinopel, 456—459 [216]. Portner, s. Porter. Portugal, König Joseph und Königin Maria Anna Victoria (Tochter Philipps V. von Spanien), Taufpaten der Erzherzogin Marie Antoinette, 266. — Maria Anna (Tochter Leopolds I.), Übertragung ihres Herzens nach Wien zur Beisetzung in der Kapuzinergruft, 172, 216. Prag, s. Ausflüge und Reisen des Hofes (Neuhof-Prag). — Ernst Moritz, Graf Manderscheidt- Blankenheim, Erzbischof (1733, XII. 18.—1763, X. 26.), (Biographisches, 10), 193, 193*), 197, 463 [225], — Errichtung des Damenstiftes auf dem Hradschin, 197. — Invalidenhaus, s. Invalidenhäuser. — Rosenbergsches Haus, 197. — Ursulinerinnen, Oberin (s. Habsburg, Josef I.). Prandau, Karl Ludwig Hillebrand, Freiherr von, Reichshofrat, 15, (Krankheit und Tod, 251), 287 [17], — Peter Anton, Freiherr von, Vizepräsident der Hofkammer, 230. — Stephan (Sohn des Freiherrn Karl Ludwig Hillebrand), Freiherr von, (wird Reichshofrat, 15, Biographisches, 287 [17]). Pr asb erg, s. Prassberg. Prassberg, Philipp Joachim, Freiherr von, Großprior des Johanniter-Ordens zu Heidersheim, (Tod, 217). Prejuge ä la mode, le, s. Theater. Preßburg, s. Ausflüge und Reisen des Hofes. — Einführung der Nonnen von Notre- Dame in ihr neues Kloster, 183. Pretieuses ridicules, les, s. Theater. Pretlach, Johann Franz, Freiherr von, kaiserlicher Gesandter in St. Petersburg, 25, 36, 37, 81, 294 [29], 297 [38], 345 [100],[102], 354[118], 354**), 355, 360 [124], [126], 366, 385, 394 [178], 397. Preußen, Friedrich II., 496 [246], 545 [263]. (Sendet die Astroa und den Romani nach Prag, 193, 463 [226].) Schreiben an die Markgräfin von Bayreuth über die Astroa und Kaiser Franz, 463 [226].) (Aufgefangenes Schreiben Friedrichs II. an Kling- graeffen, 354 [118], 354**).) — -Frankreich, s. Österreich-Frankreich; Österreich-Spanien. — -England, s. England-Rußland. — -Hannover, s. Österreich-Rußland. -Österreich, s.England-Rußland; Österreich-Preußen. -Polen, s. Österreich-Preußen; Österreich-Spanien. — -Rußland, s. England-Rußland. -Sachsen, s. Österreich-Rußland. — Türkei, s. Österreich-Spanien. Prie, Johann Anton, Marchese (Turi- netti), kaiserlicher Botschafter in Venedig, 108, 383. Prix du silence, le, s. Theater. Proskau von Proskowsky, Erdmann Christoph, (goldene Hochzeit in Schönbrunn, 45 — 48), (Biographisches, 46, 47), (Krankheit und Tod, Biographisches, 90), 308. — — Ernestine (Tochter des Erdmann Christoph und der Maria Anna, geb. Rosenberg), Gräfin, Kammerfräulein, 619 47, 90, 136, 187, (Verlobung und Vermählung mit dem Grafen Otto Karl Salm-Neuburg, 232, 234), 308. P roskau von Proskowsky, Georg Christoph II., 308. — — Karoline Maximiliana (Tochter Georg Christophs II.), s. Dietrichstein. — — Maria Anna (geh. Gräfin Rosen- herg), Gräfin, Gemahlin des Grafen Erdmann Christoph, (goldene Hochzeit in Schönbrunn, 45—48), (Biographisches, 46, 47), 90, 308. — — Philipp Christoph Leopold (Sohn des Grafen Erdmann Christoph und der Maria Anna, geh. Gräfin Rosen- herg), Graf, 47, 90, 308. — — N. (Tochter des Grafen Erdmann Christoph und der Maria Anna, geh. Gräfin Rosenberg), Gräfin, Karmeliterin in "Wiener-Neustadt, 90. — -Löwenstein-Rosenberg, Piliation, 308. Proskowsky, s. Proskau. Provenpal ä Paris, le, s. Theater. Prutzendorf, 259. Przicheffsky, s. Pfichovsky von Pfi- chovic. Pfichovsky von Pfichovic, Anton Peter, Freiherr von, Bischof zu Kö- niggrätz, Coadjutor des Erzbischofs von Prag, 35. Puchot, s. Desalleurs. Püekler, Franz Sylvius (Sohn des Grafen August Sylvius und der Freiin Luise Maximiliana von Nowack), Graf, (Krankheit, Tod, Biographisches, 187, 462 [223]. Puffendorf, Samuel von, 409, 410. Pupillp, la, s. Theater. Purkersdorf, s. Ausflüge und Reisen des Hofes. Puyzieulx et de Sillery, Louis Philoge Brulart, französischer Staatssekretär, 556. Questenberg, Maria Antonia Josefa Justine (geh. Gräfin Kaunitz-Rietberg), Witwe nach dem Grafen Johann Adam Questenberg (dessen zweite Gemahlin sie war), Gräfin, 252. Q u i r i n i (Querini), Angelo Maria, Bischof von Brescia, Kardinal, (Krankheit,Tod, Biographisches, 222, 485 [241]). Quitzin, s, Küssow. Rabutin-Chantal, Jeanne Fran^oise (Tochter des Parlamentspräsidenten Benigne Fremiot, verm. 1592 mit Christoph de Rabutin, Baron de Chantal, Gründerin des Ordens de la Visitation, f 1641, XII. 13.), Seligsprechung, 25. Rahna auf Birke, Sophie Hippolyta, s. Metsch. Rainald Franz, s. Modena. Räthot, s. Gyulaffi. Rauchenwarth, s. Ausflüge und Reisen des Hofes. Rechbach, Matthäus Karl, Freiherr von, 574 [279]. — Maximilian, Freiherr von, 321 [71]. Redoute, 94, 95, 213, 226. Redoutensäle, s. Wien. Reich, s. Römisches Reich. Reischach, Thaddäus, Freiherr von, kaiserlicher Gesandter im Reich, 331 [88], 513 [255], 516. Reitzenstein, Wolfgang Ehrenfried, Freiherr von, Ansbachscher Oberststallmeister, 200. Reuschenberg (Rauschenberg), Freiherr von, 8, 113. Reuss (Reussen), Graf und Gräfin, 188. Rex, Karl August, kursächsischer Konferenzminister, 310, 329. Rhodis (Desana), s. Esterhazy, Anna Margarethe. Ribou, Nicolas, Schauspieler, (34, 106, Biographisches).*) — (dessen Frau), Schauspielerin, 34. Ricci, Zenobius, Markgraf, 134. — zwei Schwestern, Ballettänzerinnen, müssen Wien verlassen, 45. Richmond, Charles, duc, 187. Ried von Collenberg, Meinhard Friedrich Franz, Freiherr von, 321 [71], *) S. Die Theater Wiens II/I., C9- 620 Riedesel-Eschenbach, Dorothea Elisabeth, Gräfin, s. Diemar. Ri ege r, s. Riegger. Riegersburg (Schloßkapelle), 259. Riegger, Paul Josef, Professor des Staatsrechtes, 60. Rios, de los, Marquis (Sohn des Francesco de Gutierez, Marquis de los Rios), GFML., (Verlobung und Vermählung mit der Gräfin Maria Antonia Pälffy, 19, 22). Ritter, Josef, P. S. J., Beichtvater der Königin von Portugal, 216. Rodt-Busmanshausen, s. Constanz. Rofrano, Maria Theresia (geh. Gräfin Kollonitz), Gemahlin des Marchese Peter Ludwig Rofrano, Krankheit, Tod, Biographisches, 175, 176. — Maria Theresia (Tochter des Marehese Peter Ludwig und der Maria Theresia, geh, Gräfin Kollonitz), s. Kinsky. — scher Garten, s. Wien. Roggendorf, Graf, 38, 280 [9]. Romani, Tenorist, 193, 196. Römer, Anna Maria von (Tochter des Jobst Christoph und der Marta Ro- sitzky von Kinsky, a. d. H. Butter- kröh), s. Carlowitz. — Jobst Christoph (Sohn des Johann Christoph und der Marie Metsch), 298. — Johann Christoph, 298. — Maria (geh. Metsch), Gemahlin des Johann Christoph, 298. — Marta (geb. Rositzky von Kinsky, a. d. H. Butterkröh), Gemahlin des Jobst Christoph, 298. Römisches Reich: Die Frage der römischen Königswahl, 17, (Vorsters Instruktion vom 24.März 1752. Eigenhändiges Schreiben Maria Theresias vom selben Tage: Pfälzische Entschädigung [Pleistein]; Garantie des Dresdener Friedens; Maria Theresia will weder Preußen noch Pfalz Opfer bringen, die Österreich schwächen; die Mehrheit der Stimmen entscheide; Maria Theresia für eine gesicherte und ruhige Wahl, 287—288 [20]), 18, 22, (Hyndfords Bedenken hinsichtlich Frankreichs; österreichischer Entwurf einer kurfürstlichen Erklärung, 291 —293 [24]), Verhalten, das Vorster dem König von England und dem duc de Newcastle gegenüber befolgen solle. Verhalten Englands in den Verhandlungen Österreichs mit Sardinien und Spanien; Vorster habe aber kein Mißtrauen „hervorblicken zu lassen“, 1752, IV. 23., S. 293-294 [28]), 34, 295 [32], (Beratung über die Antwort an Hyndford und Keith; die kur- brandenburgische Stimme; Ausschreibung des Kurfürstentages; pfälzische Entschädigung; Note an die beiden englischen Minister; Frankreichs Vorschlag, Georg II. zum Schiedsrichter in der pfälzischen Angelegenheit zu bestellen, 1752, V., S. 35, 295—297 [33]), (Differenzen mit England; Erklärung an England 1752 VI. 16., S. 40, 297, 299 [42]), 42, 300 [44], 49, (Note an Hyndford und Keith vom 16. Juli 1752, S. 307, 309 [52]), Protokollsentwurf vom 17. Juli 1752, S. 309—310 [52]), („Geheime Anmerkungen über das Protokolls-Projekt, so allein zu des H. von Vorster Unterricht und Anweisung zu dienen haben“ vom selben Tage, 310—311 [52]), (Maria Theresia über die pfälzische Entschädigung 1752, VII. 22, S. 51, 311 [54].) (Mündliche Erklärung der englischen Minister Hyndford und Keith vom 13 /24. Juli 1752 über die pfälzische Entschädigung; drohender Abbruch der Verhandlungen, 53, 313 [58]), (Eindruck, den diese Erklärung in Wien hervorruft; Maria Theresia beruft die Konferenz; Antwort an die beiden englischen Minister 1752, VIII. 5., S. 54, 313— 316 [60]), (Entwurf eines kaiserlichen Kommissionsdekretes, den bisherigen Verlauf der Angelegenheit betreffend, 316—317 [60]), 58, (Abschiedsaudienz Hyndfords, 54, 317 [61]), (Note an Keith vom 19. September 1752; Zugeständnisse Maria Theresias und 621 Rechtfertigung ihres Verhaltens, 61, 323—326 [77]), (Notwendigkeit, Frankreichs halber mit den Seemächten auf gutem Fuße zu stehen: Weisung an Kaunitz, 1752, IX.24, S. 326 [77]), 66, (Direktorialvortrag, 1752, VIII., S.326 — 328 [80]), (österreichisches Votum darüber, 328—329), (abgeändertes Kommissionsdekret, 329—330 [80]), (Preußische Intriguen, Verhalten, das Vorster beobachten solle, Weisung an ihn vom 8. August 1752, S. 330 [80]), (Der englische Vermittlungsplan in der pfälzischen Sache, XI. 1752, S. 75, 331—336 [89]), (die kaiserliche Finalerklärung vom 23. November 1752, S. 336-338 [89]), 76, 77. (Pfalz setzt sich mit Frankreich und Preußen ins Einvernehmen; Beckers Promemoria vom 29. Januar 1753; sein Verhalten in der Konferenz, 88, 350—351 [111]), 89, 352 [113], (Beantwortung des Beckerschen Promemorias, 8. Februar 1753, S. 89, 352 [115]). (Die pfälzischen Forderungen: Reskript an Zöh- rern vom 8. Juli 1753 über das kurpfälzische Verhalten, 119, 375—376 [150].) (Entwurf einer Deklaration im Namen der Kurfürsten von Köln, Brandenburg und Pfalz, von Beckers am 1. April 1754 überreicht; Forderungen Kölns, 186, 461—462 [222].) * (Note an Beckers vom 9. August 1754, S . 462 [222].) (Die kurpfälzischen Vorschläge in Betreff der Forderungen Kurkölns: Reskript an Colloredo vom 3. März 1755, S. 228, 494-496 [246].) (Preußische Intriguen, 496 [246].) Römisches Reich: Hannovers Ansprüche auf Ostfriesland. (Kurböhmisches Votum vom Oktober 1752, S. 52 ; 312 [57]), 101, 369 [133], — Reichspostamt, 465—466 [230]. — Reichsritterschaft contra Württemberg und Bayreuth, 52, 131, 380 [158]. — Reichstag, dreifaches Stimmengesuch Kursachsens (Vortrag des Grafen Kaunitz vom 13. März 1755, S. 229, 496 —499 [248]). Röne, s. Bentinck. Rosenberg, Amalia Theresia (geh. Gräfin Löwenstein), Gemahlin des Grafen Franz Andreas, 308. — Antonia (Tochter des Grafen Wolf Andreas aus dessen [zweiter] Ehe mit Ernestine, geb. Montecucculi, verw. Khevenhüller-Frankenburg), Gräfin, s. Eggenberg. — Ernestine (geb. Montecucculi, verw. Khevenhüller - Frankenburg), zweite Gemahlin des Grafen Wolf Andreas, 308. — Ernestine Leopoldine, s. Khevenhüller- Osterwitz. — EvaRegina (Freiin von Wel z ), erste Gemahlin des Grafen Wolf Andreas, 308. — Franz Andreas (Sohn des Grafen Wolf Andreas aus dessen [erster] Ehe mitEva Regina Freiin von Welz), Graf, 308. — Franz X. Wolf (Sohn des Grafen Wolf Siegmund und der Maria Anna Eleonore Margarethe Gräfin Hohenfeld), Graf, kaiserlicher Gesandter in Kopenhagen, 181, 456, [212], 510. — Josef (Sohn des Grafen Wolf Andreas aus dessen [erster] Ehe mit Eva Regina, geb. Welz), Graf, 308. — Luise (Tochter des Grafen Wolf Siegmund und der Maria Anna Eleonore Margarethe Gräfin Hohenfeld), Gräfin, Kammerfräulein, 11, 272. — Maria Anna (Tochter des Grafen Franz Andreas und der Amalia Theresia, geb. Löwenstein), Gräfin, s. Proskau. — Maria Anna Eleonore Margarethe (geb. Gräfin Hohenfeld), Gemahlin des Grafen Wolf Siegmund, 47. — Maria Beatrix Regina, Gräfin, s. Dietrichstein. — Philipp Josef (Sohn des Grafen Wolf Andreas aus dessen [dritter] Ehe mit Ernestine, geb. Montecucculi, verw. Khevenhüller - Frankenburg), Graf, kaiserlicher Botschafter in Venedig, 308, 456 [212], — Wolf Siegmund (Sohn des Grafen Josef und der Isabella Cäcilia, geb. Gräfin Lamberg), Graf, 308. 622 Rosenbergsches Haus, s. Prag; Wien. Rosenthal, Theodor Anton Taulow von, erster Haus-, Hof- und Staatsarchivar, 106*). Rositzky von Kinsky, Marta, s. Römer. Rost, Josef Benedikt von, s. Chur. Rottal, Franz Wilhelm, Graf, 85. — Maria Anna (Tochter des Grafen Franz Wilhelm und der Maria Margarethe, geh. Herberstein), Gräfin, s. Dietrichstein. — Maria Antonia, s. Kotulinsky. — Maria Josefa (Tochter des Grafen Johann Sigismund und der Maximiliana Beatrix, geh. Prinzessin Liechtenstein), Gräfin, s. Hamilton. — Theresia Rosalia, s. Windiscbgrätz. Rottenhaus, s. Ausflüge und Reisen des Hofes (Neuhof-Prag). Rouille, Antoine Louis, Graf de Jouy, französischer Staatssekretär des Äußern, 556, 559, 560, 565, 566, 572—574 [277], Rumin, s. Bestnchew. Rußland, Elisabeth, Zarin, 36, 37, 221. — Paul Petrowitsch, Großfürst, 221. — Peter, Großfürst, 294 [29]. — -Dänemark, s. Österreich-Rußland. -England, s. England-Rußland; Österreich-Rußland. — -Österreich, s. Österreich-Rußland. -Preußen, s. England-Rußland. — -Schweden, s. Österreich-Frankreich. — -Türkei, s. Österreich - Frankreich; Österreich-Rußland. Sabbat in i, Julianus, Graf, s. Modena, Bischof von. Sachsen, s. Österreich-Rußland; Österreich-England; Römisches Reich (Reichstag). — -Hildburghausen, Josef Friedrich Wilhelm, Prinz, FM., 178, 179, 235, 463 [228]. — — Anna Victoria (Tochter des Prinzen Ludwig Thomas), Gemahlin des Prinzen Josef Friedrich Wilhelm, Prinzessin, (verkauft das Belvedere, 62, 63), 138. Saint-Contest, Francis Dominique de Barberie, Marquis, französischer Staatssekretär des Äußern, 296. — - Julien, Johann Josef, Graf, 11, 13, 23. (Wird Oberstküchenmeister, 83), (Verlobung und Vermählung mit Aloisia Luise Gräfin Zierotin 169.) (Wird während der Flitterwochen von dem Kaiser besucht, 170), 185, 187, 188, 200, 214, 236, (Biographisches, 243, 268). — — Aloisia Luise (geb. Gräfin Zierotin), Gemahlin des Grafen Johann Josef, 170. (Krankheit und Tod, 185, 186.) — -Severin-Aragon, Alphonse Marie Louis, Graf, französischer Staatssekretär, 556, 560. Salaburg, s. Salburg. Salburg, Franz Ludwig, Graf, 150, 151. — Gräfin, Hofdame, 12, 37, (Braut des Grafen Adolf Martinitz, 89), 243, 272. Salerl („Frau Salerl“), (Krankheit und Tod, 59), 178. Salesian erkloster, s. Wien (Favorita). Saletti, Kastrat, 195. Sallapulcka, Wallfahrt zu Unserer Lieben Frau, 260. Salm-Neuburg, Otto Karl, Graf, Verlobung und Heirat mit der Gräfin Ernestine Proskau, 232, 234. — -Reifferscheid, Karl Anton Josef (Sohn des Grafen Franz Wilhelm und der Maria Agnes Gräfin Slawata), Graf, Direktor der theresianischen Ritterakademie, 23, (Krankheit, Tod, Biographisches, 251, 545 [266]). — — Leopold Anton (Sohn des Grafen Franz Wilhelm und der Maria Agnes Gräfin Slawata), Graf, FML., 189, 206. — — Maria Elisabeth, Fürstin, s. Schönborn. — — Wilhelm (Sohn des Grafen Leopold Anton aus dessen [dritter] Ehe mit der Gräfin Karoline Dietrichstein), Graf, Theresianist, (Biographisches, 206). Salve Regina, Komposition Kaiser Leopolds I., 268. 623 Salzburg, Dietrichstein, Andreas, Jakob, Graf, Erzbischof (1747, IX. 10. —1753, I. 6.), 74, 345 [103], (Krankheit, Tod und Biographisches, 83). — Schrattenbach, Siegmund Christoph, Graf, (1753, IV. 5.-1771, XII. 16.), (dessen Wahl, Instruktionen für den Grafen Karl Johann Philipp Cobenzl, 1753, II. 23. und s. d. II., S. 94, 356 —358 [121]). (Salzburgische Emigration; Säkularisierungsabsichten im Reich; Abhängigkeit Kurkölns, der Kurpfalz und des Erzbischofs von Lüttich von Preußen und Frankreich; Notwendigkeit, die Stellung der katholischen Kur- und Reichsfürsten zu festigen, 357—358 [121].) — (Belehnung, 182, 456 [213].) San Remo, s. Österreich-Genua. Sanct Elisabeth, Fort, s. Österreich- Rußland. — Petersburg, Traktat von 1746, s. England - Rußland; Österreich - England; Österreich-Rußland. — Pölten, 139. — Veit, s. Ausflüge und Reisen des Hofes. Sandersleben, Henriette Hedwig, s. Esperance Elisabeth Charlotte. Sardini, Marchese, Gesandter der Republik Lucca, 64. — Marchesa (dessen Gemahlin), 64. Sardinien, Benedikt Moritz, Herzog von Chablais (Sohn Karl EmanuelsIII. aus dessen [dritter] Ehe mit Elisabeth Therese, Tochter des Herzogs Leopold Josef Karl von Lothringen), 304. — Karl Emanuel III., König, (Belehnung, 245, 521 [262]), 484 [237], Sart-Varich, Josef, Graf, 574 [279]. Sassin, s. Ausflüge und ,Reisen des Hofes (Neuhof-Prag). Saturnales, s. Theater. Sau rau, Maria Klara (Tochter des Grafen Mar. Corbinian Seyfried und der Maria Antonia Gräfin Breuner, venv. Karl Adam Graf Saurau), Gräfin, Kammerfräulein, 37, (nimmt den Schleier; Biographisches, 127). Sau rau, Sigismund (Sohn des Grafen Mar. Corbinian Seyfried und der Maria Antonia Gräfin Breuner, verw. Karl Adam Graf Saurau), Graf, 321 [71]. Savona, s. Caretto. Savoyen, Titel „königliche Hoheit“, 467*). — Anna Victoria, s. Sachsen-Hildburghausen. — Karl Emanuel (Belehnung), s. Sardinien, Karl Emanuel III., König. — Eugenscher Garten (Belvedere), (Ankauf durch den Hof, 62), 152, 212, (Renovierungen, 258). — Münzhaus (vorm. Eugensches Palais), s. Wien. Sazenhofen, Freiherr von, 323 [77], 334*). Sealvinonisches Haus, s. Wien. Scamp, belgischer Sachverständiger in Handelssachen, 342 [99]. Scavolino, s. Carpegna. Schaffgotsch, Anton Gotthard (Sohn des Grafen Johann Anton Gotthard aus dessen [zweiter] Ehe mit Anna Theresia Gräfin Kolowrat - Novo- hradsky), Graf, 3, 91, 191. — Maria Karoline (Tochter des Grafen Wenzel Ernst und der Maria Anna Gräfin Althann), Gräfin, (Verlobung mit dem Marchese Ambros d’Andrada, 182), s. Andrada. — Wenzel Ernst (Sohn des Grafen Johann Ernst Anton und der Maria Elisabeth Gräfin Waldstein), Graf, (Krankheit, Tod, Biographisches; „die Hof-Pillerl“, 93). Schär f f enbe rg, Johann, Graf, 574 [279]. Schatzgewölbe, Archiv, s. Hausarchiv. Schatzkammer (s. Wien [Hofburg, Schatzkammer]), (Archiv, s. Hausarchiv). Seherfenberg, s. Schärffenberg. Schertzer, General, 166. Seheurer, Karl Johann Jakob, Kanzlist in der Staatskanzlei, 373 [143]. Schierstädt, Sophie Elisabeth von, s. Metsch. 624 Schirnding, Johann Anton (Sohn des Freiherrn Leopold Wenzel und der Eleonore Katharina, geh. von Schirnding), Freiherr von, 321 [71]. — Maria Anna, Gräfin, Hofdame, 12, 37, 102*), 136, 186/243. Schlange-nberg, Friedrich, Freiherr von, 120. Schlesische Schulden, s. Österreich- Preußen. Schlezer von Schönberg, Rosamunde (Tochter des Bartholomäus), s. Königsacker. Schlick, Leopold Heinrich (Sohn des Grafen Franz Heinrich und der Maria Eleonore, geh. Gräfin Trauttmans- dorff), Graf, (Verlobung mit der Gräfin Maria Antonia Frankenberg, 159). — Maria Anna (Tochter des Grafen Franz Heinrich und der Gräfin Maria Eleonore, geb. Gräfin Trauttmans- dorff), Gräfin, Hofdame, (Verlobung mit dem Freiherrn Franz Alois Siegmund Hager; Maria Theresia und der Heiratskontrakt, 141). — Maria Antonia (geb. Gräfin Frankenberg), Gemahlin des Grafen Leopold Heinrich, 159. Schlitten- und Birocciofahrten, 162, 224, 225. • Schlosshof (Kauf durch den Hof, 235, 513 [258]), s. auch Ausflüge .und Reisen des Hofes (Neuhof-Prag) und ibidem unter Schlosshof. Schmauss, Johann Jakob, Professor der Geschichte in Göttingen, (Biographisches, 219). Schneller Anton von, Registrator in der Staatskanzlei, 373 [143]. — Fr. von, Konzipist in der Staatskanzlei, 373 [143]. Schönberg (Schlezer von), Rosamunde (Tochter des Bartholomäus), s. Königsacker. Schönborn, Eugen Franz Erwein (Sohn des Grafen Anselm Franz und der Maria Theresia, geb. Gräfin Montfort), Graf, 168, 245. — Franz Georg (Sohn des Grafen Melchior Friedrich und der Maria Sophie Freiin von Boyneburg), Graf, s. Trier. Schönborn, Maria Elisabeth (geb. Fürstin Salm), Gemahlin des Grafen Eugen Franz Erwein; 245. Schönbrunn, 22, 24, 25, 31, 34, 35, 38—40, 42, 44, 50, 52, (Menagerie, 53, 63, 234), 57, 65, 71, 72, 75, 101, 106, 116, 117, 123, 126, 141, 151, 169, 170, 175, 177, 178, (181, 456 [211] mechanisches Kabinett), 184, 201, 209, 213, 233, 235, 237, 240, (Saint Julien und die Gräfin Thürheim, 244), 249, 255, (bauliche Veränderungen, 263), 264, s. auch Hofwirtschaft. Schönburg, Christian Heinrich, Graf, 23, (Krankheit, Tod, Biographisches, 88), 107. Schönfeld, Maria Katharina, Gräfin, s. Auersperg. Schott, Richard van der, Hofgärtner, 513 [256]. Schottwien, 140. Schrattenbach, Franz Anton (Sohn des Grafen Otto Heinrich und der Maria Theresia, geb. Gräfin Wildenstein, verw. Freiin von Gallenstein), Graf, 67. — Maria Augusta (Tochter des Grafen Franz Anton und der Maria Josefa, geb. Gräfin Wrbna), Gräfin, 67. — Otto Wolfgang (geb. 29.1. 1739, Sohn des Grafen Franz Anton und der Maria Josefa, geb. Gräfin Wrbna), Graf, Examen mit dem Erzherzog Josef, Biographisches, 53. — Siegmund Christoph (Sohn des Grafen Otto Heinrich und der Maria Theresia, geb. Gräfin Wildenstein, verw. Freiin Gallenstein), Graf, s. Salzburg. Schulenburg-Oeynhausen, Ludwig Ferdinand (Sohn des Raban Christoph von Oeynhausen und der Freiin Sophie Juliane von Schulenburg), Graf, kaiserlicher GFZM., (Krankheit, Übertritt zum katholischen Glauben, Biographisches, 92, 93), (Tod, Biographisches, 163). 625 Jchulenburg-Oeyn hausen, Maria Anna (geh. Kotulinsky, verw. Liechtenstein), Gräfin, Gemahlin des Grafen Ludwig Ferdinand, 92, 163. Schwachheim, Josef Peter, Hofkriegsrat, kaiserlicher Resident in Konstantinopel, 207, (Biographisches, 475 [233]). 1 Schwarzenberg, Anton (Sohn des Fürsten Josef Adam und der Maria Theresia, geh. Prinzessin Liechtenstein), Fürst, 545 [265]. — Franz Josef (Sohn des Fürsten Josef Adam und der Maria Theresia, geh. Prinzessin Liechtenstein), Fürst, 545 [265]. — Johann (Sohn des Fürsten Josef Adam und der Maria Theresia, geh. Prinzessin Liechtenstein), Fürst, 545 [265]. — Josef Adam (Sohn des Fürsten Adam Franz und der Eleonore Amalia Fürstin Lobkowitz), Fürst, 38, 42, 43, 66, 86, 136, 223, (wird Hofmarsehall; Biographisches, 180, 181), 229, 231, 545 [265], (hält um die Hand der verw. Gräfin Maria Josefa Herberstein, geb.Khevenhüller-Osterwitz, an. Maria Theresia rät gegen eine solche Verbindung, im Interesse der Familie Khevenhüller, 249). — Josef Wenzel (Sohn des Fürsten Josef Adam und der Maria Theresia, geb. Prinzessin Liechtenstein), Fürst, 545 [265], — Maria Anna (Tochter des Fürsten Adam Franz und der Eleonore Amalia, geb. Fürstin Lobkowitz), Gemahlin des Markgrafen Ludwig Georg von Baden, 485 [242], s. Baden-Baden. — Maria Anna (Tochter des Fürsten Josef Adam und der Maria Theresia, geb. Prinzessin Liechtenstein), Prinzessin, 545 [265]. — Maria Eleonore (Tochter des Fürsten Josef Adam und der Maria Theresia, geb. Prinzessin Liechtenstein), Prinzessin, 545 [265]. — Maria Ernestine (Tochter des Fürsten Josef Adam und der Maria Theresia, Khevenhüller-Schlitter, 1752—1755. geb. Prinzessin Liechtenstein), Prinzessin, 545 [265]. Schwarzenberg, Maria Josefa (Tochter des Fürsten Josef Adam und der Maria Theresia, geb. Prinzessin Liechtenstein), Prinzessin, 545 [265]. — Maria Theresia (geb. Prinzessin Liechtenstein), Gemahlin des Fürsten Josef Adam, 42, (Krankheit, Tod, Biographisches, 86), 545 [265]. — Maria Theresia (Tochter des Fürsten Josef Adam und der Maria Theresia, geb. Prinzessin Liechtenstein), Prinzessin, 545 [265]. — sehe Heiratsbedingungen, 229. — -Garten, s. Wien (Favorita). Schweden, Adolf Friedrich, König, 510. — Gustav Adolf, 168. — Karl XI., 415 [198]. — Luise Ulrike (Tochter des Königs Friedrich Wilhelm von Preußen), Gemahlin des Königs Adolf Friedrich, Königin, 517. — Belehnung mit Vorpommern, 168, 415 [198]. -Rußland, s. Österreich-Frankreich. Schwei z-Österreich, s. Österreich-Schweiz. Sconti, recte Scotti-Gallarati. Scotti-Gallarati, Giovanni B.. Conte, 574 [279]. Sechelles, Jean Moreau de, französischer Generalcontroleur der Finanzen, 556, 559, 572, 573. Sechstausendguldenamt, 74, 150, 209, 268. Seckendorf, Ludwig Heinrich, Graf, bayrischer FM., 187. Seelowitz, s. Ausflüge und Reisen des Hofes. Seemächte - Österreich, s. Österreich-Seemächte. Seewiesen, 139. Seilern, Christian August (Sohn des Grafen Johann Friedrich und der Anna Maria, geb. Gräfin Lengheim), Graf, Reichshofrat, in der Folge kurböhmischer Komitialgesandter beim Reichstag zu Regensburg, 23, 27, 72, 117, 497. t 40 626 Seinsheim, Adam Friedrich Josef (Sohn des Grafen Maximilian Franz Maria aus dessen [erster] Ehe mit Anna Philippine Maria von Schönhorn), Graf, Stiftskapitular zu Bamberg. (Ist für den erledigten Bischofsitz von Bamberg in Aussicht genommen. Die Wahl fällt jedoch auf den Grafen Franz Wilhelm Stadion, 378, 379 [154], [156].) Bischof von Würzburg, s. Würzburg. — Josef Franz Ignaz (Sohn des Grafen Maximilian Franz Maria aus dessen [erster] Ehe mit Anna Philippine Maria von Schönborn), Graf, kurbayrischer Konferenzminister und Obersthofmeister, s. Bamberg. Semiramis, s. Theater. Serbelloni, Fahricius, Kardinal, päpstlicher Nuntius in Wien, 153, 401 [181], 432 [207], — Johann B., österreichischer General, 231. Serenyi, Maria Josefa, Gräfin, s. Althann. Sermage von Szomszedvär und Medvedgräd, Peter (Sohn des Freiherrn Peter Josef und der Juliane Freiin von Moscou), Graf, 574 [279]. Severin, s. Saint-Severin. Seydewitz, August Friedrich, (wird zum kais. und österreichischen Concom- missarius beim Reichstag zu Regensburg bestellt, 203). Sforza-Visconti, Bianca, s. Sinzen- dorf. Sicilien, le, s. Theater. Sidney, s. Theater. Sievers, Baron, russischer Kammerherr 221, 223. Sinzendorf, Anna Maria, Gräfin, s. Ulfeld. — Bianca (geh. Sforza Visconti), erste Gemahlin des Grafen Johann Wilhelm Edmund, 150. — Bianca Maria (Tochter des Grafen Johann Wilhelm Edmund aus dessen [erster] Ehe mit Bianca, geb. Sforza- Visconti), s. Doria. Sinzendorf, Friedrich Ludwig (Sohn des Grafen Prosper Anton Josef Guido und der Maria Philippine, geb. Gräfin Althann), Graf, 321 [71]. — Johann Wilhelm Edmund (Sohn des Grafen Philipp Ludwig Wenzel und der Katharina Isabella Rosina, geb. Gräfin Waldstein, verw. Wilhelm Graf Löwenstein), Graf, 47, 150, 239. — Maria Eleonore (geb. Gräfin Hardegg), Witwe nach dem Grafen Siegmund Rudolf (dessen zweite Gemahlin sie gewesen war), Gräfin, 56. — Maria Josefa Amalia (geb. Fürstin Eggenberg), zweite Gemahlin des Grafen Johann Wilhelm Edmund, 47, (Krankheit, Tod, Biographisches, 239), 308. — Siegmund Rudolf (Sohn des Grafen Rudolf und der Eva Susanne, geb. Gräfin Zinzendorf), Graf, Obersthofmeister, (Biographisches, 105). — scher Garten, s. Laxenburg. Sizilien, s. Neapel. Skalitz, s. Ausflüge und Reisen des Hofes (Neuhof-Prag). Soir, le, s. Theater. Solms, Familie, 41. Sonne und Merkur, 103. Spada, Silvester, Marchese, Obersthofmeister der Prinzessin Charlotte, 289 [ 22 ]. Spanien, Don Philipp, s. Parma. — -Österreich, s. Österreich-Spanien. Spaur, Josef, Graf, Kanonikus, salz- burgischer Deputierter, 182. „Sperr-Creutzer“, s. Wien. Staatsarchiv, s. Hausarchiv. Staatskanzlei (Veränderungen, 103), (Status vom Jahre 1753, S. 110, 573 [143]). Stadion, Anton Heinrich Friedrich, Graf, kurmainzischer Konferenzminister, 333**), 338 [89]. — Franz Konrad (Sohn des Grafen Anton Heinrich Friedrich und der Maria Anna Auguste, geb. Freiin von Sickingen), Graf, s. Bamberg. — Lothar (Sohn des Grafen Anton Hein- 627 rieh Friedrich und der Maria Anna Auguste, geh. Freiin von Sickingen), Graf, Domherr zu Bamberg, 224, 229. Stadion, Graf, Uditore di Eota, 56. Stainville, s. Choiseul. Stallungen (kaiserliche), 244. Stammersdorf, s. Ausflüge und Eeisen des Hofes. Stampa, Gaetano, Conte, Oberst, (Verlobung und Vermählung mit der Gräfin Cäcilie Wurmbrand, 169). Stanislaus Lesczcinski, s. Polen. Starein, 259, 260. Starhemberg, Franz Anton (Sohn des Gundaker Thomas aus dessen [erster] Ehe mitBeatrixFranziska Gräfin Daun), Graf, Oberststallmeister Karls VI., 38. — Georg Adam (Sohn des Grafen Konrad Sigismund Anton und der Maria Leopoldine, geb. Fürstin Löwenstein- Wertheim), Graf, kaiserlicher Botschafter in Paris, 87, 155, 261, 268, 355, 401 [184], 502, 503, 505, 513 [255], 526, 535, 551, 552 [269], 553 [273], 553**), 554, 555 [273]. — Maria Gabriele (Tochter des Grafen Gundaker Thomas und der Maria Josefa, geb. Jörger), Gräfin, s. Col- Ioredo. — Maria Judith, s. Künigl. —■ Maria Leopoldine (geb. Fürstin Löwenstein-Wertheim), Witwe nach dem Grafen Konrad Sigismund Anton, 47. — Maria Leopoldine, Gräfin, s. Sternberg. — Otto Gundaker (Sohn des Grafen Franz Anton und der Maria Antonia, geb. Gräfin Starhemberg), Graf, 280 [9]. Stavelot und Malmedy, Belehnung, 220, 485 [239]. Stein, Karl Leopold, Freiherr von, 574 [279]. Stern au, s. Bentzel. Sternberg, Christian Philipp (Sohn des Grafen Franz Philipp und der Maria Leopoldine, geb. Gräfin Starhemberg), Graf, 257, 258, 321 [71]. — Franz Philipp (Sohn des Grafen Franz Damian und der Maria Josefa, geb. Gräfin Trauttmansdorff), Graf, kaiserlicher Gesandter in Dresden, 257, 345 [100], 355, 360 [125], 460 [216], 499 [248]. Sternberg, Maria Leopoldine (geb. Gräfin Starhemberg), Gemahlin des Grafen Franz Philipp, 192, 257. — Maria Leopoldine (Tochter des Grafen Franz Philipp und der Maria Leopoldine, geb. Starhemberg), Gräfin, s. Liechtenstein. — Thomas Gundaker (Sohn des Grafen Franz Philipp und der Maria Leopoldine, geb. Gräfin Starhemberg), Graf, 574 [279], Sternkreuzorden (Maria Theresia verfährt streng in der Aufnahme, 174). Stigliano, s. Caraffa. Stöckl von Gerburg, Ignaz Franz, n.-ö. Eegimentsrat, in der Folge Hofrat bei der obersten Justizstelle, (Biographisches, 10, 10*).) Stoppani, Giovanni Francesco, Präsident der Legation zu Urbino, Kardinal, 401 [181]. Strassoldo, Karl Graf, 574 [279]. — Franziska Claudia, Gräfin, s. Losy von Losymthal. Strattmann, Maria Theresia, s. Bat- thyäny. Sulkowski Alexander Josef, Fürst, 40, 41, 88, 300 [43]. — August Kasimir (Sohn des Fürsten Alexander Josef aus dessen [erster] Ehe mit Maria Anna Franziska Freiin von Stain zu Jettingen), Graf, 3, 40, 91. Surprise, la, s. Theater. — de la haine, s. Theater. Sylphide, la, s. Theater. Sylva y Menezes Johanna Amalia (geb. Prinzessin von Holstein-Beck), Gemahlin des Manoel Tellez de Menezes e Castro, Herzogs von Sylva, 57, 66, 102*), 238. — Don Manoel Tellez de Menezes e Castro, Herzog von Sylva-Tarouea, Präsident des niederländischen Eat es Hofbaudirektor, 3, 4, 57, 62, 75, 9l| 40 * p": ASjagi«*.:, 628 93—95, (genießt das Vertrauen der Kaiserin, 105), 117, 142, 156, 205, 340 [93], 414 [197]. Sy Iva Pessanha, Da, portugiesischer Gesandter in Neapel, 128. Tartaren-Khan (Krimm) 364 [128], Tassara, Andreas, überzähliger Kanzlist in der Staatskanzlei, 373 [143]. Tassis, Don Michele, principe, (Biographisches, 33). Taulow, s. Bosenthal. Tausch, Pater, Hofprediger, 65, 239. Tempi, Luca Melchiore, päpstlicher Nuntius in Lissabon, Kardinal, 401 [181]. Temps passe, le, s. Theater. Theater. — (Direktion, 174, 175). — Hofburg (Spanischer Saal, Eintrittsbestimmungen, 8, 10, 11), (Wohnzimmer der Prinzessin Charlotte), Dreisprachige Komödie von Du- razzo, Metastasio und der Fürstin Trautson, 272. — Kärntnertor (geschlossen am Freitag und am Sonntag, 225). — Kön. priv. Theater nächst der Burg (geschlossen während der Armen- seelen-Oktave, 72), (Verteilung der Plätze, 147), (Konzerte, 226, 227). — Kön. priv. Theater nächst der Burg und Kärntnertortheater (Vereinbarung mit Lopresti, 2.) (Gratisvorstellung aus Anlaß der glücklichen Entbindung Maria Theresias, 267). — Laxenburg (Entree, 174). — Olmütz, Jesuitenkolleg, 199. — Prag (Palais Thun, 196). — Amant auteur et valet, T [Lustspiel in fünf Akten von Boursault],*) (Schönbrunn), 61. — Amour pour Amour [Lustspiel in drei Akten von Nivelle de la Chaussee], (Laxenburg), 175. — Amours de Bastien et Bastienne, les [Oper. Text von Madame Favart, Musik von Charles Sodi],**) (komische Oper, Laxenburg), 247, (Kön. priv. Theater nächst der Burg), 250. Theater. — Antiquaire,l’[Anonyme Schulkomödie], (Theresianum), 8. — Apparence trompeuse, T [Lustspiel in einem Akte von Guyot de Merville], (Kön. priv. Theater nächst der Burg), 101; (Laxenburg), 240. — Arlequin poli par l’amour [Lustspiel in einem Akte von Marivaux], (Kön. priv. Theater nächst der Burg), 68. — Arlequin sauvage [Lustspiel in drei Akten vonDelisle], (Laxenburg),49. — Athalie (Kön. priv. Theater nächst der Burg), 74. — Avocat patelin, T [Lustspiel in drei Akten von Brueys und Palaprat], (Laxenburg im Hause des Obersthofmeisters), 39. — Babillard, le [Lustspiel in einem Akte von Boissy], (Laxenburg), 248. — Baron de la Crasse, le [Lustspiel in einem Akte von Poisson], (Laxenburg), 237. — Belle orgueilleuse, la, ou l’enfant gäte [Lustspiel in einem Akte von Destouches], (Laxenburg), 247. — Brutus [von Voltaire], (Schönbrunn), 242. — Cacciatrici amanti, le [Pastorale von Wagenseil], (Laxenburg), 248, 249. — Cinna, ou la clemence d’Auguste [Trauerspiel von Pierre Corneille], (Kön. priv. Theater nächst der Burg), 68. — Clemenza di Tito, la [Oper von Metastasio], (Schönbrunn), 146, 148; (Kön. priv. Theater nächst der Burg), 147, 149, 392 [171], — Colinmaillard, le [Lustspiel in einem Akte von Dancourt], (bei Sylva- Tarouca), 91, 92. — Comedie anonyme, la [Lustspiel in drei *) Die in Parenthese [] enthaltenen Angaben haben wir Ludwig Bock’s „Zur Geschichte des 'Theaters am Wiener Hofe, ans den Tagebüchern des Fürsten Josef Khevenhüller-Metsch“ (Wien 1896. Moritz Perles) entnommen. **) Vgl. Ludwig Bock, 20, Anm. 89. 629 Akten von Boissy], (Palais Dietrichstein), 11, 13. Theater. — Consentement force, le [Lustspiel in einem Akte von Guyot de Mer- ville], (Laxenburg), 106. — Coq de village, le [Komische Oper in einem Akte von Favart], (Laxenburg), 44. — Crispin rival de son maitre [Lustspiel in einem Akte von Lesage], (Kön. priv. Theater nächst der Burg), 101. — Curieux impertinent, le [Lustspiel in fünf Akten von Destouches], (Laxenburg), 104. — Danza, la [Pastorella, Text von Me- tastasio, Musik von Bono], (Laxenburg), 237, 238. — Democrite [Democrite amoureux, Lustspiel in fünf Akten von Regnard], (französische Komödie. Kön. priv. Theater nächst der Burg), 34; (Laxenburg), 177; (Preßburg), 184. — Denouement imprevu, le (Lustspiel in einem Akte von Marivaux], (Wien, Burg, spanischer Saal), 12. — Deuil, le [Lustspiel in einem Akte von Hauteroche], (Laxenburg), 177. — Dissipateur, le [Le dissipateur ou l’honnete friponne, Lustspiel in fünf Akten von Destouches], (Laxenburg), 236. — Distrait, le [Lustspiel in fünf Akten von Regnard], (Laxenburg), 117, 237. — Ecole des meres, 1’ [Lustspiel in fünf Akten von Marivaux], (Laxenburg), 42; (Kön. priv. Theater nächst der Burg), 101. — Endymion (Ballet), (Laxenburg), 175. — Enfant perdu, 1’ (L’enfant prodigue von Voltaire], (Laxenburg), 103. — Epreuve reciproque, 1’ [Lustspiel in einem Akte von Alain und Le Grand], (Kön. priv. Theater nächst der Burg), 45; (Laxenburg), 106. — Escope ä la cour [Lustspiel in fünf Akten von . Boursault], (Schönbrunn), 61. Theater. — Esprit de contradiction, 1’ (Lustspiel in einem Akte von Dufresny], (Laxenburg), 44. — Essex, le comte d’ (von Thomas Corneille), (Kön. priv. Theater nächst der Burg) Kritik, 34; (Laxenburg), 117. — Etourderie, 1’ [Lustspiel in einem Akte von Fagan], (Laxenburg), 246. — Evoe Cinese, 1’ [Oper von Metastasio], (Kön. pri v. Theater nächst der Burg), 32—34, 44, 48. — Fat puni, le [Lustspiel in einem Akte von Pont de Veyle], (Laxenburg), 237. — Fausse antipathie, la [Lustspiel in drei Akten von Nivelle de la Chaussee], (Laxenburg), 245. — Femme, Alle et veuve, la [Lustspiel in einem Akte von Le Grand], (Laxenburg), 246. — Femmes stjavantes, les [von Moliere], (Laxenburg), 177. — Fils ingrats, les [Lustspiel in fünf Akten von Piron], (Laxenburg), 177. — Florentin, le [Lustspiel in einem Akte von Lafontaine], (Laxenburg), 115. — Folies amoureuses, les [Lustspiel in drei Akten von Regnard], (Laxenburg), 39. — Folies du jour, les [La folie du jour, Lustspiel in einem Akte von Boissy], (bei Sylva-Tarouca), 93. — Francois ä Londres, le [Lustspiel in einem Akte von Boissy], (französische Komödie. Kön. priv. Theater nächst der Burg), 34; (Laxenburg), 117, 177. — „Frau Gevätterin, leih mir die Schärr“ (Ballet), (Laxenburg), 175. — Gage touche, le (Ballet), (Laxenburg), 175. — Gouvernante, la [Lustspiel in fünf Akten von Nivelle de la Chaussee], (Kön. priv. Theater nächst der Burg), 101. — Grondeur, le [Lustspiel in drei Akten von Brueys und Palaprat], (Laxenburg), 117. 630 Theater. — Homme du jour, 1’ [ou les dehors trompeurs, Lustspiel in fünf Akten von Boissy], (Laxenburg), 114. — Jaloux desabuse, le [Lustspiel in fünf Aufzügen von Campistron], (Laxenburg), 240. — Jardinier, le galant [Lustspiel in einem Akte von Dancourt], (Laxenburg), 248. — Impertinent, T [Lustspiel in einem Akte von Desmabis], (Laxenburg), 117, 248. — Ineommodites de la grandeur, les (ou le faux duc de Bourgogne), [Co- medie hero'ique von Du Cerceau], (Theresianum), 113. — Indiscret, F [Lustspiel in einem Akte von Voltaire], (Laxenburg), 248. — Ines de Castro, [Tragödie von La Motbe], (Laxenburg), 115. — Innocenza giustificata, F [Oper, Text von Metastasio, Musik von Gluck], (Kön. priv. Theater nächst der Burg), 271, 272. — Joueur, le [Lustspiel in fünf Akten von Regnard], (französische Komödie, Kön. priv. Theater nächst der Burg), 34. — Julie ou l’heureuse epreuve [Lustspiel in einem Akte von Saint- Fox], (Laxenburg), 245. — Leg, le [Le legs, Lustspiel in einem Akte von Marivaux], (Laxenburg), 240. — Legataire, le [Le legataire universel, Lustspiel in fünf Akten von Regnard], (Laxenburg), 177. — Magnifique, le [Lustspiel in zwei Akten von La Mothe], (Laxenburg), 246. — Maison de Campagne, la [Lustspiel in einem Akte von Dancourt], (Laxenburg), 248. — Mari retrouve, le [Lustspiel in einem Akte von Dancourt], (Laxenburg), 39. — Mariage fait et rompu, le [Lustspiel in drei Akten von Dufresny], (Laxenburg), 177. Theater. — Matin, le (Ballet), (Laxenburg), 236. — Mechant, le [Lustspiel in fünf Akten von Gresset], (Laxenburg), 42. — Medisant [Lustspiel in fünf Akten von Destouches], (Kön. priv. Theater nächst der Burg), 100, 101. — Melanide [Lustspiel in fünf Akten von Nivelle de la Chaussee], (Kön. priv. Theater nächst der Burg), 45; (bei Sylva-Tarouca), 91, 92. — Menechmes, les [Les Menechmes ou les jumeaux, Lustspiel in fünf Akten, nach Plautus, von Regnard], (Kärntnertor), 237. — Mere confidente, la (Prag, bei Norbert Kolowrat), 194, 195. — Metromanie, la [Lustspiel in fünf Akten von Piron], (Laxenburg), 175. — Midi (Ballet), (Laxenburg), 237. — Misanthrope, le [von Moliere], (Laxenburg), 115, 117. — Nanine [von Voltaire], (Laxenburg), 114. — Naufrage, le [Le naufrage ou la pompe funebre de Crispin, Lustspiel in einem Akte von Lafont], (Kärntnertor), 72. — Originaux, les [Lustspiel in einem Akte von Fagan], [als Ballet: Le minuit], (Laxenburg), 237. — Philosophe marie, le [Lustspiel in fünf Akten von Destouches], (Kärntnertor), 72. — Polyeucte [von Corneille], (Kön. priv. Theater nächst der Burg), 101. — Prejuge ä la mode, le [Lustspiel in fünf Akten von Nivelle de la Chaussee], (bei Sylva Tarouca), 3, 4; (Laxenburg), 115. — Pretieuses ridicules, les [Lustspiel in einem Akte von Moliere], (Obergassing, bei dem Fürsten Josef Wenzel Liechtenstein), 43, — Prix du silence, le [Lustspiel in drei Akten von Boissy], (französische Komödie. Wien, Burg, spanischer Saal), 8—12. (Darsteller, 280 [9].) 631 Theater. — Provemjal ä Paris, le [Le provincial ä Paris, ou le pouvoir de l’amour et de la raison, Lustspiel in drei Akten von de Moissy], (bei Sylva Tarouca), 94, 95. — Psyche (Ballet), (Kön. priv. Theater nächst der Burg), 74. — Pupille, la [Lustspiel in einem Akte von Fagan], (Obergassing, bei dem Fürsten Josef Wenzel Liechtenstein), 43; (Laxenburg), 115, 117, 248. — Saturnales (Komödie von Graffigny), (Wien, Burg, spanischer Saal) (Kritik, 67—69). — Semiramis [von Voltaire], (Kön. priv. Theater nächst der Burg), 51. — Sicilien, le [ou l’Amour peintre, Lustspiel in einem Akte von Moliere], (Laxenburg), 247. — Sidney [Drama in drei Akten von Gresset], (Laxenburg), 115. — Soir, la (Ballet), (Laxenburg), 237. — Surprise de la haine, la [Lustspiel in drei Akten von Boissy], (Laxenburg), 176. — Surprise, la [entweder La surprise de la haine, oder La surprise de l’amour von Marivaux], (Kön. priv. Theater nächst der Burg), 242. — Sylphide, la [Lustspiel von Dominique (Pseudonyme für P. F. Biancobelli) und Romagnesi], (Laxenburg), 49. — Temps passe, le [Lustspiel in einem Akte von Le Grand], (Laxenburg), 174. — Triple mariage, le [Lustspiel in einem Akte von Destouches], (Laxenburg), 117. — Usurier gentilhomme, 1’ [Lustspiel in einem Akte von Le Grand], (Laxenburg), 175. — Vacances, les [Lustspiel in einem Akte von Dancourt], (Laxenburg, im Hause des Obersthofmeisters), 39. — Vengeance inutile, la [Raton etRosette, ou la vengeance inutile von Fa- vart, Parodie der Oper Titon et l’Aurore von La Marre], (komische Oper. Kön. priv. Theater nächst der Burg), 260. Theater. — Vie est un songe, la [Comedie heroique in drei Akten von Boissy], (Laxenburg), 117. Theresianum, s. Wien. Thumshirn, Eleonore Dorothea von, s. Metsch. Thun, Franz Josef (Sohn des Grafen Johann Josef Anton aus dessen [erster] Ehe mit Maria Christine, geb. Hohen- zollern-Hechingen), Graf, 575 [279]. — Johann Ernst Josef (Sohn des Grafen Romedius Johann und der Josefa, geb. Gräfin Waldstein, nachm, vermählte Robert Graf Lagnasco), Graf, 87. — Johann Josef Anton (Sohn des Grafen Johann Franz Josef und der Philippine Aloisia, geb. Gräfin Harrach), Graf, 196. — Johann Vigil Karl (Sohn des Grafen Franz Alfons Xaver und der Johanna Katharinalsabella, geb. Gräfin Wolkenstein), Graf, 321 [71]. — Leopold Graf, 574 [279]. — Maria Anna Josefa (geb. Prinzessin Liechtenstein), Witwe nach dem Grafen Johann Ernst Josef, in zweiter Ehe vermählt mit dem Fürsten Josef Wenzel Liechtenstein, s. Liechtenstein. Thür he im, Aloisia Franziska (Tochter des Grafen Johann Wilhelm und der Maria Albertine, geb. Gräfin Sprinzen- stein), Gräfin, (243, 244, Biographisches). — Franz Ludwig (Sohn des Grafen Franz Sebastian und der Maria Maximiliana Rebecca, geb. Gräfin Salburg), Graf, GM., Lokaldirektor der Wiener Neustädter Militärakademie, 50, 239. Thum-Taxis, Alexander Ferdinand (Sohn des Fürsten Anselm Franz und der Luise Anna Franziska, geb. Prinzessin Lobkowitz), Fürst, kaiserlicher General- und Oberpostmeister im Reich, kaiserlicher Prinzipalkommissär 632 auf dem Reichstag zu Regensburg, 465 [230]. Thurn-Valsassina, Maria Anna (Tochter des Grafen Johann Siegmund und der Eleonore, geh. Gräfin Öttingen- Wallerstein), Gräfin, Hofdame, 37. Tillien, s. Tillier. . Tillier, Baron, 484 [237]. Tom, s. Dorn. Torrepalma, Conde de, spanischer Gesandter in Wien, 255. Torrigiani, Luigi Maria, Sekretär der Consulta, Kardinal, 401 [181]. Toskana, s. Carpegua. Tote Hand, 149, 393 [177]. Toussaint, Franz Josef von, Kabine! ts- sekretär des Kaisers Franz (Biographisches, 198). Traun, Rudolf (Sohn des Grafen Johann Adam [in Meissau] und der Maria Apollonia, geb. Gräfin Sinzendorf), Graf, 321 [71], Trautson, Johann Josef (Sohn des Fürsten Johann Leopold Donat und der Maria Theresia, geb. Gräfin Un- gnad-Weissenwolf), Kardinal, s.Wien, Erzbischof. — Johann Wilhelm (Sohn des Fürsten Johann Leopold Donat und der Maria Theresia, geb. Gräfin Ungnad-Weissen- wolf, Fürst, zweiter Obersthofmeister, 11,12, 27, 38, 42, 51, 56,102, 105, 106, 136, (Landmarschall von Niederösterreich, 149), 179, 200, 202, 206, 214, 217, 236, 243, 263, 264, 393 [176]. — Leopold Donat (Sohn des Fürsten Johann Wilhelm aus dessen [erster] Ehe mit Maria Josefa, geb. Gräfin Ungnad- Weissenwolf), 11, 67. — Maria Antonia Xaveria, Gräfin, s. Auersperg. — Maria Charlotte (geb. Freiin von Hager), dritte Gemahlin des Fürsten Johann Wilhelm, Fürstin, 11, 12, 24, 37, 38, 47, 48, 94, 102, 118, 159, 164, 186, 200, 206, 209, 225, 226, 236, 238, 242, 267, 272. Maria Theresia Franziska (Tochter des Fürsten Johann Wilhelm aus dessen [erster] Ehe mit Maria Josefa, geb. Gräfin Ungnad-Weissenwolf), Gräfin, 272. Trautsonscher Garten, s.Wien. Trauttmansdorff, Franz Norbert (Sohn des Grafen Johann Josef und der Maria Theresia, geb. Gräfin Paar), Graf, und seine Gemahlin Maria Anna (geb. Gräfin Herberstein), 102*), 176, 192, 236, 245. Trier, Franz Georg, Graf Schönborn, Erzbischof (1729, Y. 2. —1756,1.18.), 21*), 182, 456 [215], — Walderdorff, Johann Philipp, Freiherr von, (Wahl zum Koadjutor, 182, 456 [215]). — -Mainz - Frankreich, s. Frankreich- Mainz-Trier. — -Österreich, s. Frankreich-Mainz- Trier. Triple mariage, le, s. Theater. T rock au, s. Gross. Troja, s. Ausflüge und Reisen des Hofes (Neuhof-Prag). Tron, Andreas von, vorm, venezianischer Botschafter in Wien, 31, 35, . 108. Troyer, Ferdinand Julius (Sohn des Grafen Franz Anton aus dessen [zweiter] Ehe mit Maria Maximiliana, geb. Freiin von Teuffenbacb, verw. Georg Christoph Ivhuen von Auer und Lichtenberg), Graf, s. Olmütz. — Maria Maximiliana (Tochter des Grafen Franz Anton aus dessen [zweiter] Ehe mit Maria Maximiliana, geb. Freiin von Teuffenbach, verw. Georg Christoph Khuen von Auer und Lichtenberg, Gräfin, 199. Truchsess von Waldburg, Gebhard X., Graf, 321 [71], Truppenrevue, 45, 49, 50, 127, 136, 188, 189, 192, 199, 207, 243. (Ordre de bataille, 463 [224].) Tschoglokoff, Nikolai Naumowitsch, Graf, russischer Kammerherr, 221. Tulln (Feuersbrunst), 18. Turin, Besetzung des Gesandtschaftspostens, 87, 350 [110]. 633 Türkei, Osman III., Ibrahim, Sultan, 240, 511. — -Frankreich, s. Österreich-Spanien, -Österreich, s. England - Rußland; Österreich-Spanien. — -Rußland, s. Österreich-Frankreich; Österreich Rußland. Überschwemmungen, s. Elementarereignisse. Ulfeld, Anna Maria (geb. Gräfin Sinzen- dorf), Gemahlin des Grafen Leo, (Biographisches, 172). — Corfiz Anton (Sohn des Grafen Leo und der Anna Maria, geb. Gräfin Sinzendorf), Graf, Hof- und Staatskanzler, in der Folge Obersthofmeister, 1-3, 5, 11, 13—15, 17, 18, 20, 23, 25, 28, 30, 31, 34, 35, 37, 38, 41, 45, 54, 56, 57, 60-62, 66—68. (Obersthofmeister; Gründe der Ernennung; Gehalt und Gratifikation, 69, 70, 71, 105, 106, 108, 109.) 72, 73, 75, 77, 79—81, 83—85, 87, 88—91, 93, 96, 97,101, 104, 108*), 110, 112, 114,115, 117, 119, 134, 142, 158, 170, 171, 179, 198, 216, 225, 229, 231, 232, 260, 272, 297 [38], 330 [83], 347 [105], 348*), 352 [117], 354 [118], 373 . -374 [145], 461 [220], 502, 552, [269]. — Maria Anna (geb. Gräfin Virmond), erste Gemahlin des Grafen Corfiz Anton, 31. — Maria Elisabeth (geb. Lobkowitz), zweite Gemahlin des Grafen Corfiz Anton, 37, 41, 183, 216, 238, 252. — Franz Anton (Sohn des Grafen Leo und der Anna Maria, geb. Gräfin Sinzendorf), Graf (f 1741), 69. — Franz Leopold (Sohn des Grafen Corfiz Anton aus dessen [zweiter] Ehe mit Maria Elisabeth, Prinzessin Lobkowitz), Graf (geboren 14. Juli 1754), 183. — Wilhelmine (Tochter des Grafen Corfiz Anton aus dessen [zweiter] Ehe mit Maria Elisabeth, geb. Prinzessin Lobkowitz), Gräfin, 272. U ngarn, s. Ausflüge und Reisen des Hofes. — Hofkanzler, s. Nädasdy, Leopold, Graf. Ungarn, Konferenz in hungaricis, 89, 352 [114]. — Palatin, s. Batthyäny, Ludwig, Graf. — Primas, s. Czäky, Nikolaus, Graf. — Zolltarif, 160, 412 [189]. Ungarschitz, s. Ausflüge und Reisen des Hofes (Böhmen). Ungnad von Weissenwolf, Josef Anton (Sohn des Grafen Helmhard Christoph aus dessen [dritter] Ehe mit Maria Elisabeth, geb. Gräfin Lengheim), Graf, oberösterreichischer Landschaftspräsident, 35. — Aloisia Ernestine (Tochter des Grafen Josef Anton und der Maria Anna, geh. Gräfin Pälffy von Erdoed), s. Durazzo. — Maria Elisabeth (Tochter des Grafen Ferdinand Bonaventura und der Maria Theresia, geb. Gräfin Starhemberg), Gräfin, s. Esterhazy. Universität, s. Wien. Unruh, Ferdinand Freiherr von, 321, [71]. . Ursel-Hoboque, Karl, Graf, 132. Usurier gentilhomme, T, s. Theater. Yacances, les, s. Theater. Valenti-Gonzaga, Silvio, Kardinal, päpstlicher Staatssekretär, 182, 431, 456 [215], 460 [217]. Valet, Hofsekretär, 260. Van der Nootsches Haus, s. Wien. Van Swieten, Gerhard, Leibarzt Maria Theresias, 77, 152, 186, 263, 270. Varich, s. Sart-Varich. Vasques de Pinos, Juan Hyacintho, Conte, FM., 139. (Krankheit und Tod, 218, 219.) — — Maria Anna (geb. Gräfin Kokor- zowa), Gemahlin des Grafen Juan Hyacintho, 139, 218. Venedig - Österreich, s. Österreich-Venedig. Vengeance inutile, la, s. Theater. Verdenbergsche Erben, 41. Vergennes, Charles Gravier, französischer Gesandter in London, in der Folge in Konstantinopel, 296, 511. Vernier, Johann Josef, Freiherr von, 574 [279]. 634 Yerri, Gabriele, Conte, 574 [279]. Yie est un songe, la, s. Theater. Villars, s. Brancas. Vinarz, s. Ausflüge und Reisen des Hofes (Neuhof-Prag). Virraont, Maria Anna (Tochter des Grafen Damian Hugo aus dessen [zweiter] Ehe mit Maria Elisabeth, geh. Freiin von Burscheid), s. Ulfeld. — Maria Elisabeth (geh. Freiin von Burscheid), zweite Gemahlin des Grafen Damian Hugo, Witwe, (Krankheit und Tod, 31). Visconti (Lunati), s. Esterhazy, Maria Anna Luise, Gräfin. — (Sforza), Blanka, s. Sinzendorf. Vittelleschi, Philipp, Marquis, 321 [71]. Vitzthum von Eckstädt, Ludwig Siegfried, Graf, sächsischer Gesandter in Paris, 569. Völckel, Johann B., Kanzlist in der Staatskanzlei, 373 [143]. Voltaire, Francis Marie Arouet de, 114. Vorpommern, s. Schweden. Vorster, Johann Werner, Freiherr von, Reichshofrat, kurmainziseher Kanzler, kaiserlicher Resident bei Georg II. als dem Kurfürsten von Hannover, 17, 18, 25, 34, 49, 75—77, 287—288 [20], 291, 293 [24], 296, 297 [40], 299, 300, 300 [44], 303, 312 [56], 313 [58], 314, 325—326 [78], 329-330 [80], 333***), 335*) 33 8 [ 89 ]. Vösendorf, 37, 38, 42, 236, s. auch Ausflüge und Reisen des Hofes. Voyer de Paulmy, s. Argenson. Wald, Karl Friedrich Freiherr Mohr von, 574 [279]. Waldburg, s. Truchsess von. Walderdorf, Johann Philipp, Freiherr von (Sohn des Freiherrn Karl Lothar), s. Trier. Waldstein, Emanuel Philibert (Sohn des Grafen Franz Josef Georg und der Maria Josefa, geh. Gräfin Trautt- mansdorff), Graf, Bräutigam der Prinzessin Maria Anna Liechtenstein, 145. (Verlobung und Vermählung, 161,176.) Waldstein, Franz Josef Georg (Sohn des Grafen Franz Josef Ladislaus und der Maria Margarethe, geb. Gräfin Czernin), Graf, 145. — Vinzenz Ferrerius (Sohn des Grafen Franz Ernst Hermann und der Maria Elisabeth, geb. Landgräfin Fürstenberg), Graf, 321 [71]. — Maria Franziska (Tochter des Grafen Franz Karl und der Maria Ludmilla, geb. Gräfin Liebsteinsky-Kolowrat), Gräfin, s. Kolowrat. Wales, Friedrich Ludwig, Prinz von, s. England. Wall, Richard, spanischer Staatssekretär, 487. Wallau, Gottfried, Reichshofratsagent, 220 . Wallis, Franz Ernst (Sohn des Grafen Franz Wenzel und der Maria Rosa Regina, geb. Gräfin Thürheim), Graf, 67, 96. — Franz Wenzel (Sohn des Grafen Franz Ernst und der Anna Theresia, geb. Freiin von Rziczau), Graf, kommandierender General in Siebenbürgen, 67, 96. — Michael Anton, Graf, 574 [279]. Wallis-Österreich, s, Österreich-Wallis. Wals egg, Franz Anton, Graf (i 1720), Hofkammerpräsident, 227. Wasner, Ignaz Johann von, Österreichischer Gesandter in London, 282. Warasdiner Aufstand, s. Militärgrenze. Wasserthal, Johann von, Expeditor in der Staatskanzlei, 373 [143]. Watzlawik, Paul Ferdinand, s.Hradisch. Weber, s. Wöbern. Weickard, A. R. Pater S. J., Lehrer des Erzherzogs Josef, 402—403 [187]. Weinheim, s. Horneck. Weiss, Josef von, Kabinettssekretär Karls von Lothringen, (Biographisches, 384 [159]). Weissenwolf, s. Ungnad. Weitersfeld, 258, 259. Welz, Eva Regina, Freiin von, Gräfin, s. Rosenberg. 635 Wend, Ernestine Johanna, Gräfin, s. Herberstein. Werschowitz, Maximiliana, Gräfin, s. Belrupt. — Graf (Duell mit dem Grafen Nostitz 20 , 21 ). — Gräfin, 20. Widmann, Johann Wenzel, Freiherr von, kaiserlicher Wahlkommissär in Würzburg, 219, 485 [238]. Wied, Karl (Sohn des Grafen Georg Hermann Reichard aus dessen [zweiter] Ehe mit Johanna Elisabeth, geh. Gräfin Leiningen-Westerburg), Graf, Kammergerichtspräsident zu Wetzlar, 166. — Heinrich Georg Friedrich (Sohn des Grafen Karl und der Charlotte Albertine, geh.Gräfin Lippe-Detmold), Graf, kaiserlicher General, 166. Wien. — Belvedere, s. Savoyen. — Brassican (Lembruck) sches Haus (heute Palais Wilczek in der Herrengasse), 13, 281 [13]. — Burgtheater, s. Theater. — Erzbischof, Trautson, Johann Josef, Graf (1750, XII. 7., Koadj. —1757, III. 10.), 22, 42, 46, 47, 64, 66, 72, 77, 92, 102, 126-128, 152, 164, 165, 176, 179, 180, 212, 213, 217, 234, 244, 266. — Favorita-Salesianerkloster-Schwarzen- berggarten: Plan Maria Theresias, aus diesem Komplex eine Art „Serail“ zu bilden, 62. — Feuersbrünste, 78, 79, 342 [97]. — Gesandte, Botschafter und Nuntien, s. Andrada; Aubeterre; Azlor; Bachoff; Barck; Bestuchew; Bur- mania; Camporeale; Canale; Cor- raro; Crivelli; Czernew; Diedo; Diest; Dumont; Durazzo; Flem- ming; Halil; Hautefort; Hynd- ford; Keith; Keyserlingk; Kling- graeffen; Königsfeld; Hajo; Mon- tecuccoli; Neuhaus; Paumgarten; Sardini; Serhelloni; Torrepalma; Tron; Wrede. Wien. — Gesellschaft, Jours, 13, 14. — Graben („die Kräutlweiber am Graben“), s. Dier. — Harrachscher Garten in der Ungargasse, 49. — Harrachsches Palais, 176. — s. Hausarchiv. — Hofbauamt (Gebäude auf der Bastei), 3. — Hofburg (Feuer in der „Brad-Kuchel“, 4). (Bauveränderungen, 205, 207, [Bau der Theresiakapelle, 216], 257, 266.) (Schatzkammer, 243, 244.) — Invalidenhaus, s. Invalidenhäuser. — Landmarschall, s. Harrach, Ferdinand Bonaventura II. Anton, Graf; Königsegg (Erps), Karl Ferdinand, Graf; Trautson, Johann Wilhelm, Fürst. — Liechtensteinscher Garten, 204. — Lobkowitzische Häuser, 109, 225. — Mahlerakademie, 67. — s. Maskenbälle. — s. Mehlgruhe. — Militär- und Ingenieurschule (Mariahilf und Gumpendorf), 136, 183, 208, 209, 461 [218]. — Münz- und Medaillensammlung, s. Habsburg, Franz I. — Münzhaus, Eröffnung, 138, 390 [165]. — Naturalienkabinett, 5, 234, 279 [7], 513 [276], — Perlas (Palais), s. Wien, Lobkowitzische Häuser. — Redoutensäle, 1, 12, 13, 268. — Rofranoseher Garten, 224. — Rosenbergsches Haus, 142. — Scalvinonisches Haus am Graben, 124. — Schatzkammer, s. Wien, Hofburg (Schatzkammer). — s. Schlitten- und Birocciofahrten. — s. Schönbrunn. — s. Sechstausendguldenamt. — „Sperr-Creutzer“, 267. — Theresianum (Errichtung einer Staatsund Kanzleiakademie, 35, 297 [36]), (Theresianisten bei Hof und in Schönbrunn, 63, 68, 143, 147, 170, 185, 202, 206.) (Des jungen Freiherrn Wallhorn Disputation 3 =3 636 ex jure politico, 22.) (Disputationen und Prüfungen: [Graf Ignaz Harrach, 48], [Graf Kolowrat, 58], [Graf Rudolf Coronini, 59], [Graf Franz Anton Khevenhüller-Oster- witz in Gegenwart Maria Theresias und Erzherzog Josefs, 60, 61, 321 [75], [Graf Johann Josef Khevenhüller-Osterwi'tz, 80], [Graf Leopold Clari, 138], [Baron Franz Balassa, 202].) (Karussel, 52), 135, (Graf Khevenhüller an Maria Theresia über das Theresianum, 144, 145, 390-392 [169]), Äußerung des Kaisers über die Anstalt, 210), (Khevenhüllers Rücktritt von der Direktion, Reformvorschläge, 210—213, 251, 545 [266]). Wien. — Theresianum, Ingenieurschule, s.Wien, Militär- und Ingenieurschule. — Trautsonscher Garten, 4. — Universität (Studienreform, 77, 151, 152, 339 [92].) (Bau der Universität, 151.) (Berufung von Professoren, 151, 152, 401 [180]), 216. — Van der Nootsches Haus am Graben (Besitzweehsel), 148. — Wilczek, Palais, 281 [13]. Wiener-Neustadt, 49, (Militärakademie, 50, 238, 239, 311 [53]), 140, s. auch Ausflüge und Reisen des Hofes. ilczek, Palais, s. Wien, ildenstein, Maria Anna, Gräfin, zweite Aja, 235. — Maria Theresia (Tochter der Aja), Gräfin, Verlobung und Vermählung mit dem Grafen Josef von Balassa, 235, 236. Williams, Charles Hanbury, englischer Gesandter in St. Petersburg, 96, 97, 117, 119, 360-361 [126[, 380 [159], 434, 438, 534, 574 [277]. •Windischgrätz, Franz Anton (Sohn des Grafen Gottlieh und der Maria Theresia, geh. Gräfin Khevenhiiller- Frankenburg), Graf, 67. — Gottlieb (Sohn des Grafen Christoph Ehrenreich aus dessen [zweiter] Ehe mit Anna Christine, geh. Gräfin Auersperg), Graf, 67. Windischgrätz, Josef Karl (Sohn des Grafen Johann Friedrich Josef und der Maria Magdalena, geb. Gräfin Löwenburg), Graf, 206. — Josefa (geb. Gräfin Esterhazy), Gemahlin des Grafen Josef Karl, 206. — Theresia Rosalia (geb. Gräfin Rottal, verw. Freiin von Fünfkirchen), Witwe nach dem Grafen Ernst Friedrich [dessen zweite Gemahlin sie gewesen war], Krankheit, Tod, Testament, 84, 85. Winter, belgischer Sachverständigerim Handelswesen, 342 [99]. Witterungsverhältnisse (Schöner Herbst 1752), 67. Wittingau, s. Ausflüge und Reisen des Hofes (Böhmen). Wöbern, Augustin Thomas, Edler von, Referent beim Hofkriegsrat, 262. Wolfenbüttel, s. Braunschweig. Wolfscron, von, Hofrat, 473. Wölkersdorf, 140. Woronzow, Michael, Graf, russischer Vizekanzler, 396, 425, 426, 464. Wrede, Ernst Wilhelm, Freiherr, kurpfälzischer Gesandter in Wien, 75, 335, 338 [89], Wrbna, Eugen Wenzel (Sohn des Grafen Norbert Franz Wenzel und der Aloisia Stephanie, geb. Gräfin Kinsky), Graf, 280 [9]. Wrtby, Josef, Graf, 194. Würben, s. Wrbna. Wurmbrand, Franz Karl (Sohn des Grafen Wolfgang Friedrich und der Maria Anna, geb. Gräfin Kollonitsch), Graf, 301 [45]. — Gundaker Thomas (Sohn des Grafen Johann Wilhelm aus dessen [dritter] Ehe mit Maria Dominica, geb. Gräfin Starhemberg), Graf, (Verlobung und Vermählung mit der Fürstin Maria Antonia Auersperg, 222, 223). — Johann Josef (Sohn des Grafen Wolfgang Friedrich und der Maria Anna, geb.GräfinKollonitsch), Graf, 301 [45]. 637 Wurmbrand, Johann Wilhelm (Sohn des Grafen Johann Eustach und der Maria Isabella, geh. Freiin von Speidel), Graf, Reichshofratspräsident (t 1750), 222. — Josef (Sohn des Grafen Franz Karl und der Josefa, geh. Gräfin Herberstein), Graf, (Verlobung und Vermählung mit Eleonore Breuner, 44), 301 [45]. — Josef Franz (Sohn des Grafen Max Rudolf und der Maria Cajetana, geb. Gräfin Trauttmansdorff), Graf, 574 [279]. — Maria Antonia (geb. Auersperg), Gemahlin des Grafen Gundaker, 223. — Maria Eleonore (geb. Gräfin Breuner), erste Gemahlin des Grafen Josef, 44, 301 [45], (Krankheit und Tod, 184). — Josefa (geb. Gräfin Herberstein), Gemahlin des Grafen Franz Karl, 301 [45]. — Maria Cäcilia, (Tochter des Grafen Max Rudolf und der Maria Cajetana, geb. Gräfin Trauttmansdorff), Gräfin, Kammerfräulein, (Verlobung mit dem Grafen Cajetan Stampa, 169.) — Maria Elisabeth (geb. Gräfin Kheven- hüller-Ostervvitz), Gemahlin des Grafen Johann Josef, 139, 140, 301 [45]. — Wolfgang Friedrich (Sohn des Grafen Georg Andreas und der Maria Susanna, geb. Gräfin von Cronegk), Graf, 301 [45] . — -Khevenhüller - Osterwitz, Filiation, 301 [45]. Württemberg-Mömpelgard, s. Espe- rance. Württemberg -Reichsritterschaft, s.Römisches Reich (Reichsritterschaft). Würzburg, Greififenklau, Karl Philipp Heinrich, Bischof (1749, VII. 21.— 1754, XI. 25.): Krankheit und Tod, 485 [238]. — Seinsheim, Adam Friedrich Josef, Bischof (1755,1. 7.— 1779, 11.18.]; Wahl, 219, 485 [238]. — -Mainz, s. Mainz-Würzburg. York, Eduard August, Herzog von, s. England. Zanchi, Professor am Theresianum, 60. Zierotin, Aloisia Luise (Tochter des Grafen Johann Ludwig und der Maria Franziska, geb. Gräfin Herberstein), Gräfin, Hofdame, (Verlobung mit dem Grafen Johann Josef von Saint-Julien, 169). Zinzendorf, Ludwig Friedrich Julius (Sohn des Grafen Friedrich Christian aus dessen [erster] Ehe mit Dorothea Juliane Amalia, Gräfin Polheim), kaiserlicher Spezialgesandter in Petersburg und in Stockholm, 516, 516*). — Johann Wilhelm Josef 1 recte •— Maria Josefa Amalia f Sinzendorf. Zitto, P.S.J., Beichtvater weil. Kaiserin Amalia, 243. Znaim, s. Ausflüge und Reisen des Hofes (Neuhof-Prag). Zöhrer, Anton, österreichischer Legationssekretär in London 375 [150], 553 [273]. Zwenghof, Paul Maximilian, Mr. Dr., 58, 124, 129, 132, 137, 141, 148, 153, 162, 186, 273, 390 [169], 393 [175]. Ergänzungen und Berichtigungen. "808 soll es sub Rosenberg beißen: 3. Gern. Ernestine Gräfin Montecuculi, verw. Gräfin Khevenhüller. 352: recte 115 [89], statt 415 [89]. 356 [119], erste Zeile: recte Johann Ludwig Josef, statt Johann Ludwig Anton. 393 [175]. Noch folgende undatierte Schreiben, die — nach bereits vollendetem Druck dieses Bandes — im fürstlich Khevenhüllerschen Archive aufgefunden worden sind und die Bildergalerie betreffen, mögen hier Aufnahme finden: Khevenhüller an Maria Theresia. „De France a eu une grande querele avec Rausch comme Y. M. voudra bien avoir la patience de le voir par les plaintes cy jointes, que le premier m’en a porte. Ils se sont dejä brouilles d’autres fois, mais j’ai toujours trouve moyen de les raecommoder; mais pour cette fois-cy j’y ai perdu mon latin. De France est parti de chez moi tout eperdu et pleurant comme un enfant, Protestant toujours qu’il ne pouvoit plus avec honneur et saus se prostituer, remettre le pied dans la gallerie, jusqu’ä ce que je ne lui aye fait avoir une satisfaction convenable. II est vrai que c’a toujours ete Rausch qui a commence; il est grossier et puis l’envie et la jalousie s’en melent toujours; mais je serois cependant embarrasse de le perdre, parceque c : est un prothocolle vivant de tout ce qui regarde la gallerie. Si V. M. daigne l’approuver, je ferois expedier un decret ä Rausch von Obrist Cammerer Ammtswegen, wo ich ihm den verdienten Verweiss geben, ihn von neuem an die gebührende Subordination an De France anweisen und ihm anbefehlen thäte, die Abbitt zu thun etc.; j’espere que moyennant un tel ordre par ecrit, qui fera toujours plus d’effet que toutes les reprimandes de vive voix, l’affaire sera assoupie d’autant plus que je ne manquerai pas de parier de nouveau ä De France, um ihn capace zu machen. Mais le tout depend de la gracieuse resolu- tion que Y. M. jugera ä propos de me faire parvenir et que j’aurai soin d’executer avec toute la ponctualite et soumission.“ Maria Theresias Resolution: „je trouve la scene tres impertinente et encore plus que mon nom y a etoit melee j’aprouve ce que vous proposez.“ Maria Theresia an den Grafen Khevenhüller: „ich wäre in der schatzkamer recht wohl zufriden wie alles de france gemacht er hat mich sehr gebetten ich mögte schoupe etwas zulegen etwan 200 f. bis 306 f. höchstens welches als ein Gnad vor ihme 639 thätte. ich habe entsetzliche nackende bilder gefunden besonders weiber und weillen alle ausgerottet in der galerie ist es höchst nöthig auch in der schatzcamer ich wolte alle wan auch kunststuck sind de france schenckhen ausgenohmen dem buben der die lieb vorstelt ich hätte wohl gern wan es dis monath noch kunte alles weeg sein.“ Kheyenhüllers Antwort: „E. M. a. g. Befehl zufolg habe so gleich das behörige wegen ungesäumter auswechselung deren inconvenablen Gemählden in der Schatzkammer veranstaltet; wie mir der Rausch gesagt, so sollen deren 12 und etwann noch mehrere an der Zahl sein und darunter sich einige von Sprengel und anderen sehr berühmten meistern befinden, welche sehr rare originalia seind; also zwar, daß ein und anderes Stuck zu zwei und drei hundert ducaten aestimiret werden dörffte; De France, welcher eben jezt bei mir gewesen und den ich des preises halber sondiret, haltet sie selbsten so hoch. Bei disen umständen werden I. M. mir nicht ungnädig nehmen, daß mich nochmahlen a. u. anfrage, ob ich alle dise bilder den de France gleichwollen geben solle; ob ich schon ihme dise a. h. Gnad und Freigebigkeit von hertzen vergönne, so bin doch pflichten halber schuldig, für I. M. dienst und oeconomie zu sorgen, zumahlen da es sich gar wohl thun lasset, daß mann die ungebührliche Stellung und Nudites mit Wasserfarben überstreiche und dise bilder in die Gallerie oder etwas höher placire, oder in Verwahrung behalte; was aber nicht eben so kostbahr wäre, könte allenfahls gleichwollen an de France hinweg gegeben werden; jedoch beruhet alles bei I. M. a. h. Guttfinden. Dem Schoupe werden I. M. a. m. Entschliess- und Verwilligung alsofort zu wissen thun und die gewöhnliche Insinuation an das Obrist-Hoffmeister Ammt ergehen lassen; er ist [durch seine treu und emsige Dienst diser Gnad allerdings würdig. Was I. M. mir durch den Fürsten v. Auersperg wegen des perso- nalis zur Zeller Rais anbefehlen lassen, ist des gleichen schon a. u. befolget und hoffe wohl, bei der Zuruck Kunfft im stand zu sein, mich a. gehors. zu Füssen legen zu können.“ p. 407, **) zweite Zeile soll es heißen: (Darnach Arneth IV, 521, Anmerkung 202 zu berichtigen.) „ 463 [225]: recte Karl VII., statt Karl VI. „ 501 [255], erste Zeile: recte Waddington, statt Waddigton. fcäWKjjl i V **" .•ssaw-Vi' fsääs^i, ^^■'<<5rf C- -.-^Wfr: "■i^triL ■&&& % S •VW* WIENBIBLIOTHEK +QWB8249209