MMKAW^ . 7 > - ^ x «SM ..-'-' <<'7 7 ^ 75 ^'^? 5>-^ ^ ^ Ignaz Math es v. yeff weiland öffentlichen Lehrers der Universal- und Lttkerärgefchichte „uf der Universität zu Wien kleinere und Wissenschaften. WIEN, 1781. Bey Joseph Edlen von Kurzbeck y- VW Ignaz Mathes v. Heß hinterlassene Schulen und Erziehung. Zweyter Theil. ' / ro r rre d e des Herausgebers. ^er ungemeine emstimmige Beyfass» womit die von mir im Jahr 17 7 F zu Halle bey I. I. Gebauer hec- ausgegebenenGedanken über die Einrichtung des Schulwesens meines vortrefflichen Freundes und Lehrers / des seel. Mathes Ignaz v. Hess . in den hiesigen Landen nicht nur / sondern auch in allen übrigen reutschen Staaten ausgenommen, worden, last Mich hoffen, man werde mir für die in diesem Bande erscheinenden Aufsätze des nämlichen Verfassers A s gleich , stillt gleich viel Dank wissen. Sie habm alle einen Bezug auf die in den vorigen Zähren vorgenomme- ven , vielversprechenden Veränderungen zum Besten des Unterrichtes und der Erziehung in den K. K. Staaten, die leider! — meistens durch ungünstige Zufälle gehindert worden, und sehnsuchtsvoll den Augenblick erwarten, Ln welchem Josephs allumfassender Geist, immer thätig für das wahre Wohl seiner Unterthanen , sie von neuem in Bewegung sehe , und zu der Vollkommenheit leite, deren sie fähig sind , wenn man nur muthig über sträubende Vorurtheile hinweg, zu dem lichtvollen ' Zweck eilen will, den uns die Einsichten und Erfahrungen der Weisen angezeigt haben, Niemand, der fähig ist darüber zu'urtheilen, wird dem seel. Heff den Rang unter diesen Männern streitig machen wollen; seine Schriften allein geben ihm hinlänglichen Anspruch auf diese Ehre — Alle seine Vorschläge, weit entfernt beleidigende ist einer erhitzten Einbildung entsponnene Neuerungen zu semr, sind nur Resultate der Erfahrungen verschiedener älterer und neuerer einsichtsvoller Philosophen und Schulleute, an verschiedenen Orten und unter verschiedenen Gesichtspunkten gemacht, und für unser Vaterland, mit genauer Kenntniß von desselben Verhältnissen angewandt. Das Feuer, so seinen Vortrag belebet, ist nicht das tyrannische Gejchrey der Schwärmer S mer, die mehr mit mächtigen Worten und bekam. bendem Gelärme, als mit Vernunftgründen — mehr bethörenals überzeugen wollen: es ist der durch das innere Gefühl der Überzeugung entbrannte Eifer für die verkannte und gemißbrauchte Wahrheit, die er durch einen seelenerhebenden Vortrag anschaulich und fühlbar zu machen sucht- Seine Worte sind nicht blos leerer Schals, sie sind reiche Früchte langgeprüfter UritersuchurrAen, die es kaum vermuthen lasten , wie viel sie Zeit und Mühe ihrem Pfleger gekostet. Zudem auch'wünsche ich, daß alle Leser bedenken mögen, daß die schon gedruckten Gedanken über die Einrichtung des Schulwesens sowohl, als diese gegenwärtigen Aufsätze, niemals, wenigstens nie so, wie sie hier liegen, bestimmt waren, vor dem Publikum zu erscheinen; es waren Ideen, zum erstenmal hier zu Papier gebracht, die erst bey Gelegenheiten mit kaltem Blure und neuem Muthe umgearbeitet, vermehrt und vermindert werden sollten; aber hätten sie darum, weil sie nicht vollkommen ausgearbeitet worden, lieber ganz unbekannt bleiben, und hätte man lieber alles das häufige Gute, was sie enthalten, gegen einige Unvollkommenheiten , die man allenfalls darinn finden könnte, aufopfern sotten ? ,— Ich schmeichle mir mit der Hofnung, kein unpartheyischer und verständiger Leser (und nur ihr Beyfall war der Wunsch A Z des des Seeligen) werde also urtheilen, wenn er das Buch durchgekesen haben wird, um so weniger, da ?r sich bewußt seyn muß, daß er kn unftren Zeiten so manche grössere, bearbeitetere Bücher durchgekesen habe, wo er sich Glück gewünschet hatte, wenn ev sich am Schlüsse hätte sagen können, er habe doch einige gute Ideen gefunden. Allenthalben, wo es mir auch nur eknkgermas- sen nöthig schM^häbe ich Erläuterungen über jeden der folgenden Aufsätze, theils Ln einer kurzen Vorrede, theils Ln Noten bengesetzt; der tägliche Umgang, den ich mit dem seet. Verfasser genoß, und das Zutrauen, dessen er mich würdigte, haben mich in den Stand gesetzt, diese Erläuterungen um so richtiger zu geben. Möchten dem Publikum diese meine Bemühungen willkommen seyn; mochte es dem Andenken des würdigen Hess den Beyfall zollen, den er mir in jedem Betrachte so sehr verdient zu haben scheint, und möchten endlich diejenigen , welche Joseph ersieht, die Bürger des Staates zu bilden, einigen Nutzen aus diesen Schriften ziehen, so werde ich mich freuen, sie der stillön Dunkelheit entzogen zu haben, Ln der sie in den Schränken seiner achtungswürdigsten Herrn Brüder und einiger seiner hinterlassenen Freunde verschlossen lagen. Conrad Dominik Bartsch. Uibev --- - — - .-.-7 /' ----sch. iß« ^ M §z E i n e R e d e heym Eintritte des zweyten Schuljahres im November ,775 gehalten, An die Hörer der Universal- nnd Littcrargeschichke. V o r ber i ch t des Herausgebers. LL - M —---^- 2» ^iner der Haupteinwurfe, den die Widersacher gegen den Hessischen Schulplan gemacht/ bestand hierinn, daß durch dessen Ausführung alle Gründlichkeit in deyWissenschaften verloren gehen, daß die Jugend nicht gründlich genug unterrichtet würde d. gl. Diese übelverstandenen Worte von Gründlichkeit und gründlich, welche mitgeholfen hatten, den besten Plan unausgeführt zu lassen, entbrannten den Eifer feines Verfassers, und er nahm sie zum Gegenstand derLLngangsrede bey seinem eben eintretenden zweyten Schuljahre. Wer sie aus diesem Gesichtspunkte betrachtet, den darf der Enthusiasmus nicht befremden, der durch diese ganze Rede herrscht. ML kEESS , Uiber Gründlichkeit: Eine Rede. Meine Herren Iraft und Ordnung des Lebens, wahre Tugend und Weisheit , müssen die Früchte aller Wissenschaften seyn. Die Kunst sich durch diese sauersüsse Wanderschaft mit Äuth und Dauer der Zufriedenheit durchzuschleppen, ist, und kann keine andere , als die Tugend selbst seyn, wenn man nur nicht Worte für Sachen halt, wenn man die Gesetze dek allwaltenden Natur der Dinge ausspähet, und deutlich erkennet , daß Ordnung im Leben und Klugheit in Berechnung der Folgen allein Tugend und Glückseligkeit wirken. Diese grosse Menschenkunst lehrt uns blos die Erfahrung: nicht Me des einzelnen Menschen, sondern jene, der ganzen A 5 Mensch- Menschheit. Diese Erfahrung lehrt uns die Geschichte: die Geschichte von gestern oder von verflossenen Jahrtausenden. Da ich im verflossenen Jahre meinen Lehrstuhl bestieg, konnte ich als ein redlicher Mann nichts anders wünschen, als daß man unter nns akademischen Bürgern, Len bisherigen Pflegekindern der alleinigen Theorie, die Wichtigkeit dieser Urwahrheit bald thätig fühlen möchte. Ich wünschte dies und hofte es auch; — aber alle meine Wünsche , alle meine Hofnungen wurden zu meinem freudigen Erstaunen übertroffen , als ich die Zusammenkunft meiner iverthen Herren Zuhörer ansah, sie nicht nach der Fahl, sondern nach dem Verhältnis ihres Muthes, ihrer Freude, beurtheilre,, mit der sie die Geschichte der Menschheit, als ihr Geschäft behandelten, und unvermnthete Schritte mit mir machten, die mich oft selhst außer Athem gebracht haben. Sehr muß ich mich freuen, daß dieses Feuer, dieser Dem ecce Deus noch sich auf dieses Jahr hinüber verbreitet hat; daß wir wieder in ehen dieser Absicht zusammen gekommen find, um das Geschick der ganzen Vvrwelk zu studircn, um unsere heutige Welt werden zu sehen. Allein eben dies ewige werden unserer so lieben Welt, d'eses immerwährende Wachsthum des Stoffes, scheint von l il.ris ebenfalls eine immer mitschreitende Verdoppelung des Eifers, der Achtsamkeit, der Ordnung zu heischen, ohne die wir nach und nach immer mehr unter der zudringenden Last erliegen müßten. (Ordnung: diese grosse eigentliche amma muncii» dieD gewiß ewige Harmonie, um deren Willen man den Vater fAa.ro nicht mehr ließt, und doch verachtet, ist nun das einzige Mittel, uns der Verwirrung und des Schwindels zu erwehren. Dies zu beweisen ist die Absicht meiner Antrittshand- ltrrg gewiß nicht» Meinen jungen Freunden der Weisheit heit ihren Liebling durch Methode erst gefällig machen wollen , hieß der Schönheit Schmuck geben, oder den Vatikanischen Apoll kunstmassig, wie Gandrart, jenen beschreiben , die schon lange, wie Winkelmann, das Daseyn dieser Gottheit trunken fühlten. ' Für diese Pflegekinder der Tugend, für diese zukünftigen Stifter der heiligen Ordnung im geselligen Loben ist nichts nöthig, als sie blos einzuladen, um jene Reichthü- mer, jene aufgethärmten Schatze mit gierigen Augen zu über sehen , die sie nach ihrer berechnenden Gradation nach und nach aufzuarbeiten Herkommen; — sie einzuladen, um den noch Kälteren oder Furchtsamen Muth zn machen, und da ungleich mehrere vor dem Abgrund erschrecken, als an dem Reichthume der Ausbeute zweifeln > diesen in ihrer feurigen Sprache Math und Arbeitsamkeit zuzurufen, und reichen Gewinnst aus eigenen Erfahrungen mit vollem Halse zn versprechen. Die Sprache dieser meiner Commilito- nen des vorigen Jahres, die mir so viele vergnügtfeeli- ge Stunden in freundlichein Umgänge gemacht hat r diese will ich hier bepm neuen Eingänge mit einer alten professormassigen Kälte nachlallen; mit dieser will ich — nicht Zurufen, nicht anfeuren; aber einen niederschlagenden verwüstenden Irrthum will ich heben, der in allem mMhli- chen Wissen, vorzüglich aber in den weiten Gefilden der Menschengeschichte so manchen zum Zöglinge der Weisheit bestimmten Kopf elend abgeschreckt, und zu den dummbefriedigenden Götzen der hohen Theorie wieder zurück weißt, um dort in abstrakten Zückungen und dürrem Wörterkram seine edle Seele verhungern zu lassen , und für sich, und für die edle Gesellschaft (dies ist eben die Sprache die ich nachsagen will) auf immer abstrakt zu bleiben, i) Melke r) Zum Verständnis dieser .Stelle ist nöthig zu wissen, daß einer der Zuhörer des Verfassers, ein sehr tieffinttiger und aufgeklärter Zögling der Jurisprudenz, Hr» Ioh. Bernh. Zölsch, derrnglö Leh-- Meine Absicht ist also hier beym Eintritte unserer Vorlesungen den zweydeutigen Begriff genau zu bestimmen , was eigentlich in den Wissenschaften überhaupt, vorzüglich aber in der Universalhistorie gründlich heißt: Gründlich, jene zweydeutige Popanze des Peripats, die den guten Wissenschaften so viele vortrefiiche Köpfe raubte , und zur mederschlagendsten Unthätigkeit für alle ihre so viel versprechenden Tage, zum wahren Nachtheil der Menschheit, verdammte. Ich will untersuchen; kühn will ich in das Heiligthum der Wissenschaften eintreten , in das mich nun Beruf und Pflicht , schon lange aber, —^ merken Sie sich das, mpine Freunde! schon lange eigener Much, eigener Wille rechtschaffen und glücklich zu werden, eingeladen haben. Ich will den vermummten Götzen de» fürchterlichen Schleyer abziehen, den ausgeartete Schul- fprache, Gewohnheit, Vorurtheil, Stolz, Hieroglyphe der Priester der Dummheit, Monopol, eigentlich aber, ich sag es laut: Leichtsinn, Unwissenheit, Unmuth dem Ursprünge der Dinge des Wissens nachzngehen -- über ÜLer deS NaturrechtS und der Instituten auf der hohen Gchule zu ^iiiz nach dem erstne Kurse des GeschichtsstudkumS, worauf er ssch rnic viel Eifer verwendet, bey Gelegenheit einer öffentlichen >u- ridischen Vertheidigung eine vortrefflich geschriebene Abhandlung: Aliber die Verbindung der Univexsalhistorie mit dem deutschen privatrechte (Wien bei v. Kurzböck 1775.) herausgegeben, r>ie S. iz. folgende Stelle har: „Die Geschichte behauptet unter „ den mir der Rechtsgelehrsamkeit verbundenen Kenntnissen al- „ lerdings den ersten Rang: Die Gesetze sind blos Resultate von Umstanden ; fle entstehen und wachsen mit dem Volke , für wel« ches fie gegeben werden. Die so verschiedenen Modifikationen, ,, welche daS Menschengeschlecht in seinen so verschiedenen Wohn- ,, fitzen, unter so vielerlei) Einflüssen des Klima , der Nachbarschaft, „ seiner Freunde und Feinde erhalten hat, find eben so viele Bestandthcile ihrer Gesetze. ES werden also ohne Geschichte ,, nur die Dörfer, es wirb nicht der Geist derselben fühlbar wer- den. Man wird, starr dem Gange der Nationund so der „ Gesetze als ein scharsfinniger Beobachter nachzuspüren, flch in ,, allgemeinen , abstrsktenNotionen versteigen, endlich für flch und ». daS Vaterland abstrakt werden „ — Und diese letzte Stelle ist es eben, worauf hier Anspielung geschehet. Tus. S» Lerauvs- * über die wichtigsten Zweige der Wissenschaften, vorzüglich aber über die grosse Kunst Menschen zu beglücken , dahin gehängt , und mit donnerndem Geheule eines magischen Schreiens , so wie einst die Orakeln des Alterthums, und noch heute die List der intriguanten Gespenster, alle unheiligen und muthigen Entzauberer zurückgescheucht hat. Ich fürchte nichts. Gesunde Methodik: meine Lieblingswis- senschaft, meine Freunde: Loke, Condtllac, la. Chalo- tais, Garve, Memcrs; meine Führer Gatterer, Gchlözer, WeAuelm, Lyttletorr, Montesquieu, und Robertson: — wie unwürdig wäre ich ihrer Schule , wenn ich mich fürchtete, dem menschensreffenden Götzen die Larve abzuziehen, und meinen jungen Freunden auf ihre ganze weite Bahn Licht und Aussicht zn verschaffen. Allen Wörterkram , der bisher die altmodischen Schulen unserer neuen , so feinen, so philosophischen Welt — unbegreiflich für die Nachwelt! —verunstaltet, der nichts als Schmähen der Philosophen, Geschrey der darinn nur eingeweihten Dummköpfe, selten thätige, seltner zusammenhängende Heilung und Verbesserung veranlaßt: — Allen diesen Wörterkram hasse ich, wie Sie, meine Com- militonen ihn hassen. ' Aber hören Sie mich: — Vielleicht ist es eben darum, weil man uns mit auszehrenden Wörtern bisher» abspeiste, höchst nöthig , eben diese Kost, bey welcher Seele und Menschenglück verhungern mußten , diätetisch zu untersuchen; aufzufinden, warum nicht blos keine Nahrung, sondern, was wir itzt erst merken , Gift, Austrocknung , sieche Menschlichkeit als Folgen sich zeigten. Wörter, und eben die heiligen Wörter alle, die sich das Syne- drium der Schulen, als heilige Sprache, als Hieroglyphen , als Bannspruch und Verdammung erdacht; womit sie uns Elende zu Boden geworfen haben, — diese Wör- r4 --^^ wr müssen wir untersuchen» Dies wäre eine grosse - aber auch die nützlichste Arbeit» Ich muß mich hier einschran- ken. Mein Freund und Mitarbeiter , ( 2 ) den die Vors sicht und Klugheit (z) nnftrer Jugend gegeben, um in einem halben Jahre durch eigentliche Vernunftlehre, wo nicht gut zu machen , doch auszubilden / was in den ersten, dem Alltagsgebraüch der Schulgrimasse überlassenen Jahren angefangen wird, macht sich nach seinem aus eigener bitteren Erfahrung , wie bey mit/ entbranntem Eifer ein Geschäft daraus, die verhaßten Hieroglyphen, die Schul- Wörter zu entziesern, sie zu entkleiden, öder —- mit Sa-- chen zu bekleiden» Dort können sie hören, was Logik, Metaphysik , Ethik, was Syllogismus, Figur, Barbara- celarent; was 8'sn5u8 intim u8 > krincipium primnm z Mnnäu8 vptilnu8, Lssenria und TxiÜentia für schönt liebe Dingerchen seyen, wenn man ihnen die Schulkutte auszieht, und sie in der ersten natürlichen Blöße der einfachen Eindrücke, der Sensation mit Loke und Londit- dillac zeigt«. Aus dem ganzen Schwalle dieser mehr als Aegyplisches oder Chinesischen Hieroglyphen, wage ichs, ohne Airchee oder Deguigncs zu seyn, das einzige Wort: Grunde lichtere in lDissenschafren , hier einmal überhaupt im förmlichen,'für Sie , meine Herren, gewiß wohlgemeinten, wohlthatigen Criminalprozesse zu inquiriren. Ich nehme mir die Freyheit, mit Gunst aller Hoch- siudirten , in diesen Untersuchungen etwas mechanisch, im eigent- s) Hier meiyt der Herfasser Hrn. Mapev Professdk dev Philvsöphlt auf der hieflgrn Univerfltat, der sowohl wegen seines voktrcfli- Ken PriharkarakterS, als seiner reichhaltigen Kenntnisse Und Achten Philosophie eS gewiß verdierttk, der Freund dieses Edlen zu heissen« Zus.'d. herauog. z) Hr« Hofrath Baron von Martini, der nie genüg wegen seiner EiNflchken Und seines Eifers für -a- Veste d«S Srü-tkS «N» dtr ?itteratur, kann bekghet werden. r? eigentlichen Verstände handwerksmässig, oder doch als ein gutdenkender Baumeister zu Werke zu gehen. Grund, gründlich, Gründlichkeit, sind Metaphern» Dies brauche ich wohl nicht zu erinnern. Der Philosoph oder der Chymiker der Metaphern, Dumarsais, sagt uns gleich, daß die Metaphern natürlich, so wie alle abstrakte Begriffe , von sinnlichen, mechanischen Dingen hergenommen seyen. Darum kommt sicher Gründlich von Grund - von Boden, von der Bast» worauf etwas ruht, und welche im kosmographischen Verstände bis an das Omrum l'er- r« einen Halbmesser, oder ungefehr 720. Meilen Weges ausmacht. Es hat also jede Sache auf dieser Welt, jedes Land, jedes Hans, jeder Mensch, jeder Fuß einen Grund von 700. Meilen Weges» Wenn ich also sage: dieses Land , dieses Haus , dieser Mensch, der Fuß ist bis auf den Grund versunken, oder was weiß ich, wie, gekommen , so hatte er diesen Weg zu machen , den freßlich noch keines von allen diesen Dingen gemacht hat. Aergern Sie sich nicht, meine Herrenan diesem kindischen Gleichnisse. Es ist ja kein Gleichniß, sondern eine chymisch-logische Analyse der Metapher, die uns sosehr plagt- und heute ihre Gespensterkrast für uns verlieren soll. Nun, wenn ich mir den Grund denke, kakln ich mie entweder diese ganze 700. Meilen Weges, oder nur sv weit als die Bergleute kommen und schnaufen können , oder meinetwegen nur den Kumuin- die DaMmerde , welche. ' unsere Vegetabilien erzeugt - oder endlich gar nichts als den schonen Rasen - worauf die Schäferin» in den Armen ihres Daphnis einschläft, oder die Parquette, worauf der Stutzer seine Reverenzen schneidet, und zu Hause gezeichnet hat, — denken. Grund ist also mehr oder wem- ger tief. Dies wäre schon eine Zwepdeutigker'L in diesem gefährlichen Worte» Weiter. Weiter. Es heißt einer Sache bis auf den Grund kommen, und ;u einer Sache den Grund legen: — welcher himmelweite Unterschied zwiscWn der Anwendung bey- der Ausdrücke! Ich habe nicht nöthig, Sie hierauf aufmerksam zu machen, daß der Grund ihres Hauses, den sie legen, von dem ganzen 700. Meilen tiefen Grund im kosmologischen Verstände allerdings unterschieden ist. Ein anderes ist also Grund legen, ein anders ist bis aus den Grund arbeiten. Und nun keine Sylbe, kernen Bucystaben mehr von diesem simplen Worte. Nun frage man einmal den akademischen Mann, den erfahrnen Lehrer, den didaktischen Philosophen, von welcher Art von Grund bey dem Unterrichte die Frage seyn könne. Man untersuche alle Schul- und Facultatsgese- tze, alle Lesebücher und Prüfungsstücke, und entscheide dann, ob hier nur eine Zweydeutigkeit seyn könne, die gleichwohl so manchen Lehrer auf Abwege führt, so man- chen Züngliug abschreckt. Akademische Gründlichkeit heißt ganz gewiß nichts anders, als guten Grund zu jenem Gebäude legen, welches mit der Zeit aufgesühret werden soll. Eigentlich kann das akademische Alter und die akademische Anstalt keine andere Gründlichkeit fordern. Wer nur von weitem mit der Geschichte des menschlichen Verstandes bekannt ist, wer nur eine Wissenschaft in ihren verschiedenen Berührungspunkten, Verwandschaften, Hülfs- Mitteln kennet, wird der wohl vom ersten Unterrichte mehr fordern, als daß hier die erste Anlage gemacht, der erste Keim aufgeschlossen werde, welcher durch den allnrahligen Zufluß der Selbstarbeit, des Nachdenkens, der Erfahrung zur Eiche werden soll. Genug, wenn es der Keim der Eiche, und nicht des kriechenden Gesträuchs ist. So ^ ' kann kann aus eitlem kleinen Schulbuche von einem Alphabet der Staatswirth, so kann aus Baumeistern der Philo^ soph , so kann aus meinen magern Tabellen (4) der Ge- schichtfvrscher erwachsen, wenn man es auch ohne Erfahrung nicht glauben könnte. Aber wer würde auch ohne Erfahrung in der Eichel den Eichbaum voraussehen? — Der, Zufluß und dessen Beförderung macht in aller Vegetation die Hauptsache acks^ Gerade läßt der kluge Gully Menfchengewerbe, Handel und Reichthum wie Schwamme am feuchten Orte wachsen, da er durch Ackerbau und Freiheit diesen Zufluß mehr gehen laßt, als befördert. (5) Gerade so muß der Lehrer mit seinem Schulbuche den Saame« ausstreuen, durch gewählte Litterarkenntniffe und ermunternde Seibstarbeit den Zufluß veranlassen, uud dann lasse er die Eiche wachsen, die ihm zu seiner Freude, wenn er gut denkt, über den Kopf wachsen wird. Diese Gründlichkeit ist also das eigentliche, unbezweifelte Loos der Schule; allein ich glaube auch bis auf den Grund kann der Lehrer arbeiten lassen, wenn er auch nicht den ganzen Grund, das Tiefliegende ausarbeitet» Me menschlichen Wissenschaften find aus den vielfachen Erfahrungen entstanden, welche das ganze Menschengeschlecht nach und nach gemacht, und wovon man nachher die Grundsätze oder die hohe Theorie der Wissenschaften < abstra- 4) Der Verfasser hatte zum Leitfaden seiner historischen Vorlesungen synchronistische Tabellen herausgegeben (A. 1774. bei Hrn. v. Kurzbeck in ^ 4 ko gedruckt , -nachher aber von Gräffern 1776- in , Verlag genommen,) die alS ein eiligbetriebenes Dedürsniß der Zeit, das erst durch die Erklärung in den Vorlesungen Brauch» darkeie erhalten sollte, noch immer Vorzüge genug besitzen. Eine zwey Dogen starke Vorrede, die sich dabey bestnder, beweiset zur Genüge, wie ganz der Verfasser von der edlen Bestimmung der Geschichte beseelet , und was er für ein würdiger Schüler seiner vortrcflichen Lehrer in Göttingen, gewesen seye- Z. ö. 6 - L;) Ich verweise wegen dieser Stelle auf die S, 77. folgende Note. c. B I abstrahiert hat. Nur verliehre man aus theoretischem Stolze niemal diese grosse Wahrheit aus den Augen. Die ersten höchsten Principia, die uns nun evident heissen, sind gleichwohl dem ersten Menschen in seinen Kindesjahren nicht eben so evident gewesen. Man gehe von diesen Urwahrheiten, die so leicht durch bestandiggleiche Ereignisse sich fühlen lassen', zu den künstlichen Theoremen über, aus denen die Geschäfte der Menschen nun herfließen, und berechne die Stufenleiter von ErfaAungen, die dazu nöthrg waren, um einen solchen anwendbaren Satz richtig zu stellen , dem man nun seine reifen Jahre freilich nicht mehr ansieht, weilerinder Fortpflanzung immer in Beziehung auf den neuen Zögling neu scheint, und nun schon alles Baugerüst entfernt ist. Wie lange hat die ausgeartete Weisheit der unächten Aristoteliker diese für die ganze Menschheit so wichtige Wahrheit Verloren lassen, die nun kaum seit zwey Jahrhunderten Bako und Des Carres unfern heutigen Condillacs vorbereitet haben. Das hieß nun Gründlichkeit, wenn man den kleinen Fäden der menschlichen Erkenntniß nachspürt, wenn man nicht dort in dein fernen Reiche der Möglichkeiten, sondern in unserer sinnlichen Welt die ersten Keime der grossen Wahrheiten aufsucht, die nun den Verstand leiten, und unsere heutige Menschheit, wenigstens in dem möglichen'Zusammenhang aller Hulfsmittel zu ihrem dauerhaften Glücke weit über alle Zeitalter erhebt. Und wenn auch noch itzt öfters diese Möglichkeit durch den Stoß der Conjuncturen eben so wenig, als in der ganzen Vorwelt zur Wirklichkeit kommt, so kann doch indessen der Weise und Fromme heutiges Tages, in der Stille, alle jene Triebftdern der Glückseligkeit zusammen stellen, er kann wissenschaftlich durch den Weg des Beweises, wenigstens auf seiner Studierstube, ave jene Hauptgnmdsatze chis auf ihre einfachen Faden der ersten Erfahrungen verfolgeg) welche sich bisher als selbstentstandene ^ stolze stolze Wahrheiten angekündigt, und da man ihre ersten Elemente nicht aufgesucht, nothwendigerweise öfters irreführende Schlüsse veranlaßt haben. Hier sehen Sie, meine Herrn- daß ich ganz ohne Absicht unserer Historie -das Wort geredet hab^. Ein jeder Hauptgrundsatz, ein jeder Begriff, den uns Schulweisheit bisher zum Herlallen dargebothen, hat seine eigene Geschichte; seine Geschichtschreiber sind die Lokc und Eondillac, und der kleine Haufen ihrer Lehrlinge, der nun unter uns gewiß zum Erstaunen, wachsen wird» Die Geschichte dieser Begriffe, dieser stolzen theoretischen Worte studiren, heißt bey uns Gründlichkeit. Wir sehen also nun auf einmal > daß dieser metaphorische Ausdruck auch nach den akademischen Forderungen sich nicht blos auf die erste Grundlage eben einschranke, sondern auch im weitläufigen Verstände die Arbeit bis auf den Grund heissen Wline» Hier müssen wie aber unsere Forderungen nicht überspannen, nicht Haufen. Ich setze, der Logiker kann nicht die irreführenden zweydeMigen Wörter analyfiren, oder bis auf den Grund verfolgen : (sr kan es nicht im Verhält- Niß der Zeit; denn was würde ein Chinese:', oder ein alter Skeptiker sagen, wenn er ugs im entscheidenden Tone die ganze Vernunftlehre in einem Vierteljahre auf unserer Unioersnar trakciren hörte?) D so mag es gewiß genug seyn, wenn er dem jungen arbeitenden Geiste nur die wichtigsten Proben einer solchen Nachforschung zeigt, wenn er auf seine Vorgänger und ihre Methode verweißt, kurz: wenn er mehr die Selbstarbeit lehrt, als durch eine despotische Lehrauctorität dem selbsterfindenden Genie alles vor- kauen, alles ausdrinsen , keine hevrrstische -Freude gönnen will. B s Wir Wir haben also hier schau eine doppelte Art von Grünö- ^ lichkeit für alle Wissenschaften vor uns: jene Gründlich- ! keit, die nicht allem die Grundlinien , fordern die Arbeit ! bis auf den Grund , die Analyse der Theorie bis auf die ^ ersten Fäden der Erfahrung aosmacht, jene gesunde Lo- ^ gik d' Alemberts, durch die er nach seinem Ausdruck 5) ! auch dem größten Dummkopf das höchste mathematische Theorem beybringen will, da er nämlich von dem ersten einfachsten sinnlichen Eindruck bey ihm ansangt, und durch ! eine ununterbrochene, sich immer berechnende Reihe von ^ einfachen Folgeschlüssen bis zur höchsten abstraktesten Wahr- ' heit hinaufsteigt, die beym Anfänge auch den speculativste« ! Kops öfters abschreckk - Diese Gründlichkeit ist der Wunsch der Weisen , der didaktischen GeseHgeber, diese ist der Abgott meines Verstandes, und das reife Kind der neuen Philosophie, die, wie ich noch einmal behaupte, unser Zeitalter über alle alte Epochen der menschlichem Cultur erhebt, die wahre Würde unserer Aufklärung ausmacht, und worauf es hauptsächlich ankommt, das Meiste zur thatigen Bewirkung unserer Glückseligkeit beytragen kann, wenn wir nur nicht zu gelehrt oder zu stolz seyn wollen , bey dieser einfachen , mechanischen , eigentlich menschlichen Methode zu bleiben , wenn wir uns nur nicht neuerlich in thörichte Schulforderungen und Liefscheinende Denkerepen verliere« wollen. Diese Gründlichkeit ist jeder Wissenschaft eigen. Auf ihr ruhet die Entscheidung der menschlichen Rechte- eben §) Zn dem voetrcflichen Diicourr prelimiitLire äs I'Kncxekopeäts. L. läeisnxe, äs L-ittsratTr», ör ä» kkUotoxkis /M- 1778. r, S. zr» List, gut, als die Auflösung des mathematischen Problems ; die Staatswirthschaft so gut, als die Heilungskunst. Gesetze sind eben so, wie inathenlatische Beweise von einzelnen Erfahrungen abgezogen: Die Kunst Menschen zu reagieren und ^öcklich zu machen, gründet sich eben so gut auf die Erfahrung der Vorwelt, als die Arzneykunst, welche erst unter uns solche Riesenschritte gemacht hat, seit dem mack blos der Erfahrung und Beobachtung treu geblieben, und die alte» Abwege der Sympathie Verlasses hat. Diese Gründlichkeit ist auch unfter Weltgeschichte möglich nicht allein , sondern-uothwendig, angebohren, ihr vorzüglicher Werth» Wenn der Weltgeschichte bisher aus guten Schulen die Ehre wiederfahren ist, daß sie der öffentlichen Anstalt würdig geschätzt, ja als ein ansehnlicher Lheil des Unterrichts/als Vehikulum der Erfahrung, immer vorzüglich bearbeitet worden, so muß sie ja wohl auch gleicher Behandlung mit andern Disciplinen. fähig seyn. Dort wo sie keinen Eingang fand, wird man hoffentlich einen andern Grund angeben z man wird ihn in dem ehrwürdigen anschlöstenden Facultatensyfiem leicht finden, welches so viele nützliche Veränderungen verhindert , welches noch bis jetzt die grosse so nöthige Revolution in der Ordnung der philosoMschen Disciplinen erschweret. Viel-- leicht ist dieser grosse Stoß uns dahier Vorbehalten gewesen? — (6) Bz Die s) 3" , diese- hätte freilich der menschenfreundliche Verfasser vielleicht hoffen dürfen, wenn feine wohlgelneinren, durchdachten Vorschläge zur Hinrichtung der Schulen der akademischen Stur, dien und der Akademien der Wissenschaften zur Ausführung ge. kommen wären. ES mnngett in Oksterreich keineswegeS an guten TÄen- Die Behandlung der Universakhisiorie muß also auch einer Gründlichkeit fähig seyn. Nun welcher von Heyden Arten? — Vernurthlich um der erste», Lm eigentlichen Verstände akademischen? Aus der. ungeheueren , unabseh- ^ baren Menge der Begebenheiten, die seit den sechs Jahr- » Hunderten, die uus, wenigstens stückweise bMnnte Weltgeschichte liefert, einige auswählen, sie in gehörige Zeit- ordnung stellen, Völkerklassen, Reiche und Regierungen, als Facher zur weiteren Einschaltung annehmen: — dieß heißt ungefähr Gründlichkeit, oder erste 'gute Grundlage in der Umversalhistsrie. Die ausgewahlte, etwa grosse Begebenheiten dienen als Rnhepunkte, Epoguen genannt, vm von diesen Standörtern das Ganze übersehen zu können. Die richtige- Zeitrechnung macht einen Haupttheik der historischen Wahrheit aus, und wird die erste Grundlage zur Philosophische- Lehre von Ursache und Würkungern das Hauptgeschäfte der Geschichte. Völkerklaffen, Reiche und Regierungen sind die genauen bestimmten Fächer,, in welche die künftige Selbstarbeit , die nach und nach aufgefundene Begebenheiten eintrage», ordnen, und zur Vollendung des grossen Bildes im Vor- oder Hintergründe nach Würde stellen kann. Die Idee eines Bildes enthält die Einheit, auf welche die Universalhistorie kosar-- beitet. Diese Einheit ist die Geschichte der menschlichen Vered- ----- ^ - — Lakenten unter der Zugend, und selbst neue Erfahrung in diese Fächer zu bringen, die uns als Grundlage gedient haben. Dies wäre denn schon Verdienst genug, die wahre Belohnung für ihre Arbeit, meine Herren! Dies wäre Widerlegung jener Unwissenden, oder Trost der Furchtsamen, die in der ungeheueren Masse der Weltgeschichte keine Gründlichkeit möglich halten, oder aus Unsinn nur das für gründlich ansehen, was nach der Menge, und «) G. die S. 77» «»chfosgende Note c. 25 und nicht nach der Würde bemessen wird. So sehr sie sich nun schon itzt mit dieser Art dyn Gründlichkeit be< ruhigen, so sehr sie in der Zukunft durch diese Wissenschaft nicht blos pro pane lucranäo, sondern auch, was mir wohl auch willkommen wäre, zur eigenen Zufriedenyeit gewinnen werden, so muß ich Ihnen doch auch hier in unserer Universalhistorie die zweyte Gattung der Gründlichkeit , die oben als das Looß anderer Wissenschaften anbekannt worden , als Ihr Freund, als der öffentliche Priester dieser Muse, hiermit feyerlich zusichern. Einer Sache bis auf den Grund kommen, haben wir oben die zweyte Art von Gründlichkeit genannt. Schon im Eingang unseres vorigen Schuljahr^habe ich unsere Weltgeschichte als eine philosophische Lehre von Kräften und Wirkungen, von Ursachen und Folgen, kurz: als eine Physiologie der Menschheit mit Recht angekündigt; durch diesen Vorzug wird sie nicht etwa blos eine akade-- mische Wissenschaft, sondern die Lieblingsbeschäftigung, die Lehrerinn aller grossen Männer, der Fürsten und Staatsleute, der Richter und Gelehrten, und was noch mehr ist: der Weisen und Redlichen. Durch diesen Vorzug ist sie von der Stufe desl Vorwitzes, und der Memo- riensache zu dem hohen Rang des Nachdenkens, und der Weisheit hinaufgestiegen, und sitzt mit platoneu und Montesquieu auf den Thronen der Menschenväter, wo sie nur leider öfters vom Pöbel der Thoren und Bösewich-- ler, durch den schwarzen Dampf der Leidenschaften umnebelt , nicht gesehen , oder ich bleibe dabey, vom flatternden Leichtsinne, der mit Kleinigkeiten sich beschäftiget, ihre laute Stimme nicht gehöret — durch ein Wort das Glück von Myriaden Menschen öfters wirken würde. Diese Diese unsere Gottheit, oder um weniger Stolz zu heissen, unsere freundliche Muse sucht nun auch ihr Verdienst in jener Gründlichkeit, dü sie,' wie ich sie vorm Jahr nach Gchlözers Ausspruch angekündiget, den Zustand unserer heutigen Welt aus Gründen erklärt. Einem jeden Menschen, der nicht Verstand , sondern nur Augen hat, muß doch etwas daran liegen, zu wissen, wie dann das narrische Ding , unsre heutige Welt gerade so , wie sie itzt ist, und nicht anderst, worden seye. Dies werden, dessen neuen Zuwachs wir täglich sehen, hören , oft nur zu sehr fühlen, harte nun seine Stufen ,, welche die Weltgeschichte eine nach der andern darzeigt»' Diese Stufen, Huch nur blos als Fakta, ausgesucht, heißt schon die Gründe des itzigen Zustandes aufsuchen, erkennen, Diese Untersuchung, diese Reihe von Schlüssen, so gelehrt, so philosophisch sie auch manchen scheinen mag, ist doch, — ich sage es euch, achte Pragmatiker! nicht, zur Erniedrigung, sondern zur Ehre: — sie ist nichts anders, als das, was der Gang des Beweißes in der Mathematik, was d'Alemberrs gesunde Logif, was die höchste Theorie in der Atzneykunst, was das höchste Problem in der Staatswirthschast ist, nämlich nichts an« ders, als eine unschuldige, natürliche, mechanische Ords gung der Satze von der einfachsten Erfahrung oder Eindruck bis. zum höchsten Princip hinauf. Also hier in der Weltgeschichte die Verfolgung der neuesten Weltbegenheiten durch die ganze Kette von kleinen und grossen Anlassen," welche sich oft in das Gebiet der kleinsten Specialgeschichte des menschlichen Herzens verlieren, bis auf den ersten kleinsten Faden, auf die Handlung vielleicht dort eines grossen Mannes, Gesetzgebers oder stillen Menschenfreundes , oder bis auf den ersten dummen Leichtsinn einer Mai- treffe, eines Taugenichts, oder bis aus den gewaltigen Stoß Stoß eines Wüterichs , eines Unthiers, derDschinkis- Chane und pizarro. — So im Guten, so im Ueb- len. — Und diese-Reihe durchzudenken, diese Stamina aufzusuchen , heißt die der Universalhistorie eigene Gründlichkeit. Eigen, weil keine Wissenschaft sonst sich blos mit Faktis abgieöt, weil sie allen andern Wissenschaften dient, weil sie endlich niemals aufhört, täglich zunimmt, und erst in unserer Zeit durch die größte» Begebenheiten so ansehnlich anwächst. Wer kennt nicht nur aus unseren Jahren den Frieden der Türken mit den Pohlen; die Entdeckung der Meereslange; die Bewegung der Amerikaner; das Gluck der Engländerin Bengalen, das vielleicht ganz Asien eine neue Gestalt, giebt, und vor allen eisten Turgor in Frankreich, der vielleicht mehr als bisher alle Moralisten und Politiker die verletzte Menschheiten Frankreich heilen, und durch Beyspiele vielleicht das Glück von ganz Europa wieder zuräckführen kann. (9) Diese schöne Gründlichkeit, diese vortrestiche Philosophie, die allen Begebenheiten bis ans den ersten Faden uachspürt, und zugleich die Regeln angiebt, wie wir durch das Vergangene belehrt , > heute handeln sollen: diese ist die Würde, der Vorzug unserer Universalhistorie. Wie fthr viel könnte noch hierüber der Driester der Wahrheit predigen? Allein ich mache mir zum Gesetz, darinn meine Gründlichkeit sowohl in dieser Eingangshandlung als in meinem ganzen Lehramte zu suchen, daß ich durch einen kleinen Stoß, durch einen Fingerzeug Ihr Nachdenken, Ihre Selbstarbeit, meine Herrn! erwecke, Ihnen dadurch jene heuristische Freude nicht raube, welche wenigstens mir bey jedem Nachdenken, bey jeder Anwendung eines grossen Grundsatzes die Seele voll gelehrter Wohls tust 9) Zch verweise hier abermnl auf dis Seite 77. folgende Note c. lusi erfüllt, und DM größten Fortgang den meisten Muth und Anlaß gegeben. Diesen einzigen Dank wünsche ich mir, diesen einzigen Vortheil hoffe ich von diesen nun j wieder anfangenden Lehrstunden. Dieser Vortheil wird j auch der größte für die Gesellschaft, für ihre künftigen ^ Pflichten und Bestimmungen seyn» > Ätzer die Einrichtung der Priesterhauser. , Vorbericht X ^ des Herausgebers. §- .H s ^ . X V- ^)er gegenwärtige Aufsaß ist der bestvollendets unseres Verfassers; einige der darinn enthaltenen Herschlage sind zum Theil schon in die Grundlage des Brünnerpriesterhauses verwebt. N e n über die Einrichtung der Priester- Häuser. W2L Eingang. die Väter der Nationen ihren untergebene» Menschenkinder^ diese zeitliche Wanderschaft nützlich und angenehm gemacht haben (undHiezu brauche» sie die Aufklärung durch die Wissenschaften) so vollenden sie nun gewiß ihr grosses Werk, wenn sie dieselben nach dem Beyspiel der carolingischen Kaiser (a) von ihren geistlichen Hirten auf dem sichersten Weg einer gleichen Ewigkeit entgegen führen lassen. Und hiezu hat der Vater Himmels und der Erden uns eine sichere Führung durch seine geoffenbarte Religion gegeben. Der Weg ist bezeichnet, das Ziel und seine Seligkeit sehen wir in der Ferne, wir brauchen also nichts, als.-—- einsichtige Führer. Die Bildung dieser Führer ist eine wichtige Sorge. Sie ist den obersten Kirchenhirken allzeit von den Kirchenversammlungen eifrigst empfohlen worden. Das Consilium zu Trient rechnete dieß unter seine größten und schön--- ci) Lonc. Lsbit. Lsn. z. lud Lsrolo N. -- Lsplt. I-aäoviürzrz. ,Lüirs. kuri, III-. I.. r. L. zv. ia L>jäic. «ä c.»^r>iirriL L»- xum kr»««. c»x. 5. schönsten Früchten; (d) eifrige Bischöffe von H. Carolus ! Borromaus an bis ans unsere Tage haben immer in sol- ! cherr Anordnungen ihr größtes Verdienst gesetzt. Nur haben sich nicht immer solche vortrefliche Anstalten von ! dem Mittelpunkte zur Peripherie, von der Hauptstadt in ^ die Provinzen verbreitet, woran vielleicht nicht sowohl Mangel des Eifers , als Abgang der Mitteln und andere traurige Hindernisse Schuld waren. - Diese Bildung kann nicht anders als in wohleinge- richteten Gcmmarren — oder priefterhausern geschehen, wenn man nicht gefährlichen Miethlingen, die ^ zur Hinterthür in den Schafstall kommen, oder gar ver- ! larften Wölfen, die Heerde des Herrn arwertrauen' will.. Die weitere Verbreitung diej?r Priesierhauser ist nun auch eine, der vorzüglichsten Sorgen unserer grossen Mo- narchmn. Sie ist den Bischöfen auf das nachdrücklichste empfohlen worden. Die allerhnldreicheste Landes- ! mutter will dieselbe als einen Theil der öffentlichen Erste- j hungsanstalten anfehen , und durch thatigc Bepträge be- . günstigen. Man erwartet auch von den eifrige« Oberhir- j ten die dem Entzweck genugthuenden Vorschläge hierüber, ! und wagt nur in dieser öffentlichen Angelegenheit der Religion einige Gedanken hier vorzulegen, welche das Resultat einer langwierigen Bekanntschaft mit dem Geist unserer Kirche, und der zu dessen Erhaltung nöthigen Anstalten sind. Es giebt hier nur eine Quelle der Vorschläge, nämlich die Kirchenvorschriften und Geschichten, welche nach der unwandelbaren göttlichen Festigkeit unserer Polavicini versichert von. Trikentino, udi nullur allus fruKus ex iaconuvoäg compeolÄturum luiNe, quipps unrcum achuseilto», gvoä eKicsx sä rspsrrmäsm älsrtpliuiUü, s^»»kceditt«r. , i / rer heil. Religion immer ebendieselben Maaßregeln fordern , und dem Beyspiel eifriger und einsichtsvoller Bischöfe kühn nachzuarbeiten erlauben. » Erstes Hauptstück. Einige vorläufig nothwendige Anstalten K ^ M Ä^)tzr Oberhirt einer jeden Diöeeß muß wissen, wieviel jährlich, (außerordentliche epidemische Falle ausgenommen), von seinem arbeitenden Clerus zu sterben, oder abzugehen pflegen. Ich sage Arbeitenden: und hierauf beruht die wichtigste Voraussetzung für unsere Priesterhäuser. — * Einmal werden sich alle Bischöfe nach dem Vorgangs einiger verehrungswürdigen Oberhirten aus der Kirchengeschichte überzeugen, daß ein müßiger Clerus, eine all- zugroffe Menge unthätiger Titulaten und Benesiciaten, dem Ansehen der Geistlichkeit, und dem Dienste der Kirche, gleich gefährlich sep, und eine vollkommene difcrpli- «arische OrdnuNg , welche nur durch regelmässige Beschäftigungen erhalten wird, unmöglich mache. Itzt bey mehrerer Verbreitung"der Priesterhäuser und Verbesserung des Schulwesens ist der wahre glückliche Zeitpunkt, hierin^ die so nöthige Veränderuyg zu treffen; Voe . C 34 Vor allem-weiden also r) Ihro Majestät allen Bischöfen zu empfehlen allergnädigst geruhen, und die Bischöfe e§. bekannt machen , daß die geistlichen Candidaten hinsüro nicht so leicht mehr auf den blosen titulcim men- i t« oder Mrimonü sollen ordinirt werden, ohne daß sie vorhero in dem Priester-Hause gestanden seyen, und sich i zur wirklichen Seelsorge, oder doch zu einem lienekicio > cum otkcio bestimmen wollen, (a) 2) Werden von i den Bischöftn alle durch sie schon wirklich nach dem al- ! ten System ordinirte. bloße Titulaten nach ihrem Namen, ! Alter, Standort und Fähigkeiten, im Register ausge- l schrieben, ihnen hierauf eine besondere nnd weitläufige Pa- , ! stMlinstruktion über ihr Betragen und ihre Verwendung er- ^ tDM,die ganz muffigen, welche weder Beneficia noch Vitarien bekleiden, entweder gar zu einer vim cormnnni , oder doch zn jährlicher schriftlicher oder persönlicher Stellung, bey dem Consistorium angehalten, und hierauf dieser Überschuß nach und nach unterzubringen getrachtet. — Ferner werden z) Ihro Majestät allergnädigst geruhen, eine zur Aufnahme eines guten Clerus höchst nöthige Verordnung rrgehen zu lassen , vermög deren alle und jede Patroui gehalten seyn sollen, nun zwar noch jene ehemals titulirte und dem bischöflichen Register eingeschriebene, nach deren Unterbringung aber, nur jene Geistliche zu ihren Benefi- eien zu prasentiren, welche in den bischöflichen Semina- rien ausgenommen worden, und die vorgeschriebene Zeit über darinn gestanden. Es wird durch diese Verordnung das Patronatrecht nicht im geringsten beschränkt, indem > nur itzt die Hrn. Patroni ihre künftigen Präsentandos zu fleißigen Studieren ermuntern können, damit sie pach einem rmpartheyrschen Examen in die Priesterhauser ausgenommen a) tzuoä Nztailret, nuNuw oräinsi-s t^lsricum , qu> «on tscuiü k,r vixillrt. §. -iVaxuK. 8«roi. 4^. livpp«». I Z5 mrn, darintt zu dem so wichtigen Pastoralamt befähiget, Und nun von ihnen präsentier werden können. Es muß demnach den Patronis gleichgültrg seyn, ob derjenige, den sie mit einer Präsentation begünstigen wollen, erst bey dieser Präsentation oder gleich bep dem Eintritt in den geistlichen Stand von seinem Bischof durch ein zweck» iiläßiges Examen für fähig oder unfähig erkläret werde. Im Gegentheil kann es dem Bischof und der Kirche Gottes nicht gleichgültig seyn, den bisherigen, nach einem leichten Examen pro oräinidri« , blos aus einen Titulnm ordinirten, und nunmehr einem zerstreuten Leben überlassenen Meßlesern, solche Leute vorzuziehen, welche zu dem geistlichen Leben anferzogen, und den Geist des Hjrten- amts in wohleingerichteten Geminarien eingesogen haben. Nebst dieser höchstnöthigen Verordnung an die patronoz kann 4) Eine ähnliche an alle Pfarrer und Beneficias ten ergehen , um auch diese dahin anzuweise» , daß sie keinen andern zum Bicar, Caplan, oder Covperato- ren annehmen därsen, und sollen, als der in dem bischöflichen Register eingeschrieben, und durch Verwendung, Prüfungen rc. sich tauglich hergestellet hat; und künftig keinen, der nicht in dem bischöflichen Geminarium die gesetzmäßige Zeit gestanden hat. Zn der Zukunft wird es räthkich seyn, eine solche Anstalt, wo sie nicht schon ist, zu treffen, daß sichrer. Pfarrer in reZols, seine Cgpläne' oder Vicare Nicht selbst wählen, sondern ihm solche vom Constsiorium angewiesen werden, wvbep jedoch das bescheidene Cvnfistorinm in einzelnen Fallen auf billige Vorstellung der Pfarrer, eine Ausnahme oder Aenderung machen, und ihren gegründeten Verlangen willfahren mag. Diese beyden Verordnungen, an die patronos und Pfarrer sind der nothwendigste Grundstein einer künftigen ordentliche« Einrichtung. Ohne diesen ist niemals zu hof- C » sen, / sen, daß sich vorzüglich gute und eifrige Leute zum Cle- rus Herstellen, oder doch bey einer unsteten Lebensart den wahren Geist des Hirtenamks beybehalten werden. Diese Verordnungen kranftn Niemands Rechte, plagen nicht einmal jene, welche etwa aus dem alten System übrig sind, und sind doch gewiß der einzige Weg , Ordnung in der Geistlichkeit, und wahre Durcheile unserer heil. Religion zu verschaffen. Nebst dieser Verminderung der Titulaten werden nun j die Bischöfe 5 ) für Einschränkung und Minderung der ^ muffigen Beneficiaten sorgen. Die Tri de nt mische Kirchen- > Versammlung 0) hat ihnen hierinn den wahren Geist der ! heil. Kirche.,-der keine müffigs Geistlichkeit verträgt, ganz flar an Tag gelegt. Diese läßt auch hiedurch den ganzen Anstand über einen hinlänglichen Fundus selbst auf, und scheint hiezu dienliche Vorsehung zu thun, da sie nebst dem gewöhnlichen Unterrichtsfundus, und den aus- zuschreibenden Beyträgen von allen Dignitäten , Benefi- cien und Klöstern , den Bischöfen erlaubt, und empfohlen, derlei) kenelrcia luriplicjs mit den Gemmarien zu vereinigen. Sie sind also nicht allein befugt, sondern ermahnt , bey dermaliger Einrichtung den Bedacht dahin zu nehmen, einige von diesen beneliLiis limpIlLibus, sowie die dermalige Benesiciaten nach und nach abgehen, (b) mit den sunäi 8 der Priesterhauser, der OE«»?» , N von welchem im Anhänge geredet wird, re. zu vereinigen: Ich sage crm'ge; denn es Wird immer räthlich seyn, einige davon in der Absicht zu erhalten, damit dadurch alte und verdiente Geistliche versorgt 8ess. 2Z. 0. t8. -4) Obschvn das Lridentinum auch ants vocLtionem diese Incorporae . tion erlaube hüt. — Den Patronen zu diesen bsnsüciir ilmplid- due kann man zur Entschädigung eine Präsentation eines Alum« , nrn nach vorläufiger Prüfung gestatten. ? Z7 sorgt werden, welche der' Ruhe wegen gern ihre mühsame Seelsorge ne» zu investirendeu Pfan-ern überlassen, und doch, vielleicht wegen Nebenumstanden,> als sinee arcken Familie, einer schwächlichen und der Communität überlastigen Gesundheit rc.. nicht in den Oomibu8 Lyre- ritorutti ihr rühmliches Alter zubringen wollen. Es ist dabey zu rachen, daß diese Beneficien nicht in grosse , sondern kleinere Landstädte verlegt werden, damit die Ruhe des Alters sicherer seyn, und den kleineren Städten auch einiger Vortheil Heils in der Aushilfe der Seelsorgen,. Heils in der Consumtiou zusiieße. Dies ist die vortrefliche Einrichtung in der Würzburgischen Diöceß, welche man ohne Schmeicheley - gewiß für eine der bestgeordneten in der Christenheit halten kann. Auf diese Art werden ohne allen Zwang in kurzer Zeit die Diäresen von der müssigen Geistlichkeit, welche in der Hauptstadt schon stit mehreren Jahren durch den Eifer feiner Eminenz des Hrn. Erzbischofs sehr weislich eingeschränkt worden , gereinigt seyn, und ein ganz thätiger Clcrus aus den Seminarien zum Dienst der Religion und zu ivahrerAuf- erbauung der Gläubigen hervorgehen. Es ist oben erinnert worden^ daß die Anzahl der Alumnen in den Priesterhäusern sich nach der Anzahl dev jährlich abgehenden richten müsse. Auf diese Art wird jetzt bey dem grossen Vorrathe der Titnlaten die Anzahl geringes seyn därfen, wenn man nicht allenfalls, gewiß nicht ohne grossen Nutzen, selbst verschiedene minderfähige dieser Titulaten, in die Priesterhänser aufzunehmen, und zur Seelsorge besser zuzubereiten , oder die vielleicht ganz unfähigen irgend in ein Amt, welches weniger Gaben fordert, unterzubringen gedenkt. C ; Ztvey-- ZweyLes Hauptstück. Geistliche Erziehung. LS ie Priesterhänser haben zur Hauptabsicht die Seist, liche Erziehung. Ihr Hauptgeschäft ist also nicht etwa allein der Unterricht; denn dieser geschieht in den theologischen Fakultäten; sondern vorzüglich — die Erziehung. Diese besteht, so wie jede Erziehung, in .der Bildung des Herzens und des Verstandes. Beyde geben dem kürff- Ligen Scelenhirten jenen Gerst, der nun fern Hanzes Pa* sioralgeschäft beleben, und den Christen ewrges Glück bereiten muß. Dieser Geist bestehet aus verschiedenen Elementen; sie kaffen sich auf vier Hauptkkaffen zurück bringen: i) Die christliche'Liebe. L) Die daraus entspringende Tätigkeit. Z) Die in dieser Thätigkeit nöchige Ordnung. 4) Die evangelische Genügsamkeit, welche sich auf das physisch Nochwendige gern einschränket, um dadurch der thatigen Liebe ihren Uiberfluß zur liebreichen Verwendung, als das xstrimoniuM xsupenun, zu überlassen. Vor allem acht der Geist der Liebe Las eigentliche Uvterscheidungszeichen unserer heil. Religion, jenes größte größte und erste Gebot, an welchem das ganze Gesetz und die Propheten hangen. Diese so wirksame Seele des ganzen Christenthums muß nun unser künftiger Seelenhirt vor allem einzusaugen sich bestreben. Sie macht jene Gemeinschaft der Heiligen aus, die das Wesen unseres Chri- ßenthilms, die Absicht unserer kirchlichen Vereinigung, der Geist unseres Gottesdienstes und der Liturgie ist; —- die in den Finsternissen des Mittelalters und, der Sinnlichkeit sich zum Theil verloren hatte, und nur durch die einsichtsvolle Mühe der Seelenhirten ihre alte Würde behaupten kann. Dieser Geist der Liebe muß also in unseren Priesterhäusern in allen Beschäftigungen genährt werden- Der junge Geistliche muß nicht nur in seinem ganzen geistlichen Studium, sondern auch in allen Situationen'des christlichen Lebens von seinen Oberen hierauf geführt, aufmerksam gemacht, und hievon durchdrungen werden. Am Besten wird er diesen Geist des Christenthums erkennen, wenn er in der Kirchengeschichte, in den Alterthümern der ersten Kirche , deutlich sehen wird , wie eifrig die Versammlung der Christen, ihre Priester und besonders Diakonen, sich um den Beystand und Aushilfe der Gläubigen angenommeu haben. Diese genauere Bekanntschaft mit der wahren Absicht der christlichen Draeonie, wird aus ihm den muthigsten Arbeiter im Weingarten des Herrn machen, und die christliche Liebe als den wahren Werth unserer heiligen wohlthätigen Religion jedem zu erkennen geben. Dieser Geist der Liebe wird in ihm das zweyte Element« des Hirten: die Thätigkekt Hervorbringen. Eben die Liebe erweckt und ermuntert den Christen, zu einer beständige« Hilfe seines Nebenmenschen, und der Seelsor- C 4 ger 4v ger sieht immer wachsam an der Spitze dieser muntern ^ Christen, welche zur Hilfe und zum Beystand ihrer Brü- ^ der bereit sind. Die Leitung dieses.Beystands ist sein s Geschäft, und dies Geschäft fordert Thätigkeit. Der ^ junge Geistliche wird in den Priesterhäusern durch die Be- j weise ihrer Nothwendigkeit, durch das Gefühl ihrer l selige» Wirkungen beständig aufgemuntert. Es werden ihm die Regeln hierüber in den Pastoralexhortationen von > den Oberen, das Detail der Ausübung in den freundlichen I Conserenzen der Präfekten; die Beyfpiele aus der Ktrchen- geschichte, und dem gemeinen Lebey beygebracht. Er muß beständig von dieser apostolischen Wirksamkeit reden hören , um seinen ganzen Lebensplan darnach einzurichten, um die liebenswürdigsten Entwürfe seines Hirtenamts auS dem Priesierhause auf das Land mit fortzuvringen. Der Geist dieser Thätigkeit ist die Ordnung — das dritte Element des Seelenhirten, und ein Hauptge- geschäft der Priesterhäuser. Diesen bringt in den muntern Jünglingen weniger der pedantische Zwang, als die Überzeugung zuwege». Man hat in ihnen das Feuer der christlichen Liebe angefacht; mau hat ihnen die Menge der Geschäfte gezeigt, und ihre Thätigkeit dadurch in Bewegung gesetzt. — Nun überzeuge man sie, daß nur die Ordnung allein, nebst der mitwirkendeu Gnade Gottes auf diesen vielfachen Pfaden sicher einherführe, und die Größe des Geschäftes erleichtere. Uud nun werden sie sich selbst die Ordnung machen, dieses gemachte System wird zugleich den Plan ihres künftigen Pasiorallebens abgeben. Die vierte wesentliche. Eigenschaft des Clerus ist die evangelische Genügsamkeit; dies ist eigentlich lme täcco, Lme xera arbeiten, und dabey doch drm Arbeiter seinen « seinen verdienten Lohn nicht absprechen. Nie war di- Meinung des Heilands , den Hirten seiner Heerde alle Vergeltung ihrer Arbeit zu versagen; — (s) nur Habsucht und Geiz wollte er aus ihren Herzen bannen. Wenn also der junge Clerus durch Merzeugung vom eigentlichen Werthe der irrdischen Güter, welche das Bey- spiel der Oberen und zweckmässige Betrachtungen in ihm wirken müssen, seine Begierden mässigen lernt; wenn er seine wahre Freude, seinen Genuß, in Ler Ehre Gottes und der Zufriedenheit seiner Untergebenen zu finden weiß: —- so wird er nun nicht mehr durch niedrige Künste nach Gut und Reichthum Haschen; er wird nicht um eines schnöden Gewrrmstes willen, von einer armen zu einer reicheren Kirche laufen, oder wie der heil. Ambrosius hievon sagt: reliAa viliori pAuperculs, ciitiori8 uäulter» quareret smplexm..— Seine Einkünfte werden wahrhaft nur zu seinem massigen Unterhalte verwendet, und der Uiberrest wird das Patrimonium pmiperum werden. Und auf diese Art werden sich in der letzten Eigenschaft des Clerus, der Genügsamkeit, die drey ersten, nämlich: christliche Liebe, Thatigkeit und Ordnung , gewiß leichter vereinigen. Dies ist die moralische Erziehung des Clerus in Prie- sierhäusern, welche nur von väterlichen Obern gewirkt , vnd die schönsten Früchte bringen wird. C 5 DM- «) Non silixsdis Vs bovi trUursnti i gui tervlt vivst ä« rlcsri. 42 Drittes Hauptstück. Geistlicher Unterricht. KLLL KL' 'un kommt das ztveyte Geschäft der Priesterhauser ^ der geistliche Unterricht zu betrachten. Es ist hier nicht von einer theologischen Fakultät, sondern blos von den eigentlichen Pastoral- und ihren Hilfswissenschaften die Frage. Wir setzen also voraus, daß die eigentliche theologische Theorie auf einer Universität, entweder schon studiert, oder doch indem Priesterhause selbst, wo etwa keine theologische Fakultät am Platz ist, in den ersten Jahren gepflogen worden seye, und hier nur die eigentliche Pastoralpraxis getrieben werde. Diese besteht nun: ») in dem ganzen Umfang der theologischen Moral, und d) jenen Wissenschaften, welche diese christliche Sittenleh- re Vorträgen, und in Anwendung setzen lehren. Als: «) Ascetik oder Anleitung zum christlichen Leben. M Eigentliche Pastyral- oder Pflichten des Hirtenamts in allen Situationen des Lebens, r) Gegen Kinder: in der Eatechetik. L) Gegen Erwachsene, in der Hähern Eatechetik, und z) Homiletik, oder dem Predigtamt. 4) Ausspendung der heil. Sakramenten, wozu die ganze Liturgik gehört, besonders s) Casllisiik im besseren Verstände, oder das Amt eines Richters und Geelenarztes im Beichtstühle , und anderen Gewissensangelegenheiten. Endlich 6 ) Das Amt des Seelsorgers am Sterbebette : der gröste Trost für die Christen, wenn er aus den Händen eines bescheidenen und wohlmeinenden Seelsorgers kommt. Me diese »Kenntnisse müssen dem jungen Clerus sowohl in Grundsätzen vorgetragen, als besonders in beständiger Ausübung, deren Gesetze unten Vorkommen, bepgebracht werden. Nebst diesen Hauptwiffenschaften können Mn einzelne Alumni, jeder nach Wahl und Geschmack, die andern theologischen Wissenschaften in Nebenstunden excoliren. Die Leitung dieser Arbeiten auf das wahre Wohl der Religion hängt blos von der Vernunft und Bescheidenheit der Oberen ab, und hier wird man erst einsehen, daß diese Priesterhauser wahre geistliche Akademien werden können. Diese Wissenschaften sind ») Der ganze Umfang der Dogmatik und Polemik, wo- bey man dem Clerus die christliche Sanftmuth Md die nöthigen Klugheitsregeln empfehlen muß, jchoch ohne ihn von Bekämpfung schädlicher Irrthümer ab- zuhalten, —- sammt allen hieher gehörige» Hilsswis- enschaften; also b) Das Schriftstudium, oder die Exegesis. c) Die Kirchengeschichte« ä) Sprachen rc. welche im Zusammenhänge den Gottesgelehrten ausmachen, und einzeln auch dem Seelsorger nützen, da sie seine Ne- benstun- benstunden aussötten', und die Erkennkniß des Christen-- Lhums immer lebhaft erhalten. Men Geistlichen aber ist mit besonderm Nachdruck die Kirchengeschichtc zu empfehlen ; denn nur sie macht uns mit dem wahren Geiste unserer Religion bekannt, und bewahrt uns vor jenen Finsternissen, in welche nach Fleu- ry's Bemerkung, nur die Vergessenheit des Alterthums uns im Mittelalter gestürzt hatte. Man muß unseren jungen Geistlichen eine vollständige Anleitung geben, wie, und aus welchen Schriften sie in ihrem künftigen Pastoralleben die Kirchengeschichte studieren, die Kirchenvater und Canones fleißig lesen, und nur aus diesen Quellen, nicht aus ihrem Gehirne, oder gar dem schändlichen Eigennütze, -en Unterricht der Gläubigen schöpfen sollen. Viertes Haupt stück. Innere Einrichtung der Geistlichen Erziehung und des Unterrichts. SL) - - - DL Ä)ie Priesterhauser haben zwey Obere, ^nämlich i) ei- nen Regenten, und einen Subregenten. Beyde theilen unter sich nicht allein die ganze innere Direktion ^ und die obbenannte moralische Erziehung des inngen Cle- rus, sondern auch — den eigentlichen Unterricht, und die Vorlesungen über die Pastoralpraxis. Sie theilen unter sich erstens die innere Direktion, worin» sie hauptsächlich die die tzenane Kennkniß eines jeden Alumni, seiner moralischen und intellektuellen Gaben leiten muß. Oeftere freundschaftliche Unterredungen , Beobachtung in den öffentlichen Prüfungen, Relationen der Präfekten, Lektüre, Umgang, re. alles kann den Oberen über die Anlage seiner Untergebenen aufklären. Freundliche Erinnerung, selten öffentliche Bestrafung, welche Beschimpfung bey Erwachsenen widrig wirkt, Vorschlag der Gegeümitteln gegen Verderbniß von einzelnen, werden die Folgen solcher genauen Bekanntschaft werden. Zweitens. Theilen sie unter sich die eigentliche geistliche Erziehung nach den Grundsätzen des zweyten Hauptstücks , in den geistlichen Conferenzen, welche alle Sonn- täge und Mittwochen mit größtem Nachdruck und Salbung gehalten werden. Hier wird der Pastoralgeist genährt, der nachher durch tzie Wissenschaften seine weitere Leitung erhält. Drittens. Theilen sie auch unter sich den Unterricht in den Pastoralwiffenschaften. Der Regens kann die eigentliche Moral und die Administration der Sakramenten sammt der Easuistik vortragen. Der Subregens die Homiletik, Catechetik und Liturgik besorgen; beyde aber die Asc-tik durch Beispiele und Uibungen lehren; denn beyde sind nach dem Ausdrucke des Eoncilium von Toledo (Lau. 2Z.) magiüri cloötrin» öc teilen vitse. Die Alumnen werden in Musäa und Dormitori- vertheilt. Man gebe einem jeden die Anzahl von zwölf, deren einer Präfektus Musäi, und zugleich Repetitor der in den öffentlichen Vorlesungen vorgetragenen Kenntnissen ist , der andere, als Subprafeklus, den ersten in Ver? hinderungsfall vertritt. Es Es wird gut seyn, stabile, Präfekten zu bestellen, und solchen allenfalls eine geringe Besoldung, z. B. jene eines Caplans zuzulegen. Diese Präfekturen können demnach als Belohnungen der sich drstinguirendeu genutzt werden, und jene Geistliche, welche sich auf die theologische Gelehrsamkeit nebst ihren Pastorälkenntniffen legen, werde» sich immer damit belohnt halten, da ihnen dadurch Gelegenheit verschaffet wird, ihren Studien an der Quelle ferner in Ruhch obliegen zu können. Der eigentliche praktische Pastoralcursus, wenn die theoretische Vorbereitung auf der Fakultät, oder auch in dem Seminarium allenfalls, von einem dritten Lehrer für die Kirchengeschichte und das Canonicum, und einem Vierten für die Dogmatik und Scriptur, vorausgegangen , wird ganz gemächlich rn 2. höchstens Z. Jahren vollendet werden können.' Es ist dahzr anzurathen, an jenen Orten, wo'Fakultäten sind, keinen vordem 22"" Jahr in das Priester-Haus aufzunehmen. Ohnehin kommen die Stuöirenden vom Lande später zu den Studien, und sind also nach der Philosophie, und zwey Jahre Theologie gewiß 22. Jahr alt. Wo hingegen keine theologische Fakultät ist, kann solches schon eher geschehen, und also die gesummte Theologie im Priesterhause selbst gelehret werden. In einzelnen Fallen kan im Alter eine Ausnahme gemacht, und alsdann allenfalls der Cnrs im Seminarinm wiederholet werden. Vor dem Eintritte geht ein bescheidenes aber doch zweckmässig strenges Examen über Sitten und wissen her, welches von dem Bischof und einer vvohlgewählren Commission , nach gewissen Grundgesetzen vorgenommen werden muß. Hierauf wird die Aufnahme der Subjekten bestimmt, welche nun beym Eintritte die erste Tonsur bekommen kcmriien. Im ersten halben Jahre wird ihnen die voll, ständige theologische Moral in zwey ordentlichen Lektionen des Tags, und Repetitionen oder Prüfungen vorgetragen, woraus im zweyten halben Jahre.die Lehre von der Aus- spendnng der Sakramentender Direktion des Beichtstuhls re. beygebracht wird. Bey dem Vorkrage der gelammten Moral ist vorzüglich auf, die Quellen der heil. Schrift, der Vater und Kirchenversammlungen, der treffenden und qwahren Bey- spiele der Kirchen und heiligen Geschichte zu sehen. In der Ausspendung der Sakramenten muß der künftige Seelsorger nicht allein die göttliche Einsetzung, sondern auch den Geist, und den Urfpung unserer Liturgie und Cere- monien genau kennen, die grossen Abwege der Sinnlichkeit auf die majestätische Gimplicität ihrer ersten Einsetzung z urücksühren, und hierüber sein Volk geziemend unterrichten lernen. Besondere Sorgfalt verdient das Hir, tenamt im Beichtstühle. Kein redlicher Christ kann bey einer genaueren Bekanntschaft mit der Kirchenhistorie und dem Geiste des Christenthums die entsetzlichen Abwege miß- kennen, auf welchen uns die Vernachlässigung der reinen Disciplin in diesem so wichtigen / so heilsamen Geheim- niße zum Theil verführet hat. Der Beichtstuhl kann nur durch eine sorgfältige Kennt»iß der göttlichen Vorschriften, in Verbindung mit der genauesten Kenntniß des menschlichen Herzens, und aller seiner Falten, jene alte Würde behaupten, welche schon allein den Werth unseres Christenthums ausmachen würde, da der Seelsorger dem wahrhaft buffenden Sünder nicht etwa allein das Urtheil spricht, sondern nach Erkenntniß seiner Rückkehr auch für die künftigen Anfälle, die feiner Krankheit angemessenen Arzneyen, und Regime vorzuschreiben weiß, alle Symptomen stu- dirt , und für jedes einzelne Element der Schwäche che ein eigenes Gegenmittel < eine Entfernung oder Vermeidung der Gelegenheit, den Vorschlag eines erbauenden Umgangs, einer Lektüre , der Psarrpredigt und Ka- techesis re. wohlthätig vorschlagt. Wie sehr wird diese Würde des Beichtstuhls in der eigenen Pfarrerey re. von der Nachlässigkeit mancher Oerter sich unterscheiden, wenn der wohlthätigeSeelenarzt durch liebreiche und lindernde Ermahnungen der Kranken Vertrauen gewinnt , und uur durch eine genaue Bekanntschaft seine Wiederherstellung dauerhaft machen kaum ' Dies muß also ein Hauptgeschäft unserer Priesterhäuser werden , damit durch die wahre Seelenerquickende Wirkungen dieses Amtes, die Gläubigen zu ihrem eigen- thumlichen Seelenrichter und Arzte» , zu ihrem Pfarrer nicht durch Zwang, sondern Überzeugung herbeygelockt / und dadurch das d^osse vu1tum*xe?ori8 im dem Hirten möglich gemacht werden. Da wir nun bey gegenwärtiger Revolution sicher zu hoffen haben, daß alle ärgerlichen kasuistischen Streitigkeiten aushören werden, so ist jedoch wieder auf der andern Seite mit allem Eifer zu sorgen, damit aus Mißverstand der heiligen Vorschriften, das süsse Joch und die sanfte Bürde des Christenthums nicht erschweret werde. Diese Lehxe fallt nun im ersten Jahre täglich zwey Stunden Lektion und zwey Stunden Repetition, auch wöchentlich zwey Stunden' zu Prüfungen, nicht in der Disputir- sondern in der sokratischen Gesprächmethode aus, zu deren näheren Kenntniß der fromme Fleury selbst die Lektüre des Plato empfiehlt. Nebst diesen täglichen Lektionen, wird zweymal in der Woche die Theorie der Cachechetik nach Schmids Anleitung vorgetragen, und zur praktischen Uibung ebenfalls ein Tag ausgesetzt, welches im zweyten halben Jahre 49 Jahre mit der Homiletik nach Wurz oder Groscrs Vorgang eben so geschieht, wo jwey Tage in der Woche, von den Anfängern kleine Reden (kröne«) gehalten werden ; denn die eigentlichen Predigten machen die AlnmnL des zweyten Curses. Die Ascetik wird immer die Sonntäge in einer Nach- mittagsconftren; vorgetragen, wobey vom guten Gebrauch, Masigung und Anordnung der Betrachtungen gehandelt wird. Die Einrichtung des Pasioralleöens, welches den glücklichen Mittelweg zwischen dem Ordens- und Weltleben nehmen muß, wird, den Frühexhortationen und Conserenzen Vorbehalten. Die täglichen asketischen Uibun- sind i) willkührliche Meditationen oder auch nur geistliche Lektüre; — und hier ist hoffentlich nicht mehr nö- thig den sanften Umgang eines Nicole , DuFuct, NllesanFuy, eher, als den orientalischen Schwung mancher Asceten, unser» ruhiger» Abendländern zu empfehlen. Allein eine der nothwendigsten Verbesserungen, nämlich jene des Breviers verdient hier die vorzügliche Sorge der Bischöfe, da von dem Ascesi, von den Andachts- übungen der Gastlichkeit Meldung geschieht. Man übergeht hier, was von vielen eifrigen Bischöfen in Frankreich mit so gutem Erfolge geschehen. Es seye nur erlaubt, auf den ersten Ursprung des Breviers zurüchuge- hen, folglich es als den täglichen Gottesdienst der Gläubigen , die wahre und einzige Andachtsübung zu betrachten. Man greift mit Händen, wie sehr dieses der Gemeinschaft der Christen so wesentliche Institut von seiner ersten Würde bey manchen herabgekommen seye. Mall hat nach Abschaffung des gemeinschaftlichen Pfarrgottesdienstes, und der allzuhäufigen Einführung der privarmessen nicht al- D lein lein das tägliche Officium» m einer fremden Spracht aus die Geistlichkeit allein eingeschränkt, sondern der Ka> suist hat die gehörigen Stunden verwechselt , über die Nothwendigkeit der Achtsamkeit- und also der Andacht rafinirt und angeschnitten, und nun nach und nach dieses so heilige Institut zu einem ärgerlichen und mechanischen Gebrauche herabgesetzt. Cs mußte aber auch so geschehen; denn nicht allein die Aufhebung des gemeinschaftlichen Gottesdienstes (ein wesentlicher Vorzug unserer Religion) sondern die Verunstaltung des Breviers selbst , durch eine nicht immer zweckmassige Wahl der Schriftbücher und Vä- terstellen, durch ihre Verstümmlung, gänzliche Versäum- niß der Kanonum, allzuofte Wiederholung der nämlichen Psalmen , besonders irr den Horts, die Einrückung so vielfacher Festen und Kommunium, so vieler zum Theil ohne Ortics lscra geordneten Leben der Heiligen , Legenden ünd Erzählungeu rc. Alle dieft der wahren Andacht so schädlichen Unvollkommenheiten haben dieser so nothwendi- gen Beschäftigung der Gläubigen, nnd des Clerus ihren Werth und Bestimmung geschwächet. Nur durch die Verbesserung dieser Mißbräuche können unsere Kirchenvorsie- her, so wir jene von Paris > Orleans, Lyon rc. ihrer Geistlichkeit den besten Stof zur wahren täglichen Andacht wiedergeben. Und hievon werden nachh^ro unsere Prie- sterhäuserf auch den nützlichsten Gebrauch zu einer wahren Ascesis zu machen wissen. Sie werden diesen Gottesdienst in den gehörigen Stunden des Tages halten. Man wird alsdann in dem neuen Brevier die meisiunterrichtenden Bücher der heil. Schrift , besonders des neuen Testaments ; die mit der meisten Salbung geschriebenen Väterstellen; die nothwendigsten Dssciplinarkanones rc. so'vertheilen, daß sie ein wahres Ltuäium dominis LcctelisUici ausmachen , und den Clerus , zum Behuf des christlichen Unterrichts, im beständigen Umgänge mit den heiligen Qnel- len erhalten werden. Sollte man aber wegen anderer Rücksicht die gänzliche Verbesserung des Breviers für den ganzen Clerus nicht für thunlich halten, so würde es doch nicht schwer seyn , wenigstens für die Priesterhauser eine Sammlung solcher asketischen Uibungen zu veranstalten, besonders weil die jungen Clerici ohnehin noch nicht in höheren Weihen sind, und das Brevier noch nicht beten müssen. Diese Art von Asketischen Uibungen gilt nicht allein für das erste — sondern auch das zweyte Jahr des Kurses im Priesterhause, welchem nun feine weiteren Geschäften angewiesen werden. Im zweyten Jahre wird in denLectionen und Repetitionen des Tags vier Stunden fortgefahren, und die weitere Lehre von der Administration der Sakramenten vorgetragen. Eben so wird es mit den wöchentlichen Prüfungen gehalten, denen nun auch einige aus den übrigen theologischen Wissenschaften, zur Erhaltung des Eifers und zur Abwechslung können beygesellet werden. Die Lehre von der Homiletik wird ebenfalls fortgesetzt; auch einige Nebenstunden der Woche zur Erlernnng eines majestätischen Lumus cdorsUs augewendet. Die praktischen Uibungen bestehen i) in den Kate- chetischen , wo die Alumnen den Pfarrern und Schulleuten guten Dienst, zu ihrem eigenen Nutzen leisten können. Man wird ganz gemächlich einer jeden Schule einen geschickten Katecheten, in einer Stund der Sonn- und Rekra- tionstäge, anweisen können. L) In den Homiletischen. Ein jeder Alumnus des zweyten Curses muß juxta turnum- an So in- rnch Feyertägen , theils in der Kirche ein? förmliche Predigt, LheilS im Speisesaal eine Exhortation, oder eigentliche Homilie halten, wobey die Oberen för- dersamst daraus zu sehen haben , daß man einmal von dem eiteln gelehrten Pomp der so sehr verunstalteten Kan- zelberedsamkeit abgehe, und eine heilige majestätische Einfalt uns zurücköringe, welche die Lehren unserer Religion * zu der Faßlichkeit der Gläubigen herablasse, ohne sie deswegen durch eine übelverstandene Popularität zum Pöbe lhaften zu erniedrigen rc. O wie viel ist hier noch zu thun ? Wie sehr werden wir noch durch angebetete Muster vom wahren Ziel abgefnhrt? Hier ist die wahre Sphäre' eines eben so einsichtigen als frommen Weisen, den Jünglingen die rechte Strasse zu bezeichnen, und die Zugänge des menschlichen Herzens durch psychologisches Studium zu öffnen, um in dieselben die fruchtbarsten heiligen Wahrheiten , unter dem mitwirkenden Einflüße der Gnade mit wahrer evangelischer Salbung genießen zu können, z) Kommt die eigentliche Pastoralklugheit. Man versteht hier jene wohlthätige Hilfe des Hirtenamts, welche dem Menschen als Christen in seinen Situationen, in der Ruhe und Arbeit, in Hoheit und Elend , in Reichthum und Armuth, in Wohlseyn und Krankheit, im Leben und Tode , den wahres Werth des Christenthums fühlen, und gebrauchen lehrt; welche der Seelsorger seinem Untergebenen in allen Gelegenheiten , mit der gehörigen Mässi- gung anzubringen, und die seligen Einwirkungen unserer Religion auf alle Stände und Geschäften auszubreiten wissen muß. Besonders ist diese Hilfe dem Landmanne, dem niedrigen Bürger, nicht in den brausenden, wohllästigen Hauptstädten, sondern in den unschuldsvollen Hätten der Landleute sehr willkommen: —. und ein Regime hierüber, wird den Seelsorger zum wahren Hirten, zum Vater seines Völkleins machen. Dies ist der eigentliche Geist der Thätigkeit, der oben zum Hauptgeschäfte der Priester- ,»... 53 Priesierhäuser gemacht, hier aber zur förmlichen Anleitung empfohlen wird, damit nicht Unbescheidenheit oder Mißbrauch der Einzelnen Acrgerniß und Unruhe unter den Christen errege. 4) Können nun in der praktischen Administration der Sakramenten die Alumnen des zweyten Cm fes, entweder ihren! Pfarrer, wenn, wie es nicht unschicklich wäre, eine Pfarrerey mit dem Priesterhause verbunden ist, oder andern Pfarrern der Stadt assistiren, mn auch hierinn die vorläufige Uibung zu erhalten. Dieß sind die Beschäftigungen des zweyten Cursus. Im dritten Jahre fetzen sie die Nachlese der Theorie ferner fort , machen sich mit den künftigen Hilfsmitteln ihres Pastorats näher bekannt, vorzüglich aber üben sie sich beständig in der Catechetik Und Homiletik, um noch in die- - sem Jahre die orcimes majore8 erhalten, und nach dem Austritt aus dem Priesterhause sich gleich der Seelsorge widmen- zu können. Bey dem Austritt werden ihnen durch förmliche Instruktionen die Beybehaltung ihrer erworbenen Kenntnisse und die Hilfsmittel hierzu empfohlen , worüber sie nachher von Jahr zu Jahr sich verantworten müssen, und bey den Bischöflichen Visitationklr von ihren Fortgang zeigen können. D ; 54 Fünftes Hauptstück Innere mechanische Einrichtung. -n-v ------.> -H- ?)?ach der Organisation der geistlichen Erziehung kommt - ^ nun die mechanische Einrichtung zu betrachten. Die Alumni werden zu zwölf in Musäa und Dor- mitoria, denen ein Präfektus und Subpräfektus vorstehen , vertheilt werden. In den Musais hat jeder einen räumlichen Platz , samt einem Putt, und immer vier ein gemeinschaftliches Licht. Es ist wegen der Gesundheit der jungen Leute sehr zu empfehlen, daß diese gemeinschaftlichen Zimmer hoch, räumlich, lästig und hell genug seyen. Eben dieses gilt von den Dormitoriis, wo jeder seinen (besser mit leinenen, als wollenen Vorhängen) verschlossenen Platz?um Bett und Schubtadkasten'erhält. Uiberall wird auf Ordnung und pünktliche Reinlichkeit gesehen, welches besonders den Speisesaal, und die Küchen dieser Communitäten angeht, worinn nicht etwa Einsiedler, die der Welt überläftig seyn dürfen, sondern erträgliche Gesellschafter des menschlichen Lebens gebildet werden sollen. Eine mäßige, aber gesunde und niedliche Kost ist fördersamst zu besorgen. Diese so edle , so nö- thige Eigenschaft der Reinlichkeit und Mäßigung bringt der Seelsorger mit in seine ländliche Einsamkeit, und wird zur eben so angenehmen als edelmüthigen Hospitalität an- gelektet, welche gewiß eine vorzügliche Eigenschaft eines wohlgearteten Clerus ist. Die Die Kirche der Priesterhäuser muß ebenfalls das Modell für alle Pfarrkirchen abgeben. Majestätische Einfalt unseres Gottesdiensts; wahre geistvolle Andacht unserer Liturgie — ohne Theaterschönheiten, wie sich das Tri- dentinum ausdrückt, find schon lange der Wunsch eifriger Christen , den nur die erste Richtung des jungen Clerus, und die daraus mit Mäßigung entstehende Verbesserungen befriedigen werden. Uiber diese Mäßigung des Reformationsgeistes find dem jungen Clerus die überzeugendsten Klugheitslehren zu geben. Der junge Eiferer, von seinem Murarori erhitzt, wird wunderthatige. Bilder mit Gewalt wegnehmen; gegen allzuhäufige WaIfahrten, gegen Hexenpulver und Aberglauben schwärmen, und nun heißt er gewiß Bilderstürmer ^ Ketzer oder gar Gottes- läugner, wo er nichts hatte thun sollen, als'erst das Zutrauen seiner Heerde durch Eifer, Liebe und Sitten zu gewinnen; dieselben in christlichen Unterricht mit dem Wesentlichen unserer Religion, unserer Liturgie und Gottesdienstes recht bekannt machen, und null bey irgendeiner Reparation seiner Pfarrkirche die Mißbräuche in der Stille wegschaffen, eben zu einer Kirchfahrtszeit, eine wichtige Predigt oder Lehre rc. anzeigen, um die Kirchfahrter zu Hause zu behalten rc. — Derley praktische Klugheits-» lehren versprechen uns, wie bereits in andern Diöcese» geschieht, eine vollkommene Reinigkeit der Kirchenzucht und des Gottesdienstes, und werden uns nach und nach zu der ersten majestätischen Einfalt unserer heiligen Religion ohne Zwang und Anstoß wieder zurückführen, welche uns dieselbe eben so schätzbar, als unerschütterlich und ihren Feinden unangreiflich machen wird. Eine Bibliothek bleibt Msweilen ein Wunsch der Prie- sierhäzjser; die Huld der Monarchinn, der Eifer der Bi- fchöffe: die Bepträge der Pfarrer; die anwachsende Einsicht der milden Stifter — werden hier schon Mittel schaffen. D 4 Sech- Sechstes Hauptstück. Entwurf einer Tagordnung. Zwang oder Pedaoterey; nicht Ermüdung und ^erdruß darf bey erwachsenen Leuten aus einer Tag- vrdnung entstehen; sondern sie muß so eingerichtet seyn , daß ihre Wirkungen durch ihren Nutzen überzeugen, und aus Überzeugung Liebe und Befolgung erwachsen. Nach unserer dermaligen Lebensart wird der Mittagstisch um r2. Uhr, der Abendstisch um 7. Uhr bestimmt. Es wird also nicht vor früh 6. Uhr aufgestanden; um halb 7. Uhr werden die Metten , Landes und Prima in unserm neuen Brevier, oder einsweilen im alten, mit Andacht recitirt, die Lectiones langsam und deutlich vorgelesen , und eine wahre Andachtsübung, welche durch Abwechslung die Achtsamkeit erhalten wird, hergestellt. Es war überflüssig bisher, in den Priesterhäusern nebst der Metten und Complet noch ein eigenes Morgen- oder Abendgebet, Morgenbetrachtungen rc. zu statuiren, welches nun alles in einem gut eingerichteten Brevier bey» jammen seyn muß. Um 8- Uhr ist täglich die erste Lec- tion in den Pastoralwiffenschaften. — Die Sonntage ist um diese Zeit der Unterricht in den Regeln des Pastoral- lebens. — Eine sehr nochmendige Lehrstunde! —Um 9. Uhr sind die zwey Hora: Tertia und Sexta,» deren Namen man zum Andenken ihrer ersten Einsetzung beybe- halten kann. Dann folgt die Messe, welche täglich nach einem einem ebenfalls verbesserten Missile von dem jungen Cle- rus mit wahrer altdisciplinischer Andacht abgesungen werden muß. An Sonn- und Feyertagen wird nach Ablesung des Evangeliums, die Predigt von einer halben Stunde, von den Alumnen des zweyten Curses gehalten Um io. Uhr ist die Stunde zum Privatstudium oder zur Nachlese der Lection. — Um n.Uhr die Repetition des Präsekten in sokratischer Gesprächmethode; die Sonntage , eine freundliche Unterredung des Prafekts über das Pastoralleben und dessen Verbindung mit dem gesellschaftlichen Leben, den menschlichen und bürgerlichen Pflichten re. — Um 12. Uhr — Mittagstisch. Wahrend der Tafel ist immer in den Communitäten üblich gewesen, etwas geistliches vorzulesen; vielleicht wäre es zur Bildung des Clerns , welche nicht Anachoreten, sondern vernünftig gesellige Menschen seyn sollen, fürträglicher, wenn bey der Tafel nützliche Unterredungen erlaubt würden, wobey die beyden Obern und übrigen Präfekten die Aufs,Hz haben , und Schreyereyen oder Unarten, mit edler bescheidener Korrection wehren könnten. Dreß würde gewiß eine wahre Urbanität unter unserer Geistlichkeit wirken, da im Gegentheil die geistlichen Vorlesungen aus Mangel der Achtsamkeit, welche beym Essen menschlicher Weise nicht einmal so strenge gefordert werden kann, gar nichts nützen. Nur vielleicht kann an Sonn- und Feyertagen die kleine Rede (prüue) des Alumni des ersten Curses hier gehalten werden. . Nach dem Tisch ist bis Z auf r. Uhr Erhohlungs- siunde, worauf erst die Nona — und dann um 2. Uhr die zweyte Lection in den Pastoralwissenschafterr folgt. — Um Uhr Privatstudium. Um 4. Uhr die Vesper ohne Completorio — von halb g. bis 6. Uhr wieder Zeit zum Privatfleiße. Um 6. Uhr zwey oder dreymal in der D 5 Woche Woche Prüfungen in Akratischer Sprachmethode ^ welche auch, wenn sie gut eingerichtet sind, für Repetitionen gelten können; — und zwey oder dreymal Unterricht in der Catechetik, Homiletik, und Liturgik rc. — Um 7. Uhr Abendtisch von einer halben Stunde, woraus wieder eine kleine Erholung kömmt. — Von 8. bis halb io. Uhr Privatstudium. — Um halb ro. Uhr Completo- rium — das eigentliche Nachtgebet und Abendbetrachtung, wenn statt der kurzen Lection, eine etwas längere, schöne Väterstelle, oder etliche unterrichtende Canones eingerü- cket werden. — Um ro. Uhr Schlaf, wo jedoch vom Präfekten zuweilen Einzelnen erlaubt werden kann, auch bis r2. Uhr aufzubleiben. Die katechetischen Uibungen geschehen, wie oben erinnert , in der Pfarrkirchen, und in Schulen, an den Sonn- lind Spieltägen, — vielleicht in der Stunde von io bis n. Uhr von geschickten Alumnen, denen diese Uibung gleichsam zur Belohnung gemacht werden muß. Auf diese Art werden i) die christlichen Andachts- Übungen mit Ordnung, Einsicht und wahrem Nutzen getrieben. Uiber ihre Vervielfältigung wird niemand klagen; denn es ist nur statt der öfters nicht zweckmäßigen Andachtsübungen der wahre Gottesdienst, das tägliche Officium in seiner wahren Würde wieder eingesetzt und vertheilt worden: — sie füllen ohngefähr 4. Stunden aus. — 2) Die Lektion, Repetitionen und Prüfungen find gewiß auch nicht bis zur Ermüdung vervielfältigt; fie machen auch 4. Stunden des Tags aus. 3) Ist den jungen eifrigen Leuten gewiß auch Zeit genug zum Pri- vatfleiße überlassen, wozu nahe an 5. Stunden frey sind. —- 4) Ist die Zeit der Erholung und Erquickung der jugendlichen Munterkeit gemäß, nicht zu gering ausgemessen , messen, da sie samt der Tafel nahe an 4. Standen betragt. Es bleiben ohnehin an Sonn- und Spieltagen gewisse Stunden übrig, an welchen die Oberen gemeinschaftliche , oder jedoch mit Mäffigung , einzelne Spaziergänge and Besuche der Freunde erlauben. Zur Erholung und Bewegung müssen nebst den Spaziergängen verschiedene Spiele, als Billard — Drucktafel — Kegel — Ballon rc. eingeführet werden, damit die vita LeäentLrjg den künftigen activen Seelsorger nicht zu frühzeitig Leibeskräften und Nervensystem schwäche, und zur muthigen Arbeit unbrauchbar mache. Mit diesen so zusammenhängenden Mitteln können alle k, k. Erbländer, sich in kurzer Zeit einen vollständig gebildeten Clerns sicher versprechen, der sich nun durch seine eigenen Kräfte, durch die Kraft des Beyspiels, und des gemeinschaftlichen Interesse erhalten, und das Reich Gottes auf Erden dauerhaft begründen wird. Anhang. Von den Häusern der Lmeriwrum L Demeritorum. für alte gebrechliche, als für schwache und är- gerliche Geistliche sind Anstalten nöthig. Doch ist zu rächen, daß man eine mit der andern, nicht einmal an dem nämlichen Ort, vielweniger in dem nämlichen Hause verbinde. Die Die Osmm Rmeritorum können in kleineren Landstädten seyn. Sie sind die Zufiuchtsstadte des Alters und der Gebrechlichkeit. Cs muß also Zwang und Pchanterey, welche das Alter gar nicht verträgt, sorgfältig entfernt werden. Die Direktion der Oberen muß hier blos auf das ve- coruin gehen. Ferner muß Quartier, Kost und Bequem lichkeit, dem Alker angemessen j»ym Quartier muß räumlich, gesund und so eingerichtet seyn, daß immer 4. alte Herren einen Bedienten in der Nahe bey Tag und Nacht bereit haben. Die Kost muß mäßig, aber wohl gewählt und reinlich seyn. Die übrigen Beqnemlich- keiten, alsHeitzung, Licht, Wasche, Frühstück, Gesellschaft, Freyheit der Vacanzen und Cxcursionen müssen dem Atter und Stande liebreich gestattet werden. Nirgends mehr als hier, ist die vernünftige männliche Bescheidenheit eines Oberen nvthwendig, welcher durch den Cxceß leicht den Aufenthalt in diesen Hausern sehr versaueren könnte, wo man doch dem rühmlichen, verdienstvollen Alter des Seelsorgers Hilfe und Erleichterung verschaffen will. Die OomuMemerityrum müssen unter den Augen der Dischöffe seyn. Hier muß sreylich der schwere Arm der Disciplin auf den Einwohnern liegen ; doch muß der Obere immer betrachten, daß er mit Männern und Geistlichen zu thun hat,' deren Zurechtweisung öfters auch durch Härte eher unmöglich gemacht, als erhalten wird. Neuer Unterricht und überzeugende fühlbare Beweise von dem Vorzug eines regelmässigen Wandels, von seinen glücklichen Wirkungen im zeitlichen und ewigen Leben, müssen hier alles wirken, und die verirrten auf die Wege des Herrn zurück- sühren. m. L s« Schulwese n Fragmente. ' ^ . 1 . V o r b e r i ch t des Herausgebers. ÄL .— « -. - LÄ tlm gute Schulen zu haben , ist es nicht genug, einen guten Plan zur Grundlage anzunehmen: es werden auch fähige Männer erfodert, die ihn auszuführen im Star,de sehen. Daß der Verfasser der gegenwärtigen Schriften vdtt dieser Wahrheit genugsam überzeugt gewesen , und sie nie außer Acht gelassen, wie seine Feinde ihm vorgeworfen, dieses zeigen , die in seinem Plane (Gedanken über die Einrichtung des Schulwesens. Erster Abschnitt) vorgeschlagenen Mittel zur Bildung der Lehrer, die gewiß gehörig überdacht und zweckmässig waren , und die Lehrer, ohne für die Schulen schädliche» Zeitverlust, in der Ausübung selbst theoretisch ausgebildet hären. Unter denen von ihm deshalb vorgeschlagenen Mitteln , war auch eine pädagogische Wochenschrift. (Ebendaselbst S. rz.§. iz —16 ) Zu diesem hätten folgende Bögen als Eingang Und Einleitung dienen sollen; sie sind eigentlich elementarisch; aber kein geübterer Schulmann stosse sich daran; bey den bis zu diesen Zeiten unter uns so sehr verderbten Ideen vom Schul- und Erziehungsweftn, bey ein- gepstanzten schädlichen Vorurtheilen, auf deren Ruinen man ein neues vollkommenes Gebäude setzen sollte, war es ja wohl nöthig, es von Grund aus aufzubauen , und es von allen seinen Seiten zu zeigen. Dieser Aufsatz ist bey weitem nicht vollendet; auch das Vorhandene hat noch hie und dort Lücken, woraus man erkennen kann, daß diese Schrift* gleichfalls nur entworfen, und nie ausgearbeitet werden.' ck» 6z zum Schulwesen. E--- - - - -— LL » * * die Väter der Nationen ihren untergebenen Menschenkindern die grosse Wohlthat einer öffentlichen Erziehung gewähren; wenn diese Wohlthat von den Nationen mit freudigem Danke angenommen, und dadurch eine ihrer grösten Angelegenheiten befriediget wird;— so kann es ja einer empfindlichen Menschenseele gestattet werden , bey dem öffentlichen Freudenrufe etwa auch seine Stimme mit zu erheben , und an dem allgemeinen Vergnügen lebhaften Lheil zu nehmen. Wenn er nun nicht allein den Werth dieser grossen Wohlthat lebhaft fühlt, sondern auch mit ihrem sich in alle Aeste der Gesellschaft ergießenden Geiste, und Leben genauer bekannt ist; so wird es ihm, nach den Gesetzen der Empfindlichkeit, unmöglich, die Aufwallungen seines gerührten Herzens immer zu bezwingen, und die öffentlichen Zeugnisse seiner Gefühle zurückzuhalten. Allein nicht begeisterte Lobsprüche, nicht feurige Anbetung sind das Werk seiner überzeugten Seele bep solchem Anlasse. Besser denkt er sich, um das vergnügte Publi- > 64 — Publikum verdient zu machen, wenn er diese grosse Wohl- that als eine zusammenhängende Anstalt in allen ihren Theilen betrachtet, und die auf einen Mittelpunkt zusam- menwirkende Triebfeder anzeigt, um die Nation die bisher nur gefühlte Hälfe deutlich einsehen, und das Maaß ihrer schuldigen Dankbarkeit wirklich kalkuliren zu lassen. Die Triebwerke dieser wohlthatigbeseelenden Maschine können aber nur blos angezeigt und beschrieben werden; oder man kann zugleich ihre Verrichtungen, ihre Beziehung auf das grosse Ganze genauer angeben. Jenes könnte die Anatomie der Anstalt,; dieses die Philosophie heissen. Und da man bis jetzo ersteres noch verschiebt, gewiß aber nachholen wird; so muß mit dem letzteren, und zwgr in einzelnen Theilen angefangen werden. Die Funktionen der einzelnen Glieder können nachher auf das Ganze zurückgebracht, und dieses dadurch leichter übersehen werden. Lehrer führen hier die Reihe. Aus dem Vorhergehenden erhellet deutlich die Absicht dieser wenigen Bogen. Die würdigen Vorsteher des edlen Lehramts haben bereits die nähere Willenserklärung ihrer Monarchen in förmlichen Instruktionen erhalten; aber die wirkliche Manipulation kann unmöglich der Gegenstand einer Instruktion seyn. Sie ist nur das Werk einer langen , aber , raispmrten Erfahrung, oder eines reifen Nachdenkens , und studierter Bekanntschaft mit der jungen Meuschensee- le; — nicht das Werk eines einzelnen Menschen, wenn er auch das größte Genie wäre, sondern eine reife Frucht der Experimentalphilosophie eines Lokc, Bonnet, Eon, dillac: verarbeitet durch die Hände denkender Menschen- sührer, und von la. Ehalorcüs zur Hilfe der Nationen erhoben. Wer das grosse Geschäft der öffentlichen Erziehung aus den Hayden so grosser Bearbeiter hervorgehen gesehen, e; hm, (und so sehen es ja alle unsere Lehrer) dem kann eine kleine Brochüre nicht unwillkommen seyn, welche weder Vorschriften, noch Rachschläge enthalten, sondern blos Berathschlagung oder Unordnrmg mit Meistern in der Kunst heissen solle. Gewiß haben alle wirkliche Lehrer schon ähnlichen Bemerkungen/ künftige aber schon ähnliche Entwürfe gemacht. Gewiß haben sie sich solche entweder aus langer Erfahrung, oder aus psychotischen Beobachtungen, n«d,dWkLischey Schriften abstrahnt. Und bey allem diesen durfte doch eine kleine Schrift nicht ganz überflüssig seyn, worinn die meisten und wichtigsten Data dieser so weitläufigen Wissenschaft gesammelt, und mit gegenwärtigem System unseres Schulwesens durch nähere Anwendung zusammenge- rückt worden. ' Za es ist ein aufrichtiger Wunsch des Sammlers, daß jeder Lehrer , wenn er diese Bogen durchlesen , bep sich selbst aurrufe, daß er nichts Neues gelernet habe. Dies wird theils für die Wahrheit dieser Berathschlagung feyerlich Mgen — denn freylich ist die Meuschenseele immer die nämliche, wenn man sie nur beobachten mag; —- theils wird es ein neuer Trost für die Nationen seyn, dgß sie ihre wichtigste Angelegenheit von so tiefen Kennerq der Kunst besorgt sieht. — Nicht als eigentliche Methodologie , wie sie Putter und Schott für die Juris sten , Bocrha^e für die Aerzte, und andere für andere Disciplinen gegeben; auch nicht wie Gestners Han. nö'vrische Schulordnung und I,r/?iEr'ö»e§ »-er -5c/>o/s- Mck-Nicht wie Ernestus neueste Ehursachsische Schulordnungen; — Nicht wie Gulzers Nach- richt von dem herzoglichen ^ietauischen Gymnasium därftn hie Bogen angesehen werden^ Dort sind E- ' Vor- 66 Vorschriften von Mistern in der- Kunst ; hier nichts als Unterhaltungen mit Schulfreunden, Berathschlagungen in Amtssachen angebracht, welch? hoffentlich einen verschiedenen Gesichtspunkt fordern; auch den Tadel, daß es nur Generalien seyen, fürchtet man nicht von einsichtigen Schul-' männern, welche gern vom Metier reden hören, und an sehr vielen Stellen gewiß nicht Generalien finden, wo man nach dem ersten psychologischen Grundgesetze über so ver> schieden?, so manigsaltige Wege, also über Specialiffima sich unterjMft Endlich kann doch diese kleine Schrift ihrer Hanptabsicht nach in den Augen des Publikums als eine öffentliche Urkunde gelten, wodurch ihm das Lehramt über seine Verwaltung , über seine Sorgfalt, und studierten Bemühungen belegte Rechenschaft siebt» In Hoffnung dieses kleinen Verdienstes liefert man sie den Lehrern, den Vätern, und Jugendfreunden in die Hände, und entsagt aller Ehre der Autorschaft, noch mehr dem Ruhme der Entdeckung. Gewiß wird es für den Verfasser die g roßte Befriedigirng seyn, wenn alle Lehrer nur ihre Erfahrungen, ihre Beobachtungen hier finden werden; wenn das urtheilende Publikum nichts als locos commune8 (denn diese sind gewiß in der Psychologie schätzbarer, als manche denken) antriftz das gerührte Publikum aber einige Zufriedenheit über der Bemühung äußert, mit der man in der Besorgung ihres wichtigsten Geschäftes waltet; wenn endlich nur ein Jüngling aus- ruft: so wünsche ich geführt zu werden! — Nur ein Darier r solche Pflege wünsche ich meinem Kinde L Alle Me öffentlichen Aemter des Staats arbeiten auf den allgemeinen Vereinigungspuukt zusammen, dem von ihnen zu pflegenden Menschengeschlechtern möglichgrößten Grad der Glückseligkeit zu verschaffen, oder die möglichgrößte Summe von dauerhaften Vergnügen zu gewähren. Unter diesen Aemtern ist allerdings das Erziehung^ amt das erste, — wo nicht etwa in der Wichtigkeit — denn der Verdacht des Stolzes meide der Lehrer, —- doch das erste in der Feit und der Grundlage«. Dies läug- net selbst der Staats- oder Weltrrtann nicht, der sonst auf SchMeute, als aus Pedanten, verächtlich herabsieht. — Und dich sey einsweilen ein Trost für das Lehramt, bis bessere Zeiten und reife Früchte erscheinen. So wie also dieß erste Amt des Staates billig Veo- zug Md Achtung erhalt, eben so eifrig werden sich dir ihm Vorgesetzte bemühen, seine wichtigen Fordenmgen m ihrem ganzen Umfange zu studieren , und da sie sich immer erneuern, denselben mit immer sich erneuerndem Eifer nachzukommen. ^Mn jeder Lehrer fühlt bey dem Antritte seinesMnts desselben Wurde, wenn er sich seine Bestimmung deutlich denkt. Er setzt sich an die Seite der Landesväter, und vernimmt von Ihnen ihre grosse menschevbeglückende Absicht : den untergebenen Völkern eine öffentliche Narrow nalerziehung zu geben. Schon die Pflicht der Erziehung schwellt ihm die menschenfreundliche Brust mit begeisternden Gefühle, dem kleinen Heranwachsenden Menschengeschlechte die erste Rich» Urng zu geben, welche es für das ganze künftige Leben zu- bereitet , und bey jeder neuen Empfindung ihres Werths E s oder » 63 oder glückliche» Einflußes, den lebhaftesten Dank gegen Führer erneuern lernt. Wer nur immer der menschlichen Natur nachdenkt, kann unmöglich verkennen, daß von unseren Anstalten, und den daraus'fließenden Eindrücken die größte Summe des menschlichen Uibels sich herschreibt; also auch die grössere Summe des Guten herfließen könnte. Unter diesen Anstalten > welche Eindrücke veranlassen, denkt sich ein jeder gleich als die erste die Erziehung, wenn er anders unter diesem so weit aussehenden, so reichhaltigen Begriffe - nicht etwa allein einige dahergepredigte Lehren, oder den unwichtigen Theil des Unterrichts , der nur gar zu wenig oder widrig auf das künftige Leben bishero eiu- würkte > versteht- sondern den ganzen Umfang jener tau- sentfaltigen Bestimmungen und Modifikationen umfaßt, welche die junge MenschenZeele Mr dem ersten Gebrauch ihrer Ginnen, bis an die Granzen ihrer Thatigkeit im gemeinen Leben- vielleicht bis an die 2v. Jahre erhält. Diesen Zusammenfluß von Bestimmungen leiten Heist — Erziehen; das Resultat Heist, — Erziehung Leiten also so viel es in der Gewalt des Erziehers ist, ist auch seine Pflicht, und seine Gewalt erstreckte sich sehr weit, weM sie nicht durch unwiderstehliche Hinternisse durchkreuzt, 'durch hundert andere Bedürfnisse eingeschränkt wäre. . Alles ist Mehr und Weniger- alles ist nur Summe in dieser Welt > -nirgends ein Ganzes, ein Vollkommenes Dieser tröstende Gedanke muß uns überall, besonders auch im Erziehungsgeschäfte begleiten und ermuntern- und da hier das ideale Ganze aus einer unmenschlich größeren Summe bestehen würde- so wird auch der Abgang hievon größer größer erscheinen, wenn wir am Ende berechnen, was noch mehr hatte geschehen können. Wie wenig sind nach dem hülfebedürfenden Zustande der menschlichen Natur alle jene manigfältigen Eindrücke oder Modifikationen in der Gewalt der einzelnen Erzieher, deren Zusammenhang die Erziehung ausmachen? Wie sehr müssen wir unser junges Menschengeschlecht von der Kindesstube an bis zu dem Gerichtshof fremden, unstudier- ten Führern, oder Bewegern überlassen? Freylich iss dies zum Theil eine Wirkung unseres gesellschaftlichen Lebens , unserer Instituten und Gebrauche, unserer Caprizen und Thorheiten; aber hierinn liegt auch das Mehr oder Weniger, der Abstand von einer Erziehung , von einem Menschen zum andern; und das Mehr —: eine grössere Summe von nützlichen Eindrücken, der Jugend von dem ersten Gebrauch ihrer Sinnen zu gewahren, iss das Problem der praktischen Erziehung ; gar keine Kunst, nichts als Sorgfalt und Selbsterkenntniß des Guten. Allein dies geht alle Erzieher an , und Erzieher heißt, wer nur immer um die Jugend ist, oder seyn kann. Wir hätten also mit allen diesen Leuten hier zu thun — mit Aeltern und Vormündern, mit Geschwistrigen und Gespielen, mit Ammen, Wärterinnen, und Dienstbothen, mit Freunden und Amtsgesellen , endlich mit Lehrern. Allein wer wird sich mit allen diesen so verschiedengestimmten Personagen abgeben? Hat wohl ein Jugendfreund Muth und Selbstverlaugnung genug, um allen diesen die ewige unnütze Predigt zu wiederholen, was sie im Zusammenhänge thun, und noch mehr, was sie nicht thun sollen, um die Erziehung , das ist , gute Eindrücke zu geben, oder üble zu verhinderen. Was für ein unermeß- E Z liches liches und gleichwohl höchst nothwendiges Detail? wäre dieß? — Ein Detail, dessen glückliche Wirkungen frey- lich diese Beyträge eben so wenig als bishero alle vvrtref- lichen Erziehungsschriften aus einmal hervoröringen werden. Selbst die Vermehrung dieses zusammenhängenden Details wird erst eine Frucht des Unterrichts, einer vollständigen öffentlichen Erziehung, und der Mitwirkungen der Religionslehren aus dem Munde einsichtiger Kirchenlehrer seyn, und dann erst werden sich die reisen Früchten zeigen, zu deren Hervorbringung man nur emsweilen den allgemeinen Boden zubereitet, und die befruchtenden Zuflüße befördert. Es fangt die Kette der Anstalten zur Erziehung mit der öffentlichen an, deren Erweiterung und Ausbreitung auf alle Stande nun durch die wohlthätige Anordnung unserer großmüthigsten Monarchinn gewahrt wird. Die öffentliche Erziehung ist nur als ein Ersatz oder Hilfe der Privaterziehung anzusehen, welche in ihrem ganzen Umfang und ihren Absichten, nach den Geschäften unseres geselligen Lebens den meisten Aeltern unmöglich wird. Man stritte bishero nur aus verändertem Gesichtspunkt, und weil man unter Erziehung sich nur selten mehr als ein bischen überflüssig umschweifenden Unterricht dachte, über den Vorzug Veröffentlichen nnd häuslichen Erziehung, gerade, als wenn man streiten könnte, ob die Kultur eines Baumgartens der Heege eines Waldes; ob ein Parter einer Gemeinweide vorzuziehen wäre, (a) Als Aushilfe der häußlichen Erziehung gelte also unsere öffentliche, und so erhält sie erst ihre wahre Würde. Die Väter a) Bergt. mit den GeSairken üser Sie Eknrichtuns res S^ulwe- serrs. S. 5s. z. r. Vater der Völker, die sie veranstalten, helfen der Ohnmacht der Hausvater, und die öffentlichen Lehrer theilen mit beydeu diese wichtige Sorge. Man denke sich die wohlthätige Bestimmung der Ael- tern in allen ihren Beziehungen, welche nicht etwa erst das Werk unserer bürgerlichen Gesellschaft, und Resultate unserer selbst gemachten Bedürfnisse oder Anstalten sind. Selbst der Bürger von Genf würde hier keine eingebildeten oder entbehrlichen Bande finden. Das Kind erscheint auf dem Schauplatze der Welt hilflos und schwach , und um sich zu erhalten, seine Bedürfnisse zu befriedigen, seine mit der Natur aufkeimenden Begierden zu stillen, hat es die Hilfe, die Leitung, die Lehre der Aeltern nöthig, oder mit Erlaubniß der Diogenen, sie ist ihm doch willkommen , und erspart ihm Lausend unangenehme, seiner sinnlichthierischen Natur selbst gefährlichen oder verdrößlichen Erfahrungen. Diese Hilfe theilt mit den Aeltern der Lehrer als bestellter der Menschenväter; ja er ersetzt und erfüllt jenes, was die Aeltern, auch mit allem guten Willen, nicht leisten könnten. Hieraus abstrahirt sich nun der öffentliche Lehrer, seine Pflichten und die Grundgesetze der ihm anvertrautes öffentlichen Erziehung; und so wie der Vater nach seinen Kräften sowohl Methode, als Kenntnisse würde gewählt und studiert haben, eben so väterlich geht er auch zu diesem edlen Geschäfte. Seine vorzügliche Gorge verdient die Methode. Der Vater könnte sein einzelnes oder doch seine nur wenigen Kinder nicht allein genauer kennen lernen, sondern auch nach ihrer individuellen Anlage die ihnen zugebende Richtung bestimmter wählen und anordnen; aber wie kann C 4 dies dies der öffentliche Lehrer, der eine so grosse Anzahl Untergebene zu leiten hat? — Hier scheitert also der gute Wille des Lehrers', all fein Eifer, ja der erste Grundsatz selbst, daß er die Methode der Anlage eines jeden genauer anpassen solle. Hier waren wir also an den Gränzen der Verzweiflung und des Unmuths. Allein der einsichtige muntere Lehrer verzweifelt, nicht bey dem ersten . Anblick der Schwierigkeiten. Vorn ersten Moment seiner Bekanntschaft mit seinen Schülern fangt er sorgfältig an, aus allen Erscheinungen der jungen Seele ihre Anlage auszuspahen. Nicht etwa blos trockene Examina, oder schulgerechte Prüfungen; nicht eine Aufgabe, oder memorirte Centonen entscheiden ihm von den Geisteskräften ; nicht ein brausender Jugendstreich. oder eine künstliche Sittsamkeit; nicht eine Ungebehrde, oder ein Seufzer beym (Hebetbuch entscheiden ihm über die Moralität. Die genaueste Beobachtung aller und jeder Kleinigkeiten; L'ie Aufnahme der' Correktion; die Fassung bey einer Frage ; die Beurtheilung einer Schwierigkeit; die Leichtigkeit in Anwendung, geben ihm die Data zur umständlichen Keuntniß, und entfalten ihm düs Innerste der jungen Seele. Kommt nun eine sorgfältige Kenntniß der vorhergehenden Bildung oder Versäumniß dazu , das ist : sorgt der Lehrer, so viel möglich, die Umstände, in de- rren sein Lehrling vorher gelebt; die Lehre, die er erhalten ; die Lehrer und Erzieher nach obiger Bestimmung, die um ihn waren, zu erforschen , so wird er a priori oder posteriori immer denLrntn« morbi, und das Temperament erkennen.. Er wird die Resultate seiner Beobachtungen nach einer geistigen Semiotik benutzen, und das nöchige Regime oder die Heilungsmittel anzugeben im Stande seyn. Mein Allein hier stößt sich wieder alle Kunst, alle freund liche Sorge des Lehrers an der Menge seiner Pflegekinder. Eine Gemeinweide: — wie ist hier Diät der Einzelnen möglich? Ja wie soll sogar Kraft, Instruktion und Schulgebrauch für die Menge sorgen? Und noch weniger last sich hier der freundliche So- krat abschrecken. Das Regime, die Pflege der einzelnen sind noch mehr in seiner Gewalt, als die individuelle Kenntuiß , die er doch schon auf sich genommen hat. Diese hangt grossen Theils von der Erforschung vorhergehen-- der Eindrücke und Umstande ab, die er auch durch alle menschliche Mühe öfters nicht erfahren kann; denn wenn es ihm auch bep der nun besser zusammenhängenden Schul, Hierarchie möglich wird, die vorigen öffentlichen und Haus, lehrer, ihre Methode und Lehrgegensiände kennen zu ler, neu: — wie wird er aber in die Geheimniste der Familien eindringen können-, um alle vorherigen Erzieher kennen zü lernen ? — Letzteres aber, die Cur oder die Diät hangt einzig von ihm, von seinem Fleiß und seiner liebreichen Bemühung ab. Und hiezu entschließt sich gewiß ein jeder unter uns mit Freuden, wenn er nur in der vorhergehenden Operation glücklich war. Hier wirkt eine oder die andere Privat-unterredung; Me nachholende kleine Lection, auch nur von wenigen Minuten; die Mittheilung eines nützlichen Buches; eine klein-L angenehme oder verdrüßliche Commission selbst nur ein sorgsamer Blick in der Schule; eine an den hil- febedürftnden gerichtete Erklärung rc. Nur eine Neben- slunde des Tages, eine mehr am Spieltage, und diese unter hundert Schülern nach Bedürfniß vertheilt, reichen zur ganzen Arbeit hin, welche die öffentliche Erziehung, der Vatersorge so nahe bringet, welche tausend Wider- E 5 sprü- spräche und Durchkreuzungen in Methode und Anlage verhindert. Und diese Nebensiunden dürfen nicht etwa wieder durchdocirt seyn. Eine freundliche Unterredung, eine Anzeige guter Hislsmrttel thut hier genug. Wie viel lieber entschließt sich emst-rundlicher Lehrer, der sä- sein Amt eine Art von Leidenschaft gewonnen , eine leere Abend-oder Frühsiunde, die ein glanzender Weltmann am Spieltische oder in Visiten dahinschleudert, dem Umgänge mit einigen seiner Zöglinge zu schenken. Uud was hat er hievor nicht für reelle Belohnung , was für Dank und Nutzen der Gesellschaft zu hoffen? Wir werden uns von diesem Detail noch einmal unterhalten; denn dies einzig und allein ist fähig, das wichtige Grundgesetz der öffentlichen Erziehung uns möglich zu machen , daß sie, als Supplement der Vatersvrge, durch Individualisirung der Pstege, wenigstens in so lange derselben genähert werde, bis durch diese, freplich umständliche Bemühungen, dem Boden eine neue Zubereitung gegeben, und dem gemeinschaftlichen Saamen der Eingang leichter gemacht worden. Aber noch eine Haupthindernis^ scheint die öffentliche Erziehung von der haußlichcn gar sehr zu entfernen, nämlich : die nothwendige Eintheilung der Lehrstunden. Zu Hause kann ich die Stunden, die Momente des Genies abwarte^; ich kann körperliche und geistige Indisposition beobachten, Indigestionen und Unlust verhüten; ich kann zur rechten Zeit Riesenschritte machen, wo ich zur Unzeit, auch mit der Peitsche in der Hand, das Thier, kaum vom Fleck bringe. Und thue ich dieses etwa nicht, so ist Dieses schon, nach Vater Loke, und allen Crziehungsleh- rern, ein verwüstender Fehler.. Allein in der Schule, auf der Gemeinweide wie kann dies geschehen? Sollte —75 Sollte hier also alle große und kleine Hilfe unmöglich ftyn? Sollte der Lehrer keine Temperatur erfinden können ? Die Stunden zu verlegen sieht nicht in seiner Gewalt, und würde die r.öthige Ordnung stören; Nachsicht gegen .einzelne, die ohne Lust sind, würde andere verhindern. Hier komm talso alles auf das Mehr und Weniger, und auf recht viel Schulklugheil an. Ist der Lehrgegeustand , z. B. gew isse Lehren der Geometrie, gewisse Regeln der Grammatik rc. so geartet, daß der größte Therl der Schule ihren Unmuth durch irgend ein Symptoms verrathet, wird es nicht, mit Gunst aller Instruktionen und Reglements , die nur das Nützliche wollen , erlaubt seyn, den .Lehrgegenstand zuweilen (denn immer würde zur Unlust ansrischen) abzukürzen , zu vermischen, zu verschieben, auch zuweilen etwas zu üverhüpfen , und zum Nächsten überzugehen; eben das schwere und verdrüßige einigen zur Privatarbeit , andern zu einer Privatlektion öfters zu einer andern Lektion vorzubehalten; es das nachsiemal durch einige Ermunterung, durch eine Anekdote aus der Lite- rargeschichte, durch eine gezeigte Anwendung, durch ein Instrument, einen Kupferstich, durch die Stelle eines Auktors, mit der gleichsam ohne Rücksicht die Lection anfangt, und dann die Regel abstrahirt, rc, um vieles zu erleichtern? — Dies gilt bey dpm Fall, wo mehreren Unmuth zeigen. Bey einzelnen sind diese Mitteln einzeln anzuwenden, oder in Privatstunden, und Minuten nachzuholen. Den Unruhigen kann auch auf eine Zeit- lang , auf eine Viertelstunde rc. die Thüre gewiesen werden. Dieses sind gewiß bessere Mittel, als andre Strafen, die nur selten jeuen Muth machen , aus welchem die Achtsamkeit entsteht. Durch diese kleinen Mittel könnten also die üblen Wirkungen der nöthigen Stundenord-- nung gemildert, und dem muntern Genie seine Zeit me- nagiret werden. Und ?6 Unö so könnte die öffentliche Erziehung der häßlichen auch in diesem so wichtigen Punkte näher gebracht, und ihr Hauptgrundgesetz genau befolgt werden, daß die Lehrart, so viel thunlich, individualisiert, oder der Anlage der einzelnen mehr angemessen werde. Es versieht sich, daß hier nur hauptsächlich die Rede von der mindern Äugend sey, wo auch zum Theil Catechesis oder Erforschung nöchig ist. In höheren Schulen, auf Akademien, kann dieß wegen Menge der Zuhörer weniger geschehen. Doch soll es ganz ausbleiben? Hat der Erwachsene in höher» Wissenschaften ähnliche Hilfe gar nicht nöchig ? dieß wird kein erfahrner Lehrer glauben, und bey Erwachsenen ist auch diese Hilfe der einzelnen leichter, fruchtbarer, selbst der nähere Umgang mit den Schülern für den Lehrer angenehmer, und öfters sehr vortheilhaft. Denn wie oft liefert das junge Talent, seinem sich zu ihm herablassenden Lehrer eine neue Aussicht, eine neue Entdeckung?' Wie oft kann die nähere Untersuchung Schwierigkeiten aufklaren? Man denke hier nur an die Eleven in den Akademien der Wissenschaften. So wie sich nun die Methode der öffentlichen Erziehung jenen der haußlichen nähern wirb, eben so kann es mit dem väterlichen Tone derselben, mit der sokratischen Freundlichkeit gehalten werden. Ein jeder Lehrer fühlt den Werth und die glücklichen Wirkungen dieser Leutseligkeit. Es ist also überflüssig hievon pathetisch zu reden, »der wimmernde Predigen zu wiederholen. Bey der Gchuldisciplin wird hievon nochmal im Vorbeygehen die Rede seyn. Diese öffentliche Erziehung wird auch bey uns, im' eigentlichen Verstände National seyn: eine allen Lehrern heilige Bestimmung, worinn der wahre Werth der neuen randesmütterlichen Wohlthat gesitzt wird. Wer Wer sich Wter dem Begriffe einer Nation nicht etwa nur eine Tatarische Horde, oder einen durch den Zufall zusamimngeschweMmttn Haufen von Thiermenschen denkt, wird deutlich einjehen, daß diese grossen Gesellschaften eigene Bedürfnisse, eigene Vortheile haben, deren Maß vnd Verhältnis grossen Theils von dem Stuck Muttererden , welches sie bewohnen, und den Gesetzen, unter denen sie leben oder Leben könnten, abhängt. Lange vor Montesquieu und FerSusou hat man von Jägern , Fischsreffern, Hirten und Ackerleuten den Namen, der Völker hergenommen. Heut zu Tage da unsere, wenigstens die nähere Welt, mehr bebauet isi, haben sich zwar unter uns diese Benennungen; nicht eben immer die Reste der Instituten verloren. Denn man erlaube mir ein Volk, welches noch immer mehr als die Helste seines Bodens zu Viehweiden liegen-last, oder in grossen Dörfern beyfammen wohnt, und entfernte Grundstücke veröden laßt, im Verhältnis gegen den emsigen Britten in Snffvlkschiee, gegen den reichen Pachter in Flandern— und den stoLzen Landler in (d) Oberösterrcich noch immer als Nomaden zu. betrachten, (c) Ein fruchtbarer d) Für auswärtige Leser mvß ich anmerken, daS Lande! heisse im gemeinen Oesterreichischen: westerreich ob der Lns, oder die , vormalige Bayrischs Mark, die Kaiser Fricderich A. 1156. dem Marggrafen Heinrich und seinen Nachkommen schenkte, zum Ersähe von Bayern , daS er ihm wieder nahm. ( Vünau - in der deutschen ReichSgeschichte Th. I. S. 6S.) Und dazumal, scheint rh, fey diesem Landstriche, wegen seines kleinen InnhalteS, der Name Lande! gegeben , dessen Einwohner aber eben daher LandleS genenner worden. Z. H. ^ Auö diesem und dem Folgenden, und vielen -andern Grellen dieser Schriften, wird man leicht erkennen, daß der sel. Verfasser zu der Klasse der menschenfreundlichen Politiker gehöre habe , die unter dem Namen der Vekonomister» begriffen werden Allenthalben verrath er seinen EnthustaSmuS, und die Uiberzeugnng für dieses System, und die Hofnungen , die er sich von dem nunmehr verstorbenen fraNMschen FinanzMlmster Lnrgot machte, 78 barer Westboden sollte Millionen Menschen mehr nähren, und das Brenn- und Bauholz entweder in Steinklippen und rauhe Gebirge verweisen, oder gkeich dem emsigen Belgen durch Obstplantagen auf den Feldern, oder avch durch brennbare Mineralien der Kalte wehren, die auch selbst durch Ausrottung der Wälder abnimmt, und aus dem Germanien des Taeirus, sammk den Auerochsen von dem nun so weinreichen Rheingau, in den fernern Nor den znrückweicht. Eine solche waldreiche Nation, die nur der Holzhändler für glücklich und mächtig halten kann , ist diese weit in der Polizirnng? ist diese dem so- gar sehr von Canada oder dem alten Deutschland, welches fast gan; Harzwald war, in der Cultur unterschieden? ^ Und solche Nationen, die sich nicht in Vergleich mit andern betrachten, sind noch wahre Nomaden; die Waldreichen noch wahre Jäger , wenn auch nur ihre Edlen und Herren diese Jagd treiben. > Diese Ausschweifung steht hier nicht am Unrechten Orte, da wir von der Nationalerziehung reden, da einmal die Nationen von der Benutzung ihres Bodens, wenigstens ehedem sich hernennten , und nun es IM gab M sehr vergessen», Nun nimmt man von handelnden, industriosen und kriegsmächtigen Staaten die Benennungen her» Näch ' ' ihnen der selbes in Frankreich einfuhreN wollte , aber bald gestürzt wur- de. Unset- Verfasser hat dasselbe besonders in zwey- in sranzöfi- scher Sprache geschriebenen, Aussätzen ausgeführt, davon der eine Politische- Betrachtungen über Frankreich, der anderruber Böhmen enthält- die sich beyde unter seinen hinterlässenen Schriften finden. Der erste ist zwar ausgesührt; hat aber durch 2ur- tzoto Fall , und die hieraus veränderten Umstände seinen grvßren S^Zerth verloren ; der zweyte Aufsatz über Böhmen ist kaum halb Vollendet. In beyden zeigt sich der Verfasser einen eben so eine flchtsvollen Staatsmann, als er hier flch alö Schuimann jeigct. ihnen zahlt und schätzt man die Nationen, und vergißt daoey die gütige Muttererde, die sich bald kräftig rächen und diese stolze Benennungen in dem Schutte der Menschheit vergraben würde, -— wenn nicht — Allein hier sind wir an unserer Pflicht, von der Nationalerziehung und ihrer Bestimmung, und Absicht uns^ zu unterhalten. < Der menschenfreundliche Schulmann laßt sich von dem Politiker nicht umsonst sagen, daß die Bevölkerung, und deswegen Ackerbau und Industrie (n) das Glück der Nationen ausmachen. Hieraus abstrahirt er sich die Grundgesetze der ihm anvertrauten Nationalerziehung. Von der ersten Stufe des Schulmanns auf dem Dorfe, bis an den Gipfel des Präsidenten der Akademie der Wissenschaften, müssen sich diese Grundgesetze, alle Triebwerke der grossen Erziehungsmaschine bewegen. In allen Lehren wird man der Nation nicht etwa daher predigen, sondern mit den innersten Faden der ganzen Erziehung jene Maximen verweben, welche sie mit den reichhaltigen und ungenutzten Vortheilen ihres Bodens, mit der möglichen Anstrengung ihrer Industrie, mit den Begünstigungen der obersten Gewalt näher bekannt macht, und sie durch eigene Thätigkeit ihre wahre Vergrößerung / ihren dauerhaft- ten Wohlstand wirken lehrt. Und hiezu wird man nicht etwa in dem gutgemeinten Spielwerk einer Ackerschnlr sein Heil suchen. Selbst von einer Anleitung zu den Gründen des Verfahrens im Ackerbau, von Vertilgung der schädlichen Vorurtheile der Enltnr beym eigensinnigen Landvolke, hoft man nicht einzig die merklichen Schritte zum ländlichen Wohlstand. Wenn man hier Aussichten auf Oder vielleicht umgewendr durch den grossen Ackerbau- Bevölkerung , Industrie, und wahrer dauerhafter Reichthum. 8O auf künftige Frnchteu einer Nationalerziehung liefert , redet num vom gänzlichen Zusammenhänge des Unterrichts und der Erleuchtung. Hier ist nicht etwa allein der Laud- mann aus seiner Tabelle von der Landwirthschaft ein Bauer- ' oder der Mann vom Gewerbe in seiner Realschule ein Künstler geworden ; auch der Landbeamte, der den Bauern bishero nur mit der Peitsche, — nun durch Ermunterung und Beyspiel regiert; der Kreishauptmann, der den Beamten in Ordnung hält; der Mann von der Canz- ley ; der Präsident; alle kennen die Triebwerke des ländlichen Wohlstandes, und wissen sie zu leiten, oder — gehen zu lassen. Und der grosse Eigenthümer, der Gäterbesitzer , der nun sein Stammgut nicht mit Equipagen und Bijoux in den Hauptstädten verbraußt, und indessen seine Herrschaft bey schlechter Cultur, der sklavischen Roboten , oder Abgang der Avancen, veröden läßt: der lernt nun seine Freygebigkeit zwischen Freude und Nutzen zu theilen. Er lernt die grosse Kunst zu genießen ; die Kunst der Reproduktion durch Genuß und Aufwand. Auf seinem Gute sieht ihn nun der Landmann die ganze schone Zeit über; er sieht ihn selbst seiner weiten Wrrthschaft Nachgehen; er sieht ihn Wiesen und Weide« verbessern; Grasländer anlegen, Mehstand verdoppeln, Dünger vervielfältigen ; Beurbarung verbessern; Wälder ausrotten; neue Höfe und Felder anlegen. Und dieß sieht der Landmann nicht müßig. Er fangt bey seinem Gärtchen die furchtsame Verbesserung an, kommt aufseine Wiesen und Krautfelder; — nun wachst sein Viehstand, sein Dünger nimmt zu, und wird besser gehandhabt; seine magere Gandwiesen werden durch Dünger, durch Erdeaussüh- lung und Beurbarung die schönsten Weizenfelder, und nun klagt er nicht mehr mit verzweisiender Dummheit über schlechte Gleba; nun fühlt er, wie Menschenhand aus der Sandwüste Egyptens die Kornkammer von Rom; aus 8r aus Palästinens Felsen die fruchtbarsten Oel-- und Weinberge; aus den dürrsten Steinklippen einen lachenden Garten machen könne. Und nun kriecht er nicht mehr auf den Knieen zu dem unbarmherzigen Verwalter hin, um die Freyheit von der Peitsche durch erniedrigenden Abkauf, odir eine Nahrungsverleihung durch wucherische Verbindlichkeiten zu erbetteln. Er tritt kühn vor die Thüre seines Herren, zahlt die Abgaben seinem Landesvater, der ihn schützt, erbietet eine billige Ablösung seiner ihn bisher niederdrückenden Robot, durch einen ansehnlichen Erb- oder Grundzinß, und erhalt sich auch die Freyheit, durch die Kraft seine Töchter auszusteuern, seine Söhne auf neuerworbene Grunde zu setzen, sich von der Leibeigenschaft loszukaufen rc. Und endlich , wenn die Herrschaft ihre Mayerhöfe durch eigene Beurbarung den Verwaltersstreichen nicht mehr aussetzen will, wird er nun seines Herrn reicher und sicherer Pachter , da er vorher als kriechender ohnmächtiger Sklave kaum sich und seinen betrogenen Despoten ernähren konnte. — O seye dies kein Traum! (6) kein bloßes Gemälde der süßesten Früchten, welche uns die Aufklärung über unsere wahren und dauerhaften Vortheile geben wird! —- Und diese Aufklärung kann ein Werk der Nationalerziehung seyn; sie wird es seyn, da schon fetzt, ohne aller Zusammenwirkung des Unterrichts auf diesen gemeinschaftlichen Und warum sollte eö bey unS ein Traum senn, da eS Key so vielen Nationen schon tcaliflrr ist? waren vielleicht der nun so reiz che Dritte , der Flamänder, der Sachse , der Frank , selbst der Franzose und Spanier in anderer Verfassung Unter dem ersten Drucke des Feudalregiments, welches nur in unsern sklavischen Ländern die Menschheit etwas mehr gebeugt, und uns Deutschen so gar den Namen Sklaven geborgt hat , (G. Wächters Glossarium W. Sklave) — den unsere Sprache wieder mit dem Fortgang der Aufklärung verliehrcn wolle. _ F 82 - lichen Mittelpunkt ch grosse Schritte von Einzelnen ge- macht worden. Dies Bild trist den ackerbauenden Theil der Nation, und ein ähnliches verdient der Gewerbtreibende. Nicht etwa allein in den Realschulen soll die Industrie geboh- ren und erzogen werden. Eben so kräftig werden chier die .verschiedenen Triebwerke zusammen wirken. Der Handwerker , der Manufakturer, der Künstler erhält die nö - thige Hilfe nicht etwa allein durch die Verbreitung in den Gewerbschulen , sondern wenn die Mißbräuche der Inmm- gen vertilgt, die Schwierigkeiten der Meisterschaft gemildert , die schädlichschleppende Dauer allzulanger und ver- lohrner Lehrjahre in Schranken gebracht sind; wenn durch reiche Produktion des Landbauers die Nahrungsmittel er-, leichtert, wenn durch Aushebung der inneren Manchen die Zufuhr begünstiget, wenn durch den Wohlstand des Acker- Volks der Verdienst des ständischen Handwerkers vermehrt, die Fabrikatur und der Debit der Manufakturier vervielfältiget sind; wenn durch fruchtbringende Ausgaben des grossen Eigenthümers auf seiner Herrschaft die grosse Cir- kulation der Lander hergestellet, und der Zurückfluß der Säfte vom Kopf in die übrigen Glieder des grossen Staatskörpers der kranken Maschine Kraft und Leben wieder giebt; wenn der Gekehrte, der Akademist, durch Chymik, Mechanik, und Physik den Gewerben und der Industrie thä- tige Hilfe leistet; wenn der Staatswirth, durch die Bekanntschaft mit dieser zusammenhängenden Hilfe erleuchtet, alle diese Triebfedern auf das grosse System der allgemeinen Belebung (viviliLution) zurück bringt, und dadurch den beyden grossen Urquellen der Nationalwohlsahrt, dem Landbaue und der Industrie, den Notlügen freyen Gang wohlthatig verschaft; wenn endlich die Nation durch eigene Erkcnntniß aufgeklärt genug wird, um den grossen Umfang sallg dieser Wohlthaten dankbar zu erkennen, und thätig mrtzuwirken: — Sollte dies System der allgemeinen Prosperität nicht eine liebenswürdige Frucht der> Natioualerziehung, das ist, der allgemeinen Aufklärung der Nation über ihre wahren Vortheile, werden können ? — oder sollte es nicht werden müssen, wenn nur alle Vorsteher der öffentlichen Erziehung sich durch keine widrige Vorstellung, durch keinen Spott, den der Skave seiner Unwissenheit auf diesen schönen Traum legt; durch keine Schwierigkeit, von diesem grossen System und dessen allmaliger Ausführung ab- schrecken lassem ' * Man lasse nur -er grossen Maschine ihren Gang; man entferne Monopel und Bedrückung: — Der Lehrer, der Mäeen, der Vater, der Lehrling werden dem allgemeinen Gange der Triebwerke nicht wiederstehen, welchem die wohlthätigen Landesväter die Bewegung gegeben, und sie nur ferner, durch großmüthigste Unterstützung erhalten wollen» Und so dient die Erziehung einer Nation, welche aus Ackerbau und Industrie ihre Macht und Wohlfahrt zusammen setzt, und durch diese Zusammensetzung nun g - wiß auch in: Stande ist sich gegen auswärtige Feinde Schutz und Vertheidigung durch innere Kraft, zu verschaffen. Hierzu wählt sie den bürgerlichen BrieFsmann, den sie nun weder durch ihren Ackerbau, noch Gewerbe beschäftigen kann. Sie wafnet und nährt ihn auch im süßesten Friedensftande, für künftige Angriffe zur nöthi- gen Beschützung. Sie läßt ihn hiezu durch ihren zahlreichen Adel, der nun auch schon in ihren Kriegsschulen durch den Geist der vaterländischen Beschützung genährt L 2 worden, worden, vorbereiten, und im traurigen Wehrfalle HG sie ihren Fürsten selbst an der Spitze ihrer muthigen Beschützer zu sehen, den sie vorher die seligen Früchte der Ruhe mit seinen Kindern genießen, und an dem Ruder ihrer Regierung ihren Wohlstand und ihre Freude wirken gesehen. — In diesem Geiste sieht nun der wohlgenährte KriegSmann den Krieg nicht mehr als eine wünschenswer- the Beschäftigung an. Der Iud oder Entrepreneur hat wenig mehr auf diese Fundgrube zu rechnen , und die Nation theilt mit ihren künftigen Beschützern die reichen Früchte ihrer Ruhe, die nun selbst durch innere Kräfte äußerliche Angriffe seltner, weniger fürchterlich, oder gar unmöglich machen. Die Beförderer dieser inneren Wohlfahrt, die würdigen Bedienten der Staatswirthschaft in allen Stuffen und Klassen werden in den höheren Natioualfthulen, nachdem sie schon in den nieder« mit Bälgern vermischt, die bürgerlichen Bedürfnisse und Wünsche näher kennen gelernt, mit näherer Hinsicht auf ihre künftigen grossen Pflichten sorgfältig vorbereitet. Sehr oft thun sich die Theorie und die Praxis ilkrecht, oder zu viel und zu wenig. Gehr oft sieht der würdige bedachte Praktiker, selbst blos der empprische Routier, auf den jungen Thevristen mit Verachtung oder Stolz herab, wo er nur Mitleiden mit ihm haben , und seine dahergepredigten Grundsätze mit der Ausübung zufarimrenrücken sollte; — »der wenn sich der schul- steife ZünglinL nicht zurecht weisen läßt, ihn seinem Schicksale überlassen , und seine Hörner abstossen lassen sollte. Wenn er Unrecht hat wird er schon rund werden. — Eben so verfährt der Theorist mit dem Praktiker. Er verkennt die größten Wahrheiten, und wichtigsten Erfahrungen . weil sie nicht in Paragraphen geordnet, oder unter der ihm ecklen Kanzlepsprache vergraben liegen, die er, i .6LM. 85 er, an LessinAs und ALendeljohns Proft gewöhnt, auch in ihren wohl noch verzeihlichen Solöcismen nicht vertragen kann. Cr will überall sein Axiom finden, nicht den Fall auf fein Axiom zurückbringen, wodurch er den wankenden Routier, wenn er ihn fest hielte, leicht beschämen , und zum Vortheil der guten Sache zurückwek- sen könnte. Und so laufen Theorie und Praxis öfters' zum Nachtheil der wichtigsten Geschäfte, als zwey Parallelen neben einander, die sich niemal vereinigen, da sie doch als Radii auf den Mittelpunkt zusammen laufen, und eine ohne die andere niemal wirken sollten. Gtaatsbedr'enten sind schon seit merklicher Zeit in den politschen Schulen durch den Eifer eines Patrioten (i) durch gesunde Grundsätze, und noch mehr, durch die Anleitung zum Nachdenken stattlich vorbereitet worden. Die zusammenhängende Bildung der Jünglinge durch alle Hülss- und Vorbereitungskenntnisse in moralischen, historischen, und physischen Wissenschaften.werden diese Hilfe immer mehr ausbreiten. Sie werden die menschliche Natur, ihre Bedürfnisse, die Absicht, solche durch bürgerliche Vereinigung zu befriedigen, und die Leitung der hiezu gewählten Mitteln aus der phGologischen Moral und ihren Zweigen kennen lernen. Sie werden die Lage, Geschichte und Verfassung ihrer und fremder Nationen mit sorgfältigem Augenmerk auf das Glüch rzud Unglück der Menschheit , auf ihren dauerhaften Wohlstand und Reichthum , aus ihre Gesetze und Instituten er-? forschen, um sich eine anticipn'te Erfahrung zu, verschaffen , und die grossen Grundsätze der StaatSwirthschaft wahrhaft praktisch abstrahiren zu könne». Sie.werden Lurch genaue Bekanntschaft mit der Natur und Kunst, Fz : '.den i) Der Verfasser meine kners wi«'man leicht versteht. Hrn. Hofrath von Sonnenfers, Lehrer der politischen Wissenschaften. den ganzen Reichthum der Menschen und besonders der Nation oder Länder, denen sie angehören , auszugraben , zu verarbeiten, und in Umlauf zu bringen lernen; sie werden die grossen Gesetze der natürlichen Ordnung studieren , denen keine Gewalt, kein Jrrthum oder Zwang ohne Gefahr der Verwüstung widerstehen kann. Und nun treten sie in das Hekligthum der Staatskunst, lernen ihre Grundlehr'en mit der individuellen Beschaffenheit ihrer Muttererde naher zusammenrücken. — Sie stu- Vieren ins besondere das grosse Problem der Gradation , durch welche ohne gewaltsame Spränge, die in der Staats- wirthschaft verwüstend werden, ohne plötzliche Vertilgung schon getroffener Anstalten oder Verordnungen , ohne Verordnungen , ohne Verdacht des polemischen oder Neue- rnngsgeistes, welcher der Nation in ihren grossen Angelegenheiten weißlich erspart wird , die etwa durch Krieg, Ohnmacht, Hunger oder andere Verwüstungen zerrüttelte Maschine allmahlig wieder in gesunden Gange gebracht, und die Nationalkrast durch dauerhafte Triebwerke erhallen werden könne. Mit solchen Vorbereitungen tritt nun der muntere Jüngling, nach Wahl der Fürsten, in irgend eine Stufe der Staatsbedienung ein, und wird ein mehr oder weniger wirkendes Triebrad , welches mit grösseren verbmrden, dettiioch feinen Theil zur regelmäßigen Bewegung mit bei)- krägk, wenn es üach Verhältniß seiner Kräfte an den rechten Platz gesetzet ist. ' ^ So erhält eine eigene Pflege durch die Nationaler- jiehung der Staatswirth bis zu der mindesten Klasse herab, und wieder eine eigene der künftige Richter und Sachwalter. Die Nation vereinigt sich unter dem Ge- fttze, . 6 ^,. s-' 87 » setze, welches jeden: sein Recht und Cigenthum handhaben solle. Hier sorgt also die Erziehung für die nöthige Vorbereitung dieser künftigen Werkzeuge. Freylich fordert diese Bestimmung vielen Ernst und Bemühung, wenn man sich die weitläufige Rechtskenntniß als eine aus Psychologie und Naturrecht aufgeklärte Beurtheilung aller möglichen Modifikationen des menschlichen Willens denkt. Mit so erhabenem Begriffe wird der Jüngling nach vorhergehender Bekanntschaft mit der ganzen , und besonders mit der menschlichen Natur durch den Vorhof des Rechts der Verunft in das Heiligthum der Positivgesetze ernge- fährt. Man muß bcy ihm sorgfältig alle kleinen oder widrigen Eindrücke verhüten, welche ihm Schulschlendrian , Disputirmethode, Advvkatznstreiche, oder Afterpraxis — («ins moäerrmn) veranlassen, und Schläfrigkeit oder Unmuth verursachen könnten. Wenn er nun mit dem Menschen, mit der bürgerlichen Gesellschaft , und besonders historisch auch, mit dem Staate , dem er zugehört, bekannt ist; wird man ihn auch historisch vorbereiten, warum er eingefährte fremde Gesetze, deren philosophische Würde er schon näher fühlen wird, mit so vieler Mühe und Nachdenken, erst rein in ihrer Quelle studieren, nachher die alten Instituten seiner Nation ausforschen , und durch erforschte Vermischung von bepden, die Gründe jener Rechte oder Gebrauche erkennen müsse, nach welchen er in der Zukunft die bürgerlichen Handlungen richten, oder vertheidigen solle. So, denke ich, wird der junge Rechtskändige die Schulen nicht nur wegen den Prüfungen und Zeugnissen durchschleudern; sondern er wird sich gleich beym Eintritte jene grosse Idee des Rechts schaffens tief eindrücken, und sie als eine wahr«? Frucht der Nationalezziehnng mit in das bürgerliche Leben hinübertragen. F 4 Die Die Nation hat bürgerliche Wohlfahrt, innerliche und äußerliche Sicherheit, Recht und Sicherheit des Eigenthums der Nationalerziehung zu verdanken. Nebsi dieser bürgerlichen Existenz hat sie nun noch einige Sorge für ihre naturgemäße Dauer zu wünschen. Hiezu wird ihr der Arzr erzogen : eine der edelsten Bestimmungen des menschlichen Fleißes, deren Hilfe durch Theresiens Mutterliebe, und van Swierens Genie über unsre-Rationen schon so reichlich ausgebreitet ist, welche nur itzt, ^ durch die eifrigen Bemühungen der Söhne Aesculaps, durch unabläßigen für die Menschen so sehr entscheidenden Fleiß erhalten, und nur itzt durch wahre Wohlthater der Menschheit auf alle Winkel der gebrechlichen Natur aus- gcdehnet werden darf! so wird auch dieser wohlthätige Lntheil der Nationalerziehung seine Würde behaupten, und zur Wohlfahrt der Völker thätig mitwürken. Bis an die Scheidewege der bürgerlichen Laufbahne führte uns bis hieher die Nationalerziehung. — Nun führt sie uns endlich durch die grosse Wanderschaft, bis an eine endlose Zukunft hin. Die Religion macht immer einen Haupttheil unserer öffentlichen Nationalerziehung aus. Wenn sie auch künftig mehr von den eigentlichen Pfarrern und Seelsorgern, der Ordnung wegen, und in den Schulen selbst weniger ex prokello behandelt wird, so werden doch ihre heiligen Lehrer mit der ganzen Erziehung sorgfältig verbunden, ihre Einwirkungen auf das Menschenglück bey fedem Anlässe fühlbar gemacht, und dadurch auch hier der Religionsunterricht als ein wichtiger Zweig der Nationalerziehung betrachtet. Ferner muß als die Krone des Nationalerziehungssystems die Bildung der eigentlichen Seelsorger betrachtet werden. Nur der aufgeklärte Eifer dieser Männer kann die sanften Einflüße einer menschenbeglückenden Religion auf alle Situationen ——— 89 tionen des Lebens verbreiten; nur sie können hierin» dem Mächtigen Einhalt,' dem Schwachen Hilfe, dem Reichen Regeln der Wohltätigkeit, dem Elenden Trost, allen Muth und Menschenliebe finden lassen. Diese glücklichen Einwirkungen der Religion find blps in der Gewalt ihrer Lehrer; von diesen können die Völker alles hoffen , da ihre ganze Seele auf diesen grossen Geist der Wohlthätigkeit gerichtet, von der polemischen und Spe- culationssucht abgeleitet, und einzig" auf die Verbreitung der stärkenden Wahrheiten angewiesen werden. Dies ganze System der Nationalerziehung erhält endlich seine Grundfeste durch den beständigen Nachwachs von Lehrern, welche mit diesem Geiste von Jugend auf genährt, und die Wohlthat dieser Richtung selbst fühlend, zum edlen Lehramt hintreten. Nie tvird alsdann sich einer dazu hinsteUen, der diesen Beruf im- eigentlichen Verstände nicht empfindet. Nur dieser Gedanke: Nationalrvohl- stand — wird ihn mit den wohltätigsten Entwürfen erfüllen. Nur dieser kann ihm Muth genug geben, die Mühe und Beschwerlichkeiten auf sich zu nehmen. Und fordert er mehr Belohnung, so wird die Kraft, der Willen, ihm solche zu gestatten, zum Theil sekbstdas Werk seiner Hände seyn. Sie wird ihm auch^weder von der öffentlichen, noch von der Privaterkenntlichkeit ausbleiben. Am Ende, wenn ihm nur das Notwendige nicht mangelt, hat er auch noch Stärke der Seele genug, um mit seinem Freund Horaz und tausend andern Weisen sich zuzusprechen: Virtute me involvsm, proksmhue kauperiem lme ckote yuLram. Dies ist L?ationa.lerzr'ehunF. Von der untersten Stufe der Landschulen, bis zur Akademie der Wissen- F 5 schäften schäften hinauf belebt diese Seele die ganze Anstalt. Sie wirkt gleichmächtig ans Lehrer und .Lehrlinge, auf Mä- cenen und Stifter, auf Väter und Jugendfreunde. Sie kann unserer grossen Gesellschaft einen hohen Grad von Wohlfahrt , eine grosse Summe von dauerhaftem Glücke gewähren helfen, wenn uns die grosse Wahrheit nicht bekriegt , daß Glück und Unglück der Menschen größtentheils von ihren Gebräuchen und Instituten sich herschreiben. Und wer wird an dieser Wahrheit zweifeln? Dies Gemälde einer öffentlichen Nationalerziehung ist Hier nach den großmüthigen Absichten der Landesväter, nach seinem Umrisse aufgestellt. Kein Lehrer, kein mitwirkendes Werkzeug wird hiebey ganz unempfindlich und unthätig bleiben Fönnen, und trägt nur ein jeder nach Kräften und Bestimmung , mit beständiger Hinsicht auf die ganze Kette der Anstalt, seinen Theil redlich und eifrig bey, so wird der Erfolg gewiß die Wünsche der MvlMvchetl befriedigen, und eine der größten Angelegenheiten der Nation vollkommen besorgt werden. Und wenn in einer glücklichen Periode, — welche die Vorsicht nahe herbeyrücken wolle eine allgemeine Aufklärung über Pflichten und dauerhaftes Glück, als die schätzbarste Frucht der ächten Gelehrtheit, erscheinen wird; wenn alle öffentlichen Erziehungsanstalten nicht bloseals zukünftige gelehrte Schulen , sondern als Schulen der Menschheit wirken werden, worinü alle Stände ihre Befriedigung, ihre Vorbereitung fürs künftige Leben finden, worinn gemeinnützige Lehren , zum wahren Tröste unseres Lebens, zur Bändigung der Sinnlichkeit, und Mäßigung der Begierden vorgetragen , die grosse Kunst, einer jeden Sache den wahren Werth zu geben, studieret, und die dem Menschen so nöthige Genügsamkeit, die Zufriedenheit mit der menschlichen Natur und ihren Schwachheiten praktisch erlernet werden, und auf alle Situationen des Lebens sich verbreiten: breiten: alsdann wollen wir diese glücklichen Früchte der alten und neuen Cinrichtnngsanstalt nicht nach der Zahl der gelehrten Produkten und Auctorcn , sondern nach der allgemeinen Verbreitung der Cultur, der Sitten, des philosophischen Geistes, des Geschmackes und der Ordnung im gemeinen Leben abmesteu. Wir wollen nicht nur nach Poeten und Bünftlern, wie die Zeitalter Augusts und Ludrvigs, sondern nach dem Wohlstände der Nationen die Periode Thevestttts und Josephs bezeichnen, und ihre später« reifen Früchte auch der Nachwelt nicht nur in Annalen und Monumenten, sondern zum wirklichen Genuß überliefere * * » Mit dem wahren Geiste einer öffentlichen National- Crziehung in ihrem ganzen Umfange, in allen Aesten, die sich im weiten bürgerlichen Leben verlieren, bekannt, tritt nun der Lehrer zu der näheren Vorbereitung hin, mit der er sich zu diesem edlen Amte des Staats, in einer mindern oder höhern Stufe an Herz und Verstand tauglich fühlt. Das Herz wafnet ihm schon die einzige seelener- habende Idee, daß er eines der ersten Werkzeuge zum Menschenglück werden solle. Der Verstand ist durch eine anhaltende Bemühung ausgerüstet , um allen von ihm erworbenen Vorrath von gemeinnützigen Kenntuiffen in einer studierten Wahl und Anordnung dem Heranwachsenden Menschengeschlechte einzuflößen. Diese Wahl, diese An» srönung wird von nun an seine Hauptsorge. - G , . ^ Die Frage, ob eine Genie zum LeKer Lauge , hat Riedel itt feinem vortresiichen Denkmale Meinhards kurz und reichhaltig bearbeitet. Wir glauben, daß widrige Erfahrungen hiexinn selten seyn .würden, wenn man nur nur nicht öfters allzuschnell junge Talente mit dem stolzen Namen des Genies beflügelte, und selbe, da man sie in ätherische Gegenden fortreißt , bey solchem Uiberfthnap- pen für diese Unterwelt und ihre Belehrung öfters unbrauchbar machte. In unseren Schulen soll das Genie willkommen seyn, wenn es nur auch hierinn seine Talente zeigt, daß es die Menschenseele, so wie sie ist, nehme und behandle, nicht sich, nichtseine Geburten beständig auf- dringe, und zu hem allgemeinen Zweck nur um so kräftiger , nach der Allmacht seiner Talente mitwirke. Wahl und Vrdnun^ charakterisiren den weisen Schulmann. Schier sollte man behaupten können , daß wer diese zwey Grundgesetze der Schule hinlänglich zu beobachten gelernt, auch ohne alle weitere Vorbereitung durch Hilfe eines anhaltenden Fleißes Schulmann seyn könne. Wir haben ja die reichsten Magazine von allen Arten von Kenntnissen; auch an den bequemsten Lagerbüchern ^ oder Rubrikenverzeichnissen fehlt es unserer Gelehrsamkeit nicht. Was ist also anders noch übrig, als nur mit Weisheit zu wählen? Indessen treten unsere Lehrer mit ganz andern Vorbereitungen in Vorrath und Methode zur Sache. - In Schulen ist schon eine reiche Crnde vorausgegan- gen. Ein nachholeuder, unermüdeter Fleiß; eine wohlgeordnete Lecture in seinem Fache; eine genaue Bekanntschaft mit dem alten und neuen Zustande der Gelehrsamkeit aus den besten Schriften der Litterarhistorie, an de- ven es nun keiner WiffenschaftMnzlich mangelt; ein immer inuthiger Fortgang mit dör Ktnutniß der neuesten Produkten in seinem Fache, aus einem oder dem andern kritischen Werke, Journal, Bibliothek oder gelehrten Zeitung, denen man doch in wichtigen Werken eben keinen nen Köhlersglauben schenkt, sondern selbst sehen und ur- theilen will; fleißige Besuche in öffentlichen Bibliotheken oder auch nur Buchläden, Um neue Produkten genauer kennen zu lernen; ein unterrichtender Umgang mit einem oder dem andern Meister in der Kunst, mit künftigen Amtsgesellen und Vorstehern, selbst mit Schülern und Hauslehrer»; eine zweckmäßige Keuntniß der ganzen Cn- cyclopädie der Wissenschaften, nicht etwa um Polyhistor zu heissen, und von allem schwäzen zu können , sondern um in dieser Generalkarte nach Gulzers *) Ausdruck „ einen Abriß des Gebietes der Wissenschaften vor sich „ zu haben, und die Namen, die Lage, um allgemeine „ Beschaffenheit der verschiedenen Provinzen usid Städte ,, desselben zu lernen „ auch um schädliches Monopol zu verhüten , seelenerdruckende Verachtung gegen andere Fächer zu vermeiden, und vielmehr das allgemeine Band aller menschlichen Bedürfnissen, die wahre Absicht der Na- lionalerziehung herzu stellen. Mit diesem Zusammenhänge der vortreflichsten Vorbereitung , bestimmen sich nun unsere Lehrer die Wahl der Begriffe, die sie den Zöglingen des Staates beybringen wollen. Diese Wahl leitet sördersamst daö vorgeschriebene Schul- oder Lehrbuch, nicht als wenn eine solche.Vor-* schrift dem geschickten Lehrer Fesseln anlegte, die ihm allen eigenen Schwung verböten, sondern weil ein solches von der obersten Gewalt gewähltes Schulbuch den nöthi- gen Vorrath fetter Kenntnisse in möglicher Vollkommenheit enthält, welche dem Staate zu seiner grossen Absicht einer vollständigen Nationalerziehung zweckmäßig scheinen. Indessen bleibt es dem Lehrer srey, ja man wünscht es, daß er einen eigenen Leitfaden angebe, an welchem vielleicht *) S. Dur;er Begriff'aller Wissenschaftest. Zrfurt und Lelprig', »7L?. V. «r. s 94 ——-- leicht hie und dort die Absicht des Staates genauer besold get, und der Unterricht nach Ümstanden und Erfordernissen mehr localisiret werden könne. Auch die Wahl der Wahrheiten schrankt das Schulbuch nicht gänzlich ein. Sie leitet sie nur auf die Absicht des Staates, welche überhaupt dem Lehrer zum Grundgesetz wird. Die Bedürfnisse oder die Forderungen der Nation, bestimmen in allen Stufen der öffeutlichen Erziehung, das Maaß und den Gehalt der Kenntnisse, welche dort sollen bepgebracht werden. So soll der Bauer in der Dorfschule, durch feine Arithmetik kein Calkulator ; der Handwerker in der Realschule durch seine Naturhistorie kein Böffonz auch nicht jeder Lateiner ein Erncjri oder Heyne werden. Der Staatswirth hört Physik und Chymie, um die Reichthümer der Erde zu kennen und zu nutzen. Der Arzt hört sie, um den Menschen, und seine Erhaltung zu studieren u. s. w. So werden die Wahrheiten zweckmässig gewählt ; und wer jede Wissenschaft als Hauptzweck vornimmt, wird schon eilten eigenen Weg einschla- gen. Aber noch sorgfältiger ist der einsichtige Schulmann in . der Auordnung des Vorrathes. Hier ist die wahre Sphäre d-6 Psychologen. Man erschrecke nicht über diesen tiefsinnigen Namen, bey dem man sich gleich Loke's hageres Gesicht, oder BaumFarrens D^siuitionen zu denken gewohnt ist. Selbst wie Loke kann ein jeder Psycholog seyn, der Dorfschulmann so gut, als der Professer der Metaphysik. Nur denke man sich als Arbeiten nicht eine Wissenschaft, die sich nach Herders Ausdruck, hinter barbarische Kunstwörter versteckt; nicht die ganze Tiefe jener Erforschung, die mit Bonner Statuen belebt, oder Mit Eondiliac alles entfaltet. Die Menschenseele kann beobachten, wer nur Augen und Ohren hat. Aus diesen Beobach- Beobachtungen kann er sich eine ganze Wissenschaft, Grundsätze und Methoden abstrahtren; und leistet nicht eben dies täglich bey Lehrern die Routine? — nur daß öfters erst nach dem Uibel die Erfahrung eintritt, welches nur durch einige anticipirte und im Gang angewendete Grundsätze hätte erspart werden können. Und diese Erfahrung trat noch dazu bisher bey unfern Lehrern erst dann ein , wann sie, ihrer Hierarchie nach, aus dem Lehramt austraten. La Ehaloeais hat den Psychologen diese Grundgesetze abgeborgt. Er sagt uns: (*) „ der Hauptgrund- ,, satz einer jeden guten Methode ist, von dem Gmu- ,, lichen anzufangen, um sich stufenweise zu dem In- „ rellectucllen zu erheben, von dem Einfachen aufs Zu- „ sammengesetzte fortzugehen , sich von Factis zu versi- „ ehern, ehe man Ursachen erforcht. „ — Ein jeder Lehrer wird die lichte Wahrheit dieses Grundgesetzes deut- lieh einsehen. Ein jeder dankt dem pädagogischen Staatsmann für die grosse Lehre, die schon ein deutscher Miller (**) in seinem Schulcodex ausgenommen. Uns gilt dieser Grundsatz in der Erziehungslogik so viel, als jene Urwahrheit der Lokischen Experimentalphilosophie. Alles kommt durch die Sinne in die Seele, die schon vom Vater Aristoteles nackend ausgestellt, und durch arabischscholastischen Wust unkennbar gemacht worden. Es seye uns Schulleuten erlaubt, diese Wahrheit den Grundsatz des Einzelnen zu heissen. Wer *) S. dessen Versuch über Lei» Rinbernnterricht --- inSchlszer» deutscher Uibcrsehung (Görkingen Und Horha l? 7 *.) S Z 4 - S. Millers Grundsätze einer weisen Erziehunsskunst. Zwei)« re AuSgnbe. GStkingen. 177». / Wer die zunehmende Menschenseele, von der Ammenstube an, bis in die Jahre des reifen Alters verfolgt, wird in den Elementen aller Kenntnisse diesen Grundsatz gewahr werden. Die allersimpelste moralische Wahrheit , die das Kind abhalt, seinen Gespielen Leid zu thun, besteht eben so gut aus einzelnen sinnlichen Eindrücken der Selbsterfahrung oder der Mutterpredigten, als die größte mathematische Wahrheit, deren großes heuristisches Aussehen, der Dummkopf anstaunt, und gleichwie vor einer unergründlichen Tiefe zurückfleucht. Er trette kühn mit seinem Eondillac hin, verfolge die Fäden dieses feinen Gewebes, und er wird zuletzt auf den einfachsten Stof zurückkommen, der heißen wird: —- Eins ist weniger als zwey; oder: — eine runde Figur ist nicht viereckigt. Dies ist jene gute Logik d' Alernberts , durch die er dem ärgsten Dummkopf die abstrakteste Wahrheit beybrin- gen will. „ Nur müssen „ — sagt er „ alle Sätze derselben auf simple Notionen heimgeführt, und unter „ sich in eine so unmittelbare Ordnung gesetzt werden, daß die Kette derselben sich nirgends unterbrochen » finde. (*) Diese gesunde Logik d' Alembevts, jenes tiefsinnigen Mathematikers, der hier Selbstverläugnung genug zeigt, da er seiner Kunst den Schleyer des Geheimnisses abgezogen. —- Diese ist die Wissenschaft unseres Schulmannes. Und auch diese Kunst, diese bonne loAiyue, ist eben so wenig eine unerreichliche Wissenschaft; sie ist ja nichts II slk peut - etre viLi äs äire , quil n'/L presqiie point äs 8c1en- cs ou ä'srt, vn^ns püt s ls kiAusur L ävec uns rvwxu« S. tüö oben S. 20. angeführre Werk. ^ —97 nichts als Ordnung, (eontrsLb immeämt) Nur gesunden Menschenverstand, und anhaltenden Fleiß, die erste Eigenschaft des Lehrers verlangt sie, und damit leistet sie alles in den Händen achter Socrate. Aber ohne dieser Logik ist auch im Erziehungsgeschaft ein Gräuel der Verwüstung. Nicht allein wird nichts geleistet , sondern es wird der ganze Boden durch eine widersinnige Kultur verdorben. Wer denkt hier nicht an das gramatische Unheil, gegen das Gesiner und hundert andere, so pathetisch geeifert? Diese Verwüstung entsteht größtentheils aus dem Zwange, den man dem Geist mit unverdaulicher Speise anthut. Man kennt seine Recep- tivität nicht; man weiß nicht, was er vortragen kann, und nun muthet man ihm vom Anfang Abstraktionen und allgemeine Begriffe zu , da er das Einzelne noch nicht kennt. Man hat nun von der Geometrie die Methode in den Wissenschaften mehr oder weniger geborget; das ist, man hat seine Abschnitte > Definitionen, Axiomen, Theoremen, Corolarien und Scholien genannt. Hat man aber auch überall den Elementargang der Geometrie beobachtet? — Hat man in allen Wissenschaften mit dem Punkte der Linie > dem Dreyeck re. angefangen ? — Die Grammatik zum Beyspiel: — hat man hier nicht gewaltet, gerade als wenn man dore von den Kegelschnitten anfangen wollte? Unser Grundsatz des Einzelnen wird hier Mittel schaffen. Nur verlangt er die Hilfe eines andern sehr wichtigen Grundgesetzes der Psychologie, nämlich jenes von der Association der Ideen. Vater Loke, und seine Söhne O werden hier wieder unsere Führer. Allem G sllen - ._.—.-—--- *).Nämlich: Lonnet, Loir-illa.«, Sumss, Seaxch, Leder , Ulrich, tzilst«Her u. a. - sollen wir hier ihre volle Lehre ganz austretten lassen? Zeder Amtsbruder halt sie ohnehin wehrt, und wählt sie zur Tischbibliothek. Von ihnen wird er sich sagen: (*) * H * Dies wird also ber wahre schulgerechte Gang un- jers Erziehers seyn. Diesen wird er die ganze Schaar seiner Zöglinge wandern lassen; und wenn indessen ein begünstigter Sonderling sich von dem sanft wandelnden Haufen losreißt, und durch einen begeisternden Begrif in unerreichliche Höhen fortgerissen wird, so führt er doch seine Menge mit ungestörter Methode den bequemsten Weg fort, und erwartet die Rückkunft des Ebentheuerers; dessen Schicksal ihm selbst und andere zur Warnung und Ermunterung, dem Führer zur eigenen Belehrung dienen Sann» So wird der Geist dieser zwey Grundgesetze der Erziehung nicht zu Zwangsregeln, sondern zur Leitung werden. Das Talent wird nicht über Fesseln klagen; denn seine Receptivität, sein kühner Flug ist selbst aus unfern Grundsätzen zu erkläre» und insbesondere zu benutzen. Der Hauftn aber muß nicht darunter leiden; und selbst unter diesen wird ein oder der andere eine einzelne Pflege verdienen, wovon noch öfters die Rede sepn wird. Gewiß werden unsere Schulmänner durch die jv gemäßigten zwey Grundsätze der Erziehungswissenschaft auch zwcy schädliche Vorurtheile, oder Zrrthümer verbannen, die den Unterricht ganz unnütz oder gar zu einer unmenschlichen Tortur machen könnem Diese sind vorgebliche Un- zulang- __M___ ^ Hi oder die Regiermchs- und Sterbjahre der Fürsten noch alle zusammen wissen G 2 we de, r) S. E. platners Anthropologie für Vertte »nd Wellwelse. Leip»i- 1772. S. loz. - . ). IOL> werde, wenn er im gemeinen Leben seine historische Erfahrung brauchen will; sondern er untersuche , ob der künftige Mann , so wie jetzt durch seine svkratische Frage, also mit der Zeit durch den Anlaß oder den Gegenstand erweckt , um seine Phantasie die virgilischen Bilder, seinem gebildeten Äkenschenverstande die historischen Data abgewinnen, und nach Erforderniß werde verarbeiten können- Dieß heißt Gedachtniß und dasselbe nützen. So wird kein Jüngling im Alter klagen, daß er es verloren, oder daß man es ihm zu sehr belade* Durch dieses Regime wird das Gedächtmß eine unersättliche Kraft, die Hey immer neugegebenem Vorrathe, nie über Unverdauung, nie über Mangel der Nahrung, nie über Abgang des Vorraths im Nothfall klagen wird. Und nun wird der Lehrer die Peitsche oder Galle nicht mehr so oft brauchen, wenn er sokratisch fragen, wenn er mit Rücksicht aufRe- reptivität prüfen gelernt hat, wenn er endlich von dem Gedächtnißc nicht mehr fordert, als es itzt mit Nutzen auf sich nehmen kann, und mit der Zeit wieder hergeben solle, Tausend Verwüstungen, taufend Grausamkeiten gegen die Jugend können ausbleiben, wenn die Prüfungsarten weift gewählt, sorglich und unter hundert Gestalten wiederholt, und die Prüfungen selbst zur neuen Lehre, zur Uibung gemacht werden. Und so werden wir das arme Gedachtniß der Jugend retten, dem man öfters zu viel und zu wenig thut, und durch Regime doch so sehr nutzen kann. Nun ist die Ehre der Jugend noch ferner zu retten. Sie solle die Arbeit scheuen. Was ist Arbeit? Hierinn stoßt sich der ganze Proceß. Memorirter Catechis- mus; eingebläuetes A. B. C. ohne Gleichheit der Bilder ; Buchstabieren, das den Lehrer und Lehrling ärgert; Vocabeln, Paradigryate, Syntarmemorire», und dann dir gramluatische Metaphysik; kopfbrecheudes Llaboriren, und und ewiges Nachschlagen im Lexicon, endlich gar Ampli- fieiren, und Variiren, mit Hilfe der schönen Phraseolos gie und Excerpten; endlich Briefe, Ehrien und Reden von Casar und Ferdinand, von Staatslegenden rc. — In der Geographie trockene Namen rühmloser Dörfer, und in der Historie Namen, Regierungs- und.Sterbjahre, Schlachten und Mordgeschichten: — Dies ist fteylich Arbeit; — und wer wird sie nicht scheuen? Und so war es auch leicht, das leidige Hirngespinnst, die laboris, von den Phänomenen der geplagten jungen Seele zu abstrahiren, und nun den schweren Arm der Dis- ciplin aus das vermeintlich trage Thier mit aller Macht fallen zu lassen. Wer nur je ein Kind ohne dem verdrußvollen Vor- urtheile der Orbile beobachtet hat, wird gewiß die Scheu für Arbeit nicht gefunden haben. Vielmehr^ erscheint die unermüdete Thätigkeit des ersten Alters in seinem ganzen Betragen. Aber sreylich findet der Philosoph dort Thä- tigkeit, wo der mürrische Stundeninstruktor nur Faulheit , die Ungedultige Mutter nur Ausgelassenheit und Muthwillen sieht. Jener will seine gedungene Stunde mit einem gewissen Penso ausfüllen, und den jungen muntern Kops auch hiezu zwingen; diese fühlt nur die Uiberlast des jungen lärmenden Talentes, und von diesen Ausbrüchen betäubt, züchtiget sie den geschäftigen Knaben, da sie seine Thätigkeit nur sanft leiten, nur den Gegenstand verwechseln sollte. ImmerwähreüdeGäh- rung muß zuweilen ein Brausen veranlassen. Der Knabe sitzt verdrüßig und zerstreuet mit seinem Herrn Informator und raunzt stundenlang memorirte Brockendes Catechismus, öder der Grammatik daher, an denen weder Herz noch Verstand Theil nimmt. Wüßte dieser unweise Führer statt marternden Recitiren achte socra- G z tische > ro2 tische Unterredung anzubringen; wüßte er ßep Sympto- men des Verdrußes mit der Grammatik oder andern Sprachübungen abzubrechen, und mit arzgenehmen interessanten LehrgegeUständen abzuwechseln; wüßte er diese grammatischen Schwierigkeiten bis ans ein glückliches Moment , ein Beyspiel, eine zweckmäßige Uibung zu verspüren , und nun dem Jüngling durch reizende Kenntnisse Muth und Munterkeit zu erhalten; wüßte er endlich überhaupt die Verwüstungen, das Unheil der ausgemessenen Lehrstunden zu temperiren, daß ihm und dem Zöglinge tausendfältigen Verdruß erspart, die dornigte Strasse vermieden werde, und auf einigen, aber mit Blumen bestreuten Umwegen der Gang nur um desto mu- thiger fortqehe; so würde er nun gewiß weniger über Abscheu für Arbeit zu klagen haben; deutlich würde er empfinden , daß Thatigkeit dem jungen Geiste natürlich und eigen seyn'; -'daß nur auf ihre Leitung, auf ihre abwechselnde , schmackhafte Nahrung alles ankomme; daß sie sich sehr leicht vom Unnützen auf das Vorteilhafteste aber zugleich Interessante wenden lasse; daß sie selbst öfters nicht zu befriedigen feye, und noch außer der bestimmten Lehrstunde, die nun mit Unwillen abgebrochen, wird, Nahrung fordere. Es treten hier alle ächten Socraten auf, und bezeigen dieses Ideal, welches sie gewiß täglich mehr oder weniger in ihrem Erziehungs- geschäfte realisirt gefunden. Sic beschämen den unwilligen Sauertopf, der sich und der Jugend zur Plage alles fordert, und nichts zu geben weiß. Das Publikum, der Vater, der öfters die quälende Lehrstunde nicht mit anhören konnte, oder endlich anch mit dieser schwarzen Seuche des Unmuths angesteckt worden , die liebenswürdige Mutter, die aus Mitleiden nun öfters die Peitsche des Orbits einhielt, und sich nicht nicht ohne üble Folgen, in das Regiment des Unterrichts einmifchte; die liebe Jugend; die Lehrer selbst därfcn sich nün alles von der sanften sokratischen Methode, von der SchulgeLuld, von der sorgfältigen Wahl und Wechsel der angenehmsten Lehrgegenstande versprechen, welche nun im Zusammenhänge den gewiß nicht verabscheuten Unterricht ausmachen, und sich aus unseren Schulen durch das ganze Erziehungssystem, durch den freundlichen Ton wohlthätiger Lehrer , allgemein verbreiten wird. Hieran wird das verwüstende Vorurtheil, die ku§3 ladoris, scheitern.; aus Schuldespoten werden väterliche Jugendfreunde; aus unseren Kerkern des geplagten Menschennachwachses werden wieder Lycea und Gymnasien. (3) Der Reiz der Porcile', und der akademischen Lauben kehrt wieder zurück, und nun wird der Philosoph, der Weltmann, der Edle und Reiche mit freudiger Theilnehinung an diesem freundlichen Geschäfte thätige Beyträge nicht versagen, welche die Anstalt nach und nach zu ihrer Vollkommenheit bringen, und unfern Traum realisiren können. Wir habe» uns über zwey Haupt- und Grundgesetze, und über zwey schädliche Haüptvorurtheile weitläufig unterhalten. Jeder Amtsbruder geht nun naher zu seiner Bestimmung, und wenn er an feiner. Schule angesteM ist, studiert er die individuellen, loeaden Umstande seines Platzes, dem er vorstehen solle. Eine Schule betrachten wir nach verschiedenen Stufen , als eine zusammengesetzte Anstalt, worin» unter der G 4 Auf- s) 8cdolL — Schule hleß bei) den Alten eine Erholung von dem gymnastischen Uibungen, von den Ermüdungen der Pglästra. S. Hederich ... üiürmvr »d Mo! 104 Aussicht der Vorsteher, mehrere Lehrer, mehreren Lehrlingen von verschiedenem Stande , Alter und Anlage, gemeinnützige und zweckmäßige Kenntnisse, nach einer wohl- gewählten Gradation beyzubringen haben. Diesen alltäglichen Begrif machen wir uns alle von einer Schule. Wir . umfassen durch denselben die wichtigsten Forderungen, und erkennen aus ihm alle Grundregeln. Besonders deutlich E lind Helle denke sich ihn der Lehrer. Er betrachtet eine H. Schule als eine zusammengesetzte Anstalt; und weiß also, daß er weder sich, weder seinen Lehrgegenstand von andern absöndern oder issliren könne. Die Idee des Zusammengesetzten veranlaßt in ihm eine immerwährende Hinsicht auf verknüpfte Theile, aufCicerv's commune yuoäckam vin. culum. Der Grammatiker erdrückt nicht den jungen Geist durch, seine Spinnenfüße, die nur künftige Perizone und Gcioppe brauchen; sondern er behandelt dies Werkzeug oder Vehikulum fernerer Kenntnisse mit Gegners munterer Leichtigkeit, die der künftigen starken Uibung, Lektüre und Beobachtung vieles überlaßt, und — mehr wegweisend als führend erscheint. So henkt sich der Naturforscher nicht gleich ängstlich an Linne's spannende Klassifikationen, und macht den Kopf des künftigen Staats- wirths zu einem schön geordneten Lagerbuch, dessen Waa- re er nie gesehen, und den Namen nach kennt, und nun gewiß auch nicht, wie Fortbonnais oder Morellet ju nutzen weiß. Alles wird §ls eine Vorbereitung, als ein Instrument behandelt. Eine Kenntniß schließt sich am die andere , und hilft ihr — alle sind Instrumente — zum Menschenglück, zur Aufklärung. Darum sieht der Schulmann für seine erste Pflicht an, sich mit der allgemeinen Encyclopädie bekannt zu machen. Sollte es auch nur aus d' Alembert oder Gulzcr sepn. Noch genauer erforscht er er die Encyclopadie feiner Schule. Der Grammatiker weiß genau, wie und warum sein College, oder er selbst Moral, Historie, Naturkenntniß, oder Mathematik lehrt. Wüßte er dies nicht, wie könnte er an Verknüpfung denken? Vielmehr würde er abziehen, monopolisi- ren, u. s, f. In dieser Absicht wird er auch mit seinen Amtsbrödern in allen Schnlstufen, am meisten aber mit den Collegen an seiner Schule sich freundlich verbinden. Die cvklegialische Vertraulichkeit schätzt und pflegt er, als das festeste Band der ganzen Anstalt, als das größte Triebrad der Maschine. Hierinn befolgt er nicht allein was ihm Instruktion und Vorsteher gebieten , sondern was die Natur der Sache, das Wohl und der Geist der Anstalt, die Wünsche der Nationen fordern. Sammtliche Lehrer theileu sich ihren Vorrath, ihre Wahl, ihre Quellen und Hilfsmitteln, ihre Beobachtungen und Erfahrungen mit. Sie suchen sich einander ihre Zweifel und Aussichten, ihre Belanschungen der jungen Köpfe, die Wirkungen ihrer Methoden und Regime mitzuthei- len: — und so wie jeder dem andern durch Verbreitung nvthig und nützlich wird , und zu dem Gebäude seines Ansehens, seiner Ehre und Verdiensten unentbehrliche. Materialien beytragt, macht ein jeder.aus der Angelegenheit seines, ja des ganzen Schulsystems seine eigene , und ihre Wünsche und Hofnungen vereinigen sich immer vor dem Throne der Monarchen. Eb-n so verhalten sie sich zu ihren unmittelbaren Vorsteher. Scho» der sanfte Ton des Schulcodex erspart ihnen alle Furcht für Despotißmus, der den Geist erdrückt. Sie können sich ihrem Direktor mit Vertrauen nähern , da sie wissen , daß aus ihm nur die Väter der Nationen, nicht Caprize, oder Unwissenheit reden. Sie G 5 nehmen lc>6 nchmen seine Erinnerungen und Vorschläge mit der bescheü Lenen Mine an, welche die ganze Anstalt durch sorgfältige Entfernung des Zwanges genommen. Streitet seine Meinung mit ihrer Uiberzeugung, so haben sie sokratisch zweifeln gelernt. Sie werden eher noch eine Zeitlang bey sich selbst überlegen, ob sie sich nicht irren; sie werden Mittel und Auswege suchen , (und sollten Psychologen sie nicht finden können?) um Geschrey zu vermeiden, Bürgerkriege abzuwenden , und wem wird diese Betrachtung, nicht heilig seyn? — der Anstalt und dem System das öffentliche Vertrauen zu erhalten , welches der polemische Geist, und verdächtige innerliche Uneinigkeiten so leicht umwerftn. Das Publikum kann hier niemals , als ungerechter Richter beschuldigt, oder als unrechtmäßiger recusirt werden. Selten ist es, nach der Natur -der Sache, im Stande, alle Gründe zu erwägen, und von dem Proceß sich vollkommen instrniren zu lassen. Es sieht also en Gros die Schulleute als Klopffechter, und die Schule als einen Tummelplatz der niedrigsten Leidenschaften an. Nun soll es seine Kinder solchen Toüköpfen anvertranen; — und richten in seiner wichtigsten Angelegenheit darf es doch, —. will es wenigstens; verbieten wir dies, wo kommt das Leben, die Seele unserer Nationalerziehung hin? Keinen aus allen Lehrern, die schon beym Eintritte einen so grossen Lheil ihrer Eigenliebe ihrem wichtigen Amte geopfert haben, wird hier die Mühe beym Austritte reuen, die er eiwa angewandt, um durch die so leichten Mittel, mit Auswegen, die innerlichen Fehden und Gährungen abzu- wenden, und mit den eben so bescheidenen Vorstehern, die wir hier nur um gleichen Geist bitten können, dem gemeinschaftlichen Zwecke entgegen zu arbeiten. Die ——.—: iO7 Die größte Sorgendes Lehrers wendet sich gnf die genaueste Bekanntschaft mit seinen Schülern. Schon oben sind wir übereingekommen , daß diese Bekanntschaft für das ganze Schulwesen, und besonders für die thätige Beobachtung eines seiner Hauptgrundgesetze höchst nöthig seye, wenn sie nur auch in ihrem ganzen Umfang eben so möglich wäre. Doch wir haben nicht verzweifelt, und den Trost in dem menschlichen Mehr oder Weniger gefunden. Der eifrige Schulmann kennt beym Antritte seines Amtes schon einmal das ganze System, die Kette der Lehre, und kann also schon hier überhaupt sich eine Vorstellung machen, was seine Pflegekinder vorher gelernt haben können. Er hat auch ihre Lehrer und Vorsteher entweder aus an- ticipirten Umgang, oder mittels der kollegiakischen Vertraulichkeit genau kennen gelernt. Diese geben ihm einigen, nicht immer untrüglichen, nicht immer ganz zu befolgenden Fingerzeig über die Anlage seiner Untergebenen. Nun weiß er mit allen diesen kleinen und großen Weisungen , seinen eigenen Scharfsinn, seinen tiefschauenden Blick klug zu verbinden, den er jedoch nie als Hypothese gegen sich selbst , oder gegen künftige Erfahrungen vertheidiget, sondern Selbstverlaugnung genug hat, um in dieser so betrüglichen Semiotik der Menschcnseele sich selbst widersprechen, und durch, spatere Erscheinungen seine erste Ent- deckung selbst das hierauf gewählte Regime wohlthätig abzuändern«. Hier könnten uns einsichtige Schnlleute viele Data der Erfahrung liefern, wenn Sie alle, wie Gessncn, sich öfters von ihren Schulpfade unterhalten, oder wi e Gchlözcr will, pädagogische Protokolle nnd Tagbücher nie-? verschreiben möchten. (*) Indessen wird unfern Lehrern seine eigene Erfahrung leiten; er jetzt die beym Antritt *) A kvrlnA. 8io§rspdi2 gcr^Lmics 6ssasri ; und Schlözers An« merkungen z» Chakstais versuch über L>cu Rinverunter, Vicht. seines Haufens angefangene Beobachtung fort. Was Anfangs eine sorgfältige sokratische Unterredung, eine Kenntnis' der Hilfsmitteln , der Munterkeit und des Eifers, welche sich öfters in dem franken Tone, in der Zuversicht und edlen Kühnheit des Knaöens zeigte von ihm in Methode erhielt, das bekräftigt oder wiederlegt nun eine un- ermüdere Ausforschung in allen, auch den kleinen unbedeutendsten Anlässen. Besonders gelten ihm die Erscheinungen des gesunden schlichten Menschenverstandes, (Cha^ lolais und mein Idole) die Benutzung'der gemeinsten Kenntnisse, jene Weisheit des gemeinen Lebens, die alltäglichsten Notionen mit den abstraktesten Grundsätzen zusammenhängt , und über die sonst so weite Kluft eine Brücke bauet, (3) eine Brücke, die dem höchsten Grade des Menschenglücks entgegen führt. Die Funken dieses so allgemein belebenden elektrischen Feuers sind ihm so werth, so schätzbar, daß er sie gleich der Pestoliu zu erhalten^ und ihre Erziehung nur über das ganze System der Erziehung , und durch dieses über das künftige Bürgerleben verbreiten läßt. Kommt nun noch nebst dieser Erkenntniß der einzelnen Anlage, die möglich genaueste Bekanntschaft mit allen vorhergegangenen Eindrücken 3 priori dazu; sucht der Lehrer, aber nur aus dieser edlen Absicht, in den ganzen Zusammenhang der vorigen Umstände hineinzudringen, in denen sein Lehrling vorher gelebt oder noch immer leben muß; lernt er Aeltern, Geschwistrrge, Freunde des Hauses: — alle Klassen von Erziehern, so viel möglich kennen; so wird nicht leicht ein Räthsel in der moralischen und intellektuellen Bildung übrig bleiben, welches nicht nach und nach aufgeklärt, und nach Umstanden genutzt werden könnte. Alle Memers Revision Ser philos. r. Alle persönlichen Verhältnisse kennt nun der Lehrer. Selbst den ganzen Realznsammenhang seiner Schulency- elopädie und die nähern Berührungspunkte seines Faches hat er sorgfältig studirt. Nun tritt er seinen eigentlichen Schulpsad an, und wählt sich die bestimmteren Vorbereitungsmittel, welche entweder den ganzen Kurs seines Lehr- gegenständes, oder dessen jährliche Abwechslung, oder endlich sein tägliches Geschäft, angehen. Von der Vorbereitung zu seiner ganzen Diseiplin haben wir uns schon einmal unterhalten. Hier sorgt er nur ferner den ganzen Umfang der von ihm zu lehrenden Disci- plin so zu vertheilen , daß kein Hauptbegrif durch allzugroße Unmäßigkeit im Umfang, an Erläuterung am Ende Mangel leiden, und der ganze Vortrag nur als unnützes Stückwerk betrachtet werden müsse. Der Lehrer muß Selbstverläugnung und Temperanz genug besitzen, und Key jedem Anlaß nicht eben sein Allwissen auskrammeu wollen. Und ist denn Vielsagen immer ein Zeuge des Vielwiffens? — fragt ein einsichtsvoller Schulmann. Hierdurch wird öfters ein Drittheil des Lehrgegenstandes zn geschwätzig, der Rest zu trocken, — beyde unnütz behandelt. Die weise Vertheilung nach Maaß der Zeit ist also eine-wichtige Sorge des Lehrers, um einen so schädlichen Mißbrauch aus unseren Schulen zu verbannen. Bey dem Anfang des Lehrgegenstandes wird es allemal sehr ermunternd seyn , kurze und simple Prolegomena, oder Dor- berichte voraus zu schicken. Hier kann der Lehrer mit der jedem Alter angemessenen Herablassung, eine kurze Genesis , oder Entstehungsgeschichte seiner Diseiplin voraus- schicken. Diese kann entweder aus wirklich historischen Da- tis bestehen, wenn solche zu haben find; so hat z. B. unsere neue Grammatik (*) selbst einen sehr angenehmen und nütz- Hier werden die AnfanFSgrün-e -er lateinischen Sprache verstanden , die Hr. Hofrath v. Rollar , für die Gymnaflen gleich LnsangS herausgegeben hat. Z. H. HO nützlichen Eingang von der Geschichte der lateinischen Sprache und derer Verbreitung in Deutschland, wozu Burkard (*) noch mehr Stof liefern kann. Und wenn dieß ein einsichtsvoller Mann in der Grammatik thnnlich gefunden: wer wird an eben derselben Thunlichkeit in andern Disziplinen zweifeln ? — In hohen Schulen geschieht es ohnehin schon mehr und weniger. (**) -Unter diesem versteht man aber nicht eine vollständige Litterarhisiorie, nach ihren Z. Theilen, der Bibliographie, Biographie, und der eigentlichen Geschichte der Diseiplin oder der Meinungen. Diese wird ohnehin heut zu Tage nirgends mehr ex pro5ello so vollständig, a.ls man sich es sonst zu wünschen schien, behandelt; sondern man pflegt sehr weißlich Pie Bibliographie und Bücherkenntniß mit der Abhandlung der Diseiplin selbst bey jedem schicklichen Anlaß zu verbinden ; die Biographie, da sie zu weitläufig wäre, kann ohnehin nur in einzelnen und wenigeren Datis angebracht werden, und hierum findet ein geschickter munterer Lehrer allerdings einen grossen Kunstgriff, ein fruchtbares Er- munterungsmittel, wenn er aus den Lebensgeschichren der Gelehrte» und Schriftsteller, besonders der großen Restauratoren , solche Anekdoten zu wählen weiß, welche entweder einzelne Wahrheiten der Wissenschaft selbst aufklaren, oder doch den Jüngling aus dem Schulstaub hinaus in die Sphäre der Welt versetzen, und durch die Bekanntschaft mit würdigen Männern, mit dem Guten, welches sie durch ihr Wissen gestiftet, Muth und edle Begeisterung verschaffen. Einsichtige Jugendfreunde haben schon lange gewünscht, daß würdige Gelehrte und Wohltäter der Menschheit ihre frühe oder späte Bildung, deren Lurkaräi 6s I-inFu« Izcinse in 6örmÄnia fgtis. §o geschieht cs in dev- Logik , Metaphysik nud Moral von Ae« der-, in der Phystk »on Erflehen, in der ReichS^pre von Putter, Gelchsw/ »c. ren Gang und Schicksale, Hilfsmitteln und Hindernisse niedergeschrieben hatten,, und noch niedn'schreiben mochten. Solche Biographien würden eine schätzbare Didaktische Erfahrung liefern, nnd manchem guten Stofe tausend Umwege ersparen. Beyde also, weder Biographie weder Bibliographie in ihrem weiten Umfang, sind das, was mau beym Eingang der Disciplin hier wünscht; sondern nur ein kurzer rascher Blick in die Geschichte der Disciplin, mit einigen biographischen Datis versetzt, der im Gange selbst öfters wiederholt, und überhaupt zu einen eben so angenehmen als nützlichen Schmucke dpä Vortrags gebraucht werden kann. Vorzüglich läßt sich ein jeder Schulmann den seelen- crhebenden Eingang bey jeder Disciplin empfohlen seyn, wo von derselben Würde, Nutzen und Einfluß auf das künftige Leben, von ihrer Ordnung, Verknüpfung Leichtigkeit , selbst von einigen Schwierigkeiten, und den Mitteln sie zu überwältigen, von der Zeit, Abwechslung, und endlicher Freude der Eroberung gehandelt wird. Hier kann dieß reizende Gemälde im Umriß gezeichnet, und die Ausfüllung desselben mit Munterkeit angegeben werden; und der geschickte Schulmann weiß sich schon zu mäßigen, damit nicht alles ans einmal gesagt, oder gar ermüdende Predigten daraus gemacht werden. Die Einwirkung der Wissenschaft auf die verschiedenen Situationen des künftigen Lebens kann den Jüngling nicht ganz unthatig lassen, wenn sie nur im rechten Tone und mit überzeugender Au- genscheinlichkeit, nicht durch lächerlichen Zwang sichtbar geinacht wird. Nur muß man nicht fordern, daß alle von dem Werth aller Dlsciplinen gleichgerührt und in Bewegung gesetzt werden sollen. Hier geschieht alles im Ver- haltniß der Conjuncturen. Es kommt viel auf vorgefaßte Meinungen an, die manchmal erst einzeln zu bekämpfen 112 psen sind. Vieles kommt aus eines jeden Aussichten oder Entwürfe des künftigen Lebens; auf vorhergehende Progressen in verwandte Wissenschaften; auf Leichtigkeit der Hilfsmitteln rc. an. — Und alle diese Umstande wird der wohlthatrge Lehrer nach Möglichkeit zu erforschen, zu geben , oder wegzuschaffen sich bemühen, wie sich beym Fortgang dieses didaktischen Details öfters zeigen wird. * * * Mehr hat der Verfasser von dieser Abhandlung nicht geschrieben. . W M V M D S U ^ K W S VS LS tzS LS es Äi IV. IV. einer kaiserlichen königlichen Akademie der Wissenschaften. . verdient hier die Erweiterung der Vieharzneykunst (vete- riunire) welche die verwüstende Landplage des Viehfalls von den sonst glücklichen Erblandern abzuwenden, und die nöchige, großentheils noch unbekannte Hilfe aus der Na- . turknnde und Erfahrung herzüholen lehren wird. Fer- ^ ner gehören zu dieser Klaffe . ' L. Die mathematischen Wissenschaften. Die Arithmetik , die Analysis und höhere Geometrie waren immer die vorzüglichen Pflegekinder der Akademien, und die Quel- len der wichtigsten Entdeckungen — Die Mechanik, Dynamik und Statik, welche den öffentlichen und Privatanstalten , dem Bergbaue - den Fabricken, der Landwirth- schaft, den Finanzen noch grosse Dienste leisten müssen , wenn anders die öffentliche Prosperität aus dauerhauften, methematischsichern Grund gebaut feyn soll. —- Besonders die Hydrostatik. Verschiedene Provinzen fordern die Hilfe schiffbarer Flüsse, .Canäle,. .Schleusten, Wasserungsmaschinen rc.; die sorgfältige ^Monarchinn läßt zu gleicher Zeit an der Fulpe, der Sap, der Temes, der Morava, Moldau , Elbe rc. arbeiten, um den so reichen < Produkten jener Länder die vortheilhgstesien Auswege ( OebouLliös) zu verschaffen: —' und dieses alles leisten obbenannte Wissenschaften, welche gewiß noch grosser Erweiterung zum Besten der Nationen fähig sind / und ders ley Hilfe , auch an Orten, wo man es kaum zu hoffen waget, verschaffen werde». — Die Astronomie, samm§ H z hi» den optischen Wissenschaften , als ihren Gehilfen, dient ! durch ein vernünftiges Kalenderwesen unserm Ackerbau und p der Landwirtschaft, durch ihre übrigetMrbeittn der Schis- s fahrt, dem Handel, und andern Bedürfnissen. Die vor- ' trcflichsten Anstalten für diese Wissenschaft werden noch grosse Früchte Hervorbringen, wenn die Akademie die Ar-- t beiten der verschiedenen Beobachter in den Provinzen, auf ' Die mathematische Geographie und Chronologie wird mit der Astronomie auch einigen Fortgang gewinnen. D Die Crvil- und Kriegsbaukunst, die Taktik sammt der Pyrvmetrje und Technik, erwarten ebenfalls fernere Pflege, und werden bey dem heutigen politischen Systeme von Europa immer' notwendiger , wo eine wohlgeordnete Kriegsmacht eben so sehr das Gewicht der Monarchen, als die Ruhe der Nationen begründet. r Dieß sind die Gegenstände der ersten Klasse. Die ZwcM oder historisch-- philosophisch? Klaffe behandelt: ' ä. Den ganzen Umfang der alten, mittleren und neuen Geschichte, sammt allen Hilfswissenschaften, der Geographie, Chronologie, der Altertümer, der Nu- Mismatick, Paläologie und Kritik ; der Diplomatik, 'Heraldik und Genealogie; der Geschichte und Beförderung der meisten Weltentdeckungen rc. wobey diese Clas-- se noch dazu das Geschäft der Innschriften , wie die hie- ju bestimmte Akademie zu Paris, und der Annalen, wie das berühmte Aunalistencollegium in Gina übersieht, stehmen wird. Von dem Zusammenhänge dieser histori- Hen Wissenschaften hat mqn sich hie größten Vortheike zu verspre- verbrechen. In der alten Geschichte, in den ältesten Monumenten des menschlichen Geschlechtes, liegen noch viele unsern Zeiten sehr nützliche Instituten begraben und unbenutzt. — (Man sehe hierüber, die unvergleichlichen Bemühungen der Pariser Akademie der Innschriften.) In der Mittlern Geschichte gründen sich unsere heutigen Rechte, Gebrauche, Sitten, Verfassung und Instituten. Selbst der Gang des Verfalles unserer Kultur im Mittelalter verdient unsere Untersuchungen, nm ähnliches Unheil verhüten, ähnlicher Degradation ausweichen zn können. Und die neueste Geschichte, Statistik und Entdeckungen sind gewiß unsern Staatsmännern äußerst wichtig. Sie werden eine nähere Vorbereitung zu den eigentlichen Staatswissenschasten liefern, und in einer der mächtigsten Monarchien Europens eine von vielen ge-r Mischte Staats- oder politische Akademie zum Theil aus- machen. Auf solche Art wird die k. k. Akademie nicht allem alle jene historischen Wissenschaften umfangen, welche die Portugiesische, Petersburger, Göttinger, Bayrische und Pfälzische Akademien, uz,d jene der Innschriften zu Paris bearbeiten, sondern auch, was nur immer in diesem Fache von einsichtigen Staatsleuten von jeher gewünscht worden, Vor allem werden sich ihre Bemühungen auf die erbländische Geschichte wenden. Hier wird sie den Ursprung der Nationen und ihrer Verfassung, die heiligen Rechte der Monarchen, die ersten Elementen unserer Wohlfahrt, unseres Handels und unserer Industrie erforschen , und aus den historischen Beobachtungen und Erfahrungen die Maßregeln für künftige Feiten und An« stalten angeben, und dadurch zum Glücke der Nationen Mitwirken können* L. Die philosophischen Arbeiten werden, zwar zum Theil, wie zu Berlin und München , sich auf die spekulative Philosophie, in so weit sie'den Grund der grossen praktischen Wahrheiten enthalt, erstrecken; jedoch hauptsächlich auf die praktisch: gerichtet werden. Der ganze Umfang der Moral, das Natur- und Völkerrecht werden für unsere Gesetzgeber, für Staats- wirthe und Richter, jene grosse Wahrheiten Vorarbeiten, weiche die Ruhe der Menschenkinder, unter der beglückenden Regierung guter Monarchen befestigen, und auf den Grund dauerhafter Gesetze unzerstörlich erbauen. Vor allen aber wird die Akademie Thevesl'ens jene grosse wohlthatige Grundsätze der Staatswirhschaft durch uner- ' rnüdete Untersuchungen zu bearbeiten, und eben so durch mathematische Calculs, als historische Data zu berichtigen sich bestreben, welche durch die bestmöglichste Verbindung aller Triebfedern der wahren Wohlfahrt eben das Glück der Nationen, und die Macht des Monarchen dauerhaft begründen, und die Wissenschaften, besonders von der Seite des Nutzens und der Wohlthätigkeit gegen Fürsten und Völker bestens empfehlen. Ackerbau, Gewerbe , Fabriken, innere und äußere Handluug, Finanzen und deren nützliche Leitung, Polrzey, aste Zweige per Staatsverwaltung, werden von unserer Akademie durch einen Zusammenhang der nützlichsten Kenntnisse, der Mathematik und Phhsik, der Historie und Philoso, phie unerwarteten neuen Bepstarrd Und Hilfe erhalten, Und eben dadurch die k. k. Akademie vor allen .andern in Europa in der Würde ihrer Bestimmung und ausgebrei- jeten menschenüeglnckenden Nutzbarkeit, zum ewigen Ruhm ihrer allerhöchsten Srifrerinn glorwürdrgst auszeichneu, !2Z . Zweytes Hauptftück. * Akademische Personen. -H- . ^t^ie k. k. Akademie umfaßt alle Wissenschaften, welche sich durch neue Entdeckungen erweitern, oder deren Resultate sich auf das Wohl der Nationen naher anwenden lassen. ' Sie verbindet alle Gegenstände, welche drey Akademie» zu Paris, nehmlich jene der Innschristen oder Wissenschaften und der Chirurgie einzeln bearbeiten. Sie fordert also mehrere Mitarbeiter, als alle diese und andere Akademien Piropens einzeln haben. Doch müssen die ersten Elemente nicht zu weitläufig, sonder» dem heutigen Zustande der Gelehrsamkeit gemäß angenom-r men werden. Die Akademie hoft so , wie alle nützlichen Anstaltea des Staats den allergnadigsten Schutz von Ihro Maje^ stäten zu genießen, -und Allerhöchstdieselben ihre huldreichen Protektoren nennen zu dürfen. G - Ihro Majestäten werden ihr ferner einen erhabene» Curaror oder obersten Präsidenten vorzusetzen aller- gnädigst geruhen, welcher den Werth der Wissenschaften, und ihren Eikifiuß auf die Wohlfahrt der Völker kennt, und die neue Anstalt auf diesen grossen Entzweck zu leiten sich bestreben wird. Jede O O Jede Ulasse kann sodann ihren eigenen Präsidenten, welcher aus der Zahl der inuländischen Ehrenmitglieder genommen, wird, und ihren Direktor, der ein ordentliches Mitglied sepn muß, durch die mehreren Stimmen, wählen. ^ Die Mitglieder der Akademie sind entweder Inn^ lander oder Fremde. Die Innlander sind: ^ Erstens: Ehrenmitglieder» Diese müssen sich ent§ weder durch eine, nach der Bestimmung unserer Akademie gelehrte oder gemeinnützige Arbeit gezeigt haben, und hiezu gehört auch irgend eine menschenbeglückende Anstalt im Staate: ein Friedensschluß; ein Commerztrakkat, rin Finanzsimplifizirungspkojekt, selbst ein wichtiges, weitaussehendes Gesetz oder Verordnung; — oder sie müssen durch besondere Wohlthaten, als Stiftung einer öffentlichen Bibliothek, eines Cabinets , oder doch durch wichtige Beyträge, durch gelehrte Reisen , oder deren Unterstützung , durch Aushilfe dürftiger oder junger Gelehrten rc. sich den Musen besonders empföhlen haben. Alle diese Ehrenmitglieder müssen vom Herrenstande seyn, und werden von den ordentlichen Mitgliedern, als den gewißcompetcnten und unparthepischen Richtern Ihro Majestäten vvrgeschlagen. Die Anzahl ist nicht zu bestimmen, vielmehr ihre Vermehrung, mls das Zeichen unseres Fortganges in Wissenschaften sehr zu wünschen. Zweytens: ordentliche und pensionirte Mitglieder. Hiezu darf kein Stand oder Orden, kein Aller oder Bedienung unfähig machen. Alle müssen sich, wo laicht durch eine Entdeckung, doch durch irgend eine Merkwürdige Schrift bekannt gemacht haben. Nachdem Umfange unserer Akademie können ihrer nicht weniger - als' vier vier und MnzLg, also für jede Klasse zwölf seyn. Alle müssen in der Hauptstadt, als den Sitz der Akademie zugegen seyn, und den wöchentlichen Zusammenkünfte») beywohnen. Der Vorschlag geschieht an Ihr» Majestäten von den ordentlichen Mitgliedern, in kurz mvtivir- ten Votis. Es werden immer, wie zu Berlin, drey vorgeschlagen , wovon zwey aus der Klasse der ausserordentlichen Mitglieder, und ein Fremder seyn müssen. Mit der Zeit werden Ihro Majestäten einige bedachte Arbeiter unter dem Titel der Vcrerans, wie zu Paris und Berlin, von schuldigen Beytragen lossprechen. Drittens: Ausserordentliche Mitglieder (zu Pa. vis ^ilocie8) können ebenfalls an der Zahl vier und jwan-. zig seyn. Ihr Verdienst wird nach ihren erprobten Fähigkeiten , durch die mehreren Stimmen der ordentlichen Mitglieder bestimmt. Ihro Majestäten werden immer drey Subjekten hiezn Vorschlägen, deren zwey aus -er Klasse der Zuhörer , und ein Fremder seyn müssen. Viertens: Zuhörer, — welche zu Paris zuerst Neves hießen, nun aber näjoints genannt werden. Hiezu werden jene jungen Talente durch die mehreren Stimmen der Mitglieder bestimmt werden, welche sich M den Studien, besonders in mathematischen und politischen Wissenschaften hervorgethan haben. Es wird hieß eine mäch-r tige Triebfeder werden, um den Eifer der Jünglinge auch nach dein Austritte aus den Schulen zu erhalteU , und dis Kenntnisse mit ihren Pflichten, und ganzen übriger» Lebert mehr zu verweben. Eine jede Klasse hat ihren Eekretäk, welcher sich aus Seiten der literarischen Kenntnisse, und einer fertigen Feder im Lateinischen, Deutschen, Und Französischen empfehlen- M !2g —" A pfehlen muß. Dieß sind die einheimischen akademischen Personen in der Hauptstadt. ' Auswärtige Musenfreunde und Gelehrte können WW Erstens als Ehrenmitglieder, Zweytens als arbeitende Mitglieder, oder . Drittens als Korrespondenten an unserer Akademie Theil nehmen, und ihre Wahl wird ebenfalls nach oben bestimmten Gegensetzen geschehen können. ÄE' . Drittes Hauptstück. Akademische Arbeiten. *- -H, ^)ie Arbeiten der akademischen Personen sind folgende: * . ^ Der Kurator oder oberste Präsident vertritt die Person seiner Pflegtochter in allen Angelegenheiten vor dem Throne der Monarchen. Er wird wenigstens den zwey öffentlichen und feyerlichen Versammlungen der Akademie heywohnen, und überhaupt die Arbeiten der Gelehrten auf alle Art zu unterstützen suchen. Die Präsidenten jeder Klasse , und in deren Abwe-. senheit die Direktoren präsidiren bep allen ordentlichen Versammlungen , deren jährlich zwey -feyerliche, eine unmittelbar nach dem Namensfest von Ihro Majestät der Mi-. Lmmr KörrigilM — die andere nach dem Namensfest von von Ihro Majestät dem Kaiser seyn kann. . Ferners wird wöchentlich eine jede Klaffe ihre ordentliche Versammlung halten. Hier dirigiren die Präsidenten die Ablesung der Abhandlungen, proponiren die äsliberan.- äa, sammeln die Vota, und machen in cnlu pmium, msjora. Ferner werden an sic alle in ihre Klasse gehörige Beiträge, ^enioiredi, und Preisschriften emgesen-- det, welche sie sofort an die Mitglieder' zur Relation austheilen. Eben dieß verrichten die Direktoren in Abwesenheit der Präsidenten. Sie müssen aber nebst diesem die den Akademien von allerhöchsten Orten ausgetragenen UntersM chungen den Akademisten , jedem nach seinen Talentm * auftragen, über den Eifer der Akademisten, und den Werth ihrer Arbeiten mit freundlicher Aufstcht wachen, und im Nothfall hierüber die nöthige Vermittelung , erst durch den Kurator, und daun im öffentlichen Rache veranlassen. Die Ehrenmitglieder sind zu keinen regelmäßigen Beyträgen verbunden. Sie werden aber der Akademie auch in ihren wöchentlichen Sessionen willkommen seyn , und ihre willkührlichen Arbeiten werden nach Verdienst entweder in die Commentariensammlung , oder doch in das veranstaltende Magazin eingetragen werden. Die ordentlichen und außerordentlichen Mitglieder find gehalten: Erstens r Allen Versammlungen der Akademie bey- zuwohnen, ihre Beobachtungen und Versuche dort anzuzeigen , im Verhinderungsfall aber hierüber bep dem Präsidenten ihre Entschuldigung zu machen. I Zwe/? i * Zweitens: Wenigstens jährlich zirey Abhandlungen iy irgend ettler Wissenschaft ihrer Klasse nach dem Hauptplane dieser Akademie einznliefttn, welche entweder eine neue Entdeckung, oder eine neue und thatige Anwendung der schon gemachten Entdeckung auf die Wohlfahrt der Völker fordert. Die Sprache dieser Abhandlungen kann lateinisch,' deutsch oder französisch seyn. Diese Sprachen sind nun das allgemeine Band der gelehrten Welt. Uibersetzun-- gen würden gefährlich werden, und öfters den Sinn des Verfassers auch nur in einem Hauptbegriff verfehlen. Doch könnte mit den deutschen delömowes, zn Gunsten dA Ausländer eine Ausnahme geinacht Werden. Die Schreibart darf nicht weitläufig und schwülstig , sondern pkaeiß, körnigt und plan seyn, den Geschmack der Akademie auch von dieser Seite zu empfehlen. Welche Schrift, Untersuchung oder Entdeckung Ln die Commentarien der Akademie eingetragen werden soll, muß in den Sessionen einer jeden Klasse durch versiegelte Srinimen entschieden werden» drittens L Müssen die ordentlichen Mitglieder nach Anleitung des Präsidenten oder Direktors über die Pr e.ß- sthristeN referireN und votwen; auch werden sie nach vorläufiger Untersuchung die BerathschlagnngeN in den wöchentlichen Sessionen veranlassen, wenn von den Monarchen oder den Ministern dek Akademie die Untersuchung eines Projekts, einer Maschine, eines Monlunents oM Urkunde rc. aufgetragen worden. Auch werden sie in den Sessionen , die aus Kosten oder Anleitung der Akademie vorzunehmenden Reisen auf den wahren Endzweck richten, M den Reisenden hierüber ihre Direktionen zuschicken. Da Da nun diese Mitglieder die ganze Tätigkeit der Aka-r Heime ausmachen, werden sie sich unabläßlich bestreben, die grosse Absicht der allerhöchsten Stiften» zu erfüllen, und zu dem öffentlichen Besten, eben so wie zur Ehre ihrer Gesellschaft, eifrig mitzuwirken. Die Zuhörer haben nichts regelmäßiges beyzutragen. Ihre PsiichL ist, von den Arbeiten der Akademie unmittelbar sich zu nähren , den Akademisten in ihren Untersuchungen und Erfahrungen zu assistiren, und sich dadurch den Anspruch auf die Stelle eines Mitgliedes zu erwerben. Ihre willkührlichen Arbeiten sollen jedoch als inn- ländische Produkten, als die Barometer unseres wissenschaftlichen Fortgangs mit vorzüglicher Achtung ausgenommen , und wo nicht in den Commentarien, doch in einer besonderen Sammlung, welche allenfalls Magazin , so wie jenes von Hannover, Berlin, Hamburg re. heissen kann, nach Verdienst im Druck erscheinen. Eine grosse Ermunterung , welche die schönsten Früchten gewähren wird. Bon den Heyden Sekretären muß jeder in seiner Klasse 3) Die vom Präsidenten präsentirten und ihm zrrge^ schickten Arbeiten in ein Protokoll aufzeichnen, überlesen, Und kurz exrrahiren, hierauf d) Dieselbe nach der Anweisung des Präsidenten den Mitgliedern zur Beurtheilung und Relation übergeben , und die Namen der Referenten im Protokoll beschreiben; e.) Behm Bortrag Ln der akademischen Session das Protokoll und eine bescheidene Lontwle über diese Be- urthe^lungen führen, und solche in der Form eines Voti äe1il)»rstivi vortragen, sofort I - ä.) ä.) Rach der Entscheidung per majora die Abhandlung in die Registratur der Akademie im Original beylegen, und die Summarien in das Real- und Nominalverzeich- mß eintragen, wenn aber ihre Einverleibung in dieCom- mentarien beschlossen worden , solche vom Kanzlrsien zum Druck abschreiben lassen. Die Ausgabe der Commenta- rien hat er sofort zu besorgen, und derselben die jährliche Geschichte der Akademie vorausschicken. Die Commen- tarien müssen auf Vorschuß der Akademie gedruckt werden, damit nebst einem guten Außenwerk, Papier und Druck, auch der möglichst kleinste Preis erhalten, den Studierenden der Ankauf erleichtert, und dadurch die Ausbreitung des Wissens stark befördert werde. Ferner muß er e. ) Die nöthige Correspondenz der Akademie in kurten, präcisen Styl zur Verhinderung der Schreibercy führen. f. ) Die Lebensbeschreibungen der Akademisten, fammt Hem Weg ihrer gelehrten Bildung und Arbeiten , kurz und kräftig niederschrciben, und der Geschichte der Akademie einverleiben, auch im Fall eines vorzüglichen Verdienstes aus besonder» Befehl der Monarchin,, die Lobreden (L1oZe8) verfertigen. Obschon nun die Sekretäre eigentlich keine ordentlichen Mitglieder seyn mästen, es jedoch so , wie andere nach Verdiensten und Maaß ihrer Beytrage werden können, so haben sie doch vor Fremden den Vorzug, daß sie wie die Mitglieder eine Delibera- tion und gerichtliche Entscheidung über ihre eingereichten Arbeiten, und die hiernach zu bestimmende Einverleibung in die Cvmmentarren fordern können. Endlich hat A.) ein jeder Sekretär ssür das Geschäft der Preisschriften zu sorgen. Es können in jeder Klasse zwey Preisfragen aufgestellt, werden, deren erste mathematisch, die zweyte Myte physich, die dritte historisch, die vierte politisch seyn kann. Ein jedes ordentliches oder pensionirtes Mitglied pro- ponirt in seinem Fache zwey oder drey Fragen, worüber sodann berathschlagt°, und durch die mehrern Stimme» vier gewählt werden. Diese macht der Sekretär in einer seyerlichen Versammlung und durch die öffentlichen Blätter bekannt, und die Akademie bestimmt dabey die zwey Einschickungstermine, welche zur Bequemlichkeit der Referenten für die erste feyerliche Versammlung auf Josephs tckg bis den ersten Jenner — für die zweyte auf Theresia bis den ersten August laufen können. Bis auf diese Termine müssen alle Beantwortungen der Preisfragen, von deren bey jedem.Termin zwey aufgestellt werden, ein- gekommen seyn. Die Einschickungsformel besteht darinn, daß jeder auf einen Zettel eine Devise schreibe, diesenZet- tcl in der Mitte der Devise verreiste, und die eine Halste in- einem Couvert sammt seiner Preisschrist einschicke, die andere Helfte aber zurück behalte. Wenn die Preisschriften untersucht, und, der Preiß adjudicirt ist, wird die Devise in den Zeitungen bekannt gemacht, und der Verfasser zur Zusammerrhaltung des verrissenen Billets erngeladen; worauf sodann in der öffentlichen Versammlung ein Auszug feiner Preisschrist, fammt einigen wahrhaft akademischen Kmionibus ckeciäen- cki vorgetragen, und den gekrönnten applaudirt wird. Aus diesen Preisschriften kann mit der Zeit, wie zu Paris 'eine Sammlung veranstaltet werden. Alle Gelel rten, nur die ordentlich pensionirten Akademisten ausgenommen, können um diese Preise coucurrrren. Diese kenssoimiVe« ' werden sich zur Pflicht seyn lassen, ihre Arbeit nicht unterzuschieben. ?Z4 Die Akademie muß ;u den auszutheilenden Medaillen Allegorie un- Innschrift wählen. Endlich hat d.) Der Sekretär das Archiv oder die Registratur der Akademie sammt dem Siegel unter sich, hat alle rnata der Akademie zu expediren. Die auswärtigen akademischen Personen, und zwar Erstens; die Ehrenmitglieder, sowohl als Zweitens: arbeitende Mitglieder haben nichts re^ tzchnaffiges aus Schuldigkeit zu arbeiten, doch werden ihre Betrage, als akademische Produkten jedesmal der Untersuchung unterworfen, und nach Verdiensten den Com- mentarien einverleibt. Drittens: Die Correfpondenten werden der Akademie von allen auswärtigen Entdeckungen , Erfindungen § Projekten, Verordnungen Nachricht geben, und an dern Ruhm der Akademie den gebührenden Antheil nehmen, welcher nur durch die genleinschastlichen Bemühungen aller dieser Mitarbeiter sich befestigen kann. Viertes Hauptstück. Akademische Anstalten und Hilfst mittel. ine so arganjsirte Akademie der Wissenschaften fordert zugleich einen Zusammenhang der flächigen und dauerhaften hasten Hilfsmitteln, ohne denen sie ihre Arbeiten nie mit dem gehörigen Eifer und Wirkung vornehmen wird. Diese Hilfsmitteln sind nun sördersainst öffentliche Bibliotheken, Cabinette und Werkstatt^ Und hierinn ist nun unsere Akademie vorzüglich glücklich da die wohlthätige Großmuth der Monarchen schon seit langer Zeit sür sie gesorget, und solche Sammlungen mit auguster Pracht angelegt, deren bescheidenen Gebrauch die Musen nur jetzt vor dem Throne zu erbitten, uzrd hie und dort einen Mckttzäßigen Zuwachs zu wünschen haben. Der k. k. Bücherschatz kündigt sich schon von außen mit altröm-scher Majestät an, und seine innere Würde entspricht dem prächtigen Auffenwerk. Hier hat die Aka« demie nichts als den Eifer ihrer Mitglieder in dessen Be- Nutzung zu wönftheu. Nebst diesen könnte Zweitens: die Wiener Stadtbibliothek sehr leicht durch einige Verbesserungen, so wie Drittens r Jene btt) den Dominikanern zur nöthigen Brauchbarkeit für das gelehrte Publikum erhoben werden. Viertens: Wird ohnehin aus den ehemaligen Ie- suiterbrblivtheken eine öffentliche hergestellt, und diesen Zn, ''wachs werden die Wissenschaften ihrer großmüthigcn Be- schätzerinn, in den Jahrbüchern der Kultur zu verdanken wissen, Nebst den Bibliotheken kommen nun die Sammlungen und Anstalten -7- und hierinn wird dje Akadenffe vorzüglich ihre Befriedigung finden, wenn die buldreichs I 4 Mvngr- Monarchin jeder Klasse und Abtheilung die ihrige zur Bes Nutzung anzuweisen allergnadigft geruhet. Der Akademie erste physisch- mathematische Klasse hat I. für die physischen Wissenschaften, und zwar: Die Naturlehre i) das Maschinenkabinet bey Hof unter Hr. Knausens Direktion; r) das Experimentalmuseum in der Universität; z) jener, so unter des P. Franz Direktion steht, und der medicinischen und philosophischen Fakultät zu Gebrauch stehen wrrd. Die Bereicherung dieser und nachstehender Sammlungen wird hin- sühro die Akademie auf Befehl angeben, auch selbst durch eigenen Eifer und Correspondenz Beyträge liefern^ L.) Die Naturgeschichte hat «.) für die Mineralogie, Chymke, Metallurgie , und den Bergbau i) das k. k. Naturalienkabinet unter B. LaiIIou< 2) die Sammlung des P. Franz, z) das chy- mische Laboratorium in der Universität. B.) Für die Botanik hat sie r) den botanischen Garten, — 2) wünscht sie einen ökonomischen Garten, den sie sich selbst entweder an einem leeren Platz des Belvedere oder Augartens, oder in einem Winkel des Botanischen, durch Correspondenz mit geringen Kosten, nach dem Beyspiel derjenigen zu Göttingen und Upsala anle- gen wird. Ein ebenfalls durch Correspondenz zu veranstaltendes Uerdkirimn vivmrr , und 4) eine Sammlnng von allen Samen, Blattern, Hölzern rc. Die Naturgeschichte des Thierreichs oder Zoologie hat. zu ihren Betrachtungen i) die k. k. Menagerie zu Schönbrunn, eine wahrhaft königliche Freude, die ganze ganze lebende Natur vor sich zu sehen. 2) Cm vollständiges Kabinct, oder Sammlung im Thierreich. Dieß ist der theuerste Wunsch , das kostbarste Bedärfniß unserer Akademie, ohne dessen Befriedigung sie kaum ihre Buf- fon's und d' Aubenton's bekommen wird. Zu dessen Beförderung könnte vielleicht folgender kameralischer Vorschlag annehmlich seyn. Die k. k. Erbländer sind so reich an allen Gattungen der Fossilien. Dies ist Oesters reichs und überhaupt Deutschlands Vorzug, und darum war es auch inimer das Vaterland der Chymie. Allem unsere Nachbarn wachen auch hierinn auf, bearbeiten die Min.ralogie, und suchen entweder Stof zu den Processen, oder doch Seltenheiten für Kabinette. Ein Befehl der Monarchin läßt alle der Naturgeschichte merkwürdige, den Finanzen aber umverthe Erzstufen, Halbnietalle, Schwefel, Harze, Salze, Steine, Versteinerungen, Erden rc. in das Magazin der Akademie abliefern, und nun führt die Akademie ein edles Commerce. Sie giebt Mineral lien dem Welschen, für seine Seeprvdukten, Fische, Co- rallen, Madreporen; -^- den Franzosen für Cayentri- sche, Martinikische, Lousianische,, Bourbonische Seltenheiten — den Spaniern für Mexicanische, Peruanische, Philippinische, — dem Holländer für Surlnamische, Ceylonische , Molukische, Chinesische und Iaponische — dem Engländer für Canadische und Hindostanische, nun so gar Südländische Neuigkeiten, — dem Danen und Schweden für seine nordländischen Produkte^. Ein Handel, den die Akademie durch gelehrte Corrüfpondenz enta- miren, durch Geschafttrager, Negozianten und Reisende wird führen lassen. Wenn nun auch von Innlandern, Akademisten, Lehrern, Studenten, Pfarrern, Landphy- ficis , Chyrurgis, Bauern, Hirten und Jägern rc. so wie solches in Schweden auf Linne's Veranlassung geschehen , alle innlärwischen Thiere, Vögel, Fische, Insekten I 5 und rZ8 — und Würmer nach dem Fingerzeig der Akademie gesamm, let werden ; so kann die Akademie in weniger als zehen Jahren ohne sonderlichen baaren Auslagen eine kleine Welt zusammen bringen , und den Akademisten Stof genug zn Untersuchungen liefern. Bey dieser Sammlung aus dem Thierreiche wird man zugleich dafür sorgendaß zur Hilfe der Vieharzneykunst eine hiehergehörige Anstalt zur Anatomie , Physiologie, Therapie, ^lmsris Neäioa stimmt einer Praparatensammlung rc. durch den Eifer der Akademisten entstehe, und dieser den geplagten Erbländern so nöthige Wissenschaft der erwünschte Fortgang verschaffet werde. Wichtige Anstalten für die Naturgeschichte des Menschen , für die Anatomie, Physiologie, Chirurgie sind ! ohnehin schon'alle auf der Universität vorhanden, und kön- . nen von der Akademie ebenfalls zn ihren Versuchen und Untersnchungen^genützt werden. Die mathematischen Wissenschaften haben zu ihrer Hilfe wieder i) das Maschinenkabinet bey Hof, 2) jenes in der Universität, z) jenes des P. Franz, 4) für die Astronomie ein k. k, Ohlervstorimn bey der Universität, und jenes im Iesuitenkollegio, welches nun auch dem öffentlichen Gebrauch gewidmet werden kann. Die verschiedenen Observatorien in den Provinzen werden mit den hiesigen,ihre Arbeiten Zusammenhängen, und durch diese Verbindung Ehre und Nutzen verfchaffey. - Für die Civil- Kriegs- und Schifsbauknnst wird es picht schwer styn, eine ansehnliche Sammlung von Modellen, Rissen rc, aus den verschiedenen Vorrathskam- Mrn jusainmenzubrintzen, und daraus wie zu Bologna im im InAtnto ckelle 8ejenre , ansehnliche Kabinette herzusiel- len. Dieß sind die Werkstatte der ersten Klasse. Eben so vielfältige Hilfe wird die zweyte Klasse geniesten. Die historischen Wissenschaften haben r) für Gevgra- ' phie urw Chronologie, alle kostbaren grossen Werkern der Bliüwlhek, die unermeßliche S irimlung von Landkarte^ lind topographischen Abbildungen in dem SloschischemAk- las rc. 2) kann für die Archäologie und Mythologie ohne viele Mühe aus den an so vielen Orten zerstreuten Alter- lhärnera, Basten, Idolen, Basreliefs, geschnittenen Steinen rc. eine ansehnliche Autikensammlung veranstaltet. und dem Aufseher des Amikenmünzkabmets anvertrauet werden. Z , Genießt die Müuzwissenschaft die grosse Hilfe eines so merkwürdigen Münzkabinets. 4) Die Diplomatik wird ihre Nahrung sowohl in dem k. k. Archiv, worum noch manche wichtige Entdeckung vergraben liegt, und in den übrige» Urkunden der Klöster und Städte finden. Die akademische Gahrung wird gewiß diese litte- rarifchen Reichthümer in Umlauf bringen, und so wie das historische Institut zu Göttinger», ein diplomatisches Ka- binet errichten, welches gleichfalls 5) mit der Heraldik und Genealogie geschehen wird. Endlich findet 6) die Critt'k und Philologie Stof genug, in den vortreflichen Handschriften der Bibliothek , welche unter den Augen eines einsichtsvollen Avllar's littsrarrftheGntdeckungen genug, veranlassen werden. Die Akademie der deutschen Hanpkstaßr wird übep die derttschen und benachbarten AlrerthümerDes Mittelalters hinlängliches Licht verbreiten, und auch von dieser Seite sich vorzüglich ausjeichuen, D eß find die so vielfältigen Hilfsmitteln . von deren Zusammenhängender Benutzung sich die Wissenschaften grösst Bereicherung zu versprechen, die Nationen, zu deren Dienst sie arbeiten,, grysse Vortheile zu erwarten haben. Fünftes Hauptstück. Akademische Auslagen und kunäus, EL» L« -8L ie Monarchen haben, auch mit geringen Kräften, nie einen Anstand genommen, einer so wichtigen Anstalt, als eine Akademie der Wissenschaften ist, nebst ihrem huldreichesten Schutze, auch thaiige Unterstützung durch einen dauerhaften Fond zu gewahren, und sie dadurch vor den Angriffen der Zeit und der Unwissenheit aus immer sicher ,zu stellen. Hier hat nun unsere Akademie einen grossen Vortheil, daß die äußerst wichtigen Ausgaben in Anlegung der Bibliotheken und Sammlungen schon voraus gegangen sind. Es bleiben ihr also noch jene Auslagen übrig, welche hier angezeigt werden. Der erhabene Curator wird seiner Pflegtochter seine' Sorge großmüthig schenken, ohne von ihr eine andere Belohnung zu fordern, als das sie seinen Namen in den Jahrbüchern der Menschheit aufzeichnen und jenen der Mannas, der Colberts, und Münchhausen öeygeselle. Die beeden Präsidenten werden eine kleine Erkenntlichkeit für ihre reelle Mühe nur darum annehmen, damit sie sie gegen die Akademie und ihrer Söhne anderswo wieder gefällig seyn können. Ihnen gebührt die doppelte Pension eines ordentlichen Mitgliedes. Vielleicht finden sich aber großmülhige Musenfreunde, welche diese Mühe auch ohne Besoldung annehmen, und die^Gumme zu andern nützlichen Ausgaben, als Versuchen, Reisen, Belohnungen verwenden lassen. Zu Paris hat ein Mitglied der Akademie der Innschrif- len 2OOO. Livres, der Wissenschaften Zvoo Livres. —. Au Berlin Zoo. Thaler. — Ein großmüthiger Mittelweg für eine k. k. Akademie bärsten also ivos — wenigstens 800 si. seyn. Die Sekretäre werden in allen Akademien wegen vieler Arbeit eben so als die Mitglieder belohnt. Wegen den vielen Arbeiten im Einträgen, Abschreiber! re. sind zween Schreiber nöthig, und zu den Ansagen und Briestragen für jede Klasse ein Diener oder Pedell. Nebst diesen ordentlichen Pensionen sind nun vielleicht die in Paris gewöhnlichen Iettons, für die in den Sessionen Gegenwärtigen einznführen. Jeder Jetton könnte einen Gulden (wie zu Paris 50. Sous) betragen, folg-' lich für i. Kurator, 2. Präsidenten, 24. Pensionirte—- und 24. freye Mitglieder, un!> 24. Zuhörer, 75. Gulden betragen, welches wieder in den akademischen 44.' Wochen eine Summe von ZZoo. fl. ausmachen würde. Vielleicht würde es aber besser seyn, die eine Hälfte oder Viertheil der Pension a 8oo. fl. in solche Distributionen, j. B. immer von einen Ducaten abzutheilen, und nur den 24. Zuhörern einen solchen kleinen Ietton zu geben. ** EiU r_42 Einzelne Versuche, kleine Reisen und andere Bedürfnisse der Akademie werden immer mäßige Kosten verursachen. Die Correspondenz der Akademie , die Einschickunz der lviemoires und Produkten, das Hol; und Licht für die Sessionen wird auch eine kleine Auslage verursachen. Endlich kommen die von der großmüthigen Monarchin zu bestimmenden Preiße, welche man hier nicht ausmejseu kann. Diese Auslagen würden also betragen fl. Für 2. Präsidenten jeder 16. fl. .... Z200 24. pensionirte Mitglieder jeder 800 fl. . 19200 2. Sekretäre ä 300 fl. .... . 1600 2. Schreiben a 400 fl. .... . 320 2. Pedellen ä 200 fl. ..... 402 Iettons . ... . . . . . Zzoo Versuche, Reisen re. ..... . 2000 Korrespondenz und andere Kleinigkeiten . rooo Zusammen - 31520 Zu dieser Summe hat man den Fond weißlich sorge, schlagen, welcher aus dem verbesserten Kalenderwesen her- ssießen wird.. Würde aber dieser nicht hinlänglich, oder hierzu nicht bestimmt werden wollen; so kann ohne allen Anstand auf das ganze mechanische Geiverb der Gelehrsamkeit, als aufBuchfährer, Buchdrucker, Buchoinder, Papiermacher rc. ohne allen ihrem Nachtheil ein mäßiges lcn- xock aus diesem Grunde gelegt werden,, weil die Akademien der Wissenschaften die gelehrte kermeiwmion gewiß um vieles vermehren, die Drucker, Buchführer, und Papiermüller vielmehr beschäftigen, und dadurch die kle.me Abgabe .zehnfach in ihre Hände zurück bringen wird. - M -H-? . > «" Fv4> ' ,1>—.,»««^,v^».>" "<-«v^<> ^ ^ s.^ 'j - . '-1 « ' "^ V ^ V ^ ?tz "Ä! lEEl ' WM iSr-L 7^' M< '"'" « 5 s ^ '?! '""m «tz WMWMKMtzM? MMKÄEEW« MLAS-MWMLM SSWWK 8 -'.d H H?-. WWW/ . W . . '.'V- > ',k^.'' -7 . NDMKW^W^^WNEWWK -.' W-.'vW^>- ^ ' '. > ''W -/-' - ' ZMAUK»«« -W ^,'7, sALSLSM «AL««Wj