MW K«?»Z ^SWWHE »»- ^ K-' r< ^ 7 NM G-W vdL W-. - ^ 7 - -' 1 ^ >1 -V - -' *" 7 -^ ^ 'L r^ ^ r; ^ '^7 E)A «LLLLL 'AMRAKWMN WtzMMÄ M4 Z-7M MM KW'« .-WÄM 3 ' OL X'. ^ - , 77 > ' '. - ^ 7 -'- ><1 ->' 7 ^ .WLL «Z i^ÄL-' 7 -H 77 MV 7 ^ M5^ NM MM L.'/^Ä'' i 7 E7 '. L- Unsere Agyptenreise M»SU?W« Teilnehmer: Herr Salzer Frau Salzer Herr Benker „ Voith „ Wolf. -Im Selbstverläge.- Druck von M. Salzer in Wien. «««»»»* »««««»»* V V z^^chon seit langer Zeit war es ein sehnlicher Wunsch von uns allen gewesen, das Wunderland Ägypten mit seinen antiken Schätzen kennen zu lernen. Als in diesem Jahre die Erfüllung dieser stillgehegten Sehnsucht in greifbare Nähe rückte, trafen wir mit größter Freude die nötigen Vorbereitungen zur Reise ins Pharaonenland. Endlich erschien der heißersehnte Tag der Abfahrt! Mister Voith hatte in liebenswürdigster Weise die Führung der ganzen Expedition übernommen und sich zu diesem Zwecke einen recht würdevollen Gesichtsausdruck zurecht gelegt. Herr Wolf wäre beinahe als echter Pilger mit einem Stock ausgezogen, den er sich extra für die Seefahrt kaufte, aber glücklicherweise zu Hause stehen ließ, und Herr Denker hatte sich aus besonderer Vorsicht und in Anbetracht der kommenden Ereignisse mit einem Regenschirm bewaffnet. Alle aber hatten das nötigste Reiserequisit, den guten Humor, in ausgiebigster Weise mitgebracht und so ausgerüstet verließen wir am 1. November um 10 Uhr abends die Metropole St. Pölten, um uns zuerst nach Triest zu begeben. i* 3 2. Ikovember. Nach einer etwas schlaflosen Nacht erreichten wir um 1/2 7 Uhr früh die Station Klagenfurt, wo in Bruder Karl ein neuer Coupegenosse begrüßt wurde, der uns bis Triest begleitete. Es entwickelte sich gleich eine lebhafte Konversation zwischen ihm und unserm Reisemarschall Mister Voith, die sich zuerst um geschäftliche Interessen drehte, später aber mehr ins Persönliche umgemodelt wurde. Als wir in die Nähe der Hafenstadt kamen, litt es uns nicht mehr im Coupe, wir mußten zu den Fenstern, um den ersten Anblick des Meeres mit Andacht zu genießen. In Triest angekommen, führte unser erster Weg, nach einem festlichen Diner im Hotel Volpich, zum Hafen, um die „Cleopatra", das Schiff, welches vom Schicksal dazu bestimmt war, uns nach Alexandrien zu bringen, einer genauen Besichtigung zu unterziehen. Wir mußten lange darnach suchen, da viele Dampfer und Segelboote längs des Hafens verankert lagen, aber endlich fanden wir den schwimmenden Koloß, der uns 4 Tage beherbergen sollte. Eine starke Beruhigung zog beim Anblick des ziemlich massigen Schiffes in unsere Herzen ein und um diese allgemein bemerkbare Erleichterung des Gemütes zu feiern, traten wir in eine echt italienische Osteria, wo bei rotem Wein und Maccaroni einige ganz vergnügte Stunden verbracht wurden. Abends fand in der opera 8pectacoIo eine Aufführung von „Madame Butterfly" statt, die wir uns als große Bewunderer Puccini- scher Musik nicht entgehen ließen. Nach derselben besuchten wir noch ein italienisches Restaurant, welches durch seinen vorzüglichen Chianti eine gewisse Berühmtheit erreicht hat, was sowohl unser Reisemarschall als auch mein Mann gerne bestätigen werden. 3. Movember. Heute morgens galt unser erster Besuch abermals einer gründlichen Inspizierung des Hafens und um 1,2 11 MMN»«« Dampfer „Cleopatra". Uhr erfolgte der große Moment des Einschiffens. Wir waren in gehobenster Stimmung, fühlten uns bereits als Seefahrer und Mister Voith, der bekanntlich schon viele Fahrten zu Wasser und zu Lande hinter sich hatte, verstieg sich sogar zu dem kühnen Ausspruch, er wolle überhaupt den faden Kontinent für immer verlassen, welche Worte selbstverständlich unsere größte Bewunderung erregten. Bei 5 herrlichstem Wetter fuhren wir hinaus ins Meer und die kleinen, weißen Wellenkämme glänzten in der Sonne wie Silber. Ein prachtvolles Bild gewährte der Rückblick auf Triest mit seinem schönen Hafen. Die See war ruhig und die Zeit verging im Fluge, denn immer gab es Neues zu sehen. Gegen Abend waren in weiter Ferne Gewitter zu beobachten, es setzte eine leichte Brise ein, die gerade groß genug war, mir das Diner etwas zu verleiden. Ich ging daher nach Tisch bald wieder auf Deck, denn in der frischen Seeluft beruhigen sich die Magennerven am schnellsten. Die anderen folgten in kurzer Zeit meinem Beispiele und wir blieben, in Bewunderung der Hellen Sternennacht, bis 12 Uhr oben. 4. Movember. Nach guter Nachtruhe trafen wir uns um ^9 Uhr beim Frühstück. Es war wieder strahlender Sonnenschein, der das Meer weit hinaus, wie von schimmernden Diamanten übersät, erglänzen ließ. Nachmittags wurde in Brindisi gelandet. Wir machten einen Rundgang durch die Stadt, welche ein ebenso malerisches als trauriges Bild bietet. Die Cholera scheint arg gewütet zu haben, denn alle Straßen und Häuser sind mit Kalk desinfiziert. Auf einem freien Platze erhebt sich eine hohe, antike Römersäule, die als Wahrzeichen der Stadt gilt. Am Hafen entwickelte sich nach Ankunft des Dampfers ein buntes Leben und Mister Voith warf unermüdlich kleine Münzen unter die sich balgenden schmutzigen Jungen. Bei prachtvollem 6 Sonnenuntergang, der die in Palmengärten träumenden römischen Villen in flüssiges Gold tauchte, verließen wir den Hafen von Brindisi, um gegen das Mittelmeer zu steuern. Im Laufe des Abends machte sich ein größerer Wellengang bemerkbar und die Nacht verhüllte gnädig so manche Seekrankheitskatastrophe. 5. Movember. Diesen Morgen gab es bleiche Gesichter, ich konnte vor Schwindel kaum stehen und war froh, wieder auf Deck zu sein, um einige Stunden im Liegestuhl zu verbringen. Da unsere engere Reisegesellschaft außer mir bis heute von dem schrecklichsten aller Übel verschont geblieben war, so bot ich eine sehr erwünschte Zielscheibe für ihre rege Spottlust. Vormittags fuhren wir rechts an der schönen Insel Zante vorüber, auf der knapp am Meeresufer in entzückender Lage die Stadt gleichen Namens liegt. Links gab es in weiterer Entfernung die Küste Griechenlands zu sehen, die sich mit ihren zerklüfteten Ufern weit ins Meer erstreckt. Nach dem Dejeuner war große Aufregung an Bord, denn der erste uns begegnende Dampfer wurde sichtbar. Es fand ein gegenseitiges Tücherschwenken statt und sämtliche Kodaks traten in Aktion. Der Abend verlief in herrlicher Ruhe und selbst der angekündigte stärkere Seegang in der Nähe Kretas blieb aus. 6. Movember. Heute war wieder ein göttlich schöner Morgen und weit draußen am Horizont, bestrahlt von der Sonne, zeigten 7 sich die Umrisse eines großen Segelschiffes. Nachmittags begegneten wir abermals einen Dampfer, der ziemlich nahe an uns vorbei fuhr, sonst war den ganzen Tag nichts zu sehen als Himmel und Wasser. Trotzdem völlige Ruhe herrschte und die See wie ein Spiegel glänzte, mußte unser Reisemarschall sein würdevolles Aussehen durch eine Jammer- miene ersetzen, das erste Zeichen beginnender Seekrankheit. Er hielt sich aber sehr tapfer, und da wir den letzten Abend an Bord besonders feiern wollten, blieben wir bei einer Flasche Champagner noch lange auf Deck beisammen. 7. Ikovember. Ein ereignisreicher Tag! Um 6 Uhr früh sollte die heißersehnte Landung in Alexandrien stattfinden. Von 5 Uhr an standen wir schon oben, um die Einfahrt in den inneren Hafen, die als interessant und schwierig gilt, zu beobachten. Als sich der Dampfer dem äußeren Hafen näherte, kam ein kleines Motorboot mit roter Flagge auf uns zugesteuert und mit ihm unser nächstes Schicksal, denn auf der Flagge stand das inhaltsschwere Wort „Police". Dieses Unglücksschiff brachte uns den grausamen Bescheid, daß wegen Choleragefahr über die Cleopatra „Quarantäne" verhängt sei und wir noch mindestens 3 Tage auf dem Dampfer bleiben müßten. Österreichische Gemütlichkeit und italienische Nachlässigkeit hatten da wieder einmal Hand in Hand gearbeitet, denn trotzdem in Brindisi noch Cholerafälle konstatiert waren, hatte man den Dampfer dort nicht nur ruhig anlegen, sondern auch Passagiere an Bord nehmen 8 lassen. Diese Fahrlässigkeit erregte selbstverständlich zuerst allgemeine Entrüstung, sollten wir doch nicht nur einige Tage tatenlos verträumen, sondern auch noch die kostbare Zeit für weitere Erlebnisse verlieren. Bald aber siegte der gute Humor über die bittere Lage einer unfreiwilligen Gefangenschaft auf See und mit größter Schadenfreude verfolgten wir die Operationen des Polizeischiffes, dem es nicht immer gelang, fremde Fahrzeuge in entsprechender Entfernung zu halten. Einmal, als es gerade beim Bug damit beschäftigt war, einigen Motorbooten den Zugang abzusperren, kam von vorne ein Frachtenkahn mit Ein- gebornen, die das Ausladen der Waren in Angriff nehmen wollten. Sie hatten bereits eine Strickleiter und ein Seil aufs Vorderdeck geworfen, als sie ein Polizeimann gewahrte, der auf der Kommandobrücke stand. Schnell stürzte er nach vorne und als im nächsten Moment ein Araber die Strickleiter herauf kletterte, packte er ihn und stieß ihn wieder hinunter. Mittlerweile war das Polizeiboot herbeigeeilt und wollte den vorwitzigen Araber verhaften, doch gewandt wie die Katzen, versperrten seine Freunde der Polizei den Zutritt. Den Schlußeffekt bildete die Verhaftung sämtlicher Insassen des Frachtenkahnes. Solche Zwischenfälle waren geeignet, uns etwas die Zeit zu verkürzen. Im Zwischendeck befanden sich auch einige alte Türken, die nach Mekka pilgerten und die sich nach ihrem Ritus selbst verköstigten. In deren Nähe stand Herr Wolf oft stundenlang und sah ihnen essen und beten zu. Wenn sie einen großen, geschälten Knoblauch in Salz tauchten, da spitzte er förmlich 9 den Mund, so sehr fesselten ihn diese kulinarischen Genüsse. Vor dem Dejeuner erhielten wir den Besuch des Quarantänearztes und einer Ärztin aus Alexandrien, welche alle Passagiere zu untersuchen hatten. Die gründliche Untersuchung bestand darin, daß jeder die Zunge zeigen und den Puls fühlen lassen mußte. Abends erfreute Herr Wolf die Gesellschaft durch den Vortrag einiger Lieder, wofür er reichen Beifall erntete. Leider befand sich nur ein einziges Notenbuch an Bord, so daß das Repertoire bald erschöpft war. S. INovember. Der heutige Vormittag verlief ohne jeden Zwischenfall. Da die Erlaubnis zur Expedition der Waren bereits eingetroffen war, vertrieben wir uns die Zeit damit ganz angenehm, daß wir die Ausladung des Schiffes aufmerksam verfolgten. Es kamen aus den unteren Schiffsräumen unheimliche Mengen von Äpfeln, Zucker und Bier zum Vorschein, im ganzen 400 Waggons. Nachmittags traf ein Rettungsboot ein, welches den ältesten Türken, der plötzlich erkrankt war, ins Hospital überführte. Der Abend brachte uns unerwartet eine sehr erwünschte Abwechslung. Mit unserm Dampfer waren sehr reiche Alexandriner in ihre Heimat zurückgekehrt, deren Freunde mittels Segelboote nahe heranzukommen suchten. In den Morgenstunden erlaubte die Polizei noch keinerlei Annäherung, jedoch Nachmittags gestattete sie ihnen schon eine Verständigung und am Abend brachten sie Feuerwerkskörper, die von den Matrosen an Bord genommen wurden. Als es ganz dunkel 10 geworden war, gab der Kapitän das Zeichen zum Beginn eines zaubervollen Schauspieles. Von allen Seiten des Schiffes gingen zu gleicher Zeit Raketen los, welche nicht nur zum sternenhellen Nachthimmel emporstiegen, sondern auch, was den Effekt noch erhöhte, auf der Oberfläche des Wassers als leuchtende Kugeln weit hinaus ins Meer liefen. Auf Deck brannten bengalische Lichter und große Scheinwerfer beleuchteten die Segelboote, welche mit Musik und Gesang unseren Dampfer umkreisten. Das Ganze bot ein so fremdes märchenhaftes Bild, daß es gewiß jedem Teilnehmer in steter Erinnerung bleiben wird. Einige Stunden später, als alle Lichter schon längst erloschen waren, kam aus Alexandrien ein Rettungsboot, da man in der Stadt glaubte, unser Schiff sei verunglückt. 9. Movember. Heute herrschte große Aufregung an Bord. Der alte Türke, den man gestern ins Hospital geschafft hatte, war noch in der Nacht gestorben und es verbreitete sich daher natürlich schnell das Gerücht, der Arme sei cholerakrank gewesen. Diese Vermutung erwies sich zum Glück für uns als falsch. Der Mann war an Erschöpfung und Altersschwäche verschieden. Um 10 Uhr begann wieder die ärztliche Visite mit ebenso gründlicher Untersuchung wie das erstemal. Nach dem Diner wurde unsere Wäsche dem Desinfektionsapparat übergeben und alle Schiffsräume mit Lysol förmlich überschwemmt. Damit waren endlich die Vorsichtsmaßregeln der alexandrinischen Hafenpolizei erschöpft und um ^5 Uhr ii nachmittags, nachdem das sehnlichst erwartete Polizeiboot, welches uns die Erlösung bringen sollte, eingetroffen war, erfolgte die Einfahrt in den inneren Hafen. Derselbe bietet durch seine Größe und die unzähligen Schiffe aus allen Ländern der Welt einen geradezu überwältigenden Eindruck. Schwarze und braune Kerle mit Turbans und malerischen Gewändern liefen geschäftig hin und her, wodurch sich das Ganze zu einem besonders farbenprächtigen Bilde gestaltete. Als die Schiffsbrücke herabgelassen war, unternahmen die Agenten und Dragomans des Lloyd und der Hotels einen förmlichen Angriff auf das Schiff, wodurch ein derartiger Tumult und ein solcher Sprachenwirrwarr entstand, daß man momentan beinahe das Fassungsvermögen einbüßte. Endlich nach einigen kleinen Zwischenfällen hatten uns die Vertreter des Lloyd sozusagen in ihren Besitz genommen und wir konnten das Unglücksschiff verlassen. Vor Freude und Ungeduld sprang ich mit beiden Füßen zugleich auf afrikanischen Boden, während Karl in voller Gemütlichkeit die Schiffstreppe hinunter ging. Herr Wolf beobachtete ängstlich, daß sein linker Fuß zuerst den fremden Erdteil berührte, und Herr Denker machte ein Gesicht, als ob er jeden Tag in Afrika spazieren ginge. Unser Reisemarschall leitete die Unterhandlungen mit dem Lloyd und war vollauf bei der Revision des Gepäckes und Übergabe der Billets beschäftigt. Als alles erledigt war, begann die Fahrt ins Hotel. Das Hafenviertel, welches wir zuerst passierten ist wohl für den Fremden eine Sehenswürdigkeit, aber überaus schmutzig. Von der Stadt selbst gewinnt man trotz ihrer Unsauberkeit einen großartigen Eindruck. Nach dem Diner, welches von schwarzgekleideten Arabern serviert wurde, verließen wir das Hotel, machten einen kleinen Rundgang und gelangten dann zu einem deutschen Bierlokal. Wir nahmen, wie dort üblich, an einem kleinen Tische fast mitten auf der Straße Platz, und kaum war dies geschehen, so fühlten wir uns plötzlich bei den Füßen festgehalten. Erschrocken sahen wir unter den Tisch und erblickten dort einige schwarze Jungen. Es waren die ersten ägyptischen Stiefelputzer! w. INovember. Vormittags machten wir eine Fahrt durch die Stadt und besichtigten vor allem die Pompejussäule, das einzige gut erhaltene Stück des alten Alexandrien. Sie ist aus rotem Granit von Assuan, aus einem Stück gearbeitet und 20 -n hoch. Hinter ihr befinden sich unterirdische Gänge und die Umgebung der Pompejussäule ist die Stätte des berühmten antiken Serapeums. Von dort begaben wir uns zu den Grabanlagen von Kom-esch-schukäfa, welche 3 Stockwerke umfassend tief in den Felsen gehauen sind. Sie bestehen aus Sargkammern und Gängen mit zirka 500 Skeletten. Auf der Rückfahrt kamen wir an Gärten vorüber, die, von der Natur verschwenderisch ausgestattet, mit ihren tropischen Blumen und Gesträuchern eine solche Farbenpracht vereinten, wie sie unser Auge bisher noch nicht geschaut hatte. Nachmittags um 3 Uhr verließen wir Alexandrien und trafen, erwartungsvollen Herzens, um 6 Uhr in der Hauptstadt Ägyptens ein. Der erste Eindruck von Cairo läßt sich schwer schildern. Dieses Leben auf den Straßen, der ohrenbetäubende Lärm, die bunten Farben, die vielen schwarzen Gesichter und dazwischen tiefverschleierte Araberinnen, man ist einfach geblendet! Im Hotel Bristol wurden wir bereits von unserm Dragoman Hassan Aly erwartet, der uns mit deutschen Worten begrüßte. Wir erhielten von ihm die Verständigung, daß am nächsten Tag ein großer Ritt in die Wüste stattsinden wird. Allgemein gespannteste Erwartung! Wir gingen früh zu Bett, um für diese Tour gut ausgeruht Zu sein, aber doch nicht früher, ehe wir nicht in der Nähe des Hotels das bekannte deutsche Bierlokal „Flasch" entdeckt hatten. U. November. Mit Proviant versehen bestiegen wir des Morgens vor 6 Uhr die Trambahn, um nach Giseh zu fahren, wo wir nach 7 Uhr eintrafen und von dort zu Fuß zu den Pyramiden von Giseh gingen. Diese kolossalen Wunderwerke des alten Ägypten wirken auf jeden erstmaligen Besucher geradezu erdrückend. Die 3 großen Pyramiden von Giseh sind die ältesten Bauwerke der Welt und bestehen seit 2800 vor Christi. Sie sind ein sprechender Beweis für die den alten Ägyptern eigene Fähigkeit, mit geringen Hilfsmitteln die größten technischen Schwierigkeiten zu überwinden. Allerdings konnte dies nur mit rücksichtslosester Ausnützung der Menschenkraft geschehen und bei der Cheopspyramide allein sollen bei 100.000 Menschen 14 15 20 Jahre lang beschäftigt gewesen sein. Die Pyramiden sind sehr schwer zu besteigen. Der Fremde muß sich zu diesem Zwecke 3 Arabern anvertrauen, die ihn gewissermaßen Hinaufschleppen. Ein Berliner Amtsgerichtsrat, der sich für die Ausflüge in Cairo unserer Gesellschaft angeschlossen hatte, wagte allerdings den Aufstieg, kam aber nur bis zur Hälfte, da ihn die fortwährenden Bakschisch- Forderungen der Beduinen zu schleuniger Umkehr bewogen. Wir verzichteten auf diese Anstrengung, besichtigten die Sphinx, den Tempel der Sphinx und bestiegen dann mit einigen Schwierigkeiten unsere Reittiere. Die Herren hatten Kameele und ich einen Esel gewählt. Nachdem unsere Gesellschaft noch photographiert worden war, begann der erste Ritt in die Wüste. Weit und endlos lag sie vor uns und der tiefe feinkörnige Sand glänzte im Hellen Sonnenlichte wie pures Gold. Anfangs machte mir wohl das Galoppieren einige Schwierigkeiten, bald aber gewöhnt man sich daran und findet es dann sehr lustig. Wir ritten zuerst zu den Pyramiden von Ambusir, besuchten dann das Toten- seld von Sakkara, besichtigten die Stufenpyramide und die Gräber. In einer Beduinenwirtschaft machten wir Mittagsstation und verzehrten dort mit größtem Hunger unsere mitgebrachten Vorräte. Nach einer Stunde Rast bestiegen wir wieder die edlen Reittiere. Mister Voith mußte bei seinem Kameel immer einen besonderen Kunstgriff anwenden, um auf die schnellste Art in den Sattel zu kommen, denn das Ungetüm sprang stets sofort auf die Beine, wenn er es nur berührte. Herr Wolf wollte es diesmal mit durch ein Vestibül in einen großen Hof, der von drei Seiten mit Säulengängen umgeben war. Diese Gänge hatte man durch Holzwände in verschiedene Hallen getrennt. In ihnen sowie auf dem Hofe wurde überall Unterricht erteilt. Auf der vierten Seite des Hofes befand sich der Hauptlehrsaal. Die Schüler saßen gruppenweise auf dem Boden und lernten mit lauter Stimme bei fortwährenden Bewegungen des Oberkörpers ihre Lektionen, mit allen Kopf- und Armschwenkungen, die der Islam für das Gebet vorschreibt. Es war höchst interessant, einzelne Gruppen zu beobachten, wie der in der Mitte des Kreises befindliche Professor von der sogenannten Lehrkanzel aus, einem niedrigen viereckigen Holzstuhl, mit leiser Stimme seine Vorträge hielt. Man konnte nicht genug staunen, daß es den Schülern möglich war, die Worte des Lehrers zu verstehen, wenn man in Betracht zog, daß sich in den gegenseitig offenen Räumen 10.000 bis 12.000 Schüler jeglichen Alters befanden, welche alle mehr oder minder laut ihre Gebete murmelten. Ruhig konnten wir über die Füße der Schüler hinweg schreiten, nur muß der Fremde stets ein stilles, zurückhaltendes Wesen beobachten, da das Gegenteil zu den schlimmsten Auftritten führen könnte, denn die arabische Universität ist der Hauptsitz mohammedanischen Glaubenseifers. Photographieren ist strenge untersagt. Von der Universität begaben wir uns in die Basare, welche für Kairo charakteristisch sind und einen vortrefflichen Einblick in das Leben und den Handel des Orients gewähren. Auf der südlichen Seite kann man die arabischen Handwerker, Schuster, Drechsler, Tischler, Weber usw. 18 in ihrer primitiven Arbeitsweise beobachten. Die Basare sind enge, schmutzige, oft überdeckte Gassen, die nach Warengattungen eingeteilt sind. Gegen die Straße zu stehen die Geschäftsräume vollständig offen da. Hassan führte uns zuerst in einen Parfümerieladen, wo das berühmte Rosenöl zu haben war. Bevor der Handel begann, mußten wir auf einer teppichbelegten Truhe Platz nehmen, eine parfümierte Zigarette rauchen und türkischen Kaffee trinken. Während dessen öffnete der Verkäufer von seinen herrlichen Mixturen ein Fläschchen nach dem andern und ließ alle Wohlgerüche Indiens an uns vorüber ziehen. Als wir uns nun für das beste Rosenöl entschieden hatten, den Preis dafür aber zu hoch fanden, begann eine lebhafte Debatte zwischen Hassan und dem Verkäufer. Sie endigte damit, daß Hassan dem ägyptischen Handelsmann mit großartiger Gebärde die Hälfte des geforderten Betrages in die Hand drückte und uns zur schleunigen Flucht aufforderte. Kaum waren wir draußen, so erhob auch schon der edle Araber ein mörderisches Geschrei, jedoch ohne allen Erfolg. So kauft man in jedem Laden und wenn der Fremde gegenüber den maßlosen Forderungen der Händler richtig aufzutreten weiß und es nicht verschmäht, sich die dramatische Handelsweise der Orientalen anzueignen, so kann man in Cairo schöne, alte Stücke preiswert kaufen. Selbstverständlich ist dies für einen Europäer nur mit einem tüchtigen Führer möglich. Nachdem wir noch einige Einkäufe gemacht hatten, wobei Karl schon etwas nervös wurde, denn ihm waren die effektvollen Schlußszenen jedesmal entsetzlich, während sie 19 mir großen Spaß bereiteten, kehrten wir ins Hotel zurück. Für den Nachmittag hatte Hassan bereits einige Wagen bestellt und wir fuhren nach Heliopolis. Der Weg dorthin führte über das berühmte Schlachtfeld, auf welchem Marschall Kleber mit 10.000 Franzosen über 50.000 Türken und Ägypter gesiegt hatte. Bald gelangten wir zu dem Dorse Malarye, vor welchem sich ein großer Garten, Eigentum der Exkaiserin Eugenie, befindet, in dem der sogenannte Marienbaum steht, eine alte Sykomore, die nur mehr aus zwei, halb am Boden liegenden Stammästen besteht. In ihrem Schatten hat seinerzeit Maria mit dem Jesukind auf der Flucht nach Ägypten gerastet. Nachdem wir durch entsprechendes Backschisch in den Besitz einiger Blätter dieses denkwürdigen Baumes gelangt waren und vom heiligen Brunnen, der das einzige klare Wasser in Ägypten besitzt, getrunken hatten, fuhren wir weiter zum Obelisk, der sich auf freiem Felde befindet und den einzigen Rest der alten hochberühmten Sonnenstadt Heliopolis bildet. Der Obelisk ist aus Rosengranit und hat eine Höhe von 20 Meter. Er ist der älteste von allen bekannten Obelisken und die Hieroglyphen sind mit großer Schärfe tief in den Stein eingeschnitten. Nachdem Herr Denker einige photographische Aufnahmen gemacht hatte, setzten wir unsere Fahrt fort und erreichten bald die von einer Mauer umschlossene Straußenfarm, wo bei 1000 Strauße jeden Alters gehalten werden. Wir fütterten einige dieser Tiere mit Mandarinen und es war jedesmal ein großer Spaß, zu beobachten, wie die Frucht als wandernde Geschwulst lang- 20 sam durch den langen Hals hinabrutschte. In einer besonderen Abteilung befand sich der heilige Strauß, welcher uns einen Tanz vorführte, der wirklich interessant anzusehen war. Wir konnten ihn leider nur durch die Türe beobachten, denn kein Fremder darf den Raum dieses heiligen Vogels betreten. Bevor wir von den reizenden Tieren Abschied nahmen, machten unsere Kavaliere noch einige größere Einkäufe in Straußfedern und Herr Wolf erstand sogar ein durchlöchertes Straußenei. In die Stadt zurückgekehrt, war es höchste Zeit geworden, um für das Diner Toilette zu machen, und später, nachdem wir noch einen kleinen Spaziergang unternommen hatten, saßen wir wieder im Cafe Trianon. Um 12 Uhr wurde ich von den Herren in aufmerksamster Weise bis zur Türe des Hotels begleitet und in der nächsten Minute waren sie auch schon um die Ecke verschwunden. Ich beeilte mich ins Bett zu kommen und war kaum eingeschlummert, als mich ein gräßlicher Lärm weckte. Schnell lief ich zum Fenster und sah mit Staunen über den breiten Platz vor dem Hotel einen Hochzeitszug mit Musik, Fackeln und Kerzenpyramiden daher kommen. Der phantastische Aufzug bot ein echt orientalisches Bild und wurde von den Teilnehmern mit ohrenbetäubendem Geschrei begleitet. Erst um 3 Uhr begann es auf den Straßen etwas stiller zu werden, allerdings kennt man in Cairo das, was wir unter Nachtruhe verstehen, überhaupt nicht. 13. iNovember. Bei herrlichstem Sonnenschein fuhren wir heute gleich nach dem Frühstück zum ägyptischen Museum, welches 21 durch seine großartigen Sammlungen von Altertümern hochberühmt und höchst interessant ist. Im Erdgeschoß enthalten die Säle Skulpturen des alten Reiches, der bedeutendsten Epoche ägyptischer Kunst, und im oberen Stockwerke befinden sich die zum Totenkult gehörigen Gegenstände, riesige Sarkophage, Mumien, Schmucksachen, Waffen und Handwerkszeuge. Wir wunderten 4 Stunden lang umher, mit dem Wunsche, alles zu sehen, konnten aber trotzdem nur einige besonders interessante Stücke gründlicher betrachten, denn diese großartige Sammlung von Denkmälern vergangener Tage erfordert viel Zeit und die nötige Ruhe, um alles genau studieren zu können. Todmüde und hungrig kamen wir zu „Flasch", wo es einer tüchtigen körperlichen Stärkung bedurfte, um unsere Lebensgeister etwas aufzufrischen. Bald darauf kehrte ein Teil der Reisegesellschaft ins Hotel zurück, Herr Wolf, Herr Denker und ich machten noch einen schönen Spaziergang durch die Muski. Nach dem Dejeuner standen schon unsere gesattelten Esel vor dem Hotel und wir unternahmen einen sehr schönen Ritt zur Citadelle und den Moscheen. Der Weg ging anfangs durch das echt arabische nordöstliche Stadtviertel mit seinen engen Gassen und später an den Kalifengräbern vorbei. Wir besuchten mehrere Moscheen, welche mit ihren stolzen Kuppeln und schlanken Minarets zu den schönsten Werken arabischer Baukunst gehören. Ganz in Bewunderung dieser Herrlichkeiten versunken, hätten wir beinahe den Sonnenuntergang über Cairo versäumt, den wir von der Citadelle aus genießen wollten. Auch die Alabastermoschee mußte 22 noch beim Glanze des Sonnenlichtes betreten werden, weshalb Hassan zum Äufbruch drängte. In gestrecktem Galopp und mit großem Halloh ritten wir die Bergstraße hinan. Oben angekommen, passierten wir den von englischen Soldaten besetzten Torweg, gelangten in einen Hof, sprangen dort von unseren Reittieren und traten zuerst in die große Alabastermoschee ein. Es ist dies ein mächtiger quadratischer Bau, von einer hohen Kuppel überragt. Er macht in seiner vornehmen Einfachheit und stimungsvollen Beleuchtung einen imposanten Eindruck. Die Wände sind mit Alabaster verkleidet und der Boden mit riesigen Teppichen belegt. In der Mitte hängt ein großer Kronleuchter herab und im Kreise um ihn herum eine Menge Lampen, im ganzen bei 1700. An den beiden Ecken des Gebäudes stehen zwei schlanke hohe Minarets, die weithin sichtbaren Wahrzeichen Cairos. Gleich nach dem Verlassen der Moschee liefen wir schnell zur äußeren Mauer, welche gerade in dem Moment erreicht wurde, als noch der volle Sonnenball am Rande des Horizonts sichtbar war. Die größte Stadt Afrikas lag, vergoldet vom herrlichsten Sonnenglanze, in ihrer ganzen Pracht vor uns und man konnte sich kaum sattsehen an dem prächtigen reizvollen Farbenspiel, welches bald darauf die untergehende Sonne über dieses märchenhafte Land zauberte. Als die Farbentöne ein ganz mattes Lilagrau angenommen hatten, die Dämmerung in Ägypten währt bekanntlich nur sehr kurz, verließen wir die Citadelle und kehrten in die Stadt zurück. An dem scharfen Ritt hatte sich auch wieder der preußische Amtsgerichtsrat be- 23 teiligt und als die Ankunft beim Hotel erfolgte, hielt Mister Voith als Führer der ganzen Kompagnie Kritik ab. Herr Wolf, der schneidigste Reiter, wurde vom Hauptmann zum Major befördert und gleichzeitig zur Disposition gestellt. „Das war ein denkbar peinlicher Moment", sagte der Berliner, der es übrigens während seines ganzen Aufenthaltes, auch den Eingeborenen gegenüber nicht weiter als bis zum Hauptmann brachte, obwohl die Araber sonst gegen entsprechende Backschischentlohnung mit den höchsten Titeln Herausrücken. Nach dem Diner setzten wir uns in den offenen Säulengang vor dem Hotel. Herr Wolf klagte über Müdigkeit und verschwand bald darauf, um sich etwas auszuruhen. Die Nacht war warm und ein herrlicher Sternenhimmel glänzte über Cairo. In den Straßen wogte ein buntes Getriebe, interessante Bilder wie in einem Märchen von „1001 Nacht" zogen an uns vorüber. Plötzlich trat ein in Seide gehüllter, vornehm aussehender Araber in den Säulengang und nahm unweit von uns an einem kleinen Tischchen Platz. Geschäftig eilten die schwarzen Diener herbei und umkreisten in aufmerksamster Weise den hohen Gast. Bald stand eine große Wasserpfeife vor ihm und mit Behagen gab er sich anscheinend dem so beliebten träumerischen Nichtstun der Orientalen hin. Wir konnten sein Gesicht nicht recht erkennen, da es durch einen herabhängenden Schnurrbart und eine schwarze Brille ziemlich verdeckt war. Um den Kopf hatte der arabische Würdenträger einen weißseidenen Turban geschlungen, der in malerischen Enden an der Seite niederhing. Die Herren nahmen an ihm und seiner Wasserpfeife lebhaftes Interesse und beobachteten beides unauffällig. Etwas später erschien Hassan, um eine Meldung zu erstatten. Kaum erblickte der den edlen Araber, als er auch schon zu ihm hineilte und denselben in devotester Weise, nach arabischer Sitte begrüßte. Zu uns zurückgekehrt, wurde Hassan von Mister Voith und Karl bestürmt, mitzuteilen, wer denn der Fremdling sei. Hassan berichtete nun, daß dies ein großer Beduinenschech wäre, der viele tausend Beduinen unter sich hätte. Es dauerte auch gar nicht lange, so kamen viele Dragomans, die gegenüber auf der Straße gewartet hatten, in den Säulengang, um den hohen Schech erfurchtsvollst zu begrüßen. Dieser winkte bald darauf Hassan zu sich und machte ihm die für uns etwas peinliche Eröffnung, daß er recht wohl bemerkt habe, wie sehr sich unsere Gesellschaft für ihn zu interessieren scheine. Auf seine Fragen teilte ihm nun Hassan mit, daß wir Österreicher seien und von dem schönen Ägypten ganz entzückt wären. Er ließ daraufhin die Herren einladen, an seinen Tisch zu kommen und nach arabischer Sitte mit ihm zu trinken und zu rauchen. Herr Voith wollte sich, wegen Unkenntnis der arabischen Sprache, anfangs nicht recht dazu verstehen, aber nach einigem Drängen meinerseits erhob er sich, um mit Karl der ehrenvollen Einladung Folge zu leisten. Beide traten in Begleitung Hassans an den Tisch des Arabers und nahmen dort, nach zeremonieller Begrüßung, Platz. Die Diener brachten Getränk-e und Karl ersuchte nun Hassan, den Dolmetsch zu machen und dem hohen Besuch für die überaus freundliche Einladung 25 zu danken. Der große Beduinenhäuptling murmelte befriedigt mehrere arabische Worte und es folgte eine etwas peinliche Pause. Plötzlich wandte er den Kopf, um noch eine Bestellung für seine Gäste zu machen, wodurch Karl sein Profil zu sehen bekam. Eine strahlende Erleuchtung ging diesen nun auf, er neigte sich zum Mister Voith und sagte halblaut: „Das ist ja der Wolf!" — „Wo ist der Wolf" fragte Mister Voith und sah suchend rings umher. — „Da sitzt er an unserm Tisch", sagte Karl und zeigte auf den Araber. Mit herzlichem Lachen erhob sich nun der angebliche große Schech, nahm Turban und Brille ab und freute sich wie ein Schneekönig, daß es ihm so gut gelungen war, seine Freunde durch diese kleine Täuschung derart glänzend hinein zu legen. Das ganze Hotel, schon vorher in den Spaß eingeweiht, unterhielt sich selbstverständlich auf das beste und es wurde an diesem Abend noch viel darüber gelacht. Auf speziellen Wunsch unseres Reisemarschalls gingen wir später noch in sein geliebtes Cafe Trianon, wo sich Karl zur Freude der schwarzen Jungen zehnmal die Schuhe putzen ließ. 14. INcwember. Mittels Wagen wurde diesen Morgen eine Fahrt nach Alt-Kairo unternommen, um seine Hauptsehenswürdigkeit, die Gäma-Amre zu besichtigen. Der äußere Eindruck der alten Moschee ist ziemlich unscheinbar. Wir betraten einen weit offenen, mit Bäumen bepflanzten Hof, in welchem sich 26 gleich beim Eingang eine Doppelsäule erhebt, zwischen deren Schäften sich ein Mensch nur mit größter Mühe hindurchwinden kann. Der alte ägyptische Volksglaube sagt, daß nur derjenige ins Paradies eingehen wird, der dies vermag. Demzufolge hätten von unserer Reisegesellschaft nur Mister Voith und ich die angenehme Aussicht, dereinst die Schwelle des Himmelreiches überschreiten zu können. Es würde sich auch daraus die überraschende Tatsache ergeben, daß dicke Leute gänzlich von der mohammedanischen Seligkeit ausgeschlossen bleiben. In der Mitte des Hofes befand sich ein tiefer Brunnen für religiöse Waschungen. Interessant war die gut erhaltene Halle, in der etwa 150 Säulen standen, alle in Form und Größe voneinander verschieden, da sie aus mannigfachen antiken Bauten stammten. An diese Säulen knüpfen sich zahlreiche Legenden. Mit großer Scheu wird von den Gläubigen z. B. der Säulenschaft betrachtet, der eine weiße Ader in Form eines Peitschenhiebes zeigt, den der Kalif Omar einst dieser Säule in Medina versetzte, wodurch sie sich erhob und durch die Luft nach Ägypten flog. In der äußersten Ecke der Halle gewahrten wir eine von Säulen umschlossene Gebetnische, die einen geradezu widerlichen Anblick bot. Hier knien die Kranken und küssen eine gewisse Stelle der Nische solange, bis die Lippen bluten, denn der Volksglaube sagt, daß sie dadurch Genesung erlangen können. Die Spuren der sonderbaren Übungen werden selbstverständlich nicht entfernt und man sieht auf dem Marmor ganze Streifen geronnenen Blutes. Von der 27 Amremoschee begaben wir uns ins Koptenviertel. Ein altes niedriges Tor zeigte den Eingang in die alten, winkeligen Gassen, durch die wir zur koptischen Marienkirche gelangten. Es ist dies eine tief und ganz versteckt liegende, uralte Kapelle, die während der Nilüberschwemmung teilweise mit Wasser gefüllt ist. Hier soll sich Maria mit dem Jesukind auf der Flucht nach Ägypten längere Zeit aufgehalten haben. Von Alt-Kairo ließen wir uns nach der Insel Roda übersetzen, an deren Südspitze sich der berühmte vom Kalifen Sulemän im Jahre 716 n. Ehr. erbaute und seither mehrfach restaurierte Nilmesser befindet. Er besteht aus einem quadratischen Brunnen, der mit dem Nil durch einen Kanal verbunden ist und in dessen Mitte eine hohe Säule steht, auf der die arabischen Maße angegeben sind. Auf der Ostseite der Insel zeigte uns Hassan die Stelle, an der Moses durch die Tochter des Pharao gefunden wurde. Nördlich liegt ein kleiner Ort, wo als besondere Sehenswürdigkeit ein in mehrere Abteilungen getrennter Hühnerhof gezeigt wird, in welchem die starken Hähne für die von den Söhnen des Khedive veranstalteten Hahnenkämpfe gehalten werden. Von der Insel Roda machten wir noch einen kleinen Abstecher zu „Flasch" und kehrten dann ins Hotel zurück. Gegen Abend rüsteten wir uns zur Fahrt nach Ober-Ägypten. Von Hassan begleitet, verließen wir wehmutvollen Herzens die märchenhafte Kalifenstadt, um uns mit dem Expreßzug, der jeden Tag zwischen 7 und 8 Uhr Kairo verläßt, nach Luxor zu begeben. Gut untergebracht und müde von der Ruhelosigkeit der letzten Tage, 28 schliefen wir bald ein, nur Mister Voith hatte noch längere Zeit mit Migräne zu Kämpfen, die, als alle Mittel nichts halfen, von Hassan durch ein wirksames Gebet zu Allah schnell beseitigt wurde. 15. Movember. Ganz mit gelbem, feinem Staub bedeckt, erreichte unser Zug heute früh um 9 Uhr Luxor, das Endziel unserer Reise. Wir bestiegen mit Hassan, der von allen Eingebornen aufs freudigste begrüßt wurde, einen Wagen und fuhren ins Grand Hotel, welches mitten in einem Palmengarten am Nil liegt. Wir glaubten uns in ein Märchenland versetzt, als wir diesen herrlichen, alten Garten durchwanderten, der von Rosen- und Jasminduft ganz erfüllt war. Zwischen mächtigen Palmen führte der Weg zu einer antiken Steinterrasse und von dort einige Stufen hinunter direkt zum heiligen Nil. Der Ausblick von der Terrasse auf den uralten Strom und das gegenüber liegende Ufer mit dem Steingebirge von Theben, wo sich die Tempel und Gräber der Totenstadt befinden, ist unvergleichlich schön. Nachdem wir im Hotel, welches durch seine Lage und Bauart einem alten Herrensitze ähnelte, das Dejeuner eingenommen hatten, machten wir einen Rundgang durch die Stadt. Sie ist, bis auf die Straße am Nilufer, durchwegs arabisch. Diese Uferstraße dient dem europäischen Verkehr und hat viele Geschäfte, Kaffeehäuser und Bars. Für 4 Uhr waren von Hassan bereits die Wagen bestellt und es wurde nach 29 Karnak zum großen Ammonstempel gefahren. Sprachlos standen wir in der mächtigen Säulenhalle eines gigantischen Baues und ließen den Eindruck des überwältigenden Werkes antiker Kunst mit Staunen auf uns wirken. Wem es nicht vergönnt war, diesen Tempel mit eigenen Augen zu sehen, der kann sich von der Großartigkeit der Anlage keinen Begriff machen. Von der Höhe des großen Pylons aus konnten wir den ganzen gewaltigen Bau, mit seinen Portalen, Höfen, Säulen, Obelisken, Sphinxalleen übersehen und hatten auch zugleich eine herrliche Aussicht auf Luxor, den Nil und die jenseitigen Berge mit den Ruinen von Theben. Nach Sonnenuntergang verließen wir den grandiosen Schauplatz vergangener Herrlichkeit, durchschritten eine Sphinxallee, bestiegen unsere Wagen und machten noch eine Rundfahrt durch die Stadt. Nach dem Diner unternahmen wir eine Mondscheinpartie zum Tempel von Luxor und verweilten dort lange Zeit tief ergriffen im großen Säulenhofe, der vom silbernen Mondlicht ganz überflutet war. Nach träumerischer Versunkenheit in die einstige Größe des alten Pharaonenlandes, kehrten unsere Gedanken nur langsam in die Gegenwart zurück und wir waren erst dann wieder ganz unseres Daseins bewußt, als einer der Herren in der Nähe des Tempels ein Münchner Bierlokal „Rohrmoser" genannt, entdeckte. Sofort erklärte sich die Reisegesellschaft bereit, diesem kräftigen Rufe aus der Heimat Folge zu leisten, und erst spät in der Nacht wurde beim Hellen Schein des Mondes der Heimweg durch die stillen Gassen von Luxor angetreten. 30 16 . Movember. Herr Denker, Herr Wolf und ich besuchten heute früh die katholische Kirche, welche sich in nächster Nähe des Hotels befand und durch einen kleinen Vorgarten von der Straße getrennt war. Beim Eintritt in den Vorhof hatten wir ein seltsames Erlebnis. Als nämlich Herr Wolf das Tor öffnete, sing plötzlich eine kleine Glocke, welche, ohne mit der Tür verbunden zu sein, in deren Nähe frei an einem Lederriemen herabhing, von selbst zu läuten an. Höchlichst erstaunt darüber forschten wir nach der Ursache dieser klingenden Bewegung, jedoch ohne Erfolg und glaubten nun nichts anderes, als überirdische Mächte seien tätig gewesen, uns im fremden Lande einen besonderen Gruß zu bieten. Beklommenen Herzens standen wir darauf in der alten, schlichten Kapelle, die an Sonntagen von einem Missionär und frommen Schwestern geschmückt wird. Tiefer Friede umfing uns und Totenstille beherrschte den in mystisches Dunkel gehüllten, kleinen Raum. Doch nicht lange konnten wir diese himmlische Ruhe genießen, denn es war für diesen Tag eine große Tour geplant und bald mußten wir wieder ins Hotel zurück, um uns für den Besuch der Königinnengrächerwon Theben reisefertig zu machen. Mister Voith, Karl urchl Hassan warteten bereits auf der Terrasse und bald ginff es hinunter zum Nil, wo schon ein Boot für uns bereit lag. Wir fuhren stromaufwärts, wobei der Kahn stellenweise von einem der Ruderer, einem starken Sudanesen, gezogen werden mußte. Als die Landung am jenseitigen Ufer erfolgt war, schritten wir rüstig durch 31 trockenen Nilschlamm und kamen während dieser Wanderung zweimal zu ziemlich tiefen und breiten Wassergräben, denen wir im ersten Moment ratlos gegenüberstanden. Bald aber gab es großen Spaß, denn die schwarzen Ruderer packten, ohne viel Federlesens, einen nach dem andern auf ihren Rücken und trugen ihn durchs Wasser. Endlich wurde der Reitplatz erreicht, wohin Hassan schöne, kräftige Esel bestellt hatte, und lustig ritt nun unsere Karawane im Hellen Sonnenschein dem Gebirge entgegen. Kurze Zeit darauf kamen wir an den Memnons-Kolossen vorüber, die frei ohne jeden Hintergrund mitten im Fruchtland des Niltals stehen und weithin sichtbar sind. Nach einer halben Stunde war der Setis-Tempel bei Karna erreicht, welcher teilweise fast gänzlich zerstört ist. Westlich von diesem Tempel liegen die Königinnengräber. Durch unterirdische Gänge gelangt man in große Räume, die aus den Felsen ausgehauen sind. Die Wände bedecken herrliche Malereien aus Stuck, deren Farben sich ganz prächtig erhalten haben, und in der letzten Kammer steht in einer Vertiefung des Bodens der massive Granitsarg. Wir besuchten viele solche Anlagen und ließen uns dann gänzlich erschöpft im Schatten einer Mauer nieder. Die Hitze in dem kahlen, von der Sonne durchglühten Steingebirge war fast unerträglich geworden. Hassan ließ die mitgebrachten Proviantvorräte auspacken, jedoch forderte weniger der Hunger als der Durst seine Rechte, was bei 50 o L. auch begreiflich ist. Neugestärkt verließen wir das Felsental und ritten über Medine durch die Felder zum Nil. Unser wackerer Sudanese und sein Freund, ein 32 junger Araber mit edlem Gesichtsschnitt, standen schon mit ihrem Boot bereit. Im Hotel angekommen, war es nach einer gründlichen Reinigung höchste Zeit fürs Dejeuner geworden und nach demselben machten wir einen Gang in die Stadt, um Ansichtskarten zu holen. Nachher aber wurden uns einige Stunden vollkommener Ruhe gegönnt und Mister Voith ließ sich sogar ein Bett auf die Nilterrasse tragen, um im Angesicht der Totenstadt und umrauscht vom heiligen Wasser des uralten Stromes, von der Herrlichkeit des einstigen Ägypten träumen zu können. Der Abend, im wundervollen Palmengarten des Hotels verbracht, zählt gewiß zu unseren schönsten Erinnerungen. Nach 10 Uhr gelang es noch Herrn Wolf, die Gesellschaft für einen kleinen Abstecher in die Bierschenke Rohrmoser zu gewinnen, denn niemand dachte in dieser märchenhaften Mondnacht an ein Schlafengehen. 17. INovember. Als wir um 7 Uhr gemütlich beim Frühstück saßen, kam Herr Wolf schon aus der Kirche zurück, und brachte Mr lachend die Aufklärung des gestrigen Abenteuers. Die Sache^hatte ihm keine Ruhe gelassen und er war schon des Morgens wieder zur Kapelle geeilt, um die Ursache des selbstläutenden Glöckchens zu ergründen. Als er den Vorhof betrat, sing die Glocke allerdings abermals zu läuten an, jedoch sah er auch, daß ein kleiner Vogel von ihr fortflog, der durch das Abstoßen die Bewegung und damit das Läuten verursacht hatte. Ich war fast betrübt über diese Mitteilung, denn endlich hätten wir einmal ein, wenn auch kleines mystisches Erlebnis gehabt und nun fand sich eine so einfache, natürliche Erklärung. Bald darauf erschien Hassan und meldete, daß alles zum Aufbruch in die Königsgräber bereit sei. Bei der Übersetzung des Nils passierten wir eine seichte Stelle und das Boot saß plötzlich fest. Der Sudanese mußte seine ganze Kraft aufbieten, um dasselbe nach langen Bemühungen frei zu bekommen. Wir ritten durch die fruchtbare Nillandschaft den lybischen Bergen zu. Dort führte ein viel gewundener Weg westlich zwischen nackten Felsen in absolute Ode. Plötzlich öffnete sich seitwärts ein von starren Felsen umschlossener Kessel und wir standen am Eingang der Königsgrüfte, die an verschiedenen Stellen in die Schluchten des kahlen Gebirges eingesprengt waren. Die Königsgräber sind wohl das Interessanteste und Sehenswerteste von allen antiken Schätzen Ägyptens. Man gelangt durch breite dunkle Gänge in die Grabkammern, die in der Anlage viel größer gedacht und reicher ausgestattet sind als die Königinnengräber. Da die Besichtigung sehr ermüdend wirkt, betraten wir nur die interessantesten Grüfte, und zwar vor allem das Grab Amen- hoteps II., welches gewiß auf jeden Besucher einen unvergeßlichen Eindruck macht. Es befindet sich dort noch an Ort und Stelle in einem Steinsarkophag die wohlerhaltene Mumie des Königs. Durch effektvolle Beleuchtung wird der Eindruck noch verstärkt. Das Grab Setis I. ist mit herrlich gearbeiteten Bildern und Inschriften versehen, die in voller Farbenpracht erhalten sind. Auch die Gräber 34 Ramses HI. und Ramses IV. erregten unsere größte Bewunderung. Vom Tal der Königsgräber führt ein Bergpfad über den Kamm des Gebirges und wir hatten auf dem Wege dorthin einen prächtigen Rückblick auf die Schluchten der Königsgräber. Von der Höhe konnte dann später eine wunderbarer Aussicht auf das weite Ruinenfeld der Totenstadt, den Nil und die grüne Ebene genossen werden. Wir ritten nun zu dem höchst malerisch gelegenen Terrassentempel der Königin Hatschepsowet, Der el-Bahri genannt, das heißt Kloster des Nordens. Er ist zwischen Felsen eingebaut und besteht aus drei nach aufwärts führenden Terrassen, großen Säulenhallen, Kapellen und in den Fels eingehauenen Kammern. Während der Besichtigung hatten unsere Schwarzen in einem der Säulengänge die Frühstückstafel hergerichtet und Hassan servierte nachher mit größter Beflissenheit das mitgebrachte Dejeuner. Trotz der tropischen Hitze entwickelten alle einen respektablen Hunger, denn der Ritt hatte ziemlich lange gedauert. Auf dem Heimweg wurden einige Galoppübungen gemacht, wodurch die Sonnenglut weniger zu spüren war, dafür aber machte sie sich dann im Boot doppelt fühlbar. Außerdem gab es unzählige kleine Fliegen, deren man sich trotz der Fliegenwedel kaum erwehren konnte. Nach einer kleinen Erholung'im Hotel ging die ganze Gesellschaft auf die Suche nach schönen Photographien von Luxor und Umgebung. Beim Durchschreiten einer engen Gasse erscholl aus dem offenen Erdgeschoß eines kleinen Hauses lautes Sprechen, das uns bewog, näher zu treten. Wir sahen einen 35 kleinen Raum, in welchem mehrere Araber schreibend beschäftigt waren, während andere heftig gestikulierend auf und ab gingen. Hassan erklärte nun, daß dies eine der gewöhnlichen Gerichtsverhandlungen behufs Ehescheidungen sei. In der Nilstraße bot sich Gelegenheit, prachtvolle Naturaufnahmen um verhältnismäßig billigen Preis erstehen zu können, und hochbefriedigt kehrte alles in den herrlichen Hotelgarten zurück, wo sich die Herren einige Stunden mit Scheibenschießen vergnügten. Auch nach dem Diner wurde gleich wieder das Freie ausgesucht, denn eine feenhafte Vollmondnacht hatte sich über das schöne, stille Luxor verbreitet. Die Palmengärten waren in zaubervolles Licht getaucht, der Nil schmiegte sich wie ein glänzendes Silberband an dieselben und vom jenseitigen Ufer des heiligen Stromes erglänzte das Totengebirge in fahlviolettem Scheine. Die Szenerie war so märchenhaft schön, daß wir uns kaum davon trennen konnten und erst in sehr später Stunde das Lager aufsuchten. 16 . INovernber. Letzter Tag in Luxor! Des Morgens besuchten wir nochmals das katholische Kirchlein und saßen dann wehmütigen Herzens auf der Terrasse, um auf Hassan zu warten, der am Nil geheimnisvolle Vorbereitungen traf. Er wollte uns zum Abschied eine Überraschung bereiten und mit freudestrahlender Miene kam er endlich herbei und führte uns feierlichst zum Strom hinunter. Dort standen auf der Stiege rechts und links 12 Araber in Reih und Glied, die beim 36 Nahen der Gesellschaft in laute Hipp - Hipp - Hurrah - Ruse ausbrachen. Ein schönes Segelboot, ganz in Palmenblätter eingehüllt, mit Rosen geschmückt und mit Perserteppichen belegt, harrte unseres Einsteigens. Hoch am Maste flatterte die österreichische Handels- Flagge, die Hassan vom Konsulat geholt hatte. Wir bestiegen den kleinen, schwimmenden Blumengarten und begleitet von den 12 Schwarzen, die mit den arabischen Instrumenten, Schalmei und Trommel ausgerüstet waren, fuhr das Boot langsam bei Musik und Gesang stromaufwärts. Eine ganze Schar von Eingeborenen lief mit ihren Kindern lange Zeit längs des Ufers neben uns her. Wir waren gerührt von der wirklich zarten Aufmerksamkeit Hassans und mit der Zeit gewöhnten sich unsere Ohren sogar an die melodielose, monotone Musik, die man anfangs nur schwer ertragen kann. Nach 2stündiger Fahrt landete das Segelschiff bei einem prachtvollen Orangengarten, der Hassan von seinem griechischen Besitzer für dieses Fest freundlichst überlassen worden war. Unter duftenden Orangenbäumen wurde eine fürstliche Tafel bereitet, auf welcher nebst französischen Küchenerzeugnissen auch der ägyptische Festschmaus, ein nach arabischer Art zubereiteter Truthahn, seiner hohen Bestimmung entgegensah. Neben uns im Grase lagerten die Schwarzen und als nach dem königlichen Mahle der gut frappierte Pommery kredenzt wurde, erscholl wieder ihr begeistertes Hurrahgeschrei. Nach Herzenslust konnten wir Orangen und Mandarinen pflücken und schwer beladen verließen wir nach ziemlich langem Aufenthalt den wunder- 37 baren Garten. Auf der Rückfahrt gab's wieder Musik und Gesang, jedoch ging letzterer mit der Zeit in ein Lallen über, denn die herumgereichte Haschischpfeife zeigte bald ihre verderbliche Wirkung. Bei der Landung gab es großes Abschiednehmen und unzählige Hurrahrufe begleiteten uns bis ins Hotel. Dort hieß es schnell die Koffer packen, denn schon um 6 Uhr sollte das geliebte Luxor verlassen werden. österreichischer Lloyd. Dampfer „Habsburg". ML»« Der Abschied fiel uns sehr schwer, und als wir zum letzten Male durch den unvergeßlich schönen Garten schritten, ergriff alle eine tiefe Traurigkeit und Wehmut. An einer Ecke wartete bereits der Gärtner, der uns herrliche Blumen überreichte, die aber leider bei der tropischen Hitze schnell ihre Schönheit einbüßten. Am Bahnhof angekommen, fanden wir schon ein reserviertes Coupe vor und Hassan bemühte 38 sich, dasselbe für die Nacht so bequem als nur möglich herzurichten. Er verblieb auch den Abend in unserer Gesellschaft und hatte viele Fragen über ägyptische Verhältnisse zu beantworten. 19. November. Nach 9 Uhr trafen wir heute wieder in Cairo ein, nahmen im Hotel das Dejeuner und machten einen Spaziergang durch den Esbyke - Garten. Um 11 Uhr stand unsere kleine Gesellschaft schon wieder reisefertig bereit, zur Abfahrt nach Alexandrien. Nun kam noch ein schwerer Augenblick, der Abschied von unserem guten, treuen Hassan, und mit den festen Versicherungen eines baldigen Wiedersehens verließen wir ihn und das märchenhafte Land, das wir in der kurzen Zeit unseres Aufenthaltes herzlich lieb gewonnen hatten. In Alexandrien gab es gerade noch Zeit fürs Diner und um 4 Uhr befanden wir uns schon auf dem Dampfer „Habsburg", der uns in die Heimat zurück bringen sollte. Der Trennungsschmerz verwandelte sich bei mir sehr bald in ein anderes Leiden, den nicht lange nach der Ankunft auf dem Schiffe nahm mich die Seekrankheit liebevoll in ihre Arme. 20. u. 21. November. Nichts als Himmel und Wasser. Dabei ein starker Wellengang, der mich zwang, auf die Gesellschaft meiner werten Reisegenossen zu verzichten und beide Tage in Decken gewickelt auf dem Deck zu liegen. Von Zeit zu 39 gestalt aus der Nische hervorzuholen. Auf allen Vieren kroch endlich Hr. Wolf zum Klavier, wo er kniend mit bleichem Antlitz mehrere Arien sang. Der größeren Vorsicht halber hatte er ein Taschentuch vor sich ausgebreitet, jedoch muß ich zu seinem Ruhme gestehen, daß nur Melodien über seine Lippen kamen. Etwas später stand Mister Voith in größter Aufregung vor mir und erklärte totenblaß, er habe seinen ägyptischen Talisman, das herzige, kleine Scarabäe verloren. Mein gräßlicher Zustand erlaubte mir leider keine wärmere Teilnahme, was ihn sehr zu kränken schien. Doch ich war froh, noch am Leben zu sein, und in den darauffolgenden Stunden hatte überhaupt alles Irdische jeden Reiz für mich verloren. 23. INoveinber. Wie ganz anders sah diesen Morgen das böse Meer aus! Weit hinaus erglänzte seine spiegelnde Fläche und Hunderte von Segelbooten tummelten sich in der blauen Flut. Der Hafen von Triest lag in strahlendem Sonnenglanze vor uns und majestätisch grüßte das Märchenschloß Miramar herüber. Wir betraten schwankenden Schrittes den europäischen Boden und nach kurzem Aufenthalt in Triest begann die anstrengende Bahnfahrt ins engere Heimatland. 24 . INovember. Ankunft in St. Pölten! Der schöne Traum ist ausgeträumt, das wundervolle Zauberland mit allen seinen 42 Schätzen liegt hinter uns und der Alltag fordert wieder seine Rechte. Doch unvergeßlich werden gewiß jedem die herrlichen Tage in Ägypten als schönste Erinnerung verbleiben. Ich spreche deshalb gewiß allen aus dem Herzen, wenn ich hier zum Schlüsse den Wunsch ausdrücke, es möge uns noch einmal im Leben vergönnt sein, gemeinsam und mit der gleichen frohen Reiselust dieses Märchenland zu durchwandern. Stattersdorf, im Jänner 1911. Mizzi Salzer. M.' MM ^MchD! LSW^G- DM «MMWUWMMMv. KMWM? 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