v •1 WIENER» BAUTEN 2. FOLGE DIE ■ *■ / KAISERSTÄÜT > 'am DONA.USTRAND IN'WORT UND FARBE s ■ ■ 12 FARBIGE KUNSTBLÄTTER TEXT:E.V. REITZENHÖFEN i CHWALA'S tC c X /&, /I OM n träumerische Stimmung versetzt den Beschauer das Bild, wie es gerade zu Weihnachten der Stift des Künstlers festgehalten hat. Das alte Palais in Weihnachtsstimmung. Dichter Schnee deckt Dach und Hof, auch die nahe Stefanskirche, die Tannen, der alte Brunnen ruhen tief verschneit. Draußen am Stefansplatz herrscht wohl fröhliches Treiben, hier winterliche Ruhe im Palais des Wiener Erzbischofs, der hier im Winter seinen Sitz hat, während im Sommer das liebliche Schloß in Ober^St. Veit und das herrlich gelegene Kranichberg sein Aufenthalt sind. Unter Kaiser Karl VI. wurde das Wiener Bistum zum Erz** bistum erhoben. Wohl bereitete damals der römische Hof Schwierige keiten. Man war Bischof Kollonitz, der sich bei der Belagerung Wiens unsterbliche Verdienste erworben hatte, nicht gerade gut gesinnt; man hielt ihn für zu nachsichfig, besonders gegen die Protestanten, doch brachte am 14. Februar 1723 der kaiserliche Abgesandte das erzbischöfliche Pallium für Bischof Kollonitz mit und zehn Tage später hielt dieser seinen feierlichen Einzug in die Stefanskirche als Erzbischof* Unter Kaiser Josef II. trat eine neue Änderung in Bezug auf das Wiener Erzbistum ein. Auf Wunsch Karls VI. hatte schon der Papst den Umfang der Diözese auch auf das Viertel unter dem Wienerwald ausgedehnt, 1631 wurde die Fürsten würde da^ mit verbunden und Kaiser Josef II. wies die Vie tel unter dem Wienerwald und unter dem Manhartsberg ebenfalls dem Wiener Erzbistum zu. Damals wurden auch die Generalsemmarien aufgehoben und theologische Lehranstalten an ihrer Stelle gegründet. Unmittelbar um den Hochaltar in St. Stefan wurden sechs,' unddreißig Chorstühle errichtet mit Brustbildern Kaiser Friedrich III., Papst Paul II. und der Wiener Bischöfe bis auf Graf Breuner. Der Stefansdom enthält auch die Grabdenkmäler berühmter Bischöfe und Erzbischöfe, so das des Grafen Kolonitz, der später Kardinal geworden, das des Grafen Hohenwart und Kardinals Melchior Kiesel, Der Bischofhof, das heutige erzbischöfliche Palais, wurde 1605 vergrößert und 1641 neu erbaut, im Jahre 1716 jedoch aufs neue umgestaltet. XII. Hof des erzbischöflichen Palais Ip as Haus Singerstraße 8, das den echten Stil eines Alt- Wiener Hauses zeigt, mit Freigalerien, die uns den Ausblick auf den Stefansdom ermöglichen, wurde kurz vor seiner Demolierung noch glücklich von dem Stifte unseres Künstlers festgehalten. Es hat leider einer modernen Mietkaserne Platz machen müssen. „Andre Häuser, andre Straßen, pfüat di Gott, du alte Zeit," ruft wehmütig ein Volkspoet aus. Die Singerstraße war bereits zur Zeit der zweiten Stadterweiterung 1177 so lang wie heute, nur war sie eine Wallgasse, erst als 1220 die Häuser tiefer gelegt wurden, erhielt sie den Ausgang Ecke der Riemergasse gegen das Kloster St. Jakob an der Hülben. Die Singerstraße hieß in ältester Zeit Simringerstraße, nach einem reichen Wiener Bürgergeschlecht. Der Ausblick auf das ehrwürdigste und imposanteste Wahr- Zeichen Wiens, den Stefansturm, weckt in uns Gedanken an seine historische Vergangenheit. Wie viele Stürme und welche weltbewegende Schicksale hat dieser Turm geschaut. Noch wird die Bank und das Fenster im Turme gezeigt, wo Starhemberg, der mutvolle Verteidiger Wiens, jede Nacht ausspähte, ob das nahende Be«' freiungsheer ihm Kunde sende und endlich, als die Not schon am höchsten stieg, da sieht er in der Nacht die Raketen aufflammen auf der Höhe des Kahlenberges, die Retter Wiens nahten. Aus den Türkenkanonen wurde die mächtigste Glocke Wiens, die „Pummerin“, gegossen, leider ist sie, um den Turm nicht weiter zu schaden, schon lange zum Schweigen verurteilt. Der Turm, unser alter „Stefl“, wie er im Volksmunde heißt, wurde 1359 erbaut unter Rudolf dem Stifter, der damals die unter dem Babenbergerherzoge erbaute Kirche vergrößerte. Aus dieser ältesten Zeit stammt das Riesentor, die beiden Heidentürme, die Brustbilder der Apostel und Evangelisten, 1514 wurde der Giebel des Turmes arg beschädigt durch Erd' beben und Unwetter; Dombaumeister Hauser entwarf damals höchst interessante Grundrisse für die Renovierung und sind diese Per- gamentblätter noch heute im Wiener Stadtarchiv auf bewahrt. Unter Kaiser Albrecht wurden die Eligius-, Kreuz- und Katharinenkapelle ausgebaut, 1433 die Spitze des Turmes gekrönt. 1445 hatte Dombaumeister Hans Puchsbaum den Ausbau des zweiten Turmes begonnen, ein eigenes Verhängnis blieb es jedoch, daß dieser nie vollendet wurde. Die Wiener erzählen sich in einer Sage, daß Meister Puchsbaum sogar mit dem Bösen einen Pakt geschlossen hätte, nach dem er nie am Bau den Namen der seligsten Jungfrau aussprechen dürfe. Der Meister hielt ihn, bis einst in der Abendstunde seine Braut vorüberging und er, den Packt vergessend, ihren Namen „Maria" rief. Da stürzte ihn der Teufel herab und niemand könne seither den zweiten Turm ausbauen. Die letzte Renovierung des Stefansturmes unternahm der berühmte Dombaumeister Schmidt 1863, der die Spitze desselben, die zur Hälfte abgetragen werden mußte, in 1 7 2 Jahren neu herstellte. XI, Blick auf den Stefansturm vom Hause Singerstraße 8 K cnn der Wiener den inneren Burgplatz betritt» dann eilen seine Blicke gewiß zu jenen Fenstern f empor, deren Appartements einen großen Teil des Jahres , JH WL unser geliebter Monarch Kaiser Franz Josef I. bewohnt. Wenn es gerade Mittagszeit ist, da verweilt jeder gern ein Viertelstündchen im inneren Burghof, denn es naht die Burgmusik mit klingendem Spiel zur Wacheablösung. Wie viele bewegte Zeiten hat die Burg schon erlebt, ihr Schicksal ist eng verknüpft mit dem der Stadt Wien. In urältesten Zeiten stand dieBurg da, wo jetzt das Gebäude der päpst* liehen N unziatur am Hof steht, wo sich heute die Kreditanstalt befindet, lief die Mauer, die Burgkapelle war dem heiligen Pankraz geweiht. Es gab viel Glanz und Leben in der Babenbergerzeit in dieser Burg, auch Kaiser Barbarossa war einmal dort zu Gast, die Dichter damaliger Zeit, auch Walter von der Vogelweide, schildern das herrliche Leben und die Feste am Herzogshofe. Als Leopold der Glorreiche im Jahre 1219 vom Kreuzzuge zu/ rückkehrte, wählte er sich einen Platz für eine neue Burg, ein vier/ eckiges Gebäude mit Ecktürmen, der noch heute in seinem Kern bestehende Schweizerhof. Die Ecktürme stecken heute in Mauer/ Verkleidungen. Der Burghof war größer als heute, es wird von großen Turnieren, Karusselen und Schauspielen erzählt, die hier stattfanden. Eines der glänzendsten Turniere fand im innern Burghof 1560 statt, alte Bilder stellen es in all seiner Pracht dar; ein Ballett und Karussel wurde mit auserlesener Pracht unter anderen im Jahre 1667 im innern Burghofe abgehalten, es gab dabei sogar große Segelschiffe, prächtig kostümierte Reiter und Pferde, Aber auch harte Tage des Kampfes hatte der innere Burghof gesehen. So unter anderen, als die Wiener unter B ürgermeister Holzers Führung Kaiser Friedrich III. in seiner eigenen Burg belagerten und fünf Wochen lang eingeschlossen hielten, bis ihm aus Böhmen Hilfe kam. Wien wurde damals dem Herzog Albrecht zugesprochen, der hart mit den Aufständischen verfuhr und Bürgermeister Holzer hinrichten ließ. Bald darauf aber starb er und Maximilian der letzte Ritter erhielt die Regierung. Ein zweitesmal schaute der Burghof einen harten Kampf, es war als die aufständischen Protestanten Kaiser Ferdinand II. unter Andreas von Thonrädls Führung eines Morgens (5. Juni 1619) in der Hofburg erschienen und den Kaiser arg bedrängten. Da der Kaiser ihre Beschwerden entschlossen zurückwies, entspann sich ein heftiger Streit, bei dem Thonrädel sich besonders hervortat. Da ertönte vom Burghof herauf Trompetengeschmetter, ein Zug Reiter des Dampierreschen Regimentes war, geführt von Hauptmann Saint Hilaire, von Krems gekommen, die Aufständischen glaubten an Verrat und flüchteten, der Kaiser war gerettet. Unter Kaiser Leopold I. wurde die Burg durch den Amalien/ hof vergrößert, Karl VI. ließ durch Fischer von Erlach die Hof/ bibliothek anfügen und die Burg künstlerisch verschönern. X, Innerer Burgplatz fit] er echte Typus eines alten Wiener Hauses. Einstöckig, mit hübschem, verziertem Portal, am Fenster blühen die Blumen. Das Licht der Laterne fällt gerade auf die vom _ Ball heimkehrende Schöne, der der Wiener Hausmeister soeben das Haustor geöffnet hat, während im Wagen, sicher ein Wiener Fiaker, der Kavalier noch Abschiedsgrüße zuwinkt. Sie sind wohl bei Lanner und Strauß gewesen, vielleicht auf einem der be/ rühmten Rosenbälle beim Domayer in Hietzing. Es ist eine glückliche Idee des Künstlers gewesen, gleichzeitig mit dem alten Wiener Hause, auch eine Alt ✓Wiener Idylle hervorzuzaubern. Penzing hat noch manches alte Wiener Haus, eines davon, das Hadikschlößchen in der Hadikgasse, fällt soeben der Demolierung zum Opfer. Penzing ist einer der ältesten Vororte Wiens, wird zum erstem male in einer Klosterneuburger Urkunde erwähnt. Die Pfarrkirche St. Jakob, einst zu den sieben Eichen genannt, wurde um 1267 erbaut. Penzing hat schon früh Berühmtheit erlangt, besonders durch das glänzende Turnier, das die Wiener Bürger zu Ehren Friedrichs des Streitbaren daselbst gaben. Die Volkssage will den Namen Penzing davon herleiten, daß auf diesem Turnier den Streitenden von dem zahlreich herbeiströmenden Volke zugerufen wurde: „Pentzs enk”, soviel als „tummelts euch”. Dies ist jedoch nicht die Entstehung des Ortsnamens, sondern wird derselbe zurückge/ leitet auf einen gewissen Penzo, man spricht auch von einem Geschlechte derer von Penzing. Auch Rüdiger von Radowa, ein Ministeriale des Herzogs, war hier begütert und trug zum Kirchenbau bei. Im 14. Jahrhundert kam Penzing an St. Stefan, im 15. Jahr/ hundert an das Wiener Bistum, im 16. Jahrhundert an das Bür/ gerspital, 1744 an Kaiserin Maria Theresia, die das Schloß er/ baute, welches heute der herzoglichen Familie Cumberland gehört. II. Penzingerstraße 34 £ Risk-*. . * < i- • BK nser Künstler hat eine der Riesensteinsphinxen des Lust/ Schlosses Belvedere festgehalten und bietet uns einen Aus/ .blick von dort. Die Aussicht vom Schlosse selbst ist _'eigentlich eine weit imposantere, weit über Wien können wir von dort blicken. Es ist ein historischer Ort, den wir betreten. Schon zur Römer/ zeit stand dort ein Kastell mit Gräben und Erdwällen, von hier konnte man weit ins Land schauen. Für die Anlage eines römi/ sehen Kastells sprechen die vielen Funde von Antiken und römi/ sehen Münzen an dieser Stelle. Das Schloß Belvedere war einst Eigentum des Prinzen Eugen. Es wurde vom Hofarchitekten Hildebrand von 1693—1724 erbaut. Hildebrand, der seine Jugend in Italien verbracht hatte, starb 1745 reich an Ehren. Das Belvedere wird eigentlich aus zwei Teilen gebildet. In dem linken Seitenflügel am Rennweg wohnte einst Elisabeth von Württemberg, die Gemahlin Franz I, Nach dem Tode Prinz Eugens, der hier seinen Sommersitz hatte, erbte seine Nichte, die Herzogin von Hildburghausen, das Lustschloß, sie wohnte jedoch nicht dort, sondern trat später in ein Kloster und ihr Gemahl ließ für eine Apanage von zwölftausend Gulden jährlich dem kaiserlichen Hofe das Belvedere. Später kaufte es der Kaiser. Es war schon damals der Garten sehr schön, es gab sogar Tiere aller Art darin. Die Bildergalerie, die in letzter Zeit im Kunsthistorischen Museum untergebracht wurde, hat Kaiser Josef II. aus der Stallburg hieher bringen lassen. Im Jahre 1778 berief er den Kupferstecher Mechel, den Gemäldeschatz zu ordnen. Die deutsche, holländische, italienische, vlämische, französische Schule waren'nach Sälen ge/ ordnet: van Dyk, Tizian, Corregio, Holbein, Cranach und viele andere große Meister. Im unteren Schlosse befand sich die Ambraser Sammlung, welche ebenfalls heute dem Kunsthistorischen Museum einverleibt ist, untergebracht. Diese Sammlung wurde einst von Erzherzog Ferdinand, dem Gemahl der Philipine Welser, auf Schloß Ambras in Tirol angelegt. Es besteht diese Sammlung aus seltenen, kostbaren Waffen, Rüstungen fürstlicher Persönlichkeiten, und vieles andere, seltene Tiere, antike Tongefäße, Bilder, Schnitzwerke von Albrecht Dürer, das Mosaikbild von Rafaelli und das Abendmahl nach Leonardo da Vinci. Die Ambraser Sammlung befand sich erst seit 1806 hier, in welchem Jahre Tirol an Bayern abgetreten wurde und diese Samm/ lung, da sie dem kaiserlichen Hause gehörte, von Tirol wegge/ bracht wurde. Seit seiner Verehelichung wohnt Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich d' Este mit seiner Gemahlin Sofie Herzogin von Hohenberg im Lustschlosse Belvedere. III. Blick vom Belvedere ü ä er Hohe Markt bildete schon zu Römerzeiten den Mittelpunkt des Kastells Vindobona, hier befand sich das Forum und das Praetorium (Kommandantur) des römischen Lagers. Auch im Mittelalter hatte der Hohe Markt große Bedeutung, hier befand sich das Stadtgericht, die Bürgerschranne genannt, im Hause C.^Nr. 545. Die Bürgerschränne hatte als Nachbarhäuser das Schuch- und Leinwandhaus. In der Umgebung wohnten zumeist die ältesten und hervorragendsten Bürgersfamilien. Auf dem Hohen Markt lagen überhaupt die meisten Zunfthäuser, außer dem bereits vorerwähnten Schuchs und Leinwandhaus das Riemerhaus, das Schreinerhaus, das Taschner*- und das Kürschner^ haus. Eines der ältesten Geschäftshäuser Wiens befindet sich noch jetzt am Hohen Markt, es ist dies die Drogerie „Zum schwarzen Hund." Die Denksäule, zugleich Brunnen am Hohen Markt, stellt Josefs und Mariens Vermählung dar. Ihr Entstehen ist auf ein Gelübde Kaiser Leopold I. zurückzuführen. Es war im Jahre 1702, als sich der damalige Kronprinz König Josef I. nach dem Kriegsschauplatz begab, zum Kriege gegen Frankreich. * Der Kaiser gelobte dem heil. Josef eine Denksäule errichten zu lassen, wenn sein Sohn glücklich zurückkehre. König Josef, der die Belagerung Landaus bis zur Uebergabe dieser Festung mit gemacht hatte, kam im September 1702 wohlbehalten zurück und Kaiser Leopold I„ der wenige Monate darauf starb, drang noch am Sterbebette darauf, daß man sein Gelübde erfülle. Noch sei erwähnt, daß auf dem Hohen Markt und dessen Umgebung vielfach Ueberreste von Umfangsmauern, Ziegel mit römischen Stempeln der X. und XIII« Legion und Ueberreste römischer Gebäude gefunden wurden. £883 IV. Hoher Markt mit Brunnen as Maria Theresia^Schlößchen, welches unser Bild zeigt, befindet sich in Döbling und wird der volkstümlichen Tradition nach für das Hochzeitsschlößchen Maria Theresias gehalten. Es ist eine der charakteristischen Bauten des 18. Jahrhunderts. Die ersten Anfänge Döblings waren im 12, Jahrhundert, es gehörte Unter^Döbling, später, nachdem es landesfürstlich gewesen, dem Stifte Klosterneuburg, Ober'Döbling jedoch dem Stifte Baum' gartenberg und dem Frauenkloster in Traunkirchen. Es hatte viel unter den Türkenbelagerungen zu leiden und auch die Pest wirkte verheerend in den aufblühendem Orte, An der Stelle, wo heute das Schlößchen steht, befand sich in alter Zeit der Wirtschaftshof des Stiftes Baumgartenberg, Anfang des 18. Jahrhunderts baute ein Herr Stefan Messa das Schlößchen, ringsum einen Park anlegend. 1757 kam es in den Besitz des Grafen Daun, des Generals der großen Kaiserin, welcher es zu seinem Sommersitz machte. Später kam es in viele Hände, ver' wahrloste, da niemand es restaurierte, heute ist es im Besitze der Familie Rothschild. Es ist einstöckig, besitzt ein roh verputztes Sockelgeschoß mit rechteckigen Fenstern, im ersten Stock besitzt es eine rundbogige Balkontüre mit gemauertem Balkon und Rosettengitter. Die Gartenfront, welche das Bild unseres Künstlers darstellt, hat ein vorspringendes Mittelteil und zwei Seitenfronten, desgleichen die Seitengebäude. Das Innere des Schlößchens zeigt die Einrichtung des 18. Jahrhunderts. Der Garten ist, wie auch unser Bild zeigt, zum Teile verwih dert, hohe Steinfiguren, die teilweise leider schon verstümmelt sind, bilden den Schmuck desselben. Eine davon ist auf unserem Bilde zu sehen, auf dem Postament ist eine halbverwischte Inschrift mit den Namen Maria Theresias. Ob die große Kaiserin wirklich im Schlosse geweilt hat, ist nicht erwiesen, erwähnt sei nur noch, daß noch mehrere solche Schlößchen, eines davon in Erdberg, existierten. V. Maria Theresia^Schlößchen gggggg g +“■«^# 4 * K'Ctz* *4' l^SsSölf : M#jg ♦ „«S, V*» * ,>#V;£W j*>»^ '-.i*i KVA?<£$Sfö* *;V£- ^f;*sss“l--- r’St'^Sfg 1if v . 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Idyllische kleine Vorgärten mit Obst und Blumen, in der Mitte ein söge* nanntes Salettl, das an Sonntagen die Familie zum Ausruhen und heiteren Spiel versammelte, waren hier überall zu treffen und angenehmer Duft zog durch diese kleinen Gärten. Dabei fehlte die echt wienerische Gemütlichkeit nicht. Ein Vorstadtdichter singt über den kleinen Fleck Erde: Beim Ratzenstadl (es ist selbst für Ratten fast zu klein) Zog ich vergebens einmal Kunde Von seiner Wiedertaufe ein, t Mag sein, daß es einst viele Magdalenen In diesem Ratzenstadl gab, Doch büßten sie schwerlich wohl in Tränen Die Sünden in der Wüste ab. Magdalenengrund, der stammt, was jener Volksdichter nicht zu wissen schien, von seinen ursprünglichen Grundeigentümern, der Magdalenenkirchenvorstehung ab. Schon im Jahre 1234 wird ein Magdalenenkloster in Wien erwähnt, zwischen der heutigen Währinger^ und Liechtensteinstraße, das aber später in Verfall geriet. Dort befand sich auch eine Kirche zu St. Magdalena. Auf dem Stefansfreithof befand sich ebenfalls eine Magdalenen^ kirche, auf alten Bildern ist sie noch zu sehen, sie fiel 1781 einem Brande zum Opfer und wurde nicht wieder erbaut. Auch der Stefansfreithof, auf dem schon seit 1732 keine Leichen mehr beigelegt wurden, wurde damals bald aufgelassen. In einer Urkunde wird 1756 der Magdalenengrund erwähnt. Erst 1799 wurde er vom Magistrat angekauft. Auf dem Magdalenengrund oder Ratzenstadl wurde zur Zeit, als es noch Eigentum der Magdalenenkirchenvorstehung war, auch viel Wein gebaut, im 16 . Jahrhundert führte es auch die Bezeichn nung, „ein Saugraben an der Wien”. VI. Das Ratzenstadl chon im 15. Jahrhundert gab es in Wien ein bürgerliches Waffendepot. 1444 stand an der Stelle des heutigen Haupte postamtes ein sogenanntes Zeugstadl, um 1540 befand es sich am Hohen Markt, später wurde es wegen Baufälligkeit aufgelassen und das Waffendepot in das Haus am Hof, wo heute das Zeughaus steht, gebracht. Es wird bereits 1562 urkundlich erwähnt. Seine jetzige Gestalt erhielt es aber erst unter Karl VI. Beim Umbau wurden in der Erde viele römische Münzen gefunden. Auch das Zeughaus birgt viele geschichtliche Erinnerungen. Schon in alten Zeiten herrschte Am Hof reges Leben; hier stand ja auch einst die alte Herzogsburg der Babenberger. Leider sah der Platz Am Hof manch grauenhafte Szene, denn hier fanden, wie auf anderen öffentlichen Plätzen, Hinrichtungen von Verbrechern statt. Eine seltsame Erlaubnis war alljährlich der Wiener Bäckers zunft gegeben, sie hatte bis zum Jahre 1848 das Recht, Am Hof öffentlich Kegel zu spielen. Alle zogen am Ostertag in blauem Frack, Dreispitz und perlgrauen Beinkleidern, in feierlichen Aufs zuge, von Musik begleitet, bis vor das Zeughaus, die Wache trat vor ihnen ins Gewehr und die Fahnen wurden ihnen zu Ehren geschwungen. Der Vorsteher, mit den Ersten der Zunft, begab sich von hier in die Hofburg, wurde vom Kaiser empfangen und reichte dem Monarchen im goldenen Becher den Ehrentrunk. 1740 gab es Am Hof ebenfalls ein Freudenfest, es war, als Kaiser Josef II. geboren wurde. Ein Freudentempel wurde auf diesem Platz errichtet, davor ein Brunnen aufgestellt und den ganzen Tag floß weißer und roter Wein aus demselben. Zur Zeit Maria Theresias und Kaiser Josefs gab es Am Hof auch sogenannte Abendserenaden, von Militärmusikkapellen ausgeführt. 1805 und 1809 versammelte sich vor dem Zeughause die Bürgermiliz und 1806 ließ Kaiser Franz I. seine Verzichtleistung auf die deutsche Kaiserkrone von hier verkünden. Im Jahre 1848 spielte das Zeughaus ebenfalls eine Rolle. Am 14. März wurde das Zeughaus erstürmt und jeder nahm sich die in die Hände fallenden Waffen; erst als einzelne Teile des Gebäudes zu brennen begannen, übernahm der Reichstag die Vermittlung. Am Hof fand im Jahre 1848 auch der unglückliche Graf Latour unter den Händen der aufständischen Menge den Tod. Die Waffen und auch der Kopf Kara Mustaphas wurden später in das städtische Museum übertragen. VII. Das Wiener Zeughaus am Hof ä*s*: 2 B «Wf ■■£;&\! &£“Ä; y,.tf ,^,- J ‘-, vjl "'. '^SPr*; SÄT fSF-feS sKg-C .:**¥?*$ - 2 ß 8 & ■Mim « Wm mm «ms* :-4 7 /-'^.? mti&x? i\ V. ^ 1 . ' . .-„.'V-fva*: MM »£&:»! T;v „öfei-.r'V r-*3- , «Ci,‘r > .«.A P . S,«S* 8 .' ■-**4 f: &:>: JTAiti iafV? äjsfiöS sSv5«Sf '"■■r&JSl'i wmmm V&t ! SäEÄ ggSstä*« HM’''-’*- '• SaU'-v X-i» 'rVWV -fcBaPr*3r ?■ v%*4äj 4-&#;^v€ f&..' -;£ £&&. <*rV£ aP*- ?®li jS.sOf VT.^r- ' '- y ; ; ? iVtl t*vx • •JS..'S_'. •Higf'J^ir »'S- " *8g«? SV '• •4S! : < *s&: 4? ».'ff'* J ' v ■j|9 as Haus Nr. 8 in der Wipplingerstraße ist das ehemalige ßMW alte Wiener Rathaus. Unsere heutigen Wiener kennen zu.* W meist nur unser neues prächtiges Rathaus, das mit seinen wS vielen Toren, Gängen, Höfen, Sälen und Treppen förmlich cuie kleine Stadt für sich bildet. Das alte Rathaus war bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts sehr klein, später wurde es bedeutend vergrößert, im Jahre 1780 kam das sogenannte „goldene Muschelhaus“, das früher kaiserliches Privateigentum war, hinzu. Einzelne Spitzbogenfenster erinnern noch an die älteste Zeit. Zwischen den Fenstern befinden sich Porträts in Medaillonform. Im Innern des alten Rathauses fällt uns vor allem ein prächtiges Kunstwerk ins Auge, das unser Bild zeigt, es ist ein Brunnen von Rafael Donners Künstlerhand geschaffen; die Brunnen* gruppe stellt die Befreiung der Andromache durch Perseus dar. Ein schönes Metallgitter umfaßt den Brunnen. Sehenswert ist im alten Rathaus der Rathaussaal mit präch^ tigen Stukkatur arbeiten und Fresken an den Wänden, ferner der Sitzungssaal im zweiten Stock, dessen Wände mit künstlichem Marmor bedeckt sind. Der Plafond weist die Embleme der Wiener Innungen, Künste, Industrie und Handel auf, in den Fenstern sind die Wappen der einzelnen Vorstädte Wiens gemalt. Interessant ist außerdem die alte Bürgerstube, ein viereckiger Raum, der mit Kreuzgewölben im Quadrat überdeckt ist. Hier wurde im Jahre 1671 Graf Nadasdy wegen Landesverrat enthauptet. Auch in ältesten Zeiten ist im Rathause mancher Kampf ausgefochten worden; wir lesen ja in der Geschichte der Stadt Wien den Tod der unglücklichen Bürgermeister Wolfgang Holzer und Konrad Vorlauf und ihrer Ratsherren. Noch sei erwähnt, daß die Wipplingerstraße ehemals unter den Wildwerkern (alter Ausdruck für Pelzhändler, die hier seßhaft waren) genannt wurde.